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Geschichte Der Krankenpflege CE 01: Erstellt Von O. Bulakova

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Die Bildung

meiner Zukunft

Geschichte der Krankenpflege CE 01


erstellt von O. Bulakova

06.04.2023
Einführung

„Geschichte? Was geht mich das an?“


Der Auszubildenden Karl Untergruber und Susanne Kilian unterhalten sich
über die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit der Geschichte der
Pflege. „Die Geschichte der Pflege ist spannend und lehrreich!“, meint Frau
Kilian. „Geschichte? Was geht das mich an?“, entgegnet Herr Untergruber.
„Die Vergangenheit kann ich sowieso nicht ändern. Viel wichtiger ist es doch,
wo wir hingehen!“
Warum Geschichte?

George Santayana, ein US-amerikanischer Philosoph und


Schriftsteller, formulierte es so:

„Wer sich seiner Vergangenheit nicht erinnert, ist dazu verdammt,


sie zu wiederholen“ (Santayana 1905: 172)
Warum Geschichte?

• Situationen in der Gegenwart können nur mit fundiertem Wissen über die Vergangenheit
verstanden werden („Was ist damals passiert, und welche Auswirkungen hat das auf
heute?“).
• Die Entwicklung eines kritischen Berufsverständnisses bedarf der Kenntnis über die
Vergangenheit.
• Die Veränderung gegebener Situationen bedarf der Kenntnis der Vergangenheit und der
Geschichte der Entwicklung zur aktuell gegebenen Situation („Wieso ist es, wie es ist, und
wo liegt der Anfang?“ und „Was wurde (nicht) unternommen und mit welchem Erfolg?“)
• Lernen ist nur mittels der Reflexion der Vergangenheit möglich
• Persönlichkeitsförderung gelingt durch die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.
• Das kritische Denken wird gefördert.
Inhalt

Frühzeit Antike Mittelalter Frühe Neuzeit

Pflege um die
Nach dem 2. Jahrtausendwende
Späte Neuzeit Nationalsozialismus
Weltkrieg und im 21.
Jahrhundert
Frühzeit

• Frühgeschichte belegen, dass bereits vor rund 7.000 v. Chr. (Jungsteinzeit, Neolithikum) massive
operative Eingriffe vorgenommen wurden.
• Forscher fanden z. B. Schädel aus dieser Zeit, die Spuren der gezielten Eröffnung des Knochens
(Trepanation) aufweisen und zugleich Heilungstendenzen zeigen.
• Sie beweisen, dass die Betroffenen die Manipulationen zumindest für einige Zeit überlebten . Ohne
pflegerische Unterstützung wäre dies nicht möglich gewesen.
Antike

• Epoche im Mittelmeerraum von


ca. 1000 v. Chr. bis 600 n. Chr.
Umfasst die Geschichte des
antiken Griechenlands, des
Hellenismus und des römischen
Reichs.
Antike

• In der Antike wurde der Grundstein für die moderne Pflege gelegt ( Lücke 2013 ).
• Wandel der politischen Systeme und der zunehmende Städtebau i
• Menschen zogen vermehrt in die Städte und waren damit auf Institutionen angewiesen, die sie
fernab von ihren Familien im Bedarfsfall medizinisch versorgten und pflegten.
• War die Familie vor Ort, wurde Pflege durch sie und Sklaven organisiert ( Prühlen 2013a ).
• In der Antike entwickelte sich der Arztberuf aus einem Handwerk. Diese Entwicklung wurde von zwei
gegensätzlichen Strömungen begleitet:
Antike

Asklepios-Heilkult : Verehrung des Gotts der Heilkunst in extra dafür erbauten Tempeln (Asklepien),
die als Wallfahrtsorte für kranke Menschen dienten. Teil der Heilbehandlung war z. B., dass ein Arzt in
den Räumen des Kranken erschien und ihm zu Diäten riet. Der Stab mit der Schlange, den Asklepios
bei sich trug, wird noch heute sinnbildlich mit dem Medizinberuf verknüpft.

Hippokratische Medizin : Auf Naturbeobachtungen basierende und damit erste wissenschaftliche


Herangehensweise an die Medizin durch den Arzt Hippokrates von Kos. Die praktizierenden Ärzte
waren an einen Eid gebunden (Hippokratischer Eid), der eine ethisch-moralische Verpflichtung
beinhaltet.
Hippokratische Medizin
• Letztendlich setzte sich die hippokratische Medizin gegenüber dem Asklepios-Heilkult durch
• Allerdings erscheint Hippokrates’ Ursachenbeschreibung der Krankheitsentstehung, die Säftelehre,
heute alles andere als zeitgemäß.
• Krankheiten durch ein Ungleichgewicht von Körpersäften entstehen: Blut, Schleim, gelbe und
schwarze Galle, Wasser.
• Typische zeitgenössische medizinische Behandlungen waren Diäten, operative Eingriffe, Aderlass,
Schröpfen und Abführmittel. Hippokrates definierte und differenzierte erstmalig Krankheitsbilder,
z. B. in akut und chronisch.
• Hippokrates übertrug Aufgaben zur zielgerichteten und bedürfnisorientierten Fürsorge an seine
Lehrlinge, z. B. Patientenbeobachtung, Verbandwechsel, präoperative Pflege, Assistenz bei
Operationen, Durchführung von Bädern.
• Diese geleitete Übertragung in Form einer Unterweisung kann als Grundstein der Pflege gedeutet
werden.
• Die männliche Seite der Pflege zeigte sich in der Antike vermutlich auf den Schlachtfeldern und in
den Lazaretten zur Versorgung verwundeter und kranker Soldaten, die weibliche im familiären
Umfeld. In beiden Fällen wurden höchstwahrscheinlich Sklaven in die Pflege mit eingebunden.
Mittelalter
Mittelalter
• Die Epoche des Mittelalters ist stark durch das Christentum und seine Lehre geprägt
( Prühlen 2013b ).
• Die Bevölkerung lebte bis in das Spätmittelalter zu 90 % auf dem Land.
• In den Städten, die unter der Herrschaft der politischen oder kirchlichen Landesherren standen,
entwickelte sich u. a. infolge der großen Epidemien wie z. B. der Pest
• Akteure in diesem Gesundheitssystem waren zu Beginn Bader, Heilkundige und Wundärzte, später
auch Hebammen, Apotheker und Ärzte.
• Nur die vermögenden Bevölkerungsschichten konnten diese Dienstleistungen beziehen
• Medizinisches Wissen wurde zunächst mündlich weitergegeben.
• Kostenlose Hospitäler für arme Menschen waren sehr selten.
• Später entstanden an vielen Orten Klöster, die sich zu Zentren des gesellschaftlichen Lebens
entwickelten ( Lücke 2014a ). Diesen kommt in der Geschichte der Pflege eine besondere
Bedeutung zu:
Mittelalter

