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Exam3 Solution

Das Dokument enthält Lösungsvorschläge zu sechs Beispielen einer Modulprüfung im Fach Einführung in das mathematische Arbeiten. Die Beispiele behandeln Themen wie Funktionen, Mengen, Ideale, Gruppen und Polynome. Für jedes Beispiel werden die Aufgabenstellung und eine ausführliche Lösung dargestellt.

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Peter Elbau Einführung in das mathematische Arbeiten Universität Wien

Gwenael Mercier Fakultät Mathematik 11. Februar 2022

Lösungsvorschläge zum dritter Termin der


Modulprüfung

Bemerkungen zur Durchführung der Prüfung

• Alle Lösungen sind ausreichend zu begründen.

• Alle sechs Beispiele werden gleich gewichtet.


• Bis auf Schreibutensilien sind keine Hilfsmittel erlaubt.
• Die letzten beiden Seiten sind für persönliche Notizen gedacht und werden nicht bewertet.
• Die Prüfung dauert 120 Minuten. Eine frühere Abgabe ist jederzeit möglich.

Resultat

Beispiel Mögliche Punkte Erreichte Punkte

1 5

2 5

3 5

4 5

5 5

6 5

Total 30
Peter Elbau Einführung in das mathematische Arbeiten Universität Wien
Gwenael Mercier Fakultät Mathematik 11. Februar 2022

Beispiel 1 (5 Punkte).
(a) Wir betrachten die beiden Funktionen

f : r2, 5s Ñ r´1, 0s, f pxq :“ 19 p5 ´ xq2 ´ 1, und


g : r´1, 0s Ñ r0, 1s, gpyq :“ y 4 .

Zeigen Sie, daß f und g bijektiv sind, und berechnen Sie die inverse Funktion der Komposition
g ˝ f.

(b) Seien X, Y zwei beliebige Mengen und f : X Ñ Y eine Abbildung. Zeigen Sie, daß f genau dann
injektiv ist, wenn für alle A, B Ă X die Beziehung

f pA X Bq “ f pAq X f pBq

gilt.

Lösung.

(a) Sei y P r´1, 0s beliebig. Dann besitzt die


? Gleichung f pxq “ y wegen 5 ´ x ě 0 für alle x P r2, 5s in
r2, 5s die eindeutige Lösung x “ 5 ´ 3 y ` 1, weshalb f bijektiv ist.
Ebenso?besitzt die Gleichung gpyq “ z für alle z P r0, 1s wegen y ď 0 in r´1, 0s die eindeutige Lösung
y “ ´ 4 z, weshalb auch g bijektiv ist.
Für die inverse Funktion pg ˝ f q´1 : r0, 1s Ñ r2, 5s der Zusammensetzung g ˝ f ergibt sich damit
b
´1 ´1 ´1 ´1
? ?
pg ˝ f q pzq “ f pg pzqq “ f p´ zq “ 5 ´ 3 1 ´ 4 z für alle z P r0, 1s.
4

(b) ‚ñ‘: Seien f injektiv und A, B Ă X beliebige Teilmengen.


• Dann gilt für jedes Element y P f pA X Bq nach Definition, daß ein x P A X B mit f pxq “ y
existiert. Damit gilt jedoch auch y P f pAq und y P f pBq, also y P f pAq X f pBq, womit
gezeigt ist, daß f pA X Bq Ă f pAq X f pBq ist.
• Umgekehrt gilt für jedes Element y P f pAq X f pBq, daß Elemente x1 P A und x2 P B mit
y “ f px1 q und y “ f px2 q existieren. Wegen der Injektivität von f ist dann aber zwangsläufig
x1 “ x2 P A X B, weshalb y P f pA X Bq liegt. Damit ist f pAq X f pBq Ă f pA X Bq.
Somit ist f pAq X f pBq “ f pA X Bq gezeigt.
‚ð‘: Falls f nicht injektiv ist, so finden wir zwei verschiedene Punkte x1 , x2 P X mit f px1 q “ f px2 q.
Mit A :“ tx1 u und B :“ tx2 u gilt dann jedoch

f pA X Bq “ f pHq “ H ‰ tf px1 qu “ f pAq X f pBq.

Lösungsvorschläge 1/6
Peter Elbau Einführung in das mathematische Arbeiten Universität Wien
Gwenael Mercier Fakultät Mathematik 11. Februar 2022

Beispiel 2 (5 Punkte).
(a) Zeigen Sie, daß für alle n P Nzt0u die Ungleichung
n
ÿ 1 ?
? ď2 n
k“1 k

erfüllt ist.

