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dressler/fo 194/editorial

Nr. 194 August 2005


Unsere kleine Nische
Wahrhaft interessante Zeiten, die wir durch- lich speziell sind, dass ich wahrscheinlich
leben: Wir sind Papst, junge Männer mit Ruck- unter den ganzen 120 Menschen, die in
säcken zerbomben den ÖPNV in London, meiner Nachbarschaft auf dem Zeisigweg
Lance Armstrong gewinnt mit nur einem Ho- wohnen, keinen einzigen, außer Michael und
den zum 105. Mal die Tour und irgendwie mir natürlich, finden würde, der auch nur im
hat das im Fandom Observer alles nichts zu Entferntesten verstehen könnte, um was es
suchen. Große Politik, großer Sport – das eigentlich geht. Und während ich dies schrei-
wabert vorbei und das ist genau richtig so. be, begreife ich allmählich und vor allem stau-
Menschen brauchen Nischen, in die sie sich nend, dass das kein Bug ist, sondern ein Fea-
verkriechen können und wo die Welt einfach ture. Das unermüdliche Kritisieren der Um-
mal draußen gelassen werden kann. Wo es triebe des SFCD ist in Wirklichkeit die hohe
eben mal nicht wichtig ist, ob eine drohende Kunst der Entspannung. Andere verfallen dem
künftige CDU-Regierung die bürgerlichen Rech- Alkoholismus oder verwesen als
te so weit einschränkt, dass wir auf dem Weg Couchpotatoe vor der Glotze,
zu einem Polizeistaat sind. Eine Nische, in Schwagenscheidt schreibt Artikel und ein
der es statt dessen wichtig ist, was Robert Denkena renzensiert Fanzines.
Musa über Filme zu sagen hat. Deswegen könnte ich mich jetzt natürlich für
Ich glaube, dass solche Nischen es überhaupt die zahlreiche Mitarbeit bedanken, unterlas-
erst wieder ermöglichen, dass man dem, was se das aber in bester Absicht, denn das wür-
in Welt abgeht, wieder mit angemessenen de den vermutlichen Tatsachen nicht gerecht.
Gefühlen begegnen kann. Der stete Info-Be- Die Nischengestalter und die Nischen-
schuss aus Radio, Fernsehen, Internet macht besucher brauchen sich schließlich gegensei-
einen ja nicht dauerbetroffen, sondern tig und wer da wem zu danken hat, kann so
lediglich abgestumpft . Der drohenden wenig befriedigend beantwortet werden wie
Abstumpfung entgeht man, indem man sich die Frage nach der Henne und dem Ei.
entzieht. Es tut einfach gut, für eine Weile Es ist also wie es ist und hoffentlich bleibt es
den Kopf frei zu machen und sich mit der auch noch eine Weile so oder so ähnlich.
Gütesiegelgeschichte des SFCD zu beschäfti- Darauf trinke ich heute ein leicht herbes Glas
gen, was Thadewald und Schwagenscheidt griechischen Rotwein,
uns mit ihrem liebevoll aufgearbeiteten Be-
richt ganz leicht machen. Doris
A propos Schwagenscheidt – Menschen, die
seine Artikel lesen, wissen, dass er eher zu
denen gehört, die so richtig und ausführlich
was zu nörgeln haben und aus ihrem Herzen
ganz gewiss keine Mördergrube machen,
wenn sie doch noch ein Haar in der Suppe
finden, dass sie bisher noch nicht erwähnt
hatten. Er gehört zu den Menschen, die lei-
denschaftlich meckern können über die Din-
ge, die so super extrem und außergewöhn-

Unterwössen nach dem


Zauselcon - das große Rei-
nemachen
Ab Seite 2

Teil 2 – Schwagenscheidt und


Thadewald arbeiten die Ge-
schichte des SFCD auf. Über
I N H A L T das legendäre Siegel haben
2: Zauselcon-Bericht „Unterwössen“ sie einiges zu berichte.
5: Fanzines von KSD Ab Seite 16
10: Buchrezis
16: Bücher mit dem SFCD-Siegel vom Oldie-Duo
21: Horror
23: Film von Vohl und Musa
27:
29:
Comic-News
Hörspiele [Link]
dressler/fo 194/fandom/conbericht/braun

Fritzwilli Braun plaudert über Cons,


die er nicht besucht hat
Sommer 2005. Du bist gerade erst aus dem Jene Riege, der man/
kalifornischen Gilroy zurück, wo du zusam- frau nur angehören kann,
men mit deinem Onkel Widukind eine Anti- wenn man/frau im vorigen
Knoblauch-Kampagne ins Leben gerufen hat- Jahrtausend das fünfzigste
test – mit wenig Erfolg übrigens. Da sitzt du Lebensjahr vollendet hat
nun und starrst mit dir und der Welt unzufrie- und in den 50er und/oder
den in den niederprasselnden Regen. Jeden den 60er des vorigen Jahr-
und alle machst du für deine schlechte Lau- hunderts im deutschen
ne verantwortlich. Und in diese heitere Stim- Fandom aktiv gewesen ist.
mung schrillt das Telefon. Deine Redakteuse Was nichts anderes bedeu-
sagt mit süffisanter Stimme: „Für das nächs- tet, dass die alleinige Mit-
te FO brauche ich einen Conbericht. Schreib gliedschaft in irgendeinem
mal einen!“. Völlig verdutzt versuchst du mit (SF)-Verein wenig bewirkt.
dem Telefonhörer, der aber nur das besetzte Heuer traf man sich wieder
Tüt-tüt-tüt von sich gibt, ein Gespräch zu füh- in Unterwössen, wie wohl
ren. Deine Laune hat nun endgültig den ab- auch hinkünftig dieser Luft-
soluten Nullpunkt erreicht. kurort im Bayrischen blei- Mielke und sein Organisator – Männer, die sich mögen
Und über welchen Con bitteschön soll bendes Domizil werden
ich denn hier referieren. Um einen Conbericht soll. Ein Mancher wird jetzt die Nase rümp- Und so sollte man annehmen, dass auch
zu schreiben muss man jetzt nicht unbedingt fen, ob dieser Zusammenrottung alter Säcke. der SFCD diesjährig zu seinem Jubiläums-Con
diesem Event beigewohnt zu haben. Kennst Nur, dies sei dem Mitzwanziger per SMS aufs geschichtsträchtigen Boden aufsuchen wer-
du einen, kennst du alle. Sie laufen ja alle Handy gepappt, ist es so, dass zwar das zähl- de. Aber weit gefehlt. Kurz vor dem Arsch der
nach dem gleichen Schema ab – ich meine bare Alter dieser Typen schon eine etwas Welt traf man sich - still und zurückgezogen
jetzt hier diese Normalo-Cons. Die Hauptsa- höhere Taktzahl vorgibt, das sie mit ihrem in Darmstadt. Einige 50 Kilometer nördlich
che ist das Programm, ja Programmschienen gefühlten Alter aber erheblich jünger sind, als davon liegt Bad Homburg. Man hätte – mit
werden dem staunenden Besucher offeriert. so mancher bedienstete Bedenkenträger im einigem guten Willen – an geschichtlicher
Und Ehrengäste – Ehrengäste sind wichtig. Fandom, namentlich beim SFCD e. V. Stätte tagen können. Aber solcherlei Unbill
Und der Cönne gibt es ja zu Hauf in Unterwössen ist übrigens nicht von darf man einem Vorständler des SFCD e. V.
deutschen Gauen. Nun gut, über den [Link] ungefähr als SF-Oldie-Con-Austragungsort nicht zumuten. Das könnte ja in Arbeit ausar-
wurde bereits an anderer Stelle Negatives gewählt worden. Der erste SFCD-Urlaubs-Con ten. Und dieses permanente Rumgestöhne,
gesagt. Und die Rhodanesen sind mit fand 1958 dort statt – nach dem legendären dass sie alle – karg bemessen in ihrer Frei-
Garching schon gestraft genug. Greifen wir Con in Bad Homburg, dem offiziell ersten gro- zeit – ja so gern tun können wollten, wenn
uns aus dem Unübersehbaren einfach mal ßen Con des SFCD. Auch in späteren Jahren sie ja nur tun wollen könnten – ich kann es
zwei heraus – ganz willkürlich und ohne Ab- traf man sich gern in Unterwössen oder nicht mehr hören. Ich hab’s schon einmal
sicht. Den Jubel-Con des SFCD und dieses Tref- Marquartstein, früher nur eine Bahnstation vor gesagt, Ehrenamt bedeutet in jedem Falle viel
fen der Zausel, das sich „SF-Oldie-Con“ nennt. Unterwössen. Arbeit, manchmal sogar recht viel Arbeit. Und
ich weiß, wovon ich spreche. Ich habe das
nämlich schon mal bei ’nem Bekannten von
mir hautnah miterlebt.

Aber kommen wir zurück zum Jubel-Con


des SFCD. Über das Programm wollen wir hier
mal nicht lästern. Zumal es im Vorfeld des
Cons im Großen und Ganzen geheim gehal-
ten wurde – vorgeblich der Überraschung
wegen. Und Überraschungen gab es ja viele
– vor allem, als dann bekannt war, welche
Ehrengäste zugesagt hatten. Abgesehen von
jenen dem Perryversum nahe stehende Ver-
dächtigen waren geladen: Dr. Herbert Franke
und Wolfgang Jeschke. Zwei honorige Urge-
steine der deutschen SF allemal. Für einen
Jubiläums-Con aber etwas kurz gegriffen,
zumal ja Wolfgang Jeschke im Jahre 1957 –
just auf dem Con in Bad Homburg – vor dem
Rausschmiss aus dem Club stand, da er ja
eine andere Auffassung von SF vertrat, als
sie vom Vorstand – die bösen Linken würden
jetzt von den Herrschenden sprechen – vor-
Da singt doch einer...‘s ischt der Rottensteiner gegeben war. Er musste also dieser seiner

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Irrlehre abschwören. Wie wenig dies aber gesellschaftlicher Abstieg, wenn die Bekann- meine ich auch alle anderen – häuteten, ka-
genutzt hat, lässt sich an Hand seiner späte- ten erfahren, dass der Gatte gar kein Verhält- men unter dem Profi-Ehrengast plötzlich ganz
ren Geschichten leicht nachweisen. nis mit seiner Sekretärin hat – der hockt lie- normale Menschen zum Vorschein. Und –
Aber Jeschke war ja nicht der erste, der ber auf SF-Cons. Shocking!! ganz große Überraschung – sogar recht an-
vom SFCD domestiziert werden sollte. Anne Nun sollten wir doch endlich mal in die genehme Zeitgenossen.
Steul traf dieses Schicksal schon ein Jahr frü-
her. Hatte sie doch die Unverschämtheit zu
behaupten, dass die Beschäftigung mit SF
mehr dem Geselligen diene – also die
fannische Seite des Fandoms. Das durfte ja
nicht sein. War es doch das Bestreben des
SFCD sein Mitglied mehr oder weniger zum
Raketenbauer auszubilden. Das wichtigste Ziel
des SFCD nach damaligem Verständnis war
ja die Verbreitung des Weltall-Eroberungs-Ge-
danken. Die Raketen bauen heute andere. Der
SFCD e. V. von Heute hat sich andere Auf-
gabenfelder gesucht. So setzt er seine ganze
Kraft zur Erforschung alltäglicher Probleme ein,
wie es nun auch die Erektionsstörungen sind.
Aber im Umfeld von Anne Steul gab es
ein Zwillingspaar – Söhne eines in Deutsch-
land stationierten GIs. Einer von beiden wur-
de übrigens in der ersten Mitgliederliste des
SFCD als Mitglied mit der magischen Mitglieds-
nummer 25 geführt. Gut, er wohnt schon lan-
ge wieder in den USA. Für den SFCD e. V. von
heute wahrscheinlich nur ein völlig unbedeu-
tendes Ex-Mitglied und als Ehrengast zu ei- Heitere Gesellschaftsspiele in Gottes freier Natur wurden auch veranstaltet
nem Jubel-Con völlig ungeeignet – dieser
Gregory Benford. Runde schauen. Es liegt mir hier jetzt voll- Aber so ganz war das nun doch kein nor-
Auch jener Typ mit der Mitgliedsnummer kommen fern, alle Erschienen namentlich zu males Fantreffen. Sehr gemischt. Will mal sa-
249 dürfte den heutigen SFCDlern völlig gleich- erwähnen. Das überlasse ich dem so genann- gen, Profis gab es nun nicht wenige unter
gültig sein. Was kann schon ein Jesco von ten „Organisator“. Nehmen wir jetzt hier nur den Besuchern. Ca. 40 % verdient seinen Le-
Puttkamer über Erektionsstörungen sagen. Prominenz – und schon haben wir ein Pro- bensunterhalt mit und durch SF. Kann auch
blem. Ist nun jene Profi-Prominenz des Jetzt kaum ein anderer Con vorweisen. Gut, der
Aber verlassen wir dieses unerfreuliche gemeint oder doch die Fan-Prominenz des aller-, allererste auf deutschem Boden
Thema. Irgendwann wird auch der SFCD den Gestern. Zu letzteren zählt auf jeden Fall Ha- vielleicht. Jener in Wetzlar, der aber wird ja
Tunnel am Ende des Lichts entdecken. gen Zboron, Gert Zech und Waldemar vom SFCD offiziös nicht als Con aner-
Wenden wir uns dem Zausel-Treff in Kumming – um hier nur kannt.
Unterwössen zu. Es gab kein Pro- Trotz allem, es war ein an-
gramm, es gab genehmer Con. Nun, ein jün-
keine Ehrengäs- gerer Besucher – sagen wir
te – obwohl so mal so zwischen 20 und 21,
mancher der aber mit der Erfahrung Jahr-
dort Auflaufen- hunderte alter Borniertheit
den jedem Con ausgestattet – hätte da so
als Ehrengast hät- seine Probleme gehabt.
te dienlich sein Denn, wie schon gesagt, es
können – und gab kein Programm. Man
auch schon so war sich selber Programm
manches Mal war. genug – mag jetzt jener
Schauen wir doch oder dieser einwerfen.
einmal in die Run- Was auch wieder nur ein
de. – Jetzt mal so weit verbreitetes Klischee
ganz nebenbei be- ist. Die dort Versammel-
merkt, Teilnehmer- ten hatten sich noch et-
Listen – die früher was zu sagen. Um es
nach jedem Con Braeg und Alfred Vejchar jetzt einmal ganz langsam zu schrei-
ter
r Kumming, Die
gern und oft veröf- – auch Waldema ben: sie redeten miteinander. Man
Bier enthemmt
fentlicht wurden – genoss das Beisammensein, das gute Es-
sind wohl dem Datenschutz anheim einige zu nennen. Und als Profis darf ich hier sen (die Gewichtszunahme bei einigen soll
gefallen. Es wäre ja auch allzu peinlich, wenn mal Thomas Mielke, Wolfgang Jeschke und ganz erheblich gewesen sein), halt eben die
die Frau Gattin, der man erzählt hat, dass auch jenen Ronald anführen, der, wenn er entspannte Atmosphäre eines gemütlichen
man mit der Sekretärin nach Paris zur Tagung als Pseudonym auftritt, immer ein M. im Na- Familientreffens.
der Extrem-Nudisten fährt, plötzlich erfährt, men führt. Also „Ehrengäste“. Nur, und das
dass dies alles gar nicht wahr ist. Welch ein verblüffte ungemein, als sie sich – und hier

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Stammtische 1
(aktualisiert am 24.07.2005)

Aschaffenburg, SF-Stammtisch
jd. letzten Freitag i. M., 20 Uhr; „Zur
Löwengrube“, Schneebergstraße 9
Karl E. Aulbach, (0 60 92) 77 36;
[Link]@[Link]

Aschaffenburg II
jeden letzten Sonntag i.M. ab 18 Uhr,
Gaststätte „Zur Eisenbahn“, Haupt-
straße 1, Stockstadt/Main. Info: Ursula
Aschenbrenner, (0 60 27) 29 86

Bad Homburg, SF-Stammtisch


jd. 1. Samstag i.M. ab 19 Uhr, Ristorante
„Al Capone, Homburger Strasse 17, Bad Die Vlceks waren auch in die SF-Sommerfrische nach Unterwössen gekommen
Homburg/Ober Erlenbach. Info: Mathias
Kubens, (0 60 36) 98 02 38, Nun, wo Licht ist, soll bekanntlich der ganz weit wegwerfen. Aber bitte erst, nach-
mkubens@[Link] Schatten nicht weit sein. Nerven konnte er dem er den Vurguzz rausgerückt hat. Vurguzz,
schon, dieser vorgebliche Con-Organisator. Ich herrlich süffig, brrrrr und grün.
Berlin, SF-Stammtisch (SFCB) hege den bösen Verdacht, dass der diesen Es gäbe wohl noch viel mehr über diesen
jd. 4. Freitag i. M., 19 Uhr, „Zum Igel“, Con nur organisiert hat, um seine blöden Con zu berichten. Aber etwas soll der „Orga-
Sieglindestraße 10, Berlin, Markus Namensschildchen unters fannische Volk zu nisator“ in seinem Stammtisch-Boten ja auch
Luther, (0 30) 7 92 27 55 bringen. Man sah ihn fast nur in seinem Na- zu sagen haben. Und so verabschiede ich
mens-Schildchen-Karton kramen. Diese schrä- mich denn hier mit einem der prächtigsten
Berlin, SFC Andymon ge Type sollten die SF-Oldies beim nächsten Statements aus der Eröffnungs-Rede dieses
jd. 2. Donnerstag im M., 18 Uhr 30, Kul- Con erst mal wegsperren und den Schlüssel hoffentlich bald Weggesperrten:
turbund e.V., Ernststraße 14 - 16, 12437 „Tach zusammen“
Berlin-Treptow
Ralf Neukirchen, Tel. (030) 2 75 27 21

Braunschweig, SF-Stammtisch
jd. 1. Montag i.M., 20 Uhr, „Biergarten
Tiger Pub“, Wilhelm-Bode-Str. 33;
Homepage:
[Link]

Darmstadt, SF-Treff Darmstadt


jeden 1. Samstag i.M. ab 18 Uhr im Club-
raum der Gaststätte „Stadt Budapest“,
Heimstättenweg 140, 64295 Darmstadt
(Heimstättensiedlung). Info: Roger Mur-
mann (0 60 71) 38 71 8,
sftreffda@[Link] (SFC Rhein-Main).
Homepage: [Link]

Dresden, PR-Stammtisch
alle 14 Tage, Haus der Volkssolidarität
(nahe der Dreikönigskirche neben der
Pizzeria), 18 Uhr
Uwe Schillbach,
[Link]@[Link]
Eheleute Mommers – ganz entspannt
Düsseldorf, Phantastischer Treff
jeden 2. Samstag im Monat, Gaststätte
„Beim Franz“, Gerresheimer Str. 19,
40211 Düsseldorf

Giessen, SF-Stammtisch
jeden 1. Samstag im Monat ab 18.00
Uhr, „Stadthaus“, Kongresshalle Giessen
am Berliner Platz 2, 35390 Giessen. Info:
Harald Latus, (06 41) 47 65 3

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Wir warten!
Auf Conberichte zum 50-Jahre-SCFD-Con und dem (immerhin mal wieder
nach längerer Pause auf diesem Kontinent) stattfindenden SF World Con ...
Vielleicht motivieren derlei überragende Events die zurückgezogen
dahinträumende fannische Gemeinde ja auch wieder zur verstärkten
Fanzineproduktion ...
Oder geschieht derlei Erweckung und Auslenkung überschüssiger Energien
nicht viel eher auf kleinen und feinen Cons, z.B. zwischen Armdrücken und
Fußballspielen ganz in der Nähe von Peine...?

