Die Räuber: Marcus Braun
Die Räuber: Marcus Braun
Die Räuber
frei nach FRIEDRICH SCHILLER
F 1304
Bestimmungen über das Aufführungsrecht des Stückes
Dieses Bühnenwerk ist als Manuskript gedruckt und nur für den Vertrieb an
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Diese Bestimmungen gelten auch für Wohltätigkeitsveranstaltungen und Aufführungen
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Unerlaubtes Aufführen, Abschreiben, Vervielfältigen, Fotokopieren oder Verleihen der
Rollen ist verboten. Eine Verletzung dieser Bestimmungen verstößt gegen das
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Über die Aufführungsrechte für Berufsbühnen sowie über alle sonstigen Urheberrechte
verfügt der S. Fischer Verlag, Hedderichstr. 114, 60596 Frankfurt/Main
Personen:
Pater
Pastor Moser
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ERSTER AKT
1. Szene
FRANZ Aber ist Euch auch wohl, Vater? Ihr seht so blass aus.
DER ALTE MOOR Ganz wohl, mein Sohn - was hattest du mir zu sagen?
FRANZ Die Post ist angekommen – ein Brief von unserem Räuberkorrespondenten
in Leipzig -
DER ALTE MOOR Eine Zeitung? Du meinst diese Zeitung kann mir schaden.
FRANZ Niemand hat von einer Zeitung gesprochen. Es handelt sich um eine
Nachricht.
FRANZ Laßt mich vorerst auf die Seite gehen und eine Träne des Mitleids vergießen
um meinen verlorenen Bruder.
FRANZ (beiseite) Vorerst noch nicht. - (zum Vater) Also, der Bruder, Erstgeborener,
hat die Tochter eines reichen Bankiers entjungfert und ihren Galan umgebracht,
vierzigtausend Dukaten Schulden hat er obenauf. Dann hat er sich in die Wälder
abgesetzt mit ein paar Spießgesellen. Sie nennen sich: Die Räuber.
FRANZ Dreimal schändlicher Karl! Ich habe es dir gesagt, geliebter Vater.
Aber du konntest ja die Nase nicht voll kriegen von deinem Karl. Diesem
großen schönen Mann. Und dagegen ich, der trockene hölzerne Mensch;
was warst du enttäuscht, daß ich nicht wie mein Bruder war.
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FRANZ Mein Vorschlag ist: Wir vergessen Karl. Ihr nennt ihn nicht mehr länger
euren Sohn. Wir bilden eine Einkindfamilie. (beiseite) Ich erbe alles. - Nun? Was
denkt ihr?
DER ALTE MOOR Ich will ihm schreiben, daß er sich nie mehr blicken lassen soll...
FRANZ Nein! - Also Väterchen, ich schreibe ihm. In eurem Sinne. - Und Ihr geht ins
Bettchen.
FRANZ Jedenfalls muß ich diese Schriftstücke vernichten. Denn sie sind selbst
verfaßt und kein Wort darin ist wahr. Und Gram wird den Alten bald hinwegraffen.
Und Amalia?
Sie liebt Karl, aber das werde ich ändern.
Ich muß ihr diesen Karl aus dem Herzen reißen.
Und ein zartes Fränzchen einsetzen.
Mich selbst also, in schönerer zarterer Form.
Ich nenne meine Mutter einen Ofen aus dem ich geschossen wurde.
Genau wie mein Bruder. Warum bin ich nicht der erste gewesen? Warum
mußte sie mir diese Bürde an Häßlichkeit aufladen? Als hätte sie mich aus
irgendwelchen aus dem Müll gezogenen Resten zusammengesetzt.
Warum gerade mir diese Lappländersnase? Gerade mir dieses
Mohrenmaul? Diese Hottentottenaugen? Wirklich, ich glaube, sie hat von
allen Menschensorten das Scheußliche auf einen Haufen geworfen und
mich daraus gebacken. Ich bin wie ein Hase, den man nicht reinlassen
will. Armer Hase. Es ist doch eine jämmerliche Rolle, der Hase sein zu
müssen auf dieser Welt. Aber alle Welt braucht Hasen.
