Handbuch Lockpicking
Handbuch Lockpicking
Guide to Lock Picking. Copyright 1987, 1991 Theodore T. Tool. Alle Rechte
vorbehalten.
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Verbreitung
Es ist erlaubt, dieses Dokument auf nicht gewerblicher Basis zu reproduzieren
und bereitzustellen, wenn der Urheber und diese Notiz vollständig enthalten
sind. Die Informationen in dieser Broschüre werden nur für Zwecke der Bildung
bereitgestellt.
Bearbeitung
Allgemein
Sportsfreunde der Sperrtechnik – Deutschland e.V.
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HTML
André Matuschek auf Basis der Arbeit von Mattias Wingstedt wing@[Link]
Technische Informationen
Schriftsatz: LATEX 2ε [Link]
Schriften: Bookman, Courier
Danksagungen
Christian Schenk für MiKTeX [Link]
TeXnicCenter-Team für TeXnic-Center [Link]
Inhaltsverzeichnis
Sportordnung iii
1 Es ist einfach 1
3 Das Ebenen-Modell 4
5 Das Stift-Säulen-Modell 8
6 Grundtechniken: Harken 12
7 Fortgeschrittenes Schloßöffnen 15
7.1 Mechanische Fertigkeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
7.2 Zen und die Kunst des Schloßöffnens . . . . . . . . . . . . . . . . 15
7.3 Analytisches Denken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
8 Übungen 18
8.1 Übung 1: Stifte zählen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
8.2 Übung 2: Springenlassen des Werkzeuges . . . . . . . . . . . . . . 19
8.3 Übung 3: Der nötige Druck zur Öffnung . . . . . . . . . . . . . . . 20
8.4 Übung 4: Das nötige Drehmoment . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
8.5 Übung 5: Identifizieren von gesetzten Stiften . . . . . . . . . . . . 21
8.6 Übung 6: Projektionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
i
9.7.1 Dünner Kernstift . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
9.7.2 Abgerundete Stifte und abgeschrägte Löcher im Kern . . . 31
9.7.3 Pilz-, Spulen- und gezackte Gehäusestifte . . . . . . . . . . 33
9.8 Methoden zur Identifizierung von modifizierten Stiften . . . . . . . 34
9.8.1 Pilzkopf Kernstifte und Pilzkopf Gehäusestift . . . . . . . . 34
9.8.2 Hantel- oder Spulenstifte kurz und lang . . . . . . . . . . . 35
9.8.3 Diabolostifte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
9.8.4 Stifte mit Fangnut(en) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
9.8.5 Gezackte Stifte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
9.8.6 Mehrfach taillierte Stifte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
9.8.7 Verjüngte Stifte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
9.8.8 Mehrteilige Stifte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
9.8.9 Trennstifte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
9.8.10Modifizierte Gehäusestifte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
9.9 Schliessanlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
9.10 Ein Stift tritt in den Schlüsselkanal ein . . . . . . . . . . . . . . . 39
9.11 Schloßöffnen durch Vibration . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
9.12 Scheibenzuhaltungsschlösser . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40
10 Schlußbemerkung 42
Werkzeuge 43
Rechtsfragen 50
Sportordnung
Sportsfreunde der Sperrtechnik – Deutschland e.V.
Vorwort
Am Anfang ist ein Schloß. Das erste Schloss, in dem Du Dein Pickset auspro-
bierst, kann das an Deiner Tür sein. Am besten kaufst Du Dir einen neuen
Schließzylinder und tauschst ihn gegen den alten aus. Seid Ihr schon zwei
Sportsfreunde? Dann habt Ihr jetzt schon vier Übungsschlösser zum trainieren.
Als Mitglied unseres Vereins mußt Du wissen, daß ein Verstoß gegen die
Sportordnung zum Ausschluß führen kann (Satzung §5 Abs. 1).
Sportordnung
1. Es ist Deine erste Pflicht Deine Ehrbarkeit, Integrität und fachliche Profes-
sionalität zu demonstrieren. Das Sicherheitsbedürfnis Dritter mußt Du
unbedingt wahren!
iii
1 Es ist einfach
Das große Geheimnis des Schloßöffnens ist, daß es leicht ist. Jeder kann lernen,
wie man Schlösser öffnet.
Die Theorie des Schloßöffnens ist die Theorie des Ausnützens mechanischer
Defekte. Es gibt einige Grundanschauungen und Definitionen, aber der Haupt-
teil des Materials besteht aus Tricks für die Öffnung von Schlössern mit beson-
deren Defekten oder Eigenschaften. Der Aufbau dieses Handbuches reflektiert
diese Struktur. Die ersten Kapitel präsentieren das Vokabular und Grundinfor-
mation über Schlösser und Schloßöffnung. Es gibt keinen Weg das Schloßöffnen
zu lernen ohne ständig zu üben. So präsentiert ein Kapitel eine Sammlung von
sorgfältig gewählten Übungen die Ihnen dabei helfen werden.
Das Handbuch endet mit einem Katalog der mechanischen Eigenschaften
und Defekte, die in Schlössern gefunden wurden und den erkannten Techniken,
die Sie beim Üben erkennen und ausnutzen werden. Der erste Anhang be-
schreibt, wie man Werkzeuge für das Schloßöffnen herstellt. Der zweite Anhang
präsentiert einige der Rechtsfragen beim legalen Schloßöffnen.
Die Übungen sind wichtig. Üben ist der einzige Weg, die Defekte in einem
Schloss erkennen und auszunutzen zu lernen. Daher ist es genauso wichtig im-
mer mit dem gleichen Schloss zu üben wie an vielen verschiedenen Schlössern.
Jeder kann lernen, wie man Schreibtisch- und Aktenschrank-Schlösser öffnet,
doch die meisten Schlösser unter dreißig Sekunden zu öffnen ist eine Fähigkeit
die Übung erfordert.
Bevor wir in die Details der Schlossöffnung gehen sollte erwähnt werden, daß
das „Harken und Tasten“ nur ein Weg ist ein Schloss zu umgehen. Außerdem
verursacht es nahezu keinen Schaden gegenüber Krafttechniken. Es kann
leichter sein den Riegel-Mechanismus zu umgehen als das Schloss. Es mag
auch leichter sein, einen anderen Teil der Tür zu umgehen oder die Tür sogar
völlig zu meiden.
Denken Sie daran: Es gibt immer noch einen anderen Weg, gewöhnlich ist es
der bessere.
1
2 Wie ein Schlüssel ein Schloss öffnet
Dieses Kapitel veranschaulicht die Grundarbeitsweisen von Stift-Zuhaltungs-
Schlössern und das Vokabular, das in dem Rest dieses Handbuches benutzt
wird. Die Ausdrücke, die Schlösser und Schloßteile beschreiben, wechseln
von Hersteller zu Hersteller und auch von Stadt zu Stadt. Abbildung 2.1 gibt
eine Übersicht über die verwendeten Begriffe. Wie ein Schloss funktioniert,
wenn es von einem Schlüssel geöffnet wird, ist nur ein Teil dessen, was Sie
wissen müssen. Sie müssen auch wissen, wie ein Schloss beim Bearbeiten
mit Sperrwerkzeug reagiert. Kapitel 3 erklärt am Ebenenmodell und Kapitel 5
erklärt am Stift-Säulen-Modell wie sich ein Schloss dabei verhält.
Abbildung 2.1 erklärt die Einzelteile eines Schlosses. Der Schlüssel wird
in den Schlüsselkanal des Schloßkernes eingeführt. Die Vertiefungen auf der
gezackten Seite des Schlüssels werden Einschnitte genannt.
Das Schlüsselprofil beschränkt den Satz von Schlüsseln, die in den Schloß-
kern eingeführt werden können. Der Schloßkern ist ein Zylinder der sich im
Schloßgehäuse drehen kann wenn der richtige Schlüssel ganz eingeführt ist.
