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Die Europische Union: 500 Millionen Brger 28 Lnder

Mitgliedstaaten der
Europischen Union

Kandidatenlnder und
potenzielle Kandidatenlnder
Die Grnder

Neue Ideen fr dauerhaften Frieden und Wohlstand

Konrad Adenauer Alcide De Gasperi

Winston Churchill

Robert Schuman Jean Monnet


Die Symbole der EU

Das Motto:
In Vielfalt geeint Die europische Hymne

Der Euro Die europische Flagge 9. Mai - Europatag


24 Amtssprachen

English latvieu valoda portugus


etina espaol lietuvi kalba Romn
dansk franais magyar slovenina
Deutsch Gaeilge Malti slovenina
eesti keel hrvatski Nederlands suomi
Italiano polski svenska
Erweiterung: von sechs bis 28 Lnder
Die groe Erweiterung: Vereinigung von Ost und West

1989 Fall der Berliner Mauer Ende des Kommunismus


Start der EU-Wirtschaftshilfe: Phare-Programm

1992 Festlegung der Kriterien fr einen Beitritt zur EU:


Demokratie und Rechtsstaatlichkeit
funktionierende Marktwirtschaft
Fhigkeit, die Rechtsvorschriften der EU umzusetzen

1998 Beginn der offiziellen Erweiterungsverhandlungen

2002 Gipfel von Kopenhagen stimmt groen Erweiterung


um 10 neue Mitgliedstaaten zu

2004 Zehn neue EU-Mitgliedstaaten: Estland,


Lettland, Litauen, Malta, Polen,
Slowakei, Slowenien, Tschechische
Republik, Ungarn, Zypern

2007 Bulgarien und Romanien treten der EU bei

2013 Kroatien tritt am 1. Juli bei


Kandidatenlnder und potenzielle Kandidatenlnder

Wohlstand
Flche Bevlkerung
Land (Pro-Kopf-
(x 1000 km) (Millionen)
Bruttoinlandsprodukt)

Bosnien und
51 3,8 7 600
Herzegowina

Montenegro 14 0,6 10 900

Kosovo unter
Resolution 1244 des 11 1,8 :
UN-Sicherheitsrates
Ehemalige
jugoslawische Republik 25 2,1 9 100
Mazedonien
Albanien 28 2,9 7 500

Serbien 77 7,2 9 100

Trkei 783 76,7 13 800

Die 28 EU-Lnder
4 272 507,4 25 700
zusammen
Die Vertrge Grundlage fr eine demokratische und
rechtsstaatliche Zusammenarbeit

1952 Europische Gemeinschaft fr Kohle und Stahl

1958 Rmische Vertrge


Europischen Wirtschaftsgemeinschaft
Europischen Atomgemeinschaft (EURATOM)

Einheitliche Europische Akte: der


1987 Binnenmarkt
Vertrag zur Europischen Union
1993 Maastrichter Vertrag

1999 Vertrag von Amsterdam

2003 Vertrag von Nizza

2009 Vertrag von Lissabon


Die EU-Charta der Grundrechte

Verbindlich fr alle Aktivitten der EU


54 Artikel unter 6 Titeln

Wrde Freiheiten Gleichheit

Solidaritt Brgerrechte Justiz


Die Bevlkerung der EU im weltweiten Vergleich

Bevlkerung in Millionen
(2015)
Die Flche der EU im Vergleich zu anderen Lndern

Flche (x 1000 km)

17098

9600 9831

4272
3287

378

EU China Indien Japan Russland USA


Wie wohlhabend ist die EU im Vergleich zu anderen Lndern?

Gre der Wirtschaft: Pro-Kopf-Wohlstand:


BIP in Billionen Euro (2013) Pro-Kopf-BIP in
Kaufkraftstandards (2013)
Frankreich 633

Spanien 506

Schweden 439

Deutschland 357

Finnland 338

Polen 313

Italien 302

Vereinigtes Knigreich 249

Rumnien 238

Griechenland 132

Bulgarien 111

Ungarn 93

Portugal 92

Kroatien 88

sterreich 84
Wie gro sind die Lnder der EU?

Tschechische Republik 79

Irland 70

Litauen 65
Flche (x 1000 km)

Lettland 65

Slowakei 49

Estland 45

Dnemark 43

Niederlande 42

Belgien 31

Slowenien 20

Zypern 9

Luxemburg 2.6

Malta 0.3
Wie viele Menschen leben in der EU?

Bevlkerung in Millionen (2015)


508 Millionen insgesamt
BIP pro Kopf: Die Verteilung des Reichtums

BIP pro Kopf 2014

Index (Durchschnitt EU-28 = 100)


Die europische Wirtschaft: Gemeinsam strker

2008: Die weltweite Finanzkrise beginnt in den Vereinigten


Staaten.
Koordinierte Reaktion der europischen Spitzenpolitiker:

Bekenntnis zum Euro und Verpflichtung zur Finanzmarktstabilit


Neue Vorschriften und neue Instrumente zur Krisenbewltigung:
Europischer Stabilittsmechanismus: Fond zur Untersttzung von
Lndern mit auergewhnlichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten
Neue Vorschriften zur Stabilitt von Banken
Bankenunion: EU-weite Bankenaufsicht und Mechanismus zur Schlieung
insolventer Banken
Bessere wirtschaftliche Steuerung:
Europisches Semester: Jhrliches Verfahren zur Koordinierung
ffentlicher Haushalte
Euro-Plus-Pakt, Fiskalpakt-Vertrag: gegenseitige Verpflichtung zu
soliden ffentlichen Finanzen
Zehn Prioritten fr Europa

2015 hat sich die Europische Kommission unter Prsident


Jean-Claude Juncker folgende Schwerpunkten gesetzt:

1. Der Investitionsplan: Neue Impulse fr Arbeitspltze,


Wachstum und Investitionen
2. Ein vernetzter digitaler Binnenmarkt
3. Eine robuste Energieunion mit einer zukunftsorientierten
Klimaschutzpolitik
4. Ein vertiefter und fairerer Binennmarkt mit gestrkerter
industrieller Basis
5. Eine vertiefte und fairere Wirtschafts- und Whrungsunion
6. Ein vernnftiges und ausgewogenes
Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten
7. Ein auf gegenseitigem Vertrauen fuender Raum des
Rechts und der Grundrechte
8. Eine neue Migrationspolitik
9. Europa als starker globaler Akteur
10. Eine Union des demokratischen Wandels
Eine Investitionsoffensive fr Europe

Der Europische Fonds fr strategische Investitionen

2015: Die europische Wirtschaft fngt an, sich nach der Krise zu erholen,
die Investitionsbereitschaft ist jedoch nach wie vor gering. Die Investoren
haben zwar die Finanzmittel, aber wenig Vertrauen.

Neuer EU-Fonds ab Mitte 2015

Der Fonds startet mit 21 Milliarden Euro aus EU-Ressourcen

Investitionen werden in zukunftsfhige Geschftsvorhaben gettigt,


beispielsweise in digitale Infrastrukturen und Energieinfrastrukturen,
Verkehrsvorhaben, kleine Unternehmen, kologische Projekte und
Innovationen

Multiplikatoreffekt: ffentliche Mittel werden private Investitionen nach sich


ziehen, mit einem Gesamtbetrag von insgesamt 315 Milliarden Euro

1,3 Millionen neue Arbeitspltze knnten innerhalb von drei Jahren entstehen
Bankenunion: sichere und zuverlssige Banken

Die Reaktion der EU auf die Finanzkrise:

Regelwerk:
Neue Vorschriften zur Sicherstellung, dass Banken ber
das notwenige Kapital und eine bessere Risikokontrolle
verfgen

Aufsicht:
Die Europische Zentralbank berwacht +/- 130 der
wichtigsten Banken
Nationale Aufsichtsbehrden arbeiten eng zusammen

Abwicklung:
Ein europaweites Einheitliches Aufsichtsgremium kann
ber die Abwicklung einer insolventen Bank entscheiden.
Dies wird untersttzt durch einen Fonds, in den die
Banken selbst einzahlen, wodurch sichergestellt wird, dass
die Steuerzahler nicht belangt warden.
Wofr werden die EU-Gelder ausgegeben?

Gesamthaushalt der EU 2015: 145,3 Mrd. Euro


= 1,02 % des Bruttonationaleinkommens

Globales Europa:
einschlielich Entwicklungshilfe
6%

Sicherheit und Andere, Verwaltung


Unionsbrgerschaft, 6%
Justiz
2%

Nachhaltiges Wachstum Intelligentes und integratives


natrliche Ressourcen: Wachstum: Arbeitspltze,
Landwirtschaft, Umwelt Wettbewerbsfhigkeit,
40 % regionale Entwicklung
46 %
Klimawandel eine globale Herausforderung

Um der Erderwrmung Einhalt zu gebieten, haben die


EU-Entscheidungstrger 2014 beschlossen:

die Treibhausgasemissionen bis 2030


im Vergleich zu 1990 um 40 % zu
senken
den Anteil an erneuerbaren Energien
bis 2030 um 27 % zu erhhen
(Windkraft, Solarenergie,
Wasserkraft, Biomasse)
die Energieeffizienz bis 2030 um 27
% zu steigern
Energiequellen in einer Welt im Wandel

Anteil der in der EU Anteil der aus Nicht-EU-


verwendeten Lndern importierten
Brennstoffarten (2013) Brennstoffe (2013)

87%
84%

65%

53%
44%

2%
Forschung in die Wissensgesellschaft investieren

Investitionen in Forschung und Entwicklung


(in Prozent des Bruttoinlandsprodukts)
(2012)

3.3%
3.0%
2.7%

2.1%
1.8%

EU EU-Ziel 2020 China Japan USA


Die EU-Kohsionspolitik: Solidaritt in der Praxis

2014-2020: Investitionen in Hhe von 352 Milliarden Euro in


Infrastruktur, Unternehmen, Umwelt und die Weiterbildung
von Arbeitnehmern in benachteiligten Regionen

Regionalfonds
Sozialfonds
Kohsionsfonds

Am wenigsten entwickelte Regionen:


Pro-Kopf-BIP unter 75 % des EU-
Durchschnitts

bergangsregionen:Pro-Kopf-BIP
zwischen 75 % und 90% des EU-
Durchschnitts

Entwickeltere Regionen: Pro-Kopf-BIP


ber 90 % des EU-Durchschnitts
Der Euro eine einheitliche Whrung fr Europa

Warum brauchen wir den


Euro?
Kein Fluktuationsrisiko und kein
Wechselkursrisiko

Grere Auswahl und stabilere Preise


fr Verbraucher

Engere wirtschaftliche Zusammenarbeit


zwischen EU-Lndern

Der Euro wird im gesamten


Euroraum verwendet.
Mnzen:eine Seite mit nationalem
Symbol, eine gemeinsame Seite

Scheine: keine nationale Seite EU-Lnder, in denen der Euro verwendet wird
EU-Lnder, in denen der Euro nicht verwendet
wird
Der Binnenmarkt: Entscheidungsfreiheit

Freizgigkeit in vier Bereichen:

Waren
Dienstleistungen
Personen
Kapital

Der Binnenmarkt hat eine Reihe von


Erfolgen mglich gemacht:
Erhebliche Preissenkungen bei vielen
Produkten und Dienstleistungen, auch bei
Flugtickets und Telefonanrufen

Eine grere Auswahl fr die Verbraucher

2,8 Millionen neue Jobs


Freizgigkeit

Schengen:

Keine Polizei- und Zollkontrollen an den


meisten EU-Binnengrenzen

Verstrkte Kontrollen an den EU-


Auengrenzen

Bessere Zusammenarbeit zwischen den


Polizeibehrden in den verschiedenen
EU-Lndern

Bei Reisen innerhalb der EU knnen Sie


Waren fr den persnlichen Gebrauch
kaufen und einfhren
Gnstiger telefonieren im Ausland

Die EU hat die Kosten fr Telefongesprche, SMS und


Daten-Roaming im Ausland seit 2007 um ber 80%
verringert Angaben in Cent,
ohne MwSt

300

Herunterladen von Daten im


Ausland
250

200

150

Anrufen aus dem Ausland (pro


100
Minute)

50
Versenden einer SMS im
Ausland
0
2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Zum Lernen ins Ausland

Erasmus+

Jedes Jahr gehen ber 400.000


junge Menschen ins Ausland,
um mit Hilfe von Erasmus+,
dem EU-Programm fr Aus- und
Weiterbildung, Jugend und
Sport, in einem anderen
europischen Land zu studieren
oder sich auszubilden.
Gesundheit und Umwelt verbessern

Umweltverschmutzung kennt keine Grenzen gemeinsames


Handeln ist gefragt

Mit Untersttzung der EU konnte bereits


Folgendes erreicht werden:

sauberere Badegewsser
erheblich weniger saurer Regen
bleifreies Benzin
einfache und sichere Entsorgung alter
Elektrogerte
strenge Vorschriften im Bereich der
Lebensmittelsicherheit vom Hof bis
auf den Tisch
mehr kologischer und hochwertiger
Landbau
wirksamere Warnhinweise auf
Zigarettenpackungen
Registrierung und Kontrolle aller
Chemikalien (REACH)
Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts

Charta der Grundrechte

Gemeinsame
Terrorismusbekmpfung

Lnderbergreifende
Zusammenarbeit von Polizei und
Strafverfolgungsbehrden

Abstimmung der Asyl- und


Einwanderungspolitik

Zusammenarbeit in Zivilsachen
Die EU als berbringer von Frieden und Wohlstand

Welthandelsregeln

Gemeinsame Auen- und


Sicherheitspolitik

Entwicklungshilfe und humanitre


Hilfe
Handelsmacht EU

Anteil am Welthandel Anteil am Welthandel


mit Waren mit Dienstleistungen
(2012) (2012)
Die EU: weltweit grter Geber von Entwicklungshilfe

Die EU zahlt ber die Hlfte der weltweiten


Entwicklungshilfe

56

24

EU USA Japan

ffentliche Entwicklungshilfe in Mrd. Euro (2013)


Verbraucherschutz

Als Verbraucher sind Sie in der gesamten EU durch


Grundrechte geschtzt, selbst wenn Sie unterwegs
sind oder online einkaufen

Eindeutige Kennzeichnung

Gesundheits- und Sicherheitsstandards

Verbot unlauterer Praktiken in Vertrgen

Passagierrechte, z.B. Entschdigungen bei langen


Versptungen

Hilfe bei der Lsung von Problemen


Gleichstellung der Geschlechter

Das geschlechtsspezifische Lohngeflle:

Frauen verdienen in der EU im Durchschnitt 16,4%


weniger pro Stunde als Mnner.
Die drei wichtigsten Akteure

Das Europische Parlament

die Stimme des Volkes


Martin Schulz, Prsident des Europischen
Parlaments

Der Europische Rat und der Rat

die Stimme der Mitgliedstaaten


Donald Tusk, Prsident des Europischen
Rates

Die Europische Kommission


im Interesse des Gemeinwohls
Jean-Claude Juncker, Prsident der Europischen
Kommission
Die EU-Institutionen

Europischer Rat (Gipfel)

Ministerrat
Europisches Parlament (Der Rat) Europische Kommission

Gerichts- Rechnungs- Wirtschafts- und


hof hof Sozialausschuss Ausschuss der Regionen

Europische Agenturen Europische Zentralbank


Investitionsbank
EU-Recht: von der Idee zur Umsetzung

Brger, Interessengruppen, Experten: werden befragt und


in Debatten einbezogen

Kommission: legt Vorschlag vor

Parlament und Ministerrat: entscheiden gemeinsam

Nationale oder lokale Behrden: setzen EU-Recht in nationales Recht um

Kommission und Gerichtshof: kontrollieren die Umsetzung


Das Europische Parlament die Stimme des Volkes

Entscheidet gemeinsam mit dem Rat der Europischen Union ber


EU-Rechtsvorschriften und den Haushalt

Demokratische Kontrolle ber die gesamte politische Arbeit der EU


Anzahl der gewhlten Mitglieder pro Land

Belgien - 21 Italien - 73 Portugal - 21


Bulgarien - 17 Kroatien - 11 Rumnien - 32
Dnemark - 13 Lettland - 8 Schweden - 20
Deutschland - 96 Litauen - 11 Slowakei - 13
Estland - 6 Luxemburg - 6 Slowenien - 8
Finnland - 13 Malta - 6 Spanien - 54
Frankreich - 74 Niederlande - 26 Tschechische Republik - 21
Griechenland - 21 sterreich - 18 Ungarn - 21
Irland - 11 Polen - 51 Vereinigtes Knigreich - 73
Zypern - 6

Total - 751
Das Europische Parlament die Stimme des Volkes

Anzahl der Parlamentssitze pro Fraktion


(Stand: Juli 2015)

Insgesamt:
751
Der Rat der EU die Stimme der Mitgliedstaaten

Ein Minister aus jedem EU-Land


Wechselnder Vorsitz alle sechs Monate
Entscheidet zusammen mit dem Parlament ber EU-
Rechtsvorschriften und Haushalt
Zustndig fr die gemeinsame Auen- und Sicherheitspolitik
Ministerrat - So wird gewhlt

Die meisten Beschlsse im Rat werden per doppelter


Mehrheit getroffen.

Untersttzt werden muss ein Beschluss mindestens von:

55% der Mitgliedstaaten (16 Lnder)

Mitgliedstaaten, die 65% der EU-Bevlkerung darstellen


Gipfeltreffen im Europischen Rat

Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs aller EU-Lnder


Findet mindestens viermal jhrlich statt
Legt groe Leitlinien der EU-Politik fest
Prsident: Donald Tusk
Die Hohe Vertreterin fr Auen- und Sicherheitspolitik

Federica Mogherini

Doppelfunktion:
Vorsitz im Rat fr Auswrtige Angelegenheiten
+ Vizeprsidentin der Europischen Kommission
Sie ist zustndig fr die gemeinsame Auen-
und Sicherheitspolitik.
Sie steht an der Spitze des
Europischen Auswrtigen Dienstes.
Die Europische Kommission im Interesse des Gemeinwohls

28 unabhngige Mitglieder, eines aus jedem EU-Land

Schlgt neue Rechtsvorschriften vor


Ist das Exekutivorgan
Ist die Hterin der Vertrge
Vertritt die EU auf internationaler Ebene
Der Gerichtshof der Hter des Rechts

28 unabhngige Richter, einer aus jedem EU-Land

Entscheidet ber die Auslegung des EU-Rechts


Gewhrleistet eine einheitliche Anwendung des EU-Rechts in
allen EU-Lndern
Die europische Brgerbeauftragte

Emily OReilly
Europische Brgerbeauftragte

Untersucht Beschwerden ber Missstnde


in den Verwaltungen der EU-Organe

Beispiele fr Missstnde:
Ungerechtigkeit, Diskriminierung,
Machtmissbrauch, unntige Verzgerung,
Nichtuerung oder falsche Verfahren

Jeder in der EU kann eine Beschwerde


einreichen
Der Europische Rechnungshof
verantwortungsvoller Umgang mit Steuergeldern

28 unabhngige Mitglieder

Wacht ber die ordnungsgeme Verwendung der EU-Mittel


Kann jede Person oder Organisation, die EU-Mittel verwaltet,
berprfen
Die Europische Zentralbank Verwaltung des Euro

Mario Draghi
Prsident der Zentralbank

Sorgt fr Preisstabilitt
Kontrolliert die Geldmenge und legt
Zinsstze fest
berwacht, ob Banken sicher sind
Arbeitet unabhngig von den
Regierungen
Der Europische Wirtschafts- und Sozialausschuss
die Stimme der Zivilgesellschaft

353 Mitglieder

Vertritt u. a. Gewerkschaften, Arbeitgeber, Landwirte und Verbraucher


Bert in Fragen neuer EU-Vorschriften und Strategien
Ermutigt die Brgergesellschaft zu strkerer Mitwirkung in EU-
Angelegenheiten
Der Ausschuss der Regionen die Stimme der lokalen
Verwaltung

353 Mitglieder

Vertritt Stdte, Regionen


Bert in Fragen neuer EU-Vorschriften und Strategien
Ermutigt die lokale Verwaltung zu strkerer
Mitwirkung in EU-Angelegenheiten
Die Beamten im Dienste der EU

Kommission: rund 23 000 Beamte und 11 000


Mitarbeiter mit befristeten Vertrgen

brige EU-Institutionen: rund 10 000 Beschftigte


Die Beamten werden auf Dauer ernannt

Sie werden in allgemeinen Auswahlverfahren ausgewhlt

Sie kommen aus allen EU-Lndern

Die Hhe ihrer Bezge ist gesetzlich geregelt

Die Verwaltungsausgaben der EU betragen 15 Euro pro EU-Brger und


Jahr

Das Personal der EU wird zwischen 2013 und 2017 um 5% reduziert


[Link]. Mihaela-Cornelia Dan
WS 2016-2017

1
Globalisierung und starkes Wettbewerb
Management und Kontrolle auf dem globalen Markt,
Wettbewerb auf dem Weltmarkt, globale
Arbeitsgruppen, globales Lieferungssystem
Transformation der Industrie
Wissenbasierte Wirtschaft, Produktivitt, neue
Produkte und Dienstleistungen, kurze
Produktlebenszyklen
Transformation des Unternehmens
flache Strukturen, Felxibilitt, kleine Transaktions-
und Koordinationskosten, Empowerment,
gemeinschaftliche Arbeit, Teamwork

2
Vernderung der Humane Ressource
Macht der Konsumenten
Technologischer Druck Innovation,
Informationsinflation
Soziale Verantwortung mit Einflsse auf
Reglementierungen
Freigabe/Entregulierung
Sinkende Budgets und Subventionen
Ethische Aspekte

3
Strategische Systeme
Kontinuierliche Verbesserungsmanahmen
Verbesserte Produktivitt
Just-in-time (JIT) Produktion
Total Quality Management
Besseres Entscheidungstreffen
Information & Knowledge (Wissen)
Innovation
Vernderungsmanagement (Change Management),
Customer Service

4
Business Process Reengineering
Reduzierung der Zyklenzeit und der Marktprsenz
(fast fashion)
Empowerment von Mitarbeiter (Ermchtigung,
bertragung der sozialen Verantwortung)
Konsumentenfokussiertes Verhalten
Umstaltung der Strukturen
ERP (Enterprise Resource Planning)
Business Allianzen
E-Business, E-Commerce

5
Das Geschftsumfeld (Business Environment)
ist die Summer aller internen und externen
Faktoren die ein Unternehmen und seine
Entwicklung beeinflussen

6
Unternehmen

Lokale Gemeinde

Staat

Region

Welt
Mitarbeiter
Kunden
Management
Angebot
Nachfrage
Regeln
Gesetze
Standort
Steuern und Gebhren
.....................

8
Die externen Faktoren die das Unternehmen
in kleinerem Mae oder nicht direkt
beeinflussen kann
- Politische Faktoren
- Wirtschaftliche Faktoren
- Sozio-kulturelle Faktoren (einschl.
Demographie)
- Gesetzliche Faktoren
- kologische Faktoren

9
Dynamisch, in stndige Vernderung
Unvorhersehbar, man kann die knftige
Vernderungen sehr schwer voraussagen
Es ist nicht gleich in der Welt oder auf den
Mrkten (politische Interessen in Indien sind
unterschiedlich von den politischen
Interessen in Andorra)

10
Man bestimmt die Chancen und Risiken
Das Unternehmen antwortet besser, schneller
auf die Herausforderungen
Gibt eine Entwicklungsrichtung
Man identifiziert Wachstumsmglichkeiten
(Expansion)
Permanentes Lernen (Managers aktualisieren
ihr Wissen, Informationen, Denken,
Kompetenzen um besser auf die
Herausforderungen zu reagieren)

11
Wirtschaftliche Ziele Profit erzielen, Kunden
schaffen (create customers) und Innovation
(Peter Drucker)
Soziale Ziele Hauptziel Service, Sekundres
Ziel Profit (Henry Ford)
Humane Ziele das Unternehmen ist aus
Menschen gebildet (Entwicklung,
Partizipatives Management)

12
Produkte zu fairen Preise
Faire Belohnung der Mitarbeiter
Fair Return fr die Investoren
Soziale Wohlfahrt

13
Profit
Macht
Wachstum
Mitarbeiterzufriedenheit
Marktfhrerschaft
Qualitt
Service fr die Gesellschaft
Herausforderungen berwinden
Schaffungsfreude

14
Unerwartete und unvorausgesehene
Ereignisse
Ungengende Garantien
Informationsflut

15
Das
Geschftsumfeld
Internes
Externes Umfeld
Umfeld
Makroumfeld:
Mikroumfeld: Kunden, wirtschaftliche, politische,
Mission, Vision,
Lieferanten, Konkurrenten, sozio-kulturelle,
Management, F&E, HR,
Publikum, Banken, technologische,
Anlagen, Brand equity
Vertreter usw. gesetzliche, globale
Faktoren

16
3. Aufgabe
Technik, Digitalisierung, Smart Cities sind heute
Schlagwrter. Bitte geben Sie drei Lsungen mit
Hilfe der Technologie fr ein besseres Leben.
In der Argumentation Ihrer Antwort sollen Sie
nur wissenschaftliche Quellen bentzen.
Bedingungen: Angabe der Referenzen, maximal 2000
Wrter
Abgabe: via E-Mail an
[Link]@[Link]
Frist: Freitag, den 17. Januar 2017, 16:00 Uhr
DAS POLITISCHE
UMFELD

[Link]. Mihaela-Cornelia DAN


WS 2016/2017
DAS POLITISCHE UMFELD

SYSTEM STABILITT

Politisches und
rechtliches Umfeld

POLITIKEN
DAS SYSTEM

Beinhaltet alle Strukturen, Prozesse und


Ttigkeiten mittels denen ein Staat gefhrt wird.

Politisches Totalitrischer Staat


Demokratisches Staat
System
DAS SYSTEM
Totalitrischer Staat Demokratischer Staat

Authoritt Freiheit
Mangel an Verfassungsgarantien Rechte
Restriktive Partizipation

Unternehmen bezahlen
Stabiles wirtschaftliches Umfeld
Bestechungsgeld
dank der Gesetzgebung
Die wirtschaftliche Gesetzgebung ist
Freiheit und keine Zensur
schwach

Business in einem demokratischen


Business ist riskant Staat ist sicherer als
in einem totalitrischem Staat
DAS SYSTEM

Politische Kapitalistisches
System
Ideologie Sozialistisches
System
Kapitalistisches System Sozialistisches System

- Privates Eigentum von Business - ffentliches Eigentum von


ist untersttzt Business ist untersttzt

Die politische Ideologie beeeinflusst


-Die Einstellung gegenber auslndische Direktinvestionen und Rckfhrung
der Profite
DAS SYSTEM

Politische Beziehungen

frdern stabile Geschftsbeziehungen


Vertiefung der internationalen Kooperation in mehrere
Sektoren
Steigerung der Businessopportunitten und Senkung
des Risikos

Bsp. World Trade Organization (WTO)


STABILITT

Politische Stabilitt - ein subjektives Indikator


fr die Regierungsfhrung (governance)
berechnet aus verschiedene Variablen und
Massnahmen
Beispiele: Vertrauen in ffentliche Institutionen,
Korruption, Geschichte, Ungleichgewichte,
Statut der Minderheiten, Arbeitslosigkeit,
Demographie, Kaufkraft, BIP usw.
POLITIKEN (POLICIES)
Land Krperschaftsteuersatz
Belgien 33,99%
Bulgarien 10% und 5% (Zinsen, Lizenzen und Urheberrechte)
Dnemark 22%
Deutschland 15%; Solidarittszuschlag 5,5% des Steuersatzes
Estland 20%
Finnland 20%
Frankreich 33,33%, zuzglich 3,3% Zuschlag von der
Krperschaftsteuer
Griechenland 26%, 33%
Irland 12,5% bzw. 25%
Italien 27,5%
Kroatien 20%
Lettland 15%
Litauen 15% DIE
Luxemburg 20% bzw. 21%, Beitrag zum Beschftigungsfonds 7% BESTEUERUNG
Malta 5% bis 35%
Niederlande 20% und 25%
sterreich 25%
Polen 19%
Portugal 21%, zuzglich Staatszuschlag 3 7%, Gemeindezuschlag
max. 1,5%
Rumnien 16%
Schweden 22%
Slowakei 22%
Slowenien 17%
Spanien 15%, 25% und 30%
Tschechien 19%
Ungarn 10% und 19%
Vereinigtes 20%
Knigreich
Zypern 12,5%
Land Einkommensteuer
Belgien 25% - 50%
Bulgarien Flat Rate 10%
Dnemark max. 55,8%
Deutschland 14% - 45%; Solidarittszuschlag 5,5% des Steuersatzes
Estland Flat Rate 20%
Finnland 6,5% - 31,75%; Gemeindesteuern 16,5% - 22,5%
Frankreich max. 45%
Griechenland 22% - 42% (zustzlich Solidarittszuschlag 0,7 2,8%)
Irland 20% und 40%; Universal Social Charge 1% - 8% bzw. 11%
Italien 23% - 43%
Kroatien 12% - 40%
Lettland Flat Rate 23%
Litauen Flat Rate 15%
Luxemburg max. 40%

Malta max. 35%


Niederlande 8,35% - 52%
sterreich 25% - 55%
Polen 18% und 32%
Portugal max. 48%; Solidarittszuschlag 2,5% bzw. 5%
Rumnien Flat Rate 16%
Schweden 29,19% - 59,7%
Slowakei 19% - 25%
Slowenien 16% - 50%
Spanien max. 52%
Tschechien Flat Rate 15%
Ungarn Flat Rate 15%
Vereinigtes 20%, 40% und 45%
Knigreich
Zypern max. 35% ; zustzlicher Solidarittszuschlag bis 3,5%
POLITIKEN

DAS EIGENTUM
geistiges Eigentum
Industrielles Eigentum (Patente, Marken)
Urheberechte, Copyrights

Das Problem: in manche Lnder die


Gesetzgebung ist schwacher als in andere
Lnder
POLITIKEN
PRODUKTISICHERHEIT UND -
VERANTWORTUNG
-Produzenten, Verkufer u.a. sind verantwortlich
fr die Sicherheit der Konsumenten und fr die
Lieferung qualitativer Produkte
-Konsumentenschutzgesetze (sehr streng in den
USA)
-Unterschiede zwischen den Staaten (Rumnien
in den 90er)
SCHLUSSFOLGERUNG
Das politische Umfeld ist am wenigsten
vorschaubar
nderungen in dem politischen Umfeld
kommen aus externen und internen Grnden
Die Tatsache, dass die Regierungen jede 4/5
Jahre zur Wahl gehen fhrt zu einem
zyklischen politischen Umfeld
In den 40er starker Einfluss der Politik
Jetzt der Staat als Beobachter
4. Aufgabe
Nach offiziellen Berichten ist die Rumnische
Industrie weiter noch attraktiv fr auslndische
Investoren. Bitte whlen Sie eine Industriebranche
und erlutern Sie Ihre Vorteile und Nachteile fr
auslndische Investoren.
In der Argumentation Ihrer Antwort sollen Sie
nur wissenschaftliche Quellen bentzen.
Bedingungen: Angabe der Referenzen, maximal
2000 Wrter
Abgabe: via E-Mail an
[Link]@[Link]
Frist: Freitag, den 24. Januar 2017, 16:00 Uhr
Das wirtschaftliche Umfeld
[Link]. Mihaela-Cornelia DAN
WS2016/2017
Drei wichtige Bereiche:

1. Wirtschaftskennzahlen

2. Vernderungen in der
Wettbewerbsstruktur

3. Unvorhergesehene externe Einflsse


Wirtschaftliche Kennzahlen:

Inflation

Arbeitslosigkeit

Wechselkursschwankungen

Zinsen

Wirtschaftswachstum
Economic Growth

Measured by Gross Domestic Product (GDP)


the value of output of goods and services in the
economy over a period of a year:

Measured by adding up total incomes (Y) or total expenditure (E) or


total output of industry
Appropriate growth levels in UK
too high - economy overheating,
too low - economy stagnating, resources unemployed
Actual growth of 22.5% seen as being sustainable
Wirtschaftswachstum Das Business Zyklus

Potentielles Wachstum
Output

Boom

Wachstum
Aktuelles Wachstum

Verlangsamung

berkapazitt
Rezession

Zeit
Vernderungen in der Wettbewerbsstruktur
Monopol

Ein einziger Verkufer fr ein einheitliches Produkt


Kein Wettbewerb, das Unternehmen = der Markt
Potential fr Missbrauch
Der Markt als natrliches Monopol
Vernderungen in der Wettbewerbsstruktur:
Duopol

Zwei grosse Produzenten oder Anbieter


Selten findet man zwei genau so grosse und starke
Unternehmen
Tendenz fr Konkurrenz
Beispiel: .............................
Vernderungen in der Wettbewerbsstruktur:
Oligopol

Die Mrkte sind von kleine und viele Unternehmen


dominiert
Sehr oft zu finden
Die grossen Unternehmen verkaufen identische oder
sehr hnliche Produkte
Es gibt wichtige Eintrittsbarrieren
Beispiel:......................
Unvorhergesehene externe Einflsse :

Ereignisse wie 9/11, Bomben in London,


Einflsse auf den Einwohner und
Geschfte
Die Entwicklung der EU und
der Impakt auf Business
[Link]. Mihaela-Cornelia DAN
WS2016/2017
Fallstudie Cleanair
Gegrndet im Jahr 1976 in Hounslow, England
Spezialisiert in Reinigungsdienstleistungen in
Flughfen
Diversifizierung: Verkauf von Reinigungsprodukte
20 Filialen in der EU und ausserhalb
Vorteile: Freier Verkehr der Gter man kauft in
grosse Volumen von dem gnstigsten Lieferant in
der EU
Freier Verkehr der Dienstleistungen Leistung in
andere MS
Niederlassungsfreiheit ein Hauptsitz, andere
Filialen sind nicht ntig
Entstehung der EU
Europe will not be made all at once, or according to
a single plan. It will be built through concrete
achievements which first create a de facto solidarity.
The coming together of the nations of Europe
requires the elimination of the age-old opposition of
France and Germany. Any action taken must in the
first place concern these two countries.
(Robert Schumann, 9. May 1950)
Die Europische Vertrge

1952 Europische Gemeinschaft fr Kohle und Stahl

1958 Rmische Vertrge


Europischen Wirtschaftsgemeinschaft
Europischen Atomgemeinschaft (EURATOM)

Einheitliche Europische Akte: der


1987 Binnenmarkt
Vertrag zur Europischen Union
1993 Maastrichter Vertrag

1999 Vertrag von Amsterdam

2003 Vertrag von Nizza

2009 Vertrag von Lissabon


Der Gemeinsame Markt

Die EU wichtiger denn je


Mehr als Hlfte der Richtlinien und Verordnungen
kommen aus Brssel
Die EU Brger knnen frei innerhalb der EU reisen,
sich in den Mitgliedstaaten bewerben oder ansiedeln
Mehr als 300 Mill. EU Brger bentzen die EURO als
Whrung
Die Europische Integration beeinflusst direkt das
Geschftsumfeld
Die EU Erweiterung hat viele Businessoportunitten
gebracht
Expansion der Exporte-Importe
Neue Standorte, Auslagerung der Produktion
Wachsende Konkurrenz
EU Ziele
Zollunion
Gemeinsamer Markt (Binnenmarkt)
Wirtschafliche und montere Union (EMU)
Gemeinsame Politiken
Integration
Freier Verkehr von Waren, Personen,
Dienstleistungen und Kapital
Wettbwerbsgesetze
Zentrale Elemente der EU Integration
Die 4 Freiheiten freier Verkehr der

Waren
Dienstleistungen
Kapitals
Personen
Freier Warenverkehr
Freier Export in allen Mitgliedstaaten
Keine tariffre oder Quotenbarrieren, keine
Zollkontrolen
Einheitliche Produktionsnormen
Harmonisierung der Mehrwertsteuer Min 15%
Weitere Beschrnkungen: Protektionismus (keine
offizielle Politik, aber....)
Freier Dienstleistungsverkehr

Keine Restriktionen fr Unternehmen und Personen


Polnische Bauunternehmen in Deutschland,
Rumnische rzte in Grossbritanien oder Finische
Beratungsunternehmen in der Niederlande usw.
Ausnahmen: Transport, Finanzdienstleistungen
Barrieren: Qualifikation, Standarde,
Konsumentenschutz, allgemeine Interesse
Freier Kapitalverkehr
Finanzinstitutionen: neue Unternehmen, neue
Filialen in den MS
Brger: Konten, Geldtransfer, Darlehen,
Investitionen
Gemeinsame Kontrollmechanismen und
Institutionen
EURO Zone keine Wechselkursrisiken,
Vereinfachung der Geschfte
Freier Personenverkehr

Das Recht zum Reisen und Residieren berall in der


EU
Lnger als 3 Monaten Restriktionen Unterkunft,
Versicherung, Arbeit
Zielen der Europischen Integration

Mikro- und Industrieniveau

Makroniveau
Mikro- und Industrieniveau

Mehr Wettbewerb
Verbesserte Effizienz
Hhere Spezialiserung
Kostenreduzierung
Erhhte Produktivitt
Makroniveau

Erweitertes intrakommunitres Handel


Internationale Investitionen
Bessere Allokation der Produktionsfaktoren
Kleinere Inflation
Wettbewerbsfhigkeit
Wachstum
Arbeitspltze und weniger Arbeitslosigkeit
Wirtschaftsindikatoren
BIP, Wachstum
Inflationsrate, Preisbildung
Wirtschaftskraft des Landes
Kaufkraft der Bevlkerung (Hhe des Einkommens,
Hhe der Preise, Hhe der Spareinlagen und
Kreditinanspruchnahme)
Konjunktur (wie entwickelt sich die Nachfrage fr
Gter; Rezession, Boomphasen)
EU und KMUs

den Zugang zu Finanzmitteln zu verbessern,


rechtliche Hrden abzubauen,
den Marktzugang zu erleichtern,
die unternehmerische Initiative zu frdern,
die Verbreitung bewhrter Verfahren anzuregen,
die internationale Ausrichtung der KMU zu
untersttzen sowie
die Abstimmung und den Dialog mit den KMU-
Verbnden zu intensivieren.
Trotz ihrer herausragenden Bedeutung fr die
europische Wirtschaft ist die unternehmerische
Initiative fr die meisten Europer nicht die
bevorzugte berufliche Wahl.

So behaupten 60% der EU-Brger, dass sie nie mit


dem Gedanken gespielt htten, ein eigenes
Unternehmen zu grnden.
[Link]. Mihaela Cornelia DAN
WS 2016/2017
Ethnische Diversitt, asiatische und indische
Gemeinschaften berwiegend in viele EU Lnder
Steigende Scheidungsrate und Anzahl der Ein-
Person Haushalte oder Familien nur mit einem
Elternteil
Wunsch nach Gter und Dienstleistungen 24
Stunden am Tag, 7 Tage in der Woche

wer noch an der klassischen vereignigte


Familie vorbereitet lange Zeit auf Produkte
zu warten glaubt, wird nur ein kleines
Segment bearbeiten
Religion
Grundwerte und Lebensstil
Multikulturelle Diversitt
Geschftspraktiken, Verhandlungsstile
kommunikative Ansprachen
Verhaltensweisen (Begrssungen,
Sitzordnungen, berreichen von
Visitenkarten)
Was in einem Land einen besonderen Wert
hat, kann anderswo unbedeutend oder
gnzlich blich sein!!!!!
Die Euro-Socio-Styles zeigen dem
Unternehmen konkret auf
- in welche Lebensstile sich Menschen
unterteilen lassen
- welche Werte und Erwartungen in diesen
Zielgruppen vorherrschen
- in welchem Wettbewerbsumfeld sich das
Unternehmen bewegt
- welche Zielgruppen fr die strategische
Bedeutung besitzen und
- wie diese Zielgruppen optimal
angesprochen werden
Soziale Faktoren beeinflussen wie sich
Menschen am Markt verhalten und
Produkte und Dienstleistungen
wahrnehmen

Fr eine richtige Einschtzung des


Verbraucherverhaltens und der
Entwicklungstrends braucht man sozio-
demographische Informationen
Analyse kulturbedingter Unterschiede
Forschungsprojekt Befragung von
116000 MA von IBM in 40 Lndern ber
arbeitsbezogene Werthaltungen
Es wurden Indexwerte fr die
verschiedenen Kulturdimensionen
errechnet
Die Kulturdimensionen stellen Idealtypen
dar; in der Realitt wird ein Land bspw.
Charakteristika von beiden Extremen
aufweisen
Ausma, wie Menschen ungleiche
Marktverteilung in Institutionen und
Organisationen hinnehmen

Reicht von niedriger (relative Gleichheit) bis


hoher Machtdistanz (extreme Ungleichheit)
Lnder mit geringer Lnder mit groer
Machtdistanz Machtdistanz
Arbeitnehmer sind MA widersprechen
selbstbewut Vorgesetzten selten
Abhngigkeit des MA von Groe Abhngigkeit der MA
Vorgesetzten begrenzt von Vorgesetzten
Vorgesetzte und MA Macht konzentriert sich auf
betrachten sich als von Natur wenige (steile Hierarchien,
aus gleichberechtigt groe Gehaltsspannen)
Flache Idealbild des Chefs ein guter
Organisationshierarchie Vater / Seniorittsprinzip
Individualismus ist Gradmesser, inwieweit die
Menschen eines Landes lieber als einzelne
Individuen denn als Mitglieder einer Gruppe ttig
sind
Individualismus beschreibt Gesellschaften, in
denen die Bindungen zwischen den Individuen
locker sind; es wird von jedem erwartet, dass es
fr sich selbst und seine Familie sorgt
Kollektivismus charakterisiert Gesellschaften, in
denen der Mensch von Geburt an in starke,
geschlossene Wir Gruppen integriert ist, die
ihn ein Leben lang schtzen und dafr
bedigungslose Loyalitt verlangen
Gradmesser, inwieweit Menschen eines
Landes strukturierten Situationen, gegenber
unstrukturierten Situationen den Vorzug
geben
Starke Unsischerheitsvermeidung bedeutet
mehr Angst dadurch sind Menschen oft
gestresster und aggressiver
Lnder mit starke Lnder mit geringere
Unsicherheitsvermeidung Unsischerheitsvermeidung
Tendenziell ausdrucksstrkere Aggressionen und Emotionen werden
Kulturen (man spricht mit Hnden nicht gezeigt
und laut, man zeigt Gefhle, schlgt
auf den Tisch)
Menschen wirken beschaeftigt, Menschen vermitteln einen ruhigen und
unruhig, emotional, aggressiv und gelassenen Eindruck
aktiv
Grere Zahl von Menschen bei der Probleme werden ohne formelle Regeln
Arbeit sind nervs und angespannt aufgelst

Menschen arbeiten hart, ihr Menschen sind in zwar in der Lage,


Lebenerscheint hektisch (Zeit ist hart zu arbeiten, doch sie verspren
Geld) keinen inneren Drang nach stndiger
Aktivitt
Mit diesem Kriterium wird festgestellt, ob
Bestimmtheit oder Bescheidenheit im
Verhalten wnschenswert ist und ob
traditionelle mnnliche Werte fr eine
Gesellschaft wichtig sind
Maskuline Kulturen Feminine Kulturen

Gesellschaft ist leistungsbezogen Gesellschaft achtet auf


zwischenmenschliche
Beziehungen
Konflikte werden durch fairen Konflikte werden durch
Kampf ausgefochten Kompromisse und Verhandlungen
gelst
Mitglieder mit abweichenden Kooperation wird geschtzt
Verhalten werden bergangen
oder missachtet
Arbeitsziele: hohes Einkommen, Arbeitsziele: Sicherheit des
Anerkennung, Befrderung und Arbeitsplatzes, freundliche
Herausforderung Umgebung, nette Kollegen, gute
Beziehungen zum Vorgesetzten
Menschen in Kulturen mit langfristiger
Orientierung blicken in die Zukunft und
schtzen Sparsamkeit sowie Beharrlichkeit
Menschen in Kulturen mit kurzfristiger
Orientierung schtzen Vergangenheit und
Gegenwart und legen auerdem Wert auf
Respekt vor Tradition und Erfllung
gesellschaftlicher Pflichten
Geburtsrate
Bevlkerungswachstun
Sterberate
Heiratsrate
Altersstruktur der Bevlkerung
Bevlkerungsdichte
Geographische Bevlkerungsverteilung
Familienumstnde
Bildungsstand
Ethnische und religise Zusammensetzung
Das technologische Umfeld

[Link]. Mihaela Dan


WS2016/2017
Technologie und Gesellschaft

im Arbeitsleben dominieren Technologien die


Ttigkeitsbereiche und Arbeitsweisen immer strker
die Bedeutung von Entfernungen schrumpft
Materialtechnologien geben Anste fr neue
Produkte, fr vernderte Leistungsdaten
neue Technologien schaffen neue Produkte und
Dienstleistungen: Internet banking, mobile internet,
neue Anti-Krebs Medikamente usw.
neue Technologien sinken die Produktionskosten
fr die schon existierenden Produkte, sinkende
Preise
neue Distributionsformen ([Link],
[Link])
neue Kommunikationsmglichkeiten (Internet)
das Produktlebenszyklus wird krzer
Entwicklungen im Gesundheitswesen, in der
Verkehrstechnologie, in Unterhaltung,
Kommunikation verndern das private Leben der
Menschen
Trends im technologischen Umfeld
Beschleunigung des technologischen Fortschritts
Hohe Ausgaben fr F&E
Kleine Fortschritte statt grosser Entdeckungen
Zunehmende Reglementierung
Technologien schaffen die Voraussetzungen zur effizienten
Herstellung wettbewerbsfhiger Produkte bzw.
Produktionsverfahren
Entscheidend ist nicht, ob ein Wettbewerbsvorteil auf der
technisch-objektiven Ebene existiert, sondern ob er vom
Kunden subjektiv wahrgenommen wird
Viele neue Technologien sind zunchst Lsungen, die noch
nach Kundenproblemen suchen
Einflsse im Unternehmen
berwindung konventioneller Strukturen
Notwendigkeit der Bereitschaft, alte Strukturen,
Denk- und Verhaltensweisen aufzugeben
Produktentwicklung: Konzeptphase, Entwurfsphase,
Ausarbeitungsphase, Markteinfhrung
Gewachsene und komplexe Strukturen knnen
innovationshemmend sein
Vernderung gewachsener Strukturen zieht meist
erhebliche Folgekosten nach sich
Top-Management-Commitment in Bezug auf F&E-
Ttigkeiten ist entscheidend
Mitarbeiter mssen hufig versetzt, qualifiziert,
freigesetzt oder neu eingestellt werden
Einbeziehung des Abnehmers im
Entwicklungsprozess steigert seine Zufriedenheit
Arbeitstechniken sind bei der Einfhrung einer
neuen Technologien betroffen
Anteil der F&E Ausgaben im BSP (Eurostat)
Patentenstatistik (Eurostat)
Anmeldung der Patente

Die Zahl der Patente ist eine Messgre, die die


erfinderische Ttigkeit in einem Land widerspiegelt und die
Fhigkeit eines Landes aufzeigt, Wissen zu nutzen und in
potenzielle wirtschaftliche Gewinne umzusetzen.
In diesem Zusammenhang werden auf Patentstatistiken
beruhende Indikatoren hufig als Ma fr die Bewertung der
schpferischen und innovativen Leistungsfhigkeit eines
Landes herangezogen.
Anteil der IKT in der Wertschfungskette (OECD)
Haushalte mit Internetzugang (%)
Quelle: Eurostat

EU Mitgliedstaat 2011 2012

Island 93 95

Luxembourg 91 93

Deutschland 83 85

Griechenland 50 54

Rumnien 47 54

Bulgarien 45 51
IKT Gterexporte (OECD)
Internet of Things (Internet der Dinge)
bezeichnet die Vernetzung von Gegenstnden mit
dem Internet, damit diese Gegenstnde
selbststndig ber das Internet kommunizieren und
so verschiedene Aufgaben fr den Besitzer
erledigen knnen. Der Anwendungsbereich
erstreckt sich dabei von einer allg.
Informationsversorgung ber automatische
Bestellungen bis hin zu Warn- und
Notfallfunktionen

Quelle: Springer Gabler Verlag (Herausgeber), Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Internet der Dinge,
online im Internet: [Link]
Entwicklung
Internet of Things
Kevin Ashton

Er war Ende der Neunzigerjahre im Marketing von Procter & Gamble


(P&G) ttig und genervt davon, wie lange es dauerte, bis
ausverkaufte Produkte in Supermarkt- und Drogerieregalen
nachgefllt wurden.
Auf der Suche nach einer Lsung stie er auf die sogenannte Radio-
Frequency-Identification-Technik (RFID). Diese war damals noch
teuer, sie ermglichte es aber, so gut wie jedes physische Objekt mit
einem kleinen, mit einer Antenne versehenen Chip auszustatten. Von
diesem konnten Informationen ber das Objekt, seine Eigenschaften,
Seriennummer, Haltbarkeit oder Zielort ausgelesen werden.
Grnder eines Forschungskonsortium in MIT Auto ID Center (1999)
mit dem Ziel die RFID Technologie fr alle verfgbar zu machen
Mehrere Angeschlossene Gerte als Menschen
Weltbevlkerung 6.3 Mrd. 6.8 Mrd. 7.2 Mrd. 7.6 Mrd.
Angeschlossene
Gerte 500 Mill. 12.5 Mrd. 25 Mrd. 50 Mrd.

More
connected
devices
Angeschlossene 0.08 than 1.84 3.47 6.58
people
Gerte pro
Person 2003 2010 2015 2020

[Quelle: Cisco IBSG, April 2011]


The Internet of Things (IoT), sometimes referred to as
the Internet of Objects, will change everything
including ourselves.
This may seem like a bold statement, but consider the
impact the Internet already has had on education,
communication, business, science, government, and
humanity. Clearly, the Internet is one of the most
important and powerful creations in all of human
history

Quelle: Evans, D. (2011) The Internet of Things How the Next Evolution of the Internet Is Changing
Everything
IoT besteht aus Objekten, die durch Sensoren, Antennen und
Software verbunden sind und miteinander kommunizieren.

Die Idee: Digitale Informationen werden nicht lnger nur


von Menschen erzeugt die zum Beispiel eine E-Mail
schreiben oder ein Foto machen , sondern von Dingen.

Beispiel: der Google-Thermostat Nest, der mit dem


Smartphone seines Besitzers verbunden ist und wei, wann
dieser nach Hause kommt, und rechtzeitig die Heizung
einschaltet.
Beispiel: der fast sprichwrtlich gewordene Khlschrank, der
selbststndig Milch nachbestellt, wenn seine Sensoren
registrieren, dass diese aufgebraucht ist
In der Wirtschaft ist das Thema vor allem in der
Logistik und der Materialfluss-Steuerung relevant
mit Sensoren ausgestattete Pakete, Paletten und
Behlter wissen selbst, wo sie sind und hinmssen
und suchen sich hnlich einem Datenpaket im
Internet selbst den bestmglichen Weg; das soll
massive Kosteneinsparungen und
Effizienzsteigerungen bringen.
Wo stehen wir jetzt?
Ich habe Angst vor der Schlagzeile: 100000
Khlschrnke starten Hackerangriff auf Bank of
America, sagte Vint Cerf, einer der Grndervter
des Internets, krzlich in einem Interview
Heute : der Trend einen Chip in jedes Produkt
einzubauen und es smart zu nennen.
Hhepunkt des Irrsinns: Die 99 US-Dollar teure
Wasserflasche Pryme Vessyl, die sich dank eines
eingebauten Sensors meldet, wenn ihr Besitzer
vergisst, ab und zu einen Schluck zu trinken.
SMART CITY

ein Sammelbegriff fr gesamtheitliche


Entwicklungskonzepte, die darauf abzielen, Stdte
effizienter, technologisch fortschrittlicher, grner
und sozial inklusiver zu gestalten.
diese Konzepte beinhalten technische,
wirtschaftliche und gesellschaftliche Innovationen.
Dimensionen von Smart City

Smart Economy
Smart Governance
Smart People
Smart Mobility
Smart Environment
Smart Living
Dimensionen von Smart City

Smart Economy (Wirtschaft) = die Steigerung der wirtschaftlichen


Produktivitt durch Vernetzung verschiedenster Akteure auf lokaler,
regionaler und globaler Ebene. Sie ist gekennzeichnet durch einen
besonderen Unternehmergeist, aus dem innovative und
zukunftstrchtige Ideen hervorgehen.
Dimensionen von Smart City (2)

Smart Governance (Verwaltung) hat als Ziel Manahmen,


Planungs- und Entscheidungsprozesse transparenter und
partizipativer zu gestalten. Hierbei spielen Technologien wie
das Open Data Prinzip und Formen des Open Government sowie
der E-Partizipation eine groe Rolle.
Haupziel: besseres Dialog mit der Bevlkerung
Beispiele: Rathaus Sektor 1, digitaler Katalog Sektor 3
Dimensionen von Smart City (3)

Smart People (Bevlkerung) werden als besonders kreativ, flexibel,


sozial heterogen und vernetzt charakterisiert
das Leben der Bewohner soll durch technische Innovationen
einfacher und besser gestaltet werden, whrend die Bewohner
die Stadt ihrerseits durch Eigeninitiative prgen.
Beispiele: Humankapital, Qualifikationen, Flexibilitt, soziale und
ethnische Pluralitt
Dimensionen von Smart City (4)

Smart Mobility (Mobilitt) zeichnet sich dadurch aus, dass sie


(energie) effizient, emissionsarm, sicher und kostengnstig ist. Die
bereits vorhandene Infrastruktur wird verbessert, indem Informations-
und Kommunikationstechnologien eingesetzt werden
Beispiele: Fahrkarten kaufen via Apps, [Link], carsharing
Dienstleistungen, Parkpltze, U-Bahn Entwicklung, Fahrradpisten
Dimensionen von Smart City (5)

Smart Environment (Umwelt)


Ziele: nachhaltige Nutzung erneuerbarer Ressourcen und minimale
Nutzung nicht-erneuerbarer; Betonung einer regionalen
Kreislaufwirtschaft, minimale Transportintensitt
- Beispiel: Abfall- und Wasserkreislufe,
- Circular Economy - "closing the loop" of product lifecycles through
greater recycling and re-use, and bring benefits for both the
environment and the economy
Quelle: [Link]
Umweltverschmutzung vermeiden lohnt sich

Bei der Abwasserreinigung ist viel getan worden 50 % der


Umweltausgaben aber wir sind noch lange nicht am Ziel
Die besten Strategien verbinden Investitionen in die Abwasserbehandlung
mit wirtschaftlichen Instrumenten zur Verringerung von Abwasser am Ort
der Entstehung
Die Wasserverschmutzung durch die Landwirtschaft wird in den neuen EU-
Mitgliedstaaten weiter ein groes Problem darstellen der Einsatz von
Dngemitteln wird steigen
Die Reinigung des Grundwassers wird Jahrzehnte dauern
Vorbeugen ist kostengnstiger als Reinigen
Verhaltensnderungen, z. B. in der landwirtschaftlichen Praxis,
aufgrund finanzieller Anreize im Rahmen der GAP knnen dazu
beitragen
Dimensionen von Smart City (6)

Smart Living (Leben)


eine Folge des Smart City
besseres Leben fr die Stdteeinwohner
Was knnen wir tun?
Technologietransfer, Zuschsse fr Innovationen und
Umweltschutzabgaben knnen zu Fortschritten beitragen
Strkere Einbeziehung von Umweltaspekten in den Sektoren, welche die
Umwelt am meisten belasten Landwirtschaft, Energie, Verkehr,
Industrie, private Haushalte
Der Verkehrssektor, der zu Luftverschmutzung, Klimawandel, Lrm,
Bodenversiegelung, Zersplitterung von Lebensrumen und
Wasserverschmutzung auf lokaler wie auf globaler Ebene beitrgt, ist ein
Beispiel fr die Vorteile integrierter Strategien
Langfristig angelegte, kohrente Strategien entwickeln,
die die Marktsignale in Richtung nachhaltige Erzeugung
und nachhaltiger Verbrauch lenken

Sektorbergreifend umfassendere, integrierte


Marktinstrumente einsetzen, die die Ziele der
Nachhaltigkeit miteinander verknpfen kologische
Steuer- und Subventionsreform
Die ffentlichen und privaten Ausgaben fr Forschung
und Entwicklung im Umweltbereich mssen gesteigert
werden, damit Europa weltweit wettbewerbsfhig sein
kann
Verbesserung des institutionellen Gefges zur
Konzipierung und Umsetzung integrierter Strategien.
Dieses Gefge kann ebenso ausschlaggebend sein wie
die Strategien selbst
Das Rumnische
Geschftsumfeld

[Link]. Mihaela-Cornelia Dan


WS 2016/2017
Rumnien
O 20 Mill. Einwohner, Frauen 51,2%, Mnner 48,8%
O Urban: 56,4%, Rural: 43,6%
O Bukarest: 10% der Bevlkerung
O Die grten Stdten:Iasi (357192), Timisoara
(333613), Cluj-Napoca (322108), Constanta
(319168), Craiova (307022), Galati (305805),
Brasov (291195), Ploiesti (234969) und Oradea
(223237
O Flche: 237.500 qkm
O Seit 2007 EU Mitglied (politische und
wirtschaftliche Union)
O Seit 2004 NATO Mitglied (Pakt fr Sicherheit
und Stabilitt)
O Zweitgrosses Land in CEE nach Polen
O Martkwirtschaft seit 1997
Was haben wir gelernt?
O die Prinzipien und Werte de Marktwirtschaft
werden noch nicht korrekt verstanden und
angewendet
O es gibt die Form, aber der Inhalt ist mangelhaft
O starke Abhngigkeit von Gruppeninteressen
O Akkumulation von Kapital aufgrund der Vertrge
mit dem Staat (anstatt normalen
Wirtschaftsbeziehungen mit Unternehmen)
O schwarzer Markt noch sehr hoch, Schtzungen
30% (Tabakwaren, falsche Markenprodukte)
O Waren wir bereit fr den EU Beitritt in 2007 oder
nicht?
SWOT Analyse
Strken
O Branchen/Sektoren mit Entwicklungspotential
(Landwirtschaft, Textilienindustrie, Bauwesen,
Manufaktur/Produktion, Tourismus, Autoindustrie)
O steigender Entrepreneurship bei junge Menschen
O lokale Initiativen
O Produktionsfaktor: Boden gute Qualitt, groe Flchen fr
die Landwirtschaft
O Produktionsfaktor: Arbeit steigender Anzahl der Uni-
Absolventen (einschliesslich Doktoratstudien),
Fremdsprachenkenntnisse, Wunsch nach einem besseren
Leben, junge Leute sind motiviert fr Karriere, Anpassung
der Mitarbeiter (in MNCs)
O Kampf gegen Korruption
Schwchen
O die Restrukturierung der Wirtschaft stark beeinflusst von externen
Faktoren
O am Anfang viele FDI, aber ohne eine einheitliche und klare Strategie
des Landes wurden keine Wettbewerbsvorteile entwickelt
O die meisten erfolgreichen Unternehmen sind
Sublieferanten/Zulieferer/Lohnbearbeiter
O Folge: man exportiert nicht-fertige Produkte mit einem hohen Anteil
von nichtqualifizierte Arbeit
O Der Markt ist abhngig von Importe (cca. 70% der Lebensmittel auf
dem Markt stammen aus Importe)
O Industrie fr Manufaktur und Einbau, anstatt Industrie fr Innovation
und Forschung
O groe Abhngigkeit von der externen modernen Technologie
O der Verhandlungsproze mit der EU hatte mehr politische und
elektorale Motive anstatt wirtschaftliche und soziale
Schwchen
O Produktionsfaktor: Arbeit hohe Migrationsrate bei dem Alterssegment
18-40 Jahre
O Produktionsfaktor: Kapital sehr weniges Rumnisches Kapital auf
dem Markt
O Produktionsfaktor: Information (Innnovation, Forschung) kleine
Investitionen in F&E
O politisches Umfeld unstabil bis stabil
O Mangel an mittel- und langfristiges Denken
O hufige nderungen in der Gesetzgebung erschweren die Planung
O schwache Anpassung des Bildungssystems an der Gegenwart
O Inflation von Jura und Wirtschaftsabsolvente, aber wenige Ingineure
und Landwirte
O kleine Mobilitt der Arbeitskraft und wenn es gibt, geht es in Richtung
Ausland
O schwache Infrastruktur (600km Autobahnen)
O mangelhafte Kommunikation zwischen den sozialen Partner
(Unternehmen, Universitten, Statt, Gewerkschaften)
Opportunitten
O fr Entwicklung die EU Fonds
O zahlreiche Europische Strategien ffnen die
Tren fr Entwicklung
O viele Produzenten denken an die Verlagerung der
Produktion aus China wieder nach Europa
O das Schwarze Meer
O alternative und erneuerbare Energien
O Forschungslabore fr MNCs (Intel, Alcatel, Oracle,
Renault usw.)
Risiken
O Nachbarlnder potentielle EU Mitgliedstaaten:
ehemalige jugoslawische Lnder, Albanien, Ukraine,
[Link]
O Finanz- und Wirtschaftskrise (dauert noch 5
Jahren?)
O Globaler Wettbewerb
Schlussfolgerung
O Man braucht dringend Strategien fr das
Bildungssystem, Entwicklung des
Entrepreneurships
O Notwendigkeit einer mittel- und langfristiger
Strategie
O ....................
[Link]. MIHAELA -CORNELIA DAN
WS 2 016 -2 017
UNTERNEHMEN IN RUMNIEN
Jahr Neugrndungen Ausgelste Unternehmen
(Unternehmen, Ein-Mann- (Unternehmen, Ein-Mann-
Unternehmen, Individuelle Unternehmen, Individuelle
Unternehmen) Unternehmen)
2008 144239 17676

2009 118322 43615

2010 119048 186148

2011 130162 73244

2012 125603 71746

2013 124816 80786

2014 125603 76483

2015 113167 94374


Heute sind cca. 800.000 aktive Unternehmen in der Wirtschaft
Cca. 190.000 Unternehmen sind in Bukarest aktiv
Wichtige Kreise: Cluj (43.750 Unternehmen), Timis (37.318
Unternehmen), Constanta (33.000 Unternehmen), Ilfov (32.000
Unternehmen), Bihor (27.000 Unternehmen), Brasov, Iasi,
Prahova (24.000 Unternehmen)
Andere wichtige Regionen: Arad, Alba, Dolj, Dimbovita, Mures,
Suceava, Sibiu (zwischen 15.000 10.000 Unternehmen)
Cca. 1,2 Millionen Personen sind Aktionre in einem
Unternehmen
Industriezweige/Sektoren
DOING BUSINESS 2017
BERICHT DER WELTBANK
- Jhrlich analysiert
- Zeigt wie leicht es ist fr ein Existenzgrnder ein
Unternehmen zu grnden, wie schnell man Zugang zu
Kredite hat oder wie kompliziert die Personalrekrutierung ist
- Die Methodologie umfasst 10 Kriterien, Benchmarkanalysen,
Lnderklassifizierung fr 190 Nationen
1. GRNDUNG EINES UNTERNEHMENS
- 2017 Platz 65
- 2016 Platz 51
- 2015 Platz 48
- 2014 Platz 50
- 2013 Platz 68
- 2012 Platz 61

- Brokratie, hoher Anzahl von Dokumenten bei der Grndung


einschliesslich ein Fiskaldokument fr den Sitz des Unternehmens
(cazier fiscal), man braucht 14 Tagen (MWSt. Anmeldung)
- Vorteil: kleine Kosten, Mindestkapital 200 RON im Vergleich zu
Deutschland 25.000
2. BAUGENEHMIGUNG
- 2017 Platz 95
- 2016 Platz 95
- 2015 Platz 140
- 2014 Platz 139
- 2013 Platz 129
- 2012 Platz 125
- 14 Etappen, 171 Tagen (in 2015 - 255 Tagen, 2013 - 289
Tagen), Kosten 79,1% des durchschnittlichen Einkommens
- In der Zeitspanne 2006-2012: Kosten von 169,8% auf 79,%
gesunken
3. STROMNETZZUGANG

- 2016 und 2016 Platz 134


- 2014/2015 Platz 171
- 2013 Platz 168

- 8 Prozeduren, 182 Tagen (frher 200-240 Tagen), Kosten


584.2% des Durchschnittseinkommens
- In Vergleich: Sdkorea Platz 1 (Dauer 18 Tagen, 3 Prozeduren,
Kosten 38.3% des Durschscnittseinkommens)
4. EIGENTUMSEINTRAG
- 2017 Platz 57
- 2016 Platz 56
- 2015 Platz 63
- 2014 Platz 62
- 2012/2013 Platz 72
- 7 Prozeduren, 21 Tagen (2013: 26 Tagen) und Kosten 1,4% des
Eigentumswertes (2013: 1,2% des Eigentumswertes)
5. KREDITZUGANG
- 2015 - 2017 Platz 7
- 2014 Platz 5
- 2013 Platz 12
- 2012 Platz 9
- Im Vergleich: Polen Platz 17, Lituanien und Lettland Platz 23,
Deutschland Platz 23, sterreich Platz 52
- Vorteile: die Gesetzgebung, Information und Transparenz der
Kreditkosten
- Man analysiert nicht die Zinsraten, die Kreditdauer oder
Kreditgabe
6. SCHUTZ DER MINDERINVESTOREN
- 2017 Platz 53
- 2016 Platz 51
- 2014 und 2015 Platz 40
- 2012 Platz 46; 2013 Platz 49
- Vorteile: Transparenz der Aktionre
- Nachteile: die Administratoren der Unternehmen haften sehr
schwer fr ihre Fehler, die Aktionre knnen sehr leicht durch
Prozesse das Unternehmen klagen
- Man antizipiert keine Reforme
7. ZAHLUNG DER GEBHREN
- 2017 Platz 50
- 2016 Platz 54
- 2015 Platz 52 (!!!!)
- 2014 Platz 128
- 2013 Platz 137
- 2012 Platz 157
- Anzahl der Gebhren von 113 auf 41 dann auf 14 reduziert
- 161 Stunden im Jahr (6,6 Tagen) anstatt 216 Stunden im Jahr (9
Tagen)
- Vorteile: elektronisches Zahlungssystem, einheitliche
Formulare und Konten fr die sozialen Abgaben, on-line
Ausfllen der Formulare (elektronische Unterschrift), [Link]
8. HANDEL AN DER GRENZE

- 2016-2017 Platz 1 (alle Mitgliedstaaten)


- 2015 Platz 65
- 2014 Platz 68
- 2013 Platz 72
- 2012 Platz 69
- Export: 4 Dokumente, 1 Tag, 650 USD Transportkosten
- Das gleiche fr Import
9. VERTRGE/RECHT DURCHSETZEN

- 2017 Platz 26
- 2016 Platz 26
- 2015 Platz 51
- 2014 Platz 52
- 2012/2013 Platz 60
- Man geht durch 34 Prozeduren, dauert 512 Tagen und die
Kosten sind bei 28,9% der Rckforderung
10. DIE INSOLVENZ
- 2017 Platz 49
- 2016 Platz 50
- 2015 Platz 46
- 2014 Platz 45
- 2012/2013 Platz 102
- Die Auflsung einer Insolvenz dauert 3 Jahre und 3 Monate,
kostet 10,5% des Gterwertes eines Unternehmens und
man erhaltet 34,3% der Schulden (OECD Durschscnitt
71,9% der Schulden werden zurckbezahlt)
SCHLUSSFOLGERUNG

- 2017 Platz 36 aus 190 Nationen


- Top 10 fr Ease of Doing Business:
Neuseeland, Singapore, Dnemark, Hong Kong, Sdkorea,
Norwegen, Grossbritanien, USA, Schweden, FYROM
(Mazedonia)
- Deutschland Platz 17
- sterreich Platz 19
- Schweiz Platz 31

Quelle: [Link]
DAS EXTERNE
GESCHFTSUMFELD
-MIKRO-

[Link]. Mihaela-Cornelia Dan


WS2016/2017
Das Geschftsumfeld

Internes
Externes Umfeld
Umfeld
Makroumfeld:
Mikroumfeld: Kunden, wirtschaftliche,
Mission,Vision,
Lieferanten, politische, sozio-
Management, F&E,
Konkurrenten, kulturelle,
HR, Anlagen, Brand
Publikum, Banken, technologische,
equity
Vertreter usw. gesetzliche, globale
Faktoren
1
ELEMENTE
LIEFERANTEN
KUNDEN
WETTBEWERBER
VERTRIEB
PUBLIKUM
AKTIONRE
KREDITOREN
FINANZIERUNGSINSTITUTE
1. LIEFERANTEN
Wer sind die Lieferanten
Kapazitt der Lieferanten die Rohstoffe , Materialien
rechtzeitig zu liefern (Kosten, Qualitt)
Das Risiko von einem einzigen Lieferant abhngig zu
sein
Gute Beziehungen mit den Lieferanten pflegen
2. KUNDEN
Sehr wichtig
Ohne Kunden berlebt man nicht
Customer is the king.
Neue Kunden gewinnen und behalten
Kundentypen
Kundendatenbank
Kundenanalyse
[Link]

Das Wettbewerb ist fr das Geld der Kunden


share of wallet
Wettbewerber kommen aus der gleichen Industrie
Produktdifferenzierung
Wettbewerbsanalyse
4. MARKETINGVERMITTLER

Agenten, Dienstarbeiter die das Unternehmen in


Promotion,Verkauf und Vertrieb unterstuetzen
Wichtige Verbindung zwischen Kunden und
Unternehmen
Transportunternehmen und Lagerhaeuser
Gross- und Einzelhandel
[Link]

Zeigt Interesse an das Unternehmen


Die Media spielt eien wichtige Rolle
CSR Aktivitten, Sponsoring
[Link]
Unternehmenseigentmer
Dividenden, Aktienkurs
Man soll die Interesse der Aktionre/Eigentmer
schtzen
7. KREDITOREN
Finanzieren Ttigkeiten des Unternehmens
Garantien, Business Plans verlangt
Rechtzeitige Rckzahlung der Schulden
Gute Beziehungen mit den Kreditoren pflegen
DAS INTERNE
GESCHFTSUMFELD

[Link]. Mihaela-Cornelia Dan


WS2015/2016
Das Geschftsumfeld

Internes
Externes Umfeld
Umfeld
Makroumfeld:
Mikroumfeld: Kunden, wirtschaftliche,
Mission,Vision,
Lieferanten, politische, sozio-
Management, F&E,
Konkurrenten, kulturelle,
HR, Anlagen, Brand
Publikum, Banken, technologische,
equity
Vertreter usw. gesetzliche, globale
Faktoren
1
INTERNES UMFELD EXTERNES UMFELD

Kontrollierbare Nicht kontrolierbare


Faktoren Faktoren
Einfach zu modifizieren Schwer zu ndern

Strken und Schwchen Chancen und Risiken


1. STRATEGIE
Sinn der Strategie

Langfristige Ziele
Vision und Mission

Analyse der Organisations- und Geschftsfaktoren


(SWOT)
2. STRUKTUR

Organisationsstruktur
Verwaltungsrat
Art und Grsse des Business
Formale und informale Organisation
Authoritt,Verantwortung und Haftbarkeit
[Link]
Kunden verstehen
Bekanntheitsgrad erhhen
7 Ps: product, place, price, promotion, people,
process, physical evidence
Segmentierung, Zielgruppe ansprechen (Targeting),
Positionierung
Marketing Abteilung
[Link] RESSOURCEN

Arbeitskraftplannung
Rekrutierung und Selektion
Training & Development
Leistunsgbelohnung
Arbeitsverhltnisse, -beziehungen
5. PRODUKTION

Von Input zu Output, von Rohstoffe zu fertige


Produkte
Standort
Forschung und Entwicklung
Das Produkt
6. FINANZIERUNG

Die Verfgbarkeit der Funds


Kapitalstruktur des Unternehmens
Die Betriebsmittel

Funktionen von Finanzmanagement


Buchfhrung
Budgetierung
Besteuerung
Kostenreduzierung und Kontrolle
Return & Risk Management
ANALYSEINSTRUMENTE
Univ. Doz. Dr. Mihaela-Cornelia Dan
WS 2016/2017
Audit im Unternehmen
Management-Audit

Prozess-Audit Marketing-Audit

Vertriebs-Audit

Rohstoffe Prozesse Grosshandel Einzelhandel Kufer/ After sale


Konsument Service

Finanz-Audit
Personal-Audit
SWOT Analyse
Marktlebenszyklus
Porter Analyse
Der strategische Dreieck
Marktprognose
Formen der Marktprognose
Ebene der Prognose Gesamtmarktbezogene Prognose
Teilnehmerbezogene Prognose
Unternehmensbezogene Prognose
Art der abhngigen Variable Absatzprognosen
Umsatzprognosen
Martkanteilsprognosen
Art der unabhngigen Variable Entwicklungsprognosen
Wirkungsprognosen
Bezugszeitraum der Prognose Kurzfristige, mittelfristige oder
langfristige Prognose
Art der Einflussgre Saisonprognosen
Konjunkturprognosen
Wachstumsprognosen
Bezugsobjekt Konsumenten-, Konkurrenz-,
Absatzmittler-, Umfeldprognosen
Form der Messung Quantitative Prognose
Qualitative Prognose
Proze der Marktprognose
Quantitative Prognosemethoden

1. Entwicklungsprognosen Trendprognose
2. Wirkungsprognosen

Man geht von beobachteten Marktdaten aus und man versucht, auf der Grundlage
eines mathematisch-statistischen Verfahrens mit Hilfe eines Lsungsalgorithmus
mglichst exakte Prognosewerte zu erhalten
Qualitative Prognosemethoden
Expertenbefragung
Delphi-Technik
Szenario-Technik

Es fehlt ein formales Prognosemodell, subjektiv bewertet, aber sie gewinnen


fr strategische berlegungen stark an Bedeutung
DAS EUROPISCHE
GESCHFTSUMFELD
- SCHLUSSFOLGERUNGEN-

[Link]. Mihaela-Cornelia Dan


WS2016/2017


1. DIE EUROPISCHE UNION

- Europas Wachstumsstrategie
- Europa 2020 Ziele in den Bereichen
Beschftigung, Bildung, Forschung und
Innovation, Klimawandel und Energie,
Armut
- Wirtschaftskrise
- Eurozone
- EU Institutionen


2. DAS INTERNE UMFELD

Unternehmen
Die Rolle der KMUs
Entrepreneurschip/Existenzgrnder
Marktopportunitten
Mrkte
Konsumenten
Analyseinstrumenten


3. DAS INTERNATIONALE UMFELD
Entscheidung zur Internationalisierung der
Ttigkeit (Motive)
Druck der internationalen Konkurrenten auf
nationaler Ebener
Globalisierung (Triebkrfte, hemmende Krfte)
Wirtschaftskrise
Marktopportunitten
Analyseinstrumenten


5. DAS POLITISCHE UMFELD

Bedeutung
Einflsse auf anderen Umfelder bzw. Bereichen
Die Rolle in dem konomischen Umfeld
Direkte und indirekte Einflsse auf der Wirtschaft
Organisierung der politischen Systems
Die Rolle der Staaten, supranationalen
Organisationen, Multinationalen Unternehmen


5. DAS KONOMISCHE UMFELD

Europische Union und die vier Freiheiten


Der Gemeinsame Markt
EU Erweiterung Grnde, Ziele
Europische Integration Ziele, Massnahmen
Wirtschaftsindikatoren
Wichtige Themen fr die Unternehmen:
Besteurung, Einstellen des Personals, Zugang
zu Kredite, Gesetzgebung, Ausgaben fr die
Sozialversicherungen


6. DAS SOZIO-KULTURELLE UMFELD

Soziale Vernderungen und ihre Folgen auf die


Unternehmen
Neue Profile von Konsumenten
Kulturelle Faktoren
Soziale Faktoren (demographische Faktoren)
Kulturdimensionen von Hofstede


7. DAS TECHNOLOGISCHE UMFELD

Technologie und Gesellschaft


Trends im technologischen Umfeld
Wo steht das Unternehmen? Welche
Entwicklungspotentiale gibt es im und fr
das Unternehmen?
Forschung und Entwiclung


8. DAS KOLOGISCHE UMFELD

Umweltschutz
Klimawandel
Energie
Druck auf natrliche Ressourcen
Lsungen fr die Knappheit der Ressourcen
Urbanisierung
Smart City


9. DAS RUMNISCHE GESCHFTSUMFELD

bergang von Kommunismus zur Demokratie


bergang von der geschlossenen Wirtschaft zur
Marktwirtschaft
Mitgliedschaft in der EU
Marktindikatoren
SWOT Analyse
Probleme der Entrepreneure


10. HAUPTTHEMEN DER EU
Ein neuer Start fr Europa - das Programm des neuen
Europischen Kommisars
1. Arbeitspltze, Wachstum, Investitionen
2. Digitales Binnenmarkt
3. Klimaschutzpolitik
4. Vertiefter und fairer Binnenmarkt
5. Vertiefte und faire Wirtschaftsunion und Whrungsunion
6. Freihandelabkommen mit den USA
7. Grundrechte
8. Migrationspolitik
9. Mehr Gewicht auf der internationalen Bhne
10. Eine Union des demokratischen Wandels


VIEL ERFOLG!