Ich muß alles um mich her a u s r o t t e n, was mich einschränkt, so wie
der Hase die Möhren ausrottet. Herr muß ich sein, daß ich das mit Gewalt
ertrotze, wozu mir die Liebenswürdigkeit gebricht. Damit meine ich... ach,
das seht ihr dann schon.
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2. Szene
RÄUBERIN Hoho.
Die Blätter hier störn uns nicht,
Bäume haben sie mitgebracht.
Hier gibt es noch Freiheit und Abenteuer.
Ab und zu rauben wir einen Kiosk aus.
Und lassen ein paar Stangen Camel mitgehen.
Und dann reden wir über die menschliche Größe:
Cäsar, Hannibal und so ein paar Leute, die man nicht mehr kennt. Räuberlatein.
Dies ist übrigens Spiegelberg. Ein unangenehmer Kerl.
RÄUBERIN Famos!
KARL VON MOOR Wir habens schon wild getrieben, aber das sollte mehr
hergeben, das Räuberleben.
RÄUBERIN Ich bin noch in der Ausbildung, erzählt mir eure wildesten
Räubergeschichten.
SPIEGELBERG Ja.
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KARL VON MOOR Aber jetzt wird alles anders.
KARL VON MOOR Ganz recht gehört. Rückkehr auf den Pfad der
Tugend.
SPIEGELBERG Tu - was?
SPIEGELBERG Was?
KARL VON MOOR Mein Vater schreibt mir, daß er mir verzeiht und daß ich wieder
in den Schoß der Familie aufgenommen bin und nach Hause zurückkehren darf. -
Jedenfalls wird es so kommen.
KARL VON MOOR Wer hat dich denn in den Wald gelassen?
KARL VON MOOR Also, ich sag euch was. Im Schatten meiner väterlichen Haine, in
den Armen meiner Amalia lockt mich ein edleres Vergnügen, als hier. Schon die
vorige Woche habe ich meinem Vater um Vergebung geschrieben.
Laßt uns Abschied nehmen. Die Post ist eingetroffen. Die Verzeihung meines Vater
ist schon innerhalb dieses Waldes angekommen.
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SCHWARZ Warum wirst du so bleich wie die Wand?
KARL VON MOOR Noch nicht! (öffnet jetzt den Brief) Oh! Mein Bruder schreibt
mir.
ROLLER (nimmt den Brief und liest) "Unglücklicher Bruder". Der Anfang klingt
lustig. "Nur kürzlich muß ich dir melden, daß deine Hoffnung vereitelt ist - du sollst
hingehen, läßt dir der Vater sagen, wohin dich deine Schandtaten führen. Auch, sagt
er, werdest du dir keine Hoffnung machen, jemals Gnade zu seinen Füßen zu
erwimmern, wenn du nicht gewärtig sein wolltest, im untersten Gewölb der Türme
mit Wasser und Brot so lang traktiert zu werden, bis deine Haare wachsen wie
Adlersfedern und deine Nägel wie Vogelsklauen werden. Das sind seine eigenen
Worte. Er befiehlt mir, den Brief zu schließen. Leb wohl auf ewig. Ich bedaure dich.
Franz von Moor."
KARL VON MOOR (taucht wieder auf) Menschen! Menschen! Falsche heuchlerische
Krokodilsbrut.
ROLLER Hör mal, ein Räuberleben ist doch besser als zu dem alten Knochen zurück.
Da will dich doch kein Mensch.
SCHWARZ Komm mit uns in die böhmischen Wälder. Wir wollen unsere
Räuberbande sammeln und du -
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RÄUBERIN Doch!
RÄUBERIN Ja?
KARL VON MOOR Ja! Bei dem tausendarmigen Tod! Das wollen wir, das müssen
wir! Räuber sein! Räuber und Mörder!
Ich bin euer Hauptmann!
RÄUBERIN Er lebe!
KARL VON MOOR Ich habe keinen Vater mehr, ich habe keine Liebe mehr und Blut
und Tod soll mich vergessen lehren, daß mir jemals etwas teuer war.
Oh ich will mir eine fürchterliche Zerstreuung machen.
Und wer unter euch am gräßlichsten sengt und mordet, der soll königlich belohnt
werden mit einer Million.
RÄUBERIN Juchu.
DIE RÄUBER Wir schwören dir Treu und Gehorsam bis in den Tod!
