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Die Rechte Der Kinder: Von Logo! Einfach Erklärt

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Die Rechte der Kinder

von logo! einfach erklärt

1
Impressum:
Herausgeber:
Bundesministerium
für Familie, Senioren, Frauen
und Jugend
Referat Öffentlichkeitsarbeit
11018 Berlin
[Link]

Bezugsstelle:
Publikationsversand der Bundesregierung
Postfach 48 10 09
18132 Rostock
Tel.: 030 182722721
Fax: 030 18102722721
Gebärdentelefon: gebaerdentelefon@[Link]
E-Mail: publikationen@[Link]
[Link]

Für weitere Fragen nutzen Sie unser


Servicetelefon: 030 20179130
Montag–Donnerstag 9–18 Uhr
Fax: 030 18555-4400
E-Mail: info@[Link]

Einheitliche Behördennummer: 115*

Artikelnummer: 5BR156
Stand: Dezember 2017, 3. Auflage
Druck: Bonifatius GmbH, Paderborn

Redaktion: Eva Radlicki


ZDF HR Kinder und Jugend,
Redaktion Information/logo!
55100 Mainz

Text: Benno Schick, Andrea Kwasniok, Nadja Stein

Titelgestaltung und Satz: ZDF/3sat Grafik


Illustrationen: ZDF/logo!
Fotos: ZDF

Produktion, Herstellung:
Der Nachdruck von Fotos, Illustrationen und
Texten, auch auszugsweise, bedarf der ausdrücklichen Zustimmung
des Herausgebers.

* Für allgemeine Fragen an alle Ämter und Behörden steht Ihnen auch die einheitliche
Behördenrufnummer 115 zur Verfügung. In den teilnehmenden Regionen erreichen Sie die 115
von Montag bis Freitag zwischen 8.00 und 18.00 Uhr. Die 115 ist sowohl aus dem Festnetz als auch
aus vielen Mobilfunknetzen zum Ortstarif und damit kostenlos über Flatrates erreichbar. Gehörlose
haben die Möglichkeit, über die SIP-Adresse 115@[Link] Informationen zu
erhalten. Ob in Ihrer Region die 115 erreichbar ist und weitere Informationen zur einheitlichen
Behördenrufnummer finden Sie unter [Link]

Diese Broschüre ist Teil der Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung; sie wird kostenlos abgegeben
und ist nicht zum Verkauf bestimmt.

2
Inhalt
Vorwort 7
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

I. Einleitung 9
Was ist die Kinderrechtskonvention? 9
Wie ist die Kinderrechtskonvention entstanden? 10
Wo gilt die Kinderrechtskonvention? 11
Für wen gilt die Kinderrechtskonvention? 13
Wie können Kinder Hilfe bekommen? 14
Was steht in der Kinderrechtskonvention? 16

II. Die Rechte der Kinder 17


1. Gleiche Rechte für alle Kinder 17

2. Recht auf Fürsorge 22


Recht auf Leben 22
Wer bin ich? 22
Meine Eltern und ich 23
Trennung 25
Adoption 28
Hilfe zum Leben 30

3. Private Rechte 33
Privatsphäre und Briefgeheimnis 33
Sport, Spiel und Ruhe 34

4. Öffentliche Rechte 36
Bildung 36
Glaube 38
Meinung 40
Information 41

3
4
5. Schutz vor Ausbeutung und Gewalt 42
Kinderarbeit 43
Sexuelle Gewalt und sexuelle Übergriffe 46
Misshandlung durch Eltern 48
Kinder im Krieg 50
Kinder als Flüchtlinge 52
Kinder und Drogen 55
Kinder als Straftäter 57

Sicher habt ihr bemerkt … 60

III. Schnellmerker 61
10 wichtige Kinderrechte

IV. So kümmern sich Kinder


um ihre Rechte 63
Persönliche Rechte 63
Politische Rechte 64

V. Vertragstexte: 71
Übereinkommen über die Rechte des Kindes
und Zusatzprotokolle (Fakultativprotokolle)

5
6
Vorwort

Liebe Kinder, liebe Jugendliche,

das Übereinkommen über die Rechte des Kindes, die Kinderrechtskon-


vention, wurde am 20. November 1989 von den Vereinten Nationen
beschlossen. Damit wurden die Rechte von Kindern und Jugendlichen,
eure ganz besonderen Rechte, im Völkerrecht verankert. Im Völker-
recht verständigen sich Staaten auf die Regeln, die überall auf der
Welt gelten sollen, also in ganz unterschiedlichen Ländern. Dass die
Kinderrechte dort ihren Platz gefunden haben, ist ein toller Erfolg
für alle Kinder auf der Welt.

Die Broschüre „Die Rechte der Kinder von logo! einfach erklärt“ zeigt
euch, was Kinderrechte genau bedeuten und wann sie eine Rolle spie-
len. Sie erklärt an verschiedenen Beispielen und kleinen Geschichten,
was sich alles hinter einzelnen Rechten, wie zum Beispiel dem Recht
auf Fürsorge oder Beteiligung, verbirgt. Es ist wichtig, dass ihr eure
Rechte kennt. Nur dann könnt ihr euch auch dafür einsetzen und etwas
sagen, wenn eure Rechte nicht beachtet werden.

Aber auch für Erwachsene ist es wichtig, die Kinderrechte zu kennen.


Schließlich müssen sie bei Entscheidungen, die euch betreffen, eure
Interessen und besonderen Rechte berücksichtigen. Daher setzt sich
das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend da-
für ein, dass die Kinderrechte bekannt sind. Denn Kinderrechte ver-
bessern die Bedingungen, unter denen Kinder und Jugendliche leben.
Dass alle Kinder in Deutschland gut aufwachsen können, ist ein wich-
tiges Ziel des Bundesjugendministeriums.

Euer
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

7
8
I. Einleitung

Was ist die Kinderrechtskonvention?


Kinder haben Rechte!
Kinder haben zum Beispiel das Recht, in Frieden zu leben, gut ver-
sorgt zu werden, in die Schule zu gehen und persönliche Geheimnisse
zu haben. Doch nicht immer werden diese Rechte beachtet.

Die zehnjährige Samira ist aus ihrer Heimat geflo-


hen, weil es dort Krieg und Gewalt gab. Der acht-
jährige João muss Geld zum Leben verdienen und
putzt deshalb stundenlang Schuhe von anderen
Leuten. Die 13-jährige Lena darf nicht zur Jugend-
feuerwehr, weil sie ein Mädchen ist. Der vierjähri-
ge Marcel muss in einer Pflegefamilie leben, weil
sich seine Mutter nicht um ihn kümmern kann.
Und die zwölfjährige Anna ärgert sich, weil dau-
ernd jemand heimlich ihre Briefe liest. Fünf Kin-
der, fünf sehr unterschiedliche Situationen. Für
alle fünf gibt es besondere Kinderrechte, die sie
in ihrer Situation schützen und stärken sollen.

Damit in Zukunft die Rechte von allen Kindern weltweit möglichst


eingehalten werden, haben Politiker und Experten fast aller Staaten
der Welt einen Vertrag über die Kinderrechte geschlossen. Das war
am 20. November 1989. Dieser Vertrag heißt Kinderrechtskonvention.

9
Wie ist die Kinderrechtskonvention entstanden?
Das Jahr 1979 war auf der ganzen Welt das „Jahr des Kindes“. Deshalb
hat die Regierung des Landes Polen in diesem Jahr vorgeschlagen, in
den Vereinten Nationen eine Kinderrechtskonvention zu entwickeln.

Die Vereinten Nationen ist eine Organisation, in der fast alle Staaten
der Welt mitmachen. Sie setzt sich für Frieden und gegen die Armut
ein. Die Vereinten Nationen heißen auf Englisch „United Nations“ und
werden daher in diesem Buch mit UN abgekürzt.

In den Vereinten Nationen sind viele sehr unterschiedliche Länder


vertreten. Sie haben ganz verschiedene Ideen darüber, welche Rechte
für Kinder besonders wichtig sind. Einig waren sich die Länder nur
darüber, dass die Kinder spezielle Grundrechte erhalten sollen. Wie
aber diese Grundrechte aussehen sollten, darüber gab es viele ver-
schiedene Ansichten.
In den Vereinten Nationen konnten die Vertreter der verschiedenen
Staaten zum Beispiel zunächst nicht klären, welche ganz speziellen
Rechte Kinder haben sollten. Einige Staaten verlangten mehr Kinder-
rechte. Doch viele arme Staaten waren dagegen, weil manche Kinder-
rechte ganz schön teuer sind – zum Beispiel Schulen für alle zu bauen.
Dafür haben viele arme Länder kein Geld.

10
Insgesamt dauerten die Verhandlungen über die Kinderrechte in den
Vereinten Nationen zehn Jahre lang! Allerdings haben sich die Ver-
treter der Staaten auch nur einmal im Jahr getroffen. 1989 war der
Vertrag dann endlich fertig.

Aber dabei ist es nicht geblieben: Experten meinten, dass einige


wichtige Dinge in der Kinderrechtskonvention fehlen. Deshalb gibt es
mittlerweile drei Zusatzprotokolle, also Ergänzungen zum ursprüng-
lichen Vertrag: Die ersten beiden Zusatzprotokolle stammen aus dem
Jahr 2000, das dritte gibt es seit 2011. In diesen Zusätzen sind wei-
tere wichtige Kinderrechte und ein Beschwerdeverfahren für Kinder
aufgeschrieben.

Ich fände es gut, wenn die


Kinderrechte auf der ganzen
Welt eingehalten werden
würden. (Manuel, 9)

Wo gilt die Kinderrechtskonvention?


Damit die Kinderrechtskonvention in einem Staat wirklich gilt,
müssen zuerst die Verantwortlichen in diesem Staat zustimmen. In
Deutschland zum Beispiel mussten die Politiker des Parlaments, also
des Bundestags, darüber abstimmen. Und das haben sie auch getan:
Sie haben zugestimmt, dass die Kinderrechtskonvention seit dem
5. April 1992 in Deutschland gilt.

11
Inzwischen haben 193 Staaten der Kinderrechtskonvention zugestimmt.
Das sind fast alle Staaten der Welt – alle außer Somalia, Südsudan
und die USA. Somalia ist so zerstört von Kämpfen und Kriegen, dass
lange keine Regierung da war, die der Kinderrechtskonvention zu-
stimmen konnte. Der Südsudan wurde erst 2011 neu gegründet. Beide
Staaten haben aber Ende 2013 angekündigt, dass sie die Kinderrechts-
konvention bald unterschreiben wollen. Und in den USA hat das Parla
ment bisher noch nicht zugestimmt. Einige US-amerikanische Politiker
befürchten offenbar, dass zum Beispiel die Rechte der Eltern zu sehr
eingeschränkt würden.

Die Kinderrechtskonvention gilt für etwa zwei Milliarden Mädchen und


Jungen! So viele Kinder leben in den 193 Staaten, die zugestimmt haben.

An einigen Stellen ist das, was in der Kinderrechtskonvention steht,


ein bisschen ungenau. Deshalb sind zusätzliche Regelungen der Staa-
ten nötig. Zum Beispiel steht in der Kinderrechtskonvention, dass
armen Kindern geholfen werden soll, damit sie genug zum Anziehen
und zum Essen haben. Wie aber genau diese Hilfe aussieht, das steht
nicht in der Kinderrechtskonvention. Das müssen sich Politiker und
Experten in jedem Staat selbst überlegen und dann genau festlegen.
Oft müssen also noch Regeln und Gesetze des Staates extra für Kin-
der geändert werden. Dazu sind die Staaten verpflichtet, sobald sie
der Kinderrechtskonvention zugestimmt haben.

12
Für wen gilt die Kinderrechtskonvention?
Wie alt oder besser jung muss ein Mensch sein, damit er ein Kind ist
und von der Kinderrechtskonvention geschützt wird? Das ist in der
Kinderrechtskonvention (Artikel 1) festgelegt. Dort steht: Normaler-
weise gelten Menschen bis 18 Jahre als Kinder. Eine Ausnahme gibt es
aber: Wenn ein Land festlegt, dass bei ihm Menschen schon früher als
Erwachsene gelten.

Jeder Staat legt fest, bis zu welchem Alter seine Menschen Kinder
sind. In den deutschen Gesetzen zum Beispiel heißt es, dass Menschen
mit 18 Jahren volljährig, also erwachsen, werden. Kinder sind hier
also diejenigen, die unter 18 Jahre alt sind. Anders ist es zum Beispiel
in dem asiatischen Land Nepal: Dort ist ein Mensch schon mit 15 Jah-
ren nicht mehr Kind und wird deshalb auch nicht mehr von der Kinder-
rechtskonvention geschützt.

Das ist zwar ungerecht, aber viele ärmere Staaten hätten eine andere
Regelung nicht unterschrieben. Sie sagen, dass sie es sich nicht leis-
ten können, alle Menschen bis zum Alter von 18 Jahren so zu schützen,
wie es in der Konvention steht.

13
Wie können Kinder Hilfe bekommen?
In vielen Ländern gibt es Organisationen und Experten, die darauf
achten, dass die Kinderrechtskonvention in ihrem Staat tatsächlich
eingehalten wird. In Deutschland beteiligen sich zum Beispiel mehr
als 100 Organisationen an der „National Coalition Deutschland e.V.“
(Infos auf Seite 64): zum Beispiel die Kindernothilfe, die Jugendverei-
nigung des Naturschutzbundes und die Deutsche Sportjugend.

Außerdem müssen alle Staaten, die die Kinderrechtskonvention un-


terschrieben haben, immer wieder Berichte darüber abliefern, was
bei ihnen für die Rechte der Kinder getan wurde. Diese Berichte
müssen dem Kinderrechteausschuss der Vereinten Nationen vorge-
legt werden. In diesem UN-Ausschuss sitzen 18 gewählte Experten
aus verschiedenen Ländern. Sie lesen die Berichte und prüfen, ob die
Kinderrechtskonvention auch wirklich eingehalten wird.

In der ursprünglichen Kinderrechtskonvention steht allerdings nicht


genau, was Kinder tun können, wenn ihre Rechte nicht eingehalten

14
werden. Dort ist zum Beispiel nicht festgelegt, dass es dafür ein be-
sonderes Kinderrechte-Amt gibt. Deshalb gibt es seit Dezember 2011
das dritte Zusatzprotokoll zur Kinderrechtskonvention. Darin geht
es um die „Individualbeschwerde“. Das bedeutet: Kinder können sich
direkt beim UN-Kinderrechteausschuss beschweren, wenn ihre Rechte
nicht eingehalten werden. Die Kinder müssen sich aber vorher in ih-
rem Land um die Einhaltung der Rechte gekümmert haben. Das ist al-
lerdings sehr kompliziert und sie brauchen dafür die Hilfe von ihren
Eltern, Anwälten oder Kinderrechtsorganisationen. Wenn der UN-Kin-
derrechteausschuss die Beschwerde geprüft hat und festgestellt hat,
dass der betreffende Staat tatsächlich die Kinderrechte verletzt hat,
empfiehlt der UN-Kinderrechteausschuss dem Staat, was er in Zukunft
anders machen soll, um die Kinderrechte besser einzuhalten.

Der deutsche Bundestag hat dem dritten Zusatzprotokoll am 28. Fe-


bruar 2013 zugestimmt. Deutschland war damit das dritte Land welt-
weit, das dem neuen Beschwerdeverfahren zugestimmt hat.

15
Was steht in der Kinderrechtskonvention?
Verträge und Gesetzestexte sind oft ziemlich kompliziert geschrie-
ben. Kaum jemand kann sie einfach so verstehen, auch die meisten
Erwachsenen nicht. Auch die Kinderrechtskonvention ist kompliziert
geschrieben.

Die Kinderrechtskonvention beginnt mit einer „Präambel“. So heißt


die Einleitung. Dann folgen die einzelnen Regelungen: Sie werden
Artikel, abgekürzt Art., genannt. Zu jedem Thema gibt es einen Ar-
tikel. Den genauen, aber eben komplizierten Text der Kinderrechts-
konvention und der Zusatzprotokolle (offiziell „Fakultativprotokol-
le“ genannt) findet ihr ab Seite 71.

Auf den nächsten Seiten haben wir die wichtigsten Artikel für euch
zusammengefasst. Mithilfe von Beispielen erklären wir euch diese
Artikel. Die Personen in den Beispielen stehen dabei stellvertretend
für echte Fälle. So könnt ihr eure Rechte besser kennenlernen und
mit darauf achten, dass sie in Zukunft auch eingehalten werden.

ko
d e r
Kin nven
c
re on
ti
h ts-

? ?
?

16
II. Die Rechte der Kinder

1. Gleiche Rechte für alle Kinder

Lena hat einen Traum: Sie will zur Feuerwehr. Genauso


wie viele Jungen aus ihrem Dorf möchte sie bei der Ju-
gendgruppe der Freiwilligen Feuerwehr mitmachen, eine
Uniform tragen, bei Übungen mal die Löschspritze halten.
Doch der Feuerwehrhauptmann sagt: „Nein, das kannst du
nicht. Du bist ein Mädchen.“ Lena ist wütend, aber sie gibt
nicht auf. Sie beschwert sich beim Kreisbrandmeister. Und
hat Erfolg: Ab sofort darf sie in der Feuerwehr-Jugend-
gruppe mitmachen.

Natürlich hat Lena genau die gleichen Rechte wie die Jungen aus
ihrem Dorf. Denn: Alle Kinder sind gleichberechtigt. Egal, ob sie Jun-
gen oder Mädchen sind. Egal, aus welchem Land sie stammen, welche
Hautfarbe oder Religion sie haben, welche Sprache sie sprechen.
Egal, ob sie behindert sind oder nicht, egal, was ihre Eltern tun. Alle
Kinder sind gleichberechtigt, und keines darf aus irgendwelchen

17
Gründen „diskriminiert“, also benachteiligt werden. Das steht in
Artikel 2 der Kinderrechtskonvention. Und die gilt für alle Kinder der
Länder, die der Konvention zugestimmt haben.
Wenn euch also jemand benachteiligt, so wie der Feuerwehrhaupt-
mann Lena, ist das „Diskriminierung“ und verboten. Dann könnt ihr
euch beschweren und euer Recht einfordern.

Besonderer Schutz für Kinder mit Behinderungen


Es gibt Kinder, die brauchen besonderen Schutz, weil sie zum Beispiel
nicht so gut denken und sprechen können wie andere Kinder. Andere
können nicht so gut laufen, sehen oder hören. Diese Kinder haben eine
oder mehrere Behinderungen; sie sind zum Beispiel von Geburt an ge-
hörlos oder blind. Oder sie hatten einen schweren Verkehrsunfall, sind
seitdem gelähmt und können sich nur mit dem Rollstuhl fortbewegen.

Doch egal ob sie eine geistige, körperliche und seelische Behinderung


haben – diese Kinder haben die gleichen Rechte wie alle anderen Kin-
der. Aber sie können oft nicht alleine darauf achten, dass sie diese
Rechte auch bekommen. Oder sie können sich nicht so beschweren wie
Lena, wenn andere Menschen ihre Rechte verletzen.

Kinder mit Behinderungen brauchen einen besonderen Schutz und


besondere Förderung, damit sie genauso leben können wie andere
Kinder. Alle Staaten, die die Kinderrechtskonvention unterzeichnet
haben, haben sich dazu verpflichtet. Das steht in Artikel 23.

18
In Deutschland werden deshalb zum Beispiel in vielen Kindergärten
und Schulen Kinder mit Behinderungen von extra dafür ausgebildeten
Erziehern und Erzieherinnen, Lehrerinnen und Lehrer oder anderen
Personen betreut. So können sie gemeinsam mit Kindern ohne Behin-
derungen am Schulunterricht und an anderen Angeboten teilnehmen.
Ein Teil der Kinder fühlt sich aber besser in besonderen Kindertages-
einrichtungen oder Schulen, in denen sie persönlich noch mehr geför-
dert werden können, aufgehoben.

Schutz für Minderheiten


Besonderen Schutz gewährt die Kinder-
rechtskonvention auch Kindern, die einer
Minderheit angehören. Minderheiten sind
Gruppen von Menschen, die zum Beispiel
eine andere Religion haben als die Mehrheit
der Menschen in einem Staat, eine andere
Sprache sprechen oder einer besonderen
Volksgruppe gehören.

Die Familie von Juri gehört zu den Sorben, eine slawische Volks-
gruppe. Er spricht Deutsch und hat auch die deutsche Staatsan-
gehörigkeit. Aber Juri spricht auch die sorbische Sprache und
kennt die Geschichte seines Volkes. In einer besonderen Schule
für sorbische Kinder hat er viel darüber gelernt.
Ein solcher Brauch der Sorben ist die Vogelhochzeit, die je-
des Jahr am 25. Januar gefeiert wird. Wenn nach dem Winter
die ersten Vögel „Hochzeit halten“, also Nester bauen, dann
werden die Kinder belohnt, die in der kalten Jahreszeit die
Vögel gefüttert haben. Die Kinder stellen leere Teller und
Schüsseln ans Fenster und bekommen Süßigkeiten und Ge-
bäck als Dankeschön. Bei einem Fest spielt Juri mit anderen
Kindern die Vogelhochzeit nach: Es gibt eine Braut und einen
Bräutigam in sorbischer Tracht und viele als Vögel verkleide-
te Kinder an einer Hochzeitstafel.

19
Juri hat die gleichen Rechte wie jedes andere Kind mit deutscher
Staatsangehörigkeit. Aber: Juri hat auch das Recht, so zu leben, wie
es in seiner Volksgruppe üblich ist. So steht es in Artikel 30 der Kin-
derrechtskonvention. Das bedeutet: Juri darf seine eigene Sprache,
also Sorbisch, sprechen, eine Schule für sorbische Kinder besuchen,
besondere sorbische Feste feiern, so wie es ihm von Großeltern und
Eltern beigebracht wurde.

Das war in Deutschland nicht immer selbstverständlich. Zur Zeit des


Nationalsozialismus durften die Sorben und andere Minderheiten in
Deutschland nicht so leben, wie sie wollten. Sie wurden benachteiligt
und manche Minderheiten mussten sogar Angst um ihr Leben haben.
In der heutigen Zeit werden Minderheiten deshalb geschützt, auch
durch die Kinderrechte.

Ich finde es wichtig, dass alle Kinder


zur Schule gehen dürfen. Ich finde
es schade, dass gerade in ärmeren
Ländern viele Kinder nicht zur Schule
gehen können. (Anna, 10)

20
Ganz wichtig ist es auch, dass alle Kinder gleiche Chancen in der
Schule und in der Ausbildung haben. Auch wenn sie noch nicht gut
Deutsch sprechen können, weil sie gerade erst nach Deutschland
gekommen sind oder weil in ihrer Familie wenig Deutsch gesprochen
wird. Damit die Kinder im Schulunterricht mitkommen, wird bereits in
der Kindertagesstätte eine besondere Sprachförderung angeboten.
Später bekommen die Kinder vor allem in den Schulen und in der Be-
rufsausbildung noch mehr Deutschunterricht. Wenn sie gut Deutsch
reden und schreiben können, haben sie die Chance, in der Schule
genauso gut zu sein wie deutsche Kinder. Und sie haben später die
gleiche Chance auf einen Ausbildungsplatz und eine Arbeit.

Schule

21
2. Recht auf Fürsorge

Samira ist in einem Land geboren, in dem Krieg und Gewalt


herrschen. Anfangs lebte Samiras Familie in einem kleinen
Dorf auf dem Land, wo sie nicht viel von den Kämpfen mit-
bekam. Aber dann gab es auch dort immer mehr Anschläge
und die Familie traute sich nicht mehr aus dem Haus. Ein
Jahr lang ist Samira nicht in die Schule gegangen. Schließ-
lich flüchteten Samiras Eltern mit ihren Kindern in ein
Nachbarland. Dort hat eine Hilfsorganisation ein großes
Flüchtlingslager aufgebaut. Samira lebt mit ihren drei
Geschwistern und den Eltern in einem kleinen Zelt – sehr
bequem ist das nicht. Doch immerhin sind sie in Sicherheit,
bekommen etwas zu essen und Samira kann im Flüchtlings-
lager sogar wieder in die Schule gehen.

Recht auf Leben


Jedes Kind hat das Recht zu leben. Das Land, in dem es geboren wur-
de, muss dafür sorgen, dass die Kinder in einer Welt groß werden, in
der sie überleben und möglichst gesund bleiben. So steht es in Arti-
kel 6 der Kinderrechtskonvention.
Allerdings ist das nicht immer so einfach. Viele Kinder kommen in
Ländern zur Welt, die Krieg führen. Oder in Ländern, in denen die
Menschen Not und Hunger leiden. Doch auch dann müssen diese Län-
der versuchen, den Kindern genug zu essen zu geben und einen Platz
zu schaffen, wo sie überleben können. Manchmal brauchen sie dabei
Hilfe von reicheren, sichereren und friedlichen Ländern.

Wer bin ich?


Sobald ein Kind geboren ist, werden bei einer Behörde alle wichtigen
Informationen aufgeschrieben: Name, Geburtsdatum, Familie und
Geburtsland. Damit hat das Kind eine Identität. Es ist einzigartig und

22
kann mit niemandem verwechselt werden. Auch wenn es verloren geht
oder entführt wird, kann man durch seine Identität seine Eltern und
seine Heimat wieder finden.
Jedes Kind hat ein Recht auf seine Identität. Es hat das Recht zu wis-
sen, wer es ist, zu welchem Staat es gehört und wer seine Eltern sind.
So steht es in den Artikeln 7 und 8 der Kinderrechtskonvention.

Meine Eltern und ich


„Ein Kind … hat das Recht … seine Eltern zu kennen und von ihnen be-
treut zu werden.“ So steht es in Artikel 7 der Kinderrechtskonvention.
Das bedeutet: Normalerweise sorgen die Eltern für ihr Kind, und zwar
gemeinsam, also Mutter und Vater.
Der Staat mischt sich nicht in die Erziehung ein. Vielmehr achtet der
Staat das Recht und die Pflicht der Eltern, das Kind zu erziehen – das
besagt Artikel 5 der Kinderrechtskonvention. Denn der Staat geht

23
davon aus, dass die meisten Eltern wissen, was für ihre Kinder am
besten ist. Eltern und Kind können zum Beispiel alleine entscheiden,
ob ein Kind in den Kindergarten gehen soll.
Der Staat hat aber die Pflicht, die Eltern bei der Erziehung ihrer Kin-
der zu unterstützen. So will es Artikel 18. Er soll zum Beispiel genü-
gend Kindergartenplätze schaffen, damit die Eltern arbeiten gehen
können und ihre Kinder gut betreut werden.

Marcel ist vier Jahre alt und wohnt bei seiner


Mutter, seinen Vater hat er noch nie gesehen. Doch
seine Mutter ist sehr krank. Fast immer ist sie sehr
traurig, hat keine Kraft irgendetwas zu machen. Sie
nimmt viele Tabletten, aber es wird nicht besser.
An vielen Tagen schafft sie es nicht, Marcel fertig
zu machen und in den Kindergarten zu bringen, mit
ihm zu spielen oder etwas zu essen zu kochen. Dann
sitzt Marcel den ganzen Tag vor dem Fernseher und
muss sich alleine beschäftigen. Einmal kam eine
Tante zu Besuch und hat gemerkt, dass Marcel den
ganzen Tag noch nichts zu essen bekommen hat. Da
hat sie das Jugendamt angerufen und um Hilfe ge-
beten. Jetzt wohnt Marcel erstmal bei einer Pflege-
familie, bis es seiner Mutter wieder besser geht.

