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Das Dokument erzählt die Geschichte von Nico, der aus Spanien nach Deutschland kommt. Er will nicht mehr studieren und stattdessen einen Beruf erlernen. Seine Schwester Yara unterstützt ihn dabei und hilft ihm, sich in Deutschland zurechtzufinden.

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Das Dokument erzählt die Geschichte von Nico, der aus Spanien nach Deutschland kommt. Er will nicht mehr studieren und stattdessen einen Beruf erlernen. Seine Schwester Yara unterstützt ihn dabei und hilft ihm, sich in Deutschland zurechtzufinden.

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– Was machst du denn hier?

Tarek …

– Hi!

– Ihr kennt euch?

– Ja, ich helfe manchmal im Restaurant.

– Und du sprichst Deutsch!

– Ein bisschen. Ich mache einen Audiokurs.

– Wie lange bist du denn schon in


Deutschland?

– Ich bin vor ein paar Wochen


nach Deutschland gekommen.

– Aber warum?
Ich meine, was machst du hier?

– Nico hat dich gesucht.

– Aber du warst in der Schweiz.

– Woher weißt du das?

– Das ist eine lange Geschichte.

– Okay. Und ich möchte die ganze


Geschichte von Anfang an hören.

– Pass auf: Wir gehen alle ins Restaurant,


ich koche etwas

und nach dem Essen erzählen wir dir alles.

– Ja. Okay.

– Okay.

– Danke, Tarek. Sehr, sehr lecker!


– Mhm!

– Freut mich, dass es euch geschmeckt hat!

– Es ist schön, wieder hier zu sein.


Ich hatte fast ein bisschen Heimweh.

– Heimweh?
Du hast Spanien vermisst?

– Nein. Spanien ist mein Heimatland.

Ich komme aus Spanien,


aber mein Zuhause ist Deutschland.
Und Deutschland hab ich vermisst.

– Ja, das verstehe ich.


Deutschland ist auch mein Zuhause.

Ich komme zwar aus der Türkei,


aber ich wohn schon sehr lange hier.

– Wie lange lebst du schon in Deutschland?

– Ich bin vor 30 Jahren mit meinen Eltern


hierhergekommen.

– Ich bin vor 15 Jahren als Au-pair-Mädchen


nach Deutschland gekommen.

Das Land war fremd, die Sprache auch.


Ich meine, ich war froh.

Ich wollte Spanien verlassen


und in Deutschland studieren.

Aber es war nicht immer leicht. Alles war neu.

Ich hatte Glück. Ich hatte Hilfe.

Es ist wichtig, dass man Hilfe hat


in so einer Situation.

Ich hatte meine Freundin.

– Du meinst Sarah?
– Mhm.

– Wer ist Sarah?

– Meine beste Freundin.

Vor fünf Jahren ist sie in die Schweiz


zurückgegangen.

Vor ein paar Wochen habe ich einen Anruf


von Sarah bekommen.

Ihr Vater ist gestorben.

– Oh nein.

– Mhm. Es war schlimm.


Sie hat meine Hilfe gebraucht.

Ich hab meine Sachen gepackt


und bin nach Zürich geflogen.

– Warum hast du denn nichts gesagt?

– Und was ist mit dir?


Wie lang willst du eigentlich bleiben?
– Meine Eltern verstehen mich nicht.

Sie sagen, ich muss weiterstudieren.


Aber ich will nicht mehr studieren.

Ich hasse es. Ich hasse Jura,


ich hasse alles daran.

Ich bin eben nicht so perfekt


wie mein Bruder …

Ich möchte mit den Händen arbeiten.

– Das verstehe ich.

– Und was willst du jetzt machen?


Wo willst du wohnen?

Wie möchtest du Geld verdienen und leben?

– Ich will auf keinen Fall


zurück nach Spanien.

– Yara, bitte!

– Du weißt nicht einmal, was du willst.

Was willst du denn hier


in Deutschland machen?

Und was ist mit deinem Jurastudium?

– Ich weiß, was ich nicht will.


Ich will nicht weiterstudieren.

– Das reicht nicht.

– Du bist doch auch einfach


aus Spanien weggegangen.

– Und ich kann dir sagen,


dass ein Neuanfang sehr schwer ist!

Und ohne Deutschkenntnisse


ist es noch schwerer!

– Ich schaffe das!


Ich übe die Sprache jeden Tag, Yara!

Und jetzt lerne ich noch schneller!

– Du hast keine Arbeit.

– Ich suche mir eine.

– Einfach so?

Viel Erfolg!
– Du denkst, ich schaffe das nicht.

Wie alle.

– Okay. Aber du kümmerst dich um alles:

Wohnung, Job und so weiter.

Ich mache das nicht für dich.

– Okay.

– Ich helfe dir ein bisschen.

Und du kannst fürs Erste einmal


bei mir wohnen.

– Danke!

– Und ich will, dass du ...

– Voy a hacer todo …

– Du sprichst kein Spanisch mehr.


Ab jetzt sprichst du nur noch Deutsch.

Dann lernst du die Sprache am besten.

Du rufst sofort deine Eltern an.

Sie müssen wissen, dass du bei mir bist.

– Was? Wieso?

– Weil sie sich Sorgen machen.

Und ich werde meine Schwester


nicht belügen.

– Meine Eltern verstehen kein Deutsch.

– Sehr witzig.

Es wird nicht besser, wenn du länger wartest.

– Und? Wie war das Gespräch


mit deinen Eltern?

– Sie freuen sich, weil es mir gut geht,

wünschen mir viel Glück,


und sie lieben mich sehr.

– Wirklich?

– Nein. Sie sind ...

– ... stinksauer ...?


... wütend ...?
– Ja.

Sie sind wütend,


weil ich nicht mehr studieren will.

Sie sind wütend,


weil ich nicht zurückkommen will …

– Und?

– Ich bleibe hier.

– Okay.
Gehen wir nach Hause!

– Okay.

– Ich muss zur Bank gehen,


weil ich ein Konto eröffnen will.

– Sehr gut. Du musst dich


jetzt um vieles kümmern.

– Ich kann heute nicht zur Bank gehen,

weil ich zu Lisa zum Sprachkurs gehen muss.

– Um wie viel Uhr musst du zu Lisa?

– Ich gehe um elf zu Lisa.

– Dann kannst du danach zur Bank gehen.


Das schaffst du.

– Mhm.

– Hier:

dein Willkommensgeschenk.

Damit geht’s schneller!

– Wow!

Danke!

– Das ist wirklich nicht schwer. Du gehst zur


Bank und nennst deinen Namen:

Guten Tag, ich heiße Nico González


und ich möchte bitte ein Konto eröffnen.

– Das ist alles?

– Nicht ganz.

Die Bank will wissen, woher du kommst.


– Ich komm aus Spanien, aus Sevilla.

– Ja.
– Ja.

– Die Antwort kannst du


mittlerweile im Schlaf.

Dann musst du ein Formular ausfüllen:


dein Geburtsdatum, deine Adresse …

Du kennst das ja.

– Ich schreibe einfach die …

– Tarek? Zwei Schnitzel bitte!

– Ich schreibe einfach die Adresse


von Tante Yara, oder?

– Ja, das ist in Ordnung.

Dann fragen sie dich vielleicht,


wo du arbeitest.

Die Bank findet es natürlich besser,


wenn du ein festes Einkommen hast.

– Kann ich sagen, dass ich noch


keinen Job habe?

– Ja, das ist okay.

– Gut ...

Und dann kann ich ein Konto eröffnen?

– Ja.

Und wenn es ein Problem gibt,


rufst du mich einfach an. Okay?

– Okay.
– Gut.

– Okay.

– Auf Wiedersehen! Schönen Tag noch.

– Ihnen auch! Danke.

– Empfänger, IBAN,
Verwendungszweck war …

335423. TAN eingeben, absenden und fertig.

Und die nächste …

– Hi, Yara.
– Hallo, Tarek.

– Hast du viel zu tun?

– Ja. Ich war lange nicht hier


und muss sehr viel erledigen.

Rechnungen bezahlen, E-Mails beantworten,


Bestellungen aufgeben …

– Okay.

– Die Sache mit der Miete …

Danke, dass ihr euch darum gekümmert habt.

Ich hab total vergessen,


die Miete zu überweisen.

– Kein Problem.

– Schau mal, Tarek!

– Nico hat jetzt ein eigenes Konto.

– Oh!

– Hey, Nico!

– Selma! Was machst du denn hier?

– Ein Bankkonto?

Heißt das, du bleibst hier?

In Deutschland?

– Ja.

– Cool. Und was willst du machen?


Studieren?

– Nein, ich ... ich hab schon in Spanien zwei


Semester Jura studiert.

Ich möchte nicht mehr studieren.

Ich möchte mit den Händen arbeiten,


einen Beruf lernen.

– Du möchtest eine Ausbildung machen?

– Ja, ich denke schon.

– Dann musst du jetzt


aber schnell Deutsch lernen.

Ich geh gleich zum Sprachkurs.


Kommst du mit?

– Ja, gerne.

– Zuerst muss ich am Bankautomaten


noch Geld abheben.

– Bankautomat ...

Du sprichst schon sehr gut.

– Ich bin ja schon ein Jahr hier.


Wartest du kurz?

– Klar.

– Es tut mir leid.

– Was ist denn passiert?

– Ich habe zuerst die Karte


in den Automaten gesteckt.

Dann habe ich auf „Geld abheben“ gedrückt.

Danach kam eine Fehlermeldung.

Ich konnte meine PIN


noch gar nicht eingeben

und die Karte kam nicht mehr heraus.

Einer der Bankangestellten musste mir helfen.

– Aber es hat geklappt?

– Wir können gehen!

– Hallo?

Ich bin bei meinem Sprachkurs.

Das weißt du doch.

Ja, mach ich.

Tschüss!

– Hast du mit deinem Vater telefoniert?

– Nein, das war meine Mutter.

Sie macht sich Sorgen,


weil ich nicht angerufen habe.

Ich habe ihr aber gesagt,


dass ich beim Sprachkurs bin.

– Vielleicht hat sie es ja nur vergessen.


– Ja, zum hundertsten Mal.

– Ich kenne das. Meine Eltern


hören mir auch nie zu.

Es ist ihnen egal, was ich denke.

– Aber du darfst allein in Deutschland sein.

– Ich bin abgehauen.

Außerdem bin ich erwachsen.


Ich darf sein, wo ich will.

Du doch auch.

– Ich würde meine Familie nie verlassen.

– Okay …

– Was ist das für ein Lied, Sebastian?

– „Stille Nacht, heilige Nacht“.

Das ist ein deutsches Weihnachtslied.

– Das klingt schön.

– Ja.

– Wir können das Lied in der nächsten


Stunde übersetzen und lernen.

Habt ihr Lust?

– Klar.

– Klar.

– Die Bilder sind toll!

– Ja, coole Fotos.

Machst du auch …

– Porträts?

– Mhm.

– Nein, ich ... ich hab auch noch


ein anderes Projekt.

Das wird super.

– Was für ein Projekt?

– Das sag ich noch nicht!


– Sebastian, können wir die Sprachübungen
heute mit deinen neuen Fotos machen?

– Klar.

Warum nicht?

Worum geht’s?

– Am Anfang Wiederholungen.

Selma, bitte beschreibe


eines von Sebastians Porträts.

– Das sind zwei ältere Männer


mit grauen Haaren.

Der Mann mit der braunen Hose ist groß

und sieht ein bisschen traurig aus.

Der Mann mit dem


schwarzen Mantel ist kleiner.

– Sehr gut.

Nico, kannst du das auch?

– Nicht so gut!

– Probier’s! Beschreibe deine Familie.

Wer gehört dazu?

– Meine Großeltern.

Ich habe Eltern,

einen Bruder

und drei Tanten.

Eine Tante hat zwei Söhne.

– Deine Cousins.

– Meine Cousins, ja.

– Und wie sieht dein Bruder aus?

– Er hat dunkle Haare.

– Und?

– Keine Ahnung.

Er sieht ganz normal aus.

– Okay … Selma?
– Das Foto ...

– Okay.

– Ibrahim?

Ibrahim!

– Meine anderen Großeltern


wohnen in einem Pflegeheim.

Sie brauchen viel Hilfe,


weil sie schon sehr alt sind.

Mein Opa kann nicht mehr alleine essen.

Meine Oma hat Probleme,


weil ihre Augen schlecht sind.

Sie sieht nicht mehr gut.

– Selma? Dein Handy.

– Oh nein!

– Was ist?

– Meine Mutter hat fünfmal angerufen.

– Nur fünfmal?

– Ich muss los!

– Was ist passiert?

– Mein Vater ist beim Arzt, weil er einen ...

Er hat ... Kreislauf?

– Einen Kreislaufzusammenbruch?

– Ja, keine Ahnung, ich muss los!

– Soll ich dich hinfahren?

Ich kann dich mit dem Auto


schnell hinbringen.

Oh! Oh, Verzeihung!

– Entschuldigung.

Mensch, Mädchen!
Wir kennen uns doch, oder?

– Frau Kohlhaas?

– Ach, Inge!
Wie geht’s dir, Liebes?

