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Step 2

Das Dokument beschreibt die Berechnung der Tragfähigkeit von mehrschnittigen Holz-Holz-Verbindungen mit stiftförmigen Verbindungsmitteln. Es werden typische Fachwerkverbindungen mit mehreren übereinanderliegenden Holzteilen vorgestellt. Die Berechnung der Tragfähigkeit jeder einzelnen Scherfläche wird erläutert. Außerdem werden Beispiele für Fachwerkknoten mit den resultierenden Kräften in den Verbindungsmitteln gezeigt.

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Das Dokument beschreibt die Berechnung der Tragfähigkeit von mehrschnittigen Holz-Holz-Verbindungen mit stiftförmigen Verbindungsmitteln. Es werden typische Fachwerkverbindungen mit mehreren übereinanderliegenden Holzteilen vorgestellt. Die Berechnung der Tragfähigkeit jeder einzelnen Scherfläche wird erläutert. Außerdem werden Beispiele für Fachwerkknoten mit den resultierenden Kräften in den Verbindungsmitteln gezeigt.

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H O L Z B A U W E R K E

STEP 2
KONSTRUKTIONEN
DETAILS
N A C H E U R O C O D E 5

Herausgegeben von
Hans Joachim Blaß
Rainer Görlacher
Günter Steck
Inhalt
Vorwort
D Bemessung und Konstruktion Details-
D1 Fachwerkknoten mit stiftförrnigen Verbindungsmitteln
D2 Fachwerkknoten mit Dübeln besonderer Bauart
D3 Instandsetzung von Holzkonstmktionen - Bauzustandsanalyse
D4 Instandsetzung von Holzkonstruktionen - Reparatur und Verstärkung
D5 Träger-Stütze- und Träger-Träger- Anschlüsse
D6 Anschlüsse mit Stahlplatten
D7 Transport und Montage
D8 Rahmenecken
D9 Aussteifung - Konstruktionsdetails
D10 Holzkonstruktionen in Erdbebengebieten - Details
D1 1 Rechnerunterstütztes Konstruieren und Fertigen
E -
Bemessung und Konstruktion Tragwerke
Geschichte des Holzbaus
Entwurf von Holzkonstruktionen
Pfetten
Gerade Brettschichtholzträger, Pult- und Satteldachträger
Gekrümmte Brettschichtholzträger und Satteldachträger
Fachwerkbinder aus Furnierschichtholz
Fachwerkbinder aus Brettschichtholz und Vollholz
Gerüste und Schalungen
Ebene Rahmen und Bögen
Holztafelbau - Konstruktion
Holztafelbau - Gebrauchstauglichkeit
Holztafelbau - Feuerwiderstand
Holz-Beton-Verbundkonstruktionen
Aussteifung von Tragwerken
Holzskelettbau - Prinzipien
Holzskelettbau - Bemessung
Holzbrücken
Holzpfähle
Rundholzkonstruktionen
Räumliche Rahmen und Kuppeln
Schalentragwerke
Ermüdung von Holz und Holzwerkstoffen
Stützwände, Schallschutzwände und Leitplanken
Leitungsmasten
Betonschalungen
Holzkonstruktionen in aggressiven Medien
Lernen aus Schadensfällen I
Lernen aus Schadensfällen I1

Autorenverzeichnis
Beteiligte Organisationen
Inhalt STEP 1
Weitere Veröffentlichungen in der STEP-Reihe
Anzeigen
Vorwort

Der vorliegende zweite Band der STEP Buchreihe schließt das Eurofortechl STEP
Programm ab und erweitert ein enzigartiges europäisches Lehrprogramm für den
Holzbau. Auf der Grundlage des ersten Bandes behandelt der zweite Band
"Holzbauwerke - STEP 2" die Bemessung und Konstruktion von Details und
Tragwerken. Die deutsche Fassung stellt eine Übersetzung der zunächst in
englischer Sprache erarbeiteten Beiträge dar und entspricht daher in manchen
Bereichen nicht der im deutschsprachigen Raum gängigen Holzbaupraxis. Auf eine
Abstimmung der Beiträge auf die bei uns übliche Praxis wurde bewußt verzichtet,
um dem Leser auch Konstruktionsmöglichkeiten vorzustellen, wie sie in den europä-
ischen Nachbarländern angewendet werden.

Abschnitt D, 'Bemessung und Konstruktion - Details' behandelt Verbindungen mit


stiftfönnigen Verbindungsrnitteln und Dübeln besonderer Bauart, Rahmenecken oder
Konstruktionsdetails von Aussteifungen. Themen wie Instandsetzung, Transport und
Montage, die Konstruktion von Bauwerken in Erdbebengebieten oder CAD werden
angesprochen.

Abschnitt E - 'Bemessung und Konstruktion - Tragwerke' - zeigt die Verwendung


von Holz und Holzwerkstoffen in Tragwerken. Nach der Behandlung allgemeiner
Themen wie der Geschichte des Holzbaus oder dem Entwurf von Holzkonstruk-
tionen wird die Bemessung und Konstruktion verschiedener Bauteile wie z.B.
Biegeträger, Fachwerkbinder oder Rahmen- und Bogentragwerke dargestellt. Häuser
in Holztafelbauart, Holzskelettbauten und Brücken sind Beispiele für typische
Anwendungen des Baustoffes Holz in Tragwerken. Schließlich werden spezielle
Anwendungen wie Holzschalendächer, die Ermüdung von Holz und Holzwerk-
stoffen oder das Lernen aus Schadensfällen gezeigt, um einen umfassenden Über-
blick über die Möglichkeiten des Bauens mit Holz zu geben.

Zur Unterstützung der Dozenten wurde parallel zu den STEP Büchern eine STEP
Diareihe über Holzbauthemen entwickelt. Das vollständige Paket gibt Dozenten in
Universitäten, Fachhochschulen und Fachschulen die Möglichkeit, zukünftigen
Generationen von Bauingenieuren und Architekten aus europäischer Sicht die
Möglichkeiten des Holzes als leistungsfähiger, wirtschaftlicher und ökologischer
Baustoff darzustellen.

H.J. Blaß. R. Görlacher und G. Steck


stiftförmigen
Verbindungsmitteln
STEP ~1 Inhalt
Englischer Originalbeitrag: Ein Verfahren zur Berechnung der Tragfähigkeit mehrschnittiger Holz-Holz-
H. Hart1 Verbindungen mit stiftförmigen Verbindungsmitteln wird vorgestellt. Zur Bau-
Ziviiingenieur für Bauwesen stoff- und Verbindungsmittelwahl werden einige Entscheidungshilfen und Infor-
A.J.M. Leijten mationen mitgeteilt. Berechnungsbeispiele mit typischen Verbindungen und
Delft University Zeichnungen von Fachwerken und ihren Knotendetails stellen den Hauptteil des
of Technology Beitrags dar.

Einleitung
Fachwerkträger werden in zahlreichen unterschiedlichen Formen hauptsächlich
bei Dachkonstruktionen für Sporthallen, Industriegebäude und landwirtschaftliche
Gebäude verwendet. Die Vorteile des Fachwerkbinders sind die geringe Eigenlast
und die Materialersparnis, während die Konstruktionshöhe in Trägermitte im
Vergleich zu Vollwandträgern als Nachteil angesehen werden kann. Die einzel-
nen Stäbe des Fachwerks sind an ihren Enden miteinander verbunden, indem die
Stabenden nebeneinanderliegend Anschlußflächen für die Verbindungsmittel
ergeben, oder indem sie stumpf gestoßen sind und über Knotenplatten, z.B. aus
Stahl, verbunden werden. Mehrschnittige Verbindungen erlauben eine Minimie-
rung der Anschlußfläche, weil die von den Verbindungsmitteln aufzunehmenden
Kräfte auf mehrere Scherflächen verteilt werden können. Wegen ihrer hohen
Tragfähigkeit werden stiftförmige Verbindungsrnittel in den Fachwerkknoten-
verbindungen sowohl bei Holz-Holz- als auch Stahlblech-Holz-Verbindungen
häufig eingesetzt.

Mehrschnittige Verbindungen

1 2 3 4 5
Abb. 1 Typischer Fachwerkknoten mit sich übergreifenden Stabenden der
Füllstäbe.

In STEP 1 werden nur ein- und zweischnittige Verbindungen zwischen zwei und
drei Einzelteilen behandelt. Es gibt jedoch Fälle, bei denen eine Verbindung aus
mehr als drei Elementen besteht. Ein Beispiel ist die Verbindung von Fachwerk-
stäben, die im Gegensatz zu Nagelplattenbindern nicht in einer Ebene liegen.
Ober- und Untergurt können von Auflager zu Auflager durchlaufend mit häufig
mehrteiligen Querschnitten hergestellt sein. Die Diagonalen und Pfosten werden

STEPlEUROFORTEiCH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms D111


zwischen die Gurtstäbe geführt. Ein Beispiel für eine solche zusammengesetzte
Verbindung ist in Abb. 1 dargestellt. Zur Vereinfachung der nachfolgenden
Erläuterung wird nur ein Verbindungsmittel eingesetzt. Somit sind es fünf
Holzteile, die durch das Verbindungsmittel über vier Schefflächen miteinander
verbunden sind. Als nächstes ist die Tragfähigkeit jeder einzelnen Scherfiäche zu
ermitteln, wobei aber die üblichen Bemessungsgleichungen nicht ohne gewisse
Zusatzüberlegungen benutzt werden dürfen. EC5 gibt dazu folgenden Hinweis:

EC5: Teil 1-1: 6.2.3 "In mehrschnittigen Verbindungen sollte die Gesamttragfähigkeit als Summe der
Mindesttragfähigkeit aller Scherfugen bestimmt werden, wobei jede Scherfuge
als Teil einer Reihe zweischnittiger Verbindungen anzusehen ist." Die Kräfte, die
in den einzelnen Scherflächen übertragen werden können, sind wegen der
unterschiedlichen Faserrichtung der Einzelteile verschieden, so daß die Trag-
fähigkeit jeder Scherfläche gesondert zu betrachten ist. Im folgenden wird dieses
Vorgehen anhand des Falles nach Abb. 1 vorgestellt.

Ausgehend von der bekannten Kraftrichtung in der Druck- und Zugdiagonale


sowie der Richtung der Gurtdifferenzkraft ist es wichtig, die Richtung der Kräfte
in jeder Scherfiäche zu bestimmen. In Abb. 2 ist das stiftförmige Verbindungs-
mittel, das in diesem Fall die einzelnen Stäbe verbindet, vergrößert dargestellt,
zusammen mit den Kräften, die von den einzelnen Holzquerschnitten in den Stift
eingeleitet werden. Da die Stabkräfte symmetrisch zur Mittellinie des Teiles 3
angreifen, ist nur eine Hälfte des Stiftes dargestellt. In der Scheffläche ist der
Stift aufgeschnitten, um die Richtung der Scherkräfte zu zeigen. Diese Scher-
kräfte können über Gleichgewichtsbetrachtungen an den Teilstücken des Stiftes
leicht ermittelt werden. In Wirklichkeit greifen keine Einzelkräfte am Stift an,
sondern es wirkt eine entlang des Verbindungsmittels verteilte Spannung recht-
winklig zur Achse. Bei der Ermittlung der Tragfähigkeit geht man davon aus,
daß sich das Verbindungsmittel in Richtung der Kraft in der Scherfläche
verformt und versagt. Diese Richtung ist wichtig, weil die Lochleibungsfestigkeit
der Holzteile vom Winkel zwischen Kraft und Faser abhängig ist.

Abb. 2 Kräjiegleichgewicht an den Stifiabschnitten zwischen den Sche$ächen.

Die Tragfähigkeitsberechnung für jede Scherfiäche läuft somit folgendermaßen


ab:

Wegen der Symmetrie müssen nur zwei Scherfiächen untersucht werden.


Zunächst betrachtet man die Scherfläche zwischen Holz 1 und Holz 2 und
vernachlässigt alle anderen Stabteile. Wenn man Holz 1 an der Symmetrieachse
des Holzes 2 spiegelt, ergibt sich die in Abb. 3b dargestellte zweischnittige

D112 STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Verbindung mit den Einzelteilen 1, 2 und 1 . Für diese Verbindung wird nach der
Johansen-Theorie (siehe STEP C3) die Tragfähigkeit je Scherfläche ermittelt. Die
Lochleibungsfestigkeit, die in die Berechnungsgleichung einzusetzen ist, wird
entsprechend des Winkels zwischen der Richtung der Kraft und der
Faserrichtung modifiziert, und der maßgebende Versagensmodus wird ermittelt.
Dann wird die nächste Scherfläche zwischen Holz 2 und 3 betrachtet, indem
Holz 2 an der Symmetrieachse des Holzes 3 gespiegelt wird, siehe Abb. 3c.
Wieder wird die Tragfähigkeit und der maßgebende Versagensmodus ermittelt.
Um alle möglichen Versagensarten dieser Scherfläche zu erfassen, ist eine
weitere Untersuchung erforderlich, bei der die Anordnung der Hölzer 3-2-3 nach
Abb. 3d betrachtet wird. In dieser Art sind alle Scherflächen zu untersuchen,
über die keine Randstäbe, wie im vorliegenden Fall Holz 1 oder 5,
angeschlossen sind.

Abb. 3 Kombination der Einzelteile für die Bestimmung der Tragfähigkeit.

Abschließend ist es wichtig, die Verträglichkeit der Versagensarten der aufeinan-


derfolgenden Scherflächen zu überprüfen. Für Scherflächen, die Randelemente
anschließen, sind grundsätzlich alle Versagensarten zu untersuchen. Die Verfor-
mungsfigur, bei der das Ende des Stiftes im Randelement geneigt ist, ist in
diesem Fall physikalisch möglich, während dies für andere Scherflächen nicht
möglich ist, da sich an diesem Ende eine weitere Scherfläche anschließt und der
Stift kontinuierlich durch die Verbindung durchlaufen muß. Es ist somit klar,
daß die maßgebende Versagensart der sich anschließenden Scherfläche mit der
Versagensart der betrachteten Scherfläche verträglich sein muß.

Beispiel
Es wird die Verbindung nach Abb. 1 untersucht. Der Winkel zwischen Untergurt
und Diagonalen beträgt 45". Nutzungsklasse 2, Klasse der Lasteinwirkungsdauer:
kurz.
Holz 1 und 5 b, = 45 mm
Holz 3 b, = 75 mm
Holz 2 und 4 b3 = 35mm
Charakteristische Zugfestigkeit des Stabdübels f = 640 N/mm2
Stabdübeldurchmesser d = 10mm
Charakteristische Rohdichte der Hölzer Pk - 380 kg/m3

Die Ergebnisse sind der Tabelle 1 zu entnehmen. Die Tragfähigkeit der Scher-
fläche zwischen Holz 1 und 2 beträgt 2720 N und die der nächsten Scherfläche
2260 N.

STEPlEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms D113


daß sich das Gebäude in einem Gebiet wie z.B. der Alpenregion Österreichs mit
hohen Schneelasten, die über eine längere Zeitdauer wirken, befindet. Als Klasse
der Lasteinwirkungsdauer ist deshalb "mittel" anzunehmen.

Abb. 4 Dreiecksbinder.

Nägel: 3,l X 70 - glattschaftig und nicht vorgebohrt


YM = 191

Stäbe: C27
p, = 370 kg/m3
YM = l , 3
Nutzungsklasse 1
Klasse der Lasteinwirkungsdauer: mittel
km, = 098

Charakteristischer Wert und Bemessungswerte der Lochleibungsfestigkeit bei


Nägeln bis 8 mm Durchmesser ohne Vorbohren der Nagellöcher:
EC5:Teill-1:6.3.1.2a fh,, =21,6N/mm2
EC5: Teil 1-1: [Link] f , = 13,3 N/mm2
p =l,O
Charakteristischer Wert und Bemessungswert des Fließmomentes von Drahtnä-
geln mit einer Mindestzugfestigkeit von 600 N/mm2:
EC5: Teil 1-1: [Link]~ M , = 3410 Nmm
M , = 3100 Nmm

Zweischnittige Nagelverbindung entsprechend Abb. 5:


Der kleinste der nachfolgenden Werte ist der maßgebende Bemessungswert je
Scherfuge

EC5: Teil 1-1: [Link] R, = 907 N


EC5: Teil 1-1: [Link] Rd = 495 N
EC5: Teil 1-1: [Link] R, = 473 N
EC5: Teil 1-1: [Link] Rd = 556 N

Bemessungswert der Tragfähigkeit je Nagel:


Rd = 473 - 2 = 946 N

STEPlEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms D115


2. 21 =42 Näge131.70
Abb. 5 Aujlagerknoten.

Anschluß U, an 0,: Abb. 5


F, = 39300 N
nreq = 393001946 = 41,5 gewählt 42 Nägel

Abb. 6 Untergurtknoten.

~ n s c h l u ßV, an U: Abb. 6
F, = 4560 N
nmq = 45601946 = 4,8 gewählt 5 Nägel

Anschluß D an U,: Abb. 6


F, = 14600 N
'Teq = 14600/946 = 15,4 gewählt 16 Nägel

1450 N
2 . 2 = 4 N ä g e l 3 1 .70
Abb. 7 Firstknoten.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Anschluß V, an 0 : Abb. 7
F, =1450N
nreq = 14501946 = 1,5 gewählt 4 Nägel

2.4=8Nägel31.70
2 . 15 = 30 Nägel 31 .70 2 . 15 = 30 Nägel 31 . 7 0

Abb. 8 Untergurtknoten.

Anschluß V, an U,: Abb. 8


F, = 26200 N
n„ = 262001946 = 27,7 gewählt 30 Nägel

Fachwerk nach Abb. 9


Die Abbildung zeigt einen weiteren Dreiecksbinder. Die Schnittgrößen sind mit
einem Rechenprogramm ermittelt worden. Für die Anschlüsse werden Stabdübel
verwendet. Der maßgebende Lastfall ergibt sich aus der Überlagerung von
Eigenlast und Schneelast (y, = 1,44) mit der Klasse der Lasteinwirkungsdauer
"mittel" und der Nutzungsklasse 1.

Abb. 9 Dreiecksbinder.

Stabdübel: d = 20 mm
S 235
YM =

Stäbe: C24
p, = 350 kg/m3
YM
Nutzungsklasse 1 ; Klasse der Lasteinwirkungsdauer: mittel
km, =0,8

STEP/EUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms D117


Abb. 10 Auflagerknoten.

Anschluß U, an 0, : Abb. 10
F, .
= 170000 1,44 = 290000 N

Charakteristischer Wert und Bemessungswert des Fließmoments für runde


Stabdubel:
EC5: Teil 1-1: 6.5.1.2e M = 384000 Nmrn
M,, = 349000 Nmm

Charakteristische Lochleibungsfestigkeit für Stabdübel bis 30 mm parallel zur


Faserrichtung:
EC5: Teil 1-1: 6.5.1.2a

EC5: Teil 1-1: [Link]~

Charakteristische Lochleibungsfestigkeit für Bolzen bis 30 mm bei einem Winkel


von 18" zwischen Kraft- und Faserrichtung:
EC5: Teil 1-1: [Link],

Bemessungswert der Lochleibungsfestigkeit:


EC5: Teil 1-1: 6.2.11 fhOd = 13,6 ~ / m m ~
EC5: Teil 1-1: [Link] fh,ll,d
= 13,3 ~/mm'
ß = 0,98
Zweischnittige Stabdübel:
Der kleinste der nachfolgenden Werte ist der maßgebende Bemessungswert je
Scherfuge.

Scherfläche 1 Scherfiäche 2
EC5: Teil 1-1: [Link] R, =21800N R, = 13300 N
EC5: Teil 1-1: [Link] R, =13300N R, = 13600 N

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


EC5: Teil 1-1: [Link]
EC5: Teil 1-1: [Link]

Bemessungswert der Tragfähigkeit eines Stabdübels:


R, =2~(13300N+12200N)=51000N

nreq = 290000/(51000)= 4,8 gewählt 6 Stabdübel

4 Stabdübel~i20mm

Abb. 11 Untergurtknoten.

Anschluß D, an U,: Abb. 11


Die Resultierende der Kräfte D, und D, ist anzuschließen:
F, =51000.1,44=73500N

Charakteristischer Wert und Bemessungswert des Fließmoments für runde


Stabdübel:
EC5: Teil 1-1: 6.5.1.2e M , = 384000 Nmm
M = 349000 Nmm

Charakteristische Lochleibungsfestigkeit für Stabdübel bis 30 mm parallel zur


Faserrichtung :
EC5: Teil 1-1: 6.5.1.2a f = 23,O N/mm2
EC5: Teil 1-1: [Link]~ k„ =1,65

Charakteristische Lochleibungsfestigkeit für Stabdübel bis 30 mm bei einem


Winkel von 18" zwischen Kraft- und Faserrichtung:
EC5: Teil 1-1: 6.5.1.2b

Charakteristische Lochleibungsfestigkeit für Stabdübel bis 30 mm bei einem


Winkel von 34" zwischen Kraft- und Faserrichtung:
EC5: Teil 1-1: 6.5.1.2b

Bemessungswerte der ~ochle'ibin~sfesti~keit:


EC5: Teil 1-1: 6.2.11 fh,,,, = 1 1,5 N/mm2
EC5: Teil 1-1: [Link] fh,2,, = 10,6 ~ / m r n ~

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms D119


Zweischnittige Stabdübel:
Der kleinste der nachfolgenden Werte ist der maßgebende Bemessungswert je
Scherfuge.

EC5: Teil 1-1: [Link]


EC5: Teil 1-1: [Link]
EC5: Teil 1-1: [Link]
EC5: Teil 1-1: [Link]

n„ = 73500/(10600 - 2 ) = 3,5 gewählt 4 Stabdübel

Abb. 12 Firstknoten.

Anschluß D, an 0,: Abb. 12


F, = 39400 1,44 = 56700 N

Charakteristischer Wert und Bemessungswert des Fließmoments für runde


Stabdübel:
EC5: Teil 1-1: 6.5.1.2e M = 384000 Nmm
M = 349000 Nmm

Charakteristische Lochleibungsfestigkeit für Stabdübel bis 30 mm parallel zur


Faserrichtung:
EC5: Teil 1-1: 6.5.1.2a
EC5: Teil 1-1: [Link]~

Charakteristische Lochleibungsfestigkeit für Stabdübel bis 30 mm bei einem


Winkel von 34" zwischen Kraft- und Faserrichtung:
EC5: Teil 1-1: 6.5.1.2b

D1110 STEPlEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Bemessungswert der Lochleibungsfestigkeit:
EC5: Teil 1-1: 6.2.11 fh,O,d = 14,l N/mm2
EC5: Teil 1-1: [Link] f,,„,, = 11,7 ~ / m m ~
p = 1,20

Zweischnittige Stabdübel:
Der kleinste der nachfolgenden Werte ist der maßgebende Bemessungswert je
Scherfuge.
EC5: Teil 1-1: [Link] Rd = 23500 N
EC5: Teil 1-1: [Link] Rd = 14100 N
EC5: Teil 1-1: [Link] Rd = 12500 N
EC5: Teil 1-1: [Link] Rd = 14700 N

nreq = 56700/(12500 . 2) = 2,3 gewählt 4 Stabdübel

Die nachfolgenden Beispiele zeigen, wie stiftförmige Verbindungsrnittel in


verschiedenen Fachwerksystemen eingesetzt werden können. Abb. 13 zeigt einen
Trapezbinder und in Abb. 14 sind typische Knotenpunkte in diesem Binder
dargestellt. Das Beispiel eines weitgespannten Fachwerkbinders ist in Abb. 15
wiedergegeben. Fachwerkknotendetails für das Fachwerk nach Abb. 15 sind in
Abb. 17 abgebildet und Details des parallelgurtigen Fachwerkbinders (Abb. 18)
sind in Abb. 19 und 20 enthalten.

Abb. 13 Trapezbinder.

I'
Abb. 14 Beispiel für einen Fachwerkknoten im Fachwerk nach Abb. 13.

STEPlEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms D111 1


Abb. 15 Weitgespanntes Fachwerk mit Stahlblech-Holz-Verbindungen.

Abb. 16 Details des Fachwerks nach Abb. 15.

I1 - I1 1-1
fb/ (bl
2 . 116 nails 6.0.80 2 . 56 nails 6.0.80
\ I,--, I 1

Abb. 17 Obergurtknoten mit aufgenagelten Stahlblechen und einem Gelenkbolzen.

STEPEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Abb. 18 Parallelgurtiger HolSachwerkbinder.

12 dowels 012 mm

Abb. 19 Untergurtknoten des Fachwerkbinders nach Abb. 18.

J1
2 . 10=20nails90,310(p)

Abb. 20 Untergurtknoten des Fachwerkbinders nach Abb. 18.

STEPtEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Fachwerkknoten mit Dübeln
besonderer Bauart
STEP D2 Inhalt
Englischer Originalbeitrag: Der Beitrag liefert allgemeine Informationen über Dübelverbindungen in Fach-
H. Hart1 werkknoten. Es werden die verschiedenen Dübelarten vorgestellt und zahlreiche
Zivilingenieur für Beispiele von Verbindungen gezeigt.
Bauwesen
Einleitung
Abgesehen von der Befestigung einzelner Träger werden Dübel besonderer
Bauart auch in Fachwerkträgern zur Übertragung der Stabkräfte in den Knoten
verwendet. Die Kräfte werden in den Verbindungen über Druck- und Scherbean-
spruchungen je nach Steifigkeit der Verbinder und der Lochleibungsfestigkeit des
Holzes übertragen. Dabei treten im Holz elastische und plastische Verformungen
auf. Die heutigen Dübel haben sich aus den zimmermannsmäßigen Rechteck-
dübeln entwickelt, die meistens aus trockenem Laubholz hergestellt worden sind.
Mit der Entwicklung von Bohr- und Fräsmaschinen konnte man auch ninde
Hartholzdübel herstellen und als Holzverbindungsrnitte1 einsetzen. Seit etwa
1920 sind eine Reihe unterschiedlicher Dübel besonderer Bauart entwickelt und
in Versuchen auf ihre Brauchbarkeit untersucht worden. Heute sind nur noch die
rechteckigen Hartholzdübel, die rechteck- und T-förmigen Stahldübel sowie die
Dübel besonderer Bauart aus Stahlblech, Temperguß oder Leichtmetallguß-
legierung von Bedeutung. Die Berechnungsgrundlagen für die Dübel besonderer
Bauart werden in STEP C9 und C l 0 behandelt.

Allgemeines zu Fachwerkknoten
Ausmittigkeiten sollten bei der Verbindung der Fachwerkstäbe vermieden
werden, damit keine Zusatzbeanspruchungen erzeugt werden, siehe Abb. 1. Falls
Exzentrizitäten nicht vermeidbar sind, muß ihr Einfluß auf die Tragfähigkeit der
Verbindung und der Stäbe berücksichtigt werden. Aus Versuchen hat sich
ergeben, daß die Abnahme der Tragfähigkeit der Verbindung in solchen Fällen
bis zu 30% betragen kann. Das Zusatzmoment kann folgendermaßen berechnet
werden:

M = D , sin a , e = D, sin a, e
M = / M , / + /M,/

Abb. 1 Ausmittiger Stabanschluß.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms D21 1


Beispiele für Verbindungen
Rechteckdübel werden in Fachwerkknoten zwar selten eingesetzt, ein wichtiges
Beispiel für die Verwendung von Rechteckdübeln aus Hartholz oder Metall ist
aber die Kombination eines Stirnversatzes mit einem Sattelholz nach Abb. 2.
Diese Konstruktion kann für hochbelastete Diagonalen beim Anschluß an den
Untergurt erforderlich werden, wenn die Druckkraft wegen der zu geringen
Vorholzlänge oder wegen der Querschnittsschwächung durch den Versatz nicht
direkt in den Zuggurt eingeleitet werden kann. Die Ausführung hat einerseits den
Vorteil, daß die Stäbe nicht bearbeitet werden müssen, andererseits müssen
Zusatzmomente infolge von Ausmittigkeiten bei der Berechnung berücksichtigt
werden.

Abb. 2 Verwendung von T-förmigen Dübeln für den Anschluß eines Sattelholzes
(U)aus Laubholz.

Die Abbildungen 3 bis 25 zeigen eine Reihe von Fachwerkknoten mit Dübeln
besonderer Bauart. Bei der Bemessung der dargestellten Verbindungen sind
folgende Punkte zu berücksichtigen:
- Bemessungswerte der Einwirkungen,
- Bemessungswerte der Dübel- und Bolzentragfähigkeiten,
- Mindestabmessungen der Hölzer,
- Randabstände der Verbindungsmittel in Faserrichtung,
- Abstand zwischen Anschlußmittelpunkt und dem äußeren Rand des Ober-
gurtes bei Kraftrichtungen, die zur Faserrichtung geneigt sind,
- Mindestdübelabstände.

Verbindung mit zweiseitigen Ringdübeln, Typ A l nach prEN 912


Berechnung nach STEP C9

F, = 194 kN (Zug)
krnod = 0,8
-
- 60 mm b, = 160mm
t1
- 90 mm b, = 160 mm
t2 -
d, = 126 mm h, = 15 mm
Festigkleitsklasse C27 nach prEN 338.
p, = 370 kg/m3

STEPEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Dübel- und Randabstände
a, = 250 mm a3,, = 250 mm

Abb. 3 ZugstoJ mit Ringdübeln.

a = 0"
n = 2 X 4 Dübel
C9: Gleichung (12) -
rief - n=2 X 4 Dübel
Mindestabstände:
a3.r,min
- 1 s dc .
= 1,5 126 = 189 mm
Mindestholzdicken:
' I .min
-
- 2,25 h, = 2,25 . 15 = 33,8 mm
'2,min
- 3,75 he = 3,75 . 15 = 56,2 mm

C9: Gleichung (16)

k, = min
I = = 1,06

k, = min a3,t

2 dc
-
-
250 = 0,992
252

STEP/E'UROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms D213


Auflagerknoten mit Einpreßdübeln Typ C10 nach prEN 912.
Berechnung nach STEP C10

Abb. 4 Aujlagerknoten mit Einprepdübeln.

0 = 30,O kN (Druck) U = 29,l kN (Zug)


0 , = 4195 kN (Druck) , = 42,8 kN (Zug)
km, =0,8
t1 = 50 mm b, =120mm
t, = 80 mm b, = 140 mm
d, = 80 mm h, = 27 mm
Festigkeitsklasse C27 nach prEN 338
p, = 370 kg/m3
Bolzen
db = 20 mm fUjk = 360 N/mm2
Dübel und Randabstände
a3,? = 170 mm U,,, = 170 mm
a = 0" (der Obergurt liegt am unteren Rand auf)
n = 2 Dübel
Mindestabstände
'3,c,min
- 1 2 dc = 1,2 . 80 = 96 mm

1,1 dc = 1,1 . 80 = 88 mm
a,,,, = max
( 80 mm
.
7 d, = 7 20 = 140 mm

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des ~ ~ ' ~ o mProgramms


e t t
Mindestholzdicken:
ti ,min
- 1,l hc = 1,1 ~ 2 7 = 29,7 mm
- 1,9 h, =1,9 .7 = 51,3 mm
t2,min

Charakteristische Tragfähigkeit des Einpreßdübels


C10: Gleichung (9) Rc,k - 30 k, k„ k, dc'35

kP = min = = 1.06

k, = min -- 170 = 1,42


a3,t
1,5dc 120

k, = min I L-
1,5hc 1 S . 2 7
50
= 1,24

Bemessungswert der Tragfähigkeit des Einpreßdübels

Tragfähigkeit des Bolzens


Bemessungswerte der Materialeigenschaften:
EC5: Teil 1-1: 6.2.1 (2) Lochleibungsfestigkeit (y, = 1,3)
Seitenholz:

fh,O,d = fh,l,d = 0,082 ( 1 - 0,01 0,8 =


. 20) . 370 . - 14,9 Nlmm2
EC5: Teil 1-1: [Link] (1)
173
Mittelholz:

EC5: Teil 1-1: 6.2.1 (3) Fließmoment (Y, = 1,l)

STEPEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms D215


EC5:Teill-1:[Link](2) M Y , , = 0 , 8 - 3 6 0 . -203 , -1 =349Nm
6 1,l
EC5: Teil 1-1: 6.2.1 (1) Bemessungswert der Bolzentragfähigkeit je Scherfuge

Rh,a,d= min ' 349000


3,76 - 0.96 = 11,4 kN
(2 + 0,96) 10
+

14,9 - 20 . 502 I

Bemessungswert der Tragfähigkeit der Verbindung

Abb. 5 Untergurtknoten mit Einpreßdübeln und Nägel; (U,, V„ D, U,).

Abb. 6 Firstknoten mit Einpreßdübeln; (V„ D, 0,). (U) Einpreßdübel Typ C l 0


nach prEN 912, ( b ) Kontaktverbindung.

STEP/EUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Abb. 7 Untergurtknoten mit Einpreßdübeln und Bolzen; (U„ V„).

Abb. 8 Dreiecksbinder; mögliche Knotenpunktausbildungen siehe Abb. 9 bis 23.

Abb 9 Auflagerknoten mit Einlaßdübeln; (0,, U , ).

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Abb. 10 Untergurtknoten mit Einlaßdübeln und Nägel; (U„ D„ V„ D„ U,).

Abb. 11 Firstknoten mit Einlaßdübeln; (D3, 0,); ( U ) Kontaktverbindung.

Abb. 12 Einlaßdübel im Aujlagerknoten; (0,)U, ).

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Abb. 13 Untergurtknoten mit Einlaßdübeln und Kontaktanschluß; (U2, D„ V2, D„
U3).

Abb. 14 Firstknoten mit Einlaßdübeln; (D„ 0 , ) . (U) Kontaktverbindung.

Abb. 15 Einpreßdübel im Auflagerknoten; (0,,U , ).

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Abb.16 Untergurtknoten mit Einpreßdübeln und KontaktanschluJ; (U?, D„ V„ D„
U.?).

/ / 9 2
39,40 kN 140 \ b 4 0 kN

60
-C

160
d

60
i

Abb. 17 Firstknoten mit Bolzen; (D„ 0, ). (U) Kontaktverbindung.

Abb. 18 Einlaßdübel im Aujlagerknoten; (O,, U, ).

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Abb. 19 Untergurtknoten mit Einlaßdübeln und Kontaktanschluß; (U2, D„ V2, D„
U3).

Abb. 20 Firstknoten mit Einlaßdübeln; (D„ 0, ). (U) Kontaktverbindung.

Abb. 21 Einlaßdübel im Auflagerknoten; (O,,


U, ).

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Abb. 22 Untergurtknoten mit EinlaJdübeln und Nägel; (U„ D„ V„ D„ U,).

(0)

Abb. 23 Firstknoten mit Einlaßdübeln; (D„ 0,).( U ) Kontaktverbindung.

Abb. 24 Parallelgurtiger Fachwerkbinder; Untergurtdetail siehe Abb. 25.

460.80 100 ,80160f

Abb. 25 Untergurtknoten mit EinlaJdübeln; (U,, D,, D„ U,).

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Instandsetzung von Holz-
konstruktionen - Bauzustandsanalyse
STEP D3 Inhalt
Englischer Originalbeitrag: Bestehende alte oder neue Gebäude müssen von Zeit zu Zeit einer behutsamen
G . Bonarnini Untersuchung und Ermittlung ihrer Sicherheit und Gebrauchstauglichkeit unter-
Universith degli Studi zogen werden. Bei Holzkonstruktionen erfordert diese schwierige Aufgabe die
di Firenze Zusammenarbeit verschiedener Experten: Holzsachverständige, Tragwerksplaner,
Architekten und möglicherweise andere Experten, um den Zustand eines jeden
Bauteils zu überprüfen, die Gebrauchstauglichkeit der ganzen Konstruktion zu
ermitteln und den Verfall in Zukunft zu verhindern. Dieser Beitrag beschreibt die
verschiedenen methodischen Vorgehensweisen eines Holzsachverständigen.

Einleitung
Erhaltung und Sanierung bestehender Holzkonstruktionen ist ein relativ neues
Gebiet, deren Umsetzung eine multidisziplinäre Aufgabe darstellt. In der Zusam-
menarbeit der Experten (u.a. Architekten, Tragwerksplaner, Restauratoren) spielt
der Holzsachverständige eine besondere Rolle; seine Aufgabe besteht darin,
durch eine sorgfältige Untersuchung eines jeden Bauteils und einer jeden
Verbindung möglichst exakte Informationen über die Eigenschaften, das Verhal-
ten und den Zustand des Materials zu geben. Ebenso sind realistische Grenzwerte
für die mechanischen Eigenschaften zu ermitteln, mit denen der Tragwerksplaner
seine Berechnungen durchführen kann.

Im allgemeinen hat die Untersuchung einer Holzkonstruktion im wesentlichen


folgende Ziele:
- Bereitstellen von Informationen, die vom Tragwerksplaner benötigt
werden, um nachzuweisen, daß Festigkeit und Steifigkeit der Bauteile und
Verbindungen für die Standsicherheit und Gebrauchstauglickeit bei der
vorgesehenen Nutzung ausreichend sind;
- Aufzeigen von Teilen der Konstruktion, die z.B. eine besondere Verstär-
kung benötigen oder aber ersetzt werden müssen;
- Bestimmung der Schäden, durch die Konstruktion oder Teile davon
beeinflußt wurden und die auch in Zukunft auftreten können; Ermittlung
und Empfehlen von Maßnahmen, um das Auftreten von Schäden in
Zukunft zu verhindern;
- Zusammenarbeit bei der Feststellung des Tragverhaltens der Konstruktion;
weist die Konstruktion einen historischen, künstlerischen oder kulturellen
Wert auf, sollten auch die Baugeschichte oder die Herstellungstechniken
erforscht werden.

Um diese Ziele (für alle lastabtragenden Bauteile) zu erreichen, sind folgende


Schritte notwendig:
- Ermittlung der Holzqualität: Holzart und wichtige physikalische und
mechanische Eigenschaften, einschließlich Holzfehler und Anomalien;
- Ermittlung eventuell aufgetretener biotischer oder mechanischer Schäden;
- Ermittlung der wirksamen Querschnitte, der Festigkeit und Steifigkeit.

STEPlEUROFORTECH - eine Initiative irn Rahmen des EU Cornett Programms D311


Einflußfaktoren auf den Zustand der Konstruktion
Holz ist ein Material biologischen Ursprungs, seine Eigenschaften weisen viel
größere innere Veränderlichkeiten auf, als andere eher homogene und beinahe
isotrope Baustoffe wie Stahl oder Beton. Daher gibt es bis heute keine verläßli-
che Methode, um die Festigkeit eines einzelnen Holzbauteils exakt zu bestim-
men. Sortierverfahren und Versuchseinrichtungen wurden zur Ermittlung der
charakteristischen Festigkeitswerte von neuem, gesägtem Holz entwickelt. Die
Grundlage hierfür sind statistische Verteilungsfunktionen einer Gruppe (oder
Festigkeitsklasse) von Bauteilen, von denen die tatsächliche Festigkeit eines
einzelnen Bauteils zerstörungsfrei nicht exakt ermittelt werden kann. Weiterhin
kann die unkritische Übertragung der Regeln und Werte, die in den Bemessungs-
normen angegeben sind, auf alte Holzbauteile unangemessen sein, weil z.B.:
- es manchmal unmöglich ist, alle Seiten auf der ganzen Länge des Bauteils
in-situ visuell zu untersuchen;
- Holz biotisch oder mechanisch geschädigt sein kann, was im allgemeinen
durch die Sortierregeln bei neuem Holz ausgeschlossen ist;
- alte Balken häufig große Querschnitte aufweisen, die die Markröhre mehr
oder weniger zentral enthalten.

Große Fehler können bei der Beurteilung alter Holzbauteile vermieden werden,
wenn durch verschiedene Untersuchungsmethoden zunächst jeder Einfluß-
Parameter identifiziert und voneinander getrennt wird, um dann die Ergebnisse in
einer endgültigen Synthese zu kombinieren.

Bei einer Untersuchung sollten mindestens die folgenden Einflußfaktoren


betrachtet werden:

Ursprüngliche Holzqualität
Eine grundlegende Beschreibung der Holzqualität kann durch die Ermittlung der
folgenden Parameter erfolgen: Holzart, Herkunft (falls möglich), Bauteiltyp
(Rundholz, gesägtes Holz, Balken, Träger, Bohlen, Bretter, Querschnitt mit oder
ohne Markröhre, Viertelholz etc.), Splint- und Kemholzanteil, Dichte (Mittelwert
bei 12% Holzfeuchte), Jahmngbreite, '~aserabweichun~, Lage und Ausdehnung
von natürlichen Holzfehlem (Äste, 'Risse, Ringschäle, Harzgallen, Druck- und
Zugholz). Der Einfluß dieser Parameter sollte nach vergleichbaren Regeln, wie
sie f i r die Sortierung von neuem Holz entwickelt wurden, abgeschätzt werden

Gebrauchsbedingungen
Biotische Schäden: der Holzsachverständige sollte eventuelle biotische Holzschä-
digungen mit ihrem genauen Ursprung (Pilze, Insekten, Bakterien, Meerwasser-
schädlinge), Ursachen, Auswirkungen und Entwicklung bestimmen. Es wird
darauf hingewiesen, daß es notwendig ist, die holzzerstörenden Organismen
möglichst genau zu identifizieren, da innerhalb der gleichen Gruppe eine große
Vielfalt an unterschiedlichen Arten vorliegt (Lebenszyklus, Art der Schädigung,
Einfluß auf die Holzeigenschaften, Vorbeugungsstrategie). So ist es z.B. wichtig,
zwischen der Holzverfarbung durch Bläuepilze (kaum Einfluß auf die Holzfestig-
keit) und dem beginnenden Angriff eines holzzerstörenden Pilzes (verantwortlich
für Braun- Weiß- oder Weichfäule, d.h. völlige Zerstörung der molekularen
Holzstruktur) zu unterscheiden. Ebenso muß zwischen den Ausfluglöchem von
Anobien und Hausbockkäfem unterschieden werden, um weitreichende Fehler zu
vermeiden.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Alter: kleine, fehlerfreie Proben, die aus alten, intakten Holzbauteilen entnom-
men und einer Festigkeitspnifung unterzogen wurden (Biegung, Druck, Kerb-
schlag etc.) zeigten keine Unterschiede zu den Festigkeits- und Steifigkeitswerten
von neuem, vergleichbarem Holz (Jessome, 1965; Kuipers, 1986; Cristelli, 1986;
Ehlbeck und Görlacher, 1987; Rug und Seeman, 1991). Liegt keine Schädigung
vor, so ist es (bis heute) nicht gelungen, einen Alterungseffekt des Holzes durch
Versuche nachzuweisen. Dies bedeutet nicht, daß das Holz nicht eine chemische
Veränderung im Laufe der Jahrhunderte erfährt: so nimmt z.B. die Menge an
kristalliner Zellulose mit der Zeit ab (Borgin et al., 1975), jedoch stimmen die
Festigkeitswerte fast völlig mit Werten für neues Holz der gleichen Holzart und
Qualität überein. Daher muß das Holzalter (wie auch immer definiert) nicht in
die Untersuchungsparameter miteinbezogen werden.

Belastungsbedingungen: sie sollten im wesentlichen durch den Tragwerksplaner


gemäß den Bemessungsnormen berücksichtigt werden. Trotzdem sollte sich der
Holzgutacher z.B. der Bedeutung bewußt sein, wenn er in seinem Bericht große
Durchbiegungen der biegebeanspruchten Bauteile mitteilt, indem er versucht
abzuschätzen, ob diese Durchbiegungen nur aus elastischen Verformungen oder
teilweise aus hygro-mechanischen Erscheinungen (Kriechen) resultieren.

Feuchtegehalt: Holz ist hygroskopisch und seine Feuchte beeinflußt fast alle für
die Bemessung einer Holzkonstruktion wichtigen Eigenschaften: 2.B. Festigkeit,
Steifigkeit, Dauerhaftigkeit, Volumenänderungen (Quellen und Schwinden),
Formstabilität). Alle Bemessungswerte beziehen sich auf Holz mit 12 % Feuchte
und für andere Feuchten werden Modifizierungsfaktoren verwendet. Bei der Holz-
untersuchung sollte eine besonders sorgfältige Beurteilung der Holzbauteile im
Hinblick auf ihre vergangene, aktuelle und zukünftige Wechselwirkung mit dem
umgebenden Wasser vorgenommen werden (z.B. Luftfeuchte, Regenwasser oder
Rohrleckagen, Tauwasser, kapillares Wasser in feuchten Wänden). Jede
lokalisierte Stelle, in der eine Holzfeuchte von über 18 - 20 % gemessen wurde
oder wahrscheinlich erreicht wird, muß detailliert beschrieben werden, da hier
ein erhöhtes Risiko für das Auftreten biotischer Schäden durch Pilzbefall vorliegt
(siehe unten).

Temperatur: die Einflüsse der Temperatur auf die Holzkonstruktion werden oft
von Tragwerksplaner und Architekten überschätzt, die Erfahrungen mit anderen
Materialien, wie z.B. Stahl haben, die eine erhebliche thermische Ausdehnung
aufweisen. Im allgemeinen können die Einflüsse auf die Festigkeit des Holzes
bei Temperaturen unter 100°C vernachlässigt werden. Auf der anderen Seite
ergeben sich durch Temperaturänderungen auch Holzfeuchteänderungen mit
daraus 'resultierenden Dimensionsveränderungen infolge Schwinden und Quellen,
die erheblich größer sind, als die thermischen Ausdehnungen oder Verkürzungen.

Strahlungen: der häufigste Fall ist, daß Holz durch Sonnenlicht bestrahlt wird.
Ultraviolette Strahlen können die Holzstruktur nur in den äußersten Randzonen
(wenige Millimeter) verändern, indem Verfärbungen (Vergrauung) und im
schlimmsten Fall ein Art Karbonisierung hervorgerufen werden. Die tieferlie-
genden Holzbereiche sind geschützt und werden somit nicht beeinflußt. Andere
Strahlungsarten wie Gammastrahlen, Röntgenstrahlen, Mikrowellen und ähnliche
können die Holzstruktur verändern oder sogar zerstören. Dies geschieht jedoch
erst bei Strahlungsdosen, die weit über den Grenzen liegen, die im Ingenieurbau
normalerweise erreicht werden.

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Frühere Erhaltungs- und ReparaturmaJnahmen
Die schlimmsten Schäden an alten Holzkonstruktionen treten in der Tat oft dann
auf, wenn falsche Eingriffe vorgenommen wurden. Bei einer Untersuchung
sollten folgende Aspekte überprüft werden:
- Nutzungsänderungen des Gebäudes oder der Konstruktion.
- Ungünstige Änderungen des Mikroklimas: besonders beachtet werden
sollte, wenn eine ungenügende Belüftung aller Oberflächen der Holzbau-
teile vorliegt, wenn Balkenköpfe in die Wände eingemauert sind, oder
wenn sich Kondenswasser bilden kann als Folge einer Dachabdichtung
(Asphaltbeschichtung, Dampfsperren oder ähnliches) oder durch die
Einrichtung von Klimaanlagen.
- Ungenügende regelmäßige Erhaltungsmaßnahmen: an jeder Konstruktion
müssen regelmäßig Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt werden und dabei
bilden Holzkonstruktionen keine Ausnahmen. Viele Holzkonstruktionen
wurden für Jahrzehnte einfach "vergessen". Eine langsame Zunahme von
Feuchtigkeit, Schmutz, biotischen und mechanischen Schädigungen kann
zu einer ernsten allgemeinen Schädigung anwachsen, während rechtzeitige
und qualifizierte Erhaltungsmaßnahmen die ursprüngliche Unversehrtheit
der Konstruktion für Jahrhunderte erhalten.
- Schlechte Reparatur- und Restaurierungsmaßnahmen: besonders beachtet
werden sollte die Verträglichkeit des Holzes mit anderen Baustoffen, die
häufig bei der Reparatur eingesetzt werden. Dabei sind die Verträglichkeit
sowohl der physikalisch-mechanischen Eigenschaften als auch des statisch-
dynamischen Verhaltens der Kombination Holz mit anderen Materialien zu
bewerten. Die gewöhnlich verwendeten Verstärkungs- oder Reparatur-
techniken berücksichtigen oft nicht das grundlegend unterschiedliche
hygro-mechanische Verhalten von Stahl, Beton, Epoxidharzen und anderen
Baustoffen im Hinblick auf Holz und seine Anisotropie. Eine andere
Ursache für Probleme ist das beliebte, aber völlig abzulehnende Ausfüllen
von Rissen mit Holzkeilen (oder sogar Ausgießen mit Epoxidharz): Diese
Längsrisse entstehen durch das natürliche Schwinden von Holz und die
Breite der Risse sollte sich mit den Klimaschwankungen und den daraus
resultierenden Veränderungen der Holzausgleichsfeuchte frei verändern
können. Werden Risse mit einem steifen Material ausgefüllt, werden
Bewegungen verhindert, wodurch Spannungen im Material und somit
Öffnen neuer Risse erzeugt werden. Es wird dringend empfohlen, das
Ausfüllen von Rissen zu unterlassen oder, falls es aus bestimmten
Gründen unbedingt nötig erscheint, mit einem weichen und nachgiebigen
Material auszuführen.

Untersuchungsschritte
Die Instandsetzung von Holzkonstruktionen ist sehr oft ein Teil eines
allgemeinen Eingriffes in ein Gebäude, dessen Umfang und historische
Bedeutung es ratsam erscheinen läßt, die Untersuchung in zwei separate Schritte
aufzuteilen:
- ein erster Untersuchungsschritt, um eine allgemeine Vorstellung des
Zustandes der Konstruktion und der tatsächlichen Notwendigkeit einer
genaueren Untersuchung zu bekommen;
- eine genauere Untersuchung, die eine Einschätzung jedes Holzbauteils in
der Konstruktion erlaubt.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Erster Untersuchungsschritt (allgemeiner Zustand)
Ziele: vorläufige Beurteilung des gesamten Tragwerkes, ohne Beurteilung der
einzelnen Holzbauteile; Empfehlungen über Dringlichkeiten eines Eingriffes
(Dringlichkeitsklassen).

Mindestvoraussetzungen für eine Untersuchung: der Gutachter muß Pläne der


wichtigsten Teile des Gebäudes haben; die Konstruktion muß begehbar sein und
die Oberflächen der Holzbauteile sollten so weit wie möglich gesäubert und gut
beleuchtet sein; um beste Ergebnisse zu erzielen, sollten Verkleidungen von den
Holzoberflächen entfernt werden.

Allgemeine visuelle Untersuchung: Holzarten sollten mit der Genauigkeit, die


eine visuelle Begutachtung erlaubt, bestimmt werden: ein erfahrener Holzsach-
verständiger sollte im Normalfall in der Lage sein, zumindest Nadel- von Laub-
holz zu unterscheiden. In einigen Fällen können einige Gruppen von Holzarten
aufgrund ihrer besonderer anatomischer Eigenschaften durch eine visuelle
Begutachtung bestimmt werden, wie z.B. Eiche (gen. Quercus), Kastanie (gen.
Castanea), Ulme (gen. Ulmus), Tanne und Fichte (gen. Abies und gen. Picea),
Kiefer (gen. Pinus), Lärche (gen. Larix). Mittlere Holzqualitäten sollten visuell
bestimmt werden, indem im wesentlichen Äste, ~ i ' s s eFaserabweichungen,
, offen-
sichtliche biotische und mechanische Schäden berücksichtigt werden.

Erwartete Entwicklung des biotischen Befallsrisikos: durch eine kritische Ermitt-


lung der Umgebungsbedingungen sollte der Gutachter das biotische Befallsrisiko
abschätzen und die gesamte untersuchte Konstruktion in eine der Nutzungs-
klassen nach EC5 einordnen. Holzkonstruktionen, die einem hohen biotischen
Befallsrisiko ausgesetzt sind (oder früher ausgesetzt waren), sollten in eine hohe
Dringlichkeitsklasse eingeordnet werden, selbst wenn ihr aktueller Zustand gut
zu sein scheint.

Ermittlung der offensichtlichen biotischen oder mechanischen Schäden: der


Gutachter muß jedes Anzeichen von biotischem Befall, auch im Anfangsstadium
identifizieren und festhalten, und verfügbare technische Maßnahmen empfehlen,
um das Ausbreiten biotischen Befalls zu verhindern.

Einordnen der Konstruktion in Dringlichkeitsklassen: auf der Grundlage des oben


erwähnten Vorgehens wird die Konstruktion als ganzes in eine der drei folgen-
den Dringlichkeitsklassen eingeordnet:
Klasse "grün": geringe Dringlichkeit eines Eingriffes; bezüglich des Holzes
ist die Konstruktion in einem guten Zustand; das Befallsrisiko
ist gering; eventuell vorliegender Befall ist im Anfangsstadi-
um, nicht mehr aktiv und auf unkritische Bereiche beschränkt;
es sind lediglich Routineerhaltungsmaßnahmen erforderlich.
Klasse "gelb": mittlere Dringlichkeit des Eingriffes; Holzbauteile weisen
verbreiteten biotischen Befall auf; biotisches Befallsrisiko und
Versagensrisiko ist hoch; weitere detaillierte Untersuchungen
und Reparatureingriffe sind in Kürze erforderlich, selbst wenn
die Konstruktion nicht unmittelbar zusammenbrechen wird.
Klasse "rot": hohe Dringlichkeit des Eingriffes; das Holz ist in großem Um-
fang an kritischen Stellen durch Pilze oder Insekten zerstört;
die Konstruktion ist unmittelbar durch teilweisen oder völ-
ligen Einsturz gefährdet; weitere detaillierte Untersuchungen

STEP/EUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms D315


sind erforderlich, jedoch können sie erst nach einer
vorläufigen Verstärkung oder Reparatur ausgeführt werden,
um die Sicherheitsanforderungen zu erfüllen.

Berichte: der Gutachter sollte zumindest einen Plan erstellen, in dem die Dring-
lichkeitsklassen durch entsprechende Farben gekennzeichnet sind: grün, gelb, rot
und grau (diese vierte Farbe gibt die Stellen in der Konstruktion an, die für eine
visuelle Untersuchung vorgesehen waren, jedoch, aus welchen Gründen auch
immer, nicht zugänglich waren) und einen technischen Bericht über die allgemei-
nen Bedingungen der untersuchten Holzkonstruktion, mit Empfehlungen über
eventuelle Notwendigkeit weiterer detaillierter Analysen oder anderer Arten von
Eingriffen.

Zweiter Untersuchungsschritt (detaillierte Untersuchung)


Sind die Prioritäten festgelegt, kann eine detaillierte Untersuchung bei den Trag-
werken notwendig werden, die Probleme aufweisen, so daß mehr Information
über Restquerschnitte undloder tatsächliche Leistungsfähigkeit der Holzbauteile
benötigt wird.

Ziele: Beurteilung jedes individuellen Holzbauteils und jeder Verbindung in einer


Konstruktion; Ermittlung von Festigkeits- und Steifigkeitswerten der Bauteile für
die Tragwerksplaner; Ermittlung des wirksamen Restquerschnittes eines jeden
geschädigten Bauteils.

Mindestvoraussetzungen: wie beim ersten Untersuchungsschritt; zusätzlich sollte


das Bauteil auf die gesamte Länge zugänglich und visuelle Untersuchung
möglich sein.

Detaillierte visuelle Untersuchung: falls erforderlich, sollte die Holzart durch


mikroskopische Untersuchung einzelner Stücke aus dem zu untersuchenden
Bauteil bestimmt werden; Holzfehler sollten sofern sie vom Gutachter als
relevant angesehen werden, in jedem Querschnitt oder über die gesamte Länge
ermittelt werden; das gleiche gilt für die Ermittlung von biotischen Schäden.

Bestimmung der Holzfeuchte: eine oder mehrere Holzfeuchtemessungen werden


mit einem elektrischen Widerstandsmeßgerät, das mit isolierten Elektroden
ausgestattet ist, durchgeführt, um den mittleren Holzfeuchtegehalt und den
Feuchtegradienten zu bestimmten und feuchte Stellen und Kondensations-
bildungen etc. zu lokalisieren.
L

Ermittlung der Restquerschnitte: durch visuelle Begutachtung und durch den


Einsatz einfacher Geräte wie z.B. zur Sondierung, zum Spanabheben und für den
Klangtest (Anschlagen mit einem Hammer) sollte der Gutachter in der Lage sein,
auf Papier die wirksamen Querschnitte festzuhalten indem er z.B. Lage und
Größe von Ästen, Rissen und Entwicklung von Schwindrissen ermittelt und
geschädigte Holzbereiche undloder Hohlräumen lokaliseriert und deren
Ausdehnung feststellt.

Untersuchung der Verbindungen: Holz-Holz-Verbindungen sollten im wesent-


lichen durch eine sorgfältige visuelle Überprüfung eventueller geschädigter
Bereiche oder offener Verbindungen untersucht werden; Verbindungen zwischen
Holz und anderen Materialien sollten auf ihre Verträglichkeit hin untersucht
werden. Jede Verbindung sollte untersucht werden oder zumindest eine
signifikante Stichprobe in Absprache mit den anderen Sachverständigen.

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Ermittlung früherer Reparatunnaßnahmen: diese Aufgabe sollte vorzugsweise mit
anderen Spezialisten durchgeführt werden, um das aktuelle Verhalten der repa-
rierten Konstruktionsteile, die Verträglichkeit zwischen Holz und den anderen
Materialien, die erwartete Gebrauchstauglichkeit und Dauerhaftigkeit und eventu-
elle Empfehlungen für deren Verbesserung abzuschätzen.

Annahme zukünftiger Schadensentwicklung mit Empfehlungen sie zu vermeiden


(z.B. Holzschutz, Maßnahmen gegen Feuer oder gegen Aufnahme von Feuche).

Berichte: der Holzsachverständige sollte mindestens erstellen:


einen detaillierten Plan der Holzschädigungen und Zeichnungen mit:
- der zeichnerischen Darstellung eines oder mehrerer relevanter Restquer-
schnitte für jedes Holzbauteil;
- der graphischen Darstellung der vorhandenen Verbindungen;
einen technischen Bericht mit detaillierter Beschreibung:
- der Untersuchungsergebnisse;
- der Holzqualität (für jedes Bauteil);
- der Empfehlungen für die Verhinderung zukünftiger Schäden;
- von Vorsorgemaßnahmen um gebrauchstaugliche und dauerhafte Holzkon-
struktionen zu erhalten, die so weit wie*möglich den Anforderungen nach
EC5 undIoder anderer Bauvorschriften entsprechen.

In-situ Untersuchungsmethoden
Eine sorgfältige visuelle Untersuchung in Verbindung mit einfachen Testver-
fahren wie z.B. Sondierung, Spanabheben oder Klangprüfung und ergänzt durch
eine mikroskopischn Holzartenbestimmung, ermöglichen einem erfahrenen Holz-
sachverständigen Ergebnisse einer Genauigkeitzu erreichen, die in der Regel vom
Tragwerksplaner oder Architekten benötigt wird.

Zusätzliche Informationen können in einigen Fällen durch zerstörungsfreie oder


zerstöningsarme Prüfverfahren erhalten werden. Dennoch sollte klar sein, daß
Messungen an Holzbauteilen immer eine gewisse Unsicherheit beinhalten.
Gründe hierfür sind:
- Veränderlichkeit der Holzeigenschaften innerhalb eines Bauteils;
- Vereinfachte Grundannahmen für die zerstörungsfreien Verfahren bezüg-
lich des tatsächlichen Verhaltens des Holzes;
- Schwierigkeiten der praktischen Durchführung vor Ort (und oft auch im
Labor).

Zerstörungsfreie Untersuchungsmethoden sollten vorzugsweise eingesetzt werden,


um die aus einer visuellen Untersuchung ermittelten Ergebnisse zu bekräftigen
oder zu verwerfen.

Folgende Techniken sind verbreitet:


Statische Belastung: die Bestimmung des Elastizitätsmoduls eines Bauteils durch
Messen der statischen Durchbiegung ist die Grundlage der maschinellen Sortie-
rung von Bauholz. Auch bei bereits eingebauten Holzbauteilen (oder mit beson-
deren Anpassungen auch bei Konstruktionssystemen wie z.B. Decken) ist es
möglich, einen mittleren Elastizitätsmodul durch die bekannten Gleichungen der

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Baustatik zu bestimmen und daraus die Festigkeitswerte aus dem Zusammenhang
dieser beiden Werte abzuschätzen. In einigen Fällen kann es von Vorteil sein,
durch einen "Entlastungsversuch", d.h. durch die Wegnahme von vorhandenen
ständigen Lasten, den elastischen Rückgang der Verformung der Holzbauteile zu
messen.

Endoskopie: diese Technik wird manchmal verwendet, um verdeckt liegende


Oberflächen oder Hohlräume in Augenschein zu nehmen; sie kann daher als eine
Erweiterung der visuellen Untersuchung angesehen werden. In Verbindung mit
der Bohrwiderstandsmessung (siehe weiter unten) kann sie zu Untersuchung von
teilweise geschädigten Holzquerschnitten verwendet werden.

Thermographie: obwohl sie häufig von weniger erfahrenen Holzgutachtem


vorgeschlagen wird, ist sie jedoch wegen der geringen thermischen Leitfähigkeit
des Holzes wenig brauchbar.

Röntgenstrahlen, Gammastrahlen, Computertomographie, nukleare magnetische


Resonanz: diese Techniken erlauben eine sehr genaue innere Abbildung des
ganzen Holzbauteils. Zur Zeit ist ihr Einsatz auf einige wenige Labors
beschränkt und die Kosten für einen häufigen Einsatz sind zu hoch. Trotzdem
sind tragbare Geräte zur Ermittlung von Fäulnis am stehenden Baum und für
Holzbalken in einem vielversprechenden Entwicklungsstadium.

Schwingungen: freie und erzwungene Schwingungen (quer und längs) haben eine
beträchtliche Bedeutung beim zerstörungsfreien Untersuchen von eingebauten
Holzbauteilen. Das Ziel entspricht dem der statischen Belastungsversuche: die
Bestimmung des Elastizitätsmoduls (in diesem Fall aus ausgewählten Schwing-
ungsfrequenzen und Amplituden) und daraus die Abschätzung der Festigkeits-
werte.

Akustische Emission (AE): bei Bauholz nicht sehr oft eingesetzt, beruht sie auf
der Annahme, daß durch die Beanspruchung eines Bauteils Wellen entstehen, die
analysiert werden können. In Verbindung mit einer statischen Belastung, kann
sie verwendet werden, um Querschnitte mit großen Defekten zu lokalisieren
(Bonamini und Togni, 1994), unter der Annahme, daß das Versagen in Holzbau-
teilen durch Spannungskonzentrationen in kleinen Bereichen (2.B. in der Nähe
eines Astes) auftritt und zwar weit unterhalb der elastischen Grenzen des
gesamten Querschnittes, wodurch eine lokale akustische Emission erzeugt wird
(Bonamini and Togni, 1994).

Spannungswellen (Ultraschall, Impuls): die Geschwindigkeit von Spannungs-


wellen durch Holzbauteile wird entweder zum Auffinden von Fäulnis (Quer-
durchgang) oder zur Bestimmung des dynamischen Elastizitätsmoduls (Längs-
durchgang) verwendet. Liegen exakte Daten über die Rohdichte vor und sind die
Kopplungsprobleme zwischen den Meßköpfen und dem Holz gelöst, kann die
Technik der Spannungswellen gute Resultate liefern. Beide Bedingungen sind in
einem Bauwerk oft schwer zu verwirklichen.

Pilodyn: ein gehärteter Stahlstift wird durch Federkraft mit einem speziellen
Gerät ins Holz eingetrieben. Die Eindringtiefe (nach einem oder mehreren
Schlägen, je nach Eintreibgerät) wird als Maß für den Holzabbau an der Ober-
fläche verwendet. Die Ergebnisse werden durch die Untersuchungsstelle im
Bauteil, die Holzanisotropie, die Rohdichte, den Anteil an Früh- und Spätholz
und durch die Erfahrung des Anwenders beeinflußt.

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Bohrwiderstandsmessung: mit einer speziellen Bohrmaschine wird die Strom-
aufnahme während des Bohrvorganges aufgezeichnet, die von der Holzdichte
abhängt. Diese Maschinen können bis 400 mm Tiefe bohren und automatisch ein
Diagramm aufzeichnen, aus dem die Dichtevariationen leicht erkannt werden
können. Diese Geräte sind zur Ermittlung von inneren Schädigungen und zur
Jahrringbreitenbestimmung zu verwenden, geben aber nur über einen begrenzten
Bereich Aufschluß, der nicht ohne weiteres auf große Bereiche übertragen
werden kann.

Wegaufnehmer und Dehnungsmeßstreifen: diese Geräte werden manchmal bei


Belastungsversuchen, um u.a. lokale Dehnungen oder Verschiebungen in
Verbindungen zu messen.

Härte: Härtetests auf den Holzoberflächen können einige Informationen über


lokale Oberflächenbedingungen des Materials liefern. Festigkeitswerte für das
gesamte Bauteil können aus wiederholten Messungen an verschiedenen Stellen
nur sehr grob abgeschätzt werden.

Schraubenausziehwiderstand: die Kraft, die zum Ausziehen einer Schraube benö-


tigt wird, weist einen engen Zusammenhang zur Festigkeit an dieser Stelle auf;
somit kann diese Technik brauchbare Informationen über Schädigungen an der
Oberfläche oder im Innern von Bauteilen liefern. Über die Möglichkeit dadurch
auf die Festigkeit des ganzen Bauteils zu schließen gelten die gleichen
Einschränkungen wie bei der Pilodyn- Bohr- und Härtemethode.

Zusammenfassung
Die Untersuchung von Holzkonstruktionen ist eine komplexe Aufgabe. Es gibt
keine Geräte, die es ermöglichen aus wenigen Messungen alle Festigkeits- und
Steifigkeitseigenschaften zu erhalten; somit sollte die visuelle Untersuchung der
erste und letzte Schritt einer Untersuchung sein.

Systematische Vorgehensweise, gute Kenntnisse über die mikroskopische Holz-


Struktur und das makroskopische Verhalten von Bauholz und nicht zuletzt eine
gute Portion Geduld helfen dabei, wertvolle Ergebnisse auch mit preiswerten
Mitteln zu erreichen.

Literatur
Bonamini, G. and Togni, M. (1994). DAE: defects acoustic emission. Un metodo non distruttivo
per la localizzazione di sezioni altamente difettose su travi lignee in Opera. Technical Report
December 1994. Istituto di Assestamento e Tecnologia Forestale, Florence, Italy.

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STEP/EUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Instandsetzung von Holzkonstruk-
tionen Reparatur und Verstärkung
STEP ~4 Inhalt
Englischer Originalbeitrag: Dieser Beitrag beschreibt die Vorgehensweise des Holzsachverständigen bei der
G.L. Uzielli Identifizierung der Ziele der durchzufiihrenden Maßnahmen und der äußeren
Universith degli Studi Vorgaben bei der Reparatur und Verstärkung bestehender Holzkonstruktionen,
di Firenze nachdem eine Untersuchung vor Ort bereits durchgeführt wurde. Einige empfeh-
lenswerte Techniken werden ebenfalls kurz aufgeführt. Auf die konstruktive
Bemessung wird nicht näher eingegangen, da sie in anderen Beiträgen behandelt
wird.

Einleitung
Nach der Untersuchung einer bestehenden Holzkonstruktion (siehe STEP D3)
müssen Entscheidungen über die folgenden notwendigen Arbeiten getroffen
werden. Lösungsmöglichkeiten müssen in enger Zusammenarbeit mit Experten
erarbeitet werden (wie z.B. Tragwerksplaner, Architekten, Holzsachverständige,
Restauratoren oder Historiker, Eigentümer oder verantwortliche Gebäudever-
walter und Denkmalpfleger). Die Beachtung der folgenden drei Punkte ist
empfehlenswert:
- Identifizierung und Festlegung der Ziele, Forderungen und Vorgaben
- Eingriffe in die Konstruktion
- Erhaltungsmaßnahmen.

Identifizierung der Ziele, Wünsche und Vorgaben


Bei Instandsetzungsarbeiten an bestehenden Gebäuden, die oft alt und von histo-
rischer Bedeutung sind, ergeben sich viele verschiedene Wünsche, die häufig im
Widerspruch zueinander stehen. Vor der Betrachtung technischer Aspekte muß
eine klare Identifizierung der Ziele und Wünsche, die durch die Instandsetzung
befriedigt werden sollen, vorgenommen werden, damit die Experten auf einer
Grundlage mit klar definierten Prioritäten und Vorgaben arbeiten können.

Unter anderem können die folgenden alternativen oder ergänzenden Ziele eines
Reparatur- oder Verstärkungseingriffes aufgeführt werden:
- Erhaltung des Aussehens der Konstruktion
- Erhaltung von ursprünglichem Material, aus künstlerischen, historischen
oder kulturellen Gründen
- Wiederherstellung der ursprünglichen Tragfähigkeit
- Erhöhung der Tragfähigkeit, Steifigkeit oder Gebrauchstauglichkeit
- Einhaltung der Sicherheits-, Feuer-, Erdbeben- oder anderer Vorschriften.

Auf der anderen Seite müssen auch Vorgaben Berücksichtigung finden, wie z.B.
- Wünsche der Beteiligten,
- Wirtschaftlichkeit,
- Umgebungsbedingungen,

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms D411


- Verhinderung zukünftiger biotischer oder mechanischer Schädigungen,
- verfügbare Zeit, Gutachten, Materialien, Handwerker und Technologien,
- Verträglichkeit zwischen dem vorhandenen Holz und den verfügbaren
Materialien für die Reparatur oder die Verstärkung.

Vereinfachend werden nur einige der vorgenannten Betrachtungen ausführlicher


erläutert. Jedoch sollte beachtet werden, daß alle Punkte in der Regel vonein-
ander abhängen, so daß jede Maßnahme, ein Problem zu lösen, mehrere andere
erheblich beeinflussen kann.

Erhaltung der Originalsubstanz und des Konstruktionskonzeptes


Aus künstlerischen, historischen oder kulturellen Gründen wird die Erhaltung
von alten Holzkonstruktionen immer wichtiger und wünschenswerter und häufig
wird auf die Erhaltung mehr Wert gelegt als auf wirtschaftliche Aspekte. Auf der
anderen Seite (z.B. bei vielen Wohnbauten) sind möglichst geringe Kosten, um
~ a u e i h a f t i ~ k e iGebrauchstauglichkeit
t, und Einhaltung der Bauvorschriften zu
erreichen, häufig eine Hauptforderung: die Kosten für die Reparatur und Verstär-
kung werden damit zum wichtigsten Kriterium, wenn zwischen verschiedenen
durchzuführenden Arbeiten an der bestehenden Holzkonstruktion gewählt werden
muß.

Die Philosophie der Restaurierung und Wiederherstellung ist nicht Gegenstand


dieses Beitrages, sollte aber bei Entscheidungen beachtet werden (Tampone,
1992; Bertolini, 1992).

Besondere Rolle des Holzsachverständigen


Einige Aspekte der Erhaltungsarbeiten beziehen sich speziell auf Holzkonstruk-
tionen und erfordern in der Regel das spezifische Wissen eines Holzsachverstän-
digen. Sein spezieller Beitrag sollte die folgenden Punkte beinhalten:
- Identifizierung der Holzart;
- Ermittlung der Dauerhaftigkeit der Holzbauteile unter ihren jetzigen
Bedingungen (z.B. entsprechend der Holzart, des Kernholzanteils und der
Umgebungsbedingungen) und Beurteilung der Notwendigkeit von Holz-
schutzmittel, um die gewünschte Dauerhaftigkeit zu sichern;
- Ermittlung der aktuellen konstruktiven Leistungsfähigkeit der Holzbauteile.

Die besseren Kenntnisse durch die Holzforschung (z.B. Zusammenhänge


zwischen zerstörungsfrei ermittelbaren Parametern und der Festigkeit) ermög-
lichen es heute, auch Bauteile zu erhalten, die noch vor wenigen Jahren aus-
gebaut und ersetzt worden wären. Weiterhin kann, wenn die ursprüngliche
Konstruktion nicht mehr die Mindestsicherheitsanforderungen erfüllt, durch eine
gute Kenntnis des Bauholzes gezeigt werden, daß auch die alten Bauteile noch
zur gesamten Tragfähigkeit beitragen.

Weitere Aspekte, auf die der Holzexperte besonders achten sollte, sind:
- die Verträglichkeit zwischen den Holzbauteilen und den verwendeten
neuen Materialien,
- der Einfluß der Reparatur auf die Gebrauchstauglichkeit, Zuverlässigkeit
und Dauerhaftigkeit sowohl der reparierten Bauteile als auch der ganzen
Konstruktion.

STEP/EUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Erhaltung des Aussehens der Konstruktion
Die Erhaltung des Aussehens der Konstruktion hängt mit dem Umfang der
Schädigungen der Holzbauteile zusammen. Insekten, Pilze und Feuer greifen
meistens die äußeren Holzschichten an, so daß sie bei den Reparaturarbeiten in
der Regel entfernt werden müssen. Ist dies nicht möglich oder erwünscht, kann
die Oberflächenhärte und die Erhaltung von geschädigtem Holz durch Impräg-
nierung mit entsprechenden Harzen erreicht werden.

Erhaltung der ursprünglichen Tragfähigkeit


Holzbauteile, die starke biotische oder mechanische Schäden aufweisen, können
durch Reparatur verstärkt werden. Es sollte jedoch darauf hingewiesen werden,
daß viele alte Holzkonstruktionen statisch überdimensioniert sind. Nach einer
genauen Untersuchung und sorgfältigen Beurteilung ist es daher möglich, da.ß
trotz Schädigungen die Restquerschnitte eine ausreichende Tragfähigkeit aufwei-
sen, um die augenblicklichen und zukünftigen Gebrauchsbedingungen erfüllen zu
können. In diesen Fällen sollte es kein Hindernis geben, in einem Bericht
anzugeben: "keine Reparatur nötig", um die Arbeit auf das Verhindern von
zukünftigen Schädigungen zu konzentrieren.

Verstärkung
Die Tragfähigkeit einer Holzkonstruktion muß in bestimmten Fällen durch ent-
sprechende Maßnahmen erhöht werden, um die gestiegenen Anforderungen (z.B.
durch Nutzungsänderungen) zu erfüllen.

Einhaltung von Sicherheits-, Feuer-, Erdbeben- und anderen Vorschriften


Es ist offensichtlich, daß in einigen europäischen Ländern die Bauvorschriften
von Experten aufgestellt wurden, die ein ungenügendes Wissen und wenig
Erfahrung mit Holzkonstruktionen haben. Dem Mangel an spezifischen Vor-
schriften muß durch Hinweise auf Forschungsergebnisse entgegengetreten
werden, die das gute Verhalten bei Erdbeben und Brand zeigen. Eine deutliche
Verbesserung wird wahrscheinlich durch die Einführung des EC5, Teil 1-2:
"Allgemeine Bemessungsregeln. Brandschutzbemessung", und EC8 "Maßnahmen
und Bemessungsregeln zur Ermittlung der Erdbebenbeanspruchbarkeit von Trag-
werken" erreicht werden.

Arbeitsbedingungen
Bevor die Arbeitspläne vervollständigt werden, sollten Zeit, Gutachten,
Materialien, Handwerker und Technologien, die zur Verfügung stehen, genau
festgestellt werden, um sicher zu gehen, daß die gewünschte Qualität der
gesamten Arbeit erreicht werden kann. Ebenso sollte für die Sammlung und
Auswertung von Informationen genügend Zeit zur Verfügung stehen, um Fehler
zu vermeiden, die die folgenden Maßnahmen teurer oder sogar unmöglich
machen könnten.

Verträglichkeit
Auf die Verträglichkeit zwischen den verschiedenen Materialien sollte immer
besonders geachtet werden; dies gilt insbesondere für Materialien, die für eine
Reparatur oder Verstärkung von Holzkonstruktionen verwendet werden. Wenn
geleimte oder starre Verbindungen hergestellt werden, muß sorgfältig beachtet
werden, daß keine Spannungen (und dadurch mögliches Versagen) durch
unterschiedliche Verformungen entstehen. Dies kann folgende Ursachen haben:
- unterschiedliches Schwinden von Holz und nicht-hygroskopischen
Materialien,

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms D413


- unterschiedliches Schwinden in den verschiedenen Holzrichtungen,
- unterschiedlicher Wärmeausdehnungskoeffizient von Holz und Metallen,
- unterschiedliche Verformungen von Konstruktionsteilen oder Bauteilen mit
unterschiedlichen Steifigkeiten.

Andere Verträglichkeitsprobleme können aufgrund chemischer Reaktionen


auftreten, so 2.B. die Korrosion von metallischen Verbindungsmitteln durch die
Holzinhaltstoffe bei hohen Holzfeuchten. Schließlich ist die Kondensation (und
damit die Gefahr des Auftretens von Fäulnis) häufig eine Folge von unverträg-
lichen Situationen wie 2.B.:
- Holz in engem Kontakt mit Metallen oder Stein, wodurch unterschiedliche
Geschwindigkeiten der Wärmeabgabe oder -aufnahme vorliegen, bei
ungenügender Belüftung
- mögliche Kondensation innerhalb eines Bauteils an den Flächen zwischen
Holz und Leim.

Reparaturmaßnahmen

Allgemeine Einteilungskriterien
Im allgemeinen gibt es bei alten Holzkonstruktionen keine völlig identischen
Situationen: daher müssen Reparaturmaßnahmen für jeden Einzelfall gewählt,
bemessen und ausgeführt werden. Ebenso sind die Probleme und Lösungen, wie
bereits erwähnt wurde, stark miteinander verbunden und können nicht getrennt
voneinander betrachtet werden. Trotzdem ist es hilfreich, die folgenden
allgemeinen Einteilungskriterien festzulegen, um die Bedeutung, Ziele und
Grenzen der zahlreichen technischen Lösungen, die zur Zeit oder in der Zukunft
als Reparaturmaßnahmen vorgeschlagen werden, zu klären.

Reparaturarbeiten betreffen einen oder mehrere der folgenden Konstruktions-


ebenen:
- einzelne Holzbauteile,
Konstruktionseinheiten,
- Gesamtkonstruktion,
- Verbindungen,
- äußere Beschränkungen.

Nach den Reparaturarbeiten können die originalen Holzbauteile:


- die gleiche konstruktive Funktion, für die sie ursprünglich vorgesehen
waren, erfüllen (unverändert, falls Reparatur als nicht notwendig erachtet
wird; repariert oder verstärkt, falls notwendig)
- noch eine konstruktive Funktion erfüllen, obwohl neue zusätzliche Teile
ergänzt werden;
- aus ästhetischen Gründen oder um die historische Authentizität zu
bewahren in der Konstruktion verbleiben; die konstruktiven Funktionen
werden vollständig von anderen lastabtragenden Bauteilen, wie z.B. durch
zusätzliche Holzteile, Stahl oder Beton, übernommen.

STEP/EUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Verstärkung
Wenn die Festigkeitseigenschaften von Holz durch Fäulnis oder Bruch verloren
gingen, kann die ursprüngliche Festigkeit des Holzes nicht (auch nicht teilweise)
wieder zurückgewonnen werden, weder durch eine Behandlung mit irgendwel-
chen Leimen noch durch einen anderen Prozeß.

Ersatz von Originalbauteilen durch Anleimen neuer Teile


Verfaulte oder stark geschädigte Teile (oft Balkenauflager) können durch neue,
zusätzliche Teile ersetzt werden (Holz, Brettschichtholz, Kunstharzmörtel), die in
der Regel durch eingeleimte Stahl- oder Glasfaserstäbe verbunden werden (siehe
Abb. 1). Bei der Bemessung sollte im wesentlichen nur die Haftung der Stäbe in
Faserrichtung des Holzes in Ansatz gebracht werden, da Feuchteänderungen und
Schwindverformungen die Festigkeit der Leimfugen rechtwinklig zur Fasemch-
tung schwächen können (Ceccotti et al., 1990). Das ursprüngliche Aussehen und
die Originalsubstanz gehen verloren.

Abb. 1 Ersatz durch Anleimen mit Epoxy. (U) Neues Balkenende, ( b ) Originalholz,
( C ) Stahl- oder Glasfaserstäbe.

Ersatz von Originalbauteilen mit Hilfe traditioneller Verbindungen


Biotisch oder mechanisch geschädigte Teile können durch neue. Holzbauteile, die
durch traditionelle Verbindungs- oder Reparaturtechniken angeschlossen werden,
ersetzt werden (siehe Abb. 2). Dabei wird die ursprüngliche Tragfähigkeit selten
vollständig wiederhergestellt. Nur traditionelle Methoden oder Materialien wer-
den verwendet. Das ursprümgliche Aussehen und die Originalsubstanz gehen
verloren.

Abb. 2 Ersatz durch neue Teile mit Hilfe traditioneller Verbindungen; links, von
oben nach unten: Stoß mit Dübeln und Seitenlaschen aus Holz, genageltes
schräges Blatt, Stahlschuh mit Bolzen; Rechts, von oben nach unten: Stoß
mit Dübeln und Stahllaschen, Schubverstärkung mit Nägeln oder Stahl-
klammern, Stoß mit innenliegender Stahlplatte.

STEP/EUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


C I1 klrrzg von Querschnitten

*ii:r\chnitt eines Bauteils kann durch Hinzufügen (Leimen, Nageln oder mit
.: LI;! Stabdübeln) von Verstärkungsteilen (Holz- oder Stahlteile) vergrößert

;I Ilas ursprüngliche Aussehen geht in der Regel verloren.

I . \. erstärkungen gleichzeitig mit mehreren Verbindungstechniken (z.B.


3 b ~ Leim
~ i i oder Stabdübel und Leim) mit dem Bauteil verbunden, ist zu
daß sich die Tragfähigkeiten der beiden Verbindungen nicht addieren,
i s k \ieifere Verbindung (Leim) den größten Teil der Last übernimmt, und die
, Verbindung erst nach dem Versagen der steifen Verbindung Last
i > t b n kann; es ist daher nicht ausreichend, einige Nagel oder Stabdübel für

.,?ensfall des Leimes hinzuzufügen, ohne sie für die gesamte Kraft
. iid zu bemessen. Nägel und Bolzen werden jedoch benötigt, um
I ' der Aushärtung des Leims den Druck aufrechtzuerhalten und die Teile

, n

Illite Stahlplatten
viel mehrere Stahlplatten (etwa so hoch wie der Träger) können in
Jchlitze, die vor Ort über die ganze Trägerlänge geschnitten werden,
i ~ werden
t (siehe Abb. 3).

Über die gesamte Länge eines Holzträgers eingeleimte Platten;


l a ) Holzträger, (bj Gewindestangen, ( C ) Stahlplatte, I0 mm dick,
id) Epoxidharz (aus Tampone, 1989, modifiziert).

X-i,[Link] nicht sichtbar sind und feuer- und korrosionsgeschützt liegen,


,'linen fast die gesamte Last. Um die Schlitze zu schneiden, werden
ii.. Geräte verwendet (Tampone, 1989). Geometrische Ausführbarkeit,
. iiiid Auflagerbedingungen müssen beachtet werden.
I

, . .: i > r tte~ Stäbe


. , ~ ~ l Glasfaserstäbe
cr können in Vertiefungen, die auf der Zugseite eines
L eingeschnitten sind, eingeleimt werden. Dadurch wird das Versagen
iiiehr durch die festigkeitsmindernden Unregelmäßigkeiten im Holz auf der
V . ,!: ausgelöst sondern tritt auf der Druckseite, dessen Tragfähigkeit nicht
!\ird, auf; das Versagensverhalten wird duktiler (siehe Abb. 4). Daher
1 ,>tier die Zuverlässigkeit im Grenzzustand der Tragfähigkeit, als die
, r b L i t oder Steifigkeit erhöht (Ceccotti und Marradi, 1993).

ti0FORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


20 rnm 60

Abb. 4 Auswirkungen von mit Epoxidharz in Vertiefungen auf der Zugseite von
Trägern eingeleimten Stahl- oder Glasfaserstäben auf das Last- Verfor-
mungsverhalten. von Trägern. ( U ) verstärkter Querschnitt, ( b ) unverstärkter
Querschnitt. (Oben: Träger mit groJ3en Holflehlern, unten: Träger mit
geringen Holflehlern.).

Zugstangen
Stahlseile oder Stahlstangen, mit Abstandshalter oder anderen Vorrichtungen
können eingesetzt werden, um die Tragfähigkeit und Steifigkeit eines einzelnen
Bauteils oder Fachwerkes zu erhöhen; durch Spannschlösser kann die Zugkraft
eingestellt werden, entweder um einen Träger vorzuspannen oder um übermäßige
Verformungen zu vermeiden (Marradi et al., 1989). Regelmäßiges Nachspannen
kann notwendig werden, um Kriechen, Quellen und Schwiiiden, hervorgerufen
durch Feuchteänderungen, auszugleichen (C- qtti unri .-irradi, 1993). Die
konstruktive Konzeption von Fachwerkträgern h,!i,i ' r .i i kignifikant verändert
werden. Beispiele sind in Abb. 5 und 6 gezeigt

Änderung der Auflagerbedingungen


Unterstützungen von geschädigten Teilen (z.B 1 C L ;,:I I können an Stellen
ohne Schädigungen verschoben werden; dadurch L i i i i l 1, i. iuch die Spannweite

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des t l .I'mins D417


der Träger verringern. Diese Methode wird häufig bei nicht sichtbaren Auflagern
auf dicken Wänden eingesetzt, an denen die neuen Unterstützungen sicher
angeschlossen werden können (siehe Abb. 7).

Abb. 5 Unterspannter Träger: ( U ) Grundplatte fur den Pfosten, ( b ) Stahllasche, ( C )


Gelenk, ( d ) Klammer, .(e) SpannschloJ, (f) Pfosten, ( g ) Stahlseil, links:
Detail in der Perspektive (aus Tampone, et al., 1989).

Abb. 6 Zugstangen bei zwei Dachfiragwerkstypen: die mit * bezeichneten Teile


wurden zusammen mit den Stahlseilen eingebaut, wodurch das ursprüng-
liche konstruktive Konzept signifikant verändert wurde (aus Marradi et al.,
1989).

Zusätzliche lastabtragende Bauteile


Die Lasten werden teilweise oder völlig von zusätzlichen Bauteilen abgetragen
(Stahl oder Betonträger, Stützen, etc.; siehe z.B. Bertolini, 1992). Das konstrukti-
ve Konzept wird dadurch verändert. Ursprüngliche Erscheinung und Authentizi-
tät gehen teilweise verloren.

Ersatz von Holzbauteilen


Einige oder alle Konstruktionsteile können durch neue Holzbauteile ersetzt
werden, indem die ursprüngliche Technik so weit wie möglich angewendet wird.
Die Verträglichkeit muß dabei besonders beachtet werden; z.B. kann ungenügend
getrocknetes Holz zu Schwindverformungen und Spannungen führen.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Die Richtigkeit des Ersatzes von originalen Teilen in historisch bedeutsamen
Bauwerken ist zweifelhaft, da die Authentizität des Materials verloren geht,
wobei das Erscheinungsbild und das Konzept erhalten werden können.

Über die Rekonstruktion eines sechsstöckigen Hauses (Knochenhaueramtshaus in


Hildesheim), das im Jahre 1529 errichtet und während des Krieges zerstört
wurde, berichtet Kessel et al. (1989). Der Wiederaufbau erfolgte nach alten
Techniken, wobei die historischen Ziele mit den Bemessungsnormen der
heutigen Zeit in Einklang zu bringen waren.

Abb. 7 Änderung der Aujlagerbedingungen: das geschädigte Balkenende ( U ) wurde


entlastet, indem die Unterstützung zum ungeschädigten Teil ( b ) des Trägers
verschoben wurde. Dieser liegt nun auf einer Holzschwelle, die auf einem
I-Träger über eine Neoprenschicht, die Kondensation aufgrund von
Temperaturunterschieden verhindert, aufgelagert ist.

Ausrichten der Konstruktion und Verbesserung der Stabilität


Übermäßige Verformbarkeit der Konstruktion oder Instabilität können durch
Hinzufügen, Reparieren oder Wiederherstellen von Aussteifungen verhindert oder
verringert werden (Zugglieder sind in der Regel aus Stahl, Druckglieder aus
Holz). Die Authentizität bleibt, mit möglicherweise geringen Änderungen des
Erscheinungsbildes, erhalten. Erhebliche Verbesserungen im statischen und
seismischen Verhalten werden erreicht, auch wenn das ursprüngliche
Konstruktionskonzept verändert wird. Bei der Bemessung der Verbindungen
zwischen Teilen mit verschiedenen vorausgegangenen Verformungen ist große
Sorgfalt nötig.

Mit ähnlichen Mitteln kann auch die ursprüngliche Geometrie der Konstruktion
wieder erreicht werden (z.B. durch Verringern der Verformungen oder
Ausrichten von Bauteilen). Große Sorgfalt und Genauigkeit wird bei der
Bemessung und Ausführung der Arbeit (z.B. Wahl und Herstellung von
Verankerungen) verlangt. Das konstruktive Konzept kann verändert sein.

Holz-Beton und Holz-Platten-Verbundkonstruktionen


Eine effektive Methode, die bereits in vielen Fällen in verschiedenen Ländern
angewendet worden ist, ist die Holz-Beton-Verbundkonstruktion (siehe STEP
E13): eine Stahlbetonplatte wird durch Scherverbinder (z.B. eingeleimte, einge-
schraubte, in Vertiefungen eingelassene Verbinder) mit den Trägem verbunden,

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms D419


so daß die Stahlbetonplatte bei der Übertragung der Biegemomente mitwirkt
(Beton in der Druckzone, Holzträger in der Zugzone). Die Biegetragfahigkeit
und Steifigkeit nimmt stark zu und das seismische Verhalten wird verbessert. Die
Balken müssen in einem guten Zustand sein, damit sie in der Verbundkonstruk-
tion mitwirken können.

Holz-Platten-Verbundkonstruktionen sind ähnlich aufgebaut, es werden jedoch


Holzwerkstoffplatten anstelle der Betonplatte verwendet werden, die durch Nägel
oder andere stiftförmige Verbindungsmittel befestigt werden. Dieses System, das
sehr viel leichter als Betonkonstruktionen ist, ist bei der Erhaltung alter
Konstruktionen nicht sehr weit verbreitet; es ergibt sich dabei nur eine kleine
konstruktive Verbesserung.

Erhaltungsmaßnahmen
Maßnahmen sollten immer mit dem Blick auf eine künftige Erhaltung der
Konstruktion durchgeführt werden: keine Arbeit sollte als endgültig angesehen
werden, und man muß davon ausgehen, daß auch zukünftig Erhaltungsmaß-
nahmen notwendig werden. Der Einwirkung möglicher Schädigungen (biotisch
oder abiotisch) sollte vorgebeugt werden.

Feuchte in seinen verschiedenen Variationen und Ursprüngen, einschließlich des


Einflusses der Umgebungsänderungen (Dampfsperren, Wasserdichtigkeit, Kon-
densationsquellen, zu- oder abnehmende Belüftung, geschlossene Fenster oder
andere Öffnungen, Einmauern von Balkenauflagern etc.) sollten immer als eine
Gefahr für die Erhaltung einer Holzkonstruktion angesehen werden, insbesondere
auch dann, wenn kürzlich oder früher Reparaturarbeiten durchgeführt wurden.

Besonders ist darauf zu achten, daß die empfohlenen Reparatur- oder


Erhaltungsarbeiten richtig ausgeführt wurden. So wird eine unsachgemäß durch-
geführte Holzschutzmittelbehandlung (z.B. Zurückbleiben unbehandelter Ober-
flächen), oder ungeeignete Weiterbearbeitung des Holzes (z.B. für das Bohren
oder Ausklinken von Trägern, nachdem sie mit Holzschutzmittel behandelt
wurden, zu ungeschützten Holzoberflächen, die dem Angriff von Insekten
ausgesetzt sind) kaum die Dauerhaftigkeit einer Holzkonstruktion verbessern.

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L'Edilizia, (12), VI, 763-778.

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STEPlEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Tampone, G. (1989). Restauro strutturale con lamine metalliche dei solai lignei della sede del
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Tampone, G., Franci, F. and Campa, L. (1989). Rinforzo di puntoni e consolidamento di una
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STEP/EUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Träger-Stütze- und Träger-Träger-
Anschlüsse
STEP ~5 Inhalt
Englischer Originalbeitrag: Die wichtigsten gelenkigen oder eingespannten Träger-Stütze-Anschlüsse und
[Link] Träger-Träger-Anschlüsse werden beschrieben. Die Prinzipien der Ausführung
Socotec dieser Verbindungen für Querkraft-, Längskraft und Momentenbeanspruchung
werden erläutert. Auf die Besonderheiten bei Holz, wie Druck- oder Zugbean-
spruchungen rechtwinklig zur Faserrichtung und Quell- und Schwindverfor-
mungen, wird ebenfalls eingegangen. Aktuelle Beispiele werden gezeigt.

Einleitung
Eine Verbindung muß so entworfen und bemessen sein, daß sie die gewünschten
Funktionen erfüllt (z.B. gelenkig oder in einer oder mehr Richtungen ein-
gespannt). Die Verbindung sollte so bemessen werden, daß sie alle inneren
Kräfte und Momente um alle drei Hauptachsen aufnehmen kann:
- Querkräfte in y- und z-Richtung,
- Längskräfte in X-Richtung,
- Torsionsmomente um die x-Achse,
- Biegemomente um die y- und z-Achse.

Die inneren Kräfte oder Momente in der Verbindung werden entweder von
mechanischen Verbindungsrnitteln wie z.B. Nägel, Stabdübel oder Bolzen aufge-
nommen oder durch direkten Kontakt von Holz zu Holz übertragen. Geleimte
Verbindungen werden in diesem Beitrag nicht behandelt.

Im allgemeinen treten die inneren Kräfte und Momente in der Ebene des
Rahmens, der aus Stütze und Träger 'besteht, auf. Weitere innere Kräfte und
Momente ergeben sich aus zusätzlichen Beanspruchungen, die aus der Rahmen-
ebene wirken, insbesondere aus Aussteifungskräften. In jedem Fall müssen in
einer Verbindung zwischen Stütze und Träger die Torsionskräfte aufgenommen
werden, indem die Rotation um die x-Achse in geeigneter Weise verhindert wird.

Abb. 1 Trägerachsen.

Abb. 2 zeigt einige Haupttypen von Verbindungen. Verbindungstyp 4 kann sich


entweder frei um die y-Achse und z-Achse drehen oder ist in allen drei
Richtungen gleichermaßen eingespannt. Beim Verbindungstyp 5 ist der Neben-
träger in der Regel durch den Hauptträger einfach unterstützt. Durch die Aus-
mittigkeit des Nebenträgeranschlusses, wirkt auf den Hauptträger häufig ein
Torsionsmoment (siehe Abb. 3).

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms D511


Abb. 2 Haupttypen von Verbindungen. ( I ) Eckverbindungen, Stütze an Träger oder
Rahmenecke, (2) Verbindung zwischen einem durchlaufenden Träger und
einer Stütze, ( 3 ) Stütze-Träger-Verbindung in einer mehrstöckigen
Konstruktion, ( 4 ) Träger-Träger-Verbindung: Träger in einer Achse, (5)
Träger-Träger-Verbindung zwischen einem Haupt- und einem Nebenträger.

Abb. 3 Ausmittigkeit eines Nebenträgerauflagers.

Beispiele von Verbindungen

Stütze-Träger-Verbindung Typ 1

Abb. 4 Verbindung mit Stahlplatten mit Bolzen oder Schrauben mit oder ohne
Dübel besonderer Bauart. Die Auflagerplatte (2.B. aus Sperrholz) zwischen
Träger und Stütze zentriert die Krafi und verhindert eine Lastkonzentration
am Stützenrand.

STEPlEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Im allgemeinen ermöglichen diese Verbindungen eine freie Drehung um die y-
Achse. Die Auflagerreaktion des Trägers wird entweder direkt über Kontakt oder
durch mechanische Verbindungsmittel übertragen. Bei Stützen mit großen
Querschnitten können Neoprenlager verwendet werden, um die Kraft auf der
Stütze zu zentrieren. Sowohl der Träger als auch die Stütze müssen torsionssteif
gelagert sein.

Abb. 5 Verbindung mit genagelten seitlichen Laschen aus Stahl oder Sperrholz.
Die Verbindung kann ein gewisses Moment aufnehmen und somit zur
seitlichen Stabilität der Konstruktion beitragen.

Abb. 6 Verbindung mit einem vertikalen Bolzen, der in eine runde Stahlstange mit
einem Gewindeloch eingeschraubt ist. Das Loch in der Stütze wird nach
dem Zusammenbau verschlossen. Der Bolzen sollte, besonders bei hohen
Trägern, nachspannbar sein.

Abb. 7 Verbindung mit eingeleimten Stahlstäben.

STEP/EUROFORT!3CH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Abb. 8 Stabdübelverbindung mit Stahlplatte, die in Schlitze im Träger und Stütze
eingelegt wird.

Abb. 9 Gabelgelagerter Träger auf einer zweiteiligen Stütze.

Stütze-Träger-VerbindungTyp 2
Dieser Verbindungstyp wird oft bei Träger-Stützenkonstniktionen, die einen
rechten Winkel zwischen durchlaufenden Stützen und durchlaufenden Decken-
träger bilden, eingesetzt.

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Abb.10 Zweiteiliger Träger mit Stabdübeln oder Bolzen an eine Stütze


angeschlossen.

Die Verbindung in Abb. 10 erfordert eine große Verbindungsfläche, um die


notwendige Anzahl an Verbindungsrnitteln unterzubringen.

Abb. 11 Zweiteiliger Träger, der mit Stahlwinkeln zur Vergroperung der Auflager-
fläche an eine eingekerbte Stütze angeschlossen ist.

STEP/EUROFORTECH - eine Initiative iin Rahmen des EU Comett Programms


Abb. 12 Einteiliger Träger, der auf Zwischenhölzern einer zweiteiligen Stütze
au$iegt. Rechts: Die Aujlagerjliiche wird durch U-Profile aus Stahl
vergroyert.

In Abb. 11 und 12 werden die Bolzen in ovale Löcher eingebracht, um


Dimensionsveränderungen des Holzes ohne Zwängungen zu ermöglichen. Die
Bolzen dienen nur der Lagesicherung. Um große Druckspannungen auf der
Oberseite des Trägers zu vermeiden, ist ein Spalt zwischen Oberseite des Trägers
und dem Zwischenholz der zweiteiligen Stütze erforderlich.

Stütze-Trägewerbindung Typ 3
Dieser Verbindungstyp wird überwiegend als Verbindung zwischen einem
Querträger und einer durchgehenden Stütze eingesetzt. Diese Verbindungen
können als zirnrnermannsmäßige Zapfenverbindung oder mit Metallteilen
ausgeführt werden.

Abb. 13 Genagelte Sperrholz- oder Stahlplatten. Die Verbindung ist wirksam und
einfach herzustellen. Es kann notwendig sein, die seitlichen platteil gegen
Feuer zu schützen.

Abb. 14 Innenliegende Platten mit Nägeln (Sperrholzplattenj oder Stabdübeln


(Sperrholz-oder Stahlplatten). Der Feuenviderstand ist sehr hoch.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms D515


A. -.,P.-.-.-

Abb. 15 Träger zwischen zwei Stützen. Ein Teil der Kraft kann über das
Auflagerholz aufgenommen werden.

Abb. 16 Balkenschuhe oder Balkenkonsolen. Die Stütze wird ausmittig belastet.

Abb. 17 Zimmermannsma~igeHolzverbindung mit Zapfen und Hartholznagel. Die


Aujlagerreaktion wird durch direkten Kontakt übertragen; der
Hartholznagel dient nur der Lagesicherung. Diese Verbindung ist
ansprechend, ihre Herstellung erfordert jedoch handwerkliches Können und
ihre Tragfähigkeit ist gering.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Träger-Trägewerbindung Typ 4
Pfetten werden häufig über den Stützen durchlaufend oder auskragend mit
Gelenken ausgebildet. Beide Lösungen haben gegentiber dem Einfeldträger auf
zwei Lagern Vorteile. Der Holzverbrauch ist geringer und die Steifigkeit der
Konstruktion ist höher. Gelenkverbindungen (Abb. 18 bis 21) sind wirtschaftlich
herzustellen.

Abb. 18 Die einfachste Verbindung: Der kurze Träger wird zwischen die Kragarme
eingehängt. Sind die Kräfte nicht zu groß kann der Träger direkt auf die
auskragenden Träger gelegt werden.

Abb. 19 Bei großen Kräfien kann es notwendig werden, die Verbindung mit U-
Profilen zu verstärken.

Abb. 20 Verbindung mit einem speziellen Schuh. In dieser gezeigten Ausführung


können nur Querkräfte übertragen werden.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


I

Abb. 21 Verbindung mit innenliegender Stahlplatte und Stabdübeln. Die Stabdübel


sind nahe der unbelasteten Ränder angeordnet, um ein Aufregen zu
vermeiden.

Abb. 22 Verbindung mit seitlichen Laschen aus Holz. fur eine Durchlaufwirkung
über einer Stütze

Abb. 23 Koppelpfetten über einem Auflager.

Träger-Trägerverbindung Typ 5
Dieser Verbindungstyp wird hauptsächlich zur Verbindung eines Querträgers an
einen Hauptträger eingesetzt. Diese Verbindungen können als zimmermanns-
mäßige Zapfenverbindung oder mit Metallteilen ausgeführt werden.

STEPlEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Abb. 24 Balkenschuh.

Abb. 25 Einseitiger TrägeranschluJ mit einem Stahlschuh unterstützt. In diesem


Fall ist es notwendig, den Hauptträger für ein Torsionsmoment zu
bemessen.

Allgemeine Probleme
Bedingt durch die Nachgiebigkeit und Verdrehung der Verbindung, wirken die
Kräfte, die durch die Verbindungsmittel übertragen werden, rechtwinklig zu den
Schwerpunktsradien durch die Dübelachsen und können daher unter einem
Winkel zur Faserrichtung wirken (siehe Abb. 26). Die Kraftkomponenten
rechtwinklig zur Faserrichtung, die durch die steifen seitlichen Metallplatten oder
U-Profilen aufgenommen werden, erzeugen Zug- und Druckkräfte rechtwinklig
zur Faser. Diese seitlichen Platten oder U-Profile sind sehr steif und können
somit zum Aufreißen des Holzes führen. Um dieses Problem zu vermeiden,
sollte die Steifigkeit der Metallteile in der Verbindung verringert werden

Abb. 26
(b) H
F (C)
Aufregen des Holzes bei der Verbindung von Trägerenden durch steife U-
Profile aus Stahl.

STEPJEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms D519


Die Nettofläche in Abb. 26c muß die Kraft F aufnehmen, um ein lokales
Zugversagen in Fasemchtung zu verhindern.

Bei sehr hohen Brettschichtholzträgern können Dimensionsänderungen durch


Feuchteänderungen zum Aufreißen des Holzes führen, wenn ein unbehindertes
Schwinden nicht möglich ist (siehe Abb. 27). Die Stütze in Abb. 27, deren Dicke
geringer ist und die besser belüftet ist als der Träger, trocknet schneller aus und
das Schwinden ist durch den Dübeheis, mit dem sie an den Träger
angeschlossen ist, behindert. Da der Träger in Faserrichtung praktisch nicht
schwindet, tritt ein Aufreißen in der Mitte des Dübelkreises auf.

Abb. 27 Aufregen durch unterschiedliches Schwindverhalten und unterschiedliche


Feuchteänderungen im Träger und in der Stütze.

Bei Anschlüssen von Nebenträgern an Hauptträger ist es erforderlich, die Stahl-


verbindungsteile des Nebenträgers möglichst weit oben am Hauptträger anzu-
schließen, um Querzugbeanspruchungen des Hauptträgers klein zu halten. Wenn
die Anschlüsse 70% bis 80% der Trägerhöhe einnehmen, werden die Querzug-
Spannungen bei der Bemessung nicht maßgebend. Es ist jedoch zu überprüfen,
daß die Stahlteile die Dimensionsrändemngen des Hauptträgers nicht behindern,
da dies zu Rissen führen würde.

Abb. 28 Anschluß eines Nebenträgers an einen Hauptträger durch Stahlschuhe, die


mit mechanischen Verbindungsmitteln angeschlossen sind.

STEPEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Anschlüsse mit Stahlplatten

STEP D6 Inhalt
Englischer Originalbeitrag: Der Beitrag beschreibt die verschiedenen Grundsätze, die bei der Bemessung von
E. Aasheim Gelenken und Auflagern aus Stahlplatten zu beachten sind. Die Bemessung von
The Norwegian Institute of Details wird diskutiert und Beispiele von ausgeführten Gelenken in Holzkon-
Wood Technology struktionen werden gezeigt.

Einleitung
Wie bereits in STEP C1 gezeigt wurde, hängt die Gebrauchstauglichkeit und
Dauerhaftigkeit einer Holzkonstruktion wesentlich von der Bemessung der
Verbindungen zwischen den einzelnen Bauteilen ab. Dazu gehören Gelenk- und
Auflagerverbindungen, die bei großen Konstruktionen oft die Verbindungen
zwischen zwei Brettschichtholzbauteilen sind.

Grundsätzliche Betrachtungen
Die Wahl und die Bemessung von Verbindungen werden nicht nur von der
Tragfähigkeit und Dauerhaftigkeit, sondern auch von ästhetischen Gesichts-
punkten, Kosteneffizienz, Herstellung und Errichtung beeinflußt.

Grundsätzlich ist anzustreben, alle Stahlteile möglichst im Werk an das Brett-


schichtholz anzuschließen, um zeit- und kostenintensive Arbeiten auf der
Baustelle zu vermeiden.

Es ist von großer Bedeutung, daß Verbindungen so bemessen werden, daß


Quellen und Schwinden der Holzteile, ohne Probleme zu verursachen, möglich
sind. Der Feuchtegehalt von Brettschichtholz wird bei der Produktion gut über-
wacht, aber die Ausgleichsfeuchte im eingebauten Holz kann während des Jahres
schwanken. Sind unbehinderte Verformungen nicht möglich, führt dies, bedingt
durch Querzugspannungen, zum Aufreißen des Holzes,.

Durch den richtigen Entwurf sollte verhindert werden, daß Wasser in die
Verbindungsfläche eindringt, und falls nötig sollten Entwässerungslöcher oder
-schlitze angebracht werden. Es ist wichtig, die Hirnholzflächen vor Wasser zu
schützen, da die Wasserabsorption in Faserrichtung viel größer ist als recht-
winklig dazu. In vielen Fällen wird eine Feuchtesperre empfohlen oder es wird
ein Luftspalt freigelassen.

Sind Stahlteile der Witterung oder anderen ungünstigen Bedingungen ausgesetzt,


kann die Korrosion durch Beschichtungen oder durch Verwendung von rostfreien
Metallen verhindert werden. Der Tragwerksplaner sollte auch die Verträglichkeit
der Metalle mit den verwendeten Holzschutzmitteln beachten. So kann z.B., wie
in STEP C1 bereits gezeigt wurde, das Anbringen von Stahlteilen auf mit
kupferhaltigen Holzschutzmitteln behandeltes Holz problematisch sein.

Träger-Stütze und Träger-Träger Verbindung


Diese Verbindungen werden in STEP D5 behandelt.

Gelenkverbindungen für Rahmen und Bögen


Firstgelenke für Rahmen und Bögen sind in Abb. 1 dargestellt.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Abb. 1 Gelenke aus Stahlplatten fur Rahmen und Bögen.

Die Ausfiihrungsbeispiele in Abb. 1 können in Nutzungsklasse 1 und 2 nach


EC5 eingesetzt werden.

Das Gelenk in Abb. l a kann für Rahmen und Bögen mit Neigungen über 40"
eingesetzt werden. Ein Bolzen mit einem Durchmesser von mindestens 20 mm
sollte zusammen mit Nägeln wie im Bild gezeigt ist, verwendet werden.

In Abb. l b kann der Bolzen mit einseitigen Einpreßdübeln verstärkt werden, falls
große Zugkräfte auftreten.

Abb. 2 Ideale Gelenkverbindung aus Stahlplatten fur Rahmen und Bögen.

Die Gelenkverbindung in Abb. 2 ist ein ideales Gelenk, das auch in Nutzungs-
klasse 3 eingesetzt werden kann.

STEPlEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Stützenauflager
Für einfach aufgelagerte Stützen können Ausführungen nach Abb. 3 verwendet
werden.

Abb. 3 Stützenauflager aus Stahlplatten, ( U ) für vertikale und horizontale Lasten,


( b )für vertikale und horizontale Lasten und Momente um die starke Achse
des Brettschichtholzbauteils.

Die Auflager in Abb. 3 sind in Nutzungsklasse 1 und 2 einsetzbar. In Abb. 3a


wird die Druckkraft direkt über Kontakt und nicht über den Bolzen übertragen.
Als Verbindungsrnittel sind einseitige Einpreßdübel, wie sie in STEP C10
beschrieben sind, verwendet.

Auflager für Stützen, Rahmen und Bögen


Zur Auflagerung leichter Rahmen und Bögen oder für gelenkig angeschlossene
Stützen können Ausführungen nach Abb. 4 verwendet werden.

Abb. 4 Auflager aus Stahlplatten fur Stützenaujlager oder leichte Rahnien und
Bögen.

Die Auflager in A b b 4 sind in Nutzungsklasse 1 und 2 einzusetzen. Die


horizontalen und vertikalen Kräfte werden über Kontakt zwischen Holz und

STEPJEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms D613


Stahl übertragen. Entgegengesetzte horizontale Kräfte und abhebende Kräfte
werden dyrch den Bolzen übertragen. Der Bolzen kann durch einseitige Einpreß-
dübel verstärkt werden.

Maßtoleranzen bei der Herstellung der Betonfundamente sind zu beachten. Eine


Feuchtesperre ist erforderlich, um den Feuchtezugang ins Hirnholz zu
verhindern.

Auflager für Rahmen und Bögen


Für einfach gelagerte Rahmen und Bögen können Ausfuhrungen nach Abb. 5
verwendet werden.

Abb. 5 Auflager aus Stahlplatten für Rahmen und Bögen.

Das Auflager in Abb. 5a kann in Nutzungsklasse 1 und 2 eingesetzt werden.


Druckkräfte werden nicht durch die Bolzen übertragen; einseitige Einpreßdübel
können ergänzt werden.

Das Auflager Abb. 5b ist ein ideales Gelenkauflager, das auch irn Freien
(Nutzungsklasse 3) verwendet werden kann.

Bemessung von Gelenk- und Auflagerverbindungen


Alle aus Stahlplatten hergestellten Gelenk- und Auflagerverbindungen, die in
diesem Beitrag beschrieben sind, müssen getrennt nach EC3 bemessen werden.
Eine allgemeine Bemessung von Verbindungen wird in STEP C1 vorgestellt.

Schweißverbindungen müssen nach EC3 nachgewiesen werden.

Der Korrosionsschutz sollte den Bedingungen nach EC5 Tabelle 2.4.3 genügen.

Beispiele
Ein Beispiel eines Firstgelenkes ist in Abb. 6 gezeigt. Dieses Firstgelenk wurde
in einem Warenhausgebäude in Norwegen verwendet. Das in einen Schlitz
eingelassene Verbindungsteil besteht aus Stahlplatten mit einer Dicke von 8 mm.
Die äußeren Stahlplatten (8 mm X 200 mm X 850 mm) sind mit den
Brettschichtholzbauteilen mit vier 20 mm Bolzen auf jeder Seite des Gelenkes
angeschlossen.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Abb. 6 Firstgelenk.

Das Auflager, das im Prinzip in Abb. 5b gezeigt ist, wurde in vielen


Konstruktionen in Europa und in anderen Teilen der Welt verwendet. Abb. 7a
zeigt ein Beispiel in einer norwegischen Konstruktion.

Abb. 7 Auflagerbeispiele.

Die Ausführung in Abb. 7b wurde als Auflager der gebogenen Fachwerkträger in


Hikon's Hall in Lillehammer eingesetzt, die als Eishockeyarena während der
Olympischen Winterspiele 1994 genutzt wurde. Eingelassene Stahlplatten sind
auf den oberen Teil der Stahlauflager geschweißt und die Brettschichtholzteile
sind mit Stabdübeln aus Stahl mit den Stahlplatten verbunden.

Bemessungsbeispiel
Brettschichtholzrahmen mit einem Querschnitt von b X h = 180 X 900 mm am
Auflager.

Festigkeitsklasse GL32 nach prEN 1194.

VA = 250 kN, HA = 300 kN, Lasteinwirkungsdauer mittel,


Nutzungklasse 2, y, = 1,3

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Abb. 8 Bemessungsbeispiel eines Aujlagers.

Abb. 9 KräfteverlauJ

Vd = HA . sin a - VA . cos a = 300 . sin 70" - 250 cos 70' = 196 kN

Charakteristische Materialeigenschaften nach prEN 1194:


f,,g,k = 3,5 N/mrn2
f,,O,g,k = 29 N~rnm2
f c , 9 0 , ~ , k = 6,0

Bemessungsfestigkeiten:

Schubspannungen:

Tragfahigkeitsnachweis:
7,s L,,

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Die Normalkraft wird über die Stahlfußplatte übertragen:

Tragfähigkeitsnachweis:
oc,~.d 'fc,0,d

Die Schubkraft wird durch die seitlichen Stahlplatten übertragen:

Tragfähigkeitsnachweis:
Oc,90,d ' fc,90,d

Das Moment V, h , muß durch die Stabdübel übertragen werden (siehe STEP
C l ) . Die Stahlteile sind nach EC3 nachzuweisen.

Zusammenfassung
- Die Gebrauchstauglichkeit und Dauerhaftigkeit einer Holzkonstruktion
hängt wesentlich von der Bemessung der Verbindung und Auflager ab.
- Verbindungen und Auflager sollten so ausgebildet werden, daß Schwinden
und Quellen ohne Probleme möglich ist.
- Die Einzelteile sind getrennt nach EC5 zu bemessen (siehe STEP Cl).

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Transport und Montage

STEP D7 Inhalt
Englischer Originalbeitrag: Transport und Montage sind bereits bei der Bemessung und Herstellung von Holz-
G. Bignotti konstruktionen zu berücksichtigen. Der Beitrag behandelt die Transportmittel für
Holzbau AG-SpA die verschiedenen Bauteile und die Montageabläufe bei den unterschiedlichen Bau-
Brixen konstruktionsarten. Dem Holzba~iingenieurwerden Vorschläge an die Hand gege-
ben, wie sich für die Baustelle Kosten, Qualität und Sicherheit optimieren lassen.

Einleitung
Die letzten Phasen der Realisierung einer Holzkonstruktion sind der Transport und
die Montage. Diese Phasen mögen bei der Verwirklichung eines Projektes unbe-
deutend erscheinen, erfordern aber für das Bauvorhaben dieselbe Sorgfalt wie die
vorangegangenen Bearbeitungsschritte. Transport und Montage können nicht nur
die konstruktive Ausbildung, sondern auch die finanzielle und organisatorische
Abwicklung des Projektes beeinflussen. Transport und Montage der Tafelelemente
von Holzfertighäusern sind nicht Gegenstand des Beitrages.

Abb. 1 Transport und Umsetzen von Brettschichtholzbögen.

Transport
Holzkonstruktionen können aus Vollholz, Brettschichtholz, Sperrholz oder anderen
Holzwerkstoffen hergestellt werden. Vollholz und Tafelelemente weisen im
Norrnalfall Abmessungen auf, die keine Transportprobleme darstellen. Im
Gegensatz dazu können Brettschichtholzbauteile mit sehr großen Längen und
verschiedenartigen Formen produziert werden, und folglich sind daran angepaßte
Transportlösungen entwickelt worden. Der Transport von Brettschichtholzbauteilen
stellt wegen des geringen Eigengewichts von etwa 500 kg/rn3 im allgemeinen kein
Problem für die Nutzlasten der Fahrzeuge dar, aber die Länge und die Form der
Bauteile können zu Schwierigkeiten führen. Deshalb sind die Transportmöglich-
keiten schon im frühen Planungsstadium hinsichtlich des Transportmittels und des
Transportweges abzuklären, um die Kosten abschätzen und eine sinnvolle Auswahl
aus verschiedenen statischen Systemen treffen zu können.

Im allgemeinen hat man es bei der Brettschichtholzbauweise mit langen Trägem


und hohen, schlanken Querschnitten zu tun. Träger können bis zu einer Länge von

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms D711


etwa 45 m hergestellt werden. Die Länge und die Gesamthöhe des Bauteils
bestimmen die am besten geeignete Transportlösung. Durch die Trägerbreite
einschließlich etwaiger vormontierter Stahlteile wie z.B. Balkenschuhe ist die
Anzahl von Bindern festgelegt, mit denen das Transportfahrzeug ohne
Überschreitung seiner Breite (2,5 m) beladen werden kann. Bei größeren
Gesamthöhen des Bauteils sind die Beschränkungen zu beachten, die auf dem
Transportweg zur Baustelle durch die lichten Durchfahrtshöhen (4,O bis 4,8 m)
unter Brücken bestehen können.

Abb. 2 Transport von 40 m langen Brettschichtholzbindern.

Elemente mit einer Gesamthöhe von mehr als 4,O m können auf der Straße oder
Schiene nicht befördert werden. In diesen Fällen müssen die Bauteile so konstruiert
sein, daß man sie in zwei Einzelteilen herstellen und auf der Baustelle durch den
Stoß zusätzlicher Stahlteile oder der Holzquerschnitte miteinander verbinden kann.

Beladen des Fahrzeuges


Das Beladen des Fahrzeuges mit den Bauteilen erfolgt gewöhnlich mittels
Portalkran, während Zubehör- und Kleinteile mit Hilfe von Gabelstaplern verladen
werden. Beim Ladevorgang sind die Sicherheitsvorschriften sorgfältig zu beachten,
und die Ladung ist auf der Ladefläche des Fahrzeug so zu befestigen, daß sich
beim Transport nichts lösen kann.

Beförderungsarten
Für Auslieferungen im Inland wird bis auf wenige Ausnahmen der Transport auf
der Straße erfolgen. Eine Beförderung per Bahn kommt z.B. dann in Frage, wenn
große Mengen von Standardträgern an Lagerhäuser auszuliefern sind (als maximale
Länge in einem Waggon sind 18 m zugelassen). Beim Export von Bauteilen kann
der Schiffstransport mit Containerschiffen (zulässige Bauteillänge 11,90 m ) oder
mit traditionellen Frachtern, bei denen die Träger im Laderaum oder an Deck
(keine Längenbeschränkungen) verstaut werden, die günstigste Beförderungsart
sein.

Sondertransporte
Träger, die über die Fahrzeugumrisse hinausragen, gelten als Sonderladung und die
Beförderung ist als Sondertransport durchzuführen. Soweit möglich wird ein
konventioneller Lkw benutzt, bei dem die Ladung nach hinten bis zu 3 m oder 3/10
der Fahrzeuglänge überstehen darf (siehe Abb. 3). Ist diese Lösung nicht möglich,
müssen Spezialfahrzeuge eingesetzt werden.

STEPlEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


1 8,65 m
1
230 m
4

Abb. 3 Dreiachsiger Lkw mit Dachbindern.

Sondertransporte mit Spezialfahrzeugen

Abb. 4 Verschiedene Spezialfahrzeuge.

Zum Transport sehr langer oder hoher Träger kommen Spezialfahrzeuge zum
Einsatz, die in vier Gruppen eingeteilt werden:
- Zugmaschine mit einem Pritschen-Sattelanhänger (Sattelauflieger) nach Abb.
4a: dieses Fahrzeug ist für kurze Träger mit großem Stichmaß geeignet.
- Zugmaschine und Sattelanhänger mit Brückenaufbau nach Abb. 4b: Träger
mit einer Höhe bis zu 3,O m und einer Länge bis zu 24 m können damit
transportiert werden. Der Brückenaufbau kann teleskopartig bis auf 20 m
verlängert werden.
- Zugmaschine mit Tieflade-Anhänger nach Abb. 4c: dieses Fahrzeug ist für
Träger mit einer Gesamthöhe von bis zu 4,O m geeignet. Das Transportfahr-

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Zeug besteht aus zwei Teilen, deren Verbindung keine vertikalen Lasten
aufzunehmen hat. Träger mit großer Gesamthöhe können auf dem Anhänger
sehr niedrig aufgelagert werden, so daß die Träger von der Straßenoberfläche
nur 0,4 m entfernt sind. Aus diesem Grunde ist für die Transportroute der
Straßenverlauf sorgfältig zu überprüfen.
- Zugmaschine mit Plattform-Anhänger nach Abb. 4d: damit können Träger
aller Art bis zu einer Höhe von 3,5 m befördert werden. Die Träger werden
vorne durch die Zentrierplatte auf der Zugmaschine und hinten durch die
Zentrierplattte auf dem Anhänger unterstützt. Die Zentrierplatten erlauben
eine gelenkige Verbindung zwischen Ladung und Fahrzeug.

Beschränkungen
Die Straßenverkehrsordnungen erlegen den Sondertransporten einige Beschrän-
kungen auf. Wenn der Transport eine Länge von 25 m oder eine Breite von 3 m
überschreitet, ist eine Polizeieskorte erforderlich. Die Regelungen sind in den
einzelnen Ländern zum Teil unterschiedlich. In Deutschland müssen Transporte mit
einer Gesamthöhe von mehr als 4 m bei Nacht erfolgen. In Italien dürfen nicht
mehr als drei Sonderlasten, die das zulässige Gewicht von 43 bis 44 Tonnen
überschreiten, in einem Konvoi transportiert werden. Im allgemeinen ist eine
Sondererlaubnis der Verkehrsbehörden erforderlich, wenn die Holzbauteile die
gesetzlich festgelegten Transportabmessungen überschreiten.

Auf der Baustelle

Abladen
Für das Abladen können die auf der Baustelle vorhandenen Hebewerkzeuge
eingesetzt werden. Da mit Ausnahme weniger Transportfahrzeuge Kranvorrich-
tungen fehlen, müssen der Auslegerkran der Baustelle oder ein Mobilkran
verwendet werden. Um die Träger werden spezielle Hebegurte geschlungen, durch
die Beschädigungen vermieden werden. Diese Gurte dienen dazu, das Verrutschen
während des Abladevorgangs zu verhindern. Jedes Bewegen der Träger hat mit
größter Sorgfalt zu erfolgen, damit es nicht zu Beschädigungen des Holzes
kommen kann. Fachwerkbinder sollten soweit möglich an den Traufpunkten
angehoben werden, wobei die Binderebene vertikal steht und der First nach oben
weist.

Lagerung
Nach dem Abladen müssen die Holzbauteile und die Zubehörteile auf der Baustelle
bis zum Beginn der Montage gelagert werden. Während dieser Zeit dürfen die
Bauteile und sonstiges Baumaterial nicht beschädigt werden oder eine Gefahren-
quelle für Personen darstellen. Während der Lagerung sind die Bauteile vor
Bodenfeuchtigkeit, Regen und Schnee zu schützen. Deshalb hat die Lagerung so zu
erfolgen, daß Bodenkontakt ausgeschlossen ist und das Lagergut durch eine
wasserdichte Abdeckung geschützt wird.

Wird Holz über einen längeren Zeitraum bei feuchtem Klima gelagert, ist zur
Vermeidung von Kondensationsfeuchte unter der Abdeckung eine ausreichende
Belüftung wichtig. Damit wird sichergestellt, daß sich auf dem Holz keine Bläue-
oder Schimmelpilze bilden, vor allem, wenn es keine Holzschutzmittel enthält.
Werden Bauteile mit großen Abmessungen in senkrechter Position gelagert, sind sie
abzustützen, damit sie nicht kippen.

STEPlEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Abb. 5 Lagerung von Brettschichtholzträgern.

Abbund
Holzbauteile (Träger, Stützen, Pfetten usw.) werden üblicherweise abgebunden und
gestrichen auf die Baustelle geliefert. Soweit es möglich ist, sollten alle
Arbeitsschritte wegen der geringeren Kosten und der höheren Ausführungsqualität
im Werk und nicht auf der Baustelle vorgenommen werden. Die Träger werden
allseits gehobelt und exakt abgelängt. Für jedes Holzbauteil müssen genaue
Werkpläne für den Abbund vorliegen. Die Arbeitsschritte Bohren, Schlitzen und
Fräsen zum Anbringen von Verbindungselementen können vorteilhafter im Werk
als auf der Baustelle vorgenommen werden. Für diese Vormontage werden sehr
präzise Werkpläne benötigt, die alle Details und Verbindungen enthalten. Ist dieses
Vormontieren der Stahlteile an die Träger möglich, kann dadurch eine merkliche
Einsparung an Montagekosten erreicht werden. Soweit keine andere Ausführung
festgelegt ist, wird ein Anstrich, den es in verschiedenen Farbtönen gibt, mit
vorbeugender Wirkung gegen Pilz- und Insektenbefall aufgebracht. Auf der
Baustelle sollte möglichst nicht improvisiert werden müssen. Nur wenn die
Baustellenverhältnisse eine Vorfertigung der Bauteile nicht zulassen, ist die
Endbearbeitung auf der Baustelle vorzunehmen. In diesem Fall sind die Arbeiten
mit höchster Präzision auszuführen. Als Folge davon ist mit höheren Kosten für die
Konstruktion zu rechnen.

Überprüfung der Baustelle


Vor Montagebeginn ist eine Überprüfung der Baustelle angebracht, ob das Holz
angeliefert werden kann und die Fundamente und Auflager entsprechend den
Konstruktionszeichnungen hergestellt worden sind. Auch eine Kontrolle, ob das
gesamte Material auf der Baustelle vorhanden ist, ist vor Montagebeginn ratsam.

Montage
Im Herstellungsprozeß einer Holzkonstruktion stellt die Montage den Moment dar,
in dem alle vorangegangenen Phasen gewissermaßen auf den Prüfstand kommen.
Ein gut durchgeführter Aufbau ist für die Schaffung eines guten Bauwerks eine
erste, aber nicht ausreichende Vorbedingung.

Alle vorangegangenen Arbeitsschritte wie Entwurf, Konstruktion, Herstellung,


Abbund und Transport müssen fehlerfrei durchlaufen worden sein. Auf die
genannten Arbeitsschritte muß eine fachmännische Montage folgen. Der
Zusammenbau hat mit der Präzision abzulaufen, die für die Konstruktion notwendig
ist. Die Arbeit ist von Fachkräften mit Holzbauerfahrung durchzuführen, wobei
perfekte und leistungsfähige Werkzeuge und Maschinen zur Verfügung stehen

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms D715


müssen. Die Baustelle muß für die Übernahme der Holzbauteile vorbereitet worden
sein, damit der Montagetrupp leicht und sicher arbeiten kann.

Die Montage von Holzkonstruktionen beginnt üblicherweise mit dem Aufrichten


des Primärtragwerks, gefolgt vom Anbringen der Sekundärbauteile. Häufig dienen
die Sekundärbauteile der Aussteifung des Primärtragwerkes, so daß zunächst eine
provisorische Abstützung angebracht werden muß. Möglichst schnell sind ausstei-
fende Sparren und Verbände an die Hauptträger anzuschließen. Der Montageablauf
hängt von der Art der Konstruktion ab. Es ist zweckmäßig, einige typische Kon-
struktionen zu betrachten:

Hausdächer
Man unterscheidet generell zwei Typen von Dächern für Wohnhäuser und ähnliche
Gebäude. Der erste Typ weist eine steile Dachneigung auf und besteht aus
Vollholzdachbindern in engen Abständen. Diese Konstruktion ist wegen der
Deckenkonstruktion meistens nicht sichtbar. Wegen der kurzen Montagezeiten und
der niedrigen Kosten wird diese Lösung bei Wohnhausdächern bevorzugt. Die
größten Beanspruchungen, die in den Verbindungen der Dachbinder auftreten,
werden normalerweise beim Einbau verursacht. Der Einbau der Dachbinder muß
sorgfältig geplant werden, wobei Gewicht, Hubhöhe sowie die Art des Einbaus, ob
manuell oder maschinenunterstützt, zu berücksichtigen sind. Bis der letzte Binder
montiert ist, sind während der Montage provisorische Abstützungen anzubringen.
Nach der Befestigung der Dachverbände auf beiden Dachflächen werden in
Längsrichtung Hölzer angebracht, um den genauen Abstand der Deckenbalken
sicherzustellen. Der zweite Dachtyp besteht meist aus sichtbaren Hauptträgem und
Pfetten. Diese Konstruktionen haben zwar nur mittlere Abmessungen, erfordern
aber wegen der hohen Ansprüche an das Aussehen der Oberflächen einen
besonders paßgenauen Zusammenbau. Häufig kommen innenliegende Stahlteile zur
Ausführung. Dies hat anspruchsvollere Verbindungssysteme zur Folge, bei denen
die Balkenköpfe für das Einführen von Stahlblechen geschlitzt oder für die
Auflagerung von Pfetten ausgeklinkt werden. Abbund und Zusammenbau werden
dadurch zwar teurer, aber es entstehen auch hochwertige Konstruktionen. Gerüste
und Auslegerkrane sollten auf der Baustelle normalerweise zur Verfügung stehen.

Träger
Bei einfachen linearen Systemen kommen üblicherweise Träger zum Einsatz.
Pfetten werden häufig mittels Stahlschuhen, die im Werk vormontiert oder auf der
Baustelle angenagelt werden, an die Träger angeschlossen. Wenn es die
Bodenverhältnisse unter der Konstruktion erlauben, kann ein verfahrbares Mon-
tagegerüst von Vorteil sein.

Dreigelenkbinder
Dieses System wird sehr häufig ausgeführt, weil es das ~ b e r b a u e ngroßer Flächen
mit einer einfachen und wirtschaftlichen Konstruktion ermöglicht. Jeder Halb-
rahmen kann entweder aus einem gekrümmten Teil oder aus mehreren geraden
Abschnitten, die miteinander biegesteif verbunden sind, hergestellt werden. Bei
gekrümmten Halbrahmen ist es sehr wirtschaftlich und vorteilhaft für die
Arbeitssicherheit, wenn jeweils zwei Binderfeldhälften am Boden durch Anbringen
der Pfetten und Verbände vorgefertigt werden. Anschließend können sie an den
Firstpunkten hochgehoben werden, wobei sich die Binder um die Fußgelenke
drehen. Die Firstpunkte werden über ihre endgültige Lage hinaus angehoben und
dann wieder abgelassen, bis sie in der vorgesehenen Höhe von einem Montageturm
oder einer Hebebühne aus zum Firstgelenk verbunden können (siehe Abb. 6).
Dieser Montageablauf erfordert zwar zwei Kräne, ist aber zeitsparend und benötigt

STEPIEUROFORTECH - eine Iniliative im Rahmen des EU Comett Programms


keine Gerüste unter den Firstpunkten, mit denen die Halbrahmen unterstützt werden
solange sie noch nicht zum tragfähigen Rahmen verbunden worden sind.

Abb. 6 Montage von Dreigelenkbindern.

Mit erfahrenem Fachpersonal ist es möglich, vier oder fünf Halbrahmenfelder am


Boden vorzufertigen und anschließend als ein Stück aufzurichten. Dazu werden
zwei Hilfsträger benötigt, um die zwei Rahmenteile mit den Kränen hochheben zu
können (siehe Abb. 7).
s

Abb. 7 Aufrichten vormontierter Halbrahmenfelder.

Fachwerkbinder
Transport- und Herstellprobleme lassen sich lösen, wenn man für den Bau von bis
zu 100 m weit gespannten Fachwerkbindern nur Einzelbauteile begrenzter Länge
verwendet. Die Konsequenz ist aber, daß auf der Baustelle die Fachwerkstäbe
miteinander verbunden werden müssen. Für Stabdübelverbindungen ist es erforder-
lich, daß die Fachwerkbinder horizontal gelegt werden, um die Stabdübel eintreiben
zu können. Bei Bolzen- oder Paßbolzenverbindungen muß zudem der liegende
Fachwerkbinder an allen Knoten auch an der Unterseite zugänglich sein.

Die für den Zusammenbau der Fachwerke notwendigen Flächen sind auf Baustellen
normalerweise eingeschränkt, und das Umsetzen der Binder mittels Kran verursacht
hohe Kosten, so daß es oft von Vorteil ist, entlang der beiden Binderauflager
Schienen zu verlegen und darauf die Fachwerkbinder mittels Laufkatze vom

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms D717


Montageplatz bis zur vorgesehenen Position zu verschieben (siehe Abb. 8).
Zwischen den Fachwerkbindem sind vor dem Verschieben zur Aussteifung
selbstverständlich die Pfetten und Verbände einzubauen.

Abb. 8 Fachwerkbinderpaar, vorbereitet zum Verschieben auf Schienen.

Radialrippenkuppeln und geodätische Kuppeln


Ein Kuppeldach kann man bei Durchmessern bis zu 80 m aus radial angeordneten
Bögen bilden oder als geodätische Kuppel mit Schalentragwirkung ausführen, die
normalerweise bei größeren Durchmessern als 80 m in Frage kommt. Für den
Aufbau einer Kuppel aus radial verlaufenden Bögen muß in der Mitte auf einem
Traggerüstturm der Stahldruckring aufgelegt werden, an den das obere Ende der
Bögen anzuschließen ist (siehe Abb. 9). Für geodätischg Kuppeln wird eine große
Anzahl provisorischer Unterstützungen benötigt, sie können aber auch im
Freivorbau montiert werden.

Abb. 9 Montage radial angeordneter Bögen.

Arbeitssicherheit
Wie bei allen Baumaßnahmen ist es auch bei der Montage von Holzkonstruktionen
sehr wichtig, daß keine Arbeitsunfälle auftreten. Schon im ersten Entwurfsstadium
ist zu überlegen, wie die verschiedenen Tragelemente zusammengebaut werden
können. Die Konstruktion ist hinsichtlich Systemen und Verbindungen so zu
entwerfen, daß der Arbeitssicherheit Rechnung getragen wird.

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Abb. 10 Einsatz von Auffangnetzen.

Abb. 11 Einsatz von Sicherungsleinen.

Bei größeren Konstruktionen sind Montagezeichnungen und Montageanweisungen


auszuarbeiten, die das Abladen, Lagern und Aufrichten der Holzbauteile
beschreiben. Die Anweisungen müssen unmißverständlich sein und sollten durch
Skizzen ergänzt werden. Montageabläufe, mit einer Vorfertigung auf dem Boden
sollten möglichst bevorzugt werden. Bei Arbeiten, die von Personen in größerer
Höhe auszuführen sind, müssen die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen
werden. Als Absturzsicherung für Personen während der Montage gibt es z.B.
Auffangnetze (siehe Abb. 10) oder Sicherungsleinen (siehe Abb. 11). Diese Leinen
können durch spezielle Stäbe an den Hauptträgem vor der Montage angebracht
werden. Personen, die auf den bereits montierten Trägem entlanggehen sollen,
müssen mit ihrem Sicherheitsgurt an die Sicherungsleine angeschlossen sein.
Vorrichtungen, mit denen man auf Dachhöhe gelangen kann, sind stationäre oder
verfahrbare Gerüste sowie Personenkörbe am Kran. Zusätzlich zu den Sicherheits-
gurten muß das Personal Schutzhelme, Handschuhe, Sicherheitsschuhe mit Stahl-
kappen und nagelsicheren Sohlen tragen. Diese Sicherheitsvorkehrungen zusammen
mit einer guten Ausbildung des Personals und einem korrekten Montagekonzept
erlauben einen konkurrenzfähigen Aufbau des Bauwerks, bei dem die Anforde-
rungen der Arbeitssicherheit eingehalten werden.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms D719


Rahmenecken

STEP ~8 Inhalt
Englischer Originalbeitrag: Verschiedene Arten von Rahmenecken werden vorgestellt: Stiel und Riegel mit ver-
P. Racher veränderlicher Querschnittshöhe biegesteif miteinander verbunden, in V-förmig ange-
CUST Civii Engineering ordnete Druck- und Zugstütze aufgelöste Rahmenecke oder Eckausbildung mit Kopf-
Blaise Pascal University bändern und keilgezinkte Rahmenecke oder Eckausbildung mit eingeleimten Stäben.

Die Anwendungsmöglichkeiten dieser Rahmenecken sowie einige, für das Tragver-


halten wichtige Details, werden beschrieben. Anhand eines Bemessungsbeispiels
werden die Wahlmöglichekeiten zur Optimierung der in Europa allgemein üblichen
gedübelten Rahmenecke gezeigt.

Einleitung
Für Industrie- und Sporthallen kommen oft Rahmen mit Traggliedern veränder-
licher Höhe oder gekrümmten Bauteilen als Primärtragwerk zum Einsatz. Es handelt
sich dabei um einfache Systeme, die es ermöglichen, bei Spannweiten zwischen 15
und 50 m und einem Rahmenabstand zwischen 5 und 10 m, große Flächen zu
überdachen.

Abb. 1 Rahmen mit Traggliedern veränderlicher Höhe ( a ) und gekrümmten


Rahmenhälften (b): ( I ) gedübelte Rahmencke, ( 2 ) Dachanschleppung.

Die maßgebende Schnittgrößenkombination ergibt sich fiir die Rahmenecke, die


deshalb als erstes zu bemessen ist. In einer Vorbemessung werden der größere
Querschnitt des gekrümmten Rahmens oder die Rahmenecke selbst und die
Querschnittsgrößtwerte der Rahmenteile mit veränderlicher Höhe ermittelt. Obwohl
die gekrümmten Rahmen statisch effizienter sind, erfordert ihre Verwendung
- besondere Betrachtung des Transports und der vorgesehenen Nutzung des
Gebäudes,
- und die Ausbildung von Sekundärtragwerken (siehe Abb. lb) je nach Urnriß
des Gebäudes und Art der Dachhaut.

Wegen dieser Nachteile wird meistens einem Rahmen mit getrennter Stiel- und Rie-
gelausbildung der Vorzug gegeben. Bei dieser Ausführung hat der Tragwerksplaner
die Aufgabe, die Schnittgrößenübertragung zwischen Riegel und Stiel rechnerisch
und konstruktiv zu lösen. Der Beitrag behandelt die für die Gesamttragfähigkeit des
Bauwerks sehr entscheidende Bemessung der Rahmenecke.

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Arten von Rahmenecken

Verwendung mechanischer Verbindungen


Sehr häufig werden Rahmen für Spannweiten bis zu 50 m aus zweiteiligem Stiel und
einteiligem Riegel mit veränderlicher Querschnittshöhe ausgeführt (siehe Abb. 2a).
Als statisches System wird der Dreigelenkrahmen gewählt, um Zwängungsbean-
spruchung, z.B. aus Fundamentsetzung zu vermeiden. In der Rahmenecke werden die
Schnittgrößen durch mechanische Verbindungsmittel, die kreisförmig oder rechteckig
angeordnet sind, übertragen. Um für die Verbindungsmittel eine ausreichend große
Anschlußfläche zu erhalten, ist für die mittlere Querschnittshöhe von Stiel und Riegel
in der Rahmenecke von Werten zwischen 1/20 und 1/30 der Rahmenstütz-weite
auszugehen. Ein großer Nachteil dieser biegesteifen Verbindung ist die Gefahr des
Aufreißens des Holzes infolge Feuchteschwankungen im Bereich der Verbindung. Bei
der Verwendung von Stabdübeln kann man die Aufreißgefahr verringern, wenn für
die Stifte der Versagensmodus I1 oder I11 durch Ausbildung von Fließgelenken
maßgebend wird (siehe STEP C3). Bei Einpreßdübeln kann man das Aufreißen
begrenzen, indem man die Dübel des inneren Kreises gegenüber denen des äußeren
Kreises versetzt anordnet (Abb. 2b). Bei beiden Verbindungsmittelarten bedeuten ein-
oder aufgeleimte Verstärkungen nach Abb. 2c an den Stabenden eine Verringerung
der Spaltgefahr.

Abb. 2 Rahmenecken mit mechanischen Verbindungen: ( U ) typische gedübelte


Rahmenecke, ( b ) Ecke mit Einprefldübeln, ( C ) Verstärkungen der Stäbe: 1
eingeleimte Stäbe oder 2 aufgeleimte Sperrholzplatte, ( d ) Sonderausfuhrung
mit Stabdübeln.

Der momentane Trend geht zur Entwicklung von Rahmenecken mit höheren Trag-
fahigkeiten und Steifigkeiten sowie plastischen Eigenschaften. In Europa werden dazu
Verstärkungen von Stiel und Riegel im Eckbereich durch aufgeleimtes Sperrholz,
vergütetes Furnierschichtholz (Leijten et al, 1994) oder Glasfasern untersucht. Diese
Verstärkungen verhindern eine Überbeanspruchung in den Endbereichen von Stiel
und Riegel und führen zu plastischem Verhalten beim Bruch der Rahmenecke.

Eine in Japan und Australien benutzte Konstruktion besteht aus der Verbindung der
jeweils einteiligen Stiele und Riegel durch Schlitzbleche oder außenliegende Sperr-
holzplatten (Abb. 3). Die innenliegenden Bleche sind eine ästhetisch und brandschutz-
technisch gute Lösung. In beiden Fällen erhält man das Gleichgewicht der Schnitt-
größen in Plattenmitte, und der Tragwerksplaner hat auch den Festigkeitsnachweis für
die Platte zu führen.

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Abb. 3 Rahmen, bei denen die in einer Ebene liegenden Stäbe über mechanische
Verbindungen aneinander angeschlossen sind: ( U ) AnschluJ mit innenliegendem
Stahlblech, ( b )genagelte Sperrholzknotenplatte.

V-Stützen
Eine andere Möglichkeit besteht in der Auflösung der Rahmenecke in V-förmig
angeordnete Stützen, die an den Riegel angeschlossen werden (Abb. 4). Je nach
Stabilitätsanforderungen und Größe der horizontalen Lasten kann diese Bauart als
Zweigelenkrahmen mit einem durchgehenden satteldachförmigen Riegel mit
gekrümmtem Untergurt über Stützweiten bis zu 30 rn ausgebildet werden. Bei noch
größeren Stützweiten sollten Dreigelenkrahmen ausgeführt werden. Die Riegelhöhen
liegen für h, zwischen 1/30 und 1/40 und für h, zwischen 1/40 und 1/60 der
Rahmenstützweite. Zur Übertragung des Biegemoments sollte der Winkel a zwischen
Druck- und Zugstütze 10" bis 20" betragen.

Abb. 4 Geometrie der Rahmen mit V-Stützen.

Die V-Stütze setzt sich aus der inneren Druckstütze aus Holz und der außenliegenden
Zugstütze, entweder aus Holz oder aus Stahl zusammen. Für diese Rahmen müssen
alle Lastkombinationen sorgfältig auch daraufhin untersucht werden, ob nicht eine
Umkehrung von Zug und Druck auftreten kann.

Verwendung von Leimverbindungen


Bei geleimten Rahmenecken werden entweder Keilzinkenverbindungen oder einge-
leimte Stäbe verwendet (siehe Abb. 5). Die vor allem in den skandinavischen Ländern
entwickelten Leimverbindungen ermöglichen die Übertragung großer Kräfte und
weisen sehr hohe Steifigkeit auf. Einschränkungen in der Verwendung können sich
vor allem durch das Sprödbruchverhalten dieser Verbindungen ergeben. Deshalb setzt
ihre Herstellung und der Einbau umfangreiche Qualitätskontrollen voraus und erfor-
dert die Erfüllung besonderer Herstellungsrichtlinien, die für Keilzinkenverbindungen
in prEN 387 "Brettschichtholz - Herstellungsanforderungen für Universal-Keilzinken-
verbindungen" enthalten sind.

Von den zwei Ausfuhrungen ist die keilgezinkte Rahmenecke gebräuchlicher. Das
Keilzinkenprofil wird so gefräst, daß die Zinken vertikal, d.h. parallel zur Quer-
schnittshöhe verlaufen. Im allgemeinen wird die Rahmenecke durch Einsetzen eines
Zwischenstückes mit beidseitigem Universal-Keilzinkenstoß hergestellt. Dadurch

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halbiert sich der Winkel zwischen Kraft- und Faserrichtung und es erhöht sich die
Festigkeit der Verbindung. Auf eine mögliche Vorzeichenumkehr beim Eckmoment
ist zu achten, da die Tragfähigkeit des Universal-Keilzinkenstoßes bei negativem
Moment M„, größer ist als bei positivemMoment M„,s. Der Absolutwert des Verhält-
nisses M„JMneg liegt zwischen 0,l und 0,2 für eine Dachneigung zwischen 0" und 30"
(Reyer et al., 1991, Heimeshoff, 1976).

Abb. 5 Rahmenecken mit Universal-KeilzinkenstoJ( U ) , oder mit eingeleimten Stäben


(b).

Da nach prEN 387 davon ausgegangen wird, daß die Herstellung von Universal-
Keilzinkenverbindungen in einem Leimbaubetrieb durchgeführt wird, ist der Einbau
von Bauteilen mit dieser nicht mehr lösbaren Verbindung auch durch die Transport-
möglichkeiten eventuell eingeschränkt. Dieser Nachteil und die Gefahr infolge eines
Sprödbruches in einem einzelnen Bauteil besteht bei Rahmenecken mit eingeleimten
Stäben nicht (siehe STEP C14). Abb. 6 zeigt eine Ausführung mit schräg einge-
leimten Stäben, mit denen der Einfluß auf die Tragfähigkeit der Verbindung durch
eventuelles Aufreißens des Holzes verringert wird (Turkowskij, 1991). In diesem Fall
werden die Schnittgrößen durch getrennte Druck- und Zugelemente übertragen, wobei
geringe Beanspruchungen auch mit umgekehrtem Vorzeichen aufgenommen werden
können.

Abb. 6 Rahmenecke mit schräg eingeleimten Stäben.

Bemessung der Rahmenecken


Vor allem für gedübelte, biegesteife Verbindungen ergeben sich aus den Regeln des
EC5 und den zugehörigen Normen neue Möglichkeiten zur Optimierung von
Rahmentragwerken. Im ersten Schritt wird die technisch und wirtschaftlich
effizienteste Verbindung bestimmt. Nachfolgend wird ein Beispiel vorgestellt, das die
Wahlmöglichkeit des Tragwerksplaners und des Holzbaubetriebes deutlich macht.

Ein Dreigelenkrahmen nach Abb. 7 aus Brettschichtholzstäben mit veränderlicher

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Höhe ist zu bemessen und zu konstruieren.

Für die Klasse der Lasteinwirkungsdauer "kurz" ergeben sich aus der maßgebenden
Lastkombination die folgenden Schnittgrößen für die Rahmenecke:

Stiel : V c , , = 8 0 . 1 0 3 N NL,,=120.1O3N
Riegel: v ~ ,=, 9 0 . 1 0 ~N N ~ =, 112.10~N
und Mc,, = 260. 103 Nm

Abb. 7 Rahmengeometrie ( U ) und Eckausbildung (b).

Gebräuchliche Ausführung (Rahmen A)


Aufgrund einer Vorbemessung ergeben sich die Geometrie und die Eigenschaften der
gewählten Materialien zu:
Brettschichtholz:
Festigkeitsklasse GL24 (prEN 1194, Anhang A)
p, = 364 kg/m3 , = 2,52 N/mm2 km, =0,9
t, = 65 mm t, =115mm h =1150mm
Stabdübel:
Fe240 , = 240 N/mm2
d =24mm.
Gewählt zwei Dübelkreise mit:

Die Stabdübelkräfte infolge der Schnittgrößen in der Rahmenecke sind in Tabelle 1


zusammengestellt (siehe STEP C 16).

Bemessungswerte der mechanischen Eigenschaften der Verbindung:


Lochleibungsfestigkeit: fh,o,d =
0,9 0,082 ( 1
- - 0,01 .24) 364 = 15,7 Nlmm2
1,3
Fließmoment:

Der Beiwert k„ beträgt 1,71. Die Berechnung des Bemessungswerts der Tragfähigkeit
des maßgebenden Stabdübels (siehe STEP C6 und C16) ist Tabelle 2 zu entnehmen.

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Stiel Riegel
FM (103N ) 20,4 20,4
Fv (lo3N ) 2,35 2,65
FN (103N ) 333 3,29
F, (103N ) 23,l 23,3
F,, (103N ) 157 152

Tabelle 1 Bemessungswertefur die Kräfte im Holz und im meistbeanspruchten Stabdübel.

Stiel Riegel
a1 (") 81,2 81,9
U? (" 7,9 8,6
f h,~.d ( N/mm2 ) 9,27 153
f h.2.d ( N/mm2 ) 15,5 9,26
ß 1,67 0,6

Tabelle 2 Bemessungswert der Tragfähigkeitje Scherfläche des maßgebenden Stabdübels.

Für die gewählte Stabdübelanordnung berechnet sich der Bemessungswert der


Stabdübeltragfähigkeit im Stiel zu:
R,,, = 2 .11,9 .103 = 23,7.103 N > F,,c = 23,l .103 N

und im Riegel zu:


R,,, = 2 .12,8 .103 = 25,6.103 N > F,,' = 23,3.103 N

In der Anschlußfläche ergibt sich die Scherspannung infolge der Scherkraft F,,, im
Holz zu:

Im Gebrauchszustand beträgt die Drehsteifigkeit der Verbindung:


Ksrr,r,d= Kser( n , ri2 + n2 r22)=9 7 3 .1OYNmmlrd

Ausführung mit höherwertigerem Stahl (Rahmen B )


Wählt man Stabdübel mit kleinerem Durchmesser und höherer Zugfestigkeit,
verbessert sich gemäß EC5 das plastische Verhalten der biegesteifen Verbindung.
Im vorliegenden Beispiel werden Stabdübel mit der Stahlqualität Fe430 (f,,, = 430
N/mmz) und mit 24 mm Durchmesser gewählt.

Die Bemessung wird optimal für h = 1080 mm und 45 (30+15) Stabdübel in zwei
Kreisen mit den Radien r, = 470 mm und r, = 390 mm. In Tabelle 3 sind die
Berechnungsergebnisse zusammengestellt.

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Tabelle 3 Zusammenstellung der Ergebnisse.

Für die Berechnung der Durchbiegung im Gebrauchszustand ist von folgender


Drehsteifigkeit auszugehen:
Kiur,r,d= Kr,, (n, riZ + n2 r2')= 99,O-10' Nmmlrd

Ausführung mit höherwertigerem Brettschichtholz und Stahl (Rahmen C )


Eine andere Möglichkeit der Optimierung besteht in der Wahl von Brettschichtholz
einer höheren Festigkeitsklasse. Dieses Brettschichtholz erfordert allerdings auch
verschärfte Anforderungen und Kontrollen bei der Herstellung.

Gewählte Materialien:
Brettschichtholz:
Festigkeitsklasse GL30 (prEN1194, Anhang A)
p, = 407 kg/m3 fv,d = 2,18 N/mm2
Stabdübel:
Fe430 f = 430 N/mm2

Mögliche Ausführungen:
C l h = 1080 mm und 41 (30 + 11) Stabdübel d = 16 mm,
C2 h = 980 mm und 70 (38 + 32) Stabdübel d = 12 mm.

Im Gebrauchszustand beträgt die Drehsteifigkeit der Verbindung:


C1 K = 109 . 10' Nmmlrd C2 Kser,r,d= 118 . 10' Nmml rd

Zusammenfassung

Brettschichtholz Stabdübel
Aus- Klasse h ( mm) Stahl Anzahl Durchmesser
füh-
rung
A GL24 1150 Fe240 34 24 rnrn

Tabelle 4 Möglichkeiten derAusfuhrung der biegesteifen Verbindung in der Rahmenecke.

Verglichen mit der Ausführung A könnte das beste Kosten-Leistungsverhältnis mit der
Ausführung B oder C2 je nach Höhe der Kosten für die einzelnen Herstellungs- und
Montageschritte erzielt werden.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms D817


Literatur
Heimeshoff, B. (1976). Berechnung vonRahmeneckenmit Keilzinkenverbindungen Arbeitsgemeinschaft
Holz, Holzbau Statik Aktuell, Germany, Folge 1.

Leijten, A.J.M., Cmz H.M., Rodd P.D., Wemer H. and Virdi K.S. (1994). Physical and mechanical
properties of densified veneer wood (DVW) for structural applications. Final Report of FOREST project
NWA2B-CT91-0033, Delft, Netherlands.

Reyer E., Schmidt M. und Schmidt P. (1991). Development and calculation of kinked timber joints
elastically prestressed perpendicular to the grain. Proceedings of the International Timber Engineering
Conference, Vol. 3, p. 3.85-3.96, London, UK.

Turkowskij, S. (1991). Prefabricated joints of timber structures on inclined glued-in bars. Proceedings of
the International Timber Engineering Conference, Vol. 3, p. 3.143-3.148, London, UK.

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Aussteifung - Konstruktionsdetails

STEP ~9 Inhalt
H. Brüninghoff Es werden die Wirkungsweise von Verbänden und die zur Bemessung sinnvollen
Gesan~thochschuleWuppertai Vereinfachungen vorgestellt. Statische Systeme und Beispiele für die Ausführung
von Knotenpunkten werden gezeigt. Hinweise zur Berechnung und zur konstruk-
tiven Ausbildung werden gegeben.

Einleitung
Zur Erreichung einer ausreichenden Seitensteifigkeit werden Holzbauteile an
genügend Widerstand leistende Wände, Stützen, Träger oder Verbände angeschlos-
sen. Diese verhindern zu große seitliche Auslenkungen rechtwinklig zur Haupttrag-
richtung der Einzelteile. Gleichzeitig können sie auch zur Abtragung von äußeren
Lasten, wie z.B. Wind, hinzugezogen werden. In Aussteifungsverbänden treten dann
keine Beanspruchungen aus lotrechter Belastung der auszusteifenden Träger auf,
wenn alle Bauteile ideal gerade sind, ferner wenn eine ideale Lasteinleitung vorliegt,
die Auflast also keine Komponente rechtwinklig zur Haupttragrichtung der Holz-
bauteile hat. Im praktischen Fall müssen wegen unvermeidlicher Fertigungs- und
Montageungenauigkeiten Abweichungen von der idealen Lage in Kauf genommen
werden. Diese treten immer auf, wenn Windlasten oder sonstige von außen
angreifende Horizontalkräfte in die Träger- und Verbandsebene eingeleitet werden
und somit Formänderungen hervorrufen.

Einsatzbereich von Verbänden


Verbände dienen zur Aufnahme von äuJeren Lasten, die nicht aus dem Tragwerk
selbst herrühren und die deshalb in den Baugrund abgeleitet werden müssen:
- Windlasten,
- Horizontalkräfte, z.B. Seitenstöße und Bremskräfte von Kranbahnen, Erd-
bebenlasten.

Weiterhin können durch Verbände innere Lasten aufgenommen werden, die durch
vorhandene oder erzwungene Abweichungen von der planmä.ßigen Lage der
Bauteile erzeugt werden, und die bei richtiger Ausbildung des Tragwerks innerhalb
desselben ausgeglichen werden können und im allgemeinen nicht in den Baugrund
abgeleitet werden müssen:
- Kräfte infolge Schiefstellung von Rahmen und Stützen,
- Kräfte zur seitlichen Halterung kippgefährdeter Biegeträger und von
Druckgurten bei Fachwerkträgern,
- Kräfte auf Zwischenabstützungen von Druckgliedern,
- Kräfte auf seitliche Halterung von geknickten Zuggurten.

Beispiele sind in Abb. 1 bis Abb. 7 gegeben.

STEP/EUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Abb. 1 Aufnahme der Windlasten aus den Giebelstützen und Weiterleitung über Dach-
und Wandverbände.

Abb. 2 Aufnahme von äußeren Lasten und Weiterleitung über Verbände in den Bau-
grund. ( U )Bremskräfte eines Krans, (b) Torsionsaussteifung der Trägerenden.

Abb. 3 Aufnahme seitlicher Abtriebskräfte aus schräggestellten Stützen und Weiter-


leitung auf Dach- und Wandverbände.

Abb. 4 Kraftverlauf bei schrägstehenden Konstruktionen mit lotrechten Einwirkungen.

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Abb. 5 Unterteilung der Knicklängen von Stützen.

Abb. 6 Seitliche Halterung kippgefährdeter Biegeträger.

1
Abb. 7 Seitliche Abstützung der Unterspannung mittels KopJbänder gegen die gehalte-
nen Pfetten bei unterspannten Trägern.

In einem Tragwerk dienen die Hauptbinder überwiegend zur Ableitung der lotrech-
ten Lasten, bei Dächern aus Eigengewicht und Schnee, die Verbände zur Aufnahme
der horizontal angenommenen Wind- und Stabilisierungskräfte. Der Planer trennt
üblicherweise diese Wirkungen und bernißt Hauptbinder und Verbände in verschie-
denen Schritten. Dabei handelt es sich eigentlich um ein zusammenhängendes räum-
liches System (Abb. 8). Werden zwei einfache Hauptbinder, hier aus drei Stäben
gebildet, mit Fuß- und Firstpfetten verbunden, so reicht der Einbau zweier Diago-
nalen zur Aussteifung zunächst aus. Eine Abzählung der Auflagerreaktionen ergibt
acht Stück. Eine davon wird zur Festhaltung des im Grundriß vorhandenen Gelenk-

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms D913


Abb. 10 Lotrechte Belastung -der Binder mit horizontaler Einwirkung bei geknickten
Trägern.

Abb. 11 Aujlagerkrajie des Systems, betrachtet als Kragträger.

Als Rechenmodell ist es auch praktikabel und bei Dächem mit großen Neigungen
sinnvoll, Im Firstpunkt auf eine Übertragung de'r Querkräfte in Verbandsebene zu
verzichten. So entstehen zwei Kragträger (Abb. I I).

Wenn System und Belastung symmetrisch sind und die Verformung der Gurte außer
acht bleibt, ist die horizontale Verschiebung im First für beide Verbandsseiten
gleich groß. Die Umlenkkräfte aus den Gurtkräften von als durchlaufend betrachte-
ten Verbänden treten hier an den Kragenden nicht auf. Es ergeben sich aber zwei
horizontale Auflagerkräfte in X-Richtung,die innerhalb des Tragwerks weiterverfolgt
und ausgeglichen werden müssen (innere Kräfte).

Es kann auch empfehlenswert sein, dem Firstpunkt, oder auch weiteren Zwischen-
punkten, zusätzliche Auflager zu geben, die die Seitenkräfte zur Traufe hin ableiten.
Hierdurch ergeben sich - bei ausreichend steifer Ausbildung der Abstiitzung - mit
der verkürzten Stützweite des Verbandes geringere Durchbiegungen und somit auch
geringere Seitenlasten. Sinnvoll ist diese Maßnahme beispielsweise bei Konstruktio-
nen mit Nagelplattenbindem, die bei den üblichen geringeren Trägerabständen zwi-
schen den Druckgurten keine aussteifenden Binder mit hinreichenden Trägerhöhen
(Steifigkeit) ermöglichen, falls als Spannweite die Spannweite der Hauptbinder
angenommen wird (Abb. 12).

Abb. 12 Abstützung des Firstpunktes (zusätzliches Aujiager zur Verkürzung der


Spannweite des Verbandes).

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms D915


Ausführung von Verbänden

Verbandsarten
Verbände werden überwiegend als Fachwerke ausgebildet. Diese können hergestellt
werden, indem für die Ableitung von lotrechten Einwirkungen notwendige Bauteile,
Binder und Pfetten, durch den Einbau von Diagonalen ergänzt werden. Es werden
auch vorgefertigte Fachwerkbinder verwendet, die zwischen den auszusteifenden
Bauteilen eingebaut werden. Hier werden nur Fachwerkträger behandelt, obgleich
auch Biegeträger, Scheiben oder Einzelabstützungen zur Aussteifung verwendet
werden können. In den meisten Fällen werden die Gurte des Verbandes von den
Hauptbindem gebildet. Sind dies Fachwerkbinder, so soll im allgemeinen der
abzustützende Druckgurt Teil des Verbandes sein; sind dies Vollwandträger, so soll
ebenfalls die Druckzone in der Ebene des Verbandes liegen und damit gegen
seitliches Ausweichen gestützt werden. Vorhandene Pfetten können Verbandsteile
sein. Die Diagonalstäbe werden zusätzlich eingebaut. Hier können unterschiedliche
Geometrien gewählt werden, die mit verschiedenen Merkmalen verbunden sind.

Gekreuzte nur auf Zug beanspruchte Diagonalen


- Ausführung im allgemeinen in Stahl, z.B. als Rundstahldiagonalen mit
Spannschlössem.
- Einfache Montage.
- Die Pfetten erfahren Zusatzbelastungen, wenn sie, wie üblich, zugleich als
Verbandspfosten herangezogen werden.

Abb. 13 Gekreuzte nur auf Zug beanspruchte Diagonalen. ( U ) Ausgesteifter Träger, ( b )


Pfette.

Steigende und fallende Diagonalen


- Keine Zusatzbelastung der Pfetten.
- Wegen der i.a. wechselnden Belastungsrichtung müssen alle Diagonalen
drucksteif sein; deswegen wird eine Ausführung in Holz empfohlen.
- Durch [Link] auf Druck beanspruchten Diagonalen an den Pfetten
können die Knicklängen der Diagonalen verkleinert werden.

I1 1I
Abb. 14 Steigende und fallende Diagonalen. ( a ) Ausgesteifter Träger.

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Fallende Diagonalen
- Die Anwendung ist dort sinnvoll, wo eine Belastungsrichtung größere
Verbandskräfte erzeugt als die andere.
- Die hier auf Druck beanspruchten Vertikalen haben geringere Knicklängen
als wenn die Diagonalen Druckstäbe wären (bei steigenden Diagonalen).

Abb. 15 Fallende Diagonalen. (U) Ausgesteifter Träger, ( b ) Pfette.

K- Verband
- Die Füllstabkräfte werden bei gleicher Strebenneigung auf die Hälfte
verringert,
- Viele Anschlüsse werden benötigt.
- Knicklängen sind vergleichsweise gering.
- Bei Wandverbänden ermöglicht der K-Verband größere Durchfahrts-
Öffnungen.
- Schrägliegende Pfetten werden in der Mitte seitlich gestützt.

Abb. 16 K-Verband. (U) Ausgesteifter Träger, (b) Pfette.

Abb. 17 Wandverbände.

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Verband als unterspannter Träger
- Einfache Montage, z.B. Aufschrauben oder -nageln von Flachstählen auf die
Pfetten möglich.
- Durch Wahl einer Parabelform optimale Ausnutzung der Unterspannung, da
bei konstant wirkender Belastung die Zugkraft ebenfalls konstant ist.
- Nur für eine Belastungsrichtung wirksam.
- Die Aufnahme nicht gleichmäßig verteilter Lastanteile ist durch besondere
Maßnahmen sicherzustellen.

Abb. 18 Verband als unterspannter Träger. (U) Ausgesteifter Träger, ( b ) Pfette.

Knotenpunkte
Die Ausbildung der Knotenpunkte kann auf unterschiedliche Weise erfolgen. Die
mit Abb. 19 bis Abb. 21 vorgeschlagenen Ausführungen sind lediglich Beispiele,
die sich praktisch bewährt haben. Diagonalen aus Holz können mit Knotenplatten
aus Stahl angeschlossen werden (Abb. 19). Als Verbindungsmittel sind Nägel oder
Stabdübel sinnvoll. Bei eingeschlitzten Blechen sollten Holzstab und Stahlblech
gemeinsam vorgebohrt werden. Man erhält wegen der gegenüber nicht vorgebohrten
Nagellöchern möglichen kleineren Nagelabstände kleine, sehr steife und hochtragfä-
hige Anschlüsse. Bei kleinen Stabkräften können auch einseitig aufgelegte Lochble-
che verwendet werden. Hierbei werden, da meist nicht vorgebohrt wird, etwa vier-
mal größere Anschlußflächen benötigt, als bei zentrisch angeordnetem Stahlblech
und vorgebohrter Nagelung. Zudem erhalten die Diagonalen aus dem exzentrischen
Anschluß Biegemomente, die beim Nachweis berücksichtigt werden sollten.

Abb. 19 Holzdiagonalen mit eingeschlitzter Knotenplatte. ( a ) Ausgesteifter Träger,


( b ) eingelassene Stahlplatte, ( C ) Holzdiagonalen, (d) vorgebohrte Nagelver-
bindung.

Stahldiagonalen können über Stahlformteile, wie Winkel und Flacheisen, ange-


schlossen werden (Abb. 20).

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Abb. 20 Anschluß von Stahldiagonalen mit Winkel und Flacheisen. ( U ) Stahlwinkel, (b)
ausgesteifter Träger, ( C ) Verbindungsmittel, ( d ) Pfette, ( e ) Spannschloß.

Diese Ausführung ist besonders einfach zu montieren. Die Rundstahldiagonalen


können durch die Gurte geführt und auf der Rückseite angeschlossen werden (Abb.
21). Hierzu werden Stahlteile angeboten, die in einem weiten Bereich beliebige
Neigungswinkel der Diagonalen erlauben.

Abb. 21 Anschluß von Stahldiagonalen auf der Rückseite der Gurte. ( U ) Ausgesteifter
Träger, (1) aufgenageltes Stahlteil, ( C ) Stahlstab, ( d )Pfette, ( e )Verbindung mit
Holzblock und Verbindungsrnitteln.

Beispiel
In STEP B15 wurde die Seitenlast des hier in Bild 22 dargestellten Systems zu q,,„
= 5,04 kN/m ermittelt (Gleichung 25).

Bild 22 Statisches System eines Verbandes.

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Bei Windlasten - hier angenommen

und bei zwei Verbänden in der Halle ergeben sich:

Zur Aufnahme der Kräfte V , und V, werden bereits vorhandene Pfetten bemessen.
Zur Aufnahme von D, und D, werden Diagonalen aus Holz eingebaut. Die
Anschlüsse erfolgen nach Bild 19. Zur Durchführung der Bemessung können
folgende Hinweise beachtet werden:
- Die Traufpfette wird durch Biegemomente aus lotrechten Einwirkungen und
durch die Druckkraft V , = -45 kN beansprucht. Die Druckkraft soll an den
Bindern angeschlossen werden.
- Die Pfette mit der Beanspruchung V, = -22,5 kN ist für diese als Druckkraft
zu bemessen.
- Die Pfette mit der Bezeichnung V , ist ebenfalls für eine Druckkraft von 22,5
kN zu bemessen, dies fur eine entgegengesetzte Richtung der Belastung.
- Die Binder, die die Gurte des Verbandes bilden, sind für U, = 37,5 kN zu be-
messen. Dies kann bei entgegengesetzter Beanspruchung als angenommen
auch eine Druckkraft sein. Bei einer Dachneigung a folgt aus U, eine lotrecht
wirkende Umlenkkraft F,,,
F, = 2U2 sina
- Die Diagonale D, erhält bei entgegengesetzter Belastung Druckkräfte, somit
ist D, = -43,9 kN.
- D, wird wie D, ausgebildet.
- Die Anschlüsse erfolgen nach Bild 19, für alle Stabanschlüsse mit etwa
gleicher Nagelanzahl. Eine Bemessung der Stäbe und Anschlüsse nach dem
Verlauf der Querkraftlinie wird nicht empfohlen. Bei einer Ausnutzung der
Tragfahigkeiten hätten alle Knotenpunkte die gleichen Verschiebungen. Dies
ist jedoch mit den sich tatsächlich einstellenden Verformungen nicht kompati-
bel. Daher wird eine konstante Steifigkeit angestrebt, die zu abgestuften
Knotenverschiebungen führt.
- Die Begrenzung der Durchbiegung auf 11700 für Aussteifungslasten, bzw.
11500 für eine Kombination von Wind- und Austeifungslasten ist kein
Gebrauchstauglichkeitsnachweis. Die Grenzen sind vielmehr gesetzt, da sie
bei der Entwicklung der EC 5-Gleichungen vorausgesetzt werden. Die
Grenzen können überschritten werden, falls zur Ermittlung der Aussteifungs-
lasten ein genauerer Nachweiserfolgt. Die Einwirkungen sollten mit Y,
vervielfacht werden. Für die Materialkennwerte sollten die 5%-Fraktilen,
belegt und modifiziert mit Y, und km„ verwendet werden. Für die
Verschiebungsmoduln sollten Ku = 213K,7erangesetzt werden.
- Der Durchbiegungsnachweis braucht bei Verhältnissen der Spannweite 1 zur
Höhe h des Verbandes von weniger als sechs, llh 1 6, bei im übrigen guter
Bemessung und konstruktiver Ausbildung, meist nicht geführt zu werden. Der
Durchbiegungsnachweis darf mit guter Genauigkeit nach dem im EC5
Anhang C gegebenen Verfahren geführt werden. Dabei sind die elastischen

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Verformungen der Diagonalen und der Vertikalen, sowie die Verschiebungen
der Anschlüsse, bei der Ermittlung der Federkonstante des elastischen
Verbundes zu berücksichtigen.

Zusammenfassung
Verbände sind im allgemeinen räumliche Systeme. Es werden Vereinfachungen zur
Bemessung gezeigt.
- Verbandssysteme und Knotenpunkte werden vorgestellt.
- Es werden Richtlinien und Hinweise zur Bemessung und zur konstruktiven
Ausbildung gegeben.

Literatur
Brüninghoff, H. (1988). Verbände und Abstützungen, Grundlagen und Regelnachweise In:
Informationsdienst Holz, Bericht der Entwicklungsgemeinschaft Holzbau in der Deutschen Gesellschaft
für Holzforschung.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms D911 1


Holzkonstruktionen in
Erdbebengebieten - Details
STEP D ~ O Inhalt
Englischer Originalbeitrag: Konstruktionsdetails können das Verhalten von Bauwerken in Erdbebengebieten in
A. Ceccotti hohem Ausmaß beeinflussen. Dies gilt insbesondere für Holzkonstruktionen, bei
University of Florence denen das Gesamtkonzept des Tragwerks sowie das Verhalten der Verbindungen
P. Touliatos eine wichtige Rolle spielt. In diesem Beitrag wird daher besonders der Einfluß der
University of Athens Form des Tragwerks und der Zähigkeit und Energiedissipationseigenschaften der
Verbindungen dargestellt, die nur dann zu dem gewünschten Verhalten im Erdbe-
benfall beitragen können, wenn Entwurf und Ausführung der Details sorgfältig
erfolgen. Im Rahmen dieses Beitrages soll keine ausführliche Liste möglicher
Detaillösungen angegeben werden, sondern das Verständnis für die nötigen Maß-
nahmen vermittelt werden. Die Beispiele zeigen teilweise Details historischer
Konstruktionen, um die Erfahrungen mit erdbebensicherem Bauen aus einer Zeit
nutzen zu können, als moderne Rechenmethoden noch nicht zur Verfügung standen.

Einleitung
Beim Entwurf von Bauwerken in erdbebengefährdeten Gebieten wird der Bemes-
sung tragender Bauteile besondere Bedeutung zugemessen: die entsprechenden
Regeln in den Vorschriften nehmen meist einen großen Raum ein. Der Tragwerks-
planer muß sich dennoch deutlich machen, daß die genaue Befolgung der angegebe-
nen Rechenvorschriften allein noch nicht zu einer erdbebensicheren Konstruktion
führt. Für eine sichere Konstruktion sind die Anordnung der Bauteile und die
Konstruktionsdetails ebenso wichtig. Wie die Erfahrung zeigt, kann für kleine Bau-
werke, die im Grundriß und in der Ansicht regelmäßig aufgebaut sind, die Beach-
tung einiger Mindestabmessungen der Bauteile und Detaillierungsregeln von Verbin-
dungen sogar ausreichen, eine erdbebensichere Konstruktion ohne Berechnung zu
erreichen. Ferner wirken sich nichttragende Bauteile wie leichte Trennwände oder
Bodenaufbauten über die Reibungseinflüsse auf die Dämpfung und damit auf das
gesamte dynamische Verhalten der Konstruktion aus. Dieser Effekt ist nur in
Ausnahmefällen quantifizierbar, wirkt sich jedoch meist günstig aus, da zusätzliche
Energie dissipiert wird. In vielen Ländern enthalten Vorschriften für das Bauen in
Erdbebengebieten daher Angaben über Mindestabmessungen und sonstige
Anforderungen mit entsprechenden Beispielen, die einen Rechennachweis für
kleinere Bauwerke überflüssig machen.

In der gegenwärtigen Version von EC8 wurde diese Möglichkeit wegen der traditio-
nell unterschiedlichen Bauweisen in den europäischen Ländern nicht aufgenommen.
Aus den folgenden Gründen enthält EC8 zusätzlich zu den Rechenregeln dennoch
eine Reihe von Empfehlungen für Konstruktionsdetails. Die Befolgung bestimmter
Details ist notwendig,
- um die Gültigkeit der Rechenregeln zu gewährleisten, die auf bestimmten
Annahmen über die Ausführung basieren,
- um sicherzustellen, daß das angenommene Zähigkeitsniveau gewährleistet ist
und daß damit die Wahl des richtigen Verhaltensfaktors für die Berechnung
der Trägheitskräfte erfolgt. Ein Beispiel dafür sind Detaillierungsregeln für
mechanische Verbindungen, die ein plastisches Verhalten vor dem Erreichen
der Höchstlast aufweisen sollen.

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EC8 schränkt jedoch die Freiheit des Tragwerksplaners beim Entwurf von Holzkon-
struktionen keineswegs ein. Grundsätzlich kann jede Art der Holzverbindung
verwendet werden, falls sie bestimmte Anforderungen an die Zahigkeit erfüllt, was
durch Versuche nachzuweisen ist (siehe STEP C17). In den meisten Fällen ist die
Anwendung weniger Regeln für die Details allerdings ausreichend, und Versuche
somit nicht erforderlich.

Die Befolgung auch vielfältiger Detaillierungsregeln allein ergibt in den meisten


Fällen jedoch noch keinen zufriedenstellenden Entwurf. Eine Liste mit möglichen
Details könnte auch niemals alle vorkommenden Fälle abdecken. Daher ist es sehr
wichtig, die Bedeutung der Detailempfehlungen zu verstehen und sie sinngemäß an-
zuwenden. In diesem Beitrag werden deswegen in allgemeiner Form die wichtigsten
Details einer erdbebengefährdeten Holzkonstruktion angesprochen. Der Tragwerks-
planer muß die hier dargestellten Lösungen dann auf den einzelnen Fall übertragen.

Zusammenwirken des gesamten Tragwerks


Eine Erdbebenbeanspruchung kann als eine horizontale Einwirkung angesehen
werden, die im Gegensatz zu vertikalen Lasten, die nur einen vergleichsweise
kleinen Teil des Tragwerks beeinflussen, zu Beanspruchungen im ganzen Tragwerk
führt (siehe Abb. 1). Obwohl dasselbe auch für Windbeanspruchung gilt, sind bei
den in Europa vorkommenden Windlasten oft die Erdbebenlasten, insbesondere bei
schwereren Konstruktionen, maßgebend (Ceccotti und Larsen, 1989).

Abb. 1 Unterschiedliches Ausmaß der Beanspruchung der Konstruktion bei vertikalen


bzw. horizontalen Lasten.

Die durchgängige Verbindung der verschiedenen Bauteile und ihre Beanspruchbar-


keit in verschiedenen Richtungen (z.B. Zug und Druck) ist daher für ein günstiges
Verhalten im Erdbebenfall eine wichtige Voraussetzung. Für aussteifende Wände
in Holzrahmenbauten (siehe STEP E10) gilt, daß die einzelnen Tafeln miteinander
verbunden sein müssen, um möglichst viele dissipative Mechanismen zu aktivieren
und um zu einer effektiven Gesamtwirkung des Tragwerks beizutragen.

Abb. 2 zeigt die wichtigsten notwendigen Details und Beispiele für Lösungen, um
ein Zusammenwirken des gesamten Tragwerk zu erreichen. In der Deckenebene
sollte immer ein Ringbalken angeordnet werden, der als Zugband wirkt, wenn die

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Deckenscheibe in ihrer Ebene belastet wird (Abb. 2b). An den Ecken der Decken-
scheibe kann die Kraftübertragung durch einen engeren Verbindungsmittelabstand
zwischen Beplankung und Ringbalken gewährleistet werden (Abb. 2a), wobei darauf
zu achten ist, daß ein zu enger Verbindungsmittelabstand zu vorzeitigem Versagen
(Briefmarkenriß) führen kann.

Auch die vertikal angeordneten Bauteile müssen über die Geschoßdecken hinweg
miteinander verbunden werden, damit Zugkräfte aufgenommen werden können, die
sich aus den vertikalen und damit unter Umständen entlastenden Beschleunigungen
der Erdbebenlasten in Kombination mit den übrigen Schnittgrößen ergeben können
(Abb. 2c).

Abb. 2 Details für ein Zusammenwirken der Konstruktion unter horizontalen Lasten.
(U)Eckverstärkung, ( b ) ZugstoJ3 im Ringbalken, ( C ) Zugverbindung vertikaler
Bauteile, ( d ) Verhindern des Verschiebens und des Abhebens vom Fundament.

Die Verbindung übereinander angeordneter Holztafeln nur durch das Annageln der
jeweiligen Beplankung am Ringbalken ist für die Übertragung von Zugkraften nicht
ausreichend, da der Ringbalken bei einer erdbebenbedingten Zugbeanspruchung quer
zur Faser belastet wird. Die Kräfte quer zur Faser können z.B. durch eine aufgena-
gelte Verstärkung mit Holzwerkstoffplatten aufgenommen werden.

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Besonders wichtig sind die Verbindungen der Holzkonstruktion mit der Gründung,
um Abheben und Verschieben zu vermeiden (Abb. 2d). Öffnungen in Decken- und
Wandscheiben stellen Schwachpunkte dar, die verstärkt werden sollten. Da die
horizontalen Deckenscheiben lastverteilende Funktion haben, sind Öffnungen wie
z.B. Treppenlöcher besonders kritische Details, deren Auswirkungen auf das
Gesamtverhalten zu berücksichtigen sind (Momente 11. Ordnung). Abb. 3 verdeut-
licht die Bereiche von Scheiben-Tragwerken, denen besondere Aufmerksamkeit
geschenkt werden sollte. Zugspannungen rechtwinklig zur Faser sollten unbedingt
vermieden werden. Um Querzugversagen in Verbindungen zu verhindern, schreibt
EC8 deshalb vor, daß das Maß b, in Abb. 4d mindestens gleich 213 h ist, wobei h
die Bauteilhöhe ist. Stahlblechschlaufen sollten um das durchlaufende Bauteil
herumgeführt werden (Abb. 4e).

Abb. 3 Beispiele für Details im Holzrahmenbau. ( U ) Verhindern des Abhebens, ( b )


Zugstoß in vertikalen Bauteilen, ( C ) Verstärkung von Wandöjjkungen durch
zusätzliche Wandrippen und Unterzüge, ( d ) Verstärkung von DeckenÖffnungen
durch zusätzliche Balken und Auswechslungen, ( e ) Aussteifung von Decken-
balken durch Querrippen, ( f ) Verhindern des Verschiebens.

Abb. 4 Querzugbeanspruchung in Verbindungen. ( U ) , (C):schlecht, (b), (dj, (e): gut.

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Verbindungen müssen Wechselbeanspruchungen aufnehmen können, da sich
während eines Erdbebens die Belastungsrichtung und das Vorzeichen mehrfach
ändert. Aus diesem Grund sind einfache Kontaktanschlüsse, die nur Druckkräfte
übertragen können, nicht geeignet. In Abb. 5 sind Möglichkeiten für zusätzliche
Maßnahmen dargestellt, um diese Art der Verbindungen zu sichern.

Abb. 5 Möglichkeiten fur das Verankern von Balkenenden in alten und modernen
Tragwerken.

Um unterschiedliche Verschiebungen von Gründungen zu verhindern, sollten Einzel-


fundamente vermieden bzw. miteinander verbunden werden. Besonders bei Häusern
auf weichem Baugrund muß die Gründung so ausgeführt sein, daß sie als Platte
oder Rost steif genug ist, um bei Erdbebenbeanspruchung als ein "Floß" zu wirken.

Regelmäßigkeit des Bauwerks


Für ein günstiges Verhalten im Erdbebenfall sind regelmäßige und einheitliche
Grundrisse bzw. Ansichten des Bauwerks sehr wichtig. Regelmäßige, symmetrische
Konstruktionen minimieren Torsionsbeanspruchungen des Bauwerks, die rechnerisch
nur schwer abgeschätzt werden können. Die Berechnung von Auswirkungen ausmit-
tig angreifender Trägheitslasten auf unregelmäßig gestaltete Bauwerke ist wegen der
nur global vorherzusagenden Erdbebeneinwirkungen und der ungenauen Steifigkeits-
verteilung oft nicht wirklichkeitsnah. Statt einer solchen Berechnung sollte das Bau-
werk besser regelmäßig aufgebaut und die den Erdbeben widerstehenden Ausstei-
fungen sollten gleichmäßig verteilt werden (Abb. 6). Dadurch werden Torsionsbean-
spruchungen nahezu verhindert und die Bemessungsergebnisse sind zuverlässiger.
Sind größere Öffnungen nicht zu vermeiden, sollte die entstehende Ausmittigkeit
durch zusätzliche Aussteifungsmaßnahmen wie Rahmen oder fachwerkähnliche
Bauteile beschränkt werden (siehe Abb. 60. Eine andere Möglichkeit besteht darin,
die bestehenden Wandscheiben durch größere Plattendicken, engere Verbindungs-
mittelabstände oder beidseitige statt einseitiger Beplankung zu verstärken. Auch
nichttragende Trennwände wirken sich bei einem Erdbeben günstig aus, da sie zur
Energiedissipation durch Hysterese und Reibung beitragen.

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Abb. 6 Schematische Darstellung der Verteilung von Aussteifungen. (U) und (e):
schlecht, ( b ) und U):akzeptabel, (C) und (d): gut.

Unterschiedliches Verhalten von Konstruktionsteilen


Probleme können entstehen, wenn Bauteile oder Konstruktionen unterschiedlicher
Steifigkeit miteinander verbunden sind. Beispiele sind Verbindungen zwischen einer
Holzkonstruktion und einem Kamin oder einer Mauerwerkswand.

Bei größeren Steifigkeitsunterschieden miteinander verbundener Bauteile können


beide Konstruktionen entweder so ausgeführt werden, daß sie die auf sie entfal-
lenden Erdbebenlasten selbständig abtragen können, oder daß beide Konstruktionen
so miteinander verbunden werden, daß sie eine konstruktive Einheit bilden. Bei dem
in Abb. 7 gezeigten Beispiel ist die Glasfassade konstruktiv unabhängig von der
Holzkonstruktion.

Oft sind die Verbindungen zwischen Außenwänden aus Mauerwerk und einer
inneren Holzkonstruktion nicht so ausgeführt, daß die Konstruktion als Ganzes den
Erdbebenlasten widerstehen kann. Da die weichere Holzkonstruktion in der Regel
größere Verformungen erfährt als das steifere Mauerwerk, lehnt sich die Holzkon-
struktion gegen die Mauerwerkswände, die damit die horizontalen Trägheitskräfte
des gesamten Bauwerks abtragen und dazu entsprechend ausgebildet sein müssen
(Abb. 8). Ist das Mauerwerk nicht imstande, die gesamte Belastung abzutragen,
kann auch der folgende Ansatz gewählt werden: das Mauerwerk wird als Masse
ohne Steifigkeit betrachtet (durch Risse beschädigt) und die gesamte Beanspruchung
wird durch die Holzkonsti-uktion aufgenommen. Die Konstruktion in Abb. 9 ist so
ausgeführt, daß im Erdbebenfall das Mauerwerk versagen kann, ohne die
Holzkonstruktion wesentlich zu beschädigen. Durch das Versagen des Mauerwerks
wird sehr viel Energie dissipiert und die Holzkonstruktion mit ihrer wesentlich
niedrigeren Masse widersteht dem Erdbeben ohne größere Schäden.

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Abb. 7 Holzkonstruktion mit speziell für den Erdbebenfall entworfenen Verbindungen,
die Relativverschiebungen zwischen tragenden und nichttragenden Bauteilen
erlauben. Das vergroperte Detail p zeigt: ( U ) Aussteifungsträger des Rahmens,
( b ) Federelemente, ( C ) Anschluß des Aussteifungsverbandes, ( d )Stahlzugglied
mit federndem Anschluß, ( e ) Stahlstütze in der Außenwand, (B unabhängige
Bewegungen des Dreigelenkrahmens und der Außenwandkonstruktion, (gj
Riegel des Dreigelenkrahmens aus Brettschichtholz.

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Abb. 8 Holz-Mauerwerk-Mischkonstruktion (Griechische Inseln, 1500 vor Chr.). Die
Holzkonstruktion trägt nur vertikale Lasten, das Mauerwerk auch die
horizontalen Lasten. Die Decken können nicht als steife Scheiben wirken.

Zähigkeit und Energiedissipation


In historischen Bauwerken wie z.B. der Konstruktion in Abb. 9 wurde die notwen-
dige Energiedissipation durch Reibung zwischen Holz und Mauerwerk sowie durch
plastische Querdruckverformungen im Holz erreicht. In modernen, leichteren Trag-
werken wird die Energiedissipation meist durch plastische Verformungen in Ver-
bindungen mit mechanischen Verbindungsmitteln (siehe STEP C17) gewährleistet.

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Abb. 9 Beispiel einer Holz-Mauerwerk-Mischkonstruktion (Griechische Inseln, 1800
vor Chr.). ( U ) Holzstrebe; verursacht Querdruck in der unteren Ecke, ( b ) Ver-
ankerung der Holzkonstruktion im Mauerwerk, ( C ) Mauerwerk als Auflager
für die darüberliegende Holzkonstruktion, ( d ) Holzstützen zur Aufnahme von
Vertikallasten nach einem eventuellen Versagen des Mauerwerks (siehe Detail
unten rechts), ( e ) Gebogenes Eckstück aus Holz zur Aussteifung der Fach-
werkwand, If) nach einer Beschädigung einfach zu ersetzende Verbindung
(siehe Detail unten links), ( g ) Eckstück aus Holz zur Aussteifung der Dach-
konstruktion, ( h ) Ankerbalken, um Horizontalkräfte auf die Wand zu verhin-
dern, (i) Ausmauerung. Die Decken können nicht als steife Scheiben wirken.

Beim Nachweis der Tragwerke mit reduzierten Trägheitseinwirkungen nach EC8


(q > 1) sind die erforderliche Zähigkeit und die Energiedissipationseigenschaften
durch Versuche zu belegen. Für bestimmte Konfigurationen, für die aufgrund
bisheriger Erfahrungen ein zähes, plastisches Verhalten erwartet werden kann, sind
jedoch keine Versuche erforderlich.

STEP/EUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms D 1019


Holztafeln, bei denen die Holzwerkstoffplatten durch Nagelung mit den Rippen
verbunden sind, zeigen ein wesentlich zäheres Verhalten als Aussteifungen mit
Diagonalen. Nach EC8 darf von einem plastischen Verhalten der Holztafeln ausge-
gangen werden, wenn als Beplankung Holzwerkstoffplatten verwendet werden,
deren Dicke t , mindestens 4 d beträgt, und der Nageldurchmesser d nicht größer ist
als 3,l mm. Diese Bestimmung gilt für Spanplatten mit einer Mindestrohdichte p,
von 650 kg/m3, mindestens 9 mm dickes Sperrholz und mindestens 13 mm dicke
Span- oder Faserplatten. Glattschaftige Nägel und Klammern sind für die
Verbindung zwischen Rippen und Beplankung geeignet, wenn die Einschlagtiefe t,
mindestens das vier- bis sechsfache der Beplankungsdicke beträgt. Ist die Einschlag-
tiefe geringer, sollten glattschaftige Nägel oder Klammem nur verwendet werden,
wenn die Gefahr des Herausziehens aus dem Holz, z.B. durch eine Beharzung,
verringert wird.

Abb. I0 Bezeichnungen für Anforderungen an Konstruktionsdetails nach EC8.

Holz-Holz- und Stahlblech-Holz-Verbindungen mit Nägeln oder Stabdübeln dürfen


dann als ausreichend duktil angesehen werden, wenn die Holzdicke der verbundenen
Bauteile mindestens 8 d und der Stabdübeldurchmesser höchstens 12 mm beträgt.
Der Grund für diese Vorgabe liegt im für zyklische Lasten günstigen Verhalten der
Verbindungen, wenn diese so dimensioniert sind, daß der Versagensmechanismus
3 nach Johansen (schlankeVerbindungsmittel mit dicken Bauteilen) angestrebt wird.
Nach STEP C 3 (Abb. 11 und 12) läßt sich dieses Verhalten am besten
gewährleisten, wenn der Wert der Verhältnisse t, / -J undt, / - J
größer als 3,5 ist. Unter Berücksichtigung der üblichen Lochleibungsfestigkeiten des
Holzes und der Fließspannungen der Verbindungsmittel liegt die Mindestdicke der
angeschlossenen Hölzer - 8 d - in Bezug auf die Duktilität gegebenenfalls deutlich
auf der sicheren Seite.

Selbstverständlich sind auch andere mechanischen Verbindungsmittel und Holzab-


messungen für die Verwendung in erdbebengefährdeten Konstruktionen nicht
ausgeschlossen. Soll allerdings ein Verhaltensfaktor q > 1 in der Bemessung

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verwendet werden, so ist das plastische Verhalten der Verbindungen durch Versuche
nachzuweisen (siehe STEP C17). Bei Verbindungen mit stiftförmigen Verbindungs-
mitteln ist dabei immer der Versagensmechanismus 3 anzustreben, damit die
plastischen Lochleibungsverformungen des Holzes und die plastischen Biegeverfor-
mungen der Verbindungsmittel zur Duktilität der Verbindung beitragen können.

Auch wenn das Tragwerk für q = 1 bemessen wird und damit ein plastisches
Verhalten rechnerisch nicht notwendig ist, wird die Verwendung schlanker Verbin-
dungsmittel mit plastischem Verformungspotential empfohlen. Dies bedeutet eine
Sicherheitsreserve ohne zusätzliche Kosten für das Tragwerk. Die Empfehlungen zur
Detaillierung von Holzkonstruktionen nach EC8 sollten daher unabhängig vom
zugrundegelegten Verhaltensfaktor q so weit möglich befolgt werden.

Zusammenfassung
Die sorgfältige Planung und Ausführung der Details von Holzkonstruktionen in Erd-
bebengebieten ist eine wesentliche Voraussetzung für plastisches Verhalten und eine
hohe .Energiedissipation sowie für die Standfestigkeit des Tragwerks im Erdbeben-
fall. Bauwerke sollten regelmäßig und einfach aufgebaut sein, um schwer vorhersag-
bare Torsionsbeanspruchungen durch ausmittige Beanspruchungen zu vermeiden.
Vorschriften und die Erfahrungen aus früheren Erdbeben können allgemeine
Hinweise für gute Konstruktionen geben, der Tragwerksplaner muß jedoch für jeden
spezifischen Fall die angemessenste Lösung finden.

Literatur
Ceccotti, A. (Hrsg.) (1989). Structural Behaviour of Timber Constructions in Seismic Zones. Proc. of
the relevant CEC DG 111 - Univ. of Florence Workshop, Florence, Italy.

Ceccotti, A. und Larsen, H.J. (1988). Background Document for specific rules for timber structures
in Eurocode 8. Report EUR 12226 for the Commission of the European Communities, Bruxelles,
Belgium.

Dowrick, D.J. (1977). Earthquake resistant design. John Wiley & Sons publishers, London, U.K.

Touliatos, P. (1993). Seismic disaster prevention in the history of structures in Greece. National
Technical Univ. of Athens. Greece.

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Rechnerunterstütztes Konstruieren
und Fertigen
STEP DI 1 Inhalt
M.H. Kessel Der Beitrag berichtet über den Entwicklungsstand der CADICAM-Technik, d.h.
Labor für Holztechnik LHT der rechnergestützten Planungs- und Fertigungssysteme, im Bereich des Holz-
Hildesheim baus. Dabei wird auf die holzbauspezifischen Anforderungen an CAD und die
direkte Ansteuerung von Holzbearbeitungsmaschinen eingegangen. Die derzeitige
Entwicklung führt von den reinen zeichnerischen CAD-Systemen hin zu CAD-
Systemen, die in der Lage sind, das Gebäude in seiner Vollständigkeit zu
simulieren und auf diese Weise konsistente Gebäudemodelle und Planungsdaten
zu erzeugen. Ein Beispiel aus dem Holztafelbau veranschaulicht den Entwick-
lungsstand.

Einleitung
Im Flugzeug-, Automobil- und Maschinenbau ist es längst üblich, die zu ferti-
genden Produkte und deren Fertigung auf Rechnern zu simulieren. Dabei wird
angestrebt, daß sich Geometrie, Eigenschaften und Verhalten der Simulation
möglichst wenig von dem tatsächlich hergestellten Produkt unterscheiden.

Die Mikroprozessoren der Workstations sind heute so leistungsfähig, daß eine


fast beliebige ~hnlichkeiterzielt werden kann. Eine Begrenzung der Ähnlichkeit
ergibt sich nur noch aus dem Aufwand für die Dateneingabe, der natürlich wirt-
schaftlichen Kriterien unterliegt und direkt abhängig von der geplanten Stückzahl
ist, die bei der Serienfertigung in den erwähnten Produktionsbereichen deutlich
größer ist als im Holzbau, wo in der Regel Unikate (Abb. 1) gefertigt werden.

Dennoch gibt es auch im Holzbau gute Gründe, das zu fertigende Gebäude voll-
ständig dreidimensional im Rechner abzubilden, zu simulieren:
- Durch die vollständige 3D-Simulation aller wesentlichen Bauteile wird ein
konsistentes Gebäudemodell erzeugt. Die Konsistenz, d.h. unter anderem
die Paßgenauigkeit, und die Montierbarkeit sind am Bildschirm, d.h.
bereits in der Planungsphase, visuell überprüfbar.
- Die vollständige 3D-Simulation liefert automatisch komplette Stücklisten
und Produktionslisten.
- Die vollständige 3D-Simulation liefert alle Geometrie- und Bearbeitungs-
daten jedes Einzelbauteils und ermöglicht die direkte numerische
Ansteuerung der Abbundanlage oder des Holzbearbeitungszentrums.
- Mit der vollständigen 3D-Simulation liegen alle wesentlichen Daten vor,
um mit einfach zu bedienenenden Shading- und Rendering-Modulen foto-
realistische Darstellungen zu erzeugen. Nachgeschaltete Bildverarbeitungs-
Programme bieten die Möglichkeit, in der Planung befindliche Bauwerke
in vorhandene Umgebungssituationen einzufügen. Die Nutzung dieser
Möglichkeiten kann entscheidende Vorteile in der Akquisition und im
Verkauf bieten.

Für die Simulation von Holzkonstruktionen stehen heute bereits leistungsfähige


3D-CAD-Systeme zur Verfügung (Kessel, Gnutzmann, 1992), die sich wegen der
räumlichen Komplexität der Holzkonstruktionen in der Praxis immer stärker

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms D1 111


verbreiten. Im Bereich der Fertigung (CAM) werden immer leistungsfähigere
CNC-Holzbearbeitungsmaschinen (z.B. Abbundanlagen) entwickelt, die eine
flexible, rationelle und qualitativ hochwertige Fertigung ermöglichen.

Abb. 1 Simulation einer Turnhalle.

Die Kopplung beider Bereiche (CADICAM) besteht darin, daß Geometrie- und
Werkstoffdaten der einzelnen Bauteile aus der CAD-Simulation als Parameter an
die Holzbearbeitungsmaschinen übergeben werden. Jede Bearbeitung eines
Bauteils setzt sich abhängig von seiner Komplexität aus einer Vielzahl einzelner
Arbeitsschritte der CNC-Maschine zusammen.

Holz und CAD


Durch den Einsatz von CAD wird die Erstellung eines konsistenten Gebäudemo-
dells mit beliebig genauen Abmessungen der Bauteile möglich. Die Genauigkeit
wird nur durch die Genauigkeit der Zahlendarstellung im Rechner begrenzt. Die
Übertragung der Abmessungen des Gebäudemodells in die Fertigung erfolgt in
der Regel über Einzelstückzeichnungen oder Datensätze, die zum Anreißen der
einzelnen Bauteile oder zur direkten Maschinenansteuerung dienen. Werden die
so gefertigten Einzelbauteile auf der Baustelle montiert, so sollte die gewünschte
Gebäudegeometrie aufgrund der Konsistenz des CAD-Modells mit großer
Genauigkeit erreicht werden. Diese Genauigkeit ist jedoch von der Maßgenauig-
keit der Fertigung und der Maßhaltigkeit des verwendeten Baustoffs abhängig.
Insbesondere letzteres ist im Holzbau von wesentlicher Bedeutung.

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EC5: Teil 1-1: 3.2.3 Die Nennabmessungen, mit denen der wirksame Querschnitt und die geome-
trischen Eigenschaften eines tragenden Bauteils zu berechnen sind und die damit
dem CAD-Gebäudemodell zugrunde liegen, sind im EC5 auf eine Holzfeuchte
von 20%, entsprechend der Nutzungsklasse 2, bezogen.

Dementsprechend sind die Maße von Bauholz aus Nadelholz ebenfalls auf eine
Holzfeuchte von 20% bezogen. Daher ist davon auszugehen, daß sich in der
Nutzungsklasse 1 mit einer Holzausgleichsfeuchte von 12% die Querschnittsab-
messungen infolge Schwinden um einige Millimeter verringern werden.
Üblicherweise wird diesem Umstand dadurch Rechnung getragen werden, daß in
den Einzelstückzeichnungen alle Maße auf Oberkante Bauteil bezogen werden.

Um heutigen Qualitätsanforderungen an Baukonstruktionen zu genügen, sollte


nur Bauholz verarbeitet werden, dessen Holzfeuchte gleich der Ausgleichsfeuchte
der zugehörigen Nutzungsklasse ist. Nur wenn die Qualität von Planung, Ferti-
gung und Baustoffen aufeinander abgestimmt ist, kann erreicht werden, daß die
gewünschte Gebäudegeometrie zufriedenstellend umgesetzt wird.

3D-CAD-Simulation
CAD darf schon lange nicht mehr nur als elektronische Zeichenhilfe verstanden
werden. Die mittels CAD generierten Daten übersteigen den Informationsgehalt
einer konventionell erstellten Zeichnung und vor allem deren Zuverlässigkeit um
ein Vielfaches. Das läßt sich schon an der relativ einfachen Dachkonstruktion in
Abb. 2 verdeutlichen.

Abb. 2 DachgeschoJwände und Pfetten eines Wohnhauses in Holztafelbauweise.

Die sinnvolle und fehlerfreie Entwicklung der hier vorhandenen Detaillösungen


(Abb. 3) erfordert bei der manuellen oder ausschließlich zweidimensionalen
Bearbeitung einen geübten Zimmermann mit sehr gutem räumlichen
Vorstellungsvermögen. Auch wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, ist die
endgültige Verifizierung der Fehlerfreiheit erst während der Montage möglich.
Hier liegt ein entscheidender Unterschied zur dreidimensionalen CAD- Simula-

STEP/EUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Cornett Programms D1113


tion einer Konstruktion. Durch die Möglichkeit der sofortigen visuellen Kontrolle
können Fehler sehr frühzeitig erkannt werden.

Die Möglichkeit der 3D-Visualisierung und die umfangreichen Editierfunktionen


bieten auch großen Spielraum fur Neuentwicklungen und unkonventionelle
Lösungen. Durch das Probieren am Bildschirm können neue Lösungen gesucht
und sehr kostengünstig hinsichtlich ihrer Praxistauglichkeit überprüft werden.

Abb. 3 Verschneidung von Hauptdach mit Turm (links) und Nebendach (rechts).

Das räumliche Gebäudemodell ist die Grundlage für alle nachfolgenden Arbeits-
schritte in den Bereichen Konstruktion und Fertigung. So werden ~ b e r -
sichtspläne (Abb. 4), Ansichten, Schnitte und Einzelstückzeichnungen (Abb.
5)automatisiert aus dem 3D-Modell generiert. Auch die Vermaßung der Einzel-
stückzeichnungen erfolgt für Standardbauteile automatisch, so daß der Nachbe-
arbeitungsaufwand in der Regel sehr klein ist. Wichtigster Punkt ist jedoch das
aus der Konsistenz des Gebäudemodells resultierende hohe Maß an Planungs-
sicherheit, da z.B. Übertragungsfehler vollständig ausgeschlossen werden können.

Abb. 4 Sparren- und Pfettenlage.

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Abb. 5 Einzelstückzeichnungen. 0ben:Schifrer 110, unten: Schifter 11 1.

Längst steht CAD nicht nur für die Verarbeitung grafischer Daten. Ein vollstän-
diges 3D-CAD-System ist in der Lage, eine Vielzahl nichtgrafischer Daten zu
archivieren und und zu verarbeiten. Zusätzlich können die vorhandenen Geome-
triedaten mit Sachdaten verknüpft und auf unterschiedlichste Art weiterverarbei-
tet werden. Ein Beispiel hierfür ist die vollautomatische Generierung von Stück-
und Produktionslisten (Abb. 6). Die Listen werden ohne zusätzlichen Eingabe-
aufwand auf der Grundlage des aktuellen Bearbeitungsstandes der Eiilzelbauteile
vom System erzeugt. Sie können anschließend als wichtiges Hilfsmittel bei der
Materialdisposition, Fertigung, Montage und Kalkulation verwertet werden.

ARCHITEKT : .............. PROJEKT NAME SCHMIDT


BAUHERR : SCHMIDT PROJEKT NUMMER : .............
BESCHRIEB : Sparren + Pfetten DATUM 18-MAI-94
No. [Link] Baugmppe Bauteil Pcs. Mat. b. h,d 1 1 (ges)m V(mA3)

100 0 PFETTEN MIlTELPFElTE 1 C24 140 240 11713 11,71 ,394


101 0 PFETTEN HRSTPFETTE 1 C24 140 240 11713 11,71 ,394
102 0 PFETTEN MTTTELPFETE 1 C24 140 240 6360 6.36 ,214
103 0 PFETTEN MITELPFETTE 1 C24 140 240 3547 3.55 ,119
104 0 PFETTEN FIRSTPFE'ITE 1 C24 140 200 6500 6.50 ,182
105 0 PFETTEN MITTELPFE'ITE 2 C24 140 200 3295 659 ,185
106 0 PFETTEN FUSSPFETTE 1 C24 140 140 9415 9,42 ,185
107 0 PFETTEN FUSSPFETW 1 C24 140 140 5891 5,89 ,115
108 0 PFETTEN FUS SPFETTE 1 C24 140 140 5818 5,82 ,114
109 0 PFETTEN FUSSPFETTE 1 C24 140 140 3868 3,87 ,076
110 0 SPARRENLAGE SCHIFTER 1 C24 80 240 3810 3,81 ,073
111 0 SPARRENLAGE SCHIFTER 1 C24 80 239 1622 1,62 ,031
112 0 SPARRENLAGE KEHLSPARREN 1 C24 80 220 5747 5.75 ,101
113 0 SPARRENLAGE SP-RIEGEL 1 C24 80 200 2420 2,42 ,039
114 0 SPARRENLAGE SP-REGEL 1 C24 80 200 1230 1.23 ,020
115 0 SPARRENLAGE SPARREN-ZA-3 1 C24 80 180 8797 8.80 ,127
116 0 SPARRENLAGE SPARREN-ZA-1 1 C24 80 180 8797 8,80 ,127
117 0 SPARRENLAGE SPARREN-3 1 C24 80 180 8797 8,80 ,127
---------
166 0 SPARRENLAGE SCHUTER 1 C24 80 180 1594 1.59 ,023
167 0 SPARRENLAGE SP-WECHSEL-2 1 C24 80 180 1582 1,58 ,023
172 0 SPARRENLAGE SP-WECHSEL-?, 1 C24 80 180 1582 1,58 ,023
168 0 SPARRENLAGE SP-WECHSEL-1 1 C24 80 180 1577 1,58 ,023
173 0 SPARRENLAGE SP-WECHSEL-2 1 C24 80 180 1577 1,58 ,023
170 0 SPARRENLAGE SCHIFTER-1 1 C24 80 180 1525 1,52 ,022
---------
180 0 SPARRENLAGE SPARREN I C24 80 180 665 0,67 ,010
181 0 SPARRENLAGE WECHSEL 2 C24 80 180 600 1,20 ,017

TOTAL 82 452,57 7,515

Abb. 6 Produktionsliste.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms D1 115


Rechnerunterstützte Fertigung
Der Einsatz von CNC-Holzbearbeitungsmaschinen (z.B. Abbundanlagen) zur Be-
und Verarbeitung von Holzbauteilen hat in den letzten Jahren erheblich
zugenommen. In Abb.7 ist ein NC-Datensatz für eine Abbundanlage dargestellt.

ba-10-1
SPARREN-ZA-3
1 800
9 0
1 0
3 0
2 0
2 0
2 0
2 0
1 1
1 1
SPARREN
1 800
9 0
1 0
3 0
2 0
1 1

Abb. 7 Maschinenansteuerung ( 2 NC-Datensätze).