Manchmal ist es nicht möglich, dass ein Kind von seinen eigenen
Eltern erzogen wird. Vielleicht lebt das Kind nur bei Mutter oder
Vater, oder es kennt keines seiner Elternteile. Manchmal kümmern
sich Eltern auch nicht genug um ihre Kinder. Dann darf sich der Staat
einmischen und dafür sorgen, dass sich anstelle der Eltern eine ge-
eignete Person um die Kinder kümmert und dafür sorgt, dass es ihnen
gut geht.

24
Trennung von den Eltern
Wenn Eltern sich nicht richtig um ihr Kind kümmern oder ihr Kind
sogar misshandeln oder quälen, kann ein Gericht dafür sorgen, dass
ein Kind von seinen Eltern getrennt wird, auch wenn die Eltern das
nicht wollen. Das steht in Artikel 9 der Kinderrechtskonvention. Das
Gericht wird eine solche Entscheidung aber nur dann treffen, wenn
es zum Schutz des Kindes notwendig ist. Das Kind kommt dann in eine
Pflegefamilie oder auch in ein Heim.

25
Manchmal stellen Eltern fest, dass sie sich nicht mehr lieb haben
oder dass sie vielleicht nicht richtig zusammenpassen und sie be-
schließen sich zu trennen. Sie können zwar auch in Zukunft weiter
gemeinsam für ihr Kind sorgen, aber es muss entschieden werden,
wo das Kind leben soll: nur beim Vater oder bei der Mutter oder viel-
leicht bei beiden abwechselnd?
Kinder haben in einem solchen Fall das Recht, zu sagen, was ihrer
Meinung nach am besten wäre. So steht es in Artikel 9. Sie können
mit dem Richter oder der Richterin über ihre Interessen, Wünsche
und auch Ängste sprechen.

Auch den Elternteil, bei dem das Kind dann nicht mehr lebt, darf es
immer noch regelmäßig sehen. Es kann zum Beispiel regelmäßig ein
Wochenende oder die Ferien mit ihm verbringen.

Es kommt leider auch vor, dass ein Kind seine Eltern überhaupt nicht
kennt. Vielleicht sind sie gestorben, als es noch sehr klein war, und es
kann sich nicht an sie erinnern. Oder das Kind wurde zur Adoption frei-
gegeben, weil seine Eltern zum Beispiel zu jung oder zu arm waren, um
es großzuziehen. Manchmal werden Eltern und Kinder auch getrennt,
weil die Eltern eine Straftat begangen haben und im Gefängnis sitzen.
Wenn ein Kind alt und stark genug ist, die Wahrheit zu ertragen, hat es
ein Recht zu erfahren, wer seine Eltern sind und was mit ihnen gesche-
hen ist. Auch das steht in Artikel 9 der Kinderrechtskonvention.

Getrennt werden können Eltern und Kinder aber auch durch andere
Gründe.

Katharinas Eltern leben aus beruflichen Gründen


in zwei Ländern. Ihr Vater hat einen Job bei einer
deutschen Firma in China. Ihre Mutter arbeitet als
Lehrerin in Frankfurt am Main. Katharina lebt bei
ihrer Mutter. Ihren Vater kann sie nur sehen, wenn er
Urlaub hat oder sie ihn in den Ferien besucht.

26
Nach Artikel 10 der Kinderrechtskonvention hat Katharina das Recht,
ihren Vater regelmäßig zu besuchen. Sie soll jederzeit aus ihrem
Land aus- und in das fremde Land einreisen dürfen. Für den Besuch in
China braucht sie aber ein Visum, also eine Einreisegenehmigung. Die
chinesischen Behörden sollen dieses Visum für Kinder wie Katharina
schnell und jederzeit erteilen – so steht es in den Kinderrechten.

27
Adoption

Julia ist fünf Jahre alt. Seit vier Jahren lebt


sie in einem Kinderheim, weil ihre Eltern bei
einem Autounfall ums Leben kamen. Verwandte
hat sie keine. Julia wünscht sich sehr in einer
richtigen Familie zu leben, mit Vater, Mutter,
einem eigenen Zimmer.
Birgit und Stefan sind seit drei Jahren verheiratet.
Sie wünschen sich sehr, eigene Kinder zu haben. Doch
ein Arzt hat festgestellt, dass die beiden keine eigenen
Kinder bekommen können. Deshalb möchten sie gerne
ein Kind adoptieren, also ein Kind bei sich aufnehmen
und mit ihm als eine Familie zusammenleben.
Bevor sie ein Kind wie Julia aufnehmen dürfen, werden
Birgit und Stefan vom Jugendamt sehr genau unter
die Lupe genommen. Haben sie in der Vergangenheit
irgendwelche Straftaten begangen? Verdienen sie
genug Geld, um ein Kind versorgen zu können? Machen
sie den Eindruck, dass sie gut zu Julia sein werden?

Kinderheim

28
Solche und noch viele andere Fragen müssen die zuständigen Ämter
klären, bevor sie einer Adoption zustimmen können. Wenn ein Ehepaar
ein Kind adoptieren möchte, dann müssen die Ämter sehr genau prüfen,
ob dieses Ehepaar dafür auch wirklich geeignet ist. Denn ein Kind soll
nur dann adoptiert werden dürfen, wenn dies für das Kind das Beste
ist. Das fordert Artikel 21 der Kinderrechtskonvention.

Nach mehr als zwei Jahren, haben Birgit und Stefan alle Über-
prüfungen bestanden. Sie lernen Julia kennen. Die drei verste-
hen sich gut und bald danach kann Julia zu ihnen ziehen und
von ihnen adoptiert werden.

29
Hilfe zum Leben

Cedrics Vater ist arbeitslos, schon seit mehr als einem


Jahr. Er erhält zwar jeden Monat etwas Geld, doch das
reicht kaum zum Leben – denn Cedric hat noch vier Ge-
schwister. Seine Mutter hat nur einen sogenannten Mini-
Job, bei dem sie nur ein paar Stunden pro Woche arbeiten
kann und auch nur wenig Geld verdient. Wenn Cedric neue
Sportschuhe für die Schule oder Geld für die Klassenfahrt
braucht, dann reicht das Geld dafür nicht.

Jedes Kind hat ein Recht auf Nahrung, auf Wohnung, auf Kleidung –
das heißt, auf einen bestimmten Lebensstandard. So fordert es
Artikel 27 der Kinderrechtskonvention. Normalerweise bezahlen
die Eltern dem Kind Essen, Wohnung und Kleidung.
In Deutschland bekommen alle Eltern einen Teil dieser Ausgaben vom
Staat ersetzt, zum Beispiel durch das Kindergeld. Wenn die Eltern
trotzdem nicht genug Geld zum Leben haben, so wie bei Cedric, dann
soll der Staat dafür sorgen, dass die Eltern zusätzlich Hilfe bekommen.

Dass jeder ein Recht auf


ein Haus hat und auf Essen
und Trinken. (Laura, 9)

30
Cedrics Vater war bei der Bundesagentur für Arbeit.
Er hat dort von seinen Problemen erzählt und um Hilfe
gebeten. Nun wird geprüft, ob Cedrics Vater mit mehr
Geld unterstützt wird und wie ihm sonst geholfen werden
kann, damit er wieder einen Job findet.

In Deutschland werden die Menschen in solchen Notsituationen


unterstützt. Dafür wird extra vorgesorgt: Die meisten Menschen,
die Arbeit haben, zahlen jeden Monat einen kleinen Teil von ihrem
verdienten Geld in eine sogenannte „Sozialversicherung“.
Wer Hilfe braucht, bekommt dann Geld aus dieser Sozialversiche-
rung. Es gibt Hilfe in verschiedenen Situationen: Wer zum Beispiel
arbeitslos wird, bekommt eine Zeitlang Geld aus der Arbeitslosen-
versicherung. Wer krank wird, für den zahlt die Krankenversicherung
Arztrechnungen, Medikamente oder den Krankenhausaufenthalt. Wer
alt ist und nicht mehr arbeitet, bekommt jeden Monat Geld aus der
Rentenversicherung.

31
Ich finde (…) das Recht
auf medizinische
Versorgung sehr wichtig.
Toll wäre es, wenn dieses
Recht auch zum Beispiel
in Afrika umgesetzt werden
würde. Denn alle Kinder haben
das Recht auf Rechte!!! (Antonia, 11)

Die Kinderrechtskonvention fordert in den Artikeln 24 und 26, dass


möglichst alle Kinder in der Welt Anspruch auf Unterstützung aus so
einer Sozialversicherung haben sollen, zum Beispiel wenn sie krank
sind. Dazu gehört aber nicht nur, dass Arzt und Medizin bezahlt wer-
den. Zusätzlich müssen die Staaten dafür sorgen, dass es überhaupt
genügend Ärzte, Krankenhäuser und Medikamente in einem Land gibt,
um kranke Kinder gesund zu pflegen. Außerdem soll es Beratungs-
stellen geben, die Eltern zum Beispiel erklären, wie sie ihre Kinder
gesund ernähren.

Für viele Staaten ist es allerdings nicht so einfach, dafür zu sorgen,


dass Kinder in einer schönen und gefahrlosen Umgebung aufwachsen.
Viele Kinder werden in Ländern geboren, die Krieg führen oder wo
Menschen hungern müssen. Und manche Länder sind so arm, dass sie
es nicht alleine schaffen, Kindern genug zu essen zu geben und einen
Platz, an dem sie überleben können.

Damit auch solche Länder die Forderungen der Kinderrechtskonven-


tion erfüllen können, sollen reiche Länder ihnen dabei helfen – zum
Beispiel, indem sie Medikamente in diese Länder schicken, dort Kran-
kenhäuser bauen lassen und Ärzte dort hinschicken, um den Kindern
zu helfen und um neue Ärzte im Land auszubilden.

32
3. Private Rechte
Privatsphäre und Briefgeheimnis

Anna findet es echt bescheuert: Sie hat ihren älteren Bru-


der schon ein paar Mal ertappt, wie er in ihren Sachen
spioniert: Er hat Briefe, die an sie gerichtet waren, einfach
geöffnet. Er hat sich auch schon an ihren Computer gesetzt,
ihre Emails gelesen und Facebook-Einträge gelesen, die ei-
gentlich nur für ihre Freundinnen sichtbar sind. Annas Bru-
der meinte, er müsse auf sie aufpassen und dürfe deshalb
ihre Post und ihre Computereinträge kontrollieren.

Wer einen Brief mit der Post oder eine Email nur an eine bestimmte
Person verschickt, will sicher sein: Nur diese Person soll den Brief
öffnen oder die Email lesen. Und wer einen Brief oder eine Email
von einer Freundin bekommt, will sicher sein: Das ist nur für mich
bestimmt. Deshalb ist es nicht OK, wenn Annas Bruder in ihren Sa-
chen herumschnüffelt. Und laut der Kinderrechtskonvention dürfen
auch andere, also zum Beispiel die Eltern oder auch der Staat, nicht
einfach so heimlich Annas Briefe oder Emails lesen oder Teile ihrer
Facebook-Seite, die nicht für die Öffentlichkeit sichtbar sind.
Denn: Kinder sollen ihre persönlichen Gedanken und auch Geheimnis-
se austauschen können. Niemand anders hat das Recht, ihre Post zu
lesen. Das steht in Artikel 16.

33
In der Kinderrechtskonvention steht außerdem, dass Kinder nicht nur
beim Briefeschreiben oder Emaillesen vor anderen geschützt werden:
Geschützt werden sie auch, wenn sie mal ganz alleine bleiben wol-
len, zum Beispiel in ihrem Zimmer. Kinder sollen nicht immer gestört
werden.

Es gibt aber auch Situationen, in denen Eltern ihre Kinder kontrol-


lieren dürfen. Es könnte zum Beispiel sein, dass Anna gerne Schläge-
reien anzettelt. Wenn sie in ihrem geschlossenen Zimmer mit ihrer
Freundin bespricht, wer als Nächstes verkloppt werden soll und
die Eltern haben einen Verdacht, dann dürfen die Eltern ins Zimmer
kommen und ihre Tochter kontrollieren. Denn in der Kinderrechtskon-
vention steht auch, dass es die Aufgabe der Eltern ist, ihre Kinder zu
erziehen – das steht in den Artikeln 5 und 18. Und dazu können die
Eltern ihre Kinder auch kontrollieren und ihnen einiges verbieten.

Sport, Spiel, Ruhe

Jonas, Paul und Nikolas ärgern sich: Sie treffen sich


täglich mit vielen Freunden auf dem Bolzplatz um zu
kicken. Doch die Stadtverwaltung will den Platz verkaufen,
weil die Stadt dringend Geld braucht. Doch für Jonas, Paul
und Nikolas bedeutet das, dass sie weniger Spaß haben und
nicht mehr regelmäßig in der Freizeit kicken können.
Denn der nächste Bolzplatz ist für sie zu weit weg.

34
Alle Kinder sollen spielen
dürfen und nicht so
schwer arbeiten müssen.
(Sophie Alice, 10)

Gerade für diese Fußball-Jungs passt die Kinderrechtskonvention:


Dort steht, dass Kinder ein Recht auf Spiel und Erholung haben. Wenn
der Bolzplatz verkauft wird, haben es die Jungen viel schwerer, ihr
Recht zu bekommen.
Dieses Recht auf Spiel und Erholung ist ein spezielles Recht der Kin-
der. Für Erwachsene wurde ein solches Recht bisher noch nie in eine
wichtige Vereinbarung aufgenommen! Im Artikel 31 steht auch noch,
dass Kinder ein Recht auf Ruhe und Freizeit haben.
Allerdings ist das Recht auf Spiel nicht so stark, dass eine Stadt den
Bolzplatz nicht mehr verkaufen dürfte. Dieses Recht sagt nur, dass
genug getan werden soll, damit die Kinder spielen können. Die Kinder
können also nicht verlangen, dass die Stadtverwaltung etwas ganz
Bestimmtes unternimmt – also zum Beispiel diesen einen Bolzplatz
für sie behält, zumindest nicht, solange es noch andere Freizeitmög-
lichkeiten gibt.

Artikel 31 hat trotzdem einen Vorteil für die Kinder: Wenn sie mit
dem Bürgermeister sprechen oder ihm Briefe schreiben, dann können
sie sagen: „Herr Bürgermeister, haben Sie einen anderen guten Bolz-
platz für uns? Einen, wo wir ohne Probleme hinkönnen?
Bitte beachten Sie die Kinderrechtskonvention, denn
da ist festgelegt: Kinder müssen genug Chancen
haben zu spielen!“

35
4. Öffentliche Rechte

Bildung

Schule

Die zehnjährige Sita, ein Mädchen aus Asien, muss


jeden Tag viele Stunden lang in einer Nähfabrik arbei-
ten. Sie muss Geld verdienen. Nur so kann ihre Familie
überleben. Zur Schule gehen kann sie deshalb nicht.
Emma, ein achtjähriges Mädchen aus Deutschland,
will nicht zur Schule gehen. Sie versteht sich nicht mit
ihren Klassenkameraden und hat auch keinen Spaß am
Unterricht.

Sita kann nicht, Emma will nicht zur Schule gehen. Aber beide sollen
zur Schule gehen. Das verlangt die Kinderrechtskonvention. In Arti-
kel 28 steht: Es muss für alle Kinder kostenlos sein und eine Pflicht
werden, zumindest in die Grundschule zu gehen. Denn nur wer in die
Schule geht, kann lesen, rechnen und viele andere wichtige Dinge
lernen. Nur so haben Kinder gute Voraussetzungen, später einen Be-
ruf zu lernen. Dann ist die Chance größer, genug Geld für sich und die
Familie zu verdienen.

36
Bangladesch muss also dafür sorgen, dass Sita zur Grundschule geht,
und Deutschland muss dafür sorgen, dass Emma zur Schule geht. Der
Staat Bangladesch, in dem Sita lebt, hat Artikel 28 der Kinderrechts-
konvention noch nicht erfüllt. Die Kinderrechtskonvention nutzt den
Kindern der Welt also nur dann etwas, wenn die einzelnen Staaten
bei sich dafür sorgen, dass die Rechte der Kinder eingehalten werden.

Ich wünsche mir, dass


Kinder in anderen Ländern auch
in die Schule gehen können.
Wie wir hier in Deutschland.
(Marina, 8)

Weil die Schulausbildung von Kindern und Jugendlichen die Staaten


viel Geld kostet, waren sie schon sehr vorsichtig, als sie Artikel 28
der Kinderrechtskonvention formulierten. Deshalb haben sie nur
festgelegt, dass Kinder die Grundschule besuchen sollen. Über eine
Schulpflicht nach der Grundschule steht nichts in der Konvention,
das können die einzelnen Staaten selbst entscheiden.
Wenn Emma aus Deutschland die Grundschule verlässt, geht die
Schulpflicht für sie weiter: Wie alle Kinder in Deutschland muss sie
in der Regel mindestens neun Jahre lang zur Schule gehen. Das steht
in den deutschen Gesetzen.

123

37
Glaube

Lennart (6 Jahre alt) und Johanna (15 Jahre alt) aus


Deutschland sind Geschwister. Beide interessieren
sich nicht für Kirche und Religion. Doch ihren Eltern
ist Religion sehr wichtig: Sie wollen, dass sich Lennart
in der katholischen Kirche zur Kommunion anmeldet
und dass sich Johanna auf die Firmung vorbereitet.

Einerseits steht in Artikel 14 der Kinderrechtskonvention, dass


Kinder Religionsfreiheit haben. Sie sollen also selbst entscheiden
können, ob sie zum Gottesdienst gehen und an der Kommunion oder
Firmung teilnehmen möchten.

Andererseits steht in der Kinderrechtskonvention aber auch, dass die


Eltern ihre Kinder in der Religion „anleiten“ können. Und zwar so, dass
die Eltern mehr bestimmen können, wenn die Kinder noch klein sind.
Doch was das genau bedeutet, wird in der Konvention nicht festgelegt.

38
Dafür sollte es dann in den einzelnen Staaten Gesetze, also Regeln,
geben – zum Beispiel auch in Deutschland. Im Grundgesetz, dem wich-
tigsten deutschen Gesetz, heißt es, dass die Eltern das Recht haben,
ihre Kinder zu erziehen. Sie dürfen also auch über die religiöse Erzie-
hung der Kinder entscheiden. Außerdem gibt es in Deutschland ein
Gesetz über die religiöse Kindererziehung, das aus dem Jahre 1921
stammt. Dort steht, dass Kinder erst ab 14 Jahren selbst entscheiden
können, an welche Religion sie sich halten wollen.

Im Beispiel von Lennart und Johanna bedeutet das: Die Eltern dürfen
bestimmen, dass der sechsjährige Lennart an der Kommunion teil-
nimmt. Johanna ist aber bereits 15 Jahre alt, also religionsmündig.
Sie darf nach dem Gesetz über die Religion selbst entscheiden, also
auch darüber, ob sie gefirmt wird oder nicht.

39
Eigene Meinung
In der Kinderrechtskonvention betonen gleich mehrere Artikel, dass
die Meinungen von Kindern wichtig sind – zum Beispiel Artikel 13 zur
„Meinungs- und Informationsfreiheit“. Kinder sollen ihre Meinung sagen
dürfen. Kinder sollen angehört werden, bevor Stadtparlamente, Ämter
und Gerichte Entscheidungen treffen, die mit Kindern zu tun haben.

Das betrifft zum Beispiel die Fußballjungs Jonas,


Paul und Nikolas. Sie wollen es nicht einfach so
hinnehmen, dass die Stadt ihren Bolzplatz verkaufen
will. Sie wollen etwas dagegen unternehmen. Deshalb
malen sie Protestplakate und wenden sich an die örtli-
che Zeitung. Der Redakteur der Zeitung gibt ihnen den
Tipp, sich doch an den Kinderbeauftragten der Stadt zu
wenden. Die Jungs hoffen nun, dass sie doch noch eine
Chance haben, ihren Bolzplatz zu behalten.

Wenn Kinder ihre Meinung in einem Kinderparlament oder bei einem


Kinderbeauftragten ihrer Stadt vorbringen können, dann wird diese
Meinung von den Erwachsenen eher ernst genommen. Außerdem sol-
len Kinder an Demonstrationen teilnehmen oder selbst welche ma-
chen dürfen, genau wie Erwachsene – auch das ist ein Kinderrecht.

Das allgemeine Recht, die Meinung zu sagen, und das Recht zu de-
monstrieren, gab es zwar schon in den meisten Staaten - das gilt für
Erwachsene und Kinder. Aber oft wird nicht festgelegt, bei welchen
Entscheidungen Kinder mitsprechen dürfen. Zum Beispiel hat der UN-
Kinderrechteausschuss die deutsche Regierung kritisiert und gesagt:
In Deutschland steht noch zu selten in den Gesetzen, dass Kinder bei
Dingen, die für sie wichtig sind, angehört werden müssen.

40
Information
In der Kinderrechtskonvention steht auch, dass die Massenmedien
– also Fernsehen, Radio, Zeitungen, Internet und Buchverlage – da-
von überzeugt werden müssen, extra für Kinder Sendungen, Artikel,
Internetseiten oder Bücher herzustellen. Denn es ist wichtig, dass
sich Kinder informieren können. Nur dann können sie sich auch eine
eigene Meinung bilden.

Das Recht der Kinder auf Berichte in den Medien ist in Deutschland
erfüllt. Es gibt viele Verlage, die Bücher und Zeitschriften für Kinder
herausgeben und verkaufen. Im Fernsehen gibt es täglich zum Bei-
spiel bei KiKA und am Wochenende in ZDF und ARD Programm extra
für Kinder. Auch im Internet gibt es viele Angebote speziell für Kin-
der, zum Beispiel vom ZDF-Kinderprogramm unter [Link]

Mit logo!, den Nachrichten extra für Kinder, erfüllen das ZDF und
der Kinderkanal einen besonderen Auftrag: Bei logo! werden Kinder
täglich darüber informiert, was auf der Welt passiert. Auch in vielen
weiteren Kindersendungen wie pur+, Löwenzahn und stark! bekommen
Kinder viele Informationen, damit sie mitreden und sich eine eigene
Meinung bilden können.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend


stellt auch extra für Kinder Informationen über Kinderrechte bereit.
Zum Beispiel können sich Kinder auf der Seite [Link]-ministeri-
[Link] über ihre Rechte informieren.

41
5. Schutz vor Ausbeutung und Gewalt
Elf Artikel der Kinderrechtskonvention beschäftigen sich damit, wie
Kinder vor Gewalt und Ausbeutung geschützt werden können, also
zum Beispiel vor Kinderhandel, sexuellem Missbrauch, Folter, Krieg
und Kinderarbeit.

Die meisten Staaten haben gemerkt: Die ursprüngliche Kinderrechts-


konvention reicht nicht aus, um Kinder vor besonders schweren For-
men von Gewalt und Ausbeutung zu schützen. Deshalb haben die Ver-
einten Nationen im Jahr 2000 zwei zusätzliche Vereinbarungen dazu
beschlossen. Im ersten sogenannten Zusatzprotokoll geht es um die
Beteiligung von Kindern an Kämpfen und Kriegen. Mit dem zweiten
Zusatzprotokoll sollen Kinder vor Kinderhandel, Kinderprostitution
und Kinderpornographie geschützt werden.

Kind
konv errech
enti ts-

§
on

42
G
UN
IT
ZE

Kinderarbeit

Luca hat ein teures Hobby: Er brettert super gerne mit dem
Gokart über die Kartbahn und ist Mitglied in einem Kartsport-
verein. Immer wieder braucht er neue Teile für seine Ausrüs-
tung und die kosten richtig viel Geld! Deshalb hat Luca einen
Job angenommen. Zweimal in der Woche trägt er Zeitungen
aus. Mit dem Geld, das er damit verdient, beteiligt er sich an
den Kosten für sein Hobby.

Luca ist 13 Jahre alt. Nach deutschem Recht darf er mit Zustimmung
seiner Eltern arbeiten – allerdings nur zwei Stunden am Tag und auch
nur dann, wenn die Schule nicht darunter leidet. Das „Jugendarbeits-
schutzgesetz“ regelt genau, ab welchem Alter Kinder in Deutschland
wie viele Stunden täglich arbeiten dürfen. Denn ihre Gesundheit und
Sicherheit soll geschützt werden. Dieses Gesetz regelt auch, welche
Arbeiten Kinder erledigen dürfen. Und die Arbeitsschutzbehörde kon-
trolliert, dass dieses Gesetz auch wirklich befolgt wird.

Andere Länder haben solche Gesetze nicht oder nehmen es mit der
Überprüfung von Kinderarbeit nicht so genau. So kommt es immer
noch vor, dass Kinder den ganzen Tag schwer arbeiten müssen. Insge-
samt müssen sich – so wird geschätzt – weltweit mehr als 150 Millio-
nen Kinder im Alter zwischen fünf und 14 Jahren das Geld zum Leben
alleine verdienen oder sie müssen Geld für ihre Familie dazu verdienen.

43
Die zehnjährige Sita aus Asien arbeitet um zu überle-
ben. Ihre Eltern sind so arm, dass sie Sita und ihre
Geschwister nicht ernähren konnten. Eines Tages kam
ein Mann aus einer großen Stadt. Er versprach, für Sita
zu sorgen. Sitas Eltern sahen keine andere Möglichkeit,
sie haben ihre Tochter an den Mann verkauft. Mit dem
Geld konnte die Familie eine Weile überleben. Sita lebt
nun in einer fremden Stadt. Von morgens bis abends ar-
beitet sie in einer Fabrik und näht Kleidung, gemeinsam
mit vielen anderen Kindern und Jugendlichen. Dort, wo
sie arbeitet, isst und schläft sie auch. Lohn erhält Sita
keinen.

Die Kinderrechtskonvention will Kinder wie Sita schützen. Denn


Sita wird ausgebeutet. Die Arbeit, die sie verrichtet, schadet ihrer
Gesundheit und ihrer Entwicklung. Sita sollte eigentlich zur Schule
gehen und lernen, damit sie später einen Beruf ausüben und ein bes-
seres Leben führen kann als ihre Eltern. In ihrer Freizeit sollte Sita
mit anderen Kindern spielen und sich erholen können. Dazu hat sie
das Recht nach Artikel 31 der Kinderrechtskonvention.

44
Kinderarbeit muss aber noch aus einem anderen Grund verboten wer-
den. Die Fabrikbesitzer und Unternehmer sollen in ihren Betrieben
die Eltern anstellen. Nur so können die Eltern genug Geld verdienen,
um ihre Kinder zu ernähren und sie zur Schule zu schicken. Kinder ver-
dienen nicht so viel wie Erwachsene. Das heißt, für die Fabrikbesitzer
ist es billiger, Kinder zur Arbeit zu zwingen als die Erwachsenen zu
beschäftigen.

Ich finde, alle Kinder sollten


genug zu essen bekommen
und zur Schule gehen dürfen.
Es ist unfair, dass manche Kinder
arbeiten müssen, statt zur Schule
zu gehen. (Lisa, 10)

Alle Staaten, die die Konvention unterschrieben haben, sollen Geset-


ze schaffen, die solche Ausbeutung durch Kinderarbeit verhindern.
Sie sollen genau regeln, ab wann ein Kind wie viel und was arbeiten
darf. Das fordert Artikel 32 der Kinderrechtskonvention.

45
Sexuelle Gewalt und sexuelle Übergriffe
Sexuelle Gewalt (man spricht auch häufig von sexuellem Missbrauch)
ist ein Thema, über das nur selten gesprochen wird. Doch es ist wich-
tig, darüber Bescheid zu wissen, sexuelle Gewalt zu erkennen und
zu wissen, was man dagegen tun kann. Kinder und Jugendliche sind
niemals schuld, wenn sie sexuell missbraucht werden. Manche Kinder
und Jugendlichen denken das aber und schämen sich – und den Er-
wachsenen, die die Kinder missbraucht haben, passt das, weil die
Betroffenen dann nicht darüber reden.

