Sprachförderung - was kann
man zu Hause tun?
Julia Siegmüller
Logopädisches Institut für Forschung der GFE
an der EWS Rostock
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Ablauf des Spracherwerbs und
seiner Meilensteine 1
Unauffällige Kinder WBS:
1. Lebensjahr (Geburt bis 1. 1. Lebensjahr läuft generell ähnlich
Geburtstag) ab wie im ungestörten SE
Verstehen lernen: wie setze ich Problematisch eher die
Grenzen in den Sprachstrom, der Symbolentwicklung (Schnittstelle
mich umgibt? für den Wortschatzerwerb mit 9
Lebensmonaten)
Produzieren: Gurrlaute,
Vokalisierungen, erstes Lallen mit 6
Monaten, wichtige Lallphase ab
8./9. Lebensmonat
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Ablauf des Spracherwerbs und
seiner Meilensteine 2
Unauffällige Kinder WBS:
2. Lebensjahr (bis 2. Geburtstag) 1. Wort kann zeitgerecht kommen,
Zeitfenster dehnt sich jedoch bis
Verstehen lernen: Erwerb von ca. 30 zum 84. Lebensmonat;
Wörtern vor der ersten durchschnttl. 28. LM
Produktion, danach ca. weitere
300 Wörter Lernrate nach dem ersten Wort
Produzieren: 1. Wort 10.-15 LM; bis verlangsamt mit ca. 1 Wort auf 4-6
18.-24 LM ca. 1-2 Wörter pro Wochen; Verlängerung der
Woche, danach Beschleunigung langsamen Phase des
Worterwerbs
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Ablauf des Spracherwerbs und
seiner Meilensteine 3
Unauffällige Kinder WBS:
3. Lebensjahr (bis 3. Geburtstag) Gruppe nimmt an Heterogenität
zu, durchschnittliches
Verstehen lernen: Grammatik! Äußerungsalter des 1. Wortes
Flexible & komplexe Sätze
Je nach Einsatz der
Produzieren: Extremer Anstieg (Spurt)
Sprachproduktion kann die
des Wortschatzes (bis zu 12 Wörter/
Tag), Satzlänge von Einwortsatz zu Einwortphase überwunden werden
4-5Wortsatz und Hauptsatzstruktur,
Einige Kinder erreichen den Spurt
Einsatz der meisten Laute korrekt
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Ablauf des Spracherwerbs und
seiner Meilensteine 4
Unauffällige Kinder WBS:
4. Lebensjahr (bis 4. Geburtstag) Einwortphase wird von einem
Großteil der Kinder überwunden
Zeitmarkierungen, Plural, Kasus rückt
in den Fokus Lexikon steigt mit Überwinden der
Einwortphase stark an
Lautinventar vervollständigt sich
Ausspracheprobleme nehmen an
Dominanz zu
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Ablauf des Spracherwerbs und
seiner Meilensteine 5
WBS (bis 6. Geburtstag):
Wortschatz nimmt weiter stark zu,
weitere Kinder erreichen den Spurt
Grammatik entfaltet sich meist
relativ zügig
Lautsystem rückt langsam nach
(Achtung: Motorik kann behindern)
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Zeitfenster?
“Zeitfenster dehnen sich”
Spracherwerb = Teil der biologischen Entwicklung
Biologische Entwicklung = bestimmte Dinge werden unbewusst zu
bestimmten Zeiten im Leben gelernt; können nicht bewusst auf später
“verschoben” werden
Zeitfenster = die biologisch vorgesehene Zeitspanne für einen
bestimmten Erwerbszweig
Gesamtfenster für Spracherwerb: Geburt bis 5 Jahre/ Bei WBS: ab
Geburt bis 15 Jahre
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Schnittstellen?
“Schnittstelle für den Wortschatzerwerb”
= eigentlich unabhängige Entwicklungsbereiche interagieren
miteinander, um eine dritte Entwicklung zu starten
Bedingung: Beide Entwicklungsbereiche müssen zu einem
bestimmten Entwicklungspunkt weit genug vorangeschritten sein,
um aufeinanderzutreffen
Schnittstellen = neuralgische Punkte für Plateaus, Verzögerungen
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Wie funktioniert “Spracherwerb”
Es wirken zusammen:
angeborene (biologische) Fähigkeiten im Kind, die in jedem Kind
(auch WBS-Kinder) bereitstehen zur Verarbeitung von wichtigen
sprachlichen Reizen (Input)
Input aus der Umgebungssprache
Biologische Fähigkeiten im Kind legen Sprachkompetenz generell
an, machen das Kind für potentiell jede Sprache fit. Input
konzentriert das Kind auf seine Muttersprache(n)
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Input
Input ist der Motor der Muttersprachentwicklung
Kein Input: Kaspar Hauser
Input enthält alle Informationen, die das Kind braucht: Wörter,
Laute, Grammatik. Aber: Input enthält alle diese Informationen
auf einmal (und das ist auch gut so)
Das Kind geht einen universellen (auf der ganzen Welt gleichen)
Weg, die Informationen nach und nach zu entschlüsseln /
aufzunehmen
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Ich spreche in “Babysprache”...?