hat, hilft mir das auch nicht weiter. Also, was einzuordnen. Würde ich allerdings als Redak-
>Von 2 bis 87< soll das – warum soll dieser Roman so „fas- teur nicht machen, denn dann finden die ein-
zinierend“ sein, warum sollte ich ihn kaufen zelnen Beiträge wohl nicht mehr unbedingt
PROGRESS REPORT # 2 und lesen (was ich vorerst auf keinen Fall die (erst störende) Aufmerksamkeit – und als
Conzine/ACD/ca. A5/4 S./150 Ex machen werde)? So präsentiert sind das sinnvolle ‚Lückenfüller’ vermeiden sie auch die
Stefan Schaper, Stiller Winkel 1a, 38159 lediglich 2 Schleichwerbeseiten! Gerade vor ‚Streckung’ (durch größere Schrifttypen oder
Denstorf wenigen Tagen bekam ich vom Heyne Verlag unnütze Zeichnungen/Fotos) von Artikeln mit
Für den ACD Con 2005 vom 26.-28. Au- eine Neuerscheinung von John Ringo (bei dem nicht passender Länge. Also gilt: Auf jeden
gust im Naturfreundehaus Uhlenhorst in Peine Namen muss ich immer an irgendwelche Fall so lassen, motiviert zum Hinschauen!
ist hier „Gästeliste – Hotels – Programm“ ein- Westernklischees denken) erhalten, die ich Carsten Kuhr informiert dann noch über „Die
zusehen. Daselbst gibt es die Fanwelt- nach der Lektüre des Interviews mit diesem Konkurrenten Harry Potters“ – leider ist das
uraufführung des Spiels „Fandom Attack“... Herrn (geführt von Dirk van den Boom) auf mehr eine Aneinanderreihung und wenig
keinen Fall lesen werde – der Typ tickt ja echt nützlich, unsereiner wäre mit diesem Text
verkehrt: „Wir vergießen dabei so viel Blut wie bestimmt nicht auf Cornelia Funke und Dar-
nötig, aber wir ziehen es vor, mit überlegener ren Shan gestoßen, wie überhaupt das Fin-
Feuerkraft zu antworten.“ Wenn es nach dem den von (etlichen vorhandenen) Glanzlichtern
Typen ginge, würde man gleich morgen im (nicht nur) im Jugendbuchbereich derzeit auf
Iran einmarschieren, tags darauf Nordkorea Zufällen basiert. Und dann ist da noch Achim
unter einem Atomteppich ersticken und am Schnurrer mit einem Portrait von Robert Kraft,
nächsten Wochenende Kuba im Meer versen- aber ich wollte ja eigentlich nur 3 Punkte
ken. So habe ich mir einen Military-SF-Autor herausgreifen...
eigentlich immer vorgestellt, da werden alle Preiswürdigkeitseinschätzung: 
Vorurteile bestätigt... „wir sind alle Könige),
TREFFER # 33 incl. SCHNAPP ZU
Sammlermagazin/AA/44+28 S.
Redaktion Treffer, Postfach 450444,
50879 Köln
Irgendwie noch recht dünne anzusiedeln,
was dem Schnäppchenjäger im „Heft im Heft
zum Herausnehmen“ an Anzeigen geboten
wird – es fehlt ganz einfach noch das gewis-
se Etwas, aber für die Heftis sind doch 650
Atlans oder 1700 Perrys auch schon was,
oder? Im Magazinteil geht es um Produktio-
PHANTASTISCH! # 19 nen des Zauberkreis-Verlags, wobei besonders
Magazin/A4/68 S./1200 Ex die ja nun wirklich sehenswerten Cover von
Achim Havemann, Harlinger 119, 29456 R.S. Lonati Erwähnung finden (man erfährt
Hitzacker auch einiges zum Leben dieses sehr zurück-
Gerade (siehe den Oberserver vom Juli) gezogen lebenden Herrn), wie viele Hefte
wurde Klaus Bollhöfener für seine Tätigkeit wohl dunnemals allein wegen seiner Titel-
als Chefredakteur dieses Blattes der Kurd-Lass- zeichnungen über den Kiosktresen wander-
witz-Preis 2005 verliehen (in der Rubrik Son- ten; aber auch so ein gescheitertes Comicheft
derpreis), da gibt es auch schon die dritte wie „Kasperle“ (der Titelstrip sei abgrundtief
Nummer diesen Jahres... Und auch 3 Punkte schlecht gewesen), bei deren Anblick sich
möchte ich ansprechen (gehen wir mal vom auch unsereiner erinnerte, irgendwann einmal
Negativen zum Positiven): Da gibt es zwei was dazu geführt hat, dass wir unsere Fein- in sagenhafter Kindheit eines dieser Dinger
Seiten zum (bis dato vollkommen unbekann- de bisher immer besiegt haben.“ Was ja his- in Händen gehalten zu haben. Im Newsteil
ten, was aber im Bereich dieses Genres nicht torisch nicht stimmt – ist die Verdrängung in dann ein interessanter Bericht zu „Pornos und
ungewöhnlich ist) deutschen Fantasyautor gewissen US-Köpfen tatsächlich so groß...? Gewalt? Stadt schließt Comicbörse in der
Tobias O. Meißner, von dem bei Piper (gute Was allein schon optisch auffällt, ist die ver- Westfalenhalle“, Veranstalter Peter Köhler steht
Adresse) der erste Band eines gewissen streute Anordnung von recht zahlreichen (kür- Rede und Antwort. Fazit: Ein Durchblätter-
‚Mammut’-Zyklus erschienen ist. Nun liest sich zeren) Rezensionen. Irgendwie nervt das, weil Magazin – es besteht jedenfalls noch Anlass
die kurze Inhaltsangabe nicht sonderlich auf- man andauernd ‚hängenbleibt’ – und es wird zur Hoffnung...
regend oder originell – und wenn dann der der Wunsch laut, doch bitteschön diesen gan-
Autor erzählt, wie er an dem Werk gearbeitet zen Part schön zusammenhängend irgendwo

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SOL # 39 PERRY RHODAN PERSPEKTIVE # 77 Atlanheftserie findet Erwähnung (woanders


Perryzine/A4/68 S./1400 Ex Perryzine/A5/72 S. ging dieser ‚Event’ eher unter): „Atlan 900 –
Achim Havemann, Harlinger 119, 29456 Achim Havemann, Postfach 1107, Das Jubiläum, das es nicht gab“...
Hitzacker 29452 Hitzacker
„Er bedauerte es, aber so wäre ich für das Mh, komisch – gar keine leichtbekleideten
Team nicht weiter tragbar ... Bernhardt schloss Zukunftsmaiden mehr auf dem Cover ... jetzt,
sich seiner Meinung an, während Walter wo sie sich nicht mehr ins Blickfeld drängen,
(Ernsting), dem ich eigentlich mehr da vermisst sie unsereiner, so ist der SF-Mann
Entscheidugnsgewalt zugetraut hätte, es zwar deutscher Provinienz (kopfschüttel)! Die
nicht verstehen konnte, aber auch keinen Ein- Perryhefte 2268-2276 (angesiedelt zwischen
fluss auf diese Entscheidung nehmen wollte lau bis sehr gut), Atlan 21-24 (lau bis gut),
oder nicht konnte – wie auch immer.“ Konrad dazu TB-Rezis, die neue Basteiheftserie
Schaef im Interview, wobei natürlich auch >Sternenfaust< (Hefte 1-4, lau bis gut), dann
seine kurze Autorenschaft in den Perry-300ern noch Statements und Diskussion, die über-
incl. Rauswurf, konspirativem Treffen etc. zur flüssige Fortsetzungsstorysoße – und mit nicht
Sprache kommt. Dazu hat man ja schon an- einmal 2 Seiten echt zu kurz die Würdigung
derweitig einiges gelesen – es ist halt immer von Galbraith Deighton (von Christian Matz).
so, dass derartige uralte Interna irgendwann Fazit: Routiniertes Kritik(er)magazin...
>freigegeben< werden (nachdem die Fakten
vorher schon jahre- oder jahrzehntelang
durchs Fandom gepfiffen wurden). Die von
1990 gibt es dann in 10 Jahren, die ‚Raus-
schmisse’ von 2005 werden spätestens 2029
abgehandelt... Robert Feldhoff darf werbewirk-
sam über das Perrygeschehen jenseits von
Heft 2300 plaudern – es geht weiter den
gigantomanischen Kurs ausbauend (die ge-
genteiligen Bemühungen wurden vor ca. 15
Jahren eingestellt). Raph Voltz darf auch eini- >Von 134 bis zum
ges sagen – aber bestimmte Sachen halt nicht
(kann man in SOL auch kaum erwarten!), Inge 150er Jubiläum<
Mahn schreibt „Erinnerungen an William
Voltz“, eine Autorenkonferenz gab es auch (die ICOM INTERN # 134
Fotos sind echt interessanter als der Text) und Comicverein/ICOM/A4/16 S.
Thomas Harbach betrachtet andere Burkhard Ihme, Danneckerstr. 12, 70182
Trivialserials, und meint dabei zu einem „Erde Stuttgart
2000“-Romanen (Nachdrucke bei Mohlberg) „Es soll auch dem Urheber erleichtert wer-
ganz allgemein: „Der typische Heftromanauf- den, sein Interesse an einer umfassenden
bau mit seinen zu schnellen Finalen trübt das Auswertung seiner Werke zu regeln. So könn-
Lesevergnügen“, genau, das isses (findet der ten in Zukunft schon Verwertungsverträge für
aufmerksame Leser z.B. bei Perry immer Nutzungen auf dem Mars abgeschlossen
wieder)! Tja, SOL ist SOLide Lektüre für den werden.“ Es geht um die Novellierung des
Fan an sich (und der nicht unbedingt Kritik COMIXENE # 86/87 Urhebersetzes (URHG) – eine von vielen in-
und brisante Hintergründe erwartet)... Comic-Magazin/A4/100 S. formativen Notizen (kurz vor dem 25-jähri-
Comixene, c/o Nobst, Mühsamstr. 40, gen Jubiläum) aus dem Genrebereich und
10249 Berlin umzu. Incl. Comics und Curiosa, so der histo-
Die Sommerdoppelnummer (Juni/Juli) rische Rückblick auf das Verbrennen von
hängt sich an die us-üblichen „Schundheftli“ (sogar noch Mitte der 60er Jah-
Comicverfilmungen (Batmans Begins & re) und der Hinweis, dass sich pünktlich zur
Fantastic Four) und interessiert unsereinen wohl kommenden Bundestagswahl der wohl-
genauso wie die Strips, nämlich nicht son- bekannte Karl Nagel (auch: Grafiker und
derlich... „Die jüdischen Wurzeln der US-Comic- Comic-Zeichner) als Wahlkampfmanager der
Book-Helden“ ist da schon tiefergründiger, APPD (Anarchistische Pogo Partei Deutsch-
auch die Betrachtungen zu „Der Holocaust lands) zurückgemeldet hat…
im Comic – Bestandsaufnahme eines unbe-
quemen Themas“, gefolgt von „Superman und
die Nazis – Das Reich schlägt zurück“. Wir INTRAVENÖS # 150a+b
sehen, dieses Magazin ist durchaus ambitio- SF-Clubzine/ACD/A5/168 S.+CD/100 Ex
niert (und nicht weltfremd) – und hat als Rüdiger Schäfer, Stixchesstr. 27,
weitere Höhepunkte „Panel – Ambixious 51377 Leverkusen
Comix“ (wieso wird dieses Blatt aus Bremen Fast pünktlich zum 20-Jahre-Jubiläum (1.
unter „Untergrund“ geführt?) und „Das Ver- Juli) kommt diese Jubelausgabe heraus (die-
mächtnis des Will Eisner“ (gemeint ist „Das ses Clubzine erscheint ca. alle 6 Wochen), mit
Komplott – Die wahre Geschichte der Proto- der zweithöchsten Seitenzahl aller Internzine
kolle der Weisen von Zion“ incl. 8 Seiten Ab- dieses Clubs (nur die Nummer 55 hatte mit
druck aus demselben). Dazu alle die bekann- 172 Seiten deren 4 mehr...). Nach dem Tief
ten Rubriken und mehr – und sogar die rund um die Jubel-100 (1999 war’s) incl. dem

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pia auf den Grund (in Sachen Energie- THE GRIDLEY WAVE # 273
verbrauch und der Grundversorgung mit Was- ERB-News/ca. A4/2 S.
ser); die # 231 bietet vor allem Betrachtun- The Burroughs Bibliophiles, University
gen zum Film Per Anhalter durch die Galaxis, of Louisville, Louisville, KY 40292, USA
erzählt was zu den deutschen Erstveröffentli- Der ‚Kala-Award’ (Kala = Ape-Mother of
chungen von Episoden zu Space 1999 – Tarzan) ging an Binti (= Female Gorilla im Zoo
Mondbasis Alpha (DVD-Boxen 1 und 3) und von Brookfield, Illinois, USA), die 1996 einen
bringt die ominöse Kabel 1-Liste der besten Dreijährigen, der ins Gorillagehege gefallen
SF-Filme aller Zeiten (Matrix und Star Wars – war, aufhob und den Wärtern übergab. Der
Eine neue Hoffnung [welche Folge ist das Preis wurde übrigens vom Zoo mti Bedauern
denn, dieser Titel sagt mir gar nix!?] ganz abgewiesen, „because they didn’t wish to
vorne, echt seltsam (Platz 5 für Planet der show favoritism to one of their inmates.” Binti,
Affen von 1988, häh???)... (Redaktion: Sandra 17, ist inzwischen selbst Mutter geworden –
Vockenberg) und wem das nicht reicht, der kann 18
Hörspielepisoden aus dem Jahre 1932 von
„Tarzan of the Apes“ auf CD erwerben! Die
THE COMICS JOURNAL # 268 Folgen wurden dunnemals (man höre und
Magazine/ca. A4/200 S. staune!) im Abstand von 2 bis 3 Tagen ge-
Fantagraphics Books, 7563 Lake City sendet, startend mit „Tarzan’s First Birthday
Way N.E., Seattle, WA 98115, USA 09-12-32“…
„In the manga world, sexually teasing
Beinahe-Aus des ACD ist nunmehr ein neues voyeuristic episodes, including glimpses up
durchaus beständiges Hoch über der rühri- skirts and into locker rooms, are called ‘fan
gen Szene stationär verankert. Die 78 Mit- service.’ Mainstream North American comics
glieder (außerhalb Deutschlands auch in der aimed at teenage males flirt with fan service, >jenseits der 500 <
Schweiz, Österreich und Schweden zu finden as well, but American society tends to have
bzw. in Afghanistan stationiert, das aktuelle a narrower comfort zone when it comes to LOCUS # 532
Intra wurde übrigens berufbedingt zum größ- combining teens, sex and comic books.” Magazine/ca. A4/80 S.
ten Teil in Phuket, Thailand zusammengestellt) Michael Dean befasst sich in dem Artikel Locus Publications, P.O. Box 13305,
beliefern sich auch diesmal mit dem üblichen “Impure Manga – DC’s CMX versus Manga Oakland CA 94661, USA
Mix aus LBs, Stories, News, atlanbezogenen Fans” mit den Änderungen bwz. der Zensur, „Harry Harrison celebrated his 80th
Berichten (zwischen Realität und Phantastik die Manga-Nachdrucke bei DC in den letzten birthday with his daughter Moira, many
schwebend), Wissen, Quiz und der großen beiden Jahren zum Ärger der Fans so aufer- friends, and a cake decorated with a stainless
>ACD Jubiläums Statistik< als Ausblick auf die legt wurden (für die deutschen Leser auch steel rat.” Ansonsten ist diese Mai-Ausgabe
2-bändigen Chronikbände (die ebenfalls noch ein inzwischen altes Kapitel/Ärgernis) ... „Pa- für den Zineredax eine Nummer mit Unbe-
in diesem Jahr erscheinen sollen) – der Chef- nels were re-framed or partially blacked out, kannten: Es gibt Interviews/Gespräche mit
redakteur mit dem meisten INTRAs ist/war actions were abscured and clothes were Sean Stewart, Rosemary Kirstein und Chris
übrigens Udo Emmerich, und die Ewige drawn onto nudes figures in an effort to make
Mitgliederliste offenbart auch (un)vergessene the book marketable to a wider range of
Namen...! Natürlich gibt es ein Farbcover und ages.“
ebenso selbstverständlich ein Gimmick – eine Die langen Interviews in dieser Juni/Juli-
CD (Auflage: 120 Ex) mit „Unvoiced“-Musik- ausgabe sind diesmal mit Craig Thompson
kompositionen von Reimer Deutler. Alles zum und Bob Burden geführt, es werden (Farb-
ewigen Einheitspreis (nur 25% mehr als die- )Comics von „Our Gang“ (Walt Kelly 1945/47)
ser Observer), wer da meckert (der Club- nachgedruckt und Paul Slade begibt sich nach
kassierer mit dem sich auftuenden Schwar- Europa, mit der Betrachtung „Hergé at Sea“...
zen Euroloch ausgenommen), ist selber
schuld! Also: Wer sich für das Fandom und
den ACD interessiert, der sollte sich diese
Ausgabe ruhig mal zuschicken lassen – oder
sich auf dem Peine-Con (s.o. PROGRESS
REPORT # 2) abholen... (Redaktion: Ernestine
Gohr)

>Von 230 bis 273<


SF OKULAR # 230, 231 Roberson – und wir lesen etliche Nachrufe
SF-Clubzine/SFCNRW/A4/20+12 S. auf John Brosnan (58jähriger englischer Au-
Irma Leu, Berliner Str. 206, 45144 Essen tor). Interessant sind die International Reports
In # 230 Kurzinfos zum Iwoleit-Referat zu aus Brasilien und (echt selten) Germany: Franz
Philip K. Dick (die meisten der monatlichen Rottensteiner bietet einen sehr kompetenten
Clubtreffen werden zu Referaten o.ä. genutzt), Rundblick auf die aktuelle SF&F-Szene
Meinungen zu Star Wars – Episode III, Klaus- hierzulande, wobei auch die Anthologiebände
Dieter Sult und Natascha Schlüter gehen Uto- Nova erwähnt werden, Alien Contact, Festa,

FO 194 · 08/05 7
dressler/fo 194/fanzines/denkena

Blitz, Lindenstruth und Edition Phantasia,


Wolfgang Hohlbein, Andreas Eschbach, Ronald
M. Hahn und nicht zu vergessen der Erfolg
von Perry Rhodan ... Vielleicht sollte das mal
jemand ins Deutsche übersetzen und präsen-
tieren! „The German SF and fantasy scene
offers a varied picture; while the print runs of
SF books are mostly rather modest, the
number of releases is still large, and the
fantasy boom continues unabated, including
some genuine bestsellers”…

SF-NOTIZEN # 578, 579


Infoblatt/A5/8 S./75 Ex
Kurt S. Denkena, Postfach 760 318,
28733 Bremen
Während sich die # 578 vor allem dem
Film „Per Anhalter durch die Galaxis“ widmet,
geht es in # 579 um die TV-Serie „Taken“
(Spielberg) und das Vorgeplänkel um „Krieg
der Welten“ (Spielberg/Missionar Cruise), wo
Journalisten drangsaliert wurden (wohl um
negative Filmkritik zu vermeiden – was na-
türlich in die Hose ging, das hätte man sich
auch vorher denken können, aber scientology-
infiltrierten Elementen ist logisches Denken
halt fremd)...

Conclusio
Seit Jahr und Tag trudeln beim Zineredax
(und auch beim Herausgeber dieses wohl-
löblichen Blattes) deutungsreiche Postkarten
aus München ein, versehen mit ironischen
Texten eines gewissen >Elric von Melnibone<!
Inzwischen verweigere ich deren Annahme,
denn die postalische Überwachung hat nach
Dutzenden von Zusendungen gemerkt, dass
auf den Karten Phantasiebriefmarken kleben
und kassiert deshalb seit neuestem Nach-
entgelt. Aber bevor die Sache im Papierkorb
landete (an einen Absender kann das Objekt
schließlich nicht zurückgeschickt werden),
wurde mir die hier dokumentierte jüngste
Zusendung zugesteckt (kommt, wenn man
gewisse Leute Jahrzehnte kennt bzw. beruf-
lich mit ihnen zu tun hatte). Fällt das nun
unter den Kunstbegriff oder ist es mehr
Comedy...?

alkoholfreie grüße von ksdenkena

PS: Was macht übrigens Stefan Manske,


der Mitbegründer der langfristigen und kriti-
schen Perryheftbesprechungen – man erin-
nere sich nur an ZYKLUSZINE (in den 80ern)...?

8 FO 194 · 08/05
dressler/fo 194/news

News
Deutschland erschienen seine Anthologien bei Die Asche des Verstorbenen soll nach einer
Ein großes Ableben Bastei Lübbe. Byron Preiss hinterlässt eine privaten Trauerfeier im Familienkreis — gleich
Frau und zwei Töchter. der des ebenfalls verstorbenen „Erfinders“ der
[Link] 2005 – Chris Bunch Locus/New York Times Star Trek-Serien, Gene Roddenberry — von der
Space Services Inc. in Houston ins All geschickt
Nach langer Krankheit verstarb 62-jährig der 20. Juli 2005 – James „Scotty“ werden. Dies war Doohans letzter Wille.
Science Fiction Autor Chris Bunch. Hauptsäch- Doohan Heise/ddd
lich war er im Seriengeschäft aktiv (Shadow
Warrior, Last Legion, etc.) und schrieb mehr Der kanadische Schauspieler James Doohan,
als 30 Romane. Er war aktives Mitglied der besser bekannt als Scotty, der Herr über die
SFWA (SF and Fantasy Writers of America). legendäre Raumschiff-Enterprise-Beam-Ma-
Bunch war Vietnam Veteran (patrol schine, ist im Alter von 85 Jahren an den
commander) und schrieb im weiteren Verlau Folgen einer Lungenentzündung gestorben.
des Krieges als Korrespondent für „Stars & Er litt außerdem seit einiger Zeit an der
Stripes“. Seine Erfahrungen aus der Zeit hat- Alzheimer-Erkrankung.
ten offensichtlich Einfluss auf sein schriftstel-
lerisches Schaffen, gilt er doch als eine der
tragenden Säulen der Military SF. Gemeinsam
mit Allan Cole verfasste der den achtbändi-
gen Zyklus „Die STEN Chroniken“.

Ganz aktuell im Juli erschien bei


Randomhouse der erste Band einer Saga aus
seiner Feder: „Die verlorene Legion 1 – Die
Rekruten“.
Robert Sheckley
Locus muss Worldcon
6. Juli 2005 – Evan Hunter absagen
Evan Hunter, auch bekannt unter dem Na-
Robert Sheckley (geboren 1928) sollte ei-
men Ed McBain, verstarb im Alter von 78 Jah-
gentlich den Worldcon in Glasgow mit sei-
ren an Kehlkopfkrebs. Evan Hunter erhielt ei- Der beliebte Schauspieler war der Sohn iri-
ner Person bereichern. Bei einer Reise
gentlich den Namen Salvatore Lombino, wech- scher Eltern, die, gerade als seine Mutter mit
durch die Ukraine Ende April erlitt er je-
selte diesen aber ganz offiziell im Jahr 1953. ihm schwanger war, aus Belfast nach Kana-
doch eine lebensbedrohliche Herzattacke.
Als Ed McBain machte er sich vor allem als da immigriert waren. Am 3. März 1920 wur-
Autor von realistischen Kriminalgeschichten de er dann in Vancouver geboren. Der Tyran-
Mittlerweile wurde er in New York am Her-
einen Namen. In den Anfängen seiner Karrie- nei seines alkoholkranken Vaters entfloh er,
zen operiert und hat die Intensivstation
re jedoch schrieb er sowohl SF-Romane als als er im Alter von 19 just zum Zeitpunkt des
verlassen. Er wird jedoch noch einige Zeit
auch –Kurzgeschichten, allerdings beschränk- Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges in die
im Krankenhaus verbringen müssen. Da
te sich sein Schaffen in diesem Genre gerade kanadische Armee eintrat. Stationiert war er
wahrscheinlich weitere Eingriffe notwen-
mal auf die Fünfziger Jahre. Auch im Film- in England. Am legendären D-Day führte er
dig sein werden, wird Robert Sheckley in
geschäft war er tätig, unter anderem stammt ein Regiment bei der Landung in der
näherer Zukunft nicht auf Conventions zu
aus seiner Feder die Drehbuchadaption einer Normandie.
finden sein.
Daphne du Maurier-Kurzgeschichte f´ür den James Doohan als Montgomery Scott war si-
Locus
Hitchcock Film „Die Vögel“. Insgesamt schrieb cher einer der sympathischsten Figuren im
er mehrere Hundert Bücher unter unterschied- Team rund um Captain Kirk und es wird wohl
lichen Pseudonymen. kaum jemanden unter den FO-Lesern geben,
Locus der nicht die Granteleien des knurrigen Chef-
ingenieurs Mister Spock genossen hat
9. Juli 2005 – Byron Preiss (Kirk:“Wie lange brauchen Sie, um die ver-
schmorten Antriessegmente zu restrukturie-
Der Herausgeber Byron Preiss (geboren 1953) ren?“ Scotty: „Wenigstens drei Tage Captain.“
verunglückte bei einem Autounfall in East Kirk:„Sie haben 10 Minuten.“) Seine Sturheit,
Hampton, New York. Auf dem amerikanischen gepaart mit menschlicher Wärme machten die
Markt gab er zuletzt u.a. Nachdrucke klassi- Figur Scotty unverwechselbar. Seinen letzten
scher SF Werke heraus, aber veröffentlichte Auftritt hatte Doohan auf der ‘Beam Me Up,
auch Original-Anthologien, die von Karen Ha- Scotty’-Convention in Los Angeles im letzten
ber & Jonathan Strahan zusammengestellt Jahr. Kurze Zeit später erhielt er einen Stern
wurden. Nicht nur in den Vereinigten Staa- auf dem berühmten ‘Walk of Fame’ in
ten, sondern auch auf dem deutschsprachi- Hollywood. Originellerweise ist der Spruch
gen Markt wurde er als Herausgeber von „Beam me up Scotty“ so nie in der TV-Serie
Antholpgien bekannt, die sich um Werwölfe, gesprochen worden, was ihn mit „Hol‘ schon
Frankenstein oder Vampire drehten. In mal den Wagen, Harry“ verbindet...