• Überlieferung medizinischen Wissens mittels Sammlung medizinischer Fakten, Abschreiben und


Übersetzen durch Mönche.
• Kenntnis von Heilkräutern und Entwicklung von Arzneien, unterstützt durch die in den Klöstern
durchgeführte Landwirtschaft und Pflanzenzucht.
• Etablierung von Räumlichkeiten zur Versorgung kranker Menschen in den Klöstern (Infirmarium) für
kranke Mönche und Pilger, später als Krankenstation für alle Menschen in der Umgebung und
Reisende.
• Einige Orden widmeten sich vermehrt der Krankenpflege, z. B. Johanniterorden, Heilig-Geist-Orden.
Mittelalter
• Laienbrüder und -schwestern bildeten Gruppen, die dem Vorbild der Mönche und Nonnen folgten und
ihre Strukturen übernahmen, z. B. Beginen. Sie verrichteten pflegerische Aufgaben zu wohltätigen
Zwecken.
• Die universalgelehrte Benediktinerin Hildegard von Bingen gilt als hervorstechende Vertreterin dieser
Zeit. Sie trug bereits bekannte Heilmethoden aus unterschiedlichen Quellen zusammen und
überlieferte diese in ihren heilkundlichen Schriften.
• Klöster und Hospitäler wurden nicht nur von akut erkrankten Menschen genutzt. Menschen, die keine
Familie mehr hatten, gingen mit zunehmendem Alter und bei Armut ebenfalls ins Kloster.
• Vermögende Menschen konnten als „Pfründner“ (Nutznießer) in Klöstern und Hospitälern bei
entsprechender Bezahlung bessere Räumlichkeiten und besseres Essen als die anderen Bewohner
des Klosters bekommen, dies zum Teil bis an ihr Lebensende.
Mittelalter
• In den Klöstern und Hospitälern des Mittelalters lassen sich also Grundbausteine der heutigen
stationären Alten- und Krankenversorgung ausmachen.
• Alten- und Krankenpflege vermischen sich an diesen Orten.
• Ambulante pflegerische Leistungen wurden durch laienhafte Strukturen, u. a. durch Beginen und
Begarden, erbracht.
• „Die Krankenpflege als eigenständiger Aufgabenkreis hängt ursächlich mit dem Christentum
zusammen“ ( Prühlen 2013b : 37).
• Das Prinzip der Nächstenliebe wurde nach dem Vorbild Jesus Christus auf die Pflege übertragen.
• Mönche zeigten sich für alle Kranken in der unmittelbaren Umgebung verantwortlich. Es wurde zu
ihrer christlichen Pflicht, anderen Menschen in ihrer durch Alter, Armut oder Krankheit verursachten
Not zur Seite zu stehen ( Wolff & Wolff 2011 : 65).
• Die Pflege durch Männer erfolgte zunächst in den Klöstern, denn die institutionalisierte Pflege lag
bei Mönchen und Laienbrüdern.
• Später rückte sie in den Hintergrund, da sich die Pflege zunehmend der Medizin unterzuordnen
hatte.
Mittelalter

• Die weibliche Seite der Pflege rückte insbesondere durch die Tatsache in den Vordergrund, dass
Frauen die Approbation im Medizinstudium untersagt war.
• Frauen mit medizinisch-pflegerischem Interesse konnten lediglich in der Pflege tätig sein.
• Dort fehlte es im Gegensatz zur Medizin an Strukturen wie Ausbildungsverordnungen.
• Frauen hatten sich in der Pflege Männern in der Medizin unterzuordnen
• Dies ist auch an der Aufgabenteilung der frühen Hospitäler sichtbar:
• Männer übernahmen repräsentative, finanzielle und handwerkliche Aufgaben, während Frauen
für Krankenpflege und Hauswirtschaft verantwortlich waren.
Frühe Neuzeit

Epoche von ca. 1500 bis 1800


n. Chr. umfasst u. a. die
Renaissance (Wiedergeburt
der Antike) und die
Reformation
Frühe Neuzeit


Frühe Neuzeit

1. Während der Reformationszeit (1517–1648), der Zeit einer kirchlichen Erneuerungsbewegung,


bildeten sich Nationalstaaten, die sich gegen die universellen Machtansprüche der Päpste und die
rückwärtsgewandten Ansichten der römisch-katholischen Kirche richteten. Die Kirche verlor dadurch
an Einfluss mit der Folge, dass sich weniger Mönche und Nonnen aus Nächstenliebe um die
kranken, hilfs- und pflegebedürftigen Menschen kümmerten.
2. In den Städten wurden daher ungelernte Kräfte als Pflegende eingestellt. Diese sogenannten Wärter
hatten einen niedrigen sozioökonomischen Status, erhielten einen geringen Lohn und übernahmen
Arbeiten, die sonst keiner tätigen wollte. Die Wärter galten in der bürgerlichen Mitte als grob,
unzuverlässig und ungepflegt. Die Pflegerinnen in englischen Hospitälern waren meist ehemalige
Dienstboten oder Witwen, die keine andere Möglichkeit hatten, für ihren Lebensunterhalt zu sorgen.
Sie verrichteten ihre Arbeit häufig unter Alkoholeinfluss und prostituierten sich zum Teil.
1.

