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2.1 Allgemeines
Nicht nur in Deutschland zwingt der Staat die Arbeitgeber über ein Gesetz (deswe-
gen: gesetzliche Unfallversicherung), das Risiko der Arbeitnehmer, durch Arbeits-
unfälle und durch Berufskrankheiten ihre lebenswichtige Arbeitskraft nicht mehr
einsetzen zu können, finanziell abzusichern. Dieses Schutzes durch eine zahlungs-
kräftige Versicherungsinstanz bedürfen die Beschäftigten auch schon deswegen,
weil sie ihre Schadensersatzansprüche aus dem Arbeitsverhältnis gegenüber dem
Arbeitgeber mitunter auch nicht durchsetzen können. Die gesetzliche Versicherung
(UV) gegen Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten löst die arbeitsrechtliche Haft-
pflicht des Unternehmers ab. Der einzelne Arbeitgeber wird von Ansprüchen seiner
Mitarbeiter freigestellt, wenn es zu einem Arbeitsunfall oder einer Berufskrankheit
kommt. Die Ansprüche der Beschäftigten richten sich in diesen Fällen nicht gegen
die Arbeitgeber, belasten also nicht das Arbeitsverhältnis, sondern werden von den
Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung geprüft und entschieden. Über 60 Mil-
lionen Beschäftigte sind in Deutschland gegen die Risiken am Arbeitsplatz versi-
chert. Die Unfallrisiken der Kinder in Kindergärten und Schulen und der Studenten
hält der Staat für so gewichtig, eine gesetzliche Unfallversicherung auch für sie
einzuführen (unechte Unfallversicherung) und sie den Unfallkassen (in den Bundes-
ländern) zu übertragen. Hinzu kommt die Einbeziehung weiterer geschützter Perso-
nen in die gesetzliche Unfallversicherung, wie etwa die Nothelfer bei einem Unfall
im Straßenverkehr, womit der Staat Anreize für soziales Verhalten der Bürger
schaffen will. Das Recht der gesetzlichen Unfallversicherung ist im SGB VII gere-
gelt, das in der neuen Fassung seit dem 1. 1. 2009 gilt.
Jeder Arbeitgeber, und im Falle der unechten Unfallversicherung der Staat über
Steuermittel, finanziert die gesetzliche Unfallversicherung durch Beiträge. Die Bei-
träge werden also nicht, wie etwa in der gesetzlichen Kranken- und Rentenversiche-
rung, jeweils zur Hälfte von Arbeitgebern und Beschäftigten gezahlt. Meldepflich-
ten unterstützen die Erfassung der Mitglieder, also der Arbeitgeber. Die Versicher-
ten, also etwa die Arbeitnehmer, erhalten aber auch dann Leistungen von dem zu-
ständigen UV-Träger, wenn ein Arbeitgeber sie nicht angemeldet hat. So erhält eine
Haushaltshilfe auch dann Leistungen von der zuständigen Unfallkasse, wenn eine
Meldung des Arbeitgebers nicht vorliegt, ungeachtet also von einer Beitragszah-
lung. Ein solches Solidarsystem ließe sich durch eine private Unfallversicherung nur
schwer realisieren. Deswegen bildete der Gesetzgeber größere Finanzierungseinhei-
ten. So gibt es in der gewerblichen Wirtschaft bald unter 10 gewerbliche UV-Träger
(Berufsgenossenschaften), die nach Gewerbezweigen untergliedert sind. Etwa in der
Bau-Berufsgenossenschaft, der Metall-BG und der BG für Gesundheitsdienst und
Wohlfahrtspflege sind nicht nur die speziellen Berufe versichert, sondern alle Be-
schäftigten der Mitglieder. Die Sozialpartner, die Arbeitgeber und die Arbeitnehmer
der einzelnen Gewerbezweige, verwalten ihr solidarisches UV-System selbst. In den
Entscheidungsgremien der UV-Träger (Vertreterversammlung, Vorstand, Renten-
und Widerspruchsausschüsse) entscheiden beide Sozialpartner trotz der Alleinfi-
nanzierung der Arbeitgeber paritätisch über die wichtigsten Angelegenheiten in den
UV-Trägern. Sie handeln ehrenamtlich. Die laufenden Verwaltungsgeschäfte oblie-
gen dem hauptamtlich angestellten Hauptgeschäftsführer und seinen Verwaltungs-
mitarbeitern. Die Kontrolle der UV-Träger durch den Staat beschränkt sich auf die
gesetzlichen Vorgaben und die zur Rechtmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit durch
die Prüfungen des Bundesversicherungsamtes als nachgeordnete Behörde des Bun-
desministeriums für Arbeit und Soziale Sicherung (BMAS). Die deutsche gesetzliche
Unfallversicherung ist also weder privat noch staatlich organisiert, sondern wird
von den Sozialpartnern selbst verwaltet.
Ein allein durch die Arbeitgeber finanziertes Sondersystem bedarf indes einer stän-
digen Weiterentwicklung der Grenzbereiche zu anderen Trägern der sozialen Si-
cherheit. Die UV-Träger und damit die Arbeitgeber als ihre Mitglieder dürfen nur
mit Risiken belastet werden, die sich am Arbeitsplatz verwirklichen. Je weiter der
Zuständigkeitsbereich sozialpolitisch gezogen und erwünscht wird, desto stärker
werden die Stimmen laut, die meinen, das Sondersystem sei nicht mehr finanzier-
bar. Die Entscheidungen über die Zuständigkeit, ob also ein Arbeitsunfall oder eine
Berufskrankheit vorliegt, treffen die UV-Träger nach dem Kausalitätsprinzip. Bei
diesen Einzelfällen, ob eine Verletzung oder Erkrankung wesentlich auf die berufli-
che Tätigkeit oder aber auf innere oder private Ursachen (Freizeit) zurückzuführen
sind, hilft das medizinische Gutachten. Jeder Gutachter trägt insoweit zur Klärung
der Zuständigkeit bei. Ist ein UV-Träger zuständig, so hat er die gesamte Heilbe-
handlung/Rehabilitation zu finanzieren und zu organisieren und ggf. zurückblei-
bende Gesundheitsschäden zu kompensieren. Der Klärung von Krankheitsursachen,
bezogen auf die berufliche Tätigkeit und der Ursachenforschung kommen also in
der gesetzlichen Unfallversicherung besondere Bedeutung zu.
Wenn indes die UV-Träger ihre Zuständigkeit anerkannt haben, so leisten sie auf
der Grundlage der gesetzlichen Bestimmungen im SGB VII, die sich im wesentlichen
an zivilrechtlichen Grundsätzen zum Schadensersatz orientieren. Die Versicherten
sollen so gestellt werden, wie sie gestanden hätten, wenn kein Arbeitsunfall und
keine Berufskrankheit entstanden wäre. Hierin kommt der Gedanke der Ablösung
der Unternehmerhaftpflicht zum Ausdruck. Die UV-Träger haben die Gesundheit
der Versicherten „mit allen geeigneten Mitteln“ wiederherzustellen oder aber einen
Ausgleich für ihre Erwerbsminderung zu zahlen. Über Jahrzehnte hinweg haben die
UV-Träger Qualitätsmaßnahmen in der Heilbehandlung/Rehabilitation eingeführt.
