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E.T.A. Hoffmann: Der Sandmann: Übersicht Der Einheit 1 Aspekte Der Erschließung

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Erschließung und Interpretation narrativer Texte - Oberstufe

E.T.A. Hoffmann: Der Sandmann


Übersicht der Einheit
1 Aspekte der Erschließung
1.1 Inhaltlicher Aufbau
1.2 Zur Komposition der Erzählung - Die Struktur der Erzählung
1.3 Personenkonstellation
1.3.1 Beziehungsgefüge
1.3.2 Namengefüge
1.4 Das Motivgefüge
1.5 Zur Erzählperspektive
1.6 Zur Sprache und zum Stil der Erzählung
2 Aspekte der Deutung
2.1 Thematik des Wahnsinns
2.1.1 Biographische Querverweise
2.1.2 Theorien über den Wahnsinn
2.2 Nathanaels Prozess des Wahnsinnigwerdens
2.3 Das Unheimliche
2.4 Das Problem des Sehens
2.5 Aufklärung und Romantik
2.6 Exkurs: Der Sandmann und die Romantik
2.7 Pygmalion und Narziss
2.8 Künstlerproblematik
3 Lernzirkel

1 Aspekte der Erschließung

1.1 Inhaltlicher Aufbau


1.1.1 Nathanael an Lothar: Das wiedererweckte Kindheitstrauma (Brief)
1.1.2 Clara an Nathanael: Rationale Erklärung der Begebenheiten (Brief)
1.1.3 Nathanael an Lothar: „Ganz beruhigt bin ich nicht.“ (Brief)
1.1.4 Der Erzähler an den Leser
1.1.5 Das Paar Nathanael und Clara: Eine gefährdete Beziehung
1.1.6 Nathanael und Olimpia: Die Liebe zum Automatenmensch
1.1.7 Der Erzähler an den Leser
1.1.8 Rückfall in den Wahnsinn und Tod Nathanaels

1.2 Zur Komposition der Erzählung - Die Struktur der Erzählung


Zwei Welten, die Claras und des Sandmannes stehen sich gegenüber und bestimmen die
Struktur der ganzen Erzählung.
Nathanael lebt im Spannungsfeld beider Welten, in der Welt des Bürgerlichen, der Ver-
nunft wie in der Welt des Dämonischen. Beide Welten durchdringen einander. Das Rät-
selhafte und Unheimliche verschwindet gerade nicht, wenn es auf die Normalität des All-
tags zurückgeführt wird. Im Gegenteil: das Entsetzliche kommt aus der Alltagswirklichkeit.
Andererseits wird auch das Wunderlich-Absonderliche ‘Wirklichkeit’.

1.3 Personenkonstellation
1.3.1 Beziehungsgefüge
Nathanael - Coppelius/Copolla
Nathanael - Olimpia: romantische Liebe
Nathanael - Clara: bürgerliche Beziehung

! Willy Proschek 1
Erschließung und Interpretation narrativer Texte - Oberstufe
Diese Konstellationen wirken ineinander, spiegeln sich, bilden Kontraste.
So bewirkt etwa das Auftauchen des Coppelius eine Verdüsterung des Bildes von Clara.

1.3.2 Namengefüge
Prof. Spalanzani: Naturforscher, Arbeiten über künstliche Befruchtung
Cagliostro: betrügerischer Abenteurer
Nathanael: hebr. = Gott hat gegeben,
griech. Theodor = [Link] A. Hoffmann
Lothar: der Kämpferische (Verweis auf Duell)
Clara: Helle, Klare, Vernünftige
Olimpia: vom Olymp kommend? Ein Automat (künstliches Wesen)!
Coppelius, Copolla: ital. Coppo = Augenhöhle,
copplare = einschmelzen, copula = Verbindung

1.4 Das Motivgefüge

! Motiv der Augen in der Sandmannmetaphorik:


