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Methodenbuch 2

Das Dokument beschreibt verschiedene Methoden, um die deutsche Sprache effektiv zu lernen und Prüfungen zu bestehen. Es werden Techniken erläutert, um Ängste beim Sprechen zu reduzieren, automatische Sätze zu verwenden und positive Assoziationen bei Prüfern hervorzurufen. Zudem werden Strategien vorgestellt, um das Sprachniveau B2 und C1 zu erreichen.

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Methodenbuch 2

Das Dokument beschreibt verschiedene Methoden, um die deutsche Sprache effektiv zu lernen und Prüfungen zu bestehen. Es werden Techniken erläutert, um Ängste beim Sprechen zu reduzieren, automatische Sätze zu verwenden und positive Assoziationen bei Prüfern hervorzurufen. Zudem werden Strategien vorgestellt, um das Sprachniveau B2 und C1 zu erreichen.

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Günther Baur

Das Methodenbuch

Lautere Tricks,
mit denen Sie
(nicht nur)
Ihre Deutsch-Tests bestehen

1
Inhalt

Methoden für Lernende .......................................................................................................................... 3


Die lauteren Tricks ............................................................................................................................... 3
Sofort positive Phantasien im Kopf der Biodeutschen auslösen......................................................... 5
Die 200-Sätze-Methode ...................................................................................................................... 8
Automatische Sätze ............................................................................................................................. 9
Angst und Scham beim Sprechen verkleinern................................................................................... 14
Wie lernen Erwachsene DerDieDas nicht? .................................................................................... 19
Wie lernen Erwachsene DerDieDas? ............................................................................................. 20
Wie lernen Erwachsene Deutsch C1? ............................................................................................ 22
Der Kontext ....................................................................................................................................... 25
Das unbekannte Wort ....................................................................................................................... 33
Deutsch B2 erreichen ........................................................................................................................ 35
VerbKommaVerb ........................................................................................................................... 36
Verben mit Präpositionen und Nomen-Verb-Gruppen ................................................................. 37
Attribute ........................................................................................................................................ 38
Komposita und Fachbegriffe ......................................................................................................... 39
Die Methode „Hase und Igel“............................................................................................................ 41
Wird fortgesetzt ................................................................................................................................ 44

2
Methoden für Lernende

Die lauteren Tricks


Herakles drückte bei der ersten Eroberung Trojas die Mauern ein,
sein Freund Telamon erstieg die Mauer und sprang als erster in die Stadt.
Nun galt aber der erste griechische Krieger, der die Stadt betrat, als der Eroberer der Stadt Troja.
Herakles war darüber so sehr erzürnt, dass er hinterhersprang, mit seinem Schwert ausholte und
seinen Freund Telamon erschlagen wollte.
Telamon spürte die drohende Gefahr hinter sich, bückte sich, sammelte einige Mauerreste ein und
schichtete sie auf. Herakles stutzte, hielt mit dem erhobenen Schwert kurz inne und fragte:
„Was tust du da?“
Telamon antwortete: „Ich erbaue für Herakles, den Eroberer der Stadt Troja, einen Altar.“
Herakles lächelte, senkte sein Schwert und ließ seinen Freund leben.

„Lauter“ ist ein nicht so oft gebrauchtes Adjektiv und bedeutet rein, pur, sauber, unvermischt.
Lauteres Gold ist 24 Karat Gold, 1000 von 1000 Anteilen sind Gold.

Ein lauterer Trick ist eine Aktion,


die eine Abkürzung darstellt oder das Verhalten manipuliert, aber akzeptiert wird.
Lautere Tricks werden von den Beteiligten erkannt und – oft mit einem hintersinnigen Schmunzeln –
positiv bewertet.
Wenn lautere Tricks Leben retten können, bewirken sie auch kleinere Wunder.

Alle acht Manipulatoren der deutschen Sprache und ihre beabsichtigten Effekte
zählen zu den lauteren Tricks, die in Sprachprüfungen zum Bestehen führen:

Manipulator Effekt
 Partikel Aussagen emotional färben und damit
Verhalten manipulieren
 Phonetik/ Aussprache Selbstwertgefühl der Sprecher:innen steigern
Angst und Scham beim Sprechen verringern
 Automatische Sätze Kommunikation spontan verbessern
 Verbpositionen V2/ VL Vertrauen auslösen
 Endungen Emotionen auslösen
Phantasien auslösen
Verstehen beschleunigen
Verhalten manipulieren
Soziale Gruppen öffnen
 Verbposition V,V Respekt auslösen
 Verben mit Präpositionen den Sprecher als beruflichen Profi erscheinen lassen
Respekt auslösen
Kooperation auslösen
 Idiomatische Wendungen Komplexe Phantasien auslösen
Nuancen präzise ausdrücken

3
Die Trennlinie zwischen lauteren und unlauteren Tricks verläuft dort, wo die Prüfungsregularien
etwas ausschließen bzw. wo die Prüfer Verstöße ins Prüfungsprotokoll eintragen und damit das
Nichtbestehen der Prüfung begründen.

Umgekehrt gilt: Alles ist erlaubt, was die Prüfer bemerken und nicht ins Prüfungsprotokoll eintragen.
Dazu zählen auch die lauteren Tricks.

Ein unlauterer Trick ist ein offener Regelbruch, der nicht akzeptiert wird, beispielsweise das
Auftauchen von einem (mitgebrachten) Spickzettel während der Prüfung.
Ein solcher Trick führt direkt zum Eintrag ins Prüfungsprotokoll und zum Nichtbestehen.

Ein lauterer Trick liegt vor, wenn die Kandidatin sich während der Prüfung vom Prüfer ein
gestempeltes Schmierpapier geben lässt und den Spickzettel schreibt. Die Inhalte sind die gleichen,
der Stempel beweist, dass die Kandidatin diese Informationen innerhalb der Prüfungszeit schrieb.
Ein solcher Trick wird nicht im Prüfungsprotokoll notiert,
die Prüfung läuft (mit diesem Hilfsmittel) weiter.

Lautere Tricks werden von Chefs begrüßt, sie freuen sich darüber, weil sie sagen:
Wer solche Tricks beherrscht, kann meine Kunden besser bedienen und
die betrieblichen Abläufe besser steuern. Solche Leute suche ich.
Diese Tricks funktionieren in Sprachprüfungen ebenso wie an allen anderen Orten. Die Prüfer wissen,
dass es Tricks sind, und geben Punkte, weil diese Tricks die Probleme lösen, bevor sie groß werden.
Diese Tricks sind von den Prüfungsregularien nicht ausgeschlossen.

Zu den lauteren Tricks zählen darüber hinaus:


 die Augenbraue beim Sprechen hochziehen und damit eine Aussage massiv unterstreichen;
 das Erklären eines Wortes mit einer Wortfamilie. Es vermittelt dem Prüfer ein gutes Gefühl:
Die Deutschkenntnisse sind profund, das Sprechen ist flüssig.
 Alle kommunikativen Modelle auf [Link]

Alle Prüfer wissen, dass es ein Trick ist.


Alle Prüfer überlegen, ob dieser Trick verboten ist.
Alle Prüfer kommen zu dem Schluss, dass dieser Trick in dieser Prüfungssituation erlaubt ist.
Alle Prüfer überlegen, ob sie dem Trick folgen und dem Kandidaten helfen. Viele Prüfer machen das.
Weil die Kandidaten die lauteren Tricks benutzen, bekommen sie Punkte in der Prüfung.
Im Kopf des Prüfers entsteht die Wahrnehmung und die Annahme: Die Kandidatin kennt diesen Trick.
Weil sie den Trick kennt und im Stress benutzt,
kann sie auch reale Situationen im Alltag und im Beruf gut bewältigen.

4
Sofort positive Phantasien im Kopf der Biodeutschen auslösen
Eine Chilenin sagte: Die Deutschen sind unkooperativ, herzlos und kalt. Daraufhin fragte ich sie:
Kennst du die Tricks, wie du diese Leute kooperativ, warmherzig und freundlich machen kannst?
Sie entgegnete halb zweiflerisch, halb neugierig: Ist das möglich?

Es gibt fünf Tricks, wie das gelingen kann:


1. einen Hund kaufen und mit ihm spazierengehen;
2. ein Baby bekommen und den Kinderwagen durch die Nachbarschaft schieben;
3. in einem Garten arbeiten;
4. ehrenamtlich mitarbeiten, in einem Verein mitarbeiten.

Diese vier Verhaltensweisen lösen eine Phantasie aus:


Diese Person kümmert sich um andere.
Diese Person geht nicht mehr weg, sie bleibt in Deutschland.

Diese positive Phantasie beseitigt sofort die bisher bestehenden Barrieren zwischen den Menschen in
der deutschen Gesellschaft. Das wiederum ändert spontan das Verhalten der Deutschen.
Aus unkooperativen, herzlosen, kalten, desinteressierten Deutschen werden
kooperative, warmherzige, freundliche, zugewandte Menschen.

In diesem Zusammenhang ist die ehrenamtliche Mitarbeit wichtig.


Rund 15 Millionen Menschen sind in Deutschland ehrenamtlich tätig, siehe
[Link]
Diese 15 Millionen Menschen sind besser gebildet, haben mehr soziale Kontakte und verfügen über
mehr Geld als die Gesamtbevölkerung. Was ist hier die Ursache und was ist die Folge?
 War zuerst die höhere Bildung da und damit verbunden die Einsicht, dass Ehrenamt sinnvoll
ist? Oder war zuerst das Ehrenamt da und die höhere Bildung wurde dadurch erleichtert?
 Hatten diese Menschen schon immer viele Kontakte und nutzen sie in einem Ehrenamt?
Oder verschaffte das Ehrenamt ihnen diese zahlreichen Kontakte?
 War zuerst der Reichtum da und kam das Ehrenamt später dazu?
Oder war zuerst das Ehrenamt da und diese Menschen wurden später reich?
Aus der Sicht eines Deutschlehrers gleicht diese Diskussion der Frage:
Was war zuerst da, die Henne oder das Ei?

Viel interessanter ist, dass das Ehrenamt das Deutschlernen enorm beschleunigt und
viele Einblicke, viele Tipps und Tricks für ein besseres Leben in Deutschland liefert.
Es gibt viele Wege, wie eine Person ein für sie passendes Ehrenamt finden kann:

 Die Nachbar:innen fragen. Wenn 15 Millionen von 83 Millionen Einwohner:innen


ehrenamtlich tätig sind, sollten auch in der näheren Umgebung Ehrenamtliche vorhanden
sein.
 Auf [Link] den eigenen Ort und den Suchbegriff „Vereine“ eingeben,
z.B. „Stuttgart Vereine“
 Im Rathaus nach Vereinen und anderen Institutionen fragen.
Viele Rathaus-Webseiten haben auch eine eigene Liste der örtlichen Vereine.
 In Stuttgart das Europa-Zentrum besuchen, siehe [Link]
5
 Nach speziellen Organisationen suchen, z.B. die Tauschbörse, der Tauschring, die
Nachbarschaftshilfe o.ä.

Die Inhalte des Ehrenamts kann man frei wählen:


 Achtjährige Kinder in Fußball trainieren;
 In der Tafel Regale einräumen;
 Im Seniorenheim Leute durch den Park schieben;
 Im Schützenverein Kassierer sein und die Einnahmen verwalten;
 …
Alle diese ehrenamtlichen Tätigkeiten haben zahlreiche positive Effekte, von denen ich zwei
hervorheben möchte:
 Die Tipps und Tricks, die man im Ehrenamt „nebenher“ erhält, machen das eigene Leben
besser.
 Das eigene Deutsch wird sprunghaft besser.

Der fünfte Trick lautet: DerDieDas ohne Fehler sprechen und schreiben können.
Dafür gibt es fünf erfolgreiche Möglichkeiten:
1. Ich spreche den Artikel und das Adjektiv aus und
stoppe vor dem Nomen.
Ich starte ein neues Gespräch:
Ich frage nach dem Artikel.
Alle Deutschen geben mir bei allen Nomina den korrekten Artikel.
Ich gehe zum bereits gesprochenen Artikel zurück.
Dann spreche ich den Satz mit den korrekten Endungen zu Ende.
Das klingt in der gesprochenen Sprache so:

Ich habe eine neue


Oh Entschuldigung.
Sagt man die Jackett
Oder der Jackett?
Es ist das Jackett.
Danke. ein neues Jackett für dich gesehen.
2. Artikelendungen sind immer auch zweideutig, ambiguitär,
sie weisen die Phantasie stets in zwei Richtungen.
Dieses Orientieren auf zwei mögliche Ziele gibt ihnen einen Hauch des Obskuren.
Für Kinder ist das eine Quelle des Spaßes, wie eine vereiste Pfütze auf der Straße.
Für Erwachsene ist das eine Quelle der Scham, wie ein Fleck auf der Kleidung.
Mit den Artikeln soll sich die angesprochene Person den Sinn erschließen,
bevor alle Worte genannt sind.
Wenn ich eine Artikelendung mit Lächeln und Augenbraue ausspreche und
meinen Hörer beobachte, lerne ich extrem schnell, wie ich den Hörer manipuliere.

6
3. Ich kann einen Freund fragen:
Was ist los mit dir?
Warum korrigierst du mich nicht, wenn ich eine Endung falsch ausspreche?
4. Ich kann ein Kind bitten:
Weißt du, ich kenne deine Sprache noch nicht so genau.
Wie sagt man das auf Deutsch richtig?
5. Es kommt vor, dass das Gesicht eines Hörers spontan jeden Tonus verliert und emotionslos
wird: Dann bringt folgender Satz die Rettung:
Oops. War eine Endung falsch?

Die Gründe, warum diese fünf Methoden so großen Erfolg erzielen,


können Sie im Download „Endungen“ nachlesen.