Bislang werden diese Daten vielfach noch direkt an der Maschine erzeugt, indem
die Daten einer Einzelstückzeichnung entnommen und in ein NC-Programm
umgesetzt werden. Hier sind einerseits Übertrag~n~sfehler möglich, andererseits
wird die Bauteilgeometrie doppelt erzeugt, nämlich einmal im CAD-System und
ein zweites Mal an der Maschine.

Betriebliches Gesamtkonzept und Schnittstellen


Die Vorteile des Rechnereinsatzes in Planung, Konstruktion und Fertigung sind
insgesamt sehr vielschichtig. Ein wirklich meßbarer Nutzen wird sich jedoch nur
dann einstellen, wenn zunächst isolierte Einzelkomponenten wie z.B. die CAD-
Simulation in ein rechnerunterstütztes betriebliches oder sogar überbetriebliches
Gesamtkonzept integriert werden. Dann könnten die Daten für die Maschinenan-
Steuerung im CAD-System erzeugt und dadurch eine erhebliche Zeiterspamis
und Fehlerminimierung erreicht werden. Das Hauptproblem in einem rechner-
unterstützten Gesamtkonzept sind die hierfür notwendigen Schnittstellen. Ihr
gegenwärtiger Stand und die möglichen Entwicklungen sollen im folgenden für
die drei wesentlichsten Schnittstellen aufgezeigt werden.

Schnittstelle Mensch - Rechner


Trotz der hohen Prozessorleistung ist die Dateneingabe auch heute noch sehr
zeitintensiv, da für die Schnittstelle MenschIRechner nur primitive Hilfsmittel
wie Tastatur, Maus oder Tablett zur Verfügung stehen. Die Verbesserung der
Kommunikation zwischen Mensch und Rechner, d.h. die Beschleunigung des
Datentransfers, erhält für die weitere CADICAM-Entwicklung immer größere
Bedeutung, seitdem der rechnerinterne Datentransfer so beschleunigt wurde, daß
frühere Bearbeitungsengpässe wie z.B. Bildaufbauzeiten oder die Berechnungs-
zeiten fur die Unterdrückung verdeckter Linien nicht mehr existieren.

Entwicklungssprünge sind für diese Schnittstelle in nächster Zeit sicher nicht zu


erwarten. Durch eine noch komfortablere Gestaltung der Benutzeroberfläche des
CAD-Systems lassen sich nur noch geringfügige Verbesserungen erreichen. Eine

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substanzielle Verbesserung ergibt sich erst, wenn der Arbeitsoberfläche Experten-
wissen hinterlegt wird, allerdings mit der Einschränkung, daß dieses Wissen
wieder nur für ausgewählte Geometrien und ~onstruktionenGültigkeit hat. Die
größte Beschleunigung ist wahrscheinlich von den Entwicklungen in der Sensor-
technik zu erwarten, die es vielleicht einmal ermöglichen wird, menschliches
Wissen direkt über Sensoren ohne die händische Bedienung von Eingabegeräten
in den Rechner zu transferieren.

Schnittstelle zu externen Programmen


Der Wunsch nach möglichst großer Effizienz und hoher Planungssicherheit
macht es erforderlich, daß einmal generierte Daten ohne erneuten Eingabeauf-
wand weiterverarbeitet werden können. Dies erfordert die Möglichkeit des
Datenaustauschs zwischen CAD-Systemen, Kalkulations- und Berechnungspro-
grammen und CNC-Maschinen. Die bereits existierenden Schnittstellen sind nur
Insellösungen für die Kommunikation zwischen speziellen Programmen. Bis auf
wenige Ausnahmen (z.B. STEP-2D und DXF) existieren keine Schnittstellen, die
zu einem europäischen Standard geworden sind und alle Anforderungen des
Holzbaus erfüllen. Daher wird zur Zeit an einer allgemeinen Schnittstelle fiir den
Holzbau gearbeitet (siehe Deutsche Gesellschaft für Holzforschung, 1994).

Schnittstelle CAD-Maschine

Idenr~fikutron
Beurbcr- Brurbeirun

/+-P
Idrntqikation Bohrer

Abb. 8

CNC-Holzbearbeitungsmaschinen verfügen zur Zeit noch über maschinen-


spezifische Schnittstellen, über die von seiten der Maschine Bearbeitungsdaten-
sätze (s. Abb.7) eingelesen werden können. Diese höchst unterschiedlichen
Datensätze beschreiben die Geometrie eines Bauteils vielfach nicht vollständig,

STEP/EUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms D1 117


da nur die Daten eingelesen werden, die von der jeweiligen Maschine verarbeitet
werden können. Daher wird zur Zeit eine allgemeingültige, maschinenunab-
hängige Schnittstelle entwickelt, die eine vollständige Geometrie- und Sachdaten-
beschreibung der Bauteile umfaßt.

Aufgrund der vielfach sehr hohen Komplexität der Holzbaui-eile ist in absehbarer
Zeit nicht mit einer vollständigen Automatisierung der Datengenerierung für
Holzbearbeitungsmaschinen zu rechnen. Die Automatisierung wird zunächst auf
Standardbauteile beschränkt bleiben. Daher sollte im CAD-System die Möglich-
keit der manuellen Identifikation von Einzelbearbeitungen oder ganzen Konstruk-
tionsformen bestehen. Dies kann über den in Abb. 8 gezeigten Identifikations-
modul realisiert werden. Mit Hilfe dieses Moduls ist es möglich, die Art der
Bearbeitung eines mit CAD konstruierten und simulierten Bauteils graphisch aus
einem Menü auszuwählen. Die Auswahl kann auf drei verschiedenen Ebenen
erfolgen. Auf der obersten Ebene kann die komplette Bearbeitung des gesamten
Bauteils angewählt werden, wenn das konstruierte Bauteil in seiner Gestalt einem
Bauteil des Menüs ähnlich ist, für das sämtliche Analyse-Algorithmen parametri-
siert vorliegen. Auf der mittleren Ebene können auf gleiche Weise die Bearbei-
tungen einzelner Anschlüsse identifiziert werden, und auf der untersten Ebene
schließlich kann die Bearbeitung mit einzelnen Maschinenaggregaten an beliebi-
ger Stelle ausgewählt werden.

Mitarbeiter
Rechnerunterstützte Planung und Fertigung erfordert in den Rechnertechniken
ausgebildete und motivierte Mitarbeiter, die ein gutes dreidimensionales Vorstel-
lungsvermögen besitzen. CADICAM senkt nicht die Anforderungen an das Aus-
bildungsniveau der Mitarbeiter, sondern hebt es an. Da in der Regel nur jimge
Mitarbeiter über die erforderliche Qualifikation verfügen, sollte diesen die
Chance gegeben werden, sich Stück für Stück in das komplexe CADICAM-
System des Betriebes einzuarbeiten und es zu beherrschen. Dabei ist zu berück-
sichtigen, daß nicht nur die Technik selbst beherrscht werden muß, sondern auch
deren Einflüsse auf die Konstruktion (Anschlußdetails) und Fertigungs- und
Montageabläufe. Hierzu liegen bislang noch wenig Erfahrungen vor.

CADICAM ist kein Werkzeug, das, sofern die Handhabung einmal erlernt wurde,
mit gleichbleibender Effizienz gemessen an den theoretisch vorhandenen Mög-
lichkeiten genutzt werden kann. CADICAM befindet sich auch heute noch in der
Entwicklung, und es werden in relativ kurzen Zeitabständen verbesserte und
erweiterte Möglichkeiten zur Verfügung gestellt. Das macht kontinuierliche
Weiterbildungsmaßnahmen notwendig und erfordert motivierte Mitarbeiter, die in
der Lage sind, auch selbst neue Möglichkeiten zu entdecken und iin Rahmen der
betriebsspezifischen Gegebenheiten umzusetzen.

Zusammenfassung
- Die vollständige 3D-Simulation einer Holzkonstruktion im Rechner liefert
ein konsistentes Gebäudemodell, das die visuelle Kontrolle der Paß-
genauigkeit und Montierbarkeit schon in der Planungsphase ermöglicht.
- Um heutigen Qualitätsanforderungen an Baukonstruktionen zu genügen,
sollte nur Bauholz verarbeitet werden, dessen Holzfeuchte gleich der Aus-
gleichsfeuchte der zugehörigen Nutzungsklasse ist.
- Investitionen in CADJCAM-Technik sind nur dann sinnvoll, wenn für
deren Anwendung ausgebildete, motivierte und kreative Mitarbeiter zur
Verfügung stehen.

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- Nur wenn die Qualität von Planung, Fertigung, Baustoffen und Mitarbei-
tern aufeinander abgestimmt ist, kann die gewünschte Konstruktion
zufriedenstellend realisiert werden.
- Nach 10 Jahren Erfahrung in der CADICAM-Technik im Holzbau kann
vermutet werden, daß sich die weitere Entwicklung insbesondere im
Bereich CAM, der Verknüpfung von CAD und CAM und der wissensba-
sierten Systeme ebenso stürmisch fortsetzen wird.

Literatur
Kessel, M.H. und Gnutzmann, D. (1992). Graphische Datenverarbeitung irn Holzbau. Karlsmhe:
Bruderverlag.

Deutsche Gesellschaft für Holzforschung DGM (1994). Projektschnittstelle Holzbau Version 1.04.
München.

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Geschichte des Holzbaus

STEP ~1 . Inhalt
Englischer Originalbeitrag: Der Beitrag zeigt die Geschichte und die Entwicklung von Gebäuden und
J.C. Chilton Ingenieurkonstruktionen aus Holz, von den einfachen Anfangen primitiver Schutz-
University of Nottingham hütten bis zu den modernen Konstruktionen mit großen Spannweiten. Einige
Beispiele von Holzkonstruktionen aus der ganzen Welt werden vorgestellt, um diese
Entwicklung und die Möglichkeiten des Holzes als Baustoff zu zeigen.

Einleitung
Holz stand fast allen Kulturen als Baumaterial zur Verfügung, als die Menschheit
am Anfang der Zivilisation begann, einfache Schutzhütten zu bauen. Es gibt viele
verschiedene Baumarten und die meisten klimatischen Zonen haben mindestens eine
Baumart, die sich den in diesen Gegenden vorherrschenden Bedingungen angepaßt
hat. Somit war Holz in den meisten bewohnten Gegenden der Welt verfügbar. Die
Geschichte und Entwicklung der Holzkonstniktionen ist ein weites Thema. Seit die
Menschheit zum ersten Mal Werkzeuge herstellte, wurde Holz u.a. für Gebäude,
Brücken, Maschinen, Kriegsgerät, Ingenieurbauten und Schiffe verwendet,. In
diesem Beitrag wird es nur möglich sein, einige Beispiele, beschränkt auf Gebäude,
Brücken und Ingenieurbauten, darzustellen, die diese Entwicklung zeigen. Diese
Beispiele werden sich nicht auf die europäischen Erfahrungen beschränken sondern
werden, falls möglich, auch andere Kontinente einbeziehen, um die Anpassungs-
möglichkeit des Holzes als Baustoff zu demonstrieren, die Beschäftigung mit
anderen Bauformen anzuregen und die ingenieurmäßigen und architektonischen
Möglichkeiten von Holzkonstruktionen zeigen.

Einfache Konstruktionen
Wahrscheinlich bestanden die frühesten, von Menschen errichteten Schutzhütten aus
Ästen, die mit Blättern oder Tierhäuten bedeckt waren; eine der einfachsten aus
Weidengeflecht war eine Konstruktion aus jungen, in den Boden gesteckten
Bäumen, die einen Ring bildeten, gebogen wurden, mit Seilen aus natürlichen
Fasern verflochten und zusammengehalten wurden, um eine Kuppel von geringem
Gewicht zu bilden. Das Tipi der eingeborenen Nordamerikaner ist ebenfalls ein
Beispiel einer einfachen Konstruktion, bei der Holzpfähle verwendet werden, um
einen kegelförmigen Bau zu errichten, der mit Häuten bedeckt als Schutzhütte
diente. Mongolische Nomadenstärnme verwenden ein weiteres Beispiel, die Jurte,
die aus einem zusammengefalteten Holzgitter oder Scherengatter besteht, das
auseinandergezogen und verankert wird und eine kreisförmige Wand bildet, die
dünne, radiale Bögen aus Holz trägt. Die Skelettkonstruktion wird mit dickem Filz-
material bedeckt, um Schutz vor den sandigen Wüstenwinden zu bieten. Diese
einfachen Beispiele von Holzkonstruktionen sind in Abb.1 gezeigt.

Abb. I Einfache Konstruktionen (U) Weidengeflecht, (b) Scherengatter, (C) Jurte.

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Traditionelles chinesisches Bausystem
Ein sehr ausgeklügeltes modulares Holzbausystem wurde vor über 1000 Jahren in
China entwickelt und in der Zeit der Sung Dynastie (960 - 1279) eingeführt, als im
Jahre 1103 der Ying-tsao Fa-shih herausgegeben wurde. Dieses detaillierte Hand-
buch von Bauabla~ifund Baupraxis, wurde, obwohl in den folgenden Dynastien
verändert, in modifizierter Form bis zu Gründung der chinesischen Republik 1912
überliefert (Needham, 1971). Die Grundkonstruktion eines traditionellen chinesi-
schen Gebäudes besteht aus im Raster angeordneten Holzstützen, die auf großen
Steinen stehen und die Deckenballcen und die schwere Dachkonstruktion tragen
(siehe Abb. 2). In diesem modularen Bausystem wurden die Konstruktionselemente
in Abhängigkeit von der Bedeutung und der Größe des Gebäudes aus einem
Standardsatz von Komponenten mit festgelegten Abmessungen ausgewählt. Die
Dachkonstruktion des traditionellen, standardisierten chinesischen Bausystems
erscheint dem modernen westlichen Beobachter etwas fremdartig, da keine
Fachwerke oder Rahmenkonstruktionen verwendet wurden. Hauptdachträger
spannen sich zwischen den Stützen und unterstützen selbst eine Serie von über-
einander gestapelter Einfeldträger, jeder etwas kürzer als der darunter liegende.
Pfetten spannen sich rechtwinklig dazu zwischen den Trägerenden benachbarter
Stapel und kurze Sparren gehen von Pfette zu Pfette und bilden die klassischen
Umrisse des chinesischen Daches. Um die Enden der untersten Träger mit den
Säulen zu verbinden, werden komplizierte Holzverbindungen verwendet, deren
Abmessungen und Komplexität ebenfalls detailliert für jeden Gebäudetyp des
Standardsystems beschrieben sind. ~ b eviele
r Jahrhunderte wurde in diesem System
nur die Komplexität und das Erscheinungbild der Holzverbindungen weiter-
entwickelt, während die anderen modularen Komponenten nahezu unverändert
blieben.

Abb. 2 (U) Chinesisches Bausystern und ( 6 ) Verbindungssystern.

Historische japanische Konstruktionen


In Japan gibt es ebenfalls eine lange Tradition der Holzkonstruktionen und viele
historische Gebäude wurden nach dem Beispiel des chinesischen Bausystems,
jedoch in etwas weniger ausgefeilter Form, gebaut. Das größte historische Holz-
gebäude der Welt ist der Todaiji Tempel in Nara in Japan (Abb. 3a), der 57 m lang,
50 m breit und 47 m hoch ist und Daibutsu oder die Große Statue des Buddha
beherbergt. Das heutige Gebäude, das aus dem Jahre 1708 stammt, ist nur etwa
zwei Drittel so groß wie das ursprüngliche Gebäude, das durch Feuer zerstört
wurde. In der Nähe gibt es ein Paar eleganter Holzpagoden im Yakushiji Tempel,
Nara. Eine der beiden, der Ostturm, ist im Original erhalten, während die andere
1981 als Kopie der im 16. Jahrhundert durch Feuer zerstörten, wiedererrichtet
wurde. In der früheren Hauptstadt Kyoto gibt es viele schöne Beispiele von sehr

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alten Tempeln und Palästen aus Holz. Einige japanische Städte (2.B. Osaka,
Kumamoto) hatten herrliche Paläste aus Holz und mit Ziegeln gedeckten Dächern.
Sie sind jedoch meistens durch Feuer im Krieg zerstört oder stark beschädigt
worden und bestehen nun hauptsächlich aus Stahlbetontragwerken, die mit
Holzdächern und anderen Details verdeckt sind. In Japan ist die Qualität der
Holzverbindungen sehr gut und es wurden viele komplexe und ausgeklügelte
Verbindungen verwendet, um Konstruktionselemte ohne Metallteile zu verbinden
(Sumiyoshi and Matsui, 1991).

Abb. 3 (U)Todaiji Tempel, Nara, Japan - das gröJ3te historische Holzgebaude der
Welt und ( 6 ) Detail einer Verbindung.

Norwegische Stabkirchen

Abb. 4 Links: Konstruktionssystem einer norwegischen Stabkirche. ( U ) Pfette, ( 6 )


Kehlbalken, (C) Verschwerterung, ( d ) Sparren, ( e ) Dachschwelle, (f) oberes
Wandrahm, ( g ) unteres Wandrahm, ( h ) Bug an die Verschwerterung, (i) Bug,
( j ) Kirchenschiffwand, ( k ) Aussteifung, (1) Luke, (in) Schwelle, ( n ) Arkaden,
( 0 ) Sparren, ( p ) Pfosten, (q) Bug, ( r ) oberes Wandrühm, ( s ) unteres
Wandrähm, ( t ) Sei~enschiffwand, ( U ) Seitenschiff, ( V ) Grundschwelle, ( W )
Schwelle (X) Zwischenstütze, ( y ) Eckstütze. Rechts: Stabkirche in Hopperstad,
Norwegen (Photo: B.R. Lindstad, NIKU).

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Bis zum 14. Jahrhundert wurden schätzungsweise 800 bis 1000 Stabkirchen in
Norwegen errichtet. Der Name leitet sich aus den kräftigen Holzstützen oder Stäben
(mit Durchmessern von 0,3 bis 0,4 m) ab, die ein dominierendes Konstruktions-
element darstellen. Die 29 Kirchen, die noch vorhanden und von denen einige mehr
als 800 Jahre alt sind, zeigen das Können der Erbauer bei der Auswahl dauerhafter
Materialien, eines stabilen Konstruktionssystems und dem Klima angepaßter
Konstuktionsdetails (Sack and Aune, 1989). Ein Beispiel für eines der noch
bestehenden Gebäude zeigt Abb. 4.

Mittelalterlicher Holzrahmenbau
Holzrahmenkonstruktionen wurden in Europa während des Mittelalters für Häuser,
Scheunen etc. verwendet. In England dominierten drei Konstruktionsmethoden:
"cruck frame", "box frame" und "aisled frame" (siehe Abb. 7) mit regionalen
Unterschieden in der Popularität jeder Form. Als "cruck frame" Konstruktionen
wurden eine Reihe gegenüberliegender, ausgesteifter "Au -Rahmen in regelmäßigen
Abständen entlang des Gebäudes auf einer durchgehenden Grundschwelle errichtet.
Hergestellt wurde der "cruck frame" in seiner einfachsten Form durch Längsauf-
spalten eines Baumstammes und Hauptastes (oder eines entsprechend gekrummten
Stammes) mit ausreichender Länge, um von der Grundschwelle bis zum Dachfirst
zu reichen. Die beiden Hälften des Stammes bildeten ein zusammengehörendes Paar
von leicht gekrümmten Bauteilen ("cruck blades"), die dem Querschnitt des
Gebäudes folgten und im Firspunkt verbunden wurden (und falls notwendig mit
einem Kehlbalken verbunden wurden) und so einen konstruktiv ausgesteiften
symmetrischen Rahmen bildeten. In der Regel wurden alle Verbindungen mit
Hartholzdübeln hergestellt. Pfetten und Wandschwellen verbanden die Rahmen in
Längsrichtung und die seitliche Aussteifung wurde durch Kopfbänder erreicht, die
zwischen Pfetten und "cruck frames" lagen und Windkräfte aufnehmen konnten.
Sparren wurden angebracht, um die Ziegel oder das Stroh zu tragen. Waren größere
Spannweiten zu überbrücken, wurde die Konstniktion modifiziert. Die beiden "cruck
blades" trafen sich nicht im First, sondern wurden durch einen Querträger
verbunden und bildeten so einen einfachen Portalrahmen. Ein "crown post" Dach
(wie im Abschnitt über Dachtragwerke weiter unten beschrieben) wurde im
mittleren Teil, unterstützt durch den Querträger, errichtet.

Abb. 5 "Cruckframe". ( U ) Firstpfette, ( b ) Pfette, (C) Windverband, ( d ) Zugbalken, ( e )


Wandrühm,(ß "cmck" Strebe, ( g ) '%ruckblade", (h) Wandpfosten,(i)F~gschwelle.

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Abb. 6 'Boxframe". ( U ) Ankerbalken, ( b ) oberes Rühm, ( C )Wandpfosten, ( d ) unteres
Rühm ( e ) Stockwerksrähm (f)Fußschwelle ( g ) Längsträger ( h ) Träger.

Abb. 7 'Aisled Frame". ( U ) Kehlbalken, ( b ) Kehlbalkenrähm, ( C ) Sparren, (d)


Firstpfosten ( e ) Ankerbalken, (fl Rahmenaussteifung, ( g ) Dachschwelle, ( h )
Strebebalken, (i) Seitenschiffankerbalken, ( j ) Pfosten, ( k ) Rähm, (1) Pfosten,
( m ) Fußschwelle, (n) Schwelle für Pfosten.

"Box frame" ist eine Fachwerkbauweise, die aus einer Träger- und Stützen-
konstruktion mit zusätzlichen Aussteifungsdiagonalen zwischen den Rährnhölzem
besteht. Häufig kragte das oberere Stockwerk über die Wände des unteren
Stockwerkes hinaus. Dies ergab in den dicht besiedelten mittelalterlichen Städten
Europas zusätzlichen Wohnraum über den engen Straßen und die Durchlaufwirkung
der Deckenbalken verbesserte die konstruktive Effektivität der Träger. In einigen
Fachwerkhäusem gibt es nur eine begrenzte Zahl an Aussteifungen, wobei die
Ausfachungen aus Strohlehm und Weidengeflecht oder aus Ziegel etc. eine
zusätzliche Aussteifung ergaben. Die diagonalen Aussteifungen entwickelten sich
von ihrer statischen Funktion hin zu einem architektonischen Element, dessen
Aussehen von Region zu Region unterschiedlich war.

Der "aisled frame", der vorwiegend für Lagerscheunen verwendet wurde, besteht
aus einem Hauptschiff und zwei Seitenschiffen, analog zu vielen Kirchenkon-

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struktionen. Der mittlere Raum wurde durch zwei Stützenreihen, den Seitenschiff-
pfosten, begrenzt, die in der Regel an ihrem oberen Ende mit einem durchgehenden
Rähm in Längsrichtung verbunden waren und zusammen mit aussteifenden
Kopfbändern zwei lange Rahmen bildeten. Ankerbalken spannten sich zwischen
gegenüberliegenden Stützen der beiden Rahmen und diese waren ebenso mit
Kopfbändern seitlich ausgesteift. Die Wandpfosten waren mit zusätzlichen
Rahmenhölzern verbunden, die die Seitenschiffe bildeten. Es war üblich, zwischen
die Seitenschiffpfosten und der Fußschwelle eine Diagonalverstrebung einzubauen,
eine zusätzliche seitliche Aussteifung gegen Windkräfte. ~ b e den
r Seitenschiff-
rahmen ergänzte ein einfacher Kehlbalken oder ein "crown post" das Dach. In
gewisser Weise war der Querschnitt einer Seitenschiffscheune ein Abbild einer
typischen gotischen Kathedrale in Holz.

Blockhäuser, "balloon" und "platform" Rahmenkonstruktionen


In den bewaldeten Gegenden in Osteuropa entwickelte sich eine andere
Hausbautechnik, die den fast unerschöpflichen Vorrat an Baumstämmen verwendete
und damit Wände baute, indem die Stämme horizontal einer auf den anderen gelegt
wurde. Stabilität wird erreicht, indem an den Stämmen in den Eckbereichen
Aussparungen angebracht werden, so daß die Wandflächen miteinander verzahnt
sind. Beweise der Anwendung dieser Technik stammen aus der Steinzeit. Der älteste
Beweis eines Blockhauses wurde jedoch in Buchau am Bodensee, datiert auf 1000
bis 800 V. Chr. gefunden und das früheste aus den skandinavischen Ländern stammt
um etwa 1000 n. Chr. (Hauglid, 1980). Blockhauskonstruktionen waren in den
Regionen unter slawischem Einfluß weit verbreitet und waren nicht auf kleine
Gebäude beschränkt. In Rußland gab es z.B. viele Beispiele von großen Kirchen-
gebäuden, die mit dieser Technik erbaut wurden. In den westlicheren Regionen
wurde eine ausgefeiltere Variation entwickelt, bei der bearbeitete Stämme und
Schwalbenschwanzverbiildungen an den Ecken verwendet wurden. Eine weniger
gebräuchliche Alternative verwendete halbierte Stämme, die vertikal in den Boden
gerammt wurden, um eine palisadenähnliche Wand zu bilden. Diese Technik wurde
in Europa noch bis ins 11. Jahrhundert verwendet, z.B. bei den Kirchen in
Greensted, England und Lund, Dänemark. Natürlich wurden die Blockhäuser durch
Siedler in die Neue Welt gebracht. Die Blockhütte war in den bewaldeten Gegenden
der USA und Kanada weit verbreitet. Hier erforderte die schnelle Kolonialisierung
die Errichtung einer großen Anzahl von Wohnhäusern mit ungelernten Arbeitern in
einer kurzen Zeit.

Abb. 8 Blockhaus in Norwegen (Photo: J.N. Christensen, NIKU).

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Als in Nordamerika der Wohlstand wuchs, wurde Holz immer noch als wichtigstes
Baumaterial im Holzrahmenbau eingesetzt, jedoch wurde das Schnittholz jetzt in
mechanisierten Sägewerken hergestellt. Die gebräuchlichste Methode der Holz-
rahmerikonstruktionen ist die "Platform" Konstruktion (Stockwerksrahmenbau), bei
dem die geschoßhohen Wandelemente auf die Zwischendecken aufgesetzt werden.
Bei den "balloon" Konstruktionen werden zweigeschossige äußere Wandelemente
zuerst errichtet und dann die Zwischendecken eingehängt.

Entwicklung der Dachtragwerke


Alte griechische Dachkonstruktionen beruhten auf einem Träger-Pfosten System. In
Längsrichtung verlaufende Firstbalken wurden entweder durch Pfosten, die ihrerseits
auf massiven horizontalen bis zu 13 rn langen Hauptträgern stehen oder durch einen
inneren Säulengang unterstützt. In Abhängigkeit von der Spannweite des Daches
wurden Sparren mit geringer Neigung vom Firstbalken zu den Außenwänden gelegt.
Die Römer entwickelten Dreiecktragwerke mit Spannweiten bis zu 30 rn für die
Dächer ihrer Basiliken und diese beeinflußten die Form der mittelalterlichen
italienischen und später auch europäischen Dachtragwerke. Das römische Dachtrag-
werk von St. Paul's vor den Mauem in Rom, das über 24 m Spannweite aufweist,
wurde 816 repariert und schließlich 1823 durch ein Feuer zerstört. In Nordeuropa
wurde das römische Tragwerk mit einer größeren Neigung gebaut, mit mehr inneren
Rahmenstäben, um die statische Wirksamkeit zu verbessern.

Für die etwas kleineren mittelalterlichen Gebäude wurden andere Dachtragwerke


entwickelt. "Crown post" Dächer hatten zur Unterstützung der Firstpfette
ausgesteifte Pfosten, die auf Kehlbalken aufstanden.

Frühe Holztragwerke wurden oft ohne großes Wissen über die angreifenden Kräfte
gebaut und ähneln eher zusammengezogenen Bögen als der modernen Idee eines
Fachwerkes, z.B. Wren's Dachtragwerk des Sheldonian Theatre in Oxford (Mark,
1993). Die frühe Entwicklung der Dachtragwerke zeigen Abb. 9 bis 12.

Die Notwendigkeit, die Pfetten zwischen den Hauptsparren eines Grundreiecks-


tragwerks zu unterstützen führte zur Entwicklung und Verbreitung des "King post"
und "Queen post" Tragwerkes eines einfachen und doppelten Hängetragwerkes.
(Abb. 9 und 10). In beiden Fällen sind die Pfosten keine Druckglieder sondern
Hängesäulen unter den vertikalen Dachlasten. Deshalb muß bei der Bemessung der
Verbindungen an jedem Ende der Pfosten darauf geachtet werden, daß Zugkrafte
übertragen werden können, was üblicherweise mit Metallbändern erfolgte.

Abb. 9 Entwicklung von Dachtragwerken: "King post" Tragwerk (einfaches


Hängewerk mit Gegenstreben).

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Abb. 10 Entwicklung vor1 Dachtragwerken: "Queen post" Tragwerk (doppeltes
Hängewerk mit Gegenstreben).

Eine andere Form des Dachtragwerkes, das hauptsächlich für Dächer von Hallen
und Kirchen verwendet wurde, ist der "Hammer" Balken (siehe Abb. 11). Das
bekannteste Beispiel hierfür ist das 20,7 m weit gespannte Dach der Westminster
Hall, London, das 1394 von Hugh Herland fertiggestellt wurde (TRADA, 1985;
Mark, 1993).

Abb. 11 Entwicklung von Dachtragwerken: (U) Hammerbalken.

Der parabolische Bogenbinder ist eine sehr effektive Konstruktionsform unter


gleichmäßig verteilten Lasten, sofern die Auflager in ihrer Lage gehalten sind. Um
die Probleme, verbunden mit dem Auftreten von seitlichen und einzelnen Lasten
undIoder mit der Verschiebung von Auflagern, zu lösen, wurden Holzbogenträger
mit Spannweiten von etwa 25 bis 55 m verwendet. Diese bestehen aus einem
lamellierten Bogen mit Zugband und ~[Link] verwandte Form ist
das Belfast-Tragwerk (siehe Abb. 13), das im 19. Jahrhundert entwickelt wurde und
einen gekrümmten Obergurt, einen geraden Untergurt und ein dichtes
Diagonalennetz auweist. Dieses Tragwerk hat den entscheidenden Vorteil, daß
Spannweiten bis etwa 36 m mit kurzen Holzlängen hergestellt werden können
(TRADA, 1985).

Abb. 12 Entwicklung von Dachtragwerken: Wren's Dach über dem Sheldonian theatre.

Massive Hölzer wurden in Dach- und Turmhelmkonstruktionen der großen


Kathedralen Europas verwendet. Der hölzerne Turm über der Vierung von Notre
Dame in Paris aus dem 13. Jahrhundert, überlebte, trotz Beschädigungen, bis zu
seinem Abbau im frühen 19. Jahrhundert und seinem Austausch 1860 durch den

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heutigen Turm, der von Viollet-le-Duc entworfen wurde (Mark, 1993). Ebenso
wurde der Norman Turm über der Hauptvierung der Ely Cathedral im Osten
Englands, nachdem er 1322 zusammengebrochen war, durch eine Holzkonstruktion
bestehend aus einer orthogonalen Grundkonstniktion, die eine oktogonale Laterne
trägt. Der Wiederaufbau wurde 1334 vollendet. Das Gesamtgewicht der
Holzkonstruktion betrug etwa 400 Tonnen einschließlich der Hauptlaternenpfosten
(Länge 19,2 m, Querschnitt 508 X 813 mm), die jeder etwa 10 Tonnen wogen.

Abb. 13 Belfast-Tragwerk fur einen Flugzeughangar in Duxford, England.

Holzbrücken
Frühe römische Holzbrücken waren einfache Trägerstrukturen aus behauenen
Baumstämmen, die auf hölzernen Brückenpfeilern lagen. Eine der friihesten
erwähnten Brücken ist die Pons Sublicius, die während der Zeit von Ancus Marcius
(640-616 [Link].) erbaut wurde. Sie überdauerte über 900 Jahre bis in die Zeit von
Konstantin (306-337 n. Chr.). Die Brücke, die als Cäsarbrücke über den Rhein
bekannt ist, wurde wahrscheinlich unter der Leitung von Vitruvius (Cäsars
Artilleriechef) errichtet und hat Längsträger, die auf Querträgern aufliegen, die
durch geneigte Pfeiler unterstützt sind, wie in einer späteren Zeichnung von Palladio
gezeigt wird. Ein interessanter Anschluß wurde zur Verbindung der Pfeiler an die
Querträger verwendet: die Belastung auf dem Brückenbelag läßt die Verbindung
fester werden. Im Jahre 104 n. Chr. wurde die Trajan Brücke, mit 20 Pfeilern bis
zu 45 m Höhe, verbunden durch halbkreisförmige Holzbögen mit 52 m Spannweite,
über die Donau errichtet (ASCE, 1976).

1570 veröffentlichte Andrea Palladio eine Illustration einer 30 m weit gespannten


Holzbrücke etwa aus dem Jahre 1550 n. Chr. über den Cismone im Nordosten
Italiens (siehe Abb. 14). Die Ausführung der Verbindungen ist in der Lage, die
Kräfte, die durch Fußgänger auftreten, aufzunehmen. Die Brücke ist auf dem
Untergurt aufgelagert (Mark, 1993; ASCE 1976).

Abb. 14 Palladio's Entwurf einer 30 m weit gespannten Brücke.

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In Queen's College, Universität Cambridge, wurde 1750 eine Holzbrücke errichtet,
die als "mathematische" Brücke bekannt wurde und von William Etheridge
entworfen wurde, um einen früheren Entwurf zu ersetzen. Die heutige Brücke wurde
seit damals zweimal wiederaufgebaut. Obwohl sie wie eine Bogenbrücke aussieht,
besteht sie aus geraden Holzteilen, die tangential zur Krümmung angeordnet sind.
Diese Hölzer reichen bis zur Höhe des Geländers und sind mit Bolzen
zusammengehalten (Labrum, 1994).

In Frankreich wurden während des 18. Jahrhunderts Brücken entwickelt, die


Fahrbahnen mit niedrigem Geländer hatten, die auf flachen Bögen aus zusammen-
geklemmten Brettern, die einen verbundenen Querschnitt bildeten, aufgelagert
waren. Beispiele wie die Ludwigsbrücke über die Isar bei Freising hatten
Spannweiten bis zu 45 rn (ASCE, 1976). Grubenmann baute im 18. Jahrhundert
ebenfalls einige berühmte überdeckte Brücken mit Spannweiten bis zu 120 rn
(Stüssi, 1961). So baute er z.B. 1754 eine komplizierte Fachwerkbogenbrücke bei
Schaffhausen über den Rhein und eine elegante 60 rn weit gespannte Bogenbrücke
in Wettingen. Seine 30 rn weit gespannte Brücke in Kubel kombiniert Bogen- und
Hängebrückenprinzip, wobei er mit dem Brückenbelag den Bogen effektiv
zusammenhält. Das Dach wirkt als eine Verstrebung zwischen den Zugelementen
(siehe Abb. 15). In all diesen Konstruktionen wurden komplizierte ~ b e r b l a t t u n ~ e n
verwendet, um aus kürzeren Holzteilen lange Zugglieder zu bilden.

Abb. 15 Grubenmanns Brücke in Kubel.

Während der dramatischen Zeit der Ausdehnung der Eisenbahnen im 19.


Jahrhundert wurden viele Brücken und Viadukte aus Holz konstruiert. Der berühmte
Ingenieur Isambard Kingdom Brunel verwendete Holz für Viadukte und Brücken
der South Devon Railway und der South Wales Railway. Da diese Konstruktionen
zunächst schneller und billiger zu errichten waren, wurden sie von den kleineren
Eisenbahngesellschaften eingesetzt. Für das Bourne Viaduct von 1842 verwendete
er ein einfaches und doppeltes Hängewerk um 20 rn zu überspannen. Für das
Landore und Usk Viadukt errichtete er hölzerne Fachwerkbögen von bis zu 30 rn
Spannweite umd das Gleisbett aufzunehmen. In Cornwall verwendete er ein Holz-
modulsystem für eine Reihe von Brücken und Viadukten. So hatte z.B. das St.
Pinnock Viadukt auf jedem gemauerten Stützpfeiler drei Rahmen aus vier baltischen
Kiefernbalken, die in einer Fächerform angeordnet waren, um die Träger des Gleis-
bettes zu tragen. Anfangs war die ~ffentlichkeitüber die Schlankheit der Brücken-
teile besorgt, aber schließlich hatten sie volles Vertrauen in das Können des Inge-
nieurs. Brunel hatte erkannt, daß Brücken und Viadukte aus Holz einer ständigen
Pflege bedürfen und er hatte die Hölzer mit Schutzmitteln behandelt (Quecksilber-
chloridlösung). Obwohl die Holzkonstruktionen funktionsfähig blieben, wurden sie
wegen der hohen Instandhaltungskosten durch Dämme oder Steinbogenbrücken
ersetzt, sobald die finanziellen Mittel es zuließen (Vaughan, 199 1; Otter, 1994).

In den USA war Holz für Brückenkonstruktionen weit verbreitet, da in den Wäldern
Bäume mit großen Längen und großen Querschnitten den Siedlern zur Verfügung
standen. Die Knappheit und die hohen Kosten von anderen Konstruktionsmaterialien

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bedingten, daß die Entwicklung von Holzbrücken schneller als in Europa fortschritt.
Frühe Nordamerikanische Brücken bestanden aus einfachen Träger-Pfosterdconstruk-
tionen. Beispiele hierfür sind die "Great Bridge" über den Charles River aus dem
Jahre 1660, Samuel Sewall's York River Bridge in Maine, 82,3 m lang mit 13
Brückenpfeilern, erbaut 1761 und die Charles River Bridge in Boston, 458 m lang
mit 75 Brückenpfeilern, erbaut im Jahre 1786 ebenfalls von Sewall. 1785 erbaute
Enoch Hale wahrscheinlich die erste Brücke in den USA, die nicht nur aus Einfeld-
träger bestand, über den Connecticut River in Bellow Falls, Vermont. 1792 errich-
tete Timothy Palmer innovative Fachwerkbogenbrücken und 1796 ließ er sich die
Idee von völlig geschlossenen Holzbrücken mit Dach und Wänden patentieren,
deren Lebensdauer von den bis dahin akzeptierten 10 bis 12 Jahren auf bis zu 40
Jahren anstieg. So erbaute er u.a. die "Permanent" Bridge über den Schuylkill River
in Philadelphia (1804-l806), die Spannweiten von 45,7 / 5 9 3 / 45,7 m aufwies und
als Durchlaufträger über die Brückenpfeiler wirkte und eine Brücke über den
Delaware River in Easton (1806-1 807), die überdacht war und gebrauchstauglich
blieb, bis sie im Jahre 1895 ersetzt wurde, als die auftretenden Verkehrslasten zu
groß wurden.

Lewis Wemwag errichtetete insgesamt 29 Brücken, von denen die bekannteste die
"Colossus" über den Schuylkill River in Philadelphia (im Jahr 1812) ist. Fletcher
und Snow (ASCE, 1976) gaben an, daß "dieser kühne Entwurf, wissenschaftlich
und architektonisch schön, wahrscheinlich in Amerika nie übertroffen wurde". Die
Brücke war eine völlig überdachte Fachwerkbogenbrücke aus Holz mit 103,7 m
freier Spannweite und 6,l m Höhe, mit 5 parallelen Fachwerken mit Bogenrippen-
untergurten, 1,07 m hoch und 0,33 m breit aus sieben Lagen zusammengeklernrntem
Holz. 1813-1814 baute er auch eine Fachwerkbrücke über den Delaware River in
Newhope. Diese Brücke hatte parallele Ober- und Untergurte, Vertikalstäbe aus
Holz aber "X"-Diagonalstäbe aus Eisen, ein Fachwerkform, die dem Pratt Truss
voranging.

Theodore Burr patentierte sein Fachwerkbrückensystem (paralleles Gurtfachwerk


kombiniert mit einem Bogen) im Jahre 1817. Burr's Fachwerksystem wurde für
viele Holzbrücken in den USA verwendet, ein beachtenswertes Beispiel ist die
Waterford Bridge (1804) über den Hudson River im Staate New York. Die
Spannweiten der vier Felder lagen zwischen 47 und 54,9 m und die überdachte
Brücke überdauerte 105 Jahre bis sie 1909 durch ein Feuer zerstört wurde.

1820 ließ sich Ithiel Town sein Gitterfachwerk und 1835 die modifizierte Form mit
doppelten Diagonalen und zweifachen Gurten patentieren. Das Town Gitterfachwerk
war als Holzkonstruktion besonders geeignet, da es aus standardisierten, relativ
kleinen Holzquerschnitten und Längen hergestellt werden konnte, die mit Hilfe von
einfach verfügbaren Bolzen und Stangen und nicht n i t speziellen Knotenverbindem
zusammengesetzt wurden. Wenn die Brücken richtig entworfen wurden und
überdacht waren, um die Konstruktionselemente vor Fäulnis zu schützen, konnte bei
60 m weit gespannten Brücken eine Lebensdauer von 50 bis zu 100 Jahren erwartet
werden. Die Kosten einer Brücke diesen Typs aus Fichtenholz bei einer mittleren
Spannweite lagen bei etwa der Hälfte einer vergleichbaren Eisenbrücke.

Das Fachwerkpatent von William Howe aus dem Jahre 1840 hatte Holzdiagonalen,
die zwischen Ober- und Untergurt über zwei Fachwerkfelder liefen und vertikale
Metallstäbe, die Ober- und Untergurt miteinander verbanden. Dies wurde später
modifiziert, indem die Holzdigonalen in jedem Fachwerkfeld auftraten. Das Pratt
Fachwerk, 1844 patentiert, hatte Metalldiagonalen in jedem Fachwerkfeld und
Holzvertikalstäbe. Die Druckelemente waren daher kürzer als beim Howe Fachwerk

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und die Verbindungen zwischen Ausfachungen und Gurten einfacher herzustellen.

Abb. 16 Entwicklung von Holzbrückenfachwerken. ( U ) Androscoggim Brücke


Brunswick, 1804, ( 6 ) Town Gitterfachwerk, 1819, ( C ) Col. Longs brace truss,
1830, ( d ) Haupt Fachwerk, 1839, ( e ) Howe Fachwerk, 1840, Cf) Whipple
Bogenfachwerk, 1841, ( g ) Pratt Fachwerk, 1846, (h) Whipple Fachwerk,
1846, (i) Bollman Fachwerk, 1852, ( j ) Fink Fachwerk, 1857.

Lamellierte Holzkonstruktionen
Obwohl lamellierte Hölzer in anderen Ländern verbreitet waren und auch fiir
Eisenbahnbrückenkonstruktionen in England (insbesondere von Brunel) verwendet
wurden, war eine der ersten Anwendungen in einem Gebäude das Dach der Kings
Cross Station in London. Das Dach war ursprünglich mit lamellierten Holzbögen
mit 30,5 m Spannweite konstruiert. Diese bestanden aus 38 m m dicken Brettern, die
von Bolzen zusammengehalten eine Bogenrippe von 600 m m Höhe bildeten. Später
wurde die Holzkonstruktion durch eine Eisenkonstruktion ersetzt, da das Holz durch
den Dampf der Lokomotiven verfault war. 1866 wurden Bögen ahnlicher Form fiir
das Dach des German Gymnasium in L;ondon verwendet (TRADA, 1985).

Die lamellierten Holzkonstruktionen der früheren Zeit verwendeten mechanische


Verbindungsmittel wie Bolzen oder Stabdübel zur Verbindung der Lamellen. Die
Entwicklung von synthetischen Leimen wie z.B. Harnstoff-Formaldet~yd,Phenol-
Formaldehyd und Resorcin ermöglichten Verbindungen, die die gleiche Festigkeit
wie das zu verbindende Holz aufwiesen.

Weitgespannte Konstruktionen (Hangars, Hyparschalen, Kuppeln etc.)


Einige der Gebäude mit den größten freigespannten Holzbögen der Welt sind die
Hangars für Luftschiffe ohne Tragrippen, die 1942 für die US Navy erbaut wurden.
Insgesamt 16 Hangars (von denen der größte Teil überlebt hat) wurden aus behan-
deltem Douglasienholz in neun verschiedenen Orten der USA gebaut, um Marine-
patroullienfahrzeuge unterzustellen. Um wertvolle Stahl- und andere Metallrohstoffe
zu schonen, wurden die Hangars (305 m lang, 91 m breit und bis zu 52 m hoch) mit
hölzernen Fachwerkbögen mit 5,6 m Höhe im Abstand von 6,l m errichtet. Die
Bögen wurden aus verschiedenen Querschnitten hergestellt, Gurte mit 100 X 300
m m und Ausfachungsstäbe mit 100 X 200 m m bis 150 X 200 m m Querschnitten, die

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mit Eirilaßdübeln verbunden wurden. Fachwerkpfetten aus Holz wurden zwischen
den Bögen angeordnet; sie unterstützten Sparren im Abstand von 2 m, die wiederum
eine gespundete Schalung von 50 mm Dicke trugen (ASCE, 1989).

Seit den späten 50er Jahren, wurde Holz bei der Konstruktion von
Schalentragwerken, die die äußeren Lasten dreidimensional abtragen, verwendet.
Ein elegantes Beispiel war die 46,6 m lange, 28,3 m breite und 85 mm dicke fünf-
lagige Teak-Schalenkonstruktion der Versammlungshalle des Rangoon College of
Engineering aus dem Jahre 1956. Holz ist besonders geeignet für die Konstniktion
von hyperbolischen Paraboloid-Schalen, da die doppelt gekrümmte Oberfläche aus
geraden Elementen erzeugt werden kann. Dies wurde durch die Errichtung eines 35
m weit gespannten, quadratischen Daches der Wilton Royal Carpet Company aus
dem Jahre 1957 gezeigt (TRADA, 1985).

Holz wurde auch als äußere Oberfläche von Steinkuppeln (z.B. Sankt Markus in
Venedig oder St. Pauls Cathedral in London) verwendet und in jüngerer Zeit für
weitgespannte geodätische, Lamellen- und Rippenkuppeln bis 162 m Duchmesser.

Mittelalterliche Maschinen und Ingenieurbauten aus Holz


Holz war in Europa häufig für landwirtschaftliche, industrielle und militärische
Maschinen eingesetzt und wurde oft als temporäre Konstruktion bei der Errichtung
von Ingenieurprojekten verwendet. Kriegsgeräte wie Katapulte wurden seit der Zeit
der Assyrer und Griechen gebaut, um Wurfgeschosse gegen die Mauern der
belagerten Städte zu schleudern. Im Mittelalter wurden große Holzrahmenkonstruk-
tionen gebaut, zur Aufhängung von Rammen zur Zerstörung von Befestigungen.
Wasserräder wurden verwendet, um Wasser f i r die Bewässerung zu pumpen und
um Kornmühlen und andere Maschinen anzutreiben (einige Wasserräder in Hama
in Syrien haben einen Durchmesser von bis zu 20 m). Seit dem Mittelalter wurden
hölzerne Windmühlen zum Mahlen von Korn in Gegenden, in denen die Wasser-
kraft knapp war, gebaut. Dies erforderte die Konstruktion eines stabilen Holzgrund-
gerüstes für den vertikalen Pfosten, um den die Mühlerkonstniktion sich drehte und
großer hölzerner Windmühlenflügel, die den hohen Biegebeanspruchungen aus dem
Wind standhielten.

Wegen seiner Dauerhaftigkeit in aggressiver Meeresumgebung wurde Holz auch


häufig für die Konstruktion von Docks, Molen und Häfen eingesetzt. Ebenso war
Holz bis Stahlbeton und Eisen als Baumaterial aufkamen das einzig verfugbare
Material bei Pfahlgründungen für Gebäude und Ingenieurkonstruktionen auf
schlechtem Baugrund. Holz wurde (und wird immer noch) häufig als temporäre
Konstruktion verwendet, z.B. als Lehrgerüst zu Herstellung von Steinbögen oder als
Betonschalung.

Zusammenfassung
Repräsentative Beispiele der Entwicklung und der Verwendung von Holz in
Gebäuden und Ingenieurkonstruktionen im Laufe der Geschichte wurden gezeigt.
Auf die Bedeutung von Holz als Baumaterial für Architektur- und Ingenieurbauten
wurde eingegangen. Es wäre wünschenswert, wenn dieser kurze Abiiß den Wunsch
wecken würde, die Geschichte der Holzkonstruktionen weiter zu erforschen als ein
Weg, zeitgenössische Entwurfsphilosophie zu beleben.

Literatur
American Society of Civil Engineers (1976) American Wooden Bridges, ASCE, New York.

American Society of Civil Engineers (1989) Classic Wood Structures, prepared by the Task

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E1113


Committee on Classic Wood Structures, Structures Division- ASCE, New York.

Hauglid R. (1980) Laftekunst - laftehusets opprinnelse og eldeste historie, Dreyers Forlag, Oslo
Nonvay (with Summary in English).

Labrum E. A. (1994) ed. Civil Engineering Heritage - Eastern and Central England, Thomas Telford
Ltd. London.

Mark R. (ed) (1993) Architectural Technology - up to the Scientific Revolution, MIT Press.

Needham J. (1971) Science and Civilisation in China, Volume 4, Part 3, Cambridge University Press,
Cambridge, U.K.

Otter R.A. (1994) ed. Civil Engineering Heritage - Southern England, Thomas Telford Ltd. London.

Stüssi F. (1961) Der Baumeister Johann Ulrich Grubermann und seine Zeit, Industrielle Organisation.

Sumiyoshi T. and Matsui G. (1991) Wood Joints in Classical japanese architecture, translated by
Ferenc Kovacs, Kajima Institute Publishing Co Ltd, Japan.

TRADA (1985) Timber in Construction, Batsford, London.

Vaughan A. (1991) Isambard Kingdom Brunel, John Murray, London.

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Entwurf von Holzkonstruktionen

STEP E2 Inhalt
Englischer Originalbeitrag: Qualitätskriterien fur den Entwurf von Holzkonstruktionen werden zusammengefaßt.
J. Natterer, J.L. Sandoz Allgemeine Entwurfsaspekte, die sich durch die Erfahrungen in Forschung und
Ecole Polytechnique Praxis im Laufe vieler Jahre herausgebildet haben, werden dargestellt.
Federale de Lausanne
Einleitung
Aus langjährigen Forschungsarbeiten sowie aus Erfahrungen aus der praktischen
Tätigkeit von Tragwerksplanern haben sich eine Reihe von Hinweisen zum Entwurf
von Holzkonstruktionen ergeben, von denen einige auch für andere Baustoffe
gelten, die jedoch alle für den Baustoff Holz anwendbar sind. Eine ganze Reihe
neuer hochwertiger Holzprodukte, die als tragende Bauteile verwendet werden
können, sowie neue, effizientere Verbindungsdetails sind sowohl durch langfristige
Grundlagenforschung als auch durch kürzere, anwendungsorientierte Forschungsar-
beiten entwickelt worden.

Obwohl Holz als Baustoff wegen seiner hervorragenden ökologischen Eigenschaften


eine immer wichtigere Rolle spielt, wird es von vielen Ingenieuren zunächst nicht
als mögliches Konstruktionsmaterial in die Entwurfsüberlegungen einbezogen. Der
Grund hierfür liegt in der Tatsache, daß Holz wegen seines anisotropen Verhaltens
und der vergleichsweise großen Streuungen der für den Ingenieur wichtigen Eigen-
schaften in der Regel mehr Planungsaufwand erfordert. Dadurch können in vielen
Bauwerken die zahlreichen Vorteile des Holzes noch nicht genutzt werden.

Wegen der besonderen Eigenschaften des Baustoffes Holz stellt der Entwurf von
Holzkonstruktionen oft besondere Anforderungen an den Ingenieur. Detaillösungen
müssen holzgerecht entwickelt werden und können nicht von bekannten Standard-
lösungen des Stahl- oder Massivbaus übernommen werden. Im folgenden wird der
Schwerpunkt auf die besonderen Entwurfsüberlegungen für Holzkonstruktionen
gelegt.

Aufgaben des Architekts und des Ingenieurs


Während für den Architekten die Gesamtheit des Bauwerks im Vordergrund steht,
konzentriert sich der Ingenieur eher auf die Optimierung des Tragwerks. Der
Schlüssel für einen erfolgreichen Entwurf liegt in der Festlegung der maßgeblichen
Kriterien, die als Grundlage für die zu fällenden Entscheidungen dienen. Die
Optimierung des Tragwerks als eines dieser Kriterien sollte nicht auf Kosten anderer
wichtiger Entwurfskriterien erfolgen. Architektonische Gesichtspunkte wie die
Funktion des Gebäudes, der Raumbedarf, Lüftung und Beleuchtung sind während
der Konzeptionsphase ebenso wichtig wie der konstruktive Entwurf, die Herstellung
und Montage des Tragwerks. Für eine gute Zusammenarbeit zwischen Architekt und
Ingenieur ist es außerdem wichtig, die jeweiligen Verantwortungsbereiche für den
Entwurf der Holzkonstruktion abzusprechen. Zum Vorentwurfstadium gehört das
Aufstellen einer Liste mit Anforderungen, die den Raumbedarf und die Gebäude-
funktion beinhaltet. Die Anforderungen müssen mit der Umgebung des Bauwerks
abgestimmt werden. Die maßgeblichen Kriterien sollten schriftlich festgelegt und
sowohl mit dem Bauherrn als auch mit den Baubehörden abgesprochen werden.
Nachfolgend werden Beispiele für Entwurfskriterien genannt.

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Einschränkungen: Brandschutz
Schallschutz
Baulasten
Anzahl der Geschosse
Umbauter Raum
Bebaute Fläche
Baulinie
Baustoffe
Umweltschutz

Bauplatz: Zuschnitt
Zugang
Lage
Geländeverlauf
Witterungsbedingungen
Umgebung
Baugrund

Bauwerksnutzung: Größe
Beleuchtung
Brandschutz
Organisation im Grundriß
F~~nktionsverteilung
Raumaufteilung

Einwirkungen: - Ständige Lasten


- Windlasten
- Schneelasten
- Verkehrslasten
- Kranlasten
- Aufprallasten

Technische - Zu- und Abluft


Gebäudeausrüstung: - Heizung
- Beleuchtung
- Akustik
- Wasserversorgung
- Abwasserableitung

Auf der Grundlage dieser Checkliste trifft der Ingenieur seine Entscheidungen. Das
Ziel des Entwurfsprozesses ist eine gemeinsame Optimierung der Tragsicherheit, der
Kosten, der Funktionalität, der Dauerhaftigkeit und des ästhetischen Gesamtein-
drucks. Teile der Checkliste des Architekten, die das Ergebnis von Diskussionen
zwischen Architekt und Ingenieur darstellen, sind nachfolgend erläutert.

Einschränkungen
Die planerische Arbeit wird durch zahlreiche Randbedingungen eingeschränkt.
Obwohl Vorschriften und gesetzliche Bestimmungen stets umfangreicher werden
und oft bürokratische Hemmnisse darstellen, sind sie nötig, um die Sicherheit von
Personen zu gewährleisten und die Erscheinung der bebauten Umgebung und der
zugehörigen Landschaft zu kontrollieren. Die notwendige Berücksichtigung der
durch das Bauen verursachten Umweltbeanspruchung und die daraus resultierenden
Planungsanforderungen haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen.

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Bauplatz
Die Größe und Form des Baugrundstücks beeinflussen den architektonischen Ent-
wurf z.B. die Höhe der Gebäudefront oder die Dachneigung und damit in hohem
Maße den endgültigen Gesamteindruck des Bauwerks. Darüberhinaus bestehen eine
Reihe von behördlichen Anforderungen, z.B. im Bezug auf den Landschafts- und
Denkmalschutz oder die Einpassung des Bauwerks in die natürliche und bebaute
Umgebung. Das Grundstück kann die Orientierung des Bauwerks und damit die
Nutzung des Tageslichts beeinflussen. Der Ingenieur muß die örtlichen Gegeben-
heiten im Hinblick auf Schnee-, Wind- und Erdbebenlasten berücksichtigen. Die
Baugrundeigenschaften und die Zugänglichkeit des Grundstücks bestimmen die Art
und Größe der Gründung und die mögliche Größe des Bauwerks.

Bauwerksnutzung
Anforderungen an die geplante Gebäudenutzung bestimmen seine Höhe, die Anzahl
der Geschosse und die Position der Auflagerpunkte. Besondere Funktionsanforde-
rungen sollten von Anfang an im Entwurfsprozess berücksichtigt werden. Manche
Gebäudenutzungen erfordern Tageslicht. Dies kann einen großen Einfluß auf die
Dachform ausüben. Die Brandschutzbestimmungen, insbesondere die erforderliche
Feuerwiderstandsdauer, sind ebenso von der geplanten Nutzung abhängig.

Einwirkungen
Einwirkungen, die einen Einfiuß auf das Tragwerk haben werden, sind bereits
während der Vorentwurfsphase zu ermitteln und festzulegen. Außer den üblichen
Wind-, Schnee-, Erdbeben- und Verkehrslasten sind manchmal auch weniger
häufige Lasteinwirkungen wie Installations-, Kran- oder Lagerlasten zu berück-
sichtigen.

Entwurfsprozeß
Da das Bauwerk sich in die vorhandene bebaute oder natürliche Umgebung einfü-
gen soll, wird die Entwicklung der Gebäudeform oft in hohem Maße durch diese
Umgebung beeinflußt. Die Silhouette einer Sporthalle, des Sprungturms eines
Schwimmbads oder eine Müllverwertungsanlage können dominierende Elemente in
den Gebäudeprofilen einer vorhandenen Bebauung sein.

Entwicklung der Gebäudeform


Im Vorentwurf entwickelt der Architekt die wesentlichen Grundideen für die
bauliche Lösung. Während dieser Phase, die in der Regel mit der Eingabeplanung
abgeschlossen wird, muß der Ingenieur zunächst ein realisierbares Tragsystem fin-
den. Wenn er das architektonische Leitbild des Vorentwurfes erkannt hat, wird es
ihm möglich sein, zusammen mit dem Architekten Tragsysteme zu entwickeln, die
nicht nur die statischen Kriterien der Lastabtragung, sondern auch die funktionalen
Kriterien, die sich aus der Nutzung und dem Standort ergeben, efillen. Er sollte
verschiedene Tragwerksalternativen entwickeln, die dem Entwurfskonzept und den
unterschiedlichen technischen und wirtschaftlichen Anforderungen Rechnung tragen.
Auf der anderen Seite muß der Architekt mit den Grundzügen der Tragsysteme
vertraut sein. Er hiuß die statischen Systeme erkennen können und sie in Gebäu-
deformen übertragen. Beispiele für Gebäudeformen sind in Abb. 1 dargestellt. Erst
wenn ein mit der Gebäudeform verträgliches statisches System gefunden wurde,
können Uberlegungen zur Wahl der Baustoffe und Verbindungen angestellt werden.
In der Anfangsphase eines Projekts sollten Architekt und Ingenieur viele verschie-
dene Alternativen auf ihre Verträglichkeit mit möglichst vielen Anforderungen hin
überprüfen um ein Optimum für die Qualität des Gesamtentwurfs zu erreichen.

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Abb. 1 Gebäudeformen. (U) Querschnitt, ( b ) Liingsschnitt.

Entwicklung des Tragsystems


Die Entscheidung, ob das Tragwerk sichtbarer Bestandteil des Bauwerks sein soll,
beeinflußt die ästhetische Wirkung und die Wirtschaftlichkeit des Gebäudes. In
dieser Hinsicht weist Holz gegenüber anderen Baustoffen Vorteile auf, da es als
angenehm und warm empfunden wird sowie gute Wärmedämmeigenschaften hat.
Mit einem ausdrucksvollen Tragwerk ist es möglich, zugleich Anforderungen an die
Gestaltung und an die Tragwirkung zu erfullen. Dies kann z.B. mit einer entspre-
chenden Anordnung der Tragwerksteile geschehen, die gerade, eben, einfach oder
doppelt gekrümmt ausgeführt werden können. Die Entwicklung des Innenraums
muß im Einklang mit den konstruktiven Anforderungen erfolgen, die wiederum die
Bauteilquerschnitte bestimmen. Die Lastabtragung kann sowohl in Quer- oder
Längsrichtung als auch diagonal erfolgen. Die Auflager bestimmen oft die äußere
Erscheinung des Tragsystems (siehe Abb. 2). Zusammen mit den Wind- und
Aussteifungsverbänden geben Art und Lage der Auflager dem Bauwerk seine
charakteristische Form. Die Wirkung des Tragwerks und der Aussteifungen können
daher oft vom äußeren Erscheinungsbild des Bauwerks abgelesen werden.

Abb. 2 Beispiele jür Tragsysteme. ( U ) Querschnitt, ( 6 ) Ansicht.

Lastabtragungssysteme
Die Lastabtragung im Grundriß und die dazu nötigen Stützen oder Auflagerpunkte
werden von der Nutzung des Gebäudes sowie von den Bodenverhältnissen
bestimmt, die wiederum die Gründungsmöglichkeiten beeinflussen. Randbedingung-

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en für das Tragsystem im Schnitt sind die erforderliche Lichtraumhöhe, die Belich-
tungsflächen, notwendige Einbauten und Installationen. Bei schlechtem Baugrund
sollte der Tragwerksabstand vergrößert werden, um die Anzahl der Einzelfunda-
mente zu verkleinern. Wenige große Fundamente können dann wirtschaftlicher sein
als viele kleine, wenn auf tieferliegende tragfähigere Schichten gegründet werden
muß. Bei tragfähigem Baugrund ist die kreisförmige oder polygonale Anordnung
von Einzelfundamenten möglich, die zu radialsymmetrischen oder räumlichen Trag-
werksstrukturen führen. Verzweigte Tragsysteme erlauben Dachkonstmktionen, die
sowohl funktional als auch wirtschaftlich sind.

Nebentragsysteme beeinflussen oft die Deckenansicht und das Gebäudeinnere. Die


möglichen Nebenträgersysteme werden durch die Lage und Art des Haupttrag-
Systems sowie durch Anzahl und Verknüpfung von selbständigen Trageinheiten
(z.B. Scheiben, Zweigelenkrahmen oder Dreigelenkrahmen) bestimmt. Nebentrag-
systeme tragen die äußeren Lasten zu den Haupttragwerken ab und sind oft gleich-
zeitig Teil der Gebäudeaussteifung. Durch eine geschickte Kombination von Haupt-
und Nebentragsystemen lassen sich vielfältige statisch sinnvolle und gleichzeitig
architektonisch reizvolle Holztragwerke finden. Abb. 3 zeigt Beispiele typischer
Haupt- und Nebentragsysteme.

iX)f>(j
I

(d) --U - - ~ &

Abb. 3 Lastabtragungssysterne. Haupttragsysterne: ( U ) linear-parallel, ( 6 ) linear-


diagonal, ( C )radial, ( d ) diagonal. Nebentragsysterne: ( e ) linear-parallel, Cf)
diagonal, (8) tangential, ( h ) linear-diagonal.

Tragsysteme
Die Form und Größe der Haupt- und Nebenträger wird vor allem durch die wirk-
same Querschnittshöhe bestimmt, da diese in der dritten Potenz in die Biegesteifig-
keit des Bauteils eingeht. Die Gebäudefunktion legt die lichte Deckenhöhe fest, die
als Querschnittshöhe zur Verfügung steht. Kleine Querschnittshöhen ermöglichen
auch nur kleine Spannweiten und erfordern einen geringeren Trägerabstand. Bei
großen Querschnittshöhen können Fachwerkträger gewählt werden, die bei größeren
Spannweiten in der Regel wirtschaftlicher sind. Raumfachwerke sind stabiler als

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ebene Fachwerke und benötigen keine Aussteifungsverbände. Tragsysteme können
durch die Anpassung der Konstruktionshöhe und durch die Ausbildung der Auflager
optimiert werden. Auch durch Kopfbänder und schräge Abstrebungen können
effektivere Tragsysteme im Holzbau erreicht werden. Abb. 4 zeigt Beispiele für
durchlaufende und abgestrebte Tragsysteme.

Abb. 4 Tragsysteme. Durchlaufende Systeme: ( a ) Durchlaufträger, (6) Mittelstütze mit


Kopfbändem, (C), ( d ) Fachwerk, ( e ) abgespannter Träger. Abgestrebte
Systeme: (f) Kopfbänder, ( g ) aufRelöste Stützen, ( h )Abstrebungen, (i) Spreng-
werk, ( k ) Sprengwerk mit Kopfbändem.

Bei Dächern mit großen Spannweiten sind Schalen oft wirtschaftlich, da weder das
Gebäude noch die Bauteile ausgesteift werden müssen. Schalentragwerke verur-
sachen außerdem nur sehr niedrige Eigenlasten und erlauben durch ihre geringe
Bauhöhe eine optimale Nutzung des umbauten Raums.

Materialwahl
Die Wahl der Baustoffe und Querschnitte der Haupt- und Nebenträgersysteme sollte
so früh wie möglich während des Entwurfsprozesses erfolgen, da diese Wahl Kon-
sequenzen für die Anforderungen an die Auflager hat. In Holzkonstruktionen
werden unterschiedliche Querschnittsformen eingesetzt: Rundhölzer, einfache oder
zusammengesetzte Kanthölzer, Balken, Bohlen oder Brettschichtholzquerschnitte.
Gut durchdachte Querschnittsformen sorgen nicht nur für die notwendige
Tragfähigkeit und Stabilität, sondern weisen auch eine hohe Feuerwiderstandsdauer
(außer bei kleinen Querschnitten) sowie gute Wärmedämm- und Schallschutzeigen-
schaften auf. Unterschiedliche Oberflächen wie unbearbeitet, sägerauh, gehobelt
oder poliert eröffnen dem Architekten eine ganze Palette gestalterischer
Möglichkeiten. Bei den Holzwerkstoffen stehen verschiedene Plattenwerkstoffe wie
Sperrholz, Spanplatten oder Sandwichplatten zur Verfügung.

Holz-Beton-Verbundkonstruktionen werden vorteilhaft eingesetzt bei der Verstär-


kung bestehender Konstruktionen sowie zur Optimierung des Material- und Herstel-
lungsaufwandes neuer Holzkonstruktionen. Die Haupteinsatzgebiete sind Balken,

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Decken, Platten und aussteifende Scheiben. Sie weisen eine gute Schalldämmung
und einen hohen Feuerwiderstand auf. Ein weiteres Anwendungsgebiet sind
Brücken, bei denen die Träger aus Holz bestehen und die Fahrbahnplatte aus Beton.
Die Platte kann die Radlasten gut verteilen und stellt gleichzeitig einen
konstruktiven Schutz für die Holzträger dar.

Holzbauteile sind in verschiedenen Holzarten, z.B. Fichte, Tanne, Lärche, Buche


oder auch als tropische Hölzer, verfügbar. Die Wahl der Holzart ist abhängig von
der erforderlichen Festigkeit des Materials, der Dauerhaftigkeit, Verfügbarkeit und
den Kosten. Auch ästhetische Gesichtspunkte können eine Rolle spielen. Eine
Kombination einer hellen niit einer dunklen Holzart kann z.B. ein Detail oder ein
Bauteil besonders betonen.

Verbindungsmittel
Im Holzbau sind die Verbindungsmittel oft für Konzeption und Detailausbildung
maßgebend. Von der richtigen Wahl der Verbindungsmittel hängt die Qualität, die
Dauerhaftigkeit und die Wirtschaftlichkeit der Holzkonstruktionen entscheidend ab.
Für die Wahl der Verbindungsmittel ist einmal wichtig, an welcher Stelle im Trag-
werk sie eingesetzt werden sollen, aus welchem Material die zu verbindenden
Bauteile bestehen (Rundholz, Vollholz oder Brettschichtholz), zum anderen die
Eigenschaften des Verbindungselementes selbst. Beispiele sind Holz-Holz-
Verbindungen ohne stählerne Verbindungsmittel, Verbindungen mit stiftförmigen
Verbindungsrnitteln mit oder ohne Stahlplatten, die sichtbar oder verdeckt angeord-
net sein können. Sichtbare Stahlteile erfordern gegebenenfalls einen Schutz gegen
Witterungseinflüsse sowie gegen Brandeinwirkung.

Die Eigenschaften von Verbindungselementen und ihr Zusammenwirken sind im


wesentlichen gekennzeichnet durch

- die übertragbare Kraft,


- das Last-Verformungs-Verhalten im Gebrauchs- sowie im Traglastbereich und
- den Holzbedarf abhängig von der Effektivität der Verbindung (übertragbare
Kraft pro Fläche).

Darstellung des Tragwerks

Isometrische und perspektivische Darstellung


Ein wichtiges Kriterium für die Qualität einer Holzkonstruktion ist die Wirkung des
umbauten Raums. Abb. 5 zeigt eine perspektivische Darstellung des Innenraums
einer Eishalle. Diese Art der Darstellung sollte bereits in einem frühen Entwurfs-
stadium angefertigt werden, da sie auch dem Laien die Raumwirkung der
Konstruktion verdeutlicht.

Modelle
Auch ein maßstäbliches Modell einer Konstruktion kann ein wichtiges Hilfsmittel
für die Darstellung des Innenraums sein. Mit einem Modell ist es möglich, die
Qualität eines Entwurfs den Entscheidungsträgem wie z.B. der Bauaufsicht und
besonders dem Bauhem deutlich zu machen. Auch Diskussionen zwischen
Architekt und Ingenieur werden anhand eines Modells einfacher. Details des
Tragsystems und anderer Bauelemente sind bei Maßstäben von 1 : 20 bis 1 : 50
deutlich ablesbar.

STEPlEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Abb. 5 Perspektivische Darstellung des Innenraums einer Eishalle.

CAD
Da Holz ein einfach zu bearbeitender Baustoff ist, besteht eine große Freiheit und
Vielfältigkeit bei der Wahl des Tragsystems oder der Konstruktionsdetails. Hier
kann CAD einen wertvollen Beitrag leisten, indem es den großen Aufwand zur
Festlegung der genauen Geometrie, der Details und zur Herstellung der Konstruk-
tionszeichnungen verringern hilft. Damit können selbst sehr komplexe räumliche
Details einfach und eindeutig dem Hersteller übermittelt werden. Die räumliche
Darstellung kann dabei sowohl dem Architekten als auch dem Ingenieur Vorteile
bieten. Die Überprüfung von Konstruktionsaltemativen einschließlich der statischen
Berechnung und der Darstellung des Innenraums mit den gewünschten Oberflächen
und Farben sind möglich. Dies bedeutet eine Beschleunigung der Optimierung der
Holzkonstruktion.

Zusammenfassung
Die Anforderungen an eine Optimierung des Entwurfsprozesses von Holzkonstruk-
tionen wurden in allgemeiner Form dargestellt. Die Zusammenarbeit zwischen
Architekt und Ingenieur ist vom Beginn eines Projektes bis zur Darstellung des
gewählten Entwurfs notwendig. Durch eine intelligente Planung können Material-
kosten eingespart und damit Holztragwerke gegenüber anderen Baustoffen
wettbewerbsfähig sein.

Literatur
Götz, K.-H., Hoor, D., Möhler, K. und Natterer, J. (1978). Holzbau Atlas. Institut fur Internationale
Architektur-Dokumentation, München, Deutschland.

Natterer, J., Herzog, T. und Volz, M. (1991). Holzbau Atlas Zwei. Institut für Internationale
Architektur-Dokumentation, München, Deutschland.

Natterer, J. und Winter, W. (1986). Entwurf von Holzkonstruktionen. In: Holzbautaschenbuch. Band
1: Gmndlagen, Entwurf und Konstruktionen. Ernst & Sohn, Berlin, Deutschland.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Pfetten

STEP E3 Inhalt
Englischer Originalbeitrag: Es werden Pfetten aus Rundholz, Voll- oder Brettschichtholz und mit zusam-
C. Short mengesetzten I- oder Kastenquerschnitten behandelt. Die Grundlagen der Be-
ConsuIting Engineer messung werden entwickelt, die Grenzzustände der Gebrauchstauglichkeit und
Tragfähigkeit angegeben und auf die Bemessungswerte der Einwirkungen sowie
die Lastkombinationen wird eingegangen.

Nachweismethoden oder Bemessungsbedingungen für Pfetten aus Vollholz unter


zweiachsigen Einwirkungen werden besprochen und anhand eines Beispiels
erläutert.

Einleitung
Eine Pfette ist ein Dachbauteil, das im allgemeinen die Sparren unterstützt und
die Lasten an das Haupttragwerk weiterleitet.

Abb. 1 Querschnittsformen für Pfetten. ( U ) Rundholz, ( 6 ) Vollholz, manchmal auch


aus mehreren Einzelquerschnitten zusammengesetzt, ( C ) Brettschichtholz,
( d ) Fumierschichtholz, ( e ) I-Träger, (f) Kastenträger, ( g ) Nagelplattenfach-
werkträger, manchmal mehrere zusammenwirkend, ( h ) Fachwerkträger mit
geleimten oder genagelten Sperrholzknotenplatten, mit Bolzen oder mit
Einpreßdübeln.

Pfetten lassen sich aus verschiedenen Materialien in verschiedenen Aus-


führungen herstellen. Die am häufigsten verwendeten Formen sind in Abb. 1
zusammengefaßt.

Pfetten können als Einfeldträger nach Abb. 2a oder als Durchlaufträger nach
Abb. 2b ausgeführt werden. Läuft die Pfette über drei oder mehr Felder durch,
ergeben sich geringere Bemessungsmomente und kleinere Durchbiegungen für
einen vorgegebenen Querschnitt. Diese Ausführung ist aber begrenzt durch die
maximale Länge, mit der das Holz im Handel erhältlich ist und zur Baustelle
transportiert werden kann.

Wenn die Gebäudelänge größer wird als die größte verfügbare Holzlänge,
können verschiedene konstruktive Möglichkeiten genutzt werden, mit denen die
Durchlaufwirkung durch Verbindung von Einzelstäben erreicht werden kann.
Zwei dieser Möglichkeiten sind in Abb. 2c und 2d dargestellt. Im ersten Fall
sind im Bereich der Wendepunkte der Biegelinie Gelenke mit Bolzenver-
bindungen angeordnet und im zweiten Fall wird die Durchlaufwirkung durch die

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E311


sich übergreifenden Pfetten, die beidseitig des Innenauflagers miteinander
gekoppelt sind, erreicht.

Pfetten als Fachwerkträger, Kopfbandbaiicen und mit Stahlstäben unterspannte


Balken zeigen die Abb. 2e, 2f und 2g.

Abb. 2 Typische Pfettenarten.

Berechnung und Bemessung


In allen Fällen, mit Ausnahme der Einfeldpfette nach Abb. 2a, können an einer
Stelle im Querschnitt Spannungskombinationen aus Biegung, Schub, Zug oder
Druck auftreten. Zu beachten ist auch die Lage der Pfette bezüglich der Richtung
der verschiedenen Einwirkungen, aus denen sich nicht nur Spannungskombinati-
onen, sondern auch zweiachsige Spannungszustände an einer Stelle der Pfette
ergeben können.

Das Bemessungsverfahren ist ähnlich dem für Einfeld- oder Durchlaufträger mit
der Ausnahme, daß bei Pfetten im allgemeinen zweiachsige Biegung und Torsion
auftreten. Hinsichtlich Biegebeanspruchungen wird auf STEP B3 und hinsichtlich
Schub und Torsion auf STEP B4 verwiesen.

Die üblichen Lasten auf Pfetten ergeben sich aus der Eigenlast der Sparren, den
ständigen Lasten aus der Dachhaut, den veränderlichen Einwirkungen Schnee
und Wind und eventuellen Verkehrslasten auf der Dachfläche.

Die Verkehrslasten sind im allgemeinen wie auch die Schneelast auf die
Grundfläche bezogen, während die Eigenlasten von Dachhaut und Sparren auf
die Dachfläche bezogen sind. Die Wirkungslinie dieser Lasten verläuft vertikal.
Die Windlast wirkt rechtwinklig zur Dachfläche als Winddruck oder Windsog je
nach Windrichtung und Gebäudegeometrie.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Beispiel
Durchlaufpfette über 6 Felder mit der Spannweite 1 = 6,O m (siehe Abb. 2d)
Dachneigung a = 10"
Pfettenabstand e = 1,15 m

Festigkeitsklasse des Vollholzes: C24


Nutzungsklasse I , Klasse der Lasteinwirkungsdauer: kurz
km, = 099
f = 16,6 N/mm2

Charakteristische Werte der Eiwirkungen


Ständige Einwirkungen (Eigenlasten)
Dachhaut 0,20 kN/m2 (Dachfläche)
Wärmedämmung 0,06 kN/m2 (Dachfläche)
Schalung 0,lO kN/m2 (Dachfläche)
Pfetten und Aussteifung 0,10 kN/m2 (Dachfläche)
0,46 kN/m2 (Dachfläche)
G, = 0,47 kN/m2 (Grundfläche)
Veränderliche Einwirkung (Schnee):
Qk = 0,75 kN/m2 (Grundfläche)
Wind ist nicht maßgebend, da nur Sog.

Bemessungswerte der Einwirkungen

Teilsicherheitsbei werte
y, = 1,35 ständige Einwirkungen
YQ = 1 , 5 veränderliche Einwirkungen

q,, = e sin 10" cos 1O0(y, G, + yQ Q,)


= 1,15 sin 10°cos 10" (1,35 - 0,47 + 1,5 . 0,75) = 0,35 kN/m
Feldmomente:
My.d = r) qz.d
Mz,d = qy,d l2

Endfeld 0,078 5,50 0,98


1. Innenfeld 0,034 2,40 0,43
2. Innenfeld 0,043 3,03 0,54

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E313


Die Stelle der Kopplung zwischen den Pfetten wird so gewählt, daß die Feld-
momente M„ fiir die Bemessung maßgebend werden. Obwohl die Stützmomente
M„ größer als die Feldmomente sind, sind sie für die Bemessung nicht
maßgebend, weil sie von zwei Querschnitten aufgenommen werden. Die Summe
der maximalen Momente der an das Innenauflager angrenzenden Felder ist bei
Gleichstreckenlast und konstanten Feldweiten stets größer als das Stützmoment.

Aus der Bedingung, daß das Moment an der Koppelstelle vom Betrag dem
maximalen Feldmoment entspricht, ergeben sich die folgenden Überkopplungs-
längen (siehe Abb. 3):

I'., = 0,10 1
Ausnahme: vom Endfeld in das 1. Innenfeld: I,., = 0,17 1

Endfeid

Abb. 3 Vereinfachter Momentenverlauf und Kopplungskräfte.

Kopplungskräfte (Innenfelder):
Die Kopplungskräfte werden unter der Annahme eines vom Auflager ausgehend
konstanten Moments im Einzelquerschnitt über die Länge I,. und unter
Vernachlässigung der Gleichstreckenlast auf dem auskragenden Teil der Pfette
ermittelt. Diese Vorgehensweise ist etwas auf der sicheren Seite.

K, = Mz,, /I, = 0,43 q, 1 = 5,06 kN


K, = My,,/l, = 0,43 q,, 1 = 0,90 kN

Tragfahigkeitsnachweis

k m '-m+g d- - l Omz d <


fm.d fm.d

Endfeld: C24, bxh = 120x160 mm

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Innenfelder: C24, bx h = 60x160 mm
Die Berechnung entspricht der für das Endfeld.

Anschluß im 1. Innenfeld
Gewählt: 6 Rillennägel, d = 4 mm, I = 110 mm

Tragfähigkeit auf Abscheren


p =l,O
tI = 60 mm
t2 = 50 mm
d =4mm
siehe auch NAD pk = 350 kg/m3
= 0,082 pk d-0.3 = 0,082 350 - 4-0,3
fh,l,k = 18,9 N/mm2
- kmd, fh,l,k = 0.9 ' 18.9 = 13,l Nlmm2
L,,,',
-
YM 1,3
My,,= 180 d 236 = 180 42r6. = 6620 Nmm
M 6620
M ~= ,2~ = = 6020 Nlmm
YM 1,l

EC5: Gleichung [Link] ist maßgebend.


R , = 873 N

Traafühigkeit auf Herausziehen


Annahme:
f,& = 50 . 1 0 . ~p: = 6,12 N/mm2
f = 600 . 1 0 . ~p: = 7 3 3 ~/mm'

f , ,d 1 = 4,24 . 4 . 50 = 848 N
Ru,,= min = 814 N
f,,,d 2 = 50,9 . 4' = 814 N

Kombinierte Beanspruchung

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Gerade Brettschichtholzträger,
Pult- und Satteldachträger
STEP E4 Inhalt
Englischer Originalbeitrag: Zunächst werden Beispiele für ebene Tragwerke, die aus geraden Brettschicht-
H.J. Larsen holzträgern aufgebaut sind, gezeigt. Für Einfeldträger mit konstanter Höhe
Danish Building werden empfohlene Werte fiir das Verhältnis SpannweiteIHöhe gegeben. Einige
Research Institute typische Anschlußdetails werden gezeigt.

Die Vorteile von Pult- und Satteldachträgem werden beschrieben und einige
Details der Bemessung wie z.B. die Bestimmung der maximalen Biegespannung
und der Durchbiegungen werden gezeigt.

Abschließend wird die Bestimmung der charakteristischen Werte für Brett-


schichtholz mit unterschiedlichen Holzqualitäten in den inneren und äußeren
Bereichen dargestellt und anhand eines Berechnungsbeispiels erläutert.

Einleitung
Gerade Träger mit konstantem Querschnitt sind die am häufigsten verwendeten
Konstruktionselemente aus Brettschichtholz.

Grundsätzlich lassen sich Träger in jeder Größe herstellen. In der Praxis sind die
Abmessungen jedoch durch die Kapazität der Produktionseinrichtungen und
durch Transportprobleme begrenzt. Träger mit einem Volumen von über 10 m3
erfordern besondere Maßnahmen, es wurden jedoch schon Träger mit bis zu
40 m3 und mit Längen bis zu 50 m produziert.

Abb. 1 Beispiele ebener Tragwerke aus geraden ßauteilen. ( U ) Tragsystem aus


zwei Trägern und einem Zugband aus Stahl (oder Brettschichtholz). ( b )
Großer Fachwerktrüger mit Ober- und Untergurt aus Brettschichtholz. Die
Diagonalen können aus Brettschichtholz, Vollholz oder Stahl (Zugglieder)
sein. ( C ) Unterspannter Trüger mit Obergurt und Pfosten aus
Brettschichtholz. Das Zugband kann aus Stahl oder Brettschichtholz sein.
( d ) Rahmen mit Stützen aus Brettschichtholz und einem (Stahl)-Zugband.
( e ) Rahmen aus 2 X 2 geraden Teilen. Die Rahmenecke kann mit Funier-
oder Stahlplatten oder als Keilzinkenverbindung ausgeführt werden.

Die Mindestbreite liegt bei etwa 60 mm. Träger mit Breiten unter 70 mm werden
oft durch Auftrennen breiterer Träger hergestellt; sie neigen daher dazu, sich zu

STEP/EUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E411


verwerfen und die Oberflächenqilalität kann etwas geringer sein. Ist dies nicht
akzeptabel, muß der Kunde angeben, daß die Bauteile unmittelbar in der
gewünschten Breite hergestellt werden. Bei Trägerbreiten über etwa 240 mm
besteht eine Lamelle in der Regel aus zwei nebeneinanderliegenden Brettern.
Dies bedeutet höhere Produktionskosten und es ist oft preiswerter, zwei parallele
Bauteile zu verwenden. Wenn ein Zusammenwirken der nebeneinanderliegenden
Bauteile notwendig ist, kann dies durch mechanische Verbindungsmittel oder
durch eine Verleimung sichergestellt werden. Dieser Art der Veleimung ist
jedoch nicht durch die Europäischen Normen abgedeckt. Die Mindesthöhe von
Brettschichtholz beträgt 100 bis 135 mm. Dies entspricht der Dicke von drei
Lamellen.

Gerade Bauteile können allein als Träger oder Stützen eingesetzt werden. Sie
können aber auch für komplizierte zwei- oder dreidimensionale Konstruktionen
Verwendung finden. Beispiele für ebene Tragwerke sind in Abb. 1 gegeben.
Dieser Beitrag behandelt nur einfache Träger.

Einfeldträger mit konstanter Höhe


Gerade Träger mit konstanter Höhe werden gewöhnlich in Dächern und Decken
und als Unterzüge eingesetzt. Die Mindesthöhe beträgt etwa 1/20 bis 1/17, mit 1
als Spannweite. Um Stabililätsprobleme möglichst zu vermeiden, sollte die Breite
nicht kleiner als h/7 sein, wobei h die Trägerhöhe ist. Die meisten Brettschicht-
holz-Hersteller produzieren "Standardträger" mit nationalen Standardmaßen.
"Standardträger" haben in der Regel eine kürzere Lieferzeit als individuell produ-
zierte Träger.

Frei gespannte Träger weisen in der Regel eine ~ b e r h ö h u nmindestens


~ in
Größe der Enddurchbiegung aus Eigenlast und dem quasipermanenten Teil der
veränderlichen Lasten auf. Ublicherweise werden nur die Durchbiegungen U , aus
dem Biegemoment berücksichtigt. Die Durchbiegung infolge Querkraft U, kann
berechnet werden aus:
U , /U, U 15(M)2 für Gleichstreckenlast
U , /U, = 19(W1)2 für eine Einzellast in Feldmitte.

Für l/h 2 15 beträgt der Sct~ubanteilan der Durchbiegung weniger als 8%.

Durchlaufträger mit konstanter Höhe


Träger über mehrere Felder werden häufig als durchgehende Träger oder als
Gerberträger ausgebildet (siehe Abb. 2). Sie haben eine günstigere Momenten-
verteilung, insbesondere bei mehreren Lastfallen und durchlaufende Träger sind
steifer als entsprechende Einfeldträger. Die Mindesthöhe kann daher auf etwa
1/25 bis 1/20 verringert werden. In der Regel erhalten Durchlaufträger keine
~berhöhung.

Gerberträger sind sehr gebräuchlich in Konstruktionen aus Vollholz, da es


schwierig ist, große Längen zu erhalten. In Brettschichtholzkonstruktionen sind
durchgehene Träger normalerweise vorteilhafter. Bei Gerberträgem müssen die
Gelenke so angeordnet werden, daß sowohl positive als auch negative Momente
(oft aus unterschiedlichen Lastfallen) aufgenommen werden können und daß
Versagen eines Trägers nicht zum Versagen der ganzen Konstruktion führt. Um
Querzugversagen in den gegebenenfalls ausgeklinkten Trägerenden zu ver-
meiden, sollten die kurzen Täger an die auskragenden Träger angehängt werden.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Abb. 2 ( U ) Durchlaufträger. ( b ) + ( C ) Gerberträger. Für Gerberträger sollte die
StoJanordnung nach ( b ) gewählt werden. Bei einer Anordnung nach ( C )
besteht die Gefahr eines fortschreitenden Versagens.

Pultdachträger und Satteldachträger


Pultdachträger nach Abb. 3a werden sehr oft allein oder als Teil einer Dach-
scheibe. verwendet. Ihr Volumen ist etwas größer als für entsprechende Träger
mit konstanter Höhe, aber sie sind oft vorteilhaft, da z.B. die sekundären Träger
oder Dachscheiben direkt aufgebracht werden können und Futterhölzer zum
Herstellen einer Mindestdachneigung nicht benötigt werden. Die Neigung liegt in
- -
der Regel zwischen 1/40 ( a 1,5") und 1/10 ( a 5"). Die mittlere Höhe sollte
nicht unter 1/20 liegen und die kleinste Höhe sollte 1/30 betragen. Die Träger
können gekrümmt hergestellt werden.

Abb. 3 (U) Pultdachträger und ( 6 ) Satteldachträger mit Trägerbreite b.

Die Festigkeit muß in zwei Querschnitten überprüft werden: im Querschnitt A,


in dem die Schubspannungen und im Querschnitt B, in dem die Biegespan-
nungen am größten sind. Bei Einfeldträgem unter Gleichstreckenlast q beträgt
der Abstand x vom Auflager bis zum maßgebenden Querschnitt
= h m i J ( h m i n + hmu)
und die größte Biegespannung beträgt

e n , wenn bei Trägerhöhen unter 600 mm


Bei anderen ~ e l a s t u n ~ s a n o r d n b n ~oder
der charakteristische Wert der Biegefestigkeit mit dem Faktor k,, erhöht wird,

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E413


erhält man den Größtwert durch Berechnung der Spannungen in verschiedenen
Querschnitten, wobei man schrittweise entlang des Trägers von der Stelle des
maximalen Biegemomentes in Richtung mit kleiner werdendem Querschnitt
ausgeht.

Es ist nachzuweisen, daß


kmper Ont.d k~ fm.d

Die Faktoren k„„ und k, berücksichtigen den Einfluß des geneigten Randes auf
die Spannungsverteilung und die Festigkeit (siehe STEP B8).

Die maximale Durchbiegung U„ infolge einer Gleichstreckenlast kann aus der


entsprechenden Durchbiegung U, eines Trägers mit konstanter Höhe (h„, +
h„)/2 berechnet werden:
u m = k, uo (4)

Dabei ist k, in Abb. 4 gegeben.

Abb. 4 Faktor k, zur Bestimmung der maximalen Durchbiegutzg eines Pultdach-


trügers (oben) und eines Satteldachtrügers (unten).

Satteldachträger haben die gleichen Vorteile wie Pultdachträger. Zusätzlich ist


die Materialausnutzung besser, da die Trägerhöhe der Momentenlinie folgt. Die
Firsthöhe sollte in der Regel nicht unter etwa 1/20 liegen.

Die Tragfähigkeitsnachweise entsprechen im Prinzip denjenigen für Pultdach-


träger. Zusätzlich muß die Tragfähigkeit des Firstquerschnittes nach EC5 nachge-
wiesen werden (siehe STEP B8).

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative irn Rahmen des EU Comett Programms


Bei einem symmetrischen Einfeldträger unter Gleichstreckenlast wird die Festig-
keit im Firstquerschnitt nie maßgebend. Die ungünstigste Biegebeanspruchung
entsteht im Querschnitt B im Abstand X vom Auflager:

und die größte Biegespannung, auf die Gleichung ( 3 ) anzuwenden ist, ergibt sich
zu:

Für andere Belastungsanordnungen muß die Biegefestigkeit sowohl im geneigten


Teil als auch im Firstquerschnitt nachgewiesen werden.

Der Bemessungswert der Querzugspannung ergibt sich aus dem Moment im


Firstquerschnitt M„„,, zu

Oi.90.d = 0,2 tana ' Mupu,d(b hn~>) (7)

Für eine Gleichstreckerilast kann die Durchbiegung in Feldmitte wie für einen
hltdachträger aus Abb. 4 ermittelt werden; in diesem Fall ist die Durchbiegung
kleiner als für einen entsprechenden Träger mit konstanter Höhe (hnlln+ h„)/2.

Anschlußdetails
Einige typische Anschlußdetails werden im folgenden gezeigt (Numerierung wie
in Abb. 5 ) .

Abb. 5 Verbindungsarten. Verbindung 1 und 2 werden in diesem Beitrag gezeigt.


Die anderen werden in STEP D5 und D8 gezeigt.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative irn Rahmen des EU Comett Programms


Abb. 6 Verbindung I , Träger-Wand. ( U ) Stahlband an einen Träger genagelt.
und ( C ) Verankerung mit Stahlschuhen oder zwei Stahlwinkeln I
Sperrschicht.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Abb. 7 Verbindung 2, Stütze-Fundament. ( U ) , ( b ) Stützen mit Stahlband oder
Stützenschuh befestigt mit Nägeln, Bolzen oder Schrauben. ( C ) Stütze mit
Stahlplatte in einem Schlitz. Es ist wichtig, eine wirksame Feuchtigkeits-
sperre zwischen Holz und Beton anzubringen. (d), ( e ) Eingespannte Stützen
mit Stahlprofilen oder eingeleimten Stäben, die in Vertiefungen des Funda-
ments eingegossen werden. Das Stützenende kann frei sein oder Kontakt
haben, um die Tragfähigkeit sowohl unter Druck- als auch unter Biege-
beanspruchung zu erhöhen. 1 = Sperrschicht.

Charakteristische Werte
Die charakteristischen Werte für Brettschichtholz sind nach EN 1194 "Brett-
schichtholz - Festigkeitsklassen und Bestimmung charakteristischer Werte" zu
ermitteln. In dieser Europäischen Norm sind auch die charakteristischen Werte
für eine Reihe von Brettschichtholzqualitäten, die von den meisten Brettschicht-
holzherstellern produziert werden, angegeben. Für besondere Brettschichtholzauf-
bauten werden die charakteristischen Werte in der Regel berechnet und von den
Brettschichtholzherstellern angegeben. In diesem Fall wird der Brettschichtholz-
träger als Verbundquerschnitt bemessen.

Der Tragwerksplaner könnte auch einen besonderen Aufbau wünschen, um z.B.


Hölzer aus der Region zu verwenden. Die Berechnungen, die in diesem Fall

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E417


notwendig sind, werden im folgenden für einen symmetrischen, nicht-homogenen
Brettschichtholzquerschnitt nach Abb. 8 gezeigt.

'fm,g,U..

,g,i...
Eg,i,fm

Abb. 8 !U) Brettschichtholzquerschnitt aus zwei unterschiedlichen Lamellen-


qualitäten. (b) Biegespannungsverteilung. ( C ) Spannungsverteilung infolge
Lüng skraft.

Die inneren Lamellen, als Vollholz betrachtet, haben die Eigenschaften E,, f,,,
und J,;. (Zur Vereinfachung wurden einige Fußzeiger weggelassen. S o bezeichnet
z.B. J,, die charakteristische Zugfestigkeit in Faserrichtung der inneren Lamellen
mit der vollständigen Bezeichnung J,,,,,,). Die äußeren Lamellen, die eine bessere
Qualität aufweisen, haben die Eigenschaften E„ f,,, und J,,.

Die zugehörigen Eigenschaften des Brettschichtholzes werden mit E,,„ f,,,,, und
i,,,,
bezeichnet und es ergibt sich nach EN 1194 z.B.:
(1,25 - E,/60000) E, mit E, in N/mm2 (8)
E =max
1,05 E,

Die wirksame Biegesteifigkeit und Längssteifigkeit (EAjC1wird ausgedrückt


durch
(EILf = (E,,, (h3-h:) + E#,[hI3)b 112
= (1- (l-E,,, /E,,,) (hi lh)" E,,, b h3/12= k, E,,,b ( 1 1)

(We, = (1- (l-E,,, /E,,, (h, lh)) E,,, b h = kA E,,, b h (12)

Dies entspricht einem rechnerischen Biege-Elastizitätsmodul für Brettschichtholz,


das als homogenes Material betrachtet wird, von

ER = kc E,., (13)

Unter Längsbeanspruchung ergibt sich ein geringfügig kleinerer Elastizitätsmodul


- kA E,,, - aber EC5 erlaubt für alle Fälle die Verwendung von E,.

Die Biegespannungsverteilung ist in Abb. 8b gezeigt. Die Festigkeit wird immer


durch die Spannung in den äußersten Lamelle erreicht. Die charakteristische
Biegetragfahigkeit ist somit

STEP/EUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


entsprechend einer rechnerischen Biegefestigkeit von

Die Spannungsverteilung infolge einer Längskraft ist in Abb. 8c dargestellt. Die


Festigkeit wird in der Regel durch die Spannung in den äußersten Lamellen
erreicht und die rechnerische Längszugfestigkeit ist damit

und entsprechend für die Druckfestigkeit. In seltenen Fällen können die


Spannungen in den inneren Lamellen maßgebend sein. In diesem Fall beträgt die
rechnerische Zugfestigkeit
J,g = k* Eg,o'Eg,i ( 17 )

Beispiel
Die Eigenschaften eines Brettschichtholzbauteils mit h,1 h = 213 und mit
Lamellen der Festigkeitsklassen C27 und C16 nach EN 338 "Bauholz - Festig-
keitsklassen" sollen berechnet werden. Die Lamellen haben folgende Eigen-
schaften:
C27 E. = 12000 N/mm2 f = 27 ~ / m m ~ , = 16 N/mm2
E = 12600 N/mm2 f, , , , = 28,2 N/mm2 f,,g,, = 19,7 N/mm2
C16 E, = 8000 N/mm2 f , = 16 N/mm2 J,, =10N/mm2

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Gekrümmte Brettschichtholzträger
und Satteldachträger
STEP E5 Inhalt
Englischer Originalbeitrag: Gekrümmte Träger und Satteldachträger bieten viele architektonisch interessante
H.J. Larsen Möglichkeiten. Bei der Bemessung dieser Bauteile werden oft Querzugspannung-
Danish Building en maßgebend. Diese können durch äußere Beanspruchungen entstehen, jedoch
Research Institute können auch Feuchteänderungen einen großen Einfluß haben: sie erzeugen innere
Spannungen und vergrößern die Verformungen durch äußere Lasten. Um die
Gefahr eines Querzugversagens zu verringern, werden gekrümmte Träger und
Satteldachträger oft verstärkt. Zwei Verstärkungsmöglichkeiten werden aufge-
zeigt: eingeleimte Stäbe und auf die Oberfläche aufgeleimte Glasfasern. Die
Bemessung der Verstärkung wird zusammen mit einem Bemessungsbeispiel
beschrieben.

Gekrümmte Träger
Gekrümmte Träger, d.h. Bauteile, bei denen die äußeren Kräfte vorwiegend über
Biegung und nicht wie bei Bögen über Längskräfte abgetragen werden, werden
verwendet, um spezielle architektonische Forderungen zu erfüllen. Beispiele
einfach gekrümmter Träger sind in Abb. I gezeigt.

Abb. 1 Beispiel einer Konstruktion mit einfach gekrümmten Trägem.

In der gezeigten Konstruktion in Abb. l a ,wird durch die Haupteinwirkungen


(Eigengewicht und Schnee) der Krümrnungsradius verringert, d.h. es entstehen
Querdruckspannungen; die Querzugspannungen (aus Wind) sind in der Regel
klein und verursachen keine großen Probleme.

In der Konstruktion in Abb. l b werden durch die Hauptlasten relativ große


Querzugspannungen erzeugt; diese Spannungen können für die Tragfähigkeit
maßgebend werden.

Durch Verwendung von in einer Ebene mehrfach gekrümmten Trägem lassen


sich architektonisch interessante Konstruktionen entwerfen; ein Beispiel ist in
Abb. 2 gezeigt. Die Herstellung dieser Träger ist jedoch schwierig, sie sind teuer
und es ist nicht möglich, die relativ großen Querzugspannungen zu vermeiden.

Bis auf die Querzugprobleme gibt es bei der Bemessung von gekrümmten
Trägern keine Schwierigkeiten. Der Tragfäl~igkeitsnachweisentspricht dem eines
geraden Trägers oder Satteldachträgers mit einer geringen Längskraft.

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Abb. 2 Beispiel einer Konstruktion mit entgegengesetzt gekrümmten Trägern.

Satteldachträger
Satteldachträger (siehe Abb. 3) werden bei Dachneigungen zwischen etwa 1110
und 113 (a zwischen 5" und 20") eingesetzt. Die Höhe am Auflager h,, sollte
nicht kleiner als 1/30 sein, wobei 1 die Spannweite ist. Die Firsthöhe h„ liegt
normalerweise zwischen 1115 und 1/10.

Abh. 3 Gekrümmter Satteldachtrager aus zwei Pultdachträgem mit einem Mittelteil


(schrajfierter Firstbereich), der auf der Unterseite gekrümmt ist.' ( a )
Verstärkungsstäbe.

Die Tragfähigkeit des Teils mit nicht konstanter Höhe wird wie in STEP B8 und
E4 beschrieben, nachgewiesen. Die Tragfähigkeit des Firstbereiches wird nach
STEP B8 ermittelt. Die Tragfähigkeit dieser Träger wird oft durch Querzug-
Spannungen, im Firstbereich begrenzt und eine ungenügende Berücksichtigung
dieser Spannungen - oder das Versäumnis, sie überhaupt zu berücksichtigen -
haben zu einer beträchtlichen Zahl von Schadensfällen geführt.

Querzugspannungen resultieren nicht nur aus äußeren Beanspruchungen, sondern


auch aus Feuchteänderungen. Bei Konstruktionen in Nutzungsklasse 1, die auf
eine angemessene Holzfeuchte vor der Montage getrocknet wurden, kann in der
Regel davon ausgegangen werden, daß sie durch die Anwendungen der charakte-
ristischen Werte und normalen Sicherheitsbeiwerte ausreichend bemessen sind. In
einigen Fallen jedoch kann es notwendig werden, den Einfluß der Feuchteände-
rungen abzuschätzen.

Als grobe Schätzung soll angenommen werden, daß der Feuchtegehalt in den
äußeren Bereichen des Querschnittes (jeweils 116) um 3% abnimmt. Dies ent-
spricht einer unbehinderten Dehnung von etwa 3 -0,002 = 0,006. Mit E„ = 300
N/mm2, betragen die inneren Spannungen A o = 2 . 300 - 0,00613 = 1,2 N/mm2,
d.h. sie liegen in der gleichen Größenordnung wie die Kurzzeitfestigkeit und es
besteht die Gefahr des Aufreißens. In der Praxis werden diese Spannungen durch
Kriechen reduziert, sie sollten aber nicht vernachlässigt werden.

STEP/EUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Abb. 4 EinfluJ einer Feuchteabnahme im äuJeren Bereich. ( b ) Unbehinderte
Dehnung, ( C ) resultierende innere Spannungen.

Verformungen
Die vertikalen Verformungen von gekrummteil Trägem und Satteldachträgern
sind in der Regel nicht bedeutend. Die horizontalen Verschiebungen an den
Auflagern können jedoch ziemlich groß werden und es ist notwendig, sicher-
zustellen, daß sie auftreten können, ohne ungewollte horizontale Kräfte auf die
Unterstützungskonstniktionen (Wände und Stützen) auszuüben oder sekundäre
Bauteile zu beschädigen.

Nicht nur äußere Kräfte, sondern auch Feuchteänderungen tragen zu den


Verformungen bei.