Die medizinische Versorgung nach Arbeitsunfällen dürfen nur besonders qualifi-
zierte Ärzte, unter anderem die sogenannten D-Ärzte, übernehmen. Sie werden
durch die bundesweite Dachorganisation aller UV-Träger, die Deutsche Gesetzliche
Unfallversicherung (DGUV) in Berlin, mit ihren Landesverbänden nach einheitli-
chen Qualitätskriterien (persönliche Eignung und räumliche sowie apparative Aus-
stattung) zugelassen. Diese Maßnahmen zur Strukturqualität haben die UV-Träger
auch auf die stationäre Versorgung Arbeitsunfallverletzter übertragen. Kranken-
häuser werden auf der Grundlage eines Katalogs von „Anforderungen“ zugelassen.
Einzelheiten, etwa zur persönlichen Leistungserbringung der zugelassenen Ärzte,
ergeben sich aus dem Ärztevertrag, den die DGUV auf der Grundlage des §34
Abs. 3 SGB VII, mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung abgeschlossen hat
(s. Anhang 2.2). Die 11 BG-Kliniken in Deutschland, die von den UV-Trägern, und
damit fast ausschließlich von den Arbeitgebern, finanziert werden, übernehmen die
Behandlung von u.a. besonderen Unfallfolgen (z.B. Rückenmark, Hirn-, Brand-
und Handverletzungen) und damit auch Qualitätsaufgaben für die Diagnose, die
Therapie und die Begutachtung sowie für die Forschung (s. Anhang 2.8). Wegen
des Grundsatzes „Rehabilitation vor Rente“ übernehmen die UV-Träger nicht nur
die Finanzierung im Sinne einer Zahlstelle. Vielmehr organisieren und steuern sie
das Heilverfahren zusammen mit der Ärzteschaft. Die Verknüpfung der einzelnen
Phasen bis zur Wiedereingliederung in den Beruf und in das soziale Umfeld obliegt
den Reha-Managern/Berufshelfern. Die Berufshelfer, die oft als Disability Manager
(CDMP) zertifiziert sind ([Link]), sind besonders geschulte
Mitarbeiter der UV-Träger. Sie betreuen die Schwerverletzten von den ersten Tagen
am Krankenbett über die berufliche und soziale Wiedereingliederung ggf. lebens-
lang und helfen insoweit im Sinne eines Case-Managements, eine frühzeitige, ganz-
heitliche und dauerhafte Rehabilitation sicherzustellen.
Ihrer Verfassung nach sind die UV-Träger Körperschaften des öffentlichen Rechts
mit eigener Satzungsbefugnis. Sie führen die ihnen durch das Gesetz übertragenen
Aufgaben in eigener Verantwortung im Wege der Selbstverwaltung durch. An die-
ser Selbstverwaltung sind die Mitglieder, nämlich die durch das Gesetz zur Mit-
gliedschaft verpflichteten Unternehmer (,,Berufs-Genossen“), und die Versicherten
(Beschäftigten) paritätisch beteiligt. Dies gilt auch für die Versicherten in den öf-
fentlichen Diensten und anderen Versicherungsgruppen für die die Versicherungs-
träger der öffentlichen Hand zuständig sind, nämlich die Unfallkassen, die Feuer-
wehr-Unfallkassen, die Ausführungsbehörden des Bundes und der Länder und die
zu Versicherungsträgern bestimmten Gemeinden.
Die für die Aufgaben der UV-Träger erforderlichen Finanzmittel werden von den
Unternehmern allein aufgebracht oder, wie in den Unfallkassen, vom Staat über
Steuermittel finanziert. Von den Versicherten werden keine Beiträge erhoben. Mit
den Beiträgen zu der für ihn zuständigen Berufsgenossenschaft löst der Unterneh-
mer seine Haftpflicht gegenüber den Arbeitnehmern (Versicherten) aus dem Ar-
beitsverhältnis ab. Er kann also die Arbeitnehmer, die ihn wegen eines Arbeitsun-
falls in seinem Unternehmen auf Schadensersatz in Anspruch nehmen, an seine
Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse verweisen.
1. Beschäftigte,
2. Lernende während der beruflichen Aus- und Fortbildung in Betriebsstätten, Lehrwerk-
stätten, Schulungskursen und ähnlichen Einrichtungen,
3. Personen, die sich Untersuchungen, Prüfungen oder ähnlichen Maßnahmen unterziehen,
die aufgrund von Rechtsvorschriften zur Aufnahme einer versicherten Tätigkeit oder
infolge einer abgeschlossenen versicherten Tätigkeit erforderlich sind, soweit diese Maß-
nahmen vom Unternehmen oder einer Behörde veranlasst worden sind,
4. behinderte Menschen, die in anerkannten Werkstätten für behinderte Menschen oder in
Blindenwerkstätten im Sinne des §143 des Neunten Buches oder für diese Einrichtungen
in Heimarbeit tätig sind,
5. Personen, die
a) Unternehmer eines landwirtschaftlichen Unternehmens sind und ihre im Unternehmen
mitarbeitenden Ehegatten oder Lebenspartner,
b) im landwirtschaftlichen Unternehmen nicht nur vorübergehend mitarbeitende Famili-
enangehörige sind,
c) in landwirtschaftlichen Unternehmen in der Rechtsform von Kapital- oder Personen-
handelsgesellschaften regelmäßig wie Unternehmer selbstständig tätig sind,
d) ehrenamtlich in Unternehmen tätig sind, die unmittelbar der Sicherung, Überwachung
oder Förderung der Landwirtschaft überwiegend dienen,
e) ehrenamtlich in den Berufsverbänden der Landwirtschaft tätig sind,
wenn für das Unternehmen eine landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft zuständig ist,
6. Hausgewerbetreibende und Zwischenmeister sowie ihre mitarbeitenden Ehegatten oder
Lebenspartner,
7. selbstständig tätige Küstenschiffer und Küstenfischer, die zur Besatzung ihres Fahrzeugs
gehören oder als Küstenfischer ohne Fahrzeug fischen und regelmäßig nicht mehr als
vier Arbeitnehmer beschäftigen, sowie ihre mitarbeitenden Ehegatten oder Lebenspart-
ner,
8. a) Kinder während des Besuchs von Tageseinrichtungen, deren Träger für den Betrieb
der Einrichtungen der Erlaubnis nach § 45 des Achten Buches oder einer Erlaubnis
aufgrund einer entsprechenden landesrechtlichen Regelung bedürfen, sowie während
der Betreuung durch geeignete Tagespflegepersonen im Sinne von §23 des Achten
Buches,
b) Schüler während des Besuchs von allgemein- oder berufsbildenden Schulen und wäh-
rend der Teilnahme an unmittelbar vor oder nach dem Unterricht von der Schule oder
im Zusammenwirken mit ihr durchgeführten Betreuungsmaßnahmen,
c) Studierende während der Aus- und Fortbildung an Hochschulen,
9. Personen, die selbstständig oder unentgeltlich, insbesondere ehrenamtlich im Gesund-
heitswesen oder in der Wohlfahrtspflege tätig sind,
10. Personen, die
a) für Körperschaften, Anstalten oder Stiftungen des öffentlichen Rechts oder deren Ver-
bände oder Arbeitsgemeinschaften, für die in den Nummern 2 und 8 genannten Ein-
richtungen oder für privatrechtliche Organisationen im Auftrag oder mit ausdrückli-
cher Einwilligung, in besonderen Fällen mit schriftlicher Genehmigung von Gebiets-
körperschaften ehrenamtlich tätig sind oder an Ausbildungsveranstaltungen für diese
Tätigkeit teilnehmen,
Gegen Arbeitsunfall sind ferner Personen versichert, die wie nach Absatz 1 Nr. 1
als Versicherte tätig werden, sowie Entwicklungshelfer und sonstige Personengrup-
pen, die vorübergehend im Ausland tätig sind (Abs. 3).