Internationale Marktforschung
10

10.1 Wesen und Bedeutung der internationalen


Marktforschung

In den letzten Jahren hat die Verflechtung nahezu aller Volkswirtschaften erheblich
zugenommen. Indizien dafr sind die Auenhandels- und zunehmenden Direktinvestiti-
onsdaten. Darin spiegelt sich die wirtschaftliche Aktivitt von Unternehmen wider. Fra-
gen der Internationalisierung werden daher auf allen Managementebenen aufgeworfen
(vgl. Kutschker und Schmid 2006, S.2590).

Die internationale Marktforschung (Auslandsmarktforschung) umfasst die sys-


tematische Sammlung, Analyse, Aufbereitung und Prsentation entscheidungsrelevan-
ter Marktinformationen ber auslndische Mrkte und lsst sich weiter in Export- und
Importmarktforschung (internationale Beschaffungsmarktforschung) unterscheiden.
Besondere Herausforderungen ergeben sich durch religise, politische, kulturelle und
sprachliche Einflussfaktoren sowie den soziokonomischen und technologischen Ent-
wicklungsstand der zu untersuchenden Auslandsmrkte (vgl. Httner und Schwarting
2002, S.424; Ivens 2001, S.79; Kastin 2008, S.437; Zentes 1992, S.26).

Wie die Definition erkennen lsst, handelt es sich bei der internationalen Marktforschung
um ein hchst komplexes Bettigungsfeld. Bezieht man die Beschaffungsaktivitten in
die Betrachtung mit ein, dann ergeben sich groe Parallelen zur nationalen Beschaf-
fungsmarktforschung (vgl. Kap.9). Da auch im internationalen Kontext der Wettbewerb
kontinuierlich beobachtet werden muss, ergeben sich die Aspekte, die bereits in Kap.8
behandelt wurden, diesmal jedoch fr unterschiedliche Auslandsmrkte.
Durch den verstrkten internationalen Wettbewerb sind Unternehmen dazu
gezwungen, stndig nach neuen Absatzgebieten und -mglichkeiten zu suchen, auch im

Springer Fachmedien Wiesbaden 2016 287


A. Magerhans, Marktforschung,
DOI10.1007/978-3-658-00891-8_10
288 10 Internationale Marktforschung

Ausland. ber diese neuen Auslandsabsatzmrkte mssen adquate und entscheidungs-


relevante Informationen gewonnen und den Entscheidungstrgern zur Verfgung gestellt
werden. Diese Entwicklungen unterstreichen die zunehmende Bedeutung der internati-
onalen Marktforschung (vgl. Berekoven etal. 2009, S.322; Broda 2006, S.140; Koch
2009, S.174).
Das internationale Umfeld eines Unternehmens ist durch eine wesentlich grere
Unsicherheit geprgt als der heimische Markt. Hinzu kommt, dass die Vielzahl der zu
bearbeitenden Auslandsmrkte die Komplexitt der Entscheidungssituationen im Mar-
ketingmanagement wesentlich erhht. Daher steigt die Bedeutung der Marktforschung
fr international agierende Unternehmen noch weiter an (vgl. Homburg 2012, S.1073).

10.2 Besonderheiten der internationalen Marktforschung

Vergleicht man die internationale mit der nationalen Marktforschung, dann sind haupt-
schlich Unterschiede in der Datengewinnung erkennbar. Diese liegen zum Groteil
in kulturellen, informationstechnischen und infrastrukturellen Besonderheiten begrndet
(vgl. Koch 2009, S.176):

Im Unterschied zur Binnenmarktforschung umfasst die internationale Marktforschung


die systematische Analyse mehrerer, u.U. sehr vieler Mrkte (vgl. Httner und
Schwarting 2002, S.424).
Selbstverstndlichkeiten, die ber den eigenen Heimatmarkt bekannt sind, mssen
ber Auslandsmrkte erst aufwendig in Erfahrung gebracht werden (vgl. Httner
und Schwarting 2002, S.424).
Soziokulturelle Unterschiede ergeben sich schon innerhalb der Europischen Union.
Es beginnt damit, dass in den einzelnen Mitgliedsstaaten ganz unterschiedliche Spra-
chen gesprochen werden. Dies fhrt in der internationalen Marktforschung zu ber-
setzungs- und Kommunikationsproblemen, die nicht zu unterschtzen sind (vgl.
Bauer 2002, S.31).
Unterschiede im Informationsangebot knnen dem internationalen Marktforscher
Probleme bereiten. In entwickelten Industrienationen herrscht ein reichhaltiges Ange-
bot an Marktdaten, das kein Unternehmen vollstndig bewltigen kann. Genau ent-
gegengesetzt verhlt es sich in Entwicklungslndern, zu deren Marktsituation nur
wenige Informationen zur Verfgung stehen. Hier kann man daher von einem Infor-
mationsmangel sprechen (vgl. Keegan etal. 2002, S.204). Hinzu kommt, dass sich
Mrkte in Entwicklungslndern strker vom Heimatmarkt unterscheiden als Mrkte in
anderen Industrienationen (vgl. Httner und Schwarting 2002, S.425).
Infrastrukturelle Unterschiede zeigen sich insbesondere im direkten Vergleich zwi-
schen Industrienationen und Entwicklungslndern. So setzen beispielsweise postali-
sche Befragungen einen landesweit effizienten und zuverlssigen Postweg voraus, den
man jedoch nicht in jedem Land vorfinden wird (vgl. Bauer 2002, S.39).
10.2 Besonderheiten der internationalen Marktforschung 289

Eine zentrale Besonderheit der internationalen Marktforschung ergibt sich aus der
Anforderung, dass die Ergebnisse aus den jeweils untersuchten Auslandsmrkten
vergleichbar sein mssen. Damit ist die Problematik der quivalenz angesprochen.
Damit lnderbergreifend gewonnene Sekundr- und Primrdaten vergleichbar sind,
mssen mehrere quivalenzbedingungen erfllt sein (vgl. ausfhrlich dazu Bauer
2002, S.5464 und die dort angegebene Literatur; Malhotra 2010, S.795797,
800):

quivalenz der Untersuchungssachverhalte: Dabei bedingt die funktionale qui-


valenz, dass ein Verhalten oder Konzept in unterschiedlichen Lndern das Gleiche
bedeutet. So hat beispielsweise ein Fahrrad in einem Entwicklungsland eine andere
Bedeutung als in Europa. Die konzeptuelle quivalenz erfordert, dass (hypotheti-
sche) Konstrukte (wie z.B. das Freizeitverhalten) angemessen operationalisiert wer-
den. In Amerika betreibt man in seiner Freizeit andere Sportarten als in Europa. Auch
bei der Einteilung von Objekten, Stimuli und Verhaltensweisen in Kategorien muss
man nationalen Gegebenheiten Rechnung tragen (kategoriale quivalenz).
quivalenz der Untersuchungsmethoden: Diese wird weiter aufgespalten in die
erhebungsmethodische quivalenz, womit gemeint ist, dass mglichst identi-
sche Datenerhebungsmethoden zur Anwendung kommen sollen. Unter Bercksich-
tigung des lnderspezifischen Antwortverhaltens (z.B. Hflichkeitsbias) oder sozial
erwnschter Antworten ist auerdem eine befragungstaktische quivalenz sicher-
zustellen. Die bersetzung von Fragebgen darf das Untersuchungsergebnis nicht
verzerren (bersetzungsquivalenz). Auerdem darf durch den Einsatz der Mess-
methoden keine Verzerrung der Untersuchungsergebnisse zustande kommen. Wurden
diese (z.B. zur Einstellungsmessung) beispielsweise in Industriegesellschaften entwi-
ckelt, knnen bzw. drfen sie in Agrargesellschaften nicht oder nur modifiziert zur
Anwendung kommen.
quivalenz der Untersuchungseinheiten: Damit ist die vergleichbare Definition der
Grundgesamtheit gemeint (Definitionsquivalenz). Auf die definierten Grundgesamt-
heiten sind nach Mglichkeit die gleichen Auswahlprinzipien, -verfahren und -techni-
ken anzuwenden (Auswahlquivalenz).
quivalenz der Untersuchungssituationen: Bei der Planung einer internationalen
Marktforschungsstudie ist darauf zu achten, dass die Erhebungszeitrume aufeinan-
der abgestimmt sind (zeitliche quivalenz). Darber hinaus ist der Interviewerein-
fluss (Interviewerbias) in den einzelnen Lndern zu kontrollieren und zu minimieren
(Interaktionsquivalenz).
quivalenz der Untersuchungsdatenaufbereitungen: Da es sich bei den zu analy-
sierenden Daten um verschiedensprachige Daten handelt, muss bei der bersetzung
auf eine semantische quivalenz geachtet werden (quivalenz der Response-ber-
setzungen). Das Gleiche gilt auch fr die Kategorisierung der Daten (quivalenz der
Response-Kategorisierungen).
290 10 Internationale Marktforschung

Es ist Bauer (2002, S.64) zuzustimmen und festzustellen, dass die Beachtung aller qui-
valenzbedingungen in der Praxis nur schwer mglich sein wird. Die damit verbundenen
Fragestellungen gehren eher in den Bereich der akademisch orientierten internationalen
Marktforschung und sollen daher hier nicht weiter vertieft werden.

10.3 Ziele und Aufgaben

Das zentrale Ziel der internationalen Marktforschung besteht darin, die Marketingma-
nager mit objektiven, aktuellen, vergleichbaren und entscheidungsrelevanten Informati-
onen ber die Auslandsmrkte zu versorgen. Dabei geht es um die richtige Einschtzung
des internationalen Marktgeschehens. Schlielich sollen die Risiken, die mit einem Aus-
landsengagement immer verbunden sind, minimiert werden (vgl. Broda 2006, S.140).
Stellt man die Entscheidungsuntersttzungsfunktion des Marktforschers in den
Mittelpunkt der Betrachtung, dann lassen sich aus dem Aufgabenspektrum des internati-
onalen Marketingmanagements die folgenden Aufgaben bzw. Fragestellungen der inter-
nationalen Marktforschung ableiten (vgl. Bauer 2002, S.12; Broda 2006, S.140):

Soll unter Bercksichtigung der internen und externen Gegebenheiten eine (weiterge-
hende) Internationalisierung berhaupt vorangetrieben werden?
Welche strategischen internationalen Marketingziele sind anzustreben?
Welche Auslandsmrkte kommen infrage?
Mit welcher Expansionsstrategie sollen die ausgewhlten Auslandsmrkte erschlossen
werden?
Wie kann der Markteintritt in die ausgewhlten Auslandsmrkte gestaltet werden?
Welche Markbearbeitungsstrategien sind fr die jeweiligen Auslandsmrkte geeignet?
Wie ist das internationale Marketing im Unternehmen zu verankern?
Welche operativen internationalen Marketingziele sind anzustreben?
Wie ist der internationale Marketingmix zu gestalten?
Welche Budgets mssen dafr jeweils bereitgestellt werden?
Wie erfolgreich sind die ergriffenen internationalen Marketingmanahmen?
Welche Trends und Entwicklungen sind auf den jeweiligen Auslandsmrkten
erkennbar?

Fr die aufgeworfenen Aufgaben- bzw. Fragestellungen mssen die entsprechenden


Informationen beschafft werden. Die bentigten Informationen knnen in die folgenden
Kategorien eingeteilt werden (vgl. Koch 2009, S.175):

lnderspezifische Rahmenbedingungen und Trends (z.B. Wirtschaft, Recht,


Gesellschaft und Kultur, Umwelt, Stand der Technik usw.),
lnderspezifische Marktgegebenheiten und -entwicklungen (z.B. Marktgre,
Kundenpotenziale, Wettbewerber, Absatzwege, Lieferanten usw.),
10.4 Internationale Makroumwelt 291

lnderspezifische Mglichkeiten der Kooperation (z.B. Joint Ventures usw.),


lnderspezifische Informationen zur Kontrolle der eigenen Auslandsaktivitten
(z.B. Marktanteile, Preisvergleiche, Distributionsgrade usw.).

10.4 Internationale Makroumwelt

Die Gesamtheit der Faktoren, die durch den Marketingmanager nicht oder nur unwe-
sentlich beeinflusst werden knnen, nennt man Makroumwelt. Diese umfasst den
konomischen, politisch-rechtlichen, soziokulturellen, technologischen und geografisch-
kologischen Datenkranz in einem bestimmten geografischen Gebiet (vgl. Nieschlag
etal. 2002, S.1292).

10.4.1 konomische Umwelt

Das Auslandsengagement eines Unternehmens ist immer durch groe Unsicherheiten


geprgt. Wirtschaftliche Risiken spielen daher im internationalen Marketing eine groe
Rolle. Zu nennen sind hier das Zahlungs-, das Transport- und das Whrungsrisiko. Mit-
hilfe der internationalen Marktforschung sollen diese Risiken minimiert werden (vgl.
Berekoven 1985, S.115117):

Zahlungsrisiken gibt es auch im Binnenhandel. Im Auslandsgeschft ist jedoch die


Informationslage oft wesentlich schlechter. Dort gibt es hufig unzureichende oder
keine Auskunftsmglichkeiten ber die Bonitt der Kufer. Hinzu kommen die gro-
en Entfernungen und Probleme in der Rechtsverfolgung und -durchsetzung. Prim-
res Ziel muss daher sein, die Zahlungsfhigkeit und -willigkeit potenzieller Kufer so
genau wie mglich einzuschtzen, um dadurch die Zahlungsausflle zu minimieren.
Je weiter die Auslandsmrkte vom Heimatmarkt entfernt sind, desto grer fllt das
Transportrisiko aus. Die verschickten Produkte knnen auf dem Transportweg ganz
oder teilweise verloren gehen. Auch an Beschdigungen (z.B. durch Wassereinwir-
kungen) ist in diesem Zusammenhang zu denken. Hinzu kommen zeitliche und rum-
liche Aspekte. Es passiert immer wieder, dass Waren zu spt am Bestimmungsort
ankommen oder gar an einem gnzlich falschen Ort abgeliefert werden. Auch wenn
man sich gegen derartige Risiken versichern kann, besteht immer die Gefahr eines
Imageschadens. Daher kommt der Auswahl kompetenter und zuverlssiger Logistik-
dienstleister eine enorm groe Bedeutung zu (vgl. Berekoven 1985, S.116; Henzler
1970, S.89; zitiert nach Berekoven 1985, S.116).
Durch die Einfhrung des Euros nimmt die Bedeutung von Whrungsrisiken in
Europa ab. Im globalen Kontext sind sie aber immer noch zu beobachten, teils mit
erheblichen Auswirkungen auf die internationalen Geschftsaktivitten von Unter-
nehmen. Whrungsrisiken kommen immer dann zustande, wenn Unternehmen
292 10 Internationale Marktforschung

Devisenbestnde halten und/oder Forderungen und Verbindlichkeiten in fremden


Whrungen haben. Problematisch wird dies, wenn sich zwischen Vertragsabschluss
und -erfllung die Whrungskurse ndern. Dann kann es passieren, dass die Gegen-
leistung (in inlndischer Whrung) unter die vereinbarte Leistung abfllt. Daher
mssen relevante Whrungen und die entsprechenden Wechselkurse kontinuierlich
beobachtet werden (vgl. Berekoven 1985, S.116).

Die internationale konomische Umwelt beschreibt die bergeordneten wirt-


schaftlichen Rahmenbedingungen in den jeweiligen Auslandsmrkten. Damit sind
beispielsweise die Branchenstruktur, gesamtwirtschaftliche Kennzahlen, Infrastrukturbe-
dingungen und Konjunkturentwicklungen gemeint (vgl. Meffert etal. 2012, S.64).
Fr einen internationalen Lndervergleich stehen grundstzlich die in Tab.10.1
aufgefhrten Indikatoren zur Verfgung. Die Zusammenstellung muss je nach Region an
die entsprechenden Verhltnisse angepasst bzw. erweitert werden (vgl. Berekoven 1985,
S.77).
Die zentrale Aufgabe der internationalen Marktforschung besteht in der Einschtzung
der Marktchancen eines Produkts in den jeweiligen Auslandsmrkten. Dazu mssen die
aufgefhrten Indikatoren beobachtet und analysiert werden (vgl. Meffert und Bolz 1994,
S.48).

10.4.2 Politisch-rechtliche Umwelt

Das politische Umfeld im Ausland zeigt teilweise erhebliche Diskontinuitten. Gemeint


ist damit das Geflecht aus Regierungsinstitutionen, politischen Parteien und Organisati-
onen. Fr den Marktforscher gilt in diesem Zusammenhang, dass er ein grundlegendes
Verstndnis fr die Souvernitt der jeweiligen nationalen Regierungen aufbringen muss.
Die politischen Umwelten einzelner Zielmrkte unterscheiden sich sehr stark vonein-
ander, wodurch sich die Komplexitt dieses Themenfelds erheblich erhht (vgl. Kastin
2008, S.439; Keegan etal. 2002, S.206).
Fr den Marktforscher stellt sich auch die Frage nach den Wirtschaftsgesetzen
und -verordnungen im jeweiligen Auslandsmarkt. Insbesondere deren Auslegung und
Handhabung mssen bekannt sein. Die zentrale Aufgabe besteht darin, ein grundlegen-
des Verstndnis fr die fremden Rechtssysteme zu schaffen. So bestehen beispielsweise
erhebliche Unterschiede zwischen dem europischen (z.B. in Deutschland) und dem
nordamerikanischen (z.B. in den USA) Rechtssystem. Hinzu kommt das hufig sehr
unterschiedlich ausgeprgte Rechtsbewusstsein der Bevlkerung bzw. der Unterneh-
men in den Auslandsmrkten. Daher ist eine Erfassung der auslndischen Rechtssysteme
allein nicht ausreichend. Vielmehr ist es notwendig, das praktizierte Rechtsgebaren in
die Betrachtung mit einzubeziehen. Auerdem muss die eigene Rechtsstellung geklrt
werden. Damit sind Fragen nach dem magebenden Gerichtsstand, der Behandlung als
wirtschaftlich ttiger Auslnder vor einer fremden Gerichtsbarkeit, der Gltigkeit des
10.4 Internationale Makroumwelt 293

Tab.10.1Wirtschaftliche Indikatoren fr einen Lndervergleich. (Quelle: In Anlehnung an


Berekoven 1985, S.77)
Geltungsbereich Indikatoren
Volkswirtschaft Bruttosozialprodukt (BSP) (pro Kopf)
Bruttosozialprodukt (jhrliche Zuwachsrate)
Investitionen in % des BSP
Inflationsrate
elektrische Energieproduktion (pro Kopf)
Energieverbrauch (pro Kopf) Stahlverbrauch (pro
Kopf)
Beschftigte in der Landwirtschaft in % der
Gesamtbeschftigten
Rohstoffe in % des Exports
Gesundheit und Hygiene Lebenserwartung der Bevlkerung (unterschieden nach
Mnnern und Frauen)
Kindersterblichkeitsrate
Einwohner pro Arzt
Einwohner pro Krankenhaus
Bildung (jeweils pro 1000 Einwohner) schreibkundige Erwachsene
Grundschulabsolventen
Absolventen hherer Schulen
Hochschulabsolventen
Kommunikation Zeitungsumlauf
Radiobesitz
Fernsehgertebesitz
(Mobil-)Telefonbesitz
Internetverbreitung bzw. -zugang
Anteil der Stadtbevlkerung
Transport und Verkehr Kilometer Straennetz zur Gesamtflche des Landes
Kilometer Eisenbahnnetz
PKW pro 1000 Einwohner
Motorrder pro 1000 Einwohner
Fahrrder pro 1000 Einwohner
ffentlicher Personennahverkehr
Schienenfracht in t pro 1000 Einwohner

heimatlichen Rechts bzw. der Rechtsorgane, der internationalen Wirtschaftsgesetzgebung


und der bilateralen Vereinbarungen angesprochen. Das Ausma der zu beschaffenden
Rechtsinformationen ist unmittelbar mit dem geplanten Auslandsengagement verknpft.
Hlt sich dies im Falle des Exports noch in Grenzen, wird es im Falle eines geplanten
Joint Ventures oder eines eigenen Produktionsstandorts im Ausland dagegen wesentlich
umfangreicher (vgl. Berekoven 1985, S.105106).
294 10 Internationale Marktforschung

Im Wirtschaftsalltag treffen hufig zwei vllig unterschiedliche nationale Rechtssys-


teme aufeinander. Sehr hufig basieren diese auf voneinander gnzlich abweichenden
Rechtsauffassungen. Nimmt man noch die unterschiedlichen Geschftsgebruche hinzu,
so kann die reibungslose Vertragsabwicklung erheblich gefhrdet sein. Als Beispiel seien
hier Missverstndnisse genannt, die sich durch die landesspezifische Interpretation von
Begrifflichkeiten ergeben knnen. Auf internationaler Ebene versucht man, dieser Pro-
blematik durch die International Commercial Terms (Incoterms) gerecht zu werden.
Die ursprngliche Fassung stammt aus dem Jahre 1936 und wurde im Laufe der Zeit
immer wieder angepasst. Zuletzt geschah dies 2010. In den Incoterms werden die Rechte
und Pflichten der Vertragsparteien geregelt. Trotz dieser Regularien bleibt die Rechtsver-
folgung und -durchsetzung im Ausland problematisch und ist in der Regel mit erhebli-
chen Kosten und Ausfallrisiken verbunden (vgl. Berekoven 1985, S.117118).
Der Marktforscher ist hier aufgefordert, die erforderlichen Informationen ber die
wichtigsten Aspekte der legalen Rechtsprechung, ber Patente bzw. Lizenzen, Handels-
marken, Kartellgesetze und Bestechung zu beschaffen (vgl. Keegan etal. 2002, S.207).

10.4.3 Soziokulturelle Umwelt

Die kulturellen Gegebenheiten im Auslandsmarkt bestimmen mageblich die Absatz-


chancen von Produkten und Dienstleistungen. Unter Kultur versteht Berekoven (1985,
S.80) die Gesamtheit der typischen Lebensformen einer Bevlkerung einschlielich der
sie tragenden Geistesverfassung, insbesondere ihrer Wertvorstellung und gesellschaftli-
chen Normen.
Im Gegensatz zur wirtschaftlichen und rechtlichen Umwelt in den Auslandsmrkten
lsst sich die Kultur eines Landes wesentlich schwieriger erfassen. Will man sich als
Marktforscher trotzdem dem Kulturbegriff nhern, so ist es empfehlenswert, sich an den
sogenannten cultural universals zu orientieren. Im Einzelnen sind damit die folgen-
den Bestimmungsfaktoren gemeint (vgl. Meffert und Bolz 1994, S.4142):

Die Sprache bzw. Sprachen, die in einem Land gesprochen werden (z.B. in Belgien,
der Schweiz oder Kanada). Darber hinaus sind, syntaktische, semantische und pho-
netische Aspekte zu beachten. Diese wirken sich insbesondere auf die Ausgestaltung
der Kommunikationspolitik aus.
(Status-)Symbole und deren Bedeutung haben in den unterschiedlichen Kulturen
zum Teil eine enorme Bedeutung. Dies gilt es auf jeden Fall zu respektieren. Im Mar-
keting sind Tier- und Farbsymbole von besonderer Relevanz. Beispielsweise ist in
Deutschland Wei die Farbe der Reinheit und in Japan der Trauer.
Je nachdem, um welches Land es sich handelt, ist das Nationalbewusstsein sehr ver-
schieden ausgeprgt. Dieses kann sogar hinderlich fr das gesamte Auslandsengage-
ment sein. Entwicklungslnder und kleinere Staaten stehen international agierenden
Konzernen oft skeptisch gegenber und wollen ihre Unabhngigkeit bewahren.
10.4 Internationale Makroumwelt 295

Religionen ben ebenfalls einen starken Einfluss auf die Kultur eines Landes aus. Mit
den jeweiligen Sitten und Gebruchen (z.B. die Ablehnung von Alkohol im Islam)
muss man sich unbedingt vertraut machen.
Das Sozialverhalten kann sich je nach Kultur sehr stark unterscheiden und beein-
flusst die Menschen ganz erheblich in ihren Konsumgewohnheiten. Kaufentschei-
dungen hngen beispielsweise ganz wesentlich vom jeweiligen Rollenverstndnis
zwischen Mann und Frau ab.

Die zentrale Aufgabe der internationalen Marktforschung besteht darin, die kulturellen
Besonderheiten eines Lands in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Damit wird die Informa-
tionsbasis fr das internationale Marketingmanagement geschaffen. Dieses kann dann
auf die kulturellen Gegebenheiten entsprechend antworten oder versuchen, sie zu beein-
flussen. Dabei muss beachtet werden, dass von Kultur zu Kultur ganz unterschiedliche
Freiheitsgrade bestehen (vgl. Keegan etal. 2002, S.207). Aber auch auf die Arbeit des
Marktforschers knnen sich kulturelle Besonderheiten auswirken. So knnen beispiels-
weise einige Fragen gar nicht gestellt werden (Non-Response-Problem), andere werden
sehr wahrscheinlich falsch beantwortet (Hflichkeitsbias) (vgl. Koch 2009, S.176).

10.4.4 Technologische Umwelt

Die technologische Umwelt umfasst Technologien, die zur Problemlsung in Mrkten


geeignet sind. Will man diese Umwelt beschreiben, so trifft man je nach Branche auf
sehr unterschiedliche technologische Gegebenheiten. Allgemein sind damit die Verfg-
barkeit von wissenschaftlichen Einrichtungen, der technische Fortschritt und die Verfg-
barkeit von spezifischen Technologien gemeint (vgl. Meffert etal. 2012, S.65).
Im Kontext der internationalen Marktforschung spielt branchenbergreifend die Ver-
breitung des Internets eine magebliche Rolle. Will man beispielsweise eine Online-
Umfrage durchfhren, dann ist es sehr bedeutsam, wie viele Einwohner des Lands bereits
ber einen Internetanschluss verfgen. Nur wenn das Internet vor Ort ausreichend verbrei-
tet ist und von den Konsumenten regelmig genutzt wird, kommt eine Online-Umfrage
in Betracht. Fr den Zugang der Bevlkerung zu einem Telefon und die Mglichkeiten
einer Telefonumfrage gilt Entsprechendes (vgl. Httner und Schwarting 2002, S.427).
Vor diesem Hintergrund ist die Aufgabenstellung der internationalen Marktforschung
zweigeteilt. Einerseits geht es darum, zu erforschen, welche technologischen Mglich-
keiten in einem Auslandsmarkt gegeben sind. Dies ist ganz entscheidend fr die Intensi-
tt des Auslandsengagements (z.B. hngen die Produktionsmglichkeiten vor Ort stark
von der Zuverlssigkeit der Stromversorgung ab). Andererseits bieten die jeweiligen
Auslandsmrkte ganz unterschiedliche technische Standards und Verbreitungsgrade
der genannten Informations- und Kommunikationstechnologien. Dies determiniert ganz
wesentlich die Mglichkeiten der Datenerhebung und ist im Vorfeld einer internationalen
Marktstudie zu evaluieren (vgl. Bauer 2002, S.3940).
296 10 Internationale Marktforschung

10.4.5 Geografische und kologische Umwelt

Bei der Wahl der Auslandsmrkte kommt die geografische Lage des Lands zum Tragen.
Dadurch wird die Entfernung zum Heimatland festgelegt. Auerdem sind fr die ber-
brckung der Distanzen sehr unterschiedliche Transportmittel verfgbar bzw. sind dafr
erforderlich. Daraus ergeben sich wiederum die Transportkosten und die Transportdauer.
Insgesamt betrachtet mssen die ausgewhlten Lnder zu vertretbaren Kosten beliefert
werden knnen. Hat die Ware das jeweilige Zielland erreicht, dann wird die Distribution
wesentlich von geografischen Gegebenheiten innerhalb des Landes und den verfgbaren
Transportmitteln beeinflusst. Dabei sind auch klimatische Bedingungen (z.B. der Mon-
sun in Asien) zu beachten. Alle genannten Aspekte wirken sich wiederum auf die Bin-
nennachfrage aus (vgl. Berekoven 1985, S.79; Kastin 2008, S.439).
Unter Klima werden unterschiedliche Naturphnomene subsumiert. Konkret han-
delt es sich dabei um die Lufttemperatur, -feuchtigkeit, -bewegung, Niederschlge und
Nebel. In diesem Kontext muss abgeschtzt werden, inwiefern sich die klimatischen
Bedingungen auf die Bedarfsbildung der Bevlkerung auswirken. Dabei muss beachtet
werden, dass zahlreiche Lebensbereiche des Menschen von klimatischen Bedingungen
beeinflusst werden. Als Beispiele knnen in diesem Zusammenhang Klimaanlagen in
heien Regionen oder wrmende Kleidung in kalten Regionen genannt werden. Hinzu
kommen noch abgeleitete Bedarfsstrukturen, die nur mittelbar etwas mit dem Klima
zu tun haben. Beispielsweise setzen Strandkleidung und die Verwendung von Sonnen-
schutzprodukten gutes Wetter voraus. Des Weiteren muss auch ein entsprechendes Frei-
zeit- und Urlaubsverhalten vorliegen. Hier unterscheiden sich die Konsumgewohnheiten
in den einzelnen Regionen dieser Erde erheblich. So kann man fr europische Lnder
ein derartiges Urlaubsverhalten feststellen, und gebrunte Haut gilt hier (weitgehend) als
Schnheitsideal. In Asien dagegen wnschen sich weite Teile der Bevlkerung einen hel-
len Teint (vgl. Berekoven 1985, S.7980).

10.5 Internationale Mikroumwelt

Die Mikroumwelt umfasst die Gesamtheit der Institutionen und Organisationen, mit
denen ein Unternehmen auf den Auslandsmrkten mittelbar oder unmittelbar interagiert.
Im Einzelnen zhlen dazu die Konsumenten, Wettbewerber und der Handel. Aber auch
an Lieferanten (vgl. dazu Kap.8) ist in diesem Zusammenhang zu denken (vgl. Nie-
schlag etal. 2002, S.1297).

10.5.1 Konsumenten

Fr die anvisierten Auslandsmrkte muss das Marktpotenzial bestimmt werden.


Dazu ist es hilfreich, die Konsumgewohnheiten der Bevlkerung mglichst genau zu
10.5 Internationale Mikroumwelt 297

kennen. Zunchst ist zu klren, welche Produkte und Dienstleistungen im Ausland


konsumiert bzw. in Anspruch genommen werden. Fraglich ist, ob sich diese Kon-
sumgewohnheiten mit denen auf dem Heimatmarkt decken oder signifikante Unter-
schiede erkennbar sind. Auerdem ist die Anzahl der infrage kommenden Abnehmer
interessant sowie deren Jahresverbrauch pro Kopf bezogen auf eine bestimmte
Produktkategorie. Im Zusammenhang mit dem Marktpotenzial lassen sich, unter
Bercksichtigung von Vergangenheitswerten, Sttigungsgrade berechnen und Ent-
wicklungen im privaten Verbrauch prognostizieren (vgl. dazu Kap.6). Dabei muss
das aktuelle Marktwachstum in die Betrachtung einbezogen werden (vgl. Berekoven
1985, S.82).
Daher sind auch im internationalen Kontext die folgenden Fragestellungen von Inter-
esse (vgl. Berndt 1995, S.29; zitiert nach Berndt etal. 2003, S.3436):

Wie gestaltet sich das Nachfrageverhalten auf den einzelnen Auslandsmrkten?


Wie entwickelt sich die Bedrfnisstruktur der Konsumenten?
Welche Einstellungen und Prferenzen haben die auslndischen Konsumenten?
Wie ist die Preisbereitschaft der Konsumenten ausgeprgt?
In welcher Phase des Produktlebenszyklus befinden sich einzelne Produkte?

Im Konsumverhalten kommt die kulturelle Vielfalt zum Ausdruck. Vergleicht man die
Regionen Europa, USA und Asien (Triade) miteinander, so sind deutliche Unterschiede
im Kaufverhalten erkennbar (beispielsweise kaufen Asiaten wesentlich mehr Produkte
in Automaten). Auch wenn derartige lnderspezifische Besonderheiten durch die wach-
sende weltweite Mobilitt und die stark zunehmende Verbreitung des Internets als Infor-
mations-, Kommunikations- und Transaktionsmedium in ihrer Bedeutung abnehmen,
werden sich die Konsumenten in den genannten Regionen dennoch zu einem gewissen
Grad weiterhin in ihren Konsumgewohnheiten unterscheiden (vgl. Meffert und Bolz
1994, S.57).

10.5.2 Wettbewerb

Genau wie auf dem Heimatmarkt mssen auch fr die ausgewhlten Auslandsmrkte die
Wettbewerbsverhltnisse analysiert werden (vgl. ausfhrlich dazu Kap.8). Allerdings
erweist sich die Datenbeschaffung und -interpretation im Ausland als wesentlich
schwieriger, zeitaufwendiger und kostenintensiver. Grundstzlich sind dabei die bestehenden
Wettbewerbsstrukturen (Monopole, Oligopole und Polypole) zu analysieren. Hinzu kommt
das konkrete Wettbewerbsverhalten. Es mssen die Marketingziele und -strategien der
Wettbewerber beobachtet und analysiert werden. Auerdem muss Klarheit ber die Produkt-
bzw. Sortimentspolitik, die Preis- und Konditionenpolitik, die Kommunikationspolitik und
Distributions- bzw. Vertriebspolitik der einheimischen Anbieter herrschen (vgl. Berekoven
1985, S.104).
298 10 Internationale Marktforschung

10.5.3 Handel

Auch den Vertriebsmglichkeiten im Auslandsmarkt muss der Marktforscher seine Auf-


merksamkeit schenken. Dabei muss er der Frage nachgehen, welche Distributionsauf-
gaben selbst bernommen und welche auf entsprechende Distributionsorgane dauerhaft
ausgelagert werden knnen. Die zu beschaffenden Informationen knnen sich in Abhn-
gigkeit von der Gre und Struktur des Auslandsmarkts stark unterscheiden und schnell
sehr umfangreich und komplex werden. Die besondere Herausforderung besteht in der
Beschaffung, Analyse und Interpretation aussagekrftigen Datenmaterials. Da die Distri-
butionsstrukturen weltweit durch eine besondere Vielschichtigkeit gekennzeichnet sind,
ist diese Aufgabenstellung entsprechend schwierig zu meistern (vgl. Berekoven 1985,
S.101). Dabei muss beachtet werden, dass die groen Handelskonzerne in den letzten
Jahrzehnten selbst eine starke Internationalisierung ihrer Aktivitten und Bettigungs-
felder vollzogen haben. Insbesondere internationale Kooperations- und Akquisitions-
strategien gewinnen im Handel an Bedeutung. Damit sehen sich international agierende
Unternehmen einer zunehmend internationalisierten Handelslandschaft gegenber. Dies
hat fr den Marktforscher den Vorteil, dass er entsprechendes lnderspezifisches Infor-
mationsmaterial aus der Handelszentrale beziehen kann. Relativierend muss jedoch
angefhrt werden, dass die globalen Handelskonzerne nicht in jedem Land gleicherma-
en vertreten sind. Fr Lnder ohne filialisierte Handelsstruktur bleibt die Datenbeschaf-
fung entsprechend aufwendig (vgl. Meffert und Bolz 1994, S.5859).

10.6 Prozess der internationalen Marktforschung

Grundstzlich weist der Prozess der internationalen Marktforschung groe Parallelen zur
nationalen Marktforschung auf. Unterschiede zeigen sich lediglich in der Gewichtung
bzw. Bedeutung der einzelnen Prozessphasen und den zu erledigenden Aufgaben zeigen
sich Unterschiede. Diese sind komplexer und umfangreicher (vgl. Bauer 2002, S.6465).
Analog zu einer nationalen Marktforschungsstudie muss das Marketingmanagement
den Informationsbedarf erkennen und przise formulieren. Darauf aufbauend werden
das Marktforschungsproblem definiert und die Ziele der Studie festgelegt (Definitions-
phase) (vgl. Meffert und Bolz 1994, S.80). Dabei unterscheidet man zwischen Mar-
ketingentscheidungsproblemen, die sich auf konkrete Auslandsmrkte beziehen, und
solchen, die lediglich einen internationalen Bezug aufweisen. Je nach Sachlage kann es
notwendig sein, explorative Voruntersuchungen durchzufhren. Der Informationsbedarf
lsst sich anhand der folgenden Fragestellungen konkretisieren (vgl. Bauer 2002, S.65):

Die Art des Informationsbedarfs verknpft die Definitionsphase mit der Designphase,
denn man muss klren, ob deskriptive und/oder kausale Aussagen vom Marketingma-
nagement gewnscht werden.
10.6 Prozess der internationalen Marktforschung 299

Der Inhalt des Informationsbedarfs bezieht sich auf die Frage, ber wen und was
geforscht werden soll.
Auch der Umfang des Informationsbedarfs ist von Relevanz. Damit werden auch
gleichzeitig Fragen zum erforderlichen Marktforschungsbudget tangiert.
Schlielich ist der zeitliche Rahmen des Informationsbedarfs festzulegen. Dies
betrifft den Zeitraum, in dem die internationale Marktforschungsstudie durchgefhrt
werden soll, und den Zeitpunkt, zu dem die Ergebnisse sptestens vorliegen mssen.

Ein weiterer bedeutsamer Schritt, der im Vergleich zu einer nationalen Marktforschungs-


studie wesentlich aufwendiger ausfllt, ist die Identifizierung potenzieller Informati-
onsquellen. In dieser Grobanalyse wird die Nutzbarkeit der Quellen beurteilt und die
Datenqualitt eingeschtzt. Damit einher geht die Abschtzung des finanziellen, organi-
satorischen und zeitlichen Aufwands. Insgesamt differenziert man dabei in vier verschie-
dene Arten von Informationsquellen (siehe ausfhrlich dazu Abschn.10.7.2 sowie Bauer
2002, S.67):

inlndische innerbetriebliche und auerbetriebliche Informationsquellen sowie


auslndische innerbetriebliche und auerbetriebliche Informationsquellen.

Sofern adquate Sekundrquellen vorliegen, mit deren Hilfe man entscheidungsrele-


vante, vollstndige, aktuelle, genaue und international vergleichbare Daten gewinnen
kann, ist diesen aus Kostengesichtspunkten zunchst der Vorrang zu geben. Sollten der-
artige Daten nicht oder nur in unzureichendem Umfang vorliegen, muss eine internatio-
nale Primrstudie durchgefhrt werden (vgl. Bauer 2002, S.67).
Zunchst wird davon ausgegangen, dass geeignete Sekundrquellen vorliegen. Im
Rahmen einer internationalen Sekundrforschung bearbeitet der Marktforscher dann
idealtypisch folgende Schritte (vgl. Bauer 2002, S.6768; Berndt etal. 2003, S.5051):

Zunchst mssen der finanzielle und zeitliche Rahmen fr die Sekundranalyse fest-
gelegt und die organisatorische Abwicklung der Datenbeschaffung geklrt werden.
Anschlieend erfolgt eine vertiefende Suche nach weiteren Sekundrquellen, die
ebenfalls hinsichtlich ihrer Aussagekraft, Aktualitt und Entscheidungsrelevanz beur-
teilt werden mssen. Basierend darauf wird entschieden, welche der aufgefundenen
Informationsquellen zu nutzen sind.
Danach beschftigt sich der Marktforscher mit der eigentlichen Informationsbe-
schaffung aus den ausgewhlten Sekundrquellen.
Die gesammelten Materialien mssen aufbereitet werden. Dabei spielt die internatio-
nale Vergleichbarkeit des Datenmaterials eine groe Rolle.
Die vorliegenden Sekundrdaten werden interpretiert.
Das Schreiben des Ergebnisberichts und die Prsentation der Ergebnisse vor dem
Marketingmanagement bilden den Abschluss der internationalen Sekundrforschung.
300 10 Internationale Marktforschung

Sollten die erhobenen internationalen Sekundrdaten den Informationsbedarf der Ent-


scheidungstrger nur zum Teil oder gar nicht decken, dann muss zustzlich eine inter-
nationale Primrstudie durchgefhrt werden, die wiederum aus mehreren Schritten
besteht (vgl. Bauer 2002, S.69; Berndt etal. 2003, S.63):

Auch hier muss zunchst der finanzielle und zeitliche Rahmen abgesteckt werden.
Hinzu kommen Fragen zur Organisation der internationalen Primrstudie.
Anschlieend mssen die anzuwendenden Untersuchungsmethoden ausgewhlt
werden. Dabei sind die Besonderheiten der jeweiligen Mrkte, in denen die Primr-
daten zu erheben sind, zu beachten. Ziel ist es, solche Erhebungsmethoden zu whlen,
die zu international vergleichbaren Ergebnissen fhren.
Die Untersuchungseinheiten mssen ebenfalls international quivalent definiert wer-
den. Hinzu kommt die international quivalente Bestimmung geeigneter Auswahlprin-
zipien, -verfahren und -techniken.
Sind diese Fragen geklrt, schliet sich die Datenerhebung an. Whrend dieser
Phase ist auf eine quivalente Durchfhrung der Feldarbeit zu achten. Insbesondere
die Interaktionsbeziehungen zwischen Befragten und Befragenden mssen vergleich-
bar sein.
Das vorliegende Datenmaterial muss international vergleichbar aufbereitet und ana-
lysiert werden.
Danach werden die Untersuchungsergebnisse interpretiert.
Den Abschluss der internationalen Primrforschung bilden wieder der Ergebnisbe-
richt sowie die Prsentation vor den Entscheidungstrgern.

In Abb.10.1 ist das idealtypische Prozessmodell einer internationalen Marktfor-


schungsstudie wiedergegeben. Auf eine Besonderheit sei an dieser Stelle noch hinge-
wiesen. Die gestrichelten Linien, die die Sekundrforschung mit der Primrforschung
verbinden, verdeutlichen, dass auch die internationale Sekundrforschung eine unterstt-
zende Rolle einnehmen kann und ihre Ergebnisse in der internationalen Primrforschung
Bercksichtigung finden knnen (vgl. Bauer 2002, S.69).

10.7 Internationale Sekundrforschung

In den letzten Jahren haben sich die Mglichkeiten der internationalen Sekundrmarkt-
forschung wesentlich verbessert. Dies ist mageblich auf die Entwicklungen im Bereich
der Informations- und Kommunikationstechnologien zurckzufhren. Die Datenmen-
gen, die hauptschlich ber das Internet erhoben, verschickt und verarbeitet werden kn-
nen, haben stetig zugenommen. Hinzu kommt eine steigende Anzahl an internationalen
Online-Datenbanken, die die Recherche stark vereinfachen. Dadurch steht sehr umfas-
sendes Informationsmaterial ber Lnder, Lnderregionen, Mrkte und Marktsegmente
zur Verfgung (vgl. Berndt etal. 2003, S.49).
10.7 Internationale Sekundrforschung 301

Identifikation und Definition internationaler


Marketingentscheidungsprobleme

Festlegung des Informationsbedarfs


Organisatorische Abstimmung mit international ttigen Marktforschungsunternehmen

Identifikation und Grobanalyse


potenzieller Informationsquellen

Internationale Internationale

Organisatorische Abstimmung mit Auslandsniederlassungen


Sekundrforschung Primrforschung

Festlegung des Festlegung des


finanziellen, zeitlichen finanziellen, zeitlichen
und organisatorischen und organisatorischen
Rahmens Rahmens

Auswahl und Gestaltung


international adquater
Untersuchungsmethoden

Suche nach weiteren Definition der


Informationsquellen Untersuchungseinheiten
sowie Bewertung und und Bestimmung
Auswahl geeigneter international adquater
Informationsquellen Auswahlprinzipien,
-verfahren und -techniken

Datenerhebung Zeitlich quivalente


Datenerhebung

International adquate International adquate


Datenaufbereitung und Datenaufbereitung und
-analyse -analyse

Dateninterpretation Dateninterpretation

Ergebnisdokumentation Ergebnisdokumentation
und -prsentation und -prsentation

Abb.10.1Prozessphasen einer internationalen Marktforschungsstudie

Auslser fr die Planung und Durchfhrung einer internationalen Sekundranalyse ist


die Feststellung eines Informationsbedarfs bei den Entscheidungstrgern im internati-
onalen Marketingmanagement. Begonnen wird mit der Problemformulierung und dem
Forschungsziel (vgl. Berndt etal. 2003, S.49).
302 10 Internationale Marktforschung

10.7.1 Anwendungsschwerpunkte

Das Aufgabenspektrum der internationalen Sekundranalyse kann sehr vielfltig sein.


Grundstzlich lassen sich die folgenden Anwendungsschwerpunkte identifizieren (vgl.
Berndt etal. 2003, S.5758):

Die Marktauswahl umfasst die Identifizierung, die Bewertung und den Vergleich von
potenziellen Auslandsmrkten. Im ersten Schritt werden ganze Lnderregionen einer
Grobanalyse unterzogen. Lnder, die aus klimatischen Grnden, politischen Insta-
bilitten oder wirtschaftlichen Grnden (z.B. zu geringe Kaufkraft) nicht infrage
kommen, werden ausgeschlossen. Die verbleibenden Lnder werden anhand eines
Kriterienkatalogs in einem Scoring-Modell bewertet. Fr diese Bewertung muss die
Marktforschung die bentigten Daten zur Verfgung stellen.
Im Rahmen der Strategiekontrolle werden die fr die jeweiligen Lnder gewhlten
Marketingmixes im Hinblick auf ihren Erfolgsbeitrag kontinuierlich berwacht.
Mit Entwicklungsprognosen und Frhwarninformationen versucht man, kritische
Entwicklungen in den Auslandsmrkten vorherzusagen. Dadurch soll das internatio-
nale Marketingmanagement in die Lage versetzt werden, rechtzeitig auf derartige Ver-
nderungen reagieren zu knnen.
Fr entwickelte Industrielnder finden zunehmend auch Metaanalysen Anwendung.
Dabei werden lnderbergreifend marketingrelevante Indikatoren (z.B. Preis- oder
Werbeelastizitten) miteinander verglichen, um so Gemeinsamkeiten und Unter-
schiede herauszuarbeiten.

Die durch die internationale Sekundrforschung gewonnenen Daten knnen fr sich aus-
gewertet und interpretiert werden oder flieen als Datenbasis in internationale Primrstu-
dien ein (vgl. Abb.10.1).
Innerhalb der internationalen Sekundrforschung lassen sich drei verschiedene Vari-
anten unterscheiden (vgl. Bauer 2002, S.73):

Internationale Sekundrstudien knnen auf statistischen Daten basieren. Dabei kann


es sich um Daten der amtlichen, halbamtlichen oder betrieblichen Statistik handeln.
Alternativ knnen internationale Sekundrstudien auf Basis empirisch fundierter
Lnderanalysen bzw. Lndermarktanalysen, Verbraucheranalysen, Konkurren-
zanalysen, Mediaanalysen u.. durchgefhrt werden.
Auerdem knnen Berichte, Verffentlichungen und Mitteilungen die Grundlage
fr internationale Sekundrstudien bieten. Dabei ist vorrangig an Zeitungsartikel,
Geschftsberichte, Reisenden- und Vertreterberichte, Kataloge, Nachschlagewerke
und Verffentlichungen im Internet zu denken.

Die Vielfalt verschiedener Datenquellen stellt den Marktforscher vor groe Herausfor-
derungen. Kommen bei der ersten und zweiten Variante noch weitgehend quantitative
10.7 Internationale Sekundrforschung 303

Datenanalysemethoden (vgl. Kap.3) zur Anwendung, so muss im dritten Fall das Daten-
material einer eingehenden Inhaltsanalyse unterzogen werden (vgl. Bauer 2002, S.74).
Bei der Verwendung internationaler Sekundrdaten sind die folgenden beiden Aspekte
von besonderer Relevanz (vgl. Homburg 2012, S.1077):

Zwischen den Lndern gibt es hinsichtlich der Datengenauigkeit groe Unterschiede.


Lnderbergreifend ist das Sekundrmaterial nur bedingt vergleichbar. Dies liegt an
der unterschiedlichen Gliederung der vorliegenden Statistiken und an den angewende-
ten Datenerhebungsmethoden.

10.7.2 Informationsquellen

Die weltweit verfgbaren Informationsquellen sind derart vielfltig, dass eine vollstn-
dige Auflistung nicht mglich ist und zudem gar nicht zielfhrend wre. Angelehnt an
nationale Quellen der Sekundrforschung kann man auch hier in unternehmensinterne
und -externe Quellen unterscheiden. Als weiteres Systematisierungskriterium kommt
noch der Lnderbezug hinzu. Insgesamt ergeben sich damit vier Gruppen von Informati-
onsquellen, die im Folgenden kurz nher betrachtet werden (vgl. Bauer 2002, S.77).

[Link]Inlndische und auslndische unternehmensinterne


Informationsquellen
Die Vorzge von inlndischen unternehmensinternen Informationsquellen decken sich
mit den Vorteilen, die bereits im Kap.3 behandelt wurden. Diese Informationsquellen
knnen insbesondere in einer sehr frhen Phase der internationalen Sekundrforschung
genutzt werden. So bieten beispielsweise Daten aus dem Rechnungswesen, Controlling
oder aus den Absatz- und Vertriebsstatistiken wertvolle Informationen fr das internatio-
nale Marketingmanagement (vgl. Berndt etal. 2003, S.52) (vgl. Tab.10.2).
Der besondere Reiz der vorliegenden Daten liegt darin begrndet, dass fr ihre
Beschaffung keine weiteren Kosten anfallen und sie sofort verfgbar sind. Die Einar-
beitung in die vorliegende Problemstellung wird erheblich erleichtert (vgl. Meffert etal.
2012, S.156). Auerdem lassen sich quantitative Daten (z.B. aus der Absatzstatistik)
durch ausformulierte Berichte ergnzen (z.B. Berichte des Auendienstes) in denen kul-
turelle Besonderheiten zur Sprache kommen (vgl. Berndt etal. 2003, S.52). So lassen
sich Erfahrungen ableiten und Lerneffekte erzielen (vgl. Meffert und Bolz 1994, S.82).
Die aufgefhrten Informationsquellen knnen nur entscheidungsrelevante Informa-
tionen liefern, wenn zwei wesentliche Voraussetzungen erfllt sind (vgl. Bauer 2002,
S.7879; Bhler 2004, S.6566):

Die vorliegenden Sekundrdaten drfen nicht nur nach Produkten bzw. Produktgrup-
pen, Kunden bzw. Kundengruppen und Absatzmittlern gegliedert sein, sondern es
muss eine detaillierte Aufstellung ber Lnderregionen, Lnder oder transnatio-
nale Marktsegmente vorliegen.
304 10 Internationale Marktforschung

Tab.10.2Inlndische und auslndische unternehmensinterne Sekundrquellen. (Quelle: In


Anlehnung an Kastin 2008, S.444; Meffert etal. 2012, S.157)
Eher quantitative Sekundrquellen Archivmaterial (z.B.
Lnderdatenbltter)
Umsatzstatistik Kundenkartei bzw. -datei
Auftragsstatistik Kundenkorrespondenz inkl.
-beschwerden
Kostenrechnung Absatzmittlerkartei bzw. -datei
Marktforschungsberichte (z.B. Vertreterberichte
Kundenzufriedenheitsbefragungen)
Archivmaterial (z.B. Lnderdatenbltter) Vertreterberichte
Berichte des Einkaufs

Auerdem muss die Vielzahl der Sekundrdaten einer systematischen Datenanalyse


mittels Data Mining zugnglich gemacht werden knnen. Das Data Mining ber-
nimmt dann eine Untersttzungsfunktion bei der Recherche in den immer umfang-
reicher werdenden Datenbanken (zur Einfhrung ins Data Mining vgl. beispielsweise
Shearer 2007, S.421434, zu den Grundlagen eines Data Warehouse Sinz 2006,
S.11691176).

Werden die aufgefhrten Sekundrdaten hufiger fr internationale Marktforschungsstu-


dien bentigt, dann ist es empfehlenswert, diese bereits bei der Erfassung entsprechend der
internationalen Gegebenheiten zu sortieren und zu organisieren (vgl. Bauer 2002, S.79).
Die Organisation der Datenstrukturen muss zwingend auf der Ebene der einzelnen
Auslandsgesellschaften fr die auslndischen innerbetrieblichen Sekundrquellen
fortgefhrt werden. Es sind die gleichen Statistiken, Berichte und Kostenrechnungen
anzulegen und kontinuierlich mit aktualisiertem Datenmaterial zu pflegen. Nur dann ist
es mglich, dass die bentigten Sekundrdaten stndig verfgbar sind und problemlos
miteinander verglichen werden knnen (vgl. Bauer 2002, S.79).

[Link]Inlndische unternehmensexterne Informationsquellen


Fr die internationale Sekundranalyse kommen die folgenden Quellen als Daten- und
Informationsmaterialien infrage (vgl. Bauer 2002, S.8081):

Ministerien und Behrden,


nationale Statistische mter,
Nationalbank,
inter-/supranationale Organisationen,
Publikationen und Archivmaterial sowie die Informationsdienste von nationa-
len Handelskammern, nationalen Wirtschaftsverbnden, Lndervereinen und Ln-
dergesellschaften, Wirtschaftsforschungsinstituten, Banken, Investmentanalysten,
10.7 Internationale Sekundrforschung 305

Unternehmensberatungen, Wirtschaftsprfungs- und Steuerberatungsgesellschaften,


Werbeagenturen, auslndischen Botschaften und Konsulaten, im Inland residieren-
den auslndischen Handelsfrderungsstellen und Handelskammern sowie sonstigen
Institutionen,
Publikationen, Studien und Archivmaterial von Marktforschungsinstituten, -verbn-
den sowie Verlagen.

Auerdem sind noch interessant (vgl. Bauer 2002, S.81):

Kataloge und Berichte von inlndischen internationalen Messen und Ausstellungen


sowie auf diesen gesammelte Firmenkataloge, -prospekte und -preislisten,
im Inland publizierte Nachschlagewerke,
im Inland erstellte muttersprachliche CD-ROM-Datenbanken,
Online-Datenbanken inlndischer Hosts,
Publikationen und Informationsmaterial inlndischer Stiftungen,
originr muttersprachliche Websites und
Informationsangebote von Hilfsbetrieben der Sekundrforschung.

Je nach Fragestellung und interessierendem Land bzw. interessierenden Lndern muss


eine entsprechende Auswahl relevanter Informationsquellen getroffen werden. Hinzu
kommt, dass die einzelnen Institutionen, Verbnde und Organisationen nicht zu allen
Lndern Datenmaterial zur Verfgung stellen knnen. Bevor konkrete Informationen
beschafft werden knnen, mssen die infrage kommenden Informationslieferanten einer
eingehenden Evaluation unterzogen werden (vgl. Bauer 2002, S.81).
Insbesondere fr Mrkte, ber die das Management nur wenige Kenntnisse hat, kn-
nen unternehmensexterne Informationsquellen wertvolle Dienste leisten, wesentliche
Impulse geben und dadurch neue Sichtweisen frdern (vgl. Berndt etal. 2003, S.53).
Zur besseren Verdeutlichung sind in Tab.10.3 exemplarisch entsprechende Informations-
quellen zusammengestellt (vgl. dazu ausfhrlich Bauer 2002, S.82121).

[Link]Auslndische unternehmensexterne Informationsquellen


Sind die inlndischen unternehmensexternen Informationsquellen ausgeschpft und noch
Fragen offen, dann wird es unumgnglich, auch auslndische unternehmensexterne Infor-
mationsquellen zurate zu ziehen. Folgende Informationsquellen lassen sich in Anlehnung
an die Systematik der inlndischen Quellen nennen (vgl. Bauer 2002, S.121122):

auslndische Ministerien und Behrden,


auslndische Statistische mter,
auslndische Nationalbanken,
im Ausland ansssige inter-/supranationale Organisationen,
Publikationen und Archivmaterial sowie die Informationsdienste von Auenhandels-
kammern, auslndischen Handelskammern und Wirtschaftsverbnden, Lndervereinen
306 10 Internationale Marktforschung

und Lndergesellschaften, auslndischen Wirtschaftsforschungsinstituten, im Aus-


land ansssigen Banken, Investment- und IT-Analysten, Unternehmensberatungen,
Wirtschaftsprfungs- und Steuerberatungsgesellschaften, Werbeagenturen, deutschen
Botschaften und Konsulaten, im Inland residierenden auslndischen Handelsfrde-
rungsstellen und Handelskammern sowie sonstigen auslndischen Institutionen,
Publikationen, Archivmaterial und Studien von im Ausland ansssigen Marktfor-
schungsinstituten, -verbnden und Verlagen.

Auerdem sind noch interessant (vgl. Bauer 2002, S.81):

Kataloge und Berichte von auslndischen internationalen Messen und Ausstellungen


sowie auf diesen gesammelte Firmenkataloge, -prospekte und -preislisten,
im Ausland publizierte Nachschlagewerke,
im Ausland erstellte muttersprachliche CD-ROM-Datenbanken,
Online-Datenbanken auslndischer Hosts,
Publikationen und Informationsmaterial auslndischer Stiftungen,
originr fremdsprachliche Websites und
Informationsangebote von auslndischen Hilfsbetrieben der Sekundrforschung.

Mit diesen weltweit verstreuten Informationslieferanten und der damit verbundenen


Informationsflut muss der Marktforscher versuchen umzugehen. Eine erschpfende Dis-
kussion der jeweiligen Auswahlentscheidungen ist an dieser Stelle nicht mglich (vgl.
dazu ausfhrlich Bauer 2002, S.122). Exemplarisch seien jedoch ausgewhlte Informati-
onsquellen der internationalen Sekundranalyse zusammengestellt (vgl. dazu Tab.10.4).
Eine sehr ausfhrliche Diskussion internationaler Informationsquellen findet der interes-
sierte Leser wieder bei Bauer (2002, S.122150).
Die zusammengetragenen Sekundrdaten sind einer eingehenden Evaluation, zu
unterziehen. Dabei sind zwei Arten zu unterscheiden (vgl. Bauer 2002, S.2829,
150167):

Bei der Evaluation der Informationsquellen ist zu fragen, inwiefern diese ursprnglich
(Sekundr- oder Primrquelle) sowie objektiv und professionell sind.
Die Evaluation des Informationsmaterials dagegen zielt darauf ab, dieses hinsichtlich
Entscheidungsrelevanz, Vollstndigkeit, Aktualitt, Genauigkeit und Vergleichbarkeit
zu prfen und zu beurteilen.

Erst nachdem diese Evaluation stattgefunden hat, kann bzw. darf das Sekundrmaterial
fr die Entscheidungsfindung im Marketing genutzt werden.
10.7 Internationale Sekundrforschung 307

Tab.10.3Deutsche nicht- und halbkommerzielle Informationsquellen. (Quelle: In Anlehnung an


Berndt etal. 2003, S.54)
Institution und Internetprsenz Leistungsspektrum
Afrika-Verein e.V.: [Link] Vielzahl an Informationen ber afrikanische
Mrkte
Untersttzung der Mitgliedsunternehmen
beim Auf- und Ausbau von Geschftsbezie-
hungen in Afrika
Afrika-Verein e.V.: [Link] Betreuung von Unternehmen mit Auslandsak-
tivitten in ber 80 Lndern und mit rund 120
AHK-Bros vor Ort
kommerzielle Auskunftsdienste
Markt- und Wirtschaftsanalysen
Informationen zu Technologietransfer und
Umweltschutz
Handels- und Investitionsfrderung
Afrika-Verein e.V.: [Link] auenwirtschaftliche Informationen
Adressen von Botschaften, Auslandshandels-
kammern usw.
Bundesstelle fr Auenhandels-Informationen Publikationen zu Mrkten, Trends und
BfAI: [Link] Geschftschancen im Ausland
Online-Datenbanken
Branchenstudien und Lnderinformationen
Zoll-, Steuer- und Rechtsbestimmungen
Informationen ber Werbung, Messeauftritt,
Marktforschung, Vertrieb und Niederlassun-
gen fr die verschiedensten Lnder
Industrie- und Handelskammern (IHK): www. Informationen ber bestimmte
[Link] Wirtschaftsrume
Frderungsmglichkeiten
kostenlose Mitgliederberatung zu Mglich-
keiten und Risiken der Auslandsttigkeit
Ostasiatischer Verein e.V.: [Link] Mitgliederberatung und -untersttzung beim
Auf- und Ausbau von Geschftsbeziehungen
zur Asien-Pazifik-Region
weitergehende Informationen und Publikatio-
nen fr Mitglieder
Statistisches Bundesamt (Stat. BA): www. Statistisches Jahrbuch fr das Ausland
[Link] jhrliche Auenhandelsstatistik (gegliedert
nach Warengruppen und Lndern)
Lnderberichte
monatliche und vierteljhrliche weiterge-
hende Verffentlichungen
(Fortsetzung)
308 10 Internationale Marktforschung

Tab.10.3 (Fortsetzung)
Institution und Internetprsenz Leistungsspektrum
Wissenschaftliche Institutionen Deutsches Ins- Sammlung, Aufbereitung und Archivierung
titut fr Wirtschaftsforschung in Berlin: www. von Auslandsdaten
[Link] ifo-Institut fr Wirtschaftsforschung in Primrerhebungen zu Auslandsmrkten
Mnchen (CESifo-Group): [Link]

Tab.10.4Internationale nicht- und halbkommerzielle Informationsquellen. (Quelle: In


Anlehnung an Berndt etal. 2003, S.56)
Institution und Internetprsenz Leistungsspektrum
Beratungsstelle der Europischen Union in EUR-OP Datenbank
Brssel (EU): [Link] Informationen zu Ausschreibungen,
Statistiken und universitre Forschung
europaweit vergleichende Informationen
European Investment Bank (EIB): [Link] breites Spektrum an Broschren zu
verschiedenen Themen
Lnderberichte
technische und konomische Studien
International Bank for Reconstruction and Forschungsstudien
Development (Weltbank) in Washington: www. World Tables
[Link] Trends in Developing Countries
The World Bank Atlas
International Monetary Fund (Internationaler Publikationen zu Mitgliedsstaaten
Whrungsfond (IWF)): [Link] International Financial Statistics
World Economic Outlook
International Chamber of Commerce (Internati- Publikationen zu Banken, Finanzen und
onale Handelskammer): [Link] internationalem Handel
Vertrge zum internationalen Handel
Organisation for Economic Cooperation and Berichte
Development in Paris (OECD): [Link] Lnderstudien
Publikationen, z.B. OECD Economic
Outlook
United Nations in New York (UN), (Vereinte Statistical Yearbook of the United Nations
Nationen): [Link] World Economic Survey
World Trade Annual
World Trade Organisation (WTO) (Welthandels- WTO Annual Report
organisation): [Link] World Trade in Commercial Services
Online-Publikationen zu Wirtschaft, Recht
und Umwelt
10.8 Internationale Primrforschung 309

10.8 Internationale Primrforschung

In der internationalen Marktforschung tritt die Primrforschung hinter der Sekundrfor-


schung zurck. Da die ber die Sekundrforschung zu gewinnenden Daten aber oft nur
eine Grobeinschtzung der jeweiligen Lndermrkte zulassen, mssen trotzdem Primr-
erhebungen im Ausland durchgefhrt werden. Die sich dabei ergebenden Besonderheiten
seien im Folgenden kurz skizziert (vgl. Httner und Schwarting 2002, S.425427):

Als Adressaten kommen grundstzlich die Endkunden, der Handel oder Lnder- und
Branchenexperten infrage. Da mit Endkundenbefragungen oft groe Kosten ver-
bunden sind, greift man vorzugsweise auf Paneldaten des Gro- und Einzelhandels
zurck und bezieht Experten in die Befragung mit ein. Sollte dies noch nicht ausrei-
chen, werden auch in der internationalen Primrforschung Endkundenbefragungen
durchgefhrt.
Die Auswahl der Erhebungsmethoden muss sehr sorgfltig vorgenommen werden.
Aufgrund der geringen Verbreitung des Telefons und Internets in vielen Schwellen-
lndern knnen reprsentative Telefon- und Internetbefragungen nicht immer in
Erwgung gezogen werden. Sollte in dem zu erforschenden Land der Anteil der Anal-
phabeten sehr gro sein, sind schriftliche Befragungen automatisch ausgeschlossen.
Hier bleibt also nur das mndliche Interview als einzige Mglichkeit, dies verursacht
jedoch entsprechend hohe Kosten.
Als Befragungsstrategie empfiehlt sich das standardisierte mndliche Interview, mit
den damit verbundenen Vorteilen.
Bedingt durch kulturelle Unterschiede gestaltet sich die Auswahl der richtigen Befra-
gungstaktik oftmals schwierig. Nicht in jedem Land kann man die interessierenden
Sachverhalte direkt ansprechen. Besser geeignet sind daher oft indirekte Fragen,
durch die man geschickt den zu untersuchenden Sachverhalt abfragen kann.
Besonders sorgfltig sollte die Auswahl der Interviewer erfolgen. Es kann nmlich
durchaus vorkommen, dass sich Menschen/Endkunden nicht gern von auslndischen
Marktforschern befragen lassen, auch wenn diese ihre Sprache sprechen knnen. Bes-
ser ist es, wenn fr die Durchfhrung der mndlichen Interviews einheimische Inter-
viewer gewonnen werden. Der Interviewerbias wird dann zwar geringer ausfallen,
der notwendige Aufwand im Rahmen der Interviewerschulung ist dafr entsprechend
hher.
Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchungsvorbereitung kann in der bersetzung
des Fragebogens in die jeweilige Landessprache gesehen werden. Dabei ist darauf
zu achten, dass der Fragebogen und insbesondere die verwendeten Items und Skalen
richtig und fr die auslndischen Befragungspersonen verstndlich bersetzt wer-
den. Diese Aufgabe kann eigentlich nur ein Muttersprachler bernehmen, der idea-
lerweise im jeweiligen Befragungsland aufgewachsen ist. Nur so kann sichergestellt
werden, dass auch kulturelle und regionale Besonderheiten und Feinheiten bei der
310 10 Internationale Marktforschung

bersetzung Bercksichtigung finden (eine ausfhrliche Diskussion dieser Proble-


matik, die auch als bersetzungsquivalenz bezeichnet wird, findet der interessierte
Leser bei Bauer 2002, S.284316).
Danach muss man sich der Auswahl der Befragungspersonen widmen. Fr eine
reprsentative Zufallsstichprobe bentigt man eine Auflistung aller Personen aus der
Grundgesamtheit. Diese liegt in vielen Lndern jedoch nicht vor. Als Alternative
kommt das Quotenverfahren infrage. Zu dessen Anwendung bentigt man jedoch Sta-
tistiken ber die Verteilung der interessierenden Merkmale in der Grundgesamtheit.
Auch derartige Statistiken sind nicht immer verfgbar.

