—
o
CREMONA.
Eine Charakteristik
i
der
1
1 italienischen Geigenbauer
!
und
\
ihrer Instrumente
von
i
Friedrich Niederheitmann.
3. vermehrte und auf Grund neuester Forschungen verbesserte Auflage
von
Dr. Emil Vogel.
Mit Bildern von Caspar Tieffenbrucker alias Gaspard DuifFopruggar,
Antonio Stradivari, Mustergeigen und 36 Geigenzettel-Nachbildungen
^
Leipzig.
Verlag von Carl Merseburger.
1919.
übersetzungsrechte vorbehalten.
Dem
Verband Deutscher Gelgenbauer
im Sinne der Förderung
der Qeigenbaukunst
IV
Zur 3. Auflaiie. (Herrn Cavaliere Giovanni de Piccolellis,
dem hochverdienten Förderer geigengeschichtlicher Studien.)
Pregiatissimo Signore,
La mi trova qul in campagna, ove, dopo di avere
di lei lettera gentile
abbandonato Firenze da circa sei anni vivo ritirato.
Nulla poteva giungermi iutauto di piü gradito dell' indulgente giudizio da
Lei accordato ai miei Liutai, e con animo grato la ringrazio ed accetlo la distinzione
con la quäle Ella vuole onorarmi nella edizione in ristampa deH'Opera Cremona.
Ignoro se Ella rammenta le note aggiunte alla edizione del mio libro, e se
ha notizia d'uua memoria che fui obbligato a scrivere per l'Istituto musicale di
Firenze —
mi permetto inviarle questi fascicoli, che forse potranno esserle di
qualche utilitä, specialmente in ciö che riguarda gli antichi Amati, come in ciö
che concerne taluni particolari d'arte, generalmente poco noti, nel lavoro del
grande Stradivari.
Grazie di nuovo, caro Signore, e permetta che io me le dichiari
devotissimo
S. Nicola la Strada, GIO. DE PICCOLELLIS.
Caserta, 27. Febr. 1897.
Sehr geehrter Herr'
Ihre freundliche Zuschrift erreichte mich in meinem Landaufenthalte Caserta
wohin ich mich, nachdem ich seit circa 6 Jahren Florenz verlassen, zurück-
gezogen habe.
Nichts Angenehmeres hätte mir zustossen können, als das nachsichtige Ur-
teil, dass Sie meinen Arbeiten auf dem Gebiete des Geigenbaues angedeihen lassen.
So nehme ich denn dankbaren Herzens die Auszeichnung an, die Sie mir durch
Widmung Ihrer neuen Ausgabe des Werkes ,, Cremona" zuwenden wollen.
Da ich ungewiss bin, ob Ihnen mein (1886 erschienener) Nachtrag zu meinem
Buche über die Geigenbauer bekannt ist, ebenso jene kleine für das musikalische
Institut zu Florenz verfasste Schrift, so erlaube ich mir, beides zu übersenden
Namentlich hinsichtlich der Genealogie der Amati, sowie auch einiger wenig be-
kannter Einzelheiten der Kunst des grosser Stradivari dürften sie Ihnen vielleicht
von Nutzen sein.
Mit nochmaligem Danke Ihr ergebenster
GIO, DE PICCOLELLIS.
Zur 4. Auflage. Berlin, den i6. Januar 1909
In Antwort auf Ihr freundliches Schreiben vom 22. Dezember sprechen wir '08
Ihnen unseren verbindlichsten Dank aus für die Widmung der demnächst er-
scheinenden vierten Auflage des Niederheitmannschen Werkes ..Charakteristik der
italienischen Geigenbauer und ihrer Instrumente". Wir nehmen sie gern an.
Ebenso wie die früheren Auflagen des guten Werkes Eingang in weile Kreise
gefunden haben, so hoffen und erwarten wir zuversichtlich, dass der neuen, von
Dr. Emil Vogel herausgegebenen Bearbeitung des schwierigen Stoffes eine zum
mindesten ebenso rege Aufnahme beschieden »ein wird. Die von sachkundiger
Hand ausgeführten Bestrebungen dieser Art sind höchst anerkennungswert sie :
werden das ihrige dazu beitragen um das Interesse an der Violine, die nicht mit
,
Unrecht die ,, Königin der Instrumente" genannt wird, immerfort noch weiter zu
erhöhen. Unsere besten Wünsche begleiten die neue Auflage.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Verband Deutscher Geigenbauer
Albin Wilfer Max Möckel
Vorsitzender. Schriftführer
Vorwort zur ersten Auflage.
Obgleich bereits mancher Fachmann sein Wissen und Können
in mehr oder minder wertvollen Schriften über Streich-Instrumente
mitgeteilt hat, so besteht doch noch eine Lücke gerade da, wo es
eben so wünschenswert als wertvoll wäre, genau unterrichtet zu
sein, nämlich in Bezug auf Charakteristik der italienischen Meister
der Geigenbaukunst.
Der Verfasser hat sich die Aufgabe gestellt, sowohl aus den
Instrumenten selbst, als auch aus der alten und neuen Literatur
des In- und Auslandes, die Namen der Meister in möglichster Ge-
nauigkeit und Vollständigkeit zu schöpfen und die Werke eines
jeden Einzelnen zu besprechen. Er hat es unterlassen, über die-
jenigen Saiten-Instrumente zu berichten, welche der Violine voraus-
gingen und aus denen sie sich entwickelt haben mag, weil diese
Materie hinreichend bearbeitet ist, und beginnt mit dem Auftreten
der Violine selbst, denn der Leser soll die Echtheit und den Wert
der italienischen Instrumente, soweit es durch deren Beschreibung
möglich ist, beurteilen lernen.
Wenn schon dem Verfasser gar viele Instrumente durch die
Hand gegangen sind, so ist er doch weit davon entfernt, zu sagen,
dass er alle diejenigen gesehen habe, welche hier beschrieben werden.
Mit besonderer Freude gedenkt er eines vorzüglichen Werkes The :
Violin; its famous makers and their Imitators, by George Hart.
London 1875, aus dem er viel gelernt und manches benutzt hat. Das
konnte er mit um so grösserem Vertrauen, weil ihm der Urheber
persönlich als eine Autorität ersten Ranges bekannt geworden ist.
Eine grosse Anzahl italienischer Meister findet jedoch darin keine
Erwähnung, auch kennt Hart den Gaspard Duiffopruggar in Bologna
nur als berühmten Verfertiger von Lauten, Violen und Bässen, nicht
aber in seiner bahnbrechenden Eigenschaft als Erfinder der Violine.
Möge das vorliegende Werk bei den zahlreichen Liebhabern
echt italienischer Instrumente eine freundliche Aufnahme finden.*)
Aachen, 1877.
Der Verfasser.
Vorwort zur dritten Auflage.
Die stetig wachsende Nachfrage nach diesem 1877 in i. Auflage
erschienenen kleinen Werke machte die Herausgabe emer 3. Auflage
dringend nötig. Konnte die seit einiger Zeit vergriffene 2. Ausgabe
•) Früher erschien, gewissermassen als Vorläufer:
NIEDERHEITMANN, Die Meister der Geigenbaukunst in Italien und Tyrol.
(Vorwort datiert: Aachen, im August 1876.) Verlag von Friedrich Schreiber in
Wien. Aug. Cranr in Hamburg (Alwin Cranz). K. K. Hof-Kunst- und Musi-
kalienhandlung (vormals C. A. Spina). 16«. 35 S. (Druck Aachen, C. H. Georgi.)
:
:
VI
V. J. 1884 wegen plötzlichen Hinscheidens des kenntnisreichen Ver-
fassers nur ein blosser Abdruck der ersten sein, so erschien es uns
gebieterische Pflicht, für den Neudruck dieser 3. Auflage alle die-
jenigen Resultate wissenschaftlicher Forschung zu verwerten, die
innerhalb der letzten zwanzig Jahre in so reichem Masse die geschicht-
liche Erkenntnis dieses Gebietes gefördert und die bisherigen irrtüm-
lichen Angaben richtiggestellt haben.
Der rein technische Teil des Buches blieb aber von wesent-
lichen Änderungen frei; denn die anerkannt hervorragende Kenner-
schaft und feine Beobachtungsgabe des verblichenen Verfassers bot
Gewähr genug für die gewissenhaft gezeichnete Charakteristik der
Schulen und einzelnen Meister. Da wir zudem, durch Vermittlung
eines Sohnes unseres Autors, des Herrn Franz Niederheitmann,
Musikinstrumentenhändler in Magdeburg (das Studium alter Geigen
und ihrer Meister bildet seit seiner Jugend und insbesondere
seit 15 Jahren, einen Hauptbestandteil seines Berufes), das Hand-
exemplar des Urhebers dieser Schrift erwerben und für diese
neue Auflage benutzen konnten, so fanden noch die erläuternden
Zusätze, die der Verfasser eigenhändig nachgetragen, Verwertung.
An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass die im Vorwort zur ersten
Auflage angeführte umfangreiche Instrumenten-Sammlung des Ver-
fassers nach seinem Ableben leider ohne jede Kontrolle nach allen
Richtungen hin verstreut worden ist. Da sich kein Käufer des
ganzen Bestandes fand, wurden die Stücke einzeln veräussert.
Eine umfassende Umänderung und Berichtigung erfuhr der
historisch-biographische Teil des Buches. Was die hierhergehörige
italienische Spezialforschung durch die Arbeiten von Giov. de
Piccolellis, Angelo Berenzi, Giov. Livi u. A. zu Tage gefördert,
wurde gewissenhaft benutzt, vielfach zu vollständig neuen Beiträgen.
Ebenso wurden auch die Kataloge bedeutender Sammlungen be-
rücksichtigt. Die Redaktion dieses Teils besorgte Herr Dr. Emil
Vogel, der Bibliothekar der hiesigen „Musikbibliothek Peters".
Die erste Gestalt dieser Arbeit hat in W. H. Quarrell einen
englischen Übersetzer gefunden, dessen Version unberechtigter
Weise von der Firma Rob. Cocks & Co. in London 1894 in den
Handel gebracht worden ist. Die Verlagsbuchhandlung sieht sich
genötigt, vor dem Ankaufe dieser Ausgabe zu warnen. Durch die
vorliegende dritte Auflage ist übrigens die Übersetzung in Hinsicht
auf den historisch -biographischen Teil geradezu wertlos geworden.
Leipzig, 1897.
Die 4. Auflage harrte schon seit längerer Zeit der Ausgabel
Schwere Erkrankung des Bearbeiters Dr. Emil Vogel, den am 18/VI.
1908 der Tod zur ewigen Ruhe abberief, und die schwierige Sichtung
des überreichen Materials verzögerten die Fertigstellung.
Auch die 3. Auflage zeitigte einen nicht genehmigten Nachdruck
Abele änd Niederheitmann. The violin. Its history and construction
illustrated and described from many sources, &. Translated in füll from
German by John Broadhouse, London 1907, Reeves 12" VIII, 207 p.
Leipzig, 1908.
Die Verlagsbuchhandlung.
Einleitung.
Die Geige und deren Erfindung.
Zwischen Mailand und Mantua, an den Ufern des Po,
liegt die kleine Stadt Cremona, deren Name berühmt ist,
soweit eine Geige ertönt auf dem weiten Erdenrund. Hier
wurden die Meisterwerke der Geigenbaukunst geschaffen,
die in ihrer Vollkommenheit glänzen und als nachahmungs-
werte Vorbilder gelten.
Über die Geschichte des Geigenbaues in seinen ersten
Anfängen sind wir immer noch nicht klar unterrichtet.
Der Ursprung des Wortes Geige" wird teils von dem
,,
französischen ,,gigue" (angeblich zuerst gebraucht im Wörter-
buch des Johannes de Garlandia 1210 1232) abgeleitet, —
während Autoritäten der Sprachwissenschaft den Begriff
,, Geige" deutschem Ursprünge zuweisen. Die Gebrüder
Grimm*) sagen, „Fidel scheint von romanischem, Geige von
deutschem Ursprünge, ist aber auch zu den Romanen, wie
jenes zu den germanischen Völkern gelangt. Guten An-
halt findet das Wort (Geige) wirklich im Germanischen,
der ihm im Romanischen fehlt, in dem uralten Stamme
gag (gig), der in reichster Ausgestaltung wesentlich eine gau-
kelnde Bewegung bezeichnet. Das eigentlich Unterscheidende
bei der Geige gegenüber anderen Tonwerkzeugen ist der Ge-
brauch des Strichbogens, dessen Bewegung eigentlich in gige
bezeichnet scheint; wetteräuisch geigen bedeutet noch jetzt
,,mit dem Fidelbogen auf und ab fahren." Das deutsche
Wort muss, indem es neben oder auch für das romanische,
also vornehmere Wort eintrat, zugleich in der Sache
eine Neuerung, einen Fortschritt mit sich gebracht haben,
der auch das romanische Gebiet eroberte; dieser Fortschritt
') Grimm, J. und W. Grimm, Deutsches Wörterbuch, fortgesetzt von M. Heyne,
R. Hildebrand u. a., L/cipzig.
VUI
r di/c J etr «Tlte. - Wie übrigens die Geige
""' gab es nach Virdungs,
rAlfnjtÄahrhunderts
folgende Streichinstrumente.
und AgrtS'MUteilungen
ohne Steg und Befestigung
„Grosse Geigen" ( mit Bünden,
Quernegel als Er-
mit der Saiten am sog.
welche tei s
Saiten satz für den Saitenhalter,
5 resp. 6
Viohne, teils
nach Art unserer heutigen
„Grosse oder Contrabässe
wie die Violoncelli oder
kleine Geigen" wen.,
gehandhabt wurden; sie hatten,
mit 4 Saiten Weise, unbe-
auch erst in primitiver
annähernd die
„Kleine Geigen" holfen und plump, schon
mit 3 Saiten I Form dieser Tonwerkzeuge.
Saiten ohne Bünde mit Steg und
^Kleine Geigen" mit 3
Saitenhalter, von
mandolinenartiger Form.
Streichinstrumenten geben Ab-
Von weiter entwickelten
Lautten etc (N™'/' ^ .'
. und Silvestro
«l Aufl. 1546)
^^''-
2. Aufl. I537» 3-
5h- ;
das
aas Vioinspiel.
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Fontegoj „.^nw
ür^ntean^i Anweisung für das bpiei
Ganassi (genannt del (Venedig,
l^veneaig,
M;^\a und der Kontrabassviola m
2 1^ eilen
A
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J doch wurde
Violen, aocn
{t'tn Violen
Italien
wui
gleichfalls Geigen
t^ Sie htssfn in Deutschlandim Laufe des 17. Jahr-
der Name
herichtet über e ne von
hunderts -*. »^-„^-^^ Abstam-
^-..^^.utS^
Giovanm Kerlmo m Bresc.a ^.^f^'"";,.ijdes deutschen
mung) 1449 gebaute, stark S^^f .,1 i„ Bologna,
Lautenmachers Laux (Lucas) 15<^ 152»
J'f."^^^,
Mahler «
Der bau von
,
sei gedacht.
des Stradivari der Laute,
in Oberitahen ^m Schwünge
nstrumenten war überhaupt Hälfte ^es
^er zweiten
Im Verlaufe, besonders [Link]
sich die [Link].
Jahrhunderts vermannigfältigte
IX
lin, Musiciana (3 Teile, Paris 1877, 90) wird aus der Schrift
von Philibert Jambe-de-Fer (Lyon, 1556) angeführt: die fünf-
saitige Violestimme in Quarten, die Violine habe vier Saiten,
in Quinten gestimmt.
Zu Anfang des 17. Jahrhunderts führt Prätorius in der
Syntagma mus. auf: i. Gar grosse Bass-Viol, 2. Gross Bass
Viol de Gamba in drei Stimmungen, 3. Klein Bass Viol de
Gamba in fünf Sorten, 4. Tenor- und Alt- Viol de Gamba
in je zwei Stimmungen, 5. Cant Viol de Gamba (Violetta
picciola) in vier Sorten, 6. Viol Bastarda in fünf Stimmungen
und 7. Viola da Braccio in vier Sorten.
Aus diesen Violen-Arten gingen nach und nach der
Kontrabass, das Violoncell, die Bratsche und die Violine
hervor.
Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts benutzte man Streich-
instrumente nur zur Begleitung des Chorgesanges, und zwar
die Viola da Brazza (da Braccio), die Viola da Gamba und
den Basso es fehlte aber das begleitende Instrument für
;
den Sopran und diesem Mangel suchte man abzuhelfen.
Nur durch allmähliche Umgestaltung, nicht plötzlich,
wird sich aus älteren Typen die Diskantgeige oder „rechte
Discantgeige" (nach Prätorius), unsere Violine, entwickelt
haben; nicht ein einzelner Meister hat sie erdacht. Das
Bedürfnis nach Streichinstrumenten von grösserem Umfang
in der Höhe und hellerem Klange, als ihn die alten Violen
und Lyren hatten, lag eben vor. Oft ist der Tiroler Caspar
Tiefifenbrucker, verwälscht Gaspard Duiffoprougcar, * 15 14
in Fressin, wie auch der Brescianer Gasparo da Salo (Gasparo
di Bertolotti),1542 in Salö am Gardasee, als „Erfinder
*
der Violine" bezeichnet worden. Wer der Bahnbrecher der
italienischen Geigenbaukunst gewesen, mag noch als offene
Frage behandelt werden. Das Kunstwerk, unsere Geige,
wurde aber gleich in einer solchen Vollkommenheit ge-
schaffen, dass höchstens in der Form, kaum aber in ihrer
tongebenden Eigenschaft, spätere Meister Besseres zu leisten
vermochten. Dass aber Gasparo da Salö ein her\orragendes
Verdienst um die Festlegung des neuen Instrumententyps
zufällt, ist zweifellos, zumal ein wesentlich früheres Ent-
Vergl. Fuchs, Albert, Taxe der Streichinstrumente. Anleitung zur Ein-
schätzung der Geigen, Violen, Violoncelli. Kontrabässe usw. uach Herkunft und
Wert. Leipzig 1907 (4 Mark).
X
stehen der Violine nicht wohl angenommen werden kann
da die Literatur für dieses Instrument nicht soweit zurück-
reicht. In den beiden Opern L'Euridice" von Giulio Caccini
,
und Jacopo Peri (Florenz 1600) kommt die Violine noch nicht
zur Verwendung. Erst Claudio Monteverdis (* 1 567 zu Cre-
mona) ,,Orfeo" (1607) weist sie als ,,violino piccola alla
francese** auf; derselbe erfand auch das Tremolo der Streich-
instrumente.
Betrachten wir das kleine Instrument, so müssen wir
staunen, welche Schönheit des Klanges und des Ausdrucks,
welche Fülle von Ton es hervorzubringen vermag. Es ist
aus 58 Teilen zusammengesetzt, die alle so geistvoll erdacht,
so praktisch zusammengefügt und so handlich eingerichtet
sind, dass sich eine unglaubliche Virtuosität darauf ent-
wickeln lässt. Der durch geübte Hand seinem schwachen
Körper entlockte musikalische Wohllaut und Reiz hat
ihm den Namen: .Königin der Instrumente" erobert. Ob-
,
gleich nur aus schwachen Brettchen zusammengeleimt, und
/
kaum 400 g wiegend, überwindet dieser Körper, kraft seiner
•
geistreichen Kombination, Spannung von
eine horizontale
40 kg und einen vertikalen Seitendruck von 12,^ kg, und
seine Stimme durchdringt und füllt den grössten Konzert-
saal und den höchsten Kirchenraum.
Dabei wird das Auge durch seine Form erfreut. Alles
symmetrisch, jede Linie ist schön, jeder Teil steht in wohl-
ist
gefälliger Proportion zu dem andern. Man versuche, irgend
etwas an den Umrissen, oder der harmonischen Anordnung
der einzelnen Teile zu ändern und gewiss wird es der
äusseren Erscheinung nur zum Nachteil gereichen. Durch
jede Veränderung im Bau der Geige sind wir höchstens an
Experimenten, nicht aber an Resultaten reicher geworden.
Die innere Einrichtung ist ebenfalls nicht zu verbessern.
Unzählige Versuche sind durch Veränderung am Bassbalken
und Stimmstock gemacht worden, um möglicherweise noch
mehr Ton zu erzielen; aber jede Verlegung dieser Requi-
siten diente zum Nachteil. einzige Veränderung hat
Nur eine
sich, bewährt und erhalten:Verlängerung des Bass-
die
balkens; sie wurde sogar pötig, denn durch das allmähliche
Steigen des Diapasons (Oktave, Mensur) und den durch eine
höhere Stimmung gesteigerten Saitendruck, reichte die Wider-
standsfähigkeit der Decke nicht mehr aus und musste durch
XI
Verlängerung des Balkens wieder in das richtige Verhältnis
gebracht werden.
Dieser Balken ist von eminenter Wichtigkeit. Er dient
nicht allein zur Verstärkung des Instruments, da, wo der
Saitendruck am stärksten ist, sondern hauptsächlich zur
Verlangsamung der Vibration, dort in der Decke, wo
die tieferen Saiten ihre langsameren Schwingungen
machen. Ist der Balken zu leicht, so bullert die G-Saite;
ist er zu steif, so spricht sie nicht an. G. Hart vergleicht
treffend diesen Bassbalken mit dem Nervensystem und den
Stimmstock mit dem Herzen. Die kleinste Veränderung
in der Stellung beider verändert den Ton, und die beste
Geige wird nicht klingen, wenn diese beiden Teile nicht
an der rechten Stelle sind. Erwähnt sei hier, dass, entgegen
der Praxis fast aller Geigenbauer, welche den Balken mit
den Jahresstreifen des Deckenholzes parallel laufend ein-
leimen, es bei manchen Geigen besser ist, den Balken
schräg zu legen und zwar oben zwischen der G- und D-
Saite einsetzend, unter dem linken Stegfuss herlaufend und
unten an der Stelle endigend, wo das Kinn aufgelegt wird.
An diesem unteren Ende muss der Balken wesentlich mehr
abgerundet, d. h. gewölbt sein wie die Decke, damit letztere
beim Verleimen mit dem Balken sich dessen Wölbung fügen
muss. Es wird dadurch bezweckt, die linke Seite der Decke
in die Höhe zu treiben, um dem Saitendruck einen grösseren
Widerstand zu bieten gegenüber der rechten Seite, die ihren
Stützpunkt im Stimmstock hat. Geschieht das bei schwachen
Geigen nicht, so findet leicht eine Torsion (Verrenkung) in
den ursprünglichen Wölbungsverhältnissen statt, welche der
freien Vibration der Decke Abbruch tut. Dieses von dem
an Erfahrung und Sachkenntnis reichen Virtuosen Ole Bull
aufgestellte Prinzip kommt besonders den an einer zu dünnen
Decke und Engbrüstigkeit laborierenden Instrumenten zu
Gute. Durch das schräge Legen des Balkens (was übrigens
in einzelnen Fällen schon die alten Meister taten), verteilt
sich die Vibration besser über alle Teile der Decke.
Es kann nicht gleichgültig sein, ob der Hals der Geige,
als oberster Stützpunkt der Saiten, dick oder dünn, aus
hartem oder aus weichem Holze geschnitten ist; er wird jetzt
2 cm länger als in gemacht und läuft in eine
frühester Zeit
schwungvoll geschnittene Schnecke aus. Der so gestaltete
XII
Zusammenhang kann nicht schöner erdacht werden; er ist
auch nicht ganz ohne Einfluss auf den Ton.
Schon früh hatte sich unsere deutsche Instrumenten-
baukunst in Italien bemerkbar gemacht und die dortige
Kunstausübung nicht unwesentlich beeinflusst. Ja, noch
mehr: Lange Zeit, schon gegen Ende des 15. bis in die
Mitte des 16. Jahrhunders, sind die vornehmsten Vertreter
des Lauten- und Geigenbaues in Italien Männer deutscher
Abkunft gewesen. Noch ehe uns nur die Namen national-
italienischer Lautenmacher überliefert werden, wirkten schon
längst Johann Kerlino (Kerl?), Lucas Mahler und später
Caspar Tieffenbrucker. Erst in der zweiten Hälfte des
16. Jahrhunderts erhob sich der Geigenbau, zunächst in
Brescia, dann in Cremona, zum eigenen, nationalen Kunst-
handwerke, sich schnell zu herrlichster Blüte entfaltend und
alle gleichartigen Bestrebungen anderer Völker weithin über-
strahlend. Auf die merkwürdige Analogie wäre hinzuweisen,
welche um dieselbe Zeit die Entwicklung der italienischen
Musik zur Erscheinung brachte. Hier wie dort waren es
germanische Elemente, die, auf italienischen Boden über-
tragen, die Ecksteine des Fundaments bildeten, auf welchem
sich der spätere Prachtbau italienischer Kunst erhob.
Übergehend zur Charakteristik der einzelnen Meister
und ihrer Werke ist die Tatsache nicht aus dem Auge zu
lassen, dass, streng genommen, kein Instrument dem andern
völUg gleicht, vielmehr oft recht wesentliche Verschieden-
heiten obwalten. Dies leugnen, hiesse voraussetzen, dass
jeder gleich als Meister geboren sei. Das Streben nach
Vervollkommnung schliesst selbstverständlich in sich: ein
neues Werk besser zu machen, als das vorherige und in
jedem Bessermachen liegt schon eine Veränderung.
:
XIII
Erster Abschnitt: Die Schulen der Geigenbaukunst
schwach- und dumpfklingenden Violen wurden
Die
allmählich durch die glänzenden Eigenschaften der Violine
verdrängt, und der Geigenbau gelangte in Italien zu hoher
Blüte. Wie ein Baum seine Äste nach allen Richtungen
hin ausbreitet, so verbreitete sich die Kunst des Geigen-
baues über alle Städte Italiens und überschritt dessen Grenzen
nach Deutschland, Frankreich und bis nach England hin.
Man darf mit Recht voraussetzen, dass kurz nach Erfindung
der Geige starke Nachfrage nach ihr vorhanden war, und dass
der Geigenbau zugleich ein lohnendes Geschäft gewesen sein
muss, denn wie hätten sich sonst so viele diesem Erwerbs-
zweig zugewendet, der sich nicht selten in den Familien weiter
vererbte, oft bis ins vierte Glied. Es entstanden Schulen, die
ihre leitenden Prinzipien in ihrem Bezirke und unter ihren
Schülern fortpflanzten. Die natürliche Folge war der Wett-
eifer, das Beste zu schaffen. Die Grenzen dieser Schulen zeich-
nen sich scharf ab und sind in folgender Weise zu bezeichnen
1. Brescianer Schule (1545 —
1620). Gründer: Gasparo
da Salö; Hauptschule: Gian Paolo Maggini; Schüler und
Nachfolger: Ambrogi, Antognati, Benti, Brandilioni, A. und
G. Brensio, Javietta Budiani, dalla Corna, Cortesi, M. A. Garani,
Gasparo da Salö (Bertolotti), Lanza, V. und G. Linaroli,
G. P. und
Maggini, Mariani, Michelis, Montechiari, Morella,
S.
Raffaelle Nella, Bart. Obici I und II, D., G. und A. Pasta,
Pazzini, Peregrino, Pezzardi, Pozzini, Ranta, Rodiani, Sacchini,
Siciliani, C., J.,
M., L. und W. Tieffenbrucker, Vetrini, de
Vitor, Pietro Vimercati, Zanura, Zenatto u. a.
2. Cremoneser
Schule (die bedeutendste) 1560 1760. —
Gründer: Andrea Amati Hauptschule Antonius und Hierony-
; :
mus Amati, sowie Nicola und Hieronymus II Amati, zuletzt
Lorenzo Storioni; Schüler und Nachfolger: Abbati, Alvani,
Anselmi, Barzellini, Calvarola, Cappa, Caspan, Cassino,
Celionato, Ceruti (P. A. dalla Costa), (Deconetti), Dominichini,
G. A. und G. G. Florenus, Florino, Andrea Guarneri (Pietro
Guarneri I und II), Jos. Guarneri Filius Andreae (P. G. und
F. Mantegazza), Montagnana, Nadotti, de Polis,
(Meloni),
A. Postacchini I und II, G. und P. G. Rogen, Fr., G. und
V. Rugieri, Sneider, Sorsana, Tedesco, F. und G., Giov.
Carlo und Carlo Antonio Tononi, (Paolo Vimercati). Dann
XIV
auch Bussetto, Caeste, Castagneri, Colonardi, Cornelli, Falco,
Gerans, Gouvernari, Giuseppe Guarneri del Gesu, dessen
Arbeit aber auch Anklänge an die Brescianer Schule auf-
weist, sowie seine Nachahmer Alvani, Bagatella (Jos. Guarneri
Fil. Andreae), Storioni, Testore; ferner Marcelli,
C. G.
Pagani, Ricolazi, Romanini, Rosiero, Rota, Antonio Stradivari
und dessen Schüler und Nachahmer Abbati, T. Balestrieri,
Carlo Bergonzi und dessen Sohn Michelangelo sowie seine
Enkel Nicola und Zosimo Bergonzi, C. Camilli, Cerin, Facini,
Alessandro Gagliano, M. und A. Garani, Giordano, Giorgi
(Gobetti, M. Gofriller), Lor. und Giambattista Guadagnini I
und II, Giov. Guadagnini (Jos. Guarneri Fil. Andreae),
L. Marconcini, Montada(Montagnana), [Link], Pressenda.
Omobono und Francesco Stradivari u. a.
3. Neapolitanische Schule (1680 — 1800), vertreten
durch die Meister von Mailand und Neapel. Gründer:
Alessandro Gagliano; Albanesi, Alberti, Artalli, Bellone,
Borgia, Bresa, BuonfigliuoH, Cabroli, Circapa, Compostano,
Eberle, Ficher, Finolli, Alessandro Gagliano (Schüler von
Stradivari) und seine Nachkommen Nicola, Gennaro, Ferdi-
nando, Giuseppe und Antonio GagHano, N. Garani, A. F.
und F. Grancino, Giambattista I und II und Giovanni
Grancino, C. F. und P. A. Landolfi, A. M. und S. Lavazza,
Lolij, P. G. und F. Mantegazza, Meloni, F. Mezadri, Odani,
Postiglioni, S. Santo, Tanegia, G. G., C. A. und P. A. Testore,
Ventapane, Venzi, V. und G. Vinaccia, A. Vinacci I und II u. a.
4. Florentiner Schule (1680 —
1760) mit den Meistern
von Florenz, Rom und Bologna. Assalone, Birmetti,
Bomberghi, F., L. und T. Carcassi, Crugrassi, de Emiliani,
A., B., C. und G. B. Gabrielli, Galbani, Galbicellis (Gragnani),
Gigli, Maffei, Malvolti, Marino, Pardini, Piattellini, Platner,
Pollusca, Salino, G. Sante, Saraceni, Tanigardi, Techler,
Toppani, Vangelisti, Zimbelmann u. a.
5. Venetianische Schule (1690 1764), besonders—
ragen hervor Dominicus Montagnana, den man der Cremo-
neser Schule beigesellen könnte, denn er verbrachte seine
Lehrzeit in Cremona und seine Arbeiten sind dieser Schule
angemessen, und Sanctus Seraphin.
Barnia, Bellosio, Giambattista Bodio, Busani, Castro,
Cerin, Corara, dalla Costa, Deconetti, Fabbris, Farinato,
Gobetti, F. und M. Gofriller. A. Molinari, Montagnana.
XV
Novelli, Pandolfi, Rechiardini, Serafino Santo, Tassini, Paolo
Vimercati u. a.
Ausserdem zu erwähnen die Tiroler Schule (1640 bis
ist
die Familien:
1696), glänzend vertreten durch Jacobus Stainer,
Klotz und Albani. Wenn diese Schule auch dem Namen nach
nicht zur italienischen gehört, so hat sie doch ihren Ursprung
dort und ihre Werke rangieren, dem Werte nach, dahin.
Angebliches Bild von Antonio Stradivari.
(Nach anderen stellt die Kleidung die Amtstracht eines Kapellmeisters von
St. Markus in Venedig dar und es konnte Claudio Monteverdi sein.)
XVI
Zweiter Abschnitt: Entwicklung und Vervollkomiii
nung des Geigenbaues. Kunstkennerschaft.
Atis Brescia kamen die Meister, welche die Cremoneser
Schule bildeten. Die Amati nahmen deren Führung, ihr
Gründer war Andrea seinen ersten selbstän-
Amati. In
digen Werken findet man die Reminiscenzen des Gasparo
da Salö, obgleich nicht bekannt geworden ist, dass dieser
sein Lehrer gewesen sei. Bei den meisten italienischen
Geigenbauern ist zu beobachten, dass sie anfangs in den
Fusstapfen ihrer Lehrer wanderten, sobald sie aber das Be-
wusstsein eigener Kraft gewannen, nach rechts und links ihre
eigenen Bahnen betraten und neue Umrisse und Wölbungen
ersannen, wodurch die verschiedenen Schulen entstanden.
Dem Geschmack jener Zeit, wo man dem sanftklingenden
Ton den Vorzug gab, und Amati und Stainer den Preis
zuerkannte, muss ebenfalls Rechnung getragen werden.
Bei der Grösse unserer heutigen Konzertsäle, bei der Stärke
des begleitenden Orchesters, ja selbst bei der Klangfülle
unserer so sehr vervollkommneten Klaviere reicht aber der Ton
ihrer Instrumente kaum noch aus. Jetzt werden Kraft und
Schönheit vereint beansprucht und Stradivarius und Joseph
Guarnerius, welche diese Eigenschaften in höchster Potenz
besitzen, sind am meisten geschätzt.
Zur Blütezeit der alten Brescianer und Cremoneser Meister
wurde die Violine nur nach ihrer tonerzeugenden Eigen-
schaft geschätzt; als man aber auch die sich mehr und mehr
entwickelnde Schönheit ihrer Form zu schätzen anfing, da
hatte bald die Violine sowohl ihre Liebhaber wie ihre Spieler.
Bis zum Jahre 1800 stand kein Meister so hoch in
Gunst, wie Stainer; in Deutschland, Frankreich und England
arbeiteten die meisten Geigenbauer nach seinem Modeil.
Darauf kamen die Instrumente der Amati mehr in Aufnahme
und da in Italien ihre Anzahl viel grösser war, Nach-
als die
frage, sowurden sie billiger verkauft als manches neue
Instrument. Der Geigenbauer William Forster verkaufte
z. B. laut seines Tagebuchs am 20. April 1799 ein Cello
von Nicola Amati nebst Kasten und Bogen zu i*] £
17 sh,
zu welchem Preise der Verkäufer ein von ihm selbst ge-
bautes Cello nicht abgegeben haben würde. Indes ver-
schluss man sich nicht lange mehr den Vorzügen der itaHe-
XVII
nischen Instrumente, es stieg ihr Preis bald auf das Drei- und
Vierfache. Der Umlauf der Cremoneser Geigen führte zu
vergleichenden Beobachtungen ihrer verschiedenen Formen
und Wölbungen, wobei man dem flacheren Modell den Vorzug
zuerkennen musste. Bisher hatte man noch keinen Unterschied
zwischen den verschiedenen Amati gemacht; ob Andrea,
Hieronymus und Antonius oder Nicola, war im Preise unbe-
rücksichtigt geblieben; jetzt aber schenkte man den Werken
des Nicola Amati grössere Aufmerksamkeit und bezahlte gern
für eine flacher gewölbte Geige von ihm den doppelten Preis.
Nachdem sich der Geschmack für die flachere Form entwickelt
hatte, kam nach und nach auch Stradivarius zu Ehren. Wie
blind man bis dahin für den Wert seiner Erzeugnisse war, geht
daraus hervor, dass es dem Cellisten Cervetto in London nicht
gelang, sein schönes Stradivari-Cello für 5.€ zu verkaufen
Zunächst waren es die Solospieler, die sich in den Be-
sitz der Stradivari-Geigen zu bringen suchten, so Bocche-
rini, Viotti (zuerst 1796), Rode, Kreutzer, Habeneck, Mazas,
Lafont und Baillot, und nun stieg ihr Ruhm von Tag zu Tag.
Die Rode'sche Stradivari-Geige, ein schönes Muster zier-
licher Einlege-Arbeit, ist im Besitz eines englischen Sammlers,
der 4 Stradivaris sein eigen nennt. Die Viotti -Stradivari
war 1855 nach Felis im Besitz von Brochart de Villiers.
Lafont besass ausserdem 2 schöne Geigen von Guiscppe
Guarneri del Gesu; sie wurden im Februar 1854 in der
Goding-Auktion für .£ 135 beziehentlich ^ loi verkauft.
Der Name Joseph Guarnerius war bis 1820 nicht über
die Grenzen seines Vaterlandes gedrungen. Da erschien
der die Musikwelt in Erstaunen setzende Paganini mit einer
wundervollen (leige von Joseph Guarnerius del Gesü vom
Jahr 1743, welche seit dem Tode des V^irtuosen (24, Mai
1840) im Museum zu Genua schläft.
Ein französischer Kaufmann M. Livron,hatte Paganini
diese Geige geliehen, um sie abends in einem Konzerte zu
spielen. Als der Künstler geendet hatte und sie zurück-
geben wollte, rief Livron aus: ,,Nie werde ich die Saiten
entweihen, die Ihre Finger berührt haben; das Instrument
gehört Ihnen 1" Auf diese Weise kam Paganini zu seiner
besten Geige. Diese Geige wurde mit grosser Genauigkeit
von J. B. Vuillaume nachgebaut, und die Kopie von ihm
Paganini geschenkt, der sie seinem Schüler Camillo Sivori gab
Niederheitma nn Vogel Cremoua. 4. Aufl.
- .
2
XVIII
Die Namen Amati und Stradivarius waren der musi-
kalischen Welt nach und nach bekannt geworden; durch
Paganini wurde der Name Guarnerius mit einem Schlage
berühmt. Jeder Violinist strebte nach einer Geige des
grossen Guarnerius, deren man wirklich auch eine grössere
Anzahl in den italienischen Kirchen und Klöstern, sowie
in den Händen von Nichtkennern fand. Die Prüfung zahl-
reicher Guarneri- Geigen Hess eine grosse Verschiedenheit
im Modell und in der technischen Ausführung erkennen, und
man lernte des Meisters Schaffen in drei Perioden einteilen,
deren Produkte man jetzt ebenso gut zu klassifizieren ver-
steht, wie diejenigen des Stradivarius, obgleich es, gerade
wegen der grossen Abweichungen immer eine schwere Auf-
gabe bleibt, über viele Guarneri-Geigen ein sicheres Urteil
zu fällen. Die Violine Paganini's ist eins der grossen, mas-
siven Instrumente des Meisters aus seiner letzten Periode.
Paganini nannte sie: ,, Meine Kanone."
In ähnlicher Weise wurden die Maggini-Geigen durch
den Violin -Virtuosen Charles de Beriot berühmt. Er war
der erste, der ein solches Instrument öffentlich spielte,
und man war erstaunt über die durchdringende Gewalt
und Schönheit des Tones. Mit ihrer Popularität stieg der
Preis der Maggini-Geigen rapide; solche, die früher 200 frs.
gekostet hatten, wurden nun gern mit 2000 frs. bezahlt,
und kurz vor seinem Tode verkaufte de Beriot seine eigene
Maggini-Geige dem Prinzen von Chimay zum Preise von
16000 frs.; eine 2., die- er besass, gelangte in den Besitz
seines früheren Schülers H. Sternberg.
Einer der besten modernen Kopisten der Maggini-
Geigen war William Gilkes (London), der jüngere Geigen-
bauer dieses Namens, aber nur wenige von seinen Arbeiten
sind zu haben, der Lack ist sorgfaltig imitiert.
Dann kam die Zeit, wo Carlo Bergonzi als ein Meister
ersten Ranges, besonders in England, geschätzt wurde. Erst
einmal auf die Vorzüge aufmerksam geworden, fing man
an, auch die Werke der Guadagnini, GagHano, Grancino.
Sanctus Seraphin und Montagnana zu würdigen und aufzu-
suchen, bis die ganze Reihe der italienischen Geigenbauer
bekannt und populär war.
XIX
Dritter Abschnitt: Der sanimeleifrige Luigi Tarisio.
Wieder zurückblickend, müssen wir uns wundern, dass
die Verbreitung und Wertschätzung der italienischen Instru-
mente in Deutschland, Frankreich und England in einem
so kurzen Zeiträume stattgefunden hat, während sie mehrere
hundert Jahre ganz unbeachtet geblieben waren.
Noch um 1800 war die Kenntnis der italienischen
Geigenbaukunst höchst spärlich: 50 Jahre später jedoch in
allen Ländern verbreitet. Das verdankt man zum grossen
Teil einem unternehmenden Italiener: Luigi Tarisio, * um
1800 in Fontanetto bei Mailand und da f im Oktober 1854,
einem Sohne armer Eltern, denenMusik und musikalische Intru-
mente unbekannte Dinge waren. Ausgerüstet mit der feinsten
Beobachtungsgabe, brachte er eine Menge von Perlen der
italienischen Geigenbaukunst ans Licht und unter die Völker.
Tarisio erlernte das Zimmermanns-Handwerk und arbeitete
mit Unverdrossenheit, wenn auch nicht mit Liebe. In seinen
Freistunden befasste er sich mit Violinspiel, nicht ahnend,
welche Bedeutung das für seine Zukunft haben sollte. Seine
erste Geige war ein Instrument von sehr geringem Werte.
Bei dem Bestreben ein besseres zu erwerben, erwachte in
ihm die Liebhaberei und damit war der Grund gelegt zu
seiner späteren so ungewöhnlich grossen Kennerschaft. Er
studierte alle Geigen, die in sein Bereich kamen und be-
obachtete mit scharfem Auge deren Unterscheidungspunkte.
Seine Leidenschaft für Geigen verleidete ihm sein eigent-
liches Handwerk, und
als er merkte, dass der Artikel Gegen-
stand allgemeinen Verlangens wurde, beschloss er, damit
Handel und ein voraussichtlich vorteilhaftes, wie auch ihm
zusagendes Geschäft zu betreiben.
In Hausierer-Tracht durchwanderte er, mit geringen
Mitteln versehen, die Städte und Dörfer Italiens, oft vom
Hunger gezwungen, auf der Strasse ein Stück Brot sich
zu erspielen. Sein Vorrat bestand in einigen alten Geigen
von geringem Wert. In jedem, auch dem kleinsten Orte,
wusste er sich bei den Einwohnern einzuschmeicheln und
beliebt zu machen. So gelang es ihm leicht, Erkundigungen
über diejenigen Leute, welche Geigen besassen, einzuziehen.
Damals befanden sich eine Menge der schönsten Instrumente
in den Händen gewöhnlicher Leute, die keine Idee von
-
XX
deren Werte hatten und oft gern dem Tarisio ein saiten-
loses Exemplar Güte gegen ein gewöhnliches, aber
erster
spielbares Instrument überliessen. Zwei oder mehr Geigen,
bei den Schnecken aneinander gebunden, über der Schulter
tragend, ging er durch die Gassen und rief: „Hier werden
Violinen zum höchsten Preise angekauft!" Dann besuchte
er die zahlreichen Klöster und brachte die dort befindlichen
Instrumente in Ordnung; nicht blos, um sich dadurch etwas
zu verdienen, sondern vielmehr um seine Kenntnisse zu ver-
mehren und sich Bezugsquellen*) für die Zukunft zu merken.
Nachdem Tarisio auf solche Weise manches gute Instru-
ment erworben hatte, fasste er den Entschluss, nach Paris
zu reisen. Er Hess die besten Stücke zu Hause und nahm
zunächst nur die weniger wertvollen mit, um sich erst auf
dem Violinmarkt von Diese seine
Paris zurecht zu finden.
erste Reise unternahm er 1827 zu Fuss, seine Geigen auf
dem Rücken tragend. In der französischen Hauptstadt an-
gelangt, ging er zum ersten besten Luthier. Zufälligerweise
—
war es Aldric (1788 1843), <^^"^ ^^ seine Cremoneser Geigen
anbot. Bevor er in dessen Laden trat, betrachtete er zögernd
seine sich wenig empfehlende Aussenseite. Seine Kleider
waren in zerlumpten Zustande, die Stiefel ohne Sohlen,
Gesicht und Hände stark gebräunt und ungewaschen. Aldric.
anfangs misstrauisch^ wurde dennoch aufmerksam, als Tarisio
eine kleine, schöne Nicola Amati auspackte und noch
weitere fünf Geigen von Maggini, Ruggeri u, a. auf den
Tisch legte und schloss aus dem schäbigen Ausseren des
Mannes, dass dieser den Wert seiner Waren nicht kenne,
wunderte sich aber doch über die Höhe seiner Preisforderung.
Nur nach langem Hin- und Herhandeln bei nicht unbe-
deutender Abminderung, wurden sie einig. Tarisio ging,
unzufrieden mit diesem ersten Geschäft, nach Italien zurück,
er glaubte den Wert seiner Instrumente für den Pariser
Markt überschätzt zu haben, entschloss sich aber gleich-
*) Der berühmte Kontrabass von Gasparo da Salö, lange Jahre das Eigen
tum Dragonetti's, stammte aus dem Kloster St. Marcus, Venedig, Bei seinem
Tode vermachte er ihn dem Kirchenvorstand von St. Marcus, in dessen Besitz er
1885 noch war (nach Hart). Dragonetti besass auch einen schönen Kontrabass von
Stradivari, den er der Stadt Venedig vermachte und ein schönes Cello von Dome-
nico Montagnana von 1725; dieses ging in den Besitz des Prinzen Albert von
England über. Sein ungeheurer, 3saitiger Kontrabass, ,,der Riese" genannt, ein
italienisches Instrument aus dem 17. Jahrhundert, ist den Besuchern des South
Kensington Museums wohl bekannt letzterem wurde er von dem Herzog von
;
Leicester geschenkt.
XXI
wohl zu einem zweiten Versuch, sich vornehmend, sein Glück
bei verschiedenen andern Händlern zu versuchen. Diesmal
nahm er seine besten Instrumente nach Paris mit und besuchte
Vuillaume, Thibout und Chanot. Diese waren entzückt von
seiner Kollektion und beeilten sich, sie ihm zu guten Preisen
abzukaufen; sie ermunterten ihn, so viele Instrumente nach
Paris zu bringen, als er nur immer zu beschaffen vermöchte.
Charles Reade, der Tarisio gut gekannt hatte, sagte
von ihm: „Des Mannes ganze Seele ging in Geigen auf,
er war ein grosser Händler, aber noch ein weit grösserer
Liebhaber." Eine Stradivari war ihm lieber, als zwanzig Equi-
pagen. Hatte er ein Meisterstück verkauft, so verlor er es doch
nie aus den Augen, sondern wartete eine günstige Gelegen-
heit ab, es wieder in seinen Besitz zu bringen. In vielen
Städten Italiens hatte er in Gasthäusern niederen Ranges eine
Stube als Depot für seine Ankäufe gemietet, um die erwor-
benen Schätze nicht von Ort zu Ort mitführen zu müssen.
Lange Jahre ist Tarisio nach Paris und London gereist und
Menge der schönsten Instrumente in die Hände
hat eine grosse
von Leuten gebracht, die ihren Wert zu würdigen verstanden.
G. Hart erzählt, dass Tarisio zu Hause das Leben
eines Einsiedlers geführt habe. Violinen waren sein alles
in der Welt. In seine armselige Wohnung an der Porta
Tenaglia in Mailand durfte kein lebendes Wesen eintreten;
seine nächsten Nachbarn wussten nichts von dem, was er trieb.
Er wechselte mit keinem Menschen ein Wort, ging schweig-
sam für längere Zeit auf Reisen und kam ebenso schweig-
sam wieder zurück. So sahen ihn seine Nachbarn einmal
heimkehren; allein mehrere Tage vergingen, ohne dass sie
sein Ausgehen bemerkten. Die Tür war fest verschlossen,
und auf lautes Klopfen erfolgte keine Antwort. Auf Befehl
der Behörden wurde die Tür zu den geheimnisvollen
Räumen erbrochen und man fand Tarisio leblos auf einem
elenden Lager ausgestreckt (Oktober 1854). Alles, was ihn
umgab, zeigte die äusserste Unordnung. Sein ganzes Mobiliar
bestand aus einem Tisch, einem Stuhl und dem Lager. Auf
diesem der entseelte Tarisio. Aber Violinkasten zu Haufen
aufgetürmt, die Wände voll von Geigen, Böden, Decken und
Schnecken. Da hingen drei Kontrabässe, in alte Säcke
gehüllt, hier die prächtige ,,Messie'*-Stradivari, deren Saiten
noch nie von einem Bogen berührt worden waren. Die
XXII
beste Beschreibung dieser Geige und vielleicht irgend eines
Instruments, enthält W. E. Hill &
Sons Monographie „The
Salabue Stradivari, 1891'*. Sie wurde Paolo Stradivari 1775
vom Conte Cozio di Salabue und dessen Erben 1824 von
Tarisio abgekauft. Letzterer sprach häufig zu den Pariser
Händlern davon, ohne sich jemals entschliessen zu können,
sie nach Paris zu bringen und zu zeigen. Erst nach
Tarisio's Tode erwarb sie Vuillaume mit den übrigen Vor-
räten. Da sie stets erwartet wurde, aber nie kam, erhielt
sie die Bezeichnung „Messias". Vorgefunden wurden ferner
ein Dutzend andere Stradivari-Geigen. Eine derselben von
1736, mit der Bemerkung auf dem Zettel ,,d'anni 92" in
der Handschrift Stradivaris, gelangte später in den Besitz
von W. E. Hill & Sons. Zum Vorschein kamen Bratschen
und Celli, einKontrabass von Gasparo da Salö und so nahe
an hundert Instrumente der verschiedensten Meister; zuletzt
ein Paket Wertpapiere und eine bedeutende Summe in
Gold. Von Seiten des Gerichts wurden Siegel angelegt,
bis sich später einige Neffen als Erben legitimierten, denen
die gesamte Hinterlassenschaft, etwa 300000 Lire zufiel.
Dabei konnte Tarisio weder lesen noch schreiben. (So Vidal,
der Vuillaume als Gewährsmann anführt.)
Sobald Vuillaume in Paris die Nachricht vom Tode
Tarisio's erhielt, machte er sich (am 8. Januar 1855) auf die
Reise und eilte nach Mailand. In dem kleinen, Tarisio ge-
hörigen! Landhause (De la Croix bei Fontanetto), entdeckte
er 6 der schönsten Instrumente, die Stradivari von 1736,
eine herrliche Guiseppe Guarneri, eine Carlo Bergonzi,
2 Guadagnini, und „Le Messie" und erwarb die ganze Samm-
lung des Verstorbenen für 80000 Lire. Die Geschichte
dieses Kaufes findet sich aufgezeichnet in A. Vidal: ,,Les
Instruments a archet' und W. E. Hill & Sons „The Salabue
Stradivari'*. Die Salabue Stradivari auch ,,Le Messie" ge-
nannt, blieb in Vuillaumes Besitz bis zu seinem Tode 1875,
kam dann an seine Töchter und wurde von dem Gatten
der ältesten, D. Alard, gekauft, nach dessen Tode 1888 von
Hill & Sons und dann von R. Crawford in Edinburg, end-
lich wieder von Hill & Sons.
In seinem ununterbrochenen und vom feinsten Urteile
geleiteten Sammeleifer, hatte Tarisio den Vorteil, die Instru-
mente meistens in ihrem primitiven Zustande, und frei von
XXIII
falschen Inschriften zu finden somit konnte er die Charakte-
;
ristik eines jeden Meisters studieren, ohne fürchten zu
müssen, dass sein Urteil, in der Weise wie durch spätere
Zutaten anderer, irre geleitet würde.
Sein Zeit- und Geschäftsgenosse, J. B. Vuillaume (* 1799,
t 1875) war ein hervorragender Künstler und Kenner, ein
Schüler Frangois Gand's, der sein Geschäft im grossartigsten
Massstabe und mit grossen Mitteln betrieb. Als Verdienst
um die Theorie des Geigenbaues ist ihm anzurechnen, dass
er in uneigennützigster Weise die kostbarsten Instrumente
zu wissenschaftlichen Versuchen dem Gelehrten Savart über-
liess, der sie zerschnitt, zerlegte und bis in die kleinste
Faser secierte, um —
ohne Erfolg — das Geheimnis der
Kunst zu ergründen. Auf seinen Reisen in Italien forschte
er nach zuverlässigen Daten über die grossen Cremoneser
Meister, die er dann in dem hervorragenden Werke „Stradi-
varius" (redigiert von Fetis) niederlegte. Ausserordentliche
Meisterschaft in der Geigenbaukunst befähigte ihn, seine Nach-
ahmungen alter Meister als echte Instrumente zu verkaufen,
wodurch er ein riesiges Vermögen erwarb, aber zugleich
die Kennerschaft der Ursprungserzeugnisse verdunkelte.
Vierter Abschnitt: Zettel-Inschriften. Täuschung.
Kunst Schwindel. Ausschach telung.
Es bedarf kaum der Erwähnung, dass die Beurteilung
eines Instruments nach dem
eingeklebten Zettel höchst
unsicher ist. Ein einfacher und leider sehr üblicher Schwindel
ist es, geringe Instrumente mit einem nachgebildeten Auf-
schriftzettel (Nameninschrift) der besten Meister zu versehen.
Zu einer derartigen Fälschung wird in der Regel vergilbtes,
geripptes Papier aus alten Folianten und Dokumenten her-
vorgesucht und mit Tusche, der man zuvor etwa mit Eisen-
rost oder Oxyd einen gelblichen Stich gegeben hat, be-
schrieben. Man verreibt und beschmutzt dann einen solchen
Wisch und der echte Zettel ist fertig.
In anderer Weise erfolgt eine Täuschung öfters durch
die Reparateure, die gern echte Zettel aus den Instrumenten
nehmen und diese wiederum durch Nachbildungen ersetzen,
während der echte Zettel dann in ein unechtes Instrument
wandert. Ist dieses nun einigermassen dem Original ähnlich,
so kann ein solcher Zetteltausch leicht irre leiten.
XXIV
Eine dritte Art der Täuschung findet selbst bei echt
italienischen Instrumenten häufig in der Weise statt, dass
echte oder unechte Zettel der grossen Meister in die von
deren Schülern oder Nachahmern gefertigten Instrumente
geklebt sind, und zwar entweder von diesen selbst oder
später von Händlern. Wie manches Cello von Grancino
segelt unter der Flagge des Nicola Amati wie manche Geige
;
von Bergonzi und Guadagnini mag wohl als echte Stradivari
hoch im Preise stehen! Am schlechtesten kommt in dieser
Beziehung der arme Stainer weg; denn fast alle von Klotz
gebauten, ja fast alle hochgewölbten Geigen späterer Zeit
finden sich gewöhnlich mit Stainer bezeichnet, gleichwie man
auch Geigen, deren Rändchen mit Fischbein statt mit Eben-
holz eingelegt sind, eine ,, Henry Jacobs" zu nennen pflegt.
Ferner ist zu bemerken, dass die alten Meister nicht
immer konsequent die gleiche Inschrift und den gleichen
Zettel beibehalten haben. Dergleichen Abweichungen sind
also nicht immer ein Beweis der Uneclitheit solcher Instru-
mente. So gibt es z. B. echte Zettel:
Gasparo di Salo fecit Bresciaej Casper Dasalo Fecit Bresciae;
Nicolaus Amati Cremonen, Hieronymi fiHus, Antonii nepos
fecit Anno i6. — Amatus Cremonen Hieronymi
Nicolaus
filius antonii nepos fecit i6. —
Nicholas Amatus Cremonen
Hieronymi Fil. ac Antonij Nepos Fecit i6.
Es ist ja auch wohl anzunehmen, dass Nicola Amati,
der 88 Jahre alt geworden ist, nicht mit der ersten Serie
Zettel ausreichte, die er sich drucken Hess. Die Zettel sind
teils in lateinischer, teils in italienischer Sprache abgefasst,
wobei denn die Herren Geigenmacher oft in gewaltigen
'Konflikt mit der Orthographie gekommen sind. Die Inschriften
im 6. Abschnitt sind genau so, wie sie im Original lauten, für
die Schreibweise also die Geigenbauer selbst verantwortlich.
Es gab eine Zeit, in welcher die Meinung fast allge-
mein sich geltend machte, die Decken hätten zuviel Holz,
und seien zu dick. Dem Übel war freilich bald und leicht
abzuhelfen, man schabte von der inneren Seite einiges Holz
weg und machte somit die Decke dünner. „Ausschachteln"
war der Kunstausdruck dafür. Die Instrumente sprachen nun
leichter an; aber sie verloren an Kraft und Fülle des Tones.
Durch die Verwirklichung dieser unglückHchen Idee ist
manches herrliche Instrument auf immer verdorben worden.
XXV
Fünfter Abschnitt: Der alt-italienische Lack.
Seit mehr wie hundert Jahren ist das, wahrscheinlich
als Geschäftsgeheimnis gehütete Rezept verloren gegangen
und alle Versuche, einen Lack zu bereiten, der gleiches
Leben und Feuer hat, sind nur zum Teil gelungen. Der
Lack dient nicht allein zur Verschönerung, sondern auch
zur Konservierung des Instruments gegen die Einflüsse der
Temperatur, und in dieser Beziehung muss der Lack, dessen
sich die alten Meister bedient haben, auch hervorragende
Eigenschaften gehabt haben; denn sonst wären die alten
Instrumente durch den Wechsel von Trockenheit und
Feuchtigkeit, sowie durch das Hineinatmen beim Spielen
längst morsch geworden.
Wenn die Erklärung nicht darin zu suchen ist, dass die
Veränderung der Eigenschaften des Holzes infolge hohen
Alters (Trockenlagerung oder loojähriger Gebrauch) auch
die Klangwirkung verändert, dann scheint es fast, als ob die-
jenigen Stoffe, die den alten Meistern zu Gebote standen
und ihnen Allen leicht erreichbar waren, jetzt nicht mehr
existieren und vielleicht durch andere, fabrikmässig her-
gestellte von anderen Eigenschaften ersetzt worden sind.
Wenn auch eine Verschiedenheit in dem Lack ihrer Instru-
mente ersichtlich ist, so ist er doch bei allen in Bezug auf seine
Hauptingredienz ähnlich und nur vorwiegend in der
Farbenmischung und dem mehr oder minder dicken Anstrich
abweichend. Nach Gh. Reade's Ansicht ist das Geheimnis
der Herstellung des echten Lacks 1760 verloren gegangen
und alle Versuche, den alten Lack und seine Zusammen-
setzung wiederzufinden, sind bisher fehlgeschlagen. ÄhnHch
wie die alten Maler der klassischen Zeit ihre Farben selbst
rieben und mischten, werden auch die Geigenmacher ihren
Lack selbst zusammengestellt und nach eigenen, vielleicht
lebhaft voneinander abweichenden Grundsätzen aufgetragen
und angewendet haben.
Ein Umstand gibt hier zu denken: Bis zur Mitte des
XVIII. Jahrhunderts wurde in Ober-Italien die, einen vorzüg-
lichen Balsam liefernde Balsamfichte, pinus balsamea, kulti-
viert; sie ging durch das Abzapfen des Harzes ein und wurde
wegen ihres schlechten Nutzholzes nicht weiter angepflanzt
und gezogen vielleicht liegt in ihrem Verschwinden die
;
XXVI
Auflösung des Rätsels und möglicherweise der Verfall der
italienischen Geigenbaukunst.
Dass der Lack einen Einfluss auf die Qualität des
Tones hat, ist leicht zu beweisen. Man spiele nur einmal
eine Geige, hevor sie lackiert und sodann nachher, nachdem
der Lack aufgetragen ist, so wird sich in jedem Falle ein
wesentlicher Unterschied im Ton herausstellen. Ein starrer
Spirituslack lässtden Ton schreiend und spröde, ein
elastischer Öl- oder Bernsteinlack ihn dick und mild er-
scheinen. Es wäre indes töricht, daraus zu schliessen,
dass ein gebautes Instrument, welches die Be-
schlecht
dingungen des guten Klingens nicht in sich trägt, durch
einen guten Lack in ein gutes Instrument umgewandelt
würde, es soll nur behauptet werden, dass die Wahl des
Holzes, die Konstruktion und der Lack harmonieren müssen,
und das war bei den alten Meistern entschieden der Fall.
Man muss sich recht hüten, gute alte Instrumente zu
überlackieren. Abgesehen davon, dass dadurch deren Ori-
ginalität und Intaktheit schwindet, so verändert sich auch
der Ton und zwar meist zum Nachteil. Jeder erneuerte Lack-
anstrich macht das Holz der Geige dicker; war es vorher
schon dick genug, so wird es nun steif und die Geige wird
und muss deshalb schlechter klingen als vorher, um so mehr,
je spröder der Lack ist und je dicker er aufgetragen wurde.
Ferner ist bemerkenswert, dass den Italienern das
Klima beim Trocknen zu Gute kam. Der Öl- und Bern-
steinlack trocknet in unserem Klima viel langsamer, und
nach Massgabe der Zeitdauer ist das frischlackierte Instrument
auch um so länger dem Staub ausgesetzt, der fest daran haftet
und Durchsichtigkeit und Feuer des Lackes sehr beeinträchtigt.
Ob ein Instrument mit Öl- oder Spirituslack versehen
ist, kann man durchaus nicht leicht bestimmen. Kenntnis-
reiche Geigenbauer versteigen sich sogar mitunter zu der
Behauptung, die Italiener hätten niemals Öllack benutzt,
sondern ihre Ingredienzien in Weingeist aufgelöst; auch
darüber weichen die Ansichten ab, ob die Farbe durch
Beizen des Holzes vor dem Lackieren aufgetragen, oder im
Lack enthalten gewesen sei. Soviel ist sicher, dass man
zu jener Zeit ebenso experimentiert hat, wie heutzutage.
Hierüber sagt Charles Reade in seinem 4. Brief über
Cremoneser Geigen: „Der Cremona-Lack ist nicht ein Lack.
XXVII
sondern er besteht aus zwei
ganz verschiedenen Lack-
arten, d. h. zunächst werden die Holzporen gefüllt und die
Holzfaser mit i, 2, 3 und seltener auch 4 Lackschichten
überstrichen (gewöhnlich klarer Lack). Auf diesen Öllack
wird dann, sobald er trocken ist, ein anderer Lack ge-
bracht, nämlich die Spirituslösung eines feinen, hellfarbigen,
durchsichtigen und vor allem weichen Gummis. Gummi-
lack, wie solcher vor 40 Jahren die Hauptstütze der Geigen-
bauer war, ist absolut zu verwerfen."
Die Farben, welche man den Instrumenten gibt, müssen
Saft färben sein, die das Holz durchscheinen lassen und
nicht decken. Die vorzüglichsten sind: Drachenblut, Sandel,
Saffran und Orleans; man zieht den Farbstoff aus, durch
einen Aufguss von Weingeist und bildet durch Zusammen-
giessen der Farben eine Mischung nach Gefallen. Andere
Saftfarben werden durch Auskochen in Wasser extrahiert,
z. B. aus Kurkuma, Mahagoni, Fernambukholz etc.
Ölfirnisse werden durch Einkochen von Mohn-, Nuss-
aber meist Leinöl gewonnen.
Lack firnisse oder fette Lacke sind Auflösungen
verschiedener Harze, wie Bernstein, Kopal, Kolophonium,
Mastix, Sandarak, Elemi, meist in Terpentinöl.
Spirituslack wird hergestellt, indem man feste Lacke,
wie Schellack, Gummilack, Stocklack, Benzoe etc. in Wein-
geist auflöst.
Wer sich über die Zubereitung der verschiedenen Lacke
genauere Kenntnis und Unterweisung verschaffen will, der
findet sie in G. A. Wettengel, Lehrbuch der Geigen- und Bogen-
macherkunst. 2. Auflage umgearbeitet von H. Gretschel,
Weimar 186.9, auch in A. Rebs, Anleitung zum Lackieren
von Streichinstrumenten, sowie zur Herstellung der dabei
zu verwendenden Beizen, Firnisse und Lacke. Leipzig 1884.
Auch der Anhang A in dem Buche von E. Heron-Allen,
Violin-making, as it was and is, London 1885, sei erwähnt.
Mitunter haben die Italiener ihren Geigen vor dem
Lackieren einen schwachen Überzug von Hausenblase- oder
Leimauflösung gegeben. Hatten sie den Zweck, ein Ein-
dringen des Lackes zu verhindern, oder wollten sie dem
Lack eine Unterlage geben, um seinen Glanz zu erhöhen?
