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Brain Computer Interfaces

Das Dokument behandelt Brain Computer Interfaces und deren Geschichte, Definition, Funktionsweise und Anwendung. Es werden verschiedene Methoden der Gehirnsignalmessung wie EEG, MEG und Mikroelektrodenarrays beschrieben und deren Vor- und Nachteile diskutiert. Zudem werden aktuelle und zukünftige Anwendungsbereiche von BCIs, insbesondere in der Medizin, thematisiert.

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Brain Computer Interfaces

Das Dokument behandelt Brain Computer Interfaces und deren Geschichte, Definition, Funktionsweise und Anwendung. Es werden verschiedene Methoden der Gehirnsignalmessung wie EEG, MEG und Mikroelektrodenarrays beschrieben und deren Vor- und Nachteile diskutiert. Zudem werden aktuelle und zukünftige Anwendungsbereiche von BCIs, insbesondere in der Medizin, thematisiert.

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Cyberpsychology.

Eine neurokognitive Perspektive.

Brain Computer Interfaces


Wie verändern sie unser Verhalten und Erleben?

1. Einleitung

2. Geschichte

3. Defintion

4. Funktionsweise

5. Anwendung

Georg Leistenschneider | Humbold Universität zu Berlin | 30/08/2022



Einleitung.

Sitzt man im Öffentlichen Personen Nahverkehr oder läuft durch die Stadt und
betrachtet dabei die vorbeilaufenden Mitmenschen, so fällt einem in erster Linie
eines auf. Viele haben eine ähnliche Kopfhaltung. Das Kinn an die Brust gezogen,
die Augen in einem 45º Winkel nach unten geneigt. Dazu die Hand, meist die rechte,
gehoben, den Ellenbogen 90º gebeugt. Währenddessen macht der Finger zuckende
Bewegungen. zuckende Bewegungen, welche zur Folge haben, dass LED’s hinter
einer dünnen Glasscheibe verschiedenfarbig leuchten und so unser
Belohnungszentrum stimulieren.

Dies ist eine umständliche Beschreibung dessen, dass unser Alltag vom
Smartphone bestimmt wird (Barkhuus & Polichar, 2011). Wo manche die Urenkelin
des Telefons sehen, sehen andere den Großvater des Brain Computer Interfaces. Ein
Gerät, welches die Leistung des menschlichen Gehirns durch die des Computers
ergänzt. Doch wie verändern sie Erleben und Verhalten?

Geschichte.

Richard Caton gilt als Entdecker der elektronischen Potentiales im Gehirn.


1875 maß er erstmal elektrische Aktivitäten in den Kortizes von Kleintieren. Der
Liverpooler Neurologe ebnete damit den Weg für den Deutschen Hans Berger.
Dieser konnte 1924 erstmal elektrische Feldspannungen im menschlichen Kortex
nachweisen. Das Elektroenzephalogramm (EEG) war geboren (Britton, Frey & Hopp,
2016). Das EEG gilt als rudimentärste Form Gehirnaktivitäten digital messbar zu
machen. Die Reizweiterleitung im menschlichen Gehirn funktioniert über
Spannungsunterschiede. Diese entstehen durch Ein- beziehungsweise Ausfluss von
verschiedenen Ionen entlang der Neuronen. Die dabei entstehenden Potentiale
nennen sich Aktionspotentiale. Im EEG werden die durch die Aktionspotentiale
entstehenden Felder sichtbar. Durch die Platzierung von verschiedenen Elektroden
an der Kopfhaut, kann man so mit einer äußerst kurzen Latenz Aussagen über die
Gehirnaktivität treffen. Aussagen über die Lokalität der Potentiale sind hingegen nur
schwer zu treffen. Da sich die Aktionspotentiale feldartig in mehrere Richtungen
ausbreiten, messen die Elektroden nie ausschließlich eines. Dennoch kann man
generelle Richtungen bestimmen durch eine verteilte Anordnung von Elektroden
über den gesamten Skalp.

Definition.