– Nicht sehr gut. Mein Vater hatte einen


Zusammenbruch.

– Ach das ist ja schrecklich!

Ich hoffe, dass es ihm bald wieder gut geht.

– Ich hoffe. Er hatte zu viel Stress.

Er muss sich jetzt ausruhen.

Und wie geht es Ihnen?

– Blendend!

Ich war gerade beim Arzt. Kleinigkeiten …

Ich finde, dass ich fit wie ein Turnschuh bin.

Und was macht mein Sohn?

– Was macht Ihr Sohn denn?

– Er sucht nach Altenheimen.


Er denkt, dass das gut für mich ist.

Er macht das, weil er glaubt,


dass ich einsam bin.

So ein Quatsch! Ich bin doch nicht einsam!

– Er meint es bestimmt gut.

– Na …

– Frau … Inge, Entschuldigung …

– Natürlich! Du willst zu deinem Vater.

Mir geht es gut! Kein Problem. Also los!

– Danke!

– Selma schreibt: „Meinem Vater geht es gut.

Er darf morgen wieder nach Hause.


LG, Selma“.

– Zum Glück …

– Hi.

– Hey.
– Hallo.

– Nico, schön, dich zu sehen.


Sag mal, ist das euer Ernst eigentlich?

– Was denn?

– Na das! Das Chaos.

– Darf ich vielleicht später aufräumen?

– Oh, also in einem Monat?

– Jetzt bleib doch mal ruhig.

– Nee! Du willst seit Wochen saugen


und ich seh nichts davon.

Und den Müll habt ihr auch schon wieder


nicht rausgebracht. Mann, Leute!

Ich hab euch gestern gesagt:

„Bitte, bitte bringt den Müll raus,


räumt auf, putzt das Badezimmer!

Und jemand muss die


Pfandflaschen wegbringen.“

Aber nein! Kann ich ja


alles machen. Kein Ding.

– Ja, Nina, tut uns leid.


Wir hatten keine Zeit.

– Kann ich helfen?

– Nein, Nico. Wir wohnen hier.


Das schaffen wir schon selber.

– Aber wir haben auch ein Zimmer frei, oder?

– Das ist ’ne gute Idee!

– Was ist?

– Nico, möchtest du bei uns einziehen?

– Schönen guten Tag! Wie geht es Ihnen?

– Schönen guten Tag!

Sehen Sie mal da!

Schon wieder steht diese Mülltonne


direkt vor meinem Laden.

Der Nachbar, Herr Murz, stellt sie immer


wieder genau vor mein Fenster!

– Und?
– Na ja … Sie sind doch der Vermieter hier.

Können Sie ihm nicht mal sagen,


dass das so nicht geht

und dass er Rücksicht


auf seine Nachbarn nehmen soll?

Auf mich hört er nicht.

– So schlimm ist das doch nicht.

Regen Sie sich doch nicht immer so auf!

– Ich rege mich nicht auf.

Aber ich brauche Kunden,


um meine Miete zu bezahlen.

Das ist doch auch in Ihrem Sinn, oder?

– Ich … spreche mal mit ihm.

Ich will hier keinen Streit unter Nachbarn.

– Ich will mich auch nicht mit ihm streiten,

aber er sucht den Streit mit mir!

Er parkt sein Auto vor dem Laden,


hört superlaut Musik,

ist unhöflich und …

– Ja, ja, Probleme haben wir alle.

Ich muss noch mit Ihnen


über etwas sprechen,

aber ... das hat Zeit.

Wir machen das ein andermal.

Schön, dass Sie wieder da sind,


Frau González!

– Hallo.
– Hallo.

– Guten Tag.
– Wiedersehen.

– Wer war das?

– Mein Vermieter, Herr Friese.

Ich habe mich bei ihm


über meinen Nachbarn beschwert.
Er stellt immer seinen Müll vor meinen Laden.

– Du bist schon sehr deutsch geworden!

– Bin ich nicht!

– Oh doch!

– Hm, riecht das gut! Darf ich mal probieren?

– Ja klar.

– Was ist los? Alles in Ordnung?

– Ja, warum?

– Warum? Ich seh doch,


dass es dir nicht gut geht.

– Ja, ich weiß. Ich habe vorhin


ein bisschen überreagiert.

– Das war nicht meine Frage.

– Lisa …

Ich bin schwanger.

– Wow!

– Ja, wow. Was soll ich denn jetzt machen?

– Ja, Nina, freu dich!


Du bekommst ein Kind, das ist toll!

Du darfst jetzt nicht die Nerven verlieren.

– Ach ja.

– Wer ist denn der Vater?

– Dario.

– Aber ihr seid doch erst seit ein paar


Wochen zusammen.

– Ja.

– Du musst es ihm sagen.

– Ich weiß doch noch nicht mal,


ob ich das Kind überhaupt …

Wie soll ich das denn schaffen?

Ich kann doch jetzt kein Kind erziehen, Mann.


Ich bin doch in der Ausbildung.
– Komm, Nina.
Es gibt Kindergärten, Tagesmütter.

Andere Mütter schaffen das doch auch.

Du darfst dir nicht so viele Sorgen machen.

Ich weiß nämlich, dass du eine ganz,


ganz tolle Mutti wirst.

– Und … bitte schön!

– Auf Nicos neue Wohnung!


– Zum Wohl!

– Zum Wohl!/Prost!

– Herzlichen Glückwunsch, Nico.

– Vielen Dank, Inge.

– Wo wohnst du denn jetzt?

– Ich wohne in der WG von


Lisa, Nina und Sebastian.

– Eine WG. Das ist


eine Wohngemeinschaft, oder?

Bei uns war das anders. Wir haben noch


bei der Familie gewohnt.

Das war billiger.

– Die meisten Leute ziehen heute nach der


Schule für die Ausbildung oder das Studium

in andere Städte.

– Oder sogar in andere Länder.

Heutzutage zieht man ja


viel öfter um als früher.

– Aber man kann auch alleine wohnen.

– Es ist aber teurer.

– Meistens zu teuer.

– Ist das wirklich so ein großer Unterschied?

– Oft schon.

Außerdem ist es viel schöner,


nicht allein zu wohnen.

– Stimmt.
Mit anderen zusammenwohnen
gefällt mir auch am besten.

Und ich wohne lieber in einem kleinen


Zimmer als bei meinen Eltern zu Hause!

Bei dir hat es mir natürlich auch gefallen.

– Hola, Nico.

– Pepe!

– Wer ist denn Pepe?

– Pepe ist mein großer Bruder.

– Ach!

– Ven, Nico.

– Ich spreche hier kein Spanisch.

– Wie du willst! Komm mit!


Wir fliegen zurück nach Spanien.

– Nein, ich komme nicht mit.


Ich bleibe hier in Deutschland.

– Ich bin extra aus München gekommen.

Zuerst wollte ich fliegen,


aber der Flug ist ausgefallen

Dann musste ich mit dem Bus hierherfahren


und konnte unterwegs nicht schlafen.

Ich bin ziemlich müde. Also bitte lass uns


einfach gehen!

– Nein. Du kannst gerne gehen.


Ich hab schon mit Papa telefoniert.

– Ich glaube, du verstehst es nicht.

Papa hat mir gesagt,


dass ich dich zurückholen soll.

Wahrscheinlich geht der nächste Flug


morgen Vormittag

über Madrid oder Barcelona


nach Sevilla. Also?

– Also: Guten Flug.

– Hör zu, mir ist das völlig egal,


was du machst!

Aber unsere Eltern machen sich Sorgen!


Du machst immer nur Probleme, Nico!

– Ich bitte Sie, jetzt zu gehen.

– Wir klären das morgen!

– Trotz allem – prost!

– Guten Abend, was kann ich für Sie tun?

– Haben Sie noch ein Zimmer frei?

– Nehmen Sie das Zimmer für eine Nacht


oder für mehrere Nächte?

– Erst einmal für eine Nacht.


Vielleicht bleibe ich länger.

– Ich nehme an, dass Sie ein Einzelzimmer


möchten. Ist das richtig?

– Ja bitte. Ein Einzelzimmer.

– Möchten Sie das Zimmer


mit oder ohne Frühstück?

Das Frühstück ist nicht im Preis inbegriffen.

– Ohne Frühstück bitte.

– Dann benötige ich noch Ihren


Ausweis oder Reisepass.

Das Zimmer ist in der vierten Etage.

Das macht dann 139 Euro für eine


Übernachtung ohne Frühstück.

Zahlen Sie bar oder mit Kreditkarte?

– Ich zahl mit Karte.

– Entschuldigen Sie, aber Ihre


Karte wird nicht akzeptiert.

Danke.

Entschuldigen Sie die Umstände.

Wie gesagt, Ihr Zimmer ist in der vierten


Etage. Den Aufzug finden Sie vorne rechts.

Ich wünsche Ihnen


einen angenehmen Aufenthalt!

– Ja, danke. Ich mir auch!

– Geht’s dir gut, Inge?


– Mir? Natürlich.

Ach …

WGs und Reisen …

Ich sitze den ganzen Tag nur


zu Hause oder hier.

– Aber warum? Du bist fit, du hast Zeit.

Warum fährst du nicht weg?


Mach doch mal ’ne Reise!

– Das ist alles so kompliziert.

– Ach Quatsch! Tarek?


Bringst du mal den Laptop her?

– Was? Wieso?

– Weil wir zusammen


jetzt einen Ausflug buchen.

– Ja!

Halt! Stopp! Moment! Das hört sich gut an!


Angebot für Seniorengruppen:

eine Zugfahrt durch das Rheintal


nach Bingen am Rhein,

mit Mittagessen und Stadtrundgang.

– Wo fährt der Zug ab?

– Am Hauptbahnhof in Köln.

– Und wann?

– Die Abfahrt ist um 9:45 Uhr von Gleis 7.

– Was kostet das?

– Hin- und Rückfahrt kosten 50 Euro


und du musst nicht umsteigen.

Du kommst um Viertel vor zwölf


in Bingen am Rhein an

und um halb sieben abends


fährst du wieder zurück.

– Mhm, toll!

Aber alles an einem Tag?


Das ist mir zu anstrengend.
– Stimmt.

– Du kannst auch in Bingen übernachten.

Wir finden bestimmt ’n Hotelzimmer für dich.


Sollen wir das buchen?

– Ja!

– Ja!

– Okay!

Das war’s.

Jetzt drucken wir die Verbindung noch aus


und suchen auch noch ein Hotelzimmer raus.

– Ach, toll! Jungs, ihr seid großartig!


Bin schon ganz aufgeregt!

– ’tschuldigen Sie! Welche Linie hält am


Krankenhaus?

– Die 66, die hält am Krankenhaus.

Sind Sie krank?

Soll ich lieber ein Taxi rufen?

– Vielen Dank,

aber ich habe dort nur


meinen Ausweis vergessen.

– Ärgerlich!

– Die 64? Die hält auch am Krankenhaus?

– Die 64 fährt in die andere Richtung,


zum Flughafen.

Das hilft Ihnen nicht weiter.

– Okay.

Und reicht da ein normaler Fahrschein?


Wissen Sie das?

– Zum Krankenhaus brauchen


Sie ein Ticket für 3,80 Euro.

Moment, ich helfe Ihnen!

Ach, es gibt noch eine


schnellere Verbindung mit der 16.

Die Strecke ist kürzer,


aber Sie müssen einmal umsteigen.
– Wie lange dauert die Fahrt
ohne Umsteigen?

– 15 Minuten länger.

– Dann ohne Umsteigen.

– Bitte schön.

– Vielen Dank!

Ich wünsche Ihnen


noch einen schönen Abend.

– Bitte schön, Ihnen auch!

– Was steht denn jetzt noch draußen?

– Die Möbel.

– Du hast Möbel?

– Ja, ich hab einen Schrank,


ein Bett und eine Matratze.

– Alles ausm Secondhandladen.

– Möbel tragen ... Da muss ich


mich ja gleich noch mal duschen.

– Ach, Nico und ich machen das, oder?

– Ja!

– Wirklich?

– Aber nur unter einer Bedingung.

– Aha!

– Du machst bei meinem Fotoprojekt mit.

– Welches Projekt?

– Also, pass auf. Ich möchte gerne deutsche


Redewendungen mit Fotos darstellen.

– Wow.

– Warte ab. Ich möchte gerne alles


wortwörtlich umsetzen.

– Das klingt cool. Kann ich die Fotos dann


auch für meine Sprachübungen benutzen?

– Klar! Also bist du dabei?

– Ja, im Moment hab ich eigentlich genug


Freizeit. Das geht! Ich freu mich drauf!

– Super.

– Dann kannst du ja schon mal überlegen,


welche Redewendungen wichtig und

ganz besonders interessant sind,


und dich entscheiden.

Und wir unterhalten uns morgen noch mal.

– Okay.

– Spitze!

– Und der Schrank?

– Hallo, Nico!

– Hallo, Inge!

– Ich hab nur ganz wenig Zeit.

Ich wollte dir gerne ein paar Sachen


für den Umzug mitbringen -

ein paar Kleinigkeiten.


