Kongress der Nordbayerischen Bläserjugend, Geiselwind 2009 1
Saxophonworkshop Teil 3
Workshop für Saxophon, Teil 3
Materialworkshop (Blätter, Mundstücke, Blattschrauben, Gurtsysteme)
mit Saxofourte: Thomas Sälzle, Christoph Heeg, Simon Hanrath und Daniela Wahler
Tipps zur Blätter-Auswahl
1. Material
Fast alle Blätter werden aus Schilfrohr (Reed) hergestellt, das überwiegend in der Region im
Südosten von Frankreich angebaut wird. In Ausnahmefällen werden auch Blätter aus
Kunststoff eingesetzt, die länger verwendbar sind als Holzblätter, aber einen veränderten
Klang hervorbringen. Eine Zwischenstellung nimmt das Rico PASTICOVER ein, ein
Holzblatt, das mit einer Kunststoffschicht überzogen ist. So ist das Blatt vor Schmutz und
Feuchtigkeit geschützt und hält i. d. R. etwas länger als ein gewöhnliches Blatt.
2. Schnitt des Blattes
Die Blatt-Bahn (siehe Abbildung) ist völlig plan und liegt auf dem Mundstück auf. Während
der Blattschaft mit der Blattschraube festgehalten wird, schwingt der vordere Teil des Blattes.
Die Länge des schwingenden Bereichs und die Dicke von Herz und Blattspitze bestimmen
Ansprache und Klang. Man unterscheidet amerikanischen und französischen Blattschnitt.
Beim französischen Schnitt ist auch der Bereich zwischen Schaft und vorderem Teil des
Blattes angeschliffen (wie Abbildung), beim amerikanischen Schnitt ist die Rinde in diesem
Bereich nicht entfernt. Außerdem typisch beim französischen Schnitt ist eine dünne
Blattspitze und stärkeres Herz.
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3. Blattstärken
Die Rohrblätter werden in verschiedenen Stärken hergestellt (beim Bestellen mitangeben!).
Die Blattstärke ist ein Maß für die Dichte und Festigkeit des Blatts. Die Stärke wird häufig in
Nummern angegeben (z.B. 1 1/2 oder 2); dabei gilt je kleiner die Zahl, desto weicher und
leichter ist das Blatt. Oder die Blattstärke wird mit (englischen) Adjektiven beschrieben als
z.B. "medium soft" oder "hard". Für die Auswahl der Blattstärke gibt es folgende Faustregeln:
• In der Regel benutzen Anfänger weichere Blätter als Fortgeschrittene oder Profis.
• Mundstück mit großer Bahnöffnung = leichtes Blatt
Mundstück mit kleiner Bahnöffnung = schweres Blatt mit viel Herz und dünner
Blattspitze
• Trockene Umgebung mit guter Resonanz = weichere Blätter
Feuchte Umgebung, schwache Akustik und im Freien = härtere Blätter
Ein Ausprobieren diverser Marken und Blattstärken bleibt die einzige Methode, sein
individuelles Blatt herauszufinden.
4. Behandlung der Blätter
Bevor ein Blatt benutzt wird, muss es angefeuchtet werden. Dafür kann es für 2-3 Minuten in
Wasser getaucht, oder mit dem Mund befeuchtet werden. Danach wird das feuchte Blatt auf
das Mundstück gelegt und mit der Blattschraube am Schaft befestigt. Die Schraube sollte
weder zu fest noch zu locker angezogen werden. Zur Überprüfung, ob das Blatt richtig sitzt,
kann man Folgendes ausprobieren: Das Mundstück wird auf den Handteller aufgesetzt und
gleichzeitig wird Luft durch die Bahnöffnung angesaugt. Sitzt das Blatt richtig, wird dabei ein
Unterdruck erzeugt, der beim Loslassen mit einem leichten "Plopp" wieder entweicht.
Jedes Blatt muss erst eingespielt werden, bis es optimal klingt. Empfohlen wird, es die ersten
Tage nur kurze Zeit zu spielen, bevor es für den normalen Gebrauch eingesetzt wird. Da
jedes Holzblatt mit der Zeit schwächer wird und sich die Lippenmuskeln daran gewöhnen,
erscheinen neue Blätter der gleichen Stärke später als härter. Deshalb ist es nicht sinnvoll,
ein "Lieblingsblatt" zu lange zu spielen. Sinnvoll ist es, mehrere Blätter zu spielen und diese
regelmäßig zu wechseln. Sehr geeignet für die Aufbewahrung von Blättern sind Reedgards
(für 2 oder 4 Blätter).
