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Norme suisse
Norma svizzera
Ersetzt zusammen mit der Norm SIA 269/1 die Richtlinie SIA 462, Ausgabe 1994
269
Referenznummer Herausgeber
SN 505269:2011 de Schweizerischer Ingenieur-
und Architektenverein
Gültig ab: 2011-01-01 Postfach, CH-8027 Zürich
Der SIA haftet nicht für Schäden, die durch die Anwendung der vorliegenden Publikation entstehen können.
2011-01 1. Auflage
Seite Seite
2 Grundsätze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
2.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
2.2 Überwachung und Instandhaltung . . . . . . . 10
2.3 Überprüfung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
3 Anforderungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
3.1 Nutzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
3.2 Tragsicherheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
3.3 Gebrauchstauglichkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
3.4 Verhältnismässigkeit von Erhaltungs-
massnahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
4 Aktualisierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
4.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
4.2 Aktualisierung von Einwirkungen . . . . . . . . . 13
4.3 Aktualisierung von Baustoff- und
Baugrundeigenschaften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
4.4 Aktualisierung von Tragwerksmodellen
und geometrischen Grössen . . . . . . . . . . . . . . . 13
4.5 Aktualisierung von Tragwiderständen
und des Verformungsvermögens . . . . . . . . . 14
6 Überprüfung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
6.1 Vorgehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
6.2 Zustandserfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
6.3 Zustandsbeurteilung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
6.4 Massnahmenempfehlung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
7 Erhaltungsmassnahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
7.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
7.2 Instandsetzung und Veränderung . . . . . . . . 22
7.3 Überwachung und Instandhaltung . . . . . . . 23
7.4 Sichernde Sofortmassnahmen . . . . . . . . . . . . 23
7.5 Ergänzende Sicherheitsmassnahmen . . 23
Die Norm SIA 269 liefert die Grundsätze und die Vorgehensweise bei der Behandlung bestehender Tragwerke und richtet
sich an die Fachleute der Erhaltung von Bauwerken. Zudem sind in den Kapiteln zu Überprüfung und Massnahmenpla-
nung die Werkeigentümer angesprochen.
Die Norm SIA 269 ist Bestandteil der Tragwerksnormen des SIA. Sie stützt sich auf die Grundlagen der Norm SIA 469
Erhaltung von Bauwerken und ergänzt die Norm SIA 260 im Bereich der Erhaltung bestehender Tragwerke.
Die Norm SIA 269 ist die grundlegende Norm auf dem Gebiet der Erhaltung von Tragwerken und wird für die Einwirkun-
gen und die verschiedenen Bauweisen durch folgende Normen ergänzt:
– Norm SIA 269/1 Erhaltung von Tragwerken – Einwirkungen
– Norm SIA 269/2 Erhaltung von Tragwerken – Betonbau
– Norm SIA 269/3 Erhaltung von Tragwerken – Stahlbau
– Norm SIA 269/4 Erhaltung von Tragwerken – Stahl-Beton-Verbundbau
– Norm SIA 269/5 Erhaltung von Tragwerken – Holzbau
– Norm SIA 269/6 Erhaltung von Tragwerken – Mauerwerksbau
– Norm SIA 269/7 Erhaltung von Tragwerken – Geotechnik.
Für die Überprüfung bestehender Gebäude bezüglich Erdbeben gilt das Merkblatt SIA 2018 weiterhin. Es ist jedoch vor-
gesehen, die Erhaltungsnormen mit einer Norm SIA 269/8 Erhaltung von Trag werken – Erdbeben zu ergänzen.
Die Normen SIA 269/1 bis 269/8 sind ebenfalls Bestandteil der Tragwerksnormen des SIA und ergänzen die Reihe der
Normen SIA 261 bis 267.
Die Norm SIA 269 ersetzt zusammen mit der Norm SIA 269/1 die Richtlinie SIA 462 (1994) Beurteilung der Tragsicher-
heit bestehender Bauwerke.
Die Anwendung der Norm SIA 269 setzt eine detaillierte Kenntnis der Normen SIA 260 und 469 voraus. Begriffe, die in
diesen beiden Normen schon definiert sind, insbesondere auch die Begriffe betreffend die Erhaltung, werden im Kapitel
Verständigung nicht mehr aufgeführt.
Die Norm SIA 269 führt die Fachausdrücke «Aktualisierung», «Erfüllungsgrad», «Massnahmenkonzept», «Massnahmen-
projekt» und «Verhältnismässigkeit von Erhaltungsmassnahmen» ein. Zudem werden für die Überprüfung die Fachaus-
drücke «Überprüfungssituation» und «Überprüfungswert» (in Anlehnung an die entsprechenden Fachausdrücke für die
Projektierung von Tragwerken) verwendet. Der Begriff «Mangel» wird im Sinne des allgemeinen Sprachgebrauchs ver-
wendet. Als «Mangel» gilt danach das Fehlen einer technischen oder körperlichen Eigenschaft, losgelöst von jeglicher
juristischen Interpretation. Aus einem Mangel kann daher nicht automatisch eine Mängelhaftung abgeleitet werden. Der
Begriff «Mangel» darf sich nicht nur auf den Zustand bei der Abnahme beziehen.
Bestimmte Aspekte bestehender Tragwerke werden gemäss einem risikobasierten Verfahren behandelt. Entsprechend
werden in der Norm SIA 269 die Fachausdrücke «Massnahmeneffizienz» und «Sicherheitskosten» definiert. Die Norm
SIA 269 führt Leitlinien ein für die Anwendung der Methoden der Zuverlässigkeitstheorie, weshalb deren grundlegende
Begriffe ebenfalls unter den Fachausdrücken aufgeführt werden. Die Umsetzung dieser Leitlinien bei der Festlegung des
Sicherheitsniveaus zum Nachweis der Tragsicherheit sowie bei der Beurteilung der Verhältnismässigkeit von Erhaltungs-
massnahmen setzt vertiefte Kenntnisse voraus.