Eine einheitliche Definition von BCI’s existiert bis dato nicht. Dennoch werden
einige immer wiederkehrende Punkte deutlich. BCI’s verbinden ein Gehirn mit einem
Computer in Echtzeit. Hierbei werden die Signale der Hirnaktivität genutzt, um mit
einem Computer zu kommunizieren, beziehungsweise über einen Computer mit
anderen Gehirnen oder anderen Computer zu kommunizieren. Beispielsweise kann
so Lebewesen ermöglicht werden auch externe Geräte, welche nicht durch das
periphere Nervensystem bedient werden können, zu bedienen.

Funktionsweise.

Die Funktionsweise von BCI’s lässt sich in verschiedene übergeordnete


Schritte unterteilen. Am Anfang steht die Signalerfassung.

Diese findet am Gehirn statt. Hier kann man nun in non-invasive, semi-
invasive und invasive BCI’s unterscheiden. Als non-invasive BCI’s gelten vor allem
das EEG. Wie weiter oben bereits erwähnt, ist die spatiale Auflösung dieser Geräte
eingeschränkt. Allerdings ist die temporale Auflösung maximal. Weiterhin ist hierbei
noch die Magnet Resonanz Tomographie zu nennen. Diese punktet vor allem in der
spatialen Auflösung, hat aber eine enorm hohe temporale Latenz, weshalb eine
Benutzung im BCI Bereich eher unvorteilhaft ist.

Ein bekannter Vertreter der semi-invasiven BCI’s ist die Elektrokortikographie.


Die Funktionsweise ähnelt hier stark der des EEG’s. Die Elektroden werden hier
jedoch nicht über eine Haube außen auf der Kopfhaut angebracht sondern operativ
unter der Dura Mater platziert. So erhält man eine viel genauere spatiale Auflösung
und reduziert das Rauschen auf ein Minimum. Dennoch findet hier nur eine Messung
von Gerhirnarealaktivitäten statt, durch die nicht auf einzelne Neuronen geschlossen
werden kann. Dieses Verfahren findet vor alle in der Epilepsiediagnostik Anwendung.
Durch die Elektrokorikographie ist es bereits möglich Herde ausfindig zu machen.
Wenn auch die spatiale Auflösung eher grob ist, stellt die wenig riskante operative
Applizierung einen willkommenen Kompromiss dar.

Invasive BCI’s zeichnen sich vor allem darüber aus, dass sie statt
Feldpotentialen nun auch die Aktivität einzelner Neuronen messen können. So zeigt
sich neben einer sehr hohen temporalen auch eine maximale spatiale Auflösung.
Klassische Vertreter sind zum Beispiel das Mikroelektroden Array und die
Tiefenhiernstimulation.

Mikroelektroden Arrays sind kleine, münzgroße Felder mit bis zu 100


Elektroden pro Array, welche direkt auf den Kortex gesetzt werden. Die Elektroden,
die von diesen Feldern abgehen ähneln dünnen Haaren (welche tatsächlich dünner
als das menschliche Haar sind), und sind einzelnen oder wenigen Elektroden
zugeordnet. So wird deren Aktivität direkt und äußerst genau gemessen. Mit dem
großen Nutzen geht jedoch auch ein hohes Risiko einher. Das Einsetzen dieser
Arrays bedarf äußerster Präzision. Die größten Gefahren dieser Operationen sind
Infektionen des Hir ngewebes, Abstoßreaktionen des Körpers, sowie
Gewebeverletzungen durch die Operation. Bei massiven Nervenbahnverletzungen
stellen Mikroelektroden Arrays dennoch eine vielversprechende Lösung dar. So
können sie beispielsweise durch Lähmung oder Amputation geschädigte
Gliedmaßen durch steuerbare Prothesen komplett ersetzen.

E i n e g ä n g i g e r e A d a p t i o n v o n i n v a s i v e n B C I ’s s i n d j e d o c h
Tiefenhirnstimulatoren, oder Hirnschrittmacher. Die Funktionsweise kann dem ECOG
und auch dem MEA ähneln. Also es kann Feldpotentiale detektieren oder erzeugen
oder direkt Neuronen ansteuern. Hierfür wird eine mehrere Zentimeter lange Nadel
(bis zu 1mm im Durchmesser) in das Gehirn eingeführt, um tiefere Gehirnregionen zu
stimulieren. Auch dieses BCI kann bei Epilepsiepatient:innen zur Lokalisation von
Herden, aber viel mehr zur Beseitung der epilepsiebedingten Störungen dienen.
Durch elektrische Impulse können so zum Beispiel Tremore behandelt werden.