Eine Nachahmung dieses Verfahrens in neuerer Zeit hat
nach keiner Richtung hin einen Vorteil ergeben.
XXVIII
Als Erkenntnis gilt, dass die Ton Voll-
unantastbare
kommenheit eines alten Streichinstrumentes nicht nur dem
Alter, der Qualität des Lacks, des Holzes oder der Bauart
zuzuschreiben ist, sondern dass diesen allerdings nicht zu
unterschätzenden Grundlagen wesentlich das langjährige
Gespieltsein zu Hilfe kommt. Letzteres wirkt vor allen
Dingen auf das genaue Erklingen der eii^zelnen Töne in den
verschiedensten Lagen, bildet also die unerlässHche Bedingung
der sogenannten „leichten Ansprache". Die Richtigkeit
dieser Behauptung folgt daraus, dass es gelang, Instrumente
aus alten Zeiten zu prüfen, welche noch gar nicht gespielt
worden waren. Der bekannte Geigenbauer Hammig in
Leipzig hatte z. B. mehrere Geigen in Reparatur, welche aus
dem Nachlasse des Alessandro Gagliano herstammten und
noch nicht ganz fertig waren. Das mit Spannung erwartete
Tonresultat war sehr mittelmässig, denn die Tonqualität
wich durchaus nicht von der einer besseren neuen Geige ab.
Längere Zeit unbenutzte Instrumente spielen sich bei erneuter
Ingebrauchnahme unbequem und schwer und bekommen
erst allmählich ihre früheren guten Eigenschaften wieder.
Alte Lackrezepte aus der klassischen Periode
des italienischen Geigenbaue s.*)
Den Geigenlack einer chemischen Analyse zu
alten
unterziehen, um die ursprünglichen Bestandteile genau
festzustellen, ist ein Ding der Unmöglichkeit; denn einer-
seits sind die Harze und ihre Lösungsmittel im Laufe der
vielen Jahre schon längst oxydiert, andererseits ist das
Experimentieren mit Cremoneser Lack äusserst kostspielig,
und es dürfte ^sich wohl kaum jemand finden, der ein kost-
bares Instrument durch derartige Versuche entwerten lassen
wollte. Der einzige Weg auf dem man vielleicht zum Ziele
gelangen kann, ist der, dass man sich über den Stand der
Lackzubereitung in Italien während der klassischen Periode
des Geigenbaues Unterlagen verschafft, denn die alten
Geigenmacher haben doch nichts anderes verwenden können,
als was damals im Gewerbe bekannt war.
•)Mailand, Eugene. Dicouverte des anciens vernis Italiens employ^s pour
les instruments k cordes et ä archet. Paris 1859.
— Das wiederentdeckte Geheimnis des altitalienischen Geigenlackes. Nach
dem vergriffenen französ. Originalwerke „Dicouverte des anciens vernis italiens"
des E. Mailand. Ins Deutsche tibertragen und auf Grund der neuesten Forschungen
ergänzt von der Redaktion der „Zeitschrift für Instrumentenbau- Leipzig 1903.
:
XXIX
Es ist festgestelH:, dass der altitalienische Geigenlack
in dem Zeiträume von 1550 bis ungefähr 1745 verwendet
wurde, also ungefähr 200 Jahre lang. Die Schriften nun, die
in dieser Periode über Lacke und deren Bereitung er-
schienen sind, dürften zweifellos auch einigen Anhalt für
uns geben, denn die Vermutung liegt doch sehr nahe, dass
ihre Verfasser den damaligen Lack der Geigenbauer bis
zu einem gewissen Grade kannten. Freilich ist es manch-
mal sehr schwer, die alten Rezepte zu verstehen, weil
viele der darin genannten Gummis, Harze und Lösemittel
heute ganz andere Namen haben, während bei einigen die
verschiedensten Bezeichnungen im Gebrauche waren. Andere
wieder scheinen völlig verschwunden zu sein.
Einige Rezepte in verständlicher Umschreibung sind
wiedergegeben. Die vorkommenden Gewichtszahlen beziehen
sich immer auf das altitalienische Pfund und würden, nach
dem heutigen Dezimalsystem umgerechnet, bedeuten:
Das Pfund zu 12 Unzen =
312 Gramm.
Die Unzen 26 = „
Die Drachme =
2,22 „
Die älteste Abhandlung über Lacke findet sich in dem
1550 erschienenen Werke des Piemontesen Alexis: „Segreti
delle arte" ^) [Geheimnisse der Kunst], der darin 7 Rezepte gibt
1. Tue etwas pulverisierte Benzoe in eine Phiole, be-
giesse es hoch mit reinem Weingeist und
2 bis 3 Finger
lasse es 2 bis 3 Tage stehen. Dann giesse ^/^ Phiole Wein-
geist zu und tue 5 oder 6 Fäden Safran hinein, ganz hin-
ein, ganz oder gestossen. Man erhält dadurch einen Lack,
der dem Gegenstande eine goldig schimmernde Farbe gibt
und von grosser Dauer ist.
2. Nimm i Pfd. weisses Harz^), 2 Unzen Pflaumenbaum-
Gummi, I Unze venetianischen Terpentin, 2 Unzen Leinöl.
Mache das Harz klar und schmelze es. Dann löse das Gummi
in gewöhnlichem Oel und giesse es in die Harzlösung, füge
das Terpentin- und Leinöl hinzu und setze es über leichtes
*J Erschien später 1603
in Basel unter dem Titel: ,,D. Alexii Pedemontani
de Secretis Libri Septem".
") Unter ,, weissem Harz" verstand man früher eine Art von Kopal der.
später verschiedentlich bezeichnet wurde als ,, Indischer Kopal", Dammar und
„Gummi animi", der aus einem Baume Sumatras, genannt ,,Vateria Indica",
IHesst. Er wurde früher auch ..weisser Bernstein" oder ,, weisser Weihrauch'' ge-
nannt. Man bezeichnete aber auch mit dem Namen ,, weisses Harz" eine
Mischung von Öl und griechischem Wachs.
-
XXX
Feuer, wo man alles sich gründlich mischen lässt. Die Mi-
schung wird warm aufgetragen und gibt einenguten Fettlack.
3. Ein trocknender
schnell Lack. Nimm arabischen
Weihrauch und Sandarac (Gummi juniperi)^), stosse beides
zu Pulver und mische es fein. Nimm etwas venetianischen
Terpentin, schmelze ihn in einem kleinen Gefäss und füge
allmählich fortwährendem Umrühren die erwähnte
unter
pulverisierte Mischung zu. Dann filtriere alles durch Tuch
und bewahre es auf. Der Lack wird warm angewandt und
trocknet sehr schnell.
4. Nimm Unzen Gummi Mastix und i Unze vene-
2
tianischen Terpentin, schmelze den Mastix über leichtem
Feuer, füge den Terpentin zu, und lasse es einige Zeit unter
fortwährendem Umrühren kochen, aber nicht zu lange, da-
mit der Lack nicht zu dick wird. Dann bewahre es, vor
Staub geschützt, auf. Vor dem Gebrauch erwärmt man die
Mischung an der Sonne und trägt sie dann mit der Hand auf.
5. Koche 3 Pfd. Leinöl so lange, bis eine hinein-
gelegte Feder sengt, dann gib 8 Unzen Sandarac und 4 Unzen
Aloe hepatica zu und mische tüchtig. Filtriere durch Tuch
und erwärme vor dem Gebrauch die Mischung in der Sonne.
6. 2 Unzen Gummi mastix, 2 Unzen Sandarac, 3 Unzen
Leinöl, 3 Unzen Weingeist, lasse alles i Stunde in einem
verschlossenen Gefäss kochen.
Als Farbstoffe führt der Verfasser an: Rotes Santel-
holz %Drachenblut, Krapp in Weinsteinsäure getaucht, Blau-
holz, Brasil- oder Pernambukholz alles in Kalilauge gelöst
,
unter Zutat von Alaun und gekocht. Desgleichen Safran,
Zinnober und Operment [Verbindung von Schwefel und
Quecksilber]. Er spricht zum Schlüsse von der Dauerhaftig-
keit der Farbstoffe und fügt hinzu: Das Leinöl stumpft
die halbmineralischen Farben ab, aber nicht die mineralischen
und vegetabilischen.
Im Jahre 1564 gab Fioravanti in Bologna sein Werk
') Mit Sandarac bezeichnet mau gewöhnlich das Harz des in Nordafrika
heimischen Baumes „Callitris quadrivalvis", doch dürften dies die alten-Meister wohl
kaum benutzt haben. Der Sandarac der Alten ist das reine Gummiharz des Wach
holderbaumes (Juniperus), das in langen, gelblichen TrSnen vorkommt. In dieser
Form muss es sich der Geigenbauer zu verschaffen suchen. Aus diesem Grunde
ist die Bezeichnung Gummi juniperi immer dem Nomen Sandarac beigefügt.
*) Hier ist das Holz von ..Pterocarpus santalinus" zu verstehen, das im
südlichen Indien und in Ceylon wächst, nicht aber das Holz von Santalum Yasi.
Die filtere Schreibweise Santelholz ist richtiger als die heute allgemein übliche
Schreibart Sandelholz.
: :
XXXI
,,Specchio universale delle arte e delle scienze" [Universal-
Spiegel der Künste und Wissenschaften] heraus. Folgende
vier Lackrezepte finden sich darin vor
1. Leinöl 4 Teile, Terpentinöl 2 Teile, Aloe i Teil,
Sandarac (Gummi juniperi) i Teil.
2. Benzoe, Gummi juniperi und Gummi mastix, alles
pulverisiert und mit Weingeist vermischt. Man lasse die
Mischung über leichtem Feuer oder an der Sonne sich
lösen. Dieser Lack trocknet sofort und sehr brillant.
3. Ein sogenannter türkischer Lack, der sich auch zum
Lackieren von Blech und für die Buchdrucker eignet: Lein-
öl I weisses Harz 3 Teüe,
Teil, koche es zusammen und
färbe nach Belieben.
4. Kolophonium 2 Teile, Fichtenharz
Leinöl i Teil,
^/g Teil, zusammen, dis es dick wird.
koche alles
Fioravanti gibt dann noch einige praktische Winke:
Man tue den Sandarac (Gummi juniperi) erst dann in das
Leinöl, gekocht hat, sonst verbrennt er. Wenn
wenn es
das Öl gekocht hat, lässt man es sich abkühlen, hierauf
setzt man das pulverisierte Gummi juniperi zu und mischt
über langsamem Feuer.
Über das Kochen des Leinöls sagt Fioravanti wörtHch
„Die gewöhnlichste Art ist, das Ol so lange kochen zu lassen,
bis eine hineingetauchte Feder zu sengen anfängt einige tun ;
auch eine Brotkrume hinein —
je nach der Menge des
Öls, das sie kochen —
weil diese das Fett einsaugt, und
das Öl leichter trocknend macht."
Ein sehr wichtiges Werk des berühmten Jesuitenpaters
Bonanni „Trattato delle vernice" (Abhandlung über die
Lacke) erschien 17 13 in Rom*). Diese erste wirklich voll-
ständige und erschöpfende Abhandlung, die über den Lack in
Italien erschien wurde 1723 von Laurent d'Houry in Paris
. . .
in französischer Übersetzung („Trait6 des vernis") heraus-
gegeben. In ihm finden wir alles zusammengetragen, was bis
dahin auf dem Gebiete der Lackzubereitung erreicht worden
war. Weiter zeigt sie uns, was man zu der Zeit, da ein
Stradivari und ein Guarneri arbeiteten, in Italien vom Lackieren
verstand, und wertvolle Aufzeichnungen gestatten einen Rück-
schluss auf den Geigenlack der alten Cremoneser Meister.
•) Nur ein Teil, das ganze Werk, heisst ; Descrizione degl' Istrumenti ar-
monici. z Bde. Roma 1776.
XXXII
Ehe Bonanni auf die Zusammensetzung der verschiedenen
Lacke zu sprechen kommt, gibt er ein Verzeichnis der
damals zurLackbereitung benutzten Harze und anderen
Substanzen, nämlich: i. Gummi laccae oder Gummilack 'i
in Stock-, Körner- und Tafelform (damit ist Stock-, Körner-
und Tafellack gemeint); 2. Sandarac oder Gummi juniperi;
3. Mastix von der Insel Chios; 4. spanischen oder ameri-
kanischen Copal, halbharten und weichen; 5. Bernstein;
6. Asphalt; 7. calabrisches Harz oder griechisches Pech;
8. ein wenig bekanntes Gummi vom wilden Olivenbaum,
ähnlich dem roten Scammonium [WindenharzJ.
Bonanni hat das Benzoe vergessen; an einer anderen
Stelle rät er, zur Grundierung warme Fischblase zu nehmen.
Über die Grundierung.
Ist es denn unbedingt nötig, ein Instrument vor dem
Lackieren zu grundieren? Das Holz ist von Natur porös,
es würde die ersten zwei oder drei Lagen Lack einsaugen
und gewissermassen durch den Lack selbst grundiert werden.
Nachdem das flüssige Mittel in das Holz gedrungen und
seine harzigen und farbigen Bestandteile auf der Oberfläche
zurückgelassen hat, würden diese schnell trocknen und die
durch die Gegenwart des weich machenden Lösemittels
bedingte Elastizität verUeren. Eine grössere Zahl Lack-
lagen würde unzweifelhaft die Stärke und Pracht des Tones
für eine grosse Anzahl von Jahren zerstören; das Ausfüllen
der Poren mit Lack würde alle die Vorteile aufheben, die
man von einem gründlichen, jahrelangen Austrocknen des
Holzes erhält. Mit welchem Mittel grundiert man am besten ?
1. Gummigutti 20 Gramm, Alkohol 100 Kubikzentimeter.
2. Gummigutti 10 Gramm, Aloe 8 Gramm, Alkohol
100 Kubikzentimeter.
Das 2. Rezept gibt eine zartere und weichere Schicht.
Zwei Lagen, mit dem Pinsel aufgetragen, scheint völlig ge-
nügend. Alkohol ist zu dieser Lösung immer besser als
Wasser, da er die Gummiharze gründlicher löst und sich
nach dem Auftragen schneller verflüchtigt.
*) Gummilack ist zuerst durch Pater Jamart in der ersten Hälfte des
Jahrhunderts von China nach Europa gebracht und von Pater Kircher in seinem
17.
Werke „China illustrata" euerst beschrieben worden.
Alphabetisch - chronologisches Namen -Verzeichnis
und Charakteristik der Werke.
ABBATI, Giambattista, Modena 1775 — 1795. Einzelne
Violinen, nach Art Cassinis, sind gut hergestellt; seine Kon-
trabässe sind in Italien sehr geschätzt. Eine Viola besass
der bekannte Sammler Graf Luigi Francesco Valdrighi in
Modena (f 20. April 1899).
ACEVO oder Acero, ebenso SAPINO sollen piemonte
sische Geigenmacher gewesen sein. Das Wort acero fand sich
auf dem Boden einer alten, ehemals dem Gambenvirtuosen
Mar' 1 Marais gehörigen Viola da Gamba von 1693; in einem
andern alten Instrumente entdeckte man, mit Bleistift ge-
schrieben, das Wort ,,Sapino". Das genügte, aus acero,
Fetis las „Acevo", und sapino die Namen zweier Instrumenten-
bauer zu fabrizieren!^) Acero heisst Ahornholz, sapino
Tannenholz.
AGLIO, Giuseppe dall', Mantua 17 19 — 1775.
Joseph Dalaglio
fecit in Mantuae anno 1719
AGLIO, Giuseppe dall', Mantua 1795 — 1840 (?). Sein
Joseph Dall'AgUo Modell ähnelt dem C. Camillis, hat
fecit
Mantuae 1810jedoch höhere Wölbung, gelben
JOSEPH DALAGLIO Firnis, etwas steile /-Löcher, ge-
PEcrr IN MANTUA wohnliche, sogar plumpe Schne-
Anno 1826 ckenform. Bessere Violoncelli.
AGOSTINI, Sante, Palermo (?) 1822, wenig bekannt.
AIRAGHI, Cesare, Mailand I883, wenig bekannt.
ALBANESI, Sebastiano, Cremona 1720
Schüler — 1744,
von Carlo Bergonzi. Flach gewölbtes Modell, gleicht mehr
Mailänder Arbeit, der Lack dem Cremoneser ganz unähnlich.
ALBANI, Matthias, Bozen * 162 1 und da f um 1706,
Mathäus Albanus fecit der Erste dieses Namens; sein
Bulsanl in T yroli 1650 Modell ist ursprünglich tirolisch,
*) Siehe auch: Vidal, Antoine I-es Instruments ä archet, Tome I
:
—
III. Paris
1876—78; Francois Jos. F^tis und Laurent Grillet: Les AncMres du Violon et du
Tome I. II. Paris 1901.
Violoncelle,
Niederheitmann Vogel, Cremona.
- 4. Aufl. I
im Stile des Jakob Stainer mit sehr hoher Wölbung. Die
beiden oberen Saiten seiner Geigen khngen hell, dagegen
haben die tieferen einen, näselnden Ton. Der Firnis ist
rotbraun. Albani arbeitete bis 1660 in Bozen. Nach Picco-
lellis') ist er dann nach Rom übergesiedelt und soll seine
Instrumente italianisiert haben.
ALBANI, Matthias, B<^^cn 1670 1710. Sohn des vorigen.—
was nicht unbedingt feststeht,
MATTHIAS ALBANUS lecit
^^j, ^^ ^.^ ^^^ derselbe sein
Bulsani in Tyroli 1690.
^„^^_^^^ ^^^^ ^^^^^^^ ^^^^ ^^ ^.^
Schüler von Nicola Amati gewesen sei, sein Stü ist von dem
Cremoneser Meister eingegeben. Seine Instrumente sind
geschmackvoll und anmutig und weichen ab von denen
seines Vaters, mit dem er denselben Vornamen führt. Ge-
nannt wird nur eine Violine von 1690 mit gedrucktem Zettel.
ALBANI, Joseph, Bozen 1703 17 19, wenig bekannt. —
Josephus niius Matth: Albani, Sohn von Matthias; gleich-
tne fecit, Bulsani in Tyroli. lautende Zettel von 1703
Anno 1719 und 17 19.
ALBANI, Paolo, Palermo und Cremona 1650— 1695.
16—
Man sagt, er sei ein Schüler
Signor
^ Albani in Palermo a xt-
des Nicola Amati gewesen. 1
.Paolo Albani in Palermo 1692
Eine Violine von T 692 wurde
1 898 von der FirmaLyon &
Healy, Chicago, für 20oDollars aus-
geboten. In Wien befand sich 1 892 bei der ,, Internationalen Aus-
stellung für Musik und Theaterwesen" eine Viola mit dem Zettel:
Gio. Paolo Albani fece in Bolzano 1723. (Vielleicht ein Sohn.)
ALBANI, Francesco, Graz 1724. Eine Violine von
1724 besitzt Fürst Lob-kowitz in seiner Privat-Instrumenten-
Sammlung, Raudnitz bei Leitmeritz.
ALBANI, Michael, Palermo 17.., wenig bekannt.
ALBANI, Nicola, Mantua 1763. Grosses Patron, schöner
Nicolaus Albani rötlicher Lack, starker edler Ton.
fecitMantua 1763
ALBERTI, P'erdinando, Mailand 1741 — 1770. Arbeitete
Ferdinando Alberti leöe in Milano nach dem Modell von
nella contrada del pesce al segno Grancino. Seine Instru-
delia Corona. A p 1745. mcnte haben grosses Pa-
tron und sind sorgfältig gearbeitet. Firnis gelb.
') Piccolellis, Giovanni de: Liutai Antichi e Moderni, Kirenze 1S85. Note
Agtjiiintf. Firtnze 1SS6.
3
[Link], Pietro, Rom 1578— 1598. War berühmt
Petrus Albertus 1598 als Mandoliücn- und Lautenmacher.
Petrus Albertus Eine Mandore ist im Besitz von
faciebat R- Antoine Gautier in Nizza, und im
Instrumenten- Museum Kraus ^), IHorenz, befindet sich eine
Krzlaute (ArchiHuto) von 1598.
ALBERTO, Andrea di, Rom. 1608.
ALBINUS, (?), 14- Jahrh.
ALDOVRANDI, Emiho, Bologna 1850— 1882.
ALESSANDRO, genannt il Veneziano. Venedig 1540.
Eine Viola befand sich in der Turiner Ausstellung 1898.
ALLEGRETTI, Massimiliano, genannt Monfcrrino, So-
liera (Modena) 1873.
ALLESSAiNDRONl, Paolo, Rom 1850— 1860.
ALLETSEE [Alletsche, Aletzie, Alleci], Paul, München
* 1670 t 1738. Die grösste Zeit hat er in
(?1 München ver-
bracht, er war nur vorübergehend in Venedig. In einer
Viola d'amore lautet die Angabe Venetia 1720, sie gehört
L. van Waefelghen in Paris. Eine andere Viola d'amore
von 1720 befindet sich im Instrumenten- Museum der kgl.
akad. Hochschule für Musik, Berlin -Charlottenbiirg.-) Die
ältesten Violinen tragen die Jahreszahl 1698, die letzten
Paulus Ailetssee werden die von 1735
Die Jahres- sein.
fecit Monachii zahl 1720 Venetia wird wohl unrichtig
1722. sein, denn die von mir 1890 be-
Paolo Aietzio Monaco suchte Instrumentensammlung von
1730. Q Q Snoeck'^), früher in Gent (jetzt
Berlin-Charlottenburg), enthält eine Tenor-Viola d'amore aus
demselben Jahre 1720, die in München gearbeitet wurde. Sie
hat 12 Saiten, schönen Kopf, die Bauart ist anders als bei
solchen Instrumenten üblich, ebenso die F-Löcher. Nach
von Lütgendorft"*) „besass Alletsee eine grosse Handgeschick-
lichkeit, guten Geschmack und Formensinn und so zeichnen
sich seine Arbeiten durch Sorgfalt und Zierlichkeit in den
Einzelheiten aus". Violine mit Löwenkopf von „Paulus Alletsee,
Hofiauten- und Geigenmacher in München 1730, mit prächti-
*)Siehe S. 45, Aura, i, Kraus* A Figlio.
*)Nicht im ,, Führer", siehe S. 33, 36. Barbaro.
')(Suoeck, C. C.) Catalogue de la Collection d'Iustrumeiits de- Musicjue
[Link] curieux form(^'e par — Gand 1895.
*) Lütgendorff, W. L Frhr. v. Die Geigen- und Lautenniacher vom MitUl-
alter bis zur Gegenwart. Frankfurt a. M. 1904.
,«
1
gern dunkelroten Firnis." Länge 58 cm. „Violoncello in
Gambenform, höchst interessantes, sauber gearbeitetes In-
strument mit braunem Firnis und folgendem Zettel des
Erbauers; Paulus Aletsee, fecit Monachij 17 14. Aus dem
gräfl. Schlosse zu Eysden a. Maas." Gesamtlänge 1 1 cm. 1
Katalog des musikhistorischen Museums von Paul de Wit,
Leipzig, jetzt kgl. Konservatorium in Köln.
ALT IM I RA, Barcelona 1850.
. . . .,
ALVANI, Paolo, Cremona 1750 — 1755. Vermutlich
Sohn oder Enkel von Paolo Albani. Talentvoller Nach-
ahmer von Giuseppe Guarneri. Firnis und Holz sind von
ausgezeichneter Beschaffenheit.
AMATI, Andrea, Cremona * um 1538 f 10. IV. 161 1.
Sein Geburtsjahr ist unbekannt. Andrea Amati war das Haupt
dieser Familie (deutschen Ursprungs?),
Andrea Amati in ^ ,,. V _y.
,
,t- ... , 1
^ i..r T> T^^TT berühmter Viohnen-, Violen-, Violon-
Cremona M. D. LXXII. ,, , ,
celh- und Kontrabass-Macher; er hat
die grosse Cremoneser Schule begründet. Aus seiner ersten
Ehe stammen zwei Söhne: Antonio und Girolamo. Etwa 1609
verheiratete er sich zum zweitenmal mit Angiola de Migli,
die schon am 10. April 161 1 starb. Seine Ahnen gehen, nach
den Annalen von Cremona, bis 1097 zurück. Die Angaben,
dass er ein Schüler von Giovanni Maria del Bussetto gewesen
sei (andere meinen, dass Andrea seine Kunst bei Gasparo
da Sal6 in Brescia gelernt habe), beruhen auf Vermutung.
Familie Andrea Amati
Andrea * um 1538, heiratete um 1554 in erster Ehe
.-
p
Antonio Girolamo
* um 1555 f ... . j .* um 1556 f [Link]. 1630
Valeria
* um 1569, f . . . .
Andrea heiratete um 1609 ^^ zweiter Ehe Angiola de Migli.
t nach 10. IV. 161 1 .
| f 10. IV. 161
Candida
V. 1610, f 2. VL 1610
* 4.
Die Instrumente des Andreas Amati sind mit Sorgfalt
gearbeitet. Er nahm hohe Wölbungen, den F-Löchern fehlt
noch die Entschiedenheit in der Zeichnung. Der Firnis ist
von guter Qualität und tiefgoldener Farbe. Die Böden sind
5
nach der Schwarte geschnitten, meist aus Ahorn, oft aus
Birnbaumholz. Die Instrumente sind von verschiedener Grösse,
die meisten indes nach kleinem Patron; sie haben wenig
Kraft, aber einen süssen Reiz im Ton.
Karl IX., König von Frankreich, Hess von ihm für seine
Hofkapelle 24 Violons, von denen 12 grosses Patron, 12 kleines
hatten, sechs Violas und acht Bässe machen. VidaP) erklärt
das für eine Fabel, aber nach vielen Forschungen in den
Archiven muss etwas Wahres daran sein. Ausserdem be-
stellten andere fast ebensoviel Instrumente. Ein pracht-
volles Violoncello besitzt der Geigenbauer N. G. Simoutre-)
in Paris. Die // ähneln den Werken von Gasparo da Salö
und denen von Maggini, sie sind sehr verschieden von
dem Violon von Duififoproucart. Die Wölbungen der Tafeln
sind fast wie mit Goldfäden verziert, die Ränder sehr leicht
und gut placiert, der Einschnitt dirigiert sich gegen den
inneren Winkel. Der Firnis ist klarbraun, der Ton von
grosser Schönheit. Seine Devise lautet: ,,Pietate justitiae' ,
[In Verehrung der Gerechtigkeit]. Im
Innern des Kastens gedruckte Etikette
in grossen romanischen Lettern.
Die Masse sind:
Totale Länge des Kastens 730 mm
Breite des hohen Endes 340 . ,,
„ mittleren C.C.
,, 230 ,,
„ „ unteren Endes 430 ,,
Länge der // .... 140 ,,
Eine Andrea-Amati- Violine, auch
für König Karl IX. gebaut, gehört
Otto Migge in Eastbourne, England,
über welche der Besitzer u. a. folgende
Angaben macht:
„Länge des Körpers 35,3 cm .
Untere Breite 19,7 „
Mittlere Breite . . . 10,6 „
Obere Breite 16,4 ,,
Der Boden von Platanenholz ist nach der Schwarte geschnitten
und zweiteilig. Die Decke ist aus Fichtenholz mit stark hervor-
tretenden Jahren, wie solches von den Brescianer Meistern be-
MVidal, Antoine. Les Instruments ä Archet. Tome I — III. Paris 1876— 78.
*)Simoutre, N. G. Uu Progr^s eu Luthcrie. Bäle 1887,
Andrea Amati-Geige
im Besitz von OttoMigge in Eastbourne. l-^nglancl.
nutzt wurde. Die Zargen sind 30 resp. 28 mm hoch, und die
Schnecke ist von Ahornholz. Die /-Löcher sind weit geöffnet
und stehen senkrecht. Ihr oberer Abstand ist nur 3,8 cm. Die
Mittelbiegel sind lang, wie bei Gasparo da Salö. Die Mensur,
Länge vom Einschnitt bis Deckenrand 19,4 cm. Höhe der
Wölbung der Decke 16 mmund die des Bodens 14 mm. Die
Einlage ist stark und von meisterhafter Ausführung, ebenso
sind die Wölbungen der Decke, der Boden und die Schnecke.
Der Firnis, der den Boden noch fast ganz und die
Decke noch teilweise bedeckt, ist von tiefgoldener Farbe.
Die Violine hat kein Futter, auch sind die Ränder noch
original und nicht unterlegt.
Die ganze Arbeit der Geige ist von solcher Vollendung,
dass sie in dieser Beziehung Werke von Maggini und selbst
Instrumente von Nicola Aniati in den Schatten stellt. Der
Ton der Violine ist von edler Qualität und so gross, dass
er für den Konzertsaal ausreicht.
Das Instrument trägt leider nicht den Original-Zettel,
sondern einen solchen der Gebrüder Antonius und Hieronymus
Amati (fecit Cremonae i6oi). Hier entsteht nun die Frage,
wie kam dieser Zettel Entweder wollte man die
hinein?
Geige wertvoller machen, weil Andreas -VioHnen selten
auf dem Markte sind und die der Gebrüder Amati gut be-
zahlt werden, oder der Zettel wurde von den Brüdern selbst
hineingeklebt. Der Zettel scheint jedoch unecht zu sein
und die erste Annahme wird wohl zutreffen.
Dass die Geige wirklich von Andreas ist dafür ,
zeugt das Alter das eigenartige Modell, die
der Violine,
erstaunlich vollendete Arbeit. Als ich meine Violine ent-
deckte, hielt ich sie für eine der Gebrüder Amati, aber selbst
als solche war sie kaum erkennbar, denn sie befand sich
in einem verwahrlosten Zustande. Das Instrument war mit
einem braunen Firnis überlackiert, und erst, als ich begann,
sie zu reinigen, erkannte ich ihren Wert. Der goldgelbe
Firnis kam zum Vorschein, und dass dieser so wunderbar
erhalten ist, verdankt die Violine der Überlackicrung. 4 Mo-
nate nahm es in Anspruch, das Instrument in Ordnung zu
bringen, aber ich scheute keine Mühe, weil es galt, ein
seltenes und äusserst wertvolles Instrument zu retten''.
AMATI, Antonio und Girolamo, Söhne von Andrea.
um f 1640, Girolamo wahrscheinlich um i 556,
' *
Antonio 1
555,
f 2. XI. 1630 mit seiner Frau und beiden Töchtern an
Antonius, & Hieronymus Fr. Amati der Pest, die durch ganz
Cremonen. Andrere fil. F. 1630 Italien wütete.
/
Cremonen. Audttn: AI« K
Sohn von Andrea Amati. heiratete in erster
Girolamo, 2.
hatte, und
Fhe Ippolita Zucchielli 1576, von der er 5 Tr)chter
öchtcr
dann Laura Lazzarini am 24. V. 1584, die üim
funi 1
und Söhne gebar, von denen der 3., Nicola, der be-
vier
Girolanio
rühmteste der Familie war. Bis zum Tode des
verbesserten das
arbeiteten die Brüder gemeinschaftlich; sie
:
.
Modell des Vaters, wählten etwas flachere Wölbungen und
die Instrumente gewannen bedeutend an Tonfülle. Obgleich
sie ihre Namen vereint in die Instrumente setzten, bezeugen
doch nur wenige die gemeinschaftliche Arbeit; der Jüngere
war dem Älteren überlegen. Diese Ansicht stimmt nicht mit
der von F6tis überein, der sagt, dass Hieronymus der weniger
Tüchtige war. Antonius wich nicht weit von den Prinzipien
seines Vaters ab; an den /"-Löchern änderte er nur wenig,
übrigens war seine Arbeit ausgezeichnet sauber. Er zeichnete
Antonius Amati Cremonensis Fecit Anno Domini nostri i6 —
Hieronymus dagegen besass mehr das Zeug zum
Künstler; er schuf neue Formen, die /"-Löcher sind enger
und haben einen eleganten Zuschnitt. Auch in der Schnecken-
form weichen beide Brüder von einander ab. Die des
Hieronymus hat mehr Schwung. Der Lack, hell orange,
ist bei den früheren Instrumenten dunkler als bei den
späteren; er ist sehr dünn aufgetragen und hat ein Feuer
und eine Durchsichtigkeit, die das vortrefflich gewählte Holz
nur um so schöner erscheinen lässt.
Eine Violine von Antonius und Hieronymus Fr. Amati
Cremonen. Andreae fil. F. 162$ gehört Fürst Moritz Lobkowitz,
Raudnitz bei Leitmeritz. Ein tadellos konserviertes Violon-
cello, sehr stark im Holz und mit schönstem Firnis, mit
glanzvollem tragendem Ton, wohl das schönste Exemplar
aus der Hand der beiden Meister: Antonius und Hieronymus
fratres Amati Cremonensis filii Andreae, Anno 161 3, spielt
der Violoncellovirtuos Professor David Popper in Budapest.
Die Herstellung der Instrumente der Brüder A. war immer
vorzüglich, das Holz gut gewählt, der sehr schöne Firnis
goldgelb und der Ton ausgezeichnet. Die //-Löcher sind
sehr schlank und wenig offen. Die Decke mit hoher Wöl-
bung hat grösseren Widerstand gegen den Saitendruck; die
Brüder führten aber die Aushöhlung der Decke zu beiden
Seiten des Stegs ein, um den Ton weicher und lieblicher zu
machen. Sie bauten schöne, mit ausgezeichneten Verzierungen
ausgestattete Violinen für den Hof des Königs Heinrich IV.
in Paris. ^) —
Die Violinen sind immer von kleinem Patron.
Genaue Auskunft über die Genealogie der Amati- Familie sowohl als die
der Guameri gibt der 1886 erschienene Nachtrag zu PiccolclUs ,,Liutai antichi e
moderni". Firenze 1885/86.
')'Heron- Allen. Über die bemalten Amati -Violinen. VioHn Making, as
it was and Is. London 1884.
Die Abbildung eines Violoncellos aus seinem Besitz gibt
Ottavio de Piccolellis, Florenz a. a. O. Taf. III: Zettel:
Antonius & Hieronymus Fr[atelli] Amati Cremonen.
Andreae F. 1612.
Eine Violine Antonius & Hieronymus Fr. Amati Cremo-
nenses Andreae fil. F. 1623 besitzt Herr Antoine, Wien.
Eine selten schöne Violine Antonius et Hieronymus Fr.
Amati Cremonen. Andreae fil. i 590, spielt der Violinvirtuos
Antonius & Hieronymus Fra. Amati Willy Pieper in Breslau,
Cremonen Andreae fil. Fecit 1623. Direktor des Breslaucr
Antonius & Hieronimus Fr. Amati Konservatoriums der
Cremonen Andreae F. 1628. Musik.
Hieronimus Amati Cremonensis Eine Violine gehört
.
Fecit Anno Salutis 1630 Dr. Alfred Berger, Wien.
Eine Viola wurde bei Lyon & Healy, Chicago, für
7CX) Dollar angeboten; eine andere 1872 im South Kensington-
Museum, London, ausgestellt und an David Laurie in Glasgow
verkauft. William Croall in London besitzt eine schöne
Violine von den Brüdern Amati von 1627 und ein Violon-
cello von 1595, das früher dem Violinvirtuos Rudolf Kreutzer
gehörte. George Donaldson in London hat eine prachtvolle
Violine von 1590.
Eine Violine Antonius & Hieronymus Fr. Amati 1626
gehört G. de Piccolellis, Caserta/Florenz, die Masse sind:
Totale Grösse der harmonischen Platte .
0,352 mm
vom hohen zum äusseren Ende der^ 0,194 ,,
,, der Übereinandersetzung der C C. 0,083 „
..der// 0,074 „
„ der höheren Streifen 0,028 „
» „ der niederen Streifen 0,030 ,,
Breite des höheren Kastens 0,165 ..
„ „ Zentrums der Auflagerung . . . .. 0,109 ».
„ „ unteren Kastens 0,207 ,,
Grösse der Schnecke 0,102 „
lO
Eine namentlich im Ton ganz vorzügliche Violine von
1695 (sit:), die sich ehemals in der Sammlung von Wilmotte
in Antwerpen befand, später in den Besitz von Henri
Wieniawsky und 1882 in den Besitz von Jennö Hubay
in Ofen -Pest überging, muss nach obigen authentischen
Angaben über die 'Lebenszeit von Antonio und Girolamo
Amati als Arbeit derselben aufgegeben werden; doch hat
diese Violine einen prachtvollen Ton. Für eine Violine von
1620 verlangten Hamma & Co. in Stuttgart 4000 Mark.
Eine Viola d'amore mit gedrucktem Zettel Antonius
& Hieronymus Fr. Amati Cremonen. Andreae filii
F. 1572, mit 7 Darmsaiten auf dem Steg zum Anstreichen
mit dem Bogen, und 9 darunter liegenden Drahtsaiten, die
nur sympathetisch mitklingen und den Ton lieblicher machen,
hat die alte eigenartige Violenform. Das Griffbreit läuft in
einen geschnitzten Mädchenkopf mit verbundenen Augen
aus. Die Form der Wirbel ist alt. Die gewölbte Decke
hat, wie bei dieser Violinenart immer, schlangenförmige
Schallöcher. Am Fusse des Griffbretts noch ein drittes
Schalloch mit Rose. Das Instrurnent gehört dem Instru-
menten -Museum der kgl. akad. Hochschule für Musik,
Berlin-Ch. (No. 860).^)
AMATI, Nicola (Nicolaus), Cremona. * 3. XII. 1596,
f 12. IV. 1684. War der dritte Sohn von Girolamo y\niali
und dessen zweiter Gattin Laura Lazz^rini. Am 22. Mai 1645
heiratete er Lucrezia Pagliari 16 19, f 1703). Aus dieser
(*
Ehe stammen 5 Söhne und 4 Töchter.
Nicola Amati, Sohn und Nachfolger seines Vaters Giro-
lamo, war der grösste Künstler seiner Familie. Er arbeitete
bis 1625nach den Modellen seines Vaters, vergrösserte aber
nachher das Patron und produzierte die schönsten Instru-
mente. Von seinen zahlreichen Schülern sind Andrea Guarneri
und der unsterbliche Antonio Stradivari die bedeutendsten.
Nicola Amati scheint die erste Periode, in welcher er
Geigen nach dem kleinen Modell seines Vaters baute, vor*
wiegend dazu benutzt zu haben, sich technische Fertigkeiten
anzueignen und nebenbei zu experimentieren, denn wir fmdcn
verschiedene Beispiele, wo er seine Hauptprinzipien verlässt
und die Wölbungen sowie die Holzstärke ändert. Das er-
fahrene Auge kann an seinen Instrumenten die schrittweise
') siehe S. 36. Barbaro.
1
Nicola Amati.
12
Entwicklung verfolgen, bis er 1625 sein grosses Modell entwarf
und Werke schuf, die ihm unvergänglichen Ruhm sicherten.
Vom Reifchen aus läuft die Wölbungslinie anfangs flach
und steigt dann schjiell auf 1,5 cm Höhe bis
zur Mitte an.
Der Rand ist schräg gerundet. Die Ecken treten weit
hervor und geben dem Ganzen Originalität.
Dieser Teil
der Zeichnung ist lange Gegenstand von
Erörterungen ge-
wesen, namentlich inbetreff des akustischen
Effektes. Der
Erfolg hat entschieden, dass diese reicheren
Ecken nicht
nur dem Auge wohlgefällig erscheinen,
sondern auch die
Qualität und Kraft des Tones eher befördern
als vermindern.
Die Wahl des Holzes ist mit grosser Sorgfalt
geschehen;
das Deckenholz ist von sehr regelmässigem,
feinjährigem
Wuchs, das Holz zu den Böden schön geflammt. Die
/-Löcher haben ganz den Charakter seiner Vorgänger,
sind
nur kühner geschwungen. Die Schnecke ist
von schönster
Zeichnung, aber etwas klein im Vergleich zum
Körper. Der
gelbbräunliche Lack sehr elastisch, feurig und schön.
ist
Es gibt Geigen, die Nicola Amati mit besonderer Liebe und
Sorgfalt gearbeitet hat; bei einigen ist die Hand
seines be-
rühmten Schülers Antonio Stradivari kaum verkennbar,
na-
mentlich in dem kühnen Schwung der Schnecke,
welcher in
den späteren Instrumenten des Stradivarius beibehalten ist.
Die Violoncelli wurden von Nicola Amati in zwei Grössen
verfertigt; sie stehen in hohem Ansehen und
werden teurer
verkauft als die Geigen. Er hat nur wenige Bratschen
gemacht.
Der Ton seiner Instrumente ist viel stärker, als der-
Nicoiaus Amatus Gremone e
jenigen von Antonio
Hieronymi filii fecit. An. 1651 ^^^^d Girolamo; die
Nicolaus Amatus Gremonen. Hieronynii ^^^ten sind von
Fil. ac. Antonij Nepos Fecit. 1677 ^^^^ ^^^ ^^^4 ver-
fertigt.
Ein prachtvolles Violoncello, datiert 1677, erwarb von
den Erben Frdr. Grützmachers in Dresden der Violoncello-
virtuose Albert Gowa Hamburg für 26ocm3 Mark. Der
in
Besitzer beschreibt es selbst wie folgt: Länge
73 cm, untere
Breite 44 cm, obere Breite 36 cm, mittlere Breite,
2 5 cm,
Zargenhöhe 12 cm, Schnecke 20 cm. Firnis gelbbraun,
sehr schön geschwungene /-Löcher, 13 cm lang.
Eine VioHne von 1670 besitzt das Instrumenten-
Museum der kgl. akad. Hochschule für Musik. Berlin-
13
Charlottenburg (No. 837).^) „Durch beinahe 20 Jahre Eigen-
tum Beethovens, ging sie 1826 an Ignaz Schuppanzigh und
durch diesen kurz danach an Franz Nappenbach als Eigen-
tum über. Letzterer pflegte sie in den von Karl Holz unter-
nommenen Concerts spirituels zu spielen, bis sie an den
Grosshändler Jokits in Wien kam. Von Beethovens Hand
ist auf dem Boden ein B eingekratzt." Eine ausgezeichnete
Violine mit grosisem Patron und tadellos erhalten aus dem
Jahre 1677 spielt der Violinvirtuose Professor Carl Markees,
Berlin -Charlottenburg. Auch ein Basso von Nicola Amati
befindet sich im Instfumenten-Museum der kgl. akad. Hoch-
schule für Musik, Berlin-Charlottenburg.-)
Ein sehr gutes Violoncello von Nicolaus Ainati 1680, mit
rotbraunem Firnis und prachtvollem Ton, spielt Professor Jul.
Kiengel, Leipzig. Eine gut erhaltene Violine von Nicolaus
Amati 1680 gehört dem Konzertmeister Ottokar Kopecky,
Hamburg. Eine Violine von Nicolaus Amati 1680 gehört
[ iJicoUuß Amatus Crc-noucü. [Link]; .*
|
r '
-: \nrcT-- ^^--' t- /r- ,• 1
zum von Beethoven, jetzt im Besitz der
Streichquartett
kgl. akad. Hochschule f. M. Berlin -Ch. Eine Violine von
,
Nicola Amati, Anno 1662, gewidmet dem Hofe von Toscana,
besitzt das R. Istituto Musicale in Florenz (No. 329). Eine
Violine Nicolaus Amatus Cremonens. Hieronymus Eil. ac
Antonii Nepos 1625 besitzt Winarski in Prag. Ferner sind
zu erwähnen eine vom Jahre 1680 in der Sammlung des
Grafen Cozio de Salabue zu Mailand, die des Grafen
Castelbarco und die der f Virtuosen ^lard und Ole Bull.
Die „Alard"-Violine von 1645 besitzt jetzt Baron Knoop in
London. Sie gilt für das schönste bekannte Exemplar.
J.
Gallay^) erwähnt, dass M. Willemotte in Antwerpen eine
Nicola Amati mit doppelten Einlagen, ein 'sehr schönes
Instrument, gehabt habe.
Von den fünf Söhnen von Nicola Amati setzte nur
») Führer durch die Samlg^. alter Musik-Instrumente. Von Prof. Dr. Osk.
Fleischer. iSga.
Nicht im ..Führer". Siehe S. 36. Barbaro.
•)
Gallay, Jules, Les Luthiers italiens aux XVIU" et XVIII« Si^cles. Paris,
")
Acad. des bibliophiles 1869. Nouv. ^d. du „Parfait Lnthier (Chelonomie)" <k'
l*abb« Sibire. Bruxelles 1885.
^4
einer des Vaters Kunsthandwerk
nämlich Hieronynuis, fort,
''
26. Febr. 1649. Sein Bruder, Giovanni Baptista, 13. Au-
''=
gust 1657, widmete sich dem geistUchcn Stande. Nach
den Forschungen von Piccolellis^) sind die drei anderen
Sühne, Girolamo Francesco, Gian Baptista und Giuseppe
bereits als Kinder gestorben. Schüler des Nicola Amati
waren sein Sohn Girolamo, Andrea Guarneri, Paolo Grancino,
Antonio Stradivari und andere.
In den Jahren 1665 — 70 arbeitete er unter Mithilfe seiner
Schüler: Andrea Guarneri, Giovanni Battista Rogeri, Fran-
cesco Rugieri, Amatis Sohn Hieronymus (Girolamo) und
Stradivari. Die letzten Originalzettel sind von 1680 und
1684, also hat er fast bis zu seinem Tode gearbeitet. Er
hat auch eine „HeUier^-Violine mit dem Datum 1679 ver-
fertigt, die Giovanni de Piccolellis inCaserta bei Florenz besitzt.
Eine Violine von Cremona 1666 mit grossem Patron
zeigte 1897 die Firma Lyon & Healy in Chicago für
.
850 Dollar an, für eine andere des Meisters von 1650 Cre-
mona wurden von der Firma Hamma & Co. in Stuttgart
8000 Mark verlangt.
AMATI, Hieronymus (Girolamo), Cremona. * 26. Febr.
1649, f 21. Febr. 1740, dritter Sohn des Nicola, war der
Hieronimus Amati Cremonensis letzte Geigenbauer dieses
Anno Saiutis 1697.
Fecit berühmten Namens. Seine
Werke sind wenig bekannt. Die nicht zahlreichen Instrumente,
die er gemacht hat, sind von sehr grosser Form, stehen aber
sonst in jeder Beziehung den Werken des Vaters nach.
Zweifellos hat auch er sehr gute Instrumente gebaut, man
neigt aber dei*^ Ansicht zu, dass viele davon Arbeiten
als
zeitgenössischer Geigen-
Hieronymus Amati, figlio ^^r ,^
^. „.
di Nicolo
, ,
Amati ^
Cremona
^
,^
17
.
,
bauer m
,.
.
die Welt ge-
. .
,,,.
. ,,. , ,
gangen smd. Wirklich zu-
verlässige Nachrichten über ihn sind spärlich.
Eine Violine von 1690, die sich auch auf der Mailänder
') O. de P., Iviutai Antichi e moderni. Firenze 1885/86.
:
15
Ausstellung i8<Si befand, besitzt Lucia Vittadini Maunuiry
in Mailand.
AM ATI, D. Nicolaus, Bologna 1723. Vermutlich Geist-
D. Nicolaus Amati licher und nur gelegent-
Fecit Bcmonioe Apud y^^^^^j. Geigenbauer.
SS: Cosma, et Damiani, 1723.
AMATIS, Giambattista, Venedig 1677.
AMBROGIO, Pietro, Brescia und Rom 7 1 1
2 — 1 748. Aus
Cremona stammend, siedelte er nach Rom über. Mittel-
massige Arbeit.
Petrus Ambrosi Fecit Petrus Ambrogi Crem.
Brixiae 1744 fecit Roma? 17 . . .
AMBROSIO, Antonio d', Neapel 1820.
ANDREAS, Joannes, Verona 151 1. Lyra da braccio.
Auf der Rückseite griechische Inschrift in Elfenbein graviert
,,Der Gesang ist der Menschen
Joannes Andreas, Veronensis ^ .. ^
Troster."
,, <-. .
Siebensaitig
•.• i-
die
a di 12 Agosto 1511 ,
Schallöcher von ausserordent-
Die Vorderseite zeigt die Form des
licher Charakteristik.
männlichen Leibes. Auf dem Wirbelkasten trägt die Lyra
die Form eines grotesk stilisierten Manneskopfes, auf der
Rückseite, die in der Mitte die Form eines weiblichen
Leibes hat, ist oben ein weiblicher Kopf mit geschlitzten
Augen, am unteren Ende ein Männerkopf. Sammlung Erz-
herzog Franz Ferdinand von Österreich-Este, Wien.
ANDREOLO, Venedig 1359. Lautenmacher.
..,
ANGELIS, Vitus de, Bologna 1609.
ANSFLMO, Pietro,
1-730Cremona
1760. Seine In- —
strumente haben dasselbe Gepräge wie die von Francesco
Rugieri; schöner Firnis. Ausgezeichnete Violoncelli. Er
arbeitete auch in Venedig.
ANTOGNATI oder Antegnati, Gian Francesco, wird
von Lanfranco'j ,,Scintille, ossia regole di musica, Brescia
1533" als Brescianer Lautenmacher erwähnt. Er war ein
bedeutender Organist und ausgezeichneter Schpfsteller für
geistliche Musik.
ANTONIAZZI, Gregorio, Colle bei Bergamo 1738.
ANTONIAZZI, Gaetano, Cremona. * 1823,
f 1897 in
Mailand.
M Dr. Kmil Vogel, Di«: Handschriften nebst den älteren Druckwerken der Musik-
Abteiluntr der her/ogl. Hibliothek zn Wolfenbüttcl. Wolfenhflttcl 1S99. S. i6j.
i6
ANTONI AZZl, Romeo, Cremona. * 1862. Sohn und
Schüler des vorigen.
ANTONY, H., Cremona 175 1 (?).
ARCANGIOLI, Lorenzo, Florenz 1849.
AREZZO, Nicolo, Neapel.
ARNOLDI, Carlo, Anagni, Rom 1790.
ARTALLI, Giuseppe Antonio, Mailand 1765. Wenig bek.
ASSALONE, Gasparo d', Pesaro und Rom 1700 (?). (.?)
Soll hochgewölbtes Amati-Modell nachgeahmt haben, rohe
Arbeit, guter gelber Lack. Vielleicht falsche Zettel, ab-
geleitet von Gasparo da Salö.
AUTIERO, Paride, Teano (Caserta) 1860.
BACCHETTA [Barchetta], Giuseppe, Cremona und
Mantua 1784. Wenig bekannt.
BAFFO, Antonio, Venedig 1581.
BAGATELLA, Pietro, gen. Picino, Padua 1712— 1760.
BAGATELLA,Antonio,Padua. *[Link].i755, f [Link]
1829. und musikalisch gebildet, machte er sich
Literarisch
besonders bemerkbar durch eine 786 veröffentlichte Broschüre
1
„Regole per la costruzione de' violini, viole, Violoncelli e vio-
loni. Memoria presentata all'Accademia di scienze, ttere ed 1
arti di Padova a spese dell' Accademia 1786". Diese Schrift
erhielt einen Preis von der Akademie der Wissenschaften
und wurde dann von ihr gedruckt. Sie fand viel Verbreitung
wegen der, wenn auch kargen Überlieferungen der Grund-
sätze der alten italienischen Geigenbauer. Seine Violinen
und Violoncelli sind geschätzt und lehnen sich an [Link]
an. Gute Arbeit, roter Lack. Arbeitete zeitweilig mit
Danieli zusammen; eine Geige von ihm mit 1000 M. bewertet.
BAIRHOFF [Barthoff], Giorgio, Neapel i757— 1762.
Fertigte gute Geigen; mittelgrosses Modell, an G. und
N. Gagliano erinnernd.
BAJONI, Luigi, Mailand 1838— 1878. Wenig bekannt.
BALD ANTONI, Joseph, Ancona, * 1784, f 1873. Seine
flach gebauten Instrumente haben schönes Modell, braun-
gelben Lack, hübsche, kräftige
Josephus Baidantonus Schnecke, guten Klang. Die
Anconi^ fecit Anno 1839.
^^^^her denen des Stra-
sind
divari ähnlich, haben aber weniger Schwung.
.
17
BALESTRIERI, Tommaso, Mantua 1720 — 1772. Schüler
von Antonio Stradivari.* Machte gute, sehr viel verlangte
Instrumente. Seine Vio-
Thomas Balestrieri Cremonensis i:„^„ »^,^^„rr..i„ a^^ it^;«
„ .^ ,, ^ , ,^ iinen ermangeln der rem-
Fecit Mantuae. Anno 17 . . , .
heit, besitzen aber
,
eme
TKom;?5 Baleftrieri Crcmonenfis (
Tetit iMantu:« Anno 17 >•
:
sehr schöne Klangfülle, der Firnis ähnelt dem des Lorenzo
Guadagnini. Arbeitete zuerst in Cremona, seit 1735 in Mantua.
Machte ausser Violinen wenige Violen, mehr Violoncelli, letz-
tere mit prachtvollem Ton. Nach Piccolellis arbeitete Balestrieri
zwischen 1757 und 1772, doch scheint seine Haupttätigkeit
zwischen 1730 und 1760
Thomas «
^^ Balestrieri ^
* , • .
Cremonensis ' ',
.
'
Fecit Mantuse. Anno. 1775. z" hegen. Eme Violine
dieses Meisters von 1732
wurde 1898 von der Firma Hamma & Co. in Stuttgart für
2200 Mark ausgeboten.
BALESTRIERI, Pietro, Cremona 1735, Bruder des Vo-
Petrus Balestrieri alumnus Antonii Pietro Balestrieri
Stradivarii fecit Gremonae anno 17 . . fece in Cremona 17 . .
rigen. Arbeitete immer in Cremona, aber sehr mittelmässig.
BALLINI, Paolo, Brescia, 1857.
BARABÄS, Cremona, 1793.
BARACCHI, Martino d'Este (Modena) 1829.
Venerio, S.
BARALDI, Giovanni, San Feiice (Modena) 1566.^)
Altes Streichinstrument zur
Fece questo violunetto io x
Lira^ a
da n ^u .^i.
Gamba ^ c
mit 9
•
i.
^.
Giovanni „ ,^- ^- o T^
.
Baraldi di S. D. ^ Saiten ..
L'anno del Signore 1566. hergerichtet, überaus wich-
tig ist der unverdächtige
Zettel mit der alten Inschrift: Fece questo Violunetto io
Giovanni Baraldi di S. D. [omenico] L'anno del Signore
1566, „Ich Giovanni Baraldi von S. Dominikanerorden
machte dies Violunetto im Jahre des Herrn 1566". Violu-
netto ist die Verkleinerungsform von Violone, es ist
dies Instrument also eine kleine Bassgeige, ein Bassettinstru-
*) Prof. Dr. O. Fleischer ..Führer" a. a O.
N ederhei tm a n« Vogel
i - . Cremona. 4. Aufl. o
[8
ment. Rohe Arbeit, offenbar von der Hand eines Dilettanten.
Die /-Löcher sind von geradezu barbarischem Schnitt, doch
erinnern die /-Löcher ältester Violen, auch guter Meister,
an diese ?'orni. Boden und Decke sind in gleicher Weise
massig gewölbt. Die Lira da gamba, zu der das In-
strument eingerichtet worden ist, hatte im i6. Jahrhundert
5 bezw. 6 Saiten und diente zur Begleitung in Accorden.
Der Name Lira wird von Griechen und ItaUenern der
Renaissancezeit für Streichinstrumente mit Zargen gebraucht,
wie man denn überhaupt in der Renaissancezeit in dem
Plectrum der Alten, einem Stäbchen, womit der Cithara-
spieler die Saiten anschlägt, den Fidelbogen erbhckte und
z. B. Apollo meist mit einer Lira in der Hand darstellte.
Aber im früheren Mittelalter bezeichnete man mit Lira viel-
mehr die Streichinstrumente mit lauteniirtigem Schallkörper.
Zweifellos war also eine Überlieferung vorhanden, dass die
Lira eine Art Streichinstrument gewesen sei. Jetzt gehört
das Instrument dem Instrumenten -Museum der kgl. akad.
Hochschule für Musik, Berlin-Ch. (Nr. 820).
BAR ALDI,Alfonso, Modena, Bomporto, 1879 — 1891.
BARBANTI, Silva Francesco, Correggio 1850.
B ARB ARO, Francesco von Branzo, Padua 1620 1660. —
Eine Calascione^) von 1620 befindet sich in dem Instrumenten-
Museum der kgl. akad. Hochschule für Musik, Berlin-Ch.
BARBIERI, Francesco, Mantua 1695 1745- Seine —
Geigen ähneln dem Modell des Andreas Guarnerius, sind
aber nicht so gut. Nach Laurent Grillet und Antoine Vidal
Süll er in Verona Instrumente verfertigt haben, doch wird
stets Mantua als sein Wohnort bezeichnet.
BARBIERI, Giuseppe, Poggio (Mantua) 1880.
BARNIA, Fedele, Venedig 1760- -1785. In Mailand
[Link] Violinen
Fedele Barnia Milanese . ,
fece in Yenezia l'anno 1761 ^md gut, aber nur, wenn
,
er berühmte Vorbilder
(F. Guarneri) nachahmt; seine besten Arbeiten sind die
'
Prof. Dr. Uskar [Link] beschreibt dieses Instrument: ,,Mit drei ein-
fai heu Mclall-iaiten an einem überaus langen [Link], an dessen unterem Teile
i.S lose IJünde von Darmsaiten unij^elegt sind, wodurch also die Tonfolge dar-
jic-^tellt wird. Nur ein Schalloch mit hübscher Rose. Als Kopfstück c|uadratiaches
SilüKt l)a.s ganze Instrument ist i,6o ju laiig. Der Calascione war in Neapel ein
vielbeliehlcs Volksinstrument. Die Saiten waien in Quinten gestimmt. Jetzt ist es
kaiim nvich /u finden." Nr: 723. Eine [Link] in v. Lütgendorff. Cieigeu-
u!u\ l.;ailct>!nacliei-. S 33.
:
19
Mandolinen, wo er sich bei der Einlegearbeit mehr Mühe
gibt. Eine schöne Theorbe ist in der Sammlung von
Antoine Gautier in Nizza.
Der Professor Jefte Sbolci in Florenz besitzt eins
seiner Violoncelli von kleiner Form, gutem Ton und sehr
sorgfältiger Arbeit, mit goldgelbem Firnis.
BARZELLINI, Aegidius, Cremona 1670 — 1700. Form
der Hieronymus Amati-
.^gidius Barzellini lecit ^^ • ,, , y 1
Ecolle Amatius Cremonen 1680 9,^'S^"' gelbbrauner Lack.
Die /^- Löcher sind weit
geöffnet und ziemlich schräg liegend. Holz und Ton gut.
BASSI, A., Scandiano (Modena) i8,.
BASSIANO, Rom 1666. Theorbierte Laute, Archiliuto,
... ..,.
Bassiano huttaro
^ .^^^
in Roma 1666
. ^^^ 27 Wirbeln, 14
„ ^ am
, .
oberen Kragen, zu einer
Bassguitarre umgestaltet, in der Sammlung der „Gesellschaft
der Musikfreunde in Wien" (Nr. 167).
BASTI ANO [Bastiano da Verona], Verona, i 5.-16. Jahrh.
BATI, Antonio, Arezzo 1691.
BATTANI, Antonio, Frassinoro 18 . .
BATTIONIr Alberto, Foligno (Ferrara) 1884.
BECHARDINI Zuane (d. i. Giovanni),
[Rechardini],
Zuane Rechardini di Venezia
Venedig 160$ 1609. Eine —
Chitarrone (romanische The-
air insegna del Basso 1605.
orbe) von 1609 besitzt das
Instrumenten-Museum der kgl. akad. Hochschule für Musik,
Berlin-Charlottenburg. Prof. Dr. Oskar Fleischer berich-
tet: „Drei dreifache Metallsaiten auf dem Griffbrett, 7 ein-
fache Darmsaiten am oberen Kragen. Reiche Perlmutter-
und Elfenbein -Einlegearbeit, besonders am Griffbrett, spie-
lende und musizierende Genien darstellend. Die einen
sechseckigen Stern darstellende Rose von Päppmasse ist
mit imitierten Edelsteinen ringsum besetzt. Das Innere,
mit Pergament ausgeklebt, weist das Choralnotenzeichen
des 16. Jahrhunderts auf. Unten an der Decke ein Wappen.
Der Bauch hat Elfenbeinrippen.*' (No. 721).
BECHARDINI [Recardini], Pietro, Venedig 161 7.
BELCIONI, Antonio di Stefano, 1673. . . .
BAUMANN, Heinrich, Steiu-Zehrowitz Kreis Kladno (Böhmen), • 1S53 in
,
Rokycan. Technisch-wissenschaftlich gebildet, beschäftigte er sich nebenbei mit
Streichinstrumenteubau und P'orschuiigeQ. In tschechischer Sprache erschien
Cremona mit Atlns, 22 Tafeln.
.
20
BELLONE, Pietro Antonio, gen. il Pescorino, Mai-
Pietro Antonio Bellone detto il 1^"<^ 1690— 1694. Wenig
Pescorino fece in Gontrada, bekannt. Im Ladenschild
Larga in Milano 1691 al Se- führte er den heiligen An-
gno di S. Antonio da Padoua. ^onius von Padua.
BELLOSIO, Giovanni, Venedig 1735. Fragwürdig!
[Link], Venedig 1715— 1783. WarSchüler
Verzierte Umrahmung des Zettels. VOn SerafinO SantO, aber
Anselmus Beiiosius Fecit reichte an seinen Lehrer
Yenetiis 1780 nicht heran, trotzdem sich
v^iederum seine Schüler empfehlend auf ihn beriefen. Ge-
brauchte gutes Holz und guten Firnis. Arbeitete von 1720
bis 1780. Seine Violoncelli sind weniger gut.
BELLUOMINI, Maurizio, Pisa, 18 . .
BELTRAMI, Giuseppe, Vescovato(Cremona) 1870 88 — 1 1
BELVIGLIERI [Bilveglieri], Gregorio, Bologna 1742 bis
Gregorius Bilveglieri fecit 1772. Er war einer der besse-
Bologninse, viiia Bononiae, ren Instrumentenmacher, seine
m: Jan: an: 1772 Violen waren sehr geschätzt.
BENDINI, Giambattista, . . . 1668.
BENEDETTI, Giuseppe, Piacenza, 1700.
BENEDICTI, Donato de, Cremona 1679.
BENITO, A. J. Antoni, Mailand {}) 1664. Die Sammlung
A. J. Antoni Benito D. F. Scheurleer, s'Gravenhage, besitzt
Miiaan 1664. eine ihm zugeschriebene Kniegeige.
BENOZZATI, Girolamo, (Venedig) 1899.
BENTE, Matteo, Brescia 1580— 160 1. Aeltester Lauten-
macher in Brescia, Vorgänger von
Matteo Bente der Im Museum
da Salö.
Gasparo
fecit Bresiae 1580 d u
alten Künste m Paris bewahrt man
,. tr- u
.. • •
«.
eine ausgezeichnete Laute, reich an Kunstschnitzereien
und prachtvollen Einlegearbeiten. Eine prächtige Laute
mit äusserst wertvoller Arbeit besitzt
Intcirsio- [eingelegte]
das Instrumenten-Museum des Konservatoriums in Paris. Eine
Matteo Bente-Viola von 1580 besitzt der Kammer- und
Violin- Virtuos August Gentz in Berlin.
BENVENUTI, Paolo, B. S. Lorenzo in Nugello 17 . .
BERETTA, Feiice, Como 1760— 1784. Seine Arbeiten
Feiice Beretta alievo di Giuseppe Guadagnino sind wenig wert,
fece in Gomo l'Anno 1770 ohne Auswahl
des Holzes, gelber Firnis.
2!
BERGONZI [Baganzi], Francesco, Cremona 1687.
BERGONZI, Carlo (I.), Cremona, *
1680, f 1747. Einer
Anno 1737, Carlo Bergonzi der besten Schüler von Stra-
fece in Cremona divari. Carlo Bergonzi ist das
Haupt der Cremoneser Künstlerfamilie dieses Namens. Von
1716 ab befindet sich sein Name in den Instrumenten; er
Anno f
7.^^ Carlo Bergonvj f^
fece mCrenionai _
verfertigte besonders Violoncelli
Anno 1741 Carlo Bergonzi
fece in Cremona
j xr ^
""^ Kontrabässe.
