El SLRM Skript
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EINKAUFSLEITER
mit eidg. Diplom
IHRE ANSPRECHSPARTNER:
Kathrin Schaerer, Bildungsberaterin / Administratorin
schaerer@[Link] / 062 837 57 14
ONLINEFEEDBACK
Liebe Teilnehmende
Herzlichen Dank für Ihre Meinung und wir wünschen Ihnen einen schönen Tag.
2. Handlungskompetenzen 13
7. Lieferanten-Portfolio Management 37
7.1 Analyse der Lieferantenbasis und Lieferanten-Portfolios 37
7.2 Systematische Segmentierung 37
7.3 Kombiniertes Beschaffungsgüter-Lieferanten-Portfolio 38
7.4 Typische Probleme in der Lieferantenstruktur 40
8. Lieferantenlebenszyklus managen 41
8.1 Systematische Schritte zur Suche, Auswahl und Qualifizierung 41
8.2 Wettbewerbsdynamik 43
8.3 Massnahmen aus der Lieferantenbewertung 44
8.4 Lieferantenklassifizierung 45
8.5 Programme zur Lieferantenentwicklung 45
8.6 Strategische Kooperationen 46
9. Beziehungsmanagement 48
9.1 Kritische Rahmenbedingungen 48
9.2 Sicherung der Zulieferqualität 49
9.3 Lieferantenintegration 49
9.4 Logistische Integration 50
9.5 Bestellprozess 50
9.6 Früheinbindung 51
9.7 Steuerung der Lieferantenbeziehungen 51
11. Literaturverzeichnis 58
2.1 2.2
Strategisches Lieferanten- Megatrends und Auswir- Rolle und Bedeutung
Spezialisten- und Kernkompetenzen
3.1 3.2
3 Nachhaltige Beschaffung Situation des Unternehmens Beschaffungspolitik und
und der Beschaffung auf -strategie entwickeln
Nachhaltigkeit analysieren
6.1 6.2
6 Digitale Beschaffung Potenziale einschätzen und
IT-Lösungen verstehen Lösungen skizzieren
7.2
Managementorientiertes Fi- 7.1
7 Differenzierte Kosten-
Finanziellen Jahresbericht
nanz- und Rechnungswesen und Leistungsrechnung
beurteilen anwenden
Grundlagenkompetenzen
8.2
Angewandtes 8.1
8 Multiprojekt-Management
System Projektmanagement
Projektmanagement (PPP-Management)
strategisch einsetzen anwenden
9.1
Internationales 9.2
9 Rechtliche Grundlagen der Wichtige Vertragstypen
Vertragsrecht internationalen Beschaffung erarbeiten und anwenden
verstehen
11.2
11.1 Zusammenhänge und
Sozialkompetenz
Unternehmensführung
11 Unternehmerisches Denken Einflussgrössen auf
und Leadership und Handeln entwickeln Unternehmen ganzheitlich
berücksichtigen
12.2
12.1
12 Verhandlungsführung Typus des Gegenübers
Bedeutung von strategischen erkennen und Verhandlungs-
Verhandlungen verstehen taktik wählen
13.1 13.2
DA
13 Diplomarbeit
Diplomarbeit schriftlich Diplomarbeit mündlich
7.3 7.4
7 Beschaffungspläne und Investitionsrechnungen
-budgets erstellen anwenden
Grundlagenkompetenzen
8.5
8.3 8.4
8 Vorgehensmodelle im PM Diplomarbeit als Projekt
Projekte nach dem PMI-
nutzen verfassen und Fragen
Standard leiten beantworten
9.4 9.5
9.3
9 Grenzüberschreitende Mit wichtigen Vertragsdoku-
Rechtliche Störfälle managen Verträge abschliessen menten arbeiten
10.4 10.5
10.3
10 Makroökonomische Rahmen- Währungspolitische
Chancen und Risiken der Entwicklungen
Globalisierung beurteilen bedingungen analysieren
und Einflüsse bewerten
11.4
11.3 11.5
Sozialkompetenz
11 Strategische
Managementmodelle und Mit Teamdynamik und
Problemstellungen
-instrumente anwenden Konflikten umgehen
systematisch bearbeiten
12.3 12.4 12.5
12 Kommunikation in Verhandlungen vorbereiten Verhandlungen führen und
Verhandlungen angemessen und planen abschliessen
einsetzen
DA
13
2.6 2.7
2 Lieferanten-Beziehungs- Risiken im Lieferanten-
Spezialisten- und Kernkompetenzen
4.6
4 Sourcing Strategien
anwenden und Ergebnisse
bewerten
5.6
5 Controlling im Lieferanten-
management einsetzen
7
Grundlagenkompetenzen
9.8
9.6 9.7
9 Global Sourcing-Risiken
Wiener Kaufrecht anwenden Submissionsrecht anwenden berücksichtigen
10.6
10 Einfluss der Digitalisierung
beurteilen
13
2.1 Megatrends und Auswirkung der Globalisierung für das Lieferantenmanagement erkennen
Arbeitssituation Leistungskriterien
4 Einleitung
2.2 Rolle und Bedeutung der Lieferanten für den Unternehmenserfolg erkennen
Arbeitssituation Leistungskriterien
Einleitung 5
2.3 Lieferantenmanagement mit der Beschaffungspolitik abstimmen
Arbeitssituation Leistungskriterien
6 Einleitung
2.4 Lieferanten-Portfolio erarbeiten
Arbeitssituation Leistungskriterien
Einleitung 7
2.5 Lieferantenlebenszyklus managen
Arbeitssituation Leistungskriterien
8 Einleitung
2.6 Lieferanten-Beziehungsmanagement und -strategien entwickeln und durchsetzen
Arbeitssituation Leistungskriterien
Einleitung 9
2.7 Risiken im Lieferantenmanagement identifizieren, bewerten und steuern
Arbeitssituation Leistungskriterien
Sie managen diese Risiken … analysieren und bewerten die erkannten kritischen Risiken anhand ihrer
zum Teil in enger inter- Eintrittswahrscheinlichkeit und ihrem Schadenspotenzial
disziplinärer Zusammen- (z.B. Bewertung der Eintrittswahrscheinlichkeit und des
arbeit. Schadenspotenzials, Visualisierung im Risikoportfolio).
10 Einleitung
1.2 Vorwort
Strategisches Lieferanten- und Risikomanagement ist mit externen und internen Herausforderungen konfrontiert. Me-
gatrends wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit oder Globalisierung eröffnen Chancen. Erkennbare Risiken wie mögliche
Unterbrüche in globalen Lieferketten müssen berücksichtigt werden. Der interne Druck auf den Einkauf wächst. Die
Geschäftsführung erwartet höhere Wertbeiträge zum Unternehmenserfolg und eine enge Ausrichtung auf Veränderun-
gen im Unternehmen. Aus einer langfristigen Perspektive sind entsprechend strategische und nachhaltige Ansätze in den
Handlungsfeldern zu entwickeln. Da das Tagesgeschäft zumeist vorangeht, werden vorab die dringlichen Themen bear-
beitet. Ein zukunftsfähiger Einkauf ist einem umfassenden Leistungsauftrag verpflichtet, der weit über eine kurzfristige
Absicherung der Versorgung und Kosteneinsparungen hinausgeht. Die Geschäftsführung erwartet vom Einkauf wichti-
ge Impulse zur Stärkung der Wettbewerbsposition und Wertbeiträge sowohl in der Entwicklungs- als auch in der Indus-
trialisierungsphase.
Die Umsetzung eines Strategischen Lieferanten- und Risikomanagements bedingt geeignete Strukturen und Prozesse. So
ist etwa die Positionierung der Einkaufsleitung mit einer direkten Berichtslinie zur Geschäftsführung von Vorteil. Auf
Augenhöhe mit dem Vertrieb, der Technik, der Produktion und dem Personalwesen vermag der Einkauf zukunftsweisen-
de Ansätze einfacher zu vertreten. Qualifizierte Ressourcen im Einkauf und ein hohes eigenes Anspruchsniveau sind
ebenso kritisch für den Erfolg des Einkaufs. Selbstredend gehören moderne Systeme und zunehmend digitalisierte Pro-
zesse dazu. Mit klaren Prioritäten im Lieferantenmanagement bleiben die steigenden Erwartungen weiterhin erfüllbar.
Die kontinuierliche Entwicklung der Bestandslieferanten und auch neuer Lieferanten spielt eine Schlüsselrolle für den
Erfolg der Unternehmen. Geschäftsstrategien basieren stark auf der Wettbewerbsfähigkeit der Lieferanten. Strategisches
Lieferantemanagement ist eine wichtige Säule im Beschaffungsmanagement. Die verfolgten Ziele und Strategien im Lie-
ferantenmanagement sind auf die Unternehmenspolitik, auf die Ziele der strategischen Geschäftseinheiten und auf die
Konzepte der Fachbereiche auszurichten. Im Warengruppenmanagement werden die verschiedenen Aspekte der Strate-
gischen Beschaffung für ein Beschaffungsfeld standort- und bereichsübergreifend formuliert und mit Stakeholdern ab-
gestimmt. Das Lieferantenportfolio in den einzelnen Beschaffungsfeldern wird proaktiv gestaltet, gesteuert und entwi-
ckelt, um die gesteckten Ziele nachhaltig zu erreichen. Für einzelne Top-Lieferanten werden zusätzlich Strategien zur
kontinuierlichen Weiterentwicklung formuliert.
Strategisches Lieferantenmanagement gestaltet, lenkt und entwickelt langfristig und nachhaltig sowohl eine wettbe-
werbsfähige Beschaffungsbasis wie auch differenzierte Lieferantenbeziehungen. Ausgewählte Methoden und Ansätze
werden entlang des Lieferantenlebenszyklus eingesetzt, also von der Auswahl, Qualifizierung, Integration, Bewertung
und Klassifizierung über die Entwicklung bis zum Ausphasen. Insbesondere Portfolio-Ansätze zur Klassifizierung der
Lieferanten sowie abgeleitete Normstrategien vermochten sich in den letzten Jahren im Lieferantenmanagement durch-
zusetzen.
Das Risikopotenzial in der Beschaffung ist grundsätzlich gestiegen. Risikobasiertes Denken und Handeln bezieht deshalb
neben den Chancen ebenso die Risiken in die Entscheide ein. Strategische und operative Risiken sind zu identifizieren,
zu bewerten und zu steuern. Methoden und Ansätze sind direkt in die Einkaufsprozesse zu integrieren.
Inhalt und Struktur des Moduls orientieren sich an den vorgegebenen Handlungskompetenzen und Leistungskriterien
für die höhere Fachprüfung im Kompetenzbereich Strategisches Lieferanten- und Risikomanagement. Es werden die
notwendigen Grundlagen erarbeitet und anhand von Fallbeispielen vertieft, wobei auf das Vorwissen und die langjährige
Erfahrung der Teilnehmenden abgestützt wird. Die Schulungsunterlagen ergänzen sich gegenseitig: Präsentationsfolien
und Skript bieten die Grundlagen, Übungsfälle und Gruppenarbeiten mit Musterlösungen erleichtern den Transfer in die
Praxis, und Repetitionsfragen unterstützen eine Lernkontrolle anhand der Leistungskriterien.
Einleitung 11
1.3 Vorbereitungsaufgabe
Geschätzte Lehrgangsteilnehmende,
zur Einstimmung und Vorbereitung auf den Unterricht im Modul «Strategisches Lieferanten- und Risikomanagement»
bitte ich Sie um nachfolgende Vorbereitung:
3. Machen Sie sich bitte auch mit den entsprechenden Leistungskriterien vertraut.
4. Bitte nehmen Sie zum Unterricht – falls vorhanden – folgende Dokumente mit:
a. Die Beschaffungspolitik
b. Die Lieferantenstrategie
c. Beispiel einer Warengruppenstrategie
d. Der Lieferantenauswahl- und Qualifizierungsprozess
e. Das Schema der Lieferantenbewertung
Ich freue mich auf einen erfrischenden Unterricht mit interessanten Fragen, spannenden Diskussionen und regem Er-
fahrungsaustausch.
Freundliche Grüsse
Ihr Dozent
Handlungskompetenzen 13
3. STRATEGISCHES LIEFERANTEN- UND
RISIKOMANAGEMENT
Strategisches Lieferanten- und Risikomanagement Waren- oder Materialgruppen) optimiert. Die Struktur der
(SLM) befasst sich mit der systematischen Gestaltung, Beschaffungskategorien orientiert sich an gängigen Seg-
Lenkung und Entwicklung der Lieferantenbasis sowie der menten und Lieferantenstrukturen in den spezifischen Be-
Lieferantenbeziehungen unter Berücksichtigung der schaffungsmärkten. Lieferanten mit ähnlichen Marktleis-
Chancen und Risiken. Damit werden vier Schlüsselfragen tungen und Kernkompetenzen werden in einer
beantwortet: Warengruppe adressiert. Innerhalb einer Beschaffungska-
• Mit welchen Lieferanten will das Unternehmen lang- tegorie wird das Lieferantenportfolio kontinuierlich opti-
fristig zusammenarbeiten? Hierbei geht es um die Ge- miert. In einem wachsenden Beschaffungsfeld werden zu-
staltung, Lenkung und Entwicklung der Lieferanten- sätzliche Lieferanten qualifiziert und integriert. Die
portfolios für die einzelnen Beschaffungsfelder. Leistungsfähigkeit der Bestandslieferanten ist periodisch
• Wie soll mit diesen Lieferanten über den Lebenszyklus zu bewerten, im Wettbewerb mit Benchmark-Lieferanten
zusammengearbeitet werden? Hierbei geht es um die zu überprüfen und kontinuierlich zu entwickeln.
systematische Gestaltung, Lenkung und Entwicklung
der Lieferantenbeziehungen, differenziert in Abhängig- Lieferantenbeziehungen sollen nachhaltig sein und in der
keit der Wichtigkeit der Lieferanten für das Unterneh- Regel mittel- bis langfristig ausgerichtet sein. Hierzu wer-
men. den sowohl die Interessen des eigenen Unternehmens wie
• Wie können risikobasiertes Denken und Handeln in diejenigen der Lieferanten hinreichend berücksichtigt.
den Prozessen und Methoden integriert werden? Hier Idealerweise ergeben sich daraus nachhaltige Win-Win-
geht es um einen systematischen Umgang mit kritischen Verhältnisse. Die operativen Beschaffungsziele sind im Ta-
Ereignissen, welche die Leistungsfähigkeit der Lieferan- gesgeschäft kontinuierlich zu erreichen. Die überlebens-
ten mit relevanten Auswirkungen auf das eigene Unter- wichtige Weiterentwicklung erfordert gemeinsame,
nehmen beinträchtigen können. zukunftsgerichtete Anstrengungen. Nachhaltige Bezie-
• Wie muss sich der Einkauf aufstellen, um die Heraus- hungen setzen überdies voraus, dass die Vorstellungen der
forderungen im Strategischen Lieferanten- und Risiko- Endkunden und international anerkannte Normen einge-
management effizient und effektiv wahrnehmen zu halten werden. Insbesondere Wertvorstellungen im Um-
können? Hierbei geht es um die sechs Gestaltungsfelder gang mit den Mitarbeitenden, mit der Umwelt und den
Strategie, Organisation, Prozesse, Ressourcen, Systeme rechtlichen Rahmenbedingungen sollten aus eigener
& Methoden sowie Performance Management. Überzeugung erfüllt und gelebt werden.