Die kannst du sicher gut gebrauchen.

Tut mir leid, ich muss gleich wieder los.

Ich hab doch diesen Ausflug gebucht.

Also, Tarek und Max haben


den Ausflug gebucht.

Am liebsten würde ich ihn absagen.

Heute kriege ich fünf E-Mails mit


Freizeitangeboten, Tickets, Werbung.

Ich weiß doch gar nicht,


was ich damit machen soll.

Wahrscheinlich ist das


meiste Werbung, ja.

Es gibt sehr viele Angebote: Ich soll wandern


gehen, ich soll segeln oder surfen.

Kannst du dir das vorstellen? Surfen?

Was denken die sich nur?


In meinem Alter! Also ...

Nein, nein, nein, macht gleich weiter.


Ich will euch nicht von der Arbeit abhalten.
Ich hab auch überhaupt keine Zeit.

Ich muss noch einkaufen gehen


und ich muss Tarek und Max fragen,

ob sie schon ein Hotel für mich gefunden


haben. Es ist alles furchtbar stressig …

– Kann ich dir helfen?

– Nein, ihr habt doch genug zu tun.

– Also, ihr Lieben, macht’s gut. Und komm


mich mal besuchen, Nico, hm?

– Danke, Inge, mach ich.


Und vielen Dank für die Sachen.

– Ja …

– Die hat echt keine Zeit.

– Keine Zeit.

– Dein Bruder arbeitet also in Deutschland?

– Ja. Seit ein paar Jahren.


Er hat eine eigene Firma.

– Und warum will er, dass du dann zurück


nach Spanien gehst?

– Er macht immer, was meine Eltern sagen.

Pepe interessiert sich überhaupt nicht für


mich. Ich bin für ihn egal …

– Du bist ihm egal.

– Ich bin ihm egal.

– Du ärgerst dich über deinen Bruder, oder?

– Ärgern? Ja. Ich ärgere mich oft


über meinen Bruder.

– Komm, jetzt reg dich nicht so über ihn auf.

Hier hat er Hausverbot.

– Danke.
– Ja.

Was war in der Post?

– Ein Brief von der Abendschule.

– Oh, eine Antwort?


– Na los. Mach ihn auf!

– Ich trau mich nicht.

– Es ist bestimmt ’ne Zusage.

– Das ... Nina? Das ist ein Brief. Hm?

– Genau. Das ist ein Umschlag.

Und das ist die Briefmarke.

Dann schreibst du die Adresse


auf den Umschlag

und wirfst den Brief dann in den Briefkasten.

– Okay. Verstanden.

– Eine Zusage!

– Toll! Ich hoffe, du hast dann


auch noch Zeit für mein Fotoprojekt?

– Na klar. Ich freu mich auf dein Projekt.


Ich mach mit!

– Das ist mein Mädchen!

– Pizza? Zur Feier des Tages?

– Ich möchte bitte eine Salami-Pizza.

– So ein Idiot!

– Oh! Sie meinen hoffentlich nicht mich.

– Oh, nein, tut mir leid.

Haben Sie schon mit Herrn Murz


gesprochen?

Ich ärgere mich immer wieder über diese …


– Ja, ja, schon gut.

Frau González, haben Sie jetzt


einen Moment Zeit?

Ich wollte doch etwas mit Ihnen besprechen.

– Ja!

Es gibt im nächsten Jahr eine Mieterhöhung.


Die Miete wird ab Januar teurer.

– Das meinen Sie nicht ernst.

– Glauben Sie etwa, dass Sie für immer den


gleichen Preis zahlen können?
Der Markt verändert sich, die Preise auch.

– Ich zahle genug.

Und Sie haben schon vor


zwei Jahren meine Miete erhöht.

– Ich kann verstehen, dass Sie sich nicht

über die Mieterhöhung freuen,


Frau González, aber …

ich diskutiere nicht mit Ihnen.

– Wissen Sie eigentlich,


dass viele kleine Ladenbesitzer

ihre Geschäfte schließen müssen,


weil die Mieten immer teurer werden?

– Das ist tragisch.


Aber es interessiert mich nicht.

– Ja, das wundert mich nicht.

Menschen wie Sie interessieren sich


nur für sich selbst.

Ich werde auf keinen Fall


mehr Miete bezahlen!

– Das klären wir noch.

Schönen Tag, Frau González!

– Also, Nico. Für was interessierst du dich?

– Ich interessiere mich für Fußball.

– Er interessiert sich für Fußball. Noch einer!

– Ja, sorry. Ich mag Fußball.

– Wie alle Männer.

– Du kannst Nico auch fragen,

ob er sich noch für andere Dinge interessiert.

– Okay.

Interessierst du dich für …

Literatur?

– Literatur?

– Ja. Liest du gerne?


Oder hast du viele Bücher?

Zum Beispiel Romane oder Krimis …

– Natürlich.

Ich habe mich,

– ... schon immer ...?

– Ich habe mich schon immer


für Bücher interessiert.

– Du beschäftigst dich sicher


auch gerne mit Politik, oder?

– Politik? Ich? Warum?

– Weil alle Politiker so viel lügen.

– Letzte Frage: Selma,


was kannst du besonders gut?

– Hm …

– Kannst du Fahrrad fahren?

– Ich kann nicht Fahrrad fahren.

– Wirklich?

– Ja.

– Aber das geht nicht.


Hier fahren alle Fahrrad!

Ich bringe es dir bei. Ich verspreche es dir.

Hast du morgen Zeit?

– Okay …

– Warte, Selma!

Nico muss erst sagen, was er nicht gut kann.

Ich glaube, er kann nicht gut singen?

– Du hast gesagt, du bringst uns ein


Weihnachtslied bei. Hm?

– Ja …

– Na dann …

– Warum gehen wir nicht öfter angeln?

– Hm?
– Ich möcht mal wieder einen Fisch essen,
den ich selbst gefangen hab.

– Oh, bitte nicht!

– Wieso „bitte nicht“?

– Wir waren bestimmt zehnmal angeln und


wir haben einen Fisch gefangen.

– Ja, aber der Fisch war groß.

– Und er hat fürchterlich geschmeckt.

Wir sind ganz furchtbare Angler, Max.

– Wir sind auch furchtbare Fußballer.

– Was? Das stimmt doch überhaupt gar nicht.

– Nico?

– Ihr seid sehr schlechte Fußballer.

– Ich will mich gar nicht


an das letzte Spiel erinnern.

– Was ist mit Volleyball?


Ihr könntet Volleyball spielen.

– Niemand mag Volleyball.

– Ich mag Volleyball!

– Ich liebe Volleyball.

– Okay. Sagen wir:


Nicht alle hassen Volleyball,

aber nur wenige mögen Volleyball.

– Okay, was ist mit Reiten?

Du magst doch Pferde.

– Reiten?
Und wie soll ich das machen ohne Pferd?

– Es gibt doch bestimmt


einen Reitverein in der Nähe.

– Ja und nein. Ich mag Pferde,


aber ich kann nicht reiten.

Und ich möchte es auch nicht lernen.

– Ich sag ja nur, wir könnten wieder mal was


zusammen machen. Oh.
– Du kannst gleich wieder gehen.

– Können wir reden, Nico?

Bitte gib mir eine Chance! Ich möchte,


dass du mir wenigstens zuhörst.

– Ich glaube, du hast gestern


schon alles gesagt.

– Er ist dein Bruder, Nico.

Hör dir doch wenigstens einmal an,


was er dir sagen möchte.

– Nico, ich weiß, dass Papa


nicht immer einfach ist.

– Nein, das weißt du nicht.


Du machst immer, was du willst.

Kein Problem. Pepe, unser toller Sohn,


hat eine eigene Firma in Deutschland

und verdient viel Geld. Du weißt es nicht.

– Und? Möchtest du hier auch


eine eigene Firma gründen?

Ich kann dir helfen! Ich kann dich


unterstützen.

– Nein danke.

– Nico, ich habe Respekt


vor deiner Entscheidung.

Aber ich glaube, das funktioniert so nicht.

– Warum nicht?

– Ich kann mir nicht vorstellen,

dass du es ohne Hilfe


von Mama und Papa schaffen kannst.

Und ich mach mir auch Sorgen.

– Mir ist egal, was du denkst.

Und ich glaub auch nicht,


dass du dir Sorgen machst.

– Doch, Nico.

– Nein, du willst einfach


nur deine Ruhe haben.

– Nein, ich will, dass ihr


nicht mehr streitet.

Ich hab mir etwas überlegt.

Ich bleibe hier.

– Wie lange?

– Paar Tage, paar Wochen.


Vielleicht länger. Ich helf dir.

– Ich weiß nicht. Ich überleg’s mir.

– Nico, wo willst du hin?

– Nach Hause.

– Mädels, es reicht doch aus, wenn wir nur


alle zwei Wochen das Bad putzen.

– Alle zwei Wochen?


– Ja!

– Vergiss es! Wir müssen öfter putzen.

– Lisa, ich gratuliere dir.


Du hast noch einen Job.

Du kannst täglich das Bad putzen.

– Witzig!

– Hört auf! Ich weiß grad nicht,


wie ich das hier alles schaffen soll.

– Was denn?

– Die Sprachkurse,
die ehrenamtlichen Sachen.

Ich will mich ja weiter engagieren.


Die Arbeit gefällt mir,

aber durch den Job hab ich


einfach keine Zeit mehr.

– Entschuldigung, ich bin etwas zu spät.

– Ja, kein Problem. Wir haben hier


sowieso nix zu sagen, Nico.

– Hier: der neue WG-Plan.

– Der Plan sieht fair aus.

– Siehst du?

Lisa, wie können wir dir helfen?


– Ich weiß nicht.

– Na ja, vielleicht könnten wir erst mal deine


Aufgaben in der WG übernehmen –

für die ersten Wochen.

Sebastian kann für dich das Bad putzen.

– Was?

– Ach, das würd dir nicht schaden und mit


mehr Übung putzt du auch schneller.

– Sehr witzig!

– Nico, was sagst du dazu?

– Ja! Klar!

– Nico, warum ...?

– Danke, Leute! Das ist nur


für ’n paar Wochen.

Ich mach das wieder gut.

– Gerne!

– Es gibt doch nichts Schöneres als


Radfahren. Pure Freiheit!

– Pure Leidenschaft!

– Pure Körperkraft!

– Pure Körperkraft!

– Ah!
– Ah … Ha?

– Es gibt doch nichts Schöneres als


Radfahren. Pure ... Freiheit!

– Pure Leidenschaft!

– Es gibt doch nichts Schöneres als


Radfahren. Pure Freiheit!

– Pure Leidenschaft!

– Pure Körperkraft!

– Pure Körperkraft!
– Ah!

– Oh nein, ist dir was passiert?

– Nee, mir nicht. Aber mein Fahrrad …


– Oh nein!

– Muss ich hier etwa ein Fahrrad reparieren?

– Wahnsinn! Yara ist …

– … die Fahrradspezialistin!

– Weil ich Fahrräder liebe.

Ja, das gefällt dir, was?

– Ja!

Repariere alte Fahrräder, kaputte Bremsen,


defektes Licht, platte Reifen,

gebrochene Herzen.

– Hör auf, Max! Das ist ein furchtbarer Text.

– Ich weiß nicht, was du hast.


Du sagst doch, du brauchst Werbung.

– Ja. Ich brauche gute,


fantasievolle Werbung.

Herr Friese erhöht meine Miete.


Also brauche ich mehr Kunden.

Sonst muss ich den Laden schließen.

– Du kannst vielleicht ’ne


Werbeagentur beauftragen.

– Weißt du, was das kostet?


Das ist viel zu teuer.

Ich mache das lieber selbst.

Ich brauche ... zehn Prozent mehr Kunden.

– Das sind dann aber sehr viele, oder?

– Genau. Und wo erreicht man viele


Menschen?

– Im Internet!

– Ja!

– Deine Firma erstellt doch Internetseiten.

– Wir designen digitale Lösungen:


Marketingkonzepte, Blogs …

– Ja, okay. Ich möchte wissen,


ob du mir hilfst.
Ich brauche mehr Kunden.

Funktioniert das mit einer neuen Website?

– Yara, eine Website allein reicht nicht.

Du musst in den
sozialen Netzwerken aktiv sein.

Die Leute müssen deine Seiten liken.

Sie müssen die Möglichkeit haben, zu posten:

mit dem Smartphone, Tablet, Laptop -


immer und überall.

– Ich habe nur einen kleinen Fahrradladen.

Ich denke, eine überarbeitete Website


reicht erst mal.

Ich meine, ich benutze nie soziale Netzwerke.

– Na, dann solltest du


vielleicht mal damit anfangen.

– Aber du kennst dich doch super damit aus.

Kannst du mir nicht einfach


eine Website erstellen?

Pepe?

– Was?

– Ich habe dich gefragt, ob du eine Webseite


für mich machen kannst.

– Ich hab Mitarbeiter für so was.

– Ja, können die das dann machen?

– Yara, wir kriegen Aufträge


von riesigen Firmen.

Und dein Laden hier ist einfach zu klein.


Das lohnt sich nicht.

– Aber es ist mein Fahrradladen.