. .. t-
Er nahm an-
1
fäniE^lich ein kleines Modell und
^*g^
An
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ü?^ ^t« ti^ ^Ä^^iT
Reti flo , e corre tto da:
tÄ^ ^ft^
me €
^. \
iiD7 1 i
V
Carlo Bcrgo:nzi in Cremona: ^ '
#-Löcher, die lang und sehr offen sind. Obwohl der Einfluss
des Stradivari in seinen Werken zu erkennen ist, muss er
doch zugleich ein Verehrer von Giuseppe Guarneri del Gesü
gewesen sein, denn auch an diesen findet sich manche Remi-
niscenz. Anfangs behielt er die flache Form und die Umrisse
seines Lehrers bei, wählte aber ein /-Loch, welches die Mitte
hält zwischen Stradivari und Guarneri. Später veränderte er
die Ecken, machte den unteren Teil breiter und setzte die
/"-Löcher etwas tiefer, näher an den Rand. Bei aufmerksamer
Prüfung ist eine Kombination der Tonqualität von Stradivari
und Guarnari unverkennbar. Die Schnecke, von bemerkens-
wert kühner Zeichnung, ist immer mit dem Körper in Har-
monie. So nimmt Bergonzi zu dem breiteren Modell auch eine
breitere Schnecke mit weiter auseinanderstehenden Mittel-
punkten. Der Firnis war meist rotbraun, elastisch und
durchscheinend, oft dick und doch von ausgezeichneter
Wirkung. Auf den Abschliff hat Bergonzi weniger Sorgfalt
verwandt, namentUch zeigen die tiefrot lackierten Instru-
mente Unebenheiten. Seine Instrumente sind
oft sandartige
zumeist von grösster Schönheit der Form und besitzen eine
22
ausgezeichnete Klangfülle. Er hat zuer'st Stradivaii nach-
geahmt, dann änderte er sein Patron und verlängerte ein
wenig seine Instrumente, um die ff zu teilen und die Länge
des unteren Endes zu vermehren; diese ff finden sich auch
in den Modellen von Stradivari. Carlo Bergonzi wohnte
von 1746 ab im Hause Stradivaris und übernahm nach dem
Tode von Francesco und Paolo Stradivari auch den Nach-
lass seines Meisters.
Eine schöne Violine von Carlo Bergonzi „fece in Cre-
mona 17 .
" die einen sehr grossen, weittragenden, weichen
.
Ton hat, kräftig gebaut und gut erhalten ist, spielt Carlotta
Stubenrauch, Berlin.
Die Instrumente von Carlo Bergonzi sind in neuester
Zeit sehr gesucht. In der Vormbaum'schen Instrumenten-
Sammlung in Frankfurt a. M. befand sich eine Carlo Ber-
gonzi -Violine von grossem Modell, die aus Corsica stammt;
sie hat braunroten Firnis, enggeflammten Spiegel und klingt
vorzüglich. Die Sammlung des Grafen Cozio di Salabue
enthielt zwei Violinen dieses Meisters, die erste von 1731,
die zweite von 1733. Letztere besitzt der Konsul Partello
in Sonneberg. Eine prachtvolle Viola da gamba enthielt
das Musikhistorische Museum von Payl de Wit in Leipzig,
jetzt im königl. Konservatorium der Musik in Köln. Ein sehr
grosses Violoncello gehörte dem Violoncello- Virtuosen Jules
de Swert in Löwen, Belgien, dessen Witwe das ausge-
zeichnete Instrument an Dr. Roser in Wiesbaden verkaufte.
Eine Viohne von 1735 wurde von Hamma & Co. in Stuttgart
für loüoo Mark ausgeboten, eine andere von 1737 für
7000 Mark. Der kgl. Kammer- und Violinvirtuos Felix
Meyer in Berlin spielt eine Violine von 1730. Eine Violine
von Carlo Bergonzi fecit in Cremona 1732 gehört der
Violinvirtuosin Inka von Linprun, Bad Reichenhall. Die
mit dem Namen Tarisio's verknüpfte schönste Bergonzi-Geige
(^1733)) die Vuillaume an Konzertmeister Woerle verkaufte,
spielte noch vor kurzer Zeit der Konzertmeister und Violin-
virtüos Julius Schloming in Hamburg, von dem sie durch
den Instrumentenmacher Carl Hermann Voigt in Wien in
den Besitz des Deutschen Konsuls Freiherr von Liebig, Wien,
gclantjte. Ein \^io-
CARLO BERGONZI FECE IN CREMONA
ANNO 1737
ff, n
loncello von Carlo
\
Bergonzi, Cremona
;
1737 gehört Paolo Rotondo in Neapel, wovon eine Abbildung
in Giovanni de Piccolellis, Tafel IV, zu finden.
BERGONZI, Michel -Angiolo, Cremona 1/15—1765.
.,.,., „ Sohn von Carlo und Nachfolger
Michel-Angelü Bergonzi
,
.
'^
Figilo di Carlo seines Vaters; erarbeitete meist
Fece in Gremona l'anno 1755 nach breitem Stradivari-Modell.
aber nicht so o-ut wie sein Vater
Michelangelus Bergonzi • 1
i- • i-. • . 1 •
Fecit Cremonae 1-
ir««* i-«^«,^^o^ 1/ . .
Wie bei diesem ist der rirnis
fein, aber das Patron unsicher
und häutiger wechselte er die Modelle. Einig-e seiner In-
strumente haben einen nasalen Ton, doch sind seine Kon-
trabässe sehr klangvoll und bewähren sich gut im Orchester.
Der besten Violinen eine, von 1736 (?), besitzt G. Siefert; eine
andere, Cremona 1747, wurde 1897 in einem Kataloge von
Lyon & Healy in Chicago fiir 1500 Dollars angezeigt, ferner
eine (leige, Cremona 1740, durch Hamma & Co. in Stuttgart
für 5000 Mark ausgeboten. Seiiic drei Söhne folgten ihm
im Handwerk,
BERGONZI, Giuseppe, Cremona 1740.
BERGONZI. Pietro
-r
Nikolaus Bergonzi
Gxmoiicniis fackbat
\nno ly ^^'
BERGONZI, Nicola, Crcmona 1740 82. Aeltester
Sohn von Michel -Angiolo,
Nicolaus Bergonzi Crernonensis j«,.^.», \x/. <
dessen vVerkstatt er uber- 1 4.1. 1
17 —
,^
,, ^ .
Paciebat Anno
,
nahm. Viele Instrumente
Nicolaus Bergonzi verfertigte er, die denen
Crernonensis [Link] 5^^,^^^. Vaters im Patron
Anno 1765 u i- i 1 ^t-
annlich, doch
1
in Ion,
Molz, Schnecke und Eirnis nicht ebenbürtig sind. Einige
Violinen sind jedoch sehr gut.
Eine Violine Nicola Bergonzi von 17 . . . spielt Professor
Heinrich Grünfeld, Berlin.
BERGONZI, Zosimo, Cremona \y^ü -1777. Zweitci
.
24
Sohn Michel-Angiolos und etwas geschickter als sein Bruder
Fatto da me Zosimo Bergonzi Nicola. Einige Violoncelli
L'anno 1777, Gremonae und Kontrabässe sind gut.
(: m fmn^ rr Crcmooa 1^ i
BERGONZI, Carlo (IL), Cremona etwa i;8o — 1820.
Dritter Sohn Michel-Angiolos, Enkel von Carlo Bergonzi.
Er baute nur wenige Violinen, dagegen aber Mandolinen
und Guitarren.
BERGONZI, Benedetto, Cremona, f 1840. Der letzte
Geigenmacher der Familie Bergonzi. Dem Tarisio hat er
Nachrichten über Stradivari und seine Zeitgenossen gegeben,
der sie Jean Baptiste Vuillaume in Paris, dem berühmten
fleissigen und findigen Violinenmaclier und vom Glück be-
günstigten Sammler mitteilte ; später verwertet in F. J.
Fetis
Schrift „Antoine Stradivari." Der Name Bergonzi kommt
noch Cremona vor.
jetzt in
BERTANI, Modena 18 . .
BERTASIO, Luigi, Piadena 17 . .
BERT ASSI, Ambrogio, Piadena 1730.
BERTI, Giuseppe gen. Giusino, Fiumalbo (Modena) 18 .
BERTOLETI, Antonio, Brescia 1790.
Antonio Bertoleti
Fece in Brescia, 1796
BERTOLI, Giuseppe (Venedig) 1899. Schüler von
Eugenio Degani in Venedig.
BERTOLOTTI, Santino, Polpenazze 15.. Lautenmacher;
Grossvater Gasparo da Salö's.
BERTOLOTTI, Francesco (I), genannt Violi (Violino),
Polpenazze 15.. Sohn des Santino Vater Gasparo da Salös.
,
BERTOLOTTI, Gasparo, gen. da Salö, Brescia 1542 bis
1609, s. Salö.
BERTOLOTTI, Francesco (II), Brescia 1565 1614. —
Sohn von Gasparo B. da Salo und Schüler seines Vaters,
nach dessen Tode das Geschäft an Giovan P. Maggini ver-
kauft wurde, während er vermutlich nach Calvagese über-
siedelte, wo sein Vater Grundbesitz hatte.
—
25
BERTUCCI, D. Giuseppe, Mont-Orsello I748 — 1777.
BIANCHl, Giovanni, Florenz 1746.
Giovanni Bianchi Fee.
In Firenze, anno 1746.
BIMBI, Bartolommeo, Siena (Florenz) 1750—1770.
Bartolomeo Bimbi Flientinus Sehr gute Arbeit, kleines Modell,
Fecit l'anno 1760 orangferoter Firnis.
BISIACH, Leandro, Mailand 1890 — 1902. Cremoneser
Schule.
BLANCHl, Augustin, Nizza 1828— 1899. Geschickter
Geigenmacher.
BLANCHl, Albert, Nizza * 1871. Sohn und Schüler des
Albertus Bianchi filius vorigen.
d'Agostini fecit Nicaea
BLASIO, Raffaele di, Neapel 17 . .
BODIO, Gennaro, Venedig 1740.
BODIO, Giambattista, Venedig 1790 1832. Ein wenig
bekannter, aber tüchtiger Meister. Recht guter Firnis. In
Korfu soll sich ein Ouartettsatz seiner Instrumente befinden;
die Wirbelkasten haben Widderköpfe, deren Hörner in
Schneckenlinien verlaufen.
BOLDRINI, Ovidio, Salö 1864.
BOLELLI, Bologna 18 . .
BOMBERGHI, Lorenzo, Florenz 16 . . — 17 . .
BOMINI, Carlo, Cremona 171 5. In der Form und
Garolus Bomini, Discipulus i™ Firnis Stradivari ähn-
Antonij Stradivarij Cremonen- lieh, jedoch weniger gute
sis 1715. Arbeit, schöner Klang.
BONARDI, Domenico, Modena 1728.
BONO, Gaetano, Venedig 17 Wenig bekannt. . .
BONORIS, Cesare, Mantua 1568. Gut gearbeitete
Violen, wovon Valdrighi eine besass.
BONVICINI, Filippo, Spilamberto (?) 1790.
BORELL.I, Andrea, Parma 1720 — 1746.
Ausgezeich-
neter Nachahmer von Lo-
Andreas Borelli fecit Parmae /^ 11 1
anno 1720 ^^"^^ Guadagnini, gelb-
brauner Firnis, grosses
Modell und guter Ton. Seine Violinen und Violoncelli waren
sehr gut und gesucht.
BORELLI, Antonio Cesare, Parma (?) 1792.
BORGIA, Antonio, Mailand 1769.
26
n
Antonius Borgia me fecit
In Milano, anno 1769
BORIERO, Alfonso, Male (Vicenza) 18
.
.
(Com)
BORIO Francesco Antonio, Asti und Cuneo 17.^7
Luigi, Mailand 1815. Wenig bekannt.
BORTOLOTTI,
Luigi Bortolotti
1815
1884 bis
BORTOLOTTI, Giovanni, Veri'ca (Frignano)
1804. Bässe sind von ihm bekannt.
Bologna 1750-17^0. Ver-
BOSI fBasi], Florianus,
fertigte Mandolmen und
zumeist
Lauten. Eine römische MandoUne
aus
TulZutoZ::' sicn
FecLt 1756 der Sammlung Snoeck ') befindet
der kgl, akad. Hochschule
jetzt im Instrumenten-Museum
für Musik, Berlin-Charlottenburg.,
Kontra-
BOTTI, Antonio, Sassuolo (Modena)
18 . .
bässe sind von ihm bekannt.
BRAGLIA, Antonio, Modena 1790—1820.
BRAIDI, Giovanni, Modena 1766.
Johannes Braidi, protomagister
mi ducis
violae majoris in C. S
Mutinae fecit a. 1766
BRAIDI, Geminiano, Modena i794-
[Brandiglioni], Filippo, ^''^^^^^^^790
BRANDILIONI
PhiUppus Brandilioni
1790
fecit Brlxiae
BRANDINI, Pesaro 1660.
BRANDINI [Prandini], Fausto, Pisa 1777-
BRANDINI, Jacopo, Pisa 1789-
Jacopo Brandini
Kppf in Pisa L'anno 1789
BRANDINO, Jacopo, Padua .764. Ei"/"f "'"\"';
Hill & Sons. London, am
wurde mit Garantie v. W. E.
T9 JuU .900 bei Puttick
& Simpson in London fu.
4000 Mark versteigert.
Padua 1620 bis
BRANZO [Bronzol, Francesco Barbaro,
besitzt das Instrumenten-
.660 Ein Calascione-Instrument
befindet [Link] m der
Museum in Berlin, eine Gamba .st vermuthch
..Barbaro"
Sammlun, Correr in Venedig,
Vergl. a. Barbaro.
Geburtsort des Verlertigers.
>) Siehe Barbaro, S. 36.
27
BRATTI, Cesare, Florenz 1882. Wenig bekannt, be-
nutzte fremde Zettel.
BRENSIO [Brensius, Brinsius], x^ntonio, Bologna 1592.
Antonino Brensius Bononi.
BRENSIUS, Hieronymus, Bologna 15 . . Chitarrone
von 1560, 20 Metallsaiten, da-
Heronymus Brenfius Bonon. ^ ,
. ,
von unten 5 lange und 5 kurze;
darüber erhöht 10 andere Metallsaiten, ebenso 5 lange und
5 kurze. Bologna, Museo civico. Im Instrumenten-Museum des
,,Liceo musicale" befindet sich eine Viola da braccio, 5 Saiten.
BRESA [Brossa?], Francesco, Mailand 1708. Mittel-
Francesco Bresa face alla scala in Milano 1708. massige Arbeit
BRESSANO, Baptista, Bologna 1600. Liuto testudo 1 590.
14 Saiten, 7 lange und 7 kurze. Bologna, Museo civico.
Eine Pochette von 1600 im Instrumenten-Museum des ,,Liceo
musicale" in Bologna.
BROSCHI [Braschi, Brocchi], Carlo, Parma 1730 1744. —
Carlo Broschi Wenig bekannt,
in Parma fecit 1732
BRUNO, Nicola, Bologna 1727.
BRUNO, Carlo Colombo, Turin 190 Modell Stradivari, .
Caroivs Golvmbvs Brvno , c saubere Arbeit, guter
.
Fecit Augvstae Tavrinorvm v^Jb j Ton, heller, rotbrauner
Anno Domini ^190 ^^ Lack
BUCHENBERG [Buckenberg], Mattheus. Italienisiert:
Matteo [Link] 1590 — 1620. War von deutscher
Geburt. Ernst Gottlieb Baron ^) schreibt von ihm: ,,Man
hat die vortrefflichsten Theorben von ihm, die nur zu finden
seyn. e. g. Oval rund, von einer sehr proportionirlichen
Grösse, und von einem sehr delikaten, durchdringenden
metallenen Ton. Wer das Glück hat, von diesem be-
sonderen und vortrefflichen Meister etwas zu besitzen, der
kann nur solches als ein wahres Kleinod von Instrumenten
aufheben. Das Dach oder die Decke ist insgemein mit
drey Sternen nach römischer Art gezieliret, damit sie den
Ton gut auswerfifen können." i;92 heiratete er Virginia,
Tochter des Lautenmachers Pietro de Albertis.
BUDIANI s. Rodiani.
*) Historisch-Theoretiscli und Praktische Untersuchung des Instruments der
Lauten. Nürnberg' 1727.
—
28
ßUONAROTI, Rom 17 . . Schmales Patron, ziemlich
starke Wölbung.
BUONFIGLIUOLI, Pier Francesco, Florenz 16 . .
BUSAN [Busas], Domenico, Vicenza, Venedig 1740 bis
Dominicus Busan 1780. Nach Giovanni de Piccolellis
Venetus Fecit soll er von Vicenza stammen, hat
anno 1746 gj^^j.^ ^y^^^ Schule
j^j. venetianischen
Dominicus Busan angeschlossen und gute Bässe gebaut,
fecit Venetiis 1761
BUSSETTO, Giovanni Maria del, Cremona - Brescia
1640 1681. Bussetto vermutlich der
Gio. Maria del Bussetto xt tt ^ ^ j.l tt-
Name semer Heimatstadt.
•
i
fece in Cremona. 1660
Violen-
macher in Cremona. Eine Viola
Cremona 1640 wurde 1898 von Leopoldo Franciolini in
Plorenz für 300 Lire ausgeboten. Eine andere Altviola:
Brescia 1630 befindet sich in der Instrumenten-Sammlung
von D. F. Scheurleer, 'sGravenhage. Seine Violinen sind hoch
gewölbt, haben grosses Patron, weite/-Löcher, braunen Firnis.
BUTI, Antonio, Archi 1756. Stammt aus Albano,
Antonio Buti d'Aibano Archi mittelmässige Arbeit.
Fece l'anno 1756
CABROLI, Lorenzo, Mailand 17 16. Mittelmässige Arbeit,
gelber Lack.
C AESTE [Costa .^] , Gaetano , Cremona 1660 — 1680.
Wenig bekannt.
CALCAGNI [Calcanius], Bernardo, Genua 17 10 — 1760.
Manchmal dem Modell des Guarneri,
Bernardus Calcanius .
,, n . 1
allgemeinen mehr dem flachen
, ,
^"^
fecit Genu^ anno 1710
Modelle von Antonio Stradivari zu-
geneigt. Sein Firnis ist goldorange auch sein Holz ist gut. ,
Eine vorzügliche Violine, gezeichnet:
gehört dem kgl. Kammer-
Bernardus Galcanius fecit
^^^ Violin -Virtuosen Walther
Genuse Anno 1752 © ^ „ r. 1.
Cavallery, Berlin.
CALONARDI [Carlomordi?], Marco, Cremona 16 . .
CALVAROLA, Bartolommeo, Torre Baldone [Bergamo]
Bartolommie Galvarola
und Bologna 1750 — 1770. Seine
Arj^i:««« «.^:«««^., .,« a:^ Qr.k..iA ,,««
„ Violinen erinnern an die bcnule von
, .^
fecit Bergame ,^^
176 . . ^ . ^.. . ». ta- . .
Ruggieri, sein rirnis ist rotgelb. Uie
kleinen Schnecken sind plump.
29
CAMILLI, Camillo, Mantua 171 5 — 1750. Er arbeitete
in Mantua und ahmte in massvoller Weise die Formen so-
wohl von Guarneri als auch von Stradivari nach. Sehr
gutes Holz ausgezeichneter
,
Camillus Camilli fecit
Mantuae 1750
Ton, kurze /-Löcher. Der hell-
rote Firnis erinnert an Landolfi.
^ .^^
v^r
Zumeist geschriebene Zettel. Eine Violine Mantuae 1730
wurde im Katalog von Lyon & Healy, Chicago, für 450 Dollar
ausgeboten, eine andere von 1739, die 1885 im South Ken-
sington Museum in London ausgestellt war, wurde für
1350 Mark im Mai 1898 durch Puttick & Simpson in
London versteigert.
CAMILLIO, Davido, Cremona 1755. Wenig bekannt,
mittelmässige Arbeit, Nachahmer des Nie. Amati, möglicher-
weise falsche Ortsangabe.
CAMPETTI, Lorenzo, Lucca 1833. Keine besondere
Arbeit.
CAMPLOY, Verona 1854 1860. Experementiertc,
J., —
um den Cremoneser Lack neu zu erfinden.
CAPO, Mailand 17 17.
CAPO [Capa], Antonio, Cremona 1796.
CAPPA, Giuseppe Francesco, Saluzzio 1640.
Joseph . . Franciscus Cappa
Fecit Sallutiae 1640
CAPPA, Goffredo, Saluzzio 1640— 1686. Arbeitete in
versierte Umrahmung des Zettels. Saluzzio uiid Turin. Man Sagt, er
IOFREDVS CAPPA FECIT habe bei den Amati gelernt, doch
SALVTVS ANNO 1686 jgt diese Angabe sehr zweifelhaft.
Die Violen haben mehr Klangfülle, als die Violinen, und seine
Violoncelli sind ausgezeichnet. Die Formen sind gut, der
Firnis ist verschieden von dem Cremoneser, das Holz ist
wenig wert. Ein prachtvolles Violoncello von 1640 spielt
der Violoncello- Virtuos Emil Leichsenring, Hamburg.
30
CAPPA, 1647, f in Saluzzio am 6. VIII.
Goffredo. *
17 17. Nach haben die Arbeiten dieses Cappa
Piccolellis
nichts aufzuweisen, was an die Schule der Amati erinnert.
Besonders der Firnis zeigt die grösste Verschiedenheit von
dem der Cremoneser. Eine Violine von 1694 wurde bei
Lyon & Healy, Chicago, für 250 Dollars ausgeboten.
CAPPA, Gioacchino und Giuseppe, Saluzzio 1661 1725. —
CAPRARI, Francesco, Rolo 1846.
CARCASSl, Francesco, Florenz 1735 — 1758.
CARCASSI, Lorenzo, Florenz 1738— 1757. Lorenzo
gebrauchte
^ das Laden-
LOR.o E Tom.o CARCASSI , ., , , „ ,. ,
'\
r
In TT-
Firenze ,,,
nell' «
Anno ,^,.=.
1745
Schild „dalla Madonna de
t-.- • o • tt ,
^'^^^"- ^^^"^ Violinen bau-
Air Insegna del Giglio.
'"^ ,?' ^^^ ""^ verwendete
LORENZO CARCASSI Fee.
Dalla Madonna del Ricci in Firenze
g^l^roten Firnis. Im In-
L'Anno 1757 Strumenten - Museum von
A. Kraus, figlio in Flo-
renz befindet sich eine kleine Bassviolone von 1740, ebenso
eine Harfe (No. 518); ferner eine Viola d'amore von 1767, und
eine prachtvolle Violine von 1764. Durch die Zettel ist be-
wiesen, dass Lorenzo und Tomaso C. seit 1745 zusammen
arbeiteten. Späterhin bauten die beiden Brüder Guitarren.
CARCASSI, Tomaso, Florenz Beide
1747 — 1786.
Carcassi arbeiteten teils eemein-
TOMMASO CARCASSI ^ ., . ^ t--
^
•
,
sam, t:^,
teils getrennt in Florenz. Eine
in Firenze ,_^,
1751 xr- ^• /^^ -r-
Viohne 1736 (?) von lomaso war
1897 von Lyon & Healy, Chicago, für 165 Dollars ausgeboten.
CARCASSI, Antonio Police, Florenz 1773.
Antonio Felice Carcas
fece in Firenze 1773
CARCASSI, Salvatore, Florenz 1802.
CARDI, Luigi, Verona 18..
CARLO da Pesaro), Pesaro 1682.
(gen. Carlo
CARLOMORDI, Marco, Venedig (?) 1654 s. Calonardi.
Die Sammlung Correr in Venedig führt ein Instrument an.
CAROTTI, C, Florenz 1694.
CASELLI, Francesco, ? 1740. —
CASPANI, Giovan Pietro, Venedig 1658. Nachahmer der
Amati. Eine Viola seiner Arbeit: Venezia 1658 besitzen die
Gebmder Riva in Mailand, sie war dort 1881 ausgestellt.
-
31
CASRINI, Gio. Batt., Die Wiener Musik-
Canara 1687.
II. Theater-Ausstellung zeigte eine Marmorgeige mit Intarsia.
CASSANELLI '[Casanelli], Giovanni, Ciano (Modena)
1770 — 1777. Mittelmässige Arbeit, brauner Lack.
CASSINI [Casini], Antonio, Modena. * 1630 f 1700.
, ^
Antonius
. /-..*.*
Gasmi fecit ,>r **•
Miittinae
Lieferant
«. 1 des
v^ Herzogs
^ von ^
anno 1683 Mantua. Arbeitete in Mo-
, ^ . .
^, j
Modenae ,^o,r
1665
dena nach dem Modell
A. Gasini
der Amati, schallte hand-
Antonio Gasini
werksmässig, verfertigte
Modena 1669. , ,
^ wr
aber auch gute Ware.
Antonius Gassinus von prächtiger /--Löcher
fecit Mutin^ anno 167 .
Form,ebensodieSchnecke.
.
Firnis dunkelbraun, auch schöne Ebenholzeinlage. Er baute
Violinen, Violen, Violoncelli und Bässe.
CASTAGNERI, Gian Paolo 1638— 1665. Stammt aus
Gastagneri Gian Paolo Cremona, arbeitete in Paris. Er
nel palazzo di Soissons war einer der besseren Violinen
in Pariggi bauer.
CASTELLANI, Pietro, Florenz 1780— 1820.
CASTELLANI, Bartolomeo, Florenz 1806 1820. Keine —
Bartoiomeo Gastellani besondere Arbeit,
fece in Firenze, l'anno
1816 in Via da S. Trinita.
CASTELLANI, Luigi, Florenz, * 1809, f 1884. Vor-
Reparateur und Konservator der Instrumenten-
trefflicher
sammlung des Florentiner Konservatoriums.
CASTELLO, Paolo, Genua 1750— 1780. Seine Ar-
Pauius Gasteiio fecit beiten erinnern an die Gagliani und
Genuae Anno 1778 gehen auf das AmatimodcU zurück.
Gelber Firnis, nur wenig gutes Holz. Eine Violine ge-
hörte der Sammlung von C. C. Snoeck in Gent (No. 508);
jetzt im Instrumenten-Museum der kgl. akad. Hochschule für
Musik, Berlin-Ch.
CASTRO, Venedig1680 1720. —
Nahm nur schlechte
Modelle, doch schönes Holz, die /-Löcher sind unschön, der
Firnis rot. Einige Violinen soll er nach Antonio Stradivari
verfertigt haben.
CATENAR, Gaetano, Pavia 1639 — 1670. Violen und
Gaetano Gattenaro Gamben werden von ihm
Fecit Paviae Anno 1670 genannt.
32
CATENARI, Enrico, Turin 1671. Seine Arbeiten
Henricus Catenar ähneln dem Stradivarimodell.
lecit Taurini anno 1671
CATENARI, Francesco, Turin 1704. Arbeitete nach
Francesco G (C) atUnari ziemlich hohem Modell,
Fecit Taurini Anno Domini 1704 oder rot- dicker, roter,
brauner Lack. Eine gute Violine besass Marquis de St.
Hilaire, Paris.
CATENI, Pietro, — 1722. Eine
^ Violine mit diesem
Namen wurde für 25 ^ ausgeboten.
CATI, Pierantonio, Florenz
1735 1^55- In seinen —
Petrus Antonius Cati Florentinus Instrumenten soll er den
Fecit Anno 1740 Violinenbauer Gabrielli
nachahmen. Eine schöne Pochette (Taschengeige) von 1741
befindet sich im Instrumenten-Museum von A. Kraus, figlio,
Florenz.
CAVALERI, Giuseppe, Genua 1737. Seine Geigen
wurden gerne mit Zetteln berühmteren Ursprungs versehen.
CAVALLI, Savino, Cremona 1850 (f 1861).
CAVALLI, Aristide, Cremona * 1856. Schüler und Nach-
Arist. Cavalii & suoi Aiunni folger von G. Beltranni. Seine
Fecero Cremona anno 18 Instrumente verfertigt er zu-
. .
meist nach eigenem Modell. Sein Ladenschild
Firnis rot.
lautet: „Claudio Monteverdi*', (Schöpfer des Musikdramas,
* 14. Mai 1567, f 26. November 1643.)
CAVANI, Giovanni, Spilamberto (Modena) * 1851.
CEKO [Cecco], Christoforo, Venedig 1654. Keine be-
sondere Arbeit.
CELIONATO, Gian Francesco, 1730— 1737.
Turin
Von Cappa beeinflusst,
Joannes Franciscus Celionatus fecit j . j n
• u • iiyf
_ ^ deutet sem Modell auch
Taurini anno Domini 17 . . _ .
t^ . 1
auf Amati und Bergonzi
hin. Schöner gelber Lack. Ziemlich gute Arbeit. Eine
IG- saitige Viola d'amore 1732 befand sich auf der Mailänder
Ausstellung. Eine andere Viola d'amore von 1732 gehört
dem Instrumenten-Museum von A. Kraus, figlio. Florenz.
CELLINI, Giovanni, Florenz, * 1460, f 1527. „machte . .
. Violen, Lauten und Harfen auf das Beste."
. .
Giuseppe, Padua 1 7 50— 1 780. Eine Geige,
CENTURIO ,
nach Amati-Modell, soll einen Zettel „Jos. Centurio Tiburti-
nus f. in Padua 1780" enthalten haben (Tibon Tibertimus?) . . ,
33
CERIN [PerinPJ, iMarco, Venedig 1610. Eine Laute mit
Marco Cerin fece in Venezia 1610 geschnitztem Männerkopf
und reicher, wenn auch etwas schwerfälliger Einlage, be-
findet sich im Instrumenten-Museum der kgl. akad. Hoch-
schule für Musik, Berlin-Ch. (No. 702). Hier Hest maii Perin.
CERIN, Marco Antonio, Venedig 1780 — 1795. Schüler
Marcus, Antonius, Cerin, Alumnus von Anselmo Bel-
Anfelnaii, Belofii, Fecit Venetiae An. 1794 losio. Lieferte
schöne Instrumente, sein Modell ähnelt dem des Antonio
Stradivari. Firnis gelb.
CERRUTI, Sebastian, Piemont 1615 Lautenmacher.
CERUTTl, Giambattista, Cremona. * um 1750, f nach
1817. WarSchü-
T Jo: Baptista Geruti Cremonensis t vr , ,-
V
, , .
fecit Cremon» An. 1801 «,» 'er und Nachfol-
ger v^on Lorenzo
Storioni, dessen Handel in der „Strasse der Coltellai bei
dem Platz San Domenico"
1790 kaufte. Seine Instrumente,
er
etwa 500, sind sehr gut und meist nach dem Guarneri-
modell, doch auch nach dem „grossen Amatimodell" ver-
fertigt. Sein Firnis ist meist bernsteingelb, manchmal
rot; der Ton markig und voll. WegenKrankheit musste
er sein Geschäft seinem Sohne überlassen. Eine Violine,
Cremona 1795, besitzen Hamma & Co. in Stuttgart.
CERUTTl, Giuseppe, Cremona ''"
um 1785, f 1860 in
Josephus Gerutti filius Joannis Baptis- Mantua. Sohn und
tae Gremonensis fecit anno 1830. Nachfolger von Giam-
battista [Link] machte ein kleines Modell für seine Instrumente,
verwendete gutes Holz und gelben Firnis; seine /-Löcher
sind schlank geschnitten; die Schnecke ist anders gestaltet
als wie beim Vater. Ausser dem Zettel führte er noch eine
Brandmarke G. C, war sehr bewandert in der Vermessungs-
kunst der Instrumente und ein kunstreicher Wiederhersteller
alter Geigen.
CERUTTl, Enrico, Cremona * 1808, f 1883. Sohn von
Giuseppe. Baute insbesondere gute Violoncelli,
CERVELLA, Giovanni, — > 17..
CERVO, Giovanni, S. Angelo 1489. Lautenmacher.
CHELZ, Stephan, Rom 1602. Lautenmacher.
CHIARELLI, Andrea, Messina. * um 1670, f 1699.
War Lautenmachcr und Virtuos auf der Erzlaute; schon
Niedc rlieJ Ima 11 n - Voy el , Crcmoii«. 4. Aufl. n
34
i609(?) li^ss er drucken „Suonate musicali di violini, organo,
violone ed arciluto".
CHIARESCHI, Paolino, Del Bagno 1827.
CHIARI, Francesco, VillaMinozzo (Modena) 1880— 1883.
•
CHIAVELLATI, Domenico, Lonigo 1780 1796. Mittel- —
Domco chiaveiiati massige Violinen, Violen von ab-
^®^® sonderlichen Formen.
L'anno 1796
In Lonigo
CHIOCHINI, Pietro, Pisa 17.. Verwendete schönes
Holz, sonst nicht hervorragend.
CHIÜSOLE, Antonio di, Roveredo Stammt
1784.
Antonius de Glusolis ANTONIUS DE CLUSOLIS
faciebat Roboreti .... opus II fecit 1784
vielleicht aus Chiusole (Trient), Violinen selten, Bässe er-
innern an Tiroler Arbeit.
CIANCHI, Sebastiano di Rocco, Florenz 1662. Lauten-
macher.
ClARMA, Francesco, gen. Ncicchitto, Ascoli 18.. un-
bedeutend.
CINTl, Giuseppe, Bologna 1856. Geschickter Reparateur
CIOCCHI [Chiocchi], Gaetano, Padua 1800, f um 1870.
Nach Piccolellis war dieser Geigenbauer ein tüchtiger Künstler
und Reparateur.
ClOCHI [Ciocchi], Antonio, Venedig 1790. Nicht hervor-
Antonio Giochi di Venezia ragend,
anno 1790.
CIONI, Emilio, Mont 'Orso (Frignano) 18S4— 1894.
Schüler von R. Fiorini.
CIRCAPA, Tomaso, Neapel 1730 1735- —
Seine un-
gleiche Arbeit erinnert an Aless. Gagliano; guter orange-
gelber Firnis.
CITARED[USJ, Franciscus Urb[inasJ. Cister. Auf der
Decke gemaltes, auf dem Boden geschnitz!es Wappen mit
„G. A." Italienische Arbeit. XVI. Jahrhundert. Sammlung
Baron Nathaniel von Rothschild, Wien, s. a. Intern. Ausstellung
f. Musik u. Theaterwesen, Wien 1892.
CLEMENTI, Pietro, Cremona 1678. Kleine Form,
Peter Clementius en Cremona 1678 gelber Lack, Ursprung
•
fragwürdig.
CLIRICATO, Luigi. - r 1899. Schüler von Eugenio
Degani. Venedig.
35
COCKS[Cocko],Christoforo,Venedig 1654. Lautenmacher.
Cristofer Cocks, AU'insegna Eine von ihm gebaute Erz-
Dell'Aquila d'oro laute befindet sich im In-
Venetiae 1654 Strumenten - Museum des
Konservatoriums in Paris (No. 233), Catalogue 1884. Brand-
marke: Christoforo Cocko und authographischer Zettel.
COMPOSTANO, Antonio, Mailand 1699— 17 10. Er
Antonio Compostano ahmte in seinen Instrumenten Gran-
Fece in Contrada Larga cino nach. Baute Violinen, Violen
Milano 1709 und Bässe.
COMUNI, Antonio, Piacenza 1820 1823. Nicht hervor-—
ANTONIUS GOMUNX ragend,
fecit Placentiae Anno 1820
CONSILI [Consigli], Giovanni, Terni 1828. Forscher
Giovanni Consigli a Terni in und Versucher auf dem
ventola nuova forma del Violino Geigengebiet; ebenso nach
per eseguirvi con maggior faci- .^^ Demetrio Consili, der
Uta esxccurezza la difficolta _ xr« i« •
neue portamenti acuU op. quart. ^^^ sog. „Poggio-Violmo"
A. 1829 beschrieb. Eine Geige in
Form der Viola d'amore enthält nebenstehenden Zettel.
CONTEGIACOMO, Giovanni, Turin 1900.
CONTRERAS, Jose, Madrid. * um 1710, f um 1780.
Seine Lehrzeit verbrachte er wohl in Hervor-
Italien.
ragender spanischer Geigen-
MatriU per Granadensem
^^cher, aus Granada stam-
Josephum Contreras ,
'
^ ,. ^ .
anno 1760 mend, ahmte Stradivan und Gu-
arneri nach. Schönes Modell,gute
MatriU per fuium Grana- Arbeit. Eine sehr schöne Geige
tensis Jph de Contreras ., j c j
^0" '^"^ ^^^ ^^' Sammlung des
1
Anno 1792 Num. 11
PrinzenCaraman-Chimay war
1878 in Paris ausgestellt. Sein Sohn, Schüler und Nachfolger
Joseph lieferte minderwertige Arbeit.
COPPI, Sante de, Mantua 1816— 1817. Seine Geigen
sind von gewöhnlichem Aussehen und haben Verwandtes mit
denen Aless. Zanti's^
COPPO, Armando, Neapel 1608. Wird von Giovanni
di Enrico als Lautenmacher erwähnt.
, CORARA,Giacomo, Venedig 1775. Geschickter Geigen-
Giacomo Corara macher, wenig
Fecit in Augo 1775 bekannt.
Venezia 1SL° 3
3*
36
CORDANO, Giacomo Filippo, Genua 1770 — 1776.
Geschickter Künstler. Seine Vio-
Jacobus Philippus Gordanus .. j
• /-« « *
^ ., ^
*^
,__, linen Sind nach Cremoneser Art
fecit Genuae. Anno sal. 1774
,
,
__ , ^ , ,,
gebaut. Verwendete Haches Mo-
dell und rotbraunen Firnis (vergl. a. Giordano?).
CORNA [Della Corna], Giovan Giacobo dalla, Brescia
1484— IS30.')
CORNELLI, Carlo, Cremona 1702. Auch Zettel erst
Garoius Gorneili fecit mit Cremona, dann dem Namen,
Gremonae anno 1702 kommen vor.
CORNIA,Giuseppe, Iddiano (Modena) 1884 1894. —
CORTARO [Castaro, Corsaro], Antonio, Rom 161 4.
Wird in E. G. Baron's Untersuchung des Instruments der
Lauten (Nürnberg 1727) erwähnt.
CORTE, Alfonso dalla, Neapel 18.. Nachahmer alter
Meister, verschiedenfarbiger Firnis.
CORTESI, Carlo, Pesaro 161 2. Baute Geigen nach Art
Gortesi fecit pifavri 1612 G. da Salo's und Mariani's.
COSTA, di Agostino, Verona 1600 1630. Nach seinen —
^ X dlj. .. .« ^^^r^ stammt er aus
^ Zetteln
Gosta agostmo di Brescia 1600 r- _, . . , t
Brescia, em bohn des
Agostino. Eine Laute von 1622 besitzt C. Claudius in Malmö.
Eine Viola von 1600 gehört der Samlg. Correr in Venedig ufid
ein Calascione von 1622 der Samlg. Crosby Brown in New York.
COSTA, Marco dalla, Treviso 1660 1680. —
COSTA, Pietro Antonio, Treviso 1700 1768. Hat —
Pietro Antonio dalla Gosta einige gute Instrumente gemacht,
fece in Treviso Anno 1741 besonders Violinen. Modell nach
Antonio & Girolamo Amati,
. ;m » ^H „,
I
^ '
Viy i^. >"mi1{MK.
'
'
«^
Fkrui ^Anfmltfs 7i Coßa fcch ad
ftmditudiAtem illorum auo$ fecetum :
Antonius HieroaymusFratrcs Amati & ^
Cremöner (esEtlii Andreas Tnrvißi Anao x ; C 7 .
manchmal auch Stradivari. Prächtiger rotbrauner Firnis. Seine
Zettel wurden viel missbraucht.
') Lanfraiico, G., Scintille, 093ia reg^ole di miiaica, che tnostrauo a Icggere
il canto fermo . . . , Brescia, L, Britannicus 15J3.
.
37
COSTA. Feiice Mori, Parma 1804 — 181?. Nicht hervor-
Felix Mori Costa. ragend.
Fecit Parmae
« anno 1807
CRAJl.R [(jraillj, Magno, Rom 1606 — 1631. Lauten-
niacher, wird [606 urkundlich genannt.
CREMONA, Girolamo, Turin. VermutUch durch falsche
(-i-eigenzettel entstanden.
CRISTOFORI [CristofaH], Bartolorameo, Florenz. * um
T>
Bartolommeo /^ * * ^. ,-T,.- 1667 (in Cremona, Pa-
Cnstofon
1
Firenze
• •
1715 / ^ ,
du^?), -j-
173 1. Mög-
licherweise Schüler von N. Amati. War der Erfinder der
Hammermechanik für Clavicembali. Im Instrumenten-Museum
des Regio Istituto musicale in Florenz befindet sich ein Kontra-
bass dieses Künstlers (No. 301). Fiorini in München besass
ein schönes Cello (Plrenze 17 16).
CRISTONI, Eusebio, Modena 1847 — 1883.
CRUGROSSI (?), Vincenzo, Florenz 1767. P>agwürdige
Angabe.
CUPPIN, Giovanni,..? Zettel ohne Jahreszahl und Ort.
Ein kleiner Bass, ohne Rand und Reifchen, hübsch ge-
schnittene /'Löcher, gelber Lack, befindet sich in der Samm-
lung von Antoine Gautier in Nizza.
DAGLI INSTRUMENT!, Marco, Ferrara 1541. Ar-
beiteten für die Herzöge d'Este; der eigentliche Name des
Verfertigers unbekannt.
DALAGLIO s. Aglio dall'.
DANIELE in Verona.
DANIELI, Giovanni, Padua 1745 — 1755. Arbeitete
Joannes DanieU fecit Patavii später mit Bagatella zu-
1745 sammen.
Danieli et Bagatella
f ecerunt Patavii Anno 17 .
DARDELLI,Fra Pietro, Mantua 1497 1500. Da er —
Franciscaner-Mönch im Kloster zu Mantua war, auch Fran-
ciscaner genannt. Lebte Mitte des 15. Jahrhunderts. War
ein ausgezeichneter Lautenmacher, verfertigte aber auch
verzierte Violoncelli mit eingelegter schöner Arbeit. In
einem Dokumente des Gonzaga-Archivs^) wird eine berühmte
*) Bertolotti, A. Musici alla Corte dei Gonzaga in Mantova dal secolo XV
al XVIII. Milano (1890). Seite 17 und Kritik von Emil Vogel in ,,Vierteljahr-
schrifl füi Musikwissenschaft" 189T, S. 278-284.
.
38
Laute erwähnt, datiert 1497, die er für die Herzogin von
Mantua machte mit dem Namen des Vaters Dardelli. Dieses
Instrument ist mit eingelegter schöner Arbeit aus Ebenholz,
mit Elfenbein und Silber und dem Wappen von MantUli,
das auf der Tafel gezeichnet ist, geschmückt
DAVINI, Giusto, Lucca 18.. unbedeutend.
DECONET, Michele, Venedig 1750—90. Folgte der
MICAEL DEGONET Cremoneser Schule und arbeitete
Fecit Venetiis 1754 inVenedig. Guter Violinenmacher.
Gedruckter Zettel. • Djg Tafeln haben punktierte Wöl-
Michiel Deconet bungen. Zuletzt arbeitete er in
FecitPadua.L'annol790 p^j^^ ^^^^ Violine von 1786
Michael Deconet fecit gehört Herrn Wrede in Lüneburg;
venetiae an. Dom. 17 . . .
^^^^ andere: Michael Deconet
fecit Venetijs Anno 1772, Herrn Schroll, Triest.
DECONETTI [Deconet], Giov. Battista, Venedig 1720
Venezia 17.. ^'^ ^735- Möglicher-
[Link]. Deconet fecit
weise ein Vorfahre von
Michele D. Arbeitete nach einem Nie. Amati ähnlichen Modell
mit höherer Wölbung.
DEGANI, Domenico, . Montagnana. * um 1820, f 1887.
Degan Domenico
Maggie 18
fecit in .
Montagnana
DEGANI, Venedig. * 1840 zu Montagnana.
Eugenio,
Eigenes Modell, aber auch Nachahmer alter Meister; guter
Firnis. Sein Sohn Giulio war Schüler und Geschäftsteilhaber.
DESIATO, Giuseppe, Neapel 18.. wenig bekannt.
DESIDERI, An., Ascoli — ?
DESIDERI, Raffaele, Ascoli 17.. — 18..
DESIDETI, Pietro Paolo, — ? 1793. Die Familie stammt
aus Novara. Seine Arbeit wird der Schule Guadagnini's
zugezählt.
DESPINF5 [D'Espin], Alexander, Turin 1842. Schüler
Pressenda's,Nachahmer Guarneri's.^)
DINELLI, Carlo, Fanano 1887.
Au Violon de Cr^mone,
DELEPLANQUE G^rard J., Lille 1760 G6r«rd -J. DELEPLANQUE,
bis 1790. Luthier, Place de Ribour, pris
rH6tel - de • Vile 4 Lille 1790
,
1) Violin Times. Wit, P. de, Zeitschrift f. Instr.-Bau 1895, No. 31.
"
39
DINI, Giovanni Battista, Lucignano 1707. Das Instru-
menten-Museum von A. Kraus figlio, Florenz, enthält
einen guten Kontrabass^) von 1707. (No. 632.)
DIONELLI, Gaetano, Mantua 1869.
DIOTALLEVI(?), Michelangelo, Rimini 1820.
DODI, Giovanni, Modena 18..
DOMINICELLI, .., Ferrara 1695 — 171$. Man kennt
einige gute Bässe und
ihm; goldgelber Firnis.
Celli von
Die einen rechnen ihn zur Amatischule, die andern bringen
ihn zu G. B. Rogeri in Beziehung.
DOMINICHINI, Antonio Eduardo, Bologna 1708— 1766.
DOMINICHINO, Giuseppe, Verona 1700 —
1709. Seine
Giuseppe Domichino Geigen erinnern an die äl-
Veronensis Faciebat anno 17 . .
teren Amati-Geigen.
DOMINICO, Pesaro 1522
. .
1S48.
, Das Inventar der —
Dominicus Pisaurensis Musikinstrumente des Königs Phi-
fecit MDXXXIII Hpp H. von Spanien führt 5 Violen
an. Bekannt ist der Meister durch den Bau des Clavicembals
1548 nach Zarlino's Anweisung.
DOMINICUS, Joannes, Rom i57o(?). Die Niederheit-
Joannes Gesarum Dominicus mann'sche Sammlung in Aachen
Roma nrunorum 1510 besass eine alte v ioline, klein,
Wölbungsverhältnisse ähnlich denen Andreas Amatis, die f-
Löcher mit ähnlichem Schwung geschnitten, doch lang und von
oben bis unten gleichweit offen, gutes Holz, schöner brauner
Firnis. Die Reifchen laufen auf dem Boden oben und unten in
einen Schnörkel aus, der Klang ist vortrefflich. Nach v. Lütgen-
dorff wäre Dominicus ein Minorit gewesen (Ordinis fratrum
minorum), die Jahreszahl könnte wohl auch 1610 heissen.
DONATO, Serafino, Venedig 141 1.
DONI [Dom], RoccQ, Florenz 1600 1660. Geistlicher, —
verfertigte auch Lauten und verschiedene Violinen, darunter
ein Instrument in der Sammlung des Grossherzogs von Florenz
nach einer Aufnahme vom 23. IX. 17 16.
DONI, Giambattista, Florenz 1635 1663. Erfand die —
Lira Barberina (Amficordo).
DOSI, Pietro, Bologna 1885.
DRINDA, Giacomo, Pianzo(?), Pienza oder Piazzo 17..
DUCLOS, Nicolaus, Barcellonna 1759 — 1764.
*) Kraus, A. figlio. Catalogo della Collezione etnografico - musicale
Kraus in Firenzc. Firenze 1901. — Siehe Abbildung: von Lütgendorif a. a. O.
40
DUIFFOPRUGCAR, Gaspard. 1 5 14 — 1 571. - 1514 in
Fressin. Diese Daten finden sich
Gaspard Duiiropruggar,
Urkunde Heinrichs H. vom
-^ ^^^^.
Bononiensis 15 -
, ., * , ,
- 1
Januar 1550 betr. die Autnanme
Gaspard D. zum französischen Bürger. D. war verheiratet mit
Barbe Honieau und hatte mehrere Kinder. Er stavK> in Lyon
1
571 und bintcrhess seine FamiHe in dürftigsten Verhältnissen.
Ob er in Bologna ansässig war, oder ob die bezüg-
lichen Angaben Leonardo oder WendeUn T. betreffen, ist
zweifelhaft; jedenfalls wird er als Deutscher bezeichnet und
urkundlich nur in Lyon nachgewiesen. Die Schreibweise
des verwalschten Namens ist verschieden: Duiffobrocard,
Gaspard Duiffoprougar, Duiffoprugcar. Die Hypothese von
Dr. Edmund Schebeck^) in Prag, der ihn den Bahnbrecher
der italienischen Geigenbaukunst nennt, können nicht mehr
Stich halten vor den gründlichen Forschungen von Henry
Coutagne.'-) Die Ähnlichkeit einer Lyra oder Gamba mit
der Geige und der spätere Umbau bez. die Abänderung
solcher Instrumente in Geigen, [Link] die genialen
Fälschungen mit Verwendung gefälschter Zettel, von Jean
Baptiste Vuillaume in Paris stammend (* 1798, f 1875), sind
die Ursache vieler eingenisteter Irrtümer.
Die bekannten 6 Violinen von Duiffoprugcar werden
jetzt bestimmter als früher angezweifelt und dem vor-
erwähnten Vuillaume aufs Kerbholz geschrieben.
Seine Instmmente zeichnen sich durch reiche Verzierung
aus. Ein Violon befindet sich im Instrumenten-Museum des
Konservatoriums in Paris; es stammt aus der ersten Hälfte
FAIT PAR DVIFFOPRVGCAR Gemacht von Duiffoprugcar
A la COfte fain6l Sebaftien indem Hof von Sanct SebastUn
in Lyon.
A yLyon
.
des XVL Die ff sind von grösster Feinheit,
Jahrhunderts.
Eine Schrift von Giovan Maria Lanfranco da Terentio
Parmegiano, 1533 in Brescia erschienen,*) erwähnt dieses
») Schebek E., Der Geigenbau in Italien und sein deutscher Ursprung.
,
Eine historische Skizze. (Separatabdruck aus dem Deutscheu Volkskalender für
1875.) 4"- (8 S. mit Holzschnitt ) Prag 1874.
*) Coutagne, H. Gaspard Duiffoproucart et les luthiers Lyonnais du
,
XVI. siicie. kl. 40. (708. mit Bild.) Paris 1893.
') Lanfrancc, Giovau Maria, wie oben. Scintillc, ossia regele di
Musica . . che mostrauo a leggere il cauto ferrao et figorato
.
con la accorda-
tura de varii instrumenti ... In Brescia per Lodovico Britauuico, 1533- Vcrgl. Die
Handschriften nebst den älteren Druckwerken der Musik-Abteilung der herzogl.
Bibl. zu Wolfeubüttel, beschrieben von Dr. Emil Vogel. Wolfenbüttel i8yo, S. 163.
41
Gaspard DuilToprougcar — Caspar TiefTenbrucker.
'
1514 in „Fressin" (Füssen, Freising?), t 16. Dez. (?) 1570 oder 1571
in Lyon.
(,Nach einem im Kgl. Kupferstich -Kabinet zu Berlin befindlichen Original -Stich
vom Graveur Peter Woeiriot, 1562. Im Altci von 4S Jahren.)
42
Instrument. Im Jahre 1550 und zweiten Oktober
,,im ersten
wurde ein Violon für die Feste in der Stadt Rouen zu Ehren
Königs Heinrich II. und der Katharina von Medici^) gemacht
für den guten Pantagruel". Eine Lyra da braccio mit
7 Saiten besass früher A. Hajdecki, Mostar, seit 1874 Eigen-
tum von Eduard Rott in Altenmühle bei Dassel. Eine
zweifellos echte Viola von Duiffopruggar besass der sehr in-
telligente Geigenmacher Anton Fischer in Wien (1794 1879). —
DUIFFOPRUCART, Johann, Lyon 1560— 1585, nannte
sich Duiffobrocard, Duiffoprougar, Duyfautbocard, Dieffen-
bruger, Tieflfenbrucker. Dieser Sohn Gaspard's (Caspar) setzte
das väterliche Geschäft als „faiseur de luth" fort; viele
Instrumente von ihm sind im Umlauf, vermutlich mit Zetteln
seines Vaters.
DULFENN,Alexander, Livorno 1699— 1700. Frag-
Allexanter Dulfenn fecit würdig!
in LivornO 17 . .
EBERLE, Tomaso, Neapel1750 1785. Gagliano sehr —
Tomaso Eberle Fecit ähnliche saubere Arbeit, schönes
Nap 1776 Holz rotbrauner Firnis. Eine Vio-
,
line von 1769 kam 1898 durch Hamma &^Co., Stuttgart,
für 600 Mark zum Verkauf. Sie zeichnete sich durch braun-
gelben Firnis aus. E.'s Instrumente gehen meist unter der
Marke von Nicolaus Gagliano.
EBERSPACHER, Bartolommeo, Florenz 16... Das
Museum Kraus in Florenz besitzt eine Theorbe (No. 511).
EBERT, Heinrich, Venedig 1655. Tüchtiger Lauten-
_ ,^^^ macher; verwälschtewie
Enrico Ebar fecit anno Dommi . .
1655 , t^ -t-
, rr
/
arrdere auch (z. B. 1 leiien-
Heinrich ebert In Venetia brucker) seinen Namen.
Eine sehr schöne Theorbe besitzt die Instrumenten-Sammlung
D. F. Scheurleer, 'sGravenhage. In der Ausstellung der hol-
ländischen Gesellschaft „Pulchri Studio" war 1893 eine von
J. C. Hoffmann reparierte Theorbe Eberts.
ECCHIO, Giovanni, Rom 1610.
>) Eine Abbildung in [Link] Grillet, a. a. O. Bd. II.
EBERLE, Johann Udalricus, Prag. • 1699 in Vils, t 1768 in Prag. Der
erste charakteristische Vertreter der Prager Schule.
EDLINGER, Josef Joachim, Prag 1693— 1748. Arbeitete iu Cremona, Rom,
Neapel, Bologna, P'errara und Venedig, und brachte zuenst die Präger Geigen-
bauschule in Ruf.
43
EMILIANI, Francesco de, Rom 1704 1736. Gute Arbeit, —
hohe Wölbung bevorzugt, gelb-
Francifcus de Emilianis fecit ^ t^- • t t /^ tt 1
roter Firnisund sehr gutes Holz,
Rpm^ Anno Dni 1728
schwungvolle Schnecke. Wie
die meisten römischen Violinen- u. a. Instrumentenmacher
beeinflusst von David Techler.
ENRICO, Giovanni di, Rom 590 — 1610. Ein Flamänder,
1
vielleicht Namens Heindrichs. „Meister Giovanni" hatte in
Rom ein Geschäft mit dem Ladenschild „alla Trinita". Eine
Laute (Orpheoreon) , mit 16 Saiten und prachtvoller Ver-
zierung des Kastens, im Instrumenten-Museum des Konser-
vatoriums in Paris, Ende des 16. Jahrhunderts verfertigt, stammt
vielleicht von ihm.
FABBRIS [Fabris], Luigi, Venedig 1870.
FABRICATORE, Giovanni Battista, Neapel 1780— 1805.
Gio: Battifta Fabricatore fecit Ausgezeichneter Lautenmacher.
An. 1785 in S. M. deii'Ajuto. Eine Mandure im German. Mu-
.
Napoii seum in Nürnberg, ein Mando-
rone im Instrumenten-Museum des Konservatoriums in Paris
(No. 1369); eine Mandoline. im Instrumenten-Museum der kgl.
akad. Hochschule für Musik. Berlin-Ch. No. 752; desgleichen
im Gothenburger Museum; eine solche von 1782 im städtischen
Museum zu Braunschweig. Eine Apollo- oder Lyraguitarre
von 1805 gehört der Sammlung der „Gesellschaft der Musik-
freunde" in Wien (No. 38).
FACINI, Fra Agostino, Bologna 1732 — 1742. Mönch
des Ordens St. Johannes von Gott. Baute gute Geigen nach dem
Modell von Stradivari. Ausgezeichneter rotbrauner Firnis.
FALCO, Paolo, Cremona 1750— 1752. Bergonzi-Stil.
FARINATO, Paolo, Venedig 1695 1725. Imitierte Sera- —
fino Santo. Hübsches Modell, gelbroter Firnis, guter Klang.
FAROTTI, Celeste, Mailand 1901.
FARUZI, Francesco, Venedig 1853.
FAUSTINO, . . , Lucca (Modena) 16 . .
ERTL, Karl, Pressburg 1836— 1848. Versuchte den ..Cremoneser Lack xii
ergründen '*.
E. S. —1462. Eine Cister trftgt die Inschrift E. S. MCCCCLXII.
FENDT, Jakob, London, • 1815, t 1849. Ein geschickler Geigenmacher
nach Stradivari- und Lupot- Modell, der t-s verstand, den Instrumenten das Aus
sehen höheren Alters zu geben, weshalb er hier erwähnt sei, um Täuschungen
vorzubeugen.
44
FENGA, Liiigi, Catania (Sizilien), * 1866. Eifriger Erfor-
Aluisiiis Phaenga Gatanensis 1900 scher des italienischen
fecit
LUiGi FENGA -CATANJA (Ttaiia)
Gei^^cnbaues. Arbei-
tete nach eii^^encm „Fenga"-Modell, verwendete gutes, altes
Holz, vseinem Firnis rühmt er beste Eigenschaften nach. An-
sprechender Ton. Preis einer Geige etwa 300 Lire.
FERxATI, Pietro, Siena 1754 1764. —
FERRARESI, Vincenzo, San Feiice (Modena) 793— 869. 1 1
Mittelmässige Arbeit.
FERRARI [Ferraro], Gasparo, Rom —
1730 1760. Lauten-
Gasparo Ferraro Romano ""^ Mandolinenmacher.
fecit in Roma nelmesa di Maggie Sehr gute Arbeit, gelber
deii Anno 1744. Firnis. Eine Mandore von
Gasparo Ferrari Romano 17^ gehört C. Claudius
Roma Ao 1751.
m
• at^i^-. :^^ .r.^-.r^u^
Malmo; eme lomiscne
Mandoline von 1744: 6 Paar Darmsaiten und Wirbelkasten
mit Schild als Stirnstück, flache Rose, gleich aus der Decke
geschnitzt, einfache nicht gemusterte Einlegearbeit von
Elfenbein, Farbe hellgelb, im Instrumenten -Museum der
kgl. akad. Hochschule für Musik, Berlin-Ch. (No. 751). Eben-
da ein Archiliuto von 175 1 (No. 710) ... von ungewöhn-
licher Breite im Hals und Körper und mit reicher Ein-
legearbeit von Elfenbein. Perlmutter, Schildpatt u. s. w.
Die Decke hat 8 Paar Saiien, auffälliger Weise von Metall,
und an der ünterzarge an Knöpfchen befestigt. Die Decke
hat 8 Paar Voll- und 6 Halbbünde von eingelegtem Metall.
Der Kragen ist nur wenig nach hinten ^^eneigt und besteht
aus einem Wirbelbrett statt Kasten, in dem zwei Reihen
Wirbel senkrecht stecken. Die beiden Paar Bass-Saiten
laufen über einen lyraförmigen Elfenbeinsteg, der auf diesem
Wirbelbrette steht.
FERRARI, Alfonso, Carpi (Modena) 1738.
FERRARI, Carlo, Siena 1740. Cremoneser Richtung,
mittelmässige Arbeit.
FERRER, Antonius, Neapel 1481. Mönch und Musik-
instrumentenmacher, arbeitete für Ferdinand I. von Neapel.
FERRI, Primo, Mirandola 1848 185 1. —
FENT, Fran^ois, Paris 1765— 1791. Einer der geschicklesten Geigenraacher,
iler vortrefflich Stradivari uachahmte.
FICHTHOLDT, Hanns, Ingolstadt(?J 1612. ..Hannss Fichtholdt, welcher noch
Auno 1612 vortreffliche, auf Italienische Art gearbeitete Lauten gemacht, . .
."M
') Barou, irntersuchnng des Instr-nnents dtr Lauten, Nürnberg 1727-
45
FIFO del Pagliaro, Rolo (Modena) 1840.
FILANO, Donato, Neapel 1763— 1782. Geigen von ihm
Donatus Fiiano fecit anno D. 1770 sind unbedeutend, Man-
Neap. alla Rua de Tafettanari
^^y^^^^ ^^j Pandoren gut.
FINOLLI, Giuseppe Antonio, Mailand 1750 — 1755.
iVfittel massige Arbeit.
FlORANI, Vincenzo, Pergola 1855. Unbedeutend.
FIORI, Andrea (?), Modena 1796 1869. Arbeitete — mit
Li FrateUl Fiori fece- seinem Bruder Gaetano zusammen,
ro'on Modena l'anno 1812
FIORI, Gaetano, Modena 1798 — 1872.
FIORI, Amilcare, Casinalbo 18..
FIORILLO, Giovanni, Eine Mischung des
F'errari 1780.
Tiroler und Italiener Stils. Ersterer wegen der Stainerschen
/-Löcher vorwiegend. Seine Celli klingen gut.
FIORINI, Antonio, Bologna 1720. Vielleicht bestehen
ANTONIUS Fiorini BONONI^E Beziehungen zu den Floreni.
fecit Anno 1720
FIORINI, Raffaele, Bologna, * 1828, f 1898. Gilt als
besserer Geigenmacher.
FISCER, Giuseppe und Carlo, Mailand 1760- 1764. Nach
Giuseppe Carlo Fratelli Fiscer dePiccolellis„Ficher",
Fabbricatori di strumenti in Milano möglich dann auch
Vicino alla balla 1764 „Ficker", wahrschein-
lich aber von deutscher Plerkunft (Fischer). Gute Arbeit,
schöner roter oder rotgelber Firnis.
FISCER, Carlo Vincenzo, Mailand 1770.
\
FICKEK, Johann
Christian (Ik '^Mark- iNeukirchen 1700— 172.'. Objjleich seine
Instrumente von Creinona datieren, haben sie wenig mit Cremoneser Mache gemfin.
FICKER. Joliann Christian(11), (Mark-)Nreukirchen 1735— 17S0. Als Ursprnngs-
ort ist in seinen (;ei;jren häufig Mittenvvald und Cremona angegeben Auch Zettel
'
seines Vat<.rs, «?ft ohne Jahreszahl, verwendete er.
FICKER, Johann Christian (Uli, fMark-)Neukirch<»n 1758—162,^. Gleieh
Johann Christian Ficker seinem Vormann pflegt er Crvnioui und Mii
probe violino cor». Cremona tenwald anzug^eben.
FICKER, Johann Gottlob d), (Mark-)Neukirchen, * 1744. f 1833- Einer Ut-r
^^«*^° Geigenmacher des sächsischen Vogt
Johann Gottlob Ficker, Vilino
Correspontent Romani Cremona, 1818 landes. Gutes Holz, »orgfältige .\rbeit,
edler Ton. Auch er erweckt den Schein
Cremoneser Arbeit.
FISCHER, Zacharias Wfirzburg •
1730, f 1812. Gcigenmacher von [Link]
Ruf. Zeigte 1786 au, dass er .Stradivari und Stainer gleichwertige InstrujTienle
mache. Sein Verfahren war nicht dauerhaft.
..
46
FISCIER, Tobia. Siena 17 lo. Steht vielleicht in Be-
ziehungen zu Fratelli Fiscer. Eine Theorbe von ihm besitzt
das Museum Kraus in Florenz (No. 512).
FLORENO, Giovanni Guidante, Bologna 1680— 1730.
Seine Violinen ähneln der
Joannes Florenus Guidantus Fecit r- a , 1 • ,
Bononii» Anno 1731
Schule von Amati; der
Firnis ist goldgelb und gut.
Eine Violine befindet sich im Museum von A. Kraius, Figlio.
FLORENO, Guidante, Bologna 1710—1740. Sohn des
Guidante Florenus Florinus Guidantus Fecit
fecit Bononse 17 . Bononise Anno 1710
vorigen, setzte des Vaters Handwerk ohne wesentliche
Veränderungen in Bologna fort. Seine Instrumente haben
grosse Form, schönes Holz, goldgelben Firnis und ^uten
Ton. Für eine Violine von 1738 verlangte Hamma & Co.,
Stuttgart, 1800 Mark.