Soweit die aufgelisteten Tatbestände weder eine Beschäftigung noch eine selbststän-
dige Tätigkeit voraussetzen, gelten sie für alle Personen, die die dort genannten
Tätigkeiten im Geltungsbereich dieses Gesetzes ausüben. Daher sind Tätigkeiten im
öffentlichen Interesse, soweit weder eine Beschäftigung noch eine selbstständige
Tätigkeit vorliegt (z. B. als Blutspender, Hilfeleistende bei einer Dienstleistung, Zeu-
gen vor Gericht) dann versichert, wenn die Tätigkeit im Geltungsbereich des SGB,
d. h. also in Deutschland, ausgeübt wird. Aber Nothelfer oder Lebensretter (Nr.
13a s. oben) sind auch bei einer Rettungstätigkeit im Ausland versichert, wenn sie
innerhalb des Geltungsbereichs des SGB ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Auf-
enthalt haben.
Über die Versicherung bei Tätigkeiten außerhalb des Geltungsbereichs des SGB, die
sog. „Ausstrahlung“, bestimmt §4 SGB IV im übrigen:
(1) Soweit die Vorschriften über die Versicherungspflicht und die Versicherungsberechtigung
eine Beschäftigung voraussetzen, gelten sie auch für Personen, die im Rahmen eines im
Geltungsbereichs dieses Gesetzbuches bestehenden Beschäftigungsverhältnisses in ein
Gebiet außerhalb dieses Geltungsbereichs entsandt werden, wenn die Entsendung infolge
der Eigenart der Beschäftigung oder vertraglich im voraus zeitlich begrenzt ist.
(2) Für Personen, die eine selbstständige Tätigkeit ausüben, gilt Absatz 1 entsprechend.
Ambulante Maßnahmen zur medizinischen Rehabilitation, die im Zuständigkeits-
bereich der Krankenversicherung, der Rentenversicherung und der landwirtschaft-
lichen Alterskassen liegen, genießen ebenfalls den Schutz der gesetzlichen Unfallver-
sicherung.
Soweit Personen durch eine im öffentlichen Interesse versicherte Tätigkeit einen
Arbeitsunfall erleiden (z.B. Blutspender, Lebensretter o.a.), sind für die Betreuung
und Entschädigung nicht die Berufsgenossenschaften, sondern die Unfallversiche-
rungsträger der öffentlichen Hand zuständig (s. o. 2.1). Diese Versicherungsträger
sind auch in der Regel für die Unfallversicherung von Schülern, Studenten und
Kindergartenkindern zuständig und haben daher sehr bedeutungsvolle Aufgaben
auf dem Gebiet der Heilbehandlung, der medizinischen und schulischen Rehabili-
tation sowie der Leistungen zur Teilhabe nach Unfällen von Kindern, Jugendlichen
und Heranwachsenden erhalten. Diesen besonderen Aufgaben muss auch die Be-
gutachtung gerecht werden.
Schließlich genießen Personen Versicherungsschutz, die während einer auf Grund
eines Gesetzes angeordneten Freiheitsentziehung oder auf Grund strafrechtlicher,
staatsanwaltlicher oder jugendbehördlicher Anordnung wie Beschäftigte tätig wer-
den (§2 Abs. 2 Satz 2 SGB VII).
Versicherungsfrei sind Beamte, Soldaten, Mitglieder geistlicher Genossenschaften,
Diakonissen, Schwestern vom Deutschen Roten Kreuz und Angehörige ähnlicher
Gemeinschaften, selbstständig tätige Ärzte, Tierärzte, Heilpraktiker, Zahnärzte und
Apotheker, weiterhin Verwandte oder Verschwägerte bis zum zweiten Grad, die bei
Haushaltsführenden, den Ehegatten oder den Lebenspartnern unentgeltlich im
Haushalt tätig sind (§ 4 SGB VII). Die Grundsätze des Schadenersatzes, etwa bei
den Dienstunfällen Beamter, sind vergleichbar, zuletzt im sog. Einsatzverwendungs-
gesetz für Soldaten in Friedenseinsätzen (BGBl. I (2007), S. 2861).
Unternehmer, die nicht schon kraft Gesetzes versichert sind (§2 Abs. 1 Nr. 5 – 7
SGB VII) können dann versicherungspflichtig kraft Satzung sein, wenn die Satzung
des Trägers der Unfallversicherung die Versicherung auf Unternehmer erstreckt.
Freiwillig versichern können sich auf Antrag grundsätzlich Unternehmer und ihre
im Unternehmen mitarbeitenden Ehegatten sowie Personen, die in Kapital- oder
Personengesellschaften regelmäßig wie Unternehmer selbstständig tätig sind (§ 6
SGB VII) entsprechend den Satzungsregeln der UV-Träger.
Insbesondere für die ärztliche Anzeige eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrank-
heit, aber auch für eine erstrebenswerte allgemeine Kommunikation und Korres-
pondenz zwischen Ärzteschaft und UV-Träger, hilft die Kenntnis über die Zustän-
digkeit der UV-Träger. Deswegen ist im Anhang 2.1 das Verzeichnis der UV-Träger
abgedruckt.
2.4 Versicherungsfall
2.4.1 Arbeitsunfall
Nach den gesetzlichen Bestimmungen (§8 Abs. 1 SGB VII) ist ein Arbeitsunfall ein
Unfall, den Versicherte infolge einer versicherten Tätigkeit erleiden, z. B. also ein
Unfall bei der Tätigkeit als Beschäftigter (§2 Abs. 1 Nr. 1 SGB VII) oder als Studie-
render während der Aus- und Fortbildung an Hochschulen (§2 Abs. 1 Nr. 8c) usw.
(s.o. 2.3). Der Begriff des Unfalls ist im Gesetz definiert. Danach sind Unfälle zeit-
lich begrenzte, von außen auf den Körper einwirkende Ereignisse, die zu einem
Gesundheitsschaden oder zum Tod führen. Das Erfordernis der zeitlichen Begren-
zung ist erfüllt, wenn das schädigende Ereignis innerhalb einer Arbeitsschicht ein-
getreten ist, auch wenn ein näherer Zeitpunkt der Schädigung nicht festgestellt
werden kann. Als Gesundheitsschaden gilt auch die Beschädigung oder der Verlust
eines Hilfsmittels (§8 Abs. 3 SGB VII).
