Erbrecht
Erbrecht
DIE ERBFOLGE
Allgemeine Informationen
- Erbfolge regelt die Frage, wer im Todesfall erbt
- Zwei Mögliche Konstellationen
o Verfügung von Todes wegen
o Gesetzliche Erbfolge
Die Verfügung von - Erblasser trifft selbst individuelle Entscheidung über die
Todes wegen Verteilung seines Erbes
- Rechtswirkung soll erst mit dem Tod eintreten
- Arten der Verfügung von Todes wegen
o Das Testament, §§ 1937, 2229 ff. BGB
o Das gemeinschaftliche Testament, §§ 2265 ff.
BGB
o Der Erbvertrag, §§ 1941, 2274 ff. BGB
Die gesetzliche Erb- - Greift ein, wenn keine Verfügung von Todes wegen er-
folge richtet wurde
- Unterscheidung zwischen gesetzliche Erbfolge für Ver-
wandte, §§ 1924 ff. BGB, und gesetzliche Erbfolge des
Ehegatten, §§ 1931 ff. BGB
Fiskus - BEACHTE: existiert keine Verfügung von Todes wegen &
sind auch keine Verwandten oder Ehegatten vorhanden,
erbt der Staat, § 1936 BGB
Ausschluss der Erb- - Enterbung, § 2303 ff. BGB
folge o Bedeutet, dass selbst, wenn der betroffene auf-
grund einer Verfügung von Todes wegen oder auf-
grund der gesetzlichen Erbfolge Erbe ist, immer
noch eine Enterbung stattfinden kann, § 1938
o ABER: schuldrechtlicher Anspruch gegen Erben
auf Auszahlung des Pflichtteils, § 2303 ff. BGB)
- Ausschlagung des Erbes, § 1942 ff. BGB
o Erbe hat es in der Hand sich selbst von der Erb-
folge auszuschließen
- Erbunwürdigkeit, §§ 2339 ff. BGB
o Tritt ein, wenn Erbe selbst Tod des Erblassers her-
beigeführt hat
- Erbverzicht, §§ 2346 ff. BGB
o Vertragsschluss zu Lebzeiten, wonach Erbe von
der Erbfolge ausgeschlossen sein soll
Gesetzliche Erbfolge bei Verwandten, §§ 1924 ff. BGB
Allgemeines - Greift, wenn keine Verfügung von Todes wegen besteht
- Parantalsystem nach den §§ 1924 – 1930 BGB
- Einteilung der Verwandten in Ordnungen; frühere Ord-
nung schließt Verwandten späterer Ordnung aus, § 1930
BGB
- Verwandtschaftsbegriff richtet sich nach § 1589 BGB
- Verwandte 1. Ordnung, § 1924 BGB
o Abkömmlinge des Erblassers = Kinder, Enkelkin-
der, Urenkelkinder
- Verwandte 2. Ordnung, § 1925 BGB
o Eltern des Erblassers + deren Abkömmlinge = Ge-
schwister, Nichten + Neffen des Erblassers
- Verwandte 3. Ordnung, § 1926 BGB
o Großeltern des Erblassers + deren Abkömmlinge =
Tanten + Onkel, Cousinen + Cousins des Erblas-
sers
- Verwandte 4. Ordnung, § 1928 BGB
o Urgroßeltern des Erblassers + deren Abkömmlige
Erben innerhalb der - jedes Kind des Erblassers begründet einen Stamm, der
1. Ordnung alle über dieses Kind mit Erblasser verwandten Abkömm-
ling umfasst, vgl. § 1924 III BGB
- nicht berücksichtigt werden Stämme, die bereits erlo-
schen sind
- auf berücksichtigungsfähige Stämme wird Nachlass zu
gleichen Teilen verteilt, § 1924 IV BGB
- Repräsentationsprinzip: der, mit dem Erblasser am
nächsten verwandte, Abkömmling eines Stammes
schließt die anderen Angehörigen desselben Stammes