KARL VON MOOR Damit nicht genug. Ich schwör euch euer Hauptmann zu
bleiben bis in den Tod. Wenn ich meinen Schwur verletze, dürft ihr mich
abmurksen.
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3. Szene
FRANZ Du siehst weg, Amalia? Verdien' ich weniger als der, den der
Vater verflucht hat. Damit meine ich: Karl.
AMALIA Ein schöner Vater, lebt hier wie die Made im Speck und verstößt seinen
herrlichen Sohn, meinen Karl. Seinen einzigen Sohn.
AMALIA (beiseite) Da ist er. Aber wie er wieder aussieht. - Ja, aber du haßt mich.
FRANZ Wie?
AMALIA Wenn du mich liebst, kannst du mir wohl eine Bitte nicht abschlagen.
FRANZ Keine. Wenn du nicht gerade verlangst, daß ich mich umbringe. Das wäre
nämlich eine Sünde.
AMALIA Hasse mich! Denn da du deinen Bruder haßt, hasse bitte auch mich. - Und
jetzt geh. Ich bin so gern allein.
FRANZ Wie sehr bewundere ich dein liebevolles Herz. (Er zeigt auf ihre Brust.)
Hier regiert Karl. Hä?
AMALIA Was?
FRANZ Hä?
(Aamalia betroffen.)
FRANZ Hast du ihm nicht einen Ring an den Finger gesteckt zum Unterpfand
deiner Treue? Freilich, wenn ein heißes Gerät vorbeikommt, wie kann auch ein
Jüngling wie Karl dem widerstehen. Und das Gerät will bezahlt werden. Und da
gibt er dem heißen Gerät den Ring.
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FRANZ Ja, ja, schändlich das. Was liegt an einem Ring.
FRANZ Wein doch nicht. Wenn du ihn erst gesehen hättest. Echt krank, er hat sich
irgendwas geholt, ist ganz gelb und dürr, dir verginge die Lust.
AMALIA Du Monster.
FRANZ Ich meine, er ist wirklich krank, sein Atem stinkt. Und ansteckend ist er, ich
meine, du weißt bescheid.
AMALIA Du lügst. Ich liebe ihn und nichts kann daran was ändern. Auch wenn es
stimmt, was du sagst.
FRANZ (beiseite) Da muß ich anders vorgehen. - Oh Amalia. Wie schön, daß du
meinen Bruder so treu liebst. Diese Probe hast du nun bestanden.
Denn ich mußte mich verstellen und ihn verleumden, um dein Herz zu prüfen. Wo
ich ihm doch so ähnlich bin.
AMALIA Ach.
FRANZ Ja, da ist erstmal das Aussehen, und... Ich kann dir tausend Sachen nennen.
Rosen, Sterne, und so weiter. All das haben wir gemeinsam geliebt. Wie auch dich.
So. Jetzt weißt bescheid.
AMALIA Hä?
FRANZ (liest) Es war ein stiller heiterer Abend, der letzte, eh er nach Leipzig
abreiste, da er mich mit sich in jene Laube nahm, wo ihr so oft zusammen saßet in
Träumen der Liebe - stumm blieben wir lang - zuletzt ergriff er meine Hand und
sprach leise mit Tränen: Ich verlasse Amalia, ich weiß nicht - mir ahndets als hieß es
auf ewig - verlaß sie nicht. Bruder. Sei ihr ein Freund. Ihr Karl. Wenn Karl nimmer
wiederkehrt.
(Er stürzt vor ihr nieder und küßt ihre Hand mit Heftigkeit.)
FRANZ Nimmer, nimmer, nimmer wird er wiederkehren, und ich habs ihm
zugesagt, mich um dich zu kümmern, mit einem heiligen Eide.
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AMALIA Stümper. In ebendieser Laube hat er mir verboten irgendeinen anderen
Kerl auch nur anzuschauen, selbst wenn er verrecken sollte.
FRANZ So was!
FRANZ Das wird dir noch vergehen, wenn ich dich erst mit Handschellen ans Bett
gefesselt habe.
FRANZ Was?
ÀMALIA Muschkapitän.
FRANZ Nein!
(ab)
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ZWEITER AKT
1. Szene
FRANZ Hermann.
FRANZ Wir sind schon weiter: Mein Vater hat dich sehr beleidigt, Hermann.