Als Zwischenfazit kann festgestellt werden, dass der Marktforscher auf internationalem
Parkett mit wesentlich mehr Schwierigkeiten fertig werden muss als in dem ihm vertrau-
ten Heimatmarkt (vgl. Tab.10.5). Auf jeden Fall ist bei internationalen Primrstudien mit
einer lngeren Projektdauer zu rechnen. Als Mindestzeitraum sollten zwlf Wochen fr
eine durchschnittliche Primrstudie auf Auslandsmrkten eingeplant werden (vgl. Broda
2006, S.145; Httner und Schwarting 2002, S.427).
Im Bedarfsfall kann im Rahmen einer internationalen Studie auch auf die Beobach-
tung als Datenerhebungsmethode zurckgegriffen werden. Dies bietet sich immer dann
an, wenn mentalittsbedingt oder aufgrund fehlender geeigneter Interviewer eine Befra-
gung nicht oder nur unter groen Schwierigkeiten mglich ist. Als Beobachtungsthemen
kommen die Einkaufs- und Verbrauchsgewohnheiten der jeweiligen Bevlkerung infrage
(vgl. Httner und Schwarting 2002, S.428).

Tab.10.5Vorteile und Problemfelder ausgewhlter Datenerhebungsmethoden der internationalen


Marktforschung. (Quelle: In Anlehnung an Homburg 2012, S.1074)
Datenerhebungsmethode Vorteile Problemfelder
Schriftliche Befragung niedrige Durchfhrungskosten unterschiedlich hohe Akzep-
Mglichkeit zur Einbeziehung tanz von schriftlichen Befra-
geografisch weit verstreuter gungen in den einzelnen
Befragter Lndern (unterschiedlich hohe
Rcklaufquoten)
Verzgerungen durch internatio-
nalen Postversand
Objektivitt durch Vermeidung keine Mglichkeit fr Rckfra-
von (mglicherweise lnderspe- gen (z.B. bei kulturbedingten
zifischen) Interviewereinflssen Missverstndnissen)
Persnliches Interview bei Verwendung lokaler oftmals Mangel an geschulten
Interviewer geringere Wahr- Interviewern vor Ort
scheinlichkeit kulturbedingter hohe Kosten (Training der
Missverstndnisse Interviewer, Reisekosten,
Koordination)
Interviewereinfluss (mglicher-
weise lnderspezifisch)
10.9 Dokumentation internationaler Marktforschungsergebnisse 311

Sofern alle bentigten Daten im Rahmen der Feldarbeit zusammengetragen wurden,


schlieen sich, analog zur nationalen Marktforschung, die Prozessphasen der Kontrolle,
Aufbereitung und Analyse des erhobenen Datenmaterials an (vgl. dazu ausfhrlich die
Ausfhrungen in den Kap.2, 3 und 4). Den Abschluss findet das internationale Markt-
forschungsprojekt durch die Interpretation, Prsentation und Dokumentation der Ergeb-
nisse, worauf in Abschn.10.9 noch eingegangen wird (vgl. Bauer 2002, S.330).

10.9 Dokumentation internationaler


Marktforschungsergebnisse

Die schriftliche und/oder mndliche Prsentation und Dokumentation internationa-


ler Marktforschungsergebnisse stellen den Abschluss des Marktforschungsprojekts dar.
Genau wie bei einer nationalen Ergebnisprsentation kommt es auf einen verstndlich
formulierten Abschlussbericht und eine zielgruppengerechte Prsentation der Unter-
suchungsergebnisse an. Allerdings kann es dabei zu Kommunikationsproblemen
kommen, die der Marktforscher schon bei der Vorbereitung kennen und entsprechend
bercksichtigen sollte (vgl. Bauer 2002, S.337339):

Zum einen kann es vorkommen, dass die Mitarbeiter des beauftragenden Unterneh-
mens nicht unbedingt alle die gleiche Sprache sprechen und auch nicht unbedingt alle
aus demselben Kulturkreis stammen. Dadurch knnen sich Kommunikationspro-
bleme zwischen den Zuhrern ergeben. Viele Unternehmen haben darauf durch die
Einfhrung einer oder mehrerer Konzernsprachen, meist Englisch, reagiert. Beste-
hende Sprachbarrieren lassen sich dadurch zwar minimieren, Kulturunterschiede blei-
ben davon jedoch unberhrt und es kann weiterhin zu Kommunikationsproblemen
kommen.
Sofern externe Marktforschungsinstitute beauftragt wurden, was bei internationalen
Marktforschungsprojekten heute an der Tagesordnung ist, sprechen zum anderen auch
die prsentierenden Marktforscher nicht immer alle die gleiche Sprache. Hinzu kom-
men die bereits angesprochenen Kulturunterschiede. Letztere knnen sich sehr stark
auf die Informationsdarstellung und den Prsentationsstil auswirken, was wiederum
zu Kommunikationsproblemen zwischen Marktforschern und Zuhrern fhren
kann. Dieser Fall tritt immer dann auf, wenn das Marktforschungsprojekt dezentral
durchgefhrt wurde und jedes Marktforschungsinstitut seine Lnderergebnisse vor-
trgt. Mglicherweise unterscheiden sich die einzelnen Berichte der auslndischen
Marktforscher in ihrer Lnge, Struktur und Art der Informationsaufbereitung so stark,
dass es den Auftraggebern sehr schwer fllt, die prsentierten Ergebnisse miteinan-
der zu vergleichen. Eine Lsung des Problems besteht in der Vorgabe von formalen
Vorschriften, an die sich jedes der beteiligten Marktforschungsinstitute zu halten hat.
Alternativ mssen alle Berichte vor der Prsentation durch eine zentrale Stelle, bei-
spielsweise die Marktforschungsabteilung, vereinheitlicht werden.
312 10 Internationale Marktforschung

Die unter betrchtlichen Kosten zusammengestellten internationalen Marktdaten kn-


nen ihr volles Potenzial nur entfalten, wenn sie allen Entscheidungstrgern im Unter-
nehmen schnell und in geeigneter Form (auch in der richtigen Sprache) zur Verfgung
gestellt werden, und dies weltweit. International agierende Unternehmen mit Tochter-
unternehmen im Ausland mssen daher ein groes Interesse am Aufbau eines globalen
Marketinginformationssystems (MAIS) haben. In dieses System sollten kontinuier-
lich alle relevanten Daten ber die weitere Unternehmensumwelt (Makroumwelt: z.B.
anstehende Regierungswechsel, Gesetzesnderungen) sowie das jeweils landestypische
Marktumfeld (Mikroumwelt: z.B. Eintritt neuer Wettbewerber auf dem jeweiligen Aus-
landsmarkt) eingepflegt werden (vgl. Keegan etal. 2002, S.227).

10.10 Organisation der internationalen Marktforschung

Fr die organisatorische Umsetzung der internationalen Marktforschung findet man in


der Praxis die unterschiedlichsten Anstze (vgl. dazu die Praxisbeispiele bei Bauer 2002,
S.342-343). Die Wahl der jeweiligen Organisationsform hngt stark von der Unterneh-
mensgre und der Intensitt der internationalen Aktivitten ab. Insgesamt lassen sich in
Anlehnung an Bauer (2002, S.340343) idealtypisch die zentralisierte, die dezentrali-
sierte und die koordinierte Organisation unterscheiden.

10.10.1 Zentralisierte Organisation

Ein sehr hufig anzutreffendes Organisationsprinzip ist die zentrale Organisation der
internationalen Marktforschung. Insbesondere die fr die Sekundrforschung bentigten
Daten werden an einer zentralen Stelle zusammengetragen, ausgewertet und fr die Ent-
scheidungstrger aufbereitet. Konkurrenzanalysen werden ebenfalls oft zentral gesteuert.
Dies gilt auch fr die Koordination von Primrstudien (vgl. Bauer 2002, S.344; Broda
2006, S.142).
Delegiert wird dagegen die eigentliche Feldarbeit, fr die entsprechende Marktfor-
schungsunternehmen beauftragt werden. Allerdings behlt sich die Unternehmenszent-
rale die Auswertung und Interpretation der Marktdaten vor (vgl. Bauer 2002, S.344).
Die besondere Herausforderung besteht hierbei darin, Marktforschungsunter-
nehmen ausfindig zu machen, die nach sowohl ethischen Verhaltensnormen als auch
marktforscherischen Qualittsstandards arbeiten. Aus der Vielzahl der am Markt agie-
renden Marktforschungsunternehmen ist also eine geeignete Auswahl zu treffen. Diese
gestaltet sich umso schwieriger, je weniger die jeweiligen Marktforschungsunterneh-
men den Entscheidern bekannt sind. Hinzu kommt, dass viele (Marketing-)Manager
keine Marktforschungsspezialisten sind. Einen Ausweg aus diesem Unsicherheitspro-
blem bieten Indikatoren, die die Entscheider bercksichtigen sollten (vgl. Bauer 2002,
S.345):
10.10 Organisation der internationalen Marktforschung 313

Einen ersten Hinweis auf die Seriositt eines Marktforschungsunternehmens gewinnt


man, indem man berprft, ob es Mitglied im Arbeitskreis Deutscher Markt- und
Sozialforschungsinstitute e.V. (ADM: [Link]) und/oder im Berufs-
verband Deutscher Markt- und Sozialforscher e.V. (BVM: [Link]) ist. Diese
Organisationen haben verbindliche Richtlinien (Guidelines) fr ihre Mitglieder aus-
gearbeitet, die bei der Marktforschungsarbeit im internationalen Kontext zu beachten
sind.
Darber hinaus knnen Marktforschungsunternehmen auch Mitglied in der European
Society for Opinion and Marketing Research (ESOMAR: [Link]) sein,
was als eine weitere Qualittssteigerung gewertet werden kann.
Ein Indiz fr die Einhaltung von Qualittsstandards ist die Zertifizierung der Markt-
forschungsunternehmen nach ISO 90009004.

Mit dem zentralisierten Organisationsprinzip sind die folgenden Vorteile verbunden


(vgl. Bauer 2002, S.350; Broda 2006, S.142):

Der Marktforscher kann ein einheitliches Studiendesign ausarbeiten. Dadurch wird


eine gute Vergleichbarkeit der Ergebnisse sichergestellt.
Des Weiteren kommen nur die vorab festgelegten Markt-, Zielgruppen- und Pro-
duktdefinitionen zum Einsatz.
Da die Unternehmenszentrale die Informations- und Kommunikationsprozesse
steuert, werden diese wesentlich vereinfacht. Das fhrt unmittelbar zu Zeitgewin-
nen. Vermehrt kommen dabei virtuelle Meetings und Prsentationen ber das Inter-
net zum Einsatz (z.B. der virtuelle Team Room von vitero: [Link]). Dadurch
wird der gesamte Studienablauf wesentlich transparenter.
Auerdem findet ein Informations- und Know-how-Transfer in Richtung der Ln-
dergesellschaften statt. Dies steigert die Akzeptanz bei allen Beteiligten und vermei-
det das Not-Invented-Here-Syndrom (NIH-Syndrom).

Auf der Negativseite ergibt sich jedoch ein zentraler Nachteil (vgl. Bauer 2002, S.350).
Fr gro angelegte internationale Marktforschungsstudien bestehen in der Unterneh-
menszentrale nicht immer die erforderlichen quantitativen und qualitativen Kapazitten,
die fr die gesamte Abwicklung bentigt werden. Dieses Organisationsprinzip ist daher
eher fr kleinere bzw. einfach strukturierte Studien geeignet.

10.10.2 Dezentralisierte Organisation

Bei der dezentralen Organisation legt die Unternehmenszentrale lediglich die Zielset-
zung der internationalen Marktforschung fest. Die Auslandsniederlassungen bernehmen
die Gestaltung und das Management des Forschungsprozesses. Konkret bedeutet dies,
dass die Auslandsniederlassungen fr die Studienplanung, Datenerhebung, -auswertung,
314 10 Internationale Marktforschung

-interpretation und das Schreiben des Ergebnisberichts selbst verantwortlich sind. Auer-
dem mssen sie nach dem Abschluss der jeweiligen Marktforschungsstudie der Unter-
nehmenszentrale Bericht erstatten und die Ergebnisse prsentieren (vgl. Bauer 2002,
S.372).
Der Vorteil dieser Vorgehensweise besteht darin, dass man sich an die jeweiligen
Gegebenheiten in den einzelnen Auslandsmrkten gut anpassen kann. Allerdings kann es
dadurch auch zu Problemen kommen. Insbesondere die Vergleichbarkeit der Vorgehens-
weise und Ergebnisaufbereitung kann, bedingt durch die groen Freiheitsgrade, die die
Auslandsniederlassungen dabei haben, beeintrchtigt werden. Als Lsungsanstze bieten
sich die Standardisierung von einzelnen Prozessschritten und Koordinationstreffen bzw.
Koordinationskomitees an, die zwar zu einer Verringerung der Problematik fhren, diese
jedoch nicht vollkommen lsen knnen. Daher kommt das dezentrale Organisationsprin-
zip vorrangig bei operativen internationalen Marktforschungsstudien zur Anwendung
(vgl. Bauer 2002, S.372373; Douglas und Craig 1983, S.45f., zitiert nach Bauer 2002,
S.372; Mayr 1990, S.118, zitiert nach Bauer 2002, S.373).

10.10.3 Koordinierte Organisation

Sofern das beauftragende Unternehmen lediglich ber die Art, den Inhalt, den
Umfang und die Zeitpunkte des Informationsbedarfs entscheidet, handelt es sich
um eine koordinierte Organisation der internationalen Marktforschung. Die eigent-
lichen Ausfhrungsaufgaben sowie die Analyse und Interpretation der Daten werden
von Marktforschungsunternehmen bernommen. Diese verfgen dadurch ber eine
groe Eigenstndigkeit. Die Zusammenarbeit zwischen diesen und dem Auftragge-
ber muss allerdings kontinuierlich abgestimmt und koordiniert werden (vgl. Berndt
etal. 2003, S.83; Czinkota und Ronkainen 2002, S.239, zitiert nach Berndt etal.
2003, S.83).
Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass auf die sorgfltige Auswahl des/
der Marktforschungsunternehmen besonderes Augenmerk gelegt werden sollte. In
Anlehnung an Berekoven etal. (2009, S.36) und Homburg (2012, S.254) sollten die
folgenden Auswahlkriterien fr die Zusammenarbeit mit international ttigen Marktfor-
schungsunternehmen bercksichtigt werden:

Erfahrungen: Internationale Marktforschungsunternehmen verfgen ber lnderspe-


zifische Erfahrungen, die den betrieblichen Marktforschern meist fehlen.
Kosten: International ttige Marktforschungsunternehmen haben sich auf bestimmte
Lnder spezialisiert und knnen ihre Dienstleistungen sehr kostengnstig anbieten.
Know-how: Je nachdem, in welchem Land bzw. in welchen Lndern eine Markt-
forschungsstudie durchgefhrt werden soll, ist lnderspezifisches Marktforschungs-
Know-how (z. B. Sprachkenntnisse) erforderlich, ber das die betrieblichen
Marktforscher nicht immer verfgen knnen.
Literatur 315

Kapazitt: Durch die Zusammenarbeit mit internationalen Marktforschungsunterneh-


men knnen die eigenen Kapazitten kurzfristig weltweit erweitert werden.
Zufriedenheit: Auerdem besteht im Falle der Unzufriedenheit die Mglichkeit, das
Marktforschungsunternehmen zu wechseln.

Will man die koordinierte Organisation der internationalen Marktforschung beurteilen,


so trifft man auf die folgenden Vorteile (vgl. Bauer 2002, S.371):

Die betrieblichen Marktforscher werden entlastet. Die teils betrchtlichen Planungs-


und Ausfhrungsaufgaben werden von den beauftragten Marktforschungsunterneh-
men bernommen.
Hinzu kommt, dass lnderspezifisches Know-how genutzt werden kann, das andern-
falls erst selbst erworben bzw. aufgebaut werden msste. Fr den Auftraggeber erge-
ben sich dadurch erhebliche Zeit- und Kostenvorteile.

Nachteilig wirken sich hingegen die Delegation von Entscheidungskompetenzen und


die verringerten Kontrollmglichkeiten aus (vgl. Bauer 2002, S.371).

10.11 Lernfragen

1. Welche Besonderheiten ergeben sich im Rahmen eines internationalen Marktfor-


schungsprojekts gegenber einem nationalen Marktforschungsprojekt?
2. Skizzieren Sie die einzelnen Prozessphasen eines internationalen Marktforschungs-
projekts. Zeigen Sie dabei mgliche Verflechtungen zwischen Muttergesellschaft und
beauftragtem Marktforschungsunternehmen einerseits und den Tochtergesellschaften
andererseits auf.
3. Fhren Sie eine Analyse der Makro- und Mikroumwelt fr einen Gartengerteher-
steller (z.B. Bosch) fr USA und Kanada durch. Verwenden Sie dabei vorrangig frei
zugngliche Online-Quellen.
4. Welche Vorteile bzw. Problemfelder sind im internationalen Kontext mit den verschie-
denen Datenerhebungsmethoden verbunden?
5. Diskutieren Sie im Zusammenhang mit der internationalen Marktforschung verschie-
dene Organisationsprinzipien. Welche Vor- bzw. Nachteile sind mit der jeweiligen
Organisationsform verbunden?

Literatur

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Berekoven, L. (1985): Internationales Marketing, [Link]., Berlin.
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316 10 Internationale Marktforschung

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wirtschaftslehre, Band 3, Stuttgart, S.11691176.
Zentes, J. (1992): Grundbegriffe des Marketing, [Link]., Stuttgart.
White Paper

The Internet of Things


How the Next Evolution of the Internet
Is Changing Everything

Author
Dave Evans

April 2011

Cisco Internet Business Solutions Group (IBSG)

Cisco IBSG 2011 Cisco and/or its affiliates. All rights reserved. 04/11
White Paper

The Internet of Things


How the Next Evolution of the Internet Is Changing Everything

The Internet of Things (IoT), sometimes referred to as the Internet of Objects, will change
everythingincluding ourselves. This may seem like a bold statement, but consider the
impact the Internet already has had on education, communication, business, science,
government, and humanity. Clearly, the Internet is one of the most important and powerful
creations in all of human history.
Now consider that IoT represents the next evolution of the Internet, taking a huge leap in its
ability to gather, analyze, and distribute data that we can turn into information, knowledge,
and, ultimately, wisdom. In this context, IoT becomes immensely important.
Already, IoT projects are under way that promise to close the gap between poor and rich,
improve distribution of the worlds resources to those who need them most, and help us
understand our planet so we can be more proactive and less reactive. Even so, several
barriers exist that threaten to slow IoT development, including the transition to IPv6, having a
common set of standards, and developing energy sources for millionseven billionsof
minute sensors.
However, as businesses, governments, standards bodies, and academia work together to
solve these challenges, IoT will continue to progress. The goal of this paper, therefore, is to
educate you in plain and simple terms so you can be well versed in IoT and understand its
potential to change everything we know to be true today.

IoT Today
As with many new concepts, IoTs roots can be traced back to the Massachusetts Institute of
Technology (MIT), from work at the Auto-ID Center. Founded in 1999, this group was working
in the field of networked radio frequency identification (RFID) and emerging sensing
technologies. The labs consisted of seven research universities located across four
continents. These institutions were chosen by the Auto-ID Center to design the architecture
for IoT.1
Before we talk about the current state of IoT, it is important to agree on a definition. According
to the Cisco Internet Business Solutions Group (IBSG), IoT is simply the point in time when
more things or objects were connected to the Internet than people.2
In 2003, there were approximately 6.3 billion people living on the planet and 500 million
devices connected to the Internet.3 By dividing the number of connected devices by the
world population, we find that there was less than one (0.08) device for every person. Based
on Cisco IBSGs definition, IoT didnt yet exist in 2003 because the number of connected
things was relatively small given that ubiquitous devices such as smartphones were just
being introduced. For example, Steve Jobs, Apples CEO, didnt unveil the iPhone until
January 9, 2007 at the Macworld conference.4

Cisco IBSG 2011 Cisco and/or its affiliates. All rights reserved. Page 2

Cisco Internet Business Solutions Group (IBSG)


White Paper

Explosive growth of smartphones and tablet PCs brought the number of devices connected
to the Internet to 12.5 billion in 2010, while the worlds human population increased to 6.8
billion, making the number of connected devices per person more than 1 (1.84 to be exact) for
the first time in history.5

Methodology

In January 2009, a team of researchers in China studied Internet routing data in six-month
intervals, from December 2001 to December 2006. Similar to the properties of Moores Law,
their findings showed that the Internet doubles in size every 5.32 years. Using this figure in
combination with the number of devices connected to the Internet in 2003 (500 million, as
determined by Forrester Research), and the world population according to the U.S. Census
Bureau, Cisco IBSG estimated the number of connected devices per person.6

Refining these numbers further, Cisco IBSG estimates IoT was born sometime between
2008 and 2009 (see Figure 1). Today, IoT is well under way, as initiatives such as Ciscos
Planetary Skin, smart grid, and intelligent vehicles continue to progress.7

Figure 1. The Internet of Things Was Born Between 2008 and 2009

Source: Cisco IBSG, April 2011

Looking to the future, Cisco IBSG predicts there will be 25 billion devices connected to the
Internet by 2015 and 50 billion by 2020. It is important to note that these estimates do not
take into account rapid advances in Internet or device technology; the numbers presented
are based on what is known to be true today.
Additionally, the number of connected devices per person may seem low. This is because the
calculation is based on the entire world population, much of which is not yet connected to the
Internet. By reducing the population sample to people actually connected to the Internet, the
number of connected devices per person rises dramatically. For example, we know that

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approximately 2 billion people use the Internet today.8 Using this figure, the number of
connected devices per person jumps to 6.25 in 2010, instead of 1.84.
Of course, we know nothing remains static, especially when it comes to the Internet. Initiatives
and advances, such as Ciscos Planetary Skin, HPs central nervous system for the earth
(CeNSE), and smart dust, have the potential to add millionseven billionsof sensors to the
Internet.9 As cows, water pipes, people, and even shoes, trees, and animals become
connected to IoT, the world has the potential to become a better place.

With a trillion sensors embedded in the environmentall connected by computing


systems, software, and servicesit will be possible to hear the heartbeat of the Earth,
impacting human interaction with the globe as profoundly as the Internet has revolutionized
communication.

Peter Hartwell
Senior Researcher, HP Labs

IoT as a Network of Networks


Currently, IoT is made up of a loose collection of disparate, purpose-built networks. Todays
cars, for example, have multiple networks to control engine function, safety features,
communications systems, and so on. Commercial and residential buildings also have various
control systems for heating, venting, and air conditioning (HVAC); telephone service; security;
and lighting. As IoT evolves, these networks, and many others, will be connected with added
security, analytics, and management capabilities (see Figure 2). This will allow IoT to become
even more powerful in what it can help people achieve.

Figure 2. IoT Can Be Viewed as a Network of Networks

Source: Cisco IBSG, April 2011

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Interestingly, this situation mirrors what the technology industry experienced in the early days
of networking. In the late 1980s and early 1990s, Cisco, for example, established itself by
bringing disparate networks together with multi-protocol routing, eventually leading to IP as
the common networking standard. With IoT, history is repeating itself, albeit on a much
grander scale.

Why Is IoT Important?


Before we can begin to see the importance of IoT, it is first necessary to understand the
differences between the Internet and the World Wide Web (or web)terms that are often
used interchangeably. The Internet is the physical layer or network made up of switches,
routers, and other equipment. Its primary function is to transport information from one point to
another quickly, reliably, and securely. The web, on the other hand, is an application layer that
operates on top of the Internet. Its primary role is to provide an interface that makes the
information flowing across the Internet usable.

Evolution of the Web Versus the Internet


The web has gone through several distinct evolutionary stages:
Stage 1. First was the research phase, when the web was called the Advanced Research
Projects Agency Network (ARPANET). During this time, the web was primarily used by
academia for research purposes.
Stage 2. The second phase of the web can be coined brochureware. Characterized by the
domain name gold rush, this stage focused on the need for almost every company to share
information on the Internet so that people could learn about products and services.
Stage 3. The third evolution moved the web from static data to transactional information,
where products and services could be bought and sold, and services could be delivered.
During this phase, companies like eBay and [Link] exploded on the scene. This phase
also will be infamously remembered as the dot-com boom and bust.
Stage 4. The fourth stage, where we are now, is the social or experience web, where
companies like Facebook, Twitter, and Groupon have become immensely popular and
profitable (a notable distinction from the third stage of the web) by allowing people to
communicate, connect, and share information (text, photos, and video) about themselves with
friends, family, and colleagues.

IoT: First Evolution of the Internet


By comparison, the Internet has been on a steady path of development and improvement, but
arguably hasnt changed much. It essentially does the same thing that it was designed to do
during the ARPANET era. For example, in the early days, there were several communication
protocols, including AppleTalk, Token Ring, and IP. Today, the Internet is largely standardized
on IP.
In this context, IoT becomes immensely important because it is the first real evolution of the
Interneta leap that will lead to revolutionary applications that have the potential to
dramatically improve the way people live, learn, work, and entertain themselves. Already, IoT
has made the Internet sensory (temperature, pressure, vibration, light, moisture, stress),
allowing us to become more proactive and less reactive.

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In addition, the Internet is expanding into places that until now have been unreachable.
Patients are ingesting Internet devices into their own bodies to help doctors diagnose and
determine the causes of certain diseases.10 Extremely small sensors can be placed on plants,
animals, and geologic features, and connected to the Internet.11 At the other end of the
spectrum, the Internet is going into space through Ciscos Internet Routing in Space (IRIS)
program.12

We Evolve Because We Communicate


Humans evolve because they communicate. Once fire was discovered and shared, for
example, it didnt need to be rediscovered, only communicated. A more modern-day example
is the discovery of the helix structure of DNA, molecules that carry genetic information from
one generation to another. After the article was published in a scientific paper by James
Watson and Francis Crick in April 1953, the disciplines of medicine and genetics were able to
build on this information to take giant leaps forward.13
This principle of sharing information and building on discoveries can best be understood by
examining how humans process data (see Figure 3). From bottom to top, the pyramid layers
include data, information, knowledge, and wisdom. Data is the raw material that is processed
into information. Individual data by itself is not very useful, but volumes of it can identify trends
and patterns. This and other sources of information come together to form knowledge. In the
simplest sense, knowledge is information of which someone is aware. Wisdom is then born
from knowledge plus experience. While knowledge changes over time, wisdom is timeless,
and it all begins with the acquisition of data.

Figure 3. Humans Turn Data into Wisdom

Source: Cisco IBSG, April 2011

It is also important to note there is a direct correlation between the input (data) and output
(wisdom). The more data that is created, the more knowledge and wisdom people can obtain.
IoT dramatically increases the amount of data available for us to process. This, coupled with
the Internets ability to communicate this data, will enable people to advance even further.

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IoT: Critical for Human Progression


As the planets population continues to increase, it becomes even more important for people
to become stewards of the earth and its resources. In addition, people desire to live healthy,
fulfilling, and comfortable lives for themselves, their families, and those they care about. By
combining the ability of the next evolution of the Internet (IoT) to sense, collect, transmit,
analyze, and distribute data on a massive scale with the way people process information,
humanity will have the knowledge and wisdom it needs not only to survive, but to thrive in the
coming months, years, decades, and centuries.

IoT Applications: What Cows, Water Pipes, and People Have in Common
When we crossed the threshold of connecting more objects than people to the Internet, a
huge window of opportunity opened for the creation of applications in the areas of
automation, sensing, and machine-to-machine communication. In fact, the possibilities are
almost endless. The following examples highlight some of the ways IoT is changing peoples
lives for the better.

Holy Cow!
In the world of IoT, even cows will be connected. A special report in The Economist titled
Augmented Business described how cows will be monitored (see Figure 4). Sparked, a
Dutch start-up company, implants sensors in the ears of cattle. This allows farmers to monitor
cows health and track their movements, ensuring a healthier, more plentiful supply of meat
for people to consume. On average, each cow generates about 200 megabytes of
information a year.14

Figure 4. Even Cows Will Have Sensors.

Source: The Economist, 2010.

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Mumbai: A Tale of Two Cities


While greater efficiencies and new business models will have a positive economic impact,
the human aspect, in many ways, will provide the most important benefit of IoT. One of the
areas where IoT can make a significant difference is in closing the poverty gap. Dr. C.K.
Prahalads book, The Fortune at the Bottom of the Pyramid: Eradicating Poverty Through
Profits, provides some mind-boggling statics comparing Dharavi (the poorest neighborhood
in Mumbai) to Warden Road (the better side of the city just blocks away).
The amount people from Dharavi pay for municipal-grade water is $1.12 per cubic meter. This
compares to $0.03 for residents of Warden Road. The injustice is clear: the poor people of
Mumbai pay 37 times more for water (a basic human necessity).15
The main source of the disparity is the higher cost of delivering utility services to poorer
neighborhoods because of infrastructure inefficiencies, problems such as leaks, and theft.
According to an article in The Wall Street Journal, Seven years ago, more than 50 percent of
the power distributed by North Delhi Power Ltd. wasn't paid for by customers. A key
challenge for power companies is reducing theft by India's poor.

Figure 5. Electric Utility Inefficiencies in India.

Source: The Wall Street Journal, 2009.

IoT, because of its ubiquitous sensors and connected systems, will provide authorities with
more information and control in order to identify and fix these problems. This will allow utilities
to operate more profitably, giving them extra incentive to improve infrastructures in poorer
neighborhoods. More efficiency will also allow for lower prices, which, in turn, will encourage
those taking services for free to become paying customers.16

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Better Quality of Life for the Elderly


The worlds population is aging. In fact, approximately 1 billion people age 65 and older will be
classified as having reached non-working age by the middle of the century.17 IoT can
significantly improve quality of life for the surging number of elderly people. For example,
imagine a small, wearable device that can detect a persons vital signs and send an alert to a
healthcare professional when a certain threshold has been reached, or sense when a person
has fallen down and cant get up.

Challenges and Barriers to IoT


Several barriers, however, have the potential to slow the development of IoT. The three
largest are the deployment of IPv6, power for sensors, and agreement on standards.
Deployment of IPv6. The world ran out of IPv4 addresses in February 2010. While no real
impact has been seen by the general public, this situation has the potential to slow IoTs
progress since the potentially billions of new sensors will require unique IP addresses. In
addition, IPv6 makes the management of networks easier due to auto configuration
capabilities and offers improved security features.
Sensor energy. For IoT to reach its full potential, sensors will need to be self-sustaining.
Imagine changing batteries in billions of devices deployed across the planet and even into
space. Obviously, this isnt possible. Whats needed is a way for sensors to generate
electricity from environmental elements such as vibrations, light, and airflow.18 In a significant
breakthrough, scientists announced a commercially viable nanogeneratora flexible chip
that uses body movements such as the pinch of a finger to generate electricityat the 241st
National Meeting & Exposition of the American Chemical Society in March 2011.19

This development [the nanogenerator] represents a milestone toward producing portable


electronics that can be powered by body movements without the use of batteries or
electrical outlets. Our nanogenerators are poised to change lives in the future. Their
potential is only limited by one's imagination.

Zhong Lin Wang


Lead Scientist, Georgia Institute of Technology

Standards. While much progress has been made in the area of standards, more is needed,
especially in the areas of security, privacy, architecture, and communications. IEEE is just one
of the organizations working to solve these challenges by ensuring that IPv6 packets can be
routed across different network types.
It is important to note that while barriers and challenges exist, they are not insurmountable.
Given the benefits of IoT, these issues will get worked out. It is only a matter of time.

Next Steps
As often happens, history is repeating itself. Just as in the early days when Ciscos tagline was
The Science of Networking Networks, IoT is at a stage where disparate networks and a
multitude of sensors must come together and interoperate under a common set of standards.

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This effort will require businesses, governments, standards organizations, and academia to
work together toward a common goal.
Next, for IoT to gain acceptance among the general populace, service providers and others
must deliver applications that bring tangible value to peoples lives. IoT must not represent
the advancement of technology for technologys sake; the industry needs to demonstrate
value in human terms.
In conclusion, IoT represents the next evolution of the Internet. Given that humans advance
and evolve by turning data into information, knowledge, and wisdom, IoT has the potential to
change the world as we know it todayfor the better. How quickly we get there is up to us.

For more information, please contact Dave Evans, Ciscos chief futurist and chief technologist
for Cisco IBSG, at devans@[Link].
The following individuals made critical contributions to the development of this paper:
Scott Puopolo, vice president, Cisco IBSG Service Provider Practice
Jawahar Sivasankaran, senior manager, Cisco IT Customer Strategy & Success group
JP Vasseur, distinguished engineer, Cisco Emerging Technologies
Michael Adams, Cisco IBSG Communications Strategy Practice

Endnotes
1. Source: Wikipedia, 2011.
2. Source: Cisco IBSG, 2011.
3. Sources: U.S. Census Bureau, 2010; Forrester Research, 2003.
4. Source: Wikipedia, 2010.
5. Sources: Cisco IBSG, 2010; U.S. Census Bureau, 2010.
6. While no one can predict the exact number of devices connected to the Internet at
any given time, the methodology of applying a constant (Internet doubling in size
every 5.32 years) to a generally agreed-upon number of connected devices at a
point in time (500 million in 2003) provides an estimate that is appropriate for the
purposes of this paper. Sources: Internet Growth Follows Moore's Law Too, Lisa
Zyga, [Link], January 14, 2009,
[Link] George Colony, Forrester Research
founder and chief executive officer, March 10, 2003,
[Link]
7. Source: Planetary Skin: A Global Platform for a New Era of Collaboration, Juan
Carlos Castilla-Rubio and Simon Willis, Cisco IBSG, March 2009,
[Link]
_jc_2.pdf
8. Source: World Internet Stats: Usage and Population Statistics, June 30, 2010.
9. Sources: Cisco, 2010; HP, 2010.

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10. Source: The Networked Pill, Michael Chorost, MIT Technology Review, March 20,
2008, [Link]
11. Source: Researchers Debut One-Cubic-Millimeter Computer, Want to Stick It in Your
Eye, Christopher Trout, Endadget, February 26, 2011,
[Link]
computer-want-to-stick-i/
12. Ciscos Internet Routing in Space (IRIS) program uses the Cisco Space Router to
extend IP access using satellites. The router eliminates the need to send data to and
from an extra ground station, which can be expensive and time-consuming. Further,
Cisco Space Routers extend IP access to areas not covered by traditional ground
networks or 3G networks, delivering consistent and pervasive IP capabilities
regardless of geographic location.
13. Source: The Discovery of the Molecular Structure of DNA, [Link].
14. Source: Augmented Business, The Economist, November 2010.
15. Source: Fortune at the Bottom of the Pyramid: Eradicating Poverty Through Profits,
Dr. C.K. Prahalad.
16. Source: India Has Its Own Kind of Power Struggle, The Wall Street Journal, Jackie
Range, August 7, 2009.
17. Source: United Nations, 2010.
18. Source: Smart Dust Sensor Network with Piezoelectric Energy Harvesting, Yee Win
Shwe and Yung C. Liang, ICITA, 2009, [Link]
[Link]
19. Source: First Practical Nanogenerator Produces Electricity with Pinch of the
Fingers, [Link], March 29, 2011, [Link]
[Link]

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ISSN 1830-9720

Pocketbooks

Key figures on European business


with a special feature on SMEs

2011 edition
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Key figures on European business


with a special feature on SMEs

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Europe Direct is a service to help you find answers
to your questions about the European Union.

Freephone number (*):


00 800 6 7 8 9 10 11
(*) Certain mobile telephone operators do not allow access to 00 800
numbers or these calls may be billed.

More information on the European Union is available on the Internet


([Link]

Cataloguing data can be found at the end of this publication.

Luxembourg: Publications Office of the European Union, 2011

ISBN 978-92-79-20422-7
ISSN 1830-9720
doi:10.2785/15193
Cat. No KS-ET-11-001-EN-C

Theme: Industry, trade and services


Collection: Pocketbooks

European Union, 2011


Reproduction of content other than photos is authorised, provided that the
source is acknowledged.
Photo credits: cover: Phovoir; other photos: Shutterstock
Reproduction of photos is allowed for non-commercial purposes and within
the sole context of this publication.

Printed in Belgium

Printed on elemental chlorine-free bleached PaPer (ecf)


Key figures on European business
This publication has been prepared by Eurostat Unit
G2 responsible for structural business statistics. The
opinions expressed are those of the individual authors
alone and do not necessarily reflect the position of the
European Commission.

Editor and project co-ordinator:


Aleksandra Stawiska
Eurostat, the statistical office of the European Union
Unit G2 structural business statistics
Btiment Joseph Bech
5, rue Alphonse Weicker
2721, Luxembourg

Production:
Data processing, analysis, design and desktop
publishing:
INFORMA srl (informa@[Link])
Giovanni Albertone, Simon Allen, Andrew Redpath

For more information:


The structural business statistics (SBS) dedicated section
provides access to a selection of publications, data and
background information describing European business,
compiled by Eurostats structural business statistics unit.
In particular, the dedicated section provides information
on development projects under a heading special SBS
topics. This dedicated section is located directly under the
theme Industry, trade and services on the Statistics tab of
the Eurostat website or from the following link:
[Link]
Data extracted: April 2011
Contents

Introduction 6

Special feature on SMEs 9


Context 10
SME overview 11
Focus on employment and self-employment 14
Focus on value added and apparent productivity 20

Structural overview of the business


economy 25
Developments in the EU business economy 26
Size and structure of the non-financial business
economy 32
National specialisation and concentration 38
Regional specialisation and concentration 42

4 Key figures on European business


Contents

Sectoral analysis 49
Mining and quarrying 50
Manufacturing 54
Network energy supply 66
Water supply, sewerage, waste and recycling
activities 68
Construction 70
Distributive trades 72
Transport and storage 78
Accomodation and food services 84
Information and communication services 86
Real estate activities 92
Professional, scientific and technical activities 94
Administrative and support service activities 100
Repair of computers and personal and household
goods 106
Financial and insurance activities 108

Methodological notes 113


Data sources 114
Key SBS definitions 115
EU-27 data 115
Statistical units; NACE Rev. 1.1 and Rev. 2 116
Signs and abbreviations 117

Key figures on European business 5


Introduction

Introduction
This publication aims to illustrate the wide range of business
statistics available from Eurostat, in particular structural
business statistics (SBS). The statistics presented cover SBS that
are published on a regular, annual basis (where breakdowns are
available by region and by enterprise size class), as well as more
specific information from a range of development projects.
SBS describe the structure, conduct and performance of
businesses within their economic activities, down to a very
detailed activity level (several hundred sectors). In this
publication, due to space limitations, data are presented for a
set of around 100 activities, generally NACE sections, divisions
or groups.
The publication summarises the main features of the European
business economy and its different activities in a concise and
simple manner. It consists of three main chapters:
a feature on small and medium-sized enterprises;
an overview of the EU business economy, and;
a more detailed sectoral analysis.
The first chapter is a special feature on small and medium-
sized enterprises, looking at the activities where they are most
prominent, their impact on employment, and the particular
category of enterprises without paid employees. The information
presented is largely based on a size class analysis of regular SBS
data, supplemented by data on business demography.
The second chapter presents an overview of the EU business
economy. It provides details concerning the relative importance
of various activities within the non-financial business economy:
note that agriculture, forestry and fisheries, as well as public
services covering areas such as defence, education, health and
social security are not covered by SBS, while financial services
are excluded from the non-financial business economy aggregate
due to incomplete information. The chapter concludes with a
presentation of specialisation and concentration. The former
measures the share (for example, in terms of employment or value
added) of a particular sector in the whole of the non-financial
business economy within a country or a region for example,
Slovenia and Finland are relatively specialised in manufacturing,

6 Key figures on European business


Introduction

while Cyprus and Austria are specialised in accommodation and


food services. Concentration is a distribution measure based on
country (or regional) shares, for example, a sector is said to be
concentrated if relatively few countries (or regions) produce a
high overall share of the total value added in the EU-27: this is
the case, for example, in mining and quarrying.
The third chapter presents a sectoral analysis looking in more
detail at specific sectors within the EU business economy. For
each of these, a comprehensive set of key variables is provided,
describing monetary and employment characteristics, as well
as a set of derived indicators, for example, productivity and
profitability measures; these are presented at a more detailed
activity level, as well as by Member State. This chapter also
includes some information on the production of industrial
products (Prodcom) for mining and quarrying, as well as for
manufacturing.
This publication presents only a small selection of the SBS data.
Readers who are interested in knowing more about SBS, who
would like to download the latest publications free-of-charge, or
who would like to access the most recent data, are encouraged to
consult the structural business statistics dedicated section.
Online data codes presented as part of the source under each
table/figure can be used within the search facility provided at
the top of the data navigation tree on Eurostats website to gain
access to the freshest statistics available.
[Link]

Key figures on European business 7


I
1
Special feature
on SMEs
1 Special feature on SMEs

Context
Small and medium-sized enterprises (SMEs) may be viewed
as important players in the well-being of local and regional
communities, with considerable potential for employment
creation. As such, they can play an important role in Europes
2020 strategy, contributing to the economic health of the
European economy; this numerous and disparate subpopulation
of enterprises is the focus of this special feature.
In June 2008, a Communication titled the Small Business Act
(SBA) for Europe was adopted. This recognised the central role
of SMEs in the EU economy and aimed to strengthen the role
played by SMEs and to promote their growth and job creating
potential through alleviating a number of problems which are
thought to hamper the development of SMEs. These included:
alleviating administrative burdens; facilitating SMEs access to
finance; supporting SMEs in their bid to access new markets;
ensuring fair competition; promoting education and skills for
entrepreneurship; protecting intellectual property; encouraging
research and development; or supporting SMEs in a regional and
environmental context. This mainstreaming of SME policy is
based upon a premise to think small first.
A review of the SBA was released in February 2011: it highlighted
the progress made and set out a range of new actions to respond
to challenges resulting from the financial and economic crisis.
In doing so, it is hoped that the updated SBA will contribute
towards delivering the key objectives of the Europe 2020 strategy
namely, smart, sustainable and inclusive growth.
For policy purposes, SMEs in the EU are defined as enterprises
with fewer than 250 employees, provided that they are
independent (of other enterprises) and do not have sales that
exceed EUR 50 million or an annual balance sheet that exceeds
EUR 43 million. For statistical purposes, structural business
statistics (SBS) may be broken down by enterprise size class
according to employment thresholds to present information
on: large (250 or more persons employed); medium-sized (50 to
249); small (10 to 49); and micro enterprises (less than 10). Micro,
small and medium-sized enterprises are collectively referred to
as SMEs.
For more information:
[Link]
[Link]

10 Key figures on European business


Special feature on SMEs 1
SME overview
The overwhelming majority (99.8 %) of enterprises active within
the EU-27s non-financial business economy in 2008 were SMEs
some 20.9 million together they accounted for two out of
every three jobs (66.7 %) and for 58.6 % of value added within the
non-financial business economy see Table 1.1.
More than nine out of ten (92.0 %) enterprises in the EU-27 were
micro enterprises; their relative share of the non-financial business
economy workforce and value added was considerably lower at
29.0 % and 21.8 %.
The relative importance of SMEs was particularly high in the
southern Member States of Italy, Portugal and Spain (no data
available for Greece). Some of these differences may be explained
by the relative importance of particular sectors in the national
economy or by cultural and institutional preferences for self-
employment and/or family-run businesses see Table 1.2.

Table 1.1: Enterprise size class analysis of key indicators, non-


financial business economy, EU-27, 2008
Number Apparent
Persons Value
of labour
employed added
enterprises productivity
(EUR 1 000 (EUR 1 000 /
(million)
million) person)
All enterprises 21.0 135.8 6 176 45.5
All SMEs 20.9 90.6 3 617 39.9
Micro 19.3 39.3 1 348 34.3
Small 1.4 27.9 1 147 41.2
Medium-sized 0.2 23.4 1 122 47.9
Large 0.0 45.2 2 559 56.6

Number Apparent
Persons Value
of labour
employed added
enterprises productivity
Relative to
Share in total (%)
total (%)
All enterprises 100.0 100.0 100.0 100.0
All SMEs 99.8 66.7 58.6 87.8
Micro 92.0 29.0 21.8 75.3
Small 6.7 20.5 18.6 90.5
Medium-sized 1.1 17.2 18.2 105.3
Large 0.2 33.3 41.4 124.5
Source: Eurostat (online data codes: sbs_sc_ind_r2, sbs_sc_con_r2, sbs_sc_dt_r2,
sbs_sc_1b_se_r2)

Key figures on European business 11


1 Special feature on SMEs

While large enterprises only accounted for 0.2 % of the total enterprise
population within the EU-27s non-financial business economy in
2008, mining and quarrying, network energy supply as well as water
supply, sewerage, waste and recycling each reported that more than 1 %
of their enterprises were large; the same three activities also recorded
the highest proportion of medium-sized enterprises (between 4.1 %
and 5.5 % of the enterprise population) see Table 1.3.
The number of SMEs across the EU-27s non-financial business
economy was particularly concentrated within distributive trades
(6.1 million enterprises); this was almost twice the number of
SMEs within professional, scientific and technical activities or
construction see Figure 1.1.

Table 1.2: Analysis of the number of enterprises by enterprise


size class, non-financial business economy, 2008
Total number of Medium-
Micro Small Large
enterprises sized
(thousands) (%)
EU27 20 994 92.0 6.7 1.1 0.2
BE 426 92.5 6.3 0.9 0.2
BG 270 88.7 9.2 1.9 0.3
CZ 899 95.1 3.9 0.8 0.2
DK 211 85.0 12.2 2.4 0.4
DE 1 880 83.0 14.1 2.4 0.5
EE 46 83.9 13.0 2.7 0.4
IE 158 87.8 9.9 1.9 0.3
EL : : : : :
ES 2 653 93.1 6.0 0.8 0.1
FR : : : : :
IT 3 947 94.3 5.1 0.5 0.1
CY 47 92.3 6.4 1.1 0.2
LV 70 84.4 12.9 2.4 0.3
LT 139 88.7 9.2 1.9 0.3
LU 17 85.8 11.5 2.2 0.5
HU 566 94.3 4.7 0.8 0.2
MT : : : : :
NL 583 90.4 8.0 1.4 0.3
AT 294 87.2 10.8 1.7 0.4
PL 1 556 95.5 3.3 1.0 0.2
PT 778 94.0 5.1 0.7 0.1
RO 506 88.9 8.8 1.9 0.4
SI 93 92.4 6.1 1.3 0.3
SK 59 71.2 24.2 3.7 0.9
FI 202 91.7 6.9 1.1 0.3
SE 586 94.7 4.4 0.8 0.2
UK 1 731 89.3 8.8 1.5 0.4
Source: Eurostat (online data codes: sbs_sc_ind_r2, sbs_sc_con_r2, sbs_sc_dt_r2,
sbs_sc_1b_se_r2)

12 Key figures on European business


Special feature on SMEs 1
Table 1.3: Analysis of the number of enterprises by enterprise
size class, EU-27, 2008
(%)

Medium-

Large
Micro

Small

sized
Non-financial business economy 92.0 6.7 1.1 0.2
Mining & quarrying 72.8 21.7 4.4 1.2
Manufacturing 80.2 15.3 3.7 0.8
Network energy supply 86.6 7.4 4.1 1.9
Water supply, sewerage,
76.8 16.4 5.5 1.3
waste & recycling
Construction 92.4 6.7 0.7 0.1
Distributive trades 93.4 5.8 0.7 0.1
Transportation & storage 90.3 7.9 1.5 0.3
Accommodation & food services 91.1 8.1 0.7 0.1
Information & communication 92.9 5.6 1.2 0.3
Real estate activities 97.6 2.0 0.3 0.1
Professional, scientific &
96.0 3.5 0.4 0.1
technical activities
Administrative & support services 90.4 7.1 2.0 0.5
Repair: computers, personal
98.1 : 0.2 :
& household goods
Source: Eurostat (online data codes: sbs_sc_ind_r2, sbs_sc_con_r2, sbs_sc_dt_r2,
sbs_sc_1b_se_r2)

Figure 1.1: Number of SMEs, EU-27, 2008 (1)


(million)
0 1 2 3 4 5 6 7

Distributive trades
Prof.,scientific&technicalactivities
Construction
Manufacturing
Accommodation&foodservices
Transportation & storage
Real estate activities
Administrative&supportservices
Information&communication
Water,sewerage,waste&recycling
Network energy supply
Mining & quarrying

Source: Eurostat (online data codes: sbs_sc_ind_r2, sbs_sc_con_r2, sbs_sc_dt_r2,


sbs_sc_1b_se_r2)

Key figures on European business 13


1 Special feature on SMEs

Focus on employment and self-employment


Perhaps the most striking phenomenon of SMEs is their
contribution to employment. No less than two thirds of the
EU-27s non-financial business economy workforce was active in
an SME in 2008.
Some 23.3 million persons worked in SMEs in the distributive
trades sector, 19.5 million in manufacturing and 13.2 million in
construction; together, these three activities provided work to
61.9 % of the non-financial business economy workforce in SMEs
see Figure 1.2.
Micro enterprises employed more people than any other size
class in a number of service sectors see Figure 1.3. This pattern
was particularly pronounced for real estate services and the
repair of computers, personal and household goods, where an
absolute majority of the workforce was found working in micro
enterprises.
Table 1.4 provides a more detailed breakdown of employment by
size class, confirming the prominent role of SMEs as employers
within many service sectors. In contrast, a range of activities
characterised by network supply and minimum efficient
scales of production (such as mining, air transport, postal and
courier services, and the manufacture of motor vehicles or
pharmaceuticals) reported a considerably higher proportion of
their respective workforces occupied within large enterprises.

Figure 1.2: Number of persons employed in SMEs, EU-27, 2008


(million)
0 5 10 15 20 25

Distributive trades
Manufacturing
Construction
Prof.,scientific&technicalactivities
Accommodation&foodservices
Administrative&supportservices
Transportation & storage
Information&communication
Real estate activities
Water,sewerage,waste&recycling
Repair:comp.,pers.&h'holdgoods
Network energy supply
Mining & quarrying

Source: Eurostat (online data codes: sbs_sc_ind_r2, sbs_sc_con_r2, sbs_sc_dt_r2,


sbs_sc_1b_se_r2)

14 Key figures on European business


Special feature on SMEs 1
Figure 1.3: Analysis of the number of persons employed by
enterprise size class, EU-27, 2008
(%)
0% 25% 50% 75% 100%

Repair:computers,personal
&h'holdgoods

Construction

Real estate activities

Accommodation&foodservices

Professional,scientific
&technicalactivities

Distributive trades

Non-financial business economy

Manufacturing

Information&communication

Water supply,sewerage,
waste&recycling

Transportation & storage

Administrative&supportservices

Mining & quarrying

Network energy supply

Micro Small Medium-sized Large

Source: Eurostat (online data codes: sbs_sc_ind_r2, sbs_sc_con_r2, sbs_sc_dt_r2,


sbs_sc_1b_se_r2)

Key figures on European business 15


1 Special feature on SMEs

Table 1.4: Activities with high or low shares of persons


employed in SMEs, EU, 2008 (1)
(%)

Medium-
All SMEs

Large
Micro

Small

sized
Other professional, scientific &
92.1 67.5 16.1 8.5 7.9
technical activities
Repair of computers &
92.0 68.2 14.3 9.5 8.0
personal & household goods
Wholesale & retail trade & repair
87.8 41.5 28.0 18.3 12.2
of motor vehicles & motorcycles
Construction of buildings 87.1 38.3 28.4 20.5 12.9
Real estate activities 86.5 59.3 15.0 12.4 13.5
Printing & reproduction
86.3 28.6 32.4 25.3 13.7
of recorded media
Legal & accounting activities 85.4 54.5 21.4 9.6 14.6
Manufacture of wood
84.5 30.6 30.8 23.1 15.5
& wood products
Architectural & engineering act.;
82.5 48.1 20.3 14.1 17.5
technical testing & analysis
Manuf. of fabricated metal prod.,
82.4 20.4 33.0 29.0 17.6
except machinery & equip.
Nonfinancial business economy 66.7 29.0 20.5 17.2 33.3
Electricity, gas, steam & air
22.4 3.6 5.3 13.5 77.6
conditioning supply
Manuf. of pharmaceuticals 21.1 1.0 4.0 16.1 78.9
Manuf. of motor vehicles,
18.6 1.5 4.6 12.5 81.4
trailers & semitrailers
Telecommunications 18.6 6.6 5.1 6.9 81.4
Manuf. of coke & refined petroleum
18.2 1.7 4.8 11.7 81.8
products
Manuf. of tobacco products 15.6 1.1 2.4 12.2 84.4
Postal & courier activities 12.9 4.9 3.7 4.3 87.1
Air transport 12.3 1.9 2.9 7.6 87.7
Mining of metal ores 9.8 0.5 1.4 7.9 90.2
Mining of coal & lignite 2.1 0.1 0.5 1.5 97.9
(1) The information presented is based on the sum of those Member States for which data are
available - the aggregate may change between activities; extraction of crude petroleum
and natural gas, sewerage, remediation activities and other waste management services,
specialised construction activities, and veterinary activities, incomplete.
Source: Eurostat (online data codes: sbs_sc_ind_r2, sbs_sc_con_r2, sbs_sc_dt_r2,
sbs_sc_1b_se_r2)

16 Key figures on European business


Special feature on SMEs 1
Figure 1.4: Analysis of the number of persons employed by
enterprise size class, non-financial business economy, 2008 (1)
(%)
0% 25% 50% 75% 100%

CY

IT

PT

LV

EE

LU

ES

LT

BG

IE

HU

PL

SI

CZ

AT

BE

EU-27

DK

NL

RO

SE

FI

DE

SK

UK

Micro Small Medium-sized Large

(1) Greece, France and Malta, not available.


Source: Eurostat (online data codes: sbs_sc_ind_r2, sbs_sc_con_r2, sbs_sc_dt_r2,
sbs_sc_1b_se_r2)

Key figures on European business 17


1 Special feature on SMEs

Business demography statistics provide information on the


dynamics of the enterprise population and its workforce.
Entrepreneurship and rapidly growing SMEs are often cited
as drivers of job creation with particular attention paid to the
potential for employment growth among enterprises with no
paid employees (size class zero). These accounted for just over
half (51.2 %) of all EU enterprises in industry, construction
and services in 2007 and for 63.4 % of all new born enterprises
predominantly in deregulated service sectors with relatively
low fixed costs for starting a business as a self-employed person.
A total of 3.8 million persons were employed by newly born
enterprises in 2007, with over a third (38.1 %) of these working
on their own see Table 1.5.

Table 1.5: Business demography indicators for industry,


construction and services, EU, 2007 (1)
Share of
Size class size class
Total
zero zero in
total
(1 000) (%)
Number of enterprises 21 312 10 912 51.2
Number of enterprise births 2 214 1 403 63.4
Number of persons employed 128 908 11 735 9.1
Number of persons employed
3 793 1 445 38.1
in new born enterprises
( ) EU average excludes Ireland, Malta and Poland; EU average includes employment data for the
1

United Kingdom for 2006; EU average includes employment data for Portugal for 2005.
Source: Eurostat (online data code: bd_9b_size_cl)

Table 1.6: Business demography employment indicators, EU,


2007 (1)
Share of size class
Size class zero
zero in total
Persons Persons
Persons employed Persons employed
employed in new born employed in new born
enterprises enterprises
(1 000) (%)
Industry,
construction & 1 1.0 1 451.1 9.1 38.1
services
Industry 1 021.9 105.2 3.0 26.4
Construction 1 733.4 256.6 12.4 38.1
Services 9 016.8 1 089.3 11.1 39.9
(1) EU average excludes Malta and Poland; EU average includes employment data for Cyprus for
2006; EU average includes employment data for Portugal and the United Kingdom for 2005;
EU average for industry, construction and services and for services excludes Ireland.
Source: Eurostat (online data code: bd_9b_size_cl)

18 Key figures on European business


Special feature on SMEs 1
The relative contribution of size class zero enterprises to the
industry, construction and services workforce was highest
in Italy (20.4 %), the Czech Republic (15.9 %), Spain (12.4 %),
Sweden (11.9 %) and Slovakia (11.3 %) none of the remaining
Member States reported self-employed entrepreneurs accounting
for more than 10 % of the workforce see Figure 1.5.

Figure 1.5: Share of size class zero in total employment for


industry, construction and services, EU, 2007 (1)
(%)
0 10 20 30 40 50 60 70

FR
IT
DK
LT
CZ
BE
SE
SI
ES
DE
NL
BG
EU
FI
HU
EE
SK
AT
LV
LU
RO
UK
PT
CY

Persons employed in all enterprises


Persons employed in new born enterprises
(1) Ireland, Malta and Poland, not available; the United Kingdom, 2006; Portugal, 2005; EU
average excludes Ireland, Malta and Poland; EU average includes employment data for
Portugal for 2005; EU average includes employment data for the United Kingdom for 2005.
Source: Eurostat (online data code: bd_9b_size_cl)

Key figures on European business 19


1 Special feature on SMEs

Focus on value added and apparent productivity


As with the employment analysis, SMEs within the EU-27s
distributive trades, manufacturing and construction sectors
generated the highest levels of added value in 2008 see Figure
1.6. Across the whole of the EU-27s non-financial business
economy, SMEs accounted for 58.6 % of the EUR 6 176 thousand
million of value added generated in 2008.
The contribution of SMEs to total value added was lower than
their contribution to employment (66.7 %), resulting in a
lower level of apparent labour productivity. This pattern was
particularly prevalent among activities such as manufacturing or
information and communication services. However, it was also
observed across most other activities and across most Member
States suggesting inherent characteristics of SMEs played a role
(for example, their inability to benefit from economies of scale,
their relatively low level of capital intensity, or their inability
to adopt or develop innovations). As a result, large enterprises
tended to record higher labour productivity ratios than SMEs
(Figure 1.9).

Figure 1.6: Value added by SMEs, EU-27, 2008


(EUR 1 000 million)
0 200 400 600 800 1 000

Distributive trades
Manufacturing
Construction
Prof.,scientific&technicalactivities
Administrativeandsupportservices
Transportation & storage
Real estate activities
Information&communication
Accommodation&foodservices
Network energy supply
Water,sewerage,waste&recycling
Mining & quarrying
Repair:comp.,pers.&h'holdgoods

Source: Eurostat (online data codes: sbs_sc_ind_r2, sbs_sc_con_r2, sbs_sc_dt_r2,


sbs_sc_1b_se_r2)

20 Key figures on European business


Special feature on SMEs 1
Figure 1.7: Analysis of value added by enterprise size class,
EU-27, 2008 (1)
(%)
0% 25% 50% 75% 100%

Real estate activities

Construction

Repair:computers,personal
&h'holdgoods

Professional,scientific
&technicalactivities

Accommodation&foodservices

Distributive trades

Non-financial business economy

Water supply,sewerage,
waste&recycling

Transportation & storage

Manufacturing

Network energy supply

Micro Small Medium-sized Large


(1) Mining and quarrying, information and communication,
and administrative and support services, incomplete.
Source: Eurostat (online data codes: sbs_sc_ind_r2, sbs_sc_con_r2, sbs_sc_dt_r2,
sbs_sc_1b_se_r2)

Key figures on European business 21


1 Special feature on SMEs

Figure 1.8: Analysis of value added by enterprise size class,


non-financial business economy, 2008 (1)
(%)
0% 25% 50% 75% 100%

CY

EE

LU

LV

IT

PT

ES

LT

NL

SI

BG

DK

AT

BE

SE

EU-27

CZ

IE

HU

SK

DE

FI

PL

RO

UK

Micro Small Medium-sized Large


(1) Greece, France and Malta, not available.
Source: Eurostat (online data codes: sbs_sc_ind_r2, sbs_sc_con_r2, sbs_sc_dt_r2,
sbs_sc_1b_se_r2)

22 Key figures on European business


Special feature on SMEs 1
Figure 1.9: Apparent labour productivity, EU-27, 2008 (1)
(EUR 1 000 / person)
0 50 100 150 200 250

Network energy supply


Mining & quarrying
Real estate activities
Water,sewerage,waste&recycling
Information&communication
Prof.,scientific&technicalactivities
Administrative&supportservices
Transportation & storage
Non-financial business economy
Manufacturing
Construction
Distributive trades
Repair:comp.,pers.&h'holdgoods
Accommodation&foodservices

SMEs
Large enterprises
(1) Administrative and support services, not available for large enterprises.
Source: Eurostat (online data codes: sbs_sc_ind_r2, sbs_sc_con_r2, sbs_sc_dt_r2,
sbs_sc_1b_se_r2)

Table 1.7: Analysis of apparent labour productivity by


enterprise size class, EU-27, 2008
(EUR 1 000 / person)
Medium

Large
Micro

Small

sized

Nonfinancial business economy 34.3 41.2 47.9 56.6


Mining & quarrying : : 140.4 151.5
Manufacturing 28.3 38.6 45.9 67.1
Network energy supply 535.1 181.7 164.9 146.4
Water supply, sewerage,
74.8 66.7 53.6 69.2
waste & recycling
Construction 35.9 39.0 44.2 52.5
Distributive trades 24.6 40.6 46.6 38.0
Transportation & storage 35.0 43.7 45.0 47.0
Accommodation & food services 17.2 19.3 23.8 25.6
Information & communication : 59.0 70.1 123.3
Real estate activities 89.3 83.7 100.6 86.9
Professional, scientific &
45.0 55.9 64.5 63.2
technical activities
Administrative & support services : : 31.0 :
Repair: computers, personal
18.9 35.2 44.3 78.7
& hhold goods
Source: Eurostat (online data codes: sbs_sc_ind_r2, sbs_sc_con_r2, sbs_sc_dt_r2,
sbs_sc_1b_se_r2)

Key figures on European business 23


I
2
Structural overview of
the business economy
2 Structural overview of the business economy

Developments in the EU business economy


The indicators presented at the start of this chapter are derived
from short-term statistics (STS). Within the industrial economy
the index of production is the leading measure of output,
presenting the development of value added at constant prices.
Figure 2.1 clearly shows the scale of the impact of the financial and
economic crisis in 2008 and 2009 on the EU-27 industrial economy.
From its pre-recession high in the first quarter of 2008 to the bottom
of the cycle in the second quarter of 2009, the index of production
fell by 18.1 %. The subsequent rebound in activity resulted in EU-27
industrial output returning to its average level for 2005 by the final
quarter of 2010, while industrial employment appeared to have
stabilised about 10 % below its pre-recession level.
Some of the biggest reductions in EU-27 output were registered
for traditional manufacturing activities (tobacco products,
textiles, leather, wood and furniture), while the level of output
was less affected for activities with a higher level of technology
(pharmaceuticals, computers, electronic and optical products), as
well as for activities characterised as producing necessity goods
or goods where demand may be expected to be less affected or
even rise during a recession (food products, repair and installation
of machinery) see Figure 2.3.

Figure 2.1: Industrial indicators, seasonally adjusted, EU-27


(2005=100)
120
115
110
105
100
95
90
85
I/05 I/06 I/07 I/08 I/09 I/10

Index of production (1)


Domestic output price index (2)
Index of employment (3)
(1) Estimates; excludes water collection, treatment and supply.
(2) Gross.
(3) Estimates.
Source: Eurostat (online data codes: sts_inpr_q, sts_inppd_q, sts_inlb_q)

26 Key figures on European business


Structural overview of the business economy 2
Figure 2.2: Index of industrial production, working day
adjusted, annual average rate of change 2005 to 2010 (1)
(%)
-4 -2 0 2 4 6 8

SK
PL
RO
BE (2)
CZ (2)
AT
IE
HU
LT
NL (2)
DE
EE
SI (2)
FI
MT (2)
CY (2)
LV
EU-27
EA-17
BG
SE
FR
PT
UK
LU
IT
DK
EL
ES
TR
CH (2)
HR
NO

(1) Excludes water collection, treatment and supply.


(2) Provisional.
Source: Eurostat (online data code: sts_inpr_a)

Key figures on European business 27


2 Structural overview of the business economy

Figure 2.3: Indices of industrial production,


working day adjusted, EU-27, annual average rate of change
2005 to 2010 (1)
(%)
-6 -4 -2 0 2 4

Pharmaceuticals
Computer, electronic & optical prod.
Repair & installation of machinery
Other transport equipment
Other manufacturing
Food products
Metal ores mining
Chemicals & chemical products
Electrical equipment
Beverages
Network energy supply
Paper & paper products
Total industry
Machinery & equipment
Rubber & plastic products
Coke & refined petroleum
Motor vehicles & (semi-)trailers
Printing & recorded media
Fabricated metal products
Wearing apparel
Basic metals
Wood & wood products
Furniture
Other non-metallic mineral products
Other mining & quarrying
Leather & related products
Coal & lignite mining
Textiles
Crude petrol. & natural gas extraction
Tobacco products

(1) Mining support service activities and water collection, treatment and supply, not available.
Source: Eurostat (online data code: sts_inpr_a)

28 Key figures on European business


Structural overview of the business economy 2
While there were signs that the recovery was underway by 2010
for most industrial activities, EU-27 indices of production for
building and civil engineering continued to follow a downward
path. The index of production for construction peaked in the first
quarter of 2008 (the same date as for total industry), since when it
has fallen each and every quarter apart from a temporary respite in
the second quarter of 2010. Output in the final quarter of 2010 was
18.3 % below its pre-recession high see Figure 2.4.
The relative stability of civil engineering output through much
of 2008 and 2009 during the financial and economic crisis may
reflect infrastructure projects having considerable lead-in times
(with the work spread over many years), as well as these projects
being largely financed by the public sector (where spending was
often maintained or increased during the recession). Nevertheless,
it would appear that fewer civil engineering projects have been
undertaken since the start of 2010, perhaps reflecting government
concerns with controlling public finances.
The slowdown in building activity reflected a downturn in property
markets and house buyer confidence, as well as a change in the
attitude of banks and other lenders, as they were less willing to
lend capital without more stringent conditions on making credit
available. Many housing/property markets remained subdued
during 2010.

Figure 2.4: Index of production, seasonally adjusted, EU-27 (1)


(2005=100)
110

105

100

95

90

85
I/05 I/06 I/07 I/08 I/09 I/10

Construction
Building
Civil engineering works
(1) Estimates.
Source: Eurostat (online data code: sts_copr_q)

Key figures on European business 29


2 Structural overview of the business economy

The turnover index reflects market sales of goods or services to


third parties. The effects of the financial and economic crisis were
generally less acute within the services sector, as demonstrated by
the smoother development of EU-27 turnover indices. In contrast
to output measures for industry or for construction, the turnover
indices for a range of services (shown in Figure 2.5) never fell
below their average levels for 2005, although it should be stressed
that the turnover indices are in current prices and so reflect price
changes as well as the volume of output.
Services, as covered by the STS Regulation, saw their sales decline
in the EU-27 by 10.8 % between the second quarter of 2008 and
the third quarter of 2009. The biggest contractions in turnover
(among the NACE sections shown in Figure 2.5) were recorded for
distributive trades (in particular, the retail sale of motor vehicles)
and for transportation and storage (in particular, air transport),
while information and communication services was the activity
that was least affected by the downturn.
Figure 2.6 shows that Ireland and Spain were the only Member
States to record lower turnover indices for services in 2010 than
they had five years earlier (-1.6 % and -1.0 % per annum). EU-27
sales rose on average by 2.5 % per annum during the period under
consideration, with the fastest expansions in Romania, Poland,
Bulgaria, Luxembourg and the United Kingdom (all above 5 %
growth per annum) see Figure 2.6.