von Erbfolge aus, § 1924 II BGB
- Eintrittsprinzip: ist ein Abkömmling zur Zeit des Erbfalls
bereits verstorben, treten die durch ihn mit dem Erblas-
ser verwandten Abkömmlinge an seine Stelle, § 1924 III
BGB
Erben innerhalb der - Voraussetzung: kein Erbe der 1. Ordnung ist vorhanden,
2. Ordnung § 1930 BGB
- Jeder Elternteil des Erblassers bildet mit seinen Ab-
kömmlingen eine Linie
- Nachlass wird auf beide Linien zu gleichen Teilen verteilt
- § 1925 Abs. 2 BGB: Leben zur Zeit des Erbfalls die Eltern
des Erblassers, erben sie zu gleichen Teilen + schließen
durch sie mit dem Erblasser verwandte Abkömmlinge
von Erbfolge aus
- Wenn Eltern nicht mehr leben: Abkömmlinge dieser Linie
erben über Erbfolge 1. Ordnung, Repräsentations- und
Eintrittsprinzip, § 1925 III 1 BGB
- Keine Abkömmlinge des verstorbenen Elternteils vorhan-
den, überlebende Elternteil erbt alleine, Erbschaft „wech-
selt“ die Linie, § 1925 III 2 BGB
Erben innerhalb der - Voraussetzung: kein Erbe der 1. + 2. Ordnung ist vorhan-
3. Ordnung den, § 1930 BGB
- Prinzip der Erbfolge nach Linien
- Jeder Großelternteil bildet mit seinen Abkömmlingen eine
Linie + Nachlass verteilt sich zu gleichen Teilen auf die
vier großelterlichen Linien, die getrennt zu beachten sind,
§ 1926 II BGB
- Lebt zur Zeit des Erbfalls ein Großelternteil nicht mehr,
treten an dessen Stellen dessen Abkömmlinge + nach
Grundsätzen über gesetzliche Erbfolge der 1. Ordnung, §
1926 V à Repräsentations- und Eintrittsprinzip
- Lebt zur Zeit des Erbfalls ein Großelternteil nicht mehr +
sind keine Abkömmlinge vorhanden, erben die anderen
Großeltern oder ihre Abkömmlinge
Das gesetzliche Erbrecht des überlebenden Ehegatten, §§ 1931 ff. BGB
Voraussetzungen für - Nach § 1931 I BGB: überlebender Ehegatte = gesetzli-
Erbberechtigung des cher Erbe
überlebenden Ehe- - Gründe: Näheverhältnis zum Ehegatten, Versorgungs-
gatten funktion des Erbrechts
- Voraussetzung: gültige Ege zwischen Erblasser und Ehe-
gatten
- Gesetzliches Erbrecht ist ausgeschlossen, wenn
o Voraussetzungen für Aufhebung der Ehe oder
Scheidung vorliegen
o Überlebender Ehegatte bestimmte Aufhebungs-
gründe kennt
- Kein gesetzliches Erbrecht bei einer nichtehelichen Le-
bensgemeinschaft
Erbquote des überle- - § 1931 I 1 regelt Erbquote des überlebenden Ehegatten,
benden Ehegatten im wenn Verwandte der 1. – 3. Ordnung noch leben
Allgemeinen (ohne - § 1931 I 2 BGB, wenn Großeltern + andere Abkömmlinge
Berücksichtigung gü- der 3. Ordnung vorhanden sind
terrechtlicher Ein- - Alleinerbe gem. § 1931 BGB, wenn keine weiteren Erben
flüsse) vorhanden sind
Gesetzliches Voraus- - Gesetzliches Vorausvermächtnis nach §§ 1932 II, 2150
vermächtnis des BGB
überlebenden Ehe- - Schuldrechtlicher Anspruch (§ 2174 BGB) auf Hochzeits-
gatten geschenke + Haushaltsgegenstände
