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Armut

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— Themenblätter im Unterricht Nr. 77: — Autor: Robby Geyer — Erste Auflage: April 2009 — Internet: [Link].

de/themenblaetter
Armut – hier und weltweit

Themenblätter im Unterricht / Nr. 77

Armut –
hier und weltweit
— Doppelseitiges Arbeitsblatt im Abreißblock (31 Stück) und Hinweise für den Einsatz im Unterricht
— Internet: [Link]/themenblaetter — Erste Auflage: April 2009 — Autor: Robby Geyer — Themenblätter im Unterricht Nr. 77:
Armut – hier und weltweit

VORAB — Inhalt
Vorab: Impressum, Zum Autor, Lieferbare Themenblätter im Unterricht

„ Lehrerblatt 01– 06: Anmerkungen für die Lehrkraft / Kopiervorlage


Arbeitsblatt A / B: Doppelseitiges Arbeitsblatt im Abreißblock (31 Stück)
zum Thema: „Armut – hier und weltweit“
Hinweise: Weiterführende Literatur und Internetadressen
Rückseite: Fax-Bestellblatt

— Zu den Autoren2
— Lieferbare Themenblätter im Unterricht
Robby Geyer, geb. 1978,
Studium der Politik- Nr. 2: Die Ökosteuer in der Diskussion. Bestell-Nr. 5.352
wissenschaft, Geschichte Nr. 5: Fleischkonsum und Rinderwahn. Bestell-Nr. 5.355
Südasiens und Erwach- Nr. 10: Wer macht was in Europa? (neu 2006) Bestell-Nr. 5.360
senenbildung in Heidel- Nr. 22: Lust auf Lernen. (Nachdruck) Bestell-Nr. 5.372
berg und Kaiserslautern; Nr. 23: Koalieren und Regieren. (neu 2005) Bestell-Nr. 5.373
seit 2001 als freier Re- Nr. 33: Internet-Sicherheit. Bestell-Nr. 5.383
ferent in der politischen Nr. 37: 20. Juli 1944 – Attentat auf Hitler. (neu 2008) Bestell-Nr. 5.387
Bildung tätig. Arbeits- Nr. 40: Freiheit und Gleichheit – feindliche Schwestern? Bestell-Nr. 5.390 (Restauflage)
schwerpunkte: Staat und Nr. 44: Soziale Gerechtigkeit – Utopie oder Herausforderung? (neu 2008) Bestell-Nr. 5.394
Gesellschaft in Deutschland, Europäische Integra- Nr. 46: Europa in guter Verfassung? Bestell-Nr. 5.396
tion, Globalisierung, Freiheit und Sicherheit, Indien Nr. 47: Die Türkei und Europa. (neu 2008) Bestell-Nr. 5.940
sowie Evaluation in der politischen Bildung. Nr. 48: Politische Streitkultur. Bestell-Nr. 5.941
Nr. 49: Sport und (Welt-)Politik. Bestell-Nr. 5.942
Nr. 53: Wehr(un)gerechtigkeit. Bestell-Nr. 5.946
— Impressum Nr. 54: Entscheiden in der Demokratie. (neu 2008) Bestell-Nr. 5.947
— Herausgeberin: Bundeszentrale für politische Bildung/bpb Nr. 55: Baukultur und Schlossgespenster. Bestell-Nr. 5.948
Adenauerallee 86, 53113 Bonn, [Link] Nr. 58: Wie christlich ist das Abendland? Bestell-Nr. 5.951
— E-Mail der Redaktion: moeckel@[Link] Nr. 59: Gleiche Chancen für Anne und Ayshe? Bestell-Nr. 5.952
(keine Bestellungen!)
Nr. 60: Deutschland für Europa. Bestell-Nr. 5.953
— Autor: Robby Geyer
Nr. 61: Friedenschancen im Nahen Osten? Bestell-Nr. 5.954
— Redaktion: Iris Möckel (verantwortlich), Frithjof Goetz
Nr. 62: Unterschicht in Deutschland? Bestell-Nr. 5.955
— Gestaltung: Leitwerk. Büro für Kommunikation, Köln
— Titelillustration: Leitwerk, Cornelia Pistorius (unter
Nr. 63: Akteure im politischen Prozess. (neu ab Sommer 2009) Bestell-Nr. 5.956
Verwendung eines Fotos von picture-alliance/dpa) Nr. 64: Urteil und Dilemma. Bestell-Nr. 5.957
— Druck: Mareis Druck, Weißenhorn Nr. 65: Europa der 27. Bestell-Nr. 5.958
— Papier: Schneidersöhne, PlanoNature FSC
Nr. 66: Mitmischen: Neue Partizipationsformen. Bestell-Nr. 5.959
Nr. 67: Inländisch, ausländisch, deutschländisch. Bestell-Nr. 5.960
Nr. 68: Unternehmensethik. Eigentum verpflichtet. Bestell-Nr. 5.961
FSC-Gütesiegel
Nr. 69: Olympialand China. Bestell-Nr. 5.962
Nr. 70: US-Präsidentschaftswahl 2008. Bestell-Nr. 5.963
— Urheberrechte: Text und Illustrationen sind urheberrechtlich
Nr. 71: Mobilität und Umwelt. Bestell-Nr. 5.964
geschützt. Der Text kann in Schulen zu Unterrichtszwecken Nr. 72: Welche EU wollen wir? (Nachdruck 2009) Bestell-Nr. 5.965
vergütungsfrei vervielfältigt werden. Bei allen gesondert Nr. 73: Klimagerechtigkeit. Bestell-Nr. 5.966
bezeichneten Fotos, Grafiken und Karikaturen liegen die Rechte
Nr. 74: Terrorabwehr und Datenschutz. Bestell-Nr. 5.967
nicht bei uns, sondern bei den Agenturen.
Nr. 75: Bedrohte Vielfalt – Biodiversität. Bestell-Nr. 5.968
— Haftungsausschluss: Die bpb ist für den Inhalt der
aufgeführten Internetseiten nicht verantwortlich.
Nr. 76: Wasser – für alle!? Bestell-Nr. 5.969
Nr. 77: Armut – hier und weltweit. Bestell-Nr. 5.970
— Erste Auflage: April 2009, ISSN 0944-8357
Bestell-Nr. 5.970 (siehe Bestellcoupon auf der letzten Seite) Nr. 78: Der Bundestag – Ansichten und Fakten. Bestell-Nr. 5.971

Sämtliche Ausgaben im Internet, auch die vergriffenen, in Farbe und Schwarz-Weiß:


