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Reinhard Münch

DIE FÜRSTENDIVISION
Deutsche unter den Fahnen Napoleons

Engelsdorfer Verlag
Leipzig
2020

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3
Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in
der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten
sind im Internet über [Link] abrufbar.

ISBN 978-3-96145-736-6

Copyright (2020) Engelsdorfer Verlag Leipzig


Alle Rechte beim Autor

Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)


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10,00 Euro (D)

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INHALT

Der Rheinbund 1806 bis 1813 .................................. 7


Das 1. Regiment Würzburg ................................... 17
1809 – Belagerung von Gerona................................... 17
Die Würzburger in der Völkerschlacht bei Leipzig.. 25
Das 2. Regiment Nassau....................................... 33
1808 bis 1810 – In Spanien .......................................... 33
Das 3. Regiment Frankfurt ................................... 45
Im Russlandfeldzug 1812 ............................................. 45
Das 4. Regiment Herzogliche Sachsen, die
Ernestiner.............................................................. 57
Kolberg............................................................................ 57
Die Sachsenklemme ...................................................... 65
Das 5. Regiment Anhalt und Lippe ...................... 71
Der Anhalter Stabsarzt erzählt: Tirol 1809................ 71
Der Spanische Krieg im Jahr 1810.............................. 77
Das Bataillon Lippe 1812 und 1813 ........................... 82
Das 6. Regiment Schwarzburg, Reuß
und Waldeck.......................................................... 91
In Spanien. Das Fürsten-Bataillon (Bataillon
des Princes) ..................................................................... 91
Das 7. Regiment Herzogtümer Mecklenburg .....103
1809 in (Vor)Pommern...............................................103
1812 in Russland ..........................................................109
Exkurs – Oldenburg für das 7. Regiment ............121
Nachsatz ..............................................................129
Quellenverzeichnis und Abbildungen .................131

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DER RHEINBUND 1806 BIS 1813

Im Juli 1806 setzten 16 Diplomaten aus deutschen


Fürstenhäusern ihre Unterschrift unter ein von Frank-
reich aufgesetztes Dokument, das den Namen Rhein-
bundakte trug. Diese deutschen Staaten fanden es an der
Zeit, sich formell vom Deutschen Reich loszusagen,
dessen Tage durch die Entwicklungen der letzten Jahre
zuvor zu zählen waren. Die Gründer dieser Konfödera-
tion fanden als Partner Frankreich oder besser gesagt,
Frankreich hatte sich neue Verbündete geschaffen.
Unter Napoleons Führung begründeten sie eine militäri-
sche Allianz und forderten so die anderen deutschen
und europäischen Staaten heraus. Das deutsche Kaiser-
reich war Geschichte. Nach der offiziellen Austrittser-
klärung der Rheinbundstaaten aus dem Reichsverband
am 1. August legte Franz II. fünf Tage später die deut-
sche Kaiserwürde nieder. Er entband die Reichsstände
von ihren Pflichten gegenüber dem Reich.

Die Gründungsmitglieder waren die Königreiche Bayern


und Württemberg, das Kurfürstentum Baden, das
Großherzogtum Berg und das Herzogtum Arenberg-
Meppen. Weiter dabei waren die Landgrafschaft Hes-
sen-Darmstadt und die Fürstentümer Aschaffenburg,
Regensburg, Nassau-Usingen, Nassau-Weilburg, Ho-
henzollern-Hechingen, Hohenzollern-Sigmaringen,
Salm-Salm, Salm-Kyrburg, Isenburg-Bir-stein, Liechten-
stein und von der Leyen.
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Dann trat im September 1806 das soeben geschaffene
Großherzogtum Würzburg bei, ehe der Frieden zu
Ende ging. Es kam im Oktober zum Krieg zwischen
Frankreich auf der einen und Preußen und Sachsen auf
der anderen Seite. Die Schlacht bei Jena und Auerstedt
wurde geschlagen und Preußen erlitt eine desaströse
Niederlage. Das Kurfürstentum Sachsen bekam umge-
hend das generöse Zugeständnis, ebenfalls dem Rhein-
bund beizutreten und dazu als Königreich zu agieren.
Das geschah noch im Dezember 1806.