Einfluss des Güter- (1) Gesetzlicher Güterstand der Zugewinngemeinschaft
rechts auf Erbquote - Gesetzlicher Güterstand der Zugewinngemeinschaft (§§
des überlebenden 1363 ff. BGB)
Ehegatten - § 1931 III iVm. § 1371 BGB ordnet Erhöhung der
Erbquote um ein weiteres ¼ an
(3) Nottestament
- außerordentliche Form des öffentlichen Testaments
- können nur in bestimmten Situationen errichtet werden
- beschränkte Gültigkeitsdauer von drei Monaten gem. §
2252 BGB
Höchstpersönlichkeit (1) formelle Höchstpersönlichkeit, § 2064 BGB
des Testamentes, §§ - muss persönlich durch eigene Erklärung des Erblassers
2064 f. BGB erreicht werden
- ausgeschlossen: Stellvertretung
- aber: Erblasser kann seinen letzten Willen diktieren à §
2232 BGB
(2) materielle Höchstpersönlichkeit, § 2065 BGB
- zugrunde liegen muss eine eigene Entscheidung hinsicht-
lich Geltung (§ 2065 I BGB) + Empfänger bzw. Gegen-
stand einer Zuwendung (§ 2065 II BGB)
- keine Entscheidung der Erbfolge über bspw. Losent-
scheid
- Ausnahmen: Bestimmung eines Vermächtnisnehmers (§§
2051 ff. BGB) bzw. eines Auflagenbegünstigten (§ 2139
BGB)
- Umstritten: Ermessensspielraum des Dritten
o BGH: Verletzung von § 2065 II BGB, da Erblasser
dem Dritten die Bestimmung des Erben überträgt
o A.A.: Kein Verstoß, da Erblasser schon eigene Ent-
scheidung getroffen hat + so keine willkürliche
Entscheidung des Dritten gegeben sei
Sonstige Wirksam- (1) § 134 BGB
keitshindernisse - Nach BGH: heimliche Begünstigungsverbote umfassen
auch erhebliche Verfügungen, soweit Bedachte bereits
zu Lebzeit des Erblassers Verfügung von Kenntnis er-
langt + dem Erblasser zumindest schlüssig sein Einver-
ständnis mit der Zuwendung erklärt
- Nach hM keine analoge Anwendung auf Verfügungen zu-
gunsten von Pflegekräften in der häuslichen bzw. mobi-
len Pflege
(2) § 138 BGB
- Ausgangspunkt: Verstöße nur zurückhaltend annehmen,
da § 138 I BGB die verfassungsrechtlich geschützte Tes-
tierfreiheit einschränkt
- Maßgebender Zeitpunkt: Erbfall, da Verfügung zu diesem
Zeitpunkt ihre Wirkung entfaltet
Ermittlung des Inhalts des Testamentes (Numerus Clausus)
Mögliche Inhalte der - § 1937 BGB: Erbeinsetzung
testamentarischen - § 1938 BGB: Enterbung gesetzlicher Erben ohne Erbein-
Verfügungen setzung
- Anordnung von Vermächtnissen (§ 1939 BGB) + Auflagen
(§ 1940 BGB)
- § 2048 BGB: Teilungsanordnungen
- Einsetzung von Ersatzerben (§ 2096 BGB) oder Nacher-
ben (§§ 2100 ff BGB) - § 2197 BGB: Anordnung der Tes-
tamentsvollstreckung
- § 2254 BGB: Widerruf letztwilliger Verfügungen
- § 2336 BGB: Pflichtteilsentziehungen
Allg. Grundsätze zur Ausgangspunkt: erläuternde, subjektive Auslegung des Tes-
Inhaltsermittlung taments
- Erblasserwille zum Zeitpunkt der Testamentserrichtung
ist zu ermitteln, § 133 BGB
- Keine Auslegung nach § 157 BGB, da Empfängerhorizont
nicht entscheidend
