Geschichte Der Krankenpflege CE 01: Erstellt Von O. Bulakova
Geschichte Der Krankenpflege CE 01: Erstellt Von O. Bulakova
meiner Zukunft
06.04.2023
Einführung
• Situationen in der Gegenwart können nur mit fundiertem Wissen über die Vergangenheit
verstanden werden („Was ist damals passiert, und welche Auswirkungen hat das auf
heute?“).
• Die Entwicklung eines kritischen Berufsverständnisses bedarf der Kenntnis über die
Vergangenheit.
• Die Veränderung gegebener Situationen bedarf der Kenntnis der Vergangenheit und der
Geschichte der Entwicklung zur aktuell gegebenen Situation („Wieso ist es, wie es ist, und
wo liegt der Anfang?“ und „Was wurde (nicht) unternommen und mit welchem Erfolg?“)
• Lernen ist nur mittels der Reflexion der Vergangenheit möglich
• Persönlichkeitsförderung gelingt durch die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.
• Das kritische Denken wird gefördert.
Inhalt
Pflege um die
Nach dem 2. Jahrtausendwende
Späte Neuzeit Nationalsozialismus
Weltkrieg und im 21.
Jahrhundert
Frühzeit
• Frühgeschichte belegen, dass bereits vor rund 7.000 v. Chr. (Jungsteinzeit, Neolithikum) massive
operative Eingriffe vorgenommen wurden.
• Forscher fanden z. B. Schädel aus dieser Zeit, die Spuren der gezielten Eröffnung des Knochens
(Trepanation) aufweisen und zugleich Heilungstendenzen zeigen.
• Sie beweisen, dass die Betroffenen die Manipulationen zumindest für einige Zeit überlebten . Ohne
pflegerische Unterstützung wäre dies nicht möglich gewesen.
Antike
• In der Antike wurde der Grundstein für die moderne Pflege gelegt ( Lücke 2013 ).
• Wandel der politischen Systeme und der zunehmende Städtebau i
• Menschen zogen vermehrt in die Städte und waren damit auf Institutionen angewiesen, die sie
fernab von ihren Familien im Bedarfsfall medizinisch versorgten und pflegten.
• War die Familie vor Ort, wurde Pflege durch sie und Sklaven organisiert ( Prühlen 2013a ).
• In der Antike entwickelte sich der Arztberuf aus einem Handwerk. Diese Entwicklung wurde von zwei
gegensätzlichen Strömungen begleitet:
Antike
Asklepios-Heilkult : Verehrung des Gotts der Heilkunst in extra dafür erbauten Tempeln (Asklepien),
die als Wallfahrtsorte für kranke Menschen dienten. Teil der Heilbehandlung war z. B., dass ein Arzt in
den Räumen des Kranken erschien und ihm zu Diäten riet. Der Stab mit der Schlange, den Asklepios
bei sich trug, wird noch heute sinnbildlich mit dem Medizinberuf verknüpft.
• Die weibliche Seite der Pflege rückte insbesondere durch die Tatsache in den Vordergrund, dass
Frauen die Approbation im Medizinstudium untersagt war.
• Frauen mit medizinisch-pflegerischem Interesse konnten lediglich in der Pflege tätig sein.
• Dort fehlte es im Gegensatz zur Medizin an Strukturen wie Ausbildungsverordnungen.
• Frauen hatten sich in der Pflege Männern in der Medizin unterzuordnen
• Dies ist auch an der Aufgabenteilung der frühen Hospitäler sichtbar:
• Männer übernahmen repräsentative, finanzielle und handwerkliche Aufgaben, während Frauen
für Krankenpflege und Hauswirtschaft verantwortlich waren.
Frühe Neuzeit
•
Frühe Neuzeit
2.
Erste fachliche Ausbildung
1. Mit dem 19. Jahrhundert wird auch die technisch-industrielle Revolution verknüpft. Industrie und
Dienstleistungsbereiche wuchsen auf Kosten der Agrarwirtschaft zunehmend. Städte, die zu Zentren
der industriellen Produktion wurden, zogen Menschen aus den ländlichen Regionen an. Der
aufkommende Kapitalismus sorgte dafür, dass mit der Bevölkerungsverdichtung zunehmend soziale
Ungerechtigkeit auftrat. Dieses Elend überforderte die bis dahin karitativ ausgerichteten
Betreuungssysteme, weshalb sich zunehmend katholische Frauenorganisationen bildeten.