Die Projektleitung anerkennt die Bedeutung des Expertenkollegiums im Sinne, wie es erstmals in der Richtlinie SIA 462
eingeführt wurde. In Beachtung des Prinzips der Trennung von technischen Bestimmungen und der Zuordnung der Ver-
antwortlichkeiten an die verschiedenen Leistungsträger wird jedoch auf eine ausdrückliche Behandlung des Experten-
kollegiums in der Norm SIA 269 verzichtet.
0.1 Abgrenzung
0.1.1 Die Norm SIA 269 legt die Grundsätze der Erhaltung von Tragwerken als Bestandteil von bestehenden Bau-
werken unter Berücksichtigung ihres Erhaltungswerts fest.
0.1.2 Die Norm SIA 269 gilt für alle bestehenden Tragwerke in unterschiedlichen Bauweisen in Analogie zur Norm
SIA 260.
0.1.3 Die Norm SIA 269 regelt die Tätigkeiten und Massnahmen im Zusammenhang mit der Erhaltung beste-
hender Tragwerke. Sie ergänzt im Bereich der Erhaltung von Tragwerken die Bestimmungen der Normen
SIA 469 und SIA 260.
0.1.4 Die Norm SIA 269 gilt in Verbindung mit den Normen SIA 269/1 bis 269/8. Für Anwendungen ausserhalb
des Geltungsbereichs dieser Normen sind die Grundsätze der Norm SIA 269 sinngemäss anzuwenden.
0.1.5 Bei Veränderungen sind in der Regel neue Tragwerksteile gemäss den Normen SIA 260 bis 267 und beste-
hende Tragwerksteile gemäss Norm SIA 269 sowie den Normen SIA 269/1 bis 269/8 zu behandeln. Von
dieser Regel kann in Bezug auf die Festlegung der veränderlichen Einwirkungen abgewichen werden, wenn
aufgrund von spezifischen Überlegungen andere Abgrenzungen angezeigt sind.
0.1.6 Die Norm SIA 269 darf für die Projektierung und Bemessung von neuen Tragwerken nicht verwendet werden.
0.2 Verweisungen
0.2.1 Auf das nachfolgend aufgeführte Merkblatt wird verwiesen. Dieses ist ganz oder in Teilen im Sinne der Ver-
weisung mitgeltend:
– Merkblatt SIA 2017 Erhaltungswert von Bauwerken.
0.2.2 Zurückgezogene Normen und Richtlinien dürfen nicht als normbezogene Bestimmungen, sondern nur im
Sinne der Verweisungen verwendet und nur zur Dokumentation ehemaliger Grundlagen in die Nutzungsver-
einbarung und in die Projektbasis aufgenommen werden.
0.3 Abweichungen
0.3.1 Abweichungen von der vorliegenden Norm sind zulässig, wenn sie durch Theorie oder Versuche ausrei-
chend begründet werden oder wenn neue Entwicklungen und Erkenntnisse dies rechtfertigen.
0.3.2 Abweichungen von der Norm sind in den Bauwerksakten nachvollziehbar und mit Begründung zu dokumen-
tieren.
1.1 Fachausdrücke
In Ergänzung zu den Fachausdrücken in den Normen SIA 260 und SIA 469 werden in der vorliegenden
Norm die nachstehend definierten, allgemeinen Fachausdrücke verwendet. Weitere, spezifische Fach-
ausdrücke werden in den Normen SIA 269/1 bis 269/8 definiert.
Verhältnismässigkeit von Erhaltungs- Gegenüberstellung von Aufwand und Nutzen von Erhaltungs-
massnahmen massnahmen mit dem Ziel eines effizienten Mitteleinsatzes.
p roportionnalité des interventions de main-
tenance
p roporzionalità degli interventi di conservazione
p roportionality of maintenance interventions
Versagensrate Auf eine Zeiteinheit (in der Regel 1 Jahr) bezogene Wahrschein-
taux de défaillance lichkeit, dass ein Tragwerk oder Tragwerksteil versagt oder eine
tasso di rottura Gebrauchsgrenze überschreitet.
failure rate
Zuverlässigkeitsindex Mass für die Versagensrate, formuliert als deren inverse stan-
indice de fiabilité dardisierte Normalverteilung.
indice di affidabilità
reliability index
E Auswirkung
EFM Massnahmeneffizienz
G(…) Grenzzustandsfunktion
P{…} Wahrscheinlichkeit
R Tragwiderstand
Xi Basisvariable
n Erfüllungsgrad
t Zeit
β Zuverlässigkeitsindex
γG,sup,act aktualisierter Lastbeiwert für ständige Einwirkungen (Überprüfung mit oberen Überprüfungs-
werten)
ψ2i Qki,act aktualisierter quasi-ständiger Wert der veränderlichen Einwirkung i in Kombination mit einer
aussergewöhnlichen Einwirkung bzw. dem häufigen Wert der (veränderlichen) Leiteinwirkung
Φ (...) Standard-Normalverteilungsfunktion
2.1 Allgemeines
2.1.1 Die Erhaltung bestehender Tragwerke hat aktuelle Anforderungen und Bedürfnisse, insbesondere in Bezug
auf die Sicherheit von Individuum und Gesellschaft, zu berücksichtigen. Sie hat wirtschaftlich und umwelt-
schonend sowie kultur- und sozialverträglich zu erfolgen.
2.1.2 Mit der Erhaltung eines bestehenden Tragwerks über die Restnutzungsdauer werden in Ergänzung bzw.
Präzisierung der Norm SIA 469 folgende Ziele verfolgt:
– die Anforderungen aus der Nutzung zu erfüllen
– die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen
– die Tragsicherheit und die Gebrauchstauglichkeit zu gewährleisten
– den Erhaltungswert zu bewahren
– das Potenzial eines Bauwerks auszuschöpfen.
2.1.3 Umfang und Inhalt der Tätigkeiten im Rahmen der Erhaltung sind der Bedeutung des Tragwerks, den Ge-
fährdungsbildern und der Komplexität der Aufgabenstellung anzupassen.
2.1.4 Im Hinblick auf bedeutende Erhaltungsmassnahmen ist der Erhaltungswert eines Bauwerks zu ermitteln.
2.2.1 Überwachung und Instandhaltung sind gemäss Norm SIA 469 für alle Arten von Tragwerken auszuführen.