Weil nach der zuvor angeführten gesetzlichen Bestimmung ein Unfall dann ein Ar-
beitsunfall ist, wenn ein Versicherter ihn infolge einer versicherten Tätigkeit erlei-
det, muss das körperlich schädigende, zeitlich begrenzte Ereignis mit der versicher-
ten Tätigkeit in innerem Zusammenhang stehen. Ob dieser Zusammenhang im
Einzelfall vorliegt, ist eine Frage, die durch rechtliche Wertung des Sachverhalts zu
beantworten ist. Dabei können ärztliche Befunde oder die persönlichen Angaben
der Verletzten zum Unfallhergang beim Arzt von Bedeutung sein. Die Mitwirkung
der ärztlichen Gutachter mit ihrem Sachverstand ist jedoch vorwiegend zur Klärung
einer weiteren Frage erforderlich. Denn außer dem inneren Zusammenhang zwi-
schen dem zeitlich begrenzten Ereignis und der versicherten Tätigkeit muss ein
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und dem Körperschaden beste-
hen. Für den Bereich der gesetzlichen Unfallversicherung sollte demnach zur Aner-
kennung eines Arbeitsunfalls (Versicherungsfall) stets zwischen einem zweifachen
Kausalzusammenhang differenziert werden, nämlich:
1. zwischen versicherter Tätigkeit und Unfallereignis – sogenannte haftungsbegründende
Kausalität –,
2. zwischen Unfallereignis und Gesundheitsschaden – sogenannte haftungsausfüllende Kau-
salität –,
Grundsätzlich gelten auch bei den nach §2 Abs. 1 Nr. 15a SGB VII (Rehabilitanden
der gesetzlichen Kranken- oder Rentenversicherung) versicherten Personen die all-
gemeinen Kriterien über den Versicherungsschutz bei Arbeitsunfällen. Es sind je-
doch folgende Besonderheit zu beachten:
Die „versicherte Tätigkeit“ des Patienten besteht darin, dass er sich zur Durchführung der
medizinischen Behandlung in dem ihm fremden Gefahrenbereich einer Heilbehandlungsstät-
te aufhält und bei der Durchführung der Behandlung mitwirkt.
Der Patient begibt sich zur medizinischen Rehabilitation in den ihm fremden Ge-
fahrenbereich (= Betrieb) eines Krankenhauses oder einer stationären bzw. ambu-
lanten Rehabilitationseinrichtung. Versichert ist somit seine Mitwirkung an der
Rehabilitation, nicht aber das Verrichten privater Dinge (z. B. Einkaufen, Essen)
und nicht das Erdulden der Vornahme ärztlicher oder sonstiger medizinischer Be-
handlung an seinem Körper. Die mit der ärztlichen oder den sonstigen medizini-
schen Behandlungen verbundenen Risiken (z.B. Misslingen einer Operation oder
Knochenbruch bei der Massage) gehören nicht zu dem in der gesetzlichen Unfall-
versicherung versicherten Bereich. Haftpflichtansprüche aus der Behandlung selbst
sind nicht dem Unfallversicherungsschutz zuzurechnen. Keine Versicherungsfälle
sind Unfälle aus innerer, im Patienten selbst liegender Ursache (z.B. Sturz wegen
einer Kreislaufschwäche). Diese Rehabilitanden-Unfälle bei stationären, teilstatio-
nären und ambulanten Leistungen werden von dem Unfallversicherungsträger be-
arbeitet, der für den Kostenträger der Reha-Maßnahme (Krankenkasse, Rentenver-
sicherungsträger) zuständig ist. Im Regelfall ist dies die Verwaltungs-Berufsgenos-
senschaft.
2.4.4 Wegeunfälle
§ 8 Abs. 2 SGB VII erweitert die versicherten Tätigkeiten z. B. auf
– das Zurücklegen des mit der versicherten Tätigkeit zusammenhängenden
unmittelbaren Weges nach und von dem Ort der Tätigkeit
2.4.5 Berufskrankheiten
Die Berufskrankheit ist neben dem Arbeitsunfall ein eigenständiger Versicherungs-
fall (§9 SGB VII). Berufskrankheiten (BK) sind nach den gesetzlichen Vorschriften
die Krankheiten, welche die Bundesregierung durch Rechtsverordnung mit Zustim-
mung des Bundesrates (Berufskrankheitenverordnung, BKV) gemäß § 9 Abs. 1 SGB
VII bezeichnet und die Versicherten infolge einer versicherten Tätigkeit erleiden.
Diese Berufskrankheitenliste umfasst seit der 2. BKV-Änderungsverordnung mit
Wirkung vom 1. 7. 2009 (BGBl 2009, 1273 – 1276) die Berufskrankheiten, die im
Anhang 4.1 wiedergegeben sind. Die Merkblätter des Bundesministeriums für Ar-
beit und Sozialordnung, also die Hinweise zur ärztlichen Anzeige von Berufskrank-
heiten sind im Anhang 4 insoweit abgedruckt, als sie einen Bezug zu Verletzungen
haben und zur Abgrenzung davon dienen (insbesondere Stütz- und Bewegungsap-
parat). Denn während ein Unfall plötzlich geschieht und der Zeitpunkt feststellbar
ist (s. 2.4.1), entsteht eine Berufskrankheit allmählich, also erst nach längerer schä-
digender Einwirkung.
Von einer rentenberechtigenden Berufskrankheit zu unterscheiden ist eine Berufs-
krankheit „dem Grunde nach“, also ohne den Anspruch auf eine Rentenleistung.
Jede Erkrankung im Sinne der BKV mit den Listenkriterien, die also ihre wesentli-
che Ursache im Beruf hat, zieht im Falle der Behandlungsbedürftigkeit Leistungen
zur Heilbehandlung und Teilhabe (Rehabilitation) nach sich, die von der gesetzli-
chen Unfallversicherung finanziert werden.
Die UV-Träger erkennen im Einzelfall eine Krankheit, auch wenn sie nicht in der
BK-Liste bezeichnet ist, wie eine Berufskrankheit an, sofern nach neuen Erkenntnis-
sen der medizinischen Wissenschaft diese Krankheit durch besondere Einwirkungen
verursacht ist, denen bestimmte Personengruppen durch ihre versicherte Tätigkeit
in erheblich höherem Grade als die übrige Bevölkerung ausgesetzt sind (§9 Abs. 2
SGB VII).
Bei Berufskrankheiten sind besondere Verfahrensvorschriften von Bedeutung. So
besteht für alle Ärzte oder Zahnärzte die gesetzliche Pflicht, eine unverzügliche
Anzeige zu erstatten, falls sie den begründeten Verdacht haben, dass bei Versicher-
ten eine Berufskrankheit besteht (§ 202 SGB VII). Die Ärzte haben die Versicherten
über den Inhalt der Anzeige zu unterrichten und ihnen den UV-Träger und die
Stelle zu nennen, denen sie die Anzeige übersenden. Häufig taucht die Frage auf, ob
diese Anzeigepflicht auch besteht, wenn der Patient nicht einwilligt. Dahinter ver-
birgt sich die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust. Die rechtliche Antwort lautet ,ja‘.
Aber die Ärzte haben die Möglichkeit zu vermerken, dass der Patient keine Unter-
richtung des Arbeitgebers wünscht. Insoweit obliegt es dem umsichtigen Vorgehen
des UV-Trägers, die BK-Anzeige angemessen zu behandeln.
Die Anzeige ist unverzüglich dem zuständigen UV-Träger (s. Anhang 2.1) oder der
durch Landesrecht bestimmten, für den medizinischen Arbeitsschutz zuständigen
Stelle – in der Regel den Staatlichen Gewerbeärzten – zu erstatten. Dazu ist der
Vordruck „Ärztliche Anzeige bei Verdacht auf eine Berufskrankheit“ zu verwen-
den. Einzelheiten sind der Verordnung über die Anzeige von Versicherungsfällen in
der gesetzlichen Unfallversicherung (UVAV) vom 23.1.2002 zu entnehmen. Mit
dem Vordruck sind Erläuterungen zur Unterrichtung des anzeigenden Arztes ver-
bunden (Hinweise und herunterladbare Texte unter [Link]). Meldekriterien
hat das Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung für jede einzelne Berufs-
krankheit erarbeitet und veröffentlicht (s. Anhang 4.2).