• 1836 gründete Theodor Fliedner in Kaiserswerth
die Mutterhausdiakonie (evang.)
• Im Mutterhaus wurden Diakonissen ausgebildet (blieben dort oder
Erste Formen der sie wurden entsandt)
• Allesamt trugen sie eine Tracht, die s.g Biedermeiertracht
Pflegeausbildung • Von Beginn an theoretischen Unterricht (biblische und
allgemeinbildende Inhalte)
• An der „Bildungsanstalt für evangelische Pflegerinnen“ arbeitete
vermutlich die erste wirkliche Pflegelehrerin (Unterrichtsschwester),
Gertrud Reichard
Merkmale der pflegerischen Ausbildung waren:
• Pflegekenntnisse und chirurgische Fertigkeiten, Bäder und
Einreibungen, Verabreichen von Klistieren, Leichenbehandlung
als Ausbildungs- und Erziehungsinhalte
• Ausbildung von ledigen und verwitweten Frauen, die das 21.
Lebensjahr vollendet haben mussten
• Sechs Monate Probezeit
Erste Formen der • Fünfjährige Verpflichtungszeit zur Arbeit in der Pflege nach der
Ausbildung
Pflegeausbildung
• Unterricht wurde meist nur von Ärzten erteilt, Pflegerinnen
waren dem Arzt untergeben
• Kaum Durchführung von Abschlussprüfungen, keine Erstellung
von Zeugnissen
• Auszahlung eines kleinen Gehalts zusätzlich zu Kost und Logis
sowie sozialen Leistungen wie z. B. ärztliche Versorgung
Erste Formen der
Pflegeausbildung
Die Gründung des Diakonissenmutterhauses Dennoch wurde die Notwendigkeit der theoretischen
und die in den Diakonissenanstalten Bildung von Pflegenden zu dieser Zeit, auch aus der
Ärzteschaft, kritisiert. Dort vertrat man die Auffassung,
ausgeübte Form der Lehre ist ein dass theoretisches Wissen zu Halbwissen,
Grundbaustein in der neuzeitlichen Überheblichkeit und einer Vernachlässigung der
Pflegebildung. praktischen Tätigkeit führe ( Wolff & Wolff 2011 : 164).
Florence Nightingale
Florence
(1820–1910)
Nightingale und ihr
Einfluss auf die
deutschsprachige Prominente britische Krankenschwester, die
Pflege von vielen Pflegefachpersonen als
Begründerin der modernen Krankenpflege
gesehen wird.
• Florence Nightingale wurde 1820 in Florenz geboren
• Sie entstammte einer wohlhabenden britischen Familie
• 1845 beschloss Florence Nightingale, trotz des vehementen
Widerspruchs ihrer Eltern ihr Leben der Pflege zu widmen.
• Die Notwendigkeit, Fachwissen zur Ausübung des Pflegeberufs zu
erwerben, erkannte sie
• Neben einem dreimonatigen Praktikum am Krankenhaus von
Florence Salisbury hospitierte sie an der Kaiserswerther Diakonissenschule von
Theodor Fliedner.
Nightingale • Im Krimkrieg (1853–1856), einem militärischen Konflikt zwischen
Russland und dem Osmanischen Reich mit dessen Verbündeten, u. a.
Großbritannien, betreute Florence Nightingale als Leiterin des
Pflegediensts im Auftrag der Regierung britische Soldaten in
türkischen Militärkrankenhäusern.
• Hier bekam Florence Nightingale ihren bis heute gültigen Spitznamen
„Lady with the Lamp“ („Die Dame mit der Lampe“) , da sie die
Patienten nachts mit einer Lampe aufsuchte.
• Zurück in Großbritannien wurde sie als Nationalheldin gefeiert.