Die wichtigste Auswirkung einer Feuchtezunahme ist die Vergrößerung der


Tragerhöhe von h auf h(1 + E), wobei E die aus dieser Feuchtezunahme
resultierende Dehnung ist. Der Feuchteeinfluß in Faserrichtung ist vernachlässig-
bar, so daß sich der Winkel dq auf dq' verkleinert und der Krümrnungsradius
von r auf r' zunimmt:

Diese Änderungen bedeuten eine Vergrößerung des Auflagerabstandes und eine


Verringerung der Krümmung (siehe Abb. 5b) um:

A'A i CC' I

Abb. 5 EinfluJ3 einer Feuchtezunahme auf die Kriimmung eines Träges. ( C )


Geometrie nach der Feuchtezunahme, ( d ) unvelformter Zustand. e ist die
gesamte Durchbiegung in Feldmitte.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E513


Verstärkung
Wie in Abb. 3 gezeigt wird, können Konstruktionen mit Querzugbeanspru-
chungen durch eingeleimte Stäbe oder durch Aufleimen von Sperrholzplatten
oder Fasermaterial auf die Oberflächen verstärkt werden.

Verstärkungsmaterialien
Eingeleimte Stäbe werden ausführlich in STEP C14 behandelt. Sie können glatt
oder mit Gewinde versehen sein; im zweiten Fall sollte die Bemessung mit dem
Kemqi~erschnitterfolgen. Die wirksame Trägerbreite wird durch den Lochdurch-
messer oder den Außendurchmesser des Stabes reduziert (der größere Wert ist
maßgebend) und die Breite oder Höhe des Träges sind eventuell entsprechend zu
vergrößern.

Verschiedene Fasermatenalien - Glas, Ararnid oder Kohle - bieten interessante


Möglichkeiten. Zur Zeit sind nur Glasfasern von Bedeutung: sie sind billig,
einfach mit Polyester- oder Epoxidharzleimen auf Holz zu kleben und das
Aussehen des Brettschichtholzes wird dadurch nicht beeinträchtigt.

Glasfasern werden in Platten mit Fasern, die in eine Richtung liegen, als Matten
aus etwa 50 mm langen zerkleinerten Fasern mit zufälliger Orientierung oder als
gewebte Platten geliefert. Im letzten Fall sind die Fasern in relativ dicken
Bündeln zusammengefaßt (gewebt) und die Oberfläche ist uneben und weniger
attraktiv als in den beiden anderen Fällen. Die gerichteten Fasern sind am
wirksamsten. Typische Werte für eine Verstärkung von 100 g/m2 in
Faserrichtung belastet sind (t = 60 N/mm und ( t E,), = 3000 N/mm. Die
wirksame Glasfaserdicke (Summe der Schichten auf beiden Seiten) wird mit t
bezeichnet, f,, ist die Zugfestigkeit und E, der Elastitzitätsmodul der Glasfaser.
Wirkt die Kraft unter einem Winkel cp zur Faserrichtung, reduziert sich die
Steifigkeit nach:

Die Festigkeitsabnahme ist geringer. Für eine Matte mit ungerichteten Fasern
beträgt die Steifigkeit 318 der Steifigkeit einer vergleichbaren Verstärkung mit
gerichteten Fasem bei gleichem Gewicht; die Festigkeit ist halb so groß.

Spannungsverteilung
Das Verhalten rechtwinklig zu Faser ist linear elastisch bis zum Bruch und die
Kraft quer zur Faser verteilt sich im Verhältnis der Steifigkeiten.

Zur Abschätzung der Kraft, die durch das Holz aufgenommen wird, wird
vorgeschlagen, die Kurzzeitwerte der mittleren Steifigkeiten sowohl für Holz als
auch für die Verstärkung zu verwenden, d.h. für das Holz E„„,„. Da die
Querzugfestigkeit des Holzes etwa proportional zur Steifigkeit ist, gibt es keine
Notwendigkeit, auf der sicheren Seite liegende Werte, z.B. 95 %-Fraktilen, für
die Steifigkeit des Holzes zu verwenden. Nach EN 1194 "Holzbauwerke -
Brettschichtholz - Festigkeitsklassen und Bestimmung charakteristischer Werte"
beträgt E„„,„ = E„„,, 130, wobei E„„,, der Elastizitätsmodul in Faserrichtung
ist.

In der Regel und auf der sicheren Seite wird die Verstärkung so bemessen, daß
sie in der Lage ist, die gesamte Querzugkraft aufzunehmen; dies entspricht dem
Zustand, wenn das Holz rechtwinklig zur Faserrichtung versagt hat.

STEPEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Wenn eine genauere Bemessung der Verstärkung erforderlich ist, wird vorge-
schlagen, einen unteren Grenzwert der Steifigkeit des Holzes zu verwenden, d.h.
die 5%-Fraktile reduziert um den Kriecheinfluß.

Versuche mit glasfaserverstärkten Brettschichtholzträgern (siehe Larsen und


Enquist, 1993 sowie Traberg und Larsen, 1993) zeigen, daß unter der Annahme,
daß die Verstärkung die gesamte Kraft überträgt, der Einfluß des Volumens und
der Spannungsverteilung vernachlässigt werden kann, d.h. kdi,y(VdV)0-2
= 1. Eine
Erklärung hierfür könnte sein, daß die Verstärkung in den schwachen Bereichen
ein Ausbreiten kleiner Anfangsrisse verhindert, die in einem unverstärktem
Träger zu einem spröden Versagen des gesamten Bauteils gefuhrt hätten.

In einigen Fällen kann die Haftfestigkeit der Verstärkung auf dem Holz die
Tragfähigkeit der gesamten Verstärkung beschränken. Nach Gustafsson und
Enquist (1993) kann die Haftfestigkeit pro Längeneinheit bestimmt werden zu:

wobei Gf die Bruchenergie der Haftung ist, die zu Gf = 0,35 Nmm/mm2


angenommen werden kann.

Für das Zugversagen in Stahlstäben oder in der Glasfaser wird ein


Teilsicherheitsfaktor von yM = 1,l vorgeschlagen; für die Haftfestigkeit wird yM
= 1,3 vorgeschlagen.

Verstärkung und Sanierung


Es gibt viele Versagensfalle bei gekrümmten Trägem oder Satteldachträgem aber
nur in wenigen Fällen hat dies zum völligen Versagen der Träger geführt.
Versuche und ausgeführte Beispiele haben gezeigt, daß es ziemlich einfach ist,
Träger zu sanieren, indem der Riß mit Leim gefüllt wird, die Konstruktion
angehoben wird und mit einer Verstärkung versehen wird, die in der Lage ist,
die gesamte Querzugkraft im ursprünglichen Träger aufzunehmen.

Bemessungsbeispiel

Konstruktion
Satteldachträger in einem Abstand von 4,8 m und einer Breite von b = 0,165 m
bestehen aus GL 28 (siehe STEP Ag). Sie haben folgende Abmessungen (siehe
Abb. 3):

Tragfähigkeitsnachweise
Aus einer Eigenlast von 0,5 kN/m2 und einer Schneelast (Lasteinwirkungsdauer
kurz) von 0,8 kN/m2 ergibt sich die folgende Bemessungslast:

Die Nachweise der Schubfestigkeit am Auflager und der Biegefestigkeit in den


geraden, angeschnittenen Bereichen und im Firstquerschnitt sind erfüllt.

Die größte Querzugspannung wird nach STEP B8, Gleichungen (14) bis (18)
berechnet:

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E515


r = r, + h„J2 = 13,50 + 1,5012 = 14,25 m
h, /r = 0,105
ks = 0,2 tana = 0,0536 STEP B8-(16)
k6 = 0,25 - 1,5 tana + 2,6 tan2a = 0,0347 STEP ~ 8 - ( 1 7 )
k7 = 2,l tana - 4 tana = 0,2755 STEP B8-(18)
kP = k, + k6 - ( h u p )+ k, (h,,/r)2 = 0,603 STEP B8-(15)
O1,90,d
= -
k, 6 M„,/(b hup:) = 0,0603 6 . .
2881(0,165 1,52) . 10 -3 = 0,286 N/mm2 STEP B8-(14)

Das Volumen des Firstbereiches beträgt V = 1,l m3, k,, = 1,7 und f,,„,, = 0,9
0,4511,3 = 0,312 N/mm2.

Die Zugfestigkeit - siehe STEP B8, Gleichung (21) - ist nicht ausreichend, da
o ~ >, kdis
~ ~(VdV)0,2
, ~ fr,90,d = 1,7 (0,0111,1)0~2 .
f,,90,d = 0,664 0,3 12 = 0,207 N/mm2.

Verstärkung
Es wird vorgeschlagen, daß der Träger mit einer Verstärkung versehen wird, die
die gesamte Querzugkraft je Längeneinheit aufnehmen kann:

Der Elastizitätsmodul rechtwinklig zur Faserrichtung beträgt E90,„„ = Eo.„„,/30 =


12000130 = 400 N/mm2. Damit ergibt sich eine Steifigkeit pro Längenein-
heit von 400 . 165 . 10.~= 66,O kN/mm.

Verstärkung mit Stahlstäben


Die Verstärkung besteht aus Gewindestangen mit 14 mm Durchmesser
(Nettoquerschnittsfläche 118 mm2) im Abstand von 500 mm. Unter der Annahme
einer Fließspannung von 235 N/mm2 ergibt sich die Bemessungsfestigkeit pro
Längeneinheit zu 118 .235/(1,1 . 500) = 50,4 > 47,2 N/mm.

Mit E = 210 k ~ / m mergibt


~ sich die Steifigkeit pro Längeneinheit zu 118 .
2101500 = 49,6 kN/mm, und die Querzugspannungen reduzieren sich um den
Faktor 66,0/(66,0 + 49,6) = 0,57, woraus sich eine Spannung von 0,57 . 0,286
= 0,164 N/mm2 ergibt, was ausreichend zuverlässig aufgenommen werden kann.

Verstärkung mit Glasfasern


Die Verstärkung auf beiden Seiten des Trägers besteht aus 200 ,g/m2 gerichteten
Glasfaserplatten mit den bereits erwähnten Eigenschaften. Der mittlere Winkel
zwischen Kraft und Glasfaserrichtung ist kleiner als 5" und sein Einfluß auf
Festigkeit und Steifigkeit ist gering.

Die Steifigkeit pro Längeneinheit beträgt (tE,), = 4 - 3000 . 10-3= 12,O kN/mm
und die Bemessungsfestigkeit ist ausreichend da

= min
I . 60'111
= 218 Nlmm

L = 100 Nlmm
1,3 165400
Die Steifigkeit pro Längeneinheit beträgt 4 . 3000 . 10-3 = 12,O kN/mm, d.h.
die Querzugspannung im Holz reduziert sich um den Faktor 66,0/(66,0 + 12,O) =
0,85:

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Literatur
Larsen, [Link] Enquist, B. (1993). Fibre Reinforcement of Glulam, Report No. 2, Small rein-
forced beams. Div. of Stmct. Mech., Lund Institute of Technology, Report TVSM-7083, Sweden.

Traberg, S. and Larsen, H.J. (1993). Fibre Reinforcement of Glulam, Report No. 3, Medium-sized
and large reinforced beams. Div. of Stmct. Mech., Lund Institute of Technology, Report TVSM-
7083, Sweden.

Gustafsson, P.J. and Enquist, B. (1993). Fibre Reinforcement of Glulam, Report No. 7, Adherence
of reinforcement to wood. Div. of Stmct. Mech., Lund Institute of Technology, Report TVSM-
7083, Sweden.

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Fachwerkbinder aus Fumier-
schichtholz
STEP E6 Inhalt
Englischer Originalbeitrag: Der Beitrag beschreibt den Einsatz von Multi-Krallen-Dübeln (MKD) in Fachwerk-
A. Kevarinmiiki bindem aus Kerto-Furnierschichtholz. Die Berechnung dieser Fachwerkbinder
Helsinki University einschließlich der Nachweise der Tragfähigkeit von Stäben und MKD-Verbin-
of Technology dungen wird vorgestellt. Es werden Beispiele für in Bauwerken verwendete
Fachwerkbinder aus Kerto-Furnierschichtholz gezeigt.

Einleitung
Fachwerke aus Furnierschichtholz können z.B. als weitgespannte Dachbinder einge-
setzt werden. Furnierschichtholz ist dem Sperrholz ähnlich, ausgenommen die
parallele Anordnung der Furniere und die derzeit mögliche Länge von 23 m (siehe
STEP A9). Die Stabquerschnitte von Fumierschichtholzfachwerken sind immer
Bei Kerto-Q rolling shear zweiteilig, wenn als Verbindungsmittel Multi-Krallen-Dübel verwendet werden
beachten sollen. Multi-Krallen-Dübel weisen eine sehr hohe Tragfähigkeit auf und wurden
eigens für diese Anwendung entwickelt. Mit den MKD-Verbindungen erreicht man
zentrische Anschlüsse der Stäbe in den Fachwerkknoten.

Siehe Allgemeine Bauauf- Multi-Krallen-Dübel (MKD)


sichtliche Zulassung MKD ist ein Verbindungsmittel, das zur Verbindung von Fachwerkstäben aus Voll-
2-9.1- 103 holz, Brettschichtholz oder Furnierschichtholz verwendet werden kann. Es besteht
aus einer Stahlplatte, auf die beidseitig, rechtwinklig zur Plattenebene, Nägel
aufgeschweißt sind. Damit ergibt sich eine Nagelverbindung zwischen der
Stahlplatte und dem Holzteil. Aus den von Kalliomäki u.a. (1 986) durchgefiihrten
Versuchen ergaben sich die in Abb. 1 dargestellten Nägel als wirtschaftlicher MKD-
Typ. Die Nägel haben einen rechteckigen Querschnitt mit den Abmessungen 3x4
m m und sind 50 m m lang. Die breiteren Schaftflächen sind profiliert, wodurch der
Ausziehwiderstand der Nägel erhöht wird. Der Nagelschaft ist am Übergang zur
Stahlplatte zur Vergrößerung der Anschlußfläche auf einer Länge von 4 m m konisch
verdickt, wodurch sich die Tragfähigkeit und Steifigkeit erhöht. Die Nägel werden
auf die Stahlplatte jeweils so aufgeschweißt, daß in jedem Fachwerkstab die längere
Seite des Nagelquerschnitts parallel zur Stabachse verläuft. Die Nagelabstände
betragen parallel zur Fasemchtung und damit parallel zur Stabkraft 40 m m und
rechtwinklig dazu 12 mm, wobei für den Nageltyp nach Abb. 1 eine versetzte
Anordnung entsprechend Abb. 2 gewählt wird. Diese Nagelabstände auf der
Grundlage theoretischer Überlegungen, die durch Versuche bestätigt wurden
(Kalliomäki u.a., 1986), wurden so gewählt, daß Versagen der Verbindungen durch
Erreichen des Nagelfließmomentes eintritt. Die Verbindung zeigt deshalb im
Versagenszustand immer duktiles Verhalten, solange nicht mehr als sechs Nägel in
Kraftrichtung hintereinander liegen. Aus dieser Bedingung ergibt sich die maximale
Länge einer Nagelgruppe zu 220 [Link] längeren Nagelreihen mit Nageltyp nach
Abb. 1 und Abständen nach Abb. 2 konnte Versagen des Kerto-Furnierschichtholzes
im Bereich der MKD-Verbindung beobachtet werden.

MKD werden durch Aufschweißen der Nägel auf die Stahlplatte mit Hilfe eines
Bolzenschweißautomaten hergestellt. Der Zuschnitt der Platten erfolgt vor dem
Aufschweißen der Nägel entweder mechanisch oder mit dem Schneidbrenner. Zum
Erreichen der vollen Tragfähigkeit der Schweißverbindung muß der Stahl, meistens

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durch Sandstrahlen, gereinigt werden. Die Plattendicke beträgt grundsätzlich 10 mm
und die Stahlqualität ist Fe 510D. Falls erforderlich, können die MKD durch eine
galvanische Verzinkung von 275 g/m2oder eine Feuerverzinkung mit einer mittleren
Zinkauflage von 400 g/m2 gegen Korrosion geschützt oder aus nichtrostendem Stahl
hergestellt werden.

*I A-A 1-1

Abb. I Nagelabmessungen des Multi-Krallen-Dübels.

s 1, I*o120 1 1 1
20 20 20 So )ol So I
d

Abb. 2 Nagelabstände bei Multi-Krallen-Dübeln mit dem Nageltyp nach Abb. I .

MKD in Fachwerken aus Kerto-Furnierschichtholz


Die Stäbe von Fumierschichtholzfachwerken sind immer zweiteilig, wenn als
Verbindungsmittel MKD verwendet werden, durch die sowohl die Stabteile als auch
die Stäbe in den Knoten miteinander verbunden werden. In den Fachwerkknoten
werden die Stäbe mit 1 bis 2 mm gegenseitigem Abstand zusammengefügt (siehe
Abb. 3), damit Druckkräfte durch die MKD übertragen werden und nicht durch
Druckkontakt zwischen den Fumierschichtholzstäben. Mit den MKD werden die
Stabkräfte iii Ubereinstiinmung mit der Fachwerktheorie übertragen, und es treten
keine Druckspannungen rechtwinklig zur Faser auf. Bei der Verwendung von MKD
entstehen in den Fachwerkknoten keine exzentrischen Stabanschlüsse. Die Form des
Verbindungselements im Knoten entspricht der Form des Fachwerkknotens und jede
Stabkraft wird durch zwei Nagelgruppen, auf beiden Seiten der Stahlplatte
symmetrisch angeordnet, übertragen. Mit Ausnahme des Firstpunktes sind Ober-
und Untergurte normalerweise durchlaufend, solange die Einzellänge 23 m nicht
überschreitet. Somit sind mit den MKD nur die Gurtdifferenzkräfte und die
Querkräfte bei belasteten Gurten zu übertragen. Abweichend von den anderen
Knoten werden im Firstknoten die Obergurte auf Kontakt miteinander verbunden,
so da13 die Horizontalkomponenten der Obergurtkräfte über Pressung zwischen den
Holzquerschnitten übertragen werden.

Zur Herstellung von Fumierschichtholzfachwerken mit MKD-Verbindungen werden

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nach dem Zuschnitt die Stabteile in der vorgesehenen Fachwerkform ausgelegt und
arretiert. Dann werden die MKD an den Knoten in diese Stabteile eingepreßt, wobei
der Preßdruck über kammartige Stahlteile zwischen den Nägeln der Oberseite direkt
auf die Stahlplatte des MKD aufgebracht wird. Mit einer hydraulischen Presse wer-
den die MKD in die untenliegenden Stabteile eingepreßt. Die zweiten Stabhälften
werden auf die Nagelspitzen der MKD gelegt und nach unten gepreßt bis die Nägel
vollständig in diese zweite Stablage eingedrungen sind. Bei MKD mit den mini-
malen Nagelabständen nach Abb. 2 muß zum Einpressen der Nägel eine auf die
wirksame Anschlußfläche bezogene Druckspannung von etwa 7 N/mm2 erzeugt
werden.

Die MKD-Verbindungen der Furnierschichtholzfachwerke können im Bedarfsfall


auf zwei verschiedene Arten leicht gegen Brandbeanspruchung geschützt werden.
Entweder werden die Stahlplatten in die Holzstäbe eingelassen oder der Spalt
zwischen den Holzteilen wird mit einer Holzleiste verschlossen. Die Bemessungs-
werte der Tragfähigkeit müssen bei beiden Brandschutzmaßnahmen nicht abgemin-
dert werden, wenn im Normbrandfall keine höhere Widerstandsdauer als R60 (siehe
STEP C19) gefordert wird. Die Abbrandgeschwindigkeit von Kerto-Furnierschicht-
holz an der Balkenunterseite beträgt nach Angaben des Herstellers und nach dem
Prüfzeugnis einer Amtlichen Materialprüfanstalt in Deutschland 0,8 mdmin. Mit
dieser Abbrandgeschwindigkeit berechnet sich das Maß, um das End- und Randab-
stände zu vergrößern sind zu af = 12 mm für die Feuerwiderstandsdauer R30 und
zu af = 36 mm für R60 (siehe STEP C19). Die Stahlplatte einer brandgeschützten
MKD-Verbindung sollte vom Holzrand sowie die Nagelspitzen von der Oberfläche
des Furnierschichtholzes mindestens um das Maß a, entfernt sein.

Abb. 3 Fachwerkknoten mit MKD-Verbindung.

Die Tragfähigkeit der MKD-Verbindung


Die Nageltragfahigkeit der MKD-Verbindung kann nach der Johansen-Theorie fur
Holz-Stahl-Verbindungen (siehe STEP C3) berechnet werden, wobei die
Abschertragfähigkeit der aufgeschweißten Nägel nach den Gleichungen für dicke
Stahlbleche (Gleichungen 6 . 2 . 2 ~und 6.2.2d in EC5: Teil 1-1) zu ermitteln ist. Abb.
4 zeigt eine typische Fließgelenkanordnung und einen freigeschnittenen Nagel einer
MKD-Verbindung. Wegen der konischen Verdickung des Nagels am Übergang zur
Stahlplatte wird angenommen, daß sich das Fließgelenk, wie in Abb. 4 dargestellt,
an der Spitze des konischen Bereiches ausbilden wird. Bei kürzeren oder steiferen
Nägeln wird der Versagensmechanismus 2 maßgebend und es tritt nur das

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Fließgelenk an der Spitze des konischen Bereiches auf (siehe STEP C3). Bei einem
Nagel mit dem eben beschriebenen konischen Bereich hat das erste Fließgelenk von
der Fuge zwischen Holz und Stahlplatte einen mit lconbezeichneten Abstand und die
Nagelabschertragfähigkeit somit einen Zuwachs um den Betrag I„, d f,,,. Wird der
Axialkrafteinfluß wie in EC5 mit 10% angesetzt (siehe STEP C3), dann können die
Gleichungen des EC5 folgendermaßen modifiziert werden:

4My,d

R, = min fh,, (tl- 1con>2

Abb. 4 Tragverhalten eines Nagels in einer MKD- Verbindung und ein freigeschnit-
tener Nagel.

EC5: Teil 1-1: [Link] Die charakteristische Lochleibungsfestigkeit f,,,kann für den Nageldurchmesser d
und die charakteristische Rohdichte p, des Furnierschichtholzes mit der Gleichung
6.3.1.2a des EC5 berechnet werden. Diese Gleichung ist gültig für Holz, kann aber
nach Koponen u.a. (1992) auch fiir Kerto-Furnierschichtholz verwendet werden,
wobei nach STEP A9 480 kg/m3für die charakteristische Rohdichte einzusetzen ist.
Den Bemessungswert der Lochleibungsfestigkeit f,,, erhält man, wenn man für y,
= 1,3 und für km, den maßgebenden Wert für Sperrholz (siehe STEP A9) einsetzt.

Die Gleichungen für den charakteristischen Wert des Fließmomentes M,,,, für runde
und quadratische Nägel sind dem EC5 (Teil 1-1: [Link]~und d) zu entnehmen. Die
charakteristische Streckgrenzef,,, des Nagelmaterials wird zu 80% der Zugfestigkeit
f,,, = 600 ~ / m m angenommen.
~ Das nach den EC5-Gleichungen berechnete Fließ-
moment erfüllt die Bedingungen der Plastizitätstheorie, wenn der Nageldurchmesser
d = 8 mm beträgt, der dem maximalen Nageldurchmesser nach EC5 entspricht. Mit
dünneren Nägeln ist das Fließmoment nach EC5 größer als der (nach der
Plastizitätstheorie) berechnete Wert. Für Nägel mit d = 3,5 mm wird der berechnete
Wert My,, um 36% überschritten. Höhere Fließmomente fur Nägel mit besonderer
Form, Profilierung oder aus höherwertigem Material können nur genutzt werden,
wenn das Nagelfließmoment M,,, gemäß prEN409 in Versuchen verifiziert worden
ist (siehe STEP C4).

EC5: Teil 1-1: [Link](2) Die Mindestabstände der MKD-Nägel können auf der Grundlage der Regeln in EC5
für Stahlblech-Nagel-Verbindungen bei einer charakteristischen Rohdichte von 480
kg/m3festgelegt werden. Demnach ergeben sich für MKD-Verbindungen folgende
Mindestabstände:
a , = 10,5 d; a, = 4,9 d; U,,, = 20 d; U , , = 15 d; a, = 7 d.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Bei langen Nagelreihen in Zugkörpern kann es zum kombinierten Zug- und
Scherversagen im Fumierschichtholz kommen (siehe Abb. 5). Werden die
Mindestnagelabstände ausgefuhrt, dann sollte bei Zugverbindungen die Länge des
Nagelbildes in Kraftrichtung 220 mm nicht überschreiten sofern keine zusätzlichen
Tragfahigkeitsversuche durchgeführt werden. Größere Zugkräfte können ohne die
Gefahr eines Sprödbruches im Fumierschichtholz übertragen werden, wenn die
Nagelabstände vergrößert werden oder wenn zwei voneinander getrennte
Nagelbilder mit einem nagelfreien Bereich zwischen den Nagelgruppen der MKD-
Platte ausgeführt werden.

In Übereinstimmung mit EC5 kann davon ausgegangen werden, daß die Anzahl der
in Kraftrichtung hintereinanderliegenden Nägel die Tragfähigkeit der Nagelverbin-
dung nicht beeinflußt (siehe STEP C15). Die Versuche mit MKD-Verbindungen
haben gezeigt, da.ß diese Nagelanzahl ohne signifikanten Einfluß auf das
Tragverhalten eines Nagels bleibt, solange nicht durch eine große Nagelanzahl ein
kombiniertes Zug- und Scherversagen im Furnierschichtholz auftritt. Eine starke
Abminderung bei mehr als sechs in Kraftrichtung hintereinanderliegenden Nägeln
in der MKD-Verbindung muß nach der deutschen Zulassung vorgenommen werden,
so daß die Tragfähigkeit der zusätzlich zu den sechs angeordneten Nägeln um bis
zu 60% reduziert wird. Die wirksame Nagelanzahl rief berechnet sich demnach zu:

für 6 < n 5 15.

Abb. 5 Kombiniertes Zug- und Scherversagen eines MKD-Versuchskörpers aus Kerto-


Furnierschichtholz.

Zur Ermittlung der Tragfähigkeit eines MKD-Nagels nach Abb. 1 berechnet man das
Fließmoment My,,parallel zur längeren Seite des Nagelquerschnitts (4 mm) zu 7850
Nmm, wenn man die Erhöhung gegenüber dem theoretischen Wert nach EC5 für
eine Nagelabmessung d = 3,5 mm berücksichtigt. Die charakteristische
Lochleibungsfestigkeitf,,, ergibt sich nach EC5 für die Nagelabmessung d = 3 mm
rechtwinklig zur Kraft zu 28,3 ~ / m m ' .Die Länge des konischen Bereiches des
Nagels am ubergang zur Platte beträgt I„, = 4 mm und die Nagellänge t , = 50 mm.
Nach Gleichung ( I ) ergibt sich die charakteristische Tragfähigkeit R, eines Nagels
zu 2,11 kN und der Bemessungswert R, zu 1,53 kN für die Klasse "mittel" der
Lasteinwirkungsdauer und die Nutzungsklasse 1 oder 2. Versuche mit MKD-
Verbindungen, die solche Nägel enthielten und die Nagelabstände nach Abb. 2

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aufwiesen, ergaben eine mittlere Tragfähigkeit R, von 2,7 kN je Nagel und eine
charakteristische Tragfähigkeit R, von 2,4 kN, wobei Versuchsserien mit unter-
schiedlichen Längen und Breiten der Nagelbilder durchgeführt wurden. Im Ver-
gleich mit den EC5-Werten zeigt sich, daß die Gleichungen nach EC5 zur
Ermitthng der Tragfähigkeit von MKD-Verbindungen zwar anwendbar sind, aber
für den vorliegenden Nageltyp etwas konservative Werte liefern. Legt man die
Versuchsergebnisse einer Bemessung zugrunde, könnte die Nagelanzahl gegenüber
der Bemessung nach EC5 um 15% reduziert werden.

Berechnung von Fachwerken aus Furnierschichtholz und MKD-


Verbindungen
Das Berechnungsmodell für Fachwerke aus Furnierschichtholz und MKD-
Verbindungen ist sehr einfach, weil alle Stabanschlüsse zentrisch sind. Fiktive
Balkenelemente sind nur erforderlich, wenn exzentrische Auflagerungen vorliegen
sollten (siehe EC5: Teil 1-1: 5.4.1.I). Druck- und Zuganschlüsse weisen dieselbe
Steifigkeit auf, weil alle Kräfte über die MKD-Verbindungen übertragen und Holz-
Holz-Kontaktflächen vernachlässigt werden.

Der vereinfachte Nachweis nach EC5: Teil 1-1: [Link] ist im Normalfall möglich,
indem die Stabkräfte unter der Annahme idealer Gelenke in den Knoten und die
Biegemomente in den Gurten wie bei Durchlaufträgern mit Lagerung in den Knoten
ermittelt werden. Die Absenkung der Knoten und die Teileinspannung in den
Anschlüssen kann durch eine Abminderung der Stützmomente um 10% näherungs-
weise berücksichtigt werden. Die sich dadurch ergebende Erhöhung der Feldmo-
mente ist zu beachten.

Nach EC5: Teil 1-1: [Link] sind Fachwerkbinder als Rahmentragwerke zu


berechnen, wobei die Verformungen der Stäbe und Verbindungen, der Einfluß von
Auflagerausmittigkeiten sowie die Steifigkeit der Unterkonstruktion bei der
Ermittlung der Stabkräfte und -momente zu berücksichtigen sind. Bei der
Berechnung ist von den Elastizitätsmoduln für Kerto-Furnierschichtholz nach STEP
A9 und den unten definierten Verschiebungsmoduln auszugehen. Die Steifigkeit
fiktiver Balkenelemente sollte entsprechend der Steifigkeit benachbarter Elemente
angenommen werden. Verbindungen dürfen im allgemeinen als gelenkig angenom-
men werden. Die Momententragfähigkeit und Drehsteifigkeit von MKD-Verbin-
dungen in Gurtstößen und exzentrischen Anschlüssen sind jedoch bei der
Berechnung der Nagelgruppe einer MKD-Verbindung nach der Elastizitätstheorie
zu berücksichtigen.

Die Verschiebungen in MKD-Verbindungen können mit Hilfe des Verschiebungs-


moduls eines einzelnen MKD-Nagels ermittelt werden. Der Anfangsverschiebungs-
modul K„, pro Scherfuge und Verbindungsmittel unter Gebrauchslast ist in EC5:
Teil 1-1: 4.2 festgelegt. Danach ergibt sich der Verschiebungsmodul K„, des Nagels
für Kerto-Furnierschichtholz mit P, = 480 kg/m3 zu 420 d Or8 N/mm. Der Endver-
schiebungsmodul kann nach STEP A9 mit Hilfe des kde,-Faktors für Sperrholz
berechnet werden. Für MKD-Verbindungen ergibt sich der Anfangsverschiebungs-
modul Ku je Nagel im Grenzzustand der Tragfähigkeit zu:
Ku = 2KsCr1 3 (3)

und der Endverschiebungsmodu1 Kufinzu


Kufin= Ku 1 (1 + k',,,)

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Tragfähigkeitsnachweis für die Stäbe
Die Bemessung der Füllstäbe aus Furnierschichtholz erfolgt für die Kraft F, 1 2 und
den Bemessungswert der Festigkeit nach STEP A9. Die Gurte sind nach EC5 im
maßgebenden Querschnitt für die Bemessungswerte des Biegemoments M, I 2,
Längskraft F, I 2 und Querkraft V, I 2 zu bemessen. Bei Druckgliedern, die seitlich
ausweichen können, ist unbedingt zu beachten, daß die Stäbe aus zwei Einzelquer-
schnitten bestehen. Standarddicken von Kerto-Furnierschichtholz sind STEP A9 zu
entnehmen, und die Querschnittshöhe kann so gewahlt werden, daß das Material
voll ausgenutzt wird.

Für Druckstäbe aus Kerto-Furnierschichtholz wird vorgeschlagen, ß, = 0,l wie für


Brettschichtholz zu setzen. Für Druckdiagonalen oder -pfosten wird bei Knicken in
der Binderebene als Knicklänge der Abstand zwischen den Schwerpunkten der
Nagelbilder angenommen. Bei einem genaueren Nachweis (siehe STEP B7) könnte
man zusätzlich den Einfluß der Drehsteifigkeit in den nachgiebigen Stabanschlüssen
berücksichtigen.

Als Knicklänge der Druckgurte sollte für das Knicken in der Fachwerkebene im
allgemeinen der Abstand zwischen zwei benachbarten Wendepunkten der Knick-
biegelinie angenommen werden (EC5: Teil 1-1: [Link]). Beim vereinfachten Nach-
weis dürfen als wirksame Knicklängen der Obergurte die mit bestimmten Faktoren
(siehe EC5: Teil 1- 1: [Link](3)) multiplizierten Feldlängen angenommen werden.
In diesem Fall sollte bei der Bemessung von Druckstäben und von Verbindungen
die berechnete Normalkraft um 10% erhöht werden.

Bei Knicken aus der Binderebene kann als Knicklänge der Füllstäbe der Abstand
zwischen den Aussteifungen, die meist an den äußeren Rändern der Gurte (siehe
STEP B7) angebracht sind, angenommen werden. Die Bemessung der zweiteiligen
Druckstäbe als zwei Einzelstäbe für Knicken aus der Binderebene liegt auf der
sicheren Seite, weil die MKD-Verbindungen die Stabenden miteinander verbinden.
Sollte Knicken aus der Binderebene maßgebend werden und sollten zusätzliche
Abstützungen unerwünscht sein, kann man die Gurte auch als Rahmenstäbe
nachweisen, wobei aber normalerweise zusätzliche MKD-Verbindungen erforderlich
werden, damit die Einzelstäbe an den Enden und in den Drittelspunkten miteinander
verbunden sind (EC5: Teil 1- 1: Anhang C).

Tragfähigkeitsnachweis für die Verbindungen


Der Querschnitt der Stahlplatten ist nach der Stahlbaunorm für die maximalen Bean-
ECS: Teil 1-1: [Link] spruchungen aus den Füllstäben mit einem Sicherheitsbeiwert ,y = 1,l zu bemes-
sen. Die Plattenbreite in den Gurten ist für die Gurtdifferenzkraft in den einzelnen
Fachwerkknoten zu dimensionieren. Die Plattenteile für einen Fachwerkknoten wer-
den so zugeschnitten, daß jedes Teil konstante Breite aufweist und die Syrnrnetrie-
achsen mit denen der Fachwerkstäbe übereinstimmt. Diese Achsen schneiden sich
in den Knoten in einem Punkt auf der Achse des Gurtes. Somit ist die Tragfähigkeit
der Platte im Bereich zwischen Gurt und Füllstäben nicht maßgebend.

Die Nagelanzahl n in jeder Nagelgruppe für den Füllstabanschluß ist so zu wählen,


daß die halbe Stabkraft F, 1 2 übertragen werden kann, d.h. es muß gelten n >
F, 1 ( 2 R,). Auf jeder Plattenseite wird das gleiche Nagelbild ausgeführt. Die Nagel-
anzahl im Gurt ergibt sich aus dem Nachweis für die Übertragung der Gurt-
differenzkraft.

Für den Tragfahigkeitsnachweis von Gurtstößen oder exzentrischen Anschlüssen,


in denen Normalkräfte N„ Querkräfte V,, und Momente M , durch die MKD-

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E6/7


Verbindung zu übertragen sind, ist für jeden Nagel die folgende Bedingung

121I$![
einzuhalten:

S Rd oder + S 1

F 1x.d
. =
Nd - Md
+ y und F =
Vd
- +
Md
-xi
2n 2$ 2n - 24

mit
Rd ist der Bemessungswert der Tragfähigkeit eines runden oder
quadratischen Nagels
R„ und R , , sind die Bemessungswerte der Tragfähigkeit eines Nagels mit
Rechteckquerschnitt
n ist die Nagelanzahl je Seite
xl und yi sind die Abstände des Nagels i vom Schwerpunkt des Nagel-
bildes, wobei die x-Achse parallel zur Normalkraft Nd und die
y-Achse parallel zur Querkraft V, verläuft.

Einsatzmöglichkeiten von Fachwerken mit Furnierschichtholzstäben und


MKD-Verbindungen
Diese Verbindungen sind eine wirtschaftliche Alternative im Spannweitenbereich
von 18 m bis 50 m, bei Lasten von mehr als 10 kN/m oder Anforderungen an die
Feuerwiderstandsdauer (R30, R60). Die MKD-Verbindungen weisen eine so hohe
Tragfähigkeit und große Steifigkeit auf, daß sie bei der Bemessung der
Einzelbauteile oder bei der Gesamtdurchbiegung nicht maßgebend werden. Dadurch
kann das Fumierschichtholz mit seinen hohen Festigkeiten und großen Steifigkeiten
voll ausgenutzt werden, indem die Querschnittshöhe jedes Stabes entsprechend der
wirkenden Stabkraft optimiert wird.

Der am häufigsten verwendete Fachwerktyp aus Fumierschichtholz besteht aus Stab-


teilen mit 75 mm Dicke und MKD-Verbindungen mit Nägeln und Nagelabständen
nach Abb. 1 und 2. Die Gesamtbreite des Fachwerkbinders ergibt sich somit bei 10
mm dicken Stahlplatten zu 160 mm. Die typischen Spannweiten liegen zwischen 20
m und 40 m bei Binderabständen zwischen 4,8 m und 7,2 m. Dachbinder mit
Längen über 23 m werden normalerweise in zwei Teilen hergestellt, die auf der
Baustelle durch Gurtstöße nach Abb. 6 verbunden werden. Zwei Beispiele für
Montageanschlüsse zwischen Fachwerk und Stütze zeigt Abb.7.

Abb. 6 Montagestöße mit MKD-Verbindungen jür Furnierschichtholzgurte; (U)


geschweißt, (b) mit Bolzen.

STEPJEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


-.J -

Abb. 7 Beispiele für Montageanschlüsse zwischen Fachwerk und Stütze.

Literatur
Kalliomaki, J., Hirsi, H. und Kanerva, P. (1986). Kerto-Laminated Veneer Lumber Tniss. Report 14.
Helsinki University of Technology. Laboratory of Structural Engineering and Building Physics. Espoo,
Finnland.

Koponen, S. und Kanerva, P. (1992). Summary of European Kerto-LVL tests with mechanical
fasteners. Report 29. Helsinki University of Technology. Laboratory of Structural Engineering and
Building Physics. Espoo, Finnland.

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Fachwerkbinder aus Brettschicht-
holz und Vollholz
STEP ~7 Inhalt
G. Steck Der generelle Aufbau von Fachwerken als häufige Konstruktionsart im Holzbau
Fachhochschule München wird kurz erläutert. Sichwortartig werden die zahlreichen Konstruktions-
Überlegungen und die Arbeitsschritte bei der Tragwerksberechnung vorgestellt.
Anhand zweier Beispiele wird die Berechnung und Konstruktion von Fachwerk-
bindem aus Brettschichtholz und Vollholz behandelt, wobei auf die Regelungen im
Abschnitt 5.4.1 des EC5 eingegangen wird.

Einleitung
Fachwerke sind im Holzbau eine weit verbreitete Konstruktionsart, die den
Möglichkeiten des Baustoffes Holz und den Vorteilen mechanischer Verbindungen
entgegenkommt. Vor allem im Hallenbau kommen Fachwerke als freigespannte
Binder, Rahmenkonstruktionen und als Dach- sowie Wandverbände zur Anwen-
dung.

Bei freigespannten Fachwerkbindern wird der auf Druck und bei Lasteintragung
zwischen den Knoten auch auf Biegung beanspruchte Obergurt der Dachform
angepaßt. Der Verlauf des auf Zug beanspruchten Untergurtes richtet sich nach der
lichten Raurnhöhe, einer eventuellen Unterdecke und der erforderlichen Konstruk-
tionshöhe des Binders. Die Füllstäbe (Diagonalen und Pfosten) werden so
angeordnet, daß ein Dreiecksnetz entsteht. Um die Knotenanzahl und damit die
Herstellkosten gering zu halten, sollte man weitmaschige Fachwerksysteme bevor-
zugen. Neben den sehr gebräuchlichen Dreieck- und Trapezformen sowie den
Parallelbindem sind eine Vielzahl von Sonderformen bei Fachwerkbindern möglich.
Eine Auswahl solcher Binderformen ist im Beitrag STEP B12 wiedergegeben, in
dem auch auf die Möglichkeiten und Notwendigkeiten von räumlichen Fachwerksy-
stemen eingegangen wird. Eine Reihe von Konstruktionsüberlegungen bildet die
Grundlage für die Wahl des geeigneten Systems, Stabmaterials und des Verbin-
dungsmittels in den Fachwerkknoten. Daran schließt sich die Berechnung des
Tragwerks, die konstruktive Ausbildung der Knoten und die Nachweise der Stäbe
an. Die sorgfaltige Umsetzung der Berechnungsergebnisse in vollständige und über-
sichtliche Konstruktions- und Werkstattzeichnungen stellt den letzten aber sehr
wichtigen Arbeitsschritt dar, um einwandfreie Herstellung und Montage eines Fach-
werkbinders zu ermöglichen.

Konstruktionsüberlegungen
In Abhängigkeit von der Funktion des Gebäudes sind zunächst die Punkte
- Grundriß
- Höhenentwicklung
- Wärme- und Feuchteschutz
- Brandschutz
- Belichtung
- Offnungen
- Dachentwässerung
- Einbauten
zu klären.

STEPlEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Für die richtige Wahl der geeigneten Binderform müssen die Festlegungen über
- Mindestlichtraumprofil
- Dachneigung
- Traufl~öhe/Firsthöhe
- Stützweite
- Binderabstand
- Lasten auf die Dachkonstruktion
bekannt sein.

Fachwerkbinder mit Stützweiten bis etwa 30 m können mit Vollholzstäben herge-


stellt werden. Für Systeme mit großen Spannweiten oder Tragwerke, deren
Holzoberflächen rissefrei bleiben sollen, sind Stäbe aus Brettschichtholz, Furnier-
schichtholz (siehe STEP E6) oder Parallam (siehe STEP A9) zu verwenden.

Fachwerkbinder bieten die Möglichkeit, die Konstruktionshöhe und auch


Querschnitt sowie Materialqualität der Stäbe dem Biegemoment anzupassen.
Installationen und Einbauten können im Gegensatz zu Vollwandbindem problemlos
quer zur Fachwerkbinderebene angeordnet werden. Die Verbindungsmittelwahl
(siehe auch STEP D1 und D2) richtet sich nach der Größe der Kräfte und
Anschlußflächen, aber auch danach, ob Stahlteile und Verbindungsmittel aus
gestalterischen oder Brandschutzgründen nicht sichtbar sein sollen.

Verbindungen, die mit hohem Maschinenanteil industriell gefertigt werden können,


sollten gegenüber handwerklichen Verbindungen mit hohen Lohnkosten bevorzugt
werden. Auch Fragen des Transports und der Montage der Fachwerkbinder (siehe
STEP D7) sind bei den Konstruktionsüberlegungen frühzeitig zu klären, da sie die
Anordnung und Lage von Gurtstößen beeinflussen.

Tragwerksberechnung
Zur Vorbereitung der Tragwerksberechnung ist die Systemzeichnung mit Achs-
maßen, Systemlinienlängen, Knoten- und Stabnummern, Gurtstößen und Auflagerbe-
EC5: Teil 1-1: 5.4.1 dingungen erforderlich. Nach EC5 wird bei der Berechnung zwischen einem
vereinfachten und einem ausführlichen Nachweis unterschieden (siehe auch STEP
B12).

Vereinfachter Nachweis
- Ermittlung der Stabnormallcräfte anhand eines Fachwerkmodells mit
gelenkigen Verbindungen,
- Bemessung der Stäbe und Verbindungen,
- Berechnung der Durchbiegung
- mit Berücksichtigung der elastischen Längenänderungen der Stäbe und
der Verschiebungssteifigkeiten der Anschlüsse oder
- nur mit Berücksichtigung der elastischen Längenänderung der Stäbe.
In diesem Fall ist es ratsam, die in EC5 empfohlenen Grenzwerte der
Durchbiegung zu halbieren.

Ausführlicher Nachweis
- Vorberechnung des Fachwerkbinders als Rahmentragwerk mit geschätzten
Stabquerschnitten und eventuell auch geschätzten Verschiebungssteifigkeiten
- Bemessung der Stäbe und Verbindungen,
- Verbesserte Berechnung der Schnittgrößen und eventuelle Korrektur von
Querschnitten und Verbindungsmittelanzafil,
- Berechnung der Durchbiegung.

STEP/EUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Beispiel eines Fachwerkbinders aus Vollholz
Werden keine rißfreien Holzobefflächen gefordert oder ist die Konstruktion nicht
sichtbar, dann sind bei mittleren Stützweiten bis etwa 30 m Fachwerkbinder aus
Vollholzstäben durchaus üblich.

0 200 X 260 C24


@ 200 X 200 C24 detail "B,, 4 @ type C1 1, dc = 80 mm
@ 2060x 140 C24

Abb. 1 Unterspannter Träger aus Vollholz.

Für den unterspannten Träger nach Abb. 1 ist der ausführliche Nachweis zu fiihren,
EC5: Teil 1-1: [Link](1) da die Bedingung H > 10 h„,,„ nicht eingehalten ist, da H = 1200 m m und
10 h„„ = 2600 mm.

Abb. 2 Detail "A".

Abb. 3 Detail 'B".

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Nach Einsetzen in Gleichung ( 1 ) ergibt sich
X = 22600 N
N d = 22,6 kN
M,,, = 3,6 kNm
D3,, = 22,6 / ( 2 sin a) = 30,4 kN
NI, = 22,6 I ( 2 tan a) = 28,3 kN

Werden in die geometrische Bedingung Kse, E„„, und E„,„, eingesetzt, ergeben
sich die Schnittgrößen zu:
X = 18700 N
N d = 18,7 kN
M,,, = 9,45 kNm
D3,d = 25,2 kN
N d = 23,4 kN

Der Vergleich der Ergebnisse macht den maßgeblichen Einfluß der Biegesteifigkeit
des Balkens deutlich.

Nachweise
Diagonale D, (Stab 3 in Abb.1)
An = 2 ~ 6 0 140
. - 120 . 2 1 - 2 - 5 5 0 = 1 3 2 0 0 m m 2

STEP B6 Balken (Stab I in Abb.1)

Durchbiegung in Balkenmitte infolge der Einzellast F, = F, 1 1,35 zu Beginn des


Belastungszeitraumes:

Gesamte Enddurchbiegung:

Anschlüsse: siehe STEP C l 0

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Beispiel eines Fachwerkbinders aus Brettschichtholz
Fachwerkstäbe mit größeren Querschnitten werden aus Brettschichtholz statt aus
Vollholz hergestellt. Es bietet sich an, alle Stäbe einteilig auszuführen,
ausgenommen bei sehr großen Stützweiten und hoch belasteten Bindern. Zur
Übertragung der großen Stabkräfte werden als Verbindungsmittel häufig Stabdübel
und als notwendiges Verbindungselement Schlitzbleche verwendet.

Trapezbinder f i r ein Hallendach, Nutzungsklasse I .


siehe auch NAD Stäbe: Brettschichtholz GL32h
Verbindungen: mittiges Schlitzblech t = 8 mm + Stabdübel 0 16 mm
Windlasten bleiben unberücksichtigt.
Der Obergurt wird im Abstand von 3,8 m durch einen Aussteifungsverband seitlich
gehalten.

Abb. 4 Systemskizze des Fachwerkbinders.

Charakteristische Einwirkungen
ständige Lasten
aus Dachhaut + Pfetten + Verbände 2,O kN/m
aus Eigenlast Fachwerk: (0,15 + (22,5 - 15) / 200) . 5,O = 1,O kN/m

Aufteilung: Obergurt: 2,O + 0,5 = G„,, = 2,5 kN/m


Untergurt: = Gboit,k = 0,5 kN/m

Schneelast (kurz) Qrr1p.k = 5,O kN/m

Lastfälle

Charakteristische Bemessungswerte der Einwirkungen


Einwirkungen für die Nachweise der
Gebrauchs- Tragfähigkeit
tauglichkeit im Lastfall
G, Qk 1,OGk l?OQ, 1) 2) 3)
Obergurt 2,5 5,O 2,5 5,O 3,38 10,90 links:'/, 12
rechts:3,38
Untergurt 0.5 0,5 0,68 0,68 0,68

Tabelle 1 Charakteristische Einwirkungen und Bemessungswerte der Einwirkungen in


kN/m.

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Material
siehe auch NAD prEN 1194: GL32h für alle Stäbe
fmjg,k = 3 2 8 N/mm2 J,o,g,k = 22,0 ~ / m m ' ft.90.g,k = 0,45 ~ / m m '
fc.0.g.k = 3095 N/mm2 f c , 9 0 , ~ . i = 6,O N/mm2 f~.g,k = 2,9 N/mm2
Eo,g,„„ = 13300 N/mm2 E90,g,„„ = 440 N/mm2 G , = 830 ~ / t r t m ~
E o g O = 10600 N h m 2 9 0 , g , 0 5 = 350 N/mm2) (Go = 660 N/mm2)
pg,, = 430 kg/m3

Schlitzbleche t = 8 mm Fe 360 nach EN 10 025


Nennwert der Streckgrenze f , = 235 N/mm2
Nennwert der Ziigfestigkeit f, = 360 N/mmz
E = 210 000 N/mm2
Stabdübel (3 16 mm Fe 360 nach EN 10 025; bündig mit Holzoberfiäche

Vereinfachter Nachweis
Bedingungen
- äußere Winkel zwischen zwei Randstäben beträgt stets 2 180";
- ein Teil der Auflagerfläche liegt unterhalb des Auflagerknotenpunktes;
- Höhe des Fachwerkbinders H = 3,O m > 10 hGU„ + gewählt hGU,C 300 mm
- H=3,0m=0,1331=15%vonl.

Abb. 5 Statisches Systemfur den vereinfachten Nachweis.

Gebrauchstauglich- Tragfähigkeitsnachweis
keitsnachweis im Lastfall

am Oberguri F,,, = 5,6 11,3 7,6 24,5 links: 16,O


rechts: 7,6
am Untergurt F,,g 2,3 3,1 3,l 3,l

Tabelle 2 Bemessungswerte der Knotenlasten.

Die Stabkraftberechnung erfolgt mit Hilfe eines Stabwerkprograrnrnes.

Nachweis Obergurt:
Maßgebend ist Lastfall 2 (g + s) : km", = 0,9

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Nd = 284 kN (Druck)

M, I 10990 . 2,252 = 6,9 k~~


8
gewählt 200 X 200 mm GL 32h
A = 4 0 - lo3mm2 W, = 1,33 - 106mm3

"=
2285
0,289 - 200
= 40; = h
3810
0,289 . 200
= 66 +kC.L = 0,718
-
fc,O.d - 079 . 3075 = 21,l Nlmm '
- 079 ' 3270 = 22,l NImm 2
1,3 frn,',,
-
1,3
- 284 ' lo3 = 7,l NImm'
'c,~.d -
679 \.° 1 5,2 N h m 2
40 - 103 '"ae 1,33 . 106
7,l + - 532 = 0,469 + 0,235 = 0,70 < 1
0,718 . 21,l 22,l

Nachweis Untergurt:
Maßgebend ist Lastfall 2 (g + s): km, = 0,9
Nd = 270 kN (Zug)
gewählt 0200 X 160 mm GL 32
A = 32 . 103 mm2
A, = 32 . 103 - 10. 160 - 2- 16 (200-10) = 24,3 - 103 mm2
079 . 2270 = 15,2 NImm 2
ft.0.d =
1,3

Bemessungswert der Tragfähigkeit eines Stabdübels:

R, = 32,5 kN für a = 0"

Abb. 6 Stabdübelanschluß.

Berechnung der Stabdübelanzahl n je Anschluß:

n,@= N, 1 R, für die Anschlüsse der Füllstäbe an die Schlitzbleche.

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Beim Anschluß zwischen Schlitzblech und Gurt ist die Resultierende aus
Knotenlast und Gurtdifferenzkraft maßgebend und somit der Winkel zwischen
resultierender Kraft und Faserrichtung des Gurtes zu berücksichtigen.

Berechnung der Durchbiegung unter Berücksichtigung der Nachgiebigkeiten z. B.


mit Hilfe ideeller Querschnitte:

mit
Erneun = 13300 ~ / m m ~ K„, = 14300 N/mm je Stabdübel
Ai ist die Querschnittsfläche des Stabes i
li ist die Länge des Stabes i
na,o n,i ist die Anzahl der Stabdübel an den Stabenden.

'2,inst = 24,6 mm = 1 / 926 < 1 1300


'1 ,ins, = 14,s mm
Uo = 40 mm (gewählt)
'2,fin = 24,6 (1 + 0) = 24,6 mm
Uipn = 14,s (1 + 0,6) = 23,7 mm
'net,jin = 23,7 + 24,6 - 40 = 8,3 mm = 11 271 1 < 11 200

Ausführlicher Nachweis
Berechnung des Fachwerkbinders als Rahmentragwerk mit einem Rechenpro-
gramm für ebene Rahmen nach Theorie I. Ordnung.

Abb. 7 System.

Vorläufige Berechnung der Schnittgrößen für den Tragfähigkeitsnachweis


- Untergurt durchlaufend,
- Obergurt je Binderhälfte durchlaufend,
- Fiillstäbe gelenkig angeschlossen,
- Tragfähigkeitsnachweis für Lastfall g + s,
- Elastizitätsmodul der Stäbe : E,,Eos= 10600 N/mmz.

Endgültige Berechnung der Schnittgrößen für den Tragfahigkeitsnachweis


- Bedingungen wie bei vorläufiger Berechnung,
- Verschiebungsteifigkeiten durch ideelle Stabquerschnitte A* berücksichtigt
mit Ku = 2 K,7er/ 3,
- K„, = 14300 N/mm,

- Verschiebungen in den ~ n o t e n5, 7, 19, 20 infolge der Gurtdifferenzkräfte


werden vernachlässigt.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E719


Stab Schnitt- Vereinfachter Ausführlicher ~usführlicher
Nr. größe Nachweis Nachweis ohne Nachweis mit
Berücksichtigung Berücksichtigung
von Ku der Knoten von Ku der Knoten

9d
Md = 6,9 kNrn 3,6 kNrn 5,7 kNrn
8

,
gd,bn» '9 =
- 1,7 kNm
Md 1,22 kNrn 1,50 kNrn
8

Tabelle 3 Schnittgroyenvergleich fur den Lastfall g + s.


Vorläufige Berechnung der Durchbiegungen
- Untergurt durchlaufend,
- Obergurt je Binderhälfte durchlaufend,
- Füllstäbe gelenkig angeschlossen,
- Lastfälle g und s,
- EO,[Link] -
- 13300 ~/mrn'.

Abb. 8 Systemver$omung im Lastfall s (Vorläufige Berechnung).

Endgültige Berechnung der Durchbiegungen


- Bedingungen wie 1. Berechnung,
- Verschiebungssteifigkeiten durch ideelle Stabquerschnitte A* berücksichtigt
mit K„, = 14300 N/mm,

- Verschiebungen in den Knoten 5, 7, 19, 20 infolge Gurtdifferenzkräfte


werden vernachlässigt.

Durchbiegung ohne Berücksichtigung der Verschiebungssteifigkeiten (vorläufige


Berechnung):

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Abb. 9 Systemverfomung im L a s ~ a l ls (Endgültige Berechnung).

Durchbiegungen mit Berücksichtigung der Verschiebungssteifigkeiten (Endgültige


Berechnung):
U,,,,„ = 24,l mm C 1 / 300
u , , ~ , , ~ ~= 14,5 mm

U„,
= 24,1 (1 + 0) = 24,lmm
U,$,, = 14,5 (1 + 0,6) = 23,2 mm
U, = 40 mm (gewählt)
U„„, = 23,2 + 24,l - 40 = 7,3 mm = 1 / 3082 < 1 / 200

Ein Beispiel der konstruktiven Ausbildung der Fachwerkknoten zeigt die Abb. 10.

Abb. 10

Vereinfachter Nachweis Ausführlicher Nachweis Ausführlicher Nachweis


mit Berücksichtigung ohne Berücksichtigung mit Berücksichtigung
der Nachgiebigkeit der Nachgiebigkeit der Nachgiebigkeit
der Anschlüsse der Anschlüsse der Anschlüsse
I , inst u~,insr '[Link] ul,inst '2,insr [Link] u~,inst 'net,fin

14,8 24,6 8,3 8,8 14,6 143 24,l 7,3

Tabelle 4 Vergleich der Durchbiegungen des Untergurts in Bindermitte. Durchbie-


gungswerte in mm; gewählte Überhöhung U , = 40 mm.

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Zusammenfassung bezüglich des Fachwerkbinders aus Brettschichtholz
- Die Berechnung der Schnittgrößen nach dem vereinfachten Verfahren ergibt
ausreichend genaue Ergebnisse (siehe Tabelle 3).

- Die Biegemomentenverteilung im Obergurt wird durch die "Stützensenkung"


infolge der Nachgiebigkeit in den Knoten stark beeinflußt.

- Bei der Durchbiegungsberechnung ist die Nachgiebigkeit der Anschlüsse zu


benicksichtigen (siehe Tabelle 4). Andernfalls ist es ratsam, die in EC5
empfohlenen Grenzwerte der Durchbiegung zu halbieren.

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Gerüste und Schalungen

STEP E8 Inhalt
Englischer Originalbeitrag: Der Beitrag gibt eine kurze Einführung in die Anwendungsbereiche, die Geschichte
P. Aune und die Entwicklung der temporären Konstruktionen Gerüste und Schalungen. Die
University of Trondheim Anforderungen, statischen Systeme, Lasten und speziellen Details bei Gerüsten
werden in knapper Form behandelt und eine Schalung, bei der eine vor kurzem
entwickelte Nagelplatte verwendet wurde, wird vorgestellt. Abschließend wird auf
den kombinierten Einsatz von Stahl und Holz bei einer schwerbelasteten Schalung
für eine Brücke eingegangen.

Einleitung
In vielen Fällen wird während der Errichtung oder Demontage eines Bauwerks ein
Traggerüst benötigt. Arbeitsgerüste sind erforderlich für das Emchten, Sanieren,
Streichen oder Reinigen von Gebäuden. Obwohl Gerüste und Schalungen nur
temporäre Bauten sind, hat man sie mit der gleichen Sorgfalt und nach den
gleichen Regeln zu bemessen und auszuführen wie Dauerbauten. Ein Einsturz kann
den Verlust von Menschenleben oder schwere Verletzungen zur Folge haben und
verursacht auch wirtschaftliche Verluste. In vielen Ländern hat man Richtlinien
oder Normen geschaffen, um insbesondere die Gefährdung von Menschenlebeil zu
minimieren.

In Asien ist die Verwendung von Bambus für Gerüste üblich und auch in Europa
wurden früher Gerüste und Schalungen fast ausnahmslos auf der Baustelle aus Holz
hergestellt. Einige dieser früheren Konstruktionen waren sehr große und
eindrucksvolle Bauten mit komplexer statischer Struktur. Zu ihrer Realisierung
waren ohne Zweifel konstruktives Können, Materialkenntnisse und eine
Bauausführung von hoher Qualität erforderlich. Abb. 1 zeigt das Schalungsgerüst
für die Svinesund-Straßenbrücke (erbaut 1938 bis 1942), eine Bogenbrücke an der
Grenze zwischen Schweden und dem südöstlichen Norwegen.

Abb. 1 Schalungsgerüst der Svinesund-Brücke (Aune, 1994).

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


In den letzten Jahrzehnten sind jedoch eine große Zahl vielseitig verwendbarer
Gerüstelemente und -Systeme auf den Markt gekommen. Die Einzelteile bestehen
meist aus Stahlrohren und Aluminiumprofilen, haben geringes Gewicht, sind
anpassungsfähig und weisen einfache Verbindungen auf. Ein weiterer entscheiden-
der Vorteil dieser Systeme liegt in der Wiederverwendbarkeit. Dennoch werden
auch heute noch zahlreiche Gerüste und Schalungen aus Holz gebaut.

Der EC5 enthält keine Angaben über Gerüste und Schalungen. Im folgenden
werden allgemeine Konstruktionsgrundsätze behandelt, und es wird auf nationale
Regelungen und Vorgehensweisen in einigen europäischen Ländern eingegangen.

Gerüste
Norwegen als Beispiel hat sehr detaillierte Gerüstvorschriften, die von der
nationalen Kommission für Arbeit herausgegeben wurden. Diese Vorschriften sind
zu beachten wie jede andere Spezifikation. Der Hauptzweck, der besonders betont
wird, ist die Arbeitssicherheit und die Sicherheit von Personen ganz allgemein.
Diese Zwecke werden erreicht durch Anforderungen sowohl an einzelne Details als
auch an die Tragfähigkeit der gesamten Konstruktion.

Für Gerüste muß festigkeitssortiertes Bauholz ohne Anstriche verwendet werden.


Wird das Holz mehrfach eingesetzt, ist es nach jedem Einsatz auf Beschädigungen
hin zu überprüfen. An die Qualifikation des Tragwerksplaners und der anderen am
Bau Beteiligten werden in EC5 Anforderungen gestellt, die auch im Bereich des
Gerüstbaus erfüllt werden müssen. Der Unternehmer ist dafür verantwortlich, daß
vor der Nutzung des Gerüstes eine Abnahme und Endkontrolle erfolgt. Es ist
wichtig, daß im einzelnen Angaben über den Unternehmer, Tragwerksplaner und
die Bemessungslasten gemacht werden.

Abb. 2 Gerüstkonstruktion (Bezeichnungen nach CEN, 1988).


( I ) Belag, (2) Geländerholm, (3) Querriegel, (4) Längsriegel, (5)Ständer, (6)
Horizontalverstrebung, (7) Längsverstrebung, ( 8 ) Querverstrebung, ( 9 )
Wandanker, (10) Bordbrett, (11) Überbrückungsträger, (12) FuJplatte, (13)
Verankerung in der Wand.

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Lasten
Langjährige Erfahrungen bilden die Grundlage für die gegenwärtige Einteilung der
Gerüste in sechs Lastklassen mit über die Belagfläche gleichmäßig verteilten
Verkehrslasten zwischen 0,75 und 6,O kN/m2 (CEN, 1988). Zusätzlich sind zwei
Einzellasten anzunehmen, die eine über eine bestimmte Fläche verteilte Last infolge
Baumaterial 0.ä. sowie das Gewicht einer Person repräsentieren. Diese Einzellasten
sind in ungünstigster Stellung anzunehmen. Weiterhin sind auch die Windlasten
nach den nationalen Regelungen für Lastannahmen zu berücksichtigen.

Tragsystem und Aussteifungen


Die Lasten auf der Belagfläche werden gemäß Abb. 3a an die Längsriegel abgege-
ben und von diesen in die Querriegel und schließlich in die Ständer weitergeleitet.
Bei der Ausführung nach Abb. 3b werden die Lasten direkt in die Querriegel und
dann in die Ständer eingetragen. Die Verbindungen sind dem Kraftverlauf
entsprechend zu dimensionieren. Die Horizontalaussteifung hat die Aufgabe, die
rechteckige Form des Gerüstes in der horizontalen Ebene zu gewährleisten. Die
Längs- und Querverstrebungen dienen der Aussteifung in den vertikalen Ebenen in
Längs- und Querrichtung. Mit Verankerungen wird das Gerüst an der Wand
befestigt.

Abb. 3 Verschiedene Möglichkeiten der Lastabtragung (Arbeidstilsynet, 1989j.

Details
Die Tragfähigkeit des Geländerholms ist für eine Einzellast (vertikal oder
horizontal) nachzuweisen. Der Nachweis der Gebrauchstauglichkeit erfolgt in ähn-
licher Weise aber mit geringeren Lasten.

Bei manchen Gerüsten wird der Belag seitlich durch Bordbretter abgeschlossen. Die
Ständer sollten möglichst in der gleichen Länge ausgeführt werden. Eventuell
notwendige Stöße sind als Stumpfstöße mit langen Laschen an zwei oder vier
Seiten auszubilden. Der Zugang zu den Gerüstlagen muß gefahrlos und bequem,
am besten über eine Treppe mit Handlauf, möglich sein. Lange Treppen sind durch
Treppenpodeste zu unterbrechen.

Schalungen
Auch bei der Verwendung verschiedener flexibler Schalungssysteme kann der
Einsatz von Holz in manchen Fällen Vorteile bringen. Abb. 4 zeigt als Beispiel
eine schwerbelastete Konstruktion für eine Brücke (Holzbau-Taschenbuch, Band 1,
1986). Die horizontalen Tragelemente sind Stahlträger oder Gitterträger, während
die Gerüsttürme als Holzkonstruktion ausgebildet sind. Bei solchen Konstruktionen
kann auf ein kontrolliertes Absenken der Schalung nicht verzichtet werden. Bei der
Bemessung und Konstniktion derartiger Schalungsgerüste ist vor allem auf die

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E813


Grenzzustände Knicken, Kippen und auf die Gesamtstabilität zu achten. Bei den
Details kann oft die Spannung rechtwinklig zur Faser des Holzes maßgebend
werden.

Abb. 4 Schwerbelastetes Schalungsgerüst für eine Brücke. ( U ) Stahlträger, ( b )


Gitterträger, ( C ) Gerüstturm aus Holz, ( d ) Gerüstspindeln.

Abb. 5 zeigt einen Teil der Schalung, die für den Bau der Condeep-Meeresplatt-
form Troll in der Nordsee zum Einsatz kam. Der untere Teil der Plattform besteht
aus mehreren Kreiszylindern, die von sphärischen Kuppeln mit einem Durchmesser
von 32 m gehalten werden. Das Schalungsgerüst setzt sich aus 144 geknimmten
Nagelplattenbindem zusammen, die radial angeordnet sind und an einem Druckring
in der Kuppelmitte aufgelagert sind. Die gesamte Konstruktion wurde vorgefertigt
und mittels mehrerer Kräne versetzt. Der Montagevorgang erzeugte völlig andere
Belastungen als die Eigenlast des Betons mit einer Dicke von 0,5 bis 0,7 m bei den
Standardfällen und mit einer Dicke bis zu 4,5 m in Sonderfällen. Diese recht
komplizierte und neuentwickelte Nagelplattenkonstruktion wurde unter Verwendung
von Computerprogrammen berechnet und konstruiert (Ringstad, 1993).

Abb. 5 Ausschnitt aus einer kuppelförmigen Schalung mit Nugelplutten-


bindern.

Zusammenfassung
- Auch als temporäre Bauten sollten Gerüste und Schalungen nach den Regeln
des EC5 bemessen werden.
- Einstürze von temporären Bauten haben häufig ihre Ursache in nicht
ausreichender Gesamtstabilität durch fehlende horizontale und vertikale
Aussteifungen.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


- Auf die Arbeitssicherheit ist ein besonderes Augenmerk zu legen.

Literatur
Arbeidstilsynet (1989). Trestillas - timber scaffolding (in norwegischer Sprache) Oslo, Norwegen.

Aune. P (1994). Timber Structure. Examples (in norwegischer Sprache) Tapir Publisher, Trondheim.

CEN (1988). Service and working scaffoids made of prefabricated elements. Materials dimensions
design loads and safety requirements. Harmonization Dokument HD1000, Brussels.

Holzbau-Taschenbuch Band 1 (1986). 8. Auflage, Verlag Ernst und Sohn, Berlin. p. 537-637.

Ringstad, H (1993). Trekonstruksjoner som forskaling p i TROLL-plattformen (in norwegischer


Sprache), Byggeindustrien no. 1, 1993 p. 60 - 61.

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Ebene Rahmen und Bögen

STEP ~9 Inhalt
Englischer Originalbeitrag: Dieser Beitrag beschreibt den Anwendungsbereich von Rahmen und Bogentrag-
L. Mortensen werken und gibt Hinweise für ihren Entwurf. Der Einfluß des statischen Systems
Aalborg University und der Geometrie des Tragwerks auf die Momentenverteilung wird diskutiert.
Schließlich wird anhand eines Beispiels die Bemessung eines Dreigelenkrahmens
mit gekrümmten Rahmenecken dargestellt.

Einleitung
Ebene Rahmen und Bögen stellen eine häufig verwendete Tragwerksform im Holz-
bau dar. Sporthallen, Versarnrnlungsstätten, Flugzeughangars, Hallen für Industrie
und Landwirtschaft und selbst Wohngebäude werden mit diesen Tragwerken
errichtet. Neben dieser Vielfalt verschiedener Anwendungen decken Rahmen und
Bögen auch einen großen Spannweitenbereich ab. Spannweiten von wenigen Metern
bis zu über 100 m sind wirtschaftlich mit dieser Tragwerksform möglich. Übliche
Spannweiten für Rahmen reichen bis zu etwa 50 m, Bögen erreichen Spannweiten
von mehr als 100 m. Es werden Rechteckquerschnitte aus Brettschichtholz, zusam-
mengesetzte Querschnitte aus Vollholz- oder Brettschichtholzteilquerschnitten 1-
Träger oder Kastenträger mit Gurten aus Vollholz oder Brettschichtholz und Stegen
aus Holzwerkstoffplatten eingesetzt. Für größere Spannweiten können Rahmen- oder
Bogenteile aus Fachwerkträgem aufgebaut werden.

Statische Systeme
In der Regel werden Rahmen und Bögen entweder als Zwei- oder Dreigelenkstab-
zug konstruiert. Tragwerke mit Einspannungen an den Auflagern werden kaum
ausgeführt, da die Montage schwieriger ist und die Fundamente die Einspannmo-
mente aufnehmen müssen.

Das gebräuchlichste System ist der statisch bestimmte Dreigelenkstabzug mit


Gelenken an den Auflagern und im First. Tm Vergleich mit dem Zweigelenkstabzug,
der eine günstigere Momentenverteilung aufweist, wird für den Dreigelenkstabzug
mehr Holz benötigt und die Verformungen werden größer. Diese Nachteile des
Dreigelenksystems werden mehr als aufgewogen durch die Tatsache, daß die
Schnittgrößenverteilung im statisch bestimmten Dreigelenkrahmen unabhängig von
eventuellen Auflagerverschiebungen ist. Darüberhinaus wirken sich Verformungen
aus Feuchteänderungen ebenfalls nicht auf die Schnittgrößenverteilung aus. First-
verbindungen in Dreigelenkrahmen sind nur für Querkräfte und Normalkräfte zu
bemessen und daher preiswerter, während die entsprechenden Stöße in Zweigelenk-
rahmen auch für Momentenbeanspruchung auszulegen sind.

Entwurf von Rahmentragwerken


Beispiele für Rahmen aus Brettschichtholz sind in Abb. 1 dargestellt. Die Rahmen
weisen entweder gekrümmte Bereiche im Ubergang Stiel-Riegel auf (Abb. l a und
lb), oder es werden gerade Bauteile für Stiele und Riegel verwendet, die in der
Rahmenecke entweder durch eine Leimverbindung oder eine Verbindung mit
mechanischen Verbindungsmitteln gestoßen sind (Abb. l c und ld).

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Der in Abb. l a und l b dargestellte Dreigelenkrahmen aus Brettschichtholz ist
wegen seiner Wirtschaftlichkeit und seiner ästhetischen Qualitäten, die zu einer
ansprechenden Innenraumgestaltung beitragen können, eine weit verbreitete Lösung.
Die Dacheindeckung kann dem Verlauf des Rahmens angepaßt sein; durch ange-
setzte Bauteile kann jedoch auch die übliche Hallenfom mit lotrechten Wänden und
geraden Dachflächen erreicht werden (siehe Abb. la).

Abb. I Beispiele jkr Dreigelenkrahmen aus Brettschichtholz.

Rahmen mit geneigten Stielen (Abb. lb) sind insbesondere vorteilhaft für Schüttgut-
lagerhallen. Die Stielneigung kann dem inneren Reibungswinkel des Schüttgutes an-
gepaßt und dadurch eine Belastung der Stiele durch Druckkräfte aus dem Schüttgut
vermieden werden. Geneigte Stiele verringern außerdem die Transportabmessungen
der Rahmenhälften.

Gekrümmte Bauteile werden meist mit Krümmungsradien von 3 bis 5 m für die
innerste Lamelle hergestellt. Das Biegen der Lamellen während der Herstellung
verursacht beträchtliche Biegespannungen, die durch die Bestimmungen der prEN
386 "Brettschichtholz - Anforderungen an die Herstellung" begrenzt werden.

Die Größtwerte der Biegemomente ergeben sich üblicherweise in der gekrümmten


Rahmenecke, wo folglich auch die größten Querschnittshöhen notwendig sind. Die
geraden Teile von der Rahmenecke bis zum First bzw. zum Fußpunkt werden in
Anlehnung an den Schnittgrößenverlauf oft mit angeschnittenem Trägerrand
ausgeführt. Die üblichen Spannweiten für diese Art der Dreigelenkrahmen betragen
10 m bis etwa 50 m; größere Spannweiten sind jedoch möglich.

In Rahmen mit geraden Stielen und Riegeln wird die Rahmenecke oft mit geleimten
Universalkeilzinkenverbindungen ausgeführt (Abb. lc). Die Verwendung eines
Zwischenstücks und zwei Keilzinkenverbindungen in der Rahmenecke verringert
den Winkel zwischen der Faserrichtung der verbundenen Bauteile. Da dadurch der
Winkel zwischen Kraft- und Faserrichtung reduziert wird, ergibt diese Lösung eine
höhere Tragfähigkeit der Rahmenecke verglichen mit einer Rahmenecke mit nur
einer Universalkeilzinkenverbindung. Da die Keilzinkenverbindung im Bereich der
ungünstigsten Schnittgrößenkombination angeordnet ist, spielt die Qualität dieser
Verbindung eine große Rolle für die Zuverlässigkeit der Konstruktion. Bei der
Herstellung der Keilzinkenverbindungen ist prEN 387 "Brettschichtholz - Herstel-
lungsanforderungen für Universal-Keilzinkenverbindungen" zu beachten.

Als Alternative zu den Universalkeilzinkenverbindungen können bei kleineren


Spannweiten und einteiligen Stielen und Riegeln auch aufgeleimte Knotenplatten

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aus Sperrholz verwendet werden. Diese Knotenplatten können auch aus Stahl
bestehen und mit mechanischen Verbindungsmitteln wie Nägeln oder Schrauben
angeschlossen werden. Die Ausführung mit mechanischen Verbindungsmitteln hat
den Vorteil, daß diese Verbindung auch auf der Baustelle hergestellt werden kann.
Dadurch können bei größeren Abmessungen der Rahmen Stiele und Riegel getrennt
transportiert werden. Wenn Stiele oder Riegel zweiteilig sind, kann auf die Venven-
dung von Knotenplatten verzichtet werden und die Verbindung direkt mit mechani-
schen Verbindungsmitteln erfolgen (siehe Abb. ld).

Die üblichen Spannweiten für Dreigelenkrahmen mit geraden Stielen bzw. Riegeln
betragen 10 m bis etwa 35 m; größere Spannweiten sind jedoch möglich. Rahmen-
eckausfuhrungen mit eingeleimten Stäben oder Stahlplatten stellen neuere Entwick-
lungen für die Ausführung dieser Verbindung dar.

Beim Festlegen der Rahmengeometrie sollte darauf geachtet werden, daß die
Wirtschaftlichkeit des Tragwerks in hohem Maße von der Größe des Biegemoments
in der Rahmenecke beeinflußt werden. Je geringer der Abstand zwischen der
Bauteilachse und der Stützlinie ist, desto geringer werden die Biegemomente und
desto wirtschaftlicher wird das Tragwerk. Die Form der Stützlinie ist allerdings vom
betrachteten Lastfall abhängig. Außerdem können Funktionsanforderungen eine von
der Form der Stützlinie abweichende Tragwerksform notwendig machen.

Rahmen mit gekrümmten Eckbereichen werden weniger vom Verlauf der Stützlinie
abweichen als Rahmen mit geraden Stielen und Riegeln. Bei geneigten Stielen
nimmt die Ausrnitte e und damit der Größtwert des Moments in der Ecke weiter ab
(siehe Abb. 2). Rahmen mit geknirnrnten Eckbereichen sind daher eher für größere
Spannweiten geeignet. Für gekrümmte und gerade Eckbereiche kann durch das
Verringern der Traufhöhe ( h in Abb. 2) das Eckmoment reduziert werden.

Abb. 2 Bauteilachsen und Stützliniefur gleichförmig verteilte Belastung. ( U )Rahmen-


achse, ( b ) Stützlinie.

Entwurf von Bogentragwerken


Für größere Spannweiten sind Bogentragwerke eher geeignet als Rahmen, da die
Biegemomente in Bögen vergleichsweise klein sind. Die Systemachse von Bögen
weicht im allgemeinen nur wenig von der Stützlinie ab. Im Idealfall sollte die
Bogenachse genau der Stützlinie entsprechen, um Biegemomente völlig zu vermei-
den. Dies ist jedoch nicht möglich, da verschiedene Lastkombinationen unterschied-
lichen Stützlinien entsprechen. Eine parabolische Form des Bogens stellt meist eine
gute Anpassung an die Stützlinien der verschiedenen Lastkombinationen dar.

Die Verbindung der Bogentragwerke mit den Fundamenten erfolgt in der Regel
über Gelenke. Wenn auch im First eine gelenkige Verbindung gewählt wird, ensteht
eine statisch bestimmte Dreigelenkkonstruktion (siehe Abb. 3). Als Alternative kann

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die Verbindung zwischen den Bogenteilen biegesteif ausgeführt werden, was zu
einem steiferen Zweigelenkbogen führt.

Abb. 3 Dreigelenkbogen.

Die Bogenhöhe ( h in Abb. 3) entspricht in der Regel dem 0,13 bis 0,20fachen der
Spannweite. Falls erforderlich, können auch größere Höhen ausgeführt werden. Der
Querschnitt entlang der Bogenachse ist meist konstant, da sich die Schnittgrößen
auch nur wenig ändern. Bögen bestehen oft aus Brettschichtholz mit Rechteckquer-
schnitt. Aus architektonischen Gründen kommen auch Bogentragwerke mit
veränderlicher Querschnittshöhe vor.

Bemessung von Rahmen und Bögen


Eine wirtschaftliche Form und möglichst geringe Querschnittsabmessungen des
Bogen- bzw. Rahmentragwerks kann nur durch ein iteratives Vorgehen gefunden
werden. Die Tragwerksgeometrie wird in der Regel durch funktionale und architek-
tonische Anforderungen bestimmt. Die Querschnittsabmessungen werden geschätzt
und die Schnittgrößen f i r die maßgebenden Lastfälle bestimmt. Beim Nachweis der
Querschnitte zeigt sich dann, ob die Schätzung genau genug war. Gegebenenfalls
wird mit neuen Querschnittsabmessungen der Bemessungsvorgang wiederholt.

Bemessungsbeispiel: Vorbemessung eines Dreigelenkrahmens

Abb. 4 Symmetrischer Dreigelenkrahmen.

Vorgegebene Abmessungen:
1 = 25 m, h = 4 rn, h, = 7,2 m, a = 16", ri,, = 3 m, Lamellendicke t = 22 mm,
Querschnittsbreite b = 160 mm, Stielneigung a„ = 14".

Die erforderlichen Querschnittsabmessungen werden u.a. von den Beanspruchungen


aus äußeren Lasten, der Rahmengeometrie und den Festigkeitswerten des Brett-

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Rahmenecke
Der Größtwert des Biegemoments ergibt sich in der linken Rahmenecke (Quer-
schnitt D in Abb. 4).

Zur Ennittlung des Knickbeiwertes k, muß die Knicklänge des Dreigelenkrahmens


ermittelt werden (siehe STEP B7).

h = 3830 mm (Stiellänge zwischen A und D)


s = 11820 mm (Riegellänge zwischen D und C)
I =160-7483/12 =5,58.109mm4
I,
Kr -
=160-6423/12 =3,53.109mm4
-

Im Hinblick auf das Ausknicken aus der Rahmenebene wird angenommen, daß der
Rahmen am Auflager und an der Oberkante der Riegel im Abstand von 2 m gegen
seitliches Ausweichen gehalten ist. Die seitliche Halterung, die am nächsten an der
Rahmenecke liegt, ist am Beginn des gekrümmten Bereiches bei (X; y) = (9,66;
4,43). Die Knicklänge für das Ausknicken aus der Rahmenebene wird demzufolge
zu leL,= 5300 mm ermittelt.

Die Spannungen nach Theorie I. Ordnung im Eckqilerschnitt D ergeben sich zu:


O C , O .=~ 1,23 N/mm2
a =1,11.14,6N/mm2 =16,2~/mm'

EC5: Teil 1-1: 5.2.4 Der Faktor k, = 1,11 ergibt sich aus dem nichtlinearen Verlauf der Biegespannung
im gekrümmten Trägerbereich.

EC5: Teil 1-1: 5.2.4 Beim Spannungsnachweis ist infolge der Krümmung der Lamellen beim Herstellen
des Brettschichtholzes die Biegefestigkeit zusätzlich mit dem Faktor k, = 0,90 zu
reduzieren.

EC5: Teil 1-1: 5.1.10 Spannungsnachweis:

EC5: Teil 1-1: 5.2.1 Mit den wirksamen Knicklängen lef ergeben sich die Knickbeiwerte k, für das
Ausknicken in bzw. aus der Rahmenebene:
k,, = OS3
k , , = 0,27

Der Knickspannungsnachweis lautet:

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Riegel
Analog zur Rahmenecke wird der Riegel für eine Schnittgrößenkombination aus
Biegemoment und Normalkraft nachgewiesen. Maßgebend ist der Riegel auf der
rechten Seite. Der Riegel wird als F'ultdachträger (a= 2,6") betrachtet.

Der maßgebende Querschnitt befindet sich wegen des angeschnittenen Trägerrandes


nicht an der Stelle des größten Biegemoments. Die maßgebende Stelle kann nach
Larsen und Riberholt (1994) bestimmt werden zu:

X, ist die X-Koordinate der Stelle im ~ r ä g e r wo


, das Biegemoment gleich Null ist
(X, = 6,57 m). Die Querschnittshöhe an dieser Stelle ist h, = 605 mm und die Quer-
schnittshöhe im First ist h, = 300 mm. Damit ergibt sich:

Die entsprechende Querschnittshöhe beträgt h, = 401 mm und das Biegemoment an


dieser Stelle M, = 48,5 kNm.

EC5: Teil 1-1: 5.2.3 Die Biegespannungen am unteren bzw. oberen Querschnittsrand ergeben sich zu:
Om,o,d = 11,4 N/mm2
Orn,ad = 11,2 N/mm2

Die Druckspannung aus der Druckkraft N, = 105 kN wird:


Oc,o,d = 1$4 N/mm2

EC5: Teil 1-1: 5.2.3 Da am angeschnittenen Trägerrand eine Überlagerung von Biegedruckspannungen
und Druckspannungen aus Normalkraft stattfindet, ist dieser für die Querschnittsbe-
messung maßgebend. Wegen des angeschnittenen Trägerrandes ist die Biegefestig-
keit abzumindern. Wegen des kleinen Anschnittwirikels ist diese Abminderung in
diesem Beispiel jedoch vernachlässigbar (a < 3"). Der abgeminderte Bemessungs-
wert der Biegefestigkeit wird:
[Link] = 24,7 N/mm2

Für den Knickspannungsnachweis wird die Schlankheit des Riegels niit den Quer-
schnittswerten bei 0,65 s (siehe STEP B7 und Abb. 4) ermittelt. Mit der dortigen
Querschnittshöhe h = 642 mm und der Knicklänge des Riegels von lef = 16000 mm
(siehe STEP B7) ergeben sich die Knickbeiwerte k, zu:
EC5: Teil 1-1: 5.2.1 kc.~ = 0,46
k , = 0,97

Der Knickspannungsnachweis lautet:

STEP/EUROFORTFXZH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Auflager
Wegen des vertikal verlaufenden Anschnitts des Stiels im unteren Bereich beträgt
der Querschnitt am Auflager nur noch 160 X 500 [Link] Normalspannungen
werden nicht maßgebend. Der Größtwert der Querkraft tritt am Auflager A auf:
V, = 72,7 kN

Zusammenfassung
- Die Bemessung von Dreigelenkrahmen und -bögen ist ein iterativer Prozeß,
der schrittweise zur wirtschaftlichsten Lösung führen kann. Die Ergebnisse
des ersten Iterationsschritts zeigen im oben dargestellten Beispiel, daß die
Querschnittsmaße verringert werden könnten. Ein weiterer Iterationsschritt
wird hier jedoch nicht dargestellt.

- In manchen Fällen können Gebrauchstauglichkeitsanforderungen für die


erforderlichen Querschnittsabmessungen von ebenen Rahmen und Bögen
maßgebend sein.

Literatur
Larsen, H.J. und Riberholt, H. (1994). Trzkonstruktioner. Beregning. SBI-anvisning 135. 3. edition.
Statens Byggeforskningsinstitut, ISBN 87-563-0849-3.

Riberholt, H. (1991). Trzkonstruktioner. Eksempler. Afdelingen for Bzrende konstruktioner.


Danmarks Tekniske Hejskole. ISBN 87-7740-057-7.

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Holztafelbau - Konstruktion

STEP E I o Inhalt
Englischer Originalbeitrag: Dieser Beitrag beschreibt die Grundlagen der Bemessung und Konstruktion von
B. Roald Holztafel- bzw. Holzrahmenbauten. Holztafelbauten bestehen aus vorgefertigten
The Norwegian institute of Wand- und Deckentafeln, während die Bauteile von Holzrahmenbauten auf der
wood Technology Baustelle zusammengesetzt werden. Die nachfolgenden Abschnitte gelten, falls nicht
ausdrücklich etwas anderes gesagt wird, sowohl für Holztafel- als auch für Holzrah-
menbauten. Die wichtigsten Berechnungsmethoden fur Wände, Decken und Dächer
werden kurz beschrieben. Andere in Holztafelbauten verwendete Baustoffe werden
erwähnt.

Einleitung
Der Holzrahmenbau stellt die vorherrschende Bacweise in Nordamerika und Skandi-
navien dar, wo mehr als 90% aller Wohnhäuser in dieser Bauart errichtet werden.
Auch in einigen anderen europäischen Ländern wie 2.B. im Vereinigten Königreich
steigt der Anteil der Holzrahmenba~itenim Wohnungsbau. Die Gründe, die für
Holztafel- oder Holzrahmenbauten sprechen, sind eine schnelle Montage ohne
Baufeuchte, ausgezeichnete Wärmedämmeigenschaften und die Vielfalt gestalteri-
scher Möglichkeiten.

Bauweisen
Die am weitesten verbreitete Bauweise für Holzrahmenbauten ist die in Abb. 1
dargestellte Stockwerkbauweise. Bei dieser Bauweise werden die Wände direkt auf
eine bestehende Decke gesetzt, die als Arbeitsebene (englisch: platform) für das
nächste zu errichtende Stockwerk dient. Diese Art der Errichtung von Holzrahmen-
bauten stammt ursprünglich aus Amerika, sie wird jedoch wegen der einfachen und
sicheren Montage und der Möglichkeit, sowohl vorfabrizierte Elemente als auch auf
der Baustelle zusammengesetzte Bauteile zu verwenden, auch in Europa immer
häufiger angewandt.

Abb. I Stockwerkbauweise (NB1 Handbook 38). ( U ) Wandrippe, ( b ) Schwelle, ( C )


Rundbohle, ( d ) Mauerschwelle, ( e ) Beplankung, Cf) Deckenträger.

STEP/EUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E1011


Bei Holzrahmen- oder Holztafelbauten wird das Tragwerk aus Holzbauteilen bzw.
zusammengesetzten Tafeln gebildet, die sämtliche horizontalen und vertikalen
Einwirkungen in die Fundamente weiterleiten. Die äußere Verkleidung ist meist
nichttragend; sie schützt das Gebäude vor Witterungseinflüssen und trägt zu dem
gewünschten Erscheinungsbild bei.

Die Wände bestehen aus vertikal angeordneten Holzrippen, einer winddichten Folie
und der Fassade auf der Außenseite sowie einer Dampfbremse und einer inneren
Verkleidung. Die Hohlräume sind zumindest teilweise mit Mineralwolle wärmege-
dämmt. Die Decken sind aus Holzrippen mit ein- oder beidseitiger Beplankung
aufgebaut. Die Dachkonstruktion besteht oft aus Nagelplattenbindern, die je nach
der zu erwartenden Schneelast oder der regionalen Tradition im Abstand von 0,6 m
oder 1,2 m angeordnet sind. Es ist vorteilhaft, die Auflager der Nagelplattenbinder
direkt über bestehenden Wandrippen anzuordnen, um unnötig große Kopfrähme
bzw. sichtbare Verformungen bei den Auflagern zu vermeiden.

Wände

Tragende Wände - konstruktive Anforderungen


Tragende Wände dienen als Auflager für Decken oder Dächer. Die Wandrippen
werden als Druckstäbe bemessen (siehe STEP B6), wobei die Knicklänge für
Ausknicken aus der Wandebene der Länge der Rippen entspricht. Das Ausknicken
in der Wandebene wird durch die Beplankung verhindert. Dies ermöglicht die
Verwendung sehr schmaler Rippenquerschnitte.

Abb. 2 Wand in Holzrahmenbauweise (NBI Building Details A523.251). ( a ) Unterzug,


(b) Kopfrähm, (C) Wandrippe, ( d ) Riegel, ( e ) Schwelle.

Die Beanspruchung von Außenwänden durch Wind ist bei üblichen Geschoßhöhen
nicht maßgebend für die Abmessungen der Rippen. Lediglich bei besonders hohen
Wänden kann die Kombination von Druckkräften und Biegung (siehe STEP B6) aus
Windbeanspruchung für die Bemessung maßgebend werden. Zusätzlich zum Knick-
nachweis der Rippen ist die Querdruckbeanspruchung beim Auflager der Rippen auf
der Schwelle nachzuweisen. Wegen der dort meist kurzen Druckflächen kann die
rechnerische Druckfestigkeit quer zur Faser in der Regel erhöht werden.

Unterzüge über Wandöffnungen in tragenden Wänden werden als Einfeldträger


berechnet (siehe STEP B3). In Wirklichkeit tragen das Kopfrähm, die Beplankung
der Wand und das Lastverteilungssystem der Dachkonstruktion zu einer Entlastung

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der Unterzüge bei und vemngern damit auch ihre Durchbiegung. Bei einem
Abstand der Deckenbalken bzw. Nagelplattenbinder der Dachkonstruktion von nicht
mehr als etwa 0,6 m können die Unterzüge für eine gleichmäßig verteilte Belastung
berechnet werden. Da die Position der Dachbinder im Planungsstadium oft noch
nicht feststeht, bedeutet die Annahme einer gleichförmig verteilten Belastung eine
wesentliche Vereinfachung der Berechnung.

Auj'enwände
Die Haupttragelemente der Außenwände sind die Wandrippen, die üblicherweise im
I
Abstand von 400 m m oder 625 m m angeordnet sind. Die Verbindung mit dem
Kopf- bzw. Fußrähm erfolgt konstruktiv über Schrägnagelung bzw. Hirnholznage-
lung. In der Praxis werden die Abmessungen der Rippen durch die erforderlichen
Dicken der Wärmedämmschichten sowie die erforderlichen Randabstände der Ver-
1
bindungsmittel bei Beplankungsstößen bestimmt. Die Tragfähigkeit ist damit in den
meisten Fällen gewährleistet. Ubliche Abmessungen für Wandrippen sind 60 m m
X 120 m m oder 70 m m X 140 mm. Bei hohen Anforderungen an die Wärmedäm-
mung können auch I-Träger mit Vollholzgurten und Stegen aus Holzwerkstoff-
platten verwendet werden.

Öffnungen in tragenden Außenwänden sind durch geeignete Unterzüge zu über-


spannen. Die Auflager dieser Unterzüge werden durch entsprechend kurze Rippen
gebildet. Diese sollten den gleichen Querschnitt wie die übrigen Wandnppen
aufweisen. Die Anzahl dieser als Auflager wirkenden Rippen sollte mindestens der
Anzahl der durch die Wandöffnung wegfallenden Rippen entsprechen.

Die räumliche Aussteifung von Holzrahmenbauten erfolgt in der Regel durch die
Scheibenwirkung von Holzwerkstoffplatten, die auf die Rippen genagelt sind. Verti-
kale Aussteifungsscheiben sollten mindestens in allen Außenwänden angeordnet
werden. Bei längeren Innenwänden ist es vorteilhaft, diese ebenfalls zur Aussteifung
heranzuziehen. Die Holzwerkstoffplatten sind dazu kontinuierlich mit den darunter
liegenden Wandrippen bzw. Rähmen zu vernageln. Die Decken werden als
horizontale Scheiben ausgebildet, deren einzelne Tafeln untereinander schubfest zu
verbinden sind. Eine ausreichende Verbindung der Decken- mit den Wandscheiben
gewährleistet eine Weiterleitung der Honzontalkräfte in die Fundamente.

Abb. 3 Aussteifende Scheibe mit HolzwerkstofJbeplankung (NB1 Building Details


A523.251). ( U ) Beplankung aus Holzwerkstoffplatten, ( b ) Nagelabstand 100
mm entlang der Plattenränder, (C) Nagelabstand 200 mm in der Platte.

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Innenwände
Tragende und nichttragende Innenwände bestehen meist aus Wandrippen mit Kopf-
und Fußrähm und einer beidseitigen Beplankung aus Holzwerkstoff- oder Gips-
kartonplatten.

Trennwände
Trennwände zwischen verschiedenen Wohnungen bestehen aus zwei getrennten
Holztafeln mit einem Zwischenraum. Abhängig von den Anforderungen an den
Brand- und Schallschutz wird der Zwischenraum mit verschiedenen Därnrnaterialien
gefüllt und es werden eine oder mehrere Lagen Beplankung aufgebracht.

Abb. 4 Trennwand mit Zwischenraum (NB1 Building Details A524.301). (U) Wand-
rippen, ( b ) Mineralwolle, (C) Bekleidung.

Decken
Decken bestehen aus Vollholzrippen oder I-Trägem mit Abständen von 400 mm ,
oder 625 mm und gegebenenfalls einer Wärmedämmung zwischen den Balken. Die
obere Beplankung wird durch Holzwerkstoffplatten, die untere Deckenansicht oft
auch durch Gipskartonplatten gebildet. Bei beidseitig tragender Beplankung sind
auch auf der Unterseite Holzwerkstoffplatten notwendig. Die Tragfähigkeit und
Steifigkeit von Deckentafeln aus Rippen mit mittragender Beplankung ist erheblich
größer als die von Holzbalkendecken mit Balken gleichen Querschnitts ohne
mitwirkende Beplankung.

Abb. 5 ~eckenaufbau(NB1 Building Details A522.351).

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üblichste Form des Wärmedämmaterials. Standarddicken sind 50, 75, 100, 150 und
200 mm.

Neben einer guten Wärmedämmung sind auch die Lüftungswärmeverluste und die
Gewinne durch Sonneneinstrahlung wichtig für den Gesamtwärmebedarf eines
Hauses. Eine Orientierung der Fenster nach der Südseite sowie eine Be- und
Entlüftung des Hauses mit Wärmerückgewinnung über Wärmetauscher können bei
den gegenwärtig sehr hohen Anforderungen an die Wärmedämmung den Heizbedarf
noch einmal beträchtlich senken.

Abb. 7 Wand- (oben), Decken-(Mitte) und Dachaufbau (unten) im Holzrahmenbau


(NB1 Building Details A523.255, A522.355 und A525.100).
Wandaufbau: ( U ) Innere Bekleidung, ( b ) Dampfbremse, ( C ) Riegel, (d)
Mineralwolle 100 mm, ( e )Mineralwolle 50 mm, (ß Windabdichtung, ( g )Latte,
( h ) Hinterlüftung, (i) äußere Bekleidung.
Deckenaufbau: ( U ) Beplankung, (b) Wärmedammung, ( C )Windabdichtung, (d)
Deckenbekleidung, (e) Randbalken, (f) Deckenträger, (g) Fußbodenbelag.
Dachaufbau: ( U )Dacheindeckung, (b) Schalung, ( C )Hinterlüftung, ( d ) Wind-
abdichtung, (e) Wärmedämmung, Cf) Dampfbremse, (g) Deckenbekleidung.

Dampfiremse
Die Bedeutung einer luftdichten Dampfbremse steigt mit dem Aufwand für die
Wärmedämmung an. Die Dampfbremse wird auf der inneren, warmen Seite der

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Wand bzw. Decke angebracht und verhindert das Eindringen von Luft mit hohem
Feuchtegehalt in die Konstruktion. Der Dampf in der Luft könnte sonst an kalten
Stellen kondensieren und zu Feuchteschäden führen. Polyäthylenfolien haben sich
als vielseitig verwendbare Dampfbremsen bewährt, da sie leicht anzubringen und
die kritischen Stöße zwischen verschiedenen Bauteilen leicht auszuführen sind.
Polyäthylenfolien können während der Bauzeit leicht beschädigt werden. Folien-
dicken von 0,15 bis 0,20 mm sind daher zu empfehlen.

Literatur
NB1 (1987). Hindbook 38 Trehus. The Norwegian Building Research Institute, Oslo, Norwegen.

NB1 (1990). Building Details A522.351 Trebjelkelag. Konstruksjon og utforelse. The Norwegian
Building Research Institute, Oslo, Norwegen.

NB1 (1988). Building Details A522.355 Trebjelkelag. Varmeisolasjon og tettesjikt. The Norwegian
Building Research Institute, Oslo, Norwegen.

NB1 (1987). Building Details A523.251 Bindingsverk av tre. Dimensjonering og utforelse for smahus.
The Norwegian Building Research Institute, Oslo, Norwegen.

NB1 (1981). Building Details A523.255 Timber Frame walls. Thermal insulation, wind and vapour
barriers. The Norwegian Building Research Institute, Oslo, Norwegen.

NB1 (1993). Building Details A524.301 Skillevegger av tre mellom boliger i rekkehus. The Norwegian
Building Research Institute, Oslo, Norway.

NB1 (1987). Building Details A525.100 Tretak. Varmeisolering, tetting og lufting. The Norwegian
Building Research Institute, Oslo, Norway.

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Holztafelbau - Gebrauchstauglichkeit

STEP ~1 1 Inhalt
Englischer Originalbeitrag: Dieser Beitrag behandelt den Entwurf und die Konstruktionsdetails von Holz-
S. Thelandersson tafel- bzw. Holzrahmenbauten unter dem Gesichtspunkt der Gebrauchstauglich-
Lund University keit. Wichtige konstruktive Aspekte der Gebrauchstauglichkeit, die bei Holztafel-
bzw. Holzrahmenbauten berücksichtigt werden sollten, sind Schwingungen in
Decken sowie durch äußere Lasten und Feuchteänderungen bedingte Verfor-
mungen von Holz und Holzwerkstoffen. Auch andere, nicht konstruktive
Gesichtspunkte wie Schall- und Wärmeschutz, Installationen und der Schutz des
Holzes gegen Feuchteeinwirkung während der Bauzeit sowie im Gebrauchs-
zustand des Bauwerks werden diskutiert. Die Notwendigkeit eines integralen
Vorgehens beim Entwurf von Holztafelbauten, bei dem konstruktive und nicht
konstruktive Fragen gleichzeitig berücksichtigt werden, um rationelle und
ökonomische Lösungen zu erreichen, wird dargelegt.

Voraussetzungen
A l 7 Grenzzustände der Gebrauchstauglichkeit - Verformungen
A l 8 Grenzzustände der Gebrauchstauglichkeit - Schwingungen
E10 Holztafelbau - Konstruktion

Einleitung
Holztafel- bzw. Holzrahmenkonstruktionen bestehen im wesentlichen aus Wand-
und Deckentafeln, die wiedemm aus Rippen und beidseitiger Beplankung aus
verschiedenen Plattenwerkstoffen aufgebaut sind, wobei zwischen den Rippen
meist noch Dämmstoffe angeordnet sind. Für Deckentafeln können statt der
üblichen Vollholzrippen auch leichtere I-Träger verwendet werden (siehe
Abb. I).

Abb. 1 Deckenauflau mit leichten I-Trägern als tragende Bauteile. ( U ) Gipskarton-


platte, ( b ) Holzwerkstoffplatte, ( C ) Dämmung, (d) Federschiene, ( e ) Gips-
kartonplatte.

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Der in Abb. 1 dargestellte Aufbau kann gleichzeitig verschiedene Funktionen
erfüllen:

- Abtragung vertikaler Lasten,


- Weiterleitung horizontaler Lasten,
- Raumtrennung,
- Wärmeschutz,
- Schallschutz,
- Brandschutz.

In Stahlkonstruktionen wird dagegen meist ein tragendes Skelett verwendet, das


nur eine einzige Funktion, nämlich die Lastabtragung, erfüllen kann. Sämtliche
anderen Funktionen müssen durch weitere Bauteile (z.B. Wandelemente) über-
nommen werden.

Die Wand- und Deckenelemente in Holzrahmenbauten können weitgehend


normiert sein und sind dennoch bei Bedarf einfach zu modifizieren. Die
Holztafeln können entweder mit einfachen Mitteln auf der Baustelle zusammen-
gesetzt oder aber vor Ort bzw. im Werk vorgefertigt werden. Diese Bauweise ist
besonders in Nordeuropa, wo die Mehrzahl der Einfamilienhäuser in Holzrah-
menbauweise errichtet werden, vorherrschend. In einigen Teilen der Welt sind
Holzrahmenbauten auch als vier- bis fünfgeschossige Häuser weit verbreitet. In
Nordamerika ist die überwiegende Mehrzahl der Mehrfamilienhäuser als Holz-
rahmenbau ausgeführt.

Wegen der besonderen Eigenschaften des Holzes muß beim Entwurf und der
Konstruktion von Holztafel- oder Holzrahmenbauten der Gebrauchstauglichkeit
besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Holzkonstruktionen weisen im
Vergleich zu anderen Konstruktionsarten ein sehr geringes Eigengewicht auf.
Dies bedeutet Vorteile beim Transport, bei der Montage, dem Aufwand für
Gründungen und bei Erdbebenbeanspruchungen. Andererseits reagieren leichte
Konstruktionen empfindlicher auf Schwingungsanregungen, bieten Schall- und
Brandbeanspruchungen weniger Widerstand und die Durchbiegungen sind eher
größer. Eine weitere Besonderheit des Bauholzes ist seine Hygroskopizität, die
zu wechselnder Holzfeuchte abhängig' vom Umgebungskliina führt. ~ n d e r u n ~ e n
der Holzfeuchte verursachen Schwind- bzw. Quellverformungen des Holzes, die
durch eine gleichzeitig wirkende Beanspruchung aus äußeren Lasten noch ver-
größert werden. Weist das Holz ständig hohe Feuchte auf, besteht die Gefahr des
Pilzbefalls, der die Dauerhaftigkeit und die Gebrauchstauglichkeit der Holzkon-
struktion und anderer Bauteile stark beeinträchtigen kann. Es ist von größter
Bedeutung, daß solche Gefährdungen durch eine entsprechende Ausführung der
Gebäudehülle und durch die Verwendung trockenen Holzes beim Bau vermieden
werden. Aus demselben Grund ist das Bauholz vor (übermäßigem) Regen und
Schnee während der Bauzeit zu schützen.