Figure 2.5: Index of turnover, seasonally adjusted, EU-27 (1)


(2005=100)
130

120

110

100

90
I/05 I/06 I/07 I/08 I/09 I/10

Distributive trades
Transportation & storage
Accommodation & food services
Information & communication
Professional, scientific & technical activities (2)
Administrative & support services (2)
(1) Estimates.
(2) As required by the STS Regulation.
Source: Eurostat (online data codes: sts_trtu_q, sts_setu_q)

30 Key figures on European business


Structural overview of the business economy 2
Figure 2.6: Index of services turnover, working day adjusted,
annual average rate of change 2005 to 2010 (1)
(%)
-2 0 2 4 6 8 10 12

RO

PL

BG

LU

UK

LT

CY

HU

LV

SI

EE

SK

FI

NL

SE (2)

AT

EU-27

FR

DK

CZ

MT

DE

EA-17

EL

PT

ES

IE

(1) As required by the STS Regulation; Belgium and Italy, not available.
(2) Average from 2005 to 2009.
Source: Eurostat (online data code: sts_trtu_a)

Key figures on European business 31


2 Structural overview of the business economy

Size and structure of the non-financial


business economy
In 2008 a total of EUR 6 155 700 million of gross value added was
generated in the EU-27s non-financial business economy, which
was equivalent to 63.4 % of the whole economys value added
at factor cost. The non-financial business economy workforce
reached 136.3 million persons employed, around three fifths
(60.2 %) of those employed in the EU-27.
The sectors that make up the non-financial business economy
are shown in Figure 2.7 which provides an overview of their
contribution in terms of labour input (employment), output
(value added), and the enterprise population. In broad terms,
manufacturing and distributive trades were the largest sectors,
combining for two fifths or more of each of the three indicators.
Apparent labour productivity averaged EUR 45 200 per person
employed in the EU-27s non-financial business economy
in 2008, ranging from EUR 20 000 per person employed in
accommodation and food services to EUR 151 000 per person
employed in mining and quarrying. Average personnel costs
were also lowest in the accommodation and food services sector
(EUR 16 000 per employee), and joint highest in network energy
supply and information and communication services (around
EUR 50 000 per employee); the non-financial business economy
average was EUR 31 000 per employee. It should be noted that
both of these indicators are based on a simple head count of
employment and so are influenced, at least in part, by the extent of
part-time employment. The influence of part-time employment is
largely removed by combining these two measures into the wage
adjusted labour productivity ratio: for the non-financial business
economy this ratio was valued at 146.3 %, indicating that average

Table 2.1: Key indicators, non-financial business economy,


EU-27, 2008
Indicator Units Value
Number of enterprises thousands 21 004
Persons employed thousands 136 281
Turnover EUR million 24 915 339
Value added EUR million 6 155 686
Gross operating surplus EUR million 2 539 250
Apparent labour productivity EUR 1 000/person 45.2
Average personnel costs EUR 1 000/person 30.9
Wage adjusted lab. productivity % 146.3
Gross operating rate % 10.2
Source: Eurostat (online data codes: sbs_na_ind_r2, sbs_na_con_r2, sbs_na_dt_r2,
sbs_na_1a_se_r2)

32 Key figures on European business


Structural overview of the business economy 2
labour productivity was 46.3 % higher than average personnel
costs. This indicator was below 100 % for the small sector of repair
of computers, personal and household goods, and rose as high as
430 % for the mining and quarrying sector.
As can be seen from Figure 2.8 a Member States share of the
EU-27s non-financial business economy varies substantially
depending whether it is measured in terms of value added or
employment. Those with higher shares of EU-27 value added than
the workforce (such as Germany and the United Kingdom) had
above average apparent labour productivity.

Figure 2.7: Structure of the non-financial business economy,


EU-27, 2008
(% share of non-financial business economy total)
0 5 10 15 20 25 30

Manufacturing

Distributive trades

Construction

Administrative&supportservices

Transportation & storage


Professional,scientific
&technicalactivities
Accommodation & food services

Information&communication

Real estate activities


Watersupply,sewerage,
waste&recycling
Network energy supply

Mining & quarrying


Repair:computers,personal
&h'holdgoods
Employment
Value added (1)
Number of enterprises (2)
(1) Water supply, sewerage, waste and recycling, not available.
(2) Network energy supply, not available.
Source: Eurostat (online data codes: sbs_na_ind_r2, sbs_na_con_r2, sbs_na_dt_r2,
sbs_na_1a_se_r2)

Key figures on European business 33


2 Structural overview of the business economy

Table 2.2: Key indicators, EU-27, 2008


No. of Persons
enterprises employed
(thousands)
Non-finanical business economy 21 004 136 281
Mining & quarrying 20 670
Manufacturing 2 123 32 961
Network energy supply : 1 200
Water supply, sewerage, waste & recycling 60 1 266
Construction 3 285 15 047
Distributive trades 6 144 32 816
Transportation & storage 1 118 10 863
Accommodation & food services 1 696 9 612
Information & communication 797 5 798
Real estate activities 1 097 2 500
Professional, scientific & technical activities 3 392 10 752
Administrative & support services 1 054 11 864
Repair: computers, personal & hhold goods 176 377

Value Invest-
Turnover
added ment
(EUR million)
Non-finanical business economy 24 915 339 6 155 686 :
Mining & quarrying 250 000 100 000 21 000
Manufacturing 7 136 428 1 669 537 240 078
Network energy supply 1 100 000 199 849 :
Water supply, sewerage, waste & recycling 218 103 : 32 426
Construction 1 907 138 604 362 97 287
Distributive trades 9 117 514 1 153 272 132 683
Transportation & storage 1 305 077 476 619 126 012
Accommodation & food services 461 343 194 131 29 112
Information & communication 1 141 269 502 495 57 279
Real estate activities 420 000 220 000 140 000
Professional, scientific & technical activities 1 168 753 573 128 42 594
Administrative & support services 810 000 390 000 70 000
Repair: computers, personal & hhold goods 26 227 10 569 :
Source: Eurostat (online data codes: sbs_na_ind_r2, sbs_na_con_r2, sbs_na_dt_r2,
sbs_na_1a_se_r2)

34 Key figures on European business


Structural overview of the business economy 2
Table 2.2 (continued): Key indicators, EU-27, 2008
Apparent Average
labour personnel
productivity costs
(EUR 1 000 / person)
Non-finanical business economy 45 31
Mining & quarrying 151 35
Manufacturing 51 35
Network energy supply : 50
Water supply, sewerage, waste & recycling : 32
Construction 40 31
Distributive trades 35 25
Transportation & storage 44 32
Accommodation & food services 20 16
Information & communication 87 50
Real estate activities 87 31
Professional, scientific & technical activities 53 43
Administrative & support services : 24
Repair: computers, personal & hhold goods 28 29

Wage
Gross
adjusted Invest-
oper-
labour ment
ating
product- rate
rate
ivity
(%)
Non-finanical business economy 146.3 10.2 :
Mining & quarrying 430.0 31.0 21.3
Manufacturing 145.3 8.3 16.4
Network energy supply : : :
Water supply, sewerage, waste & recycling 200.0 : :
Construction 127.8 12.6 18.9
Distributive trades 139.1 5.1 13.5
Transportation & storage 139.0 12.7 31.4
Accommodation & food services 123.5 13.8 17.9
Information & communication 172.6 21.0 13.3
Real estate activities 283.0 39.7 :
Professional, scientific & technical activities 124.5 19.9 8.8
Administrative & support services 140.0 16.0 21.0
Repair: computers, personal & hhold goods 97.5 14.4 7.0
Source: Eurostat (online data codes: sbs_na_ind_r2, sbs_na_con_r2, sbs_na_dt_r2,
sbs_na_1a_se_r2)

Key figures on European business 35


2 Structural overview of the business economy

Table 2.3: Key indicators for the non-financial business


economy, 2008
No. of Value
Employment Turnover
enterprises added
(thousands) (EUR 1 000 million)
EU-27 21 003.9 136 281.0 24 915.3 6 155.7
BE 450.0 2 564.1 888.9 166.8
BG 276.7 2 064.6 106.1 18.0
CZ 907.3 3 665.1 431.9 89.0
DK 213.1 2 067.8 445.2 120.5
DE 1 914.0 23 791.2 4 677.2 1 252.4
EE 50.6 439.7 42.9 8.3
IE 166.9 1 265.8 358.8 92.1
EL : : : :
ES 2 652.9 13 509.9 2 139.3 557.0
FR 2 361.8 : 3 580.4 867.2
IT 3 948.7 16 006.1 3 049.9 673.8
CY 47.0 242.6 28.3 9.3
LV 76.9 680.0 49.1 10.7
LT 139.5 992.1 66.9 12.9
LU 26.4 233.5 106.7 19.9
HU 573.3 2 650.8 298.7 51.3
MT : : : :
NL 577.8 5 578.9 1 342.3 297.4
AT 293.9 2 593.2 590.2 154.2
PL 1 556.4 8 708.3 834.5 184.9
PT 783.5 3 310.2 354.0 78.4
RO 506.4 4 413.8 257.4 58.8
SI 107.7 647.8 86.1 19.4
SK 62.7 1 100.2 134.4 24.6
FI 224.5 1 436.0 381.1 88.2
SE 580.8 2 960.6 668.3 175.1
UK 1 730.6 18 457.7 3 662.5 1 046.6
HR (1) 167.3 1 157.7 91.1 23.6
(1) Excluding mining and quarrying and repair of computers and personal and household
goods.
Source: Eurostat (online data codes: sbs_na_ind_r2, sbs_na_con_r2, sbs_na_dt_r2,
sbs_na_1a_se_r2)

36 Key figures on European business


Structural overview of the business economy 2
Figure 2.8: Share of value added and employment,
non-financial business economy, 2008 (1)
(% share of EU-27 total)
0 4 8 12 16 20 24

DE

UK

FR

IT

ES

NL

PL

SE

BE

AT

DK

IE

CZ

FI

PT

RO

HU

SK

LU

SI

BG

LT

LV

CY

EE

Value added
Employment
(1) Greece and Malta, not available; France, persons employed, not available.
Source: Eurostat (online data codes: sbs_na_ind_r2, sbs_na_con_r2, sbs_na_dt_r2,
sbs_na_1a_se_r2)

Key figures on European business 37


2 Structural overview of the business economy

National specialisation and concentration


The share of the five largest Member States in the EU-27s value
added gives an impression of geographical concentration; the
average share for the non-financial business economy was 71.4 %
in 2008. An analysis at the level of detail shown in Figure 2.9
indicates that the highest concentration was for mining and
quarrying and the lowest for distributive trades; network energy
supply had a lower level of concentration by this measure, but it
should be noted that German data is not available for this sector,
thus strongly influencing the results. Generally, in each sector the
five largest Member States were the five Member States with the
largest overall economies, with the mining and quarrying sector
the main exception.
The most specialised country in an activity is the one where that
activitys share of the non-financial business economy is highest.
In contrast to concentration measures that typically highlight the
largest Member States, measures of specialisation often identify
smaller or medium-sized Member States. In none of the activities
presented in Tables 2.4 or 2.5 were large Member States the most
specialised in employment terms and only in two cases (both the
United Kingdom in service activities) in value added terms. Some
specialisations are due to the availability of natural resources, for
example mining and quarrying in Denmark and Poland.
Table 2.6 shows the activities in which each of the Member
States are the most specialised, relative to the EU-27, based
on value added shares in the non-financial business economy.
About half of the Member States were specialised in one of the
industrial activities. Construction was the most specialised
activity in Spain and Italy, transportation and storage in the Baltic
Member States, accommodation and food services in Cyprus
and Austria, information and communication services in Ireland
and Luxembourg, and real estate activities in Germany and
Sweden. Belgium was the only Member State most specialised in
administrative and support services, while France was the only
one most specialised in the repair of computers, personal and
household goods some activities are relatively small across the
whole of the EU, which means that even in a Member State with
a high specialisation relative to the EU-27 average this activity
may in fact only contribute a small proportion of non-financial
business economy value added, as in this case for France. It should
be noted that none of the Member States were most specialised
in water supply, sewerage, waste and recycling, nor in distributive
trades, nor professional, scientific and technical activities.

38 Key figures on European business


Structural overview of the business economy 2
Figure 2.9: Cumulative share of value added for the five largest
contributors among EU Member States, 2008
(% share of value added)
0 25 50 75 100

Non-fin. business economy DE UK FR IT ES

Mining & quarrying UK NL PL DK DE

Manufacturing DE IT FR UK ES

Network energy supply (1) UK FR IT ES PL

Water supply, sewerage,


waste & recycling (2)

Construction UK ES FR IT DE

Distributive trades DE UK FR IT ES

Transportation & storage DE FR UK IT ES

Accommodation & food services UK FR ES IT DE

Information & communication UK DE FR IT ES

Real estate activities DE UK FR IT ES

Professional, scientific
UK DE FR IT ES
& technical activities

Administrative & support services UK DE FR ES IT

Repair: computers, personal


FR UK DE IT ES
& h'hold goods

Largest Second Third Fourth Fifth

(1) Germany, not available.


(2) Germany and EU-27, not available; largest Member States were the United Kingdom, France,
Italy, Spain and the Netherlands.
Source: Eurostat (online data codes: sbs_na_ind_r2, sbs_na_con_r2, sbs_na_dt_r2,
sbs_na_1a_se_r2)

Key figures on European business 39


2 Structural overview of the business economy

Table 2.4: Relative specialisation by activity in terms of value


added, 2008 (1)
(% of non-financial business economy value added)
Share of sector
Most
in the national
specialised
non- financial
Member
business
State
economy
Mining & quarrying DK 7.1
Manufacturing HU 37.6
Network energy supply SK 10.8
Water supply, sewerage, waste & recycling BG 1.9
Construction CY 23.4
Distributive trades LT 25.7
Transportation & storage LV 13.9
Accommodation & food services CY 10.9
Information & communication LU 11.4
Real estate activities SE 7.5
Professional, scientific & technical activities UK 12.6
Administrative & support services UK 8.6
Repair: computers, personal & hhold goods SK 0.3
(1) Greece and Malta, not available; Belgium, Germany and Luxembourg, incomplete.
Source: Eurostat (online data codes: sbs_na_ind_r2, sbs_na_con_r2, sbs_na_dt_r2,
sbs_na_1a_se_r2)

Table 2.5: Relative specialisation by activity in terms


of employment, 2008 (1)
(% of non-financial business economy employment)
Share of sector
Most
in the national
specialised
non- financial
Member
business
State
economy
Mining & quarrying PL 2.1
Manufacturing SK 40.0
Network energy supply RO 2.0
Water supply, sewerage, waste & recycling SK 1.9
Construction LU 17.2
Distributive trades IE 29.1
Transportation & storage DK 15.5
Accommodation & food services CY 17.2
Information & communication FI 6.7
Real estate activities LV 5.4
Professional, scientific & technical activities NL 11.8
Administrative & support services NL 17.0
Repair: computers, personal & hhold goods PL 0.5
(1) Greece and Malta, not available; Belgium, Germany and Luxembourg, incomplete.
Source: Eurostat (online data codes: sbs_na_ind_r2, sbs_na_con_r2, sbs_na_dt_r2,
sbs_na_1a_se_r2)

40 Key figures on European business


Structural overview of the business economy 2
Table 2.6: Relative specialisation by Member State
in terms of value added, 2008 (1)
Share of activity
Most specialised activity
value added in the
within the non-financial
non-financial business
business economy
economy total (%)
BE (2) Administrative & support services 7.1
BG Network energy supply 5.7
CZ Network energy supply 6.4
DK Mining & quarrying 7.1
DE (2) Real estate activities 5.2
EE Transportation & storage 10.5
IE Information & communication 11.0
EL : :
ES Construction 17.8
FR Repair: computers, personal & hhold goods 0.3
IT Construction 12.1
CY Accommodation & food services 10.9
LV Transportation & storage 13.9
LT Transportation & storage 11.6
LU (2) Information & communication 11.4
HU Network energy supply 4.8
MT :
NL Mining & quarrying 3.0
AT Accommodation & food services 4.5
PL Mining & quarrying 4.7
PT Network energy supply 4.5
RO Mining & quarrying 6.8
SI Manufacturing 34.7
SK Network energy supply 10.8
FI Manufacturing 36.4
SE Real estate activities 7.5
UK Mining & quarrying 4.3
(1) Water supply, sewerage, waste management and remediation activities, not available.
(2) Activity coverage, incomplete.
Source: Eurostat (online data codes: sbs_na_ind_r2, sbs_na_con_r2, sbs_na_dt_r2,
sbs_na_1a_se_r2)

Key figures on European business 41


2 Structural overview of the business economy

Regional specialisation and concentration


The reasons for the relative specialisation of a region in an activity
are varied and include, among others, the availability of natural
resources (for example, for mining and quarrying activities
and forest-based manufacturing activities), the availability of
skilled employees, costs, infrastructure, legislation, climatic and
topographic conditions (particularly regarding tourism-related
activities) and proximity to markets.
Figure 2.10 indicates that the widest spread (from lowest to highest)
in the share of an activity in each regions non-financial business
economy workforce concerned manufacturing activities. In
contrast, the employment spread for activities like construction and
distributive trades (which tend to serve more local clients and are
large, basic activities present in each region) were much narrower.
The shares of the non-financial business economy workforce
occupied within the industrial sector and in the non-financial
services sector in 2008 are shown in Maps 2.1 and 2.2. Relatively
high shares of industrial employment were found in regions of
Bulgaria, the Czech Republic, Germany, Hungary, Poland, Romania
and Slovakia, with the Slovakian region of Zpadn Slovensko
recording the highest share at 60.2 %. Non-financial services
employment accounted for over 80 % of the non-financial business
economy workforce in at least nine regions, mainly in or bordering
major urban areas such as Berlin, Hamburg and Cologne in Germany,
Copenhagen in Denmark, Amsterdam in the Netherlands, and
London and the surrounding south-east of England. The highest
share of non-financial business economy employment recorded for
non-financial services was 92.5 % in inner London.
Map 2.3 is based on the aggregate employment share of the five
largest NACE divisions in each region, providing an analysis of
activity concentration by region. It shows that several of the
most concentrated regions by this measure were in regions
of Spain, Italy and Portugal traditionally associated with tourism
(underlining the importance of construction, retail trade,
accommodation and food services, and transport services for
tourism supply), as well as the particular case of the land islands
of Finland which had the highest concentration due in large part
to its specialisation in water transport.
The most specialised region in the EU-27 for each of the main
sectors within the non-financial business economy is shown in
Table 2.7.

42 Key figures on European business


Structural overview of the business economy 2
Figure 2.10: Degree of regional specialisation by activity (NACE
Sections), by NUTS 2 regions, EU-27 and Norway, 2008 (1)
(% sectoral share of non-financial business economy employment of
NUTS 2 regions)
0 10 20 30 40 50 60

Ciudad Autnoma
Distributive trades de Melilla (ES64)

Manufacturing
Zpadn Slovensko
(SK02)
Construction Regio Autnoma dos
Aores (PT20)

Admin. & support services; repair:


Flevoland (NL23)
computers, personal & h'hold goods

Transportation & storage land (FI20)

Accommodation & food services Algarve (PT15)

Professional, scientific
Inner London (UKI1)
& technical activities

Rgion de Bruxelles-Capitale/
Information & communication
Brussels Hoofdstedelijk Gewest (BE10)

Real estate activities Latvija (LV00)

Water supply, sewerage,


Vchodn Slovensko (SK04)
waste & recycling

Network energy supply Sud-Vest Oltenia (RO41)

Mining & quarrying North Eastern Scotland (UKM5)

(1) Minimum to maximum share (horizontal line), inter-quartile range covering half of all regions
(box), median share (vertical line in box); excluding Greece, France, Latvia (construction),
Luxembourg and Malta.
Source: Eurostat (online data code: sbs_r_nuts06_r2)

Key figures on European business 43


2 Structural overview of the business economy

Map 2.1: Employment in the industrial economy,


by NUTS 2 regions, 2008 (1)
(%, share in total non-financial business economy employment)
Employment 0 600 km

in the industrial economy, Guadeloupe (FR) Martinique (FR)

by NUTS 2 regions, 2008 ()


(%, share in total non-financial
business economy employment)

EU-27 = 26.2 0 25 0 20

<= 20 Guyane (FR) Runion (FR)


20 - 30
30 - 40
> 40
Data not available
0 100 0 20
EuroGeographics Association, for the administrative boundaries
Aores (PT) Madeira (PT)
Cartography: Eurostat GISCO, 03/2011

0 50 0 20

Canarias (ES) Malta

0 100 0 10

Liechtenstein sland

0 5 0 100

(1) EU-27, excluding Greece, France, Latvia (Section F), Luxembourg and Malta.
Source: Eurostat (online data code: sbs_r_nuts06_r2)

44 Key figures on European business


Structural overview of the business economy 2
Map 2.2: Employment in the non-financial services economy,
by NUTS 2 regions, 2008 (1)
(%, share in total non-financial business economy employment)
Employment in the non-financial 0 600 km

services economy, Guadeloupe (FR) Martinique (FR)

by NUTS 2 regions, 2008 ()


(%, share in total non-financial
business economy employment)

EU-27 = 63.6 0 25 0 20

<= 50 Guyane (FR) Runion (FR)


50 - 60
60 - 70
> 70
Data not available
0 100 0 20
EuroGeographics Association, for the administrative boundaries
Aores (PT) Madeira (PT)
Cartography: Eurostat GISCO, 03/2011

0 50 0 20

Canarias (ES) Malta

0 100 0 10

Liechtenstein sland

0 5 0 100

(1) EU-27, excluding Greece, France, Latvia (Section F), Luxembourg and Malta.
Source: Eurostat (online data code: sbs_r_nuts06_r2)

Key figures on European business 45


2 Structural overview of the business economy

Map 2.3: Regional business concentration, by NUTS 2 regions,


2008 (1)
(%, share of five largest activities (NACE divisions)
in total non-financial business economy employment)
Regional business 0 600 km
concentration, Guadeloupe (FR) Martinique (FR)

by NUTS 2 regions, 2008 ()


(%, share of five largest activities (NACE divisions)
in total non-financial business
economy employment)
0 25 0 20
EU-27 = 36.4
<=37 Guyane (FR) Runion (FR)

37 - 42
42 - 47
> 47
Data not available
0 100 0 20
EuroGeographics Association, for the administrative boundaries
Aores (PT) Madeira (PT)
Cartography: Eurostat GISCO, 03/2011

0 50 0 20

Canarias (ES) Malta

0 100 0 10

Liechtenstein sland

0 5 0 100

(1) EU-27, excluding Greece, France, Latvia (Section F), Luxembourg and Malta.
Source: Eurostat (online data code: sbs_r_nuts06_r2)

46 Key figures on European business


Structural overview of the business economy 2
Table 2.7: Regional specialisation in employment terms, by
NUTS 2 regions, 2008 (1)
(% share of non-financial business economy workforce)
Most specialised region (%)
Mining & quarrying N E Scotland (UKM5) 11.1
Manufacturing Zpadn Slovensko (SK02) 54.7
Network energy supply Sud-Vest Oltenia (RO41) 3.8
Water supply, sewerage,
Vchodn Slovensko (SK04) 2.9
waste & recycling
Construction Regio Autnoma dos Aores (PT20) 22.7
Distributive trades Ciudad Autnoma de Melilla (ES64) 39.4
Transportation & storage land (FI20) 46.4
Accommodation &
Algarve (PT15) 23.1
food services
Information & Rgion de Bruxelles-Capitale/
15.0
communication Brussels Hoofdstedelijk Gewest (BE10)
Real estate activities Latvija (LV00) 6.2
Professional, scientific &
Inner London (UKI1) 24.3
technical activities
Administrative &
Flevoland (NL23) 18.9
support services
Repair: computers,
Prov. Vlaams-Brabant (BE24) 0.7
personal & hhold goods
( ) Excluding Greece, France, Latvia (construction), Luxembourg and Malta.
1

Source: Eurostat (online data code: sbs_r_nuts06_r2)

Key figures on European business 47


I
3
Sectoral analysis
3 Sectoral analysis

Mining and quarrying


Alongside a small number of large-scale producers active in global
markets this sector includes many smaller enterprises typically
serving a local market in low value, widely available products often
for use in construction.
Around 670 000 persons were employed in 20 000 mining and
quarrying enterprises in the EU-27 in 2008. Together they
generated EUR 100 000 million of value added, resulting in
an apparent labour productivity of EUR 151 000 per person
employed, by far the highest of all NACE sections. Two fifths
(38.9 %) of the EU-27s mining and quarrying workforce worked
in the extraction of coal and lignite. The importance of the
extraction of crude oil and natural gas was far greater in value
added terms (64.2 % of sectoral value added) than employment
(11.9 %) indicating an exceptionally high apparent labour
productivity.
The location of this activity reflects the distribution of deposits.
The United Kingdom (oil and gas fields) recorded the highest share
(44.6 %) of EU-27 value added in this sector. Denmark and the
Netherlands (predominantly natural gas), Italy (crude petroleum
and natural gas) and Poland (coal and lignite) were also relatively
important producers.

Figure 3.1: Sectoral analysis, mining and quarrying, EU-27, 2008 (1)
(% share of mining and quarrying total)
0 10 20 30 40 50 60 70

Crude petroleum &


natural gas extraction

Other mining & quarrying

Coal & lignite mining

Mining support services

Value added
Employment
(1) Metal ores mining, not available.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_ind_r2)

50 Key figures on European business


Sectoral analysis 3
Table 3.1: Key indicators, mining and quarrying, EU-27, 2008
Indicator Units Value
Number of enterprises thousands 20
Persons employed thousands 670
Turnover EUR million 250 000
Value added EUR million 100 000
Gross operating surplus EUR million 78 000
Investment EUR million 21 000
Share of non-financial business economy:
no. of enterprises % 0.1
employment % 0.5
value added % 1.6
Apparent labour productivity EUR 1 000/person 151
Average personnel costs EUR 1 000/person 35
Gross operating rate % 31
Annual average rate of change 2005 to 2010
index of production % -4.0
index of employment % -3.3
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_ind_r2, sts_inpr_a, sts_inlb_a)

Table 3.2: Concentration and specialisation,


mining and quarrying, 2008 (1)
Value added Persons employed
Share of
Share of Most
Largest nonfinancial
EU27 specialised
Member States business
(%) Member States
economy (%)
United Kingdom 44.6 Poland 2.1
Netherlands 8.9 Romania 2.0
Poland 8.7 Bulgaria 1.4
Denmark 8.5 Estonia 1.2
Germany 6.8 Czech Republic 1.2
(1) Belgium, Greece and Malta, not available; France, persons employed, not available;
Czech Republic, provisional.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_ind_r2)

Key figures on European business 51


3 Sectoral analysis

Figure 3.2: Investment rate, EU-27, 2008 (1)


(%)
0 5 10 15 20 25 30

Other mining
& quarrying

Mining &
quarrying

Crude petroleum
& natural
gas extraction

Coal & lignite


mining

(1) Metal ores mining and mining support services, not available.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_ind_r2)

Table 3.3: Production sold in quantity terms, selected products,


EU-27, 2009 (1)
(million kg)
Prodcom Rounding
Product Quantity
code base
Crushed stone of a kind used for concrete
aggregates, road metalling or railway or
[Link] 903 000 3 000
other ballast (excluding gravel, pebbles,
shingle and flint)
Gravel and pebbles of a kind used for
[Link] concrete aggregates, road metalling or 546 000 3 000
railway or other ballast; shingle and flint
Construction sands (excluding silica
[Link] 450 000 3 000
sands, metal bearing sands)
Limestone (flux) and other calcareous
[Link] stone used for the manufacture of lime 118 981
or cement
Granules, chippings and powder of
travertine, ecaussine, granite, porphyry,
[Link] 88 701
basalt, sandstone and other monumental
stone
Silica sands (quartz sands or industrial
[Link] 74 288
sands)
Salt (excluding salt suitable for human
[Link] 46 666
consumption) and pure sodium chloride
(1) The rounding base indicates the magnitude of the rounding employed to protect
confidential cell (in the case of PRODCOM code [Link], the confidential value lies within
the range +/- 3 000 million kg of the reported value).
Source: Eurostat (online data code: DS_066341)

52 Key figures on European business


Sectoral analysis 3
Prodcom (see Tables 3.3 and 3.4) provides information on the
value and quantity of sold production: production is recorded
based on the sale by the producer, and so the sale may be to an
intermediary (distributor) or to a consumer, and as such may be
destined for domestic or export markets.

Table 3.4: Production sold in value terms, selected products,


EU-27, 2009 (1)
Value Rounding
Prodcom
Product (EUR base
code
million) (million)
Crushed stone of a kind used for concrete
aggregates, road metalling or railway or
[Link] 5 460 30
other ballast (excluding gravel, pebbles,
shingle and flint)
Gravel and pebbles of a kind used for
[Link] concrete aggregates, road metalling or 4 280 20
railway or other ballast; shingle and flint
Construction sands (excluding silica sands,
[Link] 3 270 30
metal bearing sands)
Salt (excluding salt suitable for human
[Link] 1 580
consumption) and pure sodium chloride
Iron ores and concentrates
[Link] 1 200 600
(excluding roasted iron pyrites)
Limestone (flux) and other calcareous stone
[Link] 1 020 20
used for the manufacture of lime or cement
[Link] Other minerals 944
Silica sands
[Link] 857
(quartz sands or industrial sands)
( ) Excludes a few products of a generic nature (other) as well as products whose production
1

value is confidential; includes estimates; the rounding base indicates the magnitude of the
rounding employed to protect confidential cell (in the case of PRODCOM code [Link],
the confidential value lies within the range +/- EUR 30 million of the reported value).
Source: Eurostat (online data code: DS_066341)

Key figures on European business 53


3 Sectoral analysis

Manufacturing
Manufacturing was the largest of the NACE sections within
the EU-27s non-financial business economy both in terms of
persons employed and value added; it contributed 24.2 % of the
workforce in 2008 and 27.1 % of value added. Overall, 2.1 million
manufacturing enterprises employed 33.0 million persons in 2008.
The largest subsectors (at the NACE division level) were food and
beverages manufacturing and the manufacture of fabricated metal
products see Figure 3.3.
Figure 3.4 shows that the share of manufacturing within the non-
financial business economys value added varied in 2008 from
13.2 % in Cyprus to 37.6 % in Hungary. The range in employment
terms was similar, from 13.5 % in the Netherlands to 40.0 % in
Slovakia. Table 3.6 indicates the manufacturing activities in which
each country was most specialised, compared with the EU-27
average. For example, the Baltic Member States were all most
specialised in the manufacture of wood and wood products as was
Austria, while Cyprus and Luxembourg were most specialised in
beverages manufacturing.
Manufacturing subsectors are very diverse, combining activities with
low apparent labour productivity, average personnel costs and rates
of investment, such as the manufacture of textiles, leather products,
wearing apparel and furniture, with those with considerably higher
values for the same indicators, such as the processing of coke and
petroleum. There is also great diversity between the manufacturing
sectors of the EU Member States: the wage adjusted labour

Table 3.5: Key indicators, manufacturing, EU-27, 2008


Indicator Units Value
Number of enterprises thousands 2 123
Persons employed thousands 32 961
Turnover EUR million 7 136 428
Value added EUR million 1 669 537
Gross operating surplus EUR million 592 646
Investment EUR million 240 078
Share of non-financial business economy:
no. of enterprises % 10.1
employment % 24.2
value added % 27.1
Apparent labour productivity EUR 1 000/person 51
Average personnel costs EUR 1 000/person 35
Gross operating rate % 8
Annual average rate of change 2005 to 2010
index of production % -0.3
index of employment % -2.3
Source: Eurostat (online data codes: sbs_na_ind_r2, sts_inpr_a, sts_inlb_a)

54 Key figures on European business


Sectoral analysis 3
productivity ratio for Ireland was 2.6 times the level in Sweden in
2008, while the investment rate ranged from 8.4 % in Ireland to more
than 50 % in Romania, Bulgaria and Latvia.

Figure 3.3: Sectoral analysis, manufacturing, EU-27, 2008 (1)


(% share of manufacturing total)
0 2 4 6 8 10 12 14

Fabricated metal products

Food products

Electrical equipment

Computer,electronic&opticalprod.

Rubber & plastic products

Basic metals

Other non-metallic mineral products

Pharmaceuticals

Repair & installation of machinery

Other transport equipment

Paper & paper products

Printing & recorded media

Other manufacturing

Furniture

Wood & wood products

Beverages

Textiles

Wearing apparel

Coke & refined petroleum

Leather & related products

Tobacco products

Machinery & equipment

Motor vehicles & (semi-)trailers

Chemicals & chemical products

Value added
Employment
(1) Chemicals and chemical products, machinery and equipment and motor vehicles and
(semi-)trailers, value added, not available; basic metals, persons employed, not available.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_ind_r2)

Key figures on European business 55


3 Sectoral analysis

Figure 3.4: Share of manufacturing in the


non-financial business economy, 2008 (1)
(%)
0 10 20 30 40 50

HU
FI
DE
CZ
SI
IE
SK
IT
PL
AT
BE
SE
LU
EU-27
RO
EE
PT
DK
BG
FR
ES
LT
NL
UK
LV
CY
HR

Value added
Employment
(1) Greece and Malta, not available; France, persons employed, not available; Croatia, excluding
mining and quarrying and repair of computers and personal and household goods;
Czech Republic, provisional.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_ind_r2)

56 Key figures on European business


Sectoral analysis 3
Table 3.6: Highest employment specialisation ratios (relative to
EU-27) within manufacturing NACE divisions, 2008 (1)
(%)
1st 2nd
BE Chemicals Textiles
BG Wearing apparel Tobacco
CZ Motor vehicles Electrical machinery
DK Pharmaceuticals Machinery & equipment
DE Machinery & equipment Motor vehicles
EE Wood & wood products Coke & refined petroleum
IE Pharmaceuticals Other manufacturing
EL : :
ES Non-metallic mineral prod. Beverages
FR : :
IT Leather Textiles
CY Beverages Wood & wood products
LV Wood & wood products Wearing apparel
LT Wood & wood products Furniture
LU Beverages Fabricated metal products
HU Computer, electr. & optical Coke & refined petroleum
MT : :
NL Tobacco Coke & refined petroleum
AT Wood & wood products Electrical equipment
PL Tobacco Furniture
PT Leather Wearing apparel
RO Wearing apparel Leather
SI Electrical equipment Furniture
SK Leather Motor vehicles
FI Paper & paper products Computer, electr. & optical
SE Paper & paper products Wood & wood products
UK Other transport equipment Printing & recorded media
HR Wearing apparel Leather
(1) Incomplete: highest specialisation ratios among those activities for which data are available.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_ind_r2)

Key figures on European business 57


3 Sectoral analysis

Figure 3.5: Productivity and personnel costs, EU-27, 2008 (1)


(EUR 1 000/person)
0 50 100 150 200

Tobacco products

Coke & refined petroleum

Pharmaceuticals

Beverages

Basic metals

Computer,electronic&opticalprod.

Machinery & equipment

Paper & paper products

Electrical equipment

Manufacturing TOTAL

Other non-metallic mineral products

Printing & recorded media

Food products

Textiles

Wood & wood products

Furniture

Leather & related products

Wearing apparel

Chemicals & chemical products

Rubber & plastic products

Fabricated metal products

Other manufacturing

Apparent labour productivity


Average personnel costs
(1) Motor vehicles and (semi-)trailers, other transport equipment and repair and installation
of machinery, not available; beverages and machinery and equipment, average personnel
costs, not available; chemicals and chemical products, rubber and plastic products,
fabricated metal products and other manufacturing, apparent labour productivity, not
available.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_ind_r2)

58 Key figures on European business


Sectoral analysis 3
Figure 3.6: Wage adjusted labour productivity, manufacturing,
2008 (1)
(%)
0 50 100 150 200 250 300 350

IE

LU

HU

RO

PL

BG

UK

LV

FI

NL

CZ

AT

PT

CY

SK

BE

ES

EE

SI

EU-27

DK

DE

LT

IT

SE

HR

(1) Greece, France and Malta, not available; Czech Republic, provisional.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_ind_r2)

Key figures on European business 59


3 Sectoral analysis

Figure 3.7: Share of operating expenditure, EU-27, 2008 (1)


(%)
0% 25% 50% 75% 100%

Coke & refined petroleum

Food products

Motor vehicles & (semi-)trailers

Tobacco products

Paper & paper products

Manufacturing TOTAL

Computer, electronic & optical products

Leather & related products

Wood & wood products

Pharmaceuticals

Rubber & plastic products

Other non-metallic mineral products

Electrical equipment

Textiles

Furniture

Fabricated metal products

Other manufacturing

Repair & installation of machinery

Printing & recorded media

Purchases of goods and services Personnel costs

( ) Beverages, wearing apparel, chemicals and chemical products, basic metals, machinery and
1

equipment and other transport equipment, not available.


Source: Eurostat (online data code: sbs_na_ind_r2)

60 Key figures on European business


Sectoral analysis 3
Figure 3.8: Gross operating rate, EU-27, 2008 (1)
(%)
0 5 10 15 20 25

Pharmaceuticals

Other manufacturing

Printing & recorded media

Other non-metallic mineral products

Tobacco products

Repair & installation of machinery

Chemicals & chemical products

Machinery & equipment

Rubber & plastic products

Wood & wood products

Furniture

Manufacturing TOTAL

Wearing apparel

Other transport equipment

Computer, electronic & optical products

Paper & paper products

Basic metals

Electrical equipment

Leather & related products

Food products

Textiles

Coke & refined petroleum

(1) Beverages, fabricated metal products and motor vehicles and (semi-)trailers, not available.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_ind_r2)

Key figures on European business 61


3 Sectoral analysis

Figure 3.9: Investment rate, EU-27, 2008 (1)


(%)
0 10 20 30 40 50

Coke & refined petroleum

Beverages

Paper & paper products

Other non-metallic mineral products

Wood & wood products

Motor vehicles & (semi-)trailers

Chemicals & chemical products

Food products

Rubber & plastic products

Manufacturing TOTAL

Printing & recorded media

Textiles

Fabricated metal products

Pharmaceuticals

Furniture

Machinery & equipment

Leather & related products

Other transport equipment

Computer, electronic & optical prod.

Electrical equipment

Tobacco products

Other manufacturing

Wearing apparel

Repair & installation of machinery

(1) Basic metals, not available.


Source: Eurostat (online data code: sbs_na_ind_r2)

62 Key figures on European business


Sectoral analysis 3
Figure 3.10: Investment rate, manufacturing, 2008 (1)
(%)
0 10 20 30 40 50 60

RO

BG

LV

SK

LT

PT

CZ

PL

SI

EE

CY

HU

ES

IT

BE

EU-27

DK

AT

SE

DE

NL

FI

LU

UK

IE

HR

( ) Greece, France and Malta, not available; Czech Republic, provisional.


1

Source: Eurostat (online data code: sbs_na_ind_r2)

Key figures on European business 63


3 Sectoral analysis

The Prodcom list includes around 4 500 products, most of which


are manufactured goods. The value of production sold should be
calculated on the basis of the ex-works selling price obtained/
obtainable during the reporting period. The following are not
included: VAT and consumer taxes; separately charged freight
costs; discounts granted to customers.
Table 3.7 illustrates the information that is available in quantity
terms, where the measurement unit used varies depending on the
nature of the product. For example, EU-27 producers sold around
39 700 million litres of beer in 2009. Table 3.8 shows a selection
of products with high values of production sold in the EU-27 in
2009. This list includes several products from food processing and
motor vehicle manufacturing activities.

Table 3.7: Production sold in quantity terms, selected products,


EU-27, 2009 (1)
Rounding
Prodcom Quantity
Product base Unit
code (million)
(million)
Fresh or chilled cuts, of
[Link] 2 766 kg
beef and veal
[Link] Wheat or meslin flour 30 281 kg
Beer made from malt
(excluding non-alcoholic beer, beer
[Link] 39 664 l
containing <= 0.5% by volume of
alcohol)
Cigarettes containing tobacco or
[Link] mixtures of tobacco and tobacco 710 442 p/st
substitutes
New pneumatic rubber tyres for
[Link] 255 p/st
motor cars (including for racing cars)
[Link] Ready-mixed concrete 730 086 kg
Brakes and servo-brakes and their
[Link] parts (excluding unmounted linings 1 800 300 kg
or pads)
[Link] Gear boxes and their parts 82 p/st
(1) The rounding base indicates the magnitude of the rounding employed to protect
confidential cell (in the case of PRODCOM code [Link], the confidential value lies within
the range +/- 300 million kg of the reported value).
Source: Eurostat (online data code: DS_066341)

64 Key figures on European business


Sectoral analysis 3
Table 3.8: Production sold in value terms, selected products,
EU-27, 2009
Value Rounding
Prodcom
Product (EUR base
code
million) (million)
Motor vehicles with a petrol engine
> 1500 cm (including motor caravans of a
[Link] capacity > 3000 cm) (excluding vehicles for 83 755
transporting >= 10 persons, snowmobiles,
golf cars and similar vehicles)
Motor vehicles with a diesel or semi-diesel
engine > 1500 cm but <= 2500 cm
[Link] (excluding vehicles for transporting >= 10 60 000 20 000
persons, motor caravans, snowmobiles,
golf cars and similar vehicles)
Prepared and preserved meat, meat offal or
10.00.00.Z1 blood, including prepared meat and offal 47 219
dishes
Vehicles with spark-ignition engine of a
[Link] 36 267
cylinder capacity <= 1 500 cm, new
Preparations for animal feeds
10.90.10.Z0 35 618
(excluding dog or cat food)
Beer made from malt (excluding non-
[Link] alcoholic beer, beer containing <= 0.5% by 30 365
volume of alcohol, alcohol duty)
Fresh bread containing by weight in the dry
matter state <= 5% of sugars and <= 5%
[Link] 26 987
of fat (excluding with added honey; eggs;
cheese or fruit)
Grated, powdered, blue-veined and other
[Link] non-processed cheese (excluding fresh 24 000 3 000
cheese, whey cheese and curd)
Cartons, boxes and cases, of corrugated
[Link] 21 277
paper or paperboard
[Link] Ready-mixed concrete 20 834
Cake and pastry products; other bakers
[Link] 19 000 100
wares with added sweetening matter
Aluminium doors, thresholds for doors,
[Link] 18 642
windows and their frames
( ) Excludes a few products of a generic nature (other) as well as products whose production
1

value is confidential; includes estimates; the rounding base indicates the magnitude of the
rounding employed to protect confidential cell (in the case of PRODCOM code [Link],
the confidential value lies within the range +/- EUR 20 000 million of the reported value).
Source: Eurostat (online data code: DS_066341)

Key figures on European business 65


3 Sectoral analysis

Network energy supply


The electricity, gas, steam and air conditioning supply sector
(referred to here as network energy supply) employed 1.2 million
persons in the EU-27 in 2008 equivalent to less than 1 % of the
non-financial business economy total. In contrast, this sector
generated 3.2 % of non-financial business economy value added,
suggesting a high apparent labour productivity alongside high
average personnel costs (EUR 50 000 per employee).
The production and distribution of electricity contributed more
than four fifths of the sectors value added and close to three
quarters of its workforce.
In a number of central and eastern European Member States this
sector was particularly important in terms of its contribution to
employment within the non-financial business economy, most
notably Romania and Slovakia where its share was 2.0 % in 2008.

Figure 3.11: Sectoral analysis, network energy supply, EU-27,


2008 (1)
(% share of network energy supply total)
0 25 50 75 100

Electricity

Gas manufacture
& distribution

Steam & air


conditioning
supply

Value added
Employment

( ) Gas manufacture and distribution, persons employed, not available.


1

Source: Eurostat (online data code: sbs_na_ind_r2)

66 Key figures on European business


Sectoral analysis 3
Table 3.9: Key indicators, network energy supply, EU-27, 2008
Indicator Units Value
Persons employed thousands 1 200
Turnover EUR million 1 100 000
Value added EUR million 199 849
Gross operating surplus EUR million 140 000
Share of non-financial business economy:
employment % 0.9
value added % 3.2
Average personnel costs EUR 1 000/person 50
Annual average rate of change 2005 to 2010
index of production % -0.1
index of employment % 0.1
Source: Eurostat (online data codes: sbs_na_ind_r2, sts_inpr_a, sts_inlb_a)

Table 3.10: Concentration and specialisation, network energy


supply, 2008 (1)
Value added Persons employed
Share of
Share of Most
Largest nonfinancial
EU27 specialised
Member States business
(%) Member States
economy (%)
United Kingdom 13.9 Romania 2.0
France 11.3 Slovakia 2.0
Italy 9.4 Lithuania 1.8
Spain 8.8 Latvia 1.8
Poland 4.7 Poland 1.8
(1) Belgium, Greece and Malta, not available; Germany, value added, not available;
France, persons employed, not available; Czech Republic, provisional.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_ind_r2)

Key figures on European business 67


3 Sectoral analysis

Water supply, sewerage, waste and


recycling activities
There were 60 000 enterprises in the water supply, sewerage,
waste and recycling activities sector across the EU-27 in 2008
which employed 1.3 million persons. Together these enterprises
generated EUR 218 100 million of turnover. Enterprises in this
sector were, on average, relatively large (in employment terms),
as the sector contributed only 0.3 % of all enterprises in the
non-financial business economy, but accounted for 0.9 % of the
workforce. Waste and materials recovery was the largest subsector
in employment terms, occupying nearly three fifths of the sectors
workforce.
As for network energy supply, this sector contributed a relatively
large share of the non-financial business economy workforce in
a number of central and eastern European Member States see
Table 3.12.

Figure 3.12 Sectoral analysis of employment, water supply,


sewerage, waste and recycling, EU-27, 2008
(% share of water supply, sewerage, waste and recycling total)
0 10 20 30 40 50 60

Waste&materials
recovery

Water supply

Sewerage

Remediation&other
waste management

Source: Eurostat (online data code: sbs_na_ind_r2)

68 Key figures on European business


Sectoral analysis 3
Table 3.11: Key indicators, water supply, sewerage, waste and
recycling, EU-27, 2008
Indicator Units Value
Number of enterprises thousands 60
Persons employed thousands 1 266
Turnover EUR million 218 103
Investment EUR million 32 426
Share of non-financial business economy:
no. of enterprises % 0.3
employment % 0.9
Average personnel costs EUR 1 000/person 32
Annual average rate of change 2005 to 2010
index of employment % 0.3
Source: Eurostat (online data codes: sbs_na_ind_r2, sts_inpr_a, sts_inlb_a)

Table 3.12: Concentration and specialisation, water supply,


sewerage, waste and recycling, 2008 (1)
Persons employed
Share of
Most
Largest Share of nonfinancial
specialised
Member States EU27 (%) business
Member States
economy (%)
Germany 13.8 Slovakia 1.9
Italy 13.6 Romania 1.8
United Kingdom 11.1 Hungary 1.6
Poland 8.8 Bulgaria 1.6
Spain 7.9 Czech Republic 1.5
(1) Greece, France and Malta, not available; Czech Republic, provisional.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_ind_r2)

Key figures on European business 69


3 Sectoral analysis

Construction
Construction activity is particularly cyclical, influenced by
business and consumer confidence, interest rates and government
programmes. During the recent financial and economic crisis
activity in the construction sector declined greatly. In 2008 the
EU-27s construction sector had around 3.3 million enterprises
that together generated value added of EUR 604 400 million and
employed 15.0 million persons. This sector accounted for 15.6 % of
the enterprises in the non-financial business economy, compared
with 11.0 % of the workforce and 9.8 % of value added; the high
proportion of the number of enterprises reflects the importance of
SMEs in the construction sector.
The construction of buildings contributed around one third of
the sectors value added and employment in the EU-27 compared
with just over one tenth for civil engineering. The remainder of the
sector was made up of various specialised construction activities,
most notably installation activities and building completion
and finishing activities, such as electrical and plumbing work or
plastering and painting.
Cyprus was the most specialised Member State in construction
(in value added terms), relative to the EU-27 total, as this sector
accounted for 23.4 % of Cypriot non-financial business economy
value added in 2008, while in employment terms Luxembourg was
most specialised (17.8 % of its non-financial business economy
workforce worked in construction). Among the larger Member
States, Spain was relatively specialised in construction, particularly
building construction where it accounted for more than a quarter
of the EU-27s value added.

Figure 3.13: Sectoral analysis, construction, EU-27, 2008


(% share of construction total)
0 5 10 15 20 25 30 35 40

Construction of buildings

Construction installation

Building completion & finishing

Civil engineering

Other specialised construction

Demolition & site preparation

Value added
Employment

Source: Eurostat (online data code: sbs_na_con_r2)

70 Key figures on European business


Sectoral analysis 3
Table 3.13: Key indicators, construction, EU-27, 2008
Indicator Units Value
Number of enterprises thousands 3 285
Persons employed thousands 15 047
Turnover EUR million 1 907 138
Value added EUR million 604 362
Gross operating surplus EUR million 239 999
Investment EUR million 97 287
Share of non-financial business economy:
no. of enterprises % 15.6
employment % 11.0
value added % 9.8
Apparent labour productivity EUR 1 000/person 40
Average personnel costs EUR 1 000/person 31
Gross operating rate % 13
Annual average rate of change 2005 to 2010
index of production % -2.3
index of employment % -1.1
Source: Eurostat (online data codes: sbs_na_con_r2, sts_copr_a, sts_colb_a)

Table 3.14: Concentration and specialisation, 2008 (1)


Value added Persons employed
Share of
Share of Most
Largest nonfinancial
EU27 specialised
Member States business
(%) Member States
economy (%)
Construction of buildings
Spain 26.0 Portugal 8.0
United Kingdom 17.2 Spain 7.8
Italy 16.7 Cyprus 7.3
France 6.3 Lithuania 7.0
Germany 6.3 Bulgaria 6.9
Civil engineering
United Kingdom 23.9 Cyprus 3.2
France 12.3 Romania 2.6
Spain 11.7 Portugal 2.6
Germany 9.3 Latvia 2.5
Italy 7.3 Estonia 2.4
Specialised construction activities
France 21.4 Luxembourg 10.1
United Kingdom 16.1 Denmark 8.2
Germany 13.9 Italy 7.5
Italy 12.7 Spain 7.4
Spain 10.8 Belgium 7.2
(1) Greece and Malta, not available; France, persons employed, not available;
Czech Republic and Spain, provisional.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_con_r2)

Key figures on European business 71


3 Sectoral analysis

Distributive trades
Most activities in this sector involve the purchase and resale of goods
in the same condition and as a consequence turnover is typically
high: distributive trades generated 36.6 % of non-financial business
economy turnover in the EU-27 in 2008, which can be contrasted
with an 18.7 % share of value added. The substantial difference in
these two output shares was reflected in the 5.1 % gross operating
rate, which was by far the lowest among the NACE sections in the
non-financial business economy. Distributive trades is characterised
by high levels of part-time employment, and this sectors workforce
of 32.8 million persons, equivalent to almost a quarter (24.1 %) of
the EU-27 non-financial business economy workforce, was only
slightly smaller than that for manufacturing.
Among the 6.1 million enterprises classified to distributive trades
are a small number of large national and international groups and a
very high number of SMEs often providing proximity services.
The distributive trades sector can be subdivided in many ways: the
analysis presented here identifies six subsectors (see Figure 3.14),
one covering motor trades, two in wholesale trade (distinguishing
agents working on commission from own account wholesalers that
buy and resell) and three in retail trade (separating automotive

Figure 3.14: Sectoral analysis, distributive trades, EU-27, 2008


(% share of distributive trades total)
0 10 20 30 40 50

Ownaccountwholesaletrade

Other(specialised)retailtrade

Non-specialisedretailing

Motortrades

Commissionwholesaletrade

Automotivefuelretailing

Value added
Employment
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_dt_r2)

72 Key figures on European business


Sectoral analysis 3
fuel retailing from other (specialised) retail trade, and these
from non-specialised retailers such as department stores, general
stores and supermarkets). Two subsectors dominate, namely own
account wholesaling and other (specialised) retail trade; together
they accounted for around two thirds of distributive trades value
added and employment.

Table 3.15: Key indicators, distributive trades, EU-27, 2008


Indicator Units Value
Number of enterprises thousands 6 144
Persons employed thousands 32 816
Turnover EUR million 9 117 514
Value added EUR million 1 153 272
Gross operating surplus EUR million 465 472
Investment EUR million 132 683
Share of non-financial business economy:
no. of enterprises % 29.3
employment % 24.1
value added % 18.7
Apparent labour productivity EUR 1 000/person 35
Average personnel costs EUR 1 000/person 25
Gross operating rate % 5
Annual average rate of change 2005 to 2010
index of turnover % 2.4
index of employment % 0.2
Source: Eurostat (online data codes: sbs_na_dt_r2, sts_trtu_a, sts_trlb_a)

Table 3.16: Concentration and specialisation,


distributive trades, 2008 (1)
Value added Persons employed
Share of
Share of Most
Largest nonfinancial
EU27 specialised
Member States business
(%) Member States
economy (%)
Germany 18.7 Lithuania 29.2
United Kingdom 16.2 Ireland 29.1
France 14.5 Cyprus 28.3
Italy 9.9 Poland 28.1
Spain 9.4 Latvia 27.8
(1) Greece and Malta, not available; France, persons employed, not available;
Czech Republic and Romania, provisional.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_dt_r2)

Key figures on European business 73


3 Sectoral analysis

The two wholesale trade subsectors recorded higher shares of


the sectors value added than its workforce, indicating above
average apparent labour productivity, particularly in own account
wholesale trade, while the reverse was true in the three retail
trade subsectors. Despite relatively low values, apparent labour
productivity in all of the subsectors exceeded average personnel
costs as can be seen in Figure 3.15. The same was true for each
of the Member States for distributive trades as a whole, as wage
adjusted labour productivity (which shows as a percentage the
ratio between apparent labour productivity and average personnel
costs) exceeded 100 % (Figure 3.16).
Due to the essential nature of many distributive trades (particularly
food retailing) the share of this sector in the non-financial business
economy total did not vary greatly between Member States. In
employment terms, the highest shares were just over 29 % in
Lithuania and Ireland, while the proportion fell only below 20 %
in Luxembourg, the Czech Republic and Slovenia. Looking in
more detail, a greater degree of specialisation could be seen for
some of the subsectors (see Table 3.17). Most notably commission
wholesale trade was relatively important in Slovenia where it
provided employment for 2.6 % of the non-financial business

Figure 3.15: Productivity and personnel costs, EU-27, 2008


(EUR 1 000/person)
0 10 20 30 40 50 60

Ownaccountwholesaletrade

Commission wholesale trade

DistributivetradesTOTAL

Motor trades

Automotive fuel retailing

Other (specialised) retail trade

Non-specialised retailing

Apparent labour productivity


Average personnel costs
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_dt_r2)

74 Key figures on European business


Sectoral analysis 3
economy workforce, in comparison with a share of 0.5 % or less
in nine of the Member States. In contrast, the relative importance
of own account wholesale varied least between Member
States, ranging from 4.9 % of non-financial business economy
employment in Slovenia to 8.9 % in the Netherlands.

Figure 3.16: Wage adjusted labour productivity, distributive


trades, 2008 (1)
(%)
0 50 100 150 200 250

RO
BG
SK
PL
LV
UK
SI
NL
DE
LU
HU
PT
EE
LT
CZ
CY
FI
IE
EU-27
AT
NO
DK
BE
ES
SE
IT
HR

(1) Greece, France and Malta, not available; Czech Republic and Romania, provisional.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_dt_r2)

Key figures on European business 75


3 Sectoral analysis

Figure 3.17: Gross operating rate, EU-27, 2008


(%)
0 2 4 6 8 10 12

Commission wholesale trade

Other (specialised) retail trade

Distributive trades TOTAL

Motor trades

Ownaccountwholesaletrade

Non-specialised retailing

Automotive fuel retailing

Source: Eurostat (online data code: sbs_na_dt_r2)

Figure 3.18: Investment rate, EU-27, 2008


(%)
0 5 10 15 20 25

Automotive fuel retailing

Non-specialised retailing

Motor trades

Distributive trades TOTAL

Commission wholesale trade

Other (specialised) retail trade

Ownaccountwholesaletrade

Source: Eurostat (online data code: sbs_na_dt_r2)

76 Key figures on European business


Sectoral analysis 3
Table 3.17: Concentration and specialisation, 2008 (1)
Value added Persons employed
Share of
Share of Most
Largest nonfinancial
EU27 specialised
Member States business
(%) Member States
economy (%)
Motor trades
Germany 22.9 Lithuania 4.1
United Kingdom 18.1 Cyprus 3.4
France 13.5 Portugal 3.3
Italy 9.3 Belgium 3.2
Spain 8.1 Austria 3.0
Commission wholesale trade (2)
Italy 26.2 Slovenia 2.6
France 15.5 Italy 1.9
United Kingdom 12.1 Slovakia 1.8
Spain 7.7 Portugal 1.1
Germany 7.5 Romania 1.0
Own account wholesale trade (2)
Germany 19.0 Netherlands 8.9
United Kingdom 15.2 Poland 8.6
France 13.5 Belgium 8.6
Spain 9.1 Latvia 8.5
Italy 8.9 Cyprus 8.5
Non-specialised retailing
United Kingdom 20.4 United Kingdom 7.5
Germany 16.5 Ireland 7.4
France 16.1 Romania 6.7
Spain 9.9 Latvia 6.6
Italy 8.8 Poland 6.5
Automotive fuel retailing
Spain 15.4 Ireland 0.9
Germany 15.3 Luxembourg 0.9
United Kingdom 13.9 Lithuania 0.9
Italy 10.7 Bulgaria 0.9
Poland 6.3 Latvia 0.7
Other (specialised) retailing
Germany 19.2 Cyprus 10.6
France 16.3 Ireland 9.9
United Kingdom 16.0 Portugal 9.5
Spain 10.4 Spain 9.4
Italy 9.9 Austria 9.1
(1) All activities: Greece and Malta, not available; France, persons employed, not available;
Czech Republic and Romania, provisional.
(2) Luxembourg, persons employed, not available.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_dt_r2)

Key figures on European business 77


3 Sectoral analysis

Transport and storage


In 2008 there were around 1.1 million enterprises in the transport
and storage sector in the EU-27, equivalent to 5.3 % of the non-
financial business economy enterprise population. These enterprises
employed 10.9 million persons and added EUR 476 600 million of
value in 2008, which represented 8.0 % of those working in the non-
financial business economy and 7.7 % of the wealth generated. The
relatively low share of the enterprise population indicates that the
average size of transport and storage enterprises (in value added or
employment terms) was above the non-financial business economy
average; in fact this sector includes some subsectors which are
dominated by very large enterprises, for example, postal services,
air and rail transport.
In value added terms, the largest subsector was warehousing and
transport support activities (such as the operation of terminals),
which accounted for one third of the sectors value added, followed
by road freight transport and removals which had a share of just over
one fifth. The subsectors recorded very different levels of apparent
labour productivity and this reversed the ranking of the two largest

Figure 3.19: Sectoral analysis, transportation and storage,


EU-27, 2008
(% share of transportation and storage total)
0 5 10 15 20 25 30 35

Warehousing & transport support

Road freight transport & removals

Other passenger land transport

Postal & courier activities

Water transport

Air transport

Passenger rail transport, interurban

Transport via pipeline

Freight rail transport

Value added
Employment

Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

78 Key figures on European business


Sectoral analysis 3
subsectors when considered in employment terms; furthermore,
other passenger land transport as well as postal and courier activities
both contributed close to one fifth of the sectors employment. The
differences in apparent labour productivity can be seen in Figure
3.20, where the exceptionally high values for transport via pipelines
and water transport stand out.

Table 3.18: Key indicators, transportation and storage, EU-27,


2008
Indicator Units Value
Number of enterprises thousands 1 118
Persons employed thousands 10 863
Turnover EUR million 1 305 077
Value added EUR million 476 619
Gross operating surplus EUR million 166 080
Investment EUR million 126 012
Share of non-financial business economy:
no. of enterprises % 5.3
employment % 8.0
value added % 7.7
Apparent labour productivity EUR 1 000/person 44
Average personnel costs EUR 1 000/person 32
Gross operating rate % 13
Annual average rate of change 2005 to 2010
index of turnover % 4.1
index of employment % 0.0
Source: Eurostat (online data codes: sbs_na_1a_se_r2, sts_setu_a, sts_selb_a)

Table 3.19: Concentration and specialisation,


transportation and storage, 2008 (1)
Value added Persons employed
Share of
Share of Most
Largest nonfinancial
EU27 specialised
Member States business
(%) Member States
economy (%)
Germany 19.2 Denmark 15.5
France 15.8 Latvia 11.4
United Kingdom 15.4 Finland 10.9
Italy 10.5 Lithuania 10.4
Spain 9.1 Luxembourg 10.0
(1) Greece and Malta, not available; France, number of persons employed, not available;
Czech Republic and Romania, provisional.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

Key figures on European business 79


3 Sectoral analysis

The transport and storage sectors level of investment reached


EUR 126 000 million in 2008, equivalent to 31.4 % of value added,
the highest investment rate among the non-financial business
economy NACE sections (for which data are available) in the EU-27.
Figure 3.23 shows that the investment rate in 2008 was highest
in water transport and interurban passenger rail transport where
investment was more than half the level of value added.
In 2008 the Member State most specialised in the transport and
storage sector, in employment terms, was Denmark, as 15.5 %
of the Danish non-financial business economy workforce was
employed in this sector; this was far ahead of the 11.4 % share in
Latvia, the next most specialised Member State. The high Danish
specialisation was mainly due to a particularly high specialisation
in land transport which alone accounted for 11.9 % of the non-
financial business economy workforce.
Germany had the highest value added among the Member States
in three of the five subsectors shown in Table 3.20, with its share
reaching 29.8 % for water transport and 25.0 % for warehousing
and transport support activities. In air transport the United
Kingdom also recorded a large share, accounting for 25.2 % of
EU-27 value added.

Figure 3.20: Productivity and personnel costs, EU-27, 2008


(EUR 1 000/person)
0 50 100 150 200 250 300

Transport via pipeline

Water transport

Air transport

Warehousing & transport support

Passengerrailtransport,interurban

Transportation&storage TOTAL

Road freight transport & removals

Freight rail transport

Postal & courier activities

Other passenger land transport

Apparent labour productivity


Average personnel costs
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

80 Key figures on European business


Sectoral analysis 3
Figure 3.21: Wage adjusted labour productivity, transportation
and storage, 2008 (1)
(%)
0 50 100 150 200 250

LV

BG

RO

LT

DE

EE

PT

UK

PL

NL

AT

CY

BE

CZ

EU-27

SI

DK

ES

LU

SK

FI

IE

HU

IT

NO

HR

(1) Greece, France, Malta and Sweden, not available; Czech Republic and Romania, provisional.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

Key figures on European business 81


3 Sectoral analysis

Figure 3.22: Gross operating rate, EU-27, 2008


(%)
0 10 20 30 40 50

Transport via pipeline

Warehousing & transport support

Water transport

Other passenger land transport

Transportation&storage TOTAL

Road freight transport & removals

Postal & courier activities

Passengerrailtransport,interurban

Freight rail transport

Air transport

Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

Figure 3.23: Investment rate, EU-27, 2008


(%)
0 10 20 30 40 50 60 70

Water transport

Passengerrailtransport,interurban

Transport via pipeline

Warehousing & transport support

Transportation&storage TOTAL

Air transport

Other passenger land transport

Freight rail transport

Road freight transport & removals

Postal & courier activities

Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

82 Key figures on European business


Sectoral analysis 3
Table 3.20: Concentration and specialisation, 2008 (1)
Value added Persons employed
Share of
Share of Most
Largest nonfinancial
EU27 specialised
Member States business
(%) Member States
economy (%)
Land transport
France 17.5 Denmark 11.9
Germany 15.3 Lithuania 7.5
United Kingdom 13.0 Luxembourg 6.7
Spain 11.2 Poland 6.4
Italy 10.8 Latvia 6.2
Water transport (2)
Germany 29.8 Denmark 0.7
United Kingdom 12.1 Sweden 0.6
Italy 11.8 Estonia 0.3
Denmark 11.3 Bulgaria 0.3
Netherlands 11.0 Lithuania 0.2
Air transport (3)
United Kingdom 25.2 Ireland 0.6
Netherlands 11.0 United Kingdom 0.5
Spain 9.9 Austria 0.4
Ireland 4.4 Denmark 0.3
Italy 4.4 Spain 0.3
Warehousing & transport support
Germany 25.0 Latvia 3.8
United Kingdom 16.8 Cyprus 3.5
France 13.3 Slovakia 2.9
Italy 10.0 Germany 2.4
Spain 9.3 Estonia 2.4
Post & courier activities (4)
Germany 20.6 Germany 1.8
United Kingdom 17.3 Belgium 1.7
Italy 13.2 Slovakia 1.6
Netherlands 4.6 Denmark 1.6
Spain 4.5 Hungary 1.5
(1) All activities: Greece and Malta, not available; France, persons employed, not available;
Czech Republic and Romania, provisional.
(2) Cyprus, Luxembourg, Poland, Portugal and Finland, not available; Netherlands, persons
employed, not available.
(3) Estonia, Cyprus, Luxembourg, Portugal, Finland and Sweden, not available; France and
Latvia, value added, not available; Netherlands, persons employed, not available.
(4) Estonia, Luxembourg, Poland, Finland and Sweden, not available; France, Latvia, value added,
not available.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

Key figures on European business 83


3 Sectoral analysis

Accommodation and food services


This sector, which forms part of tourism supply, generally faces
decreased spending by consumers during times of economic
slowdown, coupled with reduced business activity as business
trips and corporate entertainment are also reduced. Exchange
rate changes can also impact on this sector through shifts between
outbound and domestic tourism.
The accommodation and food services sector recorded value
added of EUR 194 100 million in the EU-27 in 2008 and employed
9.6 million persons, many of them part-time; its workforce was
also characterised by a large number of working proprietors and
unpaid family workers. This sectors contribution to non-financial
business economy employment was therefore much higher (7.1 %)
than its contribution to value added (3.2 %), while it accounted
for an even larger share (8.1 %) of the number of enterprises,
reflecting the small average size of enterprises in accommodation
and food services.
Apparent labour productivity of EUR 20 000 per person employed
was recorded in 2008 alongside average personnel costs of
EUR 16 400 per employee, in both cases the lowest among the
NACE sections in the non-financial business economy. In Cyprus,
17.3 % of the non-financial business economy workforce was active
in accommodation and food services, making it by far the most
specialised Member State in these activities (note that there is no
Figure 3.24: Sectoral analysis, accommodation and food
services, EU-27, 2008 (1)
(% share of accommodation and food services total)
0 10 20 30 40 50

Restaurants & mobile food services

Hotels & similar accommodation

Beverage serving

Event catering & other food services

Holiday&shortstay accommodation

Other accommodation

Camping & recreational parks

Value added
Employment
(1) Camping and recreational parks, value added, not available.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

84 Key figures on European business


Sectoral analysis 3
recent data available for Greece or Malta which traditionally are
highly specialised in this sector). Ireland, the United Kingdom and
Austria were also specialised in these activities, with the United
Kingdom recording the largest share of EU-27 value added for
both accommodation services and for food and beverage services
(see Table 3.22).

Table 3.21: Key indicators, accommodation and food services,


EU-27, 2008
Indicator Units Value
Number of enterprises thousands 1 696
Persons employed thousands 9 612
Turnover EUR million 461 343
Value added EUR million 194 131
Gross operating surplus EUR million 63 593
Investment EUR million 29 112
Share of non-financial business economy:
no. of enterprises % 8.1
employment % 7.1
value added % 3.2
Apparent labour productivity EUR 1 000/person 20
Average personnel costs EUR 1 000/person 16
Gross operating rate % 14
Annual average rate of change 2005 to 2010
index of turnover % 1.3
index of employment % 0.5
Source: Eurostat (online data codes: sbs_na_1a_se_r2, sts_setu_a, sts_selb_a)

Table 3.22: Concentration and specialisation, accommodation


and food services, 2008 (1)
Value added Persons employed
Share of
Share of Most
Largest nonfinancial
EU27 specialised
Member States business
(%) Member States
economy (%)
Accommodation
United Kingdom 16.8 Cyprus 7.1
Germany 15.0 Ireland 4.3
Spain 14.0 Austria 4.0
France 13.9 United Kingdom 2.1
Italy 13.4 Spain 2.0
Food & beverage services
United Kingdom 21.0 Cyprus 10.2
France 17.0 United Kingdom 8.6
Spain 13.8 Ireland 8.5
Italy 13.1 Spain 7.4
Germany 11.5 Portugal 7.0
(1) Greece and Malta, not available; France, persons employed, not available;
Czech Republic and Romania, provisional.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

Key figures on European business 85


3 Sectoral analysis

Information and communication services


Information and communication services include the production
and distribution of information and cultural products, the provision
of the means to transmit or distribute these products, as well as data
or communications, information technology activities and the
processing of data and other information service activities. Some of
these subsectors have particularly large enterprises, for example in
telecommunications and broadcasting.
In the EU-27 the information and communication services sector
included 797 000 enterprises, employing 5.8 million persons in
2008 and generating EUR 502 500 million of value added. As such,
it employed 4.3 % of the non-financial business economy workforce,
but generated 8.2 % of value added, indicating a particularly high
apparent labour productivity ratio. As can be seen from Figure 3.26
all of its subsectors recorded apparent labour productivity in excess
of the average for the non-financial business economy (EUR 45 000
per person employed), with programming and broadcasting and
telecommunications recording particularly high productivity levels
using this measure.

Figure 3.25: Sectoral analysis, information and communication,


EU-27, 2008
(% share of information and communication total)
0 10 20 30 40 50

Telecommunications

Computer activities

Publishing activities

Information services

Programming & broadcasting

Audiovisualprod.&musicpublishing

Value added
Employment

Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

86 Key figures on European business


Sectoral analysis 3
Based on an analysis of value added, the two largest subsectors were
telecommunications and computer activities, combining to provide
close to three quarters of the sectoral total. In employment terms,
computer activities was by far the largest subsector, employing over
two fifths of the sectors workforce, more than double the share for
telecommunications. Telecommunications was the only one of the
six subsectors shown in Figure 3.25 where the share of employment
was lower than the value added share.

Table 3.23: Key indicators, information and communication,


EU-27, 2008
Indicator Units Value
Number of enterprises thousands 797
Persons employed thousands 5 798
Turnover EUR million 1 141 269
Value added EUR million 502 495
Gross operating surplus EUR million 239 714
Investment EUR million 57 279
Share of non-financial business economy:
no. of enterprises % 3.8
employment % 4.3
value added % 8.2
Apparent labour productivity EUR 1 000/person 87
Average personnel costs EUR 1 000/person 50
Gross operating rate % 21
Annual average rate of change 2005 to 2010
index of turnover % 1.5
index of employment % 0.9
Source: Eurostat (online data codes: sbs_na_1a_se_r2, sts_setu_a, sts_selb_a)

Table 3.24: Concentration and specialisation,


information and communication, 2008 (1)
Value added Persons employed
Share of
Share of Most
Largest nonfinancial
EU27 specialised
Member States business
(%) Member States
economy (%)
United Kingdom 21.9 Sweden 6.7
Germany 19.2 Finland 6.3
France 14.6 United Kingdom 6.1
Italy 10.1 Luxembourg 6.1
Spain 7.6 Ireland 5.6
(1) Greece and Malta, not available; France, persons employed, not available;
Czech Republic and Romania, provisional.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

Key figures on European business 87


3 Sectoral analysis

Along with high apparent labour productivity the EU-27s


information and communication services sector recorded high
average personnel costs, averaging EUR 50 200 per employee in
2008, the highest average (along with network energy supply) among
the non-financial business economy NACE sections. The two largest
subsectors, telecommunications and computer activities, recorded
the highest average personnel costs. The gross operating rate, which
shows the ratio of the gross operating surplus to turnover, was
also relatively high for information and communication services,
reaching 21.0 % in 2008, just over double the non-financial business
economy average (10.2 %). However, telecommunications was
the only subsector with a gross operating rate above the sectoral
average, while the audiovisual production and music publishing
activity recorded a rate that was marginally below the non-financial
business economy average.
The Member States most specialised in information and
communication services were Sweden, Finland, the United
Kingdom and Luxembourg, all reporting 6 % or more of their
non-financial business economy workforce in this sector. The
United Kingdom reported the highest value added in this sector,
equivalent to 21.9 % of the EU-27 total, ahead of Germany (19.2 %).
Table 3.25 shows that Sweden and Finland were both relatively
specialised in publishing activities and computer activities, while
the United Kingdom had the largest share of EU-27 value added
in the two largest subsectors, namely telecommunications and
computer activities. France recorded a particularly large share
of EU-27 value added in audiovisual production and music
publishing, at just under 30 % of the total.