Ich, Günther Baur, habe in 12 Jahren Unterrichtstätigkeit nur eine Frau kennengelernt,
die die Endungen mit Übungen gelernt hat.
Auf meine Frage, wie sie das geschafft hat, antwortete sie:
Wenn ein Lehrer drei Übungen aufgab, hat sie zehn Übungen erledigt.
Sie hat solange trainiert, bis es keine Fehler mehr gab.

Ich habe kein Lehrwerk gesehen, das die Beherrschung von DerDieDas sicherstellt.

Die Tricks der erfolgreichen erwachsenen C1-Lerner:innen finden Sie ebenfalls in dem genannten
Download „Endungen“. Diese Tricks erfordern eine persönliche Entschiedenheit und ein rigoroses
Vorgehen.

Im Übrigen gilt: DerDieDas lernt man im Kontakt mit Deutschen. Sonst nicht.
Die Anzahl der Kontakte entscheidet über die Geschwindigkeit, mit der man DerDieDas lernt.
Dies führt uns zurück zu den vier Tricks am Anfang.
Diese vier Tricks erleichtern den Kontakt mit den Deutschen.

7
Die 200-Sätze-Methode
Diese Methode ist eine der wenigen Methoden, bei der Sie Geld einsetzen müssen.
Gehen Sie in ein Schreibwarengeschäft und kaufen Sie ein DIN A4 Heft liniert.
80 Cent bis zwei Euro müssen Sie schon investieren, sonst klappt es nicht.

In einer schmalen Spalte links (etwa drei Finger breit) notieren Sie ein deutsches Wort,
das heute für Sie neu ist. Beispiel:
Tapir
Neben diesem Wort schreiben Sie einen Satz, in dem das neue Wort vorkommt.
Alle anderen Worte in diesem Satz sind Ihnen bekannt.
Formulieren Sie eine eigene Idee? Das ist wunderbar.
Dann verstehen Sie das neue Wort in einem von Ihnen formulierten Kontext. Beispiele:

Tapir Der Tapir ist ein Tier in Südamerika. Er hat eine lange Nase.
Infusion Eine Infusion ist eine Flüssigkeit, die durch einen Schlauch
in den Körper eines Patienten verbracht/ eingeträufelt wird.

Die 200-Sätze-Methode hat einige Vorteile:


 Alleine: Sie können alleine und ohne weitere Hilfsmittel Deutsch lernen.
 Nachhaltigkeit: Jedes Wort, das Sie in einen selbst formulierten Kontext eingefügt haben,
können Sie sich gut merken. Sie vergessen dieses Wort nicht mehr.
 Wissen vergrößern: Sie bewegen sich immer am Rand Ihres aktuellen Wissens und
verschieben ihn. Ihr Wissen wird größer.
Sie bekommen Routine im Umgang mit neuen Wörtern.
 Selbstkorrektur: Bei Satz (X +80) können Sie zu Satz X zurückgehen, den Satz X lesen und
korrigieren. Weil Sie nach (X+80) Sätzen Routine im Schreiben erlangt haben, können Sie ihre
Texte selbst korrigieren.
 Deutsch sprechen: Nach 150 Sätzen am Rande Ihres Wissens können Sie (fast) flüssig Deutsch
sprechen. Erklärungen, Beispiele und Umschreibungen von etwas Neuem fallen Ihnen leicht.
 Kundig sein: Nach 200 Sätzen, die Sie am Rand Ihres Wissens formuliert haben, sind Sie fertig
mit Deutsch B2. Sie können als Kunde und Fachkraft im beruflichen Umfeld auftreten.
 Professionalität: Die 200-Sätze-Methode eignet sich wunderbar für das Erlernen von
Fachbegriffen. Wenn Sie diese Methode mit der Methode „Wortfamilien“ kombinieren,
können Sie jeden Fachbegriff auf jedem Sprachlevel erklären.
 Geschenk: Das Heft mit den 200 Sätzen stellen Sie in Ihr Bücherregal und schenken es dreißig
Jahre später einem Enkelkind.

8
Automatische Sätze

Automatische Sätze helfen mir, dass ich die Kommunikation mit Deutschen spontan verbessern und
die Sprachprüfungen bestehen kann. Wie geht das?
Ich lerne Sätze auswendig und spreche sie immer gleich.
Die Sätze passen immer in meinem Alltag. Die Sätze sind ein Zeichen an die anderen Menschen:
Welche Hilfen brauche ich beim Sprechen?
Die Menschen verstehen meine Sätze in meinem Alltag.
Dann helfen sie mir.
Am Anfang spreche ich 2 bis 3 Sekunden.
Dann kommt die Hilfe von dem anderen Menschen.
Mit der Hilfe kann ich noch einen Satz in meinem Alltag sprechen.
Meine Sprechzeit wird länger.
5 Sekunden, 10 Sekunden, 30 Sekunden.
Mein Ziel ist: viele Minuten Deutsch sprechen. Tipp: Ich benutze die automatischen Sätze zuerst
einige Wochen lang in meinem Alltag. Ich lerne ihre Wirkung kennen. Dann setze ich automatische
Sätze in der mündlichen Prüfung ein.

A1
Wie bitte? Ich verstehe nicht.
Bitte nochmal.
Bitte langsam. Nicht so schnell, bitte.
Mein Deutsch ist nicht so gut.
Was ist das?

Der Anti-Englisch-Trick
Viele Deutsche wechseln beim Sprechen in Englisch. Das ist nicht fair. Die Deutschen benutzen mich
als kostenlosen Englischlehrer. Mein Deutsch wird nicht besser. Wenn das geschieht, kann ich sagen:
Oh, Entschuldigung. Ich verstehe nicht. Welche Sprache sprechen Sie?

9
A2
Was bedeutet dieses Wort? Können Sie das Wort bitte erklären?
Wie schreibt man das? Können Sie das bitte buchstabieren?
Können Sie das bitte wiederholen? Was haben Sie gesagt?
Bitte lauter. Können Sie bitte lauter sprechen?
Können Sie bitte langsamer sprechen?
Mein Deutsch ist noch nicht so gut.
Wie sagt man ____________________ auf Deutsch?
(In die Lücke können Sie jedes Wort aus jeder Sprache einfügen.
Sie können auch auf die Sache zeigen. Die Deutschen werden Ihnen helfen.)
Entschuldigen Sie, bitte. Können Sie mir helfen?
Ich brauche _____________________.
Ich suche _____________________.
Wo kann ich ____________________ finden?
Ich bin fremd hier. Kennen Sie sich hier aus? Wissen Sie, wo ...?
Ich habe alles verstanden. Aber eine Frage habe ich noch: Welche ...? Wissen Sie, wann ...?
Ist es der oder die ...?
Mir fehlen die richtigen Worte. Ich weiß nicht, wie man das genau sagt.
Da geht mir jetzt das Licht aus.
Ich verstehe Ihren Dialekt nicht so gut. Können Sie das auch auf Deutsch sagen?
Ich weiß, dass Sie es eilig haben. Haben Sie trotzdem eine Minute Zeit für mich?
Hm, das ist eine interessante Frage.

Der Ehefrauen-Trick
Viele Menschen sprechen in der Familie ihre Muttersprache.
Es gibt viele gute Gründe dafür, aber auch zwei gute Gründe dagegen:
 Das Lernen von Deutsch dauert viel länger.
 Die Kinder reagieren mit negativen Emotionen auf das schlechte Deutsch ihrer Eltern.

Folgende automatische Sätze helfen in der Familie weiter:


 Liebling, ich verstehe dich nicht. Kannst du das bitte auch auf Deutsch sagen?
 Schatzi, du hilfst mir nicht, wenn du mit mir ... (Italienisch, Kurdisch, ...) sprichst.
In vier Wochen ist meine Deutschprüfung. Bitte sprich bis dahin Deutsch mit mir.
 Tut mir leid, mein ... (Italienisch, Kurdisch, ...) ist bis 22:00 Uhr kaputt.

10
Variante: halbautomatische Sätze
Halbautomatische Sätze sind standardisierte Satzanfänge, die ich im Kontext sinnvoll ergänze.
Sie sind extrem sinnvoll in Diskussionen und in schriftlichen Arbeiten.
Sie beschleunigen das Formulieren und machen die Deutschen ruhig und aufmerksam.
Sie geben mir Platz für meine Ideen.
Es lohnt sich, wenn ich vor einer wichtigen mündlichen oder schriftlichen Prüfung
solche Satzanfänge sammle und trainiere.
Entschuldigung, ist es richtig, wenn ich sage: ... ?
Ich bin mir nicht sicher, ob ...?
Das kann sein. Wir sollten aber auch ...
Verstehe ich Sie richtig? Sie sagen, ...
Bitte korrigieren Sie mich, wenn ich etwas nicht richtig sage.
Das werden meine Leute nicht akzeptieren. Können wir ...?
Ich weiß nicht, was du genau meinst, aber ich denke, ...
Du hast recht, aber ...
Kennen Sie sich mit ... aus? Ich möchte ...

B1
Ich interessiere mich für ...
Ich benötige eine Auskunft. Ich suche ...
Haben Sie einen Tipp für mich? Ich möchte gerne ...
Darüber habe ich noch nie nachgedacht.
Lassen Sie mich bitte kurz überlegen.
In welchem Kontext könnte das auftauchen?
Das habe ich schon mal gesehen. Das war in ...

B2
Sie lachen, aber im Ernst: die klügsten Leute zerbrechen sich darüber den Kopf.
Ich habe eine komplexe Idee, ich kann sie aber jetzt nicht aussprechen.
Die Grundidee lässt sich in einfachen Worten so formulieren: ...
Mein aktuelles Problem ist, dass mir das wording und die Nuancen in Deutsch fehlen.
Darüber dürfen wir aber nicht vergessen, dass ... eine große Rolle spielt.
Ein Ansatz besteht darin, dass ...
Das ist aktuell ein wachsendes Problem.
Ich habe mir auch schon Gedanken darüber gemacht.
Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel geben.
Wie Sie hören, bin ich nicht bei allen DerDieDas sicher.
Ich würde mich freuen, wenn Sie mich dabei unterstützten.

11
Halbautomatische Sätze B2
Soweit ich das Thema verstanden habe, geht es doch um ...
Ich habe ja ein breites Kreuz, aber ...
Das finde ich nicht für diese Situation angemessen/ nicht stark genug/ zu dick aufgetragen. Wir
sollten ...
Das wäre gut. Wir sollten aber auch ... in Betracht ziehen.
Das könnten wir machen. Aber hast du auch an ... gedacht?
Das sehe ich anders/ nicht so/ genauso. Wir sollten ...
Ich halte das für ratsam/ eine gute Idee/ keine so gute Idee. Wir sollten auf jeden Fall auch ...
Meiner Meinung nach .../ Meiner Erfahrung nach ...
Wie würden Sie das formulieren, wenn ...

C1
Helfen Sie mir auf die Sprünge.
Das Wort liegt mir auf der Zunge.
Ich habe den Faden verloren.
Sie erwischen mich auf dem falschen Fuß.
Wir sollten nicht sofort die Flinte ins Korn werfen.
Ich habe auch kein Patentrezept, aber ...
Noch ist Polen nicht verloren. Wir können doch ...
Ich sehe noch kein Licht am Ende des Tunnels.
Da ist doch ein Licht am Ende des Tunnels.
Da liegt der Hase im Pfeffer (=Da ist das Problem, das wir bis jetzt nicht sehen konnten).
Ich bin mit meinem Latein am Ende.
Lassen Sie uns doch mal ... unter die Lupe nehmen.
Sie bringen mich auf eine Idee.
Wie bringen wir die Kuh vom Eis?

Noch ein bisschen Theorie gefällig?


Flüssig sprechen bedeutet, dass Sie weitersprechen können,
wenn Ihnen ein Wort oder eine Idee fehlt.
Automatische Sätze passen in vielen Situationen, auch im C1-Test Sprechen,
und verbessern schlagartig die Kommunikation.
Sie lösen aus, dass Sie die Initiative behalten.
Sie zeigen, dass Sie für kritische Situationen eine Strategie haben.
Sie zeigen, dass Sie auf jedem Level Redewendungen anwenden können.
Sie lösen (oft) aus, dass Ihr Gesprächspartner Sie beim Sprechen unterstützt.
Sie überbrücken peinliche Gesprächspausen.
Sie sind das Motoröl im Motor.

Personen, die mit automatischen Sätzen kommunizieren,


gelten bei den Deutschen als präzise und zeitsparend,
weil sie Fehler ausschließen, bevor sie entstehen.
Die Deutschen haben mehr Respekt vor diesen Personen und
helfen ihnen gerne, weil sie ebenfalls Fehler vermeiden wollen.
Höflichkeit spielt ebenfalls eine Rolle.
12
Weil die fragende Person höflich ist, wollen die antwortenden Deutschen nicht unhöflich erscheinen.
Last but not least: Warum sollte ich automatische Sätze in Prüfungen benutzen?
Die Prüfer kennen die Situation des Kandidaten und erkennen sofort den Trick:
Automatische Sätze sind Manipulationen.
Die zweijährige Pauline benutzte "Nochma" (=Bitte mach das nochmal),
wenn eine Aktion ihres Papas ihr Spaß gemacht hat.
"Nochma" ist ein elliptischer automatischer Satz.
Der Papa hat den Trick durchschaut - und die Aktion nochmal ausgeführt.

Sie benutzte "Auchma" (=Ich möchte das auch mal ausprobieren),


wenn sie etwas nachmachen wollte.
Alle Leute haben den Trick durchschaut - und Pauline hochgehoben,
damit sie an den Klingelknopf gelangen und ihn drücken konnte.