Veränderte Bedingungen und neue Erkenntnisse sind zu berücksichtigen.
2.2.2 Die Überwachung hat zum Ziel, die Prognosen über das Tragwerkverhalten zu verifizieren und ein unvor-
hergesehenes Tragverhalten, Schädigungsmechanismen und Gefährdungen möglichst frühzeitig zu erken-
nen.
2.2.3 Die Instandhaltung beinhaltet die geplanten Tätigkeiten gemäss dem Unterhaltsplan und die Behebung klei-
ner Schädigungen. Diese Tätigkeiten haben vorwiegend präventiven Charakter.
2.2.4 Bei Feststellung von Schäden, Mängeln, unerwartetem Tragverhalten oder einer bedeutenden Beeinträchti-
gung des Tragwiderstands oder der Betriebssicherheit ist eine Überprüfung zu veranlassen. Gegebenen-
falls sind auch sichernde Sofortmassnahmen auszuführen.
2.3 Überprüfung
2.3.1 Die Überprüfung hat zum Ziel, die Tragsicherheit und die Gebrauchstauglichkeit eines Tragwerks hinsicht-
lich seiner vereinbarten Restnutzung nachzuweisen und, sofern erforderlich, Erhaltungsmassnahmen vor-
zuschlagen.
2.3.2 Die Nutzungsvereinbarung ist auf ihre Gültigkeit zu überprüfen, allenfalls anzupassen oder, wenn fehlend,
zu erstellen.
2.3.3 Die Projektbasis ist gemäss den Normen SIA 269/1 bis 269/8 zu aktualisieren oder, wenn fehlend, zu erstellen.
2.3.4 Die Überprüfung erfolgt auf Basis der Aktualisierung von Einwirkungen, Baustoff- und Baugrundeigen-
schaften, Tragwerksmodellen und geometrischen Grössen sowie von Tragwiderständen und des Verfor-
mungsvermögens. Die Aktualisierung hat alle verfügbaren Informationen zu berücksichtigen. Insbesondere
sind auch die Einflüsse von Schädigungsmechanismen zu beachten.
2.3.5 Die Nachweise erfolgen in der Regel nach dem deterministischen Verfahren gemäss den Grundsätzen der
Norm SIA 260.
3.1 Nutzung
Die Restnutzungsdauer und die zugehörigen Nutzungszustände eines Tragwerks und seiner Teile sind bei
der Überprüfung oder bei der Planung von Erhaltungsmassnahmen festzulegen.
3.2 Tragsicherheit
3.2.1 Die Tragsicherheit gilt als ausreichend, falls entweder rechnerisch das erforderliche Niveau der Tragsicher-
heit eingehalten ist oder die Möglichkeit eines Tragwerksversagens durch ergänzende Sicherheitsmass-
nahmen oder sichernde Sofortmassnahmen unter Kontrolle gehalten wird.
3.2.2 Der deterministische Nachweis der Tragsicherheit ist erbracht, falls die Bedingungen nach Ziffer 5.2.1 erfüllt
sind.
3.2.3 Der probabilistische Nachweis ist erbracht, falls die Bedingungen nach Anhang B erfüllt sind.
3.3 Gebrauchstauglichkeit
3.3.1 Bei unveränderter Nutzung wird die Gebrauchstauglichkeit in der Regel anhand der Ergebnisse der Zustands-
erfassung nachgewiesen. Die Erfahrungen der Nutzer sollten einfliessen.
3.3.2 Bei geänderter Nutzung ist die Gebrauchstauglichkeit anhand der Ergebnisse der Zustandserfassung sowie
mit den aktualisierten Einwirkungen und Gebrauchsgrenzen nachzuweisen.
3.3.3 Der deterministische Nachweis der Gebrauchstauglichkeit ist erbracht, falls die Bedingung nach Ziffer 5.2.2
erfüllt ist.
3.4.1 Die Verhältnismässigkeit von Erhaltungsmassnahmen ergibt sich aus der Gegenüberstellung von deren
Aufwand (direkte und indirekte Kosten für die Erfüllung der Anforderungen) und Nutzen (Reduktion von
Risiken, Gewinn an Erhaltungswert und Zuverlässigkeit), bezogen auf die Restnutzungsdauer.
3.4.2 In der Regel wird die Verhältnismässigkeit von Erhaltungsmassnahmen empirisch beurteilt. Bei sicherheits-
bezogenen Erhaltungsmassnahmen kann die Beurteilung durch den Nachweis nach Ziffer 5.4 unterstützt
werden.
3.4.3 Erweisen sich sicherheitsbezogene Erhaltungsmassnahmen als unverhältnismässig, ist entweder die Mass-
nahmenplanung zu überarbeiten oder die Nutzungsvereinbarung an die festgestellten Verhältnisse anzu-
passen. Im Fall von aussergewöhnlichen Überprüfungssituationen kann eine ungenügende Situation akzep-
tiert werden, auch wenn Bedingungen gemäss Ziffer 5.2 nicht erfüllt sind; das Individualrisiko ist jedoch
gemäss Ziffer B.4 zu beschränken.
3.4.4 Erweisen sich sicherheitsbezogene Erhaltungsmassnahmen als verhältnismässig, sind sie umzusetzen.
4.1 Allgemeines
4.1.1 Grundsätzlich sind die Einwirkungen, die Baustoff- und Baugrundeigenschaften, das Tragwerksmodell, die
geometrischen Grössen, die Tragwiderstände und das Verformungsvermögen zu aktualisieren.
4.2.2 Falls statistische Verteilungen für Variablen von veränderlichen Einwirkungen aufgrund von Messreihen
oder anderen Informationen vorhanden sind, darf aktualisiert werden, indem
– der charakteristische Wert der veränderlichen Einwirkung Qk,act entsprechend dem von der Wiederkehr-
periode abhängigen Fraktilwert oder
– der Überprüfungswert einer Auswirkung Ed,act nach dem Verfahren gemäss Anhang C ermittelt wird.