Im Wettbewerb zwischen Marktbegleitern spielt die Liefe- Wagner ordnet dem Strategische Lieferantenmanage-
rantenstruktur und das Zusammenspiel in der Wertschöp- ment drei wesentliche Aufgabenbereiche zu:
fungskette eine kritische Rolle für den Unternehmenser- (vgl. Wagner 2002)
folg. Eine überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit der
Lieferanten stärkt die eigene Wettbewerbsposition. Welche • Management der Lieferantenbasis: Segmentierung,
Lieferanten in den Beschaffungsfeldern zu berücksichti- Optimierung, Reduktion, Selektion, Beurteilung, Aus-
gen sind und wie die Lieferantenbeziehung im Einzelnen wahl, Auditierung, Bewertung oder Kommunikation
zu gestalten ist, hängt von der strategischen Ausrichtung • Lieferantenentwicklung: Lieferantenförderung und
und den langfristigen Zielen des Unternehmens sowie der Lieferantenaufbau
Erwartungen und Anforderungen der Geschäfts- und • Lieferantenintegration: Enge Zusammenarbeit in Ent-
Fachbereiche ab. wicklungs- und Industrialisierungsphase
Die Lieferantenbasis umfasst die Gesamtheit der aktiven Das Risiko-Management im Einkauf versucht, voraus-
Lieferanten eines Unternehmens. Lieferantenbasis und schauend mögliche Ereignisse zu identifizieren sowie de-
Lieferantenportfolios werden weitgehend Synonym ver- ren Wahrscheinlichkeit und Schadenspotenzial zu bewer-
wendet. Man spricht denn auch vom Beschaffungs- und ten, um mit entsprechenden Maßnahmen das Risiko
Lieferantenportfolio eines Unternehmens. Die Lieferan- proaktiv zu behandeln. In die Prozesse sind Methoden und
tenportfolios werden insbesondere für die einzelnen Be- Ansätze zu integrieren, welche ein risikobasiertes Denken
schaffungsfelder (synonym für Beschaffungskategorien, und Handeln ermöglichen.
• Megatrend Neo-Ökologie: Der Megatrend reicht in al- • Megatrend Gesundheit: Gesundheit ist das Synonym
le Lebensbereiche hinein. Der Klimawandel zwingt für ein gutes Leben. Gesundheitsbewusste Menschen
Menschen, Gesellschaften und Unternehmen, ihr Ver- wollen sich in gesundheitsfördernden Lebenswelten be-
halten radikal zu ändern und neue, nicht-fossile Ener- wegen. Es werden etwa vegane Produkte entwickelt. Da-
gieressourcen zu nutzen. Nutzen statt Besitzen ist das für müssen neue Lieferstrukturen entwickelt werden.
Motto der Sharing Economy. Der Trend erfordert inno- Abhängigkeiten von innovativen Lieferanten für geeig-
vative Technologien für eine schlanke Abwicklung. Der nete Rohstoffe werden in diesem frühen Produktle-
Megatrend ist ein mächtiger Treiber für viele weitere benszyklus zur Herausforderung. Die Herstellung von
Aspekte: Energiewende, klimaneutrales Unternehmen, Wirkstoffen wurde stark nach China und Indien verla-
EU-Plastikverordnung, Bio-Boom, Green Tech, Post- gert. Derzeit investiert die Zulieferindustrie wieder
Carbon-Gesellschaft, Zero Waste, Urban Farming, E- massiv Produktionsanalagen für eine sichere Produkti-
Mobility, Kreislauf-Ökonomie. Die Nachhaltigkeit on in der Schweiz.
wirkt sich entsprechend vielfältig mit Lieferantenma-
nagement aus. Die eingesetzten Materialien sollen wie- • Megatrend New Work: In Zukunft geht es um die ge-
der recyclebar sein. Die Unterzeichnung des Code-of- lungene Symbiose von Leben und Arbeiten. Der Ein-
Conduct wird nunmehr als Einstiegshürde von den kauf muss ich darauf einstellen, um für Talente attraktiv
Lieferanten zwingend verlangt. Unterschiedlichste Zer- zu bleiben. Innovative und leistungsfähige Lieferanten
tifizierungen entstehen, schaffen Transparenz wie auch orientieren sich ebenfalls an diesen neuen Lebenswel-
Verwirrung. Die Rückverfolgbarkeit wird wichtiger. ten. Lieferantenbesuche bleiben wichtig, um mit eige-
Lieferketten werden neu entwickelt und im Internet nen Augen zu sehen, ob der Lieferant den Anschluss
transparent gemacht. Der Zwischenhandel wird teilwei- schafft. Für Talente im Einkauf ist ein attraktives Ar-
se ausgeschalten, um den Bauern an der Quelle ein ein- beitsumfeld zu schaffen.
trägliches Auskommen zu sichern.
• Megatrend Gender Shift: Das Geschlecht verliert das
• Megatrend Globalisierung: Es ist eine Weltgesellschaft Schicksalhafte. Die Rollenmuster lösen sich auf. Biogra-
entstanden. Anfänglich hohe Lohnunterschiede wur- fien verlaufen unabhängiger vom Geschlecht. Das stra-
den über die beiden letzten Jahrzenten immer extensi- ke „Ich“ schlägt das alte „Frau/Mann-Schema“ und
• Megatrend Silver Society: Rund um den Globus wird Identifikation und Auswahl
die Bevölkerung älter. Gleichzeitig bleiben die Men- • Globale und lokale Beschaffungsmärkte für die Identi-
schen länger gesund und leben länger. Die ältere Bevöl- fikation neuer Bezugsquellen nutzen
kerung wächst. Es entsteht eine völlig neue Lebensphase • Internet-Plattformen für die Lieferantenrecherche in-
mit Chancen für neue Absatzmärkte. Bestehende und tensiver nutzen
alternative Lieferanten sind zu entwickeln. Es kann zu • Lieferantenbasis regional diversifizieren in Asien, Ost-
einem Fachkräftemangel und zu Nachfolgeproblemen europa und Südamerika zur Bedienung der grossen Ab-
bei Lieferanten führen. Beide Aspekte sind im Risiko- satzmärke
management zu berücksichtigen. • Fokussierte Auswahl anhand konkreter Anforderungen
• Mit einer Lieferantenselbstauskunft die Eignung abklä-
• Megatrend Mobilität: Der Mobilitätsbedarf wächst ren
und eine zunehmende Vielfalt an Mobilitätsformen ent- • Nur Lieferanten mit wirtschaftlichem und technischem
steht. Die E-Mobilität führt zu einem raschen Wandel in Mehrwert in die engere Auswahl nehmen
der Automobilindustrie und grossen Verwerfungen in • Lieferanten frühzeitig vor Ort besuchen, um die Eig-
der Zulieferstruktur. Viele Lieferanten kämpfen mit ein- nung zu klären
brechenden Volumina und hohen Investitionen in die • Das Risiko und die Machbarkeit einer möglichen Zu-
Entwicklung neuer Komponenten für E-Modelle. Die sammenarbeit frühzeitig einschätzen
Strukturprobleme wirken sich in den Lieferketten für • Lieferanten bereits zu Beginn auf den Code-of-Conduct
andere Branchen mit Querbezügen aus. und die allgemeinen Lieferbedingungen verpflichten
In der Swisscom Einkaufspolicy kommen die normativen Diese Werte werden finden Anwendung auch in der Zu-
Vorstellungen in der Zusammenarbeit mit Lieferanten sammenarbeit mit internen Stakeholdern. Hier ein paar
deutlich zum Ausdruck. Es werden wirtschaftliche, soziale, Leitsätze auszugsweise aus einem Werte-Trainer eines
rechtliche, gesellschaftliche und ökologische Aspekte ab- mittelständischen Fertigungsunternehmen: (nicht publi-
gedeckt: (Auszug aus Swisscom Einkaufspolicy, Ausgabe ziert)
2014, [Link]) • Bleiben Sie verantwortlich für das was Sie sagen und tun.
• Respektieren Sie Regeln, die unsere Werte schützen.
• «Innovation steht im Zentrum unternehmerischen • Bleiben Sie konstruktiv kritisch.
Handelns. Kontinuierliche Entwicklung ist der Motor • Bleiben Sie standhaft und selbstbewusst.
eines Unternehmens und Teil der Kultur von Swisscom. • Erfreuen Sie sich an der Entwicklung aller.
Gegenüber Gesellschaft und Umwelt Verantwortung • Wir setzen auf Teamgeist, Toleranz, Unterstützung, Zu-
übernehmen, uns laufend den neusten Gegebenheiten sammenarbeit und Entwicklung in unserem Unterneh-
anpassen und nach noch besseren Lösungen für unsere men.
Kunden suchen sind die treibenden Kräfte in unserem • Wir streben nach Verbindlichkeit, Zuverlässigkeit und
Geschäftsalltag. Dazu binden wir unsere Partner und Sachlichkeit.
Lieferanten aktiv in diese Prozesse mit ein.» • Mit Kompetenz und vernetztem Denken bringen wir
uns im Unternehmen ein.
• «Swisscom betrachtet Lieferanten als innovative und • Freiräume und Verantwortung sichern unseren Erfolg.
zuverlässige Partner, die bereit sind, mit einem hohen • Leben Sie Verlässlichkeit und verantwortliches Handeln
Wertschöpfungsgrad, Engagement und Flexibilität zum vor.
gegenseitigen Markterfolg beizutragen. Ziel ist ein von
Transparenz und Offenheit geprägtes, langfristiges 4.5 Strategisches vs. operatives Lieferantenmana-
und partnerschaftliches Verhältnis. Dies wird erreicht gement
durch nachvollziehbare Selektionsverfahren, Debrief- In Industrieunternehmen wird bereits heute 45 bis 65% der
ings für Offertsteller, Feedbacks und Fairplay während Wertschöpfung von Lieferanten erbracht. Die Lieferanten
des ganzen Beschaffungsprozesses. Swisscom strebt die übernehmen einen wachsenden Teil der Produkt- und Pro-
bestmöglichen Konditionen bei Leistung, Preis, Quali- zessverantwortung. Der Unternehmenserfolg hängt damit
tät und Lieferfähigkeit an.» stärker von der externen Leistungserbringung und dem In-
novationsbeitrag durch Lieferanten ab. Die Gestaltung und
Es bietet sich an, solche Hauptprinzipien für die Zusam- Steuerung einer wettbewerbsstarken Lieferantenbasis wird
menarbeit mit Lieferanten auf der Webseite des Unter- kritisch für den Unternehmenserfolg. Bei einer hohen ex-
nehmens zu kommunizieren. Die Werte zeigen sich in der ternen Wertschöpfungstiefe steigt die Abhängigkeit. Das
persönlichen Kommunikation wie auch in Ausschreibun- Wertschöpfungssystem ist überdies global vernetzt. Die
gen und Verhandlungen sowie in Vereinbarungen: Code- globalen Lieferketten werden anfälliger für Unterbrüche.
of-Conduct, QSV, Technische Lieferbedingungen, Liefe- Das Risikomanagement wird deshalb wichtiger. An der
rantenselbstauskünfte, Lieferantenbewertung oder auch in Schnittstelle zur wachsenden Lieferantenbasis braucht es
Auditberichten. insgesamt mehr strategische Einkäufer und Supplier Quali-
Auch Kunden und Konsumenten fordern inzwischen Im Rahmen der gesetzlichen vorgeschriebenen Selbstkon-
ebenfalls viel mehr Transparenz zu den Lieferketten. Sie trolle sind Schweizer Detailhändler ohnehin dazu ver-
wollen genauer wissen, woher bestimmte Waren stammen. pflichtet, die Rückverfolgbarkeit der Produkte zu gewähr-
Das kommt nicht von ungefähr. Von verdorbenem Fleisch leisten. Dazu wird die Chargen-Nummer auf der
über giftige Spielsachen bis hin zu Falschdeklarationen Verpackung genutzt. Viele Händler und Hersteller sind
verunsichern den Konsumenten. Es geht noch einen indessen noch skeptisch, weil sie nicht zu viel Kontrolle ab-
Schritt weiter. Die Produkte sollen nicht nur unbedenklich geben wollen oder gewisse Informationen aus Konkur-
sein, sondern zunehmend auch ökologisch, ethisch und renzgründen lieber für sich behalten. (Vgl. NZZ, Unter-
regional. Gewisse Nachhaltigkeits-Label werden stärker nehmens-praxis, 4. Februar 2020, S. 27.)
hinterfragt.