Figure 3.26: Productivity and personnel costs, EU-27, 2008 (1)


(EUR 1 000/person)
0 50 100 150 200

Telecommunications

Programming & broadcasting

Info.&communicationTOTAL

Computer activities

Information services

Audiovisualprod.&musicpublishing

Apparent labour productivity


Average personnel costs

(1) Publishing activities, not available.


Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

88 Key figures on European business


Sectoral analysis 3
Figure 3.27: Wage adjusted labour productivity,
information and communication, 2008 (1)
(%)
0 50 100 150 200 250 300

BG

SK

LU

RO

IE

PL

LV

PT

LT

CZ

CY

ES

EE

IT

DE

UK

EU-27

HU

SI

NL

BE

FI

DK

AT

HR

NO

(1) Greece, France, Malta and Sweden, not available; Czech Republic and Romania, provisional.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

Key figures on European business 89


3 Sectoral analysis

Figure 3.28: Gross operating rate, EU-27, 2008 (1)


(%)
0 5 10 15 20 25 30 35

Telecommunications

Info.&communicationTOTAL

Programming & broadcasting

Computer activities

Information services

Audiovisualprod.&musicpublishing

(1) Publishing activities, not available.


Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

Figure 3.29: Investment rate, EU-27, 2008


(%)
0 5 10 15 20 25

Telecommunications

Audiovisualprod.&musicpublishing

Info.&communicationTOTAL

Programming & broadcasting

Information services

Computer activities

Publishing activities

Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

90 Key figures on European business


Sectoral analysis 3
Table 3.25: Concentration and specialisation, 2008 (1)
Value added Persons employed
Share of
Share of Most
Largest nonfinancial
EU27 specialised
Member States business
(%) Member States
economy (%)
Publishing activities (2)
Germany 21.4 Sweden 1.4
United Kingdom 20.5 Finland 1.3
France 16.3 Denmark 1.3
Spain 6.5 United Kingdom 0.9
Italy 5.9 Estonia 0.9
Audiovisual production & music publishing
France 29.5 United Kingdom 0.6
Germany 16.4 Sweden 0.4
United Kingdom 11.8 Ireland 0.4
Italy 10.2 Denmark 0.4
Spain 10.0 Netherlands 0.3
Programming & broadcasting (3)
Germany 20.0 Cyprus 0.9
United Kingdom 18.3 Finland 0.4
Italy 14.5 Ireland 0.4
France 13.7 Latvia 0.3
Spain 7.5 Denmark 0.3
Telecommunications (4)
United Kingdom 18.5 Cyprus 1.4
Germany 16.8 Ireland 1.2
France 14.8 Romania 1.2
Italy 12.2 United Kingdom 1.2
Spain 9.7 Sweden 1.0
Computer activities (5)
United Kingdom 27.3 Sweden 3.3
Germany 19.7 Finland 3.1
France 12.4 United Kingdom 2.9
Italy 7.2 Netherlands 2.8
Spain 5.8 Belgium 2.4
Information services (6)
Germany 26.3 Italy 0.9
United Kingdom 22.1 Austria 0.6
Italy 18.1 Slovakia 0.5
France 11.8 Hungary 0.4
Spain 3.7 Germany 0.4
(1) All activities: Greece and Malta, not available; France, persons employed, not available;
Czech Republic and Romania, provisional.
(2) Ireland, not available; Netherlands, persons employed, not available.
(3) Netherlands, persons employed, not available.
(4) Belgium, Luxembourg and Finland, not available.
(5) Luxembourg, not available.
(6) Belgium, Ireland, Luxembourg and Finland, not available.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

Key figures on European business 91


3 Sectoral analysis

Real estate activities


Enterprises in the real estate activities sector are typically small
but with a high level of value added. In total there were around
1.1 million real estate enterprises in the EU-27 in 2008, employing
2.5 million persons and generating EUR 220 000 million of
value added from EUR 420 000 million of turnover. This sector
accounted for just 1.8 % of the EU-27s workforce in the non-
financial business economy, but contributed 3.6 % of its value
added. Consequently, apparent labour productivity was very
high, averaging EUR 87 000 per person employed, the same as for
information and communication services, and second among the
non-financial business economy NACE sections to mining and
quarrying. In contrast, average personnel costs were EUR 31 000
per employee, in line with the non-financial business economy
average. The level of investment for real estate activities was also
high, reaching EUR 140 000 million in 2008; reflecting the nature
of this activity, which includes renting or leasing of own property.

Figure 3.30: Sectoral analysis, real estate activities, EU-27, 2008 (1)
(% share of real estate services total)
0 10 20 30 40 50 60 70 80

Rentingofrealestate

Commissionrealestateactivities

Buying & selling own real estate

Value added
Employment

(1) Buying and selling own real estate, value added, not available.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

92 Key figures on European business


Sectoral analysis 3
Equally, the gross operating rate was high, as the gross operating
surplus was equivalent to around 40 % of turnover, reflecting
the fact that operating costs in this activity are often small in
comparison with financial costs. Germany had by far the highest
value added for real estate activities, generating 29.7 % of the
EU-27 total, slightly larger than the combined shares of the United
Kingdom and France.

Table 3.26: Key indicators, real estate activities, EU-27, 2008


Indicator Units Value
Number of enterprises thousands 1 097
Persons employed thousands 2 500
Turnover EUR million 420 000
Value added EUR million 220 000
Gross operating surplus EUR million 168 000
Investment EUR million 140 000
Share of non-financial business economy:
no. of enterprises % 5.2
employment % 1.8
value added % 3.6
Apparent labour productivity EUR 1 000/person 87
Average personnel costs EUR 1 000/person 31
Gross operating rate % 40
Source: Eurostat (online data codes: sbs_na_1a_se_r2, sts_setu_a, sts_selb_a)

Table 3.27: Concentration and specialisation,


real estate activities, 2008 (1)
Value added Persons employed
Share of
Share of Most
Largest nonfinancial
EU27 specialised
Member States business
(%) Member States
economy (%)
Germany 29.7 Latvia 5.4
United Kingdom 14.8 Lithuania 3.1
France 14.5 Hungary 2.8
Italy 7.3 Estonia 2.7
Spain 6.2 Sweden 2.5
(1) Greece, Luxembourg and Malta, not available; France, persons employed, not available;
Czech Republic and Romania, provisional.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

Key figures on European business 93


3 Sectoral analysis

Professional, scientific and technical activities


This NACE section includes activities that often have key personnel
with a relatively high degree of training who use their specialised
knowledge and skills to provide services to clients. Enterprises
providing professional, scientific and technical activities are often
small, and this is reflected in the high proportion (16.1 %) of the
EU-27s non-financial business economy enterprise population
that was classified to these activities in 2008; in contrast, it
contributed 9.3 % of value added and 7.9 % of employment.
The level of investment in professional, scientific and technical
activities in the EU-27 was EUR 42 600 million in 2008, equivalent
to 8.8 % of the added value, a particularly low investment rate
compared with other non-financial business economy NACE
sections. The investment rate was as low as 4.2 % for legal and
accounting activities, but reached as high as 20.0 % for scientific
research and development.
Figure 3.31 presents an analysis of the seven professional,
scientific and technical subsectors. Legal and accounting activities
combined with architectural and engineering activities, technical
testing and analysis provided 56 % of the sectors employment
and value added. Most of these subsectors contributed a slightly

Figure 3.31: Sectoral analysis, professional,


scientific and technical activities, EU-27, 2008
(% share of professional, scientific and technical activities total)
0 5 10 15 20 25 30

Legal & accounting activities

Architect., engineer. & tech. activ.

Headoffices&managementcons.

Advertising & market research

Otherprof.,scientific&[Link].

Scientificresearch&development

Veterinary activities

Value added
Employment

Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

94 Key figures on European business


Sectoral analysis 3
larger share of the sectors employment than its value added,
counterbalanced by the third largest subsector, namely the activity
of head offices and of management consultancy activities, which
had a much higher value added share, indicating a higher apparent
labour productivity.

Table 3.28: Key indicators, professional,


scientific and technical activities, EU-27, 2008 (1)
Indicator Units Value
Number of enterprises thousands 3 392
Persons employed thousands 10 752
Turnover EUR million 1 168 753
Value added EUR million 573 128
Gross operating surplus EUR million 231 963
Investment EUR million 42 594
Share of non-financial business economy:
no. of enterprises % 16.1
employment % 7.9
value added % 9.3
Apparent labour productivity EUR 1 000/person 53
Average personnel costs EUR 1 000/person 43
Gross operating rate % 20
Annual average rate of change 2005 to 2010
index of turnover % 3.7
index of employment % 1.8
(1) Annual average rates of change exclude activities of head offices,
scientific research and development and veterinary activities.
Source: Eurostat (online data codes: sbs_na_1a_se_r2, sts_setu_a, sts_selb_a)

Table 3.29: Concentration and specialisation,


professional, scientific and technical activities, 2008 (1)
Value added Persons employed
Share of
Share of Most
Largest nonfinancial
EU27 specialised
Member States business
(%) Member States
economy (%)
United Kingdom 23.1 Netherlands 11.9
Germany 19.3 Luxembourg 10.5
France 15.5 United Kingdom 10.5
Italy 10.3 Ireland 9.4
Spain 7.2 Sweden 8.6
(1) Greece and Malta, not available; France, number of persons employed, not available;
Czech Republic and Romania, provisional.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

Key figures on European business 95


3 Sectoral analysis

The lowest apparent labour productivity among the subsectors was


recorded for veterinary activities, which also had by far the lowest
average personnel costs see Figure 3.32. The EU-27s scientific
research and development activities recorded the unusual situation
of lower apparent labour productivity than average personnel costs,
indicating a wage adjusted labour productivity ratio that was below
100 %.
The Netherlands, Luxembourg and the United Kingdom were
the most specialised Member States in employment terms in the
professional, scientific and technical activities sector in 2008, as each
employed more than 10 % of their non-financial business economy
workforce in these activities. The United Kingdom had the largest
share of EU-27 value added.
The high employment specialisation in the Netherlands was
apparent in three subsectors, namely head offices and management
consultancy activities, scientific research and development, and
advertising and market research; it was the most specialised Member
State for each of these. Luxembourgs high specialisation was
evident in legal and accounting services, as well as in architectural
and engineering activities, technical testing and analysis, an activity
in which Finland and Sweden were also relatively specialised. The
United Kingdom generated the highest share of EU-27 value added
in six out of the seven subsectors, the one exception being scientific
research and development where the German share was higher.

Figure 3.32: Productivity and personnel costs, EU-27, 2008


(EUR 1 000/person)
0 10 20 30 40 50 60 70

Headoffices&managementcons.

Architect., engineer. & tech. activ.

Prof.,scientific&[Link]

Legal & accounting activities

Scientificresearch&development

Advertising & market research

Otherprof.,scientific&[Link].

Veterinary activities

Apparent labour productivity


Average personnel costs

Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

96 Key figures on European business


Sectoral analysis 3
Figure 3.33: Wage adjusted labour productivity,
professional, scientific and technical activities, 2008 (1)
(%)
0 50 100 150 200 250

RO

BG

LV

PT

SK

CY

LT

PL

DE

UK

LU

EE

IE

SI

CZ

AT

EU-27

NL

IT

FI

ES

DK

BE

HU

HR

(1) Greece, France, Malta and Sweden, not available; Czech Republic and Romania, provisional.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

Key figures on European business 97


3 Sectoral analysis

Figure 3.34: Gross operating rate, EU-27, 2008


(%)
0 5 10 15 20 25 30 35 40

Legal & accounting activities

Veterinary activities

Otherprof.,scientific&[Link].

Architect., engineer. & tech. activ.

Prof.,scientific&[Link]

Headoffices&managementcons.

Advertising & market research

Scientificresearch&development

Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

Figure 3.35: Investment rate, EU-27, 2008 (1)


(%)
0 5 10 15 20 25

Scientificresearch&development

Headoffices&managementcons.

Architect., engineer. & tech. activ.

Otherprof.,scientific&[Link].

Prof.,scientific&[Link]

Advertising & market research

Legal & accounting activities

(1) Veterinary activities, not available.


Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

98 Key figures on European business


Sectoral analysis 3
Table 3.30: Concentration and specialisation, 2008 (1)
Value added Persons employed
Share of
Share of Most
Largest nonfinancial
EU27 specialised
Member States business
(%) Member States
economy (%)
Legal & accounting activities
United Kingdom 24.6 Luxembourg 5.3
Germany 17.9 Ireland 3.7
France 13.4 Cyprus 3.4
Italy 13.2 United Kingdom 3.1
Spain 8.5 Netherlands 2.9
Head offices & management consultancy
United Kingdom 22.5 Netherlands 3.8
Germany 20.9 United Kingdom 2.4
France 20.7 Belgium 2.2
Italy 8.8 Sweden 1.7
Netherlands 7.6 Austria 1.6
Architectural, engineering & technical activities
United Kingdom 21.7 Finland 3.0
Germany 18.7 Sweden 2.8
France 15.3 Luxembourg 2.6
Italy 9.4 Spain 2.5
Spain 9.1 Ireland 2.5
Scientific research & development (2)
Germany 28.4 Netherlands 0.6
United Kingdom 20.6 United Kingdom 0.6
Netherlands 9.4 Germany 0.5
Spain 4.2 Denmark 0.5
Italy 4.2 Romania 0.4
Advertising & market research
United Kingdom 22.9 Netherlands 1.4
Germany 19.0 Sweden 1.2
France 15.8 Denmark 1.1
Spain 9.2 Latvia 1.0
Netherlands 5.9 Germany 1.0
Other professional, scientific & technical activities (3)
United Kingdom 25.0 Italy 1.2
Italy 17.0 Poland 1.1
Germany 16.6 Hungary 1.1
Spain 8.1 United Kingdom 1.0
Netherlands 4.5 Czech Republic 0.9
Veterinary activities (4)
United Kingdom 26.7 United Kingdom 0.2
Germany 19.8 Ireland 0.2
France 19.1 Denmark 0.2
Netherlands 5.8 Austria 0.2
Spain 5.5 Netherlands 0.2
(1) All activities: Greece and Malta, not available; France, persons employed, not available;
Czech Republic and Romania, provisional.
(2) Luxembourg, Poland and Sweden, not available; France, value added, not available.
( ) Luxembourg, not available; France, value added, not available.
3

(4) Luxembourg, Poland and Sweden, value added, not available.


Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

Key figures on European business 99


3 Sectoral analysis

Administrative and support service activities


Administrative and support service activities comprise a variety of
activities that support business operations; their primary purpose
is not the transfer of specialised knowledge, unlike professional,
scientific and technical activities. In 2008 there were around 1.1
million enterprises in this sector in the EU-27, around 5.0 % of
the non-financial business economy enterprise population. Many
of these activities are labour intensive and often personnel work
part-time, for example, in cleaning activities (part of services to
buildings and landscape activities), security and investigation
activities, or employment activities. Total employment for the
sector reached 11.9 million in 2008, an 8.7 % share of the non-
financial business economy total; in value added terms this sector
contributed 6.3 % of the total.
Figure 3.36 shows the very different contributions of the subsectors
to the sectoral total, depending upon whether value added or
employment is chosen. Services to buildings and landscape
activities as well as employment services accounted for the largest
shares of employment, but the value added share of the former
was considerably lower. In contrast, the capital intensive renting
and leasing subsector had a much higher value added share than
its employment share, indicating a very high apparent labour

Figure 3.36: Sectoral analysis, administrative and support


services, EU-27, 2008
(% share of administrative and support services total)
0 5 10 15 20 25 30 35

Employment activities

Renting & leasing

Officeadmin.&supportactiv.

[Link]&landscapeactiv.

Security & investigation

Travelagency&touroperatorserv.

Value added
Employment

Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

100 Key figures on European business


Sectoral analysis 3
productivity ratio. This can be seen in Figure 3.37 where the
average value added generated per person employed for renting
and leasing reached EUR 118 000; for comparison the non-
financial business economy average was EUR 45 200. These high
levels for renting and leasing reflect the nature of the activity which
often involves purchasing capital assets and generating operating
income there from: this activity typically has very low operating
costs and high financial or extraordinary costs, neither of which is
taken into account in the calculation of value added. Renting and
leasing also had a very high investment rate (Figure 3.40), more
than four times as high as the sectoral average.
Table 3.31: Key indicators, administrative and support services,
EU-27, 2008 (1)
Indicator Units Value
Number of enterprises thousands 1 054
Persons employed thousands 11 864
Turnover EUR million 810 000
Value added EUR million 390 000
Gross operating surplus EUR million 130 000
Investment EUR million 70 000
Share of non-financial business economy:
no. of enterprises % 5.0
employment % 8.7
value added % 6.3
Average personnel costs EUR 1 000/person 24
Gross operating rate % 16
Annual average rate of change 2005 to 2010
index of turnover % 3.6
index of employment % 1.9
(1) Annual average rates of change exclude rental and leasing, combined facilities support
and landscape service activities.
Source: Eurostat (online data codes: sbs_na_1a_se_r2, sts_setu_a, sts_selb_a)

Table 3.32: Concentration and specialisation,


administrative and support services, 2008 (1)
Value added Persons employed
Share of
Share of Most
Largest nonfinancial
EU27 specialised
Member States business
(%) Member States
economy (%)
United Kingdom 23.0 Netherlands 17.0
Germany 19.4 United Kingdom 12.1
France 17.9 Belgium 10.7
Spain 8.2 Germany 10.3
Italy 7.8 Portugal 9.7
(1) Greece, Luxembourg and Malta, not available; France, persons employed, not available;
Czech Republic and Romania, provisional.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

Key figures on European business 101


3 Sectoral analysis

As was the situation for professional, scientific and technical


activities, the Netherlands and the United Kingdom were both
relatively specialised in administrative and support service
activities. In the Netherlands the contribution of this sector to the
non-financial business economy workforce reached 17.0 %, almost
double the EU-27 average. The Netherlands was particularly
specialised in employment activities, with 11.2 % of its entire non-
financial business economy workforce in this activity: it should be
noted that the Netherlands has a higher proportion of part-time
workers in its labour force than in any other Member State.
Germany contributed the largest share of EU-27 value added
in renting and leasing, as well as for services to buildings and
landscape activities; the United Kingdom contributed the largest
share of value added in the remaining four subsectors.

Figure 3.37: Productivity and personnel costs, EU-27, 2008 (1)


(EUR 1 000/person)
0 20 40 60 80 100 120

Renting & leasing

Travelagency&touroperatorserv.

Officeadmin.&supportactiv.

Admin.&[Link]

Employment activities

Security & investigation

[Link]&landscapeactiv.

Apparent labour productivity


Average personnel costs

(1) Total for administrative & support services, apparent labour productivity, not available.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

102 Key figures on European business


Sectoral analysis 3
Figure 3.38: Wage adjusted labour productivity,
administrative and support services, 2008 (1)
(%)
0 50 100 150 200

SK

BG

LV

RO

DE

AT

CY

PL

UK

NL

LT

CZ

IE

EU-27

PT

EE

BE

FI

HU

ES

IT

SI

DK

HR

NO

(1) Greece, France, Luxembourg, Malta and Sweden, not available;


Czech Republic and Romania, provisional.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

Key figures on European business 103


3 Sectoral analysis

Figure 3.39: Gross operating rate, EU-27, 2008


(%)
0 5 10 15 20 25 30 35 40

Renting & leasing

Admin.&[Link]

Officeadmin.&supportactiv.

[Link]&landscapeactiv.

Employment activities

Security & investigation

Travelagency&touroperatorserv.

Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

Figure 3.40: Investment rate, EU-27, 2008


(%)
0 20 40 60 80 100

Renting & leasing

Admin.&[Link]

Officeadmin.&supportactiv.

Travelagency&touroperatorserv.

[Link]&landscapeactiv.

Security & investigation

Employment activities

Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

104 Key figures on European business


Sectoral analysis 3
Table 3.33: Concentration and specialisation, 2008 (1)
Value added Persons employed
Share of
Share of Most
Largest nonfinancial
EU27 specialised
Member States business
(%) Member States
economy (%)
Renting & leasing
Germany 22.1 Ireland 1.1
United Kingdom 19.4 United Kingdom 0.9
France 19.1 Cyprus 0.7
Spain 8.9 Spain 0.7
Netherlands 6.2 Netherlands 0.6
Employment activities
United Kingdom 27.8 Netherlands 11.2
France 22.9 Belgium 6.3
Germany 15.6 Luxembourg 5.9
Netherlands 8.4 United Kingdom 4.8
Italy 5.4 Portugal 3.3
Travel agency & tour operator services (2)
United Kingdom 24.8 Cyprus 1.1
Germany 24.4 United Kingdom 0.5
Spain 10.3 Ireland 0.5
France 9.3 Sweden 0.5
Italy 6.3 Netherlands 0.5
Security & investigation
United Kingdom 19.4 Bulgaria 2.8
France 16.2 Romania 2.6
Spain 13.2 Estonia 1.7
Germany 11.0 Poland 1.6
Italy 7.6 Latvia 1.6
Services to buildings & landscape activities
Germany 22.0 Germany 4.2
United Kingdom 15.7 Spain 4.0
France 14.2 Luxembourg 3.9
Spain 12.2 Finland 3.3
Italy 11.9 Netherlands 3.2
Office administrative & support activities (2)
United Kingdom 28.4 Portugal 2.2
Germany 22.3 United Kingdom 1.9
France 16.3 Hungary 1.9
Italy 11.1 Spain 1.7
Spain 7.9 Germany 1.7
(1) All activities: Greece and Malta, not available; France, persons employed, not available;
Czech Republic and Romania, provisional.
(2) Luxembourg, not available.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

Key figures on European business 105


3 Sectoral analysis

Repair of computers and


personal and household goods
This activity includes the repair and maintenance of a wide range
of products, including computers and communications equipment
on one hand and a wide range of personal and household goods
such as consumer electronics, garden and sports equipment,
footwear and clothing, furniture and furnishings, as well as
musical instruments on the other. This small sector comprised
176 000 enterprises across the EU-27 in 2008, employed 377 000
persons and generated EUR 10 600 million of value added. The
sector contributed 0.3 % of non-financial business economy
employment and 0.2 % of its value added.
Around three quarters of the enterprises in this sector were
classified to the repair of personal and household goods, which
employed just over three fifths of the workforce. Nevertheless, the
repair of computers generated just over half of the sectors turnover
and value added.
In Poland and Hungary around 0.5 % of the non-financial business
economy workforce worked in the repair sector, the highest share
among the Member States. In value added terms this sector was
largest in France where 25.5 % of EU-27 value was added.

Figure 3.41: Sectoral analysis, repair of computers, personal


and household goods, EU-27, 2008
(% share of repair of computers, personal and household goods total)
0 25 50 75 100

Numberofenterprises

Turnover

Value added

Persons employed

Repair of computers
Repair of personal & h'hold goods
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

106 Key figures on European business


Sectoral analysis 3
Table 3.34: Key indicators, repair of computers, personal and
household goods, EU-27, 2008
Indicator Units Value
Number of enterprises thousands 176
Persons employed thousands 377
Turnover EUR million 26 227
Value added EUR million 10 569
Gross operating surplus EUR million 3 772
Share of non-financial business economy:
no. of enterprises % 0.8
employment % 0.3
value added % 0.2
Apparent labour productivity EUR 1 000/person 28
Average personnel costs EUR 1 000/person 29
Gross operating rate % 14
Source: Eurostat (online data codes: sbs_na_1a_se_r2, sts_setu_a, sts_selb_a)

Table 3.35: Concentration and specialisation,


repair of computers, personal and household goods, 2008 (1)
Value added Persons employed
Share of
Share of Most
Largest nonfinancial
EU27 specialised
Member States business
(%) Member States
economy (%)
France 25.5 Poland 0.5
United Kingdom 15.1 Hungary 0.5
Germany 12.1 Cyprus 0.4
Italy 12.0 Spain 0.4
Spain 10.4 Lithuania 0.4
(1) Greece and Malta, not available; France, persons employed, not available;
Czech Republic and Romania, provisional.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)

Key figures on European business 107


3 Sectoral analysis

Financial and insurance activities


SBS in the area of financial intermediation differ from those
for the non-financial business economy. Credit institutions are
undertakings whose business is to receive deposits or other repayable
funds from the public and grant credits for their own account. Net
interest (the interest margin) is compiled from interest and similar
income less interest payable and similar charges. Net commissions
are compiled from commissions receivable less commissions
payable. The balance sheet total shown in Table 3.36 represents the
total assets or the total liabilities as recorded on the balance sheet.
In nearly all Member States the net income from interest exceeds
the net receivables from commissions, with the notable exception of
France; in Switzerland net income from interest is much lower than
the net receivables from commissions.
Insurance cover can be distinguished between life and non-life; in
some Member States composite insurance enterprises are common,
providing both life and non-life cover. One measure often used to
indicate the size of insurance activity is the value of gross premiums
written: this comprises all amounts due during the financial year
in respect of insurance contracts regardless of the fact that such
amounts may relate in whole or in part to a later financial year.
Relative to population, the level of gross premiums written was
highest in Luxembourg both for life and non-life insurance (see
Table 3.37).
In the frame of prudential supervision, pension funds are obliged
to submit comprehensive sets of data to the supervisory authorities
and SBS on pension funds are to a large extent based on this
information; official statistics on autonomous pension funds are
currently only available for a limited set of countries (see Table 3.38).
The information presented indicates that the United Kingdom, the
Netherlands and Spain were among the Member States where this
activity was most important; no recent data are available for a number
of countries known to be particularly specialised in this activity, for
example, Ireland. The number of active members includes persons
whose pension schemes are under the administration of pension
funds. Pension contributions receivable are those due during the
financial year, regardless of nature.

108 Key figures on European business


Sectoral analysis 3
Table 3.36: Credit institutions (banks) - key indicators, 2007 (1)
(EUR 1 000 million)
Total of Balance sheet (CI)
Net Net
capital & (EUR 1 000 (% of
interest commissions
reserves billion) GDP)
BE 7.4 3.0 45.4 1 297.1 387
BG 1.1 0.3 4.0 30.2 98
CZ 3.1 1.3 9.3 130.6 103
DK 7.7 2.6 51.2 930.5 409
DE 65.5 26.7 259.5 7 289.9 313
EE 0.4 0.1 2.7 20.7 131
IE 12.8 3.3 74.4 1 337.4 706
EL 8.5 1.8 23.5 383.5 169
ES 33.7 14.0 206.3 2 945.3 280
FR 19.8 23.9 284.1 6 352.1 335
IT 46.5 24.3 359.6 3 327.4 215
CY 1.2 0.3 7.4 75.0 511
LV 0.7 0.2 2.8 30.6 145
LT 0.5 0.2 2.3 23.7 83
LU 3.4 3.1 38.3 915.4 2 442
HU 2.9 0.9 7.9 79.9 90
MT 0.0 0.0 0.0 0.0 0
NL 14.7 5.6 176.8 2 204.2 386
AT 7.3 4.2 61.1 882.4 324
PL 6.1 2.7 21.5 210.2 68
PT 6.0 2.3 35.4 440.0 260
RO 2.1 1.2 7.5 74.8 60
SI 0.6 0.3 2.7 29.3 102
SK 1.2 0.4 0.0 49.2 90
FI 3.6 1.1 22.4 287.8 160
SE 6.0 3.1 71.9 821.9 243
UK 61.0 38.7 559.0 10 503.6 512
NO 5.9 1.4 30.1 510.3 180
CH 0.6 12.6 87.5 1 307.7 419
(1) Germany, Cyprus and Switzerland, 2006; Hungary and Slovenia, 2005; Cyprus, excluding other
credit granting; Luxembourg, excluding other monetary intermediation.
Source: Eurostat (online data codes: sbs_cre_tent, nama_gdp_c)

Key figures on European business 109


3 Sectoral analysis

Table 3.37: Insurance gross premiums written, 2007 (1)


Life insurance Non-life insurance
(EUR/ (EUR/
(EUR million) (EUR million)
inhabitant) inhabitant)
BE 20 859 1 977.5 10 630 1 007.8
BG 120 15.7 649 84.7
CZ 1 940 187.7 2 836 274.4
DK 13 617 2 493.4 7 120 1 303.7
DE 75 170 913.7 92 229 1 121.1
EE 180 134.4 238 177.2
IE 35 913 8 242.8 7 561 1 735.3
EL 2 453 219.2 2 387 213.2
ES 23 704 528.2 31 955 712.0
FR : : : :
IT 63 588 1 071.0 38 568 649.6
CY 405 516.2 381 486.0
LV 52 23.0 381 167.5
LT 204 60.4 357 105.7
LU 11 575 24 490.3 1 372 2 902.9
HU 2 009 199.7 1 605 159.6
MT : : : :
NL 26 642 1 626.3 21 086 1 287.2
AT 7 157 862.2 8 890 1 071.0
PL 6 742 176.9 4 816 126.3
PT 13 081 1 233.1 6 216 586.0
RO 328 15.2 1 825 84.7
SI : : 1 283 635.9
SK 747 138.4 855 158.4
FI 2 784 526.4 3 272 618.7
SE 9 519 1 040.5 10 698 1 169.4
UK : : : :
IS 33 109.6 337 1 109.7
NO 8 405 1 785 3 827 812.7
(1) Including life and non-life business of composites; Belgium, Luxembourg and Iceland, 2006.
Source: Eurostat (online data codes: sbs_ins_5a, demo_gind)

110 Key figures on European business


Sectoral analysis 3
Table 3.38: Autonomous pension funds, key indicators, 2007 (1)
(EUR million)
Pension contributions
receivable Total Number of
expenditure members
From From on pensions (1 000)
members employers
BE 119 619 1 097 374
BG 55 24 27 595
CZ 971 185 511 3 971
DK : : : :
DE : : : :
EE 64 0 12 554
IE : : : :
EL 5 6 1 12
ES 5 612 1 482 11 750 10 725
FR : : : :
IT 2 2 3 3 497
CY : : : :
LV 12 16 4 143
LT 222 0 20 881
LU : : : :
HU 955 239 416 4 173
MT : : : :
NL 7 727 17 298 23 363 17 436
AT 80 523 782 542
PL 2 44 9 62
PT 111 869 1 162 422
RO : : : :
SI 0 0 4 197
SK 247 615 68 2 466
FI 2 35 333 116
SE : : : :
UK 8 773 50 791 71 778 :
IS 242 492 435 269
NO 70 975 1 389 280
CH 10 687 13 270 30 740 4 362
(1) Slovenia, United Kingdom, Iceland and Switzerland, 2006; Belgium, 2005;
Poland, number of members, 2006.
Source: Eurostat (online data code: sbs_pen_7a)

Key figures on European business 111


I
Methodological notes
Methodological notes

Data sources
The vast majority of the data used in this pocketbook come from
SBS, comprised of main annual data by country providing a
detailed activity analysis, as well as regional data, data analysed by
enterprise size class, and data collections related to specific topics,
such as business demography.
The legal basis for the collection of structural business statistics
(recast) is Regulation 295/2008 of the European Parliament and of
the Council. Annex 9 of the Regulation concerns the collections of
data for business demography
The information presented in the special feature on SMEs is
also largely taken from SBS. Eurostat collects data in relation to
enterprise size classes generally based on employment thresholds
(although for distributive trades, information is also collected
according to the size of turnover). These statistics for SMEs (with
less than 250 persons employed) are often aggregated into three
headings, namely:
micro-enterprises: less than 10 persons employed;
small enterprises: 10 to 49 persons employed;
medium-sized enterprises: 50 to 249 persons employed.
In addition, Eurostat also publishes data in relation to large
enterprises, defined as those with 250 or more persons employed.
A number of other Eurostat sources are used to complement SBS
in the remainder of the publication, namely short-term statistics
(STS) and Prodcom.
All sources are detailed under each table or figure with specific
data tables being documented through the use of an online data
code. This code can be used as a search criterion on the Eurostat
website in order to access directly the freshest data available.
The data presented were extracted from a wide variety of Eurostat
databases in April 2011 and the text that accompanies the tables
and figures was drafted the same month. Most data sources are
continuously updated and revised. The freshest data are available
free-of-charge in Eurostats database.

114 Key figures on European business


Methodological notes

Key SBS definitions


Turnover corresponds to market sales of goods or services supplied
to third parties. Value added at factor cost can be calculated
from turnover, plus capitalised production, plus other operating
income, plus or minus the changes in stocks, minus the purchases
of goods and services.
The number of persons employed is defined as the total number of
persons who work in the observation unit (paid or unpaid), as well
as persons who work outside the unit who belong to it and are paid
by it (for example, sales representatives). It includes apprentices,
part-time, seasonal workers, and home workers on the pay-roll.
Employees are persons working for an employer with a contract
of employment and receiving compensation.
Personnel costs are defined as the total remuneration, including
taxes and social security contributions.
Gross tangible investment includes new and existing tangible
capital goods, whether bought from third parties or produced for
own use having a useful life of more than one year including non-
produced tangible goods such as land.
Apparent labour productivity is calculated as value added divided
by the number of persons employed.
Average personnel costs are calculated as personnel costs divided
by the number of employees.
The wage adjusted labour productivity ratio can be calculated as
apparent labour productivity divided by average personnel costs,
expressed as a percentage.
The gross operating rate is defined as the gross operating
surplus (value added minus personnel costs) divided by turnover,
expressed as a percentage.

EU-27 data
Unless otherwise stated, data for the EU-27 are the sum/average of
the 27 Member States as appropriate or include estimates to cover
missing data. All EU-27 data from SBS are estimates, excluding
Malta. Equally all EU-27 indices from short-term business
statistics are estimates.

Key figures on European business 115


Methodological notes

Statistical units; NACE Rev. 1.1 and Rev. 2


The main type of statistical unit used for SBS is the enterprise:
an enterprise carries out one or more activities at one or more
locations. Enterprises are classified into sectors according to their
main activity. The local unit is an enterprise or part thereof at one
location, and is the most commonly used type of statistical unit for
regional SBS.
European business statistics have recently undergone a migration
to a revised version of the statistical classification of economic
activities in the European Community, namely NACE Rev. 2: this
work is nearly complete. Throughout this publication the main SBS
data, short-term statistics (STS) and Prodcom data are presented
according to NACE Rev. 2 or the related CPA 2008. Data in this
publication that is still based on NACE Rev. 1.1 includes: i) the
business demography data presented in Chapter 1 ii) the data for
financial and insurance activities presented in the final subchapter
of Chapter 3.
The diagram below shows the relationship between the aggregates
most commonly used in this publication and the NACE Rev. 2
activities that make-up the non-financial business economy as
defined for this publication. In this publication, data are presented
for a standard set of activities, mainly NACE divisions with a few
aggregations because of space constraints.

Business economy (NACE Rev. 2 Sections B to N and Division 95)


Non-financial business economy (B to J, L to N and 95)
Industry Construction Services (G to N and 95)
(B to E) (F)
Non-financial services Financial and
(G to J, L to N and 95) insurance
activities (K)
Mining and Distributive trades (G)
quarrying (B) Transportation & storage (H)
Manufacturing (C) Accommodation & food
Network energy services (I)
supply (D) Information &
Water supply, communication services (J)
sewerage, waste Real estate activities (L)
& recycling Professional, scientific &
activities (E) technical activities (M)
Administrative & support
service activities (N)
Repair of computers &
personal & household
goods (95)

116 Key figures on European business


Methodological notes

In most of the tables and graphs a shortened form of the official


activity label (from NACE Rev. 2) is used. For space reasons:
network energy supply is used instead of electricity, gas, steam
and air conditioning supply; distributive trades is used instead
of wholesale and retail trade; repair of motor vehicles and
motorcycles.
Within distributive trades the following special aggregates are
used: own account wholesale trade (Groups 46.2 to 46.9); other
(specialised) retail trade (Groups 47.2 and 47.4 to 47.9).
Within transportation and storage the following special aggregates
are used: land passenger transport (Groups 49.1 and 49.3); land
freight transport (Groups 49.2, 49.4 and 49.5).

Signs and abbreviations

Country abbreviations

EU-27 27 Member States HU Hungary


of the European MT Malta
Union NL Netherlands
BE Belgium AT Austria
BG Bulgaria PL Poland
CZ Czech Republic PT Portugal
DK Denmark RO Romania
DE Germany SI Slovenia
EE Estonia SK Slovakia
IE Ireland FI Finland
EL Greece SE Sweden
ES Spain UK United Kingdom
FR France
IT Italy IS Iceland
CY Cyprus NO Norway
LV Latvia CH Switzerland
LT Lithuania HR Croatia
LU Luxembourg TR Turkey

Key figures on European business 117


Methodological notes

Other abbreviations
architect. architecture
activ. activities
CPA statistical classification of products by activity
in the European Economic Community
cm cubic centimetres
cons consultancy
electr. electronic
engineer. engineering
EU European Union
GDP gross domestic product
hhold household
lab. labour
NACE statistical classification of economic activities in the
European Community
No. number
NUTS classification of territorial units for statistics
prod. products/production
prof. professional
Prodcom from the French term PRODuction
COMmunautaire; covers statistics on the production
of industrial goods
Rev. revision
SBA Small Business Act
SBS structural business statistics
serv. services
SME small and medium-sized enterprise
STS short-term statistics
tech. technical
VAT value added tax
Units and measures
EUR euro
kg kilogramme
l litre
p/st pieces
: not available
% per cent

118 Key figures on European business


European Commission

Key figures on European business with a special feature on SMEs

Luxembourg: Publications Office of the European Union

2011 118 pp. 10.5 x 21 cm

Theme: Industry, trade and services


Collection: Pocketbooks

ISBN 978-92-79-20422-7
ISSN 1830-9720
doi:10.2785/15193
Cat. No KS-ET-11-001-EN-C
How to obtain EU publications
Free publications:
t via EU Bookshop ([Link]
t at the European Union's representations or delegations.
You can obtain their contact details on the Internet (http://
[Link]) or by sending a fax to +352 2929-42758.
Priced publications:
t via EU Bookshop ([Link]
Priced subscriptions (e.g. annual series of the Official Journal
of the European Union and reports of cases before the Court
of Justice of the European Union):

t via one of the sales agents of the Publications Office of the


European Union ([Link]
agents/index_en.htm).
KS-ET-11-001-EN-C
Key figures on European business
with a special feature on SMEs
This publication summarises the main features
of European business and its different activities
in a concise and simple manner. It consists of
three main parts. The first chapter presents
a special feature on SMEs, which presents an
analysis of the different characteristics of micro,
small, medium and large enterprises. The second
presents an overview of the EUs business
economy based on structural business statistics
(SBS). In addition, it details patterns of national
and regional specialisation and concentration.
The third chapter presents a sectoral analysis
looking in more detail at specific sectors within
the EUs business economy on the basis of a
comprehensive set of key variables, describing
monetary and employment characteristics, as
well as a set of derived indicators, for example,
productivity and profitability measures, also
at a more detailed activity level, as well as by
Member States.

[Link]
europeanbusiness

ISBN 978-92-79-20422-7

9 7 8 9 2 7 9 2 0 4 2 2 7
Daten sind KOSTENLOS auf der
Elektronische Versionen von Publikationen statistischer Begriffe. Alle Artikel sind in englischer Sprache, eine Taschenbuch Schlsseldaten ber Europa, Allgemeine und Regionalstatistiken

KS-32-12-273-DE-C
Eurostat-Website erhltlich: Kompaktfhrer
Reihe von Artikeln auch in anderen Amtssprachen der EU vorhan- Migrants in Europe A statistical portrait of the first and second Regionen und Stdte; Landnutzung/Bodenbedeckung (LUCAS);
[Link]/eurostat sind kostenlos (PDF-Dateien) den. Da Statistics Explained hnlich wie Wikipedia verwendet generation (Migranten in Europa Ein statistisches Portrt der lndliche Entwicklung; Kandidatenlnder und potenzielle Kandi-
Um mehr Informationen zu erhalten, ffnen Sie einen Webbrowser, ge- werden kann, ist das System einfach zu benutzen und darin zu navi- ersten und der zweiten Generation; nur in Englisch), datenlnder; Lnder der Europischen Nachbarschaftspolitik; in-
hen Sie auf die Eurostat-Website [Link] und wh- gieren. Statistics Explained ist eine reiche Informationsquelle fr ternationale statistische Zusammenarbeit
alle von Eurostat abgedeckten statistischen Themen. Es ist Active ageing and solidarity between generations (Aktives Al-
len Sie die Registerkarte Verffentlichungen aus der oberen Menleiste. tern und Solidaritt zwischen den Generationen; nur in Englisch), Wirtschaft und Finanzen
bereitzustellen, die Schwierigkeiten bei der Suche nach bentigten Alternativ knnen Sie Publikationen auch nach statistischen Themen eine Enzyklopdie der Statistiken ber die Europische Union, Taschenbuch Energy, transport and environment indicators
statistischen Daten haben. Die Hilfe kann ber die Registerkarte Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen (einschlielich BIP);
suchen: Verwenden Sie hierzu die weiteren Optionen der Website- ein Portal zu weiteren Informationen sowohl fr gelegentliche als (Energie, Verkehr und Umwelt Indikatoren, nur in Englisch). ESA 95 Input-Output-Tabellen; europische Sektorkonten; staat-
Benutzeruntersttzung auf der Eurostat-Website erreicht werden: Suche oder die Registerkarte (auch in der oberen Menleiste) Statisti- auch fr regelmige Nutzer, Weitere Informationen ber die neuesten Schlsselpublikationen kn- liche Finanzstatistiken, Wechselkurse, Zinsstze, Whrungs-und
[Link] ken und whlen Sie ein Sie interessierendes Thema aus dem Hauptfens- Finanzstatistik, harmonisierte Verbraucherpreisindizes (HVPI);
ein statistisches Glossar. nen unter der folgenden URL gefunden werden: [Link]
ter; alle Themen verfgen ber eigene Seiten auf der Eurostat-Website Kaufkraftparitten (KKP); Zahlungsbilanz
Medien und institutionelle Untersttzung [Link]/portal/page/portal/release_calendars/publications
und haben mehrheitlich auch einen Link zu relevanten Publikationen Statistics Explained macht ausgiebig Gebrauch von Hyperlinks
Die Eurostat-Pressestelle verffentlicht Pressemitteilungen zu einer im Men auf der linken Seite. und einer automatischen Indexierung, um einen nahtlosen Zugang Bevlkerung und soziale Bedingungen
Reihe wichtiger Daten der EU, des Euroraums, der Mitgliedstaaten zu Informationen auf den verschiedenen Ebenen zu bieten. Es ent- Bevlkerung; Gesundheit (ffentliche Gesundheitswesen/Gesund-
und deren Partnern. Sie sind kostenlos erhltlich auf der Website Druckexemplare der wichtigsten Verffentlichungen (nicht alle werden ge- hlt statistische Daten und Erklrungen und bietet auch Links zu heit und Sicherheit am Arbeitsplatz); Bildung und Ausbildung; Ar-
von Eurostat und werden um jeweils 11.00 Uhr herausgegeben. druckt) sind ber den EU-Bookshop bestellbar ([Link]). den neuesten Zahlen und relevante Hintergrundinformationen, beitsmarkt (einschlielich Arbeitskrfteerhebungen); Einkommen;
Sollten Sie wnschen, die Pressemitteilungen (am Tag der Verf- Eurostat-Publikationen sind in Reihen eingeteilt: die ntzlich sind, um die vorhandenen Statistiken zu verstehen. soziale Eingliederung und Lebensbedingungen; soziale Sicherheit;
fentlichung) oder den wchentlichen Verffentlichungskalender Haushaltsbudgeterhebungen; Kriminalitt und Strafjustiz; Kultur
Pressemitteilungen bieten schnelle Informationen ber die Herausga-
per E-Mail zu erhalten, wenden Sie sich bitte per Mail an eurostat-
pressoffice@[Link] oder per Telefon an +352 4301-33444. be wichtiger neuer Daten ber die EU und den Euroraum. RSS-Feeds Industrie, Handel und Dienstleistungen
([Link] knnen Strukturelle Unternehmensstatistik; kurzfristige Unternehmenssta-
Etwa 200 Pressemitteilungen wurden 2011 verffentlicht. Das verwendet werden, um den Erhalt aktueller Informationen zu gewhr- tistik; Tourismus; Industriegterproduktion (Prodcom); Informati-
Media-Support-Center hilft zudem professionellen Journalisten,
leisten. Ein Verffentlichungskalender ist verfgbar unter: [Link] onsgesellschaft; Postdienste
Daten zu finden (eurostat-mediasupport@[Link]).
[Link]/portal/page/portal/release_calendars/news_releases
Der institutionelle Support bietet Untersttzung fr das Personal der Landwirtschaft und Fischerei
Statistische Bcher umfangreiche Studien welche Analysen, Tabellen
EU-Institutionen (Europische Kommission, Europisches Parlament,
Europarat usw.), EU-Agenturen und internationale Organisationen und Grafiken aus einem oder mehreren statistischen Themen enthalten. Landwirtschaft; Forstwirtschaft; Fischerei; Nahrungsmittel: vom Er-
zeuger bis zum Verbraucher; Agrarumweltindikatoren
Einfacher und kostenloser
(UN, OECD usw.) (eurostat-institutional-support@[Link]). Pocketbooks handliche Verffentlichungen im Taschenbuchformat,
die die wichtigsten Indikatoren fr ein bestimmtes Thema in kompak- Der internationale Handel Zugang zu den europischen
ter Form vorstellen.
Statistik kurz gefasst relativ kurze Publikationen, die Zusam-
Abdeckung aller Waren und Partnerlnder Statistiken
menfassungen der wichtigsten Ergebnisse von statistischen Erhe- Transport Ein Leitfaden zu Eurostats Website,
bungen, Studien und Analysen prsentieren; verffentlicht fr alle Straen-, Bahn-, Luft- und Seetransport; Binnenschifffahrt; l-Pipelines Daten und Verffentlichungen
statistischen Themen mit 4 bis 12 Seiten je Ausgabe; circa 70 Ausga- Wichtige Verffentlichungen
ben werden jedes Jahr verffentlicht. Eurostat verffentlicht eine umfassende Auswahl an Statistiken ber Umwelt und Energie [Link]/eurostat
Methodologies and working papers wenden sich an Nutzer, welche Europa, die Bereiche umfassen wie: allgemeine und regionale Statisti- Statistik nach Themen Umwelt; Energie
Methoden, Nomenklaturen oder bestimmte Details im Zusammen- ken; Wirtschaft und Finanzen; Bevlkerung und soziale Bedingungen; Informationen im Internet werden tglich aktualisiert. Die Daten
hang mit der Datenerhebung oder Verarbeitung der Daten bentigen. Industrie, Handel und Dienstleistungen; Landwirtschaft und Fischerei; Wissenschaft und Technologie
werden in neun Themen und eine Reihe Indikatoren zur EU-Politik
internationaler Handel; Verkehr Umwelt und Energie; Wissenschaft unterteilt (diese sind normalerweise themenbergreifend). Um auf Wissenschaft; Technologie und Innovation
und Technik. Unter den wichtigsten Verffentlichungen findet der Be-
Statistics Explained nutzer statistische Bcher oder Taschenbcher, wie zum Beispiel:
Daten nach Themen zuzugreifen, klicken Sie auf die Statistik-Re-
gisterkarte in der oberen Menleiste. Die meisten statistischen The-
Statistics Explained ([Link] men haben mehrere Abschnitte zu bestimmten Gebieten.
Europa in Zahlen EurostatJahrbuch (deutsche Fassung ab Weitere Informationen: [Link]
lained) ist ein neues elektronisches Publikationssystem, das eine groe
2011 jedoch nur in Statistics Explained),
Anzahl von Themen der europischen Statistik behandelt. Es basiert
Eurostat Jahrbuch der Regionen, Indikatoren der EU-Politik ISBN 978-92-79-25395-9
auf MediaWiki, der Software, welche fr Wikipedia verwendet wird, doi:10.2785/33155
und liefert eine groe Anzahl von strukturierten Artikeln mit statisti- The EU in the world A statistical portrait (Die EU in der Welt Europa 2020; Euro-Indikatoren/WEWI; nachhaltige Entwicklung; Europische Union, 2012
schen Kommentaren, Analysen und Schlsseldaten sowie ein Glossar Ein statistisches Portrt; nur in Englisch), Verfahren bei einem makro-konomischen Ungleichgewicht Titelfoto: Phovoir
Ihr freier Zugang zu europischen Hinter vielen Elementen im Daten-Navigationsbaum finden Sie ein Sym- Europa-2020-Indikatoren prsentieren Daten, die zur berwachung Erweiterte Funktionen stehen Benutzern zur Verfgung, die sich auf Optionen ermglichen, die Variablen zu verndern und zu einer
bol ( ), das einen Link zu einem methodischen Dokument mit beglei- der Fortschritte in Bezug auf die Strategie Europa 2020 fr Beschf- der Website registrieren zum Beispiel Benachrichtigungen bei neuen tabellarischen Ansicht zu wechseln.
Statistiken die Eurostat-Website tenden Informationen ber die Methoden der Datenerhebung, Datenver- tigung und intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum ge- Publikationen.
Eurostat bietet freien Zugang zu seinen Daten, welche alle auf der arbeitung, Klassifikationen und Definitionen bietet. Zudem sind nutzt werden knnen. Diese Strategie basiert auf den fnf EU-Kern-
Website ([Link] verfgbar sind. Es verffent- Metadaten zur Datenabdeckung, die Publikationsfrequenz, Qualitt, Re- zielen, d. h. Beschftigung, Innovation, Bildung, soziale Integration Internationale Handelsdaten
licht harmonisierte Statistiken ber die Europische Union (EU), levanz, Genauigkeit und Zuverlssigkeit, Kohrenz und Revisionspolitik und Klima/Energie, die derzeit mittels acht Leitindikatoren gemessen Stark aggregierte Daten ber den internationalen Handel knnen ber
ihre Mitgliedstaaten und die Beitrittslnder sowie ber einige andere enthalten. werden. die Standard-Datensatz-Anwendungen (TGK und Daten-Explorer) von
Lnder der Welt. Eurostat bietet eine vergleichbare, verlssliche und Eurostat eingesehen und extrahiert werden. Eurostat erhebt auch detail-
Indikatoren fr nachhaltige Entwicklung berwachen die Fort-
objektive Darstellung der wirtschaftlichen, sozialen, kologischen liertere Informationen ber den Auenhandel der EU und den Han-
und technologischen Trends. Es sammelt Daten von nationalen
Tabellen, Grafiken und Karten schritte in Bezug auf die Verbesserung der Lebensqualitt und des
del zwischen den Mitgliedstaaten, der mehr als 10 000 Produkte und
statistischen Behrden nach EU-weiten Methoden innerhalb des Wohlbefindens fr heutige und knftige Generationen durch den
Die Tabellen, Grafiken und Karten-Anwendung (TGK) zeigt vordefi- mehr als 250 Partnerlnder umfasst und auf monatlicher Basis erstellt
Europischen Statistischen Systems. Die Daten sind daher wirklich effizienten Einsatz von Ressourcen sowie durch die Erschlieung
nierte statistische Daten fr alle EU-Mitgliedstaaten, Beitrittskandidaten wird. Diese detaillierten Daten knnen mithilfe einer spezifischen An-
vergleichbar. EU-Daten knnen nach verschiedenen EU-Gesamt- des kologischen und sozialen Innovationspotenzials der Wirtschaft
und einige andere Lnder fr die letzten 12 Jahre oder andere verfgbare wendung (Comext)
werten, einzelnen Lndern oder nach Regionen analysiert werden. erzielten Wohlstand, Umweltschutz und sozialen Zusammenhalt:
Zeitrume. Sie sind insoweit vordefiniert, als der Nutzer die Dimensio- fr internationalen
Die meisten Eurostat-Daten knnen fr jeden Zweck frei verwendet soziokonomische Entwicklung, nachhaltiger Konsum und Produk-
nen der angezeigten Daten nicht ndern kann. Die TGK kann aus dem Handel und Pro-
werden, einschlielich einer kommerziellen Verwendung. tion, soziale Eingliederung, demografischer Wandel, ffentliche Ge-
Daten-Navigationsbaum aufgerufen werden, der in zwei Hauptbereiche duktionsstatistik ex-
sundheit, Klimawandel und Energie, Transport, natrliche Ressour-
Es existieren zwei Mglichkeiten, auf die Eurostat-Daten zuzu- aufgeteilt ist: Tabellen nach Themen und Tabellen zur EU-Politik. trahiert werden.
cen, globale Partnerschaft und gute Regierungsfhrung.
greifen: Lnderprofile fr Mobilgerte
Suche nach vordefinierten Tabellen mit Daten fr ausgewhlte Indika- Die Tabellen bezglich der EU-Politik bieten Zugriff auf die Daten
TGK, die in einem Webbrowser ausgefhrt wird, ist eine in sich geschlos- Diese Anwendung ermglicht den Vergleich zwischen zwei Ln-
toren aus den neun statistischen Themen und EU-PolitikIndikatoren, nach wichtigen EU-Politiken und zeigen typischerweise einen Quer- dern oder EU-Gesamtwerten anhand von Schlsselindikatoren.
schnitt ber aktuelle Themen: sene Oberflche zum Anzeigen, Drucken und Herunterladen von Da-
Nutzung eines komplexeren Werkzeugs (Eurostat-Daten-Explorer) Sie zeigt die neuesten Daten in einer bersichtstabelle fr die
ten. Die Anwendung ermglicht es Benutzern, den Stil der Grafiken und Daten-Explorer verschiedenen statistischen Themen. Innerhalb der Tabelle sind
zum Extrahieren von benutzerdefinierten Daten. Verfahren bei einem makrokonomischen Ungleichgewicht (VMU) Karten zu definieren und diese mithilfe von Lesezeichen zu speichern.
haben den Schwerpunkt auf der Identifizierung neu auftretender oder Die Daten knnen auch mit dem Daten-Explorer abgerufen und Hyperlinks zur TGK-Anwendung fr jeden der Indikatoren zur
Um mehr zu entdecken, ffnen Sie einen Webbrowser und gehen Sie
anhaltender makrokonomischer Ungleichgewichte in einem frhen Tabellen: Anzeigen von Daten; erlaubt dem Benutzer das Ein- heruntergeladen werden. Die meisten Datenstze auf der Eurostat- Verfgung gestellt, so dass der Anwender auf ein breiteres Spek-
auf die Eurostat-Homepage ([Link] (Registerkarte trum an Informationen, wie komplette Lnderinformation oder
Home). Um auf Daten zuzugreifen, klicken Sie auf den Link zur Statistik- Stadium. Das VMU wird durch ein Scoreboard, bestehend aus einer oder Ausblenden von Funoten/Markierungen, Etiketten und Website umfassen verschiedene statistische Indikatoren, eine geo-
Codes; bietet verschiedene Optionen fr das Speichern von Daten grafische Dimension (Lnder, Regionen oder Stdte), eine Zeitdi- lngere Zeitreihen, zugreifen kann. Innerhalb der Lnderprofil-
Datenbank, der sich links oben auf der Startseite befindet. Dies wird Ih- kleinen Anzahl von relevanten, praktischen, einfachen, messbaren und
mension (Jahr, Quartal, Monat usw.) und Maeinheiten (z.B. Euro, Anwendung wird die Auswahl der Lnder und der statistischen
nen einen Daten-Navigationsbaum fr den Zugriff auf die Datenstze verfgbaren makrokonomischen und finanziellen Indikatoren beglei- (MS Excel, HTML, XML oder TSV); ermglicht das Drucken der
Themen vom Benutzer eingestellt.
oder ausgewhlten Tabellen, Grafiken und Karten nach Themen anzei- tet. Das Scoreboard, kombiniert mit einer entsprechenden wirtschaftli- Informationen. %, physikalische Einheiten) sowie eine Reihe von Markierungen
chen Analyse, bildet die Grundlage fr den Warnmechanismus-Bericht, (z. B. Identifizierung von Schtzungen oder Prognosen). Es kann Andere Benutzeranwendungen Die mobile Anwendung der Lnderprofile bietet eine hnliche
gen. Darber hinaus ist der Zugang zu dem Daten-Navigationsbaum ber
Grafiken: bieten eine Vielzahl von anderen Dimensionen, abhngig vom spezifi- Funktionalitt wie die zuvor erwhnte Web-Anwendung. Sie ist
das Datenbank-Symbol oben rechts auf jeder Seite der Website verfgbar. der jhrlich von der Europischen Kommission ausgearbeitet wird.
eine Reihe von Es gibt zwei weitere datenbezogene Anwendungen direkt auf der derzeit fr iPads, iPhones und Android-Gerte verfgbar (suche
Die Indikatoren beinhalten interne und externe Ungleichgewichte. Zu den schen Datensatz (z.B. Aufgliederung nach Geschlecht, Alter oder
Es ist auch mglich, auf Daten fr ein bestimmtes statistisches Thema Diagrammtypen; Eurostat-Website. nach Eurostat im Apple App Store oder im Google Play Store).
internen Ungleichgewichten gehren jene, die aus der ffentlichen und Art der wirtschaftlichen Ttigkeit/Sektor), vorhanden sein.
zuzugreifen: Klicken Sie dazu auf die Registerkarte Statistik in der Daten knnen Neben einer Tabelle bietet sie auch Grafiken sowie Karten. Die
privaten Verschuldung entstehen knnen; Finanz- und Vermgensmarkt- Der Daten-Explorer ist ein Werkzeug, mit dem Benutzer eine Aus- Inflation Dashboard Update-Funktion ermglicht das Herunterladen der neuesten
oberen Menleiste und whlen Sie dann das Sie interessierende Thema. auf der Basis der
entwicklungen, einschlielich Wohnraum; die Entwicklung der Finanzie- wahl aus allen Dimensionen eines Datensatzes treffen knnen. Es Daten. Weitere Produkte fr mobile Gerte werden im Zeitraum
Jedes dieser Themen hat ei- rung des privaten Sektors und die Entwicklung der Arbeitslosigkeit. Die zugr undelieg- Das Inflation Dashboard liefert die aktuellen Zahlen des Harmonisier- 2012-2013 bereitgestellt werden.
enden Hauptta- ermglicht dem Benutzer, benutzerdefinierte Abfragen zu erstellen
nen eigenen Abschnitt auf auenwirtschaftlichen Ungleichgewichte schlieen diejenigen ein, die sich und dann die Ergebnisse als Kreuztabellen zu strukturieren, die auf ten Verbraucherpreisindex (HVPI) fr die Europische Union sowie
der Website von Eurostat aus der Entwicklung der Leistungsbilanz und Netto-Investitionspositionen belle ausgewhlt die Lnder des Euroraums.
und meistens auch Links der Mitgliedstaaten, der realen effektiven Wechselkurse, der Anteile an den werden; erlauben zwei, drei oder vier Dimensionen basieren knnen. Benutzeruntersttzung
Dieses interaktive Tool hilft bei der Analyse der Inflationsentwicklung.
zu relevanten Tabellen und weltweiten Exporten und den nominalen Lohnstckkosten ergeben die Anpassung Der Daten-Explorer erlaubt es, benutzerdefinierte Abfragen als Inter-
von Achsenska- net-Lesezeichen zu speichern, die gesetzt werden knnen, um entwe-
Vier Fenster stellen verschiedene Aspekte der Entwicklung der Infla- Untersttzung fr alle Internetnutzer
Datenstzen. Darber hin- knnen. tion dar:
aus bietet die Anwendung lierungen und der statische oder dynamische Tabellen darzustellen. Letzteres bietet Eurostat und die anderen Mitglieder des Europischen Statisti-
Statistics explained die Kurzfristige Indikatoren (Euro-Indikatoren) geben einen berblick Sortierung von Benutzern die Mglichkeit, eine Tabelle mit einer bestimmten Anzahl ein Diagramm, das die Gesamt-Inflationsrate im Laufe der Zeit zeigt; schen Systems haben ein Netzwerk von Benutzeruntersttzungs-
Mglichkeit, eine groe Pa- ber die jngsten wirtschaftlichen Entwicklungen innerhalb des Werten. von Zeitrumen zu erstellen und dann die Tabelle unter Beibehaltung eine Karte mit der aktuellen Inflationsrate per Land; zentren aufgebaut. Diese bestehen in fast allen Amtssprachen
lette von statistischen Arti- Euroraums der EU und den Mitgliedstaaten. Die Indikatoren be- der Struktur zu aktualisieren, wenn neue Informationen verfgbar sind. der EU sowie den Sprachen der EWR-/EFTA-Lnder und der
inhalten Zahlungsbilanzen, Unternehmens- und Verbraucherum- Karten: Auswahl an Kartenstilen; benutzerdefinierte Klassen fr die ein Sulendiagramm, das die Aufteilung des gesamten Index (der ak-
keln zu suchen, einschlie- Kandidatenlnder. Um eine bestmgliche Untersttzung bei An-
fragen, den internationalen Handel, Industrie, Handel und Dienst- Kartenschattierung/-layout; Einbeziehung geografischer Besonder- Der Daten-Explorer bietet auch Werkzeuge fr Extraktionen diese tuellen Inflationsrate) nach Produktkategorien zeigt; fragen zu gewhrleisten, sollten diese mglichst immer an das
lich Links zu Daten (siehe
leistungen, den Arbeitsmarkt, monetre und finanzielle Indikatoren, heiten wie Flsse; Navigations-Tools, um auf ein bestimmtes Land knnen in hnlichen Formaten wie die von der Tabellen, Grafiken ein Diagramm, das die Inflationsrate fr eine ausgewhlte Kategorie zustndige Untersttzungszentrum der gewnschten Sprache ge-
Statistics explained).
volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen und die Verbraucherpreise. oder eine Region zu fokussieren. und Karten-Anwendung (TGK) produzierten gespeichert werden. im Laufe der Zeit zeigt. richtet werden, dessen Aufgabe es ist, kostenlose Hilfe fr Benutzer
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung
Nummer 7

Smart City:
Begriff, Charakteristika und Beispiele

Wien 2011
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung
In Vorbereitung des ersten Nachhaltigkeitsberichts der Wiener Stadtwerke und als
Informationsgrundlage fr das Nachhaltigkeitsmanagement wurden 2007 und 2008 mehrere
Hintergrundpapiere zu ausgewhlten Aspekten der Nachhaltigkeit erstellt. Diese Texte waren
aber zumeist zu ausfhrlich und zum Teil auch zu speziell, um sie vollstndig im
Nachhaltigkeitsbericht abzudrucken. Man ging aber davon aus, dass insbesondere
WissenschaftlerInnen und StudentInnen, aber auch JournalistInnen und interessierte
BrgerInnen diese Informationen gerne nutzen wrden. Daher hat die Konzern-
Nachhaltigkeitsbeauftragte der Wiener Stadtwerke beschlossen, diese Texte in einer Reihe
als Materialen der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung zu verffentlichen.
Mit den Materialien zu Erneuerbaren Energien in Stdten sowie zu Energieeffizienz von
Stdten wird diese Reihe fortgesetzt.
Bislang liegen folgende Materialen der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung vor:
Nr. 1 Klimaschutz: Einfhrung, politische Meilensteine und die Ansatzpunkte der Wiener
Stadtwerke (2008)
Nr. 2 Daseinsvorsorge: Politisches Konzept und Leistungen der Wiener Stadtwerke (2008)
Nr. 3 Politische Vorgaben: Globaler Rahmen, kommunale Ziele und Programme der Politik
zur Nachhaltigkeit (2008)
Nr. 4 Energieeffizienz: Begriffe, Berechnung und Bezug zum Klimaschutz (2008)
Nr. 5 Erneuerbare Energien in Stdten: Potenziale, Technologien und Beispiele (2010)
Nr. 6 Energieeffizienz von Stdten: Szenarien fr eine sichere und klimavertrgliche
Energieversorgung von Grostdten (2011)
Nr. 7 Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele

Die Materialen werden bis auf weiteres nur als PDF-Publikation verffentlicht. Download
unter [Link]

Impressum

Herausgeberin: Wiener Stadtwerke Holding AG, Thomas-Klestil-Platz 14, A-1030 Wien.


in
Verantwortlich: Dipl.-Ing. Isabella Kossina, MBA, Geschftsfhrerin der Beteiligungsmanagementgesellschaft
(BMG) der Wiener Stadtwerke und Konzern-Nachhaltigkeitsbeauftragte der WSTW.

AutorInnen: Friederike Rohde, Thomas Loew, Institute 4 Sustainability, Berlin (D).

Wien, 2011
Inhalt

0 Zusammenfassung ....................................................................................................... 5
1 Veranlassung ................................................................................................................ 7
2 Begriff Smart City ......................................................................................................... 8
2.1 Entwicklung und Bedeutung von Smart City ............................................................ 8
2.2 Verwandte Begriffe .................................................................................................11
2.3 Zwischenfazit zum Begriff Smart City......................................................................13
3 Gegenstand von Smart Cities .....................................................................................13
3.1 Verstndnis von Smart City im European Smart Cities Ranking .............................13
3.2 Kriterien fr Smart Cities nach dem Klima- und Energiefonds sterreich ...............15
3.3 Kriterien von Arthur D. Little ....................................................................................15
3.4 Handlungsfelder fr die Stadt der Zukunft ...............................................................16
3.5 Zwischenfazit: Handlungsfelder fr Smart Cities und Definitionsvorschlag .............17
4 Smart City Beispiele ausgewhlter Stdte.................................................................20
4.1 Auswahl der Smart City Beispiele ...........................................................................20
4.2 Amsterdam .............................................................................................................22
4.3 Helsinki ...................................................................................................................28
4.4 Luxemburg .............................................................................................................32
4.5 Kopenhagen ...........................................................................................................35
4.6 Gesamtschau der betrachteten Stdte....................................................................37
5 Anbieter von Smart City Lsungen ............................................................................38
5.1 Marktstudie von Greenbang ....................................................................................38
5.2 Ausgewhlte Anbieter und ihre Leistungen .............................................................40
6 Ausgewhlte Studien zu Smart City ...........................................................................41
6.1 Urban Future (BMVIT) ............................................................................................41
6.2 SmartCitiesNet (IR, AIT / BMVIT, FFG) ................................................................43
6.3 Smart Cities 2015 (trend:research) .........................................................................44
6.4 CityMobil .................................................................................................................45
6.5 Weitere Studien zu Smart City Themenfeldern .......................................................45
7 Fazit ..............................................................................................................................46
Anhang ................................................................................................................................47
7.2 Anhang I - Projekte und Netzwerke zu Smart Cities................................................47
7.3 Anhang II Indikatoren fr das EU-Smart Cities Ranking .......................................52
7.4 Anhang III Barcelona Smart City Award ...............................................................54
Quellenverzeichnis.............................................................................................................55
Abbildungen
Abbildung 1: Smart City Handlungsfelder ............................................................................................. 16
Abbildung 2: Website Amsterdam Smart City ....................................................................................... 22
Abbildung 3: Stromerzeugung aus nachhaltigen Energien in Amsterdam 2007 ................................... 23
Abbildung 4: Funktionsweise Lake Water Cooling ................................................................................ 25
Abbildung 5: Ergebnisse des Smart City Rankings fr Luxemburg ...................................................... 33
Abbildung 6: Modal Split in Kopenhagen .............................................................................................. 36

Abbildung 7: Greenbang Smart Matrix Smart Cities......................................................................... 39
Abbildung 8: Ausgewhlte Anbieter von Smart City Services ............................................................... 40
Abbildung 9: Themenfelder fr die Stadt der Zukunft ........................................................................... 41
Abbildung 10: Integrative Anstze fr die Stadt der Zukunft ................................................................. 42
Abbildung 11: Umsetzungsbereiche von Smart Cities mit Einordnung der SET Plan Aktivitten ...... 43
Abbildung 12: Roadmap der European Smart Cities Initiative .............................................................. 48
Abbildung 13: Mitglieder des Sustainable Cities Network ..................................................................... 49
Abbildung 14: Best Practice Beispiele fr erneuerbare Energien der C40 Cities ................................. 50
Abbildung 15: Indikatoren fr das EU Smart City Ranking ................................................................... 52

Tabellen
Tabelle 1: Verwandte Begriffe zu Smart City ........................................................................................ 12
Tabelle 2: Charakteristika und Faktoren des Smart City Rankings....................................................... 14
Tabelle 3: Vergleich ausgewhlter Smart City Anstze ........................................................................ 17
Tabelle 4: Themen, die von den betrachteten Stdten Smart City zugeordnet werden ....................... 38
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele

0 Zusammenfassung
Die Idee einer Smart City Wien ist seit Anfang 2010 ein Thema in Wien1. Seither gibt es dazu
eine Reihe an Aktivitten und Projekten in der Stadt und auch in den Wiener Stadtwerken.
Brgermeister Hupl hat 2011 eine anspruchsvolle Zielsetzung vorgegeben2:
"Wir wollen uns von Anfang bemhen, bei Smart Cities eine fhrende
Rolle in Europa zu spielen.
Dabei sieht der Brgermeister deutliche Vorteile fr die regionale Entwicklungsstrategie
Wiens. Um Klarheit zu schaffen, worum es bei Smart City konkret geht, welche Beispiele es
bereits gibt und welche Chancen Wien hat, hier tatschlich eine fhrende Rolle
einzunehmen, ist Gegenstand dieser Studie, die im Zeitraum Mai bis September 2011 erstellt
wurde.
Was ist eine Smart City?
Hierfr gibt es bislang noch keine allgemein anerkannte Definition. Der Begriff Smart City
wurde bereits Ende der 1990er Jahre geprgt. Damals ging es um die Bedeutung von
Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) fr eine moderne Infrastruktur und
neue Formen von Governance in Stdten. Heute stehen bei Smart City insbesondere auch
Energie und Mobilitt in Verbindung mit der Nutzung moderner IKT fr Klimaschutz (low
carbon) und Lebensqualitt im Mittelpunkt. Denn Stdte spielen bei der Bewltigung der
Herausforderungen des Klimawandels und der demografischen Entwicklung eine zentrale
Rolle. Neben Smart City gibt es thematisch hnliche Begriffe wie zum Beispiel Sustainable
City, Green City oder Klimaneutrale Stdte. Im Vergleich zu diesen Bezeichnungen betont
Smart City die Nutzung von IKT und neuen Technologien als Lsungsansatz. Zudem ist
Smart City thematisch umfassender, weil nicht nur auf Energie und Umwelt fokussiert wird,
sondern beispielsweise auch auf Mobilitt, Governance und Lebensqualitt. Auch spielt bei
Smart City die Vernetzung und Integration der verschiedenen Bereiche eine wichtige Rolle.
Gegenstand von Smart Cities
Folgende Bereiche werden meist als Gegenstand von Smart Cities benannt:
Mobilitt
Energie
Umwelt
Wirtschaft
Governance3
Mensch und Lebensqualitt

1 Siehe z.B. die Podiumsdiskussion am 06.05.2010 "Smart City Wien wie sieht die stdtische
Energieversorgung im Jahr 2030 aus?" [Link]
2 Statement von Brgermeister Hupl am 20.9.2011 im Rahmen des dritten Stakeholderforums des
Projekts Smart City Wien.
3 Es gibt verschiedene Interpretationen dieses Begriffs; gemeint ist hier Regierungsfhrung.