• 1910, kurz vor ihrem Tod, erhielt sie als erste Frau den britischen
Verdienstorden. Zu ihren Taten zählten u. a.:
• Mitwirkung bei einer Reform des Sanitätswesens der Armee
• Veröffentlichung ihres Standardwerks „Notes of Nursing“ („Bemerkungen zur
Antidemokratisch Ablehnung der Gewaltenteilung und dem Ausgehen der Macht vom
Volk
• Der Stellenwert der Krankenpflege verbesserte sich unter der
Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP)
zunächst deutlich
Pflege in der Zeit des • Die Krankenpflege wurde neu organisiert, die vielen
Berufsorganisationen unter einer einheitlichen
Nationalsozialismus nationalsozialistischen Führung zusammengeschlossen
• Die Nationalsozialisten erkannten ihre Chancen, durch die
größte Gruppe im Gesundheitswesen Einfluss zu nehmen.
• Die Unterstützung der Pflege diente nicht dem pflegerischen
Professionsbestreben, sondern dem Vorhaben, das
Berufsverständnis mit der nationalsozialistischen Ideologie zu
durchdringen
• Trotz der erfahrenen Aufwertung blieb die Pflege stets in
allen Bereichen der Ärzteschaft strikt untergeordnet
( Steppe 2013a ).
• Die Nationalistische Volkswohlfahrt (NSV, seit 1931) gründete
1934 ihre eigene pflegerische Organisation: die NS-
Schwesternschaft
• Deren Angehörige wurden wegen ihrer braunen
Berufskleidung „braune Schwestern“ genannt.
• Wenig später existierten in Deutschland keine freien
Schwesternschaften mehr.
Pflege in der Zeit des Nationalsozialismus
1938 wurde mit dem „Gesetz zur Ordnung der Krankenpflege“ die erste gesetzliche Grundlage zur Regelung
der Ausbildung in der Krankenpflege verabschiedet ( Weisbrod-Frey 2013 ):
• Die Ausbildung dauert 1,5 Jahre, ihr folgt anschließend ein Anerkennungsjahr in der Praxis.
• Schulleitungen müssen politisch und „sittlich“ zuverlässige deutsche Ärzte sein.
• Bewerber müssen arischer Abstammung sein und den Nachweis politischer Zuverlässigkeit erbringen.
• Lehrfächer wie Erb- und Rassenpflege stehen auf dem Stundenplan.
• Juden dürfen zunächst weiter an jüdischen Schulen für die Pflege jüdischer Patienten ausgebildet werden;
ihre Berufsbezeichnung lautete „Jüdische Krankenschwester“ bzw. „Jüdischer Krankenpfleger“.
• Das Frauenbild: fürsorglichen und aufopfernden Mutter
• Männer waren mit militärisch-soldatischen Aufgaben betraut
Pflege in der Zeit des • der Pflegeberuf wurde von Frauen dominiert
Nationalsozialismus • „von der aus Nächstenliebe agierenden Schwester hin zur
opferbereiten und mütterlichen Heldin“ ( Lücke 2015 : 14)
• Weitere Veränderungen waren:
• Im Zentrum der pflegerischen Bemühung stand nicht länger
das Wohlergehen der Erkrankten, sondern das Wohlergehen
des Volks.
• Im Mittelpunkt pflegerischen Handelns steckt die
Überzeugung, dass nur Menschen mit „gutem“ Erbgut eine
wertvolle Pflege erfahren sollten
• Christlich-humanistische Traditionen rückten in den
Hintergrund, kirchlich orientierte Schwestern durften z. B.
auch keine Gebete oder Andachten halten
• Die Nazis machten Pflegende zunehmend mit Aufgaben des
Gemeindewesens vertraut
• Auf dieser Ebene sollten sie Erziehungsaufgaben
übernehmen, abweichendes Verhalten melden und
nationalsozialistisches Gedankengut in der Bevölkerung
verbreiten
• Pflegende waren nicht nur in Krankenhäusern, sondern auch
im Bund Deutscher Mädel, der Hitlerjugend, in den
Pflege in der Zeit des Lazaretten der Waffen-SS, an stationären und mobilen
Kriegsschauplätzen sowie in Arbeits- und
Nationalsozialismus Konzentrationslagern tätig.
• Das Deutsche Rote Kreuz arbeitete während der NS-Zeit eng
mit dem Regime zusammen, und die Krankenpflege im
Zweiten Weltkrieg lag in dessen Hand ( Duesterberg 2013 :
139).
