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FREERIDEMEGATEST

Fahren oder Fliegen? Ganz nach Lust und Laune. Flori Haymann jagt das Morewood in den Anlieger, Chris Schleker segelt mit dem Fusion drüber. Big Bikes sind in der Falllinie nicht zu schlagen!

FREERIDE 3/06
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TEXT Dimitri Lehner FOTOS W. Watzke, D. Simon, D. Lehner

ottseidank ist „JJ1“ noch nicht in


G Bayern, als wir mit unserem Kasten-
wagen im Slopestyle-Park Lenggries
vorfahren und unsere Big Bikes aus-
packen. Nicht, dass wir uns fürchten, mitten am
Tag dem Problembären in die Arme zu laufen
– der arme Kerl ist ja längst totgeschossen und
ausgestopft. Doch Problembär „JJ1“ hat Nach-
wuchs bekommen. „JJ1“ und „JJ2“. Die Leng-
grieser Bikeparkler benannten ihre neuesten
Drop-Türme nach ihrem verstorbenen Lieblings-
raubtier. Der eine Turm – „JJ1“ – ist vier Meter
hoch, der andere sechs (Bilder auf Seite 21). Diese
Mutproben hätten uns in Verlegenheit gebracht,
denn als Big-Bike-Tester kann man nicht unbeo-
bachtet biken gehen.

POSER ODER GEFAHRENSUCHER?


„Wow, die Trek-Dropmaschine von Andrew
Shandro und da das neue Cannondale!“ Sofort
sind wir umringt, und die Big Bikes werden be-
staunt. Kaum schiebt man den Extrem-Freerider
in den Bikepark, schon wird das Spotlight an-
geknipst und – als hätte man den James-Bond-
Raketenantrieb aufgeschnallt – will alle Welt
sehen, dass man damit sofort abhebt und in
den Orbit braust. Das geht nicht nur uns so,
vermutlich jedem, der ein Big Bike fährt.
„Guck mal, wofür braucht der Typ ein ‚Demo’?“
Mit einem Big Bike kauft man anscheinend
gleichzeitig das „Ich-habe-keine-Angst-vor-nix“-
Image mit. Bleibt man den Leistungsbeweis dann
schuldig, heißt es gnadenlos: Poser! Wer ein Big
Bike fährt, muss also große Sachen wagen oder
dumme Sprüche kassieren. Diese Einstellung
ist schlichtweg BLÖD. Als müsste man sich das
Hardcore-Bike erst mit Mutproben verdienen.
Schließlich driften die meisten Porsche-Fahrer

i k e
auch nicht mit 200 km/h in jede Kurve.

Big B
Im Gegenteil: Big Bikes ermöglichen jedem
Freeride-Novizen und Bikepark-Neuling den

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leichtesten und spaßigsten Einstieg ins Droppen,

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A
Springen und Downhill-Fahren. „Die Big-Bike-

ME G
Fahrwerke verzeihen Fahrfehler und schräge Lan-
dungen, und sie nehmen die Angst vor dem ersten
Ein-Meter-Drop“, sagt Bikepark-Experte Diddie
Schneider. Auch der Profi-Freerider und Fahr-
technik-Experte aus Whistler, Andrew Shandro,
weiß: „Gerade Quereinsteiger und Leute ab 30,
die nicht mit BMX und Dirtbikes aufgewachsen
sind, wenig Freizeit haben, aber dennoch Freeride
erleben wollen, finden in Big Bikes die idealen
Räder. Warum mit 130 Millimetern Federweg über
den Drop zittern, statt die ersten Sprünge mit
satten Reserven zu probieren – und sofort Spaß
BIG BIKES, HARDCORE-FREERIDER, DOWNHILLER zu haben?“ Shandro findet unsere Frage befremd-
– ES GIBT VIELE NAMEN FÜR DIE FEDERWEGS- lich, denn in Kanada kann Big Bike fahren, wer
WUNDER. WIR WOLLTEN WISSEN, WAS DIE KISTEN will, ohne Leistungsdruck oder Dizz-Gefahr.

LEISTEN UND SAGEN EUCH, WER DIE GROSSEN TESTEN JA, ABER WO?
KALIBER FAHREN DARF. Es fällt uns nicht leicht die angemessene Test-
strecke für unsere Big Bikes zu finden, denn
erstens: Man braucht einen Lift oder muss shut-
teln, da die Bikes nicht wirklich uphill-taug- >
FREERIDE 3/06
53
FREERIDEMEGATEST

Drop-Test in Lenggries. Nicht die Big Spritzigkeit erwünscht: Matschig in Oberammer-


Bikes stoßen ans Limit, sondern die Agile Bikes machen gau: gut dass wir dicke
eigene Angst setzt Grenzen. Und wieder flicken. Das Thema Reifen ist ein Dauerbrenner. Warum nur? einfach mehr Spaß. Kisten fahren!
Hohe Ausfallquote: Gabeln, Schaltungen, Lager – erstaunlich, was im Test alles kaputt ging.

Tunnelblick und Kondensstrei-


fen an den Ohren: Big Bikes Happy sind wir, wenn die Extrem-Freerider nicht nur den Berg hinunterbügeln, Familie Kasupke aufgepasst! Tester Chris Schleker lässt das
lieben’s „quick & dirty“! sondern auch noch wendig und verspielt durch den Bikepark toben. Gas stehen. Die Fahrwerke ermöglichen enormen Speed!
Test Nr. 1: Downhill – alle Bikes mussten über die harte Strecke am Geißkopf. Test Nr. 2: Trails in Bozen – technisch, verblockt, steil, kurvig.

