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30.07.2018
Auch eine Überversorgung mit Sauerstoff sollte
vermieden werden
Sauerstoff ist lebensnotwendig, ein Zuviel davon kann aber die Sterblichkeit der Patienten
erhöhen. Davor warnen die Lungenärzte des Verbands Pneumologischer Kliniken (VPK) und
empfehlen vor einer Sauerstoffgabe unbedingt zu überprüfen, welche Sauerstoffsättigung
aktuell beim Patienten vorliegt.
Sauerstoffmangel (Hypoxämie) kann bekanntlich zu Bewusstlosigkeit,
Kreislaufstillstand und vielfältigen körperlichen Schäden führen. Die
Gabe von Sauerstoff kann in solchen Fällen lebensrettend sein,
deshalb werden viele Patienten im Krankenhaus großzügig mit
zusätzlichem Sauerstoff versorgt. Allerdings kann auch ein Zuviel an
Sauerstoff die Sterblichkeit der Patienten erhöhen. Davor warnen die
Lungenärzte des Verbands Pneumologischer Kliniken (VPK) unter
Berufung auf eine aktuelle Metastudie mit über 16.000 Patienten, die
wegen einer akuten Erkrankung (wie z.B. Blutvergiftung, Herzstillstand,
schweren Verletzungen oder Not-OP) im Krankenhaus behandelt
werden mussten (siehe The Lancet, Online-Veröffentlichung am
28.4.2018). 50 bis 84 Prozent der Betroffenen, die entweder über eine
Nasenbrille oder nicht-invasiv über eine Atemmaske oder invasiv über einen in die Luftröhre
integrierten Beatmungsschlauch beatmet wurden, erhielten eine zu hohe Konzentration an
Sauerstoff. „Durch die Sauerstoffüberversorgung (Hyperoxämie) erhöhte sich ihr
Sterblichkeitsrisiko im Krankenhaus um 21 Prozent und 30 Tage nach der Entlassung aus der
Klinik um 14 Prozent, ohne dass sich andere gesundheitliche Aspekte deutlich verbessert hätten“,
berichtet Dr. med. Thomas Voshaar, Vorstandsvorsitzender des Verbands Pneumologischer
Kliniken (VPK) und Chefarzt des Lungenzentrums am Krankenhaus Bethanien in Moers.
Sauerstoff nur bei tatsächlicher Sauerstoffunterversorgung
geben
Zu viel Sauerstoff ist toxisch und kann in Lunge, Herz-Kreislauf- und Nervensystem zu
Entzündungen, oxidativem Stress und einer Verengung der Blutgefäße führen. Bei
Sauerstoffzufuhr trotz ausreichender Sauerstoffsättigung erhöht sich daher das Risiko für
Lungenversagen, Herzinfarkte, Herzrhythmusstörungen und Organversagen. „Nach Angaben der
Studienautoren kann sich eine zusätzliche Sauerstoffgabe bereits schädlich auswirken, wenn die
Sauerstoffsättigung im Blut vor der Gabe bei 94 bis 96 Prozent liegt. Mit zunehmender
Sauerstoffsättigung im Blut steigt das Sterberisiko der Patienten stetig an. Trotzdem betrachten
einige Ärzte die Gabe von Sauerstoff als potentiell hilfreiche und harmlose Therapie – und zwar
unabhängig davon, ob beim Patienten tatsächlich eine Unterversorgung mit Sauerstoff vorliegt
oder nicht“, erläutert Dr. Voshaar.
Unbedingt überprüfen, welche Sauerstoffsättigung beim
Patienten vorliegt
Von einem Sauerstoffmangel spricht man, wenn die Sauerstoffsättigung im kapillaren Blut bei
unter 90 Prozent liegt. Demgegenüber wird der Bereich, in dem die optimale Sauerstoffsättigung
liegen sollte, von verschiedenen Fachgesellschaften bisher uneinheitlich definiert. Weitere
Studien sind notwendig, um einen optimalen Bereich der Sauerstoffsättigung zu finden, bei dem
der Nutzen einer zusätzlichen Sauerstoffversorgung maximiert und mögliche Schäden minimiert
werden. „Da eine Sauerstoffüberversorgung aber lebensbedrohlich sein kann, empfehlen wir
Lungenärzte vom VPK, vor einer Sauerstoffgabe unbedingt zu überprüfen, welche
Sauerstoffsättigung aktuell beim Patienten vorliegt“, betont Dr. Voshaar. Schließlich kann die
arterielle Sauerstoffsättigung ganz einfach und nicht-invasiv mit einem Pulsoximeter gemessen
werden – das ist ein Lichtsensor, der wie ein Clip am Finger des Patienten befestigt wird und dann
anhand der Lichtabsorption beim Durchleuchten der Haut die Sauerstoffsättigung im kapillären
Blut ermittelt. Bei Lungenpatienten sollten zudem auch der Kohlendioxidgehalt und der PH-Wert
des Blutes bestimmt werden, um eine Atemmuskelschwäche oder akute Verschlechterung (sog.
Exazerbation) möglichst frühzeitig zu erkennen.
Quelle: äin-red
Dies ist eine Pressemeldung des Verbands Pneumologischer Kliniken (VPK). Der Abdruck dieser
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