FLORENO [Florino], Fiorenzo, Bologna 17..
Florentus Florenus
fecit Bononiae, an 17 .
FONTANA, Giovanni, Ferrara 1568.
FONTANELLI, Giovanni Giuseppe, Bologna 1733 1773 —
Giov. Giuseppe Fontaneiii Ein sehr guter Lauten-
fece in Bologna, l'anno 1733-3Xbre
wacher. Eine Laute von
Giovanni Giuseppe Fontaneiii 1733 befindet sich in der
Boiognese f. an. 1772 Sammlung von A. Gautier
in Nizza. Zwei Mandolinen von 1741 und 1772 befinden
sich im Instrumenten-Museum des Konservatoriums in Paris
(No. 244 u. 245) Catalogue 1884.
FORADORI, Giovanni, Verona 1855. Mittelmässige Arbeit.
FORNI, Stefano, Pesaro 1666. Äusserlich Brescianer
Stefano Forni Fece Mache.
In Pesaro. Lanno 1666
FORNO, Christophoro del, Rom 1608. Lautenmacher.
Wird bei Giovanni di Enrico erwähnt.
FRAISER, Giorgio, Cremona 1648 — 1666. Arbeitete
bei N. Amati.
FISCHER, Joseph, Reg^ensburg * 1769,
f i8.U- Hervorragender Meister nach
italienischer Schule, besonders Stradivari. Seine Geigen, mit wundervollem, gelb-
braunem Öllack, gehen vielfach als eclite italienische im Handel um.
FISCHESSER - CHOLLET , LtJon , Genf dann Stauten i. B. 1861. Suchte
insbesondere den Creraoneser Geigenlack zu erforschen.
. .
47
FREDI, O«^ Fabio, Rom 1845— 1894. G^iter Geigen-
macher, arbeitete in Todi (Perugia), seit 1879 in Rom.
FREDI, O^ Rodolfo, Rom 1885. Sohn des vorigen.
FR£DIMAUR, Joannes Baptista, Florenz 1740 (?). Die
Jahreszahl des Zettels
Joannes BaptistaFredimaureximius
ligneus faber, Florentie anno 1643 ist anzuzweifeln. Gute
Arbeit, langes schmales
Modell, hohe Wölbung, grosse j^, breite Reifchen, goldgelber
Lack, schmale kleine Schnecke.
FREY [Frei] Hans, Bologna 1450 1523, Nürnberg! ^S^S- —
Soll als bester Lauten- und Violenmacher s. Z., als „ein kunst-
reicher Mann ." gegolten und in Bologna gearbeitet haben.
.
AlbrechtDürer war sein Schwiegersohn.*) Dieser Hess in seiner
Unterweisung der Messung als Beispiel eine Laute zeichnen.
GABRIELLI, Bartolommeo, Florenz Seine Arbeit 1730.
Gabrielli, Cristoforo, Florenz 1730
erinnert an Vangelisti.
GABRIELLI [Gabbrielli], Gian Battista, Florenz 1740 bis
Gio. Battista de Gio. Batista de Gabbrielli
Gabbrielli Firenze lece in firenze 1750
anno 1762. Geschriebener Zettel.
Joannes Baptista Gabrielli
., .. , -A TT Gedruckter Zettel.
ilorentinus fecit 17 . .
1770. Der berühmteste Geigenbauer dieses Namens, der
besten Florentiner einer. Sehr sorgfältige Arbeit, neues Mo-
dell; seine Violen und Violoncelli waren vorzüglich, auch
das von ihm gebrauchte Holz ist sehr schön, Firnis gelb
und sehr durchsichtig. Im Instrumenten-Museum von A. Kraus
figlio in Florenz^) befindet sich eine Violine von 1745.
Eine Violine von 1760 wurde 1899 bei Puttick & Simpson
in London für 30 j^ versteigert.
GABRIELLI, Antonio, Florenz 1760. Gute Arbeit,
Antonio Gabrielli fece goldgelber Firnis,
in Firenze 1760
GAGLIANO, Alessandro, Neapel, um 1640, f 1725. •
Alessandro Gagliano Alumnus
Stradivarius fecit Neapoli anno 1701.
Alexander Gaglianus Fecit Neap.
1712.
Alexander Gagliano Alumnus Antonis
Stradivarius fecit anno 17 .
*) IvOchner. G. W. K. Dlf Personen -Namen in .Mbrccht Dürer's Briefen
aus Venedig. 8^ (52 S.) Nürnberu 1870
'') Siehe S. 39. Anmerkung i.
48
Einer der besten Schüler Antonio Stradivaris und Gründer
der neapolitanischen Schule. In seinen jungen Jahren lernte
er mit Liebe die Musik. Wegen eines unglücklichen Duells
musste er Neapel verlassen. Unter dem Schutze des
Kardinals von Neapel hielt er sich zunächst in einer dem
Kardinal gehörenden Besitzung in Mignaniello auf, dann
ging er nach Rom und Cremona. Hier wurde er Schüler
von Stradivari, bei dem er etwa 30 Jahre lang gearbeitet
haben sollund erlangte eine ausgezeichnete Geschicklich-
keit. Ende 1695, nachdem er sichere Gewähr für die Ver-
jährung seiner Schuld erlangt hatte, kehrte er nach seiner
Heimat Neapel zurück, um sich dort einzurichten und zu
arbeiten. Seine Instrumente sind allgemein von einem grossen
Patron und von flacher Form mit 'sehr ausgedehnten und senk-
rechten Schallöchern, sorgfältig gearbeitet; der Firnis ist fast
immer gelb und sehr durchsichtig, mit einem Schein ins Graue,
unterschiedlich vom Cremoneser, das Holz sehr schön. Die ff-
Löcher sind etwas steil Schnecke ist klein und
und offen, die
ungleichmässig geschnitzt, der Ton ist klar, markig und voll.
Eine sehr schöne Alessandro GagHano -Violine Neap.
17 besitzt der kgl. Kammer- und Violin- Virtuos Anton
Witek, Berlin. — Ein ganz ausgezeichnetes Violoncello
Neap. 1723 spielt der Kammer- und Violoncello- Virtuos
Eugen Sandow, Berlin. Das Instrument ist sehr gut er-
halten und vorzüglich im Ton. — Ein Violoncello Neap. 1725,
der Instrumenten-Sammlung von Karl Zach in Wien gehörig,
war auf der Internationalen Ausstellung für Musik und
Theaterwesen, Wien 1892. Alessandro's zwei Söhne übten
die gleiche Kunst aus.
GAGLIANO, Gio. Battista, Cremona 1728.
J B Gagliano alomnus Stradivarius
Fecit Gremone Anno 1728
GAGLIANO, Nicola, Neapel, * um 1665, f 1740 im
Nicolaus Gagliano FiUus Alter von et-
Alexandri fecit Neap. 1735 wa 7 5 Jahren,
/ Nicülaus GagUanus \ (
ältester Sohn
)
Zettel innen am Halsansatz lauten; VOn AleSSaU-
In conceptione tua Virgo Maria Immaculata fuisti, droGagliano.
Ora, pro nobis Patrem, cujus Filium Jesum de Sjx s Seine Instru-
preperisti
^^^^^ ^^^j
bedeutend besser als die seines Vaters, der Firnis ist tiefer
.
\
49 \
gefärbt, sehr klar und braungelb.
£r arbeitete nicht naÄ».
dem Patron seines Vaters, sondern wählte ein ivleineres,\
ähnlich dem
des Stradivarius, die Mitte haltend zwischen dem \
amatisierten und allongierten Modell. Nur aus seiner letzten \
Periode sind einige grosse (i eigen vorhanden. Die Klangfülle
des Tones ist ausgezeichnet. Die Verzierungen in der Zeich-
nung und seine vorzüglichen Arbeiten weisen auf einengrossen
Künstler hin und stimmen mit den Grundsätzen der Stradivari-
Schule überein. Er machte viele Violinen, Violen und Violon-
celli, die sehr gesucht waren, da sie grossen Beifall fanden.
GAGLIANO, Gennarro, Neapel* um 1700, f nach 1770.
Januarius Gagliano fiiius Zweiter Sohn von Ales-
Alexandri lecit Neap. 1770 sandro Gagliano. Gen-
Januarius Gallanus narro war neben Seinem
fecit Neapoli 17-
Bruder Nicola der be-
Januarius Gagiianus Alumnus gabteste Künstler dieser
Antonii Stradivarii fecit Neap. Ao 1760
pamilie. Seine Arbeit<in
Gennaio Gagüano £ecit Neap. 17 sindvorzüglich, erahmte
.
das Modell von Antonio Stradivari nach, nahm zuweilen höhere
Wölbung, auch weitere und steilere #-LÖcher, schönes Holz,
orangegelben oder rötlichen Firnis. Ein prachtvolles Violon-
cello von 1740, früher im Besitz des Marseiller \'iolon-
cellistcn Champsor, kam in den Besii- von Bonnct in Paris,
Januarius Gagliano . Filius
eines Verehrers Kenners. Seine Instrumente vom
und
Jahre 1730 bis 1750 sind ganz ausgezeichnet. Nach Gio-
vanni de Piccolellis ^) befindet sich in der Familie GagHano
eine handschriftliche Anweisung von seiner Hand, aber
keiner seiner Nachfolger konnte den rötlichen oder orange-
gelben Firnis und den prachtvollen Ton erreichen; wahr-
scheinlich war es ein Geheimnis, irgend ein Besonderes, von
dem der Erfolg abhängen musste und vielleicht hat Gennaro
vergessen, es zu enthüllen. Seine Instrumente sind vor-
trefflich geeignet, die Konzertspieler alle Schwierigkeiten
der Passagen überwinden zu lassen. Ein prachtvolles Violon-
cello Januarius Gaghanus Alumnus Antonij Stradivarij fecit
^) A. a. o.
Ni ed ei h ei t mann Vogel
- , Cremona. 4. .\ufl.
^
.
50
Neapoli 1749 spielt der Kammer- und Violoncello-Virtuos
Karl Piening, Meiningen. Ein Violoncello G. Gagliano's wird
jetzt auf etwa 4000 Mark bewertet; eine Violine von 1758
wurde von Charles Mahillon in Paris für 10,000 Frcs. verkauft.
GAGLIANO, Ferdinando, Neapel * 1706, da f 1781.
Ferdinandus Gagliano Filius Ältester Sohn von Nicola,
Nicolai fecit Neap 1760 dem er nicht völlig gleich
Umrahmter gedruckter kam, verfertigte aber wcrtvolle
Zettel.
Violinen und Violoncelli; sein schöner Firnis ist gelb oder
rotbraun. Er nahm flache Wölbungen, das Patron aber
weiter. Seine Instrumente sind denen von Alessandro ähn-
lich, doch ahmt er hauptsächlich das letzte Stradivari-Modell
Ferdinandus Gagliano filiws
Kicolai fecitNeap. 17
nach. Die Verzierungen sind verschieden und die #-Löcher
sind mehr kurz und offen. Die Innenseite der Decke,
parallel zum Bassbalken, enthält auch Anfangsbuchstaben
einer Devise: S. L. J. C. J. S. SS. S. (vergl. a. Guadagnini,
G. I). Zwei Violinen von ihm, mit der Inschrift: Ferdinantus
Caliano (!) NeapoH 1756 und 1762 wurden in der Inter-
nationalen Ausstellung für Musik und Theaterwesen in Wien,
Sammlung von Karl Zach, ausgestellt. Eine andere Violine:
Neap. 1762 wurde von Lyon & Healy, Chicago, für den
Preis von 400 Dollars ausgeboten. F. Gagliano arbeitete für
den Handel zu niederem Preise, doch sind seine Instru-
mente sehr gut für das Orchesterspiel.
GAGLIANO, Giuseppe, Neapel. * 1724, f 1793. Zweiter
Joseph Gagliano Filius Sohn von Nicola. Er arbeitete
Nicolai lecit Neap. 1760 zusammen mit seinem Bruder
JOSEPH ET ANTONIUS Antonio; sie machten sehr gute
GAGLIANI FILII NIGO- Guitarren und viele Mandolinen.
LAJ ET NEPOTES JA- Beide brauchten roten Firnis,
NUARJ F. NEAP. 1771
Mit gezierter Umraudung gedruckter
der Boden ist einteilig.
Zettel mit grossen latein. Buchstaben.
Joseph et Antonio Gagliano Giuseppe Gaglianus filius Nicolini
Fece Anno 1787 in f ecit Neap. 17 .
Platea dicta Correglio.
51
GAGLIANO, Antonio, Neapel 1737, f etwa 1797.
Dritter Sohn von Nicola. [Sohn des Nicola*.
GAGLIANO, Giovanni, Neapel *uni I740, f 1 806. Vierter
Joannes Gagliano fecit sub disciplina Joanes Gagliano
Januarius Gagliano. Nepos Januari, fecit
NeapoU 180 .
GAGLIANO, Gaetano, Neapel 1820.
Caietanus Gagliano [Link]
Joannes Neapolis 1820
GAGLIANO, Raffaele, Neapel * um 1790, f 1857.
GAGLIANO, Antonio, Neapel * nach 1790, f 1860. Söhne
Antonio Gagliano von Giovan-
Yia Cirriglio No 75 Neap. ^[ ^jj^. ^u- '
fecit Anno 1837.
sammen ar-
RAFFAELE, ED ANTONIO GAGLIANO beiteten Vin-
*
FABBRICANTI e NEGOZIANT!
Di Violini, Viole, Violoncelli, Controbassi,
zenzo, Sohn
e Corde armoniche von Raffael,
Strada Sedile di S. Giuseppe n. 17. prinio piano Neapel, f um
1886, war auch ein sehr guter. Saitenfabrikant. Die ganze
Familie starb mit Vincenzo aus, da er unverheiratet war.
GALBANI, Pietro, Florenz 1640. Wenig bekannt.
GALBUSERA, Carlo Antonio, iMailand 18 13—1832. Ein
Reformer ohne Erfolg.
GALEAZZI,Eugenio, Ascoli 1849. [machen .
GALERZENA, .. ? 1790. Piemontesischer
,
Geigen-
GALIERI, Filippo, Neapel 17.. Gagliano«>Stil.*
GALLI, Domenico, Parma 1687 — 169I. Fertigte Streich-
Dominicus GaiJus Parmensis Instrumente mit prächtigen
fecit Parmae anno saiutis 1691 [Link].
GALTANI, Rocco, Florenz 16 . . Wenig bekannt.
GALVANI, Giuseppe, . . ? , 1834. Wenig bekannt.
GAMBONI, .Neapel* um 1724,1 nach 18 14. Verfügte
. .? ,
über gutes Holz aus dem Nachlasse von Antonius Amati, über
dessen Wert eine Auktion im Jahre 18 14 Anhalt gibt. Gagliano
kaufte davon für 3 Geigen um 100 span. Piaster (über 500 Mark).
GANZERLA, Luigi, San Feiice (Modena) * um 1794,
f 1861. Minderwertige Arbeit.
GARANI, Michele Angelo, Bologna 1685 1720. Nach- —
A. ahmer von Stradivarius. Gute, jedoch nicht
Michael gleichmässige Arbeit, weicher Ton. Am besten
Garanus ^.^^^ ^^j^^^ Bratschen.
F. ßonon. •
t 52
GARANI, Neapel 1700. Arbeitete nach Art
Nicola,
der Gagliano und nicht minder gut. Er baute hochgewölbte
Geigen von schönem Toncharakter, aber nicht von grosser
Tonfülle. Heller, dünner Fi"rnis^
GARENGHI, Giuseppe, Bre§cia 1857. Wenig bekannt.
GASPARD DA SALO siehe Salö.
GATTENARI siehe Catenari.
GATTINARI, Francesco, Turin 1704. Eine Violine von
'^^^ befindet sich in der
Francesco Gattinari
Anno Domini 1704
Fecit Taurini Sammlung Saint-Hilaire in
GAVELLI, Giacomo, Perugia 1797. [Paris.
GAVONI, Antonio, Modena 1777. Gewöhnliche Arbeit.
GAZZOLA, Prosdocimo, Crespano * 1822, f nach 1884.
GENNARO s. Fabbricatore.
GENTILE, Michele, Lucca 1883. Unbedeutend.
GEORGI s. Giorgi. —
GERALDI, Hieronymus s. Virchi, Gerolamo.
GERANI, Paolo, CremoHa 16 14. Wenig
bekannt.
GERANI, .., Turin 1750. Eine sehr gute Geige für
600 Mk. angeboten.
GERANI Neapel 1790— 1830.
[Garani], N.,
GERONI [GeraniJ, Domenico, Ostia 1800--- 1820. Guter
Nachahmer. Seine Geigen wur-
Domenico Geroni Ostiano ^^^ ^i^M^cli mit Zetteln besserer
fecit Anno 1817
Namen ausgestattet.
GHERARDI, Giacomo, Bologna 1677. Seine Arbeiten
haben sich wenig erhalten.
GHIDINI, Carlo, Parma 1746— 1773. [1586.
GIACOMETTI, Gianbattista (gen. „Del Violino"), Rom
GIAMBERINI, Giovanni Lodorico, Fcrrara 1550.
GIAMBERINI, Simeone, ? 1772. . .
GIANNI, Alessio, Modena 1793. [Cremoneser.
GIANOLI, Domenico, Mailand 1731. Nachahmer der
GIBERTINI, Antonio, Parma und Genua 1797 — 839- 1
Restauro e corresse nell anno 1839 in Genova Geschickter
Antonio Gibertini di Parma Nachahmer
Premiato piü volte in Milano con Medaglia etc. Guarneris u.
GEIGENBAU. Die Entwicklung des Geigenbaus in Italien. Klassifizierung
nach Schulen von ca. i6o Mustern, Stammbaum- Blatt. Leipzig, A. II. P.
i
[Link] alter Meister vom i6. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.
34 Tafeln über 400 Geigenzettel. Hrsg. v. P. de Wit. Leipzig 1902.
.
53
Ausbesserer; verwendete dunkelroten, etwas dicken Firnis.
„Zur Erhöhung der Tonfülle" brachte er eine Vorrichtung
an, etwa der Sprenger'schen Tonschraube vergleichbar.
GIGLI, Giulio Cesare, Rom 1720 1765. — Baute nach
Amati-Muster bessere Geigen,
Julius Caesar Giffli Romanus „^ ,.,^„j^4.^u it u
_ ., „ 5 ,_^v verwendete braungelben,
^ bezw.
Fecit Romae Anno 1761 ., _^
'
rotgelben Firnis. Im Instru-
menten-Museum von A. Kraus, figUo in Florenz^) befindet
sich eine Taschengeige, Violinetto (No. 599).
'GIORDANO, Alberto, Cremona 1723 — 1740. Weniger
«,« ^- ^ * • bekannter Nachahmer Stradivaris. Zu
Alto Giordano fecit . . , .
Cremonae 17 .
^^^^^^ Arbeiten gehören einige gute
Violoncelli und Pochetten (Taschen-
geigen auch Tanzmeistergeigen.) Schöner gelbbrauner oder
rötlicher Firnis.
GIORGETTI, Giovanni Antonio, Barga (Toscana) 1847.
GIORGI, Nicola, Turin 17 17 — 1762. Nachahmer von
Nicolaus Giorgi faciebat Stradivari. Der Instrumentenhändler
Taurini anno 17 . .
Leopoldo Franciolini
Florenz be- in
NIGOLAUS GIORGIS sass 1898 eine „Turini anno 1721"
fecit Taurini anno 1750 datierte kleine Viola d'amore dieses
Geigenbauers. Ein ,, Violinetto romano von 1762" befand
sich 188 1 in der Mailänder Ausstellung. Im Juni 1899 kam
bei Puttick & Simpson in London eine VioHne zur Ver-
steigerung. Sie erzielte 2520 Mk. und wurde von Mr. Briggs
in London erworben.
GIOVANNETTI, Leonardo, Lucca * 1 816, f 1 884. Dilet-
tant, doch vielseitig gebildeter Künstler; stellte einen vor-
züglichen Geigenlack her.
GIRANIANI [Gragnani?], Livomo 1730. Gute Arbeit,
schöner, sehr feiner gelber Firnis, geschriebener Zettel.
GIRARDIN, Paulus, Cremona (?) 175 1.
GISALBERTI, Giulio Cesare, Bologna 1588.
GISALBERTI, Andrea, Parma 721 — 1722. 1 Insl^e-
Andreas Gisulberti Fecit Parmae sondere gute Liebes-
Anno salutis 1721 geigen.
GITARINO, dal [Chitarrino], Biagio, Ferrara 1464.
Lautenmacher.
' siehe S. 45. Aiim. r.
54
GIULIANI [GiuUari], Cremona, Saluzzo i66o. Schüler von
Nicola Amati. Seine Violinen sind hervorragend gut, auch
ein Kontrabass, der sich im Instrumenten-Museum von A.
Kraus figlio, Florenz, befindet.^)
GOBETTI, Francesco, Venedig 1690— 1733. Er soll
Franciscus Gobettus ein Schüler von Stradivari ge-
Venetijs fecit anno 17 wesen sein und gehört nach seinen
. .
Franciscus Gobetti Arbeiten zur Cremoneser Schule,
Fecit Venetiis 1711 denn sie tragen den Charakter
der amatisierten Stradivari und den Stempel der Genialität.
Gewiss birgt manche Geige Gobettis den Zettel des Stradi-
varius mit früherem Datum. Er überragt die anderen ve-
netianer Meister mit Ausnahme von Montagnano und Serafino
Santo. Er baute seine Geigen mit breitem Patron, die /-
Löcher gleichen Ruggeri, die Schnecke ist der am wenigsten
gelungene Teil, sonst aber ist alles harmonisch und sauber
gearbeitet. Das Holz ist tadellos, der Firnis blassrot und
sehr klar. Der Ton ist ohne grosse Kraft, aber rund und
edel. Die Zeit seiner besten Arbeiten wird gewöhnlich von
Francesco Gobetti 1690--1725 angegeben. Eine .schöne
in Vinezia 17. Geige von ihm war 1878 von dem Ant-
werpener Sammler M. Wilmotte in Paris ausgestellt.
GOFrIlLER, Antonio, Venedig 1730.
GOFRILLER, Francesco, Venedig, Udine 1690— 1 740.
Arbeitete zusammen mit seinem Bruder Matteo.
GOFRILLER, Matteo, Venedig 1690. f etwa 1742.
Mattio Gofriiieri in Yenetia Anfangs lautete sein Laden-
Al' Infegna di Cremona 1691 schild „All insegna di Cre-
:
Matteo Goffriiier fecit mona.'^ Seine Instrumente sind
Venetijs anno 1726 ausgezeichnet, ebenso sein rot-
brauner oder gelbbrauner Firnis, auch die Schnecke ist kunst-
voll gemacht. Die/-Löcher sind vorzüglich geschwungen. D^r
Ton ist edel Eine Viola da gamba von 1709 befindet sich im
Konservatorium der Musik, Köln a. Rh. (Samlg. de Wit). Viola
^ «. .,
Mattheus Goffriler X —u +
faciebat & erhaltenes
da gamba..„„Prächtig
ua^ami^
Venetijs anno 1735 Exemplar, mit schönem brau-
») Siehe S. 45, Kraus uennt diesen Namen „Giullari".
Anm. i. A.
GLÄSEL, Ludwig, Markneukirchen " 1842. Schrieb: Deutsch-Cremoua
oder die Entstehung der voglländischen Musik-
* Ludwig Glaesel jr. * instrumenten-Industrie. und Der internationale
.
Deutsch-Cremona anno 19 Geigenschwindel und die Errungenschaften im
Geigenbau des 19. Jahrhunderts.
55
nem Firnis und geschnitztem Hermesköpfchen. Der Boden
ist aus Mahagoni-Ahornstreifen zusammengesetzt.** Gesamt-
länge 1,28 m (No. 264). Eine Violine 1742 ist im Instru-
menten -Museum von A. Kraus. Florenz.^) Ein Violoncelle
besitzt Giovanni de Piccolellis, abgebildet in ..Liutai antichi
e modemi"^) (Taf. VII). Erwähnt sind ausserdem zwei andere;
eins gehört dem Grafen Malvasia, Bologna, eins dem Marquis
Ginori-Lisci, Florenz.
GONDOLO, Giorgio, Turin 1884.
GORI, Pietro, Riraini 1820.
GORRIERI, Antonio, Padua 1802.
GOTTARDI, Antonio, Treviso 1878. Unbedeutender
Geigenmacher.
GOUVERNARI, Antonio, Cremona 1600— 16 10. Ein
geschickter Geigenmacher;
Antonius Gouvernari ° , .
nr j n
Cremonensis Faciebat Anno 16 .
.
"^^"^ ^^"^^^ Modell mit
massig hoher Wölbung, der
Firnis ist dünn und olivengelb. Die /-Löcher erinnern an
Nicola Amati, sind aber länger und schwungvoller und die
scharfkantige Schnecke ist ausserordentlich schön.
GRAGNANI, Gennaro, Livorno 1730. Unter dem Namen
,,Giraniani" wurde ein gutes Instrument mit geschriebenem
Zettel und sehr feinem gelbem Firnis genannt.
GRAGNANI, Antonio, Livorno 1741 1800. Die ge- —
druckten Zettel sind meist mit
Antonius Gragnani fecit a.l-u t-ji .
1
Liburni Anno 1751
Abbildung einer Erdkugel
'^^'"
und eines Kreuzes versehen. Als
Brandmarke finden sich die Buchstaben A. G. Die nicht
immer schön ausgeführten Instrumente tragen guten gold-
gelben, vielfach nachgedunkelten Firnis und zeichnen sich
durch weichen Ton aus; sie waren sehr gesucht. Eine
Violine und eine Viola, beide von 1791, befinden sich im
Instrumenten-Museum von A. Kraus in Florenz.'*) Eine fünf-
saitige Viola war im South Kensington-Museum in London
1872 ausgestellt. Eine Viola befand sich 1881 auf der
Mailänder Ausstellung.
GRAGNANI, Onorato, Livorno 1785. Sohn des vorigen;
ahmte diesen ohne besonderes Geschick nach.
*) Siehe S. 31, Aiim. i u. 2. S. 45. Aiini. i,
•) Siehe S. 31, Aam. 1.
') Siehe S. 45, Anm. i.
56
GRAMINO [Grancino?], . . . , Mailand 1722.
Gravi Grarnino in Contrada
larga di Milano 1722
GRANCINO, Andrea, Mailand 1646. Man nimmt an,
er sei der Vater von Faolo.
GRANCINO, Giovanni (I), Mailand(r) 1682. Vielleicht von
Giovan Grancino Andrea ein Sohn, der in Cremona lernte,
Di Cremona 1682 aber in seiner Arbeit mehr Albani als Amati
gleicht. Eine Geige von 1682 gehört Holm Viertel in Aachen.
GRANCINO, Paolo, Mailand 1665 1690. Schüler von —
Nicola Amati, von dessen Einfluss er sich schwer befreien
konnte. Spät erst arbeitete er selbständiger und eine grosse
Anzahl seiner besten Instrumente wurden von Händlern, mit
Nicola Amati-Zetteln gefälscht. Die längere, originelle Schnecke
lässl sie aber leicht erkennen. Zu Zargen und Boden ge-
braucht er öfters Pappelholz, sein rotgelber Firnis ist sehr
gut und schön. In seinen Violen überholt er sehr häufig den
Nicola Amati. Im Inslrumenten-Museum von Kraus, Florenz^)
befinden sich Arbeiten von ihm.
GRANCINO, Giovanni Battista (I), Mailand, Ferrara
Giov. Bapt. Grancino, Filius 1690 171O. Er nennt sich—
Pauli, lecit in Ferrara 16.. selbst Sohn von Paolo. Ar-
Gia. Bapt. Grancino in Contrada beitete in Ferrara und über-
[Link] di Milano anno 1699 siedelte dann nach Mailand.
Sein Material der Regel noch besser gewählt als das
ist in
seines Vaters. Das Modell ist etwas flacher, die Arbeit sorg-
fältig, der l^rnis tiefgelb oder orangerot, der Ton kraftvoll.
Bis zu 2500 M. werden jetzt für seine Instrumente bezahlt.
GRANCINO, (}iovanni (11), Mailand * um 1675, f nach
Fratelli Grancinl irt Contrada 1737. ZweiterSohn und
largn di Milano ai Segno delia Schüler von Paolo, ar-
Corona 16.. beitetc anfänglich mit
Cio. Grancino al Segno deiia Corona seinem Bruder. Der bes-
in contrada larga di Milano foce 1699 ^en einer von den Mai-
Giovanni Grancino in Contrada ländern. Bevorzugte
Largha di Milano al segno kleineres Modell und
delia Corona 1720 verwendete schönes
Holz, gelben oder braungelben Firnis. Die Wölbung ist breiter
als bei Paolo, weniger hoch. Pjne VioHne von 1737 besitzt
die Fürstl. [Link]'sche Sammlung. Raudnitz bei Leitmeritz.
\) siehe S 45, Anm 1.
57
GRANCINO, Giovanni Battista
Mailand 1697 1705. (II), —
Gio. & Francesco fratelii de Grancini, Älterer Sohn von Gio-
in Contrada Larga dl Milano 1697 vanni fll). Die Brüder
Gio Battista & Francesco fra. Grancini führten das Geschäft
m contrada larga di Milano 17 des Vaters fort; wenig
sorgfältig in der Arbeit, der Firnis dunkelte ziemlich nach.
Violoncelli und Bässe waren noch am besten.
GRANCINO, Francesco, Mailand 1690, f 1746. Jüngerer
Sohn von Giovanni (11). Wenn
Francesco Grancino Figlio ,. / _ , . ,
Giovanni fecit Mediolani 17 ^"^^ "^^^^ die rechte Ent-
.
.
faltung erreichend, hat er doch
ganz gute Instrumente nach Amati-Modell gebaut. Holz meist
sehr gewöhnlich, klarer Firnis, in der Färbung blassgelb, sonst
aber nicht besonders schön; gute Tonfülle.
GRANCINO, Gramino, Mailand 1722. vergl. Gramino.
GRANDl, Luigi, Pisa 187 .
GRAPPELLO, Giovanni Marco, Ferrara 1566.
GRATIANI, Giuseppe, Genua 1762.
GREGOR!, Luigi, Bologna 1793 — 1808.
GRILI.T, Giuseppe, Arezzo 1742 — 1743.
GRIMAEDI, Carlo, Messina 168 1. Gilt als Schüler Albani's.
GRISI'IRI [Grieser, GriesserPj, Filippo, Florenz 1650.
Seine Geigen erinnern in manchem an die deutsche Schule.
GRROSSI, [Link], Bologna 18..
GRULLI, Pietro, Cremona 1870^ f 1898.
GUADAGNINI, Giuseppe, Brescia (?) 1697.
(Giuseppe) Guadagnini
fecit Brescia 1697
GUADAGNINI, Lorenzo, Cremona, Piacenza 1695 — 1760.
Arbeitete viele
Laurentius Guadagnini Gremonae , , . ,
Alumnus Stradivari fecit Anno Domini 17 ..
Janre in der
Werkstatt von
Antonio Stradivari. Als er 1730 in seine Vaterstadt zurück-
kehrte, baute er, den Anweisungen seines Lehrers folgend,
GRETSCHET., H., Lehrbuch der Geigen und BogenmacherkuDst. Weimar 1869
GRILLET, L., Les ancßtres du violon et du violoncelle, les luthiers et les
fabricants d'archets. 2 vol. Paris 1901.
GRIVEL, V., Veruis des anciens luthiers d'Italie, pcrdu depuis le milieu
du XVIIL sif'cU- etc. Grenoble 1867.
GROSSMANN, M , Es gibt doch ein Geheimnis der alten italienischen
Gei;i(nibfluer. Rtriin. - Wie bestimmt man das Stfirkevcrhältnis der Resonanz-
platten bei der Gcig-f' ' Berlin 1899.
5S
bewunderungswürdige, musterhaft ausgeführte Instrumente
von ziemlich kleinem Patron und schöner mittlerer Wölbung.
Die #-Löcher sind teils nach Guarneri, teils nach Stradi-
vari geschnitten. Sein goldroter Firnis ist von ausgezeich-
neter Schönheit, der Ton vollendet. Er nahm sehr gutes
Holz und machte die Umrisslinien ausserordentlich schwung-
voll. Die charakteristische Schnecke ist weniger schön als
wie bei Stradivari. Lorenzo ist einer der besten Schüler von
«y-^vrentius Guadlagiiini Pater,
& ^
alumniis Antoiij Sttaduaij ^
ftcit Plac€i>t ie Anno 1 74 3 «^^ ^
Stradivariund nebst dem Meister Giuseppe Guarnieri del
Gesü einer der grössten Geigenbauer der Cremoneser Schule.
Eine Violine, die vor langen Jahren schon auf 1500 Mark
taxiert wurde, besass der Rechtsanwalt und Kunstfreund
Geissmar jun. in Mannheim, sie ging dem Eigentümer, der
sie dem Wiener Instrumentenhändler Karl Zach anvertraut
hatte, verloren; jetzt werden diese Geigen mit dem 5- bis
8-fachen Preise bezahlt.
Der Name der Guadagnini ist einer der hervorragendsten
unter den itahenischen Geigenbauern, namentlich hat man
in jüngster Zeit ihrenInstrumenten grössere Aufmerksamkeit
zugewendet und sind infolgedessen deren Preise reissend
schnell gestiegen. Lorenzo und die beiden Giambattista
sind die berühmtesten. Lorenzo arbeitete in Cremona und
Piacenza bis 1760.^)
GUADAGNINI, Giovainni Antonio, Turin 1750. Einer
Joannes Antonij der besten Meister dieses
Guada^ini Allevius
Straduarij
Namens
fecit Taurini
17..
GUADAGNINI, Joannes Baptista I (Giambattista), * in
Piacenza um 168;,
Joannes Baptista Guadagnini /'+^\
^ ^
i i ^o t-.
fecit Parmae f erviens (GBO) t ^ach 1 768. Bru-
G. s. R. 17 . . \^^P^^ ^^^ ^^^ Lorenzo.
Nachdem er in
*) Das Verdienst, die erste Kutwirruug aus allen bisherigen falschen Angaben
herbeigeführt zu haben, verdanken wir den Forschungen von Piccolellis, den wir
auch im Nachstehenden hauptsächlich folgen.
59
Joannes Baptista Guadagnini Pla- t Mailand bis 1740
centinus fecit Mediolani 1757.
GB6 gearbeitet hatte,
P
übersiedelte er
Das stets hinzug-efügte P
(Placentinus) auf seinen 2Setteln,
unterscheidet ihn von dem Sohne Lorenzo's: dann für längere
Joannes Baptista
Zeit nach Parma,
j:
Joannes Bapulta Guadagnini Pia-
centmus fccic Mediolani 17 C^
wo er für den Herzog Instrumente baute. Ahmte Stradivari
und auch Amati nach und verwendete schönen, goldigen
Firnis. Der Ton seiner Violinen ist zumeist sehr gut. Eine
schöne Violine von Joannes Baptista Guadagnini Placentinus
Fecit Mediolani 1750 mit sehr vollem Ton, besonders die
G-Saite ist unerreicht, spielt der Violinvirtuos Carl Flesch,
Amsterdam. Ein ähnliches Exemplar Mediolani 1748" be- ,,
sitzt D. Lederer in Paris. Eine andere sehr schöne Violine
von Joannes Baptista Guadagnini, Mailand 1757 spielt Kon-
zertmeister und Violinvirtuos Carl Wendling, Stuttgart.
Eine Violine „Mailand 1757" hatte Castellani, Florenz.
GUADAGNINI, Joannes Baptista II, * 171 1 in Piäcenza,
Joannes Baptista Guadagnini
—¥— f 1786 in Turin.
Sohn Lorenzo's
Cremonensis fecit Taurini
alumnus Antonij Stradivari 1770. 1777 und Schüler Stra-
divari's. Wie sein
Vater, ahmte auch er die Modelle von Stradivari nach,
ausser der Schnecke, die ihm minder gut gelang; auch die
\ ^ Jociiuicj> EaptilU ^üädaguini ^ j
i^reiiiofnenJis fecit Tauriiii. GBG J
/-Löcher sind ein wenig anders als die seines Vaters. Das
flache Modell, meist mit zweiteiligem Boden, herrscht vor,
sehr gutes Holz und goldgelber, durchsichtiger Firnis. Seine
Violinen haben die grösste Tonfülle und seine Instrumente
im Preise bis 14000 M. sind sehr begehrt. Er folgte seinem
Vater nach Piäcenza und arbeitete hier viele Jahre. Als sein
6o
Vater starb, übernahm er dessen Werkstatt und übersiedelte
etwas später nach Turin.
Eine mit keinerlei Schaden behaftete, schön erhaltene
,
.Joannes Baptista Guadagnini Taurini 1773" kaufte der erste
Konzertmeister der kgl. Hofoper in Dresden, Kammervirtuos
Eduard Rappoldi; sein Söhn Adrian erbte sie.
Ein Violoncello von Joannes Baptista Guadagnini .1771
grössten Formats, mit nicht grossem, aber prächtigem aus-
geglichenem Ton, spielt seit vielen Jahren der Violoncello-
virtuos, Kapellmeister und Direktor des Mozart -Konserva-
toriums, Willy Benda, Berlin-Ch. —
Ein Violoncello von
Joannes Baptista Guadagnini, fecit Taurini 1765, besitzt Fritz
Becker, Violonccllovirtuos, Danzig; gekauft von Prof. David
Popper in Budapest. —
Ein Violoncello von Joannes Baptista
Guadagnini fecit Taurini 1773 spielt der Kammer- und
Violoncellovirtuos Eugen Sandow, Berlin. Das Instrument
ist sehr gut erhalten und vorzüglich im Ton.
GUADAGNINI, Giuseppe T,genannt „Soldato", Mailand,
Josef Guadagnini Cremonensis Como, Parma, Pavia * 1736,
fecit Papiae anno 1790 nach 1805.
-j- Sohn von
Gedruckter Zettel.
Joannes Baptista (I), wahr-
Giuseppe Guadagnini, üi. scheinlich auch sein Schüler.
Joannis Baptista. Parmae 1768 Verfertigte seine Instrumente
nach Guarneri und Stradivari, machte gute Arbeit, breites
und flaches Modell. Er war 1760 in Parma, wohnte 1763 in
Como in derContrada di Porta, 1790 in Pavia. Er machte öfters
doppelte Einlagen, neben dem Balken S. J. F. S. S. S. GG F. P.
Seine besseren Arbeiten erzielen 2000 Mark und mehr.
Eine sehr gute Violine befindet sich im Konservatorium
für Musik in Köln.
Eine Violine, bezeichnet: Joseph Guadagnini fecit Parma:
anno 793 besitzt die Instrumentcn-Samnilung von Karl Zach,
i
Wien; sie war in der Internationalen Ausstellung für Musik-
und Theaterwesen. Wien 1892.
GUADAGNINI, Gaetano I, Turin 1775— 1831. Sohn
von Giovanni Battista IL Seine sorgfältig gearbeiteten Gei-
gen haben schönes Holz, gelbbraunen Lack und grossen Ton.
GUADAGNINI, Turin 1780-1839. Sohn von
Carlo,
Gaetano I. Guitarremachcr und Geigenreparateur. Seine drei
Söhne Gaetano, Giuseppe und Feiice wurden Geigenmacher.
6i
GUADAGNINI. Feiice I, Turin 183.
GUADAGNINI, Turin
Feiice II, * 1830. Haute gut
gearbeitete Geigen von grossem Ton.
GUADAGNINI, Antonio, Turin * 1831,
f 1881. Sohn
Gaetanos, tüchtiger Nachahmer alter Meister.
GUADAGNINI, Gaetano II, Turin 1850. Ältester Sohn
von Carlo. Unbedeutend.
GUADAGNINI, Francesc(5, Turin 188. Sohn Antonios
und ihm gleichstehend.
GUADAGNINI, Giuseppe II, Rom, Turin 1884— 1900.
Baute Geigen und Violoncelli.
GUADAGNINI, Giuseppe III, Turin 1890 1900. Sohn —
von Antonio. [macher.
GUALZATTA, Benedetto, Rom 17 10 — 1730. Lauten-
X
GUARMANDI, Filippo, Bologna 1795. Unbedeutend.
GUARNERIUS, Andrea, Cremona * um 1626, f 1698.
. _,^ , _ In den Archiven
Andreas Guarnenus
.
fecit Gremone sub titulo ^ ,
Sanctae Teresiae 1673 Cremonas steht
Guarnieri. Sein
Vater hiess Bartholomeo. Andrea, der Stammvater dieser
Geigenmacherfamilie, heiratete am 31. Dez. 1652 Anna Maria
Orcelli (f 13. Jan. 1695); der Ehe entsprossen 7 Kinder,
4 Töchter und 3 Söhne, von denen 2: Pietro-Giovanni und
)
Andreas Guarncrius fecuGreiiio
titülo SanäcT. Tcrefi^! i6 !
Giuseppe-Giovanni-Battista ebenfalls Geigenmacher wurden.
Er f 7. Dez. 1698 und wurde in der Kirche von San Domenico
beigesetzt. Die Guarnieri stammen von einem alten cremo-
neser Geschlecht und hatten ein Wappenschild: gold, rot und
grün. Ein Adler auf goldnem Feld, ein Hirschschädel auf einem
roten Feld. Um 1641 war Andrea einer der ersten Schüler des
grossen Nicola Amati und arbeitete mit Antonio Stradivari in
derselben Werkstätte. Dann arbeitete er nach dem Modell
seines Lehrers und änderte später den Schnitt seiner /-
L<)cher und der Schnecke. Gleichzeitig wählte er flachere
Wölbungen. Der Firnis ist nicht immer gleich, doch meist
hellorangefarbig, mitunter dick aufgetragen, entbehrt dann
.
62
aber der Durchsichtigkeit. Die Celli sind von zv/eierlei
Grössen, ebenso die Geigen. Die Arbeit ist solid, doch
nicht von der feinen Ausführung seines Lehrers, auch hat
er manches schlechte Stück Holz verarbeitet. Die Formen
seiner Instumente sind immer die schönsten, der Ton seiner
Violinen ist prachtvoll und hell.
Der Instrumentenmacher Ignatz Lutz in Wien besitzt
eine Violine von 1682. Eine andere Violine des A. Guarneri
von 1664 wurde 1898 für 2500 Mark von Hamma & Co.
in Stuttgart ausgeboten. Das prachtvolle Beethoven-Violon-
cello warvon 1675; dieses Violoncello bezahlte Anton Hegner
in New York mit 32000 Mark. —
Eine Kindervioline, sogen,
halbe Geige mit dem Zettel Andreas Guarnerius alumnus
NicolaiAmati Cremona sub titulo S. Theresiae 1664 befindet
sich im Instrumenten-Museum der kgl. akad. Hochschule für
Musik, Berlin-Ch. ^) —
Eine andere Violine von Andreas
Guarneri fecit 1685, kleines Format, spielt seit 15 Jahren
der Kapellmeister und Violinvirtuos Carl Wehle in Greiz. —
Eine Andreas Guarneri von 1680 spielt Josef Morawetz, VioHn-
virtuos, Düsseldorf. —
Ein Violoncello von Andreas Guarneri,
Cremona 1675, gehört zum Streichquartett Beethoven; jetzt
im Instrumenten-Museum der Kgl. Hochschule für Musik,
Berlin-Ch. —
Violine: Andreas Guarnerius fecit Cremone
sub titulo Sanctae Teresiae 1655, ebenso Violoncello: Andreas.
Guarnerius fecit Cremona sub titulo Sanctae [Link] 1657.
Herr Hämmerle, Wien. —
Ferner eine Violine von 1694 im
Museo civico in Mailand. —
Eine Viola dieses Meisters aus
dem Jahre 167 3 stammend, besass der russische Graf Wilhorsky,
sie wurde 1896 für $000 Rubel =
200CO Mark ausgeboten.
— Andreas Guarnerius fecit Cremona Anno 1679, Violon-
cello, gehört Frau Coelestine von Oppolzer, Wien. —
Violine: Andreas Guarnerius Cremonensis Fecit sub titulo S.
Theresiae 1690, ebenso Violoncello: Andreas Guarnerius alum-
nus Nicolai Amati fecit Cremona sub titulo Sanctae Teresiae
1682, gehört Fürst Moritz Lobkowitz, Raudni'tz bei Leitmeritz.
GUARNERI, Pietro (I) Giovanni, Cremona und Mantua.
Pietro Guarnerius fecit " 18. II. 1655
Cremonae Anno 17 .
in Cremona,
PETRUS GUARNERIUS CREMONENSIS FECIT | um I728.
MANTUAE SUB TIT. SANCTAE TERESIAE 1710. Erster Sohn
*) Siehe S. 33, 36. Barbaro.
:
63
von Andrea und Bruder von Giuseppe Giovanni -Battista.
Er arbeitete mit seinem Vater bis 1680, übersiedelte dann
nach Mantua und heiratete 1677 Katharina Sussagni, * um
1658, die ihm einen Sohn, Andrea Francesco, * 29. I. 1678,
gebar, der auch Instrumentenmacher wurde. Pietro war sehr
begabt und bediente sich des besten Holzes bei seinen
Violinen und Violoncelli; die ff sind beeinflusst von Nicola
Amati und Antonio Stradivari; die Wölbung ist ein wenig
Petrus Guaracrius Creiuaricr\[Link] fc jit
i
erhöht, die Winkel erinnern an Nicola Amati. Eine Viola,
datiert Mantua 1698, ist ein Meisterwerk von Form in Art
einer Guitarre. Mass
Länge des Kastens 390 mm . . .
,, ,, hohen Endes 189 „ .
„ mittleren Endes
,, 157 „
,, unteren Endes
,, 237 „ .
„ „ #-Löcher 900 „ . .
Der Firnis ist blassrot und durchscheinend, von ausser-
ordentlicher Vortrefflichkeit. Man schätzt besonders seine
Violoncelli; diese Instrumente werden auch als Basso zur
Begleitung von Psalmen in geistlichen Konzerten verwendet.
Die noch in Cremona gemachten Violinen sind weniger gut.
G. de Piccolellis besitzt zwei Violinen von 1690 und 1710.^)
\^nV
Revisto e coretto da me Pietro Guarneri
Cremonese in Mantova 1697
(Durchgesehen und korrigiert von mir, . . .)
George Hart besass eine ausgezeichnete Geige dieses
Meistersvon 1707. Eine vorzügliche Violine von Petrus
Guamerius Cremonensis Filius Andreae fecit Mantuae sub tit.
M Abbildung a. a. O. Taf. X.
64
Sanctae Theresise 1692 von Linprun,
besitzt Fräulein Inka
Violinvirtuosin, Bad Reichenhall; von 1709 besitzt der
eine
K. K. Hofmusiker Albert Bachrich, Wien; eine andere spielt
Konzertmeister O. Kopecky, Hamburg. Ein Violoncello des-
selben Meisters, Cremona 1695, spielt der Virtuos Otto Lüde-
mann, Berlin.
GUARNERI, Joseph (Giuseppe), Cremona * 25. XL 1666,
Joseph Guarnerius, filius Andreae fecit f um 1739. Zweiter
Gremonae 1707. Sohn von Andrea, war
Joseph Guarnerius filius Andreae fecit ein ausgezeichneter
Gremonae sub. tituio S. Teresiae 1725 Künstler. Sein voU-
Zettel gedruckt, die beiden letzten Jahreszahlen ... ,. ^t
handschriftlich. Standiger Aame war
Giuseppe Giovanni-Battista. Er hat niemals seine Heimat-
stadt Cremona verlassen und heiratete am 4. I. 1690 Barbara
Franchi, die ihm 3 Söhne gebar, von denen nur Pietro In-
strumentenmacher wurde, der aber in dem Werke von Pic-
coleüis nicht genannt wird, und 3 Töchter. Josephs erste
Arbeiten zeigen schon, dass er seinen eigenen Weg ging, ganz
abweichend von dem seines Vaters. Die Brust der Instru-
mente ist schmaler, wodurch die Mittelbiegel einen eleganten
Ausschnitt bekamen und Wölbung steigt schnell vom
die
Rande bis zum
Mittelpunkt. Der Schnitt der /-Löcher zeigt
eine eigentümliche Kombination der Linien von Nicolai Amati
und Andrea Guarneri, einigermassen zurückkehrend zu der
zugespitzten Form der Gasparo da Salö; ferner sind die
/-Löcher etwas tiefer und näher am Rande angebracht, eine
Methode, worin ihm Carlo Bergonzi später folgte. Der Firnis
ist von der schönsten Art und zuweilen so dick aufgetragen,
dass er an einigen Stellen zusammengetrieben erscheint.
Joseph Guarneri baute Geigen, Bratschen und Violon-
celli, die letzteren selten und mit geringer Akkuratesse, wo-
raus man schliessen kann, dass er dem Bau der kleineren
Instrumente mehr Vorliebe zuwendete. Der Klang aller
seiner Instrumente ist edel, sie stehen hoch im Preise.
Giuseppe verfertigte seine Instrumente nach verschiedenen
Modellen; die Formen seiner Ränder gleichen denen seines
Vaters, kleine ff erinnern an die Schule von Amati. Der
Firnis ist gelb und geschmückt mit klarem Braun. Im
Ganzen sind seine Instrumente von sehr verschiedener Art,
doch ausgezeichnet. Man wird sie vergleichen können mit
der Manier des Nicola Amati und des Vetters Giuseppe
del Gesü. Er arbeitete von 1695 c. 1738 und hat eine grosse —
Anzahl von Instrumenten hinterlassen, die von hohem Wert
sind. Eine gut erhaltene Geige: Joseph Guarneriu$ filius
Andreas sub Titulo S. Theresiae 16.. spielt Adrian Rappoldi,
Konzertmeister und Violinvirtuos in Dresden; mächtiger, da-
bei weicher Ton von grosser Tragweite, die G-Saite klingt
z.B. wie ein Violoncello. Eine Violine Joseph Guarnerius filius
Andreae fecit Cremonae 1700 gehört dem Herzog von Koburg-
Gotha; eine Violine Joseph Guarnerius fecit Cremonae anno
1704 Herrn Hämmerle in Wien. Eine guterhaltene Violine,
etwas kleines Format, spielt Professor und Violinvirtuos Ste-
fan Wahl in Wien. Eine Joseph Guarnerius Cremona anno
Jbrepli Guamcrms filius Andre« fecit
Ctcmone ftib
.«'-ii itr"
titulo S. Tercsie ^1
^^
1725 spielt Konzertmeister und Violin virtuos W. Druscowich,
Breslau. Der Herzog von Edinburgh besitzt eine herrliche
Geige dieses Meisters von 16 Eine Violine mit dem Zettel
. .
Joseph Guarnerius ftl. Andreae, Cremona 17 18, ein Geschenk
des Fürsten Lichnowsky an Beethoven, der sie über 20 Jahre
lang im Besitz hatte, ging nach seinem Tode 1827 in den
Besitz von Karl Holz über (siehe Nrcolaus Amati).^) Beethoven
hat sie auf der Rückseite oben mit seinem Siegel versehen
und darunter eigenhändig ein B eingekratzt. Jetzt gehört
diese Violine dem Instrumenten-Museum der Kgl. akad. Hoch-
schule für Musik, Berlin-Ch. (No. 838). Eine Violine von
16.., die dem Instrumentensammler Luigi Argigoni in Mai-
land gehört, wurde 1881 in der dortigen Ausstellung gezeigt.
Im Mai 1900 wurde in Wien beim Abbruch eines Hauses
eine Violine von 1737 gefunden, die der Instrumenten-
macher Ignatz Lutz in Wien erwarb und dafür 8000 Gulden
forderte. Eine Violine von 1710 wurde von Hamma & Co.
in Stuttgart 1898 für 6000 Mark ausgeboten. Eine Violine
von 1734 gehört dem Professor Dr. Joachim, Berlin. Eine
Violine Joseph Guarnerius filius Andreae fecit Cremonae sub
titulo S. Teresiae 1726, lieblich im Ton, spielte der be-
rühmte Violinvirtuos Eduard Rappoldi; nach ihm sein Sohn
') Siehe S. 33, 36. Barbaro. Nicolaus Atnati und Vincenzo Rugieri S. 78
detto il Per.
Niederheitm ann Vogel, Cremona. - 4. Aufl. r
66
Adrian. Einen der wertvollsten Kontrabässe von Giuseppe
^ ^ Guarneri von 1739,
Joseph Guarnenus ^,.. « .
fihus Andreae fecit
,
^lonschon- ,
'
.
Cremonae sub titulo Sanctae Teresiae 16.. <^^ssen
heit sich, in den
Kammermusik-Aufführungen des Prof. Dr. Joachim-Quartetts
sehr bewährt hat, spielt der Kontrabassvirtuose Joseph Clam,
Berlin-Pankow. Eins der schönsten Erzeugnisse des Meisters
ist eine Violine: Joseph Guarnerius filius Andreae fecit Cre-
monae sub titulo S. Teresiae 1 7 1 o sie spielt der Kgl. Kammer-
;
und Violinvirtuos Walter Cavallery in Berlin. Eine sehr schöne
Violine von Joseph Guarnerius von 1730 gehört Fräulein
Minna Rode, Frankfurt a. M.
GUARNERI, Ubaldo, Cremona 1683.
GUARNERI, Giuseppe (Joseph) dcl Gesü, Cremona, *
Joseph Guarnerius, Andreae '^' ^' ^^^7, f nach 1742, Sohn
4. von Giambattista Guarneri, wel-
nepos Cremonae jAo o it-i ^o a
IHS eher am 8. VI. 1682 Angiola
, • 1
auch: , MariaLocadelli heiratete. Giam-
, ^
Joseph Guarnenus
., ..
fecit f
-
battistas Vater nannte sich Ber-
^ ,
nardo Guarnien und war Vetter
'
^.
...
Cremonae anno 1741 IH^ a /^ i 1 •
von Andrea Guarneri; er schemt
die Geigenmacherei nicht betrieben zu haben. Giuseppe
erhielt den Zunamen del Gesü, weil seine Zettel das Zei-
S—rTr^^L ^,........;;..
jofcpli Ciuanienus . ^ ,:.
fecit
^
^
Cremon3& anno i 7 IHS „j
chen der Eucharistie, Sakrament des Abendmahls jjg
d. i.
tragen. lesu Hominum Salvator,^) Jesus der Menschen Erlöser.
Nach italienischer Sitte wurde einen Tag nach der Geburt
die Taufe vollzogen.
Jahre 1686 am 17. Oktober wurde Joseph, Sohn
„Infi
des Don Johannes Baptista von Guarnerio und seiner Ehefrau
Maria, geb. von Locadelli, von mir, Joan Baptista Barozi,
Pfarrer, getauft. Pate war Franziskus Barozi, und Hebamme
*) von I. ütgeiidorf f a. a. Ü. Das Zeichen IHS bedeutet: die ersten drei
griechischen Initialen des Namens Jesu[s]. Andere Autoren l)erichten, es .seien
die IHS In Hoc Salus: Hierin Ist Heil: auch Jesum Habenins Socium Wir haben :
Jesum zum Gefährten usw. Ein Anderer meint, es soll die Abkürzung des
griechisch geschriebenen Namens Jesus sein: /HIOYZ.
67
die ehrwürdige Mutter Klara Theodora Nicola, Kloster-
schwester im Kloster Sancta Mariae Cistelli." „Akten aus
der Pfarrkirche von San Donato." Vol. II, p. 83.*)
Die früheren Angaben, die sich auf Vidals und Vuillaumes
Behauptungen stützten, betrafen den ältesten Sohn Gian Bat-
tistas, * 1683 und
f in demselben Jahre. In den Annalen
der Kirche S. Donato in Cremona ist später als 1702 keine
Mitteilung über Joseph Guarnerius del Gesü zu finden.
Fast allgemein ist die Meinung verbreitet, dass Joseph
Guarnerius ein Schüler des Stradivarius gewesen sei, aber
ein Beweis dafür konnte nie erbracht werden. Wohl aber
istdurch den Vergleich der Instrumente beider die Über-
zeugung zu gewinnen, dass sie gar nichts miteinander gemein
hatten. Wenn G. seinen ersten Unterricht bei Stradivarius
gehabt hätte, so müssten doch ihre Instrumente nach irgend
einer Richtung Ähnlichkeit zeigen, was nicht der Fall; die
Umrisse sind durchweg anders. Das /-Loch de^ Guarneri
istlang und bildet eine abgeänderte Form desjenigen von
Gasparo da Salö. Die Schnecke kann kaum abweichender
gedacht werden.
Da uns Unterlagen fehlen, so müssen
alle historischen
wir versuchen, auf dem Wege der Analogie zu erforschen,
wessen Schüler er gewesen, und da treffen wir ganz ent-
schieden auf Joseph, filius Andreae, seinen Vetter. Der
Grundgedanke Gasparo da den Werken beider
Salö's liegt in
offenbar ausgeprägt. Wo dieser aufhörte zu arbeiten, da
fängt Joseph del Gesü an und führt uns eine Reihe von
Experimenten vor, von denen jedes einzelne den Stempel
der Genialität trägt. Fetis teilt seine Künstlerlaufbahn in
drei Perioden. In der ersten finden wir Instrumente, die in
Zeichnung der Umrisse und Schnitt der /-Löcjier sehr von
einander abweichen, einmal eine sonderbare Mischung von
Grazie und Kühnheit, ein andres Mal entstellt und unge-
bunden, die Reifchen roh gearbeitet, als ob er keine Zeit
gehabt hätte, sie künstlerisch zu \olIcnden.
In der zweiten Periode gibt er uns die vollendetsten
•) Nach den Forschungen de Piccolellis lautet sein Taufdokument: ..Anno
16S sesto. Die decima septima Octobris. Joseph filius D. Joannis Baptist»» de Guar-
neris et Maria de Locadellis Jugl.w» Baptizatus fuit p. me J-oau Baptistam Barozium
Praepositum. Patrinus fuit Franciscus Barozius hujus Vicinn- et obstelrix pro
Rev.J« Matre D. Clara Teodora Nicola Professa in Monasterio Sancta Maria« Cistelli."
«Atti Parrocchiali di San Donato.- Vol. II, pag. 83.
68
Spezimina der Geigenbaukunst, sowohl in Bezug auf origi-
nelle Form bei Verwendung des schönsten Materials, als auch
auf vollendete Arbeit. Sein Lack ist tiefgelb -goldig, von
hoher Schönheit und vortrefflicher Qualität. Die Grösse der
Instrumente aus dieser Zeit ist ein wenig verschieden.
Jn der letzten Periode nach 1740 baute er jene grossen,
massiven Instrumente mit schweren Rändern, die Reifchen
tiefer eingelegt, die Pocken grotesk, die Schnecke kräftig und
majestätisch, die /-Löcher etwas mehr abgerundet.
Unter solchen Meisterstücken kommen seltsamer Weise
ganz liederlich gearbeitete Exemplare vor, die sogenannten*
Gefängnisgeigen (violons de la servante). Guarnerius, so er-
zählt man, soll ein sehr unregelmässiges Leben geführt, dem
Trunk und dem Spiel sich ergeben haben und schliesslich
wegen politischer L'mtriebe ins Gefängnis gesteckt worden
sein. Dort hat er mit unvollkommenem Werkzeug Instru-
mente aus freier Hand gemacht, wozu ihm die Tochter des
Gefängniswärters heimlich das Material zugetragen haben
soll. Deshalb die grosse Verschiedenheit in Holz, Lack und
Arbeit, wodurch der Kenner oft bei der Beurteilung, mehr
als bei irgend einem andern Meister, in Verlegenheit gesetzt
wird. Die Entstehung dieser Lesart lässt ^ich aber auch
auf eine blosse Namenverwechslung zurückzuführen. Ein
gewisser Giacomo Guarneri, j8. X. 1715 im Gefängnis zu
Cremona, mag die Legendenbildung veranlasst haben.
Wenn man die Stärke der Decken genau prüft, so findet
man eine grosse Unregelmässigkeit; sie sind meist sehr dick
in der Brust, es gibt jedoch auch Geigen, deren Decken
überall von gleicher Dicke sind, und sogar solche (bei Dr.^
Weber in Berlin), deren Decken dick an den Rändern und
dünner in der Brust sind. Da trotzdem alle vortrefflich
klingen, so ist anzunehmen, dass dieser Meister im Besitz
einer ganz besonderen Kenntnis der tongebenden Eigen-
schaften des Holzes sich befunden und es in eigenartiger
Manier mit grossem Geschick zu verarbeiten verstanden habe.
Er verfertigte mehr Violinen als Violen, man kennt
von ihm keine Violoncelli.
Bei Lebzeiten hat Guarneri nicht den Ruhm gefunden,
der ihm gebührte. Erst lange nach seinem Tode und ins-
.PETHERICK, Horace. Joseph Guaruerius. his work and his [Link]. (,,The
Strad" lib. No. XVn London 1906, 8« (VIII. 220 p. jl.)
Giuseppe Guarneri del Gesü.
"O
besondere durch die Wundergeige Paganinis ist seine emi-
nente Kunst zu hohen Ehren gelangt. Erst Paganini erkannte
den wirklichen Wert des prachtvollen Instruments von Giu-
seppe Guarneri del Gesü, Cremona 1741, das er vor seinem
Tode (27. V. 1840 in Nizza) seiner Geburtsstadt Genua ver-
machte,* wo es im Rathause ausgestellt ist.
Dieser grösste Künstler der Familie Guarneri, dessen
Ruf fast gleich dem des Antonio Stradivari ist; hat Schüler
nicht gehabt.
Eins seiner besten Werke ist eine Violine von 1724,
ebenso eine solche von 1741. Der Firnis, fein durchsichtig,
ist dunkelrot. Eine Geige von 1742 hat folgende Masse:
Länge des Kastens 352 . . . mm
„ „ hohen Endes 170 „ .
„ „ mittleren ,, 130 „ .
„ „ unteren ,, 208 „ .
„ der # 7^ ,,
„ des Kopfes „. . . iio
Dieselben Feinheiten der Faktur finden sich auch in einer
Violinen-Pochette mit dem Datum 1735; dieses kleine
Instrument ist schön rot und sehr klar gefirnist.
Eine prachtvolle Violine von 1732 wurde am 25. April
1900 im Hotel Drouot in Paris für 30800 Frank versteigert;
eine andere von 1742 spielte der ehemalige Konzertmeister
am Leipziger Gewandhaus Ferdinand David, jetzt gehört
sie dem Kammer- und Violinvirtuosen Florian Zajic, Berlin.
— Eine Geige Giuseppe Guarnerius del Gesü Cremonae fecit
anno 17 spielt die
. . Violinvirtuosin Fräulein Marie Burnitz,
Frankfurt M. — Eine Viola von Joseph Guarnerius del
a.
Gesü von 1732 gehört dem Hofkonzertmeister und Violin-
virtuos Jacques Weintraub, Berlin. —
Eine Violine von
Joseph Guarneri del Gesü fecit Cremonae anno 17... be-
sitzt der Kolizertmeister Ludwig Gentz in Berlin; sie ist
selten gut erhalten. —
Eine Violine, bezeichnet: Joseph
Guarnerius d^l Gesü fecit Cremonae anno i743. ^"s der
Instrumenten-Sammlung von Karl Zach in Wien, war aus-
g-estellt (I. A. M* u. Th.) in Wien 1892.
f. Eine Joseph —
Guarnerius del Gesü Cremona 1737 spielt der VioHnvirtuos
Henri Marteau in Genf. —
Eine mit der Jahreszahl 1741
bezeichnete Violine spielt der Violinvirtuose Ysaye, er besitzt
auch eine Joseph Guarnerius del Gesü von I730-
Eine Joseph Guarnerius del Gesu von 17.. ist im Be-
sitze von Louis Doyon, Paris, 1895 in Genu? gekauft.
Die Firma Hamma & Co. in Stuttgart kaufte vom
Pariser Instrumentenbauer Emil Germain eine schöne Vio-
line, die den Namen „d'Egvill^" führte. Sie wurde in der
Pariser Weltausstellung 1878 ausgelegt. Schöne Exemplare
derjenigen Violinen, die die Arbeit des Meisters am treffend-
sten zeigten, befanden sich in der im April 1900 zur Ver-
steigerung gelangten Sammlung Armingaud in Paris.