Hupf hoch und wieder runter: Big Bikes


„Das muss das Boot aushalten“, sagt verzeihen Fahrfehler, machen das Lernen Faxen mit dem Vorderrad klappen mit
Kapitän Schleker. Glibber im Bikepark. Big Bikes: ohne Lift oder Shuttle geht gar nix. leichter und treiben den Spaßfaktor hoch. vielen Big Bikes nicht. Schade.
Test Nr. 3: Bikepark – unsere Promi-Tester (Robert Jauch, Guido Tschugg) checkten die Bikes auf Tricktauglichkeit und bei fiesen Stunts.

lich sind. Zweitens: Die Strecke muss die Bikes idealen Teststrecken finden wir schließlich in den Piloten – dass man eine wirkliche Gefahr für
wirklich fordern, damit sich Schwächen offen- langen, felsigen Gerölltrails in Italien, wo man Wanderer darstellt. Wenn Familie Kasupke mit
baren. Nachdem die Downhillstrecke am Geiss- mit Highspeed mindestens 30 Minuten am Stück Kinderkraxe und Picknickdecke ums Eck biegt,
kopf geschlossen ist, nehmen wir Kurs auf den bergab fährt. Also Strecken wie der Gardasee- und der Downhill-Fan gerade die Bremse bei
Bikepark Oberammergau. Dort finden wir eine Klassiker „601“ oder die Felsentrails von Bozen seinem Big Bike öffnet, dann steigt die Picknick-
Freeride-Strecke mit Wurzelpassagen, Drops und – Wege, die mit Endurobikes zur Qual werden. decke höher als mancher Heißluftballon in den
Northshore-Hindernissen. Danach können wir Sommerhimmel.
einiges über die Bikes sagen, ans Limit sind die SPEZIALISTEN
Federwegswunder aber nicht gestoßen. Auch Damit wird eines klar: Big Bikes sind Nischen- DIE BIKES
der Slopestyle-Parcours in Lenggries bringt uns Sportgeräte. Nicht nur weil man shutteln muss, Sind Hardcore-Freerider – wie man die Big Bikes
nicht wirklich weiter. Zugegeben, extreme Drops eigentlich erfordern diese Highspeed-Boliden auch nennt – und Downhill-Bikes ein und das-
wie „JJ2“ standen noch nicht, aber es ist ohnehin abgesperrte Trails wie in einem Bikepark. Denn selbe? Profi Andrew Shandro sagt: „Ein gutes
klar, dass bei so hohen Drops nicht die Räder dank der ausgereiften Fahrwerke lassen sich Downhill-Bike ist auch ein gutes Big Bike“. Da
das Limit setzten, sondern die eigene Angst. Die die Räder so schnell fahren – selbst für Hobby- der Kanadier nicht nur Bikes entwickelt, sondern
FREERIDE 3/06
54
auch Downhill-Worldcups sowie Freeride-Events erfolgreich bestritten
hat, muss man ihm glauben. Und doch gibt es Unterschiede, finden wir.
Freerider müssen mehr können, als nur gnadenlos bergab zu bügeln.
Viele reine Downhiller sind für UNSEREN GESCHMACK zu laufruhig und
wenig agil. Und da wären wir auch schon beim Punkt: dem Geschmack.
Vielleicht bei keinem Test zuvor, spielten die persönlichen Vorlieben eine
so entscheidende Rolle. Denn unter den Testbikes gibt es keine faulen
Eier, vor denen man warnen müsste. Die Leistungsdichte ist hoch. Die
Bikes sind teuer, daher bestens ausgestattet, und alle verfügen über ein
potentes Fahrwerk.

UND WELCHES BIKE SOLL ICH KAUFEN?


Wer neben Bikepark-Besuchen und Shuttle-Freeriden auch Downhill-
Rennen fahren will, sollte sich zum Beispiel Bikes wie das Lapierre, Trek
oder Morewood genauer ansehen. Wer dagegen einige Höhenmeter
selbst kurbeln will und ein agiles Bike sucht, findet im Fusion, Norco oder
Intense spannende Angebote. Als wahre Big-Bike-Alleskönner entpupp-
ten sich das Rocky Mountain oder Specialized „Demo 8“ – tolle Downhill-
Performance, gleichzeitig verspielt genug. Egal, für welches Bike ihr euch
entscheidet: Niemand muss sich mit einem Big Bike unter Druck setzen
lassen. Ich zum Beispiel bin nur den kleinen Drop gesprungen, obwohl
sich ein Typ demonstrativ vor mir auf dem Hardtail vorbeizwängte und
den großen Drop nahm. Soll er doch. Ich will Spaß haben – ohne Leis-
tungsdruck. Da können „JJ1“ und „JJ2“ knurren, so lang sie wollen.

Das ist cool - das nervt:


1 2 3

1 2 3
1 Viel Federweg, pfiffiges Steckachsen-System und leicht: die Rock
Shox „Boxxer Worldcup“. -- 2 Angenehme Hebel, manuelle Druck-
punktverstellung, bissig, null Fading: Formulas „Oro“-Bremse. --
3 Hochwertig: Das Lapierre verfügt über so clevere Details wie diesen
Bremsscheibenschutz.

4 „Freek“-Sattel von Fizik: unverwüstlich, aber auch bockhart. Wer den


montiert, sollte nie länger sitzen wollen. -- 5 „Verwachst“, sagen Skifah-
rer bei falscher Materialwahl. Das trifft auch beim Kona zu, wo an einem
rassigen Downhiller Leichtreifen montiert waren. Folge: Dauerplattfuß. --
6 Kettenführung am Intense: laut, hakelig, voller Reibungsverlust.