Weiterhin kann die für den medizinischen Arbeitsschutz zuständige Stelle (Staatli-
cher Gewerbearzt), falls sie es für erforderlich hält, die Versicherten untersuchen
oder für Rechnung des UV-Trägers untersuchen lassen, wenn sie ein Zusammen-
hangsgutachten für erforderlich hält. Die Gebühr beträgt 200 Euro (§5 Abs. 1
BKV). Schlägt die Stelle Beweiserhebungen vor, so hat der UV-Träger solchen Vor-
schlägen zu folgen, es sei denn, dass eine entsprechende Beweiserhebung bereits
2.5 Entschädigung
Träger auf die Unterstützung der Ärzte sowohl bei der Heilbehandlung/Rehabilita-
tion der Versicherten als auch bei der Gewährung von Geldleistungen angewiesen.
Die Entgeltersatzleistungen wie etwa das Verletztengeld (während der Arbeitsunfä-
higkeit) und das Übergangsgeld (während der Maßnahmen zur Teilhabe am Ar-
beitsleben) sind von den Rentenleistungen zu unterscheiden.
Der Anspruch der Versicherten auf Rentenleistungen ist dabei ein abstrakter, d.h.
die Leistungen werden nicht konkret nach dem eingetretenen Schaden wie Einkom-
mensverlust o. ä. berechnet, sondern nach allgemeinen, für alle Versicherten gleich-
mäßig geltenden Maßstäben, die durch die gesetzlichen Vorschriften festgelegt sind.
Das sind die Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) durch die Folgen des Arbeits-
unfalls / der Berufskrankheit in Prozenten ausgedrückt und das Einkommen der
Versicherten im Jahr vor dem Versicherungsunfall, der sog. Jahresarbeitsverdienst.
Ein Versicherter kann also wegen der Folgen eines Arbeitsunfalls auch dann einen
Anspruch auf Rentenleistungen haben, wenn ihm ein Einkommensverlust durch
den Unfall nicht entstanden ist. Die Unfallrente wird grundsätzlich auch neben der
Altersrente gezahlt. Darin kommt der Schadensersatzgedanke in der gesetzlichen
Unfallversicherung zum Ausdruck. Hingegen kann es auch sein, dass die den Ver-
sicherten zustehende Entschädigung den Einkommensverlust nicht ausgleicht.
Entschädigt wird im allgemeinen nur der Körperschaden, nicht aber der Sachscha-
den. Es besteht kein Anspruch auf Schmerzensgeld gegenüber dem Arbeitgeber. Der
Schadensersatz gegenüber dem Arbeitgeber wird vollständig von der Unfallversi-
cherung abgelöst. Der Verlust oder die Beschädigung eines beim Unfall getragenen
Hilfsmittels werden als Körperschaden angesehen und ersetzt bzw. wiederherge-
stellt (§8 Abs. 3 SGB VII).
2.5.2 Sachleistungen
Unter Sachleistungen fallen alle Maßnahmen zur Wiederherstellung der Erwerbsfä-
higkeit, zur Teilhabe am Arbeitsleben und zur Erleichterung der Verletzungsfolgen,
die den Unfallversicherten durch Dritte (Leistungserbringer) gewährt werden. Den
Versicherten wird grundsätzlich kein Geld erstattet, sondern sie erhalten von den
UV-Trägern auf der Grundlage der gesetzlichen Vorgaben die Leistungen. Als der-
artige Maßnahmen sieht das Gesetz z. B. Erstversorgung, Heilbehandlung, Pflege,
Maßnahmen zur Rehabilitation/Teilhabe vor. Die Unfallversicherung ist also für
die medizinische Versorgung und für alle Teilhabeleistungen „alles aus einer Hand“
verantwortlich. Seit dem Jahr 2008 können gemäß § 17 Abs. 2 SGB IX auch per-
sönliche Budgets gezahlt werden (Einzelheiten unter 6.).
[Link] Heilbehandlung und medizinische Rehabilitation
Die Heilbehandlung hat mit allen geeigneten Mitteln zu erfolgen. Dieser gesetzliche
Auftrag beruht auf dem Schadensersatzprinzip in der gesetzlichen Unfallversiche-
rung und entspricht dem Prinzip „Rehabilitation vor Rente“. Er umfasst die ärztli-
che und zahnärztliche Behandlung, die Versorgung mit Arznei- und Verbandmit-
teln, Heilmitteln einschließlich Krankengymnastik, Bewegungstherapie, Sprachthe-
zustellen. Bevor die UV-Träger über diese Leistungen entscheiden, werden häufig
ärztliche Bewertungen zu besonderen Fragestellungen in der Rehabilitation einge-
holt. Insoweit ist §14 Abs. 5 SGB IX zu beachten (vgl. unten unter 6.).
[Link] Pflege
Schwerwiegende Unfallfolgen bedingen besondere Maßnahmen der UV-Träger,
wenn die Versicherten trotz aller Maßnahmen zur Heilbehandlung und Teilhabe/
Rehabilitation pflegebedürftig werden. Eine solche Pflegebedürftigkeit besteht
dann, wenn die Versicherten infolge des Versicherungsfalls so hilflos sind, dass sie
der Pflege gemäß § 44 SGB VII berdürfen. Insoweit gehört der Pflegefall zur Zustän-
digkeit der Unfallversicherung. Die allgemeinen Vorschriften im Pflegeversiche-
rungsgesetz (s. unter 7.) finden indes keine Anwendung. Die UV-Träger zahlen so-
gar Beiträge in die Pflegekasse, wenn der Arbeitsunfall eines Versicherten anerkannt
wurde.
Beispiele für eine solche Pflegebedürftigkeit sind Querschnittlähmungen, Erblin-
dungen o. ä. Die Gewährung von Pflege ist an sich eine Sachleistung und besteht in
erforderlichen Hilfen durch Kranken- oder Hauspflege bzw. in der Gewährung von
Unterhalt und Pflege in einer geeigneten Einrichtung. Finden die Unfallversicherten
im eigenen Familienkreis die erforderliche Pflege, sieht §44 SGB VII vor, dass an-
stelle externer pflegerischer Maßnahmen ein Pflegegeld gewährt werden kann. In
der Praxis werden die „Anhaltspunkte für die Bemessung von Pflegegeld“ verwen-
det (s. Richtlinien der UV-Träger unter [Link]). Ein Pflegegeld kann ange-
messen erhöht werden, wenn die Aufwendungen für fremde Wartung und Pflege
den Betrag des Pflegegeldes übersteigen. Die Pflegegelder werden vom 1. Juli eines
jeden Jahres verändert (§44 Abs. 2 Satz 2 SGB VII).
