Höhere Analysis: Reiner Lauterbach
Höhere Analysis: Reiner Lauterbach
Vorlesung
Reiner Lauterbach
Z Z
dω = ω
M
∂M
12 Integration im Rn 5
12.1 Mengenalgebren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
12.2 Inhalt und Mass . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
12.3 Die Lebesgue-Algebra . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
12.4 Messbare Abbildungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
12.5 Treppenfunktionen und ihr Integral . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
12.6 Integrierbarkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
12.7 Konvergenzsätze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
12.8 Der Vergleich mit dem Riemann Integral . . . . . . . . . . . . . . 43
12.9 Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50
14 Flächen 81
14.1 Orientierung und Flächen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81
14.2 Integration auf Untermannigfaltigkeiten . . . . . . . . . . . . . . . 93
14.3 Tangentialräume . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101
14.4 Kompakta mit glattem Rand . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 105
15 Integralsätze 111
15.1 Satz von Gauss . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 111
15.2 Pfaffsche Formen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118
15.3 Differentialformen höherer Ordnung . . . . . . . . . . . . . . . . . 129
15.4 Der Satz von Stokes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 149
1
2 INHALTSVERZEICHNIS
Einleitung
Die Vorlesung Analysis III baut auf den Vorlesungen Analysis I und Analysis II
und natürlich auf die Lineare Algebra auf. In der Vorlesung werden wir teilwei-
se dem Buch von Otto Forster, Analysis III [6] folgen. Für Kapitel 12 empfehle
ich auch die Kapitel I, II aus dem sehr schönem Buch von Bauer [2]. Auch die
Werke von Walter [17, 18, 19] und Pöschel [13, 14, 15] können für die Vorle-
sung gewinnbringend verwendet werden. Darüber hinaus gibt es eine ganze Rei-
he hervorragender Bücher zum Thema Analysis, ich möchte nur wenige nennen:
[1, 3, 5, 8, 12, 11]. Ein hervorragendes Werk ist das Buch „Principles of Mathe-
matical Analysis“ von Rudin [16], das auch als Taschenbuch erhältlich ist und
als Begleitung zur Vorlesung gut geeignet ist. Nicht direkt als Begleitlektüre, je-
doch als Nachschlagewerke für später bzw. als weiterführende Bücher zur Analysis
möchte ich die Werke von Dieudonné, Friedman und Hewitt/Stromberg erwähnen
[4, 7, 9]. Jetzt ist auch der Zeitpunkt gekommen, diese auch schon mal zu kon-
sultieren. Es gibt dort viele bereichernde Diskussionen, Beispiele und natürlich
auch weiterführendes Material.
3
4 INHALTSVERZEICHNIS
Kapitel 12
Integration im Rn
In diesem Kapitel werden wir uns über Integration von Funktionen, die auf
Teilmengen des Rn definiert sind Gedanken machen. Am Ende von Kapitel 6
haben wir ja schon gesehen, wie man ausgehend vom Riemannschen
Integralbegriff Integrale über Mengen der Form [a1 , b1 ] × · · · × [an , bn ] definieren
kann. Hier wollen wir allgemeiner vorgehen und auch Integrale über
komplizierte Mengen definieren. Der Integralbegriff wird gleichzeitig neu gefasst
und es werden auch bisher nicht integrierbare Funktionen integriert werden
können, z. B. die charakteristische Funktion von Q. Natürlich kann man eine
solche allgemeine Integrationstheorie nicht ohne den entsprechenden Aufwand
erhalten und wir werden einige Zeit benötigen um die entsprechenden Sätze
beweisen zu können. Dabei wird sich zeigen, dass mit dem gleichen Aufwand
auch Integrale über andere Mengen erklärt werden können. Dazu wird wieder
einmal eine entsprechende Verallgemeinerung des Begriffsapparates notwendig.
Inhalt
12.1 Mengenalgebren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
12.6 Integrierbarkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
12.7 Konvergenzsätze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
12.9 Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50
5
6 KAPITEL 12. INTEGRATION IM RN
12.1 Mengenalgebren
Im Folgenden sei Ω eine Menge und wir interessieren uns für gewisse Mengen von
Teilmengen. Während für die Stetigkeit die Mengen der offenen, bzw. die Menge
der abgeschlossenen Teilmengen eine große Rolle spielten, wollen wir uns hier mit
Systemen von Teilmengen beschäftigen, die gewisse Operationen zulassen. Wir
erinnern an die Definition 1.3.32 der Potenzmenge einer Menge als Menge aller
ihrer Teilmengen.
1. X ∪ Y ∈ R,
2. X \ Y ∈ R.
Es ist eine einfache Konsequenz der Definitionen, dass in Ringen und Algebren
mit je endlich vielen Mengen auch deren Vereinigung bzw. deren Schnitte darin
liegen, also hat man das folgende Lemma.
X1 ∪ X2 ∪ · · · ∪ Xn ∈ A,
X1 ∩ X2 ∩ · · · ∩ Xn ∈ A.
12.1. MENGENALGEBREN 7
Wichtig ist dabei, dass wir uns auf endliche Vereinigungen bzw. Schnitte
beschränkt haben. Will man dies erweitern auf unendliche Vereinigungen und
Schnitte, so muss zumindest eine dieser Eigenschaften gefordert werden und dies
macht den Begriff des σ-Ringes bzw. der σ-Algebra aus, den wir jetzt definieren
wollen.
Definition 12.1.6 (σ-Ring, σ-Algebra)
Es sei A ein Ring oder eine Algebra. Gilt zusätzlich die Aussage:
∀n ∈ N, Xn ∈ A ⇒
[
Xn ∈ A,
n∈ N
so heißt A ein σ-Ring bzw. eine σ-Algebra.
bene Beweis nur für σ-Algebren korrekt ist, für σ-Ringe ist er geringfügig
zu modifizieren.
2. Alle Eigenschaften sind leicht nachzuprüfen.
Beweis. Man betrachte die Menge J aller σ-Algebren A welche E als Teilmenge
beinhalten, also
J = A ⊃ E A ist σ-Algebra .
µ : R → R+
erw = x ∈ R x ≥ 0 ∪ ∞
I1 µ(∅) = 0,
Xi ∩ Xj = ∅ für i 6= j
gilt
n n
!
[ X
µ Xi = µ(Xi ). (12.1)
i=1 i=1
Wird die endliche Additivität des Inhalts durch die stärkere Forderung der ab-
zählbar unendlichen Additivität (σ-Additivität) ersetzt, so bekommen wir einen
neuen Begriff.
PM1 µ(∅) = 0,
[
Xi ∩ Xj = ∅ für i 6= j und Xn ∈ R gilt
n∈ N
∞ ∞
!
[ X
µ Xi = µ(Xi ). (12.2)
i=1 i=1
1. Sind X, Y ∈ R so gilt
2. Für X ⊂ Y ∈ R gilt
µ(X) ≤ µ(Y ).
5. Für ein Prämaß gilt in der Situation von (4) unter der Annahme
[
Xn ∈ R,
n∈ N
dass
∞ ∞
!
[ X
µ Xi ≤ µ(Xi ).
i=1 i=1
Bevor wir die spezielle Situation im Rn betrachten wollen, werfen wir einen
Blick auf den zentralen Satz, der die Konstruktion von Maßen aus einem Prämaß
möglich macht.
µ(X) = µ̃(X).
AM1 µ∗ (∅) = 0;
2
Constantin Carathéodory (13.9.1873–2.2.1950) ein hervorragender deutscher Mathemati-
ker, der wesentliche Beiträge zur modernen Analysis entwickelte. Er erfand den Begriff des
äußeren Maßes. Sein Schaffensbereich überschritt die Grenzen der Mathematik auch zur Phy-
sik.
12.2. INHALT UND MASS 13
Natürlich ist es möglich, dass für manche X eine solche abzählbare Überdeckung
mit Elementen aus R nicht möglich ist, in diesem Fall ist D(X) = ∅ und dieser
Fall wird in der folgenden Definition getrennt abgefangen. Wir setzen für X ⊂ Ω
(∞ )
{Xn }n∈N ∈ D(X) , D(X) 6= ∅
X
inf µ(Xn )
µ∗ (X) = n=1
.
∞, D(X) = ∅
Wir müssen nachprüfen, dass µ∗ ein äußeres Maß ist. Wir beginnen mit (AM1).
Wir finden ein Element in D(∅), nämlich die Folge
Der Nachweis der dritten Eigenschaft (AM3) ist etwas aufwendiger, allerdings
nur unwesentlich komplizierter. Wir beginnen mit einer abzählbaren Familie von
Mengen {Xn }n∈N mit Xn ⊂ Ω für alle n ∈ N und betrachten deren Vereinigung.
OBdA nehmen wir an, dass für alle n ∈ N gilt µ∗ (Xn ) < ∞, denn ansonsten
steht auf der rechten Seite der zu beweisenden Ungleichung ein Summand ∞ und
es ist nichts zu zeigen. Sei ε > 0 gegeben. Dann gibt es, aufgrund der Definition
2.7.4 des Infimums zu jedem n ∈ N eine Folge von Mengen {Ym(n) }m∈N ∈ D(Xn )
mit ∞
ε
µ(Ym(n) ) < µ∗ (Xn ) + n .
X
m=1 2
µ∗ (X) ≤ µ(X).
Nehmen wir an, es gebe eine Folge {Xn }n∈N mit Xn ∈ R für alle n ∈ N, X ⊂
n=1 µ(Xn ) < µ(X). Dann ist für jedes n ∈ N die Menge X ∩ Xn ∈
P∞
n∈N Xn und
S
Bevor wir Satz 12.2.7 beweisen können, benötigen wir noch einen wichtigen
Satz, dessen Formulierung durch die Einführung eines weiteren Begriffes etwas
klarer wird, wenn auch der neue Begriff zunächst nicht sehr anschaulich ist.
µ∗ (Y ) = µ∗ (X ∩ Y ) + µ∗ (X c ∩ Y ).
µ∗ (Y ) = µ∗ ((X ∩ Y ) ∪ (X c ∩ Y )) ≤ µ∗ (X ∩ Y ) + µ∗ (X c ∩ Y ).
Daher reicht es für den Nachweis der µ∗ -Messbarkeit einer Menge, die Un-
gleichung
µ∗ (Y ) ≥ µ∗ (X ∩ Y ) + µ∗ (X c ∩ Y )
zu beweisen.
12.2. INHALT UND MASS 15
Beweis. (i) Wir beginnen mit der Beobachtung, dass µ∗ (X) = 0 impliziert, dass
µ∗ (Y ∩ X) + µ∗ (Y \ X) ≤ µ∗ (X) + µ∗ (Y ) = µ∗ (Y ).
Daher ist nach Bemerkung 12.2.13 die Menge X messbar. Da µ∗ (∅) = 0 ist ∅
auch µ∗ -messbar, also ∅ ∈ A.
(ii) Als nächstes zeigen wir: Aus X ∈ A folgt X c ∈ A. Dies ist aber offensicht-
lich, denn die definierende Gleichung ist symmetrisch in X und X c .
(iii) Im nächsten Schritt prüfen wir, ob mit X1 , X2 ∈ A auch die Vereinigung
X1 ∪ X2 µ∗ -messbar ist. Für beliebiges Y gilt nun wegen der µ∗ -Messbarkeit von
X1 und X2 , dass
)
µ∗ (Y ) = µ∗ (Y ∩ X1 ) + µ∗ (Y ∩ X1c )
, (12.3)
µ∗ (Y ∩ X1c ) = µ∗ ((Y ∩ X1c ) ∩ X2 ) + µ∗ ((Y ∩ X1c ) ∩ X2c )
wobei wir in der zweiten Gleichung als „Testmenge“, die Menge Y ∩X1c eingesetzt
haben. Wir beachten
und
((Y ∩ X1c ) ∩ X2 ) ∪ (Y ∩ X1 ) = Y ∩ (X1 ∪ X2 ).
Indem wir die zweite Gleichung aus (12.3) in die erste einsetzen, erhalten wir
∞
µ∗ (Z ∩ S) = µ∗ (Z ∩ Yn ).
X
(12.4)
n=1
Der Beweis dieser Aussage erfolgt in zwei Schritten, zunächst wird eine entspre-
chende Aussage für eine endliche Folge von paarweise, disjunkten Mengen durch
vollständige Induktion gezeigt, danach folgt der Beweis der eigentlichen Aussage
durch Grenzübergang.
Wir beweisen durch vollständige Induktion mit Sn = nj=1 Yj und Z ∈ P(Ω)
S
die Gleichung
n
µ∗ (Z ∩ Sn ) = µ∗ (Z ∩ Yj ).
X
j=1
Der Induktionsanfang ist offenkundig (also ist nichts zu zeigen). Der Induktions-
schritt basiert auf der Annahme, dass unsere Behauptung für ein n ∈ N gezeigt
sei. Wir wollen diese nun für n + 1 nachweisen. Da bereits gezeigt ist, dass A eine
Algebra ist, ist Sn µ∗ -messbar. Wir erhalten
Damit ist die Induktion abgeschlossen und wir zeigen nun die Gleichung (12.4).
Aufgrund der Monotonieeigenschaft (AM2) folgt für jedes n ∈ N
n
µ∗ (Z ∩ S) ≥ µ∗ (Z ∩ Sn ) = µ∗ (Z ∩ Yj ).
X
j=1
j=1
Für die Gleichheit benötigen wir nun noch die umgekehrte Ungleichung, diese
folgt sofort aus (AM3).
Wir zeigen nun die Messbarkeit von S = n∈N Yn , falls jede Teilmenge Yn
S
messbar ist und je zwei disjunkt sind. Sei Z ⊂ Ω beliebig. Dann gilt (da A eine
12.2. INHALT UND MASS 17
µ∗ (Z) = µ∗ (Z ∩ Sn ) + µ∗ (Z ∩ Snc )
n
µ∗ (Z ∩ Yj ) + µ∗ (Z ∩ Snc )
X
=
j=1
n
µ∗ (Z ∩ Yj ) + µ∗ (Z ∩ S c ) wegen (AM2).
X
≥
j=1
j=1
µ∗ (Y ) ≥ µ∗ (Y ∩ X) + µ∗ (Y ∩ X c ).
OBdA nehmen wir an, dass µ∗ (Y ) < ∞, ansonsten ist nichts zu zeigen. Also
nehmen wir an D(Y ) 6= ∅. Sei {Yn }n∈N ∈ D(Y ). Dann ist
∞ ∞ ∞
µ(Yn ∩ X c ).
X X X
µ(Yn ) = µ(Yn ∩ X) +
n=1 n=1 n=1
n=1
Da die rechte Seite unabhängig von der Folge {Yn }n∈N ist, folgt auch
µ∗ (Y ) ≥ µ∗ (Y ∩ X) + µ∗ (Y ∩ X c ).
Damit ist X µ∗ -messbar.
Wir setzen µ̃ = µ̄|σ(R) . Um einzusehen, dass µ̃(X) = µ(X), beobachten wir,
dass für X ∈ R gilt µ∗ (X) = µ(X), und damit gilt für die Einschränkung µ̄ von
µ∗ auf A natürlich auch
µ(X) = µ̄(X).
Im ersten Schritt des Beweises von Satz 12.2.14 spielten spezielle Mengen eine
Rolle, die hinreichend ist, sie mit einem eigenem Namen zu versehen.
I= x∈R
n
∀i = 1, . . . n gilt ai ≤ xi < bi .
Für unseren Beweis fehlt jetzt nur noch die Aussage σ(E) = σ(K). Wir zeigen
zunächst
σ(E) ⊂ σ(K).
Ist I = [a, b) ein nichtleeres halboffenes Intervall, gibt es eine Folge {cj }j∈N mit
cj ∈ I für alle j und limn→∞ cj = b. Dann ist
[a, cj ] = x ∈ R
n
a ≤ x ≤ cj
kompakt und [
I= [a, cj ].
j∈ N
Also ist I ∈ σ(K) und damit σ(E) ⊂ σ(K). Als letzter Schritt wird gezeigt:
σ(O) ⊂ σ(E). Dazu schreiben wir eine beliebige offene Menge als abzählbare
Vereinigung halboffener Intervalle. Sei O ∈ O offen. Dann ist die Menge der
Punkte mit nur rationalen Koordinaten in O abzählbar, wir nummerieren diese
Punkte durch eine Bijektion ξ : N → Qn ∩ O. Sei
c
wobei d = inf kξ(k) − yk∞ y∈O den Abstand in der ∞-Norm zum Kom-
plement von O bezeichnet und d ∈ R+ erw . Offenkundig impliziert die Offenheit
von O, dass d > 0 und Uk 6= ∅ ist. Dann ist O ⊂ k∈N Uk und jedes Uk kann
S
3. Das aus λ∗ konstruierte Maß λ̄ wird als das Lebesguesche Maß auf
Rn bezeichnet. Es ist auf der Lebesgue-Algebra definiert.