4 6

1 2 3
FREERIDEMEGATEST

Vorsicht: Wildwechsel ALUTECH >KEILER


HERSTELLERANGABEN
In Granny-Smith-Apfel-Lackierung ist das Alutech „Keiler“ – ganz anders als man bei dem Namen erwarten würde – ein Farbtup- VERTRIEB Alutech Zweiradtechnik, Tel. 04353/998155
[Link]
fer im Testfeld. Überall, wo wir das Downhill-Gerät aus dem Kastenwagen zogen, wurde es bestaunt. Für Konstrukteur Jürgen MATERIAL/GRÖSSEN Alu/S,M,L,XL
Schlender, der seine Bikes alle selbst in Deutschland fertigt, ist es kein Problem, auf Farbwünsche einzugehen. Das „Keiler“ PREIS Rahmen ab 2 499 Euro
kommt so frühlingsfrisch daher, dass man den Hardcore-Downhill-Charakter des Bikes gar nicht ahnt. Der flache Lenkwinkel, MESSDATEN
schiebt das Gewicht aufs Heck und erzeugt ein leicht abkippen- GEWICHT OHNE PEDALE 18,5 Kilo
des Lenkverhalten. Auf Northshore-Leitern, Baumstämmen und LENK-/SITZROHRWINKEL 63,2°/63°
VORBAU-/OBERROHRLÄNGE 53 mm/590 mm
überall da, wo präzises Lenken gefordert ist, irritiert das. Auf RADSTAND/TRETLAGERHÖHE 1 176 mm/377 mm
schnellen Downhills ergibt die Geometrie des „Keiler“ dagegen FEDERWEG VO./HI. 203 mm/220 mm
Laufruhe und fordert, das Gas richtig stehen zu lassen. Nur in HINTERBAUSYSTEM Viergelenker
Anliegern und wildem Gekurve wünscht man sich mehr Druck AUSSTATTUNG
auf dem Vorderrad. Auch in langsamen Kehren wird es ab und an GABEL/DÄMPFER Manitou Travis (Development Prototype)/Fox
KURBELN/SCHALTUNG Truvativ Holzfeller Howitzer/SRAM X-0
mal hakelig. Das Heck ist butterweich und saugt alle erdenklichen BREMSANLAGE Avid Juicy Seven
Schläge weg. Auch bei derben Drops kriegt man das Fahrwerk nicht LAUFRÄDER Alutech Disc-Naben, Alutech FX 32-Felgen,
aus der Ruhe. Durchschläge? Fehlanzeige. Wenn Schwalbe Big Betty 2,4-Reifen
doch was bei der Landung anschlägt, dann EINSATZBEREICH
der Sattel am Hinterrad. Also: nicht ganz
SINGLETRAIL BIKEPARK DOWNHILL
einfahren! Begeistert waren wir von
der Bremsanlage und der schönen
Verarbeitung des „Keiler“.
Tuning-Tipp: Unbedingt einen
breiteren Lenker montieren. Für
FAZIT: Im „Keiler“ schlägt ein felsige Downhills einen pannen-
Downhill-Herz. Wie der Namens- sicheren Reifen wählen. 8
pate will das Bike losstürmen Freeride
und alles plattmachen bis der
Nicht nur die Apfellackie- Talgrund erreicht ist. Tolle Optik!
Optik, Fahrwerk, Laufruhe, Bremse
rung macht das „Keiler“ schmaler Lenker, abkippendes Lenkverhalten
zum Blickfang.

CANNONDALE >JUDGE 1 FR
HERSTELLERANGABEN
Federkernmatratze
VERTRIEB Cannondale, Tel. 0041/61/4879380 Gespannt erwarteten wir das Cedric-Gracia-Signature-Bike, das nach Cedrics Wechsel nun „Jugde“ heißt. Beim Aufsitzen
[Link] sinkt man sanft in die Federung. „Plush“, sagen die Amis zu dem soften Gefühl. Ein Hinterbau wie eine Federkernmatratze.
MATERIAL/GRÖSSEN Alu/S,M,L Zu dem soften Heck passt die fette Fox-Gabel. 220 Millimeter hinten, 200 vorne – was soll da noch schief gehen? Und doch
PREIS 5 499 Euro
ist das „Judge“ keine Gummi-Kuh, die nur in der Falllinie ins Tal schaukeln will. Es zeigt sich für ein Big Bike enorm verspielt
MESSDATEN
GEWICHT OHNE PEDALE 18,4 Kilo
und wendig. Vom Handling erinnert es an das Specialized
LENK-/SITZROHRWINKEL 64,5°/69,7° „Demo 8“, wenn man den 74-cm-Lenker eingekürzt hat.
VORBAU-/OBERROHRLÄNGE 50 mm/585 mm In den steilen 30-Minuten-Downhills von Bozen trübten
RADSTAND/TRETLAGERHÖHE 1 160 mm/387 mm die leichten Downhill-Reifen von Maxxis den Fahrspaß
FEDERWEG VO./HI. 150-203 mm/220 mm
HINTERBAUSYSTEM abgestützter Eingelenker des Cannondale-Freeriders. Sie boten keinen Durchschlag-
schutz, was mit dem umständlichen Ausbau des Hinterrads zur
AUSSTATTUNG
GABEL/DÄMPFER Fox 40 RC 2/Fox DHX 5.0 Nervenprobe wurde. Bei Drops profitiert man von dem satten
KURBELN/SCHALTUNG Truvativ Hussefelt Howitzer/SRAM X-9 Fahrwerk des „Judge“. Es läßt sich schön progressiv einstellen,
BREMSANLAGE Hayes El Camino statt bei der Landung wegzutauchen. Trotz gedeckter Fahrben
LAUFRÄDER NN Disc-Naben, Mavic XE 729 Disc-Felgen,
Maxxis Minion DH 2,5-Reifen
wird man mit dem Jugde nicht übersehen,
denn die hell surrende Hinterrad-Nabe
EINSATZBEREICH sorgt für Soundtrack beim Bergab-
SINGLETRAIL BIKEPARK DOWNHILL Semmeln und kündigt an, dass
man überholen will. Ob Cedric
traurig ist, wo er weiß, was
Tuning-Tipp: Für volle DH- ihm entgeht?
Performance andere Reifen
montieren.
9 FAZIT: Softes Heck, schluck-
Freeride freudige Gabel und verspiel-
tes Handling – das „Judge“
kommt dem Big-Bike-Ideal Rampage-Gewinner Cedric
Fahrwerk, Handling nahe. Gracia half, dieses Bike zu ent-
Reifen, Optik wickeln – fahren tun’s jetzt andere und
freuen sich über die Performance.

FREERIDE 3/06 10
Freeride
56 FREERIDE RANKING: maximal 10 Punkte.
FREERIDEMEGATEST