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pocket politik (Bestell-Nr. 2.551) pocket europa (Bestell-Nr. 2.554)
pocket wirtschaft (Bestell-Nr. 2.552) pocket zeitgeschichte (Bestell-Nr. 2.555)
pocket global (Bestell-Nr. 2.553) pocket recht: ab Herbst 2009

[Link] / pocket

— Herausgeberin: Bundeszentrale für politische Bildung / bpb — Verantwortliche Redakteurin: Iris Möckel — Gestaltung: [Link]
— Themenblätter im Unterricht Nr. 77: — Autor: Robby Geyer — Erste Auflage: April 2009 — Internet: [Link]/themenblaetter
Armut – hier und weltweit

Armut – LEHRERBLATT

hier und weltweit


von Robby Geyer 01
„Armut“ wird heute vor allem mit der Situation in Entwicklungsländern in
Verbindung gebracht. Jedoch gibt es auch in den westlichen Wohlstands-
gesellschaften arme Menschen. Die politischen Maßnahmen, die zur
Bekämpfung von Armut ergriffen werden müssen, sind vielfältig und umstritten.

Armut und Mangel gibt es schon immer 2 steht für die weibliche Form des
vorangegangenen Begriffs
Immer dort, wo Menschen in einer Gesellschaft zusammenleben und Eigentum, Besitz und
Einkommen nicht gleich verteilt sind, gibt es Einzelne oder ganze gesellschaftliche Gruppen,
— Zu dieser Ausgabe
die in Armut leben. In allen geschichtlichen Epochen findet man Beispiele für Menschen,
die arm waren. Erinnert sei an die Armenhäuser der mittelalterlichen Städte oder an die Es werden Grundzüge der „absoluten“ und der
Verhältnisse, in denen Arbeiter2 und ihre Familien während der Industrialisierung im „relativen“ Armut sowie der weltweite Kampf gegen
die Armut (Millenniumsziel der UN) erörtert.
19. Jahrhundert existieren mussten.

Armut hat viele Gesichter — Armut weltweit

Armut äußert sich in unterschiedlichen Formen. Einige dieser Erscheinungsbilder treten Anzahl der Menschen, die täglich von weniger als
a) 1,25 US-Dollar leben (in Mio.)
verstärkt in Entwicklungsländern auf, während andere eher bei armen Menschen in den
Industriestaaten zu beobachten sind:
1990 2005 2015
Ostasien und
– Hunger sowie Unter- und Mangelernährung Pazifik 873,3 316,2 137,6
– schlechter Gesundheitszustand und erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten nur China 683,2 207,7 84,3
– geringe Lebenserwartung und hohe Sterblichkeit bei Säuglingen, Kleinkindern und Müttern Europa und
– niedriger Bildungsstand und mangelnde oder fehlende Ausbildung Zentralasien 9,1 17,3 9,8
Lateinamerika
(Analphabetentum; geringe Qualifizierung)
und Karibik 49,6 45,1 30,6
– hohe Arbeitslosigkeit, Unterbeschäftigung und ein großer informeller Sektor (Schwarzarbeit)
Südasien 579,2 595,6 403,9
– schlechte Wohnverhältnisse oder gar Obdachlosigkeit nur Indien 435,5 455,8 313,2
– schlechte Kleidung Naher Osten
– kulturelle und soziale Entwurzelung sowie Isolation und Nordafrika 9,7 11,0 8,8
(Ausschluss vom gesellschaftlichen und kulturellen Leben) Subsahara-Afrika 297,5 388,4 356,4
– Minderwertigkeitsgefühle und psychosomatische Störungen insgesamt 1.818,5 1.373,5 947,2

b) 2 US-Dollar leben (in Mio.)


Absolute Armut
1990 2005 2015
Bis 2008 wurde als in absoluter Armut lebend angesehen, wer am Tag weniger als einen Ostasien und
US-Dollar zur Verfügung hat, um damit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Dieser Wert Pazifik 1.273,7 728,7 438,0
wurde durch die Weltbank auf 1,25 US-Dollar angehoben. Dies hängt mit der Veränderung nur China 960,8 473,7 260,9
der Kaufkraft des Geldes zusammen. Der erste Wert bezog sich auf das Basisjahr 1993, Europa und
Zentralasien 31,9 41,9 26,7
während dem aktuellen Wert die Kaufkraft des Jahres 2005 zugrunde liegt.
Lateinamerika
Absolute Armut tritt besonders in den Entwicklungsländern zu Tage und bezieht sich auf ein und Karibik 86,3 91,3 72,4
physisches Existenzminimum, welches zum Überleben notwendig ist. Nach aktuellen Südasien 926,0 1.091,5 959,5
nur Indien 701,6 827,7 714,5
Zahlen der Weltbank (August 2008) leben nach dieser Definition etwa 1,4 Mrd. Menschen
Naher Osten
weltweit in extremer Armut (i Tabelle a). Nimmt man den Wert von zwei US-Dollar als
und Nordafrika 44,4 51,5 33,3
tägliches Existenzminimum, erhöht sich die Zahl schon auf über 2,5 Mrd. Menschen, was Subsahara-Afrika 393,6 556,7 585,0
etwa 45 Prozent der Weltbevölkerung entspricht. insgesamt 2.755,9 2.561,5 2.115,0

Quelle: Weltbank 2008 © Leitwerk

— Herausgeberin: Bundeszentrale für politische Bildung / bpb — Verantwortliche Redakteurin: Iris Möckel — Gestaltung: [Link]
— Internet: [Link]/themenblaetter — Erste Auflage: April 2009 — Autor: Robby Geyer — Themenblätter im Unterricht Nr. 77:
Armut – hier und weltweit

— Human Development Index (HDI)


LEHRERBLATT

02
Bei diesem Index wird der Entwicklungsstand eines Landes nicht ausschließlich nach der Wirtschafts-
kraft und dem Realeinkommen bemessen. Zusätzlich zum realen Pro-Kopf-Einkommen werden auch
die Lebenserwartung sowie die Alphabetisierungsrate bei Erwachsenen und die Schulanfängerquote
berücksichtigt. Daher bildet der HDI eine Alternative zur monetären (in Geld ausgedrückten)
Bestimmung von absoluter und relativer Armut. Der HDI hat stets einen Wert zwischen 0 und 1.
Je näher er für ein Land am Wert 1 liegt, desto höher entwickelt ist dieses Land. Je näher er gegen 0
tendiert, desto größer ist der Grad der Unterentwicklung.

