Antennsimulation
Antennsimulation
TITELSTORY
Dieser Artikel bildet den Auftakt einer
dreiteiligen Antennen-Serie. Anhand
des Simulationsprogramms ANSYS
HFSS wird gezeigt, wo die Vorteile
für den Entwickler von der numeri-
schen Modellierung bis zur Optimie-
rung liegen. Aufgrund neuer Anwen-
dungsfelder, werden Antennen stets
weiterentwickelt. Es gibt sie heute
in den verschiedensten Formen. Im
Unterschied zur klassischen Dipol-
antenne sind diese Antennen ana-
lytisch nur schwer oder überhaupt
nicht zu verstehen. Simulations-
software, speziell für die 3D-Simu-
lation hochfrequenter elektromag-
netischer Felder entwickelt, hilft bei
der Analyse und Auslegung innovativer
Antennenstrukturen.
CHRISTIAN RÖMELSBERGER*
Bild: CADFEM
Antennendesign: Hier werden die Richtcharakteristiken und Stromverteilungen auf den Masselagen einer Schlitzantenne (links) und einer Vivaldiantenne (rechts)
dargestellt.
S
imple Antennendesigns sind leicht zu Schwingkreis in Resonanz betrieben, fließen tennen, welche auf der Dipolantenne aufbau-
realisieren. Sie sind jedoch nicht die auch bei kleinen Eingangssignalen große en. Daraus ergeben sich folgende Anwendun-
Regel. Die erste und einfachste Anten- Ströme. Diese wiederum erzeugen entspre- gen:
ne ist die Hertz’sche Dipolantenne, ein Me- chend starke elektromagnetische Felder, die Antennen werden mehr und mehr
tallstab in zwei Hälften geteilt und in der sich im freien Raum mit Lichtgeschwindig- integriert und daher miniaturisiert.
Mitte mit einem Signal bespeist. Der Name keit ausbreiten. Sie werden auf Leiterplatten gedruckt
geht auf den deutschen Physiker Heinrich oder in Gehäuse von Geräten inte-
Hertz zurück, der als Erster elektromagneti- Die Antenne wird auf die griert. Die Miniaturisierung führt dazu,
sche Wellen im Experiment nachwies. Resonanzfrequenz abgestimmt dass die Dimensionen einer Antenne we-
Der russische Physiker Alexander Stepa- Die Resonanz lässt sich auch als stehende sentlich kleiner als eine halbe Wellenlänge
nowitsch Popow empfing 1895 dann erstmals Welle auf dem Dipol betrachten, wobei der sind. Außerdem sind bei der Integration
elektromagnetische Wellen mit der Dipolan- Dipol eine halbe Wellenlänge lang ist. Im Wechselwirkungen mit der restlichen Elek-
tenne. Eine solche Antenne kombiniert die Umkehrschluss bedeutet dies, dass die geo- tronik zu vermeiden.
Induktivität des Metallstabes mit der Kapa- metrische Dimension der Antenne auf die Je nach Anwendung müssen Anten-
zität zwischen den Stabenden und funktio- gewünschten Resonanzfrequenzen abzu- nen an ein breites Frequenzband oder ein
niert somit als Schwingkreis. Wird dieser stimmen ist. oder mehrere schmalere Frequenzbänder
Anders ausgedrückt muss ein gut ange- angepasst werden. Die Anpassung auf
passter Übergang einer Eingangsimpedanz mehrere Frequenzbänder ist auch im Zu-
von 50 Ω auf den Wellenwiderstand des frei- sammenhang der Integration mehrerer Wi-
* Christian Römelsberger
en Raumes (377 Ω) realisiert werden. Dazu reless-Funktionalitäten (drahtlose Kommu-
ist Experte im Bereich der hochfre-
quenten elektromagnetischen und auf Grund unzähliger neuer Anwendun- nikation) in sogenannten mobile Devices
Simulation bei CADFEM. gen entwickeln Ingenieure immer neue An- (tragbaren Geräten) wichtig.
Bild: CADFEM
gleichs wird solange fortgeführt, bis wichti-
ge Größen wie die S-Parameter zu der ge-
wünschten Genauigkeit konvergiert sind.