Die Prüfer bemerken, dass der Kandidat Tricks benutzt - und freuen sich,
dass der Kandidat die deutsche Kultur (auf dem Level C1: die akademische Kultur und die Metaphern)
kennt und sich situativ passend zu helfen weiß.
Wenn ich die Tricks der Kinder benutze, bestehe ich die Prüfung mit weniger Mühe.

Hier deutet sich ein noch nicht gehobener Schatz an.


Was passiert, wenn ich die automatischen Sätze für andere Sprachen finde und benutze?
Come si dice Brille in Italiano?
How can I say occhiali in English?
Viele Sprachlehrer verlören dann ihren Job, und das Wandern zwischen den Sprachen würde normal
werden. Diese Aufgabe kann jemand anderer übernehmen, ich bin nur Deutschlehrer und JobCoach.

13
Angst und Scham beim Sprechen verkleinern
Angst und Scham halten viele Menschen davon ab, dass sie das Gelernte benutzen.
Es ist ein großer Schritt, wenn ich weiterspreche.
Wenn mein Interesse größer ist als meine Scham, helfen mir die Deutschen.

12 Satzanfänge, die die Angst verkleinern und Ihnen das Sprechen leichter machen:
 Können Sie mir bitte sagen, wo… ?
 Meiner Meinung nach …
 Was denkst du/ denken Sie über …?
 Haben Sie gerade Zeit? Ich brauche …
 Darf ich eine kurze Frage stellen? W… ?
 Ich finde/ meine/ denke/, dass …
 Hast du schon an … gedacht? Wir sollten noch …
 Wir haben noch nicht daran gedacht, dass …
 Der Unterschied zwischen … und … ist, dass …
 Es kommt darauf an, dass …
 Ich suche … Wen würdest du/ würden Sie fragen?
 Das habe ich nicht ganz verstanden. Meinen Sie, dass …?
 Was würdest du machen, wenn …?

Sie sollten diese (und andere) Satzanfänge genau gleich üben wie DerDieDas, DenDemDes.
Einige Wochen später können Sie die Satzanfänge schnell automatisiert sprechen und schreiben.
Ein Effekt dieser Übung ist, dass Sie öfter und länger Deutsch sprechen.

Was macht mir denn genau Angst?

 Ich muss viel Grammatik beachten: V2 und VL, DAT oder AKK, …
 Wenn ich denken muss, kann ich nicht schnell korrekt sprechen.
 Ich habe bis jetzt nur ein Jahr in Deutschland gelebt,
dazu noch unter den Bedingungen des Lockdowns.
 Ich brauche mehr Kontakte,
ich brauche mehr Hörproben,
zurzeit sind Kontakte nur via Zoom, via Telefon, via WhatsApp-Call,
in der Familie (100% Deutsch!) möglich.
 Sie kennen Rumpelstilzchen noch nicht?
Kinder lösen viele Angstprobleme mit Rumpelstilzchen.
Lesen Sie dieses kleine Märchen, dann überlegen Sie:
Wie wenden Sie diesen Trick in Ihrem Leben an?

14
Was kann ich mit meiner Angst machen?

 Meine Angst begrüßen


 Meine Angst loben
 Meiner Angst zeigen, wann sie wichtig für mich ist
 Meine Angst zum Spielen schicken
 Machen, was meine Angst mir sagt
 Mit meiner Angst streiten: Was machst du denn hier?
 Meine Angst akzeptieren: es ist normal, wenn ich in dieser Situation nervös bin
 Mir den schlimmsten Fall vorstellen: Was kann passieren, wenn … (sehr oft dreht der Planet
sich weiter. Manchmal ist eine Planänderung wichtig, damit ich größeres Unheil verhindere.)
 Mich vor den negativen Folgen meiner Angst schützen (Die Angst hat nicht Recht.)
 Mich vor den negativen Folgen meiner realen Situation schützen (Die Angst hat Recht.)
 Mich fragen: Hat die andere Person Angst?
 Einen Spezialisten einschalten (Psychologe, Psychiater, Bodyguard, Rechtsanwalt, Polizei,
Armee, ….)

Diese Auslöser von Ihrer Angst können Sie gezielt verkleinern:


 Suchen Sie eine Person, die Sie konsequent bei V2 oder bei DAT korrigiert.
 Sie können das Denken oder die Geschwindigkeit beim Sprechen reduzieren.
Das Denken reduzieren Sie mit Wortfamilien.
Die Geschwindigkeit reduzieren Sie mit Denkpausen,
mit einem Schluck Wasser,
mit einer Gegenfrage,
mit langsamem, betontem Sprechen, mit …
 Ihre Haltung zu Deutsch beeinflusst Ihr Lernen stärker als der Lockdown.
Vielleicht sollten Sie dort Ihre Kontakte und Ihr Lernen ausbauen,
wo Sie mehr Freude an Deutsch haben.
 Welche Lern- und Kontaktmöglichkeiten sind im Lockdown sicher und erlaubt?
Welche davon sind in Ihrem Alltag möglich?
Welche Kontakte haben Sie noch nicht ausprobiert?
Welche davon fallen Ihnen leicht?
Welche davon bringen Ihnen viel?
Die Antworten auf diese Fragen führen Sie aus Ihrer Angst heraus.
 Sie können Routineabläufe in Ihrem Alltag sprachlich automatisieren.
+ Taxifahrer:innen üben sich im (vermeintlich leichten) small talk, im lockeren Parlando.
+ Apotheker:innen üben sich im Beraten von leidenden Kund:innen.
+ Verkäufer:innen üben sich im Erahnen und Erfüllen der verdeckten Kundenwünsche.
+ Ärzt:innen üben sich darin, dass sie es der kranken Person und den nachfolgenden
behandelnden Ärzt:innen möglichst leicht machen.
Automatisieren bedeutet nicht Auswendiglernen. Es reicht nicht, dass man das Auto auf 50
km/h beschleunigt und hofft, dass keine Kurve kommt. Automatisieren bedeutet, genügend
viele Redemittel hundertfach trainieren, bis Sie bei jeder neuen Situation flexibel und
zielorientiert agieren können, ohne nachzudenken: spontan, korrekt, verbindlich-
15
unaufdringlich, in einer fließenden, ausbalancierten, eleganten Bewegung, die locker und
leicht (stressfrei und mühelos) erscheint. Mit den Automatischen Sätzen gelingt das auf
jedem Sprachlevel.
 Sie können die Nicht-Routine vorhersehen und sprachlich vorbereiten.
Sie haben zum Beispiel das Ticket auf dem Handy, der Akku ist leer und der Kontrolleur wird
ungemütlich? In dieser Situation können Sie
+ lächeln;
+ Nein sagen, die Strafe nicht akzeptieren;
+ sich darauf konzentrieren, dass Sie keine Strafe bekommen;
+ Deutsch B2 sprechen: V+P, NV-Gruppen, Präpositionen mit GEN, Komposita… sorgen für
mehr Respekt Ihnen gegenüber;
+ eine Freundin anrufen, die Ihnen mitteilt, wie Sie sich verhalten sollen;
+ die Situation erklären;
+ fragen, wo Sie hier im Bus/ in der U-Bahn Ihr Ladegerät anschließen und Ihr Handy aufladen
können;
+ den Kontrolleur fragen, ob wir die Sache jetzt hier gemeinsam beenden oder ob wir die
Polizei rufen sollen, damit jemand einen unabhängigen Blick/ juristischen Sachverstand in
das Gespräch bringt (Ich, GB, kenne eine Kopftuchträgerin, die mit dieser Frage nach Jahren
der Angst ihren Mut wiedergefunden hat);
+ sich von dem Kontrolleur beraten lassen und dabei viele W-Fragen stellen:
Wie bekomme ich das zu Unrecht eingeforderte, erhöhte Personenbeförderungsentgelt
wieder zurück? Auf welcher Webseite finde ich die entsprechende Eingabemaske?
+ alle Informationen wiederholen und dem Kontrolleur Gelegenheit dazu geben, dass er
Falsch-Verstandenes korrigiert und Fehlendes ergänzt;
+ die Informationen mitschreiben;
+ das Geld nicht bezahlen, stattdessen die Personalien angeben. Das verschafft Ihnen Zeit, in
der Sie weitere Schritte unternehmen können, bevor das Geld fällig wird;
+ das Eintreffen der Polizei abwarten. Es gibt Situationen, in denen die Polizei eine Hilfe
darstellt. Diese Hilfe und Unterstützung sollten Sie dann nutzen, um größeren Schaden
abzuwenden;
+ sich freundlich voneinander verabschieden und sich für die schöne Gelegenheit bedanken,
in der Sie Ihr Deutsch B2 zur Anwendung bringen durften;
Günther Baurs Tipp: Das Gespräch sollte solange dauern, dass die Höhe der Strafe der Höhe
des Lohns für den Kontrolleur entspricht. Wenn Sie 60 Euro bezahlen müssen, wollen Sie
auch die Leistung von 60 € erhalten. Kaufen Sie die Zeit für ein Deutsch-B2-Training.
 Mohandas K. Gandhi lesen.
 Ruhig bleiben, sich nicht aufregen, kaltblütig bleiben, aktiv bleiben.
 Tricks benutzen, z.B. sagen: „Das wollte ich Ihnen gerade vorschlagen“, wenn die andere
Person mit der Polizei droht.
 Wenn Sie nachts in einer deutschen Stadt angegriffen werden, rufen Sie Feuer! FEUER!!!
Die Leute in den Wohnungen werden sofort neugierig und schauen aus den Fenstern. Alle
wollen helfen, der Angreifer ist einen Moment irritiert und sucht selbst das Feuer. Der
Angreifer hat einen Plan, ein "Drehbuch", aber das Wort durchkreuzt seinen Plan. Wenn er
merkt, dass sein Plan nicht mehr funktioniert, wird er den Angriff stoppen und weggehen.
Niemand wird Ihnen böse sein, alle werden Sie für Ihre Klugheit loben, wenn Sie die Situation
erklären und es kein Feuer gibt. Alle anderen Worte, z.B. Hilfe, Haltet den Dieb oder Ich bin
Landesmeister in Karate, haben andere Wirkungen und nützen Ihnen weniger.
16
 Nutzen Sie die Kraft der Gemeinschaft. Ein Kind aus meinem, GBs, Kindergarten wurde auf
der Straße von einem fremden Mann angesprochen: „Hier hast du ein Bonbon. Deine Mutter
schickt mich. Ich soll dich zu ihr bringen, es geht ihr schlecht.“ In der deutschen Kultur gilt
diese Situation: Ein fremder Mann gibt einem Kind ein Bonbon, als enormes Warnsignal.
Dieser Mann hat ein „Drehbuch“ und möchte das Kind entführen, missbrauchen und
womöglich töten. Das Kind nahm das Bonbon nicht an und gab diese Information an die
Kindergärtnerin weiter. Der Kindergarten verständigte die anderen Kindergärten, Schulen,
die Eltern, die Vereine und die Polizei. Die Kinder erhielten klare Anweisungen für ihre Wege.
Polizist:innen in Zivilkleidung verständigten die Geschäftsleute, alle hielten die Augen offen,
der Mann gab seinen Plan auf. Das Beispiel zeigt, dass Sie angstauslösende Situationen und
Gefährdungen kontrollieren können, wenn Sie wenige Worte sprechen.
 Letzter Tipp: Antworten sammeln auf die Frage:
„Was würdest du tun, wenn du keine Angst vor der Sprachprüfung hättest?“
+ Flüssig sprechen
+ Mich auf meine Informationen konzentrieren, zeigen, was ich vorbereitet habe und was ich
kann
+ Meine Kenntnisse zeigen
+ Meine Stärke zeigen
+ Langsam sprechen, damit ich meinen Stress herunterfahre
+ Tief durchatmen
+ Nochmal von vorne beginnen (hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen)
+ Mich auf meine Fähigkeiten besinnen, ich kann diese Sprache als Fremdsprache sprechen,
der Prüfer kann wahrscheinlich in meiner Muttersprache nicht so gut sprechen wie ich
+ Dem Prüfer Fragen stellen, die Kompetenzen des Prüfers proaktiv einfordern, die
Prüfungssituation in eine Lernsituation umwandeln. Formulierungen dafür sind: Was meinen
Sie mit …? Ich verstehe Ihren Ansatz nicht. Worauf zielen Sie ab? Geben Sie mir ein Stichwort.
Helfen Sie mir auf die Sprünge. Wie würden Sie denn auf diese Frage antworten? (Das
funktioniert bei allen schwierigen Fragen, bei vielen Prüfern)
+ Nicht denken: Ich muss das beantworten!! Stattdessen denken (und sagen):
Das ist eine interessante Frage. Lassen Sie mich kurz überlegen.
Wenn ich diese Frage beantworten müsste, würde ich folgendermaßen vorgehen: …
Diese Frage kann ich in folgende Teilaspekte auseinandernehmen: …
Meine erste/ spontane/ gefühlsmäßige Reaktion wäre …
Ich kann nicht alles beantworten, aber ich kann folgende Teile Ihrer Frage beantworten: …
Folgende W-Fragen bieten sich an, wenn man diese Frage weiterverfolgen möchte: W…
Ich kenne einen Freund/ eine prominente Person/ einen Experten/ einen spezialisierten
Beruf, der diese Frage beantworten könnte. Ich würde [Name der Person bzw. Beruf] diese
Frage vorlegen.
Folgende Instrumente/ Methoden/ Verfahren/ Standards/ … führen zur Beantwortung Ihrer
Frage: …
Alle Antworten auf die „Was würdest du tun“-Frage können Sie vom Konjunktiv befreien und
aus einer nicht-realen Überlegung zu einer realen Handlung machen. Tun Sie es. Sie wissen
jetzt, was Sie machen müssen, wenn die Angst in Ihnen hochsteigt. Machen Sie das, was Sie
tun würden, wenn Sie keine Angst hätten. Üben Sie das am Anfang in unkritischen
Situationen, wo Ihnen nichts passieren kann. Dann gehen Sie zu schwierigeren Situationen
über. Das steigern Sie, bis Sie auch die schwierigsten Situationen bewältigen.
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18
Wie lernen Erwachsene DerDieDas nicht?

