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Erbrecht

Das Dokument beschreibt die gesetzliche Erbfolge und die Möglichkeiten einer Verfügung von Todes wegen. Es werden die einzelnen Ordnungen der gesetzlichen Erbfolge bei Verwandten sowie das Erbrecht des überlebenden Ehegatten detailliert erläutert.

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Erbrecht

Das Dokument beschreibt die gesetzliche Erbfolge und die Möglichkeiten einer Verfügung von Todes wegen. Es werden die einzelnen Ordnungen der gesetzlichen Erbfolge bei Verwandten sowie das Erbrecht des überlebenden Ehegatten detailliert erläutert.

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Erbrecht

DIE ERBFOLGE
Allgemeine Informationen
- Erbfolge regelt die Frage, wer im Todesfall erbt
- Zwei Mögliche Konstellationen
o Verfügung von Todes wegen
o Gesetzliche Erbfolge
Die Verfügung von - Erblasser trifft selbst individuelle Entscheidung über die
Todes wegen Verteilung seines Erbes
- Rechtswirkung soll erst mit dem Tod eintreten
- Arten der Verfügung von Todes wegen
o Das Testament, §§ 1937, 2229 ff. BGB
o Das gemeinschaftliche Testament, §§ 2265 ff.
BGB
o Der Erbvertrag, §§ 1941, 2274 ff. BGB
Die gesetzliche Erb- - Greift ein, wenn keine Verfügung von Todes wegen er-
folge richtet wurde
- Unterscheidung zwischen gesetzliche Erbfolge für Ver-
wandte, §§ 1924 ff. BGB, und gesetzliche Erbfolge des
Ehegatten, §§ 1931 ff. BGB
Fiskus - BEACHTE: existiert keine Verfügung von Todes wegen &
sind auch keine Verwandten oder Ehegatten vorhanden,
erbt der Staat, § 1936 BGB
Ausschluss der Erb- - Enterbung, § 2303 ff. BGB
folge o Bedeutet, dass selbst, wenn der betroffene auf-
grund einer Verfügung von Todes wegen oder auf-
grund der gesetzlichen Erbfolge Erbe ist, immer
noch eine Enterbung stattfinden kann, § 1938
o ABER: schuldrechtlicher Anspruch gegen Erben
auf Auszahlung des Pflichtteils, § 2303 ff. BGB)
- Ausschlagung des Erbes, § 1942 ff. BGB
o Erbe hat es in der Hand sich selbst von der Erb-
folge auszuschließen
- Erbunwürdigkeit, §§ 2339 ff. BGB
o Tritt ein, wenn Erbe selbst Tod des Erblassers her-
beigeführt hat
- Erbverzicht, §§ 2346 ff. BGB
o Vertragsschluss zu Lebzeiten, wonach Erbe von
der Erbfolge ausgeschlossen sein soll
Gesetzliche Erbfolge bei Verwandten, §§ 1924 ff. BGB
Allgemeines - Greift, wenn keine Verfügung von Todes wegen besteht
- Parantalsystem nach den §§ 1924 – 1930 BGB
- Einteilung der Verwandten in Ordnungen; frühere Ord-
nung schließt Verwandten späterer Ordnung aus, § 1930
BGB
- Verwandtschaftsbegriff richtet sich nach § 1589 BGB
- Verwandte 1. Ordnung, § 1924 BGB
o Abkömmlinge des Erblassers = Kinder, Enkelkin-
der, Urenkelkinder
- Verwandte 2. Ordnung, § 1925 BGB
o Eltern des Erblassers + deren Abkömmlinge = Ge-
schwister, Nichten + Neffen des Erblassers
- Verwandte 3. Ordnung, § 1926 BGB
o Großeltern des Erblassers + deren Abkömmlinge =
Tanten + Onkel, Cousinen + Cousins des Erblas-
sers
- Verwandte 4. Ordnung, § 1928 BGB
o Urgroßeltern des Erblassers + deren Abkömmlige
Erben innerhalb der - jedes Kind des Erblassers begründet einen Stamm, der
1. Ordnung alle über dieses Kind mit Erblasser verwandten Abkömm-
ling umfasst, vgl. § 1924 III BGB
- nicht berücksichtigt werden Stämme, die bereits erlo-
schen sind
- auf berücksichtigungsfähige Stämme wird Nachlass zu
gleichen Teilen verteilt, § 1924 IV BGB
- Repräsentationsprinzip: der, mit dem Erblasser am
nächsten verwandte, Abkömmling eines Stammes
schließt die anderen Angehörigen desselben Stammes
von Erbfolge aus, § 1924 II BGB
- Eintrittsprinzip: ist ein Abkömmling zur Zeit des Erbfalls
bereits verstorben, treten die durch ihn mit dem Erblas-
ser verwandten Abkömmlinge an seine Stelle, § 1924 III
BGB
Erben innerhalb der - Voraussetzung: kein Erbe der 1. Ordnung ist vorhanden,
2. Ordnung § 1930 BGB
- Jeder Elternteil des Erblassers bildet mit seinen Ab-
kömmlingen eine Linie
- Nachlass wird auf beide Linien zu gleichen Teilen verteilt
- § 1925 Abs. 2 BGB: Leben zur Zeit des Erbfalls die Eltern
des Erblassers, erben sie zu gleichen Teilen + schließen
durch sie mit dem Erblasser verwandte Abkömmlinge
von Erbfolge aus
- Wenn Eltern nicht mehr leben: Abkömmlinge dieser Linie
erben über Erbfolge 1. Ordnung, Repräsentations- und
Eintrittsprinzip, § 1925 III 1 BGB
- Keine Abkömmlinge des verstorbenen Elternteils vorhan-
den, überlebende Elternteil erbt alleine, Erbschaft „wech-
selt“ die Linie, § 1925 III 2 BGB
Erben innerhalb der - Voraussetzung: kein Erbe der 1. + 2. Ordnung ist vorhan-
3. Ordnung den, § 1930 BGB
- Prinzip der Erbfolge nach Linien
- Jeder Großelternteil bildet mit seinen Abkömmlingen eine
Linie + Nachlass verteilt sich zu gleichen Teilen auf die
vier großelterlichen Linien, die getrennt zu beachten sind,
§ 1926 II BGB
- Lebt zur Zeit des Erbfalls ein Großelternteil nicht mehr,
treten an dessen Stellen dessen Abkömmlinge + nach
Grundsätzen über gesetzliche Erbfolge der 1. Ordnung, §
1926 V à Repräsentations- und Eintrittsprinzip
- Lebt zur Zeit des Erbfalls ein Großelternteil nicht mehr +
sind keine Abkömmlinge vorhanden, erben die anderen
Großeltern oder ihre Abkömmlinge
Das gesetzliche Erbrecht des überlebenden Ehegatten, §§ 1931 ff. BGB
Voraussetzungen für - Nach § 1931 I BGB: überlebender Ehegatte = gesetzli-
Erbberechtigung des cher Erbe
überlebenden Ehe- - Gründe: Näheverhältnis zum Ehegatten, Versorgungs-
gatten funktion des Erbrechts
- Voraussetzung: gültige Ege zwischen Erblasser und Ehe-
gatten
- Gesetzliches Erbrecht ist ausgeschlossen, wenn
o Voraussetzungen für Aufhebung der Ehe oder
Scheidung vorliegen
o Überlebender Ehegatte bestimmte Aufhebungs-
gründe kennt
- Kein gesetzliches Erbrecht bei einer nichtehelichen Le-
bensgemeinschaft
Erbquote des überle- - § 1931 I 1 regelt Erbquote des überlebenden Ehegatten,
benden Ehegatten im wenn Verwandte der 1. – 3. Ordnung noch leben
Allgemeinen (ohne - § 1931 I 2 BGB, wenn Großeltern + andere Abkömmlinge
Berücksichtigung gü- der 3. Ordnung vorhanden sind
terrechtlicher Ein- - Alleinerbe gem. § 1931 BGB, wenn keine weiteren Erben
flüsse) vorhanden sind
Gesetzliches Voraus- - Gesetzliches Vorausvermächtnis nach §§ 1932 II, 2150
vermächtnis des BGB
überlebenden Ehe- - Schuldrechtlicher Anspruch (§ 2174 BGB) auf Hochzeits-
gatten geschenke + Haushaltsgegenstände
Einfluss des Güter- (1) Gesetzlicher Güterstand der Zugewinngemeinschaft
rechts auf Erbquote - Gesetzlicher Güterstand der Zugewinngemeinschaft (§§
des überlebenden 1363 ff. BGB)
Ehegatten - § 1931 III iVm. § 1371 BGB ordnet Erhöhung der
Erbquote um ein weiteres ¼ an