FO 194 · 08/05 9
dressler/fo 194/buch/marks

Cyber City Süd


„Bin ich ein fieser Kritiker oder ist Herbert den Hinweis auf ein bislang unentdecktes rie- Karikatur fundamentaler islamischer Bewe-
W. Franke ein alter Mann“ - dieser Satz fiel siges unterirdisches Wasservorkommen ent- gungen, im Fernsehen werden Schauprozes-
mir ein, als ich versuchte, vor der Lektüre halten. Allein das wäre schon Stoff genug, für se gegen Kriegsverbrecher gezeigt, perfekt in-
meine Erwartungen an das Buch zu formu- einen Thriller mit ökologisch-utopischem Hin- szeniert incl. der Werbepausen. Und natür-
lieren. Ich muss gestehen, ich bin nicht ohne lich werden wirtschaftliche und militärische
Vorurteile an das Buch herangegangen. „Ein Interessen miteinander vermischt. Die Spren-
Buch mit diesem Titel von einem Altmeis- gung der Stadt findet seine Vorbilder in den
ter der deutschen Science Fiction! Das riecht terroristischen Anschlägen der letzten Jahre.
nach Altherrengehabe.“ Was würde Franke Das ist alles gar nicht so unwahrscheinlich
nach William Gibson , Tad Williams und auch nicht so weit weg von der heuti-
„Otherland - Opus“ oder auch der Matrix- gen Realität.
Filmtrilogie dem Thema virtuelle Welten ab- Diese Bezüge und die doch recht span-
gewinnen können? nend erzählte Geschichte machen den Ro-
man lesenswert. Es gibt aber auch eine Rei-
Meine Vorurteile wurden – zum Teil – be- he von Klischees. So trifft Majda natürlich auf
seitigt. einen reichen arabischen Prinzen, in den sie
Der Titel ist irreführend. Es geht in dem sich prompt verliebt und der ihr in einigen
neuesten Roman Frankes nur zu einem ge- brenzligen Situationen zur Seite steht. Außer-
ringen Teil um die Möglichkeiten durch virtu- dem wird deutlich, warum die Hauptperson
elle Welten unendliche Vergnügungsparadiese unbedingt eine Frau sein muß. Vor einem ara-
zu schaffen. Nur am Anfang werden ein paar bischen Hintergrund hätte die Geschichte mit
Möglichkeiten genannt. Dann schlägt der Ro- vertauschten Geschlechterrollen nicht funkti-
man schnell sehr viel konventionellere Töne oniert.
an. Mit der Charakterisierung seiner Hauptper-
Cyber City Süd ist ein Vergnügungszentrum sonen hat sich Franke wenig Mühe gegeben.
irgendwo in der arabischen Wüste. Errichtet Majda merkt man an, daß sie nicht unbe-
von arabischen Herrschern in Zusammenar- dingt Frankes liebstes Kind ist, aber auch die
beit mit multinationalen Konzernen. Die Ein- anderen Personen bleiben sehr starr in ihrer
nahmen sollen den versiegenden Geldstrom Rolle. Der Erzählperspektive – die manchmal
aus dem Ölgeschäft ersetzen. Franke verbin- tergrund. Franke fügt jedoch noch ein weite- verloren geht - und der stilistischen Umset-
det dieses Szenario, zu dem es mit den riesi- res Element hinzu. Es gibt eine geheimnis- zung merkt man das Alter ihres Schöpfers an.
gen Hotelkomplexen auf der arabischen Halb- volle Untergrundbewegung, die planvoll auf Das ist nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Kon-
insel durchaus reale Parallelen gibt, mit einer die Zerstörung von Cyber City Süd hinarbei- struktion und Ausführung erinnern stark an
spannenden, teilweise allerdings zu abseh- tet. Ihnen ist die Anwesenheit der Fremden die SF der 60er Jahre, was bei dem Autor
baren Geschichte, die alles enthält, was man ein Dorn im Auge, da diese sich nicht an die natürlich kein Wunder ist. Verglichen zum
von einem guten Thriller erwarten würde: Ver- kulturellen Gewohnheiten halten und westli- Beispiel mit der Erzählkunst eines Andreas
schwörung, Verrat, Gefahr und Gefangenschaft che Dekadenz und Promiskuität mitbringen. Eschbachs wirkt der Roman altbacken und
gemischt mit etwas Liebe und Romantik. Und Eine Untergrundbewegung ist sie im abgestanden. Nun muß man natürlich nicht
auch der gewagte Schritt eines über 70jähri- wahrsten Sinne des Wortes, halten sich ihre jeder angloamerikanischen Mode hinterher
gen Autoren eine junge Frau zur Hauptper- Mitglieder doch seit Jahren in unterirdischen rennen, aber ein wenig mehr Pep hätte dem
son seines Romans zu machen, passt zur Kon- Stollen und Gängen unterhalb der Stadt ver- Roman und der Geschichte gut getan.
struktion des Plots. steckt und bereiten sich auf ihren Einsatz vor. Inhaltlich ist der Roman dagegen eine
Majda, eine junge Europäerin, kommt nach Psychologisch durch Medikamente konditio- gelungene Aufarbeitung und Extrapolation ak-
Cyber City Süd. Nicht nur, um sich zu amüsie- niert und in ihrer Willenskraft geschwächt, tueller politischer und wirtschaftlichen Ent-
ren. Sie hat auch noch was anderes im Sinn. werden sie für den entscheidenden Tag ge- wicklungen in die Zukunft. In diesem – posi-
Sie ist auf den Spuren des letzten Lebenszei- drillt. Bis einem von ihnen, Ghory, Zweifel an tiven – Sinne hat Franke einen konservati-
chens ihres Vaters. Ein paar Briefe und eine der Ehrlichkeit der Anführer und auch an dem ven, wohl durchdachten und in weiten Stre-
geheimnisvolle Skizze sind alles, was ihr von Sinn der Mission kommen. Zwar kann er die cken sehr lesenswerten SF - Roman geschrie-
ihm geblieben ist. Er war Geologe, der zur Zerstörung der Stadt nicht verhindern, er kann ben.
Zeit der Erbauung von Cyber City Süd in der aber rechtzeitig eine Warnung absetzen, um Holger Marks
Region auf der Suche nach unterirdischen den Bewohnern Gelegenheit zur Flucht zu ge-
Wasservorkommen war. ben. Schließlich wird das Symbol westlicher Herbert W. Franke
Wasser statt Öl. Der Roman spielt in einer Vorherrschaft und Dekadenz in die Luft ge- CYBER CITY SÜD
zeitlich nicht definierten Zukunft, die sprengt, Ghory und Majda fliehen gemein- dtv premium 24470, 317 Seiten, Mün-
Ölvorkommen sind versiegt. Wasser ist das sam in die Wüste und werden dort in letzter chen, Juni 2005, 15++
lebenswichtige und kommerziell wichtigste Sekunde von einem Beduinen vor dem Ver-
Gut geworden. So ist es kein Wunder, dass dursten bewahrt.
nicht nur Majda das Rätsel um ihren ver- Es steckt viel Symbolik in dem Roman. Er
schwundenen Vater lösen möchte. Auch die quillt über mit Analogien auf die politischen
Herrschenden haben Interesse daran. Denn Geschehnisse im Nahen Osten in den letzten
schließlich könnte die geheimnisvolle Skizze Jahren. Die Untergrundbewegung ist fast eine
Herbert W. Franke

10 FO 194 · 08/05
dressler/fo 194/buch/ddd

Die Fortsetzung des „Elfenportal“:


Der Purpurkaiser von Herbie Brennan
Eine wilde Mischung aus Harry Potter und Keine Frage, Herbie Brennan schöpft ideen-
Herr der Ringe hat Herbie Brennan mit dem technisch aus dem Vollen. Als gingen ihm die
zweiten Roman um Henry und seine Aben- seltsamen Figuren mit ihren eigenartigen
teuer in der Elfenwelt geschrieben. An beide Ambitionen niemals aus. In einem kunterbun-
jedoch reicht der Ire nicht ganz heran. Das ist ten Verwirrspiel um die Macht im Elfenreich
keine Schande und „Der Purpurkaiser“ ist in
jedem Fall sehr unterhaltsam!

Auch Herbie Brennan benutzt den einfa-


chen, aber immer wieder erfolgreichen Kunst-
griff, neben der realen Welt, wie wir sie ken-
nen, eine Parallelwelt zu beschreiben, in der
eigentlich Unvorstellbares möglich ist. Henry
Atherton geht es in der realen Welt gar nicht
so schlecht, auch wenn seine Mutter ein
wenig overprotecting und seine Schwester,
wie es in der Natur von älteren weiblichen
Geschwistern liegt, eine Nervensäge ist. Aber
Jugendlichen in der Pubertät muss es nicht
wirklich schlecht gehen, damit sie sich
schlecht fühlen. Der Wunsch nach viel Frei-
heit und reichlich Abenteuer, in denen man
sich zu bewähren hat, hat doch in allen von
uns geschlummert und die meisten können
sich sogar noch daran erinnern. Diejenigen,
die sich erinnern, werden den Roman mö-
gen, die anderen werden ihn natürlich doof
finden.

Henry hatte sich nach seinem ersten Auf- jagt er seine Leserinnen durch 105 Kapitel,
enthalt in der Elfenwelt darauf eingestellt, erst die fast alle mit einem klassischen Cliffhänger
einmal den schnöden Dingen des Alltags enden. Auf fünf Hauptebenen spielen sich die
nachzugehen und den vergangenen Erlebnis- Ereignisse ab, was mir Respekt dem Autor
sen bisweilen wehmütig hinterherzu- gegenüber abringt, der offensichtlich den
schmecken. Dass er sich in Holly Blue, die Überblick behalten konnte.
hübsche und pfiffige Tochter des ermordeten
Purpurkaisers verliebt hatte, machte die Sa- Am Ende wird das Buch noch richtig ernst.
che nur schmerzvoller. Doch während er die Es gibt eine riesige Schlacht, es sterben die
Katzen seines in der Parallelwelt verbliebe- Menschen und Elfen im Großen wie im Klei-
nen Nachbarn Fogarty versorgt, erreicht ihn nen. Auch der Purpurkaiser wird tot sein, ge- Herbie Brennan
ein Hilferuf. Der Purpurkaiser sei zum Leben köpft von seinem eigenen Sohn und damit Der Purpurkaiser
wieder erweckt worden und stehe als Zom- vor jeder künftigen Wiederbelebung sicher. Übersetzung: Frank Böhmert
bie unter der Macht eines Nekromanten. Der Eine Lektüre für unter Zwölfjährige ist der DTV-Premium, 14++
kaiserliche Onkel Lord Hairstreak arbeite daran, Roman, der meist wie ein Jugendroman wirkt,
ein Portal zur Unterwelt zu öffnen und die aber eher nicht, zu grausam empfand ich
Macht im Elfenreich zu übernehmen. Henrys manche Todesart sowie überhaupt die Pro-
Hilfe ist notwendig und natürlich will er sich blematik eines gestorbenen Vaters, dem man
sofort auf den Weg machen. Doch alles und soeben noch nachtrauert und der im nächs-
nicht zuletzt seine Schwester, die den Schlüs- ten Moment als trauriger Zombie die Schwie-
sel zum Portal versteckt hat, hat sich gegen rigkeit verursacht, sich über sein „Leben“ zu
ihn verschworen und als er endlich drüben freuen oder zu erkennen, dass ein solches
ankommt, ist die Situation im Elfenreich Leben schlimmer als der Tod ist. Schwieriger
schlechter als er annehmen konnte. Holly Blue Stoff, finde ich. Da muten die aufgespießten
und der designierte Kaiser Pyrgus Malvae sind Bodyguards fast schon harmlos an, ist man
verbannt, die wahnsinnige Witwe des im Fernsehen doch Drastischeres gewohnt.
Zombiekaisers ist aus dem Gefängnis frei Fast könnte man vermuten, „Der Purpurkaiser“
gelassen worden und befiehlt fröhlich Hin- ist ein Roman für jung gebliebene
richtungen und Henry wird zur Begrüßung von Mittvierziger, die sich in Jeans und T-Shirts
einer riesigen Spinne angegriffen. immer noch am wohlsten fühlen...
ddd Herbie Brennan

FO 194 · 08/05 11
dressler/fo 194/buch/anno

Alastair Reynolds
Träume von Unendlichkeit
In diesem Taschenbuch sind zwei von Raum, an der Spitze des Artefaktes, vorzu- Musterschieber mit ausgewählten Menschen
Alastair Reynolds Novellen vereint, die im Ori- dringen. Angetrieben durch menschliche Neu- in Kontakt, in dem sie sich mit deren Geist
ginal bei zwei kleineren Verlagen in England gierde, dem Drang jedes Rätsel zu lösen und vereinen bzw. an ihren Denkprozessen teil-
erschienen sind. Beide Novellen spielen in der Hoffnung, dass am Ende all der Mühen haben lassen. Vielfach kehren die Menschen
dem gleichen Universum wie seine bisheri- eine entsprechende Belohnung erfolgt, erdul- mit veränderten Gedankengängen zurück, wo-
gen Romanveröffentlichungen und stellen den sie nicht nur Verletzungen und biologisch- bei die Musterschieber genial begabte Ma-
somit eine Ergänzung dar. technische Veränderungen ihres Körpers, son- thematiker zu sein scheinen, die einem ma-
In Reynolds Universum ist die Menschheit thematischen Rätsel scheinbar nie aus dem
weit in die Tiefen des Weltalls vorgestoßen, Wege gehen. So ist es Celestine geschehen,
ohne dabei auf intelligentes Leben zu sto- als sie mit den Musterschiebern schwamm.
ßen. Eine privat finanzierte Erkundungs- Dies ist zwar nicht der einzige Berührungs-
mission entdeckte in „Diamantenhunde“ nun punkt zur ersten Novelle, aber „Türkis“ unter-
auf einem für Menschen unbewohnbaren Pla- scheidet sich ganz wesentlich von
neten ein riesiges Artefakt. Roland Childe, ein „Diamantenhunde“. Die Handlung ist viel ru-
Nachkomme jenes Mannes, der verschiede- higer verfasst und ausschweifender formu-
ne Erkundungssonden in die Weite des Rau- liert. Als Leser vermisst man teilweise einen
mes aussandte, stellt ein Team zusammen, Handlungsfaden und die Auseinandersetzung
um das Artefakt zu erkunden. Von dem einzi- um die Seele eines in den Musterschieber
gen Überlebenden einer Raumschiff- aufgegangenen Despoten wirkt ein wenig
besatzung, die durch Zufall auf das Artefakt deplaziert. Gerade zum Ende der Novelle hin
stieß und es betrat, besitzen sie einige, we- versucht Reynolds in seiner Novelle einen
nige Informationen. Das Artefakt verfügt nur Handlungsfaden einzuspinnen, der für Span-
über einen einzigen Zugang, der in eine Kam- nung und Rasanz sorgen soll. Dies misslingt
mer mündet. Durch die einzig vorhandene Tür ihm größtenteils.
kann man erst dann in die nächste Kammer Im Vordergrund steht die Suche nach Ver-
treten, wenn ein mathematisches Rätsel ge- ständigung. Nach Verständigung mit Wesen,
löst wurde. Mehrere Lösungsmöglichkeiten die total fremdartig sind, denen aber eine
stehen zur Auswahl. Wählt man nicht gleich verzehrende Faszination anhaftet. Naqui, de-
die richtige Lösung, so bestraft einen das Ar- ren Schwester Mini während eines eigentlich
tefakt. Zu Beginn noch mit so harmlosen Sa- verbotenen Eintauchens in eine Ballung der
chen wie Stromschlägen, aber je weiter man Musterschieber von diesem absorbiert und
kommt, desto härter und brutaler werden die so zu einem Teil des Gesamtkollektivs wur-
Strafen. Mit welchen man rechnen muss, kön- dern sind auch bereit, dafür zu sterben. Ja, de, stürzt sich nach diesem Verlust in die
nen die Expeditionsmitglieder an den Über- sie werden regelrecht süchtig danach eine Forschungsarbeit. Diese wird zum Mittelpunkt
resten der Raumschiffbesatzung erkennen. weitere Tür zu öffnen, ein weiteres Rätsel zu ihres Lebens und nur schwerlich kann sie
Dementsprechend hat Roland Childe sein lösen und so der letzten Kammer einen wei- notwendige Kompromisse akzeptieren, wenn
Team zusammengestellt. Darunter findet sich teren Schritt näher zu kommen. Dafür geben politisch motivierte Entscheidungen in ihre
neben dem Ich-Erzähler Richard Swift, ein al- zumindest Childe und Swift all ihre Hemmun- Arbeit störend eingreifen. Die Bemühungen
ter Bekannter Childes und mathematisch gen auf, überschreiten alle persönlichen Gren- Naquis die Musterschieber zu verstehen, eine
überaus begabt, u.a. Dr. Trintignant, der zen. wie auch immer geartete Kommunikation
aufgrund seiner Experimente an Menschen Die Novelle ist vom Erzählerischen her sehr herzustellen oder zumindest einen bewusst
auf diversen Planeten gesucht wird, und stringent formuliert und bietet lediglich die erlebten beidseitigen Kontakt, der ein gegen-
Celestine, Swifts ehemalige Frau, deren Ver- Schilderung der Ereignisse aus der Sicht des seitiges Verstehen nach sich zieht, stellen die
stand durch eine Spezies, die sich Musters- Ich-Erzählers. Reynolds verzichtet hier auf eine wirklich lesenswerten Passagen in dieser
chieber nennt und die in der zweiten Novelle tiefergehende Charakterisierung seiner Figu- Novelle dar.
eine größere Rolle spielt, so verändert wurde, ren, sondern konzentriert sich voll auf den Zwei Jahre liegen zwischen dem Verfas-
dass sie mathematische Problemstellungen Weg zur letzten Kammer. Die Handlung ist sen beider Novellen. Jahre, in denen Reynolds
fast jeglicher Art lösen kann. Während dafür spannend und durchaus rasant in Sze- mit dem Schreiben voluminöser Romane be-
Celestine dank ihrer logischen Fähigkeiten Rät- ne gesetzt, wobei die mathematischen Er- schäftigt war. Die beiden vorliegenden No-
sel um Rätsel zu lösen in der Lage ist, sorgt läuterungen einiger Rätsel die meisten Leser vellen stellen unter Beweis, dass er wenig
Dr. Trintignant dafür, dass die Teammitglieder weit überfordern dürfte. aus dieser Zeit verlernt hat. Als bahnbrechend
mit den notwendigen technischen und/oder Die zweite Novelle trägt den Titel „Türkis“ oder unbedingt lesenswert dürften beide nicht
biologischen Ergänzungen ausgestattet wer- und spielt auf dem Wasserplaneten Turquoise. eingeordnet werden, dennoch wird man als
den, die ein immer weiteres Vordringen in Dort untersuchen die beiden Schwestern Leser gut unterhalten.
das Artefakt erst ermöglichen. Naqui und Mini Okpik das Verhalten einer anno
Der Film „Cube“ hat unzweifelhaft hier als algenähnlichen Lebensform, die über ein
Grundidee gedient, wobei Reynolds dessen planetenweites Gruppenbewusstsein verfügt Alastair Reynolds
Setting aber deutlich erweitert. Es geht nicht und sich zu größeren Ballungen zusammen- Träume von Unendlichkeit
darum einen Fluchtweg aus einem Riesen- ziehen kann. Diese Ballungen verfügen über Heyne-Verlag; Taschenbuch; Überset-
würfel mathematisch zu berechnen, sondern eine Art von Intelligenz, die für den Menschen zung: Irene Holicki; BRD: April 2004;
die Expedition verfolgt das Ziel in den letzten völlig fremdartig ist. Dennoch treten die 334 Seiten, 8+95