Nähere Infos unter: [Link] > human development > human development indices > human development index

Relative Armut Kampf der absoluten Armut:


Das erste Millenniumsziel der Vereinten Nationen (UNO)
Besonders in den hochentwickelten Industriestaaten Westeuropas kam
man in den 1960er Jahren zu dem Ergebnis, dass Armut ausgerottet Im September 2000 einigten sich die Vertreter2 von 189 Staaten
sei. Offensichtlich gab es aber immer noch Menschen, die wenig auf die sogenannte Millenniumserklärung. Darin wurde das Ziel
verdienten oder gar arbeitslos waren. Zudem mussten Menschen in festgeschrieben, die Lebenssituation für alle Menschen in den nächsten
schlechten Unterkünften wohnen oder konnten sich weniger leisten fünfzehn Jahren zu verbessern. 2001 wurden acht Ziele formuliert, die
als der Durchschnitt der Bevölkerung. Daher wurde das Konzept bis 2015 erfüllt werden sollen. Diese umfassen 22 konkrete Maßnahmen.
der relativen Armut eingeführt. Als arm gilt demnach, wer weniger Unter anderem verpflichteten sich die Staaten, eine Primärbildung
als 50 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verfügung hat. für alle Kinder zu garantieren, die Gesundheitsversorgung auszubauen
sowie die Bekämpfung von Krankheiten zu intensivieren. Auch soll
Nach der Definition des Statistischen Amtes der Europäischen
die Zusammenarbeit zwischen den Entwicklungsländern und Industrie-
Gemeinschaften (EUROSTAT) gilt als armutsgefährdet, wer in einem
staaten (globale Entwicklungspartnerschaft) verbessert werden.
Haushalt lebt, dessen Realeinkommen weniger als 60 Prozent
des Durchschnittseinkommens der Gesamtbevölkerung beträgt Als erstes Millenniumsziel wurde die Bekämpfung von extremer Armut
(Armutsrisikoquote). Zusätzlich spricht man vom prekären Wohl- und Hunger beschlossen. Konkret soll der Anteil derjenigen, die
stand, wenn das Einkommen unter 75 Prozent des Durchschnitts täglich von weniger als einem US-Dollar (ab 2008 1,25 US-Dollar)
liegt (Niedrigeinkommen). Zum einen stammen die Ursachen aus leben müssen, bis 2015 halbiert werden. Auch der Anteil der
den Verhältnissen in den Entwicklungsländern selbst, zum anderen Menschen, die unter dauerhaftem Hunger leiden, soll halbiert werden.
werden aber auch äußere Ursachen dafür verantwortlich gemacht.
Als Bezugsgröße dient das Jahr 1990. Jährlich ermitteln die UNO
Die Vorwürfe: Die Industriestaaten und andere internationale Organisationen den aktuellen Stand der
– erheben Einfuhrzölle auf landwirtschaftliche Produkte, was deren Umsetzung. Wie die Grafik auf Arbeitsblatt A zeigt, wird nach den
Waren verteuert und somit im Wettbewerb verschlechtert; aktuellen Entwicklungen das Ziel, die Armut zu halbieren, bis 2015
– versuchen, staatlich subventionierte und dadurch billige Agrar- erreicht werden. Lag der Anteil 1990 noch bei 41,7 Prozent der
produkte in den Entwicklungsländern abzusetzen. Diese Subventions- Weltbevölkerung, so konnte er bis 2005 auf 25,2 Prozent gesenkt
politik in der Landwirtschaft ist mitverantwortlich dafür, dass die Welt- werden und soll nach den Prognosen der Weltbank 2015 bei 15,5
marktpreise für Rohstoffe tendenziell stark gefallen sind und großen Prozent liegen. Auffällig ist, dass die größten Erfolge bei der Armuts-
Schwankungen unterliegen. Dadurch sinken die Einnahmen; bekämpfung in Ostasien und insbesondere China zu verzeichnen
– vergeben Kredite an die Entwicklungsländer ohne ausreichend sind, während das erste Millenniumsziel in Subsahara-Afrika wohl
darauf zu achten, wofür dieses Geld eingesetzt wird. nicht erreicht wird. Dort wird der Anteil von derzeit knapp über
50 Prozent an armer Bevölkerung auf etwa 37 Prozent sinken.

— Ursachen und Folgen von Armut

Wirtschaft Gesellschaft Politik

Mangelnde Verfügungsgewalt über Ressourcen Starre hierarchische Gesellschaftsstrukturen Instabile politische Verhältnisse
(Grund und Boden, Kapital, Wissen, etc.) (Benachteiligung von Frauen und Mädchen) (Diktatur, Putsch, Bürgerkrieg)

Mangelnde Produktivität der Landwirtschaft Unzureichendes Bildungs- und Ausbildungsniveau Korruption und persönliche Bereicherung
(fehlende Finanzmittel für Investitionen und (keine Schulen, schlechte Ausstattung, fehlende
Modernisierung, fehlende Anreize für Produktions- Schulabschlüsse, keine Berufsausbildung)
steigerung durch niedrige Preise, zu wenig
Nahrungsmittel für die einheimische Bevölkerung)

Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung Mangelnde Gesundheitsversorgung Hohe Militärausgaben zu Lasten


(fehlende Arbeitsmöglichkeiten) (erhöhtes Krankheitsrisiko, hohe Sterblichkeit, von Gesundheit und Bildung
geringe Lebenserwartung)

Geringes Einkommen und fehlende Kaufkraft Flüchtlingsströme und Obdachlosigkeit Hoher Schuldenstand und hohe Zinsen
durch Bürgerkriege

— Herausgeberin: Bundeszentrale für politische Bildung / bpb — Verantwortliche Redakteurin: Iris Möckel — Gestaltung: [Link]
— Themenblätter im Unterricht Nr. 77: — Autor: Robby Geyer — Erste Auflage: April 2009 — Internet: [Link]/themenblaetter
Armut – hier und weltweit

Situation in Deutschland LEHRERBLATT

03
Nach einer aktuellen Studie lag der Anteil der relativ armen Menschen in Deutschland bei
11 Prozent und damit leicht über den OECD-Durchschnitt (siehe Grafik). 1985 lag die
Armutsquote noch bei 9,1 (altes Bundesgebiet) und ging bis 1997 sogar auf 7,9 Prozent
zurück. Seither hat die relative Armut in Deutschland wieder zugenommen.