(b) Beweisen Sie, daß der Quotient

pk ` `q!
für alle k, ` P N
k! `!
eine natürliche Zahl ist.

Lösung.
řn ?
(a) Sei A :“ tn P N | ?1 ď 2 nu. Dann ist offenbar 0 P A.
k“1 k
Außerdem gilt für jedes n P A, daß
n`1
ÿ 1 ? 1 ? 1 ` ? ? ˘
? ď2 n` ? “2 n`1´ ? 2pn ` 1q ´ 2 n n ` 1 ´ 1
k“1 k n`1 n`1

ist. Beachten wir nun, daß


` ? ? ˘2
p2n ` 1q2 “ 4n2 ` 4n ` 1 ě 4npn ` 1q “ 2 n n ` 1

gilt, so folgt daraus


n`1
ÿ 1 ?
? ď 2 n ` 1,
k“1 k

also n ` 1 P A, woraus sich mit vollständiger Induktion A “ N ergibt.


(b) Wir bemerken, daß mit n :“ k ` `
ˆ ˙
pk ` `q! n! n
“ “ PN
k! `! k! pn ´ kq! k

gilt.

Lösungsvorschläge 2/6
Peter Elbau Einführung in das mathematische Arbeiten Universität Wien
Gwenael Mercier Fakultät Mathematik 11. Februar 2022

Beispiel 3 (5 Punkte).
(a) Bestimmen Sie die kleinste positive Zahl p im von der Menge A :“ t546, 9867u erzeugten Ideal pAq
des Rings pZ, `, ¨q der ganzen Zahlen.
(b) Sei p P N eine Primzahl und pG, `q eine Gruppe mit p Elementen. Beweisen Sie, daß pG, `q eine
zyklische Gruppe ist.

Lösung.

(a) Nach Definition wird das Ideal pAq vom größten gemeinsamen Teiler der beiden Zahlen 546 und
9867 erzeugt, weshalb

p “ ggTp546, 9867q “ ggTp546, 18 ¨ 546 ` 39q “ ggTp14 ¨ 39, 39q “ 39

ist.
(b) Sei e P G das neutrale Element von G und g P Gzteu ein beliebiges Element.
Angenommen es gäbe ein n P p1, pqN mit g n “ e. Dann wäre die Menge tg k | k P r1, nsN u eine
zyklische Untergruppe von G mit n Elementen. Nach dem Satz von Lagrange implizierte das jedoch,
daß n ein Teiler von cardpGq “ p ist, was jedoch ein Widerspruch dazu wäre, daß p eine Primzahl
ist.
Also sind die p Elemente g k , k P r1, psN , paarweise verschieden (da aus g k “ g ` mit k, ` P r1, psN
und k ă ` sonst der Widerspruch g `´k “ e folgte) und damit gilt G “ tg k | k P r1, psN u, womit
gezeigt ist, daß G zyklisch ist.

Lösungsvorschläge 3/6
Peter Elbau Einführung in das mathematische Arbeiten Universität Wien
Gwenael Mercier Fakultät Mathematik 11. Februar 2022

Beispiel 4 (5 Punkte).
(a) Zeigen Sie, daß für alle ganzen Zahlen a, b, c P Z und Primzahlen p die Beziehung

pa ` b ´ cqp ” ap ` bp ´ cp mod p

gilt.
(b) Seien a, b, c P N mit ab “ c2 und ggTpa, bq “ 1. Zeigen Sie, daß ein m P N mit a “ m2 existiert.

Lösung.

(a) 1. Variante: Nach dem kleinen Satz von Fermat gilt xp ` pZ “ x ` pZ für alle x P Z und daher

pa ` b ´ cqp ` pZ “ a ` b ´ c ` pZ “ ap ` bp ´ cp ` pZ.

2. Variante: Aus den Übungen (Beispiel 3a von Übungsblatt 6A) wissen wir, daß px ` yqp ` pZ “
xp ` y p ` pZ für alle x, y P Z gilt. Durch zweimalige Anwendung ergibt sich daraus

ppa ` bq ´ cqp ` pZ “ pa ` bqp ` p´cqp ` pZ “ ap ` bp ` p´cqp ` pZ.