Sexuelle Gewalt oder ein sexueller Übergriff kann zum Beispiel schon
beginnen, wenn ein Erwachsener ein Mädchen oder einen Jungen so
berührt, dass es ihm unangenehm ist. Wenn er zum Beispiel ihre Ge-
schlechtsteile anfasst oder sie bittet, ihn anzufassen. Wenn er Fotos
oder Videos macht, auf denen die Kinder nackt zu sehen sind. Wenn er
diese Fotos und Videos anderen weitergibt oder verkauft, oder wenn
er das Kind bedrängt, mit ihm Sex-Videos anzuschauen. Oder aber,
wenn der Erwachsene ein Kind oder einen Jugendlichen zwingen will,
mit ihm Sex zu haben – das alles ist sexuelle Gewalt.

Alle Staaten, die die Kinderrechtskonvention unterschrieben haben,


wollen Kinder vor sexueller Gewalt und sexueller Ausbeutung schüt-
zen – auch dann, wenn die Eltern die Täter sind. Es ist verboten, Kin-
der zu missbrauchen oder sie zu entführen, um sie missbrauchen zu
lassen. Darum geht es in den Artikeln 19, 34 und 35 sowie im 2. Zusatz-
protokoll der Kinderrechtskonvention.

Auch die deutschen Gesetze sind sehr streng, wenn es um sexuellen


Missbrauch und Gewalt gegen Kinder geht. Männer, Frauen und auch
Jugendliche, die Kindern so etwas antun, werden bestraft.

Es ist sehr wichtig, darüber zu sprechen, wenn es passiert ist - mit


einem Freund, einer Freundin, den Eltern oder einem anderen Er-
wachsenen, dem man vertrauen kann. Und wenn man als Freund oder
Freundin davon erfährt, ist es wichtig, die Betroffenen zu ermutigen,
auch mit einem Erwachsenen zu sprechen. Man kann auch eine Bera-
tungsstelle oder das Jugendamt anrufen oder zur Polizei gehen. Viele
wichtige Informationen für Kinder sind auch um Internet zu finden,
zum Beispiel unter [Link].

46
Selbst wenn der Täter aus der eigenen Familie kommt, wenn es zum
Beispiel der Vater, Bruder, Onkel oder auch die Mutter ist, ist es wich-
tig, darüber zu reden. Nur dann können die Täter bestraft werden und
nur dann sind das Kind und andere in Zukunft besser vor diesen Taten
geschützt. Infos darüber, wo es Hilfe und Ansprechpartner gibt, ste-
hen im Kapitel IV ab Seite 63.

Die Kinderrechtskonvention fordert nicht nur, dass die Kinder ge-


schützt und Täter bestraft werden. Dort steht auch, dass Kinder Hilfe
bekommen müssen, damit sie leichter über das hinwegkommen, was
passiert ist. Das steht in Artikel 39. Es gibt Experten und Expertin-
nen, die helfen, das Geschehene zu verarbeiten.

47
Misshandlung durch Eltern

Luisa ist abgehauen. Zuhause hat sie es nicht


mehr ausgehalten. Luisas Vater trinkt – jeden Tag,
manchmal schon morgens. Er hat schon lange keine
Arbeit mehr. Nun sitzt er zu Hause und weiß nicht, was
er tun soll. Die Mutter schimpft, wenn der Vater trinkt.
Dann streiten sie und der Vater trinkt noch mehr.
Manchmal schlägt er Luisa dann auch. Weil sie die
Musik zu laut gemacht hat, sagt er, oder weil sie ihn so
komisch angeguckt hat.
Da hat Luisa ihren Rucksack gepackt und ist gegangen.
Beim Jugendamt hat man ihr geholfen. Vorübergehend
wohnt sie in einer betreuten Wohngruppe, zusammen
mit anderen Kindern und Betreuern. Eine Frau vom
Amt war bei Luisa zuhause und hat mit ihren Eltern
gesprochen. Luisas Vater weiß nun, dass er Alkoholiker
ist und Hilfe braucht, durch eine Entziehungskur zum
Beispiel. Dass er Luisa so verletzt und gedemütigt
hat, tut ihm heute Leid.

48
Wenn Eltern ihre Kinder so verprügeln und misshandeln, dass ihr
Leben in Gefahr ist, oder wenn sie ihre Kinder sexuell missbrauchen,
dann ist es besser, die Kinder von ihren Eltern zu trennen. Das ist
zwar traurig, aber das Jugendamt sorgt dafür, dass die Kinder in
einer Pflegefamilie oder einem Heim aufgenommen werden. Manche
finden auch in einer Wohngemeinschaft mit Sozialpädagogen und an-
deren Kindern, die ähnliche Probleme haben, ein neues Zuhause.

Die Kinderrechtskonvention fordert, dass Kinder vor jeder Art von


Gewalt geschützt werden, das steht in Artikel 19.
Bis vor ein paar Jahren war man sich in Deutschland noch nicht einig
darüber, ob dies auch für Eltern gelten soll, die ihr Kind bestrafen
wollen. So war eine Ohrfeige als Mittel der Erziehung nicht verboten.
Im Jahr 2000 hat der Bundestag dies geändert. Er hat in das Erzie-
hungsrecht geschrieben: „Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie
Erziehung.“ Eine Ohrfeige ist in Deutschland also nicht mehr erlaubt.
Auch andere Gewalt ist verboten.

Wenn es zwischen Eltern und Kindern völlig schief läuft, brauchen


manchmal auch die Eltern Hilfe. Es liegt vielleicht daran, dass sie mit
sich selbst nicht zurechtkommen oder dass sie Probleme haben, die
sie alleine nicht in den Griff kriegen. Es gibt Beratungsstellen für
Familien, in denen über solche Probleme geredet und nach Lösungen
gesucht wird.

49
Kinder im Krieg
Jedes Jahr gibt es weltweit Kriege und militärische Auseinanderset-
zungen, die meisten davon in Afrika und Asien. Bomben explodieren,
es wird geschossen, Menschen werden verletzt oder sterben. In eini-
gen Ländern müssen auch Kinder in den Krieg ziehen: Sie müssen als
Soldaten kämpfen. Manchmal werden sie über Felder geschickt, um zu
sehen, ob der Feind dort Minen gelegt hat. Wenn die Kinder auf dem
Feld auf eine solche Mine treten, gibt es eine Explosion. Viele Kin-
der sterben dadurch, andere werden schwer verletzt und bleiben ihr
Leben lang behindert.

Die Experten und Politiker, die die Kinderrechtskonvention ausgear-


beitet haben, wollten eigentlich komplett verhindern, dass Kinder in
Kriegen kämpfen müssen. Doch das war schwierig. Deshalb steht in
Artikel 38 der Kinderrechtskonvention: Ein Kind, das als Soldat in den
Krieg geschickt wird, muss mindestens 15 Jahre alt sein.

Deutschland war mit diesem Artikel so nie einverstanden. Deutsche


Politiker finden 15 Jahre viel zu jung und forderten schon lange, dass
die Altersgrenze erhöht wird. Aber einige Länder, die die Kinderrech-
te unterschrieben haben, sind selbst in Kriege verwickelt. Manche
der Länder setzen Kinder als Soldaten ein. Wäre der Artikel über Kin-
der im Krieg strenger ausgefallen, hätten diese Länder wohl auch die
anderen Artikel der Kinderrechtskonvention nicht unterschrieben.

50
Dabei sind Kinder in einem Krieg diejenigen, die am meisten leiden
und sich am wenigsten helfen können. Oft bleibt ihnen nur die Flucht
in ein anderes, sicheres Land.

Um die Situation von Kindersoldaten zu verbessern, haben die Verein-


ten Nationen im Mai 2000 einen weiteren Vertrag geschlossen, der
die Kinderrechtskonvention ergänzt. In diesem 1. Zusatzprotokoll
heißt es, dass Soldaten mindestens 16 Jahre alt sein müssen und sie
auch zwischen 16 und 18 Jahren besser geschützt werden als bisher.
Diese Regel haben aber noch nicht alle Länder unterschrieben und
umgesetzt. In Deutschland ist das 1. Zusatzprotokoll am 13. Januar
2005 in Kraft getreten.

51
Kinder als Flüchtlinge

Samira, die mit ihrer Familie aus ihrer Heimat


geflohen ist, lebt nun in einem Nachbarland. Dort hat
eine Hilfsorganisation ein großes Flüchtlingslager
aufgebaut. Samira lebt mit ihren drei Geschwistern
und den Eltern in einem kleinen Zelt – sehr bequem
ist das nicht. Doch wenigstens sind sie in Sicherheit,
bekommen etwas zu essen und Samira kann im Flücht-
lingslager sogar wieder in die Schule gehen.
Am liebsten würde die Familie in ein Land in Europa
ausreisen. Samiras Vater würde sich dort gerne eine
Arbeit suchen, eine Wohnung mieten und für immer
mit seiner Familie in Sicherheit und Frieden leben.
Doch das ist nicht so einfach.

Ein Kind, das als Flüchtling in ein fremdes Land kommt, soll Schutz
und Hilfe erhalten. Dabei soll es keine Rolle spielen, ob das Kind mit
oder ohne Eltern in das Land geflohen ist. So fordert es Artikel 22 der
Kinderrechtskonvention.

Das bedeutet: Kommt ein Kind als Flüchtling in ein fremdes Land,
dann soll der Staat für eine Unterkunft und Essen sorgen. Wenn das
Kind alleine fliehen musste, soll der Staat ihm auch bei der Suche
nach seinen Eltern helfen. Können die Eltern des Kindes nicht gefun-
den werden, soll das Flüchtlingskind genauso geschützt werden wie
ein einheimisches Kind, das von seinen Eltern getrennt ist.

52
Ob in Deutschland dieses Recht so umgesetzt wird, wie es die Kinder-
rechtskonvention fordert, beurteilen Expertinnen und Experten unter-
schiedlich. Es geht dabei auch darum, ob Kinder und Jugendliche Asyl
bekommen. Das Wort „Asyl“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet
so viel wie „Unterkunft“. Asyl bekommen in Deutschland Menschen, die
in ihrer Heimat verfolgt werden und deshalb zum Beispiel Angst um ihr
Leben haben müssen. Das können Menschen sein, die unterdrückt werden,
zum Beispiel weil sie einen anderen Glauben haben als die Mehrheit.
Asyl gibt es auch für Menschen mit einer politischen Meinung, die
ihrer Regierung nicht gefällt. Auch wer eine gewisse Zeit nicht in sein
Heimatland zurück kann, weil es dort zum Beispiel wegen eines Krie-
ges gerade zu gefährlich für ihn ist, kann meistens eine Zeit lang in
Deutschland bleiben. So steht es in den deutschen Gesetzen.

Für Flüchtlinge aus dem Ausland ist es in den vergangenen Jahren


schwieriger geworden, in Deutschland bleiben zu dürfen – auch für
Kinder und Jugendliche. Seit einer Gesetzesänderung im Jahr 1993
sind die Asyl-Regeln für Flüchtlinge strenger geworden, wenn sie
über ein anderes sicheres Land nach Deutschland gereist sind. Ein
sicheres Land ist ein Land, in dem die Menschen nicht verfolgt wer-
den. Sie können dann zurück in dieses sichere Land geschickt werden,
um dort einen Asylantrag zu stellen, zum Beispiel in einen anderen
Staat der Europäischen Union. Der UN-Kinderrechteausschuss hat
kritisiert, dass diese Regeln für Kinder und Jugendliche zu hart sind.
Es gibt aber Ausnahmen: Kinder und Jugendliche, die ohne Eltern
nach Deutschland kommen, können auch dann in Deutschland bleiben,
wenn sie aus einem sicheren Land eingereist sind.

53
Viele Flüchtlinge werden aber gar nicht verfolgt, sondern sind ein-
fach nur sehr arm. Sie haben in ihrer Heimat keine Arbeit und müs-
sen oft auch hungern. Sie hoffen, in Deutschland ein besseres Leben
führen zu können. Viele Politiker sagen nun: Menschen, die nur nach
Deutschland kommen, weil sie in ihrer Heimat keine Arbeit haben
oder arm sind, können kein Asyl bekommen. Asyl gibt es nur für ver-
folgte Menschen.
Ob jemand die Voraussetzungen erfüllt und in Deutschland bleiben
darf, wird in einem Asylverfahren geprüft. Kinder, die mindestens
16 Jahre alt sind, können selbst einen Antrag auf Asyl stellen. Für die
jüngeren Kinder muss der Asylantrag von den Eltern gestellt werden
oder von einem Vertreter, der von einem Gericht eingesetzt wird. In
Zukunft sollen allerdings alle Kinder und Jugendlichen unter 18 Jah-
ren, die ohne ihre Eltern nach Deutschland kommen, einen Vertreter
bekommen, der sie in einem Asylverfahren unterstützt.

54
Drogen

Cool sein ist alles, findet Adrian. Er will auf jeden Fall zur
angesagtesten Clique seiner Schule gehören: Irgendwann
bringt ein Kumpel eine Flasche Alkohol mit, die gemeinsam
geleert wird – wer „nein“ sagt, ist draußen. Adrian macht
mit, auch wenn’s ihm am Anfang gar nicht schmeckt. Ab
dann ist immer öfter Alkohol dabei – kein Treffen, keine
Fete geht mehr ohne. Und irgendwann ist Alkoholtrinken
für Adrian ganz normal: Er wird ganz kribbelig, wenn er
mal einen Tag nichts bekommt – er ist abhängig, süchtig.

Alkohol, Zigaretten, Rauschgift und bestimmte Medikamente sind


Drogen, auch Suchtstoffe genannt. Wer regelmäßig viel Alkohol
trinkt, raucht oder diese Drogen nimmt, kann davon abhängig wer-
den. Das heißt, er kann ohne diese Stoffe nicht mehr auskommen.
Irgendwann braucht er immer mehr davon, obwohl er weiß, dass
es krank macht. Viele Menschen sterben jedes Jahr an ihrer Sucht:
Lungenkrebs durch Zigaretten, Leberversagen durch Alkohol, Tod
durch eine Überdosis Drogen wie Chrystal Meth.

55
Für Kinder sind Drogen besonders gefährlich, weil sie noch wachsen,
sich geistig und körperlich entwickeln. Das kann durch Drogen be-
einträchtigt werden. Deshalb müssen besonders Kinder vor Drogen
geschützt werden, fordert Artikel 33 der Kinderrechtskonvention.
Die Staaten, die die Konvention unterschrieben haben, sollen Gesetze
schaffen, die den Handel von Drogen und deren Gebrauch durch Kin-
der verbieten. In Deutschland schreibt ein Gesetz vor: Bier, Wein und
Zigaretten dürfen an Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren nicht
verkauft werden. Getränke, die sehr viel Alkohol enthalten, sind für
unter 18-Jährige verboten.

Außerdem sollen die Staaten in Schulen und Jugendzentren, durch


Drogenberatungsstellen und Info-Hefte Kinder über die Gefahren des
Drogenmissbrauchs aufklären. Wenn Kinder schon mit Drogen zu tun
hatten, vielleicht sogar schon süchtig sind, dann müssen sie die Mög-
lichkeit haben, mit Hilfe von Ärzten und besonderen Behandlungsme-
thoden von ihrer Sucht loszukommen.

56
Kinder als Straftäter
Manchmal kommt es vor, dass Kinder nicht die Opfer einer Straftat
sind, sondern selber Täter. Sie stehlen, schlagen und zerstören, sie
tun Dinge, die verboten und strafbar sind. Vielleicht hat ihnen keiner
beigebracht, was gut und böse ist, was man darf und was nicht. Viel-
leicht tun sie diese Dinge aber auch, um überleben zu können. Viele
Kinder weltweit leben auf der Straße, ohne Zuhause und ohne Eltern,
die für sie sorgen.

João lebt in einer großen Stadt. Jeden Tag zieht er


los mit einer kleinen Kiste. Darin liegen eine Dose
Schuhcreme, eine Bürste, ein Lappen. Jeden Tag stellt
er sich an die Ecke einer viel besuchten Einkaufsstra-
ße und hofft auf Kunden, denen er für ein bisschen
Geld die Schuhe putzen kann. Wenn er einen guten
Tag und etwas Geld verdient hat, kauft er etwas zu
essen – für sich und die anderen Kinder, die wie er
auf der Straße leben. Ist es schlecht gelaufen, dann
wird João zum Dieb, um satt zu werden. Manchmal
stiehlt er nur etwas zu essen oder zu trinken. Ab und
zu greift er auch nach einem Geldbeutel. Am Abend
treffen sich die Straßenkinder in einem Park. Dort
wird geteilt, was jeder ergattern konnte. Und dort
wird auch geschlafen.

57
Etliche Polizisten in der Stadt, in der Joao lebt, mögen die Straßenkin-
der nicht. Deshalb kommt es immer wieder vor, dass in der Nacht eine
Gruppe von Polizisten auftaucht und die Kinder ins Gefängnis bringt.
Dort kann es vorkommen, dass sie misshandelt, gefoltert und sexuell
missbraucht, manchmal sogar umgebracht werden. „Einer weniger, der
unsere Straßen verschmutzt“, denken Polizisten, die so etwas tun.

Vor allem Kinder wie João sollen durch die Artikel 37 und 40 der Kin-
derrechtskonvention davor geschützt werden, festgenommen und im
Gefängnis misshandelt zu werden. Aber auch Kinder oder Jugendliche,
die im Supermarkt etwas gestohlen, ein Auto geknackt oder andere
Kinder verprügelt haben, sollen gegenüber Polizei und Gericht beson-
deren Schutz genießen.

Deshalb fordert die Kinderrechtskonvention: Alle Staaten sollen ein


Mindestalter festlegen, ab dem ein Kind „strafmündig“ ist. Das be-
deutet: Erst wenn ein Kind ein bestimmtes Alter erreicht hat, kann es
für seine Tat verantwortlich gemacht werden, festgenommen und zum
Beispiel vor ein Gericht gestellt werden. In Deutschland gibt es eine
solche Altersgrenze: Hier sind Jugendliche ab 14 Jahren strafmündig.

In anderen Ländern ist das nicht so. Doch die Kinderrechtskonvention


fordert außerdem: Kinder oder Jugendliche, die verdächtigt werden,
eine Straftat begangen zu haben, sollen solange als unschuldig gelten,
bis ihre Schuld eindeutig bewiesen ist. In Deutschland gilt dies übri-
gens nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern auch für Erwachse-
ne, die verdächtig sind, eine strafbare Handlung begangen zu haben.

58
Wenn Kinder oder Jugendliche verhaftet werden, dann dürfen sie von
der Polizei nicht misshandelt werden. Wenn Kinder oder Jugendliche
in ein Gefängnis kommen, dann müssen sie von erwachsenen Gefan-
genen getrennt werden. Und sie dürfen durch Briefe und Besuche mit
ihren Familien in Kontakt bleiben.
Kinder und Jugendliche, die verdächtigt werden, eine Straftat began-
gen zu haben, brauchen einen Erwachsenen, der ihnen hilft, sich zu
verteidigen. Das können die Eltern sein, aber auch ein Anwalt, der sie
vor Gericht vertritt.

Wenn es zu einem Gerichtsverfahren kommt, sollen Kinder und Jugend-


liche einen Richter oder eine Richterin haben, der auf sie eingeht. In
Deutschland gibt es dafür besondere Jugendgerichte. Als Urteil soll
eine Gefängnisstrafe nur als allerletztes Mittel verhängt werden. To-
desstrafe oder lebenslänglicher Freiheitsentzug sind verboten.

Am besten ist es, so sagt die Kinderrechtskonvention, wenn versucht


wird, das Kind oder den Jugendlichen ohne gerichtlichen Prozess und
ohne Gefängnis zu bestrafen. Denn für Kinder oder Jugendliche soll
Strafe vor allem Hilfe bedeuten. Sie sollen Unterstützung bekommen,
um als Erwachsene ein Leben ohne Gewalt und Verbrechen zu führen.
Statt Gefängnis kann der Richter deshalb in Deutschland zum Beispiel
verlangen, dass ein Jugendlicher eine Zeit lang regelmäßig anderen
hilft.

Gefängnis

59
Sicher habt ihr bemerkt:
Dauernd heißt es in diesem Buch
... es soll oder
... sie sollen …

Obwohl fast alle Staaten der Welt die Kinderrechtskonvention unter-


schrieben haben, kann sie niemand zwingen, sich auch daran zu halten.

Trotzdem ist die Kinderrechtskonvention wichtig: Die Kinderrechts-


konvention macht sich für die Rechte der Kinder stark. Und je mehr
Kinder und Erwachsene darüber Bescheid wissen, desto größer ist die
Chance, dass viele Staaten sich daran halten. Und desto besser geht
es allen Kindern auf der Welt.

60
III. Schnellmerker:
10 wichtige Kinderrechte
Zum Schnellmerken und Weitersagen

1. Gleichheit: Kein Kind darf benachteiligt werden.

2. Gesundheit: Kinder sollen gesund leben, Geborgenheit finden


und keine Not leiden müssen.

3. Bildung: Kinder sollen lernen und eine Ausbildung machen


dürfen, die ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten entspricht.

4. Information, freie Meinungsäußerung und Beteiligung: Kinder


haben das Recht, sich alle Informationen zu beschaffen, die
sie brauchen, und ihre eigene Meinung zu verbreiten.
Kinder sollen bei allen Fragen, die sie betreffen, mitbestimmen
und sagen, was sie denken.

5. Freizeit, Spielen und Erholung: Kinder müssen freie Zeit haben,


sie sollen spielen und sich erholen dürfen.

6. Elterliche Fürsorge: Jedes Kind hat das Recht mit seinen Eltern
aufzuwachsen, auch wenn diese nicht zusammenwohnen.
Geht das nicht, dann sollen sich zum Beispiel Pflegeeltern um
das Kind kümmern.

7. Gewaltfreie Erziehung: Kinder haben das Recht, ohne Gewalt


aufzuwachsen und erzogen zu werden.

8. Schutz im Krieg und auf der Flucht: Kinder müssen im Krieg


und auf der Flucht besonders geschützt werden.

9. Schutz vor wirtschaftlicher und sexueller Ausbeutung:


Kinder haben das Recht vor Gewalt, Missbrauch sowie sexueller
und wirtschaftlicher Ausbeutung geschützt zu werden.

10. Besondere Fürsorge und Förderung bei Behinderung:


Kinder mit Behinderungen sollen besonders umsorgt und
gefördert werden, damit sie aktiv am Leben teilnehmen können.

61
62
IV. So kümmern sich Kinder
um ihre Rechte
Persönliche Rechte
„Ich werde in der Schule gemobbt“; „Meine Eltern schlagen mich oft“;
„Ich will etwas über Verhütungsmittel wissen“.

In solchen und ähnlichen Situationen kann es wichtig sein, mit jeman-


dem zu sprechen und sich Tipps zu holen, ohne dass es sonst irgend-
wer erfährt. Dafür gibt es die kostenlose „Nummer gegen Kummer“,
die Kinder und Jugendliche wählen können, wenn sie ein persönliches
Problem haben.

Das Kinder- und Jugendtelefon ist erreichbar von


Montag bis Samstag zwischen 14 - 20 Uhr unter: 0800 111 0333

Es kostet nichts dort anzurufen!

Das Kinder- und Jugendtelefon ist ein bundesweites Angebot von


Nummer gegen Kummer e.V. – Mitglied im Deutschen Kinderschutz-
bund. Am Telefon melden sich erwachsene Helfer, die extra dafür
ausgebildet wurden mit Kindern und Jugendlichen zu sprechen.
Die Helfer können am Telefon nur Tipps geben. Deshalb werden sie
oft fragen, ob es in eurer Nähe Erwachsene gibt, die euch helfen kön-
nen, zum Beispiel Bekannte, Lehrer, Ärzte. Nur in besonderen Fällen
fragen die Helfer vielleicht, ob nicht das Jugendamt eingreifen soll.
Aber das passiert nur, wenn die Anrufer es selbst wollen.

63
Die Gespräche bleiben anonym.

Das heißt: Der Helfer am Telefon erzählt niemandem, wer angerufen


hat und was am Telefon gesprochen wurde. Ihr müsst nicht euren
Namen sagen! Der Erwachsene kann an der Telefonanzeige auch nicht
erkennen, welche Telefonnummer ihr habt.

Wenn es am Sonntag ein dringendes Problem gibt, könnt ihr in der


Tageszeitung nachschauen, ob auf der Veranstaltungsseite ein Kin-
derschutzzentrum oder eine Notruftelefonnummer extra für Kinder
angegeben ist.

G
UN
IT
ZE

Politische Rechte
„Vor unserer Schule sollte es dringend eine Ampel geben“; „Wir möch-
ten eine Halfpipe zum Inlineskating“; „Ich will etwas gegen Armut
und Umweltverschmutzung tun“.

Wenn ihr solche und ähnliche Ideen und Vorschläge habt, könnt ihr
aktiv werden – und dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten:
In vielen Städten und Gemeinden gibt es zum Beispiel Kinderbüros,
Kinderkommissionen, Kinderbeauftragte oder Kinder- und Jugendpar-
lamente. Dort bekommt ihr Tipps, was ihr dafür tun könnt, damit sich
in eurem Dorf oder in eurer Stadt etwas ändert.

Außerdem gibt es viele Organisationen in Deutschland, die sich für


die Rechte der Kinder stark machen. Hier findet ihr einige davon:

National Coalition
In der „National Coalition Deutschland – Netzwerk zur Umsetzung
der UN-Kinderrechtskonvention“ (abgekürzt: NC) haben sich mehr als
110 Organisationen und Vereine zusammengeschlossen, die sich für
Kinderrechte in Deutschland stark machen.

64
Um die Kinderrechte bekannter zu machen, richtet die NC regelmä-
ßig Fachtagungen aus und erarbeitet Informationsbroschüren für
Erwachsene und Kinder. Außerdem treffen sich NC-Experten auch mit
dem Kinderrechtsausschuss der Vereinten Nationen und berichten
dort, was in Deutschland für die Kinderrechte getan wird und was
nicht. Mehr über die Arbeit und die Mitglieder der National Coalition
erfahrt ihr hier:

Mehr Infos unter:


[Link]

Lokales Bündnis für Familien


Vielleicht gibt es bei euch ein Lokales Bündnis für Familie, an das
ihr euch wenden könnt. In einem solchen Bündnis haben sich mehre-
re Partner zusammengetan, um durch Projekte vor Ort die Situation
für Kinder und Eltern zu verbessern. Dabei geht es zum Beispiel um
Betreuung von Kindern, Ferienprogramm, Spielplätze, Gefahren auf
Schulwegen und vieles mehr.