FRANZ Ra...?
HERMANN Rache!!
FRANZ Du liebst Amalia. Wenn ich König bin auf dieser Burg, dann kriegst du sie.
HERMANN Juchhu.
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FRANZ Du weißt, daß Karl so gut wie enterbt ist.
HERMANN Potzblitz.
FRANZ Aber der Alte wird weich und Amalia macht ihn mürbe. Über kurz oder
lang setzt er Karl wieder ein und du kannst Amalia vergessen.
HERMANN Ja.
FRANZ Nun?
FRANZ Sag du kämst geradewegs aus Böhmen und hättest dem Treffen bei Prag
beigewohnt und hättest ihn auf der Walstatt den Geist aufgeben sehen.
FRANZ Hoho.
FRANZ Hier ist ein Karton, selbst zusammengefaltet, da sind Dokumente drin, die
alles beweisen.
HERMANN Wirklich?
FRANZ Nein. Du mußt jetzt hier raus und dann wiederkommen, damit Amalia und
der Alte glauben, du kämst direkt aus Böhmen.
FRANZ Genau. Der Alte wird die Nachricht nicht überleben. Und Amalia tanzt
dann nach meiner Pfeife.
HERMANN Pfeife?
FRANZ Genau.
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(Hermann langsam ab.)
FRANZ Nichts.
HERMANN Genau.
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2. Szene
AMALIA Er schläft.
DER ALTE MOOR (sieht sie entgeistert an) Wie schlimm du aussiehst! Bist du es
wirklich.
DER ALTE MOOR Böser Fratz, nein Franz, willst du ihn auch meinen Träumen
entreißen.
AMALIA Du selbst.
AMALIA Ja.
DER ALTE MOOR Ich hab von ihm geträumt. Warum hast du mich geweckt.
Vielleicht hätte er mir verziehen.
DER ALTE MOOR Scheiße nein, du bist ganz blaß. Ich brachte dich um die Freuden
deiner Jugend. Du weißt schon. Mit unter zwanzig sind solche Dinge am besten.
DER ALTE MOOR Egal. Es ist schwer, ich sterbe und mein Karl ist nicht hier. Ich
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werde zu Grabe getragen, und er weint nicht an meinem Sarg.
DER ALTE MOOR Ein schönes Lied, meine Tochter. Das mußt du mir vorspielen,
eh ich sterbe.
AMALIA Ja. Später hätte es auch keinen Sinn. - Es ist der Abschied Andromachas
und Hectors und so weiter. Karl und ich habens oft zur Laute gesungen.
(Auftritt Daniel.)
AMALIA (Lied)
All mein Sehnen, all mein Denken
Soll der schwarze Lethefluß ertränkn
Aber meine Liebe nicht
Marmorstein und Eisen bricht
FRANZ (schreit) Hier ist der Mann. - Er sagt: Schreckliche Botschaften warten auf
Euch.
HERMANN Gnädiger Herr, ihr kennt mich nicht, weil ich auch meine Stimme
verstelle. Ich hoffe ihr seid nicht böse, wenn ich euer Herz durchbohre. Es war nicht
meine Idee. Ihr seid der Vater von Karl!
DER ALTE MOOR Das weiß ich. Sag mir nichts, was ich schon weiß. - Woher weißt
du das?
HERMANN Auf dem Schlachtfeld. Also ich sagte, kannte. Zeit: Vergangenheit. Ich
kannte ihn.
HERRMANN Sein Vater, also du, hast ihn verstoßen, da hat er den Tod auf dem
Schlachtfeld gesucht. In Böhmen. Und gefunden. Auch in Böhmen.
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DER ALTE MOOR In Böhmen?
HERMANN Fürwahr.
FRANZ (geht auf Hermann los) Du böser Mensch. Willst du unseren Vater
umbringen.
HERMANN Das war doch der Plan. - Also hier ist das Schwert, da klebt Blut dran,
das soll ich dir geben, nein dir. (zum alten Moor) Ach so: Sie sind schuld.
FRANZ Wirds denn? - Was habt ihr gemacht, Vater, meinen Bruder getötet, meinen
Karl!