Das Risiko in Deutschland einkommensarm zu sein, wurde im 3. Armuts- und Reichtumsbericht


der Bundesregierung für 2005 mit 13 Prozent für das gesamte Bundesgebiet angegeben.
Durch staatliche Transferleistungen (z.B. Kinder- oder Wohngeld) konnte die Armutsrisikoquote
2005 somit halbiert werden. Deutschland gehört damit zu den Ländern, in denen die Sozial-
transfers deutlich die Armutsrisikoquote senken. Das Statistische Bundesamt beziffert die
— Leben unter der Armutsgrenze
Armutsrisikoquote für 2005 auf 12,8 und für 2006 auf 13,9 Prozent. 2001 lag sie noch bei 11,4.
Anteil der Bevölkerung mit weniger
Zu den besonders gefährdeten Gruppen zählen: als 50 Prozent des mittleren Einkommens
im jeweiligen Land, in Prozent
– Arbeitslose (43 Prozent)
– Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung (19 Prozent) Dänemark 5,3
– Alleinerziehende (24 Prozent) Schweden 5,3
Tschechien 5,8
Insgesamt war das Armutsrisiko in Ostdeutschland mit 15 Prozent höher als in West- Österreich 6,6
Frankreich 7,1
deutschland mit 12 Prozent. Im Datenreport 2008 wird der Prozentsatz der Armutsschwelle
Ungarn 7,1
in Ostdeutschland für 2006 sogar mit 22,6 Prozent angegeben.
Niederlande 7,7
Großbritannien 8,3
Mindestsicherung für ein sozio-kulturelles Existenzminimum Schweiz 8,7
OECD 10,6
Durch staatliche Sozialleistungen in Form einer Mindestsicherung soll für jede Person in
Deutschland 11,0
Deutschland ein sozio-kulturelles Existenzminimum gewährleistet werden. Dabei handelt es Italien 11,4
sich um Arbeitslosengeld II und Sozialgeld (Grundsicherung für Arbeitsuchende), Grund- Australien 12,4
sicherung im Alter und bei Erwerbsminderung sowie Hilfe zum Lebensunterhalt (Sozialhilfe), Griechenland 12,6
Asylbewerberleistungen sowie Kriegsopferfürsorge. Mit diesen Zahlungen soll ein menschen- Spanien 14,1
würdiges Leben und die Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht werden. Der notwenige Polen 14,6
Japan 14,9
Lebensunterhalt soll den Bedarf an Nahrung, Kleidung, Körperpflege, Hausrat und persön-
USA 17,1
lichen Bedürfnissen abdecken. Dazu zählen auch die Aufrechterhaltung sozialer Bindungen
Türkei 17,5
(Freundeskreis, Vereinsaktivitäten) und die Teilnahme am kulturellen Leben.
Deutschland:
Zurzeit beträgt der finanzielle Regelsatz monatlich 351 Euro für einen2 Alleinstehenden. Hinzu
Anteil der Bevölkerung unter der Armutsgrenze
kommen etwa 317 Euro für Miete und Heizungskosten. Der Regelsatz für Kinder muss nach
nach Haushaltstypen
einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts (vom Januar 2009) neu berechnet werden.
ohne Kinder 9,5
Die Bemessungsgrundlage für den Regelsatz bilden Stichproben zu Einkommen und Verbrauch
mit Kindern 13,2
bei den untersten 20 Prozent der Haushalte in Deutschland. Neue Daten werden alle fünf
Singlehaushalt 17,5
Jahre erhoben. In der Zwischenzeit ist die Entwicklung der Mindestsicherung an die Renten- Alleinerziehende 41,5
entwicklung angepasst.
Im Datenreport 2008 wurde der Armen-Anteil
Ende 2006 bezogen in Deutschland insgesamt 8,3 Mio. Menschen solche Sozialleistungen,
für 2005 mit 10,8 Prozent und für 2006 mit
die ein Gesamtvolumen von 45,6 Mrd. Euro hatten. Die größte Empfängergruppe sind mit 11,4 Prozent ausgewiesen. Die Unterschiede
7,3 Mio. die Arbeitsuchenden, gefolgt von Rentnern2 und Menschen, die aufgrund von zwischen OECD und Statistischem Bundesamt
Erkrankung und Behinderung dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen (764.000 sind dabei auf unterschiedliche Erhebungs-
Personen). Zusätzlich bezogen 194.000 Asylbewerber2 und etwa 60.000 Kriegsopfer soziale verfahren zurückzuführen und vernachlässigbar.
Leistungen zur Mindestsicherung. Quelle: OECD, Stand 2005, © Leitwerk
— Zeichnung: Benno Raestrup ([Link])

— Herausgeberin: Bundeszentrale für politische Bildung / bpb — Verantwortliche Redakteurin: Iris Möckel — Gestaltung: [Link]
— Internet: [Link]/themenblaetter — Erste Auflage: April 2009 — Autor: Robby Geyer — Themenblätter im Unterricht Nr. 77:
Armut – hier und weltweit

LEHRERBLATT — Hinweise zum Arbeitsblatt A und B

04
Das Zitat zu Beginn von Arbeitsblatt A ist geeignet als Einstieg in das Thema. Den Hinter-
grund für diese Auffassung bildet die Menschenwürde (siehe auch Art. 1 Grundgesetz).
In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 wurde in Art. 1 festgehalten,
dass alle Menschen frei sind und „gleich an Würde und Rechten geboren“. Einem Menschen,
der in Armut lebt, ist es jedoch nur schwer möglich, ein menschenwürdiges Dasein zu
führen. Auch die freie Entfaltung der Persönlichkeit (Art. 2 GG) ist für arme Menschen
eingeschränkt. Im Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte,
der 1966 verabschiedet und 1976 in Kraft trat, werden Rechte formuliert, die ebenfalls nicht
gewährleistet werden, wenn jemand in Armut lebt. Dazu gehört u.a. das Recht auf soziale
— Mindestlohn als Strategie zur Armuts-
bekämpfung Sicherheit oder das Recht auf Bildung.