- Andeutungstheorie: wirkliche Erblasserwille ist nur inso-
weit beachtlich, als er zumindest andeutungswiese in
Testamentsurkunde zum Ausdruck kommt, da allenfalls
die für das Testament geltenden Formerfordernisse un-
terlaufen werden würden
Spezielle Auslegungsregeln bei unklarer Erklärung:
- Bei Zweifeln nach natürlicher Auslegung: spezielle Ausle-
gungsregel greifen
- Beziehen sich auf Unklarheit der Erklärung à Art der Ver-
fügung, § 2087 BGB
- Von Erbeinsetzung grds. Ausgehen, wenn Erblasser sein
Vermögen insgesamt oder Bruchteile davon einer Oerson
von Todes wegen zuwenden möchte
- Vermächtnisordnung, wenn Erblasser nur einzelne Ge-
genstände zuwenden möchte
- §§ 2066 ff BGB: Konkretisierung der Begriffe im Testa-
ment
- §§ 2088 ff BGB: Konkretisierung hinsichtlich Erbquote
- § 2084 BGB: Grundsatz der wohlwollenden Auslegung à
im Zweifel so auslegen, dass Verfügung wirksam ist
- § 2085 BGB: Unwirksamkeit einzelner Verfügungen à
im Zweifel von Wirksamkeit des Testamentes ausgehen
Spezielle Ergänzungsregeln bei planwidrigen Lücken im Tes-
tament:
- planwidrige Lücke, wenn sich die für die Willensent-
schließung des Erblassers maßgeblichen Umstände nach
der Testamentserrichtung + vor Erbfall wesentlich verän-
dert haben
- dann: hypothetischen Erblasserwillen ermitteln
- spezielle gesetzliche Ergänzungsregeln beachten: §§
2069, 2077 BGB
Allgemeine ergänzende Testamentsauslegung
- auch zu berücksichtigen: spätere Äußerung des Erblas-
sers
- aber Andeutungstheorie
Kein Außerkraftreten Reines Widerrufstestament, §2254 BGB:
des Testaments - Widerruf kann ausdrücklich oder konkludent erfolgen
durch Widerruf - Inhalt: Widerruf einer früheren testamentarischen Verfü-
gung
- Ist selbst ein Testament + unterliegt den gleichen Voraus-
setzungen wie ein sonstiges wirksames Testament
Widerruf durch Vernichtung oder Veränderung, § 2225 BGB
- Vernichtung: bspw. Zerreißen oder Verbrennen der Tes-
tamentsurkunde
- Veränderung: bspw. Streichen des Testaments, Vermerk
„ungültig“
- bei Widerruf nach § 2255 BGB müssen Voraussetzungen
für wirksames Testament vorliegen, aber teils modifiziert:
o § 2255 1 BGB setzt objektive Erklärungshandlung
voraus à muss Schluss auf objektiven Rechts-
bindungswillen zulassen
o Erklärungshandlung = Verrichtung bzw. Vernich-
tung des Testaments, kann auch von Dritten vor-
genommen werden (dürfen aber keinen eigenen
Entscheidungsspielraum haben)
o im subjektiven Tatbestand: Handlungs-, Erklä-
rungs- und Geschäftswille wird widerleglich ver-
mutet, § 2255 2 BGB
o Testator muss testierfähig sein (§ 2229 BGB)
- Formerfordernisse werden durch § 2255 BGB ersetzt
Widerruf durch Rücknahme aus amtlicher Verwahrung, §
2256 BGB
- Gilt nur beim öffentlichen Testament gem. § 2232 BGB
Widersprechendes späteres Testament, § 2258 BGB
- Testament wird insoweit aufgehoben, wenn ein inhaltlich