2
2 Wie ein Schlüssel ein Schloss öffnet
Der Stift, der durch den Schlüssel zuerst berührt wird, nennt man Stift eins.
Die restlichen Stifte werden der Reihe nach durchnumeriert.
Der richtige Schlüssel drückt jeden Stift soweit in das Gehäuse, bis die Lücke
zwischen Kernstift und Gehäusestift die Scherlinie erreicht hat. Wenn alle Stifte
in dieser Position sind, kann sich der Schloßkern drehen und das Schloss kann
geöffnet werden. Ein falscher Schlüssel wird einige der Stifte so auslassen, daß
sie die Scherlinie zwischen Schloßgehäuse und Schloßkern blockieren. Genau
diese Stifte werden den Schloßkern daran hindern sich zu drehen.
3
3 Das Ebenen-Modell
Um ein guter Lockpicker zu werden, brauchen Sie ein genaues Verständnis
von den Vorgängen im Schloss und der Arbeitsweise von Schlössern. Das
Ebenenmodell hebt die Wechselwirkungen zwischen den Stiftpositionen hervor.
Es zeigt wie sich ein 2-stiftiges Schloss prinzipiell verhält. Kapitel 4 verwendet
dieses Modell um zu erklären wie das Schloßöffnen funktioniert. Kapitel 9 wird
auf diesem Modell aufbauen, um komplizierte mechanische Defekte zu erklären.
Abbildung 3.1 zeigt das Ebenen-Modell eines sehr einfaches Schloss mit zwei
Zuhaltungen. Es ist nicht der Querschnitt eines realen Schlosses.
Dieses Schloss soll zwei Metallplatten daran hindern übereinander zu gleiten,
es sei denn, der richtige Schlüssel wäre anwesend. Das Schloss wird mittels
Durchbohren von zwei übereinander liegenden Platten hergestellt. Zwei Stifte
werden in jedem Loch so plaziert, daß die Lücke zwischen den Stiften nicht mit
der Lücke zwischen den Platten übereinstimmt. Der untere Stift wird Kernstift
genannt, weil er im Schloßkern vom Schlüssel berührt wird. Der obere Stift wird
Gehäusestift genannt und von der Feder im Schloßgehäuse in den Schlosskern
gedrückt. Ein Vorsprung im Schlosskern verhindert, daß die Stifte herausfallen.
Falls der Schlüssel abwesend ist, können die Platten nicht übereinanderglei-
ten, weil die Gehäusestifte durch beide Platten gehen.
Der richtige Schlüssel hebt die Stiftpaare (Gehäusestift und Kernstift) genau
soweit, daß der Zwischenraum zwischen dem Gehäusestift und dem Kern-
stift genau an der Stelle positioniert wird, wo sich die Scherlinie zwischen
Schloßgehäuse und Schloßkern befindet.
4
3 Das Ebenen-Modell
In Abbildung 3.2 hebt der Schlüssel die Kernstifte so weit hoch, daß sie die
Scherlinie mit ihrer Oberkante erreichen. In dieser Stiftstellung können die
Platten übereinander gleiten.
Abbildung 3.3 zeigt ein wichtiges Merkmal der meisten Schlösser, das „Spiel.“
Es gibt immer eine Bewegungsmöglichkeit, einen Abstand zwischen oberer und
unterer Ebene. Die Lücke zwischen der oberen und unteren Platte gestattet
einem nicht ganz passgenauen Schlüssel das Schloss zu öffnen. Beachten sie,
daß der zweite Kernstift in Abbildung 3.3 nicht so hoch wie der erste gehoben
wird, und trotzdem passt der Schlüssel.
5
4 Grundtechniken des Schloßöffnens
und der Bindungsdefekt
Das Ebenenmodell wie wir es aus Kapitel 3 kennen, hebt den Grunddefekt
hervor der das Schloßöffnen ermöglicht. Spiel und Fertigungstoleranzen machen
es möglich, ein Schloss durch das sogenannte Setzen einzelner Stifte zu öffnen.
Daher wird kein Schlüssel gebraucht, der alle Stifte gleichzeitig setzen kann.
Einen gesetzten Stift erkennt man daran, dass er die Bewegung des Schloss-
kerns nicht behindert. Die Abbildung 4.1 bis 4.3 zeigen, wie die Stifte eines
Schlosses gesetzt werden.
In Abbildung 4.1 wirkt durch drücken an der untere Ebene etwas Scherkraft
auf das Schloss. Diese Kraft bewirkt, daß ein oder mehrere Stifte zwischen der
oberen und der unteren Ebene eingeklemmt werden.
Es klemmt zum Beispiel nur ein Stift. Hier ist es der der linke Gehäusestift, er
hatBindung. Wenn ein Stift Bindung hat, kann er mit einem Öffnungswerkzeug
in das Schloßgehäuse gedrückt werden wie in Abbildung 4.2 gezeigt.
Wenn die Oberkante des Kernstiftes die Scherlinie erreicht hat, wird die
untere Ebene etwas weiter gleiten. Nimmt man nun das Öffnungswerkzeug
wieder weg, dann hält der Gehäusestift durch die Überschneidung der unteren
Platte.
Der Kernstift fällt auf seinen Stifthalter hinunter wie in Abbildung 4.3 zu
sehen. Die minimale Bewegung der unteren Ebene klemmt einen weiteren Stift
ein. Das gleiche Verfahren kann nun benutzt werden, um den nächsten Stift zu
setzen.
6
4 Grundtechniken des Schloßöffnens und der Bindungsdefekt
Benutzt man das Verfahren Stifte einzeln setzen zur Schloßöffnung, so sollte
man immer nur wenig Kraft anwenden. Mit dem Haken versucht man den
Stift zu finden der bindet, also eingeklemmt ist. Dann drückt man auf ihn
bis die gehäuseseitige Kante des Kernstiftes die Scherlinie erreicht. Es macht
‚Klick‘ und der Schloßkern wird sich geringfügig bewegen. Der Gehäusestift
wird dadurch über der Scherlinie festgehalten.
In Kapitel 9 werden andere Schwierigkeiten bei der Stiftbindung gezeigt. Das
Kapitel 6 bespricht die Grundtechnik des Harkens.
7
5 Das Stift-Säulen-Modell
Das Ebenenmodell aus Kapitel 4 kann Effekte erklären, die mehr als einen Stift
beinhalten. Am Stift-Säulen-Modell lässt sich jedoch das genaue Verhalten eines
Einzelstiftes besser erklären. Während beim Ebenenmodell eine lineare Kraft
gezeigt wurde, brauchen wir in diesem Modell ein Drehmoment. Drehmomente
erzeugen wir mit einem Spanner.
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5 Das Stift-Säulen-Modell
Der Druck des Öffnungswerkzeuges muss nun etwas grösser sein als die
Summe aller aufgeführten Kräfte um die Stiftsäule zu bewegen.
Die Federkraft erhöht sich nur sehr wenig je tiefer die Stifte in das Schloß-
gehäuse gedrückt werden. Wir nehmen die Federkraft als konstant an. Die
Reibung des Kernstiftes am Kern ist konstant und in einem sauberen Schloss
fast null. Die Bindungsreibung ist die wesentliche Komponente, sie ist propor-
tional zum Drehmoment. Je mehr Drehmoment Sie auf den Schloßkern bringen,
desto höher ist diese Bindungsreibung.
Wenn die Oberkante des Gehäusestiftes die Scherlinie erreicht, ändert sich
die Situation plötzlich.
