Nora oder ein Puppenheim
Henrik Ibsen
Henrik Johan Ibsen wurde am 20. März 1828 in Skien geboren und war ein norwegischer Lyriker und
Dramatiker. Er wuchs in einer wohlhabenden Familie mit vier Geschwistern auf. Nach einer Apothekerlehre
studierte er in Grimstad Medizin, wo er Klassiker der Literatur las. 1858 heiratete er Suzannah Thoresen und
wurde Vater seines Sohns Sigurd Ibsen. 1864 entschloss sich Ibsen aufgrund von Differenzen mit seinem
Heimatland zu einem Exil in Italien und Deutschland. Das freiwillige Exil dauerte 27 Jahre, in denen Ibsen seine
bekanntesten Bühnenwerke schrieb. Darunter "Gespenster", "Stützen der Gesellschaft" und "Nora". 1891
kehrte er nach Norwegen zurück, wo er 1906 in Kristiania starb.
Charaktere
Nora Helmer: Protagonistin, Ehefrau und Mutter, zu Beginn naiv und kindlich
Torvald Helmer: Ehemann, erfolgreich, selbstbewusst und egozentrisch
Christine Linde: Jugendfreundin Noras
Nils Krogstad: Bankangestellter, erpresst Nora
Doktor Rank: Noras und Torvalds Jugendfreund, ist oft zu Gast
Anne-Marie: Kindermädchen der Familie Helmer
Handlung
Nora und Torvald Helmer sind bereits seit acht Jahren miteinander verheiratet und haben drei Kinder. Torvald
ist zum Bankdirektor befördert worden und die Familie ist dadurch wohlhabend, lebt in einer großen Wohnung
und hat mehrere Bedienstete, die sich um das Alltägliche kümmern. Trotzdem ist das Leben für Nora nicht
gänzlich idyllisch, Torvald behandelt sie nämlich wie ein Püppchen, mit der er spielen kann, er nennt sie zum
Beispiel „Eichkätzchen“ und nimmt sie nicht ernst, was sie jedoch hinnimmt. In der Vorweihnachtszeit kommt
Noras frühere Freundin Christine Linde zu Besuch. Sie ist nach dem Tod ihres Mannes in finanziellen
Schwierigkeiten und bittet Nora, Torvald zu fragen, ob er sie in seiner Bank beschäftigen könne. Anschließend
berichtet Nora von ihren letzten zehn Jahren. Ihr Mann Torvald bekam nach der Eheschließung einen
hochgestellten Posten, bei er derartig viel arbeitete, dass die Ärzte um sein Leben fürchteten und dringend zu
einer Erholungsreise rieten. Gleich nach der Geburt des ersten Kindes fuhr die Familie deshalb für ein Jahr nach
Italien. Noch heute glaubt Torvald, dass Noras Vater die teure Reise bezahlt habe. Dies stimmt jedoch nicht, sie
nahm stattdessen bei Rechtsanwalt Krogstad ein Darlehen auf. Den Schuldschein sollte ihr Vater als Bürge
unterschreiben. Aber der lag auf dem Sterbebett, und Nora wollte nicht, dass er sich Sorgen um die
Gesundheit ihres Mannes mache. Deshalb fälschte sie die Unterschrift ihres Vaters. Krogstad bemerkt aber
genau an diesen Weihnachtstagen die Wahrheit: Obwohl Noras Vater bereits seit drei Tagen tot war, hatte er
seine Unterschrift hergegeben. Krogstad ist sicher, dass Nora sie gefälscht haben muss und versucht sie zu
erpressen. Sie soll ihren Mann davon abbringen, ihn zu entlassen. Er arbeitet als Bürokraft in der gleichen
Bank, der Torvald vorstehen wird. Nora versucht, ihren Mann davon zu überzeugen, dieser nimmt sie aber
nicht ernst und erklärt ihr, dass Krogstad bereits eine Unterschrift gefälscht hat und dafür sicher entlassen
wird. An seiner Stelle will Torvald Christine Linde einstellen. Krogstad aber schreibt einen Brief an Torvald, in
welchem er diesen über Noras Urkundenfälschung aufklärt. Torvald liest den Brief und reagiert mit Bestürzung
und Beschimpfungen darauf. Er will jedoch um jeden Preis einen Skandal vermeiden und deshalb weder
Trennung noch Scheidung. Nora soll im Hause bleiben und nach außen so tun, als sei nichts geschehen. Dann
wird ein weiterer Brief von Krogstad abgegeben, der den Schuldschein mit der gefälschten Unterschrift enthält.
Torvald wirft den Schuldschein ins Feuer, vergibt Nora und meint, damit könne nun alles weitergehen wie
zuvor. Aber Nora ist tief enttäuscht, denn sie hat jetzt klar erkannt, dass es Torvald stets nur um Ehre und
Status geht. Ihr wird bewusst, dass er sie nie als Partnerin ernst genommen hat. Als Folge verlässt sie ihren
Mann und die Kinder.
Paul Schöppl