widersprechendes Testament errichtet wird
Widerruf des Widerrufs
- Führt im Zweifel zur Wirksamkeit des ursprünglich wider-
rufenen Testaments, §§ 2257, 2258 II BGB
Anfechtung des Testaments
1. Anfechtungsgründe
a. Erklärungs- bzw. Inhaltsirrtum, § 2078 I BGB
b. Motivirrtum iSv. § 2078 II Var. 1 BGB
c. Widerrechtliche Drohung, § 2078 II Var. 2 BGB
d. Übergehung eines Pflichtteilsberechtigten, § 2079 BGB
2. Anfechtungsberechtigung, § 2080 BGB
3. Anfechtungserklärung
a. Bei Erbeinsetzung, Enterbung, Ernennung eines Testamentsvollstrecker
bzw. Widerruf einer solchen Verfügung sowie bei Verfügungen, durch die
kein Recht für einen anderen begründet wird: § 2081 BGB
b. Bei anderen Verfügungen: § 143 BGB
4. Anfechtungsfrist, § 2082 BGB
5. Wirkung der Anfechtung: § 142 I BGB
Allg. Gesichtspunkte - §§ 2078 ff. BGB ergänzen die allgemeinen Anfechtungs-
regeln des BGB AT + gehen als Spezialnormen den §§
119 ff. BGB vor
- Vorrang der Auslegung: Wille des Erblassers ist soweit
wie möglich zur Geltung zu bringen
Anfechtungsgründe Irrtum in der Erklärungshandlung + Inhaltsirrtum, § 2078 I
BGB
- § 2078 I BGB ≈ § 119 I BGB à Erklärungs- und In-
haltsirrtum
- Unterschied zu § 119 I BGB: es kommt nicht darauf an,
dass Erblasser bei „verständiger Würdigung“ des Falls
die Verfügung nicht getroffen hätte
- allein entscheidend: Wille des Erblassers
- ausreichend allein Kausalität à Erblasser hätte bei
Kenntnis des Falls (dh ohne Irrtum) die Testamentserklä-
rung nicht abgegeben
Motivirrtum, § 2078 II Var. 1 BGB:
- § 2078 II Var. 1 BGB ≈ § 119 II BGB à jeder (!) Motivirr-
tum ist beachtlich
- Motivirrtum = irrige Annahme oder Erwartung des (Nicht-)
Eintritts eines Umstandes muss zum Zeitpunkt der Testa-
mentserrichtung bestehen
- nach § 2078 II Var. 1 BGB nur solche Vorstellungen be-
rücksichtigen, die Erblasser auch tatsächlich hatte
o auch (unbewusste) Vorstellungen, die Erblasser als
selbstverständlich seiner Verfügung zugrunde ge-
legt hat
- erforderlich: Kausalität des Irrtums für Verfügung à
Erblasser dürfte fragliche Verfügung bei Kenntnis der
wahren Entwicklung bzw. Umstände nicht getroffen ha-
ben
Widerrechtliche Drohung, § 2078 II Var. 2 BGB
- § 2078 II Var. 2 BGB ≈ § 123 I Var. 2 BGB
Übergehung eines Pflichtteilsberechtigten, § 2079 BGB:
- Anfechtungsberechtigt (§ 2080 III BGB) ist Pflichteilsbe-
rechtigter (§ 2303 BGB) in Fällen von § 2079 1 BGB à
muss übergangen worden sein
- Übergangen = ungewollter Ausschluss von der Erbfolge
- Kausalität zw. Irrtum + Verfügung wird vermutet, § 2079
2 BGB
Anfechtungsberechti- - Anfechtungsberechtigt ist nicht Erblasser, weil Testament
gung frei widerruflich ist, §§ 2253 BGB
- nach § 2080 I BGB ist derjenige anfechtungsberechtigt,
dem die Aufhebung des Testaments unmittelbar zustat-
ten käme à derjenige der Erbe wäre oder von einer