Charakteristika Zusammenarbeit
• Exklusivität im relevanten Marktsegment • Schutz des eigenen Knowhows ist kritisch
• Enge u. vertrauensvolle Zusammenarbeit • Rahmenvereinbarung mit Exklusivität
• Make-or-Buy-Entscheidung erfolgt nach • QSV
Kundenprojekt • Verhandelte Grundkonditionen
• Flexible Kapazitätserweiterung • Projektspezifische Verhandlung der Gewerke
• Versorgung mit montagefertigen Baugruppen durch die Projekteinkäufer
und auslieferungsbereiten Gewerken • Werksverträge für jedes Projekt
• Kompetenz sowohl in der Konstruktion als auch • Lieferantenbewertung
in der Fertigung und Montage • Jahresgespräche
• Spezifische technologische Kernkompetenz • Die technische Kompetenzentwicklung der
Lieferanten ist in der Werksverantwortung
Strategische Lieferanten
Charakteristika Zusammenarbeit
• Bedeutende Einkaufsvolumen • Mehrjährige Zuliefervereinbarung
• Werksübergreifende Synergien • Kopfkonditionen mit Bonusvereinbarung
• Längerfristige Zusammenarbeit • Regionale oder globale Nettopreislisten und
• Normteile mit einem hohem Rabattstrukturen
Standardisierungsgrad • EDI-Anbindung
• Produktinnovationen dank hoher eigener • E-Shop-Lösung
technischer Kompetenz • Kontinuierliche Prüfung innovativer
• Versorgung mit Unikaten, schwer imitierbaren • Produkte
Produkten • Jahresverhandlung
• Wichtiger Beitrag zum strategischen • Lieferantenbewertung
Wettbewerbsvorteil
Vorzugslieferanten (Hebellieferanten)
Charakteristika Zusammenarbeit
• Lieferantenpool nach Teilefamilien • Systematische Qualifizierung und Freigabe der
• Qualifizierte und freigegebene Lieferanten Lieferanten für Teilefamilien
• Besonders leistungsfähige Lieferanten in • Rahmenvereinbarung
kommerzieller, terminlicher, technischer und • QSV
qualitativer Hinsicht • PPAP nach Teilefamilie
• Bevorzugt auf der Basis der • Preis pro Zeichnungsteil
Lieferantenbewertung • Mengenkontrakte mit Spielregeln
• Periodische Ausschreibung der
• Teilefamilien
• Global Sourcing
• Lieferantenbewertung
• Kundenperspektive: • Kennzahlen:
Was erwarten die Kunden vom Unternehmen? Woran kann man dieses Ziel messen?
• Lieferantenperspektive:
Was können die Lieferanten zum Erfolg beitragen?
Mailing zu
WCM Skontoerträge 1,5 % Zahlungskonditionen
Min/Max
In % CHF
Ausschreibung und
2.400 –
WG 1 40.000 3 Lieferanten 100% 6 - 8% Konsolidierung auf
3.200 einen Lieferanten
Teilefamilien bilden,
12.000 – Pakete ausschreiben,
WG 2 500.000 25 Lieferanten 60% 4 - 6% 18.000 Express-Anfragen für
Neubedarfe
Standardlieferanten Hebellieferanten
• Bündelung der Bedarfe • Intensiver Preiswettbewerb, Global Sourcing,
• Ausschreibung Dual Sourcing
• Steuerung der Nachfrage • Ausschreibung, Auktionen und Benchmarking
• Standardisierte und limitierte Kataloge • Lebenszyklusverträge mit
• Richtlinien wie Travel Policy Rationalisierungsklauseln
• Vereinfachung der Bestell- und Anlieferprozesse • Mengenkontrakte mit Spielregeln
• Elektronische Bestellungen durch Bedarfsträger • Jahresgespräche und Verhandlungen
• Einkaufskooperation • Skalen- und Erfahrungskurveneffekte nutzen
• Bündelung auf Stammlieferanten
• Lieferantentage
• Moderne Konzepte in der Beschaffungslogistik
• Kostenstrukturanalysen, Zielpreise
Umwelt Menschenrechte
• Aktive Vermeidung von Umweltbelastungen und • Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit
Gefahrstoffe • Chancengleichheit und Nichtdiskriminierung
• Abschwächung des Klimawandels und • Vereinigungsfreiheit
Anpassung, Nutzung erneuerbarer • Vermeidung von Mittäterschaft
Energiequellen, Mobilitätskonzepte
• Steigerung der Ressourceneffizienz, Kennzahlen
zum Verbrauch von Wasser, Energie, C02-
Ausstoss,
• Vermeidung des Biodiversitätsverlusts
• Umweltmanagementsysteme
6.1 Lieferantenpolitik
Strategisches Lieferanten- und Risikomanagement kann
nicht isoliert zum beschaffungspolitischen Kontext be-
trachtet werden. Es ist ein Teilbereich des Beschaffungs-
managements und verfolgt die gleichen beschaffungspoli-
tischen Ziele. Wie bereits dargestellt, leitet der Einkauf diese
aus der Unternehmenspolitik und -strategie bzw. den Ge-
schäftsplänen der einzelnen Geschäftseinheiten ab.
Interne und externe Wie werden bzw. sollen Stakeholder einbezogen werden?
Kommunikationspolitik? Wie werden bzw. sollen die Lieferanten eingebunden werden?
• Digitalisierung: Beschaffungscontrolling
Transformation zu einem Einkauf 4.0 • Monitoring und Reporting der Beschaffungskennzah-
len
• Risikoziel: • Risikomanagement
Bewertung und Behandlung der Beschaffungsrisiken
Aus der Unternehmensstrategie werden grundsätzliche
• Logistikziel: Aussagen zur Beschaffungspolitik abgeleitet. Diese enthält
Reduktion der Wiederbeschaffungszeiten für geplantes auch Aussagen im Sinne einer Lieferantenpolitik. Beispiele:
Material
• Weltweites Lieferantenportfolio zur Versorgung der in-
• WCM-Ziel: ternationalen Werke
Optimierung des Nettoumlaufvermögens (Kreditoren, • Dual-Sourcing Strategie für strategische Warengruppen
Bestände) • Multi-Sourcing Strategie für Hebelwarengruppen
• Second-Source-Strategie für kritische Teile und Tech-
• Technologieziel: nologien
Koordination von Innovationsbeiträgen • Vermeidung einer Sole-Sourcing-Strategie
• Enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit
• Nachhaltigkeitsziel: • Kontinuierliche Lieferantenentwicklung
Einhalten eines Verhaltenskodex • Früheinbindung in Entwicklung
• Lieferantenbewertung zur kontinuierlichen Lieferan-
• Sonstige Ziele: tenentwicklung
Realisierung geschäftsbereichsspezifischer Ziele • Klassifizierung nach Wettbewerbsfähigkeit und Perfor-
mance (Vorzugslieferanten)
Strategisches Beschaffungsmanagement deckt wichtige • Lieferanten Risikomanagement nach Abhängigkeit und
Aufgaben mit definierten Kernprozessen ab: Ausfallwahrscheinlichkeit
• Code-of-Conduct zur Umsetzung der Nachhaltigkeits-
Herleitung einer Warengruppenstrategie politik
• Transparenz zum Beschaffungs- und Lieferantenport-
folio schaffen,
• Internationaler Kostendruck in ausgewählten Produkt- Eine Warengruppen-Strategie kann in den folgenden Teil-
/ Marktsegmenten erfordert eine logistische Integration schritte hergeleitet werden.
– z.B. Taktanlieferung im Mehrweggebinde - der leis-
tungsfähigen Lieferanten.
• Die Lokalisierung der Beschaffung zur Versorgung der
Produktion in einem Wachstumsmarkt erfordert die
Identifikation und den Aufbau einer lokalen Lieferan-
tenbasis.
• Die Beschaffung in einem Unternehmen mit technolo-
gisch führenden Produkten bedarf einer intensiven und
frühen Einbindung der Lieferanten in den Innovations-
prozess.
• Die Kapitalbindung soll durch ein weitergehendes Out-
sourcing optimiert werden. Die Zusammenarbeit mit
wettbewerbsfähigen Vertragsherstellern ist langfristig
angelegt.
6.2 Warengruppenstrategien
In den Unternehmen sind unter anderem Lead Buyer
(Warengruppen Manager, Commodity Manager) verant-
wortlich für die Konkretisierung und Koordination der
Einkaufsstrategien in Beschaffungskategorien mit ver-
gleichbarem Bedarf in mehreren Organisationseinheiten
(Geschäftseinheiten, Werke, Niederlassungen). Die strate-
gische Einkaufsfunktion für eine Warengruppe wird aus
Lieferanten-Portfolio Management 37
Engpasslieferanten Strategischen Lieferanten
• Langfristiger Rahmenvertrag • Wertschöpfungspartnerschaft mit Single
• Bestandsmanagement für Serienbedarfe Sourcing bei gegenseitiger Abhängigkeit
• Substitution anstreben • Lebenszyklusverträge mit
• 360 Grad Workshops zur Analyse der Rationalisierungsklauseln
Wertschöpfungskette • Strategiegespräche und Lieferantenstrategien
• Kostenstrukturanalysen • Jahresgespräche und Verhandlungen
• Hinterfragen der Spezifikationen • Nutzung des Lieferanten-Know-hows in
Produkt- und Prozessentwicklung
• Effizienzsteigerungen entlang der gesamten
logistischen Kette (TCO)
38 Lieferanten-Portfolio Management
Lieferantenquellenportfolio
Lieferantenbezogen werden die beiden Dimensionen im
Portfolio nach dem spezifischen Versorgungsrisiko in Form
der Angebotsmacht sowie dem Entwicklungspotenzial des
Lieferanten bewertet. Im Ergebnis wird zwischen Stan-
dard-, Kern-, Engpass- und strategischen Lieferanten
unterschieden.
Kombiniertes Portfolio
Werden die beiden Portfolios in einer 16-Felder-Matrix
kombiniert, so lassen sich Normstrategien oder Koopera-
tionsmuster zur Optimierung der Beschaffungssituation
ableiten.
Wildemann unterscheidet im kombinierten Beschaffungs- • Vereinfachung der Bestell- und Anlieferprozesse (E-
güter-Lieferanten-Portfolio zwischen vier Normstrate- Procurement mit E-Katalogen oder E-Shop, automati-
gien: (Vgl. Wildemann, 2002) sierte Bestellungen, Kanban etc.)
• Effizient beschaffen • Bedarfsbündelung
• Verfügbarkeit/Versorgung sicherstellen • Konsolidierung der Lieferanten
• Marktpotenzial nutzen, dann partnerschaftlich zusam-
menarbeiten Wird Standardmaterial von überqualifizierten Kern- und
• Wertschöpfungspartnerschaft eingehen strategischen Lieferanten beschafft, so können unter Um-
ständen kurzfristige Potenzial durch eine Verlagerung auf
Werden Standardmaterialien von Standardlieferanten be- Standardlieferanten realisiert werden.
schafft, so stehen effiziente Bestell- und Lieferprozesse
mit Kanban und E-Katalogen oder E-Shops im Vorder-
grund:
Lieferanten-Portfolio Management 39
Bei Engpasslieferanten steht die Sicherstellung der Ver- • Zu viele lokale und zu wenige internationale Lieferanten
fügbarkeit im Vordergrund. • Unverzichtbare Lieferanten mit wiederholt schlechter
• Bestandsmanagement Lieferleistung
• Abnehmerinternes Qualitätsmanagement • Zu wenige Benchmark-Lieferanten für Wettbewerbs-
• Produkt- und Prozessentwicklung zur Senkung des vergleiche
Versorgungsrisikos • Zu wenige Entwicklungslieferanten
• Zu viele Hochpreislieferanten mit Machtstellung oder
Für die Kern- und strategischen Materialien wird das zu hohen Herstellkosten
Marktpotenzial genutzt, um anschliessend partner- • Zu wenige lokale Lieferanten in Wachstumsmärkten
schaftliche und langfristig mit den ausgewählten Lieferan- • Zu geringer Anteil an Rahmenvertragslieferanten
ten zusammenzuarbeiten. Die hohen Einkaufsvolumen in • Zu geringer Anteil von Lieferanten mit einer QSV.
den Materialgruppen erlauben eine starke Hebelwirkung
der Optimierungsansätze. Der beiderseitige Nutzen einer Konkrete Beispiele zu den Optimierungsansätzen der
kooperativen Zusammenarbeit steht im Vordergrund. In Suche, Förderung, Entwicklung, Konsolidierung und Aus-
allen Bereichen von der Entwicklung über Qualität und die phasen von Lieferanten:
Produktion bis hin zur Logistik gibt es enge Berührungs- • Suche nach alternativen Lieferanten in neuen Beschaf-
punkte. Bei Kern- oder Hebellieferanten sind elektronische fungsmärkte, etwa in Osteuropa
Ausschreiben und auch Auktionen durchaus angebracht. • Bildung von Teilefamilien mit einem Pool von Vorzugs-
Die langjährige Zusammenarbeit führt zu Erfahrungskur- lieferanten zur Bündelung der Bedarfe
veneffekten. Moderne Konzepte der Beschaffungslogistik • Konsolidierung der Bedarfe auf die leistungsfähigsten
sind intensiv zu nutzen. Lieferanten in einer Warengruppe
• Ausschreibung der Bedarfe einer Warengruppe und
Das Versorgungsrisiko wird bei strategischen Lieferanten Neuvergabe zur Senkung der Kosten
durch den Aufbau einer gegenseitigen Abhängigkeit redu- • Aufbau von Plattformlieferanten für C-Teile
ziert. Im Rahmen einer Wertschöpfungspartnerschaft • Umstellung auf ein modulares Sourcing zur Reduktion
werden die Produkte und Prozess gemeinsam weiterentwi- der Vielzahl an Lieferanten
ckelt und die Aufgabenverteilung für Systemkomponenten • Programme zur Entwicklung und engeren Integration
optimiert. Das Know-how der strategischen Lieferanten der Lieferanten
wird gezielt genutzt. Mit Lieferantenstrategien (Supplier • Volumen aus Asien nach Osteuropa verlagern zur Re-
Roadmaps) wird definiert, ob die Lieferanten fähig und be- duktion der Supply Chain Risiken
reit sind, den Entwicklungen der Abnehmer zu folgen. • Lokalisieren der Lieferantenbasis zur Versorgung der
Werke vor Ort, um die Kostenposition zu verbessern
Sollte Kern- und strategisches Material von weniger quali- und das Risiko zu reduzieren
fizierten Lieferanten mit Qualitätsproblemen und ungeeig- • Die Geschäftsbeziehung mit nicht mehr leistungsfähi-
neter Fertigungstechnologie beschafft werden, so sind al- gen Lieferanten auslaufen lassen
ternative Lieferanten zu suchen oder die Bestandslieferanten
gezielt zu entwickeln. Eine Übertragung der Beschaffungs-
umfänge auf bestehende Kernlieferanten sollte vorab mit
Priorität geprüft werden.