Eine vorzügliche Violine von 1740 bot 1898 die Firma
Hamma & Co. in Stuttgart für 15CXX) Mark zum Verkauf,
desgleichen eine von 1728 für looooMark. Letztere gehörte
1896 Ralph Grainger, einem reichen Kalifornicr in San Diego.
Die Violine des Virtuosen Henri Vieuxtemps ist jetzt
im Besitze des Violinvirtuosen Ferdinand Küchler in Frank-
furt a. M. Die ausgezeichnete Violine von 1742, die ehemals
J. B. Vuillaume
besass, dann der Violinvirtuos Delphin Alard,
wurde 1889 von Frau Alard dem Instrumenten-Miiseum des
Konservatoriums in Paris geschenkt. Eine prachtvolle Vio-
line besitzt der Amerikaner R. D. Hawley in Hartford, Con.,
U. S. A. ; eine von 1735 der Violinvirtuos Adolf Brodski.
Die beiden King Joseph-Violinen gehören jetzt Baron Knoop
in London, eine davon gehörte lange dem jüngst verstor-
benen Pierre Batta, dem berühmten Lehrer am Brüsseler
Konservatorium.
Eine Violine von 1 744, die Emil Sauret spielt, hat pracht-
vollen Ton, besonders die E-Saite. Auch George Hart in
London besitzt eine Guarnerius del Gesü, genannt ,,Le Duc".
Die Wieniawski -Violine von 1734 gehört William Croall,
London. Eine andere Violine von 1735 spielte Eduard
Remenyi (f 15. V. 1898 in New York). Eine Violine im Besitz
vonHill & Sons in London, 1836 in Paris für 7 $00 Fr. (6000 M.)
erstanden, erzielte beim Verkaufe 400CXD Mark.
Eine Violine von 1742 ist in der Sammlung von H. E.
Heath in London. Die einst dem Fürsten Youssoupoff ge-
hörige Violine von 1737, die sich ehemals im Besitze des
Virtuosen Charles Philipp befand, gehört jetzt Carl Hofmann,
Mitglied des böhmischen Streichquartetts.
Die Sammlung von O. Vormbaum, Frankfurt a. M.,
enthielt eine gute Violine des Meisters von 1734: mittleres
Patron gelber Firnis, eine feinjährige Decke, der Boden aus
72
einem Stück nach dem Spiegel geschnitten. Die Violine,
die einst im Besitze von Pugnani, Lehrer von Paganini, und
später in den Händen von Nie. Lupot & Gand in Paris war,
die sogenannte Pugnani-Violine, wurde auf der Weltausstel-
lung in Chicago 1893 preisgekrönt Ein ausgezeichnetes In-
strument G.'s spielte der Konzertmeister im Gewandhaus-
Orchester Leipzig, Ferdinand David, jetzt ist es im Besitze
von Albert Payne in Leipzig. Die „Teufels-Geige" von 1734,
so genannt, weil sie in einer Oper dieses Namens von Saint
Leon in Paris gespielt wurde, stellte Mrs. Fleury 1872 im
South Kensington Museum in London aus.
Eine der schönsten Guarneri-Bratschen, einst im Besitze
von Dragonetti, gehört jetzt dem Prinzen Albert von England.
GUARNERI, Pietro II, Mantua und Venedig. * [Link]. 1695
Petrus Guarnerius Filius Joseph inCremona, f nach 1 760 in
Cremonensis Fecit Venetijs Venedig. Sohn von Joseph
anno 1730 filius Andreae, also derSohn
Gedruckter Zettel, nur die beiden letzten ^q^ GiuseopC Giovauui, deS
Ziffern der Jahreszahl handschriftlich,
*^
^
Sohnes von Andreas. Er
Petrus Guarnerius Filius Joseph arbeitete meist nach dem
Cremonensis fecit Venetiis Modell seines Onkels Pietro,
Anno 1740 welchem er auch zu Man-
bei
tua in der Lehre war. Seine Arbeit ist gut und wohl des Namens
Guarnerius würdig. Der Lack ist aber minder durchsichtig,
und die Schnecke erscheint in ihrer Ausführung weniger
schwungvoll als bei seinem Onkel. Nach Fetis hat dieser
Meister von 1735 — 1760 in Venedig gearbeitet, v;ährend
Piccolellis seine Existenz als Geigenbauer bezweifelt. Vidal
führt das feine Cello im Besitz von M. L. Depret an, welches
,,un vernis admirable rose ä fond d'or ambre" (bewun-
derungswürdigen Lack von goldbernsteinfarbigem Grund) hat,
ferner einen Zettel: Petrus Guarnerius filius Joseph Cremo-
nensis fecit anno 1739 Venetiis, auch eine andere Zettel-
inschrift von 1755. Nach Piccolellis wird Pietro, der Sohn
Giuseppes, häufig mit Pietro, dem Sohne Lorenzos, ver-
wechselt, weil die Kirchenbehörde fälschlich Lorenzo statt
—
Andrea eingetragen hat. Er wohnte von 1720 1740 in Mantua,
dann in Venedig, wo es ihm schlecht ergangen sein soll.
Seine VioHnen und Violoncelli sind schön gebaut, seine
Modelle gut ausgeführt, die /-Löcher ausgezeichnet ge-
schwungen, der Firnis hellgelb. B^ine ausgezeichnete Violine
72>
von Petrus Guarnerius Filius Joseph Cremonensis fecit Ve-
netiisAnno 1735 besitzt Frau Coelestine vonOppolzer, Wien;
eine andere von 1737 Frl. Irene von Brennerberg, Violin-
virtuosin, Berlin Ein Violoncello: Pietro Guarnerius Cre-
monae fecit Anno 1743 besitzt die Instrumenten-Sammlung
von Karl Zach in Wien, da 1892 ausgestellt (I. A. f. M. u. Th.).
GUDIS, Girolamo, Cremona 1727. Ein hervorragender
Hieronimo Gudi da Gremonia 1727 Meister. In der Instru-
menten-Sammlung von Antoine Gautier in Nizza befindet
sich eine Viola d'amore von sehr gutem Holz, goldenem
Firnis und schönem Ton. Frauenköpfchen am Wirbelbrett.
GUERRA, Giacomo, Modena 18 10. Geigenmacher aus
Liebhaberei. Recht gute Instrumente mit braunem Firnis.
GUERRINI, Giuseppe, Siena 181 3. Solide Arbeit.
GUGLIELMI, Gio. Battista, Cremona 1747. Unbedeu-
tender Nachahmer Amatis.
GUIDANTE, Gianni s. Floreno. George Hart teilt die
Inschrift einer Liebesgeige mit: Joannes Guidantus, fecit
Bononiae, anno 17 15, die 1881 in Mailand ausgestellt war.
GUILLAMI, Joannes, Barcellona 1740 1760. Ge- —
schickter Nachahmer Stradivaris; roter ÖUack.
GUILLANI, Sanctus [Santagiuliana ?] , . Rom 17 10.
GUSETTO, Nicola, Cremona 1780 — 18 10 aus Florenz.
Nicolaus Gufetto Fiorentinus Die Umrisse seiner Instru-
Muücus Inltrumentalis mente sind nicht in den
a Gremona. Ao. 1785 allgemein üblichen, glatt ab-
gerundeten Linien, sondern wellenförmig gezeichnet, ebenso
die Schnecke und die F-Löcher. Decke aus mittelmässigem
Holz, Wölbung massig hoch, 32 hohe Zargen, schmale mm
Reifchen, gute Schnecke, gewöhnliche, nicht gute /-Löcher;
Firnis gelb oder braun, kräftiger Ton.
HARFORD, Patrik (Patritius), Rom 1742. Irländer.
Hübsche Geigen mit hellbraunem Firnis
H-MDECKI, A., Die italienische Lira da braccio Eine kunsthistorische
Studie zur Geschichte der Violine nebst einem .Anhang mit Nachrichten über
einige der ältesten Violenbauer. Mostar 1892.
HAMM, JohaTin Gottfried (Mark'[Link] "
1744, + 1817. Da <»i oft Rom
oder Cremona auf den Zetteln angab zählte man ihn fälschlich zur italienischen
.
Schule. Besserer Vogtland ischer Geigenmacher.
HARDIE. Matthew, Edingburgh, 1755, v 1826, gen. der schottische Stradivari.
'
HART. G., The Violin: its famous makr-rs and their imitators. With nu-
merous wood engravings from Photographs of the works of Stradiuariiis. Guar-
nerius. Aniati and others. I..ondon 1875 (352 S.) u. 1887. [Violinists. London 1S81.
The violin and ifs Music with several engravings on steel of eminent
74
HÄRTUNG [Harton],Michael,Padua 1600— 1630. Sicher
,. ^. „ „^ ,, ein Deutscher. E. G. Baron
Padove Michielle (Hart)on , . , ., »,. » 1
berichtet von ihm: „Michael
^t„ In Padova Härtung Anno 1624 zu Pa-
^ '^ .
Michielle Harten 160 7
Dieser Härtung u
?;,. tj ,
dua. hat^
noch bey dem gantz jüngeren Leonhard Tieffenbrucker,
welcher auch gar feine Arbeit gemacht, welche fast mit der
VendeHno Tieffenbruckers übereinkommt, zu Venedig ge-
lernet." Eine Theorbe und eine Laute befinden sich im Ger-
manischen Museum in Nürnberg.
HEC
[Hecke oder Eecke, Ecchio], Giovanni, Rom 1606.
Lautenmacher.
HEEL, Martino, Genua 1706.
HEISELE [Aissellel, Jakob, Modena 1614. 1629. Aus
Deutschland eingewanderter Geigen- und Lautenmacher.
HESIN [Hieben, Hieber?], Giacomo, Venedig 1-586.
Lautenmacher.
HETEL, G., Rom 1763. Lauten- und Guitarrenmacher.
HIEBER, Giovanni, Venedig 1560 — 1590, Wahrschein-
lich Deutscher.
ein Er arbeitete mit
Giuane Hieber
seinem Bruder Martino zusammen. Der
e Martino Facebit ,^ , t , c- ^
in Venezia Ao 1581 Katalog der Instrumenten -Sammlung
Correr in Venedig nennt die Jahreszahl
1500 bei zwei Theorben, von 14 und 19 Saiten; die Jahres-
zahl entspricht nicht der von 1560. In der Instrumenten-
Sammlung von Cesar Snoeck befindet sich eine Erzlaute von
I 581 jetzt im Instrumenten-Museum der kgl. akad. Hochschule
;
für Musik, Berlin-Ch. Cesar Snoeck liest statt Hieber: Hieben.
HEBERLEIN jr., Heinr. Theo.. Markneukirchen * 1843. Im Gegensatz zu dem
vogtländischen Brauch, Zettel nach dem Modell einzukleben, nennt er seine eigenen
Erzeugnisse stets mit Namen. Gehört zu den besten Geigenmachern des Vogtlaudes.
HELLEBAUT, Jean I, 1504.
. Brabantei Meister.
.
HELMHOLTZ, H., Die Lehre von den Tonempfindungen als physid. Grund-
lage für die Theorie der Musik. Braunschweig 1877.
HENRY AUX VIELES, Paris 1300. Einer der ältesten französischen Saiten-
instrumentenmacher. Nach Vidal.
HERON-ALLEN, E., De fidiculis bibliographia. London I890—94.
HIERONYMUS, . . (Köln?) 1558.
HILL, William Ebsworth, London ' 181 7, f »895. Hervorragender Sach-
verständiger.
HIPKINS, A.J., Musical Instruments hisloric, rare and unique, Edinburg 1888.
HOMOLKA. Ferd. Aug. Vinc Prag * 1828, f 1890
.
Der ..Prager Stradivarius."
HOPF, David, Aug., Klingenthal 1762—1786. Hopfoiodtll.
75
HORIL, Jakob, Rom 1720. 1759. Eingewanderter
Jacobus Horii fecit Böhme (?). Sorgfältige Arbeit, gelber
Romae an. 1759 Firnis.
INDELAMI [Indelanch?], Matteo, Rom (?).
INDELANCH (?), Stephan, Rom 1640. 1643. Lauten-
INSTRUMENTI s. Dagli Instrumenti. [machen
ISEP, Carlo Giuseppe, Mailand 1800. Unbedeutend.
JACOBS [Zj, Hendrik, Cremona.^ und Amsterdam 1690
bis 1740. Der beste hol-
HENDRIK JACOBS ME FECIT ,..,., ^ • ,
IN AMSTERDAM 1693 landische Geigenmacher.
des
Soll ein Stiefbruder
letzten Hieronymus Amati gewesen sein. Es geht die Sage,
dass er wegen eines Liebesverhältnisses mit einer Nonne auf
ein Schiff flüchten musste und so nach Amsterdam entkam.
Er ahmte sehr geschickt die Instrumente des Nicola Amati
nach, so dass sie meist für Original-Amati gehalten werden,
wenn nicht das Kennerauge an dem weniger guten Firnis
und der unschönen Schnecke den Unterschied zu entdecken
verstände. Er benutzte Fischbein zu den Reifchen, und ob-
gleich dies zuweilen deutsche Geigenmacher auch taten, so
wird doch fast jede Geige, die mit Fischbein eingelegt ist,
eine Hendrik [Link] genannt. Nach ihm soll ein Peeter
Jacobs in Amsterdam gewesen sein möglicherweise sein ,
Sohn, welcher nach dem Amati -Modell arbeitete und zu-
weilen den französischen Meistern zugezählt wird, doch lässt
sich diese Zugehörigkeit nicht beweisen. Sogar seine Exi-
stenz wird angezweifelt.
JORI, Leandro, Sesso (Reggio Emilia), 18 19 1880. —
Wenig bekannter Geigenmacher und Reparateur.
JORIO, Vincenzo, Neapel 1780— 1847. Geigen von
grossem Patron und gelbem Firnis, gutgeschnitzte Schnecken.
JULIANO [Giughani, Guillano] Francesco, Rom 1690
Francesco Juliane in Roma bis 1725. Unbedeutend.
1725
KAISER, Martino, Venedig 1605 1635. Wahrscheinlich —
ein Deutscher und Schüler von Hieber oder Tieffenbrucker.
Eine Theorbe von 1632 mit vier Sangchören, wovon die drei
HORVATH, Stefan, Budapest, • 1855, beschäftigte sich mit der «Erprründung
des Geheimnisses des altitalienischen Geigenlacks".
HÜME, Richard, Edinburg 1535. ältester bekannter englischer Violenmacher.
JEUNE, Benolt le, Lyon 1557 „faiseur de luths"* (vgl. Coutagne, Duiffoprugcar).
JÖRG, . ., Augsburg 1496—1500, Lautenmacher.
76
höheren dreifach, der tiefste nur doppelt besaitet sind, und
10 Bass-Saiten am oberen Kragen, sämtlich von Darm. Hals
und Griffbrett sind schwarz mit reichlicher Elfenbeineinlage,
der Bauch ist weiss gerippt. Unten an der Decke befindet
sich ein Wappen. Die Datierung widerspricht der Behaup-
tung Brossards, ^) wonach der Gambist Hotteterre in Frank-
reich die Theorbe um 1650 erfunden haben soll. Jetzt im
Instrumenten-Museum der kgl. akad. Hochschule für Musik.
Berlin-Ch. (No. 716). Ein Violoncello von 1679 [}] besitzt
die Instrumenten-Sammlung Correr in Venedig. Eine Archi-
liute befindet sich im Instrumenten*Museum des Konserva
toriums in Paris.
KAPSPERGER, Joh: Piieronyrnus, Rom 16.. Angeblich
Erfinder der Theorbe.
—
KERLINO, Giovanni, Brcscia 1449 1495. Der in der
italienischen Sprache nicht vorkommende Anfangsbuchstabe
seines Namens lässt vermuten, dass Kerlino (Kerl) ein Deut-
scher, oder deutscher Abstammung gewesen ist. Im Archiv
Gonzaga in Mantua berichtet Archivar Stefano Davari^) in
^La Musica a Mantova« aus einem Brief vom 27. Juni 1495
aus Brescia von Marco Nigro an die Marchese Isabella, dass
sie Kerlino den Auftrag gegeben hatte, eine Viola da gamba
oder da braccio, eine Armviola anzufertigen, und dass der
Lautenspieler Angelo Testagrossa nach Brescia reiste, um die
Güte einiger Violen Kerlinos zu beurteilen. Auch der Abt
Professor Pietro Canal berichtet eingehend in dem Werke
»Della Musica in Mantova«, Venedig 1881, dass der Instru-
mentenmacher Kerlino in Brescia in einem Dokument vom
1 1. XL 1499 als Hersteller eines Saiteninstruments erwähnt sei.
,, Keine gewöhnliche Violine, sondern eine dazu umgearbeitete
Viola" mit der Inschrift Joan Kerlino 1449 sah Laborde 1799
und fand Fetis 1804 im Besitze des Geigenmachers Koliker
in Paris vor.
KLOTZ. Mathias I., Mittenwald. * 11. VI. 1656, f am
16. VIII. 1743. Begründer der Geigen-Industrie Mittenwalds.
Mathias war der älteste Sohn eines Schneiders Urban Klotz
') Sehr unwahrscheinlich ist, dass die Anfabe sich auf Sebastian Brossard
von 165. —1750 bezieht. Brenet, Michel. Sebastian Brossard. Extrait de
Mömoires de la Soci^t(5 de l'Histoire de Paris I896.
') Wird auch oft genannt in der „Vierteljahrsschrift für Musikwissenschaft"
1887, Heft 3 in einem Aufsatz über .Claudio Monteverdi" von Dr. E. Vogel.
,
KALB [Link]. Eberhart. Nürnberg 1433. I-autenmacher.
77
und dürfte Füssen oder Vils gelernt, vielleicht auch bei
in
Stainer selbst gearbeitet haben, jedenfalls ist er von Jakob
Stainer beeinflusst. Von Lütgendorff schreibt: ,,da durch .
die Gebirgspässe bei Mittenwald eine der wichtigsten Hecr-
strassen aus der Levante, Italien und Tyrol nach Augsburg
führte und die Mittenwalder Rollfuhrleute daher leicht Be-
ziehungen bis weit nach Italien hinein haben konnten, soll
Mathias schon als zehnjähriger Knabe von einem solchen
Fuhrmann nach Cremona zu Nicola Amati gebracht worden
sein. Nach zwanzigjähriger Abwesenheit sei er dann heim-
gekehrt, wo er seinen Geburtsort in grossem Aufschwung
fand. Die venezianischen Kaufleute hatten nämlich ihren
Markt von Bozen nach Mittenwald verlegt.^) Dieser Umstand
dürfte ihn tatsächlich zum Bleiben veranlasst haben. Er
fand jetzt in Mittenwald einen geeigneten Boden für seine
Kunst; an gutem Holz war kein Mangel, und Absatzgelegen-
heit war sowohl nach dem Süden wie nach dem Norden
reichlich vorhanden. Es ist jedenfalls den fremden Kauf leuten
zuzuschreiben, die immer nur Geigen von dem damals schon
hochgeschätzten Stainer haben wollten, wenn er, um seine
Arbeiten leichter an den Mann zu bringen, wie man be-
hauptet, auch Zettel mit Stainers Namen in seine. Geigen
klebte. Sehr lobenswert sind seine Arbeiten durchgeführt,
auch der Ton ist recht gut, dagegen ist sein Holz nicht
immer schön und dem Wurmfrass ausgesetzt. Der Lack ist
auf dunklem Grunde aufgetragen und hat einen gelblichen
Schimmer, ist im allgemeinen aber dürftig. Übrigens ist es
ein Irrtum, ihn für den besten Meister der Familie zu halten,
da er z. B. von seinem Sohne Sebastian weit übertroffen
wurde. Der ausgedehnte Handel ging später auf die Neuner
über. Schon um 1730 traten Johann und Mathias Neuner in
den Vordergrund und verstanden es, allmählich den ganzen
Mittenwalder Geigenhandel zu monopolisieren."
Laut J. Baaders „Chronik des Marktes Mittenwald"*)
dagegen soll er bei Nicola Amati in Cremona gelernt.
*) Durch Herzog Siegmund beleidigt, gaben sie den Besuch des Hozener
Jahrmarktes auf und wählten den bis dahin weniger bedeutenden Jahrmarkt zu
Mittenwald für ihre Warenniederlagc.
*) Baader,
J., Chronik des Marktes
Mittenwald. Nördlingen 1880.
K«:)ENNHMANN, Adolf. Nordhausen. Chemiker, allitalienischer Geigenlack.
KOLIKER, Jean Gabriel, Paris 178.^—1820. Bedeutender Sachverständiger
KOWANSKY, Menzel, gen. der böhmische Wenzel. ('1 la Tarisio
;8
doch nach einiger Zeit, durch neidische Umtriebe seiner
itahenischen Mitlehrhnge gezwungen, seinen Meister ver-
lassen haben. Nachdem Mathias in langjähriger Tätigkeit
bei verschiedenen Geigenmachern, namentlich bei Jakob
Stainer, reiche Erfahrung gesammelt, kehrte er nach fast
20jähriger Abwesenheit in seine Heimat zurück, um dort
eine eigene Werkstätte einzurichten. Zugleich aber be-
schäftigte er sich mit dem Plane, die Geigenmacherei als
allgemeine Erwerbsquelle für die fast verarmten Bewohner
seines Geburtsortes einzuführen.
Dank seiner rastlosen Energie und reichen Erfahrung
kam jener Plan überraschend schnell zur Verwirklichung
und führte ein neues Aufblühen des ganzen Ortes herbei.
Fast alle seine Geigen sind mehr oder weniger getreue
Kopien der Arbeiten von Jakob Stainer so zwar, dass —
sie oft für echte Stainer gelten. Der von Klotz verwendete
Firnis ist mehr rot, doch nicht so klar wie der von Stainer.
Er hinterliess drei Söhne: Georg, Joseph und Sebastian.
Eine Viola von gutem Holz und von prächtiger Arbeit
besass die Instrumenten-Sammlung Snoeck, jetzt im In-
strumenten-Museum der k. akad. Hochschule für Musik,
ßerlin-Ch.
„Viola d'amore, zu einer Viola da braccio umgewandelt
von Mathias Klotz, Lau-
Mathias Klotz Lauten- und Geigen- tenmacher in Mittenwald
macher in Mitten waid an der Iser „
Von ähnlicher, nur
Anno 16 . . '
./ _ t-n. tt
Spaterer torm. Die Um-
Mathias Khiotz Lautenmacher Wandlung zu einer Brat-
in Mittenwald 1717
^^^^e hat das Instrument
Mathias Kloz, Lautenmacher durch den Ansatz eines
in Mittenvvaldt Anno 1725 kurzen Halses unförmig
Gedruckte Zettel.
gemacht." Jetzt im In-
strumenten-Museum der
kgl. akad. Hochschule für Musik, Berlin-Ch.
Viola d'amore mit dem gedruckten Zettel: Mathias Kloz,
Lautenmacher Mittcnwald anno 1725.
in ,,6 Spielsaiten, 7
mitschwingende Saiten. Sehr schönes, fein gearbeitetes
Instrument, woran noch alles original Die Schnecke ist ist.
hübsch geschnitten." Länge 89 cm. Katalog des Musik-
historischen Museums von Paul de Wit, Leipzig, jetzt im
K(mscrvatorium der Musik in Köln.
79
Eine Bratsche, V^iola di braccio, Altviola, ohne Saiten.
Die /-Löcher sind durch unregelmässig gewellte oder ge-
bogene Schlitze gebildet. Ein im Innern befindlicher ge-
druckter Zettel gibt als Verfertiger an: Mathis Khlotz, Lau-
tenmacher in Mittenwald 1726. Gehört zur Sammlung der
Musikinstrumente des bayerischen Nationalmuseums (No. 1 13).
Eine Violine von 1727 gehört dem Violinvirtuosen Ernst
Böhmert, Berlin-Pankow.
KLOTZ, Egidi I., Mittenwald 1675 171 1. Er vcrfer- —
tigtg eine grosse Menge Tiroler Violinen mit seinem Namen.
Egidi I. gehört nicht zur Familie des Mathias Klotz. Er baute
seine Instrumente bedeutend besser als Egidi II. Eine Violine
befand sich in der Instrumenten-Sammlung von C. C. Snoeck,
jetzt im Instrumenten-Museum der kgl. akad. Hochschule für
Musik, Berlin-Ch. Der von ihm verwendete Firnis ist rot und
recht gut. Man nennt ihn einen Schüler von Jakob Stainer.
LAFRAXCHINI, Giacomo (Jacopo) de, Brescia 1604
bis 161 7. Schüler Gasparo da Salus und in Diensten Maggini's.
LANCILOTTO, Jacopino d. J., Modena. * um i 505, f um
1 5 50. Er war Dichter, Maler, Notar, Astrologe und Musiker und
verfertigte Lauten-Instrumente, Violen, Gamben und Harfen.
LANDI, Pietro, Siena 1774 Unbedeutend.
LANDINO, Francesco, gen. II Cieoo, Florenz 1325 bis
1597. Lautenmacher.
LANDOLFI, Carlo Ferdinando. Mailand 1714— 1777.
Carolus Ferdinandus Landulphus Seine namentlich in Eng-
fecit Mediolani in Via S. Mar land hochgeschätzten In-
garitae anno 1735 strumente sind originell,
Carlo Ferdinando Landolfi oft verschieden gebaut,
nella Contrada di Santa Margarita aber meist gut gearbeitet;
al SegnodellaSirena. Milanol758 einzelne sind nachlässig
und ohne Reifchen gearbeitet, haben auch nur einen einzigen
Firnisanstrich. Der Einschnitt der Ränder zeigt den Stil von
Pietro Guarneii; er nahm schönes Holz, roten Firnis, manch-
KRANUCH, . Augsburg 1477. Lautenmacher.
.
KRATZ, Jos. Eduatd, Montabaur 1.^64. Alter Cremoneser Lack.
KRAUS A , Catalogo della CoUezione litnografica-musicale Kraus in Firenze.
Sezione Instrumenti Musicali. Firenze koi.
KRETSCHMAR. Georg. Dresden 1574— 1588 .,a*igeninstruinent so George
KRONHOFER', Hans, vor 1566. Lantcnniachor
. .
[Kretzschmar gemacht".
LACKlERBirCH von 1744 (vergL Kerschensteiner, Xaver. Regensburg 1839).
[Link], Paris 1745— 1753, mit dcmLadenscfiild.,älavinedeCr5mona".
LAMINIT [Laraeuit], Peter, Augsburg 14R0. Laulenmacher.
8o
mal gelb glänzend und durchsichtig. Charles Reade erklärt
Landolfi für den letzten Geigenbauer, welcher den echten
Creraoneser Lack gebrauchte. Seine Violoncelli sind sehr gut
und gewöhnlich von kleinem Patron. Der Boden ist weniger
gewölbt als die Decke; die Schnecke breit, tief und schön.
Die /-Löcher sind kräftig, aber nicht gut gearbeitet. Sein
Ladenschild lautete: „all segno della Sirena." Eine Violine,
gezeichnet: Carolus Ferdinandus Landulphus fecit Mediolani
in Via S. Margarita anno 1724, gehört dem Königl. Kon-
zertmeister und Kammervirtuosen Fritz Struss, Berlin.
LANDOLM, Pietro Antonio, Mailand 1750— 1780. *Sohn
Pietro Antonio figiio di und Schüler von Carlo Ferdi-
Carlo Ferdinando Landolfi ^^^^^
in Milano al Segno della
Unbedeutend,
Serena a l'Anno 1779
LANZA [Lansa], Antonio Maria, Brescia 1675— 1725. Er
ahmte Gian Paolo Magghii nach. Rotbrauner Firnis.
LAURENTIUS s. Lorenzo.
LAURO, Antonio, Rom 1608 — i6io. „Antonio Lauro
liutaro al Pasquino."
LAVAZZA, Antonio Maria, Mailand 1703 1720. Seine —
Antonio Maria Lavazza fece in Arbeit ist gut, der Firnis
Milano habita m contrada
röthchbraun.
Largha 17Q3
LAVAZZA, Santino. Mailand I7i8(?)— 1780. Sicher der
Santino Lauazza fece in Sohn von Antonio Maria L. Mit
Milano in Contrada der Jahreszahl 1780 kommen noch
Larga 1718
Violinen vor.
LAZZARETTl, Francesco, Vicenza 1852.
LEGNAMARO, [LignamaroJ, Pietro da San Martino,
Mantua. f 12. II. 1569. Nach Abb. Pietro Canal: Della Musica
in Mantova, Venezia 1881, verfertigte er Zithern und Lauten.
LEQNI, Ferdinandus, Parma 18 16. Unbedeutender Nach-
ahmer Amatis.
LEONI, Carlo, Treviglio 1860. Unbedeutend.
LEONI, Giovanni, Parma (?) 1870. Sorgfältige Arbeit.
LEORIPORRI, Giovan Francesco, Mailand 1758. Seinen
Fetto da Giovan Francesco Arbeiten scheint sowohl Amati
Leoriporri Milanese nel aqui- wie auch Stainer als Vorbild
^^ ^'^^^- gedient zu haben.
LEPRI Luigi, Gubbio 1880. Ganz minderwertige Arbeit.
,
LEHMANN, A. J., Briefe über die Violine u. das Violoncello. St. Peterburg 1900.
LEWENS, Willem, ». 1528^1531. Brabanter Lautenmachcr.
;
8i
LEUTIS, Gerolamo de, Rom 1638.
LIAINER [Stainer?], Alberto, Rom 1674.
LIDL, Antoni, .. 1700.
LIGNOLI, Andrea, Florenz 1681.
LINAROLO, J^>ancesco, Venedig 1530. Streichinstru-
Franciscus Linarolus Bergomensis mentenmacher aus
Venetis faciebat. Bergamo.
LINAROLO, auch Linarol, Venturino, Venedig 1577.
1591. Francescos Sohn. Ernannte
Ventura di Francesco • 1 n -ir
» 1 i- t- .
Linarolo In Venetia 1577 ^^^^ deshalb Ventura di Francesco
Linarolo. Baute Gamben, Tenor-
geigen, Lauten. Ein Violone da Gamba-Bass, sechssaitig:
„Linarol, Ventura di Francesco in Padova fecit" ist in
der Sammlung Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-
Este, Wien, Eine grosse Viola da gamba, Knieviola, ge-
zeichnet: ,,1585 Ventura di Francesco Linarol fece in Ve-
netia" war 1892 in Wien in der „Internat. Ausstellung f. Musik-
und Theaterwesen"; ebenda eine sehr gute Viola mit der
Inschrift: „Ventura di Francesco Linarol Venetiis 1583."
Eine Lira da gamba —Venedig 1577 —
befand sich im
Musikhistorischen Museum von Paul de Wit, Leipzig, jetzt
im Konservatorium der Musik zu Köln. Dieses seltene In-
strument ist tadellos erhalten und für die Geschichte der
Violine von hervorragender Bedeutung. Der Name Lyra
oder Lira, der schon im frühen Altertum bekannt war, hat
wiederholt seine Bedeutung geändert. Mit dem Untergange des
römischen Reiches (476 n. Chr.) verschwindet er und taucht dann
im 12. Jahrhundert als Bezeichnung eines Streichinstrumentes
wieder auf, um später auf die Radleier übertragen zu werden
erst im 15. Jahrhundert tritt der Name Lira als Bezeichnung
einer besonderen Streichinstrumentengattung auf: „lira da4)rac-
cio", Schulter- oder ArmHra, und ,,Hra da gamba", zwei in der
Bauart ganz gleiche Instrumente, nur dass die beim Spielen
zwischen den Knien gehaltene ,,lira da gamba" grössere Dimen-
sionen hatte. Die Bauart der Lira am Ausgange des 16. Jahr-
hunderts erinnert vollständig an die Violine, nur hat die Lira ein
Wirbelbrett statt der Schnecke; fünf Saiten auf dem Griffbrett
und zwei den Violinen allerdings ganz fremde Bourdonsaiten.
LINAROLO, Giovanni, Venedig 1622. Sohn des vo-
Giovannl D'Ventura Linarol rigen. Unbedeutend.
In Yeneüa 1622
Niederheitman Vogel Cremona. a. Aufl.
11 - ,
5
—
82
LIVORNO, Vincenzo da, Livorno 1862.
LOLIJ [Lollij], Jacopo, Neapel 1727
LOLIO, Giovanni Battista, Valtezze (Bergamo) 1740
Jo Batta. Lolio di Valtezze 1750. Ähnlich wie Grancino,
F. anno 17- ohne sorgfältige Wahl des Hol-
zes, gelber Lack. Arbeitete auch in Bergamo.
LOMBARDI, Julius, Rimini 1789.
JULIUS LOMBARDI
FEGIT A RIMINI 1789.
LORENZI, G. Batt. Cav. de, Vicenza 1878.
LORENZINi, Gaspare, Piacenza 17 . .
LORENZO, Laurentius gen. Papiensis, Pavia 1496 15 10. —
Lauten- und Violenmacher. Vom März 1496 bis 11. August
existieren verschiedene Briefe von der Markgräfin Isabella in
Venedig, wonach „Maestro Lorenzo von Pavia, Bildhauer und
Klavichordbauer'', eine Laute aus Ebenholz fertigen soll.
Nicoiao Capilupo von Venedig lässt am 12. Februar 1498
Lorenzo benachrichtigen, dass er (Lorenzo) eine vollkommene
Laute gemacht habe und sie (die Markgräfin Isabella) werde
sehen, dass sie eine ausgezeichnete und sehr schöne Laute
erhalten werde, die in der ganzen Welt nicht ihres Gleichen
finde.^) [macher.
LOVERI, G. u. N., Neapel 1881. Mandolinen- u. Geigen-
LUBINO, .., Lugano 1750. Cremoneser Stil.
LUCARINI [Lucatini], Vincenzo, Faenza 1803. Lauten-
und Mandolinenmacher, Geigenreparateur.
LUDICI, Hieronymo Pietro di, Conegliano 1709. Ge-
Hieronymus Petrus de Ludice schickter Arbeiter aus
animi causa faciebat Conegliani Liebhaberei; seine Gei-
A. D. 1709 gen sind selten.
LUGLIONI [Lugloni], Giuseppe, Venedig 1777. Geigen-
macher, [macher.
LUPPI, Giovanni, Mantua 1 8 . . Unbedeutender Geigen-
LUPPO, Franc. Antonio, Mailand 17 16.
*)Bertolotti, A., Musici alla Corte dei Gonzaga in Mantova. In Milano (1890).
LIPPI, Pietro, Marseille 1765. Neapolitaner.
LOSIO [de Losyl, Pietro Maria, Innsbruck 1579 1608. —
LOWENDALL, L,, Fachmännische Erläuterungen über den von mir erfun-
denen Resonator- Violin -Stimmbalken für Streichinstrumente. (Berlin 1900).
LUPO, Pietro, Antwerpen I559. [macherfamilie.
LÜPOT, Jean, Mirecourt * 1670, f 1749. Stammvater der berühmten Geigen-
LUPOT, Nicolas, Orleans, Paris • 1758 f 1824; ,, französischer Stradivari".
.
83
MAFEOTTO [Mascotto?], Giuseppe, Rovere (Rom?) 17 .
MAFFEI, Lorenzo, Lucca 1767 — 1787.*
Lorenzo Maffei, Lucca
Fecit 1767
MAGGINI, Giovanni Paolo, * 25 August 1580 in Botti-
^. „ Maggini, in Brescia ,^
Gio: Paolo ^, , _, .
16—
. . . cino di Sera, '7
'
km von
Brescia [nach Picco-
lellis der Sohn
von Giovanni „Zovan" Maggini * 1518],
heiratete Maddalena Anna Foresto, arbeitete bis 1630 und
f um 1632 an der Pest. Seine Witwe f erst am 24. XI. 165 i.
Von den 7 Kindern überlebte ihn Carlo Francesco, derSeiden-
warenhändler wurde. Nähere Lebensumstände bezüglich der
Maggini verdanken wir den Forschungen von Angelo Berenzi*)
und Giovanni Livi.^)
Giovanni Paolo Maggini war der berühmteste Schüler
von Gasparo da Salö. Seine Instrumente haben entweder
hellbraunen oder gelben durchsichtigen Firnis und teils ein-
fache, teils doppelt eingelegte Reifchen, auf dem Boden oft
in Verzierungen von Elfenbein und Perlmutter auslaufend.
Man hat irrigerweise Geigen mit doppelten Reifchen häufig
„Maggini" genannt.
Paolo Mapetni in Bve^tiä
Maggini wählte ein breites Modell, die Wölbung be-
ginnt gleich an den Rändern ansteigend, die Zargen sind
ziemlich niedrig, die /-Löcher haben eine zugespitzte Form,
sind lang und charakteristisch. Die Schnecke ist von kühner
Zeichnung. Die Geigen haben wegen ihres schönes Tones
hohen Wert und sind auch als Konzertgeigen hoch ge-
schätzt. In seiner ersten Periode ahmte Maggini Gasparo
^) Di Giovanni Paolo Maggini. Brescia 1S90.
Berenzi, Angelo.
Berenzi, Angelo. di Giovanni Paolo Maggini.
La Patria Creniona 1891
*) Livi. Gio. e l'jnvenzione del vioHno. (Da dooinienti
Gaspare da Salö
inediti.) In: Nuova Antologia Vol. 34. Serie 3 16. Aug. I891. Fase. 16. Roma.
Tip. della Camera dei Deputati. S. 663-681. —
t^bereetzung in Zeilschrift für In-
strumentenbau (P. de Wit) 1893 Nr. 32, 34 u. 36
Huggins, M. L., Gio. Paolo Maggini. bis life and work. Compiled and ed.
from material collect, and contrib. by William Ebsw. Hill and bis sons William,
Arthur and Alfred H. London 1S92. W. E. Hill & Sons. —
Die Monographie bringt
wertvolle Belehrung über Maggini und seine Arbeit und enthält Abbildungen der
schönen Maggini-Gcigen. welche früher in der Dumas-Sammlung in Lyon waren
und jetzt Eigentum des [Link] W
P Warner. London sind.
6*
-;
84
da Salo nach, in seiner zweiten wählte er höhere Wölbungen
und baute in seiner dritten Periode seine besten Instrumente,
die ihn als den bedeutendsten Meister der Schule von Brescia
erkennen lassen. Die späteren grossen Meister, auch Stradi-
vari, standen unter seinem Einfluss.
Heute sind Instrumente von Maggini sehr selten. Seine
berühmtesten Violinen spielten die belgischen Violinvirtuosen
Charles Auguste de Beriot und Hubert Leonard; ersterer ver-
kaufte sein Instrument kurz vor seinem Tode an den Prinzen
von Caraman-Chimay, Brüssel, für 15000 frs., es befindet sich
jetzt in der Instrumentensammlung des BaronKnoop in London
die zweite gehört dem. Violinvirtuosen Henri Marteau, Genf.
Caraman-Chimay besass ausserdem noch eine Viola
Prinz
und den besten Werken gehören, die
ein Violoncello, die zu
Giovanni Paolo Maggini gebaut hat. Sie sind aus schönstem
Ahornholz verfertigt; der vortreffliche meist hellbraune Lack
ist mit Öl gemacht. Masse:
Totale Grösse Violine Viola Violoncello
der harmonischen Platte mm 0,366 0,432 0,754
„ vom hohen zum äusseren Ende
der ff 0,197 0,234 0,391
„ yom Zentrum zum äus-
der//"
sersten tiefer gelegenen Ende 0,169 0,198 0,363
,, der Übereinandersetzung . . 0,088 0,102 0,143
„ der ff 0,079 0,089 0,163
„ der Streifen 0,028 0,036 0,112
Breite des höheren Kastens. . . . 0,178 0,208 0,360
,, des Zentrums 0,123 0,140 0,250
,, dss unteren Kastens . . . . 0,218 0,248 0,465
England hat wohl den reichsten Besitz an schönen Vio-
linen von Giovanni Paolo Maggini. Eine Tenor- Viola von
Giovanni Paolo Maggini, Brescia, befindet sich im Instrum.
Museum der kgl. akad. Hochschule für Musik, Berlin-Ch. ^)
besonders durch den hellen Ton bemerkbare Violine
Pline
von Giovanni Paolo Maggini spielt Konzertmeister Edmund
Singer. —
Eine Viola: Giovanni Paolo Maggini in Brescia be-
sitzt Winarsky, Prag. —
Eine Violine, die Dumas in Lyon von
LuigiTarisio erworben hatte, gelangte in den Besitz der Firma
Hill & Sons, London. —
Eine andere Violine gehört dem
') Siehe S. 33, 36 Barbaro.
85
//"-Stellung einer G. Paolo Maggini.
G. Paolo Maggini.
86
Professor und Violinvirtuos Remy am
Konservatorium in Paris.
— Eine aussergewöhnlich kunstvoller
Cister, sechschörig, mit
Rosette, auf dem Boden eingebrannte Vignette: „Giovanni
Paolo Maggini in Brescia" befindet sich in der Sammlung
Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este, Wien. —
Vieuxtemps besass eine schöne Geige dieses Meisters.
MAGGINI, Pietro Santo, Brescia 1630— 1680. Arbeitete
bis1680 und f wenige Jahre darnach.
Pietro San Maggini ^^^ ^. q-^^^^^-^ p^^j^ Maggini
^° nicht
Bresciae 1641
verwandt. Er verfertigte gute Violinen
und Violoncelli. Sein Firnis ist sehr klar; die Formen sind
ein wenig gewölbt, meist sind seine Instrumente mit dop-
pelten Reifchen und anderen Verzierungen geschmückt. Seine
Kontrabässe sind sehr gut. Pietro Santo und Giovanni Paolo
Maggini sind die zwei berühmtesten Instrumentenmacher, die
in Brescia gearbeitet haben.
MAGHETTI, Sev., Rom 1797. Wählte recht gutes Holz.
MAGNUS, Antonio, Neapel 17.. Geschickter Geigenm.
MAGRI, Francesco gen. Bischeri, . . 1766. Geigenmacher.
MAGRINI, Enrico, Triest 1865. Baute Geigen und
Violoncelli. Ahmte Guadagnini nach. Unbedeutend.
MAHLER, Laux s. Maler.
MALAGOLI, Folgenzio, Modena 185^. Geigenreparateur.
MALER [Maller], Sigismondo, gen. II Tedesco, Bologna
und Venedig 1460 — 1526. Vater oder Bruder des gleich-
berühmten Lautenmachers Laux Maler.-
MALER [Maller, Mahler], Laux [Lucas], Bologna * um
,, 1500, t 1528. Berühmter Lautenmacher
Laux Maler ,
/ '
;, , . ,^ , ,. t^
deutscher Abkunft. Verbesserte die Form
Gedruckter Zettel.
der Laute; der Stradivari der Laute. Die
Zeit seines Wirkens wird vielfach um 100 Jahre zu früh an-
gegeben; denn er arbeitete nicht um 1420, -söndem-um 1520
und zwar in Bologna, wo er nachweislich noch 1528 tätig war
und sich eines weitverbreiteten Rufes erfreute. Im Gonzaga-
MAGIUS, E A. B. v., Einige instrumental- musikalische Abhandlungen, nebst
Memorandum; Violinaria. Entlehnt aus einem grösseren Werke über die alte
Cremoneser Schule des 17. u. 18. Jahrh. u deren Meisterwerke. Hannover 1846 u. 47,
MAHILLON, V. C, Catalogue descriptif et analytique du mus6e instrumental
du conservatoire royal de Bruxelles. Gand 1880.
MAILAND, E. Dicouverte des anciens vernis italiens, employ^s pour Ics
,
nstruments ä cordes et k archet. Paris 1859.
)
87
Archiv zu Mantua befindet sich ein Brief^) des Markgrafen
Friedrich von Mantua an Don Ercole Gonzaga, dat. 19. März
1523, in dem es heisst: Da wir den Wunsch haben, eine
Laute, angefertigt von Monsignore Luca Malher in Bologna, zu
besitzen, bitten wir Sie, einen Ihrer Untergebenen zu beauf-
tragen, Monsignore Luca aufzusuchen und zu sehen, ob er
etwas unserem Verlangen Entsprechendes hat, und den Preis,
den er dafür fordert; wir bitten ihn zu benachrichtigen, dass
wir eine mittlere Laute wünschen, die weder gross noch klein,
aber ausgezeichnet gut ist. —
Denis Gaultier, der berühmte
französische Lautenspieler, schreibt 1648 an Constantin Huy-
gens^): „Je vous dirai, que tous les luths de bologne ä
9 Cordes sont de Laux Maler, qui est mort il y a six vingt
ans." (Ich benachrichtige Sie, dass alle Lauten von Bologna
mit 9 Darmsaiten von Laux Maler sind, der vor 20 Jahren 1
starb", also 1528. Seine Lauten werden sehr hoch bezahlt,
da sie sehr selten vorkommen. —
Zwei Lauten befinden sich
in der Sammlung des Fürsten Lobkowitz in Raudnitz bei
Leitmeritz. —
Eine Theorbe von 1515 befindet sich im
Schlesischen Museum für Kunstgewerbe und Altertümer; eine
Laute mit 20 Saiten (Anfang des XVI. Jahrh.) in der Samm-
lung des Erzherzogs Franz Ferdinand von Österreich-Este in
Wien; eine andere im South Kensington-Museum in London.
MALLY, Mario, Triest 1898. Geschickter Geigenmacher.
MALVOLTI, Pietro Antonio, Florenz 1700 1733. —
Petrus Antonius Maivoiti Kleines, gutgebautes Modell,
Florent. fecit Anno 1709 ähnlich Gabrielli.
MAN [Mann], —
Hans, Neapel 17 10 1750. Deutscher
Hans Man Lauten- und Geigenmacher,
fecit Neapoli
MANCINI, Giuseppe, Cortona (Toscana), 1839.
MANDELLI, Camillo, ... 189 Geigenmacher. .
MANTEGAZZA, Francesco, Milano 1747. Amati-Nach-
ahmer. Eine Viola befindet sich im Besitz von Prof. Dr.
Heinrich von Streintz, Graz.
*) Essendo uoi uenuto in desiderio die hauere uno lyuto fatto per mano di
Mro Luca Malher, ch'& li in Bolognia pregatno V. S. che voglia esser contenta
dare carico ad nno d^ suoi seruitori di cercar esso M»"«) Luca et uedere se l'hauese
cosa che fosse a nostro proposito et il pretio che ne dimanda aduertendo che iioi
uoressimo uno lyuto mczano cio^ che non fosse grande ne anche piccolo el bono
in excellentia . .Mantue XIX Martii MDXXIH. (Vergl. Bertolotti, La Musica in
.
Mantova 1400— 1600.
') Huygens, Constantin. Jonckbloet & Land. Musique et Musioiens au
XVII« Si6cle. Correspondance et oöuvre musicale de Constantin Huygens. Leydc i882.'
'
88
MANTEGAZZA, Carlo, Mailand 1760.
MANTEGAZZA, Giovanni, Mailand 1760 — 1790.
MANTEGAZZA, Pietro Giovanni, Mailand 1750— 1790.
War der berühm-
Pietro Giovanni e fratelli Mantegazza nella
Contrada dl Santa Margharita in Milano al
,
^"^ ^^^
.
_
HM*
segno dell'Angelo. 1756 sie. länder Familie
Mantegazza.
Petrus JoFratesq
M^^j^^^ ° ,„.
Mantegatia Mediolani
in Via S. Margarita anno Strumente, beson-
1780 ders Violen. Das
Holz ist schön,
Petrus Joanes Mantegatia fecit Me- , , . ,
dlolani m
Via S. Margaritee 1786 ^" harzreiche
t^'
Firnis jetzt fast
schwarz geworden. Mehrere Instrumente sind nach dem
Modell Nicola Amati gemacht. Im Hause Sola Brusca s in
Mailand bewahrt man eine sehr schöne Viola. Ein Quartett,
genannt „il quartetta di lutto" war auf der Mailänder Aus-
stellung i88i zu sehen.
MANTOVANI, (?) Parma (Mailand.?) 17
. . , . .
M ANZONE, Giovanni, Mailand 1624. Lautenmacher.
MAPROCHINI, Giuseppe, 1801. Geigenmacher.
. .
MARAPl [Morosi?], Ambrogio, Mailand 17,. Unbed.
MARATTI, Giambattista, Verona 1690 1700. Geigen- —
macher. Kleines Modell, mittelmässige Arbeit.
[Link] |Marcello], Giovanni Antonio, Cremona 1696.
Iliess wahrscheinlich Giambattista. Baute
Joannes Marcelli ,-.r. ,• ir- ,,. 1 1 .
fecit Cremona ^""^^ S"^^ Viohnen und Violoncelh mit
MDGXCVi prachtvollen Einlagen. Firnis rotgelb. Ge-
schriebene Pergamentzettel.
MARCHETTI, Abbondio, Mailand 181 5 Sorg- — 1840.
fältig gearbeitete Geigen aus
Marchetti-Abbondio ^^^^ j^^l^; schöner Ton,
Fece in Milano l'anno 1816 - , ,
,
sehr guter braunroter Lack.
MARCHETTI, p:nrico, Turin 1884— 1894. Guter Meister.
MARCHP:TTI, Vittorlo, Turin 1894. Sohn von Enrico (?).
MARCHI, Giovanni Antonio, Bologna 1660- 1695. Machte
^ ^ n ^, V,.
. gute Geigen und Violoncelli von
Johannes Antonius Marchi
.
°,
itt 1 t^ t--
fecit Bononiaj 1662 eigenartiger Wölbung. Der Firnis
ist rötlichbraun, die Schnecke kräf-
tiggeschwungen und der Ton seiner Violinen, besonders seiner
Violoncelli schön und markig.
89
MARCO- ANTONIO [Novelle?], Venedig 1700 (?)
MARCONCINI, Luigi (Aloisio), Bologna. Ferrara 1760 —
Aloysius Marconcini ^77^- Schüler von Oinobono Stradi-
Ferrariensi de Ferrara vari. Arbeitete zuerst in Bologna und
anno 1770. dann Seine Violinen sind
in Ferrara.
Luigi Marconcini ausgezeichnet, noch mehr seine Vio-
in Ferrara.
^^^ ^.^^ „Chitaronne" von ihm be-
Luigi Marconcini ^^^^^^ gj^j^ j^^ Instrumenten-Museum
F. Bologna. a
Kraus c
1^
m t^i •
i-
von A. nglio iMorenz.
MARCONCINI, Giuseppe, Ferrara 1760 1841. Sohn —
des vorigen und Schüler von Storioni, baute mit grosser
Sorgfalt Violinen im Charakter seines Lehrers.
MARENGO-RINALDI, Romano, Turin* Schüler 1866.
Enrico Marchetti's. Hervorragender Geigenmacher. Fr ar-
beitet nach Modellen Pressendas und verwendet auch gold-
gelben Firnis nach dessen Anweisung.
MARIA, Giuseppe da, Neapel 1771 — 1779.
Weniger
Joseph de Maria fecit Geigen-, dagegen bc-
Napoii 1771. rühmter Mandolinen-
Joseph di Maria
Napoli in strada
di macher. V
S. Pielro a Majella t. in Napoli
A. D. 1779
MARIANI, Antonio, Pesaro 1636. 1694. Nachahmer
Antonio Mariani fecit anno 1694. Giov. Paolo Maggini's.
Antonio de Marianis Seine Arbeiten sind
fecit Pesaro mittelmässig.
anno 1680
MARIANI, Fabio, Pesaro 1679. Nach Valdrighi Geigen-
macher.
MARIANI, Ludovico, Pesaro 1692 (?). Eine Violine von
ihm wurde von Puttick & Simpson in London für ^6' 10
(200 M.) an Dykes, ebenda, verkauft. Im Juni 1899 wurde
eine Violine, datiert: Pesari 1692, für j6^ 16 (320 M.) ver-
und kam in die Sammlung Head, London.
steigert
MARINO, Bernardo (Bernardino), Rom 1770 — 1805.
Nachahmer Tecchler's. Unbedeutend.
MARIS, .
.
, Firenzuola (?). Von Valdrighi erwähnt.
MARTANI, Antonio, Reggio-Emilia 8o4— 1 1 866. Geigen-
macher und Reparateur.
MARTINELLI, gen. 11 Gobbo, Modena 16 . . Machte
Bässe, Zimbeln und Klaviere.
MARTINI, Giovanni Simone, Todi 1608. Lautenmacher.
90
MARTINI; Luigi, Florenz 1680. Mandola mit 5 Paar
Darmsaiten, am Wirbelbrett ein Wappen von Messing, lose
Bünde, kunstvolle, schön stilisierte Rose. Das Instrument
ist durch reiche Einlegearbeit schön ausgestattet und von
vortrefflicher Arbeit. Jetztim Instrumentenmuseum der kgl.
akad. Hochschule fiir Musik in Berlin-Ch. (Nr. 732.)
MARVERTI, A., Modena Unbedeutend.
1834.
MASCOTTI (Mafeotto?), Giuseppe, Rovere 1637.
MAURIZl, Francesco, Appignano 1790. Seine hübsch
geformten Geigen haben guten Firnis.
MAURIZl, Brüder, gen. Pulghina, Appignano, d'Ascoli
Picene 18 . . Unbedeutend.
MAZZOTTI, Jacopo, Florenz 1699. Geschickter Lau-
tenmacher.
MEIBERI, Francesco, Livorno 1745 — 1750.(?) Nach Vidal.
MELEGARI, Enrico Clodoveo, Turin 1860— 1888. Baute
gute Geigen, Violen, Violoncelli.
MELEGARI, Pietro, Turin 18 50. Bruder des vorigen.
MELETTI, Luigi, Ferrara 18 Vielleicht Schüler der
. .
Marconcini. Unbedeutend.
MELLINI, Giovanni, Guastalla am Po 1768. Nach Vidal.
MELONI, Antonio, Mailand 1680 1695. — Ein Nach-
Antonius Meloni Mediolani ahmer der Amati, lieferte sorg-
fecit A. D. 1690.
f^j^jg gearbeitete Violinen.
MENEGUZZI, Carlo, Padua 1884. Baute Violinen und
Violoncelli.
MENICHETTI, Luigi, Faenza 185 1. Versuchte, Geigen
halb aus Holz und halb aus Metall herzustellen.
MENTICASIAE (Mantegazza ?), Mailand 181 5. (?)
MERIGHI, Pietro, Parma 1770. Weniger Geigen- als
Petrus Merighi Mandolinenmacher.
Fecit Parmae
Anno 1770
MESSINI, Girolamo, Florenz 1687. Lauten-, Guitarren-
und Geigenmacher.
MESSORI, Pietro, Modena* 1870. Geigen-, Guitarren-
und Mandolinenmacher. Macht gute Kopien nach Stradivari,
MEISEL, Friedrich Wilhelm, Klingenthal 1769. 1799. Besserer vogtländer
Geigenmacher, dessen Zettel zu der Annahme verführen sollten, es handele sich
um Cremoneser Arbeit.
MEISINGER, Hans, gen Ritter,. Augsburg 1447. Lautenmacher
91
Guarneri und Amali. Verwendet Bernsteinfirnis von roter
und gelber Farbe.
MEZZADRI, Alessandro, Ferrara 1690— 1732. Unbe-
deutender Nachahmer Nicola Amati's.
MEZZ ADR Francesco, Mailand 1 700- 1750. Geschickter
I ,
Meister. und durchsichtig.
Firnis rötlich
MEZZANO. Frederico [Federigo], Venedig 1695. Eine
kunstvolle Taschengeige von ihm befindet sich in den kunst-
histor. Sammlungen des A. H. Kaiserhauses
in Wien, No. 407 1.
Statt der Schnecke Mohrenköpfchen.
hat sie ein
MIANI, Bologna 183.. Unbedeutender Geigenmacher.
MICHELI, Giuseppe, Gajato [ModenaJ 1884 1891. —
Wenig hervorragender Geigenmacher.
MICHELIS, Zanetto de, Brescia *^ ca. 1495. Verfertigte
Lauten und Zithern.
MICHELIS, Peregrino, [Pelegrino] di Zanetto, Brescia
1520 — 1603. Sohn des vorigen. Geschickter Lauten- und
Violenmacher, machte auch Lyren, Harfen und Violoncelli.
Ein V'cello besitzt die Sammlung Correr in Venedig.
MILANI, Francesco, Mailand 1742. Schüler von Lorenzo
Guadagnini und sorgfältiger Nachahmer Stradivari's,
MILANI [Milano], Giuseppi Carlo, Mailand 1769. Die
Arbeiten von ihm ähneln dem Amati-Modell.
MILELLA, Vito, Lecce 1870. Geschickter Geigenmacher.
MILELLA, Giuseppe, Lecce. Nachfolger Vito's.
MINELLI, Lorenzo, *Florenz 1664. Lautenmacher.
MINELLI, Giovanni, Bologna 1808. Geigenmacher.
MINGAZZI, Luigi,Ravennai8.. Saiteninstrumentenmach.
MINOZZI, Matteo, Bologna 1769. Wenig bekannt.
MOLA, Francesco, Cremona * 1641. Schüler Nicola
Amati's (.?).
MOLIA, Angelo, Genua 1758. GeschickterGeigenmacher.
Angelo Molia
^ (geschriebener Zeltel).
_,
Fece m
.
« T-reo
Genova A. 1758
MOLIN ARI,Antonio, Venedig 1672 1703. Geigen- —
macher von wenig Bedeutung.
MOLINARI, Josepho, Venedig 1735 1765. Bekannt —
durch zwei Mandolinen, datiert 1762 und 1763, die sich im
Instrumenten-Museum des Konservatoriums in Paris befinden.
(MIGC'.E. Otto) Etwas Aber O. Migge's Geigenbau- FiroschOre und seine Ent-
gegnung auf die Widerlegungen 1). Hiller's. 1895.
92
MONFERRINO s. Alegretti.
MONFRINI, Luigi, Roma i8io. Wenig bekannt.
MONGEL, Turin 1820
A., —
1830. Seiner Arbeit nach
der französ. Schule angehörend. Sorgfältiger Geigenmacher.
MONTADA, Gregorio, Cremona 1690 1735. Schüler —
und Nachahmer (Omobono?) Stradivari's.
MONTAGNANA, Domenico, Venedig * um 1690, f um
Dominicus Montagnana Sub Si- I750. Einer der besten
gnum Cremonae Venetüs 17... Schüler von Nicola Amati
' '^""
ft'njirii Cvfii-f^y^^ ^^^^netiis ,173.0.
und vielleicht Mitschüler oder auch Schüler von Antonio
Stradivari. Nachdem er die Werkstätte seines berühmten
Lehrers verlassen hatte, scheint er sich zunächst in Cremona
etabliert zu haben, von wo auch einige seiner Geigen da-
tiert sind. Später verzog er nach Venedig und erlangte
dort bald grossen Ruf, denn seine Instrumente übertrafen
die aller anderen Venezianer Meister. Bei aufmerksamer
Betrachtung ist im grossen und ganzen der Einfluss von
Stradivari zu erkennen, im einzelnen aber liegen we-
sentliche Unterschiede vor. Die Umrisse sind hart und
weniger gefällig, die Wölbungslinien der Länge nach flacher,
jedoch der Breite nach mehr ausgedehnt. Die /--Löcher
neigen dem Schnitt des Joseph Guarneri zu. Die Schnecke
ist gross und kühn gewunden. Der rotbraune Firnis, bei
sammetartigem Ansehen voll Feuer und Leben, erregt die
Bewunderung aller Kenner. Montagnana machte Geigen in
zwei Grössen, sowie Bratschen und V'celli. In späteren Jahren
soll er nach Tirol verzogen sein. Die Arbeiten Montagnana's
sind sehr gesucht und selten zu bekommen. Man kennt
etwa 10 Violinen, 10 Violen und 6 VioloncelH, alle von
ausserordentlich guter Qualität. Sein Ladenschild lautete
,,sub Signum Cremona^".
Die früher bei O. Vormbaum in Frankfurt a. M. befind-
liche Viola von 171 3 hat grosses Patron. Dragonetti besass
einen ausgezeichneten Kontrabass von 1725, den er. dem
Prinzen Albert von England vermachte. Das Instrument be-
findet sich jetzt in der Kgl. Sammlung. Eine schöne Violine
93
mit gelbemFirnis,6ocmlangeinschl. Schnecke undHals, datiert:
Dominicus MontagnanaSub Signum Cremona^Venetiis 1723 be-
findet sich im Konservatorium der Musik in Köln (Sammlung
de Wit). Auf der Mailänder Ausstellung 1881 befand sich
eine von 1730 Venedig, laut Katalog dem Mar-
Violine
chese Benedetto Costa in Mailand gehörig. Eine Violine
von 1730 erwarb Lutz in Wien 1900, eine andere von 1721
besitzt Alfred Nelson in Edinburgh. Eine Violine, datiert:
Venedig 1729, wurde 1898 von der Firma Lyon & Healy in
Chicago für SsoDollar ausgeboten. Eine Violine: DOMINICUS
MONTAGNANA SUB SIGNUM CREMON^E VENETIIS 1723
gehört dem Marquis Giovanni de Piccolellis, Florenz. Ein
Violoncello spielt Ferdinand Küchler in Frankfurt a. M.
Das Violoncello, das Felicien Cesar David gespielt hatte, ge-
hört jetzt van der Heyden, Brüssel. Ein Kontrabass, Venedig
1730, befindet sich im Instrumenten-Museum des Konserva-
toriums in Paris, No. 199 des Katalogs. Ein Solo-Violoncello
mit der Inschrift: Dominicus Montaguana sub Signum Cre-
monae Venetiis 1730, spielt der Violoncello-Virtuos William
Engel, Hamburg.
MONTEFIORI, Erminio, Genua 1860. ßogenmacher.
MONTEGAZZO s. Mantegazza.
MONTELATICI, Filippo, Florenz 1697. Lautenmacher.
MONTEVERDI, Claudio s. A. Cavalli.
MONTICHIARO, Zanetto, Bresciai53o. Lautenmacher.
MONTURRI, Giuseppe, Piumazzo 1840. Geigenmacher.
MORELLA, Morglato, Venedig 1545 —
1602. Arbeitete
MORGLATO MORELLA in Mantua und Venedig. Er war
MANTU^«: 1545 auch Lautenspieler. Seine Violen
Morglato Morella ^^^^ Lauten sind prachtvoll und
f ece in Venecia 1602 berühmt. Agosto Maffei ^) spricht
Gedruckter Zettel, sich ausserordentlich lobend über
die 02 geschrieben.
^j^ ^^^ Morclla arbeitete wahr-
scheinlich 1602 in Mantua, wie A. Bertc^lotti, S. 35-)
bis
berichtet. Eine Violine von Morglato Morella befindet sich
[Link]-Museum der Kgl. akad. Hochschule für Musik
in Berlin-Ch.*^) Eine Laute besitzt van der Heyden in Brüssel.
Agosto Maffei. Antiali di Mantua, Fol. 147.
')
Musici alla Corte dei Gouzapa in Mantova dal sccolo XV al XVIII. Milano
'*)
1890. Ein minderwertiges Buch. Siehe die eingehende scharfe Kritik von Dr. Emil
Vogel in der Vierteljahrsschrift für Musik u. Wissenschaft 1891, Heft 2, S. 278.
3) Siehe S. 36. Barbaro.
MORDRET, L^on. Les violons de Crcmone. Ronen 1898.
94
MORELLO s. Odani.
MORI-COSTA s. COSTA.
MORONA, Antonio, Isola bei Capo d'Istria, um 1731.
dem eine Viola da g'amba bekannt ist.
Ein Geistlicher, von
MORSELLI, Arturo, Quistello 1862. Von ihm sind
einige Bässe bekannt.
MUCCHI, Antonio gen. Bascia, Modena 1800 f 1883.
Baute hauptsächlich Violoncelli. Auch geschickter Geigen-
macher und Reparateur.
MUZZARELLI, Demetrio, Ospidaletto (Modena) 1880.
Geigenmacher ohne Bedeutung.
NADOTTI [Mandotti?], Giuseppe, Piacenza 1760 1767. —
Geschickter Geigenmacher. Arbeitete nach verschiedenen
Modellen, besonders dem der Amati und verwandte guten
gelben und rötlichen Lack.
NAFISSI, Carlo, Gubbio 1 867. Unbedeut. Geigenmacher.
NALDI, Antonio, gen. il Bardella, Florenz 1550. Soll
der Erfinder des Chitarrone (Basslaute) sein.