2.
Erste fachliche Ausbildung

1781 nahmen die ersten öffentlichen


Krankenpflegeschulen, die als
Krankenwärterschulen bezeichnet wurden,
zunächst in Mannheim und später in
Die ersten fachlichen Ausbildungen für Karlsruhe ihre Arbeit auf. Der Mannheimer
Pflegende sind an die Pflegeorden geknüpft. Hebammenlehrer und Universitätsprofessor
Franz Anton Mai verfasste ein Lehrbuch. Der
Kurs dauerte drei Monate und endete mit
einer Prüfung, die Teilnehmerzahlen waren
überschaubar.
Späte Neuzeit
Epoche von ca. 1800 bis in die
Gegenwart.
Späte Neuzeit
Späte Neuzeit

1. Mit dem 19. Jahrhundert wird auch die technisch-industrielle Revolution verknüpft. Industrie und
Dienstleistungsbereiche wuchsen auf Kosten der Agrarwirtschaft zunehmend. Städte, die zu Zentren
der industriellen Produktion wurden, zogen Menschen aus den ländlichen Regionen an. Der
aufkommende Kapitalismus sorgte dafür, dass mit der Bevölkerungsverdichtung zunehmend soziale
Ungerechtigkeit auftrat. Dieses Elend überforderte die bis dahin karitativ ausgerichteten
Betreuungssysteme, weshalb sich zunehmend katholische Frauenorganisationen bildeten.
• 1836 gründete Theodor Fliedner in Kaiserswerth
die Mutterhausdiakonie (evang.)
• Im Mutterhaus wurden Diakonissen ausgebildet (blieben dort oder
Erste Formen der sie wurden entsandt)
• Allesamt trugen sie eine Tracht, die s.g Biedermeiertracht
Pflegeausbildung • Von Beginn an theoretischen Unterricht (biblische und
allgemeinbildende Inhalte)
• An der „Bildungsanstalt für evangelische Pflegerinnen“ arbeitete
vermutlich die erste wirkliche Pflegelehrerin (Unterrichtsschwester),
Gertrud Reichard
Merkmale der pflegerischen Ausbildung waren:
• Pflegekenntnisse und chirurgische Fertigkeiten, Bäder und
Einreibungen, Verabreichen von Klistieren, Leichenbehandlung
als Ausbildungs- und Erziehungsinhalte
• Ausbildung von ledigen und verwitweten Frauen, die das 21.
Lebensjahr vollendet haben mussten
• Sechs Monate Probezeit
Erste Formen der • Fünfjährige Verpflichtungszeit zur Arbeit in der Pflege nach der
Ausbildung
Pflegeausbildung
• Unterricht wurde meist nur von Ärzten erteilt, Pflegerinnen
waren dem Arzt untergeben
• Kaum Durchführung von Abschlussprüfungen, keine Erstellung
von Zeugnissen
• Auszahlung eines kleinen Gehalts zusätzlich zu Kost und Logis
sowie sozialen Leistungen wie z. B. ärztliche Versorgung
Erste Formen der
Pflegeausbildung

Pflegeausbildungsträger im 19. Jahrhundert


Erste Formen der
Pflegeausbildung

Die Gründung des Diakonissenmutterhauses Dennoch wurde die Notwendigkeit der theoretischen
und die in den Diakonissenanstalten Bildung von Pflegenden zu dieser Zeit, auch aus der
Ärzteschaft, kritisiert. Dort vertrat man die Auffassung,
ausgeübte Form der Lehre ist ein dass theoretisches Wissen zu Halbwissen,
Grundbaustein in der neuzeitlichen Überheblichkeit und einer Vernachlässigung der
Pflegebildung. praktischen Tätigkeit führe ( Wolff & Wolff 2011 : 164).
Florence Nightingale
Florence
(1820–1910)
Nightingale und ihr
Einfluss auf die
deutschsprachige Prominente britische Krankenschwester, die
Pflege von vielen Pflegefachpersonen als
Begründerin der modernen Krankenpflege
gesehen wird.
• Florence Nightingale wurde 1820 in Florenz geboren
• Sie entstammte einer wohlhabenden britischen Familie
• 1845 beschloss Florence Nightingale, trotz des vehementen
Widerspruchs ihrer Eltern ihr Leben der Pflege zu widmen.
• Die Notwendigkeit, Fachwissen zur Ausübung des Pflegeberufs zu
erwerben, erkannte sie
• Neben einem dreimonatigen Praktikum am Krankenhaus von
Florence Salisbury hospitierte sie an der Kaiserswerther Diakonissenschule von
Theodor Fliedner.
Nightingale • Im Krimkrieg (1853–1856), einem militärischen Konflikt zwischen
Russland und dem Osmanischen Reich mit dessen Verbündeten, u. a.
Großbritannien, betreute Florence Nightingale als Leiterin des
Pflegediensts im Auftrag der Regierung britische Soldaten in
türkischen Militärkrankenhäusern.
• Hier bekam Florence Nightingale ihren bis heute gültigen Spitznamen
„Lady with the Lamp“ („Die Dame mit der Lampe“) , da sie die
Patienten nachts mit einer Lampe aufsuchte.
• Zurück in Großbritannien wurde sie als Nationalheldin gefeiert.
• 1910, kurz vor ihrem Tod, erhielt sie als erste Frau den britischen
Verdienstorden. Zu ihren Taten zählten u. a.:
• Mitwirkung bei einer Reform des Sanitätswesens der Armee
• Veröffentlichung ihres Standardwerks „Notes of Nursing“ („Bemerkungen zur

Florence Krankenpflege“, Nightingale 2020 )


• 1860 Eröffnung der Nightingale School of Nursing am Londoner St. Thomas Hospital
• Unterricht durch erfahrenes Pflegepersonal und nicht länger durch Mediziner
Nightingale • Aufwertung des theoretischen Unterrichts
• Anhebung des Niveaus durch Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse
• Neue Ausbildungsschwerpunkte, z. B. Hygiene
• Unermüdlicher Einsatz für höhere Ausbildungsstandards
Florence Nightingale