Viele Fragen beim Entwurf von Holzrahmenbauten beziehen sich auf die
Gebrauchstauglichkeit. Hierbei sind insbesondere die Deckenkonstruktionen ent-
scheidend für die Qualität des gesamten Gebäudes.

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Beschränkung von Deckenschwingungen
Die häufigste Maßnahme, um das Schwingungsverhalten von Holzdecken zu
verbessern, ist die Erhöhung der Biegesteifigkeit der Decke in Richtung der
Rippen. Dies kann z.B. durch einen größeren Rippenquerschnitt oder durch das
Verleimen von Rippen und Beplankung erfolgen, das eine höhere Steifigkeit des
zusammengesetzten Deckenbauteils bewirkt. Die wirksamste Maßnahme zur
Verbesserung des Schwingungsverhaltens ist jedoch die Erhöhung der Decken-
steifigkeit rechtwinklig zu den Rippen. Dies kann erreicht werden, indem eine
Beplankung mit höherer Steifigkeit verwendet wird oder aber durch das
Anbringen von Aussteifungen zwischen den Rippen. Abb. 2 zeigt hierfür zwei
iibliche Lösungen: Querrippen und Verstrebungen.

Abb. 2 Möglichkeiten für die Erhöhung der Deckensteifigkeit in Querrichtung: ( a )


Querrippen, (6) Verstrebungen.

Die Wirksamkeit dieser Aussteifungsmaßnahmen wird allerdings durch das


Schwinden des Holzes und durch Eindrückungen quer zur Faser in den Rippen
beeinträchtigt. Querrippen stellen die beste Lösung dar, wenn die Zwischen-
stücke mit der oberen und unteren Beplankung verleimt werden. Damit ist die
Lastübertragung in Querrichtung nahezu unabhängig von Feuchteänderungen des
Holzes.

Um die Übertragung störender Schwingungen zwischen verschiedenen Räumen


bzw. Wohnungen zu verhindern, sollten durchlaufende Biegeträger vermieden
werden. Das oft angewandte Verringern des Rippenabstandes trägt nicht immer
zu einem besseren Schwingungsverhalten der Decke bei.

Schallschutz
Schallschutz ist einer der wichtigsten Aspekte beim Entwurf von
Holzrahmenbauten. Hierbei muß unterschieden werden zwischen:

- Luftschallübertragung (2.B. Musik, Stimmen);


- Körperschallübertragung (z.B. Schritte, Rohrleitungen, Aufzüge).

Das Problem der Luftschallübertragung kann in der Regel durch sorgfältige


Detaillierung und Ausführung gelöst werden. Als Beispiel ist in Abb. 3 eine
Wohnungstrennwand dargestellt. Diese Ausführungsart entspricht im Hinblick
auf den Schallschutz einer 240 mm dicken Betonwand. Die Schalldämmung
könnte weiter verbessert werden, indem die Beplankung auf einer Seite über
Federschienen an den Rippen befestigt wird. Der Hohlraum zwischen den beiden
Wandteilen darf an keiner Stelle durch eine Verbindung unterbrochen werden.
Durch vergleichbare Maßnahmen kann auch eine gute Luftschalldämrnung in
Holzbalkendecken erreicht werden.

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Körperschallschutz, insbesondere Trittschallschutz in Holzbalkendecken ist im
allgemeinen schwieriger zu erreichen als Luftschallschutz. Um ein gutes Schall-
schutzmaß zu gewährleisten, sollte die oberste und unterste Schicht der Decke
von den tragenden Bauteilen getrennt werden. Die Deckenverkleidung an der
Unterseite kann dazu über Federschienen an den Balken befestigt und damit von
ihnen getrennt werden (Abb. 1). Dabei ist zu beachten, daß die Schrauben, mit
denen die Gipskartonplatten an den Federschienen befestigt werden, die Holzbal-
ken auf keinen Fall berühren.

Abb. 3 Wohnungstrennwand mit zwischenliegendem Hohlraum und dadurch hoher


Luftschalldärnrnung. Zwischen den Rippen sind Därnmstofilatten
angeordnet. (a) Gipskartonplatten.

Die Anordnung von Dämmstoffen zwischen den Rippen verbessert ebenfalls die
Schallschutzwirkung. Im Hinblick auf den Scf~allschutzbesteht kein wesentlicher
Unterschied zwischen Vollholzballten und den in Abb. 1 gezeigten leichten I-
Trägem. Auf der Deckenoberseite sollten die Platten unter dem Gehbelag
schwimmend auf Mineralfaserdämmplatten angeordnet werden (siehe Abb. 4).
Eine weitere Maßnahme zur Verbesserung des Schallschutzmaßes ist die
Erhöhung der Masse der Decke. Dies kann durch eine Gipskartonplatte auf der
oberen Lage der Holzwerkstoffplatten und durch gleichzeitige Verwendung
doppellagiger Gipskartonplatten auf der Deckenunterseite erreicht werden.
Anstelle der oberen Gipskartonplatte kann auch eine Beschwemng aus
Betonplatten (20 - 40 mm) oder Sand verwendet werden.

Abb. 4 Decke mit hohem Trittschallschutzmaß. Auflau von oben: 2 x 13 mm Gips-


karton, 20 rnm Mineralfaserplatte, 13 mm Gipskarton, 22 mm Spanplatte,
300 mm I-Träger, 145 rnm Mineralfaserdärnmung, 25 mm Federschiene,
2 x 13 mrn Gipskarton.

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Die Wahl des Fußbodenbelages beeinflußt ebenfalls das Trittschallschutzmaß.
Hier sind dicke Teppichböden günstiger als harte Fußbodenbeläge wie Holzpar-
kett oder ein PVC-Belag. Auch die Einteilung der Wohnungen kann den Schall-
schutz beeinflussen: in Mehrfamilienhäusern sollten Bäder und Küchen überein-
ander angeordnet werden. Keinesfalls sollte ein Bad oder eine Küche über einem
Schlafraum einer anderen Wohnung liegen. Schließlich ist es sehr wichtig, daß
Rohrleitungen an keiner Stelle die Wand- oder Deckenverkleidungen berühren.

Werden die genannten Möglichkeiten genutzt, kann auch mit leichten Holzkon-
struktionen ein sehr guter Schallschutz erreicht werden. Der Deckenaufbau in
Abb. 4 entspricht z.B. dem Trittschallschutzmaß einer 290 mm Betondecke.

Verformungen infolge Feuchteänderungen


Änderungen der Temperatur und der relativen Luftfeuchte führen immer zu
Holzfeuchteänderungen und damit zum Schwinden oder Quellen des Holzes.
Rechtwinklig zur Fasemchtung, d.h. quer zur Längsachse der Bauteile sind die
auftreteriden Verformungen am größten. Im Innern von Gebäuden treten Holz-
feuchteänderungen zwischen 2% und 4% auf, im Außenklima kann die Holz-
feuchte um 8% bis 10% schwanken. Der ungünstigste Fall tritt dann ein, wenn
Holz mit hoher Feuchte eingebaut wird, das anschließend austrocknet und
dadurch beträchtlich schwindet. Wird frisches Holz verbaut, können die Quer-
schnittsabmessungen im Innenklima um 3% bis 4% abnehmen. Dies entspricht
einer Verringerung der Querschnittshöhe von üblichen Deckenbalken von 6 bis 8
mm. Daher ist es äußerst wichtig, insbesondere bei Gebäuden mit mehreren
Stockwerken, trockenes Holz zu verbauen, dessen Feuchte etwa der Ausgleichs-
feuchte im Gebrauchszustand entspricht.

Abb. 5 Wand-Deckenauflager im Holzrahmenbau.

Die Auswirkungen von Schwindverformungen können durch gleichzeitig wirken-


de Querdruckspannungen, z.B. im Auflagerbereich von Decken (siehe Abb. 5),
noch verstärkt werden. Die Querdruckspannungen in den waagrechten Bauteilen
werden in den meisten Fällen nicht zu einem Versagen im üblichen Sinn führen,
sondern lediglich zu großen Verformungen, besonders wenn gleichzeitig Schwin-
den des Holzes auftritt. Die sich ergebenden Verformungen können 5 bis 10 mm
pro Stockwerk betragen. Bei Einfamilienhäusern mit bis zu zwei Geschossen
können diese Verfornlungen noch akzeptiert werden, da die auftretenden Quer-
druckspannungen in der Regel nicht sehr groß sind und die Gesamtverformungen
wegen der geringen Anzahl der Geschosse beschränkt bleiben. Bei Gebäuden mit

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programmes E1 115


mehr als zwei Geschossen erreichen die Querdruckspannungen größere Werte
und, da die Zusarnrnendrückungen in jeder Deckenebene auftreten, können im
oberen Bereich sehr große Gesamtverformungen auftreten. Auch bei sehr langen
Gebäuden können feuchtebedingte Verformungen zu Zwängungen im Tragwerk
führen.

Durch Feuchteänderungen und äußere Lasten hervorgerufene Tragwerksverfor-


mungen können die Gebrauchstauglichkeit des Gebäudes auf unterschiedliche Art
beeinflussen. Große Verformungen können zu Schäden an Rohrleitungen oder
Elektroinstallationen führen, Relativverschiebungen zwischen Ziegelverblendem
in der Fassade und dem Tragwerk können Risse verursachen. Ahnliche Probleme
kann es auch bei anderen Außenverkleidungen geben, wenn diese sich kaum ver-
formen können. Der größte Teil der Verformungen tritt bereits während der Bau-
phase auf und verursacht damit meist keine Probleme; Verformungen die jedoch
erst nach Abschluß der Bauarbeiten auftreten, können Verkleidungen, Anstriche
oder Tapeten beschädigen. Unterschiedliche Setzungen von Fundamenten ver-
ursachen Schrägstellungen und Höhenunterschiede in Deckenebenen. Dies kann
geschehen, wenn eine Decke auf einer Seite auf Beton oder Mauerwerk aufliegt
und auf der anderen Seite auf einer Holzrahmenkonstruktion. Bei Gebäuden mit
mehreren Stockwerken sollten die Auswirkungen von Schwindverformungen von
vorneherein abgeschätzt werden, um mögliche Schäden zu vermeiden.

Die Querverformungen bei Deckenauflagern treten besonders bei der in Abb. 6a


dargestellten Stockwerkbauweise auf. Bei dieser Bauweise werden die Wände
geschoßhoch aufgestellt und die Zwischendecke aufgelegt. Diese dient als
Arbeitsebene für das nächsthöhere Geschoß und steift die bereits montierten
Wände aus. Durch die Verwendung von Wänden, die über mehrere Stockwerke
durchgehen, können die Verformungen bei den Deckenauflagern beträchtlich
verringert werden (siehe Abb. 6b). Die Zwischendecken werden an den
durchgehenden Wänden angehängt und die Vertikallasten aus den oberen
Stockwerken belasten dadurch nicht die Deckenkonstruktion quer zur Faser
sondern werden über die durchgehenden Rippen parallel zur Faser weitergeleitet.
Trotz der nachteiligen Verformungen an den Deckenauflagern wird die Stock-
werkbauweise in der Praxis wegen der leichteren, effizienteren Montage und der
besseren Vorfertigungsmöglichkeiten bevorzugt.

Abb. 6 (U) Stockwerkbauweise, ( b ) Holzrahrnenbauweise mit durchgehenden Wand-


rippen (balloon).

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Die vertikalen Verformungen, die bei der Stapelbauweise im Holzrahmenbau auf-
treten, können auch durch kurze, vertikal angeordnete Holzstücke im Bereich der
Deckenauflager verringert werden, die die Lasten parallel zur Faser weiterleiten.
Der Nachteil dieser Lösung ist der zusätzliche Zeitaufwand und die Schwie-
rigkeit, die Wärmedämmung in den Außenwänden ununterbrochen durchzu-
führen.

Gebäudehülle
Die Außenwand, deren Aufbau vor allem das gewünschte Klima im Gebäude-
innern beeinflußt, stellt den wichtigsten Teil der Gebäudehülle dar. Die
Außenwand sollte daher

- wärmegedärnrnt sein,
- luftdicht sein und
- Schutz bieten vor Feuchtigkeit, die von außen oder innen kommen kann.

Die notwendige Wärmedämmung kann einfach zwischen den Wandnppen ange-


ordnet werden (siehe Abb. 5). Reicht diese Wärmedämmung nicht aus, kann eine
weitere Lage auf der Außenseite der Wandtafel angebracht werden (siehe Abb.
7). In diesem Fall müssen die Deckenauflager sorgfältig detailliert werden, um
Wärmebrücken und die dadurch verursachten Wärmeverluste zu verhindern.

Abb. 7 AuJenwand mit Deckenauflager für hohe Anforderungen an die


Wärmedämmung. ( U ) Horizontale Lutten, ( b ) Fujrähm, ( C ) Feuchteschutz,
( d ) Randbalken, (e) Kopfrähm, (f)innere Beplankung, ( g ) Dampjbremse,
( h ) Deckenbalken.

Die auf der inneren, "warmen" Seite der Wand angeordnete Dampfbremse
verhindert den Zutritt von warmer Luft mit hohem Feuchtegehalt in die Wand
und vermeidet damit Wasserkondensation in der Wärmedämmung. Gleichzeitig
kann die Dampfbremse für die notwendige Luftdichtigkeit sorgen. Hinter der
Außenverkleidung der Wand schützt eine dampfdurchlässige Membran die Wand
gegen den Wind und verhindert Luftströmungen in der Wand, die die Wärme-
dämmwirkung beeinträchtigen können. Die Außenseite dieser Membran sollte
wasserabweisend sein, da von außen eindringendes Wasser die Wärmedämmung

STEPlEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programmes E1 117


und die Holzkonstruktion schädigen kann. Die Membran muß dennoch darnpf-
durchlässig sein, damit eventuell in die Wand oder Wärmedämmung gelangende
Feuchte wieder heraus diffundieren kann. Der Luftraum zwischen Membran und
Außenverkleidung (siehe Abb. 7) sollte ventiliert sein, damit die durch die
Membran austretende Feuchte durch den Luftstrom ins Freie gelangen kann.

Abb. 7 zeigt ein Deckenauflager in einer Außenwand, das hohe Anforderungen


an die Wärmedämmung erfüllt und damit für Gegenden mit tiefen Temperaturen
geeignet ist. Da die Außenwände in Holzrahmen- oder Holztafelbauten in der
Regel tragend sind, kann eine optimale Konstruktion der Wand nur erreicht
werden, wenn sämtliche Anforderungen an die Funktion gleichzeitig berücksich-
tigt werden. Würde die Konstruktion nur im Hinblick auf die tragende Funktion
optimiert, könnten die Funktionen der Wärmedämmung und des Feuchteschutzes
nur unvollkommen erfüllt werden.

Zusammenfassung
Sorgfalt bei Entwurf und Ausfiihrung sind notwendig, um eine gute Gebrauchs-
tauglichkeit in Holzrahmen- oder Holztafelbauten zu erreichen. Die wichtigsten
Gesichtspunkte sind der Schallschutz, das Schwingungsverhalten und das
Verhindern nachteiliger Auswirkungen von Feuchte während der Bau- und der
Gebrauchsphase. Durch eine entsprechende Detaillierung und eine sorgfältige
Herstellung können die damit zusammenhängenden Probleme zufriedenstellend
gelöst werden.

Literatur
Sunley J. und Bedding B. (Hrsg.) (1985). Timber in Constmction, BT Batsford Ltd.
LondoniTRADA, United Kingdom.

TräinformationfTrätek(1992).Manual for Timber Constmction (Träbyggnadshandbok, in Swedish),


Stockholm, Sweden.

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Holztafelbau - Feuerwiderstand

STEP E12 Inhalt


Englischer Originalbeitrag: ES wird ein ~ b e r b l i c küber Konstruktions- und Berechnungsmethoden hinsicht-
H. Hart1 lich der Feuerwiderstandsdauer von Häusern in Holztafelbauart gegeben. Im
Zivilingenieur für einzelnen wird das Verhalten von Bauteilen aus Holz undoder Holzwerkstoffen
Bauwesen und von Dämmschichten im Brandfall behandelt.

Einleitung
Die Feuerwiderstandsdauer von Holzhäusern in Tafelbauart hängt von zwei
unterschiedlichen Funktionen ab. Einzelne Elemente wie Träger, Stützen, Wände,
Decken, Treppen und Dächer haben zum einen tragende Funktionen zu erfüllen,
zum anderen haben sie raumabschließende bzw. raumtrennende Funktionen (vor
allem Wände und Decken). Die feuerabschließende Wirkung soll eine
Ausbreitung des Feuers verhindern und Innenräume oder Fluchtwege vor
Flammen und heißen Gasen schützen.

Demnach ergibt sich für die einzelnen Bauteile folgender Ablauf der Bemessung:

EC5: Teil 1-2: 2.1. Eigenschaft R


Der Bauteilwiderstand im Lastfall Brand muß gewährleistet sein. Bauwerke sind
so zu bemessen und zu konstruieren, daß sie im Brandfall für eine bestimmte
Zeitdauer ihre Tragfähigkeit nicht verlieren.

Außerdem sind die Bauteile so zu bemessen und zu konstruieren, daß ihre raum-
abschließende Funktion während einer bestimmten Branddauer aufrechterhalten
bleibt. d.h.:

Eigenschaft E
Kein Versagen der Unversehrtheit durch Risse, Löcher oder andere Öffnungen,
die groß genug sind, einen Feuerdurchgang in Form von Flammen oder heißen
Gasen zu ermöglichen.

Eigenschuft l
Kein Versagen der Wärmedämmung durch Temperaturerhöhung auf der dem
Feuer abgewandten Seite über vereinbarte Grenzen hinaus.

Die Bauteile müssen die Eigenschaften R, E und I folgendermaßen erfüllen:


- R (Tragfähigkeit): Träger, Stützen, Wände.
- RE(1) (Tragfähigkeit und Raumabschluß): Decken und Wände.
- EI (Raumabschluß): Trennwände.

Die Eigenschaften sind zeitabhängig und verändern sich mit der Nutzung der
Konstruktion. Die einzelnen Widerstandsdauem werden in Minuten angegeben:
15, 20, 30, 45, 60, 90, 120, 180, 240 und 360 Minuten.

Verhalten der Gesamtkonstruktion


Zur Klassifizerung eines zusammengesetzten Bauteils ist es erforderlich, daß
jedes Einzelelement die gleiche Eigenschaft aufweist wie das Bauteil. Ein Träger

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erfüllt z.B. die tragende Funktion nur dann für eine bestimmte Zeitdauer, wenn
auch alle zugehörigen Einzelteile, wie Verstärkungen, Lagerhölzer oder Ausstei-
fung, nicht vorzeitig versagen. Das Zusammenwirken der Eigenschaften der
einzelnen Elemente ergibt den Feuerwiderstand der Gesamtkonstruktion.

Abb. 1 Beispiel einer Gesamtkonstruktion mit R30 nach Kordina und Meyer-
Ottens, 1994.

Nachfolgend werden einige Berechnungsmethoden für Einzelbauteile vorgestellt.


Die Klassifizierung nach den vorgegebenen Regeln führt meistens zu
unwirtschaftlichen Konstruktionen, eine Einteilung auf der Grundlage von
Versuchen ist deshalb oft unverzichtbar.

Verhalten von Einzelbauteilen

Einzelstäbe
Die Feuerwiderstandsdauer ungeschützter Holzstäbe wird in STEP B17
behandelt. Manchmal ist zwar der Schutz durch eine Bekleidung erforderlich,
aber aus ästhetischen Gesichtspunkten und vom Standpunkt des Konstrukteurs
aus ist es vorzuziehen, wenn man die Feuenviderstandsdauer mit einem
ungeschützten Stab erreichen kann. Für die Berechnung der Feuerwiderstands-
dauer geschützter Holzstäbe liefert die Art der Bekleidung Hinweise darüber, auf
welchen Seiten ein Abbrand zu erwarten ist (ein- bis vierseitiger Abbrand).

Abb. 2 Ungeschützte Stäbe, vollständig bekleidete Stäbe und teilweise geschützte


Stabe.

Ein Abbrand ist nicht zu berücksichtigen, wenn die Staboberflächen durch


Feuerschutzbekleidung geschützt werden, für die gilt

EC5: Teil 1-2:Gleichung 3.6 tpr 2 f,,req

mit
t„ ist die Versagenszeit der schützenden Platte oder des schützenden
Materials, d.h. die Dauer der effektiven Schutzwirkung gegenüber
unmittelbarer Brandbeanspruchung.
ist die geforderte Feuenviderstandsdauer bei Normbrandbeanspruchung.

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Wenn die Oberflächen von Bauteilen durch schützende Bekleidungen abgedeckt
sind oder mit anderen tragenden Bauteilen verbunden sind, deren Versagenszeit
kleiner als die geforderte Feuenviderstandsdauer tf,„, ist, beginnt der Abbrand
mit der Versagenszeit tprder Bekleidung.

Platten, Dämmschichten
Platten werden aus Holz undloder Holzwerkstoffen unter Verwendung von
Bindemitteln hergestellt. Diese Platten sind nicht brennbar, wenn sie folgende
Bedingungen erfüllen:
- Verwendung von Gips, Zement 0.ä. als Bindemittel,
- Verwendung von Feuerschutzmitteln.

Die wichtigsten Plattentypen sind Fumierplatte, Spanplatte, OSB und Gips-


bauplatte.

Da die Abbrandrate einiger Platten geringer ist als die von Vollholz, erhöht sich
dadurch die Feuerwiderstandsdauer des zusammengesetzten Bauteils. Die Platten-
werkstoffe werden meistens für Wände und Decken verwendet, um die raumab-
schließenden Funktionen innerhalb des Hauses zu erfüllen (z.B. bei Fluchtwegen
und Treppen). Für Beplar~kungen(siehe Abb. 3), die als Feuerschutzbekleidung
dienen sollen, ist die Versagenszeit zu ermitteln. In diesem Fall ist die
Versagenszeit die Zeitspanne bis zu einer Temperaturerhöhung von 180 K bei
brennbaren Plattenwerkstoffen und von 500 K bei nichtbrennbaren Platten auf
der dem Feuer abgewandten Seite, auf der während des Brandversuchs schwarze
Stellen auftreten können. Wegen des unterschiedlichen Materialverhaltens im
Brandfall sind die Versagenszeiten zunächst einmal in Versuchen zu bestimmen.

EC5: Teil 1-2: Bild 3.1 Abb. 3 Beispiel für Platten als Feuerschutzbekleidung.

Für Feuerschutzbekleidungen aus Holz und Holzwerkstoffplatten darf die


Versagenszeit bestimmt werden aus

EC5: Teil I-2:Gleichung 3.7 tpr = 2 - t r in min


ß0
dabei ist
ß, die Abbrandrate entsprechend Tabelle 3.1 in EC5: Teil 1-2

tp Dicke der Holz- oder Holzwerkstoffbekleidung. Im Falle einer mehrlagi-


gen Bekleidung ist für t, die Summe der Dicken der Einzelplatten
einzusetzen.
tr = 4 min zur Berücksichtigung der Ablösung der Platten undtoder eines
vorzeitigen Eindringen des Feuers in Hohlräume (Öffnungen in den
Platten).

Wenn die Beplankung aus mehreren Materialien besteht, ergibt sich die
Versagenszeit im allgemeinen aus der Summe der einzelnen Versagenszeiten.

STEPEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E 1213


Tragende Beplankungen müssen nicht nachgewiesen werden, wenn ihre
Restdicke mindestens 60% der statisch erforderlichen Dicke bei normaler
Temperatur beträgt.

Nach EC5: Teil 1-2 hat der Schmelzpunkt von Dämmaterialien über 1000°C zu
liegen.

Vor allem bei Wand- und Deckenkonstruktionen sind Dämmschichten zur


Gewährleistung der raumabsctiließenden Eigenschaft sehr vorteilhaft. Dabei ist es
zwingend notwendig, daß die Dämmschichten sorgfältig und ohne Zwischen-
räume verlegt werden.

Für nichtbrennbare Dämmaterialien mit einer Dicke von mehr als 20 mm, einer
Dichte von mehr als 30 kglm3und einer Temperaturbeständigkeit bis zu 1000 "C
darf die Versagenszeit angenommen werden zu

ECS: Teil 1-2:Gleichung C.9 tpr = 007


- 20) i/P iU
in min

mit
tim ist die Dicke des Dämmaterials in mm
p,„ ist die Rohdichte des Dämmaterials in kg/m3.

Aussteifungen
Wenn Stäbe für Druck und Biegung unter der Berücksichtigung von
Aussteifungen bemessen werden, sollte nachgewiesen werden, daß die
Aussteifung während der geforderten Feuerwiderstandsdauer nicht versagt. Es
darf angenommen werden, daß die Aussteifung nicht versagt, wenn der verblei-
bende Restquerschnitt der Aussteifung 60% der für die Bemessung unter
Normaltemperatur erforderlichen Querschnittsfläche beträgt. Andernfalls ist für
den Nachweis im Lastfall Brandfall von einem nicht ausgesteiften Stab
auszugehen. Diese Regelung ist auch auf Wände und Decken anzuwenden.

Wände
Für die Klassifizierung im Brandfall werden Wandkonstruktionen in folgende
Gruppen unterteilt:
- Nichttragende Wände sind ebene Bauteile, die auch im Brandfall nur
durch ihre Eigenlast beansprucht werden. In den Tragfähigkeits-
nachweisen wird ihre aussteifende Funktion nicht in Rechnung gestellt.
- Tragende Wände sind druckbeanspruchte Bauteile. Für Wände, die zur
Aussteifung tragender Wände benötigt werden, sollten die Regelungen des
Abschnitts Aussteifungen angewendet werden.
- Abschließende Trennwände, die sich zwischen den Wohnungen befinden,
die der Umschließung von Treppenhäusern und Fluchtwegen und als
Brandwände dienen. Der Hauptzweck dieser Wände besteht darin, die
Ausbreitung des Feuers von einem Raum in den nächsten zu verhindern,
wobei nur von einer einseitigen Brandbeanspruchung auszugetien ist. Eine
Wand erfüllt die trennende Funktion nur, wenn auch alle Offnungen (vor
allem Türen und Fenster) mindestens die gleiche Feuerwiderstandsdauer
(d.h. hier die trennende Wirkung) aufweisen wie die Wandfläche. Diese
Bedingung erfüllen praktisch nur die Außenwände. Aus Erfahrung weiß
man, daß Außenwände mit einer Länge von mehr als 1 m die trennende
Funktion aufweisen.

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- Nichttragende Wände ohne die obigen Trennfunktionen, an die keine
Anforderung hinsichtlich Feuerwiderstandsdauer zu stellen sind.

Die Konstruktion einer Wand hat den in Abb. 4 dargestellten Grundsätzen zu


entsprechen.

Abb. 4 Zunehmender Wandpfostenquerschnitt bei abnehmenden Beplankungsdicken


(Kordina und Meyer-Ottens, 1994).

Abb. 4 zeigt die grundsätzliche Abhängigkeit der Wanddicke von der Beplan-
kungsdicke bei tragenden Wänden oder von der Dämmschichtdicke bei raum-
abschließenden Wänden. Eine fehlende Dämmschicht oder eine Reduzierung der
Beplankungsdicke erfordert einen größeren Wandpfostenquerschnitt, um eine
unveränderte Feuerwiderstandsdauer zu erreichen.

Abb. 5 Beispiele fur tragende Wände R30 nach DIN 4102 Teil 4. (U) Holzwerk-
stofilatte, ( b ) Gipskartonplatte.

Raumseitige Beplankung
häufig mit Gipsbauplatten

Abb. 6 Beispiel fur raumabschließende Wand RE1 30 nach DIN 4102 Teil 4. ( U )
Holzwerkstofilatte, (b) Wärmedämmung.

Ein anderer Schwachpunkt bei Wandkonstruktionen sind die Installationen. Vor


allem Steckdosen verringern die erforderliche Wanddicke, und es ist deshalb
nicht zulässig, daß sie einander gegenüberliegend angeordnet werden. Die durch
die Installation verringerten Wanddicken können den Feuerwiderstand herab-
setzen, weshalb ein Ausgleich durch Dämmschichten geschaffen werden muß.

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Abb. 7 Steckdose, geschützt durch eine Därnrnschicht (nach DIN 4102 Teil 4).
( U ) Därnrnschicht, ( b ) Steckdose.

Für raumabschließende Konstruktionen sind folgende Nachweise wichtig:

EC5: Teil 1-2: C.2.3 I: Die Temperaturerhöhung auf der dem Feuer abgewandten Seite ist auf 140
K begrenzt. Diese Bedingung ist erfüllt, wenn die restlichen Schichten
zusätzlich zur erforderlichen Feuerwiderstandsdauer noch eine
Versagenszeit von 15 rnin aufweisen (siehe Abb. 2 und 3).

11: Die maximale Temperaturerhöhung ist an jedem Punkt auf 180 K begrenzt
und an den Bekleidungsstößen darf kein Feuerdurchtritt stattfinden. Diese
Bedingung ist erfüllt, wenn die Bekleidungsstöße auf der dem Feuer
abgewandten Seite dem Feuer nicht unmittelbar ausgesetzt sind und ein
Sicherheitszuschlag von 5 rnin gegeben ist (siehe Abb. 2 und 3).

111: Werden Schichten für den Einbau von Installationen entfernt, sollten sie
durch eine entsprechende Schichtdicke ersetzt werden. Es ist nachzu-
weisen, daß zusätzlich zur erforderlichen Feuenviderstandsdauer noch eine
Versagenszeit von 5 rnin gewährleistet ist.

Es muß weiterhin gewährleistet sein, daß sich die Bekleidungen auf der dem
Feuer abgewandten Seite nicht ablösen. Diese Anforderung ist erfüllt, wenn die
Bedingung I1 eingehalten ist.

Decken
Im allgemeinen gelten für Decken die gleichen Grundsätze hinsichtlich
Bekleidungen und Dämmschichten wie für Wände. Die obere Beplankung von
Deckenkonstruktionen stellen eine wirksame Brandschutzmaßnahme dar. Die
durch Feuer gefährdete Seite einer Deckenkonstruktion ist die Unterseite, die aus
diesem Grund durch Dämmschichten zu schützen ist. Aus diesem Grunde ist der
Abbrand an der Unterseite zu berücksichtigen.

An Unterseite
Gipsbauplatte
üblich

Abb. 8 Beispiel fur eine Deckenkonstruktion RE1 30. (U) Fußbodenbelag, ( b ) Holz-
werkstofilatten, ( C ) Därnrnschicht.

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Für Decken unter Brandbeanspruchung von unten sollte die Versagenszeit im
Bereich von Bekleidungsstößen mit
d

EC5: Teil I-2:Gleichung C S tpr =


Pa
angenommen werden, wobei 5 ein Abminderungsbeiwert für die Berücksichti-
gung des erhöhten Abbrandes an Stößen und t, die Plattendicke ist.

5 = 0,6
EC5: Teil 1-2: Bild C.4 Abb. 9 Abminderungsbeiwert 6 für Versagenszeiten an Bekleidungsstopen für
Decken mit Brandbeanspruchung von unten.

Dächer
Eine Aufgabe der Dachkonstruktionen besteht, wie in Abb. 10 gezeigt, darin,
gegenüber Funkenflug und Wärmestrahlung ausreichend widerstandsfähig zu
sein. Nur in Sonderfällen übernehmen Dachkonstruktionen auch aussteifende
oder raumabschließende Funktionen, 2.B. bei Dachwohnungen.

Abb. 10 Mögliche Fälle der Brandbelastung von Dächern. (U) Feuerausbreitung


durch Funkenflug, (b) Wärmestrahlung.

Treppen
Die Berechnung der Feuerwiderstandsdauer von Treppen erfolgt nach den
gleichen Grundsätzen wie für Einzelbauteile. Im Brandfall können Treppen 2.B.
für den Fluchtweg eventuell notwendig sein. Die lastabtragende Funktion darf
eine Treppe in einem Fluchtweg während des Brandfalls nicht verlieren. Treppen
für raumabschließende Zwecke werden sehr selten ausgeführt.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E 1217


Verbindungen, Fugen
Verbindungen im Lastfall Brand werden in STEP C19 behandelt. Insbesonders
Verbindungen zwischen Wänden und Decken mit raumabschließender Funktion
müssen so ausgeführt sein, daß sie einem vorzeitigen Durchtritt des Feuers oder
heißer Gase widerstehen. Andernfalls versagt die Gesamtkonstruktion vor der
erforderlichen Zeitdauer. Auch Fugen zwischen den Bekleidungen müssen
ausgefüllt werden.

Abb. 11 Beispiele fur Verbindungen von Decke und Wand. ( U ) Seite der Brandbean-
spruchung, ( b ) Brandausbreitung.

Die linke Verbindung in Abb. 11 wäre auch nach einer gewissen Branddauer
nicht so widerstandsfähig wie die rechte Verbindung in Abb. 11.

Verbindungen zu angrenzenden Decken und Wänden sollten so ausgeführt


werden, daß
- die Verbindung nicht durch das Versagen der Bekleidung beeinträchtigt
wird,
- Spalten an Grenzflächen kein. Eindringen des Feuers in den Raum
zwischen Bekleidung und Holzrahmen zulassen,
- das Versagen der Bekleidung einer Konstruktion kein Eindringen des
Feuers in den Raum zwischen Bekleidung und Holzrahmen der angrenzen-
den Konstruktion zuläßt.

Wenn beim Anschluß von Decken und Wänden an massive Konstruktionen


Spalte an den Grenzflächen durch unterschiedliche Verformungen oder Ausdeh-
nungen auftreten können, sollten die Grenzflächen mit nichtbrennbaren Bau-
stoffen gedichtet werden.

Mindestabmessungen
In den meisten Ländern werden Mindestabmessungen vorgegeben, um eine
bestimmte Feuerwiderstandsdauer zu garantieren (ohne Nachweis). Ungeschützte
Holzrahmenteile sollten eine Mindestabmessung von 38 mm aufweisen.

Einzelne Platten für Wände sollten eine Mindestdicke t,,,, in Abhängigkeit der
Spannweite I, in mm der Tafel von:

STEP/EUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


tP,nun
. lP = inmm
EC5: Teil 1-2: C 6,7 62,5

aufweisen.

Bei einlagigen Beplankungen sollten Holzwerkstoffe eine charakteristische


Rohdichte von mindestens 350 kg/m3 haben.

Beispiel
Für eine nicht lastabtragende Konstruktion einer Innen- oder Außenwand ergab
sich im Versuch das Versagen auf der gegenüberliegenden Seite nach 65 min
Brandbelastung auf der Innenseite.

Abb. 12 Nichttragende Wand. ( a ) Außenseite, (b) Innenseite, ( C ) Nägel 21 X 40, (d)


Holzwerksto@latte, ( e ) Mineralfaserplatte, Ifl Vollholz 60 X 97 mm, (g)
Vollholz 25 X 46 mm, ( h ) Nägel 34 X 80, (i) Holzwerkstofilatten mit Nut
und Feder.

Gemäß EC5: Teil 1-2 sind für raumabschließende Bauteile (EI) vor allem
folgende Nachweise zu erbringen:
a) Feuerangriff von einer Seite
b) Die verbleibenden Schichten sollten zusätzlich zur geforderten
Feuerwiderstandsdauer (Zunahme der Temperatur um nicht mehr als 140
K ) eine Versagenszeit von 15 min aufweisen
C) Sicherheitszuschlag von 5 min für die Außenschicht (maximaler
Temperaturanstieg an jedem Punkt um höchstens 180 K )
d) Restquerschnitt der Holzrahmenbauteile beträgt mindestens 60% des
Querschnitts, der für die Ausführung bei Normaltemperatur notwendig ist.

Nachweis für EI 40:


a) Feuerangriff nur von einer Seite (siehe oben).
b) Versagenszeiten.
Holzwerkstoffplatte 8,4 min
Mineralfaserplatte 20,4 min
Holzplatte 20,8 min
Summe aller Schichten = 8,4 + 20,4 - 2 + 20,8 = 70,O min > 40 + 15 = 55 min

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C) Sicherheitszuschlag für die Außenlage von 5 rnin
Summe aller Schichten, ausgenommen Außenschicht = 8,4 + 20,4 - 2 =
49,2 rnin > 40 + 5 = 45 rnin

d) Restquerschnitt.
Abbranddauer des Holzrahmens 3 1,6 min
Abbrandrate für Vollholz 0,8 mmlmin
Abbrandtiefe 25,3 mm.
Höhe des Restquerschnitts 71,7 mm = 74% > 60%.

Zusammenfassung
Die geprüfte Wand erfüllL die Anforderungen a) bis d) für die raumab-
schließende Funktion EI 40. Obwohl die Konstruktion iin Brandversuch für 65
min die raumabschließende Wirkung beibehielt, würde sie rechnerisch die
Eigenschaft EI 60 nicht erfüllen.

Literatur
Arbeitsgemeinschaft Holz e.V. Düsseldorf (1971). Brandverhalten von Holzkonstruktionen.

Hartl, H. (1990). Informationsheft "Brandverhalten von Holzkonstruktionen".

Kordina, K.; Meyer-Ottens, C. (1994) Holz Brandschutz Handbuch.

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Holz-Beton-Verbundkonstruktionen

STEP E I 3 Inhalt
Englischer Originalbeitrag: In diesem Beitrag werden Holz-Beton-Verbundkonstruktionen besonders im
A . Ceccotti Hinblick auf ihr Verhalten in Gebäuden behandelt. Die wichtigsten Besonderheiten
Universiti degli dieser Bauart sowie der Einfluß der Umgebungsbedingungen werden aus der Sicht
Studi di Firenze des Tragwerksplaners dargestellt. Am Ende des Beitrags wird ein Rechenbeispiel
gezeigt.

Einleitung
Holz-Beton-Verbundkonstruktionen stellen eine gemischte Bauweise dar, bei der
die Querschnitte von Biegeträgem oder Stützen aus den beiden unterschiedlichen
Materialien Holz und Beton bestehen, die meist durch mechanische Verbindungs-
mittel nachgiebig miteinander verbunden sind. Bei der überwiegenden Anzahl der
Anwendungen von Holz-Beton-Verbundkonstruktionen befindet sich der Beton in
der Biegedmckzone und das Holz in der Biegezugzone eines Biegeträgers. Damit
können die Eigenschaften der beiden Baustoffe optimal ausgenutzt werden. Die
Festigkeit und Steifigkeit des Betons sind bei Druckbeanspruchung am größten.
Wird Holz in der Zugzone eingesetzt, entfällt der in üblichen Stahlbetonquer-
schnitten vorhandene Beton in der Zugzone, der im gerissenen Zustand nicht mit-
trägt und lediglich eine Belastung darstellt. Dadurch können Querschnitte entstehen,
die bei einem vergleichsweise geringen Eigengewicht eine hohe Steifigkeit auf-
weisen. Die Tragfähigkeit wird im Vergleich mit einer reinen Holzbalkendecke etwa
verdoppelt, die Biegesteifigkeit erreicht die drei- bis vierfachen Werte. Abb. 1 zeigt
einen Vergleich der Eigengewichte von drei unterschiedlichen Deckenaufbauten
abhängig von der Spannweite für eine veränderliche Belastung von 2,5 kN/m2.

Durch die Verwendung von Holz-Beton-Verbunddecken wird die Nachgiebigkeit


der Decke, die bei reinen Holzdecken oft störend empfunden wird, deutlich
verringert. Die Dämpfung von Schwingungen ist bei Holz-Beton-Verbunddecken
zudem wesentlich ausgeprägter als bei Holzdecken, so daß Schwingungsnachweise
für den Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit sehr viel leichter zu erfüllen sind.

Die Scheibensteifigkeit der Betondruckzone einer Holz-Beton-Verbunddecke kann


im Vergleich zu einer Holzdecke als unendlich groß angesehen werden. Diese
Eigenschaft ist z.B. bei einer Erdbebenbeanspruchung des Gebäudes von großem
Vorteil, da durch die steifen Deckenscheiben die Form des Gebäudes erhalten bleibt.
Dies kann bei einer Holzdecke in der Regel nicht vorausgesetzt werden. Voraus-
setzung für dieses giinstige Verhalten bei Erdbebenbeanspruchung ist natürlich eine
wirksame Verankerung der Holzbalken sowie der Betonplatte im umgebenden
Mauerwerk (siehe Abb. 2).

Durch das Aufbringen einer Betonplatte auf bestehende Holzbalkendecken wird


auch der Schallschutz verbessert. Wegen der deutlich höheren Masse wird einerseits
die Luftschallübertragung verringert, zusätzlich wird durch die größeren
Dämpfungswerte der Verbunddecke auch die Körperschallübertragung zurückgehen.

Die Betonplatte stellt bei einer Brandbeanspruchung eine wirksame Barriere gegen
Feuerausbreitung dar. Damit wird der Feuerwiderstand der Konstruktion im
Vergleich zu einer reinen Holzbalkendecke verbessert. Die Holzbalken selbst weisen

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außerdem eine größere Feuerwiderstandsdauer auf als entsprechende Stahl- oder
Spannbetonfertigteilträger.

Abb. I Eigengewicht abhängig von der Spannweite fur eine veränderliche Belastung
von 2,5 kN/m2. (a) Massivholzdecke, (b) Holz-Beton-Verbunddecke, ( C )
Stahlbetondecke. Nach Natterer (1993).

Abb. 2 Beispiel einer Holz-Beton-Verbunddecke in einem erdbebengefährdeten


Mauerwerksbau. ( a ) Hauptträger, ( b ) Nebenträger, ( C ) Ziegelplatten, (d)
Betonplatte, ( e )Bewehrung, (f)Stabdübel mit Epoxydharz ins Holz eingeleimt,
(g) Stählerne Anker zur Verbindung von Mauerwerk und Betonplatte, (h)
Ringbalken aus Stahlbeton.

Holzbetondecken stellen daher eine wirtschaftliche Alternative für Stahlbetondecken


dar, insbesondere in der Altbaurenovierung. Der wirtschaftliche Vergleich kann
dabei nicht allein auf die Quadratmeterkosten einer Alternative bezogen werden, da
auch andere Kosten wie z.B. Einsparungen bei Fundamenten durch eine leichtere
Konstruktion oder ein geringerer Schalungs- und Rüstungsaufwand zu den Gesamt-
kosten beitragen. In einigen europäischen Ländern werden Holz-Beton-Verbundkon-
struktionen daher zunehmend eingesetzt, z.B. bei der Verstärkung bestehender Holz-
balkendecken in Mauerwerksbauten, als Decken in Neubauten oder iin Brückenbau.

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In Skandinavien werden vorgefertigte
- Holz-Beton-Elemente auch als Wandtafeln
verwendet, wobei die Betonscheibe als Aussteifung dient und die Holzrippen die
notwendige Biegesteifigkeit bei einer Druckbeanspruchung gewährleisten.

Erfahrungen aus den letzten 20 Jahren zeigen, daß Holz-Beton-Verbundkonstruk-


tionen trotz des unterschiedlichen Verhaltens der beiden Baustoffe Holz und Beton
ein ausgezeichnetes Trag- und Verformungsverhalten aufweisen. Bei der Bemessung
und Konstruktion ist das unterschiedliche Verhalten des Holzes und des Betons,
besonders im Hinblick auf Kriechen und Schwinden, besonders zu beachten. In den
nachfolgenden Abschnitten wird dargelegt, worauf bei der Bemessung dieser Bauart
besonders zu achten ist.

Verbindungsarten
Abb. 3 zeigt eine Übersicht über die am meisten verwendeten Verbindungen
zwischen Betonplatte und Holzträgem. Hierbei wurden die Verbindungen nach ihrer
Steifigkeit eingeteilt. Die Nagel-, Schrauben und Stabdübelverbindungen in Abb.
3a weisen die geringste Steifigkeit auf. Verbindungsmittel wie Einlaß- oder Einpreß-
dübel bzw. Nagelplatten, die weniger tief ins Holz eindringen, sind steifer als
Verbindungen mit stiftförmigen Verbindungsrnitteln (siehe Abb. 3b). Eine weitere
Erhöhung der Steifigkeit läßt sich mit vorgefrästen oder vorgebohrten Vertiefungen
im Holz erreichen, in die der Beton eindringt und die nach der Aushärtung als
Dübel wirken (siehe Abb. 3c). Praktisch starre Verbindungen ergeben sich bei
Leimverbindungen wie sie in Abb. 3d dargestellt sind.

A L - iI

Abb. 3 Beispiele fur Holz-Beton-Verbindungen. ( a l ) Nägel, (a2) Stabdübel aus


Betonstahl, (a3, a 4 ) Schrauben, ( b l ) EinlaJdübel, ( b 2 ) Einpreßdübel, ( b 3 )
Stahlrohrstücke, (b4) Nagelplatten, ( c l ) vorgebohrte Vertiefungen mir Verbin-
dungsmitteln gegen Abheben, (c2) viereckige Vertiefungen mit Verbindungs-
mitteln, (c3) Kerven mit vorgespannten Stahlstäben, (c4) Brettsrapeldecke mit
stählernen Scherplatten, ( d l ) Fachwerk aus Stahlstäben mit dem Holzträger
verleimt, (d2) in den Holzträger eingeleimtes Stahlblech.

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Die wirksame Biegesteifigkeit EIq des Verbundquerschnitts beträgt für die
verschiedenen Verbindungen in Abb. 3 zwischen etwa 50% (Abb. 3a) und bis zu
100% (Abb. 3d) der Biegesteifigkeit eines Querschnitts mit einer vollständig starren
Fuge. Für den Fall einer unendlich großen Fugensteifigkeit kann bei der Spannungs-
ermittlung von einer linearen Dehnungsverteilung über die Quersctinittshöhe ausge-
gangen werden. Die unterschiedlichen Elastizitätsmoduln der Baustoffe Holz und
Beton können dabei wie bei der Berechnung von zusammengesetzten Biegeträgern
aus Vollholz und Holzwerkstoffen berücksichtigt werden (siehe STEP B9 und B 10).

In den Fällen, in denen die Nachgiebigkeit der Verbindung zwischen Holz und
Beton nicht mehr vernachlässigt werden kann, muß die Verschiebung in der Fuge
bei der Spannungsermittlung berücksichtigt werden. Der Gesamtquerschnitt bleibt
in diesem Fall bei einer Biegebeanspruchung nicht mehr eben (siehe Abb. 4). Der
Nachweis der Verbundkonstruktion kann in diesem Fall nach dem in STEP B1 1
dargestellten Verfahren erfolgen. Dies ist in der Regel fur die in Abb. 3a bis 3c
dargestellten Verbindungsarten nowendig.

Tragverhalten
Die für die Berechnung notwendigen Materialeigenschaften des Betons sind der
charakteristische Festigkeitswert f„, der Mittelwert des Elastizitätsmoduls E„ und
die Kriechzahl 4. Zahlenwerte können aus EC2 entnommen werden.

Abb. 4 Tragverhalten eines Holz-Beton- Verbundträgers mit nachgiebiger Verbindung.


Oben: Gesamtquerschnitt bleibt nicht eben; Mitte: Betonplatte unter Druck-
und Biegebeanspruchung, Holzbalken unter Zug- und Biegebeanspruchung
und Verbindung unter Scherbeanspruchung; Unten: konstante Steigung in der
Dehnungsverteilung, Normalspannungsverteilung zusammengesetzt aus Längs-
und Biegespannungen.

Für die Holzbauteile ist die Kenntnis der charakteristischen Biegefestigkeit f,,,des
Elastizitätsmoduls E,,„„ und des Verformungsbeiwerts kdf nötig. Die fur das
Tragverhalten wichtigste Eigenschaft ist jedoch die Steifigkeit der Holz-Beton-

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Verbindung, die durch den Verschiebungsmodul Kser bzw. Ku angegeben werden
kann. Die Größe des Verschiebungsmoduls bestimmt die Spannungsverteilung über
die Höhe des Verbundquerschnitts.

Die Tragfähigkeit und die Steifigkeit der Holz-Beton-Verbindung sind durch


Versuche nach EN 26891 zu bestimmen. In Kurzzeitversuchen kann damit das
Trag- und Verformungsverhalten der verwendeten Verbindungen, auch unter
Berücksichtigung eventueller Zwischenschichten (siehe h, in Abb. 4) zwischen
Beton und Holz, festgestellt werden. Ein Beispiel für eine Versuchsanordnung ist
in Abb. 5 dargestellt. Aus den Kurzzeitversuchen nach EN 26891 kann der
Verschiebungsmodul Kseraus Kser= 0,4 F„, 1 V, ermittelt werden (siehe STEP Cl).

Abb. 5 Mögliche Versuchsanordnung zur Bestimmung des Trag- und Verformungsver-


haltens einer Holz-Beton-Verbindung.

Auch wenn in Wirklichkeit beim Erreichen des Grenzzustands der Tragfähigkeit


bereits plastische Verformungen im Beton und in den Verbindungen auftreten
können, darf für die Schnittgrößenermittlung doch ein linear-elastisches Verhalten
angenommen werden. Um die plastischen Verformungen näherungsweise zu berück-
sichtigen, wird für den Elastizitätsmodul des Betons ein nominaler Sekantenmodul
(siehe EC2 und EC4) und für den Verschiebungsmodul der Verbindungen ein wirk-
samer Sekantenmodul verwendet. Die in der Schnittgrößenermittlung einzusetzenden
Steifigkeitswerte des Betons werden unter der Annahme eines nicht gerissenen
Querschnitts berechnet. Allerdings wird beim Spannungsnachweis des Betonteilquer-
Schnitts die Zugfestigkeit des Betons nicht in Rechnung gestellt. Auf der Druckseite
wird als Druckfestigkeit der Grenzwert der Druckspannung angenommen, bei dem
plastische Verformungen des Betons stattfinden (siehe EC2). Wenn nicht der
gesamte Betonteilquerschnitt überdrückt ist, muß eine entsprechende Bewehrung
angeordnet werden. Für den Verschiebungsmodul der Verbindung wird der Wert Ku
eingesetzt, wobei Ku = 0,6 F„ I V„, was etwa 213 Kse, entspricht. Dabei stellt der
Wert Ku einen Mittelwert und keinen 5%-Fraktilwert dar.

siehe auch NAD Daher wird empfohlen, auch beim Nachweis des Grenzzustands der Tragfähigkeit
bei der Ermittlung der Schnittgrößen und Spannungen Mittelwerte der Steifigkeits-
kennwerte der Baustoffe zu verwenden, obwohl bei Tragfähigkeitsnachweisen in der
Regel die 5%-Fraktilwerte zu verwenden wären. Außerdem gibt EC2 für den
Elastizitätsmodul nur Nennwerte an, die als Mittelwerte betrachtet werden. Würden
Mittelwerte der Verschiebungsmoduln zusammen mit 5%-Fraktilwerten des Elastizi-
tätsmoduls verwendet, würden die Spannungen in der Verbundkonstmktion zu
günstig, d.h. auf der unsicheren Seite, ermittelt. Beim Spannungsnachweis sind
natürlich trotzdem die charakteristischen Festigkeitswerte einzusetzen.

STEPEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E1315


Da sowohl Beton als auch Holz zum Kriechen neigen und der Beton außerdem in
Längsrichtung schwindet, ist dies beim Nachweis des Verbundquerschnitts, z.B.
durch eine Abminderung der Steifigkeitskennwerte des Betons, des Holzes und der
Verbindungen, zu berücksichtigen. Bei üblichen, nachgiebig verbundenen Holzbau-
teilen kann die Berücksichtigung des Kriechens unterbleiben, da von einem überein-
stimmenden Kriechverhalten des Holzes und der Verbindungen ausgegangen wird.
Bei Holz-Beton-Verbundkonstruktionen reagieren die Teilquerschnitte dagegen
unterschiedlich auf Veränderungen des Umgebungsklimas. Die Abminderung der
Steifigkeitskennwerte stellt eine Näherung dar, die die tatsächlich auftretenden
Verformungen überschätzt. Sie liegt daher aus der Sicht des Tragwerksplaners auf
der sicheren Seite.

Schwindverformungen des Betons in Längsrichtung verringern die Verformung und


damit auch die Belastung der Verbindungsmittel. Dadurch wird allerdings auch die
Durchbiegung des Verbundträgers erhöht. Diese zusätzliche Durchbiegung kann
durch eine Überhöhung der Konstruktion vor dem Einbringen des Betons ausge-
glichen werden. Da während des Aushärtens des Betons bereits der größte Teil der
Schwindverformungen auftritt, und die Verbundkonstruktion während dieser Zeit
unterstützt ist, wird der Einfluß des Schwindens wesentlich verringert. Eine weitere
Verringerung wird durch die Risse im Beton bewirkt, die bei einer durch
behindertes Schwinden verursachten Zugbeanspruchung auftreten.

Das unterschiedliche Verhalten des Betons und des Holzes bei Änderungen des
Umgebungsklimas - Beton reagiert vor allem auf Temperaturänderungen und das
Holz überwiegend auf Feuchteänderungen - stellt nur dann ein Problem dar, wenn
die Verbindungen zwischen Holz und Beton sehr steif sind und es sich um lange
Bauteile handelt.

Empfehlungen für Entwurf und Ausführung


Nachfolgend werden einige grundsätzliche Empfehlungen für Entwurf und
Ausführung gegeben, die helfen sollen, Fehler zu vermeiden.

- Es sollte grundsätzlich trockenes Holz verwendet werden. Ist dies nicht


vollständig möglich, sollte das Holz zumindest herzfrei eingeschnitten sein,
um größere Risse im Bereich der Verbindungsmittel zu vermeiden. Zusätzlich
sollte nach dem Betonieren länger als für Betondecken nötig abgestützt
werden.
- Verbindungsmittel sind - abhängig von der Nutzungsklasse - vor Korrosion
zu scfiützen. Dies kann über eine Feuerverzinkung, eine Passivierung oder
durch die Verwendung nichtrostender Verbindungsmittel geschehen.
- Bei dicken Betonplatten ist eine Bewehrung erforderlich, um breitere Risse
auf der Zugseite des Betonteilquerschnitts zu vermeiden.
- Beim Einbringen des Betons ist das Holz vor Feuchte zu schützen. Möglich-
keiten sind die Verwendung von schützenden Folien oder die Verwendung
von Beton mit Zusätzen, die einen kleinen Wasser-Zementwert möglich
machen. Dies verringert außerdem das Schwinden des Betons. Manche
Holzsorten, 2.B. Lärche, enthalten Stoffe, die das Aushärten des Betons
verlangsamen oder örtlich verhindern.
- Bei großen Spannweiten sind nachgiebigere Verbindungsmittel besser, da
Zwängungsspannungen durch das Schwinden des Betons dann leichter
abgebaut werden können.

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Bemessungsbeispiel
Eine Holz-Beton-Verbunddecke hat als Einfeldträger eine Spannweite 1 = 4,00 m
und einen Balkenabstand von 500 mm. Als Verbindungsmittel werden Betonstähle
verwendet, die ins Holz eingeleimt werden (siehe Abb. 3a). Die Abmessungen sind
in Abb. 6 angegeben.

Betonplatte: Festigkeitsklasse C25130 nach ENV 206. Die mitwirkende


Breite wird nach EC4 berechnet.

Holzbalken: Vollholz der Festigkeitsklasse C22 nach prEN 338


"Bauholz; Festigkeitsklassen".

Verbindungsmittel: Betonstahl B500B nach EN 10080, d = 10 mm,


sef= 0,75, ,s + 0,25 s„ = 120 mm.

Abb. 6 Beispiel einer Holz-Beton-Verbunddecke. Abmessungen und Verbindungs-


mittelanordnung.

Charakteristische Werte der ständigen und veränderlichen Last pro Balken


für den maßgebenden Lastfall
Ständige Last: g, = 0,7 kN/m (Lasteinwirkungsdauer ständig)
Veränderliche Last: q, = 4,15 kN/m (Lasteinwirkungsdauer mittel)
Bemessungswert der Querkraft:

Bemessungswert des Biegemoments:

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Charakteristische Werte der Baustoffeigenschaften
Beton fckcube = 30 f„ = 2,6 N/mm2 Ecm = 30000 N/mm2
, = 2,25 (Lasteinwirkungsdauer ständig)
, = 1,35 (Lasteinwirkungsdauer mittel)
Holz fm,k = 22 N h m 2 f,,o,k = 13 N/mm2 f = 2,4 N/mm2
siehe auch NAD PO,^ = 340 kg/m3 .ht,o,k = 25,l N/mm2 E,,„„ = 1OOOO N/mm2

EC5: Teil 1-1: 3.1.7 Nutzungsklasse 1: kmod = 0,8


EC5: Teil 1-1: 4.1 kdef = 0,6 (Lasteinwirkungsdauer ständig)
kdef = 0,25 (Lasteinwirkungsdauer mittel)
Verbindungsmittel f , = 500 N/mm2
My,k = 0,8 ~ 5 0 0. 103/ 6 = 66700 Nmm
K„, = 0,125 d E,,„, = 12500 N/mm
Ku = 2 K„, / 3 = 8330 N/mm
Die Werte des Verschiebungsmoduls stammen aus Versuchen und gelten für den
Fall, daß die Verschiebungen im Beton vernachlässigt werden können (d.h. fürfckcu„
2 30 N/mm2 und eine Eindringtiefe des Stabdübels im Beton von mindestens 3 d)

Bemessungswerte der Festigkeit


Beton
0'83 '

fcd = &k,Cubi?= 14,l NImrn2


195

Holz

Bemessungswerte der Tragfähigkeit der Verbindungsmittel


Örtliches Druckversagen des Betons

mit
d ist der Durchmesser des Verbindungsmittels,
f„ ist der charakteristische Wert der Würfel- bzw. Zylinderfestigkeit des Betons
(fek = 95 hd)7
y, ist der Teilsicherheitsfaktor für den Baustoff (Y,,= 1,25),
E„ ist der Nennwert des Elastizitätsmoduls des Betons (E„ = 30000 N/mm2).

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Scherversagen des Verbindungsmittels

Rd = Pm = 0,8f, = 25,l iW
4 Y,
worin f, die Zugfestigkeit des Verbindungsmittelstahls ist Cf, = 500 ~/mrn').

Verbindungsrnittel im Holz
Wegen der Einspannwirkung des Stiftes im Holz werden die Gleichungen für die
Berechnung von Stahlblech-Holz-Verbindungen nach EC5 verwendet. Wegen des
geringen Stiftdurchmessers ist hier Gleichung 6.2.2d maßgebend.
Rd = 1,5 / m d = 64.49 W maßgebend

Nachweise
Berechnung bei der Anfangsverformung
Die wirksame Biegesteifigkeit des Verbundquerschnitts wird nach EC5 Anhang B
berechnet. Um einen eventuellen Spalt zwischen Beton und Holz berücksichtigen
zu können, sollte in den Gleichungen des Anhangs B der Ausdruck (h, + h2)/2
durch ( U , + U,) ersetzt werden.

Querschnittswerte
Al = 20000 mm2 A, = 30000 mm2
I, =2,66.106mm4 I, =100.106mm4
Y, = 0,16 Y2 =1,00
al =91,2mm u2 = 28,8 mm
EIeI = 2,12 . 1012Nmm2

Bemessungswerte der Normalspannungen


Beton
G , , ,= 2,93 N/mm2
o,,,,, = 4,06 N/mm2
a , , = 2,93 + 4,06 = 6,99 < 14,l N/mm2
o , , = 4,06 - 2,93 = 1,13 < 1,47 N/mm2
Die Zugspannung im Beton ist kleiner als der Bemessungswert der Zugfestigkeit.
Der Beton ist daher nicht gerissen.

Holz
G,,~,, = 1,95 N/mm2
= 6,77 N/mm2

Bemessungswerte der Schubspannungen im Holz (Beton nicht maßgebend)


'2rna.x = 0,56 N/mm2 < 1,47 N/mm2

Beanspruchung der Verbindungsmittel

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Berechnung im Endzustand
Da der Beton im Vergleich zum Holz höhere Kriechverformungen aufweist, werden
die Spannungen im Holz mit der Zeit zunehmen und im Beton abnehmen. Daher
genügen im Prinzip die Nachweise für den Beton im Anfangs- und für das Holz im
Endzustand.

Die Spannungen werden mit Hilfe von wirksamen Elastizitätsmoduln berechnet, die
mit den Kriechbeiwerten der jeweiligen Lasteinwirkungsdauerklasse anteilig
ermittelt werden können. Für einen Lastanteil von 15% ständiger und 85% mittel-
langer Lasteinwirkungsdauer ergibt sich mit den Kriechbeiwerten (I des Betons und
den Beiwerten kdefdes Holzes:

Auch für die Berechnung des Verschiebungsmoduls wird der wirksame Elastizitäts-
modul des Holzes verwendet:
Ku = 2 K„, 1 3 = 6450 N/mm
Querschnittswerte
Al = 20000 mm2 A2 = 30000 mm2
I, = 2,66 . 106 mm4 I, = 1 0 0 - 1 0 ~ ~ ~ ~
y, = 0,26 y2 = 1,OO
a, =94mm a2 = 26 mm
EIef = 1,53 - 1 012 Nmm2

Bemessungswerte der Normalspannungen


Beton
o , , , , = 2,83 N/mm2
o,,,,, = 2,29 N/mm2
o,, = 2 , 8 3 + 2 , 2 9 = 5 , 1 2 < 14,l N/mm2
o,, = 2,83 - 2,29 = 0,54 N/mm2 (Druck)

Holz
o,,,,, = 1,88 ~ / m m '
= 7,25 ~ / m m '

Bemessungswerte der Schubspannungen im Holz (Beton nicht maßgebend)


T,„ = 0,58 ~ / r n m , C 1,47 ~ / r n r n ~

Nachweis der Durchbiegung für den Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit


Für den Durchbiegungsnachweis im Endzustand werden die gleichen wirksamen
Elastizitätsmoduln verwendet wie für den Nachweis des Grenzzustands der Trag-
fähigkeit. Die Durchbiegungsberechnung kann auch für die einzelnen Lasteinwir-
kungsdauerklassen getrennt durchgeführt werden; die einzelnen Durchbiegungsan-
teile sind dann zu addieren. Durch den höheren Verschiebungsmodul im Grenzzu-
stand der Gebrauchstauglichkeit ergibt sich gegenüber dem Nachweis der Tragfähig-
keit eine unterschiedliche wirksame Biegesteifigkeit.

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Querschnittswerte
A, = 20000 mm2 A2 = 30000 mm2
E, = 12200 N/mm2 E, = 7740 N/mm2 K„, = 9680 N/mm
Y, = 0,35 y2 = 1,OO
a, = 88 mm a2 =32mm
EIef = 1,70 . 10" Nmm2

Enddurchbiegung ohne Überhöhung:

Zusammenfassung
Holz-Beton-Verbundkonstruktioneneignen sich ausgezeichnet als Decken- oder
Wandkonstruktionen, insbesondere wenn eine hohe Steifigkeit erforderlich ist. Die
Bemessung kann in Anlehnung an die Regeln für nachgiebig zusammengesetzte
Biegeträger und Druckstäbe aus Holz oder Holzwerkstoffen erfolgen. Obwohl Beton
und Holz als Baustoffe unter Langzeitbeanspruchung beträchtliche Kriechverfor-
mungen aufweisen, nimmt die wirksame Steifigkeit des Verbundquerschnitts
weniger ab als die der beteiligten Baustoffe. Dadurch zeigen Holz-Beton-Verbund-
konstruktionen auch ein sehr gutes Langzeitverhalten.

Literatur
RILEM TC 111 CST (1992). Behaviour of timber-concrete load-bearing structures. Proc. of ACMAR-
Ravenna International Symposium, Dept. of Civil Engineering, University of Florence, Italien.

Natterer, J. (1993). Constructions en bois 11. Dissertation, Notes du cours IBOIS - EPFL, Lausanne,
Schweiz.

STEPlEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E1311 1


Aussteifung von Tragwerken

STEP E14 Inhalt


S. Winter Es werden die Minimalanforderungen für die räumliche Aussteifung von Tragwerken
Beratender Ingenieur und ein Berechnungsverfahren für die Lastverteilung bei unsymmetrischen, statisch
der ARGE HOLZ unbestimmten Aussteifungen angegeben. Die verschiedenen Konstruktionsmöglich-
keiten für Aussteifungen werden diskutiert. Ein Beispiel für die Aussteifung einer
Dachkonstruktion mit Windrispenbändern ist enthalten.

Einleitung
Tragwerke müssen für die Abtragung horizontaler Lasten bemessen werden. Wind-
und Erdbebenlasten sind die wichtigsten horizontalen Kräfte, die auf Tragwerke
einwirken. An dieser Stelle wird die Abtragung der Windlasten detailliert darge-
stellt, für die Eignung der vorgestellten unterschiedlichen Konstruktionselemente zur
Abtragung von Erdbebenlasten werden lediglich qualitative Aussagen getroffen.

Kriterien für die räumliche Aussteifung


Aussteifungssysteme für die Abtragung horizontaler Lasten können aus vertikalen
Elementen oder Kombinationen aus vertikalen und horizontalen Elementen bestehen.
Die Minimalkriterien sind (Abb. I):
- Bei vorhandener Deckenscheibe müssen mindestens drei Wandscheiben
vorhanden sein, die sich nicht in einem Punkt schneiden und nicht alle
parallel zueinander sind.
- ohne Deckenscheibe müssen mindestens vier Wandscheiben vorhanden sein,
von denen sich nicht mehr als jeweils zwei Scheiben in einem Punkt
schneiden.

Zu dieser Grundeinheit können weitere Tragwerksteile addiert werden, die so ausge-


steift sind, daß die auf sie einwirkenden horizontalen Lasten ganz oder teilweise
durch die Grundeinheit bis zur Gründung weitergeleitet werden können.

Die in Abb. 1 gezeigten Aussteifungen ermöglichen einen Gleichgewichtszustand,


z.B. für Wind auf die Schmalseiten; sofern die horizontalen Kräfte jedoch nicht
mittig oder symmetrisch wirken, entstehen Torsionsbeanspruchungen, die zu zusätz-
lichen Kräften in den Aussteifungselementen führen.

Abb. 1 Minimalkriterien fur die räumliche Aussteifung

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Anordnung von aussteifenden Bauteilen
Aussteifende Elemente innerhalb eines Tragwerks sollten so angeordnet werden, daß
eine symmetrische Lastabtragung ermöglicht wird. Andernfalls müssen die aus der
Exzentrizität zwischen Lastschwerpunkt und Schwerpunkt der Aussteifung resultie-
renden Zusatzkräfte berücksichtigt werden. Dies kann in Anlehnung an Brüningkioff
et. al. (1989) bei bis zu zweigeschossigen Gebäuden in Holztafelbauart vernach-
lässigt werden, wenn Wandscheiben in mindestens vier umlaufenden Wänden ange-
ordnet sind. Die Stützkräfte dürfen bei durchlaufenden Deckenscheiben näherungs-
weise wie für einen Baken ermittelt werden, der über den Innenstützen gelenkig
gelagert ist. Die verwendeten Aussteifungselemente sollten je Lastrichtung gleiche
Steifigkeiten aufweisen, da andernfalls ebenfalls Zusatzkräfte infolge Exzentrizität
entstehen. Das nachfolgende näherungsweise Berechnungsverfahren (Abb. 2) gilt
nur unter der Voraussetzung gleicher Steifigkeiten der Wandscheiben. Sofern eine
genauere Berücksichtigung der Steifigkeit der Wandtafeln erfolgen soll, müssen
nach Steinmetz (1992) die Biegeverformung, die Schubverformung und die Nach-
giebigkeit aller Verbindungsmittel berücksichtigt werden.

Abb. 2a Kr@e in aussteifenden Bauteilen, statisch bestimmtes System.

Abb. 2b Aussteifende Bauteile in einem statisch unbestimmten System.

Die Kräfte im System nach Abb. 2b können entsprechend der Gleichung (1) bis (8)
berechnet werden.

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Windrichtung W,

Windrichtung W,

Vertikale Aussteifungskonstruktionen

Rahmentragwerke
Rahmen mit biegesteifen Ecken können sowohl vertikale als auch horizontale Kräfte
iibernehmen. Sie werden insbesondere in eingeschossigen Hallentragwerken
verwendet. Zur Herstellung der biegesteifen Ecken können Verbindungsmittel
(Dübelkreis) oder Keilzinkenverbindungen verwendet werden. Rahmentragwerke
werden im Regelfall nur zur Abtragung von Windlasten herangezogen. Für
zunehmende Lasten, z.B. bei der Beanspruchung durch horizontale Bremskräfte von
Krananlagen) nehmen die Querschnitte überproportional zu. Bei der Verwendung
von Verbindungsmitteln wird dies meist durch die Verbindungsmittelabstände
verursacht. Ein weiterer Nachteil ist der eingeschränkte Lichtraum des Bauwerkes.
Diese Gründe führen oft zu unwirtschaftlichen Lösungen.

Eingespannte Stützen
Sie können insbesondere bei Hallentragwerken mit Kranbetrieb aus Stahlbeton oder
Stahlbauteilen (2.B. eingespannte Stahlbetonstütze mit Köcherfundamenten)
eingestetzt werden. Bei geringeren horizontalen Lasten können auch eingespannte
R~indholz- (siehe STEP E19) oder Brettschichtholzstützen (Heimeshoff, 1983)
verwendet werden, z.B. für landwirtschaftliche Bauten oder kleinere Hallentrag-
werke. Die Berechnung der Verformungen und Spannungen kann in Überein-
stimmung mit EC5 erfolgen, für die Ausbildung der Stützenfüße sind in EC5 jedoch
keine Angaben enthalten. Für die Einspannung von Brettschichtholzstützen besteht
eine nationale deutsche Zulassung. Wegen der Gefährdung der vergossenen
Stützenfüße durch Pilzbefall infolge Feuchtigkeit müssen die eingespannten
Stützenteile sehr sorgfältig geschützt werden.

STEPtEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E 1413


Diagonale Aussteifung
Sie kann entweder aus druck- und zugsteifen Elementen, z.B. Fachwerkstreben aus
Kantholz, oder aus nur zugsteifen, im Normalfall kreuzweise angeordneten Bau-
teilen bestehen, z.B. Rundstahlstäben mit Spannschlössern. Diagonale Aussteifungen
werden entweder innerhalb von Wandkonstruktionen oder als sichtbares, gleichzeitig
gestalterische Funktionen erfüllendes Element eingesetzt.

Vertikale Scheiben
Sie bestehen aus Konstruktionshölzern aus Vollholz (Schwelle, Rähm, Stützen) und
kraftschlüssig verbundenen Holzwerkstoff- oder Gipsbauplatten. Die Schubkräfte
werden über eine große Anzahl dünner Verbindungsmittel (Nägel oder Schrauben)
entlang der Plattenränder in die Konstruktionshölzer übertragen (siehe STEP B13).
Vertikale Scheiben müssen an ihren Enden gegen Abheben gesichert sein, die auf
der jeweils gegenüberliegenden Seite auftretenden Druckkräfte müssen bei der
Bemessung der Druckstiele berücksichtigt werden. Wegen der guten Festigkeits-
eigenschaften eignen sich Spanplatten, OSB- und BFU-Platten fur die Herstellung
von Scheibentragwerken. Sie erfüllen in Holzrahmen- oder Holztafelbauteilen Mehr-
fach-Funktionen. Neben der Abtragung horizontaler Lasten tragen sie zu den Brand-
schutz-, Konvektions- und Schallschutzeigenschaften des Bauteils bei.

Abb. 3 Vertikale Aussteifungselemente, (U) Rahmen, (b) eingespannte Stütze, ( C )


Diagonalen, ( d ) Scheibe.

Horizontale Aussteifungskonstruktionen
Gebäude müssen in jedem Geschoß und im Dach durch horizontale Elemente
ausgesteift werden. Als aussteifende Elemente können entweder horizontale
Scheiben oder horizontal liegende Diagonalen verwendet werden. In Dächern liegt
die Aussteifungsebene in der Dachebene. In Geschoßdecken werden Holzwerkstoff-
platten zur vertikalen und horizontalen Lastabtragung herangezogen, in der horizon-
talen Ebene dienen sie zur Übertragung der Schubkräfte. Randbalken und Decken-
balken dienen zur Aufnahme der Biegebeanspruchung in der horizontalen Scheibe.
Sie wirkt wie ein Balken, der die horizontalen Kräfte zu den vertikalen Aus-
steifungen überträgt (siehe STEP B 13).

Horizontale oder in Dachebene liegende Diagonalen sind Teil eines Fachwerks in


diesen Ebenen, welches die Kräfte in die vertikalen Aussteifungen überträgt.
Deshalb müssen alle Verbindungen und die Zug- und Druckstäbe dieses Fachwerks
nachgewiesen werden.

Als Aussteiiüngen in Dachebene können Rundstähle oder Wiildrispen in Kombi-


nation mit Pfetten oder kleine Fachwerkträger verwendet werden. Nagelplatten-
binder müssen immer zusätzlich mit Bindern in Dachebene ausgesteift werden. Bei
Fachwerk- oder Brettschichtholzbindern wird die Aussteifung in Dachebene nicht
nur zur Abtragung der horizontalen Lasten herangezogen, sondern dient zusätzlich
zur Knick- undtoder Kippaussteifung (siehe STEP B1.5).

STEPJEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Abb. 4 Kombination unterschiedlicher Systeme zur Aussfeijiung einer Industriehalle.

Entwurf, Berechnung und Bemessung Details -


Vorgehen bei Entwurf und Bemessung
- Festlegung der Gebäudegeometrie und Festlegung der feststehenden
WändeIGebäudeteile, die zur Aufnahme horizontaler Kräfte ständig herange-
zogen werden können. In erdbebengefährdeten Regionen sollte gleichzeitig
mit der Festlegung des Systems zur Aufnahme der Windlasten auch das
Aussteifungssystem zur Aufnahme der Erdbebenlasten untersucht werden. Die
Duktilität des Aussteifungssystems beeinflußt die Erdbeben-Bemessungslast
(EC8: Teil 1-1 : 3.4). Spröde aussteifende Bauteile oder Verbindungen können
unter Umständen höhere Windlasten aufnehmen, führen aber bei der
Bemessung zur Aufnahme der Erdbebenlasten zu unwirtschaftlicheren Ergeb-
nissen.
- Ermittlung der horizontalen Lasten nach EC1 'und der Erdbebenlasten in
Zusammenhang mit EC8. Die tatsächlich vorhandenen Systeme zur Windlast-
abtragung, z.B. bis zur Dachebene durchlaufende Stützen in den Giebel-
wänden von Hallen, müssen berücksichtigt werden. Die Ermittlung der Lasten
nur über Einzugsflächen kann zu falschen Ergebnissen führen.
- Berechnung der resultierenden Kräfte in den Aussteifungselementen. Für
symmetrisch ausgesteifte Gebäude erfolgt dies nach den einfachen Regeln zur
Ermittlung der Reaktionskräfte in statisch bestimmten Tragwerken. Bei einem
Gebäude mit ungleicher Verteilung der aussteifenden Elemente oder un-
gleicher Steifigkeitsverteilung der Aussteifung, z.B. infolge großer Öffnungen
in den Wänden, ist die Torsionsbeanspruchung des Gebäudes zu berück-
sichtigen (vgl. Abb. 2b). Je größer der Abstand der aussteifenden Elemente
ist, um so größer ist der Torsionswiderstand des Tragwerks.
- Nachweis der Aufnahme der Kräfte, Sd IRd .
- Nachweis der Verbindungen der aussteifenden Bauteile. Der Kraftfluß von
der Einleitung der Kräfte bis zur Gründung muß nachgewiesen werden.
Folgende Verbindungen sind nachzuweisen:
- Einleitung der Kräfte von unmittelbar beanspruchten Bauteilen wie
Wandstielen oder Sparren in horizontale Elemente, z.B. Decken-
scheiben, insbesondere von Zugkräften infolge Windsog.
- Verbindungen innerhalb horizontaler Aussteifungen, z.B. Koppelungen
von Dach- oder Deckenelementen, Stabverbindungen horizontaler
Fachwerke, Verbindungen von Koppelpfetten zu Rahmenbindem, etc.

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Rundstähle mit Spannvomchtungen eignen sich besonders gut für die Aus-
steifung von Tragwerken. Sie werden meist individuell bemessen. Für die
Ausführung der Verbindungen bestehen sehr viele Möglichkeiten, einige
Beispiele sind in Abb. 5 angegeben. Aussteifungen mit Rundstählen können
große Kräfte übertragen und haben den Vorteil, daß sie durch ihre Verstell-
barkeit während der Montage zur Justierung der Konstruktion verwendet
werden können. Wegen der großen übertragbaren Kräfte sind die Verbin-
dungen mit Hinblick auf die gewünschte Duktilität bei Erdbebenbean-
spruchung sorgfältig zu bemessen, um ein Fließen des Rundstahles zu
ermöglichen. Bei entsprechender Detaillierung können Aussteifungen mit
Rundstählen zum positiven optischen Gesamteindruck des Bauwerks
beitragen.

Abb. 5 Verschiedene Aussteifungskonstruktionen ( a ) Vollholz-Diagonale, (6) Rund-


stahl-Diagonale, (c),(d)Rundstuhl-Diagonale mit GuJverbinder.

- Streben aus Vollholz oder Brettschichtholz werden entsprechend ihrer


Belastung unter Berücksichtigung der Knicklängen bemessen. Sie können
Druck- und Zugkräfte aufnehmen. Die Verbindungen können z.B. durch
Nägel, Bolzen, Holzwerkstoffplatten, Stahlblech-Holz-Verbindungen (Abb.
5) erfolgen. Diese Art der Aussteifung kann preiswerter sein als Rundstähle.
Ein Nachteil besteht in der erschwerten Montage. Eine Möglichkeit für das
Ausrichten der Konstruktion besteht nach dem Einbau der Streben nicht
mehr. Die Präzision der Ausführung muß daher sehr hoch sein. Durch die
Möglichkeit der Abtragung von Druck- und Zugkraften entstehen steifere
Konstruktionen mit geringen Verformungen. Bei erdbebengefährdeten Bauten
muß jedoch auf eine duktile Ausführung der Verbindungen geachtet werden,
2.B. durch entsprechend bemessene Nagelplattenverbindungen oder Verbin-
dungen mit dünnen Nägeln, Stabdübeln oder Bolzen.
- Scheiben aus Platten und Holzrahmen werden insbesondere beim Bau ein-
und mehrgeschossiger Häuser verwendet. Durch die Mehrfachfunktionen des
Bauteils ist diese Art der Aussteifung gleichzeitig die preiswerteste Möglich-
keit der Aussteifung. Bei der Verwendung von Holzwerkstoffplatten bestehen
sehr gute Möglichkeiten zur Vorfertigung. Die Verbindungen der Elemente
untereinander, insbesondere die Verbindung der Wand- und Deckenelemente
ist gesondert nachzuweisen. Schwebende Stöße schubbeanspruchter Platten
sind zu unterlegen, sofern kein gesonderter Nachweis ohne Unterlegung
erfolgt. Die charakteristischen Werte der Werkstoffeigenschaften der Holz-
werkstoff- oder Gipsbauplatten sind den jeweiligen Europäischen Produkt-
normen, Nationalen Anwendungsdokumenten oder Europäischen Zulassungen
zu entnehmen. Da zur Ermittlung der charakteristischen Werte der Tragfahig-
keit der Scheiben die Tragfähigkeit der Verbindungsrnittel nachzuweisen ist,
rnuß geprüft werden ob für die vorgesehenen Werkstoffe die charakteris-
tischen Werte der Lochleibungsfestigkeit f,,,bekannt sind. EC5 enthält nur

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E 1417


Angaben für Vollholz, Sperrholz und Hartfaserplatten. Die Tragfähigkeit der
Druck- und Zugstiele der Scheiben muß unter Berücksichtigung der
Kombination vertikaler und horizontaler Lasten erfolgen. Details zur Endver-
ankerung sind in Abb. 6 dargestellt.

Abb. 6 Endverankerung von Wandscheiben.

Beispiel
Aussteifung einer Dachkonstruktion mit Windrispenbändem.

Abb. 7 Aussteifung durch Windrispen.

Materialeigenschaften: Nadelholz C24 nach EN 338


Stahl Fe 360
Rillennägel 4,O X 60 mm,
Nutzungsklasse 2
km, = 0,9
a = 45" ß = arctan
7 64 = 39,4"
)-
9,30

W
H = - = 5,25 WV = F, z = = 6,79 WV
" 2 COS p

Nachweis der Aussteifung

Windrispenband 40 X 2,0
A„ = 40 . 2 - (2 - 5 2) - = 60 m m 2

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Nachweis der Nägel

Rillennägel 4,OX 60 m m
t I0,5 d = 2,O mm
R, = 034 L,,,, t , d

mit t, = 58 mm (Einschlagtiefe) d = 4,O mm (Nageldurchmesser).


Rd = 191 J Z d
f h,k = 0,082 p k d 4.3 = 0,082 . 350 . 4,04.3 = 18,9 Nlmm

M y ,d =-
= -
180 4,02v6
= 6015 Nlmm
YM 1,1

R, = 1,l 42 6015 . 13,l . 4,O = 873 N

6790
n = = 7,77 gewählt n = 8 Nägel
873

Anschluß von V und H„ durch Stahlwirikel

V = 3,05 kN ; H,, = 5,25 kN


Abb. 8 UntererAnschluß des Windrispenbandes:(l)Sparren 100/180 mm, (2)Beiholz
120/160 mm, (3) Fujpfetten 100/140 mm, (4) Windrispenband 40 X 2,O mm,
(5) Winkel 105 X 105 X 90 mm.

Das Beiholz (2) ist notwendig, um die Mindestnagelabstände bei der Befestigung
des Windrispenbandes einzuhalten. Die Winkel sind beide mit 8 Nägeln seitlich und
10 Nägeln in der Schwelle vernagelt. Entsprechend technischer Unterlagen des
Herstellers können die Bemessungswerte der Tragfähigkeit angenommen werden mit
V, = 9,94 kN und Hd = 7,89 kN

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Kombinierte Beanspruchung

Zusammenfassung
- Die Lastabtragung muß bis zur Ableitung der Kräfte in die Fundamente
detailliert werden, insbesondere müssen alle Verbindungen nachgewiesen
werden.
- Die Mindestanforderungen für die Anordnung aussteifender Elemente in
Tragwerken müssen erfüllt werden.
- Die Anordnung von aussteifenden Konstruktionen sollte unter Berück-
sichtigung der Steifigkeit der ~ u s s t e i f u n symmetrisch
~ zu den Lasten
erfolgen, um Zusatzkräfte infolge Torsion zu vermeiden.
- In erdbebengefährdeten Gebieten muß die Duktilität der Aussteifung
berücksichtigt werden. Der Entwurf der Aussteifungskonstruktion sollte
bezüglich der Abtragung von Erdbeben- und Windlasten optimiert werden.
- Bei der Auswahl der aussteifenden Konstruktion müssen Aspekte der Trag-
fähigkeit, Duktilität, Wirtschaftlichkeit, Montierbarkeit (Elementierung)
berücksichtigt werden.
- Windrispenbänder müssen sorgfältig vorgespannt werden, um einen kraft-
scfilüssigen Anschluß zu jedem Zeitpunkt zu gewährleisten.

Literatur
Brüninghoff, H. [Link]. (1989). Holzbauwerke: Eine ausführliche Erläuterung zu DIN 1052, Teil 1 bis
3. Deutsches Institut für Normung e.V., Deutsche Gesellschaft für Holzforschung e.V., 1. Auflage.
Beuth Verlag, Berlin, Köln, Gerrnany.

Steinmetz (1992). Die Aussteifung von Holzhäusem am Beispiel des Holzrahmenbaues. Holzbau Statik
Aktuell, Ausgabe Juli 1992J1. Arbeitsgemeinschaft Holz e.V., Düsseldorf, Germany.

Heimeshoff, B. (1983). Einspannung von Stützen aus Brettschichtholz durch Verguß in


Betonfundamenten. Holzbau Statik Aktuell, Ausgabe Juli 1983J7. Arbeitsgemeinschaft Holz e.V.,
Düsseldorf, Germany.

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Holzskelettbau - Prinzipien

STEP ~ 1 5 Inhalt
K. Schwaner Neben den allgemeinen Konstruktionsprinzipien werden die wesentlichen Trag-
Arbeitsgemeinschaft Holz systeme mit ihren Anschlüssen dargestellt. Es folgen einige Hinweise zur Aus-
steifung von Skelettbauten.

Einleitung
Dem modernen Holzskelettbau geht eine viele Jahrhunderte dauernde Entwick-
lung und Verbreitung voraus. In prähistorischer Zeit bestanden neben der
Methode Holzstämme einfach horizontal übereinander zu stapeln bereits die
ersten Ansätze, Schutzbauten zu errichten, indem Pfahle senkrecht in den Boden
eingegraben lind durch horizontal angeordnete Pfetten zu einem tragenden
Skelett untereinander verbunden wurden. Zwischenwände wurden mit Flechtwerk
ausgefüllt und teilweise mit Lehm bestrichen. Mit solchen Pfostenbauten
errichtete man erstmals Konstruktionen, bei denen das tragende Gerüst von den
statisch nicht mittragenden Wandfüllungen getrennt war.

Aus der frühen Pfosten-Riegelbauweise entwickelte sich im Mittelalter der


klassische Fachwerkbau. Heute noch erhaltene Beispiele zeugen von der hohen
handwerklichen Kunst ihrer Baumeister (Abb. I). Die Fachwerkbauten verloren
zum Ausgang des 18. Jahrhunderts gegenüber den Massivbauweisen mehr und
mehr an Bedeutung. Das lag nicht zuletzt auch daran, daß das an Einfluß
gewinnende Spätbürgertum auch in Bezug auf das Bauwesen neue Wert-
vorstellungen entwickelte, die sich u.a. in der Bevorzugung "solider" und
"beständiger" Massivbauten äußerten. Der Holzbau behielt nach wie vor seine
Bedeutung dort, wo auf repräsentative, "zeitgemäße" Architektur keinen Wert
gelegt wurde und Bauten möglichst kostengünstig erstellt werden sollten.

Abb. 1 Rathaus Frankenberg.

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts veränderte sich die Einstellung gegenüber Holz-
bauten grundlegend: Holz wird aufgrund seiner hochwertigen Eigenschaften und
vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten geschätzt und gewinnt wieder an Bedeu-
tung. Mit steigenden Lohrikosten wurden jedoch die handwerklich erstellten

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E1511


Holzhäuser unwirtschaftlich, und es entwickelte sich die Holztafel- und Holz-
rahmenbauweise sowie der moderne Holzskelettbau.

Allgemeine Konstruktionsprinzipien
Skelettbau ist eine im Raster errichtete räumliche Tragstruktur aus stabförmigen
Elementen, die durch flächige raumabschließende Bauteile ergänzt wird. Es
besteht eine klare Trennung zwischen lastabtragender Konstruktion und raumab-
schließenden Wänden (Abb. 2 und 3).

Abb. 2 Holzskelett im Rohbau.

Abb. 3 Endzustand.

Alle Skelettbauten, ob aus Holz, Beton oder Stahl sind auf einem Grundmodul
aufgebaut. Der Grundmodul bestimmt die Struktur eines jeden Skelettbaues, er
bringt die gestalterische Ordnung, die Standardisierung. Ein Vielfaches des
Moduls ergibt den Raster. Modul und Raster bestimmen die Stellung der
tragenden Stützen, die Lage der Haupt- und Nebenträger und oft auch die
Anordnung der nichttragenden Ausbauelemente.

Ein Beispiel für diese Art der Elementierung ist das traditionelle japanische
Wohnhaus, das in Grund- und Aufnß auf der Grundeinheit der Tatami-Matte
(0,91 X 1,82 m) aufgebaut ist. Die Planung von Skelettbauten beginnt mit der
Wahl des Grundrißmoduls. Seine Größe und damit die des Rasters hängt von

STEP/EUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


den verschiedensten Vorgaben ab und kann für jedes Bauvorhaben neu festgelegt
werden.

Modul und Raster sind abhängig von:


- menschlichen Maßen:
Alle Arten von menschenbezogenen Maßstäben wie 2.B. der Proportions-
studie von Leonardo da Vinci (Abb. 4), der Modulor von Le Corbusier,
der japanischen Bodenmatte, der Spannweite der Hand, der Länge eines
Schrittes, der Steigungshöhe einer Treppe, der kleinsten Raumbreiten und
-höhen usw.

Abb. 4 Leonardo da Vinci, Proportionsstudie 1490, Federzeichnung. Venedig.


Akademie.

- gestalterischen Vorgaben:
Konfiguration der Baukörper, Ordnung der Innenräume, Raumfolge und
Raumzuordnungen, Größe und Maßstäblichkeit der Räume, Gliederung der
Fassade, Anforderungen der Nutzung,
- konstruktiven Überlegungen:
Wirtschaftliche materialbezogene Trägerspannweiten, standardisierte
Anschlüsse, handelsübliche Formate von Ausbauelementen, Därnrnplatten,
Beplankungen, Standardmaße von Fenstern, Türen, Treppen, Spannweiten
der tragenden Fußbodenelemente,
- Gegebenheiten des Bauplatzes:
Geographische Lage, Orientierung, Grundstücksgröße, Baumbestand,
Bezug zu bestehenden Gebäuden, Festlegungen im Bebauungsplan.
Es existieren die unterschiedlichsten Vereinbarungen über Module: z. B. Europa-
modul (DIN 8000) = 100 mm; Ziegelmaß (DIN 41721) = 115 + 10 mm;
Treppenmodul = 90 mm (halbe Steigungshöhe); Multi-Modul = 600 mm. Daraus
ergeben sich übliche Rastemaße zu 1,20/1,20 m, 1,25/1,25 m, 3,60/3,60 m,
4,80/4,80 m.

Man unterscheidet zwischen Bandraster und Achsraster. Der Bandraster fixiert


das lichte Maß zwischen den Bauteilen einer Tragkonstruktion, der Achsraster
bezieht sich immer auf die Achsen der Stützen bzw. des Tragsystems (Abb. 5).

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E 1513


Allein die Vielzahl der möglichen Module zeigt, daß es keine allgemeingültigen
Rastermaße gibt. Die Festlegung des jeweiligen Rasters ist Teil des Entwurfspro-
zesses und somit ein Entwurfskriterium. Der gewählte Raster spiegelt sich in
allen Bauteilen wieder. Der Raster ist beispielsweise an den Fensterformaten, den
Abständen der Tragkonstruktion oder an der Teilung der Außenbekleidung ables-
bar. Seine Auswirkungen auf die Ausbildung des Skelettes sind folgendermaßen
beim:
- Kleinraster (2.B. 1,20/1,20 m):
Tragsystem ist gleich Ausbausystem, jede Stütze ist tragend, kleine Quer-
schnitte, einfache z.B. genagelte Anschlüsse.
- Großraster (z. B. 3,60/3,60 m):
Klare Trennung zwischen Priinär-und Sekundärsystem, größere Quer-
schnitte z.B. aus Brettschichtholz, große freie Spannweiten, wenige
Anschlüsse.

Abb. 5 Band- ( a ) und Achsraster (b).

Von der Wahl des Rasters und des Tragsystems hängt auch die Wirtschaft-
lichkeit der Baumaßnahme ab. Wie bei den anderen Ingenieurholzbauwerken
haben auch beim Skelettbau die Anzahl und Ausbildung der Verbindungen
großen Einfluß auf die Gesamtkosten.

Die gebräuchlichsten Systeme basieren auf einem orthogonalen Grundrißraster.


Grundsätzlich sind sie jedoch auch auf andere Rastersysteme (Radialraster, Drei-
ecksraster usw.) übertragbar.

Tragsysteme und Anschlüsse


Fast alle Skelettbauten lassen sich auf wenige prinzipielle Tragsysteme zurück-
führen, die sich jeweils in der Lage und Anordnung ihrer tragenden Konstruk-
tionsteile (Stützen, Haupt- und Nebenträger) und in den Fügungen dieser
Bauteile voneinander unterscheiden. Die Stützen und Hauptträger sind ein- oder
mehrteilig. Die Nebenträger sind höhengleich angeschlossen oder über den
Hauptträgern gestapelt (Abb. 6). Im folgenden sind die vier wichtigsten Systeme
dargestellt.

Abb. 6 Tragsysteme im Skelettbau.

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System I : Einteiliger Hauptträger und einteilige Stütze, eingeschossig
Bei diesem System lagert der durchlaufende oder einfeldrige Hauptträger direkt
auf der Stütze. Die Nebenträger können auf die Hauptträger gestapelt oder
höhengleich zwischen die Hauptträger gehängt werden. Bei engem Rastermaß
können auf den Hauptträgem unmittelbar eine tragende Schalung oder Holzwerk-
stoffplatten verlegt werden. Auskragungen in beiden Richtungen sind möglich.
Die Kraftübertragung zwischen Hauptträger und Stütze erfolgt über Druck-
kontakt; eine Passung in der Fuge ist dementsprechend erforderlich. Für die
Ausbau- und Fassadenanschlüsse liegen einfache geometrische Verhältnisse vor.
Unterschiedliche Konstruktionshöhen und Details sind bei Anschlüssen an
Haupt- und Nebenträgem zu beachten.

Mögliche Anschlüsse von Hauptträger an Stütze:

Im wesentlichen handelt es sich um Verbindungen zur Lagesicherung und für


eventuell auftretende abhebende Lasten:
- Schlitz- und Zapfenverbindungen
- außen- oder innenliegende Laschen aus Holz oder Holzwerkstoffen
- außen- oder innenliegende Stahlbleche
- eingeleimte Gewindestangen
- Hirnholzanschlüsse mit Dübel Typ A nach EN 912
- Stahlblechwinkel
- T-förmige Balkenträger (Abb. 8).

Abb. 7 Einteiliger Hauptträger und einteilige Stütze, eingeschossig. ( I ) Stütze,


( 2 ) Nebenträger ( 3 ) Haupttrager.

Abb. 8 T-förmige Balkenträger.

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System 2: Mehrteilige Hauptträger (Zange) und einteilige, durchgehende
Stütze
Dieses Tragsystem besteht aus einteiligen Stützen, die durch mehrere Geschosse
gehen können und aus durchlaufenden Hauptträgem, die als Zangen ausgebildet
sind. Die Nebenträger (Deckenbalken) werden üblicherweise auf die Hauptträger
aufgelagert, um die Durchlaufwirkung für eine wirtschaftliche Bemessung zu
nutzen. Sie können in den Rasterachsen als Zange an den Stützen vorbeigeführt
oder als Einfeldträger zwischen den Stützen eingebaut werden. Dieses System
eignet sich für zwei- und mehrgeschossige Gebäude, insbesondere fiir höhen-
versetzte Deckenteile, da die Zangen in beliebiger Höhe an die Stützen ange-
schlossen werden können. Auskragungen in beiden Richtungen sind möglich.

Mögliche Anschlüsse von Hauptträger an Stütze:

- Stabdübel oder Paßbolzen


- Einpreß-, Einlaßdübel
- Auflagerung auf Holzknaggen
- Stahlwinkel
- Stütze mit Ausnehmung (Ausblattung), ein gewisser Anteil der Auflager-
kraft über- Druckkontakt
- Mischkonstruktionen dieser Anschlußarten.

Die Nebenträger werden auf den Hauptträgem konstruktiv befestigt. Diese


Stapelbauweise führt zu verhältnismäßig hohen Geschoßdecken. Sie verursacht
zusammen mit der Zangenbauweise sogenannte Füllebenen und damit komplexe
Anschlußdetails von Innenwänden und Fassade an das Skelett.

Das Bauprinzip ist einfach, die Konstruktion gut ablesbar und die Trag-
funktionen erkennbar. Prägendes Merkmal sind die meist sichtbar belassenen
Zangenköpfe mit den statisch oft erforderlichen Vorholzlängen und Überständen.
Durchdringungen der Gebäudehülle sind kaum zu vermeiden.

Die hohen bauphysikalischen Anforderungen an moderne Außenwände


(Winddichtigkeit, Kältebrücken, Dämrnschichtdicken usw.) sind mit dieser
Bauart nur mit großem Aufwand zu erfüllen. Um auf chemischen Holzschutz der
Skelettbauteile komplett verzichten zu können, dürfen keine Holzbauteile der
direkten Bewitterung ausgesetzt werden. Außenliegende Zangen und vorstehende
Hölzer sollten vermieden werden.

Abb. 9 Mehrteiliger Hauptträger (Zange) und einteilige, durchgehende Stütze.


( I ) Stütze, ( 2 ) Nebenträger, (3) Hauptträger.

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Mögliche Anschlüsse von Hauptträger an Stütze:

- geschweißte, eingeschlitzte Stahlteile, Stabdübel


- T-förmige Balkenträger
- Stahlblechformteile, z.B. Baikenschuhe
- Auflagerung auf Knaggen und Winkeln
- Druckkontakt bei besonders ausgeformten Stützenqiierschnitten
- patentierte Verbindungselemente (z.B. Janebo-Hakenplatten, Abb. 12;
BSB-System, Abb. 13).

Abb. 11 Einteilige Hauptträger (höhengleich) und einteilige, durchgehende Stütze.


( 1 ) Stütze, ( 2 ) Nebenträger, (3) Hauptträger.

Abb. 12 Janebo-Hakenplatten.

Abb. 13 Systemanschluß Fa. Blumer (BSB).

Die meisten dieser Verbindungen können auch beim höhengleichen Anschluß der
Haupt- und Nebenträger verwendet werden. Hinzu kommen Z-Profile, Himholz-
anschlüsse mit Einlaßdübeln und Auflagerung auf tragenden Leisten am Haupt-
träger. Bleiben die Skelettbauteile sichtbar, müssen auch die Verbindungen
hohen gestalterischen Ansprüchen genügen.

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Mit der Wahl des Tragsystems ist auch eine gestalterische Aussage getroffen.
Man unterscheidet in der Wand integrierte, teilweise integrierte und nicht
integrierte Systeme. Bei einer integrierten Tragkonstruktion ist das Skelett nicht
zu sehen, die verschiedensten Materialien und Oberflächen für die Innen- und
Außenbeplankungen sind möglich. Bei einem teilweise integrierten Tragwerk
werden die Wandflächen durch die Stützen entsprechend dem Raster flächen-
bündig unterteilt. Die Wand bleibt trotz Strukturiening als Fläche erhalten. Bei
einem nicht integrierten Tragsystem treten die Stützen plastisch hervor und über-
nehmen die raumbildende Gestaltung.

Abb. 14 Kompletter Skelettbausatz, rechnergesteuerte Herstellung und Abbund aller


Brettschichtholz-Bauteile. Lieferung auf die Baustelle.

Abb. 15 Zusammenbau der Stützen und Hauptträger einer Achse.

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Abb. 16 Montage, Justierung und Fixierung des ersten Gebindes.

Abb. 17 Versetzen der weiteren Gebinde.

Abb. I8 Einhängen der Nebenträger.

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Abb. 19 Komplette Montage des Erdgeschosses.

Aussteifung
Bei Skelettbauten ist die lastabtragende Konstruktion funktionell von den raum-
abschließenden Bauteilen getrennt. Für die Standsicherheit, d.h. die sichere
Weiterleitung aller vertikalen und horizontalen Lasten in den Baugrund, stehen
zunächst nur die stabförmigen Elemente (Träger und Stützen) zur Verfügung.
Insbesondere muß die räumliche Stabilität, die Aufnahme und Weiterleitung der
Stabilisierungs- und Windlasten rechnerisch nachgewiesen werden. Stabilisie-
rungskrafte sind horizontale Kräfte, die z.B. aus Schrägstellungen von Stützen
und Vorverformungen von Trägem aufgrund von Herstellungs- und Montageun-
genauigkeiten verursacht werden.

Skelettbauwerke werden in horizontaler und vertikaler Richtung ausgesteift. In


besonderen Fällen, wenn genügend viele vertikale Aussteifungselemente vor-
handen sind, kann auf horizontale Aussteifungskonstruktionen verzichte werden.

Die Aussteifung in horizontaler Richtung erfolgt über Scheibenausbildung in den


Dach- und Deckenebenen und vertikal durch Wandscheiben, Verbände, Rahmen,
eingespannte Stützen oder durch massive Kerne (Abb. 20). Die Scheibenausbil-
dung kann durch Beplankung mit Holzwerkstoffplatten, die Anordnung von
Stahldiagonalen oder diagonaler Verlegung der Holzschalung erreicht werden. Es
ist möglich, die Scheibe bis auf liegende Randträger zu reduzieren, wenn alle
auszusteifenden Bauteile zug- und druckfest angeschlossen sind. Eine Reihe von
Entwicklungen neuer Deckensysteme ist zu beobachten, bei denen die Scheiben-
funktion bereits integriert ist. Beispielhaft sind Brettschichtholzplatten (Schei-
ben), Hohlkästen aus Holzwerkstoffen, Brettstapeldecken, Funierschichtholz-
Rippenplatten sowie Holz-Beton-Verbundsysteme zu nennen.

1 2 3 4
Abb. 20 Vertikale Aussteifrrngselernente. ( I ) Scheibe (Holz, Mauerwerk,Beton), ( 2 )
Verbände, (3) Rahmen, ( 4 ) Rahmenecken.

STEPtEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Cometl Programms E1511 1


Zur Aufnahme der horizontalen Kräfte aus den Dach- und Deckenscheiben
können vertikal stabförmige oder flächenhafte Aussteifungselemente angeordnet
werden. Flächenhafte Elemente sind Stahlbeton- und Mauerwerksscheiben oder
beplankte Holzständerwände. Wenn die Einleitung der Scheibenkräfte in die
Fugen nachgewiesen wird, können auch Mauerwerksausfachungen zwischen den
Skelettstützen zur Aussteifung herangezogen werden. Durch die Anordnung von
Stahl- oder Holzdiagonalen, von Auskreuzungen, durch die Bildung von
Rahmensystemen oder die Einspannung der Stützen, ist ebenfalls eine
Aussteifung zu erreichen. Bei genügend steifer Ausbildung der Deckenscheiben
kann ein massiver Kern (Treppenhaus, Aufzug- und Installationsschacht usw.)
die komplette vertikale Aussteifung übernehmen.