2.5.3 Geldleistungen
[Link] Verletztengeld – Übergangsgeld
Solange Unfallversicherte infolge eines Arbeitsunfalls arbeitsunfähig sind und keine
Entgeltfortzahlung erhalten oder wegen einer Maßnahme der Heilbehandlung eine
ganztägige Erwerbstätigkeit nicht ausüben können, haben sie Anspruch auf Verletz-
tengeld zur Abdeckung des Lebensunterhalts. Arbeitsunfähig im Sinne der Kran-
kenversicherung ist ein Versicherter, wenn er wegen seiner Verletzung nicht oder
doch nur unter der Gefahr, seinen Zustand in absehbarer Zeit zu verschlimmern,
fähig ist, seine bisherige unmittelbar vor dem Unfall ausgeübte Tätigkeit fortzuset-
zen. Das Verletztengeld wird von dem Tage an gewährt, ab dem die Arbeitsunfä-
higkeit ärztlich festgestellt wird. Wenn sich die Leistung zur Teilhabe am Arbeits-
leben aus Gründen, die der Unfallversicherte nicht zu vertreten hat, nicht gleich an
die Heilbehandlung anschließt, so ist Verletztengeld bis zum Beginn dieser Leistung
zu gewähren, wenn der Unfallversicherte seine bisherige Tätigkeit nicht wieder
ausüben kann und ihm eine andere zumutbare Tätigkeit nicht vermittelt werden
kann. Die Höhe des Verletztengeldes wird grundsätzlich entsprechend den Vor-
schriften der Krankenversicherung über die Berechnung von Krankengeld errech-
net, mit der Maßgabe, dass das Regelentgelt bis zu den in der gesetzlichen Unfall-
versicherung geltenden Obergrenzen zu berücksichtigen ist und das Verletztengeld
80 v.H. des Regelentgelts beträgt, soweit es das Nettoarbeitsentgelt nicht über-
steigt.
[Link] Rente
Nach dem Wegfall des Anspruchs auf Verletztengeld haben Unfallversicherte An-
spruch auf Verletztenrente, wenn bei ihnen wegen der Folgen eines Arbeitsunfalls
oder einer Berufskrankheit eine Minderung der Erwerbsfähigkeit von in der Regel
wenigstens 20 % über die 26. Woche nach dem Unfall hinaus besteht. Haben Un-
fallversicherte keinen Anspruch auf Verletztengeld, so beginnt die Rente am Tag
nach dem Versicherungsfall (§ 72 Abs. 1 Nr. 2 SGB VII). Voraussetzung für die
Zahlung einer Verletztenrente ist demnach der Versicherungsfall (Arbeitsunfall
oder Berufskrankheit), der Fortfall des Anspruchs auf Verletztengeld und schließ-
lich eine Minderung der Erwerbsfähigkeit über die 26. Woche nach dem Unfall
hinaus (s. § 56 Abs. 1 Satz 1 SGB VII). Die Erwerbsfähigkeit eines Verletzten kann
durch Unfallfolgen nicht mehr gemindert werden, wenn der Verletzte bereits vor
Eintritt des Arbeitsunfalls vollständig erwerbsunfähig war. In einem solchen Fall
besteht daher kein Anspruch auf Verletztenrente. Vollständig erwerbsunfähig ist
ein Versicherter dann, wenn er die Fähigkeit verloren hat, einen nennenswerten
Verdienst zu erlangen, d.h. wenn er unfähig ist, sich unter Ausnutzung der Arbeits-
angelegenheiten, die sich ihm nach seinen gesamten Kenntnissen sowie körperlichen
und geistigen Fähigkeiten im ganzen Bereich des wirtschaftlichen Lebens bieten,
einen Erwerb zu verschaffen.
Die Minderung der Erwerbsfähigkeit muss wenigstens ein Fünftel (20 v.H.) entwe-
der durch die Folgen des Arbeitsunfalls allein oder durch mehrere Arbeitsunfälle/
Berufskrankheiten von jeweils 10 % MdE (Stützrente) betragen. Zu beachten ist,
dass sich die Rente bei Schwerverletzten (insgesamt MdE von 50 v. H.) unter den
Voraussetzungen des § 57 SGB VII automatisch um 10 v. H. erhöht. Den Arbeits-
unfällen stehen dabei gleich: Unfälle oder Entschädigungsfälle nach den Beamten-
gesetzen, dem Bundesversorgungsgesetz, dem Soldatenversorgungsgesetz, dem Ge-
setz über den zivilen Ersatzdienst, dem Gesetz über die Abgeltung von Besatzungs-
schäden, dem Häftlingshilfegesetz und den entsprechenden Gesetzen, die Entschä-
digung für Unfälle oder Beschädigung gewähren, so z.B. dem Gesetz über die Ent-
schädigung für Opfer von Gewalttaten. Hat der Verletzte infolge des Arbeitsunfalls
seine Erwerbsfähigkeit verloren, so erhält er die Vollrente. Diese beträgt 2⁄3 des Jah-
resarbeitsverdienstes. Im anderen Falle erhält er als Teilrente den Teil der Vollrente,
der dem Grade der Minderung seiner Erwerbsfähigkeit entspricht.
Die Höhe der Verletztenrente richtet sich nach dem Einkommen der Versicherten
im Jahre vor dem Arbeitsunfall (Jahresarbeitsverdienst) . Der Jahresarbeitsverdienst
beträgt mindestens 60 v. H. bei Personen, die das 18. Lebensjahr vollendet haben
bzw. 40 v. H. bei Personen, die das 15., aber noch nicht das 18. Lebensjahr vollen-
det haben, jeweils orientiert an der zum Zeitpunkt des Versicherungsfalls maßge-
benden Bezugsgröße (§ 85 Abs. 1 SGB VII). Der Höchstbetrag des Jahresarbeitsver-
dienstes beträgt das Zweifache der Bezugsgröße (§85 Abs. 2 SGB VII i.V.m. §18
SGB IV). Die Satzung kann eine höhere Obergrenze festsetzen. Hiervon haben ein-
zelne UV-Träger Gebrauch gemacht.
Voraussetzung für die Gewährung einer Verletztenrente durch UV-Träger ist das
Vorliegen einer rechtserheblichen Minderung der Erwerbsfähigkeit. Zu ihrer Fest-
stellung ist das ärztliche Gutachten erforderlich. Bei der Begutachtung muss der für
das Gebiet der gesetzlichen Unfallversicherung maßgebliche Begriff der Minderung
der Erwerbsfähigkeit berücksichtigt werden. Danach wird die MdE in der gesetzli-
chen Unfallversicherung als die Fähigkeit eines Menschen bezeichnet, sich unter
Ausnutzung aller Arbeitsgelegenheiten, die sich ihm nach seinen verbleibenden
Kenntnissen und körperlichen und geistigen Fähigkeiten im gesamten Bereich des
1. Ausgangspunkt ist die individuelle Erwerbsfähigkeit des Versicherten, die durch Vorschä-
den beeinträchtigt sein kann.
2. Rechtlich relevant ist ein Vorschaden dann, wenn zwischen dem Vorschaden und dem
durch einen Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit verursachten Schaden eine Wechsel-
beziehung besteht.
3. Liegt eine Wechselwirkung vor, so wird in der Regel eine höhere Minderung der Erwerbs-
fähigkeit die Folge sein, sofern nicht Vorschaden und Unfallschaden ineinander
aufgehen.
4. Die Minderung der Erwerbsfähigkeit durch einen Vorschaden ist nach dem Befund zur
Zeit des Unfalls frei zu schätzen.
5. Die individuelle Minderung der Erwerbsfähigkeit bei wechselseitigen Beziehungen von
Vorschaden und Unfallfolgen muss vom Gutachter bewertet werden, sie kann nicht rein
rechnerisch ermittelt werden.