Florence Nightingale verfolgte die


Vorstellung, den Pflegeberuf als Florence Nightingale wurde am 12. Mai
anerkannten Frauenberuf bei gleichzeitiger 1820 geboren. Seit 1967 wird dieser Tag
Reduktion des kirchlichen Einflusses vom International Council of Nurses (ICN)
weiterzuentwickeln. Dabei war sie aber als „Internationaler Tag der Pflege “
auch bemüht, Männer aus dem Berufsfeld gefeiert. An diesem Tag werden häufig
auszugrenzen. Gründe hierfür war u. a. ihre spezielle Aktionen durchgeführt, um auf die
Ansicht, dass Männer nicht die Notwendigkeit guter pflegerischer
notwendigen Tugenden zur Leistungen zur Gesundheitsversorgung der
Berufsausübung besitzen würden Bevölkerung aufmerksam zu machen.
( Strong 2006 ).
Situation der Pflege zu
Beginn des 20. Jahrhunderts
• Ende des 19. Jahrhunderts erweiterte sich das
Arbeitsfeld der Pflegenden zunehmend.
• Die wissenschaftlichen Erkenntnisse nahmen
rasant zu, und die Ansprüche der Ärzteschaft an
die Pflegenden stiegen.
• Zu den wissenschaftlich-technischen
Fortschritten dieser Zeit zählten:
• Entdeckung der Röntgenstrahlung durch Conrad
Röntgen
• Entdeckung der natürlichen Radioaktivität des Radiums
durch Marie und Pierre Curie
• Fortschritt im optischen Gerätebau, z. B. von
Endoskopen
• Neue Erkenntnisse der Elektrophysiologie, u. a. in der
Herstellung von Geräten zur Elektrokardiografie genutzt
• Entwicklungen in der Pharmakotherapie und damit auch
der Schutzimpfungen
• zusätzlicher Umbruch durch die Bismarck’schen
Sozialgesetzgebungen (Kranken-, Unfall-, Alters- und
Invalidenversicherung)
• flächendeckende Gesundheitsversorgung wurde
sehr wichtig
• Es fehlte allerdings an Pflegenden, denn der Beruf
Situation der war noch immer sehr unattraktiv ( Wolff &
Wolff 2011 : 179–180), bedingt durch:
Pflege zu Beginn • Katastrophale Arbeitsbedingungen
• Hohe Infektionsgefahr der Pflegenden, z. B.
Tuberkulose
des 20. • Überlange Arbeitszeiten, fehlende Ruhezeiten nach
Nachtdiensten, unzureichende Unterbringung
Jahrgunderts • Für freie Pflegende diskriminierende
Arbeitsordnungen, schlechte Bezahlung und
fehlender Versicherungsschutz
• Abschreckung gebildeter Frauen durch „religiöse
Schroffheit“, harte Arbeit, überhebliche Behandlung
durch Ärzte, Kost- und Logiszwang und fehlende
Altersversorgung
• Pflege galt als Durchgangsberuf (die Verweildauer war
Situation der sehr gering)
• Zudem gab es eine Zwei-Klassen-Pflege:
Pflege zu Beginn • Freie Pflegende waren im Arbeitsfeld häufig den
des 20. Pflegenden eines Ordens weisungsgebunden und
unterstellt, sie wurden „Pflegende“ genannt,
Pflegende eines Ordens „Schwester“
Jahrgunderts • „Schwestern“ genossen in den Augen der
Pflegeempfänger ein höheres Ansehen
• Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts begannen sich
die freien Pflegenden in verschiedenen
Pflegeorganisationen zu verbünden
Erste Schritte zur • So gründete 1903 Agnes Karll mit Unterstützung von
Berufsorganisation Friedrich Zimmer mit anderen bürgerlichen Frauen
die Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen
und staatlichen Deutschlands (BOKD )

Anerkennung • Die BOKD zählt zu den Gründungsmitgliedern des


International Council of Nurses
• der BOKD war für eine dreijährige Ausbildung zu
einem qualifizierten bürgerlichen Frauenberuf mit
Abgrenzung zum christlichen Nächstenliebe Dienst
• 1907 wurde eine 1 jährige Ausbildung eingeführt
• Mit dem erfolgreich abgeschlossenen Examen
erwarb man die geschützte Berufsbezeichnung zur
Situation der staatlich anerkannten Krankenschwester bzw. zum
staatlich anerkannten Krankenpfleger.
Pflege zu Beginn • das Examen war zur Berufsausübung nicht
verpflichtend
des 20. • Das extra entwickelte amtliche Pflegelehrbuch
Jahrhunderts wurde insbesondere von Ärzten verfasst.
• Die Inhalte wurden 1909 als Mindeststandards der
theoretischen Ausbildung und als Prüfungsstoff
festgelegt.
Weitere Entwicklungen zu jener Zeit waren:
• Während des Ersten Weltkriegs (1914–1918)
wurden Pflegende gebraucht
• Es wurden Hilfskräfte in sechsmonatigen Kursen an
Situation der die Aufgaben herangeführt, weil Notstand
• Freie beruflich Pflegende wurden nur in die
Pflege zu Beginn Kriegskrankenpflege aufgenommen, wenn sie auf
ihre Entlohnung verzichteten
des 20. • 1916 wurde das erste zweijährige Vollzeitstudium
Jahrhunderts für leitende und lehrende Pflegende in Leipzig
eingeführt
• 1917 wurde die Kinderkrankenpflege zum
eigenständigen Berufsbild erklärt
Der Beginn des 20. Jahrhunderts ist
einerseits durch die
Professionalisierungsbestrebungen der
MERKE Verbände gekennzeichnet, andererseits
wurden diese Bestrebungen durch die
Ärzteschaft unterdrückt.
Pflege in der Zeit des
Nationalsozialismus

Zeit des Nationalsozialismus


(NS-Zeit)

Zeitspanne beginnend mit der Ernennung


Adolf Hitlers 1933 zum Reichskanzler
über die Zeit des Zweiten Weltkriegs
(1939–1945) bis zur Kapitulation der
Wehrmächte 1945.