12 FO 194 · 08/05
dressler/fo 194/buch/anno

Charles Sheffield
Schwarz wie der Tag
Nach „Cold as Ice” (deutscher Titel: Kalt wie es darum, die Signale für den menschlichen und bietet - wenig überraschend - ein Hap-
Eis) liegt mit “Schwarz wie der Tag” der Verstand aufzuschlüsseln, wofür man sich py-End.
dritte Roman einer Trilogie vor, deren zwei- dem Computernetzwerk in dem auch Bat Der Roman verfügt unzweifelhaft über Stär-
ter “The Ganymede Club” bislang Mitglied ist, zu nutze macht. Gleichzeitig ist ken, die vor allem in den Charakterisierungen
hierzulande nicht verlegt wurde. Gründe für Alex Ligon an diesem Signal interessiert, da der Figuren und einiger halbwegs neuer Ideen
diese etwas fragwürdige Veröffentlichungs- es sein Vorhersagemodell entscheidend be- zu finden sind. Sheffields Handlungs-
politik des Verlags sind mir nicht bekannt einflusst und eventuell den Untergang der hintergrund ist hingegen ein wenig zu posi-
Menschheit zu verhindern vermag. tiv und einspurig geraten. Der mittlerweile drei-
Die Romane des britischen Autor Charles ßig Jahre zurückliegende Krieg scheint allen
Sheffield wurden lange Jahre nicht mehr ins noch so im Gedächtnis zu haften, dass Intri-
Deutsche übertragen. Zuletzt erschienen ei- gen, Machthunger und Brutalität nur sehr
nige seiner Werke bei Heyne und davor bei gemäßigt vorzufinden ist. Es fehlt an Gegen-
Goldmann. Bastei-Lübbe ist es nun zu ver- gewicht zur bereits erwähnten positiven
danken, dass dem deutschsprachigem Leser Grundhaltung.
auch das Spätwerk des Autors zugänglich Mit der modernen Schreibe jüngerer briti-
gemacht wird. Beim vorliegenden Roman scher Autoren wie Alastair Reynolds oder
dürfte es sich um sein letztes Werk handeln, Richard Morgan kann Sheffield nicht mithal-
denn Charles Sheffield, der mit der ebenfalls ten. Dennoch bieten seine beiden Romane
überaus bekannten SF-Autorin Nancy Kress „Kalt wie Eis“ und „Schwarz wie der Tag“ ein
verheiratet war, starb im November 2002 an überdurchschnittliches Lesevergnügen und
den Folgen eines Hirntumors. dürften Fans der Space Opera gefallen.
In „Schwarz wie der Tag“ gibt es ein Wie- anno
dersehen mit dem introvertierten Computer-
und Waffensammler Rustum Battachariya, der
eines der geheimnisvollsten Waffensysteme
des großen interplanetaren Krieges auf der
Spur kommt. Bei „Dark as Day“ soll es sich
um ein Waffensystem handeln, welches in Charles Sheffield
der Endphase des Krieges von der besten Schwarz wie der Tag
Waffenentwicklerin des Sonnensystems Bastei-Lübbe; Taschenbuch
Nadeen Selassie geschaffen wurde und zum Originaltitel: Dark as Day, Überset-
Glück nie zum Einsatz kam. Wie der Name zung: Ulf Ritgen, USA: 2002, BRD:
schon andeutet soll es sich hierbei um ein Um diese drei Haupthandlungsträger grup- Juni 2005, 606 Seiten, 8+95
alles vernichtendes Waffensystem handeln. piert Charles Sheffield eine Vielzahl von Ne-
Natürlich kann Bat der Möglichkeit nicht benfiguren, die ihm sogar bewogen haben,
wiederstehen dieses Waffensystem seiner seinem Roman ein Personenregister voran zu
Sammlung hinzuzufügen. stellen. Die Handlung an sich ist dabei gar
Probleme ganz anderer Art hat Axel Ligon, nicht so kompliziert angelegt und für den Leser
dessen Familie einer der mächtigsten Kon- bleibt die Anzahl der Figuren durchaus über-
zerne des Sonnensystems gehört. Aus der schaubar. Wesentlich komplizierter sind hin-
Konzernführung hat sich Axel bereits seit Jah- gegen einige wissenschaftliche Passagen des
ren zurückgezogen und geht seinen eigenen Buches, vor allem die Erklärungen zu den
Interessen nach. Diese liegen unter anderem angewandten Entschlüsselungstechniken.
Charles Sheffield
darin ein Programm zu entwickeln, welches Hier wird die wissenschaftliche Ausbildung
in der Lage ist die Entwicklung der Mensch- des Autors am deutlichsten.
heit innerhalb des Sonnensystems zu tref- Während der Lektüre des Romans stellte
fend wie möglich zu extrapolieren. Durch die ich mir des öfteren die Frage, wo der Autor
Errichtung eines umfassenden Computer- seine Leser hinführen möchte. Die vier ver-
netzwerkes mit unvorstellbarer Rechen- schiedenen Handlungsebenen werden sehr
kapazität laufen seine Programme endlich mit detailliert ausgearbeitet und dann zu einem
der notwendigen Genauigkeit. Sein Entset- Strang zusammengeführt. Dabei lässt es der
zen ist groß, als seine Modellrechnungen Autor ein wenig an Rasanz fehlen. Die Hand-
darauf hinaus laufen, dass die Menschheit in lung plätschert in weiten Teilen langsam vor
absehbarer Zeit nicht mehr existent ist. sich hin und obwohl Charles Sheffield ein
Die junge SETI-Sucherin Milly Wu stellt so routinierter Autor ist, der in der Lage ist, inte-
etwas wie das Bindeglied zwischen Bat und ressante und facettenreiche Figuren zu schaf-
Axel Ligon dar. Ihr gelingt es eine überaus fen, verfügt der Roman so über seine Län-
kompliziert verschlüsselte Funknachricht von gen. Der eine oder andere Nebenhandlungs-
außerhalb des Sonnensystems aus der Viel- strang hätte ganz gestrichen bzw. zusammen-
zahl der eintreffenden Signale herauszufiltern, gestrichen werden können. Erst zum Ende
was einer Sensation gleichkommt. Nun geht hin nimmt die Handlung deutlich an Fahrt auf

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dressler/fo 194/meinung-buch/braeg

Vom Umgang mit einem Freund


Dreihundertzwanzig Seiten hat das Buch klauseln und Bahnschranken. Vom humanen wenig zu suchen haben.
und auf dem Umschlagrücken steht: „Walter Umgang mit Menschen und Freundeshilfe Dabei gibt es Beiträge, die sicher ein an-
Ernsting 13. Juni 1920 – 25. Januar 2005. scheint aber nicht viel hängen geblieben zu deres Umfeld verdienen. Auch die seiner
Er ist in eine andere Welt gegangen Seine sein. beiden Kinder Sonja und Robert Ernsting. Es
Freunde nehmen Abschied“ Ohne Punkt, reicht nicht, wahllos kleine unansehnliche
ohne Komma. Die Folge – das Angebot im Gedenkband Fotos über einen ganzen Band zu verteilen
ist nur herausgeberkonform. Die vielen und dazu, völlig unchronologisch, einzelne Be-
Es stimmt nicht. Einige seiner Freunde Freundschaftsjahre mit Ulf Miehe, der Walter gebenheiten aus dem Leben des Verstorbe-
durften in diesem so genannten Gedenk- nen zu schildern. Keine Bibliographie, kei-
band des R.G. Gaisbauer nicht Abschied ne dem Lebenslauf entsprechender in-
nehmen. Das wurde ihnen verwehrt, haltlicher Aufbau des Buches, eher ein
weil nicht möglich war, was Walter ungeordnetes Chaos, in dem sicherlich
Ernsting am meisten gefreut hätte – ein einige Texte untergehen, die eine völlig
Gedenkband über sein Leben und Werk, andere Umgebung und Präsentation ver-
an dem alle seine „Lebensmenschen“ dient hätten. Wie sehr sich Walter Ernsting
beteiligt gewesen wären. Die, die mit in seinen letzten Lebensjahren darüber
ihm gestritten haben, die, für die er eine gefreut hat, dass ein kleiner Stern nach
Vaterfigur war und die, die ihn verehr- ihm benannt wurde – es geht unter. Wie
ten, weil er als Schriftsteller für viele Stun- sehr das Werk von Paul Alfred Müller sein
den und Tage seinen Leserinnen und eigenes Werk beeinflusste. „Sun Koh, der
Lesern Unterhaltung und Spannung Erbe von Atlantis“ - diese Serie, die er-
schenkte. zählt, wie ein Mann vom Himmel fällt.
Entstanden ist aber ein Buch mit vie- Nur mit einem Schlafanzug bekleidet. Er
len wirklich unansehnlichen, weil viel zu ist der bronzehäutige Prinz von Atlantis
kleinen Schwarzweißfotos und Texten, der eines Tages mit einem Fallschirm in
vor allem von R.G. Gaisbauer, der London landete. Sun Koh ist der letzte
insgesamt im Inhaltsverzeichnis als „Lie- Überlebende seines verschollenen Kon-
ferant“ siebzehn Mal seinen eigenen tinents - und trägt eine große Verantwor-
Namen als Autor und Fotolieferant un- tung: Denn bald wird Atlantis wieder aus
tergebracht hat. Auch als Trauerredner dem Ozean auftauchen; und ein welt-
können wir gleich zu Beginn des Ban- weites Netzwerk von Bösewichtern
des den „Alleingedenkband- macht sich schon bereit, um das wun-
produzenten“ R.G. Gaisbauer mit sechs derbare Wissen der A tlantiden zur
Fotos bewundern. In diesem broschier- Versklavung der Menschheit zu missbrau-
ten Buch sind zwar viele Gefühle, Ge- chen. Diese Serie war sicherlich großer
danken und Worte enthalten, die einen Antrieb für Walter Ernsting um „Perry Rho-
Teil des Lebens von Walter Ernsting un- dan“ zu dem Erfolg zu verhelfen, den er
vergesslich werden lassen. Ernstings schriftstellerischen Werdegang sehr heute nicht mehr hat. In den vielen Gesprä-
Trotzdem muss ich eine der schauder- beeinflusste, zu beschreiben wurde ignoriert. chen, die ich mit Walter Ernsting in den letz-
haftesten Fragen stellen, die ein erwachse- Einzige Spur der Kondolenzbrief von Walter ten drei Jahren seines Lebens führte, da
ner Mensch und als solchen will ich R.G. Ernsting an die Witwe Angelika Miehe. wünschte er sich, dass diese Serie neue Wege
Gaisbauer einmal bezeichnen, gestellt bekom- Erschütternd ist, dass dieser Band nicht finden möge.
men kann, die da lautet: „Was mach ich mit Ariane Fiala gewidmet wurde, die in den letz- Auch seine Griechenlandreise samt der
ihm?“ Oder noch schlimmer, in diesem wei- ten Jahren Walter Ernsting liebevoll pflegte.
hevoll-pastoralem Passaudialekt: „Wos moch Erschütternd aber auch, dass sie nur auf we-
i mid eam?“. nigen Seiten ihre Gefühle ausdrücken konnte
und nicht ein längeres Gespräch mit ihr, das
Ich will, dass sich der Gedenkbandheraus- diesem Band ein wenig von der Würde ge-
geber fühlt, wie das kleinste Pikkolosalami- geben hätte, die Walter Ernsting verdient hat.
schrumpfwürstel von Mailand über Debrecen Hier wurde ein Band zusammen-
bis Flensburg. Wer sich auf einem Oldie-Con geschlampt, der dem Leben und auch dem
(Unterwössen 2003) hinstellt und ungerührt Tod eines Menschen nicht gerecht wurde. Be-
zuhört, wie schlecht es schon im Jahre 2003 weis für die Schluderei – einen Fritz G.
Walter Ernsting ging, wie ihm mit ein wenig „Gachtrögler“ hat Walter Ernsting nie gekannt.
finanzieller Unterstützung eine Kur in einem Und was ist ein „Humanis“. Schon da zeigt
Lungenkurort ermöglicht worden wäre. Gleich- sich, wie sehr dies eher ein Band zur Förde-
zeitig aber erklärt, das dies leider nicht ginge, rung Gaisbauerscher Egomanie ist und nicht
da es nur eingeschränkte Verdienst- würdiges Gedenken und Bewerten einer
möglichkeiten gäbe und nicht sagt: „Ich, R.G. Lebensleistung. Völlig deplaciert sind ja auch
Gaisbauer bin nicht sein Literaturagent, weil die vielen „lustigen Rüsselmöpse“, die ja gar
ich mit Robert Ernsting Verträge habe“. So possierlich aussehen, aber in einem Gedenk- Gustav R. Gauisbaeur der Herausgeber
einer hat wahrscheinlich Ahnung von Vertrags- band für einen der Großen der deutschen SF des Gedenkbandes

14 FO 194 · 08/05
dressler/fo 194/meinung-buch/braeg

Plagiatsanklage gegen Werner Hellwig („Raub- Fazit:


fischer in Hellas“), die ich in mühevoller Klein-
arbeit einer desinteressierten SF Öffentlich-
Walter Ernsting hätte einen Gedenkband
verdient, der von kompetenten Freunden und
Stammtische 2
keit vorstellte (die Reaktion aus Kreisen der Autoren gemeinsam herausgegeben worden
Literaturwissenschaft war da anders) stand wäre. Liebevoll gestaltet und getextet. Was Halle, ASFC-Stammtisch
dem „Herausgeber“ R.G. Gais-bauer zur Ver- der „Freund“ R.G. Gaisbauer daraus gemacht Jeden 2. Freitag im Monat, 18.00 Uhr in
fügung. Nichts davon ist im Gedenkband zu hat, ist eine einzige Schlamperei, die schadet der Gartengaststätte „Zur Sonne“, Halle
finden. Keine Bibliographie, keine Kurz- und nicht wieder gut zu machen ist. Deswe- (Südstadt); Kontakt: Thomas Hofmann,
biographie mit den wichtigsten Lebensdaten gen hier keine Bezugsadresse, nur ein Wort 0345 77 640 72, http://
am Ende des Bandes – da wird Reklame für dazu, dass jeder Euro Ausgabe zu schade [Link]
den EDFC e. V. gemacht und man liest, wie wäre, für diesen Gedenkband, der keiner ist.
oft und schlecht der R.G. Gaisbauer fotogra- Hamburg, Donnerstagsrunde
fiert hat. Wieso und unter welchen Umstän- Dieter Braeg jd. 1. Donnerstag i. M., „Andere Welten“,
den und Pseudonymen Walter Ernsting Rappstraße
Wildwestromane schrieb, welchen Inhalt sie
hatten und die Titelseiten illustriert waren – Hannover, Treffen der SFGH
Walter Ernsting zum Gedenken jeder dritte Samstag im Monat von 16-
kein Wort.
Herausgegeben von R. Gustav 19 Uhr, Freizeitheim Ricklingen,
Gaisbauer Ricklinger Stadtweg 1
Redaktion: Gustav R. Gaisbauer Fred Körper, Tel: 0511/665777;
fred@[Link]

Hofheim / Taunus
dressler/fo 194/preis/dpp
jeden 3. Freitag i.M. ab 19 Uhr, Gast-
stätte „Ländscheshalle“, Am Rheingau-
erweg (Stadtteil Wallau). Info: Hans-
Nominierungsrunde für DPP abgeschlossen Günther Dahlke, (06 11) 94 65 77 7,
Auch 2005 wird es wieder Preisträger des Deutschen Phantastik Preises geben. Immerhin 700 starbase65@[Link] (Starbase 65)
Personen haben sich an der Nominierungsrunde beteiligt, die jetzt abgeschlossen ist. Der
Preis wird seit dem Jahr 1999 als Publikumspreis verliehen. Die Nominierungsliste kann auf Köln, SF Stammtisch
[Link] eingesehen werden. Hier die wichtigsten Kategorien: Jeden Freitag ab 17 Uhr: „Phönix“,
Kyffhäuser Straße 4 / Ecke
Roman Deutschsprachig Original-Antho Barbarossaplatz.
Florian Wendland: Dunkeltann (Lacrima) Helmuth W. Mommers (Hrsg.): Der Atem Got-
Nina Blazon: Im Labyrinth der alten Könige tes - Visionen 2004 (Shayol) Köln, Phantastik-Stammtisch
(Ueberreuter) Markus Kastenholz & Timo Kümmel (Hrsg.): Jeden 2. Samstag im Monat ab 16:00
Markus Heitz: Der Krieg der Zwerge (Piper) Nocturno # 5 Uhr:“Refugium“, Herthastraße 12 (Ecke
Monika Felten: Die Nebelsängerin (Piper) Michael Schmidt (Hrsg.): Schattenseiten (Web- Vorgebirgsstr.).
Frank Schätzing: Der Schwarm (Kiepenheuer Site) Leipzig, SF-Stammtisch
& Witsch) Andreas Eschbach (Hrsg.): Eine Trillion Euro jd. 3. Mittwoch i.M., 19 Uhr 30 im Haus
(Lübbe) des Buches, Gerichtsweg 28
Roman-Debüt Deutschsprachig Armin Rößler & Dieter Schmitt (Hrsg.): Walfred Manfred Orlowski, Ernestistr. 6, 04277
Peter Lancester: Das blaue Portal (Eldur) Goreng (Wurdack) Leipzig
Armin Rößler: Demonwright - Das vergesse-
ne Portal (Wurdack) Sekundärwerk Leipzig, PR-Stammtisch
J.R.-Kron, Elbendämmerung (Intrag) Alien-Contact Jahrbuch (Shayol) jd. 1. Freitag i.M., 18 Uhr, Cafe „Eco“,
Christoph Marzi: Lycidas (Heyne) Magira-Jahrbuch (Fantasy Club e.V.) Brüderstr. (Nähe Bayerischer Platz)
Markus Saxer: Die Symmetrie des Bösen phantastisch! (Achim Havemann) Andreas Ortwein,
(Virpriv) Das Science-Fiction Jahr (Heyne) [Link]@[Link]
Shayol Jahrbuch zur Science-Fiction (Shayol) Lübeck, SFC Lübeck
Roman International jd. 2. Samstag i. M., 15 Uhr
Louis McMaster Bujold: Chalions Fluch (Lübbe) Grafiker „Im Alten Zolln“, Mühlenstraße 93
Tim Powers: Declare - Auf dem Berg der En- Candy Kay
gel (Festa) Michael Marrak Mainz, SF-Stammtisch
Jasper Fforde, Der Fall Jane Eyre (dtv) Rainer Schorm jeden 1. Freitag i.M. ab 18.30 Uhr im
John Ringo: Invasion - Der Aufmarsch (Heyne) Dirk Schulz Restaurant „Weinkeller“, Frauenlobst-
Stephen King: Der Turm (Heyne) Thomas Thiemeyer rasse, Mainz-City. Info: Jens Griesheimer,
(0 67 32) 91 82 80, tdmz@[Link].
Kurzgeschichte Deutschsprachig Hörbuch/Hörspiel [Link]
Stefan Wogawa: Ein Alien kommt selten al- Gabriel Burns (Universal)
lein (Walfred Goreng, Wurdack) Gruselkabinett (Titania Medien) Mülheim-Styrumer Bahnhofsgespräche
Nina Horvath: Hell dunkel, dunkel hell (Schat- H.R. Gigers Vampiric (LPL Records) Jd. 2. Mittwoch i.M. ab 18 Uhr in der
tenseiten, Leselupe) John Sinclair (WortArt) Gaststätte „Zum alten Bahnhof“,
Martin Schemm: Das Hügelgrab (Textzeichen) Otherland (hr) Hauskampstr. 14, Mülheim/Ruhr
Linda Budinger: Der Kessel der Ceridwen [Link] [Link]@[Link]
(Schattenreich, Bastei)
Andreas Eschbach: Quantenmüll (Der Atem
Gottes, Shayol) ➥
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dressler/fo 194/fandom/thadewald-schwagenscheidt

Bücher, die unser Siegel tragen – Teil 2


Eine Aufarbeitung längst vergessen geglaubten Wissens
Zusammengetragen von Wolfgang Thadewald – kommentiert von Hope Schwagenscheidt

Jürgen Grasmück, Hanau/Main, Karl Marx Stra- Dafür wurde dann aber bei der Siegel-
ße 25: verleihung Hal Clement’s Eiswelt (Iceworld) –
Um einige Worte zu dem Großband Ster- Utopia-Kriminal – Band 20 – 1957) glatt ver-
ne der Macht zu sagen: ich habe ihn nicht gessen.
zuende gelesen! Er kommt mir langweilig vor... Über den Bewin Verlag kann man im Le-
Ich weiß, Freund. Mir ging es ähnlich. Er xikon der Science Fiction Literatur von Alpers,
entsprach aber doch der Geschmacksrichtung Fuchs, Hahn und Jeschke (Wilhelm Heyne
einiger Leser, wie die Post zeigte, allerdings Verlag, München – 1980) gar fein lesen: … In
war die Zahl dieser Leser in der Minderzahl. späteren Jahren wurden nur noch deutsche
Die Verleihung des Clubsiegels war ein tech- Autoren veröffentlicht, wobei Vielschreiber den
nisches Versehen. Auch das kann vorkommen, Ton angaben, die für andere besser zahlen-
wenn die Erscheinungsnummer geändert de Verlage nicht gut genug waren. Wer
wird. (WE) irgendwie konnte, mied diesen Verlag wegen
aus ANDROmeda 8 – Dezember 1956 der Tiefsthonorare… Grasmück schrieb bis
1964 für den Bewin Verlag. Unter Jürgen
Grasse war er dann für den Zauberkreis Ver-
Und schon ist das ganze Dilemma der lag in Rastatt produktiv – um dann unter Dan
Siegelverleihung für die Pabel’schen Druckwer- Shocker diese herrlichen Gruselkrimis auf den
ke der frühen Zeit vor dem werten Leser aus- Markt zu werfen.
gebreitet – die Leserin darf aber auch jetzt
ins Grübeln kommen. Ins Grübeln darüber, Aber – ich schweife schon wieder ab.
wie solcherlei passieren kann, dass beim
Ändern der Erscheinungsnummer diese gra- Die Verleihung der Siegel für die Utopia-
vierenden Fehler dem Herausgeber Walter Großbände nahm seinen Anfang mit Beginn
Ernsting unterlaufen konnten. Sterne der des Jahres 1956 und endete Mitte 1957. Es
Macht (Planets for Sale) von E. Mayne Hull, mag nun kein Zufall sein, dass das abrupte
Gattin des ebenfalls vom SFCD gesiegelten Ende der Verleihung des Siegels auch mit dem
Großen der amerikanischen SF, Alfred Elton Wechsel von Walter Ernsting von Pabel zu
van Vogt, wurde mit folgendem Text ausge- Moewig zusammenfällt.
lobt: Der vorliegende Roman vom Umfang Dazu sollte man aber auch aufmerksam,
eines Buches wurde von der literarischen gewissenhaft und ohne Vorurteile den folgen-
Abteilung des „Science-Fiction-Club-Deutsch- den Text aus ANDROmeda 12 – Juli/August
land“ geprüft und trägt das Clubsiegel als 1957 - lesen:
wertvoller Weltraumabenteuerroman. (Utopia- Achtung! Wichtige Mitteilung! Literarische
Großband 42 – vor dem Titelblatt). Es ist heute Abteilung
auch nicht mehr zu eruieren, mit welchem Wie Herr Bingenheimer mitteilt, muß er
siegelwürdigen Roman der gescholtene Band wegen Arbeitüberlastung seine Mitarbeit bei
verwechselt worden sein könnte. Die einzige der Literarischen Abteilung (Siegelverleihung)
Erklärung des Ganzen liegt wohl in der Be- niederlegen. Die Verleihung des Clubsiegels
merkung von WE. Der Roman traf nicht den liegt daher ab sofort in den Händen des Lei-
Geschmack des Großteils der Leser. Und es ters der Literarischen Abteilung und der ein-
war schon immer leichter mit, als gegen den zelnen Städtegruppen. Der Literarischen Ab-
Strom zu schwimmen. Ein Umstand, den wir teilung steht in Zweifelsfällen Mr. Julian Parr
heute im ganzen Verlagswesen erleben. beratend zur Seite, auf jeden Fall in solchen.
Zu Herrn Jürgen Grasmück sollte man noch Fällen, wo ein Manuskript zu prüfen ist, das
Folgendes sagen: Im zarten Alter von 17 Jah- von einem Mitglied der Literarischen Abtei-
ren veröffentlichte er unter dem Pseudonym lung stammt. –
Jay Grams 1957 beim Bewin-Verlag seinen Die Siegelverleihung für die Serie Utopia
Erstling Die Macht des Kosmos. Vielleicht fühl- liegt in den Händen von Walter Ernsting und
te er sich deshalb schon ein Jahr zuvor dazu Walter Spiegl, unabhängig von der Literari-
prädestiniert, dieses Urteil über die Sterne der schen Abteilung. - Wie ich erst heute durch
Macht fällen zu können. Für seinen Roman Herrn Bingenheimer erfahre, hat sich Herr
Und die Sterne verblaßten (Wiesemann Ver- Spiegl gegen die Verleihung des Siegels für
lag, Wuppertal – ca. 1958) gab es dann ja Darltons Raum ohne Zeit ausgesprochen.
auch pflichtschuldigst das Siegel des SFCD (Leider erst drei Monate nach Verleihung). Ich
mit dem feinen Lobe-Text: Der vorliegende selbst hatte dem Roman das Siegel verlie-
Roman wurde von der literarischen Abteilung hen, nachdem Herr Dr. Eugen Sänger aner-
des Science Fiction Club Deutschland geprüft kennende Worte nach Lektüre der Kurzfassung
und wird als Space Opera empfohlen. gefunden hatte. Wurde das Siegel wirklich zu
Unrecht verliehen…??? WE. –

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Aber jetzt erst einmal die Aufstellung der Romane aus der Reihe Utopia-Großband und Utopia-Kriminal, die mit dem Siegel
ausgezeichnet wurden:

Aufstellung II (Utopia-Großband und Utopia-Kriminal)


Brackett, Leigh Das Vermächtnis der Marsgötter Utopia-Großband 46 1957

The Sword of Rhiannon

Darlton, Clark Die Zeit ist gegen uns Utopia-Großband 36 1956

Ernsting, Walter Und Satan wird kommen Utopia-Großband 44 1956


Das ewige Gesetz Utopia-Großband 47 1957
Raum ohne Zeit Utopia-Großband 51 1957
Die Schwelle zur Ewigkeit Utopia-Großband 54 1957

Erl, Volkhard S. Ch. Fora I Utopia-Großband 55 1957


Scherl, Volkhard August

Gernsback, Hugo Ralph 123 C 41 plus Utopia-Großband 52 1957


Ralph 124 C 41 +

Hull, E(dna) Mayne Sterne der Macht Utopia-Großband 42 1956


Planets for Sale

Jones, Raymond F. Insel zwischen den Sternen Utopia-Großband 37 1956


The Island Earth

MacDonald, John D(ann) Planet der Träumer Utopia-Großband 39 1956


Wine of The Dreamers

Merrit, Abraham Die Puppen der Madame Mandilip Utopia-Kriminal 12 1956


Burn Witch, Burn!