ALL YOU
NEED
Bild: CADFEM
IN AN RTOS
Source Code
No Royalties
Small Footprint
Phasenzentrum einer Hornantenne: Links im Bild, sie dient als Speisenetzwerk der Doppelreflektorantenne
IEC-61508 • IEC-62304
(Mitte). Die Richtcharakteristik (rechts) weist viele axialsymmetrische Nebenkeulen auf.
Express Logic’s ThreadX RTOS
has received TÜV Certification for
Rolle in der Bewertung von HF-Eigenschaf- simulation hilft auch, Welleneffekte wie functional safety, according to
IEC-61508 and IEC-62304
ten von Strukturen verwendet ANSYS HFSS Beugung am Rand der Reflektoren und Bre-
standards. Now, use of ThreadX
die S-Parameter als Konvergenzkriterium für chung am Radom schon in der Entwicklungs- for safety-critical systems is easi-
die adaptive Vernetzung. Aus der Reflexions- phase mit zu berücksichtigen. Die vielen er than ever before. Ask us about
dämpfung lässt sich unter Annahme geringer axialsymmetrischen Nebenkeulen der Ab- our TÜV certification, and how it
Ohm’scher und dielektrischer Verluste die strahlcharakteristik sind durch diese Effekte can help you meet IEC-61508 and
Effizienz einer Antenne abschätzen. Um je- bedingt. Um Modelle dieser elektrischen IEC-62304 regulations.
doch genauere Aussagen über die Abstrahl- Größe, d.h. von der Größe vieler Wellenlän-
eigenschaften treffen zu können, berechnet gen, zu berechnen, arbeitet ANSYS HFSS mit YOUR EXTRAS
ANSYS HFSS mit Hilfe von Green’schen leistungsstarken Gleichungslösern, bei-
Funktionen aus einer Feldlösung das abge- spielsweise mit der sogenannten „Domain Certification Pack™
Certification
strahlte Fernfeld. Durch die Green`sche Decomposition“ oder einem Finite-Elemen- Fastest RTOS
Funktion können abgestrahlte Felder als te-Rand-Integral-Hybridlöser.
Automatic
Integral über eine Fläche, die die Strahlungs- Event Trace
quelle einschließt, dargestellt werden Feldsimulation erleichtert das
(Greensche Formeln).So werden Aussagen Antennendesign
über den Antennengewinn, die Polarisation Reflexion, Beugung und Brechung spielen ADDITIONAL MODULES
sowie die Richtcharakteristik getroffen. auch bei der Antennenplatzierung eine Rol-
le: In den meisten Fällen ist es mit der Aus- N E T
Doppelreflektorantenne mit legung der Antenne noch lange nicht getan, TCP/IP with IPv4 & IPv6
Geometrie richtig auslegen denn beispielsweise hängt die Funktion ei-
Die Richtcharakteristik einer Antenne wird ner Antenne sehr stark von ihrer Positionie- F I L E
sowohl durch den primären Strahler (Reso- rung ab. Wenn etwa eine gut angepasste
nator), der meist kleiner als eine halbe Wel- Antenne in die Rückleuchte eines Autos in- Embedded FAT File System
lenlänge (Dipolantenne) ist, als auch durch tegriert wird, können Reflexion, Beugung
Reflexion, Beugung oder Brechung an grö- und Brechung an der Abdeckung und der U S B
ßeren Bauteilen in der Umgebung bestimmt. Karosserie den Wirkungsgrad einschränken Host and Device Stack
Dies ist bei der Auslegung einer Doppelre- und die Richtcharakteristik stark beeinträch-
flektorantenne zu berücksichtigen. Das Re- tigen. Diese Rückwirkungen lassen sich per G U I
flektorsystem einer Doppelreflektorantenne HF-Simulation abbilden, ebenso wie viele
kann mit Hilfe geometrischer Optik ausgelegt weitere Aufgabenstellungen im Antennen- Embedded Graphics
werden (siehe Bild oben, „Phasenzentrum design. Durch die numerische elektromag-