Abb. 21 Wohnhaus Gunz, Keltern.

Abb. 22 Isometrie des Wohnhauses Gunz.

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Zusammenfassung
Mit veränderten Schwerpunkten in der Wohnungsbautätigkeit und den Forde-
rungen nach kosten- und recourcensparenden Bauweisen eröffnen sich Chancen
für den verstärkten Einsatz von Baumaterialien und Konstruktionsarten, die den
Wünschen der Bewohner nach einer individuellen und angenehmen Wohnum-
gebung entgegenkommen, die aber auch gleichzeitig technisch ausgereift,
unkompliziert handhabbar sind und vom örtlichen Baugewerbe ohne Schwierig-
keiten ausgeführt werden können. Hierzu zählen insbesondere die modernen
Holzskelettkonstruktionen.

Aus historischen Vorbildern abgeleitete, weiterentwickelte Konstruktionsarten,


neue Verbindungstechniken und Materialien gewährleisten, daß Holzskelettkon-
stn~ktionenweder in Stabilität noch in Dauerhaftigkeit anderen Bauweisen nach-
stehen. Sie bieten darüber hinaus Vorteile wie hervorragende Anpassungsfähig-
keit, unproblematische An- und Umbaumöglichkeiten, angenehme Materialwir-
kung, bauphysikalische und wohnphysiologische Vorteile, Elementierbarkeit und
Komponentenvorfertigung, Ausführbarkeit auf unterschiedlichen Technologieebe-
nen (kleine Zirnrnereien, rationalisierter Mittelbetrieb, industrielle Produktion),
einfachen Transport und Montage. Durch einen hohen Anteil an Eigenleistungen
vor allem beim Ausbau ist zudem eine spürbare Reduzierung der Baukosten
möglich. Die Skelettbauweise eröffnet vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten bei
den unterschiedlichsten Bauaufgaben. Sie wird ebenso in Wohn- und Büro-
gebäuden wie bei öffentlichen Bauten - Kindergärten, Schulen, Seniorenheimen,
Sport- und Freizeitstätten - eingesetzt. Auch für sakrale Bauten lassen sich
ästhetisch ansprechende Lösungen mit Holzskelettkonstruktionen verwirklichen.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Holzskelettbau - Bemessung

STEP E16 Inhalt


N. Nebgen Die folgenden Beispiele sind Bestandteile eines kleinen Bürogebäudes in
Ingenieurbüro für Reutlingen, das im Jahr 1994 gebaut wurde. Die wichtigsten Bauteile, wie Dach-
Holzbau balken, Deckenbalken, Unterzüge und Stützen werden berechnet und zeichnerisch
dargestellt. Als Anschlußmöglichkeit wird die Verbindung Unterzug-Stütze
exemplarisch bemessen und dargestellt.

Einleitung
Die Tragkonstmktion des Bürogebäudes besteht aus einteiligen Balken, Unterzügen
und Stützen. Balken und Unterzüge, im Dach auch die Stützen, sind Oberkante
bündig angeordnet. Dadurch sind alle Träger als Einfeldträger erforderlich. Die
Balken sind mit T-förmigen Stahlblechformteilen an den Unterzügen befestigt.
Verbindungsmittel sind Stabdübel in den Balken und Rillennägel in den
Unterzügen. Die Unterzüge sind mittels eingeschlitzter Stahlbleche und Stabdübeln
mit den Stützen verbunden. Die Weiterleitung der Horizontalkräfte erfolgt über die
Dachfläche und einige Wände, die mit Hilfe von Holzwerkstoffplatten als Scheiben
ausgebildet sind. Sowohl bei der Berechnung als auch bei der Konstruktion wurde
eine spätere Aufstockung um ein Geschoß berücksichtigt. Dazu wurden unter
anderem in den Stützenköpfen Gewindehülsen angebracht, in denen im Falle der
Erweiterung die Stützen des nächsten Geschosses befestigt werden können.

Bemessungsbeispiel

Abb. 1 GrundriJ und Schnitt.

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Dach-/Deckenbalken (Pos. 1 in Abb. 1)
Als Dachdecke vor der Aufstockung
ständige Einwirkungen
Abdichtung 0,05 kN/m2
Wärmedämmung 0,12 kN/m2
Brettschalung 0,18 kN/m2
Eigengewicht der Balken 0,20 kN/m2
G , = 0,55 kN/m2
veränderliche Einwirkungen
Schnee Qk= 0,75 kN/mZ
Verkehrslast 2,OO kN/m2
Windsog wirkt entlastend, daher nicht maßgebend
Einwirkung pro Balken mit 1,13 m Abstand
g, = 0,55 . 1,13 = 0,62 kN/m
q, = 0,75 . 1,13 = 0,85 kN/m

Als Decke nach der Aufstockung


ständige Einwirkungen
Belag 0,lO k ~ / m '
Flachpreßplatte 0,20 kN/m2
Betonplatte, Dicke 50 mm 1,lO kN/m2
Schalung 0,18 kN/m2
Eigengewicht der Balken 0,20 kN/m2
G , = 1,78 kN/m2

veränderliche Einwirkungen
Verkehrslast 2,OO kN/m2
leichte Trennwände 0,75 kN/m2
Q, = 2,75 kN/m2

Einwirkung pro Balken mit 1,13 m Abstand


g, = 1,78 . 1,13 = 2,Ol kN/m
q, = 2,75 . 1,13 = 3,11 kN/m

Die Belastung nach der Aufstockung ist für die Bemessung maßgebend.

System

Schnittgrößen
Ag,, = B , , = V,,, = 0,5 . 2,01 . 4,52 = 4 3 4 kN
Aqtk= Bq,, = Vq., = 0,5 . 3,11 . 4,52 = 7,03 kN
Mg., = 0,125 . 2,Ol . 4,522 = 5,13 kNm
M%, = 0,125 . 3,11 . 4,52* = 7,94 kNm

Bemessungswerte der Schnittgrößen


für die Tragfähigkeit 1,35 gk + 1,5 9,
für die Gebrauchstauglichkeit 1,o gk + 1,o 9,

STEP/EUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Schnittgrößen
Ag,, = B,, = V,,, = 0,5 . 1,41 . 4,52 + 1,5 . 4,54 = 10,O kN
A,, = Bq, = V , , = 0,5 . 1,55 . 4,52 + 1,5 . 7,03 = 14,l kN
Mg8, = 0,125 . 1,41 . 4,522 + 0,5 . 4,54 . 4,52 = 13,9 kNm
M,2, = 0,125 . 1,55 . 4,522 + 0,5 . 7,03 . 4,52 = 19,9 kNm

Bemessungswert der Schnittgrößen


für die Tragfähigkeit
für die Gebrauchstauglichkeit

gewählt GL24 b X h = 160 X 360 mm


Nutzungsklasse 1
Lasteinwirkungsdauer: mittel
A =576.103mm2 W =3,46.106mm3 I = 622 . 106 mm4
E = 10800 N/mmz
k,,d = 0 3 k„, = 0,6 (ständig) k„,= 0,25 (mittel)

Biegung

Schub

Durchbiegung

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Stütze, (Pos. 3 in Abb. 1)

ständige Einwirkungen
N , , = 0,55 . 4,52' = 11,2 kN
N 2 , = N , , = 1,78 . 4,52' = 36,4 kN
N I , + N 2 , = 11,2 + 36,4 = 47,6 kN

Das Eigengewicht der Stütze wird vernachlässigt.

Veränderliche Einwirkungen
N I , = 0,751 . 4,522 = 15,3 kN
N , , = N , , = 2,75 . 4,52' = 56,2 kN

Die Ausmitte der Last N2 wird vernachlässigt.

Lastkombinationen
Kombinationsbeiwerte Schnee
Verkehrslast

Bemessungswert der Schnittgrößen


z~G,jGk,j Ir+ Ir YQ,iQe,i Ir+ Ir T;Ye,i~o,iQk,i

Knicknachweis in Stützenmitte

Kombination 1 (ständige Last + Verkehrslast + Schnee)


Nd = 1,35 - 47,6 + 1,5 - 56,2 + 1,5 . 0,7 . 15,3 = 165 kN kurz
Kombination 2 (ständige Last + Schnee + Verkehrslast)
Nd = 1,35 . 47,6 + 1,5 . 15,3 + 1,5 . 0,7 . 56,2 = 146 kN kurz
Kombination 3 (ständige Last + Verkehrslast)
Nd = 1,35 .47,6 + 1,5 . 56,2 = 149 kN mittel

Kombination 3 ist maßgebend

gewählt GL24 b X h = 160 X 160 mm


Nutzungsklasse 1
Lasteinwirkungsdauer: mittel

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E 161.5


Nachweis über dem Auflager (kein Knicken):

Kombination 3 (ständige Last + Verkehrslast )


Nd = 1,35 47,6 + 1,5 - 2 56,2 = 233 kN mittel

Die Stützen mit Belastung aus Windverbänden werden hier nicht behandelt.

Anschluß Unterzug-Stütze

Grundriß des oberen Anschlusses

Ansicht des oberen Anschlusses

Ansicht des unteren Anschlusses

Fußpunkt

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Im folgenden wird der obere Anschluß an die Stütze bemessen.
V, = 34,6 kN (Auflagerreaktion des Unterzuges)

Maximale Dübellcraft in der Stütze:


D, = 34,6 / 3 = 11,5 kN
Moment
M = 34,6 . 0,19 = 6,57 kNm

Annahme: Gelenk in der Stütze


Dübeikraft im Unterzug aus Querkraft:
Aü, = 34,6 I 8 = 4,32 kN
r, = \/0,12~ + 0,04~= 0,126 m

0,126
AD, = 6,57 = 10,9 kN
4 . 0,126~+ 4 . 0,056~
Resultierende Diibelkraft:
ol = arctan (4 I 12) = 18,4"
D, = 10,9 sin 18,4" = 3,44 kN
D, = 10,9 cos 18,4" = 10,3 kN
D, = 3,44 + 4,32 = 7,76 kN
D, = = 10,3 kN
ß = arctan (7,76 / 10,3) = 37,0°

Bemessungswert der Tragfähigkeit


kmo, = 0,8
,y = 1,3 Für Holz
,y = 1,l für Stahl in den Verbindungen

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Lochleibungsfestigkeit

EC5: Teil 1-1: 6.2.1 (3) Fließmoment (y, = 1,I):

Bemessungswert der Tragfähigkeit


p = oo

R, = min
1 1.1 . 17,4 . 70 . 16
1 2 +
. 179000
17.4 . 16 . 7@
- 1 10-3 = 1 2 , j k~

R, = min
I 1,l . 14,3 . 70 . 16 4 . 179000
14,3 . 16 . 70'
- 1 10" = ll,O kN

Zusammenfassung
Die Berechnungen beschränken sich auf das Wesentliche. Lediglich der maßgebende
Balken, Unterzug und die maßgebende Stütze wurden behandelt. Wind- und
horizontale Kräfte wurden vernachlässigt. Sie beeinflussen die Bemessung eines
Bauwerkes dieses Typs mit geringer Höhe in der Regel nicht.

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Holzbrücken

STEP E17 Inhalt


J. Fischer Vor dem historischen Hintergrund werden die Möglichkeiten des zeitgemässen
LIGNUM Holzbrückenbaues aufgezeigt. Wesentliche Konstruktionselemente wie statische
Systeme, Fahrbahnplatte und Holzschutzkonzept sowie ausgeführte Objekte
werden dargestellt. Dadurch wird deutlich, daß mit der Holzbauweise innovative,
leistungsfähige und dauerhafte Brückenprojekte realisiert werden können.

Einleitung
Da die Erarbeitung von Eurocode 5 Teil 2 "Brücken" noch nicht abgeschlossen
ist, befaßt sich dieses Kapitel nicht mit der Bemessung nach EC5. Es werden
generelle Hinweise zur Planung und Konstruktion von zeitgemässen Holzbrücken
gegeben. Zudem werden technisch .interessante und bedeutende Holzbrücken
vorgestellt.

Geschichte und Tradition


Die ältesten heute noch bekannten Holzbrücken gehen auf die Zeit um 600
, [Link]. zurück. Die wenigen noch verfügbaren Informationen darüber sind
bruchstückhaft, deuten aber auf eine hochentwickelte Holzbautechnik hin.
Während Steinbauten Jahrhunderte überdauerten, fielen die damaligen
Holzbrücken meistens Kriegen, Naturgewalten (Hochwasser) und Feuer zum
Opfer (siehe STEP El).

Eine der ältesten, heute noch stehenden Holzbrücken ist die Kapellbrücke über
die Reuss in Luzem (Schweiz). Sie wurde 1333 erstellt und im Verlaufe der
Jahrhunderte mehrmals umgebaut und erneuert. Die ursprüngliche Gesamtlänge
von 285 m wurde im 19. Jahrhundert auf 222 m verkürzt. Die gedeckte Brücke
ruht auf 27 Pfahljochen, die meisten davon aus Eichenholz. 1993 wurde die
Kapellbrücke ein Raub der Flammen, welche die Konstruktion größtenteils
zerstörte.

Abb. 1 Kapellbrücke, Längsschnitt.

Der Wiederaufbau wurde unverzüglich aufgenommen und acht Monate später


war die Sanierung abgeschlossen. Die über den Jochen angeordneten Querbalken
aus Eichenholz dienen als Auflager des Brücken-Oberbaues. Die Spannweiten
zwischen den Holzjochen betragen durchschnittlich 7,65 m, die größte
Durchfahrtsöffnung liegt bei 13,5 m, die Geamtlänge mißt heute 204 m.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E1711


Abb. 2 Kapellbrücke nach der Sanierung (1994).

1755 - 1758 erbaute der Baumeister Hans Ulrich Grubenmann die viel beachtete
Rheinbrücke bei Schaffhausen (Schweiz). Bei der Auftragserteilung stellte der
Rat Grubenmann allerdings eine Bedingung: Er mußte den von der alten,
eingestürzten Brücke stehengebliebenen Mittelpfeiler für seine neue Brücke
mitbenützen, dies sehr zum Mißfallen Grubenmann's. Die ausgeführte Brücke
bestand aus zwei Sprengwerken, die sich von den Widerlagern zum mittleren
Pfeiler spannten. Dann aber baute Grubenmann noch ein drittes Hängewerk ein,
das den ganzen Fluß mit einer Spannweite von Ca. 119 m überbrückte.
Verschiedene Zeitgenossen berichten, daß Grubenmann bei der Brückenabnahme
die Unterlagshölzer auf dem Mittelpfeiler wegscfilug, so daß sich die Brücke in
einer einzigen Offnung über den Rhein spannte.

Abb. 3 Rheinbrücke bei SchafJhausen (1755-1758), erbaut durch Hans Ulrich


Grubenmann.

Der Aufschwung der weitgespannten Brückenkonstruktionen in Stein und Stahl-


beton war eng mit der damaligen Holzbaukunst verbunden. Richard Coray
(1869-1946) erstellte anfangs dieses Jahrhunderts die hölzernen Lehrgerüste für
die bedeutendsten schweizerischen Brückenbauwerke. Seine Bauwerke sind
Beispiele von Wagemut und Phantasie: Das Gerüst des Wiesner Viaduktes
(190611907) überspannte die 88 m tiefe Schlucht im Freivorbau, der
Fachwerkträger der Sitterbrücke (190911910) wurde auf einem Gerüstturm von
96 m Höhe montiert und für den Langwieser Viadukt mit 100 m Stützweite
(19 12119 13) konstruierte Coray einen unkonventionellen Gerüstfacher aus
Rundholz. Aus naheliegenden Gründen wurden diese Hilfsbrücken nach
Fertigstellung der darüberliegenden massiven Brücken wieder abgebaut oder
gesprengt. Keines dieser filigranen Brückenbauwerke existiert heute mehr.

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Abb. 4 Langwieser Viadukt (1912/1913): Gerüstfächer des großen Bogens mit 100
m Spannweite, 60 m über der Talsohle.

Abb. 5 Hängebrücke bei Brail (1910). Sie diente fur Materialtransporte zu einer
Tunnelbaustelle. Spannweite 168 m, 60 m über dem Inn.

In den letzten Jahren ist eine eigentliche Renaissance des Holzbrückenbaus fest-
zustellen. Das wiedererwachte Interesse breiter Bevölkerungskreise arn einheimi-
schen, ökologischen Rohstoff dürfte den Grundstein dazu gelegt haben. Zudem
haben neue Technologien im Bereich der Verbindungstechnik sowie Entwick-
lungen von neuen, leistungsfähigen Holzwerkstoffen dazu geführt, daß heute
vermehrt innovative, leistungsfähige und dauerhafte Brückenprojekte in Holzbau-
weise realisiert werden können.

Planung und Konstruktion


Während Brücken in der Regel die Verkehrslasten von Haupt- oder Neben-
straßen tragen, werden Stege vorwiegend von Fußgängern und Radfahrern
benützt, ausnahmsweise auch von Unterhalts- und Rettungsfahrzeugen. Die
Belastungen von Stegen sind im Vergleich zu Brücken deutlich kleiner, was
meist zu schlankeren Konstruktionen führt.

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In Bezug auf die äußere Erscheinungsform wie auch auf die konstruktive
Ausbildung kann man grundsätzlich zwei Brückentypen unterscheiden:
ungedeckte Brücken und gedeckte Brücken.

Abb. 6 Ungedeckte Brücke, gedeckte Brücke.

Die Wahl des optimalen statischen Systems einer Brückenkonstruktion hängt von
verschiedenen Randbedingungen ab. Wesentliche Kriterien sind:
- Topografische Lage - Spannweite
- Belastungsannahmen - Lichtraumprofil
- Fundationsverhältnisse - Architektonische Gestaltung

Abb. 7 Statische Systeme für Brücken und Stege:


( a ) Ein- und Mehrfeldträger, (b) Unterspannte Systeme, ( C ) Hängewerke,
( d ) Sprengwerke, ( e ) Rahmensysteme, (f)Bogenbrücken, ( g ) Hänge- und
Schrägseilbrücken, (h) Spannbandkonstruktionen.

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Eine weitere, grundsätzliche Unterteilung ergibt sich bezüglich der Lage der
Fahrbahn zum Tragwerk: Man unterscheidet Brücken mit obenliegender und mit
untenliegender Fahrbahn. Für das Tragwerk steht eine Vielzahl von statischen
Systemen zur Auswahl. Das Haupttragsystem der meisten Brücken läßt sich mit
den Grundformen in Abb. 7 oder einer Mischung daraus beschreiben.

Holzschutz
Die Ursache von Schäden an Holzbrücken ist eigentlich immer im vernach-
lässigten Holzschutz zu suchen. Es ist deshalb von ausschlaggebender
Bedeutung, die Elemente eines umfassenden Holzschutzkonzeptes bei der
Planung und Ausführung zu berücksichtigen.

Holzschutzkonzept
Im geschlossenen Kreislauf der Natur wird die Holzsubstanz abgebaut, sofern sie
dauernd feucht bleibt. Es gilt daher in erster Linie dafür zu sorgen, das Holz
trocken zu halten. Dadurch kann wesentlich zur Erhaltung der Tragfähigkeit
sowie der Funktionsfähigkeit der Brücke für ihre geplante Lebensdauer
beigetragen werden. Diese Ziele sind mit einem umfassenden Holzschutzkonzept
zu erreichen, das aus den folgenden Elementen besteht:

Element Ziel Maßnahme


Konzeptionelle Gestaltung Vermeidung oder Vermin- Überdachung oder Abdek-
derung intensiver Wetter- kung (zumindest der Trag-
exposition konstruktion)
Materialwahl Vermeidung von Schäden Einsatz von dimensions-
durch beanspruchungs- stabilen, pilzresistenten oder
gerechten Materialeinsatz gut imprägnierbaren
Hölzern; tiefe Verarbei-
tungsholzfeuchte
Detailausbildung Vermeidung ungünstiger Abdecken von horizontalen
Folgen von Schwind- und Flächen, von Fugen und
Quellbewegungen sowie von Hirnholzpartien.
von Eintrittsöffnungen für Rasches Austrocknen von
Wasser kurzfristig durchnässten
Teilen ermöglichen.
Chemischer Holzschutz Verhinderung von Pilz- und Vakuum- Druckim-
Insektenbefall prägnierung mit Schutzsalz-
lösung
Oberflächenbehandlung Verhinderung zu starker Mehrschichtiger, pigmen-
Verwitterung; Dimensions- tierter Anstrichaufbau
stabilisierung und Riß-
schutz; ~ e ~ e n s c h u tbe-
z;
schränkter Schutz gegen
Organismen

Tabelle I Umfassendes Holzschutzkonzept.

Je nach Bauaufgabe kann auf einzelne Elemente des Holzschutzkonzeptes


verzichtet werden. Entsprechend wichtig ist die konsequente Anwendung der
restlichen Maßnahmen.

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Baulich-konstruktiver Holzschutz
Auf dem konstruktiven Holzschutz liegt das Hauptgewicht aller Schutz-
maßnahmen. Die heute noch in Betrieb stehenden, alten gedeckten Holzbrücken
verdanken ihre Lebensdauer primär dem baulichen Holzschutz. Bei neuen Holz-
brücken kann es aus gestalterischen Gründen oder anderen Randbedingungen
sinnvoll sein, auf die traditionelle ~berdachungzu verzichten. Der Schutz der
Tragkonstruktion muß dann anderweitig sichergestellt werden, beispielsweise
durch Verlegen der Dachebene auf die Ebene der Fahrbahnplatte oder durch
Abdecken der Tragkonstruktion mit einem Wetterschirm.

Abb. 8 Wirksamer, baulicher Schutz gegen Witterungseinflüsse kann erreicht


werden durch: ( a ) die traditionelle Überdachung, ( b ) geneigte und
vertikale, leicht auswechselbare Verschalungen sowie ( C )eine wasserdichte
Fahrbahnplatte mit seitlichem Schutzschild.

Chemischer Holzschutz
Um einen optimalen chemischen Schutz von Massiv- und Brettschichtholz zu
erreichen ist in der Regel die Salzimprägnierung (CKB,CKF) zu wählen.
Dadurch wird eine dauerhafte Schutzwirkung gegen holzzerstörende Pilze, sowie
eine gute Schutzwirkung gegen photocfiemischen Holzabbau erreicht.

Schutz der Verbindungsmittel


Auch bei den Stahlteilen (Verbindungsmitteln) tritt ein Abbau ein, wobei der
Verlauf der Korrosion sowohl von der Agressivität der Umgebung als auch von
den getroffenen Schutzmaßnahmen abhängig ist. Insbesondere der Einsatz von
Streusalzen (Freihalten der Fahrbahn von Eis und Schnee), aber auch die
Verwendung von salzimprägnierten Holzes, führen zu beschleunigter Korrosion.

Stahlteile im Verbindungsbereich sind nach Fertigstellung der Brücke meist nicht


mehr zugänglich. Es ist deshalb ein Dauerschutz vorzusehen. Stahlteile aus
Baustahl sind stets zu verzinken (Feuerverzinkung), zusätzliche Deckanstriche
verlängern die Lebensdauer. Bei Salzeinwirkung sind Cr-Ni-Mo-Stähle vorzu-
ziehen.

Kontrolle und Unterhalt


In jedem Fall ist eine periodische Kontrolle (etwa alle 3 bis 5 Jahre) der
gesamten Brücke, insbesondere der Tragstruktur, zu empfehlen und auch nach
DIN 1076 vorgeschrieben. Je konsequenter die zuvor erwähnten Maßnahmen bei
der Planung und Ausführung berücksichtigt wurden, desto geringer sind die
erforderlichen Unterhaltsmaßnahmen. Die Kontrolle soll im wesentlichen die
Uberprüfung der folgenden, möglichen Schwachpunkte umfassen:

- Abwitterung der Obefflächenbehandlung


- Rißbildung im Holz
- Delamination von Brettschichtholzträgern
- Mechanische Beschädigungen

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- Holzfeuchte
- Pilzbildung
- Pflanzenbewuchs
- Schmutzansarnrnlungen

Fahrbahnplatte
Die Fahrbahn kann je nach Anordnung der Bohlen oder Platten als offene oder
geschlossene Konstruktion ausgebildet werden. Sie übernimmt im wesentlichen
zwei Hauptaufgaben:

Tragfunktion
Aus statischer Sicht hat sie vor allem die Funktion der Lastverteilung (Radlasten)
sowie der Lastabtragung auf das Haupttragsystem zu erfüllen. Bei scheibenartiger
Ausbildung kann die Fahrbahn zudem als stabilisierendes Element, sowie zur
Aufnahme von horizontalen Lasten benützt werden.

Schutgunktion
Insbesondere der Belag hat die Aufgabe, die Tragstruktur vor Feuchtigkeit und
mechanischer Beanspruchung durch den Verkehr zu schützen. Bei geschlossenen
Fahrbahnen wird dadurch ein effizienter und dauerhafter Holzschutz erreicht.

Schon in den vierziger Jahren wurden in den USA und Kanada Fahrbahnplatten
aus Holz hergestellt. Hochkant gestellte Bretter sind untereinander und mit den
darunterliegenden Trägern vernagelt worden. Später wurden dazu verleimte
Platten eingesetzt, die mit Schubdübeln miteinander verbunden wurden. Von der
ETH Zürich wurden diese Ideen aufgenommen und zur sogenannten QS-Platten-
bauweise weiterentwickelt. Heute steht eine breite Palette von Fahrbahnkon-
struktionen aus Rundholz, Massivholz, Brettschichtholz sowie Holzwerkstoff-
platten, auch in Kombination mit Stahlbeton, zur Verfügung.

QS-Holzplatten
Die QS-Holzplatte wird aus hochkant gestellten Brettern aufgebaut und mit
Spannstählen quer vorgespannt. Dadurch kann - trotz geringer Steifigkeit des
Holzes senkrecht zur Faser - eine Plattenwirkung erzielt werden. Zur Einleitung
der Vorspannkräfte in die Platte werden Randglieder aus Hartholz (Eiche, Buche)
verwendet. Die QS-Platte wird als verleimte und unverleimte Konstruktion
ausgeführt.

Unverleimte Platte
Die Schubübertragung in Quenichtung erfolgt dar& der Vorspannung über
Reibung zwischen den Brettern. Dies ergibt eine äußerst einfache Bauart. Die
Bretter können je nach Einsatzgebiet und Anforderung mit oder ohne chemischen
Holzschutz ausgeführt werden.

Verleimte Platte
Durch Verleimen von Brettern können Holzplatten mit großen Abmessungen
hergestellt werden. Die Quervorspannung hat hier die Aufgabe, die Rißbildung
infolge Querbiegemomente im Gebrauchszustand zu verhindern.

Infolge Schwinden und Kriechen nimmt die Vorspannkraft mit der Zeit ab.
Messungen an ausgeführten Brücken zeigen aber, daß die Vorspanrkraft lange
Zeit auf einem genügenden Niveau gehalten werden kann. Bei Bedarf kann
nachgespannt werden. Die Vorspannung führt sowohl bei der verleimten wie

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E1717


auch bei der unverleimten Konstruktion zu einer Dimensionsstabilisiening. Das
heißt, Bewegungen des Holzes infolge Feuchteänderungen werden behindert.
Somit ist die QS-Platte eine steife, stabile Unterlage, auf welche ein dauerhafter
Belag aufgebracht werden kann. Diese Bauart hat sich soweit entwickelt, daß sie
heute sowohl beim Ersatz von bestehenden Fahrbahnen wie auch beim Einbau
von neuen offenen und gedeckten Holzbrücken erfolgreich zum Einsatz gelangt.

Abb. 9 Aujbau einer unverleimten QS-Platte.

Abb. I0 Einsatzmöglichkeiten von geraden und im Grundriß gekrümmten (r=20 m)


QS-Platten.

Dokumentation ausgeführter Brücken und Stege

Dö$?i-Brücke,Eggiwil, Schweiz ( 1 984)


Zweispurige Straßenbrücke ohne Lastbegrenzung. Belastungsannahmen mit zwei
Achslasten von je 270 kN inkl. Stoßzuschläge plus eine Flächenlast von 4,20
kN/m2.

Als Ersatz der 1885 erbauten Holzbrücke wurde an gleicher Stelle erneut eine
Holzbrücke errichtet. Das Erscheinungsbild der neuen Brücke folgt den Prinzipi-

STEPlEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


en des Emmentales, einer traditionellen Holzbauregion, sie darf aber gleichzeitig
als wichtiges Pilotprojekt des neuzeitlichen Brückenbaues bezeichnet werden.
Hinter der in klassischer Art gedeckten Konstruktion verbirgt sich eine Anzahl
neuester Forschungsresultate: Von besonderer Bedeutung ist die erstmalige
Anwendung einer einteiligen, 200 mm dicken, durchgehenden Holzfahrbahnplatte
aus Brettschichtholz, die mittels Spannstähle vorgespannt wird. Dadurch kann -
trotz der geringen Steifigkeit des Holzes senkrecht zur Faser - eine Plattenwir-
kung erzielt werden. Dark der oberseitigen, wasserdichten Abdichtung wird ein
optimaler Schutz der Fahrbahnplatte und der darunterliegenden Holzteile erreicht.

Der erstmalige Einsatz von brettschichtverleimtem Buchenholz fiir Brückenbau-


ten kam für die Ausbildung der hochbelasteten Hängepfosten zur Anwendung.
Im Abstand von 4,50 m sind die Hängepfosten aus teerölimpräg-nierter Buche
mit eingenuteten Stahlplatten und hochfesten Paßbolzen am Bogen befestigt. Die
einzuleiteten Kräfte erreichen 500 [Link] Querträger, ebenfalls im Abstand von
4,50 m sind als Zwillingsträger ausgebildet. Beschränkte Bauhöhe bei grosser
Spannweite und hoher Belastung verlangte nach Hölzern mit hohen Festigkeiten
und führte zum Einsatz von verleimtem, teerölimprägniertem Buchenholz.

Der Brettschichtholzbogen überspannt den Fluß mit einer Spannweite von 30,60
m. Die Fahrbahnbreite mißt 6,50 m, die lichte Höhe beträgt 5,00 m. Der seitliche
Gehweg ist 1,50 m breit.

Die lotrechten Lasten werden von der Fahrbahnplatte über Querträger und
Hänger zu den beiden Bogen übergeleitet. Windkräfte quer zur Brücke werden
sowohl von der steifen Fahrbahnplatte als auch von dem oberen Windverband
übernommen und an die Widerlager bzw. Portalrahmen abgegeben. Bremskräfte
gehen über die Fahrbahnplatte direkt auf die Widerlager.

Abb. 11 Gesamtansicht DörJli-Brücke, Eggiwil.

Montage
Aus Transportgründen ist der Bogen in der Mitte gestoßen. Die Verbindung
zwischen den Bogenhälften und zwischen Bogen und Zugband erfolgen über im
Hirnholz eingenuteten Stahlblechen mit Paßbolzen aus hochfestem Stahl. Die
Fahrbahn wurde in drei Teilen von 2,20 m Breite und 30,60 m Länge angeliefert
und auf der Baustelle zu einer Einheit verleimt.

STEPiEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Materialien
Brettschichtholz (FichteITanne) 112 m3
Brettschichtholz (Buche) 36 m3
Kantholz (FichteITanne) 42 m3
Stahlteile
- (Profile, Bleche, Bauschrauben) 13000 kg
- (Hochfeste Paßbolzen) 2300 Stück

Abb. 12 Bauphase.

Abb. 13 Querträgerausbildung mit Hängepfosten. ( U ) Bogen aus Brettschichtholz


(Fichte), ( b ) Hängepfosten aus Brettschichtholz (Buche), ( C )Zugband aus
Brettschichtholz (Fichte), (d) Querträger aus Brettschichtholz (Buche), ( e )
Stahlteil fur QuerträgeranschluJ.

Langlaufbrücke Pradella, Scuol, Schweiz ( 1990)


Im Sommer als Wanderweg, im Winter als Langlaufbrücke, befahrbar mit den
entsprechenden Pistenfahrzeugen. Nutzlast 4,O k ~ l m
und~ Einzellast von 30 kN,
Schneelast 3,4 kNlm2.

Spannweiten 21,50 m, 42,00 m, 21,50 m; Totallänge 85 m. Fahrbahnbreite 4,50


m. Es wurden vier Gerberträger aus Brettschichtholz (20011287-1650 mm), im
Abstand von einem Meter, unter der Fahrbahn angeordnet. Über die querverlegte

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Balkenlage (901140 mm) im Abstand von I m wurde eine materialsparende
Furnierschichtholzplatte von 39 mm Stärke in Elementen von 22 m Länge
verlegt. Diese verteilt die Einzellast gut und nimmt die Wind- und Stabilitäts-
kräfte auf. Bezüglich konstruktivem Holzschutz wurde die Fahrbahn als "Dach"
ausgebildet, indem sie abgedichtet und mit einem Schutzasphalt versehen wurde
(HMT mit PUR-Isolation). Ein seitlicher Schutzschild bewahrt die Träger vor
Witterungseinflüssen. Die bewitterten Teile wie Schutzschild und Geländer sind
in Lärche ausgeführt. Eine chemische Holzschutzbehandlung wird so überflüssig.
Die Lamellenverkleidung läßt die Brücke feingliedrig erscheinen. Sie löst die
flächige Wirkung der Brettschichtholzträger auf.

Montage
Bei den Gelenkstellen der Hauptträger wurden provisorische Montagetürme
erstellt, bevor die einzelnen Teilstücke mit Autokranen eingebaut wurden. Die
Querbalken mit den Geländerpfosten wurden in der Werkstatt zu U-Elementen
vorgefertigt. Die Montage der Träger, der Fahrbahn und der Geländerpfosten
dauerte vier Tage. Die seitliche Verschalung erfolgte mit einem fahrbaren
Gerüst, welches auf der Brücke montiert war.

Materialien
Massivholz (FichteiTanne) 22 m3
Brettschichtholz 98 m3
Fumierschichtholz 16 m3
Seitliche Verkleidungen (Lärche) 306 m2

Abb. 14 Gesamtansicht der Langlaufbrücke Pradella, Scuol.

Abb. 15 Detailansicht des Brückenkörpers.

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Abb. 16 Querschnitt und Ansicht der Tragkonstruktion.

Rad- und FuJ'gängerbrücke über die Simme, Wimmis, Schweiz (1989)


Als Kernstück eines Fuß- und Fahrradweges überquert die gedeckte, schlanke
und transparente Brücke die Simme in einer Höhe von 25 m über dem
Wasserspiegel. Die Nutzlast beträgt 4 kNlm2, die Schneelast 1,80 kNlm2. Auf
Wunsch des Bauherren wurde eine erhöhte Einzellast von 35 kN
(Rettungsfahrzeug, Winterdienst) zugrunde gelegt.

Das Projekt stand im Wettbewerb mit Stahl und Beton. Die Lage der beiden
Betonpfeiler war durch die Topografie sowie durch wasserbauliche Gegeben-
heiten bestimmt. Dies ergab Spannweiten von 27 m, 54 m und 27 m bei einer
Gesamtlänge von 108 m. Auf den eingespannten Stützen ist der Brückenüberbau
mit je zwei Betonscheiben von 1,2015,20 m seitlich gehalten. Das Haupttragwerk
bilden zwei über drei Felder laufende parallelgurtige Fachwerke mit vouten-
artigen Ausbildungen über den Auflagern. Die Fachwerkträger bestehen aus je
einem Ober- und Untergurt (2001700 mm) sowie Druck- und Zugdiagonalen aus
Brettschichtholz (2401360 mm) verstärkt mit seitlich aufgeleimten
Furnierschichtholz-Laschen (21631400 mm). Die Zug- und Druckpfosten sind aus
Massiv- und Brettschichtholz ausgeführt. Vorgegeben war ein Lichtraumprofil
von 3,50 m Breite und 2,50 m Höhe, der Achsabstand der Hauptträger liegt bei
4,40 m, die statische Höhe beträgt 2,94 m. Im Abstand von 6,75 m verbinden
jeweils Querträger die beiden Hauptträger in der Bodenebene. Zusammen mit
den gekreuzt angeordneten Stahl-Zugstangen in der Bodenebene bilden sie den
horizontalen Windverband. Die Kräfte werden über die Widerlager und
Pfeilerköpfe abgegeben. Die Stabilisierung der Dachebene erfolgt über eine
Rahmenkonstruktion aus Fachwerkpfosten und Dachbindern.

Große Beachtung wurde der baulich-konstruktiven Planung geschenkt: Das


seitlich 1,50 m auskragende Vordach sowie die jalousieartige Anordnung der
Geländerausbildung bieten Schutz vor Witterungseinflüssen. Der zusätzliche

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Einsatz von Lärchenholz erlaubte es, auf Maßnahmen des chemischen
Holzschutzes zu verzichten.

Als Verbindungsmittel wurden neben Lochplatten, Nagelblechen, Stahllaschen


und Gelenkwellen auch neuartige verzinkte Stahlschuhe (sog. Nagelversatz-
schuhe) eingesetzt. Diese ermöglichen die Übertragung von Anschlußkräften bis
700 kN.

Montage
Im Flußbett war reichlich Platz für die Montagearbeiten vorhanden, jedoch war
dieser Bereich stark durch Hochwasser gefährdet. Die Fahrbahnplatte, bestehend
aus Fachwerkunterguten, Querträgern, Koppelpfetten und Stahlzugstangen, wurde
in 36 m langen Elementen vorgefertigt. Mit einem Autokran wurden die 13
Tonnen schweren Teile in Position gebracht. Unter den im Mittelfeld
auskragenden Untergurtenden wurden provisorische Stützen aus je drei
Baumstämmen eingebaut. Das Mittelteil wurde anschließend mit Hilfe von
Stahllaschen und Rillennägeln fixiert. Der restliche Brückenkörper wurde von
der als Gerüst dienenden Fahrbahnplatte aus errichtet.

Materialien
Brettschichtholz 95 m3
Kantholz 51 m3
Furnierschichtholz 18 m3
Fahrbahnbohlen (Lärche) 27 m3
Brüstungen (Lärche) 1150 m2
Stahlteile 7000 kg

Abb. 17 Gesamtansicht der Rad- und Fußgängerbrücke. Wimmis.

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Abb. 18 Brückenquerschnitt im Feld.

Abb. 19 Innenansicht.

Abb. 20 Der transparente Brückenkörper ruht auf Betonpfeilern.

Flurweg-Brücke über den Aabach, bei Uster, Schweiz (1986)


Brücke für Fußgänger- und Landwirtschaftsverkehr iil einem Naturschutzgebiet.
Belastungsannahmen: Flächenlast von 4,O kNIm2, Einzellast von 10 kN.

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Die beiden Hauptträger dieser offenen Trogbrücke sind aus Brettschichtholz
gefertigt (20011200 mm) und aus ästhetischen Gründen um 200 mm überhöht.
Spannweite 14,20 m, Fahrbahnbreite 3,40 m. Im Abstand von 2,40 m sind
U-förmig, doppelt geführte Querträger und Aufhängepfosten aus Brettschicht-
holz angeordnet. Diese Elemente stabilisieren die Hauptträger. Über einer
längslaufenden Balkenlage (1201180 mm) aus CFK-imprägniertem
Weißtannenholz ist ein Fahrbahnbelag aus 70 mm dicken, diagonal laufenden
Bohlen aus Lärchenholz verlegt. Als Gleitsicherung wurde eine besandete
Kunstharzschicht eingebaut.

Den Belangen des baulich-konstruktiven wie auch des chemischen Holzschutzes


wurde bei dieser offenen Brücke größte Beachtung geschenkt. Sämtliche
Brettschichtholzbauteile bestehen aus Weißtannenlarnellen, welche vor der
Verleimung druckimprägniert wurden. Die Brettschichtholzträger wurden zudem
mit einer mehrschichtigen Oberflächenbehandlung geschützt. Die innenliegenden
Verkleidungen der Hauptträger dienen dazu, Schutz vor mechanischen
Beschädigungen sowie vor Witterungseinflüssen zu bieten. Diese Schalung aus
druckimprägnierten Fichtenbrettern kann mit einfachen Mitteln ausgebaut werden
und ist als Verschleißschicht konzipiert. Die Brückenentwässerung erfolgt über
die Fugen zwischen den Bohlen des Fahrbahnbelages.

Montage
Der Zusammenbau der kompletten Brücke erfolgte in der Werkstatt. Der
Transport und die Montage der 10 Tonnen schweren Konstruktion geschah
nachts.

Materialien
Brettschichtholz (Weisstanne) 12 rn3
Massivholz (Weisstanne) 3,6 m3
Bohlenbelag (Lärche) 3,6 m3
Schalung (Fichte) 61 m2

Abb. 21 Trogquerschnitt der FuJgängerbrücke bei Uster.

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Abb. 22 Ein Hydraulikkran versetzt die Brücke ...

Abb. 23 ... auf die vorbereiteten Widerlager.

Drostobel-Brücke, Klosters, Schweiz (1992)


Die neue Walderschließungsstraße ersetzt die baufällige Massivbaubrücke der
Zwanzigerjahre. Belastungsannahmen: Flächenlast 5,O k ~ l m vier
~ , Einzellasten
von 75 kN mit einem dynamischen Beiwert von 1,8.

Brückenlänge 18 m, Fahrbahnbreite 3,60 m. Das Tragsystem besteht aus einem


Trapezsprengwerk mit biegesteifer, durchlaufender Fahrbahn. Das Tragsystem ist
nicht auf zusammengefügten Einzelstäben aufgebaut, sondern es besteht aus
beidseitig beplankten Scheiben. Die Fahrbahn wird aus eng nebeneinander lie-
genden BSH-Längsträgern gebildet, welche mit zwei Lagen 39 mm starkem Fur-
nierschichtholz verbunden sind. Die FSH-Platten haben die Funktion der Lastver-
teilung der Radlasten auf das Haupttragwerk. Gleichzeitig übernehmen sie auch
die horizontale Aussteifung der Wind- und Stabilisierungskräfte. Die Brücke
besticht durch ihre unkonventionelle Form auch in gestalterischer Hinsicht.

Montage
Die Brücke wurde in der Werkstatt komplett vorgefertigt und mit einem
Lastwagenkran in kurzer Zeit montiert.

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Materialien
Brettschichtholz (Fichte) 23 m3
Massivholz 2 m3
Furnierschichtholz 5 m3
Massivholz-Schalung 45 m2

Abb. 24 Gesamtansicht der Drostobel-Brücke, Klosters.

Abb. 25 Ansicht des seitlich beplankten Trapezsprengwerks.

Fußgänger- und ~ a d w e ~ - Ü b e r f ü h r u n über


g die NY, Ballaigues, Schweiz
(1989)
Teil eines Forst- und Wanderwegnetzes. Belastungsannahmen: Flächenlast 4,O
kN/m2,Schneelast 2,8 kN/m2,Einzellast 10 kN.

Für den Stra.ßenverkehr war eine freie Durchfahrtshöhe von 4,80 m gefordert.
Die Spannweite des Steges liegt bei 24 m, die Breite bei 2,50 m. Die Randbe-
dingungen führten zu einer abgehängten Rundholzkonstruktion mit schrägem Py-
lon und diagonalen Seilabspannungen. Bergseitig konnten die der Straße entlang
laufenden Betonpfahle der Stützmauer als Widerlager und für die Verankerung
der Abspannkabel verwendet werden. Die talseitige Zufahrtsrampe ist aus ein-
fachen Balken mit einer Spannweite von 5,O m zusammengesetzt. Die eigentliche
Brücke ist ebenfalls aus einfachen Balken gefertigt, welche alle 4,35 bzw. 5,10
m auf Querträgem ruhen. Diese sind ihrerseits an den Schrägseilen aufgehängt.

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Die Tragstruktur ist aus druckimprägniertem Rundholz aus Fichte und Tanne
hergestellt. Eingefräste Entlastungsnuten sollen das unkontrollierte Aufreißen des
Rundholzes verhindern. Während die druckbeanspruchten Teile aus einfachen
Querschnitten aufgebaut sind, wurden die auf Biegung beanspruchten Teile aus
zwei sägegestreiften Querschnitten zusammengesetzt. Für den Gehbelag sowie
das Geländer kam Lärchenholz zur Anwendung. Abspannung sowie Ausstei-
fungsverbände sind aus nachspannbarem Armierungsstahl. Die Befestigung der
Abspannkabel am Pylonkopf und an der Brückenplatte erfolgte über Stahlteile
und Kontaktpressung. Alle Stahlteile sind feuerverzinkt, mit Ausnahme einiger
Stahlteile im Auflagerbereich, die dem winterlichen Streusalz ausgesetzt sind. Sie
wurden aus rostfreiem Stahl der Qualität V4A hergestellt.

Montage
Der Verkehr auf der Nationalstraße durfte durch die Montage nicht beein-
trächtigt werden. Der Aufbau erfolgte etappenweise: Aufbau der Zufahrtsrampe,
Montage des Pylonen und Einbau der bergseitigen Abspannkabel, Einbau der
fünf Teilelemente des Steges vom bergseitigen Widerlager her.

Materialien
Rundholz (Fichte) 30 m3
Bohlenbelag (Lärche) 12 m3
Stahlteile 2500 kg

Abb. 26 Cesanttansicht der FuJ3gängerüberführung, Ballaigues.

Abb. 27 Untersicht der Zufahrtsrampe.

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Abb. 28 Explosionszeichnung des Stahlteilanschlusses an1 Pylonkopc

FuJgänger- und Radwegbrücke über den Neckar, Remseck, Deutschland


( 1988)
Die Brücke bildet einen Abschnitt eines großzügigen Fußgänger- und
Radwegkonzeptes. Belastungsannahme: Flächerilast 5,O bzw. 4,O kNlm2 nach DIN
1072.

Die innovative Konstruktion mit 80 m Spannweite besticht durch ihre leichte,


transparente Form. Das Haupttragwerk besteht aus drei Fachwerkträgern, dic im
Querschnitt ein gleichschenkliges Dreieck mit der Seitenlänge von 7,56 m bilden.
Die Verbindungen in den Fachwerken sind mit Stabdübeln mit innenliegenden
Stahlblechen gelöst. Die Eindeckung der Dachebene des Dreieckfachwerkes
erfolgte mit Sicherheitsglas. Dadurch entsteht für den Benutzer eine einladende
Situation und erlaubt während der Überquerung des Flusses einen intensiven
optischen Kontakt mit der Umgebung. Die Dacheindeckung gewährleistet zudem
einen langjährigen konstruktiven Holzschutz.

Montage
Die Brücke wurde am einen Ufer fertig montiert. Danach wurde sie über das
Widerlager hinaus auf ein schwimmendes Floß vorgeschoben, bis der
Brückenkopf das andere Auflager ereichte.

Materialien
Brettschichtholz (Fichte) 296 m3
Bohlen (Kiefer) 10 m3
Stahlteile 20000 kg

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Abb. 29 Gesamtansicht der Fußgängerbrücke über den Neckar, Remseck.

Abb. 30 Innenansicht.

Abb. 31 Schematischer Brückenquerschnitt.

Wennerbücke über die Mur, St. GeorgedMurau, Oesterreich (1 993)


Zweispurige Straßenbrücke der Brückenklasse 1. Belastungsannahmen mit zwei
Achslasten von je 250 kN sowie einer Flächenlast von 5,O kNlm2 oder einer
Achslast von 600 kN.

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Das Haupttragsystem besteht aus einem parabelförrnigen Dreigelenkbogen mit
aufgeständerter Fahrbahn. Die freie Spannweite des Bogens beträgt 45 m, die
Bogenstichhöhe 12,50 m. Die Gesamtlänge der Brücke beträgt 85 m, es ist dies
die größte für den Straßenverkehr zugelassene Holzbrücke Europas.

Die Lastabtragung der Fahrbahn erfolgt im Bereich zwischen den Widerlagern


und den Bogenauflagern über schräg angeordnete Stützen. Diese wirken
zusammen mit den vier Hauptlängsträgern in Fahrbahnebene als Sprengwerk und
übernehmen gleichzeitig zur Vertikallastabtragung auch einen Teil der
Horizontalaussteifung. Im Firstbereich ist der Bogen biegesteif über
eingeschlitzte Stahlbleche mit dem Hauptlängsträger verbunden. Die
Gesamtbreite beträgt 8,60 m, die Fahrbahn und Randstreifen zusammen 6,10 m,
der Schutzstreifen 0,75 m und der Gehsteig 1,75 m. Die Querschnitts-
dimensionen betragen: Bogen 360/1200 mm, Längshauptträger 36011000 mm,
Aufständerungen 360/360 mm,schräge Stützen 360/600 mm.

Die Fahrbahn ist aus längsvorgespannten Betonfertigelementen hergestellt. Die


Lagerung der Betonfertigteile auf den Längshauptträgem erfolgt über 8 m m dicke
Neoprenestreifen, die Befestigung iiber eingeleimte Gewindestangen mit
Durchmesser 30 mm. Die Wind- und Stabilisierungsverbände quer zur
Brückenlängsachse bestehen aus einem Stahlrohr- bzw. Stahlstangensystem.

Montage
Aus Transportgründen wurden die Längsträger in vier, der Bogen in zwei
Einzelteilen angeliefert. Auf der Baustelle erfolgte zuerst der Zusammenbau der
insgesamt acht identischen Halbbogenelemente, bestehend aus einem halben
Bogen, der gegen die Brückenmitte geneigten V-Stützenhi4lfte, einem
Längsträger sowie der Aufständerungen. Mit Autokranen wurden die 21 Tonnen
schweren Elemente von beiden Seiten positioniert und miteinander verbunden.
Anschließend erfolgte der Einbau der Randelemente, welche das Widerlager bis
zur V-Stütze überbrücken.

Materialien
Brettschichtholz (Lärche) 300 m3
Stahl 69000 kg
Stahlbeton für Fahrbahnplatte 180 m3

Abb. 32 Gesamtansicht der Wenner-Brücke über die Mur, St. GeorgenIMurau.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E17121


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Abb. 33 Systemskizze.

Abb.34 Untersicht der Fahrbahnkonstruktion mit Dreigelenkbogen, Längsträgern,


schrägen Stützen, Aufständerungen und Aussteifungsverbänden.

Geh- und Radwegbrücke über den Rhein-Main-Donau-Kanal bei Essing,


Deutschland ( 1987)
Die Brücke überspannt den Rhein-Main-Donau-Kanal, eine Staatsstraße und zwei
Feldwege. Zum Nachweis der Standsicherheit waren neben den statischen auch
dynamische Beanspruchungen sowie die aus Wind und von den Brückenbe-
nutzern verursachten Schwingungen zu untersuchen. Die errechnete, maximale
Zugkraft beträgt 4000 kN. Parallel zur rechnerischen Erfassung wurden
Windkanalversuche am Modell durchgeführt.

Die Vorgabe, die Brücke solle sich harmonisch in die reizvolle Landschaft
einfügen, sowie die von der Schifffahrt notwendige lichte Höhe, führte zu einer
niedrigen aber auch so schlank wie möglichen Konstruktion. Die gewählte Form
ergab sich aus der Absicht, eine Spannbandkonstruktion zu entwickeln, die
weitgehend einer Seillinie folgend, durch vertikale Gleichlast hauptsäct-ilich auf
Zug beansprucht wird. Es ist dies die erste Holzbrückenkonstruktion, die in Form
eines Zugbandes eine derartige Strecke überbrückt.

Die Tragkonstruktion besteht aus neun Brettschichtholzträgern (2201650 mm), die


jeweils zu Dreiergruppen zusammengefaßt sind. Diese Zugglieder laufen über
drei Fachwerkpfeiler und sind entsprechend der Seillinie gebogen. Bei einer

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Gesamtlänge von 190 m ergeben sich Stützweiten von 30 m, 32 m, 73 m und 35
m. An den Widerlagern ist die Brücke verankert, wobei die Einleitung der
Zugkräfte über Spannstähle in Felsanker erfolgt. Die Kräfte aus den
Windverbänden werden über Zugstangen an den Fachwerkpfeilern abgeleitet. Die
obere, kreuzweise verlegte Diagonalschalung wurde mit einer Verblechung aus
Titanzink wasserdicht abgedeckt. Darüber wurden die Bohlen des Gehbelages
verlegt. Die Verbindungselemente der Hauptkonstruktion sind aus Stahlguß oder
aus nichtrostendem Stahl gefertigt.

Montage
Die Zugträger aus Brettschichtholz wurden im Werk in Einzelteilen mit Längen
von 32 m bis 43,s m vorgefertigt. Auf der Baustelle wurden sie durch verleimte
Keilzinkenstöße verbunden, als Witterungsschutz wurde ein klimatisiertes
Schutzzelt errichtet. Für die Montage wurden Hilfsgerüste erstellt.

Materialien
Brettschichtholz (Fichte) 320 m3
Kanthölzer (Lärche) 20 m3
Diagonalschalung (Fichte) 1330 m2
Gehbelag (Bongossi) 665 m2

Abb. 35 Gesamtansicht der Geh- und Radwegbrücke iiber den Rhein-Main-Donau-


Kanal, Essing.

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Abb. 36 Brückenquerschnitt.

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Abb. 37 Auflagerdetail der Fachwerkpfeiler.

Straflenbrücke San Niclh, Tschlin, Schweiz (1992/93)


Zubringerbrücke im Rahmen einer Umfahrungsstraße über den Inn. Zugelassen
für einspurige Fahrzeugbenützung ohne Lastbeschränkung. Belastungsannahmen:
Fahrzeug mit zwei Achslasten von je 205 kN und Flächenlast von 3,20 kN/m2.

Offene Bogenbrücke mit trogartigem Brückenquerschnitt. Verwendung von


neuesten Forschungsresultaten in den Bereichen Lamellensortierung mit
Ultraschall-Anwendung sowie Verbindungstechnik. Die Brettschichtholz-Bögen
mit einer Spannweite von 39 m weisen variable Querschnitte auf, sowohl in der
Breite wie auch in der Höhe: Am Bogenfuß 1000/800 mm, im Scheitelpunkt
650t1500 mm. Die stark beanspruchten Querträger zeichnen sich durch eine
vertikale Lamellenanordnung aus, kombiniert mit einer Verstärkung der beiden
Randbereiche aus Buchensperrholz. Fichten-Brettschichtholz und Buchen-Sperr-
holz sind mit Keilzinkenstößen verbunden, welche eine volle Ausnutzung der
Schubfestigkeit gestatten. Bei verschiedenen Anschlüssen wie BogedHänger,
BogedQuerträger und BogentAuflager kam ein neuartiges Ankersystem zur
Anwendung: Die profilierten Ankerköpfe werden dabei mit den Stahlplatten
verschraubt und die Ankerschäfte in die vorgebohrten Löcher eingelassen und
mit injiziertem Epoxy-Harz fixiert. Bei der Aufhängung der Querträger am
Bogen werden Zugkräfte von 500 kN übertragen.

Wesentliches Planungskriterium waren die konstruktiven Maßnahmen zur


Minderung der klimatischen Einwirkungen. Dies führte zur Verschalung der
Bogenbiilder, der Randträger sowie der Außenbereiche der Querträger mit
Kupferabdeckung bzw. mit Lärchen-Schalung. Die Querträger aus Buchenholz
wurden mit einer Imprägnierung als Feuchtigkeitsschutz versehen.

Montage
Der biegesteife Stoß der Bogenhälften erfolgte im Scheitel mittels profilierten,
80 mm dicken Stahlplatten. Diese greifen fingerzinkenartig ineinander .und sind
mit 20 mm-Bolzen über die gesamte Querschnittshöhe paßgenau arretiert. Der
zug- und druckfeste Anschluß der Stahlplatten an das Hirnholz der Brettschicht-
holzbögen erfolgte mit dem oben beschriebenen Ankersystem.

Qualitätssicherung
Bereits im Vorprojekt verlangte die Bauherrschaft einen Nutzungs- und

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Sicherheitsplan. Die darin erwähnte Nutzungsdauer von 100 Jahren sollte nach
dem Vorbild vieler alter, bestehender Brücken in der Schweiz mehr als nur
erreichbar sein. Zudem beauftragte sie im Rahmen der Qualitätssicherung die
ETH Zürich mit der Überwachung folgender Abläufe: Kontrolle der
Herstellverfahren, Lamellensortierung und Genauigkeit der Konstruktionsteile,
zudem die Verleimungs- und Vorspannungsvorgänge.

Materialien
Brettschichtholz 180 m3
Furniersperrholz 15 m3
Verschalungen (Lärche) 500 m2
Stahlteile inkl. Anker 11000 kg

Abb. 38 Gesamtansicht der Straßenbrücke San Nicld, Tschlin.

Abb. 39 Querschnitt der Tragkonstruktion.

Abb. 40 Quenräger mit Buchenholzverstärkung in den Randbereichen.

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Abb. 41 DetailanschluJ der Hänger am Bogen mittels eingeleimten Ankern.

FuJgängerübeiführung Raststätte Werdenberg über die N13, Sevelen,


Schweiz ( 1989/90)
Verbindungsweg zwischen den beiden Autobahn-Raststätten. Vielfältige Randbe-
dingungen bezüglich Landschaftsschutz, Verkehr, Nutzung, Windlast, behörd-
licher Vorschriften und nicht zuletzt die Korrosionsgefahr durch Streusalz waren
zu beachten. Nutzlast 4,O kNlm2 und 10 kN Einzellast, Schneelast 1,2 kNlm2,
Windlast 1,7 kNlm2.

Die Gesamtlänge, einschließlich der beiden turmartigen Treppenaufgänge in


Massivbauweise beträgt 103 m. Die Durchgangsbreite wurde mit 1,80 m
festgelegt und die Durchgangshöhe mit 2,40 m. Die Durchfahrtshöhe über der
Autobahn beträgt 5,50 m.

Die Hauptträger laufen über drei gleich lange Felder von je 30 m. Sie sind als
Gerberträger in Brettschichtholz ausgebildet (20011419 mm), mit Vouten über
den Auflagern. Der Windverband ist in der Bodenebene angeordnet. Er ist als
liegender Stegträger, bestehend aus 45 bis 63 mm starken Furnierschichtholz-
Platten und Gurten aus Schnittholz ausgebildet. Die Querrahmen bestehen aus
Zangen, Stützen und Bügen. Sie sind im Abstand von 2,45 m auf die Hauptträ-
ger montiert. Sie tragen das Dach und dienen als Aussteifung des Brückenkör-
pers. Die tragende Holzstruktur ist an den witterungsempfindlichen Stellen seit-
lich mit Holzwerkstoffplatten verkleidet und damit vor Feuchtigkeit geschützt.
Eine traditionelle gedeckte Holzbrücke erschien für diese Bauaufgabe ungeeignet.
Die gewählte Architektur erinnert an pavillionartige Ausstellungsbauten oder
Aussichtstürme. Das Bauwerk wirkt filigran und nicht als optische Talsperre.

Wegen der hohen Korrosionsgefahr wurde ein Tragwerk mit möglichst wenig
Eisenteilen gewählt. Die geschweißten Eisenteile wurden feuerverziilkt, für die
wetterexponierten Anschlüsse wurde das tausalzbeständige Gußeisen verwendet.
Alle Eisenteile haben zusätzlich einen Schutzanstrich erhalten.

Montage
Die Pfeiler und Treppentürme wurden betoniert. Der Brückenkörper aus Holz
wurde in drei Teilen am Boden neben der Autobahn zusammengebaut. Das
Versetzen der bis zu 43 m langen und 35 Tonnen schweren Teile erfolgte über
Nacht mit zwei Autokranen.

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Materialien
Massivholz (FichtelTanne) 37 m3
~rettschichtholz 53 m3
Dachschalung (FichtetTanne) 410 m2
Dreischichtplatte (Esche) 160 m2
Rundstäbe (Robinie) 72 Stück
Zementgebundene Holzwerkstoffplatten 160 m2

Abb. 42 Gesamtansicht der FuJgängerubeijührung, Raststätte Werdenberg, Sevelen.

Abb. 43 Detailansicht irn Aujlagerbereich.

Abb. 44 Innenansicht.

STEP/EUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E 17/27


Abb. 45 Isometrische Darstellung der Tragkonstruktion.

Zusammenfassung
Der Holzbrückenbau erlebt in Mitteleuropa seit gut einem Jahrzehnt eine
Renaissance. Ingenieure, Architekten und auch Bauherren haben diese
traditionelle Bauweise wiederentdeckt. Die Entwicklung neuer Verbindungs-
mittel sowie leistungsfähiger Holzwerkstoffe erlauben innovative, gestalterisch
anspruchsvolle und damit zeitgemässe Brückenprojekte. Der moderne
Holzbrückenbau ist zu weit mehr als einer Alternative zum Massivbau geworden.
Zahlreiche Bauten der letzten Jahre zeigen dies eindrucksvoll, sowohl beim
Ersatz alter Brücken wie auch bei Neubauten.

Literatur
Folgende Fachartikel sind erschienen im Tagungsband "Brücken und Stege aus
Holz". Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Holzforschung / LIGNUM,
Zürich, 1989:

- Gehri, E. (1989). Brücken und Stege - Gestern und heute, p. 9-18.

- Gehri, E. (1989). Ungedeckte Brücken - Statische und konstruktive Betrachtungen, p.


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- Kropf, F. (1989). Langzeitverhalten von Holz im Aussenbau - Ergebnisse von Über-


wachungen an Pilotobj*ten, p. 123-131.

- Natterer, J. und Merz, K. (1989). Beschrieb Holztragwerk Brücke über die Simme
zwischen Reutigen und Wimmis, p. 97-108.

Pizio, S. (1989). Fahrbahnausbildung bei Holzbrücken, p. 141-156.

- Sell, J. (1989). Spezielle Schutzmassnahmen - praktische' Erfahrungen mit einem


umfassenden Holzschutzkonzept für Brücken und Stege, p. 115-121.

- Steurer, A. (1989). Entwurfsgrundlagen und Konstruktionsprinzipien von Holzstegen, p.


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Bener, G. (1939). Gerüst- und Seilnesenbauer Richard Coray. Kommissionsverlag Bischofberger +


Co., Chur.

Bieler, W. (1993). Furnierschichtholz für Brückenbauten. In: Holzwerkstoffe auf Fumierbasis,


Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Holzforschung 1 LIGNUM, Zürich, 1993. p. 213-218.

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Brüninghoff, H. (1993). The Essing Timber Bridge. Structural Engineering International. Journal of
the International Association for Bridge and Structural Engineering (IABSE), Zürich.

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- Konstruktion - Berechnung. Entwicklungsgemeinschaft Holzbau (EGH) in der Deutschen
Gesellschaft für Holzforschung, München.

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Bauwesen. Lignatec 111995. LIGNUM, Zürich.

Gehri, E. (1985). Bedeutung von Holzwerkstoffen hoher Festigkeit für die Querträger-Ausbildung
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Zürich.

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das Holz - LIGNUM, Zürich.

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Chur.

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von Büren, Ch. (1985). Funktion und Form. Birkhäuser Verlag, Basel.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Cornett Programms


Holzpfähle

STEP ~ 1 8 Inhalt
Englischer Originalbeitrag: Der Beitrag behandelt den Hintergrund der Bemessung von Gründungen mit
J-W.G. van de Kuilen Holzpfählen. Es wird eine Einführung in die niederländischen Sortierregeln ge-
Delft University geben und die Bestimmung von charakteristischen Festigkeitswerten für Holz-
of Technology pfähle erläutert. Diese Werte können für Tragfähigkeitsnachweise verwendet
werden. Konstruktive Details für die in den Niederlanden verwendeten Holz-
pfahlgründungen werden vorgestellt.

Einleitung
Pfahlgründungen werden häufig eingesetzt, wenn die in üblicher Gründungstiefe
anstehende Bodenschicht nicht ausreichend tragfkhig ist. In solchen Fällen
können auch Holzpfahlgriindungen ausgefiihrt werden. Die Pfahllängen sind
unterschiedlich bis zu einer maximalen Länge von 23 m, die fur die meisten
Gegenden der Niederlanden auch für die zu erwarteten Lasten fast immer
ausreichen. Die Pfahle werden in den Untergrund gerammt, um die Bauwerks-
lasten in die tragfähigeren Bodenschichten einzuleiten. Die Pfähle weisen eine
natürliche Abholzigkeit auf, so daß der Durchmesser von 300 m m am Pfahlkopf
direkt unterhalb des Bauwerks bis auf 110 bis 160 m m an der Pfahlspitze etwa
1,5 m unterhalb der Oberkante der tragfähigen Bodenschicht abnimmt. Einzel-
heiten von zwei in den Niederlanden verbreiteten Gründungsarten zeigt Abb. 1.

(4 (e)
Abb. I Zwei gebräuchliche Gründungsarten. ( U ) Scherblock, (b) Fundamentbalken,
( C ) ~ f a h l k o ~ (i d ) in Rotterdam übliche Art der Ausfuhrung, (e) in
Amsterdam übliche Art der Ausfuhrung.

Häufig ist bei den Bodenverhältnissen, fiir die Pfahlgründungen erforderlich sind,
mit Grundwasser zu rechnen. In solchen Fällen muß das obere Ende des Pfahls
mindestens 0,5 m unter dem niedrigsten zu erwartenden Grundwasser-spiegel
liegen. Nur dann ist der Pfahl wassergesättigt und vor Pilzbefall geschützt. Die
zur Zeit einsetzbaren Holzarten sind Fichte, Lärche und Douglasie. Kiefernholz
darf nicht verwendet werden, weil es wegen des hohen Splintholzanteils auch im
Grundwasser durch bakteriellen Befall gefährdet ist. Zur Verbindung des
Holzpfahls mit dem Bauwerk wird ein Betonpfahl als Zwischenstück eingebaut.
Abb. 2 zeigt ein Beispiel für diese Ausführung.

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Abb. 2 Pfahlverlängerung aus Beton.

Diese Pfahlverlängerung überbrückt den Bereich zwischen dem Pfahl und dem
Gebäude und vermeidet dadurch, daß der Holzpfahl über den Grundwasser-
spiegel hinausreicht. Die maximale Länge dieser Pfahlverlängerung beträgt etwa
4 m bei einem Durchmesser zwischen 230 und 350 mm, wobei auch in
Sonderfällen geringere Durchmesser verfügbar sind. Der Bauablauf kann wie
folgt beschrieben werden. Der Holzpfahl wird in den Boden eingerammt. Vor
dem letzten Meter der Ramrnlänge wird die Pfahlverlängerung aus Beton
aufgesetzt und dann beide Pfahle bis zur erforderlichen Tiefe eingerammt. Die
Anordnung des Fundamentbalkens und die Rammvorrichtung sind in Abb. 3 und
4 zu sehen.

Abb. 3 Eine Pfahlverlängerung aus Beton ist auf den Holzpfahl aufgesetzt, der
zuvor eingerammt wurde.

Die Pfahlverlängerung wird mit dem Fundamentbalken oder der Bodenplatte des
Gebäudes verbunden. Abb. 5 zeigt die Verbindung zwischen den beiden
Konstruktionsteilen.

Die Tragfähigkeit sowohl der Holzpfähle unter Druckbeanspruchung als auch des
Baugrunds muß ermittelt werden, und es muß der Nachweis geführt werden, daß
diese Tragfähigkeiten mit ausreichendem Sicherheitsabstand höher sind als die
Bemessungswerte der Einwirkungen. Der Baugrund wird dabei in ähnlicher
Weise behandelt wie andere Baustoffe, wobei die Bemessungsregeln für den

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Nachweis des Baugrunds für die Grenzzustände der Tragfähigkeit und der
Gebrauchstauglichkeit angewendet werden.

Abb. 4 Rammvorrichtung.

Abb. 5 Verbindung von Pfahlverlängerung und Fundamentbalken.

Die Druckfestigkeit von Holzpfählen


Die charakteristische Druckfestigkeit von Pfahlen wurde aus einer Stichprobe mit
95 Versuchskörpem aus 95 Pfählen ermittelt. Die Stichprobe umfaßte 57 Probe-
körper aus Fichtenholz, 20 aus Lärchenholz und 18 aus Douglasie. Von den
Probekörpem wurden an Wuchseigenschaften der größte Astdurchmesser, die
Summe der Astdurchmesser und diese Summe, bezogen auf den Umfang,
bestimmt. Entsprechend der späteren Verwendung wurden die Versuchskörper
wassergesättigt geprüft. Die Festigkeit der Fichtenproben lag etwas unter der
Festigkeit der Proben aus Douglasie, die wiederum geringfügig niedrigere Werte
als das Lärchenholz aufwies. Weil die Unterschiede gering waren und vor allem
Fichtenholz zum Einsatz kommt, wurde festgelegt, daß charakteristische Werte
nur aufgrund der Untermenge Fichtenholz abgeleitet wurden. Eine statistische
Auswertung zeigte keine Korrelation zwischen den ermittelten Wuchseigen-
schaften und der Druckfestigkeit. Als charakteristischer Festigkeitswert für nasses
Holz ergab sich 16,3 N/mm2. Zusammen mit dem Modifikationsfaktor für die
Lasteinwirkungsdauer und dem Sicherheitsbeiwert ,y, = 1,3 erhält man die in
Tabelle 1 enthaltenen Bemessungswerte der Druckfestigkeit.

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Der Bemessungswert der Druckfestigkeit des Pfahls ist 1,5 m oberhalb der
Pfahlspitze nachzuweisen, weil davon ausgegangen wird, daß der Pfahl
mindestens mit dieser Länge von 1,5 m in die lastabtragende Bodenschicht
gerammt worden ist. Der Nachweis der Bodentragfähigkeit ist an der Pfahlspitze
vorzunehmen.

Klasse der Lasteinwirkungsdauer kmod h.,o,;~.d


(N/mmz)
ständig 0,60 73
lang 0,70 8,8
mittel 0,80 10,O
kurz 0,90 11,3
sehr kurz 1,lO 13,8

Tabelle 1 Bemessungswerte der Drucwestigkeit fur Holzpfähle.

Die Werte der Tabelle 1 gelten für den Einzelpfahl. Je nach der Anordnung am
Bauwerk können diese Werte erhöht werden. Geht man davon aus, daß eine
Pfahlgruppe unter einem Einzelfundament zusammenwirkt, dann wird sich die
Last umverteilen, wenn ein Pfahl versagt und seine Steifigkeit abfällt. Die
Lastverteilung auf die anderen Pfahle unter dem Fundament setzt voraus, daß die
Steifigkeit des Fundamentblocks groß genug ist. In diesem Fall wirken die
Pfähle als Parallelsystem und es kann bei der Bemessung ein Lastvertei-
lungsfaktor verwendet werden. Nach der niederländischen Norm NEN 6743
"Grundbau - Tragfähigkeitsberecfinung von Pfahlgründungen - Druckpfähle" ist
die Mindestanzahl von Pfählen drei, die unter einem Einzelfundament
zusammenwirken können. Für diese Mindestsituation ist ein Lastverteilungsfaktor
von 1,l ermittelt worden.

Die Qualität von Holzpfählen


Die Qualität von Holzpfählen ist in einer eigenen niederländischen Norm, der
NEN 5491: 1983 "Qualitätsanforderungen für Holzpfähle" geregelt. Diese Norm
legt fest, daß nur die Holzarten Fichte, Lärche und Douglasie zulässig sind,
wobei eine Lieferung Fichtenpfid~lesowohl Fichte (Picea abies) als auch Tanne
(Abies alba) enthalten darf. Da keine Abhängigkeiten zwischen den Wuchseigen-
schaften und der Festigkeit bestehen, betreffen die Qualitätsanforderungen die
Wuchseigenschaften nur wenig. Ein die Äste betreffendes Kriterium legt fest,
daß die Astfläche, d.h. die Summe der Astdurchmesser dividiert durch den
Umfang des Pfahles kleiner als 0,5 sein muß, und daß der größte zulässige
Astdurchmesser 1/12 des Umfangs oder 50 mm nicht überschreiten darf. Andere
Kriterien sind die Pfahllcrümrnung mit einer maximalen Pfeilhöhe in Pfahlmitte
von der Hälfte des mittleren Pfahldurchmessers sowie Risse. Weiterhin sind
zulässige Abweichungen für den Durchmesser und die Länge eines Pfahls in der
Norm festgelegt.

Tragfähigkeitsnachweis für den Baugrund


Um eine Gründung konstruieren und bemessen zu können, müssen Zusammen-
setzung und Tragfahigkeit des Baugrunds bekannt sein. Normalerweise wird dies
erreicht mittels einer Drucksondierung (cone penetration tests (CPT)), bei der
eine Sonde in den Untergrund gedrückt wird. Aus dem Widerstand ergibt sich
die Tragfähigkeit des Baugrunds. Mit einer speziellen Ausstattung wird nicht nur
der Spitzenwiderstand sondern auch die Mantelreibung gemessen. Diese Reibung

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liefert Informationen über die Kräfte, die am Pfahlschaft wirken können. Eine
positive Mantelreibung erhöht die Tragfähigkeit des Pfahls, da vertikale Lasten
nicht nur über die Pfahlspitze, sondern auch über die Mantelfläche des Pfahls in
den Boden eingeleitet werden können. Andererseits kann sich die positive
Mantelreibung in eine negative umkehren, wenn die Dicke der Bodenschichten
im Laufe der Jahre durch Setzung abnimmt oder eine Sandschicht aufgefüllt
wird. Dadurch reduziert sich die Tragfähigkeit, was zum Versagen der Gründung
führen kann, wenn man diese Möglichkeit nicht berücksichtigt hat.

Nach der Bodenuntersuchung werden die Ergebnisse in ähnlicher Weise venven-


det wie bei anderen Baustoffen. Die Bemessungsnorm für Grundbau (NEN 6740)
entspricht im Prinzip den anderen Normen, die Einwirkungs- und
Widerstandsfaktoren enthalten. Die maximale Bemessungsfestigkeit fur den
Boden wird folgendermaßen ermittelt:

mit:
Ffoud;rn;rep ist der maximale charakteristische Wert für den Boden, ermittelt
anhand einer Drucksondierung,

Ff„„,,, ist der maximale Bemessungswert für den Boden,


5 ist ein Faktor, der die Anzahl der durchgeführten CPT's berück-
sichtigt. Meistens ist 5 = 0,8,

Y~;P ist der Teilsicherheitsfaktor für das Material und beträgt 1,25 für den
Fall, daß die Festigkeit des Bodens anhand einer CPT ermittelt
worden ist.

Nach der niederländischen Bemessungsnorm wird die Anzahl der CPT's


berücksichtigt. Je mehr CPT's durchgeführt wurden, desto zuverlässiger kann
man Aussagen über die tatsächliche Tragfähigkeit machen, umso höhere Lasten
können der Gründung zugewiesen werden oder umso weniger Pfähle werden
benötigt. Aufgrund dieser Versuche wird die Tragfähigkeit bestimmt und die
erforderliche Pfahllänge festgelegt. Eine Methode, nach der diese Tragfähigkeit
ermittelt wird, ist das sogenannte Koppejan-de Beer Verfahren. Dieses Verfahren
gewährleistet eine sichere Abschätzung der Tragfähigkeit des Bodens und kann
der niederländischen Norm NEN 6743 entnommen werden. Der maximale
Bemessungswert der Druckkraft N berechnet sich aus dem Produkt dieser
Bodentragfähigkeit mit der Fläche der Pfahlspitze.

Die positive Mantelreibung berechnet sich zu:


fskin;m;rep = qc

wobei a eine Konstante für den betreffenden Boden und q, ein oberer Grenzwert
des Spitzenwiderstandes in N/mm2 ist.

Die maximale Mantelreibungskraft berechnet sich aus der Mantelreibung über


den Umfang und die Länge des Pfahls, über die die Mantelreibung wirksam ist.

Diese Berechnungen werden normalerweise nicht vom Tragwerksplaner vorge-


nommen, sondern von Ingenieuren, die auf den Entwurf von Gründungen
spezialisiert sind und die CPT's durchführen.

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Den Endzustand einer Pfahlgründung einschließlich der Kräfte, die am Pfahl
angreifen, zeigt Abb. 6.

Gebrauchstauglichkeitsnachweis
Für Bauwerke mit großer Steifigkeit müssen Verformungskriterien festgelegt
werden, und somit müssen die Verformungen des Pfahlkopfes ermittelt werden.
Wenn nicht alle Pfähle unter einem Gründungselement die gleiche Verformung
aufweisen, können Schäden am Gebäude auftreten. Wenn sich Türen nicht mehr
öffnen oder schließen lassen, bedeutet das einen noch relativ harmlosen Schaden
im Gegensatz zu Rissen im Mauerwerk, die zu einem Einsturz des Gebäudes
oder von Teilen des Gebäudes führen können. Da eine vollständige Darstellung
hier nicht möglich ist, sei auf die niederländische Norm NEN 6743 verwiesen.
Im Prinzip setzt sich die Verformung auf Geländehöhe aus zwei Anteilen
zusammen. Ein Anteil ergibt sich aus der elastischen Zusarnrnendrückung des
Pfahls und der Eindrückung der Pfahlspitze in den Boden. Für diesen Anteil
wird eine mittlere Kraft im Pfahl festgelegt, die vom Verhältnis zwischen der
Mantelreibungskraft und der Normalkraft an der Pfahlspitze abhängig ist. Der
zweite Anteil besteht aus der Absenkung des gesamten Pfahls infolge der
Setzung der Bodenschichten unter dem Pfahl.

Abb. 6 Pfahlgründung und auf den Holzpfahl einwirkende Kräfte. ( U ) Gebäude, ( b )


Verlängerungspfahl aus Beton, ( C )Holzpfahl, ( d ) Grundwasserspiegel, (e)
negative MantelreibungskrQfe, Cf) weicher Lehm, ( g ) positive
Mantelreibungskraft, (h) tragende Sandschicht,' (i) Spitzendruck am Pfahl.

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Beispiel

Die Gründung in Abb. 6 wird als Beispiel erläutert. Die Pfahlspitze liegt 13,5 m
unter Geländeoberkante. Die vertikale Bemessungslast F, wirkt ständig und
beträgt 100 kN. Der Bemessungswert der Druckfestigkeit des Holzpfahls beträgt
7,5 N/mm2 (siehe Tabelle 1).

Pfahldurchmesser: 140 mm; Ac = 15400 mm2.

Die Tragkraft des Pfahls berechnet sich aus der Summe des Spitzenwiderstands
und der positiven Mantelreibung, die über eine Länge von 2,1 m wirkt. Der
mittlere Pfahldurchmesser in diesem Bereich beträgt 148 mm. Negative
Mantelreibung trete in diesem Beispiel keine auf. 5 = 0,8.

Nachweis der Festigkeit des Bodens:


Der Festigkeitswert für den Boden an der Pfahlspitze wurde vom Baugrund-
sachverständigen bestimmt zu:
fior;rn;rep = 9,75 Nlmm

Der Bemessungswert der Tragfähigkeit an der Pfahlspitze wird damit:

Hinzu kommt die Mantelreibung: der mittlere Grenzwert des Spitzenwider-


standes über die 2,l m beträgt 7 ~ / m m ~ .

Nach Gleichung (3) ergibt sich:


fvkin;m;rrp = a q, = 0,012 . 7 = 0,084 Nlmm2

und der Bemessungswert der Tragfähigkeit aufgrund der Mantelreibung:

Die gesamte Tragfähigkeit ist:


R, = Rinu;,+ Rskin;;,= 96 + 66 = 162 kN > 100 kN

Nachweis der Druckfestigkeit des Pfahls:


Ac = 15400 mm2.

Ein Pfahl mit einem Durchmesser von 140 mm reicht aus.

Zusammenfassung
- Holzpfähle stehen mit Längen bis zu 23 m zur Verfügung und sind eine
gute Alternative zu Betonpfählen.
- Drei Holzarten sind für Holzpfähle zulässig (Fichte, Douglasie, Lärche).
Bei wechselndem Grundwasserspiegel kommen dafür entwickelte
Verlängerungspfähle aus Beton zum Einsatz.
- Die charakteristische Druckfestigkeit von Holzpfählen wurde aus 95
Druckversuchen bestimmt und das Nachweisverfahren entsprechend EC5
entwickelt.

STEPlEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E1817


- Die Qualitätsanforderungen an Holzpfähle werden kurz angesprochen. Eine
niederländische Norm regelt die Anforderungen an zulässige Wuchsfehler
und die Abweichung von bevorzugten Abmessungen.

Literatur
NEN 5491:1991 Quality Requirements for Timber - Timber Piles.

NEN 6740 Geotechnics - Basic requirements and loads.


NEN 6743 Geotechnics - Calculation method for bearing capacity of pile foundations -
Compression piles.

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Rundholzkonstruktionen

STEP E19 Inhalt


S. Winter Verschiedene Einsatzmöglichkeiten von Rundholz werden dargestellt. Neben
Beratender Ingenieur einem Beispiel zur Berechnung der Holzmastenbauart in Anlehnung an EC5
der ARGE HOLZ werden eine Reihe von Verbindungen gezeigt. Blockhausbauten werden nicht
behandelt.

Einleitung
Das Konstruieren von Bauwerken mit Rundhölzern ist eine der ältesten Bauarten.
Da Rundhölzer als Baumaterial ohne große Anstrengungen zu gewinnen sind,
wurde und wird mit diesem Material bereits in den sogenannten "primitiven"
Kulturen gebaut. Die Anwendungen reichen von der primitiven Ein-Mann-
Schutzhütte bis zu kunstvollen Pfahl- und Turmbauten. Bauwerke aus der
jüngeren Menschheitsgeschichte zeigen auch heute noch die Dauerhaftigkeit
solcher Konstruktionen. Als Beispiel sollen hier nur die berühmten norwegischen
Stabkirchen angeführt werden. Wegen des preiswerten Ausgangsmaterials, das
einen weiteren Preisvorteil durch den geringen Bearbeitungsaufwand erzielt,
werden Rundholzbauten für unterschiedliche Verwendungszwecke wieder zuneh-
mend eingesetzt.

Verwendungsbereiche
Den größten Verbreitungsgrad erreichen Rundholzbauten z. Zt. bei der Erstellung
landwirtschaftlich genutzter Gebäude. Dies hat mehrere Gründe:
- An Stall- und Schutzgebäuden, Maschinenhallen oder Bergehallen für
Emtegut werden keine hohen Anforderungen bezüglich der Winddichtig-
keit gestellt. Im Gegenteil wird beispielsweise bei Lagerhallen für Erntegut
eine Undichtigkeit erwünscht, U& ein Nachtrocknen der Früchte zu ermög-
lichen.
- Der große Raumbedarf landwirtschaftlicher Betriebe wird preiswert
gedeckt.
- Viele landwirtschaftliche Betriebe verfugen über kleine Waldflächen. Sie
können bei der Erstellung von Rundholzkonstruktionen ihren eigenen Roh-
stoff nutzen. Außer dem Fällen der Bäume, dem Entrinden von Hand oder
mit Handmaschinen und einigen wenigen Abschnitten mit der Kettensäge
fallen keine weiteren Bearbeitungsschritte an.
- Es werden von landwirtschaftlichen Organisationen Bauanleitungen
einschließlich statischer Nachweise und zugehörigen Verbindungsmitteln
für eine Reihe unterschiedlicher Gebäude, vom Maschinenschuppen bis
zum Großmelkstall, angeboten.
- Durch die einfachen Konstruktionen können die Bauwerke im Selbstbau
errichtet werden.

Rundholzkonstruktionen werden ebenso für einfache Hallentragwerke anderer


Nutzung errichtet, z.B. Bootsschuppen o.ä., da bei Holzmastenbauwerken die
Emchtungskosten minimiert werden können. In Hausbauten werden Rundholz-
konstruktionen in Form von Holzmastenkonstruktionen selten verwendet. In

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E1911


Überschwemmungsgebieten, bei schwierigen Geländeverhältnissen, steilen
Hängen oder bei besonderen architektonischen Wünschen finden sie als Aufstän-
derung oder tragende Struktur jedoch Anwendung. Ein neues Anwendungsgebiet
haben sich Rundholzkonstruktionen bei Lärmschutzwänden erschlossen. Hier
werden preiswerte und in großen Mengen verfügbare Schwachholzsortimente zur
Herstellung der Wandflächen verwendet. Diese Wände werden zwischen
eingespannten Stahlstützen, teilweise zwischen eingespannten Rundholzstützen
verankert. Ebenso ist die Konstruktion von kleineren Stützwänden möglich.

Für einfache Wandltonstruktionen in landwirtschaftlichen Gebäuden und


Lärmschutzwänden werden schwache Rundhölzer bis Ca. 140 m m Durchmesser
verwendet, vgl. Abb. 1.

Abb. 1 Einfache Stützwandkonstruktion

Vereinzelt werden Reit- und Sporthallen mit Rundholzkonstruktionen emchtet.


Es werden neben der Verwendung von Rundhölzern für Stützen und Wände auch
Dachtragwerke in Form von Fachwerkbindern aus Rundholz erstellt. Die
Verbindungen der Dachtragwerke werden ingenieurmaßig, meist als Stahlblech-
Holz-Verbindungen bemessen.

Weitere Anwendungsgebiete von Rundholzkonstruktionen sind der Wasserbau,


z.B. bei der Errichtung von Uferbefestigungen oder Steganlagen, und der Bau
einfacher Wegebrücken mit kleinen Spannweiten in der Land- und Forstwirt-
schaft. Eine zwar seltene, aber auffallende Anwendung mit hohem ästhetischen
Wert sind Aussichts- oder Beobachtungstürme.

Materialeigenschaften
Durch den fehlenden ~ e i r b e i t u n ~ s ~des
a nEinschnitts
~ zu Kantholz weisen Bau-
rundhölzer eine hervorragende ökologische Bilanz auf. Der Einsatz von Primär-
energie wird minimiert, Rundholz wird allerdings generell entrindet, um das
Risiko eines Schädlingbefalls zu minimieren. Bei Ingenieurbauwerken oder aus
optischen Gründen werden die Rundhölzer teilweise weiter geschält, wie es auch
bei Freilandmasten der Fall ist, um einen gleichmäßigen Durchmesser und eine
gleichmäßige Oberfläche zu erhalten. Bei fehlender Weiterbearbeitung bleibt die
Tragfähigkeit voll erhalten.

Als Holzarten werden alle europäischen Nadelhölzer wie Fichte, Tanne, Kiefer,
Lärche und Douglasie verwendet. Soweit ein ausreichender baulicher Holzschutz
vorhanden ist, können Rundhölzer aus Holzarten höherer Resistenzklassen
(Lärche, Douglasie) auch ohne chemischen Holzschutz eingesetzt werden. Im
Regelfall, insbesondere bei unmittelbar ins Erdreich eingespannten Masten,

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Abb. 2 Beispiel fur den Fußpunkt bei der Holzmastenbauart (Merk 1990).
( a ) Holzmast, Fußdurchmesser 33 cm, kesseldruckimprägniert, ( b ) zusätz-
liche Peqorierung der Masten im Erd-Lufibereich, ( C ) Ausgleichsbrett
30/120 mm, gehobelt, kesseldruckimprägniert, ( d ) Fichtenbohlen d =
6 0 mm, gehobelt, kesseldruckimprägniert, je Bohle mit 2 SenkkopfSchnell-
bauschrauben 6x130, verzinkt, vorgebohrt, um Mast befestigen, ( e ) 3
Kieferbohlen, d = 100 mm, gehobelt, kesseldruckimprägniert und
peqoriert, (f)Beton C12/15.

Das Vorgehen bei der Bemessung ist im nachfolgenden Beispiel dargestellt. Der
Nachweis der Bodenpressung aus vertikalen Druckkräften kann für eine Grund-
fläche mit dem Durchmesser d,, = d,, + 0,10 m geführt werden (Bezeichnungen
siehe Abb. 3). Um eine Bemessung des Holzmastes nach EC5 vornehmen zu
können, muß vorab die Knicklänge des Mastes bestimmt werden. Durch die
elastische Einspannung im Boden ist fur die Knicklänge ein Wert s, = ß 1 (ß >
2) zu ermitteln. Alternativ kann eine Berechnung der Schnittgrößen nach Theorie
11. Ordnung erfolgen. Da die Drehfedersteifigkeit des Gründungskörpers von der
tatsächlichen Verdrehung abhängig ist, ist ein iteratives Vorgehen bzw. eine
Abschätzung der zu erwartenden Mastkopfverschiebung notwendig.

Die Berechnung der Verdrehung des Gründungskörpers und damit die Knick-
länge kann mit 1,O-fachen Lasten unter Ansatz der jeweiligen national gültigen
Bodenkennwerte erfolgen. Erst nach der Ermittlung der Knicklänge wird das
Bemessungskonzept des EC5 angewendet. Das folgende Beispiel orientiert sich
an "DIN 18900: Holzmastenbauart - Berechnung und Ausführung", die Boden-
kennwerte für häufig auftretende Bodenklassifizierungen sind in Tabelle 1 ange-
geben. Sofern eine Einstufung in diese Bodenklassen nicht erfolgen kann, sind
Laborwerte in Übereinstimmung mit Nationalen oder Europäischen Regelungen
zu ermitteln.

Beispiel Holzmastenbauart (in Anlehnung an Nürnberger, 1988)


Voraussetzungen
Nutzungsklasse 2 .
Mastkopfverschiebung W, Ih / 75
Bodenkennwerte nach Tabelle 1.

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Material
Beton C12115 nach ENV 206, Konsistenz CO nach ISO 41 11, erdfeucht.
Nadelholz C24 nach EN 338
E,,„ = 7400 N/mm2
Fußdurchmesser: d, = 260 mm > 150 mm
(Mindestdurchmesser)
Mastdurchmesser am Punkt E: dE = 260 mm
Bohrlochdurchmesser: db = 500 mm
Bohrlochtiefe: t = 1500 mm
Ummantelungsstärke: sb =120mm
Sohlenstärke: ts = 150 mm
Uberprüfung der Randbedingungen:
120mm 11,2sb 5 t, 5 0,14 t 2 250
1,2 s b = 1,2 . 120 = 144 mm I 150 mm
0,14 t = 0,14 . 1500 = 210 mm 2 150 mm
400 mm C db I 800 mm
Baugrund: Sand, enggestufte Körnungslinie ( U I 6), mitteldicht
Wichte: y = 18,O kN/m3
Winkel der inneren Reibung: cp = 32,5"
Kohäsion: C' = 0
Entsprechend Tabelle I nach Nürnberger (1988)
Gleitflächenverhältnis: b = 0,9

räumlicher Erdwiderstandsbeiwert: h E
= 11,O
Sicherheitsfaktor: v y = vc = 0,35
(bei Verwendung von Bodenkenngrößen aus Laborversuchen ist V, = 0,25 einzu-
setzen)

Geometrische Gro$en des Mastes


dE = 260 mm
A, = d: 1114 = 2602 d 4 = 53100 mm2
W, = d: - ~ 1 3 2 =2603-d32 =1,73-10~mm~
I, = d: d 6 4 = 2604 11/64 = 224 1O6 mm4
iE = d , 1 4 = 26014 = 65 mm

Zulässiges Einspannmoment im Baugrund


U, = 40 mm (geschätzt)
ME =MW+uKF = 14,9 + 0,04 (20,7-19,9 + 25,6) = 16,O kNm
H~ = qw = 2,73 . 3,30 = 9,Ol kN
hR = ME / HR = 16,0/9,01 = 1,77 m = 1770 mm
n = hR / t = 177011500 = 1,18 > 1,0
k, = 0,217/(n + 0,6) = 0,217 I (1,18 + 0,6) = 0,122

Zulässige Horizontalkraft H,
= V, k, ( Y / 3) 9 h ph (t + (b db I 4))' + V, k, C' h E cos6 ( t + ( b db 14))'

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U~ = U, + Uel
a = ME / ME,lirn
tun a = ( U , + a, + a ) 10-3
tun a = [(16,0120,9)3+ (16,0/20,9)~ + 16,0/20,9] 10" = 0,00180
U, = (0,6 t + h) tan a = (0,6 . 1500 + 3300) 0,00180 = 7,6 mm
s = h + d, = 3,30 + 0,26 = 3,56 m
Y =h/s

Bedingung:
UK = U, + U,! Ih/75
UK = 7,6 + 33,l = 40,7 mm 1 3300175 = 44 mrn
UK = 40,3 mm > 40 mm (geschätzter Wert)
somit wird
ME = 14,9 + 0,0407 . 26,4 = 16,O kNm = 16,O kNrn
neuer Nachweis für Mastkopfverschiebung nicht erforderlich.

Knicklänge des Holzmastes


ME = 16,O kNm
tun a = [(16,0 I 20,9)3 + (16,O / 20,9)' + 16,O I 20,9] . 1 0 - ~= 0,00180
Kr = ME 1 tun a = 16,O / 0,00180 = 8890 kNm
s = h + dE = 3300 + 260 = 3560 mm

Bemessungswerte der Einwirkung nach EC.5


Lastfall 1: Eigengewicht
max F , , = 1,35 . 20,7 = 27,9 kN
Lastfall 2: Eigengewicht + Schnee
nlax F,,, = 1,35 . 20,7 + 1,50 .25,6 = 66,4 kN
M d =0
Lastfall 3: Eigengewicht + Schnee + yr Wind
max F,,, = 1,35 .20,7 + 1,50 .25,6 - 1,50 - 0,60 . 19,9 = 48,4 kN
M d = 13,4 kNm
Lastfall 4: Eigengewicht + yr Schnee + Wind
max F,,, . .
= 1,35 . 20,7 + 1,50 .0,7 25,6 - 1,50 19,9 = 25,O kN

Lastfall 5: Eigengewicht + Wind


max F„ .
= 1,0 20,7 - 1,50 . 19,9 = - 9,15 kN

STEPlEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E 1917


Charakteristische Werte der Baustoffeigenschaften
Nadelholz C24
4 = 260 mm
fm. k = 24 N/mm2 , = 21 N/mm2
Eo,„, = 1 1000 N/mm2 Eow = 7400 N/mm2

Bemessungswerte der Materialeigenschaften


Nutzungsklasse 2
YM = 1.,3
kmod = 0,6 für Lastfall 1
fm,, = 1 1,l N/mm2 fc0 = 9,7 N/mm2
kmod = 0,9 für Lastfall 2 bis 4
fm.d = 24 .0,9/1,3 = 16,6 N/mm2
fc.0.d = 21 . 0,9/1,3 = 14,5 N/mm2

Druckstab-Nachweis nach EC5: Teil 1-1: 5.2.1


I -

ß, = 0,2 für Vollholz


2
k = 0,5 (1 + ßc (h„ - 0,5) + Are) = 2,72

Nachweise
Oc.0,d = F,,, / A
Gm =M,/W
(oc,O,d kc fc.0,d) + ( G m 1 fm,& 5 190

Maßgebende Lastfalikombinaton: Lastfall 4

Bodenpressung
db =db+lOOmm =500+100 = 600 mm
Ab =d;n/4 = 600' n/4 -
= 0,283 106 mm2
G , , = max F,,, Ab 5 fc,,
Nachweis erfolgt nach EC7 oder NAD

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Nachweis auf Herausziehen f i r LastfQll 5
unterer Kegelstumpfradius
T,, = d, 12 = 0,50 / 2 = 0,25 m
oberer Kegelstumpfradius
ro = r,, + t tan 6 = 0,25 + 1,50 tan 17,5" = 0,72 m
Gewichtsberechnung erfolgt über Volumenformeln für Kegelstumpf bzw.
Zylinder
GErde = 18,O . 1,50 . 7c [(0,72' + 0,72 . 0,25 + 0,25')/3 - 0,502/4]
= 16,21 kN
G~tton = 23,O - 7c [0,5d . 1,50 - 0,26' (1,50 - 0,15)/4]
= 5,13 kN
G ~ ~ l ~ .
= 6,O .0,26' 1,35 -1~14 = 0,43 kN
Ggesamt = GErde + GBeton + GHV[z = 16,21 + 5,13 + 0,43
= 21,77 kN
max FM = 9,15 kN < 21,77 kN

Verbindungen
Verbindungen sind bei Rundholzkonstruktionen schwieriger herzustellen, als bei
Konstruktionen aus Schnittholz. Sehr häufig können die Rundhölzer nur mit
Kettensägen bearbeitet werden. Im besonderen ist darauf zu achten, daß die
Verbindungsmittel auch in der vollen, rechnerisch angesetzten Länge wirksam
sein können. Um dies zu gewährleisten, und um 2.B. bei der ¿ibertragung von
Druckkräften durch Kontaktstöße die Bemessungswerte der Spannungen recht-
winklig zur Faser nicht zu überschreiten, werden die Rundhölzer im Anschlußbe-
reich eingeschnitten. Soweit keine großen Kräfte übertragen werden müssen oder
nur eine Lagesicherung erforderlich ist, werden Stahlblechformteile oder dünne
Flachstahlbänder verwendet. Spezielle Stahlblechformteile für Rundhölzer unter-
schiedlicher Durchmesser werden im Handel angeboten. Soweit diese Formteile
nur zur Lagesicherung oder zur Übertragung von Zugkräften dienen und der
Kraftfluß im Formteil eindeutig ist, kann die Berechnung entsprechend EC5
erfolgen. Für Stahlblechformteile, deren Tragverhalten Balkenschuhen ähnlich
ist, ist derzeit kein Bemessungsverfahren verfügbar. Solche Bauteile müssen nach
einer Zulassung (Europäische Technische Zulassung oder Nationale Technische
Zulassung) bemessen werden.

Abb. 5 Verschiedene Möglichkeiten zur Herstellung von Rundholzverbindungen.

STEPEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E 1919


Abb. 5 zeigt eine Auswahl von möglichen Verbindungsmitteln, in Abb. 6 ist die
Verbindung einer Doppelzange mit einem Mastkopf dargestellt. Bei Koppelung-
en von Mastköpfen ist darauf zu achten, daß Druckkräfte übertragen werden.
Stark überhöhte Binderbauteile sollten daher nicht zur Koppelung von Mast-
köpfen verwendet werden.

Abb. 6 Holzmastenbauart: Verbindung eines Mastkopfes mit einer Doppelzunge.

Wenn die Einspannung der Holzmasten zur Aufnahme der horizontalen Kräfte
nicht ausreicht oder zusätzliche Aussteifungen zur Verringerung der Knicklänge
der Masten angeordnet werden müssen, können zusätzliche schräge Diagonalen
eingebaut werden, vgl. Abb. 7.

Abb. 7 Holzmastenbauart: Anschluß einer Diagonale.

Zusammenfassung
Rundholzbauweisen erlauben preiswerte Gebäude, vorzugsweise für die Land-
wirtschaft, aber auch bei vielen anderen Anwendungsgebieten. Bei Holzmasten-
konstruktionen beträgt die Kostenreduzierung bis zu 45%. Wegen des geringen
erforderlichen Energieeinsatzes zur Bearbeitung weisen Rundholzbauwerke eine
besonders gute ökologische Bilanz auf. Es können die meisten Europäischen
Nadelhölzer eingesetzt werden. Bei unmittelbar in das Erdreich eingespannten
Stützen ist jedenfalls eine vorbeugende chemische Schutzbehandlung erforder-
lich. Besondere Bemessungsregeln für Rundholzbauwerke sind im Europäischen
Normenwerk bisher noch nicht enthalten.

Literatur
Dröge, G. (1986). Holzmastenbauart. Kap. 20 aus Holzbau Taschenbuch, 8. Auflage, Band 1:
Grundlagen, Entwurf und Konstruktion. Verlag Ernst & Sohn, Berlin, Deutschland.

Nürnberger, W. (1988). Informationsdienst Holz - Zweckbauten für die Landwirtschaft. Hrsgb.:


Entwicklungsgemeinschaft Holzbau (EGH) in der Deutschen Gesellschaft für Holzforschung,
München, und Centrale Marketinggesellschaft der Deutschen Agrarwirtschaft (CMA), Bonn,
Deutschland.

Merk (1990). Werkzeichnung der Merk Holzbau GmbH & Co, Aichach, für das Bauvorhaben
Freilandhalle Obernach, Fußpunkt - Ausbildung, Aichach.

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Räumliche Rahmen und Kuppeln

STEP ~ 2 0 Inhalt
Englischer Originalbeitrag: Zunächst wird das Konzept dreidimensionaler Tragwerke eingeführt und ihre Vorteile
J.C. Chilton gegenüber ebenen Tragwerken wie Biegeträger, Bögen und Fachwerken erläutert.
University of Nottingham Für räumliche Rahmen wird dies am Beispiel der Lastverteilung zwischen zwei
Biegeträgern dargestellt, die sich rechtwinklig kreuzen und in Trägerrnitte rniteinan-
der verbunden sind. Der Einfluß des Spai~nweitenverhältnissesder beiden Träger
sowie der Anzahl und Lage der Auflager auf die Lastverteilung wird untersucht.
Verschiedene Arten ein- bzw- doppellagiger Trägerroste werden beschrieben. Die
hohe Tragfähigkeit von Kuppeln, die sich aus ihrem dreidimensionalen statischen
System ergibt, wird erklärt. Beispiele verschiedener Kuppelgeometrien wie Schwed-
lerkuppel, geodätische Kuppel, Lamellenkuppel oder Rippenkuppel werden vorge-
stellt und der Zusammenhang zwischen Kuppelgeometrie und den entsprechenden
Polyedergrundfonnen erklärt.

Anschließend werden Planungs- und Konstruktionsgrundlagen, besonders hinsicht-


lich Verbindungen, Auflager und Verformungen für räumliche Rahmen und
Kuppeln angesprochen, wobei auf die entsprechenden STEP Beiträge für den
Entwurf von Bauteilen und Verbindungen Bezug genommen wird. Am Ende des
Beitrages werden Beispiele von räumlichen Rahmen und Kuppeln aus Holz
vorgestellt, um die Möglichkeiten von Vollholz und Brettschichtholz für diese Art
der Konstruktion zu veranschaulichen.

Einleitung
Einfache Biegeträger und Fachwerke sind ebene Tragwerke, die sämtliche Lasten
(einschließlich eventuell auftretender schwerer Punktlasten) linear zu den beiden
Endauflagern hin abtragen. Werden diese ebenen Tragwerke jedoch mit rechtwinklig
zu ihrer Achse verlaufenden Bauteilen verbunden, entsteht ein wirksames, dreidi-
mensionales Lastverteilungssystem, das dafür sorgt, daß jede beliebige auf das
Tragwerk einwirkende Last von sämtlichen Bauteilen gemeinsam abgetragen wird.
Besteht ein solches dreidimensional wirkendes Tragwerk aus Biegeträgem, wird es
als einlagiger Trägerrost bezeichnet, ist es aus Fachwerken aufgebaut, bezeichnet
man es als doppellagigen Trägerrost, räumlicher Rahmen oder als Raumfachwerk.
In ähnlicher Weise verteilt eine dreidimensionale Kuppel einwirkende Lasten
wesentlich effizienter als ein einzelner Bogen. Das Verhalten dieser Tragwerke wird
nachfolgend noch ausführlicher beschrieben.