Und ich bin deine Tante.

Vielleicht hat Nico recht. Du interessierst dich


überhaupt nicht für deine Familie.

– Tut mir leid.

– Wo gehst du hin, Selma?


– Wohin ich gehe?

Zum Sprachkurs.

– Aber da warst du gestern.

– Ja, das stimmt. Und heute


hab ich wieder Unterricht.

Ehrlich, Mama, du musst dir


keine Sorgen machen.

– Okay. Dann bis später.

– Ich schreibe dir eine SMS,


wenn ich fertig bin!

– Hey, Selma!

Bin schon da.

Wie lange brauchst du noch?

Ich warte auf dich.

Moment, wie war das?

LG … Liebe Grüße! Ja!

Liebe Grüße.

– Nico?

– Danach Kaffee bei Max und Tarek?

Freu mich auf dich!

– Entschuldigung. Kann nicht kommen.

– Was?

– Mailbox: speichern.

So, der Nächste ...

– Ja?

– Guten Tag, González hier …

– Na endlich! Wissen Sie, wie oft ich heute


schon angerufen habe?

– Entschuldigung, ich war beschäftigt.

– Das hoffe ich. Ich möchte mich beschweren.

– Ja, das haben Sie in der Mail


schon geschrieben.
– Ich bin extrem unzufrieden.

Die App funktioniert nicht. Die Website ist viel


zu unübersichtlich.

Wie soll man sich denn da noch orientieren?

– Ich verstehe Ihr Problem.

Wir können die Website nach Ihren


Wünschen ändern.

– Sie ändern gar nichts mehr.


Unsere Zusammenarbeit ist beendet.

– Aber Herr Troyzig …

– Die Tablets, die Sie uns empfohlen haben:


auch Mist!

Die sind viel zu langsam.


Ich möchte sie umtauschen.

Die Rechnung hab ich noch.

– Das ist Ihr gutes Recht …

– Was soll das heißen? Ich bekomme mein


Geld doch zurück, oder?

Ich habe doch eine Rückgabegarantie.

– Das ist leider nicht möglich, Herr Troyzig.

– Nicht möglich? Das werden wir ja sehen!

– Der Nächste …

– Hallo!
– Hallo!

– Darf ich Ihren Mantel nehmen?

– Ja, gern.

– Schal auch?
– Ja!

– Danke.

– Ich möchte ja nicht zu viel verraten, aber die


Frau bekommt am Ende ihren Prinzen.

– Und ich habe gedacht,


dem Autor fällt etwas Besseres ein.

– Leider nicht.

Darf ich mich zu Ihnen setzen?


– Weil die Kneipe voll ist?

– Ich esse nicht gern allein.

Eine gute Mahlzeit ist eine Mahlzeit,

die man mit anderen netten Menschen


an einem Tisch isst.

– Bitte!

– Danke.

Mein Name ist übrigens Jacques.

– Inge.

– Freut mich sehr, Inge.

– Machen Sie auch den Ausflug?

– Nein, ich bin nur auf der Durchreise.

Man kann sagen, dass ich hier arbeite.

Ich teste deutsche Gaststätten.

– Sie testen deutsche Restaurants?

Für wen arbeiten Sie? Fürs Fernsehen?

– Nein.

Nein, ich besitze drei Restaurants in


Frankreich und jetzt

möchte ich auch in Deutschland ein


Restaurant eröffnen.

– Aber?

– Na ja, die typischen deutschen Gerichte


sind immer so einfach:

Bratwurst, Currywurst, alles immer mit Wurst.

Wissen Sie, Inge, ich koche gern.

Und für mich ist ein gutes Essen ein Essen,


das wirklich lecker ist.

Es darf ruhig ein bisschen raffiniert sein.

– Da stimm ich Ihnen zu.

Aber es stimmt nicht, dass wir hier in


Deutschland immer nur Wurst essen.
Die Franzosen essen ja auch
nicht immer nur Baguette, oder?

– Nein, das stimmt natürlich!

Aber meine Restaurants sind


etwas für Feinschmecker.

Meine Köche sind top.

Köche sollten Menschen sein,


die innovativ sind.

Sind Sie eine Feinschmeckerin, Inge?

– Ich weiß nicht.

– Ich denke, ja.

Ich bin mir sicher, Sie haben


einen tollen Geschmack.

Also, sollen wir bestellen?


– Ja.

– Bitte schön.
– Danke schön.

– Bitte.
– Danke.

– Meine Eltern kommen aus Frankreich.

Deshalb hab ich einen französischen Namen.

– Das hab ich mir schon gedacht.


Sie sprechen akzentfrei Deutsch.

Meine Eltern kommen aus Klein-Hellersdorf.


Deshalb heiße ich Inge.

– Sie haben Humor, Inge.

– Das sagen nicht viele.

– Nun, dann sehen viele nicht richtig hin.

Haben Sie schon


aus der Speisekarte gewählt?

– Ja, wie denn? Ich komm ja nicht


zum Lesen.

– Deutsche essen doch


sowieso immer das Gleiche.

– Ach, so ein Quatsch.

– Natürlich.
Ich beweise es Ihnen.

Der Mann da drüben …

Der Mann hatte gestern das Wiener Schnitzel


mit Kroketten und Gemüse.

Das bestellt er heute sicher wieder.

Vielleicht diesmal mit Pommes frites.

Und die Frau mag Tomatensuppe.

Dazu nimmt sie einen gemischten Salat


mit Hähnchenfleisch.

– Ich wette, die Frau bestellt etwas anderes.

– Sie wollen wetten?

– Ich will wetten.

– Wenn Sie verlieren, müssen Sie sich noch


einmal mit mir treffen.

– Einverstanden.

– So, hallo! Was darf ich Ihnen bringen?

– Ich nehme die Schweineleber mit


Sauerkraut und Kartoffelpüree.

Bitte eine kleine Portion.

– Ja, sehr gern.

– Und ich nehme die Wurstplatte.

Und ich habe noch Appetit auf den kleinen


Ziegenkäse als Vorspeise.

– Natürlich.

– Ach, noch ein Glas Wasser, bitte.

– Kommt sofort.

– Danke.

– So, einmal die Roulade


mit Salzkartoffeln und Rotkraut.

– Hat es Ihnen geschmeckt?

– Danke, sehr gut. Und Ihnen?

– Na ja, es geht.
– Ach, Sie sind ein Nörgler.

– Das stimmt nicht! Der Ziegenkäse war


köstlich. Wunderbar intensiv.

Aber die scharfe Wurst


hat mir nicht geschmeckt.

Ziemlich langweilig. Da fehlen


die richtigen Gewürze.

Und insgesamt hat mir


eine raffinierte Soße gefehlt,

die man bei so einem Gericht


einfach braucht.

– Na ja, Sie sind selbst Koch.


Da ist man kritischer.

– Um ehrlich zu sein, ich bin Konditor.


Ich hatte eine eigene Konditorei.

– Ach, dann sind Sie der, den man


morgens in der Bäckerei sieht.

Der Mann, der Brot und Brötchen backt und


die Hochzeitstorten dekoriert?

– Ja! Aber das mache ich


schon lange nicht mehr.

Aber früher, da habe ich die besten Tartes


und Torten der Stadt gemacht.

Egal ob salzig oder süß: Der Teig, den ich


gemacht habe, war immer perfekt.

– Das klingt spannend.

– Aber Sie backen doch sicher auch gern?

– Ja. Natürlich.

– Welchen Kuchen können Sie


am besten backen?

– Marmorkuchen.

– Toll! Marmorkuchen ist der Kuchen, den ich


schon als Kind gern gegessen habe!

– Ich auch!

– Haben Sie Lust auf ein Dessert?

– Suchen Sie etwas aus!

– Bringen Sie uns bitte noch


zwei Stückchen Zitronenkuchen.

Und zwei Gläser von dem Champagner,


den Sie mir gestern empfohlen haben.

– Jacques!

– Ja, warum denn nicht?

– Auf Sie, Inge!

– Auf gute Gesellschaft und gutes Essen!

– Gute Gesellschaft ist eine Sache,


die ich sehr schätze.

Und gutes Essen auch.

Und jetzt hab ich beides.

– Konditor ist der Beruf,


den Sie gelernt haben.

Warum sind Sie jetzt Restaurantbesitzer?

– Nun, meine Eltern hatten


ein kleines Bistro in Hamburg.

Mein Vater war ein Mann,


der Essen liebte.

Später durfte ich dann selber


kochen und backen

und habe schließlich eine Ausbildung


zum Konditor gemacht.

– Aber immer die gleichen Kuchen zu backen,


das war dann nicht mehr genug?

– Genau.

Ich habe neben meinem Beruf als Konditor


auch noch als Restaurantkritiker gearbeitet

und bin durch das ganze Land gereist.


Sogar nach Frankreich.

Wissen Sie,

Frankreich ist ein Land, das ich liebe.

– Sie lieben ’ne Menge …

– Ich denke, irgendwann wollte ich


dann nicht mehr kritisieren.

Ich wollte es besser machen.


Also habe ich mein erstes
Restaurant eröffnet.

– Das klingt wirklich spannend.

– Na ja, es klingt romantischer, als es ist.

Zahlen bitte!

Selbstverständlich lade ich Sie ein!

– Aber …

– Keine Widerrede! Ich lade Sie natürlich ein.

Sie sind eine Frau, die man einladen muss.

– Alles in Ordnung?

– Mein Portemonnaie ...

Ich habe es im Hotel vergessen.

– Kein Problem, ich übernehme das.

– Also das ist mir … das ist mir sehr peinlich!

Ich gebe Ihnen das Geld natürlich zurück.

– Stimmt so.

– Danke.

– Wann denn? Sie haben die Wette verloren.

– Schon vergessen?
Auf Wiedersehen, Jacques!

– So!

– Danke.

– Jetzt.

– Ich rufe Sie auf diesem Handy an, Inge.

– Also: „alles unter einen Hut bringen“.

– Hast du so einen großen Hut?

– Ich arbeite mit Perspektive.

Dann: „jemanden über den Tisch ziehen“,

„ein dickes Fell haben“

und „Unter den Blinden ist


der Einäugige König.“
– Das sind wirklich gute Redewendungen.

Hast du schon Ideen für die Fotos?

– Ich hab schon alles organisiert.


Ich mach heute die Fotos.

– Wirklich?

Das hast du uns gar nicht erzählt.

– Doch! Ich … hab euch


das letzte Woche erzählt.

Ich mache die Fotos hier.

Seid ihr dabei?

– Ich hab nicht den ganzen Tag Zeit,


aber ’n paar Stunden ... vielleicht.

– Okay.

Nico? Hilfst du mir?

– Klar helf ich dir.

– Ich bin mit Dario verabredet.

Ich hab ihm versprochen, dass ich komme.

– Okay.

Kein Problem. Dann … dann ruf ich eben


noch ’n paar Freunde an.

Ich brauch schließlich Models.

Hi, Beatrice! Ja, wir machen heute Fotos.

Komm doch vorbei!

Hast du Lust vorbeizukommen?


Wir machen heute Fotos.

Ja, du, das wird Spaß machen.

Okay, cool!

Ja, super! So gegen Mittag.

Okay! Bis dann. Tschüss!

– Jetzt hast du zwei Motive in einem.

– So, drei, zwei, eins und Schuss!

So, jetzt musst du den Hut


hier so hinhalten. Sehr gut.
Und los geht’s! Zapp, zapp!

Und jetzt ziehst du sie übern Tisch.


Mit aller Kraft. Genau so bleiben!

– Zum Wohl!

– Danke.

– Inge! Da bist du ja wieder.

– Hallo!

Ach mein Tisch ist ja frei.

– Das Mäntelchen.

– Ja.

– Danke.

Was hättest du denn gern?

– Ich möchte heute kein Fleisch essen.

Ich würde …

– Ich bring dir mal die Karte.

Max! Karte!

– Sag mal, wie war eigentlich dein Ausflug?

– Na ja!

– Was? Wieso nur na ja?

– Es war unorganisiert,
das Wetter war schlecht

und der Rest der Gruppe stand


mit einem Bein im Grab.

– Ach, Inge …

– Na, ich mein ja nur …

Es hat mir aber trotzdem gut gefallen.

– Hast du jemanden kennengelernt?

Also, Leute lernt man


am besten auf Reisen kennen.

– Wir beide haben uns auch


auf einer Reise kennengelernt.

– Ja.
Aber die anderen in der Gruppe waren
wirklich nicht sehr interessant.

– Warum nicht sehr interessant?

– Weil der Club der Rentner sich nur über


Krankheiten unterhält.

– Okay, das ist wirklich nervig.

– Schickes Smartphone.

Wusste gar nicht, dass du so eins hast.

– Das gehört mir nicht.

Das ist von Jacques.

– Inge?

Wer ist Jacques?

– Inge! Du solltest antworten.

– Ach ich weiß nicht …

– Aber du hast doch gesagt, Jacques ist ein


charmanter, netter Mann.

– Ja, das stimmt auch alles.

Und wir hatten einen


wunderbaren Abend zusammen.

– Also?

– Jacques erinnert mich so an Günther.