Was tun, fragten sich die nun auf sich allein gestellten
kleinen Herzog- und Fürstentümer. Am besten ließen
sich deren Bestand und deren Souveränität nur dadurch
gewährleisten, wenn man sich dem Sieger anschloss. Die
Kurfürstentümer Hessen-Kassel und Braunschweig-
Lüneburg traten dem Rheinbund nicht bei und wurden
anderen Staaten, vor allem dem späteren Königreich
Westphalen und seit 1806 dem Großherzogtum Hessen-
Darmstadt einverleibt. Als Rheinbundmitglieder folgten
fünf Ernestiner Länder mit den Herzogtümern Sachsen-
Weimar, Sachsen-Gotha-Altenburg, Sachsen-Meiningen,
Sachsen-Hildburghausen und Sachsen-Coburg. Drei
Anhalter Herzogtümer traten gleichfalls bei, Anhalt-
Dessau, Anhalt-Bernburg und Anhalt-Köthen. Aus dem
Thüringischen taten es die Fürstentümer Schwarzburg-
Sondershausen und Schwarzburg-Rudolstadt nebst den
reußischen Fürstentümern Greiz, Ebersdorf, Schleiz
und Lobenstein gleich. Das Fürstentum Waldeck und
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die Fürstentümer Lippe-Detmold sowie Lippe-
Schauenburg waren ebenfalls ab 1807 im Rheinbund.
Im Jahr darauf folgten noch Mecklenburg-Schwerin,
Mecklenburg-Streletz und Oldenburg-Lübeck. Die
Oldenburger werden im Exkurs wegen ihrer Besonder-
heit eine separate Notiz bekommen.
Durch weitere Neugründungen und Zusammenlegun-
gen von Staaten verschwanden einige Länder wieder.
1810 waren mit der Aufnahme des neuen Großherzog-
tums Frankfurt (R.M. dafür wurden die Mitbegründer
Fürstentümer Aschaffenburg und Regensburg aufgelöst)
die wichtigsten Änderungen abgeschlossen. Das 1807
neu gegründete Königreich Westphalen war natürlich
schon von der Größe und politischen Bedeutung her
sofort Mitglied des Rheinbundes geworden.

Wichtigste Aufgabe der Rheinbundstaaten war zunächst


die Stellung von vereinbarten militärischen Kontingen-
ten, die entsprechend der Einwohnerzahl berechnet
wurden. So differenzierte die Anzahl zwischen den
einzelnen Staaten von wenigen Dutzend bis zu 30.000
Mann. Um schlagkräftige Einheiten formieren zu kön-
nen, entstand die Idee, die kleineren Truppengrößen mit
weniger als 4.000 Mann in einer so genannten Fürsten-
division zusammen zu stellen. Da wiederum ganz kleine
Länder gar kein eigenes Militär hatten, übernahm dies,
auch aus der historischen Tradition heraus, das seit
Ende August vereinte Fürstentum Nassau mit einem
zusätzlich aufgebauten Regiment.
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Die erste reale Umsetzung der Idee, Rheinbundtruppen
als Formation aufzustellen, war das Fürstenbataillon.
Die Einbettung dieser Einheit „Bataillon des Princes“
wird im Abschnitt der Schwarzburger, Reußen und
Waldecker beschrieben.
Eine wirkliche Division mit entsprechender Stärke und
der Einbindung entsprechender Kavallerie- und Artille-
riekräfte gab es in der Realität nicht. Jedoch waren zwei
so genannte Fürstendivisionen mit Rheinbundregimen-
tern im Einsatz. Einmal war es die Division unter
General Rouyer, die zunächst 1809 in Tirol kämpfte und
dann bis zur Auflösung zwei Jahre später in Spanien
blieb. Eine zweite Fürstendivision war die 34. Division
unter General Loison im XI. Corps Augereau, die 1812
zum Russlandfeldzug aufgebaut wurde und erst im
November in den Krieg eintrat.
Am 21. Februar 1809 schrieb Napoleon an Champagny
(No. 20090 in der Correspondance Générale) in Erwar-
tung des Feldzuges gegen Österreich über seine Vorstel-
lung einer Division mit Rheinbundregimentern ein-
schließlich deren Konzept bis zur Nummerierung der
Regimenter. Obwohl so nie umgesetzt, kann dieses
Schreiben als die Geburtsurkunde der Fürstendivision
angesehen werden. Im Brief vom 18. März 1809 an
Berthier (No. 20440 in der Correspondance Générale)
beschrieb der Kaiser weitere so nicht umgesetzte Vor-
stellungen. Ein Schwerpunkt war, dass die Division mit
Artillerie auszurüsten sei. Diese Ideen werden dann
auch für die Vorbereitung des Russlandfeldzuges eine
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Rolle gespielt und zur Bildung der 34. (Fürsten-)Divi-
sion beigetragen haben.1
In der militärhistorischen Literatur gibt es mehrere
Modelle einer Fürstendivision, die im Detail variieren.
Unstrittig sind die Regimenter 4, 5 und 6. Der Autor
geht einen Schritt weiter und baut entgegen der vorlie-
genden Quellenbeschreibungen die Frankfurter Trup-
pen als eigenes Regiment ein und zieht die beiden sonst
separat betrachtete Nassauer Regimenter (R.M. bei
Napoleon als 1 und 2, anderorts als 2 und 3 geführt)
innerhalb der Fürstendivision zu einem, nämlich Re-
giment 2, zusammen. Natürlich würden auch Zusam-
menstellungen der drei Rheinbund-Kontingente mit
4.000 bis 10.000 Mann, also Baden, Berg und Hessen, in
Kombination mit Frankfurt als „Deutsche Division“
(R.M. die es im Ansatz in Spanien und 1813 in Deutsch-
land zum Frühjahrs- wie Herbstfeldzug gab) Sinn
machen. Es bleibt ein Gedankenspiel, „Wargaming“ mal
in anderer Form.
Damit ergäbe sich ein Bild dieser Fürsten-Division mit
weit über 15.000 Mann wie folgt:
1. Regiment Großherzogtum Würzburg (R.M. in den
Quellen mitunter als 3. Regiment geführt) gleichgesetzt
mit dem militärischen Rheinbundkontingent von 2.000
Mann. Es gab fünf Bataillone, drei Eskadrons und
Artillerie.