Was machen erwachsene Deutschlerner:innen,


damit sie DerDieDas möglichst lange nicht lernen?
Der Clou an dieser Frage ist,
dass die erwachsenen Deutschlerner:innen
etwas mit viel Energie tun,
das ihren Erfolg verzögert oder verhindert.
Wenn sie dieses „etwas“ weglassen,
wenn sie diese Energie nicht einsetzen,
stellt sich ihr Erfolg schnell und mühelos ein.

Folgende Aktivitäten machen das Erlernen von Deutsch lang, schwierig und frustrierend:

1. In Ihrer Muttersprache gibt es die V2-Stellung und die VL-Stellung nicht.


In der Grammatik Ihrer Muttersprache klingen V2 und VL falsch.
a. Verbpositionen im Deutschen ignorieren,
b. stattdessen die Satzstruktur Ihrer Muttersprache mit deutschen Wörtern bestücken.
(GB sagt dazu: Das Auto fährt auf Schienen.)
c. Die Deutschen sagen: Ich verstehe jedes Wort und so funktioniert es nicht.
2. In Ihrer Muttersprache gibt es keine Artikel.
a. Die Funktionen und die Effekte der Artikel im Deutschen nicht kennen.
b. Glauben, dass die Endungen nicht wichtig sind.
c. Endungen weglassen,
d. schnell Ärger bekommen oder wie Luft behandelt werden und nicht wissen, warum.
3. Alles in Muttersprache denken und dann ins Deutsche übersetzen.
Dieses Vorgehen führt bei vielen Sprachen praktisch sofort dazu,
dass Sie die Artikel in Deutsch weglassen.
4. Die meisten Menschen in Ihrem Alltag benutzen keine oder falsche Endungen.
a. Nicht wissen, welche Endung wann korrekt ist.
5. Sich schämen, Deutsch zu sprechen.
6. Die deutsche Sprache als etwas Fremdes, Nicht-zu-mir-Gehöriges ablehnen und von sich
abspalten.
7. Situationen vermeiden, in denen Sie Deutsch sprechen müssen.
a. Lieber auf Vorteile verzichten.
8. Zuhause Muttersprache sprechen.
9. Auf dem Sofa sitzen und warten, bis jemand vorbeikommt, der mit Ihnen Deutsch spricht.
a. In der Komfortzone bleiben.
b. Die beste Methode, mit der Sie alles Gelernte rasch wieder vergessen.
10. Im muttersprachlichen Lebensmittelladen einkaufen.
11. In den social media Muttersprache benutzen.
12. In der Öffentlichkeit Muttersprache sprechen.
Menschen, die Ihre Muttersprache sprechen, sofort in Muttersprache ansprechen und
konsequent bei der Muttersprache bleiben.
13. Die Handy-Einstellungen auf Muttersprache schalten.
14. Nachrichten auf Muttersprache hören/ anschauen.
15. Jedes unbekannte deutsche Wort in Google nachschauen und übersetzen.
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16. Den Sinn von DerDieDas suchen.
Solange Sie keinen Sinn in DerDieDas sehen können,
DerDieDas weglassen/ alles in ♀ ausdrücken/ Artikel und Endungen „tricksen“,
z.B. jeden Artikel als „de“ aussprechen und hoffen, dass die Deutschen das nicht merken.
Dieser Satz lautet dann:
„De Sinn von DeDeDe suchen.
Solange Se keine Sinn in DeDeDe sehen können,
DeDeDe weglassen/ alle in ♀ ausdrücken/ Artikel und Endungen „tricksen“,
z.B. jede Artikel als „de“ aussprechen und hoffen, dass de Deutsche de nicht merken.“
Das ergibt 16 Fehler, die die Deutschen sofort bemerken.
Ein Schild, auf dem steht: ICH IGNORIERE DERDIEDAS, ist weniger auffällig.

Wenn Sie diese 16 Aktivitäten konsequent weglassen,


wenn Sie stattdessen etwas anderes machen,
verbrauchen Sie weniger Energie und
lernen Deutsch schneller, einfacher und freudiger.

Wie lernen Erwachsene DerDieDas?

Was sind die Alternativen? Wenn wir die nicht weiterführenden Ansätze von der vorigen Seite aus
ihrer Form stürzen und positiv wenden, entstehen radikale, rasch wirkende Lerntechniken:

1. Den Beitrag [Link] lesen. Danach mit viel Disziplin die


Verbpositionen im Deutschen einhalten und das Vertrauen der Deutschen erwerben.
2. Den Gedanken zulassen, dass die Artikel und die Endungen im Deutschen viele wichtige
Funktionen haben. Diese Funktionen im Download „Endungen“ nachlesen. Mit korrekten
Endungen die Kooperation der Deutschen auslösen.
3. Auf Deutsch denken, in Bildern denken oder gar nicht denken.
4. Im Alltag Menschen suchen, die die Endungen korrekt aussprechen, z.B. die Dialekt-
sprechende Nachbarin.
a. Sich Endungen zeigen lassen.
5. Den ganzen Mut zusammennehmen, sich fragen:
a. Was kann schon schiefgehen? Der Planet wird sich danach weiterdrehen.
6. „Es hängt davon ab, wie sehr du die deutsche Sprache liebst.“
a. Aspekte der deutschen Sprache suchen, die ich begrüßen, mögen und lieben kann.
b. Diese Aspekte sich aneignen und ausbauen.
7. Situationen suchen, in denen Sie Deutsch sprechen müssen.
a. Vorteile ergattern.
8. Zuhause Deutsch sprechen. Die Ehefrauen-Tricks benutzen.
Folgende Sätze helfen in der Familie weiter:
a. Liebling, ich verstehe dich nicht. Kannst du das bitte auch auf Deutsch sagen?
b. Schatzi, du hilfst mir nicht, wenn du mit mir … (Italienisch, Kurdisch, …) sprichst.
In vier Wochen ist meine Deutschprüfung. Bitte sprich bis dahin Deutsch mit mir.
c. Tut mir leid, mein … (Italienisch, Kurdisch, …) ist bis 22:00 Uhr kaputt.
Sprich bitte Deutsch mit mir.
Die Streitvarianten:
d. Deutsch und einen Kuss oder … (Italienisch, Kurdisch, …) und einen Streit:
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Was ist dir lieber?
e. Was ist das für eine blöde Sprache, die du sprichst?
f. Kannst du kein Deutsch? Das hier ist Deutschland, man spricht hier Deutsch!

Ich, GB, kenne den Einwand: Das ist unmöglich! Das kann ich nicht machen!
Ich, GB, sage dazu: Ja, das ist unmöglich. Das können Sie nicht machen.
Das passt überhaupt nicht zu den Rollen, die Sie in der Familie einnehmen.
Es geht nicht.
Es geht nicht bis zu dem Tag, an dem Sie es tun. Dann geht es doch.
9. Vom Sofa aufstehen, rausgehen, Deutsch benutzen
a. Die Komfortzone verlassen, etwas Neues versuchen.
b. Nach Ansicht von Simone Henke, die Zehntausende von Einstufungstests
durchgeführt hat, die wichtigste Lerntechnik.
10. Die Ansprüche erhöhen und dort einkaufen, wo es das gibt, was Sie haben wollen.
a. Dort nachfragen. Als Kunde/ Kundin auftreten, Selbstbewusstsein zeigen.
11. In den social media Deutsch benutzen, lächeln, zu Korrekturen auffordern.
12. In der Öffentlichkeit die Straßenseite wechseln, wenn jemand Ihre Muttersprache spricht.
Nicht zeigen, dass Sie diese Sprache ebenfalls sprechen.
13. Die Handyeinstellungen auf Deutsch schalten, den Schock aushalten und
a. in den nächsten 3-4 Tagen die Kontrolle über das Handy wiedererlangen.
b. Von da an das Handy auf Deutsch benutzen.
14. Nachrichten auf Deutsch hören/ anschauen und mit den Nachbar:innen darüber sprechen.
15. Das unbekannte deutsche Wort sich merken und warten, bis es in einem anderen Kontext
wiederauftaucht. Seine Bedeutung aus dem Kontext erschließen.
[Diese Methode sieht langsam aus,
ist aber ein extremer Beschleuniger in den Randzonen Ihres Wortschatzes.
Je öfter und nachhaltiger und je neugieriger Sie in den neuen Kontext gehen,
desto schneller wird diese Methode.
Wissenschaftler:innen benutzen diese Methode, um neue Wissensgebiete zu erschließen.]
16. Die Deutschen beim Sprechen beobachten, die fünf Funktionen von DerDieDas benutzen und
schauen, welche anderen Reaktionen die Deutschen an den Tag legen.
Diese Reaktionen konsequent in der Kommunikation nutzen.

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Wie lernen Erwachsene Deutsch C1?
Nur ca. 8 Millionen Menschen sprechen nach meiner, GBs, Schätzung Deutsch C1 und
nur ca. 5 Millionen Menschen Deutsch C2.
Muttersprache und hoher Sprachlevel sind zwei verschiedene Dinge.
Nicht alle, die Spaß am Skifahren haben, gehen in die Antarktis.
Das Flugzeug, das in die Antarktis fliegt, hat keine Heizung.
Wenn du in die Antarktis gehst, sollte dein Ziel etwas anderes sein als die Antarktis.

Ich, GB, arbeite auch als Prüfer in C1-Prüfungen oder in telc Tests Deutsch C1 als medizinische
Fachsprache. Einige wenige Male begegneten mir dort oder bei anderen Gelegenheiten Menschen,
die im Erwachsenenalter flüssig fehlerfrei Deutsch C1 lernen konnten.
Diese Leute fragte ich, wie sie diesen Grad an Perfektion erreichten.
Hier sind ihre Antworten, die Tricks der erfolgreichen C1-Deutschlerner:innen:
 Russisch und Deutsch sind nicht meine Muttersprachen.
Ich habe einsprachig Russisch in einem russischen Krankenhaus gearbeitet.
Weil ich diese Verantwortung kannte,
wollte ich die gleichen Fähigkeiten in Deutsch erwerben.
Deutsch lernen war nicht mein Ziel.
Mein Ziel war, der Verantwortung gerecht zu werden.
 Ich bin eine ukrainische Ingenieurin.
In meiner Muttersprache gibt es keine Artikel.
Als ich merkte, dass meine Sprechweise massive Kommunikationsprobleme mit meinen
deutschen Kolleg:innen auslöste,
habe ich in meiner Arbeit alle Wiederholungsfehler eliminiert.
Ich erlaubte mir, dass ich jeden Fehler einmal mache und ihn danach eliminiere.
Ich wollte den Stress mit den Kolleg:innen sofort beenden.
Ich wollte einen Arbeitsprozess ohne Reibungsverlust.
 Ich las meinen Kindern deutsche Märchen vor.
Wenn ich ein Wort falsch aussprach, korrigierten sie mich sofort.
Meine Sprechweise wurde dadurch nach einigen Wochen flüssig.
 Ich lebe als Italienerin in Stuttgart.
Wenn ich höre, dass eine Person Italienisch spricht, wechsle ich die Straßenseite.
Ich möchte nicht, dass diese Leute wissen, dass ich Italienisch spreche.
Wenn ich mit meinem italienischen Mann Italienisch sprechen möchte,
kaufen wir uns ein Ticket, fliegen nach Mailand und sprechen dort Italienisch.
Wenn ich meinen Fuß auf deutschen Boden setze, spreche ich Deutsch.
Ich mache das, weil ich in meinem C2-Beruf in Deutschland arbeiten möchte.
Dort MUSS ich ALLES verstehen, nicht nur die unbekannten Wörter, auch die Andeutungen,
die versteckten Informationen, die nicht versprachlichten Gedanken.
 Ich habe die Endungen an der Kasse bei McDonald´s gelernt.
Wenn du in dieser Situation eine auf Schwäbisch genuschelte Endung nicht richtig verstehst,
du deswegen einen falschen Preis verlangst und die Kundin vor dir explodiert,
wirst du diesen Fehler kein zweites Mal begehen.
 Es kommt darauf an, wie sehr du die Sprache liebst und wie sehr du an der Sprache arbeitest.
Ich habe ein bisschen Deutsch in Syrien gelernt und bin aus dem Bürgerkrieg nach
Deutschland ausgeflogen. Als meine Familie mich nach zwei Jahren Trennung in die Arme
schloss, sagte ich meinen Cousinen: Bitte sprecht Deutsch mit mir.
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 Du musst über deine persönliche Leistungsgrenze gehen, du musst mehr geben, als du hast.
Damit du das kannst, musst du etwas vorbereiten und organisieren.
Das ist auch völlig normal. Wenn du den nächsten Level erreichen willst, musst du das
Bisherige hinter dir lassen, es nützt dir nichts mehr. Du musst die Grenze überschreiten.
Dein Leben ändert sich, wenn du Deutsch C1 sprechen willst, es ist nicht wie vorher.
Du wirst Menschen verlieren, wenn du das machst, und du wirst neue Leute kennenlernen.
Ich habe mir über [Link] ein gebrauchtes Fahrrad gekauft.
Ich habe diesen Kontakt und diese Preisverhandlung intensiv vorbereitet.
Weil ich danach nicht alleine Fahrrad fahren wollte,
organisierte ich in meinem Stadtviertel einen Fahrradtreff, wir fahren regelmäßig Fahrrad.
Ich habe Deutsch C1 auf dem Fahrrad gelernt.
 Ich bin ein Trampolin-Sportler aus dem Baltikum.
Als ich nach Deutschland kam, wollte ich wissen,
was die anderen Leute im Training über mich sprechen.
Ich habe Deutsch mit dem gleichen Hochleistungssport-Willen gelernt,
mit dem ich mich auf die Wettkämpfe vorbereite.
Jordan Romero schleifte auf seinem Schulweg einen großen LKW-Reifen hinter sich her,
damit er die Kondition für die Seven Summits bekam. Kein anderer Jugendlicher tat das.
Kreativität und Entschlossenheit, das ist es.
 Ich bin mit dem Ziel nach Deutschland gekommen, hier Medizin zu studieren.
Als ich im A2-Kurs war, begann ich,
einige Stunden pro Woche ehrenamtlich beim Roten Kreuz mitzuarbeiten.
Ich habe bei Fachleuten die Worte gelernt, für die ich mich interessiere.
Für andere Menschen war das gräßlich, was ich zu sehen bekam,
aber für mich waren es die Stufen zu meinem Traum.
Ich habe Deutsch A1 bis C1 in dreizehn Monaten absolviert.
 Beim Arbeiten und beim Lesen von Fachbeiträgen habe ich den Leuten „auf den Mund
geschaut“. Sie benutzen unglaublich viele Wörter, die man eigentlich nicht für die Arbeit
braucht, die aber den Prozess zwischen den Menschen flüssig machen. Das sind Wörter wie
„halt“, „jetzt“, „eigentlich“. Diese Sprechweise habe ich mir angewöhnt, ich spreche Satzteile
wie „dann halt jetzt in der …“ Sie sprechen in Bildern. Formulierungen wie „mich schlau
machen“ oder „nicht, dass ich wüsste“ benutze ich, weil sie eine Spannung aufbauen und die
Menschen darauf gespannt machen, wie ich weiter vorgehe. Es gibt auch Satzanfänge auf
Deutsch C1, die das Sprechen in Fluss halten, etwas wie „Nichtsdestotrotz“,
„Vorsichtshalber“, „Auf jeden Fall“, „Selbstverständlich“. Deutsch C1 wird leicht und elegant,
wenn du diese Tricks einübst und in der Arbeit benutzt. Die Fachsprachenprüfung der Ärzte
habe ich damit und mit Fachbegriffen bestanden.
 Eine einzige Person (von tausenden, die ich, GB, kennenlernte) lernte DerDieDas in einem
Deutschkurs. Auf die Frage, wie sie das geschafft hatte, antwortete sie: „Wenn die Lehrerin
drei Übungen als Hausaufgabe stellte, erledigte ich zehn Übungen. Ich übte solange, bis ich
diese Dinge korrekt sprechen konnte.“