Die im Zusammenhang mit der Bewertung eines Vorschadens immer wieder er-
wähnte (schon ältere) Lohmüllersche Formel
(y – z) · 100
x = ___________
a
besuchs lässt zwar Rückschlüsse auf den Heilverlauf zu, ist jedoch nicht von vorn-
herein einer völligen Erwerbsunfähigkeit gleichzusetzen. In der Praxis haben sich
die hier wiedergegebenen Anhaltspunkte als sehr hilfreich herausgebildet, die vom
ehemaligen Bundesverband der Unfallkassen als „Hinweise zur ärztlichen Schät-
zung der MdE bei Kindern in Kindergärten, Schülern und Studierenden“ herausge-
geben wurden. Daraus entnommen sind folgende Erfahrungswerte:
Für die Dauer der stationären Behandlung MdE = 100 %
Für die Dauer der Versorgung mit:
Zweifellos ist die Schätzung der MdE individuell vorzunehmen und eine schemati-
sche Handhabung der Erfahrungswerte nicht zulässig; dennoch sollte ein Abwei-
chen nur mit besonderen anatomischen Veränderungen gegenüber der Norm be-
gründet werden.
[Link] Abfindungen
Rentenansprüche können unter bestimmten Voraussetzungen vom UV-Träger ab-
gefunden werden. Das Gesetz sieht für solche Abfindungen mehrere Möglichkeiten
vor (§§ 75 ff. SGB VII). Für die Entscheidung über eine Abfindung kann auch das
ärztliche Gutachten von Bedeutung sein.
Die zahlreichen und mannigfaltigen Aufgaben der UV-Träger bei der Entscheidung
über Sach- und Geldleistungen sind nur im Zusammenwirken mit den Ärzten zu
erfüllen. Die Beziehungen zu den Ärzten, zu denen untrennbar auch die in der Be-
gutachtung gehören, bedürfen daher besonderer Regelung.
ratorenrolle. Die deutschen UV-Träger haben es insoweit leicht, als sie nach Gewer-
bebranchen („Berufsgenossenschaften“) organisiert sind. Dies bringt Vorteile in der
Präventionskompetenz und in den Bemühungen, Menschen mit Behinderungen
wieder am Arbeitsleben teilhaben zu lassen. Die Gremien der Selbstverwaltung sind
paritätisch mit Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern aus der Gewerbebranche
besetzt. Die Mitarbeiter kennen die Betriebe und die branchenspezifischen Beson-
derheiten.
! Die Ärzte benötigen einen festen Ansprechpartner in den UV-Trägern, der die
Grundlage für einen sachbezogenen und akzeptablen Dialog zugunsten der Versi-
cherten legt (Reha-, Disability Manager oder Berufshelfer). Sie begleiten die Unfall-
versicherten vom Krankenbett (Besuchsdienst) bis zur Wiedereingliederung in den
Beruf und in die Familie. Er ist in vielen Fällen ein lebenslanger Berater der Ver-
sicherten, aber auch Vermittler zu den behandelnden Ärzten ([Link]-
[Link]).
! Ein Dachverband hat den Vorteil, Erkenntnisse in der Medizin und im Verwal-
tungsverfahren zu koordinieren und, in Abstimmung mit den Mitgliedern, über
Richtlinien zu verbreiten. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) ist
ein solcher Dachverband mit Sitz in Berlin, in dem u.a. Richtlinien für die Zulas-
sung von Ärzten im Heilverfahren, zur Qualität der Heilbehandlung und zu Begut-
achtungen erarbeitet werden. Er verhandelt über die Vergütung mit der Ärzteschaft
auf Bundesebene und wickelt die Finanzierung von Gemeinschaftsaufgaben ab, wie
etwa die Finanzierung der BG-Kliniken, der Forschungsinstitute und -projekte.
Zu einem der wichtigsten Felder in dem Geflecht der Rechtsbeziehungen zwischen
den UV-Trägern und den Ärzten gehört die Begutachtung. Der UV-Träger beauf-
tragt die ärztlichen Gutachter im wesentlichen, ihm bei der Entscheidung über den
beruflichen Ursachenzusammenhang und bei der Festlegung der Minderung der
Erwerbsfähigkeit (MdE) behilflich zu sein. Während es bei der MdE-Einschätzung
um die Höhe der Rente geht, stellt der Gutachter mit seiner Kausalitätsbewertung
die Weichen, ob ein UV-Träger im Einzelfall überhaupt für die Leistungen zur Re-
habilitation/Teilhabe und die Entschädigung zuständig ist. Der Gutachter gestaltet
insoweit also auch die Grenzen zu anderen Sozialversicherungen.
Jeder UV-Träger entscheidet gemäß §21 Abs. 1 SGB X nach pflichtgemäßem Er-
messen, welche Sachverständige er beauftragt. Dieses Ermessen schränkt §200 Abs.
2 SGB VII ein, wonach der UV-Träger vor Erteilung eines Gutachtenauftrages den
Versicherten mehrere Gutachten zur Auswahl benennen soll. Dieses Auswahlrecht
hat §14 Abs. 5 Satz 3 SGB IX für die Begutachtung von Leistungen aller Sozialver-
sicherten zur Teilhabe/Rehabilitation übernommen. Die medizinischen Gutachter
sind nicht über ein Arbeitsverhältnis an die UV-Träger gebunden. Vielmehr greifen
die UV-Träger auf klinisch und frei praktizierende Ärzte zurück, selbstverständlich
auch auf Ärzte in den BG-Kliniken oder anderen BG-Einrichtungen, deren einzige
Hauptaufgabe es indes nicht ist, Gutachten zu erstellen, sondern zu behandeln oder
zu forschen. Die UV-Träger greifen also nicht auf festangestellte Ärzte zurück, wie
etwa die gesetzliche Krankenversicherung auf den Medizinischen Dienst und die
gesetzliche Rentenversicherung auf den Sozialmedizinischen Dienst, sondern zahlen
Einzelhonorare.
Über 200 000 Gutachten im Jahr werden nach grober Schätzung von den UV-Trä-
gern entweder in freier Form oder über Vordrucke (70 – 80 %) eingeholt. Sie dienen
als Beweismittel gem. §21 Abs. 1 SGB X für die Verwaltungsentscheidung, die
letztlich beim UV-Träger liegt, hier insbesondere bei den mit den Sozialpartnern
paritätisch besetzten sog. Rentenausschüssen. Im BK-Verfahren wirken die Staatli-
chen Gewerbeärzte mit. Sie haben das Recht gem. §4 Abs. 4 BKV, Zusammen-
hangsgutachten für die UV-Träger zu erstellen (s. o. 2.4.5).
Für die Erstbegutachtung sind in der Regel die behandelnden Ärzte geeignet. Diese
Einheit von Therapie und Begutachtung, insbesondere bei Arbeitsunfällen, hat zwei
Vorteile. Zum einen reduziert sich dadurch der Vorwurf, die UV-Träger würden
nicht objektive Gutachter auswählen. Zum anderen wird das Vertrauensverhältnis
zwischen Arzt und Patient sinnvoll genutzt, um die Akzeptanz der späteren Gutach-
ten und damit das Vertrauen auch zwischen UV-Träger und Versicherten zu stabi-
lisieren.
sollte sich dieses Vorteils bewusst sein, etwa wenn es um eine Empfehlung über die
frühzeitige Arbeitserprobung geht (s. o. [Link]).