(2) Güterstand der Gütertrennung (§ 1414 BGB)


- Nach § 1931 IV BGB: Erhöhung der Erbquote des Erblas-
sers zu gleichen Teilen mit dem Kind/ den Kindern (also
½ bzw. 1/3)

(3) Güterstand der Gütergemeinschaft (§ 1415 ff. BGB)


- Grundregel des § 1931 I BGB bleibt bestehen
- Keine Erhöhung des Erbteils des überlebenden Ehegat-
ten
Position des überle- - § 1377 II HS 1 BGB: überlebender Ehegatte kann Zuge-
benden Ehegatten, winnausgleich nach §§ 1373 ff BGB verlangen = schul-
der nicht Erbe wird rechtliche Ausgleichsforderung gegen den Nachlass
- § 1377 II HS 2 BGB: überlebender Ehegatte kann sog.
kleinen Pflichtteil nach § 2303 II BGB verlangen = Geld-
zahlungsforderung gegen den Nachlass
- nach hM kein Wahlrecht zw. Verzicht auf Durchführung
des Zugewinnausgleichs + Verlangen des großen Pflicht-
teils
- großer Pflichtteil = Pflichtteil errechnete auf Grundlage
des nach § 1371 I BGB erhöhten gesetzlichen Erbteils
- kleiner Pflichtteil = Pflichtteil errechnet auf Grundlage des
nicht nach § 1371 I BGB erhöhten gesetzlichen Erbteils