1Diese Darstellung ist das Ergebnis einer Diskussion des Autors mit
John H. Diese
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Das Regiment war an folgenden Feldzügen (R.M. im
Folgenden auch Festungsbelagerungen und Sicherungen
1809 in Deutschland) beteiligt: 1807 Polen, 1808 bis
1813 Spanien, 1812 Russland, 1813 Deutschland.
2. Regiment mit nominell zwei Regimentern Herzogtum
Nassau, insgesamt 4.000 Mann. Das erste Regiment
waren vier Nassauische Bataillone, das zweite setzte sich
aus den Kontingenten von Isenburg, Salm-Salm, Salm-
Kyrburg, Hohenzollern-Hechingen, Hohenzollern-
Sigmaringen, Leyen und Liechtenstein zusammen.
Das Regiment war an folgenden Feldzügen beteiligt:
1807 Polen, 1808 bis 1813 Spanien, 1809 Österreich.
3. Regiment Großherzogtum Frankfurt mit 4 Bataillo-
nen des 2.800 Mann umfassenden Kontingents. In
Spanien kämpften Frankfurter mit Nassauern und
Badenern in der so genannten Deutschen Division, die
schön so etwas wie eine Fürstendivision darstellte.
Das Regiment war an folgenden Feldzügen beteiligt:
1808 bis 1813 Spanien, 1809 Deutschland, 1812 Russ-
land, 1813 Danzig und Glogau.
4. Regiment Sächsische Herzogtümer mit drei Bataillo-
nen mit 2.800 Mann. Im 1. mit fünf Kompanien Gotha-
Altenburgern und einer Coburger, im 2. mit zwei Kom-
panien Meininger, drei Gotha-Altenburger und einer
Coburger, im 3. fünf Kompanien Weimarer und eine
mit Hildburghausenern.
Das Regiment war an folgenden Feldzügen beteiligt:
1807 Polen, 1808 bis 1811 Spanien, 1809 Österreich,
1812 Russland, 1813 Danzig.
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Napoleon 1812, David

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5. Regiment Herzogtümer Anhalt und Fürstentümer
Lippe mit 2 Bataillonen und 1.450 Mann. Das 1. mit
dem Kontingent der drei Anhalter Staaten, gegliedert in
fünf Kompanien, das 2. mit sechs Kompanien Lipper.
Das Regiment war an folgenden Feldzügen beteiligt:
1808 bis 1811 Spanien, 1809 Österreich, 1812 Russland,
1813 Danzig.
6. Regiment Fürstentümer Schwarzburg, Reuß und
Waldeck mit 2 Bataillonen mit 1.500 Mann. Im 1. die
Schwarzburger, im 2. die Reußen und Waldecker.
Das Regiment war an folgenden Feldzügen beteiligt:
1808 bis 1811 Spanien, 1809 Österreich, 1812 Russland,
1813 Danzig.
7. Regiment Herzogtümer Mecklenburg mit 2 Bataillo-
nen Mecklenburg-Schwerinern und 1 Bataillon Meck-
lenburg-Strelitzer mit 2.300 Mann.
Das Regiment war an folgenden Feldzügen beteiligt:
1809 Deutschland, 1812 Russland.