40 Lieferanten-Portfolio Management
8. LIEFERANTENLEBENSZYKLUS MANAGEN
Handlungskompetenz 2.5 Der generische Lebenszyklus der Lieferanten erstreckt sich
Das Management der Lieferanten ist eingebunden in die über sieben Phasen. Bei Bedarf werden neue Lieferanten
Lieferantenpolitik und verfolgt einen ganzheitlichen An- im weltweiten Beschaffungsmarkt identifiziert, nach abge-
satz. Der Einkauf leitet aus den Vorgaben der Unterneh- stimmten Kriterien beurteilt und im Rahmen einer Wett-
mens- und Beschaffungspolitik den Handlungsspielraum bewerbssituation gezielt ausgewählt. Über systematische
etwa bei der Lieferantenauswahl bzw. -evaluation ab. Freigabeschritte werden gemeinsam mit den nominierten
Lieferanten die Prozesse, Produkte und Leistungen auf die
Der Einkauf unterscheidet sehr differenziert die Kriterien spezifischen Anforderungen ausgerichtet und formell ab-
der Lieferantenbewertung und plant Massnahmen zur genommen. Qualifizierte Lieferanten werden über Verträ-
weiteren langfristigen Nutzung der Lieferantenleistung in ge zur Regelung der Zusammenarbeit, über Vereinbarun-
Form der Lieferantenentwicklung und -förderung. gen zur Qualitätssicherung und über Abmachungen zur
Optimierung der Prozesse und Logistik gut integriert. Be-
Erfolgreiche Beziehungen zu den Lieferanten werden ent- schaffungsgüter können bei einem Portfolio freigegebener
lang des Lieferantenlebenszyklus bewusst gestaltet, ge- Lieferanten bestellt werden. Material wird kontinuierlich in
steuert und entwickelt. Die Einbindung der Lieferanten die Serienproduktion geliefert. Die Leistungsfähigkeit der
dient der Erreichung der Unternehmens- und Beschaf- Lieferanten wird periodisch bewertet und kommuniziert.
fungsziele. Diese können sich im Verlaufe der Zeit verän- Leistungs- und Entwicklungsziele sowie kontinuierliche
dern, was eine Anpassung und Neuausrichtung erforder- Verbesserungsmassnahmen werden mit den Lieferanten
lich macht. Die langfristige Zusammenarbeit beruht unter vereinbart und deren Umsetzung kontrolliert. Erfolgreiche
anderem auf transparenten Kriterien und Bewertungsver- Unternehmen legen Programme zur systematischen Ent-
fahren. Es gilt die Balance zwischen einer langfristigen, be- wicklung der Lieferanten in ausgewählten Schwerpunkten
ständigen Geschäftsbeziehung und der Vermeidung uner- auf. Ein Beispiel ist die Einführung von Qualitätssiche-
wünschter oder einseitiger Abhängigkeiten zu finden. rungsvereinbarungen mit den wichtigsten Lieferanten zur
Abdeckung gestiegener Qualitätsanforderungen.
8.1 Systematische Schritte zur Suche, Auswahl und • Geeignete Lieferanten für die Auslagerung der Teilefer-
Qualifizierung tigung oder einer Montagelinie
Der Einkauf ist in der Lage, systematische Schritte zur Su- • Zusätzliche Lieferanten mit Kapazitäten zur Deckung
che, Auswahl und Qualifizierung von neuen Lieferanten der rasch wachsenden Bedarfe
einzuleiten. Dazu stehen verschiedene Methoden und An- • Kostengünstiger Lieferanten in Osteuropa, Asien oder
sätze wie RFI, RFP, RFQ oder eine Nutzwertanalyse zur Mittel- und Südamerika
Verfügung. • Innovative Lieferanten mit einer spezifischen Techno-
logie (Fertigungstechnologie, technische Lösung)
Mit der Suche nach geeigneten Lieferanten werden typi- • Benchmark-Lieferanten zur Überprüfung der Preis-
sche Ziele verfolgt: u.a. und Wettbewerbsverhältnisse
• Weltweite Bezugsquellen mit dem besten Kosten-/Nut- • Spezialisierte Dienstleister und Anbieter
zenverhältnis • Lokale Lieferanten mit Express-Shop-Flexibiltät
• Lokale Lieferanten zur Versorgung der Werke vor Ort in
den Wachstumsmärkten
Lieferantenlebenszyklus managen 41
Die Beschaffungsmärkte verändern sich dynamisch, so Suche, Auswahl und Qualifizierung eines Marketing
dass es sich empfiehlt, sich immer wieder von neuem in- Dienstleisters
tensiv mit einer Marktanalyse auf den aktuellen Stand im • Auftrag mit Stakeholder klären
relevanten Beschaffungsmarkt zu bringen, bevor eine Wa- • Vorselektion möglicher Partner anhand der Anforde-
rengruppe oder ein grösserer Bedarf ausgeschrieben wird. rungen
Ebenso können sich die Strukturen und Umsätze mit den • Relevante Erfahrung
Bestandslieferanten deutlich verändert haben. Schliess- • Interesse an einer Zusammenarbeit
lich verschieben sich auch die Anforderungen und Er- • Geographische Nähe
wartungen an die zukünftige Lieferantenbasis. Typische • Agentur kennenlernen
Treiber sind dabei, u.a. • Telefongespräch
• Veränderungen in der internationalen Arbeitsteilung • Erstes Gespräch
• Verstärktes «Make-or-Buy»-Denken der Firmen • „Chemie“
• Hohe Termin- und Mengenflexibilität • Briefing der Partner auf der Shortlist
• Verstärkte Betrachtung der Gesamtkosten (TCO - Total • Angebot und Grobkonzept empfangen
Cost of Ownership) • Evaluation und interne Abstimmung
• Beschleunigte Prozessoptimierung in der gesamten • Präsentation durch die besten zwei oder drei Anbieter
Kette (Supply Chain Management) • Auswahl, Entscheid und Vergabe anhand der Auswahl-
• Hohe Dynamik in Forschung & Entwicklung / Konst- kriterien (Nutzwertanalyse)
ruktion in vielen Branchen • Abschluss der Vereinbarungen und Planung der Umset-
• Kurze Innovationszyklen und somit hohe Entwick- zung
lungsausgaben • Information der nicht berücksichtigten Dienstleister
• Pro-aktives Life Cycle Management
Lieferantenauswahl
Der Einkauf definiert schliesslich ein systematisches Vor- Die Suche und Auswahl von Lieferanten durchlaufen die
gehen mit einzelnen Arbeitsschritten und Meilensteinen. typischen Schritte:
Das Vorgehen hängt vom Beschaffungsfeld und von der • Bedarfsprofil entwickeln
Zielsetzung ab. Beispielhaft können wir die systematischen • Auswahlkriterien und –ziele definieren
Vorgehensschritte für drei Arbeitssituationen darstellen. • Weltweit nach alternativen Beschaffungsquellen suchen
• Selbstbeurteilung durch die Lieferanten ausfüllen las-
Strategischer Beschaffungsprozess für Sortimente, Jah- sen (RFI)
resbedarfe oder Projektbedarfe • Lieferantenprofile erstellen
• Bedarfsprofil erstellen • Code-of-Conduct unterzeichnen
• Beschaffungsmarkt analysieren und Lieferanten vorse- • Eignung anhand der Anforderungen überprüfen
lektieren • Technische und kaufmännische Leistungsfähigkeit
• Beschaffungsstrategie konkretisieren grob bewerten
• Bedarfe bei bisherigen und alternativen Lieferanten • Über die weiteren Qualifizierungsschritte entscheiden
ausschreiben
• Angebote auswerten und verhandeln Die Auswahlkriterien berücksichtigen die zukünftigen
• Über die Vergabe im Team (CFT, Projektteam) ent- Anforderungen der Geschäftseinheiten und Fachbereiche.
scheiden Die Auswahlkriterien hängen vom spezifischen Beschaf-
• Neu Lieferanten qualifizieren und integrieren fungsobjekt ab. Hilti formuliert die Anforderungen an die
• Nicht berücksichtigte Lieferanten informieren und Lieferanten wie folgt: (vgl. [Link])
schrittweise ausphasen • «Lieferantenstrategie: Wir brauchen Lieferanten, de-
ren Werte und Strategien sich mit unserer decken. Liefe-
Angepasstes Vorgehen im Global Sourcing ranten, die bereit sind, eng mit Hilti zusammen zu ar-
• Fokussierung durch die Auswahl relevanter Teilefami- beiten, um eine langfristige Partnerschaft aufzubauen.
lien auf der Basis der Kostenstrukturen, Bedarfsent-
wicklung und Fertigungsverfahren • Technologie: Wir stellen an unsere Lieferanten höchste
• Analyse weltweiter Beschaffungsmärkte, Identifikation Anforderungen punkto Technologie und Innovation,
potenzieller Lieferanten in ausgewählten Zielländern d.h. wir suchen Lieferanten, die in ihrem Bereich Tech-
• Besuche und Motivation der Lieferanten vor Ort, Klä- nologieführer sind und deren Technologie die Prozess-
rung der grundsätzlichen Eignung fähigkeit gewährleistet.
• RFQ-Prozess und Evaluation der Angebote
• Lieferantenqualifizierung, Freigabe und Integration • Entwicklung: Wir erwarten eine rasche, strukturierte
• Schrittweise Verlagerung bzw. Lokalisierung der Be- und gesicherte Neuprodukteinführung. Unsere Liefe-
schaffung bei den neuen Lieferanten ranten werden deshalb frühzeitig in unseren Entwick-
• Kontinuierliche Bewertung der Leistungsfähigkeit lungsprozess eingebunden, um die angestrebten Quali-
• Gezielte Weiterentwicklung der neuen Lieferanten täts-, Kosten- Umwelt- und Terminziele zu erfüllen.
42 Lieferantenlebenszyklus managen
• Effizienz: Wir erwarten von unseren Lieferanten kon- Lieferantenqualifizierung
kurrenzfähige Preise, eine kontinuierliche Kostenstruk- Zur Qualifizierung eines ausgewählten Lieferanten stehen
turverbesserung und Effizienzsteigerung. weitere Aufgabenfelder an.
• Potenzielle Lieferanten vor Ort besuchen und ein Audit
• Qualität: Hilti Produkte sind Premium Klasse mit durchführen
höchster Qualität. Deshalb fordern wir von unseren • Lieferanten systematisch qualifizieren und freigeben
Lieferanten ein Qualitätsmanagement, welches mindes- • Lieferanten in einer nächsten Ausschreibung voll ein-
tens die Standards nach ISO 9001 oder ISO/TS 16949 beziehen (RFQ)
erfüllen. Die Qualität wird mit entsprechenden Quali- • Nutzen im Wettbewerbsvergleich analysieren (Nutz-
tätstools wie z.B. SPC, FMEA, geplant, sichergestellt wertanalyse)
und dokumentiert. • Verhandlung über Eckwerte der Zusammenarbeit füh-
ren
• Code of Conduct: Wir sind überzeugt, dass wir lang- • Absicht über eine zukünftige Zusammenarbeit formell
fristiges profitables Wachstum nur mit entsprechender bekräftigen (LOI)
Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt erreichen.
Deshalb haben unsere Lieferanten die Anforderungen Je nach Unternehmen variiert die Aufgabenverteilung zwi-
des Code-of-Conduct hinsichtlich sozialer Aspekte und schen Lieferantenqualifizierung und Lieferantenintegrati-
Umwelt zu erfüllen. on. Auf jeden Fall ist einer engen Integration das notwen-
dige Gewicht zu geben, um Prozesskosten und operative
• Betriebsunterbruchrisiko: Wir erwarten eine entspre- Risiken zu minimieren.
chend nachgewiesene finanzielle Ertragskraft und ein • Lieferanten- und Kreditorenstammdaten ausfüllen
funktionierendes Risiko Management, welches ein • Rahmenvereinbarung abschliessen
Höchstmaß an Liefersicherheit gewährleistet. • Qualitätssicherung vereinbaren und Qualität planen
• Produkte bemustern und mit Erstmusterprüfbericht
• Logistik / Lager: Kundenzufriedenheit ist unser höchs- freigeben
tes Ziel. Dazu gehört höchste Lieferpünktlichkeit. Des- • Allenfalls den Herstellprozess abnehmen
halb erwarten wir eine entsprechende Logistikkompe- • Lieferant in den Bestell- und Logistikprozess integrie-
tenz, Systeme und Methoden, um unsere Kunden ren
weltweit versorgen zu können, und ein effizientes Lager- • Produkte und Prozesse für Bestellungen freigeben
und Distributionssystem.
8.2 Wettbewerbsdynamik
• Verträge: Wir streben eine langfristige partnerschaftli- Eine strategische Gestaltung der Lieferantenbasis berück-
che Zusammenarbeit an, welche wir mit entsprechen- sichtigt die Wettbewerbsdynamik in einem spezifischen
den Verträgen vereinbaren. In diesen Verträgen legen Beschaffungsmarkt. Porter’s Five Forces Analysis ist ein
wir auch die Ziele hinsichtlich Qualität und Produktivi- bewährter Ansatz für eine Branchenanalyse. Es wird die
tät fest. Wir informieren den Lieferanten laufend über Verhandlungsmacht der Kunden, die Verhandlungsmacht
den Grad der Zielerreichung.» der Lieferanten, die Möglichkeit neuer Wettbewerber, die
Gefahr oder Chancen von Substitutionsprodukten sowie
Harte und vertrauensbildende Auswahlkriterien die Wettbewerbsintensität zwischen den Unternehmen
Eine Studie der ETH zeigt, dass eigentlich die Qualität vor analysiert. Die Information wird aus Gesprächen mit Lie-
den Beschaffungskosten das wichtigste Auswahlkriteri- feranten, aus Branchenreports, Geschäftsberichten, Stu-
um für die Technologie- und Qualitätsführer ist. Darüber dien, Firmenzeitungen, Vorträgen, Interviews und auf den
hinaus wird die Bereitschaft der Lieferanten auf die Kun- Homepages gewonnen.
denbedürfnisse einzugehen und Kundenempfehlungen
für die Vertrauensbasis als wichtig erachtet.
In komplexeren und konkreten Auswahlsituationen ge-
winnen jedoch die Beschaffungskosten an Bedeutung.
Hier sind überdies Kundenempfehlungen vorrangig, weni-
ger die Anpassungsfähigkeit der Lieferanten. Die strategi-
schen Ziele und das Verhaltensmuster in konkreten Situa-
tionen können sich also durchaus unterscheiden. (Vgl.