– Er erinnert dich an deinen Ehemann?

– Günther war nicht nur mein Ehemann.


Er war auch mein bester Freund.

Zuerst haben wir Freundschaft geschlossen

und dann haben wir uns verliebt.

Und wir hatten eine wunderbare


gemeinsame Zeit.

– Wann habt ihr geheiratet?

– Ziemlich spät.

Wir waren sehr lange verlobt.

Geheiratet haben wir 1993.


– 93?

– Ich trag immer noch seinen Ehering.


Hab mich so dran gewöhnt.

– Was ist mit Jacques?

– Ich glaub, er hat gesagt, er ist geschieden.


Seine Frau hat ihn verlassen.

Sie hatten viel Streit.

– Ihr seid also beide allein.


Inge, das Leben geht weiter.

– Das hat Günther auch immer gesagt.

– Na also!

– So! Damit gehört Lisa


offiziell zum Restaurant.

– Yeah!

– Auf Lisa!

– Das sind aber viele neue Fotos jetzt.

– Ja, wir haben die Wand


ein bisschen erweitert.

– Sagt mal, wie lange gibt’s


das Restaurant eigentlich schon?

– Oh, das müssten jetzt zehn Jahre sein.

– Ja. Das sind ziemlich genau zehn Jahre.

– Ach Wahnsinn! Das heißt,


wir haben bald zehnjähriges Jubiläum!

– Das heißt, wir haben das Jubiläum


beide fast vergessen!

– Heiratet bloß nicht. Ihr vergesst


bestimmt den Hochzeitstag.

Was wünscht ihr euch denn zum Jubiläum?

– Boah, keine Ahnung.

– Doch, ich wünsche mir


ein Fest mit Gästen und Musik.

– Hm. Hört sich gut an.

Hey,

wir haben hier noch etwas vergessen.


Ein Foto von unserem Fußballhelden.

– Ist nicht schlimm …

– Ah, wir meinen nicht dich.

– Oh …

– Natürlich meinen wir dich. Inge!

Kannst du ein Foto


von uns dreien machen?

– Klar!

– Komm in die Mitte!

– Ja, ja, ja, ja, ja.

– Ich hätte gerne einen Kaffee.


Aber zum Mitnehmen bitte.

Das ist mir zu laut hier.

– Das verstehe ich. Ich mach Ihnen


den Kaffee gleich fertig.

Diese Stadt macht mich wahnsinnig!


Also? Was willst du hier?

– Ich hab dir Blumen mitgebracht.

– Weil du ein schlechtes Gewissen hast?

– Weil ich nicht mehr mit dir streiten will.

– Aha …

– Und? Wie läuft’s sonst so?

– Na, mehr Kunden, als ich jetzt schon habe,

bekomme ich bei diesem


Lärm auch nicht mehr.

Es ist hier so laut wie auf einer Autobahn.

Nein, es ist sogar so laut


wie auf einem Flughafen!

Ich glaube, ich ziehe aufs Land.

Da sind die Mieten auch günstiger als hier.

– Meinst du das ernst?

– Ich finde es viel schöner auf dem Land,


weil es dort weniger Verkehr gibt.
Außerdem ist die Luft besser, und es ist mit
Sicherheit auch viel leiser als hier.

Keine Baustellen, kein Stau …

– Ich leb doch viel lieber


in der Stadt als auf dem Land.

Für mich ist es wichtig, dass ich abends


mal schnell rausgehen

und Freunde treffen


oder ins Kino gehen kann.

Das ist ein klarer Vorteil der Stadt.

– Du kannst auf dem Land genauso gut


abends weggehen wie hier in der Stadt.

Dann gehst du eben zu deinen Nachbarn.

– Ich kenn meine Nachbarn doch gar nicht.

– Ja, hier in der Stadt nicht,


aber auf dem Land kennt jeder jeden.

– Aber auf dem Land gibt’s keine Kinos


und keine Theater, keine Bars …

– Ja, ja ...

2,30 Euro bitte.

– Suchst du jetzt wirklich ’ne neue Wohnung?

– Natürlich nicht.

Aber ich interessiere mich für die Angebote.

Mal schauen, was es so gibt.

– Die ist doch schön.

– Findest du?

– Was kostet die Wohnung?

– 1200 Euro Kaltmiete.

Inklusive Nebenkosten
sind das bestimmt 1500 Euro.

– Was? Wo liegt die denn?

In einem kleinen Vorort. Sehr ruhige Lage,


Bauernhöfe in der Nähe …

– Also stinkt’s.
– In der Stadt stinkt es!

Die Wohnung ist doch süß:

Dachgeschoss, teilweise möbliert,


60 Quadratmeter.

– Preis?

– 550 Euro Warmmiete.

– Muss man denn Kaution bezahlen?

– Sicher. Zwei Kaltmieten.

– Das klingt gut. Willst du ’ne


Besichtigung vereinbaren?

– Nein, ich habe doch gesagt,


dass ich nur schaue.

– Manchmal muss man


eine Gelegenheit ergreifen.

– Ja. Und manchmal


sagt die Gelegenheit auch:

„Ich erstelle dir keine Webseite,


weil du nicht wichtig genug bist.“

– Familie ist mir wichtig!

– Ach ja?

– Ja. Und ich kann’s dir beweisen.

– Wie denn?

– Ich habe einen Job – für Nico.

– Einen Job?

– Ja! Und ich wollte dich fragen, ob …


ob du … na ja mit …

– ... ob ich es ihm sage?

– Ja.

– Auf keinen Fall.

– Dich mag er. Mir hört er nicht zu.

– Aber ich finde, dass du es


selbst versuchen musst.

Wenn es ein guter Job ist,


dann wird er dir auch zuhören.
– Was? Auf gar keinen Fall!

Ich finde alleine einen Job.


Ich brauch deine Hilfe nicht.

– Wohin stellen wir das Regal?

– Das Regal können wir hinten


auf die Ladefläche stellen.

– Okay. Dann legen wir


die Matratzen neben das Regal.

Wohin sollen denn die Kisten?


Kann da was kaputtgehen?

– Nein, eigentlich nicht.


Die Kisten können auch nach hinten.

Wir stellen sie einfach hinter


das Regal auf den Boden.

– Okay. Dann legen wir


die kleinen Sachen an die Seite.

– Hey, Selma!

– Nico! Was machst du hier?

– Ich will wissen, warum du


unser Treffen abgesagt hast.

– Ich habe das Treffen nicht abgesagt.


Das war meine Mutter.

– Deine Mutter?

– Ja!

Natürlich wollte ich dich treffen.

Und da hat sie mich gefragt, wohin ich gehe.

Und da hab ich ihr gesagt,


dass ich im Deutschunterricht bin.

Sie hat mich beim Lügen erwischt.

– Was? Aber wieso?

– Nico, ich kann dir das jetzt nicht erklären.

Ich habe jede Menge Ärger mit meinen Eltern

und darf mich nicht mit Fremden treffen.

– Aber ich bin doch nicht fremd.


– Für meine Eltern schon.
Sie dürfen dich hier nicht sehen.

– Selma?

– Nein! Mein Vater!

– Selma?

– Papa! Alles in Ordnung?

– Ja. Der Helfer ist sehr nett.

– Papa, streng dich bitte nicht an!

Du weißt, dass du dich ausruhen musst.


Du warst im Krankenhaus.

– Keine Sorge.

Entschuldigung, helfen Sie auch mit?

Ich habe Sie noch gar nicht gesehen.

– Der Mann ist gerade vorbeigekommen


und hat gefragt, ob er helfen kann.

– Ja, das mach ich sehr gerne.

– Das ist wirklich sehr freundlich.

– Aber es geht nicht!

– Warum nicht?

– Weil du nicht versichert bist.


Es könnte etwas passieren.

– Das ist kein Problem.


Mir passiert sicher nichts.

– Das denkt man immer.

Aber ein Umzug ist gefährlich,


weil man sich ganz schnell verletzen kann.

Du kannst dich am Kopf verletzen.

Ein Schrank kann dir auf den Fuß fallen.

Du kannst auf der Treppe stürzen.

Du kannst dich an Glas schneiden.

Ich habe sogar schon gesehen, dass sich


jemand an der Heizung verbrannt hat.

– Selma!
– Wirklich!

– Okay, dann ... viel Erfolg noch.

– Du lebst dich aber gut ein, Selma.

– In meiner Jugend wärst du


damit nicht durchgekommen.

– Was? Womit nicht?

– Na, mit dieser Handygeschichte.

– Ich bin froh, dass du mich angerufen hast.

Ja, und dass ich mein Handy


jetzt zurückbekommen habe.

– Aber vor 50 Jahren?

Damals waren wir noch jung


und hatten keine Handys.

– Ja. Früher war das nicht so einfach.


Aber es gab auch schon Telefone.

Unsere Nachbarn hatten eins.


Das konnten wir auch manchmal benutzen.

Aber mein Vater durfte von dem Apparat


nicht zu Hause in Frankreich anrufen.

Das war viel zu teuer.

Er musste immer Briefe an seine Familie


und Freunde schreiben.

– Das stimmt. Telefonieren war früher


viel teurer als heute.

– Vieles war anders, als wir jung waren.

– Ja, wir hatten auch kein Internet.


Es gab noch nicht so viele Autos.

Und die Leute hatten noch mehr Zeit.

Manchmal finde ich es fast schade,


dass heute alles so schnell ist.

Du bist immer erreichbar und kommst immer


ganz schnell überallhin.

– Als ich ein Kind war, sind wir noch mit dem
Zug in den Urlaub gefahren.

Damals sind wir noch nicht geflogen.


Das waren Zeiten.
Man konnte sich manchmal
jahrelang nicht sehen.

Aber dann … war ein Wiedersehen


etwas ganz Besonderes.

– Ja. Manchmal wünsche ich mir


die alten Zeiten zurück.

– Reichen 200 Jahre?

– Das ist so schön.


Was für eine tolle Idee.

– Unglaublich, wie die Stadt


sich verändert hat.

Ich war vor 40 Jahren


das letzte Mal hier.

Das Zentrum war damals


viel kleiner als heute.

– Oh Gott. Gab es da
das neue Rathaus schon?

– Ganz sicher nicht. Viele Gebäude waren


auch noch nicht renoviert.

– Mhm.

– Die Stadt ist viel schöner heute.

– An den hässlichen Orten fahren


die Kutschen auch nicht vorbei.

– Das stimmt.

Aber es hat sich wirklich viel verändert.

Die Einkaufsstraße zum Beispiel: Die gab’s


schon, als ich das letzte Mal hier war.

Aber … es sieht alles komplett anders aus.

Die war früher viel kleiner als heute.

– Früher sahen die Geschäfte nicht alle gleich


aus. Das hat mir besser gefallen.

– Ich weiß, was du meinst.

Es ist so schön! Aber ich muss


langsam mal nach Hause.

– Natürlich. Ich bringe dich dann.

– Ach was!
– Wie du meinst.

Sehen wir uns wieder?

– Na, du wohnst doch in Frankreich.

– Ich will aber in Deutschland


ein Restaurant eröffnen.

Und warum denn nicht hier?

Ich schau mich die


nächsten Wochen mal um.

– In Ordnung.

– Oh, entschuldige!

– Schneller!

– Warte!

– Oh nein. Nico!

– Du kannst es.

– Nein, kann ich nicht.

Oh Gott!

Danke.

– Das war gut. Du bist …

– ... ein Naturtalent!

– Ja.

Letzte Woche konntest du


noch gar nicht Fahrrad fahren.

Und das war richtig gut. Toll!

– Danke …

Das macht Spaß!

– Selma, warum …

warum wollen deine Eltern nicht,


dass wir uns sehen?

– Was?

Nein, das …

Sie wollen nicht, dass ich mich


alleine mit Männern treffe.
– Du bist erwachsen.
Du kannst machen, was du willst!

– Bei uns kann ich als Frau


nicht einfach so jemanden treffen.

Das geht nicht.

– Als meine Eltern jung waren, durften sie


sich auch nicht sehen, aber heute ...

– Bei uns ist das heute auch noch so.


Meine Eltern …

– Ich komme mit meinen Eltern


auch nicht zurecht.

– Wieso auch?

Ich liebe meine Eltern.

– Aber …?

– In Syrien hat der Mann bis heute


in einigen traditionellen Familien

andere Pflichten als die Frau.

Die Frau hat zum Beispiel


Aufgaben im Haushalt,

der Mann geht arbeiten.

Meine Familie erwartet von mir,


dass ich unsere Tradition respektiere.

– Na ja.

Hast du dieses Mal die Wahrheit gesagt?

Wissen deine Eltern, wo du bist?

– Los, noch mal!

– Bremsen!

– Wie?
– Bremsen!

– Wie?
– Da! Ziehen, ziehen, ziehen, ziehen!

– Sorry …

– Kein Problem.

– Und? Was sagst du?

– Perfekt. Nach einer Woche ...


Lernst du immer so schnell?

Hast du früher Sport gemacht?


Also, bei euch in Syrien, mein ich.

– Na ja, ich habe mit meinen Freundinnen


ein bisschen Basketball gespielt.