Betrachten wir Abbildung 5.3. Die Bindungsreibung wird Null und der Schloß-
kern dreht sich ein wenig bis andere Stifte klemmen. Jetzt ist der einzige Wider-
stand gegen eine Bewegung der Stiftsäule die Federkraft. Wenn die Unterkante
des Kernstiftes nun die Lücke zwischen dem Schloßkern und dem Schloßgehäu-
se (das sind nur zehntel Millimeter) überquert hat, entsteht eine neue Kraft, die
Kontaktkraft. Die Kontaktkraft ist je nach Toleranz, Stiftform, Abnutzungsgrad
und Drehmoment sehr unterschiedlich gross. Sie erreicht ihr Maximum bei dem
Druck der gebraucht wird um auch den Kernstift noch in das Schloßgehäuse
zu drücken.
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5 Das Stift-Säulen-Modell
Wenn nun der Kernstift in das Schloßgehäuse eindringt und dort Bindung
hat, fühlt es sich wieder so an, als wäre nur der Gehäusestift eingeklemmt.
Der Druck der benötigt wird um die Stifte vor oder nach der Scherlinie zu
bewegen ist der gleiche. Je höher das Drehmoment wird, desto höherer Druck
ist erforderlich. An der Scherlinie erhöht sich der Druck dramatisch, weil
der Kernstift an das Schloßgehäuse anstößt. Diese Analyse wird graphisch in
Abbildung 5.5 zusammengefaßt.
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5 Das Stift-Säulen-Modell
Abbildung 5.5: Druck auf den Kernstift der nötig ist um die Stiftsäule zu
bewegen
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6 Grundtechniken: Harken
Zu Hause können Sie sich Zeit nehmen, ein Schloss zu öffnen, aber in der Praxis
ist Geschwindigkeit immer wesentlich. Dieses Kapitel erläutert eine Technik mit
der man die meisten Schlösser schnell öffnen kann, das sogenannte Harken.
Die langsame Grund-Öffnungs-Technik aus Kapitel 4 ertastet die Stifte, die
am meisten Bindung haben. Aus dem Kraftdiagramm das wir aus Kapitel 5
kennen leiten wir jetzt eine schnelle Öffnungsmethode ab.
Nehmen wir an, alle Stifte könnten
durch das gleiche Kraftdiagramm cha-
rakterisiert werden. Nehmen wir weiter-
hin an, alle Stifte würden klemmen und
die gleiche Reibung haben.
Betrachten wir jetzt folgenden Effekt.
Das Öffnungswerkzeug streicht mit et-
was Druck über alle Stifte. Dieser Druck
sei groß genug die Federkraft und die
Reibungskräfte zu überwinden, aber zu
klein um die Kernstifte in das Schloß-
gehäuse zu drücken.
Jeder Druck, der zwischen dem fla-
chen Teil des Kraftdiagrammes und dem
oberen Punkt seiner Spitze ist, wird
Abbildung 6.1: Der Gehäusestift wird dies erreichen. Lassen wir diesmal die
vom Kern am Austre- Schlange als Öffnungswerkzeug über
ten aus dem Gehäuse einen Stift laufen. Dieser wird sich be-
gehindert wegen bis er das Schloßgehäuse trifft,
aber er wird nicht in das Schloßgehäu-
se eintreten. Sehen Sie sich dazu Abbildung 5.3 an. Die Kollisionskraft des
Kernstiftes mit dem Schlossgehäuse an der Scherlinie widersteht dem Druck
des Öffnungswerkzeuges. Das Öffnungswerkzeug gleitet über die Stiftsäule,
ohne deren Kernstift in das Schloßgehäuse zu drücken. Falls das richtige
Drehmoment angewendet wird, wird sich der Schloßkern geringfügig drehen.
Wenn das Öffnungswerkzeug den Stift verläßt, wird der Kernstift zurück in
seine anfängliche Position fallen, vorausgesetzt man hält das Schloss mit den
Federn nach oben, aber der Gehäusestift wird am Rand des Schloßkerns einen
Widerstand finden und an der Scherlinie aufgehalten. Betrachten Sie dazu
Abbildung 6.1.
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6 Grundtechniken: Harken
2. Wenden Sie ein leichtes Drehmoment mit dem Spanner an. Legen Sie
das Öffnungswerkzeug ein, ohne die Stifte zu berühren. Wenn Sie das
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6 Grundtechniken: Harken
3. Erhöhen Sie das Drehmoment mit dem Spanner bei jedem weiteren Zug
des Öfnungswerkzeuges allmählich, bis sich die Stifte zu setzen beginnen.
4. Halten Sie das Drehmoment so und harken Sie über die Stifte, die noch
nicht gesetzt wurden. Falls weitere Stifte nicht sitzen, lassen Sie bei der
Spannung nach und beginnen Sie wieder mit der Spannung, die Sie in
dem letzten Schritt gefunden hatten.
5. Sobald die Mehrheit der Stifte gesetzt wurde, erhöhen Sie das Drehmoment
und dann harken Sie mit einem geringfügig größeren Druck über die Stifte.
Dies wird dann die Stifte setzen, die infolge der abgeschrägten Kanten zu
tief gesessen haben.
6. Ändern Sie die Richtung des Drehmomentes und beginnen Sie bei 2.
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7 Fortgeschrittenes Schloßöffnen
Das einfache Schloßöffnen ist ein Handwerk, das jeder lernen kann. Jedoch
ist fortgeschrittenes Schloßöffnen eine Kunst die mechanisches Feingefühl,
manuelle Geschicklichkeit, Konzentration und analytisches Denken erfordert.
Falls Sie anstreben ein Meister dieser Kunst zu werden, werden Sie in vielen
Bereichen über sich hinauswachsen.
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7 Fortgeschrittenes Schloßöffnen
Auge aufzubauen, können Sie leicht Manipulationen wählen die das Schloss
öffnen.
Alle Sinne können Ihnen Informationen über das Schloss vermitteln. Durch
den Tast- und Gehörsinn werden die meisten Informationen gesammelt.
Die Nase gibt Auskunft darüber ob ein Schloss frisch geölt ist. Das Auge und
Ihr Wissen helfen mit abzuschätzen ob in dem Schloss dieses Typs bevorzugt
diese oder jene Stiftsorte eingebaut ist. Als Anfänger werden Sie die Augen für
die Koordinierung der Handbewegungen benutzen müssen. Wenn sie besser
werden ist das nur noch eine untergeordnete Aufgabe. In der Tat ist es besser
nicht auf das Schloss zu starren, sondern das geistige Auge zu benutzen, um
ein Bild von den Vorgängen im Inneren des Schlosses zu entwickeln.
Versuchen sie eine entspannte Konzentration auf das Schloss zu erreichen.
Erzwingen sie die Konzentration nicht. Nehmen Sie auch mal ein anderes
Schloss. Versuchen Sie die Empfindungen und Gedanken die nicht mit dem
Schloss verbunden sind zu ignorieren. Versuchen Sie, sich nicht auf das Schloss
zu fokussieren
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7 Fortgeschrittenes Schloßöffnen
wenn ihn das Öffnungswerkzeug passiert, versuchen Sie das Drehmoment beim
nächsten Gang zu reduzieren.
Die Fähigkeit das richtige Drehmoment zu finden während das Öffnungs-
werkzeug sich bewegt, erfordert eine sorgfältige Koordinierung zwischen ihren
Händen. Mit der Übung reift ihre Vorstellungskraft der Vorgänge im Schloss
beim Öffnungsversuch und sie werden dadurch auch besser bei dieser wichtigen
Fähigkeit.
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8 Übungen
In diesem Kapitel finden sich Übungen die Ihnen beim Erlernen der Grundlagen
des Schlossöffnens helfen. Einige Übungen widmen sich Einzelfähigkeiten
wie dem Zählen der Stifte, andere sollen die Koordinierung von Fähigkeiten
entwickeln. Sie benötigen für diese Übungen einen billig Schliesszylinder mit
Stiftzuhaltung, einen Spanner, einen Halbdiamant, eine Schlange.