• Ist nun p “ 2, so gilt

ppa ` bq ´ cq2 ` 2Z “ a2 ` b2 ` c2 ` 2Z “ a2 ` b2 ´ c2 ` 2c2 ` 2Z “ a2 ` b2 ´ c2 ` 2Z.

• Ist p ‰ 2, so ist p P 2N ` 1 ungerade und daher haben wir

ppa ` bq ´ cqp ` pZ “ ap ` bp ´ cp ` pZ,

womit die Aussage für alle Primzahlen p gezeigt ist.


(b) Wir definieren m :“ ggTpa, cq. Dann gilt

m2 “ ggTpa2 , c2 q “ ggTpa2 , abq “ a ggTpa, bq “ a.

Lösungsvorschläge 4/6
Peter Elbau Einführung in das mathematische Arbeiten Universität Wien
Gwenael Mercier Fakultät Mathematik 11. Februar 2022

Beispiel 5 (5 Punkte).
(a) Geben Sie jede Nullstelle ζ der Polynomfunktion
? ?
p : C Ñ C, ppzq :“ pz ´ 2qpz 2 ` 2z ` i 3q,

in der Normalform ζ “ α ` iβ mit α, β P R an.


? ?
(b) Zeigen Sie, daß 2 ` 3 eine irrationale Zahl ist.

Lösung.
?
(a) Die erste Nullstelle liegt bei z0 “ 2.
Die beiden anderen Nullstellen sind die Nullstellen der quadratischen Polynomfunktion
?
z 2 ` 2z ` i “ pz ` 1q2 ` i 3 ´ 1.
?
Seien daher a, b P R mit pa ` ibq2 “ 1 ´ i 3. Dann ist
?
a2 ´ b2 “ 1 und 2ab “ ´ 3,

also
?
3 3
b“´ und a4 ´ “ a2 ,
2a 4
was uns die beiden reellen Lösungen
c c
3 1 3 1
a1 “ ´ , b1 “ ? und a2 “ , b2 “ ´ ?
2 2 2 2
liefert. Damit haben wir die beiden weiteren Nullstellen
ˆc ˙
3 i
z1 “ ´1 ` a1 ` ib1 “ ´ ` 1 ` ? und
2 2
c
3 i
z2 “ ´1 ` a2 ` ib2 “ ´1´ ? .
2 2
? ? ? ? ? ? ? ?
(b) Wäre 2 ` 3 P Q, so folgt aus 2 R Q, daß 3 ´ 2 “ p 3 ` 2q ´ 2 2 nicht rational sein kann.
Damit wäre jedoch auch
? ? ? ?
p 2 ` 3qp 3 ´ 2q “ 3 ´ 2 “ 1
? ?
nicht rational. Also muß 2 ` 3 irrational sein.

Lösungsvorschläge 5/6
Peter Elbau Einführung in das mathematische Arbeiten Universität Wien
Gwenael Mercier Fakultät Mathematik 11. Februar 2022

Beispiel 6 (5 Punkte).
1
(a) Wir definieren x0 :“ 2 und

xk`1 :“ p´1qk x2k für alle k P N.

Bestimmen Sie, ob die Folge pxk qkPN konvergiert und berechnen Sie gegebenenfalls ihren Grenzwert.
(b) Sei pun qnPN eine reelle Folge positiver Zahlen mit der Eigenschaft, daß

1 k
@k, n P Nzt0u : un ď `
k n
erfüllt ist. Zeigen Sie, daß die Folge pun qnPN konvergiert.

Lösung.

k
(a) Sei A :“ tk P N | |xk | “ 2´2 u. Dann ist wegen der Anfangsbedingung 0 P A. Und für jedes k P A
gilt, daß
k k`1
|xk`1 | “ x2k “ 2´2¨2 “ 2´2

ist. Gemäß vollständiger Induktion ist also A “ N und somit gilt für alle k P N, daß
1
lim |xk | “ lim k “ 0
kÑ8 kÑ8 22

ist, was bedeutet, daß die Folge pxk qkPN gegen null konvergiert.
? ? ?
(b) Wir betrachten die Ungleichung für die Wahl k “ 1 ` t nu. Dann ist n ď k ď 1 ` n und daher
?
1 1 ` t nu 2 1
0 ă un ď ? ` ď ? ` Ñ 0 pn Ñ 8q.
1 ` t nu n n n

Nach dem Einschließungssatz konvergiert die Folge pun qnPN daher gegen null.

Lösungsvorschläge 6/6

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