HERMANN Hier habe ich auch ein Bild, sieht aus wie das Fräulein da. Das zog er
aus seiner Jacke und sagte. Das gibst du mir, wenn du dem Alten das Schwert
gegeben hast. - Nein, Moment er sagt: Gib das meinem geliebten Bruder. Karl ist ja
tot. Also Franz. Mir schwirrt der Kopf.
FRANZ Oh, mir? Wie schön. Da freue ich mich aber. Ja, das ist sie!
HERMANN (zu Franz) Das finde ich jetzt doch nicht mehr so lustig.
FRANZ Da hier keiner hinguckt, muß ich selbst es tun. - Was steht denn da auf dem
Schwert geschrieben? Mit seinem eigenen Blut vermutlich.
Da steht: Liebe Amalia, deinen Eid zerbrach der allgewaltige Tod. Damit meine ich,
daß du mir nicht über den Tod hinaus treu sein mußt.
Und auf der anderen Seite steht:
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Lieber Franz, - das bin ich - verlaß meine Amalia nicht. Heirate sie, teile das Bett mit
ihr und so weiter. Du weiß schon: Das volle Programm. Dein Karl.
So hat er es doch noch geschafft uns zu verbinden.
AMALIA Moment. Wenn er so was schreibt, hat er mich nie geliebt. - Und du kannst
mich mal.
(Amalia ab.)
FRANZ Also.
DER ALTE MOOR Er war ein Engel. Und ich habe ihn zu Fall gebracht.
FRANZ Nerv mich nicht. Sonst laß ich dich allein verrecken.
(Franz ab.)
DER ALTE MOOR Wenn man allein ist, kann man gut einen Monolog halten.
(Auftritt Amalia.)
DER ALTE MOOR Ich bin verzweifelt. Alle sind abgehauen. Tot. Lassen mich allein.
Jetzt fällt mir nichts mehr ein.
AMALIA Wollte bloß sagen, ihr habt einen herrlichen Sohn verloren.
DER ALTE MOOR Ach so. Ja. Das ist nicht dasselbe.
(Auftritt Franz.)
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FRANZ Gut. - Hier ist ein Buch, da lesen wir dir etwas vor. Und dann Exitus.
(Der alte Moor stirbt - jedenfalls sieht es so aus – und wird von Franz fortgeschafft.)
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3. Szene
RÄUBERIN Famos..
GRIMM Bäh.
RÄUBERIN Also, wir haben ja jede Schweinerei gemacht, wegen des Geldes, aber
der Chef, er ist gerade nicht da, der große Räuberhauptmann war immer gerecht.
Wie Rob Roy, oder Robin Hood, oder Störtebecker, Schinderhannes, Napoleon oder
Idi Amin.
(Auftritt Schwarz.)
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RAZMANN Schockschwerennot. Weiß es der Hauptmann?
RÄUBERIN Die Mannheimer henken keinen, es sei denn sie hätten ihn vorher.
ROLLER Ja, ich habe es überlebt. Anders, als ein Haufen Einwohner.
ROLLER Danke!
SCHWEIZER Also, wir haben einfach alles angezündet, den Pulverturm und so, falls
das jemanden interessiert.
EIN BÖSER RÄUBER Also, wie ich von ungefähr so an einer Baracke vorbeigehe,
hör ich drinnen ein Gezeter, ich guck hinein, und wie ichs beim Licht besehe, was
wars? - Ein Kind wars, noch frisch und gesund, das lag auf dem Boden unterm Tisch
und der Tisch wollte eben anfangen zu brennen. Armes Tierchen, sag ich, du
verfrierst ja hier, und warfs in die Flamme.
KARL VON MOOR Du wirst der Bande verwiesen. So gehts ja nicht. Wo kämen wir
da hin, wenn sich das in Deutschland einbürgern würde. Das versaut mir jetzt meine
ganze Selbstgerechtigkeit. Und den Tag obendrein. Saudumm das.
RÄUBERIN Ich kann euch ablenken. Überall gibts böhmische Reiter. Viele Tausend.
Sie wollen uns fangen und uns Böses antun!
KARL VON MOOR Das ist was anderes. Dann kämpfen wir.
RÄUBERIN Das sind Legionen und Sondereinheiten. Außerdem sind wir noch
umzingelt.
KARL VON MOOR Ladet die Gewehre! Wir wären am Arsch, wenn wir keine
Räuber wären.