4. Die Einschränkung λ̃ auf die Borel-Algebra B = σ(O) = σ(E) nennt
man Borel-Lebesguesches Maß. Wollen wir die Dimension des Raum-
es berücksichtigen, so schreiben wir auch Bn , für die Borel-Algebra
auf Rn .
Das Lebesgue-Maß ist vollständig, in der Tat erhält man die Lebesgue-Algebra
durch Hinzunahme der λ∗ -Nullmengen aus dem Borel-Lebesgueschen Maß.
Beweis. Jedes Maß, das wie in Satz 12.2.14 angegeben aus einem äußeren Maß
konstruiert wurde, ist vollständig, denn nach Teil (i) des Beweises von Satz 12.2.14
sind die Mengen X mit µ∗ (X) = 0 messbar. Ist N ⊂ X, X ∈ A und µ(X) = 0,
so ist µ∗ (X) = 0, da µ die Einschränkung von µ∗ auf A ist und damit ist auch
µ∗ (N ) = 0, nach (AM2).
22 KAPITEL 12. INTEGRATION IM RN
1
λ̃(Yn \ Zn ) < ,
n
[
Z0 = Zn
n∈ N
und \
Y0 = Yn .
n∈ N
Dann sind Z0 , Y0 in der Borel-Algebra Bn und X \ Z0 ⊂ Y0 \ Z0 . Sei n ∈ N, so
dass n1 < ε. Dann gilt
1
0 ≤ λ∗ (X \ Z0 ) ≤ λ∗ (Y0 \ Z0 ) = λ̃(Y0 \ Z0 ) ≤ λ̃(Yn \ Zn ) ≤ < ε.
n
Damit ist λ∗ (X \ Z0 ) = 0.
T −1 (X) ∈ A.
3
Alfred Haar (11.10.1885–16.3.1933) war Mathematiker aus Ungarn und zeichnete sich durch
seine Beiträge zur Variationsrechnung, Maßtheorie und Funktionalanalysis aus.
24 KAPITEL 12. INTEGRATION IM RN
Beweis. Betrachte
A0 = Y ∈ P(Ω0 ) T −1 (Y ) ∈ A .
und damit ist es notwendig für die Messbarkeit, dass die entsprechenden Urbilder
messbar sind.
Es bleibt zu zeigen, dass die angegebenen Bedingungen hinreichend sind. Es
ist leicht zusehen, dass jede für jede der angegebenen Mengensysteme Xa =
Xa a ∈ R
gilt σ(Xa ) = B1 . Da Vereinigungsbildung, Komplementbildung
Oft will man Funktionen zulassen, die nach Rerw abbilden. In diesem Fall
muss die Definition der Messbarkeit der Funktion leicht modifiziert werden. Wir
nutzen dazu die eben gemachten Aussagen und schreiben die naheliegende Ver-
allgemeinerung.
messbar ist.
ist als Vereinigung zweier messbarer Mengen messbar. Damit haben wir die erste
Aussage gezeigt, auch die zweite wird auf ähnliche Weise bewiesen.
26 KAPITEL 12. INTEGRATION IM RN
im gleichen Sinne messbar. Gleiches gilt natürlich auch für das Infimum
bzw. den Limesinferior.
Entsprechende Aussagen gelten für messbare Funktionen fn : Ω → Rerw .
auf Messbarkeit. Natürlich ist g(x) > a ⇐⇒ ∃n ∈ N : fn (x) > a, also ist
[
x ∈ Ω g(x) > a =
x∈Ω fn (x) >a .
N
n∈
Für jedes n ∈ N ist die letztgenannte Menge messbar und damit auch die ab-
zählbare Vereinigung.
Für die zweite Aussage setzen wir
und
h(x) = inf gn (x).
n∈ N
Dann folgt die Aussage aus der Aussage über die Messbarkeit des Supremums.
Eine Spezialisierung der bisher gezeigten Aussagen ergibt das folgende Korol-
lar.
Korollar 12.4.11 (Messbarkeit-Kriterien)
Es seien f, g, {fn }n∈N A − B1 -messbare Funktionen Ω → R. Dann sind die
folgenden Funktionen im gleichen Sinne messbar.
Beweis. Natürlich reicht es zu zeigen, dass das Urbild U = h−1 (V ) einer offe-
ner Menge V ⊂ R in A liegt. F ist stetig, daher ist nach Satz 4.2.6 F −1 (V )
offen in R2 und demzufolge als abzählbare Vereinigung offener achsenparalleler
Intervalle (ak , bk ), k ∈ N darstellbar. (Dazu betrachte man einfach die Menge
Q = Q2 ∩ F−1 (V ), welche abzählbar ist und betrachte
die Menge der Inter-
(a, b) a, b ∈ Q, a < b, (a, b) ⊂ F −1 (V ) , welche demzufolge ebenfalls
valle
abzählbar ist und F −1 (V ) überdeckt, denn ist x ∈ F −1 (V ), so gibt es wegen der
Offenheit von F −1 (V ) ein ε > 0, sodass Bε (x) ⊂ F −1 (V ). Natürlich gibt es in
Bε (x) Punkte a, b ∈ Q2 mit a < x < b und (a, b) ⊂ F −1 (V ).) Für jedes solche
Intervall (a, b) ⊂ R2 sind die Mengen
x ∈ Ω a1 < f (x) < b1 und x ∈ Ω a2 < g(x) < b2 ∈ A.
Insbesondere ist
x ∈ Ω a1 < f (x) < b1 ∩ x ∈ Ω a2 < g(x) < b2 ∈ A.
Da die abzählbare Vereinigung dieser Mengen wieder in A liegt, ist der Satz
gezeigt.
Beweis. Klar!
Dann gilt für x ∈ Ω offenbar gn (x) → f (x). Für messbares f sind die Mengen
Xi,n bzw. Yn messbar, also ist gn messbar.
12.5. TREPPENFUNKTIONEN UND IHR INTEGRAL 29
Im weiteren werden wir statt A − B1 -messbar immer nur den Begriff messbar
gebrauchen.
gleich, so gilt
s
X t
X
αi µ(Xi ) = βj µ(Yj ).
i=1 j=1
12.6 Integrierbarkeit
Wir kommen jetzt dazu das Integral für größere Klassen von Funktionen zu de-
finieren.
f dµ ∈ R+
Z
erw ,
X
so ist Z Z
f dµ ≤ g dµ.
X X
Z r
X r
X r
X
g dµ = ci µ(Xi ) ≤ Kµ(Xi ) = K µ(Xi ) = Kµ(X).
X i=1 i=1 i=1
Die rechte Seite hängt nicht von g ab, also bleibt diese Schranke auch für
das Supremum bestehen.
Den gleichen Schritt wendet man auf f − an. Dann ergibt sich
Z Z Z Z
+ −
f dµ = f dµ − f dµ ≤ f + dµ ≤ Kµ(X).
X X X X
Ist α ≤ 0 nutzt man den ersten Schritt und geht zu −f ≤ −α über. Die
Abschätzung nach oben erfolgt wie im ersten Teil des Beweises.
3. Die Definition des Integrals erfolgt über die Bildung eines Supremums. Ist
0 ≤ f ≤ g, sind bei f weniger Funktionen zugelassen und damit das Supre-
mums höchstens das von g. Im allgemeinen Fall schreiben wir g = g + − g −
und f = f + − f − . Dann ist (und das ist einfach nachzuprüfen)
0 ≤ f + ≤ g + und 0 ≤ g − ≤ f − .
Z Z Z
f dµ = sup ϕ dµ ϕ ≤ f = sup
ϕ̄ dµ ϕ ≤ f in Y
Y
Y X
Z
≤ sup ψ dµ ψ Treppenfunktion auf X, 0 ≤ ψ ≤ f .
X
Beweis. Wir beweisen dies zunächst für nichtnegative Funktionen. Zu zeigen ist,
sind Xj abzählbar viele, paarweise disjunkte Mengen mit X = j∈N Xj , so ist
S
Z ∞ Z
X
f dµ = f dµ.
X j=1X
j
∞
X
µ(X ∩ Y ) = µ(Xj ∩ Y )
j=1
Wir kommen zum allgemeinen Fall einer nichtnegativen Funktion f ∈ L(X, µ).
Sei also f ≥ 0 integrierbar. Dann gibt es mit X = n∈N Xn und paarweisen
S
Damit ist
Z Z
∞ Z
X
f dµ = sup ϕ dµ 0 ≤ ϕ ≤ f, ϕ ist Treppenfunktion
≤ f dµ.
X X j=1X
j
Für die Umkehrung nehmen wir oBdA an, dass für alle n ∈ N gilt Φ(Xn ) < ∞.
Zu ε > 0 finden wir eine Treppenfunktion 0 ≤ ϕ ≤ f mit
Z Z Z Z
f dµ ≤ ϕ dµ + ε, f dµ ≤ ϕ dµ + ε.
X1 X1 X2 X2
Dann ist
Z Z Z
Φ(X1 ∪ X2 ) ≥ ϕ dµ = ϕ dµ + ϕ dµ ≥ Φ(X1 ) + Φ(X2 ) − 2ε.
X1 ∪X2 X1 X2
36 KAPITEL 12. INTEGRATION IM RN
Also hat man
Φ(X1 ∪ X2 ) ≥ Φ(X1 ) + Φ(X2 ).
Allgemeiner folgt dann
und damit ∞
X
Φ(X) ≥ Φ(Xi ).
i=1
Zuletzt muss noch der allgemeine Fall einer vorzeichenwechselnden Funktion be-
trachtet werden.
Sei f = f + − f − , dann gilt die Aussage für f + und f − jeweils einzeln aufgrund
des vorherigen Schrittes, dann gilt sie natürlich auch für f .
Die letzte Gleichheit begründet sich aus der Tatsache, dass X \ Y nach Voraus-
setzung eine Nullmenge ist und damit das Integral über X \ Y nach Satz 12.6.5
Punkt 5 verschwindet.
Beweis. Wir setzen Y+ = x ∈ X f (x) ≥ 0 und Y− = x ∈ X f (x) < 0 , so
dass X = Y+ ∪ Y− . |f | messbar und es gilt
Z Z Z Z Z Z Z
|f | dµ = f dµ+ (−f ) dµ = f + dµ+ f − dµ = f + dµ+ f − dµ < ∞.
X Y+ Y− Y+ Y− X X
38 KAPITEL 12. INTEGRATION IM RN
Damit ist |f | ∈ L(X, µ). Weiter ist f ≤ |f | und −f ≤ |f |, also
Z Z Z Z Z
f dµ ≤ |f | dµ, − f dµ = (−f ) dµ ≤ |f | dµ
X X X X X
und damit
Z Z
f dµ ≤ |f | dµ.
X X
ganz entsprechend
Z
f − dµ < ∞
X
12.7 Konvergenzsätze
Eine wichtige Eigenschaft de Lebesgue-Integales sind die Sätze zur Vertauschung
von Grenzwertbildung und Integration.
und damit Z
A≤ f dµ.
X
Wir müssen noch die umgekehrte Ungleichung beweisen. Dazu sei s eine beliebige
Treppenfunktion mit 0 ≤ s ≤ f , wir wollen zeigen, dass
Z
s dµ ≤ A.
X
Ist dies gezeigt, dann folgt auch, dass das Supremum über alle solchen s durch A
abgeschätzt wird. Sei also s fest gewählt. Dann sei c ∈ (0, 1) eine Zahl. Setze
Yn = x ∈ X fn (x)
> cs(x) .
Z Z Z
= lim cs dµ ≤ lim fn dµ ≤ lim f dµ ≤ A.
n→∞ n→∞ n→∞
Yn Yn Yn
40 KAPITEL 12. INTEGRATION IM RN
Da c ∈ (0, 1) beliebig ist, können wir den Grenzwert c → 1 bilden und erhalten
Z
s dµ ≤ A.
Y
Beweis. Wir nehmen zunächst an, dass fi ≥ 0 (f ü). Nach Satz 12.5.4 gibt es zu
fi , i = 1, 2 Treppenfunktionen sni , i = 1, 2 mit limn→∞ sni = fi . Da fi ≥ 0 können
die Folgen monoton steigend gewählt werden. Dann gilt mit sn = sn1 + sn2 auch
sn → f und
Z Z Z
sn dµ = sn1 dµ + sn2 dµ.
X X X
Der Lebesguesche Satz von der monotonen Konvergenz erlaubt den Übergang
zum Grenzwert und beweist den Satz.
Im allgemeinen Fall zerlegen wir X in vier disjunkte Mengen X1 , . . . , X4 :
X1 = x ∈ X f1 (x) ≥ 0, f2 (x) ≥ 0
Die Beweise im ersten und im letzten
Fall sind einfach. Der zweite und drit-
Idee: Mit X2+ =
X2 = x ∈ X f1 (x) ≥ 0, f2 (x) < 0
te
n
Fall benötigen
eine
o
x ∈ X2 f (x) ≥ 0 und X2− = X2 \
X3 = x ∈ X f1 (x) < 0, f2 (x) ≥ 0
X2+ und f1 = f + f2 auf X2+ ergibt der
erste Schritt wieder die Aussage. Ent-
X4 = x ∈ X f1 (x) < 0, f2 (x) < 0 .
sprechendes gilt für X2− und für X3 .
die Gleichung
Z n Z
X
f dµ = fi dµ.
X i=1 X
Beweis. Die Partialsummenfolge sn = nj=1 fj der {fn }n∈N ist (f ü) monoton stei-
P
gend, also können wir den Lebesgueschen Satz von der monotonen Konvergenz,
Satz 12.7.1, anwenden und schließen, dass
Z Z
lim
n→∞
sn dµ = f dµ.
X X
Dann ist die Folge {gn }n∈N monoton und jedes gn ist messbar. Also konvergiert
die Funktionenfolge gn mit Grenzwert f (hier geht die Definition des Limesinfe-
rior ein, vgl. Definition 2.7.9). Der Lebesguesche Satz 12.7.1 von der monotonen
Konvergenz gibt uns
Z Z
lim gn dµ = f dµ.
n→∞
X X
Insbesondere ist Z Z
lim
n→∞
gn dµ ≤ lim inf
n→∞
fn dµ.
X X
4
Pierre Joseph Louis Fatou (28.2.1878–10.8.1929) war ein bedeutender französischer Ma-
thematiker, der nach einem Studium an der École Nationale Supérieure eine Position an der
Sternwarte in Paris annahm. Dort trieb er seine mathematischen Studien fort und wartete mit
bedeutenden Leistungen zur Integrationstheorie und Funktionentheorie auf.
42 KAPITEL 12. INTEGRATION IM RN
Der letzte Satz in der Reihe unserer Konvergenzaussagen ist der sogenannte
Satz von der dominierten Konvergenz. Die wesentliche Aussage ist hier, dass falls
eine integrierbare Funktion alle Folgenglieder betragsmäßig dominiert, auch die
Vertauschung von Integration und Grenzwertbildung zulässig ist. Das wesentliche
Hilfsmittel ist der Satz von Fatou, der auf geschickte Weise zum Einsatz gebracht
wird.
Satz 12.7.5 (Satz von der dominierten Konvergenz (Lebesgue))
Sei (Ω, A, µ) ein Maßraum, X ∈ A und {fn }n∈N eine Folge messbarer
Funktionen mit
lim fn (x) = f (x) (f ü).
n→∞
Gibt es eine Funktion g ∈ L(X, µ) mit |fn | ≤ g (f ü) für alle n ∈ N, so ist
Z Z
lim
n→∞
fn dµ = f dµ.
X X
Beweis. Die Voraussetzung impliziert, dass für jedes n ∈ N gilt fn ∈ L(X, µ).
Damit ist nach Satz 12.6.14 wegen |f | ≤ g auch f ∈ L(X, µ). Für jedes n ∈ N
ist fn + g nichtnegativ (f ü). Nach dem Satz von Fatou ist mithin
Z Z
(f + g) dµ ≤ lim inf (fn + g) dµ.
n→∞
X X
x ∈ X f (x) > a = x ∈ X \ N ϕ(x) > a ∪ x ∈ N f (x) > a .