Aufgebohrter Klassiker FUSION >WHIPLASH XT


HERSTELLERANGABEN
VERTRIEB Fusion GmbH, Tel. 06106/2066
War das Alutech der Farbklecks im Testfeld, dann ist das Fusion die Farben-Explosion. „Eine Mischung aus Müllabfuhr und
[Link]
Feuerwehr“, nannte es Tester Flori Haymann. Wer das nicht mag, kann zwischen dezenteren Farben wählen oder auch gegen MATERIAL/GRÖSSEN Alu/S-M, L-XL
150 Euro Aufpreis seine Wunschfarbe bekommen: Kawasaki-Grün oder Camo – alles geht. Was ist an der Xtreme-Variante PREIS 4 299 Euro
anders als am testbewährten „Whiplash“-Freerider? Konstrukteur Bodo Probst hat die Geometrie leicht abgeändert und dem MESSDATEN
Bike eine wuchtige Vierkantschwinge mit 205 Millime- GEWICHT OHNE PEDALE 18,2 Kilo
LENK-/SITZROHRWINKEL 67,1°/61,0°
tern Federweg verpasst. Beim ersten Aufsitzen fühlt
VORBAU-/OBERROHRLÄNGE 53 mm/580 mm
sich der Hinterbau erstaunlich straff an. Auch als wir RADSTAND/TRETLAGERHÖHE 1 134 mm/377 mm
die 500er-Feder gegen eine 450er tauschen. Doch auf FEDERWEG VO./HI. 180 mm/205 mm
dem Trail relativiert sich das. Das Heck arbeitet effizient und HINTERBAUSYSTEM Floatlink (Viergelenker)
ohne Durchschläge. Während ein Cannondale oder Alutech den AUSSTATTUNG
Piloten wie wahre Downhill-Sänften im Komfort wiegen, ist GABEL/DÄMPFER Manitou Travis Single Intrinsic 180/Fox DHX 3.0
KURBELN/SCHALTUNG Truvativ Holzfeller Howitzer/SRAM X-9
das Fahrgefühl beim „Whiplash“ direkter. Das macht das Bike BREMSANLAGE Formula Oro
agil, wendig und mit seinem niedrigen Schwerpunkt und der LAUFRÄDER Ringlé Disc-Naben, Sunrims S-Type MTX-Felgen,
angenehmen Fahrpostion in allen Situationen Schwalbe Big Betty 2,4-Reifen
Herr der Lage. Vorteil des Freeride-Cha- EINSATZBEREICH
rakters: Das Bike lässt sich – im Ver-
SINGLETRAIL BIKEPARK DOWNHILL
gleich zur Konkurrenz – noch ganz
gut bergauf pedalieren.

Tuning-Tipp: Nur Fakire


ertragen diese Griffgummis.
FAZIT: Das Fusion ist der Wechseln!
Freerider unter den Big Bikes. 9
Also: strafferes Fahrwerk als Freeride
die Konkurrenz, doch dafür mit
Vorserie: Der robuste
Freerider wird für die Uphill-Option. „Ein stimmiges Wendigkeit, Fahrposition, Uphill-Option
Serie noch softer abgestimmt, Bike ohne Schwächen“, brachte Griffe
verspricht der Hersteller. es ein Tester auf den Punkt.

INTENSE >UZZI VPX


HERSTELLERANGABEN
Virtuelles Geschoss
VERTRIEB Bikecrew, Tel. 08191/50909 Intense-Bikes assoziieren viele Biker mit edlen Hightech-Maschinen: teuer, top verarbeitet und fortschrittlich. Stimmt nicht
[Link] immer: Preislich liegt das „VPX“ voll im Soll, aber von der Verarbeitung waren wir unangenehm überrascht. Das Steuerrohr Gusset
MATERIAL/GRÖSSEN Alu/S,M,L
wurde dermaßen schief angeschweißt, dass man glaubt, auf
PREIS Rahmen: 2 649 Euro
einem Baumarktrad zu sitzen. Handelte sich hoffentlich um
MESSDATEN
GEWICHT OHNE PEDALE 19,1 Kilo
einen „Ausreißer“, bei dem der Schweißer an das Pin-up-Girl
LENK-/SITZROHRWINKEL 65,6°/70,4° im Spint gedacht hat. Trotzdem mischt das „VPX“ mit VPP-Hin-
VORBAU-/OBERROHRLÄNGE 48 mm/580 mm terbau (virtueller Schwingen-Drehpunkt) und 200er-Einfachbrücken-
RADSTAND/TRETLAGERHÖHE 1 140 mm/386 mm gabel ganz vorne mit. Auf dem Trail begeisterte uns das Fahrwerk
FEDERWEG VO./HI. 203 mm/200 mm
HINTERBAUSYSTEM Virtual Pivot Point (VPP) sofort. Agil und ausgewogen flitzt das „VPX“ über verblockten
O
Untergrund und ist dabei angenehm leise unterwegs. Man wähnt
AUSSTATTUNG
GABEL/DÄMPFER Manitou Travis Single 203 TPC Plus/Fox DHX 5.0 sich auf einem Freerider mit weniger Hub, bis man die Linie ver-
KURBELN/SCHALTUNG Race Face Evolve DH/Shimano XT patzt und in grobem Geröll landet. Dann zeigt das progressive
BREMSANLAGE Hayes Nine Fahrwerk, was es kann, saugt alle Brocken weg
LAUFRÄDER Dabomb Head Spin-Naben, Dabomb Racing-Felgen,
Maxxis Minion DH 2,5-Reifen und rettet den Run ins Tal. Die Travis mit
TPC-Dämpfung arbeitet feinfühlig und
EINSATZBEREICH taucht beim Bremsen nicht weg.
SINGLETRAIL BIKEPARK DOWNHILL Die beste Manitou im Test trägt
damit viel zum ausgewogenen
Charakter des „VPX“ bei.
Tuning-Tipp: Eine funktionie-
rende Kettenführung montieren. FAZIT: Das „VPX“ besitzt
9 ein sehr gutes Fahrwerk,
Freeride Top-Handling und eine Sitz-
position, mit der sich sogar
gut pedalieren lässt. Ein Hässliches Entlein? Die Optik
Federungsperformance, Handling, Reifen Freerider für alles. des „VPX“ gefällt nicht jedem. Die
Verarbeitung, Kettenführung, Bremsen Fahrleistung schon. Detailschwächen: ras-
selnde, bremsende Kettenführung und im
Vergleich zum Steuerrohr zu dünner Lenker.
FREERIDE 3/06 10
58 Freeride
FREERIDE RANKING: maximal 10 Punkte.
FREERIDEMEGATEST