Konzentrieren Sie sich auf das Erlangen der Fähigkeiten, nicht auf das Öffnen
des Schlosses wenn sie diese Übungen machen. Wenn Sie ein Schloss öffnen
wollen nehmen Sie ein extrabilliges Vorhangschloss vom Flohmarkt das mit
einer Büroklammer aufgeht. Sollten sie keins haben und sich deshalb auf die
Öffnung ihres Schlosses konzentrieren, so wird sie das frustrieren und Ihr
Gehirn wird mit dem Lernen aufhören.
Das Ziel jeder Übung ist, etwas über das jeweilige Schloss zu lernen und
auch über sich selbst. Falls sich ein Schloss öffnet, versuchen Sie sich an das
zu erinnern was sie kurz vor dem Öffnen gefühlt, gehört und gemacht haben.
Üben Sie maximal 30 Minuten. Spätestens wenn Ihre Finger schmerzen und Sie
keine entspannte Konzentration mehr erreichen sollten Sie eine Pause machen.
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8 Übungen
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8 Übungen
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8 Übungen
2. Der Stift bringt dem Pick (nehmen Sie den Haken) nur noch die Federkraft
entgegen.
3. Der Stift lässt er sich nur ganz wenig gegen die Federkraft bewegen bevor
die Kraftspitze eine weitere Bewegung vorerst verhindert.
4. Wenn Sie den leichten Druck gegen die Federkraft wegnehmen kommt der
Stift ganz wenig in Richtung Kern zurück.
5. Er springt nicht auf seinen Stifthalter zurück wenn Sie das Schloss mit
den Federn nach unten halten.
6. Er fällt auf seinen Stifthalter zurück wenn Sie das Schloss mit den Federn
nach oben halten.
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8 Übungen
Wenn das Schloss mit den Federn nach oben gehalten wird, klappern ge-
setzte Stifte beim Antippen mit dem Öffnungswerkzeug, jedoch tun dies auch
Kernstifte deren Gehäusestift noch Bindung hat. Versuchen Sie trotzdem auf
dieses Geräusch zu achten. Sie können den Schliesszylinder auch schütteln
um die Menge gesetzter Stifte schnell abzuschätzen. Halten oder erhöhen Sie
das Drehmoment beim Schütteln.
Lassen Sie die Schlange über die Stifte gleiten, geben Sie etwas Spannung
und versuchen Sie zu entscheiden, ob die Stifte auf der Vorder-, der Rückseite,
vorn und hinten, oder in der Mitte des Schlosses schon gesetzt sind. Versuchen
Sie mit verschiedenen Öffnungswerkzeugen genau zu identifizieren, welche
Stifte gesetzt sind.
Versuchen Sie diese Übung auch so zu wiederholen, daß Sie den Schloßkern
in die andere Richtung drehen. Wenn sich zuerst die vorderen Stifte bei rechts-
drehung setzen, setzen sich die hinteren Stifte bei Linksdrehung. Sehen Sie
sich dazu nochmals die Lage der Lochachsen an. Betrachten Sie zur Erklärung
Abbildung auf Seite 13.
Ein Weg zur Prüfung der Anzahl gesetzter Stifte ist, beim Nachlassen der
Spannung die Klicks der Stifte zu zählen, wenn Sie in ihre Ausgangsposition
schnappen. Versuchen Sie den Unterschied im Ton zwischen dem Schnappen
eines Einzelstiftes und dem von zwei Stiften sofort zu bemerken. Ein Stift, der
zu tief gesetzt wurde, wird möglicherweise auch klicken.
Versuchen Sie diese Übung mit unterschiedlichen Beträgen von Drehmoment
und Druck auszuführen. Bemerken Sie daß ein größeres Drehmoment einen
größeren Druck erfordert um die Stifte korrekt zu setzen? Ist der Druck mit
dem Öffnungswerkzeug zu hoch, werden die Kernstifte ins Gehäuse gedrückt
und dort festgehalten.
22
8 Übungen
Ihrer Muskeln vor, wie Sie den korrekten Druck und die richtige Spannung
anwenden und fühlen Sie den Widerstand, der vom Öffnungswerkzeug entge-
gengebracht wird. Öffnen Sie jetzt das Schloss nochmals, um ihre Handlungen
in den Film aufzunehmen.
Durch Wiederholen dieser Übung lernen Sie, wie man detaillierte Befehle
für die Muskeln formuliert und wie man die Rückkopplungen von den Sinnen
interpretiert. Das mentale Üben hilft ein visuelles Verständnis des Schlosses
aufzubauen und die wichtigsten Schritte zu erkennen die ein Schloss öffnen.
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9 Erkennen und Ausnutzen der
Eigenheiten eines Schlosses
Alle Schlösser haben mechanische Merkmale und Defekte, die sowohl beim
Schloßöffnen helfen, als es auch behindern können. Falls ein Schloss beim
Harken nicht reagiert, läßt es sich wahrscheinlich mit einem der Tricks die
in diesem Kapitel öffnen. Um das Schloss zu öffnen, müssen sie seine Eigen-
schaften diagnostizieren und dann die empfohlene Technik anwenden. Die
Übungen werden ihnen helfen, das mechanische Feingefühl und die notwendige
Geschicklichkeit zu entwickeln um diese Merkmale und Defekte zu erkennen
und zu verwerten. Bisher habe ich nur die Schliesszylinder oder Vorhangschlös-
ser besprochen, wobei ein ausgebauter Schliesszylinder eigentlich kein Schloss
ist.
Ein Schloss hat einen Riegel. Ein Vorhangschloss verriegelt damit seinen
Bügel. Ein Schliesszylinder hat nur eine Schliessnase, die ihrerseits in einen
Schlosskasten eingebaut einen Riegel betätigt. Ein so eingebauter Zylinder
betätigt üblicherweise auch noch die Falle die eine nicht abgeschlossene Tür
zu hält. Aus diesem Grund unterscheide ich in diesem Kapitel die Begriffe
Schliesszylinder gleich Zylinder gleich Gesperre und Schloss gleich (Gesperre +
Riegel + Falle) Weiterhin werde ich den Begriff Stiftsäule benutzen, damit ist
der Kernstift und der Gehäusestift einer Stiftposition gemeint.
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9 Erkennen und Ausnutzen der Eigenheiten eines Schlosses
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9 Erkennen und Ausnutzen der Eigenheiten eines Schlosses
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9 Erkennen und Ausnutzen der Eigenheiten eines Schlosses
• Wenn sie doch noch weitere Stifte setzen können, dann haben sie wahr-
scheinlich sehr viel Drehmoment angewendet.
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9 Erkennen und Ausnutzen der Eigenheiten eines Schlosses
das Stiftsetzen nicht sehr stark ist (insbesondere, wenn die Achse der Löcher
nur geringfügig schief von der Mittelachse des Schloßkerns abweicht), dann
können zusätzliche Stifte eingeklemmt werden, wenn Sie mit dem Spanner
mehr Kraft anwenden.
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9 Erkennen und Ausnutzen der Eigenheiten eines Schlosses
Lösung ist starkes Herunterdrücken auf den ersten Stift. Sie mögen das Dreh-
moment geringfügig reduzieren wollen, aber falls Sie das Drehmoment zu viel
reduzieren, dann werden die anderen Stifte wieder herausspringen, wenn der
erste Stift niedergedrückt wird. Es ist auch möglich Kernstifte zu deformieren.
Die Kernstifte sitzen dann zu tief und hängen im Gehäuse fest.
9.7 Stiftformen
Kern- und Gehäusestifte gibt es in unterschiedlichen Formen. Bisher habe
ich nur die Grundform, den nicht modifizierten zylindrischen Stift betrachtet.