Da N ∈ A ist auch X \ N ∈ A und damit auch x ∈ X \ N ϕ(x) > a
=
X \ N ∩ {x ∈ X | ϕ(x) > a}. Ebenso ist x ∈ N f (x) > a als Teilmenge von
N aufgrund der Vollständigkeit von (Ω, A, µ) messbar.
Zb Zb
f (x) dx = R f (x) dx.
a a
12.8. DER VERGLEICH MIT DEM RIEMANN INTEGRAL 45
Die Sätze von der monotonen Konvergenz (Satz, 12.7.1) bzw. von der dominierten
Konvergenz (Satz 12.7.5) garantieren
Zb Zb
ϕ dx = lim ϕk dx
k→∞
a a
Zb Zb
ψ dx = lim ψk dx.
k→∞
a a
Damit folgt
Zb Zb Zb
(ψ − ϕ) dx = ψ dx − ϕ dx
a a a
Zb Zb
= lim ψk dx − lim ϕk dx
k→∞ k→∞
a a
Zb Zb
= lim R ψk dx − lim R ϕk dx
k→∞ k→∞
a a
= 0.
46 KAPITEL 12. INTEGRATION IM RN
Aus Lemma 12.8.1 folgt ψ = ϕ (f ü). Damit ist f = ϕ (f ü), also nach Lemma
12.8.2 f messbar.
Wir müssen noch die Gleichheit der Integrale
Zb Zb
f (x) dx = R f (x) dx.
a a
während die linke Seite als Supremum über die Integrale aller Treppenfunktionen
φ ≤ f sicher größer gleich diesem Grenzwert ist, jedoch auch kleiner gleich jedem
Integral über eine Treppenfunktion ψ ≥ f . Damit bleibt nur die Gleichheit.
Beweis. Wir betrachten x ∈ [a, b] \ Z mit ψ(x) = ϕ(x). Sei ε > 0 gegeben,
dann existiert N ∈ N mit ψk (x) − ϕk (x) < ε für alle k > N . Sei ein solches k
gegeben. Dann gibt es ζj , ζj+1 ∈ Zk mit x ∈ (ζj , ζj+1 ) und ψk , ϕk sind konstant auf
(ζj , ζj+1 ). Dann ist aber für y ∈ (ζj , ζj+1 ) der Funktionswert f (y) ∈ (ϕk (x), ψk (x))
und daher
Für die Umkehrung starten wir mit der Wahl von ε > 0. Da die Menge U der
Unstetigkeitspunkte von f eine Nullmenge ist, gibt es eine abzählbare offene
Überdeckung von U mit Intervallen Ij mit
∞
X
λ(Ij ) < ε.
j=1
Sei nun S das Komplement der Vereinigung der Ij . In jedem Punkt in S ist f
stetig, da f nur in Punkten in U unstetig ist. Ist x ∈ S, gibt es zum gewähl-
ten ε > 0 eine Umgebung U (x, ε) = (x − δ(x, ε), x + δ(x, ε)) mit y ∈ U (x, ε)
impliziert |f (y) − f (x)| < ε. Die Menge U (x, ε) überdeckt die Menge S und
12.8. DER VERGLEICH MIT DEM RIEMANN INTEGRAL 47
damit insbesondere die kompakte Menge [a, b] \ j∈N Ij . Daher gibt es eine end-
S
|Z|
X
O(Z, f ) − U(Z, f ) = (f (ηj ) − f (ξj ))(ζj+1 − ζj )
j=0
X X
≤ (M − m)(ζj+1 − ζj ) + (f (ηj ) − f (ξj ))(ζj+1 − ζj )
j∈L j∈K
≤ (M − m)δ + ε(b − a)
= (M − m + (b − a))ε.
1. Eine Funktion ist genau dann messbar, im Sinne der eben angegebe-
nen Definition, wenn sie A − B-messbar ist, und hier B die Borel-
Algebra auf C bedeutet.
Ähnlich wie im Reellen zeigt man, dass LC (X, µ) ein komplexer linearer Raum
ist, d. h. dass Addition und skalare Multiplikation in diesem Raum möglich sind
und den entsprechenden Bedingungen genügen.
Auf den komplexen Fall f : Ω → C lassen sich nun die Sätze 12.6.5, Eigen-
schaften (1,4–6), 12.6.6, 12.6.13, 12.6.14, 12.7.2, 12.7.5 übertragen, d. h. es gelten
12.8. DER VERGLEICH MIT DEM RIEMANN INTEGRAL 49
Beweis. Während in den meisten Fällen die Übertragung aus einer Anwendung
der Regeln auf Real- und Imaginärteil besteht, muss beim Punkt (6), bei der
Verallgemeinerung von 12.6.13, ein neues Argument benutzt werden.
Sei also f = u + iv integrierbar. Dann gibt es ein α ∈ C mit |α| = 1 und
f dµ ∈ R+ ,
Z
α
X
12.9 Überblick
Dieser Abschnitt will in sehr kompakter Form den Zusammenhang zwischen den
wesentlichen Konstruktionen nochmals aufzeigen. Dabei stehen links immer die
Konstruktionen für einen allgemeinen Maßraum, rechts die für Rn , die dritte
Spalte verweist auf die Stelle im Skript, wo der entsprechende Sachverhalt zu
finden ist.
Bezeichnung Ω Rn Referenz
σ-Algebra A B, L 12.1.6, 12.1.11, 12.3.10
halboffenes Intervall I = [a, b) 12.3.1
Inhalt µ λ 12.3.4, 12.3.5
Prämaß µ λ 12.2.3, 12.3.6
äußeres Maß µ∗ λ∗ 12.2.9, 12.2.11, 12.3.10
µ∗ -messbar
Maß (aus µ∗ ) µ̄ λ̄
Kapitel 13
Anwendungen des
Lebesgue-Integrals
Inhalt
13.1 Räume integrierbarer Funktionen . . . . . . . . . . . . 51
13.2 Transformationsformel und Koordinatenwechsel . . . 59
13.3 Der Satz von Fubini . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73
Wir setzen 1
vZ Z p
u
p
kf kp = |f |p dµ = |f | dµ .
u
p
t
X X
51
52 KAPITEL 13. ANWENDUNGEN DES LEBESGUE-INTEGRALS
Ist aus dem Kontext klar, von welchem Maß die Rede ist, so schreiben wir
auch Lp (Ω). Wir unterscheiden im Moment auch nicht zwischen reellwertigen und
komplexwertigen Funktionen, in den Fällen, in denen es von Bedeutung ist, ob
wir reelle oder komplexe Funktionen betrachten, schreiben wir Lp (Ω, µ, R) bzw.
Lp (Ω, µ, C). Auch hier verzichten wir auf die Angabe von µ, wenn dies ohnehin
klar ist.
1
William Henry Young (20.10.1863–7.7.1942) war ein englischer Mathematiker, verheira-
tet mit Grace Chisholm Young, der ersten Frau der in Deutschland ein Doktortitel verliehen
13.1. RÄUME INTEGRIERBARER FUNKTIONEN 53
xp 1
g(x) = + q.
p qx
Dann ist
g 0 (x) = xp−1 − x−q−1 .
Damit ist die Funktion monoton auf den Intervallen (0, 1) und (1, ∞). Die einzige
Nullstelle der Ableitung liegt bei x = 1 und liefert den Funktionswert g(1) =
1
p
+ 1q = 1. Damit ist g ≥ 1.
1
aq
Setze x = 1 . Dies ergibt
bp
p q
aq bp
1 ≤ g(x) = + .
pb qa
1 1
+ =1
p q
umschreiben zu
q + p = pq
oder
p q
1+ = p, bzw. 1 + = p.
q p
Dies ergibt die gewünschte Formel
ap b q
ab ≤ + .
p q
wurde. Diese war als Mathematikerin in Göttingen promoviert worden. Sie war die Triebfeder
für die wissenschaftlichen Unternehmungen Ihres Mannes. Bekannter ist heute der Sohn Lau-
rence Chisholm Young (14.7.1905–24.12.2000) der in Göttingen geboren wurde und bedeutende
Beiträge zur Maßtheorie und zur Variationsrechnung erbracht hat. Die im Lemma angegebene
Ungleichung ist eine direkte Konsequenz der (deutlich) allgemeineren Youngschen Ungleichung.
54 KAPITEL 13. ANWENDUNGEN DES LEBESGUE-INTEGRALS
f g ∈ L(X)
und es gilt
Z
|f g| dµ ≤ kf kp kgkq .
X
Beweis. Offenkundig ist f g messbar, wir müssen noch zeigen, dass |f g| integrier-
bar ist, d. h.
Z
|f g| dµ < ∞.
X
Dazu beachten wir die punktweise Ungleichung
|f (x)|p |g(x)|q
|f (x)g(x)| ≤ + .
p q
Da die rechte Seite integrierbar ist, folgt dies nach Satz 12.6.14 auch für die linke
Seite. Um die gewünschte Abschätzung zu erhalten, modifizieren wir den letzten
Schritt leicht. Wir setzen
|f (x)| |g(x)|
a= , b= .
kf kp kgkq
Dann ist
|f (x)||g(x)| |f (x)|p |g(x)|q
≤ + .
kf kp kgkq pkf kpp qkgkqq
Integrieren wir nun beide Seiten, so erhalten wir
Z Z Z
p
|f g| dµ |f | dµ |g|q dµ
X kf kpp kgkqq 1 1
≤X +X = + q = + = 1.
kf kp kgkq pkf kpp qkgkqq p
pkf kp qkgkq p q
Multiplizieren mit kf kp kgkq ergibt die gewünschte Aussage.
2
Ludwig Otto Hölder (22.12.1859–29.8.1937) arbeitete an den Universitäten Göttingen, Tü-
bingen und Königsberg. Er trug zu vielen Gebieten der Mathematik bei, im Mittelpunkt seines
Werkes steht die Algebra mit Untersuchungen spezieller Gruppen. In der Analysis stammen
u. a. Arbeiten zur Potentialtheorie und ein Satz über das Verhalten holomorpher Funktionen
in der Nähe wesentlicher Singularitäten von ihm. In der Mechanik führte er das Hamiltonsche
Prinzip für nichtholonome Zwangsbedingungen ein.
13.1. RÄUME INTEGRIERBARER FUNKTIONEN 55
kf + gkp ≤ kf kp + kgkp .
Durch
|f + g|p ≤ (|f | + |g|)p ≤ 2p (|f |p + |g|p )
zeigen wir, dass |f + g|p ∈ Lp (Ω, C). Wir haben punktweise fast überall
|f + g|p = |f + g||f + g|p−1 ≤ |f ||f + g|p−1 + |g||f + g|p−1 .
Mit
1 1
+ =1
p q
folgt wegen q(p − 1) = p, dass |f + g|p−1 ∈ Lq (Ω, C) und
Z Z
p
|f + g| dµ = |f + g| |f + g|p−1 dµ
Ω Ω
Z
≤ (|f | + |g|) |f + g|p−1 dµ
Ω
Z Z
≤ |f | |f + g|p−1 dµ + |g| |f + g|p−1 dµ
|{z} | {z } |{z} | {z }
Ω ∈Lp ∈Lq Ω ∈Lp ∈Lq
≤ kf kp k|f + g|p−1 kq + kgkp k|f + g| p−1
kq
1− 1
Z p
p
≤ (kf kp + kgkp ) |f + g| dµ .
Ω
Verschwindet das Integral, so ist nichts zu zeigen, anderweitig dividieren wir durch
das Integral rechts und erhalten die Behauptung.
Wir erinnern an die Definition des Banachraumes: Ein linearer normierter
Raum, der vollständig ist, wird als Banachraum bezeichnet.
3
Herrman Minkowski (22.6.1864–12.1.1909) beschäftigte sich bereits als Gymnasiast in Kö-
nigsberg mit höherer Analysis. Seine akademische Laufbahn wurde durch David Hilbert ge-
prägt. Sein bedeutsames Lebenswerk umfasst Zahlentheorie, konvexe Geometrie und verschie-
dene nichteuklidische Geometrien. Nach ihm benannt ist die vierdimensionale Raum-Zeit-Welt
der Relativitätstheorie, die von einer „indefiniten Metrik“ geprägt ist.
56 KAPITEL 13. ANWENDUNGEN DES LEBESGUE-INTEGRALS
[f ] = 0 ⇒ k[f ]kp = 0.
Andererseits ist
k[f ]kp = 0, f ∈ [f ] ⇒ µ( x ∈ X f (x) 6= 0 ) = 0,
also f ∼ 0, d. h. [f ] = [0].
(N2) ist eine einfache Übung, wir überlassen diese dem eigenen Fleiß.
(N3) ist gerade die Minkowski-Ungleichung.
Als letztes zeigen wir die Vollständigkeit. Sei also {[fk ]p }k∈N eine Cauchyfolge
in Lp (X, C) fk jeweils Repräsentanten von [fk ], wir müssen zeigen, dass diese
Folge in Lp (Ω, C) konvergiert. Wir wählen eine Teilfolge {fkj }j∈N aus, mit
Solch eine Wahl ist stets möglich, da {[fk ]p }k∈N eine Cauchyfolge ist, gibt es zu
εi = 2−i ein N (i), so dass k, j > N (i) implizieren
Mit dieser Wahl, so stellt man durch ein einfaches Nachprüfen fest, sind alle
Bedingungen erfüllt.
Dann ist ∞ ∞
2−j = 1.
X X
kfkj+1 − fkj kp ≤
j=1 j=1
4
Ernst Fischer (12.7.1875–14.11.1954) studierte in Wien und Berlin. Er arbeitete bei Min-
kowski in Zürich und Göttingen. Er war Professor in Brno, Erlangen und Köln. Aufgrund
der faschistischen Rassegesetze wurde er vorzeitig in Ruhestand geschickt. Er bewies u. a. die
Vollständigkeit von L2 . Neben der Analysis beschäftigte er sich auch mit Gruppentheorie und
anderen algebraischen Fragen.
13.1. RÄUME INTEGRIERBARER FUNKTIONEN 57
Setze
l
X
gl = |fkj+1 − fkj |.
j=1
Der Satz 12.7.4 von Fatou und die Minkowski-Ungleichung (Lemma 13.1.8) im-
plizieren nun
Z Z
lim glp dµ ≤ lim inf glp dµ
l→∞ l→∞
Ω Ω
p
= lim inf kgl kp
l→∞
p
∞
X
≤ kfkj+1 − fkj kp
j=1
< ∞.
Damit existiert fast überall der Grenzwert liml→∞ gl (x) und damit ist {fkl (x)}l∈N
fast überall eine Cauchyfolge, denn für l > j ist
und es existiert fast überall der Grenzwert f (x) = limj→∞ fkj (x). Wir müssen
nun zeigen, dass f der Lp -Grenzwert der Folge ist. Also gilt für kj > k und k
hinreichend groß
Z Z
p
|f − fk | dµ ≤ (|f − fkj | + |fkj − fk |)p dµ
Ω Ω
Z
≤ 2(max{|f − fkj |, |fkj − fk |})p dµ
Ω
Z
p−1
= 2 2 max{|f − fkj |p , |fkj − fk |p } dµ
Ω
Z
p−1
≤ 2 inf |f − fkj |p + |fkj − fk |p dµ
kj >k
Ω
Z Z
≤ 2p−1 inf |f − fkj |p dµ + sup |fkj − fk |p dµ
kj >k kj >k
Ω Ω
≤ 0 + ε, .
c1
c2
c3
c4
c5
a b
Abbildung 13.1: Für jedes k gilt d(a, b) ≤ d(a, ck ) + d(ck , b). Insbesondere gilt
d(a, b) ≤ inf k∈N (d(a, ck ) + d(ck , b)) ≤ inf k∈N d(a, ck ) + supk∈N d(ck , b). Insbeson-
dere sieht man, dass bei Konvergenz der ck gegen a folgt d(a, b) ≤ supk∈N d(ck , b).
Wir wissen bereits aus der Analysis II, dass ein Banachraum B, dessen Norm
durch ein Skalarprodukt im Sinne von Satz 8.1.10 induziert wird, als Hilbertraum
bezeichnet wird. Ist B ein komplexer Hilbertraum, so wird bei der Definition des
Skalarproduktes (SP 3) aus Definition 8.1.8 ersetzt durch
Beweis. Wir wissen bereits, dass L2 (X, C) ein Banachraum ist. Offensichtlich ist
13.2. TRANSFORMATIONSFORMEL UND KOORDINATENWECHSEL 59
q
auch kf k2 = h[f ]2 , [f ]2 iL2 . Es bleibt noch zu zeigen, dass ([f ]2 , [g]2 ) 7→ hf, giL2
ein Skalarprodukt ist. Dies besteht aber aus einem einfachen Nachprüfen der
Bedingungen.
ist das Borel-Lebesguesche Maß. Gleiches gilt für das Lebesguesche Maß
auf L.