NARDELLI, Michelangelo, Gubbio 1867. Geigenmacher.
NELLA, Raphael, s. Raphanelli. [Lautenmacher.
NOBILI, Antonio Francesco, Florenz 1693. Nach Valdrighi
NOVELLO, Marco, Venedig 1720. Geigenmacher.
NOVELLO, Marco Antonio, Venedig 1780— 1795.
Geigenmacher. Bruder von:
NOVELLO, Pietro Valentine, Venedig 1790. Schüler
Petrus Valentinus Nouellus von Anselm Bellosio und
DiCcipuius Anrelmi Beilo£ij besserer Geigenmacher.
fecit VenetijS 1790
Gedruckter Zettel. geschrieben.
90
NOVERSI, Cosimo, Florenz 1662, auch Noverci, nach
einem florentiner Instrumentenarchiv. Lautenmacher. Siehe
Atti dell'Accademia del Regio Istituto Musicale di Firenze
1874, XII, S. 172.
OBBO, Marco, Neapel 17 12. Unbedeutend.
Marcus Obbo, Napoli 1712
OBICI, Bartolomeo, Verona 1665 —
1685. Er gehört nach
Bortoiamio Obici seinen Arbeiten ZU der Brescianer Schule,
in Verona 1681
g^jj^ Modell ist gross, der Firnis orange-
gelb, der Ton hell und gut. Seine Violinen kosten nicht
unter 1200 M. und sind selten.
NAMY. Jean Theodore. Paris 1772—1808 Von Abb* Sibire i8c6 als den
allerbesten Geigenmacher, den er kennt, gepriesen: «Je dis lout d'iin coup: Voila
du Naniy. comme je dirais: Voila du Cr^nionel»
95
OBICI, Prospero, Marano sul Parano [Modena], l88o.
Baute ganz gute Geigen und Guitarren.
OBIZI, Bartolomeo, Verona 1750 —
1770. Arbeitete nach
dem Modell von Giovanni Paolo Maggini.
ODANI, Giuseppe Morello, Neapel 1738. Gute Arbeit.
Giuseppe Morello Odani Firnis rotbraun, öfters fast
In Napoli 1738.
schwarz.
ODDONE, Carlo Giuseppe, Turin * 1866, ist Schüler
Rinaldi's, geschickter Geigenmacher.
ODOARDO, Antonio, gen. II Lanaro, Ascoli 18.. Un-
bedeutender Geigenmacher.
ODOARDI [Oduardi], Giuseppe, Ascoli (Picene) * 6. IV.
Joseph Odoardi, filius Antonii, 1746, f um 1786. Sohn
fecit prope Asculum 1784. Opus [Link]ässiger
Geigenmacher. Sein Pa-
tron ist von mittlerer Grösse, der Firnis hell- oder dunkelbraun.
OGLIO, Domenico dall', Padua, * nach 1700, f in
Narwa 1765. Seine guten Arbeiten streben den Paduaner
Stil an, Holz Und Firnis sind nicht immer befriedigend.
OLIVERI, Feiice, Turin 1870. Geigenmacher.
ONEDA, Gio. Battista d'., Brescia * 1525, f um 1563.
Lauten- und Violenmacher.
ONGARO [Gngara], Ignazio dall', Venedig 1747—1783.
Nicht hervorragend.
ORAZIO, di Giovanni Filippo, Rom um 1554. Lauten-
macher.
ORELLI, Josef, Rom 17... Geschickter Geigenmacher.
Schönes Holz und Modell, guter Firnis.
ORLANDELLI, Paolo, Codogno 17.. Geigenmacher.
ORZERO,Tommaso, Turin 18.. Unbedeut. Geigenmacher.
PAGANI, Gian Battista, Cremona um 1745. Wenig
hervorragend.
PAGANI, Pietro, San Martino d'Este 1836. Machte als
Dilettant einige gute Geigen.
PAGANINI, Luigi, Faenza 18.. Geigenmacher.
PAGANONI, Antonio, Venedig 1750.
PAIARINO, Marco, Ferrara 1591.
ORTLIEB, Friedrich. Freiburg/Schw. 1456. Saiten- und Lautenmacher.
OTT, Hanns. Nürnberg 1434 — 1463. Einer der bepQhmtesten altnürnbergischen
Lautenmacher, vermutlich aus Füssen stammend.
OTTO, J. A., Über den Bau der Bogeninstrumenle und ü))er die .\rbeiten
der vorzüglichsten Instrumentenmacher etc. 2. Aufl. Jena 1Ü73.
.
96
[Link], Pietro, Perugia 1790 —
1821. Von ihm sind
Pietro Paiiotta gute Violen und Violoncelli bekannt,
fece L'anno 1792
Nr. 13 Perugia
PALMA, Paolo, Lucca 1760. Mittelmässiger Nach-
Paulus Palma Lucensls ahmer Nicola Amati's.
fecit in Lucca 17 . .
PALMERIO, Math., Padua 1734. Wenig bekannt.
PALTRINIERI, Giovanni, (?) 1840. Nach Valdrighi. . .
PANDOLFI, Antonio, Venedig 17 10 1740. Tüchtiger —
Antonius Pandolü Meister, arbeitete grosses Patron
venetiis fecit Anno 1740
gelbbraunem oder dunkelrot-^-^^
braunem Firnis; Auf der Mailänder Musik-
voller Ton.
ausstellung 1881 befand sich eine seiner Violinen von 17 19.
PANORMO, Vincenzo Trusiano, * 1734 in Monreale
Vincenzo Panormo bei Palermo, f 1813 in
di Palernrio fecit London. Nach de Picco-
anno 17 .
lellis ging er in sehr jungen
,..^^
Vincenzo ^ ^ _,^
Panormo 'Jahren nach Cremona, wo '
er
rue de l'arbre soc, a Paris 1780. wahrscheinlich bei Carlo
Bergonzi lernte. Er war ein
Vincenzo Panormo
ausgezeichneter Künstler,
Londra 1798 ,. xt , , .. ,
der die schönsten Nach-
ahmungen von Stradivari, Bergonzi usw. machte. Man hat
festgestellt, dass er abwechselnd in Paris, wo er mehrere
Jahre arbeitete, und in London lebte. Von hier aus machte er
eine Reise nach Dublin, wo er eine alte Billardtafel von Ahorn-
holz fand, aus der er eine Menge sehr guter Violinen verfertigte.
Er hatte zwei Söhne, sodass er zwei Arbeitsstätten (in Paris
und London) begründen konnte. Nach italienischen Meistern
schnitzte er schöne /-Löcher und Schnecken, verwendete
gutes Holz und abwechselnd rotbraunen und orangegelben
Firnis. Der Ton ist voll und seine .Violinen werden jetzt
hoch geschätzt. Eine Violine von Panormo Paris 18 10 be-
fand sich in der Instrumenten-Sammlung von C^sar Snoeck*),
jetzt im Instrumenten-Museum der Kgl. akad. Hochschule
für Musik in Berlin-Ch.
PANSANI s. Panzani.
PANZA, Antonio, Finale EmiHa 1875. Dilettant.
') siehe S. 33. 36. Barbaro.
PAJOT, Jean Baptiste I, Jeiizat (Allier) 1S17, t 1863. Der Stradivari der
BauerTileier (Vielle).
— .
97
PANZANI [Pansani], Antonio, Rom 1735 — 1783.
PAPIENSIS s. Lorenzo.
PARDINI, Bastiano, Florenz 16.. Unbedeutend und
Bastiane Pardini ^ mangelhaft,
in Fiorenza.
PASCIUTTI, Ferdinando, Bologna 1885.
PASIO, Lodovico, Modena 1506.
PASSAPONTI, Giovanni, Florenz 1750. Bekannt durch
seine mit hübschen Einlagen und Schnitzereien verzierten
Taschengeigen und Lauten.
PASTA fPosta?], Bartolomeo, Mailand 1660 (?).
PASTA, Gaetano, Brescia 1706 — 1710. Arbeitete nach
den Modellen von Gasparo da Salö, Nicola Amati und Gio-
vanni Paolo Maggini. Seine Violinen sind ausgezeichnet
und besitzen sehr guten Ton und Firnis. Der Violoncello-
virtuos Otto Hutschenreuter in Helsingfors (Finnland) kaufte
1886 ein prachtvolles Violoncello mit Löwenkopf und der
Inschrift: Gaötano Pafta, Brescia 1701.
PASTA, Domenico, Brescia 17 10 — 1730. Wahrschein-
lich ein Sohn von Gaetano Pasta. Seine Violinen sind hell-
und wohlklingend und haben flaches Modell.
PASTA, Antonio, Brescia, 1710 — 1730. Unbedeutender
Nachahmer Gasparo da Salö's.
PAZARINI, Antonio, Genua 1 740. Arbeitete eine Zeitlang
Antonius Pazarinius et Galcanius gemeinsam mit Bernardo
Genuae 1740 Calcagni (Galcanius) und
ist bald darauf gestorben.
Seine Violinen sind etwas gross,
hochgewölbt und mit gelbbraunem Firnis versehen.
PAZZAVOLA, Giovanni, Ferrara 1 580. Lautenmacher.
PAZZINI, Giovanni Gaetano, Brescia und Florenz 1630
Giovanni Gaettano Pazzini 1667. Nach Piccolellis,
Florentinus anno 16 .
^^r nachstehende
.
In-
Giovan Gaettano Pazzini. allieno d'ell schrift zitiert" Gian
Maggini di Brixiae
Gaetano Pazzini allievo
Fecit Firenze, anno 1660 , ,, «* t^ •
Maggini di Brixiae dell
fecit anno 1660", soll Pazzini Schüler von Maggini gc
Wesen sein. Aber weder in den Florentiner noch in den
Brescianer Archixen kommt sein Name vor. Er wendete horh-
gewölbtes Modell an, nahm scharfjähriges, gutklingendes Holz,
dunkelbraunen Firnis.
N iederhei tinann -Vogel . Cremona. 4. Aufl. «
98
PECCENINI [Pecinini, Piznin dal Liuto], Alessandro,
genannt „del Leuto", Bologna 1581 1595. War Lautenist —
beim Herzog von Ferrara und soll die Pandora erfunden
haben. Als Lautenmacher war er hochgeschätzt, doch scheint
von seinen Werken nichts erhalten zn sein.
PEDRAZZI, Fra Pietro, Bologna 1784. Dominikaner-
mönch. Unbedeutender Geigenmacher.
PEDRINELLI, Antonio, Crespano * 1781, f 1854. Ge-
Antonio Pedrineili schickterNachahmer alter Meister
ad imitationem Stradivarii z. B. Stradivari's; wählte gutes
in Crespano Anno 1840
f ecit
Holz. Firnis orangefarbig.
PELLEGRINO [Peregrino], s. Michelis.
PENSCHER, Maria, Cremona 1686. Nach Nie. Selhofs
Auktionsverzeichnis.
PENZENETTI, Antonio, Bologna 1801 (?).
PEREGRINIO, Giovanni, Lucca 1869. Mittelmässig.
Joannes Peregrinius Vergl. a. Giovanni Storino.
Lucenfis 1689
rERlN s. Cerin.
PESCORINO s. Bellone.
PETROBONO, gen. Dal Chitarrino, Ferrara 1445—46
Lautenmacher. Nach Valdrighi.
PETRONI, Antonio, Rom 1867.
PEZZARDI, Brescia, 1560 1590. — Brescianer Stil,
doppelte Einlagen, hellbrauner Firnis.
PFANSCHEL, [Pfantschel, Pfanzel], Peter, Rom. t"i582.
l'HAENGA s. Fenga. [Lautenmacher.
PIANAZZI (Pianassi), Domenico, Guiglia (Modcna) 1760.
Seine Geigen und Violen sind gut aber selten.
PIATTELLINI, Gasparo Luigi (sein Sohn), Florenz.
u.
1738 — 1789. Seine Arbeiten erinnern an Gabrielli.
PICCIATI [Piccioli], Ippolito, S.-Giovanni (Pcrsiceto) 1850.
PEMBERTON, J,, London um 1580. Berühmter onglischei Lauteumaoher,
dem auch der Bau einer Violine von sehr eigentümlicher Form zugeschrieben wird.
—
PENZL [Penze], Ignaz, Schönbach oder Fleissen (?^ 1757 1772. Ebenso wie
Ignatio Penzl p. Italia bei den vogtländischen Zeitgenossen sind die Zettel
In Gremona 1757. auf Täuschung berechnet.
PETER, ., Wien 1418—1436. ..Lautenmacher- Peter".
.
PETHERICK, Horace, Antonio Stradivari. London 1900. (u. a.)
PFRETZSCHNER, Johann Gottlob, Markneukirchen * 1753, j 1S23. Ge-
schickter Nachahmer Stradivari-s. Die neben-
Johann Gottlob Pfretzschner
prope Violine car Respontent fe^'enden gedruckten Zettel tragende Violine.
P«n«».,: ^r«^,,.,«
Komani cremona tI.„~
i7QQ-
Lange
^ ^^59 cm, befindet sich im Konserv. Köln.
'
''' ,,,•.
Sammlung
r.
de Wit.
99
PICCINETTI, Giovanni 1677. Violen- u. [Link].
PICINO s. Bagatella, P. gen. Picino.
PIERONI [PierottiPJ, Luigi, Gubbio 1840. Belanglos!
PIETRI, Venedig 1690. Lauten- u. Geigenmacher.
Pietro,
PILOTTI, Giuseppe, Bologna * 1784 t 1838. Belanglos.
PISANI, San Angelo 1756. Hochgewölbte Geigen aus gut.
—
PIVA, Giovanni, Modena 1860 1880. Belanglos. [Holz.
PIZZURNO, Ant., Genua 1760.
PIZZURNO, Davide, Genua 1763. Geigen mittlerer
David Pizzurnus fecit Grösse; wenig bekannt.
Genue Ann. 1763
PLANI, Agostiiio de, Genua 1750— 1778.
PLANTA, Ulrico, Florenz 1838. Belanglos.
PLATNER, Michael, Rom 1730 — 1750. Wahrscheinlich
Michael Piatner fecit einLandsmann von David Tecchler,
Romce Anno 1741 mit dem er manches gemein hat.
Zuweilen arbeitete er nach Andrea Guarneri; nahm hoch-
gewölbtes Modell, gutes Holz, orangegelben Lack.
PLESBER, Francesco, Mailand 1730 1780. Vermutlich —
deutscher Abkunft. Er hat besonders Mandolinen, Mandoren
und Pandurinen verfertigt, die ersteren mit fünf Doppelsaiten
und neun Bünden. Eine Pandurina befindet sich in der In-
strumentensammlung von Crosby Brown in New York. Das
k. Landesmuseum in Prag besitzt eine Mandoline von 1773.
PLESBER, Giuseppe, Mailand 1778 1805. Eine Mando- —
line von 1801 befindet sich im Instrumentenmuseum der k. a.
Hochschule für Musik, Berlin-Ch., (Smlg. Snoeck). Eine Man-
dore von 1778, gehört D. F. Scheurleer, s'Gravenhage.
POLI, Giovanni, Mailand 1850. Geigen- u. Mandolinen-M.
POLIS, Luca (de), Cremona 175 1. Annähernd Amati-Stil.
POLLA STRI. Giuseppe, Modena 1764— 1783.
PICCOLELLIS, Giovanni de, Liutai antichi e moderni. Genealogia degli
Amati e dei Guarnieri Secondo i documenti ultimamente ritrovati negli atti e
|
stati d'anime delle anliche parrocchie dei ss. faustino e giovita e di s. donato di
cremona. Note aggiuiite alla prima edizione sui liutai, pubblicata in firenze ncll'
anno MDCCCLXXXV. Firenze 1886.
— Della autenticitä e pregio di taluni strumenti ad arco appartenenti al r.
istitutu musicale di firenze. Rolazione letta nell' adunanza dei di 29 aprile 1888
dair accademico onorario. Firenze 1889,
PIEGENDORFER, Georg, Die schwäbischen Geigenbauer. Monographie.
PIEGENDORFER, Georg, Die schwäbischen Geigenbauer v. J. 1600 bis auf
unsere Zeit, nebst einer kurzgefassten Charakteristik ihrer Arbeiten. Leipzig 1895.
PIERRARD, Louis, Le Violon. Son histoire et son originc avec un prfrcis
d'nccoustique et des notices sur sa construction. Gand 1902.
—
PIERRAY, Claude. Pari.s 1698 1726 ,.a violiti by Cl. Pierray as good as a
Cremona" (in Thomas Brilton's Katalog). Jvon Stradivari".
PIQUES. Frativ'uis Louis, Paris * I758, f 1822. ,,Er war ein sehr feiner Kopist
r
lOO
POLLASTRT, Antonio, Modeiia 1/65—1800. Machte
gute V^iolen.
POLLl [>), Francesco, Guastaila 1616. Nach Valdrighi.
POLLUSCA, Antonio, Rom 1750. Tecchler-Stil.
POiNTIGGIO, Vittorio, Como 1853. Belanglos.
PORTOGHESE, Francesco, Rom 1616. Lautenmacher.
POSTA, Christofaro, Mailand 1666. Brescianer Schule.
POSTACCHINI, Andrea I, Fermo i;..— 1824. Bessere
Andrea Postacchini, Amici filius Geigen flacher Bauart, rot-
Fecit Firmi, anno 1810 opus ^^iu^..^j^
^ oder u ir-
. . .
gelber braunerFirnis.
POSTACCHINI, Andrea II, T^rmo 1810— 1854. Sohn
Andreas Postacchini Firmanus fecit des vorigen Gute Ar-
sab titulo S. Raphaelis Archang. 1854.
beitenim Amati-Stil.
POSTIGLIONE, Vincenzo, Neapel * 1835. Geschickter
Nachahmer Stradivari's und Guarneri's.
POZZINI [Pazzini], Gaspare, Brescia 1691 — 1699. -ar-
beiten im Stile Maggini's.
PRAGA, Eugenio, Genua * 1847. Schüler N. Bianchi's,
geschickter Nachahmer Stradivari's und Guarneri's.
PRESSENDA, Giovanni Francesco, Alba/Carmagnola,
Joannes FrancisusPressenda q. Raphaei später Turin * 1777
fecit Taurini anno Domini 1840 ^ Ij.
,3^4 Schüler (?)von
Lorenzo Storioni. 18 14 übersiedelte er nach Alba, baute da
Violinen und Hess sich 1820 in Turin nieder.*) Alle Teile sind
vorzüglich ausgeführt, der Lack in allen Farben vertreten, meist
rot, das Holz gut, der Ton edel. Seine Instrumente sind
sehr gesucht, die Violinen nach dem Modell Antonio Stradivari's
stehen im Preise von 800 —
1000 M., sogar bis 2500 M. Eine
Violine dieses Meisters kam im Juni 1899 durch Puttick &
Simpson in London zur Versteigerung und wurde von Smith
in London für 42 c£ (840 M.) erstanden; 1907 verlangte Hart
in London für ein gutes V'cello 4ooo M. Eine schöne Pres-
senda-Geige gehört dem Violinvirtuosen Aug. Gentz in Berlin.
PUPPATI, Dr. Francesco. Udine * 1838. Jurist, Geigen-
virtuose und sehr geschickter Geigenmacher. Stradivari-Stil.
<
*) Rinaldi, Ben. Gioff., Classica fabbricazioiie di violini in Piemonte. Turin
1878 (mit Biogr. von Pressenda).
POMMERSBACH, Clays von, Köln 15 Berühmter Lautenmacher.
. .
PORGT, Ludwig, Regensburg [Link]ühmter Lautenmacher.
POSCH I
Bosch, BossJ, Laux. Schongau 1550— 1564. Einer der berühmtesten
Lnutenmacher seiner Zeit.
PRAXIS, L. de, AppendiceetnoticeälaCh61onomiederubbeSibire. Brüssel 18S5.
lOI
QUiNERIUS, Hieronimus, Cromona Anno 1692. Zettel-
Schwindel.
RABAGLIETTl, Antonio, Verona 1650.
Nach Valdrighi.
RABATTA, Carlantonio,.. 1707. Geigenm. Nach Valdrighi.
RACCERIS(?) [Rainen], Mantua 1670 (?). Gagliani ahn-
RAILICH, Giovanni, Padua 16.. [liehe Arbeit.
RAILICH, Pietro, Venedig u. Padua 1644 1655. —
RANTA, Pietro, Brescia Amati-Nachahmer. 1733.
RAPHAEL, Brescia 18.. Geigenmacher. Nach Valdrighi.
RAPHANELLI[RaffaeleNella,Ravanelli?l, Brescia 1652—
1700. Man vermutet, dass er Giov. Paolo Maggini nachahmte.
Seine Instrumente sind öfters reich eingelegt; der Firnis braun-
rot. DerTon ist nicht kraftvoll, weil die Decken von schwachem
Holz dagegen von angenehmem Klang. Eine VioHne,
sind,
datiert Brescia 1680, gehört dem Herzog von Koburg-Gotha.
RASTELLI, Genua 18.. Geigenmacher.
RASURA, Vincenzo, Lugo 1785. Nur der Name bekannt.
R AUSER Rauscher], Sebastian, Verona 1590 — 1605.
I
Lautenmacher.
RAVENNA, Gio. Battista, Lavagna 18.. Geigenmacher.
RAYNALDI, Antonio, gen. Simonetta, Langres/Rom
1517. Lautenmacher.
RAZZOLI, Feiice, Villa Minozza (Modena) 1880.
REALLI, Cosmo Battista, Parma 1667. Eine Pochette
Gosmo Battista Realii (Taschengeige) befindet sich im In-
in Parma 1667 '
strumentenmuseum der k. a. Hoch-
schule für Musik in Berlin-Ch. (Samlg. Cesar Snoeck).
REBERE, s. Tedesco.
RECH ARDINI, Zuane s. Bechardini.
REGGIANI, Francesco, S. Martino d'Este (Modena) 1836.
REINA, Giacomo, ..? 1708.
RENISTO (entstanden aus revisto, d. h. nachgesehen!)
RAKEMAN, Nicolas, Brügge 1449 — 1515 „luteniakere".
READE, eh., Readiana. Comments on current
events. Leipzig, Tauchnitz-Ed.
vol. 2109, enthält S. 60 — 114
,,Cremona Fiddles', Abdr. ans der Fall Mall Gaz. 1S72.
REICHEL, Johann Gottfried I, (Mark-)Neukirchen * um 1735. 1770. Viel-
leicht der beste Geigenbauer dieser Johann Gottfried Reichel
Familie, seine Zettel lauten :arfundon von Jacob Stainer in Apsa
REICHEL, Johann Adam, (Mavk-)Neukirchen, ' 1782 f 1836. Einer der besten
und fleissigsten Geigenmacher dieser Familie. Auch er missbrauchte auf den Zetteln
die Bezeichnung ,,Cremona".
RICHELME, A. Marius, Renaissance du violon et de ses analogues d'apris
de nouv. lois acoust. Marseille 1S83.
. .
RICQUE, Henri, Brüssel (}), I459— 1460. Brabanter Meister.
I02
RICEVUTI, Aureliq. Florenz 1650. Nach Valdrighi.
RICHTER, —
Modena 1808, Guitarren- u. Geigenm.
,
RICOLAZI, Ludovico, Cremona 1729. Nach Vidal.
RIGHI, Antonio, Modena 18 17. Bassmacher.
RINALDI, Lodovico, Rimini 1804.
RINALDI, Gioffredo Benedetto, Turin * 1850 f 1888.
Schüler Pressenda's. Geschickter Geigenmacher; baute gute
Violoncelli. Stand mit Tarisio in Verbindung und war einer
der geschicktesten Entdecker alter italienischer Instrumente.
Siehe Fussnote bei Pressenda.
RINALDI, Celeste, Modena c. 1878.
RITTIG [Rittio, Railich?], Cristofarus, Genua 1692. Im
Museum A. Kraus, Florenz, befindet sich ein V'cello.
RIVA, Giovanni, Piacenza 1884. Belanglos!
RIVOLTA, Giacomo, Mailand 1800—1827. Gute Ar-
Jacobus Rivolta Giacomo Rivoita beiten im
fecitMediolani 1821 fece Milano 1828 •
Gairliani-Stil.
RIZZOTTI, Nicola, Novellara (Modena) 1880. Autodidakt.
ROCCA, .., Genua 1762. Nachahmer Guarneri's.
ROCCA, Giuseppe Antonio, Turin * 1800. 1865. Schüler
Josephus Rocca, Taurini 1830. Pressenda's. Ahmte mit
vielem Geschick alte Meister v/ie Stradivari, Guarneri usw.
nach. Sorgfältige Arbeit, brauner Firnis, grosser edler Ton.
ROCCA, Giuseppe, Genua c. 1854. Geschickter Nach-
ahmer Guarneri's.
RODIANI, Giovita, Brescia 1580— 1630. Seine Violinen
GIOUITA RODIANI in Brescia sind nach Giovanni Paolo
Maggini und Gasparo da Salö stilisiert. Der Firnis ist gelb.
ROGERI, Giambattista, Brescia * um 1650 in Bologna,
lo Bapt. Rogerius
: Bon : Amati de Gremo-
Nicolai f 1 7 3^, lernte
na alumnus Brixiae fecit Anno Domini 1705 die Kunst des
Streichinstrumentenbaues in Cremona bei Nicola x\mati und
war Mitschüler des Stradivari. Er verfertigte viele Violinen,
sehr schöne Violoncelli und prachtvolle Kontrabässe, nahm
vorzügliches Holz und schönen rotgoldenen Firnis, der an
seinen Meister erinnert. Seine harmonischen Tafeln sind
vortrefflich gearbeitet. Die #-Löcher sind schön geschnitten 4
und das Modell seiner Violinen ist das amatisicrte Stradivari-
RIECHERS, August, Die Geige [Link] Bau. 2. Aufl. mit 4 [Link], Göttingen 1896.
klTTER, Ilerinann, Die Viola alta oder Altgeige. 3. Aufl. Leipzig 1885. Der
Erfinder der Viola alta, des dreifüssigeu Stegs, der fünfsaitigcn Viola usw.
I03
Modell. Der Ton ist edel und rein, seine Violoncelli klingen
besonders kräftig. 1660 verliess er Cremona und übersiedelte
nach Brescia, wo er bis 1730 arbeitete. Seine Zettel sind rot
und schwarz gedruckt. Eine Violine: lo. Bapt. Rogerius,
Bon. Nicolai Amati de Cremona alumnus Brixiae fecit Anno
Dom.: 1670 gehört dem Herzog- von Koburg-Gotha. Eine
andere von 1700 befand sich 1S81 in der Mailänder Ausstel-
lung und gehört Teresa Carli in Mailand. Eine Violine
von 1700 wurde 1898 für 800 Dollars von Lyon & Healy
in Chicago feilgeboten. Ein Violoncello, das viele Jahre
Piatti gespielt hatte, besitzt jetzt Fräulein Muricl Handley,
London, Ein anderes Violoncello spielt Virtuos Friedrich
Buxbaum in Wien. Eine Violine: lo. Bapt. Rogerius Bon:
Nicolai Amati de Cremona alumnus fecit Anno Domini 1675
spielt VioHnvirtuos Prof. Stefan Wahl in Wien.
'Iö--Bap. RogeriusBon: Nicolai Amati de Cremo-
naalumnas Brixiae fecit AnnoDominri^^j
Die Familie der Rogeri wird oft mit der der Rugieri
verwechselt. Duich Piccolellis Forschungen ist aber nun end-
gültig festgestellt worden, dass wir zwei, von einander ganz
verschiedene Familien zu unterscheiden haben, die Rugieri,
in der Cremoneser Mundart Rugier oder Ruger genannt, und
die Rogeri; dass ferner ihr Zusammenwerfen ebensowenig
gerechtfertigt ist wie die Schreibungen Ruggeri, Ruggieri,
Ruggir, Roggier, oder gar Rudger. Zur Familie der Rogeri
gehören obiger Giambattista und Pietro Giacomo, zu der^
.jenigen der Rugieri: Francesco und dessen Söhne Giacinto
und Vincenzo. Da zeitweilig Mitglieder beider Familien in
Cremona lebten, war es ganz naheliegend, dass sie den
Irrtümern in der Namensunterscheidung nach Möglichkeit
vorzubeugen suchten. Giambattista Rogeri nannte sich, da
er aus Bologna gebürtig war, Jo. Bap. Rogerius bon. (bono-
niensis,) während Pietro Giacomo Rogeri seine Instrumente
mit fecit Brixiae signierte und daher einer Verwechslung mit
den Cremoneser Rugieri weniger ausgesetzt war. Die Rugieri,
Francesco und dessen Söhne Vincenzo und Griacinto, fugten
übrigens auf den Etiketten ihrer Intrumente nach ihren
Namen noch detto il Per, (genannt der Birnbaum,) hinzu.
—
I04
Es darf an dieser erwähnt werden, dass zur Her-
Stelle
stellung der Saitenhalter, Griffbretter, Wirbel und Sättel
zumeist das Holz des Birnbaumes zur Anwendung gelangte.
ROGERI, PietroGiacomo,Brescia*um 1680, fnach 1730.
Petrus Jacobus Rogeri Sohn von Giambattista, dessen
fecit Brixiae 17 .
Schüler er wahrscheinlich gewesen
ist, den er auch nachahmte, ohne ihn vollständig zu erreichen.
War sehr tüchtig und baute viele Violinen, Violen, Violon-
celli und Kontrabässe. Sein Modell war schlanker als das
seines Vaters, der Firnis goldgelb, das Holz vorzüglich und
das Patron klein. Ein Violoncello dieses Meisters aus dem
Jahre 17 17 spielte Alfredo Piatti, es gehörte dann auch Paga-
nini, der seine Initialen N. P. eingeschnitten hatte.
ROLINI, Giambattista, Pesaro 147 1. Lautenmacher.
ROMANI, Giulio Cesare, Rom 17..
ROMANINI, Antonio, Cremona 1705 1740. —
ROMANO, Pietro, Pavia 17.. Nach Vidal.
RONCHETTI, Domenico, [Link] Reggio 1760—69.
RONCHINI, Raffaello, Fano 18..
RONDANI, Ernesto, Turin 1884.
ROSA, Agostino, Rom 1795.
ROSIERO, Rocco, Cremona 1730. Wenige gute Arbeiten.
ROSELLI, Antonio, Sassuolo (Modena) 1798 1870. —
ROSIG, Paolo, Verolanova 1857. Bassmacher.
—
ROSSI, Giovanni, Pavia 1847 1858. Angeblich Schüler
von Pallota; seine Violinen und Kontrabässe sind sorgfältig
gearbeitet.
ROSSI, Enrico, Pavia * 1848. Sohn und Schüler des
vorigen. Gute Arbeiten im Stil der alten Meister.
ROSSI, Villelmo, Pavia * um 1875. Sohn und Schüler.
Enricos. Ebenfalls tüchtig.
ROSSI, Ferdinando, Modena 1880.
ROSSI, Gaetano, Mailand 18,. Tüchtiger Bassmacher.
ROSSIO, Giovanni, Rom 1901.
ROTA, Giovanni, Cremona 1805 t8io. Seine Arbeiten
Joannes Rota fecit sind nichts weniger als sorgfältig.
Cremone anno 18 . .
ROTELLA, Bcrnardino, Spoleto 1827. Geigenmacher.
ROVATl, Christoforo, Bazzano 1789. Belanglos u. selten.
ROSS |Rosc, Rosa|, John, London (Bridewell) 1562— 1599. Berühmter alt-
englischer Lautenniacher.
.
I05
ROVETTA (Rovelta), Antonio, Bergamo 1840— 1884.
Sorgfältige Arbeit im Stil der alten Meister.
RUB(IS?), Aug. (Ang..?) de, Viterbo 1763— 177 1. Ge-
Aug. de Rub. ab anima delectationem schickter Dilettant.
Fecit Yiterbi 1763
RUGIERI, Francesco, Cremona 1645 — 1700.
Die Fa-
Francesco Rugier detto il Per milie Rugieri nahm, gleich
Cremona 16- ^^^ Familie Amati, lange
Francefco Rugcr detto il Per
Crernona 3 ^^^
Zeit einen hervorragenden Platz in Cremona ein. Francesco
war der älteste Streichinstrumentenmacher der Familie seine ;
Werkstätte befand sich in der Contrada Coltellai Nr. 7. Er
war einer der besten Schüler und Nachahmer von Nicola
Amati und arbeitete bis 1720. Seine //-Löcher sind jedoch
kürzer, die Wölbung höher und das Modell breiter. Treff-
licher, leuchtender orange- bis sattroter Firnis, das Holz
gut gewählt. Der Ton ist schön und rein, wenn auch nicht
besonders gross. Francesco Rugieri hat wenige Violinen
und Violen hinterlassen, aber eine grosse Anzahl sehr guter
und schätzenswerter Violoncelli, von denen jetzt wohl keins
unter 7000 —
8000 M. zu haben sein wird.
Ein Violoncello: Francesco Rugieri detto il Per Cre-
monensis, fecit 1653 besitzt Frau Celestine von Oppolzer,
Wien. Ein Violoncello von 1694 besitzt Armin Friedmann,
Wien. Ein Violoncello: Francesco Ruggeri detto il Per in
Cremona 168 1 besitzt Dr. R. Hönigsberg, Wien. Eine Vio-
line von 1665: FRANCESCO RUGifeR DETTO
IL PER
CREMONA 1665, befindet sich im Regio Istituto Musicale
in P'lorenz (Nr. 330). Eine Violine von 1694 erstand 1896
Dykes-London auf der Auktion von Puttick & Simpson in
London für 31 £ (620 M.). Durch dieselbe englische P^irma
kam eine Violine desselben Jahrganges 1899 am 20. Dez.
an J.
Chanot in Paris. Graf Cozio di Salabue besass eine
Violine von 1684. Ein Violoncello von 1670 besitzt der
Advokat G. Callisto Giglioli in Mantua. Das Instrument
befand sich 1881 in der Mailänder Musik- Ausstellung.
Rudolf, . .. Augsburg 1412. Lautenmacher. Vielleicht nur der Taufnaiue.
io6
RUGIERI,Giacinto, Gio. Battista. Cremona 1666 1698; —
Giü Battista Rugier detto
il per Sohn und Schüler des vorigen
fecit Cremonae Anno 1666/7
Er verfertigte zumeist Violon-
Giacinto fiiio di Francesco und gebrauchte verschie-
celli
Rugier detto il per 1692 dene Holzarten. Das Modell
ist ziemlich breit und hoch gewölbt, der Firnis dunkelbraun
und der Ton ausgezeichnet.
RUGIERI, Vincenzo, Cremona 1695 — 1730. Sohn des
Vincenzo Rugier detto il Per Francesco. Seine Instrumente
In Cremona 16— ^^^ gutem Holz, gelbbraunem
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Lack, eignen ebensogut für Solospiel wie auch für
sich
Kammer- und Orchestermusik. Eine Viola da Gamba Vin-
cenzo Rugeri detto il Per in Cremona 1702 ist von hervor-
ragender Schönheit. Unter dem Griffbrett befindet sich
ein gemaltes Wappen. Saitenhalter und Hals nebst Wirbel-
brett, das in einem mit Diamantendiadem geschmückten
Frauenkopf endet, sind erst durch Paul de Wit, der
das Instrument öfters in Konzerten spielte, 1884 hinzugefügt
worden. Es hätte ebensogut als Violoncello ergänzt werden
können, denn der Bau, mit gewölbtem Boden und den
/-Löchern zeigt bereits die neue Violen-Form. Für die
Entwicklungsgeschichte des Violoncellos ist dieses Instrument
von grosser Bedeutung (Nr. 838). Eine Viola mittleren
Formates, mit schlangenartig gekerbten Rändern und dem
Zettel: Vincenzo Rugieri detto il Per Cremona 1690 war ein
Geschenk des Fürsten Lichnowsky an Beethoven und gehörte
zu dessen Streichquartett. Mehr als 20 Jahre war Beethoven im
Besitz dieser Viola, versah sie mit seinem Siegel und kratzte
eigenhändig ein B ein. Nach seinem Tode 1827 ging sie als
Eigentum an Karl Holz über. ^) Die Viola da gamba und die
Viola gehören jetzt dem Instrumentenmuseum der k. a. Hoch-
schule für Musik in Berhn-Ch. Eine Violine: Vincenzo Rugieri
detto ü Per in Cremona 1647 besitzt C. Kässmayer, Wien.
*) s. a. Nicola Amati.
RÜHLWANN, J. u. R., Die Geschichte der Bogeiiitistnimente,
insbesondere
derjenigen des heutigen Streichquartetts von den frühesten Anfängen bis auf die
heutige Zeit. Mit Atlas. Braunschweig 1882.
lo;
SACCHINI, Sabbattino, Pcsaro 1686. Schüler und Nach-
Sabbatiino Sacchini ahmer von Antonio Mariani. Er baute
da Pesaro, 1686 ausser Violinen auch schöne Pochetteii
(Taschengeigen).
SALINO, Giambattista, Rom 1760. Wenig hervorragend.
Sx\LO, Gasparo da, Brescia 1560 —1609. Nach Livis
Gasparo da Salö in Brescia.
archJvalischen Kntdeckungen
aus den Kirchenbüchern von S.
Agata in Brescia; '•'
um 1587, in Salo, einer kleinen Stadt
todaSafoJnBrefcia.
-'
y "
am Gardasee, in Brescia f 14. April 1609. Gleich Pales-
trinaund Viadana nannte er sich nach seinem Geburts-
Familienname war Bertolotti. Bis 1580
orte; sein eigentlicher
wohnte er zur Miete in der ,,Contrada del palazzo vecchio",
1588 kaufte er ein eigenes Haus in der „Contrada de le
Cocere" (jetzt via delle Cossere). Er heiratete Isabella ....
'"
1546 (der andere Name ist nicht angegeben). Da .seine
Instrumente grossen Beifall fanden und gut bezahlt wurden,
kaufte er 1599 ein neues Haus in der Strasse San Pieto
Martire und zwischen 1581 und 1607 erwarb er einige
Grundstücke in Calvagese bei Salo. Wie Gaspard Duiffo-
prugcar wird auch Gasparo da Salö häufig als der Erfinder
der Geige bezeichnet. Mit Sicherheit ist aber anzunehmen,
dass sie nicht ein Meister erdacht oder plötzlich erfunden
hat, die Form vielmehr das Ergebnis häufiger, eingehender
Versuche von mehreren darstellt, ein Instrument zu kon-
struieren von hellerem Klang und grösserem Umfang in der
Höhe, als ihn die alten Violen hatten. Immerhin ist Gasparo
da Salö einer der ersten Meister, von dem Geigen auf uns
gekommen sind, deren Echtheit zweifellos feststeht, und seine
Verdienste um die Ausgestaltung des neuen Instrumententyps
Berenzi, Ar., Di alcuni slrumeiili fabbiicali da (iasparo di Salo posscduti
da Ole Bull, da Dragonelti e dalle sorelle Milanollo. Brescia 1906.
Livi. Gio., Gaspaif da Salo o liuvenziojie del violino. (Da docunienti in-
editi.) In Nuova Antologia vol. 34. serie 3. 16. Aug. 1891 Fase. 16, Roiiin ^S. 663—681)
.
SÄLCHER, Hans, Augsburg 14.S3— 1484. Lauteinnacher.
io8
können nicht angezweifelt werden. Er war einer der grössten
Meister seiner Zeit und das Haupt der Brescianer Schule.'
Bemerkenswert ist, dass er, wie später auch Amati
und Stradivari, anfangs hochgewölbte Geigen baute und die
Wölbungen im Laufe der Zeit flacher nahm ; sie haben meist
kleines Patron, die Mittelbiegel sind flach ausgeschnitten, die
Ecken wenig vorstehend, die /-Löcher ziemlich weit, lang
und fast parallel laufend. Zu den Decken wählte er Fichten-
holz mit vollkommener Regelmässigkeit der Jahresstreifen. Da
derzeit die Geige ein neues, noch wenig eingeführtes Instru-
ment war, so ist es natürlich, dass Violen, CeUi und Bässe des
Meisters sich in grösserer Anzahl erhalten haben als Violinen.
Zu den Böden und Zargen der grösseren Instrumente
verwendete er meist Birnbaumholz, zu den Geigen nur Ahorn,
die technische Ausführung ist nach heutigen Begriffen nicht
besonders fein, die Reifchen sind nicht so glatt und sauber
eingelegt, wie das die späteren Meister zu machen verstanden.
Der Lack ist meist sehr dunkel, zuweilen von schöner Bernstein-
farbe. Der Ton seiner Geigen ist wohlklingend, doch nur wenig
ausgiebig und etwas verschleiert, die tieferen Saiten haben
Alt-Charakter. Seine Violen sind vollendeter und sorgfältiger
ausgeführt als die Violinen. Seine Instrumente sind künst-
lerische Reliquien, die im höchsten Grade die Chronik der
'
Kunst bedeuten. Mit Jahreszahlen versehene Zettel sind von
ihm nicht bekannt (ebenso wie bei Maggini),
Zwei der schönsten Violinen dieses Meisters waren
im Besitz von Ole Bull. Giovanni Bottesini in Florenz
besass einen schönen Kontrabass von. ihm; ein ebensolcher,
früher Dragonetti gehörig, befindet sich im städtischen Mu-
seum in Venedig. Eine Violine besitzt Fürst Moritz Lobkowitz,
Raudnitz bei Leitmeritz. Einige weitere Werke bewahrt das
Instrumentenmuseum des Konservatoriums in Paris, u. a. eine
kleine 6 saitige Viola da Gamba. Dragonetti war auch im
Besitz des 3 saitigen Instruments, das er dem Herzog von
Leicester überHess und das sich jetzt im South Kensington
Museum in London befindet. Einer der besten Kontra-
bässe dieses Meisters wurde in der Sammlung von Tarisio
gefunden und gehört jetzt Richard Bennett in Paris. Der
Violinvirtuos Rudolf Kreutzer spielte eine Geige, die 1788
Baron Bagge in Paris kaufte. In der Instrumentensammlüng
des Violinvirtuosen August Gentz, Berlin, befindet sich
<
109
eine Violine von Gasparo da Salö mit vollem, weichem Ton
und aus Nussbaumholz verfertigtem Boden; merkwürdiger
Weise ist sie mit einem Tieffenbrucker- Zettel versehen.
In demselben Besitz befindet sich eine originelle, gut er-
haltene Viola von Gasparo da Salö mit wunderbar er-
haltenem, gelbbraunem Firnis und vollem, kräftigem Ton.
Der Körper ist 41 cm lang. Eine sehr schöne Viola, ge-
schmückt mit doppelten Rändern, gehört F. Pingrie in Fafts.
Die ff sind fast parallel laufend und erinnern an die ff
des Violoncello von Andrea Amati. Die Länge des Kastens
ist 410 mm, die Breite des hohen Endes 212 mm und des
unteren Endes 260 mm. Ein Violoncello des Meisters be-
sitztder Virtuos Albrecht Löffler, Mitglied des Waldemar
Meyer-Quartetts in Berlin.
SALO, Francesco, * um 1565 in Brescia, f um 1614.
Sohn und Schüler von Gasparo da Salö. Man vermutet,
dass er nach dem Tode seines Vaters 1609 seine Kunst
nichts mehr ausgeübt hat. Wahrscheinlich hat er die Werk-
stätte an Giovanni Paolo Maggini, den Nachfolger seines Va-
ters, verkauft. Eine Lira di Gamba von ihm stellt, obwohl der
zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts angehörig, eine ältere,
violenähnliche Form der Lira dar. Die Decke ziert eine sehr
feine, aus dem Vollen heraus gearbeitete Rosette. Die Schall-
löcher zeigen noch die älteste Form. Das Holz der Decke
flacht sich in scharfen Kanten nach den Ecken zu ab, was
dem Instrumente ein eigenartiges Aussehen gibt. Höchst in-
teressantes und seltenes Stück. 1 1 Griffbrett- und 2 ßourdon-
Saiten. Gesamtlänge iio cm. Abgebildet im Katalog des
Musikhistorischen Museums von Paul de Wit, Leipzig(Seite9i,
Nr. 236), jetzt im Konservatorium der Musik in Köln a. Rh.
SALTINARI, Giacomo, Marano sul Panaro/Modena 1880.
SALVADORI, Giuseppe, Pistoja 1861. Belanglos.
SANGELIA {}), Lorenzo, Florenz 1777. Kommt selten vor.
SANONI, Giovanni Battista, Verona i68o(r)- 1740. Hohe
Wölbung, rötlicher Firnis, sorgfältige Arbeit.
SANTAGIULIANA, Vicenza und Venedig
Giacinto,
1770 —
1830. Seine Geigen sind nicht besonders gut.
SANTAGIULIANA, Gaetano, Vicenza 1804. GuteV'ccUi.
SANDYS, W. & S. .\. Forster. The historj- of the Violin niid othcr instru-
menls played on with the bow from the remotest times to the present, also au
;
accoiint of the principal makers. Dnglish and Foreign. London 186.1. With nu-
merou.s illnstrations.
HO
SANTE,Pcsaro 1670. Nach Vidal.
..,
SANTE [Santo], Giuseppe, Rom 1778. Belanglos.
SANTO, Bartolomeo di, Venedig 1536. Lautenmacher.
SANTO [Santi], Giovanni, Neapel 1 700— 1 740. Amatistil.
SANTO [Sanzo, SanzioJ, Santino, Mailand 1685 1700. —
Arbeiten im Stil Granzino's.
SAPINO d. h. Tannenholz.
• SARACENI Domenico, Florenz 1655.
[Saracini],
SARx\CINI, Giambattista, Florenz 1667. Sohn und Schüler
des vorigen. Als Geigenmacher belanglos.
SARDI, Venedig 1649. Mittelmässiger Violenmacher.
.
.
,
SASSI, Alessio, ..? 1784. Geigenmacher.
SAVANI [Scavani], Giuseppe, Carpi 1809. Bassmacher.
SCARABELLI, Agostino, Mont'Orso (Modena) 1884/94.
SCARAMPELLA, Paolo, Brescia *
1803, f 1870.
SCARAMPELLA, Giuseppe, Paris und Florenz * 1838
Giuseppe Scarampeiia in Brescia. Sohn des vorigen und
Fece in Firenze anno 1885 Schüler Bianchi's. Sehr geschickter
Nachahmer Stradivari's und Guarneri's, baute auch Instrumente
nach eigenem Modell. Rötlicher Firnis. Vorzügl. Reparateur
u. Konservator der Smlg. des Florentiner Konservatoriums.
SCARAMPELLA, Stefano, Mantua * 1843. Sohn Paolos
und Schüler seines Bruders Giuseppe. Ebenfalls tüchtig.
SCARDIGLI, Ettore, Siena 1889. [Lautenmacher.
SCHÖNFELD [Sconvelt], Nicola (Nikolaus), Bologna 15..
SCHWARZ, Giovanni, (Venedig) 1899. Neffe und Schüler
von Eugenio Degani.
SAVART, F., M<?nioire sur la constructioii des instruments ii cordes et k
archet. Paris 1818. Deutsch : Leipzig 1844.
SCHELLE [SchellJ, Sebastian, Nürnberg 1700—1745. Bedeutendster Nürn-
berger Lauten- und Geigenmacher seiner Zeit. In einer hochgewölbten Geige von
ihm in London (bei Withers) lautet der Zettel Sebastianus Schelle, Cremona 1701.
:
SCHÖNFELDER, Johann (Mark-)Neukirchen * 1750
Georg I.,1824. Einer -|-
der besten Geigenmacher dieser Familie. Seine Zettel vermerken als I^rsprungs-
ort Cremona Johann Georg Schoenfelder
:
Probe Violino coresp. Cremona
Fecit 17 . .
SCHOTT, Martin, Prag Nach seinen Instrumenten zu schliesseu,
1680. 1690.
ist auch in Italien gewesen, und seine Theorben, nach römischen Mustern
er
gebaut, werden sehr geschätzt. E. G. Baron, sagt in seiner Untersuchung des In-
struments der Lauten. Nürnberg 1727, S. 96: ,,Doch ist ... auch daselbst (in
Prag) einer, Martin Schott genannt, wegen der Romanischen Theorben, die er
vortrefflich nachgemacht, .sehr berühmt gewesen."
SCHULZE, Carl. Stradivari's Geheimnis. Ein ausführliches Lehrbuch des
Geigenbaues. Berlin 1896.
SCHWEITZER, Johann [Link], Budapest, • um 1798 in Wien, f 1865. Fügte
vielen Zetteln hinzu : „fecit ad formam Hieronymi Amati" (xler ,,ad formam
Antonti Stradivarii".
III
SCOTI, Antonio, Mailand 1733 — 1747. Eine grosse
Antonio Scoti Mandora: Milano 1747, mit 20 Saiten
Miiano 1747. und reicher Elfenbein- und Perlmutter-
arbeit, besitzt die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien.
Eine Mandoline von 1723 befindet sich im städtischen
Museum Braunschweig.
in [Valdrighi.
SCOTTO, .Verona 1 5 1 1. Geigen- [Link]. Nach
. .
SEGHER [Stegher?], Girolamo, Cremona * 1646. 1682.
Schüler Amati's.
SEGIZO [Segisso],Girolamo Maria, Modena * i
503 f 5 5 3.
i
Vermutlich auch Lautenmacher. [macher.
SELLAS. [Seelos?],Georgius, Venedig 1624. Lauten-
SELLAS, Matteo, Venedig 1600 —
1639. Einer der be-
deutendsten venezianischen Lautenmacher. Sein Ladenschild
lautete: ,,alla Corona", das er durch eine Krone oder als
Brandmarke andeutete. Eine Laute besitzt C. Claudius in
Malmö. Die Instrumenten-Sammlung Kraus in Florenz ent-
hält eine Mandoline, (Nr. 483), eine Guitarre, (Nr. 499)
und eine Theorbe, (Nr. 513). Das Liceo musicale in Bo-
logna besitzt eine Guitarre von 1639. Eine Basslaute war
1872 im South Kensington-Museum in London ausgestellt.
Im Instrumenten-Museum des Konservatoriums in Paris be-
finden sich zwei Lauten, (Nr. 230, 231). Das Instrumenten-
Museum des Konservatoriums in Brüssel enthält ein Chi-
tarrone; eine Chitarra battente (Schlagguitarre): ,, Matteo
Seilas, alla corona in Venetia", umgestaltet in eine gewöhn-
liche Guitarre mit gewölbtem Rücken, und auf dem Griff-
brett in Elfenbein eingravierten Landschaften, die Sammlung
des Erzherzogs Franz Ferdinand von Österreich-Este in Wien.
SENI, Francesco, Florenz 1634. Wenig bekannt.
SEXTA, Felicio (oder P^abrizio), Turin 17.. Lauten-
und Geigenmacher.
SERAPHIN,Santo,Udine, Venedig 1678-1735, *inUdine.
Sanctus Seraphinus Nicolai Amati Er war nach
Cremonensis Allumnus fabiebat. Udine A: 1680 seinen eie^enen
Angaben Schüler von Nicola Amati, aber in seinen Arbeiten
ist
nicht allein von diesem, sondern auch von Francesco Rugicri
und Jacob Stamer beeinflusst. /-Löcher und Schnecke ahmtf
er letzterem zeitlebens nach; die Wölbung ist hoch, das
Holz der Decke schön und der Boden schön geflammt. Er
Krwähjienswert ; Sanunhing Nicolas Seihof (Miisikalienliäiullen.
112
ist neben Montagnana der bedeutendste, venezianische
Geigeninacher und wird in der kunstvollen Ausführung der
Instrumente nur noch von Stradivari übertroffen. Der Firnis
^>v-3*4
Sant^us Scraphin
>.#>.: Utittcniis Fecit
Venelijs An 11.17
i*-?*fe^'
istvon grosser Schönheit, goldröthch, durchsichtig und leuch-
tend und trotz seiner Neigung, leichte Risse zu zeigen, einer der
schönsten, die es gibt. Der Ton ist hell und schön, aber nicht
besonders gross einige tragen seine Initialen in Elfenbein einge-
;
legt auf demBoden, andere eingebrannt. Sehr gut sind auch seine
Violoncelli undBässe, sie werden mit 3500 —
5000 Mk. bezahlt.
SERAPHIN, Giorgio, Venedig 1742 174. —
Enkel des
Georgias Seraphin, Sancti nepos Santo S., jedoch ohne dessen
fecit Vinetiis 1747
Bedeutung.
SER AS ATI, Domenico, Neapel (Mailand ?) 1 7 1 o— i / 50(7 5).
SGARBI, Giuseppe gen. Jarino, Finale nell'Emilia (Mo-
dena) 1841 —
1887. Geschickter Geigenmacher.
SIANI, Valentino, Florenz 1630 1640. —
SICILIANO [Ciciliano], Antonio. Venedig 1630 1660. —
Baute zumeist Lauten und Vio-,
Antonio Siciiiano in Venetia
len. Da er in Bologna geboren
war, nannte er sich auf seinen Zetteln auch kurz nur An- .,
tonius Bononiensis". Die erhaltenen Instrumente sind sorg-
fältig gearbeitet Und lassen ihn als tüchtigen Meister erkennen.
Ein Chitarrone von 1630 befindet sich im Instrum.-Museum
der kgl. akad. Hochschule f. Musik, Berlin-Ch. Professor
Fleischer beschreibt das Instrument ,, Chitarrone mit fünf ein
fachen ßasssaiten auf dem oberen Kragen von 1,6 m Länge
und 4 Sangchören von Metall auf dem unteren Kragen, wo-
SIBIRE, Abb<? Antoiue (* 1757). La Ch^lonomie ou le parfait luthier. (Paris
1806) (aufLupot's Unterweisungen fussend)
STKINHAUSEN. F. A.. Die Pliysiologfie der Bogenfuhrnnp auf den Streich-
instrumenten. I-eipzig iqo.v
113
von die höchsten je 3, der vierte Chor über nur 2 Saiten
hat. Die Rose ist sehr zierhch und ji^eschmackvolh Als
Kopfstück ein quadratisches Schild. Das Innere des Bauches
ist u. a. mit einem Dokument von i 522 ausgeklebt." (No. '/22?)
Im Instrumenten -Museum des Liceo musicale in lk)lo<Tna
befinden sich eine Viola da gamba und eine Bassviola;
in der Sammlung Correr in Venedig befmdet sich eine Viola
da gamba. Das städtische historische Museum in Frank-
Main besitzt ein Theorbe mit doppeltem Wirbelkasten.
furt a.
[Link], Venedig 1670 1680. Sohn des —
Antonio Bononiensis S. In der Instrumcnten-Sammlung dos
Marquis Correr in Venedig befindet sich eine \'iola da Gamba.
SIGISMONDO, Mastro, Venedig 1514. Deutscher Lau-
tenmacher, vergl. a. Sigismund Maler.
SIGNORINI, Serafinö, Florenz 1875. Geigenmacher.
SIMBALDI[Sinibaldi], Giuseppe, Rimini 1 741 N.X'aldriglii.
SIMONE, dal Liuto, Brescia 1580— 1588.
SIROTTI, 18.. Dilettant.
Nicola, Spilamberto
SMITH, Domenico, Mantua 1647. Lautenmacher.
SMOLKA,
Francesco, Rom 1849.
SNEIDER, Joseph, Tavia 1701 17 18. Deutscher Her- —
Joseph Sneider Papiae kunft. Schüler Nicola Amati's.
Alumnus Nicolai Amatisim Stile seines q^^^^ ^j-^git
Cremonae, fecit • wtw
Anno 1709
massig hohe Wölbung.
,
l^ehrers,
,
•
i 1
geschwungene /-Löcher, hübsche Schnecke, durchsichtiger
gelber oder hellbrauner Lack.
SOCCHI, Vincenzo, Bologna 1661.
SOCOL, Genua 18 Wenig bekannt.
Pio, . .
SÜLIANI, .\ngelo, Modena 1772 1810. Flaches Modell. —
Gute Arbeit, die anGuadagnini erinnert; Lack gelb oder rotgelb.
SONCINI, Luigi, Mont'Orso u. San Martino d'Este, 1831.
SORSANA Cunei 1736.
[Sursano], Spirito, Arbeiten
im Stile Cappa's und der Amati-Schule.
SOVERINI, .., Bologna 1883.
SPADARl. Francesco, Pesaro 1603— 1670.
SPxVDARI. Giovanni Pesaro c. 1721. Battista,
Sl^ADARO, Bertuccio, Messina 18..
SPILMAN, Dorigo, Venedig 15.. Lautenmacher.
SIMOCTRE, N B. Aux Amateurs du violoii, Historique, constructinn,
,
r6i)arallon et ionservati<jn de cet iiistr. Bälc 1SS3, 3. Aufl. Pari.s lyoo.
SMID. Rrhard, Pei'^senherg i nayern
1433.
SNOl-irK. C . nriissil. .Sehr vcrdiciitrr lusti [Link]. s. a. Stiaelen,
L-: V d. & c s.
N i e d er liei l in a II II - Vogel , Crciiioiia. 4. Aufl. 3
:
114
STAINER, Jakob, Absam in Tirol, 162 1,
* 14. VII.
Jacobus Stainer in Absom -1-1683. War nach dem
Kirchen-
prope Oenipontum 1659 i^^^^j^ Absams, welches in der
Kirche zu Hall aufbewahrt wird, der Sohn Martin Stainers
und Sabine Grafingers.^) Pate: Andreas Darnhofer. Mitpaten
Michael Pamperger und Johannes Grafinger, ein Verwandter.
Prof. J)r. F. Lentncr berichtet: „Höchst wahrscheinlich
ist es, dass der Hoforgelbauer Daniel Herz in Wilten, welcher
bei dem Landesfürsten Erzherzog Ferdinand Karl in hohem
Ansehen stand, auf die seltenen Gaben des Hirtenknaben
aufmerksam geworden, diesem in seiner Werkstätte die erste
Anleitung im Instrumentenbau gegeben hat. Lessing soll
gesagt haben: Entweder ist man Kü[Link], oder man ist es
nicht; ist man es, so besitzt man für alle Künste Eignung,
und nur zufällig hat man eine bestimmte Form künst-
lerischen Könnens besonders ausgebildet. Bei Jakob Stainer
trifft das zu. Er gehört nicht nur zu den genialsten Meistern
des Geigenbaues, er war auch ein vorzüglicher Geiger, ein
Bildschnitzer, ein Mechaniker, der in der technischen Aus-
') Lentner, Univ. -Professor Dr. F., Des Geigeuinachers Jakob Stainer's
Lebenslauf im Lichte archivalischer F"orschung.. Leipzig 1S98, (Paul de Wit).
Ruf, S., Jacob Stainer, der Geigenmacher in Absam, in Geschichte und
Dichtung. *2. Aufl. Innsbruck 1892,
Klar, K.. Der Konflikt des Geigenmachers J. Stainer mit der kirchlichen
Behörde 1669 (N. Tiroler Stimmen 1896).
STAINER, Marcus, Absam. Latifen,Kufstein 1647— 1660, ein Bruder von
Jakob, soll einem Mönchsorden angehört
Marcus Steiner
^^^ seinem Bruder in der Geigenmacherei
und
bürgerl. Lautten-
beigestanden haben. Auch er war ein
Geigenmacher in Kufstein tüchtiger Künstler. Der Virtuose F. M.
m yrol 1047. Veracini besas.s zwei Geigen von ihm, die
.. e^ o • er St. Peter und St. l'aul nannte, sie sollen
Marcus Stainer Burger u. ... , _ ,„,,
.
„ . . r • • die besten italienischen Geigen an Tonfülle
Geigen macher in Kuefstein ij- ..
...»,, . . ,^ T, , • •
, ubertroffeii haben (?). Veracini verlor
anno 1659 ,. ^ . ,^ .
^ x.^.t^.
. .. •
diese Geigen bei einem Schiffbruch im
niitlelländischen Meere etwa 1746. Eine Geige vom Jahre 16S3, die aus dem
Kloster Kenediktbeuren stammte, besass die Familie Lang in Hall. Mau kennt
vorzügliche Bratschen dieses Meisters; sie zeichnen sich durch schönes Holz,
dunkelbraunen, feurigen Firniss und einen weichen, grossen Ton aus.
Viele seiner Instrumente scheinen mit gefälschten Zetteln versehen zu sein.
Ein Andreas Stainer aus dieser Familie soll c. 1690 in Absam Violen tVi«)1a
di Baryton) gebaut haben.
j^- Stellung einer Jacob Stainer.
Jacob Stainer.
8*
IIÖ
führung seiner Instrumente unerreicht blieb. Er besass
auch gleich den grossen italienischen (icigenbauern den feinen
Kenneiblick, das geeignetste I lolz für seine Instrumente auf-
zufinden. Stainer bevorzugte das Holz der Ilaselfichte und
des geflammten Ahorns. Seine ersten Geigen brachte er
schon 1639 auf den Haller Markt. Holz und Arbeit waren
von tadelloser Schönheit, Lack und Farbenton noch nicht
so fein und gleichmässig wie bei den späteren Erzeugnissen.
Das Lackieren hat er ohne Zweifel von italienischen Geigen-
bauern gelernt, von denen immer der eine oder andere in
Innsbruck anwesend war, um bei den Instrumenten der Hof-
virtuosen nachzusehen".^)
1643 kam Stainer nach Salzburg, reparierte, wie das
Zahlmeister-Kassajournal ausweist, verschiedene Geigen der
hochfürstl. Instrumentenstube und verkaufte dabei eine sehr
gute Viola. Am 26. Nov. 1645 verheiratete er sich mit
einer armen Kleinbürgerstochter, Margarethe Holzhammer,
* 1624,
f 1693 in Absam; er hatte mit ihr ein Liebesver-
hältnis, das nicht ohne Folgen gebUeben war. Diese Ehe
wurde stärker mit Kindern gesegnet als seine Kunst mit
Gold, und die Familie geriet in Not und Schulden. Er
hatte 8 Töchter und einen Sohn, der schon als Kind starb.
1646 fuhr er nach Venedig, um Instrumenten-Materialien zu
kaufen. Im selben Jahre überreichte er dem Landesfürsten
eine Bittschrift, in der er sich untertänig anbot, Instrumente
für die Hofkapelle zu verfertigen; auch die Restschuld von
412 fl. seines Schwiegervaters Georg Holzhammer, gewesenen
Bergmeisters bei dem Salzberg, an das Tfannhaus ersetzen
und kompensieren zu lassen. Erzherzog Ferdinand Karl ge-
nehmigte diese Bitte mit Kameral-Resolution vom Juni 1646
an die Hofkammer in der gnädigen Erwägung ,, weilen
ohnehin des Kapellmeisters Johann Stadimayer Musikstube
mit Instrumenten zugerichtet und versehen werde, kein
Bedenken dawider 1647 reiste Stainer nach Kirch-
obwalte.'*
dorf in Oberösterreich, um seine Werkstatt vergrössern und
für seine Familie besser sorgen zu können, vielleicht über-
redet von dem jüdischen Händler Salomon Hucbmer, den
er auf den Haller Märkten kennen gelernt hatte und bei
dem er wohnte. Als Stainer wieder abzog, ohne die er-
hofften Geschäfte gemacht zu haben, musste er noch 24 Gulden
*) Aus dem Dokument a. a. O.
ir;
für Miete und Kost schuldig bjeiben, was ihm später einen
Prozesshandcl eintrug.
Im Mai 1648 besuchte Erzherzog Ferdinand Karl mit
seiner Gemahlin Anna, Grossherzogin von Toskana, drei Tage
das Halltal wurde auf Stainer aufmerksam und war von
,
dessen seelenvollem Geigenspiel entzückt; er Hess ihn mehr-
mals nach Innsbruck kommen, wo er bei Musikfesten als Solist
den grössten Applaus fand und zwar auch bei den italienischen
Virtuosen der fürstlichen Kapelle. Zehn Jahre später erst
wurde er vom Landesfürsten am 29. Oktober 1658 zum Hof-
musikus und erzfürstlichen Diener ernannt, womit das Recht
verbunden war, sich des Prädikates „ehrsamer und für-
nehmer Herr zu prävalierend.
Flrzherzog Ferdinand Karl starb am 26. Dezember 1662
an Lungenentzündung, sein Bruder Siegraund Franz löste die
italienische Hofkapelle auf und starb schon am 24. Juni 1(565.
Tirol kam an Kaiser Leopold I, und an diesen richtete
Stainer ein Gesuch um Bestätigung seines Titels. Dieser
Bitte entsprach der Kaiser durch Diplom vom 9. Januar 1669.