Die Vorteile von Kuppeln als wirksame, dreidimensionale Tragwerke ist seit der
Antike bekannt, wie das Beispiel des Pantheons in Rom (erbaut 118 bis 128 nach
Chr.) zeigt, dessen Kuppel eine Spannweite von 43 m aufweist. Es gibt auch einige
Beispiele für historische Kuppelkonstmktionen aus Holz, wie z.B. die äußere
Kuppel von St. Paul's Cathedral in London (1705 bis 1708) und die von St. Markus
in Venedig (Umbau im 13. Jahrhundert), obwohl diese keine reinen Holzkonstrukti-
onen darstellen, sondern die Lasten zusammen mit Mauerwerkskuppeln abtragen.

Dagegen stellen räurnliche Rahmen eine viel jüngere Bauart dar. Als Erfinder dieser
Tragwerksart wird Alexander Graham Bell angesehen, der vor allem wegen seiner
Erfindung des Telefons bekannt ist, und der um 1900 viele experimentelle Rahmen-
tragwerke emchtete. Eine weite Verbreitung von Rahmentragwerken fand jedoch

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E2011


- die Verformungen sind geringer im Vergleich mit ebenen Tragwerken glei-
chen Gewichts (bzw. ein räumliches Tragwerk mit gleichen Verformungen
ist leichter),
- Raumtragwerke weisen eine hohe Redundanz auf. Das Versagen eines oder
weniger Bauteile wie z.B. das Knicken eines Druckstabes führt nicht notwen-
digerweise zum Versagen des gesamten Tragwerks. Raumtragwerke sind
daher weniger empfindlich bei Brand-, Explosions- oder Erdbebenbean-
spruchung.
- Raumtragwerke sind in der Regel modular aufgebaut. Dies erlaubt einen
hohen Vorfertigungsgrad mit entsprechenden Vorteilen im Hinblick auf die
Ausführungsgenauigkeit, einen einfachen Transport und eine einfache
Montage.
- Mechanische und elektrische Installationen sowie Zu- und Abluftleitungen
können leicht im Tragwerk untergebracht werden.

Nachteile räumlicher Tragwerke


Räumliche Tragwerke weisen jedoch auch Nachteile auf, von denen hier einige
erwähnt werden:
- die Kosten für Raumtragwerke sind meist hoch im Vergleich zu anderen
Tragwerken, besonders bei kürzeren Spannweiten,
- abhängig von der Art, Anzahl und dem Aufbau der Knoten können längere
Montagezeiten notwendig werden,
- bei Anforderungen an den Feuerwiderstand sind Raumtragwerke teuer, da
viele Bauteile und Verbindungen zu schützen sind,
- der optische Eindruck kann wegen der Vielzahl der Stäbe für bestimmte
Blickwinkel nachteilig sein.

Rasterfomen
Die obere und untere Lage von Raumfachwerken sind meist in einem regelmäßigen
Raster angeordnet, um die Anzahl der Stäbe mit unterschiedlichen Längen zu
begrenzen. Es gibt nur drei verschiedene regelmäßige Vielecke, nämlich das gleich-
seitige Dreieck, das Quadrat und das Sechseck, mit denen sich durch Aneinanderrei-
hen eine Fläche bilden läßt. Diese drei Formen sind daher auch die am meisten
vorkommenden Rasterformen für Raumfachwerke. In quadratischen Rastern verlau-
fen die Stäbe entlang der Rasterlinien meist rechtwinklig zueinander und zwar
entweder parallel zu den Rändern oder unter 45". In ebenen Rasterformen, die aus
Dreiecken oder Sechsecken aufgebaut sind, sind die Stäbe in drei Hauptrichtungen
angeordnet. Durch die Kombination verschiedener regelmäßiger Vielecke oder durch
die Kombination mit anderen Polygonformen (z.B. Dreiecke mit Quadraten, Drei-
ecke mit Sechsecken, Quadrate mit Achtecken) lassen sich auch komplexere Raster-
formen erzeugen.

In doppellagigen Raumfachwerken, in denen zwei ebene Lagen durch Diagonal-


oder Vertikalstäbe miteinander verbunden sind, können die beiden Lagen auch
unterschiedliche Rasterformen aufweisen. Allerdings schränken in der Praxis die
Kosten, sowie die Schwierigkeit, die Stäbe in den Knoten zu verbinden, die Anzahl
der gebräuchlichen Formen ein. Abb. 2 zeigt einige mögliche Kombinationen:
- Quadrat über Quadrat (Abb. 2a). Das obere Raster liegt direkt über dem
unteren und die Füllstäbe verlaufen ebenfalls in den Rasterlinien.

STEPtEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


- Quadrat über Quadrat versetzt (Abb. 2b). Die beiden Raster sind um eine
halbe Rasterbreite gegeneinander versetzt und die Füllstäbe verbinden die
Kreuzungspunkte der Stäbe in der oberen bzw. unteren Ebene.
- Quadrat über Quadrat verdreht (Abb. 2c). Die untere Lage ist um 45"
gegenüber der oberen Lage verdreht und weist ein größeres Raster auf. Auch
hier verbinden die Füllstäbe die Kreuzungspunkte der Stäbe in der oberen
bzw. unteren Ebene.
- Dreieck auf Sechseck (Abb. 2d). Die obere Lage ist aus Dreiecken und die
untere weniger dicht aus Sechsecken aufgebaut. Die Füllstäbe verbinden
wiederum die Kreuzungspunkte der Stäbe in der oberen bzw. unteren Ebene.

Abb. 2 Typische doppellagige Raumfachwerkkonjigurationen. ( U ) Quadrat über


Quadrat, ( b ) Quadrat über Quadrat versetzt, ( C ) Quadrat über Quadrat
verdreht, ( d ) Dreieck über Sechseck.

Da die Stäbe in der unteren Lage in der Regel auf Zug beansprucht werden und
daher nicht knickgefährdet sind, können sie länger sein als die druckbeanspruchten
Stäbe der oberen Lage. Dies ermöglicht ein offeneres, weniger dichtes Raster in der
unteren Lage. Die Wahl der Rasterform und des Abstands der beiden Lagen
beeinflußt die Wirtschaftlichkeit des Raumfachwerks, da bei einem engen Raster
mehr Knoten notwendig sind, während bei größeren Abständen größere Querschnitte
für die knickgefährdeten Druckstäbe notwendig werden.

Lage der Auflager


Die Wahl der Lage der Auflager ist u.a: abhängig vom Grundriß und von architek-
tonischen Gesichtspunkten, sie wird jedoch immer einen erheblichen Einfluß auf die
Effizienz und die Wirtschaftlichkeit des Tragwerks haben. Als Auflager können
Knoten in der oberen wie auch in der unteren Lage dienen. Betrachtet man ein
Raumfachwerk mit quadratischem Grundriß, bei dem jeder Randknoten der oberen
oder unteren Lage aufgelagert ist, dann ergibt dies die wirtschaftlichste Lösung für
das Tragwerk. Werden lediglich die Ecken des Fachwerks unterstützt, ergeben sich
wesentlich größere Stabkräfte und auch die Durchbiegungen sind viel größer.
Werden zwischen den Eckauflagem noch einige zusätzliche Zwischenauflager ange-
ordnet, verbessert sich das Tragverhalten gegenüber der Lösung mit Auilagern nur
in den Ecken erheblich, ohne die Anzahl der Stützen übermäßig zu erhöhen. Einzel-
ne Stützen nur in der Mitte der Ränder ergeben ebenfalls ein wirksames Auflagersy-
stem, da die Ecken des Raumfachwerks auskragen und damit Stabkräfte und Verfor-
mungen im mittleren Bereich vemngert werden (Makowski, 1981).Im allgemeinen
können die Durchbiegungen verringert werden, wenn die Auflager nicht am Rand
angeordnet, sondern etwas nach innen gebracht werden. Dies ergibt einen auskra-
genden Rand um das ganze Tragwerk, der stützenfreie Ansichten des Gebäudes er-
möglicht. Als Alternative können Durchbiegungen und Stabkräfte durch die Ver-

STEPJEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E2015


wendung baumartiger, verästelter Stützen anstelle von Einzelstützen verringert
werden.

Kuppeln
Kuppeln sind besonders geeignet, um kreisförrnige oder polygonale Grundrisse zu
überspannen. Kuppeln aus einem kontinuierlichen Material wie 2.B. Stahlbeton sind
doppeltgekrümmte Schalen. Auch Kuppeln mit Rippen aus Holz können als Schalen
wirken, wenn die Schalung Kräfte in verschiedenen Richtungen übertragen kann
und mit den Rippen wirksam verbunden ist. Dieser Beitrag beschränkt sich jedoch
auf Kuppeln ohne mitwirkende Beplankung. Schalen aus Holz werden in STEP E21
behandelt.

Kuppelgeometrie und Stabilität


Die Geometrie einer Kuppeloberfläche wird im allgemeinen durch die Rotation
eines ebenen Bogens um eine vertikale Achse bestimmt. In Kuppeln aus Holz wird
die doppeltgekrümmte Oberfläche in der Regel durch gerade oder gekrümmte Rip-
pen getragen. Abb. 3 zeigt verschiedene, nachfolgend beschriebene Kuppelfonnen.

- Radial angeordnete Rippenbögen, die von einem zentralen Druckring zu


einem umlaufenden Zugring führen, und die durch Meridianrippen und
Aussteifungsstäbe verbunden sind (Abb. 3a und 3b).
- Aus radial angeordneten Dreiecken aufgebaute Gitterkuppel (Abb. 3c).
- Geodätische Kuppel, beschrieben von Buckminster Fuller, aufgebaut durch
das Projizieren von Teiloberflächen regelmäßiger Polyeder auf eine Kugel-
fläche (Abb. 3d).

Abb. 3 Typische Geometrien hölzerner Kuppeln. ( U ) Radialrippenkuppel, ( b )


Schwedlerkuppel, ( C )Gitterkuppel, ( d ) geodätische Kuppel.

Wenn die Form eines ebenen Bogentragwerks sorgfältig auf die erwarteten Last-
kombinationen abgestimmt wird, treten überwiegend Druckkräfte und kaum Biege-
momente als Schnittgrößen auf. Allerdings neigen Bögen zum Ausknicken aus der
Bogenebene und benötigen daher wie viele andere druckbeanspruchte Bauteile seitli-
che Abstützungen in bestimmten Abständen. In einem Kuppeltragwerk mit radial
angeordneten Bogenrippen läßt sich durch die Anordnung von Meridianrippen und
Diagonalstäben zwischen den Bögen eine dreidimensionale Form erzeugen, die un-
empfindlich gegen Stabilitätsversagen ist. In ähnlicher Weise stellt die gekrümmte
Form einer geodätischen Kuppel mit Dreiecksraster eine stabile Tragwerksfonn dar,
in der die Einzelstäbe entweder auf Zug oder Druck beansprucht werden.

STEPlEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Schnittgrößenermittlung
Die Berechnung räumlicher Rahmentragwerke und von Kuppeln wird durch den
Einsatz von Finite Elemente Programmen in Computern wesentlich erleichtert. Damit
können Schnittgrößen und Verformungen für die maßgebenden Lastfalle in kurzer
Zeit ermittelt werden. Mit Hilfe dieser Programme können auch die Einflüsse
ECS:Teil 1-1: 2.3.1, 2.3.2 spannungsloser Vorverformungen und der Momente nach Theorie 11. Ordnung
ermittelt werden. Die zunehmende Verwendung dieser Tragwerksformen wurde
ohne Zweifel erst durch die Entwicklungen in der Tragwerksanalyse mit dem
Computer ermöglicht.

Bauteilbemessung
In kleineren räumlichen Tragwerken können Bauteile aus Vollholz verwendet
werden; für größere Konstruktionen wird in der Regel Brettschichtholz oder
Furnierschichtholz eingesetzt. Da die Herstellung von biegesteifen Verbindungen
zwischen Holzbauteilen schwierig und damit teuer ist, wird bei der Bemessung oft
von gelenkigen Verbindungen zwischen den einzelnen Stäben ausgegangen. Diese
Stäbe werden daher vor allem durch Normalkrafte beansprucht, Biegemomente
treten lediglich als Folge direkter Belastung durch die Dacheindeckung auf. Geeig-
nete Querschnitte insbesondere für druckbeanspruchte Stäbe sind daher kreisförmige
oder quadratische Formen. Nach dem Nachweis der Stabilität des gesamten Trag-
werks können dann die einzelnen Bauteile für die kombinierte Beanspruchung aus
Biegemoment und Normalkraft nachgewiesen werden.

Verbindungen
Die Verbindungen zwischen den Stäben eines räumlichen Holztragwerks bestehen
in der Regel aus Stahlteilen, die so konstruiert sein sollten, daß sie große Normal-
kräfte übertragen können, ohne zusätzliche Exzentrizitäten zu erzeugen, die Zusatz-
momente in den Stäben verursachen. Die Stahlteile werden oft als Knotenbleche in
vorgefräste Schlitze in die Enden der zu verbindenden Stäbe eingeschoben und über
Stabdübel mit dem Holz verbunden. Diese Verbindungen können für die jeweilige
Aufgabe durch den Tragwerksplaner entworfen werden; es gibt jedoch auch einige
patentierte Systeme verschiedener Hersteller.

Konstruktionsdetails
Dreidimensionale Tragwerke sind besonders empfindlich gegenüber Ungenauig-
keiten in den Abmessungen der einzelnen Bauteile. In Dachkonstruktionen, die als
räumliche Fachwerke größere Spannweiten überdecken, wird eine Überhöhung zur
Regenwasserableitung oft dadurch erreicht, daß die Stäbe in der unteren Lage ein
wenig kürzer als die in der oberen Lage hergestellt werden. Eine genaue Einhaltung
der erforderlichen Stablängen bei der Herstellung ist dafür äußerst wichtig;
anderenfalls müssen die Knoten selbst eine Justiermöglichkeit enthalten.

Wie oben bereits erwähnt benötigen dreidimensionale Tragwerke mit gelenkigen


Knoten zumindest sechs Auflagerreaktionen. Ihre Lage und Richtung hängt selbst-
verständlich von der Lage der Auflager im Grundriß des Tragwerks ab sowie von
der Möglichkeit, die einwirkenden äußeren Lasteil in die Fundamente abzuleiten.
In der Regel weisen räumliche Tragwerke mit großen Spannweiten mindestens drei
horizontale und drei vertikale Auflagerreaktionen auf. Wenn z.B. in der Ecke eines
quadratischen Grundrisses eine vertikale und zwei horizontale Auflager vorhanden
sind, werden zusätzlich mindestens zwei vertikale Auflager benötigt, um eine
Rotation um eine horizontale Achse und eine weitere horizontale Auflagerreaktion,
um eine Drehung um eine vertikale Achse zu verhindern.

STEP/EUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Da die Verbindung von radial angeordneten Bögen in der Mitte des Tragwerks nur
sehr schwierig zu bewerkstelligen ist, haben Radialrippenkuppeln meist einen
Druckring, der die Verbindung der Bögen im First erleichtert. Am Fußauflager der
Bögen nimmt entweder ein Zugring oder aber entsprechend bemessene Fundamente
die Horizontalkomponente der Bogennorinalkraft auf.

Beispiele räumlicher Holztragwerke


Als Beispiel für die beschriebenen Verbindungsmöglichkeiten für Raumfachwerke
ist in Abb. 4 und 5 eine Brücke in München und das zugehörige räumlicheverbin-
dungsdetail mit stählernen Kugeln dargestellt.

Abb. 4 Raunlfachwei-k der Thalkircliner Brücke in München.

Abb. 5 Verbindungsdetail der Thalkirclzner Brücke in München.

Im Gegensatz zum hochentwickelten Verbindungssystem in Abb. 4 und 5 ist in


Abb. 6 ein von Huybers (1987) an der Technischen Universität Delft entwickeltes
räumliches Tragwerk dargestellt, dessen Stäbe aus Rundhölzern bestehen. Die
Verbindungen bestehen aus feuerverzinkten Stahlblechen, die in Schlitze am Ende
der Rundhölzer eingeschoben werden. Als stiftförmige Verbindungsmittel der Stahl-
blech-Holz-Verbindung dienen dünne Rohre aus Stahl. Um ein Spalten des Holzes
bei einer Belastung der Verbindungsmittel auf Abscheren zu verhindern und ein
Verschieben der Stifte bzw. Stahlplatten zu vermeiden, wird Stahldraht im Verbin-
dungsbereich um die Rundhölzer gewickelt und vorgespannt. Die Verbindung
zwischen den Stahlplatten der einzelnen Stäbe erfolgt dann über Stahl-Stahl-

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Verbindungen mit Bolzen. Das in Abb. 6 gezeigte Tragwerk mit Spannweiten von
10,X m bzw. 16,2 m dient als landwirtschaftliches Gebäude in Lelystad, Nieder-
lande.

Abb. 6 Räumliches Tragwerk aus Rundhälzem in Lelystad, Niederlande.

Neuere Beispiele für hölzerne Kuppeln mit großen Spannweiten sind die Kuppel in
der Northem Michigan University in Marquette mit 162,5 m Spannweite und einer
Holzschalung bzw. die Izumo-Kuppel in Japan mit einer Spannweite von 140,7 m
und einer Abdeckung aus teflonbeschichtetem Gewebe.

Zusammenfassung
- Raumtragwerke und Kuppeln aus Holz stellen effektive dreidimensionale
Konstruktionen mit geringem Eigengewicht dar, die sehr gut für mittlere bis
große Spannweiten geeignet sind.
- In Raumfachwerken und einigen Kuppelbauarten besteht das Tragwerk aus
kurzen Einzelstäben, die über Verbindungen mit Stahlelementen zu Konstruk-
tionen mit großen Spannweiten zusammengesetzt werden.
- Die Wirtschaftlichkeit von Raumfachwerken und Kuppeln wird wesentlich
durch das Spannweitenverhältnis in den Hauptrichtungen und durch die Lage
der Auflager beeinfliißt.
- Die Mehrzahl der Holzbauteile in diesen Tragwerken kann als Zug- bzw.
Druckstab bemessen werden. Biegebeanspruchungen treten lediglich als Folge
örtlicher Lasten durch Bekleidungen oder durch ausmittige Anschlüsse auf.

- Stabanschlüsse sind entweder spezielle Systeme bestimmter Hersteller oder


entsprechend bemessene Verbindungsmittel aus Stahl.

Literatur
Makowski, Z.S. (1981). Analysis, Design and Construction of Double-Layer Grids, Applied Science
Publishers, England.

Borrego, J. (1968). Space Grid Structures, MIT Press, Cambridge, Massachusetts, USA.

Huybers P., Ende, G . van der, Lanser J., and Reijken, [Link]. van der (1987). Opbouw en beproeving
van een bouwkonstruktie uit larix rondhout te Lelystad, Report C4-86-03, Technische Universiteit
Delft, Netherlands.

STEiPlEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Schalentragwerke

STEP E2 1 Inhalt
Englischer Originalbeitrag: Schalen sind dünne und steife, gekrümmte Membrane, die sowohl die Dach-
C.J. Mettem form bestimmen als auch die Dachhaut und das Dachtragwerk bilden. Nach
TRADA Technology Ltd einer Einleitung werden zur weiteren Erläuterung die Anwendungsmöglichkeiten
und Vorteile hölzerner Schalen dargestellt und ihr Aufbau gezeigt. Auf die
geschichtliche Entwicklung der Schalenkonstruktion wird kurz eingegangen, und
grundlegende theoretische Prinzipien einschließlich der Membranspannungs-
theorie werden behandelt. Ein Zahlenbeispiel dient der Vertiefung. Anschließend
wird die bei Holzkonstruktionen wichtige Orthotropie kurz gestreift. Der Beitrag
konzentriert sich auf Schalenformen, bei denen die Membrankräfte überwiegen,
aber auch Schalen mit Biegebeanspruchung und mit Rippen werden erwähnt.
Konstruktive Gesichtspunkte im Zusammerihang mit Produktnormen zum EC5
werden betrachtet. Abschließend werden zwei Fallstudien vorgestellt.

Einleitung
In diesem Beitrag werden Schalen als dünne und steife, gekrurnmte Membrane
aufgefaßt, die für sich sowohl die Dachform bestimmen als auch das
Dachtragwerk bilden. Die Dicke eines Schalendachs ist klein im Vergleich zu
den Abmessungen der Schalenfläche. Die Schalengeometrie ist genau festgelegt,
da Festigkeit und Steifigkeit der Schale von ihrer Krümmung abhängen. Schalen-
flächen sind einfach oder doppelt geknirnrnt, wodurch eine große Bandbreite
verschiedener Formen möglich ist. Im allgemeinen dürften bei vorgegebener
Materialdicke doppelt gekrümmte Schalentypen steifer sein als einfach ge-
krümmte. In allen Fällen werden durch die gezielte Wahl der Schalengeometrie
die Biegemomente rechtwinklig zur Schalenfläche zumindest in einer Richtung
minimiert. In vielen Fällen sind die Flächen in orthogonal zueinander verlaufen-
den Richtungen gekrümmt, wodurch die Momente rechtwinklig zur Schalen-
fläche minimal werden. Längs- und Schubkräfte, die in der Membranfläche
wirken, werden von aussteifenden Randträgern aufgenommen und von dort in
die Fundamente abgeleitet. In bestimmten Fällen werden noch Zugglieder
benötigt, um die Stabilität des Schalendaches zu gewährleisten.

Einsatzbereiche
Hölzerne Schalentragwerke sollten zum Einsatz kommen, wenn eine elegante,
architekonisch ansprechende Lösung für eine Überdachung in beiden Richtungen
mit beträchtlicher Stützweite gesucht wird. Schalen sind insbesonders für Bauten
geeignet, in denen sich große Menschenmengen versammeln. Die Form der
Schale ist sowohl von außen als auch von innen deutlich wahrzunehmen. Die
außerordentliche Leichtigkeit der Konstruktion wird durch die Wirkung als
Flächentragwerk ermöglicht, aber unbedingt erforderlich sind darüberhinaus eine
sorgfältige Bemessung, exakte Detailbearbeitung und ausgezeichnete Bauaus-
führung. Schalendacher sollten deshalb nicht für die einfacheren Anwendungs-
bereiche von Gebäuden in Erwägung gezogen werden. Sie bringen auch dann
keine architektonischen Vorteile, wenn lastabtragende Innenwände erforderlich
werden, durch die der Eindruck der "Weite" des Innenraums zerstört wird.

Zur Herstellung einer Holzschale wird das Material mehrlagig angeordnet, wobei
die Lagen in der Richtung gegeneinander versetzt und mit Nagelpreßleimung

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verbunden werden. Dadurch entsteht eine Membran, die sich als Ganzes weniger
orthotrop verhält als eine Schale, bei der die Lagen gleiche Orientierung aufwei-
sen. Bisher wurden Holzbretter nebeneinander gelegt und damit jede beliebige
Schalenform erzeugt. In manchen Fällen wurden als Alternative auch Sperrholz-
streifen verwendet. Neuerdings kommen auch andere Holzwerkstoffe wie z.B.
Furnierschichtholz (siehe STEP A9) in Frage und könnten Vorteile mit sich
bringen. Randträger sind gewöhnlich aus Brettschichtholz oder bei kleineren
Abmessungen auch aus Vollholz. Auch hier ist die Verwendung von Furnier-
schichtholz denkbar.

Geschichtliche Entwicklung

Frühgeschichtliche Entwicklung
Frühgeschichtliche Entwicklungen des Bauens waren auf den bevorzugten
Gebrauch des Holzes als Material für Balken, also eindeutig lineare Elemente,
ausgerichtet. Auch Steine wurden anfänglich sehr zweckmäßig als lineare
Elemente, z.B. als monolithische Pfeiler, verwendet. Als jedoch auf die steiner-
nen Bögen das Steingewölbe folgte, war der Weg zu zweiachsig gespannten
Tragwerken gefunden. Gewölbe und Kuppeln des Klassizismus, der Gotik und
Renaissance haben diese wichtige Eigenschaft mit den Schalen gemein. Die
gewölbte Konstruktion des Pantheons in Rom zeugt von der Genialität der
römischen Ingenieure. Die Pantheonkuppel ist mit einer modernen Gitterscfiale
vergleichbar. Sie hielt mit 43,2 rn den Weltrekord für freigespannte Kuppeln bis
zum Aufkommen der modernen Stahlbetonbauweise. Damit können jetzt
vergleichbare Kuppeln mit etwa 1/50 der Masse von Konstruktionen aus
unbewehrtem Beton oder Steinen gebaut werden.

Die weiteren Schritte führen 'direkt zu den modernen Schalendächern, wobei sich
zwei Entwicklungswege treffen, nämlich der Fortscfiritt der angewandten
Mathematik im 19. ~ahrhundertund die Verwendung des Stahlbetons, gefolgt
vom Holz, für zweiachsig gespannte Tragwerke.

Die Obeflächenspannungsanalogie
Die Theorien zur Bestimmung der Membrankräfte in Schalen und anderen Arten
von Membranen wie Zelte und Drucklufthallen haben ihre Wurzeln in einer
grundlegenden Theorie des frühen 19. Jahrhunderts über Oberflächenspannung.
Sie wurde von de Laplace (1806) entwickelt und hat einen starken Einfluß auf
die Naturwissenschaften und auch Ingenieurwissenschaften ausgeübt. Das Grund-
gesetz der Kapillarität besagt, daß ein Flüssigkeitsfilm im Gleichgewichtszustand
eine Form annimmt, die bei den vorhandenen Bedingungen die kleinstmögliche
Fläche aufweist. Eine Seifenhaut über einem ebenen Drahtring nimmt bei
gleichem Luftdruck auf beiden Seiten als minimale Fläche die Form einer Ebene
an. Wird der Drahtring verbogen, so daß er nicht mehr in einer Ebene liegt, dann
wird sich auch die Seifenhaut krümmen. Es wird aber weiterhin die kleinstmög-
liche Oberfläche entstehen, die zwischen den Rändern des Ringes gebildet
werden kann. Formt man aus Draht ein Quadrat und bringt es 2.B. in die Form
eines hyberbolischen Paraboloids, wird eine Seifenhaut über dem Draht exakt die
Form einer Hyparschale (Schale mit der Form eines hyperbolischen Paraboloids)
annehmen, die in diesem Fall die minimale Oberfläche darstellt.

Die Membrantheorie geht somit im Grundsatz von der Annahme aus, daß alle
Kräfte in der Schalenfläche liegen und tür das Gleichgewicht keine Biegemo-
mente in Ansatz gebracht werden müssen. Die Übernahme der Theorie im Jahr

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1826 durch Lame und Clapeyron und ihre Perfektion durch Airy und Love
(1927) können hier nicht dargestellt werden, obwohl es wegen der Bedeutung für
die Geschichte der Ingenieurwissenschaften angebracht wäre.

Entwicklungen der modernen Theorie und ihre Anwendung


Theoretische Verfahren zur Berechnung technischer Schalen, die Behälter und
Druckkessel ebenso umfassen wie Dachkonstruktionen, wurden von vielen
bekannten Forschern wie 2.B. Finsterwalder (1932), Lundgren (1949) und
Timoshenko und Woinowsky-Krieger (1959), entwickelt. Ein zusammen-
fassendes, klassisches Lehrbuch in englischer Sprache wurde von Flügge (1960)
verfaßt. Der gleiche Autor hat auch sehr viel in deutscher Sprache veröffentlicht.
Dieses Lehrbuch enthält ein ausführliches Literaturverzeichnis, das man für das
Studium der Entwicklung der modernen Theorie empfehlen kann.

Größere Fortschritte bei den Betonschalen sind ab etwa 1928 zu verzeichnen, als
Bauersfeld und Dischinger (1928) über Theorie und Ausführung solcher
Schalentypen Veröffentlichungen schrieben. Für das Planetarium in Jena wurde
zu dieser Zeit eine Kuppelschale gebaut, auf die weitere bemerkenswerte Schalen
in Frankfurt, Leipzig und eine Hyparschale in Zürich folgten.

Die Verwendung von Holz als Schalung für Ortbetonschalen dürfte den Anstoß
dazu gegeben haben, Holz allein als tragendes Material einer Schale einzusetzen.
Über frühe Beispiele von Holzschalen in Rußland aus einer Zeit kurz nach dem
Bau der oben erwähnten Betonschalen berichtet Tottenham (1961). Diese
Schalen sollen Spannweiten im Bereich von 48 m gehabt haben und aus
Brettern, verbunden mit mechanischen Verbindungsmitteln, hergestellt worden
sein. Über die Lebensdauer und den Verbleib dieser Bauten ist wenig bekannt.
Im Gegensatz dazu ist die Entwicklung und Förderung hölzerner Schalendächer
vor allem durch die Timber Development Association (TDA) in den fünfziger
Jahren gut bekannt und dokumentiert. Eine Reihe ausgeführter Projekte und auch
Prototypen sind damals entstanden. Als Beispiele seien das 1957 gebaute Dach
der Royal Carpet Fabrik, das aus vier 17 m weit gespannten hyperbolischen
Paraboloidschalen bestand, und ein Dach für einen Bahnhof in Manchester aus
mehreren Konoidschalen genannt.

In den Jahrzehnten nach 1950 entwickelte sich die Schalentheorie sehr sliirmisch.
Es wurde eine Vielzahl von Holzschalen in Form von Hypar-, Zylinder- und
Konoidschalen in Großbritannien und anderen europäischen Ländern gebaut. Alle
waren mehrlagig aufgebaut mittels Nagel(K1ammer)preßleimung und mit
Randgliedern aus Brettschichtholz.

Zu diesen Theorien kommen jetzt noch die Vorteile billiger und leistungsfähiger
elektronischer Hilfsmittel hinzu. Umfangreiche Erfahrungen sind inzwischen auf
dem Gebiet des baulichen Holzschutzes und bei sonstigen umweltverträglichen
Maßnahmen zum Erhalt der Dauerhaftigkeit des Holzes (STEP A l 4 und A15)
gesammelt worden. Die Freiheit für Ingenieur und Architekt, mit
Computerunterstützung jede beliebige Schalenfonn realisieren zu können, hat
zum Bau vieler interessanter Schalendächer geführt, von denen einige gute
Beispiele im Holzbau Atlas Zwei (Natterer et al., 1991) abgebildet sind.

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Allgemeine theoretische Grundlagen

Schalendächer
Schalen mit dem beschriebenen mehrlagigen Aufbau weisen immer ein
Verhältnis von Radius r zu Schalendicke t von etwa 120 auf und können somit
als dünne Schalen bezeichnet werden.

Die folgenden Annahmen gelten allgemein in Verbindung mit grundlegenden


Theorien:
- das Schalenmaterial ist homogen, isotrop und linear elastisch;
- das System entspricht der Theorie der kleinen Verformungen, d.h. die
Durchbiegungen infolge Belastung sind so gering, daß ihr Einfluß auf das
Gleichgewicht vernachlässigt werden darf,
- es werden nur vorwiegend ruhende Einwirkungen und das statische
Verhalten der Konstruktion untersucht.

Die Annahme isotropen Materials ist von einigen Forschern aufgegeben worden,
indem orthotrope Systeme, wie sie bei Holzkonstruktionen vorliegen, benutzt
werden. Versuche sowohl in Bauteilgröße als auch an Modellen scheinen die
Annahmen Homogenität und elastisches Verhalten im Gebrauchszustand zu
bestätigen. Zusätzlich zu der Bedingung vorwiegend ruhender Einwirkungen
gehen viele theoretische Untersuchungen dünner Schalen nur von einer
gleichförmig verteilten Last aus. Unsymmetrie oder Einzellasten erfordern
zusätzliche Uberlegungen.

Geometrie
Zur Definition der Koordinaten in einer Schale müssen eindeutige Vereinba-
rungen getroffen werden. Um diese Vereinbarungen einführend vorzustellen,
wird das typische Element einer Zylinderschale nach Abb. I benutzt. Die Haupt-
achsen X , y und z sind ähnlich festgelegt wie für Biegeträger nach EC5: Teil 1-1:
5.1.6. Die Schalendicke wird mit t bezeichnet und die Mittelfläche teilt die
Schalendicke in zwei Hälften. Im Falle der Zylinderschale ist die Mittelfläche in
Längsrichtung gerade und in Querrichtung kreisförmig mit dem Radius r
gekrümmt. Für kompliziertere, doppelt gekrümmte Schalenelemente werden diese
Vereinbarungen im allgemeinen beibehalten, so daß die Geometrie der Schale
immer mit Hilfe der Mittelfläche definiert wird.

Abb. 1 Zylindrisches Schalenelement. ( U ) Nonnalenrichtung (b) Liingsrichtung ( C )


Querrichtung (d) Zentralfläche (e) Mittel- und Zentralfläche (f) MittelJläche
(g) Radius der Mittelfläche.

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Schnittgröße Nx, die im Querschnitt des Schalenelements gemäß Abb. 4 angreift,
die wirkende Bemessungsspannung, die man nach EC5 wie bei einem
Balkenelement mit o,,,,~bezeichnen könnte (EC5: Teil 1-1: 5.1.2).

Abb. 4 Schnittgropen einer Membran.

Membranspannungen
Für die Untersuchung vieler dünner Schalen stellt die Membrantheorie eine
sinnvolle Grundlage für die Berechnung dar, ausgenommen die Schalenränder,
an denen die Schale aufgelagert oder ausgesteift ist. Flügge (1960) bezeichnet
die Verwendung der Membrantheorie eine "sensationelle Vereinfachung". Er
erklärt diese Aussage folgendermaßen:

"Die Unzulänglichkeit der Membrantheorie kann man bei einer kritischen


Überprüfung der Membranlösungen erkennen, ohne zunächst das Biegeproblem
lösen zu müssen - eine Aufgabe, die oft genug sowohl für den Tragwerksplaner
als auch sogar für den Forscher nicht lösbar ist."

Örtliche Störungen liegen gewöhnlich an den Rändern vor; Randglieder werden


benötigt, um die Auflagerkräfte nach der Membrantheorie aufzunehmen, und
diese Randglieder wiederum beeinflussen die Membran durch ihre Masse und
Steifigkeit. Biegeeinflüsse an solchen Rändern werden gewöhnlich näherungs-
weise ermittelt, um die Auswirkungen der Randlasten und Randverschiebungen
auf die Normalspannungsresultierenden und die auf die Schale einwirkenden
Momente zu berücksichtigen.

Nach der Membrantheone ergibt sich aus der Gleichgewichtsbetrachtung der


differentiellen Momente, daß die Querkräfte Qx und Q, zu Null werden.
Weiterhin zeigt sich:
N, = N„ (2)
Somit verbleiben von den zehn Schnittgrößen nach der allgemeinen Theorie nur
noch drei: N, Ny und N, = Np.

Mit Hilfe der drei Gleichungen fiir das Kräftegleichgewicht können diese
Schnittgrößen ermittelt werden. Die in Abb. 4 positiv und damit als Zugkraft
dargestellten Normalkräfte können je nach Schalentyp und Bereich auf der
Schale Druckkräfte sein.

Schalen mit beliebiger Form


Schalen beliebiger Form umfassen alle Arten mit doppeltgekrümmten Flächen
wie hyperbolische und elliptische Paraboloide, die oft in Holz gebaut werden.

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Hyperbolische Paraboloide sind für Holzschalen besonders beliebt, weil für
bestimmte Erzeugende die entstehenden Flächen Regelflächen darstellen. Das
Aufstellen und Lösen der Differentialgleichungen für die Membranspannungen
ist jedoch sehr schwierig. Die Grundzüge werden nachfolgend für eine Form mit
einfacheren Gleichungen vorgestellt.

Zur direkten Spannungsermittlung für Schalen beliebiger Form kann eine


Differentialgleichung benutzt werden, die auf Pucher (1934) zurückgeht, der die
Nützlichkeit der Airy'schen Spannungsfunktion für diesen Zweck entdeckt hatte.

Der folgende Überblick ist kurzgefaßt, weshalb der Leser bei Bedarf auf die
entsprechende Literatur zurückgreifen möge.

Abb. 5 Schale beliebiger Form in einem rechtwinkligen Koordinatensystem.

Abb. 5 zeigt eine Schale beliebiger Form, deren Geometrie in einem rechtwink-
ligen Koordinatensystem definiert ist. Die vertikalen Koordinaten der Mittel-
fläche, die z Ebene, werden in Abhängigkeit von X und y angegeben.

Die Koordinaten X = y = const. schneiden sich nicht im rechten Winkel auf der
Mittelfläche, da diese Koordinaten eine Projektion (z = Projektionsrichtung) des
rechtwinkligen Koordinatenkreuzes darstellen, das in einer horizontalen Ebene
(siehe Abb. 5, oben) liegt.

Für die Formulierung der Differentialgleichungen werden die schräg


verlaufenden Schnittgrößen in diese horizontale Ebene projiziert, siehe Abb. 6.

Die projizierten Membrankrafte erhält man durch Differentiation zu:


COS 8
7y=Ny-
cos X

iy=Nx-
COS X
cos 0

mit tan 8 = dddy und tan X = ddcix (Abb.5).


iq-=iq-=N = N
xy Y1 xy YX

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Abb. 6 Schalenelement mit in die horizontale Ebene projizierten Membrankräften.

Mit Hilfe der Airy'schen Spannungsfunktion Q, läßt sich schreiben:

Die Differentialgleichung für @ lautet:


a20 aZz - 2 a20+ am- a2@
- aZz =
ax2 ay2 ax ay ax ay ay ax
2

mit

5,
wobei &, und & die Lasten, bezogen auf die Einheitsfläche der horizontalen
Projektion, bedeuten. Wenn nur vertikale Lasten wirken, erhält man als weitere
Vereinfachung = = 0, und q = -E.

Beispiel
Als Beispiel wird das in Abb. 7 dargestellte Paraboloid-Schalendach mit
dreieckigem Grundriß gewählt. Mehrere Schalen dieses Typs in Holz sind
miteinander verbunden worden, um das Dach eines Gebäudes zu bilden (Natterer
et. al., 1991). Solche dreieckigen Paraboloidschalen erfüllen die Bedingungen der
einfachen Membrantheorie recht gut, und auch die spezielle Form der
Gleichungen nach Pucher für die Schnittgrößen ist einfach.

Abb. 7 Dreieckige Paraboloidschale.

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Abb. 8 Zahlenwerte (N/ph)fur das Beispiel einer Paraboloidschale.

Orthotrope Materialien kennt man in der Holztechnologie seit langem und das
am besten erforschte und am längsten bewährte ist Sperrholz. Es gibt spezielle
Sperrhölzer, bei denen die Fasenichtung der einzelnen Lagen so gegeneinander
verdreht angeordnet werden, daß eine Platte mit nahezu isotropen Eigenschaften
in der Plattenebene entsteht (Sternholz). Für den Flugzeugbau wurde dieses
Sternholz eingesetzt. Die einzelnen Lagen eines Schalendachs werden in einer
Abbundhalle oder sogar auf der Baustelle und nicht unter einer Sperrholzpresse
zusammengefügt. Trotzdem können die Lagen in einer dem Sternholz ähnlichen
Anordnung je nach dem erforderlichen Grad an Orthotropie eingebaut werden.
Bei speziellen Schalentypen, wie 2.B. Hyparschalen, ist der Verlauf der Erzeu-
genden bei der Festlegung des Lagenaufbaus zu berücksichtigen, so daß für jede
Lage z.B. ein Verdrehen oder Biegen der Bretter erforderlich ist, aber nicht
beides.

Für diejenigen Lagen der Schale, die Zugkräfte aufzunehmen haben, ist Holz mit
seiner großen Reißlänge (Verhältnis von Zugfestigkeit zum Eigengewicht) und
seiner hohen Zugsteifigkeit gut geeignet, vor allem, wenn festigkeitsrnindernde
Einflüsse wie 2.B. Faserabweichung durch eine Festigkeitssortiemng ausge-
schlossen werden. Die einzelnen Lagen müssen aber sehr gut miteinander
verbunden werden, damit die druckbeanspruchten Lagen nicht um ihre schwache
Achse ausknicken und zu einer verformten und möglicherweise nicht mehr
funktionsfähigen Dachfonn führen. Probleme würden auch entstehen, wenn die
Lagen der Schale an den Schalenrändern nicht ausreichend angeschlossen sind.

Aus diesen Gründen ist eine Verbindung der einzelnen Lagen unerläßlich. Die
Verbindung hat zumindest mit mechanischen Verbindungsmitteln zu erfolgen.
Wird zusätzlich verleimt, dann trägt nur die starre Leimverbindung und die
Verbindungsrnittel dienen nur dazu, den erforderlichen Preßdruck bei der Verlei-
mung zu erzeugen. Ein Zusammenwirken von Leim und nachgiebigen Verbin-
dungsmitteln ist wegen der unterschiedlichen Verschiebungssteifigkeit nicht
möglich.

Nachfolgend wird kurz die Bestimmung des effektiven Elastizitätsmoduls E,T,mit


dem unter einem bestimmten Wirikel 8 zu irgendeiner geeigneten Achse für die

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mehrlagige Schale gerechnet werden kann. Ist E,Tbekannt, kann man ein über die
Schalendicke homogenes Material, das dem Hooke'schen Gesetz folgt, anneh-
men. Damit werden die Beziehungen zwischen Dehnung und Spannung in der
Membran sehr einfach. Voraussetzung für dieses Vorgehen ist selbstverständlich
die oben genannte gute Verbindung der einzelnen Lagen.

Es wird geradlinige Orthotropie, bei der die Lage der Jahrringe vernachlässigt
wird, angenommen. Es gelte:
ER = E, und ,V = V„ (V = Poisson Konstante)

Diese Vereinfachungen sind unumgänglich, da in der Praxis nach Einschnitt des


Holzes die Lage der Jahrringe nicht ermittelt wird.

Damit ergibt sich für jede einzelne orthotrope, geradfaserige Lage mit dem
Elastizitätsmodul E, parallel und E, rechtwinklig zur Faser der effektive
Elastizitätsmodul unter einem beliebigen Winkel 0 zur Faser zu:

Geeignete, näherungsweise Verhältniswerte sind:

Mit den Lagendicken t , bis t,, von n Lagen errechnet sich der effektive
Elastizitätsmodul der Schale unter einem Winkel 0 zu:
t , E,,, + t* E,,Z+.... ti E,,i
Es =
t, + t2 C.... t,

Bei experimentellen Spannungsuntersuchungen an Modellen oder an Bauwerken


ist eine Mittelbildung der gemessenen Dehnungen vorzunehmen und daraus die
Schalenspannung zu berechnen:

mit
E, ist die Dehnung am oberen Rand der Schale
E, ist die Dehnung am unteren Rand der Schale.

Schalenbiegung
Wie bereits in der Einleitung erwähnt, weisen Schalen stets Krümmungen auf,
um auch bei einer relativ dünnen Membran erhöhte Steifigkeiten zu erhalten. Im
allgemeinen sind Schalen mit doppeltgekrümmten Formen steifer als einfach
gekrümmte Arten. Bei Tonnen- und Konoidschalen kann sich ein ideales,
momentenfreies Tragverhalten nicht einstellen, da in Längsrichtung ein im
System begründetes Biegeträgerverhalten auftritt. Für eine Tonnenschale mit für
das Material Holz geeigneten Proportionen nach Abb. 9 wird dieses Verhalten
qualitativ veranschaulicht. Ähnliche Biegeeffekte in hölzernen Konoidschalen
sind von Tottenham (1961) festgestellt worden. Bei solchen Schalen wird ange-
nommen, daß die Einwirkungen Druck, Zug und Schub in der Mittelfläche
erzeugen.

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Abb. 9 In langen Tonnenschalen treten ausgeprägte BiegeefSekte au$

Lange Tonnenschalen
Als ein typisches Beispiel für Schalenformen, bei denen der Biegeeinfluß
beträchtlich ist, soll nachfolgend die lange Tonnenschale betrachtet werden.
Tonnenschalen bestehen in Quemchtung betrachtet aus Zylindersegmenten oder
aus Teilen beliebiger anderer geschlossener, gekrümmter Körper wie zum Beipiel
ein Ellipsoid. Sie übertragen die Lasten in einer Kombination aus Biegung in
Längsrichtung und Bogentragwirkung in Querrichtung. Bei kurzen Tonnen, die
nicht aus Holz, sondern aus anderen Materialien z.B. für Flugzeughangars gebaut
worden sind, überwiegt die Bogentragwirkung. Lange Tonnen, willkürlich durch
das Verhältnis r / L 5 0,6 definiert, weisen, bis auf den Firstbereich mit
Bogentragwirkung, fast ausschließlich Biegeträgerverhalten auf.

Für diese langen Tonnen können die Spannungen in der Tonnenfläche gut
abgeschätzt werden mit:

mit
M, ist das Biegemoment um die Symmetrieachse.
I ist das Flächenmoment 2. Grades des Schalenquerschnitts.
V ist die gesamte Schubkraft im Querschnitt.
b ist die gesamte Querschnittsdicke der Schale, horizontal gemessen.
h ist die Schalendicke.

In Abb. 10 werden die nach G1. (19) berechneten Spannungen (d) mit den
Ergebnissen einer umfassenderen Schalentheorie verglichen. Es zeigt sich, daß
die Näherung für lange Tonnen (r I L = 0,2) mit der genaueren Theorie gut
übereinstimmt, jedoch die maximalen Zugspannungen mit Zunahme von r / L
nach der Näherungsberechnung immer stärker unterschätzt werden.

Tonnenschalen haben beträchtliche wirtschaftliche Bedeutung im Betonbau. Es


stehen eine Reihe von ~eröffentlichun~en zur Verfügung, in denen die Bemes-
sung ausführlich dargestellt wird, und in denen Tabellen zur Ermittlung der
Schnittgrößen enthalten sind. Für eine erste Näherung bei hölzernen Schalen
können diese Veröffentlichungen zwar nützlich sein, eine Anpassung wegen der
Orthotropie ist aber notwendig. Erläuterungen zur Randträgerbemessung und
Möglichkeiten einer zufriedeiistellenden Bemessung zusammengesetzter Dach-
flächen können ebenfalls dieser Literatur entnommen werden.

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Abb. 10 Näherungsberechnung fur Tonnenschalen mit der Biegetheorie. (d)
Biegetheorie, ( e ) Theorie der flachen Schale.

Konoidschalen
Konoidschalen aus Holz wurden erstmals Anfang der Sechzigerjahre dieses
Jahrhunderts gebaut. Dem ersten Beispiel, einem Bahnhof in Manchester, der zur
Zeit für eine Bauaufnahme und eine umfangreiche Renovierung in Betracht
kommt, folgten ähnliche Schalen, die überall in Großbritannien und auch in den
Niederlanden gebaut wurden (Natterer et al., 1991). In der Stadt Yeovil, England
entstand z.B. ein Markt mit zwölf Konoidschalen mit Längen von 5 bis 7 m,
Spannweiten von 12 bis 18 m und einem Verhältnis von Spannweite zu Höhe
zwischen Ca. 5: 1 bis 10:1 (Booth, 1966). Grundlegende Forschungs-arbeiten
einschließlich Probebelastungen an Modellen im Maßstab 1:2,5 sowie Versuche
mit Prototypen von Fachwerken mit lamellierten Gurten wurden vorab
durchgeführt.

Ausgesteifte Schalen
Es bieten sich verschiedene Formen von Holzschalen an, bei denen die Membran
durch Rippen, Bögen oder Gitterwerk ausgesteift wird. Hinweise zur Theorie der
Gitterschalen können dem Lehrbuch von Flügge (1960) entnommen werden.
Grundsätzlich erfolgt die Behandlung solcher Schalen nach dem Prinzip der
anisotropen Elastizität. Jede Schalenform muß mit ihren Vor- und Nachteilen
individuell untersucht werden. Spezielle Programme, die heutzutage verfügbar
sind, erleichtern den Entwurf und die Berechnung dieser Schalen.

Für den Bau einer Ausstellungshalle in Lausanne, Schweiz (Natterer und


MacIntyre, 1993) wurde eine Holzschale, "Polydome" bezeichnet, gewähll. Diese
Schale mit einer Spannweite von 25 m hat die Form eines flachen Ausschnitts
aus dem Firstbereich einer Kreiskuppel. Sie ist auf vier Flügelmauern
aufgelagert, die über Zugbänder in der Gründung des Bauwerks miteinander
verbunden sind. Das tragende Gitter besteht aus sich kreuzenden Brettlagen, die
an der Baustelle am Boden montiert und dann nach und nach auf ein einfaches
Gerüst gehoben wurden.

Fragen der Montage auf der Baustelle führen häufig zur Wahl von Schalen-
formen, die von den reinen Membranarten, die anfangs beschrieben wurden,
abweichen. Bei dem Themse Schutzwehr Projekt, das in diesem Beitrag als erste
Fallstudie beschrieben wird, waren die Schwierigkeiten bei der Montage der
Schalenteile an unzugänglicher Stelle über den Pfeilern mitten in der Themse
und die Notwendigkeit, die Dächer in einzelne vorgefertigte Stücke aufzuteilen,
die Gründe für die Wahl von ausgesteiften Holzschalen.

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Architektur
Hölzerne Schalendächer bieten zweifellos die Möglichkeit zu interessanten
Gebäudeformen, mit denen große Spannweiten ohne Zwischenauflager
überbrückt werden können und bei denen Öffnungen oder verglaste Flächen an
den Außenwänden möglich sind. Gleichzeitig können die allgemeinen Vorteile
von Holzkonstruktionen, wie die hohe Festigkeit und Steifigkeit im Verhältnis
zum Eigengewicht, einfache Bearbeitbarkeit und Energieersparnis bei Herstellung
und Gebrauch (siehe STEP A16), genutzt werden.

Auf der Grundlage des EC5, den modernsten Bemessungsregeln, die nach
exzellenter internationaler Zusammenarbeit zustandegekommen sind, sollte es für
Tragwerksplaner eine lösbare Herausforderung bedeuten, zusammen mit den
Architekten das Beste aus diesen eleganten und schlanken Konstruktionen zu
machen.

Wahl der Form


Die Wahl der Schalenform hängt von vielen Faktoren ab, von denen die
wichtigsten sind:
- Grundriß;
- Anzahl und Lage der Auflager, die akzeptabel sind;
- Lage und Ausdehnung der Deckenbeleuchtung, die benötigt wird;
- für bestimmte Schalentypen oder Schalenkornbinationen die akzeptable
Anordnung von Zuggliedern.

Tabelle 1 enthält die geometrischen Festlegungen für drei doppeltgekrümmte


Schalenformen, die für Dächer gebräuchlich sind.

Schalenforin Mathematische Beschreibung


Beschreibung der
Geometrie

Elliptischer Paraboloid Schnitte mit den Ebenen


X = const. und
X2 y2
z=-+- y = const. ergeben
4 h2 Parabeln unterschied-
licher Form
Hyperbolisches Paraboloid, Ränder in Bei Streckung in X-Rich-
x2-y2
der Winkelhalbierenden der z =- tung ergibt sich ein
Erzeugenden 2c rechteckiger Grundriß
mit
z=&-d
h, h2

Hyperbolisches Paraboloid, Ränder Verschneidung mit den


parallel zu den Erzeugenden ~ = Z = z h vertikalen Ebenen x =
C ab const. und y = const.
ergeben Geraden, die
Erzeugenden

Tabelle 1 Geometrische Festlegungen fur drei doppeltgekrümmte Schalenformen, die


fur Dächer üblich sind.

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Abb. 11 gibt einige Schalentypen wieder, die als hölzerne Schalen ausgeführt
worden sind. Tabelle 2 enthält die für diese Schalen wirtschaftlichen Abmes-
sungen.

Individuelle Schalenformen können auch zu Mehrfachschalendächern zusammen-


gesetzt werden, siehe Abb. 12.

Abb. 11 Schalenformen, die für hölzerne Schalen üblich sind. ( U ) Hyperbolisches


Paraboloid, (b) elliptisches Paraboloid, ( C ) lange Tonnenschale (links) und
Konoidschale (rechts).

Abb. 12 Mögliche Mehrfuchschalendächer.

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Schalenform Stützweite Länge
m m
Hyperbolisches Paraboloid 7,2 - 24 7,2 - 24
Elliptisches Paraboloid 7,2 - 30 7,2 - 30
Tonnenschale 7,2 - 20 12 - 36
Konoidschale 12 - 27 7,2 - 12

Tabelle 2 Ungefähre Bereiche fur wirtschaftliche Abmessungen der Schalenformen in


Abb. 11.

Konstruktion und Anforderungen


Hölzerne Schalen bestehen normalerweise aus zwei Hauptelementen, der
Schalenmembran selbst und den Randträgern. Bei manchen Typen kommen auch
Aussteifungsrippen vor.

Die Membran setzt sich aus zwei oder mehr Lagen Brettern, Sperrholz oder
einem anderen Holzwerkstoff zusammen. Die Lagen werden entweder im Werk
oder auf der Baustelle mit Leim und mechanischen Verbindungsmitteln
miteinander verbunden, siehe Abb. 13. Brettschichtholz, Holzwerkstoffe oder bei
kleinen Schalen Vollholz sind die Materialien für die Randträger.

Abb. 13 Verbindung der Membranlagen.

Die nachfolgenden Arbeitsschritte und Details sind bei der Konstruktion zu


beachten.

Vollholz
Vollholz ist für kreuzweise Brettlagen der Membran arn gebräuchlichsten. Es
sollte visuell oder maschinell sortiert werden (siehe STEP A6), und zwar visuell
nach Nomien, welche die Mindestanforderungen nach EN 518 "Bauholz für
tragende Zwecke - Sortierung - Anforderung an Nomien über visuelle Sortierung
und nach der Festigkeit" erfüllen, sowie maschinell nach den Anforderungen, die
in EN 519 "Bauholz für tragende Zwecke - Sortierung - Anfordemngen an
maschinell nach der Festigkeit sortiertes Bauholz und an Sortiem~aschinen"
festgelegt sind. Es dürften Brettdicken von etwa 20 mm ausreichend sein. Da
nicht alle Regeln der visuellen Sortierung, die der EN 518 entsprechen oder
Sortiermaschinen, die EN 519-Anforderungen erfüllen, bei so geringen Dicken

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anwendbar sind, sollten rechtzeitig Erkundigungen bei den Holzlieferanten
eingeholt werden. Der fachkundige Holzbaubetrieb könnte die Sortierung selbst
vornehmen.

Festigkeitsklassen
In EN 338 (siehe STEP A7) ist ein System von Festigkeitsklassen festgelegt
worden, und Nadelholzbretter für die Membran und Vollholz für die Randträger
sind aus diesen Klassen auszuwählen. Dadurch stehen dem Tragwerksplaner die
charakteristischen Werte des gewählten Materials zur Verfügung.

Brettschichtholz
Die Herstellung von Brettschichtholz und seine Festigkeitsklassen sind in STEP
A8 beschrieben. Zur Regelung einer Reihe wichtiger Anforderungen sind
europäische Normen entweder scfion vorhanden oder werden demnächst
erscheinen. Dazu gehören Klassifizierung und Verhalten von Leimen, Keilzinken
für die Lamellen und für Generalstöße, Herstellungsanforderungen einschließlich
Delaminierungstest und Abscherversuche in der Leirnfuge im Rahmen der
Qualitätskontrolle.

Für die fünf Festigkeitsklassen von Brettschichtholz sind i i ~ EN 1194


charakteristische Werte der Festigkeiten, Steifigkeiten und der Rohdichte
festgelegt.

Zusätzliche Gesichtspunkte
Schwinden und Verdrehungen der Schalenbestandteile (Membran und
Randträger) führen möglicherweise zum Verlust der Gebrauchstauglichkeit und
sogar der Stabilität, wenn das Material vor der Sortierung nicht korrekt
getrocknet worden ist und auch andere Produktionsschritte nicht richtig
durchgeführt worden sind. Im Abschnitt allgemeine theoretische Grundlagen ist
auf die Voraussetzung der kleinen Verformungen hingewiesen. Schalenkonstruk-
tionen reagieren empfindlich auf Abweichungen von der anfänglichen, theoreti-
schen Form, für die man die Bemessung durchgefiihrt hat. Dieser Gesichtspunkt
muß sowohl bei der Vorfertigung im' Werk als auch bei der Montage auf der
Baustelle im Auge behalten werden. Dafür geeignete scharfe Kontrollmaßnahmen
sind für alle Arbeitsschritte erforderlich. Die Bedeutung des Feuchtegehalts im
Holz ist in STEP A4 gründlich behandelt worden. Es sollten möglichst alle
Bretter der Schalenhaut, zumindest aber die äußeren Lagen, gegebenenfalls so
keilgezinkt werden wie es EN 285 "Keilzinkenverbindungen in Bauholz"
vorschreibt. Auch die Anforderungen für den chemischen Holzschutz von
Vollholz und Brettschichtholz sind unbedingt abzuklären. Dieses vielschichtige
Thema bedarf der Querverweise auf andere europäische Normen (siehe STEP
A15). Wenn Randträger, z.B. aus Brettschichtholz, und die Membranelemente
nach der Herstellung eventuell mit Druckverfahren zu behandeln sind, sollten
bereits vorab die Kesselabmessungen erfragt worden sein. Eine Alternative wäre
die Verwendung einer dauerhaften Holzart, die für den Einsatz in der vorgesehe-
nen Nutzungsklasse geeignet ist. Es gab auch Fälle, in denen die Bretter der
Membran chemisch behandelt wurden und die Randträger aus dauerhaftem Laub-
holz hergestellt worden sind. Alle diese Möglichkeiten sind bereits bei Entwurfs-
beginn sorgfältig zu prüfen.

Herstellung
Es sollte möglichst eine Herstellung im Werk angestrebt werden, bei der die
Schale in solchen Einzelteilen vorgefertigt wird, die anschließend auch transpor-

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tiert und montiert werden können. Manchmal besteht auch die Möglichkeit, in
Baustellennähe unter einer temporären Überdachung eine ausreichend gut
kontrollierte Herstellung zu organisieren. Auf alle Fälle sind solche
Entscheidungen möglichst früh zu treffen, da sie wichtige Details beeinflussen.

Die gekreuzten Brettlagen der Membran werden auf einer Schalung aufgelegt,
die aus Vollholz, Sperrholz und Stahlrohrgerüsten hergestellt wird. Die Kosten
für die Schalung sind beträchtlich und müssen im Planungsstadium in die
Überlegungen mit einfliessen. Die Schalung ist ausreichend steif auszuführen,
damit die exakte Schalenform gewährleistet werden kann, und daß ein enger
Kontakt erreicht wird, wenn die Brettlagen mittels Nagelpreßleimung miteinan-
der verbunden werden.

Die Notwendigkeit einer ausgewogenen Konstruktion ist im Abschnitt


Orthogonale Anisotropie begründet worden. Durch geeignete Winkel zwischen
den einzelnen Brettlagen kann eine näherungsweise isotrope Membran hergestellt
werden. Dies ist nicht nur als Voraussetzung für die verwendete Theorie
wünschenswert, sondern verhindert auch Verdrehungen infolge jahreszeitlicher
Feuchteänderungen. Weiterhin ist es empfehlenswert, dünne und relativ schmale
Bretter in den einzelnen Lagen der Membran zu verwenden, da die Bretter im
Gegensatz zu den unendlich dünnen erzeugenden Linien der Schalenfläche einen
endlichen Querschnitt aufweisen. Sogar bei Schalenformen mit Geraden als
Erzeugende, wie 2.B. bei Hyparschalen, ist ein Verdrehen der Bretter beim
Herstellen der Lagen unvermeidlich, damit man die gewünschte Form erhält. Aus
all diesen Gründen sollten im allgemeinen die Brettdicken zwischen 12 mm und
30 mm und die Brettbreiten unter 100 mm liegen. Die Kanten sind entweder mit
Nut und Feder (mit Spiel) versehen oder stumpf gestoßen.

Beispiele hölzerner Schalendächer

Fallstudie 1

Schalendächer über dem Themse-Schutzwehr


Um London vor Überschwemmungen zu schützen, wurde Anfang der achtziger
Jahre ein bewegliches Flutwehr errichtet (Johnson, 1980). Das Themse-
Schutzwehr befindet sich im Fluß bei Woolwich Reach unterhalb von London
und besteht aus einer Reihe von Toren mit Sektorform, die normalerweise, unter
dem Wasserspiegel abgesenkt, in halbkreisförrnigen Kammern auf dem Flußbett
stehen. Schiffe können die Pfeiler passieren, die sich über diesen Kammern
befinden. Bei Gefahr einer Springflut, können die zusammen etwa 200 m langen
Sektortore angehoben werden, um die Höhe des Wasserspiegels zu begrenzen.

Zu der gesamten Baumaßnahme gehören sieben Holzschalen, siehe Abb. 14, von
architektonischer Auffälligkeit bei Betrachtung sowohl von der Flußseite aus als
auch aus der Luft beim Anflug auf London Heathrow. Die Dächer schützen die
für das Bewegen der Flutwehre erforderliche Mechanik und befinden sich über
jedem der Betonpfeiler. Fünf der Dächer sind 19 m hoch, 1 1 m breit und 24 m
lang. Zwei der Dächer mit ähnlicher Form sind kleiner. Die Schalen sind durch
Bögen ausgesteift und somit keine reinen Membranschalen. Gründe für diese
konstruktive Ausbildung lagen in der Geometrie und in nachfolgend
beschriebenen Konstruktionsüberlegungen. Die Dachflächen weisen eine
komplizierte, doppeltgekrümmte Form auf, entstanden aus der Rotation des
Pfeilergrundrisses um zwei Zentren, die durch die Ansichten festgelegt sind. Die

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E21119


Schalen sind dreilagig aufgebaut und auf der Außenseite mit rostfreiem
Stahlblech abgedeckt. Vom Fluß aus kann man die verleimten Holzbögen und
zum Teil auch die unverkleidete Schalenuntersicht sehen und somit erkennen,
daß das Dach eine Holzkonstruktion ist.

Eine Forderung im Entwurfsauftrag war die Maximierung der Vorfertigung, um


die Montagezeit zu verkürzen, da teuere Kranschiffe, kritische Unterbrechungen
der Schiffahrt und die Gezeiten mit zu berücksichtigen waren. Auch war davon
auszugehen, daß bestimmte Teile der Konstruktion durch Schiffsanprall
beschädigt werden könnten. Für einen solchen Fall mußten Schalenteile
demontierbar und erneuerbar sein. Dies war eine sinnvolle Anforderung, die
bereits einmal in Anspruch genommen wurde. Die angeführten Überlegungen,
zusammen mit der ausgefallenen Geometrie, die mit keinem der reinen
Schalentypen zu realisieren war, führte zur Wahl der Schale mit Rippenbögen.

Abb. 14 Die hölzernen Schalendächer des Themse-Schutzwehres.

Jedes Dach besteht aus vier Brettschichtholz-Hauptbögen aus als "sehr dauerhaft"
eingestuftem Laubholz, dessen Eignung für diese ungünstigen Nutzungsbeding-
ungen aufgrund von Erfahrungswerten überprüft worden war. Räumlich geboge-
ne Randträger aus Brettschichtholz bilden einen Rahmen um die Schalen. Die
erste Brettlage mit 22 mm dicken Brettern verläuft unter 45" zu den Bögen. Die
32 mm dicke zweite Schicht liegt horizontal und die dritte und äußere Lage aus
22 mm dicken Brettern verläuft rechtwinklig zur ersten Lage. Diese Bretter aus
Nadelholz wurden druckimprägniert und bei etlichen, wegen Pilzbefall kritischen
Details wurde auf guten Luftzutritt geachtet.

Als eine Möglichkeit, die verschiedenen Schritte des Konstruierens und Bemes-
sens zu bestätigen und zu untermauern, wurde ein tragfähiges Modell gebaut und
getestet, siehe Abb. 15. Dieses Modell war eine exakte Abbildung der Konstruk-
tion im Maßstab 1:5 bis ins kleinste Detail, aus der gleichen Holzart gefertigt,
mit maßstäblich verkleinerten Verbindungsmitteln sowie maßstäblich richtiger
Wiedergabe aller sonstigen Elemente. Das Modell wurde belastet, indem
Gewichte aufgebracht wurden und mit Flaschenzügen ständige und veränderliche
Einwirkungen simuliert wurden. Zunächst wurden Lastkombinationen der
Gebrauchstauglichkeit geprüft und anschließend höhere Lasten aufgebracht, um
verschiedene wichtige und unter Umständen kritische Tragfahigkeitszustände,
einschließlich Vereisung, zu untersuchen.

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Die Schalendächer befinden sich seit Ca. 15 Jahren an dieser exponierten und
wichtigen Stelle im Einsatz. Bisher sind keine Mängel aufgetreten und bei einem
Schiffsanprall wurde ein Teil einer Schale zerstört, der danach ersetzt bzw.
repariert wurde.

Architekten Greater London Council.


Tragwerksplaner Rendel, Palmer & Tritton.
Holzsachverständige Timber Research and Development Association.

Abb. 15 Tragfähiges Modell eines Daches.

Fallstudie 2

Kindergarten in Stainz, Österreich


Ein kleines, aber sehr phantasievolles und reizvolles Projekt mit hölzernen
Schalendächem wurde 1994 mit dem GLULAM-Preis von der Europäischen
Brettschichtholz-Organisation ausgezeichnet.

Der Grundriß des Kindergartens hat die Form eines quadratischen Kreuzes. An
ein quadratisches Atrium mit 8 m Seitenlänge schließen sich an den Ecken vier
Gruppenräume mit "klassischen" Hyparschalen an, siehe Abb. 16. Das Atrium ist
umrahmt von horizontalen Unterzügen aus Brettschichtholz, die von mehrteiligen
Stützen mit Kopfbändem unterstützt werden. Auf den Unterzügen ist ein
[Link] aufgesetzt. Der Aufbau der Hyparschalen besteht aus:
- Kupferblecheindeckung
- Bretter in mehreren Lagen mit Orientierung sowohl parallel zu den
Randträgern als auch unter 45" dazu.

Die Randträger der Schalen sind aus Brettschichtholz hergestellt. Die Tiefpunkte
in jedem Dach werden durch ein Zugglied aus Rundstahl unaufdringlich
verbunden.

Oberlichtflächen sind in den Holzrahmenwänden, die als notwendiges


Eckenauflager und zur Sicherung gegen Kippen für die Schalen selbst,
ausreichend steif sind, angeordnet. Dieses Oberlichtfenster wirft das Licht auf
Flächen in abgestuften Höhen, die über Holztreppen miteinander verbunden sind,
unter denen weiterer Raum zur Verfügung steht.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E21121


Ein warmer, erholsamer Innenraum entsteht durch die großen Holzflächen in
naturbelassener Farbe und durch das Licht, das von den ebenen Wandober-
flächen reflektiert wird. Der Eindruck wird noch belebt durch die
Kindergartenmöbel und das Spielzeug, das in den Grundfarben gestrichen ist.
Das Äußere des Gebäudes mit den weißen Wänden, der Holzkonstruktion mit
ihren sichtbaren Holzoberfiächen und die Dacheindeckung mit attraktiver Patina
paßt sich ausgezeichnet in die schöne Landschaft Österreichs ein.

Abb. 16 Kindergarten in Stainz.

Architekt Helmut Hafner.


Tragwerksplaner Walter Wörle and Dr. Pius Wörle.

Literatur
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STEPlEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


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Tottenham, H. (1961). The design of timber shells. Proceedings of the First International
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STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E21123


Ermüdung von Holz und
Holzwerkstoffen
STEP E22 Inhalt
Englischer Originalbeitrag: Zunächst werden grundlegende Begriffe der Ermüdung von Werkstoffen erläutert
M.P. Ansell und verschiedene Arten der Ermüdungsbeanspruchung beschrieben. Die Lebens-
University of Bath dauer von Holz und Holzwerkstoffen unter Schwingbeanspruchung bei konstanter
Amplitude wird durch o-N bzw. E-N-Diagramme dargestellt, deren Verlauf von der
Zahl R abhängt, die das Verhältnis von Spannungskleinstwert zu -größtwert angibt.
Aus dem o-N bzw. E-N-Verlauf können Kurven konstanter Lebensdauer wie z.B.
Goodman-Diagramme abgeleitet werden. Die Vorhersage der Lebensdauer unter
komplexen Ermüdungsbeanspruchungen wie Wind- oder Fahrzeuglasten kann mit
Hilfe eines Verfahrens erfolgen, das auf der Grundlage der Addition verschiedener
Lastzyklen beruht. Hierbei werden die vorkommenden Lasten in Gruppen eingeteilt,
die durch den Mittelwert der erreichten Spannung und die zugehörige Spannungs-
amplitude gekennzeichnet sind. Ist für jede Gruppe die Lebensdauer für Ermüdungs-
beanspruchung bei konstanter Amplitude bekannt, kann die Lebensdauer fur
komplexere Beanspruchungen durch eine Addition nach der Regel nach Miner
vorhergesagt werden. Dieses Verfahren für die Ermüdungsbemessung wird regel-
mäßig bei der Entwicklung von Windturbinenblättern aus Holzwerkstoffen
angewendet. Am Ende des Beitrags werden Schadensvorgänge in der Mikrostniktur
des Holzes beschrieben, die durch Ermüdungsbeanspruchungen entstehen.

Einleitung
Holzkonstruktionen werden häufig durch dynamische Lasten beansprucht, z.B.
Brücken durch Fahrzeuge oder Dachkonstruktionen durch Wind. Diese Ermüdungs-
beanspnichungen verursachen oft Schäden in der Mikrostruktur des Holzes, die zu-
nächst unter einem kritischen Grenzwert liegen, die aber bei höherer Beanspruchung
zum Ermüdungsversagen führen können. Das Ermüdungsversagen von Werkstoffen
wird durch wiederholt einwirkende Spannungen hervorgerufen, deren Größtwert
geringer als die statische Festigkeit ist. Hierbei unterscheidet man einen Bereich mit
vergleichsweise kleinen Lastwechselzahlen von weniger als 104, in dem der Einfluß
der Dauerschwingbeanspruchung begrenzt ist und einen Bereich mit höheren Last-
wechselzahlen, in dem ein ausgeprägterer Einfluß der Dauerschwingbeanspmchung
auf die Festigkeit beobachtet werden kann.

Sowohl die Lebensdauer als auch der Versagensmechanismus werden durch die Art
der Ermüdungsbeanspruchung, z.B. Zug, Druck, Schub, Torsion oder eine Kombina-
tion dieser Beanspruchungen, beeinflußt. Metallegierungen sind anfällig für Ermü-
dungsversagen bei Zugbeanspruchung, insbesondere bei Kerben oder Schweißnah-
ten, bei denen Rißfortschritt durch Ermüdung auftritt. Holz - auch bei Zugbeanspru-
chung quer zur Faser - ist hierfür wesentlich unempfindlicher und Schäden durch
Ermüdung treten als Mikroschäden überall innerhalb des beanspruchten Holz-
volumens auf. Im Bereich von verbindungen oder Wuchsunregelmäßigkeiten kann
jedoch ebenfalls örtliches Versagen ausgelöst werden. Daher ist eine Anwendung
der Bmchmechanik für Zugbeanspruchung quer zur Faser (Mode I) nicht sinnvoll,
wenn auch die Regel nach Paris für Abscherbeanspruchung in Faserrichtung (Mode
11) bzw. rechtwinklig dazu (rolling shear, Mode 111) angewendet werden kann. Die
in diesem Beitrag beschriebenen Verfahren für die Ermüdungsbemessung wurden
bereits für Vollholz und für Furnierschichtholz mit faserparallel angeordneten
Furnieren für Beanspruchung in Fasenichtung angewandt.

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1' , bearing
1'

Abb. 1 Verschiedene Arten der Emzüdungsbeanspruchung. ( U )Axialbeanspruchung,


( b ) Biegebeanspruchung, (C)kombinierte Biege-/Torsionsbeanspruchung,( d )
Torsionsbeanspruchung.

0-N-Diagramme und die Verhältniszahl R


Die Lebensdauer von Werkstoffen wird seit den Arbeiten von Wöhler (1 866) über
Eisenbahnachsen in der Form von o-N (Spannung-Lebensdauer) bzw. E-N
(Dehnung-Lebensdauer) Kurven dargestellt. Der Wert der Spannung bei lastgesteu-
erten Versuchen bzw. der Dehnung bei weggesteuerten Versuchen kann dabei den
Höchstwert, die Amplitude oder den Bereich der Spannung oder Dehnung
bezeichnen. Vereinfachend wird im folgenden nur noch auf a-N-Versuche Bezug
genommen. Die Form des Spannungs-Zeit-Verlaufs wie z.B. sägezahnartig oder
sinusförmig sowie die Beanspruchungsart und die Tatsache, ob es sich um eine
Schwell- oder Wechselbeanspruchung handelt, sind entscheidend für den Verlauf
der o-N-Kurven. Die in Abb. 2 dargestellte Wellenform beschreibt eine Schwellbe-
anspruchung im Zugbereich.

Abb. 2 Sägezahnartiger Verlauf der Spannung mit der Zeit und charakteristische
Spannungswerte.

STEP/EUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Die charakteristischen Spannungswerte sind wie folgt definiert:

Spannungsbereich A = crma - omin= 2 oair


Spannungsmittelwert crma = 0,5 (G„ + G,,,)
Spannungsausschlag c r = 0,5 (G„ - G,,,)
Verhältniszahl R R = Oma 1 omin = ( o m e u n - oalr) (Omean + Gart)

Die Verhältniszahl R ist wesentlich für das Verständnis der Beanspruchungsart bei
Versuchen mit wechselnder Zug- bzw. Druckbeanspmchung. R = -1 bedeutet 2.B.
eine reine Wechselbeanspruchung (G„, = cr„ = -G,,). In Abb. 3 sind weitere
typische Verhältniszahlen R und der zugehörige Spannungs-Zeit-Verlauf dargestellt.

Abb. 3 Spannungszyklen mit typischen Verhältniszahlen R. (U)Statische Zugbeanspru-


chung, ( b ) reine Wechselbeanspruchung, ( C )statische Druckbeanspruchung.

Die Verhältniszahl R kennzeichnet die Errnüdungsbeanspruchung wie folgt, wobei


der Fall dkr statischen Zug- oder Druckspannung (R = 1) einen Grenzfall darstellt:

R = 1 bis 0 Zug-Zug (T-T)


R = 0 bis -1 Zug-Druck (T-C)
R = -1 bis Druck-Zug (C-T)
R = +-Mbis -1 Druck-Druck (C-C)
R = 0 und R = bedeuten Übergänge in der Beanspruchungsart.

Versuche mit Holz und Holzwerkstoffen sollten mit denjenigen Verhältniszahlen R


durchgeführt werden, die den tatsächlichen Beanspruchungen im Bauteil am besten
entsprechen. Um den gesamten Bereich der im eingebauten Bauteil vorkommenden
Ermüdungsbeanspruchungen abzudecken, sind Versuche mit verschiedenen R-
Werten notwendig, die zu unterschiedlichen cr-N-Kurven führen (siehe Abb. 4) und
die in der Regel als Spannung über dem Logarithmus der Lastspielzahl dargestellt
werden. Solche Lebensdauerlinien wurden für Holzwerkstoffe unter Biege- und
Normalspannungsbeanspruchung von Tsai und Anse11 (1990) bzw. Bonfield und
Anse11 (1991) veröffentlicht.

Die in Abb. 4 dargestellten Kurven für fünf verschiedene R-Werte stellen Regres-
sionsgeraden durch eine Vielzahl von Einzelpunkten dar, die jeweils einem Ermü-

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E2213


dungsbruch entsprechen. Die Punkte bei log N = -0,6 entsprechen statischen Festig-
keitswerten bei einem Viertel eines vollen Lastzyklus. Da die Spannung die
unabhängige Variable darstellt und der Logarithmus der Lastwechsel die abhängige
Variable, ist die entsprechende Regressionsanalyse im logN-a-Format durchzu-
führen. Danach kann es im üblichen logN-G-Format dargestellt werden. Aus Abb.
4 ist zu ersehen, daß die Lebensdauer ansteigt, wenn sich R dem Wert 1 (statische
Festigkeit) nähert und daß eine reine Wechselbeanspruchung zur kürzesten
Lebensdauer führt. Die Lebensdauer des Holzes nimmt außerdem mit zunehmender
Holzfeuchte ab (Tsai und Ansell, 1990).

I I I I I I I
-0,6 log N (cycles)

Abb. 4 o-logN-Kurvenfür Zug-Zug ( R = 0,5, 0,3 und 0 , l ) und Zug-Druck ( R = -0,5


und -1) Ermüdungsbeanspruchung.

In diesem Zusammenhang soll noch auf einen wesentlichen Unterschied zwischen


der Zug- und Druckfestigkeit des Holzes hingewiesen werden. Die statische Zug-
festigkeit kleiner, fehlerfreier Holzprüfkörper ist wesentlich größer als der entspre-
chende Wert der Druckfestigkeit. Dagegen fällt die U-logN-Kurve für Zug-Zug-
Beanspruchung erheblich schneller ab als für Druck-Druck-Beanspruchung. Dies
bedeutet, daß Holz eine Druck-Druck-Ermüdungsbeanspruchung gut ertragen kann.
Wechselbeanspruchungen dagegen (R = -1 bis -M) führen schon bei kleineren Last-
spielzahlen zu einer Schädigung des Holzes.

Kurven konstanter Lebensdauer


Eine Interpolation zwischen den Werten verschiedener a-logN-Kurven ermöglicht
die Angabe von Kurven konstanter Lebensdauer für beliebige R-Werte. Ein Beispiel
für solche Kurven ist in Abb. 5 angegeben. Die vom Ursprung ausgehenden
gestrichelten Linien stellen Geraden für konstante R-Werte dar, da das für diese
Geraden konstante Verhältnis G, / o„ gleich dem Verhältnis G„, / G„„ ist.

Die vertikalen Linien Nfl, Nf2 und N p in Abb. 4, die bestimmten Lebensdauem
entsprechen, schneiden die G-logN Kurven für die R-Werte 0 3 , 0,3, 0,1, - 0 5 und
-1. Die Schnittpunkte a, b, C, d und e für die Lastspielzahl Nf3 können nun als
Punkte im Diagramm der Abb. 5 eingetragen werden und ergeben dann eine Kurve
konstanter Lebensdauer. Die Werte U„, a„ und U„ stellen den Spannungsausschlag
für die Lastspielzahlen Nfl, Nf2 und N p bei reiner Wechselbeanspruchung dar. Der
Bereich unter einer Kurve konstanter Lebensdauer gibt mögliche Kombinationen

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von Spannungsausschlag und Spannungsmittelwert an, für die ein Ermüdungsver-
sagen bei Lastspielzahlen unterhalb der angegebenen Lebensdauer nicht erwartet
wird.

Abb. 5 Kurven konstanter Lebensdauerfur Kombinationen von Spannungsausschlag


oalrund Spannungsmittelweri o„ fur Nfl, Np und Nf3 Lustspiele. ( U )
Bereich zulässiger Spannungskombinationen unterhalb der Kurve konstanter
Lebensdauer.

Die Goodman-Gleichung für konstante Lebensdauer kann für die Zugseite des
Diagramms als Gerade angegeben werden

Andere übliche Gleichungen für konstante Lebensdauer sind die Gerber-Gleichung

bzw. die gewichtete Goodman-Gleichung

Die Gerber-Gleichung entspricht einem parabolischen Verlauf konstanter Lebens-


dauer mit denselben Grenzwerten wie die Goodman-Gleichung. Die gewichtete
Goodman-Gleichung enthält einen Sicherheitsbeiwert M, der den zur Verfügung
stehenden Bereich unter der Goodman-Gerade entsprechend vemngert.

Bisher untersuchte Holzarten (Bond et al., 1993) zeigen eine gute Übereinstimmung
mit der Goodman-Gleichung. Um den Verlauf in beiden Quadranten (C-CIC-T und
T-CR-T) beschreiben zu können, sind zwei Gleichungen notwendig. Kurven
konstanter Lebensdauer für Holz sind denen für faserverstärkte Kunststoffe sehr
ähnlich (Anse11 et al., 1993). Die Lebenserwartung unter Ennüdungsbeanspruchung
für konstanten Spannungsausschlag kann damit für jede beliebige Kombination von
R-Wert und Spannungshöchstwert aus Diagrammen, wie in Abb. 5 dargestellt,
abgelesen werden. Der Versuchsaufwand, der zur Ermittlung der Goodman-
Diagramme notwendig ist, kann erheblich verringert werden, indem lediglich die

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Werte der statischen Druck- und Zugfestigkeit sowie die a-N-Kurve für R = -1
ermittelt werden. Damit können bereits die Goodman-Geraden für beide Quadranten
in Abb. 5 konstruiert werden.

Komplexe Lastabläufe und Lebensdauervorhersage


Statt mit einem konstanten Spannungsausschlag wird Holz in Wirklichkeit oft durch
Ermüdungsbeanspruchungen belastet, die durch einen komplexen Verlauf mit verän-
derlichen Spannungsamplituden gekennzeichnet sind. Den größten Anteil an den
dabei entstehenden Schädigungen im Holz haben die Lastwechsel mit hohen
Spannungsausschlägen. Holz ist ein Baustoff, der sich unterhalb eines bestimmten
Spannungsniveaus praktisch linear-elastisch verhält (siehe Abb. 6) und die weitaus
meisten Beanspruchungen auf Bauwerke verursachen Spannungen innerhalb des
elastischen Bereichs. Im Verlauf von Ermüdungsbeanspruchungen dissipiert das
Holz jedoch um so mehr hysteretische Energie, je mehr nach anfänglichen
viskoelastischen und plastischen Verformungen die Schäden in der Mikrostruktur
des Holzes zunehmen (Hacker und Ansell, 1994).

Zur Vorhersage der Ermüdungslebensdauer unter unregelmäßiger, komplexer Bean-


spruchung kann eine einfache Summenregel wie die Palmgren-Miner-Regel
verwendet werden:

Hierin ist ni die Anzahl der Lastwechsel für ein Spannungsniveau, das nach N,
Lastwechseln zum Versagen geführt hätte.

Abb. 6 Spannungs-Dehnungs-Hysterese. ( U ) Proportionulitätsgrenze, ( b ) Fließ-


Spannung, (C) 0,2% Dehnungsgrenze, ( d ) Zugfestigkeit, ( e ) Bemessungswert
der Zugfestigkeit.

Das komplexe Beanspruchungsspektrum kann nach Spannungsmittelwert und


Spannungsbereich in Gruppen sortiert werden und für jede Gruppe wird nach
Gleichung (4) der Teil der aufgebrauchten Lebensdauer ermittelt. Eine Technik zur
Bildung solcher Gruppen ist anhand eines Beispiels für Hystereseverhalten in Abb.
7 dargestellt.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


1 time

Abb. 7 Diagramm zur Erläuterung der Ziihltechnik. ( U ) Komplexe Belastungs-


geschichte, (b)Zugehörige Spannungs-Dehnungs-Hysterese.

Die Dehnungs- (oder Spannungs-) geschichte ABCDEDFGA ist Teil eines kom-
plexen Spektrums, das einer Spannungs-Dehnungs-Hysterese mit drei Teilhysteresen
entspricht, von denen zwei im elastischen Bereich bleiben und die dritte auch
plastische Verformungen beinhaltet. Die Änderung der Belastung von A nach B
bedeutet elastische und plastische Verformungen, während die Entlastung von B
nach C im elastischen Bereich bleibt. Der nächste Belastungsschritt von C nach D
überschreitet die bisherige Dehnung bei B, so daß wiederum elastische (von C nach
B) und plastische (von B nach D) Verformungen auftreten. Die Entlastung von D
nach E führt zur selben Dehnung wie bei C; allerdings ist die Spannung wegen der
inzwischen aufgetretenen plastischen Verformung unterschiedlich. Nach einer
betragsmäßig geringen Relaxation nimmt die Dehnung wieder den Wert D an und
schließt damit die Teilhysterese DED.

Schließlich erreicht die Hysterese den Ausgangspunkt A mit einem Umweg über die
elastische Teilhysterese FGF. Die gesamte Hysterese kann dann in Abschnitte unter-
teilt werden, ADA und DED mit elastischer und plastischer Verformung sowie zwei
Teile BCB und FGF mit ausschließlich elastischer Verformung. Die einzelnen Teile
werden anhand ihres Spannungsmittelwertes und -ausschlags bestimmten Gruppen
zugeordnet. Für jede Gruppe bzw. jede Teilhysterese kann über die Kurve konstan-
ter Lebensdauer die entsprechende a-N-Kurve gefunden werden. Die Anzahl der
Lastspiele für sämtliche Gruppen werden mit Hilfe der Palmgren-Miner-Regel
aufsummiert und die Lebensdauer kann in der Form der Anzahl der Durchläufe
durch die gegebene Belastungsgeschichte angegeben werden.

S'I'EPEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E2217


Ermüdung von Holzwerkstoffen für Windturbinenblätter
Neuere Untersuchungen zur Ermüdung von Holz wurden durch die Planung von
Windturbinenblättem aus LVL mit Durchmessern von bis zu 45 rn vorangetrieben
(Ansell et al., 1991). Diese Arbeiten umfaßten die Untersuchung verschiedener
Holzarten sowie das Verhalten von Verbindungen (Bonfield et al., 1992). Auch die
Probleme bei der Verwendung von Holzwerkstoffen in vor der Küste gelegenen
Windenergieanlagen wurden angesprochen (Bond und Ansell, 1993).

Schädigungenund Eigenschaftsveränderungenim Holz durch Ermüdung


Durch Ermüdungsbeanspruchung verursachte Schäden in der Mikrostruktur von
Sitkafichtenholz konnten von Tsai und Ansell (1990) für Biegebeanspruchung nach-
gewiesen werden. Auf der Biegedruckseite wird die Schädigung durch das Beulen
der doppelten Tracheidenwand der Nadelholzzellen eingeleitet, das durch polarisier-
tes Licht unter dem Mikroskop beobachtet werden kann. Wird die Ermüdungsbean-
spruchung fortgesetzt, erscheinen diagonal angeordnete Bereiche mit ausgebeulten
Wänden über viele benachbarte Zellen hin, bis die Zellen selbst ausbeulen und
sichtbare Druckfalten im Biegedruckbereich enstehen. Die Nullinie des Balkens
verschiebt sich daraufhin in Richtung der Biegezugzone. Dadurch werden die
Biegezugspannungen erhöht und das Versagen wird durch einen Biegezugbruch
abgeschlossen. Hacker et al. (1994) berichten über Veränderungen mechanischer
Eigenschaften als Folge von Ermüdungsbeanspruchungen bei Schwell- und
Wechselversuchen. Veränderungen des dynamischen Elastizitätsmoduls, der Fläche
in den Hystereseschleifen, der Kriechdehnung sowie des Ermüdungsmoduls werden
beschrieben.

Literatur
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Tsai, K.T. and Ansell, M.P., "The fatigue properties of wood in flexure". J. Mat. Sci., 22, 865-878,
1990.

Wöhler, A. (1866). Versuche über die relative Festigkeit von Eisen, Stahl und Kupfer. Zeitschrift für
das Bauwesen 16(1):67-84.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Stützwände, Schallschutzwände und
Leitplanken
STJZP~ 2 3 Inhalt
Englischer Onginalbeitrag: Der Beitrag behandelt Stützwände zur Aufnahme des Erddrucks, Schallschutz-
C. Short wände und Leitplanken entlang von Straßen. Die drei unterschiedlichen Kon-
Beratender Ingenieur struktionen weisen Gemeinsamkeiten hinsichtlich der Bemessung der wesentli-
chen Vertikaltragglieder auf, wenn auch mit verschiedenen Anforderungen
bezüglich der Umgebung und Funktion. Die geschichtliche Entstehung dieser
Konstruktionen wird beschrieben und die Grundlagen der Bemessung vorgestellt.
Grenzzustände der Tragfähigkeit und Gebrauchstauglich-keit werden definiert
und Bemessungswerte für Einwirkungen und die sich daraus ergebenden Last-
fälle werden abgeleitet. Eine Betrachtung der Bemessungsmethoden für Bauteile
sowohl aus Schnittholz als auch aus Rundholz schließt sich an. Fragen der
Dauerhaftigkeit und konstruktiven Ausbildung von Stützwänden und Schutzein-
richtungen gegen Schall und Fahrzeug-aufprall werden diskutiert.

Stützwände
Stützwände aus Holz gibt es hauptsächlich in zwei Bauformen, entweder als
Wand aus Pfählen und Bohlen oder als Raumgitter-Stützwand.

Abb. 1 Einfache Spundwand aus Holzpfählen mit Ausschnitt des abgestützten


Erdreichs.

Pfähle und Bohlen


Der Wandtyp mit Pfählen und Bohlen (siehe Abb. 1 und 2) ist vielleicht die
älteste Form von Stützwänden, die aus der Wand mit kontinuierlich aneinander-
gereihten Pfählen mit Kreis- oder Rechteckquerschnitt entstanden sein mag. Die
erforderliche Standsicherheit wird iiber die Eindringtiefe in den Boden erreicht,
indem im Untergrund der passive Erddruck aktiviert wird.

Abb. 2 Draufsicht auf eine Stützwand mit Pfählen und Bohlen.

In einer späteren Entwicklung wurden die vertikalen Elemente mit Abständen


zueinander eingebaut und die Lücken mit horizontalen Elementen kleineren
Querschnitts gefüllt. Bei dieser Anordnung wird das Erdreich hinter der Wand
von den horizontalen Bauteilen, die sich von Pfahl zu Pfahl spannen, gestützt.

STEPIELROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett PIogramms E2311


Diese Bauweise ist heutzutage bei den Baugrubenverbauungen häufig anm-
treffen, wobei die horizontal verlaufenden Rundhölzer durch Schnitthölzer ersetzt
werden. In manchen Fällen werden die Pfähle nicht tief in den Untergrund
gerammt, sondern abgestützt oder verstrebt (siehe Abb. 3).

Abb. 3 Schnitt durch eine Baugrube mit ausgesteifter Stützwand (man beachte die
verringerte Eindringtiefe). ( U )Bohlen, (b) Pfahl, ( C ) Aussteifung.

Die Bemessung von Stützwänden für Erdreich oder Schüttgüter beginnt mit der
Ermittlung des aktiven Erddrucks auf die Wand. In manchen Fällen muß auch
die Versagensart Grundbruch untersucht werden. Anschließend erfolgt die eigent-
liche Bemessung der horizontalen und vertikalen Holzbauteile.

Zunächst ist die Frage der Dauerhaftigkeit zu klären. Die Holzart ist hinsichtlich
der angestrebten Lebensdauer der Konstruktion und der Eignung des Holzes zum
Eintreiben in den vorhandenen Baugrund auszuwählen. Es kann vorteilhaft sein,
für Pfahl und Bohlen unterschiedliche Holzarten zu verwenden. Der F'fahl muß
die Kräfte beim Einrammen aufnehmen können. In manchen Fällen empfiehlt es
sich, die Pfahlspitze mit einem Stahlschuh zu versehen und meistens ist eine
Stahlkappe arn Pfahlkopf erforderlich, um den Pfahl während des Einrarnrnens
zu schützen. Die Dauerhaftigkeit ist für Pfahl und Bohle gleichermaßen von
Bedeutung.

Abb. 4 Erddruckverteilung und resultierende Kräfte fur eine Stützwand. F, ist der
aktive Erddruck und F, der passive Erddruck.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Der aktive Erddruck auf die Wand wächst mit zunehmender Tiefe an (siehe Abb.
4). Häufig wird der reine Erddruck und hydrostatische Druck noch vergrößert
durch zusätzliche Lasten, die von Fahrzeuglasten, Anstieg des Geländes ausge-
hend vom Wandkopf und von Gebäudefundamenten nahe der Stützwand
herrühren können.

Wenn die Verteilung des aktiven Erddrucks auf die Wand festliegt, kann man
die Bohlen nach einfachen statischen Methoden bemessen. Reibung zwischen
den Bohlen und dem Erdreich kann vertikale Kräfte auf die Bohlen ausüben.
Dies ist zu überprüfen, damit eine ausreichende Tragfähigkeit an den Auflagern
der Bohlen sichergestellt ist. Es ist nachzuweisen, daß die vorhandenen
Spannungen infolge Biegung, Schub, Auflagerreaktionen und Druck die Bemes-
sungswerte der Holzfestigkeiten in der Nutzungsklasse 3 (hoher Feuchtegehalt)
und in der Klasse der Lasteinwirkungsdauer der einzelnen Lastkombinationen
nicht überschreitet. Die Pfahle nehmen die Lasten aus den Bohlen auf, wobei ein
vertikaler, unten eingespannter und oben frei beweglicher Kragträger zugrunde-
gelegt wird.

Bernessungsbeispiel
Stützwand mit Wandhöhe H = 3,O m
Wichte des Erdmaterials y = 18,O kN/m3
Innerer Reibungswinkel a = 35"
Verkehrslast von 5,O kN/m2 auf dem Gelände in Höhe der Wandkrone
Erddruckbeiwert k, = (1- sin a) l (1 + sin a) = 0,27
Festigkeitsklasse C24

Bohle
Erddruck auf die unterste Bohle:
aus Erdmaterial : kayH = 14,6 k~/m'
aus Auflast : k, 5,O = 1,35 kN/m2

aus Erdmaterial 4,28 1.35 5,78

aus Auflast 0,40 1,50 0,60

Gesamtlast auf Bohle 4,68 6,38

Tabelle 1 Maximale charakteristische Lasten und Bemessungslasten auf eine Bohle


mit der Breite b = 225 mm.

EC5: Teil 1-1: [Link] y, = 1,35 für ungünstige Auswirkung der ständigen Lasten
EC5: Teil 1-1: [Link] Y, =1,5 für ungünstige Auswirkung der veränderlichen Lasten

Gewählter Querschnitt
Bohlenbreite b =225mm
Bohlendicke h = 50 mm
Querschnittsfläche A =11200mm2
Flächenmoment [Link] I = 2,34 106mm4
Widerstandsmoment W =93,8-103mm3
EC5: Teil 1-1: 3.1.5 Nutzungsklasse 3
EC5: Teil 1-1: 3.1.6 Klasse der Lasteinwirkungsdauer : lang
EC5: Teil 1-1: 3.2.4 Modifikationsfaktor km, = 0,55

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EC5: Teil 1-1: 3.2.2 Höhenfaktor k, =1,25
Gesamtlast auf Bohle F, = 6,38 kN (siehe Tabelle 1)

Bemessungswert
der Querkraft V, = 3,2 kN
des Biegemoments M, = F , s / 8 = 1,04 k N m
EC5: Teil 1-1: [Link] Y. =

EC5: Teil 1-1: 2.4 Dauerhaftigkeit


Um eine lange Lebensdauer zu gewährleisten, sollte eine möglichst resistente
Holzart (siehe STEP Al4 oder A15) verwendet oder das Holz vor dem Einbau
mit einem chemischen Holzschutzmittel behandelt werden.

Grenzzustand der Tragfähigkeit


EC5: Teil 1-1: 5.1.6 Einachsige Biegung = 1,04 k N m
Gm,, = Mo,, / W = 11,l N/mm2
EC5: Teil 1-1: [Link] fm,d = km, f,,, k,, l yM= 12,7 ~ / m m '
m , f m , = 0,87 < 1
EC5: Teil 1-1: 5.1.7 T, = 1,5 V, / A = 0,43 N/mm2
L,, = L,, kmodl yM= 1,06 N/mm2
T, 1f,,, = 0,43 < 1

Pfahl
Die Einwirkungen auf den Pfahl infolge des Erddrucks sind in Tabelle 2
zusamrnengefaBt.

aus Erdmaterial 28,5 1,35 383 1 383


aus Auflast 5,28 1,50 7,93 1,5 11,9
Erddmck auf Pfahl 33,8

Tabelle 2 Einwirkungen auf den Pfahl.

Pfahlabstand s = 1,3 m ; H = 3,00 m ;


Als statisches System für den Pfahl wird ein unten eingespannter und oben frei
beweglicher Kragträger angenommen.

Gewählter Querschnitt
Breite b =300mm
Höhe h = 350 m m
Querschnittsfläche A = 105000 mm2
Flächenmoment 2. Grades I = 1,07 . 10' mm4
Widerstandsmoment W =6,13 1o6mm3
EC5: Teil 1-1: 3.1.5 Nutzungsklasse 3
EC5: Teil 1-1: 3.1.6 Klasse der Lasteinwirkungsdauer : lang
EC5: Teil 1-1: 3.2.4 Modifikationsfaktor km, = 0,55
EC5: Teil 1-1: 3.2.2 Höhenfaktor k, = 1,O
Gesamtlast auf Pfahl F, = 46,4 kN
Bemessungswert der Querkraft V, = 46,4 kN
Bemessungswert des Biegemomentes Mo,, = 50,4 k N m
EC5: Teil 1-1: [Link] YM =1,3

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Grenzzustand der Tragfähigkeit
EC5: Teil 1-1: 5.1.6 Einachsige Biegung M~,d = 50,4 kNm
Om,d = Mo,JW= 8,23 N/mm2
EC5: Teil 1-1: [Link] fm,d = kmodfm, k$yM = 10,l N/mm2
0 ,1 f , = 0981 1

EC5: Teil 1-1: 5.2.2 Horizontale Stabilität in z-Richtung ist durch Reibungskräfte zwischen den
Bohlen und dem Pfahl gewährleistet, während sie in y-Richtung überprüft
werden sollte.

EC5: Teil 1-1: 5.1.7

Raumgitter-Stützwand

Abb. 5 Querschnitt einer typischen Raumgitter-Stützwand.

Eine Raumgitter-Stützwand (siehe Abb. 5) wird aus aufeinandergestapelten


Rahmen hergestellt, die aus Kopf- und Zerrbalken bestehen und mit
entsprechend zerkleinertem Felsmaterial oder Steinen gefüllt werden. Die
Holzbalken greifen mit einfachen Ausklinkungen ineinander. In den Verbin-
dungen sind Zugkräfte aufzunehmen, die durch den Horizontaldruck der
Steinfüllung, die sich entsprechend ihrem Winkel der inneren Reibung auszu-
breiten versucht, erzeugt wird.

Ein Teil der Last aus dem Steingewicht wird zwar auf die eingebetteten Hölzer
abgegeben, die einzelnen Holzelemente werden aber als zugbeanspruchte Stäbe
mit den für Nutzungsklasse 3 maßgebenden Faktoren nachgewiesen.

Leitplanken
Leitplanken werden insbesondere dafür verwendet, Fahrbahnen mit entgegenge-
setzten Fahrtrichtungen voneinander zu trennen oder Fußgängerwege von der
Fahrstraße abzutrennen. Diese Leitplanken bestehen a u s profilierten, durchlau-
fenden Stahlschienen, die in Stoßstangenhöhe der Fahrzeuge an vertikale Stahl-
oder Holzpfosten befestigt werden (siehe Abb. 6). Die Pfosten werden in den
Boden eingerammt oder eingegraben. Die in den Verkehrsrichtlinien (Transport
Research Laboratory, 1991) festgelegte Höhe soll die Gefahr, daß sich das
Fahrzeug beim Aufprall überschlägt, verringern.

STEPEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E2315


Die Leitplanken sind nicht so dimensioniert, daß sie Fahrzeuge beim Aufprall
abrupt aufhalten, sondern die Fahrzeuggeschwindigkeit zunächst durch Umwand-
lung der kinetischen Energie des aufprallenden Fahrzeugs verlangsamen oder das
Fahrzeug wieder in die ursprüngliche Fahrtrichtung umlenken.

Die Kräfte, die beim Abbremsen eines Fahrzeuges frei werden, hängen von der
Anfangsgeschwindigkeit und der erzwungenen Verzögerung ab. Bei zu steifer
Konstruktion ist die Verzögerung zu groß und die Verletzungsgefahr für die
Fahrzeuginsassen wird sehr hoch. Ist die Konstruktion zu weich, wird das
Fahrzeug erst nach großen Verformungswegen in den Bereichen zum Stillstand
kommen, die durch die Leitplanken geschützt werden sollten.

Abb. 6 Leitplanke im Querschnitt.

Auf der Grundlage von Versuchsergebnissen wird in einer Veröffentlichung des


Transport Research Laboratory (1991) gefordert, daß die Pfosten so zu
dimensionieren sind, daß sie folgende Bedingung erfüllen:

"Die 600 mm über der Straßenoberkante oder der endgültigen Geländeoberkante


(das höher liegende Niveau ist maßgebend) angreifende Anprallast erzeugt ein
Biegemoment von 9000 Nm, das vom Pfosten aufzunehmen ist, ohne die
Verformung von 150 mm zu überschreiten".

Die Bemessung hat für den außergewöhnlichen Lastfall Fahrzeuganprall zu


erfolgen, und somit sollten Faktoren, die die Anprallast und die Festigkeiten bei
Stoßbelastung beeinflussen, in der Berechnung berücksichtigt werden.

Die Leitplankenauflager (Pfosten) können als Kragträger für ein Bemessungs-


moment von 9 N m und entsprechender Querkraft dimensioniert werden. Beide
Bemessungswerte dieser Schnittgrößen treten an der Stelle auf, an der der Pfahl
in den Boden oder den Beton des Fundaments einbindet.

Grundstücksabgrenzungen, Zäune und Schallschutzwände


Einzäunungen in unterschiedlichen Ausführungen werden in ähnlicher Weise wie
die nachfolgend beschriebenen Schallschutzwände bemessen. Das Eigengewicht
des Wandaufbaus ist im allgemeinen vernachlässigbar gegenüber den maßgeben-
den Windlasten. Schallschutzwände haben die Aufgabe, Bereiche mit hoher
Schallemission gegen Bereiche abzuschotten, die vor Lärm geschützt werden
sollen. Sie sind entlang von Start- und Landebahnen für Flugzeuge, Straßen und
von Gebieten mit schallemittierenden Industrieanlagen vorzusehen.

STEP/EUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Die Wände sind so zu bauen, daß sie die Schallwellen entweder nach oben
ablenken oder die Schallenergie absorbieren. Dabei sind Auflager aus Holz
immer vertikale Tragelemente, die, im Betonfundament verankert, die Lasten in
den Boden einleiten. Die zu berücksichtigenden Einwirkungen sind das Eigenge-
wicht des schallschluckenden Materials in der Wand und der schallreflektie-
renden Wandaufsätze, sowie die Windkräfte, die auf die Wandflächen einwirken.
Im allgemeinen wird das Eigengewicht direkt über Streifenfundamente in den
Untergrund abgeleitet. Die Stabilität des Wandmaterials wird durch Tragglieder
erreicht, die auftretende Zugkräfte aufnehmen.