Beweis. Wir beweisen nur den ersten Fall, der zweite ist eine einfache Modifika-
tion. Wir beweisen zunächst, dass für jedes halboffene Intervall I mit rationalen
Seitenlängen li ∈ Q, i = 1, . . . , n gilt
µ(I) = λ(I).
Sei li = pi
qi
und q = q1 · · · qn ∈ N. Sei Wq der halboffene Würfel mit Kantenlänge
1
q
, d. h.
1
0
..
q
.
..
Wq =
,
. .
1
0
q
Dann kann W = W1 als disjunkte Vereinigung von q n halboffenen Würfeln der
Form s + Wq , s ∈ Qn geschrieben werden. Wegen der Translationsinvarianz ist
dann µ(s + Wq ) = µ(Wq ). Damit gilt
1
µ(Wq ) = = λ(Wq ).
qn
Damit ist auch µ(I) = λ(I).
60 KAPITEL 13. ANWENDUNGEN DES LEBESGUE-INTEGRALS
Sei Erat die Menge der elementaren Mengen, die eine disjunkte Zerlegung in
endlich viele halboffene Intervalle mit rationalen Kantenlängen zulassen. Dann
ist klar: Für alle E ∈ Erat gilt
µ(E) = λ(E).
Schließlich kann jede offene Menge als abzählbare, disjunkte Vereinigung ele-
mentarer Mengen in Erat geschrieben werden: Sei O ⊂ Rn offen, betrachte
∈ Q und I ⊂ O .
n
I= I= [q1 , q2 ) qi
Dann ist I abzählbar und überdeckt O, d. h.
I = {Ik }k∈N .
Setze E1 = I1 und
Ek+1 = Ik \ ∪kj=1 Ij .
Dann ist jedes Em ∈ Erat und µ(Em ) = λ(Em ). Wegen
[
Ek = O
k∈ N
gilt
∞
X ∞
X
µ(O) = µ(Ek ) = λ(Ek ) = λ(O).
j=1 j=1
Damit folgt auch für jede abgeschlossene Menge K ⊂ Rn die Gleichheit µ(K) =
λ(K). Ist schließlich L ∈ L, so gibt es zu ε > 0 eine offene Menge O und eine
abgeschlossene Menge C mit C ⊂ L ⊂ O und λ(O) − λ(C) = λ(O \ C) < ε. Nun
ist
µ(C) = λ(C) ≤ λ(L) ≤ λ(O) = µ(O)
und
µ(C) ≤ µ(L) ≤ µ(O).
Da ε > 0 beliebig ist, folgt λ(L) = µ(L).
gilt µ = aλ.
Beweis. 1. AT A = 1l impliziert
Umgekehrt ist
hx, yi = hAx, Ayi,
so ist
hAT Ax, yi = hx, yi
für alle x, y ∈ Rn . Dann ist
hAT Ax − x, yi = 0
AT Ax = x ∀x ∈ Rn .
Also AT A = 1l.
62 KAPITEL 13. ANWENDUNGEN DES LEBESGUE-INTEGRALS
4. Eine Abbildung heißt speziell euklidisch, wenn sie euklidisch ist, und
der orthogonale Anteil speziell orthogonal ist, wir schreiben für die
Menge der speziell euklidischen Abbildungen SE(n).
Wir betrachten kurz die abstrakte Situation eines Maßraumes (Ω, A, µ) und
eines Messraumes (Ω0 , A0 ) und einer messbaren Abbildung T : Ω → Ω0 .
ein Maß auf dem Messraum (Ω0 , A0 ) definiert. Wir sprechen vom induzier-
ten Maß.
13.2. TRANSFORMATIONSFORMEL UND KOORDINATENWECHSEL 63
T (λ) = λ.
Beweis. Sei zunächst T ∈ O(n). Wir zeigen, dass T (λ) ein translationsinvariantes
Maß auf der Borel-Algebra bzw. der Lebesgue-Algebra ist und es ein Kompaktum
K ⊂ Rn gibt, so dass λ(K) > 0 und λ(K) = µ(K) ist.
Zum Beweis der Translationsinvarianz betrachten wir B ∈ B, a ∈ Rn und
rechnen nach:
Wegen des Erhalts der Metrik unter T ist T (B1 (0)) = B1 (0). Damit ist
Beweis. T (λ) ist translationsinvariant, also ist T (λ) = aT λ, wobei aT eine nicht-
negative reelle Zahl ist. Insbesondere folgt aus λ(A) = λ(B) die Gleichheit von
T (λ)(A) = T (λ)(B). Sind nun S, T ∈ GL(n), so sei
s = |aS |
und
√
0
n
s
..
..
W (S) = . , . = Ws n1
√
0 n
s
und entsprechend seien t und W (T ). Die Konstruktion von W (S) bzw. W (T ) ist
gerade so, dass
λ(W (S)) = λ(S −1 (W1 )), bzw. λ(W (T )) = λ(T −1 (W1 )).
√ √
Nun ist W (S) = n sW1 und WT =n tW 1 . Für jede messbare Teilmenge K von
Rn gilt für α ∈ R+ und mit αK =
αx x ∈ K
λ(αK) = αn λ(K).
Mα : Rn → Rn : x 7→ αx
ein Maß Mα (λ) zugeordnet wird, welches translationsinvariant ist, und so dass
für W1 gilt
Mα (λ)(W1 ) = λ(Wα−1 ) = α−n .
Dann folgt
(S ◦ T )(λ) = aS◦T (λ),
andererseits ist
Wir zeigen vorweg einige Teilaussagen und formulieren diese als eigene Resul-
tate in Form von Lemmata und Hilfssätzen.
Lemma 13.2.14 (Nullmengen und Lipschitz-stetige Abbildungen)
Ist N ⊂ Rn eine Nullmenge und L : N → Rn Lipschitz-stetig (vgl. Defini-
tion [Link]), so ist auch L(N ) eine Nullmenge.
2n K n λ(Qk ) = 2n K n
X X X
λ(L(N )) ≤ λ(L(N ∩ Qk )) ≤ λ(Qk ) = ε.
n∈ N n∈ N N
n∈
Kollektion von Quadern erhält man z. B. auf folgende Weise: Wir wissen bereits,
dass wir U mit einer abzählbaren Menge halboffener Intervalle ausschöpfen kön-
nen, indem wir die Intervalle
[q1 , q2 ) q1 , q2 ∈ Qn , [q1 , q2 ) ⊂ U
betrachten. Wir zählen diese ab, Sj , j ∈ N und betrachten nun disjunkte elemen-
tare Mengen der Form
j−1
[
Zj = Sj \ Si .
i=1
Die Zj bilden eine disjunkte, abzählbare Familie halboffener Mengen. Jede die-
ser halboffenen Mengen kann wieder als endliche Vereinigung von halboffenen
Intervallen geschrieben werden. Seien Pj , j ∈ N diese halboffenen Intervalle mit
[
U= Pj .
j∈ N
Setze Qk = Pk .) Dann ist [
N= Qk ∩ N
k∈ N
und ψk |Q sind auf Qk Lipschitzstetig mit einer Lipschitzkonstanten
k
K = sup kDψ(x)k x ∈ Qk .
Dann ist ψk (Qk ∩ N ) eine Nullmenge und damit N als abzählbare Vereinigung
solcher Mengen.
Der Schlüssel zum eigentlichen Beweis liegt in den beiden folgenden Lemmata,
die uns beschreiben, wie wir das Maß des Bildes von kompakten Würfeln unter
Diffeomorphismen abschätzen können.
13.2. TRANSFORMATIONSFORMEL UND KOORDINATENWECHSEL 67
Beweis. Es ist ψ(W ) kompakt, insbesondere messbar. Ist λ(W ) = 0, so ist auf-
grund des Korollars 13.2.15 nichts zu zeigen. Falls λ(W ) 6= 0 ist, gibt es eine Zahl
c > 0 mit
λ(ψ(W )) = cλ(W ).
Sukzessive unterteilen wir W durch Hyperebenen, die jeweils auf Koordinaten-
achsen xk senkrecht stehen in 2n Quader. Unter den entstehenden Quadern gibt
es mindestens einen, sagen wir W1 mit
λ(ψ(W1 )) ≥ cλ(W1 ).
(Ansonsten hat man die umgekehrte Ungleichung.) Wir iterieren diesen Prozess
und erhalten eine Folge {Wk }k∈N von Quadern mit W1 ⊃ W2 ⊃ · · · ⊃ Wk ⊃ mit
λ(ψ(Wi )) ≥ cλ(Wi ), i ∈ N.
Dann gibt es einen Punkt ã ∈ ∩i∈N Wi (Existenz ist klar!) und setze b̃ = ψ(ã).
In jedem Wk gibt es einen Mittelpunkt mk und
Wk = x ∈ U |xi − mik | < 2−k di ,
wobei di die Kantenlänge von W in der i-ten Koordinate ist. Wir setzen oBdA
ã = b̃ = 0 und haben damit mik < 2−k di .
Dψ ist invertierbar, daher kann man ψ in der folgenden Form darstellen
ist in
Wkε = u |ui − mik | < 2−k di (1 + ε) .
68 KAPITEL 13. ANWENDUNGEN DES LEBESGUE-INTEGRALS
Beweis. Dieses Lemma folgt aus dem vorherigen. Im ersten Teil, wird K ◦ durch
eine abzählbare Folge von kompakten Quadern Qk ausgeschöpft, die höchstens
längs Kanten schneiden. Dann ist
λ(K) = λ(K ◦ ) =
X
λ(Qk ).
k∈ N
Nun ist mit W = ψ(K) auch
W◦ =
[
ψ(Qk ),
k∈ N
denn W ◦ ⊂ W ist offen und daher ψ −1 (W ◦ ) ⊂ ψ −1 (W ) = K offen. Damit
ist ψ −1 (W ◦ ) ⊂ K ◦ . Da ψ ein Diffeomorphismus ist, ist auch ψ(K ◦ ) offen und
enthalten in W , also ist W ◦ = ψ(K ◦ ).
Weiter ist
ψ(Qj ) ∩ ψ(Qk ) = ψ(Qj ∩ Qp )
eine Nullmenge. Damit ist
λ(W ) = λ(W ◦ ) =
X
λ(ψ(Qk )).
k∈N
Für jeden solchen Würfel schätzen wir nun ab
λ(ψ(Qk )) ≤ sup |det Dψ(x)| λ(Qk ), x ∈ Qk .
Daraus folgt die rechte Seite der Behauptung. Die linke erhält man durch Über-
gang zu ψ −1 .
Beweis. Wir beachten zunächst, dass für eine kompakte Menge K ⊂ Y gilt,
ψ −1 (K) ist kompakt. (Offensichtlich folgt aus der Stetigkeit und dem Charakte-
risierungssatz 4.2.6, dass ψ −1 (K) abgeschlossen ist und für eine beliebige offene
Überdeckung von ψ −1 (K) bildet die Menge der Bildmengen wieder eine Überde-
ckung von K, daraus können endlich viele ausgewählt werden, deren Urbilder die
Menge ψ −1 (K) überdecken und Elemente der ursprünglichen Überdeckung sind,
da ja ψ injektiv ist.)
Aufgrund der Linearität des Integrals reicht es das Lemma für eine charak-
teristische Funktion χK einer kompakten Menge K ⊂ Y zu beweisen. Nun ist
χK ◦ ψ · |det Dψ| integrierbar, da es außerhalb von ψ −1 (K) verschwindet und
|det Dψ| auf dieser Menge stetig ist. Wir müssen also nur zeigen
Z Z
|det Dψ(x)| dλ = dλ.
ψ −1 (K) K
Sei nun ε > 0 gegeben, wegen der Stetigkeit von |det Dψ| ist dieses auf ψ −1 (K)
gleichmäßig stetig. Sei δ > 0 so gewählt, dass für x, y ∈ ψ −1 (K) mit d(x, y) < δ
folgt
|det Dψ(x) − det Dψ(y)| < ε.
Wähle eine Überdeckung von ψ −1 (K) mit Quadern Qk , für die je zwei Punkte
Abstand höchstens δ haben, so dass bereits die Menge der Q◦k die Menge ψ −1 (K)
überdeckt. Dann genügen endlich viele Qk1 , . . . , Qkm für eine Überdeckung. Nun
ist
sup |det Dψ(x)| − inf |det Dψ(x)| < ε
x∈Qk ∩K x∈Qk ∩K
kf − ϕk1 ≤ ε.
Beweis des Transformationssatzes 13.2.13. Folgt nun einfach aus der Approxi-
mation durch Treppenfunktionen.
13.2. TRANSFORMATIONSFORMEL UND KOORDINATENWECHSEL 71
Die Notation deutet darauf hin, dass wir das letzte Integral bezüglich
des Lebesgue-Maßes auf (0, ∞) × (−π, π) integrieren.
Setze
r cos ϕ cos ψ
Π3 : Q → R3 \ N : (r, ϕ, ψ) 7→
r sin ϕ cos ψ .
r sin ψ
und setzen
Πn ist injektiv und surjektiv auf Rn \ N , dabei ist N die oben ge-
nannten Nullmenge.
F : X → R : x 7→
Z
fx dµ.
Ω
Beweis. Wir nutzen das Folgenkriterium aus Satz 4.2.6. Sei x0 ∈ X und {xn }n∈N
eine Folge mit limn→∞ xn = x0 . Setze für n ∈ N0
fn : Ω → R : y 7→ fxn (y).
da f y stetig dort ist. Weiterhin ist |fn | ≤ g (f ü). Damit können wir den Satz von
der dominierten Konvergenz (Satz 12.7.5) anwenden und erhalten
Z Z
lim fn dµ = f0 dµ
n→∞
Ω Ω
Dieser Satz hat eine Vielzahl von Anwendungen, auf die wir in den Übungen
genauer eingehen werden.
Ein entsprechender Satz gilt auch für die Differenzierbarkeit von F , wenn f
entsprechend differenzierbar ist. Wir formulieren den Satz und verschieben den
Beweis auf die Übungen.
∂ Z
F (x) = Dxi f dµ.
∂xi
Ω
Wir kommen nun zum Satz von Fubini, dem entscheidenden Hilfsmittel, um
mehrfache Integrale durch eine Folge von eindimensionalen Integrationen zu be-
rechnen.
Satz 13.3.3 (Fubini)
Es seien X ⊂ Rn , Y ⊂ Rm messbare Mengen. Dann ist X × Y ⊂ Rn × Rm
messbar. Für eine integrierbare Funktion f : X × Y → R gilt:
2. Wir setzen für y ∈ Y die Funktion F (y) fest durch die Definition:
für y ∈
R
fy dλn /N
F (y) = X
für y ∈ N
0
Bevor wir zum eigentlichen Beweis kommen, beweisen wir zwei Lemmata, von
denen das erste schon wesentliche Erkenntnisse enthält.
Lemma 13.3.4 (Nullmengen in Produkträumen)
Zu jeder Nullmenge Z ⊂ X × Y gibt es eine Nullmenge N ⊂ Y , so dass
für y ∈
/ N gilt
Zy = x ∈ X (x, y) ∈ Z
Beweis. Sei {εj }j∈N eine Folge positiver Zahlen εj → 0 mit j → ∞ gegeben, dann
gibt es eine Überdeckung von Z mit Quadern Qjk , k ∈ N mit k∈N λ(Qjk ) < εj .
P
76 KAPITEL 13. ANWENDUNGEN DES LEBESGUE-INTEGRALS
Qjk = QX,j
k × QY,j
k .
Offenkundig ist es nicht klar, dass die Lebesgue-Maße in X bzw. Y dieser Menge
klein sein müssen, denn wir betrachten ja Produkte. Wie kommen wir nun dazu,
dass bis auf eine Nullmenge die Menge Zy eine Nullmenge ist (dass hier die
Formulierung mit der Nullmenge N in der angeführten Weise nötig ist, beweist
bereits die Nullmenge Q × R in R2 ). Sei y ∈ Y . Setze f (y) = λ∗X (Zy ). Dann ist
f : Y → Rerw , f ≥ 0. Für jedes j ∈ N gilt
X
χZy ≤ χQX,j χQY,j (y), (13.1)
N
k∈
k k
denn χZy (x) ∈ {0, 1} und χZy (x) = 1 impliziert, dass (x, y) ∈ Z, dann ist aber
(x, y) ∈ Qjk für ein k und χQX,j (x)χQY,j (y) = 1, also folgt die Abschätzung (13.1).
k k
Also ist h = 0 (f ü). Dann ist f = 0 (f ü). Sei N die Menge der y mit λ(Zy ) 6= 0.