Die Blätter sollten nach dem Üben/Spielen keinesfalls auf dem Mundstück verbleiben.
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Tipps zur Blattbehandlung
Tipp zu Anfang:
Dass man sich als Saxophonist, im Besitz eines traumhaften Saxophonblattes, so richtig
wohlfühlen kann und einem musikalisch fast alles gelingt, was man sich so vorgestellt hat,
das ist kein Märchen und es muss auch kein Wunschtraum bleiben, aber es bedarf einer
intensiven, sorgfältigen Vorbereitung.
Im Allgemeinen beginnt man damit, sich unter den neuen Blättern einige Favoriten
auszusuchen. Mit einer kleinen Auswahl von fünf bis zehn Blättern kann man dann anfangen
zu arbeiten.
Zum Einblasen sollte man kein Blatt länger als fünf bis zehn Minuten benutzen. Spätestens
dann, wenn die Blattspitze sichtbar Wasser aufgesogen hat, sollte man das Blatt wechseln.
Nach drei bis vier Tagen des Einblasens haben die Saxophonblätter bereits die ersten
Veränderungen durchgemacht und vielleicht ist es notwendig, die eine oder andere Korrektur
vorzunehmen (vgl.: bei allen Veränderungen gilt...).
Nach drei bis vier Tagen heben sich meist die zwei oder drei besten Blätter aus der kleinen
Favoritenserie ab. Diese werden bei sorgfältiger Pflege meist für eine längere Zeit zu treuen
Freunden und zuverlässigen Wegbegleitern eines Saxophonisten im Konzert.
Der Tipp für die Jahreszeit:
Alle Saxophonblätter bestehen aus Rohrholz, einem natürlichen Werkstoff. Als solcher
arbeitet er unablässig und verändert sich je nach Luftdruck oder Luftfeuchtigkeit.
Die Erfahrungen der verschiedensten international tätigen Solisten und Orchestermusikern
haben einige Gemeinsamkeiten: Auf Meereshöhe ist das gleiche Blatt leichter als im
Hochgebirge. Bei warmer, feuchter Außenluft ist ein Blatt leichter als bei Kälte und
Trockenheit.
Bei allen Veränderungen gilt: Die Unterfläche des Blattes quer zur Faserrichtung quillt auf
und dies führt dazu, dass das Blatt schlecht anspricht und sich auch die Klangfarben nicht
mehr kontrollieren lassen.
So kannst du dir helfen: Biege die Blattspitze auf einer ebenen Fläche ein wenig zurück
(entgegengesetzt zur Mundstücksbahn) und beseitige eine evtl. aufgequollene Wölbung der
Unterseite (in Querrichtung des Blattes) durch Abschleifen des Blattes auf einem
Abziehstein, einem Blatt Papier bzw. feinem Schleifpapier oder durch Polieren auf einem
feinen Karton. (Das gewässerte Blatt in Faserrichtung hin und her bewegen, dabei die
Blattunterseite mit drei Fingern einer Hand von oben leicht gegen den Stein, das Blatt bzw.
Schleifpapier oder Karton drücken.)
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Weitere Tipps:
Bei neuen Blättern kommt es häufiger vor, dass sie anfangs sehr schwer zu blasen sind und
viel Luft benötigen um anzusprechen.
Drücke zur Abhilfe bei aufgebundenem Blatt den Daumennagel quer zur Faserrichtung im
Abstand von ca. 1 cm von der Blattspitze einmal fest ins Holz (Vorsicht, nur so fest, wie die
Mundstückbahn dies zulässt!). Keine Angst, durch zunehmende Feuchtigkeitsaufnahme
bildet sich der entstehende Abdruck wieder zurück. Der Effekt dürfte dich verblüffen; denn
diese Abhilfe zerschneidet regelrecht Querspannungen innerhalb des Holzes und so
manches tolle Holz kommt erst richtig zur Geltung.
Bei Blättern, die einseitig ansprechen, kann es schon mal passiert sein, dass ein Rohling mit
schrägem Verlauf der Holzfasern nicht aussortiert wurde.