Abb. 7 Querschnitt einer Schallschutzwand.

Die Bemessung der vertikalen, auskragenden Teile der Schallschutzwand


beschränkt sich daher auf die Einwirkungen aus dem Eigengewicht der Tragrah-
men, die Verformung eventuell vorhandener, schallreflektierender Wandaufsätze
sowie aus den Windkraften.

siehe auch NAD Nationale Normen (BS 6399, 1995 und Building Regulations, 1991) können
benutzt werden bis der ECl veröffentlicht sein wird. Die entstehenden Wind-
kräfte nehmen mit dem Quadrat der Windgeschwindigkeit zu, wobei Korrektur-
werte für die Rauhigkeit des Geländes, Höhe und Verhältnis der Höhe zur Länge
der Wand und die vorgesehene Nutzungsdauer anzubringen sind. Der resultieren-
de Winddruck in kN/m2 bezieht sich auf die horizontale Projektion der Wandan-
sichtsfläche auf eine vertikale Ebene.

Aus dem Winddruck können die Windkräfte ermittelt werden und damit die
Bemessungswerte für das Biegemoment und die zugehörige Querkraft. Die
vertikalen Holztragglieder können dann nach EC5 bemessen werden.

Die Gesamtstabilität der Wand und ihre Gründung ist nachzuweisen, damit
ausreichende Sicherheit gegen Kippen und Gleiten eingehalten werden.

Literatur
Transport Research Laboratory (1991). Highway Construction Details: Part 3: Detail PTElO Test
Procedure for 125 X 90 'Z' section steel and 150 X 150 Timber posts. Her Majesty's Stationery
Office, United Kingdom.

BS 6399 (1995). Loading for Buildings, Part 2, Code practice for Wind Loading, British Standards
Institution, London, United Kingdom.

Building Regulations (1991). Part A, Wind Speed Map, Published by Department of the
Environment, Dublin, Ireland.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E2317


Leitunesmasten

STEP ~ 2 4 Inhalt
Englischer Originalbeitrag: Der Beitrag liefert allgemeine Hintergrundinformationen über Leitungsma-
K.H. Solli sten aus Holz und behandelt Bauweisen, Holzschutzmaßnahmen, Einwirkungen
The Nowegian Institute und die verschiedenen Funktionen der Masten und ihrer Griindung.
of Wood Technology
Einleitung
Sowohl Strom- als auch Telegrafen- und Telefonleitungen wurden früher norma-
lerweise als Freileitungen oberirdisch geführt. Dazu wurden in den meisten
Fällen Rundholzmasten verwendet, die mit unterschiedlichen Holzschutzmitteln
wie 2.B. Teeröl behandelt wurden. In den letzten Jahrzehnten kamen Brett-
schichtholzquerschnitte, sogar für Hochspannungsleitungen, zum Einsatz.

Es gibt viele Gründe, die für die Wahl einer Holzkonstmktion für diesen Zweck
sprechen. Eine Hochspannungsleitung paßt sich schlecht in die Landschaft ein,
insbesondere wenn sie unberührte Naturlandschaften durchschneidet. Werden die
Masten aus dem natürlichen Baustoff Holz hergestellt, dürfte sich die Akzeptanz
der Leitungen für viele Menschen erhöhen. Darüberhinaus eröffnet der Baustoff
Holz dem Tragwerksplaner großen Spielraum bei der Forrnfindung der Konstruk-
tion. Die Wahrscheinlichkeit, zu einem akzeptablen Entwurf zu kommen, ist
relativ hoch.

Holzkonstruktionen bieten auch Vorteile 2.B. beim Transport mit Hubschrau-


bern. Brettschichtholzmasten mit Hohlquerschnitt haben eine um 30 bis 40%
geringere Eigenlast als Rundholzmasten mit derselben Tragfähigkeit.

Schließlich stellt der hohe elektrische Widerstand des Holzes mit geringem
Feuchtegehalt einen deutlichen Vorteil im Vergleich mit den verschiedenen
Konstruktionen aus Metallen dar.

Bauweisen

Rundholzrnasten
Rundhölzer aus Kiefernholz waren die gebräuchlichste Bauart von
Leitungsmasten, für die man hohe Bäume mit Längen von 20 m oder mehr und
einem Zopfdurchmesser von 150 bis 250 mm verwendet hat. Die lieferbare
Länge von Masten wird vor allem durch folgende Faktoren begrenzt:
- Länge der Bäume
- Länge der Druckkessel für die Holzimprägniening
- Transportlänge beim Lkw- oder Bahntransport.

Brettschichtholzmasten
Brettschichtholzmasten können mit verschiedenen Vollquerschnitten oder
Hohlquerschnitten hergestellt werden. In Abb. 1 sind einige Querschnittstypen
von Brettschichtholzmasten zusammengestellt.

STEP/EUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E2411


Abb. I Beispiele fur Querschnitte von Brettschichtholzmasten.

Holzschutzmaßnahmen

Rundholzmasten
Die Masten werden entweder mit Teerölen oder mit wasserlöslichen Holzschutz-
mitteln imprägniert. Wie auch bei der Imprägnierung anderer Holzprodukte muß
der Feuchtegehalt der Masten vor Beginn der Imprägnierung unter dem Fasersät-
tigungspunkt liegen. Zur Vermeidung von Gefahren für Gesundheit und Umwelt
sind die Masten während der Fixierung der wasserlöslichen Mittel witterungsge-
schützt zu lagern. In einigen Ländern bestehen Anwendungsbeschränkungen für
Holz, das mit Teeröl und einigen wasserlöslichen Mitteln imprägniert ist.

Brettschichtholzmasten
Brettschichtholz kann nach zwei Verfahren imprägniert werden, wobei beide
Methoden bestimmte Probleme mit sich bringen.

Beim einen Verfahren werden die Lamellen vor dem Verleimen imprägniert.
Diese Methode ist auf wasserlösliche Holzschutzmittel beschränkt, da mit öligen
Mitteln imprägnierte Lamellen nicht verleimt werden können. Für eine tragfähige
Verleimung ist es erforderlich, die Lamellenoberfiäche zu hobeln. Dadurch
werden die äußeren Schichten mit hohem Holzschutzmittelgehalt entfernt und es
wird häufig ungeschütztes Kernholz freigelegt. Zusätzlich werden Brettschicht-
holzträger nach der Verleimung häufig gehobelt, um exakte Abmessungen und
glatte Oberflächen zu erreichen, wodurch weitere holzschutzmittelhaltige Rand-
Zonen entfernt und die Dauerhaftigkeit gegen Pilzbefall weiter reduziert werden.

Die andere Methode besteht in der Druckimprägnierung des verleimten Bauteils.


Ein begrenzender Faktor bei dieser Methode ist die Größe der verfügbaren
Druckzylinder. Weiterhin besteht die Gefahr, daß das Eindringen des Holzschutz-
mittels durch Kernholzbereiche an den Rändern der Larnellenquerschnitte
behindert wird. Wasserlösliche Holzschutzmittel können nicht eingesetzt werden,
weil die starken Quellverformungen während des Imprägniervorgangs und der
entsprechenden Schwindung während der anschließenden Trocknungsphase die
Rißgefahr stark erhöhen. Ölige Mittel sind dagegen ideal, weil infolge der
Öltemperatur die Leimfugen nachhärten und somit eine höhere Festigkeit und
Wasserbeständigkeit erreichen.

STEP/EUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Einwirkungen
Während der Entwurf von Leitungsmasten für Telefonleitungen und ähnliche
Anwendungen nach Erfahrungswerten und mittels Regelausführungen vorge-
nommen wird, sind die Masten von Hochspannungsleitungen wie nonnale
tragende Bauteile zu entwerfen und zu bemessen. Dabei sind die tatsächlich
auftretenden Einwirkungen und Lastkombinationen zu berücksichtigen und auch
die Umweltbedingungen zu beachten, [Link] auf die Konstruktion einen Einfluß
ausüben können.

Die Einwirkungen werden in drei Hauptgruppen eingeteilt:


- vertikale Einwirkungen (siehe Abb. 2a),
- horizontale Einwirkungen rechtwinklig zur Leitungsrichtung (siehe Abb.
2b),
- horizontale Einwirkungen parallel zur Leitungsrichtung (siehe Abb. 2c).

Abb. 2 Die drei Einwirkungsarten bei Leitungsmasten.

Vertikale Einwirkungen
Zu den vertikalen Einwirkungen zählen die ständigen Einwirkungen der verschie-
denen Teile der Konstruktion und der Leitungen. Zum überwiegenden Teil
dürften in Europa die Schnee- und Eislasten auf den Leitungen die maßgeblichen
vertikalen Einwirkungen darstellen. Dabei ist zu berücksichtigen, daß entspre-
chend Abb. 3a, b und C die vertikalen Einwirkungen symmetrisch oder unsym-
metrisch auftreten können.

Abb. 3 Vertikale Einwirkungen. Beispiele fur symmetrische und unsymmetrische


Einwirkungen.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E2413


Horizontale Einwirkungen rechtwinklig zur Leitungsrichtung
Horizontale Einwirkungen rechtwinklig zur Leitungsrichtung rühren hauptsäch-
lich von Windlasten auf die Masten und die Leitungen her. Vor allem im Winter
können die Windlasten beträchtliche Werte annehmen, wenn die Leitungen mit
dicken Eis- und Schneeschichten bedeckt sind.

Horizontale Einwirkungen parallel zur Leitungsrichtung


Horizontale Einwirkungen parallel zur Leitungsrichtung entstehen durch unter-
schiedliche Zugkrafte in der Leitung. Solche Unterschiede treten auf, wenn z.B.
Schnee und Eis auf der Leitung nur in einem an den Mast angrenzenden Feld
herabfallt oder wenn die Leitung auf einer Seite des Mastes bricht. Wie im Falle
der vertikalen Einwirkungen sind auch bei den horizontalen Einwirkungen
parallel zur Leitungsnchtung sowohl symmetrische als auch unsymmetrische
Lastkombinationen zu berücksichtigen, siehe Abb. 4.

Abb. 4 Horizontale Einwirkungen parallel zur Leitungsrichtung. Beispiele für (U)


symmetrische und (b) unsymmetrische Lastanordnung.

Bei einer unsymmetrischen Einwirkung nach Abb. 4b ist es wichtig, die


Torsionsbeanspruchung des Mastes zu berücksichtigen.

Die Anteile aus den drei Hauptgruppen der Einwirkungen sind in Abhängigkeit
von verschiedenen Bedingungen auf unterschiedliche Weise zu kombinieren. Die
Leitungstrasse an einem steilen Hang hat z.B. zur Folge, daß die Einwirkungen
parallel zur Leitungsrichtung einen höheren Beitrag zu den vertikalen Einwir-
kungen liefern als bei einer Leitungstrasse auf flachem Gelände.

Die Funktionen der Masten


In einer Leitungstrasse gibt es Standardmasten und Masten mit speziellen
Funktionen. Die Hauptfunktion der Standardmasten besteht in der Aufnahme der
Eigenlasten der Leitungen und der Masten selbst sowie der natürlichen
Einwirkungen Schnee und Wind.

Zusätzlich zu den Standardmasten sind in einer Leitungstrasse verschiedene


Spezialmasten erforderlich. Zu den wichtigsten Spezialmasten gehören Masten,
die bei einer Richtungsänderung der Leitungstrasse benötigt werden. Die Zug-
kräfte in den Leitungen verlaufen nicht parallel, sondern bilden an diesen Masten
einen Winkel zueinander. Die Resultierende weist somit in eine Richtung, die
von der Richtung bei Standardmasten abweicht. Für die Bemessung dieser
Spezialmasten sind diese seitlichen Einwirkungen und das Stabilitätsverhalten
von Bedeutung.

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Abb. 5 ( U ) Horizontale Einwirkungen parallel zur Leitungsrichtung bei einer
Richtungsänderung der Leitungstrasse. (6) Beispiel fur die Mastausfuhrung
zur Aufnahme der seitlichen Einwirkung.

Versagt an irgendeiner Stelle das Leitungskabel, dann wird eine stoßartige


Lasteinwirkung verursacht. Dies hätte dieselbe Kettenreaktion wie bei einer
Reihe Dominosteine zur Folge. Um das Versagen zu vieler Masten durch diese
Kettenreaktion zu vermeiden, muß man zahlreiche, speziell ausgeführte Masten
in der Leitungstrasse anordnen. Diese Spezialmasten sind für die Aufnahme der
auftretenden Stoßlast zu bemessen, siehe Abb. 6.

Abb. 6 Beispiel fUr einen Spezialmast zur Aufnahme von Stoßlasten parallel zur
Leitungstrasse.

Gründungen
Die Gründung von Holzmasten, die normalerweise als im Baugrund eingespannt
betrachtet werden, hängt von den Baugrundverhältnissen ab. Der im Baugrund
eingespannte Holzmast ermöglicht große Einsparungen gegenüber den aufwendi-
gen Gründungen für andere Bauwerksarten. Bei der Bemessung der Gründung ist
insbesondere auf die Querkrafte zu achten, siehe Abb. 7. Das statische Modell
der Gründung muß in jedem Einzelfall in Übereinstimmung mit der tatsächlichen
Gründungsmethode festgelegt werden.

Lastkombinationen mit abhebenden Einwirkungen auf den Mast können auftreten


und sind besonders zu beachten.

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Abb. 7 Beispiel fur Momenten- und Querkraftverlauf in der Gründung.

Horizontale Aussteifung
Hauptbestandteil der Tragstruktur sind normalerweise ein vertikales Element oder
auch mehrere, die im Fundament eingespannt sind. Da viele Einwirkungen hori-
zontale Komponenten aufweisen, ist eine horizontale Aussteifung erforderlich,
um Ausbiegungen und Stabilitätsversagen zu vermeiden. Durch Holz- oder Stahl-
diagonalen oder durch Seilabspannungen kann diese Aussteifung realisiert
werden. Die Aussteifungskonstruktion sollte auch zur Aufnahme von Torsionsbe-
anspruchungen dienen, die bei unsymmetrischen Einwirkungen auftreten können.

Entwurf und Bemessung


Bei der Tragwerksplanung sind alle Teile des Leitungsmastes für die ungün-
stigste Einwirkungskombination nachzuweisen. Da diese Kombination in einer
Leitungstrasse oft von Mast zu Mast verschieden ist, muß normalerweise jedes
Bauteil für sich untersucht werden.

Wichtige Schritte der Tragwerksplanung sind:

Haupttragwerk
Das Haupttragwerk muß für Biegung, Knicken, Querkräfte und Torsion
nachgewiesen werden. Unsymmetrische Einwirkungen wirken sich hinsichtlich
Torsion bei Einzelmasten anders aus als bei Ausführungen mit zwei Masten.

Gründung
Die Gründung muß für Biegemomente und Querkräfte nachgewiesen werden.
Wenn ,die Bauteile in den Baugrund einbinden, ist beim Nachweis ein Pilzbefall
mit zu berücksichtigen, auch wenn das Holz mit Holzschutzmitteln behandelt
wurde. Bei einem Fundamentanschluß mit mechanischen Verbindungen sind die
Torsionseffekte des Haupttraggliedes zu berücksichtigen. Der Feuchtegehalt im
Holz ist in diesem Bereich meist sehr hoch.

Mechanische Verbindungen
Alle Verbindungsmittel und Verbindungen sind für die auftretenden Lastkombi-
nationen nachzuweisen. Hohe Feuchte und der Einfluß von Umweltver-
schmutzung (z.B. saurer Regen) können Korrosion der mechanischen Verbin-
dungsmittel verursachen. In den vorgebohrten Löchern für die Verbindungsmittel
ist oft unbehandeltes Kernholz der Gefährdung durch Pilzbefall ausgesetzt. Alle
Anschlußdetails der Aufhängepunkte für die Leitungen müssen auch im Hinblick
auf den konstruktiven Holzschutz sorgfältig konstruiert werden.

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Querträger
Die Querträger sind für die auftretenden Lastkombinationen nachzuweisen. Die
Möglichkeiten von erhöhten Einwirkungen infolge unterschiedlicher Durchbie-
gungen des Haupttragwerkes, z.B. Auswirkung unsymmetrischer Lasten in einem
Doppelmast, sind zu untersuchen.

Aussteifung
Die Aussteifungskonstruktion ist im Nonnallfall für Längskräfte zu bemessen.
Für druckbeanspruchte Stäbe ist der Knicknachweis zu führen.

Transport und Montage


Besonderer Aufwand für Transport und Montage ist unter Umständen zu
beachten.

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Betonschalungen

STEP E25 Inhalt


Englischer Originalbeitrag: Der Beitrag beschreibt die Schalungstechnik. Die wesentlichen Komponenten
H. Hart1 jeder Schalung wie die Schalhaut, die Schalhautunterstützung und die in
Zivilingenieur für Unterstützungskonstniktion werden beschrieben. Der Einfluß verschiedener
Bauwesen Materialien auf die Betonoberfläche wird erklärt. Unterschiedliche System-
schalungen für Wände, rechteckige und runde Stützen und Decken werden
behandelt und ihre Verwendung in der Praxis beschrieben. Kletterschalungen als
eine besondere Ari der Schaltechnik werden auch erwähnt. Ein kurzer Ausblick
auf die Einsatzplanung mit Hilfe spezieller Computersoftware und die
Bemessung von Systemschalungen vervollständigen diesen Beitrag.

Einleitung
Im wesentlichen werden zwei Schalungsarten in der Praxis verwendet.
Konventionelle Schalung besteht aus der Schalhaut mit Schalhautunterstützung,
die aus Brettern oder Platten aufgebaut ist und der unterstützenden Konstruktion
aus Riegeln oder Jochen. Systemschalungen bestehen in der Regel aus
dreilagigem Sperrholz auf Quer- und Längsträgem und einer Unterstützungs-
konstruktion aus Deckenstützen und Teleskoprahmen. Aufgrund ihrer optimal
bemessenen Komponenten haben diese Systemschalungen in den meisten Fällen
eine so hohe Flexibilität erreicht, daß sie in vielen Fällen die konventionelle
Schalung ersetzt haben.

Schalungskomponenten
Die Hauptkomponenten einer Betonschaiung sind die Schalhaut mit der Schal-
hautunterstützung und die Unterstützungskonstruktion einschließlich ihrer
Aussteifung und Verankerungsglieder. Ebenfalls von Wichtigkeit ist ein Trenn-
mittel, bekannt als Schalöl, das ein Entfernen der Schalung erleichtert.

Schalhaut
Die Wahl der eingesetzten Schalhaut richtet sich nach den Anschaffungskosten,
der Lebensdauer, der Einsatzhäufigkeit mit der Entscheidung für oder gegen eine
Systemschalung, der Formbeständigkeit, der geplanten Oberflächenstruktur, den
Lohnkosten und den architektonischen Aspekten. Im folgenden werden die
gebräuchlichsten Materialien beschrieben.

Prinzipiell kann zwischen absorptiven und nicht absorptiven Schalhautober-


flächen unterschieden werden. Absorptive Schalhaut mit rauher Oberfläche
entzieht dem Frischbeton ein Teil des Wassers und führt somit zu einer
durikieren Graufärbung der fertigen Betonoberfläche. Dieser Effekt ist sehr
wichtig bei Sichtbeton.

Holz als Schalungsrnateriai ist preisgünstig, einfach zu handhaben, elastisch und


.weist ausreichende Festigkeit auf. Wird die Oberfläche mit Kunstharz vergütet
bietet es auch den Vorteil des einfachen Ausschalens, der leichten Reinigung und
einer langen Lebensdauer. Bretter werden verwendet für P&- und Flickschalung,
bei optisch untergeordneten Betonobefflächen, bei stark gegliederten Flächen, bei
geringer Einsatzhäufigkeit oder als Sparschalung. Andererseits ist es in einigen
Fällen erwünscht, auf der Betonoberfläche die Textur des Holzes zu zeigen. Der

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Nachteil bei der Verwendung von Brettern ist der hohe Verschnitt und die hohen
Lohnkosten. Durch Feuchteänderungen treten Verformungen auf, so 2.B.
Brettverwerfungen und Fugen zwischen den einzelnen Brettern, wodurch Grate
auf der Betonoberfläche entstehen. Trockene Bretter entziehen dem Frischbeton
Wasser, das zur Hydration des Zements benötigt wird. Eine mittlere Holzfeuchte
von etwa 14 bis 18 % wird deshalb für die Schalhaut empfohlen.

Sägerauhe Bretter erzeugen eine "lebendige" Betonoberfläche, da nicht nur die


Umrisse der Bretter sondern auch ihre Textur zu sehen sind. Neue Bretter
enthalten einen hohen Anteil an Gerbsäure, das durch kalken neutralisiert werden
muß. Sägerauhe Bretter werden etwa vier bis fünfmal für Betonoberflächen im
Hochbau verwendet. Gehobelte Bretter für Sichtbeton erzeugen nur die
Brettumrisse und damit eine neutrale Oberfläche. In den meisten Fällen sind sie
nur auf einer Seite gehobelt, während die Rückseite mechanisch bearbeitet wird,
um die gleiche Dicke aller Bretter zu sichern. Sie können zwei bis dreimal
eingesetzt werden. Eine besondere Gefahr bei der Verwendung von gehobelten
Brettern besteht in der Bildung von Schaum, der schwer von der
Betonoberfläche zu entfernen ist.

Profilierte Bretter werden durch Behandlung der Oberflächen mit Sandstrahlen,


Bürsten oder in einigen Fällen durch Beflarnrnung hergestellt. Die Holztextur
zeigt sich dadurch sehr deutlich auf der Betonoberfläche. Profilierte Bretter
eignen sich daher für Sichtbeton. Es gibt einsatzfertige Bretter mit vergüteten
Oberflächen auf dem Markt. Profilierte Bretter sind wirtschaftlich, da sie 10 bis
15 mal verwendet werden können.

Um einzelne Bretter miteinander zu verbinden, wurden verschiedene


Verbindungen entwickelt (siehe Abb. I). Sie dienen dazu, die Oberfläche der
Schalhaut eben und dicht zu halten. Für Sichtbeton sind Spundungen
unumgänglich.

Abb. 1 Verbindungsmöglichkeiten. ( U ) Stumpfstoß ( b ) Wechseifalz ( C ) Nut und


Feder ( d ) Unterjkgte Keilspundung

Stumpfstöße sind der einfachste und am häufigsten verwendete Verbindungstyp.


Bei der Herstellung dieser Verbindungen muß der anisotrope Aufbau des Holzes
beachtet werden. Wenn die der Markröhre zugewandte Seite des Holzes dem
Beton zugewandt ist und der Feuchtegehalt angemessen ist, kann eine gute
Verbindung erreicht werden, da beim weiteren Quellen der Bretter sich die
Verbindung schließt. In anderen Fällen besteht die große Gefahr der Bildung von
Hohlräumen, da das Wasser/Zementgemisch durch die Verbindung austreten
kann. Im Falle der Wechselfalzverbindung können die Bretter ohne Zerstörung
entfernt werden, aber Unebenheiten auf der Betonoberfläche sind unvermeidbar.
Diese Art der Verbindung wird selten verwendet. Nut und Federverbindungen
können leicht beschädigt werden und daher ist der Materialverbrauch sehr hoch.

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Spezialverbindungen wie die untergefügte Keilspundung sind sehr effektiv. Sie
gewährleisten einen hohen Zusammenhalt der Bretter, keine Unebenheiten auf
der Betonoberfläche und die Möglichkeit des Ausschalens ohne Zerstörung der
Bretter.

In Schalungen werden Holzwerkstoffe oft als Schalhaut eingesetzt. Faserplatten


werden aus verholzten Fasern mit oder ohne Füllstoffe und Bindemittel
hergestellt. Bei entsprechend geringer Qualität werden sie nur einmal verwendet
und können im Bauwerk gelassen werden. Ihr Vorteil ist ein geringes
Eigengewicht und geringe Kosten. Faserplatten eignen sich für gekrümmte Ober-
flächen und auch für Sichtbeton. Weiche Holzfaserplatten haben keine statische
Funktion. Sie werden daher immer in Verbindung mit zusätzlicher Unter-
stiitzungkonstruktion, die aus Brettern mit einem Abstand von 50 bis 300 mm
aufgebaut ist, verwendet. In der Regel neigen Faserplatten zum Quellen. Sie
werden als verlorene Schalung für z.B. Rippendecken eingesetzt. Ölgehärtete
Faserplatten können mehrmals verwendet werden, wenn keine Forderungen an
die Qualität der fertigen Betonobefflächen gestellt werden.

Spanplatten werden durch Verpressen von kleinen Holzteilen mit Bindemittel


hergestellt. Ihre Oberfläche ist entweder rauh oder vergütet. Wegen ihrer
geringen Stabilität muß die Unterstützungskonstruktion entsprechend bemessen
werden. Es gibt keine spezielle Einschränkung in der Verwendung von Span-
platten aber mit ihrer Neigung zum Quellen, mit dem Resultat, daß sich die
Nagelköpfe auf der Betonobeffläche zeigen, muß gerechnet werden. Spanplatten
mit unbehandelten Obefflächen können etwa viermal, vergütete Platten etwa 12
mal verwendet werden.

Dreischicht-Schalungsplatten bestehen aus drei Lagen der gleichen Dicke, die auf
ihrer ganzen Oberfläche miteinander verleimt sind. Die Fasern der inneren Lage
verlaufen rechtwinklig zu den beiden äußeren Lagen. Sie sind als standardisierte
Schalungsplatten mit einer Breite von 500 mm erhältlich, in den meisten Fällen
mit einer mechanisch behandelten Oberfläche. Ihre Quell- und Schwindneigung
ist gering. Standardisierte Schalungsplatten können bis zu 40 mal eingesetzt
werden, Großflächensysteme bis zu 12 mal.

Bei Sperrholz muß zwischen Fumiersperrholz und Stabsperrholz (Tischlerplatten)


unterschieden werden. Stabsperrholz besteht aus mindestens drei Lagen. Die
mittlere Lage besteht aus nebeneinanderliegenden Holzstäben, die rechtwinklig
zu den Fasem der äußeren Lagen angeordnet sind. Die Stäbe müssen nicht
zusammengeleimt sein. Die äußeren Lagen bestehen aus ein oder zwei Furnieren.
Die äußeren Lagen werden auf die innere Lage geleimt, dünnere äußere Lagen
werden ebenfalls zusammengeleimt. Diese Plattenari kann vielfältig eingesetzt
werden. Fumiersperrholz wird aus mindestens drei Fumierlagen mit der Faser-
richtung der inneren Lage rechtwinklig zu den beiden äußeren Lagen hergestellt.
Sie sind in der Regel mit Kunstharz beschichtet. Für Vorsatzschalung beträgt die
Dicke 4 bis 12 mm, als selbsttragendes System 15 bis 30 mm. Sie können 10 bis
20 mal verwendet werden. Die Einsatzhäufigkeit wird nicht nur durch die Platte
selbst, sondern auch durch die Dicke der Beschichtung beeinflußt.

Hohlkastenschalungen (Tafelelemente) bestehen aus Vollholzrippen, die auf


beiden Seiten mit Vollholzbrettem oder Holzwerkstoffplatten, in den meisten
Fällen mit Sperrholz, beplankt sind (siehe Abb. 2). Ihr Vorteil liegt darin, daß
nur rechtwinklig zur Rippenrichtung eine Unterstützungskonstniktion benötigt
wird.

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Abb.2 Hohlkastenschalung (Tafelelement).

Kunststoffschalhaut ist relativ teuer. Sie ist flüssig oder als Strukturschalung
erhältlich. Gute Erfahrungen liegen mit glasfaserverstärktem Harz vor.

Stahlschalhaut wird für Spannbeton oder für große Einsatzhäufigkeiten


verwendet.

Trennmittel
Um das Ausschalten zu erleichtern, ist die Verwendung von Trennmitteln
notwendig. Trennmittel sind als Öle, Emulsionen, Wachse oder chemisch
wirkende Mittel erhältlich. Trennmittel sollten sehr dünn (2 bis 50 pm)
aufgetragen werden. Dickere Schichten führen zur Bildung von Flecken und
beeinflussen die Betonoberflächen. Manuelles Aufbringen der Trennmittel wird
daher nicht empfohlen. Das Rosten von Stahlschalungen kann nicht durch Trenn-
mittel verhindert werden. Für Sichtbeton ist es wichtig, nur einen Typ Trenn-
mittel zu verwenden.

Allgemeine Aufgaben eines Trennmittels sind: Bildung einer gleichmäßigen


Oberfläche und Färbung des Betons, keine Sedimentation, keine Bildung von
Poren, leichtes Ausschalen, um eine intakte Oberfläche zum Aufbringen von
Putz ohne weitere Behandlung zu gewährleisten und nicht zuletzt eine akzeptable
Umweltbelastung. Für Rohbetonschalung sind Öle oder chemisch wirkende
Mitteln den Emulsionen vorzuziehen. Wachse sollten nicht verwendet werden.
Für gehobelte Holzschalung gilt das gleiche, jedoch können auch Wachse
verwendet werden. Sperrholzschalung kann mit Öl, chemisch wirkenden Mittel
oder Wachsen behandelt werden. Für Kunststoff- und Stahlschalungen sind alle
Mittel außer Emulsionen geeignet.

Schalhautunterstützung
Trotz der Entwicklung spezieller I-Träger und Fachwerkträger hat das Kantholz
seine große Bedeutung im Schalungsbau dank seiner einfachen Handhabung und
Anpassungsfähigkeit behalten. Kanthölzer werden bei Systemschalungen in
Verbindung mit Schalungsträgem verwendet, meist aber bei unregelmäßigen
Flächen, Spezialkonstruktionen oder Brücken. Nachteile des Kantholzes sind
schwieriges Ausschalen,. Begrenzung der Länge, niedrige Einsatzhäufigkeit und
hoher Verschnitt.

Spezielle I-Träger und Fachwerkträger sind wegen ihres geringen Preises, ihrer
langen Lebensdauer, der geringen Unterhaltungskosten und ihrer Steifigkeit von
großer Bedeutung. Für Großfiächenwandschalungen sind Schalungsträger in
Kombination mit starken Schalungsankern sehr nützlich. Aus praktischen
Erwägungen werden Schalungsträger heutzutage nicht mehr überhöht hergestellt,
die Gurte sind also parallel. Die Länge der Schalungsträger kann bis 20 m
betragen.

Die Füllstäbe der Fachwerkträger werden mit den Gurten nur über kleine

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Abb. 4 Wandschalung ( a ) dreilagige Sperrholzschalhaut, (b) Schalungsträger, ( C )
Verbindung, (d) StoJgurt, ( e ) Querriegel.

Diese Entwicklung hat zu Normalschalungselementen geführt, die fertig montiert


geliefert werden. Die Rahmenschalung ist hierfür eine gutes Beispiel (Abb. 5).
Sie ist leicht genug, daß sie von Hand umgesetzt werden kann. Dieser
Schalungstyp stellt eine gute Synthese aus konventioneller Schalung und Groß-
flächenschalung dar.

Abb.5 Rahrnenschalungssystem.

Zu Systemschalungen gehören auch Verbindungselemente wie Eckstücke für


innen- und außenliegende Ecken, gelenkige Eckstücke für beliebige Winkel, Eck-
aussteifungplatten, Schnellverschlüsse, Riegel und stabilisierende Elemente, die
zweckmäßig konstruiert sind und durch die verschiedenen Hersteller geliefert
werden.

Parallel mit der Entwicklung der Systemschalungen wurden Schalungsanker mit


sehr hoher Tragfähigkeit entwickelt. Ihre Lage ist durch die Gurte und
Schalungsträger festgelegt. Ein Scl~alungsankerbesteht aus einer Ankerplatte,
dem Ankerverscflluß und dem Ankerstab und zusätzlich einem Abstandshalter.
Vor dem Betonieren müssen die Anker gegen den Abstandshalter vorgespannt

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Schalungen für Decken

Aufbau der Deckenschalung


Die Schalhaut besteht aus Brettern, Dreischichtplattgn oder Sperrholz. Die
horizontale Unterstützung besteht aus einem Rost aus Kanthölzern oder
Schalungsträgern. Früher wurden für die vertikale Unterstützungskonstniktion
Rundholzstützen eingesetzt. Diese sind nun weitgehend durch ausziehbare
Stützen ersetzt worden. Sind entsprechend große Ausfahröffnungen vorhanden
und ist eine genügend große Zahl von Einsätzen mit gleichen Abmessungen
möglich, werden die Schalhaut und die horizontalen und vertikalen Unter-
stützungskonstruktionen zu einem beweglichen Deckenschaltisch zusammen-
gefaßt.

Deckenschalungssysteme
In den letzten Jahren hat die Entwicklung von Deckenschalungssystemen zu
einer Abnahme der Bedeutung der konventionellen Deckenschalung gefuhrt. Die
Deckenschalung kann schrittweise aufgebaut werden. Zwei Männer sind in der
Lage, die ganze Schalung für große Flächen, unterstützt durch freistehende
faltbare Dreibeine zu errichten (siehe Abb. 8). Ein vertikal anpaßbarer
Stützenkopf kann befestigt werden, so daß es möglich ist, die Träger einige
Millimeter abzusenken, um die Schalhaut und die Längs- und Querträger zu
entfernen. Der Stützenkopf ist so konstruiert, daß entweder ein Träger, oder
durch Drehen des Kopfes um 90°,zwei sich überlappende Träger sicher gehalten
werden. Auf diese Weise ist, ohne Schalmaterial zu zerschneiden, eine stufenlose
Längsanpassung möglich. Einfache Stützen werden zwischen die Faltstützen
gestellt. Die Schalungsträger sind standardisierte I-Querschnitte. Durch ihr
geringes Eigengewicht können sie von einem Mann getragen werden. Ihre
Tragfähigkeit ist höher als die von vergleichbaren Kanthölzern. Um sofortige
Wiedervenvendung der einzelnen Komponenten ZLI gewährleisten, ist es
notwendig, die Gebrauchsdauer zu verkürzen. Da Beton zur Erreichung einer
ausreichenden Tragfähigkeit eine geraume Zeit benötigt, müssen die
Deckenstiltzen unter der Decke verbleiben, nachdem der größte Teil der
Schalkonstruktion entfernt wurde. Diese Deckenstützen werden unter Unter-
stützungsträger, die an die Schalhaut befestigt sind, gestellt. Der Rest der Schal-
konstruktion kann entfernt werden und für den nächsten Einsatz verwendet
werden. Dieses Deckensystem ist besonders bei kleinen Einsatzzahlen und bei
wechselnden Grundrissen wirtschaftlich.

Abb. 8 Deckenschalungssystem.

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Eine weitere wichtige Verwendungsmöglichkeit dieser Schalungssysteme besteht
darin, die Basiskomponenten - Schalhaut, Längs- und Querträger und Unter-
stützungskonstruktion - zu einer kompletten Einheit für wiederholte Einsätze
zusammenzufassen. Der obere Teil der Schalung - Schalhaut und Träger -
entspricht dabei dem oben beschrieben System. Es kann an variable Grundrisse
und verschiedene Deckenquerschnitte angepaßt werden. Die Unterstützungs-
konstruktion besteht aus feuerverzinkten Rahmen, die schnell und sicher zu
größeren Einheiten verbunden werden können. Vertikale Anpassungen sind auf
wenige Millimeter möglich. Das System ist in Länge und Höhe völlig variabel.
Die Grundeinheiten können zu jeder Struktur kombiniert werden. Für größere
Höhen werden die Grundrahmen aufeinandergestellt und mit Verbindungsstücken
befestigt. Die Aussteifung wird durch horizontale und diagonale Stäbe oder
durch Unterstützungsrahmen gewährleistet. Teleskoprahmen mit speziell
konstruierten Köpfen zur Verbindung mit dem oberen Teil der Schalung
ermöglichen eine exakte Justierung. Die Fußpunkte der Rahmen sind entweder
als schwerbelastbare Schraubgewinde mit Verschlußmuttern oder als Teleskop-
rahmenfuß mit Teleskopspindel ausgebildet. Zum Ausschalen wird der
Rahmentisch mit den Spindeln gelöst, mit Hilfe von Transportwinden abgesenkt
und auf Rädern weitertransportiert. Ist ein Kran vorhanden, können die Einheiten
angehoben und zum weiteren Einsatz gebracht werden. Dieser Schalungstyp
kann nur mit Kran eingesetzt werden und ist sehr wirtschaftlich bei hohen
Einsatzzahlen.

Mit diesem System können auch Rippendecken und T-Träger geschalt werden.
Die Schalung dafür kann in die Deckenschalung integriert werden und beim
Ausschalen mit Hilfe von Spindeln abgelassen werden. Die hohe Flexibilität der
Systeme bieten die Möglichkeit, jede Deckenform z.B. Pilzdecken oder Decken
mit komplizierten Grundrissen zu produzieren.

Sonderschalungen
Für bestimmte Einsätze wurden Sonderschalsysteme entwickelt. Ein wichtiger
Schalungstyp ist die Kletterschalung, die für Pfeiler, Türme, Hochhäuser oder
Betondämme verwendet wird. Kletterschalungen bieten die technischen Vorteile
von Wandsct~alungssystemen in jeder beliebigen Höhe. Großflächeneinheiten,
Kletterklarnmern und angehängte Plattformen sind so miteinander verbunden,
daß die gesamte Konstruktion mit einem Kranhub umgesetzt werden kann.

Die Arbeit ist in drei Phasen geteilt. Beim Betonieren des ersten Abschnittes
werden spezielle Konen eingebracht, die zur Positionierung des nächsten
Abschnittes dienen. Sobald der Beton ausreichende Festigkeit erreicht hat, wird
die Schalung weit genug vom Beton entfernt, um sie leicht reinigen zu können.
Die Positionierkonen werden durch Kletterkonen ersetzt und an den
Haltepunkten die Muttem gelockert. Die Schalung wird durch Klammern
zusammengehalten und der Kran setzt die Schalung als Einheit mit Hilfe der
Kletterkonen um. Mit Scherenspindeln wird die Schalung an den Betonquer-
schnitt angepreßt und justiert. Um Windbeanspruct~ungenaufzunehmen, werden
Streben verwendet. Die Kombination aus vertikalen Riegeln, Scherenspindeln
und Klammem ergibt Schaleinheiten mit unterschiedlichen Höhen, wodurch die
Betonierphase wie gewünscht variiert werden kann.

Ein moderner Kletterschalungstyp ist die Selbstkletterschalung. Spezielle Kletter-


schuhe werden werden montiert. Die automatisct~eKletterschalung besteht aus
zwei ineinandergreifende Rahmen, die wechselweise an den Kletterschuhen
befestigt werden. Das Klettern wird durch hydraulische Systeme bewirkt.

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Schalungsbemessung mit Computern oder mit Hilfstafeln
Viele Schalungshersteller haben Computersoftware entwickelt, um sicher-
zustellen, da8 ihre Schalung mit der höchstmöglichen Effizienz eingesetzt wird.
Diese Computerprogramme sind sehr flexibel und können zur Lösung
verschiedener Probleme verwendet werden. Nach der Eingabe des Grundrisses,
der auch von anderer CAD-Software übernommen werden kann, liefert das
Programm eine Schalungslösung, die für den gewählten Gebäudeteil passend ist
und die Riegel, Stabilisierungskomponenten und die Unterstützungskonstniktion
enthält. Details der Ecken und Verbindungselemte der Wandschalung werden
gezeichnet. Deckenschalungssysteme werden an die Raumhöhe, Träger- und
Deckendicke angepaßt. Elemente, die beim Hersteller oder auf der Baustelle
vorhanden sind, werden dabei auch berücksichtigt. Zusätzlich wird für jeden
Abschnitt die gesamte Schalung, eine Stückliste und die Kosten für alle
verwendeten Materialien automatisch angezeigt.

Zur Bemessung von Schalungssystemen ohne die Verwendung von Computern


liefern die Hersteller Hilfstafeln als Hilfen für die Arbeitsvorbereitung f i r eine
schnelle und einfache Berechnung von Wand- und Deckenschalung. Mit Hilfe
der gut angeordneten Tabellen und Diagramme ist der Verwender in der Lage,
Schalhaut, Schalungsträger und Unterstützungskonstruktion zu bemessen.

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Holzkonstruktionen in angressiven
Medien
STEP ~ 2 6 Inhalt
Englischer Onginalbeitrag: Das Verhalten von Holz und Holzwerkstoffen unter chemischer Beanspruchung
H. Hart1 und die Einflüsse hoher Temperaturen, ultravioletter Strahlung .und Bewitterung
Zivilingenieur für werden erklärt. Die Materialeigenschaften und der Widerstand gegenüber diesen
Bauwesen Beanspruchungen werden beschrieben. Die Verwendung von Holz in aggressiver
Umgebung wird anhand von Beispielen ausgeführter Projekte gezeigt.

Einleitung
Die Materialeigenschaften des Holzes werden im wesentlichen durch seine
Struktur bestimmt. Da Holz ein Naturprodukt ist, sind diese Eigenschaften
großen Schwankungen unterworfen, und zwar nicht nur zwischen den einzelnen
Holzarten sondern auch innerhalb einer Holzart. Eine gewisse Homogenität der
Materialeigenschaften kann erreicht werden, wenn das Holz zunächst aufgesägt
oder anderweitig zerkleinert wird und danach zu Brettschichtholz oder Holzwerk-
Stoffen wieder zusammengeleimt wird. Brettschichtholz weist die gleichen
anisotropen Eigenschaften (erhebliche Unterschiede in Fasemchtung und recht-
winklig dazu) auf wie Vollholz, die signifikanten Holzfehler sind jedoch
reduziert.

Mit der Verwendung von Holzwerkstoffen oder Brettschichtholz können die


Materialeigenschaften durch Änderung der Eigenschaften der Bestandteile und
deren Zusammensetzung variiert werden. Von großer Bedeutung ist die Wahl des
verwendeten Leimes. Bei der Wahl eines Leimes für Konstruktionsholz sind das
Verhalten unter den Umgebungsbedingungen, die Dauerhaftigkeit, die Einfach-
heit der Handhabung bei der Herstellung und die Art der Verbindung wichtige
Faktoren, die zu beachten sind. Nähere Angaben über Materialeigenschaften
finden sich in STEP A4 und A12.

Bestimmte chemische Prozesse und andere ähnliche Vorgänge können eine


chemisch belastete Atmosphäre, oft' verbunden mit hoher Temperatur und
Luftfeuchtigkeit, entstehen lassen. In Schwimmbädern ist die Gefährdung durch
entsprechend belastete Umgebungsluft ebenfalls vorhanden, obwohl die Aus-
gleichsfeuchte des Holzes durch die Beheizung sehr niedrig sein kann.

Aufgrund ihres hohen Widerstandes gegen die aggressiven Umwelteinflüsse


werden Holz und Holzwerkstoffe oft für Konstruktionen verwendet, die diesen
Bedingungen ausgesetzt sind. Die natürliche Resistenz des Holzes ist kein fester
Wert, sondern sein Verhalten unter verschiedenen ungünstigen Einflüssen ist
großen Streuungen unterworfen und verändert sich auch im Laufe der Zeit.

Widerstand gegenüber chemischer Beanspruchung


Im Vergleich zu anderen Materialien, vor allem Stahl, weist Holz eine bemer-
kenswerte Resistenz gegenüber chemischer Beanspruchung auf. Schädigungen
oder Zerstörungen des Holzes, die von der Oberfläche ausgehen und eine Folge
physikalischer und chemischer Einflüsse sind, werden als Korrosion bezeichnet.
Es muß festgehalten werden, daß aggressive Medien im wesentlichen die Hemi-
zellulose und das Lignin und nicht die Zellulose befallen. Daher ist Nadelholz,
mit seinem höheren Anteil an Lignin im allgemeinen korrosionsbeständiger als

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Laubholz. Korrosionserscheinungen sind meist verbunden mit einer braunen oder
dunklen Färbung des Holzes, die sich von den Randzonen ins Holzinnere
ausbreitet. Diese Effekte hängen von der Konzentration der chemischen Stoffe
und der Dauer der Einwirkung ab. Die Art der Zerstörung ist vergleichbar mit
dem Verhalten des Holzes unter Feuerbeanspruchung.

Die Abnahme der Festigkeit tritt nur bis 20 mm Tiefe auf, während im übrigen
Querschnitt die natürlichen Eigenschaften unverändert bleiben. Bei der Bemes-
sung von Holzkonstruktionen kann diesem Effekt durch eine Vergrößerung des
Querschnittes Rechnung getragen werden.

Holz ist gegenüber Säuren und Salzlösungen sehr widerstandsfähig. Laugen


führen schneller zu einer Holzzerstörung, insbesondere wenn gleichzeitig höhere
Temperaturen auftreten. Bei einem pH-Wert zwischen 3 und 10 kann ange-
nommen werden, daß keine Zerstörungen auftreten, wobei einzelne Holzarten
unterschiedlich reagieren und die Einwirkungsdauer und Temperatur einen
großen Einfluß haben. Kurzzeitig höhere oder niedrigere pH-Werte führen nicht
zu Schäden, während höhere Temperaturen die Zerstörung beschleunigen.

Der Einfluß aggressiver Gase, z.B. Ammoniak oder Formaldehyd hat keine
negativen Auswirkungen auf Voll- oder Brettschichtholz. Schwefeldioxid verur-
sacht nur in Verbindung mit hohen Temperaturen und hohen Feuchten gewisse
Schädigungen.

Um die tatsächliche Resistenz gegenüber chemischen Einwirkungen zu


bestimmen, ist es meistens notwendig, Versuche durchzuführen. Diese Versuche
werden in der Regel in zwei Schritten durchgeführt: zunächst werden kleine
Versuchskörper einer sehr konzentrierten Beanspruchung ausgesetzt, um qualita-
tive Aussagen treffen zu können. Danach werden Versuche in Bauteilgröße
durchgeführt, um diese Werte zu quantifizieren. Diese Methode ist für Brett-
schichtholz und Holzwerkstoffe von besonderer Bedeutung, da bei diesen
Materialien auch die Wahl des Leimes für den Widerstand gegen chemische
Beanspruchungen wichtig ist.

In Versuchen wurden Brettschichtholzstücke einer hohen Konzentration schwef-


liger Säure ausgesetzt, um den Einfluß auf das Holz zu messen und die beste
Leimart für diese Anwendung zu bestimmen. Aus diesen Versuchen hat sich
ergeben, daß nur bestimmte Phenol-Formaldehyd- und Resorcin-Formaldehyd-
Leime diesen speziellen Anforderungen genügen. Bei diesen Leimen konnte kein
Eindringen der Säure in die Leimfuge beobachtet werden, was zu der gleichen
Dunkelfärbung des Holzes entlang der Leimfugen geführt hätte.

Eine besondere Art der chemischen Beanspruchung kann auftreten, wenn Holz in
direktem Kontakt mit Metallen ist, 2.B. mit mechanischen Verbindungsmitteln.
Je nach Holzart und Feuchtegehalt führt die Korrosion der Metalloberfläche zu
einer Holzverfärbung und zu einer Änderung der mechanischen Eigenschaften.
Eisen, das mit Holz mit hohem Gerbsäuregehalt, wie z.B. Eiche, in Berührung
steht, erzeugt eine Schwarzfarbung. Die Zugfestigkeit nimmt bei langem Kontakt
ab, während die Druckfestigkeit nicht beeinflußt wird. Bei sehr kleinen
Kontaktflächen tritt ein Angriff nur sehr langsam auf und bleibt auf die
Berüfirungsflächen beschränkt. Bei Dachtragwerken mit Nagelplattenbindem über
Ställen oder ähnlichen Gebäuden muß ein besonderer Korrosionsschutz
verwendet werden. In diesen Fällen müssen die Metallteile galvanisiert oder mit
Kunststoff beschichtet werden.

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Ein weiterer Korrosionseffekt tritt auf, wenn die Zersetzungsprodukte durch
Wasser oder andere Flüssigkeiten ausgewaschen werden. Die Folge hiervon sind
dunkel gefärbte Stellen auf dem Holz, das dadurch unansehnlich wird.

In den meisten Fällen, in denen Holz einer chemischen Beanspruchung


ausgesetzt ist, sind keine besondere Maßnahmen erforderlich, da die natürliche
Resistenz ausreichend ist. Es ist in der Tat besser, die gehobelten Oberflächen
nicht mit Holzschutzmittel zu behandeln, da die Beschichtung Risse bilden kann,
in denen die Ablagerung der aggressiven Chemikalien erleichtert wird.

Beispiele ausgefuhrter Objekte


Für die Wiedererrichtung einer Akkumulatorenfabrik (siehe Abb. 1) wurde
Brettschichtholz verwendet, um den Angriffen der Dämpfe schwefliger Säure zu
widerstehen und um die Dauerhaftigkeit der Konstniktion für mindestens
zwanzig Jahre zu sichern. Durch Versuche wurde die Größe der Schwächung,
die über einen Zeitraum von zwanzig Jahren zu erwarten ist, bestimmt. Diese
Ergebnisse bildeten die Grundlage der Dimensionierung der Querschnitte.

Abb. 1 Brettschichtholzkonstruktion über einer Fabrik zur Herstellung von


Akkumulatoren.

Wie bereits beschrieben, wurden diese Versuche in zwei Schritten durchgeführt.


Der erste Schritt mit kleinen Versuchskörpem diente der Auswahl des richtigen
Leims, im zweiten Schritt wurde das Verhalten eines mit diesem Leim
hergestellten Trägers unter den Gebrauchsbedingungen in der Herstellerfirma
während mehrerer Wochen beobachtet.

Das Dach eines zentralen Lagers einer Käse produzierenden Firma wurde
ebenfalls mit Brettschichtholz gebaut. Holz ist in der Lage, der erwarteten
Bildung von Milchsäuren während der Fermentiemng besser als andere
Materialien, wie 2.B. Stahl, zu widerstehen.

Um Korrosionsprobleme, die während der Lagemng von Tausalz in Lager-


häusern oder Silos auftreten, zu vermeiden, wurden viele dieser Gebäude aus
Brettschichtholz hergestellt (siehe Abb. 2). Die Metallteile bestanden im
allgemeinen aus nichtrostendem Stahl.

Wegen der Bildung von Kondensationswasser und Ammoniakdämpfen, die


während der Produktion von Eis entstehen, wurden Brettschichtholzträger und

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Verbindungsmittel aus nichtrostendem Stahl für eine Dachkonstruktion über einer
Eislaufhalle gewählt (siehe Abb. 3).

Abb. 2 Silo aus Brettschichtholz jür Tausalz.

Abb. 3 Brettschichtholzkonstruktion über einer Eishalle.

Das Dach über einem Thermalbad, das den Dämpfen aus den Thermalquellen
ausgesetzt ist, wurde mit Brettschichtholzträgem errichtet (Abb. 4). Die
verwendeten Träger wurden mit Wasser- und kochfestem Leim hergestellt. Die
Qualität der metallischen Verbindungsrnittel mußte entsprechend gewählt
werden, um den Dämpfen aus den Thermalquellen widerstehen zu können.

Widerstand gegenüber hohen Temperaturen


Die thermischen Eigenschaften des Holzes sind von großer Bedeutung. Die
spezifische Wärme ist, bezogen auf seine Dichte, vergleichsweise hoch, aber sie
ist von geringerer Bedeutung als seine Wärmeleitfähigkeit. Die Wärmeleit-
fähigkeit des Holzes beträgt etwa 0,4 % derjenigen des Stahles. Sie hängt nahezu
proportional von der Dichte ab und ist für Nadelholz mit geringer Dichte arn
kleinsten und bei Laubholz mit hoher Dichte am größten. Die Wärmeleitfähigkeit
nimmt auch signifikant mit der Holzfeuchte zu, und zwar um etwa ein Drittel bei
einer Zunahme der Feuchte um 40 %.

Hohe Temperaturen beeinflussen die Materialeigenschaften des Holzes nur bei

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genügend langer Einwirkungszeit. Der Zerstörungsgrad hängt auch von der Höhe
der Temperaturen ab. Temperaturen um 100°C führen zu einer Braunverfärbung
des Holzes, aber kaum zu meßbaren Festigkeitsverlusten. Temperaturen bis zu
150°C führen erst im Laufe einiger Wochen zu einem Festigkeitsverlust. Höhere
Temperaturen beschleunigen die Zerstörung und bei Temperaturen über 250°C
wird ungeschütztes Holz in Abhängigkeit von seiner Dichte und den
Umweltbedingungen relativ schnell zerstört. Allgemein gilt, daß mit
zunehmender Dichte der Widerstand gegenüber hohen Temperaturen steigt.

Abb. 4 Brettschichthobkonstruktion über einem Thermalbad.

Aufgrund der geringen Wärmeleitfähigkeit des Holzes dringt die thermische


Zerstörung nur langsam von außen nach innen vor, so daß ausreichend
bemessene Holzbauteile einen guten Widerstand gegenüber hohen Temperaturen
aufweisen.

Der gleichzeitige Einfluß von hohen Temperaturen und zunehmender Feuchte


verursacht signifikante Änderungen der Materialeigenschaften des Holzes;
sowohl die Festigkeit als auch die Steifigkeit nehmen ab.

Beispiel eines ausgeführten Objektes

Abb. 5 Dachkonstruktion über einer Eimailleschmelze.

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Abb. 5 zeigt das Dach über einer Emailleschmelze. Holz wurde erfolgreich
eingesetzt, um den ständigen hohen Temperaturen im Innern des Gebäudes und
zusätzlich den wechselnden klimatischen Bedingungen außerhalb zu widerstehen.

Widerstand gegenüber UV-Strahlung und Regen


Der Widerstand gegenüber Witterungseinflüssen hängt im wesentlichen von der
Holzstruktur ab. Dichte, Zellwanddicke und Inhaltsstoffe haben eine wesentliche
Bedeutung. Bei der Abschätzung des Widerstandes muß zwischen den
Auswirkungen der ultravioletten Strahlen allein und den Fällen, in denen das
Holz auch vom Regen erreicht wird, unterschieden werden.

Wird Holz einer UV-Strahlung ausgesetzt, verfärbt es sich je nach Intensität der
Strahlung. So wird Holz zunächst gelb und im Laufe der Zeit nimmt es eine
intensive Braunfärbung an, die von dunklen Zersetzungprodukten der
korrodierten Obefflächen verursacht werden. Farblose Anstriche sind nicht
geeignet, dies zu verhindern. Statt dessen sollten farbige (pigmentierte)
Anstriche, die es in einer großen Farbenvielfalt gibt, verwendet werden.

Unter dem zusätzlichen Einfluß von Flüssigkeiten oder hoher Feuchtigkeit


werden diese Zersetzungsprodukte ausgewaschen; dies führt zu einer
Graufärbung des Holzes. Die so entstehende Oberfläche ist rauh und rissig und
die Querschnittsfläche ist reduziert. Neben dieser unmittelbaren Reduzierung des
Querschnitts oder der Qualitätsminderung des Aussehens, können sekundäre
Zerstörungsprozesse durch Pilze auftreten und somit zu einer weiteren
Holzzerstörung führen, die in der Regel von größerer Bedeutung ist.

Der Widerstand von Holzwerkstoffen wird nicht nur von der Struktur des
verwendeten Holzes bestimmt, sondern wird auch durch den Leim oder das
verwendete Bindemittel beeinflußt. Leime auf Hamstoffbasis werden schnell
durch Quellen und Schwinden der angrenzenden Teile zerstört, wodurch die
Gesamtfestigkeit abnimmt. Bei direkter Bewitterung sollten wasserfeste und
kochfeste Leime gewählt werden; dies kann durch die Verwendung bestimmter
Phenol-Formaldehyd- oder Resorcin-Formaldehyd-Leime erreicht werden. Nur
diese Leiinarten bilden einen Widerstand gegen die Bewitterung von Holzwerk-
stoffen. Neben der richtigen Wahl der Leime ergeben auch Obefflächen-
behandlungen einen erhöhten Widerstand gegen ultraviolette Strahlung und
Bewitterung.

Obwohl es üblich ist, Holz bis zu einem Feuchtegehalt entsprechend der


mittleren zu erwartenden relativen Umgebungsfeuchte zu trocknen, treten oftmals
Dimensionsänderungen auf: beim Austrocknen schwindet das Holz, bei Feuchte-
zunahme quillt es. Risse und Spalten treten auf und als Folge von Drehwuchs
können Verwerfungen der Querschnitte auftreten. Die einfachste Lösung, nur
Holz mit geringen Quell- und Schwindeigenschaften zu verwenden, ist nicht
immer realistisch. Alternativ kann Holz mit Chemikalien imprägniert werden, die
stabilisierend wirken, obwohl auch dies häufig unrealistisch ist, da eine
ausreichend große Eindringtiefe der Mittel schwierig zu erreichen ist.

Eine Möglichkeit besteht darin, das Holz mit einer schützenden Schicht zu
umgeben, um die Holzfeuchte konstant zu halten. Farben und Lackanstriche
können so wirken, falls sie das Holz vollständig bedecken und nicht an irgend
einer Stelle beschädigt sind. Während diese Beschichtungen einen guten Schutz
gegen Regen bieten, können sie jedoch Feuchte.änderungen durch langsame
jahreszeitliche Veränderungen der relativen Luftfeuchte nicht verhindern. Daher

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Lernen aus Schadensfällen I

STEP ~ 2 7 Inhalt
B. Johannesson Durch Wind, Schnee oder Erdrutsche verursachte Schäden an Holzkonstruktio-
G. Johansson nen werden diskutiert. Die Konstruktionen, die durch die Einwirkung von Wind
Chalmers University oder Schnee versagten, wiesen meist Planungs- oder Herstellungsfehler auf. Das
of Technology Verhalten von Häusern während eines Erdrutschs zeigte, daß steife Holzrahmen-
bauten erheblichen Beanspruchungen widerstehen und dabei nahezu intakt
bleiben können. Sorgfältig bemessene und ausgeführte Holzbauten, bei denen die
zu erwartenden Beanspruchungen korrekt angesetzt wurden, können selbst
außergewöhnlich schweren Einwirkungskorribinationen widerstehen.

Sturmschäden

Allgemeines
1969 traten im westlichen Teil von Schweden schwere Stürme auf, die einige der
nachfolgend beschriebenen Schadensfalle verursachten. Obwohl diese Schäden
mehr als 25 Jahre zurückliegen, sind viele der daraus resultierenden Erfahrungen
heute noch so aktuell wie damals. Die damals untersuchten Schäden sind in
einem Bericht (Johansson, 1970) zusarnrnengefaßt. Viele der häufig gemachten
Beobachtungen gelten für sämtliche Tragwerksarten unabhängig vom venvende-
ten Baustoff. Viele der weggewehten Dächer lagen 2.B. lose auf den Häusern
auf, ohne mit der damnterliegenden Konstruktion verbunden zu sein. In einigen
Fallen waren die Hauptschadensursachen so offensichtlich, daß weitergehende
Untersuchungen nicht notwendig waren.

Damals herrschten hohe Windgeschwindigkeiten mit einem Höchstwert der über


10 Minuten gemittelten Windgeschwindigkeit von 31 d s und der höchsten
Windgeschwindigkeit in einer Winclböe von 37 d s . Die Stürme von 1967 und
1969 richteten schwerere Schäden als frühere oder spätere Stürme an, da sie in
dicht besiedelten Gebieten auftraten und lange andauerten. So lag die Windge-
schwindigkeit während etwa vier Stunden über die Mittagszeit im Bereich ihres
Größtwertes. Viele der beschädigten Häuser waren gerade erbaut, die meisten
weniger als 10 Jahre alt.

Holzdachkonstruktion auf einer Betondecke


Bei einer Anzahl von zwei- oder dreigeschossigen Häusern wurde das Dach
während des Sturms weggeweht. -Auf der obersten Betondecke bestand die Dach-
konstruktion aus Pfosten 50 X 100 mm und Sparren 50 X 100 mm bis 50 X 150
mm. Der Abstand der Pfosten bzw. Sparren war abhängig von den Abmessungen
des Hauses und der Sparren, in den meisten Fällen betrug der Sparrenabstand 1,2
m. Abb.1 zeigt eine schematische Darstellung der Konstruktion.

Abb. 1 Schematische Darstellung einer Holzdachkonstruktion auf einer Beton-


platte; (a) Beton.

STEP/EUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E2711


Sämtliche Schäden waren einer ungenügenden bzw. nicht vorhandenen Veranke-
rung der Holzkonstruktion in der Betondecke zuzuschreiben. In vielen Fällen
waren die Sparrenfüße zwar iin Traufbereich befestigt, aber keiner der Pfosten
wies eine Verbindung mit der Betondecke auf. Versagte die Verbindung an der
Traufe, konnte das gesamte Dach durch den dann unter das Dach gelangenden
Winddruck weggeweht werden (siehe Abb. 2).

Abb. 2 Wahrscheinlicher Schadensverlauf:

Abb. 3 Falsche Position des Abb. 4 ein Teil des Daches liegt auf der
Stahlbleches. dem Wind abgewandten Seite des
beschädigten Hauses.

Abb. 5 Teil eines beschädigten Daches.

Verschiedene Arten von Verankerungen wurden verwendet. Meistens wurden


dünne Stahlbänder in die Betonplatte eingegossen und an der Holzkonstruktion
angenagelt. In anderen Fällen war eine Fußschwelle 50 X 100 mm mit Bolzen an
der Betonplatte festgeschraubt und die Holzkonstruktion war mit wenigen Nägeln
an der Fußschwelle befestigt. Die Verankerungen waren in den meisten Fällen
allerdings nicht fachgerecht ausgeführt und konnten daher den Windkraften nicht

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


widerstehen. Die Abb. 3 bis 6 zeigen Beispiele der Schadensfolgen.

Abb. 6 Befestigung der Pfosten an der FuJ3schwelle.

Lagerschuppen in Holzbauweise
Ein Lagerschuppen wurde durch den Sturm völlig zerstört. Die Grundrißabmes-
sungen betmgen 30 X 15 m und die Firsthöhe 5,2 m. Das Tragwerk ist in Abb. 7
dargestellt. Sämtliche .Verbindungen waren als Bolzenverbindungen ausgeführt.
Die Querschnittsabmessungen der Bauteile sind nicht bekannt mit Ausnahme des
Sparrenquerschnitts von etwa 50 X 150 mm. Die Verbindung der Pfetten mit den
einzelnen Querrahmen erfolgte über Knaggen, von denen jede mit drei Nägeln
an den Sparren befestigt war. Die Pfette selbst war jedoch nur mit jeweils einem
Nagel an der Knagge befestigt. Diese Verbindung versagte und das gesamte
Dach wurde weggeweht. Die Schiefstellung der Rahmenstiele betrug bis zu
0,5 m. Wäre das Dach nicht weggeflogen, hätten wahrscheinlich die Rahmen
selbst versagt.

Abb. 7 Rahmentragwerk im unveiformten und verformten Zustand; (U) Rahmen mit


Schiefstellung.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E2713


Carports weisen in der Regel eine geringe Tragfähigkeit für horizontale Lasten
auf. In einigen Fällen wurden Carports dicht an das Nachbarhaus gebaut, an das
sie jedoch nicht befestigt werden durften. Schnee, der von diesem Haus
herunternitschte, verursachte so große Horizontalkräfte, daß sich die Stützen des
Carports schief stellten. Um diese Schäden zu vermeiden, sollte der Schnee vom
Herabmtschen gehindert werden, da eine bessere Horizontalaussteifung eines
Carports wegen seiner Funktion nur schwierig zu erreichen ist.

Abb. 11 Typische Lage eines Carports in unmittelbarer Nähe des Nachbarhauses.

Abb. 12 zeigt den Typ eines Dachbinders, der leicht überbeansprucht werden
kann. Die Momentenverteilung im Obergurt ist vor allem vom Abstand a in
Abb. 12 abhängig. Das Versagen wird oft entweder durch einen Biegebruch im
Querschnitt 1 oder durch das Versagen der Verbindung 2 ausgelöst. Im vorlie-
genden Fall betrug im Querschnitt 1 die berechnete Biegespannung 66 N/mm2.

Abb. 12 Schnitt durch einen Lagerschuppen; (a) Holzmasten.

Besondere Schadensfälle
Das Haupttragwerk einer unbeheizten Lagerhalle bestand aus Dreigelenkrahmen
in Fachwerkbauweise. Nach einer Nutzungszeit von etwa 20 Jahren wurde das
Gebäude demontiert und an einer anderen Stelle wieder aufgebaut. Abb. 13 zeigt
eine Hälfte der Dreigelenkrahmen. Die Gurte der Riegel bestanden aus Vollholz-
querschnitten 50 X 125 mm. Der Bauunternehmer trennte die Rahmenhälften im
Querschnitt A-A (Abb. 13), um die Transportabmessungen zu begrenzen. Diese
Verbindungen wurden mit etwa 1 m langen Laschen 50 X 125 mm gestoßen, die
nur mit wenigen Nägeln an die Gurte angeschlossen waren.

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Der Erdrutsch in Tuve

Allgemeines
Das Gebiet des Erdrutschs urnfaßte etwa 27 Hektar mit einer größten
Ausdehnung von 750 m. Die Breite der Zone, in der die meisten Häuser standen,
war etwa 200 m. Etwa 65 Häuser waren direkt vom Erdrutsch betroffen und
weitere 100 Häuser, die dicht bei der Erdrutschzone lagen, wurden evakuiert. Die
meisten direkt betroffenen Häuser bewegten sich ungefähr 100 m in horizontaler
und 10 m in vertikaler Richtung. Der größte zurückgelegte Weg eines einzelnen
Hauses war 180 m. Abb. 15 zeigt eine Übersicht über das Erdrutschgebiet mit
den Verschiebungen der einzelnen Häuser.

Abb. 15 Karte des Erdrutschgebiets mit angegebenen Bewegungsrichtungen der


Häuser.

Unterschiedliche Häuser waren vom Erdrutsch betroffen. Die meisten waren


Holzhäuser, entweder ältere Häuser (50 Jahre alt oder älter), neuere Holzfertig-
häuser in Tafelbauart oder neue Holzrahmenbauten. Einige Häuser wiesen Holz-
decken auf, die Decken der meisten Häuser bestanden jedoch aus Leichtbeton-
oder Normalbetonfertigteilen. Nur wenige Häuser hatten gemauerte Wände und
Betondecken. Die am meisten beschädigten Häuser hatten Wände aus Zement-
blocksteinen. Diese Wände konnten die auftretenden Kräfte während des
Erdrutschs nicht aufnehmen.

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Terrassenhäuser in Almhöjdsvägen
Der Hauptgrund für die schweren Schäden an diesen Häusern bestand im
Versagen der Mauern im Untergeschoß. Diese Mauem waren gar nicht oder nur
sehr leicht bewehrt und brachen an den Gebäudeecken auseinander. Danach
rutschte die Betondecke von den Wänden und zerbrach. Nach dem Erdrutsch
waren nur in zwei von 29 solchen Häusern die Untergeschoßwände noch intakt.
Nach dem Versagen der Betondecke versagte auch die darüber angeordnete
Holzkonstruktion, die einer Belastung ausgesetzt war, die das Mehrfache der
Bemessungslasten betrug.

In den meisten Häusern blieb jedoch das "Dachdreieck" unbeschädigt. Auch die
"nichttragenden" Trennwände übernahmen erhebliche Beanspruchungen. Das Bad
im ersten Obergeschoß schien der sicherste Raum in1 ganzen Gebäude zu sein.
Abb. 16 zeigt das Tragsystem, die Dachkonstruktion sowie den wahrscheinlichen
Schadensablauf. In Abb. 17 sind einige Details dargestellt.

Abb. 16 Skiue des Tragwerks (oben), Dachkonstruktion (Mitte) und möglicher


Schadensverlauf (unten). ( U )Holz, (b) Beton.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E2719


Abb. 17 Details der beschadigten Häuser in Almhöjdsvägen.

Häuser aus kleinen, vorgefertigten Elementen


Die Wände dieser Häuser bestanden aus vorgefertigten, hölzernen Kastenelemen-
ten mit quadratischem Querschnitt mit einer Seitenlänge von etwa 200 mm und
einer Länge von 2,5 m, die mit Sägemehl gefüllt waren. Das Dach war als Holz-
konstruktion ausgeführt. Die Decken bestanden aus Leichtbetonfertigteilen. Die
Verbindung zwischen den Wandelementen und der Leichtbetondecke konnte die
auftretenden Kräfte nicht aufnehmen und versagte. Dadurch wurden die Wände
dieser Häuser zum großen Teil zerstört. Nach dem Versagen der Wände brach
auch die Dachkonstruktion auseinander. In einem der Häuser blieb die auskra-
gende Dachkonstruktion für mehrere Wochen intakt, bevor sie schließlich
versagte. Das Versagen wurde hier wahrscheinlich durch den ungünstigen
Einfluß der steigenden Holzfeuchte auf die Tragfähigkeit der Nagelverbindungen
ausgelöst.

Ein Haus dieses Typs im Bereich des Erdrutschs hatte statt der Leichtbeton- eine
Holzdecke. Dadurch war das Tragverhalten dem eines geschlossenen Kastens
ähnlich. Der Keller aus Beton wurde zerstört, die darüberliegende Holzkonstruk-
tion blieb außer einigen kleinen Verformungen jedoch intakt.

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Abb. 18 Auskragendes Dach ( U )BruchverlauJ:

Abb. 19 Bilder des Hauses mit auskragendem Dach. Auf beiden Bildern ist dasselbe
Haus dargestellt Das Photo mit dem abgebrochenen Dach wurde vier
Wochen später aufgenommen.

Holzrahmenbau
Dieses Haus war als Holzrahmenbau auf einem Keller mit Wänden aus Mauer-
werk errichtet. Die Decke sowie die Fachwerkbinder der Dachkonstruktion
bestanden ebenfalls aus Holz.

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Dieses Haus zeigte ein exzellentes Tragverhalten. Obwohl drei Viertel der
Kellerwände bereits versagt hatten, blieb die Holzkonstruktion mit Ausnahme
einiger Verformungen und gebrochener Scheiben im wesentlichen intakt und
stellt damit ein sehr gutes Beispiel für die Kastenwirkung dar. Ein Kasten mit
vier ausgesteiften Wänden (die Innenwände wirken als aussteifende Wände) mit
intaktem Deckel und Boden verhält sich sehr steif und ist damit auch bei
extremer Beanspruchung stabil. Diese Tatsache konnte im Bereich des Erdrutschs
oft beobachtet werden. Abb. 21 zeigt das Gebäude fast ohne tragenden Unterbau.

Abb. 20 Schnitt durch den Holzrahmenbau.

Abb. 21 Das Haus wird nur noch von den Innenwänden getragen und kragt in alle
Richtungen aus. Die Schubverfomungen in den Fensteriffnungen sind gut
zu sehen.

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Zusamn~enfassung
Ursachen für Schäden als Folge von Stürmen sind meist Nachlässigkeit bei der
Planung oder Ausführung von Details, Überschätzen der Tragfähigkeit von
Verbindungen oder Konstruktionsfehler. In der Regel trifft jeden Beteiligten arn
Bauprojekt einen Teil der Schuld; eindeutig zuzuordnende Hauptgründe für
Schäden sind selten.

Schwere Schneefälle können - manchmal im Zusammenwirken mit Windlasten -


große Schäden verursachen. Diese Art der Schäden kommt meist in leichten
Tragwerken wie Stahl- oder Holzkonstruktionen vor. Solche Tragwerke mit
geringem Eigengewicht reagieren empfindlich auf übermaßige veränderliche
Lasten. Eine offensichtliche Schlußfolgerung aus diesen Schadensfällen ist die,
daß eine korrekte Bemessung mit den entsprechenden Lasten eine ausreichende
Sicherheit gegen Versagen darstellt. Schlechte Bemessung und Konstruktion
undloder nachlässige Ausführung können häufig zu Tragwerken führen, bei
denen die Traglast geringer ist als die Einwirkungen.

Das Verhalten der Häuser während des Erdrutschs in Tuve hat sehr deutlich
gezeigt, daß ein steifer Holzrahmenbau extremen Einwirkungen widerstehen und
intakt bleiben kann. Die eindrucksvollste Beobachtung dort war das Intaktbleiben
des Satteldaches in fast allen Häusern, auch wenn alle Wände versagt hatten und
das Haus mehr als 100 rn verschoben war.

Die allgemeine Schlußfolgerung besteht dann, daß eine korrekte Bemessung und
Konstruktion mit den angemessenen Einwirkungen Konstruktionen ergibt, die
auch extreme Einwirkungen sehr gut aushalten.

Literatur
Johansson, G. (1970). Stormskador i västra Svenge. ("Stom damage in Westem Sweden")
Byggforskningen. Rapport R33 (in schwedisch).

Johannesson, B. Johansson, G. (1979a). Snöskador vintem 1976-1977. ("Snow damage winter


1976-1977"). Byggforskningen. Rapport R15 (in schwedisch).

Johannesson, B. Johansson, G. (1979b). Tuveskredet 1977. Undersökning av srnahusstommars


skadeiilighet. ("The Tuve landslide 1977. Investigation of the damaged houses"). Byggforskningen.
Rapport R137 (in schwedisch).

Johansson, G. Johannesson, B. (1984). Damage due to snow loads. IABSE 12th Congress,
Vancouver, BC, final report, S . 829-835.

STEP/EUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E27113


Lernen aus Schadensfällen I1

STEP ~ 2 8 Inhalt
Englischer Originalbeitrag: Schäden an traditionellen Dachkonstruktionen, modernen Holzbauteilen und Brett-
J.P. Biger schichtholztragwerken werden untersucht, Photos und Skizzen der Schadensdetails
Bureau Veritas gezeigt und auf die Schadensursachen hingewiesen.

Dachkonstruktionen

Abb. 1 Durchbiegung der Firstpfette.

Die Dachkonstmktion in Abb. 1 besteht aus Sparren und Pfetten, die in den
Giebelwänden und auf einem Gebinde in Dachmitte aufgelagert sind. Wegen der
Durchbiegung der Firstpfette sind auch die Dachziegel teilweise abgerutscht.

Die Ursache für diese Situation liegt darin, daß die Sparren an der Mittel- und
Fußpfette lediglich rechtwinklig zu ihrer Längsachse aufgelagert sind und der
gesamte Dachschub über Zug in den Sparren von der Firstpfette aufgenommen wird.
Die Mittelpfette wurde lediglich für Lasten rechtwinklig zur Dachfläche, nicht
jedoch für den Schub in Dachebene bemessen und wird deswegen übermäßig in der
Dachebene verformt.

Der Obergurt des in Abb. 2 dargestellten Fachwerkträgers weist einen Biegebruch


auf. Ursache ist der große Ast, der wegen einer fehlerhaften Festigkeitssortierung
die Biegefestigkeit des Bauteils örtlich beträchtlich verringert.

Ein ähnliches Versagen ist in Abb. 3 zu beobachten. Die Firstpfette versagte wegen
der großen Faserabweichung auf Biegung. Durch die Faserabweichung wirken die
Biegezugspannungen unter einem Winkel zur Faser. Die Festigkeit des Holzes ist
für diese Beanspruchung wesentlich geringer als parallel zur Faser. Auch hier wurde
die Festigkeitssortierung nicht sorgfältig genug durchgeführt.

In Abb. 4 sind zwei Probleme zu erkennen. Zunächst ist durch den Einbau nicht
genügend trockenen Holzes ein breiter Riß im Hängepfosten entstanden, der nahezu
in der Ebene der Bolzen verläuft und damit die Tragfähigkeit der Verbindung

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beeinträchtigt. Außerdem drückt sich das zu schmale Zugband in den Untergurt ein.
Dadurch werden größere Verformungen des Tragwerks verursacht.

Abb. 2 Biegebruch im Bereich eines großen Astes.

Abb. 3 Biegebruch verursacht durch Faserabweichung.

Abb. Anschluß eines Hängepfostens.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms


Der in Abb. 4 dargestellte Schaden wird dadurch verursacht, daß die Druckdiagona-
len mittels Versatz am Untergurt angeschlossen sind und damit die Vertikalkraft-
komponente über Querdruck durch den Untergurt geleitet wird. Eine bessere Lösung
wäre ein direkter Anschluß der Diagonalen am Hängepfosten.

Abb. 5 Deutlicher Schaden durch Pilzbefall.

Die in Abb. 5 gezeigte Konstruktion ist etwa 50 Jahre alt. Eine undichte Dachhaut
ermöglichte das Eindringen von Wasser. Die dadurch auf Dauer erhöhte Holz-
feuchte führte zu Bedingungen, die für das Wachstum von Pilzen förderlich sind.
Das Tragwerk ist an denjenigen Stellen, an denen Wasser eindringen konnte, schwer
beschädigt. Diese Schäden können durch angemessene Unterhaltsmaßnahmen der
Dacheindeckung vollständig vermieden werden.

Moderne Holzbauteile

Abb. 6 Knicken des Obergurts von Nagelplattenbindern.

Das Ausknicken des Obergurts von schlanken Nagelplattenbindern, wie in Abb. 6


gezeigt, ist meist die Folge einer Fehleinschätzung der seitlichen Biegesteifigkeit der
Konstruktion. Den Nachweisen liegt in diesen Fällen oft die falsche Annahme
zugrunde, daß die Knicklänge gleich dem Abstand der Dachlatten ist. Die Dach-
latten allein bewirken jedoch noch keine ausreichende Aussteifung, auch wenn jede
Verbindung mit dem Obergurt des Nagelplattenbinders durch mehrere Nägel erfolgt.
Die Verdrehungssteifigkeit dieser Verbindungen kann ein Ausknicken nicht

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verhindern. Eine mögliche Maßnahme, um das gezeigte Stabilitätsversagen zu
verhindern, besteht darin, die Dachlatten an einen in der Dachebene liegenden Aus-
steifungsverband zug- und druckfest anzuschließen.

Abb. 7 Versagen der Nagelverbindung zwischen Dachlatten und Obergurt.

Abb. 8 Versagen eines Fachwerkträgers mit Metalldiagonalen.

Der in Abb. 8 gezeigte Fachwerkträger mit Metalldiagonalen ist als Sparren


eingesetzt. Der Untergurt ist gebrochen und die Verbindung zwischen den Metall-
diagonalen und dem Untergurt hat ebenfalls versagt. Die Ursache des Schadens liegt
in der Position des Sparrenauflagers: durch die Anordnung des Auflagers außerhalb
eines Knotens wurde der Untergurt durch erhebliche Biegemomente beansprucht,
die zum Biegeversagen führten. Hier ist anzumerken, daß die in einer Berechnung
getroffenen Annahmen (Auflager beim Knoten) auch so im Bauwerk ausgeführt
werden müssen.

Der in Abb. 9 dargestellte Rahmenstiel besteht aus zwei Lagen Furnierschichtholz


von je 36 mm Dicke, die im oberen Bereich den Riegel umschließen und darunter
mit Zwischenhölzern einen Hohlqi~erschnittbilden. Das Stabilitätsversagen wird hier
durch eine nicht ausreichende Nagelverbindung zwischen Furnierschichtholz und
Zwischenhölzern mit einer daraus resultierenden zu geringen Torsions- bzw.
seitlichen Biegesteifigkeit des Hohlquerschnitts verursacht. Die Angabe der
erforderlichen Nagelabstände in den Bemessungsunterlagen ist notwendig, um dieses
Versagen zu verhindern.

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Abb. 9 Biegedrillknicken eines Rahmenstiels.

Abb. 10 Stabilitätsversagen von Wänden in Holztafelbauart

Das Holztafelhaus in Abb. 10 kann nur noch durch Abstützungen vor dem völligen
Versagen bewahrt werden. Die Erdgeschoßwände neigen sich nach außen weil die
Verbindungen zwischen den Wänden und der Decke völlig unzureichend sind.

Brettschichtholzkonstruktionen

Abb. 11 Firstabsenkung.

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und Schubspannungen beansprucht. Eine bessere Lösung wäre ein weniger steiler
Anschnitt und die Plazierung der Gebäudehülle auf der Außenseite der Stiele.

Abb. 14 Angesschnittene Rahmenstiele. Abb. 15 Querzugversagen.

Wasseransammlungen auf Flachdächern können zum Biegeversagen der Dachträger


führen (siehe Abb. 16). Die Durchbiegungen führten dabei zu immer höheren
Belastungen der Träger, was zu einem weiteren Anstieg der Durchbiegungen führt.
Fehlverleimungen (Abb. 17) und fehlerhafte Keilzinkungen (Abb. 18) können die
Steifigkeit und Tragfähigkeit der Träger weiter reduzieren, was deren Empfindlich-
keit für Wasseransammlungen erhöht. Besonders bei Flachdächern ist der Lastfall
Wasseransammlung zu untersuchen und es ist sicherzustellen, daß der Unterhalt des
Daches eine regelmäßige Kontrolle der Wasserabläufe beinhaltet.

Abb. 16 Trägerversagen. Abb. 17 Fehlverleimung.

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Abb. 18 Fehlerhafte Keilzinkenverbindung.

Verbindungen sind die Ursache vieler Schäden in Brettschichtholzkonstruktionen.


Behindertes Schwinden von Stielen und Riegeln in Rahmenecken kann zum
Aufreißen der Brettschichtholzbauteile führen (siehe Abb. 19). Eine Herstellung des
Brettschichtholzes mit einer Holzfeuchte entsprechend der zu erwartenden Aus-
gleichsfeuchte im Bauwerk kann diese Schäden verhindern. Das Risiko dieser Art
von Schäden nimmt allerdings mit zunehmender Querschnittshöhe zu.

Abb. 19 Aufgerissene Rahmenecke.

Auch ungenügende relative Verdrehuilgskapazitäten miteinander verbundener


Bauteile können zum Tragwerksversagen führen. Abb. 20 zeigt ein Beispiel für das
Versagen einer Dachkonstruktion verursacht durch eine nicht ausreichende
Verdrehungskapazität eines eingehängten Trägers in einer Gerbewerbindung.

Das Tragwerk bestand aus einem Träger über zwei Felder mit einem Gerbergelenk
in der Nähe des mittleren Auflagers (siehe Abb. 21). Der Entwurf des
Gerbergelenks in Abb. 22 ermöglicht keine ausreichende Verdrehung des
Endquerschnitts des Einhängeträgers. Durch die Rotation des Endquerschnitts trat
Querzugversagen in der Nähe der beiden unteren Verbindungsmittel auf, was zum
völligen Versagen der Konstruktion führte.

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Abb. 20 Versagen einer Gerberverbindung.

Abb. 21 Zweifeldträger mit Gerbergelenk (U).

Abb. 22 Detail des Gerbergelenks nach dem Versagen.

Die Tribünenüberdachung in Abb. 23 wurde durch einen Windstoß zum größten


Teil weggeweht. Das Detail in Abb. 24 zeigt, daß die Verbindung der Brettschicht-
holzträger mit den Rundstahlstützen an der Unterseite der Hauptträger angeordnet
ist. Tritt durch Windsog Zug in den Stützen auf, entstehen hohe Querzugspan-
nungen durch die Anordnung der Verbindung nahe am beanspruchten Rand (siehe
STEP C2). Diese Querzugspannungen führten zum Versagen in der Höhe des
obersten Bolzens. Eine tiefere Einbindung der Verbindung in den Hauptträger und
eine Bemessung entsprechend STEP C2 hätte diesen Schaden verhütet.

STEPIEUROFORTECH - eine Initiative im Rahmen des EU Comett Programms E28/9


Abb. 23 Der gruyte Teil des Tribünendaches wurde weggeweht.

Abb. 24 Verbindung mit Resten des Brettschichtholztragers.

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Autorenverzeichnis

E. Aasheim, The Norwegian Institute of Wood Technology, P.O. Box 113,


Blindem, 0314 Oslo, Norwegen

M.P. Ansell, University of Bath School of Materials Science, Claverton Down, Bath
BA2 7AY, Vereinigtes Königreich

P. Aune, University of Trondheim, The Norwegian Institute of Technology, Dept.


of Structural Engineering, Rich. Birkelands vei la, 7034 Trondheim, Norwegen

J.P. Biger, Bureau Veritas, Civil and Environmentai Engineering, 17 bis Place des
Reflets, 92400 Paris la Defense Cedex 44, Frankreich

G. Bignotti, Holzbau Ag-S.p.a., P.O. Box 224, 39042 Brixen/Bressanone, Italien

G. Bonamini, Universita degli Studi di Firenze, Inst. di Assest e Techn. Forestale,


Via S. Bonaventura 13, 50145 Firenze, Italien

H. Brüninghoff, Gesamthochschule Wuppertal, Pauluskirchstrasse 7, 42285


Wuppertal, Deutschland

A. Ceccotti, Universita degli Studi di Firenze, Dipartimento di Ingegneria Civile,


Via di S. Marta 3, 50139 Firenze, Italien

J. Chilton, University of Nottingham, School of Architectures, University Park,


Nottingham NG7 2RD, Vereinigtes Königreich

J. Fischer, Lignum - Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für das Holz, Faken-


Strasse 26, 8008 Zürich, Schweiz

H. Hartl, Zivilingenieur für Bauwesen, Kenyongasse 9, 1070 Wien, Österreich

B. Johannesson, Chaimers University of Technology, Dept. of Structural


Engineering, Steel and timber structures, 41296 Göteborg, Schweden

G. Johansson, Chalmers University of Technology, Dept. of Structural Engineering,


Steel and tirriber structures, 41296 Göteborg, Schweden

A. Kevarinmäki, Helsinki University of Technology, Laboratory of Structurai


Engineering and Building Physics, Rakentajanaukio 4a, 02151 Espoo, Finnland

M.H. Kessel, Fachhochschule Hildesheim/Holzrninden,Fachbereich Bauingenieur-


Wesen, Labor für Holztechnik, Hohnsen 1, 31134 Hildesheim, Deutschland

J-W.G. van de Kuilen, Delft University of Technology, Faculty of Civil


Engineering, Timber structures, P.O. Box 5048, 2600 GA Delft, Niederlande

H.J. Larsen, Danish Building Research Institute, Dr. Neergaarsvej 15, 2970
Hgrsholm, Dänemark

A.J.M. Leijten, Delft University of Technology, Faculty of Civil Engineering,


Timber Structures, P.O. Box 5048, 2600 GA Delft, Niederlande.

C.J. Mettem, Timber Research and Development Ass., Stocking Lane, Hughenden
Valley, High Wycombe, Buckinghamshire HP14 4ND, Vereinigtes Königreich

L. Mortensen, University of Aalborg, Dept. of Building Technology and Structural


Engineering, Sohngaardsholmsvej 57, 9000 Aalborg, Dänemark

J. Natterer, Ibois-Civil Engineering Department, GCH2 Ecublens, 1015 Lausanne,


Schweiz

N. Nebgen, Ingenieurbüro für Holzbau, Dieselstrasse 12, 72770 Reutlingen,


Deutschland

P. Racher, C.U.S.T.-Genie Civil, P.O. Box 206, 63 174 Aubiere Cedex, Frankreich

B. Roald, The Norwegian Institute of Wood Technology, P.O. Box 113, Blindem,
0314 Oslo, Norwegen

J.L. Sandoz, Ibois-Civil Engineering department, GCH2 Ecublens, 1015 Lausanne,


Schweiz

C. Short, Colin Short Associates Consulting Engineers, Brookfield, Glen Road,


Delgany, Greystones, County Wicklow, Irland

K.H. Solli, The Norwegian Institute of Wood Technology, P.O. Box 113, Blindem,
0314 Oslo, Norwegen

G. Steck, FachhochschuleMünchen, Fachbereich 02, Karlstrasse 6,80333 München,


Deutschland

K. Schwaner, Arbeitsgemeinschaft Holz e.V., Postfach 300141, 40401 Düsseldorf,


Deutschland

S. Thelandersson, Lund University, Division of Structural Engineering, P.O. Box


118, 221 00 Lund, Schweden

P. Touliatos, National Technical University of Ati~ens,15 Dinokratous Str, 10675


Athens, Griechenland

L. Uzielli, Universith degli Studi di Firenze, Dipartimento di Ingegneria Civile, Via


di S. Marta 3, 50139 Firenze, Italien

G. Vidon, Socotec, Dept. Parois-Isolation, Les Quadrants, 3 Avenue du Centre,


78182 Saint Quentin en Yvelines Cedex, Frankreich

S. Winter, Ingenieurbüro, Postfach 40, 3633 1 Lauterbach, Deutschland


Beteiligte Organisationen

Österreich
NRO: PROHOLZ - Holzinfonnation Österreich, Wien
Supporting organisations: Fachverband der Sägeindustrie, Wien; Fachverband der
holzverarbeitenden Industrie, Wien; Bundesinnung der Zimmermeister, Wien

Belgien
NRO: Opleidingscentrum Hout, Brussels

Dänemark
NRO: "Trizbranchens Oplysningsrid", The Danish Timber inforrnation Council,
Lyngby
Supporting organisations: Danish Building Research Institute, H~rsholm;Technical
University of Denmark, Lyngby; University of Aaiborg

Finnland
NRO: V'IT Building Technology, Espoo
Supporting organisations: Finnish Tirr~ber Council; Finnish Forest Industries
Federation; The Quality Control Association for Timber Stmctures (PLY);
Finnforest Oy Kerto Division; Technicai Research Centre of Finland (VTT)

Frankreich
NRO: Union Nationale Fran~aisede Charpente, Menuiserie et Parquets, Paris
Supporting organisations: Arbocentre, Orleans; Centre Experimental du Batiment
et des Travaux Publics, Saint Remy Les Chevreuse; Bureau Veritas, Courbevoie;
Centre Technique du Bois et de 1' Ameublement, Paris; C.U.S.T.-Genie Civil Blaise
Pascal University, Aubiere; SOCOTEC, Saint-Quentin en Yvelines

Deutschland
NRO: Arbeitsgemeinschaft Holz, Düsseldorf
Supporting organisations: Deutsche Gesellschaft für Holzforschung, München;
Fachhochschule Hildesheim/Holzminden;Universität München; Gesamthochschule
Wuppertal; Technische Universität München; Universität Karlsruhe; Fachhoch-
schule München

Irland
NRO: Colin Short Associates, Greystones
Supporting organisations: Ove Amp & Partners; University of Limerick; Forbairt;
Irish Timber Trades Association; Coillte Teoranta; Cork Regional Technical
College; Malcolm Jacob - Consulting Engineer; Wood Marketing Federation;
Dublin Institute of Technology; University of Ulster; University College Dublin;
Trinity College Dublin; Michael Quaide - Consulting Engineer; Irish Timber
Council

Italien
NRO: Universita degli Studi di Firenze Dipartimento di Ingegneria Civile, Firenze
Supporting organisations: Universita degli Studi di Firenze - Istituto di
Assestarnentoe Tecnologia Forestale; Holzbau AG-S.p.a., Brixen; Centro di Ricerca
e Servizi per il Legno e per il Pioppo S.R.L., Sustinente
Niederlande
NRO: Centrum Hout, Almere
Supporting organisations: Delft University of Tecl-inology, Delft; Stichting WESP,
Woerden; Stichting Opleidings- en Ontwikkelingsfonds voor de Tirnmerfabrieken,
Bussum; TNO Building and Construction Research, Rijswijk

Norwegen
NRO: Thte Norwegian Institute of Wood Technology (NTI), Os10
Supporting organisations: University of Trondheim; The Norwegian Institute of
Wood Technology, Os10

Portugal
NRO: Laboratorio Nacional de Engenharia Civil, Lisboa

Schweden
NRO: Träinformation, Stockholm
Supporting organisations: Chalmers University of Technology; Lund University;
Swedish National Testing and Research Institute

Schweiz
M O : Lignum - Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für das Holz, Zürich
Supporting organisations: ETH Eidgenössische Technische Hochschule, Zürich; EPF
Ecole Polytechnique Fedkrale, Lausanne; SIA Schweizerischer Ingenieur- und
Architekten-Verein, Zürich

Vereinigtes Königreich
NRO: TRADA, High Wycombe, Buckinghamshire
Supporting organisations: Timber Research and Development Association; Gang-
Nail Systems Ltd.; Brighton University; University of Nottingham; University of
Surrey; Meyer Intemational; SCOTFI; Institute of Wood Science; MiTek Industries
Ltd.; Simpson Strongtie Intemational Incorporated; Jarnes Donaldson & Son;
Donaldson Timber Engineering
Inhalt
Holzbauwerke SSEP 1
Bemessung und Baustoffe

Hemessungsgrundlagen und NIaterialeigenschaften


Al Europäische Norinung
A2 Bemessung nach Cirenz~ustäridenund Sichcrlicitsmetliodc
A3 Einwirkungen auf Tragwerke
A3 Ilolz als Baustoff
A5 Holz als Konstriiktioiisinaterial
Ah Festigkeitssortierutig
A7 Vollholr - Festigkeitsklassen
'48 Brcttschichthol~- Hcr~tellurigund Festigkcitsklasscn
A9 Furiiierschichthol7 und Furnirrs~reife~~holr
A 10 Holzwerkstoffe - Spcrrliol~
'4 1 1 [Link] Faserplattcn, Spariplattcn iind OSB
-

Al 3 Leiine
Al? Fcucrwiderst:ind von Holz und Holzwcrksroffen
A 13 Baulicher Holzschutz
.A 15 Dauerhaftigkeit - Chemischer Holzschutr.
Alh tloiZundUi1iweit
A 17 Grcnzzustä~ideder Gebrauchstauglichkeit - Verformungen
Al8 Grenzzustände der Gcbrauchstauglichlieit - Schwingungen
A 19 Kriechen

H Bauteile
B1 Einflul3 des Voluniens lind der Spannungsverteiliing
B3 Zu? und Druck
B3 Biegung
B1 Schub und Torsion
B5 Ausgeklinkte Träger und Durchbrüche in Brettschiclitholz
B6 Druckstäbe
B7 Knicklängen
B8 Pultdachträger. gekrümmte Träger ~ i n dSatteldxhtriiger
B9 Geleimte. dünnstegige Träger
B I0 Tafelelemente
BI 1 Träger und Stützen aus nachgiebig verbundeneti Querschnittsteileri
B 12 Fachwerkbinder
B 13 Aussteifeiidc Schcibcn
B I4 Ebene Rahnieii und Bögen
B 15 Aussteifuiig Bcmcssung
-

B 16 Lastvertcilurig
B 17 Feuerwiderstand von Holibauteilen

C Verbindungen
CI Mechanische Holzverbindungen - Allgenieines
C2 Qucrzugbcanspruchunfcn bei Aiischlüssen
C? Verbindungen mit stiftfcirn~igenVerbindungsmitteln - Theorie
C1 Nagelverbindungen 1
C5 Nagelverhind~ingenI1
C6 Bolzen- und Stabdübelverbiildungen 1
C7 Bolzen- und Stabdübclvcrbiiidungen 11
C8 Schrauben\~erbinduiige11
C9 Verbindungen init Eiiilaßdübeln
C 10 Verbindungeii init Einpreßdübeln
C11 NagelpIattc~i\~erbi~icIu~igc~~
C 12 Ziinincrmannsn~älJigeVerbindungcn
C 13 Verbindungeri niit Stahlblecliformieilen
C 14 Eingeleimte Stäbe
C 15 Verbindungen mit mehrcren Verbitidungsniiiteln
Cl h Bicgcstcifc Verbindungen
C 17 Holzverbindungen uiitcr Erdbebenbeansprucl~~irigen
C I8 EinflulJ von Holzleiichte und Lasteinwirkungsdauer in Verbindungen
C 19 Fe~iei-widei-standvoii Verbindungcti
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STEP - HOLZBAUWERKE - EUROCODE 5

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und das zugehörige nationale Anwen- ermöglichen in manchen Bereichen
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werden. Nach eiiier Übergangsfrist, in der baunormen bei den Anwendern bekannt
auch noch nach den alten deutschen zu machen, wurde STEP gegrundet. Das
Regeln (DIN 1052 usw.) gerechnet wer- Structuial Timber Education Programme
den kann, m ~ i ßin Ca. 4 bis 5 Jahren jedes ist ein Projekt innerhalb von Eurofortech,
Bauwerk nach Eurocode berechnet eines der Programme der Europäischen
werden. Union, das die Aus- und Weiterbilduiig iri
Die europäischen Vorschriften unterschei- Industrie, Handwerk und Lehre i m
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BAUTEILE, KONSTRUKTIONEN, STEP 4 Holzbauwerke die Erprobung zu fördern, wurden alle
DETAII-S EUROCODE 5 wesentlichen Nachweise auf ein Tabellen-
STEP 2 bildet die Fortsetzung von NATIONALES ANWENDUNGS- kalkulationsprogramm (Excel 5.0, Micro-
STEP 1 und behandelt in 15 Kapiteln die DOKUMENT soft) implementiert Die Handhabung ist
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Common questions

Auf Basis von KI

Dachkonstruktionen können vor windbedingten Schäden geschützt werden, indem die Verbindungen vertieft und entsprechend ausgelegt werden, um Querzugspannungen zu reduzieren, die durch den Windsog entstehen. Außerdem sollten Verbindungsmittel tiefer im Hauptträger integriert werden .

Für die Verstärkung von Decken- und Wandscheiben unter horizontalen Lasten können zusätzliche Rippen, Unterzüge oder Rahmenelemente eingesetzt werden. Ebenso wichtig ist es, die Verbindungselemente so zu dimensionieren und anzuordnen, dass sie die entstehenden Kräfte sicher übertragen können .

Probleme wie Spannungen, die zu Versagen führen können, treten bei Holzverbindungen durch das unterschiedliche Schwinden von Holz im Vergleich zu nicht-hygroskopischen Materialien oder Metallen auf. Diese können durch gut konzipierte Konstruktionen, die ausreichend berücksichtigen, wie verschiedene Materialien auf Temperatur- und Feuchteänderungen reagieren, vermieden werden .

Die Erdbebenresistenz von Holzrahmenbaukonstruktionen kann verbessert werden, indem mechanische und strukturelle Anpassungen vorgenommen werden. Eine Möglichkeit ist die Erhöhung der Steifigkeit durch die Verwendung durchgehender Wände über mehrere Stockwerke, was die Verformungen bei Deckenauflagern verringert und die Lasten über die Rippen parallel zur Faser verteilt . Zudem sollten Außenwände verstärkt werden, indem Holzwerkstoffplatten auf die Rippen genagelt werden, um eine ausreichende scheibenartige Aussteifung zu gewährleisten . Eine sorgfältige Bemessung und Ausführung der Verbindungen ist entscheidend, um der Quelle- und Schwindverformung Rechnung zu tragen, und um Wasser in den Verbindungsflächen zu vermeiden, was den Verbindungen zusätzliche Stabilität verleiht . Darüber hinaus können CAD- und CAM-Techniken in der Planungs- und Fertigungsphase helfen, die Passgenauigkeit und die Montageeffizienz zu verbessern, was zur strukturellen Integrität beiträgt .

Holzbauteile können durch bauliche und gestalterische Maßnahmen vor Witterung geschützt werden, ohne auf chemische Holzschutzmittel zurückzugreifen. Dazu gehört die Verwendung eines Vordachs oder einer speziellen Geländerausbildung, die strukturellen Schutz bietet, sowie der Einsatz von haltbaren Holzarten wie Lärche, die von Natur aus witterungsbeständiger sind .

Trägerverbindungen müssen Veränderungsbeanspruchungen aufnehmen können, da sich die Belastungsrichtung während eines Erdbebens häufig ändert. Verbindungen sollten daher befestigt und nicht ausschließlich auf Druckkräfte ausgelegt sein. Eingesetzte Materialien müssen flexibel und belastbar in verschiedenen Richtungen sein .

In hochwassergefährdeten Gebieten stellen die Montagearbeiten eine Herausforderung dar, da der Bereich durch Wassergefahren beeinflusst wird. Dies erfordert eine genaue zeitliche Planung und die Verwendung geeigneter Gerüste und Montageverfahren, um Risiken zu minimieren .

Brücken können durch mehrere strukturelle Anpassungen besser in die natürliche Landschaft eingefügt werden. Eine Möglichkeit besteht in der Wahl der Materialien, wie beispielsweise die Verwendung von Holz, einem ökologischen und heimischen Rohstoff, welcher auch neue technologische Entwicklungen ermöglicht . Die Integration von Naturmaterialien wie Holz kann auch aus ästhetischen Gründen eine harmonischere Einfügung in die Landschaft bewirken . Außerdem kann das Design einer Brücke angepasst werden, um die bestehende Landschaft zu ergänzen. Eine flache Konstruktion, die die Topografie respektiert, oder eine Spannbandkonstruktion, die den natürlichen Linien der Landschaft folgt, kann zur optischen Integration beitragen . Zusätzlich fördert die Anwendung von Verblendungen und Dächern den Schutz der Konstruktion und verbessert gleichzeitig die ästhetische Eingliederung ins Landschaftsbild .

Holz in tragenden Brückenkonstruktionen bringt spezifische Herausforderungen hinsichtlich der Materialermüdung mit sich. Erstens ist Holz anfällig für Fäulnis und Pilzbefall bei hoher Feuchtigkeit, was die Festigkeit und Dauerhaftigkeit erheblich beeinträchtigen kann . Zusätzlich zu diesen biologischen Risiken weist Holz hygroskopische Eigenschaften auf, die zu Quell- und Schwindverformungen führen, was unter Belastung zu erhöhten Beanspruchungen führen kann . Auch die akustische Emission kann als Technik genutzt werden, um Schäden frühzeitig zu erkennen, jedoch ist diese Methode auf kleine Bereiche beschränkt und erfordert hohe Präzision . Des Weiteren können beim Auftreten von Spannungskonzentrationen in kleinen Bereichen, weit unterhalb der elastischen Grenzen, akustische Emissionen auftreten, was zu einem Versagen des Bauteils führen kann .

Regelmäßigkeit von Bauwerken ist für die Erdbebenfestigkeit wichtig, da Bauwerke mit regelmäßigen geometrischen Formen besser in der Lage sind, die durch Erdbeben verursachten Kräfte gleichmäßig zu verteilen. Diese Regelmäßigkeit trägt zur Minimierung von Torsionskräften bei, die bei unregelmäßigen Formen auftreten können, wenn die Massenverteilung asymmetrisch ist. Eine gleichmäßige Verteilung der Massen und strukturellen Elemente verbessert ferner das Schwingungsverhalten und verringert die Gefahr von lokalisierten Resonanzphänomenen, die bei unregelmäßigen Bauwerken auftreten könnten. Dies erhöht die Stabilität und reduziert die Wahrscheinlichkeit von strukturellem Versagen während eines Erdbebens .

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