der Hornantenne“). Hierbei sind die Brenn- netische Simulation können – wie hier auf- T R A C E
punkte des Parabolspiegels und des ellipti- gezeigt wurde – also bereits sehr früh im
schen Reflektors so anzuordnen, dass das Designprozess entscheidende Hürden ge- Real-Time Event Trace
Phasenzentrum der speisenden Hornanten- nommen werden. In der nächsten Ausgabe
ne im ersten Brennpunkt des elliptischen wird gezeigt, wie mit Simulation das Ver-
Reflektors liegt und der zweite Brennpunkt ständnis über das physikalische Verhalten For Information visit
des elliptischen Reflektors im Brennpunkt der zu entwickelnden Bauteile und Produkte
[Link]
des Parabolspiegels. Das Phasenzentrum der erhöht wird. // LD
Hornantenne wird jedoch mit Hilfe einer
+49 5143-911303
Feldsimulation ermittelt, in der die Phasen- CADFEM
lage des Fernfeldes berechnet wird. Die Feld- +49(0)8092 70050
Praxisgerechte Designvariationen
durch parametrische Modelle
Durch numerische Simulation werden Strategien realisiert, die
Designverständnis und Optimierung fördern. Dieser zweite Artikel der
dreiteiligen Serie zeigt die sich daraus ergebenden Möglichkeiten.
CHRISTIAN RÖMELSBERGER *
I
m ersten Teil dieser Antennen-Artikelse- Durchmesser verändern. Die Auswirkungen HFSS innerhalb der Workbench sorgt für ef-
rie wurden Techniken aufgezeigt, die das dieser Variationen auf das Verhalten der Di- fiziente und benutzerfreundliche Parameter-
elektromagnetische Hochfrequenzverhal- polantenne sind nachvollziehbar: Die Dipol- variationen. Hierbei stellt die auto-adaptive
ten einer Antenne mit Hilfe der numerischen länge hat eine direkten Einfluss auf die Re- Vernetzung eine gleichbleibende numeri-
Simulation am virtuellen Prototypen unter- sonanzfrequenz, sie muss ungefähr eine sche Genauigkeit sicher, so dass der Einfluss
suchen. Im zweiten Teil werden nun parame- halbe Wellenlänge betragen. Der Durchmes- des numerischen Rauschens handhabbar
trische Modelle verwendet, um Design- ser wirkt sich aufgrund kapazitiver Kopplung wird.
variationen praxisgerecht zu realisieren. auf den Verkürzungsfaktor aus und hat einen
Geometrische Abmessungen und Material- direkten Einfluss auf die Bandbreite der An- Statistische Samples sichern
eigenschaften wie Permittivitäten sind durch tenne. flexible Designpunkte
Variablen gut beschreibbar. Bei einer Dipol- Als Ergebnis einer Design-of-Experiment-
antenne lassen sich die Länge und der Sampling einer aufwendigen Analyse in optiSLang werden Korrelationen
Dualband-Schlitzantenne zwischen verschiedenen Ein- und Ausgangs-
Bei aufwendigeren Antennen wie der größen bestimmt und Eingangsparameter
Aufmacherbild: 2x2 Anten-
Dualband-Schlitzantenne (Bild 1) sind we- nach ihrer Wichtigkeit bezüglich ihres Ein-
nenarray mit Viertor-Hybrid- sentlich mehr Geometrieparameter vorhan- flusses auf Ausgangsgrößen bewertet. Die
koppler. Dieser wandelt den, deren Auswirkungen auf das Verhalten Software visualisiert diese Ergebnisse auf
die vier Antennen- der Antenne jedoch weniger offensichtlich anschauliche Weise, sodass die Zusammen-
signale in ein sind. Manuelle Parametervariationen hänge schnell erfassbar werden. In einem
Summensignal sind in solchen Fällen sehr mühsam. zweiten Schritt erzeugt die Software Meta-
und drei Diffe-
Zusätzlich lassen sich daraus nicht modelle auf Basis der statistischen Samples.
renzensig-
nale um.