• Der Begriff des Nationalsozialismus


(NS) steht für eine spezielle Ideologie
• Die NS-Zeit ist ein dunkles Kapitel in
der Geschichte der Pflege
Aspekte Beschreibung

Antisemitisch Judenfeindliches Weltbild, einhergehend mit judenfeindlichen


Ideologie des Stereotypen, Vorurteilen und Verfolgung

Nationalsozialismus Rassistisch Kategorisierung und Beurteilung von Menschen aufgrund


äußerlicher Merkmale, z. B. Hautfarbe, Kleidung, Gebräuche

Nationalistisch Identifizierung und Solidarisierung aller Mitglieder einer Nation


anhand spezieller Unterscheidungsmerkmale, z. B. Abstammung

Völkisch Vorstellung, dass Bevölkerungsgruppen für sich geschlossene


Einheiten darstellen und eine Durchmischung schädlich sei

Sozialdarwinistisch Vorstellung, es gebe „gutes“ und „schlechtes“ Erbmaterial, weshalb


es „gutes“ zu fördern und „schlechtes“ zu dezimieren gelte

Antikommunistisch Politische Grundhaltung gegenüber dem Kommunismus


(mehrdeutiger politisch-ideologischer Begriff)

Antiliberal Keine Befürwortung der Freiheit des Individuums gegenüber dem


Staat; einhergehend mit Staatsgläubigkeit und Kollektivismus

Antidemokratisch Ablehnung der Gewaltenteilung und dem Ausgehen der Macht vom
Volk
• Der Stellenwert der Krankenpflege verbesserte sich unter der
Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP)
zunächst deutlich
Pflege in der Zeit des • Die Krankenpflege wurde neu organisiert, die vielen
Berufsorganisationen unter einer einheitlichen
Nationalsozialismus nationalsozialistischen Führung zusammengeschlossen
• Die Nationalsozialisten erkannten ihre Chancen, durch die
größte Gruppe im Gesundheitswesen Einfluss zu nehmen.
• Die Unterstützung der Pflege diente nicht dem pflegerischen
Professionsbestreben, sondern dem Vorhaben, das
Berufsverständnis mit der nationalsozialistischen Ideologie zu
durchdringen
• Trotz der erfahrenen Aufwertung blieb die Pflege stets in
allen Bereichen der Ärzteschaft strikt untergeordnet
( Steppe 2013a ).
• Die Nationalistische Volkswohlfahrt (NSV, seit 1931) gründete
1934 ihre eigene pflegerische Organisation: die NS-
Schwesternschaft
• Deren Angehörige wurden wegen ihrer braunen
Berufskleidung „braune Schwestern“ genannt.
• Wenig später existierten in Deutschland keine freien
Schwesternschaften mehr.
Pflege in der Zeit des Nationalsozialismus

1938 wurde mit dem „Gesetz zur Ordnung der Krankenpflege“ die erste gesetzliche Grundlage zur Regelung
der Ausbildung in der Krankenpflege verabschiedet ( Weisbrod-Frey 2013 ):
• Die Ausbildung dauert 1,5 Jahre, ihr folgt anschließend ein Anerkennungsjahr in der Praxis.
• Schulleitungen müssen politisch und „sittlich“ zuverlässige deutsche Ärzte sein.
• Bewerber müssen arischer Abstammung sein und den Nachweis politischer Zuverlässigkeit erbringen.
• Lehrfächer wie Erb- und Rassenpflege stehen auf dem Stundenplan.
• Juden dürfen zunächst weiter an jüdischen Schulen für die Pflege jüdischer Patienten ausgebildet werden;
ihre Berufsbezeichnung lautete „Jüdische Krankenschwester“ bzw. „Jüdischer Krankenpfleger“.
• Das Frauenbild: fürsorglichen und aufopfernden Mutter
• Männer waren mit militärisch-soldatischen Aufgaben betraut
Pflege in der Zeit des • der Pflegeberuf wurde von Frauen dominiert
Nationalsozialismus • „von der aus Nächstenliebe agierenden Schwester hin zur
opferbereiten und mütterlichen Heldin“ ( Lücke 2015 : 14)
• Weitere Veränderungen waren:
• Im Zentrum der pflegerischen Bemühung stand nicht länger
das Wohlergehen der Erkrankten, sondern das Wohlergehen
des Volks.
• Im Mittelpunkt pflegerischen Handelns steckt die
Überzeugung, dass nur Menschen mit „gutem“ Erbgut eine
wertvolle Pflege erfahren sollten
• Christlich-humanistische Traditionen rückten in den
Hintergrund, kirchlich orientierte Schwestern durften z. B.
auch keine Gebete oder Andachten halten
• Die Nazis machten Pflegende zunehmend mit Aufgaben des
Gemeindewesens vertraut
• Auf dieser Ebene sollten sie Erziehungsaufgaben
übernehmen, abweichendes Verhalten melden und
nationalsozialistisches Gedankengut in der Bevölkerung
verbreiten
• Pflegende waren nicht nur in Krankenhäusern, sondern auch
im Bund Deutscher Mädel, der Hitlerjugend, in den
Pflege in der Zeit des Lazaretten der Waffen-SS, an stationären und mobilen
Kriegsschauplätzen sowie in Arbeits- und
Nationalsozialismus Konzentrationslagern tätig.
• Das Deutsche Rote Kreuz arbeitete während der NS-Zeit eng
mit dem Regime zusammen, und die Krankenpflege im
Zweiten Weltkrieg lag in dessen Hand ( Duesterberg 2013 :
139).
• Auch an der systematischen Ermordung von Menschen mit
bestimmten Erkrankungen und Behinderungen, Juden und
anderen Gruppen, die als „lebensunwert“ bezeichnet
wurden, waren Pflegende beteiligt, indem sie
• das System unterstützten
• bei der Selektion von Patienten mitwirkten
• Patienten z. B. durch Medikamentenüberdosierung (u. a.
Barbituratüberdosierungen), gezielt herbeigeführte
Luftembolien, systematische Unterernährung oder durch
Unterkühlung provozierte Lungenentzündungen (bei
Kindern) töteten
• die zunehmende Verschlechterung des Zustands mancher
Patienten billigten.
Das Milgram Experiment
• Der Psychologe Stanley Milgram untersuchte in den 1970er-Jahren das Ausmaß des Gehorsams bei gewöhnlichen Personen,
wenn sie ihrem Gewissen entgegensetzte Aufforderungen erhielten.
• Der Versuch war so aufgebaut, dass eine Person (Lehrer) einer anderen Person (Schüler) bei falscher Beantwortung von Fragen
auf Aufforderung einer hierarchisch höher gestellten Person (Experimentator) einen Stromschlag geben sollte.
• Zu Beginn waren die Stromstöße nur von geringer Intensität.
• Mit jeder falsch beantworteten Frage sollte der Stromstoß stärker werden. Bei dem Versuch waren alle bis auf die Testperson
(Lehrer), welcher die Stromstöße verabreichte, eingeweiht
• In Wirklichkeit wurden keine Stromstöße verabreicht, der Schüler war ein Schauspieler, der die damit verbundenen Schmerzen
simulierte:
• Bei 150 Volt wollte der Schüler losgebunden werden und das Gespräch beenden
• Bei 200 Volt simulierte er schrille und schmerzerfüllte Schreie
• Bei 330 Volt und mehr war der Schüler still, sodass man davon ausgehen konnte, dass er nicht unerheblichen Schaden bis zum
Tod genommen hatte
• Wollte der Lehrer das Experiment beenden, wurde er vom Experimentator mit vier Standardsätzen aufgefordert, das
Experiment im Namen der Wissenschaft weiterzuführen, z. B.: „Es ist absolut notwendig, dass Sie weitermachen!“
• Von 40 Versuchspersonen gingen 26 Personen bis zur maximalen Spannung von 450 Volt.
• Bereits ein Stromschlag mit 230 Volt kann tödlich enden. 45 Jahre später wurde das Experiment wiederholt – das Ergebnis
wies keine signifikanten Veränderung auf ( Burger 2009 ).
• Einige Pflegende widersetzten sich dem Nationalsozialismus
• Dabei liefen sie immer Gefahr, selbst schwerwiegende
Konsequenzen erdulden zu müssen.
• Zu den bekannten Pflegenden im Widerstand zählten ( Peters
& Golla 2015 ):
• Schwester Maria Euthymia : Die Ordensfrau schmuggelte
Butterbrote zu den in der St.-Barbara-Baracke
untergebrachten Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern und
ermöglichte einem Seelsorger den Zugang
• Schwester Maria Restituta : Sie widersetzte sich fortlaufend
dem überzeugten SS-Chirurgen Dr. Lambert Stumfohl, suchte
und fand Schlupflöcher, um Anweisungen, z. B. Patienten
nicht arischer Herkunft nur eine minderwertige Versorgung
zukommen zu lassen, zu hintergehen. Schwester Maria
Restituta wurde daraufhin verhaftet, kümmerte sich selbst im
Pflege in der Zeit Gefangenenlager noch um Insassen und wurde schließlich auf
dem Schafott hingerichtet