• Auch an der systematischen Ermordung von Menschen mit
bestimmten Erkrankungen und Behinderungen, Juden und
anderen Gruppen, die als „lebensunwert“ bezeichnet
wurden, waren Pflegende beteiligt, indem sie
• das System unterstützten
• bei der Selektion von Patienten mitwirkten
• Patienten z. B. durch Medikamentenüberdosierung (u. a.
Barbituratüberdosierungen), gezielt herbeigeführte
Luftembolien, systematische Unterernährung oder durch
Unterkühlung provozierte Lungenentzündungen (bei
Kindern) töteten
• die zunehmende Verschlechterung des Zustands mancher
Patienten billigten.
Das Milgram Experiment
• Der Psychologe Stanley Milgram untersuchte in den 1970er-Jahren das Ausmaß des Gehorsams bei gewöhnlichen Personen,
wenn sie ihrem Gewissen entgegensetzte Aufforderungen erhielten.
• Der Versuch war so aufgebaut, dass eine Person (Lehrer) einer anderen Person (Schüler) bei falscher Beantwortung von Fragen
auf Aufforderung einer hierarchisch höher gestellten Person (Experimentator) einen Stromschlag geben sollte.
• Zu Beginn waren die Stromstöße nur von geringer Intensität.
• Mit jeder falsch beantworteten Frage sollte der Stromstoß stärker werden. Bei dem Versuch waren alle bis auf die Testperson
(Lehrer), welcher die Stromstöße verabreichte, eingeweiht
• In Wirklichkeit wurden keine Stromstöße verabreicht, der Schüler war ein Schauspieler, der die damit verbundenen Schmerzen
simulierte:
• Bei 150 Volt wollte der Schüler losgebunden werden und das Gespräch beenden
• Bei 200 Volt simulierte er schrille und schmerzerfüllte Schreie
• Bei 330 Volt und mehr war der Schüler still, sodass man davon ausgehen konnte, dass er nicht unerheblichen Schaden bis zum
Tod genommen hatte
• Wollte der Lehrer das Experiment beenden, wurde er vom Experimentator mit vier Standardsätzen aufgefordert, das
Experiment im Namen der Wissenschaft weiterzuführen, z. B.: „Es ist absolut notwendig, dass Sie weitermachen!“
• Von 40 Versuchspersonen gingen 26 Personen bis zur maximalen Spannung von 450 Volt.
• Bereits ein Stromschlag mit 230 Volt kann tödlich enden. 45 Jahre später wurde das Experiment wiederholt – das Ergebnis
wies keine signifikanten Veränderung auf ( Burger 2009 ).
• Einige Pflegende widersetzten sich dem Nationalsozialismus
• Dabei liefen sie immer Gefahr, selbst schwerwiegende
Konsequenzen erdulden zu müssen.
• Zu den bekannten Pflegenden im Widerstand zählten ( Peters
& Golla 2015 ):
• Schwester Maria Euthymia : Die Ordensfrau schmuggelte
Butterbrote zu den in der St.-Barbara-Baracke
untergebrachten Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern und
ermöglichte einem Seelsorger den Zugang
• Schwester Maria Restituta : Sie widersetzte sich fortlaufend
dem überzeugten SS-Chirurgen Dr. Lambert Stumfohl, suchte
und fand Schlupflöcher, um Anweisungen, z. B. Patienten
nicht arischer Herkunft nur eine minderwertige Versorgung
zukommen zu lassen, zu hintergehen. Schwester Maria
Restituta wurde daraufhin verhaftet, kümmerte sich selbst im
Pflege in der Zeit Gefangenenlager noch um Insassen und wurde schließlich auf
dem Schafott hingerichtet
• Die Pflege um die Jahrtausendwende und im 21. Jahrhundert ist durch die zunehmenden
Professionsbestrebungen der Pflegenden gekennzeichnet. Gesellschaftliche Entwicklungen und Ereignisse
sind:
• Einführung der Pflegeversicherung Mitte der 1990er-Jahre mit der Schaffung eines sozialrechtlich
eigenständigen Leistungsbereichs für Pflegeleistungen
• Technologischer Fortschritt, z. B. rasant anwachsende Digitalisierung, Entwicklung künstlicher Intelligenzen
• Rechtsradikalismus mit Fremdenfeindlichkeit gegenüber Religionen wie z. B. dem Islam
• 2004 wurde die dritte Reform des Krankenpflegegesetzes gültig.