einfach die relevanten Zusammen- Diese sind Antwortflächen, wobei eine mög-
hänge zwischen verschiedenen lichst gute Annäherung an die Simulations-
Größen ablesen. daten des Samples zu gewährleisten ist. Das
Die Software optiSLang, die erlaubt Vorhersagen für neue Designpunkte,
Sensitivitäten ermittelt und die ohne eine neue Simulation zu starten. Bei
Optimierung erleichtert, bietet der Erstellung eines Metamodells werden die
für solche Fragestellungen mit wichtigsten Eingangsparameter für die je-
systematischen Parametervaria- weilige Ergebnisgröße herausgefiltert und
tionen eine Ergänzung zur Simu- das Modell nur in Abhängigkeit dieser Para-
lationslösung ANSYS HFSS. Hier- meter bestimmt.
bei wird ein Design of Experiment Außerdem werden die Metamodelle für die
(DOE) durchgeführt, also ein sta- verschiedenen Ergebnisgrößen nach ihrer
tistischer Versuchsplan (Sampling) Prognosefähigkeit bewertet. Bei einer guten
erstellt und ausgewertet. Um eine Prognosefähigkeit lassen sich Metamodelle
Cluster-Bildung im Sampling zu ver- für Optimierungsaufgaben verwenden, bei
meiden und den Raum der erlaubten denen viele Datenpunkte notwendig sind.
Designvariationen möglichst gut abzu- Dies führt teilweise zu erheblichen Zeitein-
tasten, wird ein Advanced Latin sparungen. Hierbei ist zu beachten, dass
Hypercube Sampling ver- derselbe physikalische Sachverhalt oft durch
wendet, das auch einen
Designraum mit vielen
Parametern effizient
* PhD Christian Römelsberger
I DSO abdeckt. Die direkte
:P ... ist Experte im Bereich der
Bi
ld Drag & Drop-Anbindung hochfrequenten elektromagnetischen
von optiSLang an ANSYS Simulation bei CADFEM.
mehrere verschiedene Größen beschreibbar ße zu wählen, denn diese ist meist besser
Bild: CADFEM
ist. Im Antennendesign sind die interessan- durch ein Metamodell zu beschreiben. So
ten Ausgangsgrößen: lässt sich die Antenne gut an die beiden Fre-
die Resonanzfrequenz der Antenne, quenzen anpassen (Bild 2).
die Bandbreite, Ein Antennensystem besteht im Allgemei-
der Gewinn oder die Richtcharakteristik nen aus mehr als nur dem Strahler. Das
in Form der Positionen und der Breiten der Speisenetzwerk enthält oft auch andere pas-
Haupt- und Nebenzipfel und in Form des sive Mikrowellenkomponenten wie Koppler,
maximalen Gewinns oder der Polarisation. Filter, Diplexer und Zirkulatoren. Die Funk-
Bei der zuvor erwähnten Dualband- tionsweise dieser Komponenten beruht auch
Schlitzantenne besteht für die Reflexions- auf Resonanzen, Interferenz und Impedanz-
dämpfung bei den beiden Frequenzen anpassung. Beispielsweise hat das Unter- Bild 1: Bei einer Dualband-Schlitzantenne kann eine
2,4 GHz und 5,8 GHz eine sehr schwer be- nehmen PIDSO für Tracking-Anwendungen Vielzahl von Parametern variiert werden.
schreibbare Abhängigkeit von den Eingangs- ein kardanisch aufgehängtes 2x2-Anten-
parametern. Kleine Variationen der Geome- nenarray entwickelt, um eine schärfere
trie können die Minima der Reflexionsdämp- Richtcharakteristik und somit auch eine hö- drei Differenzensignale um, wovon zwei Aus-
fung um eine Bandbreite verschieben. Daher here Reichweite zu erreichen. kunft über die horizontale und vertikale Ab-
tritt bei einer gegebenen Frequenz eine äu- Das Summensignal der vier Antennen wird weichung des einfallenden Signals von der
ßerst nichtlineare Abhängigkeit der Refle- hierbei zur Signalübertragung verwendet. Normalenrichtung des Arrays geben. Der
xionsdämpfung von den Eingangsparame- Aus den Laufzeitunterschieden einfallender Viertor-Hybridkoppler nutzt konstruktive
tern auf. Um diese Abhängigkeit genau zu Wellen auf die vier Antennen können die und destruktive Interferenzen, um die Sum-
ermitteln, werden in einem kleinen Parame- Richtung des zu lokalisierenden Objekts be- men- und Differenzensignale zu bilden.