des • Rachel Herszenberg : Selbst Jüdin, leistete sie heimlich als


Hebamme in einem jüdischen Ghetto Geburtshilfe. Nach der
Nationalsozialismus Befreiung durch die Rote Armee nahm sie ihre Arbeit als
Hebamme wieder auf.
„Heute wäre das nicht mehr so …“
Die Auszubildenden Heike Forster und
Gina Glück sind erschüttert über die
Ereignisse während der NS-Zeit.
FALLBEISPIEL Insbesondere die Beteiligung der
Pflegenden bei solchen Gräueltaten
lassen sie fassungslos zurück.
Frau Forster meint: „Heute wäre das so
nicht mehr möglich. Wir sind viel
aufgeklärter und reflektierter, oder?“
Gemeinsam denken sie darüber nach.
Was denken Sie?
„Heute wäre das nicht mehr so …“

• Das Milgram-Experiment macht deutlich, dass auch


heute blinder Gehorsam zu Gräueltaten führen kann.
• Aktuell sind wieder rechtsextreme Tendenzen in vielen
Regionen der Bundesrepublik Deutschland bis in die
Mitte der Gesellschaft hinein zu beobachten.
ERLÄUTERUNG Schlussfolgerungen für die Pflege sind u. a.:
• Positionierung gegen Rechtsextremismus,
ZUM Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und (neo-
)nationalsozialistische Ideologien
FALLBEISPIEL • Pflege als emanzipierter Beruf folgt seiner eigenen
Berufsethik
• Gegebenheiten werden reflektiert und hinterfragt
• Reflexion des persönlichen Autoritätsverständnisses
• Pflegefachpersonen erschließen sich den Gesamtkontext
• In der Kommunikation und Diskussion mit der
Ärzteschaft treten sie auf Augenhöhe mit einer eigenen
inneren Positionierung auf
• Pflegefachpersonen geben keine Verantwortung ab, sie
tragen Verantwortung.
Pflege nach dem
Zweiten
Weltkrieg
• Die Pflege nach dem Zweiten Weltkrieg
umfasst die Pflege im geteilten
Deutschland und damit die
Entwicklungen in der Bundesrepublik
Deutschland (BRD) und der Deutschen
Demokratischen Republik (DDR)
• Definition: Geteiltes Deutschland:
Zeitspanne von 1949 bis 1990, Trennung
in West- von
Pflege nach dem
Zweiten
Weltkrieg
• Das Elend der Nachkriegszeit war sehr
groß, und es wurden dringend
Pflegende benötigt
• Diese distanzierten sich (zumindest
öffentlich) von der
nationalsozialistischen Politik und
bezogen sich wieder auf ihr bis dahin
tradiertes und der Ärzteschaft
untergebenes christlich-
humanistisches Menschenbild
• Sie nahmen wieder eine
aufopferungsvolle und selbstlose Rolle
ein.
Entwicklungen in der Bundesrepublik
Deutschland (BRD)
• Die 1903 unter Mitwirkung von Agnes Karll gegründete
Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen Deutschland formierte
sich 1945 neu und nahm unter dem neuen Namen Agnes-Karll-
Verband (AKV) seine Arbeit wieder auf.
• 1973 ging der AKV im Deutschen Berufsverband für
Krankenpflegeberufe, heute Deutscher Berufsverband für
Pflegeberufe (DBfK) auf.
• Daneben gab es eine Vielzahl weiterer Berufsverbände.
Pflege nach dem Zweiten Weltkrieg
• In den 1950er-Jahren genoss die Pflege dennoch ein hohes Ansehen.
• Pflegende, insbesondere die der konfessionellen Gemeinschaften, entwickelten zunehmend ein holistisches
(ganzheitliches) Pflegebild und berücksichtigten soziale und psychologische Gesichtspunkte.
• Eine gute Pflegende sollte immer, selbst in Zeiten eigener Not, für den Patienten da sein, sich aufopfern und
nicht klagen.
• Männer gab es damals in der Pflege kaum
• 1957 trat das erste bundesdeutsche Krankenpflegegesetz mit einer Ausbildungsdauer von zwei Jahren und
einem Anerkennungsjahr in Kraft, 1959 folgte die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung.
• Mit dem Ende der 1960er-Jahre begannen die Krankenkassen, Länder und Gemeinden durch den
allgemeinen Ausbau des Sozialstaats Leistungen der ambulanten Pflege zu übernehmen.
• Die Verbesserung der Finanzierungsgrundlage führte auch dazu, dass die Bezahlung ambulant Pflegender
nicht länger hauptsächlich in „Gotteslohn“ bestand ( Kreutzer & Slotala 2012 : 354).
Pflege nach dem Zweiten Weltkrieg
• 1965 wurde das Krankenpflegegesetz erneuert
• Die Ausbildungsdauer betrug nun drei Jahre.
• Außerdem wurde ein Rahmenlehrplan für den theoretischen Unterricht und
Regelungen für den praktischen Einsatz festgelegt.
• Im gleichen Jahr wurde die Krankenpflegehilfeausbildung infolge des sich
zuspitzenden Pflegenotstands etabliert.
• Der Mangel an Personal ließ nun auch Teilzeitarbeitsmodelle zu
• 1985 folgte die zweite Erneuerung des Krankenpflegegesetzes .
• Dabei wurden die Ausbildungsziele festgelegt und der Umfang der theoretischen
Stunden erhöht.
• Krankenpflegeschulen mussten von nun an nicht mehr von einem Arzt geleitet
werden.
Pflege in der Deutschen
Demokratischen Republik
(DDR)