23
Diesen Antworten ist gemeinsam, dass Deutsch-Lernen nicht das Ziel war.
Die Menschen hatten ein anderes Ziel vor Augen, für das sie sich einsetzten.
Die Ziele, die Umstände, die Lernmethoden und die Tricks unterscheiden sich stark,
von einem Punkt abgesehen:
sie passen 100% zu der Person, die sie einsetzt, und zur Alltagssituation, in der sie eingesetzt werden.
Der hohe Sprachlevel war nur ein spin off oder eine Zwischenstation auf dem Weg zum Ziel.
Sie alle lernten DerDieDas in ihrem Alltag in der Kommunikation mit den Menschen,
die ihnen beim Erreichen ihrer Ziele halfen.
Die persönlichen Ziele und der persönliche Einsatz im Alltag sind die Schlüssel zu Deutsch C1.
DerDieDas entfaltet seine Funktionen erst dann, „wenn es um etwas geht“,
wenn den Menschen in der Kommunikation etwas wichtig ist, für das sie sich einsetzen.
Diesen Einsatz kann man allerdings auch auf dem Level A1 zeigen,
wie das McDonald´s-Beispiel oder das Trampolin-Beispiel zeigen.
Ab einem bestimmten (möglichst frühen!) Punkt ist es lehrreicher und befreiender,
wenn man rausgeht und Sardinen auf dem Wochenmarkt kauft,
als auf dem Sofa zu sitzen und Lektion 14 zu büffeln.

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Der Kontext

Die beste Schule für Deutsch ist die Straße.


Daniela Monaco

Wenn du eine einzige Methode empfehlen müsstest, wäre das welche?


Rausgehen.
Simone Henke

Du musst um deine Dinge kämpfen. Dann lernst du Deutsch.


Du musst deine persönlichen Grenzen überschreiten. Dann lernst du Deutsch C1.

Ein Kontext ist ein Ort mit vielen, oft unbekannten Gegenständen,
mit Gerüchen, Geräuschen, Rohstoffen, Instrumenten, Produkten und Verfahren.
Wenn man einen Kontext betritt, ist man schnell von vielen ungewohnten Eindrücken umgeben.
Man verliert den Überblick, was Emotionen auslöst und verstärkt.
Emotionen sind für das, was sich jetzt anschließt, Energiequellen.
Es spielt also keine Rolle, ob man neugierig oder ängstlich ist. Jede Emotion liefert Energie.

Das „Gesicht“, also die Fachkraft,


die schon lange in diesem Kontext, in diesem Arbeitsfeld arbeitet,
erinnert sich an diese Emotionen,
wenn sie die Emotionen der fragenden Person wahrnimmt, und
reagiert reserviert-freundlich.
Die Frage und die Antwort führen zum Erfolg.
In der Antwort ist der korrekte Gebrauch der trennbaren Verben enthalten.

Das Lernen ist nachhaltig,


weil es an Gerüche, Geräusche, Gegenstände, Emotionen, an Selber-Machen und an Erfolge
gebunden ist.
Diese Art des Lernens bedient alle Lerntypen:
 olfaktorisch, mit der Nase,
 auditiv, mit den Ohren,
 visuell, mit den Augen,
 sensitiv-emotional, mit dem Herzen,
 haptisch, mit den Händen,
 experimentell, mit Versuch und Irrtum,
 kommunikativ, mit dem Sprechen,
 synästhetisch, mit mehreren Sinnesorganen und kombinierten Wahrnehmungen.

Ich lerne in einem


Kontext mit einer
Emotion und einem
Gesicht und habe dabei
Erfolg, der mir
Lust auf mehr macht. Die KEGEL-Methode.

25
Der Kontext bietet die verschiedenen Objekte und Menschen.
Die Emotion liefert die Energie und zeigt,
was du anders haben möchtest, z.B. Angst, Schmerz, Neugier.
Das Gesicht bildet den Bezugspunkt in den sozialen Beziehungen.
Der äußere Erfolg macht die innere Emotion positiv. Das erzeugt
die Lust auf mehr. Das ist die KEGEL-Methode.

Die Worte zeigen den


 Hörer:innen in dem
 Kontext einen
 Sinn, den die
 Endungen schnell und präzise darstellen.

Anders gesagt: die Endungen fügen


für die Biodeutschen
Mensch und Kontext sinnvoll zusammen.

Deutsche fühlen sich wohl,


wenn die Endungen ihre Wirkungen entfalten und
alles stimmig ineinanderfließt.
(In Rot hervorgehoben sind die Teile des Satzes, die die Deutschen kontrollieren.)

Die trennbaren Verben haben im Kontext ebenfalls einen wichtigen Platz.


Der Entstehungsprozess eines trennbaren Verbs beginnt immer in einem Kontext.
1. Die Deutschen sind in einem Kontext.
Ein Kontext ist ein Arbeitsfeld, in dem die Menschen
mit Instrumenten oder Maschinen arbeiten,
eine bestimmte Tätigkeit ausüben und eine Fachsprache sprechen.
Kontexte sind zum Beispiel
ein Bergwerk, eine Autowerkstatt oder ein Krankenhaus.
Die Menschen in diesem Kontext sind oft Fachleute, sie haben Berufserfahrung und kennen
die Fachsprache, die hier nötig ist.
Der Sprachlevel in einem Kontext ist immer Deutsch B2 und weist immer Komposita,
Fachbegriffe und Nomen-Verb-Gruppen auf.
2. Die Fachleute stoßen in ihrem Kontext auf ein Problem.
Etwas funktioniert nicht mit den üblichen Maschinen, Methoden oder Handgriffen.
3. Die Fachleute überlegen ein wenig, probieren etwas aus und
finden nach einiger Zeit eine Lösung für dieses Problem.
4. Eine Person fragt: „Schön. Wir wissen jetzt, wie wir den Motor ohne Knopf und Schlüssel
ausschalten können.
Und wie nennen wir diese Lösung?“
5. Eine andere Person antwortet:
„Wie wär´s mit `abwürgen`?“
6. Alle anwesenden Fachleute lachen und sagen:
„Gute Idee. Wir würgen den Motor ab.“
Ein neues trennbares Verb ist entstanden.
26
Trennbare Verben entstehen und funktionieren im Kontext.
Ihre spezifische Bedeutung ist an den Kontext gebunden.
Es kann zu Schwierigkeiten in der Kommunikation führen,
wenn ich ein trennbares Verb aus seinem Kontext herauslösen und
in einem anderen Kontext benutzen möchte.

Eine Sache ist bei diesem Konzept interessant. Die trennbaren Verben sind grammatisch einfach (A2)
und inhaltlich anspruchsvoll (B2). Sie öffnen Außenstehenden oder Lernenden ein spontanes
Verstehen von Vorgängen im Kontext, auch dann, wenn die dort gebräuchliche Fachsprache (B2)
noch unbekannt ist. A2-Sprecher erhalten mit den trennbaren Verben einen bequemen Zugang zu
Deutsch B2, ähnlich wie mit einer Rolltreppe.

Trennbare Verben haben oft keine allgemeingültige oder gleichbleibende Bedeutung.


Es gibt sogar trennbare Verben, die in verschiedenen Kontexten homolog entstanden sind und
verschiedene Bedeutungen haben.
Die KEGEL- Methode zeigt Ihnen,
wie Sie trennbare Verben nachhaltig und präzise lernen können.

Die Unternehmen bevorzugen das Lernen im Kontext.


Sie wollen gerne die neuen Mitarbeiter „ins kalte Wasser stoßen“.
Die Menschen sollen sofort starke Emotionen in der neuen Arbeitsumgebung empfinden,
Kontakte zu den direkten Arbeitskollegen knüpfen, erste Fehler begehen und wieder ausbügeln.

Kontexte sammeln aus vielen Wortfamilien diejenigen Wörter zusammen, die hier funktionieren.
Die Kaltes-Wasser-Methode erfüllt die Menschen im Idealfall mit Gefühlen von Glück und Neugier
und Erfolgswillen und binden sie an die Arbeit.
Ab einem bestimmten Punkt macht diese Methode aber auch unfrei,
die Menschen verlieren andere Kontakte und Einblicke,
werden „betriebsblind“ und können sich andere Verhältnisse nur noch schwer vorstellen.

Die Methode "Kaltes Wasser" bindet das Lernen an EINEN Kontext.


Die KEGEL-Methode erfordert etwas Mut und ermöglicht das Lernen in VIELEN Kontexten.
Die Wortfamilien-Methode ermöglicht das Lernen ZWISCHEN den Kontexten
(und zwischen den Kulturen).

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Kontexte und Wortfamilien bedingen und durchdringen einander.
Wortfamilien
 kann ich (eine Zeitlang) alleine trainieren und ausbauen;
 verbinden die Sprachlevel A1, A2, B1 und B2;
 sind die Schienen zwischen den Bahnhöfen;
 ermöglichen das Wechseln der Sprachlevel;
 ermöglichen das Wechseln der sozialen Rollen innerhalb einer Person;
 ermöglichen das Wandern zwischen den Kulturen und den Jahrtausenden.

Kontexte
 sind alleine nicht bewältigbar.
Die Anzahl der Kontakte entscheidet über die Geschwindigkeit des Lernens
(Rod Stewart hat recht, wenn er singt: The first cut is the deepest);
 beinhalten viele B2-Marker und finden (phasenweise) auf dem Sprachlevel B2 statt;
 sind die Bahnhöfe;
 benutzen viele Wortfamilien;
 ermöglichen das routinierte, professionelle Arbeiten an einem Ort.

In meinen Sprachkursen verwende ich, GB, häufig die Kürzel SBH und KVW.
SBH steht für Sofa, Buch, Handy.
SBH ist die Komfortzone, in der ich mich wohlfühle,
in der ich aber nicht viele neue Anregungen bekomme.
Gemeint ist eine
 isolierte, nicht-kommunikative,
 schwierige, frustrierende,
 nicht nachhaltige, ineffiziente
Lernmethode, die zu 70% Erfolg führt.
Mit SBH bekommen Sie Gegenwind.
Sie arbeiten gegen die Widerstände der Deutschen.

KVW steht für Kontakte, Verein, Wochenmarkt.


Gemeint sind spezielle Orte außerhalb der Komfortzone, an denen ich
 B2 höre,
 Witze mache,
 small talk pflege,
 berufliche oder alltagspraktische Tipps bekomme,
 Deutsche als persönliche Fans und Unterstützer:innen finde und
 extrem nachhaltig lerne (KEGEL).

Die Kontakte sind kurz, die Lernzeit ist nicht lang und extrem effizient,
die Pausengespräche sind besser als die Hauptveranstaltung,
die Witze auf dem Wochenmarkt sind besser als das Gemüsekaufen.
Ich bekomme in wenigen Minuten eine Stärkung meines Selbstwertgefühls und einen Lernerfolg,
die auf dem Sofa unmöglich oder nur nach langen Kämpfen möglich sind.
Ich kappe 80% meiner ineffizienten Anstrengungen und
habe in kurzer Zeit, zum Teil in wenigen Minuten viel mehr Erfolg.
Mit KVW bekommen Sie Rückenwind.
Sie arbeiten mit der Unterstützung der Deutschen.