terbereich viele Samples benötigt. stimmt und somit die Antennennachführung Die Kantenlänge des Hybridkopplers be-
geregelt werden. trägt ungefähr eine Viertel-Wellenlänge. Das
2x2-Antennenarray mit Das Speisenetzwerk des Arrays enthält heißt, die S-Matrix für das Übertragungsver-
Viertor-Hybridkoppler einen Viertor-Hybridkoppler (siehe Aufma- halten des Kopplers von den Eingangs- zu
Für schmalbandige Resonanzen ist es da- cherbild und Bild 3). Dieser wandelt die vier den Ausgangs-Ports soll durch
her oft besser, ihre Position als Ergebnisgrö- Antennensignale in ein Summensignal und
Bild: CADFEM
Bild: PIDSO
kommt. Dies illustriert, wie wichtig die rich-
tige Formulierung der Fragestellung bei der
Optimierung von HF-Strukturen ist.
Eine weitere wichtige Fragestellung in der
Entwicklung von Antennenstrukturen und
RF-Anwendungen (Radio Frequency) ist die
der Robustheit. Hier sind verschiedene As-
pekte zu beachten: Wie sensitiv/robust ver-
hält sich eine Struktur gegenüber Fertigungs-
toleranzen, Materialschwankungen oder
auch äußeren Einflüssen wie thermischen
Dehnungen?
Bild: CADFEM
oft auf sehr akkurat abgestimmten Resonan-
zen, die sehr sensitiv gegenüber kleinen Geo-
metrieveränderungen reagieren.
Daher stellt sich unter anderem die Frage
nach der Robustheit eines Cavity-Filters (RF-
Filter aus Hohlraumresonatoren) gegenüber
thermischer Dehnung, die durch die eigene
Verlustleistung hervorgerufen wird. Diese
Aufgabenstellung lässt sich sehr gut inner-
halb der ANSYS Workbench als parametri-
scher Simulationsplattform beantworten, in
der auch verschiedene physikalische Domä-
nen per Drag & Drop gekoppelt werden kön-
nen.
In diesem Fall interessiert die Kopplung
der hochfrequent-elektrischen an die ther-
mische und mechanische Domäne, wobei
auch Rückwirkungen berücksichtigt werden
müssen. Die Einbindung von optiSLang in
die ANSYS Workbench erleichtert solche Un- Bild 4: Konturplot der Ausgangssignale am Summen-Port und den horizontalen und vertikalen Differenzen-
tersuchungen erheblich. Auf ähnliche Weise Ports.
CHRISTIAN RÖMELSBERGER *
Bild: CADFEM
Bild 1: Gedruckte Dipolantenne mit Speisenetzwerk (links) und Schaltungssimulation des Speisenetzwerks (rechts). Die Modenumwandlung in eine Gleichtaktmode
ist in blau dargestellt, die Reflexionsdämpfung in rot.
I
n den ersten beiden Teilen dieser Artikel- samtes Antennensystem oder größere Teile bilden: Da sich das Signal entlang der Mik-
serie wurde im Detail beschrieben, wel- davon zu verstehen. rostreifenleitungen als leitungsgebundene
che Unterstützung die hochfrequente Um die Systemsimulation an einem einfa- Welle ausbreitet, die sehr stark durch die
elektromagnetische Feldsimulation beim chen Beispiel zu erklären, soll hier das De- Grundmode (Quasi-TEM-Mode – Transversal
Entwickeln von Antennen oder passiven RF- sign einer gedruckten Dipolantenne, die aus Elektro-Magnetisch) dominiert ist, können
Komponenten bietet. Hierbei wurde ein gro- einer Mikrostreifenleitung gespeist wird, unterschiedliche Segmente des Speisenetz-
ßes Augenmerk auf die Optimierung des betrachtet werden (Bild 1). Die Dipolantenne werks über Terminals gekoppelt werden (sie-
Designs gelegt, indem mit Hilfe parametri- wird dabei durch ein differenzielles Signal he Bild 1 rechts).