In diesem Abschnitt werde ich alle mir bekannten Stiftformen eingehend be-
sprechen und versuchen Methoden zu beschreiben wie bei der Identifizierung
vorgegangen werden kann. Prinzipiell sind 4 Freiheitsgrade zur Modifizierung
der Grundform eines Stiftes denkbar.
Um die Zusammenhänge deutlich zu machen stellt die Tabelle 9.1 Kombi-
nationsbeispiele dieser Freiheitsgrade dar. Je mehr + eingetragen sind, desto
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9 Erkennen und Ausnutzen der Eigenheiten eines Schlosses
häufiger habe ich diese Stiftmodifikation gefunden. Zusätzlich ist eine Beispiel-
bezeichnung angegeben. Ein – bedeutet, dass ich diese Stiftmodifikation nicht
kenne.
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9 Erkennen und Ausnutzen der Eigenheiten eines Schlosses
Der dünne Kernstift kann in das Gehäuse gedrückt werden ohne dass dies
das öffnen des Zylinders verhindert. Er kollidiert nicht mit dem Gehäuse. Der
Gehäusestift wird vom Kern, am Rand der Bohrung für die Stiftsäule im Kern,
aufgehalten. Beim Harken bekommt man allerdings Schwierigkeiten, weil dünne
Kernstifte sehr leicht in das Gehäuse gedrückt werden können während man
gerade den letzten normalen Stift setzt. Wie wir wissen geht ein Schloss mit
einem zu tief gesetzten Stift nie auf, daher muss in diesem Fall nochmals von
vorn begonnen werden. Identifiziert man dünne Kernstifte, sollte nur noch mit
dem Haken gesetzt werden.
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9 Erkennen und Ausnutzen der Eigenheiten eines Schlosses
Im Kraftdiagramm (Abbildung 5.5 auf Seite 11) ist dieser Weg mit „nur die
Feder“ bezeichnet. Dieser Weg beträgt bei stark verrundeten Stiften bis zu 1,5
mm, während präzise gefertigte Gesperre nur 0,1mm Deplazierung erlauben.
Ein Schloss mit abgeschrägten Schloßkernlöchern erfordert zum Öffnen häu-
figeres Harken als ein Schloss ohne abgeschrägte Löcher, weil die Gehäusestifte
auf der Schrägfläche gesetzt werden müssen statt auf der Oberkante des Schloß-
kerns. Der Schloßkern wird nicht drehbar sein, falls einer der Gehäusestifte
an einer Schrägfläche hängt. Der Kernstift muß wieder geharkt werden, um
den Gehäusestift in Richtung Gehäuse von der Schrägfläche zu stoßen. Der
linke Gehäusestift in Abbildung 9.4 ist gesetzt. Der Gehäusestift ruht auf der
Schrägfläche und die untere Ebene hat sich genug bewegt unm den rechten Ge-
häusestift zu klemmen. Abbildung 9.6 zeigt, was nach dem Setzen des rechten
Gehäusestiftes geschieht. Die untere Ebene gleitet weiter nach rechts und der
linke Gehäusestift klemmt zwischen der Schrägfläche und der oberen Ebene.
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9 Erkennen und Ausnutzen der Eigenheiten eines Schlosses
Er hängt an der Schrägfläche. Um das Schloss zu öffnen, muß der linke Gehäu-
sestift Richtung Gehäuse über die Schrägfläche gestoßen werden. Sobald der
Gehäusestift frei ist, kann die untere Ebene gleiten und der rechte Gehäusestift
kann auf seiner Schrägfläche klemmen.
Falls Sie auf ein Schloss mit abgeschrägten Schloßkernlöchern treffen und
alle Stifte scheinen gesetzt zu sein, aber das Schloss öffnet nicht, sollten Sie
das Drehmoment reduzieren und das Harken über die Stifte fortsetzen. Das
reduzierte Drehmoment wird es leichter machen, die Gehäusestifte aus den
Schragflächen zu stoßen. Falls die Stifte wieder herausspringen, wenn Sie das
Drehmoment verringern, versuchen sie das Drehmoment und den Druck des
Öffnungswerkzeuges zu reduzieren. Das Problem mit zunehmender Kraft ist,
daß Sie einige Kernstifte dabei in das Gehäuse drücken könnten.
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9 Erkennen und Ausnutzen der Eigenheiten eines Schlosses
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9 Erkennen und Ausnutzen der Eigenheiten eines Schlosses
wenn sie immer wieder das gleiche spüren. Wenn alles klappt, und es klappt
fast immer, ist der Zylinder geöffnet.
9.8.3 Diabolostifte
Diese Stiftsorte ist geometrisch so an gepasst, dass der Druck des Hakens auf
die Stiftsäule nahezu keine Rückwirkung auf den Schliesskern hat. Sie finden
diese Stifte in hochwertigen Schliessanlagen meistens auf Position 3 oder 4 und
leider oft in Kombination mit anderen modifizierten Stiften. Sie unterscheiden
einen Diabolostift von einem Pilz oder Spulenstift dadurch, dass auch bei null
Drehmoment während der Zylinder auf Kipp steht, grosser Druck mit dem
Haken auf die Stiftsäule nicht viel ändert. Erst wenn Sie den Druck dauernd
verändern kann es sein, dass der Kern die Tendenz zeigt sich zurückzudrehen.
Dieses Zurückdrehen des Kerns ist unbedingt nötig um den Stift zu setzen.
Probieren Sie in so einem Fall auch den Kern mit dem Spanner ein bischen
zurückzudrehen, geben Sie wieder Drehmoment, der Kern bewegt sich noch
nicht. Drücken Sie jetzt ganz vorsichtig auf die Stiftsäule und sie werden merken
dass der Kern jetzt noch weiter kippt. Wenn Sie kein Drehmoment nach dem
geringen Rückstellen des Kerns anwenden können Sie den Diabolostift weiter
hinenindrücken. Mit einiger Übung wird es Ihnen gelingen diese Stifte ebenfalls
zu manipulieren.
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9 Erkennen und Ausnutzen der Eigenheiten eines Schlosses
9.8.9 Trennstifte
Trennstifte sind meist 1 bis 4 mm lange Stifte die zwischen Kern- und Gehäuse-
stift ihren Platz haben. Sie werden zur Herstellung von Schliessanlagen benötigt.
Stiftsäulen mit Trennstift(en) haben mehr als eine Scherlinie. Trennstifte er-
leichtern das Picken eines Zylinders.
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9 Erkennen und Ausnutzen der Eigenheiten eines Schlosses
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9 Erkennen und Ausnutzen der Eigenheiten eines Schlosses
Hut hängt, wird nicht wie ein korrekt gesetzter Stift federnd nachgeben. Üben
Sie, um diesen Unterschied erkennen zu können. Pilz-Kernstifte die schon in
das Gehäuse eingedrungen sind bringen den Zylinder auf Kippstellung. Das
erkennen Sie daran, dass Sie den Stift nicht setzen können. Je tiefer Sie ihn
drücken desto mehr bereits gesetzte Stifte springen wieder heraus, aber dieser
Stift klickt nicht.
9.9 Schliessanlagen
Schliessanlagen dienen dazu mehreren unterschiedlichen Schlüsseln das Ent-
sperren eines Zylinders zu ermöglichen. Es werden Zentralschlüsselanlagen,
Haupschlüsselanlagen und Generalhaupschlüsselanlagen (GHS) unterschie-
den. Wir beschränken uns auf das wesentliche Merkmal aller Anlagen, den
Z-Zylinder Dieser Zylinder muss von allen Schlüsseln geöffnet werden können.
Da die Schlüssel jedoch alle unterschiedlich sind, gibt es für jede Einschnittiefe
auch eine Trennlinie in der jeweiligen Stiftsäule.
Ein Beispiel: In einen Z-Zylinder sollen drei unterschiedliche Schlüssel passen.