Hilf dir, indem du die Seite etwas leichter machst, zu der hin die Fasern in der Blattspitze
verlaufen. Dünne auch die Spitze auf dieser Seite mit Hilfe eines kleinen Stückchen
Sandpapiers (Körnung 400) etwas aus, welches um den Mittelfinger gelegt auf einer
Glasplatte vorsichtig über die Spitze in Richtung des Blattrückens bewegt wird.
Diese Maßnahme taugt auch, um die Ansprache eines etwas bockigen Zeitgenossen zu
verbessern.
Tipps zur Mundstück-Auswahl
1. Material
Für Mundstücke werden unterschiedliche Materialien verwendet (Kunststoffe, Kautschuk,
Ebonit, Holz, Kristallglas, Stahl, Bronze, u.a.). Jedes Material hat aufgrund seiner
Zusammensetzung eine eigene Klangcharakteristik. Ebenfalls einen Einfluß auf das
Resonanzverhalten und somit auf den Klang hat die Oberflächenveredlung.
Metall klingt heller (und lauter) als Kautschuk
2. Tonkammer/Bohrung
Der Raum im Inneren des Mundstücks beeinflusst das Einschwingverhalten der Luftsäule im
Instrument. Er ist mitverantwortlich für die Anzahl und die Intensität der Obertöne im
Klangspektrum. Je kleiner das Volumen des Mundstücks, desto heller wird der Klang. Auch
die Gestaltung der Tonkammer ist von Bedeutung. Entscheidend ist hierbei die Form des
Tonkammerdaches, also der Stelle im Mundstück, auf die der Luftstrom zuerst trifft. Konvexe
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(zur Blattunterseite gewölbte) Formen erzeugen einen schärferen und lauteren Klang.
Konkave (zur Bissplatte gewölbte) Formen bewirken das Gegenteil.
weite Bohrung (große Kammer) = dunkler, weicher Klang
enge Bohrung (kleine Kammer) = heller, scharfer Klang
Hinweis: Mit dem Wechsel eines Mundstückes verändert man das Volumen der
schwingenden Luftsäule im Instrument. Dies beeinflusst die Intonation. Extrem große oder
sehr kleine Tonkammern sind oft nur schwer stimmig zu spielen.
3. Bahnöffnung
Die Größe der Bahnöffnung bestimmt die Distanz, innerhalb derer das Blatt als Tongenerator
schwingen kann. Ist die Distanz groß, wird man ein biegsames (leichteres) Blatt verwenden
und umgekehrt. In jedem Fall muß das Verhältnis Bahnöffnung/Blattstärke harmonieren. Ein
zu leichtes Blatt klingt quäkig oder pfeift, ein zu schweres Blatt erzeugt Luftgeräusche, tiefe
Töne lassen sich gar nicht oder nur sehr laut produzieren.
große Bahnöffnung = leichtes Blatt
kleine Bahnöffnung = schweres Blatt
Je größer die Bahnöffnung ist, desto leichter ist es zu variieren (Noten ziehen, Bindungen
spielen, Lautstärke produzieren). Solistisch hat man mehr Möglichkeiten. Allerdings wird es
schwieriger, die Intonation zu kontrollieren und man braucht mehr Luft. Bei extrem offenen
Bahnen ist es zudem kaum noch möglich, leise zu spielen.
große Bahnöffnung = mehr Variationsmöglichkeiten
kleine Bahnöffnung = leichter zu kontrollieren, weniger Kraftaufwand
4. Bahnlänge
Die Länge der Bahn wird von der Mundstückspitze bis zu dem Punkt gemessen, wo die
Bahnkrümmung aufhört, das heisst, wo die Blattunterseite (im Ruhezustand) das Mundstück
berührt. Diese Bahnlänge ist sehr unterschiedlich und richtet sich funktionell nach der
Bahnöffnung. In der Regel gilt, je größer die Bahnöffnung, desto kürzer die Bahnlänge.
Einige Hersteller (Berg Larsen, Meyer) bieten verschiedene Bahnlängen bei gleicher
Bahnöffnung an.
lange Bahn = für sehr starken Ansatz
mittlere Bahn = für normalen Ansatz
kurze Bahn = für schwachen Ansatz (der Klang wird etwas dünner)
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Ganz generell gilt: einfach ausprobieren und für sich selbst das Beste herausfinden!
Viel Spaß dabei!