scher Variantenuntersuchungen das Ver- gespeist und die Abstrahlcharakteristik ist Dabei wird das Übertragungsverhalten
ständnis bezüglich des Produktverhaltens durch die Masseebene unter dem Speisenetz- jedes Segments durch ein frequenzabhängi-
erhöht wurde. Darauf aufbauend ließ sich werk ein wenig gerichtet. Das Speisenetz- ges S-Parametermodell beschrieben. Für
das Design verbessern und dessen Robust- werk auf der anderen Seite soll das Signal Mikrostreifenleitungen lässt sich das Über-
heit bewerten. Dieser dritte und letzte Teil einer 50-Ohm-Mikrostreifenleitung mit Hilfe tragungsverhalten analytisch beschreiben,
der Artikelserie erläutert, wie Schaltungssi- einer Verzögerungsleitung in ein differen- wogegen zum Beispiel der Teiler als Ergebnis
mulationen, die auf Ergebnissen der Feldsi- zielles Signal umwandeln, das der Fußpunk- einer Feldsimulation hinterlegt ist.
mulation aufbauen, helfen können, ein ge- timpedanz der Dipolantenne angepasst ist. Die Kopplung der Segmente erfolgt auf
konservative Weise. Das heißt, dass der
Kopplung von Segmenten des Strom erhalten bleibt. Denn zum einen gilt
Speisenetzwerks die Kirchhoff’sche Knotenregel und zum an-
* Christian Römelsberger, PhD
Das Verhalten des Speisenetzwerks lässt deren fließt an jedem Port aller Strom, der
... ist Experte im Bereich der hochfre-
quenten elektromagnetischen Simula- sich sehr gut und effizient in einer Systemsi- durch die Terminals hereinkommt, durch
tion bei CADFEM. mulation im ANSYS Electronics Desktop ab- den Referenzterminal auf die Erde ab.
Bild: CADFEM
müssen vom Lesegerät zum Chip auf dem
RFID-Tag und zurück gut übertragen werden,
der Chip auf dem Tag wird dabei aber auch
mit Energie aus dem empfangenen Signal
gespeist. Hierfür müssen sowohl das Ener-
gie-Harvester-System als auch das Sende-
und Empfangssystem mit der Modulation des
Signals untersucht werden.
Von ganz besonderer Bedeutung ist die
Feldkopplung zwischen den Antennen. Die-
se sollte in einer wohldefinierten Region um
das Lesegerät und bei möglichst vielen Tag-
Ausrichtungen möglichst günstig sein. Hier-
bei hilft die ‚Dynamic Link‘-Technik im
ANSYS Electronics Desktop für Systemsimu-
Bild 2: Der Schaltplan für die Systemsimulation eines Low Noise Amplifyers. Das Übertragungsverhalten der lationen, die auf parametrischen Feldsimu-
Platine inklusive parasitärer Impedanzen ist in dem großen Block hinterlegt. lationen aufbaut. Um bei solchen Fragen
auch Feldauswertungen in einer Systemsi-
mulation zu berücksichtigen, lassen sich die
dard entsprechen, sind sehr einfach reali- bei einer gegebenen Eingangsleistung und Anregungen, die in der Systemsimulation
sierbar. Der gesamte LNA ist daher in einer Frequenz durch die angeregten höheren ermittelt wurden, automatisch in die Feldsi-
Systemsimulation (siehe Bild 2) abzubilden, harmonischen Anteile im Ausgangssignal mulation übertragen.