Gesetzliches Erbrecht des Staates


Staat als gesetzlicher - Staat als gesetzlicher Erbe gem. § 1936 BGB, wenn kein
Erbe Erbe bestimmt + keine Verwandten als gesetzliche Erben
vorhanden
- § 1936 1 BGB: Erbe = Bundesland, in dem Erblasser letz-
ten Wohnsitz hatte
- § 1936 2 BGB: Erbe = Bund, wenn Erblasser Wohnsitz im
Ausland hatte
- Nachlassgericht muss Staat als Erben gem. § 1966 BGB
feststellen
- Staat kann gem. § 1938 BGB vom Erblasser nicht enterbt
werden
- Staat kann gem. § 1942 II BGB (gesetzliche) Erbschaft
nicht ausschlagen + keinen Erbverzichtsvertrag gem. §
2346 I BGB abschließen
DAS TESTAMENT
Schema Testament
1. Tatbestand einer einseitigen, nichtempfangsbedürftigen Willenserklärung
a. Objektiver Erklärungstatbestand
b. Subjektiver Erklärungstatbestand
c. Abgabe der WE
2. Keine Wirksamkeitshindernisse
a. Testierfähigkeit des Erblassers
b. Formwirksamkeit
c. Höchstpersönlichkeit, § 2064 BGB
d. Sonstige Wirksamkeitshindernisse
3. Ermittlung des Inhaltes des Testaments
a. Erforschung des wirklichen Erblasserwillens im Zeitpunkt der Testaments-
errichtung, § 133 BGB
b. Bei verbleibenden Zweifeln: Anwendung der speziellen erbrechtlichen
Auslegungsregeln
c. Bei unvorhergesehenen Entwicklung nach Testamentserrichtung (+ vor
Erbfall): Erforschung des mutmaßlichen Erblasserwillens zum Zeitpunkt
der Testamentserrichtung anhand der speziellen Ergänzungsregeln
d. Greift keine gesetzliche Ergänzungsregel: allgemeine ergänzende Testa-
mentsauslegung heranzuziehen
4. Kein Außerkrafttreten des Testaments
Allgemeines - nach § 1937 BGB: einseitige Verfügung von Todes we-
gen (= letztwillige Verfügung)
- Testament = einseitiges, nicht empfangsbedürftiges
Rechtsgeschäft
- Bestimmung des oder der Erben, aber auch
o Enterbung (§ 1938 BGB)
o Anordnung einer Beschränkung des Erben
§ durch Vermächtnis (§§ 1939, 2147 ff BGB)
§ durch Auflage (§§ 1940, 2192 ff BGB)
§ durch Testamentsvollstreckung (§§ 2197 ff
BGB)
o Anordnungen bzgl. Verteilung des Nachlasses
o Entziehung des Pflichtteils (§§ 2333, 2336 I BGB)
Tatbestand einer einseitigen, nichtempfangsbedürftigen Willenserklärung
Objektiver Tatbe- - Erklärungshandlung, die einen objektiven Rechtsbin-
stand dungswillen (= Testamentserrichtungswillen) erkennen
lässt
- wenn zweifelhaft: Auslegung nach § 133 BGB, aber keine
Anwendung von § 2084 BGB
- § 2084 BGB gilt nur, wenn geklärt ist, dass Tatbestand
eines Testaments erfüllt ist
Subjektiver Tatbe- - Handlungswille + Erklärungsbewusstsein des Testators
stand erforderlich
- nicht ausreichend: potentielles Erklärungsbewusstsein,
da kein Verkehrsschutzbedürfnis besteht
Abgabe - Gültigkeit bereits mit Abgabe der WE (Zugang nicht erfor-
derlich)
Keine Wirksamkeitshindernisse
Testierfähigkeit, § - Testament nur wirksam, wenn Verfügende testierfähig ist
229 BGB - Testierfähig: Minderjährige, die das 16. Lebensjahr voll-
endet haben, § 2229 II BGB (können Testament nur in
Form des öffentlichen Testaments errichten); alle Perso-
nen, die Volljährig sind
- Nicht testierfähig:
o Minderjährige, die noch nicht das 16. Lebensjahr
vollendet haben
o In Fällen von § 2229 IV BGB
- Beweislast liegt bei demjenigen, der Unwirksamkeit einer
letztwilligen Verfügung geltend macht
Formwirksamkeit (1) Das eigenhändige Testament
- Gilt nicht für Minderjährige + Leseunfähige, § 2247 IV
BGB
- Angabe von Ort + Zeit der Errichtung gem. § 2247 II BGB
- Rechtsfolge bei Verstoß: keine Unwirksamkeit, aber §
2247 V BGB
- § 2247 I Var. 1 BGB: gesamter Text des Testaments
muss eigenhändig vom Erblasser verfasst worden sein
o Unerheblich: Sprache + Schriftart
- § 2247 I Var. 2 BGB: eigenhändige Unterschrift des Erb-
lassers
o Mit Vor- und Familiennamen, § 2247 III 1 BGB
o Indifikations- und Abschlussfunktion der Unter-
schrift
o Rechtsfolge: keine Unwirksamkeit, aber Beweis-
nachteile nach § 2247 III 2 BGB
Kasuistik zum Unterschrifsterfordernis
- Nachträgliche Zusätze bedürfen nicht notwendig einer
erneuten Unterschrift (hM), entscheidend ist, ob späte-
rer Zusatz noch von urspr. Unterschrift gedeckt ist
- Ausreichend: Unterschrift neben oder über Text, wenn
kein Platz auf Urkunde verbleibt + Unterschrift auf Um-
schlag (verschlossen)
- Nicht ausreichend: Selbstnennung im Text + Unter-
schrift auf Umschlag (unverschlossen)
- Bei mehreren Blättern: ausreichend, wenn sich Unter-
schrift auf alle Blätter bezieht

(2) Das öffentliche Testament


- § 2232 BGB: Mitwirkung des Notars zur Beratung bei
Testamentserrichtung
- Wahl zwischen drei Errichtungsformen
- § 2232 1 BGB: Erklärung des letzten Willens erfolgt ggü.
dem Notar
- § 2232 2 BGB: Übergabe einer offenen (Var. 1) oder ver-
schlossenen Schrift (Var. 2)
- §§ 2232 1, 2 Var. 1 BGB: gelten für MJ + Leseunfähige (§
2233 BGB)
- § 2232 2 Var. 2 BGB: gilt nicht für MJ + Leseunfähige (§
2233 BGB)
- ist in besondere amtliche Verwahrung zu nehmen (§ 34 I
BeurkG)
Vorteile Nachteile
- Beratung durch Notar à - Aufwändiges Verfahren
Rechtsklarheit und -si- - Entstehung von Kosten
cherheit
- Keine Gefahr nachträgli-
cher Verfälschung/ Ma-
nipulation