Die allgemeinen zivilrechtlichen Rechte und Pflichten im Verhältnis von Auftragge-
bern und Auftragnehmern gelten zwar auch für die Begutachtung in der gesetzli-
chen UV. Wichtig sind aber mehr die Betreuungs- und Führungsaufgaben der UV-
Träger als Auftraggeber von Gutachten, die die Besonderheiten des Unfallversiche-
rungssystems einbeziehen können. Der Grundsatz des §404 a Zivilprozessordnung
(ZPO), die Tätigkeit des Sachverständigen zu leiten, damit der Wahrheit möglichst
nahe kommende Feststellungen getroffen werden können, sind auch auf das Gut-
achtenwesen in der gesetzlichen UV zu übertragen. Auch dadurch wird die Qualität
verbessert. Maßnahmen zur Ausgestaltung des Gutachtenverhältnisses sollten sich
immer an den Zielen orientieren, die Akzeptanz der Gutachten und das Vertrauens-
verhältnis unter den Beteiligten zu stärken. In einem solchen entspannten Verhältnis
wird leicht die Forderung zu realisieren sein, den Gutachter über den Ausgang des
Feststellungsverfahrens zu informieren. In diese Art der Rückkopplung und Quali-
tätssicherung des Gutachters wird der Versicherte leichter einwilligen und damit ein
Stück seines Persönlichkeitsrechtes (Datenschutz) preisgeben, wenn man ihn als
mündigen Bürger bei „seiner“ Versicherung und deren Gutachter achtet.
Der Qualitätssicherung dienen ebenso folgende Maßnahmen:
– Persönliche Leistungserbringung der Gutachter
– Registrierung auffälliger Gutachter und ihre Streichung in den Gutachterlisten
– Adäquate Honorierung, aber auch konsequent verfolgte Mängelrügen
– Befragungen der Versicherten über die Gutachterqualität und über Verbesse-
rungsvorschläge
– Persönlicher Streit unter Gutachtern mit unsachlichen Äußerungen sollten sofort
von den UV-Trägern geschlichtet werden.
Eine der wichtigsten Betreuungsaufgaben der UV-Träger liegt darin, das Gutachten
fristgerecht zu erhalten. Dieses Element, von dem auch die Akzeptanz des Verwal-
tungsverfahrens der UV-Träger insgesamt abhängt, soll noch besonders hervorge-
hoben werden. Nach §49 Abs. 1 Satz 1 des Ärztevertrags ist der Arzt im Interesse
der Unfallversicherten zur pünktlichen Berichterstattung verpflichtet. Die Frist be-
trägt nach der dort getroffenen Regelung vom Tage des Eingangs der Anforderung
ab gerechnet für Rentengutachten längstens 3 Wochen. In die Bestimmung ist auf-
genommen, dass der Gutachter den UV-Träger unverzüglich benachrichtigen muss,
wenn es ihm nicht möglich ist, das Gutachten innerhalb der genannten Frist bzw.
des im Gutachtenauftrag genannten Termins zu erstatten. Längere Fristen werden
dem Gutachter dann eingeräumt, wenn Zusatzgutachten anderer Fachgebiete erfor-
derlich sind. Falls sich der Gutachter nicht rechtzeitig meldet, setzt sich im Regelfall
der Sachbearbeiter telefonisch mit ihm in Verbindung, um die Gründe für die Ver-
spätung zu erfahren und auf eine rasche Erledigung zu drängen.
2.7 Verwaltungsverfahren
Bei Gutachtenaufträgen ist die Vorschrift des §200 Abs. 2 SGB VII (s. auch §14
Abs. 5 Satz 3 SGB IX) zu beachten, wonach der UV-Träger vor Erteilung eines
Gutachtenauftrages den Versicherten mehrere (mehr als zwei) Gutachter zur Aus-
wahl benennen soll. Das gilt nicht für ein „Zusatzgutachten“, das ein Gutachter
(nicht ein UV-Träger!) im Rahmen des von ihm vom UV-Träger erteilten Gutach-
tenauftrags heranzieht, um Fragen auf anderen medizinischen Fachgebieten mitbe-
urteilen zu können.
Der Beteiligte hat das Recht auf Anhörung (§24 SGB X), wenn eine für ihn nach-
teilige Entscheidung getroffen werden soll. Vor dem Erlass eines Verwaltungsaktes,
der in die Rechte der Beteiligten eingreift, ist diesen Gelegenheit zu geben, sich zu
den für die Entscheidung erheblichen Tatsachen zu äußern (z.B. Herabsetzung oder
Entziehung der Rente). Die unterlassene Anhörung ist ein nicht heilbarer Formfeh-
ler, der auch bei rechtlich gebundenen, materiell rechtmäßigen Entscheidungen zur
Aufhebung des Verwaltungsaktes führt. Der UV-Träger hat die Feststellung der
Leistungen zu beschleunigen. Dieses Gebot ist nach Auffassung der Aufsichtsbehör-
de erfüllt, wenn zwischen den einzelnen Arbeitsschritten nicht mehr als 4 Wochen
liegen. Auch die in §49 des Ärztevertrages genannten Fristen (Berichte und Gutach-
ten) haben ihre Grundlage in diesem Beschleunigungsgebot. Werden die Leistungen
nicht rechtzeitig festgesetzt, muss der UV-Träger unter den in §44 SGB I genannten
Voraussetzungen Zinsen zahlen.
so ist der Verwaltungsakt in Form eines Bescheides (§102 SGB VII) zu erteilen,
ebenso generell auf Antrag der Versicherten.
Die Entscheidung trifft der Rentenausschuss, der paritätisch mit je einem Vertreter
der Versicherten und einem der Arbeitgeber besetzt ist. Der Bescheid ist zu begrün-
den (§ 35 SGB X). Es sind insbesondere zu nennen: Der Jahresarbeitsverdienst, die
Unfallfolgen und die unfallfremden Erkrankungen. Hierfür gilt die im Sozialgesetz-
buch ausdrücklich vorgesehene Regelung: Die Amtssprache ist deutsch (§19 SGB
X). Der Verwaltungsakt/Bescheid ist mit einer Rechtsbehelfsbelehrung zu versehen
und den Versicherten bekanntzugeben (§§36, 37 SGB X).
Die Nachprüfung der Verwaltungsakte/Bescheide obliegt zunächst den Wider-
spruchsstellen der UV-Träger, die wiederum paritätisch mit je einem Vertreter der
Versicherten und Arbeitgeber besetzt sind, und sodann den Gerichten der Sozialge-
richtsbarkeit. Den Versicherten entstehen durch das Widerspruchsverfahren keine
Kosten. Auch das Verfahren vor den Gerichten der Sozialgerichtsbarkeit ist im
Prinzip kostenfrei. Nur in der 3. Instanz, vor dem Bundessozialgericht, besteht der
Zwang zur Bestellung eines Prozessbevollmächtigten.
Tipps
Bereiter-Hahn/Schieke/Mehrtens: Gesetzliche Unfallversicherung, Handkommen-
tar, Berlin 2009 Loseblattwerk.
Berufsgenossenschaftliche Grundsätze für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersu-
chungen, 4. Auflage 2007. (Hrsg. DGUV).
Kaiser, V. (Verfasser), Hinweise für den Sachbearbeiter zur ärztlichen Begutach-
tung, 5. Auflage 2001, hrsg. v. Landesverband Südwestdeutschland der gewerbli-
chen Berufsgenossenschaften, Heidelberg.
Noeske-Franz: Erläuterungen zum Vertrag Arzte/Unfallversicherungsträger, Berlin
Loseblattwerk, 2001.
Schönberger/Mehrtens/Valentin, Arbeitsunfall und Berufskrankheit, 8. Auflage,
Berlin 2010.
Zeitschrift für Trauma und Berufskrankheit, Springer-Verlag Heidelberg, www.
[Link].