Ob es bei euch so ein Bündnis gibt, könnt ihr auf der folgenden Inter-
netseite unter „Bündnisse A – Z“ sehen, die das Bundesministerium
für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zusammengestellt hat:

[Link]

65
Deutsches Kinderhilfswerk
Das „Deutsche Kinderhilfswerk“ setzt sich dafür ein, dass die Kinder-
rechte beachtet werden, dass weniger Kinder in Armut leben und dass
Kinder bei vielen Entscheidungen mitreden können. Damit Kinder
noch mehr über ihre Rechte erfahren, gibt es eine extra Internetsei-
te zu den Kinderrechten – und zwar hier:

[Link] (für Kinder)


[Link] (für Erwachsene)
Deutsches Kinderhilfswerk e.V.
Leipziger Str. 116-118
10117 Berlin
Tel.: 030/ 308693-0
Email: info@[Link]

Hilfsorganisation „terres des hommes“


Die Organisation „terre des hommes“ (sprich: „tär de somm“. Das ist
Französisch und bedeutet auf Deutsch: „Erde der Menschlichkeit“)
setzt sich für ein besseres Leben von Kindern und Jugendlichen in ar-
men Ländern ein. Auch ihr könnt bei dieser Arbeit mithelfen, zum Bei-
spiel indem ihr bei einem Kinderrechteteam von „terre des hommes“
mitmacht oder – wenn es so ein Team in eurer Gegend noch nicht gibt
– eine solche Gruppe mitgründet. Wendet euch an:

[Link]
terre des hommes
Hilfe für Kinder in Not
Ruppenkampstraße 11 a
49084 Osnabrück
Tel.: 05 41 / 71 01-0
Fax: 05 41 / 70 72 33
Email: info@[Link]

66
Deutscher Kinderschutzbund
Der Deutsche Kinderschutzbund setzt sich dafür ein, dass Kinder vor
Gewalt und Armut geschützt werden und dass die Kinderrechte in
Deutschland umgesetzt werden. Wenn Kinder und Eltern Probleme
haben, können sie sich an ein Beratungszentrum des örtlichen Kinder-
schutzbundes wenden. Wo es so ein Zentrum gibt erfahrt ihr hier:

[Link]
Deutscher Kinderschutzbund Bundesverband e.V.
Bundesgeschäftsstelle
Schöneberger Str. 15
10963 Berlin
Tel.: 030 / 214 809 - 0
Fax: 030 / 214 809 - 99
Email: info@[Link]

Kindernothilfe
Die „Kindernothilfe“ will dafür sorgen, dass die Rechte der Kinder
weltweit beachtet werden. Um das zu erreichen, unterstützt sie viele
Projekte weltweit und sorgt so zum Beispiel in armen Ländern dafür,
dass mehr Kinder ohne Gewalt aufwachsen und zur Schule gehen kön-
nen. Mehr Infos zu der Organisation bekommt ihr hier:

[Link]
Düsseldorfer Landstraße 180

47249 Duisburg
Tel.: 0203.7789-0
Fax: 0203.7789-118
Email: info@[Link]

67
UNICEF: Aktion JuniorBotschafter
UNICEF, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen setzt sich dafür
ein, dass Kinder und Jugendliche ihre Rechte kennen. Deshalb veran-
staltet UNICEF jedes Jahr den Wettbewerb „UNICEF-JuniorBotschafter
des Jahres“. JuniorBotschafter kann jeder werden, der sich für die
Kinderrechte einsetzt und darüber berichtet. Infos über den Wettbe-
werb bekommt ihr hier:

[Link]
UNICEF JuniorBotschafter
Höninger Weg 104
50969 Köln
Email: juniorbotschafter@[Link]

68
Infos über Kinderrechte bei ZDFtivi

Bei tivi, dem Kinder- und Jugendprogramm des ZDF, bekommt ihr
immer wieder viele Informationen über die Rechte der Kinder.

Die Kindernachrichtensendung logo! berichtet zum Beispiel täglich


über aktuelle Ereignisse auf der ganzen Welt. Dabei geht es unter an-
derem auch um Vereinbarungen von Politikern zu den Kinderrechten,
besondere Aktionen am Kinderschutztag oder Preise für Menschen,
die sich besonders für andere einsetzen. Wenn ihr euch für die Kin-
derrechte einsetzt und eine besondere Aktion plant, dann schreibt
doch eine Email an

logo@[Link] oder ruft an unter: 06131/ 70 61 23.

Bei KiKA gibt’s eure Kindernachrichtensendung logo!


täglich, und zwar:

Von Samstag bis Donnerstag um 19.50 Uhr,

Am Freitag um 19.25 Uhr und

von Montag bis Freitag als Kurznachrichten um 14.08 Uhr


und 16.15 Uhr

Aktuelle Infos, Hintergrundberichte, Foren, Quizze, alle Sendungen


der vergangenen Tage als Stream und Podcast und vieles mehr gibt’s
auch im Internet unter [Link].

69
70
V. Vertragstexte:
Übereinkommen über die Rechte des Kindes
vom 20. November 1989

Präambel der Anspruch auf besondere Fürsorge und


Die Vertragsstaaten dieses Unterstützung haben, überzeugt, dass der
Übereinkommens – Familie als Grundeinheit der Gesellschaft
und natürlicher Umgebung für das Wach-
in der Erwägung, dass nach den in der sen und Gedeihen aller ihrer Mitglieder,
Charta der Vereinten Nationen verkündeten insbesondere der Kinder, der erforderliche
Grundsätzen die Anerkennung der allen Schutz und Beistand gewährt werden sollte,
Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft damit sie ihre Aufgaben innerhalb der Ge-
innewohnenden Würde und der Gleichheit meinschaft voll erfüllen kann,
und Unveräußerlichkeit ihrer Rechte die
Grundlage von Freiheit, Gerechtigkeit und in der Erkenntnis, dass das Kind zur vollen
Frieden in der Welt bildet, und harmonischen Entfaltung seiner Per-
sönlichkeit in einer Familie und umgeben
eingedenk dessen, dass die Völker der von Glück, Liebe und Verständnis aufwach-
Vereinten Nationen in der Charta ihren sen sollte,
Glauben an die Grundrechte und an Würde
und Wert des Menschen bekräftigt und be- in der Erwägung, dass das Kind umfassend
schlossen haben, den sozialen Fortschritt auf ein individuelles Leben in der Gesell-
und bessere Lebensbedingungen in größe- schaft vorbereitet und im Geist der in der
rer Freiheit zu fördern, Charta der Vereinten Nationen verkündeten
Ideale und insbesondere im Geist des Frie-
in der Erkenntnis, dass die Vereinten dens, der Würde, der Toleranz, der Freiheit,
Nationen in der Allgemeinen Erklärung der Gleichheit und der Solidarität erzogen
der Menschenrechte und in den Internati- werden sollte,
onalen Menschenrechtspakten verkündet
haben und übereingekommen sind, dass eingedenk dessen, dass die Notwendigkeit,
jeder Mensch Anspruch hat auf alle darin dem Kind besonderen Schutz zu gewähren,
verkündeten Rechte und Freiheiten ohne in der Genfer Erklärung von 1924 über
Unterscheidung, etwa nach der Rasse, der die Rechte des Kindes und in der von der
Hautfarbe, dem Geschlecht, der Sprache, Generalversammlung am 20. November 1959
der Religion, der politischen oder sonstigen angenommenen Erklärung der Rechte des
Anschauung, der nationalen oder sozialen Kindes ausgesprochen und in der Allge-
Herkunft, dem Vermögen, der Geburt oder meinen Erklärung der Menschenrechte,
dem sonstigen Status, im Internationalen Pakt über bürgerliche
und politische Rechte (insbesondere in den
unter Hinweis darauf, dass die Vereinten Artikeln 23 und 24), im Internationalen Pakt
Nationen in der Allgemeinen Erklärung der über wirtschaftliche, soziale und kulturelle
Menschenrechte verkündet haben, dass Kin- Rechte (insbesondere in Artikel 10) sowie in

71
den Satzungen und den in Betracht kommen- Teil I
den Dokumenten der Sonderorganisationen
und anderen internationalen Organisa- Artikel 1
tionen, die sich mit dem Wohl des Kindes [Geltung für das Kind;
befassen, anerkannt worden ist, Begriffsbestimmung] 1
Im Sinne dieses Übereinkommens ist ein
eingedenk dessen, dass, wie in der Erklä- Kind jeder Mensch, der das achtzehnte
rung der Rechte des Kindes ausgeführt ist, Lebensjahr noch nicht vollendet hat, soweit
„das Kind wegen seiner mangelnden kör- die Volljährigkeit nach dem auf das Kind
perlichen und geistigen Reife besonderen anzuwendenden Recht nicht früher eintritt.
Schutzes und besonderer Fürsorge, insbe-
sondere eines angemessenen rechtlichen Artikel 2
Schutzes vor und nach der Geburt, bedarf“, [Achtung der Kindesrechte;
Diskriminierungsverbot]
unter Hinweis auf die Bestimmungen der (1) Die Vertragsstaaten achten die in
Erklärung über die sozialen und rechtlichen diesem Übereinkommen festgelegten
Grundsätze für den Schutz und das Wohl Rechte und gewährleisten sie jedem
von Kindern unter besonderer Berücksich- ihrer Hoheitsgewalt unterstehenden
tigung der Aufnahme in eine Pflegefamilie Kind ohne jede Diskriminierung unab-
und der Adoption auf nationaler und inter- hängig von der Rasse, der Hautfarbe,
nationaler Ebene, der Regeln der Vereinten dem Geschlecht, der Sprache, der
Nationen über die Mindestnormen für die Religion, der politischen oder sonstigen
Jugendgerichtsbarkeit (Beijing-Regeln) und Anschauung, der nationalen, ethnischen
der Erklärung über den Schutz von Frauen oder sozialen Herkunft, des Vermögens,
und Kindern im Ausnahmezustand und bei einer Behinderung, der Geburt oder
bewaffneten Konflikten, des sonstigen Status des Kindes, seiner
Eltern oder seines Vormunds.
in der Erkenntnis, dass es in allen Ländern (2) Die Vertragsstaaten treffen alle
der Welt Kinder gibt, die in außerordentlich geeigneten Maßnahmen, um sicherzu-
schwierigen Verhältnissen leben, und dass stellen, dass das Kind vor allen Formen
diese Kinder der besonderen Berücksichti- der Diskriminierung oder Bestrafung
gung bedürfen, wegen des Status, der Tätigkeiten, der
Meinungsäußerungen oder der Weltan-
unter gebührender Beachtung der Bedeu- schauung seiner Eltern, seines Vor-
tung der Traditionen und kulturellen Werte munds oder seiner Familienangehörigen
jedes Volkes für den Schutz und die harmo- geschützt wird.
nische Entwicklung des Kindes,
Artikel 3
in Anerkennung der Bedeutung der interna- [Wohl des Kindes]
tionalen Zusammenarbeit für die Verbesse- (1) Bei allen Maßnahmen, die Kinder betref-
rung der Lebensbedingungen der Kinder in fen, gleichviel ob sie von öffentlichen
allen Ländern, insbesondere den Entwick- oder privaten Einrichtungen der sozia-
lungsländern – len Fürsorge, Gerichten, Verwaltungs-
behörden oder Gesetzgebungsorganen
haben folgendes vereinbart: getroffen werden, ist das Wohl des
Kindes ein Gesichtspunkt, der vorrangig
zu berücksichtigen ist.

1
Überschriften von der Redaktion hinzugefügt;
gehören nicht zum amtlichen Dokument
72
(2) Die Vertragsstaaten verpflichten sich, Artikel 6
dem Kind unter Berücksichtigung der [Recht auf Leben]
Rechte und Pflichten seiner Eltern, sei- (1) Die Vertragsstaaten erkennen an, dass
nes Vormunds oder anderer für das Kind jedes Kind ein angeborenes Recht auf
gesetzlich verantwortlicher Personen Leben hat.
den Schutz und die Fürsorge zu gewähr- (2) Die Vertragsstaaten gewährleisten in
leisten, die zu seinem Wohlergehen not- größtmöglichem Umfang das Überleben
wendig sind; zu diesem Zweck treffen und die Entwicklung des Kindes.
sie alle geeigneten Gesetzgebungs- und
Verwaltungsmaßnahmen. Artikel 7
(3) Die Vertragsstaaten stellen sicher, [Geburtsregister, Name,
dass die für die Fürsorge für das Kind Staatsangehörigkeit]
oder dessen Schutz verantwortlichen (1) Das Kind ist unverzüglich nach seiner
Institutionen, Dienste und Einrichtun- Geburt in ein Register einzutragen und
gen den von den zuständigen Behörden hat das Recht auf einen Namen von Ge-
festgelegten Normen entsprechen, burt an, das Recht, eine Staatsangehö-
insbesondere im Bereich der Sicherheit rigkeit zu erwerben, und soweit möglich
und der Gesundheit sowie hinsichtlich das Recht, seine Eltern zu kennen und
der Zahl und der fachlichen Eignung von ihnen betreut zu werden.
des Personals und des Bestehens einer (2) Die Vertragsstaaten stellen die Ver-
ausreichenden Aufsicht. wirklichung dieser Rechte im Einklang
mit ihrem innerstaatlichen Recht und
Artikel 4 mit ihren Verpflichtungen aufgrund der
[Verwirklichung der Kindesrechte] einschlägigen internationalen Über-
Die Vertragsstaaten treffen alle geeig- einkünfte in diesem Bereich sicher,
neten Gesetzgebungs-, Verwaltungs- und insbesondere für den Fall, dass das Kind
sonstigen Maßnahmen zur Verwirklichung sonst staatenlos wäre.
der in diesem Übereinkommen anerkannten
Rechte. Hinsichtlich der wirtschaftlichen, Artikel 8
sozialen und kulturellen Rechte treffen [Identität]
die Vertragsstaaten derartige Maßnahmen (1) Die Vertragsstaaten verpflichten sich,
unter Ausschöpfung ihrer verfügbaren Mit- das Recht des Kindes zu achten, seine
tel und erforderlichenfalls im Rahmen der Identität, einschließlich seiner Staats-
internationalen Zusammenarbeit. angehörigkeit, seines Namens und
seiner gesetzlich anerkannten Fami-
Artikel 5 lienbeziehungen, ohne rechtswidrige
[Respektierung des Elternrechts] Eingriffe zu behalten.
Die Vertragsstaaten achten die Aufgaben, (2) Werden einem Kind widerrechtlich
Rechte und Pflichten der Eltern oder gege- einige oder alle Bestandteile seiner
benenfalls, soweit nach Ortsbrauch vorge- Identität genommen, so gewähren die
sehen, der Mitglieder der weiteren Familie Vertragsstaaten ihm angemessenen
oder der Gemeinschaft, des Vormunds oder Beistand und Schutz mit dem Ziel, seine
anderer für das Kind gesetzlich verantwort- Identität so schnell wie möglich wie-
licher Personen, das Kind bei der Ausübung derherzustellen.
der in diesem Übereinkommen anerkannten
Rechte in einer seiner Entwicklung entspre-
chenden Weise angemessen zu leiten und zu
führen.

73
Artikel 9 Antrags keine nachteiligen Folgen für
[Trennung von den Eltern; den oder die Betroffenen hat.
persönlicher Umgang]
(1) Die Vertragsstaaten stellen sicher, dass Artikel 10
ein Kind nicht gegen den Willen seiner (Familienzusammenführung;
Eltern von diesen getrennt wird, es sei grenzüberschreitende Kontakte)
denn, dass die zuständigen Behörden (1) Entsprechend der Verpflichtung der
in einer gerichtlich nachprüfbaren Vertragsstaaten nach Artikel 9 Absatz 1
Entscheidung nach den anzuwenden- werden von einem Kind oder seinen El-
den Rechtsvorschriften und Verfahren tern zwecks Familienzusammenführung
bestimmen, dass diese Trennung zum gestellte Anträge auf Einreise in einen
Wohl des Kindes notwendig ist. Eine Vertragsstaat oder Ausreise aus einem
solche Entscheidung kann im Einzelfall Vertragsstaat von den Vertragsstaaten
notwendig werden, wie etwa wenn das wohlwollend, human und beschleunigt
Kind durch die Eltern misshandelt oder bearbeitet. Die Vertragsstaaten stellen
vernachlässigt wird oder wenn bei ferner sicher, dass die Stellung eines
getrennt lebenden Eltern eine Ent- solchen Antrags keine nachteiligen
scheidung über den Aufenthaltsort des Folgen für die Antragssteller und deren
Kindes zu treffen ist. Familienangehörige hat.
(2) In Verfahren nach Absatz 1 ist allen (2) Ein Kind, dessen Eltern ihren Aufenthalt
Beteiligten Gelegenheit zu geben, am in verschiedenen Staaten haben, hat
Verfahren teilzunehmen und ihre Mei- das Recht, regelmäßige persönliche
nung zu äußern. Beziehungen und unmittelbare Kontak-
(3) Die Vertragsstaaten achten das Recht te zu beiden Elternteilen zu pflegen,
des Kindes, das von einem oder beiden soweit nicht außergewöhnliche Umstän-
Elternteilen getrennt ist, regelmäßige de vorliegen. Zu diesem Zweck achten
persönliche Beziehungen und unmittel- die Vertragsstaaten entsprechend ihrer
bare Kontakte zu beiden Elternteilen zu Verpflichtung nach Artikel 9 Absatz 1
pflegen, soweit dies nicht dem Wohl des das Recht des Kindes und seiner Eltern,
Kindes widerspricht. aus jedem Land einschließlich ihres
(4) Ist die Trennung Folge einer von einem eigenen auszureisen und in ihr eigenes
Vertragsstaat eingeleiteten Maßnahme, Land einzureisen. Das Recht auf Aus-
wie etwa einer Freiheitsentziehung, reise aus einem Land unterliegt nur
Freiheitsstrafe, Landesverweisung oder den gesetzlich vorgesehenen Beschrän-
Abschiebung oder des Todes eines oder kungen, die zum Schutz der nationalen
beider Elternteile oder des Kindes (auch Sicherheit, der öffentlichen Ordnung
eines Todes, der aus irgendeinem Grund (ordre public), der Volksgesundheit, der
eintritt, während der Betreffende sich öffentlichen Sittlichkeit oder der Rech-
in staatlichem Gewahrsam befindet), so te und Freiheiten anderer notwendig
erteilt der Vertragsstaat auf Antrag der und mit den anderen in diesem Überein-
Eltern, dem Kind oder gegebenenfalls kommen anerkannten Rechten vereinbar
einem anderen Familienangehörigen sind.
die wesentlichen Auskünfte über den
Verbleib des oder der abwesenden Fami- Artikel 11
lienangehörigen, sofern dies nicht dem [Rechtswidrige Verbringung von
Wohl des Kindes abträglich wäre. Die Kindern ins Ausland]
Vertragsstaaten stellen ferner sicher, (1) Die Vertragsstaaten treffen Maß-
dass allein die Stellung eines solchen nahmen, um das rechtswidrige Ver-

74
bringen von Kindern ins Ausland und der öffentlichen Ordnung (ordre public),
ihre rechtswidrige Nichtrückgabe zu der Volksgesundheit oder der öffentli-
bekämpfen. chen Sittlichkeit.
(2) Zu diesem Zweck fördern die Vertrags-
staaten den Abschluss zwei- oder Artikel 14
mehrseitiger Übereinkünfte oder den [Gedanken-, Gewissens- und
Beitritt zu bestehenden Übereinkünf- Religionsfreiheit]
ten. (1) Die Vertragsstaaten achten das Recht
des Kindes auf Gedanken-, Gewissens-
Artikel 12 und Religionsfreiheit.
[Berücksichtigung des (2) Die Vertragsstaaten achten die Rechte
Kindeswillens] und Pflichten der Eltern und gegebe-
(1) Die Vertragsstaaten sichern dem Kind, nenfalls des Vormunds, das Kind bei der
das fähig ist, sich eine eigene Meinung Ausübung dieses Rechts in einer seiner
zu bilden, das Recht zu, diese Meinung Entwicklung entsprechenden Weise zu
in allen das Kind berührenden Ange- leiten.
legenheiten frei zu äußern, und be- (3) Die Freiheit, seine Religion oder Welt-
rücksichtigen die Meinung des Kindes anschauung zu bekunden, darf nur den
angemessen und entsprechend seinem gesetzlich vorgesehenen Einschrän-
Alter und seiner Reife. (2) Zu diesem kungen unterworfen werden, die zum
Zweck wird dem Kind insbesondere Schutz der öffentlichen Sicherheit,
Gelegenheit gegeben, in allen das Kind Ordnung, Gesundheit oder Sittlichkeit
berührenden Gerichts- oder Verwal- oder der Grundrechte und -freiheiten
tungsverfahren entweder unmittelbar anderer erforderlich sind.
oder durch einen Vertreter oder eine
geeignete Stelle im Einklang mit den Artikel 15
innerstaatlichen Verfahrensvorschrif- [Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit]
ten gehört zu werden. (1) Die Vertragsstaaten erkennen das
Recht des Kindes an, sich frei mit an-
Artikel 13 deren zusammenzuschließen und sich
[Meinungs- und friedlich zu versammeln.
Informationsfreiheit] (2) Die Ausübung dieses Rechts darf keinen
(1) Das Kind hat das Recht auf freie Mei- anderen als den gesetzlich vorgese-
nungsäußerung; dieses Recht schließt henen Einschränkungen unterworfen
die Freiheit ein, ungeachtet der Staats- werden, die in einer demokratischen
grenzen Informationen und Gedan- Gesellschaft im Interesse der nationa-
kengut jeder Art in Wort, Schrift oder len oder der öffentlichen Sicherheit,
Druck, durch Kunstwerke oder andere der öffentlichen Ordnung (ordre public),
vom Kind gewählte Mittel sich zu zum Schutz der Volksgesundheit oder
beschaffen, zu empfangen und weiterzu- der öffentlichen Sittlichkeit oder zum
geben. Schutz der Rechte und Freiheiten ande-
(2) Die Ausübung dieses Rechts kann rer notwendig sind.
bestimmten, gesetzlich vorgesehenen
Einschränkungen unterworfen werden, Artikel 16
die erforderlich sind [Schutz der Privatsphäre und Ehre]
a) für die Achtung der Rechte oder des Ru- (1) Kein Kind darf willkürlichen oder rechts-
fes anderer oder widrigen Eingriffen in sein Privatleben,
b) für den Schutz der nationalen Sicherheit, seine Familie, seine Wohnung oder

75
seinen Schriftverkehr oder rechtswidri- Artikel 18
gen Beeinträchtigungen seiner Ehre und [Verantwortung für das Kindeswohl]
seines Rufes ausgesetzt werden. (1) Die Vertragsstaaten bemühen sich nach
(2) Das Kind hat Anspruch auf rechtlichen besten Kräften, die Anerkennung des
Schutz gegen solche Eingriffe oder Grundsatzes sicherzustellen, dass beide
Beeinträchtigungen. Elternteile gemeinsam für die Erzie-
hung und Entwicklung des Kindes ver-
Artikel 17 antwortlich sind. Für die Erziehung und
[Zugang zu den Medien; Kinder- und Entwicklung des Kindes sind in erster
Jugendschutz] Linie die Eltern oder gegebenenfalls
Die Vertragsstaaten erkennen die wich- der Vormund verantwortlich. Dabei ist
tige Rolle der Massenmedien an und das Wohl des Kindes ihr Grundanliegen.
stellen sicher, dass das Kind Zugang hat (2) Zur Gewährleistung und Förderung der
zu Informationen und Material aus einer in diesem Übereinkommen festgeleg-
Vielfalt nationaler und internationaler ten Rechte unterstützen die Vertrags-
Quellen, insbesondere derjenigen, welche staaten die Eltern und den Vormund in
die Förderung seines sozialen, seelischen angemessener Weise bei der Erfüllung
und sittlichen Wohlergehens sowie seiner ihrer Aufgabe, das Kind zu erziehen, und
körperlichen und geistigen Gesundheit zum sorgen für den Ausbau von Institutio-
Ziel haben. Zu diesem Zweck werden die nen, Einrichtungen und Diensten für die
Vertragsstaaten Betreuung von Kindern.
a) die Massenmedien ermutigen, Informa- (3) Die Vertragsstaaten treffen alle geeig-
tionen und Material zu verbreiten, die neten Maßnahmen, um sicherzustellen,
für das Kind von sozialem und kultu- dass Kinder berufstätiger Eltern das
rellem Nutzen sind und dem Geist des Recht haben, die für sie in Betracht
Artikels 29 entsprechen; kommenden Kinderbetreuungsdienste
b) die internationale Zusammenarbeit bei und -einrichtungen zu nutzen.
der Herstellung, beim Austausch und
bei der Verbreitung dieser Informati- Artikel 19
onen und dieses Materials aus einer [Schutz vor Gewaltanwendung,
Vielfalt nationaler und internationaler Misshandlung, Verwahrlosung]
kultureller Quellen fördern; (1) Die Vertragsstaaten treffen alle geeig-
c) die Herstellung und Verbreitung von neten Gesetzgebungs-, Verwaltungs-,
Kinderbüchern fördern; Sozial- und Bildungsmaßnahmen, um das
d) die Massenmedien ermutigen, den Kind vor jeder Form körperlicher oder
sprachlichen Bedürfnissen eines Kin- geistiger Gewaltanwendung, Scha-
des, das einer Minderheit angehört oder denzufügung oder Misshandlung, vor
Ureinwohner ist, besonders Rechnung Verwahrlosung oder Vernachlässigung,
zu tragen; vor schlechter Behandlung oder Aus-
e) die Erarbeitung geeigneter Richtlinien beutung einschließlich des sexuellen
zum Schutz des Kindes vor Informatio- Missbrauchs zu schützen, solange es
nen und Material, die sein Wohlergehen sich in der Obhut der Eltern oder eines
beeinträchtigen, fördern, wobei die Elternteils, eines Vormunds oder ande-
Artikel 13 und 18 zu berücksichtigen ren gesetzlichen Vertreters oder einer
sind. anderen Person befindet, die das Kind
betreut.
(2) Diese Schutzmaßnahmen sollen je nach
den Gegebenheiten wirksame Verfahren

76
zur Aufstellung von Sozialprogrammen Behörden bewilligt wird, die nach den
enthalten, die dem Kind und denen, die anzuwendenden Rechtsvorschriften und
es betreuen, die erforderliche Unter- Verfahren und auf der Grundlage aller
stützung gewähren und andere Formen verlässlichen einschlägigen Informa-
der Vorbeugung vorsehen sowie Maßnah- tionen entscheiden, dass die Adoption
men zur Aufdeckung, Meldung, Weiter- angesichts des Status des Kindes in
verweisung, Untersuchung, Behandlung Bezug auf Eltern, Verwandte und einen
und Nachbetreuung in den in Absatz 1 Vormund zulässig ist und dass, soweit
beschriebenen Fällen schlechter dies erforderlich ist, die betroffenen
Behandlung von Kindern und gegebenen- Personen in Kenntnis der Sachlage und
falls für das Einschreiten der Gerichte. auf der Grundlage einer gegebenenfalls
erforderlichen Beratung der Adoption
Artikel 20 zugestimmt haben;
[Von der Familie getrennt lebende b) erkennt an, dass die internationale
Kinder; Pflegefamilie; Adoption] Adoption als andere Form der Betreu-
(1) Ein Kind, das vorübergehend oder ung angesehen werden kann, wenn das
dauernd aus seiner familiären Umge- Kind nicht in seinem Heimatland in
bung herausgelöst wird oder dem der einer Pflegeoder Adoptionsfamilie un-
Verbleib in dieser Umgebung im eige- tergebracht oder wenn es dort nicht in
nen Interesse nicht gestattet werden geeigneter Weise betreut werden kann;
kann, hat Anspruch auf den besonderen c) stellen sicher, dass das Kind im Fall
Schutz und Beistand des Staates. einer internationalen Adoption in den
(2) Die Vertragsstaaten stellen nach Genuss der für nationale Adoptionen
Maßgabe ihres innerstaatlichen Rechts geltenden Schutzvorschriften und Nor-
andere Formen der Betreuung eines men kommt;
solchen Kindes sicher. d) treffen alle geeigneten Maßnahmen,
(3) Als andere Form der Betreuung kommt um sicherzustellen, dass bei interna-
unter anderem die Aufnahme in eine tionaler Adoption für die Beteiligten
Pflegefamilie, die Kafala nach islami- keine unstatthaften Vermögensvorteile
schem Recht, die Adoption oder, falls entstehen;
erforderlich, die Unterbringung in einer e) fördern die Ziele dieses Artikels
geeigneten Kinderbetreuungseinrich- gegebenenfalls durch den Abschluss
tung in Betracht. Bei der Wahl zwischen zwei- oder mehrseitiger Übereinkünfte
diesen Lösungen sind die erwünschte und bemühen sich in diesem Rahmen si-
Kontinuität in der Erziehung des Kindes cherzustellen, dass die Unterbringung
sowie die ethnische, religiöse, kulturel- des Kindes in einem anderen Land durch
le und sprachliche Herkunft des Kindes die zuständigen Behörden oder Stellen
gebührend zu berücksichtigen. durchgeführt wird.