(3) Nottestament
- außerordentliche Form des öffentlichen Testaments
- können nur in bestimmten Situationen errichtet werden
- beschränkte Gültigkeitsdauer von drei Monaten gem. §
2252 BGB
Höchstpersönlichkeit (1) formelle Höchstpersönlichkeit, § 2064 BGB
des Testamentes, §§ - muss persönlich durch eigene Erklärung des Erblassers
2064 f. BGB erreicht werden
- ausgeschlossen: Stellvertretung
- aber: Erblasser kann seinen letzten Willen diktieren à §
2232 BGB
(2) materielle Höchstpersönlichkeit, § 2065 BGB
- zugrunde liegen muss eine eigene Entscheidung hinsicht-
lich Geltung (§ 2065 I BGB) + Empfänger bzw. Gegen-
stand einer Zuwendung (§ 2065 II BGB)
- keine Entscheidung der Erbfolge über bspw. Losent-
scheid
- Ausnahmen: Bestimmung eines Vermächtnisnehmers (§§
2051 ff. BGB) bzw. eines Auflagenbegünstigten (§ 2139
BGB)
- Umstritten: Ermessensspielraum des Dritten
o BGH: Verletzung von § 2065 II BGB, da Erblasser
dem Dritten die Bestimmung des Erben überträgt
o A.A.: Kein Verstoß, da Erblasser schon eigene Ent-
scheidung getroffen hat + so keine willkürliche
Entscheidung des Dritten gegeben sei
Sonstige Wirksam- (1) § 134 BGB
keitshindernisse - Nach BGH: heimliche Begünstigungsverbote umfassen
auch erhebliche Verfügungen, soweit Bedachte bereits
zu Lebzeit des Erblassers Verfügung von Kenntnis er-
langt + dem Erblasser zumindest schlüssig sein Einver-
ständnis mit der Zuwendung erklärt
- Nach hM keine analoge Anwendung auf Verfügungen zu-
gunsten von Pflegekräften in der häuslichen bzw. mobi-
len Pflege
(2) § 138 BGB
- Ausgangspunkt: Verstöße nur zurückhaltend annehmen,
da § 138 I BGB die verfassungsrechtlich geschützte Tes-
tierfreiheit einschränkt
- Maßgebender Zeitpunkt: Erbfall, da Verfügung zu diesem
Zeitpunkt ihre Wirkung entfaltet
Ermittlung des Inhalts des Testamentes (Numerus Clausus)
Mögliche Inhalte der - § 1937 BGB: Erbeinsetzung
testamentarischen - § 1938 BGB: Enterbung gesetzlicher Erben ohne Erbein-
Verfügungen setzung
- Anordnung von Vermächtnissen (§ 1939 BGB) + Auflagen
(§ 1940 BGB)
- § 2048 BGB: Teilungsanordnungen
- Einsetzung von Ersatzerben (§ 2096 BGB) oder Nacher-
ben (§§ 2100 ff BGB) - § 2197 BGB: Anordnung der Tes-
tamentsvollstreckung
- § 2254 BGB: Widerruf letztwilliger Verfügungen
- § 2336 BGB: Pflichtteilsentziehungen
Allg. Grundsätze zur Ausgangspunkt: erläuternde, subjektive Auslegung des Tes-
Inhaltsermittlung taments
- Erblasserwille zum Zeitpunkt der Testamentserrichtung
ist zu ermitteln, § 133 BGB
- Keine Auslegung nach § 157 BGB, da Empfängerhorizont
nicht entscheidend
- Andeutungstheorie: wirkliche Erblasserwille ist nur inso-
weit beachtlich, als er zumindest andeutungswiese in
Testamentsurkunde zum Ausdruck kommt, da allenfalls
die für das Testament geltenden Formerfordernisse un-
terlaufen werden würden
Spezielle Auslegungsregeln bei unklarer Erklärung:
- Bei Zweifeln nach natürlicher Auslegung: spezielle Ausle-
gungsregel greifen
- Beziehen sich auf Unklarheit der Erklärung à Art der Ver-
fügung, § 2087 BGB
- Von Erbeinsetzung grds. Ausgehen, wenn Erblasser sein
Vermögen insgesamt oder Bruchteile davon einer Oerson
von Todes wegen zuwenden möchte
- Vermächtnisordnung, wenn Erblasser nur einzelne Ge-
genstände zuwenden möchte
- §§ 2066 ff BGB: Konkretisierung der Begriffe im Testa-
ment
- §§ 2088 ff BGB: Konkretisierung hinsichtlich Erbquote
- § 2084 BGB: Grundsatz der wohlwollenden Auslegung à
im Zweifel so auslegen, dass Verfügung wirksam ist
- § 2085 BGB: Unwirksamkeit einzelner Verfügungen à
im Zweifel von Wirksamkeit des Testamentes ausgehen
Spezielle Ergänzungsregeln bei planwidrigen Lücken im Tes-
tament:
- planwidrige Lücke, wenn sich die für die Willensent-
schließung des Erblassers maßgeblichen Umstände nach
der Testamentserrichtung + vor Erbfall wesentlich verän-
dert haben
- dann: hypothetischen Erblasserwillen ermitteln
- spezielle gesetzliche Ergänzungsregeln beachten: §§
2069, 2077 BGB
Allgemeine ergänzende Testamentsauslegung
- auch zu berücksichtigen: spätere Äußerung des Erblas-
sers
- aber Andeutungstheorie
Kein Außerkraftreten Reines Widerrufstestament, §2254 BGB:
des Testaments - Widerruf kann ausdrücklich oder konkludent erfolgen
durch Widerruf - Inhalt: Widerruf einer früheren testamentarischen Verfü-
gung
- Ist selbst ein Testament + unterliegt den gleichen Voraus-
setzungen wie ein sonstiges wirksames Testament
Widerruf durch Vernichtung oder Veränderung, § 2225 BGB
- Vernichtung: bspw. Zerreißen oder Verbrennen der Tes-
tamentsurkunde
- Veränderung: bspw. Streichen des Testaments, Vermerk
„ungültig“
- bei Widerruf nach § 2255 BGB müssen Voraussetzungen
für wirksames Testament vorliegen, aber teils modifiziert:
o § 2255 1 BGB setzt objektive Erklärungshandlung
voraus à muss Schluss auf objektiven Rechts-
bindungswillen zulassen