Norton, Andre Terra Utopia-Großband 31 1956


Norton, Alice Mary The Stars are ours (Part I: Terra)
Ad Astra Utopia-Großband 33 1956
The Stars are ours (Part II: Ad Astra)
Weltraum-Ranger greifen ein Utopia-Großband 41 1956
Star Rangers

Russell, Eric Frank So gut wie tot Utopia-Kriminal 13 1957


Call Him Dead
Agenten der Venus Utopia-Kriminal 22 1957
Sentinels of Space

van Vogt, A(lfred) E(lton) Die Schatten Utopia-Großband 48 1957


Universe Maker
Unternehmen Milchstraße Utopia-Großband 50 1957
The Voyage of the Space Beagle

Williamson, Jack Zweimal ging die Welt unter Utopia-Großband 43 1956


Dome around America
Wächter des Alls Utopia-Großband 53 1957
The Legion of Space

Wollheim, Donald A. Das Geheimnis der Saturnringe Utopia-Großband 45 1956


Secret of Saturn’s Rings
Das Marsrätsel Utopia-Kriminal 21 1957

Secret of the Martian Moons

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Wenn man nun beide Kategorien der Siegelverleihung (Leihbücher und die Pabel-
Publikationen) zusammenfügt, ergibt sich dieses grandiose Bild:

Statistik
Autor Leihbuch Utopia Gesamt %

Berry, Brian 1 1 1,61


Bings, Henry 2 2 3,23
Brackett, Leigh 1 1 1,61
Brand, Kurt / Munro, C. R. 6 6 9,68
Brown, William / Terridge, Ernest 7 7 11,29
Bulmer, Henry Kenneth 1 1 1,61
Darlton, Clark 1 5 6 9,68
Dee, Roger 1 1 1,61
Erl, Volkhard S. Ch. 1 1 1,61
Gernsback, Hugo 1 1 1,61
Grams, Jay 1 1 1,61
Hubbard, L. Ron 1 1 1,61
Hull, Edna Mayne 1 1 1,61
Jones, Raymond F. 1 1 1,61
MacDonald, John Dann 1 1 1,61
Merak, A. J. 1 1 1,61
Merrit, Abraham 1 1 1,61
Norton, Andre / North Andrew 1 3 4 6,45
Rohr, Wolf Detlev / Coover, Wayne 6 6 9,68
Russell, Eric Frank 2 2 3,23
Scheer, Karl Herbert 6 6 9,68
Tubb, E. C. 1 1 1,61
van Vogt, Alfred Elton 2 2 3,23
vom Scheidt, Jürgen 1 1 1,61
von Puttkamer, Jesco 1 1 1,61
Williamson, Jack 2 2 3,23
Wollheim, Donald A. 2 2 3,23
Nowak, Jürgen 1 1 1,61

Gesamt 41 21 62

Ein Novum stellt hierbei Jürgen Nowaks nest Terridge angeführt. Hinter diesen beiden
Collection Zwischen Schöpfung und Unter- Pseudonymen verbirgt sich ja kein Geringe-
gang – Ein Zyklus von Science-Fiction-Kurz- rer als Ernst Hermann Richter, dem Leiter der
geschichten dar. Erschienen im Selbstverlag, „Literarischen Abteilung“ des SFCD. Ein Schelm,
gedruckt bei Gebr. Zimmermann in Balve. Der wer jetzt Böses denkt. Die anderen Größen
wohl bekannteste Fan-Kritiker seiner Zeit stell- der deutschen SF-Schreibe-Zunft mussten sich
te sich hier selbst den Kritikern – und sein mit jeweils nur sechs Nominierungen beschei-
Werk wurde von der „Fachwelt“ lobend auf- den.
genommen. Besiegelt wurde die „Anthologie“ Eine (Be)Wertung dieser so ausgezeich-
mit folgendem Text (als gelbe „Bauchbinde“ neten Romane möchte ich hier nun nicht
dem Heft beigebogen): Die Anthologie Zwi- vornehmen. Einmal würde es den Rahmen
schen Schöpfung und Untergang von Jürgen dieser Abhandlung sprengen und zum Zwei-
Nowak wurde von der „Literarischen Abtei- ten könnten nostalgische Gesichtspunkte das
lung“ des Science Fiction Club Deutschland Urteilsvermögen trüben.
geprüft und als „wertvoller Beitrag zur Science Es sind also 60 Romane, eine Anthologie
Fiction Literatur“ mit dem Clubsiegel ausge- (Lockende Zukunft) und eine Collection (Zwi-
zeichnet. Bezeichnend ist auch hier einmal schen Schöpfung und Untergang) ausgezeich-
mehr, dass die „literarische Abteilung“ den net worden. Aber – so lesen wir in der Spalte
Unterschied zwischen einer Anthologie und Meteoriten des Utopia-Großbandes 49 (wahr-
einer Collection nicht so ganz verstanden hat. scheinlich April 1957): In Anerkennung der
Verdienste des Verlages Erich Pabel um die
Die Hitliste der deutschen Autoren wird Verbreitung des SF-Gedankens in Deutschland
mit sieben Romanen von William Brown/Er- und seiner steten Unterstützung bei der Grün-

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dung und Stabilisierung des SFCD hat der anderen deutschen SF-Roman (Neuerschei-
Vorstand beschlossen, der Reihe Utopia-Ma- nung 1955 und 1956!) als „besten deutschen
gazin für ständig und für alle erscheinenden SF-Roman“ bestimmen. Es entscheidet allein
Nummern das Clubsiegel für „Wertvolle SF- die Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Also:
Literatur“ zu verleihen. Dieser Entschluß fällt Keine Übersetzungen sind gewünscht, son-
um so leichter, als selbst bekannte dern nur original deutsche Romane von
amerikanische Fachleute auf diesem Gebiet Schriftstellern wie Freder van Holk, William
das Magazin als eines der besten der Welt Brown, Henry Bings, W. D. Rohr, Clark Darlton,
bezeichneten. Es soll hier jetzt nicht unter- Axel Jeffers usw. Bei Büchern läßt sich das
sucht werden, wer diese amerikanischen dementsprechende Datum leicht feststellen.
Fachleute waren. Festzustellen bleibt aber, Und nochmals: Die Postkarte muß zwei Titel
dass das Siegel lediglich auf den Ausgaben und Autorennamen tragen, für 1955 und
8 und 9 zu sehen ist. Ab Ausgabe 10 – der 1956.
vermutliche Übergang vom Herausgeber Das wäre es für heute, Freunde - und ich glau-
Ernsting auf den Herausgeber Spiegl – tut sich be, es wurde allerhand geboten. Beim Preis-
sichtbar siegelmäßig gar nichts mehr. Quiz viel Vergnügen und Glück, bei der Wahl
Alles in allem darf man also von 81 vom der beiden besten deutschen SF-Romane viel
Science Fiction Club Deutschland besiegelten Fingerspitzengefühl. Bin gespannt, was da
Werken ausgehen. herauskommt. Wer bekommt im Januar 1957
den „Hugo“? Mit besten Wünschen und dem
Da das SFCD-Mitglied auch gleichzeitig Gruß des SFCD:
Utopia-Leser war, muss man bei diesen Un- ad astra! Ihr Walter Ernsting
tersuchungen die Kolumne Meteoriten der
Utopia-Großbände mit einbeziehen. Ein gu- In Band 44 wurde nochmals darauf hin-
tes Beispiel hierfür ist die deutsche „Hugo- gewiesen. Diesmal mit einem etwas erwei-
Verleihung“ für die Jahre 1955 und 1956. terten Titelangebot aus Utopia:
Aufgerufen hierzu wurde in Utopia-Großband Hiermit wird noch einmal zur regen Beteili-
42: gung an der Wahl der beiden besten deut-
Hugo Gernsback, der Vater der Science-Fiction, schen SF-Romane der Jahre 1955 und 1956
hat sich bereit erklärt, den besten deutschen aufgefordert, die von Hugo Gernsback mit dem
SF-Roman des Jahres mit dem „Hugo“ aus- „Hugo“ ausgezeichnet werden. Jeder Leser
zuzeichnen, wie das alljährlich in USA ge- utopischer Romane sollte den seiner Meinung
schieht. Die Leser selbst sollen bestimmen, nach besten Roman der Jahre 1955 und 1956
welcher Roman ihnen am besten gefiel. Es (mit Autor) auf einer Postkarte dem Leiter des
sind zu wählen: Wahlausschusses mitteilen. Auch Autoren mit
Die beiden besten und meistgelesenen SF- Pseudonymen sind teilnahmeberechtigt. Dazu
Romane der Jahre 1955 und 1956. Die beiden gehören u. a.: Wayne Coover, Henry Bings,
Titel und Autorennamen sind auf einer Post- Ernest Terridge, Clark Darlton, Axel Jeffers,
karte zu senden an Julian Parr ‚ Düsseldorf, Linklater, Henry Walter. - Von den Autoren bzw.
Begonienstraße 20. Um eine rege Beteiligung Romanen der Reihe Utopia kommen in Frage
wird herzlich gebeten. Einsendeschluß bei für 1955:
Erscheinen von Utopia-Großband Nr. 44. Aus „Die Himmeisfackel“ (Walter)
der Utopia-Großband-Reihe kommen für die „Bodenstation Venus“ (Walter)
Wahl des besten deutschen SF-Romans fol- „UFO am Nachthimmel“ (Darlton)
gende Titel in Frage: „Die große Mammuthöhle“ (Linklater)
1955: „Der Mann, der die Zukunft stahl“ (Darlton)
Die Himmelsfackel von Henry Walter (Utopia „Auf den Monden des Saturn“ (Rohr)
17) „Dr. Toyakas Weitraumtestament“ (Rohr)
Ufo am Nachthimmel von Clark Darlton (Uto- 1956:
pia 20) „Die Jupitergilde“ (Rohr)
Bodenstation Venus von Henry Walter (Uto- „Das Ding vom anderen Stern“ (Rohr)
pia 20) „Die Zeit ist gegen uns“ (Darlton) „Und Satan
Der Mann, der die Zukunft stahl von Clark wird kommen“ (Darlton)
Darlton (Utopia 24) Über teilnahmeberechtigte Kleinbände lesen
Auf den Monden des Saturn von W. D. Rohr Sie im Utopia-Kleinband Nr. 80. Schluß der
(Utopia 26) Vorschläge (Einsendungen per Postkarte) ist
Dr. Toyakas Weltraumtestament von W. D. Rohr der 31. Januar 1957. Die Karten sind zu sen-
(Utopia 28) den an: Julian Parr, Düsseldorf-Stockum,
1956: Begonienstr. 20. Sie dürfen lediglich die
Die Jupitergilde von W. D. Rohr (Utopia 30) beiden Jahreszahlen, zwei Buchtitel und zwei
Das Ding vom anderen Stern von W. D. Rohr Autorennamen enthalten.
(Utopia 32) Nochmals: Es wird darum gebeten, daß sich
Die Zeit ist gegen uns von Clark Darlton (Uto- möglichst viele Leser beteiligen!
pia 36) …
Außer den oben aufgeführten Romanen ist ad astra! Ihr Walter Ernsting
aus Utopia kein weiterer Titel teilnahme-
berechtigt. Der Leser kann aber auch jeden

FO 194 · 08/05 19
dressler/fo 194/fandom/thadewald-schwagenscheidt

Den Leser des Heute lässt die letzte Auf- Die Erde brennt (Freder van Holk) ...1 %
stellung in tiefes Grübeln fallen. War er bisher Planet im Alpha Cntauri (Wolf Detlef Rohr) ...1 %
davon überzeugt, dass Leslie Linklater ein Invasion aus dem Weltall (Wolf Detlef Rohr)
englischer Autor war, muss er jetzt zum größ- ...1 %
ten Erstaunen feststellen, dass dies mitnichten Geheimnis der schwarzen Sonnenfiecken
der Fall war. Das Rätseln beginnt erst recht, (Wolf Detlef Rohr) ...1 %
wenn man bedenkt, dass hier wieder jemand Sie kamen von der Erde(Karl Herbert Scheer)
mit einem Pseudonym und einem getürkten ...1 %
Originaltitel hausieren geht. Der Verdacht fällt
zwar spontan auf Fritzheinz van Doornick, der Insgesamt erhalten also die Autoren folgen-
ja laut Verlagsangabe dieses Werk (Die große de Prozentzahlen.
Mammuthöhle / A World Belowe) übersetzt Clark Darlton (mit 4 Romanen) ...85 %
haben soll – aber weiß man es? Wolf Detlef Rohr (6 Romanen)... 5 %
Heqry Bings (mit 1 Roman) ...3 %
Das Ergebnis dieser Umfrage wurde dann Karl Herbert Scheer (mit 2 Romanen)....3 %
in Utopia-Großband 49 veröffentlicht: Alfred Neher (mit 1 Roman)...2 %
Der Wettbewerb um den besten deutschen Jesco von Puttkamer (mit einer Kurzgeschich-
SF-Roman der Jahre 1955 und 1956 ging am te, nicht teilnahmeberechtigt) ...1 %
31. Januar 1957 zu Ende. Die Leser von Uto- Freder van Holk (mit 1 Roman) ...0,5 %
pia bestimmten in eigener, freier Wahl den Henry Walter (mit 1 Roman) ...0,5 %
ihrer Meinung nach besten SF-Roman, der
sowohl in der Reihe Utopia wie auch in je- Die angeführten Ergebnisse sind natürlich
dem anderen beliebigen Verlag erscheinen nicht der Weisheit letzter Schluß, aber sie sind
konnte. An dieser Wahl haben sich Leser aus doch wenigstens die Meinung eines großen
Deutschland, der Schweiz und aus Österreich Leserkreises der utopischen Literatur. Es ist
beteiligt, und es wäre zu wünschen, daß sich unsere Absicht, in jedem Jahr einen Wettbe-
diese Beteiligung im Jahre 1957 noch stei- werb für den besten deutschen SF-Roman
gern wird. auszuschreiben genau so wie es in Amerika
Für das Jahr 1955 erhielt den „Hugo“, ge- der Fall ist. Ein Wettbewerb für die beste deut-
stiftet vom Vater der Science Fiction, Hugo sche SF-Kurzgeschichte dürfte sich erübrigen,
Gernsback in New York, der Roman „Ufo am denn da hat ohne Zweifel Jesco von Puttkamer
Nachthimmel“ von Clark Darlton (Utopia-Groß- mit „Zu jung für die Ewigkeit“ den Vogel ab-
band 19). Auch für das Jahr 1956 gelang es geschossen. Im Jahre 1957 wird der Kampf
Clark Darlton, den „Hugo“ zu gewinnen, und der Autoren um den „Hugo“ schärfere For-
zwar für seinen in Utopia-Großband 36 er- men annehmen, denn es sind einige wirklich
schienenen Roman „Die Zeit ist gegen uns“. sehr gute SF-Romane deutscher Verfasser in
Die beiden Urkunden werden von Hugo Vorbereitung. Wir werden in den Bücher-
Gernsback ausgestellt und von Forrest J. besprechungen im Utopia-Magazin laufend
Ackerman (Los Angeles) auf dem ersten deut- auf diese Spitzenwerke hinweisen, um un-
schen SF-Konvent dem Schriftsteller Clark sere Leser darauf aufmerksam zu machen.
Darlton am 14. 9. 1957 in Bad Homburg über-
reicht. Von den abgegebenen Stimmen erhiel- Um es schon einmal vorwegzunehmen,
ten folgende Romane 1955 die angegebe- den „Hugo“ für das Jahr 1957 erhielt – völlig
nen Prozentzahlen: unerwartet – Clark Darlton für seinen Roman
Raum ohne Zeit (Utopia-Großband 51).
Ufo am Nachthimmel (Clark Darlton) 72 %
Der Mann, der die Zukunft stahl (Clark Darlton) Heinz Bingenheimer – zwischenzeitlich
...18 % aus dem Vorstandsunwesen des SFCD aus-
Menschen zwischen den Planeten (Neher)...4 geschieden schrieb in Transgalaxis Ausgabe
% 5 – 1958 über diese „Hugo-Verleihungen“
Auf den Monden des Saturn (Wolf Detlef Folgendes: Clark Darlton (Walter Ernsting)
Rohr)...3 % Berufsautor, Redakteur, Übersetzer und Mit-
Dr. Toyakas Weitraumtestament (Wolf Detlef inhaber des SFCE veröffentlichte bisher in
Rohr)... 2 % Buchform „Überfall aus dem Nichts“ und
Die Himmelsfackel (Henry Walter) ...1 % weitere 15 Romane in Heftform. Erhielt 1957
für seine Romane „Ufo am Nachthimmel“ und
Und folgende Romane für das Jahr 1956: „Die Zeit ist gegen uns“ eine Urkunde des
amerikanischen Autors Hugo Gernsback, wel-
Die Zeit ist gegen uns (Clark Darlton)...73°/o che als symbolische Verleihung des „Hugo“
Und Satan wird kommen.(Clark Darlton)... 7°/o zu betrachten ist. Der „Hugo“ ist an sich eine
Welten in Brand (Henry Bings) ...6 % kleine versilberte Rakete, die H. Gernsback in
Verweht im Weltraum (Karl Herbert Scheer) Amerika alljährlich dem Autoren der besten
...5 % utopischen Geschichte (nur an amerikanische
Zu jung für die Ewigkeit (SF-Kurzgeschichte, Autoren) dediziert. Diese zweifellos nette
v. Puttkamer) ...2 % Geste sollte allerdings nicht dazu verleiten,
Das Ding vorn anderen Stern (Wolf Detlef Rohr) ganz allgemein von einem „amerikanischen
...2 % Literaturpreis“ zu sprechen. Den gibt es in

20 FO 194 · 08/05
dressler/fo 194/fandom/thadewald-schwagenscheidt

Amerika natürlich auch, sogar in zwei Klas- Mit diesen tief schürfenden Bemerkungen
sen, aber bisher hat ihn noch kein SF-Autor wollen wir für heute die Exkursion ins Gestern
erhalten. Das ist auch verständlich, weil ein beenden. Da hier Vieles nur angerissen wer-
Literatur-Preis unter ganz anderen Gesichts- den konnte, werden in absehbarer Zukunft
punkten verliehen wird. Man nennt H. Gerns- (Ende 2005/Anfang 2006) die „Bücher, die
back übrigens den „Vater der SF“, doch dürfte unser Siegel tragen“ in erweiterter Form in
das wohl nur für Amerika Gültigkeit haben, Wolfgang Thadewalds „Chroniken“ erscheinen.
da bekanntlich Deutschland, Frankreich und
England etliche Jahrzehnte früher auf dem
Felde waren. … © 2005 Wolfgang Thadewald / Horst
Schwagensche
Es blieb aber nicht nur bei diesen „Hugo-
Verleihungen“. Zwischenzeitlich wurden sie
fast inflationär. Der Pabel- und später auch
der Moewig-Verlag erhielten einen „Hugo“ für
ihre herausragende verlegerische Arbeit zur
Verbreitung der Science-Fiction-Literatur in
Deutschland, der Schweiz und Österreich.