• die Gesundheitspolitik wurde


von einer Verstaatlichung der
medizinischen Infrastruktur
dominiert
• Die Pflegeausbildung erfolgte in
einem dreistufigen, staatlichen
Fachschulsystem.
Dreistufige Ausbildung in der DDR
Pflege in der DDR
• Pflegende wurden an Medizinischen (Fach-)Schulen ausgebildet, Lehrkräfte in der Pflege durch ein Studium in
Medizinpädagogik qualifiziert.
• Kirchliche Ausbildungsstätten erfuhren in der DDR eine systematische Benachteiligung, z. B. längere
Ausbildungszeit oder Notwendigkeit eines Pflegepraktikums vor Ausbildungsbeginn.
• Sie galten aufgrund ihrer Weltanschauung als ungeliebte Konkurrenz.
• Mit dem Abschluss erfuhren die frisch examinierten Pflegenden eine staatliche Absolventenlenkung.
• Sie hatten eine Arbeitsplatzgarantie, aber sahen sich auch mit der Tatsache konfrontiert, auf Geheiß des Staats
ggf. ihren Arbeitsort wechseln zu müssen.
• Einige Pflegende arbeiteten in der DDR nach einer fachspezifischen Weiterbildung auch als
Gemeindeschwestern.
Pflege in der DDR

Die Knappheit an Heil- und


Hilfsmitteln und der unzureichende
Anschluss an die internationale Mit der Wiedervereinigung wurden
Entwicklung sorgte letztendlich überwiegend die westdeutschen
dafür, dass das Gesundheitswesen Strukturen übertragen.
der DDR im Vergleich zu anderen
Nationen zurückfiel.
Pflege um die
Jahrtausendwende
und im 21.
Jahrhundert
Pflege um die Jahrtausendwende und im 21. Jahrhundert

• Die Pflege um die Jahrtausendwende und im 21. Jahrhundert ist durch die zunehmenden
Professionsbestrebungen der Pflegenden gekennzeichnet. Gesellschaftliche Entwicklungen und Ereignisse
sind:
• Einführung der Pflegeversicherung Mitte der 1990er-Jahre mit der Schaffung eines sozialrechtlich
eigenständigen Leistungsbereichs für Pflegeleistungen
• Technologischer Fortschritt, z. B. rasant anwachsende Digitalisierung, Entwicklung künstlicher Intelligenzen
• Rechtsradikalismus mit Fremdenfeindlichkeit gegenüber Religionen wie z. B. dem Islam
• 2004 wurde die dritte Reform des Krankenpflegegesetzes gültig.
• Ein wesentlicher Fortschritt war die Ergänzung der Ausbildungsziele um Aspekte der Gesundheitsförderung
und Prävention (Erneuerung der Berufsbezeichnung „Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/-in“)
• Schulleitungen und Lehrkräfte müssen seitdem über eine Hochschulqualifikation verfügen.
• 2020 trat das Pflegeberufegesetz (PflBG) in Kraft.
• Die Pflege in der Antike und im Mittelalter wurde mit einer großen
Selbstverständlichkeit von Männern ausgeübt.
• In den Klöstern pflegten z. B. Mönche zunächst ihre Brüder
Gesellschaftliche • Mit dem Beginn der späten Neuzeit entwickelte sich die Pflege immer
mehr zu einem typischen Frauenberuf
Veränderung des • Frauen wurden Eigenschaften wie Fürsorglichkeit, Sanftmütigkeit,
Rollenbilds: die Geduld und Selbstlosigkeit zugesprochen
• Diese Eigenschaften schienen Frauen „von Natur aus“ für eine
Pflege als Pflegetätigkeit zu prädestinieren.
Frauenberuf • Daneben grenzte sich die Ärzteschaft zunehmend mit ihrer
hochschulischen Bildung ab, wurde zur Domäne der Männer und sah
sich in der „von Natur“ aus stärkeren und überlegenen Rolle.
• Männer in der Pflege verschwanden fast vollständig aus der
öffentlichen Wahrnehmung; Pflege wurde unmännlich.
MERKE

• Mit der Emanzipation der Frauen und dem aufkommenden Feminismus, begleitet durch
Pflegewissenschaft und -forschung emanzipierte sich auch zunehmend der Pflegeberuf.
Männer fanden infolge der sich auflösenden starren Rollenmuster oder z. B. über den
Zivildienst zunehmend den Weg in die professionelle Pflege.
• Trotzdem wird der Beruf noch immer von Frauen dominiert.
• Nach Angaben des Statistischen Bundesamts (2019: 129) betrug 2017 der Anteil der
Frauen am Gesundheitspersonal ca. 75 %.
• Das berufliche Selbstverständnis von Pflege und die Erwartungen, die an Pflege gestellt
wurden, sind in der historischen Betrachtung immer mit dem zeitgenössisch
gesellschaftlich vorherrschendem Rollenbild der Frau verknüpft.
demografische Wandel