-5-
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7

Zuknftige Relevanz von Smart City


Aufgrund der Smart City Initiative im Rahmen des EU-Strategieplans fr Energietechnologien
(SET-Plan) wird Smart City in Zukunft sicherlich als politisches und wissenschaftliches
Schlagwort eine groe Bedeutung erhalten. Smart City drfte zuknftig fr die stdtische
Erprobung von neuen Technologien in den oben aufgezhlten Bereichen stehen. Dabei
werden auch IKT eine bedeutende Rolle spielen. Die Entwicklung lsst vermuten, dass der
Begriff zunehmend fr ein integriertes Gesamtkonzept der Stadt der Zukunft verwendet
werden wird und alle Aspekte stdtischer Entwicklung einbezogen werden. Im Zuge dessen
wird der Begriff in den kommenden Jahren sicherlich konkreter definiert.
Unsere Definition von Smart City
Da eine genaue Definition von Smart City hilfreich fr die weiteren Projekte ist, schlagen wir
nach Analyse der bisherigen Studien zu diesem Thema folgende Definition vor:
Smart City bezeichnet eine Stadt, in der systematisch Informations- und
Kommunikationstechnologien sowie ressourcenschonende Technologien eingesetzt
werden, um den Weg hin zu einer postfossilen Gesellschaft zu beschreiten, den
Verbrauch von Ressourcen zu verringern, die Lebensqualitt der BrgerInnen und
die Wettbewerbsfhigkeit der ansssigen Wirtschaft dauerhaft zu erhhen, mithin
die Zukunftsfhigkeit der Stadt zu verbessern. Dabei werden mindestens die
Bereiche Energie, Mobilitt, Stadtplanung und Governance bercksichtigt.
Elementares Kennzeichen von Smart City ist die Integration und Vernetzung dieser
Bereiche, um die so erzielbaren kologischen und sozialen Verbesserungspotenziale
zu realisieren. Wesentlich sind dabei eine umfassende Integration sozialer Aspekte
der Stadtgesellschaft sowie ein partizipativer Zugang.
Smart City Beispiele in Stdten
Kopenhagen hat sich besonders ambitionierte Ziele fr eine postfossile Stadt gesetzt: Das
Ziel Klimaneutralitt bis 2025 bedeutet eine Begrenzung der CO2-Emissionen pro Kopf und
Jahr auf nicht mehr als 1 bis 2 Tonnen.
Dementsprechend hat die Stadt einige innovative Projekte zum Energie- und Klimaschutz
vorzuweisen, die jedoch nicht alle unter der Bezeichnung Smart City firmieren.
Amsterdam will mit der Initiative Amsterdam Smart City seine Klimaschutzbemhungen
vorantreiben und fhrt in diesem Rahmen eine ganze Reihe an Projekten insbesondere im
Energiebereich und kleinere Projekte zu Mobilitt durch.
Helsinki hat sowohl eine gute Ausgangsposition als auch ambitionierte Ziele vorzuweisen,
wobei der Begriff Smart City vor allem fr Projekte im Bereich IKT verwendet wird.
Luxemburg wird durch den ersten Platz im European Smart Cities Ranking zwar von
externer Seite als Smart City bezeichnet, verwendet diesen Begriff selbst aber lediglich fr
ein Projekt im IKT-Bereich.
Der eigentliche Ansatz von Smart City eine umfassende Betrachtung aller Aspekte einer
Stadt hat sich u.E. in der Praxis noch nicht wirklich durchgesetzt. Diese Position ist noch
offen, und Wien hat den Anspruch und auch beste Voraussetzungen, diese zu besetzen.
-6-
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele

"Wir wollen uns von Anfang bemhen,


bei Smart Cities eine fhrende Rolle in Europa zu spielen.
Michael Hupl, 20114

1 Veranlassung

Der Begriff Smart City wird in der politischen Diskussion wie in der Fachffentlichkeit
zunehmend hufiger verwendet, wohl nicht zuletzt, weil die EU den technologischen
Fortschritt und zugleich den Klimaschutz in Stdten frdern mchte. Im Englischen bedeutet
der Begriff smart so viel wie clever, intelligent, schlau, klug, elegant, gerissen, schnell, pfiffig,
geschickt, gewieft, schick.5 In den letzten Jahren wurde mit dem Begriff smart in Kombination
mit Technologien eine moderne, IT-basierte Neugestaltung von Technologien und Gerten
bezeichnet, siehe smart phone, smart meter, smart grid.

Politische Treiber von Smart City


Bereits um 2008 hat die Initiative Eurocities, ein Netzwerk von ber 140 groen
europischen Stdten, begonnen, sich intensiver mit Smart City zu befassen. Ziel war es,
eine nachhaltige Entwicklung der Stdte sowie die Einbindung der
Brger und die Wirtschaftskraft durch den innovativen Einsatz von
Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) zu frdern
(Eurocities 2009). Die politischen Prioritten dieser Initiative sind dementsprechend
Klimawandel, Partizipation und wirtschaftliches Wachstum.
In 2010 wurde von der Europischen Kommission als Teil des Strategieplans fr
Energietechnologien (SET) die European Initiative on Smart Cities gestartet. Ziel dieser
Initiative ist eine Frderung von Stdten und Regionen, die durch eine nachhaltige Nutzung
und Erzeugung von Energie ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40% senken wollen.
Der Schwerpunkt liegt dementsprechend vor allem auf Klimaschutz und Energieeffizienz und
den damit verbundenen Handlungsfeldern Energieerzeugung, Verkehr und Gebude.6
Sowohl durch diesen EU-Prozess als auch durch die in immer breiterem Umfang
verfgbaren und bezahlbaren smarten Technologien wird Smart City nicht nur als Begriff,
sondern als Konzept in den nchsten Jahren von besonderer Bedeutung sein.

4 Siehe Funote 2.
5 [Link]

6fDie Initiative baut auf den bestehenden EU-weiten und nationalen Programmen CIVITAS,
CONCERTO und Intelligent Energy Europe auf und sttzte sich auf andere Industrie-Initiativen im
Rahmen SET-Plan (EU 2011), siehe hierzu auch SETIS Strategic energy technologies information
system ([Link]

-7-
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7

Dementsprechend gibt es nun auch Stdte wie etwa Amsterdam oder Helsinki, die eine
Smart City werden wollen ebenso Wien.
Smart City Wien
Mit Blick auf diese Entwicklung und diesen Anspruch haben die Wiener Stadtwerke im
Kontext des Projektes e-Mobility on Demand und der dort vorgesehenen Smart Card der
Begriff Smart City Wien fr ihre Kerngeschftsbereiche Energie, Mobilitt,
Infrastrukturdienstleistungen konkretisiert:
Die Wiener Stadtwerke tragen mit Smart Energy, Smart Mobility und Smart
Infrastructure als eine Smart Company zur Smart City Wien bei.
So haben sich die Wiener Stadtwerke auch bei der [Link]-Ausschreibung Smart Energy
Demo Fit4SET beim Projekt Smart City Wien als Konsortial-Partner beteiligt. Die
Frderung dieses Projekts wurde im Sommer 2011
bewilligt.
Smart
Der Begriff Smart City wird nun zunehmend im Mobility
Sprachgebrauch der Wiener Stadtwerke wie in der
Wiener Fachffentlichkeit verwendet. Zugleich werden Smart City

konkrete neue Manahmen ergriffen und bestehende Smart Company

Manahmen werden Smart City zugeordnet, um den Smart Smart


Energy Infrastructure
Begriff mit Leben zu fllen.
Doch was genau ist eigentlich eine Smart City? Diese
Frage soll der gegenstndliche Bericht klren. Zunchst wird, um hier Begriffssicherheit zu
erlangen und auch einen Einblick zu den Mglichkeiten zu erhalten, auf das unterschiedliche
Verstndnis zu Smart City, verwandte Begriffe und Charakteristika eingegangen.
Anschlieend werden dann Beispiele aus Stdten sowie Anbieter und Studien zu Smart City
vorgestellt.

2 Begriff Smart City

2.1 Entwicklung und Bedeutung von Smart City


Als Mitte der 1990er Jahre der Begriff Smart City erstmals auftauchte, stand vor allem die
Rolle die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) im Mittelpunkt. Die
Ausgangsidee basierte auf der Annahme, dass fr die Leistungsfhigkeit von Stdten nicht
nur die harte Infrastruktur eine Rolle spielt, sondern ebenso die Verfgbarkeit und Qualitt
von Kommunikations- und sozialen Infrastrukturen. Ein wichtiger Gegenstand der damaligen
Diskussion war unter anderem das Thema e-Government, das eine bessere Einbeziehung
aller BrgerInnen einer Stadt gewhrleisten sollte (Coe et al. 2001).

-8-
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele

Der alleinige Bezug auf IKT ist jedoch nach Caragliu et. al. (2009) als Kennzeichen fr eine
Smart City nicht mehr ausreichend.
Although several different definitions of smart city have been given in the past, most of
them focus on the role of communication infrastructure. However, this bias reflects the
time period when the smart city label gained interest, viz. the early 1990s, when the ICTs
first reached a wide audience in European countries. Hence, in our opinion, the stress on
the internet as the smart city identifier no longer suffices. (Caragliu et. al. 2009)
Diese Schwerpunktverschiebung des Begriffes Smart City begrndet sich unseres Erachtens
mit der besonderen Bedeutung von Stdten im Kontext von Klimaschutz und
Ressourcenmanagement. Denn in Europa leben bereits heute 70 % der Menschen in
Stdten und weltweit sind Stdte fr 80% der globalen Treibhausgasemissionen
verantwortlich. Somit wird gerade in Stdten ein besonderes groes Potenzial gesehen,
Problemen wie Klimawandel, Ressourcenknappheit und demografischer Wandel mit
intelligenten Lsungen zu begegnen. Diese Lsungsanstze werden nun in zunehmenden
Mae mit dem Begriff Smart City verbunden.
Jenseits von IKT gibt es bislang jedoch noch keine eindeutige und allgemein anerkannte
Definition des Begriffes Smart City. Es gibt allerdings verschiedene Vorschlge, was unter
Smart City verstanden werden knnte bzw. welche Charakteristika fr eine Smart City
kennzeichnend sind.
Caragliu et al. (2009) arbeiten beispielsweise folgende Charakteristika heraus, die mit Smart
City in Verbindung gebracht werden:
(1) Die Verwendung einer Netzwerk-Infrastruktur, um die konomische und kulturelle
Effizienz zu erhhen und soziale, kulturelle und urbane Entwicklung zu ermglichen.
(2) Eine Orientierung an konomischer Wettbewerbsfhigkeit.
(3) Die Frderung von sozialer Inklusion (z.B. durch Smart Cards).
(4) Die Betonung der Rolle von High-Tech- und Kreativ-Industrie fr das langfristige
Wachstum.
(5) Die Bercksichtigung von sozialen Ungleichheiten.
(6) Soziale und kologische Nachhaltigkeit als eine wichtige strategische Komponente.
Schlielich schlagen sie vor, dass eine Stadt dann als smart bezeichnet werden kann,
wenn die Investitionen in das Humankapital, das soziale Kapital und in traditionelle
(Transport) sowie moderne (IUK) Infrastrukturen ein nachhaltiges konomisches Wachstum
und eine hohe Lebensqualitt befrdern. Dies soll in einer Smart City mit einem vernnftigen
Umgang mit natrlichen Ressourcen und einer partizipativen Governance einhergehen.
(Caragliu et. al. 2009)

-9-
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7

Eine Studie zu der European Smart Cities Initiative, die im Rahmen des SET-Plans initiiert
wurde, benennt drei Eckpunkte, die fr Smart Cities kennzeichnend sind:
friendliness towards the environment;
use of information and communication technologies as tools of (smart) management
and
ultimate goal of sustainable development. (Think 2011)
Die European Smart Cities Initiative fokussiert stark auf die Energiesysteme von Stdten:
In this case, a Smart City is implicitly defined as a city that improves the quality of life
and local economy, through moving towards a low carbon future. Investments in energy
efficiency and local renewable energy, with consequent radical reductions of primary
fossil forms of energy and of CO2 emissions, are seen as tools that help achieving
sustainability and quality of life in a city.
A prospective Smart City is therefore considered as a pioneer city that undertakes
innovative measures, also at the energy demand side level (involving energy networks,
buildings and transport) to strongly reduce the use of fossil fuels and CO2 emissions by
reaching targets stated for 2020 and beyond and boost its economy through the use of
energy under a sustainable approach. (Think 2011)
Letztlich wird hier smart mit den Begriffen low carbon und sustainable gleichgesetzt
(Think 2011).
In den Arbeiten des sterreichischen Forschungsprojektes SmartCitiesNet, das vom BMVIT
und FFG beauftragt wurde, findet sich folgender Definitionsansatz:
[] das bergeordnete Ziel einer Smart City [kann] ganz allgemein als eine
zukunftsfhige stdtische postfossile Gesellschaft definiert werden. Das smarte an
Umsetzungsmanahmen fr die zukunftsfhige stdtische postfossile Gesellschaft ist
hier nicht ausschlielich durch intelligente (IKT-)vernetzte Infrastrukturen definiert,
sondern soll auch einen Mehrwert durch Bercksichtigung von Schnittstellen und
Integration im System Stadt ausdrcken. Smart beschreibt daher folgende Aspekte:
Strategische Vernetzung: Systemintegration und Abstimmung zwischen
Themenbereichen
Deutlich hhere Effizienzsteigerungen bzw. Reduktion des Energieverbrauchs
(insbesondere fossiler Energie) als bei nicht vernetzten Anstzen
Geringstmglicher Ressourceneinsatz fr grtmglichen (gesamtgesellschaftlichen)
Nutzen (SmartCitiesNet 2011).7

Kritik am Begriff Smart City


Der Begriff Smart City wurde im Laufe der Fachdiskussion auch kritisch gesehen. So kritisiert
beispielsweise Hollands (2008) unter anderem die Selbstgeflligkeit, die dem Begriff
teilweise anhaftet.

7 Ausfhrliche Informationen zu diesem Projekt finden sich in Kapitel 6.2.

- 10 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele

"Yet despite numerous examples of this 'urban labelling' phenomenon, we know


surprisingly little about so-called smart cities, particularly in terms of what the label
ideologically reveals as well as hides. Due to its lack of definitional precision, not to
mention an underlying self-congratulatory tendency []"
Betrachtet mach die aktuellen Entwicklungen des Begriffes Smart City, so ist diese Kritik
nicht ganz zurckzuweisen. Denn aufgrund der vielfltigen und uneindeutigen Definition
entsteht oft der Eindruck, etwas, das mit Smart City bezeichnet wird, sei in besonderem
Mae innovativ, obgleich es sich unter Umstnden nicht erheblich von vergleichbaren
Aktivitten, die nicht so bezeichnet werden, unterscheidet. Der Smart City-Begriff wird
hnlich beliebig wie der Begriff der Nachhaltigkeit. Daher sollte auch vermieden werden,
jeden Begriff mit smart zu erweitern.

2.2 Verwandte Begriffe


Die nachhaltige Entwicklung von Stdten wird auch unter anderen berschriften wie
Nachhaltige Stdte (sustainable cities), Grne Stdte (green cities), kostdte (ecocities)
Klimaneutrale Stdte (climate neutral cities) oder Stdte der Zukunft diskutiert. Eine
eindeutige Abgrenzung ist jedoch schwierig, da es ebenso wie bei Smart City an eindeutigen
und allgemein anerkannten Definitionen fehlt. Allenfalls lassen sich bestimmte inhaltliche
Schwerpunkte erkennen, aber dies ist auch nicht bei allen City-Begriffen mglich. So
erscheint fr Smart City beispielsweise die Rolle von IKT und ein hoher Grad an Vernetzung
von Bedeutung, whrend beim Begriff Klimaneutrale Stdte - nomen est omen - der
Klimaschutz im Mittelpunkt steht.

- 11 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7

Tabelle 1: Verwandte Begriffe zu Smart City


Begriff Erluterungen und Definition
Sustainable Cities/ Sustainable Cities sind Stdte, in denen Erfolge in der sozialen,
Nachhaltige Stdte konomischen und physischen Entwicklung langfristig erhalten
werden (UN-Habitat 2006).
Sie sind gekennzeichnet durch konomische Effizienz bei der
Nutzung von Entwicklungsressourcen, soziale Gerechtigkeit in der
Verteilung von Entwicklungserfolgen und deren Kosten, sowie die
Vermeidung von Entwicklungen, die zuknftige Generationen
belasten (Argus 2010).
Klimaneutrale Stdte Stdte, deren CO2-Emissionen auf ein Minimum reduziert sind
(jhrlich nicht mehr als ein bis zwei Tonnen CO2 pro Einwohner)
und in denen alle anfallenden Emissionen durch Offsetting-
Manahmen kompensiert werden (Petersen 2010).
Green Cities Begriff, der wohl von Siemens durch den Green City Index
geprgt wurde. Im Mittelpunkt stehen die kologischen Aspekte
Luftreinheit, Wasserqualitt, effiziente Verkehrslsungen,
klimaschonende Energieversorgung und intelligente
Gebudetechnik.
kostdte An Eco-City is a city designed with consideration of environmental
impact, inhabited by people dedicated to minimization of required
inputs of energy, water and food, and waste output of heat, air
pollution - CO2, methane, and water pollution (Wikipedia 2011).
Stdte der Zukunft Diese Trends und die derzeitigen tiefgreifenden technologischen,
(Ressourceneffiziente konomischen, kologischen und sozialen Vernderungen (wie
Stdte) demographischer Wandel, Wirtschafts- und Klimawandel,
begrenzte Ressourcenvorrte, etc.) erfordern die Entwicklung
neuer Konzeptionen fr Stdte, die als Musterbeispiel fr komplexe
Systeme gelten, und die Optimierung der zugrunde liegenden
Prozesse, Technologien und Infrastrukturen.
Die Frage, wie effizient die Rohstoff- und Energieversorgung, die
Verarbeitung, Entsorgung und Wiederaufbereitung von Ressourcen
der Stdte gestaltet werden kann, wird zu einer entscheidenden
Herausforderung fr die Lebens- und Arbeitsqualitt, das Nutzen-
Kostenverhltnis der Stadtverwaltungen und die
Wettbewerbsfhigkeit von Stdten werden. (BMVIT 2010)

Quelle: eigene Darstellung

- 12 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele

2.3 Zwischenfazit zum Begriff Smart City


Derzeit finden sich vorrangig zweierlei Verwendungen des Begriffes Smart City. Zum einen
wird damit auf Energie- und Klimaschutzaspekte fokussiert und zum anderen wird der Begriff
Smart City mit einem umfassenden Einsatz von Informations- und
Kommunikationstechnologien in Stdten verbunden. In diesem Zusammenhang wird zum
Teil der Begriff Digital City synonym zu Smart City verwendet (Hodgkinson 2011). Folglich
werden unter dem Begriff Smart City derzeit sehr unterschiedliche Projekte und Vorhaben
subsummiert.
In Malta wird beispielsweise die Bezeichnung Smart City verwendet, um den Ausbau eines
wissensbasierten Wirtschaftsstandortes zu beschreiben. In Santander (Spanien) wird der
Begriff Smart City fr ein Projekt zur Datensammlung mittels Sensoren eingesetzt. In Indien
wird ein neu gebauter IT-Technologiepark in Kochi als Smart City bezeichnet und in
Amsterdam werden Projekte zu Energie- und Klimaschutz unter dem Titel Amsterdam Smart
City zusammengefasst.
Insgesamt kann man dennoch festhalten, dass der Begriff Smart City fr eine intelligente
Vernetzung steht, sei es nun innerhalb eines Bereiches (z.B. integrierte Mobilitt) oder
zwischen verschiedenen Bereichen (z.B. Energie und Mobilitt). Aus der folgenden
Zusammenstellung von Handlungsfeldern und Charakteristika von Smart City, die in den
verschiedenen Projekten und Quellen Smart City zugeschrieben werden, soll der
Gegenstand von Smart City abgeleitet werden.

3 Gegenstand von Smart Cities

3.1 Verstndnis von Smart City im European


Smart Cities Ranking
Das Projekt European Smart Cities ist ein Ranking von
mittelgroen europischen Stdten (100.000 bis 500.000
Einwohner). Grundgedanke des Projektes ist, dass fr
eine nachhaltige Entwicklung nicht nur die
Herausforderungen von groen, sondern auch die von
mittelgroen Stdten betrachtet werden mssen. Zudem
stehen mittelgroe Stdte im Wettbewerb mit den groen Metropolen und sind oftmals
weniger gut mit finanziellen und organisatorischen Kapazitten ausgestattet. Mit Hilfe des
Rankings sollen die Strken und Chancen der Stdte im Hinblick auf bestimmte Aspekte von
Smart Cities identifiziert werden.
Die Bewertung der Stdte erfolgt in sechs verschiedenen Bereichen (characteristics), die
jeweils durch eine Reihe Faktoren beschrieben werden (Tabelle 2). Wie gut die Stdte diese
Faktoren erfllen, wird anhand einzelner Indikatoren bewertet.

- 13 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7

Im Bereich Smart Economy beispielsweise gibt es den Faktor Innovative Spirit, der anhand
folgender Indikatoren bewertet wird:
R&D expenditure in % of GDP,
Employment rate in knowledge-intensive sectors,
Patent applications per inhabitant. (Giffinger et. al. 2007)
Eine vollstndige Liste der verwendeten Indikatoren findet sich im Anhang.

Tabelle 2: Charakteristika und Faktoren des Smart City Rankings

Quelle: Giffinger et. al. (2011)

- 14 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele

3.2 Kriterien fr Smart Cities nach dem Klima- und Energiefonds sterreich
Der Klima- und Energiefonds sterreich ([Link]) will mit dem Frderprogramm Smart
Energy Demo Fit4Set die Entwicklung von Smart City Leuchtturmprojekten frdern.
Zudem sollen Unternehmen und Forschungseinrichtungen zur erfolgreichen Teilnahme am
SET-Plan8 der Europischen Union befhigt werden. Die Programmstrategie des [Link] sieht
zwei Stufen vor. In der ersten Stufe soll die Entwicklung von Roadmaps fr einzelne Stdte
gefrdert und in der zweiten Stufe sollen die in den Roadmaps entwickelten Manahmen in
Form von Demonstrationsprojekten umgesetzt werden.
Folgende Kriterien werden fr die Beurteilung einer Smart City vom Klima- und Energie-
fonds benannt:
Treibhausgasbilanz (z.B. -20 % bis 2020, -80 % bis 2050),
Einsatz neuester Technologien mit hoher Ressourcen- und Energieeffizienz,
intelligente und systemorientierte Lsungen zur Optimierung der Energiesysteme,
Modal Split,
soziale und organisatorische Innovation,
frhzeitige Einbeziehung von InvestorInnen,
deutlicher Beitrag zur Nachhaltigkeit. ([Link] 2011)

3.3 Kriterien von Arthur D. Little


Im Rahmen der Entwicklung des Konzeptes fr eine Smart Card in Wien hat die
Unternehmensberatung Arthur D. Little Charakteristika fr Smart City vorgestellt. In dem
Konzept heit es:
In einer Smart City agiert die Politik, Wirtschaft und BrgerInnen im Sinne nachhaltiger
zukunftsfhiger Entwicklung entlang 5 Dimensionen:
Smart Business
Smart City Services
Smart Living
Smart Mobility
Smart Energy
Smart City entwickelt einen Schlssel, der den BrgerInnen den einfachen Zugang zu allen
Dimensionen ermglicht. Smart City erfordert eine politische Untersttzung in Form von
Smart Governance.

8 Strategieplan fr Energietechnologien

- 15 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7

Abbildung 1: Smart City Handlungsfelder

Quelle: Wiener Stadtwerke, Arthur D. Little (2011)

3.4 Handlungsfelder fr die Stadt der Zukunft


In der vom Bundesministerium fr Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) in Auftrag
gegebenen Studie Urban Futures wird unter anderem der Stand der Forschung zum
Thema Stadt der Zukunft dargestellt. Obgleich der Begriff Smart City in dieser Studie nicht
auftaucht, weisen die Handlungsfelder doch erhebliche berschneidungen mit denen von
Smart City auf.
Folgende Themenfelder fr die Stadt der Zukunft wurden identifiziert (BMVIT 2010):
Urbane Struktur
Energie
Wasser und Abwasser
Produkte und Abflle
Mobilitt
konomie
Urbanes Management
Mensch und Umwelt9

9 Ausfhrliche Informationen zu der Studie finden sich in Kapitel 6.1.

- 16 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele

3.5 Zwischenfazit: Handlungsfelder fr Smart Cities und


Definitionsvorschlag
Die obige Auswahl an Anstzen fr Smart City ist nicht umfassend. Jedoch kann davon
ausgegangen werden, dass fr das European Smart Cities Ranking, vom [Link], von ADL
und schlielich von den Autoren der Studie Urban Futures auch Vorarbeiten von Dritten zu
Smart City bercksichtigt wurden. Somit werden diese Anstze als relevant und berlegt
eingestuft. Der Vergleich lsst ein Muster erkennen (Tabelle 3).

Tabelle 3: Vergleich ausgewhlter Smart City Anstze10

Smart City Ranking [Link] Arthur D. Little BMVIT


Smart Mobility Modal Split Smart Mobility Mobilitt
(Smart Environment) Treibhausgasbilanz Smart Energy Energie
Intelligente und
systemorientierte
Lsungen zur
Optimierung der
Energiesysteme

Smart Governance Smart City Services Urbanes Management


Smart Living Smart Living Mensch und Umwelt
Smart Economy Frhzeitige Smart Business konomie
Einbeziehung von
InvestorInnen
Einsatz neuester
Technologien mit
hoher Ressourcen-
und Energieeffizienz
Smart People
(Social- and Human
Capital)
Smart Environment (deutlicher Beitrag zur Wasser und Abwasser
Nachhaltigkeit)
Soziale und Produkte und Abflle
organisatorische
Innovation
Deutlicher Beitrag zur
Nachhaltigkeit

Quelle: eigene Darstellung

10 In der bmvit-Studie Urban Futures wird der Begriff Smart City nicht explizit verwendet. Es handelt
jedoch auch um einen Smart City Ansatz im weiteren Sinne.

- 17 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7

Der Vergleich zeigt, dass der Vorschlag von Arthur D. Little wohl die wesentlichen Bereiche
von Smart City abdeckt, insbesondere aus der Perspektive der Wiener Stadtwerke. Aus
Sicht der Stadt wre wohl noch Smart People also das Humankapital und Smart
Environment in Betracht zu ziehen. Smart Environment ist deshalb von Bedeutung, weil
hiermit beispielsweise auch Abfall- und Wasserkreislufe in Betracht gezogen werden, die
ebenfalls durch intelligente Technologien optimiert werden knnen. Bezglich Smart
People11 kann man die Auffassung vertreten, das diese Dimension teilweise als Ergebnis
der Lebensqualitt und der City Services angesehen werden kann.
Smart Governance ist ebenfalls aus Sicht der Stadt von Interesse. So setzt die Stadt auf
Open Government und Open Government Data: Open Government Data bezeichnet die
Idee, dass von der Verwaltung gesammelte ffentliche Daten frei zugnglich gemacht
werden. Diese Daten sollen der Bevlkerung in maschinen-lesbarer Form zur Verfgung
gestellt werden, so dass die Daten auch automatisiert verarbeitet werden knnen. Offene
Standards bei den Schnittstellen und der Software ermglichen mehr Transparenz,
Partizipation und Kollaboration. Neben den technischen Schnittstellen muss seitens der
Verwaltung ein rechtlicher Rahmen geschaffen werden.12

11fIm Smart City Ranking der europischen Union werden bei Smart People Faktoren wie
Qualifikation, Flexibilitt und soziale und ethnische Pluralitt bewertet.
12 [Link]

- 18 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele

Definitionsvorschlag Smart City


Da es bislang keine allgemein anerkannte Definition und auch nur sehr wenige
Definitionsvorschlge gibt, ist es unseres Erachtens hilfreich fr die weiteren Projekte zu
Smart City eine Definition zu entwickeln. Daher und vor dem Hintergrund der obigen
Analysen schlagen wir vor Smart City wie folgt zu definieren:
Smart City bezeichnet eine Stadt, in der systematisch Informations- und
Kommunikationstechnologien sowie ressourcenschonende Technologien eingesetzt
werden, um den Weg hin zu einer postfossilen Gesellschaft zu beschreiten, den
Verbrauch von Ressourcen zu verringern, die Lebensqualitt der BrgerInnen und
die Wettbewerbsfhigkeit der ansssigen Wirtschaft dauerhaft zu erhhen, mithin
die Zukunftsfhigkeit der Stadt zu verbessern. Dabei werden mindestens die
Bereiche Energie, Mobilitt, Stadtplanung und Governance bercksichtigt.
Elementares Kennzeichen von Smart City ist die Integration und Vernetzung dieser
Bereiche, um die so erzielbaren kologischen und sozialen Verbesserungspotenziale
zu realisieren. Wesentlich sind dabei eine umfassende Integration sozialer Aspekte
der Stadtgesellschaft sowie ein partizipativer Zugang.
Da diese Definition sehr kompakt und umfassend ist, haben wir mit Blick auf zentrale
Themen eine Konkretisierung vorgenommen. In Bezug auf Energie und Ressourcen
impliziert Smart City fr eine Stadt, dass sie
sich langfristig von l und anderen fossilen Energietrgern unabhngig macht,
neue Technologien im Bereich Infrastruktur, Gebude, Mobilitt, etc. intelligent
vernetzt, um Ressourcen (Energie, Wasser, etc.) hocheffizient zu nutzen,
zukunftsfhige Mobilittsformen und deren infrastrukturelle Voraussetzungen
antizipiert und realisiert,
integrierte (Stadt)Planungsprozesse forciert (z.B. integrierte Energieplanung),
Platz fr Innovationen und Erprobung von neuen Ideen schafft (living labs),
die BrgerInnen bei der Umsetzung von Manahmen aktiv einbindet und beteiligt
und damit den Weg zu einer klimafreundlichen und zukunftsfhigen Lebens- und
Wirtschaftsweise ebnet.

- 19 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7

4 Smart City Beispiele ausgewhlter Stdte


Derzeit verwenden Stdte den Begriff Smart City fr eine Reihe sehr unterschiedlicher
Aktivitten. Whrend beispielsweise in Helsinki und Luxemburg unter dem Begriff Smart City
vor allem Initiativen im IKT-Bereich zu finden sind, liegt beim Projekt Amsterdam Smart City
der Fokus sehr stark auf Energiethemen. In vielen Stdten werden die Aktivitten zu Themen
wie Energie und Mobilitt (noch?) gar nicht unter dem Begriff Smart City prsentiert. Dies
hngt vermutlich damit zusammen, dass die Verwendung dieses Begriffes fr den
Energiebereich im Moment erst durch die EU-Initiative Smart Cities and Communities
verbreitet wird und bislang eher Begriffe wie sustainable city verwendet wurden. Es ist
jedoch aufgrund der EU-Frderung im Rahmen des SET-Plans zu erwarten, dass in Zukunft
immer mehr Stdte diesen Begriff fr ihre Aktivitten zu Klimaschutz und Energie aufgreifen
werden. Zudem finden sich auch Beispiele, bei denen Aktivitten zu Klimaschutz- und
Energie, die ursprnglich nicht unter dem Begriff Smart City gestartet wurden, nun ex post
als Smart City-Lsungen bezeichnet werden.

4.1 Auswahl der Smart City Beispiele


Grundstzlich gibt es in vielen Stdten innovative und spannende Aktivitten zu den
Themenfeldern von Smart City. Die ausgewhlten Stdte gelten jedoch bislang als
besondere Vorreiter in diesem Bereich oder streben eine Vorreiterrolle an.
Fr die Auswahl der Stdte wurden folgende Suchpfade und verwendet, aus denen dann die
interessantesten Beispiele ausgesucht wurden:
(1) Stdte, die Juni 2011 bei der Google-Suche nach Smart City weit oben auftauchten:
o Amsterdam Smart City
o Salzburg (PM vom 22.06.2011): d.h. Ankndigung von Projekt, aber noch
keine umfangreichen Aktivitten.
o Santander: Beim Projekt "Smart City" sollen 20.000 Sensoren das Netzwerk
der Stadt Santander erforschen.
o Smart City Malta: Neubau eines wissensbasierten Wirtschaftsstandortes.
(2) Stdte, die einer fr die Wiener Stadtwerke erstellen Untersuchung von Arthur D.
Little (zur Sissi Card) als Smart City Wettbewerber von Wien genannt werden:
o Amsterdam
o Helsinki
o Luxemburg
(3) Stdte, die im Rahmen der Smart Cities & Communities Initiative der EU als
Vorreiterstdte genannt werden:
o Kopenhagen
o Rotterdam
o Bottrop
o Lyon

- 20 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele

Aus diesen Stdten wurden folgende Stdte fr Best Practice Beispiele ausgewhlt:
Amsterdam, weil es ein explizites Smart City Projekt gibt.
Helsinki, weil die Stadt in der Arthur D. Little Untersuchung als Smart City
Wettbewerber genannt wird.
Luxemburg, weil es den 1. Platz im Smart City Ranking der EU fr kleine und mittlere
Stdte erreicht hat.
Kopenhagen, weil die Stadt sich zum Ziel gesetzt hat, die erste klimaneutrale Stadt
Europas zu werden, und Kopenhagen bei der EU-Initiative als Vorreiter genannt
wird.
Die Best-Practice Beispiele der Stdte werden fr folgende Kategorien dargestellt:
Energie,
Mobilitt und
Informations- und Kommunikationstechnologien.
Zwar bezieht sich der Begriff Smart City auf weitere Handlungsfelder (z.B. Smart
Governance, Smart Economy). Diese Abgrenzung hat sich jedoch in der Wahrnehmung und
in der Praxis noch nicht so stark durchgesetzt, weshalb eine weniger differenzierte Aufteilung
sinnvoll erscheint.
Im Bereich Energie gibt es in vielen Stdten Manahmen z.B. zu Energieeffizienz oder
Smart Grid. Diese Manahmen werden, auch in den dargestellten Beispielen, oft noch nicht
unter dem Begriff Smart City zusammengefasst. Nur in Amsterdam werden unter dem Begriff
Smart City vor allem Projekte im Bereich Energie dargestellt.
Im Hinblick auf Mobilitt gibt es bei den dargestellten Beispielen kaum Projekte, die unter
dem Stichwort Smart City laufen. Grundstzlich verfolgen jedoch alle genannten Stdte auch
Strategien zu zukunftsfhiger Mobilitt.
Am hufigsten werden bei den dargestellten Stdten die Projekte im IKT-Bereich mit dem
Begriff Smart City in Verbindung gebracht. Hier kann es auch berschneidungen zu den
anderen Bereichen geben, denn IKT lassen sich auch fr Anwendungen im Bereich Energie
und Mobilitt nutzen und stellen somit allgemein das verbindende Element der
Handlungsfelder von Smart City dar.

- 21 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7

4.2 Amsterdam
Eckdaten

Amsterdam Wien (zum Vergleich)


EinwohnerInnen: 780.152 EinwohnerInnen: 1.714.142
2
Flche: 219 km Flche: 414,87 km
(Land: 167 km; Wasser: 52 km) (Land: 395,50 km; Wasser: 19,39 km)
Bevlkerungsdichte: 3.562 EinwohnerInnen/km Bevlkerungsdichte: 4.131 EinwohnerInnen/km
Pro-Kopf-Emissionen: 7,0 t CO2/a (2005) Pro-Kopf-Emissionen: 5,5 t CO2/a (2006)
Klimaschutzziel: 40% Reduktion der CO2 Klimaschutzziel: 21% Reduktion der
Emissionen bis 2025 (Basisjahr 1990) Treibhausgasemissionen pro Kopf bis 2020
(Basisjahr 1990)

Abbildung 2: Website Amsterdam Smart City

Quelle: Amsterdam Smart City (2011)

Projekt Amsterdam Smart City


Amsterdam hat sich zum Ziel gesetzt die, erste intelligente Stadt Europas zu werden und
bis 2025 die CO2-Emissionen um 40% zu senken (Basisjahr 1990). Einen Beitrag will die
2009 gegrndete Initiative Amsterdam Smart City leisten.
Sie wurde vom Stromnetzbetreiber Liander und dem Innovationsnetzwerk Amsterdam
Innovative Motor initiiert und wird mit Mitteln der EU gefrdert.
Im Rahmen von Amsterdam Smart City werden verschiedene Projekte in den Bereichen
sustainable living, sustainable working, sustainable mobility und sustainable public
space durchgefhrt. Um den Energieverbrauch in Privathaushalten, Betrieben und
- 22 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele

ffentlichen Gebuden zu senken, wird beispielsweise die Implementation von intelligenten


Technologien wie Smart Grid, Smart Meters und intelligenten Gebudetechnologien
gefrdert.
Amsterdam Smart City could be viewed as an accelerator of climate/energy
programmes. By bringing parties together and by initiating projects in which smart
technologies and different approaches are tested, it is possible to develop best practices
for future large-scale implementation of similar initiatives. (Tsarchopoulos 2011)
Weitere relevante Aktivitten der Stadt Amsterdam
Neben dem Projekt Amsterdam Smart City unternimmt die Stadt auch weitere Aktivitten im
Bereich Energie, Klimaschutz und Mobilitt. So hat die Stadt in 2009 einen Aktionsplan fr
das Mobilittsprogramm Amsterdam elektrisch verffentlicht, in dem die Strategie zur
Frderung von Elektromobilitt festgelegt wird (weitere Informationen siehe unten). Weiterhin
hat das Klimabro Amsterdam die Energiestrategie Amsterdam 2040 verffentlicht, in der die
Ziele und Manahmen zu Energie und Klimaschutz dargestellt werden.

4.2.2 Energie
Ausgangssituation
Der Primrenergieverbrauch (Haushalt, Gewerbe und Verkehr) in Amsterdam belief sich im
Jahr 2007 auf rund 73 PJ.
lteren Schtzungen zufolge knnte der Energieverbrauch in Amsterdam bis zum Jahr 2025
auf rund 84 PJ/Jahr ansteigen. Die damit verbundenen CO2-Emissionen wrden sich damit
von 4.941 auf 6.350 Kilotonnen CO2 pro Jahr erhhen. Das Ziel der Stadt Amsterdam ist ein
Aussto von 2.500 Kilotonnen im Jahr 2025, was einer Reduzierung von 3.850 Kilotonnen
entspricht.

Abbildung 3: Stromerzeugung aus nachhaltigen Energien in Amsterdam 2007

Quelle: de Buck et al. (2008)

Im Jahr 2007 lag der Anteil erneuerbarer Energien an der gesamten Energieversorgung in
Amsterdam bei rund 5,8%.

- 23 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7

Den grten Anteil davon macht Biomasse aus, dann folgt Windenergie (Bei den Angaben
ist unklar, ob es sich bei der Position Fernwrme (Warmtelevering) um Fernwrme aus
Biomasse handelt).
In Amsterdam ist besonders das Potenzial fr Windenergie sehr hoch, da im Kstenbereich
sehr hohe Windgeschwindigkeiten herrschen. So knnte die installierte Leistung bei
Windenergie laut einer Studie in 2025 auf 175 bis 265 MW gesteigert werden (von 72 MW in
2003). Auch fr Photovoltaik gibt es groe Potenziale in Amsterdam. Insgesamt knnte der
Anteil an erneuerbaren Energien in Amsterdam im Jahr 2020 17,8 % betragen (de Buck et.
al 2008).
Projekte im Rahmen von Amsterdam Smart City

The climate street


Die Utrechtsestraat in Amsterdam soll in eine nachhaltige Shoppingmeile verwandelt
werden, in der neue Technologien getestet werden. Der Fokus liegt dabei auf Unternehmen,
Logistik und ffentlichem Raum. Dafr werden zunchst die CO2-Emissionen der
Unternehmen gemessen und Smart Meter sowie darauf basierende individuelle
Energiespartipps zur Verfgung gestellt. Die Haltestellen der Tram sollen energieeffizient
gestaltet werden sowie ein optimiertes Abfall- und Wassermanagement (zur Reinigung der
Strae) eingefhrt werden. Logistische Prozesse sollen durch Bndelung optimiert werden.
Ziel des Projektes ist neben der Erhhung der Energieeffizienz und der Reduktion der CO2-
Emissionen auch eine Verhaltensnderung der BrgerInnen.

Zuidas Solar
Bei diesem Projekt sollen auf den Dchern von Gebuden im
Geschftsbezirk Zuidas 3.000 Solarpanels mit einer Kapazitt
von insgesamt 0,5 MW installiert werden. Ziel des Projektes ist
zu zeigen, dass PV-Anlagen auch in groem Mastab mglich
und sinnvoll sind. Dafr sollen die Unternehmen,
MitarbeiterInnen und BrgerInnen des Bezirks einbezogen
werden.
Ein weiteres Ziel dieses Testprojektes ist zu ermitteln, welche
Anstze gut und welche weniger gut funktionieren.

ffentliche Gebude
Die Stadtverwaltung hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2015
energieneutral zu sein, und sieht dafr eine Reihe an Manahmen vor. Unter anderem wird
ein Online-Portal zur Messung des Energieverbrauchs in stdtischen Gebuden entwickelt.
In dem Projekt Smart Schools knnen zehn Grundschulen die Ergebnisse ihrer
Energieeffizienzbemhungen in einem Online-Portal vergleichen.

- 24 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele

Smart Metering und Energiemanagement


In verschiedenen Smart City Projekten werden in bestimmten Stadtteilen von Amsterdam
innovative Energiemanagementsysteme in Haushalten getestet sowie die Haushalte mit
Smart Meter Gerten ausgestattet.
Weitere Manahmen zur Reduzierung des Energieverbrauchs
Auch auerhalb des Smart City Projektes plant die Stadt Manahmen zur Reduzierung des
Energieverbrauchs. Im Bereich Hafen und Industrie soll laut Energiestrategie Amsterdam
2040 eine Erhhung der Energieeffizienz und eine Verringerung des Energieverbrauchs
durch geschlossene Kreislufe, eine Verlagerung des Gterverkehrs auf Schiene und
Wasser und eine strkere kologische Orientierung des IKT-Sektors erreicht werden.
Ein interessantes Projekt des Energieversorgers Nuon ist die Khlung von Gebuden mit
Seewasser. Dabei wird acht bis zehn Grad kaltes Wasser aus dem Niuewe Meer, einem
knstlich angelegten See, zu einer Transferstation gepumpt. Mit Hilfe eines Kompressors
khlt das Seewasser das in der Pipeline befindliche Wasser, welches dann zum Verbraucher
gepumpt werden kann. Die CO2-Emissionen sind nach Angaben des Betreibers Nuon um
70% geringer als bei einer herkmmlichen Klimaanlage. Derzeit werden im Gebiet Zuidas mit
diesem System mehrere Brogebude gekhlt (Nuon 2011, C40-Cities 2011).

Abbildung 4: Funktionsweise Lake Water Cooling

Quelle: Nuon (2011)

4.2.3 Mobilitt
Amsterdam ist als Fahrradmetropole bekannt. Eine Untersuchung von Motorcylce Insurance
besttigt, dass Amsterdam die fahrradfreundlichste Grostadt der Welt ist. Der Anteil der
FahrradfahrerInnen am Modal Split ist dementsprechend mit 38 % (2008) sehr hoch (zum
Vergleich: Wien 5 % (2010), Berlin 13 % (2008)). Dementsprechend gut ist die Infrastruktur
fr FahrradfahrerInnen in Amsterdam auch ausgebaut.
Im Rahmen von Amsterdam Smart City gibt es derzeit zwei kleinere Projekte, die sich mit
Elektromobilitt befassen. Umfassendere Projekte integrierter Mobilitt konnten bei der
Initiative Smart City Amsterdam nicht identifiziert werden. Die Stadt verfolgt jedoch neben
dem Smart City Projekt eine Strategie zu Elektromobilitt (siehe Kasten).
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Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7

Moet je Watt
Moet je Watt ist ein Batteriesystem fr Elektroautos, das mit einem Smart Meter
kommuniziert, um beispielsweise eine berladung zu verhindern. In diesem Projekt wird das
Batteriesystem mit den verschiedenen marktblichen Smart Meter Gerten getestet, um die
optimale Integration der Batterie und des Smart Meter zu erreichen.

Ship-to-Grid
In dem Projekt geht es um die Stromversorgung von Schiffen, wenn sie im Hafen liegen. Ziel
ist es, dass Schiffe ihre Energie anstatt ber Dieselgeneratoren von sogenannten Shore
Power Stations beziehen, die mit erneuerbaren Energien gespeist werden. Insgesamt sollen
73 Ladestationen mit 154 Anschlssen errichtet werden. Die Bezahlung erfolgt mit einem
telefonischen System, das der Skipper durch einen Anruf und die Eingabe eines
persnlichen Codes aktivieren kann. Durch dieses Projekt sollen sowohl die Lrm- als auch
die Luftschadstoff- und CO2-Emissionen im Hafenbereich reduziert werden.

4.2.4 Exkurs: Elektromobilitt in Amsterdam und den Niederlanden


Elektromobilitt in Amsterdam
Die Stadt Amsterdam hat in 2009 den Action Plan for Electric Mobility in Amsterdam
verffentlicht (City of Amsterdam 2009), der jedoch nicht explizit im Kontext des Projektes
Amsterdam Smart City steht. Ziel ist es, bis 2012 insgesamt 200 Ladestellen fr Elektroautos
in Amsterdam zu installieren langfristig sollen es 2.000 werden. Man setzt darauf, dass bis
2040 fast alle Motorroller und Autos elektrisch unterwegs sind wobei der Strom der
Ladestellen CO2-frei sein soll soll. Bislang gibt es bereits 100 von der Stadt eingerichtete
Elektrotankstellen, deren Strom zu 100% aus erneuerbaren Energiequellen stammt. Erreicht
werden sollen die Ziele der Stadt Amsterdam durch verschiedene Frdermanahmen. So
finanziert die Stadt bei der Anschaffung eines Elektroautos die Hlfte der Differenz zwischen
dem Kaufpreis fr ein Elektroauto und dem gleichen Modell mit konventionellem Antrieb. Fr
die Ladestationen erhlt jeder Fahrer bzw. jede Fahrerin, der/die sich registriert, eine
Smartcard, mit der er/sie sich an einer Ladestation identifiziert. Die Aufladung ist whrend
der zweijhrigen Pilotphase (2009 bis 2011) fr die FahrerInnen kostenlos. Weiterhin werden
die Parkflchen in der City reduziert, whrend Elektroautos in der City kostenlos parken
knnen (Viehmann 2011).
Elektromobilitt in den Niederlanden
In punkto Elektromobilitt wollen die Niederlande eine Vorreiterrolle einnehmen. So hat sich
die niederlndische Regierung gemeinsam mit den KFZ-Fachverbnden das Ziel gesetzt, bis
2020 etwa eine Million Elektroautos (inklusive Hybridmodelle) auf die Straen zu bringen.
Wichtige Ansatzpunkte, um dieses Ziel zu erreichen, sind direkte Zuschsse zu den
Kaufpreisen von E-Mobilen sowie steuerliche Vergnstigungen bei Anschaffung und Betrieb.
So sollen bis 2018 neue E-Mobile vollstndig von der Kaufsteuer und im laufenden Betrieb
von der Kfz-Steuer befreit werden.

- 26 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele

4.2.5 Informations- und Kommunikationstechnologien: ZonSpot


Ein interessantes IKT-Projekt im Rahmen von Amsterdam Smart
City ist das Projekt ZonSpot (SunSpot). Hier sollen im ffentlichen
Raum oder auch auf privaten Flchen Outdoor-Arbeitspltze mit
WiFi-Internetzugang aufgestellt werden, die mit Solarenergie
betrieben werden. Finanziert werden sollen diese beispielsweise mit
Werbung oder durch die Verbindung mit groen
Nachhaltigkeitsinitiativen von Unternehmen oder anderen
Institutionen. Das Ziel des Projektes ist unter anderem, durch die
direkte Sichtbarkeit der Funktionsweise von Photovoltaik das
Bewusstsein fr Nachhaltigkeit zu erhhen (Amsterdam Smart City
2011b).

- 27 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7

4.3 Helsinki

EinwohnerInnen: 588.695
Flche: 715,55 km (davon Landflche):
214 km;
Binnengewsserflche:
1,2 km;
Meeresflche: 500 km
Bevlkerungsdichte: 2.755,3 Ew./km
Pro-Kopf-Emissionen: 7,0 t CO2/a (2005)
Klimaschutz-Ziel: 39% Reduktion der Pro-Kopf
CO2-Emissionen (Metropolregion)
bis 2030 (Basisjahr 1990)

4.3.1 Smart City Aktivitten in Helsinki


In Helsinki gibt es einzelne Projekte, die unter dem Stichwort Smart City kommuniziert
werden. Anders als in Amsterdam konnte kein umfassendes Smart City Projekt identifiziert
werden, das mehrere Smart City Handlungsfelder abdeckt. Aufgrund der guten
Ausgangssituation, ambitionierter Ziele und einer Reihe weitere Aktivitten kann Helsinki
dennoch als eine Stadt bezeichnet werden, die einen gewissen Vorreiterstatus hat.

4.3.2 Energie
Ausgangssituation
Helsinki hat eines der am weitesten entwickelten Fernwrmenetze in Westeuropa. So
werden ber 90 Prozent der Gebude der Stadt Helsinki mit Fernwrme des stdtischen
Energieversorgers Helsingin Energia versorgt, dabei kommt 72 % der erzeugten Fernwrme
aus Kraft-Wrme-Kopplungsanlagen. Seit 2001 wird auch Fernklte mit diesem System
erzeugt. Interessant ist die Lsung zur Abdeckung der Spitzenlasten. Hier dient eine
Wrmepumpenanlage, die Wrme im geklrten Abwasser fr die Wrmeversorgung nutzt,
als Spitzenlastheizwerk.
The five large heat pumps of the Katri Vala heating and cooling plant can produce
90xMW of district heat and 60 MW of district cooling in a single process. The main energy
source is the thermal energy of purified waste water of Helsinki residents. Heat is
produced with the Katri Vala heat pumps when peak-load heat production is required in
addition to combined heat and power plants. Waste water heat reduces the use of fossil
fuels. (Helsingin Energia 2011)
Durch diese und weitere Manahmen sollen die CO2-Emissionen in Helsinki bis 2030 um
mehr als ein Drittel verringert werden (Basisjahr: 1990).

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Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele

In Zukunft soll auerdem die Befeuerung der Fernwrme-Anlagen mit erneuerbaren


Energietrgern ausgeweitet werden.13
Smart Energy Kalasatama
Der Energieversorger Helsingin Energia fhrt
zusammen mit ABB und Nokia-Siemens-
Networks ein Projekt zu Smart Grid durch. In dem
alten Fischerei- und Hafengebiet Kalasatama
entsteht ein Wohn- und Gewerbeviertel. Dort soll
ein Smart Grid entstehen, das den
AnwohnerInnen die Nutzung von dynamischen
Tarifen ermglicht sowie Bonuszahlungen fr die
Reduzierung des Energieverbrauches in
Spitzenlastzeiten vorsieht. Zudem soll der Anteil
an erneuerbaren Energien im Netz erhht sowie
Mglichkeiten zu Aufladung von Elektromobilen
geschaffen werden. Der Vorstandvorsitzende von Helsingin Energia, Seppo Ruohonen,
sagte zu dem Projekt:
We have the ambition to develop the new Kalasatama district into a global benchmark
for smart cities and we look forward to implementing the best available technology
together with our global partners ([Link], 2010)14

4.3.3 Mobilitt
Im Rahmen von Forum Virium einem Cluster aus verschiedenen Unternehmen, das die
Entwicklung und Verbreitung von digitalen Technologien in Helsinki frdern soll wurden
unterschiedliche Projekte zu Smart City Themen durchgefhrt. Die so vorangetriebenen
Projekte werden unter dem Stichwort Smart City kommuniziert.
Intelligentes Verkehrsmanagementsystem
Von 2006 bis 2007 wurde ein Projekt durchgefhrt, bei dem verkehrsrelevante Informationen
beispielsweise zu Baustellen, Verkehrsstrungen und Parkpltzen auf Displays angezeigt
werden und die Informationen auf dem Handy angezeigt werden knnen.

4.3.4 Elektromobilitt in Helsinki


Wie auch in Amsterdam gibt es in Helsinki Aktivitten zum Thema Elektromobilitt, die
jedoch nicht unter dem Stichwort Smart City kommuniziert werden.
Die Stadt hat sich zusammen mit Projektpartnern wie dem Nokia-Siemens-Netzwerk zum
Ziel gesetzt, von 2011 bis 2012 eine Testflotte von 500 Elektroautos auf die Straen von
Helsinki zu bringen.

13 [Link] (16.06.2011)
14 [Link]

- 29 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7

Weiterhin wird im Rahmen des Sustainable Community Programmes von Januar 2010 bis
Dezember 2011 das Projekt SIMBe (Smart Infrastructures for Electric Mobility in Built
Environments) durchgefhrt, das die Verbreitung von Elektromobilitt in Finnland
beschleunigen soll. In diesem Projekt wird unter anderem der Einbezug der Elektromobil-
Flotte in das Smart Grid erprobt.
Based on the smart energy production and distribution scenario, in which electric and hybrid
vehicles batteries will deliver energy on demand to the grid, SIMBe aims to prepare key
Finnish industrial players and consumers for the transition to this new energy-transportation
paradigm.
In the frame of the Tekes Sustainable Community programme, SIMBe aims to complement
the building- and real estate based concepts of sustainability (e.g. smart houses) with a
concrete deployment plan for electric mobility. Participants will overcome the momentary
chicken-egg problem of market entry as SIMBe concepts will enable them to develop
concrete services for (and together with) mobile citizens as end users (SIMBe 2011).

4.3.5 Informations- und Kommunikationstechnologien


Zu den Smart City Projekten von Forum Virium gehren auch Projekte im IKT-Bereich,
beispielsweise die Projekte Smart Urban Spaces und Ubiquitious Helsinki (Forum Virium,
2011).15
Smart Urban Spaces
Das Projekt wird zusammen mit neun europischen Stdten durchgefhrt. Ziel ist die
Entwicklung von interoperablen e-city-Diensten, die auf den neuesten mobilen Technologien
beruhen. In dem Pilotprojekt Walk and Feel Helsinki beispielsweise knnen sich
BesucherInnen der Stadt auf einer gefhrten Stadttour mit Hilfe sogenannter NFC tags16 und
2D-Barcodes Informationen ber Sehenswrdigkeiten entlang der Route auf ihren
Mobiltelefon oder Webbrowser anzeigen lassen.
Ubiquitous Helsinki
Im Rahmen dieser Initiative sollen Pilotprojekte in den verschiedenen thematischen
Bereichen Verkehr, Tourismus und Events sowie Kindergrten (Daycare) durchgefhrt
werden. Ziel ist die Nutzung und Verbreitung von Ubiquitous Computing17, also
Technologien, die zum grten Teil unbemerkt im stdtischen Hintergrund arbeiten. Damit
soll Helsinki zu einem der fhrenden Entwicklungs- und Test-Hubs fr ubiquitre Dienste
werden, die nach den Bedrfnissen der Benutzer ausgelegt sind.

15 [Link]
16 NFC steht fr Near-field-communication
17fUbiquitous Computing bezeichnet die Allgegenwrtigkeit rechnergesttzter
Informationsverarbeitung.

- 30 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele

Ein Projekt von Ubiquitious Helsinki ist [Link], bei dem ortsgebundene und Service-Daten
aus dem Groraum Helsinki gesammelt werden, die es beispielsweise ermglichen,
Straenbahnen in Echtzeit zu folgen, Treffpunkte mit Freunden einzurichten oder individuelle
Empfehlungen fr Dienstleistungen zu erhalten.
Weitere Informationen zu diesen und weiteren Smart City Projekten finden sich unter:
[Link]

Helsinki Virtual Village


Ein lteres Projekt im IKT-Bereich, das jedoch nicht unter dem Stichwort Smart City
kommuniziert wird, ist Helsinki Virtual Village. In der bmvit-Studie Urban Future (bmvit
2010) wird dieses Projekt als Beispiel beschrieben:
Das alte Industriegebiet Arabianranta, ca. 4 km vom Stadtzentrum entfernt, ist eines der
wichtigsten Stadterneuerungsprojekte von Helsinki. Der neue Stadtteil beherbergt
Wohnungen, Universitten und Schulen aber auch zahlreiche Klein- und
Mittelunternehmen im Bereich Kunst, Design und Multimedia. Die Stadt Helsinki
begeleitet das Projekt. Alle beteiligten Bautrger mssen sich an diverse Vorgaben durch
die Stadt halten. Eines der Kernziele ist die Entwicklung des Stadtteils zum Helsinki
Virtual Village.[]
Unter dem Projekttitel Helsinki Virtual Village wird jede Wohnung und jedes Gebude
des Stadtteils ber LAN oder W-LAN miteinander vernetzt. Hierzu werden alle Gebude
mit Intranet ausgestattet und sogenannte "Resident Moderators" ausgebildet, die das
Intranet und die Verbindung zum LAN sowie weitergehende Angebote betreuen. Diese
umfassen unter anderem eine elektronische Tageszeitung, die Vermittlung von
zertifizierten Dienstleistungen im Bereich Homeservices, Dienstleistungsangebote von
Bewohnern fr Bewohner sowie eine digitale Arbeitsvermittlung, bei der die Profile
zwischen dem Jobangebot und dem Jobsuchenden datentechnisch abgeglichen werden,
um die Vermittlungsgenauigkeit zu erhhen. Weiterhin dient das IuK-Netzwerk auch als
Plattform fr die zahlreichen lokalen Initiativen der Gemeinde. (bmvit 2010)

- 31 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7

4.4 Luxemburg

EinwohnerInnen: 91.857
Flche: 51,73 km
Bevlkerungsdichte: 1775 Ew/km
Pro-Kopf-Emissionen: k.A.
Klimaschutz-Ziel: k.A.

Quelle: Luxembourg City Tourist Office

Erster Platz im European Smart Cities Ranking


Im 2007 durchgefhrten Smart City Ranking der europischen Union fr kleine und
mittelgroe Stdte erreichte Luxemburg den ersten Platz. Dies resultiert vor allem aus den
berdurchschnittlichen Werten im Bereich Smart Economy und Smart People. Diese
Platzierung erreicht Luxemburg unter anderem durch weit ber dem Durchschnitt liegende
Bewertungen bei den Kriterien internationale Einbettung, Produktivitt, wirtschaftliche
Situation sowie den Kriterien soziale und ethnische Pluralitt (Abbildung 5).

4.4.1 Energie
In Luxemburg wurden keine Projekte im Themenbereich Energie identifiziert, die unter dem
Stichwort Smart City kommuniziert werden.
Der Environmental Action Plan der Stadt Luxemburg sieht vor, dass fr alle neu errichteten
Gebude der Stadt ein Niedrigenergie- bzw. Passivhausstandard angewendet wird. Zudem
konnte der Stromverbrauch der Stadt in 2010 erstmals um 10% gesenkt werden. Mit
Biomasse, Solarkollektoren einer Biogasanlage und verschiedenen Photovoltaikanlagen
produziert Luxemburg derzeit 10% seiner Strom- und Wrmeversorgung aus erneuerbaren
Energien (EU, 2009).18
Finally, reducing heating requirements are among the objectives of the environmental action
plan. All buildings of the City of Luxembourg are being built or are being renovated according
to the standard low energy or passive house concerts. The total consumption of electricity
has also been reduced for the first time in 2010, with all electricity consumed being labelled
as green electricity. With wood-fired boilers, solar collectors, a biogas plant, various
photovoltaic and micro hydro equipment and technology, Luxembourg City itself produces
renewable energy equivalent to about 10% of its needs for heating and electricity. (EU,
2009)

18 [Link]

- 32 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele

Abbildung 5: Ergebnisse des Smart City Rankings fr Luxemburg

Quelle: Giffinger et. al. (2007)

- 33 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7

4.4.2 Mobilitt
In Luxemburg finden sich keine Projekte im
Themenbereich Mobilitt, die unter dem Stichwort Smart
City kommuniziert werden.
Der Environmental Action Plan der Stadt Luxemburg
enthlt auch Manahmen zu Mobilitt. Dazu gehren die
Modernisierung der Busflotte, Projekte zur Erhhung des
Anteils nicht-motorisierter Mobilitt, wie ein 140 km
umfassendes Fahrradnetz, ein Netzwerk von
Fahrradleihstationen sowie die Ausweitung von 30km/h-
Zonen in Wohngebieten. Zudem sind ein Light-Tram-
System (Oberleitungsbusse), ein Carsharing-System
sowie ein autofreier Stadtteil geplant (EU, 2009).

4.4.3 Informations- und Kommunikationstechnologien


Unter dem Slogan Luxembourg goes smart hat sich die Stadt zum Ziel gesetzt, zu einer e-
City zu werden. Damit soll ein Beitrag zu den verschiedenen Handlungsfeldern von Smart
City geleistet werden. In der Stadt sollen ein flchendeckendes WiFi-Netz zur Verfgung
gestellt sowie neue intelligente und integrierte mobile Services entwickelt werden, die dazu
beitragen, Luxemburg zu einer Smart City zu machen. Das Projekt mit dem Namen Hot
City ist ein Public Private Partnership Project, das die Stadt seit 2007 gemeinsam mit dem
Netzbetreiber EPT durchfhrt.
Bislang stehen bereits 330 Hotspots zu Verfgung, die 75% der Stadtflche Luxemburgs
abdecken. Ende 2011 sollen es 450 Hotspots sein, was einer Abdeckung von 100%
entspricht. Auf dem Portal finden sich Applikationen fr BrgerInnen, TouristInnen, uam., die
den Alltag in der Stadt erleichtern sollen (Mobilitt, Kultur, kommunale Dienstleistungen etc.)
(Helminger, 2010). Diese Apps knnen kostenlos von jedem WiFifhigen Gert genutzt
werden. Die Nutzung der Hotspots ist kostenpflichtig.19

19 [Link]

- 34 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele

4.5 Kopenhagen

EinwohnerInnen: 528.208
2
Flche: 88,25 km
Bevlkerungsdichte: 5.985
2
EinwohnerInnen/km
Pro-Kopf-Emissionen: 5,3 t CO2/a (2005)
Klimaschutz-Ziel: Klimaneutral bis 2025

Kopenhagen gilt als eine der Grostdte, die groe Anstrengungen und innovative Projekte
im Bereich Energie- und Klimaschutz vorzuweisen haben. So erreichte Kopenhagen
beispielsweise im European Green City Index (Siemens 2009) den 1. Platz. Kopenhagens
Vision fr eine Smart City ist die Integration der Aktivitten in den verschiedenen Sektoren
Mobilitt, Gebude und Energie mit dem Ziel to create the sustainable and smart city, not
just develop one technological solution in one sector (Billehj 2010). Die Stadt versteht sich
als ein Grnes Labor, in dem die verschiedenen Smart City Lsungen getestet werden
knnen, um sie auch in anderen Stdten anzuwenden.

4.5.1 Mobilitt
Kopenhagen ist ebenso wie Amsterdam eine Fahrradmetropole und hat mit 0,5 Millionen
Fahrrdern in der Stadt eine stark ausgeprgt Fahrradkultur. Der Anteil der
FahrradfahrerInnen und FugngerInnen am Modal Split betrgt insgesamt 59%, whrend
der Anteil des motorisierten Individualverkehrs 21% betrgt (Abbildung 6).
Die Stadt sieht darin einen wichtigen Beitrag auf dem Weg zu einer Smart City (Billehj
2010) und will den Anteil der FahrradfahrerInnen am Modal Split weiter erhhen.
Projekte zum Thema Mobilitt, die unter dem Stichwort Smart City kommuniziert werden,
konnten nicht identifiziert werden.

- 35 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7

Abbildung 6: Modal Split in Kopenhagen

Quelle: City of Kopenhagen (2009)

4.5.2 Energie
Kopenhagen hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2025 klimaneutral zu sein, und hat
dafr den Copenhagen Climate Plan verffentlicht (City of Copenhagen o.J.).
Kopenhagen hat eines der grten und modernsten Fernwrmesysteme der Welt. 98 % aller
Haushalte sind an das Fernwrmenetz angeschlossen. Kopenhagen beteiligt sich an einem
groen Offshore-Windprojekt vor der Kste. Die Wind Farm Middelgrunden besteht aus 20
Windkraftanlagen mit einer Leistung von 2 MW. Middelgrunden ist mit 8.600 BesitzerInnen
eine der grten Windenergie-Kooperativen berhaupt. Das Grundkapital stammt zu 50%
vom kommunalen Energieversorger Kopenhagen Energy und zu 50% von kleinen
GesellschafterInnen. Um derartige Projekte zu frdern, bietet die dnische Regierung
Steuererleichterung an, wenn sich BrgerInnen an Windenergieprojekten in ihren
Kommunen beteiligen.20
Das Fernwrmesystem von Kopenhagen wird von der Stadt als wichtiger Beitrag zu einer
Smart City gesehen (Billehj 2011).
Nordhavn Ein neuer Bezirk soll zur Smart City werden
Im Bezirk Nordhavn in Kopenhagen soll unter dem Namen Nordholmene Urban Delta ein
Stadtteil entstehen, in dem nachhaltige und innovative Wohn- und
Energieversorgungsstrukturen aufgebaut werden.

20f[Link]

- 36 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele

The ambition for the Nordhavn development is that of making a carbon-negative city
district. (Copenhagen X 2011).21 Das Projekt ist eines der grten nachhaltigen
Stadtentwicklungsprojekte in Skandinavien, weshalb die Bauzeitcirca 30 bis 40 Jahre
betragen wird. Insgesamt sollen Gebude fr 40.000 AnwohnerInnen und ebenso viele
Arbeitspltze entstehen.
Durch eine dichte Stadtstruktur mit optimalem Zugang zu ffentlichem Nahverkehr und
Einkaufsmglichkeiten sollen Wege mglichst kurz gehalten werden.
Das Konzept einer dichten Stadt (density) bildet eine wichtige Grundlage fr das
Stadtentwicklungsprojekt. Das Energiekonzept soll so gestaltet werden, dass der Stadtteil
mehr Energie produziert, als er bentigt. Fr die Strom- und Wrmeversorgung sollen
erneuerbare Energietrger wie Windkraft, Geothermie und Biomasse aus Seealgen genutzt
werden. Alle Huser in dem Stadtteil werden Niedrigenergiehuser sein, in denen
beispielsweise fr die Toilettensplung Brauchwasser genutzt wird.
Das Projekt in Nordhaven soll dazu beitragen, das Ziel der Klimaneutralitt bis 2025 in
Kopenhagen zu erreichen.

4.5.3 Informations- und Kommunikationstechnologien


In Kopenhagen konnte kein aktuelles Projekt identifiziert werden, das sich im Rahmen von
Smart City mit IKT befasst.

4.6 Gesamtschau der betrachteten Stdte


Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass in den dargestellten Beispielen die
Themen, die dem Begriff Smart City zugeordnet werden, noch sehr unterschiedlich sind.
Whrend Amsterdam im Rahmen der Initiative Amsterdam Smart City vor allem Projekte im
Energiebereich und kleinere Projekte zu IKT und Mobilitt durchfhrt, wird das Thema
Energie in Luxemburg bislang noch gar nicht als Smart City Thema kommuniziert.
Luxemburg stellt jedoch insofern eine Ausnahme dar, als die Zuschreibung Smart City eher
von auen durch das Ranking der EU kommt und daher nicht so sehr von der Stadt selbst
verwendet wird.
In allen anderen Stdten werden zumindest Projekte im Energiebereich dem Begriff Smart
City zugeordnet und in Kopenhagen wird der hohe Fahrradfahreranteil am Modal Split als
Beitrag zu einer Smart City gesehen, wenngleich es keine konkreten Projekte zu Mobilitt
gibt, die unter diesem Stichwort laufen.
Die bersicht macht deutlich, dass der eigentliche Ansatz von Smart City eine umfassende
Betrachtung aller Aspekte einer Stadt sich in der Praxis noch nicht sehr stark durchgesetzt
hat und eine Reihe an Aktivitten zu nachhaltigkeitsrelevanten Aktivitten nicht unter dem
Stichwort Smart City kommuniziert werden.

21 Copenhagen X is a project of the Danish Architecture Centre funded by a partnership between


Realdania, Frederiksberg Municipality and the City of Copenhagen.

- 37 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7

Amsterdam gehrt zu den fortgeschrittenen Beispielen, wenngleich auch hier die


Verknpfung von Amsterdam Smart City beispielsweise mit der Elektromobilittsstrategie
nicht deutlich wird.
Die groe Herausforderung fr die zuknftigen Aktivitten zu Smart City besteht darin, die
Vernetzung und Integration der verschiedenen Smart City Handlungsfelder auch in der
Praxis umzusetzen, und dies nicht nur im Bereich der Planung von neuen Smart City
Quartieren sondern auch im Rahmen der bestehenden Strukturen der Stadt.

Tabelle 4: Themen, die von den betrachteten Stdten Smart City zugeordnet werden

Amsterdam Helsinki Kopenhagen Luxemburg


Energie -
Mobilitt - /- -
IKT -
Umfangreiche Smart City Projekte und Aktivitten
Kleinere oder wenige Smart City Projekte
- Bislang keine Smart City Projekte

Quelle: eigene Darstellung

5 Anbieter von Smart City Lsungen

5.1 Marktstudie von Greenbang


Die Anbieter von Smart City Services und Technologien stammen aus den verschiedenen
Bereichen insbesondere der Energieversorgung, Energietechnik, Anlagentechnik, Planung /
Architektur, Consulting und nicht zuletzt IKT- und Softwareentwicklung. Eines der
bekanntesten Unternehmen in diesem Sektor ist Siemens, doch auch Unternehmen wie IBM,
GE und ABB sind im Bereich Smart City sehr aktiv.
In einer Studie des Forschungsunternehmens Greenbang wurden Unternehmen, die Smart
City Lsungen anbieten, im Hinblick auf ihre Sichtbarkeit und Innovation im Smart City
Bereich untersucht. Unter den untersuchten Firmen sind IBM, Buro Happold, Siemens, GE,
Accenture, SAIC, Alstom, Mitsubishi Heavy Industries, ABB, Black & Veatch, Oracle,
Samsung, Cisco, Philips, SAP, HP, Home Depot und Autodesk. Die Analyse basiert auf der
Annahme, dass in einem dynamischen Feld wie Smart City die Sichtbarkeit und
Markenbekanntheit fast genauso wichtig ist wie die angebotenen Lsungen selbst. Ergebnis
der Analyse ist unter anderem die sogenannte Greenbang Smart Matrix (Abbildung 7).

- 38 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele

Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass viele der Smart City Lsungen, die in den
nchsten fnf bis zehn Jahren verkauft werden, davon abhngen werden, inwieweit es den
Unternehmen jetzt gelingt, eine entsprechende Marktkommunikation fr die angebotenen
Smart City Lsungen zu entwickeln (Greenbang 2010).