Ich mach dich platt! KONA >STAB SUPREME


HERSTELLERANGABEN
VERTRIEB Kona Europe, Tel. 07143/96 33 85
Kona schickt sein Weltmeisterbike von Fabien Barel in den Test. Das ist, als würde Ferrari Schumis Formel-1-Schlitten einem
[Link]
Auto-Magazin zu testen geben. Das beeindruckt. Kona liefert das „Stab“ in Größe L, doch das Bike fällt ungewohnt groß aus. MATERIAL/GRÖSSEN Alu/S,M,L
Bei erster Inspektion stört die klappernde Bremsmomentabstützung. Nein, sie ist nicht defekt: Das gehört so, wenngleich das PREIS 5 299 Euro
2007 anders wird. Das Kona ist das Klischee eines DH-Bikes: träge, etwas schwerfällig und enorm laufruhig. „Draufsetzen, MESSDATEN
festhalten, dann fährt das Bike mit dir den Berg runter“, sagte GEWICHT OHNE PEDALE 20,2 Kilo
LENK-/SITZROHRWINKEL 63,9°/57,2°
ein Tester. Das Kona will aktiv gefahren werden. Das Fahr-
VORBAU-/OBERROHRLÄNGE 52 mm/635 mm
werk saugt und liegt so satt auf, dass Bunnyhop oder Manual RADSTAND/TRETLAGERHÖHE 1 221 mm/358 mm
zur Kraftanstrengung werden – obwohl es vorne durch die FEDERWEG VO./HI. 150-203 mm/203 mm
Fox-Gabel sehr hoch ist. Mit dem Kona fährt man schnell HINTERBAUSYSTEM abgestützer Eingelenker
bergab – dafür ist es gemacht. Darum ärgert man sich doppelt AUSSTATTUNG
über das laute Geklappere der Bremsmomentabstützung. GABEL/DÄMPFER Fox 40 RC2/Fox DHX 5.0
KURBELN/SCHALTUNG Race Face Diabolous/Shimano XT
Die verhindert zwar ein Verhärten des Hinterbaus, doch BREMSANLAGE Hayes Nine
dafür dröhnt es in den Ohren. Trotz Laufruhe und potentem LAUFRÄDER Ringlé Disc-Naben, Sun Rims MTX-Felgen,
Fahrwerk war man mit dem Kona selten zuerst im Maxxis Minion DH 2,7-Reifen
Tal. Schuld daran: die Reifen. Sie bescher- EINSATZBEREICH
ten einen Dauerplattfuß. Ärgerlich:
SINGLETRAIL BIKEPARK DOWNHILL
bei Landungen stößt der Sattel an
den Reifen.

Tuning-Tipp: richtige Down-


hillschlappen aufziehen.
FAZIT: Mission Downhill: Das
Kona ist nichts für Spiel- 8
kinder, sondern liebt die Freeride
Falllinie. Tipp: Als Freerider
Detailschwäche: In unbedingt eine Rahmennum- Optik, Laufruhe
dieser Ausstattung ist mer kleiner ausprobieren. Klappergeräusche, Reifen, fehlende Agilität
Barel vermutlich nicht
Weltmeister geworden, denn die Reifen
sind nach hundert Metern platt.

LAPIERRRE >DH 230


HERSTELLERANGABEN
Luft-Franzose TIPP
VERTRIEB Lapierre, Tel. 089/95470825
[Link] Das Lapierre hat – wie das Kona auch – was weltmeisterliches, denn der beste Downhiller aller Zeiten, Nicolas Vouilloz,
MATERIAL/GRÖSSEN Alu/ 42 cm
entwickelte das „DH 230“ für Lapierre. Die Erfahrung aus zehn Weltmeister-Titeln floss in den weißen Renner. Das merkt
PREIS 4 499 Euro
man, bevor man mit dem Lapierre nur einen Meter gefahren ist. Vouilloz ist Perfektionist und daher stattete er das Bike aus
MESSDATEN
GEWICHT OHNE PEDALE 19 Kilo
wie ein Ölscheich seine Luxusyacht. Egal in welches Ecklein man schaut: überall durchdachte Detaillösungen. Zum Beispiel
LENK-/SITZROHRWINKEL 66°/68° die geschützten Kettenstreben, die Bremsscheiben-Abdeckung
VORBAU-/OBERROHRLÄNGE 53 mm/565 mm oder der Schmutzfang am Dämpfer. Optisch ist das Lapierre
RADSTAND/TRETLAGERHÖHE 1 175 mm/386 mm aus einem Guss. Dafür nimmt man sogar den weißen Plas-
FEDERWEG VO./HI. 200 mm/230 mm
HINTERBAUSYSTEM Virtual Pivot Point ( VPP) tiksattel „Freek“ in Kauf. Er mag ja unverwüstlich sein, doch
sitzen will man auf dem harten Teil nicht. Überraschend: Im Heck
AUSSTATTUNG
GABEL/DÄMPFER Marzocchi 888 RC2X/Fox DHX Air 5.0 steckt ein Luftdämfper. Auch hier die Handschrift des Weltmeisters,
KURBELN/SCHALTUNG Shimano Saint/SRAM X-0 der das Gewicht nicht außer Acht lässt. Im Gegensatz zum Kona
BREMSANLAGE Formula Oro gibt es hier keine Kompromisse für die Bergab-Performance. Das
LAUFRÄDER Syncros Disc-Naben, Mavic XE 823 Disc-Felgen,
Hutchinson Bull Dog 2,5-Reifen Bike wirkt trotz hervorragender Downhill-Leistung
leicht, agil und wendig. Kaum zu glauben, dass
EINSATZBEREICH man so viel Federweg unterm Hintern hat.
SINGLETRAIL BIKEPARK DOWNHILL Beim matschigem Boden kann man die
Tubeless-Reifen mit sehr niedrigem
Druck fahren. Lobenswert: die
Tuning-Tipp: keine Formula-Bremsanlage.

10 FAZIT: Ein rassiges Downhill-


Freeride Bike, das sich durch seine Sprit-
zigkeit viele Freeride-Freunde
machen wird. DH-Legende Nicolas Vouilloz
Fahrwerk, Handling, Details, Bremsen usw. hatte beim „DH 230“ seine
– Finger im Spiel und wählte die Aus-
stattung selbst aus.

FREERIDE 3/06 10
Freeride
60 FREERIDE RANKING: maximal 10 Punkte.
FREERIDEMEGATEST