• Ein wesentlicher Fortschritt war die Ergänzung der Ausbildungsziele um Aspekte der Gesundheitsförderung
und Prävention (Erneuerung der Berufsbezeichnung „Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/-in“)
• Schulleitungen und Lehrkräfte müssen seitdem über eine Hochschulqualifikation verfügen.
• 2020 trat das Pflegeberufegesetz (PflBG) in Kraft.
• Die Pflege in der Antike und im Mittelalter wurde mit einer großen
Selbstverständlichkeit von Männern ausgeübt.
• In den Klöstern pflegten z. B. Mönche zunächst ihre Brüder
Gesellschaftliche • Mit dem Beginn der späten Neuzeit entwickelte sich die Pflege immer
mehr zu einem typischen Frauenberuf
Veränderung des • Frauen wurden Eigenschaften wie Fürsorglichkeit, Sanftmütigkeit,
Rollenbilds: die Geduld und Selbstlosigkeit zugesprochen
• Diese Eigenschaften schienen Frauen „von Natur aus“ für eine
Pflege als Pflegetätigkeit zu prädestinieren.
Frauenberuf • Daneben grenzte sich die Ärzteschaft zunehmend mit ihrer
hochschulischen Bildung ab, wurde zur Domäne der Männer und sah
sich in der „von Natur“ aus stärkeren und überlegenen Rolle.
• Männer in der Pflege verschwanden fast vollständig aus der
öffentlichen Wahrnehmung; Pflege wurde unmännlich.
MERKE
• Mit der Emanzipation der Frauen und dem aufkommenden Feminismus, begleitet durch
Pflegewissenschaft und -forschung emanzipierte sich auch zunehmend der Pflegeberuf.
Männer fanden infolge der sich auflösenden starren Rollenmuster oder z. B. über den
Zivildienst zunehmend den Weg in die professionelle Pflege.
• Trotzdem wird der Beruf noch immer von Frauen dominiert.
• Nach Angaben des Statistischen Bundesamts (2019: 129) betrug 2017 der Anteil der
Frauen am Gesundheitspersonal ca. 75 %.
• Das berufliche Selbstverständnis von Pflege und die Erwartungen, die an Pflege gestellt
wurden, sind in der historischen Betrachtung immer mit dem zeitgenössisch
gesellschaftlich vorherrschendem Rollenbild der Frau verknüpft.
demografische Wandel
• Bevölkerungsentwicklung und -
veränderung in einer Gesellschaft,
u. a. in Bezug auf Alter, Geburtenzahl,
Sterbefälle und
Bevölkerungsbewegungen wie
Immigration.
• In Deutschland ist seit geraumer Zeit
eine Veränderung der
soziodemografischen Strukturen zu
erkennen
demografische Wandel
• Sinkende Zahl jüngerer Menschen, infolge niedriger Geburtenraten; 2020 mit im Schnitt 1,54 Geburten pro
Frau im gebärfähigen Alter
• Steigende Zahl älterer Menschen, u. a. infolge verbesserter Lebensbedingungen und Fortschritten in Medizin
und Technologie. Jede zweite Person ist älter als 45 Jahre, jede fünfte Person älter als 66 Jahre.
• Damit wird auch der Pflegebedarf ansteigen.
• Laut Hochrechnungen des Statistischen Bundesamts ist 2050 im Gegensatz zu 2005 die Anzahl der
Pflegebedürftigen mit 4,5 Millionen mehr als doppelt so hoch ( Destatis 2019 : 30).
• Diese Situation wird durch die Tatsache, dass eine Großzahl der heute Erwerbstätigen zu diesem Zeitpunkt in
Rente gehen und Pflegefachpersonen infolge der prekären Arbeitsbedingungen den Beruf wechseln, zu
einem Pflegenotstand unbekannten Ausmaßes führen.