dressler/fo 194/horror/buch/anno

Andreas Gruber
horror
Der Judas-Schrein
Der Österreicher Andreas Gruber zählt zu den Obwohl sich alles in Körner gegen diesen
bekanntesten deutschsprachigen Einsatz sträubt, kann er diesen nicht verwei-
Kurzgeschichtenautoren und wurde für seine gern, da er in seinem letzten Einsatz einen
SF-Kurzgeschichten bereits für diverse dicken Lapsus begangen hat, durch den er
Phantastikpreise nominiert. Sein Werk ist the- nun stark unter Druck geraten ist. Die Aufklä-
matisch sehr breit angelegt. Neben einer rung des in seinem Heimatdorf begangenen
Sammlung mit SF-Kurzgeschichten, die unter Verbrechens dient nicht zur dazu seinen Feh-
dem Titel „Die letzte Fahrt der Enora Time“ ler wieder gut zu machen, sondern auch, um
verlegt wurde, erschien vor kurzem seine ihn vorerst aus der Schusslinie der Medien
Storysammlung „Der fünfte Erzengel“ in neu und den internen Untersuchungsbehörde zu
überarbeiteter Form beim SHAYOL-Verlag. Diese bringen.
erste Kurzgeschichtensammlung ist von der Andreas Gruber bietet seinen Lesern zu
Thematik her dem vorliegenden Roman zu- Beginn einen lupenreinen Krimi. Das von Alex
zuordnen. Aber auch im Krimi-Genre ist er Körner geführte Ermittlerteam fällt in das klei-
zuhause, was er mit dem Episodenroman „Ja- ne, vom Hochwasser bedrohte Bergdorf ein
kob Rubinstein“ bewies. und nimmt dabei keinerlei Rücksicht auf ört-
Als Autor ist Andreas Gruber in Teilzeit tä- liche Befindlichkeiten. Professionell, für die
tig, d.h. er geht vormittags einem ganz regu- Dorfbewohner allerdings eher hochnäsig, neh-
lärem Bürojob nach und konzentriert sich men sie ihre Ermittlungen auf und versuchen
dann in der zweiten Hälfte des Tages auf seine dem Mörder auf die Spur zu kommen. Nach
Schriftstellerei. Seine Kurzgeschichten werden und nach zeigt sich dann, dass dieser Fall
bereits seit einigen Jahren in diversen Klein- vor Merkwürdigkeiten und Ungereimtheiten
verlagen veröffentlicht und mittlerweile zählt den Tante aufgezogen, wird mit den Ermitt- nur so strotzt. Während die Ermittler den ver-
er zu den bekannteren, deutschsprachigen lungen in einem Mordfall betreut. In der Dorf- schiedensten Theorien nachhängen, bekommt
Kurzgeschichtenautoren des phantastischen disko wurde die verstümmelte Leiche einer der Leser bereits einen Einblick in die wah-
Genres. Jugendlichen gefunden. ren Hintergründe und kann sie entsprechend
Mit „Der Judas-Schrein“ legt er in der Rei- Was für das Team von Alex Körner wie seinem Vorwissen über den Cthulhu-Mythos
he H.P. Lovecrafs Bibliothek des Schreckens ein Routinefall beginnt, bedeutet für Alex bereits entsprechend einordnen.
des Festa-Verlags nun seinen ersten Roman Körner eine Konfrontation mit seiner Jugend An Dramatik gewinnt die Handlung, als das
vor, der gleich der umfangreichste dieser Rei- und mit dem Trauma des Todes seiner El- Bergdorf aufgrund des anschwellenden Hoch-
he geworden ist und sich natürlich thema- tern, welches er immer noch nicht überwun- wassers von der Außenwelt abgeschnitten
tisch an das von H.P. Lovecraft erschaffene den hat. Von vornherein sträubt sich alles in wird und die technischen Hilfsmittel des Er-
Cthulhu-Universum anlehnt. ihm an die Stätte seiner Kindheit zurückzu- mittlerteams nach und nach versagen. Iso-
Andreas Gruber läst die Handlung seines kehren. In einem Ort, wo die Zeit stehen ge- liert von jeglicher Unterstützung sehen sie sich
Romans in dem österreichischen Gebirgsdorf blieben zu sein scheint, wo man Zugezoge- einem Fall gegenüber, der immer weitere Krei-
Grein am Gebirge spielen. Alex Körner, selbst ne misstrauisch beäugt und über die Jahr- se zieht und in dem eine Vielzahl der Dorf-
in diesem Dorf aufgewachsen und nach dem hunderte hinweg ein Geflecht von gegen- bewohner verdächtig erscheint.
Tod seiner Eltern, die durch einen Brand um- seitiger Abhängigkeit und verwandtschaftli- Die Stärken von Andreas Grubers Debüt-
gekommen waren, von seiner in Wien leben- chen Beziehungen entwickelt hat. roman liegen eindeutig in den

FO 194 · 08/05 21
dressler/fo 194/horror/buch/anno

Charakterisierungen seiner Handlungsfiguren, konkret und der heutige Leser ist es einfach Verfassen dieses Romans und hat nun quasi
allen vorweg Alex Körner. Der Autor nutzt den gewohnt mit dem Übernatürlichen bzw. dem Blut geleckt, einen weiteren zu verfassen. Bar
ihm zur Verfügung stehenden Raum, um sei- Schrecken direkt konfrontiert zu werden. So jeglicher Reihenvorgaben dürfte ihm aufgrund
ne Figuren ausführlich zu charakterisieren. muss also auch Gruber versuchen den My- der hier gezeigten Leistungen ein lesenswer-
Sehr ausführlich werden Alex Körners Bezie- thos plastisch erscheinen zu lassen, indem tes, eigenständiges Werk gelingen.
hungen zu seinem Heimatdorf und die zwi- er das Ermittlerteam und hier vor allem Kör- anno
schen den einzelnen Mitgliedern des ner konkret mit den übernatürlichen Wesen,
Ermittlungsteams ausgearbeitet. welches das Dorf und seine Bewohner in
Hinzu kommt, dass Grein im Gebirge mit seinen Bann hält, konfrontiert.
all seinen Facetten überaus kenntnisreich und Die Schwäche dabei ist, dass Gruber über Festa-Verlag; H.P. Lovecrafts Bibliothek
detailliert in Szene gesetzt wurde. Es sind die sein Ziel hinausschießt. Die Handlung entwi- des Schreckens Band 16; Originalaus-
Kleinigkeiten in den Beschreibungen der ein- ckelt sich zum Ende hin zu einem Showdown gabe; April 2005; 463 Seiten; Hardco-
zelnen Handlungsorte und den Personenbe- zwischen Körner auf der einen und den Dorf- ver mit Schutzumschlag
schreibungen, die den Roman so glaubwür- bewohnern und dem Wesen auf der ande-
dig erscheinen lassen. Vor allem zu Beginn ren Seite. Eine Auseinandersetzung, die Kör-
erscheint es fast so, als wenn Andreas Gruber ner, beraubt von allen Teammitgliedern und
selbst in Grein am Gebirge beheimatet wäre. technischen Möglichkeiten, nur verlieren kann.
Die Einarbeitung des Lovecraft-Mythos, Am Ende findet sich Körner besiegt und völ-
eine zwingende Reihenvorgabe, in einen ak- lig isoliert von allen in einer Gummizelle
tuellen Handlungshintergrund gelingt hinge- wieder. Ein Szenario, welches für den kundi-
gen nur zum Teil. Dies liegt zum einen an gen Leser nicht überraschend ist, für den
den Mythos an sich, der so gar nicht mehr in Krimileser hingegen unbefriedigend bleibt und
moderne Erzählstrukturen und Handlungs- der Reihenvorgabe geschuldet ist.
verläufe hineinpassen will. Wo Lovecraft viel Dennoch hat Andreas Gruber mit seinem
mit Andeutungen und einem universellen Debütroman unter Beweis gestellt, dass er in
Schrecken gearbeitet hat, muss Gruber ver- der Lage ist seine Geschichte auch über die
suchen diesen in eine modern verfasste Krimi- Länge eines Romans zu erzählen. Er selbst
handlung einzubauen. Zum anderen wirken äußerte in einem ausführlichen Chat (zu fin-
die Erzählungen Lovecrafts auf den heutigen den unter [Link] im aktuellen Alien
Leser zum Großteil altbacken, sie sind wenig Contact) seine Befriedigung hinsichtlich des Der 37-jährige Autor bei einer Lesung

dressler/fo 194/horror/news/anno

Höllenjäger Eloy Edictions


horror
news
Ab September wird die Romantruhe eine Dieser neue Kleinverlag wurde von drei Auto- In der aktuellen Ausgabe von Alien Contact
weitere Serie herausgeben. Wie der Titel es ren gegründet. Thomas Gleich, Walter gibt es noch ein Interview mit dem Verlags-
bereits vermuten läst, handelt es sich um eine Diociaiuti und franc’O’brain und wartet mit verantwortlichen. Zu finden ist dies unter http:/
Horror-Serie. Alle zwei Monate wird ein neuer einer wirklich erstaunlich umfangreichen Pro- /[Link]/Bibliothek/Alien-Contact/
Band erscheinen, der jeweils ca. 72 Seiten grammvorschau auf, die bis Ende 2007 reicht. [Link]
umfasst. Erschienen sind bislang der Roman „Der Quelle: [Link]
Teufelspakt“ von Michael Siefener, der Krimi
Die Titel der ersten Romane lauten: „Im Schatten der Götter“ von Christian von
1. Jenseitsgesänge Aster und der Erzählungenband „Der adres-
2. Hand in Hand mit dem Tod sierte Junge“ von Boris Koch.
3. Das Rätsel der Siegelkammer Des weiteren werden Romane und BLITZ-Verlag
4. Prophet der Vernichtung Kurzgeschichtensammlungen aus dem
Weiter Infos unter [Link] englischsprachigen Raum erscheinen. Vor al- Zwei neue, interessante Werke sind vor eini-
lem Romane der Dunklen Phantastik und des gen Wochen im BLITZ-Verlag erschienen. Beide
Quelle: Romantruhe-Newsletter Horrors. Die Autoren sind hierzulande zumeist können unter [Link] bestellt
noch recht unbekannt. Namen wie Tom werden.
Piccirilli (hier erschien ein Roman in der
mittlerweile eingestellten EDITION METZEN- EDGAR ALLAN POES PHANTASTISCHE
GERSTEIN, damals noch beim BLITZ-Verlag) BIBLIOTHEK 5
und Elizabeth Massie dürften einigen Jörg Kleudgen
sicherlich etwas sagen. Ansonsten finden sich Cosmogenesis
reichlich nominierte Werke bekannter ISBN 3-89840-925-2
Phantastikpreise in der Vorankündigung.
Ein Blick auf die Verlagshomepage lohnt SHERLOCK HOLMES CRIMINAL BIBLIOTHEK 2
sich auf jeden Fall, denn der Verlag hat wirk- Roman Sander (Hrsg.)
lich großes vor. Holmes und der Kannibale
ISBN 3-89840-212-6

22 FO 194 · 08/05
dressler/fo 194/film/vohl

Drei Episoden in
Noir oder Weniger
ist mehr
Sin City (USA 2005) bekommt, steht im Mittelpunkt des Films.
Regie: Robert Rodriguez, Frank Miller, Dann gibt es da noch die Story des abgehalf-
Quentin Tarantino; Drehbuch: Frank Miller; terten, herzkranken Cops Hartigan (Bruce
Musik: John Debney, Graeme Revell, Robert Willis) der einen pädophilen Killer (Nick Stahl)
Rodriguez jagt und letztendlich erfolgreich ist, aber ei-
Darsteller: Mickey Rourke, Bruce Willis, nen hohen Preis zu zahlen hat. Eine weitere
Benicio del Toro, Clive Owen, Jessica Alba, Episode handelt vom ‘Good Guy’ Dwight (Clive
Rutger Hauer, Josh Hartnett, Elijah Wood, Owen), der einen durchgeknallten Polizisten
Brittany Murphy (Benicio del Toro) zur Räson bringt und dabei
Laufzeit: 124 Min. Format: 1:2,35 die Balance der Absprachen zwischen kor-
Deutscher Kinostart: 11.08.2005 rupten Bullen, Prostituierten und Freiern in Sin
City empfindlich stört.
Der Comiczeichner Frank Miller sorgte in den Rodriguez will hoch hinaus, bietet eine im
80er Jahren für einen radikalen Stimmungs- Realfilm bisher nie dagewesene Optik, die
wechsel im Kreis der Superhelden-Comics. kaum noch von einem gezeichneten Comic
Erhobene moralische Zeigefinger und zu unterscheiden ist; hält sich peinlichst genau
quietschbunte Szenarien gehörten in Frank an Frank Millers Vorlagen (den er
Millers Comics der Vergangenheit an; graues, schlussendlich auch als Regisseur ins Boot
düsteres Ambiente und zwiespältige Helden holte) und scheut sich auch nicht, die Bruta-
dominierten in seinen Werken. Erstmalig fil- lität und Kompromisslosigkeit der Zeichnun-
misch ansatzweise umgesetzt wurde dies in gen zu übernehmen – Respekt! Konsequent
Tim Burtons ‘Batman’-Verfilmung aus dem ist der komplette Film in Schwarzweiß gehal-
Jahre 1989. Nach einer gelungenen Fortset- ten, mit spärlich gezählten einzelnen farbi-
zung ging die Reihe den Bach runter und gen Elementen, die unterstreichen sollen oder
wurde buntes Popcornkino, bevor Christopher schlicht überraschen. Eine Optik, die surreal-
Nolan dieses Jahr mit dem hervorragenden künstlich daherkommt und doch nie wie lang-
‘Batman Begins’ wieder eine innovative weiliges Blue-Screen wirkt (wird ja mittlerweile
Mittlerweile wurde das Paperback-Pro- Comicverfilmung im Geist von Frank Miller auf vor Green-Screen hergestellt...)
gramm für den anstehenden Sommer/ die Leinwand brachte. Robert Rodriguez, der Auch mit der Schauspielerriege hatte
Herbst angekündigt. in den letzten Jahren mit der ‘Spy Kids’-Reihe Rodriguez ein gutes Händchen: abgehalfter-
Im Juli erscheint der Roman „CABAL“ von auch eher in familienfreundlichem, kommer- te Alt-Stars wie Mickey Rourke, Rutger Hauer
Clive Barker in einer überarbeiteten Neu- ziellen Fahrwasser dümpelte und neben den und Powers Boothe (naja, so richtig abge-
ausgabe. okayen Desperado-Filmen keine nennenswer- halftert war der nie) empfehlen sich für wei-
Mit „Bringen wir Constance um!“ er- te Klasse belegen konnte hat sich nun mit tere Projekte, Clive Owen und Benicio del Toro
scheint ein neuer Roman von Ray Bradbury seinem Kumpel Quentin Tarantino und Frank sind gewohnt souverän, Nick Stahl (‘Termina-
in der neu geschaffenen Reihe Phantasia Miller persönlich an die Verfilmung der ex- tor 3’) und Elijah ‘Frodo’ Wood werden kon-
Crime im September als deutsche Erstaus- trem düsteren, brutalen Crime-Comics aus sequent gegen den Strich besetzt und sind
gabe. dem Sin City-Universum gemacht. Und anders trotzdem gut und auch die junge, eher uner-
Es folgt im November in Deutscher Erst- als in den bisherigen Miller-Verfilmungen wie fahrene Damenriege mit Jessica Alba und
ausgabe der Roman „Endstation Louisiana“ ‘Batman’ oder ‘Daredevil’, wo sich der Ein- Brittany Murphy fällt nicht negativ auf.
von Lucius Shepard innerhalb der Reihe fluss Millers eher auf Design, Atmosphäre und Neben Frank Miller holte Rodriguez noch
Phantasia Horror. einigen Charakteren beschränkte, geht Tarantino als ‘Gastregisseur’ ins Boot, der ei-
Ein Blick auf die Homepage der EP lohnt Rodriguez einen Schritt weiter und erstellt mit gentlich nix für Filme mit digitalen Spielerei-
sich. Dort sind bereits die Cover und kurze dem Kinofilm ‘Sin City’ quasi einen auf die en übrig hat. Aber dafür hatte ja Rodriguez
Inhaltsangaben zu finden. [Link]- Leinwand projizierten Comic! Sicherlich tech- einen Song für ‘Kill Bill Vol.2’ beigesteuert und
[Link]. Weiterhin sollte man sich den nisch innovativ, aber auch passend zum Me- so konnte der gute Quentin nicht nein sa-
Verlagsnewsletter bestellen, denn in Kür- dium Film? gen... In der kurzen Episode von Tarantino
ze dürften die ersten Infos zu neuen Drei Handlungsstränge aus den (die Autofahrt von Owen und del Toro) zeigt
Hardcovertitel bekannt gegeben werden. mittlerweile fünf Sin City-Comics werden im sich auch gleich der Klassenunterschied zwi-
Aktuelle Interviews mit Jochaim Körber Film dargeboten. Der ursprüngliche Comic um schen dem Regisseur Tarantino und dem
und Uli Kohnle finden sich auf http:// den am Rand des Wahnsinns delirierenden Regisseur Rodriguez. Hier meint man, einen
[Link]/Bibliothek/Alien-Contact/ Killer Marv (Mickey Rourke in einem großen kleinen Ausschnitt aus einem großen Gan-
[Link] und unter [Link] Comeback) auf der Jagd nach einem noch zen zu sehen, das Rodriguez in dem ganzen
[Link]/ übleren Gesellen, der seine neue Freundin Rest letztendlich nicht liefern kann! Die drei
Quelle: Verlagsnewsletter meuchelte – und der dabei in die perversen Episoden sind lieblos ineinandergewurschtelt,
anno Abgründe von Sin City hinabsteigt und es mit weshalb der großartige Teil mit Mickey Rourke
den wahren Machthabern der Stadt zu tun fast wie ein Fremdkörper wirkt und der eher

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dressler/fo 194/film/vohl ... / ...musa

fade Beginn mit Bruce Willis – der seinen dung ein. Auch derbe Gewalt und spektaku- abgespeckter Kinofilm – von über immerhin
Tough-Guy-Stiefel runterspielt – wie ein Zu- läre Optik halten halt nicht so lange vor! Hin- auch noch 90 Minuten – packender und be-
geständnis an den Massengeschmack daher- zu kommt, dass die drei Episoden, die Frank eindruckender geworden. Interessanterweise
kommt. Elegante Zeitsprünge, Verschachte- Miller in separaten Comicalben präsentierte, bietet die kommende Special-Edition des
lungen, überraschende Wendungen über die so komprimiert in einem filmischen Rahmen Films auf DVD die Möglichkeit, die einzelnen
einzelnen Episoden hinausgehend sucht der mit ihren ähnlichen Handlungssträngen und Episoden separat anzuschauen – und den
Zuschauer vergeblich und so schleicht sich Charakteren etwas gleichförmig wirken. Langfilm in einer noch längeren Fassung. Wer
nach einer guten Stunde eine gewisse Ermü- Vielleicht wäre ein auf zwei Episoden braucht da noch den Regisseur...
TOM

Short Cuts
Die Reisen des jungen Che (O: „The Freund Alberto, der ihn begleitet, hingegen rung für Lolita. Ob es nun die unverhohlen
motorcycle diaries“, Argentinien/Staaten 04; überzeugt. Zwei unterschiedliche Charaktere, verdrehten Augen der Gesangslehrerin Sylvia
Regie: Walter Salles; Darsteller: Geale Garcia die sich auf eine Reise begeben, die beide sind, wenn sie sie um ein paar zusätzliche
Bernal, Rodrigo de la Serna u.a.; 120 Minu- nicht mehr als die selben Menschen beenden Stunden bittet, die Vorwürfe in den Blicken
ten). Um die Menschen und Landschaften werden. ihres erfolgreichen Vaters, wenn er den Fah-
seiner südamerikanischen Heimat kennen zu Ein Roadmovie in eher klassischer Aus- rer ihres Taxis zurecht weisen muss, oder die
lernen, reist der junge Ernesto Guevara auf führung, der im Grunde nur durch die spätere angeblichen Gründe ihres letztens Freundes,
dem Motorrad Monate lang von einem Land Rolle Guevaras gedanklich nachwirkt. Men- die ihn dazu zwingen „ehrlich zu ihr zu sein“
zum nächsten. Das einfache Abenteuer und schen helfen zu wollen, die lediglich ihr kar- (nachdem es ihm gelungen ist sich eine Gunst
die Freuden des Lebens locken; davon ist sein ges Leben in Frieden leben wollen, ist ein von ihrem beziehungsreichen Vater zu ergau-
ehrenhaftes Ziel für einen jungen Idealisten.
Idealismus, der aber bald einer Ideologie ge-
genüber stehen wird. In der Tat stellt man
sich nach Salles Film die Frage, was aus Kuba
wohl geworden wäre wenn dieser junge (!)
Che Guevara auf der Insel geblieben wäre,
anstatt die bewaffnete Revolution in der Drit-
ten Welt herum zu tragen. Vielleicht wäre
Castro nicht der selbstherrliche Diktator ge-
worden; vielleicht hätte er den „lästigen Ide-
alisten“ aber auch irgendwann liquidieren
lassen. Handwerklich durchschnittlich, bleibt
„Die Reisen des jungen Che“ inhaltlich auf
halber (Lebens-)Strecke stehen.