Artikel 21 Artikel 22
[Adoption] [Flüchtlingskinder]
Die Vertragsstaaten, die das System (1) Die Vertragsstaaten treffen geeignete
der Adoption anerkennen oder zulassen, Maßnahmen, um sicherzustellen, dass
gewährleisten, dass dem Wohl des Kindes ein Kind, das die Rechtsstellung eines
bei der Adoption die höchste Bedeutung Flüchtlings begehrt oder nach Maßgabe
zugemessen wird; die Vertragsstaaten der anzuwendenden Regeln und Verfah-
a) stellen sicher, dass die Adoption eines ren des Völkerrechts oder des inner-
Kindes nur durch die zuständigen staatlichen Rechts als Flüchtling ange-

77
sehen wird, angemessenen Schutz und stellen sicher, dass dem behinderten
humanitäre Hilfe bei der Wahrnehmung Kind und den für seine Betreuung Ver-
der Rechte erhält, die in diesem Überein- antwortlichen im Rahmen der verfügba-
kommen oder in anderen internationalen ren Mittel auf Antrag die Unterstützung
Übereinkünften über Menschenrechte zuteil wird, die dem Zustand des Kindes
oder über humanitäre Fragen, denen die sowie den Lebensumständen der Eltern
genannten Staaten als Vertragsparteien oder anderer Personen, die das Kind
angehören, festgelegt sind, und zwar un- betreuen, angemessen ist.
abhängig davon, ob es sich in Begleitung (3) In Anerkennung der besonderen Bedürf-
seiner Eltern oder einer anderen Person nisse eines behinderten Kindes ist die
befindet oder nicht. nach Absatz 2 gewährte Unterstützung
(2) Zu diesem Zweck wirken die Vertrags- soweit irgend möglich und unter Be-
staaten in der ihnen angemessen er- rücksichtung der finanziellen Mittel der
scheinenden Weise bei allen Bemühun- Eltern oder anderer Personen, die das
gen mit, welche die Vereinten Nationen Kind betreuen, unentgeltlich zu leisten
und andere zuständige zwischenstaat- und so zu gestalten, dass sichergestellt
liche oder nichtstaatlichen Organisa- ist, dass Erziehung, Ausbildung, Gesund-
tionen, die mit den Vereinten Nationen heitsdienste, Rehabilitationsdienste,
zusammenarbeiten, unternehmen, um Vorbereitung auf das Berufsleben und
ein solches Kind zu schützen, um ihm zu Erholungsmöglichkeiten dem behin-
helfen und um die Eltern oder andere derten Kind tatsächlich in einer Weise
Familienangehörige eines Flüchtlings- zugänglich sind, die der möglichst
kinds ausfindig zu machen mit dem Ziel, vollständigen sozialen Integration und
die für eine Familienzusammenführung individuellen Entfaltung des Kindes
notwendigen Informationen zu erlan- einschließlich seiner kulturellen und
gen. Können die Eltern oder andere geistigen Entwicklung förderlich ist.
Familienangehörige nicht ausfindig (4) Die Vertragsstaaten fördern im Geist
gemacht werden, so ist dem Kind im Ein- der internationalen Zusammenarbeit
klang mit den in die- sem Übereinkom- den Austausch sachdienlicher Informa-
men enthaltenen Grundsätzen derselbe tionen im Bereich der Gesundheitsvor-
Schutz zu gewähren wie jedem ande- sorge und der medizinischen, psycholo-
ren Kind, das aus irgendeinem Grund gischen und funktionellen Behandlung
dauernd oder vorübergehend aus seiner behinderter Kinder einschließlich der
familiären Umgebung herausgelöst ist. Verbreitung von Informationen über
Methoden der Rehabilitation, der Erzie-
Artikel 23 hung und der Berufsausbildung und des
[Förderung behinderter Kinder] Zugangs zu solchen Informationen, um
(1) Die Vertragsstaaten erkennen an, dass es den Vertragsstaaten zu ermöglichen,
ein geistig oder körperlich behindertes in diesen Bereichen ihre Fähigkeiten
Kind ein erfülltes und menschenwürdi- und ihr Fachwissen zu verbessern und
ges Leben unter Bedingungen führen weitere Erfahrungen zu sammeln. Dabei
soll, welche die Würde des Kindes wah- sind die Bedürfnisse der Entwicklungs-
ren, seine Selbstständigkeit fördern länder besonders zu berücksichtigen.
und seine aktive Teilnahme am Leben
der Gemeinschaft erleichtern. Artikel 24
(2) Die Vertragsstaaten erkennen das Recht [Gesundheitsvorsorge]
des behinderten Kindes auf besondere (1) Die Vertragsstaaten erkennen das
Betreuung an und treten dafür ein und Recht des Kindes auf das erreichbare

78
Höchstmaß an Gesundheit an sowie auf (3) Die Vertragsstaaten treffen alle wirk-
Inanspruchnahme von Einrichtungen samen und geeigneten Maßnahmen,
zur Behandlung von Krankheiten und um überlieferte Bräuche, die für die
zur Wiederherstellung der Gesundheit. Gesundheit der Kinder schädlich sind,
Die Vertragsstaaten bemühen sich abzuschaffen.
sicherzustellen, dass keinem Kind das (4) Die Vertragsstaaten verpflichten sich,
Recht auf Zugang zu derartigen Gesund- die internationale Zusammenarbeit zu
heitsdiensten vorenthalten wird. unterstützen und zu fördern, um fort-
(2) Die Vertragsstaaten bemühen sich, die schreitend die volle Verwirklichung des
volle Verwirklichung dieses Rechts in diesem Artikel anerkannten Rechts
sicherzustellen, und treffen insbeson- zu erreichen. Dabei sind die Bedürfnis-
dere geeignete Maßnahmen, um se der Entwicklungsländer besonders zu
a) die Säuglings- und Kindersterblichkeit berücksichtigen.
zu verringern;
b) sicherzustellen, dass alle Kinder die Artikel 25
notwendige ärztliche Hilfe und Ge- [Unterbringung]
sundheitsfürsorge erhalten, wobei Die Vertragsstaaten erkennen an, dass ein
besonderer Nachdruck auf den Ausbau Kind, das von den zuständigen Behörden
der gesundheitlichen Grundversorgung wegen einer körperlichen oder geistigen
gelegt wird; Erkrankung zur Betreuung, zum Schutz der
c) Krankheiten sowie Unter- und Fehler- Gesundheit oder zur Behandlung unterge-
nährung auch im Rahmen der gesund- bracht worden ist, das Recht hat auf eine
heitlichen Grundversorgung zu bekämp- regelmäßige Überprüfung der dem Kind
fen, unter anderem durch den Einsatz gewährten Behandlung sowie aller anderen
leicht zugänglicher Technik und durch Umstände, die für seine Unterbringung von
die Bereitstellung ausreichender voll- Belang sind.
wertiger Nahrungsmittel und sauberen
Trinkwassers, wobei die Gefahren und Artikel 26
Risiken der Umweltverschmutzung zu [Soziale Sicherheit]
berücksichtigen sind; (1) Die Vertragsstaaten erkennen das
d) eine angemessene Gesundheitsfürsorge Recht des Kindes auf Leistungen der
für Mütter vor und nach der Entbindung sozialen Sicherheit einschließlich der
sicherzustellen; Sozialversicherung an und treffen die
e) sicherzustellen, dass allen Teilen der erforderlichen Maßnahmen, um die
Gesellschaft, insbesondere Eltern und volle Verwirklichung dieses Rechts in
Kindern, Grundkenntnisse über die Ge- Übereinstimmung mit dem innerstaatli-
sundheit und Ernährung des Kindes, die chen Recht sicherzustellen.
Vorteile des Stillens, der Hygiene und (2) Die Leistungen sollen gegebenenfalls
die Sauberhaltung der Umwelt sowie unter Berücksichtigung der wirtschaft-
die Unfallverhütung vermittelt werden, lichen Verhältnisse und der sonstigen
dass sie Zugang zu der entsprechenden Umstände des Kindes und der Unter-
Schulung haben und dass sie bei der haltspflichtigen sowie anderer für die
Anwendung dieser Grundkenntnisse Beantragung von Leistungen durch das
Unterstützung erhalten; Kind oder im Namen des Kindes maßgeb-
f) die Gesundheitsvorsorge, die Eltern- licher Gesichtspunkte gewährt werden.
beratung sowie die Aufklärung und die
Dienste auf dem Gebiet der Familienpla-
nung auszubauen.

79
Artikel 27 fortschreitend zu erreichen, werden sie
[Angemessene Lebensbedingungen; insbesondere
Unterhalt] a) den Besuch der Grundschule für alle zur
(1) Die Vertragsstaaten erkennen das Pflicht und unentgeltlich machen;
Recht jedes Kindes auf einen seiner b) die Entwicklung verschiedener Formen
körperlichen, geistigen, seelischen, der weiterführenden Schulen allge-
sittlichen und sozialen Entwicklung meinbildender und berufsbildender Art
angemessenen Lebensstandard an. fördern, sie allen Kindern verfügbar
(2) Es ist in erster Linie Aufgabe der Eltern und zugänglich machen und geeignete
oder anderer für das Kind verantwortli- Maßnahmen wie die Einführung der Un-
cher Personen, im Rahmen ihrer Fähig- entgeltlichkeit und die Bereitstellung
keiten und finanziellen Möglichkeiten finanzieller Unterstützung bei Bedürf-
die für die Entwicklung des Kindes not- tigkeit treffen;
wendigen Lebensbedingungen sicherzu- c) allen entsprechend ihren Fähigkeiten
stellen. den Zugang zu den Hochschulen mit
(3) Die Vertragsstaaten treffen gemäß allen geeigneten Mitteln ermöglichen;
ihren innerstaatlichen Verhältnissen d) Bildungs- und Berufsberatung allen Kin-
und im Rahmen ihrer Mittel geeignete dern verfügbar und zugänglich machen;
Maßnahmen, um den Eltern und anderen e) Maßnahmen treffen, die den regelmäßi-
für das Kind verantwortlichen Personen gen Schulbesuch fördern und den Anteil
bei der Verwirklichung dieses Rechts derjenigen, welche die Schule vorzeitig
zu helfen, und sehen bei Bedürftigkeit verlassen, verringern.
materielle Hilfsund Unterstützungspro- (2) Die Vertragsstaaten treffen alle geeig-
gramme insbesondere im Hinblick auf neten Maßnahmen, um sicherzustellen,
Ernährung, Bekleidung und Wohnung dass die Disziplin in der Schule in einer
vor. Weise gewahrt wird, die der Menschen-
(4) Die Vertragsstaaten treffen alle ge- würde des Kindes entspricht und im
eigneten Maßnahmen, um die Geltend- Einklang mit diesem Übereinkommen
machung von Unterhaltsansprüchen steht.
des Kindes gegenüber den Eltern oder (3) Die Vertragsstaaten fördern die
anderen finanziell für das Kind verant- internationale Zusammenarbeit im
wortlichen Personen sowohl innerhalb Bildungswesen, insbesondere um zur
des Vertragsstaats als auch im Ausland Beseitigung von Unwissenheit und
sicherzustellen. Insbesondere fördern Analphabetentum in der Welt beizutra-
die Vertragsstaaten, wenn die für das gen und den Zugang zu wissenschaft-
Kind finanziell verantwortliche Person lichen und technischen Kenntnissen
in einem anderen Staat lebt als das und modernen Unterrichtsmethoden zu
Kind, den Beitritt zu internationalen erleichtern. Dabei sind die Bedürfnisse
Übereinkünften sowie andere geeignete der Entwicklungsländer besonders zu
Regelungen. berücksichtigen.

Artikel 28 Artikel 29
[Recht auf Bildung; Schule; [Bildungsziele;
Berufsausbildung] Bildungseinrichtungen]
(1) Die Vertragsstaaten erkennen das (1) Die Vertragsstaaten stimmen darin
Recht des Kindes auf Bildung an; um überein, dass die Bildung des Kindes
die Verwirklichung dieses Rechts auf darauf gerichtet sein muss,
der Grundlage der Chancengleichheit a) die Persönlichkeit, die Begabung und

80
die geistigen und körperlichen Fähig- Artikel 31
keiten des Kindes voll zur Entfaltung zu [Beteiligung an Freizeit, kulturellem
bringen; und künstlerischem Leben;
b) dem Kind Achtung vor den Menschen- staatliche Förderung]
rechten und Grundfreiheiten und den (1) Die Vertragsstaaten erkennen das
in der Charta der Vereinten Nationen Recht des Kindes auf Ruhe und Freizeit
verankerten Grundsätzen zu vermitteln; an, auf Spiel und altersgemäße aktive
c) dem Kind Achtung vor seinen Eltern, sei- Erholung sowie auf freie Teilnahme am
ner kulturellen Identität, seiner Spra- kulturellen und künstlerischen Leben.
che und seinen kulturellen Werten, den (2) Die Vertragsstaaten achten und fördern
nationalen Werten des Landes, in dem das Recht des Kindes auf volle Beteili-
es lebt, und gegebenenfalls des Landes, gung am kulturellen und künstlerischen
aus dem es stammt, sowie vor anderen Leben und fördern die Bereitstellung
Kulturen als der eigenen zu vermitteln; geeigneter und gleicher Möglichkeiten
d) das Kind auf ein verantwortungsbe- für die kulturelle und künstlerische
wusstes Leben in einer freien Gesell- Betätigung sowie für aktive Erholung
schaft im Geist der Verständigung, des und Freizeitbeschäftigung.
Friedens, der Toleranz, der Gleichbe-
rechtigung der Geschlechter und der Artikel 32
Freundschaft zwischen allen Völkern [Schutz vor wirtschaftlicher
und ethnischen, nationalen und religi- Ausbeutung]
ösen Gruppen sowie zu Ureinwohnern (1) Die Vertragsstaaten erkennen das
vorzubereiten; Recht des Kindes, vor wirtschaftlicher
e) dem Kind Achtung vor der natürlichen Ausbeutung geschützt und nicht zu
Umwelt zu vermitteln. einer Arbeit herangezogen zu werden,
(2) Dieser Artikel und Artikel 28 dürfen die Gefahren mit sich bringen, die
nicht so ausgelegt werden, dass sie die Erziehung des Kindes behindern oder
Freiheit natürlicher oder juristischer die Gesundheit des Kindes oder seine
Personen beeinträchtigen, Bildungsein- körperliche, geistige, seelische, sittli-
richtungen zu gründen und zu führen, che oder soziale Entwicklung schädigen
sofern die in Absatz 1 festgelegten könnte.
Grundsätze beachtet werden und die in (2) Die Vertragsstaaten treffen Gesetz-
solchen Einrichtungen vermittelte Bil- gebungs-, Verwaltungs-, Sozial- und
dung den von dem Staat gegebenenfalls Bildungsmaßnahmen, um die Durchfüh-
festgelegten Mindestnormen entspricht. rung dieses Artikels sicherzustellen. Zu
diesem Zweck und unter Berücksichti-
Artikel 30 gung der einschlägigen Bestimmungen
[Minderheitenschutz] anderer internationaler Übereinkünfte
In Staaten, in denen es ethnische, religiöse werden die Vertragsstaaten insbeson-
oder sprachliche Minderheiten oder Ur- dere
einwohner gibt, darf einem Kind, das einer a) ein oder mehrere Mindestalter für die
solchen Minderheit angehört oder Urein- Zulassung zur Arbeit festlegen;
wohner ist, nicht das Recht vorenthalten b) eine angemessene Regelung der Ar-
werden, in Gemeinschaft mit anderen Ange- beitszeit und der Arbeitsbedingungen
hörigen seiner Gruppe seine eigene Kultur vorsehen;
zu pflegen, sich zu seiner eigenen Religion c) angemessene Strafen oder andere Sank-
zu bekennen und sie auszuüben oder seine tionen zur wirksamen Durchsetzung
eigene Sprache zu verwenden. dieses Artikels vorsehen.

81
Artikel 33 Artikel 37
[Schutz vor Suchtstoffen] [Verbot von Folter, Todesstrafe, lebenslan-
Die Vertragsstaaten treffen alle geeig- ger Freiheitsstrafe; Rechtsbeistandschaft]
neten Maßnahmen einschließlich Ge- Die Vertragsstaaten stellen sicher,
setzgebungs-, Verwaltungs-, Sozialund a) dass kein Kind der Folter oder einer
Bildungsmaßnahmen, um Kinder vor dem anderen grausamen, unmenschlichen
unerlaubten Gebrauch von Suchtstoffen und oder erniedrigenden Behandlung oder
psychotropen Stoffen im Sinne der diesbe- Strafe unterworfen wird. Für Strafta-
züglichen internationalen Übereinkünfte ten, die von Personen vor Vollendung
zu schützen und den Einsatz von Kindern bei des achtzehnten Lebensjahrs begangen
der unerlaubten Herstellung dieser Stoffe worden sind, darf weder die Todesstrafe
und beim unerlaubten Verkehr mit diesen noch lebenslange Freiheitsstrafe ohne
Stoffen zu verhindern. die Möglichkeit vorzeitiger Entlassung
verhängt werden;
Artikel 34 b) dass keinem Kind die Freiheit rechts-
[Schutz vor sexuellem Missbrauch] widrig oder willkürlich entzogen wird.
Die Vertragsstaaten verpflichten sich, das Festnahme, Freiheitsentziehung oder
Kind vor allen Formen sexueller Ausbeutung Freiheitsstrafe darf bei einem Kind im
und sexuellen Missbrauchs zu schützen. Zu Einklang mit dem Gesetz nur als letztes
diesem Zweck treffen die Vertragsstaaten Mittel und für die kürzeste angemesse-
insbesondere alle geeigneten innerstaatli- ne Zeit angewendet werden;
chen, zweiseitigen und mehrseitigen Maß- c) dass jedes Kind, dem die Freiheit ent-
nahmen, um zu verhindern, dass Kinder zogen ist, menschlich und mit Achtung
a) zur Beteiligung an rechtswidrigen vor der dem Menschen innewohnenden
sexuellen Handlungen verleitet oder Würde und unter Berücksichtigung der
gezwungen werden; Bedürfnisse von Personen seines Alters
b) für die Prostitution oder andere rechts- behandelt wird. Insbesondere ist jedes
widrige sexuelle Praktiken ausgebeutet Kind, dem die Freiheit entzogen ist, von
werden; Erwachsenen zu trennen, sofern nicht
c) für pornographische Darbietungen und ein anderes Vorgehen als dem Wohl des
Darstellungen ausgebeutet werden. Kindes dienlich erachtet wird; jedes
Kind hat das Recht, mit seiner Familie
Artikel 35 durch Briefwechsel und Besuche in
[Maßnahmen gegen Entführung und Verbindung zu bleiben, sofern nicht
Kinderhandel] außergewöhnliche Umstände vorliegen;
Die Vertragsstaaten treffen alle geeigneten d) dass jedes Kind, dem die Freiheit ent-
innerstaatlichen, zweiseitigen und mehrsei- zogen ist, das Recht auf umgehenden
tigen Maßnahmen, um die Entführung und Zugang zu einem rechtskundigen oder an-
den Verkauf von Kindern sowie den Handel deren geeigneten Beistand und das Recht
mit Kindern zu irgendeinem Zweck und in hat, die Rechtmäßigkeit der Freiheits-
irgendeiner Form zu verhindern. entziehung bei einem Gericht oder einer
anderen zuständigen, unabhängigen und
Artikel 36 unparteiischen Behörde anzufechten,
[Schutz vor sonstiger Ausbeutung] sowie das Recht auf alsbaldige Entschei-
Die Vertragsstaaten schützen das Kind vor dung in einem solchen Verfahren.
allen sonstigen Formen der Ausbeutung, die
das Wohl des Kindes in irgendeiner Weise
beeinträchtigen.

82
Artikel 38 Umgebung stattfinden, die der Gesundheit,
[Schutz bei bewaffneten Konflikten; der Selbstachtung und der Würde des Kin-
Einziehung zu den Streitkräften] des förderlich ist.
(1) Die Vertragsstaaten verpflichten sich,
die für sie verbindlichen Regeln des in Artikel 40
bewaffneten Konflikten anwendbaren [Behandlung des Kindes in
humanitären Völkerrechts, die für das Strafrecht und Strafverfahren]
Kind Bedeutung haben, zu beachten und (1) Die Vertragsstaaten erkennen das Recht
für deren Beachtung zu sorgen. jedes Kindes an, das der Verletzung der
(2) Die Vertragsstaaten treffen alle durch- Strafgesetze verdächtigt, beschuldigt
führbaren Maßnahmen, um sicherzustel- oder überführt wird, in einer Weise
len, dass Personen, die das fünfzehnte behandelt zu werden, die das Gefühl des
Lebensjahr noch nicht vollendet haben, Kindes für die eigene Würde und den
nicht unmittelbar an Feindseligkeiten eigenen Wert fördert, seine Achtung
teilnehmen. vor den Menschenrechten und Grund-
(3) Die Vertragsstaaten nehmen davon freiheiten anderer stärkt und das Alter
Abstand, Personen, die das fünfzehnte des Kindes sowie die Notwendigkeit
Lebensjahr noch nicht vollendet haben, berücksichtigt, seine soziale Wiederein-
zu ihren Streitkräften einzuziehen. gliederung sowie die Übernahme einer
Werden Personen zu den Streitkräften konstruktiven Rolle in der Gesellschaft
eingezogen, die zwar das fünfzehnte, durch das Kind zu fördern.
nicht aber das achtzehnte Lebensjahr (2) Zu diesem Zweck stellen die Vertrags-
vollendet haben, so bemühen sich die staaten unter Berücksichtigung der
Vertragsstaaten, vorrangig die jeweils einschlägigen Bestimmungen internatio-
ältesten einzuziehen. naler Übereinkünfte insbesondere sicher,
(4) Im Einklang mit ihren Verpflichtungen a) dass kein Kind wegen Handlungen oder
nach dem humanitären Völkerrecht, Unterlassungen, die zur Zeit ihrer Bege-
die Zivilbevölkerung in bewaffneten hung nach innerstaatlichem Recht oder
Konflikten zu schützen, treffen die Ver- Völkerrecht nicht verboten waren, der
tragsstaaten alle durchführbaren Maß- Verletzung der Strafgesetze verdäch-
nahmen, um sicherzustellen, dass von tigt, beschuldigt oder überführt wird;
einem bewaffneten Konflikt betroffene b) dass jedes Kind, das einer Verletzung
Kinder geschützt und betreut werden. der Strafgesetze verdächtigt oder be-
schuldigt wird, Anspruch auf folgende
Artikel 39 Mindestgarantien hat:
[Genesung und Wiedereingliederung i) bis zum gesetzlichen Nachweis der
geschädigter Kinder] Schuld als unschuldig zu gelten,
Die Vertragsstaaten treffen alle geeig- ii) unverzüglich und unmittelbar über die
neten Maßnahmen, um die physische und gegen das Kind erhobenen Beschuldi-
psychische Genesung und die soziale Wie- gungen unterrichtet zu werden, gegebe-
dereingliederung eines Kindes zu fördern, nenfalls durch seine Eltern oder seinen
das Opfer irgendeiner Form von Vernachläs- Vormund, und einen rechtskundigen
sigung, Ausbeutung und Misshandlung, der oder anderen geeigneten Beistand zur
Folter oder einer anderen Form grausamer, Vorbereitung und Wahrnehmung seiner
unmenschlicher oder erniedrigender Be- Verteidigung zu erhalten,
handlung oder Strafe oder anderer bewaff- iii) seine Sache unverzüglich durch eine zu-
neter Konflikte geworden ist. Die Genesung ständige Behörde oder ein zuständiges
und Wiedereingliederung müssen in einer Gericht, die unabhängig und unpartei-

83
isch sind, in einem fairen Verfahren (4) Um sicherzustellen, dass Kinder in einer
entsprechend dem Gesetz entscheiden Weise behandelt werden, die ihrem Wohl
zu lassen, und zwar in Anwesenheit dienlich ist und ihren Umständen sowie
eines rechtskundigen oder anderen der Straftat entspricht, muss eine Viel-
geeigneten Beistands sowie – sofern zahl von Vorkehrungen zur Verfügung ste-
dies nicht insbesondere in Anbetracht hen, wie Anordnungen über Betreuung,
des Alters oder der Lage des Kindes als Anleitung und Aufsicht, wie Beratung,
seinem Wohl widersprechend angese- Entlassung auf Bewährung, Aufnahme
hen wird – in Anwesenheit seiner Eltern in eine Pflegefamilie, Bildungs- und
oder seines Vormunds, Berufsbildungsprogramme und andere
iv) nicht gezwungen zu werden, als Zeu- Alternativen zur Heimerziehung.
ge auszusagen oder sich schuldig zu
bekennen, sowie die Belastungszeugen Artikel 41
zu befragen oder befragen zu lassen [Weitergehende inländische
und das Erscheinen und die Vernehmung Bestimmungen]
der Entlastungszeugen unter gleichen Dieses Übereinkommen lässt zur Verwirk-
Bedingungen zu erwirken, lichung der Rechte des Kindes besser
v) wenn es einer Verletzung der Strafge- geeignete Bestimmungen unberührt, die
setze überführt ist, diese Entscheidung enthalten sind
und alle als Folge davon verhängten a) im Recht eines Vertragsstaats oder
Maßnahmen durch eine zuständige b) in dem für diesen Staat geltenden
übergeordnete Behörde oder ein zu- Völkerrecht.
ständiges höheres Gericht, die unab-
hängig und unparteiisch sind, entspre-
chend dem Gesetz nachprüfen zu lassen,
vi) die unentgeltliche Hinzuziehung eines Teil II
Dolmetschers zu verlangen, wenn das
Kind die Verhandlungssprache nicht Artikel 42
versteht oder spricht, [Verpflichtung zur Bekanntmachung]
vii) sein Privatleben in allen Verfahrensab- Die Vertragsstaaten verpflichten sich, die
schnitten voll geachtet zu sehen. Grundsätze und Bestimmungen dieses Über-
(3) Die Vertragsstaaten bemühen sich, den einkommens durch geeignete und wirksame
Erlass von Gesetzen sowie die Schaf- Maßnahmen bei Erwachsenen und auch bei
fung von Verfahren, Behörden und Ein- Kindern allgemein bekannt zu machen.
richtungen zu fördern, die besonders
für Kinder, die einer Verletzung der Artikel 43
Strafgesetze verdächtigt, beschuldigt [Einsetzung eines Ausschusses für
oder überführt werden, gelten oder die Rechte des Kindes]
zuständig sind; insbesondere (1) Zur Prüfung der Fortschritte, welche
a) legen sie ein Mindestalter fest, das ein die Vertragsstaaten bei der Erfüllung
Kind erreicht haben muss, um als straf- der in diesem Übereinkommen eingegan-
mündig angesehen zu werden, genen Verpflichtungen gemacht haben,
b) treffen sie, soweit dies angemessen und wird ein Ausschuss für die Rechte des
wünschenswert ist, Maßnahmen, um den Kindes eingesetzt, der die nachstehend
Fall ohne ein gerichtliches Verfahren zu festgelegten Aufgaben wahrnimmt.
regeln, wobei jedoch die Menschenrech- (2) Der Ausschuss besteht aus zehn Sach-
te und die Rechtsgarantien uneinge- verständigen von hohem sittlichen
schränkt beachtet werden müssen. Ansehen und anerkannter Sachkenntnis