• Angesichts dieser Tatsachen ist eine vorausschauende politische Planung, u. a. mit einer Erhöhung der
Attraktivität der Pflegeberufe geboten.
demografische Wandel
Historisch betrachtet setzte Pflegebedürftigkeit bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts (wenn
überhaupt) in jüngeren Jahren ein. Der Bedarf an professioneller Pflege steigt, weil
• sich Familienstrukturen mit erhöhter Mobilität ändern und die Pflege seltener in der
eigenen Familie geleistet werden kann,
• der medizinische und technische Fortschritt zur Verlängerung der Lebenserwartung
beiträgt,
• Zivilisationskrankheiten, welche auch auf einen ungesunden Lebensstil zurückzuführen
sind und zu chronischen Krankheiten bis hin zur Multimorbidität führen, zunehmen.
Wandlung der Altenpflege vom
sozialpflegerischen zum Heilberuf
• Die Entwicklung der Altenpflege erhielt in der zweiten Hälfte des
20. Jahrhunderts einen Entwicklungsschub.
• Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden allmählich die ersten
Altenheime und der Bedarf an Leistungen der Altenpflege wuchs an.
Gründe hierfür:
• Zunehmende politische Sensibilisierung für altersspezifische Problem- und
Lebenslagen
• Sich verändernde Gesellschaftsstrukturen mit dem Wirtschaftsaufschwung,
die eine Pflege durch die Familie im Alter erschwerte
• Drastisch steigende Kosten im Gesundheitssystem
Wandlung der Altenpflege vom
sozialpflegerischen zum Heilberuf
• Im Gegensatz zur Krankenpflege, zählt die Altenpflege zu den
jüngeren sozialpflegerischen Berufen
• Zunächst begannen größere Träger gering qualifizierte oder
arbeitslose Menschen über Kurzlehrgänge für die Altenpflege zu
gewinnen.
• Altenpflege galt als „Ersatzberuf“ und als Entlastung der
Krankenpflege ( Voges 2002 ).
• 1965 wurde ein Schulungsprogramm des Deutschen Vereins für
öffentliche und private Fürsorge ins Leben gerufen.
• 1976 der erste Ausbildungsgang
Wandlung der Altenpflege vom
sozialpflegerischen zum Heilberuf
Der Beruf der Altenpflege ist in seiner Entwicklung u. a. von folgenden Aspekten geprägt:
• Die Altenpflege als beliebte Umschulungsmaßnahme von Arbeitsämtern für Menschen
mit eingeschränkten Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt führte zu einer
Dequalifizierung des Berufsfelds à la „Pflegen kann jeder“
• Altenpflege stand lange im Schatten der Krankenpflege.
• Ein Grund dafür könnte sein, dass der Krankenpflegeberuf historisch durch seine Nähe
zur Medizin als attraktiver galt.
• Einseitige Durchgängigkeit, d. h., Krankenpflegern war es stets möglich, in der Altenpflege
zu arbeiten, für Altenpfleger stellte die Arbeit in der Krankenpflege keine
Selbstverständlichkeit dar
• Geringeres Einkommen als in der Krankenpflege
• Keine internationale Vergleichbarkeit, da eine grundständige Altenpflegeausbildung nur
in Deutschland existierte.
Wandlung der Altenpflege vom
sozialpflegerischen zum Heilberuf
• Trotz der historischen Unterschiede sitzen die Angehörigen der Alten-
und der Krankenpflege im selben Boot.
• Beide Berufsgruppen strebten stets nach ähnlichen Veränderungen,
u. a. besseren Arbeitsbedingungen zur qualitativ hochwertigen
Versorgung der Pflegeempfänger, einem höheren gesellschaftlichen
Ansehen und einer besseren Vergütung.
• Beide Berufsbilder mündeten 2020 mit dem Inkrafttreten des
Pflegeberufegesetzes (PflBG) und der Pflegeausbildungs- und -
Prüfungsverordnung (PflAPrV) in das neue Berufsbild der
Pflegefachfrau bzw. des Pflegefachmanns
DEFINITION
Professionalisierung:
• Weiterentwicklung eines Berufs oder einer
Professionalisierung Berufsgruppe in Richtung Profession (Weg), aber
der Pflege auch das Erreichen einer Profession (Ziel).
Profession:
• Berufsart, die sich im berufssoziologischen
Verständnis durch spezifische Merkmale von
anderen Berufen unterscheidet.
Quellen
Al-Abtah, Jalal et al. (2020). I care Pflege (2. Aufl.). Georg Thieme Verlag
Menche, Nicole (2019). Pflege Heute (7. Aufl.). Elsevier GmbH