Wer mit seiner Arbeit seine Familie ernähren will, Armut hat viele Gesichter (zu Aufgabe 1)
braucht einen ausreichenden Arbeitslohn. Es gibt
aber Jobs, bei denen auch in einem regulären Die Fotos zeigen verschiedene Ursachen und Folgen von Armut:
Arbeitsverhältnis das Einkommen nicht ausreicht.
Das brachte seit 2005 in Deutschland die Mindest- – Zu 1: Arbeitslosigkeit (EL / IL) / Depression (eher IL)
lohndebatte auf die Tagesordnung. Ein Mindest- Foto: Großdemonstration des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Berlin am 21.10.2006
lohn ist ein gesetzlich festgelegtes Arbeitsentgelt, – Zu 2: mangelnde Bildung (EL / IL) / Analphabetismus (eher EL; v.a. Frauen)
das den Beschäftigten als Minimum zusteht,
Foto: Eritreische Frau mit Baby in einem Alphabetisierungskurs in Himberti / 2001
um ihre Grundbedürfnisse zu sichern.
– Zu 3: Obdachlosigkeit (EL / IL) / Krankheit; Drogen; Alkoholismus (EL / IL)
In vielen Ländern gibt es bereits heute einen (soziale) Ausgrenzung (EL / IL)
Mindestlohn; zum Beispiel haben 20 von 27 EU- Foto: Obdachloser mit Weinflasche, ohne Strümpfe, in Hamburg
Staaten einen solchen eingeführt. In Deutschland
– Zu 4: Hunger / Unter- und Mangelernährung (EL)
haben nicht nur die politischen Parteien unter-
schiedliche Positionen, auch zwischen Arbeit-
Foto: Burmesische Flüchtlingsfrau beim Wasserholen in einem Camp in Bangladesch
gebern2 und Gewerkschaften ist dieses Thema mit ihrem unterernährten Kind auf dem Arm (Juni 2006)
umstritten. Die Gewerkschaften fordern einen
Stundenlohn von 7,50 Euro. Dies wäre bei einem2 Außerdem: hohe Sterblichkeitsraten in den Entwicklungsländern / Krankheit, schlechte
Vollzeitbeschäftigten (38,5 h/Woche) ein monat- Kleidung, Ausschluss vom gesellschaftlichen und kulturellen Leben, Beispiele für psycho-
licher Mindestlohn von etwa 1.250 Euro. somatische Störungen (z.B. Minderwertigkeitsgefühl), Bildungsarmut, Armut von Kindern.

— Monatlicher Mindestlohn in ausgewählten Absolute Armut (zu Aufgabe 2)


Staaten in Euro (Stand 2008)
Die Grafik zeigt, dass das Millenniumsziel zur Halbierung des Anteils der Menschen, die
Belgien 1.309,60 in absoluter Armut leben, bis 2015 weltweit gesehen durchaus erreicht werden könnte.
Frankreich 1.280,00 Während im Nahen Osten und Nordafrika bzw. in Europa und Zentralasien das Niveau der
Großbritannien 1.222,50 Armutsquote zwar nicht halbiert, aber doch auf einem niedrigen Niveau verbleibt, scheint es
Irland 1.462,00 so, also würde in Subsahara-Afrika das Ziel verfehlt. In dieser Region müssen die Bemühungen
Litauen 2.31,70
demzufolge intensiviert werden. Besonders erfolgreich wurde die absolute Armut hingegen
Luxemburg 1.570,00
in Ostasien (insbesondere China) bekämpft.
Malta 612,30
Niederlande 1.335,00
Polen 312,70 Relative Armut (zu Aufgabe 3)
Rumänien 141,40
Slowakei 242,50 Richtige Zuordnung: 1c / 2d / 3b / 4a
Spanien 700,00
Türkei 353,80
USA 696,00 Situation zur Armut in Deutschland (zu Aufgabe 4)

Quelle: EUROSTAT 2009 / Leitwerk


Lösungen zum Lückentext in der richtigen Reihenfolge:
Bevölkerung / Transferleistungen / Armutsrisikoquote / Wohngeld / Ostdeutschland /
— Tipp: Umrechnungskurs US-Dollar in Euro ältere / Kinder und Jugendliche / Armutsrisiko / Alleinerziehende / Arbeitslosigkeit /
Der Gegenwert von 1 US-Dollar betrug bei Bildungsniveau / Arbeiter / Obdachlose / Migrationshintergrund
Redaktionsschluss (7. April 2009) 0,75 Euro.

Einen tagesaktuellen Umrechnungskurs Mindestsicherung für ein Leben in Menschenwürde (zu Aufgabe 5)
können Sie im Internet ermitteln, z.B. hier:
Die Mindestsicherung soll den Grundbedarf des täglichen Lebens abdecken. Dazu zählen
[Link]
Ernährung, Kleidung, Körperpflege, Hausrat sowie persönliche Bedürfnisse wie Aufrecht-
erhaltung sozialer Beziehungen und Teilnahme am kulturellen Leben. Restaurantbesuche,
Geld für ein eigenes Auto oder Handy-Vertrag sowie die Finanzierung von Urlaubsreisen sind
hier nicht vorgesehen. Die Kosten für Klassenfahrten z.B. werden in begründeten Fällen
aber übernommen.

— Herausgeberin: Bundeszentrale für politische Bildung / bpb — Verantwortliche Redakteurin: Iris Möckel — Gestaltung: [Link]
— Themenblätter im Unterricht Nr. 77: — Autor: Robby Geyer — Erste Auflage: April 2009 — Internet: [Link]/themenblaetter
Armut – hier und weltweit

— Hinweise zur Kopiervorlage LEHRERBLATT

05
Mindestlohn als Mittel zur Armutsbekämpfung? (zu Aufgabe Z1)

Die erste Karikatur thematisiert die Problematik von Beschäftigung im Niedriglohnbereich,


während die zweite die Position von Unternehmern2 und Spitzenverdienern2 wiedergibt.
Download der Karikaturen für Overheadfolien unter: [Link]/themenblaetter.

Wie sehr muss sich Arbeit lohnen?


Pro und Contra für einen Mindestlohn (zu Aufgabe Z2)

Teilen Sie die Klasse in zwei Gruppen, wobei eine die Pro- und die andere die Contra-Seite vertritt. Nachdem zuvor die jeweiligen Argumente
zugeordnet wurden, können die Gruppen gleich damit beginnen, die Argumente auszuformulieren. Ein oder zwei Schüler2 sollten zu
Moderatoren2 bestimmt werden, die die Diskussion leiten und die Argumente der Gruppen protokollieren. Dabei sollten die Pro- und
Contra-Punkte so notiert werden, dass sie für das Publikum lesbar sind (z.B. an der Tafel anschreiben). Jede Gruppe wählt einen oder zwei
Schüler2, die die Gruppe in der Diskussion vertreten. Abwechselnd haben diese die Möglichkeit, ihre Argumente vorzutragen. Dabei sollten
die Diskutanten2 nicht nur ihre eigenen Argumente präsentieren, sondern auch auf die Punkte der Gegenseite eingehen. Abschließend
kann das Publikum darüber abstimmen, welche Argumentation sie am ehesten überzeugt hat.