Dann ist für y ∈ Y \ N der Wert λ∗ (Zy ) = 0. Damit ist die Aussage gezeigt.
y ∈ Rm die Mengen
Ax = y ∈ R (x, y) ∈ A , A = x ∈ R
m y n
(x, y) ∈ A
Borel-messbar.
Die Menge aller solchen Mengen R bezeichnen wir mit F. Im ersten Schritt
überlegen wir, dass jedes Produkt R = A × B und A ⊂ Rn , B ⊂ Rm , A, B
Ln - (bzw. Lm -messbar) in F ist. Dies ist aber elementar.
Der zweite Schritt besteht darin, dass endliche Vereinigungen von solchen
Produkten in F sind. Dies ist aber ebenfalls elementar.
Nun betrachten wir aufsteigende Ketten {Rj }j∈N in F mit Rj ⊂ Rj+1
und R = j∈N Rj . Dann ist x 7→ ν((Rj )x ) messbar und damit auch das
S
Supremum. Gleiches gilt für µ. Die Gleichheit der Integrale ist wiederum
unmittelbar einsichtig. Gleiches gilt für absteigende Ketten.
Nun überlegt man sich noch: Ist A eine Algebra, dann ist σ(A) aus allen
Vereinigungen aufsteigender und Schnitten absteigender Ketten in A.
78 KAPITEL 13. ANWENDUNGEN DES LEBESGUE-INTEGRALS
4. Wir zeigen nur einen Fall, die anderen gehen daraus durch Abschreiben
hervor: zunächst ist ν ein Maß, wir müssen nur die σ-Additivität zeigen.
Seien {Xk }k∈N eine disjunkte Folge von messbaren Mengen Mengen mit
X = k Xk in Rn+m , so ist für jedes x ∈ Rn die Menge
S
[
Xx = (Xk )x
k∈ N
und damit
Z
ν(X) = λm (Xx ) dλn
R n
Z [
= λm ( (Xk )x ) dλn
Rn k
Z X
= λm ((Xk )x ) dλn
R n k
XZ
= λm ((Xk )x ) dλn monotone Konvergenz
X
k R n
= ν(Xk ).
k
punktweise (f ü) als Funktion von x gegen f (·, y) konvergiert. Setze für y ∈ Y \N1
Z
gk (y) = |ϕk+1 (·, y) − ϕk (·, y)| dλX .
X
denn der zuletzt genannte Ausdruck kann durch kϕk+1 −ϕk k1 abgeschätzt werden.
Warum gilt die erste Gleichheit?
Treppenfunktionen sind Linearkombinationen charakteristischer Funktionen.
Deshalb reicht es diese Gleichung (13.2) für charakteristische Funktionen zu be-
weisen, dann gilt wegen Teil 4 des vorigen Lemmas
Z Z Z Z Z
χK dλn+m = χK dλX×Y = λm (Kx ) dλn = χKx dλm dλn .
X×Y X×Y X X Y
Die Folge der Partialsummen ist monoton steigend und die Integrale sind be-
schränkt, daher ist X
gk
k∈ N
integrierbar auf Y . Insbesondere gibt es eine Nullmenge N2 mit k∈N gk (y) < ∞
P
für y ∈/ N2 . Sei N = N1 ∪ N2 . Die Folge der {ϕk (·, y)}k∈N ist für y ∈/ N eine
1
Cauchyfolge in L (X). Nach dem Satz von Riesz-Fischer (Satz 13.1.9) konvergiert
diese gegen eine Funktion h auf X. Dann gilt f = h (f ü). Insbesondere ist f (·, y)
integrierbar. Damit ist für y ∈
/ N eine Funktion
Z
F (y) = f (x, y) dx
X
konvergent.
Damit ist die Folge {Φk }k∈N eine L1 -Cauchyfolge und konvergiert punktweise
fast überall gegen eine integrierbare Funktion auf Y . Diese stimmt nach dem
zuvor Gesagtem mit F überein, F ist daher integrierbar und wir erhalten die
folgende Gleichung:
Z Z
F dλm = lim Φk dλm
k→∞
Y Y
Z
= lim ϕk dλn+m
k→∞
X×Y
Z
= f dλn+m .
X×Y
Kapitel 14
Flächen im Rn
In diesem Kapitel definieren wir k-dimensionale Flächen im Rn , Volumina von
solchen Flächen und bestimmen Integrale auf den Flächen. Wir definieren
Tangential- und Normalenräume und sprechen über Kompakta mit glattem
Rand.
Inhalt
14.1 Orientierung und Flächen . . . . . . . . . . . . . . . . 81
14.2 Integration auf Untermannigfaltigkeiten . . . . . . . . 93
14.3 Tangentialräume . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101
14.4 Kompakta mit glattem Rand . . . . . . . . . . . . . . 105
81
82 KAPITEL 14. FLÄCHEN
gilt
r
X
λj uj = 0 ⇒ ∀j ∈ {1, . . . , r} : λj = 0.
j=1
dann nennen wir das Triple (X, k · kX , h·, ·iX ) einen Prähilbertraum.
2. Mit dX (x, y) = kx − ykX bezeichnen wir die von der Norm induzierte
Metrik. Ist der metrische Raum (X, dX ) vollständig, so nennen wir
(X, k · kX ) einen Banachraum.
und
m
1 X
˜ =
en+1 Pm en+1 − he˜j , en+1 iX .
ken+1 − j=1 he˜j , en+1 ikX j=1
positiv ist.
84 KAPITEL 14. FLÄCHEN
3. Die Menge der Basen besteht aus genau zwei Klassen, die durch das
Vorzeichen der Determinante aus dem vorherigen Teil unterschieden
werden.
Beweis. 1. Reflexivität und Symmetrie sieht man sofort, die Transitivität er-
hält man durch Hintereinanderausführung der entsprechenden Abbildun-
gen.
1. Die Äquivalenzklasse, für die det(e1 . . . en ) > 0 ist, nennt man po-
sitiv.
3. Das Paar (Rn , [{e1 , . . . , en }]) heißt orientierter Raum, ist die angege-
bene Klasse positiv, so sprechen wir vom positiv orientierten Raum.
mit
fj (x) = hx, ek+j i
eine Abbildung, die beliebig oft differenzierbar ist auf U = Rn und
mit f (x) = 0 genau dann, wenn x ∈ H. Für x0 ∈ H ist Dk+i fj = δij .
Diese Matrix hat Rang n − k.
S = x∈R
n−1 n
2. Sie Sphäre
kxk2 = 1 ist eine Untermannigfaltig-
keit der Dimension n − 1, denn
f (x) = kxk22 − 1
F(u, v) = f (u + v).
Dann ist
F(0, 0) = f (0) = 0
und
Dv F(0, 0) : Rn−k → Rn−k
regulär, denn wegen
ist
rang Dx f (0) = rang Dv F(0, 0).
Der Satz über implizite Funktionen 9.2.2, 9.2.4 garantiert die Existenz einer C s -
Funktion g : U1 → U2 mit
F(u, g(u)) = 0,
wobei die Umgebungen eventuell nochmals verkleinert werden. Dies bedeutet,
dass f (u + v) = F(u, v) = 0 genau dann, wenn v = g(u).
F
U
V
Beweis. Nach dem vorigen Satz können wir M ∩ U als Graph einer Abbildung
g : U1 → U2 , U1 ⊂ Rk , U2 ⊂ Rn−k auffassen. Setze für U ⊂ U1 × U2 und
u ∈ Rk , v ∈ Rn−k mit (u, v) ∈ U
F(u, v) = (u, v − g(u)).
F hat die gewünschten Eigenschaften.
Die Umkehrung ist auch fast offensichtlich, denn hat F die angegebene Form,
so ist die Nullstellenmenge von Fk+1 = 0, . . . , Fn = 0 lokal gerade M . DF(x0 )
hat vollen Rang, denn F ist ein Diffeomorphismus, damit hat auch
Dx (Fk+1 , . . . , Fn )T (x0 )
den Rang n − k und damit ist auch die Rangbedingung erfüllt und M ist eine
Untermannigfaltigkeit.
88 KAPITEL 14. FLÄCHEN
rang Dψ(x) = k ∀x ∈ X,
Damit ist ψ(U ) eine Untermannigfaltigkeit nach dem Satz vom lokalen Gerade-
biegen, Satz 14.1.15.
Ψk = Ψ|M ∩W : M ∩ W → U = Z ∩ Rk
!
∂pj (y0 )
D(Ψk )−1 (y0 ) = .
∂ym j=1,...,n, m=1,...,k
Dies sind genau die ersten k Spalten der Matrix DΨ−1 (y0 ). Diese sind natürlich
linear unabhängig, ansonsten könnte DΨ−1 nicht vollen Rang haben.
Die Umkehrung ist gerade der letzte Satz.
ein Diffeomorphismus.
14.1. ORIENTIERUNG UND FLÄCHEN 91
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ψ1
ψ2
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111111111 ψ2−1 ψ1|ψ−1 (ψ 00000000
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111111111 1 (U1 )∩ψ2 (U2 )) 00000000
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1
00000000 U
11111111 2
Beweis. Es folgt sofort aus den Definitionen, dass die Mengen ψi (Ui ) offen sind,
dass deren Schnitt offen ist und damit auch ψi−1 (ψ1 (U1 ) ∩ ψ2 (U2 )) für i = 1, 2.
Weiterhin sind die Abbildungen ψi Bijektionen und in beide Richtungen stetig,
damit folgt sofort, dass die angegebene Abbildung ein Homöomorphismus ist. Die
Eigenschaft eines Diffeomorphismus ist etwas schwerer zu beweisen, da wir nichts
über die Glattheitseigenschaften von ψi−1 sagen können, da diese Abbildung ja
nicht auf einer offenen Menge im Raum Rn definiert ist und daher Differenzier-
barkeitseigenschaften nicht definiert sind.
Dazu nutzen wir wiederum den Satz vom lokalen Geradebiegen, wie es Abbil-
dung 14.3 andeutet. Es sei x0 ∈ W ⊂ Rn offen, M ∩ W ⊂ ψ1 (U1 ) ∩ ψ2 (U2 ) und
F : W → Z ⊂ Rk × Rn−k ein Diffeomorphismus mit F(M ∩ W ) ⊂ Rk . Dann ist
Ψ1 (y)
F : M ∩ W → R : y 7→
k k
..
.
Ψk (y)
Fk ◦ ψ1 : U1 ∩ ψ1−1 (W ) → Rk
92 KAPITEL 14. FLÄCHEN
differenzierbar ist und an der Stelle ψ1−1 (x0 ) den Rang k hat. Gleiches gilt für
Fk ◦ ψ2 : U2 ∩ ψ2−1 (W ) → Rk .
Rk
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00000000 U
11111111 2
Unter Ausnutzung eines inneren Produktes lässt sich diese Matrix schreiben als
(man beachte, die auftretende partielle Ableitung ist ein Spaltenvektor)
∂ψ ∂ψ
Gij (x) = h (x), (x)i.
∂xi ∂xj
1 ≤ i1 < · · · < ik ≤ n
sei
Ai = A(i1 ,...,ik )
die k ×k-Matrix, die man durch Auswahl der Zeilen i1 , . . . , ik erhält. Das folgende
Lemma stammt aus der Linearen Algebra.
det(AT B) =
X
det(Ai ) det(Bi ).
Nk mit
i∈ 1≤i1 <i2 <···<ik ≤n
Beweis. Siehe Lehrbücher über Lineare Algebra oder auch Forster, [6].
erklären. Dazu nutzen wir die Darstellung der Mannigfaltigkeit durch Karten
aus.
√
Z Z
f dS = f ◦ ψ gU dλk ,
ψU (U ) U
wobei S hier für das Maß auf der Oberfläche steht, die Bezeichnung stammt
von lat. superficies (vgl. engl., franz.: surface).
3. X
σj (x) = 1 (Teilung der Eins).
j∈J
(Man beachte, dass in der Summe für jedes x ∈ M höchstens endlich viele
Summanden ungleich 0 stehen).
Bevor wir integrierbare Teilungen der Eins konstruieren, wollen wir noch ein
paar wichtige Begriffe definieren.
1. Dann ist eine Teilmenge V ⊂ (M, d2 ) genau dann offen, wenn es eine
offene Menge U ⊂ Rn gibt, so dass V = M ∩ U .
Bε0 (x0 ) ⊂ Rn
[
U=
x0 ∈V
offen und
Bε(M,d2 ) (x0 ) = V.
[
U ∩M =
x0 ∈V
Beweis. 1. Ist x ∈ Rn, so ist B1(x) eine offene Umgebung und B1(x0) ist
kompakt.
Bp (q) q ∈ Q , p ∈ Q, p > 0 .
n
eine abzählbare, offene Überdeckung von X̄1 . Es gibt daraus eine endliche
Teilüberdeckung von X̄1 . Wir nehmen an, die Menge U sei abgezählt.
Srj
Angenommen wir hätten Xj = k=1 Uk mit Uk ∈ U konstruiert. Sei rj+1
der kleinste Index, so dass
rj+1
[
Xj ⊂ Uk .
k=1
Setze
rj+1
[
Xj+1 = Uk .
k=1
4. Dass M lokal kompakt ist, zeigt man wie eben, nur wählt man abhängig
von x die Umgebung, so dass sie in U , wie es im Satz vom lokalen Gerade-
biegen auftritt, liegt. Das Argument von eben zeigt auch, dass das zweite
Abzählbarkeitsaxiom erfüllt ist.
5. Wir haben aus einer vorgegebenen Überdeckung ψU (U ) = KU eine abzähl-
bare Teilüberdeckung {Kj }j∈N ausgewählt. Wir konstruieren eine abzähl-
bare, lokal-endliche Verfeinerung dieser Überdeckung. Setze X−1 = X0 = ∅
und
Wj = Xj+1 \ Xj−2 für j ≥ 1.
Dazu bemerken wir, dass für j ≥ 3 gilt Wj = Xj+1 \ Xj−2 ist offen und hat
kompakten Abschluss. Die Vereinigung
[
Wi = M
i∈ N
und jedes x ∈ M liegt in höchstens 4 der Mengen Wi . Wir wählen aus der
Menge
Ri,j = Wi ∩ Uj , i ≥ 3, j ∈ N
für jedes Xj \ Xj−1 eine endliche Teilüberdeckung aus. Schließlich wählen
wir aus den Mengen Wi ∩ X3 noch eine endliche Überdeckung für X2 aus.
Damit haben wir aus der Menge der Rij eine abzählbare, lokal-endliche
Verfeinerung
der Überdeckung Uj ausgewählt. Wir bezeichnen diese mit
Ri i ∈ N .
Setze
ϕ 1 = χ R1
und induktiv
ϕk+1 = χRk+1 \(Sk Rj )
.
j=1
Jede dieser Funktionen ist messbar und eine Treppenfunktion mit kompak-
ten Träger. Offenkundig ist
X
ϕj (x) = 1.
j∈ N
vol(A) = kχA k1 .
integrierbar ist.
Beweis. Hat man einen Atlas A auf M und eine subordinierte integrierbare Tei-
lung der Eins, so gibt für jedes x ∈ A nur endlich viele j mit x ∈ supp ϕj . Dann
gibt es aber nur endlich viele j mit supp ϕj ∩ A 6= ∅. Damit ist
N
f˜ = ϕj f˜.
X
j=1
√
Da supp(f˜ϕj ) in einem Kartengebiet liegt, ist es integrierbar, denn f ◦ ψU−1 gu
ist auf ψU−1 (A) stetig und damit integrierbar.
14.3 Tangentialräume
In diesem Abschnitt wollen wir Tangentialvektoren an Untermannigfaltigkeiten
definieren und damit einen ersten Schritt auf unserem Weg zur Integration von
Differentialformen gehen. Gleichzeitig vertiefen wir das Verständnis der Umge-
bung eines Punktes in einer Untermannigfaltigkeit.
102 KAPITEL 14. FLÄCHEN
γ 0 (0) = v.