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Wie schon beim Erlernen der Funktionen von DerDieDas entscheidet
die Anzahl der Kontakte im Kontext über die Geschwindigkeit des Lernprozesses.
Sonst nichts.
Die Lehrwerke und die Deutschkurse bieten diese Vorteile nicht,
weil sie Laborsituationen konstruieren bzw. sind.

Rausgehen ist wichtig. Je öfter Sie rausgehen und diese Vorteile sammeln und potenzieren,
desto schneller, präziser und selbstsicherer bewegen Sie sich im B2-Umfeld.
Es gibt viele Orte und Gelegenheiten, wo Sie sich diese Vorteile zueigen machen können:

Appell:
 Probieren Sie die "KVW-Methoden" aus, auch wenn Sie nicht daran glauben.
 Benutzen Sie die Methoden im Umgang mit dem unbekannten Wort.
 Sie werden Fehler machen, dabei werden Sie Ihre Haut oder Ihren Stolz verletzen bzw.
den Respekt der anderen vor Ihrer Person verlieren.
Merken Sie sich diese Fehler und vermeiden Sie sie.
 Lassen Sie sich von den Effekten positiv überraschen.

Wenn Sie SBH hinter sich gelassen haben, wohin gehen Sie dann?
An welchen Orten finden Sie diese Lernchancen?

Allgemein:
 Sie verbringen 5 UE im Deutschkurs x 5 Tage/ Woche im Kurs. Das sind 25 UE pro Woche.
Wenn Sie zusätzlich 4h rausgehen und an Orte gehen, wo Sie die Zielsprache sofort
anwenden, verdoppeln Sie die Lerngeschwindigkeit.
 Automatische Sätze benutzen und damit zahlreiche kommunikative Vorteile erhalten
 WhatsApp auf Deutsch benutzen
 Auf Deutsch telefonieren
 12 automatisierte Satzanfänge aussprechen und situationsgerecht zu Ende führen
 Sätze/ Lieder auswendig lernen und schnell sprechen/ singen.
(Damit trainiere ich Satzmelodie und alle Endungen)
 Richtig oder falsch - egal! Viel sprechen ist wichtig, natürlich sprechen ist wichtig,
im Gespräch und im Ergebnis des Gesprächs vorkommen, ist wichtig.
Der olympische Gedanke: dabeisein ist alles, gewinnen ist schön, aber nicht wichtig.
 den ersten Schritt machen,
z.B. mich mit einer Person zu einem kleinen Spaziergang verabreden
 "Hilfreiche Hände" finden und sammeln.
Hilfreiche Hände sind Menschen, die meine Endungen korrigieren
(Das bedeutet: Die Endungen produzieren Phantasien,
die Phantasien im Kopf des Hörers manipulieren das Verhalten des Hörers.
Wenn ein Deutscher bemerkt, dass eine Endung von mir falsch ist, und sie korrigiert,
zeigt er mir einen Trick, wie ich die anderen Deutschen manipulieren kann.
Hilfreiche Hände öffnen Türen und verschaffen mir Zugang zu sozialen Gruppen.
Das ist super wichtig.)
Beispiel "der" Teller (der korrekte Artikel in Hochdeutsch) und
"das" Teller (der korrekte Artikel in Schwäbisch in einer Region Calw-Freudenstadt-Nagold)
29
 auf youtube deutsche Musikvideos hören und mitsingen
(bei Interesse: Titel + lyrics, z.B. Peter Fox, Das Haus am See lyrics)
 eine WhatsApp-Gruppe gründen oder ihr beitreten, sich online austauschen
 einen Tandempartner finden und sich gegenseitig die Sprache beibringen
(an der Uni/ online-Tauschmärkte/ online-Nachbarschaftshilfe/ Sprach-Cafés/ Zettel im
Supermarkt)
 online ein Gespräch mit einer politischen Gruppe/ Betroffenen einer Krankheit/ einer fb-
Gruppe/ ... führen

In der Familie:
 Der Ehefrauen-Trick:
Schatzi, es hilft mir nicht, wenn du mit mir Kurdisch/ ... sprichst.
In den nächsten Wochen brauche ich Deutsch von dir.
Kannst du das auch auf Deutsch sagen?
 den Kindern Kinderbücher vorlesen
(Kinder kontrollieren sehr stark, die Grammatik ist einfach,
der Wortschatz/ die Fachbegriffe sind oft Deutsch B2).
 Im Kindergarten einen Smalltalk mit Erzieher:innen, Lehrer:innen und Eltern anderer Kinder
führen
 im Kindergarten mit den Erzieherinnen oder mit den Eltern der anderen Kinder sprechen.
Mit wem spielt meine Tochter?
 Auf dem Spielplatz mit Eltern sprechen, die auch "nichts zu tun" haben.
 mit der Erzieherin/ mit den anderen Eltern der Kinder sprechen.
Über den Ramadan/ Geburtstagsgeschenke für achtjährige Kinder/ die Krankheiten der
Kinder/ ... sprechen: Wie machst du das? Hast du eine Idee für mich? ...
 Mit meinen Familienangehörigen über ihre Projekte sprechen,
z.B. meine Cousine macht in Deutschland Abitur.

Mit Freunden und Bekannten:

 Freunde von Freunden als Tippgeber und Türöffner benutzen, die eigenen Freunde fragen:
Wen würdest du ansprechen, wenn du …. bräuchtest?
 Meine Verwandten/ Freund:innen/ Bekannten zum Amt begleiten,
als Dolmetscher:in meinen Freunden helfen,
z.B. in der Motorradwerkstatt (Fachsprache Motorrad, B2) oder
im JobCenter/ in einer Behörde (B2/C1)
 Mit meiner Nachbarin über Kochrezepte, das Wetter, die Kinder, ... sprechen,
einen Kaffee spendieren
 Nachrichten hören und mit meiner Nachbarin darüber sprechen.
(Damit trainiere ich Deutsch B2 und eine gewisse Sprechgeschwindigkeit plus - Bonus! -
vielleicht noch Dialekt-Verstehen).
 Mich zum Kaffeetrinken verabreden, mit Freund:innen Alltagsprobleme auf Deutsch
besprechen
 mit einem Brief von der Verwaltung/ vom JobCenter/ von der Versicherung
zu einem deutschen Freund gehen und mir den Brief erklären lassen.
 mit der älteren Nachbarin meiner Schwester sprechen.
Ältere Leute haben mehr Zeit und mehr Lust zu sprechen.

30
Mit mir selbst, mit der Gesundheit:

 Beim Sport Deutsch sprechen


 Krank werden und zum Arzt gehen
 Beim Hausarzt/ im Krankenhaus/ in der Therapie B2-Marker einsetzen
 in einer Apotheke
 beim Arzt/ Psychotherapeuten/ bei allen medizinischen Berufen

Mit Unbekannten:

 auf der Straße nach dem Weg fragen.


(Die gleiche Information bekomme ich von google maps.
Aber google maps spricht nicht mit mir.
Bei google maps lerne ich nicht zu sprechen).

Im Verein, im Ehrenamt:

 mit älteren Menschen sprechen, sie haben mehr Zeit, weniger Stress und freuen sich,
wenn sie eine kleine Unterhaltung führen können
 mein Hobby/ mein Interesse kennen, den passenden Verein finden
(Suchbegriffe Hobby und Ort, z.B. Schach Stuttgart) und in einem Verein mitarbeiten
 einen Verein gründen, z.B. der deutsch-jordanische Kulturverein
 ehrenamtlich arbeiten, z.B. im Seniorenheim vorlesen, Spiele anbieten
 Frauentreffen, Stadtteil-Treffs
 sich politisch engagieren, mit Parteien sprechen

Mit Dienstleistern:

 Auf den Wochenmarkt gehen, beim Einkaufen Deutsch sprechen


 in der Bäckerei nach dem Unterschied von Dinkel und Roggen fragen.
 Mit dem Frisör plaudern
 Im Restaurant Essen auf Deutsch bestellen
(die Pizza mit Artischocken, Kerbel und Kapern, nicht: Pizza Nr. 46)
 Ein CallCenter anrufen und sich 10 Minuten beraten lassen
(und sich mit einem Trick verabschieden, bevor Sie einen telefonischen Vertrag abschließen
😉)
 Eine Dating-Plattform benutzen und sich in Speed-Dating/ in small talk/ im Kontakte-Knüpfen
trainieren
(und sich mit einem Trick verabschieden, bevor Sie eine unangenehme Beziehung eingehen
😉)
 In ein Fachgeschäft gehen und sich 10 Minuten einen Kühlschrank/ einen USB-Stick/ ein …
erklären lassen
(und sich mit einem Trick verabschieden, bevor Sie etwas unterschreiben 😉)
 Bei einer Verkehrskontrolle dem Polizisten fünf W-Fragen stellen und das Gespräch
dominieren.
 Hustenbonbons oder Sonnencreme in der Apotheke kaufen,
sich dabei mit ein paar W-Fragen eine Beratung bekommen
 als Interessent:in bei einer Hotline anrufen
31
 eine Person in ein Gespräch verwickeln, die auf der Straße Flyer verteilt.
5 Minuten Tierschutz/ Klimawandel/ Zeugen Jehovas/ Unterschriftensammlung für ein
politisches Thema, z.B. für billigen Wohnraum/ politische Partei (Wahljahr!)
 einer Kundengruppe von einer Firma beitreten und dadurch Rabatt bekommen.
Dort Gespräche anfangen.
 im Theater/ im Museum
 beim online-Dating erst schauen, auf welchem Sprachlevel die Leute schreiben. Wenn das B2
ist, Kontakt aufnehmen

In der Schule und der Ausbildung:


 in Pausengesprächen in der Schule Deutsch sprechen
 Fachtexte lesen, die für meine Entwicklung günstig sind oder die mir Freude bereiten.
 Bestimmte Sätze in Fachtexten analysieren: Wie haben diese Leute diesen Satz konstruiert?
Welche grammatischen Regeln haben sie kombiniert?

Bei der Arbeit:

 einen Minijob/ eine Hospitation/ eine Arbeitsstelle oder ein Praktikum antreten.
Die Bezeichnung der Tätigkeit ist nur ein Etikett,
wichtig ist der Inhalt: viel mit dem Kunden sprechen
 ich schreibe meine 3-4 W-Fragen auf ein Papier und
telefoniere mit Menschen an ihrem Arbeitsplatz.

32
Das unbekannte Wort
Die deutsche Gegenwartssprache umfasst rund 500.000 Wörter (Grundformen). Der Dudenkorpus
hat einen Umfang von über 18 Millionen Wörtern, z.B. „Vampirdarstellerin“ oder
„Menschentausendabertausendweit“. Deutsch-Muttersprachler:innen benutzen ca. 12.000 bis
16.000 (C1) Wörter aktiv und kennen zwischen 50.000 (A2) und 400.000 (C1) Wörter passiv.
Angesichts dieser Dimensionen wird klar, dass niemand alles kennt und dass das unbekannte Wort
der Normalfall ist. Wie kann ich mit einem unbekannten Wort umgehen?

1. Ich überspringe das Wort, vielleicht brauche ich es nicht


(Dauer 1-2 Sekunden, ein lauterer Trick, das ist in der Prüfung erlaubt);
2. Ich lese alle Worte im Kontext und überlege mir:
Welche Bedeutung, welches „Puzzlestück“ passt in diesem Kontext?
Diese Methode wird umso schneller, je öfter ich im Kontext war und
die KEGEL-Methode angewendet habe;
(3-30 Sekunden, lauter)
3. Ich analysiere das unbekannte Wort:
Welchen Teil von dem Wort kenne ich?
Ich verstehe einen Teil von dem Wort.
(5-20 Sekunden, lauter)
Diese Methode wird umso schneller,
je mehr Wortfamilien ich selbst geschrieben und
untereinander auf dem Level B2 verbunden habe.
Mehr zur Methode Wortfamilie finden Sie im Download „Wortfamilien“.
4. Ich frage meine Nachbarin, den Lehrer oder den Prüfer.
Das ist die Methode KEGEL in Reinform. (10-60 Sekunden, lauter)

Viele Leute fragen mich, GB, immer wieder:


Darf ich denn den Prüfer in der Prüfung fragen?
Meine Antworten lauten:
1. Nein.
2. Jede Kandidatin/ jeder Kandidat darf eine Frage stellen.
3. Clevere Prüfungsgruppen freuen sich,
wenn die Fragen laut genug gestellt werden,
dass sie und die jeweilige Antwort im ganzen Raum gehört werden können.
4. Jede Kandidatin/ jeder Kandidat kann eine zweite Frage stellen,
diesmal eine Ja-Nein-Frage. Der Prüfer entscheidet, ob er antwortet.
5. Jede Kandidatin/ jeder Kandidat kann körpersprachlich eine dritte Frage stellen,
die der Prüfer diesmal mit einem körpersprachlichen Signal beantworten kann.
Der Prüfer entscheidet, ob er darauf reagiert.
Generell gilt: alles ist erlaubt, was nicht als Störung ins Prüfungsprotokoll eingetragen wird.
Es hängt also von Ihrem Frage-Geschick und von Ihrer Fähigkeit ab,
wie gut Sie den Prüfungsprotokoll-Radar unterlaufen und
dem Prüfer (körper-) sprachliche Signale entlocken können.