Trail-Tiger MOREWOOD >IZUMI DH


HERSTELLERANGABEN
Das Morewood ist einer der Eyecatcher des Tests. Die (leider nur aufgeklebte) schwarz-weiße Tigerdeko und die fetten, weißen VERTRIEB Spots Nut, Tel. 07121/1447740
Spank-Felgen haben gewaltigen Boah-Ey-Faktor. Der Rahmen ist zudem schön verarbeitet und das Bike stimmig aufgebaut. Die [Link]
MATERIAL/GRÖSSEN Alu/S-M,L-XL
Marzocchi „888-RC2X“-Gabel und der Hinterbau wirken im Stand zu hart. Doch auf der Teststrecke geht es mit dem straffen PREIS Rahmen inkl. Dämpfer: 1 999 Euro
Set-up und der DH-Geometrie richtig ab. Das „Izumi“ liegt extrem ruhig.
MESSDATEN
Mit viel Druck auf dem Vorderrad kann man in Kurven das GEWICHT OHNE PEDALE 18,3 Kilo
Gas stehen lassen. Voraussetzung: Man lässt die Finger von LENK-/SITZROHRWINKEL 63,6°/70°
der Hinterradbremse. Denn sonst verhärtet der Eingelenker VORBAU-/OBERROHRLÄNGE 47 mm/600 mm
RADSTAND/TRETLAGERHÖHE 1 182 mm/376 mm
spürbar und stempelt. Für Tricksereien ist das Oberrohr etwas FEDERWEG VO./HI. 200 mm/215 mm
zu lang. Für Bikepark und Freeriding in alpinem Gelände mit engen HINTERBAUSYSTEM Eingelenker
Kehren und verwinkelten Trails ist der kleine Bruder „Shova LT“ besser AUSSTATTUNG
geeignet. Dafür springt das „Izumi“ sicher und bleibt neutral in der GABEL/DÄMPFER Marzocchi 888 RC2X/Manitou Swinger 6way
Luft. Nach kurzer Testdauer gab der Hinterbau plötzlich ein spürba- KURBELN/SCHALTUNG Truvativ Holzfeller Howitzer/Sram X-0
BREMSANLAGE Formula Oro
res Klackern von sich. Wir vermuten, dass die Zugsufe LAUFRÄDER Atomlab-Naben, Spank Stiffy 40 AL-Felgen,
des Dämpfers fehlerhaft arbeitet. Ansonsten Schwalbe Big Betty 2,4-Reifen
leistet sich das Bike fast keine Blöße. Nur
EINSATZBEREICH
Schwalbes „Big Betty“ sind eigentlich
zu fragil für DH-Einsätze, auch wenn SINGLETRAIL BIKEPARK DOWNHILL
wir bei diesem Rad keinen Defekt
hatten.
Tuning-Tipp: Auch wenn wir
keine Platten hatten: besser
Reifen mit DH-Karkasse auf-
FAZIT: Das Morewood ist ziehen. 9
Downhill pur. Einzig eine Freeride
Bremsmomentabstützung fehlt
spü[Link]:
Stunts wieein
diesem Drop in Hindelang zeigt sich, ob das Bike auch für Gröberes taugt.
perfek-
Die Lackierung erinnert an Optik, DH-Handling, Bremsen
die Wildtierarzt-Serie „Daktari“. tes Gerät für Abfahrtsjunkies.
Ausschnalzen des Hinterbaus, fragile Reifen
So falsch liegt man nicht; das fesche
Morewood kommt aus Afrika.

NORCO >SHORE 2
HERSTELLERANGABEN
Blinder Passagier
VERTRIEB Norco, Tel. 0521/9320443
[Link] Das Norco „Shore 2“ hat sich in den Test geschlichen. Eigentlich wollten wir seinen großen Bruder das „A-Line“. Daher wundert
MATERIAL/GRÖSSEN Alu/S,M,L,XL es nicht, dass es mit 170er-Federwegen eher schmalbrüstig daherkommt und mit den Federweg-bepackten Muskelmännern
PREIS 2 899 Euro von Cannondale, Kona oder Rocky nicht mithalten kann. Bei hohen Drops und Highspeed machen sich fehlende 30 Millimeter
MESSDATEN bemerkbar. Für ein „falsches“ Bike hält es dennoch gut mit. In dieser Ausstattung ist das Norco ein Problemlos-Fahrrad. Ein
GEWICHT OHNE PEDALE 20,6 Kilo
Tropfen Öl auf die quietschende Kettenführung und man ist
LENK-/SITZROHRWINKEL 65,9°/69,2°
VORBAU-/OBERROHRLÄNGE 40 mm/610 mm nur am Heizen. Das Norco überzeugt mit einem progressiven
RADSTAND/TRETLAGERHÖHE 1 192 mm/375 mm Fahrwerk, gutem Handling und ausbalancierter Gewichtsver-
FEDERWEG VO./HI. 170 mm/190 mm teilung. Die Gabel besitzt zwar nur eine interne Zugstufe,
HINTERBAUSYSTEM Viergelenker
doch das Set-up passt. Dank langem Oberrohr und schaltbarer
AUSSTATTUNG Kettenführung lässt es sich sogar für eine Tour hernehmen – trotz
GABEL/DÄMPFER Marzocchi Bomber 66VF/Fox DHL 3.0 PP
KURBELN/SCHALTUNG Truvativ Hussefelt Howitzer/SRAM X-7 Übergewicht. Bergab liegt es satt auf und verträgt hohen Speed,
BREMSANLAGE Avid Juicy Five ohne unruhig zu werden. Da klappert nix und kaum eine Schwäche
LAUFRÄDER NN Disc-Naben, Alexrims Supra N-Felgen, offenbart sich – runter bis zu den Kenda-Reifen bewährt
Kenda Nevegal 2,5-Reifen
sich das Norco und zeigt, dass die kanadischen
EINSATZBEREICH Macher ihr Handwerk verstehen. Wegen
SINGLETRAIL BIKEPARK DOWNHILL des kurzen Sitzrohrs bekam das Norco
eine Teleskop-Stütze spendiert. Das
ist zwar viel Geklemme, doch funk-
Tuning-Tipp: Keine tioniert. Die Optik des Norco fand
wenig Freunde.
8
Freeride FAZIT: Der verglichen mit der Kon-
kurrenz kleinkalibrige Freerider
schlägt sich gut und bietet gute
Viele Attribute passen auf das
Rundum-sorglos-Freerider, Preis Leistung für einen fairen Preis. Norco: durchdacht, stimmig, spaßig,
wenig Federweg, Optik problemfrei. Doch elegant und schick
– diese Attribute kriegt es nicht.