4.3.1 Die Identifikation der Baustoffe oder des Baugrunds erfolgt aufgrund des Studiums der Bauwerksakten und
bei der Zustandserfassung. Eine Baustoff- oder Baugrundeigenschaft Xk,act ist gemäss den Bestimmungen
der Normen SIA 269/2 bis 269/8 zu aktualisieren.
4.3.2 Angaben zur Aktualisierung von Umrechnungsfaktoren η und zu aktualisierten Widerstandsbeiwerten γM,act
enthalten die Normen SIA 269/2 bis 269/8.
4.4.1 Das gewählte Tragwerksmodell muss das Tragverhalten wirklichkeitsnah abbilden und sich für die Vorher-
sage des Tragverhaltens in den betrachteten Überprüfungssituationen eignen.
4.4.2 Die Aktualisierung von geometrischen Grössen ad,act basiert auf den vorhandenen Abmessungen sowie
Schädigungen und Mängeln, die im Rahmen der Zustandserfassung festgestellt werden. Widersprüche zu
den Bauwerksakten sind zu klären.
4.5.1 Die Aktualisierung des Tragwiderstands und des Verformungsvermögens erfolgt nach den Grundsätzen der
Normen SIA 262 bis 267, SIA 266/2 sowie SIA 269/2 bis 269/8. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich die
Einwirkungen und das Verformungsvermögen des Tragwerks gegenseitig beeinflussen können.
4.5.2 Die Einflüsse von Schädigungen und Mängeln auf den Tragwiderstand und das Verformungsvermögen sind
zu quantifizieren und als aktualisierte geometrische Grössen oder als aktualisierte Baustoff- und Baugrund-
eigenschaften zu berücksichtigen.
4.5.3 Falls statistische Verteilungen für Variablen zur Ermittlung des Tragwiderstands oder des Verformungs-
vermögens aufgrund von Beobachtungen und Messungen vorhanden sind, darf aktualisiert werden, indem:
– der charakteristische Wert einer Baustoff- oder Baugrundeigenschaft Xk,act nach den Normen SIA 269/2
bis 269/8 oder
– der Überprüfungswert des Tragwiderstands Rd,act nach dem Verfahren gemäss Anhang C ermittelt wird.
5.1 Allgemeines
5.1.1 Die Tragwerksanalyse und die Nachweise erfolgen analog zu den Grundsätzen der Norm SIA 260. Die ent-
sprechenden Einflussgrössen sind mit ihren aktualisierten Werten zu berücksichtigen.
5.1.2 Die den Nachweisen zugrunde gelegten Versagensarten des Tragwerks sind zu beurteilen. Insbesondere
ist zu beurteilen, ob sich das Versagen vor dem Erreichen des Tragwiderstands ankündigt.
[Link] Für die betrachtete Restnutzungsdauer und Grenzzustände des Typs 1 gilt die Tragsicherheit als nachge-
wiesen, wenn folgendes Kriterium für den Erfüllungsgrad n eingehalten ist:
Ed,stb,act
n= ≥1 (1)
Ed,dst,act
[Link] Für die betrachtete Restnutzungsdauer und Grenzzustände der Typen 2 bis 4 gilt die Tragsicherheit als
nachgewiesen, wenn folgendes Kriterium für den Erfüllungsgrad n eingehalten ist:
Rd,act
n= ≥1 (2)
Ed,act
[Link] Der Überprüfungswert des Tragwiderstands wird mit aktualisierten Querschnitts- und Baustoffkennwerten
gemäss den Normen SIA 269/2 bis 269/8 ermittelt:
R { Xd,act, ad,act}
Rd,act = (3)
γR,act
verwendet werden.
[Link] Für andauernde und vorübergehende Überprüfungssituationen sind die Überprüfungswerte einer Auswir-
kung wie folgt zu ermitteln:
[Link] Der Lastbeiwert für eine ständige Einwirkung γG,act darf gemäss Tabelle 1 aktualisiert werden, falls die
Aktualisierung der ständigen Einwirkungen gemäss Norm SIA 269/1 durchgeführt wird.
Grenzzustand
[Link] Die Reduktionsbeiwerte ψ0, ψ1 und ψ2 sind der Norm SIA 260 zu entnehmen.
[Link] Für aussergewöhnliche Überprüfungssituationen sind die Überprüfungswerte einer Auswirkung wie folgt zu
ermitteln:
[Link] Für Grenzzustände des Typs 4 ist der Nachweis der Ermüdungssicherheit mit einem der folgenden Verfah-
ren zu führen:
– Dauerfestigkeitsnachweis mit den Ermüdungseinwirkungen der Norm SIA 269/1
– Betriebsfestigkeitsnachweis wie für neue Tragwerke mit Betriebslast-Teilfaktoren gemäss Norm SIA 269/1
– Nachweis mit einer Berechnung der Schadensakkumulation
– Nachweis mit der Methode des Strukturspannungskonzepts.
Dabei ist zwischen den Ermüdungseinwirkungen während der bisherigen Nutzungsdauer und der Restnut-
zungsdauer zu unterscheiden.
Für die betrachtete Überprüfungssituation gilt die Gebrauchstauglichkeit als nachgewiesen, wenn folgendes
Kriterium erfüllt ist:
Dabei bezeichnet Ed,act den Überprüfungswert der Auswirkung infolge der in der untersuchten Überprü-
fungssituation betrachteten Lastfälle und Cd,act die zugehörige aktualisierte Gebrauchsgrenze.
Falls aktualisierte Verteilungen der Basisvariablen vorhanden sind, darf die Tragsicherheit mit den Metho-
den der Zuverlässigkeitstheorie nachgewiesen werden.
5.4.4 Bei der Ermittlung der Risikoreduktion können für ein gerettetes Menschenleben 3 bis 10 Millionen Schwei-
zer Franken angenommen werden. Falls die Risikoreduktion allein unter Berücksichtigung von Menschen-
leben ermittelt wird, gilt eine sicherheitsbezogene Erhaltungsmassnahme als verhältnismässig, wenn
EFM ≥ 1,0 ist.