33
5. Ich merke mir das unbekannte Wort.
Vielleicht verstehe ich es in einem anderen Kontext.
(6 Wochen bis viele Jahre, Methode Interesse, lauter)
Diese Methode sieht (für Anfänger:innen) umständlich und langwierig aus.
Sie hat aber zwei bemerkenswerte Vorteile.
1. Wenn das unbekannte Wort in einem späteren Kontext auftaucht und
dort verstanden wird, entsteht ein Gedankenblitz.
Ich verstehe das unbekannte Wort auch in dem ersten Kontext.
Dieser Gedankenblitz, dieses Aha-Erlebnis löst Glücksgefühle aus.
2. Ältere Wissenschaftler:innen nutzen diese Methode,
damit sie neue Wissensgebiete erschließen und Forschungsansätze finden.
Diese Methode ist also ein gewaltiger Türöffner.
6. Ich benutze eine Übersetzungs-App,
z.B. ponds, [Link], google translate, und
suche die Übersetzung in meiner Muttersprache
(20-120 Sekunden, nicht nachhaltige, verunsichernde Lernmethode,
ein unlauterer Trick, der zum Nichtbestehen in der Prüfung führt)

34
Deutsch B2 erreichen

Es existiert eine unsichtbare, aber deutlich spürbare B2-Barriere:


ca. drei Viertel der deutschen Bevölkerung werden nervös,
wenn sie z.B. in einem Unternehmen anrufen müssen.
Sie wissen, dort wird Deutsch B2 gesprochen, und
sie wissen, dass ihr aktuelles Deutsch dafür nicht ausreicht.

Fünf einfache Trainingsmethoden führen Sie dahin,


dass Sie diese Barriere überwinden und etliche Vorteile bekommen können.
Einige dieser Vorteile sind:
 Die Sprecher:innen, die die folgenden B2-Marker benutzen, werden von den Biodeutschen
als B2-Sprecher:innen erkannt.
 Die B2-Sprecher:innen werden als Profi in ihrem Beruf angesehen.
 Die B2-Sprecher:innen …

Die 200-Sätze-Methode wurde oben, Seite 20, bereits beschrieben. Sie gehört in diese Gruppe dazu,
weil sie innerhalb von 200 Sätze x 2 Minuten = 400 Minuten = 7 Stunden konzentrierter Arbeit den
Level B2 erreichbar macht.

Es gibt viele Vorteile. Wer B2-Marker in der freien Wildbahn einsetzt,


 wird als B2-Sprecher:in erkannt, bekommt mehr Respekt (und besteht den B2-Test);
 löst die Phantasie aus, dass sie/ er ein Profi im Beruf ist;
 löst die Phantasie aus, dass sie/ er grundsätzlich nützlich ist,
z.B. als Kundinnen, Lieferant:innen oder zukünftige Mitarbeiterinnen;
 bekommt von seinen Gesprächspartner:innen ein freundlicheres, unterstützendes Verhalten.

35
VerbKommaVerb
VerbKommaVerb ist die einfachste Methode. Dabei stellt man einen A2-Nebensatz um, Beispiel:

A2: Ich kann nicht ins Kino gehen , weil ich arbeiten muss .

V2 VL VL

B2: Weil ich arbeiten muss, kann ich nicht ins Kino gehen .

VerbKommaVerb VL

Die Worte sind gleich, die Satzstellung ist anders. Der Nebensatz wird nach vorne gestellt.
Der Nebensatz nimmt damit die Position 1 ein, inklusive seiner Verben auf der letzten Position.
Weil der ganze Nebensatz auf Position 1 ist, folgt direkt nach dem Komma das Verb des Hauptsatzes.
Die Regel „Verb zweite Position (V2)“ bleibt damit erhalten.
Das ergibt die Verbstellung „VerbKommaVerb“.
Das Subjekt des Hauptsatzes wird auf Position 3 gestellt, hinter das Verb.

Eine Kollegin nannte diese Verbstellung „Verb küsst Verb“.

B2: Weil ich arbeiten muss, kann ich nicht ins Kino gehen .

Verb küsst Verb VL

Wer so sprechen kann, gilt als B2-Sprecher.

Die deutschen Verbstellungen V2/ VL und V,V nehmen keine Rücksicht auf
die Satzstellung Subjekt-Prädikat-Objekt (SPO),
die in vielen anderen indoeuropäischen Sprachen „normal“ ist.
SPO kommt in Deutsch vor, ist aber kein Standard.
Das Schöne an VerbKommaVerb ist, dass es als B2-Marker gilt und subtil auf die Biodeutschen
einwirkt. Wer so sprechen kann, löst einige (unterbewusste) Phantasien und Verhaltensweisen aus:
 Die Biodeutschen glauben, diese Person kann alle Satzkonstruktionen sprechen.
 Man traut ihr schwierigere Aufgaben zu.
 Sie bekommt mehr Respekt.
 Sie bekommt sofort eine freundliche, umgängliche Reaktion.
Fazit: Auch A2-Sprecher:innen können diese Sprechweise trainieren und mehr Vorteile bekommen. Kommentiert [GB1]:

36
Verben mit Präpositionen und Nomen-Verb-Gruppen
Verben mit Präpositionen gelten als B2-Marker, wenn sie flüssig korrekt gesprochen werden.
Diese Fähigkeit lässt sich ganz einfach trainieren.
Nehmen Sie einen B2-Text. Lassen Sie Ihren Zeigefinger über dem Text kreisen,
stoßen Sie den Finger auf den Text und
finden Sie so ganz unwillkürlich ein Verb mit Präposition.

Dieses Verb mit Präposition, z.B. „arbeiten an“ trainieren Sie bitte nach folgendem Muster:
1. Formulieren Sie einen Hauptsatz mit diesem V+P:
Der Archäologieprofessor arbeitet an einem Buch über Pyramiden in Nubien.
2. Formulieren Sie einen W-Fragesatz mit diesem V+P:
Seit wann arbeitet er an diesem Buch?
3. Formulieren Sie einen Nebensatz mit diesem V+P:
Der Archäologieprofessor bekräftigt seine Absicht, dass er weiterhin an dem Buch arbeitet.
4. Versuchen Sie, mit diesem V+P ein Passiv zu bilden:
An dem Buch über Pyramiden in Nubien wird weiterhin gearbeitet.
Dieses harte Training (HS/ W/ NS/ Passiv) hat folgende Vorteile:
 Jede Person trainiert aufgrund des Zufallsgenerators „kreisender Zeigefinger“ eine eigene
Sammlung von V+P. Das ist wichtig, damit in einer B2-Prüfung nicht drei Kandidat:innen
hintereinander die gleichen V+P benutzen.
Den Prüfern würde das auffallen,
Kandidat:in 1 würde bestehen, Kandidatin 2 würde misstrauisch beäugt und Kandidat:in 3
würde durchfallen mit dem Argument,
dass alle drei einen guten Sprachlehrer hatten,
aber nur auswendig Reproduziertes von sich geben.
 Jede Person kennt bei dem von ihr ausgesuchten V+P genau
den Satzbau, die Endungen, die Satzmelodie etc. bei allen Satzbauarten.
 Der Passiv-Satz hat noch eine wichtige Funktion. Drei Varianten sind möglich:
+ es gibt ein Passiv, kein Problem.
+ es gibt ein „schiefes Passiv“, die Deutschen verstehen, aber sie verziehen das Gesicht und
wenden ein: „Man sagt das so nicht.“
+ ein Passiv ist bei diesem V+P nicht möglich.
Indem ich den Passiv-Satz probiere, sehe ich, bis wohin ich dieses V+P benutzen kann.
Ich kenne den Wirkungsradius dieses V+P.
Das erleichtert das flüssige Sprechen ungemein.
 Eine Person, die Sätze mit V+P flüssig korrekt sprechen kann, gilt als Profi im Beruf.
 Eine Person, die Sätze mit V+P flüssig korrekt sprechen kann, gilt als Person,
die mit dem Kunden sprechen kann.
Damit hat sie beim Teamchef einen Stein im Brett.
 Eine Person, die Sätze mit V+P flüssig korrekt sprechen kann, gilt als nützlich.
 Wer diese Phantasien in den ersten Sätzen eines (Telefon-) Gesprächs auslösen kann,
bekommt die Unterstützung von Frau Werwolf und weitere zwei Minuten mit dem Chef.

Verben mit Präpositionen sind also Gamechanger,


sie öffnen Türen, die ansonsten verschlossen bleiben.

37
Für Nomen-Verb-Gruppen gelten dieselben Trainingssätze und dieselben Vorteile.
Es lohnt sich also, wenn Sie ca. 8 V+P und 3 NV-Gruppen solange hart trainieren,
bis Sie sie flüssig sprechen und die Sätze variieren können.

Beispiel: in Betracht ziehen


HS: Wir sollten einen Medikamentenwechsel in Betracht ziehen.
W: Was haben wir übersehen? Was sollten wir außerdem in Betracht ziehen?
NS: Der Oberarzt gab zu bedenken, dass wir die Langzeitwirkungen noch nicht in Betracht
gezogen haben.
Passiv: Wurden schon die Wechselwirkungen in Betracht gezogen?

In einem Sprachtest verwenden Sie dann 2-3 Ihrer einstudierten V+P und 1-2 NV-Gruppen.
Die Prüfer werden das registrieren und Sie als B2-Sprecher:in erkennen.
Der Aufwand dieses Trainings beläuft sich auf ca. zwei Stunden.

Attribute
Attribute sind nicht Informationen.
Sie sind die Antwort auf die Frage: Welcher/ Welche/ Welches genau?
Mit einem Attribut kann ich Informationen auf kleinem Raum präzisieren.

A1, zwei Sätze, zweimal definiter Artikel:


Der Mann trägt einen Hut. Der Mann ist mein Bruder.
A2, zwei Sätze, Wechsel von indefinitem Artikel zu Demonstrativpronomen:
Ein Mann trägt einen Hut. Dieser Mann ist mein Bruder.
B1, Relativsatz:
Der Mann, der einen Hut trägt, ist mein Bruder.
B2, Attribut:
Der Mann mit dem Hut ist mein Bruder.
C1, Partizipialkonstruktion:
Der einen Hut tragende Mann ist mein Bruder.

Die B2-Version mit dem Attribut ist dabei die kürzeste Version.

Die grammatische Analyse sieht so aus:


1 Welcher genau?

Der Mann mit dem Hut ist mein Bruder.

Position 1 V2
Das Attribut „mit dem Hut“ ist also nicht eine zweite Information,
die das Verb auf Position 3 drückte.
Das Attribut ist eine Präzisierung der Information auf Position 1,
das Verb bleibt auf Position 2.

38
Komposita und Fachbegriffe
Komposita sind zusammengesetzte Nomen.

Es gibt sehr häufig gebrauchte Komposita wie Supermarkt oder Kinderzimmer,


die bereits in Deutsch A1 auftauchen.

Komposita wie „Wohnungsbesichtigung“ oder „Urlaubsantrag“ sind für Biodeutsche relativ


einfach verständlich, weil sie sie mit den Möglichkeiten der Wortfamilie analysieren und spontan
verstehen können.

Ein medizinischer Fachbegriff wie „Bauchspeicheldrüse“ ist näherungsweise verständlich:


Das ist ein Organ im Bauch, das eine spezielle Flüssigkeit produziert.

Ein Fachbegriff wie „Pleuelstange“ ist für Biodeutsche nicht mehr verständlich.
Damit sie diesen Fachbegriff in ihren Aktivwortschatz aufnehmen,
können Sie zwei Zugänge benutzen:
1. Sie gehen in einen Kontext und lassen sich den Aufbau und den Ablauf vorführen,
in diesem Beispiel eine Autowerkstatt, und
lassen sich von einem Insider den Gegenstand und seine Funktionsweise zeigen.
Eine Pleuelstange überträgt die Kraft aus dem Motor auf den Antriebsstrang und
damit auf die Räder.
Diesen Weg beschreiten häufig die Unternehmen,
sie führen ihre Auszubildenden und neuen Mitarbeiter:innen oft in den Arbeitskontext und
„stoßen sie ins kalte Wasser“. Die Methode führt (nach einer schockierenden Anfangsphase)
zu routiniertem, präzisem Arbeiten im jeweiligen Kontext.
B2 ist der Sprachlevel für das professionelle Arbeiten im Kontext.
2. Die Biodeutschen gehen in die Wortfamilie und leiten das Wort vom A1-Grundwort ab.
Die moderne Schreibweise „Pleuel“ stammt vom älteren „Bleuel“,
einem Holzschläger, mit dem die Menschen früher nasse Wäsche ausgeklopft haben.
Der Wortstamm ist „blau“,
die Wäsche, das Wasser, die überanstrengte Hand oder der Rücken der geschlagenen Person
werden bei dieser Tätigkeit blau.
Die übertragene Kraft macht … [das Objekt] blau. Der Bleuel = der kleine Blaumacher.
Diesen Weg beschreiten häufig die Sprachwissenschaftler:innen,
sie gehen der Etymologie eines Wortes nach und vollziehen die Herkunft und
die diversen Bedeutungswechsel eines Wortes nach,
auch durch die Zeiten und diversen Sprachen und Kulturen.
Die Methode führt zu einem profunden, tiefen Verstehen der Kulturen.
C1 ist der Sprachlevel für das stilsichere Agieren mit den tiefen Kräften der Kultur.
Aus diesen Tiefen resultieren die wirkmächtigen Emotionen, Phantasien und
Manipulationen, die diesen Begriffen und idiomatischen Wendungen innewohnen.

39
Fachbegriffe aus anderen Sprachen stellen die höchsten Anforderungen an Biodeutsche,
weil sie oft die Wortstämme nicht kennen.
Ein Fachbegriff wie „Ornithologie“ ist für sie dauerhaft unbekannt, „ein Buch mit sieben Siegeln“,
sie finden keinen Zugang zu diesem Begriff.
Die Erklärung „Vogelkundler“ ist für sie dann wieder einfach.

Wer Griechisch oder eine romanische Sprache spricht,


hat in diesem Teil der Fachbegriffe einen entscheidenden Vorteil.
Man variiert leicht die Endung, und schon kann man Deutsch B2 sprechen.