FREERIDE 3/06 10
Freeride
62 FREERIDE RANKING: maximal 10 Punkte.
FREERIDEMEGATEST

Fräsklotz PROCEED >VRC


HERSTELLERANGABEN
VERTRIEB Bikecrew, Tel. 08191/50909
Das Proceed „VRC“ ist in Zusammenarbeit mit den Steilwandjunkies aus Innsbruck – den Vertridern – entstanden. Ganz nach
[Link]
deren „Steil ist noch nicht steil genug“–Philosophie kann man den Rahmen hinten auch mit einem 24-Zoll-Rad bestücken und MATERIAL/GRÖSSEN Alu/S,M,L
so noch weiter absenken. Für die eher flüssigen Testtrails kam das Bike aber mit 26 Zoll. Optisch polarisiert das Proceed. Viele PREIS (Rahmen-Kit: 2349 Euro) ca. 4 300 Euro
riesige Frästeile machen das Rad zur Wuchtbrumme – Geschmackssache. Beim Probesitzen MESSDATEN
wirkt das „VRC“ extrem kurz. Zwar lässt sich der Satteldom nach hinten verschieben, GEWICHT OHNE PEDALE 18,7 Kilo
LENK-/SITZROHRWINKEL 64,5°/54,1°
doch die Haltung auf dem Bike bleibt gedrungen. Im Stehen und
VORBAU-/OBERROHRLÄNGE 40 mm/565 mm
bergab ist davon dann aber nichts Negatives zu spüren: Das RADSTAND/TRETLAGERHÖHE 1 145 mm/410 mm
Rad ist angenehm handlich und agil. Der Hinterbau arbeitet FEDERWEG VO./HI. 203 mm/170,190,210 mm
weich, bremsneutral und ohne durchzuschlagen. Die Kombination HINTERBAUSYSTEM Viergelenker
aus hohem Tretlager und kurzem Radstand lässt das Bike bei hohem AUSSTATTUNG
Tempo aber weniger ruhig laufen als die DH-lastigere Konkurrenz von GABEL/DÄMPFER Rock Shox Boxxer Worldcup/Manitou Swinger SPV
KURBELN/SCHALTUNG Truvativ Holzfeller/SRAM X.0
Morewood und Cannondale. In schnell gefahrenen Kurven ist etwas zu BREMSANLAGE Avid Juicy Carbon
wenig Druck auf dem Vorderrad. Dafür kann man schön durch Spitz- LAUFRÄDER DaBomb Headspin-Naben, DaBomb Racing-Felgen,
kehren zirkeln und mit dem Gelände spielen. Die leichte Maxxis Highroller Maxpro 60a 2,5-Reifen
„Boxxer Worldcup“-Gabel können wir nur loben. EINSATZBEREICH
Detailstark: Die Ausfallenden sind dank Alu-
SINGLETRAIL BIKEPARK DOWNHILL
Inserts sowohl für Steckachse als auch
für Schnellspanner geeignet

Tuning-Tipp: Die Maxxis mit


FAZIT: Das Proceed ist dem XC-Karkasse raus und „echte“
Intense „VPX“ in Sachen Hand- DH-Reifen rein. Sitzdom auf
ling sehr ähnlich. Kein reiner
„Long“ einstellen. 9
Downhiller, sondern ein sehr Freeride
guter Freerider mit leichtfüßi-
Das Proceed gem, wendigem Fahrverhalten. handliche Geometrie, Hinterbau, Gabel, Verstell-Optionen
profitiert von der Sattel, Brachialoptik, Reifen
besten Gabel im
Test: der Rock Shox
„Boxxer Worldcup“.

ROCKY MOUNTAIN >RMX 2.0 VIPMaschine TIPP


HERSTELLERANGABEN
VERTRIEB Bikeaction, Tel. 06071/92340 Auch das Rocky Mountain „RMX“ gewandet sich in der Trendfarbe Weiß. Das Lieblingsbike von Frorider Thomas Vanderham
[Link] („Damit kannst du dicke Sachen springen und dennoch rumspielen“) ist mit Gabel und Dämpfer von Marzocchi ausgerüstet. Will
MATERIAL/GRÖSSEN Alu/16,5“, 18“, 19,5“ man an der Zugstufe des „Roco“-Dämpfers rumstellen, bleibt zwischen zu schnell, richtig und zu langsam zwar wenig Alterna-
PREIS 4 490 Euro
tive. Doch dann lässt man den Knopf eben auf „richtig“. Das kanadische Rocky ist weit mehr als eine reine Abfahrtmaschine.
MESSDATEN
Die Sitzposition des „RMX“ ist neutral, das Bike liegt gut in der
GEWICHT OHNE PEDALE 21,4 Kilo
LENK-/SITZROHRWINKEL 65,5°/64,4° Hand und reagiert lebendig auf die Befehle des Piloten. Es
VORBAU-/OBERROHRLÄNGE 65 mm/595 mm droppt spielerisch, balanciert über Baumstämme, hebt ohne
RADSTAND/TRETLAGERHÖHE 1 185 mm/374 mm Kraftanstrengung zum Geländesprung ab, rollt im Manual
FEDERWEG VO./HI. 200 mm/203 mm
HINTERBAUSYSTEM abgestützter Eingelenker über Bodenwellen oder zirkelt durch enge Singletrail-
Kurven. Ein Freerider. Aber auch ein Downhiller, wenn wir
AUSSTATTUNG
GABEL/DÄMPFER Marzocchi Bomber 888 RC 2/Marzocchi Roco RC 2 in Bozen die für kleine Hände kantigen Hayes-Bremshebel
KURBELN/SCHALTUNG Race Face Diabolous/SRAM X-9/X-7 losließen, griff sich die Schwerkraft das Rocky Mountain,
BREMSANLAGE Hayes Nine und die Ohren malten zarte Kondensstreifen in die Luft. Das
LAUFRÄDER RMB Disc-Naben, Mavic XE 325 Disc-Felgen,
Nokian Gazzaloddi G 2,6-Reifen
Rocky lässt Bike-Tester ratlos aussehen, wenn
sie Fehlertabellen ausfüllen wollen. Da
EINSATZBEREICH bleibt der Kugelschreiber im Hand-
SINGLETRAIL BIKEPARK DOWNHILL schuhfach, und der Tester grinst
noch ein bisschen vor sich hin
nach dem tollen Run ins Tal.
Tuning-Tipp: Keine

10 FAZIT: Tolles Fahrwerk,


Freeride schönes, agiles Bike, viel
Fahrspaß gehabt – wäre
aber auch komisch, wenn Das Rocky vereint gute
potentes Fahrwerk, Handling, Optik die Frorider auf Murksgurken Downhill-Performance und
etwas zu schmaler Lenker
unterwegs wären. agiles, „freeride-iges“ Fahrverhal-
ten in einem Bike.