Solche Zeichen fürstlicher Anerkennung, vermochten jedoch
nicht zu verhindern, dass Stainer von den Jesuiten der
Ketzerei beschuldigt wurde und infolgedessen etwa ein Jahr
lang im Gefängnis zu schmachten hatte.
Er wurde nämlich im Januar 1669 vor dem fürsterz-
bischöflichen Konsistorium angeklagt, gemeinsam mit dem
Schneider Jakob Meringer lutherische Schriften verbreitet
zu haben. Das geistliche Gericht verurteilte beide. Sie
sollten im Büssergewande öffentlich abschwören, während
die Bücher verbrannt werden sollten. Letzteres geschah
auch am oberen Stadtplatz zu Hall, aber weder Stainer noch
Meringer waren zunächst zur öffentlichen Abschwöryng ihrer
Überzeugungen zu bewegen. Sic beriefen sich auf den west-
fälischen Frieden und das Toleranzedikt. Jetzt wurden die
beiden Angeklagten in das Stadtgefängnis in Innsbruck ein-
geliefert, um ihre Sinnesänderung durch den Pater Johannes
Podier bewirken zu lassen. Nach drei Unterredungen er-
klärten sich beide bereit, alles abzuschwören und Meringer
wurde bald aus der Haft entlassen, Stainer dagegen erst nach
längerer Zeit. Die Regierung hatte die beiden Angeklagten
nach Möglichkeit in Schutz genommen und auch verlangt,
dass Stain(T mit keiner Strafe belebt werden solle, <iie seiner
ii8
Ehre Diener ynd Hofgeigenmacher nachteilig
als kaiserlicher
sein könnte. Im Gefängnis nahm seine Gesundheit schaden,
er verliess es als gebrochener Mann, sein Hab und Gut
gerieten trotz alles Fleisses in Verfall und schliesslich umfing
ihn Geistesnacht. Sein Todestag ist unbekannt, aber ein
würdiges Denkmal (1898) verewigt den grossen Meister.
Dass er ein Schüler von Nicola Amati in Cremona
gewesen, ist nicht bewiesen, auch ist der Einfluss dieses
Meisters in den Arbeiten Stainers nicht festzustellen, wohl
aber legen sie beredtes Zeugnis ab von seinem grossen
Genie, das ihn zum grössten Meister der deutschen Schule
machte. Als Künstler schlug er seine eigenen Wege ein und
findet nur in Amati und Stradivari seines Gleichen. In der
technischen Ausführung ist er nie übertroffen worden und
hätte er nicht beharrlich an seinem selbstgeschaffenen hoch-
gewölbten Modell festgehalten, wäre er vielmehr der Form
der alten Brescianer gefolgt, so würde er vielleicht auch
an Kraft des Tones alle anderen Meister übertroffen haben,
wie ihm dies in bezug auf Schönheit der Ausführung in der
Tat gelungen ist. Charakteristisch für den damaligen, noch
im 18. Jahrhundert vorherrschenden Geschmack war die
eigentümliche, mehr flöten- als geigenartige Klangwirkung.
Stainers Geigen sind etwas breiter und kürzer als die der
Italiener. Die Decke höher modeUiert als der Boden,
ist
die /- Löcher sind kurz und laufen in kreisrunden Enden
aus; die Ecken treten weit hervor; der Hals hat oft statt
der Schnecke einen schön geschnittenen Löwenkopf; die
Schnecken sind ungewöhnlich weit geschweift. Der gelb-
rote Firnis ist unübertrefflich schön; oft sind der Boden und
die Schnecke, oder auch eins von beiden dunkelbraun ge-
beizt, während die übrigen Teile gelbrot lackiert sind. Mit-
unter hat er ein drittes Schalloch in Form eines Sterns
unter dem Griffbrett eingeschnitten, dann sind die /-Löcher
enger als gewöhnlich.
Seine VioloncelH haben das Modell der Kontrabässe, d. h.
die Oberzargen verbinden sich nach oben gebogen mit dem
Hals des Instrumentes.
Man kennt Stainer-Geigen nach dreierlei Modell, grössere,
mittlere und kleinere; der Charakter der Bauart ist aber
bei allen derselbe. Als Stainer auf der Höhe des Schaffens
stand, wurden seine Instrumente mit 40 Fl. und höher be-
ii9
zahlt*). Die ersten Schüler von ihm waren Egidi Klotz
aus Mittenwald und Christof Klingler aus Rettenberg, auch
Matth. Albani wird genannt. Stainer's Ruhm veranlasste
schon bald nach seinem Tode zahllose Nachahmungen und
Fälschungen, sogar Klotz versah seine besten Arbeiten mit
dem Namen Stainers. Das Modell diente nicht nur in Deutsch-
land und England als alleiniges Vorbild, selbst in Frank-
reich und auch in Italien war der Einfluss bemerkbar, z. B.
bei den Arbeiten von D. Tecchler und der Römischen
Schule. In deutschen Landen stand er in höherem Ansehen
als die grössten italienischen Meistern. Echte Stainer-Geigen
sind äusserst selten und kommen im Handel noch weniger vor
als solche von Stradivari. Bei der Aufhebung der Klöster
—
(1782 90) unter Josef II. gingen viele Stainer-Violinen, die
man daselbst vorfand, ins Ausland, besonders nach Eng-
land. Bekannt sind nur handschriftliche Zettel.
Eine Viola, vierseitig, in Violinform, also der modernen
Jacobus Stainer in Absom Bratsche gleichend, aber von
prope Oenipontum An. 1678 weit grösserem Format und
hierin der Ritter'schen Viola alta ähnlich, mit geschriebenem
Zettel befand sich lange Zeit auf dem Schlosse zu Rudol-
stadt als Bestand der Instrumente der fürstl. Hof kapeile.
Wegen ihrer Grösse Hess sie sich aber schwer verwenden,
und so wurde sie mit der Zeit nicht mehr benutzt. Jetzt
im Konservatorium der Musik in Köln a. Kh. (Sammlung
de Wit.)
Eine Viola da gamba, s. Zt. noch als Violoncello um-
gearbeitet, höchst wahrscheinlich ein Werk Jakob Siainer's,
dessen charakteristische /-Löcher und auch sonstige Merk-
male CS aufweist, ^6 cm lang, vorzüglich erhalten, ist im Kon-
servatorium der Musik zu Köln a. Rh. (Samlg. de Wit). Ein
K'bass von Jakob Stainer war ehemals auf dem Kirchencho?
in Hall, jetzt im Innsbrucker Ferdinandeum. Das .Salzburger
Carolino-Augusteum besitzt eine sehr schöne Viola d'amore
von 1661 mit Amorkopf am Halse, ein Gesckenk der Frau
Pichler; ebenso das Priesicrhaus daselbst eine Staincrvioline
von grösserem Format und ein Violoncello. Eine Geige
*) Riedel , Joliann . Archivalische Notizen, Jahresbericlit tles Salzburgei
Museums 1858 , . . . Bald nach Stainers Tode wurden die Preise, welche er in
Gulden für eine Viola 30 Fl., ein Violoncello 63 FI., eine Violine 75 Fl.,
erhielt,
laut Inventar des Hnller Danienstiftes in Dukaten bezahlt und stiegen in der
—
Folge bis auf 100 200 Dukaten. Jene mit d^ui schönpcschnitzlen Löwenkopf ode»
dem Amorkopf niil der Binde, letzten- mfjsl Violen, wartn brsondrrs ijcschätzl
1 20
A. 1645, bestens erhalten, gehört Herrn Hämnierle in Wien,
ebenso eine von 167 1.
Ein Baryton, Viola da Bordone: Jacobus Stainer
in Ab-
sam, prope Oenipontum 1660 mit 7 Spiel- und 10
Zupf-
saiten, 2 geschnitzten Köpfen, dem eines
älteren Mannes und
daneben dem eines Junglings, hat Fürst Esterhäzy,
Eisen-
[Link] Geige: Jacobus Stainer in Absam, prope
Oeni-
pontum i66i, schön erhalten, befindet sich in der Sammlung
des Erzherzogs Frz. Ferd. von Österr.-Este in
Wien. Eine
Viola da Gamba, als Violoncello eingerichtet
von Jacobus
Stainer in Absam, prope Oenipontum
1665, besitzt Ritter
von Kronenfels, Baden bei Wien.
Eine Geige von 1659 gehörte nacheinander den
Königen
Georg III., Georg IV. und Wilhelm IV. von England, sie ge-
li
Jakob Stainer, Innsbruck 1672
im Resilz voti Dr. Heinr. Groeben in Wien.
121
langte nachmals mit der Instrumenten-Sammlnng von Franz
Kramer London zur Versteigerung. Das Kloster Adniont
in
besitzt zwei Violinen von 1669 und 1675, das Stift Fiecht
eine Violine, Stams einen K'bass von Stainer. Kino be-
rühmte Viola gehört A. F. Donkin in London, ehemals dem
(.Trafen Eine schöne Violine von 1658 aus der
Castelbarco.
Instrumenten-Sammlung Wilmotte in Antwerpen gehörte
O. Vormbaum in Frankfurt a. M., sie hat kleines Patron und
gelben Lack. Der verstorbene kgl. Kammervirtuos Siegert
in Radebeul bei Dresden spielte eine Stainergeige; eine von
1669 spielt Hof-Konzertmeister und Violin-Virtuos Jacques
Weintraub, Berlin. Die nebenstehend abgebildete schöne Geige
mit dem geschriebenen Autor-Zettel Jocobus Stainer in Absom :
prope Oenipontum 1672: besass Dr. Anton Gröber, jetzt
seinem Sohn Dr. Heinrich Gröber in Wien gehörig. Der Kopf,
die Schnecke, wie auch der ganze Wirbelkasten sind mit
einer Einfassung von abwechselnd schwarzen und weissen
viereckig geformten Teilchen aus Ebenholz und Elfenbein
verziert; unvergleichlicher Goldfirnis; Masse:
Länge d. Schnecke 4 I
Länge d. Zarge 3
Wirbelkastei 7,5 I
,, ,, Halses 13
Löcher . . .
71,, ,, Saitenhalters . . .11,5
Decke . . .
35»3 ;
n n Griffbrettes. . . . 26,4
Bodens . . 36 Breite der Decke oben . . .16,5
Rückens . .
36 !
,, „ „ unten . .20,5
STANZA, Giuseppe, Venedig, 168 1 — 1683. Ein Schüler
von Nie. Aniati.
STATLER, Andrce, Genua 17 15.
STFiGHl^IR (Segher, Stegner], Magnus, Venedig 16..
STEPHANNLS gen. Nepos,Cremona i 507. Lautenmacher.
STORINO (Percgrinio?), Giovanni, Lucca? 1725.
STORIONI, Lorenzo, Cremona f um 1800. Der
* 1750,
Laurentius Storioni Fecit letzte Cremoncser Meister
Cremonae 1781 ^.^^ einigem Rufe, dessen
Laurentius Storioni Cremonensis Instrumente aber den Nie-
fecit Anno 17 .
dergang der Cremoneser
STEINER, Jo)iaiines Anton (Mark-)Nenkirchen (?) Johannes Anton Steiner
1760 — 1773. Gewöluiliclie voglländer Arbeit, unscliöncs Musikus-Instrumentalis
Modell, fingierter Ursprungsort. Caresp. Cremona 1760
STELZNER, Dr. phil. Alfred. Hresden 1895. Bekannt durch seine Hc-
strebungen ..das Geigcnniachen zu reformiercu".
122
Kunst erkennen lassen. Er scheint viel experinnentiert zu
haben, arbeitete nach einem grossen, an Josef Guarneri er-
innerndenJtodelLiuidJiatt£_^^ /-Löcher
I LaiiPeiitiixs Sxc^nöni fecit
Cremen^ I 7^c.^
^'\.
nach Richtungen hin zu verlegen. Der Lack ist dunkel-
allen
braun, auch gelb, und mehr von Neapolitaner als Cremoneser
Art, der Ton seiner Instrumente rein und schön. Vieuxtemps
spielte eine Zeitlang in Konzerten eine Storioni -Geige,
die ganz vortrefflich klang und die Aufmerksamkeit auf
sie lenkte. Eine sehr gute Violine. Laurentius Storioni
fecit Cremon-^ic 1771 gehörte dem Professor Stephan Wahl
in Wien, jetzt im Besitz der Grossherzogin Alexandra von
Mecklenburg-Schwerin, seiner ehem. Schülerin.
Storioni-Geigeij werden jetzt bis 5000 M. bewertet.
STRADIVARI, Antonio, Cremona * 1644, f 1737. Der
Antonius Stradivarius Creinonensis grösste Künst-
Faciebat Anno 17- A'S l^.,. ^^ter den
Antonius StradiuariusCremonensis Alumnus A Geigenbauern,
^ Nicolaij Amati, Faciebal Anno 1666 dessen Ruhm
den aller an-
REVISTo e GORRETTO DA. Me
ANTONIO STRADIVARI deren über-
IN. CREMONA 1681 strahlt. Mehr
als tausend In-
Antonius Stradivarius Cremonensis
faciebat anno .... strumente hat
er uns hinter-
Antonius Stradivarius Cremonensis
faciebat anno 1716
lassen, wovon
jedes ein Mei-
Sotto la Disciplina d'Antonii. sterstück ist.
Stradiuari F. in Cremona 1737
Stradivarius
wurde in der Stadt Cremona geboren und stammte aus
einem angesehenen Geschlecht, dessen Name früher
Stradiverti (Stradiverdi) geschrieben wurde. Schon 11 27
123
'
if5,n^/rj^^
^ i
tri
//-Stellung: einer Antonio Straciivari von 1707.
Antonio Siradivari.
124
bekleidete ein Ottolinus Stradivarius die Würde eines
Senator patriae", desgleichen 1168 Egidius Stradivari. Um
,,
die Mitte des XIV. Jahrh. werden zwei Rechtsgelehrtc
Grisandro und Guglielmo Stradivari erwähnt.*)
Jp5cieta.t Anno
Das Jahr ist in den Registern der Stadt
seiner Geburt
nicht aufzufinden;würden darüber im Dunkeln sein,
wir
wenn sich nicht zufällig in einem seiner Instrumente vorn
Jahre 1737, und von seiner eigenen Hand geschrieben, die
Notiz fände „d'anni 93" (Alter 93 Jahre). Demnach ist
Stradivari * 1644. Sein Vater war Alessandro Stradivari,
* 15. I. 1602, seine Mutter eine geborene Anna Moroni,
Die Geigenbaukunst erlernte er bei Nicolo Amati,
heiratete 1667 Francesca Feraboschi, die Witwe
am 4. Juli
von Giovanni Giacomo Capra, von dem sie eine Tochter,
* 2p. IV. 1663, mit in die Ehe brachte. Francesca gebar
Stradivari 6 Kinder und f am 25. Mai 1698. Die aus dieser
ersten Ehe entsprossenen Nachkommen waren 4 Söhne:
Francesco * 6. IL 1670,
f 12. II. 1670; Francesco * [Link]. 167 1,
Genaueres über die Fatnilienbeziehuiigen des Stradivari berichtet:
Lombardini, Paolo, Cenni sulla celcbre scuola Cremonese degli stnimenti ad
arco, non che sui lavori e sulla famiglia del somnio Antonio Stradivari." Cremona 1S72.
Sacchi, Federigo, La storpiatura del Cognome Cuarneri. Provincia, giornale
di Cremona, 9. April 1892.
Mandelli, Alfonso, Nuove Indagiui su Antonio .Stradivari. 23 Incisioni e
4 Fac-Simili. Milano 1903. Veröffentlichte von Antonio Stradivari einen Kupfer-
stich nach dem üelbilde von A. Mouilleron (tfewidmet dem Herzog von Bramante),
ein zweites von A. Rinaldi. Nach dem Original von Antonio Campi gemalt,
Cremona 16^1 eine Wiedergabe unter der Zusammenstellung S. 145,
Fitis, I'\ J.. Antoine Stradivari liithier cclebre, connu sous le nom de Stradi-
varius, prec<5dc de recherches bist, et crit. s»ir l'origine et les transformations des
Instruments ^ archet et suivi danalyses etc. Paris 1S56.
The Salabue Stradivari. A historA- and critical description of the famous
violin, commonly called ,,Le [Link]". London 1891. Hill ä. Sons,
Hill, W. Henry, A. F. and A. E. Hill, Antonio Stradivari, his Life and work.
(1644 —
1737). with an introductory note by Lady Huggins. London 1902, Hill & Sons.
An der Hand vieler Beispiele wird darin au^ das stetige Steigen des Wertes der
,,Strads" hingewiesen. Auf Grund weitgehender Nachforschungen konnten die
Herausgeber feststellen, dass es annähernd 540 Violinen, 12 Violen und 50 Violon-
celli gibt, deren Echtheit feststeht. Eine vollständige Liste aller Strads konnte
freilich nicht angefertigt werden, da viele angebliche Besitzer die Antwort auf
diesbezügliche Anfragen schuldig blieben. Vergl. auch die Zusammenstellung
einer Anzahl Cieigen, Violen und V'celli von Stradivari am Schlüsse dieses Buches.
The Grevillc Stradivarius of 1726. New York 1S80.
Description du supcrbe violon de Stradivarius. dit ,.r.c Mercurc". Brüssel
iSyj (Verf. Mougenot).
125
f II. V. 1743; Alessandro 25. V. 1677, f 26. I. 1732
=•
(wurde Priester); Omobono * 14. XI. 1679, f 8. VII. 1742;
und 2 Töchter: Giulia Maria *'
23. XII. 1667 (heiratete am
21. XII. 1688 den Notar Giovanni Angelo Farina) 77. VIII. 1707;
Caterina * 18. II. 1674, ledig f 30. VIII. 1748.
Seine zweite Frau Antonia ZanibelH, die 4 Jahre älter
war als er, heiratete Stradivari am 24. VIII. 1699, von ihr
hatte er 4 Söhne und i Tochter: (iiovanni Battista Giuseppe
* 6. XI. 1701, *
f 1702; Giovanni Battista Martino 11. XI. 1703,
* 27.
f [Link]. 1727; Giuseppe X. 1704, f 29. XI. 1781 (wurde
Geistlicher); Paolo * 26. I. 1708, f 19. X. 1776 (wurde Kauf-
mann) und Francesca * 19. XI. 1700, ledig f 12. II. 1720.
Der Violinist Polledro (1781 — 1853) in Turin erzählt,
dass sein Lehrer persönlich mit Stradivari gut bekannt ge-
wesen sei; er beschreibt ihn als einen grossen hageren Mann,
gewöhnlich habe er eine weisse Mütze von Wolle oder
Baumwolle aufgehabt. Bei der Arbeit, und er arbeitete
immer, habe er eine Schürze von weissem Leder getragen.
Sein Haus war am Platze St. Domenico (jetzt Piazza
Roma No. i) gelegen, in dessen IVIitte die Kirche St. Domenico
stand, und ist auch heute noch wohlerhalten, Stradivari
kaufte es 1680 von den Gebrüdern Picenardi für etwa
20000 lire. Seine Instrumente erfreuten sich schon damals
eines sehr guten Rufes, der ihm zahlreiche Bestellungen, auch
von den Höfen ganz Europas einbrachte.
Da Stradivari seine Geigen nicht unter 4 Louisd'or ver-
kaufte, so erwarb er sich ein schönes Vermögen. Reich wie ,,
Stradivari" war eine Redensart der PZinwohner von Cremona.
Antonius Stradivari f 18. XII. 1737 im hohen Alter von
fast 94 Jahren und wurde in der Rosenkranz-Kapelle der
Kirche St. Domenico in Cremona, wo er bereits im Jahre 1729
einen Familien-Begräbnisplatz gekauft hatte, beigesetzt. Leider
wurden seine Gebeine beim Abbruch der Kirche im Jahre 1869
achtlos in ein Massengrab geworfen. Über seinen Tod be-
sitzen wir folgende zwei interessante Nachrichten aus dem
Nachlasse des Abbate Lancette: zwei Briefe des (trafen
Cozio de Salabue an Paolo, den jüngsten Sohn von Stradivari.
In dem ersten heisst es: „Es freut mich, den genauen Nach-
weiss von Ihnen zu erhalten, dass die Kirche, worin Ihr
Vater beerdigt wurde, die S. Domenico-Kirche ist", und in
dem andern, ein Jahr später datierten: ,,Ich habe mich mit
126
Ausschluss jeden Zweifels überzeugt, dass Stradivari 1737,
beinahe 94 Jahre all, in Cremona gestorben und in der Kirche
S. Domenico begraben ist.'* Der Grabstein mit der Inschrift
„Sepoloro di Antonio Stradivari e suoi Eredi An. 1729" wird
im Rathause zu Cremona aufbewahrt.
Da genügende Nachrichten über den grossen Meister
fehlen, so müssen wir das meiste aus seinen Instrumenten,
lesen, und diese geben uns einen befriedigenden Einblick in
seinen Lebenslauf.
Dass Stradivari ein Schüler von Nicok) Amati gewesen
ist, beweisen seine Arbeiten aus der ersten Periode seines
Schaffens. Ausserdem bezeugt Andrea Guarneri, dass
Stradivari, ebenso wie Francesco Rugieri, ein Schüler von
Nicolo Amati gewesen ist. Ferner fand Chanot-Chardon,
ein Pariser Fabrikant von Musikinstrumenten, im Nachlass
seines Vaters ein Autograph von Stradivari: „Gemacht im
Alter von 13 Jahren in der Werkstätte von Nicolo Amati".
In den ersten Jahren, nachdem Stradivari die Werkstatt von
Nicolo Amati verliess — es muss dies zwischen 1665 und
1670 gewesen sein — , sind seine Instrumente in voll-
ständiger Übereinstimmung mit denen seines Lehrers. Später
gibt er der Schnecke eine kühnere Form, er macht sie
breiter und sticht sie etwas tiefer aus. Die Instrumente aus
dieser ersten Zeit haben wohl klangbares, aber kein schönes
Holz. Für die Decke verwendete Stradivari klarjähriges
leichtes Fichtenholz, für den Boden nach dem Spiegel ge-
spaltenes Ahornholz. Während die Amati ihren Instrumenten
bis 2 cm Brusthöhe gaben, wölbte Stradivari die seinen nur
1,4 bis 1,5 cm. Er strebte damit vor allem eine grössere
Klangfülle an in der richtigen Erkenntnis, dass nur eine stär-
kere Decke einen stärkeren Klang erzeugen könne, dass aber
bei höher gewölbten Decken das Holzquantum geringer werde.
Die nächste Periode von 1686 — 1694 ist die der Experi-
mente. Die Wölbungen werden flacher, die /-Löcher eleganter
und weniger steil, der Ausschnitt der Mittelbügel ist ausge-
dehnter als in seinem späteren Modell, die Ecken länger.
I
Das ganze Instrument wird grösser und die Schnecke auf-
fallend kräftiger. Der Firnis ist verschieden gefärbt, oft von
einer glänzenden Goldfarbe, heller oder dunkler, oft hellrot
und zwar die letztere Farbe meist bei den Instrumenten,
deren Boden eine Mittelfuge hat. Die Reifchen sind schmal.
127
Dann kommt eine Zeit, etwa 1693, wo Stradivari ein
längeres Patron wählt, das sogen, patron allonge. Es ist
schmaler in der Mitte und erscheint dadurch länger, es
entsteht das sogen, „amatisierte Patron". Die Farbe des
Firnis variiert zwischen bernsteingelb und hellrot, ist aber
stets von der schönsten Klarheit. Diese allongierten Geigen
klingen ebenso schön wie die anderen und tragen im Ton
die gleiche verschleierte Klangmischung, was man bei der
Verschiedenheit der Modellierung kaum für möglich halten
sollte.
Für den spanischen Hof fertigte er 1687 ein Quar-
tett, mit Elfenbein-Einlage verziert, wovon eine Geige später
in den Besitz Ole Bulls gelangte. Auch lieferte er um
diese Zeit einige Taschengeigen (Pochettes) mit ähnlichen
Verzierungen, wahrscheinlich auf besondere Bestellung. Eine
der ersten bekannten Geigen, welche mit Elfenbein-Einlage
geziert sind, gehörte Louis Rode, jetzt im Besitz eines eng-
lischen Sammlers. Einige der besten Instrumente Stradivaris
verdanken ihre Existenz einem besonderen Auftrage, so
z. B. die für den Hof von Toscana angefertigten, wovon eine
schöne Geige von 1690 von W. E. Hill & Sons in London
an den Sammler Brandt daselbst verkauft worden ist. Die
genaue Beschreibung und merkwürdige Geschichte dieser
prachtvollen Geige findet man in einer der Publikationen
Hills über berühmte Meister und Instrumente, betitelt: ,,The
Tuscan"*), London 1891. Sie wird für eins der Instrumente
gehalten, die 1684 und 1690 an Cosmo von Medici geliefert
wurden. Stradivari schuf auch Instrumente für den Herzo^^
Alba, für den Hof von Spanien (1687), für August, König von
Polen, und für den Hof von Modena.
Mannigfache Zeichnungen von seiner Feder z. B. in der
Dalla Valle-Sammlung in Turin beweisen, dass er ein aus-
gezeichneter Zeichner war. Einen anderen Beweis gab er
in seiner Arbeit „Armi che ho fatto per ^ istrumenti per
il (iran Principe di Toscana".^} Von seiner Hand geschrieben
und mit Zeichnungen der Wappen des Grossherzogs Cosimo
de Medici geschmückt (1690). Das Original befindet sich im
Regio Istituto musicale in Florenz.
*) The Tuscaii, A Short accouut of a violiii by Stradivari made for Cosimo de
Medici, Grand duke of Tuscanj-. Londou 1891.
") Die Wappen, die ich ffir die Instrumente des Grossherzogs von Toskanu
gemadit habe.
128
Voll Erfahrung nach diesen experimentalen
reicher
Arbeiten, tritt Stradivari etwa 1700 in seine goldene Periode,
die bis 1725 währt. Die höchste Meisterschaft ist erreicht,
er ist 56 Jahre alt.
Die Umrisse sind verbreitert, die Wölbungen vereinigen
sich nach allen Richtungen zu den schönsten Linien. Das
Material ist aufs sorgfältigste gewählt. Die Schnecke ist
sauber, aber weniger tief ausgearbeitet. Der Firnis ist von
bester Qualität, zart und geschmeidig, leuchtend. Bei alle-
dem ist nicht zu verkennen, dass nicht ein Instrument genau
wie das andere gearbeitet ist. Es kommen Abweichungen vor
in der Dicke des Bodens und der Decke, in der Abrundung
des Modells, in der Lage der /-Löcher, ein Beweis, dass
Stradivari mit weiser Absicht so gebaut, je nach der Festig-
keit des Holzes oder dessen akustischen Eigenschaften.
Was dem Meister als Ideal vorgeschwebt haben mag:
den wuchtigen Ton der Brescianer mit dem lieblichhellen
Klange der Amati zu verbinden, das hat er in dieser Epoche
seines Wirkens in glänzender Weise zur Tat gemacht.
„Stradivari nahm zur Decke das leichteste, klarjährigste
Holz. Die Wölbung bildete der Fuge entlang eine sogenannte
Kettenlinie, wie auch die Querprofile der Decke Ketten-
linien bilden. Die Deckenstärke beträgt in den Backen 2,5 mm,
an der Stelle des Stegs (in der Brust) 4 mm. Der Durch-
messer des kleinen Schallkreises misst 40 mm; der Mittel-
punkt befindet sich in der 1^'uge unter dem Steg; 3,5 davon mm
entfernt nach oben ist der Mittelpunkt des grossen Schall-
Ovals, das 95 mm
lang und 70 mm
breit ist. In diesem Oval
ist die Decke 3,5 mm
stark. Zum J^oden nahm er schönsten
Ahorn, nach dem Spiegel gespalten; die Brusthöhe be-
trug wie bei der Decke, 14 15 mm. — Die Stärke des
Bodens schwankt oft und geht bis zu 6 mm. Die Zargen
sind so hoch wie die Wölbung von Boden und Decke zu-
sammen, also 30«im, so dass die [Link]öhe 60 mm beträgt.
Dieses Mass suchte er jedenfalls immer zu erreichen, denn
wenn er die W()lbung etwas flacher nahm, machte er die
Zargen um das Fehlende höher; war die Decke höher, dann
nahm er den Hoden Hacher, um die lesamthöhe von 60 mm
(
zu erreichen. Die Höhen der Oberzargen verringerte er
um 2,5 mm, wahrscheinlich um der kleineren Luftkammer
ein entsprechend geringeres Voluijien zu verschaffen (Riechers
129
meint, um
der Decke eine Spannung zu verleihen und dem
Halse den nötigen Widerstand zu gewähren). Dem Innern
wandte er die gleiche Sorgfalt zu wie dem Äusseren, viel-
leicht sogar noch mehr; es wird daher auch kein Zufall sein,
dass er die Klötze aus leichtem Weidenholz machte. Der
Bassbalken ist schwach und hat den Anforderungen, die zu
den Zeiten des Meisters an eine Geige gestellt wurden, auf
das Beste entsprochen, muss aber freilich heutzutage durch
einen stärkeren ersetzt werden. Die unteren aus«jestochenen
Lappen der /-Löcher sind in ihrem edlen Seh .ung unüber-
trefflich; die Hohlkehle ist 4 mm vom Rand entfernt und
flach. Die Schnecke ist voll in der Form und nicht mehr
so tief ausgestochen wie in der zweiten Periode. Am Boden
befindet sich oben und unten ein Ahornstift, der zur Hälfte
in die Einlage gebohrt ist, um den Boden auf die Form
zu heften. Der goldgelbe Grundlack ist mit einem hell-
roten Lack überzogen und wirkt jetzt etwas bräunlich. Er
ist von schönstem Feuer, weich und elastisch und hat. oft
die Eigentümlichkeit, das.s er heute noch, wenn man den
Finger länger darauf ruhen lässt, den Eindruck der Haut-
linien zeigt. Das Gesamtgewicht einer Stradivari-Geige be-
trägt ohne Wirbel, (rriffbrett und Saitenhalter 260 275 gr. —
In der Hauptsache zeichnet sich das Modell durch die Ver-
breiterung des unteren Teiles und eine relative Verengerung
des mittleren Teiles aus, was dem Ganzen ein elegantes
Aussehen verleiht. Die Umrisse sind am Ansatz des Halses
und beim Saitenhalter nur wenig gekrümmt und scheinen
in der Mitte der ) ( fast ganz gerade; die Ecken sind vor-
springend und breit. Die /-Löcher, die ihre Abstammung
von Amati noch erkennen lassen, sind klein und fein ge-
schnitten und stehen etwas geneigt, um den Raum zwischen
den oberen runden Enden zu verringern. Im einzelnen ge-
stattete er sich noch immer kleine Abweichungen, die wohl
durch die Eigenschaften des ihm jeweils zu Gebote stehenden
Materials veranlasst und diesem angepasst wurden." Vgl
V. Lütgendorff, Geigen- und Lautenmacher (mit zahlreichen
Abbildungen).
Der letzten Periode des Meisters, 1725 —
1736, merkt
man die Abnahme der Kräfte an. Die sichere Hand lässt
allmählich nach andere Jiände helfen ihm anscheinend bei
der Arbeit, während er sonst von seinen Gehilfen nur unter
Niederheitmann Vogel, Creraona. 4. Aufl.
-
I30
geordnete Vorarbeiten machen Hess. Zwar ist das Ge-
schaffene noch ausgezeichnet und durch Tonfülle hervor-
ragend, aber die Vollkommenheit der Arbeit ist nicht mehr
die frühere. Wer aber half ihm bei der Arbeit? Man sollte
denken, es müssten seine Söhne und sein treuer Gehülfe
Carlo Bergonzi gewesen sein, und doch gleichen deren selb-
ständig verfertigte Werke in vieler Beziehung nicht den
Instrumenten des Meisters von 1725 —
1736. Jedenfalls hat
er sie also in der Hauptsache eigenhändig hergestellt. Der
Firnis dieser letzteren Instrumente ist braun und weniger
durchsichtig als der frühere. Eine kleine Zahl trägt die
Bezeichnung: „sub disciplina", oder „sotto la disciplina di
Antonio Stradivari", woraus erhellt, dass er streng darauf
hielt, nur dasjenige mit seinem Namen zu bezeichnen, was
er selbst gemacht hatte, wogegen er die letztgewählte Be-
zeichnung denjenigen Instrumenten zufügte, welche von
seinen Gehülfen unter seiner Aufsicht verfertigt wurden. Bei
einigen Geigen, die noch den ursprünglichen Hals besitzen,
findet man daran die Buchstaben P. S., die man mit Paolo
Stradivari deutet, dem Namen von des Meisters jüngstem
Sohne, der aber Tuchhändler war und die Hinterlassen-
schaft veräusserte.
Die wenigen Bratschen, welche Stradivari anfertigte,
unterliegen nicht alle den Wandlungen, welchen die Geigen
ausgesetzt waren. Sie haben ein grosses Patron und sind
unübertroffen in jeder Beziehung. Auch gelegentlich aus-
gebessert hat er, wie der Zettel in einer Viola beweist:
Corretto da me Antonio Stradivari.
Vidal erwähnt eine herrliche Bratsche in der Sammlung
des Herzogs von Camposelice (f 1887) in Paris; sie enthielt
2 Bratschen von Stradivari (ein seltenes Besitztum), eine von
Gasparo da Salo und eine von Nicolo Gagliano.^) Eine
Bratsche von 1690 besitzt das Istituto musicale in Florenz,
eine andere Robert v. Mendelssohn in Berlin.
Die Violoncelli wurden von Stradivari in zwei Grössen
*) Die Camposelice-Sammlung ist der Aufzählung wert. Sie umfasste ausser
den oben genannten Instrumenten 5 Geigen von Giuseppe Guameri del Gesü,
3 Geigen und 2 Celli von Antonio Stradivari, i Geige von Pietro Guameri, i Geige
von Santo Seraphin und 1 Quartett von Nicolas Lupot.
Die Adam'sche Sammlung kann der obigen an die Seite gestellt werden.
Sie umfasste unter anderen 9 sehr gute Stradivari-Geigen, eine Bratsche und ein
Cello von Stradivari und vier Geigen des grossen Guameri.
'
131
hergestellt, die Böden in den Jahren 1699 — 1709 mitunter
auch von Pappelholz.
Nach des Meisters Tode fanden sich eine Menge un-
vollendeter Instrumente vor; sie sind echten Zetteln
mit
versehen in den Handel gekommen und verursachen fort-
während bei denen, welche sie zu beurteilen haben, eine
grosse Verwirrung. Aus den Aufzeichnungen von Lancetti
und Graf Salabue geht hervor, dass Stradivari, als er starb,
91 Instrumente besass. Hiervon waren 1775 zehn in den
Händen von Paolo Stradivari, welcher sie nebst 2 Geigen
von Francesco Stradivari und den Modellen, Zeichnungen,
Zetteln und Werkzeugen Antonio Stradivaris 1776 an Graf
Salabue verkaufte, von dem sie in den Besitz des Grafen
Dalla Valle gelangten. Zwei Geschäftsgenossen, Ansclmi
und Brita in Mailand, waren die Vermittler des Handels.
Die Korrespondenz führten der Graf und Paolo Stradivari.
Nach Paolos Tode fand man ein Manuskript von Vincenzo
Lancetti"), den Nachlass Antonios betreffend. Als Schüler
Stradivaris sind zu nennen seine Söhne Francesco und Omo-
bo/io, Carlo Bergonzi, Domenico Montagnana in Venedig,
möglicherweise auch Lorenzo Guadagnini, Michel-Angelo
Bergonzi II, Alessandro Gagliano in Neapel, Francesco
Gobetti in Venedig.
STRADIVARI, Francesco, Cremona * i. II. 167 i, f 1. V. 1
Franciscus Stradivarius Cremonensis 1743- Dritter Sohn
Filius Antonii faciebat Anno 1740
Antonios aus erster
(Gedruckter Zettel, die beiden l;;tzlen Ziffern ... -
f •
i .. i
handschrifuich.) Khcund scm Schuler.
Fii iusAtilOßii facitb^ t Anno 1 7 /j,^^
Nach aem lüde des Vaters arbeitete er mehrere Janre mit
seinem Bruder Omobono zusammen. Verfertigte nur wenige
Instrumente und diese meist geringer als die anderen Schüler
seines grossen Lehrmeisters. Es ist unbegreiflich, weshalb
er sich nicht an das Modell des Vaters hielt. Er wählte ein
Originalpatron mit kühnen Umrissen. Die /-Löcher sind ganz
verschieden von denen seines Vaters, auch nahm er dunkleren
und schlechteren Firnis. Der Ton seiner Instrumente ist
*) Im städtischen Museum in Cremona aufbewahrt.
132
jedoch gut. Professor Carl Prill in Wien sagt: ,,Ich besitze
eine herrliche, einzig schöne Francescus Stradivarius 1735"
(wahrscheinlicher Gobetti?). Für eine Geige von 1740 for-
derte Hamma & Co., Stuttgart, 1898 5000 M.; 2 Geigen Fran-
cescos von 1742 gingen (nach Lancetti), in den Besitz des
Grafen Cozio di Salabue über; eine von 1742 wurde von
Lyon & Healy, Chicago, für ca. 6200 M. ausgeboten. Hill
& Sons erklären, dass sie niemals eine Geige von Francesco St.
gesehen haben, die sie für echt gehalten.
STRADIVARI, Omobono, Cremona * 14. XI. 1679,
Omobonus Stradiuarius figlij Antonij f 8. XI. 1 679. Jüngster
Gremone fecit, Anno 17. . aTs. Sohn Antonios aus
^'
ersterEhe. Erbeschäf-
tigte sich nav.^.v^^^ii...... ij,.^ und hat nur wenige
^.^^,^.^....^n
eigene Arbeiten hinterlassen, darunter ein Cello von 1740.
STRATI, Michael (?), Verona (?) 1 792. Ein Geigenmacher,
dessen Existenz angezweifelt wird, obgleich einige gute Geigen
mit diesem vielleicht fingierten Namen vorhanden sind.
STRAUS, Michel, Venedig 1680. Deutscher Pochettenm.
T ACHINARDI (Taningard .?),.., Cremona 1 690. Nach Vidal.
TADOLINI, Giuseppe, Modena, Bologna * 1796, f 1870.
TANEGIA, Carlo Antonio, Mailand f725 1730. —
Garolus Antonius Tanegia Nachahmer Grancinos.
fecit in Via Lata Medio —
lani Anno 1725
TANINGARD [Tanigardi], Gio Giorgio, Rom 1735 — 1750-
Giorgius Tanigardus Nachahmer Tecchlers, braunroter
fecit Romae anno 1735 pj^nis, gute Violoncelli.
Gio Giorgio Taningard Giorgio Tanigardi
fecit Romae Anno 1745
y^^it j^^^^ ^^^ ^^^
TANTINO, Sesto, Modena, 461 — 1490. Nach 1 Valdrighi.
TANTINO, Giovanni, Modena 1475, Nach Valdrighi.
TARASCONI, Giuseppe, Mailand 1888.
TARTAGLIA [Tartoglio], Francesco, Stroppiana/Biella
(Novara) 1880. Geigenmacher.
STRAETEN, E. van der et C^sar Snoeck, 6tude biographique et organo-
graphique sur les Willems, luthiers gautois du XVII si^cle, avec une introduction
par Paul Bergmann. Gand 1S96.
TARDIEU, . Tarascon 1705 sollte da's V'cello erfunden haben.
. ,
133
TASSINI, Bartolommeo, Venedig 1740 — 1756. Nachah-
Opus Battholomaei nier der Testores, doch minder gut, trotz
Taffini Veneti. besseren Holzes. Machte den Boden
'^'^^^-
gerneauseinemStück; goldgelber Lack.
TECCHLER [Techler, Tekler, Dechler], David, Salzburg,
David Techler Liutaro Venedig, Rom, * 1666, f c. 1747.
fecit Romae An. D. 17. .
Deutscher Abkunft. Seine in Salz-
David Tecchier Fecit ^urg gemachten Arbeiten zeigen
Rome Anno Dni 1721 den Einfluss Stainers. Von Venedig
vertrieb ihn der Neid seiner Konkurrenten. In Rom nimmt
er italienische Meister zum Vorbilde und nähert sich in
seinen Arbeiten N. Amati; die hier gefertigten Instrumente
gelten für seine besten. Er war der bedeutendste Geigen-
macher Roms, nahm grosses Patron, hohe Wölbung, /-Löcher
in der Art Stainers, gutes Holz und arbeitete sehr sorg-
fältig. Sein Firnis ist meist gelb oder rotgclb, bei den
V'celli auch rotbraun oder tiefrot. Seine Instrumente sind
sehr geschätzt, besonders seine in kleinen Proportionen ge-
bauten V'celli und seine Kontrabässe. Ein sehr gutes Cello
von 1704 gehört Fritz Espenhahn, Berlin, ein anderes van
der Heyden, Brüssel. Eine Geige von 1684 besitzt Fürst
Moritz Lobkowitz, Raudnitz bei Leitmeritz. Tecchier soll eine
Zeitlang in der päpstlichen vSchweizergarde gedient haben.
TEDESCO [Todesco], Leopoldo, Rom 1624 — 1660.
Bevor er nach Rom ging, arbeitete er von 1652—54 bei
Nicolo Amati in Cremona, hielt sich auch an dessen Modell,
aber ohne besondere Vorteile. Der Lack ist gut. Von
Bruni wird der sehr zweifelhafte Zettel mitgeteilt: Leopoldo
per rebere tedesco allievo di Nicolas Amati Cremone 1750.
TEODITI, Giovanni, Rom 16 Nach Vidal. . .
TEODITI, Girolamo (Hieronymus), Rom {?) 16 . .
TERNYANINI, Giuseppe \ (auch Termanini), Modena.
TERNYANINI, Pietro i I755— 1773 D. (Don) weist
D. Joseph Termanini auf den Priesterstand hin. Gute
fecit Mutinae a: 1755 opus No. 5 Geigen, [Link].
134
TESTATOR (Testudo) il Vecchio, Mailand. Trotzdem
nichts von ihm bekannt geworden, bringt ihn Fürst Jussupoft
(Luthomonographie. Frankfurt 1856) in Verbindung mit
der Erfindung der Violine.
TESTORE, Carlo Giuseppe, Mailand, * 1660 in Novara.
Carlo Giuseppe Testore, allievo um 1720 in Mailand. -j-
di Gio Grancino in contrada
Schüler (.?) des Gioacchino
® di Milano 1690
Lari'a ^ ^ , , ,
Cappa, Saluzzo, und des
Carlo Giufeppe Testore in Con Giov. Grancino in Mailand,
trada Larg di Milano ^^^ bedeutendste Meister
Segno deir Aquila 1690 c • •
*^ tvt t
semes Namens, beme In-
Carlo Giuseppe Testore in Con strumente sind nach ver-
trada larga di Milano al schiedenen Modellen ge-
segno
^ deir aquila 1700 u j ui •
arbeitet und zeigen sowohl
.. i.
Reminiszenzen an seine Lehrer als auch an Stradivari und
Guarneri. Seine Wölbungen aber gleichen mehr denen
des N. Amati. Seine Arbeit ist sorgfähig, das Holz nicht
immer gut, der Firnis gelb oder gelbrot, bei den Violoncelli
auch rotbraun oder tiefrot. Seine Violoncelli und Bässe sind
besonders geschätzt. Der Virtuose Giovanni ßottesini spielte
einen kleinen Kontrabass dieses Meisters. Die Decke hat oft
eingelegte Reifchen, der Boden nachgeahmte, hervorgebracht
durch heisses Eisen. Das Holz der Decken hat er gut gewählt,
die Böden dagegen sind meist aus Birnbaumholz, auch von
schlechtem Ahornholz, die Schnecken klein und ohne Schwung.
.ano ^tototiia Teftpr-e figÜo mkggiore
cfelfaCaiio Giufeppe in Contrada br*
-.\, ' '-< .*.: .'':
. ;
TRSTORE, Carlo Antonio, Mailand. •'•
um 1688. f 1765.
Carlo Antonio Teftore figlio maggiore Ältester Sohn und
del fü Carlo Giufeppe in Contrada Schüler des vorigen.
larga al tegno dell' Aquila. 1740
^^^^^ ^^ ^^^^^ ^_
(, Brandmarke : Adler)
Amati, duarneri und
Stradivari mit Geschick nach, arbeitete sorgfältig, nahm gutes
Holz und gelben oder braunen, dick aufgetragenen Firnis.
Seine Violoncelli und besonders seine Geigen haben aus-
giebigen, guten Ton. Er nahm seinen Sohn Giovanni als
Geschäftsteilhaber auf. Ein prachtvolles Violoncello besitzt
Eugen Sandow, Berlin.
135
TESTORE, Paolo Antonio, Mailand * um 1 690,
f nach 1 760.
Paolo Antonio Teftore figiio Zweiter Sohn von Carlo Giu-
di Carlo Giufeppe Te£tore seppe. Er arbeitete in der
in Contrada Larga di Mila- ^ '7 -^ u ^^
•*. •
A^
^ 11. Acquila
lo ersten Zeit mit seinem Bruder
no al Segno delr
1759 zusammen und ahmte haupt-
sächlich Guarneri del Gesü nach, baute aber nur wenige
Geigen, dagegen viele Lauten, Guitarren und Zithern. Firnis
hellgelb, die Einlagen fehlen oft. Eine Pochette von 1738
mit goldgelbem Firnis besass Graf Valdrighi, Modena.
TESTORE, Giovanni, Mailand 1764. Sohn von Carlo
Antonio. Im Instru-
Carlo Antonio e Giovanni Padre e figlio menten - Museum der
Testori, il quäl Carlo e figlio Maggiore
j^ ^^^^ Hochschule
,
° ,, .,
del fu Carlo Guiseppe Testore, abitanti r» i- r-L
in Contrada larga al segno den 'aquila
^^^ ^usik, Berlm-Ch.,
Miiano 1764 befindet sich eine Geige
([Link].511).
THIR, Thomas, Trevi/Foligno 1692. Vermutlich ein
Thomas Thir Trebiano^ vorübergehend in Trevi auf-
in itaiia 1692 hältlicher Deutscher.
'
TIEFFENBRUCKER, Leonardo, Padua 15 .; Lauten- .
und Violenmacher, v. Lütgendorff ist geneigt, ihn als Vater
und auch Wendelin's anzusehen, der mit seinen
Caspar's
Söhnen aus Süddeutschland (Füssen?) nach Italien ausge-
wandert ist.
TIEFFENBRUCKER, Caspar s. auch Duififoprugcar.
TIEFFENBRUCKER, Wendelin (Wendelino, Undelino,
IN PADOVA Vvendelio Venere
!
Venere), Padua 1572 —
de Leonardo Tiefembrucker 15.
,5,, Sohn von Leonardo,
T T^^ ^^^^ ^ 1- xr Lauten- und Violenbaucr.
In Padova 1
|
Vvendelio Venere
Merkwürdigerweise ver-
wendete er häufig halbierte Zettel. „Magnus und Ven-
delino Tieffenbrucher und Vendelino Venere, welche sehr
berühmt und alt, haben an ihrer Arbeit viele proportion
proprete bewiesen, und nach der neuesten und am meisten
aestimirten Art, nemlich länglicht oder etwas flach gearbeitet.
Was die Tieffenbruckerische Arbeit anlanget, so schätzt,
man sie weit höher als die Füssner und sind selten zu be-
kommen. Diese jetzt angeführte Meister haben meisten-
theils in Venedig zwischen Anno 15 und 1600 gelebt." (Vergl.
E. G. Baron, Untersuchung des Instruments der Lauten.)
Eine Archiliuto von 1587 mit 24 Saiten und Resonanzboden
136
aus Elfenbein besitzt die Gesellschaft der Musikfreunde in
Wien. Eine Laute das Konservatorium der Musik in Köln a/Rh.
(Sammlung de Wit No. 129). Dieses prächtige Instrument hat
einen aus 33 Rippen zusammengesetzten Corpus mit einge-
legten Ebenholz- und Elfenbein streifen. Auf den sehr breiten
Hals kommen 20 Saiten, davon 9 doppelchörige und 2 einzelne
Spielsaiten, auf einem etwas erhöhten Ansatz 4 Begleitsaiten.
Eine Laute von 1582 mit 20 Saiten, eine kleine Laute mit
9 Saiten und eine Harfencister befinden sich in der Samm-
lung des Erzherzogs Franz Ferdinand von Oesterreich-Este,
Wien. Ebenda eine Lyra da Gamba mit 6 Spielsaiten und
1 5 unter dem Steg laufenden, mitschwingenden Saiten.
TIEFFENBRUCKER [Dieffopruchar], Magnus, Venedig
1557 — 1621. Die verwälschte Schreibweise seines Namens wie
bei Caspar ist auffällig, ebenso die Füssener Form Mangnus
für Magnus (vergl. Verzeichnis der Raymund Fugger'schen
Kunstkammer). Im Museo civico in Bologna befindet sich
ein Liuto Aestudos von 161 2 mit 7 langen und 7 kurzen
Saiten. Eine Mandola von 1630 im Instrumenten -Museum
der kgl. akad. Hochschule für Musik, Berlin-Ch. (No. 703).
Ebenda eine Mandola von 1621, repariert von Sebastian
Schelle, Nürnberg 1726. Line Theorbe von 1610 ist in
der kgl. Sammlung in Dresden. Eine romanische Theorbe
mit 12 Spiel- und 8 Begleitsaiten in der Sammlung des
Erzherzogs Franz Ferdinand von Oesterreich-Este, Wien.
TIEFFENBRUCKER, Ulrich, Venedig. Elfenbeinlaute.
TODINI, Michele, Rom * 1625. 1686. Kam aus Sa-
luzzo nach Rom, war tüchtiger Musiker und wohl
ein
weniger Geigenmacher Mechaniker, jedenfalls Erfinder
als
verschiedener komplizierter Musikinstrumente, aber nicht, wie
vielfach angenommen wird, des Kontrabasses. Diese irrige
Ansicht wurde durch ein Verzeichnis seiner .arbeiten (Dichia-
ratione della Galleria Armonica etc.) verbreitet, in dem er
angibt, in Rom den Kontrabass fabriziert und eingeführt zu
haben. Das italienische Wort für »eingeführt«, introdotto.
wurde fälschlicherfunden«, inventato. gedeutet.
als > In
Deutschland und Holland war der Kontrabass schon seit etwa
1620 bekannt; die Erfindung schreibt man dem braunschwei-
gischenHofkapellmeisterMichael Praetorius(i57i — i62i)zu.*)
Joachim Tielke in Fiovenza fecit. (Hamburg.) *) Vergl. a. Hanns Vogel 1563.
137
TOMASI, Carlo Gasparo, Modena i6 .
.
— 17 . . Nach
Valdrighi.
TONONI, Felicc, Bologna I665 — 17 10. Hochgewölbtes
Tononi di Bologna Modell, ausgezeichneter hellgelber
fecit, anno 1670 p-^^^-^^^ sorgfältige Arbeit. Seine V-
ceili besonders haben gute Tonfülle.
TONONI Tunonis), Giovanni, Bologna, Venedig
(de
Joannes Tunonus fecit Bononiae
in Platea Pauaglionis
(Rom?) I689 174O. Sohn —
^^^ p^^^g ^,^ ^ bedeutender
Anno Doniini 1689 .. ^ 1 -^ . v 1
als dieser. Arbeitete nach
Joannes de Tononis verschiedenen Modellen,
fecit Venetiis 17.. •
a -n^ r^ •
Seine flachgewolbten Gei-
gen sind die besten; der Firnis ist hellbraunrot und gut. Seine
im Stil von Nicolo Amati nach grösserem Patron gefertigten
Violen und Violoncelli sind ausgezeichnet.
Carolus Tononi Bologna 1715 (auf Seite 138).
'
138
TONONI, Carlo, Bologna 1689— 1717. Bruder des
Garolo Tononus fecit Bononiae vorigen. Arbei-
in Platea Castaelionis, anno Domini ^^^ -^^ Amatistil
1698
P t on
Carolui Tononi Bononiae in Via
fecit / Sj ^^
c u ••
Sancti Mamantis sub Signo Sancte I I
guter Ton. bcho-
Caecilie Anno Domini 1716 X / ner, brauner Fir-
Caroius Tononi fecit nis. Das IJceo musicale in
Bononiae anno 1717 Bologna besitzt eine Geige
von 171 7; eine von 17 15 mit edlem, grossem Ton Gustav
Maurer, Violinvirtuos in Wiesbaden.
TONONI, Guido, Bologna und Rom 1690 1760. Wenig —
bekannt; vielleicht ein Bruder von Giovanni. Soll im Amati-
Stil gearbeitet haben.
TONONI, Pietro, Bologna 17 13.
TONONI, Carlo (Antonio), Venedig 1728— 1770. Ver-
CArio Tononi Boiognefe mutlich ein Sohn von Carlo.
Fece in Venezia l'A: 1728 g^j^,. ^^^^ Arbeiten im Ama-
Garolus Tononi Bonon. fecit ^jg^jj „^^,1^ grossem Patron,
venetiis sub titulo S. Geciliae ^^^^^^ ^^^^ rötlicher, schön
anno 1739 i^- r> ,
Caroius de Tononis leuchtender tirms. Brannte
fecit Venetiis 17 öfters .
seinen Namen am
.
(Brandmarke am Knopf) KnOpf ein.
TOPPANI(Tappani), Angelo(de),Rom I735~i750- Nach
Angeius de Toppanis, fecit Tecchler wohl der beste Geigen-
Romae Anno Dni 1738 macher Roms. Hochgevvölbtes
Modell, goldgelber Firnis, guter Ton.
TORELLI, Verona 1625. Nach Vidal.
. . ,
TORRANO, Turin 1700. Wenig bekannt.
. . ,
TORRESAN, Antonio, Crespano * i8o2, f 1872.
TORTOBPXLO, Francesco, Rom 1680. Brescianer
Schule (?).
TRAPANI, Neapel 1800— 18 10.
Raffaele, Mühte sich
erfolglos, ein neues Modell zu finden, arbeitete sonst gut.
Vergl. Vidal.
TRINELLI, Giovanni, Scandiano Modenesischer 18 10.
Geigenmacher. Grosses Format, dickes Holz, runder voller Ton,
TOLBECQUE, Auguste, Paris |
Niort * 1830. Seine wertvolle Sanilg. alter
Musikinstrumente kaufte 1879 das Brüsseler Konservatorium.
TOURTE, Francois, Paris 1747, Y l835- t)er Stradivari iu der Kunst des
*
Bogenmachens. ,,Tourte le jeuue'' genannt, zum Unterschied von seinem Bruder
Xavier,,Tourtel*ain4"; vergl. Fctis, Stradivari (S. 118 28 nach Vuillaunie's Erzählung)
TOUSSAINT, Emil. Über das Geheimnis der Cremoneser Geigen, Gumb. 1897.
139
TROIANI, Francesco, Rom, i8 . . . Mittelmässig.
TRUCCO, Girolamo, Savona 1840.
TRUSSARDI, Paolo, Arqua-Polcsirie 19CX).
TURTUR, Nicola, ßitonto/Bari 1900.
UGAR [Ungar, Unger?], Crescenzio, Rom 1790 und
UGAR, Pietro, Arezzo 1800 — 1804, vielleicht sein Sohn.
UITP:NUS [Vitenus?], Nicolas, (San Vito?) 1650. . .
UNGARINI, Antonio, Fabriano 1762. Nach Vidal.
UNVERDORBEN, Marx (Max), Venedig 5 5. Lautenm. i 1
VALDASTRI, Modena 1805. Taschengeigen.
. .
,
VALENZANO [Valcnciano], Giovanni Maria, \'alenza,
Maria Valenziano Paduensis 17 . . Romi//! — 1825. Stammt
Joannes Maria Yalenzano Modell aus Asti , sein
Astensis fecit Romae 1825 schwankt zwischen der
Mailänder und Neapolitaner Schule. Eine gute Geige besitzt
Fräulein Wally Schramm, Berlin W.
VALLINI, Cromona, 17
Giulio, Nach Valdrighi. . .
VANDELLI, Giovanni, Fiorano (Modena) * 1796, f 1839.
[Link] fEvangelisti], Pier Lorenzo, Plorcnz
Pier Lorenzo Vange- 1700 1745. —
Mittelgrosses Patron,
Listi fece i'anno 1745 g^.j^j. ^^^^ Wölbung im Stile Gabri-
in Firenze. ,,., . ^. r t • u
eigenartige /-Locher,
i.
elli s, zarter,
gelber oder hellbrauner Firnis. Ton gut. Seine Bässe fanden
Anklang. Eine Geige von ihm im Museum Kraus in Florenz.
VAROTTI, Giovanni, Bologna 1786 18 15. Originelle —
Joannes Varotti Fecit und im Ton ganz gute Instrumente.
Bononiae Anno 1791 y^^^^ ^^^^ go^ jyj
VAS ALLO, Giovanni, Mailand 17.. (.^) Schüler Grancino's.
VECCHI, Orazio, Modena 1880. Bässe, kleines Patron.
VENTAPANE, Pasqmile, Neapel, 17.. Violoncelli.
VENTAPANE, Vincenzo, Neapel 1750 — 1800. Gute
Gagliano-Schule, ahmte das Stradivari-Modell mittlerer Grösse
nach; gelber oder gelbbrauner Lack, guter Ton. Auch an
Tomaso Eberle erinnern seine Arbeiten.
VAELBEKE(Valbeke), Lodewyk. van, Brüssel 1294 1312. Berühmter brabanter —
Spielmannskönig (^roi des raenestrels), der Fidein, Rebeks und Leiern verfertigte.
VALDRIGHI, Conte Luigi Franc. Nomocheliurgografia antica e moderna,
ossia [Link] di fabbricatori di strumenti armonici con note explicative e docu-
menti estratti da! Archivio di Stato in Modena. Modena 1884. 88. 94. Con aggi-
unta 1888. (Memorie R. acad Scienze etc.)
VAUCHEL (Vauchclle), Jean, Mainz, Würzburg und Dnmm/Aschaffenburg,
• 1782 zu üffenbach a;M., f 1856. Spohr und Paganini schätzten ihn als einen
der besten Geigenmacher der Welt.
I40
VENTAPANE[Ventupane], Lorenzo, Neapel 1820.
Ahmte im der GagHani das Stradivari-Modell nach;
Stil
schönes Holz, orangegelber Lack. Geschickter Meister;
Gute V'celli. Wert etwa 800 M.
VENTURA, Giovanni, Parma ? (Viadana?) 1622.
VENTURA, Annibale, Viadana, 17 . .
VENZI, Andrea, Florenz, 1636. Nach Vidai.
VERINI, Serafino, Arceto/Cascog^o (Modena) * 1799,
f 1 868. Baute als Dilettant minderwertige Geigen und Bässe.
VERINI, Andrea, Modena (?) 1884.
VERLE (Werle, Wöhrl, Vörle), Franz, Padua 590— 1600. 1
VERONA, Pietro, Correggio 1606. Nach Valdrighi.
VERONESI, Camillo,
Bologna, 18..
VETRINI [Vettrini],
Battista, Brescia 1629— 1630.
Besserer wenig bekannter Meister, der ein kleines Patron
bevorzugte. Schönes Holz, guter gelber Lack.
VETTORAZZO, Giovanni, Vicenza 1793. ßassgeige.
VEZZELLI [VerzelliJ, Pietro, Bologna 1888.
VIGONI, A., Pavia 18..
VIMERCATI, Pietro, Venedig 1640— 1660. Arbeiten
im Stile der Brescianer; Nachahmungen Amati's. Bei ihm
soll Jakob Stainer gearbeitet haben (?).
VIMERCATI, Paolo, Venedig 1660 1710. Sohn des —
Paolo vimercati vorigen und Schüler von Carlo
f ece in Venezia A. 17
Tononi, den er übertraf.
. .
Gute
Arbeiten im Amatistil, auch in der Art der Brescianer;
kleines Patron, gelber Lack.
VIMERCATI, Gaspare, Mailand 1790. Lauten-
Caspare Vimercati/nella contrada und (Geigen ?) macher.
della Dogana di Milano, all segne
gj^g vorzügUch gear-
beitete Laute befindet
sich im Konservatorium der Musik, Köln a. Rh. (Sammlung
de Wit, No. 142). Der Korpus ist ganz aus Ebenholz ge-
arbeitet und hat eingelegte Elfenbein-Adern. Der Hals ist
mit Schildpatt belegt; die durchbrochenen Wirbel sind« aus
Knochen gearbeitet. Decke und Rosette sind ringsherum
mit Perlmuttereinlagen, die in einem aus schwarzem Kitt
gebildeten Rande liegen, sehr effektvoll verziert; auch der
VIDAL, Autoine. La Lutherie et les luthiers. Paris 1889.
VIDAL, M. et Hillemacher, Les instruments ä. archet etc. Leur hist. surle
cont. Europ, suivi d'un catal. g^n^r. de la musique de chambre. Paris 1876/78. 3 Bde.
141
Hals ist schön mit Perlmutter geschmückt. Das Instrument
hat einen geraden Hals und 6 chörigen Darmsaitenbezug.
Länge 60 cm. Eine Mandoline besitzt Antoine Gautier, Nizza.
VINACCIA, Nicolo, Neapel 17 15.
VINACCIA, Antonio I., Neapel 1734—1781. Nach-
Antonius Vinaccia fecit Neap. ahmer Gagliano's. Von ihm
In via Gonstantii 1734.
existieren nur wenig Streich-
instrumente, aber sehr gut gearbeitete Mandolinen, die ihrer
vorzüglichen Tastatur wegen sehr geschätzt waren. Im
Museo spagnuolo der Universität in Neapel werden Instru-
mente aufbewahrt, die für den König Carl III. von Bourbon
gemacht sind. Ihr Boden ist mit schönstem eingelegtem
Ebenholz, Perlmutter und Schildpatt geschmückt.
VINACCIA, Gennaro, Neapel 1755 — 1778. Sohn von
Januarius Vinaccia fecit Napoli Antonio I., ar-
sub Signo Cremonae anno Domini 1757 beitete ebenfalls
im Gagliano-Stil, schönes Modell mittlerer Grösse, dunkel-
gelber oder brauner Lack. Verfertigte sehr gute Geigen;
jetzt mit etwa 800 M. bewertet. Eine Mandoline im Museum
Kraus in Florenz.
VINACCIA, Antonio IL, Neapel 1763 — 1795. Sohn
Antonius Vinaccia Gennaro's. Wie sein Vater,
flliusJanuarii fecit Neapoli ahmte er Gagliano nach
alla Strada, Rua Gatalana 1763 ^ ^^y^^ schönes Holz, gelb-
Antonius Vinaccia Fecit braunen Lack. Sehr crut
Neapoli Anno 1780 sind seine reich eingelegten
Mandolinen. Eine mit Perlmutter und Elfenbein verzierte
Mandora, mit 4 Doppelchören bezogen, 86 cm lang, ist im
Konservatorium der Musik, Köln (Samlg. de Wit, No. 160).
VINAjCCIA, Vincenzo, Neapel
1769 1799. —
Sohn
Vincentius Vinaccio fecit Neapoli, Gennaros. Machte
Sito Nella Calata de Spitaletto A D 1785.
Geigen im Guar-
neri-Stil, und Mandolinen und Guitarren mit hübschen
Schildpatt-, Elfenbein- und Perlmutter -Einlagen.
VINACCIA, Giovanni, Neapel 767- 1777. Sohn Gennaro's.
1
Eine Mandoline von 1777 im städt. Museum in Braunschweig.
VINACCIO, Domenico.) Neapel, Ende des XVIIII. Jahrh.
VINACCIO, Gaetano. Als Mandolinen- und Guitarren-
VINACCIO, Mariano, macher bekannt.
—
VINACCIA, Pasquale, Neapel 1806 c.1883. Sohn des
142
Gaetano, ebenfalls Mandolinen- und Guitarrenmacher. Er-
finder der gesponnenen Stahlsaiten, die die alten Messing-
und Darmsaiten vorteilhaft ersetzen.
VINCENTI, Florenz 1830.
M., Erfinder einer Geige
mit 18 Saiten, mit zwei Bogen zum spielen.
VINCENZI, Luigi, Carpi * 1775, f 1820. Weniger Geigen
Aioysius Vincenzi Carpensis 1811 als Bässe. Gute Arbeit,
bernsteinfarbiger Lack, Ton nicht schlecht.