Um das Prinzip deutlich zu machen nehmen wir einen Zylinder mit nur einer
Stiftsäule. Diese Stiftsäule muss nun drei Trennlinien haben. Das bedeutet, es
muss insgesamt 4 Stifte in dieser Säule geben. Die Stifte zwischen Kern und
Gehäusestift werden Trennstifte genannt. Siehe dazu Abbildung 9.8.
Der Generalschlüssel wird oft so ausgelegt, dass er jede Stiftsäule am tiefs-
ten in das Gehäuse drückt. Dies geschieht um nicht durch Abfeilen eines
Einzelschlüssels einen Generalschlüssel erhalten zu können.
Im Allgemeinen erleichtern Trennstifte das Schloßöffnen. Sie erhöhen die
Anzahl der Möglichkeiten, jeden Stift zu setzen. Sie machen es wahrscheinlicher,
daß das Schloss durch das Setzen aller Stifte in der gleichen Höhe öffnet. In den
meisten Fällen gibt es zwei oder drei Stiftsäulen mit Trennstiften. Sie können
eine Position mit einem Trennstift durch mehrfaches Klicken erkennen, das Sie
fühlen, wenn die Stiftsäule ins Gehäuse gedrückt wird.
Falls die Trennstifte einen kleineren Durchmesser als die Gehäuse- und
Kernstifte haben, werden Sie eine breite federnde Region fühlen, weil der
Trennstift nicht bindet wenn er die Scherlinie passiert.
Sehr kurze, scheibenförmige, Trennstifte können ernste Probleme verur-
sachen. Wenn viel Drehmoment angewendet wird und die Schloßkernlöcher
abgeschrägt sind, kann sich der Trennstift in der Scherlinie verklemmen. Es
ist auch möglich, daß der Trennstift in den Schlüsselkanal fällt, wenn der
Schloßkern um 180 Grad gedreht ist.
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9 Erkennen und Ausnutzen der Eigenheiten eines Schlosses
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9 Erkennen und Ausnutzen der Eigenheiten eines Schlosses
auch „Perkussionsprinzip“ genannt. Dabei schlägt eine stabile dünne Nadel auf
alle Kernstifte gleichzeitig. Die an den Kernstiften anliegenden Gehäusestifte
sausen jetzt Richtung Gehäuse gegen die Federkraft. Für einen kurzen Moment
entsteht ein grosser Spalt zwischen Kern und Gehäusestiften. Wird in diesem
Moment der Schliesskern gedreht, dann ist das Schloss schon auf. Die Kern-
stifte übertragen ihren Schwung auf die Gehäusestifte, die dadurch in selbiges
fliegen.
Das Gerät welches dies leistet nennt man Sperrpistole. Die Sperrpistole kann
in ihrer einfachen mechanischen Ausführung jedoch nur einen einzelnen Schlag
abgeben, daher ist die Koordination von Drehmomentbeginn zu Schlagzeitpunkt
ziemlich schwierig. Um trotzdem Ergebnisse zu erzielen wird häufig ein mini-
males Drehmoment angelegt und dann der Schlag ausgeführt. Wieder sollen
modifizierte Stifte diese Öffnungsmethode verhindern, was teilweise auch ge-
lingt. Um häufiger zu Schlagen werden von der Industrie elektrische Maschinen
sogenannte Elektrische Sperrpistolen oder E-Picks angeboten, die durch ihre ho-
he Schlagzahl die Wahrscheinlichkeit erhöhen sollen alle Kernstifte gleichzeitig
in das Gehäuse zu befördern.
9.12 Scheibenzuhaltungsschlösser
Billige Schlösser, zum Beispiel die von Schreibtischen, haben Metallscheiben
anstelle von Stiften. Abbildung 9.10 zeigt die Grundarbeitsweise dieser Schlös-
ser. Die Scheiben haben den gleichen Umriß, aber unterscheiden sich in der
Plazierung der rechteckigen Aussparung. Diese Schlösser lassen sich mit dem
richtigen Werkzeug leicht öffnen. Weil die Scheiben eng zusammenstehen, las-
sen sie sich mit einem halbrunden Öffnungswerkzeug besser öffnen als mit
dem Halbdiamanten (Abb. im Anhang A).
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9 Erkennen und Ausnutzen der Eigenheiten eines Schlosses
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10 Schlußbemerkung
Lockpicking ist eine Handwerkskunst, keine Wissenschaft. Dieser Text bietet
nützliche Informationen und Tips für das zerstörungsfreie Entsperren. Wich-
tiger jedoch ist stetes Üben. Die gezeigten Übungen und Modelle sollen das
Selbststudium erleichtern. Um meisterlich zu Öffnen muß man viel üben, damit
man seinen eigenen Stil finden kann.
Vergessen Sie nicht: Die beste Methode ist die, mit der Sie am besten arbeiten
können.
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Werkzeuge
Dieser Anhang beschreibt die Machart und das Anfertigen von Öffnungswerk-
zeugen.
Die Halbdiamantspitze
Die Halbdiamantspitze mit seinen flachen Winkeln ist leicht hinein- und her-
auszubewegen, so kann man in beide Richtungen mit dem Öffnungswerkzeug
einen Druck ausüben. Damit kann man ein Schloss mit kleinen Unterschieden
in den Längen der Kernstifte schnell öffnen. Wenn das Schloss einen Schlüs-
sel erfordert, der eine tiefe Kerbe zwischen zwei kleineren Einkerbungen hat,
wird das Öffnungswerkzeug nicht in der Lage sein, die Mittelstifte weit genug
hinunter zu stoßen. Der Halbdiamant mit steilen Winkeln ist gut geeignet, in
einem solchen Schloss zu funktionieren. Haupsächlich geben steile Winkel
eine bessere Rückkopplung über die Stifte. Leider erschweren steile Winkel
das Einführen des Öffnungswerkzeuges in das Schloss. Eine Spitze, die einen
flachen vorderen Winkel und einen steilen hinteren Winkel hat, eignet sich gut
für das Öffnen von Yale-Schlössern.
Die Halbrundspitze
Die Halbrundspitze eignet sich gut für Scheibenzuhaltungsschlösser. Sehen Sie
dazu Kapitel 9.12. Der Diamant und die Rundspitze sind nützlich für Schlösser,
wo sich die Stifte an der Ober- und Unterseite des Schlüsselweges befinden.
43
Werkzeuge
44
Werkzeuge
Der Haken wurde für das Öffnen nach der Methode „ein Stift nach dem andern“
entworfen. Mit dem Haken kann man auch Harken, doch läßt sich mit ihm
nur Druck auf die Stifte ausüben, wenn man ihn herauszieht. Der Haken
gestattet Ihnen, jeden Stift genau zu fühlen; wenden Sie wechselnde Beträge
von Druck an. Einige Hakenspitzen sind flach oder an der Spitze gedellt, um es
dem Öffnungswerkzeug leichter zu machen, sich auf den Stift auszurichten. Die
hauptsächliche Wohltat bei der Öffnungstechnik „ein Stift nach dem anderen“
ist, daß Sie das Zerkratzen der Stifte vermeiden. Das Harken zerkratzt die
Spitzen der Stifte und den Schlüsselweg und es verteilt Metallstaub im Schloss.
Falls Sie Spuren vermeiden wollen, dürfen sie die Harktechnik nicht anwenden.
Die Schlangenspitze kann für das Harken oder das einzelne Setzen der Stifte
benutzt werden. Beim Harken mit der Schlangenspitze erzeugen die Erhebungen
des Werkzeuges mehr Stiftberührungen als ein regelmäßiges Öffnungswerkzeug.