Der Tangentialraum ist ein Untervektorraum von Rn und erbt von diesem ein
Skalarprodukt und eine Norm.
Dann gibt es ein a > 0 mit γ1 ((−a, a)) ⊂ U . Setze für t ∈ (−a, a)
Dann ist
(f ◦ γ)0 (0) = 0.
Da (f ◦ γ)0 (0) = Df (x0 )γ 0 (0) ist γ 0 (0) ∈ ker Df (x0 ). Anders ausgedrückt bedeutet
dies
hgrad fi (x0 ), γ 0 (0)i = 0 für i = 1, . . . , n − k.
Damit haben wir gezeigt
1. dim Tx0 = k
2. Tx0 ⊂ Tx0 (M )
Damit ist Tx0 (M ) ⊂ Tx0 und dim Tx0 (M ) ≤ k und aus den ersten beiden Eigen-
schaften folgt
Tx0 = Tx0 (M ) und dim Tx0 (M ) = k.
Beweis. Die Tatsache, dass die Menge der Normalenvektoren einen linearen Un-
terraum bilden, folgt einfach aus der Definition des Normalenvektors und der
Definition des linearen Unterraums: Betrachte
Nx0 (M ) = w ∈ R
n
hw, vi = 0, ∀v ∈ Tx0 (M ) .
Daraus folgt dann die Dimensionsaussage. Da wir bereits die Gradienten der fi
aus dem letzten Satz als n − k-elementige, linear unabhängige Menge kennen
gelernt haben, bilden diese eine Basis.
U ∩ A 6= ∅, U ∩ Ac 6= ∅.
2. A = A ∪ ∂A
3. A◦ = A \ ∂A
4. ∂A ist abgeschlossen.
106 KAPITEL 14. FLÄCHEN
Beweis. Aus der Definition des Abschlusses folgt für x ∈ A, dass jede offene
Umgebung Punkte in A enthält: Entweder ist x ∈ A, so ist x ∈ A ∩ U oder x ∈
/ A,
dann folgt aus der Existenz einer offene Umgebung U von x mit U ∩ A = ∅, dass
A ⊂ U c und x ∈/ ∂A.
Ist A ∩ U = ∅, so ist U ⊂ A und x ∈ A◦ , was der Definition des Randes
c
∂A ∪ A ⊃ ∂A ∪ A◦ = (A \ A◦ ) ∪ A◦ = A.
Für die dritte Aussage benutzen wir die Definition und schließen A◦ ∩ ∂A = ∅.
Dann impliziert A◦ ⊂ A, dass A◦ ⊂ A \ ∂A. Die umgekehrte Folgerung folgt aus
der ersten Aussage dieses Satzes.
Für die vierte Aussage nutzen wie die elementare Formel
∂A = A \ A0 = A ∩ (A◦ )c
und
(ii) grad Φ(x) 6= 0 ∀x ∈ U mit Φ(x) = 0.
kann der Satz 9.2.2 über implizite Funktionen angewendet werden, der besagt,
dass es Umgebungen U 0 ⊂ U von x0 und (xn − ε, xn + ε) von xn ∈ R gibt, so dass
14.4. KOMPAKTA MIT GLATTEM RAND 107
3. Genau einer dieser beiden Vektoren hat die Eigenschaft: Es gibt ein
ε > 0, so dass für alle 0 < t < ε gilt x0 + tv ∈
/ K.
Beweis. Die erste Aussage folgt sofort aus den allgemeinen Überlegungen zum
Normalenraum. Die zweite Aussage ist (fast) trivial: In jedem eindimensionalen
linearen Vektorraum über R gibt es genau zwei Vektoren der Länge eins, einer ist
das Negative vom anderen. Die dritte Aussage ist eine Konsequenz des Beweises
des vorherigen Satzes.
Zum Ende dieses kurzen Abschnittes wollen wir noch die äußere Normale für
Kompakta mit glattem Rand untersuchen, wenn wir den Rand als Graphen einer
108 KAPITEL 14. FLÄCHEN
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v(x0 ) V × {b}
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111111111111111 g(V )
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g(x0 )
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111111111111111 V × {a}
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x0
V
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Abbildung 14.4: Der Normalenvektor im Falle einer Darstellung der Fläche als
Graph. Unten sieht man (in rot) die offene Menge V , darüber V × (a, b). Dazwi-
schen (in grün) der Graph von g über V . Am Punkt (x0 , g(x0 )) ist der Norma-
lenvektor v(x0 ) angedeutet.
x1
..
K ∩ (V × I) = . ∈ V × I xn < g(x1 , . . . , xn−1 )
xn
für ein geeignetes offenes Intervall I. Unter diesen Umständen hat die die äußere
Normale die folgende Darstellung:
14.4. KOMPAKTA MIT GLATTEM RAND 109
Beweis. Nachrechnen!
110 KAPITEL 14. FLÄCHEN
Kapitel 15
Integralsätze
Inhalt
15.1 Satz von Gauss . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 111
15.2 Pfaffsche Formen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118
15.3 Differentialformen höherer Ordnung . . . . . . . . . . 129
15.4 Der Satz von Stokes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 149
111
112 KAPITEL 15. INTEGRALSÄTZE
wobei v(x) die äußere Normale im Punkt x0 ist mit Koordinaten laut Lem-
ma 14.4.9.
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v(x0 ) V × {b}
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g(x0 )
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x0
V
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1111111111
Abbildung 15.1: Die Darstellung entspricht der von Abbildung 14.4. In gelb wird
dabei der Träger supp f angedeutet.
Beweis. Beim Beweis der Integralidentität unterscheiden wir zwei Fälle, erstens
1 ≤ i ≤ n − 1 und zweitens i = n.
Wir beginnen mit dem ersten Fall, sei also 1 ≤ i ≤ n − 1. Wir definieren für
x0 ∈ Rn−1 und w ∈ (a, b) ⊂ R eine neue Funktion
Zw
0
F (x , w) = f (x0 , xn ) dxn .
a
Nach unseren Sätzen über parameterabhängige Integrale bzw. wegen des Haupt-
satzes der Differential- und Integralrechnung ergeben sich nun für die verschiede-
nen partiellen Ableitungen von F folgende Ausdrücke:
w
∂F (x0 , w) Z ∂
= f (x0 , xn ) dxn für 1 ≤ i ≤ n − 1
∂xi a
∂x i
15.1. SATZ VON GAUSS 113
und
∂F (x0 , w)
= f (x0 , w).
∂w
Dann ergibt die Kettenregel für 1 ≤ i ≤ n − 1
g(x 0
Z )
∂F (x0 , g(x0 )) ∂f (x0 , xn ) ∂g(x0 )
= dxn + f (x0 , g(x0 )) .
∂xi a
∂xi ∂xi
Mit dem Satz von Fubini berechnen wir das Integral über K als iteriertes Integral
0
Z g(x
Z )
Z
∂f ∂f (x0 , xn )
dλn = dxn dx0 .
∂xi a
∂x i
K V
Wir betrachten zunächst das innere Integral (und erhalten mit der obigen Vor-
überlegung) für 1 ≤ i ≤ n − 1
g(x 0 g(x0 )
Z )
∂f (x0 , xn ) ∂ Z ∂g(x0 )
dxn = f (x0 , xn ) dxn − f (x0 , g(x0 )) .
a
∂xi ∂xi a ∂xi
0
Z g(x
Z )
Z
∂f ∂f (x0 , xn )
dλn = dxn dλn
∂xi a
∂x i
K V
0
g(x
Z ) 0
Z
∂ ∂g(x )
= f (x0 , xn ) dxn − f (x0 , g(x0 )) dλn−1
∂xi ∂xi
V a
Z
∂g(x0 )
= 0− f (x0 , g(x0 )) dλn−1
∂xi
V
Z q
= f (x0 , g(x0 ))vi (x) 1 + k grad gk22 dλn−1
V
Z
= f (x)vi (x) dS,
R
wobei die letzte Umformung aus der Parametrisierung der Randfläche durch
ψV : V → Rn : x0 7→ (x0 , g(x0 ))
114 KAPITEL 15. INTEGRALSÄTZE
hervorgegangen ist. Hier ist es nicht unmittelbar klar, wie die Gramsche Deter-
minante aussieht, daher berechnen wir diese mit Korollar 14.2.5. Mit
x1
..
.
ψ(x0 ) =
xn−1
g(x0 )
erhält man Dψ zu
1 0 ··· ··· 0
0 1
0 ··· 0
.. . . .
. 0 .. . . ..
Dψ(x0 ) = . . . .
. . . ..
. . . . 0
0 0 ··· 0 1
(grad g)T
Es gibt eine Auswahl von n − 1 × n − 1-Untermatrizen, in der die letzte Zeile nicht
auftritt, dies führt auf Determinante 1, jede andere Auswahl streicht eine Reihe
mit genau einem Eintrag 1 an der k-ten Stelle. Dies führt zur Determinante ±gxk ,
insgesamt erhalten wir
n−1
gx2i = 1 + k grad gk2 .
X
gV = 1 +
i=1
√
Damit wird das Flächenelement zu dS = gV dx0 .
Für i = n ergibt sich mit dem Hauptsatz der Differential- und Integralrechnung
g(x 0
Z )
∂f (x0 , xn )
dxn = f (x0 , g(x0 )).
a
∂xn
15.1. SATZ VON GAUSS 115
0 , sonst
aus C0∞ (R) ist, d. h. f ist unendlich oft differenzierbar und hat kom-
pakten Träger.
2. Die Funktion X
G(x) = f (x − k)
k∈ Z
ist unendlich oft differenzierbar, 1-periodisch und für alle x ∈ R gilt
G(x) 6= 0, genauer gilt G(n) = 2e für alle n ∈ N und e− 3 ≤ G ≤ 1e .
4
supp σb,ε = x ∈ R
n
kx − bk∞ ≤ ε .
116 KAPITEL 15. INTEGRALSÄTZE
1
Carl Friedrich Gauß (30.4.1777–23.2.1855) war einer der bedeutendsten, vielleicht der be-
deutendste Mathematiker der Geschichte. Seine frühe mathematische Begabung ist legendär.
Es bewies nicht nur den Fundamentalsatz der Algebra und entdeckte vieles in der Geometrie.
15.1. SATZ VON GAUSS 117
Beweis. Wir konstruieren zunächst eine Überdeckung von K mit offenen Men-
gen, die folgende Eigenschaft besitzt: Jedes Element U dieser Überdeckung ist
entweder in K \ ∂K oder U kann als Produkt V × (a, b) mit V ⊂ Rn−1 geschrie-
ben werden und ∂K ∩ U ist Graph einer Abbildung g : V → R. Die Konstruktion
einer solchen Überdeckung kann wie folgt angegeben werden: Zu jedem Punkt
x ∈ ∂K gibt es eine Umgebung U , die als Produkt in der angegebenen Weise
geschrieben werden kann. Daraus entsteht eine Überdeckung von ∂K. Da ∂K
kompakt ist, gibt es eine endliche Teilüberdeckung U1 , . . . , Uj mit den angege-
benen Eigenschaften. Dann ist K1 = K \ (∪ji=1 Ui ) kompakt, es gibt eine offene
Überdeckung von K1 mit offenen Mengen, die ∂K nicht schneiden (man nehme
eine Überdeckung mit Bε -Kugeln und ε < dist(K1 , ∂K)).
Sei U = Uj , j ∈ J eine offene solche Überdeckung von K. Sei {ϕk }k∈N eine dieser
Überdeckung subordinierte C ∞ -Teilung der Eins.
Dann ist
Z Z ∞
X ∞ Z
X
div F(x) dλn = div ϕj (x)F(x) dλn = div(ϕj (x)F(x)) dλn .
K K j=1 j=1 K
Damit reicht es die entsprechende Gleichheit für festes j zu beweisen. Ist supp ϕj
in einem Element der Überdeckung enthalten, die ∂K schneidet, folgt die Behaup-
tung, indem wir Satz 15.1.1 auf die einzelnen Komponenten von F anwenden und
addieren. Ist supp ϕj einem U mit U ∩∂K = ∅, so verschwindet das entsprechende
Integral auf der rechten Seite. Die linke Seite ist das Integral über (eine Summe
von) Ableitungen von Funktionen mit kompakten Träger. Als solches ergibt es
den Wert 0, vergleiche Aufgabe 15.1.3
Sein Werk ist die Grundlage der Theorie der Modulformen, die Landvermessung wurde von
ihm entscheidend geprägt und in der Physik ist ein Maß des Magnetismus nach ihm benannt.
Sein bedeutendes wissenschaftliches Werk wurde durch den Zehnmarkschein geehrt.
118 KAPITEL 15. INTEGRALSÄTZE
1. Strömungen
Hat man eine Strömung aus durch eine geschlossene Fläche, so muss
darin die Quellstärke der Strömung durch die Fläche entsprechen.
2. Elektrodynamik
Das elektrische Feld genügt der Maxwell-Gleichung2
div E = ρ,
wobei E für das elektrische Feld, ρ für die Ladungsdichte steht. Der
Gaußsche Integralsatz besagt nun, dass
Z Z
ρ dλ = hE(x), ν(x)i dS
K ∂K
ist, also die Ladungsdichte integriert über das Innere ergibt den Fluss
durch die Oberfläche.
3. Magnetismus
Das magnetische Feld ist quellenfrei (Elementarmagneten haben im-
mer sowohl Nord- wie auch Südpol), dies wurde durch Maxwell so
formuliert:
div B = 0,
wobei B hier für das magnetische Feld steht.
2
James Clark Maxwell (13.6.1831–5.11.1879) war ein bedeutender britischer Physiker. Nach
ihm benannt sind die Grundgleichungen der Elektrodynamik, die das Verhalten elektrischer
und magnetischer Felder, beschreiben.
15.2. PFAFFSCHE FORMEN 119
Tx∗ M,
[
ω:W →
x∈W
Beweis. Sind (U, ψU ), (V, ψV ) zwei Karten, deren Kartengebiete den Punkt x
enthalten. Dann ist ψU−1 (W ) ∩ U 6= ∅ und ψ −1 (W ) ∩ V 6= ∅ und
f ◦ ψV | = f ◦ ψU ◦ ψU V | .
ψ −1 (W )∩V ψ −1 (W )∩V
V V
3
Johann Friedrich Pfaff (22.12.1765–21.4.1825) arbeitete vorwiegend über partielle Differen-
tialgleichungen. In diesem Kontext führte er auch die nach ihm benannten Differentialformen
ein. Diese wurden später intensiv untersucht und spielen bis heute eine wichtige Rolle.
120 KAPITEL 15. INTEGRALSÄTZE
Tx∗ M : x 7→ df (x)
[
df : W →
x∈W
0
df (x)(v) = (f ◦ γ) (0)
Beweis. 1. Als erstes zeigen wir die stetige Differenzierbarkeit der angegebe-
nen Abbildungen. Sei zunächst γ = γ1 oder γ = γ2 . Dazu sei x0 ∈ Z ⊂ Rn
eine offene Umgebung von x0 und F : Z → Rn eine geradebiegender Dif-
feomorphismus mit F (x0 ) = 0 und F (Z ∩ M ) ⊂ Rk . OBdA ist W ⊂ Z,
ansonsten müssen die Umgebung W und die Zahl ε > 0 entsprechend ver-
kleinert werden. Dann sind die ersten k Komponenten von F , also mit einer
Projektion Π : Rn → Rk die Abbildung
g = Π ◦ F,
ψU : g(Y ) → W : ψU = g −1
f ◦ γj = (f ◦ ψU ) ◦ (ψU−1 ◦ γj )
γi0 (0) = vi .
Setze
γ̃(t) = F −1 (α1 F ◦ γ1 (t) + α2 F ◦ γ2 (t)).
15.2. PFAFFSCHE FORMEN 121
Beachte F ◦ γi (0) = 0 und daher kann man durch Verkleinern von ε errei-
chen, dass α1 F ◦ γ1 (t) + α2 F ◦ γ2 (t) für t ∈ (−ε, ε) in F (Z). γ̃ ist differen-
zierbar und die Ableitung ist durch
k
yi : Rk → R : y =
X
yj ej 7→ yi
j=1
als Koordinatenfunktionen im Rk .
Definition 15.2.7 (lokale Koordinatenfunktionen)
Durch
xi = yi ◦ ψU−1
definieren wir lokale Koordinatenfunktionen auf M im Punkt x0 .
Koordinatenfunktionen hängen von der Wahl der Karte ab, beim Übergang
von einer Karte zu einer anderen werden sie entsprechend transformiert. Koor-
dinatenfunktionen erlauben uns die Pfaffschen Formen auf Kartengebieten auf
einfachere Weise darzustellen.