Verpflichtung befreit würde
- mehrere Anfechtungsberechtigte können selbstständig
anfechten à Anfechtung wirkt für + gegen alle
- Konkretisierung bei §§ 2078, 2079 BGB durch § 2080 II,
III BGB
Anfechtungserklä- - § 2081 BGB: Anfechtungserklärung bzgl. des Testa-
rung ments, das sich auf Erbeneinsetzung, Enterbung, Ernen-
nung eines Testamentsvollstreckers oder Widerruf einer
solchen Verfügung bezieht, erfolgt ggü. Nachlassgericht
o amtsempfangsbedürftige WE
- gleiches gilt bei § 2081 III BGB
- bei Testamenten, die eine andere letztwillige Verfügung
zum Inhalt haben, richtet sich die Anfechtungserklärung
nach § 143 BGB
Anfechtungsfrist - § 2082 BGB: Anfechtung ist innerhalb eines Jahres ab
Kenntniserlangung vom Anfechtungsgrund zu erklären
- Anfechtungsrecht erlischt spätestens 30 Jahre nach Erb-
fall, § 2082 III BGB
Rechtsfolge der An- - Testament ist ex tunc nichtig, § 142 I BGB
fechtung - Anfechtungsgegenstand ist nur eine konkrete letztwillige
Verfügung innerhalb des Testaments
o im Zweifel bleibt der Rest des Testaments nach §
2085 BGB wirksam
- umstritten, in welchem Umfang der Irrtum in Fällen des §
2079 BGB über einen Pflichtteilsberechtigten kausal für
Testament ist
o MM: Testament tritt nur insoweit außer Kraft, wie
es dem gesetzlichen Erbrecht des übergangenen
Pflichtteilsberechtigten entgegen- steht
o hM: Gesamtnichtigkeit des Testaments; aufrecht-
erhalten werden nach § 2079 2 BGB nur solche
Verfügungen, soweit anzunehmen ist, dass sie
Erblasser auch bei Kenntnis der tatsächlichen
Sachlage getroffen hätte
- keine Pflicht zum Ersatz des Vertrauensschadens gem. §
122 BGB, vgl. § 2078 III BGB
Vor- und Nacherbschaft, §§ 2100 ff. BGB
Allgemeine Gesichts- - § 2100 BGB: Erblasser kann Erben in der Weise ersetzen,
punkte dass dieser erste Erbe wird (= Nacherbe), nachdem zu-
nächst eine andere Person (= Vorerbe) Erbe geworden ist
- Abgrenzung des Nacherben vom Ersatzerben (§ 2096
BGB): Ersatzerbe wird nur dann Erbe, wenn die zunächst
berufene Person nie Erbe wird, weil sie entweder vor Erb-
fall verstirbt oder Erbschaft ausschläft
- Institut von Vor- und Nacherbschaft ermöglicht es Erb-
lasser sein Vermögen über Generationen hinweg mehre-
ren Erben zuzuweisen („Herrschaft aus dem Grab“)
- möglich auch: Einsetzung mehrerer Nacherben hinterei-
nander
o rechtspolitisch umstritten, durch BGH begrenzt,
sodass Einsetzung eines Nacherben grds. mit Ab-
lauf von 30 Jahren nach Erbfall unwirksam wird, §
2109 BGB
Rechtsposition des - Vorerbe unterliegt einer Reihe von Verfügungsbeschrän-
Vorerben kungen hinsichtlich des Nachlasses, vgl. §§ 2112 ff BGB
- keine Verfügung über Grundstücke/ Grundstücksrechte
gem. § 2113 I BGB
- keine unentgeltlichen Verfügungen über Nachlassgegen-
stände - Rechtsfolge unerlaubter Verfügungen:
o Verfügungen sind bei Nacherbfall unwirksam (vgl.