Abbildung 7: Greenbang Smart Matrix Smart Cities

Quelle: Greenbang (2011)

- 39 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7

5.2 Ausgewhlte Anbieter und ihre Leistungen


In der folgenden Tabelle werden einige ausgewhlte Anbieter von Smart Services mit ihren
jeweiligen Smart City Produkten und/oder Dienstleistungen dargestellt. Ausgewhlt wurden
Anbieter aus verschiedenen Branchen sowie diejenigen Anbieter, die in der Greenbang
Smart Matrix zu den Innovatoren zhlen.

Abbildung 8: Ausgewhlte Anbieter von Smart City Services

Unternehmen Branche Produkte und Dienstleistungen zu Smart City

Siemens Energietechnik/ Erneuerbare Energien


Anlagenbau Energiebertragung und Verteilung
Wasser
Energieeffizienz
Gebude
Mobilitt
Beleuchtung

GE Energietechnik/ Erneuerbare Energien


Anlagenbau Energiebertragung und Verteilung
Wasser
Energieeffizienz
Gebude
Mobilitt

IBM IKT Anbieter von IKT fr die verschiedensten Bereiche


(Energie, Mobilitt, Governance etc.).

Accenture Beratung Accenture bietet Beratung und Studien etc. zur


Umsetzung und zu Technologien von Smart City
an.

Arthur D. Little Beratung Arthur D. Little bietet Beratung und Studien etc. zur
Umsetzung und zu Technologien von Smart City
an.

Mitsubishi Automobil/ Erneuerbare Energien (Anlagen)


(Electric) Elektronik Energieeffizienz

Buro Happold Architektur/ Beratung, Planung/Konzepte z.B. zu


Planung/Beratung energieeffizienten Gebuden

Quelle: eigene Darstellung

- 40 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele

6 Ausgewhlte Studien zu Smart City


Zu den Themenfeldern, die Smart City betreffen wie Energie und Mobilitt , gibt es
natrlich eine Vielzahl an Studien. Darunter sind jedoch wenige, die explizit den Begriff
Smart City verwenden. Eine mgliche Ursache kann der strker marketingorientierte und
weniger wissenschaftliche Hintergrund des Begriffes sein. In wissenschaftlichen Studien
werden eher Begriffe wie Sustainable City verwendet. Eventuell ist das gerade erst
aufkommende breitere Verstndnis von Smart City auch noch zu jung.
Die folgende Auswahl enthlt daher Studien im Bereich Stdte, die in sterreich
durchgefhrt wurden (z.B. im Auftrag von Ministerien), sowie Studien, die explizit mit dem
Begriff Smart City arbeiten. Aufgrund der aktuellen dynamischen Entwicklung im Bereich
Smart City ist davon auszugehen, dass der Begriff zuknftig auch in der Forschung hufiger
verwendet wird.

6.1 Urban Future (BMVIT)


In der vom BMVIT beauftragten Studie Urban Future wurde unter anderem der Stand der
Diskussionen sowie Anstze in anderen Lndern zum Thema Stadt der Zukunft ermittelt.
Im Zentrum steht die Frage, welche Fragestellungen und Herausforderungen sich fr die
Stadt der Zukunft ergeben und ob die einzelnen Fragestellungen zu Forschungs- und
Technologiefeldern zusammengefasst werden knnen. Weiterhin wird der Frage
nachgegangen, welche Technologie- und Forschungsfelder fr die sterreichische Wirtschaft
von besonderer Bedeutung sind und in welchen Themen sterreich die Themenfhrerschaft
bernehmen kann.
Der Stand des Wissens wird in acht verschiedene Themenfelder gegliedert (Abbildung 9).

Abbildung 9: Themenfelder fr die Stadt der Zukunft

Quelle: BMVIT (2010)

In der Studie werden der Stand der Forschung in den jeweiligen Themenfeldern und
Projektbeispiele fr bereits realisierte Projekte dargestellt.

- 41 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7

Ergebnisse der Studie


Zusammenfassend werden in der Studie Leitfragen fr die Stadt der Zukunft
herausgearbeitet, die zur Diskussion ber Lsungsperspektiven fr urbane Technologien
und Konzepte anregen sollen:
Welche knftigen Herausforderungen und Chancen ergeben sich aus Megatrends?
Wie kann und soll mit Komplexitt und Interdependenz im System Stadt umgegangen
werden?
Welche Leitbilder, Zielvorstellungen und Orientoren sind hilfreich fr eine
zukunftsfhige Entwicklung urbaner Systeme?
Welche Strukturen und Organisationsformen ermglichen eine nachhaltige
Entwicklung?
Wie sind die Beziehungen zur Systemumgebung zu gestalten?
Wie kann ein Systemwechsel hin zu nachhaltigen Systemen umgesetzt werden?
(BMVIT 2010)
Im Hinblick auf die sterreichische Forschungs- und Technologiepolitik kommt die Studie zu
dem Ergebnis, dass das Thema Stadt ein Zukunftsthema mit hohem strategischen
Stellenwert ist. Die Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen sollten sich sowohl an den
Systemkriterien als auch an den zur menschlichen Bedrfnisbefriedigung ausgebten
Aktivitten (Ernhren, Transportieren und Kommunizieren, Wohnen und Arbeiten, Reinigen)
orientieren (Abbildung 10). Um der Komplexitt des Systems Stadt gerecht zu werden, so
die AutorInnen, sind in verstrktem Mae integrative Forschung, inter- und transdisziplinre
Zusammenarbeit und kooperative Technologieentwicklung notwendig. Dazu bedarf es einer
engen Zusammenarbeit von Forschung, Wirtschaft und Kommunen.

Abbildung 10: Integrative Anstze fr die Stadt der Zukunft

Quelle: BMVIT (2010)

Im Rahmen des Projektes werden kleine Demonstrationsprojekte, Showcases und


Pilotstudien in Stdten zu neuen Transportformen durchgefhrt.

- 42 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele

6.2 SmartCitiesNet (IR, AIT / BMVIT, FFG)


Im Auftrag von BMVIT und FFG werden in dem Projekt SmartCitiesNet Forschungsthemen
evaluiert und Handlungsempfehlungen fr Smart Cities ausgearbeitet. Das Projekt wird vom
sterreichischen Institut fr Raumplanung (IR) und dem sterreichischen Forschungs- und
Prfzentrum Arsenal bearbeitet.
In diesem Projekt sollen in Erweiterung des SET-Plans Smart Cities sowie unter
Bercksichtigung der bestehenden Grundlagen (wie z.B. des Projektes Urban Future) alle
Fragestellungen einbezogen werden, die direkt oder indirekt mit den Themen Energie und
Ressourcen in Stdten in einem Zusammenhang stehen (inkl. Planung und Lebensqualitt).
Im dem Projekt wurden drei Forschungsbereiche ermittelt, welchen die Manahmen mit dem
Ziel der Vernderung in Richtung Smart City zugeordnet werden knnen (Abbildung 11).
Strukturen (der gebauten Umwelt)
o Integrierte Raum-, Stadt-, Verkehrs- und Energieplanung
o Bewertungs-, Modellierungs- und Planungswerkzeuge
Technologien
o Gebude-, Energie-, Verkehrs- und Kommunikationstechnologien
o Komponenten- und Systemforschung
Prozesse
o Akteursprozesse (Politik, Wirtschaft, Akteursentscheidungen)
o Prozessanalyse und -optimierung, Entwicklung von Geschftsmodellen
o Bercksichtigung von Lebensstilen und gesellschaftlichem Wandel,
Lebensqualitt und NutzerInnenverhalten

Abbildung 11: Umsetzungsbereiche von Smart Cities mit Einordnung der SET Plan
Aktivitten

Quelle: IR/AIT (2011)

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Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7

In einem ersten Workshop des Projektes wurden die Themen Gebude, Mobilitt,
Stadtplanung, Ressourcen und Gesellschaft und deren Schnittstelle mit dem Thema Energie
diskutiert. Es wurden Wechselwirkungen, Hemmnisse, Widerstnde in der Zusammenarbeit
und nicht zuletzt Lsungsvorschlge besprochen.
Die Ergebnisse des Workshops sowie aktuelle Informationen zum Stand finden sich unter:
[Link]

6.3 Smart Cities 2015 (trend:research)


In der Studie Smart Cities 2015 Mrkte und Potenziale fr EVU, Infrastruktur-, TK- und IT-
Anbieter? (trend:research 2011)22 werden unter anderem die Rahmenbedingungen,
Handlungsfelder, der Nutzen sowie verschiedene Modellprojekte fr Smart Cities betrachtet.
Der Fokus liegt dabei auf Akteuren und Entwicklungspotenzialen in Deutschland. Die Studie
soll Antworten auf folgende Fragestellungen liefern:
Was charakterisiert Smart Cities?
Welche Stdte eignen sich aktuell und zuknftig besonders fr Smart City- Konzepte?
Welche Auswirkungen haben Smart Cities auf die ffentliche Verwaltung, die Brger
und die Energieversorgung?
Wie werden sich die Datenbertragungsnetze und -strukturen sowie
Kommunikationssysteme entwickeln?
Welche Geschftsmodelle werden sich herausbilden?
Welche Voraussetzungen mssen erfllt sein zur Integration von Verkehr und
Mobilitt sowie der Energieversorgung in Smart Cities?
Welche Erfahrungen werden in den verschiedenen Projekten gesammelt?
Ausgehend von einer Beschreibung unterschiedlicher Rahmenbedingungen sowie aktueller
Diskussionen werden die zu erwartenden Entwicklungspotenziale intelligenter
Stdteinfrastrukturen aufgezeigt. Neben dem Status quo in Bezug auf die eingesetzten
informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) und der damit verbundenen
Standardisierung wird deren Entwicklung innerhalb der nchsten Jahre aufgezeigt.
Die Studie zeigt auerdem Trends, Chancen und Risiken auf, um die Entwicklung einer
geeigneten Strategie zu untersttzen. Sie soll damit ermglichen, das zuknftige
Marktpotenzial von Smart Cities realistisch einzuschtzen.

22 Die kostenpflichtige Studie (5.500 ) liegt uns nicht vor.

- 44 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele

6.4 CityMobil
Das Projekt CityMobil ist ein Forschungs-, Entwicklungs-
und Demonstrationsprojekt, das sich mit der Integration
automatisierter Verkehrssysteme in die stdtische
Umgebung befasst. Beteiligt an dem Projekt ist unter
anderem der Forschungsbereich Verkehrsplanung und
Verkehrstechnik der TU Wien, dem auch Prof. Dr. Michael
Schopf angehrt, der Mitglied des Nachhaltigkeitsbeirates
der Wiener Stadtwerke ist.
Ziel des Projektes ist eine effektivere Organisation von stdtischen Verkehrssystemen zur
Erhhung der stdtischen Lebensqualitt.
We must recognise the need for both high speed scheduled mass transport as well as
individualised on-demand short distance transport. This is why we have to test and evaluate
new solutions based on advanced city vehicles. At the end of the project, we will have a
better understanding of the capabilities of new technologies and what the expected gains can
be (CityMobil 2011)

6.5 Weitere Studien zu Smart City Themenfeldern


Folgende weitere Studie wurden im Rahmen der Recherchen identifiziert, werden jedoch
nicht weiter vertiefend dargestellt:
Cities of the Future (PWC 2011)
SUME Scenarios for sustainable urban transport (IR o.J.)
Megacities und ihre Herausforderungen (Siemens 2011b)
Wir gehen davon aus, dass in nchster Zeit weitere Studien zu diesem Thema erscheinen
werden.

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Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7

7 Fazit

Smart City ein Begriff, viele Verwendungen


Wie bei den meisten neuen Begrifflichkeiten gibt es bislang noch keine eindeutige Definition
und Abgrenzung des Begriffes. Hufig wird der Begriff fr eine Vielzahl unterschiedlichster
Aktivitten verwendet, die sich in irgendeiner Art und Weise mit intelligenten Technologien
oder Konzepten fr Stdte befassen. In der Regel findet sich jedoch noch kein integrierter
Ansatz, der alle Aspekte fr eine Smart City zusammenfasst. Aktuell wird von Smart Cities
vorrangig dann gesprochen, wenn entweder ein Zusammenhang mit der Anwendung fr die
vermehrte Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien in Stdten besteht
oder wenn es um fr Aktivitten und Initiativen zu Energie und Klimaschutz in Stdten geht.
Diese anzutreffenden Schwerpunktsetzungen stellen keinen Gegensatz dar, denn der
Grundgedanke, aus dem sich der Begriff Smart City entwickelt hat, ist, dass Informations-
und Kommunikationstechnologien (IKT) als ein ermglichendes Element (enabler) oder
Ansto (activator) fr eine nachhaltige Stadtentwicklung dienen knnen. Somit bilden IKT
eine wichtige Grundlage fr die Zukunftsfhigkeit von Stdten.
Um zur Schaffung eines einheitlichen Verstndnisses beizutragen, haben wir nun eine
Definition entwickelt (Seite 19) und hoffen, dass diese hilfreich ist.
Komplexes System Stadt muss ganzheitlich betrachtet werden
Auch wenn Smart City, etwa im Vergleich zu Sustainable City, die Nutzung von IKT betont,
wird deutlich, dass es weit mehr als nur der verstrkten Nutzung von IKT bedarf, um eine
Stadt zu einer Smart City zu machen. Neben der intelligenten Vernetzung durch IKT steht
der Begriff Smart City auch fr die Bercksichtigung von Schnittstellen und Integration im
System Stadt sowie eine Integration auf sozialer (z.B. Einbezug der BrgerInnen) und
institutioneller Ebene.
Gerade im Bereich Energie und Mobilitt wird wieder deutlich, dass beispielsweise die
Stadtplanung eine ganz entscheidende Rolle spielt, da sie die Weichen fr viele Jahrzehnte
stellt.
Aufgrund des sehr komplexen Systems Stadt spielen also von Gebudedmmung ber
intelligente Energieversorgungsstrukturen bis hin zu Mobilitt und ffentlichem Raum eine
ganze Menge an verschiedenen Handlungsfeldern eine Rolle, in denen es intelligenter,
zukunftsfhiger Lsungen bedarf. Das bedeutet auch, dass auf dem Weg zu einer Smart City
viele unterschiedliche Akteure zusammenarbeiten mssen.
Die Chance, die die Verwendung des Konzeptes Smart City bietet, ist eine ganzheitlichere
Herangehensweise an das Thema Stadt der Zukunft, die der vernetzten Struktur von
Energie, Mobilitt, Wirtschaft, BrgerInnen und Gemeinwesen in Stdten Rechnung trgt
und somit alle relevanten Aspekte in den Blick nimmt.

- 46 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele

Anhang

7.2 Anhang I - Projekte und Netzwerke zu Smart Cities

EUROCITIES

Netzwerk der bedeutenden europischen Stdte, das 1986 gegrndet wurde


Zusammenschluss von ber 140 stdtischen Verwaltungen aus ber 30 Lndern,
Wien als einzige sterreichische Stadt
13 deutsche Partnerstdte
Schwerpunkte: Klima, Aufschwung, Einbeziehung
EUROCITIES Award seit 2006: 2006 erhielt Wien den dritten Platz beim Award fr
Kooperation fr den kobusinessplan Wien; weitere Awards an Dortmund (2009) und
Leipzig (2010).
EUROCITIES is the network of major European cities. We bring together the local
governments of more than 140 large cities in over 30 European countries. We influence and
work with the EU institutions to respond to common issues that impact the day-to-day lives of
Europeans. Our aim is to shape the opinions of stakeholders in Brussels to ultimately shift
legislation in a way that helps city governments address the EU's strategic challenges at the
local level. A large part of our work is aimed at reinforcing the role and place that local
government should have in a multi-level governance structure.

Based on the EU's three key challenges, EUROCITIES' policy priorities are:
Climate
Recovery
Inclusion
([Link]

European Initiative on Smart Cities


This Initiative will support cities and regions in taking ambitious and pioneering measures to
progress by 2020 towards a 40% reduction of greenhouse gas emissions through
sustainable use and production of energy. This will require systemic approaches and
organisational innovation, encompassing energy efficiency, low carbon technologies and the
smart management of supply and demand. In particular, measures on buildings, local energy
networks and transport would be the main components of the Initiative.

- 47 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7

The Initiative builds on existing EU and national policies and programmes, such as CIVITAS,
CONCERTO and Intelligent Energy Europe. It will draw upon the other SET-Plan Industrial
Initiatives, in particular the Solar and Electricity Grid, as well as on the EU public-private
partnership for Buildings and Green Cars established under the European Economic Plan for
Recovery. The local authorities involved in the Covenant of Mayors (more than 500 cities)
will be mobilised around this initiative to multiply its Impact. 23

Abbildung 12: Roadmap der European Smart Cities Initiative

Quelle: Setis

Smart Cities Netzwerk der Nordsee-Region

Innovationsnetzwerk von Stdten und akademischen Partnern fr die Entwicklung


und Frderung von eServices fr BrgerInnen und Unternehmen der Nordsee-Region
EU-regionales Entwicklungsprogramm, 2007-2013 (Schieferdecker 2010).
([Link]

23 [Link]

- 48 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele

Intelligent Community Forum (ICF)


ICF adressiert die Nutzung von IuK-Technologien fr das Gemeinwesen des 21.
Jahrhunderts
Keine sterreichische, deutsche und schweizerische Stadt unter den Top 7 in Europa
(Schieferdecker 2010)
([Link]

Sustainable Cities International


Sustainable Cities International was founded in Canada in 1993 as a partnership between
three levels of government, the private sector and civil society organizations. We are
governed by a board of directors from the private, public and civil sectors. It has a core staff
based in Vancouver, and an international panel of advisors, partner organizations, and
associates in other cities.
The Sustainable Cities International Network is a peer learning network involving over 40 cities,
regions, and associations dedicated to considering the long-term impacts of current
decisions. The goal is to use integrated long-term planning to guide immediate actions so as
to move cities and communities on the path to sustainability. 24

Abbildung 13: Mitglieder des Sustainable Cities Network

Quelle: [Link]

24 [Link]

- 49 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7

Climate Leadership Group - C40 Cities


In October 2005, representatives of 18 leading world cities met in London to discuss joining
forces to tackle global warming and climate change.
The representatives saw the need for action and cooperation on reducing greenhouse gas
emissions and pledged to work together towards achieving that goal.
At the end of the conference, a communiqu was signed which recognised the need for cities
to take action and to cooperate on reducing climate emissions.
The cities also promised a number of action points, including most notably the creation of
procurement policies and alliances to accelerate the uptake of climate-friendly technologies
and influence the market place.
In August 2006, the initiative was further strengthened when former President Clinton and
the former Mayor of London Ken Livingstone announced a partnership between the Clinton
Climate Initiative and the Large Cities Climate Leadership Group (since then renamed
"C40"). This new partnership pledged to reduce carbon emissions and increase energy
efficiency in large cities across the world. 25

Darstellung von Best Practice Beispielen der C40 Cities

Abbildung 14: Best Practice Beispiele fr erneuerbare Energien der C40 Cities

Quelle: [Link]

25 [Link]

- 50 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele

EU-Konferenz: 500 Stdte verpflichten sich, CO2-Aussto um mehr als 20 % zu senken


Mehr als 500 europische Brgermeister werden sich morgen verpflichten, ihre CO 2-
Emissionen bis 2020 um mehr als 20 % zu verringern. Mit der Unterzeichnung des
Brgermeister-Konvents verpflichten sie sich, Energie zu sparen, erneuerbare Energien zu
frdern und ihre Brger hierfr zu sensibilisieren. Die Erklrung werden sie im Beisein des
EU-Kommissionsprsidenten Jos Manuel Barroso und des spanischen Premierministers
Jos Luis Rodrguez Zapatero unterzeichnen. Der Konvent der Brgermeister ist eine
Initiative der Kommission, die sowohl vom Europischen Parlament als auch vom Ausschuss
der Regionen untersttzt wird.
Die lokalen Behrden spielen bei der Begrenzung der Folgen des Klimawandels eine
Schlsselrolle. Mehr als die Hlfte der Treibhausgasemissionen entstehen in Stdten und
durch Stdte. 80 % der Bevlkerung lebt und arbeitet in Stdten, wo bis zu 80 % der Energie
verbraucht werden.
Hintergrund: Die Europische Kommission untersttzt die Initiative, indem sie die Konferenz
organisiert, bewhrte Praktiken auf der einschlgigen Website frdert und lokalen Behrden
bei der Finanzierung ihrer Aktionen im Energiebereich durch Programme wie ELENA hilft, in
dessen Rahmen 2010 15 Mio. EUR bereitgestellt werden. 26

26x[Link]

uage=DE&guiLanguage=en

- 51 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7

7.3 Anhang II Indikatoren fr das EU-Smart Cities Ranking

Abbildung 15: Indikatoren fr das EU Smart City Ranking

- 52 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele

Quelle: Giffinger [Link]. (2007)

- 53 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7

7.4 Anhang III Barcelona Smart City Award


Eine interessante Initiative zum Nachahmen oder auch nur, um sich die Projekte
anzuschauen, ist der Barcelona Smart City Award.

Barcelona Smart City Award


Purpose of the award
The Barcelona SmartCity International Award is being established with the intention of
identifying the solutions or projects that clearly contribute to improving municipal services
for managing the city in order to make Barcelona a city of the future: a city with a high
quality of life which is competitive, sustainable and has an innovative, flexible, efficient
administration.
Themes
All solutions or projects in the pre-commercial stage that improve municipal services to
manage urban spaces in Barcelona can be submitted for the International Barcelona
Smart City Award in the following categories:
Urban mobility in electric vehicles and especially systems to manage fleets of
shared vehicles (such as car sharing).
Environmental quality, especially regarding measuring, supervising and controlling
air quality and preventing noise pollution. Solutions that can be applied to exercise
environmental control over public works will be especially valued.
New solutions for public lighting.
The solutions or projects competing for the award will be based on the use of new
technologies and will provide a complete solution while taking the necessary hardware and
software components into account.
Quelle: [Link]
content/uploads/2011/04/International_Award_BarcelonaSmartCity2ED_ENG.pdf

- 54 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele

Quellenverzeichnis
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Amsterdam Smart City (2011b): Smart Stories. Amsterdam Smart City. (Online)
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- 55 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7

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(Online) [Link] (19.9.2011)
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(Online) [Link]
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Siemens (2011a): Grne Stdte Nachhaltige Lsungen fr Gebude, Verkehr und Energie.
Nachdruck (mit Updates) aus Pictures of the Future/Frhjahr 2010. (Download:
[Link]
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([Link]
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SIMBe (2011): Projekt Website, Objectives. (Online) [Link] (02.08.2011)
Schieferdecker, Ina (2010): Wie werden Stdte intelligent? Anstze und Initiativen eine bersicht.
Vortrag Innovationskonferenz. (Download: [Link]
[Link]/data/files/Downloads/Publikationen_aktuell/IKT_Vortrag-Prof._Dr.-Ing._Ina_Schieferdecker.pdf)

- 56 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele

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(21.09.2011)
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Sustainable Energy Systems. (Download:
[Link]
Tsarchopoulos, Panagiotis (2011): Urenio Website Eintrag vom 20.04.2011: Amsterdam Smart City
Smart Stories 2011. (Online) [Link]
2011/ (03.08.2011)
UN (United Nations) (2007): World Urbanization Prospects. The 2007 Revision. New York. (Download:
[Link] ).
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it. New York. (Online) [Link] )
UN-Habitat (2006): Sustainable Cities Programme 1990-2000 - A Decade of United Nations Support
to Broad-based Participatory Management of Urban Development.
Viehmann, Sebastian (2011): Elektromobilitt - Zuckerbrot und Peitsche in [Link] Zeit online
vpm 22.03.21011 (Online) [Link] (01.08.2011)
Wiener Stadtwerke, Arthur D. Little (2011): Umsetzung Smart City Card Wien. Dokumentation.
(Internes Dokument)
Wikipedia (2011): Sustainable City. (Online) ([Link] (13.05.2011)

- 57 -
DIE
EUROPISCHE
UNION ERKLRT
So funktioniert
die Europische
Union
Ihr Wegweiser
zu den
EUInstitutionen

Europische Union
DIE EUROPISCHE
UNION ERKLRT

Diese Verffentlichung ist Teil einer Schriftenreihe,


inderenRahmen die Aktivitten der EU in
unterschiedlichenPolitikfeldern, die Grnde und die
Ergebnisse ihrerTtigkeiterlutert werden.

Sie knnen die Verffentlichungen der Reihe hierherunterladen:


[Link]
[Link]

So funktioniert die Europische Union


Europa in 12 Lektionen
Europa 2020: Europas Wachstumsstrategie
Die Grndervter der EU

Allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport


Auen- und Sicherheitspolitik
Banken und Finanzen
Beschftigung und Soziales
Betrugsbekmpfung
Binnenmarkt
Digitale Agenda
Energie Die Europische Union erklrt
Erweiterung So funktioniert die Europische Union
Forschung und Innovation
Gesundheitswesen Europische Kommission
Grenzen und Sicherheit Generaldirektion Kommunikation
Handel Brgerinformation
Haushalt 1049 Brssel
Humanitre Hilfe und Katastrophenschutz BELGIEN
Internationale Zusammenarbeit und Entwicklung
Justiz, Grundrechte und Gleichstellung Letzte Aktualisierung: November 2014
Klimaschutz
Kultur und audiovisuelle Medien Deckblatt und Bild auf Seite 2: Luis Pedrosa
Landwirtschaft
Lebensmittelsicherheit 40 S. 21 29,7 cm
Meerespolitik und Fischerei ISBN 978-92-79-39907-7
Migrations- und Asylpolitik doi:10.2775/10989
Regionalpolitik
Steuern Luxemburg: Amt fr Verffentlichungen der Europischen
Umwelt Union, 2014
Unternehmen
Verbraucher Europische Union, 2014
Verkehr Nachdruck gestattet. Fr die Verwendung oder
Wettbewerb Reproduktion einzelner Fotos muss die Genehmigung direkt
Wirtschafts- und Whrungsunion und der Euro beim Urheberrechtsinhaber eingeholt werden.
Zoll
DIE EUROPISCHE
UNION ERKLRT

So funktioniert
die Europische
Union
Ihr Wegweiser
zu den
EUInstitutionen
2 S O F U N K T I O N I E R T D I E E U R O P I S C H E U N I O N

Inhalt

Die Europische Union stellt sich vor: Wie funktioniert sie, wer macht was? ...... 3

Das Europische Parlament: die Stimme der Brgerinnen und Brger ................... 9

Der Europische Rat: die strategischen Vorgaben ........................................................ 12

Der Rat: die Stimme der Mitgliedstaaten .......................................................................... 14

Die Europische Kommission: Wahrerin der gemeinsamen Interessen ................ 19

Die nationalen Parlamente: Anwlte der Subsidiaritt ............................................... 23

Der Gerichtshof der Europischen Union: Wchter ber das EURecht ................ 24

Die Europische Zentralbank: Hterin der Preisstabilitt .......................................... 26

Der Europische Rechnungshof: Beitrag zur Verbesserung des


Finanzmanagementsder EU ................................................................................................... 29

Der Europische Wirtschafts- und Sozialausschuss:


die Stimme der Zivilgesellschaft .......................................................................................... 31

Der Ausschuss der Regionen: die Stimme der Gebietskrperschaften ................. 33

Der Europische Brgerbeauftragte: Ihr Ansprechpartner


fr Beschwerden .......................................................................................................................... 34

Der Europische Datenschutzbeauftragte: Schutz Ihrer Privatsphre ................. 35

Die Europische Investitionsbank: Investitionen in die Zukunft .............................. 36

Die Agenturen und sonstigen Einrichtungen der EU ..................................................... 38


I hr W egweiser zu den E U - I ns t i t u t i o nen
3

Die Europische Union stellt sich vor

Wie funktioniert sie, wer macht was?

Zweck dieser Verffentlichung abhngen, inwiefern es gelingt, zur rechten Zeit wirksame
Entscheidungen zu treffen und diese gut umzusetzen.
Diese Verffentlichung erlutert die Funktionsweise der
Europischen Union (EU): Wie werden Entscheidungen in
der EU getroffen und von wem? Im Zentrum dieses Die EUVertrge
Entscheidungsprozesses stehen das Europische
Parlament, der Rat und die Europische Kommission, von Die Europische Union beruht auf dem Grundsatz der
denen Sie vermutlich schon einmal gehrt haben; es gibt Rechtsstaatlichkeit. Jede Manahme der EU grndet daher
jedoch noch weitere EUInstitutionen. Im Folgenden lesen auf Vertrgen, die alle EULnder freiwillig und
Sie zunchst, wie EURechtsvorschriften entstehen. Danach demokratisch gebilligt haben. Die Vertrge werden
erhalten Sie einen genaueren Einblick in die einzelnen gemeinsam von allen EUMitgliedstaaten ausgehandelt
Organe, Einrichtungen und sonstigen Stellen der EU. und vereinbart und dann von den nationalen Parlamenten
oder per Referendum ratifiziert.

Die Europische Union in Krze Die Vertrge regeln die Ziele der Europischen Union, die
Aufgaben ihrer Institutionen, die Beschlussfassung sowie das
Den Mittelpunkt der EU bilden ihre 28Mitgliedstaaten und Verhltnis zwischen der EU und ihren Mitgliedstaaten. Bei
deren Brgerinnen und Brger. Das Alleinstellungsmerkmal jedem Beitritt eines neuen Mitgliedstaats werden die
der EU: Alle diese Staaten bleiben souvern und Vertrge angepasst. Gelegentlich geschah dies auerdem,
unabhngig, bndeln aber einige ihrer hoheitlichen um die EUInstitutionen zu reformieren und ihnen neue
Befugnisse, um dadurch mehr Einfluss zu erlangen und Zustndigkeiten zu bertragen.
effizienter handeln zu knnen. Diese teilweise bertragung
von Befugnissen an Institutionen, die die Mitgliedstaaten Der letzte nderungsvertrag, der LissabonVertrag, wurde
selbst geschaffen haben, bedeutet in der Praxis, dass am [Link] 2007 in Lissabon unterzeichnet und trat
Entscheidungen zu bestimmten Fragen von gemeinsamem am [Link] 2009 in Kraft. Frhere Vertrge, der
Interesse auf europischer Ebene demokratisch getroffen Vertrag ber die Europische Union und der Vertrag ber
werden knnen. Damit bewegt sich die EU zwischen dem
fderalen System der USA und dem lockeren
Kooperationsverbund von Regierungen in der UNO.

Die EU hat seit ihrer Grndung im Jahr 1950 viel erreicht.


Sie hat einen Binnenmarkt fr Waren und Dienstleistungen
geschaffen, der 28Lnder mit ber 500Millionen
Menschen umfasst, die sich frei bewegen und dort wohnen
bzw. niederlassen knnen, wo sie es mchten. Sie hat sich
mit dem Euro eine einheitliche Whrung gegeben, die heute
zu den weltweit wichtigsten Whrungen zhlt und die den
Binnenmarkt effizienter macht. Sie ist auch die grte
Geberin von Entwicklungs- und humanitrer Hilfe in der
Welt. Dies sind indes nur einige ihrer bisherigen Erfolge.
Gegenwrtig arbeitet die EU an der berwindung der
Wirtschaftskrise in Europa. Sie kmpft auerdem in
ImageGlobe

vorderster Linie gegen den Klimawandel und seine Folgen;


sie hilft ihren Nachbarlndern und fhrt laufende
Erweiterungsverhandlungen weiter; sie entwickelt eine
gemeinsame Auenpolitik, die ganz erheblich zur Am 9.Mai1950 prsentierte der franzsische Auenminister
Verbreitung europischer Werte in der Welt beitragen wird. Robert Schuman erstmals ffentlich seine Ideen, die spter zur
Die Verwirklichung dieser ehrgeizigen Ziele wird davon Europischen Union fhren sollten. Der [Link] wird daher als
Europatag begangen.
4 S O F U N K T I O N I E R T D I E E U R O P I S C H E U N I O N

die Arbeitsweise der Europischen Union, sind damit Teil


der derzeit geltenden konsolidierten Fassung geworden.

Der Vertrag ber Stabilitt, Koordinierung und Steuerung in


der Wirtschafts- und Whrungsunion (SKSVertrag) ist ein
zwischenstaatlicher Vertrag, den alle EUMitgliedstaaten
auer der Tschechischen Republik und dem Vereinigten
Knigreich im Jahr 2012 unterzeichnet haben. Er ist am
1.Januar2013 in in Kraft getreten haben. DerSKSVertrag ist
kein EUVertrag, sondern ein zwischenstaatlicher Vertrag, der
in das EURecht bernommen werden soll. Er verpflichtet die
Lnder zu strengen Regelungen zur Gewhrleistung
ausgeglichener Staatshaushalte und dient der besseren
Steuerung des Euro-Raums.

ImageGlobe
Wer trifft die Entscheidungen?

An der Beschlussfassung in der EU sind mehrere Das Handeln der Europischen Union beruht auf Vertrgen, die
EUInstitutionen beteiligt, insbesondere von allen Mitgliedstaaten gemeinsam vereinbart werden; nach
einer umfassenden berarbeitung wurde die derzeit gltige
XXdas Europische Parlament, das die europischen Fassung 2007 in Lissabon unterzeichnet.
Brgerinnen und Brger vertritt und direkt von ihnen
gewhlt wird;

Geschichte der EUVertrge

Nachdem der franzsische Auenminister Robert XX Der Vertrag ber die Europische Union (Vertrag
Schuman im Jahr 1950 die gemeinsame Kontrolle der von Maastricht) wurde am [Link] 1992
europischen Montanindustrie vorgeschlagen hatte, unterzeichnet und trat 1993 in Kraft. Er schuf
fanden seine Ideen ein Jahr darauf im Vertrag von die Europische Union, rumte dem Parlament
Paris ihren Niederschlag der Vorlufer der EU, die mehr Mitentscheidungsrechte ein und fgte neue
Europische Gemeinschaft fr Kohle und Stahl, war Bereiche der Zusammenarbeit hinzu.
geboren. Seither hat die EU die Vertrge regelmig
aktualisiert und ergnzt, um ein wirksames politisches
XX Der Vertrag von Amsterdam wurde am
Handeln und Entscheiden zu ermglichen: 2.Oktober1997 unterzeichnet und trat 1999 in
Kraft. Mit ihm wurden frhere Vertrge gendert.
XX Der Vertrag von Paris ber die Grndung der
Europischen Gemeinschaft fr Kohle und Stahl
XX Der Vertrag von Nizza wurde am [Link]
(EGKS) wurde am [Link] 1951 unterzeichnet. 2001 unterzeichnet und trat 2003 in Kraft. Das
Er trat 1952 in Kraft und lief 2002 aus. institutionelle System der EU wurde gestrafft,
damit es auch nach der EUBeitrittswelle im
XX Die Rmischen Vertrge zur Grndung der Jahr 2004 weiterhin effektiv arbeiten konnte.
Europischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG)
und der Europischen Atomgemeinschaft
XX Der Vertrag von Lissabon wurde am
(Euratom) wurden am [Link] 1957 in Rom [Link] 2007 unterzeichnet und trat 2009
unterzeichnet und traten 1958 in Kraft. in Kraft. Er vereinfachte die Arbeitsweise und die
Abstimmungsregeln und schuf das Amt des
XX Die Einheitliche Europische Akte (EEA) wurde im Prsidenten des Europischen Rates sowie neue
Februar 1986 unterzeichnet und trat 1987 in Strukturen, um der EU mehr Gewicht auf der
Kraft. Mit ihr wurde der EWGVertrag gendert Weltbhne zu verschaffen.
und der Weg fr die Vollendung des
Binnenmarkts bereitet.
I hr W egweiser zu den E U - I ns t i t u t i o nen
5

XXderEuropische Rat, der sich aus den Staats- und vor, doch wie der einzelne Mitgliedstaat es erreichen
Regierungschefs der EUMitgliedstaaten mchte, entscheidet er selbst.
zusammensetzt;
XXEin Beschluss kann an Mitgliedstaaten, Gruppen oder
XXder Rat, der die Regierungen der EUMitgliedstaaten Einzelne gerichtet sein. Er ist in allen seinen Teilen
vertritt; verbindlich. Beschlsse ergehen zum Beispiel zu
beabsichtigten Unternehmensfusionen.
XXdie Europische Kommission, die die Interessen der
EU insgesamt wahrt. XXEmpfehlungen und Stellungnahmen haben keine
bindende Wirkung.
Der Europische Rat bestimmt den allgemeinen politischen
Kurs und die Prioritten der EUPolitik, hat jedoch keine
gesetzgeberischen Aufgaben. Im Allgemeinen macht die Wie werden EURechtsvorschriften
Europische Kommission Vorschlge fr neue verabschiedet?
Rechtsvorschriften, ber deren Annahme das Europische
Parlament und der Rat entscheiden. Fr die Durchfhrung Jede europische Rechtsvorschrift sttzt sich auf einen
sind dann die Mitgliedstaaten und wieder die Kommission bestimmten Vertragsartikel, und nach dieser
zustndig. Rechtsgrundlage richtet sich, welches Verfahren
anwendbar ist. Der Vertrag regelt den Ablauf des
Beschlussverfahrens: Vorschlag der Kommission, Lesungen
Welche Arten von EURechtsvorschriften von Parlament und Rat, Stellungnahmen der beratenden
gibt es? Einrichtungen. Er legt zudem fest, wann Einstimmigkeit
erforderlich ist und wann eine qualifizierte Mehrheit fr die
Es gibt mehrere verschiedene Vorschriftenarten, die sich Annahme im Rat gengt.
auch in der Anwendung unterscheiden:
Die allermeisten EURechtsvorschriften werden nach dem
XXEine Verordnung ist ein Gesetz, das in allen ordentlichen Gesetzgebungsverfahren
Mitgliedstaaten direkt anwendbar und bindend ist. angenommen. Bei diesem Verfahren teilen sich Parlament
Esmuss von den Mitgliedstaaten nicht in und Rat die Legislativbefugnis.
einzelstaatliches Recht umgesetzt werden; sehr wohl
sind aber eventuell nationale Vorschriften zu ndern, Das Verfahren beginnt bei der Kommission. Bevor diese
damit sie mit der Verordnung bereinstimmen. jedoch einen Vorschlag unterbreitet, bittet sie oft zunchst
Regierungen, Unternehmen, zivilgesellschaftliche
XXEine Richtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten oder eine Organisationen und Einzelpersonen um ihre Meinung zu dem
Gruppe von Mitgliedstaaten dazu, ein bestimmtes Thema. Deren Stellungnahmen flieen in den Vorschlag ein,
Ergebnis zu erzielen. In der Regel sind Richtlinien in den die Kommission dann dem Rat und dem Parlament
einzelstaatliches Recht umzusetzen, um wirksam zu vorlegt. Die Kommission unterbreitet ihre Vorschlge von sich
werden. Anders ausgedrckt: Eine Richtlinie gibt das Ziel

Zu den grten Errungenschaften


der Europischen Union zhlt,
dass die Brgerinnen und Brger
ungehindert in allen
28EUMitgliedstaaten reisen,
leben und arbeiten drfen.
Heide Benser/Corbis
6 S O F U N K T I O N I E R T D I E E U R O P I S C H E U N I O N

ORDENTLICHES GESETZGEBUNGSVERFAHREN

1. Vorschlag der Kommission

2. Stellungnahmen der nationalen Parlamente

3. (falls vorgeschrieben) Stellungnahmen des Europischen Wirtschafts- und Sozialausschusses und/oder des
Ausschusses der Regionen

ERSTE LESUNG

4. Erste Lesung des Europischen Parlaments: Das Parlament legt seinen Standpunkt (mit nderungsvorschlgen) fest.

5. Die Kommission kann ihren Vorschlag entsprechend ndern.

6. Erste Lesung im Rat (*)

7. Der Rat billigt den Standpunkt des Parlaments. 8. Rat und Parlament sind sich nicht einig ber die
Der Rechtsakt ist erlassen. nderungsvorschlge. Der Rat legt seinen Standpunkt in
erster Lesung fest.
ZWEITE LESUNG

9. Zweite Lesung des Europischen Parlaments: Entweder billigt das Parlament den Standpunkt des Rates in erster
Lesung der Rechtsakt ist dann in frher zweiter Lesung erlassen oder es schlgt nderungen vor.

10. Stellungnahme der Kommission zu den nderungsvorschlgen des Parlaments

11. Zweite Lesung im Rat (*)

12. Der Rat billigt alle nderungsvorschlge des Parlaments am 13. Der Rat und das Parlament sind sich nicht einig ber
Standpunkt des Rates in erster Lesung. die Vorschlge des Parlaments zur nderung des
Der Rechtsakt ist erlassen. Standpunkts des Rates in erster Lesung.

VERMITTLUNGSVERFAHREN

14. Der Vermittlungsausschuss wird einberufen.

15. Der Vermittlungsausschuss einigt sich auf einen gemeinsamen Text.

16. Parlament und Rat stimmen dem Vorschlag des 17. Parlament und/oder Rat lehnen den Vorschlag des
Vermittlungsausschusses zu: Vermittlungsausschusses ab:
Der Rechtsakt ist erlassen. Der Rechtsakt ist nicht erlassen.

(*) Der Rat legt seinen Standpunkt mit qualifizierter Mehrheit fest (Einstimmigkeit ist im Vertrag nur in wenigen Ausnahmefllen vorgesehen). Mchte der Rat jedoch vom
Vorschlag oder der Stellungnahme der Kommission abweichen, so muss er seinen Standpunkt einstimmig festlegen.
I hr W egweiser zu den E U - I ns t i t u t i o nen
7

aus oder auf Ersuchen des Rates, des Europischen Rates, Darber hinaus knnen weitere Institutionen konsultiert
des Parlaments oder europischer Brgerinnen und Brger. werden, wenn sie inhaltlich oder fachlich von dem
Vorschlag betroffen sind. Beispielsweise wrde die
Rat und Parlament prfen und errtern den Vorschlag jeweils Europische Zentralbank erwarten, zu Vorschlgen
fr sich. Kommt in der zweiten Lesung keine Einigung zustande, konsultiert zu werden, die wirtschaftliche und finanzielle
wird der Vorschlag an einen Vermittlungsausschuss Fragen berhren.
weitergeleitet, in dem ebenso viele Vertreter des Rates wie
Vertreter des Parlaments sitzen. Auch Vertreter der Kommission
nehmen an den Ausschusssitzungen teil und tragen zu den Mitsprache der Brgerinnen und Brger
Beratungen bei. Hat der Ausschuss eine Einigung erzielt, wird Mithilfe einer europischen Brgerinitiative knnen
der vereinbarte Text dem Parlament und dem Rat zwecks EUBrgerinnen und -Brger (mindestens 1Million aus
endgltiger Verabschiedung in dritter Lesung vorgelegt. In den mindestens einem Viertel der EULnder) die
meisten Fllen wird im Parlament ber die Vorschlge mit Kommission auffordern, einen Legislativvorschlag zu
einfacher Mehrheit abgestimmt, im Rat hingegen mit einem bestimmten Thema vorzulegen. Die Kommission
qualifizierter Mehrheit, wobei die Zustimmung von mindestens prft alle Initiativen sorgfltig, wenn sie in ihren
der Hlfte der Mitgliedstaaten notwendig ist, die zusammen Zustndigkeitsbereich fallen und von 1Million
etwa zwei Drittel der EU-Bevlkerung reprsentieren mssen. Menschen untersttzt werden. Zu den Initiativen findet
In manchen Fllen ist im Rat Einstimmigkeit erforderlich. im Parlament eine Anhrung statt. Derartige Initiativen
knnen somit durchaus die Arbeit der EUInstitutionen
und auch die ffentliche Debatte beeinflussen.
Besondere Gesetzgebungsverfahren

Je nach Thema gibt es weitere besondere Legislativverfahren.


Beim Konsultationsverfahren muss der Rat zwar das Nationale Kontrolle
Parlament zum Kommissionsvorschlag anhren, sich dessen
Ansichten jedoch nicht zu eigen machen. Dieses Verfahren ist Die nationalen Parlamente erhalten die Entwrfe von
nur auf wenige Bereiche anwendbar, beispielsweise bei Rechtsakten zur selben Zeit wie das Europische Parlament
Binnenmarktfreistellungen und im Wettbewerbsrecht. Beim und der Rat. Sie knnen sich dazu uern und darber wachen,
Verfahren der Zustimmung kann das Parlament einen dass die Beschlsse auf der am besten geeigneten Ebene
Vorschlag zwar billigen oder ablehnen, aber keine nderungen gefasst werden. Das Handeln der EU unterliegt dem Grundsatz
vorschlagen. Dieses Verfahren kann eingesetzt werden, wenn der Subsidiaritt, d.h., die Union darf (auer in den
der Vorschlag die Zustimmung zu einer ausgehandelten Bereichen, in denen sie ausschlieliche Befugnisse hat) nur
internationalen bereinkunft betrifft. Darber hinaus gibt es dann ttig werden, wenn ein Handeln auf EUEbene
einige wenige Flle, in denen Rat und Kommission oder wirkungsvoller ist als auf nationaler Ebene. Die nationalen
Kommission allein einen Rechtsakt erlassen knnen.

Wer wird konsultiert, wer kann Einwnde


erheben?

Neben dem Dreieck Kommission Rat Parlament mssen


mehrere beratende Einrichtungen angehrt werden, wenn
der vorgeschlagene Rechtsakt in ihren Fachbereich fllt.
Selbst wenn deren Argumente nicht immer bercksichtigt
werden, ist diese umfassende Prfung der
EUGesetzgebung ein Teil der demokratischen Kontrolle.

Diese beratenden Einrichtungen sind:

XXder Europische Wirtschafts- und Sozialausschuss,


in dem zivilgesellschaftliche Gruppen (u.a. Arbeitgeber,
Bernd Vogel/Corbis

Gewerkschaften und gesellschaftliche


Interessengruppen) vertreten sind;

XXder Ausschuss der Regionen, der gewhrleistet, dass


die Stimme der lokalen und regionalen Mithilfe der Europischen Brgerinitiative knnen auch
Gebietskrperschaften gehrt wird. Brgerinnen und Brger neuerdings Gesetze vorschlagen.
8 S O F U N K T I O N I E R T D I E E U R O P I S C H E U N I O N

Parlamente kontrollieren die ordnungsgeme Anwendung EuroRaum auswirken knnen, mssen bestimmte, auf
dieses Grundsatzes im EUBeschlussfassungsprozess. EUEbene festgelegte Regeln eingehalten werden. Damit die
WWU wirksam funktioniert und damit Stabilitt und
Wachstum gesichert sind, ist eine Koordinierung der
Welche Entscheidungen werden wo getroffen? (gesunden) ffentlichen Haushalte und der struktur
politischen Manahmen erforderlich. Die Notwendigkeit, die
Die Vertrge nennen die Politikfelder, in denen die EU wirtschaftspolitische Steuerung in der EU und im Euro
Beschlsse fassen darf. In einigen verfgt die EU ber die Raum unter anderem mittels einer engeren politischen
ausschlieliche Zustndigkeit, die Beschlsse werden Abstimmung sowie vermehrter Beobachtung und Aufsicht
also auf EUEbene vom Rat (den Mitgliedstaaten) und vom zu verstrken, ist insbesondere in der wirtschaftlichen Krise,
Europischen Parlament gefasst. Dies gilt fr folgende die 2008 begann, deutlich geworden.
Bereiche: Handel, Zoll, Wettbewerbsregeln, Whrungspolitik
fr den EuroRaum und Erhaltung der Fischbestnde. Der Rat beobachtet die Finanz- und Wirtschaftspolitik der
Mitgliedstaaten und kann einzelnen EULndern auf der
In anderen Bereichen sind die Entscheidungsbefugnisse Grundlage von Kommissionsvorschlgen bei Bedarf
zwischen der Union und den Mitgliedstaaten geteilt. Das Anpassungen empfehlen. Ebenso kann er aber EuroLnder
bedeutet, dass Rechtsvorschriften, die auf EUEbene mit Zwangsmanahmen belegen, die nicht genug zur
angenommen werden, Vorrang haben. Hat die EU hingegen Reduzierung eines bermigen Haushaltsdefizits oder
keine Vorschriften angenommen, so knnen die Mitgliedstaa- Schuldenniveaus unternehmen.
ten selbst gesetzgeberisch ttig werden. Die geteilte
Zustndigkeit gilt fr viele Politikfelder, darunter Binnenmarkt, ber die Steuerung des EuroRaums und groe
Landwirtschaft, Umwelt, Verbraucherschutz und Verkehr. wirtschaftspolitische Reformen wird auch auf den
EuroGipfeln gesprochen, wo die Staats- und
In allen anderen Bereichen verbleibt die Zustndigkeit bei Regierungschefs der EuroLnder zusammenkommen.
den Mitgliedstaaten. In Politikbereichen, die nicht in einem
der Vertrge genannt werden, darf die Kommission auch
keinen Rechtsakt vorschlagen. In bestimmten Fragen darf Die Auenbeziehungen der EU
die Union die Mitgliedstaaten bei deren gesetzgeberischen
Initiativen allerdings untersttzen; hierzu zhlen Raumfahrt, Fr die Beziehungen zu Lndern auerhalb der EU ist die
Bildung, Kultur und Tourismus. Auf wieder anderen Gebie- Hohe Vertreterin/der Hohe Vertreter der Union fr Auen-
ten, etwa in der Entwicklungszusammenarbeit und der und Sicherheitspolitik zustndig, die/der vom Europischen
Forschung, kann die EU parallele Manahmen durchfhren Rat ernannt wird und zugleich das Amt der Vizeprsidentin/
(z.B. humanitre Hilfsprogramme). des Vizeprsidenten der Europischen Kommission innehat.
Auf der Ebene der Staats- und Regierungschefinnen/chefs
wird die Union von der Prsidentin/vom Prsidenten des
Wirtschaftspolitische Koordinierung Europischen Rates vertreten. (*)

Alle EULnder sind Teil der Wirtschafts- und Whrungsunion Der Europische Auswrtige Dienst (EAD) ist das Auen
(WWU); sie betrachten ihre Wirtschaftspolitik als eine ministerium und der diplomatische Dienst der Union; er
Angelegenheit von gemeinsamem Interesse und untersteht dem Hohen Vertreter. Sein Personal besteht aus
koordinieren sie untereinander. Innerhalb der WWU ist keine Experten des Rates, der Mitgliedstaaten und der Europi-
Institution allein fr die gesamte Wirtschaftspolitik zustndig. schen Kommission. Die auen- und sicherheitspolitischen
Die entsprechenden Zustndigkeiten sind vielmehr zwischen Entscheidungen trifft der Rat aufgrund der Vorgaben des
den Mitgliedstaaten und den EUInstitutionen aufgeteilt. Europischen Rates. Die Kommission ist zustndig fr den
Handel mit NichtEULndern und fr Finanzhilfen an diese
Die Whrungspolitik im EuroRaum, bei der es um die Lnder (z.B. in Form von humanitrer oder Entwicklungshil-
Preisstabilitt und die Zinshhe geht, fllt in die autonome fe). Darber hinaus vertritt die Kommission die Union in
Zustndigkeit der Europischen Zentralbank (EZB); der Euro- allen anderen Zustndigkeitsbereichen der EU (auer in der
Raum umfasst diejenigen Mitgliedstaaten, die den Euro als Auen- und Sicherheitspolitik).
Whrung haben. Wenn Litauen im Januar 2015 den Euro
einfhrt, sind 19 Lnder im Euro-Raum vertreten.

Die Fiskalpolitik, also die Entscheidungen ber Steuern,


Ausgaben und Anleihen, fllt in die Zustndigkeit der
Regierungen der 28Mitgliedstaaten. Das Gleiche gilt fr die (*) Hinweis fr die Leserinnen und Leser der deutschen Fassung: Damit die
Lesefreundlichkeit des Textes durch die parallele Verwendung von femininer
Arbeits- und Sozialpolitik. Da sich fiskalpolitische und maskuliner Form nicht leidet, erscheint weiter unten im Allgemeinen nur
Entscheidungen eines EuroLandes jedoch auf den gesamten die maskuline Form. Wir bitten um Verstndnis.
I hr W egweiser zu den E U - I ns t i t u t i o nen
9

Das Europische Parlament

Die Stimme der Brgerinnen und Brger


Aufgabe: beteiligt sich als direkt gewhltes Organ an der Gesetzgebung der EU
Mitglieder: 751 Mitglieder des Europischen Parlaments
Sitz: Straburg, Brssel und Luxemburg
XX [Link]

Die Mitglieder des Europischen Parlaments (MdEP) ANZAHL DER MdEP JE MITGLIEDSTAAT IM JAHR 2014

werden von den EUBrgerinnen und Brgern direkt


gewhlt, um deren Interessen zu vertreten. Die Wahlen Mitgliedstaat Anzahl der MdEP
finden alle fnf Jahre statt, und alle rund 380Millionen Belgien 21
EUBrger ber 18Jahre (in sterreich ber 16Jahre) sind Bulgarien 17
wahlberechtigt. Das Parlament umfasst derzeit 751MdEP
Dnemark 13
aus smtlichen 28Mitgliedstaaten.
Deutschland 96
Seinen offiziellen Sitz hat das Europische Parlament in Estland 6
Straburg (Frankreich); es arbeitet jedoch an drei Orten: Finnland 13
Straburg, Brssel (Belgien) und Luxemburg. Die Frankreich 74
wichtigsten Zusammenknfte, die Plenartagungen, werden
Griechenland 21
zwlf Mal jhrlich in Straburg abgehalten. Weitere
Plenartagungen und auch die Ausschusssitzungen finden in Irland 11
Brssel statt. Italien 73
Kroatien 11
Lettland 8
Zusammensetzung des Europischen
Litauen 11
Parlaments
Luxemburg 6
Die Sitze im Europischen Parlament sind unter den Malta 6
Mitgliedstaaten entsprechend ihrem Anteil an der Niederlande 26
EUBevlkerung aufgeteilt.
sterreich 18

Die MdEP haben fast immer eine Verbindung zu einer Polen 51


politischen Partei in ihrem Herkunftsland. Im Europischen Portugal 21
Parlament sind die nationalen Parteien zu EUweiten Rumnien 32
politischen Fraktionen zusammengeschlossen, und die Schweden 20
meisten MdEP gehren einer von ihnen an.
Slowakei 13
Slowenien 8
Spanien 54
Tschechische Republik 21
Ungarn 21
Vereinigtes Knigreich 73
Zypern 6
INSGESAMT 751
10 S O F U N K T I O N I E R T D I E E U R O P I S C H E U N I O N

ANZAHL DER MdEP IN DEN EINZELNEN FRAKTIONEN (OKTOBER 2014)

Fraktion der Allianz der Liberalen und


Demokraten fr Europa ALDE Fraktion der Europischen Volkspartei
68 (Christdemokraten) EVP
220
Fraktion der Grnen/Europische
Freie Allianz Verts/ALE
50 Fraktion Europische Konservative
Fraktion der Progressiven und Reformisten ECR
Allianz der Sozialisten und 70
Demokraten im Europischen
Fraktion Europa der Freiheit
Parlament S&D
und der direkten
191
Demokratie EFDD
INSGESAMT 48
Konfderale Fraktion der 751
Vereinigten Europischen
Linken/Nordische Grne Fraktionslose MdEP NI
Linke GUE/NGL 52
52

Was das Europische Parlament tut muss. Fr alle internationalen bereinknfte zu Fragen, die
unter das ordentliche Gesetzgebungsverfahren fallen, ist
Das Parlament hat vor allem drei Aufgaben: die Zustimmung des Parlaments erforderlich.

1. Es ist zusammen mit dem Rat fr die Gesetzgebung Das Parlament muss zu zahlreichen anderen Vorschlgen
zustndig. Der Umstand, dass es direkt gewhlt ist, angehrt werden, und bei wichtigen politischen oder
trgt zur demokratischen Legitimation des europischen institutionellen Entscheidungen ist seine Zustimmung
Rechts bei. ntig: Rechtsakte zur sozialen Sicherheit und zum
Sozialschutz, Steuerbestimmungen im Bereich Energie,
2. Es bt eine demokratische Kontrolle ber alle Organe Harmonisierung der Umsatz- und der indirekten
der EU und insbesondere ber die Kommission aus. Es Besteuerung. Auerdem gibt das Parlament Anste zu
stimmt der Ernennung des Kommissionsprsidenten und neuen Rechtsvorschriften, indem es bei der Prfung des
der Kommissionsmitglieder zu oder lehnt sie ab, und es Jahresarbeitsprogramms der Kommission errtert, welche
kann einen Misstrauensantrag gegen die gesamte neuen Rechtsvorschriften zweckmig wren, und dann
Kommission einbringen. von der Kommission die Vorlage entsprechender
Vorschlge verlangen kann.
3. Es teilt sich die Haushaltsbefugnis mit dem Rat und
kann somit Einfluss auf die Ausgaben der EU nehmen. 2. DIE AUFSICHTSBEFUGNIS
Am Ende des Haushaltsverfahrens genehmigt es den Das Parlament bt auf verschiedene Art und Weise eine
Gesamthaushalt oder lehnt ihn ab. demokratische Kontrolle ber die anderen EUOrgane aus.
Wenn eine neue Kommission ernannt werden soll, hrt das
Diese drei Aufgaben werden im Folgenden nher Parlament die potenziellen neuen Mitglieder der
beschrieben. Kommission und deren Prsidenten (der von den
Mitgliedstaaten nominiert wird). Ohne die Zustimmung des
1. DIE GESETZGEBUNGSBEFUGNIS Parlaments knnen sie nicht ernannt werden.
Das gebruchlichste Verfahren zur Annahme von
EURechtsvorschriften ist das ordentliche Auerdem ist die Kommission politisch
Gesetzgebungsverfahren, auch rechenschaftspflichtig gegenber dem Parlament, das die
Mitentscheidungsverfahren genannt. Dabei haben gesamte Kommission durch einen Misstrauensantrag zum
Parlament und Rat gleiche Rechte, und die angenommenen Rcktritt zwingen kann. Kontrolle bt das Parlament ferner
Rechtsvorschriften sind gemeinsame Rechtsakte beider dadurch aus, dass es regelmig die von der Kommission
Organe. Dieses Verfahren kommt bei den meisten bermittelten Berichte prft und ihr Fragen stellt, auf die
EURechtsvorschriften in vielen Bereichen (darunter sie schriftlich oder mndlich antworten muss.
Verbraucherrechte, Umweltschutz und Verkehr) zur
Anwendung. Beim ordentlichen Gesetzgebungsverfahren Die Kommissionsmitglieder (Kommissare) sind in
macht die Kommission einen Vorschlag, der dann sowohl Plenartagungen des Parlaments und Sitzungen der
vom Parlament als auch vom Rat angenommen werden Parlamentsausschsse anwesend. Ebenso fhrt das
I hr W egweiser zu den E U - I ns t i t u t i o nen
11

Martin Schulz wurde 2014 zum


Prsidenten des Europischen
Parlaments wiedergewhlt.
EU

Parlament einen regelmigen Dialog mit dem Prsidenten So funktioniert das Parlament
der Europischen Zentralbank ber die Whrungspolitik.
Das Parlament whlt seinen Prsidenten fr eine
Die parlamentarische Kontrolle erstreckt sich auch auf die zweieinhalbjhrige Amtszeit. Dieser vertritt das Parlament
Ttigkeit des Rates: Die Abgeordneten richten regelmig gegenber den anderen EUInstitutionen und der Auenwelt;
Anfragen (zur schriftlichen oder mndlichen Beantwortung) an er wird von 14Vizeprsidenten untersttzt. Zusammen mit
den Rat, und dessen Vorsitz wohnt den Plenartagungen bei dem Prsidenten des Rates unterzeichnet der Prsident des
und beteiligt sich an wichtigen Debatten. In einigen Europischen Parlaments alle von beiden Organen
Politikbereichen, z.B. in der Gemeinsamen Auen- und angenommenen Rechtsakte.
Sicherheitspolitik, ist der Rat allein fr die Beschlsse
verantwortlich. Dennoch arbeitet das Parlament auch in Die Arbeit des Parlaments luft im Wesentlichen in zwei
diesen Bereichen eng mit dem Rat zusammen. Stufen ab:

Die Prfung der von Brgerinnen und Brgern eingereichten XXVorbereitung der Plenartagungen. Diese Arbeit
Petitionen und die Einsetzung von Sonderuntersuchungs bernehmen die MdEP in den 20Parlaments
ausschssen bilden weitere Kontrollmglichkeiten des ausschssen, die auf die verschiedenen EUAktivitten
Parlaments. spezialisiert sind; als Beispiele seien der Ausschuss fr
Wirtschaft und Whrung und der Ausschuss fr
Schlielich legt das Parlament Beitrge zu allen Tagungen internationalen Handel genannt. Die zu behandelnden
des Europischen Rates, den EUGipfeln, vor. Zu Beginn jedes Themen werden auch von den politischen Fraktionen
Gipfeltreffens legt der Parlamentsprsident die Standpunkte errtert.
und Anliegen des Parlaments bezglich aktueller Fragen und
der Themen dar, die auf der Tagesordnung des Europischen XXAbhaltung der Plenartagungen. Die Plenartagungen, an
Rates stehen. denen alle MdEP teilnehmen, finden in der Regel in
Straburg (eine Woche pro Monat) und manchmal
3. DIE HAUSHALTSBEFUGNIS zustzlich in Brssel statt. Auf diesen Tagungen bert
Der Haushaltsplan der EU wird jhrlich vom Europischen das Parlament ber vorgeschlagene Rechtsvorschriften
Parlament und vom Rat der Europischen Union und stimmt ber nderungsantrge ab, ehe ber den
gemeinsam verabschiedet. Das Parlament errtert den Gesamttext entschieden wird. Auf der Tagesordnung
Haushaltsplan in zwei aufeinanderfolgenden Lesungen, und knnen ferner Mitteilungen des Rates oder der
er wird erst wirksam, wenn er vom Parlamentsprsidenten Kommission stehen oder Fragen zu aktuellen
unterzeichnet worden ist. Entwicklungen in der EU oder der brigen Welt.

Der Parlamentsausschuss fr Haushaltskontrolle Grundstzlich ist das Parlament nur beschlussfhig, wenn
berwacht die Verwendung der Gelder. Auerdem stimmt ein Drittel seiner Mitglieder bei einer Abstimmung im
das Parlament jedes Jahr darber ab, ob die Ausfhrung Plenarsaal anwesend ist. Normalerweise wird eine
des Haushaltsplans durch die Kommission im Abstimmung mit der Mehrheit der abgegebenen Stimmen
abgelaufenen Haushaltsjahr gebilligt werden soll entschieden. In besonderen Fllen ist fr eine Entscheidung
(Entlastung der Kommission). die Mehrheit aller Mitglieder des Parlaments erforderlich,
etwa fr die Wahl des Kommissionsprsidenten oder bei
Abstimmungen in zweiter Lesung im Rahmen eines
ordentlichen Gesetzgebungsverfahrens.
12 S O F U N K T I O N I E R T D I E E U R O P I S C H E U N I O N

Der Europische Rat

Die strategischen Vorgaben


Aufgabe: bestimmt den politischen Kurs und die Prioritten
Mitglieder: die Staats- und Regierungschefs aller Mitgliedstaaten, der Prsident des
Europischen Rates und der Prsident der Europischen Kommission
Sitz: Brssel
XX [Link]

Im Europischen Rat sind die fhrenden Politiker der EU Prsident des Europischen Rates
vereint, d.h. die Premierminister, Bundeskanzler und
Prsidenten sowie die Prsidenten von Europischem Rat Die Arbeiten des Europischen Rates werden von dessen
und Kommission. Sie kommen mindestens viermal pro Jahr Prsidenten koordiniert, der die Tagungen einberuft und
zusammen, um den allgemeinen politischen Kurs und die den Vorsitz bernimmt und der dem Europischen Rat bei
vorrangigen Ziele und Aufgaben festzulegen. DerHohe seinen Arbeiten auerdem die ntigen Impulse gibtv.
Vertreter der Union fr Auen- und Sicherheitspolitik nimmt
ebenfalls an den Beratungen des Europischen Rates teil. Er ist es auch, der die Union nach auen reprsentiert.
Zusammen mit dem Hohen Vertreter der Union fr Auen-
und Sicherheitspolitik vertritt er die EUInteressen in
Was der Europische Rat tut auen- und sicherheitspolitischen Fragen.

Der Europische Rat ist das Gipfeltreffen der Staats- und Der Prsident wird vom Europischen Rat fr zweieinhalb
Regierungschefs aller EULnder und bildet somit die Jahre gewhlt und kann einmal wiedergewhlt werden. Der
hchste Ebene der politischen Zusammenarbeit der Vorsitz des Europischen Rates erfordert vollen Einsatz,
Mitgliedstaaten. Auf ihren Tagungen entscheiden die weswegen der Prsident nicht gleichzeitig ein nationales
fhrenden Politiker im Konsens ber die groe Richtung Amt bekleiden darf.
und die Prioritten der Union; auerdem geben sie die
ntigen Anste zur Weiterentwicklung der EU.
Wie trifft der Europische Rat seine
Der Europische Rat erlsst keine Rechtsvorschriften. Entscheidungen?
Vielmehr verffentlicht er am Ende jeder Tagung
Schlussfolgerungen; darin werden die wichtigsten Der Europische Rat entscheidet meist im Konsens. In
Botschaften, die sich aus den Beratungen ergeben haben, einigen Fllen reicht jedoch die qualifizierte Mehrheit, etwa
und die gefassten Beschlsse aufgefhrt, einschlielich der bei der Wahl seines Prsidenten sowie bei der Ernennung
zu ihrer Umsetzung erforderlichen Manahmen. Die der Kommission und des Hohen Vertreters der Union fr
Schlussfolgerungen nennen auch wichtige Fragen, mit Auen- und Sicherheitspolitik.
denen sich dann der Rat (also die Minister) auf seinen
Tagungen befassen muss. Bisweilen wird auch die Wenn der Europische Rat per Abstimmung entscheidet,
Kommission aufgefordert, Vorschlge zu einem bestimmten sind nur die Staats- und Regierungschefs stimmberechtigt.
Thema zu unterbreiten, das fr die Union eine
Herausforderung oder eine Chance darstellt.
Sekretariat
Tagungen des Europischen Rates finden in der Regel
mindestens zweimal pro Halbjahr statt. Zustzliche Der Europische Rat wird vom Generalsekretariat des
(auerordentliche oder informelle) Tagungen knnen Rates untersttzt.
anberaumt werden, wenn drngende, beispielsweise
wirtschafts- oder auenpolitische Probleme auf hchster
Ebene errtert werden mssen.
I hr W egweiser zu den E U - I ns t i t u t i o nen
13

EuroGipfel

Zustzlich treten die Staats- und Regierungschefs jener


Lnder, die den Euro als Whrung haben, und der Prsident
der Europischen Kommission mindestens zweimal im Jahr
zusammen. Zu diesen EuroGipfeln ist auch der Prsident
der Europischen Zentralbank eingeladen. Der Prsident
des Europischen Parlaments kann ebenfalls eingeladen
werden.

Die Treffen bieten Gelegenheit, ber die Steuerung des


EuroRaums und ber groe wirtschaftspolitische Reformen
zu sprechen. Der EuroGipfel ist formal durch den Vertrag
ber Stabilitt, Koordinierung und Steuerung in der
Wirtschafts- und Whrungsunion (SKSVertrag) ins Leben
gerufen worden. Der Prsident des EuroGipfels wird von
den Staats- und Regierungschefs der EuroLnder ernannt.

EU
Die Ernennung erfolgt zum gleichen Zeitpunkt wie die des
Prsidenten des Europischen Rates, und auch die Als Prsident des Europischen Rates leitet Donald Tusk die
Amtszeiten sind gleich lang. Die beiden Positionen knnen EU-Gipfel ab 1.Dezember2014.
von ein und derselben Person bekleidet werden.

Bisweilen nehmen auch die Staats- und Regierungschefs teilnahmeberechtigt sind, hlt der Prsident des
der Lnder an den Beratungen des EuroGipfels teil, die EuroGipfels sie und die brigen EUMitgliedstaaten
den SKSVertrag zwar ratifiziert, den Euro aber nicht als kontinuierlich ber die Vorarbeiten fr die Gipfeltreffen und
Whrung haben. Sofern diese Lnder nicht ber deren Ergebnisse auf dem Laufenden.

Ratlos angesichts dreier Rte?

Es kommt leicht zu Verwechslungen zwischen XX Der Europarat


europischen Institutionen besonders wenn ganz
Der Europarat ist keine EUInstitution, sondern eine
unterschiedliche Institutionen sehr hnliche
zwischenstaatliche Organisation, die sich fr
Bezeichnungen haben, wie zum Beispiel die drei Rte.
Menschenrechte sowie Demokratie und
Rechtsstaatlichkeit einsetzt. Zu den ersten Erfolgen
XX Der Europische Rat des 1949 gegrndeten Europarates zhlt die
Damit sind die Staats- und Regierungschefs aller Europische Menschenrechtskonvention. Damit
EULnder (Bundeskanzler, Premierminister, Brgerinnen und Brger ihre Rechte im Rahmen
Ministerprsidenten und Staatsprsidenten, je nach dieser Konvention wahrnehmen knnen, setzte der
politischem System) sowie die Prsidenten von Europarat den Europischen Gerichtshof fr
Europischem Rat und Europischer Kommission Menschenrechte ein. Dem Europarat gehren heute
gemeint. Da er das oberste politische 47Staaten an, darunter alle EULnder. Er hat
Entscheidungsgremium der EU ist, werden seine seinen Sitz in Straburg (Frankreich).
Tagungen oft als Gipfeltreffen bezeichnet.

XX Der Rat (der Europischen Union)


Dieses Organ, auch als Ministerrat bekannt, umfasst
die nationalen Minister aller EULnder. Der Rat tritt
regelmig zusammen, um Detailbeschlsse zu fassen
und europische Rechtsvorschriften anzunehmen.
14 S O F U N K T I O N I E R T D I E E U R O P I S C H E U N I O N

Der Rat

Die Stimme der Mitgliedstaaten


Aufgabe: entscheidet ber politische Manahmen und erlsst Rechtsvorschriften
Mitglieder: ein Minister je Mitgliedstaat
Sitz: Brssel und Luxemburg
XX [Link]

Im Rat kommen die Minister der EUMitgliedstaaten Wie die Zusammensetzung einer Ratstagung aussieht,
zusammen, um EUAngelegenheiten zu besprechen, welche Minister also teilnehmen, richtet sich nach den
Entscheidungen zu treffen und Rechtsvorschriften zu Themen auf der Tagesordnung. Wenn zum Beispiel
verabschieden. Alle auf den Ratstagungen anwesenden Umweltfragen auf der Tagesordnung stehen, nehmen die
Minister sind befugt, fr die Regierungen der von ihnen Umweltminister der EUStaaten an der Tagung teil, die
vertretenen Mitgliedstaaten verbindlich zu handeln. dann als Rat Umwelt bezeichnet wird. Andere
Zusammensetzungen sind (zum Beispiel) der Rat
Wirtschaft und Finanzen und der Rat
Was der Rat tut Wettbewerbsfhigkeit.