Weitere Hinweise zur Pro- und Contra-Diskussion finden Sie im Methodenkoffer oder der Methoden-Kiste:
[Link] > Lernen > Methodenkoffer > Pro- und Contradiskussion
oder: [Link] > Publikationen > Thema im Unterricht > Methodenkiste

— Argumente für und gegen einen Mindestlohn

Pro-Argumente Contra-Argumente

– jeder2 Vollzeitbeschäftigte muss von seinem Einkommen den Lebens- – Arbeitsplatzabbau (steigende Arbeitslosigkeit)
unterhalt bestreiten können (moralisches Gebot, da geringe Löhne sittenwidrig
sind; Recht auf einen Mindestlohn im WSK-Pakt festgeschrieben) – sinkende Lohnsteuereinnahmen für den Staat, weniger Beiträge für die
Sozialversicherung und mehr Ausgaben durch Anstieg der Arbeitslosigkeit
– Gewerkschaften teilweise zu schwach, um angemessenen Lohn
auszuhandeln (z.B. durch Mitgliederschwund) – Zunahme des Armutsrisikos, weil mehr Menschen arbeitslos werden

– die Hartz IV-Regelsätze (z.B. für Alleinstehende: 351 Euro + ca. 317 Euro – Verteuerung des Produktionsfaktors Arbeit
für Miete und Heizung) sind als heimlicher Mindestlohn zu gering (steigende Produktionskosten; sinkende Produktivität)
(muss darüber liegen, damit sich Arbeit lohnt; Leistungsprinzip)
– sinkende internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands
– Motivationssteigerung für Beschäftigte (Beitrag zur Qualitätssicherung) (Wettbewerbsnachteile)

– keine negativen Beschäftigungseffekte durch Mindestlohn – Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland
(nicht zwangsläufig oder verkraftbar); (Länder mit niedrigeren Lohnkosten)

– im Dienstleistungsbereich kein Arbeitsplatzabbau – Gefahr von Schwarzarbeit steigt


(Dienstleistungen am Menschen kann man nicht ins Ausland verlagern)
– Eingriff in die Tarifautonomie (Löhne und Gehälter durch die Tarifparteien)
– durch verstärkten privaten Konsum und gesteigerte Binnennachfrage
positive Auswirkungen für den Arbeitsmarkt – Arbeitgeber und Gewerkschaften
(Tarife werden ohne Einmischung des Staates ausgehandelt)
– kein wirtschaftlicher Schaden in Ländern, die Mindestlohn haben (Innova-
tionsfähigkeit einer Volkswirtschaft für wirtschaftliche Entwicklung wichtiger) – Veränderung des gesamten Lohngefüges
(z.B. Lohnunterschiede zwischen Ungelernten und Facharbeitern2)
– Verhinderung von Preiskämpfen zu Lasten der Arbeitnehmer2
(„Lohndumping“) – alle müssen mindestens den vorgeschriebenen Lohn – staatliche Transferzahlungen besser geeignet, um Einkommensschwache
zahlen; gleichzeitig Schutz vor Billiglohn-Konkurrenz aus dem Ausland zu unterstützen
im Dienstleistungssektor
– faktischer (heimlicher) Mindestlohn besteht durch Hartz-IV-Regelsätze
– weitere Ausweitung des Niedriglohn-Sektors gestoppt
– Kontroll-Bürokratie, die die Einhaltung des Mindestlohns
– staatliche Mindestarbeitsstandards gibt es bereits überwachen müsste
(z.B. Mindesturlaubsanspruch, wöchentliche Höchstarbeitszeit)

– Entlastung der Staatskasse (durch wegfallende Transferleistungen und


steigende Einnahmen durch Lohnsteuer und bei der Sozialversicherung)

– Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen können reduziert werden

— Herausgeberin: Bundeszentrale für politische Bildung / bpb — Verantwortliche Redakteurin: Iris Möckel — Gestaltung: [Link]
— Internet: [Link]/themenblaetter — Erste Auflage: April 2009 — Autor: Robby Geyer — Themenblätter im Unterricht Nr. 77:
Armut – hier und weltweit

KOPIERVORLAGE Die Debatte


K01 um Mindestlöhne
von Robby Geyer

— Pro- und Contra-Argumente Mindestlohn


Z1 Mindestlohn als Mittel zur Armutsbekämpfung?
– Arbeit muss sich lohnen
Seit 2005 wird in Deutschland wieder verstärkt über die Einführung eines Mindest-
– viel Bürokratie zur Kontrolle nötig lohns diskutiert. Welche Positionen werden auf den beiden Karikaturen dargestellt?

– Gewerkschaften als Tarifpartner zu schwach

– Löhne sind Sache der Tarifparteien,


nicht des Staates

– Menschenrecht auf einen Mindestlohn

– Arbeitsplatzabbau

– Entlastung der Staatskasse

– Wettbewerbsnachteile

– Dienstleistungen am Menschen kann man


nicht ins Ausland verlagern

– Anstieg des privaten Konsums

– erhöhtes Armutsrisiko wegen Kündigung

– Förderung von Schwarzarbeit

– Motivationssteigerung bei den Beschäftigten

— Zeichnung oben: Thomas Plaßmann (Baaske Cartoons) — Zeichnung unten: Gerhard Mester (Baaske Cartoons)
– heimlicher Mindestlohn ist Hartz IV

– Verhinderung von Löhnen weit unter Tarif

– Ausweitung des Niedriglohnsektors


muss verhindert werden

– steigende Produktionskosten bedeuten


Verlagerung ins Ausland

Z2 Wie sehr muss sich Arbeit lohnen? Pro und Contra für einen Mindestlohn

Ein Mindestlohn wird in der Regel landesweit und per Gesetz für Vollzeitbeschäftigte eingeführt. Dabei handelt es sich um Bruttolöhne vor Abzug
der Einkommenssteuern und Sozialabgaben. In den meisten Staaten wird er jährlich als Bruttomonatslohn festgelegt.

A Ordnet die oben stehenden Argumente für und gegen die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland,
und tragt die Argumente der Gegner2 und Befürworter2 in die entsprechenden Spalten auf einer Wandzeitung (oder Tafel) ein.
Natürlich könnt ihr auch eigene Pro- oder Contra-Argumente einfügen.

B Gestaltet mit Hilfe dieser Argumente eine Diskussionsrunde zwischen Gegnern2 und Befürwortern2 eines Mindestlohns.
Stimmt anschließend darüber ab, ob ihr die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns befürwortet. Achtet in den Gruppen
besonders darauf, die jeweiligen Argumente für die Diskussion auszuformulieren.