84
auf dem von diesem Übereinkommen nach der ersten Wahl werden die Namen
erfassten Gebiet. Die Mitglieder des dieser fünf Mitglieder vom Vorsitzen-
Ausschusses werden von den Vertrags- den der Tagung durch das Los bestimmt.
staaten unter ihren Staatsangehörigen (7) Wenn ein Ausschussmitglied stirbt
ausgewählt und sind in persönlicher oder zurücktritt oder erklärt, dass es
Eigenschaft tätig, wobei auf eine aus anderen Gründen die Aufgaben des
gerechte geographische Verteilung zu Ausschusses nicht mehr wahrnehmen
achten ist sowie die hauptsächlichen kann, ernennt der Vertragsstaat, der
Rechtssysteme zu berücksichtigen sind. das Mitglied vorgeschlagen hat, für die
(3) Die Mitglieder des Ausschusses werden verbleibende Amtszeit mit Zustimmung
in geheimer Wahl aus einer Liste von des Ausschusses einen anderen unter
Personen gewählt, die von den Vertrags- seinen Staatsangehörigen ausgewähl-
staaten vorgeschlagen worden sind. ten Sachverständigen.
Jeder Vertragsstaat kann einen seiner (8) Der Ausschuss gibt sich eine Geschäfts-
eigenen Staatsangehörigen vorschlagen. ordnung.
(4) Die Wahl des Ausschusses findet zum (9) Der Ausschuss wählt seinen Vorstand
ersten Mal spätestens sechs Monate für zwei Jahre.
nach Inkrafttreten dieses Überein- (10) Die Tagungen des Ausschusses finden
kommens und danach alle zwei Jahre in der Regel am Sitz der Vereinten
statt. Spätestens vier Monate vor jeder Nationen oder an einem anderen vom
Wahl fordert der Generalsekretär der Ausschuss bestimmten geeigneten Ort
Vereinten Nationen die Vertragsstaaten statt. Der Ausschuss tritt in der Regel
schriftlich auf, ihre Vorschläge inner- einmal jährlich zusammen. Die Dauer
halb von zwei Monaten einzureichen. der Ausschusstagungen wird auf einer
Der Generalsekretär fertigt sodann Tagung der Vertragsstaaten mit Zustim-
eine alphabetische Liste aller auf diese mung der Generalversammlung festge-
Weise vorgeschlagenen Personen an un- legt und wenn nötig geändert.
ter Angabe der Vertragsstaaten, die sie (11) Der Generalsekretär der Vereinten Nati-
vorgeschlagen haben, und übermittelt onen stellt dem Ausschuss das Personal
sie den Vertragsstaaten. und die Einrichtungen zur Verfügung,
(5) Die Wahlen finden auf vom Generalse- die dieser zur wirksamen Wahrnehmung
kretär am Sitz der Vereinten Nationen seiner Aufgaben nach diesem Überein-
einberufenen Tagungen der Vertrags- kommen benötigt.
staaten statt. Auf diesen Tagungen, die (12) Die Mitglieder des nach diesem Über-
beschlussfähig sind, wenn zwei Drittel einkommen eingesetzten Ausschusses
der Vertragsstaaten vertreten sind, gel- erhalten mit Zustimmung der Gene-
ten die Kandidaten als in den Ausschuss ralversammlung Bezüge aus Mitteln
gewählt, welche die höchste Stimmen- der Vereinten Nationen zu den von der
zahl und die absolute Stimmenmehrheit Generalversammlung zu beschließenden
der anwesenden und abstimmenden Bedingungen.
Vertreter der Vertragsstaaten auf sich
vereinigen. Artikel 44
(6) Die Ausschussmitglieder werden für [Berichtspflicht]
vier Jahre gewählt. Auf erneuten (1) Die Vertragsstaaten verpflichten sich,
Vorschlag können sie wieder gewählt dem Ausschuss über den Generalse-
werden. Die Amtszeit von fünf der bei kretär der Vereinten Nationen Berich-
der ersten Wahl gewählten Mitglieder te über die Maßnahmen, die sie zur
läuft nach zwei Jahren ab; unmittelbar Verwirklichung der in diesem Überein-

85
kommen anerkannten Rechte getroffen des Übereinkommens vertreten zu sein,
haben, und über die dabei erzielten die in ihren Aufgabenbereich fallen.
Fortschritte vorzulegen, und zwar Der Ausschuss kann, wenn er dies für
a) innerhalb von zwei Jahren nach Inkraft- angebracht hält, die Sonderorganisatio-
treten des Übereinkommens für den nen, das Kinderhilfswerk der Vereinten
betreffenden Vertragsstaat, Nationen und andere zuständige Stellen
b) danach alle fünf Jahre. einladen, sachkundige Stellungnahmen
(2) In den nach diesem Artikel erstatteten zur Durchführung des Übereinkommens
Berichten ist auf etwa bestehende Um- auf Gebieten abzugeben, die in ihren
stände und Schwierigkeiten hinzuwei- jeweiligen Aufgabenbereich fallen. Der
sen, welche die Vertragsstaaten daran Ausschuss kann die Sonderorganisatio-
hindern, die in diesem Übereinkommen nen, das Kinderhilfswerk der Vereinten
vorgesehenen Verpflichtungen voll zu Nationen einladen, ihm Berichte über
erfüllen. Die Berichte müssen auch aus- die Durchführung des Übereinkommens
reichende Angaben enthalten, die dem auf Gebieten vorzulegen, die in ihren
Ausschuss ein umfassendes Bild von der Tätigkeitsbereich fallen;
Durchführung des Übereinkommens in b) übermittelt der Ausschuss, wenn er
dem betreffenden Land vermitteln. dies für angebracht hält, den Sonder-
(3) Ein Vertragsstaat, der dem Ausschuss organisationen, dem Kinderhilfswerk
einen ersten umfassenden Bericht der Vereinten Nationen und anderen
vorgelegt hat, braucht in seinen nach zuständigen Stellen Berichte der
Absatz 1 Buchstabe b vorgelegten Vertragsstaaten, die ein Ersuchen um
späteren Berichten die früher mitge- fachliche Beratung oder Unterstützung
teilten grundlegenden Angaben nicht zu oder einen Hinweis enthalten, dass ein
wiederholen. diesbezügliches Bedürfnis besteht; et-
(4) Der Ausschuss kann die Vertragsstaaten waige Bemerkungen und Vorschläge des
um weitere Angaben über die Durchfüh- Ausschusses zu diesen Ersuchen oder
rung des Übereinkommens ersuchen. Hinweisen werden beigefügt;
(5) Der Ausschuss legt der Generalver- c) kann der Ausschuss der Generalver-
sammlung über den Wirtschafts- und sammlung empfehlen, den Generalse-
Sozialrat alle zwei Jahre einen Tätig- kretär zu ersuchen, für den Ausschuss
keitsbericht vor. Untersuchungen über Fragen im Zusam-
(6) Die Vertragsstaaten sorgen für eine menhang mit den Rechten des Kindes
weite Verbreitung ihrer Berichte im durchzuführen; d) kann der Ausschuss
eigenen Land. aufgrund der Angaben, die er nach den
Artikeln 44 und 45 erhalten hat, Vor-
Artikel 45 schläge und allgemeine Empfehlungen
[Mitwirkung anderer Organe der unterbreiten. Diese Vorschläge und
Vereinten Nationen] allgemeinen Empfehlungen werden den
Um die wirksame Durchführung dieses Über- betroffenen Vertragsstaaten über-
einkommens und die internationale Zusam- mittelt und der Generalversammlung
menarbeit auf dem von dem Übereinkommen zusammen mit etwaigen Bemerkungen
erfassten Gebiet zu fördern, der Vertragsstaaten vorgelegt.
a) haben die Sonderorganisationen, das
Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen
und andere Organe der Vereinten Nati-
onen das Recht, bei der Erörterung der
Durchführung derjenigen Bestimmungen

86
Teil III von vier Monaten nach dem Datum der
Übermittelung wenigstens ein Drittel
Artikel 46 der Vertragsstaaten eine solche Kon-
[Unterzeichnung] ferenz, so beruft der Generalsekretär
Dieses Übereinkommen liegt für alle Staa- die Konferenz unter der Schirmherr-
ten zur Unterzeichnung auf. schaft der Vereinten Nationen ein. Jede
Änderung, die von der Mehrheit der auf
Artikel 47 der Konferenz anwesenden und abstim-
[Ratifikation] menden Vertragsstaaten angenommen
Dieses Übereinkommen bedarf der Ratifi- wird, wird der Generalversammlung zur
kation. Die Ratifikationsurkunden werden Billigung vorgelegt.
beim Generalsekretär der Vereinten Natio- (2) Eine nach Absatz 1 angenommene
nen hinterlegt. Änderung tritt in Kraft, wenn sie von
der Generalversammlung der Vereinten
Artikel 48 Nationen gebilligt und von einer Zwei-
[Beitritt] drittelmehrheit der Vertragsstaaten
Dieses Übereinkommen steht allen Staaten angenommen worden ist.
zum Beitritt offen. Die Beitrittsurkunden (3) Tritt eine Änderung in Kraft, so ist sie
werden beim Generalsekretär der Vereinten für die Vertragsstaaten, die sie ange-
Nationen hinterlegt. nommen haben, verbindlich, während
für die anderen Vertragsstaaten wei-
Artikel 49 terhin die Bestimmungen dieses Über-
[Inkrafttreten] einkommens und alle früher von ihnen
(1) Dieses Übereinkommen tritt am drei- angenommenen Änderungen gelten.
ßigsten Tag nach Hinterlegung der
zwanzigsten Ratifikations- und Bei- Artikel 51
trittsurkunde beim Generalsekretär der [Vorbehalte]
Vereinten Nationen in Kraft. (1) Der Generalsekretär der Vereinten Nati-
(2) Für jeden Staat, der nach Hinterlegung onen nimmt den Wortlaut von Vorbehal-
der zwanzigsten Ratifikations- und Bei- ten, die ein Staat bei der Ratifikation
trittsurkunde dieses Übereinkommen oder beim Beitritt anbringt, entgegen
ratifiziert oder ihm beitritt, tritt es am und leitet ihn allen Staaten zu.
dreißigsten Tag nach Hinterlegung sei- (2) Vorbehalte, die mit Ziel und Zweck die-
ner eigenen Ratifikations- und Beitritts- ses Übereinkommens unvereinbar sind,
urkunde in Kraft. sind nicht zulässig.
(3) Vorbehalte können jederzeit durch eine
Artikel 50 an den Generalsekretär der Vereinten
[Änderungen] Nationen gerichtete diesbezügliche
(1) Jeder Vertragsstaat kann eine Änderung Notifikation zurückgenommen werden;
vorschlagen und sie beim Generalse- dieser setzt alle Staaten davon in
kretär der Vereinten Nationen einrei- Kenntnis. Die Notifikation wird mit dem
chen. Der Generalsekretär übermittelt Tag ihres Eingangs beim Generalsekre-
sodann den Änderungsvorschlag den tär wirksam.
Vertragsstaaten mit der Aufforderung,
ihm mitzuteilen, ob sie eine Konferenz Artikel 52
der Vertragsstaaten zur Beratung [Kündigung]
und Abstimmung über den Vorschlag Ein Vertragsstaat kann dieses Übereinkom-
befürworten. Befürwortet innerhalb men durch eine an den Generalsekretär der

87
Vereinten Nationen gerichtete schriftliche Artikel 54
Notifikation kündigen. Die Kündigung wird [Urschrift, verbindlicher Wortlaut]
ein Jahr nach Eingang der Notifikation beim
Generalsekretär wirksam. Die Urschrift dieses Übereinkommens,
dessen arabischer, chinesischer, englischer,
Artikel 53 französischer, russischer und spanischer
[Verwahrung] Wortlaut gleichermaßen verbindlich ist,
Der Generalsekretär der Vereinten wird beim Generalsekretär der Vereinten
Nationen wird zum Verwahrer dieses Nationen hinterlegt. Zu Urkund dessen
Übereinkommens bestimmt. haben die unterzeichneten, von ihren
Regierungen hierzu gehörig befugten
Bevollmächtigten dieses Übereinkommen
unterschrieben.

88
Fakultativprotokoll zum Übereinkommen über
die Rechte des Kindes betreffend die Beteili-
gung von Kindern an bewaffneten Konflikten

Die Vertragsstaaten dieses Protokolls - noch nicht vollendet hat, soweit die Volljährig-
keit nach dem auf das Kind anzuwendenden Recht
ermutigt durch die überwältigende Unterstüt- nicht früher eintritt,
zung für das Übereinkommen über die Rechte
desKindes, in der die allgemeine Entschlossen- in der Überzeugung, dass ein Fakultativprotokoll
heit zum Ausdruck kommt, auf die Förderung und zum Übereinkommen, mit dem die Altersgrenze
den Schutz der Rechte des Kindes hinzuwirken, für eine mögliche Einziehung von Personen
zu den Streitkräften und ihre Teilnahme an
erneut bekräftigend, dass die Rechte des Kindes Feindseligkeiten angehoben wird, wirksam zur
eines besonderen Schutzes bedürfen, und dazu Umsetzung des Grundsatzes beitragen wird, dass
aufrufend, die Situation der Kinder ohne jeden bei allen Massnahmen, die Kinder betreffen, das
Unterschied stetig zu verbessern und ihre Ent- Wohl des Kindes ein vorrangig zu berücksichti-
wicklung und Erziehung in Frieden und Sicher- gender Gesichtspunkt ist,
heit zu ermöglichen,
unter Hinweis darauf, dass die 26. Internationa-
beunruhigt über die schädlichen und weitrei- le Konferenz des Roten Kreuzes und des Roten
chenden Auswirkungen bewaffneter Konflikte Halbmonds im Dezember 1995 unter anderem die
auf Kinder und über die langfristigen Folgen, Empfehlung abgegeben hat, dass die an einem
die diese auf die Erhaltung des Friedens sowie Konflikt beteiligten Parteien alle durchführba-
auf die dauerhafte Sicherheit und Entwicklung ren Massnahmen treffen, um sicherzustellen,
haben, dass Kinder unter 18 Jahren nicht an Feindselig-
keiten teilnehmen,
unter Verurteilung der Tatsache, dass Kinder in
bewaffneten Konflikten zu Zielen werden und erfreut darüber, dass im Juni 1999 das Überein-
völkerrechtlich geschützte Objekte, darunter kommen Nr. 182 der Internationalen
Örtlichkeiten, an denen sich gewöhnlich eine be- Arbeitsorganisation über das Verbot und un-
deutende Zahl von Kindern aufhält, wie Schulen verzügliche Massnahmen zur Beseitigung der
und Krankenhäuser, direkt angegriffen werden, schlimmsten Formen der Kinderarbeit einstim-
mig angenommen wurde, das unter anderem die
unter Hinweis auf die Annahme des Statuts des zwangsweise und die im Rahmen der Wehrpflicht
Internationalen Strafgerichtshofs, insbesondere erfolgende Einziehung von Kindern zum Einsatz
auf die Einstufung der Zwangsverpflichtung oder in bewaffneten Konflikten verbietet,
Eingliederung von Kindern unter fünfzehn Jah-
ren oder ihrer Verwendung zur aktiven Teilnahme mit größter Beunruhigung verurteilend, dass be-
an Feindseligkeiten sowohl in internationalen waffnete Gruppen, die sich von den Streitkräften
als auch in nicht internationalen bewaffneten eines Staates unterscheiden, Kinder einziehen,
Konflikten als Kriegsverbrechen, ausbilden und innerhalb der nationalen Grenzen
daher in der Erwägung, dass zur wirksameren sowie grenzüberschreitend in Feindseligkeiten
Durchsetzung der im Übereinkommen über die einsetzen, und im Bewusstsein der Verantwor-
Rechte des Kindes anerkannten Rechte die Not- tung derjeniger, die Kinder in diesem Sinne
wendigkeit besteht, den Schutz von Kindern vor einziehen, ausbilden und einsetzen,
einer Beteiligung an bewaffneten Konflikten zu
verbessern, unter Hinweis darauf, dass jede an einem bewaff-
neten Konflikt beteiligte Partei verpflichtet ist,
unter Hinweis darauf, dass in Artikel 1 des Über- die Bestimmungen des humanitären Völkerrechts
einkommens über die Rechte des Kindes festge- einzuhalten,
legt ist, dass im Sinne des Übereinkommens ein
Kind jeder Mensch ist, der das 18. Lebensjahr

89
unter Hinweis darauf, dass dieses Protokoll die Artikel 3
in der Charta der Vereinten Nationen veranker- (1) Die Vertragsstaaten heben das in Artikel
ten Ziele und Grundsätze, einschliesslich des 38 Absatz 3 des Übereinkommens über die
Artikels 51, sowie die einschlägigen Normen des Rechte des Kindes festgelegte Mindestal-
humanitären Rechts unberührt lässt, ter für die Einziehung von Freiwilligen zu
ihren nationalen Streitkräften in Lebens-
in dem Bewusstsein, dass Frieden und Sicher- jahren an; sie berücksichtigen dabei die in
heit auf der Grundlage der uneingeschränkten jenem Artikel enthaltenen Grundsätze und
Achtung der in der Charta der Vereinten Natio- anerkennen, dass nach dem Übereinkommen
nen enthaltenen Ziele und Grundsätze sowie der Personen unter 18 Jahren Anspruch auf
Einhaltung der anwendbaren Übereinkünfte auf besonderen Schutz haben.
dem Gebiet der Menschenrechte unabdingbar für (2) Jeder Vertragsstaat hinterlegt bei der Ratifi-
den umfassenden Schutz von Kindern sind, insbe- kation dieses Protokolls oder dem Beitritt
sondere in bewaffneten Konflikten oder während dazu eine verbindliche Erklärung, in der
fremder Besetzung, das Mindestalter festgelegt ist, ab dem er
die Einziehung von Freiwilligen zu seinen
in Anerkennung der besonderen Bedürfnisse je- nationalen Streitkräften gestattet, sowie
ner Kinder, die auf Grund ihrer wirtschaftlichen eine Beschreibung der von ihm getroffenen
oder sozialen Stellung oder ihres Geschlechts Schutzmassnahmen, mit denen er sicher-
besonders gefährdet sind, im Widerspruch zu stellt, dass eine solche Einziehung nicht
diesem Protokoll eingezogen oder in Feindselig- gewaltsam oder zwangsweise erfolgt.
keiten eingesetzt zu werden, (3) Vertragsstaaten, welche die Einziehung
von Freiwilligen unter 18 Jahren zu ihren
eingedenk der Notwendigkeit, die wirtschaft- nationalen Streitkräften gestatten, treffen
lichen, sozialen und politischen Ursachen zu Schutzmassnahmen, durch die mindestens
berücksichtigen, die der Beteiligung von Kindern gewährleistet wird, dass
an bewaffneten Konflikten zugrunde liegen, a) die Einziehung tatsächlich freiwillig erfolgt;
b) die Einziehung mit der in Kenntnis der Sach-
überzeugt von der Notwendigkeit, die interna- lage abgegebenen Zustimmung der Eltern
tionale Zusammenarbeit bei der Durchführung oder des Vormunds der Person erfolgt;
dieses Protokolls sowie die physische und c) die Person über die mit dem Militärdienst
psychosoziale Rehabilitation und die soziale verbundenen Pflichten umfassend aufge-
Wiedereingliederung von Kindern, die Opfer klärt wird;
bewaffneter Konflikte geworden sind, zu verstär- d) die Person vor Aufnahme in den staatlichen
ken, Militärdienst einen verlässlichen Alters-
nachweis erbringt.
dazu anregend, dass die Gemeinschaft, insbeson- (4) Jeder Vertragsstaat kann seine Erklärung je-
dere Kinder und kindliche Opfer, an der Verbrei- derzeit verschärfen, indem er eine entspre-
tung von Informations- und Aufklärungsprogram- chende Notifikation an den Generalsekretär
men betreffend die Durchführung des Protokolls der Vereinten Nationen richtet, der alle
mitwirken - Vertragsstaaten davon in Kenntnis setzt. Die
Notifikation wird mit dem Tag ihres Eingangs
haben Folgendes vereinbart: beim Generalsekretär wirksam.
(5) Die in Absatz 1 vorgesehene Verpflichtung
Artikel 1 zur Anhebung des Mindestalters gilt nicht
Die Vertragsstaaten treffen alle durchführbaren für Schulen im Sinne der Artikel 28 und 29
Massnahmen um sicherzustellen, dass Angehöri- des Übereinkommens über die Rechte des
ge ihrer Streitkräfte, die das 18. Lebensjahr noch Kindes, die von den Streitkräften der Ver-
nicht vollendet haben, nicht unmittelbar an tragsstaaten betrieben werden oder ihrer
Feindseligkeiten teilnehmen. Aufsicht unterstehen.

Artikel 2 Artikel 4
Die Vertragsstaaten stellen sicher, dass Perso- (1) Bewaffnete Gruppen, die sich von den Streit-
nen, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet kräften eines Staates unterscheiden, sollen
haben, nicht obligatorisch zu ihren Streitkräften unter keinen Umständen Personen unter 18
eingezogen werden. Jahren einziehen oder in Feindseligkeiten
einsetzen.

90
(2) Die Vertragsstaaten treffen alle durchführba- (2) Vertragsstaaten, die hierzu in der Lage sind,
ren Massnahmen, um eine solche Einziehung leisten diese Unterstützung im Rahmen
und einen solchen Einsatz zu verhindern, bestehender mehrseitiger, zweiseitiger oder
einschliesslich der notwendigen rechtlichen sonstiger Programme oder, unter anderem,
Massnahmen für ein Verbot und eine straf- durch einen in Übereinstimmung mit den
rechtliche Ahndung eines solchen Vorgehens. Regeln der Generalversammlung eingerich-
(3) Die Anwendung dieses Artikels berührt nicht teten freiwilligen Fonds.
die Rechtsstellung einer an einem bewaffne-
ten Konflikt beteiligten Partei. Artikel 8
(1) Jeder Vertragsstaat legt dem Ausschuss für
Artikel 5 die Rechte des Kindes innerhalb von zwei
Dieses Protokoll ist nicht so auszulegen, als Jahren nach dem Inkrafttreten des Proto-
schlösse es Bestimmungen im Recht eines kolls für den betreffenden Vertragsstaat
Vertragsstaats oder in internationalen Überein- einen Bericht mit umfassenden Angaben
künften und im humanitären Völkerrecht aus, die über die Massnahmen vor, die er zur Durch-
zur Verwirklichung der Rechte des Kindes besser führung der Bestimmungen des Protokolls,
geeignet sind. einschliesslich derjenigen betreffend Teil-
nahme und Einziehung, ergriffen hat.
Artikel 6 (2) Nach Abgabe des umfassenden Berichts
(1) Jeder Vertragsstaat trifft alle erforderli- nimmt jeder Vertragsstaat in die Berichte,
chen rechtlichen, verwaltungsbezogenen die er dem Ausschuss für die Rechte des
und sonstigen Massnahmen, um die wirksame Kindes nach Artikel 44 des Übereinkommens
Durchführung und Durchsetzung der Bestim- vorlegt, alle weiteren Angaben in Bezug auf
mungen dieses Protokolls innerhalb seines die Durchführung des Protokolls auf. Die an-
Hoheitsbereichs sicherzustellen. deren Vertragsstaaten des Protokolls legen
(2) Die Vertragsstaaten verpflichten sich, alle fünf Jahre einen Bericht vor.
die Grundsätze und Bestimmungen dieses (3) Der Ausschuss für die Rechte des Kindes kann
Protokolls durch geeignete Massnahmen bei die Vertragsstaaten um weitere Angaben über
Erwachsenen und auch bei Kindern allge- die Durchführung des Protokolls ersuchen.
mein bekannt zu machen und zu fördern.
(3) Die Vertragsstaaten treffen alle durch- Artikel 9
führbaren Massnahmen um sicherzustellen, (1) Dieses Protokoll liegt für alle Staaten, die
dass ihrer Hoheitsgewalt unterstehende Vertragsparteien des Übereinkommens sind
Personen, die im Widerspruch zu diesem oder es unterzeichnet haben, zur Unterzeich-
Protokoll eingezogen oder in Feindseligkei- nung auf.
ten eingesetzt worden sind, demobilisiert (2) Dieses Protokoll bedarf der Ratifikation
oder auf andere Weise aus dem Militärdienst und steht allen Staaten zum Beitritt offen.
entlassen werden. Die Vertragsstaaten Die Ratifikations- oder Beitrittsurkunden
gewähren diesen Personen erforderlichen- werden beim Generalsekretär der Vereinten
falls jede geeignete Unterstützung zu ihrer Nationen hinterlegt.
physischen und psychischen Genesung und (3) Der Generalsekretär unterrichtet in seiner
ihrer sozialen Wiedereingliederung. Eigenschaft als Verwahrer des Übereinkom-
mens und des Protokolls alle Vertragsstaa-
Artikel 7 ten des Übereinkommens sowie alle Staaten,
(1) Die Vertragsstaaten arbeiten bei der die das Übereinkommen unterzeichnet
Durchführung dieses Protokolls zusammen, haben, über jede gemäss Artikel 3 hinterleg-
so bei der Verhütung von Verstössen gegen te Erklärungsurkunde.
das Protokoll sowie bei der Rehabilitati-
on und sozialen Wiedereingliederung von Artikel 10
Personen, die Opfer von Verstössen gegen (1) Dieses Protokoll tritt drei Monate nach Hin-
das Protokoll geworden sind, einschliesslich terlegung der zehnten Ratifikations- oder
technischer Zusammenarbeit und finanzi- Beitrittsurkunde in Kraft.
eller Unterstützung. Diese Unterstützung (2) Für jeden Staat, der dieses Protokoll nach
und Zusammenarbeit erfolgt in Absprache seinem Inkrafttreten ratifiziert oder ihm
zwischen den betreffenden Vertragsstaaten beitritt, tritt es einen Monat nach Hinter-
und den zuständigen internationalen Orga- legung seiner eigenen Ratifikations- oder
nisationen. Beitrittsurkunde in Kraft.

91
Artikel 11 Artikel 13
(1) Jeder Vertragsstaat kann dieses Protokoll (1) Dieses Protokoll, dessen arabischer, chinesi-
jederzeit durch eine an den Generalsekretär scher, englischer, französischer, russischer
der Vereinten Nationen gerichtete schrift- und spanischer Wortlaut gleichermassen
liche Notifikation kündigen; der General- verbindlich ist, wird im Archiv der Vereinten
sekretär unterrichtet sodann die übrigen Nationen hinterlegt.
Vertragsstaaten des Übereinkommens und (2) Der Generalsekretär der Vereinten Natio-
alle Staaten, die das Übereinkommen unter- nen übermittelt allen Vertragsstaaten des
zeichnet haben. Die Kündigung wird ein Jahr Übereinkommens sowie allen Staaten, die
nach Eingang der Notifikation beim Gene- das Übereinkommen unterzeichnet haben,
ralsekretär wirksam. Ist jedoch bei Ablauf beglaubigte Abschriften dieses Protokolls.
dieses Jahres der kündigende Vertragsstaat
in einen bewaff neten Konflikt verwickelt,
so wird die Kündigung erst nach Ende des
bewaff neten Konflikts wirksam.
(2) Die Kündigung enthebt den Vertragsstaat
in Bezug auf Handlungen, die sich vor dem
Wirksamwerden der Kündigung ereignet
haben, nicht seiner Verpflichtungen aus die-
sem Protokoll. Die Kündigung berührt auch
nicht die weitere Prüfung einer Angelegen-
heit, mit welcher der Ausschuss bereits vor
dem Wirksamwerden der Kündigung befasst
war.