122 KAPITEL 15. INTEGRALSÄTZE
d
vi = ψU (tei )t=0 , i = 1, . . . , k,
dt
so sind für x ∈ U die Differentiale {dxi (x)}i=1,...,k eine Basis für den Ko-
tangentialraum Tx∗ M . Es gilt
Beweis. Die Formen dxi bilden an jeder Stelle in dem Kartengebiet ψU (U ) eine
Basis, also lässt sich ω darstellen als
k
X
ω(x) = fi (x)dxi .
i=1
Wir wollen nun Kurvenintegrale von Pfaffschen Formen definieren. Die allge-
meine Situation ist nach wie vor: M ist eine k-dimensionale Untermannigfaltig-
keit des Rn der Klasse C r , r ≥ 1. Es sei ω eine Pfaffsche Form auf W ⊂ M und
γ : [a, b] → W ⊂ M eine Kurve auf M , die auf (a, b) stetig differenzierbar sei.
Der Wert des Integrals hängt nicht von der Zerlegung und nicht von der
Wahl der Karten ab.
Die Aussage bleibt richtig, wenn die Kurve stetig ist und stückweise
stetig differenzierbar und die Ableitungen sich jeweils (halbseitig) stetig in
die Unstetigkeitstellen der Ableitung fortsetzen lassen.
Beweis. Zunächst zur Existenz: Wir betrachten für eine Karte (U, ψU ) und Zer-
legungspunkte ζi , ζi+1 mit γ([ζi , ζi+1 ]) ⊂ U den Integranden
k k
ω(γ(t))γ 0 (t) = fi (γ(t))dxi (γ 0 (t)) = fi (γ(t))(xi (γ(t)))0 .
X X
i=1 i=1
124 KAPITEL 15. INTEGRALSÄTZE
Letzteres ist eine stetige Funktion auf dem Intervall [ζi , ζi+1 ] und daher existiert
das Integral.
Angenommen wir hätten zwei Zerlegungen Z, Z 0 und zu jeder Zerlegung eine
Überdeckung A, A0 , so dass zu 1 ≤ i ≤ m und 1 ≤ j ≤ m0 ein U ∈ A bzw. ein
U 0 ∈ A0 existiert mit
0
γ([ζi , ζi+1 ]) ⊂ ψU (U ) bzw. γ([ζj0 , ζj+1 ]) ⊂ ψU 0 (U 0 ).
ζZi+1
ω(γ(t))γ 0 (t) dt
ζi
nicht von der Wahl der Karte ab, daher sind diese Integrale gleich.
Die letzte Aussage beweist man einfach, indem man (zusätzliche) Zerlegungs-
punkte in die Unstetigkeitsstellen der Ableitung legt.
Beweis. Wir betrachten eine Zerlegung Z von [a, b] und eine Überdeckung von
γ([a, b]) mit Kartengebieten, so dass γ([ζi , ζi+1 ]) jeweils in einem Kartengebiet
liegt. Dann ist
ζZi+1 ζZi+1
0
dF (γ(t))γ (t)dt = (F ◦ γ)0 (t) dt = F (γ(ζi+1 )) − F (γ(ζi )).
ζi ζi
Dann ist
− sin t
γ 0 (t) = .
cos t
126 KAPITEL 15. INTEGRALSÄTZE
Es gilt
dx(γ 0 (t)) = (x ◦ γ)0 (t) = − sin t, dy(γ 0 (t)) = cos t.
Damit ist
ω(γ 0 (t)) = sin2 (t) + cos2 (t) = 1
und damit Z
ω = 2π.
γ
Wie ändert sich das Integral, wenn wir γ durch rγ, r > 0 ersetzen?
Beweis. Übung!
Beweis. Wir fixieren einen Punkt x0 ∈ W . Zu jedem Punkt x gibt es eine stück-
weise stetig differenzierbare Kurve γx : [0, 1] → W mit
γx (0) = x0 , γx (1) = x.
Wir setzen Z
F (x) = ω.
γ
Gibt es eine weitere solche Kurve γ, die die beiden Punkte verbindet, so verknüp-
fen wir die beiden Kurven indem wir zunächst γx in positiver und danach γ in
negativer Weise durchlaufen. Dies ergibt eine geschlossene Kurve α mit
Z
ω = 0.
α
(F ◦ γ)0 (0).
Sei γx : [0, 1] → M eine Kurve, die x0 mit x verbindet. Für Punkte γ(t) = w ∈
γ((0, ε)) schreiben wir
γx (s) 0≤s≤1
γw : [0, 1 + t] → M : s 7→ .
γ(s − 1) 1 < s ≤ 1 + t ≤ 1 + ε
Diese Kurven sind stückweise stetig differenzierbar und wir erhalten für den
Grenzwert
1 1 Z Z
lim ((F ◦ γ)(t) − (F ◦ γ)(0)) = lim ω− ω
.
t→0 t t→0 t
γ γ(t) γx
Dann erhalten wir einfach (falls t so klein ist, dass γ([0, t]) bzw. γ([t, 0]) jeweils
in einem Kartengebiet liegt)
k t
1Z X
lim fi (γ(t))dxi (γ(t))γ 0 (t) dt.
t→0 t
0i=1
Der Integrand ist stetig und wir erhalten einfach den Integranden an der Stelle
0, d. h.
k
X
fi (x)dxi (x)(v) = ω(v).
i=1
Wir werden später sehen, dass die Existenz von Stammfunktionen mit der
Geometrie eines Gebietes zusammenhängt. Die Bedingung, dass die Integrale
über geschlossene Kurven 0 ergeben ist zwar notwendig und hinreichend, aber
i. A. schwer nachprüfbar. Deswegen wollen wir einfachere Kriterien finden. Dabei
werden wir in Kauf nehmen müssen, dass diese nur noch hinreichend, jedoch nicht
notwendig sind.
15.3. DIFFERENTIALFORMEN HÖHERER ORDNUNG 129
ω :Vk =V
|
· · × V} → R
× ·{z
k−mal
ω(v1 , . . . , vi , . . . , vj , . . . , vn ) = 0.
bezeichnet.
Beweis. Die argumentweise Addition und Multiplikation mit Skalaren macht den
Raum offensichtlich zum linearen Raum.
Der Begriff der alternierenden Form wird durch das folgende Lemma moti-
viert.
Lemma 15.3.4 (Vertauschungseigenschaft)
Vertauscht man ein Paar von Argumenten, so kehrt sich das Vorzeichen
von ω um:
wobei die Notation bedeutet, dass alle anderen Argumente unverändert blei-
ben.
130 KAPITEL 15. INTEGRALSÄTZE
Eine Transposition ist eine spezielle Permutation, die genau zwei Elemente ver-
tauscht. Es gilt der folgende wichtige Satz.
r1 ∼
= r2 mod 2.
Dieser Satz impliziert nun, dass alternierende k-Formen sich unter Permuta-
tionen wie folgt verhalten.
15.3. DIFFERENTIALFORMEN HÖHERER ORDNUNG 131
ϕ1 ∧ · · · ∧ ϕk : V k → R
durch
ϕ1 (v1 ) · · · ϕ1 (vk )
.. ..
(ϕ1 ∧ · · · ∧ ϕk )(v1 , . . . , vk ) = det . . .
ϕk (v1 ) · · · ϕk (vk )
ϕ1 ∧ · · · ∧ ϕk ∈ Λk V ∗ ,
Beweis. Beide Eigenschaften sind leicht nachzuprüfen, ist vj = αw1 + βw2 , so ist
KAPITEL 15. INTEGRALSÄTZE
'
( 1 ^ : : : ^ 'k )(v1; : : : ; vj ; : : : ; vk ) = ('1 ^ : : : ^ 'k )(v1 ; : : : ; w1 + w2 ; : : : ; vk )
0 1
'1(v1) '1(w1 + w2) : : : '1(vk ) C
BB C
BB '2(v1) '2(w1 + w2) : : : '2(vn) CCC
det B BB .
..
.
..
.
.. C
CC
=
B
B 'k 1(v1) 'k 1(w1 + w2) : : : 'k 1(vk ) AC
'k (v1) 'k (w1 + w2) : : : 'k (vk )
0 1
'1(v1) '1(w1) + '1(w2) : : : '1(vk ) C
BB C
BB '2(v1) '2(w1) + '1(w2) : : : '2(vn) C C
C
= det B BB .
..
.
..
.
.. C
C
B C
B 'k 1(v1) 'k 1(w1) + '1(w2) : : : 'k 1(vk ) A C
'k (v1) 'k (w1) + '1(w2) : : : 'k (vk )
0 1 0 1
'1(v1) '1(w1) : : : '1(vk ) C B '1(v1) '1(w2) : : : '1(vk ) C
BB
C B '2(w2) : : : '2(vn) CCC
BB '2(.v1) '2(.w1) : : : '2(.vn) CCC B
B '2 (v1 )
det BB .. .. .. C + det BB ... ... ... C:
C
BB CC B C
=
B 'k 1(w2) : : : 'k 1(vk ) ACC
B 'k 1(v1) 'k 1(w1) : : : 'k 1(vk ) AC B
'k 1(v1)
'k (v1) 'k (w1) : : : 'k (vk ) 'k (v1) 'k (w2) : : : 'k (vk )
132
15.3. DIFFERENTIALFORMEN HÖHERER ORDNUNG 133
Dies beweist die erste Eigenschaft. Sind zwei der Argumente gleich, dann entste-
hen in der Determinante zwei gleiche Spalten und das Resultat ist offensichtlich
0.
Genauer gilt: Bildet die Menge {ϕ1 , . . . , ϕn } eine Basis von V ∗ , so bilden
wie Dachprodukte
Jedes der wj lässt sich als Linearkombination der vi schreiben, danach wenden wir
die Linearität in allen k Einträgen an. Wir erhalten eine Linearkombination aus
134 KAPITEL 15. INTEGRALSÄTZE
Dann ist
ψ1 ∧ · · · ∧ ψk = det A ϕ1 ∧ · · · ∧ ϕk .
Der Determinantenentwicklungssatz (vgl. Lineare Algebra) ergibt die fol-
gende Darstellung
X
det A = sgn(π)a1π(1) a2π(2) · · · akπ(k) .
π∈Sk
= det Aϕ1 ∧ · · · ∧ ϕk .
(ϕ1 ∧ · · · ∧ ϕk ) ∧ (η1 ∧ · · · ∧ ηl ) = ϕ1 ∧ · · · ∧ ϕk ∧ η1 ∧ · · · ∧ ηl .
Wir setzen
X
ω1 ∧ ω2 = ai1 ...jk bj1 ...jl ϕi1 ∧ · · · ∧ ϕik ∧ ϕj1 ∧ · · · ∧ ϕjl .
1 ≤ i1 < · · · < ik ≤ n
1 ≤ j1 < · · · < jl ≤ n
Nun sieht man, dass dies die gewünschte Eigenschaft hat. Die Eindeutigkeit dieses
Produktes ist klar für Formen der Form
(ω1 ∧ ω2 ) ∧ ω3 = ω1 ∧ (ω2 ∧ ω3 ).
ω1 ∧ ω2 = (−1)k1 k2 ω2 ∧ ω1 .
Λk Tx∗ M
[
ω:W →
x∈W
Wir betrachten den Fall, dass (U, ψU ) eine Karte und W = ψU (U ) das zugehörige
Kartengebiet ist. Sind yi die Koordinatenfunktionen auf U und xi die zugeordne-
ten lokalen Koordinaten auf W , so bilden für x ∈ W die Differentialformen
{dxi (x)}i=1,...k
Wir wollen bemerken, dass Formen der Ordnung m punktweise addiert werden
können und ebenso mit reellwertigen Funktionen multipliziert werden können, so
dass die Resultate nach wie vor m-Formen sind.
15.3. DIFFERENTIALFORMEN HÖHERER ORDNUNG 137
durch X
dω = dfj1 j2 ...jm ∧ dxj1 ∧ · · · ∧ dxjm .
1≤j1 <···<jm ≤k
dω heißt die äußere Ableitung oder auch das äußere Differential (engl.:
exterior derivative) der Form ω.
1. Ist ω eine m-Form, so ist dω(x) ∈ Λm+1 Tx∗ M . (Klar aufgrund der
Definition)
Diese Eigenschaft muss aufgrund der Linearität nur für Vielfache der
Basisvektoren geprüft werden. Der Rest ist eine kurze Rechnung.
4. Die Ableitung hängt nicht von der Wahl des Koordinatensystems ab.
Für die Begründung verweisen wir im Moment auf die Literatur, z. B.
das Buch [10].
Eine der wesentlichsten Aussagen, die Grundlage weitreichender Theorien ist und
die weitere Theorien durch formale Ähnlichkeit angeregt hat, ist der folgende
Satz.
Satz 15.3.22 (Zweifache äußere Ableitung)
Für eine zweimal stetig differenzierbare m-Form ω auf M gilt
d2 ω = d(dω) = 0.
Beweis. Wir bemerken, dass dies eine lokale Aussage ist (vgl. Punkt 2 der Be-
merkung 15.3.20). Wir beginnen mit einer Nullform, d. h. einer zweimal stetig
differenzierbaren Funktion, W = ψU (U ) sei eine Kartenumgebung. Dann gilt für
x∈W
!
X ∂f
d(df )(x) = d dxi
i ∂xi
!
X ∂ 2f ∂ 2f
= − dxi ∧ dxj .
i<j ∂xi ∂xj ∂xj ∂xi
Der letzte Ausdruck ist Null, da nach dem Satz von Schwarz 8.5.1 die beiden
partiellen Ableitungen gleich sind.
Zum allgemeinen Fall machen wir eine einfache Vorbemerkung
wobei nur die Definition von d benutzt wurde. Wir betrachten nur einen Sum-
manden ω = fj1 j2 ...jm dxj1 ∧ · · · dxjm , der allgemeine Fall folgt dann wegen der
Linearität. Nun ist
und
2. Eine solche Form heißt exakt oder total, wenn es eine stetig differen-
zierbare m − 1-Form τ gibt mit dτ = ω.
Wir wollen nun noch das Verhalten von Differentialformen unter Diffeomorphis-
men untersuchen.
Definition 15.3.25 (Abbildungen zwischen Untermannigfaltigkei-
ten)
Eine kurze abstrakte Überlegung bereitet ein neues Konzept vor. Seien V, W
endlich dimensionale Vektorräume, A : V → W eine lineare Abbildung, so gibt
es eine Abbildung (duale Abbildung)
A∗ : W ∗ → V ∗
definiert durch
A∗ `∗ = `∗ ◦ A.
Man prüft leicht, dass A∗ `∗ : V → R definiert ist durch
A∗ `∗ (v) = `∗ (Av) ∈ R.
140 KAPITEL 15. INTEGRALSÄTZE
A∗ : Λk W ∗ → Λk V ∗ : ω 7→ A∗ ω
mit
A∗ ω(v1 , . . . , vk ) = ω(Av1 , . . . , Avk ).
Entsprechendes kann man auch für Differentialformen durchführen. Wir betrach-
ten nun eine eine Differentialform ω auf einer offenen Teilmenge W einer Un-
termannigfaltigkeit N des Rn , eine Untermannigfaltigkeit M des Rm mit einer
offenen Menge V ⊂ M .
Dann ist dxk (DΦ(v)) = dΦk (v) und es ergibt sich einfach
Φ∗ ω =
X
(fi1···k ◦ Φ) dΦi1 ∧ · · · ∧ dΦik .
1≤i1 <···<ik ≤n
1. Φ∗ (λ1 ω1 + λω2 ) = λ1 Φ∗ ω1 + λ2 Φ∗ ω2 .
15.3. DIFFERENTIALFORMEN HÖHERER ORDNUNG 141
2. Φ∗ (ω1 ∧ ω2 ) = Φ∗ ω1 ∧ Φ∗ ω2 .
3. Für eine stetig differenzierbare Form ω und ein zweimal stetig diffe-
renzierbares Φ gilt
d(Φ∗ ω) = Φ∗ dω.
Ψ∗ (Φ∗ ω) = (Φ ◦ Ψ)∗ ω.
Beweis. (1), (2) folgen direkt aus der Definition, (4) ebenso. Es bleibt (3). Wir
beginnen mit einer Funktion auf W , dann ist Φ∗ f = f ◦ Φ und df = i ∂i f dxi .