ETH, Studie zur Lieferantenauswahl in Schweizer Unter-
nehmen, 2014)
Mit einer Nutzwertanalyse werden die Auswahlkriterien
gewichtet und nach Lieferanten im Wettbewerbsvergleich
analysiert. Damit können transparente Entscheide im
cross-funktionalen Team vorbereitet und getroffen wer-
den. Vergleiche das Beispiel in der Folienpräsentation. Michael Porter’s Five Forces Analysis
Lieferantenlebenszyklus managen 43
8.3 Massnahmen aus der Lieferantenbewertung
Erfolgreiche Unternehmen beurteilen die Leistungsfähig- • Steuerung der Lieferantenbeziehung
keit ihrer Lieferanten systematisch. Die Leistung wird pe- • Entwicklung und Pflege der Lieferantenbeziehungen
riodisch, strukturiert, gründlich und transparent bewertet. • Kontinuierliche Verbesserung der Lieferantenqualität
Mit der Lieferantenbewertung werden zentrale Ziele als • Optimierung der Lieferantenportfolios
Basis für das Strategische Lieferantenmanagement verfolgt • Schaffung von Problembewusstsein
(vgl. Hofbauer et al. 2009, S. 55-57):
Daraus lassen sich kritische Anforderungen an die Liefe-
• Objektivierung und Optimierung der Lieferantenaus- rantenbewertung ableiten (vgl. Janker, 2008, S. 82-86, Hof-
wahl bauer et al., 2009, S. 51-77):
Massnahmen zur Erreichung der vereinbarten Leis- Vormaterialfreigen, Mengenkontrakte, rollierende Be-
tungsfähigkeit darfsvorschau, Konsignationslager.
Für Lieferanten, welche die vereinbarten Leistungspara-
meter nicht hinreichend erfüllen, sind konkrete Massnah- Es geht durchaus in einem ersten Schritt um das vertiefte
men für ein operatives Lieferantenmanagement zu ver- gemeinsame Verständnis der Bewertungskriterien und
einbaren und nachzuhalten. In vielen Fällen lohnt es sich, die einheitliche Festlegung von Prozessanforderungen.
gemeinsam mit dem Lieferanten in Workshops und Quick Die Datenqualität der Lieferantenbewertung selbst ist oft
Audits an der Optimierung zu arbeiten. Mögliche Ansätze eine nicht unerhebliche Herausforderung. Wenn Verlage-
sind auch ein Lieferanten-Coaching, eine Prozessanaly- rungen oder andere gewichtige Veränderungen ungenü-
se, eine Lean-Workshop oder auch eine Lieferanten-Aka- gend betreut wurden, so kann es zu ärgerlichen Einbrü-
demie, wenn eine ganze Gruppe von Lieferanten gefördert chen in der Leistungsfähigkeit kommen. Das Verpasste ist
werden soll. mit spezifischen Lieferantenprojekten nachzuholen.
• Liefertermintreue: Ausgewählte Bestellvorgänge sind
im Detail zu besprechen, so dass die Stolpersteine im Die Bewertung der Dienstleistungsqualität wird in der
Verständnis der Anforderungen sowie bei der Daten- betrieblichen Praxis eher stiefmütterlich behandelt. Sie
qualität rasch geklärt sind. Das Anlieferfenster ist genau SERVQUAL-Skala bietet wertvolle Hinweise. Sie unter-
zu definieren. Geht es etwa um Arbeits- oder Kalender- scheidet fünf Dimensionen der Dienstleistungsqualität,
tage. Die Stammdaten überprüfen und aktualisieren. die jeweils durch mehrere Indikatoren gemessen werden
Erst dann weitere Optimierungsansätze entwickeln, z.B. (vgl. Large, 2009, S. 253):
eine rollierende Bedarfsvorschau, Vormaterialfreigaben.
• Zuverlässigkeit: Fähigkeit, die versprochenen Leistun-
• Qualitätsthemen: Inhaltliche Klärung der Themen. Ein- gen gründlich und zuverlässig zu erbringen.
fache Dinge wie fehlende Prüfberichte lassen sich rasch • Reaktionsfähigkeit: Fähigkeit und Bereitschaft auf die
verbessern. Ein Augenschein oder ein Quick-Prozessau- Bedürfnisse der Kunden zeitnah zu reagieren.
dit in der Ausgangskontrolle beim Lieferanten oder auch • Leistungsfähigkeit: Das Fachwissen und die Fähigkeit
im eigenen Sperrbestand kann allenfalls viele Themen der Mitarbeiter, Vertrauen zu erwecken.
rasch klären. Überprüfen, ob die kritischen Merkmale • Einfühlungsvermögen: Bereitschaft und Fähigkeit, sich
bestimmt und zweckmässig sind. Dann weitere Mass- in einzelne Kunden hineinzuversetzen und deren Wün-
nahmen abstimmen. Den 8-D-Report einsetzen. sche zu verstehen.
• Durchlaufzeiten: Gemeinsam Analyse der Hindernis- • Erscheinungsbild: Das materielle Umfeld, in dem die
se und Optimierungsansätze aus einer Tool-Box, etwa Leistung erstellt wird.
44 Lieferantenlebenszyklus managen
8.4 Lieferantenklassifizierung bewertet. Auf der Y-Achse wird der Einfluss des Lieferan-
Die Lieferanten können anhand der Lieferantenbewertung ten auf die Wertschöpfung bzw. die Marktleistung abge-
und der strategischen Bedeutung eingeteilt werden. Dar- schätzt. Der Einfluss kann über das Einkaufsvolumen oder
aus ergeben ich Statusklassen. das Optimierungspotenzial erfasst werden.
Die Leistungsfähigkeit bietet die Grundlage zur Ableitung In einem Potenzial-Portfolio nach Industrialisierungs-
von Handlungsanweisungen für die weitere Zusammen- und Entwicklungskompetenz können die Lieferanten in
arbeit mit Lieferanten. Die Lieferantenbewertung allein ist Segmente wie Teile- und Materiallieferanten, Komponen-
nicht hinreichend. Erst in Kombination mit den strategisch ten- und Funktionsgruppenlieferanten sowie System- und
wichtigsten und zukunftsfähigsten Lieferanten ergeben Modullieferanten eingeteilt werden.
sich weiterführende Erkenntnisse. Die Lieferantenklassifi-
zierung hängt von der aktuellen Leistung und der zukünf- Ziele und Nutzen der Lieferantenklassifizierung lassen
tigen strategischen Bedeutung der Lieferanten ab. (Vgl. sich auf folgende Aspekte zusammenfassen (vgl. Hofbauer,
Hofbauer, 2009, S. 77–83) Handlungsempfehlungen die- 2009, S. 78):
nen letztlich zur Ausrichtung der Lieferantenbasis auf die • Basis zur kontinuierlichen Optimierung des Lieferan-
Beschaffungs- und Unternehmensziele. Neben den Vor- tenportfolios
zugs- und Standardlieferanten sind ebenso die gesperr- • Aufbau eines leistungsfähigen Lieferantenpools
ten Lieferanten aufzulisten und im Einkauf transparent zu • Ableitung von Handlungsempfehlungen
machen. • Auslösen von Massnahmen zur Lieferantenentwick-
lung
Für Vorzugslieferanten werden Programme und indivi- • Identifikation finanzieller und unternehmerische Risi-
duelle Lieferantenstrategien definiert. Sie werden zu Liefe- ken
rantentagen eingeladen und erhalten periodische Informa-
tion zur Geschäftsentwicklung im relevanten Bereich (z.B. 8.5 Programme zur Lieferantenentwicklung
Lieferantenbulletin). Die Zusammenarbeit ist mit Verein- Entsprechend der aktuellen Leistungsfähigkeit und -be-
barungen gut abzusichern. Die Lieferanten werden in die reitschaft einerseits und der zukünftigen strategischen Be-
Umsetzung der Strategien eingebunden. deutung werden Handlungsempfehlungen zur Lieferan-
tenentwicklung abgeleitet. Die Lieferantenbeziehungen
Für Standardlieferanten werden eher mit Programmen werden aktiv gesteuert und entwickelt. Bevorzugte Liefe-
und Rundschreiben betreut. Gemeinsam werden sie an ranten werden gezielt entwickelt, teilweise früh in den In-
Info-Veranstaltungen und Lieferantenmessen empfangen. novationsprozess eingebunden oder an der Spitze der Lie-
Die Standardlieferanten werden insbesondere über Strate- ferantenpyramide mit der Integration von Modulen und
gien und Massnahmen im Rahmen des WG-Managements Systemen beauftragt. Andere Lieferanten verlieren die
optimiert. Wertschätzung, erhalten weniger Aufträge und werden
schrittweise abgelöst.
Die Portfolio-Ansätze in der Beschaffung gehen auf einen
Artikel von Kraljic in der HBR 1983 zurück. Die strategi- Lieferantenförderung zur Steigerung der Leistungsfä-
sche Positionierung der Lieferanten wird in Abhängigkeit higkeit:
zweier Dimensionen in einem Portfolio dargestellt. Analog • Mit einem Lieferanten-Coaching werden einzelne Lie-
dem klassischen Materialportfolio werden vier typische feranten gefördert.
Positionen unterschieden: Strategischer Lieferant, Eng- • Abgleich der Anforderungen mit der Leistungsfähig-
passlieferant, Hebellieferant und unkritischer Liefe- keit
rant. Es kann zweckmässig sein, in einem ersten Schritt die • Identifikation von Risiken in der Zusammenarbeit
Beschaffungskategorien zu positionieren und in einem • Workshop zur Integration und Abstimmung von
zweiten Schritt die Lieferanten insgesamt entsprechend Massnahmen
ihrer Kategorie einzuordnen. (Vgl. Peter Kraljic, HBR, • Vereinbarung für eine stabile und effiziente Zusam-
1983) menarbeit
• Mit einer Lieferantenakademie nehmen wichtige Lie-
Die Dimensionen der Matrix können grundsätzlich frei feranten zu Kursen für ausgewählte Schwerpunkte teil.
gewählt werden. Sie sind aber so zu definieren, dass die Lie- • Mit Lean-Workshops werden ausgewählte Prozesse ge-
feranten mit vertretbarem Aufwand zugeordnet werden meinsam im Detail über mehrere Stunden analysiert
können. Die Dimensionen sollten auch intuitiv nachvoll- und schrittweise optimiert.
ziehbar sein. Auf der einen Achse ist externer Faktor (Ver- • Im Rahmen einer Supplier Week werden Lieferanten
sorgungsrisiko) und auf der anderen ein interner Faktor zu intensiven halbtägigen Workshops eingeladen, um
(Wertschöpfungsbeitrag) zu wählen. Häufig wird das Ver- gemeinsam Optimierungsansätze beim Produkt, in der
sorgungsrisiko oder etwas umfassender die Komplexität Herstellung, beim Materialeinsatz oder in der Supply
des Beschaffungsmarktes anhand einiger Unterkriterien Chain zu erarbeiten.
Lieferantenlebenszyklus managen 45
Lieferantenprogramme: Grundsätzlich ist es wirkungs- • Ausstieg (Lose-Lose): Vermeiden von oder Rückzug
voller, Initiativen mit einem klar definierten Programm zu aus Gesprächen, die verloren scheinen, zu eskalieren
lancieren. Das Programm mag Fit4Growth, P123 oder PI- drohen oder nicht positive ausgehen. Alternative Liefe-
LATUS heissen. Die Automobilindustrie legte eine Reihe ranten erhalten den Vorzug.
solcher Lieferantenprogramme für Schlüssellieferant auf: • Kompromiss: Annäherung mit beidseitigen Konzessi-
PICOS (GM), KVP2 (VW), Drive for Leadership (Ford), onen, um die Zusammenarbeit im gegenseitigen fortzu-
POZ (BMW), TANDEM (Daimler-Benz) und POLE (Por- setzen
sche). Damit versuchten die OEMs ihre Kostenposition im
Einkauf zu optimieren, um im globalen Wettbewerb, ins- 8.6 Strategische Kooperationen
besondere mit den Anbietern aus Asien, mithalten zu kön- Die Einkaufsleitung koordiniert die Lieferantenintegration
nen. Dazu wurden intensive Analysen und Workshops vor und strategische Kooperationen auf der Beschaffungsseite.
Ort durchgeführt. Aktuell laufen in verschiedenen Indust-
rien Programme mit unterschiedlichen Schwerpunkten Kooperationsmodell
wie beispielsweise Minimierung der Risiken, Working Ca- In einer strategischen Kooperation mit einem Lieferanten
pital Management, Nachhaltigkeit, Lean-Ansätze oder Re- koordiniert der Lieferantenmanager die Zusammenarbeit
duktion der Wiederbeschaffungszeit. zwischen den betroffenen Fachbereichen des eigenen Un-
ternehmens und aufseiten des Lieferanten. Es geht um eine
Erarbeitung von Zielvorgaben: An Lieferantentagen oder übergeordnete Koordination aller betrieblichen Abläufe
Supplier Conventions werden Strategien und Erwartungen zur Gestaltung und Steuerung der externen Wertschöp-
kommuniziert. In parallelen Workshops werden mit den fung in bestehenden und zukünftigen Partnernetzwerken.
Lieferanten individuelle Ziele vereinbart. Zumeist werden (Vgl. Dust, Total Supplier Management, 2018)
die Lieferanten eingeladen, konkrete Ansätze bereits vor • Vereinbarte Lieferleistung sicherstellen
dem Event zu übermitteln. Unabhängig von einem kon- • Zielkonflikte im Lenkungskreis koordinieren
kreten Event können bei Leistungsdefiziten zeitnah Vor- • Operative Regelprozesse bzw. standardisierte Work-
gaben und Meilensteine definiert und nachgehalten wer- flows monitoren und optimieren
den. • Digitale Transformation in enger Zusammenarbeit för-
dern
Anreizsysteme: Mit einem Bonus- und Malus-System • Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig sichern
werden spezifische Anreize geschaffen, die bei Ausschrei- • Früheinbindung geeigneter Lieferanten in den Innova-
bungen und Auktionen zum Tragen kommen. Weite tionsprozess
Transportwege werden mit einem Malus im Preisvergleich
berücksichtigt, um etwa eine Lokalisierung und die Nach- Vertikale und horizontale Kooperationen
haltigkeit zu fördern. Werden die Ergebnisse einer Opti- Kooperative Strategien in der Supply Chain können sich
mierung mit einem definierten Schlüssel verteilt, so schafft vertikal, aber auch horizontal ausrichten. Vertikale Koope-
das ebenfalls einen Anreiz für eine aktive Teilnahme mit rationsstrategien beziehen sich auf Zusammenarbeit mit
guten Ideen an den Massnahmen. vor- oder nachgelagerten Wertschöpfungspartnern. Vorge-
lagerte Wertschöpfungspartner beziehen sich hierbei auf
Es kann zwischen Vorwärts-, Ertüchtigungs- und Aus- die Lieferantenintegration, nachgelagerte auf die Kunden-
stiegsstrategie unterscheiden werden. Bei einer Vorwärts- bindung. Horizontale Kooperationsstrategien bestehen
strategie erwartet das Unternehmen vom Lieferanten zwischen konkurrierenden Partnern der gleichen Wert-
wichtige Impulse zur Wettbewerbsverbesserung, d.h. kos- schöpfungskette, meist in Form strategischer Allianzen.
tenwirksame Einsparungen und neue Technologien für
Innovationen bei der eigenen Produkt- und Prozessent- Strategische Kooperationen können wie folgt charakteri-
wicklung. (vgl. Wagner, 2002, S. 56). siert werden:
• Zusammenarbeit zwischen eigenständigen Unternehmen
Je nach Gewichtung der Interessenlagen, inhaltliches Er- • Erfordert die Zustimmung der Geschäftsführung
gebnis oder Lieferantenbeziehung, ergeben sich fünf typi- • Gemeinsame Durchführung von Großprojekten
sche Beziehungsmuster zwischen Abnehmer und Liefe- • Outsourcing von Kernfunktionen (z.B. Zahlungsverkehr)
rant. (vgl. Lewicki und Hiam, 1998, S. 112). • Durchsetzung gemeinschaftlicher Interessen gegenüber
• Kooperation (Win-Win): Gemeinsam für beide Seiten Dritten
Mehrwert schaffen. • Strategische Allianz, Joint Venture, Arbeitsgemein-
• Durchsetzung (Win-Lose): Die Verhandlungspartner schaft, Einkaufskooperation
kämpfen um ein möglichst grosses Stück vom Kuchen. • Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit
• Nachgeben (Lose-Win): Mit Bedacht wird beim Ergeb- • Jegliche Form einer Kooperation ist im Vorfeld gut zu
nis einseitig nachgegeben, um die Beziehung zu verbes- überlegen.
sern oder nicht zu gefährden. Zeit und Energie wird • Kooperationen basieren zumeist auf einer gemeinsa-
spätere Verhandlungen eingesetzt. men Vertrauensbasis.