Nicht schlafen wollenden Kindern wird Sand in die Augen gestreut und ihnen somit das
Sehen verwehrt. Der Sandmann gilt sowohl als düsteres Schreckensgespenst als auch in
seiner Diminutivform als ‘Sandmännchen’ als verniedlichendes Bild für Kinder.
In der Erzählung will der Sandmann - in der Geschichte der Kinderfrau - die Augen Na-
thanaels rauben.
Ebenso droht N. das Sehvermögen zu verlieren:
- in der nächtlichen Experimentierszene (45),
- in Nathanaels Gedicht (59f),
- bei der Angst Nathanaels vor den Brillen und beim der Kauf des Perspektivs (63f),
- bei der Zerstörung der Puppe Olimpia (73f),
- in der Turmszene (77).

! Motiv des Blickes


Die Blicke von Personen haben eine besondere Auswirkung auf die Umwelt.
Die Augen besitzen dabei eine doppelte Funktion:
- eine physische: Sie dienen der Wahrnehmung der Außenwelt (1. Augenpaar)
- eine psychische: Inneres dringt nach Außen, Empfindungen der Seele werden
zu Blicken (2. Augenpaar).

! Motiv des Lachens


- Claras Lachen: ‘Feines ironisches Lächeln’ (57) als Zeichen ihrer
Verstandesbezogenheit
- Nathanael fürchtet Claras Lachen als Zeichen ihres Unverständnisses.
Er will nicht ausgelacht werden (40).
- Das Lachen der Teegesellschaft über Olimpia und Nathanael (67) ist mehr
das spöttische Lachen einer unnatürlichen Zwangsgemeinschaft.
- Das Lachen des Coppelius ist eher als ‘teuflisches Lachen’ (43) zu deuten
oder als zynisch vorauswissendes Lachen (78).

1.5 Zur Erzählperspektive


! Die Erzählung beginnt unmittelbar mit einem Briefwechsel, also erzählerlos.
Die in der Ich-Perspektive gehaltenen Briefe vermitteln den Eindruck der Authentizität.

! Der Erzähler reflektiert daraufhin drei Modelle des Erzähleinsatzes, welche für sich ge-
nommen eine Einengung des vom Autor intendierten Wirklichkeitsverständnisses bedeu-
ten würden:
! Willy Proschek 2
Erschließung und Interpretation narrativer Texte - Oberstufe
- Märchenbeginn: Fiktion des Wunderbaren, Irrealen
- objektiv - berichtend: ‘Realistischer’ Stil
- subjektive Perspektive

Der Erzähler hält sich alle drei Möglichkeiten offen. Distanz und Nähe zum Erzählten
wechseln sich ab, je nach Intention: Mal rückt das Wunderliche, mal das Realistische, mal
das Subjektive in den Vordergrund.

! Ähnliches gilt auch für Erzählhaltung.


Der Autor spielt mit dem Leser, indem er den Erzähler einmal als auktorialen, allwissen-
den Erzähler auftreten lässt, der als verlässliche Instanz den Leser zu führen vermag, auf
der anderen Seite überlässt er den Leser der subjektiven Perspektive des Nathanael
(personale Erzählhaltung). Der Leser weiß nicht mehr, an wen er sich wenden soll, er ist
gleichsam führungslos und dem Erzählspiel des Autors ausgeliefert. Subjektive Nähe zu
Nathanael, ein sich Identifizieren mit ihm, und ein sich Lösen von ihm wechseln sich in ei-
nem z. T. ironischen Spiel ab. Zudem ist nicht immer eindeutig unterscheidbar, wann der
Autor Distanz oder Nähe zum Erzählten sucht.

! Die sich zweimal in der Erzählung wiederholenden Leseranreden (nach den drei Brie-
fen sowie nach der Olimpiaepisode (74)) wähnen den Leser in der Lage des allwissenden
Kollegen des Erzählers. Sie haben, was den Gang der Handlung angeht, eine retardie-
rende entspannende Funktion. Durch diese unmittelbaren Leseranreden zerstört der Au-
tor dessen Illusion, es handle sich um eine reale oder fiktive, märchenhafte Begebenheit.
Dichtung wird als künstliches Arrangement aufgefasst und auch demonstriert. Dennoch
verrät der Erzähler seine innere Nähe zu Nathanael und will auch, dass sich der Leser als
‘Herzensbruder’ auf den Helden der Erzählung einschwört.