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DIE RÄUBER Juchhu.
KARL VON MOOR Gut. Gut. Und nun muß ein Teil auf die Bäume klettern, oder
sich ins Dickicht verstecken und aus dem Hinterhalt feuern.
(Auftritt Pater.)
PATER Huch!
KARL VON MOOR Grüß Gott, Herr Pfarrer, was führt sie denn her?
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SCHWEIZER Soll ich ihm den Saft ablassen?
KARL VON MOOR Rührt ihn nicht an. Also Pater ich habe auch viel Gutes getan.
PATER Was?
PATER Gemeinheit! Du willst also keine Schonung und Gnade in Form des Rades.
Dann frage ich euch Bande. Liefert mir diesen Räuberhauptmann aus und ihr
bekommt freies Geleit. - Nun?
KARL VON MOOR Genug geschwätzt, wir kämpfen. Ich danke euch für euer Opfer.
(Tumult, Schlacht)
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DRITTER AKT
1. Szene
FRANZ Schon wieder hier. Wir warn am Fressen und du haust ab und verdirbst uns
die Laune.
AMALIA Dein Vater ist tot und ihr freßt schon wieder!
FRANZ Ja, ja. Laß die Toten ruhen. Ja, genau. Das wollte ich sagen. Er ist tot. Und
ich bin Herr. Und da du ihn sehr geliebt hast, nebst Karl und so weiter geht, nach
alter Väter Sitte, deine Liebe jetzt auf mich über. Alles andere wäre undankbar.
AMALIA Niemals.
AMALIA Nimmermehr.
AMALIA Puh.
FRANZ Also wenn du nicht freiwillig mein wirst. Dann muß ich es dir
befehlen.
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AMALIA Gibt schlimmeres. Da habe ich dann Muße an meinen Karl zu denken.
FRANZ Also du wirst meine Frau, so oder so. Wenn es sein muß mit - räuberischer
Gewalt!
FRANZ Okay. Dann wirst du halt meine Hure. - Komm mit in meine Kammer:
(liest:) Komm- dieses Sträuben wird meinen Triumph zieren und mir die Wollust in
erzwungenen Umarmungen würzen.
Jetzt gleich sollst du mit mir gehen.
Willst du mit mir gehn
Licht und Schatten verstehen
Willst du mit mir gehn...
AMALIA (Sie spielt nun eine Komödie und fällt ihm um den Hals.) Verzeih mir
Franz!!
AMALIA Mir ist so fad. (Sie reißt ihm den Degen von der Seite und tritt
hastig zurück.) Ich bin ein rasendes Weib. Dieser Stahl soll deine geile
Brust mitten durchrennen.
FRANZ Huch.
(Franz flüchtet.)
AMALIA Jetzt kann ich frei atmen. Daß mit dem Kloster ist keine schlechte Idee. Ich
wollte immer schon mal schweigen.
AMALIA Du störst.
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HERMANN Hör doch mal zu, blöde Kuh.
AMALIA Ja?
AMALIA Guter Mensch, kann ein Wort von deinen Lippen, die Riegel der Ewigkeit
aufreißen?
HERMANN Ich verstehe nur Bahnhof. Aber, was ich sagen wollte: Karl lebt.
HERMANN Ja, schon. Manchmal. Also vorher. Aber jetzt nicht. Und der
Alte lebt auch noch.
HERMANN Exakt.
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2. Szene
(Schlachtfeld.)
KARL VON MOOR (nach der Schlacht) Gerade hatte ich eine Vision.
KARL VON MOOR Sag ich doch. Meine Amalia. Sie fand irgendetwas, Verzeihung:
geil.
SCHWARZ Hm.
KARL VON MOOR Alles geht zum Teufel. Und sie findet irgendwas geil. Während
ich hier rum sitze. Mit meinen Männern.
KARL VON MOOR Frau, Frau, ja klar, von ner Frau. - Was denn sonst?
KARL VON MOOR (sentimental) Ich muß daran denken, als ich noch ein Bub war.
KARL VON MOOR Die Welt ist so schön. Diese Erde ist herrlich. - Und ich bin so
häßlich. Ein Ungeheuer.
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SCHWARZ (äfft ihn nach) Meine Unschuld ist weg.
SCHWARZ Weibisch.