VIRCHI, Benedetto, Brescia * um 1520. Citeraro.
VIRCHI, Gerolamo, Brescia 1523 —
1575. Lautenmacher
^. „ ,^ Hyeronimus de Virchis (Hiero-
Hierommo di .
vir in Brefa
.
^ ,.>x t-
-^
1 1 1
nymus Geraldi?), Freund und
möglicherweise Lehrer von Gasparo da Salö.
VIRCHI, Giovanni Paolo, Brescia, Ferrara, Mantua
* um 1560. 161 2. Sohn von Gerolamo und vermutlich
Pate von Maggini. LautenspLeler und -machen
VIRDUNG, Sebastian. Musica getiitscht u. aussgezogedurch Sebastianü
virdung, Priesters v. Amberg und alles gesang auss den note in die tabulature
diser benannte dryer Instrumete d. Orgeln: der Laute: und d. Flöten trans-
feriren zu lerne. Faksimile Druck, Leipzig 1882.
VOGEL (Vogl), Hanns, Nürnberg 1563. Ein Kontrabass von ihm im Germa
nischen National-Museum in Nürnberg.
VOGT. Jakob, Freiburg i. Schw. 1467. Saiten- u. Lauteiimacher.
VOIGT, Johann Georg I, (Mark-)Neukircheu. Johann Georg Voigt
'
1748,
-j- 1802. Der auf Täuschung abzie- Brobe Vialinmacher in Neukirchen
lende, sonst übliche lateinische Unsinu bey Adorf im Voigtlande, Correspontent
wird hier in deutscher Form gebracht: Cremona 1798.
VÖLKER, Carl August, Hannover 1S73— 1901. Schrieb über: Das Geheimnis
der Cremoneser Geigen, und: Der altitalienische Geigeulack. usw.
VOLLRAT, Hans, Wien 1424 — 1436. Lautenmacher.
VUILLAUME, Jean Baptiste, Paris. *i798 in Mirecourt,' JM^/S >" Paris.
Einer der genialsten Geigenbauer der Neuzeit und als Nachahmer alter Meister
von unübertroffener Geschicklichkeit. Seine Nachahmungen z. B. von Duiffo-
prugcar, Stradivari und Guarneri, die zum Teil wohl heute noch als echte Originale
gelten, haben viel Verwirrung angerichtet und auch zu der Annahme verleitet.
Duiffoprugcar für den Erfinder der Geige zu halten. Vidal zeigt in seinem Werke
»La Lutherie et les Luthiers< dass Vuillaume die mit eignen Zetteln versehenen
,
Instrumente nicht verkaufen konnte, weil das Publikum ein Vorurteil gegen neue
Werke hatte und noch Instrumente der alten berühmten Meister zu haben wünschte.
So verfiel er (ein ebenso genialer Künstler wie geriebener Kaufmann) darauf, alte
Meisterwerke nachzuahmen, die er mit Zetteln dieser Meister versah, u. brachte es
zu grossem Reichtum. Unter anderen Verbesserungen erfand er den hohlen vStahl-
bogen, wovon er über 5000 Exemplare absetzte, und kurz vor seinem Tode eine
Bogenschneide- Maschine.
WASIELEWPKI, W. J. v.. Die Violine und ihre Meister. 4 Aufl. Leipzig 1904.
— Das Violoncell und seine Gesdhichte. Leipzig 18S9.
WELCKER V. G., H. Über den Bau der Saiteninstrumente und deren Akustik etc
Frankfurt a'M. 1870.
WRTTRNGEL, G. A., Vollständiges theor.-prakt. Lehrbuch der Anfertigung
und Reparatur aller noch jetzt gebrauchten Gattungen von italienischen und
deutschen Geigen. Ilmenau 1828, 2. Aufl. Weimar 1869 (s. a. Gretschel).
WIDMANN, Conrad, Nürnberg 1459. Lautenmacher.
—
'43
VITOR, Pietro Paolo de, Brescia 1738— 1740. Hochge-
Petrus Paulus De Vitor wölbtes Modell, kurze Schnecke,
venetus fecit Brixiae 1738.
schöner roter Firnis.
VOLPE, Marco, Spilamberto 1820, f 1839.
Z ANETTO, Peregrino (Pelegrino) di, 6 o.
Brescia 1520 — 1 1
Peregrino Zanetto in Brescia Baute Lauten, Violen, Lyren
1610 und Harfen. Das Instrumenten-
Museum des Konservatoriums
in Paris besitzt eine schöne Bass-Viola von 1547 (No. 1705),
die von Tarisio seinerzeit importiert war. Eine prachtvolle
Viola von 1546 besitzt Professor S. Bachrich, Wien. Ob die
ihm zugeschriebenen V'celli echt sind, steht dahin, da Zettel
mit seinem Namen vielfach gefälscht sind (s. a. Michelis).
ZANETTO, Pietro, Brescia 1686.
Die Geigen erinnern
Pietro zanetto di Brescia ^^ Maggini;
Lütgendorff ver- v.
mutet m ihm den Nachfolger Mag-
ginis —Pietro Santo (Maggini). Eine gute Geige mit dop-
pelter Einlage besitzt Lehrer K. Kuhn, Reichenberg.
ZANFI, Giacomo, Modena * 1756,
f 1822. Musiklehrer
und Streichinstrumentenbauer. Vielleicht ein Schüler Cassini's.
ZANI, Francesco, Reggio (Emilia), 1724 — 1765.
ZANOLT [Zanola?], Giov. Battista, V^erona 1730 1757. —
Joannes Baptista Zanoli Hat schlechte und auch bessere
verone fecit anno 1740 Qeigen flachen Modells gemacht,
eine bessere ist im Besitz von Willy Post, Violinvirtuos,
Frankfurt a. M.
ZANOLI, Valentine (.?), Venedig 1733. Vielleicht ein
Sohn von Giov. Modelle von mittlerer Grösse,
Battista.
deutscher Arbeit nicht unähnlich, leidlich guter Ton.
ZANOLi [Zaniol], Giacomo, Venedig und Verona 1740
Giacomo Zaniol Des Gioan 175 1. Sohn von Giov. Battista,
BattiCta Zaniol Venezia.
übernahm die Werkstatt des
V^*^^^' ^'^^^" ""^ ^'^^J''
di'^GLomrZanoll
175 _
kommen am häufigsten vor.
ZANOTTI, Cristofano, Modena 1685. Nach Valdrighi,
ZANOTTI, Giuseppe, Piacenza um 1700.
WIT, P. de, Geigenzettel alter Meister. Leipzig 1901.
— Perlen aus der Instrumenten-Sammlung. Leipzig 1S92.
WULFF, William, London. Fiddle frauds and how to detect them. Auch
deutsch: Der internationale Geigenschwindel (Musikinstrumenten-Zeitung Nr. 30/31
Berlin 1894).
;
144
•
ZANOTTI, Antonio, Mantua 1709 1740. Geschickter—
Antonius Zanottus Lodegianus Meister, aus Lodi stani-
fecit Mantuae, sub Titulo Fortunae
172'''
^^^^^ Y)ie Arbeit erin-
nert an Pietro Guarneri
flaches Modell, gelbbrauner Firnis.
ZANTI, Alessandro, Mantua 1765 1819. —
Nachahmer
Alexander Zanti fecit p. Quarneri's, auch Stradivari's, gute
Mantuae Anno 1819 Arbeit, guter Ton, schlechter Lack.
ZANURE, Pietro, Brescia 509 (.?). Den Übergang vom
i
Pietro Zanure Brescia 1509 Rebec zur Geige zeigt eine
Viola mit rundem Schallloch,
nicht viel breiter als eine Pochette, ausgestellt 1872 uu
Kensington-Museum in London.
ZEFFIRINI, Onofrio, Cortona Perugia 7 158.0.
ZENATTO, Pietro, Treviso 1694. Die Sammlung Correr
PIETRO ZENATTO FEGE IN in Venedig besitzt verschie-
TREViso ANNO 1694 denc Instrumente von diesem
wenig bekannt gewordenen Violenmacher,
ZENTIS, Hieronymüs de, Viterbo 1633.
ZERBONL Antonio, Mailand 1829.
ZESSP:RINI, ...... i8 . .
ZIANNI, Pietro, Bologna 1750. Schmales, flaches Pa
Petrus Zianni fecit tron, gutes Holz.
Bononiae anno 1750
ZILLIOLI, Domenico, Parma 1792. Nach Valdrighi.
ZIMBELMANN, Filippo, Florenz 1661.
ZOCCOLI, Pietro, Modena 1753. Gutes Holz, kleine
Schnecke, weite /-Löcher, unbedeutender Ton.—
ZOLFANELLI, Giuseppe, Florenz 1690 1697. —
ZORZI, Valentino de, Florenz.. * 1837 in Vittorio
Vaientinus De Zorzi (Venezien). Eigenes Modell,
Cenetensi Venetum fecit
arbeitet aber auch nach be-
Pistorii A. 1880 ..1 . ^
oder ,
rühmten tut
Mustern.
Florentiae A. 1885
ZUGOLO (ZoccoH?), Pietro, Udine f 1888. Geschickter
Meister.
YOUSSÜPOFF, Nicolai Prince de, Luthomonographie historique et rai-
sonn^e. Essai sur rhistoire du violon et sur les ouvrag'es <ies ancieus luthiers
c^l^bres du temps de la renaissance. München 1856.
ZAMMINER. F., Die Musik und die musikalischen Instrumente iu ihrer
BeziehunpT zu den Gesetzen der Akustik. Giesseu 1855.
Zeitschrift für Instrumentenbau. Leipzig.
Zeitschrift und Sammelbände der internationalen Musikgesellschaft. Leipzig.
— 145
V
o
£-1
Niederheitmann-Vogel, Cremona. 4. Aufl. 10
146 —
Zusammenstellung
einer Anzahl Geigen, Violen und Violoncelli von Stradivari
nebst Angabe des Herstellungsjahres und der jetzigen oder.
falls diese nicht bekannt sind, der früheren Besitzer.
I. Geigen.
1665 ,,Voti der Festung St. Agathe. 19. Dez. London besass, kam in den Besitz von
1665." Das erste Werk von Stradivari, T Charles Oldham, London. Sie hat
er behielt es in seiner Werkstätte. langes Patron. Abgebildet bei Hipkins.
1666 (Antonius Stradivari Cpemonensis,
, 1688 Carl Derenberg, London.
Alumnus Amati taciebat anno
Nicolai — F. A. Forbes, London. Von W. E. Hill,
1666." Eigentümer: Pierre u. Hippo- 1862 für 2100 M. (Preis 1821 1200 M.>
:
lyte Sylvestre, Lyon. — ,,Le Mercure", in der Max-
ehemals
1677 Eine amatisierte Violine von 1677 well-Kollektion befindlich, wurde für
befand sich einst in der Sammlung IG 000 M. verkauft, —
beschrieben, in
Wilmotte. Antwerpen. Mougenot, Description du süperbe
— Herr Bovet, Paris. violon de Stradivarius dit ,,Le Mer-
— Mr. Younger, London. cure". Brüssel I892.
1679 Die wundervoll verzierte „Hellier"- 1689 Miss Gidlej', London.
Violine wurde von Sir Samuel Hellier — Von Carli in Mailand an den Herzog
von Womborne. Staffordshire, ca. 1734 de Litta für 2400 M. verkauft, dieser
von Stradivari für 800 M. gekauft, schenkte sie dem Geigenvirtuosen
blieb in dessen Familie bis 1875, wurde Arditi, Mailand.
darauf von George Crompton, später 1690 Medicäische Violine (und medicä-
von Charles Oldham London erworben
, ,
ische Viola) im Istituto musicale in
und befindet sich jetzt im Besitz von Florenz, die erste Arbeit Stradivaris
W. E. Hill & Sons, London, Abge- für den Fürsten Ferdinand, den Sohu
bildet in A. J. Hipkins Prachtwerk Cosimo III. von Medici. Sie enthält
,, Musical Insiruments", Edinburgh die Inschrift Prima 20 ottobre 1690
:
1888.
per S. A. da Fiorenza.
1680 ,,vSelli&re-Violine": Kapitän Saville, — Die Toskaner Geige'), 1890 von VI'. E.
Paris.
Hill & Sons an den Instrumenten-
1683 Suk, vom böhmisch. Streichquartett.
Sammler R. E. Brandt in London ver-
— Irish Academy ofMusic, Dublin, vorm. kauft. Preis 1794 800 M., 1875: 5000 M*.,
:
Dr. Jay, London.
1888 20000 M.
— Miss Lamplough, London. —
:
1898 im Katalog von Lyon &
Heal\-.
— j Cipriani Potter. Chicago, für 5000 Dollars ausgeboten.
1684 "William Croall, London.
— Für die u nge Gräfin Christine Visconti —
j
Von Hill &Sons, London, 1894 für
9000 M. verkauft.
gemacht jetzt in der Dalla Valle- —
,
Zuerst William Forster sen. gehörig,
Sammlung Turin.
kaufte Arthur Betts für 800 M., dann
— Herr Soames, Paris. Austin in Paris für 1800 M.
— F. Ch. Edler, Frankfurt a. M. — Hn. Austin (1831) (ca. 1900 M.).
1685 2 Violinen, die der Kardinal Orsini,
Erzbischof in Benevento, anfertigen 1691 Professor Leopold Auer, Petersburg.
Hess und dem Herzog von Natalona,
— Charles Fletscher, London.
Spanien, sandte.
— Mrs. Ginn, Boston, U.S. A.
— Londoner Auktion 1862 (2800 M.).
— Eine amatisierte Violine wurde 1898
1686 ProfessorFabian Rehfeld, kgl. Kon- durch Hamma & Co., Stuttgart, für
zertmeister D., Berlin.
16000 M. feilgeboten.
a.
— Miss Goddard, Providence, Rhode Is- — 1692 (kostete 1901: 15000 Frcs.).
Mr. Herington 1834.
land, U.S. A.
— Herr Rosenheim, London.
1687 Baron ErlaJJger, London. vSiehe ,,Hill & Sons, The Tuscan'.
»)
— Jan Kubelik, London. London 1891 mit Abbildung.
— Lord Mackenzie, London. Die Sammlungen Hawley in Hartford.
— Eine für den spanischen Hol gefertigte Conn. (die Instrumente sind durch Lyon
Geige, zu einem Quartett von Streich- & Healy in alle Winde verstreut), 'Wilmotte
instrumenten gehörig, die zuerst Ole in Antwerpen, Baron Knoop in London,
Bull, dann John Hart, dann Plowden Vormbaum u. a, bestehen nicht mehr.
— H7 —
1693 Lord Arbuthnot. London, zahlte stande erhaltene Violine für 21 Schil-
4000 M. —
Kaufte Betts vom Geiger ling kaufte. Um 1858 erwarb sie J. B.
Libon für 1600 M Vnillaume in Paris, später Wilmotte
— Langes Patron; K. L. Ilarrison, I^on- in Antwerpen, dann Herr Zweifel in
don. 2 Abbildungen bei Hill a. a. O. Stuttgart. 1878 ging sie für 16000 M.
1694 Miss Collins, Boston U. S. A. in den Besitz von George Hart, London
— Herr Benecke, London. über. 1886 zahlte der Herzog von
— Herr J. Cowan, London. Camposelice dafür 24000 M. und 1891
— Herr K. S. Muir Mackenzie, London. erwarben sie Hill & Sons, London,
— Von Hill & Sons, London, 1888 für zu einem noch höheren Preise.
loooo M. verkauft. Preis 1809: 2000 M., 1704 Im Hotsl Drouot. Paris, 1886 für 7000
1820: 2400 M., 1882: 6000 M. Frcs. von Bachelez in Neuilly gekauft.
1695 Herr Goetz, London. — Colonel A. Glennie iSoS für' 2400 M.
1696 Von einem Sammler in Lille 1897 1705 Frau Stothert, London.
an Dr. Sillen in Paris verkauft. — Geigenmacher W. H. Ilammig. Leipzig.
— Herr Muirhead, London. 1706 Florizel von Reuter von Silvestre &
— J. Mountford. Jahreszahl ? Maucotel, Paris, für 30000 M.
1697 Prof. Carl Halir, Berlin. 1707 Die Castelbarco-Geige im Besitz von
1698 Erstand der russische Violinvirtuos R. B. Malcolm, London.
Mikaloff auf einer Budapester Ver- — Instrumenten-Sammlung Hammer in
steigerung. Stockholm.
1699 Herr Blanchet, Paris. 1708 Im Instrum. -Museum des Konser-
— Früher dem Marquis de Queux de vatoriums, Paris(Kat.-No. 1009), früher
St. in Paris gehörend, seit
Hilaire General Davidoff.
1890 Instrumenten- Museum des
im — Herr Soil, Paris.
Konservatoriums, Paris. Beschrieben — William Huggins, London.
in Vidal, La Lutherie et les luthiers. 1709 Konzertmeister Alfred Krasselt,
Paris 1889. Weimar, jetzt F. Ch. Edler, Frankf. /M.
— Lady Tennant, London. — ,,Viotti-Violine", vorzügl. Instrument.
— Betts, erworben von einem franz. Tanz- — Ludwig Mond.
lehrer für ca. 2200 M. (1809), — Herr Simmonds.
1700 Vom Herzog de Camposelice, Paris, — Die dem britischen Botschafter in
für 30000 Frcs. erworben. Petersburg gehörende Violine stammt
— Herr Young, London. aus der Plowden-Sammlung London.
— Professor Henri Petri, Dresden. — Die schöne Violine des y Virtuosen H.
— F. Rivaz f. 4000 M. v Dragonetti gek. W, Ernst, ,,Emst-Stradivari" genannt,
1700 kgl. Intendanz, Berlin, von ihr dem besitzt jetzt die Gemahlin von Charles
Kammer- und Violin-Virtuosen Felix Hall#. Wilma Neruda, Berlin.
Meyer, Berlin geliehen. — Die Kirche Prag.
St. Veit,
1701 HerrTivadar Nachez, London. Eine — 2 Violinen mit Einlegearbeit im kgl.
zweite, von der f Mrs. Lewis geerbt, Palast zu Madrid.
z. Zt. im Besitz v. F. Ch. Edler, Frankf. — Vicomte de Greffuhle, Paris (Einlege-
— Professor Richard Sahla, Bückeburg. arbeit).
— Londoner Auktion 1862 für 2700 M. — Die Violine ,,La Pucelle" wurde 1878
1702 Lord Newlands, London. im Hotel Drouot in Paris für 22 100 Frcs.
— Miss Lces, London. verkauft. Preis 1851 4800 M, :
— In der Hawley-KoUektion in Hartford, ^710 Die ,,Vieuxtemps-Violine".
Connecticut, U. S. A. Prei3-i866 2600 M. : — Franz Ries.
— Instrum. - Sammler A. W. Luckens, — In der Sammlung des Grafen Castel-
New York. barco in Mailand befand sich eine
— vom Gouverneur von Cre-
Zwei Geigen, Violine, die 1862 in London zum Ver-
mona dem Herzog v. Alba geschenkt. kauf kam.
— William Croall, London. 1711 R. D. Hawley, Hartford, Connecti-
1703 Herr de Rougemont, Paris. cut, U. S. A.
— Instrumenten-Sammler S. Cooke J. in — Die ,, Parke- Stradivari" : John Adam,
England. London
— Die ..Emiliani". — Die William
,*,Dancla-Stradivari" ;
1704 Die Viotti-Geige. Sie befand sich Croall,London.
im Besitz von Brochard de VillierS 1712 Weniger gut erbalten, im Besitz
in Paris. von Miss Eidina Bligh, London.
— Die ,Betts-Stradivari", so genannt nach
, 1713 Die ..Boissier- Geige" Pablo deSara-
:
ihrem ehemaligen Besitzer ArthurBetts, sate.(Abgeb. in L. Grillet a. a.O. Bd. II. )
Londoner Instrumentenmacher, der — Violine ,,Sancy".
diese in ausserordentlich gutem Zu- — Alfred Gibson, London.
10*
- -
148 —
1713 Recht gut erhalten, mit rötlichem bringen, da er aber sein Versprechen
Lack, gehört dem Violinvirtuosen nicht erfüllte, wartete man dort ver-
Emanuel Wirth, Lehrer der akadem. geblich auf die Geige, wie die Juden
Hochschule f. Musik, Berlin-Charlottbg. auf den Messias.
1714 Die ,,Dolphin-Straduari", ehemals 1716 Für König Georg I. v. England ge-
in der Adara-Kollektion befindlich, baut, verblieb sie im Besitz der kgl.
dann R. Bennett in London gehörig, Familie bis ca. 1800, wo Georg III. sie
der sie für 38 000 Frcs. an den In- einem schottischen Offizier schenkte,
strum. -Sammler Munroe in London der sie immer mit t)ich führte, bis er in
verkaufte. Preis 1862: 5200 M.. 1B75 :
der Schlacht von Waterloo fiel. Dann
12500 M., 1882: 22000 M. kam sie mit der Bagage nach England
— R. Benijett. London. zurück und wurde von der Familie des
Prof. [Link], jedenfalls J. 's erste Gefallenen dem berühmten Geiger Mo-
Stradivari u. bis in die 8oer Jahre aus- lique ans »Stuttgart geschenkt. Von
schliesslich von ihm gespielt, für40ooM. diesem ging sie inden Besitz seines
aus Bremen gekauft später an C. G.
;
Schülers, eines Amateurs Baron v.
Meyer in London vertauscht. Dreyfuss in München über. Eine Ver-
— Ebenfalls Joachim. einigung Londoner Amateure erstand
-- E. Kneisel vom Symphonie-Orchester
sie dann für 25000 M., um sie Prot'
Waldemar Meyer (Berlin) feierlichst
in Boston, ehemals Prof, Grün, Wien.
für seine Verdienste um das englische
— Herr Soll, Paris. Musikleben zu überreichen. Die Geige
— Pablo de Sarasate. ist eine sogen. ,,rote", wie Stradivari
— (kostete 1901 : 14500 Frcs.).
nur wenige lackiert hat, und besitzt
— F. Smith, London (fälschlich datiert). infolge ihrer ausgezeichneten Erhal-
— J. Winkler, Wien, ehemals Rud. tung einen frischen, glänzenden Ton.
Kreutzer. — Die Violine des Violinisten .\rtot, jetzt
17J5 Die ,,Buda-Pester" Violine, Prof. im Besitz von William Croall, London.
Dr. Joachim. — Das Regio istituto musicale, F'lorenz,
— Die ,,De-Barran-Violine" Prof. Dr. :
früher der Grossherzog von Toscana.
Joachim. Neben der ,,Alard-Violine" - Die ,,Cessol - Stradivari" : William
wohl eine der wertvollsten.
Croall, London.
Prof. Dr. Joachim. Aus der Instrum.
zum 1717 Engelbert Röntgen (f 1S97), Konzert-
vSammlung Labitte in Paris 1889
Künstler- Jubiläum dem meister, Leipzig. Sein Sohn Julius,
50 jährigen
Dirigent der Konzertgcsellschaft,
Meister von englischen Verehrern ge-
schtnkt. Amsterdam, wird sie geerbt haben.
- Herr F. L. Bevan." — Die ,,Sasserno-Stradivan". Herr
-• Pablo de Sarasate. Phipps. (Preis 1845: 3000 M., 1884:
— Die ,,Gillott-Strad" im Besitze des eng- 16600 M.. bald darauf 20000 M.
lischen Instrum. -Sammlers Haddock, — Von dem Herrn Orchar in Broughty
-;-
London. Kerry (^England) einem Museum über-
- Die .,Alard-Stradivarius" wurde s. Z. wiesen.
inFlorenz entdeckt, von J. B. Vuil- — Erwarb Felix Berber, München,
I'rof.
laume, Paris, erworben und dem für M. von W. H. Hammig,
berühmten Violinisten Alard, seinem Leipzij^;. Nach dem Urteile Professor
Schwiegersohne, ü[Link]. In der Joachims schön und gut erhalten.
Familie Alard verblieb die Geige bis 1718 Violinvirliios F'elix Meyer, Berlin.
1876, in welchem Jahre sie David — Herr Avery Tyrell, London.
I^aurie, Glasgow, käuflich erwarb. — Die ,, Maurin-Violine" John Rutson, :
Jetzt gehört sie Baron Knoop in London.
London. —
Grosses Patron, Firnis
goldgelb, ein Meisterwerk.
1716 Die tadellos erhaltene ,,Messias-
1719 Prof. Hofrat J. Lauterbach, Dresden,
von J. B. Vuillaume, Paris, gekauft
4
(jetzt in Russland).
Stradivari". Graf Cozio di Salabue,
Lnigi Tarisio, T. B. Vuillaume, die 1720 Eine Violine v. 1720 spielte Rudolf
Erben Alards, Herr Crawford in Edin- Kreutzer. Obwohl aus Stradivaris
dritter Periode stammend, gehört sie
burgh besassen sie nach einander. 1890
zu seinenguten Geigen jetzt im
ging sie für 40000 M. in den Besitz ,
Besitz von Louis Doyen, Paris
von Hill & Sons, London über. Preis
180S: 2400 M,, 1865: 8000 M., 1875: — Herr Marcusson in LouisviUe, ehemals
10000 M. Tarisio hatte häufig .ver- im Besitz des ungarischen Violin
sprochen, die Geige nach Paris zu Virtuosen Eduard Reminyl.
-
149 —
1720 Stradivari machte für den König 1725 D. J. Partello, Sonneberg, vormals
Ph'ilipp V von Spanien zwei Violinen, Duke of Edinburgh.
zwei Violen, ein ,.Tenore" und ein 1726 Herr Plotenyi. Paris, früher der
Violoncello. Virtuose H. W. Ernst.
— Prof. Benno Walther sen. in München, — Auf einer Auktion alter .Streichinstru-
ehemals der Fürst v. Donaueschingen. mente in Brüssel erstand Eugen
— Chr. Heinr. Siefert Geigenmacher,
,
de [Link] I^arkashay in Herend.
Leipzig (Jahreszahl und Herkunft?) Ungarn, eine schöne Stradivari
— Baroness Wilma Boeselager, Amster-
•
Geige für 19800 Frcs.
dam. — Kapitän Harvey. London.
— Erwarb Woolhouse in London 1848 — Die ,,Gr^'ville-Stradivari, beschrieben
für 2500 M. und verkaufte sie 1S93 für in ,,The Gr^ville-Stradivarius 01 1726-'
12500 M. New York 1889.
1721 Johann Kruse, Violinvirtuos, London 1727 Herr Luce, Douai, erwarb sie für
SW. 31 St- James Place. 1120 M. —
Nach seinem Tode 1854
— Charles Oldham, London. verauktioniert und \on seiner Familie
— Vormbaum, Frankfurt a. M. wiedergekauft für 2100 M.
— Hugo Heermann, Prof. am Hochschen — Sammlung Huggins in London.
Konser\-atorium, Frankfurt a. M.
— Unter dem Namen ,,Deurbroucq", be-
kannt, diesem gehörig, s'Gravenhage.
1722 Lady Blunt, London.
— — Herr Lev^que, Paris. Preis 40000 M.
,,Rode-Violine". Besitzer Hill & Sons, — Herr Halphen, London.
London, vorm. Oldham. Preis 1873:
C. — ex Paganini, i. Besitz von Gius. Fiorini.
4000 M., 1S90: 24000 M.
München. 40,000 M.
— Die ,,de Chaponay -Violine'', Herrn 1728 F. Ch. Edler. Frankfurt a. M.
G. W. Mackenzie in London gehörig.
1731 I>ie ..Kiesewetter", besitzt Charles
— A. Brun, Zürich, vorher f de Ahna. Fletscher, London.
— T. Barnes. New York.
W. 1732 Die ,,Hercules-Stradivari früher
— Herzog V. Camposelice,3ooooFr.(i886). Hugo Heermann dann Jan Paul
,
'.
1723 Der Herzog von Koburg-Gotha. seit Nothomb, jetzt dem Virtuosen Eugen
1897 vom Konzertmeister Engelhardt, Ysaye, Brüssel, gehörig. Pr. 26000 I'rcs.
Koburg gespielt. [Link] 1908 in Petersburg gestohlen.
Konsul D. J. Partello in Sonneberg, — T H. Wener, London.
von dem verstorbenen Herzog v. Edin- — Mrs. Tom Taylor, London.
•>"rg gekauft für 2420 M. (ausserdem — Die Geige .\rkwrights, 1872 im South
besitzt er noch 2. die sog. ,, spanische" Keusington-Museum. London, ausge-
und eine, aie früher der Geiger Ludwig stellt, wurde von Piatti aus der
in London hatte). Castellanischen Sanimlung in Neapel
— Eine schöne Violine besitzt der erstanden.
kgl. Kammervirtuos August <ientz, .1733 Herr Roussy, Paris,
Berlin. Sie wird auf 30W00 Mark 1734 Lord Amherst of Hackney. Wegen
geschätzt. Ihr Ton ist silbern, schwerer Verluste musste er seine wert-
markig und voll. Der geteilte Boden volle Bibliothek verkaufen, vielleicht
ist schön geflammt. Der Kopf und die auch die Instrumente.
/-Löcher wurden ihrer vollkomme- — Herr Phipps. London, früher Ames.
nen [Link]ührung wegen von verschie- 17.^5 t Charles Lamoureux, Paris.
denen Instrumentenmachern kopiert. — Herr Hartmanii, Kopenhagen.
Grösse: Körperlänge 35V2 cm, obere 1736 Von Tarisio an Gand fr^res in Paris
Breite i6\/-, cm. untere Breite 2o'/g cm. für 1600 M. verkauft, jetzt im Besitz
Brustbreite am Steg i2'/8 cm, Zargen von Hill & Sons. London.
oben 30 mm, unten 33 mm. Der Firnis — Mrs. Sassoon, London.
ist prachtvoll durchscheinend. Die — Herr Koussy, Paris.
Violine war erst in Russland und in — Die ,,Muntz-Geige", Eigentümer Hig-
Wien, dann in Berlin beim Instru- Kins, London. Mit der Altersangabe
mentenmacher O. Moeckel. Vom alten ihres Verfertigers ,,d'anni 93".
Zach in Wien existiert noch ein Ga- — Geige, früher im Besitze des Grafen
rantieschein. (Die Echtheit wird trotz- Cozio di Salabue, enthält die eigen-
dem angezweifelt i
händige Notiz des Meisters anno 1736,
1724 Violinvirtuos OssipSchnirlin, Berlin. aetatis 92" Später hat sie Habeneck,
— Die Geige Sarasates, für 25000 Frcs. Paris, gekauft, jetzt im Besitz von
von Gand & Bernardel. Paris, gekauft. Andrew Fountaine, London.
1725 Ehemals August Wilhelmj, jetzt ein 1737 Von Hamma & Co., Stuttgart, 1898
in Chicago lebender Geiger. für 12000 M. ausgeboten.
— I50
1737 Die „Schwanengesaug- Violine", zu- 1700 Eine prachtvolle grosse Pochette
erst erwähnt vom Grafen Cozio di (Taschengeige) aus der besten dritten
Salabiie, 1822 Prof. Bertuzzi, Mailand,
.
Schaffensperiode vStradivaris I1695 bis
gehörend, später de .Saint-Sennoch in 1720) befindet sich im Instrumenten-
Paris, im Hotel Drouot für 15000 Frcs. Museum des Konservatoriums, Paris
verkauft, jetzt im Besitz des brasili- (No. 117 des Katalogs). Originell sind
anischen Geigen -Virtuosen White in die Form und der doppelte Ausschnitt
Buenos Aires. Dieses Instrument ent- der Ränder. Sie stammt aus der Samm-
hält die handschriftliche Einzeich- lung Chapisson, Paris, der sie vom
nung des Meisters ,,d' anni 93". Instrumeutenbauer Silvestre in Lyon
— Baillot (f 1S42) Prof. a. Konserv., Paris. kaufte, und dieser von Tarisio.
—
Die Geigen von 1730 37 haben ver- Acht Violinen, eine Viola und ein
schiedenes Modell, so die Violinen Violoncello gehörten dem r Wilmotte,
von Habeneck, Muntz usw. Antwerpen.
Antonio Stradivari in seiner MTerkstatt. Nach Ed. Hamman.
— 151
2. Violen.
1677 Wilmotte (f), Antwerpen. durch den Marquis dalla Rosa, dann
1685 Für das Hoforchester des Herzogs u. a. Lord Macdonald, Mr, Goding,
von Savoyen lieferte Stradivari eine Vicomte de Janz^ gehörig, wurde von
Anzahl Instrumente, darunter 2 Violen. dem Herzog von Camposelice, Paris,
1687 Viola da gamba im Instrumenten- für 30000 Frcs. angekauft. Preis 1825.
Museum des Konservatoriums zu Paris 2200 M.. 1S57: 4600 M., 1886; 25000 M.
No. 1037. 1728 Im Hotel Drouot, Paris, 18S6 für
1690 F. de Rougemont, Paris. 12900 Frcs. versteigert.
— 2Violen f. Grossh. v. Toscana. 1731 Besitzer nacheinander: Bankier Ste-
— „Viola Medici" im Istituto Musicale, phenson in London, Instrumenten-
Fiorenze. ,, Prima 20 Ottobre 1690 händler Corsby, London, Paganini.
Per S.A. DaFiorenza". (Tuscan- Viola) J. B. \'uillaume, Paris.
1696 Kauften Hill & Sons, London, 1891 — Alfred Gibson, Paris. Jahrzahl ?
für 18000 M. Preis 1825: 2400 M., 1715 R. von Mendelssohn, Berljn.
1S81 16000 M.
:
1716 Viola d'araore i 1 der Dalla- Valle
— Viola „Archinto", ehemals dem Grafen Sammlung, Turin.
Giuseppe Arc^nto, Rom, gehörig. — Viola d'amore mit vibrierenden Saiten :
— Charles Oldh am, London (mit Einlege- Herbert Oakelej-, Edinburgh.
arbeit). 1723 R. von Mendelssohn, Berlin, iSoooM.
1701 Viola „Macdonald". Ende des (der höchste Preis, der je für eine
XVin. Jahrh. nach England gebracht Bratsche gezahlt wurde».
3. Violoncelli.
1677 Cello, gehörte Wilmotte, Antwerpen. 1696 Lord Aylesford, London. Erstanden
1684 Das General Kyd-V'cello: Virtuos Leo im Hotel Drouot, Paris, für 10200 Frcs.
Stern (f), Amsterdam, jetzt? 1697 Londoner Auktion (1862) 4200 M.
1685 Kardinal Orsini, Erzbischof in Bene- — [Link] Piccolellis, Caserta. aus
ven to, bestellte bei Stradivari ein Cello der Castelbarco-Sammlung.
und 2 Violinen für den Herzog von 1698 V. Arthur Betts für 1000 RI. gekauft.
Natalona, Spanien Stradivari erhielt
;
Recht schadhaft.
ausser dem Preise ein Gnadengeschenk. 1700 Kgl. Kapelle in Madrid.
1686 Auf Wunsch des Herzogs von Mo- — Cello ,,Christiani" gehörte später
:
dena machte Stradivari ein V'cello und Marquis Benazet, Baden-Baden Hugo ;
überreichte es dem Herzog persönlich. Becker; Hill &Sons; Charles Oldham.
Er erhielt dafür 30 Pistolen (Doppel- London. (Mendelssohn widmete der
dukaten) und ein Präsent von etwa V'cello-Virtuosin Frl. Christiani s. Z.
1440 M., damals ein fürstl. Geschenk. ein Lied ohne Worte für V'cello).
1687 Mit Einlegearbeit und Verzierungen, — Konzertmeistern. Virtuos WillyDeckert.
zu den für den spanischen Hof ge- Luxemburg. Decke und Zargen sind
bauten Instrumenten gehörend, wird fast so dick wie bei einem Kontrabass.
noch in Madrid aufbewahrt. Ton edel und gross.
1687 Londoner Auktion (1862) 2300 M. 1701 ,,Servais- Cello". Grösseres Patron.
16S9 ,,Archinto"-Cello Virtuose f Jules
: Gehörte einst M. Raoul, Paris, dann
Delsart, Prof am Konserv., Paris. [Link] ihm kaufte es Prinzessin
1690 Cello Medico des Toskaner Quartetts. Voussoupoff, und machte es Jules
— Sehr schönes Cello im Regio Istitute zum Geschenk blieb
Sers-ais ; bis
musicale in Florenz. Für Cosimo von zum Tode seines Sohnes Joseph in
Medici verfertigt. Von Stradivaris der F'amilie, dessen Witwe veräusserte
Hand ist hineingeschrieben ,,Musura esan Bankier Coüteaux für 60000 Frcs.
Giusta per il Tenore de occhi fatte Eigentümer jetzt Prinz de Caraman-
:
ha posa per il Gran Principe de Tos- Chimay.
cana. Adi 4. Ottob 1690." 1704 Oberst Lcslie, Dublin, vorher Menel,
— Friedrich Wilhelm III. König von , letzter zahlte 1000 M. dafür.
Preussen (Schüler von Duport dem 1707 Prachtvolles Instrument, lange Jahre
älteren), soll 1806 durch Betts ein in der Sammlung Vimpfen, -Paris,
V'cello für 10 000 M. zum Kauf aus- dann im Besitz von Bemardel, Paris,
bieten lassen. Verkauft wurde es nicht, jetzt des Cellisten Joh. Hegar, Frank-
sondern zurückgegeben ; über den furt a. M.
Verbleib ist Sicheres nicht bekannt. — Dr. Fan, Paris, früher Castelbarco.
1691 Im Musikhistor. Museum in Stock- — Gräfin von Stanlein, Mailand, früher
holm, aus der Castelbarco-Sammlung. Cellist Merighi Mailand, der «5
.
4 -
1^2
für 4 Mark kaufte, Paganini und '
Altona, vorher Besitz eines englischen
Vuillaume. |
Lords (die Echtheit wird angezweifelt).
1707 Gräfin Cristina Visconti in Venedig. 17 19 Charles Oldham, London.
1708 i'rof. Hugo Becker, Berlin. — Hugo Becker, vorher der Herzog v.
1709 Herr Markovitch. Paris, fr. Delphino. j
Marlborough.
1710 Bar. Rothschild, Lond., [Link]-Booth. 1 1720 Miss Muriel Handley, London, jet/.t
171 1 Signor Pezze, früher von Whitmore ,
R. V. Mendelssohn (18911.
Isaac, Worcester. England, gekauft für 1724 Professor R. Haussmann ^Joachini-
6000 M. Preis 1S08: 2000 IM. Quartett\ Berlin, früher Fountaine.
— Ferdin. Küchler in Frankfurt a. M., 1725 Sammler R. E. Brandt, London,
vormals Prof. Beiuh. Romberg. Berlin. vorm. Virtuos Ch. N. Baudiot. Paris.
— ,,Das Mara- Cello", grosses Patron,' — Das berühmte Cello aus der Samlg. Ta-
brachte der Cellist J. B. Mara nach i risios, wofür Gallay 16000 M. bezahlte.
England. Von ihm kam
es an Cross-
'
— f Herr Loys, Virtuose, Paris, früher u. a.
dill,später an General Boswell (^Lord Vaslin, dann Gallay.
Macdonald), dann an I>ucas. der es I 1726 T König Ludwig I. v. Portugal, früher
regelmässig in der Oper benützte, '
Chevillard vom Pariser Konservato-
und an Whitmore Isaac, Worcester, i rium. Preis 20000 P'rcs.
jetzt besitzt es ein engl. Sammler. 1728 Cello, aus der Samnrtung des Madrider
171 1 ,,Duport". Früher im Besitz von Hofes stammend. (?) Gehörte früher
Duport, Vater u. Sohn letzterer ver-
; |
S. J. Pigotti, Dublin; dieser verkaufte
kaufte es an Aug. Franchomme, Paris, '
es an C. Maukotel für 4000 M., und
für 25000 Frcs., nach dessen Tode letzterer für 6000 M. an General Oliver,
kam es an Baron Knoop in London. der es Piatti schenkte. Jetzt besitzt es
1712 Herr Goupillat, Paris, vorm. Davi- {
Robert von Mendelssohn. Berlin.
doff und Wielhorsky. I 1730 Von Hill & Sons, London, 18S5 für
17 13 Franklin Singer, London vorm. Col- 13000 M. gekauft. Preis 1S66: 4600 M.,
lectiou Adam. 1 l877:76ooM., i878:iooooM.,i8S2:i2 00oIST.
1 71 ,,Batta" Baron Knoop London, früher — Das Pawl^- Cello.
Thibout, Batta und Hill Sons in& j
— Mr. Murray.
London, die 60000 Mark dafür be- 1731 Mr. Braga.
zahlten. 1736 Rob. V. Mendelssohn-Bartholdy. Ber-
1717 Ferdin. Küchler, Frankfurt a. M., lin, vorm. Ladenburg, Frankfurt a. M.
— Herr E. C. Holden, Paris, vormals — Das Cello Wilhorskis, ein prachtvolles
Bonaray-Dobree. Instrument, erbte K. Dawidow.
— Virtuose J. Loeb, Paris, früher Mar- Robert von Mendelssohn, Berlin, besitzt
quis de Corberon. 4 Stradivari-V'celli.
17 19 Kammer- Virtuos Heinrich Kruse in Violincello da Venezia (ohne Datum).
4. Verschiedenes.
1681 Guitarre, gebaut für de» Edelmann werden die Finger benutzt. Gehört
Foderico Canobio, mit dessen I'amilie Miss Maria Decca in London. Hip-
der Meister befreundet war, gehört kins a. a. O. Seite 62. Der Wirbel
dem Instrum. -Museum des Konserv., kästen u. Saitenhalter haben schwarzes
Paris. Ebenso ein kleiner Bass-Violon Elfenbein, das Schallloch ist .sehr schön
mit 7 Saiten (No. 171 des Kataloges) — verziert und durchbrochen. Die beiden
eine elegante Viola da gainba 1687 Mailänder Mandolinen, die erste von
(No. 1037) —
und eine ntai)olitanische 17251 gehört George Donaldson, Lon-
Mandoline von 1715, mit Eiulege- don. Am oberen Stück des Wirbel-
Arbeit von Perlmutter, vorher Samlg. kastens mit Elmaille ausgestattet, an
L. Chapisson, Paris. beiden Rändern schwarzes Elfenbein,
1700 Cetera. —
Zither mit 12 Saiten und am oberen und unteren Kasten auch
prachtvoll gezierten [Link] Emaille, das Schalloch ist schön durch-
in Schlangenform, auf der Rückseite brochen. Das Meiste ist mit Perl-
23 goldene Rippen. Früher war die mutter verziert. Die zweite Mailänder
Zither in Modena, Bibliothek Estense, Mandoline ist von 1729. Gehört C. C.
jetzt George Donaldson in London. Coleman in London.
Abbild, in Hipkins, a. a. O. S. 29 u. 30.
2 1707 bestellte der spanische Hof 6 Vio-
1734 Pandurina. Hat 5 Paar Darmsaiten linen, 2 Violas und ein Violoncello
mit vorzüglicher Spielart. Zum Spielen für das kgl. Orchester.
-
— 153 -
Über die Geschichte des Geigenbogens.
Schon die Völker bcsassen nachweislich Saiten-
alten
instrumente, z. B. die Lyra, Kithara usw., nur wurden sie mit
dem Piektrum oder auch mittels der Finger zum Ertönen
gebracht; den Bogen, gerade das Charakteristische für die
Streichinstrumente, kannten sie nicht. Seine Erfindung er-
folgte wahrscheinlich erst im ersten Jahrhundert der christl.
Zeitrechnung. Ebenso wie die ursprüngliche Stange hat auch
der zur Tonerzeugung erforderliche Bezug des Bogens mannig-
fache Wandlungen erfahren, ehe man sich der Haare des
Pferdeschweifes dazu bediente. Deren Benutzung für den
gedachten Zweck erwähnt Ende des 13. Jahrhunderts Hugo
von Trimberg in seiner Dichtung Renner", einer mit eines
,, ,,
pferdes zagel streichet über vier schafes darm".
Die älteste Form des Bogens dürfte die eines mehr
oder minder stark gekrümmten Bügels gewesen sein.
Vom 12. bis zum 17. Jahrhundert war der Bügel (Herbes,
Cost. francs., Paris 1837 bildet einen ab, aus dem 8. Jahr-
hundert herrührend), mit dem aus den Streichinstrumenten
des Mittelalters der Ton gezogen wurde, einem Bogen ziem-
lich ähnlich. Im 17. Jahrhundert stellte sich das Bedürfnis
heraus, ihn bald straffer, bald loser zu spannen.
Ein Metall
draht besorgte das auf recht plumpe Weise, bis im Anfange
des Jahrhunderts Knopf und Schraube in Anwendung
18.
kamen, wie sie heutigen Tages in Gebrauch .sind, nur waren
sie damals viel gröber und derber. 1725 wendete der Um
Geiger Tartini, der Komponist der „Teufels-Sonate'*, dem
Bogen erhöhte Aufmerksamkeit zu und Hess ihn aus leich-
teren, elastischtien Hölzern anfertigen.
Die Form w^ar die alte geschweifte,
doch strebte sie ,
schon mehr der geraden zu. Gegen Ausgang des 18. Jahr-
hunderts war es die französische Arbeiterfamilie Tourte,
deren Mitgliedern ein hohes Verdienst um den modernen,
den idealen Geigenbogen zukommt. Nach A. Vidal bedeutet
der Name Tourte für den Bogen, was der Name Stradi-
vari für die Violine ist. Der Stammvater der Tourte
etablierte sich um 1740 in Paris. Er und sein Sohn Xavicr
schlanke Form fest, die erst die Elastizität ver-
stellten die
bürgt und Hessen die Stange bis auf eine sachte Schweifung
gegen die Spitze hin fast parallel mit der Behaarung laufen.
— 154 —
und gaben der Spitze Eleganz, dem „Frosch" Zierlichkeit. Ihre
zweckmässigen Verbesserungen wurden jedoch weit über-
troffen durch den zweiten Sohn, Frangois Tourte, * 1747.
Von Haus aus Uhrmacher, eignete er sich in diesem
Gewerbe die ungemeine Genauigkeit der Arbeit an, die ihn
auszeichnete. Sein Hauptaugenmerk wandte er dem Material
zu und studierte die Federkraft der edelen Holzarten. Zu
den Experimenten und Studien —
er scheint ein tüchtiger
Mat-hematiker gewesen zu sein —
benutzte er die fast wert-
losen Reifen der Zuckerfässer, in denen der Rohzucker aus
Amerika herüberkam, und sah seine vielfachen Mühen zwischen
1785 und 1790 endlich vom Erfolge belohnt. Der Violinist
Viotti hatte ihm mit Rat zur Seite gestanden. Das Haupt-
verdienst Fr. Tourtes besteht darin, der von ihm konkav
gebogenen Stange des Bogens jene ausserordentliche Elasti-
zität verliehen zuhaben, welche die kompliziertesten Strich-
arten zulässt, ohne dadurch die Festigkeit und Dauerhaftig-
keit des Fabrikates in Frage zu stellen. Auch den Schieber
und die Zwinge am Frosch brachte er an. Tourte ver-
arbeitete brasilianisches Fernambukholz und bog es mit Hilfe
des Feuers. Seine Bogen brachten ihm ein: ohne Verzierung
gewöhnlich 36 Franken, Stücke mit Elfenbein-
kostbare
und Schildpatteinlagen und Goldknöpfen bis 12 Louis-d'or.
Vidal schreibt: ,,Fran9ois Tourte hat nicht seinesgleichen
in Europa". Zu seinen Bewunderern gehörte auch Louis
S p o h r. Heute kostet ein echter Tourte-Bogen, den
übrigens nur ein gewiegter Kenner von zeitgenössischen
Nachahmungen unterscheiden kann, 200 bis 500 Franken.
Die Violoncello-Bogen stehen noch viel höher im Preise.
Am 5. Februar 1887 erstand der Londoner Instrumenten-
macher Hill im Hotel Drouot" einen Violoncello-Bogen
,,
von Fran^ois Tourte für iioo Franken.
Tourte starb in Paris im April 1835, 88 Jahre alt.
In freien Stunden war er leidenschaftlicher Fischer und sein
Leben floss zwischen seinen Bogen und seiner Angel hin.
Tourte am nächsten gekommen ist der englische Bogen-
macher John Kew Dodd in London (* 1752, f 1839);
er hatte keinen Lehrling, keinen Gesellen und verriet niemand
sein Geheimnis des Spaltens der Hölzer, schlug auch ange-
botene 25000 Franks Lehrgeld für seine Kunst aus. Als
ebeinbürtige Nachfolger sind zu nennen: Jacques und Joseph
;
— 155 —
Rene Lafleur und Sohn), Paris; Frangois
(Vater
LupotlL, Paris; Pageot
(Pajeot), Mirecourt, hat etwa
8000 Dutzend Bogen gemacht. J. B. Vuillaume, Paris,
(* 1798,
t 1875) erfand u. a. den hohlen Stahlbogen, wovon
er über 5000 Exemplare absetzte, und kurz vor seinem. Tode
eine Bogenschneide-Maschine; Eury, Paris; Dominique
Peccate u. Charles Peccate (Neffe), Paris ; William
Du ff, Dunkeid; Brüder Gand (Gand u. Bernardel F^^),
Paris; Claude Augustin Miremont, New-York und
Paris,gehört zu den besten Pariser Meistern des 19. Jahrh.
Jean Baptiste Paquotte, Paris weder Ant. Vidal noch ;
George Hart, noch S. A. Forster erwähnen den deutschen
Tourte; Christian Süss in Markneukirchen (1830 1900), —
der weder zu Ruhm, noch zu Reichtum gelangte und
doch als einer der besten Bogenmacher des Vogtlandes
galt; Nicolas Frangois Voirin, nach Tourte Paris,
der beste Bogenmacher Frankreichs; Joh. Bapt. Reiter,
Mittenwald, machte sehr gute Bogen; Franz Johann Glass,
Leipzig, erfand neue Geigenwirbel und einen Bogen zum
Selbstbespannen; Ernst Gläsei, Markneukirchen, erfand
einen Bogen ,,zum Selbstbehaaren*'; Alfred Joseph
Lamy, Paris, hat es zu grosser Vollkommenheit gebracht;
Schramm, Gotha 1855 (ein Bogen wurde mit einem
Dukaten Kittel, St. Petersburg; August Rau,
bezahlt);
Markneukirchen, seine Bogen werden sehr geschätzt und
kommen jetzt den besten französischen gleich; Gustav
Fassmann, Magdeburg C o o n n a Paris, erfand einen
; 1 ,
mechanischen Bogen für Streichinstrumente.
Violinenbogen von Gaulard in Troyes (1835) sind in
dem Instrumenten-Museum des Konservatoriums in Paris. In
einem „Catalogue des Violons Italiens et frangais, anciens et mo-
dernes" heisst es: „Süperbe Violon de Joseph Guarnerius
del Gesü. Archets [Bogen] de Tourte, Lupot, Voirin, Pec-
cate etc. . Le tout composant la Collection de
. .
M. Armingaud et dont la vente aura Heu Hotel Drouot,
Salle No. 7. Le [Link] 25 Avril 1900 Paris*'. . . .
Ein Violinbogen von Elfenbein und Schildpatt von
Wenzel Kowansky, gen. der böhmische Wenzel, ist in der
k. k. Schatzkammer in Wien.
Preise für Violinenbogen von Tourte le jeune
(Frangois) 150 fr. (im Mai 1901), ein Tourte-Bogen 375 fr.,
- 156 -
von FranqoisLupot 250 fr., von V o r ni Imitation
i ,
Tourte, 250 Tourte
fr, 396 Gulden, Kittel 66 Gulden,
Voirin (für Violoncello) 33 Gulden.
Sammlung von Gambenbögen mit charakte-
ristischenKöpfen, die den Bogen in seinem Entwicklungs-
gange darstellen. Sammlung Erzherzog Franz Fer-
dinand von Österreich-Este. Wien.
Bogen für VioUne und Violoncello. Mitte des 19. Jahr-
hunderts. 6 Stück. Graf Johann H. Knach, Wien.
Schlussbetrachtung.
Für den Solospieler ist ein Instrument mit schönem
Ton genau so unerlässlich, wie für den Sänger eine schöne
Stimme. Was ist ein schöner Ton.? Ton heisst ein musi-
kalisch brauchbarer Klang von regelmässiger Schwingungs-
form, im Gegensatz zu Geräusch; wir lassen ihn durch das
Gehör auf unsere Sinne wirken und beurteilen danach, ob
er schön oder unschön ist. Da nun aber die Menschen
im Denken, Fühlen und Wollen gar verschiedenartig aus-
gestattet sind, so gehen die Urteile über die Klangeigen-
schaften eines Instrumentes gar oft weit auseinander. Was
der eine und lieblich
sanft findet, erscheint dem andern
matt und süssHch; was der eine als kräftig und markig
schätzt, klingt dem andern gewöhnlich und derb. Aber
dennoch gibt es Instrumente, welche von allen ohne Unter-
schied als wohlklingend bezeichnet werden. Als solche
kommen in erster Linie in Betracht die Antonio Stradivari
und Joseph Guarneri, sie befriedigen jedes Ohr und ent-
zücken jeden Hörer! Warum.'* Zergliedern wir den Ton
dieser Instrumente mit feinem Gehörsinn, so liegt einzig sein
Reiz inder Klangmischung, die sich zusammensetzt aus
Reminiszenzen an Flöte, Oboe, Hörn und Klarinette. Der
wahre Künstler ist im Stande, durch ein gegebenes Anfassen
der Saiten mit dem Bogen, durch eine gewisse Bogen-
führung und geeignete Wahl der Lagen, diejenigen Nuancen
hervorzuholen, welche sein Gefühl ihm eingibt. Wie er nun
die ganze Skala der Empfindungen auf einem und demselben
Instrument auszudrücken vermag, so bedarf er doch dazu
eines solchen, welchem die Fähigkeit, diese Abstufungen
— 157 —
auch wirklich innewohnt und das ist in
hervorzubringen,
hohem Grade bei den Arbeiten der oben Hjenannten Meister
der Fall.
Es gibt Geigen, die nur eine einzige Klangsorte her-
geben z. B. die der Oboe. Das sind langweilige Intrumente !
Man. zieht aus ihnen nichts als nur den dünnen näselnden
Oboeton, an welchem sich kein Spieler erwärmen und kein
Zuhörer erfreuen kann. Dass der Ton bei alledem doch
starkklingend und weittragend sein mag, verbessert durchaus
nicht den leidigen Gesamteindruck. Wenn wir nun „Schön-
heit des Tones*' in den Ausdruck .richtige Klangmischung"
,
übersetzen, so bleibt zu untersuchen, was denn eigentlich
das Wesen der Klangmischung ist? Sie entsteht durch das
Mitklingen der Töne (Ober- oder Naturtöne),
aliquoten
welche dem Grundton angehören und je stärker sie in der
Oktave, Quinte, der folgenden Oktave, Terz, Quinte und
Septime mitklingen, desto schöner ist der Ton, desto voll-
kommener ist das Instrument. In dem Resonatoren-Apparat
von Rud. Koenig, 1832 (Resonatoren sind akustische Hilfs-
'^
instrumente, abgestimmte Hohlkugeln zur Verstärkung und
leichten Erkennung einzelner Obertöne der Klänge), ist uns
ein Mittel gegeben zur näheren Wahrnehmung der aliquoten
Töne: in seinen mehr oder minder gezackten Lichtbändern
sehen wir mit unsern Augen die Zahl der mitklingenden
Obertöne.
In klanglicher Beziehung mögen die heutigen Geigen
den Meisterwerken, wie sie ein Stradivarius schuf, noch nicht
gleichen Aber sollte das nicht wieder zu erreichen sein?
Spekulative Köpfe verkündeten zwar zu verschiedenen Zeiten
unter lautem Reklamegeschrei, das Geheimnis der alt-
italienischen Geigenbauer entdeckt und die Resultate der
alten Meister sogar übertroffen zu haben —aber solche
Prahlerei erwies sich wohl ausnahmslos als eitel Spiegel-
fechterei. Solange unser Geigenbau den W
erken der goldenen
Epoche nicht völlig gleicht, erfordert die solide Weiter-
entwicklung des Kunsthandwerks strenge Nachahmung der
uns von den grossen Meistern überlieferten klassischen Vor-
bilder. Erst wenn diese erreicht sind, mag die Geigenbau-
kunst auf eigenen Bahnen höheren Zielen zustreben.
^
158 -
Inhalt
Seite
Vorwort V
Einleitung: Die Geige und deren Erfindung VII
Erster Abschnitt: Die Schulen der Geigenbaukunst .... XIII
Angebliches Bild von Antonio Stradivari (nach anderen
Claudio Monteverdi) XV
Zweiter Abschnitt: Entwicklung und Vervollkommnung des
Geigenbaues. Kunstkennerschaft XVI
Dritter Abschnitt: Der sammeleifrige Luigi Tarisio . . . XIX
Vierter Abschnitt: Zettel -Inschriften. Täuschung. Kunst-
schwindel. Ausschachtelung XXIII
Fünfter Abschnitt: Der alt-italienische Lack XXV
Alte Lackrezepte aus der klassischen Periode des italie-
nischen Geigenbaues XXVIIl
Ueber die Grundierung XXXII
Sechster Abschnitt: Alphabetisch -chronologisches Namen-
Verzeichnis und Charakteristik der W^erke i
Bild von Gaspard Duiffoprougcar — Caspar TiejBfen-
bnicker. Nach Peter Woeiriot 1562 41
Typische Formen der j^-Löcher (Nicola Amati, Antonio
Stradivari (Messie), G. P. Maggini, Guarneri del Gesü
(Paganini's Geige), Jacob Stainer) 145
Siebenter Abschnitt : Zusammenstellung einer Anzahl Geigen,
Violen und Violoncelli von Stradivari nebst Angabe des
Herstellungsjahres und der jetzigen oder, falls diese nicht
bek^nt sind, der früheren Besitzer 146
Antonio Stradivari in seiner Werkstatt. Nach Ed. Hamman 150
Über die Geschichte des Geigenbogens 153
Schlussbetrachtung 156
Inhalt 158
: . —
: : Verlag von A. H. Payne, Leipzig-Reudnitz. : : :
Ehrlich, A., Berühmte Geiger der Vergangenheit und Gegenwart.
Eine Sammlung von 104 Biographien und 104 Porträts. 2. ver-
mehrte und verbesserte Auflage. Brosch. 5. geb 6.— — ,
Die Geig^in Wahrheit und Fabel. Mit Bildern von Paganinis Geige.
Straduaris Wohnhaus, Stainers Haus, Klotz-Denkmal in Mitten wald.
urkundlichen Stammbaum der Familie Klotz, Liste der von den
ersten Geigern der Neuzeit gespielten Instrumente usw. 1.—
Das Streichquartett in Wort und Bild. 45 Abbildungen sämtlicher
historischen und der meisten heute bestehenden Streichquartette
mit erklärendem Text u. biographischen Mitteilungen. 2. Aufl. O.
Das erste Müller'sche Quartett Das Quartett Hiinfiein
Das jüngere Müller'sche Quartett Das Quartett Riller
Das Florentiner Quartett, Das Bühniischo (Quartett
Die Leipziger Ouartotie: Das Petersburger Quartett
Das David'sche QuHttett Das Budapestor Quartett
Das Brodskische Quartett Das Triestor Quartett
Das Petri -Quartott Das Bologneser Quartott
Das Lewinger-Quartett Das Kneisel-Qaartett
Das I{orber- Quartett Das Dannreut her Quartett
Das .loachim'sche Quartett in Berlin Das Londoner Quartett mit Sir Ch. und
Das Joachim'scho Quartett in London Lady Halle
Das Frankfurter Quartett Das Warschauer Quartett
Das Kölner Quartett Das üompertz-Quartett
Das Heckmann'sche Quailett Das Shinnor-Quartett
Das Stuttgarter Quartett Das Brüsseler Quartett
Die Wiener Quartette Das Römische Quartott
Das Hellmesbergor Quartett sen. Das St. Petei-sburger Quartett
Das Hellmesberger Quartett jun. Das Piager Streichquartett
Das Rose-Quartett Das Wietiowetz-Quartott
Das Prill-Quartett Das Münchenor Streichquartett Kilian
Das Fitzner-Quaitott Dasneue Waldemar Meyer-Quartett
Das Soldat-Roeger-Quartett Das Joachim-Quartett. Neue Zusamraen-
Das Winkler-Quartett stoUung
Das Duesberg-Quartott Das Stuttgarter, Quartett
Das Halir-Quartett Das Manchester Quartett
Das Quartett Hollaender Das Henri Marteau-Quaitett
Das Waldemar Meyer-Quartett Das Petri-Quartott
Das Dresdener Quartett Das Lewinger-Quartett
Das Münchener Quartett Das Stockholmer Klavier-Quintett
Das Hamburger Quartett Das Hüsel-Quailett
Das Meininger Quartett Das Moskauer Quartett und einige andere.
Die Entwickelung des
Geigenbaues In Italien.
Klassifiziening nach Schulen von ca. 160 italieni-
schen Meistern, habe ich eine neue Auflage ver-
anstaltet, welche mehrere Verbesserungen und
Ko{rekturen enthält, sowie an Stelle der früheren
Porträts diejenigen von: Tartini, Viotti, Rode,
Kreutzer, Spohr, Paganini, Vieuxtemps, de B6riot,
Lipinski, Joachim, Sarasate und Wieniawski.
Dieses Blatt gruppiert alle italienischen Geigen-
bauer nach iliren Scnulen und Lehrern, und wird
für joden Geiger, [Link] oder Instrumenten-
macher von höchstem Interesse sein. Eä bildet
einen hübschon originellen Zimmerschmuck und
eignet sich, eingerahmt, ganz besonders zu einem
Gel ogenhei ts- ü eschen k
- - Zweite verbesserte Auflage. .
'
Preis M. 3.—
Kin Kunstblatt, das bei keinem
Straduari in seiner Werkstatt. Geigen-Interessenten fohlen
sollte. Virkleinening als Probe S. I.W d. B. k Blatt M. 7.—
: s : : Verlag von Carl Merseburger in Leipzig s : : :
In demselben Verlage erschienen:
#
ADLER, E., Die Behandlung und Erhaltung der Streich-
instrumeyite. Unter besonderer Berücksichtigung der
Geige oder Violine zur Belehrung für Musiker und
Dilettanten verfasst nebst einem Literaturanhang: Werke
aus der Spezial- Literatur über Streichinstrumente und
einem Verzeichnis der Geigenbauer, Streichinstrumenten-
macher und Reparateure in Deutschland, Österreich-
Ungarn und der Schweiz. 2. Auflage. Pr. 45 ^.
FUCHS, A., Taxe der Streich- Instrumente. Anleitung zur
Einschätzung der Geigen, Violen, Violoncelli, Kontra-
bässe usw. nach Herkunft und Wert. Pr. 4 ^
L AASER, C. A., Instrumentation.'-' - Tabelle für Streich-
Orchester^ gedrängte theoretisch-praktische. Nach den
besten Quellen bearbeitet. Neue Auflage. Pr. 45 ^
RITTER, Die Viola alta oder Altgeige. Ihr Name, ihre
H.,
Geschichte, die Grundzüge ihres Baues, ihr Wesen und
ihre Bedeutung als musikalisches Ausdrucksmittel. Als
Anhang: Brief R. Wagner's an den Verfasser. Apho-
rismen über die Viola alta. Die Bagatella'schen Geigen-
bauregeln. Hauptsächlichste Musik-Literatur für die Viola
alta. 3. veränderte und vermehrte Auflage, Pr. 2 ^M
SCHUBERT, Die Violine. Ihr Wesen, ihre Bedeutung
F. L.,
und Behandlung als Solo- und Orchester-Instrument.
4. Auflage, vollständig umgearbeitet und mit einem
Literatur-Anhang versehen von Rieh. Hofmann. 90 »^
CARL MERS EBURGE R, LEIPZIG.
Special-Verlag;
fUr
Gesang, KlaTler, Orgrel,
Überhaupt alle Musik*lnstrumente.
-^ Populäre Masikscbriflen. ^-
Katalo ge frei.
^
Deutsche Verlagjdruclicrei Fslix M«niburf;er, Ltipiig
KL Niederheitmann, Friedrich
830 Crernona
N5
1919
Music
PLEASE DO NOT REMOVE
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