§ 2114 I, II BGB)
o nach § 2113 III BGB greifen Vorschriften über Gut-
glaubenserwerb ein, wenn Geschäftspartner hin-
sichtlich der Verfügungsbeschränkungen des Vor-
erben gutgläubig war
- Surrogation (§ 2111 BGB) stellt Erhaltung des Erb-
schaftsvermögens sicher
- Herausgabepflicht bei Eintritt des Nacherbfalls: nach §
2130 BGB muss Vorerbe im Nacherbfall den Nachlass an
Nacherben herausgeben:
o Erbschaft in dem Zustand herausgeben, der sich
bei ordnungsgemäßer Verwaltung ergibt
o Herausgabepflicht (–) hinsichtlich Nutzungen der
Erbschaft; Nutzungen stehen Vorerben zu
- Erblasser kann nach § 2136 BGB den Vorerben von Ver-
fügungsbeschränkungen + Verpflichtungen der §§ 2113
ff BGB befreien
Position des Nacher- - wenn Nacherbe vor Erbfall stirbt, kann er nach §§ 2108 I,
bens 1923 I BGB nicht Nacherbe werden
o wenn kein Ersatznacherbe à Nacherbfolge ist
unwirksam + Vorerbe wird zum Vollerben
- wenn Nacherbe nach Erbfall, aber vor Nacherbfall stirbt,
geht Recht des Nacherben gem. § 2108 II BGB auf
dessen Erben über (sofern kein anderer Wille des Erblas-
sers anzunehmen ist)
GEMEINSCHAFTLICHES TESTAMENT, §§ 2565 ff. BGB
Funktion und Wesen - einvernehmliche Nachlassplanung + aufeinander abge-
stimmte Verfügungen von Todes wegen (bei Ehegatten +
Lebenspartnern einer eingetragenen Lebenspartner-
schaft)
- Institut des gemeinschaftlichen (Ehegatten-) Testaments
- Jeder Ehegatte trifft eigenständige letztwillige Verfügun-
gen über den jeweils eigenen Nachlass à Verfügungen
sind aufeinander abgestimmt
- Vorschriften des §§ 2064 ff BGB finden Anwendung
- Annäherung an Erbvertrag, da es hinsichtlich bestimmter
(sog. wechselbezüglichen) Verfügungen Bindungswir-
kung entfaltet à Folge: können nicht gem. § 2253
BGB beliebig widerrufen werden
- nicht erforderlich: gemeinsame (= einheitliche) Urkunde
à § 2267 BGB ermöglicht eine einheitliche Urkunde,
schreibt dies aber nicht zwingend vor
Voraussetzungen für - Errichtung von Ehegatten + Lebenspartnern nach § 10 IV
die Errichtung LPartG, § 2265 BGB - wird Ehe der Erblasser noch vorm
Tod des erstversterbenden Partners aufgelöst à ge-
meinschaftliches Testament wird gem. § 2268 I BGB idR.
insgesamt nicht
- Verfügungen bleiben wirksam, insoweit anzunehmen ist,
dass sie auch für den Fall der Eheauflösung getroffen
worden sind, § 2268 II BGB - gemeinschaftliches Testa-
ment von anderen errichtet:
o nicht aber Umdeutung nach §140 BGB in Einzel-
testament, wenn Formvorschriften eingehalten
sind + darauf gerichteter hypothetischer Wille der
Beteiligten anzunehmen ist
Formprivileg, §§ 2267 - Formanforderungen der §§ 2231 ff. BGB gelten
BGB - Nicht erforderlich: notarielle Form gem. § 2276 BGB
- Formerleichterung durch § 2267 BGB: kommt nur dem
Ehegatten/ Partner zugute, der Text nicht eigenhändig
verfasst + lediglich mitunterzeichnet
Häufige Gestaltung - Häufige Gestaltung: jeder Ehegatte bedenkt den anderen
Ehegatten für den Fall des Vorversterbens + nach dem
Tod des überlebenden Ehegatten geht Nachlass an einen
Dritten (idR. Die gemeinsamen Kinder)
Trennungslösung
- Vermögen des erstversterbenden Ehegatten geht auf
überlebenden Ehegatten als Vorerbe über
- Mit Tod des überlebenden Ehegatten: Nacherbfall +
Nachlass des ersterbenden Ehegatten geht auf Kind als
Nacherben über
- Vermögen des überlebenden Ehegatten geht auf Kind als
Vollerben über