6.1 Vorgehen
6.1.1 Allgemeines
[Link] Die Überprüfung erfolgt stufenweise mit zunehmender Vertiefung. Sie besteht aus der generellen Überprü-
fung und gegebenenfalls aus einer oder mehreren detaillierten Überprüfungen. Der Grad der Vertiefung
hängt von der Qualität der zur Verfügung stehenden Informationen über das Tragwerk und dessen Bedeu-
tung ab.
[Link] Die Ergebnisse der Überprüfung müssen einer Plausibilitätskontrolle standhalten und dem beobachteten
Tragwerkszustand und -verhalten entsprechen.
6.1.2 Veranlassung
[Link] Bei Änderung der Nutzung oder der Nutzungsanforderungen sowie bei einer Veränderung besteht Veran-
lassung, ein bestehendes Tragwerk zu überprüfen.
[Link] In Ergänzung zu Ziffer [Link] besteht Grund für eine Überprüfung, wenn:
– bedeutende Schädigungen oder Mängel am Tragwerk festgestellt wurden
– bedeutende Baugrund- oder Tragwerksbewegungen oder -verformungen aufgetreten sind
– aussergewöhnliche oder unvorhergesehene Einwirkungen eingetreten sind
– ein Tragwerk nicht oder ungenügend überwacht wurde oder nicht überwacht werden kann
– aufgrund der Überwachung Zweifel an der Bewertung des Zustands bestehen
– eine Untersuchung der Zuverlässigkeit des Tragwerks angebracht erscheint
– neue Erkenntnisse über Einwirkungen oder Tragwerkseigenschaften vorliegen.
[Link] Die generelle Überprüfung erstreckt sich auf das gesamte Tragwerk einschliesslich aller Bauteile, bei deren
Versagen eine Gefährdung für Personen, wertvolle Sachgüter und die Umwelt zu erkennen ist.
[Link] Der Umfang der generellen Überprüfung und die Abgrenzung der zu untersuchenden Bauteile sind objekt-
spezifisch festzulegen.
[Link] Die generelle Überprüfung erfolgt in der Regel schrittweise gemäss Anhang A.
[Link] Eine detaillierte Überprüfung ist durchzuführen, falls in der generellen Überprüfung der Nachweis der Er-
füllung der Anforderungen nicht erbracht werden kann und wenn der damit verbundene Aufwand den erwar-
teten Nutzen rechtfertigt.
[Link] Die detaillierte Überprüfung beschränkt sich in der Regel auf ausgewählte Teile eines Tragwerks und kann
in mehreren Stufen mit zunehmender Vertiefung erfolgen (vgl. Anhang A).
6.2.1 Allgemeines
[Link] Die Zustandserfassung ist Grundlage für die Zustandsbeurteilung und die Massnahmenempfehlung. Sie
basiert auf der Nutzungsvereinbarung und der Projektbasis und berücksichtigt Inspektions- und Überprü-
fungsberichte sowie Erfahrungen der Benutzer.
[Link] Zu jeder Zustandserfassung gehört eine Beurteilung der Zuverlässigkeit und Plausibilität der Ergebnisse.
[Link] Im Vordergrund der Zustandserfassung steht das Beschaffen von Informationen über:
– das Tragwerk und Tragverhalten
– die Gefährdungsbilder und Nutzungszustände sowie Einwirkungen und deren Auswirkungen
– den Zustand von Tragwerksteilen, insbesondere jener, die starken Umwelteinflüssen ausgesetzt sind
– die Bauverfahren und die Baustoffe mit ihren heutigen und in Zukunft zu erwartenden Eigenschaften.
[Link] Die Vorbereitung der Zustandserfassung am Tragwerk beinhaltet in der Regel:
– die Zielsetzung mit Begründung der gesuchten Informationen
– das Untersuchungsprogramm mit Angaben zu allfälligen Nutzungsbeschränkungen während der Zustands-
erfassung
– die Angabe und die Begründung der Untersuchungsmethoden
– Art und erwartete Ergebnisse von Untersuchungen am Tragwerk und von Laborprüfungen
– Angaben über die Repräsentativität der Untersuchungen und der erwarteten Ergebnisse
– Angaben zur Instandsetzung bei Probenahmen und Sondierungen.
6.2.2 Untersuchungen
[Link] Im Hinblick auf die Festlegung des Tragwerkmodells sind die statischen und kinematischen Randbedingun-
gen, wie Einspannungen, Lagerungsbedingungen und Beweglichkeit von Fugen, zu erfassen. Insbesondere
sind die Interaktion zwischen Tragwerk und Baugrund sowie die Stabilität des Gesamtsystems und der ein-
zelnen Tragwerksteile zu untersuchen.
[Link] Die Untersuchung hat jene Bauteile zu umfassen, die das Tragverhalten des Tragwerks beeinflussen.
[Link] Bei ermüdungsbeanspruchten Tragwerken ist die konstruktive Durchbildung zu untersuchen, um ermüdungs-
empfindliche Konstruktionsdetails zu erkennen und die Ermüdungsfestigkeiten gemäss den Normen SIA 269/2
bis 269/5 zu ermitteln.
[Link] Eine Veranlassung für die Ermittlung des Tragverhaltens anhand von statischen oder dynamischen Belas-
tungsversuchen besteht:
– bei ungenügenden Kenntnissen und Informationen über das Tragwerk und dessen Tragverhalten
– zum Nachweis eines elastischen Tragwerkverhaltens
– zur Kalibrierung von Tragwerksmodellen für die Tragwerksanalyse
[Link] Bei Belastungsversuchen wird das Verhalten des Tragwerks und der Tragwerksteile erfasst und aufgezeigt,
ob unter bestimmten Belastungen die Verformungen des Bauwerks reversibel sind und übermässige
Rissbildungen, Schwingungen oder Verschiebungen ausbleiben.
[Link] Die Ergebnisse von Belastungsversuchen sind anhand von Tragwerksmodellen zu interpretieren. Dabei sind
die Einflüsse, die im Versuch nicht oder nur ungenügend modelliert werden können, besonders zu beachten.