FREERIDE 3/06 10
64 Freeride
FREERIDE RANKING: maximal 10 Punkte.
FREERIDEMEGATEST

TIPP SPECIALIZED >DEMO 8


Doppelwhopper HERSTELLERANGABEN
VERTRIEB Specalized, Tel. 0031/314/676600
Wir reden nicht lange rum: Das Specialized gehört zu unseren Favoriten. Es vereint ein schluckfreudiges Fahrwerk mit scheinbar
[Link]
endlosem Federweg und einem lebhaften, agilen Handling. Gefühlsmäßig fast wie das kleinere Modell „SX Trail“. Draufsetzen, MATERIAL/GRÖSSEN Alu/S,M,L
wohlfühlen, losfahren – so muss das sein. Kein Wunder, dass Profi-Freerider Matt Hunter kein anderes Bike fahren will als das PREIS 4 520 Euro
„Demo 8“. Doch nicht nur der Verstand, auch die Gefühle spielen mit, wenn wir das „Demo 8“ zum Favoriten erklären. Die MESSDATEN
Kiste sieht edel und sexy aus, da sind sich die Tester einig. Vorne GEWICHT OHNE PEDALE 19,2 Kilo
LENK-/SITZROHRWINKEL 64,7°/64,1°
federt die Prestige-Federgabel Fox „40“. Damit kann man den
VORBAU-/OBERROHRLÄNGE 40 mm/581 mm
Landeflug nach einem Drop auch mal schräg ansetzen, vorne RADSTAND/TRETLAGERHÖHE 1 190 mm/365 mm
tief eintrudeln oder den Landehügel ganz verpassen – die FEDERWEG VO./HI. 150-203 mm/205 mm
Fox richtet es. Unfreiwillig haben wir auch das ausprobiert, HINTERBAUSYSTEM Viergelenker
uns dann selbst zur Bikewahl beglückwünscht und dem „Braunen“ AUSSTATTUNG
sanft die Flanken getätschelt. Matt Hunter kurbelte zwar mit dem GABEL/DÄMPFER Fox 40 RC2/Fox DHX 5.0
KURBELN/SCHALTUNG Truvativ Holzfeller/Sram X-0/X-9
„Demo“ am Gardasee in beachtliche Höhen, wirklich uphill-tauglich BREMSANLAGE Avid Juicy Seven
ist das Bike aber nicht. Das liegt an der relativ hohen Front, der LAUFRÄDER Specialized-Naben, Mavic XE 721-Felgen,
weichen Federung und 19 Kilo Gewicht. Seine volle Leis- Specialized Chunter 2,3-Reifen
tung spielt das „Demo“ auf schnellen, doch tech- EINSATZBEREICH
nischen Downhills aus, wo es nicht nur ums
SINGLETRAIL BIKEPARK DOWNHILL
schnelle Runterpoltern geht, sondern
auch Wendigkeit gefordert ist.

Tuning-Tipp: Die Griffe ver-


FAZIT: „Ein super Freerider mit rutschen. Das ist lästig. Runter
tollem Fahrwerk“, formulierte damit.
es ein Tester und bringt die Bot- 10
schaft auf den Punkt. Freeride
Markenzeichen: der Fahrwerk, Geometrie, Handling
doppelte, unverwüstliche Hinterbremse ausgefallen
Hinterbau des „Demo“. Er ist
kurz genug, um die Front schnell
anzuheben – ideal für Drops
aus langsamer Fahrt.

TREK >SESSION 10
HERSTELLERANGABEN
Shandros Baby TIPP
VERTRIEB Trek Villiger, Tel. 0180/3507010 „Ein gutes Racebike ist auch ein gutes Big Bike“, beantwortet der kanadische Freeride-Profi Andrew Shandro die Frage, was
[Link] eigentlich der Unterschied ist zwischen einem Downhiller und einem Extrem-Freerider. Shandro muss es wissen. Er fuhr lange
MATERIAL/GRÖSSEN Alu/15,5“, 17,5“, 19,5“ Worldcup-Downhills, belegte aber auch bei Freeride-Events wie der Red Bull Rampage Podiumsplätze. Seit Jahren arbeitet
PREIS 5 999 Euro
Trek eng mit Shandro zusammen. Das „Session 10“ ist sein Baby. „Ich wollte ein Big Bike, das sich aber nicht nach Big Bike
MESSDATEN
anfühlt“, sagt Shandro. Und da sind wir schon bei der ersten
GEWICHT OHNE PEDALE 20,2 Kilo
LENK-/SITZROHRWINKEL 65,8°/64,4° Überraschung: Tatsächlich, das optisch wuchtig wirkende
VORBAU-/OBERROHRLÄNGE 45 mm/590 mm Session fährt sich sehr handlich, lässt sich ohne Nachdruck
RADSTAND/TRETLAGERHÖHE 1 152 mm/365 mm in den Manual ziehen und pedaliert sogar wippneutral.
FEDERWEG VO./HI. 203 mm/170 mm
HINTERBAUSYSTEM Abgestützter Eingelenker Daher kann man mit dem weißen Geschoss sogar einige hundert
Höhenmeter wegkurbeln, ohne dass man besinnungslos aus dem
AUSSTATTUNG
GABEL/DÄMPFER Manitou Travis Triple Intrinsic und Intrinsic Revox Sattel kippt. Auch bergab bleibt das agile Fahrgefühl. Als würde
KURBELN/SCHALTUNG Bontrager King Earl/Sram X-0 Hulk Hogan plötzlich Ballett tanzen, schwingt das 20-Kilo-Bike
BREMSANLAGE Hayes Nine durch den Trail: Bunnyhops, Geländesprünge, kurvige Passagen
LAUFRÄDER Bontrager King Earl-Naben, Bontrager King Earl-Felgen,
Bontrager Big Earl-Reifen
– das Session macht alles mit. Gleichzeitig
besitzt es die Qualitäten eines Weltklas-
EINSATZBEREICH se-Downhillers. Verantwortlich: der
SINGLETRAIL BIKEPARK DOWNHILL extrem niedrige Schwerpunkt
und endloser Federweg im
Heck. Toll: die Verarbeitung.
Tuning-Tipp: Wer das Bike Schade: die Gabel ruckelt.
häufig in harten Downhills ein-
setzen will, sollte über eine bissi-
gere Bremsanlage nachdenken. 10 FAZIT: „Draufsetzen, wohl-
Freeride fühlen. Das Session ist
ein potentes Big Bike und
dennoch wendig und agil. Bei dem Preis verwundert
Verarbeitung, Optik, Ausstattung, Hinterbau Ideal für Bikeparks, fiese es nicht, dass hier nur verbaut
Gabel nicht ganz so sensibel, teuer
Drops und harte Downhills. ist, was gut und teuer ist.

FREERIDE 3/06 10
Freeride
66 FREERIDE RANKING: maximal 10 Punkte.
TESTABO

Foto © Markus Greber


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