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Zoom: Emerging Adulthood: Merkmale, Psychopathologie Und Therapeutische Versorgung

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Redaktion: Inge Seiffge-Krenke, Mainz-Kostheim:
Die Psychotherapie; DOI: [Link]
ZOOM: EMERGING ADULTHOOD
Merkmale, Psychopathologie und therapeutische Versorgung

EMERGING ADULTHOOD ELTERNROLLE ZWEITES WINDOW WER KOMMT IN BEHANDLUNG?


OF VULNERABILITY
Die Zeit bis zum Erwachsenwerden hat sich in den Durch die lang andauernde Exploration im Bereich von Beruf Betroffene mit
letzten 20 Jahren deutlich ausgedehnt und führte und Partnerschaft sowie die Semiautonomie ihrer Kinder Zirca 30 % der jungen erwachsenen · ruminativer Exploration und sorgenvoller Diffusion,
zu einer eigenständigen Entwicklungsphase der erwachsen den Eltern neue Verpflichtungen, die in dieser Form Männer erfüllen die Kriterien einer · subjektivem Leidensdruck,
18- bis 30-Jährigen. Dabei zeigt sich eine Universa- früher nicht bestanden haben. psychischen Störung (Jacobi et al., · erlebter Diskrepanz zwischen den Entwicklungszielen
lität der 5 typischen Merkmale des »emerging ! Es ist schwierig für Eltern, unangemessen hohe emotionale 2014). Auch junge erwachsene Frauen und der ungewissen Zeit bis zu ihrer Realisierung.
adulthood« mit weitreichenden Folgen für die und praktische Unterstützung zu reduzieren. erfüllen die Diagnose mit 43,0 %. Herausforderungen: Es ist thera- © Al
psychische Gesundheit: exR
! Separationsängste und psychologische Kontrolle haben bei ! Häufig auftretende Störungen: peutisch wichtig, den Betroffenen at h
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· verlängerte und qualitativ veränderte Identitäts- Eltern stark zugenommen, mit nachteiligen Folgen für die Depessionen, Arbeitsstörungen, Pro- · aus der ruminativen Explora- iS

to
entwicklung krastination und Computerspielab-

ck
Identitäts- und Autonomieentwicklung junger Erwachsener. tion herauszuhelfen,

/ Th
· Auswirkungen auf Partnerschaft & Beruf hängigkeit. · Grenzen der Exploration

i nk s
· verringertes Commitment und hohe Instabilität zu setzen,

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mit häufigen Wechseln in beiden Bereichen · die Widerstände zu

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analysieren,
IDENTITÄTSENTWICKLUNG · und eine Festlegung
verhindern.

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Die verlängerte Identitätsentwicklung kann als Paradigma

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dieser Entwicklungsstufe angesehen werden. Es werden vier 4

mo
MERKMALE verschiedene Identitätsstatus gefunden:

de
ll)
· Achieved Identity: nach einer Phase des Ausprobierens schließ-
Exploration. Die eigene Identität wird besonders lich Festlegung in einem bestimmten Bereich,
im partnerschaftlichen und im beruflichen Bereich · Moratorium: sehr starke Exploration ohne Festlegung,
exploriert. Die jungen Erwachsenen sind noch · Foreclosure: sehr geringe Exploration, schnelle Festlegung in
weitgehend frei von Verpflichtungen und können einem Bereich,
die eigenen Möglichkeiten und Ziele erforschen · difuse Identität: keine Exploration und keine Festlegung.
und austesten. ! Eine verlängerte, qualitativ veränderte Identitätsentwicklung FAZIT
Instabilität. Die jungen Menschen verfolgen zwar ist heute eine normative Entwicklung für alle Geschlechter im
gewisse Ziele, revidieren diese jedoch immer wieder jungen Erwachsenenalter geworden. · In der Altersstufe der 18- bis 30-Jährigen ist es schwierig the- · Intrusives Elternverhalten oder Separationsangst finden
und probieren Verschiedenes aus. Diese Experimen- rapeutisch zu unterscheiden, ob es sich um normale Entwick- sich inzwischen in nichtklinischen Stichproben – wenngleich
tierfreudigkeit und Instabilität zeigen sich auch im lungsphänomene oder um eine behandlungsbedürftige, Patienteneltern immer noch deutlich höhere Werte aufweisen.
beruflichen und im partnerschaftlichen Bereich und krankheitswertige Störung handelt. · Hohe Prävalenzraten weisen auf ein zweites „window of
der Umzugsmobilität. MUSTER VON „NICHTBEZIEHUNGEN“ · Konzepte wie die »pathologisch prolongierte Adoleszenz« sind vulnerability“ hin. Junge Erwachsene werden oft mit einer
Narzisstische Tendenzen. Selbstfokussierung zu revidieren. Es handelt sich um eine normative Entwick- erheblichen Behandlungsverzögerung vorstellig.
und narzisstische Tendenzen werden durch den lungsveränderung, die international empirisch belegt ist. · Behandlungstechnisch sind die Instabilität, starke narzissti-
Die Häufigkeit von unverbindlichem Gelegenheitssex nimmt in · Die veränderte Identitätsentwicklung hat gravierende Auswir- sche Komponenten, der Umgang mit Rettungsfantasien und
massiven Einbezug der neuen Medien mit sozialem
den ersten Jahren des jungen Erwachsenenalters stark zu und ist kungen auf die berufliche und partnerschaftliche Entwick- ruminativer Exploration sowie die Gefahr von Helikopter-
Vergleich verstärkt (Seiffge-Krenke 2021a).
insbesondere auffallend (Seiffge-Krenke 2021b). lung und einem starken narzisstischen Fokus. Therapeuten (Seiffge-Krenke 2022a) zu bedenken.
Gefühl des „Dazwischenseins“. Zwar sind die jun- · »Hook-ups« oder »One-Night-Stands«: Es kommt zwischen
gen Erwachsenen ab 18 Jahren rechtlich gesehen unbekannten Partnern, oft in Verbindung mit Alkohol, zu sexu-
erwachsen, füllen diese Rolle aber nur partiell aus. ellen Aktivitäten (Garcia et al. 2012).
Diversität. Unterschiede im beruflichen und im · »Freund mit Vorteilen« oder Freundschaft+: Die mangelnde
partnerschaftlichen Status, in der Wohnsituation Abgrenzung ist eine wesentliche Voraussetzung für die
und in Werten führen zu einer großen Diversität der Nutzung von Freunden für sexuelle Begegnungen (Williams &
Entwicklungsverläufe, auch die ethnische Herkunft Adams 2013).
ist von Einfluss (Seiffge-Krenke et al. 2018). · »Churning«: Expartner haben trotz Beendigung ihrer roman- Quellen: Garcia, J. R. et al. (2012) Sexual hookup culture: a review. Rev GenPsychol16:161–176; Jacobi, F. et al. (2014) Psychische Störungen in der Allgemeinbevölkerung:
! In Abhängigkeit vom beruflichen Status (berufs- tischen Beziehung weiterhin Sex miteinander, wünschen aber Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland und ihr Zusatzmodul Psychische Gesundheit (DEGS1-MH). Nervenarzt85:77–87; Seiffge-Krenke, I. (2017) Studierende als
Prototyp der „emerging adults“. Verzögerte Identitätsentwicklung, Entwicklungsdruck und hohe Symptombelastung. Psychotherapeut62:403–410; Seiffge-Krenke, I. (2021a)
tätig, studierend, arbeitssuchend, in Ausbildung) keinesfalls eine Beziehung (Halpern-Meekin et al., 2013).
Der ganz normale Narzissmus im Jugendalter und im „emergingadulthood“. In: Döring Setal (Hrsg) [Link],Stuttgart, S435–454; Seiffge-Krenke, I. (2021b)
sind die Merkmale unterschiedlich ausgeprägt. Am · »On-off«-Beziehungen: ähnliches Muster (Shepardson et al. Sex ja – Liebe nein? Entwicklungspsychologische und therapeutische Perspektiven von Partnerbeziehungen im jungen Erwachsenenalter.PsychodynPsychother4:347–360;
deutlichsten sind sie bei Studierenden (Seiffge- 2016). Seiffge-Krenke, I. (2022a) Psychodynamische Psychotherapie mit jungen Erwachsenen. Kohlhammer, Stuttgart; Seiffge-Krenke, I. et al. (2018) Psychopathologie bei jungen
Erwachsenen aus sieben Ländern: Einfluss identitätsbezogener Risikofaktoren. Psychotherapeut 64:143–152; Shepardson, R. L. et al. (2016) Benefits of hooking up: self-reports
Krenke 2017). ! Die »Flucht vor der Intimität« ist auch therapeutisch relevant. from first-year college women. Int JSexHealth28(3):216–220; Williams, L. R. & Adams, H. L. (2013) Friends with benefits or „friends“ with deficits? The meaning and contexts of
uncommitted sexual relationships among Mexican American and European American adolescents. Child Youth Serv Rev 35(7):1110–1117

Die Psychotherapie 1 • 2023 1 • 2023 Die Psychotherapie

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