Artikel 12
(1) Jeder Vertragsstaat kann eine Änderung
vorschlagen und sie beim Generalsekretär
der Vereinten Nationen einreichen. Der
Generalsekretär übermittelt sodann den Än-
derungsvorschlag den Vertragsstaaten mit
der Aufforderung, ihm mitzuteilen, ob sie
eine Konferenz der Vertragsstaaten zur Be-
ratung und Abstimmung über den Vorschlag
befürworten. Befürwortet innerhalb von
vier Monaten nach dem Datum der Übermitt-
lung wenigstens ein Drittel der Vertrags-
staaten eine solche Konferenz, so beruft der
Generalsekretär die Konferenz unter der
Schirmherrschaft der Vereinten Nationen
ein. Jede Änderung, die von der Mehrheit der
auf der Konferenz anwesenden und abstim-
menden Vertragsstaaten angenommen wird,
wird der Generalversammlung zur Billigung
vorgelegt.
(2) Eine nach Absatz 1 angenommene Änderung
tritt in Kraft, wenn sie von der Generalver-
sammlung gebilligt und von einer Zweidrit-
telmehrheit der Vertragsstaaten angenom-
men worden ist.
(3) Tritt eine Änderung in Kraft, so ist sie für
die Vertragsstaaten, die sie angenommen
haben, verbindlich, während für die anderen
Vertragsstaaten weiterhin die Bestimmun-
gen dieses Protokolls und alle früher von
ihnen angenommenen Änderungen gelten.

92
93
94
Fakultativprotokoll zum Übereinkommen über
die Rechte des Kindes betreffend den Verkauf
von Kindern, die Kinderprostitution und die
Kinderpornographie
Die Vertragsstaaten dieses Protokolls - Schlussfolgerung der Konferenz, in der sie for-
dert, die Herstellung, den Vertrieb, die Ausfuhr,
in der Erwägung, dass es zur weiteren Verwirk- die Übermittlung, die Einfuhr und den vorsätz-
lichung der Ziele des Übereinkommens über die lichen Besitz von Kinderpornographie sowie die
Rechte des Kindes und zur weiteren Durchfüh- Werbung dafür weltweit unter Strafe zu stellen,
rung seiner Bestimmungen, insbesondere der und unter Hinweis auf die Bedeutung einer enge-
Artikel 1, 11, 21, 32, 33, 34, 35 und 36, angebracht ren Zusammenarbeit und Partnerschaft zwischen
wäre, die Maßnahmen zu erweitern, welche die den Regierungen und der Internetindustrie,
Vertragsstaaten ergreifen sollen, um den Schutz
des Kindes vor Verkauf von Kindern, Kinderpros- in der Überzeugung, dass die Beseitigung des
titution und Kinderpornographie zu Verkaufs von Kindern, der Kinderprostituti-
gewährleisten, on und der Kinderpornographie durch einen
ganzheitlichen Ansatz erleichtert werden wird,
ferner in der Erwägung, dass das Übereinkommen der die begünstigenden Umstände wie Unter-
über die Rechte des Kindes das Recht des Kindes entwicklung, Armut, wirtschaftliche Ungleich-
anerkennt, vor wirtschaftlicher Ausbeutung heiten, ungerechte sozioökonomische Struktu-
geschützt und nicht zu einer Arbeit herangezo- ren, gestörte Familienverhältnisse, fehlende
gen zu werden, die Gefahren mit sich bringen, die Bildung, Landflucht, Diskriminierung aufgrund
Erziehung des Kindes behindern oder die Gesund- des Geschlechts, verantwortungsloses Sexual-
heit des Kindes oder seine körperliche, geistige, verhalten Erwachsener, schädliche traditionelle
seelische, sittliche oder soziale Entwicklung Praktiken, bewaffnete Konflikte und Kinderhan-
schädigen könnte, del einbezieht,

ernsthaft darüber besorgt, dass der interna- sowie in der Überzeugung, dass Anstrengungen
tionale Kinderhandel zum Zweck des Verkaufs zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit unter-
von Kindern, der Kinderprostitution und der nommen werden müssen, um die Nachfrage,
Kinderpornographie beträchtliche Ausmaße an- die zum Verkauf von Kindern, zur Kinderpro-
genommen hat und im Zunehmen begriffen ist, stitution und zur Kinderpornographie führt,
zu verringern, und ferner in der Überzeugung,
zutiefst besorgt über die weitverbreitete und dass es wichtig ist, die weltweite Partnerschaft
andauernde Praxis des Sextourismus, der Kinder zwischen allen Handelnden zu fördern und die
besonders gefährdet, weil er den Verkauf von Rechtsdurchsetzung auf nationaler Ebene zu
Kindern, die Kinderprostitution und die Kin- verbessern,
derpornographie unmittelbar fördert,
unter Hinweis auf die internationalen Über-
in der Erkenntnis, dass eine Reihe besonders einkünfte betreffend den Schutz von Kindern,
gefährdeter Gruppen, namentlich Mädchen, in einschließlich des Haager Übereinkommens über
höherem Maße dem Risiko der sexuellen Ausbeu- den Schutz von Kindern und die Zusammenarbeit
tung ausgesetzt sind und dass Mädchen einen auf dem Gebiet der internationalen Adoption,
unverhältnismäßig hohen Anteil der Opfer sexu- des Haager Übereinkommens über die zivil-
eller Ausbeutung ausmachen, rechtlichen Aspekte internationaler Kindesent-
führung, des Haager Übereinkommens über die
besorgt über die zunehmende Verfügbarkeit Zuständigkeit, das anzuwendende Recht, die
von Kinderpornographie über das Internet und Anerkennung, Vollstreckung und Zusammenar-
andere neue Technologien und unter Hinweis beit auf dem Gebiet der elterlichen Verantwor-
auf die 1999 in Wien abgehaltene Internationale tung und der Maßnahmen zum Schutz von Kindern
Konferenz zur Bekämpfung der Kinderporno- sowie des Übereinkommens Nr. 182 der Internati-
graphie im Internet und insbesondere auf die onalen Arbeitsorganisation über das Verbot und

95
unverzügliche Maßnahmen zur Beseitigung der schreitend von einem Einzelnen oder auf
schlimmsten Formen der Kinderarbeit, organisierte Weise begangen werden:
a) in Bezug auf den Verkauf von Kindern im
ermutigt durch die überwältigende Unterstüt- Sinne des Artikels 2:
zung für das Übereinkommen über die Rechte des i) das Anbieten, Übergeben oder Annehmen ei-
Kindes, in der die allgemeine Entschlossenheit nes Kindes, gleichviel durch welches Mittel,
zum Ausdruck kommt, auf die Förderung und den zum Zwecke
Schutz der Rechte des Kindes hinzuwirken, a. der sexuellen Ausbeutung des Kindes;
b. der Übertragung von Organen des Kindes
in der Erkenntnis, wie wichtig es ist, die Bestim- zur Erzielung von Gewinn;
mungen des Aktionsprogramms zur Verhütung c. der Heranziehung des Kindes zur Zwangs-
von Kinderhandel, Kinderprostitution und arbeit;
Kinderpornographie sowie der Erklärung und des ii) als Vermittler, das unstatthafte Herbeifüh-
Aktionsplans des vom 27. bis 31. August 1996 in ren der Zustimmung zur Adoption eines Kin-
Stockholm abgehaltenen Weltkongresses gegen des unter Verstoß gegen die anwendbaren
die gewerbsmäßige sexuelle Ausbeutung von internationalen Übereinkünfte betreffend
Kindern sowie anderer einschlägiger Beschlüsse die Adoption;
und Empfehlungen zuständiger internationaler b) das Anbieten, Beschaffen, Vermitteln oder
Organe durchzuführen, Bereitstellen eines Kindes zur Kinderprosti-
tution im Sinne des Artikels 2;
unter gebührender Beachtung der Bedeutung der c) das Herstellen, Vertreiben, Verbreiten, Ein-
Traditionen und kulturellen Werte jedes Volkes führen, Ausführen, Anbieten, Verkaufen oder
für den Schutz und die harmonische Entwicklung Besitzen von Kinderpornographie im Sinne
des Kindes - des Artikels 2 zu den genannten Zwecken.

(2) Vorbehaltlich der innerstaatlichen Rechts-


haben Folgendes vereinbart: vorschriften eines Vertragsstaats gilt dies
auch für den Versuch, eine dieser Handlun-
Artikel 1 gen zu begehen, sowie für die Mittäterschaft
Die Vertragsstaaten verbieten den Verkauf von oder Teilnahme an einer dieser Handlungen.
Kindern, die Kinderprostitution und die Kin- (3) Jeder Vertragsstaat bedroht diese Straf-
derpornographie nach Maßgabe dieses Proto- taten mit angemessenen Strafen, die der
kolls. Schwere der Taten Rechnung tragen.
(4) Vorbehaltlich seiner innerstaatlichen
Artikel 2 Rechtsvorschriften trifft jeder Vertrags-
Im Sinne dieses Protokolls bedeutet staat gegebenenfalls Maßnahmen, um die
a) „Verkauf von Kindern“ jede Handlung oder Verantwortlichkeit juristischer Personen
jedes Geschäft, mit denen ein Kind gegen für die Straftaten nach Absatz 1 zu begrün-
Bezahlung oder für eine andere Gegenleis- den. Vorbehaltlich der Rechtsgrundsätze des
tung von einer Person oder Personengruppe Vertragsstaats kann diese Verantwortlich-
an eine andere übergeben wird; keit juristischer Personen straf-, zivil- oder
b) „Kinderprostitution“ die Benutzung eines Kin- verwaltungsrechtlicher Natur sein.
des bei sexuellen Handlungen gegen Bezah- (5) Die Vertragsstaaten treffen alle geeigneten
lung oder jede andere Art der Gegenleistung; rechtlichen Maßnahmen und Verwaltungs-
c) „Kinderpornographie“ jede Darstellung ei- maßnahmen um sicherzustellen, dass alle
nes Kindes, gleichviel durch welches Mittel, an der Adoption eines Kindes beteiligten
bei wirklichen oder simulierten eindeutigen Personen im Einklang mit den anwendbaren
sexuellen Handlungen oder jede Darstellung internationalen Übereinkünften handeln.
der Geschlechtsteile eines Kindes zu vorwie-
gend sexuellen Zwecken. Artikel 4
(1) Jeder Vertragsstaat trifft die notwendigen
Artikel 3 Maßnahmen, um seine Gerichtsbarkeit über
(1) Jeder Vertragsstaat stellt sicher, dass die in Artikel 3 Absatz 1 bezeichneten Straf-
mindestens die folgenden Handlungen und taten zu begründen, wenn die Straftaten in
Tätigkeiten in vollem Umfang von seinem seinem Hoheitsgebiet oder an Bord eines in
Strafrecht erfasst werden, gleichviel ob diesem Staat eingetragenen Schiffes oder
diese Straftaten im Inland oder grenzüber- Luftfahrzeugs begangen worden sind.

96
(2) Jeder Vertragsstaat kann die notwendigen (5) Wird in Bezug auf eine in Artikel 3 Absatz
Maßnahmen treffen, um seine Gerichtsbar- 1 beschriebene Straftat ein Auslieferungs-
keit über die in Artikel 3 Absatz 1 bezeich- ersuchen gestellt und liefert der ersuchte
neten Straftaten in den folgenden Fällen zu Vertragsstaat den Täter wegen seiner
begründen: Staatsangehörigkeit nicht aus oder will ihn
a) wenn der Verdächtige ein Angehöriger deswegen nicht ausliefern, so trifft dieser
dieses Staates ist oder seinen gewöhnlichen Staat geeignete Maßnahmen, um den Fall
Aufenthalt im Hoheitsgebiet dieses Staates seinen zuständigen Behörden zum Zweck der
hat; Strafverfolgung zu unterbreiten.
b) wenn das Opfer ein Angehöriger dieses
Staates ist. Artikel 6
(3) Jeder Vertragsstaat trifft ferner die notwen- (1) Die Vertragsstaaten gewähren einander
digen Maßnahmen, um seine Gerichtsbarkeit größtmögliche Hilfe im Zusammenhang mit
über die genannten Straftaten zu begrün- Ermittlungen oder mit Straf- oder Auslie-
den, wenn der Verdächtige sich in seinem ferungsverfahren, welche die in Artikel 3
Hoheitsgebiet befindet und er ihn nicht an Absatz 1 genannten Straftaten zum Gegen-
einen anderen Vertragsstaat ausliefert, weil stand haben, einschließlich der Hilfe bei
die Straftat von einem seiner Staatsangehö- der Beschaffung der ihnen zur Verfügung
rigen begangen worden ist. stehenden und für das Verfahren notwendi-
(4) Dieses Protokoll schließt die Ausübung gen Beweismittel.
einer Strafgerichtsbarkeit nach innerstaat- (2) Die Vertragsstaaten erfüllen ihre Verpflich-
lichem Recht nicht aus. tungen nach Absatz 1 im Einklang mit den
gegebenenfalls zwischen ihnen bestehenden
Artikel 5 Verträgen oder sonstigen Vereinbarungen
(1) Die in Artikel 3 Absatz 1 bezeichneten Straf- über Rechtshilfe. Bestehen solche Verträge
taten gelten als in jeden zwischen den Ver- oder Vereinbarungen nicht, so leisten die
tragsstaaten bestehenden Auslieferungs- Vertragsstaaten einander Hilfe nach ihrem
vertrag einbezogene auslieferungsfähige innerstaatlichen Recht.
Straftaten und werden als auslieferungs-
fähige Straftaten in jeden später zwischen Artikel 7
ihnen geschlossenen Auslieferungsvertrag Vorbehaltlich ihrer innerstaatlichen Rechtsvor-
im Einklang mit den in diesen Verträgen schriften werden die Vertragsstaaten
niedergelegten Bedingungen aufgenommen. a) Maßnahmen treffen, um gegebenenfalls die
(2) Erhält ein Vertragsstaat, der die Ausliefe- Beschlagnahme und Einziehung in Bezug auf
rung vom Bestehen eines Vertrags abhängig Folgendes vorzusehen:
macht, ein Auslieferungsersuchen von einem i) Gegenstände, wie Material, Vermögenswerte
anderen Vertragsstaat, mit dem er keinen und andere Tatwerkzeuge, die verwendet wur-
Auslieferungsvertrag hat, so kann er dieses den, um Straftaten nach diesem Protokoll zu
Protokoll als Rechtsgrundlage für die begehen oder ihre Begehung zu erleichtern; 1
Auslieferung in Bezug auf diese Straftaten ii) Erträge aus solchen Straftaten;
ansehen. Die Auslieferung unterliegt den im b) Ersuchen eines anderen Vertragsstaats um
Recht des ersuchten Staates vorgesehenen Beschlagnahme oder Einziehung der unter
Bedingungen. Buchstabe a bezeichneten Sachen oder
(3) Vertragsstaaten, welche die Auslieferung Erträge nachkommen;
nicht vom Bestehen eines Vertrags abhängig c) Maßnahmen zur vorübergehenden oder
machen, erkennen unter sich diese Strafta- endgültigen Schließung der Räumlichkeiten
ten als auslieferungsfähige Straftaten an, treffen, die zur Begehung solcher Straftaten
vorbehaltlich der im Recht des ersuchten benutzt wurden.
Staates vorgesehenen Bedingungen.
(4) Diese Straftaten werden für die Zwecke der Artikel 8
Auslieferung zwischen Vertragsstaaten so (1) Die Vertragsstaaten treffen geeignete
behandelt, als seien sie nicht nur an dem Maßnahmen, um die Rechte und das Wohl von
Ort, an dem sie sich ereignet haben, sondern Kindern, die Opfer von nach diesem Proto-
auch in den Hoheitsgebieten der Staaten be- koll verbotenen Praktiken wurden, in allen
gangen worden, die in Übereinstimmung mit Abschnitten des Strafverfahrens zu schüt-
Artikel 4 ihre Gerichtsbarkeit zu begründen zen, indem sie insbesondere
haben.

1
Für die Schweiz gilt folgende Übersetzung:
„i) Güter, wie Dokumente, Vermögenswerte und andere Hilfsmittel, die verwendet wurden,
um Straftaten nach diesem Protokoll zu begehen oder ihre Begehung zu erleichtern;“.
97
a) die Verletzlichkeit kindlicher Opfer aner- an der Rehabilitation ihrer Opfer beteiligt
kennen und die Verfahren so anpassen, dass sind.
ihren besonderen Bedürfnissen, namentlich (6) Dieser Artikel ist nicht so auszulegen, als
in ihrer Eigenschaft als Zeugen, Rechnung beeinträchtige er das Recht des Beschul-
getragen wird; digten auf ein faires und unparteiisches
b) kindliche Opfer über ihre Rechte und ihre Verfahren oder als sei er mit diesem Recht
Rolle, über Umfang, zeitlichen Ablauf und unvereinbar.
Stand des Verfahrens sowie über die in ihrem
Fall getroffene Entscheidung unterrichten; Artikel 9
c) zulassen, dass die Ansichten, Bedürfnisse (1) Die Vertragsstaaten werden Gesetze, Ver-
und Sorgen kindlicher Opfer in Verfahren, waltungsmaßnahmen sowie sozialpolitische
die ihre persönlichen Interessen berühren, Leitlinien und Programme zur Verhütung der
in Übereinstimmung mit den Verfahrens- in diesem Protokoll bezeichneten Straftaten
vorschriften des innerstaatlichen Rechts beschließen oder verstärken, durchführen
vorgetragen und geprüft werden; und bekannt machen. Besondere Beachtung
d) kindlichen Opfern während des gesamten ist dem Schutz von Kindern zu schenken, die
Gerichtsverfahrens geeignete Hilfsdienste durch diese Praktiken besonders gefährdet
zur Verfügung stellen; sind.
e) die Privatsphäre und die Identität kindli- (2) Die Vertragsstaaten fördern durch Informa-
cher Oper erforderlichenfalls schützen und tionstätigkeit mit allen geeigneten Mitteln
in Übereinstimmung mit dem innerstaat- sowie durch Aufklärung und Schulung das
lichen Recht Maßnahmen treffen, um die Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit,
Verbreitung von Informationen zu verhin- einschließlich der Kinder, in Bezug auf
dern, die zur Identifikation kindlicher Opfer vorbeugende Maßnahmen und schädliche
führen könnten; Folgen der in diesem Protokoll bezeichneten
f) gegebenenfalls dafür Sorge tragen, dass Straftaten. Bei der Erfüllung ihrer Ver-
kindliche Opfer und ihre Familien sowie pflichtungen nach diesem Artikel fördern
Belastungszeugen vor Einschüchterung und die Vertragsstaaten die Mitwirkung der Ge-
Vergeltung sicher sind; meinschaft und insbesondere der Kinder und
g) unnötige Verzögerungen bei der Entschei- kindlichen Opfer an solchen Informations-,
dung von Fällen und der Durchführung von Aufklärungs- und Schulungsprogrammen,
Beschlüssen oder Entscheidungen ver- einschließlich auf internationaler Ebene.
meiden, mit denen kindlichen Opfern eine (3) Die Vertragsstaaten treffen alle durchführ-
Entschädigung gewährt wird. baren Maßnahmen, um jede geeignete Hilfe
(2) Die Vertragsstaaten stellen sicher, dass für die Opfer solcher Straftaten sicherzu-
Ungewissheit in Bezug auf das tatsächliche stellen, einschließlich ihrer vollständigen
Alter des Opfers die Einleitung strafrechtli- sozialen Wiedereingliederung und ihrer
cher Ermittlungen, einschließlich Ermittlun- vollständigen körperlichen und psychischen
gen zur Feststellung des Alters des Opfers, Genesung.
nicht verhindert. (4) Die Vertragsstaaten stellen sicher, dass alle
(3) Die Vertragsstaaten stellen sicher, dass in kindlichen Opfer der in diesem Protokoll be-
Strafverfahren mit Beteiligung von Kindern, zeichneten Straftaten Zugang zu Verfahren
die Opfer der in diesem Protokoll genann- haben, die ihnen ermöglichen, ohne Diskri-
ten Straftaten geworden sind, das Wohl des minierung von den gesetzlich Verantwortli-
Kindes ein vorrangig zu berücksichtigender chen Schadensersatz zu verlangen.
Gesichtspunkt ist. (5) Die Vertragsstaaten treffen geeignete Maß-
(4) Die Vertragsstaaten treffen Maßnahmen, nahmen, um die Herstellung und Verbreitung
um eine geeignete, insbesondere juristische von Material, mit dem für die in diesem Pro-
und psychologische Ausbildung der Perso- tokoll bezeichneten Straftaten geworben
nen sicherzustellen, die mit Opfern von nach wird, wirksam zu verbieten.
diesem Protokoll verbotenen Straftaten
arbeiten. Artikel 10
(5) Die Vertragsstaaten treffen gegebenenfalls (1) Die Vertragsstaaten unternehmen alle
Maßnahmen, um die Sicherheit und Unver- notwendigen Schritte zur Stärkung der
sehrtheit der Personen und/oder Organisati- internationalen Zusammenarbeit, indem
onen zu gewährleisten, die an der Verhütung sie mehrseitige, regionale und zweiseitige
solcher Straftaten und/oder am Schutz und Vereinbarungen schließen, um den Verkauf

98
von Kindern, die Kinderprostitution, die ben über die Durchführung des Protokolls
Kinderpornographie und den Kindersex- ersuchen.
tourismus zu verhüten und die für diese
Handlungen Verantwortlichen aufzuspüren, Artikel 13
gegen sie zu ermitteln, sie strafrechtlich zu (1) Dieses Protokoll liegt für alle Staaten, die
verfolgen und zu bestrafen. Die Vertrags- Vertragsparteien des Übereinkommens sind
staaten fördern ferner die internationale oder es unterzeichnet haben, zur Unterzeich-
Zusammenarbeit und Koordinierung zwi- nung auf.
schen ihren Behörden, den nationalen und (2) Dieses Protokoll bedarf der Ratifikation
internationalen nichtstaatlichen Organisa- und steht allen Staaten, die Vertragspar-
tionen sowie den internationalen Organisa- teien des Übereinkommens sind oder es
tionen. unterzeichnet haben, zum Beitritt offen.
(2) Die Vertragsstaaten fördern die internati- Die Ratifikations- oder Beitrittsurkunden
onale Zusammenarbeit zur Unterstützung werden beim Generalsekretär der Vereinten
kindlicher Opfer bei ihrer körperlichen und Nationen hinterlegt.
psychischen Genesung sowie ihrer sozialen
Wiedereingliederung und Rückführung in Artikel 14
die Heimat. (1) Dieses Protokoll tritt drei Monate nach Hin-
(3) Die Vertragsstaaten fördern die Stärkung terlegung der zehnten Ratifikations- oder
der internationalen Zusammenarbeit, Beitrittsurkunde in Kraft.
um die tieferen Ursachen, wie Armut und (2) Für jeden Staat, der dieses Protokoll nach
Unterentwicklung, zu beseitigen, die zu der seinem Inkrafttreten ratifiziert oder ihm
Gefährdung von Kindern durch den Verkauf beitritt, tritt es einen Monat nach Hinter-
von Kindern, die Kinderprostitution und den legung seiner eigenen Ratifikations- oder
Kindersextourismus beitragen. Beitrittsurkunde in Kraft.
(4) Die Vertragsstaaten, die dazu in der Lage
sind, stellen im Rahmen bestehender Artikel 15
mehrseitiger, regionaler, zweiseitiger oder (1) Jeder Vertragsstaat kann dieses Protokoll
anderer Programme finanzielle, technische jederzeit durch eine an den Generalsekretär
oder andere Hilfe zur Verfügung. der Vereinten Nationen gerichtete schrift-
liche Notifikation kündigen; der General-
Artikel 11 sekretär unterrichtet sodann die übrigen
Dieses Protokoll lässt zur Verwirklichung der Vertragsstaaten des Übereinkommens und
Rechte des Kindes besser geeignete Bestimmun- alle Staaten, die das Übereinkommen unter-
gen unberührt, die enthalten sind zeichnet haben. Die Kündigung wird ein Jahr
a) im Recht eines Vertragsstaats oder nach Eingang der Notifikation beim General-
b) in dem für diesen Staat geltenden Völker- sekretär wirksam.
recht. (2) Die Kündigung enthebt den Vertragsstaat in
Bezug auf Straftaten, die sich vor dem Wirk-
Artikel 12 samwerden der Kündigung ereignet haben,
(1) Jeder Vertragsstaat legt dem Ausschuss für nicht seiner Verpflichtungen aus diesem
die Rechte des Kindes innerhalb von zwei Protokoll. Die Kündigung berührt auch nicht
Jahren nach Inkrafttreten des Protokolls die weitere Prüfung einer Angelegenheit,
für den betreffenden Vertragsstaat einen mit welcher der Ausschuss bereits vor dem
Bericht mit umfassenden Angaben über die Wirksamwerden der Kündigung befasst war.
Maßnahmen vor, die er zur Durchführung des
Protokolls getroffen hat. Artikel 16
(2) Nach Vorlegen des umfassenden Berichts (1) Jeder Vertragsstaat kann eine Änderung
nimmt jeder Vertragsstaat in die Berichte, vorschlagen und sie beim Generalsekretär
die er dem Ausschuss für die Rechte des der Vereinten Nationen einreichen. Der
Kindes nach Artikel 44 des Übereinkommens Generalsekretär übermittelt sodann den Än-
vorlegt, alle weiteren Angaben in Bezug auf derungsvorschlag den Vertragsstaaten mit
die Durchführung des Protokolls auf. Die an- der Aufforderung, ihm mitzuteilen, ob sie
deren Vertragsstaaten des Protokolls legen eine Konferenz der Vertragsstaaten zur Be-
alle fünf Jahre einen Bericht vor. ratung und Abstimmung über den Vorschlag
(3) Der Ausschuss für die Rechte des Kindes befürworten. Befürwortet innerhalb von
kann die Vertragsstaaten um weitere Anga- vier Monaten nach dem Datum der Übermitt-

99
lung wenigstens ein Drittel der Vertrags- Artikel 17
staaten eine solche Konferenz, so beruft der (1) Dieses Protokoll, dessen arabischer, chinesi-
Generalsekretär die Konferenz unter der scher, englischer, französischer, russischer
Schirmherrschaft der Vereinten Nationen und spanischer Wortlaut gleichermaßen
ein. Jede Änderung, die von der Mehrheit der verbindlich ist, wird im Archiv der Vereinten
auf der Konferenz anwesenden und abstim- Nationen hinterlegt.
menden Vertragsstaaten angenommen wird, (2) Der Generalsekretär der Vereinten Natio-
wird der Generalversammlung der Vereinten nen übermittelt allen Vertragsstaaten des
Nationen zur Billigung vorgelegt. Übereinkommens und allen Staaten, die
(2) Eine nach Absatz 1 angenommene Änderung das Übereinkommen unterzeichnet haben,
tritt in Kraft, wenn sie von der Generalver- beglaubigte Abschriften dieses Protokolls.
sammlung gebilligt und von einer Zweidrit-
telmehrheit der Vertragsstaaten angenom-
men worden ist.
(3) Tritt eine Änderung in Kraft, so ist sie für
die Vertragsstaaten, die sie angenommen
haben, verbindlich, während für die anderen
Vertragsstaaten weiterhin die Bestimmun-
gen dieses Protokolls und alle früher von
ihnen angenommenen Änderungen gelten.