Schau mich an! (O: „Comme une image“, F/I


04; Regie: Agnès Jaoui; Darsteller/innen:
Marilou Berry, Agnès Jaoui, Jean-Pierre Bacri
u.a.; 110 Minuten). Nicht beachtet oder re-
spektiert zu werden ist eine alltägliche Erfah-

24 FO 194 · 08/05
dressler/fo 194/film/musa

nern!). Die Beiläufigkeit, mit der alle auf ihr Betrachter kann man/frau durchaus vor- bei Dr. Monnier unter einem Vorwand vorbei
herum hacken, schmerzt Lolita und so be- gewarnt sein, in welch abstruse Richtung der zu schauen, nur um Annes Adresse ausspä-
schließt sie nun ihrerseits Menschen in ih- restlos ernst gemeinte Plot abdriftet. Jule be- hen zu können. Aber es dauert nicht lange
rem Sinne zu manipulieren. Sie läßt gegenü- klagt Jan gegenüber ihr garstiges Schicksal, und Faber kommen die ersten Zweifel. Eines
ber Sylvia fallen WER ihr Herr Papa ist und weil sie noch zig Jahre den Schadensersatz Tages steht Annes Mann, von dem er bereits
siehe da, schon kriecht sie wie ein Hünd- für einen reichen Macker abarbeiten muss, soviel wiedersprüchliches hören musste, dass
chen an. Lolita fühlt sich im Aufwind, aber für dem sie einst auf der Autobahn ungebremst er schon begann, ihn für ein Phantom zu hal-
die hohe Kunst der Manipulation ist sie nicht in den Kofferraum donnerte. In einem Auto ten, in seinem Büro.
kaltblütig genug. Die losgetretene Lawine ohne Tüv und Versicherung, als sie sich auf „Intime Fremde“ ist ein intensives Kam-
droht sie erneut ins Abseits zu schieben. der Überholspur nach der runter gefallenen merspiel über die Mechanismen, wie wir
Der Film von Agnès Jaoui ist der Kippe bückte. Verantwortungslos kann man Menschen einschätzen und ihr Verhalten be-
ungeschönte Blick auf einen Figuren-Reigen, ihr Verhalten nicht mehr nennen – vorsätz- urteilen. Zu dem gesellt sich ein nahezu
der – mit Ausnahme von Lolita – einzig da- lich rücksichtslos schon eher. Statt der Bonzen- krimihafter Plot, der stetig voran getrieben
mit beschäftigt scheint, dem eigenen Vorteil karre hätte es auch ein Kleinwagen mit Kind wird, ohne dabei allzu viel preiszugeben. Ist
hinterher zu jagen. Ehrliche Gefühle sind ein auf dem Rücksitz sein können. Würde Jules Anne tatsächlich ein Opfer ihrer Gefühle, oder
Luxus, den man sich nicht leisten will und Weltschmerz dann in ähnlicher Weise vor wird Faber von ihr (und anderen) nur geschickt
die verletzten Gefühle anderer nimmt man/ Selbstmitleid triefen?! Dagegen ist Jans idea- vorgeführt? Da dem Publikum mehr offenbar
frau besser erst gar nicht wahr. Emotionaler listische Sprücheklopferei aus dem „Best-of“ wird als dem verwirrten Mann, ist bald er-
Darwinismus, an dem Lolita ethisch fast zer- ideologischer Phrasendrescherei in ihrer Nai- sichtlich, dass sich die seltsame Beziehung
bricht. vität fast schon wieder zu ertragen. in eine völlig andere Richtung entwickeln wird.
Ein klein wenig sehnt man sich in dieser Ein ausgesprochen fetter Kandidat für den Von Mal zu Mal kann sich Anne aus ihren
Gefühlskälte nach der Leichtigkeit Eric „Magnolia-Award“. obsessiven Verstrickungen mehr lösen, ihrem
Rohmers, die dem gezeigten Schmerz ein Leben einen neuen Haltepunkt geben, wäh-
wenig die Spitze nimmt. Zuviel ist manches Intime Fremde (O: „Confidences trop inti- rend Faber langsam erkennt, dass seine Ge-
Mal einfach zuviel. mes“, F 03; Regie: Patrice Leconte; Darsteller/ wohnheiten nicht endgültigen Charakter ha-
innen: Sandrine Bonnaire, Fabrice Leconte u.a.; ben müssen. Anne und Faber brechen unab-
Die fetten Jahre sind vorbei (BRD/A 04; Re- 104 Minuten). Mit schlafwandlerischer Sicher- hängig voneinander ihre Zelte in Paris ab und
gie: Hans Weingartner; Darsteller/innen: Daniel heit irrt sich Anna in der Bürotür und nimmt ziehen nach Süden. Nicht als schlussendlich
Brühl, Julia Jentsch, Stipe Erceg, Burghart wenig später nicht vor dem Psychologen, eine glücklich vereintes Paar. Nein. Als Freunde der
Klaußner u.a.; 124 Minuten). Jan, Jule und Peter Tür weiter, sondern vor dem Steuerberater besonderen Art.
halten es für sinnvoll, nächtens in leere Villen So spannend wie hervorragend gespielt –
einzusteigen, dort das teure Inventar neu zu ein absolut sehenswerter Film. Nicht zuletzt
positionieren und Sinnsprüche (s. Titel) zu wegen Sandrinne Bonnaire, die mich nun seit
hinterlegen. Das fröhliche Treiben gerät ein fast zwei Jahrzehnten durch die Programmki-
klein wenig aus dem Ruder, als sie eines nos begleitet.
Nachts plötzlich den Eigentümer im Flur vor-
finden und Jan Knebelung, Fesselung und Sideways (Staaten 04; Regie: Alexander
Entführung der Person für eine gute Idee hält. Payne; Darsteller/innen: Paul Giamatti, Thomas
Untergetaucht wird in einer Almhütte, womit Haden Church, Virginia Madsen, Sandra Oh
die ausgelassenen Psychospiele beginnen u.a.; 126 Minuten). Miles und Jack sind Freun-
können. Jan hat was mit Jule, obwohl sie es de. Bevor Jack heiratet wollen beiden die er-
normalerweise mit Peter tut. Peter ist auf Jan

sauer, weil der die Situation komplett in die Faber Platz. Ohne sonderliche Umschweife lesensten Weinbaugebiete Kaliforniens ab-
Scheiße gefahren hat. Jule fühlt sich vom kommt sie auf ihr Problem zu sprechen und klappern und neben ordentlich Wein auch
Machismo der beiden Weicheier bedrängt und doch dauert es fast bis zum Ende der ersten etwas „Weib“ abgreifen. Bei letzterem Punkt
Geisel Hardenberg war in den 68ern auch Sprechstunde, bevor Faber erkennt, daß die ist Miles allerdings nicht richtig engagiert hält
schon Straßenkämpfer und Bettenspringer. apart schöne Frau keine Beratung in Finanz- er sich doch für einen Versager auf gleich
Den ausgeprägt fettesten Minuspunkt fährt problemen nötig hat. Trotzdem bringt er es mehreren Gebieten. Dass Jack ihm in puncto
sich das gern bejubelte Machwerk aus den nicht über sich, Madame auf den Irrtum hin- Frauen unter die Arme greifen will, macht die
Händen von Hans Weingartner mit seiner zuweisen. Denn eigentlich würde er sie gern Sache auch nicht einfacher. Die Reise endet
schlussendlichen Absegnung der drei Haupt- wieder sehen. Also läßt er ihr einen Termin in einem Fiasko.
figuren ein: Jan, Jule & Paul auf dem Weg zur für die nächste Woche geben. Der zurückge- Man könnte mit dem Umstand leben, dass
Sabotage der westeuropäischen TV-Gesell- zogen lebende Junggeselle erkennt, dass es Alexander Payne im vorbeifahren einen fast
schaft als ultima ratio individueller Welt- da draußen doch noch etwas gibt, das ihn zweistündigen Werbeclip über Kaliforniens
verbesserung. Antennenmaste in die Luft ja- jenseits der Zahlen und Paragraphen interes- Weinbau abgelichtet hat; wenn der Buddy
gen! Ratlosigkeit ist noch der freundlichste sieren kann. Er beginnt Dinge zu tun, die er movie zumindest funktionieren würde. Aber
Begriff, der sich mir dabei aufdrängt. Aber als nie für möglich gehalten hat – zum Beispiel zehrt Paul Giamattis penetrant miesepetrige

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dressler/fo 194/film/musa

Weinerlichkeit schon gehörig an den Nerven, tuation, Jerusalem gegen die weit überlege- Reitechsen ist McGregors unbekümmertes
gibt einem die soziale Destruktions- nen Truppen Saladins verteidigen zu müssen. Aufspielen der einzige Lichtpunkt. Ansonsten
maschinerie Jacks den Rest. Miles dürfte eine Ordentlich verhoben hat sich Ridley Scott betreibt Lucas intensive Selbstdemontage
ausgeprägt masochistische Ader pflegen mit einem historischen Thema, das ein wirk- seines Stoffes und liefert Beispiel über Bei-
wenn er das Schwarze Loch neben ihm nicht lich grandioses Meisterwerk hätte abgeben spiel für seine Unfähigkeit als Drehbuch-
nur die ganze Zeit über erträgt, sondern sich können (und verdient hätte). Scotts filmisches schreiber. Nur ein Beleg von so vielen:
mit ihm zuletzt auch wieder versöhnt. Wer Einerlei ist auch deshalb ein Rätsel, weil ihm Anakin trifft nach längere Zeit wieder sei-
einen Freund wie Jack sein eigen nennt, mit „Gladiator“ bereits eine Vorgabe geglückt ne Padme. Innige Umarmung und Küsserei
braucht wirklich keinen Todfeind mehr suchen. war, die nur Anlass zu guten Hoffnungen ge- hinter Säulen versteckt. Padme offenbart
Anders formuliert – „Sideways“ funktioniert ben konnte. Aber wo „Gladiator“ den Betrach- danach ihrem Anni, dass sie schwanger ist.
in keinster Weise. ter bereits mit den ersten Minuten in eine Skywalker reagiert überrascht und gibt sich
historisch relativ akkurate Welt zieht, schleppt erfreut. Einfügen sollte man in diesem Zu-
Hautnah (O: „Closer“, Staaten 04; Regie: Mike sich das Geschehen in „Kingdom“ unent- sammenhang, dass Padme bereits im achten
Nichols; Darsteller/innen: Julia Roberts, Jude schlossen dahin. Zerfurcht durch den überaus Monat ist und eine nicht gerade kleine Wöl-
Law, Natalie Portman, Clive Owen u.a.; 100 brutalen Mord Ballans an dem Dorfpfarrer, bung vor sich herschiebt. Nach Lucas ist dem-
Minuten). Dan und Alice lieben sich. Ebenso oder der unausgegoren ausgearbeiteten Kon- nach ein Jedi zwar in der Lage die Macht im
Larry und Anna. Es gibt Beziehungsprobleme frontation zwischen den Soldaten, die ihn Universum zu spüren, aber restlos unfähig zu
und siehe, da lieben sich Dan & Ann, wie festnehmen sollen, und Ibelins Männern. Für bemerken, dass seine Freundin hochschwan-
Larry & Alice. Hält aber auch nicht lange. einen Ritter, dem angeblich ritterliche Ehre das ger ist, wenn er sie stürmisch umarmt.
Zwischendurch wird viel zerredet, werden wichtigste ist, verhält sich sein Vater hier aus- Natürlich schafft es auch die dritte Episo-
intime Einblicke im Separée gegeben und gesprochen wiedersprüchlich. Aber auch die de nicht, eine Geschichte stringent genug zu
emotional geht es hoch her – es sei denn Dramaturgie holpert ungelenk durch die 145 erzählen, um den Betrachter auch nur im

Minuten, so dass sich ein Ganzes, oder auch Ansatz zu interessieren. Statt dessen springt
nur ein einfacher Spannungsbogen, nicht ein- das Skript von einem angeblich wichtigen
stellen will. Übrig bleibt eine Collage, die zwar Schauplätz zum nächsten und betreibt akri-
immer wieder intensive Momente und Ein- bisch oberflächlich ein Name dropping („Da!
stellungen aufweist, aber letztlich nur Flick- Captain Antilles!“), das die eingefleischten Fans
das Skript verlangte einmal steinerne Mienen. werk bleibt. Immerhin kann Orlando Bloom entzücken soll. Die von der Hofpresse, Mo-
So unerquicklich wie diese Zusammenfas- als überaus edelsinniger Ritter überzeugen. nate im voraus, abgefeierte Handlungsschiene
sung ist auch die Adaption eines preisgekrön- Wären Regie und Drehbuch auf ähnlicher Höhe auf Kashyyyk, nebst Chewbaccas „Einführung“
ten Bühnenstoffes für die große Leinwand. gewesen, es hätte ein großer Film werden ist ein schlecht geratener Witz, da sich dort
Theater und Kino sind und bleiben zwei völ- können, der dem Thema der Kreuzfahrer-Herr- außer einigen Minuten Kriegsgetümmel und
lig unterschiedliche Welten. Weswegen schaft gerecht geworden wäre. etwas Wookie-Gebrüll absolut nichts (!) tut.
Nichols Film in seinen besseren Momenten Wenn dann ein oberfieser Palpatine am Ende
an mitgeschnittene Aufführungen erinnert. Star Wars III – Die Rache der Sith (O: „Star dem frisch verplombten Vader steckt, dass
Vielleicht hätte der Autor des Stücks sich auch Wars III – The revenge of the Sith“, Staaten eigentlich er selbst Schuld am Tod Padmes
nicht persönlich an dem Drehbuch versuchen 05; Regie: George Lucas; Darsteller/innen: ist, fühlt man sich in eher schlechte Trickserien
sollen. Das Resultat bleibt eine Verschwen- Ewan McGregor, Hayden Christensen, Natalie der Achziger zurück versetzt: Darth steht breit-
dung schauspielerischen Potenzials und mei- Portman u.a.; 140 Minuten). Auf wundersa- beinig da, winkelt die Arme leicht an, hebt
ner Lebenszeit. me Weise wandelt sich Anakin Skywalker zu den Kopf und brüllt das Universum an. Grund-
Darth Vader und eine Galaxis (die „weit, weit gütiger, ist das sowas von schlecht!!!
Königreich der Himmel (O: „Kingdom of entfernte“!) geht den Bach runter. Wird eigentlich nur von Padmes Abgang
heaven“, Staaten/GB/Sp 05; Regie: Ridley Ich beginne lieber gleich mit dem einzig noch übertroffen. „Geburt der Zwillinge erle-
Scott; Darsteller/innen: Orlando Bloom, Jeremy positiven Aspekt einer in langen Jahren in die digt. Anakin auf Abwegen. Gut, dann sterb´
Irons, Ghassan Massoud, Eva Green u.a.; 145 Brüche gegangenen Sternen-Saga. Endlich (!!!) ich jetzt mal. Ciao!.“
Minuten). Um die Nachfolge seine Vaters an- kann Ewan McGregor im Ansatz zeigen, was „Roger! Roger!“
zutreten, reist Ballan von Ibelin ins Heilige in der Figur des jungen Obi-Wan an Potenzial
Land des Jahres 1184. Dort erwarten den jun- steckt. Tatsächlich musste ich in mich hinein (12. Juli 05 – robert musa)
gen, ehrenhaften Ritter politische Intrigen, lachen, dass es ihm nach zwei Vorläufen end-
Hass, Niedertracht, aber auch Edelmut, lich gelungen ist, sich aus dem Korsett der
Freundschaft und die Liebe. Durch geschürte Nicht-Regie eines George Lucas frei zu
Unruhen und der völligen Vernichtung des schwimmen. In all dem kindischen Unfug von
Kreuzfahrerheeres sieht sich Ballan in der Si- brabbelnden Kampfdrohnen und glucksenden

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dressler/fo 194/comic/funke

Eisner Awards 2005 verliehen


Auf der diesjährigen Comic-Con in San Diego Best Continuing Series: The Goon, von Eric
wurde einer der wichtigsten Preise im Be- Powell (Dark Horse) (WildStorm/DC); I Am Legion: The Dancing
reich der Comics verliehen: Der Eisner-Award, Faun (Humanoids/DC); Frank Quitely, WE3
benannt nach dem berühmten Comic-Autor Best Limited Series: DC: The New Frontier, (Vertigo/DC)
Will Eisner, der im Januar dieses Jahres ver- von Darwyn Cooke (DC)
storben ist. Best Coloring: Dave Stewart, Daredevil,
Hier eine Auswahl der Gewinner dieses Jah- Best New Series: Ex Machina, von Brian K. Ultimate X-Men, Ultimate Six, Captain
res: Vaughan, Tony Harris und Tom Fesiter America (Marvel); Conan, BPRD (Dark Horse);
(WildStorm/DC) DC: The New Frontier (DC)
Best Short Story: “Unfamiliar,“ von Evan
Dorkin und Jill Thompson, in The Dark Horse Best Graphic Album-New: The Originals, von Best Lettering: Todd Klein, Promethea; Tom
Book of Witchcraft (Dark Horse Books) Dave Gibbons (Vertigo/DC) Strong; Tom Strong’s Terrific Tales (ABC);
Best Single Issue (or One-Shot): Eightball Wonder Woman (DC); Books of Magick: Life
#23: „The Death Ray,“ von Dan Clowes Best Writer: Brian K. Vaughan, Y: The Last During Wartime; Fables; WE3 (Vertigo/DC);
(Fantagraphics) Man (Vertigo/DC); Ex Machina (WildStorm/ Creatures of the Night (Dark Horse)
DC); Runaways (Marvel)
Best Serialized Story: Fables #19-27: Best Cover Artist: James Jean, Fables
„March of the Wooden Soldiers,“ von Bill Best Writer/Artist: Paul Chadwick, Concrete: (Vertigo/DC); Green Arrow, Batgirl (DC)
Willingham, Mark Buckingham und Steve The Human Dilemma (Dark Horse)
Leialoha (Vertigo/DC) Hall of Fame Lou Fine; René Goscinny,
Best Penciller/Inker (tie): John Cassaday, Albert Uderzo, Nick Cardy, Gene Colan,
Astonishing X-Men (Marvel); Planetary Johnny Craig und Hugo Pratt

Kinostarts im Neuerscheinungen im August


August:
04.08. Marvel DC-Comics
The Island/Die Insel (Michael 11. August 11. August
Bay) DIE FANTASTISCHEN VIER & DIE RÄCHER SPE- BATMAN 8
Dumplings – Delikate Versu- CIAL: HELDENFALL 4 Der 3. Teil der KRIEGSSPIELE
chung (Fruit Chan)
DIE ULTIMATIVEN FANTASTISCHEN VIER 6 SUPERMAN SONDERBAND 5: RUIN
Crash/L.A. Crash (Paul Haggis)
Superman kämpft um das Leben seiner Frau
SPIDER-MAN 16 Lois Lane und bekommt es mit 2 alten Geg-
11.08. nern zu tun.
Charlie and the Chocolate 28. August
Factory/Charlie und die 100% MARVEL 16: SPIDER-MAN/DOKTOR 25. August
OCTOPUS BATMAN SONDERHEFT 3
Schokoladenfabrik (Tim Burton)
Erzählt wird die Geschichte von Doktor Otto Der 4. Teil der KRIEGSSPIELE
Inside Deep Throat (Fenton Octavius, über seine Karriere als junger Wis-
Bailey/Randy Barbato) senschaftler und wie er zu einem von Spi- DIE RÜCKKEHR VON SUPERMAN 6
Sin City (Robert Rodriguez/Frank der-Mans schlimmsten Feinden wird: Dok- Das Finale der Geschichte
Miller/Quentin Tarantino) tor Octopus
JLA SONDERBAND 8: DER ZEHNTE ZIRKEL 2
DER SPEKTAKULÄRE SPIDER-MAN 18 Die Justice League gegen einen Vampir-Clan
18.08.
Grenzverkehr (Stefan Betz) DER ULTIMATIVE SPIDER-MAN 37 LOBO ENTFESSELT
Holy Lola (Bertrand Tavernier) Der Großmeister des Frägg nur für Erwach-
The Skeleton Key/Der verbote- MARVEL EXKLUSIV 57: DAREDEVIL sene
ne Schlüssel (Ian Softley) Daredevil schickt den Kingpin ins Gefäng-
nis und übernimmt dessen Job. TEEN TITANS SONDERBAND 4: BIESTIGE ZEI-
TEN
25.08. SECRET WAR SPECIAL
Don´t come knocking (Wim Wen- Eine Parallelgeschichte zur Erzählung Secret
War von Brian Bendis und Gabriele Dell’Otto
ders)
The Dukes of Hazard/Ein Duke über das Schicksal von Luke Cage.
Carlsen Comics
August
kommt selten allein (Jay WOLVERINE 20 Spirou und Fantasio 44: Jagd auf Spirou
Chandrasekhar) Elfquest: Sucher und Schwert
Almost Heaven (Ed Herzog) X-MEN 56 Barfuss durch Hiroshima 4: Hoffnung

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dressler/fo 194/comic/funke

werden, müssen aber als „Manga“ erkenn- te an folgende Adresse:


Microsoft dealt mit bar sein. Dabei ist kein Thema vorgegeben, Comicfest München
Teamarbeit ist erlaubt. Jeder Zeichner darf nur c/o Laska Grafix
Marvel einen Beitrag einsenden. Die Arbeiten müs- Morassistr. 18, Rgb.
Auf der Comic-Con in San Diego haben sen alle selbstständig erstellt sein. Die Manga- 80469 München
Microsoft und Marvel einen Exklusiv-Vertrag Strips bitte in westlicher Leserichtung (also
bekanntgegeben über die Entwicklung von von links nach rechts) zeichnen. Grundsätz- Quelle: [Link]
Superhelden-MMORPGs (Massively lich ist jede Zeichentechnik möglich, bei blas- Olaf Funke
Multiplayer Online Roleplaying Game). Sie sen Farben und Bleistiftzeichnungen kann es
sollen exklusiv für die neue Xbox 360 entwi- jedoch Probleme beim Drucken geben. Das
ckelt werden MMORPGs sind die momentan Werk sollte auf CD-ROM eingeschickt werden.
am stärksten wachsende Sparte bei Compu- Dabei muss die Auflösung mindestens 300
terspielen. Bei diesen Spielen treffen sich Tau- dpi, besser 600 dpi betragen (zugelassene
sende Spieler, die über die ganze Welt ver- Grafikformate: jpg, tiff, pdf, eps). Bitte einen
teilt sein können, auf einem Server und erle- DIN-A4-Ausdruck beilegen, zusammen mit
ben zusammen Abenteuer, meist in einer
Fantasy-Welt, es gibt aber auch SF-Spiele und
einem Deckblatt, auf dem der Titel des Werks
sowie Name, Adresse und Alter angegeben
Stammtische 3
auch bereits eines, in dem man seinen eige- sind. Falls ein Einsenden auf CD-ROM nicht
nen Superhelden erschaffen kann, City of möglich ist, bitte möglichst nur Kopien schi- München, PR-Stammtisch Ernst Ellert
Heroes. Jetzt will auch Marvel an diesem cken und keine Originalzeichnungen. Der meist 1. Donnerstag im Monat, Mil’s
Boom teilhaben. Konkurrent DC hat bereits Wettbewerb ist in folgende Kategorien ein- Sportrestaurant
einen Vertrag über ein MMORPG mit Sony geteilt: Hans-Denzinger-Straße 2, München;
abgeschlossen. - Die Kategorie 1 ist für die jüngeren Erich Herbst, Tel. (0 89) 8 00 55 24
Teilnehmerinnen und Teilnehmer bis ein- Homepage: [Link]
e-Mail: espost@[Link]
Comicfest 2005 in schließlich 13 Jahre.
- In Kategorie 2 können sich Zeichnerinnen
München, SF-Gruppe München
München und Zeichner ab dem 14. Lebensjahr bewer-
ben. 1. Freitag i. M., 20 Uhr, bei Klausgerd
Vom 1. bis 4. September findet wie alle 2 Berger, Fraunhoferstr. 27
Jahre wieder in München das Comicfest statt. Folgende Preise gibt es in beiden Kategorien
Veranstaltungsort ist diesmal nicht die zu gewinnen: Münster, PR-Stammtisch
Praterinsel, sondern das Forum am Deutschen 1. Alle Preisträger erhalten einen lohnens- jd. 1. Samstag i. M., 19.30 Uhr
Museum. Neben vielen prominenten Gästen werten Comic-Preis, eine Urkunde, und und „Feldschlößchen“, Sentruper Straße 163
wie Ralf König, gibt’s es wie immer zahlrei- und (was das Fest und die Sponsoren eben Markus Kachel, (02 51) 8 99 87 12;
che Ausstellungen, Diskussionsrunden, Vor- alles so hergeben)! gilgamesch@[Link]
träge und Filmvorführungen, sowie eine 2. Die besten Teilnehmer werden auf dem
Comic-Börse. Comicfest geehrt und in einer Sonderaus- Nauheim, SF-Stammtisch
Nähere Infos gibt es unter: [Link] stellung gezeigt. jeden 3. Samstag i.M. ab 18 Uhr, Gast-
3. Zusätzlich werden die Gewinner im Internet stätte „Rosengarten“, Unter der Muschel
verewigt (u.a. auf [Link], [Link], 24 (a.d. Pfarrkirche). Info: Robert Vogel,
(0 61 42) 32 84 7,
Zeichen- [Link]).
Außerdem wird es bei der Ausstellung der robert@[Link]
wettbewerb beim eingesandten Arbeiten noch den Publikums-
preis geben, bei dem die Besucher das Nürnberg, Perry Rhodan Stammtisch
Comicfest Mün- schönste Motiv wählen. Dafür erhält der Ge-
winner ein schönes Comicpaket.
An jedem 3. Mittwoch im Monat: Gast-
stätte Zum Stadion (am Dutzendteich),
chen 2005 Fragen zum Wettbewerb werden unter
comicfest@[Link] und Originale/ Ausdru-
Herzogstr. 22, 90478 Nürnberg, 0911/
400292, Email:
Während des Comicfests wird es auch wieder cke/Kopien können leider nicht zurückge- DetlefBabylon5@[Link]
einen Zeichenwettbewerb geben. Gesucht schickt werden. Die Arbeiten können jedoch
wird der beste Manga-Strip. nach dem Comicfest persönlich wieder ab- Offenbach, SF-Stammtisch
Hier der Wettbewerbs-Text: geholt werden. Das Werk darf noch nicht ver- 2. Freitag i.M. ab 19 Uhr in der Pizzeria
Vom 1. bis 4. September 2005 findet das öffentlicht sein (weder gedruckt noch online) „Da Luciano“, Hugenottenplatz 13
Münchner Comicfest im Forum am Deutschen und muss jugendfrei sein. (Rückseite Saturn). Info: Viktor Lorenc,
Museum statt. Auch in diesem Jahr liegt Das Team des Comicfestes behält sich vor (0 69) 94 59 21 01
wieder ein Schwerpunkt auf Manga, und dem- (z.B. im Falle einer späteren gedruckten Ver-
entsprechend widmet sich auch der vom Fes- öffentlichung), die Texte möglicherweise neu Regensburg, SF-Stammtisch
tival ausgeschriebene Zeichenwettbewerb zu lettern und beim Zeichnungsformat tech- jd. 3. Freitag i. M., 20 Uhr, „Einhorn“
diesem Thema. Dieses Mal wird der beste nische Änderungen vorzunehmen. Einsende-
Manga-Comic-Strip gesucht. Das bedeutet, schluss ist Sonntag, der 14.08.2005, 12.00 Saarlouis, SF-Stammtisch
dass jeder Teilnehmer eine gute Geschichte Uhr (Datum des Poststempels). Alle danach jd. 1. Montag i. M., 18 Uhr, „Café Wich-
in mindestens drei Bildern zeichnen soll. Au- eingeschickten Arbeiten können für den Wett- tig“, Lisdorfer Straße
ßerdem sollte der komplette Comic-Strip auf bewerb leider nicht mehr berücksichtigt wer-
eine DIN-A4-Seite (hoch oder quer) passen. den. Die Bekanntgabe der Gewinner und die Schwerin, SF-Stammtisch SN-SFC 92
Die Handlung des Manga-Strips sollte Preisverleihung finden am Samstag, den 3. jd. 3. Sonntag i. M., gegen 15 Uhr, bei
möglichst abgeschlossen sein. Inhalt und September 2005 auf dem Comicfest München Jörg Lippmann, Stern Buchholz 11
Form der Zeichnungen können frei gewählt statt. Einsendungen für den Wettbewerb bit-

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dressler/fo 194/hörspiel/engler

Phantastische Hörspiele im August 2005


Hallo,
da war ich wieder mal am ersten Abend Das designte Kind und die Finsterlinge ne entkommen will, stellt die Bioindustrie aber
eines Alzcons dabei, der wievielte war es Bettina Obrecht hat die brisante Thematik klug gleich 20 Klone des Jungen her. Die Erzäh-
denn? Und ich muss sagen, es hat wieder für Kinder aufbereitet. Die Story ermöglicht lung setzt 30 Jahre später ein, als Bernhard,
Spass gemacht, auch wenn der Aufstieg eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den der offizielle „Klon“ bei einer Untersuchung
dieses Mal nicht ganz so schwierig war ethischen Abgründen des Wunschkind- im Krankenhaus einem seiner biotechnischen
und wir den Rückweg zwar im Dunkeln, Denkens. Zugleich kann man Noras Abenteuer Brüder begegnet. Gemeinsam stellen sie den
aber dieses Mal ohne Sonnenbrillen auf aber auch als höchst unterhaltsamen Krimi Vater zur Rede und gründen eine Selbsthilfe-
der Nase, durch den Wald in den verfolgen, bei dem am Ende - unausweich- gruppe. Alles scheint wenig dramatisch. Bis
Kämpfschen Edelgarten fanden. Dafür lie- lich für die Finsterlinge von „Genosan“ - das sie das Original ausfindig machen.
fen wir nachts gegen 23:30 Uhr, auf einer Gute siegt.
unbeleuchteten L andstraße mit Abkürzungen der Sender
einigermaßen Verkehr und wenig Platz für Sa. 27.08.2005, 00.05 Uhr, DLF,
uns zum Ausweichen auf dem Seiten- 53:50min DLF = Deutschlandfunk
streifen zurück. Auch nicht schlecht und Modelle Delphin, Hiob, Säurebad usw. DRK = DeutschlandRadioKultur (ehem.
garantiert nicht weniger gefährlich ;-) Ich von Dieter Haselblatt DeutschlandRadio Berlin)
möchte mal wissen, was sich die entge- Wie würden Menschen auf ihnen unbekann- NDR = Norddeutscher Rundfunk
genkommenden Autofahrer so gedacht te außerirdische Wesen reagieren? Dieses zu
haben, als sie uns sahen. Essen, Unter- erkunden versucht ein alle denkbaren
haltung und Lagerfeuer war gut, auch Begegnungssituationen realistisch simulieren- Lust als Macht-
wenn die Fanzines fehlten. Und der des Testprogramm. Da die Versuchsperson,
Kräuterschnaps .... Olaf zerlegte in seiner sobald sie ihre Entscheidung zur Mitarbeit instrument
Begeisterung für das Gesöff doch glatt ei- getroffen hat, diesen von einem Computer WDR-Hörspiel nach einem Roman von Bernard
nen der fast unzerstörbaren Gartenstühle gesteuerten Testprogramm bedingungslos Werber mit dem Kurd-Laßwitz-Preis ausge-
;-). ausgeliefert ist, steht als Notbremse ein zeichnet
Achja, anbei noch einige Zeilen von Horst Trainingsprogramm-Koordinator bereit, der im Seit 1981 zeichnen Autoren, Kritiker und He-
Tröster zum Kurd-Laßwitz-Preis in der Ka- Ernstfall den Versuch abbrechen soll. Und rausgeber im deutschsprachigen Raum einmal
tegorie SF-Hörspiele. dennoch, trotz dieser Vorsichtsmaßnahme, jährlich die jeweils herausragendste Produk-
wird die intellektuelle Kraftprobe zwischen tion des abgelaufenen Jahres aus dem Genre
Viel Spass mit den Sendungen Computer und Testperson zu einem Kampf Science Fiction mit dem Kurd-Laßwitz-Preis
Euer Mark auf Leben und Tod. aus, seit 1986 auch in der Kategorie Hörspiel.
Die Wahl der derzeit achtköpfigen Jury zum
So. 28.08.2005, 14.05 Uhr, NDR Info, 19 besten Science-Fiction-Hörspiel des Jahres
min 2004 fiel auf Das letzte Geheimnis, eine Pro-
So. 21.08.2005, 14.05 Uhr, NDR Info, 50 Designer-Baby (2) duktion des Westdeutschen Rundfunks nach
min von Bettina Obrecht dem Roman L’ultime secret (Frankreich 2001)
Designer-Baby (1) Schwerpunkt der Sendung sind Informatio- von Bernard Werber in der Funkbearbeitung
von Bettina Obrecht nen und Meinungen zum Thema „Genfor- von Norbert Schaeffer, der auch Regie führte.
Science Fiction oder vielleicht schon nahe schung“ und „Klonen“. Die Originalmusik komponierte Eric Le Guen,
Zukunft? Eine echte Familie mit Vater, Mutter, in den Hauptrollen sind Rüdiger Vogler,
Kind, kennt Nora nur aus dem Fernsehen. Für Mi. 31.08.2005, 21.33 Uhr, DRK, 50:02 Matthias Habich, Irina Wanka, Ulrich Noethen
Nora ist die Firma „Genosan“ Vater und Mut- min und Burghardt Klaußner zu hören. Die Ursen-
ter, denn man hat ihr erzählt, sie sei in einem Die Kopien dung des dreiteiligen Hörspiels mit einer
Labor entstanden. Nora ist ein so genanntes von Caryl Churchill Gesamtdauer von 162 Minuten fand am 16.,
„Designerbaby“, ein Kind, das nach den Wün- Menschenklone. Zukunftstraum oder Horror- 23. und 30. März 2004 statt.
schen der Eltern von Genbanken zusammen- vision? Man läuft durch die Straßen und be- In der Begründung der Jury heißt es: »Was
gesetzt wurde, dann aber doch in der Firma gegnet sich selbst. Aber wenn das da drüben mit einem folgenschweren nächtlichen Spa-
Genosan aufwächst - weil sie nicht perfekt ich selbst bin, wer bin dann ich? Bin ich die ziergang beginnt, entwickelt sich zu einem
geworden ist. Dass sie außerhalb der Mau- Kopie oder das Original? Ein Stück aus einer Gewaltmarsch durch das größte aller Geheim-
ern des Institutes eine richtige Mutter hat, wird nahen Zukunft. Ein Vater, der seine Er- nisse, das menschliche Gehirn. Bernard Wer-
ihr verheimlicht. Eines Tages aber bietet sich ziehungsfehler korrigieren will, lässt eine Klon- bers Ansatz ist spektakulär und spekulativ
Nora unerwartet die Gelegenheit, die fremde Kopie seines Sohnes herstellen. Ohne Wis- zugleich. Der Autor hat Themen der Neurolo-
Welt draußen kennen zu lernen. Und sie er- sen des Vaters, der mit diesem neuen Sohn gie und der Kybernetik, die neuronale
greift die Chance … einem verpfuschten Leben in der Drogensze- Vernetzung von Großhirn und Computer und

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dressler/fo 194/hörspiel/engler

die elektrische Stimulation des Lustzentrums, auch auf der medizinisch-ethischen Ebene. Norbert Schaeffer, Jahrgang 1949, ist einer der
geschickt miteinander verknüpft und so die Norbert Schaeffer hat die Vorlage behutsam meistbeschäftigten Hörspielregisseure. Nach
Konsequenzen von Entwicklungen ausgemalt, für den Rundfunk adaptiert und atmosphä- Studium der Germanistik, Politik und Soziolo-
die sich längst abzeichnen. risch stimmig inszeniert. Mit der Musik von gie promovierte er und wurde
Im Hintergrund des spannenden Thrillers um Eric Le Guen und einer hervorragenden Be- Rundfunkjournalist. Seit 1984 arbeitet er als
einen an „Dr. Mabuse“ gemahnenden Pati- setzung ist ihm ein intensives und nachdenk- freier Regisseur und Autor von Hörspiel-
enten mit Locked-in-Syndrom läuft liches Hörereignis gelungen.« bearbeitungen. Seine Inszenierungen, zu de-
unaufdringlich ein nicht minder spannender Bernard Werber, 1961 in Toulouse geboren, nen auch acht Science-Fiction-Hörspiele ge-
Diskurs über Motivation, Konditionierung, Sug- studierter Jurist und Kriminologe, war in den hören, errangen, zum Teil mehrfach, alle wich-
gestion und Macht. Wenn die fatalen Konse- achtziger Jahren als Wissenschaftsjournalist tigen Hörspielpreise, darunter das Hörspiel des
quenzen einer allzu leicht zu habenden Trieb- für den Nouvel Observateur tätig und arbei- Jahres 1991 und zweimal den Hörspielpreis
erfüllung vor Augen geführt werden, gewinnt tet heute als freier Autor. Sein Spezialgebiet der Kriegsblinden. Das letzte Geheimnis hat
das Kalkül in unserer von vordergründigen sind Insekten. Werber, in Frankreich überaus er nicht nur deutsch, sondern parallel in ei-
medialen Reizen geprägten Gesellschaft zu- populär, ist bei uns vor allem durch den Ro- ner französischen Fassung produziert, die in
sätzliche Aktualität. man Les Fourmis (Die Ameisen, 1991) bekannt unserem Nachbarland bereits auf CD erschie-
Die Jury würdigt nicht nur die originelle Idee, geworden. L’ultime secret, von Claudia Feld- nen ist. Rüdiger Vogler, der akzentfrei franzö-
sondern auch die intellektuell unterkühlte, mann übersetzt, ist bisher noch nicht auf sisch spricht, spielt in beiden Versionen die
immer dem logischen Fortgang verpflichtete Deutsch erschienen. Hauptrolle.
Umsetzung, nicht nur auf der philosophischen, Horst Tröster

dressler/fo 194/buch/frick

Actionlastiger Start
SF-Romane, die versuchen, ein komplett auf verschiedenen Handlungsebenen die
neues Universum mit seinen Gesetzen, sei- Helden dieses Romans.
ner Geschichte und seinen Völkern zu be- Venus Tigern ist eine der Romanfiguren:
schreiben, sind üblicherweise mindestens 500 Mit einem verzweifelten Aufstand auf einem
Seiten dick und spielen sich auf drei oder öden Bergwerksplaneten versuchen sie und
mehr Handlungsebenen ab. Mit diesen Ebe- ihre Mitstreiter aus der Gefangenschaft zu
nen kann das »neue« Universum aus verschie- entkommen. Die andere wichtige Romanfigur
denen Blickwinkeln beleuchtet werden, was ist Yakubar Tellim: Der Raumfahrer erlebt sei-
rascher ein komplettes Bild ergibt. Der vorlie- nen siebzigsten Geburtstag mit all den selt-
gende Roman »Altern verboten« von Jo Zybell samen Zeremonien und weiß, dass er eigent-
bietet zwar genau diese drei Handlungs- lich noch gar nicht sterben will. Am Ende des
ebenen, erreicht aber nicht einmal 100 Sei- Romans treffen sich die Lebenswege der
ten. beiden...
Es handelt sich um den ersten Band der Zybells Geschichte ist rasch zusammen-
neuen Reihe »Ren Dhark 5500«, mit welcher gefasst, was nicht überrascht: Letztlich lässt
der durch »Ren Dhark« bekannt gewordenen sich die Länge des Werks mit der eines Heft-
HJB-Verlag ein neues Marktsegment für seine romans vergleichen. Auch die raschen Schnitte
Kundschaft erschließen möchte: die der und die packende Handlung passen zum
actionlastigen und serienunabhängigen Heftroman. Leider braucht der Roman ein
Science Fiction. Jo Zybell ist hierfür kein bisschen, bis er in Gang kommt, weil Zybell
schlechter Kandidat: Mit seinen Romanen zur seine Figuren erst vorstellen muss – vor al-
Bastei-Heftromanserie »Maddrax«, die von den lem aber ab der Hälfte zieht das Geschehen
Fans stark gelobt werden, hat er sich schon an, wird spannender und mitreißender.
seit langem für »größere Aufgaben« empfoh- Mit »Erde 5500« wird die Science Fiction
len. sicher nicht neu erfunden. Wer aber gerne
Der Erstlingsroman der neuen Serie be- Romane über Raumfahrer und Raumlande-
schreibt eine Zukunft, in der sich die Mensch- soldaten liest, die ein wenig den Geist der
heit über viele Planeten in der Milchstraße »alten« SF atmen, wird hier bestens unter-
ausgebreitet hat. Nach einem interstellaren halten. Und das ist nicht das schlechteste!
Krieg hat sich offensichtlich eine militärische Klaus N. Frick
Struktur etabliert, in der eiserne Regeln gel-
ten: Menschen, die sich nicht an die Regeln
halten, werden als Bergbausklaven auf ab-
gelegene Planeten und Monde verbannt. Und Jo Zybell: Altern verboten (Erde 5500
wer älter als siebzig Jahre ist, muss üblicher- – Band 1), Originalausgabe, HJB Ver-
weise sterben. Verständlich, dass sich nicht lag (exklusiv bei: [Link]),
alle Menschen mit einem so umfassenden 94 Seiten
System einverstanden erklären – und das sind

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dressler/fo 194/news

PHANTASTIK PREIS DER STADT


WETZLAR AN WALTER MOERS!
Trotz kontroverser Diskussionen darüber, den sich fraglos, denn „Die Stadt der träu-
ob der Phantastikpreis an einen in die- menden Bücher“ spricht das Lesepublikum Ein Lebenszeichen
sem Genre bereits ausgesprochen etab- auf ganz unterschiedliche Weise an. Der
lierten Autor verliehen werden sollte, oder Preis wird seit 1983 jeweils im Rahmen der von FandiX
ob man lieber unbekanntere Autoren mit Wetzlarer Tage der Phantastik vergeben. In Kostenlose Downloads für die FandiX-Mo-
vergleichbar guten Werken vorziehen soll- diesem Jahr, in dem das 25. Jubiläum ge- dule
te, ist der diesjährige hantastikpreisträger feiert wird, geht es vom 8. bis 11. Septem- Nachdem es in den letzten Monaten ruhig
Walter Moers. Der Autor, der vielen nicht ber um J.R.R. Tolkien und den „Herrn der geworden war um FandiX, das Lexikon der
nur wegen seiner Fantasy- phantastischen Literatur auf CD-ROM, haben
Romane, sondern auch we- die Macher von FandiX verlauten lassen, dass
gen seiner frechen Comic- aktuell ein Update mit über 70 Änderungen
Bücher über „Das kleine und Aktualisierungen für das Modul FandiX
Arschloch“ ein Begriff sein Fantasy Vol. 1 (Mythor, Dragon, Terra Fantasy,
dürfte, überzeugte die Jury etc.) zum kostenlosen Download bereitsteht.
mit dem umfangreichen Ro- Weitere Downloads - unter anderem zum Mo-
man „Die Stadt der träumen- dul Terra Utopische Romane - werden in Kür-
den Bücher“ (Piper). Damit ze folgen. Das Download sowie weitere In-
setzte er sich gegen Karin formationen zur nächsten CD gibt es unter:
Duves Fantasy-Satire „Die [Link]
entführte Prinzessin“ (Eich- Fandix
born Berlin) und Dagny
Larsens märchenhaften Ro-
man „Rettet Markitta“ (Piper)
durch, die ebenfalls viele
Stimmen erhielten. Welcher SF-Autor
„Die Stadt der träumen-
den Bücher“ ist eigentlich bist Du?
weniger Walter Moers’ Ro-
man als vielmehr der des Das Internet weiß alles... Wirklich alles.
schreibbegabten Dinosauri- Auch, welcher bekannte Science-Fiction-Au-
ers Hildegunst von tor man seinem eigenen Persönlichkeitprofil
Mythenmetz, der in jungen entsprechend wäre. Zweifelsohne gehört die
Jahren auf der Suche nach Antwort auf diese Frage zu den Dingen, die
dem unbekannten Verfasser man nicht unbedingt wissen muss,
eines kurzen Manuskripts in andererseits, wer weiß, wozu das mal gut
die labyrinthische Welt sein könnte. Jerry Pournelle soll diesen Test
Buchhaim gerät, aus deren übrigens auch mal gemacht haben und es
Fängen er sich kaum zu be- ergab sich, dass er eigentlich Robert A. Hein-
freien vermag. Moers selbst lein sein müsste. Mir kamen jedoch schon
tritt „nur“ als Übersetzer aus dem Ringe“. Interessenten können schon jetzt Zweifel an der Qualität des Testes, als er mir
Zamonischen auf und sorgt dafür, dass die die Programme des literarischen Symposi- als Autoren-Alter Ego Isaac Asimov präsen-
autobiographische Darstellung des Dich- ums in der Phantastischen Bibliothek tierte. Nein, so bin ich nicht, bestimmt nicht.
ters von Mythenmetz auch in der hiesi- Wetzlar anfordern (06441/99-1091). Viel Spaß:
gen Welt ihre Leser findet. Und Leser fin- [Link]
[Link]

Stammtische 4
Wetzlar, SF-Stammtisch Wien, SF-Gruppe Wien Würzburg, SF-Stammtisch
jeden 3. Samstag i.M. ab 19 Uhr im Gast- jd. letzten Freitag i. M., 19 Uhr, „Gasthaus jd. 1. Donnerstag i. M., 20 Uhr, „St. Bruno“,
haus „Langgass“, Langgasse in Wetzlar. Möslinger“ Stuwerstrasse 14 (nahe Prater), Brettreicher Straße 4
Info: Thorsten Walch (01 77) 27 95 54 3 1020 Wien; Kontakt: Hermann Urbanek,
eMail: [Link]@chello at Zweibrücken, SF-Stammtisch
Wien, PR/SF-Stammtisch jd. 3. Samstag i. M., 20 Uhr, „Zum Lö-
jd. 1. Freitag i.M., 20 Uhr, „Ebbe und Flut“, Wiesbaden, SF-Stammtisch wen“, Zweibrücken-Ixheim
Kaiserstr. 94 2. Samstag i.M. ab 19 Uhr in der Gaststätte Info: Andreas Schweitzer, Etzelweg 185,
Michael M. Thurner, „Königlich Bayerisches Amstgericht “, 66482 Zweibrücken, Mail:
westernstar@[Link] Gerichtsstr.5. Info: Marcus Mollnar, (06 11) acrus@[Link] Website:
81 20 87 0 strekfcwi@[Link] [Link]

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Ergänzungen und Korrekturen Fandom Observer 194 • August 2005
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04.08. – 08.08.2005 contermin@[Link] Verlag: Editorship S&M
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(Naturfreundehaus); Kontakt: Stefan Redaktion:
Am Haster Berg 37, 49090 Osna-
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• Olaf Funke, Naupliastr. 7
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w w w. t w i l i g h t b o o k s . d e Redaktionsschluss ist
wirklich jeweils der 15. des Vormonats

32 FO 194 · 08/05

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