Schlangenspitze
Das Öffnungswerkzeug mit der Schlangenspitze ist besonders gut für die Öff-
nung von Haushaltschlössern mit fünf Stiften geeignet. Wenn eine Schlangen-
spitze zum Öffnen benutzt wird, kann es zwei oder drei Stifte sofort setzen.
Grundsätzlich funktioniert das Öffnungswerkzeug mit Schlangenspitze wie
ein Segment eines Schlüssels, unter Benutzung von Heben und Senken der
Spitze, durch das Vor- und Zurückkippen oder man benutzt die Ober- bzw.
die Unterseite des Werkzeuges zum Öffnen des Schlosses. Um mehrere Stifte
einzuklemmen, sollte man ein mäßiges bis zu einem schwerem Drehmoment
anwenden, wenn Sie die Schlangenspitze benutzen. Dieser Öffnungsstil ist
schneller als das Harken und es hinterläßt weniger Beweismaterial.
Straßenkehrerborsten
Aus den Federstahlborsten, die bei Straßenbesen benutzt werden, lassen sich
exellente Werkzeuge für das Öffnen von Schlössern herstellen. Die Borsten
haben die richtige Stärke und Breite und sind leicht in die gewünschte Form
zu Schleifen. Die hergestellten Werkzeuge sind federnd und fest. Der Abschnitt
über Fahrradspeichen auf Seite 48 beschreibt, wie man aus Fahrradspeichen
Werkzeuge herstellt, die weniger federnd sind.
Reinigung
Der erste Schritt bei der Werkzeugherstellung ist, sämtlichen Rost von den
Borsten zu schmirgeln. Feines Sandpapier eignet sich dazu genauso wie Stahl-
wolle (benutzen Sie bitte keine Kupfer-Wolle). Falls die Ränder oder die Spitzen
der Borsten abgenutzt sind, benutzen Sie eine Feile, um sie wieder eckig zu
machen.
45
Werkzeuge
Vorüberlegungen
Ein Spanner hat einen Kopf und einen Griff wie in Abbildung .2 gezeigt wird.
Der Kopf ist gewöhnlich ½ bis ¾ Zoll lang und der Griff variiert von 2 bis
zu 4 Zoll Länge. Der Kopf und der Griff werden von einer Biegung getrennt,
die ungefähr 80° beträgt. Der Kopf muß lang genug sein, um über sämtliche
Vorsprünge (wie z.B. den Türbeschlag) zu kommen, um ganz in den Schloßkern
eindringen zu können. Ein langer Griff gestattet gefühlvolle Kontrolle über das
Drehmoment, aber wenn er zu lang ist, wird er gegen den Türrahmen stoßen.
Der Griff, der Kopf und die Biegung können relativ klein gehalten werden, wenn
Sie Werkzeuge herstellen wollen, die leicht zu verbergen sind (z.B in einem Stift,
einer Taschenlampe, oder in einer Gürtelschnalle). Einige Spanner haben eine
90° Biegung im Griff. Diese Biegung macht es leicht, das Drehmoment zu be-
stimmen, indem kontrolliert wird, wie weit der Griff von seiner Ausgangsposition
entfernt ist. Der Griff fungiert als Feder, welcher das Drehmoment auslöst. Der
Nachteil dieser Methode, das Drehmoment zu setzen, ist, daß Sie die Rotation
des Schloßkerns weniger spüren. Um schwierige Schlösser zu öffnen, werden
Sie lernen müssen, wie man ein stetiges Drehmoment durch einen Spanner mit
festem Griff erzeugt.
Die Breite des Kopfes eines Spanners
entscheidet, wie gut er in den Schlüssel-
weg passen wird. Schlösser mit engem
Schlüsselweg (z.B. Schreibtischschlös-
ser) benötigen Spanner mit schmalen
Köpfen. Bevor Sie die Borste biegen,
feilen Sie den Kopf auf die gewünsch-
te Breite. Ein zweckmäßiger Spanner
kann hergestellt werden, indem die Spit-
ze des Kopfes (ungefähr ¼ Zoll) schmal-
gefeilt wird. Diese Spitze paßt in schma-
le Schlüsselwege, während der Rest des
Abbildung .2: Der Spanner Kopfes breit genug ist, um einen nor-
malen Schlüsselweg zu greifen.
Herstellung
Der schwierige Teil der Herstellung eines Spanners ist, die Borste zu biegen,
ohne sie zu brechen. Um die 90 ° Drehung des Griffes zu erzeugen, spannen Sie
den Kopf der Borste (ca. ein Zoll) in einen Schraubstock ein und benutzen Sie
eine Zange, um die Borste ungefähr 3/8 Zoll über dem Schraubstock zu erfassen.
Sie können ein anderes Paar Zangen statt eines Schraubstockes benutzen.
Führen Sie eine 45° Drehung durch. Versuchen Sie, die Achse der Drehung
auf einer Linie mit der Achse der Borste zu halten. Führen Sie die Zange jetzt
46
Werkzeuge
weitere 3/8 Zoll zurück und setzen Sie die übrigen 45°. Es wird notwendig sein,
die Borste über 90° zu biegen, um eine dauerhafte 90° Drehung zu erzeugen.
Um die 80° Kopf-Biegung herzustellen, nehmen Sie die Borste ungefähr ¼
Zoll aus dem Schraubstock (so daß sich noch ¾ Zoll im Schraubstock befinden).
Setzen Sie den Schaft eines Schraubendrehers gegen die Borste und biegen Sie
den Federstahl 90° darum. Das sollte eine dauerhafte 80° Drehung in dem Metall
erzeugen. Versuchen Sie, die Achse der Biegung senkrecht zu dem Griff zu
halten. Der Schraubenzieherschaft stellt sicher, daß der Radius der Krümmung
nicht zu klein wird. Jeder abgerundete Gegenstand wird funktionieren (z.B.
Drillbohrer, Rundzange oder eine Füllerkappe). Falls Sie mit dieser Methode
Schwierigkeiten haben, versuchen Sie die Borste mit zwei Zangen in einem
Abstand von ungefähr einem halben Zoll zu fassen und biegen Sie sie. Diese
Methode produziert eine leichte Kurve, durch welche die Borste nicht brechen
wird.
Nachbearbeitung
Eine Schleifscheibe wird die Arbeit bei Herstellung eines Öffnungswerkzeuges
stark beschleunigen. Es benötigt etwas Übung, um zu lernen, wie glatte Kanten
mit einer Schleifscheibe erzeugt werden, aber es braucht weniger Zeit zu üben
und zwei oder drei Öffnungswerkzeuge herzustellen, als ein einzelnes Öffnungs-
werkzeug per Hand zu feilen. Der erste Schritt wäre, den vorderen Winkel des
Öffnungswerkzeuges zu bearbeiten. Benutzen Sie die Stirnseite der Schleif-
scheibe, um das zu tun. Halten Sie die Borste im 45° Winkel zur Schleifscheibe
und bewegen Sie die Borste wechselseitig, während Sie das Metall abschleifen.
Schleifen Sie langsam, um eine Überhitzung des Metalles zu vermeiden, welche
es spröde macht. Falls das Metall die Farbe ändert (zu dunkelblau), haben Sie
es überhitzt, und Sie sollten den verfärbten Anteil abschleifen.
Als nächstes bearbeiten Sie den hinteren Winkel der Spitze unter Benutzung
der Kante der Schleifscheibe. Gewöhnlich ist eine Kante schärfer als die andere,
und Sie sollen diese benutzen. Halten Sie das Öffnungswerkzeug im gewünsch-
ten Winkel und drücken Sie es langsam gegen die Kante der Schleifscheibe.