Für jedes Regiment nach gerade vorgenommener Ein-


teilung werden in einem Kapitel Episoden beschrieben,
die sowohl den Memoiren aus den jeweiligen Rhein-
bundländern als auch dem Gesamtablauf der Zeit von
1807 bis 1813 gerecht werden sollen. So wird man
Erinnerungen aus der Sicht der Soldaten jener Zeit an
die Feldzüge gegen Preußen und Russland 1807, den
Spanienkrieg 1808 bis 1813, den Österreichkrieg samt
dem Tiroler Aufstand 1809 und den im gleichen Jahr in
Deutschland erfolgten militärischen Aktionen genau so
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finden wie Episoden aus dem Russlandfeldzug 1812 und
schließlich aus dem Kriegsjahr 1813 auf deutschen
Boden bis zur Völkerschlacht.

Offiziers-Tschako Fürstendivision
4. Regiment, III. Bataillon

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DAS 1. REGIMENT WÜRZBURG

1809 – Belagerung von Gerona2

Das Regiment, nunmehr der Katalonischen Armee


angehörend, wurde mit anderen deutschen Kontingen-
ten dem zum Vorgehen gegen die Festung Gerona
bestimmten Belagerungskorps zugeteilt und nahm in der
Folge an der vom 8. Mai bis 10. Dezember 1809 dau-
ernden Belagerung hervorragenden Anteil.
Die Stadt zählte 14.000 Einwohner und war von 8
größeren und kleineren Außenwerken umgeben. Die
nur aus 5 Bataillonen bestehende Garnison musste
durch Heranziehung der ganzen waffenfähigen Ein-
wohnerschaft verstärkt werden. Alle Stände ließen sich
einreihen, selbst die Frauen beteiligten sich, indem sie
den Kämpfenden mitten im Hagel der feindlichen
Geschosse Munition und Lebensmittel zutrugen und
den Verwundeten die erste Hilfe leisteten. Die unter
dem 60 Jahre alten spanischen General Alvarez seitens
der Belagerten an den Tag gelegten Proben von Mut
und Ausdauer waren das würdige Gegenstück zu den
Heldentaten der Belagerer.
Das Belagerungskorps hatte eine Stärke von 18.000
Mann. Der Oberbefehl, der in der Folge wiederholt