– Basketball? Ist das nicht verboten?

– Nein. Aber es ist nicht sehr üblich.

– Und hast du sonst keinen Sport gemacht?

– Doch. Ich habe viele Jahre getanzt.

– Getanzt?
– Ja.

– Los, zeig mir einen Tanz!

– Was? Hier?

– Ja klar!

– Auf keinen Fall.

Ohne Musik geht das sowieso nicht.

Was machst du?

– Ich mache Musik.

– Ich muss los.

– Okay. Und … wann üben wir weiter?

– Ich melde mich bei dir.

– Hat’s geschmeckt?

– Sehr gut, vielen Dank!

– Passt schon, geht aufs Haus.

– Aber ich bin der böse Bruder.


Schon vergessen?

– Aber nicht mein böser Bruder.

– Danke.

– Konntest du denn mit Nico reden?

– Mehr oder weniger. Wir haben ja seit


Jahren kaum Kontakt.

– Wieso eigentlich nicht?


– Das ist ’ne lange Geschichte.

– Hm.

Ich hab Zeit.

– Ich bin der Älteste und war irgendwie schon


immer der Lieblingssohn meiner Eltern.

Nach der Schule hab ich


im Gegensatz zu Nico studiert

und das Studium dann mit ’ner


sehr guten Note abgeschlossen.

Dann bin ich nach Deutschland gegangen,


um hier eine Firma zu gründen.

– Wow.

– Unsere Eltern waren sehr stolz,

denn sie wollten einen Arzt, Anwalt oder


Geschäftsführer in der Familie haben.

Mein Vater hat immer gesagt:

„Ihr müsst Medizin, Maschinenbau oder Jura


studieren. Das hat Zukunft.“

– Und Nico wollte das nicht.

– Nico ist kein Akademiker.

Nico will anpacken – beruflich und privat.

Er wollte immer ’n Handwerk lernen.

– Ich verstehe. Aber das ist doch nicht der


Grund, weshalb er nicht mit dir redet.

– Nein. Der Grund ist, dass ich ihn nie


unterstützt hab.

– Und jetzt willst du es wiedergutmachen?

– Keine Ahnung …

– Vertrauen entsteht nicht


von heute auf morgen.

– Ich weiß. Ich kann warten.

– Deine Firma, was macht die denn so?

– Wir entwickeln Apps und im Prinzip alles,


was digital ist.
– Echt?

– Ja. Wieso?

– Ich hab da schon lange eine Idee …

– Also, welche Informationen


gehören in den Lebenslauf?

– Name und Adresse?

– Sehr gut. Was noch?

– Wo ich gelernt habe?

– Ja genau, die Schulbildung.

Wart ihr in Deutschland auf einem


Gymnasium oder einer Realschule?

Oder wie hieß die Schule


in eurem Heimatland?

Dazu gehört auch der Schulabschluss.

Habt ihr Abitur oder einen anderen


Abschluss? Schreibt es auf.

– Könnten Praktikums wichtig sein?

– Die Mehrzahl von „Praktikum“ ist „Praktika“.


Das ist ein lateinisches Wort.

Aber ja, Praktika sind auch wichtig.

Dazu gehört auch Berufserfahrung.


Habt ihr eine Ausbildung gemacht?

Ihr könnt auch ein Auslandssemester


in den Lebenslauf schreiben.

Das ist immer gut.

– Also, Deutschkenntnisse.

– Ja! Perfekt. Sehr wichtig!

Schreibt bitte unter


„Sprachkenntnisse“ alle Sprachen

in den Lebenslauf, die ihr gelernt habt.

Computerkenntnisse sind auch wichtig.

Ihr könnt auch eure Hobbys in den


Lebenslauf schreiben,

aber das ist nicht unbedingt nötig.


Wichtig ist nur, dass man sieht,
was ihr gut könnt.

Okay, dann legt mal los.

Ich möchte bis zum Ende


der Stunde eure Lebensläufe sehen.

Und wenn ihr Fragen habt,


dann meldet euch einfach.

„Hallo, Lisa, mein Vater und ich


brauchen deine Hilfe.

Hast du Zeit?“

Ich rufe in einer halben Stunde zurück.

– Also, Sie wollen sich


auf eine Stelle bewerben.

– Das ist richtig.

– Wo?

– In einem Fast-Food-Restaurant.

–  Okay.

– Papa ist eigentlich Arzt,

aber er muss noch eine


Sprachprüfung bestehen,

damit er in Deutschland arbeiten darf.

– Selma …

– Was denn?

– Das geht niemanden etwas an.

– Lisa will dir helfen, Papa.

– Also, Sie müssen zuerst dort anrufen

und danach gibt es noch


ein persönliches Gespräch. Richtig?

– Ja, richtig.

– Gut, dann zuerst der Anruf.


Was würden Sie sagen?

– Guten Tag,

hier spricht Ibrahim Al-Pascha.

– Mhm.
– Ich rufe an, weil ich mich bei Ihnen
bewerben möchte.

– Auf welche Arbeitsstelle?

– Restaurant-Mitarbeiter.

– Okay. Fragen Sie nach einem Termin


für ein Bewerbungsgespräch.

– Ich möchte wissen, ob ich einen Termin


für ein Gespräch haben kann.

– Lieber: Können Sie mir sagen,

wie ich einen Termin für ein


Bewerbungsgespräch bekomme?

Das klingt höflicher.

– Okay. Soll ich … noch meine Quali…

– ... Qualifikationen sagen?

Nur wenn man Sie danach fragt.

Ansonsten ist das ein Thema für das


Bewerbungsgespräch.

– Dafür müssen wir uns auch noch


vorbereiten.

Kennst du zufällig jemanden, der weiß,


wie Bewerbungsgespräche ablaufen?

– Vielleicht kenne ich sogar einen


Geschäftsführer,

der häufig Bewerbungsgespräche führt.

– Also, Herr Al-Pascha. Ich habe


noch fünfzig andere Bewerber.

Warum sollte ich Sie einstellen?


Was sind Ihre Stärken?

– Ich bin zuverlässig. Ich würde gern


in Ihrem Unternehmen arbeiten.

– Sind Sie teamfähig?

– ’tschuldigung, könnten Sie


das bitte wiederholen?

– Können Sie gut im Team arbeiten?

– Ja, ich habe in Syrien immer


im Team gearbeitet.
– Was haben Sie dort gemacht?

– Ich bin Arzt.

– Arzt? Dann haben Sie auch eine


Spezialisierung, oder?

– Ich bin Urologe.

– Aha.

Haben Sie Erfahrung im Schichtdienst?

– Natürlich.

Aber ich würde gern nachmittags


und abends arbeiten,

weil ich vormittags noch


einen Sprachkurs besuche.

– Das ist kein Problem.

Wollen Sie Teilzeit oder Vollzeit arbeiten?

– Ich möchte Vollzeit arbeiten.

– Hm …

Ich sehe Sie Montag um vierzehn Uhr


am Arbeitsplatz.

Dann klären wir alles Weitere.

– Bedeutet das …?

– Sie haben den Job. Erst einmal


befristet auf drei Monate.

Willkommen im Team, Herr Al-Pascha.

– Danke!
– Gut gemacht! Das wird schon.

– Gehst du gerne ins Theater?

– Eigentlich schon, aber ich hab kaum Zeit.

– Oh …

Entschuldigung, ich habe nur wiederholt.

– Ach so.

Das Thema der Lektion ist Theater?

– Kunst und Kultur.


Es geht um Literatur, Theater und Malerei,

es geht aber auch um ...

Gedichte und Romane.

– Cool.

– Na ja …

– Du interessierst dich nicht für Kultur?

– Ich gehe ganz gerne ins Kino,


aber Theater finde ich ziemlich langweilig.

– Was ist mit Musik? Du interessierst dich


doch auch für Musik.

– Ja, total!

– Bist du schon mal auf


einem Festival gewesen?

– Nein. Aber ich möchte nächsten Sommer


unbedingt auf ein Open-Air-Festival gehen.

– Mhm.

Die Band hat abgesagt.

– Was, jetzt?

Unsere Gäste kommen schon


in ein paar Stunden.

– Ja, ich weiß. Aber der Sänger ist krank.

– Welche Band?

– Das Restaurant hat doch


zehnjähriges Jubiläum,

und wir haben dafür eine Band bestellt.

– Jetzt haben wir kein Programm?

– So kurzfristig finden wir keinen …

Ersatz.

– Ah …

– Oh!

Nein! Nein, auf keinen Fall!

– Nico?

– [Nein.]
– Komm schon.

– [Nein.]

– Ja, okay, in zwei Stunden.

Ich hole dich ab!

Ich freue mich auch!

Tschüss!

Das kann doch nicht wahr sein!

– Morgen!

– Guten Morgen.

Sehen Sie das?

Ich möchte nicht, dass die Mülltonne


vor meinem Laden steht.

Wie oft soll ich das noch sagen?

– Ich finde ja, Sie sollten sich


einfach mal entspannen und …

– Entspannen?

– Ja. Außerdem wollte ich


gerade zu Ihnen, weil …

– Ich habe jetzt keine Zeit für Diskussionen.

Ich bekomme Besuch und muss eine


Stadtbesichtigung planen.

– Oh, da kann ich Ihnen vielleicht helfen


und Ihnen ein paar Tipps geben.

Sie sollten auf jeden Fall


das Stadtschloss besuchen.

Die aktuelle Dürer-Ausstellung ist


wirklich sehr schön.

– Danke, aber ich …

– Im kleinen Theater gibt es


außerdem ein neues Programm.

Ich bin wirklich neugierig auf die


Faust-Interpretation.

Sie kennen doch „Faust“ von Goethe, oder?

– Ja natürlich. Aber ich hab …


– Hier, sehen Sie:

Ein Kritiker schreibt in der Zeitung – hier:

„Goethes Faust begeisterte die


Theaterbesucher gleich am ersten Abend.“

Ja. Es gab langen Applaus:

„Die Schauspieler mussten dreimal wieder


auf die Bühne kommen.“

– Ja, sehr schön. Aber …

Die Gemälde aus dem Mittelalter


im Stadtmuseum –

die sind auch ein echter Geheimtipp.

Sehr schöne Bilder!

Das steht in keinem Stadtführer.

Aber gehen Sie bitte auf keinen Fall


in das Museum für moderne Kunst.

Das lohnt sich gar nicht.

– Und? Wie fandest du die Ausstellung?

– Es geht. Das Stadtschloss war


beeindruckend,

aber die Ausstellung war relativ uninteressant.

– Du bist kaum vier Stunden hier


und es ist wie früher,

als wir noch in der Ausbildung waren.

– Stimmt!

– Wie lange bleibst du eigentlich?

– Nicht lange.

Ich reise gerade herum und dachte, ich


komme dich besuchen und sage kurz Hallo.

– Schön, dass es dir wieder besser geht.

– Ich vermisse meinen Vater sehr, Yara.

Aber ... er wollte immer, dass ich die Welt


sehe, und jetzt … mach ich es.

Danke für die letzten Wochen.

Ich bin so froh, dass du da warst.


Was schauen wir uns jetzt an?

– Es gibt hier ein kleines Museum,


das dir bestimmt gut gefällt.

Ein bekannter Komponist


aus dieser Stadt hat dort gelebt.

Er schrieb viele Stücke für Geige und Klavier

und er ist vor ’n paar Jahren gestorben.

Ich war noch nie da.


Sollen wir uns das mal anschauen?

– Ja, okay.

– Also, es gibt heute Abend mehrere


Veranstaltungen.

Im Heimathaus gibt’s Volksmusik …

– Auf keinen Fall!

– Dann hier … Rockmusik im Club.

– Das hört sich schon besser an.

– Ja, aber die Sängerin ist ziemlich populär.

Ich denke, die Tickets sind ausverkauft.

– Gibt es keine Tickets an der Abendkasse?

– Ich glaube nicht …

– Schade. Was gibt’s denn sonst noch?

– Es gibt noch ein Musical oder


wir können ins Theater gehen.

An der Theaterkasse gibt es


bestimmt noch Tickets.

– Klingt gut.

– Hast du Lust, meinen Neffen Nico


kennenzulernen?

– Ja. Warum nicht?

– Sorry, sorry, sorry, sorry …


– Lisa!

– Liebe Gäste, liebe Gäste,

und jetzt ein kleines Konzert


von unseren guten Freunden:
Lisa, Sebastian und Nico!

Viel Spaß!

– Geh deinen Weg. Sag mir,


woher du kommst und …

– … wohin du gehst. Wo ist dein Weg?

– Geh deinen Weg. Sag mir, woher du

kommst und wohin du gehst.

Was ist dein Ziel?

Was ist dein Ziel?

– Nico, das war großartig!

– Super, ganz toll, wirklich!

– Danke!

– Nico, das ist Sarah.

Ich war bei Sarah in Zürich,


als du mich gesucht hast.

– Oh, okay. Freut mich,


dich kennenzulernen.

– Wir wollen jetzt häufiger


so kleine Partys feiern.

Zum Beispiel nächstes Jahr zu Halloween.

– Oh, dann müsst ihr ’ne


Menge Kürbisse besorgen ...