46 Lieferantenlebenszyklus managen
Vorteile von Kooperationen sind unter anderem Nachteile von Kooperationen sind zum Beispiel, dass
• die Ausweitung der Zielgruppe, • wichtige Entscheidungen nur bedingt allein getroffen
• die Erschließung weiterer Marktanteile, werden können,
• die Bündelung von Ressourcen für größere Aufträge, • ein hohes Mass an Abstimmung und Kompromissen er-
• die Kostensenkung in der F&E, forderlich ist, etwa in einer Einkaufskooperation,
• die Risikoverteilung auf mehrere Kooperationspartner, • eine gerechte Aufteilung zwischen den Aufgaben beider
• die Möglichkeit kurzfristige und langfristige Umsätze Unternehmen zu Schwierigkeiten neigt sowie
zu steigern, • Know-how und interne Informationen preisgegeben
• die Kostensenkung durch einen gemeinsamen Einkauf, werden.
• der Ausgleich von Kapazitätsengpässen oder
• eine bessere Auslastung der Kapazitäten beider Koope-
rationspartner.
Lieferantenlebenszyklus managen 47
9. BEZIEHUNGSMANAGEMENT
Handlungskompetenz 2.6 ten koordiniert. Der Einkauf sollte der Hauptansprechpart-
Der Einkauf entwickelt und gestaltet die Lieferantenbezie- ner für die Lieferanten sein. Damit wird seine Stellung in-
hung, insbesondere bei strategischen und kritischen Liefe- tern und gegenüber den Lieferanten gestärkt.
ranten.
Es muss dem Einkaufsleiter gelingen, die Stakeholder für
Der Einkauf identifiziert Lieferanten mit einem Potenzial Best-Practice Beschaffungs- und Lieferantenstrategien zu
für langfristiges Beziehungsmanagement nach definierten begeistern. Eigenmächtige und nicht nachvollziehbare Be-
Kriterien und Leistungsmerkmalen und baut entsprechen- schaffungsentscheide schwächen die Position des Einkaufs.
de, langfristig ausgerichtete Beziehungen im Sinne eines Der Wertbeitrag des Einkaufs muss substanziell, transpa-
beiderseitigen Erfolges auf. rent und nachhaltig sein, um die internen Kunden zu über-
zeugen und Vertrauen aufzubauen. Deshalb sind die ge-
9.1 Kritische Rahmenbedingungen wichtigeren Beschaffungshebel zu planen und einzusetzen.
Die Umsetzung eines Strategischen Lieferanten- und Risi- Eine ausgeprägte Sensorik für die interne und externe
komanagements bedingt geeignete Strukturen und Prozes- Kommunikation wirkt sich positiv aus. Die organisatori-
se. So ist etwa die Positionierung der Einkaufsleitung mit schen Voraussetzungen für ein strategisches Lieferanten-
einer direkten Berichtslinie zur Geschäftsführung von Vor- management sind bewusst zu verbessern.
teil. Auf Augenhöhe mit dem Vertrieb, der Technik, der
Produktion und dem Personalwesen vermag der Einkauf Um als Business Partner auf Augenhöhe akzeptiert zu
moderne Ansätze einfacher zu vertreten. Qualifizierte Res- sein, sollte der Einkauf über gut ausgebildete Fachleute
sourcen und ein hohes eigenes Anspruchsniveau sind eben- verfügen und mit verschiedenen Persönlichkeiten durch-
so kritisch für den eigenen Erfolg. Selbstredend gehören mischt sein. Der eine oder andere Quereinsteiger mit Vor-
moderne Systeme und digitale Regelprozesse dazu. Mit kla- kenntnissen aus den zu betreuenden Beschaffungsberei-
ren Prioritäten im Lieferantenmanagement bleiben die stei- chen wie etwa Marketing, IT oder Spitalbedarf hilft mit,
genden Erwartungen weiterhin erfüllbar. Akzeptanz und Einfluss zu stärken.
Ist die Geschäftsführung bereits überzeugt, dass ein gut auf- Insgesamt können die organisatorischen Voraussetzungen
gestellter Einkauf einen wesentlichen Anteil an der Wett- für ein erfolgreiches Lieferantenmanagement in sechs Ge-
bewerbsstärke und am finanziellen Geschäftserfolg trägt, so staltungsfeldern optimiert werden:
gestaltet sich die Einbindung sehr viel einfacher. Idealer-
weise ist der Einkaufsleiter bei Strategiesitzungen und jähr- • Strategische Ausrichtung: Ausgerichtet auf Geschäfts-
lichen Business Reviews automatisch dabei. Ein klares ziele und -strategien, Fachkonzepte und Roadmaps,
Mandat der Geschäftsführung stärkt den Rücken des Ein- proaktiver Einbezug in Business Reviews, Mitarbeit
kaufs. Damit sind aber auch Erwartungen an den Einkauf beim Fachkonzept, periodische Fokussitzung mit Sta-
verbunden, die nicht unbedingt einfach zu erfüllen sind. keholder, Einkaufsstrategie, Lieferantenstrategie, Wa-
rengruppenstrategien
Traditionell sind Einkaufstätigkeiten im Unternehmen • Organisation: Mindestens fachliche Unterstellungs-
über die Geschäfts- und Fachbereiche verzettelt. Maverick- verhältnisse, Positionierung, Lead Buyer Netzwerk, Ma-
Buying ist verbreitet. Davon wird gesprochen, wenn die Be- terialgruppenmanagement, Trennung zwischen strate-
darfe am Einkauf vorbei bei Lieferanten ohne verhandelte gischem Einkauf und operativer Beschaffung,
Rahmenkonditionen beschafft werden. Der Einkauf ist ge- Projekteinkauf,
fordert, die internen Stakeholder, vorab die Leiter der Ge- • Prozesse und Digitalisierung: Harmonisierte Prozess-
schäftseinheiten und Fachbereiche, einzufangen, abzuho- landschaft, Strategischer Einkaufsprozess, Operativer
len und aktiv zu betreuen. Periodische Status-Meetings Beschaffungsprozess, Herleitung von Materialgruppen-
sind ein wichtiges Instrument. Feste funktionsübergrei- strategien, Lieferantenmanagement, digitale Regelpro-
fende Teams erleichtern die Zusammenarbeit. Material- zesse, etc.
gruppenstrategien lassen sich in diesen Teams intensiv • Ressourcen: Qualifizierte und motivierte Mitarbeiter,
diskutieren und abstimmen. Die Beschaffungs- und Liefe- unterschiedliche Persönlichkeiten, nachhaltige Mitar-
rantenstrategien können damit abgestimmt auf die Anfor- beiterentwicklung, hinreichende Anzahl von Mitarbei-
derungen bezüglich Kosten, Qualität, Logistik, Technolo- tern
gie, Innovation und Nachhaltigkeit ausgerichtet werden. • Systeme und Methoden: Ein ERP-System, SRM-Lö-
sungen, Lieferantenportal, Applikation etwa für die Lie-
Es ist eine unternehmenskulturelle Frage, ob der Einkauf ferantenbewertung, E-Procurement, E-Sourcing, Busi-
früh in die Entwicklung eingebunden wird. In der Regel ness Data Warehouse and Analytics etc.
führt es zu einer stärkeren und früheren Einbindung geeig- • Leistungsmessung und Reporting: Ausgewählte KPIs,
neter Lieferanten. Die positiven Auswirkungen auf die Ent- führungsstufengerechte Kommunikation der Ergebnis-
wicklungszeit, Herstellbarkeit und Kosten sind bekannt. se
Wichtig ist, dass der Einkauf die Kontakte zu den Lieferan-
48 Beziehungsmanagement
9.2 Sicherung der Zulieferqualität Vorbeugend oder präventiv werden Lieferanten struktu-
Das Strategische Lieferantenmanagement verfügt über eine riert ausgewählt, umsichtig qualifiziert und in die eigenen
Reihe qualitätssichernder Massnahmen. Es wird zwischen Prozesse eng integriert, so dass etwa ein optimaler Produk-
vorbeugenden, begleitenden und reaktiven Methoden zur tionsstart gewährleistet ist. Den vorbeugenden Massnah-
Sicherung der Zulieferqualität unterschieden. men sollte Priorität eingeräumt werden.
Reaktive Massnahmen
• Mängelrügen • Kaizen-Workshops
• Erfassung der Q-Themen • Task Force
• 8D-Reports • Lessons Learned
• Spezialaudits • Claim Management
Beziehungsmanagement 49
Logistik, Bestell- und Planungsprozesse den. Das Ziel sind agile Supply Chains, die rasch auf Be-
• Durch eine logistische Integration werden die Durch- darfsschwankungen reagieren. Es sind unterschiedliche
laufzeiten verkürzt und Bestände gesenkt. JIT, Kanban, Ansätze in betriebliche Praxis anzutreffen:
Anlieferung in den Supermarkt, Taktanlieferung,
Mehrweggebinde oder Konsignationslager sind die ty- • Mit einfachen Regelkreisen wird die Materialversor-
pischen Ansätze. gung verbrauchsorientiert gesteuert. Kanban-Ansätze
basieren auf dem Pull-Prinzip. Der Nachschub kann
• Die Planungs- und Bestellprozesse lassen sich gemein- durch sehr einfache Mittel ausgelöst werden. Hier ge-
sam mit gegenseitigem Nutzen optimieren. Die Zufrie- nügen einfache Mittel wie eine Karte, ein leerer Behäl-
denheit der eigenen Kunden kann indirekt gesteigert ter, eine E-Mail Alert oder eine Webcam. Im einge-
werden. Rollierende Bedarfsvorschau, Mengen- und schwungenen Zustand und innerhalb der vereinbarten
Wertkontrakte, Liefer- und Abrufpläne, Kanban, VMI, Grenzen ist die Versorgungssicherheit hoch.
E-Procurement, eine Einkaufsplattform oder elektroni-
sche Marktplätze können dazu genutzt werden. • Just-in-Time und Direkt-Belieferungskonzepte redu-
zieren die Lagerhaltung.
Beschaffungskosten und neue Konzepte
• Tiefere Beschaffungsprozesskosten werden über eine • Just-in-Sequence liefert auftragsbezogen in der richti-
Serieneinkauf, Bündelungs- und Skaleneffekte ange- gen Reihenfolge direkt ans Band.
strebt. Im Serieneinkauf werden geringere Gemeinkos-
tenzuschläge akzeptiert als bei Einzelaufträgen. • Konsignationslager bündeln die Lager auf Lieferanten
und Abnehmerseite in der Nähe des Verbrauchs. Die
• Es können durchaus neue Integrationsansätze wie etwa Lager in der Supply Chain werden transparent, gebün-
ein Plant-in-Plant-Konzept, Betreibermodell oder ein delt und reduziert. Die Wiederbeschaffungszeiten
Full Service Modell resultieren. schmelzen.
Digitale Transformation und Multi-Channel Buying • Beim VMI übernimmt der Lieferant die Disposition.
• Dank der digitalen Transformation werden die Schnitt- Diese kann auf einem automatisierten E-Mail Alert ba-
stellen zu den Lieferanten sowie die internen Workflows sieren. Dadurch entfallen die aufwändige Disposition
durchgängig elektronisch unterstützt und nach Mög- und Bestellung.
lichkeit automatisiert. E-Workflow, automatisierte Be-
stellung, automatische Aufragsbestätigung, Transaktio- • Beim C-Teilemanagement werden mit Hilfe von elekt-
nen per Web-EDI, EDI, Advanced Shipping Notice ronischen Katalogen oder Kanban-Systemen die Pro-
(ASN) statt einer Wareneingangsbuchung. Elektroni- zesskosten optimiert. Idealerweise bestellt der Bedarfs-
sche Rechnung oder Gutschriftverfahren mit automati- träger über ein E-Procurement-System direkt und
scher Prüfung und Freigab, Abweichungen über einen elektronisch beim Lieferanten. Anlieferung am nächs-
elektronischen Workflow ten Arbeitstag schafft Vertrauen. Dadurch können die
Lager in der SC auf Handlager reduziert werden.