1.6 Zur Sprache und zum Stil der Erzählung


Der Sprachduktus der Erzählung ist geprägt durch den Wechsel zweier verschiedener
Stillagen.
- Unmittelbare, szenisch - dramatische Darstellungen in Form von wörtlichen Reden, oft
auch nur Satzfetzen oder Ausrufe (Personenreden) nehmen den Leser gefangen,
vermitteln eine große Nähe zur erzählten Welt (Illusion). (72f)
- Mittelbare Darstellung: Der Erzähler tritt aus dem Geschehen heraus (74). Mit Erzähler
berichten, Einblenden wird die illusionäre Gegenwärtigkeit des Geschehens
durchbrochen. In hypotaktischen Satzkonstruktion gibt der auktoriale Erzähler sei-
nen distanzierten Standpunkt zur erzählten Welt kund. Zuweilen tauchen auch iro-
nische Untertöne auf.

2 Aspekte der Deutung

2.1 Thematik des Wahnsinns


2.1.1 Biographische Querverweise
Tagebüchereintragungen und Aussagen von Zeitgenossen Hoffmanns belegen, dass der
Autor Gefahr lief, selbst wahnsinnig zu werden. Die Vielzahl an literarischen Spiegelungen
dieses Prozesses untermauert diese Vermutung. Durch Studien von Gerichtsakten schi-
zophrener Delinquenten hatte Hoffmann als gelernter Jurist Einsicht in die Genese des
Wahnsinns.

2.1.2 Theorien über den Wahnsinn


! Mystische Ursachen: göttliche Strafe, Einwirken des Teufels

! Willy Proschek 3
Erschließung und Interpretation narrativer Texte - Oberstufe
! Biologische Störung: Krankheit des Gehirns, der Nerven. Symptome: Gedächtnisver-
lust, fehlendes moralisches Urteilsvermögen, melancholische Zustände, verworre-
nes Reden, Zittern..., Zwangsjacken, Schocktherapien, Blutaustausch
als Therapien
! Psychische Ursachen: Negative Kindheitserlebnisse kommen zum Ausbruch, affekti-
ve Störungen
Große Angst vor einer Ansteckung!
Schutz: Mäßigkeit im Trinken, Essen, Sex., Vermeidung des Grübelns...

2.2 Nathanaels Prozess des Wahnsinnigwerdens


1. Auftauchen des Copolla und Erinnerung an Coppelius
2. düstere Träumereien
3. erster Wahnsinnsanfall
4. Realitätsverlust
5. Gesundung durch Dichtung, Schreiben als Therapie
6. Wahnsinnsanfall und Selbstmord

Spuren des Wahnsinns: ‘Da packte ihn der Wahnsinn mit glühender Kraft’ (38) Zerstörung
der Puppe Olimpia Verwirrungen, Formen der Persönlichkeitsspaltung, Realitätsverlust,
Aggressionen, Selbstzerstörung
Wie geht es dem Leser? Eine klare Trennlinie zwischen den Bereichen der Vernunft und
des Wahnsinns ist schwer zu ziehen. Ist Nathanael selbst schuld, weil in seinem Inneren
an dämonische Mächte glaubt?
Wirken äußere Kräfte auf ihn ein, die ihn wahnsinnig werden lassen?
Ist Wahnsinn nicht eine Form des Wahrsinnes, der Fähigkeit, Dinge tiefer zu sehen als
normale Menschen? Ist Wahnsinn nicht eine Form der Verrücktheit des Künstlers, wel-
cher in seiner poetischen Inspiration irreale Welten erschafft? Nachbarschaft zwischen
Künstlertum und Wahnsinn!