Die Zusammenhänge und Unterschiede zwischen den Lernmethoden „Wortfamilien“ und


„Kontext“ finden Sie ausführlich im Download „Wortfamilien“.
Verkürzt und bildlich ausgedrückt:
Die Wortfamilien sind die Schienen, die Kontexte sind die Bahnhöfe.
Die Wortfamilien sind tendenziell unendlich,
sie sind an den Wortstamm gebunden und wachsen am Wortstamm weiter.
Die Kontexte sind tendenziell an einen Zweck, an ein Produkt gebunden,
sie bedienen sich aller Wortfamilien und entwickeln eine hohe, dynamische Produktivität.

Das Formulieren von drei bis vier Sätzen pro


Sekretärinnen erkennen an dieser Sprechweise eine Person, die Profi in ihrem Beruf ist. Die
Sekretärin wird dieser Person weiterhelfen.
* Nomen-Verb-Gruppen, flüssig korrekt gesprochen.
* Fachsprache in einem Beruf, z.B. Pleuelstange.

40
Die Methode „Hase und Igel“
Jede Prüfung, jeder Wettlauf, jedes Spiel rührt von einer Person oder eine Instanz,
die die Regeln für die Prüfung/ den Wettlauf/ das Spiel/ … festlegt.
Diese Person oder Instanz ist der Igel.
Der Igel legt die Regeln so fest, dass der Igel immer gewinnt.
Bei allen Sprachprüfungen ist klar, dass es diese Regeln gibt.
Es ist aber nicht immer klar, wer die Regeln mitbringt und setzt, wer der Igel ist.
In den Sprachprüfungen ist es möglich,
dass die Kandidat:innen die Igel-Rolle zeitweise einnehmen und wichtige Punkte sammeln.

Das Märchen der Brüder Grimm finden Sie unter


[Link]
in einer Übersetzung ins Deutsche. Lesen Sie bitte zunächst dieses Märchen.
Wenn Sie das Original auf Plattdeutsch hören wollen, werden Sie hier fündig:
[Link]

Exkurs:
Wenn Sie in Ihrer Prüfung „Ick bün all hier“ sagen können, werden Sie Ihre Prüfer stark beeindrucken.
Wer einen Spruch aus den Grimmschen Märchen zitieren kann,
löst bei Deutschen eine Phantasie aus: Diese Person kennt alle Grimmschen Märchen.
Wer die Grimmschen Märchen kennt, kennt alles in der deutschen Kultur.
Suchen Sie mal „Rucke di guck“ oder „Spieglein, Spieglein“,
benutzen Sie diese Sprüche im Kontakt mit Deutschen und schauen Sie, was passiert.

Die Kandidat:innen drehen während der Prüfung die Struktur dieser Prüfung. Beispiele:
 Während eines Vorstellungsgesprächs stellt die gut vorbereitete Kandidatin detaillierte
Fragen zur Arbeitsweise des Unternehmens. Sie provoziert Verhaltensweisen der
Interviewer:innen, aus denen sie Informationen über das Arbeitsklima in der Abteilung
ablesen kann. Die Interviewer:innen gehen auf dieses Gesprächssetting ein, weil sie neugierig
sind und die Arbeitsweise dieser Kandidatin besser verstehen wollen. Solche
Vorstellungsgespräche habe ich, GB, als Recruiter mehrfach gesehen und mitgetragen.
 Ein ausländischer Facharzt teilt in der Fachsprachenprüfung (FSP) den Prüfer:innen detailliert
mit, welche Rahmenbedingungen für seinen Facharzt-Einsatz gelten müssen, damit er diese
Stelle antritt. Je enger er die Bedingungen setzt, desto klarer wird sein berufliches Zielgebiet.
Eine Prüferin gibt ihm noch während der FSP eine Visitenkarte, die ihn zur nächsten
Arbeitsstelle führt. Der ausländische Facharzt war in meinem, GBs, FSP-Vorbereitungskurs.
 Ein ausländischer Allgemeinmediziner kümmert sich in der FSP konsequent um seinen
„Patienten“, er kümmert sich in keiner Weise um das Prüfungssetting. Auf die Frage, ob er
das Prüfungssetting kenne, antwortete er, „Nein, und das ist auch nicht nötig“. Indem er sich
auf seinen „Patienten“, auf dessen Bedürfnisse und dessen optimale Behandlung
konzentriert, übererfüllt er völlig stressfrei und freundlich die Kriterien der FSP. Der ärztliche
Prüfer bietet ihm im Anschluss an die FSP eine Arbeitsstelle an. Auf die abschließende Frage,
warum er sich in der Fachsprachenprüfung so verhalten habe, antwortete er lächelnd: „Ich

41
wollte wissen, ob Ihr Prüfungssetting etwas taugt“. In dieser FSP mimte ich, GB, den
„Patienten“.

Daraus ergeben sich eine Frage und viele Vorteile für die Prüfer:innen.
Frage: Akzeptieren die Prüfer:innen es, dass die Kandidat:innen die Führung im
Vorstellungsgespräch/ in der FSP übernehmen?
Die Antwort ist oft JA, weil
 es den Prüfungsprozess beschleunigt;
 die Prüfer:innen viele relevante Informationen erhalten;
 dieser Teil der Prüfung für die Prüfer:innen mühelos ist, alles wird geliefert, "es kommt von
allein";
 die Prüfer:innen den Kandidat:innen beim Bearbeiten und Lösen von Aufgaben zuschauen
können;
 die Prüfer:innen zuschauen können, wie die Kandidat:innen die Führung übernehmen.
 die Kandidat:innen insgesamt viel präziser ihre Qualitäten zeigen können.

Fazit:
Wenn ein „Igel“ die Prüfung betritt und die Struktur der Prüfung dreht,
bekommen die Prüfer:innen
 schnell und
 mühelos
 detailliertere und
 qualitativ bessere
Ergebnisse.
Sie wissen, dass es sich hier um eine Manipulation handelt.
Da diese Manipulation sich allerdings im Zielkorridor der Prüfung befindet und die Prüfung
übererfüllt, gehen die Prüfer:innen diesen Weg mit.
Nur schlechte Prüfer:innen und unsichere Chefs stoppen diesen Vorgang.
Auch das gehört zum Kalkül des „Igels“:
Schlechte Chefs halten der Prüfung des „Igels“ nicht stand und sortieren sich selbst aus.

Das ist die Hase-Igel-Struktur in Prüfungen und in Vorstellungsgesprächen.

Welche "Nachteile" gibt es?

 Das Verfahren, in die Igel-Rolle zu schlüpfen und die Führung der FSP/ des Gesprächs zu
übernehmen, erfordert eine Vorbereitung, eine Auswahl unter 40 Adressen, Mut und
Selbstbewusstsein (Das lässt sich trainieren).
 Schlechte Prüfer:innen sind schockiert
(und lassen sich von den anderen Prüfer:innen überzeugen).

Welche Hindernisse gibt es auf dem Weg zur Igel-Struktur und wie überwinde ich sie?

 Ich versuche zu verstehen. Der „Igel“ hat geschummelt, oder? Ja und Nein.
Der „Igel“ benutzt einen so genannten „lauteren Trick“.
Die Prüfer:innen wissen, dass es ein Trick ist, aber dieser Trick ist nicht in den Regularien
ausgeschlossen, man kann diesen Trick in der Prüfung benutzen.

42
Beispiel: Man darf in einer Prüfung nicht einen Spickzettel aus dem Ärmel ziehen und ihn
benutzen. Aber man darf in einer Prüfung die Aufsichtsperson um ein gestempeltes
Schmierpapier bitten und während der Prüfung einen Spickzettel schreiben. Der Stempel auf
dem Papier beweist, dass man den Spickzettel nicht von außen in die Prüfung getragen hat.
 Wenn wir wissen, welche Punkte wichtiger sind,
können wir diese Punkte in der Prüfung bearbeiten.
 Wenn wir wissen, in welche Richtung wir gehen müssen,
können wir schneller sein. (wenn, konditional, nicht sicher)
 Weil ich die Punkte in die Prüfung trage, die ich bearbeiten möchte,
kann ich sie viel besser bearbeiten.
 Weil ich die Richtung vorgebe, bin ich schneller. (weil, kausal, so gut wie sicher)
 Wir sollen also eine Struktur für die FSP haben.
 Für jeden Schritt dieser Prüfung sollen wir etwas im Kopf haben.
 Egal, wie die Prüfung läuft, sollen wir mit den vorbereiteten Schritten/ Elementen/
Redemitteln/ ... antworten. Dann klingt es spontan und kenntnisreich.
 Wenn ich meine Struktur vorbereitet habe, bleibe ich bei meiner Struktur.
Meine Struktur ist im Sinne der FSP die erfolgreichere Struktur.
Wenn wir etwas vorbereitet haben, ist niemand besser vorbereitet als wir.
Niemand weiß besser, was und wie wir es vorbereitet haben.
(GB: Wie lange haben Sie sich auf die FSP vorbereitet? 10 Jahre.
Wie lange haben sich die Prüfer auf die FSP vorbereitet?
2-3 Stunden höchstens, meistens am gleichen Tag, am Tag der Prüfung)
 Lächeln und von Anfang an mit Erfolg rechnen, ist möglich.
 Aber das geht doch nicht, Herr Baur.
Man kann doch nicht 100% der Gesprächsführung an sich reißen!
Warum nicht? Wir können uns selbst zur FSP anmelden.
Wenn wir fühlen, dass wir zum Zeitpunkt x bereit sind,
können wir uns zum früheren Zeitpunkt y anmelden.
Zur richtigen Zeit werden wir im richtigen Zustand sein und die Prüfung bestehen.
 Man kann doch nicht ...!
GB sagt: Ja, das ist korrekt.
Man kann das nicht.
Das ist unmöglich.
Das geht nicht.
Das geht nicht bis zu dem Tag, an dem Sie es tun.
Dann geht es doch.
 Fühlen sich die Prüfer:innen verletzt, wenn jemand ihnen die Struktur aus der Hand nimmt?
Fühlen sie sich fremdbestimmt?
Nein, sie fühlen sich (in aller Regel) erleichtert und
bekommen ohne Mühe alle Infos, die sie erfragen wollten.
 Werden alle meine Wünsche verwirklicht?
GB sagt: Ja, wenn du sie aussprichst.
Wenn du sagst,
was du willst,
bekommst du Unterstützung
von unerwarteter Seite.

43
Eine einfache Variante der Igel-Struktur ergibt sich, wenn ich die Zeit verknappe.
Wenn ich nicht mehr zwanzig Minuten Zeit habe, sondern nur noch acht Minuten,
werde ich ganz anders effizient arbeiten. Die Zeit lässt sich tendenziell immer weiter verknappen,
Beispiel: Wenn du dein Leben in einem Wort ausdrücken sollst, welches Wort wäre das?

Eine sprachliche Variante der Igel-Struktur benutzt tekamolo. Nach einer kleinen Manipulation stellt
der Prüfer die Frage, die der Kandidat beantworten kann. Dieser sprachliche Trick ist relativ einfach.
Die Biodeutschen ordnen ihre Informationen nach dem Muster tekamolo, das ist temporal-kausal-
modal-lokal oder Wann?-Warum?-Wie?-Wo? Wenn man diese Reihenfolge einhält, erscheint den
Deutschen alles normal, sie stellen danach keine Fragen. Wenn man diese Reihenfolge
durcheinanderwirbelt, ist der Satz grammatisch korrekt, er entspricht aber nicht den Erwartungen
der Deutschen. Sie stellen dann Fragen.
Beispiel tekamolo (Wann?-Warum?-Wie?-Wo?):
Nach dem Abhören der Lunge würde ich wegen der anhaltenden Atemnot mit einer Bronchoskopie
zum betroffenen Lungenabschnitt vordringen. (In dieser Reihenfolge der Informationen werden die
Prüfer keine Frage stellen.)
Beispiel mokatelo (Wie?-Warum?-Wann?-Wohin?):
Mit einer Bronchoskopie würde ich wegen der anhaltenden Atemnot nach dem Abhören der Lunge
zum betroffenen Lungenabschnitt vordringen. (In dieser Reihenfolge fällt den Prüfern subtil auf, dass
die Information „Wie? – Mit einer Bronchoskopie“ weit weg von der erwarteten Satzposition ist. Sie
werden das hinterfragen: Warum nicht mit einem CT? Wie können Sie so sicher sein?) Geschickt
eingesetzt, löst diese Igelstruktur aus, dass Sie Fragen erhalten, die Sie gut beantworten können.

Eine komplexe Variante der Igel-Struktur skizziert Fragen im „Rückwärtsgang“, vom erfolgreichen
Ende zurück bis zur (noch unklaren) Diagnose. Die Vorteile des „Rückwärtsgangs“ sind:
 Das (erfolgreiche) Ende ist von Anfang an bekannt;
 ich kann mich nicht „verirren“, ich bleibe stets auf dem Kritischen Pfad, der mich zum Erfolg
führt;
 jeder Schritt ist logisch.
Die Planung dieser Igel-Struktur sieht so aus:
 Ich nütze dem Patienten.
 Ich arbeite dem nachfolgenden Arzt zu, bestimmte Schritte sind schon erledigt, der kritische
Pfad ist für ihn kürzer.
 Bei Unklarheiten erweitere ich meine Systematik.
 Ich kann punktgenau Untersuchungsmethoden einsetzen.
 Die anamnestischen Angaben grenzen die Diagnose (noch nicht hinreichend) ein.
 Ich stelle Sicherungsfragen und gebe dem Patienten die Gelegenheit, dass er falsch
Verstandenes korrigieren bzw. Fehlendes ergänzen kann.
 Ich erfasse die unstrukturiert vorgebrachten Angaben des Patienten in einer Struktur, die mir
die Übersicht erleichtert.

Wird fortgesetzt

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