in die sowohl die Impedanzen des Layouts charakterisiert bzw. durch die Kennlinie,
aus einer Feldsimulation als auch ein gutes der Ausgangsleistung gegen die Eingangs- Effekte ungewollter Antennen
nicht-lineares Verhaltensmodell des Transis- leistung bei der Grundfrequenz. spielen große Rolle
tors eingebunden werden. Die HF-Simulationslösungen von ANSYS
Die Untersuchung des LNA erfolgt mit Nachbildung eines gesamten basieren auf leistungsstarken 3D-Feldlösern
mehreren Analysen: Antennensystems und Schaltungssimulatoren, die an die je-
1. Der Arbeitspunkt des Transistors wird Die Systemsimulation kann natürlich noch weiligen Anforderungen angepasst sind und
in einer DC-Analyse bestimmt. eine Stufe weiter getrieben werden, indem nahtlos miteinander zusammenspielen. Die-
2. Der Frequenzgang des Kleinsignalver- ein gesamtes Antennensystem nachgebildet se eignen sich hervorragend, um Antennen-
haltens lässt sich in einer linearen Netz- wird. In solchen Modellen können die ver- systeme zu simulieren. Darüber hinaus ist
werkanalyse ermitteln. Hierbei geben die schiedenen Komponenten in unterschiedli- der Anwendungsbereich dieser Lösungsme-
S-Parameter Auskunft über die Verstärkung chen Detailgraden modelliert werden. Dabei thoden noch viel breiter: Im EMV-Bereich
und die Reflexionsdämpfung an beiden sind sowohl einfache Verhaltensmodelle von spielen zum Beispiel Leiterbahnen und Ka-
Eingängen sowie über die Bandbreite des gesamten Verstärkern, Mixern oder Filtern bel, die als ungewollte Antennen betrieben
Verstärkers. In dieser Analyse wird der Ar- verwendbar als auch eine detaillierte Model- werden, eine große Rolle. Diese ungewollten
beitspunkt verwendet, der in der DC-Analy- lierung, die auf komplexen Feldsimulationen Antennen können mit Feldsimulationen ent-
se bestimmt wurde. und vielen detaillierten Einzelkomponenten deckt werden und in einer Systemsimulation
3. Das nicht-lineare Verhalten des LNA beruht. lässt sich bewerten, wie stark sie im Betrieb
kann in einer ‚Harmonic Balance‘-Analyse Zum Beispiel sind bei einem RFID-System angeregt werden. Damit ist das Emissions-
untersucht werden. Beispielsweise wird es (Radio Frequency Identification) viele Her- spektrum bestimmbar.
Die hier aufgezeigten Simulationsmetho-
den für Antennen und Antennensysteme
zeichnen sich durch einen durchgängigen
Webinare zum Thema Antennendesign parametrischen Workflow aus – von der Be-
rechnung der einzelnen Komponente bis zur
CADFEM zeigt in kostenlosen Webina- zielgerichtet zu lösen. Anhand typischer Untersuchung des Gesamtsystems. Damit
ren die Grundlagen der HF-Simulation. Designaufgaben wie der Simulation lassen sich komplette Antennensysteme als
Im Design von Antennen sind vielfältige einer Parabolantenne, der Anpassung virtuelle Prototypen systematisch analysie-
Anforderungen zu erfüllen: Ein kleiner der Richtcharakteristik eines Mobilfunk- ren und optimieren. Auf diese Weise können
Bauraum, wie er durch die Größe eines Antennenarrays und der Optimierung schon in einer sehr frühen Entwicklungspha-
Gerätes oder einer Platine limitiert ist, einer Dualband-Schlitzantenne wird das se wichtige Entscheidungen – mit einem
eine gute Empfangs- beziehungsweise praktische Arbeiten mit der Software durch die Simulation gewonnenen umfas-
Sendeleistung sowie eine für die Anwen- demonstriert. Anmeldungen sind unter senden Verständnis des physikalischen Ver-
dung optimierte Richtcharakteristik. Die der Adresse [Link]/antennen- haltens des Antennendesigns – fundiert
FEM-Simulation mit ANSYS HFSS bietet webinar möglich. Termine: Donnerstag, getroffen werden. // FG
die Möglichkeit, diese Aufgabenstellun- 26. März, 11.00 Uhr und Dienstag, [Link],
gen schon in einer frühen Designphase 14.00 Uhr. CADFEM
+49 (0)8092 70050