2.3 Das Unheimliche


Hoffmann gilt als Meister des Unheimlichen.
Etwas Feindliches, Gefährliches, Bösartiges begegnet einem Menschen.
Aus Vertrautem wird oft etwas Fremdes, Dämonisches, das uns mit Entsetzen und Grau-
sen reagieren lässt. Für Nathanael ist die Begegnung mit Copolla ‘unheimlich’ (39). Et-
was, was anfänglich unverfänglich, harmlos erscheint, enthüllt plötzlich etwas Fremdes,
das feindlich, schrecklich und bösartig auf N. wirkt. Was N. als unheimlich erfährt, ist stets
der unerwartete Umschlag einer Situation ins Feindlich-Dämonische, und dieses Erleben
stürzt ihn in Grausen und Entsetzen. Unheimlich ist für N., dass Personen und Dinge nicht
so sind, wie sie erscheinen, sondern dass sich seinen schlimmsten Befürchtungen erfül-
len, Wirklichkeit werden.
Der Leser schwankt hin und her bei der Frage, ob er das, was N. als unheimlich empfin-
det, ebenso nachempfinden soll. Die Erzählstrategie lässt den Leser im Ungewissen. Ein-
mal wird der Leser auf eine bestimmte Deutung und Sehweise fixiert, doch kaum hat er
dies getan, wird ihm diese Verstehensmöglichkeit wieder genommen. Der Leser verliert
die Sicherheit des Urteils, der Eindruck des Unheimlichen steigert sich.

2.4 Das Problem des Sehens


"Leitmotiv der Augen (der Brillen, des Fernrohres) > enger Bezug zur Frage der Wirk-
lichkeitserfassung, des Sehens. Inneres Schauen versus äußeres Schauen.
Auge als passiver Spiegel und aktives Erkenntnisorgan.
"Der Mensch kann sehen, denken und fühlen, der Automat, die künstliche Puppe Olim-
pia, nicht, ihm fehlt der Ausdruck des Blickes, die Seele (53). Ihre Augen haben
etwas Starres, keine Sehkraft.
! Willy Proschek 4
Erschließung und Interpretation narrativer Texte - Oberstufe
"Das Sehvermögen gilt als wichtigstes menschliches Wahrnehmungsorgan. Nathanael
hat Angst vor dem Verlust der Augen, des Sehvermögens. In einer Gesellschaft, in
der praktische Lustbefriedigung durch Anfassen (‘Fass das nicht an!’) verwehrt
bleibt, kommt dem Augengenuss eine besondere Rolle zu. Die optische Wahrneh-
mung kompensiert latentes Lustverbot. Durch das Perspektiv werden Hemm-
schwellen aufgehoben, die Selbstzensur an Wünschen und Begierden
aufgehoben. Nathanael kann ungeniert die zulässige Blickdauer überschreiten.
"Aus dem Blick wird Gesang und Klang und beide Vorgänge werden mit dem Inneren
verwoben (Synästhesie = Vermischung akustischer und optischer Eindrücke).
"Wahrnehmungsvorgang:
1. Anblick der Figur
2. Gebannt sein, Bewegungslosigkeit
3. Erneutes Schauen
4. Infragestellung des Gesehenen (Als-ob-Konstruktionen)
5. Umschlag ins Grauen
Insgesamt wird im Sandmann die Selbstsicherheit der menschlichen Erkenntnis in Frage
gestellt.

2.5 Aufklärung und Romantik


Gegensatz Aufklärung - Romantik = Irrationalismus - Verstandeskultur.
Im Sandmann sind beide Perspektiven gegenübergestellt, vermischt und kritisiert.
Beide Perspektiven sind durch Clara und Nathanael personifiziert.