• Die Beschaffung aus Multi Channels (E-Katalog, E-
Shop, Marktplatz, Freitext-BANFen etc.) wird möglichst 9.5 Bestellprozess
in einer Applikation integriert und mit dem ERP System Eine enge Lieferantenintegration führt zu einem elektroni-
verzahnt. Das ERP bleibt das belegführende System. schen und automatisierte Belegfluss zwischen Abnehmer
und Lieferant. Als Beispiel der elektronische Stand für in-
9.4 Logistische Integration direkte Beschaffungsthemen mit E-Katalogen und Freitext-
Durch die Integration der Lieferanten lässt sich die Logistik Bedarfsanforderungen. (Vgl. BME‐Barometer „Elektroni-
optimieren. Die Wiederbeschaffungszeiten verkürzen sich, sche Beschaffung“, März 2018)
und die Lager in der Lieferkette können stark reduziert wer-
50 Beziehungsmanagement
Katalogbasierte Bedarfserfassung & Freigabe Freitext-Bedarfsanforderung & Freigabe
• Nutzung von Katalogen, Konfiguratoren, • Anlage von Freitext-Bedarfsanforderungen
elektronischen Artikellisten zur und Weiterleitung an den Einkauf
Bedarfserfassung mit Bezug zur Lieferquelle • Freigabeworkflows nach Wertgrenzen,
• Warenkorbfunktionalität mit Kontierung Materialgruppen und Organisationseinheiten
• Freigabeworkflows nach Wertgrenzen, • Anzeige Beleg- und Prozessstatus
Materialgruppen und Organisationseinheiten
9.6 Früheinbindung
Zur Lieferanteintegration mit grossem Nutzen für die eige- Im Verlaufe einer langjährigen Geschäftsbeziehung wird
ne Wettbewerbsfähigkeit zählt die Einbindung der Liefe- der Lieferanten auch mit Weiterbildungsmassnahmen, In-
ranten in den Entwicklungsprozess. Eine F&E-Zusammen- vestitionen in gemeinsame Entwicklungsprojekte oder
arbeit mit Lieferanten bringt insbesondere eine markante übergreifende logistische Systeme gefördert und weiterent-
Verbesserung bei den Kosten und der Qualität des beschaff- wickelt.
ten Materials, bei der Entwicklungszeit und den Entwick-
lungskosten, bei Funktionalität, Features und Technologie Steuerung bedeutet auch Optimierung, etwa eine noch
sowie bei den Produktionskosten. bessere Erfüllung spezifischer Anforderungen an das Be-
schaffungsobjekt, an den Zulieferstandort, an Konsignati-
In der Praxis bestehen unterschiedliche Ansätze zur Ein- onslager, aber auch bezüglich der Einrichtungen (kunden-
bindung der Lieferanten in den Entwicklungsprozess: spezifische Presswerkzeuge, spezifisches Vormaterial),
• Forward Sourcing / Advanced Sourcing: Die Lieferan- bezüglich der Mitarbeiterpotenziale (Schulung für spezifi-
ten können durch eine frühe Einbindung in den Ent- sche Zulieferteile) oder bezüglich zweckgebundener Anla-
wicklungsprozess innovative Ideen einbringen. gen (Kapazitätszusicherungen). Lieferantensteuerung er-
• Konzeptwettbewerb: Ideenwettbewerb auf der Basis folgt auch auf der sozialen Ebene. Hier geht es um die
eines Lastenheftes. Steuerung der Machtposition zwischen Abnehmer und Lie-
• System Sourcing / Modular Sourcing: Der Lieferant ferant (vgl. Large, 2009, S. 259-265).
übernimmt die volle technische und kaufmännische
Verantwortung. Die Lieferantensteuerung erfolgt über operative und strate-
• Simultaneous Engineering: Teilaufgaben im Entwick- gische Massnahmen: (vgl. Large, 2009, S. 259-265).
lungsprozess werden parallel durch den Lieferanten • Lieferantenwechsel,
übernommen. • Selbststeuerung oder aktive Lieferantenführung
• Target Costing und Design-to-Cost: Lieferant wird ge- • Nachverhandlung,
zwungen, eine zielpreisgerechte Lösung zu entwickeln. • Kommunikation (Workshop, Jahresgespräch, Lieferan-
tentag),
9.7 Steuerung der Lieferantenbeziehungen • Lieferantenbewertung,
Die Lieferantenbeziehungen werden aktiv gestaltet, gesteu- • Zielvereinbarung,
ert und entwickelt in Abhängigkeit der Positionierung im • Lieferantenstrategie,
Lieferanten-Portfolio (z.B. kritischer Lieferant), der Liefe- • Ausschreibung, Spezifikation,
rantenklassifizierung (z.B. A-Lieferant) und entlang des Lie- • technischer Rat, Technische Lieferbedingungen
ferantenlebenszyklus (z.B. langjähriger Vorzugslieferant). • Bestellungen und Terminverfolgung,
• Elektronischer Produktkatalog
Das Risikomanagement beginnt bei der systematischen • Lösung konkreter Probleme, Lieferantenprojekte
Auswahl- und Qualifizierung, die operative Leistung wird
mit einer Lieferantenbewertung begleitet und geplante Er- Die Beziehung zwischen Abnehmer und Lieferanten kann
eignisse im Verlaufe der Zusammenarbeit (etwa eine Nach- nach Wildemann in neuen Gestaltungsfelder in Abhän-
folge-Regelung) werden unterstützt. Bei unerwarteten Er- gigkeit der Positionierung differenziert werden: (Vgl. Wil-
eignissen wird mit einer Task-Force reagiert. demann, Das Konzept der Einkaufspotenzialanaylse, 2002)
Beziehungsmanagement 51
Ausgestaltung der Dual Sourcing, Single Sourcing, Local Sourcing, Global
Sourcing-Strategie Sourcing,
52 Lieferantenlebenszyklus managen
10. RISIKEN IM LIEFERANTENMANAGEMENT
Handlungskompetenz 2.7 teil der Prozesse und der Entscheidungsfindung zu integ-
Im Spannungsfeld von niedrigen Gesamtkosten bei flexib- rieren. Neben den Chancen sind auch die Risiken bei allen
ler Lieferleistung und marktgerechter Qualität ist der Ein- Einkaufsentscheiden zu bewerten.
kauf zusätzlich herausgefordert, potenzielle Beschaffungs-
risiken zu erkennen, deren Tragweite und Eintrittsrisiko Strategische und operative Risiken in der Beschaffung
zu beurteilen und Massnahmen zu treffen. Das Fraunhofer-Institut unterteilt in einer Studie zum Ri-
sikomanagement in der Beschaffung die typischen Risiken
Der Einkauf managt diese Risiken zum Teil in enger inter- nach strategischer und eher operativer Art. (Vgl. Fraunho-
disziplinärer Zusammenarbeit. fer IPA, Risikomanagement in der Beschaffung, 2010)
Risiken im Lieferantenmanagement 53
Lieferantenrisiken Produkte sind allenfalls mit einem Erstmusterprüfbe-
In der Warengruppenstrategie werden die Chancen und richt erneut abzunehmen. Eine Verlagerung ist eng zu
Risiken der Sourcing Strategien bewertet. Bei der Auswahl begleiten, um die Leistung vor, während und nach der
der Lieferanten werden Risiken anhand der Selbstaus- Verlagerung sicherzustellen.
kunft, des geographischen Standortes, der Supply Chains,
einer Potenzialabschätzung vor Ort und anhand der kon- • Absehbare Ereignisse wie eine drohende Insolvenz ei-
kreten Situation des Unternehmens identifiziert, analysiert nes Lieferanten, Rohstoffengpässe, Preisveränderungen
und bewertet. Lieferantenbesuche, Jahresgespräche und oder Währungsschwankungen treffen mit einer gewis-
Audits dienen später zur kontinuierlichen Beobachtung sen Wahrscheinlichkeit ein. Der Einkauf versucht diese
der Lieferanten- und Supply Chain Risiken, so dass grund- Themen kontinuierlich zu monitoren und mit vorberei-
sätzliche Veränderungen beim Lieferanten und in seinem teten Plänen und systematischen Ansätzen negative
Umfeld rechtzeitig wahrgenommen und proaktiv behan- Auswirkungen zu begrenzen. Es wird etwa ein natürli-
delt werden. ches Hedging angestrebt. Ein insolvenzgefährdeter Lie-
ferant ist allenfalls zu ersetzen, Werkzeuge und Produk-
Operative Risiken te sind rechtzeitig zu sichern. Dazu sind auch kleine
Mit einer systematischen Qualifizierung und Freigabe des Signale, wie ein häufiges Nachfragen in Buchhaltung
Lieferanten, der Produkte und allenfalls der Prozesse wer- nach der nächsten Überweisung, wahrzunehmen und
den die operativen Risiken für eine zukünftige Zusammen- zu verarbeiten.
arbeit minimiert. Es werden Vereinbarungen wie QSV
oder technische Lieferbedingungen abgeschlossen. Die • Unerwartete Ereignisse wie eine Naturkatastrophe
operativen Risiken einer Zusammenarbeit werden mit ei- oder eine Pandemie sind mit risikobasierten Sourcing
ner Lieferantenbewertung kontinuierlich überwacht. Bei Strategien soweit als möglich zu begegnen. Die Liefe-
einer ungenügenden Performance werden Maßnahmen rantenbasis kann etwa nach Weltregionen aufgeteilt
definiert. Mögliches Eskalationsmodell: Der Lieferanten werden. Bei einem kritischen Ereignis ist eine Taskforce
wird sensibilisiert, ein Gespräch wird geführt, allenfalls zu bilden, um mögliche Auswirkungen zeitnah abzu-
werden Prozesse analysiert und der Lieferanten wird ent- schätzen und geeignete Maßnahmen zur Reduktion der
wickelt. Schliesslich müsste ein Lieferantenwechsel geprüft Auswirkungen aufzugleisen.
werden.
Die identifizierten Risiken werden in einem Risikokatalog
Ereignisorientierte Risiken oder einer Risikolandkarte zusammengefasst.
• Geplante Ereignisse mit Risiken wie Anlauf, Hochlauf,
Verlagerung, Auslauf, neues Werkzeug, neues Manage- Als Beispiel die Risikolandarte der Automobilindustrie
ment, Nachfolgeregelung können mit Checklisten be- mit einer Unterteilung der Risiken nach Lieferanten, Be-
wertet, eng begleitet und gezielt unterstützt werden. Der deutung der Teile/Komponenten/Leistungen sowie nach
Tausch eines Werkzeuges ist eng zu begleiten und die rechtzeitig geplanten oder absehbaren Ereignissen:
54 Risiken im Lieferantenmanagement
10.3 Analyse und Bewertung der Risiken
Zur Bewertung und Visualisierung der identifizierten Risi-
ken ist die Risikomatrix eine geeignete Methode. Die Risi-
ken werden nach Eintrittswahrscheinlichkeit und Scha-
denspotenzial analysiert und bewertet.
Das Risikobewusstsein kann sowohl im strategischen Die zweidimensionale Portfolio-Analyse wurde von Kral-
Einkauf als auch in der operativen Beschaffung durch In- jic insbesondere zur Identifikation der kritischen Lieferan-
formation geschärft werden. Viele Risiken können durch ten und Beschaffungsgüter entwickelt, da eine ABC-Ana-
ein strategisches Lieferantenmanagement identifiziert, be- lyse nach Pareto nur die Wichtigkeit eines Lieferanten zu
urteilt und proaktiv behandelt sowie kontinuierlich über- bemessen vermag.
wacht werden. Potenziale sind zumeist mit Risiken ver-
bunden, entsprechend sind beide Seiten der Medaille zu Im Risikoinventar werden die relevanten Risiken mit der
bewerten und in den Entscheiden umsichtig zu berück- Bewertung dargestellt und mit Massnahmen unterlegt.
sichtigen. Der Einkauf kann die bewährten Methoden und
Tools zur Identifikation von Potenzialen ebenso gut zur
Risikobeurteilung nutzen.
Risiken im Lieferantenmanagement 55
10.4 Risikosteuerung / Risikobehandlung
Für kritisch bewertete Risiken sind Maßnahmen zur Risi- • Risikoüberwälzung:
kobehandlung abzuleiten, und deren Umsetzung ist nach- Versicherung, Absicherung, Outsourcing, Übertragen
zuhalten.
Für die einzelnen Risikofelder bieten sich bewährte Ansät- • Risikoakzeptanz:
ze zur Vermeidung und Reduktion der Risiken an. Mit je- Vertretbare Restrisiken, notwendige Reserven aufbauen
der unternehmerischen Tätigkeit bleiben indessen immer
Risiken auch auf der Beschaffungsseite bestehen. Risiko- Die als kritisch bewerteten Risiken sollten soweit möglich
appetit und Risikofähigkeit hängen von der Risikostrategie an der Ursache behandelt werden, indem beispielsweise
des Unternehmens ab, deren sich der Einkauf nicht ent- grundsätzlich zwei Lieferanten qualifiziert werden. Devi-
ziehen kann. sen zur Bezahlung von Beschaffungsgütern aus Währungs-
räumen ohne entsprechenden Verkaufsumsatz werden in
Grundsätzliche Ansätze zur Risikobehandlung: Zusammenarbeit mit Finance abgesichert, bzw. auf Termin
• Risikovermeidung: fest gekauft. Wirkungsorientierte Massnahmen werden
Verzicht auf existenzielle Risiken notwendig, um auf kritische Ereignisse zu reagieren. Kriti-
sche Risiken und Ereignisse werden zumeist mit einer
• Risikostreuung: Kombination von ursachen- und wirkungsorientierten
Klumpen-Risiken vermeiden, Risiken diversifizieren Massnahmen behandelt.
• Risikobegrenzung/-verminderung:
Reduktion kritischer Risiken auf das akzeptable Niveau
56 Risiken im Lieferantenmanagement
10.5 Monitoring und Reporting Im Lagebericht werden die Top-Risiken des Einkaufs sowie
Wichtige Markentwicklungen wie Rohstoffpreise, Verfüg- die grundsätzlichen Ansätze dargestellt. Er muss die As-
barkeit von Elektronikkomponenten oder Währungsent- pekte des Risiko-Managements im Einkauf erkennen und
wicklung sind eng zu verfolgen, um sich mit internen Ziel- studieren. Mit einem schlanken Prozess kann der Einkauf
gruppen abzustimmen und zweckmässige Entscheide in die Anforderungen an ein modernes Risikomanagement
der Beschaffung zu fällen. Die Einkaufsleitung muss jeder- umsetzen. Das Einkaufsteam ist periodische für eine Aktu-
zeit in der Lage sein, über Risiken im Beschaffungsmarkt alisierung einzubeziehen, da der Einkauf das Ohr an den
und laufende oder eingeleitete Massnahmen kompetent Lieferanten hat und kritische Veränderungen aus erster
Auskunft zu geben. Hand erkennen sollte.