o Erklärungshandlung = Verrichtung bzw. Vernich-
tung des Testaments, kann auch von Dritten vor-
genommen werden (dürfen aber keinen eigenen
Entscheidungsspielraum haben)
o im subjektiven Tatbestand: Handlungs-, Erklä-
rungs- und Geschäftswille wird widerleglich ver-
mutet, § 2255 2 BGB
o Testator muss testierfähig sein (§ 2229 BGB)
- Formerfordernisse werden durch § 2255 BGB ersetzt
Widerruf durch Rücknahme aus amtlicher Verwahrung, §
2256 BGB
- Gilt nur beim öffentlichen Testament gem. § 2232 BGB
Widersprechendes späteres Testament, § 2258 BGB
- Testament wird insoweit aufgehoben, wenn ein inhaltlich
widersprechendes Testament errichtet wird
Widerruf des Widerrufs
- Führt im Zweifel zur Wirksamkeit des ursprünglich wider-
rufenen Testaments, §§ 2257, 2258 II BGB
Anfechtung des Testaments
1. Anfechtungsgründe
a. Erklärungs- bzw. Inhaltsirrtum, § 2078 I BGB
b. Motivirrtum iSv. § 2078 II Var. 1 BGB
c. Widerrechtliche Drohung, § 2078 II Var. 2 BGB
d. Übergehung eines Pflichtteilsberechtigten, § 2079 BGB
2. Anfechtungsberechtigung, § 2080 BGB
3. Anfechtungserklärung
a. Bei Erbeinsetzung, Enterbung, Ernennung eines Testamentsvollstrecker
bzw. Widerruf einer solchen Verfügung sowie bei Verfügungen, durch die
kein Recht für einen anderen begründet wird: § 2081 BGB
b. Bei anderen Verfügungen: § 143 BGB
4. Anfechtungsfrist, § 2082 BGB
5. Wirkung der Anfechtung: § 142 I BGB
Allg. Gesichtspunkte - §§ 2078 ff. BGB ergänzen die allgemeinen Anfechtungs-
regeln des BGB AT + gehen als Spezialnormen den §§
119 ff. BGB vor
- Vorrang der Auslegung: Wille des Erblassers ist soweit
wie möglich zur Geltung zu bringen
Anfechtungsgründe Irrtum in der Erklärungshandlung + Inhaltsirrtum, § 2078 I
BGB
- § 2078 I BGB ≈ § 119 I BGB à Erklärungs- und In-
haltsirrtum
- Unterschied zu § 119 I BGB: es kommt nicht darauf an,
dass Erblasser bei „verständiger Würdigung“ des Falls
die Verfügung nicht getroffen hätte
- allein entscheidend: Wille des Erblassers
- ausreichend allein Kausalität à Erblasser hätte bei
Kenntnis des Falls (dh ohne Irrtum) die Testamentserklä-
rung nicht abgegeben
Motivirrtum, § 2078 II Var. 1 BGB:
- § 2078 II Var. 1 BGB ≈ § 119 II BGB à jeder (!) Motivirr-
tum ist beachtlich
- Motivirrtum = irrige Annahme oder Erwartung des (Nicht-)
Eintritts eines Umstandes muss zum Zeitpunkt der Testa-
mentserrichtung bestehen
- nach § 2078 II Var. 1 BGB nur solche Vorstellungen be-
rücksichtigen, die Erblasser auch tatsächlich hatte
o auch (unbewusste) Vorstellungen, die Erblasser als
selbstverständlich seiner Verfügung zugrunde ge-
legt hat
- erforderlich: Kausalität des Irrtums für Verfügung à
Erblasser dürfte fragliche Verfügung bei Kenntnis der
wahren Entwicklung bzw. Umstände nicht getroffen ha-
ben
Widerrechtliche Drohung, § 2078 II Var. 2 BGB
- § 2078 II Var. 2 BGB ≈ § 123 I Var. 2 BGB
Übergehung eines Pflichtteilsberechtigten, § 2079 BGB:
- Anfechtungsberechtigt (§ 2080 III BGB) ist Pflichteilsbe-
rechtigter (§ 2303 BGB) in Fällen von § 2079 1 BGB à
muss übergangen worden sein
- Übergangen = ungewollter Ausschluss von der Erbfolge
- Kausalität zw. Irrtum + Verfügung wird vermutet, § 2079
2 BGB
Anfechtungsberechti- - Anfechtungsberechtigt ist nicht Erblasser, weil Testament
gung frei widerruflich ist, §§ 2253 BGB
- nach § 2080 I BGB ist derjenige anfechtungsberechtigt,
dem die Aufhebung des Testaments unmittelbar zustat-
ten käme à derjenige der Erbe wäre oder von einer
Verpflichtung befreit würde
- mehrere Anfechtungsberechtigte können selbstständig
anfechten à Anfechtung wirkt für + gegen alle
- Konkretisierung bei §§ 2078, 2079 BGB durch § 2080 II,
III BGB
Anfechtungserklä- - § 2081 BGB: Anfechtungserklärung bzgl. des Testa-
rung ments, das sich auf Erbeneinsetzung, Enterbung, Ernen-
nung eines Testamentsvollstreckers oder Widerruf einer
solchen Verfügung bezieht, erfolgt ggü. Nachlassgericht
o amtsempfangsbedürftige WE
- gleiches gilt bei § 2081 III BGB
- bei Testamenten, die eine andere letztwillige Verfügung
zum Inhalt haben, richtet sich die Anfechtungserklärung
nach § 143 BGB
Anfechtungsfrist - § 2082 BGB: Anfechtung ist innerhalb eines Jahres ab
Kenntniserlangung vom Anfechtungsgrund zu erklären
- Anfechtungsrecht erlischt spätestens 30 Jahre nach Erb-
fall, § 2082 III BGB
Rechtsfolge der An- - Testament ist ex tunc nichtig, § 142 I BGB
fechtung - Anfechtungsgegenstand ist nur eine konkrete letztwillige
Verfügung innerhalb des Testaments
o im Zweifel bleibt der Rest des Testaments nach §
2085 BGB wirksam
- umstritten, in welchem Umfang der Irrtum in Fällen des §
2079 BGB über einen Pflichtteilsberechtigten kausal für
Testament ist
o MM: Testament tritt nur insoweit außer Kraft, wie
es dem gesetzlichen Erbrecht des übergangenen
Pflichtteilsberechtigten entgegen- steht
o hM: Gesamtnichtigkeit des Testaments; aufrecht-