• Bevölkerungsentwicklung und -
veränderung in einer Gesellschaft,
u. a. in Bezug auf Alter, Geburtenzahl,
Sterbefälle und
Bevölkerungsbewegungen wie
Immigration.
• In Deutschland ist seit geraumer Zeit
eine Veränderung der
soziodemografischen Strukturen zu
erkennen
demografische Wandel
• Sinkende Zahl jüngerer Menschen, infolge niedriger Geburtenraten; 2020 mit im Schnitt 1,54 Geburten pro
Frau im gebärfähigen Alter
• Steigende Zahl älterer Menschen, u. a. infolge verbesserter Lebensbedingungen und Fortschritten in Medizin
und Technologie. Jede zweite Person ist älter als 45 Jahre, jede fünfte Person älter als 66 Jahre.
• Damit wird auch der Pflegebedarf ansteigen.
• Laut Hochrechnungen des Statistischen Bundesamts ist 2050 im Gegensatz zu 2005 die Anzahl der
Pflegebedürftigen mit 4,5 Millionen mehr als doppelt so hoch ( Destatis 2019 : 30).
• Diese Situation wird durch die Tatsache, dass eine Großzahl der heute Erwerbstätigen zu diesem Zeitpunkt in
Rente gehen und Pflegefachpersonen infolge der prekären Arbeitsbedingungen den Beruf wechseln, zu
einem Pflegenotstand unbekannten Ausmaßes führen.
• Angesichts dieser Tatsachen ist eine vorausschauende politische Planung, u. a. mit einer Erhöhung der
Attraktivität der Pflegeberufe geboten.
demografische Wandel
Historisch betrachtet setzte Pflegebedürftigkeit bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts (wenn
überhaupt) in jüngeren Jahren ein. Der Bedarf an professioneller Pflege steigt, weil
• sich Familienstrukturen mit erhöhter Mobilität ändern und die Pflege seltener in der
eigenen Familie geleistet werden kann,
• der medizinische und technische Fortschritt zur Verlängerung der Lebenserwartung
beiträgt,
• Zivilisationskrankheiten, welche auch auf einen ungesunden Lebensstil zurückzuführen
sind und zu chronischen Krankheiten bis hin zur Multimorbidität führen, zunehmen.
Wandlung der Altenpflege vom
sozialpflegerischen zum Heilberuf
• Die Entwicklung der Altenpflege erhielt in der zweiten Hälfte des
20. Jahrhunderts einen Entwicklungsschub.
• Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden allmählich die ersten
Altenheime und der Bedarf an Leistungen der Altenpflege wuchs an.
Gründe hierfür:
• Zunehmende politische Sensibilisierung für altersspezifische Problem- und
Lebenslagen
• Sich verändernde Gesellschaftsstrukturen mit dem Wirtschaftsaufschwung,
die eine Pflege durch die Familie im Alter erschwerte
• Drastisch steigende Kosten im Gesundheitssystem
Wandlung der Altenpflege vom
sozialpflegerischen zum Heilberuf
• Im Gegensatz zur Krankenpflege, zählt die Altenpflege zu den
jüngeren sozialpflegerischen Berufen
• Zunächst begannen größere Träger gering qualifizierte oder
arbeitslose Menschen über Kurzlehrgänge für die Altenpflege zu
gewinnen.
• Altenpflege galt als „Ersatzberuf“ und als Entlastung der
Krankenpflege ( Voges 2002 ).
• 1965 wurde ein Schulungsprogramm des Deutschen Vereins für
öffentliche und private Fürsorge ins Leben gerufen.
• 1976 der erste Ausbildungsgang
Wandlung der Altenpflege vom
sozialpflegerischen zum Heilberuf
Der Beruf der Altenpflege ist in seiner Entwicklung u. a. von folgenden Aspekten geprägt:
• Die Altenpflege als beliebte Umschulungsmaßnahme von Arbeitsämtern für Menschen
mit eingeschränkten Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt führte zu einer
Dequalifizierung des Berufsfelds à la „Pflegen kann jeder“
• Altenpflege stand lange im Schatten der Krankenpflege.
• Ein Grund dafür könnte sein, dass der Krankenpflegeberuf historisch durch seine Nähe
zur Medizin als attraktiver galt.
• Einseitige Durchgängigkeit, d. h., Krankenpflegern war es stets möglich, in der Altenpflege
zu arbeiten, für Altenpfleger stellte die Arbeit in der Krankenpflege keine
Selbstverständlichkeit dar
• Geringeres Einkommen als in der Krankenpflege
• Keine internationale Vergleichbarkeit, da eine grundständige Altenpflegeausbildung nur
in Deutschland existierte.
Wandlung der Altenpflege vom
sozialpflegerischen zum Heilberuf
• Trotz der historischen Unterschiede sitzen die Angehörigen der Alten-
und der Krankenpflege im selben Boot.
• Beide Berufsgruppen strebten stets nach ähnlichen Veränderungen,
u. a. besseren Arbeitsbedingungen zur qualitativ hochwertigen
Versorgung der Pflegeempfänger, einem höheren gesellschaftlichen
Ansehen und einer besseren Vergütung.
• Beide Berufsbilder mündeten 2020 mit dem Inkrafttreten des
Pflegeberufegesetzes (PflBG) und der Pflegeausbildungs- und -
Prüfungsverordnung (PflAPrV) in das neue Berufsbild der
Pflegefachfrau bzw. des Pflegefachmanns
DEFINITION

Professionalisierung:
• Weiterentwicklung eines Berufs oder einer
Professionalisierung Berufsgruppe in Richtung Profession (Weg), aber
der Pflege auch das Erreichen einer Profession (Ziel).

Profession:
• Berufsart, die sich im berufssoziologischen
Verständnis durch spezifische Merkmale von
anderen Berufen unterscheidet.
Quellen

Al-Abtah, Jalal et al. (2020). I care Pflege (2. Aufl.). Georg Thieme Verlag
Menche, Nicole (2019). Pflege Heute (7. Aufl.). Elsevier GmbH

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