— Herausgeberin: Bundeszentrale für politische Bildung / bpb — Verantwortliche Redakteurin: Iris Möckel — Gestaltung: [Link]
— Themenblätter im Unterricht Nr. 77: — Autor: Robby Geyer — Erste Auflage: April 2009 — Internet: [Link]/themenblaetter
Armut – hier und weltweit

Armut – ARBEITSBLATT

hier und weltweit


von Robby Geyer A
„Immer, wenn wir einen Menschen aus dem Leben in Armut erlösen,
verteidigen wir Menschenrechte. Und immer wenn wir versagen, verraten
wir Menschenrechte.“ Kofi Annan, UN*-Generalsekretär von 1997–2006

2 steht für die weibliche Form des


1 Armut hat viele Gesichter
vorangegangenen Begriffs
Armut wird in der Regel am verfügbaren Einkommen gemessen, welches dem einzelnen Menschen
zur Verfügung steht. Jedoch äußert sich Armut in vielerlei Formen. — Armut: Formen und Folgen

1. Industrieland / Entwicklungsland
— Fotos: 1. Dietmar Gust — 2. Stefan Boness, Ipon — 3. Argus, Schroeder — 4. Sinopictures, GMB Akash — alle Fotos bei [Link]fi[Link] — * UN = Vereinte Nationen

A Welche Formen von Armut und ihren Folgen erkennst du auf den Fotos?

B Fallen dir weitere Beispiele ein, wie sich Armut konkret zeigt?

C Überlege, welche dieser Erscheinungsformen eher in Entwicklungsländern


(z.B. in Afrika oder Südasien) und welche in Industriestaaten (z.B. Deutschland oder
USA) auftreten und kreuze die entsprechenden Kästchen bei den Fotos an.

D Vergleicht und diskutiert anschließend die Ergebnisse in der Klasse.


2. Industrieland / Entwicklungsland

2 Absolute Armut

2001 beschlossen die UN-Staaten, den Anteil der Bevölkerung, die in absoluter Armut leben
(d. h.: weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag zum Leben haben), bis 2015 zu halbieren (1. Millenniumsziel).

A Kannst du dir vorstellen, wie man von 1,25 Dollar am Tag leben kann?
Wie sehen die Bedingungen aus?

3. Industrieland / Entwicklungsland
B Überprüfe mit Hilfe der Grafik die Entwicklung der Armut. Wird das Ziel der
UN-Staaten, die Armut auf der Welt bis 2015 zu halbieren, insgesamt erfüllt werden?
Wie sieht die Entwicklung in den einzelnen Regionen aus?

— Anteil der Menschen, die täglich von weniger als 1,25 US-Dollar leben, in Prozent

1990 2005 2015

60

40
4. Industrieland / Entwicklungsland

20

0
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Quelle: Worldbank 2009 / Leitwerk

— Herausgeberin: Bundeszentrale für politische Bildung / bpb — Verantwortliche Redakteurin: Iris Möckel — Gestaltung: [Link]
— Internet: [Link]/themenblaetter — Erste Auflage: April 2009 — Autor: Robby Geyer — Themenblätter im Unterricht Nr. 77:
Armut – hier und weltweit

ARBEITSBLATT 3 Relative Armut

B
Das Konzept der relativen Armut umfasst mehrere Begriffe und Messgrößen.
Ordne die jeweils zusammengehörigen Begriffe und Umschreibungen zu.

1 Anteil der Bevölkerung mit weniger als a Soziokulturelles Existenzminimum


60 Prozent des Durchschnittseinkommens

2 Bevölkerungsanteil mit 50–75 Prozent b Armutsgrenze (Relative Armut)


des Durchschnittseinkommens

3 Bevölkerungsanteil mit weniger als c Armutsrisikoquote


— Zuordnung zu Aufgabe 3
50 Prozent des Durchschnittseinkommens

1 3 4 Mindesteinkommen für ein menschenwürdiges d Prekärer Wohlstand


2 4 Leben und Teilhabe an der Gesellschaft

4 Situation zur Armut in Deutschland

Versuche, den Text mit Hilfe der nebenstehenden Begriffe sinnvoll zu ergänzen: — Begriffe für den Lückentext

Ostdeutschland Armutsrisiko
Das Risiko arm zu sein, betrifft in Deutschland 13,9 Prozent der
Alleinerziehende Bevölkerung
(aktuelle Zahlen für 2006). 2005 waren es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes noch 12,8 ältere Bildungsniveau
und 2001 gar nur 11,4 Prozent. Ohne staatliche Arbeitslosigkeit Arbeiter
Armutsrisikoquote Transferleistungen
würde die bei etwa 26 Prozent liegen.
Obdachlose Wohngeld
Durch staatliche Leistungen wie Kindergeld oder wird das Einkommen Kinder und Jugendliche Migrationshintergrund
aufgebessert. In lag die Armutsschwelle 2006 mit 22,7
Prozent deutlich über der bundesweiten. Ältere Statistiken wiesen besonders — Vergleichsweise prima?
Frauen als arm aus. Heutzutage sind verstärkt
„Armut? Wo?!!“
besonders von Armut betroffen. In der Altersgruppe der 11- bis 20-Jährigen beträgt die Armutsrisikoquote
18,7 Prozent. Wer zudem mehrere Kinder hat, trägt ein zusätzliches
im Vergleich zu Kinderlosen. Auch haben eine höhere
Risikoquote als Familien mit zwei Erziehungsberechtigten. Sie lag 2005 bei 24 Prozent. Wesentliche
Ursache für ein erhöhtes Armutsrisiko bleibt die . Laut dem
3. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung betrug die Quote bei den Arbeitslosen für 2005
ca. 43 Prozent. Eine entscheidende Rolle für die Situation spielt das
des Einzelnen: Wer über einen niedrigen Bildungsstand verfügt, ist stärker gefährdet, in Armut abzugleiten.
Der Datenreport 2008 weist die Armutsrisikoquote im Jahr 2006 für un- und angelernte
mit 18,1 Prozent aus. Sehr gefährdet sind zudem , Personen
mit , chronisch Kranke und Behinderte.

„Armut in Deutschland –
5 Mindestsicherung für ein Leben in Menschenwürde Anna E. (alleinerziehend) – Troststunde“

Mit einer staatlichen Mindestsicherung soll der notwendige Bedarf für ein
menschenwürdiges Leben und die Teilhabe an der Gesellschaft („soziokulturelles
— Zeichnungen: Thomas Plaßmann (Baaske Cartoons)

Existenzminimum“) ermöglicht werden. Was gehört deiner Meinung nach zu diesem


notwenigen Lebensunterhalt? Kreuze an und diskutiere mit deinen Mitschülern2.
Einigt euch auf vier Punkte.