P
Dann ist
Φ∗ (df ) = d(f ◦ Φ) = d(Φ∗ (f )),
denn
Φ∗ (df (x))(v) = df (Φ(x))(DΦ(v)) = d(f ◦ Φ)(v),
dabei sieht man die letzte Gleichheit aus der Definition. Ist γ eine Kurve tangen-
tial an v, so ist DΦ(v)) tangential an Φ ◦ γ und f ◦ (Φ ◦ γ) = (f ◦ Φ) ◦ γ. Allgemein
gilt für ω = 1≤i1 <···<ik ≤n fi1 ...ik dxi1 ∧ · · · ∧ dxik
P
d(Φ∗ ω) = d
X
dfi1 ...ik (Φ(x)) ∧ dΦi1 · · · ∧ dΦik
1≤i1 <···<ik ≤n
!
X ∂fi1 ,...,ik
= ◦ Φ dΦi ∧ dΦi1 · · · ∧ dΦik
1≤i1 <···<ik ≤n ∂xi
(Φ∗ dfi1 ...ik ∧ Φ∗ (dxi1 ∧ · · · ∧ dxik ))
X
=
1≤i1 <···<ik ≤n
= (Φ∗ dω).
k-Form und ψU∗ ω die Zurückholung auf U , so ist mit ψU (y) = x die zurückgeholte
Form ein Vielfaches ψU∗ (y)ω = g(y)dy1 ∧ · · · ∧ dyk der Volumenform.
142 KAPITEL 15. INTEGRALSÄTZE
Wir bezeichenen dies als Integral der k-Form. Für Formen, die nicht durch
ein einziges Kartengebiet beschrieben werden, betrachten wir eine Teilung
der Eins, die der Überdeckung durch Kartengebiete subordiniert ist, und
schreiben Z Z Z
ψU∗ (χj ω).
X X
ω= χj ω =
M N
j∈ K
j
N
j∈ U
j
U × [0, 1] ⊂ V.
Beweis. Wir bezeichnen die Koordinaten auf U durch x = (x1 , . . . , xn ) und auf
V ergänzen wir diese durch xn+1 .
Die Form ω1 wird in üblicher Form in der Basisdarstellung aufgeschreiben, wobei
wir die Terme in denen dxn+1 auftaucht von denen ohne diesen Term sorgfältig
15.3. DIFFERENTIALFORMEN HÖHERER ORDNUNG 143
trennen, also
X
ω1 = fi1 ...ik dxi1 ∧ · · · ∧ dxik
1≤i1 <···<ik ≤n
X
+ gi1 ...ik−1 dxn+1 ∧ dxi1 ∧ · · · ∧ dxik−1 .
1≤i1 <···<ik−1 ≤n
Wir betrachten nur die Basiselemente die dxn+1 enthalten, deren Summe ist (nach
Anwenden von d) natürlich auch 0. Damit schließen wir
X ∂fi1 ...ik
dxn+1 ∧ (dxi1 ∧ · · · ∧ dxik )
1≤i1 <···<ik ≤n ∂xn+1
n
X X ∂gi1 ...ik−1
= dxn+1 ∧ dxi ∧ dxi1 ∧ · · · ∧ dxik−1 .
1≤i1 <···<ik−1 ≤n i=1 ∂xi
und
Z1 1
∂gi1 ...ik−1 ∂ Z
dxn+1 = gi1 ...ik−1 dxn+1 .
∂xi ∂xi
0 0
Wir setzen
1
X Z
ω2 = gi ...i
1 k−1
dxn+1 dxi1 ∧ · · · ∧ dxik−1 .
1≤i1 <···<ik−1 ≤n 0
144 KAPITEL 15. INTEGRALSÄTZE
Man beachte, dass dies eine Form auf U ist, denn die Integration bezüglich der
letzten Variablen macht die Koeffizienten zu Funktionen auf U . Dort sind auch
die auftretenden Dachprodukte definiert. Dann ist
1
n
X ∂ X Z
dω2 = gi1 ...ik−1 dxn+1 dxi ∧ dxi1 ∧ · · · ∧ dxik−1
i=1 ∂x i 1≤i1 <···<ik−1 ≤n 0
n Z1
X X ∂
= gi ...i dxn+1 dxi ∧ dxi1 ∧ · · · ∧ dxik−1
i=1 1≤i1 <···<ik−1 0 ∂xi 1 k−1
Z1
X ∂fi1 ...ik
= dxn+1 dxi1 ∧ · · · ∧ dxik (verwende Gl. (15.2))
1≤i1 <···<ik ≤n 0 ∂xn
X
= (f (x, 1) − f (x, 0)dxi1 ∧ · · · ∧ dxik
1≤i1 <···<ik ≤n
= ψ1∗ ω1 − ψ0∗ ω1 .
ist.
Φ : R × Rn → Rn : (t, x) 7→ tx.
Nun ist
Φ ◦ ψ1 = 1lU , Φ ◦ ψ0 = 0.
Wir erhalten
ψ1∗ ω1 = ψ1∗ (Φ∗ ω) = (Φ ◦ ψ1 )∗ (ω) = 1l∗ ω = ω
und
ψ0∗ ω0 = (Φ ◦ ψ0 )∗ ω = 0.
Damit ergibt sich
dω2 = ω1 .
Wir wollen nun Elemente der klassischen Vektoranalysis betrachten. Dazu sei
U ⊂ R3 offen, f, g ∈ C 2 (U ; R), v, w ∈ C 2 (U ; R3 ) seien zweimal stetig differen-
zierbare Vektorfelder. Wir beginnen mit der Beobachtung, dass dim Λ0 (R3 ) =
dim Λ3 (R3 )∗ = 1 und dim Λ1 (R3 )∗ = dim Λ2 (R3 )∗ = 3. In lokalen Koordinaten
sind daher die Nullformen gerade Funktion, d. h. f ist eine typische Nullform, die
1-Formen können lokal in der Gestalt
3
X
ω1 = vi dxi = hv, (dx1 , dx2 , dx3 )i
i=1
wird dies zu
ω1 = hv, dsi.
Punktweise bilden die drei Elemente dx1 ∧ dx2 , dx1 ∧ dx3 , dx2 ∧ dx3 eine Basis
für Λ2 (R3 )∗ . Die allgemeine 2-Form hat die Gestalt
ω2 = hw, dSi.
Die allgemeine Dreiform hat die Gestalt gdV mit dV = dx1 ∧dx2 ∧dx3 . Klassische
Differentialoperatoren sind der Laplaceoperator ∆, der auf Funktionen wirkt und
∂2
die Form ni=1 ∂x
P
2 hat, der Gradient, der Funktionen den Vektor der partiellen
i
Ableitungen zuordnet, die Divergenz, die wie bereits gesehen auf Vektorfeldern v
operiert und die Form
n
X ∂vi
i=1 ∂xi
146 KAPITEL 15. INTEGRALSÄTZE
hat. Als letztes betrachten wir die Rotation eines Vektorfeldes v : U → R3 , das
die Form
∂v3 ∂v2
−
∂x2 ∂x3
∂v ∂v3
1
rot v = −
∂x3 ∂x1
∂v2 ∂v1
−
∂x1 ∂x2
hat. Diese klassischen Formen kann man folgendermaßen mit der Sprache der
differentialformen verbinden: Wir bestimmen nun die Wirkung von d für die
allgemeinen Formen der Ordnung, k = 0, 1, 2. Zunächst ist für k = 0
df = hgrad f, dsi.
Für die allgemeine 1-Form ω1 bekommen wir dω1 als
3
!
X
dω1 = d vi dxi
i=1
3 X3
X ∂vi
= dxj ∧ dxi
i=1 j=1 ∂xj
!
∂v2 ∂v1
= − )dx1 ∧ dx2 + . . .
∂x1 ∂x2
= hrot v, dSi.
Für die allgemeine 2-Form ω2 ergibt sich als äußere Ableitung
dω2 = dhw, dSi
3 3
X ∂w1 X ∂w2
= dxi ∧ dx2 ∧ dx3 + dxi ∧ dx3 ∧ dx1 + . . .
i=1 ∂xi i=1 ∂xi
∂w1 ∂w2
= dx1 ∧ dx2 ∧ dx3 + dx2 ∧ dx2 ∧ dx1 + . . .
∂x1 ∂x2
= div wdV.
Nun folgt aus der Formel d(dω) = 0,
d(df ) = dhgrad f, dsi = hrot grad f, dSi.
Dies impliziert die Formel
rot grad f = 0.
Ganz entsprechend ergibt sich
0 = d(dω1 ) = dhrot v, dSi = div rot vdV.
Aus dem Poincaréschen Satz folgt dann sofort die folgende Integrabilitätsbedin-
gung.
15.3. DIFFERENTIALFORMEN HÖHERER ORDNUNG 147
Beweis. Folgt sofort aus der eben diskutierten Darstellung der 1- bzw. 2-Formen
mittels der klassischen Differentialoperatoren und dem Poincaréschen Lemma.
Der Vollständigkeit halber wollen wir noch das folgende Lemma zeigen.
Beweis. Angenommen wir hätten zwei Karten (Ui , ψUi ), i = 1, 2, für die gilt
K ⊂ Ui , i = 1, 2. Dann ist
Z Z Z Z
ψU∗ 1 ω = ∗
(ψU2 ◦ ψU1 U2 ) ω = ψU∗ 1 U2 ψU∗ 2 ω = ψU∗ 2 ω.
−1 −1 −1 −1 −1
ψU (K) ψU (K) ψU U ψU (K) ψU (K)
1 1 1 2 1 2
Hier bietet sich ein kleiner Ausflug in die Welt der sogenannten Kohomolo-
gietheorie an. Wir betrachten C ∞ -Differentialformen. Sei Ωk (U ) die Menge aller
beliebig oft differenzierbaren k-Formen auf U . Ωk (U ) bildet auf natürliche Weise
einen Vektorraum und
d : Ωk (U ) → Ωk+1 (U )
ist eine lineare Abbildung. Wir bezeichnen mit
Bk (U ) = ω ∈ Ωk (U ) ω ∈ BILD(d) ,
Zk (U ) = ker(d).
Wir betrachten die folgende Sequenz
0 → R → Ω0 (U ) → Ω1 (U ) → · · · → Ωn−1 (U ) → Ωn (U ) → 0,
wobei der Pfeil jeweils für die Abbildung d steht. Die Bedingung d2 = 0 besagt
Bk (U ) ⊂ Zk (U ).
148 KAPITEL 15. INTEGRALSÄTZE
Das Lemma von Poincaré besagt nun gerade, dass für sternförmige Mengen
in Rn gilt
H k (U ) = {0}.
Wir kommen zurück zur Untersuchung der Existenz des Kurvenintegrals Pfaff-
scher Formen. Der Beginn dieser Theorie, die weitreichende Konsequenzen hat,
insbesondere auch für die Physik, jedoch auch in der Mathematik, ist ein Begriff,
der uns anschaulich sagt, wann zwei Kurven in einem Raum ineinander defor-
mierbar sind. (Deformationen von Bildern sind heute in der Bildbearbeitung wohl
bekannt, die genaue Formulierung der Deformation von Bildern ähnelt unserer
Definition.) Im Folgenden seien Kurven immer so reparametrisiert, dass sie auf
dem Intervall [0, 1] definiert sind, dies ist keine Beschränkung der Allgemeinheit.
H : [0, 1] × [0, 1] → U
mit
H(t, i) = γi+1 (t), t ∈ [0, 1], i = 0, 1,
so nennen wir γ1 und γ2 homotop in U . Die Abbildung H wird als Homo-
topie bezeichnet.
H(0,.) H(1,.)
p
0
Beweis. Wir überdecken die kompakte Menge K = H([0, 1] × [0, 1]) mit Karten-
gebieten der Form ψU (U ), endlich viele davon überdecken K. Wir holen die Form
jeweils von einem Kartengebiet zurück auf U ⊂ Rk .
Beweis. Wir beginnen mit dem Raum Λn−1 (Rn )∗ , dessen Dimension nach der
Dimensionsformel gerade n ist. Eine Basis erhalten wir, indem wir n − 1-fache
Dachprodukte der dxi betrachten, dies tun wir gerade dadurch, dass wir jeweils
eine der Formen dxi weglassen, also bis auf eine Umskalierung erhalten wir
5
George Gabriel Stokes (13.8.1819–1.2.1903) war ein irischer Mathematiker und Physiker,
der in Cambridge wirkte. Seine Beiträge zur mathematischen Physik sind bedeutend. Eine der
wichtigsten Gleichungen der Strömungsmechanik ist nach ihm benannt, die Navier-Stokessche
Gleichung.
15.4. DER SATZ VON STOKES 151
f = (f1 , . . . , fn ) : U → Rn
als Vektorfeld auffassen. Schreiben wir gleichzeitig den Vektor (von Formen)
dS = (dS1 , . . . , dSn )
mit
dSi = (−1)i−1 (dx)(i) ,
so erhalten wir formal die Form ω als Skalarprodukt
ω = hf , dSi.
Mit der obigen Darstellung von dω = div(f )dx1 ∧ · · · ∧ dxn erhalten wir
Z Z
dω = div(f )dλn .
K K
Dann ist
dω = ndx1 ∧ · · · ∧ dxn .
Für ein Kompaktum K mit glattem Rand gilt daher
1 Z
λn (K) = dω.
n
∂K
152 KAPITEL 15. INTEGRALSÄTZE
Im Spezialfall n = 2 folgt
1Z
λ2 (K) = xdy − ydx.
2
∂K
1Z
λ2 (B1 (0)) = xdy − ydx.
2 1
S
Mit
ψ(ϕ) = (cos ϕ, sin ϕ)
ergibt sich
π π
1Z ∗ 1Z
λ2 (B1 (0)) = ψ ω= (cos2 (ϕ) + sin2 (ϕ)) dϕ = π.
2 2
−π −π
H = x = (x1 , . . . , xk ) ∈ R
k
x1 < 0 .
Wir bezeichnen als ∂B die Menge der Punkte für die ein (U, Φ) existiert
mit b ∈ Φ(U ∩ ∂H).
155
156 INDEX
charakteristische, 28 Borel-Lebesguesches, 21
äußeres, 21
Gebiet, 126 endliches, 11
sternförmig, 144 Haar, 23
Gruppenhomomorphismus, 65 induziertes, 62
Hilbertraum, 58 Lebesguesches, 21
homotop, 148 vollständig, 21
Homotopie, 148 Maßraum, 11
endlich, 11
Immersion, 88 Lebesguescher, 21
Inhalt, 9 vollständig, 21
Additivität, 9 Menge
Innere, 68 elementare, 18
Integral, 31 messbar, 23
Integral der k-Form, 142 messbar, 101
integrierbar, 29, 31, 99, 101 komplexe Funktion, 47
lokal, 95 Messraum, 23
nichtnegative Funktion, 30
Intervall Normalenraum, 105
halboffen, 18 Normalenvektor, 104
Isotonie, 11 äußerer, 107
Nullmenge, 18, 37
Kartengebiet, 90 Nullmengen, 21
Kartenwechseldiffeomorphismus, 92
Kern Orientierung, 84
offen, 68
Kohomologiegruppe Parität, 130
de Rham, 148 Permutationsgruppe, 130
Kohomologietheorie, 147 Pfaffsche Form, 119
kompakt Polarkoordinaten, 71
lokal, 96 Prämaß, 9–12
Koordinatenfunktion pull back, 140
lokale, 121
Rand, 105
Koordinatenfunktionen, 121
glatt, 106
Kotangentialraum, 118
Raum
Kotangentialvektor, 118
orientierter, 84
Kurve, 102
positiv orientiert, 84
Lebesgue-Integral, 30 Ring, 6
linear unabhängig, 81
Lokalität, 137 Sequenz, 147
Stammfunktion, 127
Maß, 11 stetig
äußeres, 12 Form, 122
INDEX 157
Tangentialraum, 102
Tangentialvektor, 102
Teilung der Eins, 96
subordiniert, 96
Träger, 69
kompakt, 69
Transformationsformel, 65
Transformationssatz, 65
Transposition, 130
Treppenfunktion, 27
Integral, 29
Untermannigfaltigkeit, 84
Volumen, 101
Vorzeichen, 130
Wahrscheinlichkeitsraum, 11
Youngsche Ungleichung, 53
Zurückholung, 140
158 INDEX
Literaturverzeichnis
[9] E. Hewitt & K. Stromberg. Real and abstract analysis. Springer Verlag,
Berlin, 1969.
159
160 LITERATURVERZEICHNIS