Schleifen Sie den hinteren Winkel mit der Seite der Scheibe. Stellen Sie sicher,
daß die Spitze des Öffnungswerkzeuges abgestützt ist. Falls der Anschlag der
Schleifmaschine nicht nah genug an der Schleifscheibe ist, um die Werkzeug-
spitze abzustützen, benutzen Sie eine Rundzange, um die Spitze zu halten. Der
Schliff sollte sich über ca. 2/3 der Breite der Borste erstrecken. Wenn die Spitze
gut geworden ist, machen Sie weiter. Ansonsten brechen Sie die Spitze ab und
versuchen Sie es noch einmal. Sie können die Borste brechen, indem Sie sie in
einen Schraubstock einspannen und sie scharf abknicken.
Die Kante der Schleifscheibe wird auch benutzt, um den Hals des Öffnungs-
werkzeuges zu schleifen. Reißen Sie eine Markierung an, die kennzeichnet, wie
lang der Hals werden soll. Der Hals sollte lang genug sein, damit die Spitze
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Werkzeuge
über den hintersten Stift eines Schlosses mit sieben Stiften reicht. Schleifen Sie
den Hals, indem Sie ihn mehrmals vorsichtig über die Kante der Schleifscheibe
ziehen. Jede Schleifbewegung beginnt an der Spitze und endet an der angeris-
senen Markierung. Versuchen Sie weniger als ein sechzehntel Zoll des Metalles
pro Bewegung wegzunehmen.
Fahrradspeichen
Eine Alternative zu Herstellung von Werkzeugen aus den Borsten von Stra-
ßenfegerbürsten ist, sie aus Nägeln oder Fahrradspeichen zu machen. Diese
Materialien sind leicht zugänglich und, wenn sie unter Hitze bearbeitet werden,
robuster als Werkzeuge, die aus Borsten hergestellt wurden.
Ein fester Spanner kann aus einem 120-iger Nagel (ca. 3mm Durchmesser)
gefertigt werden. Zuerst erhitzen Sie die Spitze mit einer Gasflamme, bis sie
rot glüht. Nehmen Sie sie langsam aus der Flamme und lassen Sie sie an der
Luft abkühlen; dadurch wird sie weich. Die Flamme eines Gasherdes kann
statt der eines Brenners benutzt werden. Schleifen Sie den Spanner in die
Form eines dünnen Schraubenziehers und biegen ihn um ungefähr 80°. Die
Biegung sollte kein rechter Winkel sein, weil einige Schloßfronten hinter einer
Platte liegen (Wappen genannt), und Sie in der Lage sein sollten, mit dem Kopf
des Spanners einen halben Zoll in den Schloßkern zu gelangen. Härten sie
den Spanner, indem Sie ihn auf ein helles Orange erhitzen und ihn dann in
Eiswasser tauchen. Sie werden einen praktisch unzerstörbaren, gebogenen
Schraubenzieher erhalten, der unter stärkster Benutzung für Jahre halten
wird.
Fahrradspeichen liefern ausgezeichnete Öffnungswerkzeuge. Biegen Sie eine
in die Form, die Sie wollen und feilen sie die Seiten am Ende flach, so daß sie
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Werkzeuge
hart in der senkrechten und flexibel in der horizontalen Richtung ist. Nehmen
sie ein eckiges Stück von ungefähr einem Zoll Länge als Griff. Für kleinere
Öffnungswerkzeuge, die Sie für die wirklich winzigen Schlüsselwege brauchen,
können sie jede Feder mit einem großen Durchmesser nutzen, die sie aufbiegen.
Falls Sie sorgfältig sind, müssen sie keine metallurgischen Spiele spielen.
Metallverpackungsbänder
Als brauchbaren Ersatz für Schlüssel, die Sie im Laden sonst nicht finden, kön-
nen sie die Metallbänder benutzen, welche für den Versand um Ziegel gewickelt
werden. Das ist ein unglaublich brauchbares Material für ziemlich alles, was
Sie daraus herstellen wollen. Um seitlich in den Schlüsselweg einzudringen,
können Sie das Band längsseitig biegen, indem Sie es in einen Schraubstock
einspannen und auf den überstehenden Teil hämmern, um das Band in den
angestrebten Winkel zu biegen.
Metallverpackungsbänder sind sehr hart. Sie können einen Schleifstein oder
eine Schlüsselfräse zerstören. Eine Handfeile ist das empfohlene Werkzeug für
das Bearbeiten von Metallverpackungsbändern.
Scheibenwischer-Feder
Die einfachste Art an einen vernünftigen Spanner zu gelangen, ist ein Auto-
scheibenwischerblatt zu zerlegen. Hier finden wir den Rohstoff für Spanner
der filigraneren Sorte. Da beim Bearbeiten lediglich zwei Zangen nötig sind
passt dieser Spanner eher in dünne Schlüsselkanäle von 1 mm Breite. Das
Material lässt sich gut biegen und bricht bei scharfer Biegung erst nach dem
Zurückbiegen ab.
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Rechtsfragen
Im Gegensatz zu weit verbreiteten Mythen ist es kein Schwerverbrechen, Öff-
nungswerkzeuge zu besitzen. Jeder Staat hat seine eigenen Gesetze, welche
sich auf derartige Diebstahlsinstrumente beziehen.
Die Rechtstexte der US-amerikanischen Version wurden durch die folgenden
deutschen ersetzt. Es wäre sinnvoll, wenn Sie eine Kopie der entsprechenden
Seite aus dem Kriminalgesetz Ihres Staates mit sich führen.
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Rechtsfragen
1. zur Ausführung der Tat in ein Gebäude, einen Dienst- oder Geschäfts-
raum oder in einen anderen umschlossenen Raum einbricht, einsteigt, mit
einem falschen Schlüssel oder einem anderen nicht zur ordnungsmäßigen
Öffnung bestimmten Werkzeug eindringt oder sich in dem Raum verborgen
hält,
2. eine Sache stiehlt, die durch ein verschlossenes Behältnis oder eine andere
Schutzvorrichtung gegen Wegnahme besonders gesichert ist,
3. gewerbsmäßig stiehlt,
5. eine Sache von Bedeutung für Wissenschaft, Kunst oder Geschichte oder
für die technische Entwicklung stiehlt, die sich in einer allgemein zugäng-
lichen Sammlung befindet oder öffentlich ausgestellt ist,
(2) In den Fällen des Absatzes 1 Satz 2 Nr. 1 bis 6 ist ein besonders schwerer
Fall ausgeschlossen, wenn sich die Tat auf eine geringwertige Sache bezieht.
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Rechtsfragen
2. als Mitglied einer Bande, die sich zur fortgesetzten Begehung von Raub
oder Diebstahl verbunden hat, unter Mitwirkung eines anderen Banden-
mitglieds stiehlt oder
3. einen Diebstahl begeht, bei dem er zur Ausführung der Tat in eine Woh-
nung einbricht, einsteigt, mit einem falschen Schlüssel oder einem anderen
nicht zur ordnungsmäßigen Öffnung bestimmten Werkzeug eindringt oder
sich in der Wohnung verborgen hält.
Nachtrag
Nachträglich hinzuzufügen wäre: Mit anderen Worten: bloßer Besitz bedeutet
gar nichts. Falls man Sie wegen Geschwindigkeitsüberschreitung oder etwas
Ähnlichem anhält, und ein Set Öffnungswerkzeuge bei Ihnen findet, kann Ihnen
nicht viel geschehen. Andererseits, wenn man Sie beim Öffnen des Schlosses
eines Geldautomaten erwischt, wird man Sie mitnehmen und vierteilen.
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Rechtsfragen
Anmerkung
Nach unserem Erkenntnisstand ist der Besitz von Sperrwerkzeug in der Bun-
desrepublik erlaubt.
Notizen
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Abbildungsverzeichnis
3.1 Ebenenmodell . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
3.2 Der Schlüssel drückt alle Stifte in Richtung Gehäuse . . . . . . . 5
3.3 Der richtige Schlüssel gestattet den Ebenen übereinander zu gleiten 5
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