Babysprache = Motherese; intuitive Art den Input zu geben
gut für den Start des Spracherwerbs
Motherese beinhaltet viele Startinfos in größerer Prominenz (z.B.
die Betonung von Wörtern, so wird das Grenzen setzen einfacher)
langsamer Abbau des Motherese mit Entwicklungsalter 2 Jahre
(Kind überwindet die Einwortphase)
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Aufeinandertreffen von Input und
Sprachfähigkeit bei WBS
Start des Spracherwerbs: Verarbeitung der Input-Informationen
gelingt WBS-Kindern anscheinend langsamer
Schnittstellenproblematik lässt Plateaus entstehen, dadurch wenig
“Training” im Erkennen der wichtigen Informationen im Input
Mit Einsetzen der Grammatik ist “Knoten geplatzt”; Erkennen der
Informationen gelingt nun schneller
Sprachproduktion durch Phonologie gestört, Sprachverstehen
spiegelt eher die Sprachkompetenz wider
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Förderung nach
chronologischem Ablauf hilft!
zunächst Wortschatz: Wortverstehen vor Produzieren
nächstes wichtiges Thema: Überwinden der Einwortsätze
Zwischenthema: Das Lernen von Verben (Tätigkeitswörter): Ohne
Verben kann die Grammatik nicht über eine Zweiwortebene
hinaus!
Weiter bei der Grammatik bleiben! Bleibt Hauptthema bis zum
Hauptsatzerwerb
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Aussprache
Wichtiges Thema, jedoch nicht so stark an Zeitfenster gebunden
Kann etwas “geschoben” werden
Phonologie und Phonetik:
Phonologie: Lautinventar der Muttersprache lernen, wichtige
Grundfähigkeit für das Lesen und Schreiben
Phonetik: Motorische Umsetzung jedes Lautes. Unauffälliger Erwerb
zieht sich bis 6; letzte Laute sind SCH und S
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Also nun - was zu Hause?
Thema: Input!
Sprachmodell sein = Wichtige Dinge, die zu lernen sind in den
Aufmerksamkeitsfokus rücken
Interessant erscheinen lassen (für das Kind)
zeigen, kommentieren, dabei sehr häufig nennen!
Positives Feedback in Form von dialogischen Input geben. Kein
direktes Korrigieren!
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Wann welche Wörter?
• Verteilung des ersten Wortschatzes
Å Phasen der Wortartenentwicklung im frühen ungestörten Lexikonerwerb
Phase 1
Im frühen Lexikon dominieren personal-soziale Wörter (wie „ja“ und „nein“,
„hallo“), und relationale Wörter (z.B. „da“ „auch“), unter denen sich auch
Vorläufer des Verblexikons finden (Verbpartikel wie „auf“, „zu“). Außerdem treten
Lautmalereien sowie erste Nomen auf, die meist Personenbezeichnungen sind.
Phase 2
Die frühen Kategorien gehen zurück, während der Nomenanteil deutlich wächst
und auch der Erwerb von Verben einsetzt.
Phase 3
Weitere Ausdifferenzierung des Lexikons, außer einem weiteren von Verben und
Adjektiven steigen insbesondere die Funktionswörter an.
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Beispiel für die Wortschatzzusammensetzung zum Zeitpunkt der 50-Wort-Phase
Wortart Semantisches Feld Beispiele
Nomen Personen und Eigennamen (Oma, Papa...) Namen von
Familienangehörige Familienmitgliedern und Haustieren
Körperteile Arm, Bein, Gesicht, Nase....
Kleidungsstücke Rock, Hose, Pullover, Socken....
Spielzeuge Auto, Teddy, Ball....
Möbel/Teile des Hauses Tür, Fenster, Tisch, Bett....
Lebensmittel Milch, Apfel, Brot, Saft, Nudeln....
Verben Allgemeine Handlungen machen, tun, spielen
Bewegungen gehen, springen, laufen...
Zustände und schlafen, sitzen, gucken, hören...
Wahrnehmungen
objektbezogene Handlungen haben/wollen, essen, trinken, malen,
kochen, waschen, kaufen, schneiden....
Adjektive Eigenschaften, Merkmale heiß, kalt, kaputt, groß, schmutzig...
Sonstige personal-soziale Wörter bitte, danke, tschüss, hallo...
relationale Wörter da, auf, ab, auch
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Förderung wechselt zur
Grammatik
Sobald 50 Wörter im Wortschatz sind:
Wortschatz geht nun automatisch!
Grammatik soll im Fluss bleiben
Modellsätze ohne starres Vorsprechen in Inputsituationen
erstes Ziel: Nomen mit da/auch
danach: Nomen mit Verben
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Kaspar: Oh, Gretel, schau mal, ich habe da einen Apfel entdeckt!
Gretel: Da ist auch noch ein Apfel, und da auch! Da ist ein Apfelbaum!
Kaspar: Was ist da?
Gretel: Ein Apfelbaum. Da ist ein Baum mit Äpfeln.
Kaspar: Ich pflücke mir einen Apfel.
Gretel: Ich möchte auch einen Apfel haben.
Kaspar: Du willst auch einen Apfel? Soll ich dir einen pflücken?
Gretel: Da ist ein schöner Apfel! Und da ist auch ein ganz roter Apfel. Ich
möchte den Apfel da haben.
Kaspar: Da ist der Apfel für dich. Jetzt hast du auch einen Apfel.
Gretel: Danke. Der rote Apfel schmeckt so lecker!
Kaspar: Ich möchte auch einen roten Apfel. Siehst du noch einen da?
Gretel: Da ist noch ein grüner und da ist auch noch ein roter Apfel.
Kaspar: Dann pflücke ich mir den roten Apfel da.
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Umsetzung für zu Hause
Willst du einen Apfel haben?
Du willst auch einen Apfel haben?
Da hast du auch einen Apfel.
Du kannst auch einen Apfel haben.
Da hast du einen Apfel.
Weißte was? Ich esse auch einen Apfel.
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Fazit
Input verstärken um die schwächere Verarbeitung im Kind
auszugleichen
kein Auffangen einer großen Verzögerung allein zu Hause möglich!
Absprache mit Therapie, gleiche Wörter/Satzstrukturen zu Hause
auch anbieten
Ziel: Spracherwerb im Fluss halten. Förderung kann nicht
beschleunigen!
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