KARL VON MOOR Meine Unschuld, meine Unschuld. Jetzt habe ich mich mit
diesen Mördern umgeben. Mit diesen Räubern. Die Räuber sind um mich.
Und meine Unschuld ist dahin.
SCHWARZ Unangenehm.
SCHWARZ Mist.
KARL VON MOOR War das schön, als ich noch im Schloß wohnte und
nicht in Böhmen.
GRIMM Wir haben schon mehrere Schlösser in Schutt und Asche gelegt. In Böhmen.
KARL VON MOOR Wißt ihr was ihr seid? Räuber. In Böhmen.
(Auftritt Schweizer.)
SCHWEIZER Hier ist dein Glas Wasser. Also dieser Hut. Du siehst ihn. Er hat kein
Loch. Jedenfalls, Roller ist tot. Als einziger. Wir haben 300 abgemurkst.
KARL VON MOOR Kein schlechtes Verhältnis. Dies zusammen mit diesem kalten
klaren Wasser - über meine Hände, über mein Gesicht, kaltes, klares, Wasser - ändert
alles.
Ich schwöre euch ewige Treue.
Bei den Gebeinen meines Rollers: Ich will euch niemals
verlassen!
(Auftritt Kosinski.)
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KOSINSKI (vor sich hin sprechend) Hier irgendwo muß ich ihn finden.
Immer dem Blutgeruch nach. He. Holla. Wer seid denn ihr? - Seid ihr die
Räuber?
GRIMM Hoho.
KOSINSKI Moment. (kramt einen Zettel hervor) - "Männer such ich, die dem Tod
ins Gesicht sehen, und die Gefahr wie eine zahme Schlange um sich spielen lassen,
die Freiheit höher schätzen als Ehre und Leben, deren bloßer Name, willkommen
den Armen und Unterdrückten, die Beherztesten feig und Tyrannen bleich macht."
So ungefähr.
Mit einem Wort: Die Räuber.
GRIMM Was?
KARL VON MOOR Mir ist jetzt unklar, wieso der hier auftaucht. Dann frag ich doch
mal: Was führt sie zu uns?
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Morden – in Böhmen – zu ersticken suchte.
KARL VON MOOR Heieiei. Da erkenne ich mich wieder. Du bist mir ein rechter
böser Räuber.
KARL VON MOOR Auf ein Wort. Das Morden ist nicht so lustig wie sichs anhört.
KOSINSKI Nein?
SCHWEIZER Doch. Doch. Ich meine… Wenn man einmal dabei ist, gehts fast von
selbst.
KARL VON MOOR Also, damit hier kein falscher Eindruck entsteht. Wir morden
nicht zum Spaß sondern aus höherer Gerechtigkeit. Und das ist kein Spaß.
KARL VON MOOR Jetzt haltet mal die Klappe. Also Kosinski. Überlege es dir gut.
Und antworte: Was hat dich bewogen das Räuberhandwerk - ob es ein Handwerk
ist, oder eine Kunst, oder ein Kunsthandwerk, da müssen wir nochmal drüber
sprechen - ausüben zu wollen?
KOSINSKI Also, da kommen wir zum Kern des Pudels. Man glaubt es kaum. Was
für eine abgeschmackte Idee. Also:
Ich liebte ein Mädchen.
SCHWARZ (beiseite) Wie gesagt ich lehne das ab. Es stört auch unsere
Kameradschaft.
KOSINSKI Gerade wollte ich sie heiraten. Da werde ich unter einem Vorwand
hinweggelockt. In Briefen wüst verleumdet und ins Gefängnis geworfen. Ich komme
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nochmal raus, aber da ist mein Mädchen verschwunden. Man hat sie gezwungen die
Geliebte des Fürsten zu werden. Despotismus!!
KOSINSKI Jetzt kommt das Beste. Sie hieß auch noch Amalia!
ALLE Nein!
KOSINSKI Doch.
ALLE Nein!
ALLE Nein!
KOSINSKI Doch.
KARL VON MOOR Ich muß zurück. Zu meiner Amalia! Nach Franken. Weg von
Böhmen. Ich kann dieses Gehölze nicht mehr sehen. Packt euren Kram. Schwingt die
Hufe. Auf zu Amalien.
KOSINSKI Fein.
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