6.3 Zustandsbeurteilung
6.3.1 Allgemeines
[Link] Die Zustandsbeurteilung bewertet den Zustand des Tragwerks als Gesamtes oder von einzelnen Bauteilen
bezüglich Tragsicherheit, Gebrauchstauglichkeit und Dauerhaftigkeit. Sie beinhaltet eine Abschätzung der
weiteren Zustandsentwicklung.
[Link] Das Tragwerk ist auch hinsichtlich seiner Robustheit zu beurteilen. Dabei sind die Folgen von Schädigun-
gen infolge aussergewöhnlicher Einwirkungen oder Umwelteinflüssen auf die Tragfähigkeit und die Stabilität
des Tragwerks mit Gefährdungsbildern und entsprechenden Versagensszenarien zu untersuchen.
[Link] Bei den Versagensszenarien ist zu unterscheiden zwischen last-, kraft- oder verformungsinduzierten Vor-
gängen, die sich vor Erschöpfung des Tragwiderstands mit unterschiedlich grossen Verformungen ankündi-
gen können. Es ist abzuklären, ob ein zum Versagen führender Vorgang rechtzeitig festgestellt werden
kann.
[Link] Nicht einsehbare und nicht direkt prüfbare Tragwerke oder Tragwerksteile sind anhand indirekter Hinweise
zu beurteilen.
[Link] Ist eine Zustandsbeurteilung nicht mit ausreichender Zuverlässigkeit möglich, kann die Massnahmenplanung
unter sinngemässer Anwendung der Beobachtungsmethode gemäss den Normen SIA 260 und 267 erfolgen.
[Link] Die Zustandsbeurteilung beruht wenn möglich auf einer quantitativen, andernfalls auf einer empirischen
Analyse.
[Link] Bei der quantitativen Analyse der Tragsicherheit und der Gebrauchstauglichkeit ist festzustellen, ob die ent-
sprechenden Nachweise erfüllt sind. Dabei ist für die Tragsicherheit der Erfüllungsgrad auszuweisen.
[Link] Modellunschärfen und die Bedeutung der massgebenden Überprüfungswerte können anhand einer Sensiti-
vitätsanalyse untersucht werden.
[Link] Kann keine genügende Tragsicherheit nachgewiesen werden, sind die Wahl des Tragwerkmodells und der
Einfluss der massgebenden Parameter auf das Ergebnis des Nachweises der Tragsicherheit zu beurteilen.
Es ist festzustellen, ob sich der massgebende Versagensmechanismus vor Erreichen des Tragwiderstands
ankündigt. Weiter ist abzuschätzen, ob eine zusätzliche, detaillierte Überprüfung neue Erkenntnisse liefern
kann.
[Link] Kann der Nachweis des Grenzzustands des Typs 4 nicht erbracht werden, ist abzuschätzen, ob eine zusätz-
liche, detaillierte Überprüfung neue Erkenntnisse liefern kann. Diese beinhaltet einzeln oder in Kombi-nation:
– eine verfeinerte Ermittlung der bisherigen und künftigen Ermüdungseinwirkungen unter Berücksichti-
gung der Restnutzungsdauer
– eine verfeinerte Tragwerksanalyse oder Belastungsversuche zur genaueren Ermittlung der ermüdungs-
relevanten Spannungsgrössen
– eine verfeinerte Ermittlung der Ermüdungsfestigkeit, allenfalls anhand von Versuchen
– die Anwendung der Methoden der Zuverlässigkeitstheorie zur Ermittlung der Versagenswahrscheinlich-
keit.
[Link] Eine empirische Analyse ist insbesondere dann vorzunehmen, wenn der Nachweis der Tragsicherheit ge-
mäss Ziffer 5.2.1 oder 5.3 nicht oder nicht ausreichend zuverlässig erbracht werden kann.
[Link] Bei einer empirischen Analyse darf eine genügende Tragsicherheit vermutet werden, wenn alle folgenden
Bedingungen erfüllt sind:
– Es sind keine Schädigungen und Mängel feststellbar, welche die Tragfähigkeit mindern.
– Das Tragwerk hat über eine längere Nutzungsdauer ein befriedigendes Tragverhalten gezeigt.
– Ähnliche Erfahrungen mit dem Tragverhalten von vergleichbaren Tragwerken liegen vor.
– Für die Restnutzungsdauer sind keine Änderungen der Nutzung vorgesehen.
– Das Risiko eines Tragwerksversagens und dessen Folgen können als akzeptierbar eingestuft werden.
[Link] Falls eine genügende Tragsicherheit aufgrund einer empirischen Analyse vermutet wird, sind ergänzende
Sicherheitsmassnahmen gemäss Ziffer 7.5 zu treffen.
[Link] Die Prognose der Zustandsentwicklung beinhaltet Angaben zur voraussichtlichen Entwicklung des Zustands
des Tragwerks sowie der Tragsicherheit und der Gebrauchstauglichkeit.
[Link] Bei der Prognose der Zustandsentwicklung werden die voraussehbaren Veränderungen der Einwirkungen,
der Tragwiderstände und des Tragverhaltens unter Einbezug möglicher Schädigungsmechanismen berück-
sichtigt.
[Link] Qualitative Aussagen zur Zustandsentwicklung beruhen auf der Zustandserfassung sowie auf Erfahrungen
vergleichbarer Tragwerke.
[Link] Quantitative Aussagen zur Zustandsentwicklung beruhen auf einer Modellbildung von zeitabhängigen Ein-
wirkungen, Schädigungsmechanismen und anderen zeitabhängigen Vorgängen.
[Link] Die Prognose der Zustandsentwicklung ist mit der in der Nutzungsvereinbarung festgelegten Restnutzungs-
dauer zu vergleichen.
6.4 Massnahmenempfehlung
6.4.1 Die Massnahmenempfehlung bildet die Basis für den Grundsatzentscheid des Werkeigentümers über das
weitere Vorgehen.
6.4.3 Falls der Nachweis des Grenzzustands des Typs 4 nicht erbracht werden kann, stehen zunächst ergän-
zende Sicherheitsmassnahmen im Vordergrund. Erst wenn sich diese als ungenügend erweisen sollten, ist
eine Veränderung des Tragwerks erforderlich.