erhalten werden nach § 2079 2 BGB nur solche
Verfügungen, soweit anzunehmen ist, dass sie
Erblasser auch bei Kenntnis der tatsächlichen
Sachlage getroffen hätte
- keine Pflicht zum Ersatz des Vertrauensschadens gem. §
122 BGB, vgl. § 2078 III BGB
Vor- und Nacherbschaft, §§ 2100 ff. BGB
Allgemeine Gesichts- - § 2100 BGB: Erblasser kann Erben in der Weise ersetzen,
punkte dass dieser erste Erbe wird (= Nacherbe), nachdem zu-
nächst eine andere Person (= Vorerbe) Erbe geworden ist
- Abgrenzung des Nacherben vom Ersatzerben (§ 2096
BGB): Ersatzerbe wird nur dann Erbe, wenn die zunächst
berufene Person nie Erbe wird, weil sie entweder vor Erb-
fall verstirbt oder Erbschaft ausschläft
- Institut von Vor- und Nacherbschaft ermöglicht es Erb-
lasser sein Vermögen über Generationen hinweg mehre-
ren Erben zuzuweisen („Herrschaft aus dem Grab“)
- möglich auch: Einsetzung mehrerer Nacherben hinterei-
nander
o rechtspolitisch umstritten, durch BGH begrenzt,
sodass Einsetzung eines Nacherben grds. mit Ab-
lauf von 30 Jahren nach Erbfall unwirksam wird, §
2109 BGB
Rechtsposition des - Vorerbe unterliegt einer Reihe von Verfügungsbeschrän-
Vorerben kungen hinsichtlich des Nachlasses, vgl. §§ 2112 ff BGB
- keine Verfügung über Grundstücke/ Grundstücksrechte
gem. § 2113 I BGB
- keine unentgeltlichen Verfügungen über Nachlassgegen-
stände - Rechtsfolge unerlaubter Verfügungen:
o Verfügungen sind bei Nacherbfall unwirksam (vgl.
§ 2114 I, II BGB)
o nach § 2113 III BGB greifen Vorschriften über Gut-
glaubenserwerb ein, wenn Geschäftspartner hin-
sichtlich der Verfügungsbeschränkungen des Vor-
erben gutgläubig war
- Surrogation (§ 2111 BGB) stellt Erhaltung des Erb-
schaftsvermögens sicher
- Herausgabepflicht bei Eintritt des Nacherbfalls: nach §
2130 BGB muss Vorerbe im Nacherbfall den Nachlass an
Nacherben herausgeben:
o Erbschaft in dem Zustand herausgeben, der sich
bei ordnungsgemäßer Verwaltung ergibt
o Herausgabepflicht (–) hinsichtlich Nutzungen der
Erbschaft; Nutzungen stehen Vorerben zu
- Erblasser kann nach § 2136 BGB den Vorerben von Ver-
fügungsbeschränkungen + Verpflichtungen der §§ 2113
ff BGB befreien
Position des Nacher- - wenn Nacherbe vor Erbfall stirbt, kann er nach §§ 2108 I,
bens 1923 I BGB nicht Nacherbe werden
o wenn kein Ersatznacherbe à Nacherbfolge ist
unwirksam + Vorerbe wird zum Vollerben
- wenn Nacherbe nach Erbfall, aber vor Nacherbfall stirbt,
geht Recht des Nacherben gem. § 2108 II BGB auf
dessen Erben über (sofern kein anderer Wille des Erblas-
sers anzunehmen ist)
GEMEINSCHAFTLICHES TESTAMENT, §§ 2565 ff. BGB
Funktion und Wesen - einvernehmliche Nachlassplanung + aufeinander abge-
stimmte Verfügungen von Todes wegen (bei Ehegatten +
Lebenspartnern einer eingetragenen Lebenspartner-
schaft)
- Institut des gemeinschaftlichen (Ehegatten-) Testaments
- Jeder Ehegatte trifft eigenständige letztwillige Verfügun-
gen über den jeweils eigenen Nachlass à Verfügungen
sind aufeinander abgestimmt
- Vorschriften des §§ 2064 ff BGB finden Anwendung
- Annäherung an Erbvertrag, da es hinsichtlich bestimmter
(sog. wechselbezüglichen) Verfügungen Bindungswir-
kung entfaltet à Folge: können nicht gem. § 2253
BGB beliebig widerrufen werden
- nicht erforderlich: gemeinsame (= einheitliche) Urkunde
à § 2267 BGB ermöglicht eine einheitliche Urkunde,
schreibt dies aber nicht zwingend vor
Voraussetzungen für - Errichtung von Ehegatten + Lebenspartnern nach § 10 IV
die Errichtung LPartG, § 2265 BGB - wird Ehe der Erblasser noch vorm
Tod des erstversterbenden Partners aufgelöst à ge-
meinschaftliches Testament wird gem. § 2268 I BGB idR.
insgesamt nicht
- Verfügungen bleiben wirksam, insoweit anzunehmen ist,
dass sie auch für den Fall der Eheauflösung getroffen
worden sind, § 2268 II BGB - gemeinschaftliches Testa-
ment von anderen errichtet:
o nicht aber Umdeutung nach §140 BGB in Einzel-
testament, wenn Formvorschriften eingehalten
sind + darauf gerichteter hypothetischer Wille der
Beteiligten anzunehmen ist
Formprivileg, §§ 2267 - Formanforderungen der §§ 2231 ff. BGB gelten
BGB - Nicht erforderlich: notarielle Form gem. § 2276 BGB
- Formerleichterung durch § 2267 BGB: kommt nur dem
Ehegatten/ Partner zugute, der Text nicht eigenhändig
verfasst + lediglich mitunterzeichnet
Häufige Gestaltung - Häufige Gestaltung: jeder Ehegatte bedenkt den anderen
Ehegatten für den Fall des Vorversterbens + nach dem
Tod des überlebenden Ehegatten geht Nachlass an einen
Dritten (idR. Die gemeinsamen Kinder)
Trennungslösung
- Vermögen des erstversterbenden Ehegatten geht auf
überlebenden Ehegatten als Vorerbe über
- Mit Tod des überlebenden Ehegatten: Nacherbfall +
Nachlass des ersterbenden Ehegatten geht auf Kind als
Nacherben über
- Vermögen des überlebenden Ehegatten geht auf Kind als
Vollerben über