– Ja.

– ... weil Halloween ohne Kürbisse


kein Halloween ist, oder?

Ich erinner mich: Wir haben damals


im Herbst immer

ganz viele Gerichte aus Kürbissen gemacht.

Also, zum Beispiel Kürbissuppe,


Kürbiskuchen, Kürbismarmelade,

Kürbismuffins, Kürbisbrot, Kürbisbier,


Kürbis…

– Ja, wir kriegen das schon hin


mit den Kürbissen.
Wo habt ihr denn dieses Jahr
Halloween gefeiert?

– Wir? Wir haben dieses Jahr


überhaupt kein Halloween gefeiert.

– Nee.

– Was? Nächstes Jahr feiert ihr hier!

– Ja!
– Außerdem wollen wir noch

St. Patrick’s Day feiern und Valentinstag.

– Valentinstag find ich ganz gut.

– Mit wem willst du denn Valentinstag feiern?

– Mit wem ich …?


– Ja.

– Mal sehen.

– Aha …

– St. Patrick’s Day feiert man in Irland,


und Halloween kommt aus den USA.

Wir müssen auch mal ’n paar deutsche


Volksfeste feiern.

– Du meinst Karneval?

Jeder, der in einem Kostüm kommt,


bekommt ein Getränk umsonst.

– Oder ein Weinfest.


Das könnten wir im Frühjahr machen.

Wir bieten eine Woche lang Weine aus der


Region an, die ganz jung sind.

– Wie wär’s mit einem Oktoberfest?

– Ja, dann kommst du aber in Lederhosen.

Oder du ziehst dir ’n schickes Dirndl an.

– Das ist dann wohl eher


ein Kostüm für Halloween …

– Ja.

– So, das ist erst mal


für euch beiden Hübschen.

– Danke.
– Und ... Sarah, Yara, Lisa, kommt rüber!

Nico! Nico!

Zehn Jahre das Marek. Zum Wohl!

– Prost. Zum Wohl!

– Was denn?

– Bist du wahnsinnig?

– Sag mal, spinnst du?

– Du bist schwanger! Du darfst nichts trinken!

– Lisa, halt dich doch einfach mal da raus!


Das geht dich überhaupt nichts an!

– Ich halte mich bestimmt nicht raus,


wenn du so verantwortungslos bist.

– Ach! Aber wenn es darum geht, mich zu


Untersuchungen zu begleiten,

dann hältst du dich gerne raus.


Du hast gesagt, du hilfst mir.

– Nina, ich habe eine Arbeit.


Ich habe keine Zeit.

– Stell dir vor, es gibt andere Menschen,


die haben auch Berufe.

Die gehen arbeiten und haben trotzdem Zeit.


Und manche haben sogar Kinder.

– Ja, und manche Menschen


passen beim Sex besser auf,

damit sie ihre Zeit eben nicht


beim Frauenarzt verbringen müssen.

Entschuldigung, das war scheiße!

– Nina … Nina, du ...

bist ... bist schwanger?

– Ja.

– Ja, dann herzlichen Glückwunsch!

– Ich kann jetzt kein Kind kriegen.

– Nina …

– Weißt du, was? Dario hat mich verlassen!


– Was?

– Ja! Uh! Wahnsinn, wie du dich


für mein Leben interessierst.

– Was bedeutet „schwanger“?

– Das war der beste Abend seit langer Zeit.

– Das finde ich auch.

Erinnerst du dich noch


an die tollen Partys damals?

– Oh ja.

Unsere Nachbarn haben einiges mitgemacht.

Zum Glück haben sie sich selten


über die laute Musik aufgeregt.

– Die Partys im Pudelclub,


das waren die tollsten.

Wir sind nie vor Sonnenaufgang


nach Hause gegangen.

– Und man ist nach einer guten Feier auch


nie alleine nach Hause gegangen.

– Du vielleicht nicht. Ich war immer brav.

– Ich vermisse die alten Zeiten.

– Ja, manches davon vermisse


ich und manches auch nicht.

– Was meinst du?

– Na ja, ich bin doch glücklich.

Wieso sollte ich also


irgendetwas anderes vermissen?

– Du kannst nur glücklich sein,


wenn du etwas vermissen kannst.

– Ja, du warst schon immer


die Klügere von uns beiden.

– Blödsinn.

Ich mag deinen Laden.

– Ich auch.
– Mach’s gut.

– Schau mal hier: Wer schenkt wem was?


Ich mache mal ein Beispiel:
Ich schenke dir einen Stift.

– Okay, jetzt ich. Ich schenke dir …


ein Wörterbuch.

– Vielen Dank. Das hast du gut gemacht.

Weiter geht’s:
Was schenkst du deinem Vater?

– Moment ...

Okay.

„der Vater“ ist ein maskulines Nomen.

Das Personalpronomen heißt „er“.

Jetzt brauche ich die Dativform für „er“ –


genau: „ihm“.

Also: Ich schenke ihm ein Ticket fürs Theater.

– Prima!

Mach ruhig weiter. Was schenkst du


deiner Mutter zum Geburtstag?

– Ich schenke ihr eine DVD.

– Sehr gut. Und was schenkst du Nico?

– Guten Tag.

– Hallo, Mama.
– Hallo, Selma.

– Also, Selma, eine letzte Frage: Wen lädst


du zu deinem Geburtstag ein?

– „einladen“ ... Moment. „einladen“ benutzt


man mit Akkusativ.

Also: Ich lade dich ein.

– Sehr gut! Und vielen Dank.

– Ich kann jetzt Einladungen schreiben für


meinen Geburtstag.

– Wann hast du denn Geburtstag?

– In ein paar Wochen.

– Ach was! Hast du schon etwas geplant?

– Ich würde gerne eislaufen gehen.


– Eislaufen?

– Ja, das habe ich noch nie gemacht.


Ich möchte es mal ausprobieren.

– Selmas Vater muss noch Ja sagen.

– Ach ja, wie geht es ihm denn?


Hat er den Job bekommen?

– Ja. Er arbeitet jetzt.

– Ah, sehr gut.

Ja, wir sind fertig für heute.


Bis zum nächsten Mal.

Sie können stolz auf Ihre Tochter sein.

– Ich weiß.

– Yara?

– Ja?

– Lisa hat mir gesagt, dass Selma


bald Geburtstag hat.

– Selma?

– Eine Freundin von mir.


Ich möchte ihr etwas schenken.

– Aha.

– Ich möchte ihr ein Fahrrad schenken.

– Was?

Das kannst du dir doch gar nicht leisten.

– Es muss ja auch kein neues Fahrrad sein.

– Du meinst ein gebrauchtes?

– Ja, ich schenke ihr


ein gebrauchtes Fahrrad.

– Das ist aber immer noch ziemlich


teuer für ein Geburtstagsgeschenk.

– Ich möchte Selma überraschen.

– Das ist wirklich nett von dir.

Aber du solltest vielleicht mehr Zeit mit der


Suche nach einer Arbeit verbringen.

– Mach dir keine Sorgen. Ich finde bald etwas.


– Bestimmt.

Bis dahin musst du deinen Freundinnen eben


preiswerte Geschenke kaufen.

– Bitte, Tante Yara. Du kannst


doch bestimmt ein …

gebrauchtes Fahrrad finden.

Ich zahle dir das Geld auch


so schnell wie möglich zurück.

– Wann ist denn der Geburtstag?

– Bald. Ich finde es heut noch heraus!

– Na schön.

– Danke, danke, danke, danke, danke, danke!

– Ja. Ja, ist gut.


Und jetzt pack mit an!

– Aber du kennst ihn doch überhaupt nicht.

Nico hasst seinen Bruder.

– Nico hasst seinen Bruder nicht.

Es ist kompliziert, aber


eigentlich ist Pepe in Ordnung.

– Na klar …

– Und er kennt sich aus. Das ist die


Gelegenheit für meine Idee.

– Genau. Deine Idee!


Ich bin nicht überzeugt!

– Jungs, ich brauche eure Hilfe!

– Inge, was ist denn los?

– Ach, ich habe ein großes Problem.

– Ja, jetzt setz dich erst mal hin ...

– Ach. Ich bin mit Jacques verabredet.

– Oh …

– Das ist nicht lustig! Ich habe ihn


zu mir nach Hause eingeladen.

– Ja und?
– Ich habe gesagt, ich koche.

– Oh …

– Jacques weiß nicht, wie schlecht ich koche.

Er ist Restaurantbesitzer.

Sicher will er mich


nach dem Essen nie wiedersehen.

– Ach, Inge. So blöd ist er nicht.

Außerdem musst du das Essen nur warm


machen. Wir bereiten alles vor.

– Roulade mit Rotkraut und Klößen?


– Ihr seid zwei Schätze!

– Hm …

Inge, das schmeckt fantastisch.


Das erinnert mich an Ostern.

– Ostern?

– Ja. In unserer Familie gab es


zu Ostern oft Roulade zum Mittagessen.

– Es gab keinen Hasenbraten?

– Doch, einmal. Da war ich noch sehr klein


und dachte, dass wir den Osterhasen essen.

Ich habe so geweint,

dass meine Eltern seit diesem Tag nie wieder


einen Hasenbraten gemacht haben.

Ostern war für mich als Kind


immer ein tolles Fest.

Meine Eltern

haben überall im Garten bunte Eier und


manchmal auch Schokolade versteckt

und ich musste suchen.

Gab es bei euch zu Ostern


auch bunt gefärbte Eier?

– Natürlich. Aber mein Lieblingsfest war


immer Weihnachten.

– Brachte bei euch der Weihnachtsmann oder


das Christkind die Geschenke?

– Das Christkind.
– Ja, bei uns auch.

– Aber die Geschenke waren


nicht das Wichtigste.

Ich habe mit meinem Mann Günther immer


den Weihnachtsbaum geschmückt.

Wir haben jedes Jahr


im Advent Stollen gegessen

und die Kerzen am Adventskranz


angezündet.

– Das klingt schön.

– Das war schön. Aber allein?

Weihnachten ist kein schönes Fest,


wenn man allein ist.

– Dann lass es uns doch gemeinsam feiern.

Nicht hier … Lass uns wegfahren!

Ein Weihnachtsabenteuer.

– Meinst du das ernst?

– Vollkommen ernst!

– Das wär schön.

– Hola, Nico!

– Pepe!

– Wie geht’s?

– Okay …

Du hast gesagt …

– Ich habe einen Job für dich, richtig.

Aber du hast einfach aufgelegt.

– Tut mir leid. Die Situation, in der du


angerufen hast, die war ’n bisschen ... blöd.

– Okay.

– Gibt’s den Job noch?

– Ja.

– Und …
was ist das für eine Arbeit?

– Es ist ein Praktikum am Filmset.

– Beim Film?

– Ja. Ein Team dreht hier bald


eine aktuelle Serie fürs Fernsehen,

bei der du mitarbeiten kannst.

– Wirklich?

– Ja, wirklich.

Die Serie ist ziemlich lustig.

– Und ... was soll ich da machen?

– Na ja, du hilfst, wo du kannst.

Du bringst dem Team [Link] passt auf,


dass kein Fußgänger in die Szene läuft.

Solche Sachen.

– Klasse!

Ich liebe Serien!

– Na ja.

Ich schau am liebsten Dokumentationen.

– Könntest du …?

– Ich muss den Leuten,


mit denen ich gesprochen habe,

noch heute eine Zusage geben.

Sonst ist das Angebot weg.

Also?

– Okay!

Danke!

– Gerne.

– In Ordnung, so machen wir’s. Vielen, vielen


Dank! Ja, euch auch! Ciao.

– Und?

– Ab nächster Woche bist du offiziell


in der Filmbranche tätig.
– Cool. Und du sagst, es ist eine Serie.

Weißt du noch mehr darüber?


Worum geht es?

– Es ist ’ne Krimiserie, aber nicht so ernst.

Mehr ’ne Krimikomödie.

– Eine Krimikomödie.

– Ja, Komödie. Una comedia.

In der Serie geht es um einen Kommissar,

der mit seinem Gegner


zusammenarbeiten muss.

Meistens ist das sehr komisch. Hin und


wieder wird es aber auch tragisch.

Ich schau die Serie eigentlich ganz gern –


wenn gerade keine Dokus laufen.

– Das klingt ja spannend.

– Ich glaube sogar, das Drehbuch


basiert auf einem Roman.

Die Serie ist also eine Buchverfilmung.

– Und wo läuft die Serie denn?

– Ja, im Fernsehen.
Und im Internet auch, glaub ich.

– Gut. Dann fange ich gleich an,


die Serie zu schauen.

– Sehr gut! Vorbereitung ist wichtig.

– Filmbranche …

– Hallihallo!

– Hey!

– Die Serie ist abgedreht.

– Nico, Glückwunsch!

– Und was ist das?

– Das ist eine Filmklappe. Ich hab sie von


meinem Chef geschenkt bekommen.

Das Team hat auf der Klappe unterschrieben:

Beleuchter, Schauspieler, Aufnahmeleiter,


Ton, sogar der Regisseur.

– Das ist wirklich mal ’n cooles


Abschiedsgeschenk.