7.1 Allgemeines
7.1.1 Die Massnahmenplanung beruht auf dem Grundsatzentscheid des Werkeigentümers über die vorgesehe-
ne Nutzung des Tragwerks und über das weitere Vorgehen.
7.1.2 Im Rahmen der Massnahmenplanung sind auf die Restnutzungsdauer ausgerichtete betriebliche und/oder
bauliche Erhaltungsmassnahmen zu definieren.
7.1.3 Die Interaktion des bestehenden Tragwerks oder Tragwerkteils mit bestehenden anderen Bauteilen, mit be-
nachbarten Bauwerken und dem Baugrund ist zu beachten.
7.1.4 Der Einfluss einer Erhaltungsmassnahme auf die Einpassung, die Gestaltung und die kulturellen Werte
sowie bei historischen Bauwerken auch auf die Erhaltung der Originalsubstanz ist aufzuzeigen.
7.1.5 Die Funktionsweise und die zu erwartende Wirksamkeit der Erhaltungsmassnahme zur Gewährleistung der
Dauerhaftigkeit während der Restnutzungsdauer sind auszuweisen.
7.1.6 Im Anschluss an die Umsetzung von Erhaltungsmassnahmen sind die Nutzungsvereinbarung zu bestäti-
gen, die Projektbasis zu aktualisieren und die Nutzungsanweisungen umzusetzen.
7.1.7 Nach der Ausführung von Erhaltungsmassnahmen ist zu verfolgen, ob sich diese bewähren. Die dazu erfor-
derlichen Kontrollen sind im Überwachungsplan zu ergänzen.
7.2.1 Allgemeines
[Link] Die Instandsetzung eines Tragwerks beinhaltet Massnahmen, die in der Regel eine Kombination folgender
Ziele umfassen:
– Ursachen von Schädigungen beseitigen
– Schädigungsmechanismen verlangsamen oder unterbinden
– Schädigungen und Mängel beheben
– das Tragwerk oder Tragwerksteile schützen.
[Link] Bei der Projektierung einer Instandsetzung sind Ausführungsrisiken und die zu ihrer Beherrschung notwen-
digen Steuergrössen zu berücksichtigen.
[Link] Bei der Beurteilung der Verhältnismässigkeit von Erhaltungsmassnahmen ist die Beeinflussung des kultu-
rellen Werts besonders zu beachten.
7.2.2 Massnahmenkonzept
[Link] Das Massnahmenkonzept entspricht in Inhalt und Umfang der Projektstufe Vorprojekt.
[Link] Das Massnahmenkonzept wird aufgrund einer Optimierung von Erhaltungsvarianten gewählt.
[Link] Grundlagen für die Erhaltungsvarianten sind die Ergebnisse der Überprüfung, die Ziele der Bauwerks-
bewirtschaftung, die gegenwärtige und künftige Nutzung, die Restnutzungsdauer, der Erhaltungswert sowie
die gesetzlichen Auflagen.
[Link] Das Massnahmenprojekt entspricht in Inhalt und Umfang der Projektstufe Bauprojekt.
7.3.1 Überwachung und Instandhaltung erfolgen gemäss dem aktualisierten Überwachungs- und Unterhaltsplan.
7.3.2 Können starke Schädigungen nicht behoben werden, ist als ergänzende Sicherheitsmassnahme eine inten-
sivere Überwachung zu veranlassen.
7.4.3 Sichernde Sofortmassnahmen dürfen weitergehende Massnahmen weder präjudizieren noch verhindern.
Grundlagen Grundlagen
Zustandserfassung Zustandserfassung
Ziff. 5 Ziff. 5
Zustandsbeurteilung Zustandsbeurteilung
Ziff. 6.3 Ziff. 6.3
– quantitativ – quantitativ
– empirisch – empirisch
– Prognose der Zustandsentwicklung – Prognose der Zustandsentwicklung
Massnahmenempfehlung Massnahmenempfehlung
Ziff. 6.4 Ziff. 6.4
B.1 Die Anforderung an die Tragsicherheit wird durch den Zielwert des Zuverlässigkeitsindexes oder durch das
Individualrisiko festgelegt.
B.2 Der Zielwert des Zuverlässigkeitsindexes β0 ist abhängig von den Konsequenzen eines Tragwerksversa-
gens. Diese werden mit Hilfe des Koeffizienten ρ abgeschätzt.
CF
ρ= (9)
CW
CF bezeichnet alle direkten Kosten bei Versagen, CW die Kosten zur Wiederherstellung des Tragwerks nach
dem Versagen.
Bei Konsequenzen ρ > 10 oder hohen Folgekosten bei Versagen ist das erforderliche Niveau der Trag-
sicherheit aufgrund einer Risikoanalyse festzulegen.
Kann in der Phase der Überprüfung keine Effizienz von sicherheitsbezogenen Erhaltungsmassnahmen be-
stimmt werden, ist EFM = 1 anzusetzen.
C.2 Der Überprüfungswert von normalverteilten Auswirkungen (E), Variablen des Tragwiderstands (R) und der
Steifigkeit darf wie folgt bestimmt werden:
Em,act und Rm,act sind aktualisierte Erwartungswerte, νE,act und νR,act sind aktualisierte Variationskoeffizienten
und αE und αR sind Sensitivitätsfaktoren.
β0 ist der Zielwert des Zuverlässigkeitsindexes und kann aus Tabelle 2 entnommen werden.
C.3 Der Überprüfungswert von lognormalverteilten Auswirkungen (E) und Variablen des Tragwiderstands (R)
darf wie folgt bestimmt werden:
2
mit:
δ 2E = ln (ν 2E,act + 1) (14)
δ 2R = ln
2
(ν R,act + 1) (15)
Em,act und Rm,act sind aktualisierte Erwartungswerte, νE,act und νR,act sind aktualisierte Variationskoeffi-
zienten, αE und αR sind Sensitivitätsfaktoren und δE und δR sind Parameter der Lognormalverteilung.