Nach der Signalerfassung im Gehirn findet nun ein Vorverarbeitung der Daten
statt. Hier werden durch die Anwendung von Filtermethoden Artefakten bereinigt.
Diese reichen vom Einfluss der Wechselspannung der Steckdosen im
Versuchszimmer bis hin zu Einflüssen für die Untersuchung nicht interessanter
Neuronen.

Im Anschluss an die Bereinigung des Datensatzes findet die Extraktion und


Klassifikation der relevanten Merkmale statt. Hier wird über Algorithmen aus dem
Aktivierungsmuster ein Handlungsziel extrahiert. Beispielsweise das Schließen der
Hand oder das Vokalisieren eines Wortes. Mithilfe der Aufzeichnung und
anschließenden Dekodierung lässt sich in Echtzeit vorhersagen, welche motorische
Aktion (als Resultat dieser Neuronenaktivität) intendiert ist.

Nach der Extraktion der relevanten Stimuli werden diese nun an den
Computer gesandt, um den Befehl zu umzusetzen. Hier findet also die Bedienung
des Gerätes statt.

Anwendung.

Bisher finden BCI’s die meiste Anwendung im klinischen Bereich. Größtenteils


in der Epilepsietherapie, aber auch in der Wiederherstellung von Körperfunktionen.
Weitere Forschung wird allerdings auch in Richtung Verbesserung von
Körperfunktionen betrieben. So gibt es bereits Tierversuche, in denen Primaten
Computerbildschirme steuern. Weiterhin gab es einen Modellversuch in welchem
zwei Personen Impulse transkontinental Impulse sendeten und wahrnahmen. Das
Ziel moderner BCI Forschung wird es sein, die Latenz zwischen Computer und
Gehirn, welche momentan noch maßgeblich durch unsere Tippgeschwindigkeit mit
den Daumen bestimmt wird, zu minimieren.

So wäre es möglich, dass vielleicht eines Tages die Menschen wieder


erhobenen Hauptes in der Bahn sitzen und durch die Straßen laufen.

Literatur.

Barkhuus, L. & Polichar, V. E. (2011). Empowerment through seamfulness:


smart phones in everyday life. Personal and Ubiquitous Computing, 15(6), 629-639.

Britton JW, Frey LC, Hopp JLet al., authors; St. Louis EK, Frey LC (2016),
editors. Electroencephalography (EEG): An Introductory Text and Atlas of Normal
and Abnormal Findings in Adults, Children, and Infants [Internet]. Chicago: American
Epilepsy Society; 2016. Appendix 4. Common Artifacts During EEG Recording.
Available from: [Link]
report=classic%20cite

Abiri, R., Borhani, S., Sellers, E., Jiang, Y. & Zhao, X. (2018). A comprehensive
review of EEG-based brain-computer interface paradigms. Journal of Neural
Engineering. 16. 10.1088/1741-2552/aaf12e.


Birbaumer, N. (2006). Breaking the silence: brain-computer interfaces (BCI) for


communication and motor control. Psychophysiology, 43(6), 517–532. https://
[Link]/10.1111/j.1469-8986.2006.00456.x


Chaudhary, U., Mrachacz‐Kersting, N., & Birbaumer, N. (2021).


Neuropsychological and neurophysiological aspects of brain‐computer‐interface
(BCI) control in paralysis. The Journal of physiology, 599(9), 2351-2359.


Klaes, C. (2018) Invasive brain-computer interfaces and neural recordings


from humans. In Handbook of behavioral neuroscience. Elsevier; 527–539.


Miaomiao, Z., Qingheng, W., Feng, W., & Yong, H. (2020). State-of-the-art
non-invasive brain–computer interface for neural rehabilitation: A review. Journal of
Neurorestoratology. 8:1.2020.12-25. [Link]
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_______________________ Berlin, 20.08.2022

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