100
Fakultativprotokoll zum Übereinkommen
über die Rechte des Kindes betreffend ein
Mitteilungsverfahren

Die Vertragsstaaten dieses Protokolls –

in der Erwägung, dass nach den in der Charta


der Vereinten Nationen verkündeten Grund-
sätzen die Anerkennung der allen Mitgliedern
der menschlichen Gesellschaft innewohnenden
Würde und der Gleichheit und Unveräußerlich-
keit ihrer Rechte die Grundlage von Freiheit,
Gerechtigkeit und Frieden in der Welt bildet,

davon Kenntnis nehmend, dass die Vertrags-


staaten des Übereinkommens über die Rechte
des Kindes (im Folgenden als „Übereinkommen“
bezeichnet) die darin festgelegten Rechte für
jedes ihrer Hoheitsgewalt unterstehende Kind
ohne jede Diskriminierung unabhängig von der
Rasse, der Hautfarbe, dem Geschlecht, der Spra-
che, der Religion, der politischen oder sonstigen
Anschauung, der nationalen, ethnischen oder
sozialen Herkunft, dem Vermögen, einer Behin-
derung, der Geburt oder dem sonstigen Status
des Kindes, seiner Eltern oder seines Vormunds
anerkennen,

bekräftigend, dass alle Menschenrechte und


Grundfreiheiten allgemein gültig und unteil-
bar sind, einander bedingen und mit - einander
verknüpft sind,

außerdem in Bekräftigung des Status des Kindes


als Träger von Rechten und als Mensch mit Würde
und sich entwickelnden Fähigkeiten,

in der Erkenntnis, dass die besondere und abhän-


gige Situation von Kindern ihnen beim Einlegen
von Rechtsbehelfen wegen einer Verletzung ihrer
Rechte erhebliche Schwierigkeiten bereiten kann,

in der Erwägung, dass dieses Protokoll die nati-


onalen und regionalen Mechanismen verstärken
und ergänzen wird, die es Kindern ermöglichen,
Beschwerden wegen einer Verletzung ihrer Rech-
te einzulegen,

101
in der Erkenntnis, dass das Wohl des Kindes beim Artikel 3
Einlegen von Rechtsbehelfen wegen einer Verlet- Verfahrensordnung
zung der Rechte des Kindes ein vorrangig zu be-
rücksichtigender Gesichtspunkt sein sollte und (1) Der Ausschuss gibt sich eine Verfahrensord-
dass dabei auf allen Ebenen der Notwendigkeit nung, die bei der Erfüllung der ihm durch
kind - gerechter Verfahren Rechnung getragen dieses Protokoll übertragenen Aufgaben zu
werden sollte, beachten ist. Dabei berücksichtigt er insbe-
sondere Artikel 2, um zu gewährleisten, dass
die Vertragsstaaten dazu ermutigend, geeignete die Verfahren kindgerecht sind.
nationale Mechanismen einzurichten, um einem (2) Der Ausschuss nimmt in seine Verfahrens-
Kind, dessen Rechte verletzt wurden, den Zugang ordnung Schutzbestimmungen auf, um einer-
zu wirksamen Rechtsbehelfen auf innerstaatli- Manipulation des Kindes durch diejenigen,
cher Ebene zu ermöglichen, die in seinem Namen handeln, vorzubeugen;
er kann die Prüfung jeder Mitteilung ableh-
unter Hinweis auf die wichtige Rolle, die die nen, die seiner Auffassung nach nicht dem
nationalen Menschenrechtsinstitutionen und Wohl des Kindes entspricht.
andere mit der Förderung und dem Schutz der
Rechte des Kindes betraute zuständige Fachins- Artikel 4
titutionen in dieser Hinsicht spielen können, Schutzmaßnahmen

in der Erwägung, dass es zur Verstärkung und (1) Ein Vertragsstaat trifft alle geeignetenMaß-
Ergänzung dieser nationalen Mechanismen und nahmen, um sicherzustellen, dass seiner Ho-
zur weiteren Verbesserung der Durchführung heitsgewalt unterstehende Einzelpersonen
des Übereinkommens und gegebenenfalls der nicht infolge einer Mitteilung an oder einer
dazugehörigen Fakultativprotokolle betreffend Zusammenarbeit mit dem Ausschuss einer
den Verkauf von Kindern, die Kinderprostitution Menschenrechtsverletzung, Misshandlung
und die Kinderpornographie sowie betreffend oder Einschüchterung ausgesetzt werden.
die Beteiligung von Kindern an bewaffneten Kon- (2) Die Identität einer betroffenen Einzelper-
flikten angebracht wäre, dem Ausschuss für die son oder Personengruppe darf ohne deren
Rechte des Kindes (im Folgenden als „Ausschuss” ausdrückliche Zustimmung nicht öffentlich
bezeichnet) die Wahrnehmung der in diesem Pro- bekannt gemacht werden.
tokoll vorgesehenen Aufgaben zu ermöglichen –
haben Folgendes vereinbart:
Teil II
Mitteilungsverfahren
Teil I
Allgemeine Bestimmungen Artikel 5
Mitteilungen von Einzelpersonen
Artikel 1
Zuständigkeit des (1) Mitteilungen können von oder im Namen ei-
Ausschusses für die Rechte des Kindes ner der Hoheitsgewalt eines Vertragsstaats
unterstehenden Einzelperson oder Perso-
(1) Ein Vertragsstaat dieses Protokolls erkennt nengruppe eingereicht werden, die behaup-
die in diesem Protokoll vorgesehene tet, Opfer einer Verletzung eines Rechts aus
Zuständigkeit des Ausschusses an. einer der nachstehenden Übereinkünfte, de-
(2) Der Ausschuss übt seine Zuständigkeit gegen- nen der Staat als Vertrags - partei angehört,
über einem Vertragsstaat dieses Protokolls durch diesen Vertragsstaat zu sein:
nicht in Angelegenheiten aus, die die Ver- a) dem Übereinkommen;
letzung von Rechten aus einer Übereinkunft b) dem Fakultativprotokoll zum Übereinkom-
betreffen, der dieser Staat nicht als men betreffend den Verkauf von Kindern,
Vertragspartei angehört. die Kinderprostitution und die Kinderporno-
(3) Der Ausschuss nimmt keine Mitteilung graphie;
entgegen, die einen Staat betrifft, der nicht c) dem Fakultativprotokoll zum Übereinkom-
Vertragspartei dieses Protokolls ist. men betreffend die Beteiligung von Kindern
an bewaffneten Konflikten.
Artikel 2
Allgemeine Grundsätze für die Wahrnehmung (2) Wird eine Mitteilung im Namen einer Einzel-
der Aufgaben des Ausschusses person oder Personengruppe eingereicht, so
hat dies mit ihrer Zustimmung zu geschehen,
Bei der Erfüllung der ihm durch dieses Protokoll es sei denn, der Verfasser kann rechtferti-
übertragenen Aufgaben lässt sich der Ausschuss gen, ohne eine solche Zustimmung in ihrem
vom Grundsatz des Wohls des Kindes leiten. Er Namen zu handeln.
trägt außerdem den Rechten sowie der Meinung
des Kindes Rechnung, wobei die Meinung des Kin-
des angemessen und entsprechend dem Alter und
der Reife des Kindes zu berücksichtigen ist.

102
Artikel 6 (2) Der Vertragsstaat übermittelt dem Aus-
Vorläufige Maßnahmen schuss schriftliche Erklärungen oder
Darlegungen zur Klärung der Sache und
(1) Der Ausschuss kann jederzeit nach Eingang der gegebenenfalls von ihm getroffenen
einer Mitteilung und bevor eine Entschei- Abhilfemaßnahmen. Der Vertragsstaat über-
dung in der Sache selbst getroffen worden mittelt seine Antwort so bald wie möglich
ist, dem betreffenden Vertragsstaat ein innerhalb von sechs Monaten.
Gesuch zur sofortigen Prüfung übermitteln,
in dem er aufgefordert wird, die vorläufigen Artikel 9
Maßnahmen zu treffen, die unter außer- Gütliche Einigung
gewöhnlichen Umständen gegebenenfalls
erforderlich sind, um einen möglichen nicht (1) Der Ausschuss stellt den beteiligten Par-
wiedergutzumachenden Schaden für das teien seine guten Dienste zur Verfügung,
oder die Opfer der behaupteten Verletzung um in der Sache eine gütliche Einigung
abzuwenden. auf der Grundlage der Achtung der in dem
(2) Übt der Ausschuss sein Ermessen nach Absatz Übereinkommen und/oder den dazugehöri-
1 aus, so bedeutet das keine Entscheidung gen Fakultativprotokollen niedergelegten
über die Zulässigkeit der Mitteilung oder in der Verpflichtungen herbeizuführen.
Sache selbst. (2) Mit Zustandekommen einer gütlichen
Einigung unter der Ägide des Ausschusses
Artikel 7 wird die Prüfung der Mitteilung nach diesem
Zulässigkeit Protokoll eingestellt.
Der Ausschuss erklärt eine Mitteilung für unzu-
lässig, Artikel 10
Prüfung der Mitteilungen
a) wenn sie anonym ist;
b) wenn sie nicht schriftlich eingereicht wird; (1) Der Ausschuss prüft die ihm nach diesem
c) wenn sie einen Missbrauch des Rechts auf Protokoll zugegangenen Mitteilungen so
Einreichung solcher Mitteilungen darstellt schnell wie möglich unter Berücksichtigung
oder mit den Bestimmungen des Überein- aller ihm unterbreiteten Unterlagen, wobei
kommens und/oder der dazugehörigen diese Unterlagen den betreffenden Parteien
Fakultativprotokolle unvereinbar ist; zuzuleiten sind.
d) wenn dieselbe Sache bereits vom Ausschuss (2) Der Ausschuss berät über die ihm nach die-
untersucht worden ist oder in einem anderen sem Protokoll zugegangenen Mitteilungen
internationalen Untersuchungs- oder Streit- in nichtöffentlicher Sitzung.
regelungsverfahren geprüft worden ist oder (3) Hat der Ausschuss um vorläufige Maßnahmen
geprüft wird; ersucht, führt er die Prüfung der Mitteilung
e) wenn nicht alle zur Verfügung stehenden beschleunigt durch.
innerstaatlichen Rechtsbehelfe erschöpft (4) Bei der Prüfung von Mitteilungen, in denen
worden sind. Dies gilt nicht, wenn das Ver- Verletzungen wirtschaftlicher, sozialer oder
fahren bei der Anwendung solcher Rechts- kultureller Rechte behauptet werden, prüft
behelfe unangemessen lange dauert oder der Ausschuss die Angemessenheit der von
keine wirksame Abhilfe erwarten lässt; dem Vertragsstaat im Einklang mit Artikel 4
f) wenn die Mitteilung offensichtlich unbe- des Übereinkommens getroffenen Maßnah-
gründet ist oder nicht hinreichend begrün- men. Dabei berücksichtigt der Ausschuss, dass
det wird; der Vertragsstaat zur Verwirklichung der in
g) wenn die der Mitteilung zugrunde liegenden dem Übereinkommen niedergelegten wirt-
Tatsachen vor dem Inkrafttreten dieses Pro- schaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte
tokolls für den betreffenden Vertragsstaat eine Reihe möglicher Maßnahmen treffen
eingetreten sind, es sei denn, dass sie auch kann.
nach diesem Zeitpunkt weiterbestehen; (5) Nachdem der Ausschuss eine Mitteilung
h) wenn die Mitteilung nicht innerhalb eines geprüft hat, übermittelt er den betreffen-
Jahres nach der Erschöpfung der inner- den Parteien umgehend seine Auff assungen
staatlichen Rechtsbehelfe eingereicht wird, zusammen mit etwaigen Empfehlungen.
außer in Fällen, in denen der Verfasser
nachweisen kann, dass eine Einreichung Artikel 11
innerhalb dieser Frist nicht möglich war. Folgemaßnahmen

Artikel 8 (1) Der Vertragsstaat zieht die Auff assungen


Übermittlung der Mitteilung des Ausschusses zusammen mit etwaigen
Empfehlungen gebührend in Erwägung und
(1) Sofern nicht der Ausschuss eine Mitteilung unterbreitet dem Ausschuss eine schriftli-
für unzulässig erachtet, ohne sich dabei an che Antwort, einschließlich Angaben über
den betreffenden Vertragsstaat zu wenden, alle unter Berücksich-tigung der Auff as-
bringt er jede ihm nach diesem Protokoll sungen und Empfehlungen des Ausschusses
zugegangene Mitteilung dem betreffenden getroffenen und ins Auge gefassten Maßnah-
Vertragsstaat so bald wie möglich vertrau- men. Der Vertragsstaat übermittelt seine
lich zur Kenntnis. Antwort so bald wie möglich innerhalb von
sechs Monaten.

103
(2) Der Ausschuss kann den Vertragsstaat Teil III
auffordern, weitere Angaben über alle Maß- Untersuchungsverfahren
nahmen vorzulegen, die der Vertragsstaat
als Reaktion auf die Auffassungen oder Emp- Artikel 13
fehlungen des Ausschusses getroffen hat, Untersuchungsverfahren
oder gegebenenfalls über die Anwendung im Falle schwerwiegender
einer Vereinbarung zur gütlichen Einigung; oder systematischer Verletzungen
soweit es vom Ausschuss als geeignet er-
achtet wird, schließt dies auch Angaben in (1) Erhält der Ausschuss glaubhafte Angaben,
den späteren Berichten des Vertragsstaats die auf schwerwiegende oder systematische
nach Artikel 44 des Übereinkommens, nach Verletzungen der in dem Übereinkommen
Artikel 12 des Fakultativprotokolls zum oder den dazugehörigen Fakultativproto-
Übereinkommen betreffend den Verkauf kollen betreffend den Verkauf von Kindern,
von Kindern, die Kinderprostitution und die die Kinderprostitution und die Kinderporno-
Kinderpornographie oder nach Artikel 8 des graphie oder betreffend die Beteiligung von
Fakultativprotokolls zum Übereinkommen Kindern an bewaffneten Konflikten nieder-
betreffend die Beteiligung von Kindern an gelegten Rechte durch einen Vertragsstaat
bewaffneten Konflikten ein. hinweisen, so fordert der Ausschuss den
Vertragsstaat auf, bei der Prüfung dieser
Artikel 12 Angaben mitzuwirken und zu diesem Zweck
Zwischenstaatliche Mitteilungen umgehend zu den Angaben Stellung zu neh-
men.
(1) Ein Vertragsstaat dieses Protokolls kann (2) Der Ausschuss kann unter Berücksichtigung
jederzeit erklären, dass er die Zuständig- der von dem betreffenden Vertragsstaat
keit des Ausschusses für die Entgegennahme abgegebenen Stellungnahmen sowie aller
und Prüfung von Mitteilungen anerkennt, sonstigen ihm zur Verfügung stehenden
in denen ein Vertragsstaat geltend macht, glaubhaften Angaben eines oder mehrere
ein anderer Vertragsstaat komme seinen seiner Mitglieder beauftragen, eine Unter-
Verpflichtungen aus einer der folgenden suchung durchzuführen und ihm sofort zu
Übereinkünfte, deren Vertragspartei er ist, berichten. Sofern geboten, kann die Unter-
nicht nach: suchung mit Zustimmung des Vertragsstaats
a) dem Übereinkommen; einen Besuch in seinem Hoheitsgebiet
b) dem Fakultativprotokoll zum Übereinkom- einschließen.
men betreffend den Verkauf von Kindern, die (3) Eine solche Untersuchung ist vertraulich
Kinderprostitution und die Kinderpornogra- durchzuführen; die Mitwirkung des Vertrags-
phie; staats ist auf allen Verfahrensstufen anzu-
c) dem Fakultativprotokoll zum Übereinkom- streben.
men betreffend die Beteiligung von Kindern (4) Nachdem der Ausschuss die Ergebnisse einer
an bewaffneten Konflikten. solchen Untersuchung geprüft hat, übermit-
telt er sie zusammen mit etwaigen Bemer-
(2) Der Ausschuss darf keine Mitteilungen kungen und Empfehlungen umgehend dem
entgegennehmen, die einen Vertragsstaat betreffenden Vertragsstaat.
betreffen oder von einem Vertragsstaat (5) Der Vertragsstaat unterbreitet so bald wie
ausgehen, der keine derartige Erklärung möglich innerhalb von sechs Monaten nach
abgegeben hat. Eingang der vom Ausschuss übermittelten
(3) Der Ausschuss stellt den beteiligten Ergebnisse, Bemerkungen und Empfehlun-
Vertragsstaaten seine guten Dienste zur gen dem Ausschuss seine Stellungnahmen.
Verfügung, um in der Sache eine gütliche (6) Nachdem das Verfahren hinsichtlich einer
Regelung auf der Grundlage der Achtung der Untersuchung gemäß Absatz 2 abgeschlos-
in dem Übereinkommen und den dazugehöri- sen ist, kann der Ausschuss nach Konsul-
gen Fakultativprotokollen niedergelegten tation des betreffenden Vertragsstaats
Verpflichtungen herbeizuführen. beschließen, eine Zusammenfassung der
(4) Eine Erklärung nach Absatz 1 wird von den Ergebnisse des Verfahrens in seinen in Arti-
Vertragsstaaten beim Generalsekretär kel 16 vorgesehenen Bericht aufzunehmen.
der Vereinten Nationen hinterlegt; dieser (7) Jeder Vertragsstaat kann zum Zeitpunkt der
übermittelt den anderen Vertragsstaaten Unterzeichnung oder Ratifikation dieses
Abschriften davon. Eine Erklärung kann Protokolls oder seines Beitritts dazu erklä-
jederzeit durch eine an den Generalsekretär ren, dass er die in diesem Artikel vorgesehe-
gerichtete Notifikation zurückgenommen ne Zuständigkeit des Ausschusses bezüglich
werden. Eine solche Rücknahme berührt der Rechte, die in einigen oder allen der in
nicht die Prüfung einer Sache, die Gegen- Absatz 1 genannten Übereinkünfte niederge-
stand einer nach diesem Artikel bereits legt sind, nicht anerkennt.
übermittelten Mitteilung ist; nach Eingang (8) Jeder Vertragsstaat, der eine Erklärung
der Notifikation über die Rücknahme der nach Absatz 7 abgegeben hat, kann diese
Erklärung beim Generalsekretär wird keine Erklärung jederzeit durch eine an den
weitere Mitteilung eines Vertragsstaats Generalsekretär der Vereinten Nationen
entgegengenommen, es sei denn, dass der gerichtete Notifikation zurücknehmen.
betroffene Vertragsstaat eine neue Erklä-
rung abgegeben hat.

104
Artikel 14 Artikel 17
Folgemaßnahmen Verbreitung des
nach dem Untersuchungsverfahren Fakultativprotokolls und Informationen
über das Fakultativprotokoll
(1) Sofern erforderlich, kann der Ausschuss
nach Ablauf des in Artikel 13 Absatz 5 Jeder Vertragsstaat verpflichtet sich, dieses
genannten Zeitraums von sechs Monaten Protokoll weithin bekannt zu machen und zu
den betreffenden Vertragsstaat auffordern, verbreiten und Erwachsenen wie auch Kindern,
ihn über die Maßnahmen zu unterrichten, einschließlich solcher mit Behinderungen, durch
die als Reaktion auf eine nach Artikel 13 geeignete und wirksame Mittel und in barriere-
durchgeführte Untersuchung getroffen oder freien Formaten den Zugang zu Informationen
ins Auge gefasst wurden. über die Auff assungen und Empfehlungen des
(2) Der Ausschuss kann den Vertragsstaat Ausschusses zu erleichtern, insbesondere in
auffordern, weitere Angaben über alle Sachen, die den Vertragsstaat betreffen.
Maßnahmen vorzulegen, die der Vertrags-
staat als Reaktion auf eine nach Artikel Artikel 18
13 durchgeführte Untersuchung getroffen Unterzeichnung,
hat; soweit es vom Ausschuss als geeignet Ratifikation und Beitritt
erachtet wird, schließt dies auch Angaben in
den späteren Berichten des Vertragsstaats (1) Dieses Protokoll liegt für jeden Staat, der
nach Artikel 44 des Übereinkommens, nach das Übereinkommen oder eines der ersten
Artikel 12 des Fakultativprotokolls zum beiden dazugehörigen Fakultativprotokolle
Übereinkommen betreffend den Verkauf unterzeichnet oder ratifiziert hat oder ihm
von Kindern, die Kinderprostitution und die beigetreten ist, zur Unterzeichnung auf.
Kinderpornographie oder nach Artikel 8 des (2) Dieses Protokoll bedarf der Ratifikation,
Fakultativprotokolls zum Übereinkommen die von allen Staaten vorgenommen werden
betreffend die Beteiligung von Kindern an kann, die das Übereinkommen oder eines
bewaff neten Konflikten ein. der ersten beiden dazugehörigen Fakulta-
tivprotokolle ratifiziert haben oder ihm
beigetreten sind. Die Ratifikationsurkunden
Teil IV werden beim Generalsekretär der Vereinten
Schlussbestimmungen Nationen hinterlegt.
(3) Dieses Protokoll steht jedem Staat, der
Artikel 15 das Übereinkommen oder eines der ersten
Internationale Unterstützung beiden dazugehörigen Fakultativprotokolle
und Zusammenarbeit ratifiziert hat oder ihm beigetreten ist, zum
Beitritt offen.
(1) Der Ausschuss kann mit Zustimmung des (4) Der Beitritt erfolgt durch Hinterlegung ei-
betreffenden Vertragsstaats den Sonderor- ner Beitrittsurkunde beim Generalsekretär
ganisationen, Fonds und Programmen der der Vereinten Nationen.
Vereinten Nationen und anderen zustän-
digen Stellen seine Auff assungen oder Artikel 19
Empfehlungen zu Mitteilungen und Untersu- Inkrafttreten
chungen, die einen Bedarf an fachlicher Be-
ratung oder Unterstützung erkennen lassen, (1) Dieses Protokoll tritt drei Monate nach Hin-
übermitteln und etwaige Stellungnahmen terlegung der zehnten Ratifikations- oder
und Vorschläge des Vertragsstaats zu den Beitrittsurkunde in Kraft.
Auff assungen oder Empfehlungen beifügen. (2) Für jeden Staat, der dieses Protokoll nach
(2) Der Ausschuss kann diesen Stellen außer- Hinterlegung der zehnten Ratifikations-
dem mit Zustimmung des betreffenden oder Beitrittsurkunde ratifiziert oder ihm
Vertragsstaats alles aus den nach diesem beitritt, tritt es drei Monate nach Hinter-
Protokoll geprüften Mitteilungen zur legung seiner eigenen Ratifikations- oder
Kenntnis bringen, was ihnen helfen kann, in Beitrittsurkunde in Kraft.
ihrem jeweiligen Zuständigkeits-bereich
über die Zweckmäßigkeit internationaler Artikel 20
Maßnahmen zu entscheiden, die den Nach dem Inkrafttreten
Vertragsstaaten dabei behilflich sein begangene Verletzungen
können, Fortschritte bei der Verwirklichung
der in dem Übereinkommen und/oder den (1) Der Ausschuss ist nur zuständig für Verlet-
dazugehörigen Fakultativprotokollen zungen eines in dem Übereinkommen und/
anerkannten Rechte zu erzielen. oder den ersten beiden dazugehörigen Fa-
kultativprotokollen niedergelegten Rechts
Artikel 16 durch den Vertragsstaat, die nach dem
Bericht an die Generalversammlung Inkrafttreten dieses Protokolls begangen
werden.
Der Ausschuss nimmt in seinen nach Artikel 44
Absatz 5 des Übereinkommens alle zwei Jahre
der Generalversammlung vorzulegenden Bericht
eine Zusammenfassung seiner Tätigkeit nach
diesem Protokoll auf.

105
(2) Wird ein Staat nach Inkrafttreten dieses Artikel 23
Protokolls dessen Vertragspartei, so betref- Verwahrer und Unterrichtung
fen seine Verpflichtungen gegenüber dem durch den Generalsekretär
Ausschuss nur Verletzungen eines in dem
Übereinkommen und/oder den ersten beiden (1) Der Generalsekretär der Vereinten Nationen
dazugehörigen Fakultativprotokollen ist Verwahrer dieses Protokolls.
niedergelegten Rechts, die nach Inkrafttre-
ten dieses Protokolls für den betreffenden (2) Der Generalsekretär unterrichtet alle Staa-
Staat begangen wurden. ten von
a) a) den Unterzeichnungen, Ratifikationen
Artikel 21 und Beitritten nach diesem Protokoll;
Änderungen b) b) dem Zeitpunkt des Inkrafttretens dieses
Protokolls und seiner Änderungen nach
(1) Jeder Vertragsstaat kann eine Änderung Artikel 21;
dieses Protokolls vorschlagen und beim c) Kündigungen nach Artikel 22.
Generalsekretär der Vereinten Nationen
einreichen. Der Generalsekretär übermit- Artikel 24
telt jeden Änderungsvorschlag den Ver- Sprachen
tragsstaaten mit der Aufforderung, ihm zu
notifizieren, ob sie die Einberufung eines (1) Dieses Protokoll, dessen arabischer, chine-
Treffens der Vertragsstaaten zur Beratung sischer, englischer, französischer, russi-
und Entscheidung über den Vorschlag be- scher und spanischer Wortlaut gleicher-
fürworten. Befürwortet innerhalb von vier maßen verbindlich ist, wird im Archiv der
Monaten nach dem Datum der Übermittlung Vereinten Nationen hinterlegt.
wenigstens ein Drittel der Vertragsstaaten (2) Der Generalsekretär der Vereinten Natio-
ein solches Treffen, so beruft der General- nen übermittelt allen Staaten beglaubigte
sekretär das Treffen unter der Schirmherr- Abschriften dieses Protokolls.
schaft der Vereinten Nationen ein. Jede
Änderung, die von einer Mehrheit von zwei
Dritteln der anwesenden und abstimmenden
Vertragsstaaten beschlossen wird, wird vom
Generalsekretär der Generalversammlung
zur Genehmigung und danach allen Vertrags-
staaten zur Annahme vorgelegt.
(2) Eine nach Absatz 1 beschlossene und
genehmigte Änderung tritt am dreißigsten
Tag nach dem Zeitpunkt in Kraft, zu dem die
Anzahl der hinterlegten Annahmeurkunden
zwei Drittel der Anzahl der Vertragsstaaten
zum Zeitpunkt der Beschlussfassung über
die Änderung erreicht. Danach tritt die Än-
derung für jeden Vertragsstaat am dreißigs-
ten Tag nach Hinterlegung seiner eigenen
Annahmeurkunde in Kraft. Eine Änderung ist
nur für die Vertragsstaaten, die sie ange-
nommen haben, verbindlich.

Artikel 22
Kündigung

(1) Jeder Vertragsstaat kann dieses Protokoll


jederzeit durch eine an den Generalsekretär
der Vereinten Nationen gerichtete schrift-
liche Notifikation kündigen. Die Kündigung
wird ein Jahr nach Eingang der Notifikation
beim Generalsekretär wirksam.

(2) Die Kündigung berührt nicht die weitere An-


wendung dieses Protokolls auf Mitteilungen
nach Artikel 5 oder 12 oder Untersuchungen
nach Artikel 13, die vor dem Wirksamwerden
der Kündigung eingegangen oder begonnen
worden sind.

106
107
Die Kinderrechte

„Kinder sollen
nicht immer
gestört werden!“
In der Kinderrechtskonvention ist das natürlich viel
komplizierter ausgedrückt, denn Gesetzestexte sind
meistens ziemlich schwierig geschrieben. Doch die
ZDF-Kindernachrichtensendung logo! hat die Rechte
der Kinder einfach und verständlich für alle erklärt.

Macht euch schlau, welche Rechte ihr als Kinder habt!

Viel Spaß dabei!

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