Frühindikatoren
Bereiche Frühwarnindikatoren (Beispiele)
Globale Geschäfts- und Risikobarometer der Allianz Versicherung, Global Risk Report vom WEF,
Länderrisiken The Global Competitiveness Report vom WEF,
Einkaufs-Manager-Index, Wechselkurse, Personalkostenentwicklung,
Gesamtwirtschaft Außenhandel, Wirtschaftswachstum, Arbeitslosigkeit, Mindestlöhne,
Arbeitszeit,
Rohstoffpreisentwicklung, Einkaufskonditionen, Qualitätsniveau,
Beschaffungsmärkte Verfügbarkeit, Termintreue, Konzentration, Angebots- und
Nachfragemacht, Neue Wettbewerber,
Lieferantenbesuche und -Gespräche; vertraglich vereinbarte
Insolvenzrisiken Finanzkennzahlen,
Jährliche Insolvenzprognose von Kreditversicherer wie Euler Hermes
Produktion Lagerentwicklung, Auslastung, Durchlaufzeiten, Arbeitsvorrat, Planung
Technologische Innovationen, Neuheiten an Messen, neue Rohstoffe,
Entwicklungen
Lieferantenbewertung, Reklamationen, Qualitätsprobleme, Auslastung
Lieferanten der Produktion, Ergebnisse und finanzielle Situation, Investitionen,
Technische Neuerungen, Pläne und Strategien
Auftragseingang, Auftragsbestand, Kaufverhalten der Kunden,
Verkauf Preispolitik, Reklamationen, Wettbewerb, Marktanteil
Finanzen Kurzfristige Erfolgsrechnung, EBIT, Cash Flow, Liquidität
Anforderungen an das Reporting durch die Einkaufsleitung Beispiel für einen Lagebericht im Geschäftsbericht:
• Die Einkaufsleitung sollte eine Übersicht zu den rele- • Die Muster GmbH ist in einigen Bereichen der Roh-
vanten Risiken im Einkauf sowie das damit verbundene stoffversorgung, bei einzelnen Teilen und Komponen-
Risikopotenzial erarbeitet haben. ten sowie bei der Bereitstellung spezifischer Dienstleis-
• Der Einkaufsleitung muss jederzeit über die Maßnah- tungen von Lieferanten und Drittanbietern abhängig.
men zur Behandlung der relevanten Risiken und kriti- • Es kann zu Lieferantenausfällen, Qualitätsproblemen
schen Ereignisse sowie den Stand der Umsetzung Aus- und Preiserhöhungen kommen.
kunft erteilen können. • Um unabhängiger agieren zu können, strebt die Muster
• Die Einkaufsleitung soll möglichst umfassend die Ge- GmbH die Verpflichtung mehrerer gleichwertiger Lie-
schäftsführung bzw. das verantwortliche Risiko-Gre- feranten für Material, Teile und Dienstleistungen an.
mium über sämtliche relevante Beschaffungsrisiken in- • Mit „Single Source“-Lieferanten vereinbart die Muster
formieren, von Vorteil mit Eintrittswahrscheinlichkeit GmbH langfristige Verträge, um die Versorgung auch
und Schadensausmaß bewertet. bei plötzlich auftretenden Engpässen zu sichern und
• Die Beschaffungsrisiken fließen in das Gesamt-Risiko- sich vor kurzfristigen Preiserhöhungen zu schützen.
portfolio ein, das der Geschäftsführung zur Verfügung • Dank der breit gestreuten Zulieferkette sind die Risiken
stehen soll. beherrschbar.
• Der Verwaltungsrat wird in komprimierter Form über
die großen und kritischen Risiken bzw. Ereignisse, in-
klusive in der Beschaffung, durch die Geschäftsführung
periodisch informiert.
Risiken im Lieferantenmanagement 57
11. LITERATURVERZEICHNIS
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Peter Krampf: Beschaffungsmanagement, Eine praxisorientierte Einführung in Einkauf und Materialwirtschaft, 2. Auf-
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Tanja Linghor, Martin Kruschel (Hrsg.): Best Practices im Value Management, Wie Sie durch Einkauf und Technik ei-
nen nachhaltigen Wertbeitrag leisten können.
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Christian Schuh / Michael Bremicker: Der Einkauf als Margenmotor, Methoden zur Kostensenkung, 2005.
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58 Lieferantenlebenszyklus managen
12. REPETITIONS- UND VERTIEFUNGSFRAGEN
Fragen zu den 7 Handlungskompetenzen (2.1 – 2.7)
1. Kennen Sie drei wesentliche Megatrends und wie stehen diese in einen Zusammenhang mit dem Lieferantenmanage-
ment?
2. Können Sie beispielhaft für drei Teilprozesse im Lieferantenmanagement Ansätze für Lieferantenstrategien formulie-
ren?
3. Stellen Sie anhand von drei Beispielen einen Bezug zwischen den von der Geschäftsführung erwarteten substanziellen
Wertbeiträgen und konkreten Massnahmen im strategischen Lieferantenmanagement her.
4. Nennen Sie wesentliche normative Voraussetzungen, Vorgaben bzw. Rahmenbedingungen für das strategische Liefe-
rantenmanagement.
7. Wie leiten Sie konkrete Lieferantenstrategien aus der Beschaffungsstrategie bzw. Geschäftsstrategien ab? Stellen Sie
das an zwei konkreten Grundstrategien dar.
8. Wie erkennen Sie, welche Lieferanten strategisch wichtig sind, und wie gestalten Sie mit diesen eine erfolgreiche Zu-
sammenarbeit?
9. Definieren Sie drei abgestimmte Ziele für das Lieferantenmanagement anhand einer Balanced Scorecard.
10. Nennen Sie typische Hebel zur Umsetzung identifizierter Potenziale für vier unterschiedliche Lieferantensegmente.
11. Mit welchen konkreten Massnahmen können Sie Nachhaltigkeitskriterien im Lieferantenmanagement umsetzen?
12. Leiten Sie für einen High-Tech-Maschinenbauer, der in einem globalen Nischenmarkt führend ist, aus der Beschaf-
fungspolitik eine typische Lieferantenpolitik ab.
14. Formulieren Sie die Warengruppenstrategie für pneumatischen Komponenten eines Maschinenbauers mit drei Wer-
ken in der Schweiz, Deutschland und Ungarn.
15. Bewerten Sie für je drei unternehmensinterne und -externe Einflüsse die Auswirkungen auf die Lieferantenstrategie.
16. Welche Elemente sollte ein zusammenfassender Steckbrief für eine Warengruppenstrategie enthalten?
17. Entwickeln Sie anhand der populären 4-Felder-Matrix von Kraljic ein Lieferantenportfolio und leiten Sie daraus
Handlungsempfehlungen für das Lieferantenmanagement ab.
18. Nennen Sie fünf systematische Ansätze zur Segmentierung der Lieferantenbasis.
20. Welche typischen Probleme erkennen Sie in einer Lieferantenstruktur und mit welchen Massnahmen können Sie
diese schrittweise beheben?
21. Welche systematischen Schritte zur Suche, Auswahl und Qualifizierung neuer Lieferanten, etwa zur mechanischen
Bearbeitung von Teilen und Komponenten, empfehlen Sie?
22. Wofür setzten Sie die typischen Methoden RFI, RFP, RFQ und Nutzwertanalyse ein?
23. Mit welcher Methode können Sie die Wettbewerbsdynamik in einem spezifischen Beschaffungsmarkt analysieren
und beurteilen? Welche Aspekte berücksichtigen Sie dabei und wie kommen Sie an die notwendige Information?
24. Wie und welche Massnahmen können Sie aus einer Lieferantenbewertung zur kontinuierlichen Verbesserung der
Lieferantenleistung ableiten?
26. Welche Strategien und Programme zur Entwicklung der Lieferantenbasis, der Lieferantenbeziehung oder ausgewähl-
ter Lieferanten können Sie beispielhaft daraus ableiten?
27. Welche Vorteile- und Nachteile sind mit horizontalen und vertikalen Kooperationen im Lieferantenmanagement
verbunden?
28. Skizzieren Sie anhand relevanter Gestaltungsfelder die Anforderungen an optimale Rahmenbedingungen für ein
proaktives und langfristiges Lieferantenmanagement.
31. Welche Massnahmen zur logistischen Integration (Beschaffungslogistik) erachten Sie für wirtschaftlich sinnvoll?
32. Mit welchen digitalen Ansätzen können die Bestellprozesse für indirekte Bedarfe optimiert werden?
33. Welche Rahmenbedingungen erleichtern eine frühe Einbindung der Lieferanten in den Entwicklungsprozess? Wel-
che typischen Ansätze für eine Früheinbindung stehen zur Verfügung? Wie beurteilen Sie die Vorteile einer Frühein-
bindung?
34. In welchen Gestaltungsfeldern nach Horst Wildemann und inwiefern können Lieferantenbeziehungen nach der Posi-
tionierung und der Klassifizierung sowie entlang des Lebenszyklus differenziert werden?
35. Wie können Sie relevante Risiken grob strukturieren, um sie differenziert zu beurteilen?
37. Wie können Sie erkannte kritische Risiken analysieren und bewerten?
38. Welche generellen Ansätze zur Risikosteuerung bzw. Risikobehandlung stehen Ihnen zur Verfügung? Mit welchen
konkreten Ansätzen behandeln Sie beispielhaft drei ausgewählte Risiken im Lieferantenmanagement?
39. Wie gestalten Sie ein Monitoring zum Management der Beschaffungsrisiken?
40. Wie erstellen Sie ein zielgruppengerechtes Reporting zu den Beschaffungsrisiken? Welche Kennzahlen wären dafür
geeignet?
41. Was verstehen Sie unter risikobasiertem Denken und Handeln im Lieferantenmanagement?
Unternehmen sollten Lieferketten-Management mit Schwerpunkt auf Transparenz und Nachhaltigkeit einsetzen, z.B. durch den Einsatz digitaler Technologien zur Datenanalyse und -austausch über die Lieferkette. Betriebliche Vorgehensweisen zur Einbindung zertifizierter Lieferanten sowie Code-of-Conduct-Vereinbarungen fördern zudem die Transparenz. Risikomanagement wird durch eine frühe Identifikation von Risiken und deren systematische Überwachung gestärkt .
Unternehmen sollten Lieferanten frühzeitig in Entwicklungsprojekte einbinden, um deren Innovationspotenziale zu nutzen. Eine enge Zusammenarbeit vom Beginn der Entwicklung bis zur Serienfertigung kann durch strategische Partnerschaften und kooperative Projektinvestitionen gefördert werden. Zudem ist der Austausch von Know-how und gemeinsame Qualitätsinitiativen entscheidend, um Innovationen effizient zu integrieren .
Langfristige Strategien zur Gewährleistung von Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit sollten die Lokalisierung und Konsolidierung der Lieferantenbasis umfassen. Unternehmen sollten zuverlässige neue Lieferanten aufbauen und bestehende integrieren, um Abhängigkeiten zu verringern. Nachhaltige Beschaffungspraktiken involvieren zudem die Bewertung und Förderung von Lieferanten hinsichtlich ökologischer Kriterien und die Implementierung qualitativer Lieferketten-Monitoring-Maßnahmen .
Gesellschaftliche und ökologische Aspekte beeinflussen das strategische Lieferantenmanagement stark. Unternehmen müssen unternehmenskulturelle Fragen und die Erwartungen interner Stakeholder sowie externe gesellschaftliche und ökologische Standards beachten. Dies führt zu einer Anpassung der Lieferantenstrategien, z.B. durch Nachhaltigkeitsbewertungen in der Lieferantenauswahl und -entwicklung, um diesen Anforderungen gerecht zu werden .
Unternehmen können Wettbewerbsfähigkeit sichern, indem sie strategische Lieferantenmanagementprozesse implementieren. Diese Prozesse beinhalten eine genaue Segmentierung und Auswahl von Lieferanten sowie deren kontinuierliche Bewertung und Förderung. Ein Schwerpunkt liegt auf der Integration leistungsfähiger Lieferanten, der Optimierung des Nettoumlaufvermögens und der Anpassung an Umweltveränderungen wie wirtschaftliche Krisen. Zudem verbessert die Nutzung moderner Technologien und digitaler Vernetzung die Effizienz und den Austausch zwischen Lieferanten und Unternehmen .
Um das strategische Lieferantenmanagement an die steigenden Anforderungen der Globalisierung und Digitalisierung anzupassen, sollten Unternehmen Lieferantenstrategien entwickeln, die die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern und die Nutzung von Lieferantenplattformen wie SupplyOn fördern. Ferner sind digitale Prozesse und Schnittstellenoptimierungen notwendig, um den uneingeschränkten Datenaustausch und die Effizienz in globalen Märkten zu unterstützen .
Die Implementierung eines strategischen Lieferanten- und Risikomanagements erfordert geeignete Strukturen und Prozesse, einschließlich einer direkten Berichtslinie zur Geschäftsführung und qualifizierten Ressourcen. Herausforderungen umfassen die Koordination interner Stakeholder und die Integration von Lieferanten, um Maverick-Buying zu vermeiden. Maßnahmen wie regelmäßige Status-Meetings und funktionsübergreifende Teams helfen, die Beschaffungsstrategien abzustimmen .
Megatrends wie Digitalisierung und Globalisierung prägen erheblich das strategische Beschaffungsumfeld. Einkaufsleiter nutzen diese, um Wettbewerbsvorteile zu erzielen, indem sie Lieferantenstrategien entwickeln, die auf den Megatrends basieren, z.B. durch Segmentierung und Bewertung der Lieferanten. Dies beinhaltet die Integration von Risikomanagement, das auf diese Megatrends ausgerichtet ist, um die gesamte Lieferkette transparenter und nachhaltiger zu gestalten .
Um eine regionale Diversifizierung zu erreichen, sollten Unternehmen globale und lokale Beschaffungsmärkte intensiver für die Identifikation neuer Bezugsquellen nutzen und Plattformen zur Lieferantenrecherche einsetzen. Die Lieferantenbasis muss in verschiedenen Regionen, z.B. Asien, Osteuropa und Südamerika, diversifiziert werden, um Märkte besser zu bedienen und Risiken zu minimieren. Ferner sollten Lieferanten anhand konkreter Voraussetzungen ausgewählt werden, um strategische Vorteile zu erlangen .
Die Integration leistungsfähiger Lieferanten hilft, wirtschaftliche Krisen zu bewältigen, indem sie eine stabile Versorgung und Innovationsanpassung ermöglicht. Strategische Partnerschaften mit solchen Lieferanten fokussieren auf Kernkompetenzen und fördern flexible Anpassungen bei Nachfrage- und Marktveränderungen. Durch Sicherstellung der Qualität und pünktlicher Lieferzeiten kann die Resilienz gegenüber wirtschaftlichen Schwankungen gesteigert werden .