C.4 Der Überprüfungswert von gumbelverteilten Auswirkungen (E) darf wie folgt bestimmt werden:
C.5 Sofern Sensitivitätsfaktoren nicht mithilfe von FORM-Analysen (First Order Reliability Method) aktualisiert
werden, kann vereinfacht mit folgenden Faktoren gerechnet werden:
– αE = 0,7 für die Auswirkungen von Leiteinwirkungen
– αE = 0,3 für die Auswirkungen von Begleiteinwirkungen
– αR = – 0,8 für Tragwiderstände, die im Tragsicherheitsnachweis von massgebender Bedeutung sind
– αR = – 0,3 für Tragwiderstände, die im Tragsicherheitsnachweis von untergeordneter Bedeutung sind.
Kommission SIA 260 «Grundlagen der Planung und Erhaltung von Tragwerken»
Präsident Prof. Dr. Eugen Brühwiler, dipl. Ing. ETH, Lausanne EPFL
Mitglieder Prof. Dr. Michael Havbro Faber-Nielsen, dipl. Ing., Zürich ETH Zürich
Andreas Isler, dipl. Ing. ETH, Effretikon Projektierung
Thomas P. Lang, dipl. Ing. ETH, Bern BAV
Dr. Paul Lüchinger, dipl. Ing. ETH, Zürich Projektierung
Jean-Christophe Putallaz, dipl. Ing. ETH, Sion Verwaltung
Willi Schuler, dipl. Ing. ETH, Bern ASTRA
Philipp Rietmann, dipl. Ing. ETH, Zürich Projektierung
Dr. René Steiger, dipl. Ing. ETH, Dübendorf Empa
Dr. Philipp Stoffel, dipl. Ing. ETH, Zürich Beratung
Dr. Luc Trausch, dipl. Ing. ETH, Zürich Projektierung
Sie ersetzt zusammen mit der Norm SIA 269/1 Erhaltung von Trag werken – Einwirkungen die Richtlinie SIA 462
Beurteilung der Tragsicherheit bestehender Bauwerke, Ausgabe 1994.
Alle Rechte, auch das des auszugsweisen Nachdrucks, der auszugsweisen oder vollständigen Wiedergabe (Fotokopie,
Mikrokopie, CD-ROM usw.), der Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen und das der Übersetzung, sind vorbehalten.
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Der Nachweis der Tragsicherheit ist erbracht, wenn für die betrachtete Restnutzungsdauer und die Grenzzustände der Erfüllungsgrad n für Typen 1 bis 4 gemäß Norm SIA 260 eingehalten wird. Für Typ 1 muss gelten Ed,stb,act ≥ 1 (1), und für Typen 2 bis 4 muss Rd,act ≥ Ed,act (2) erfüllt sein .
Die Effizienz von Erhaltungsmassnahmen wird mit dem EFM-Koeffizienten beurteilt, wobei EFM = ΔR SCM. ΔR ist die Risikoreduktion und SCM die Sicherheitskosten, beide als diskontierter, jährlicher monetärer Wert. Eine Maßnahme gilt als verhältnismäßig, wenn EFM ≥ 1,0 ist; sie gilt in der Regel als unverhältnismäßig, wenn EFM < 1,0, wobei besondere Aspekte berücksichtigt werden können .
Probabilistische Nachweise sind angebracht bei einem besonders hohen oder niedrigen Kenntnisstand über das Tragwerk und seinen Zustand, bei großen Konsequenzen eines Tragwerksversagens, zur Beurteilung der Effizienz von Überwachungs- und Instandhaltungsstrategien, und für grundsätzliche Entscheidungen über einen ganzen Tragwerksbestand. Sie bieten den Vorteil, Unsicherheiten besser zu quantifizieren und Entscheidungen auf Basis von Wahrscheinlichkeiten statt festen Grenzwerten zu treffen .
Die Verifizierung der Prognosen über das Tragwerkverhalten ist wichtig, um unvorhergesehenes Tragverhalten, Schädigungsmechanismen und Gefährdungen frühzeitig zu erkennen. Dies ermöglicht präventive Maßnahmen zum Erhalt der Tragsicherheit und Funktionalität des Bauwerks .
Nicht einsehbare Tragwerksteile können durch die Interpretation indirekter Hinweise und die Anwendung der Beobachtungsmethode analysiert werden. Dies beinhaltet die Erfassung von Schädigungsszenarien und die Nutzung empirischer Daten aus ähnlichen Fällen .
Bei der Planung von Erhaltungsmassnahmen sind die Restnutzungsdauer, die Interaktion des Tragwerks mit benachbarten Elementen, die kulturellen Werte und Gestaltungseinflüsse, die erwartete Wirksamkeit zur Dauerhaftigkeit, und die Einbindung in Überwachungspläne nach der Umsetzung essentiell .
Bei der Aktualisierung der Tragwiderstände und des Verformungsvermögens sollen die Einflüsse von Schädigungen und Mängeln quantifiziert und als aktualisierte geometrische Größen oder als aktualisierte Baustoff- und Baugrundeigenschaften berücksichtigt werden. Dabei werden die Normen SIA 262 bis 267, SIA 266/2 sowie SIA 269/2 bis 269/8 verwendet .
Die Tragsicherheit kann, falls nicht genügend Informationen vorliegen, durch probabilistische Nachweise bestimmt werden. Diese Methode ist insbesondere geeignet bei hohem oder niedrigem Kenntnisstand über das Tragwerk, wenn große Konsequenzen eines Versagens vorliegen oder um Überwachungs- und Instandhaltungsstrategien zu evaluieren .
Die Ziele der Erhaltung eines bestehenden Tragwerks gemäß Norm SIA 469 sind: die Anforderungen aus der Nutzung zu erfüllen, die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen, die Tragsicherheit und Gebrauchstauglichkeit zu gewährleisten, den Erhaltungswert zu bewahren und das Potenzial eines Bauwerks auszuschöpfen .
Die Zustandsbeurteilung umfasst die Bewertung des gesamten Tragwerks oder einzelner Bauteile bezüglich Tragsicherheit, Gebrauchstauglichkeit und Dauerhaftigkeit. Ein Fokus liegt auf der Robustheit des Tragwerks und den Folgen von Schädigungen. Sie verwendet empirische oder quantitative Analysen und berücksichtigt nicht einsehbare Teile durch indirekte Hinweise .