"Nathanael:
Nathanael gilt als Extremfall romantischer Weltsicht. Er ist ein sensibler, phantasiebegab-
ter Mensch, der für alles Wunderbare empfänglich ist. Seine Gefühlseindrücke verdichten
sich zu einer inneren Bilderwelt, Imagination und Wirklichkeit geraten durcheinander. Er
verfügt allein über ein poetisches Gemüt, er allein kann ‘sehen’, alle anderen sieht er als
prosaische Menschen an. N. Gefühlsleben kennt nur das Extreme: der teuflische Coppel-
lius, die herrliche, himmlische Frau (Olimpia), das süße, liebliche Engelsbild (Clara).
N. romantischer Subjektivismus verfestigt sich zunehmend und zeigt die einzelnen Sta-
dien des Wirklichkeitsverlustes bis hin zur Selbstzerstörung getreulich nach. Dies zeigt
sich auch in der Beziehung zu Clara: Clara ist für N. ein guter Geist, ein wichtiger Orien-
tierungspunkt in seinem Leben. Dann ändert sich seine Beziehung zu Clara: Sie wird ihm
immer fremder, er kann ihre Kritik an seinem Wirklichkeitsverständnis nicht länger ertra-
gen. Sie wird zu einem ‘verdammten leblosen Automat. Der Autonomie seines Ichs fallen
alle Freundschaftsbande zum Opfer. Er isoliert sich zunehmend. Im Automaten Olimpia
kann er ungestört sein eigens Ich gespiegelt sehen.

"Clara:
Clara steht für den aufklärerischen Verstandesmensch. Sie verfügt über den wahren, auf-
richtigen Blick für die Außenwelt, ist heiter, sorglos und unbefangen. Das Innere und die
Außenwelt können harmonisch in Einklang gebracht werden. Sie gilt als prosaisch, ge-
fühlskalt. Pragmatisch - bürgerliche Lebenshaltung. Der Leser identifiziert sich zumindest
anfangs zunehmend mit der Position Claras. Sie allein vermag ihn zu führen, ihn zu über-
zeugen. Dennoch ist sie nicht fähig mit ihrem Harmoniebedürfnis auf N. einzuwirken. Ihre
optimistische Weltsicht wird widerlegt.

Im Sandmann wird die tragische Verflechtung von extremem Subjektivismus, Künstlertum


und Wahnsinn aufgezeigt. Das Perspektiv als Symbol der gegenseitigen Durchdringung
von Aufklärung und Romantik.
- Instrument der Aufklärung: das Ich sieht die Welt > Objektiv
- Instrument der Romantik: Traumwelt wird Realität > Subjektiv
! Willy Proschek 5
Erschließung und Interpretation narrativer Texte - Oberstufe
# Appell an den Leser, sein Wirklichkeitsverständnis zu prüfen.

2.6 Exkurs: Der Sandmann und die Romantik


1817 erschienen, Goethes Äußerung über Hoffmann: !Wir müssen uns von diesen Raser-
ein lossagen, wenn wir nicht selbst toll werden wollen.“ Das Klassische = das Gesunde,
das Romantische = das Kranke.
Hoffmann war in der Publikumsgunst weit vor Goethe (Neid?)
Hoffmann als Vertreter der sogenannten ‘Schauerromantik’: Unterhaltungsschriftsteller,
Schauerromane, Elixiere des Teufels, gothic novels = Schauergeschichten, Das Unheim-
liche, Dämonische wird trivialisiert: Mordszenen, dunkle, geheimnisvolle Ruinen, Be-
schwörungsrituale...
Mensch ist einer dämonischen Macht ausgesetzt (Fatalismus)
3 Seinsweisen des Menschen: Wahnsinniger (keine Außenwelt)
Philister (gehorcht Außenwelt)
Künstler (erfährt Dualismus als existentielle Gefährdung)

2.7 Pygmalion und Narziss


Die Olimpiaepisode als grotesker Höhepunkt zeigt die geistige Verwirrtheit Nathanaels.
Der romantische Liebesbegriff wird ad - absurdum geführt. Anlehnung an griechische Sa-
ge von Pygmalion (Ovid Metamorphosen): Er schafft sich eine weibliche Statue und ver-
liebt sich in sie. Aphrodite belebt die Figur und beide schließen die Ehe.
Ebenso an die Sage von Narziss: Der Sohn des Flussgottes Kephissos weist die Liebe
zur Bergnymphe Echo zurück. Er wird deswegen von Aphrodite mit Selbstliebe gestraft
und verliebt sich in sein Spiegelbild beim Trinken an einer Quelle. Er muss riesige Qualen
erdulden, bis er in die Blume Narzisse verwandelt wird. N. liebt Olimpia als Spiegel seiner
selbst (extreme Ich - Bezogenheit)