Hausrat Urlaubsreisen
Restaurantbesuche Klassenfahrt
eigenes Auto Bekleidung
Telefonanschluss Körperpflege
Handy-Vertrag Zeitungsabo
Internetanschluss Fernseher
Nahrung Krankenversicherung

— Herausgeberin: Bundeszentrale für politische Bildung / bpb — Verantwortliche Redakteurin: Iris Möckel — Gestaltung: [Link]
— Themenblätter im Unterricht Nr. 77: — Autor: Robby Geyer — Erste Auflage: April 2009 — Internet: [Link]/themenblaetter
Armut – hier und weltweit

— Weiterführende Hinweise HINWEISE

— Schriften und Materialien der


Bundeszentrale für politische Bildung

Schriftenreihe
Themenblätter im Unterricht

Nr. 30: Arbeitslosigkeit


— nur noch online verfügbar

Nr. 44: Soziale Gerechtigkeit (neu 2008)


Í
Band 511: Das Ende der Armut — Bestell-Nr. 5.394
Jeffrey D. Sachs, Bonn 2006
Nr. 62: Unterschicht in Deutschland?
— Bestell-Nr. 1.511 — Internetadressen
— Bestell-Nr. 5.955
Band 687: Die Ausgeschlossenen
Heinz Bude, Bonn 2006 [Link]
— Bestell-Nr. 1.687 — Weitere Publikationen Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Band 706: Die unterste Milliarde [Link]


Bundesregierung (Hrsg.): > Wissen > Zahlen und Fakten >
Paul Collier, Bonn 2008
Lebenslagen in Deutschland: Der 3. Armuts- Die soziale Situation in Deutschland
— Bestell-Nr. 1.706
und Reichtumsbericht der Bundesregierung Die soziale Situation in Deutschland
Berlin 2008, online unter: (Themenportal der bpb)
Einzelpublikationen
[Link] > Schlagwortsuche:
Datenreport 2008 „3. Armutsbericht“ [Link]
Statistisches Bundesamt/Gesis-Zuma/ Millennium Development Goals Indicators
Ferdowski, Mir A.:
WZB (Hrsg.), Bonn 2008 [Link]
Weltprobleme
— Bestell-Nr. 1.738 Organisation für wirtschaftliche Zusammen-
München, 6. Auflage 2007
Weltentwicklungsbericht 2008 (hrsg. von der Bayerischen Landeszentrale arbeit und Entwicklung (OECD)
Weltbank/bpb (Hrsg.), Bonn 2008 für politische Bildungsarbeit) [Link]
— Bestell-Nr. 2.187 Statistisches Amt der Europäischen
Huster, Ernst-Ulrich/Boeckh, Jürgen/
Mogge-Grotjahn, Hildegard (Hrsg.): Gemeinschaften (EUROSTAT)
Informationen zur politischen Bildung Handbuch Armut und Soziale Ausgrenzung [Link]
Nr. 269: Sozialer Wandel in Deutschland Wiesbaden 2008 Statistisches Bundesamt
— Bestell-Nr. 4.269 OECD (Hrsg.): [Link]
Growing Unequal? Income Distributions United Nations Development Programme
Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ) and Poverty in OECD Countries
— nur noch online verfügbar Paris 2008 [Link]
UN-Milleniumskampagne Deutschland
18-19/2001: Entwicklungspolitik World Bank (Hrsg.):
– Dritte Welt Global Economic Prospects 2009 [Link]
Washington DC 2009, online unter: Weltbank
29-30/2002: Zustand der Gesellschaft
– Armut und Reichtum [Link] [Link]/weltimwandel/
php/[Link]
26/2006: Kinderarmut Didaktische Materialien Welt im Wandel (E-Book und PDF-Version)
33-34/2008: Abstieg – Prekarität Kindernothilfe e.V. (Hrsg.): Armut als globale
– Ausgrenzung Herausforderung, Duisburg 2006.

— bpb-Publikationen für den Unterricht (alle unter [Link] > Publikationen) — Neu!
1915_u1_u4_v03_041112 12.11.2004 18:22 Uhr Seite 1

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„früher oder später“,
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MAGAZIN DER BUNDESZENTRALE FÜR POLITISCHE BILDUNG Nr. 21 / Dezember 2006

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per Post verschickt werden. Bitte ausreichend frankieren!
Im Inland bis 1 kg: kostenlos und portofrei.
1–20 kg: Versandbeitrag von 4,60 Euro per Überweisung nach Erhalt.

Stand: 1. April 2009 Lieferanschrift

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Bestell-Nr. 5.969 Ex. Wasser – für alle!? (Nr. 76)
Bestell-Nr. 2.550 Ex. Timer (Taschenbuch)
Bestell-Nr. 5.970 Ex. Armut – hier und weltweit (Nr. 77)
Bestell-Nr. 2.549 Ex. Timer (Hardcover)
Bestell-Nr. 5.971 Ex. Der Bundestag – Ansichten und Fakten (Nr. 78)
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Bestell-Nr. 5.965 Ex. Welche EU wollen wir? (Nr. 72; Nachdruck 2008)
(gilt nur bis 1. Juli 2009 und nur für Schulen)
Bestell-Nr. 5.940 Ex. Die Türkei und Europa (Nr. 47; neu 2008)

weitere Themenblätter (p Seite 2)


Die Taschenbuchversion Die Hardcoverversion
Anzahl Kosten je Timer Anzahl Kosten je Timer
Thema im Unterricht Extra: Arbeitsmappen
1–3 3,00 Euro (Versand inkl.) 1–3 5,00 Euro (Versand inkl.)
Bestell-Nr. 5.317 Ex. Grundgesetz für Einsteiger
4– 49 1,50 Euro* 4– 49 3,00 Euro*
Bestell-Nr. 5.399 Ex. Was heißt hier Demokratie?
50–99 1,00 Euro* 50–99 2,00 Euro*
Bestell-Nr. 5.306 Ex. Europa für Einsteiger
ab 100 0,75 Euro* ab 100 1,50 Euro*

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Bestell-Nr. 2.553 Ex. pocket global Der Timer wiegt ca. 240 g (Taschenbuch), bzw. 330 g (Hardcover)

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Spielkarten ( je 1,– Euro)
Bestell-Nr. 2.556 Ex. pocket kultur „früher oder später“ – das Kartenspiel zu pocket zeitgeschichte
Bitte senden Sie mir ein kostenloses Musterexemplar Bestell-Nr. 1.921 Ex. „früher oder später“

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