– Als ich mal Fahrer


in einer Filmproduktion war,

hab ich so etwas nicht bekommen.

– Vielleicht warst du einfach


nicht gut genug und alle waren froh,

als du wieder weg warst?

– Danke, dass du heute


den Abwasch machst, Max.

– Ah …

– Ich habe sogar in einer Szene mitgespielt.

– Was, ehrlich?

– Mhm.

Es war nur eine kleine Rolle, aber es hat


Riesenspaß gemacht und

ich hab sehr viel Talent.

– Nico, der Star.

– Es war das Ende einer Verfolgungsjagd.

Der Kommissar ist erschöpft und rennt in


einen Fußgänger. Ich bin der Fußgänger.

– Hast du Text?

– Mhm, ja:

Passen Sie doch auf!

Dann helfe ich dem Kommissar wieder


auf die Beine, er rennt weiter und

erwischt am Ende den Gangster


dank meiner Hilfe.

Was soll ich damit machen?

– Ich will ’n Autogramm,


bevor du berühmt bist.

– Für das Fahrrad.

– Du hast deinen Lohn bekommen.


–  Mhm. Und ein sehr gutes
Praktikumszeugnis.

– Wow. Glückwunsch!

Gut gemacht!

– Danke.

Ich habe mir überlegt,


ich möchte weiter beim Film arbeiten.

– Okay.

– Ich könnte Schauspieler werden.

Es gibt ziemlich gute Schauspielschulen


hier in Deutschland.

– Stopp mal!

Hast du dir das gut überlegt?

– Na ja, es …

es macht mir Spaß.

– Ich habe einen Freund, der Schauspieler ist.

Er ist sogar ziemlich berühmt

und hat für eine Rolle mal


einen Filmpreis gewonnen.

– Wow, echt?

– Ja. Und seit einem Jahr


hat er keine Aufträge mehr.

– Was?

– Die meisten Schauspieler


verdienen so wenig Geld,

dass sie mehrere Jobs machen müssen.

Ich unterstütze dich, Nico.

Wenn es das ist, was du willst, dann ...

kriegen wir das hin.

Aber ist es das, was du willst?

– Selma!

– Hallo, Nico. Was ist denn los?

Ich musste bei meinen Eltern schon wieder


einen Sprachkurs vorschieben.

– Das tut mir leid.

– Sie werden sehr wütend, wenn sie


herausfinden, wo ich wirklich bin.

– Ich bin froh, dass du


trotzdem gekommen bist.

– Ich freu mich auch, dich zu sehen.

– Einen Moment! Nicht bewegen!

Alles Gute zum Geburtstag!

– Mein Gott!

– Ich hatte das Gefühl,


du kannst es brauchen.

– Ich bin so glücklich!

So ein schönes Fahrrad!

Ist das wirklich für mich?

– Mhm.

– Das Fahrrad ist toll!

Und wenn meine Eltern fragen,


woher ich es habe?

– Wenn deine Eltern fragen,


woher du es hast,

dann sag einfach, es ist von Lisa.

– Aber wenn meine Eltern sich bei ihr


für das Fahrrad bedanken,

dann wird sie sich doch wundern.

– Lisa weiß Bescheid.

– Das ist fantastisch!

Und heute Nachmittag darf ich eislaufen


gehen. Das wird so cool!

– Dein Vater hat das erlaubt?

– Das ist der beste Geburtstag seit Langem!

– Ich weiß, Sie ärgern sich


über den neuen Termin.

Ja, wenn es gut werden soll,


dann dauert es eben manchmal
'n bisschen länger.

Aber das Warten lohnt sich ja dann auch.

Sie müssen mich auch verstehen.

Nein.

Okay, müssen Sie nicht.


Aber bitte, regen Sie sich nicht so auf.

Wir kriegen das schon hin!

Die neue Deadline steht.

Danke,

vielen Dank!

Oh, ich werd wahnsinnig.

Hallo, Pepe González.

Herr Al-Pascha!
Ich freu mich, Sie zu hören.

Sie haben den Job, seit zwei Wochen?

Ja, großartig! Das wundert mich aber


nicht. Sie waren sehr gut vorbereitet.

Natürlich, sehr gern, jederzeit wieder.

Ach, Herr Al-Pascha, das ist ja witzig,

ich seh hier grad Ihre Tochter mit


meinem Bruder im Park.

Soll ich die beiden Turteltauben


mal von Ihnen grüßen?

Da wären sie bestimmt überrascht.

Ja natürlich, wir hören uns.

In Ordnung. Bis später und alles Gute!

– Ist die Höhe gut?

– Ja, perfekt!

Eine Sekunde ...

Oh nein!

– Was ist?
– Mein Vater.

Er hat irgendwie herausgefunden,


dass ich nicht beim Sprachkurs bin.

Er ist total sauer!

– Was? Aber ... wie?

– Keine Ahnung, Nico. Ich muss gehen.

– Ich denke nicht, dass er irgendetwas ahnt.

– Ich glaube schon. Es tut mir leid!

– Hey, Nico.

Wo will Selma denn hin?

Ich soll dich von ... Herrn Al-Pascha grüßen,


ihrem Vater.

Ich hab grad mit ihm telefoniert.

– Du hast was?

– Ich hab mit Selmas Vater telefoniert.

– Und ihm gesagt, dass wir hier sind.

– Ja.

– Du weiß nicht, was du gemacht hast!


Du bist so ein Idiot!

– Spinnst du?

– Es war alles in Ordnung.

Dann kommst du, Selma kriegt Riesenärger


und du bist schuld!

– Ich find nicht, dass ich


an irgendwas Schuld hab.

Was ist denn eigentlich dein Problem?

– Selmas Eltern denken, dass sie beim


Deutschunterricht ist.

Sie darf sich nicht mit mir treffen.

– Seid ihr beiden … zusammen?

– Nein, wir sind nur Freunde,

aber das ist jetzt vielleicht alles vorbei.

– Nico, das ist mir echt ... Es tut mir leid.


Ich wusste das nicht.

– Halt dich einfach aus meinem Leben raus!

– Ja, komm! Leg den Ball rüber.

Komm! Ah! Aber der macht ’n absolut


großartiges Spiel heute.

– Der Müller ist heute aber


auch total gut drauf.

Ja, komm, schieß!


– Ja!

– Ah …

– Mega Chance …

– Und zurück! Komm, laufen, Jungs!

So rennen doch keine Weltmeister!

– Jetzt nicht aufgeben!

– Selmas Vater weiß jetzt,


dass sie sich mit mir trifft.

– Na und? Sie ist doch erwachsen.

Und außerdem seid ihr nur Freunde, oder?

– So einfach ist das nicht.


Ihre Eltern sind sehr streng.

Sie sind sauer,


wenn sie sich mit mir trifft.

Und sind sie sauer,


darf Selma nicht rausgehen.

Und darf Selma nicht rausgehen,


seh ich sie nicht.

– Ah …

– Und wenn du sie nicht siehst, dann …


Ich hab schon verstanden.

Heute hast du verloren, morgen wirst du


wieder gewinnen, okay?

– Eislaufen fällt aus.


Und alles andere auch.

Sorry, Nico.

– Tor!
– Abseits, Abseits, Abseits, Abseits!

– Also: Was habt ihr vor?

– Das ist eigentlich ganz einfach.


Wir wollen unserem Restaurant

einen Lieferservice anschließen.

– Das willst du doch schon lange.

– Aber jetzt hab ich jemanden gefunden,


der mich unterstützt.

– Pepe.

Ernsthaft?

– Das könnte sehr profitabel werden!

– Ich verstehe.
Und was hab ich damit zu tun?

– Ich möchte, dass der Lieferservice


umweltfreundlich ist.

– Deshalb wollen wir


mit dem Fahrrad liefern.

Das ist umweltfreundlich


und spart auch Benzinkosten.

– Das geht zwar nicht, wenn es schneit,


aber ansonsten eigentlich immer.

– Und ihr wollt Fahrräder von mir.

– Ja, aber nicht nur Fahrräder.

Das Geschäft soll sich auch


sonst für dich lohnen.

– Wie denn?

– Na ja, du steigst in das Projekt als


eschäftspartnerin mit ein und

wirst dann am Gewinn beteiligt.

– Das Risiko wird dann natürlich auch geteilt.

– Wenn dir der Vorschlag zu riskant ist,

dann mieten wir die Fahrräder


einfach nur bei dir.

Und auf unserem Flyer und in der App


wird dann Werbung
für deinen Laden gemacht.

– Die Idee ist gut.

Aber ich kann jetzt


keinen Kredit aufnehmen.

– Das ist vielleicht gar nicht nötig.

– Wieso?

– Ich kenne einen Investor,


der Interesse hat.

– Einen Investor?

Wie groß soll das Geschäft


mit dem Lieferservice denn werden?

– Na ja, so groß es geht.

– Tja, und zum Schluss müssen die Leute


nur noch bestellen.

– Also kurz gesagt: Zuerst entwickelt deine


Firma eine App für unser Angebot.

– Richtig. Und wir werden einen Flyer


und eine Website erstellen.

Aber ... ja, die Gerichte werden von den


Kunden bestimmt über die App bestellt.

– Okay. Die Leute bestellen über die App

und dann wird es mit


Yaras Fahrrädern ausgeliefert.

– Im Prinzip ist das richtig.

– Aber das Besondere ist:

Die Leute können wählen, ob sie eine


fertige Mahlzeit bestellen wollen

oder nur die Zutaten.

– Meinst du wirklich, dass das Angebot


angenommen wird?

– Na klar.

Außerdem wird in der App gezeigt, welche


Gerichte es für Vegetarier oder Veganer gibt

oder Menschen mit Laktoseintoleranz.


Darauf wird dann auch geachtet.

– Das hab ich so wirklich noch nicht gesehen.


– Ja, das ist super. Aber ...
wozu brauchen wir einen Investor?

Ich mein, so teuer ist


das Ganze doch gar nicht.

– Wenn das Konzept funktioniert,


könnten andere Restaurants einsteigen.

So könnten wir in der ganzen Stadt

und irgendwann vielleicht


im ganzen Land liefern.

– Ich weiß nicht …

– Tarek, komm schon.


Das ist unsere Chance!

– Dieser Investor, wann können


wir den treffen?

– Wenn du willst und Zeit hast, sofort.

– So!

– Bist du schon fertig?

– Jepp.

Ich geh morgen in die Druckerei,


um mir ’n Angebot machen zu lassen.

– Prima, dann kannst


du ab morgen wieder putzen.

Mit Lisa kann man ja


in diesem Jahr nicht rechnen.

– Habt ihr euch immer


noch nicht versöhnt?

– Wie denn?

– Nico! Das ist ja jetzt schön.


Jetzt sind alle zusammen.

Dann kann ich ’n Vorschlag machen.

– Ich muss Deutsch lernen.

– Wunderbar,
hier geht gleich einer in die Luft.

– Wie ist denn dein Vorschlag?

– Also: Offensichtlich hat niemand


Zeit für Hausarbeit.
– Niemand?

– Ja, zumindest
nicht alle gleich viel.

Ich finde, wir sollten uns einen Saugroboter


kaufen, um uns die Arbeit zu sparen.

– Einen Saugroboter?

– Ja. Der ist zwar wahnsinnig teuer, aber


wir können den Preis durch vier teilen.

Ich finde, wir sollten investieren, damit


die Stimmung wieder besser wird.

– Also ich finde, wir haben hier schon


genug Roboter in der WG.

– Mann, Nina, es reicht!

Und das mit dem Saugroboter


ist eine total blöde Idee.

– Du hast ihn dir noch nicht mal angeschaut.

Dann mach doch bitte einen


besseren Vorschlag, junge Frau.

– Mein Vorschlag ist, dass ich jetzt das


Bad putze und du die Küche.

– Okay. Sind wir denn offen für eine


Diskussion über Wischroboter?

– Erwartet ihr jemanden?

– Das System wurde


sehr genau durchgeplant.

Die Bestellungen müssen schnell


und effizient laufen.

Dafür brauchen wir eine stabile App


und zusätzliche Arbeitskräfte.

– Eventuell müssen wir


die Küche auch vergrößern.

– Richtig. Der Lieferservice muss


von Anfang an perfekt funktionieren.

Sonst bestellt niemand zweimal.

– Ich stimme zu.

– Das … ist gut. Haben Sie


sonst noch Fragen?
– Erst einmal nicht.

– Und was sagen Sie?

– Ich denke darüber nach.

Ich melde mich in den nächsten


Tagen wieder bei Ihnen.

– Was? Das war’s?

– Ja. Jetzt müssen wir warten.

– Ich trau dem Ganzen nicht.

– Tarek …

– Ja, ja, wir warten.


Wer möchte etwas trinken?

– Ja.

– Selma! Entschuldigung, ich …

– Nico … Nico …

– Was machst du hier?

Wissen deine Eltern,


dass du hier bist? Selma …

– Ich muss es dir persönlich sagen.

– Was …
was musst du mir persönlich sagen?

– Wir können uns nicht mehr sehen, Nico.

Es tut mir leid, ich ... mag dich.

– Selma!

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