Einheitslösung – Berliner Testament:


- Vermögen des erstversterbenden Ehegatten geht auf
überlebenden Ehegatten als (Voll-) Alleinerben über à
Kind von Erbfolge ausgeschlossen
- Mit Tod des überlebenden Ehegatten geht dessen nach-
lass auf Kind als Vollerben über

Rechtliche Würdigung der zwei Modelle:


Trennungslösung Einheitslösung
- Überlebende Ehegatten - Vollerbe: keine Verfü-
= Vorerbe + unterliegt gungsbeschränkungen
Verfügungsbeschrän- - Kind beim 1. Erbfall von
kungen der §§ 2112 ff. Erbfolge ausgeschlos-
BGB sen + nach § 2303 BGB
- Kind = Nacherbe + beim pflichtteilsberechtigt
1. Erbfall nur unter §
2306 II BGB pflichtteils-
berechtigt
- Vermutung des §§ 2269 I BGB: Im Zweifel annehmen,
dass gemeinschaftliches Testament auf Einheitslösung
zielt
Wechselbezügliche Begriff:
Verfügungen, §§ - § 2270 III BGB: wechselbezügliche Verfügungen
2270 BGB - § 2270 I BGB: Wechselbezüglichkeit zw. Verfügungen
der Ehegatten (+), wenn sie einem solchen Zusammen-
hang zueinander stehen, dass anzunehmen ist, dass Ver-
fügung nicht ohne die des anderen getroffen worden
wäre
- Zusammenhang durch Auslegung bestimmen àbei
Zweifeln: Vermutungsregel des § 2270 II BGB
Rechtsfolge:
- §§ 2270 I BGB: wenn wechselbezüglich (+): Nichtigkeit
der Verfügung führt zur Nichtigkeit der anderen Verfü-
gung
- Widerruf einer wechselbezüglichen Verfügung à andere
Verfügung ist auch unwirksam
Modalitäten des Widerrufs wechselbezüglicher Verfügungen:
- Jederzeitiger Widerruf ist gem. § 2253 BGB möglich
- Ausnahme nach § 2271 BGB

(1) Widerruf zu Lebzeiten des anderen Ehegatten, § 2271 I


BGB
- § 2271 I BGB: nur in Form eines Rücktritts vom Erbver-
trag möglich
- Widerruf nach § 2271 I 2 BGB: unzulässig
- Erforderlich ist nach § 2296 II BGB eine Widerrufserklä-
rung ggü. dem anderen Ehegatten in notarieller Form