2.8 Künstlerproblematik
Mittelpunkt der Erzählung! Künstler als unverstandener, an sich und der Welt Leidender,
ein in sich zerrissener, tragisch isolierter Außenseiter. Dichtung als Versuch, psychische
Vorgänge zu verarbeiten, therapeutische Funktion, Kunst als Gestaltung und Bewältigung
individueller Ängste. Künstler will in Bereiche des Irrationalen, Unbewussten vorstoßen.
1. Darstellungsproblem: Wie kann das Innere nach Außen gebracht werden? Visionäre
Bilderwelt!
2. Mitteilungsproblem: Wie kann diese Bilderwelt mitgeteilt werden? Clara kann ihn nicht
verstehen, Olimpia ist nur als Spiegel seiner Selbst zu werten.
3. Existenzproblem: Isolierter Blick auf die Innenwelt > Verlust des Bezuges zur Außen-
welt. Vereinzelung, Vereinsamung, Selbstverfallenheit als Folgen des poetischen
Schaffens.

3 Lernzirkel
Die genannten Gesichtspunkte können als Lernzirkel erarbeitet werden. Inhaltlich bezieht
sich der Lernzirkel auf: Giese, Peter Christian: Lektürehilfen E.T.A. Hoffmann „Der
Sandmann“, 4. Auflage - Stuttgart; Dresden: Klett, Verlag für Wissen und
Bildung, 1995.
Der Lernzirkel wird daher nur von der Anlage her gezeigt. Die inhaltlichen Ergänzungen
müssten der Lernhilfe entnommen werden. Aus Gründen des Copyrights können Sie nicht
ins Netz gestellt werden.

Anlage des Lernzirkels:

! Willy Proschek 6
Erschließung und Interpretation narrativer Texte - Oberstufe

Lernzirkel zu E.T.A. Hoffmanns Novelle


„Der Sandmann“
$ Der Lernzirkel umfasst im Ganzen 13 Stationen.
$ Nach der gründlichen Lektüre und Analyse der Texte sollen die Exzerpte in die
Handouts eingetragen werden.
$ Auf dem Deckblatt sollen die bearbeiteten Stationen abgehakt werden.
$ Es gilt als Nachweis für die geleistete Arbeit und kann durchaus prüfungsrelevant sein.

Stationen Themen Datum


Station 1 Biographie von E.T.A. Hoffmann
Station 2 Zur Struktur der Erzählung
Station 3 Zur Personenkonstellation
Station 4 Das Gefüge der Namen
Station 5 Das Motiv der Augen
Station 6 Das Problem des Sehens
Station 7 Das Motiv des Lachens
Station 8 Clara
Station 9 Nathanael
Station 10 Das Perspektiv
Station 11 Der Wahnsinn
Station 12 Das Unheimliche
Station 13 Gestörte Kommunikation

! Willy Proschek 7
Erschließung und Interpretation narrativer Texte - Oberstufe

Station 1 Biographie von E.T.A. Hoffmann

Die jeweiligen Inhalte sind aus den Lektürehilfen nachzutragen oder eigenständig zu erar-
beiten.

Station 2 Zur Struktur der Erzählung

Station 3 Zur Personenkonstellation

Station 4 Das Gefüge der Namen

Station 5 Das Motiv der Augen

Station 6 Das Problem des Sehens

Station 7 Das Motiv des Lachens

Station 8 Clara

Station 9 Nathanael

Station 10 Das Perspektiv

Station 11 Der Wahnsinn

Station 12 Das Unheimliche

Station 13 Gestörte Kommunikation

! Willy Proschek 8

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