2 Sinngemäße Wiedergabe einer Quelle zu den Würzburgern:


Schuster, J.: Das Großherzoglich Würzburgische Infanterie-
Regiment in Spanien 1808 - 1813. Eine kriegs- und sanitätsge-
schichtl. Jahrhunderterinnerung. München 1909
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wechselte, lag zu Anfang in den Händen des französi-
schen Generals Reille. Das Großherzoglich-Würz-
burgische Infanterie-Regiment war mit dem 2. Bergi-
schen Infanterie-Regiment zu einer Brigade vereinigt.
Schon die Vorbereitungen der Belagerung, zu denen das
Würzburger Regiment herangezogen wurde, kosteten
ungewöhnlich große Anstrengungen, da der Boden so
steinig war, dass der Batteriebau nur mit Sandsäcken
bewerkstelligt werden konnte. Am 12. Mai schrieb
Oberst von Gebsattel aus dem Stabsquartier des Re-
giments, Campdura: „Das Benehmen des Regiments in
diesen Tagen hat den ungeteilten Beifall aller Chefs,
insbesondere des Brigadegenerals erworben. Die Teue-
rung in hiesiger Gegend hat den höchsten Grad erreicht;
alles lebt mit sehr schmalen Etappen. Die Zahl der in
das Hauptspital abgehenden Individuen ist sehr groß.“
Am 13. Juni begann die Beschießung. Am 17. Juni
schon machte die Garnison einen Ausfall, der aber von
den Würzburgern mit dem Bajonett zurückgewiesen
wurde. Nach Wegnahme mehrerer kleiner Werke erfolg-
te am 8. Juli der erste große Sturmangriff, der jedoch
von den Spaniern mit großer Bravour abgeschlagen
wurde. Der Tag kostete dem Angreifer 854 Tote und
1318 Verwundete, dem Regimente 34 Tote und 152
Verwundete. Dem wegen Zurückschaffung der in den
Gräben liegen gebliebenen Verwundeten zu Alvarez
gesandten Parlamentär wurde der Bescheid gegeben,
dass dafür gesorgt würde, dass binnen einer Viertelstun-
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de kein Verwundeter mehr lebt. Derartige Grausamkei-
ten wurden in jenem Kriege öfters verübt.
Am 10. Juli schrieb v. Gebsattel: „Nach den bisherigen
Verhalten der feindlichen Garnison, die von der Geist-
lichkeit dirigiert wird, ist wohl anzunehmen, dass sie
lieber unter dem Schutt ihrer Forts und der Stadt ster-
ben, als solche ausliefern will.“ Nach der Wegnahme
mehrerer Werke, wobei sich die Würzburger besonders
hervortaten, und Legung einer Bresche in die Stadtum-
fassung wurde am 19. September die Festung zum
zweiten male in 5 Sturmkolonnen angegriffen. Aber
auch dieser Sturm wurde seitens der Spanier abgewie-
sen. 700 Tote und 1100 Verwundete zurücklassend, die
Würzburger hatten 5 Tote und 14 Verwundete, musste
der Rückzug angetreten werden. Dieser Misserfolg
bewog die Leitung des Belagerungskorps, die Taktik zu
ändern, die Berennungen zunächst aufzugeben, hinge-
gen die Zernierung (R.M. im Sinn der absoluten Dicht-
machung des Belagerungsringes) der Festung zu ver-
dichten, zumal es einer von Engländern vorgestoßenen
Kolonne gelungen war, der Stadt frischen Proviant
zuzuführen. Die Blockade wirkte. Hunger und Krank-
heiten zehrten die letzten Kräfte der Verteidiger auf.
Einzelnen aus der Festung Entwichene schilderten die
verzweifelte Lage der Geronesen. Ganze Familien
waren ausgestorben. Am 2. Dezember wurde die Be-
schießung wieder aufgenommen. Neue Vorstöße der
Angreifer waren von Erfolg gekrönt. In der Nacht vom
9. zum 10. Dezember versuchte Alvarez noch einen
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Durchbruch, der aber misslang. Krank, verwundet,
musste er mit den Trümmern seines Korps in die
Trümmer der Stadt zurückkehren. Erst jetzt entschloss
er sich zur Übergabe, die noch am gleichen Tage nach
beiderseitigem Übereinkommen zustande kam. Vom
Hunger gepeinigt, stürzten sich die Geronesen auf die
französischen Marketender und Soldaten, um Lebens-
mittel zu erhalten. Die Geistlichen wurden in ihren
Zellen verhaftet und mit der kriegsgefangenen Garnison
nach Frankreich gebracht. 7 Monate 3 Tage hatte die
Belagerung gedauert. Fast 8.000 Menschenleben auf
Seite der Belagerten fielen zum Opfer. Das Belage-
rungskorps hatte einen Abgang von 12.000 Mann. Das
Würzburger Regiment allein hatte einen Gefechtsverlust
von 106 Gebliebenen und 451 Verwundeten.
Über die sanitären Verhältnisse während der Belagerung
berichtete Dr. Pfeiffer. De dato Campdura dem 21. Juli
und 12. Oktober 1809 klagt er über die sehr mangelhaf-
te Verpflegung und die schlechte Unterkunft der Mann-
schaften. „Die Leute“, schreibt er, „kommen nicht mehr
aus den Kleidern, die jeden Morgen vom Tau durch-
nässt werden. Als Nachtlager haben sie nichts als den
harten steinigen Boden. Während sie untertags den
größten Sonnenbrand erleiden müssen, da die Spanier
die ganze Umgebung glatt rasiert haben, sind sie nachts
auf dem hochgelegenen Lagerplatz Wind und Erkältung
ausgesetzt, wodurch viele brustkrank werden. Die
Nahrung besteht vorwiegend in Speck und zum Ge-
tränk dient nur schlechtes, warmes Wasser.
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Großherzogl. Würzburgische Truppen 1812, Knötel

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