(2) Widerruf nach dem Tod eines Ehegatten


- Recht zum Widerruf erlischt nach Tod eines Ehegatten
- Ausnahme: wenn überlebender Ehegatte das ihm Zuge-
wendete ausschlägt oder wenn der letztlich Bedachte
schwere Verfehlungen begeht
Schutz vor Beeinträchtigungen durch Schenkungen des
überlebenden Ehegatten:
- Problem: bzgl. des eigenes Vermögens kann überleben-
der Ehegatte frei verfügen, selbst wenn seine Verfügung
gem. § 2271 II 1 BGB bindend geworden ist
- keine „Aushöhlungsnichtigkeit“: unentgeltliche Verfügun-
gen sind nicht wegen Verstoßes gegen ein gesetzliches
Verbot nichtig, §§ 134, 2271 II 1 BGB
- aber nach hM hat letztendlich Bedachte Dritte gegen
den/ die Beschenkten gem. §2287 I iVm. §§ 812 ff BGB
analog einen Anspruch auf Herausgabe der empfange-
nen unentgeltlichen
Anfechtung einer wechselseitigen Verfügung:
- grds. gelten für Anfechtungen durch Dritte die allg. Re-
geln für Testamente, §§ 2078 ff, 119 ff BGB
- allg. Regeln greifen auch bei Anfechtungen der Verfügun-
gen des erstverstorbenen Ehegatten durch überlebenden
Ehegatten
- überlebende Ehegatten kann seine eigenen wechselbe-
züglichen Verfügungen anfechten à sonst hätte ge-
meinschaftliches Testament stärkere Bindungswirkung
als Erbvertrag
- Folge: Vorschriften der §§ 2281 ff BGB sind analog auf
die bindend gewordenen wechselbezüglichen Verfügun-
gen anwendbar
- wenn Anfechtung erfolgreich: Verfügung des überleben-
den Ehegatten ist gem. § 142 I BGB nichtig + Verfügung
des anderen Ehegatten ist gem. § 2270 I BGB nichtig
ERBVERTRAG, §§ 1941, 2274 ff. BGB
Voraussetzungen
1. Testierwille
2. Testierfähigkeit
3. Persönliche Errichtung, §§ 2274 BGB
4. Keine Nichtigkeit/ Aufhebung
a. Form, § 2276
b. Keine weiteren Nichtigkeitsgründe
c. Keine Anfechtung, §§ 2281 ff. BGB
d. Keine Aufhebung, §§ 1190 ff. BGB
e. Kein Rücktritt, §§ 2293 ff. BGB
Grundlegende Voraussetzungen
Testierwille + Testier- - Testierwille zeigt, dass der Erblasser überhaupt ein Tes-
fähigkeit tament errichten möchte
o Im Zweifel nach § 133 BGB zu beurteilen à Wahre
Wille des Erblassers muss damit ermittelt werden
- Testierfähigkeit: Erblasser muss unbeschränkt geschäfts-
fähig sein, §§ 2275 BGB
Persönliche Errich- - Ausschluss der Stellvertretung, §§ 2064, 1065 à Höchst-
tung persönlich
Nichtigkeitsgründe/ Aufhebungsgründe
Formvorschriften - Gem. § 2276 muss er zur Niederschrift eines Notars er-
folgen, wobei beide Teile gleichzeitig anwesend sein
müssen
Sonstige Nichtig- - § 134 BGB
keitsgründe - § 138 BGB
Keine Anfechtung, §§ - Spezielle Anfechtungsgründe des Erbrechts sind maß-
2281 ff. BGB geblich
Keine Aufhebung, §§ - Erbvertrag kann durch einen neuerlichen Vertrag aufge-
2290 ff. BGB hoben werden
Kein Rücktritt, §§ - Spezielle Regelungen, die ggü. den allgemeinen Rück-
2293 ff. BGB trittsregeln vorgehen
- Kann auch ergehen, wenn die Voraussetzungen der Ent-
ziehung eines Pflichtteils vorliegen, § 2294 BGB
Rechtsfolgen
Verfügungen unter - Erblasser kann trotz des Erbvertrags über seine Gegen-
Lebenden stände verfügen, § 2286 BGB
- § 2287 BGB: regelt den Fall, dass der Erblasser mit
Schädigungsabsicht Gegenstände an Dritte verschenkt,
die Gegenstand des Erbvertrags sind; Vertragserbe kann
nach dem Tod des Erblassers von dem Beschenkten die
Herausgabe des Geschenks verlangen im Wege dr §§
812 ff. BGB
Verfügungen von To- Frühere:
des wegen - Frühere Verfügungen von Todes wegen, die kein Erbver-
trag sind, werden durch den Erbvertrag gem. § 2289 I 1
BGB aufgehoben
Spätere:
- Spätere Verfügungen von Todes wegen, die folglich nach
dem Erbvertrag errichtet wurden, werden unwirksam, §
2289 I 2 BGB à Erbvertrag setzt sich gegenüber ande-
ren Verfügungen von Todes wegen stets durch
- Sonderfall: Schenkungsversprechen von Todes wegen
SCHENKUNGSVERSPRECHEN VON TODES WEGEN, § 2301 BGB
Voraussetzungen
Schenkungsverspre- - Schenkungsversprechen iSd. § 516 ff. BGB muss vorlie-
chen gen
Überlebensbedin- - Schenkungsversprechen derart formuliert, dass Schen-
gung kung davon abhängen soll, dass der Schenker stirbt und
der Beschenkte des Schenker überlebt
Rechtsfolge
Regelfall - Verweis der Rechtsfolge auf die Vorschriften über Verfü-
gung von Todes wegen
- Wird auch wie eine Verfügung von Todes wegen behan-
delt
Ausnahme Schenkung wurde bereits zu Lebzeiten vollzogen:
- Allgemeine Schenkungsvorschriften finden Anwendung
- (+) für Vorliegen dieser Schenkung: für den Vollzug muss
bereits alles getan worden sein bis auf den Eintritt der
Bedingung, dass Schenker stirbt und der Beschenkte ihn
überlebt

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