Der Rat ist ein zentrales Beschlussorgan der EU. An seinen


Tagungen nimmt aus jedem Mitgliedstaat je ein Minister
teil. Zweck dieser Tagungen ist es, in Beratungen ber
Rechtsvorschriften eine Einigung zu erzielen und diese Der Rat tagt in den folgenden zehn
dann entsprechend zu ndern bzw. anzunehmen, die Zusammensetzungen:
Manahmen der Mitgliedstaaten zu koordinieren oder die
Auenpolitik der EU festzulegen.
Unter dem Vorsitz des Hohen Vertreters der Union
Die EULnder haben sich auf die Strategie Europa 2020
verstndigt, um die Wirtschaftskrise mit einem intelligenten, fr Auen- und Sicherheitspolitik:
nachhaltigen und integrativen Wachstum zu berwinden. Viele XX Auswrtige Angelegenheiten
Beschlsse zur Durchfhrung dieser Strategie werden von den
zustndigen Ministerinnen und Ministern im Rat gefasst. Unter dem Vorsitz des Mitgliedstaats, der die
Ratsprsidentschaft ausbt:

XX Allgemeine Angelegenheiten

XX Wirtschaft und Finanzen

XX Justiz und Inneres

XX Beschftigung, Sozialpolitik, Gesundheit und


Verbraucherschutz

XX Wettbewerbsfhigkeit (Binnenmarkt, Industrie,


Forschung und Raumfahrt)

XX Verkehr, Telekommunikation und Energie

Landwirtschaft und Fischerei


imago/Xinhua/Reporters

XX

XX Umwelt

XX Bildung, Jugend, Kultur und Sport


I hr W egweiser zu den E U - I ns t i t u t i o nen
15

RATSVORSITZ DIE ARBEIT DES RATES WIRD IM FOLGENDEN NHER


Jahr Januar Juni Juli Dezember BESCHRIEBEN.1. GESETZGEBUNG
Viele EURechtsvorschriften werden gemeinsam von Rat
2014 Griechenland Italien
und Parlament angenommen. Grundstzlich wird der Rat
2015 Lettland Luxemburg nur aufgrund eines Vorschlags der Kommission ttig, die
2016 Niederlande Slowakei normalerweise auch fr die ordnungsgeme
Durchfhrung des EURechts zustndig ist.
2017 Malta Vereinigtes Knigreich
2018 Estland Bulgarien 2. KOORDINIERUNG DER POLITIK DER
MITGLIEDSTAATEN (BEISPIEL: WIRTSCHAFTSPOLITIK)
2019 sterreich Rumnien
Nicht alle EUMitgliedstaaten haben den Euro als Whrung,
2020 Finnland aber alle sind Teil der Wirtschafts- und Whrungsunion
(WWU). In der WWU werden die wirtschaftspolitischen
Manahmen der Mitgliedslnder eng aufeinander
abgestimmt. Diese Koordinierung erfolgt durch die
Alle sechs Monate bernimmt ein anderer Mitgliedstaat Wirtschafts- und Finanzminister, die zusammen den Rat
den Vorsitz im Rat. Der Vorsitz im Rat und der im Wirtschaft und Finanzen (Ecofin) bilden.
Europischen Rat sind nicht deckungsgleich. Die Regierung,
die den Ratsvorsitz innehat, muss die verschiedenen 3. GEMEINSAME AUSSEN- UND
Ratstagungen organisieren und leiten. Eine Ausnahme ist SICHERHEITSPOLITIK(GASP)
der Rat Auswrtige Angelegenheiten, in dem der Hohe Die Auen- und Sicherheitspolitik der EU fllt in die
Vertreter der Union fr Auen- und Sicherheitspolitik, ausschlieliche Zustndigkeit des Europischen Rates und
der auenpolitisch im Namen des Rates handelt, den des Rates und wird von diesen beiden Organen einstimmig
Vorsitz hat. festgelegt und umgesetzt. Die Durchfhrung obliegt dem
Hohen Vertreter der Union fr Auen- und Sicherheitspolitik
Im Interesse der Kontinuitt der Ratsgeschfte arbeiten und den Mitgliedstaaten, die im Rat Auswrtige
immer drei Vorsitzlnder als Trio zusammen. Gemeinsam Beziehungen zusammenkommen.
erstellen sie ein 18-MonateProgramm fr die Arbeiten
des Rates. 4. ABSCHLUSS INTERNATIONALER BEREINKNFTE
Jedes Jahr schliet (unterzeichnet) der Rat diverse
Alle im Rat vertretenen Minister sind befugt, im Namen bereinknfte zwischen der Europischen Union und
ihrer Regierungen verbindlich zu handeln; zugleich sind sie NichtEULndern sowie internationalen Organisationen.
den gewhlten Einrichtungen ihres Landes verantwortlich. Diese bereinknfte knnen groe Themen wie Handel,
Dadurch sind die Ratsentscheidungen demokratisch Zusammenarbeit und Entwicklung betreffen oder auch
legitimiert. spezifische Themen wie Textilwaren, Fischerei,
Wissenschaft und Technologie, Verkehr. In Bereichen, in
Der Rat hat fnf zentrale Aufgaben: denen es Mitentscheidungsbefugnisse hat, muss auerdem
das Europische Parlament diesen bereinknften
1. Er verabschiedet EURechtsvorschriften, meist zustimmen.
gemeinsam mit dem Europischen Parlament.
5. ANNAHME DES EUHAUSHALTS
2. Er koordiniert die Politik der Mitgliedstaaten, zum Der Haushaltsplan der EU wird jhrlich vom Rat und vom
Beispiel die Wirtschaftspolitik. Europischen Parlament gemeinsam verabschiedet. Wenn
die beiden Organe keine Einigung erzielen, kommen
3. Er entwickelt die Gemeinsame Auen- und Vermittlungsverfahren zur Anwendung.
Sicherheitspolitik der EU entsprechend den Vorgaben
des Europischen Rates.
So funktioniert der Rat
4. Er schliet internationale bereinknfte zwischen der
EU und anderen Staaten oder internationalen Alle Beratungen und Abstimmungen im Rat ber
Organisationen. Rechtsakte finden ffentlich statt und knnen live auf der
Website des Rates mitverfolgt werden.
5. Er und das Europische Parlament genehmigen den
Haushaltsplan der EU. Fr die Kohrenz der Arbeiten in den verschiedenen
Ratszusammensetzungen sorgt der Rat Allgemeine
Angelegenheiten, der die wirksame Umsetzung der Vorgaben
16 S O F U N K T I O N I E R T D I E E U R O P I S C H E U N I O N

des Europischen Rates berwacht. Er wird dabei vom


BEVLKERUNGSZAHLEN ALS GRUNDLAGE FR ABSTIMMUNGEN
Ausschuss der Stndigen Vertreter (AStV) untersttzt. IM RAT (2014)

Mitgliedstaat Bevlkerung Anteil an der


Der AStV setzt sich aus den Stndigen Vertretern der
( 1000) Gesamt
Mitgliedstaaten bei der Europischen Union zusammen.
bevlkerung der
Jeder EUMitgliedstaat verfgt in Brssel ber ein
Union
stndiges Team von Mitarbeitern (Stndige Vertretung), (in%)
die ihn vertreten und seine nationalen Interessen auf
EUEbene wahren. Geleitet werden diese Vertretungen von
den Botschaftern ihrer Lnder bei der EU. Sie treten einmal Deutschland 80523,7 15,93
wchentlich im AStV zusammen und werden von mehreren Frankreich 65633,2 12,98
Arbeitsgruppen untersttzt, die aus Beamten der Vereinigtes 63730,1 12,61
nationalen Verwaltungen bestehen. Knigreich
Italien 59685,2 11,81
Spanien 46704,3 9,24
Wie wird im Rat abgestimmt?
Polen 38533,3 7,62
Der Rat stimmt ber seine Entscheidungen ab. In den Rumnien 20057,5 3,70
meisten Fllen ist fr eine Entscheidung eine qualifizierte Niederlande 16779,6 3,32
Mehrheit notwendig. In einigen Fllen fordern die Vertrge Belgien 11161,6 2,21
ein abweichendes Verfahren, zum Beispiel ein
Griechenland 11062,5 2,90
einstimmiges Votum bei Steuerfragen. Damit ein Vorschlag
mit qualifizierter Mehrheit angenommen werden kann, ist Tschechische 10516,1 2,08
eine doppelte Mehrheit von Mitgliedstaaten und Republik
Bevlkerungsanteil erforderlich. Die abgegebenen Stimmen Portugal 10487,3 2,07
mssen mindestens Folgendem entsprechen: Ungarn 9908,8 1,96
Schweden 9555,9 1,89
XX55% der Mitgliedstaaten, also 16 der 28Lnder;
sterreich 8451,9 1,67
XXdieMitgliedstaaten mssen zusammen 65% der Bulgarien 7284,6 1,44
EU-Bevlkerung reprsentieren das sind etwa Dnemark 5602,6 1,11
329Millionen bei einer Gesamtbevlkerung von etwa Finnland 5426,7 1,07
506Millionen. Slowakei 5410,8 1,07
Irland 4591,1 0,91
Um eine Entscheidung zu blockieren, mssen wenigstens
vier Lnder dagegen stimmen, die zusammen mehr als Kroatien 4262,1 0,84
35% der EU-Bevlkerung reprsentieren. Litauen 2971,9 0,59
Slowenien 2058,8 0,41
Durch diese Regelung wird sichergestellt, dass alle im Rat Lettland 2023,8 0,40
getroffenen Entscheidungen ber breite Untersttzung in
Estland 1324,8 0,26
ganz Europa verfgen, dass aber auch kleine Minderheiten
Entscheidungen verhindern knnen. Bis November 2014 Zypern 865,9 0,17
gab es ein anderes System, in dem jeder Mitgliedstaat Luxemburg 537,0 0,11
ber eine bestimmte Anzahl von Stimmen verfgte. Malta 421,4 0,08
Insgesamt 505572,5 100
Schwelle fr die 328622,1 65
qualifizierte
Mehrheit
I hr W egweiser zu den E U - I ns t i t u t i o nen
17

Generalsekretariat des Rates


Was ist die Verstrkte Zusammenarbeit?
Das Generalsekretariat des Rates assistiert sowohl dem Wenn einige Mitgliedstaaten in Politikbereichen, die
Europischen Rat und dessen Prsidenten als auch dem Rat nicht in die ausschlieliche Zustndigkeit der EU
und seinen wechselnden Prsidentschaften. Es wird von fallen, enger zusammenarbeiten wollen, andere
einem Generalsekretr geleitet, den der Rat ernennt. aber nicht, so bietet sich das Verfahren der
Verstrkten Zusammenarbeit an. Hierbei knnen
mindestens neun Mitgliedstaaten die Organe der EU
Die EuroGruppe in Anspruch nehmen, doch gibt es auch
Bedingungen: Die Zusammenarbeit muss darauf
Alle EULnder sind Teil der Wirtschafts- und ausgerichtet sein, die Verwirklichung der Ziele der
Whrungsunion (WWU); sie betrachten ihre Union zu frdern, und sie muss allen anderen
Wirtschaftspolitik als eine Angelegenheit von Mitgliedstaaten jederzeit offenstehen.
gemeinsamem Interesse und koordinieren sie. Nicht alle
Mitgliedstaaten sind jedoch Mitglied der EuroGruppe und Dieses Verfahren wird von mehreren Lndern zum
haben die einheitliche Whrung, den Euro, zu ihrer Beispiel dazu genutzt, bei Scheidungen von Eheleuten
Landeswhrung gemacht. Einige haben sich vorlufig aus verschiedenen EULndern gemeinsam eine
dagegen entschieden, andere arbeiten noch daran, dass juristische Lsung zu finden. Anwendung findet es
ihre Volkswirtschaften die Kriterien fr eine Mitgliedschaft auch im Zusammenhang mit dem einheitlichen
im EuroRaum erfllen. Die EuroLnder mssen eng Patentsystem, dem sich die meisten, aber nicht alle
zusammenarbeiten und auerdem die whrungspolitischen EUMitgliedstaaten angeschlossen haben.
Entscheidungen der Europischen Zentralbank akzeptieren.
Sie bentigen daher ein Forum, in dem sie ihr Vorgehen im
EuroRaum besprechen und beschlieen knnen. Dies kann
nicht der Rat Wirtschaft und Finanzen (Ecofin) sein, da erzielten Vereinbarungen. Bei Fragen, die die EuroGruppe
dort alle Mitgliedstaaten zusammenkommen. betreffen, sind nur jene EcofinMinister stimmberechtigt,
die ein EuroLand vertreten. Der fr Wirtschaft und
Die Lsung ist die EuroGruppe, die sich aus den Whrung sowie fr den Euro zustndige Kommissar sowie
Wirtschafts- und Finanzministern der EuroLnder der Prsident der Europischen Zentralbank nehmen
zusammensetzt. ebenfalls an den Treffen der EuroGruppe teil.

Die EuroGruppe wirkt durch die Koordinierung der Die Mitglieder der EuroGruppe whlen ihren Prsidenten
Wirtschaftspolitik auf wirtschaftliches Wachstum und fr zweieinhalb Jahre. Das Generalsekretariat des Rates
finanzielle Stabilitt im EuroRaum hin. Da nur der Ecofin leistet bei den Sitzungen der EuroGruppe administrative
formale Beschlsse zu wirtschaftlichen Fragen fassen Untersttzung.
kann, trifft sich die EuroGruppe informell einen Tag vor
der EcofinTagung (ungefhr einmal monatlich). Am
darauffolgenden Tag entscheiden die EuroLnder dann Die Gemeinsame Auen- und
auf der EcofinTagung frmlich ber die in der EuroGruppe Sicherheitspolitik

Die Europische Union entwickelt schrittweise eine


Gemeinsame Auen- und Sicherheitspolitik (GASP), fr die
besondere Verfahren gelten. Die GASP wird vom
Europischen Rat und vom Rat einstimmig festgelegt und
durchgefhrt. Folgenden Grundstzen mchte die Union
damit weltweit zu strkerer Geltung verhelfen: Demokratie,
Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und Grundfreiheiten,
Achtung der Menschenwrde, Gleichheit und Solidaritt.
Hierzu baut die EU weltweit Beziehungen und
Associated Press/Reporters

Partnerschaften mit anderen Lndern und Organisationen


auf und aus.

Neue Wirtschafts- und Finanzvorschriften der EU tragen zur


Straffung und Strkung des Bankensektors bei.
18 S O F U N K T I O N I E R T D I E E U R O P I S C H E U N I O N

Im Kampf gegen das internationale


Verbrechen mssen die
Durchsetzungsbehrden der
EULnder zusammenarbeiten.
Matteis/ LookatSciences/Reporters

Aufgabenverteilung innerhalb der GASP: Der Hohe Vertreter bringt die GASP voran und vertritt sie
weltweit, indem er den politischen Dialog mit Drittlndern
XXDer Europische Rat legt unter der Leitung seines und Partnern fhrt und den Standpunkt der EU in
Prsidenten und unter Bercksichtigung der internationalen Organisationen und Konferenzen darlegt.
strategischen Interessen der Union die Gemeinsame Auf der Ebene der Staats- und Regierungschefs wird die
Auen- und Sicherheitspolitik fest; dies gilt auch fr Union vom Prsidenten des Europischen Rates vertreten.
verteidigungspolitisch relevante Fragen.
Ein Aspekt der GASP sind die sicherheits- und
XXAuf der Grundlage der strategischen Vorgaben des verteidigungspolitischen Fragen. Hierzu entwickelt die EU
Europischen Rates fasst der Rat, insbesondere der Rat eine Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik
Auswrtige Angelegenheiten, die fr die Festlegung (GSVP), die die EU in die Lage versetzen soll, Operationen
und Durchfhrung der GASP erforderlichen Beschlsse. zur Bewltigung von Krisen durchzufhren. Dabei handelt
Den Vorsitz im Rat Auswrtige Angelegenheiten fhrt es sich um militrische oder zivile humanitre und
der Hohe Vertreter der Union fr Auen- und friedenschaffende oder friedenerhaltende Missionen. Fr
Sicherheitspolitik. solche Einstze stellen die Mitgliedstaaten der EU freiwillig
einen Teil ihrer Streitkrfte zur Verfgung. Dies wird stets
XXZusammen mit den Mitgliedstaaten sorgt er mit der NATO abgestimmt, deren Befehlsstrukturen
anschlieend fr eine kohrente und wirksame manchmal fr praktische Aufgaben im Rahmen von
Durchfhrung der GASP. Hierbei kann er auf Mittel der EUMissionen genutzt werden. Die Arbeiten werden von
Mitgliedstaaten und der Union zurckgreifen. mehreren stndigen EUGremien koordiniert.

Der Europische Auswrtige Dienst (EAD) ist das XXDas Politische und Sicherheitspolitische Komitee
Auenministerium und der diplomatische Dienst der (PSK) verfolgt die internationale Lage und prft, welche
Union. Er untersteht dem Hohen Vertreter und besteht aus Optionen die EU hat, um auf eine Krisensituation im
Experten des Rates, der Mitgliedstaaten und der Ausland zu reagieren.
Europischen Kommission. Die Delegationen, die die EU in
den meisten Lndern der Welt hat, sind Teil des EAD. Sie XXDer Militrausschuss der Europischen Union
arbeiten bei GASPThemen eng mit den nationalen (EUMC) besteht aus den Generalstabschefs aller
Botschaften der EUMitgliedstaaten zusammen. EULnder, leitet die militrischen Aktivitten der EU
und bert in militrischen Angelegenheiten.
Jeder Mitgliedstaat oder der Hohe Vertreter (mit oder ohne
Untersttzung der Kommission) kann den Rat mit einer die XXDer Militrstab der Europischen Union (EUMS)
GASP betreffenden Frage befassen. Angesichts der hufig setzt sich aus Militrexperten zusammen, die in
gegebenen Dringlichkeit solcher Fragen sind Vorkehrungen stndigen militrischen Hauptquartieren in Brssel ttig
getroffen, damit Beschlsse bei Bedarf schnell gefasst sind und den EUMC untersttzen.
werden knnen. Dies geschieht auf diesem Gebiet im
Allgemeinen einstimmig.
I hr W egweiser zu den E U - I ns t i t u t i o nen
19

Die Europische Kommission

Wahrerin der gemeinsamen Interessen


Aufgabe: 
Exekutivorgan der EU, schlgt Rechtsvorschriften vor, berwacht Vereinbarungen und
macht sich fr die Union stark
Mitglieder: Kollegium von Kommissionsmitgliedern (eines pro Mitgliedstaat)
Sitz: Brssel
XX [Link]

Als politisch unabhngiges Organ vertritt und wahrt die


Kommission die Interessen der EU insgesamt. In vielen
Bereichen ist sie die treibende Kraft im institutionellen
Gefge der EU: Sie schlgt Rechtsvorschriften, Strategien
und Aktionsprogramme vor und ist fr die Durchfhrung
der Beschlsse des Europischen Parlaments und des
Rates zustndig. Auer in Fragen der Gemeinsamen
Auen- und Sicherheitspolitik vertritt sie die Union zudem
nach auen.

Was ist die Kommission?

EU
Der Begriff Kommission wird in zwei Bedeutungen
verwendet. Erstens bezieht er sich auf das Kollegium von JeanClaude Juncker ist Prsident des Exekutivorgans der EU,
Mnnern und Frauen, die von den Mitgliedstaaten und vom der Europischen Kommission.
Parlament ernannt werden, um das Organ zu leiten und
Beschlsse zu fassen. Zweitens bezeichnet der Begriff Die laufende Arbeit der Kommission wird von ihren
Kommission das Organ selbst und seine Bediensteten. Verwaltungsmitarbeitern, Experten, bersetzern,
Dolmetschern und Assistenzkrften erledigt. Die Beamten
Informell werden die Mitglieder des Kollegiums als der Kommission werden, wie die Bediensteten der anderen
Kommissare bezeichnet. Sie alle haben zuvor politische EUEinrichtungen auch, vom Europischen Amt fr
mter bekleidet, viele von ihnen als Minister. Als Mitglieder Personalauswahl (EPSO) rekrutiert: [Link]
der Kommission sind sie jedoch verpflichtet, im Interesse Es sind Brgerinnen und Brger aus allen EULndern, die in
der gesamten Union zu handeln; sie drfen keine offenen Einstellungsverfahren ausgewhlt werden. Die
Weisungen von nationalen Regierungen annehmen. Kommission hat etwa 33000 Bedienstete. Diese Zahl mag
hoch klingen, ist aber tatschlich niedriger als der
Die Kommission hat mehrere Vizeprsidenten, darunter Personalstand der meisten mittelgroen Stdte in Europa.
den Hohen Vertreter der Union fr Auen- und
Sicherheitspolitik, und dadurch auch eine direkte
Verbindung zum Rat.

Die Kommission ist dem Parlament gegenber politisch


rechenschaftspflichtig; dieses kann der Kommission das
Misstrauen aussprechen und sie so zum Rcktritt zwingen.
Die Kommission ist auf allen Tagungen des Parlaments
vertreten, auf denen sie ihre Politik erlutern und
begrnden muss. Auerdem beantwortet sie regelmig
die schriftlichen und mndlichen Anfragen der
Parlamentarier..
20 S O F U N K T I O N I E R T D I E E U R O P I S C H E U N I O N

Ernennung der Kommission 1. VORSCHLGE FR NEUE RECHTSVORSCHRIFTEN


Die Kommission wird alle fnf Jahre neu besetzt, Gem dem EUVertrag hat die Kommission das
und zwar jeweils innerhalb von sechs Monaten nach Initiativrecht. Mit anderen Worten, die Kommission
der Wahl des Europischen Parlaments. Dabei wird allein ist fr die Ausarbeitung von Vorschlgen fr neue
folgendermaen vorgegangen: EURechtsvorschriften verantwortlich, die sie dem
Parlament und dem Rat vorlegt. Diese Vorschlge zielen
XX Die Regierungen der Mitgliedstaaten schlagen einen auf die Wahrung der Interessen der Union und ihrer
neuen Kommissionsprsidenten vor, der vom Brgerinnen und Brger ab, nicht auf die Interessen
Europischen Parlament gewhlt werden muss. einzelner Lnder oder Industriezweige.
XX Der designierte Kommissionsprsident sucht in
Bevor die Kommission Vorschlge unterbreitet, muss sie
Gesprchen mit den Regierungen der
sich mit neuen Gegebenheiten und neu auftretenden
Mitgliedstaaten die brigen Mitglieder des
Problemen in Europa vertraut machen und berlegen, ob
Kollegiums aus.
darauf am gnstigsten mit EUVorschriften reagiert
XX Das neue Parlament befragt daraufhin alle werden sollte. Hierfr ist sie laufend in Kontakt mit einem
vorgeschlagenen Mitglieder und gibt seine breiten Spektrum an Interessengruppen und mit zwei
Stellungnahme zum gesamten Kollegium ab. beratenden Einrichtungen dem Europischen Wirtschafts-
Stimmt das Parlament zu, kann das neue und Sozialausschuss (bestehend aus Vertretern von
Kollegium seine Arbeit offiziell aufnehmen. Arbeitgebern und Gewerkschaften) und dem Ausschuss der
Regionen (bestehend aus Vertretern lokaler und regionaler
Behrden). Ferner holt sie die Meinungen der nationalen
Parlamente und Regierungen sowie der breiten
ffentlichkeit ein.

Was die Kommission tut Die Kommission schlgt nur dann ein Handeln auf
EUEbene vor, wenn sie der Ansicht ist, dass ein Problem
Die Europische Kommission hat im Wesentlichen vier dadurch wirksamer gelst werden kann als durch
Aufgaben: nationale, regionale oder lokale Manahmen. Diesem
Vorgehen, bei dem Angelegenheiten auf der niedrigsten
1. Sie unterbreitet dem Parlament und dem Rat Vorschlge mglichen Ebene behandelt werden, liegt das
fr neue Rechtsvorschriften. Subsidiarittsprinzip zugrunde.

2. Sie fhrt die EUPolitik durch und verwaltet den Haushalt. Wenn die Kommission zu dem Schluss kommt, dass
europische Rechtsvorschriften notwendig sind, arbeitet
3. Sie sorgt (gemeinsam mit dem Gerichtshof) fr die sie einen Vorschlag aus, der ihrer berzeugung nach das
Einhaltung des EURechts. Problem wirkungsvoll lst und einem mglichst breiten
Spektrum von Interessen entspricht. Zur Gewhrleistung
4. Sie vertritt die Europische Union in der Welt. der fachlichen Richtigkeit zieht die Kommission im Rahmen
verschiedener Ausschsse und Arbeitsgruppen Experten zu
Rate.
Langrock/Zenit/Laif/Reporters

Einer der Wege zur Schaffung von Arbeitspltzen und


Wachstum in Europa fhrt ber Innovation und Forschung.
I hr W egweiser zu den E U - I ns t i t u t i o nen
21

Aufbau des Europischen


Forschungsraums
Die Generaldirektion Forschung und Innovation der
Kommission entwickelt europische Strategien und
Manahmen im Bereich der Forschung und der
technologischen Entwicklung und leistet somit einen
Beitrag zur internationalen Wettbewerbsfhigkeit der
europischen Industrie. ber das EU-Forschungs
programm Horizont 2020 flieen viele Milliarden
Euro in die multidisziplinre und kooperative
wissenschaftliche Forschung in der gesamten EU.

EU
2. DURCHFHRUNG DER EUPOLITIK UND
DESHAUSHALTS Federica Mogherini ist Chefin der EU-Auenpolitik und
Als Exekutiveorgan der EU ist die Kommission fr die koordiniert das Handeln der EU gegenber den brigen
Verwaltung und Ausfhrung des EUHaushalts und fr die Lndern der Welt.
Durchfhrung der Strategien und Programme zustndig,
die vom Parlament und vom Rat beschlossen werden. Der
Groteil der konkreten Arbeit und der Ausgaben wird zwar 4. VERTRETUNG DER EU AUF INTERNATIONALER
von nationalen und lokalen Behrden geleistet bzw. EBENE
gettigt, aber die Kommission ist fr ihre Kontrolle Der Hohe Vertreter der Union fr Auen- und
verantwortlich. Sicherheitspolitik ist Vizeprsident der Kommission und
zustndig fr Auswrtiges. In Fragen der Auen- und
Die Kommission verwaltet den Haushalt unter dem Sicherheitspolitik arbeitet er mit dem Rat zusammen.
wachsamen Auge des Rechnungshofs. Beide Organe Inanderen Bereichen der Auenbeziehungen spielt die
verfolgen dabei das Ziel einer wirtschaftlichen Kommission jedoch die fhrende Rolle insbesondere in
Haushaltsfhrung. Das Europische Parlament erteilt der der Handelspolitik und bei der humanitren Hilfe. Indiesen
Kommission nur dann die Entlastung fr die Durchfhrung Bereichen ist die Kommission das Sprachrohr der
des Haushaltsplans, wenn es mit dem Jahresbericht des Europischen Union. Somit knnen die 28Mitgliedstaaten
Rechnungshofs zufrieden ist. in internationalen Gremien, etwa der
Welthandelsorganisation, mit einer Stimme sprechen.
3. DURCHSETZUNG DES EUROPISCHEN RECHTS
Die Kommission ist die Hterin der Vertrge;
gemeinsam mit dem Gerichtshof wacht sie ber die
ordnungsgeme Anwendung des EURechts in allen
Mitgliedstaaten. Wenn sie feststellt, dass ein EUStaat Den Schwachen die Hand reichen
gegen europisches Recht verstt und seinen rechtlichen Die Generaldirektion fr humanitre Hilfe und
Verpflichtungen nicht nachkommt, leitet sie ein Katastrophenschutz (ECHO) der Europischen
sogenanntes Vertragsverletzungsverfahren ein. Kommission wurde 1992 eingerichtet. Da die EU der
weltgrte Akteur im Bereich humanitre Hilfe ist,
In einem frmlichen Schreiben an die betreffende hat diese innerhalb des auswrtigen Handelns der
Regierung erlutert sie zunchst, worin ihrer Ansicht nach Europischen Union mittlerweile einen hohen
der Versto gegen das EURecht besteht; sie setzt eine Stellenwert.
Frist fr die bermittlung einer detaillierten
Stellungnahme. Lsst sich die Frage auf diesem Wege Etwa 125 Millionen Menschen erhalten jedes Jahr
nicht klren, leitet die Kommission den Fall an den humanitre Hilfe in Form von EUGeldern, die ber
Gerichtshof weiter, der Sanktionen verhngen kann. Die 200 Partner z.B. karitative Organisationen und
Urteile des Gerichtshofs sind fr die Mitgliedstaaten und UNAgenturen ausgezahlt werden. Dabei wird
die Organe der EU bindend. nach den humanitren Grundstzen der
Nichtdiskriminierung und der Unparteilichkeit
vorgegangen.
22 S O F U N K T I O N I E R T D I E E U R O P I S C H E U N I O N

So funktioniert die Kommission Die Vorschlge fr Rechtsakte werden in der Praxis von
den Generaldirektionen ausgearbeitet; offiziellen Status
Der Prsident der Kommission entscheidet darber, fr erlangen sie allerdings erst nach Billigung durch das
welche Politikfelder die einzelnen Kommissionsmitglieder Kollegium. Ein Beispiel:
verantwortlich sind, und kann diese Zustndigkeiten
whrend der Amtszeit der Kommission gegebenenfalls neu Angenommen, die Kommission sieht Bedarf fr einen
verteilen. Er kann ein Kommissionsmitglied auerdem zum europischen Rechtsakt zur Eindmmung der
Rcktritt auffordern. Das Team der Verschmutzung europischer Flsse. Auf der Grundlage
28Kommissionsmitglieder (Kollegium) kommt einmal umfassender Konsultationen mit allen interessierten
wchentlich meist mittwochs in Brssel zusammen. Die Kreisen wie Industrie und Landwirtschaft,
einzelnen Tagesordnungspunkte werden von dem jeweils Umweltministerien der Mitgliedstaaten und
zustndigen Kommissionsmitglied erlutert, bevor das Umweltorganisationen arbeitet die GDUmwelt nun einen
gesamte Kollegium gemeinsam einen Beschluss dazu fasst. Vorschlag aus. Damit Einzelpersonen entweder im
eigenen Namen oder im Namen einer Organisation ihre
Das Personal der Kommission arbeitet in Verwaltungs Meinung dazu uern knnen, finden zu vielen Vorschlgen
einheiten, die als Generaldirektionen (GD) oder Dienste ffentliche Konsultationen statt.
(z.B. Juristischer Dienst) bezeichnet werden. Jede GD ist
fr einen bestimmten Politikbereich zustndig, etwa fr Der vorgeschlagene Rechtsakt wird dann mit allen
den Handel oder den Wettbewerb, und wird von einem betroffenen Kommissionsabteilungen errtert und
Generaldirektor geleitet, der einem Kommissionsmitglied eventuell gendert. Anschlieend wird er vom Juristischen
gegenber verantwortlich ist. Dienst geprft.

Sobald der fertige Vorschlag vorliegt, wird er vom


Generalsekretr der Kommission auf die Tagesordnung
einer Kommissionssitzung gesetzt. Auf dieser Sitzung
Eurostat: Erhebung von Europas Daten erlutert das fr Umweltfragen zustndige
Eurostat ist das statistische Amt der Europischen Kommissionsmitglied dem Kollegium, warum der Rechtsakt
Union und gehrt zur Kommission. Seine Aufgabe vorgeschlagen wurde. Kommt es in der anschlieenden
ist es, fr die EU statistische Daten auf europischer Aussprache zu einer Einigung, nimmt das Kollegium den
Ebene zu erheben, die Vergleiche zwischen Lndern Vorschlag an und leitet ihn zur Stellungnahme an den Rat
und Regionen ermglichen. Dies ist eine sehr und das Europische Parlament weiter.
wichtige Aufgabe, denn demokratische
Gesellschaften knnen ohne eine verlssliche und Bei Uneinigkeit im Kollegium kann der Prsident eine
objektive statistische Datengrundlage nicht Abstimmung beantragen. Ist die Mehrheit fr den
ordentlich funktionieren. Vorschlag, wird dieser angenommen und dann von
smtlichen Kommissionsmitgliedern mitgetragen.
Die Statistiken von Eurostat geben Antwort auf viele
Fragen, so z.B.: Nimmt die Arbeitslosigkeit zu oder
geht sie zurck? Gibt es mehr CO2-Emissionen als
vor zehn Jahren? Wie viele Frauen sind
erwerbsttig? Wie leistungsstark ist die Wirtschaft
eines Landes im Vergleich zu der anderer
EUMitgliedstaaten?

[Link]
I hr W egweiser zu den E U - I ns t i t u t i o nen
23

Die nationalen Parlamente

Anwlte der Subsidiaritt


Aufgabe: Beteiligung an den EUAktivitten an der Seite der europischen Institutionen
Mitglieder: Abgeordnete der nationalen Parlamente
Sitz: in allen EUMitgliedstaaten

Die EUInstitutionen frdern die strkere Beteiligung der Jedes nationale Parlament kann daraufhin eine
nationalen Parlamente an den Aktivitten der Europischen begrndete Stellungnahme abgeben, wenn es der
Union. In diesem Sinne leitet die Kommission seit 2006 Auffassung ist, dass die betreffende Vorlage nicht mit dem
smtliche Legislativvorschlge an die nationalen Subsidiarittsprinzip in Einklang steht. Je nach Anzahl der
Parlamente weiter und reagiert auf deren Stellungnahmen. begrndeten Stellungnahmen der nationalen Parlamente
Im Vertrag von Lissabon (2009) sind die Rechte und muss die Kommission unter Umstnden ihren Vorschlag
Pflichten der nationalen Parlamente innerhalb der EU erneut prfen und entscheiden, ob sie ihn aufrechterhlt,
eindeutig festgelegt. Die nationalen Parlamente knnen anpasst oder zurckzieht. Dies wird als Verfahren der
sich zu den Gesetzgebungsakten uern, die fr sie von gelben bzw. orangefarbenen Karte bezeichnet. Gibt die
besonderem Interesse sind. Mehrheit der nationalen Parlamente im Rahmen des
ordentlichen Gesetzgebungsverfahrens eine begrndete
Die Aktivitten der EU unterliegen dem Subsidiaritts Stellungnahme ab und beschliet die Kommission dennoch,
prinzip, das bedeutet, dass die Union nur dort ttig wird, ihren Vorschlag beizubehalten, so muss sie ihre Grnde
wo Manahmen auf Gemeinschaftsebene effektiver sind hierfr darlegen. In diesem Fall entscheiden das
als auf nationaler Ebene. Wo die EU gem den Vertrgen Europische Parlament und der Rat ber die Fortsetzung
ausschlieliche Befugnisse besitzt, wird dies nicht in Frage des Gesetzgebungsverfahrens.
gestellt; in allen anderen Fllen ist dies bei jeder neuen
Rechtsvorschrift individuell zu entscheiden. Die nationalen Darber hinaus sind die nationalen Parlamente unmittelbar
Parlamente berwachen die korrekte Anwendung dieses an der Umsetzung der EURechtsvorschriften beteiligt. Die
Grundsatzes bei der Entscheidungsfindung in der EU. EURichtlinien richten sich an die Mitgliedstaaten. Diese
mssen die Richtlinien in innerstaatliches Recht integrieren,
Hierzu bermittelt die Kommission ihre Vorschlge fr worber hauptschlich die nationalen Parlamente ent-
Rechtsakte zur selben Zeit an die nationalen Parlamente scheiden. In den Richtlinien sind bestimmte Zielvorgaben
wie an die gesetzgebenden Organe der Union (d.h. das gemacht, die in jedem Mitgliedstaat bis zu einem angege-
Europische Parlament und den Rat). benen Termin erreicht sein mssen. Die nationalen
Behrden mssen ihre Vorschriften so anpassen, dass
diese Ziele verwirklicht werden; es steht ihnen jedoch frei
zu entscheiden, wie sie dies tun. Richtlinien dienen dazu,
unterschiedliche nationale Rechtsvorschriften miteinander
in Einklang zu bringen, und werden vor allem in Bereichen
erlassen, die die Funktionsweise des Binnenmarkts
betreffen (z.B. Produktsicherheitsnormen).
24 S O F U N K T I O N I E R T D I E E U R O P I S C H E U N I O N

Der Gerichtshof der Europischen Union

Wchter ber das EURecht


Aufgabe: juristische Beurteilung von Rechtssachen, mit denen er befasst wird
Gerichtshof: ein Richter aus jedem EUMitgliedstaat; neun Generalanwlte
Gericht: ein Richter aus jedem EUMitgliedstaat
Gericht fr den ffentlichen Dienst: sieben Richter
Sitz: Luxemburg
XX [Link]

Der Gerichtshof der Europischen Union (im Folgenden Ein Sondergericht, das Gericht fr den ffentlichen Dienst,
Gerichtshof der EU) gewhrleistet, dass das EURecht in entscheidet in Rechtsstreitigkeiten zwischen der EU und
allen Mitgliedstaaten einheitlich ausgelegt und angewandt ihren Beamten.
wird, so dass das Recht fr alle unter allen Umstnden
gleich ist. Hierzu berprft er die Rechtmigkeit der
Aktivitten der EUInstitutionen; er stellt sicher, dass die Was der Gerichtshof der EU tut
Mitgliedstaaten ihren Verpflichtungen nachkommen, und er
legt das EURecht auf Ersuchen nationaler Gerichte aus. Er fllt Urteile in Rechtssachen, mit denen er befasst wird.
Die vier hufigsten Arten von Rechtssachen sind:
Der Gerichtshof der EU ist befugt, in Rechtsstreitigkeiten
zwischen EUMitgliedstaaten, EUInstitutionen, 1. ERSUCHEN UM VORABENTSCHEIDUNG
Unternehmen und Privatpersonen zu entscheiden. Damit er Die Gerichte jedes EUMitgliedstaats mssen fr eine
die vielen Tausend ihm vorgelegten Rechtssachen ordnungsgeme Anwendung des EURechts in ihrem Land
bewltigen kann, besteht der Gerichtshof der EU aus zwei sorgen. Wenn ein nationales Gericht Zweifel hinsichtlich der
Hauptorganen: dem Gerichtshof, der Vorabentscheidungs Auslegung oder Gltigkeit einer Rechtsvorschrift der EU hat,
ersuchen nationaler Gerichte, bestimmte Nichtigkeitsklagen kann es in manchen Fllen muss es dies sogar den
und Rechtsmittelantrge behandelt, sowie dem Gericht, Gerichtshof der EU zu Rate ziehen. Dieser Rat wird in Form
das in allen Nichtigkeitsklagen von Privatpersonen und einer Vorabentscheidung erteilt. Die Entscheidung stellt fr
Unternehmen sowie in bestimmten hnlichen Klagen von die Brger und Brgerinnen einen wichtigen Weg dar,
Mitgliedstaaten urteilt. um ber ihre nationalen Gerichte zu klren, inwieweit sie
von EURechtsvorschriften betroffen sind.

Die Urteile des Gerichtshofs der EU zu


gleicher Bezahlung und gleichen Rechten
kamen unter anderem den
Flugbegleiterinnen schon mehrfach zugute.
ImageGlobe
I hr W egweiser zu den E U - I ns t i t u t i o nen
25

2. VERTRAGSVERLETZUNGSKLAGEN Das Gericht setzt sich ebenfalls aus 28Richtern


Dieses Verfahren kann von der Kommission oder (in zusammen, die von den Mitgliedstaaten fr die Dauer von
seltenen Fllen) einem Mitgliedstaat eingeleitet werden, sechs Jahren ernannt werden. Auch die Richter am Gericht
wenn diese bzw. dieser Grund zur Annahme hat, dass ein whlen aus ihren Reihen einen Prsidenten fr eine
Mitgliedstaat seinen Verpflichtungen nach dem EURecht Amtsperiode von drei Jahren. Das Gericht tagt bei
nicht nachkommt. Der Gerichtshof der EU prft die Anhrungen in Kammern mit drei oder fnf Richtern
Anschuldigungen und fllt ein Urteil. Im Fall eines (gelegentlich nur einem Richter). Rund 80% der beim
Schuldspruchs muss der beschuldigte Mitgliedstaat diesen Gericht anhngigen Rechtssachen werden von drei Richtern
Versto unverzglich abstellen; andernfalls kann ihm der gehrt. Weiterhin kann das Gericht als Groe Kammer mit
Gerichtshof der EU ein Zwangsgeld auferlegen. 13Richtern oder in Vollsitzung mit 28Richtern tagen, wenn
die Komplexitt bzw. Bedeutung der Rechtssache dies
3. NICHTIGKEITSKLAGEN rechtfertigt.
Wenn ein Mitgliedstaat, der Rat, die Kommission oder (unter
bestimmten Voraussetzungen) das Parlament einen Alle Klagen werden bei der Kanzlei am Gerichtshof
bestimmten Rechtsakt der EU fr rechtswidrig hlt, knnen eingereicht und einem bestimmten Richter und
sie beantragen, dass der Gerichtshof der EU ihn fr nichtig Generalanwalt zugewiesen. Auf die Einreichung folgen zwei
erklrt. Eine solche Nichtigkeitsklage kann auch von Phasen: ein schriftliches und ein mndliches Verfahren. In
Privatpersonen eingebracht werden, um vom Gerichtshof der ersten Phase legen alle beteiligten Parteien dem fr die
der EU die Aufhebung eines bestimmten Rechtsakts zu Rechtssache zustndigen Richter eine schriftliche
fordern, der sie als Person unmittelbar beeintrchtigt. Erklrung den Schriftsatz vor. Der Richter erstellt
daraufhin einen Bericht, in dem er diese Schriftstze und
4. UNTTIGKEITSKLAGEN die rechtlichen Grundlagen des Falls zusammenfasst.
Das Europische Parlament, der Rat und die Kommission Dieser Bericht wird bei der Vollversammlung des
sind durch den Vertrag verpflichtet, unter gewissen Gerichtshofs der EU errtert, die entscheidet, welchem
Umstnden bestimmte Entscheidungen zu treffen. Wenn sie Spruchkrper die Rechtssache zugewiesen wird und ob eine
dies unterlassen, knnen die Mitgliedstaaten, die anderen mndliche Verhandlung erforderlich ist. Die zweite Phase ist
EUInstitutionen und (unter bestimmten Umstnden) die ffentliche Anhrung. Bei der Anhrung tragen die
Einzelpersonen oder Unternehmen beim Gerichtshof der EU Anwlte beider Parteien ihre Ausfhrungen den Richtern
Beschwerde einlegen, um die Unttigkeit offiziell feststellen und dem Generalanwalt vor. Diese knnen die Anwlte
zu lassen. befragen. Nach der mndlichen Verhandlung fertigt der
Generalanwalt, dem die Rechtssache zugewiesen wurde, ein
Gutachten an. Vor dem Hintergrund dieses Gutachtens
So funktioniert der Gerichtshof der EU erarbeitet der Richter einen Urteilsentwurf, der den anderen
Richtern zur Prfung vorgelegt wird. Anschlieend beraten
Der Gerichtshof verfgt ber 28Richter, einer aus jedem sich die Richter und erlassen ihr Urteil. Die Urteile des
Mitgliedstaat, so dass alle nationalen Rechtsordnungen der Gerichtshofs der EU werden mit Stimmenmehrheit
EU vertreten sind. Dem Gerichtshof stehen neun beschlossen und in ffentlicher Sitzung verkndet. In den
Generalanwlte zur Seite, die in den beim Gerichtshof meisten Fllen liegt der Wortlaut in allen Amtssprachen der
anhngigen Rechtssachen mit Grnden versehene EU am selben Tag vor. Abweichende Meinungen werden
Gutachten vorlegen. Dies mssen sie ffentlich und nicht bekannt gegeben.
unparteilich tun. Bei den Richtern und Generalanwlten
handelt es sich entweder um ehemalige Mitglieder der Nicht alle Rechtssachen werden nach diesem
hchsten nationalen Gerichte oder um hoch kompetente Standardverfahren behandelt. Je nach Dringlichkeit einer
Juristen, die nachweislich unparteilich sind. Sie werden von Rechtssache gibt es vereinfachte und beschleunigte
den Regierungen der Mitgliedstaaten in gegenseitigem Verfahren, die es dem Gerichtshof der EU ermglichen,
Einvernehmen fr eine Amtszeit von sechs Jahren ernannt. innerhalb von rund drei Monaten zu entscheiden.
Die Richter des Gerichtshofs whlen aus ihrer Mitte einen
Prsidenten fr die Dauer von drei Jahren. Je nach
Komplexitt und Bedeutung der Rechtssache kann der
Gerichtshof in Vollsitzung, als Groe Kammer (13Richter)
oder in Kammern mit fnf oder sechs Richtern tagen. Knapp
60% der Rechtssachen werden von Kammern mit fnf
Richtern und etwa 25% von Kammern mit drei Richtern
verhandelt.
26 S O F U N K T I O N I E R T D I E E U R O P I S C H E U N I O N

Die Europische Zentralbank

Hterin der Preisstabilitt


Aufgabe: Erhaltung der Preisstabilitt und Gestaltung der Whrungspolitik im EuroRaum
Mitglieder: die Zentralbanken der EUMitgliedstaaten im EuroRaum
Sitz: Frankfurt am Main, Deutschland
XX [Link]

Mario Draghi ist seit 2011


Prsident der Europischen
Zentralbank.

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Aufgabe der Europischen Zentralbank (EZB) ist die
Erhaltung der Whrungsstabilitt im EuroRaum durch Wie sorgt die EZB fr Preisstabilitt?
Gewhrleistung mglichst stabiler Verbraucherpreise. Die EZB legt die Zinsstze fest, zu denen sich die
Stabile Preise und eine niedrige Inflation gelten als Geschftsbanken Geld leihen. Dies hat Auswirkungen
entscheidend fr ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum, auf den Preis und die Menge des im Wirtschafts
da sie fr Unternehmen Anreize fr Investitionen und die system im Umlauf befindlichen Geldes und somit
Schaffung von Arbeitspltzen sind was wiederum den auf die Inflationsrate. Sind beispielsweise groe
Lebensstandard der Brgerinnen und Brger in Europa Geldmengen in Umlauf, so kann die Inflationsrate der
erhht. Die EZB ist ein unabhngiges EUOrgan. Sie fllt Verbraucherpreise steigen, wodurch sich Waren und
ihre Entscheidungen, ohne Weisungen von Regierungen Dienstleistungen verteuern. Daraufhin kann die EZB
oder anderen EUInstitutionen einzuholen oder die Kosten fr Finanzierungen erhhen, indem sie den
entgegenzunehmen. Zinssatz fr ihre Darlehen an Geschftsbanken
anhebt. Dies wiederum verringert die im Umlauf
befindliche Geldmenge und fhrt zu einem geringeren
Was die EZB tut Preisdruck. Soll die Wirtschaftsttigkeit hingegen
angeregt werden, so kann die EZB ihren Zinssatz
Die EZB wurde 1998 mit der Einfhrung des Euro senken, um Kreditvergaben und Investitionen zu
gegrndet und ist fr die Whrungspolitik im EuroRaum frdern.
zustndig. Vorrangiges Ziel der EZB ist die Erhaltung der
Preisstabilitt. Diese wird definiert als ein Anstieg der
Verbraucherpreise um knapp unter 2% im Jahr. Darber
hinaus trgt die EZB mit ihrer Ttigkeit zur Frderung der
Beschftigung und eines nachhaltigen
Wirtschaftswachstums in der EU bei.
I hr W egweiser zu den E U - I ns t i t u t i o nen
27

Zur Durchfhrung ihres Kreditgeschfts hlt und verwaltet XXDer Erweiterte Rat des Europischen Systems der
die EZB die offiziellen Whrungsreserven der Mitglieder Zentralbanken setzt sich aus den Prsidenten der
des EuroRaums. Im Rahmen ihrer weiteren Aufgaben fhrt 28nationalen Zentralbanken sowie dem Prsidenten
die EZB Devisengeschfte durch, frdert effiziente und dem Vizeprsidenten der EZB zusammen.
Zahlungssysteme zur Untersttzung des Binnenmarkts,
genehmigt die Herstellung der EuroBanknoten durch die XXDas Direktorium der EZB besteht aus dem Prsidenten,
Mitglieder des EuroRaums und vergleicht einschlgige dem Vizeprsidenten und vier weiteren Mitgliedern, die
statistische Daten der nationalen Zentralbanken. Bei vom Europischen Rat mit qualifizierter Mehrheit fr
wichtigen hochrangigen EUSitzungen und auf eine Amtszeit von acht Jahren ernannt werden. Das
internationaler Ebene wird die EZB durch ihren Prsidenten Direktorium ist fr die Durchfhrung der
vertreten. Whrungspolitik zustndig, fhrt die Tagesgeschfte der
Bank, bereitet die Sitzungen des EZBRates vor und bt
bestimmte, vom EZBRat erteilte Befugnisse aus.
So funktioniert die EZB
XX Der Rat der Europischen Zentralbank (EZBRat) besteht
Die Europische Zentralbank ist ein Organ der Wirtschafts- aus den sechs Mitgliedern des Direktoriums und den
und Whrungsunion (WWU), der alle EUMitgliedstaaten Prsidenten der nationalen Zentralbanken der
angehren. Der Beitritt zum EuroRaum und die bernahme 19Mitglieder des EuroRaums: Diese bilden zusammen
der gemeinsamen Whrung des Euro stellt die letzte das EuroSystem. Der EZBRat ist das hchste
Phase der WWU dar. Nicht alle EUMitgliedstaaten gehren Entscheidungsgremium der EZB und tritt zweimal im
dem EuroRaum an: Einige bereiten ihre Wirtschaft noch Monat zusammen. Grundstzlich beurteilt der EZBRat
auf einen Beitritt vor, andere haben sich vorlufig gegen auf seiner ersten monatlichen Sitzung die wirtschafts-
eine Beteiligung entschieden. Die EZB steht im Zentrum des und whrungspolitischen Entwicklungen und trifft seine
Europischen Systems der Zentralbanken, in dem die EZB monatlichen whrungspolitischen Entscheidungen. Auf
und die nationalen Zentralbanken aller EUMitgliedstaaten seiner zweiten Sitzung errtert der EZBRat vor allem
zusammenarbeiten. Der Aufbau der EZB spiegelt diese Fragen im Zusammenhang mit anderen Aufgaben und
Situation in ihren drei Hauptgremien wider: Zustndigkeiten der EZB.
28 S O F U N K T I O N I E R T D I E E U R O P I S C H E U N I O N

Wirtschaftliche Steuerung (Governance): Bankenaufsicht


Wer tut was?
Als Reaktion auf die Wirtschaftskrise wacht die EZB nun
Die Wirtschafts- und Whrungsunion (WWU), der
auch darber, dass die Banken sicher und zuverlssig
alle EUMitgliedstaaten angehren, ist ein
arbeiten. Die Schwche einiger groer Banken und die
Kernelement der europischen Integration. Die
Unterschiede bei Regelungen und Kontrollen zwischen den
Fiskalpolitik (Steuern und Ausgaben) bleibt in den
Lndern zhlten zu den Hauptauslsern der Krise. Die
Hnden der einzelstaatlichen Regierungen, ebenso
neuen EU-Bankenvorschriften enthalten strengere
wie die Arbeits- und Sozialpolitik. Eine Koordinierung
Bedingungen fr Banken, insbesondere in Bezug auf die
der ffentlichen Haushalte und der Strukturpolitik
geforderten Rcklagen. Im Rahmen des einheitlichen
ist fr eine effektive Funktionsweise der WWU
Aufsichtsmechanismus (SSM) werden die bedeutenden
jedoch unerlsslich. Die Zustndigkeiten sind
Kreditinstitute direkt von der EZB beaufsichtigt, die weniger
zwischen den Mitgliedstaaten und den
bedeutenden von den zustndigen nationalen Behrden
EUInstitutionen folgendermaen aufgeteilt:
(nach einem einheitlichen Verfahren). Alle Lnder des
XX Der Europische Rat macht die zentralen Euro-Raums nehmen am SSM teil. Andere EU-
politischen Vorgaben. Mitgliedstaaten knnen sich freiwillig anschlieen.

XX Der Rat koordiniert die EUWirtschaftspolitik


und fllt Entscheidungen, die fr einzelne
EULnder bindend sein knnen.

XX Die EUMitgliedstaaten verabschieden ihre


nationalen Haushalte innerhalb vereinbarter
Defizit- und Schuldengrenzen und legen ihre
Politik etwa in den Bereichen Arbeitsmarkt und
Sozialleistungen selber fest.

XX Die Lnder des EuroRaums koordinieren die


Vorgehensweise in Politikbereichen, die von
gemeinsamem Interesse fr den EuroRaum
sind; auf Ebene der Staats- und Regierungschefs
tun sie dies auf EuroGipfeln, auf Ebene der
Finanzminister in der EuroGruppe.

XX Die Europische Zentralbank legt die


Whrungspolitik fr den EuroRaum fest, wobei
das Hauptziel die Preisstabilitt ist.

XX Die Europische Kommission berwacht die


Manahmen der EUMitgliedstaaten und gibt
politische Empfehlungen ab.

XX Das Europische Parlament ist zusammen


mit dem Rat fr die Ausarbeitung von
Rechtsakten zustndig und bt eine
demokratische Aufsicht ber den Prozess der
wirtschaftlichen Steuerung aus.

XX Der Europische Stabilittsmechanismus ist


eine Finanzinstitution der Lnder des Euro-
Raums und hat die Aufgabe, Euro-Lnder zu
untersttzen, die in ernsthaften finanziellen
Schwierigkeiten stecken oder von solchen
Schwierigkeiten bedroht sind. In den Jahren
2011-2013 hat der sogenannte
Rettungsschirm fnf Euro-Lndern bei der
berwindung der weltweiten Wirtschaftskrise
geholfen.
I hr W egweiser zu den E U - I ns t i t u t i o nen
29

Der Europische Rechnungshof

Beitrag zur Verbesserung des Finanzmanagements der EU


Aufgabe: 
Kontrolle der ordnungsgemen Erhebung und Verwendung der EUMittel und Beitrag
zur Verbesserung des Finanzmanagements der EU
Mitglieder: eines aus jedem EUMitgliedstaat
Sitz: Luxemburg
XX [Link]

Der Europische Rechnungshof ist der unabhngige externe und in anderen Lndern statt, sowohl bei den
Rechnungsprfer der Europischen Union. Er kontrolliert, ob Organisationen, die die Mittel verwalten, als auch bei den
die Einknfte der Union korrekt eingegangen sind, ob die Begnstigten. Die Ergebnisse werden in Jahres- und
Ausgaben ordnungsgem gettigt wurden und ob das Sonderberichten verffentlicht, in denen Kommission und
Finanzmanagement solide ist. Er fhrt seine Aufgaben Mitgliedstaaten auf festgestellte Fehler und Probleme
unabhngig von den anderen EUInstitutionen und den aufmerksam gemacht werden und Empfehlungen erhalten.
Regierungen der Mitgliedstaaten aus. Hierdurch trgt der
Rechnungshof seinen Teil zu einer besseren Verwendung der Eine weitere zentrale Aufgabe des Europischen
EUMittel zum Wohle der europischen Brgerinnen und Rechnungshofs besteht darin, die fr den Haushalt
Brger bei. zustndigen Organe (das Europische Parlament und den
Rat) durch Vorlage eines Berichts ber das jeweils
abgeschlossene Haushaltsjahr zu untersttzen. Die
Was der Europische Rechnungshof tut Ergebnisse und Schlussfolgerungen in diesem Bericht
spielen eine wichtige Rolle fr den Entlastungsbeschluss
Die Hauptaufgabe des Rechnungshofs besteht darin, die des Parlaments ber die Haushaltsfhrung der
einwandfreie Ausfhrung des Haushaltsplans der EU also Kommission.
die Recht- und Ordnungsmigkeit ihrer Einnahmen und
Ausgaben zu kontrollieren und ein solides Auf Ersuchen der anderen EUInstitutionen gibt der
Finanzmanagement zu gewhrleisten. Seine Arbeit hilft Europische Rechnungshof auerdem Stellungnahmen zu
somit, dass die EU effektiv und effizient verwaltet wird. Im neuen oder berarbeiteten EUVorschriften ab, die
Rahmen seines Mandats fhrt der Rechnungshof finanzielle Auswirkungen haben. Zudem kann er in eigener
eingehende Prfungen bei allen fr die Einnahmen und Initiative Positionspapiere zu sonstigen Themen
Ausgaben der EU zustndigen Stellen durch. Solche verffentlichen.
Prfungen finden auch direkt in den EUMitgliedstaaten

Finanzkontrolleure mssen prfen, wofr


die EUGelder im Einzelnen ausgegeben
werden; dabei knnen auch die Angaben
auf den Ohrmarken von Khen ntzlich
sein.
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30 S O F U N K T I O N I E R T D I E E U R O P I S C H E U N I O N

So funktioniert der Europische Der Europische Rechnungshof ist in Kammern unterteilt,


Rechnungshof die die Entwrfe von Berichten und Stellungnahmen des
Rechnungshofs ausarbeiten. Die Kammern werden durch
Der Europische Rechnungshof arbeitet als Kollegialorgan hoch qualifizierte Mitarbeiter aus allen Mitgliedstaaten
mit 28Mitgliedern, einem je EULand. Die Mitglieder untersttzt. Die Rechnungsprfer fhren hufig
werden vom Rat nach Anhrung des Europischen Prfbesuche bei den anderen EUInstitutionen, in den
Parlaments fr eine Amtszeit von sechs Jahren ernannt, Mitgliedstaaten und in anderen Lndern durch, die
die verlngert werden kann. Die Mitglieder werden EUMittel erhalten. Darber hinaus arbeitet der
aufgrund ihrer Kompetenz und Unabhngigkeit ausgewhlt Rechnungshof eng mit den obersten Rechnungsbehrden in
und sind ausschlielich fr den Europischen den Mitgliedstaaten zusammen. Die Arbeit des
Rechnungshof ttig. Aus ihrer Mitte whlen sie den Rechnungshofs betrifft in erster Linie den EUHaushalt, fr
Prsidenten fr drei Jahre. den letztlich die Kommission verantwortlich ist; Fakt ist
jedoch, dass in der Praxis mehr als 80% der EUAusgaben
Um seine Aufgabe effektiv erfllen zu knnen, muss der gemeinsam mit den nationalen Behrden verwaltet
Europische Rechnungshof wie jede andere oberste werden.
Prfungsbehrde von den Institutionen, die er prft,
vllig unabhngig sein. Er entscheidet nach eigenem Der Europische Rechnungshof kann selbst keine
Ermessen ber die Prfungsthemen, den jeweiligen rechtlichen Schritte unternehmen, deckt aber durch seine
Umfang und die jeweilige Herangehensweise und Arbeit Unregelmigkeiten, Schwchen und Verdachtsflle
bestimmt, in welcher Form und wann die Ergebnisse der von Betrug auf und unterrichtet die zustndigen
von ihm ausgewhlten Prfungen prsentiert und EUStellen, u.a. das Europische Amt fr
inwieweit seine Berichte und Stellungnahmen bekannt Betrugsbekmpfung (OLAF). Mithilfe seiner objektiven
gemacht werden. Dies sind wichtige Elemente der Berichte und Stellungnahmen prgt der 1977 gegrndete
Unabhngigkeit. Rechnungshof entscheidend den Umgang mit
EUHaushaltsmitteln. Er erfllt damit seine Aufgabe als
unabhngiger Wahrer der finanziellen Interessen der
Brgerinnen und Brger der Europischen Union.
I hr W egweiser zu den E U - I ns t i t u t i o nen
31

Der Europische Wirtschafts- und


Sozialausschuss

Die Stimme der Zivilgesellschaft


Aufgabe: Vertretung der organisierten Zivilgesellschaft
Mitglieder: 353 aus allen EUMitgliedstaaten
Sitz: Brssel
XX [Link] [Link]

Der Europische Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) Sondierungsstellungnahmen auf Anfrage der europischen
ist eine beratende Einrichtung der Europischen Union. Er Gesetzgeber, wenn diese einen berblick ber die
bildet ein einzigartiges Forum fr Konsultation, Dialog und Ansichten der Zivilgesellschaft bentigen, und
Konsensfindung zwischen Vertretern aller Sektoren der verffentlicht Informationsberichte zu spezifischen Fragen.
organisierten Zivilgesellschaft, darunter Arbeitgeber Etwa 170Stellungnahmen legt der Ausschuss jhrlich vor,
organisationen, Gewerkschaften und andere Gruppen wie rund 15% davon auf eigene Initiative.
Berufs- und andere Verbnde, Jugendorganisationen,
Frauengruppen, Verbrauchervereinigungen, Umweltschtzer
und viele mehr. Die Mitglieder des EWSA sind nicht So funktioniert der EWSA
weisungsgebunden und vertreten das allgemeine Interesse
der Union. Als Bindeglied zwischen den EUOrganen und Dem EWSA gehren 353 Mitglieder aus den 28 EU-
den europischen Brgerinnen und Brgern frdert der Mitgliedstaaten an. Die Mitglieder stammen aus den
EWSA eine strker auf Partizipation und Inklusion verschiedensten wirtschaftlichen und sozialen Bereichen
ausgerichtete und daher demokratischere Gesellschaft in und verfgen ber eine enorme Bandbreite an Wissen und
der Europischen Union. Erfahrung. Sie werden auf Vorschlag ihrer Mitgliedstaaten
vom Rat der Europischen Union fr fnf Jahre ernannt und
arbeiten unabhngig fr den EWSA im Interesse aller
Was der EWSA tut EU-Brgerinnen und -Brger. Die Mitglieder sind nicht
ausschlielich in Brssel ttig, sondern behalten zumeist
Der EWSA hat drei Hauptaufgaben: ihren Arbeitsplatz im Herkunftsland, wodurch sie mit den
Menschen dort in Kontakt bleiben.
XXEr untersttzt das Europische Parlament, den Rat und
die Europische Kommission. Die EWSA-Mitglieder sind intern in drei Gruppen organisiert:
Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Verschiedene
XXErsorgt dafr, dass die Ansichten der Organisationen Interessen. Das Ziel besteht darin, einen Konsens zwischen
der Zivilgesellschaft in Brssel Gehr finden und dort diesen Gruppen herzustellen, damit die EWSA-
das Bewusstsein fr die Auswirkungen des EU-Rechts Stellungnahmen auch tatschlich die wirtschaftlichen und
auf das Leben der EU-Brgerinnen und -Brger sozialen Interessen der EU-Brgerinnen und -Brger
geschrft wird. widerspiegeln. Der EWSA whlt aus seiner Mitte einen
Prsidenten und zwei Vizeprsidenten fr die Dauer von
XXEr untersttzt und strkt die organisierte zweieinhalb Jahren. Die Mitglieder des EWSA treten neun
Zivilgesellschaft sowohl innerhalb als auch auerhalb Mal jhrlich in Brssel zu Vollsitzungen zusammen, bei
der EU. denen Stellungnahmen mit einfacher Mehrheit
angenommen werden. Die Vorarbeiten zu den Vollsitzungen
Der EWSA muss laut den Vertrgen zu zahlreichen Fragen bernehmen die folgenden sechs Fachgruppen und eine
vom Europischen Parlament, vom Rat und von der Kommission, die von Ausschussmitgliedern geleitet und vom
Kommission obligatorisch gehrt werden. Daneben kann Generalsekretariat des EWSA (Sitz in Brssel) untersttzt
der Ausschuss aus eigenem Entschluss Stellungnahmen werden:
abgeben, wenn er dies zur Verteidigung der Interessen der
Zivilgesellschaft fr wichtig hlt. Er erstellt auch
32 S O F U N K T I O N I E R T D I E E U R O P I S C H E U N I O N

Die Sicherung der


Energieversorgung ist fr alle
Europerinnen und Europer ein
Thema ebenso wie fr die
zivilgesellschaftlichen
Organisationen im Europischen
Wirtschafts- und
Sozialausschuss.
Associated Press / Reporters

XXFachgruppe Wirtschafts- und Whrungsunion, Der EWSA verfolgt den Fortschritt der langfristigen
wirtschaftlicher und sozialer Zusammenhalt (ECO) EUStrategien ber einen Lenkungsausschuss und die
sogenannten Beobachtungsstellen, die die Umsetzung und
XXFachgruppe Binnenmarkt, Produktion und Verbrauch die Auswirkungen vor Ort berwachen. Diese Stellen
(INT) befassen sich mit nachhaltiger Entwicklung, dem
Arbeitsmarkt, dem Binnenmarkt und der Wachstumsstrategie
XXFachgruppeLandwirtschaft, lndliche Entwicklung, Europa 2020.
Umweltschutz (NAT)

XXFachgruppe Auenbeziehungen (REX) Beziehungen zu anderen Wirtschafts-


und Sozialrten
XXFachgruppe Beschftigung, Sozialfragen,
Unionsbrgerschaft (SOC) Der EWSA steht regelmig in Verbindung mit regionalen
und nationalen Wirtschafts- und Sozialrten in der EU. Bei
XXFachgruppe Verkehr, Energie, Infrastruktur und diesen Kontakten geht es hauptschlich um einen
Informationsgesellschaft (TEN) Informationsaustausch und die jhrliche gemeinsame
Errterung bestimmter Themen.
XXBeratende Kommission fr industriellen Wandel (CCMI)
I hr W egweiser zu den E U - I ns t i t u t i o nen
33

Der Ausschuss der Regionen

Die Stimme der Gebietskrperschaften


Aufgabe: Vertretung der Stdte und Regionen Europas
Mitglieder: 353 aus allen EUMitgliedstaaten
Sitz: Brssel
XX [Link]

Der Ausschuss der Regionen (AdR) ist eine beratende Einrichtung, EU reprsentieren. Es kann sich um Prsidenten einer
die aus Vertretern der regionalen und lokalen Regionalregierung, Abgeordnete von Regionalparlamenten,
Gebietskrperschaften Europas besteht. Er verleiht den Regionen Landrte oder Brgermeister groer Stdte handeln. Alle
Europas Gehr in den politischen Entscheidungsprozessen der EU Mitglieder mssen in ihrem Herkunftsland ein politisches Amt
und berprft, ob rtlichen Besonderheiten, Kompetenzen und bekleiden. Sie werden von den EURegierungen nominiert, sind
Bedrfnissen Rechnung getragen wird. Der Rat und die in ihrer politischen Arbeit jedoch vollkommen unabhngig. Sie
Kommission mssen den AdR in Angelegenheiten, die die lokalen werden vom Rat fr fnf Jahre ernannt, wobei eine
und regionalen Gebietskrperschaften betreffen zum Beispiel Wiederernennung zulssig ist. Den Prsidenten whlt der AdR
Regionalpolitik, Umweltschutz, Bildung und Verkehr anhren. aus den eigenen Reihen (fr die Dauer von zweieinhalb Jahren).

Die Mitglieder des AdR leben und arbeiten in ihrer Heimatregi-


Was der Ausschuss der Regionen tut on. Sie kommen fnf Mal jhrlich zu Vollsitzungen in Brssel
zusammen, auf denen die politischen Leitlinien des Ausschus-
Da etwa 75% der EURechtsvorschriften auf lokaler oder ses festgelegt und Stellungnahmen angenommen werden.
regionaler Ebene umgesetzt werden, ist ein Mitspracherecht Sechs Fachkommissionen, die sich aus AdRMitgliedern
lokaler und regionaler Vertreter bei der Entwicklung neuer zusammensetzen und mit den verschiedenen Politikbereichen
EUBestimmungen sinnvoll. Durch Einbindung der gewhlten befassen, bereiten die Vollsitzungen vor:
Vertreter, die die europischen Brger und ihre Anliegen vielleicht
am besten kennen, arbeitet der AdR fr eine demokratischere XXFachkommission fr Unionsbrgerschaft, Regieren,
und transparentere EU. institutionelle Fragen und Auenbeziehungen (CIVEX)

Die Kommission und das Europische Parlament mssen den XXFachkommission fr Kohsionspolitik (COTER)
AdR zu Gesetzesvorschlgen in Politikbereichen, die die lokalen
und regionalen Gebietskrperschaften unmittelbar betreffen XXFachkommission fr Wirtschafts- und Sozialpolitik
(zum Beispiel Zivilschutz, Klimawandel und Energie), konsultieren. (ECOS)
Sobald dem AdR ein Legislativvorschlag vorliegt, errtern ihn die
Mitglieder in einer Vollsitzung; gegebenenfalls nehmen sie ihn XXFachkommission fr Bildung, Jugend, Kultur und
dann mit einfacher Mehrheit an und geben eine Stellungnahme Forschung (EDUC)
ab. Kommission und Parlament sind zwar nicht verpflichtet, dem
Rat des AdR zu folgen, aber sie mssen den Ausschuss XXFachkommission fr Umwelt, Klimawandel und Energie
zumindest anhren. Findet diese Anhrung im Rahmen des (ENVE)
Gesetzgebungsverfahrens nicht ordnungsgem statt, hat der
AdR das Recht, beim Gerichtshof der EU Klage zu erheben. Der XXFachkommission fr natrliche Ressourcen (NAT)
Ausschuss kann auch auf eigene Initiative Stellungnahmen zu
aktuellen Fragen abgeben. Die Mitglieder des AdR sind auch in nationale Delegationen,
eine fr jeden Mitgliedstaat, unterteilt. Darber hinaus gibt
es interregionale Gruppen zur Frderung der
So funktioniert der Ausschuss grenzberschreitenden Zusammenarbeit sowie vier
derRegionen politische Gruppierungen.

Die Mitglieder des Ausschusses sind gewhlte Kommunal-


oder Regionalpolitiker, die die gesamte Bandbreite der
Aktivitten lokaler und regionaler Gebietskrperschaften in der
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Der Europische Brgerbeauftragte

Ihr Ansprechpartner fr Beschwerden


Aufgabe: Untersuchung von Fllen, in denen die Verwaltung versagt hat
Sitz: Straburg
XX [Link]

Der Europische Brgerbeauftragte untersucht damit diese das Problem aus der Welt schafft. Wird die
Beschwerden ber das Verwaltungshandeln der Angelegenheit bei seinen Untersuchungen nicht
EUInstitutionen. Er erhlt und prft Beschwerden von zufriedenstellend gelst, versucht der Brgerbeauftragte
EUBrgerinnen und -Brgern sowie von natrlichen oder soweit dies mglich ist, eine gtliche Einigung zu
juristischen Personen mit Wohnort oder Sitz in einem erzielen, die den Missstand abstellt und die Sache zur
Mitgliedstaat. Zufriedenheit des Beschwerdefhrers regelt. Falls dies
nicht gelingt, kann der Brgerbeauftragte Empfehlungen
zur Lsung des Problems unterbreiten. Sollte die
Was der Brgerbeauftragte tut betreffende Stelle seine Empfehlungen ablehnen, kann er
dem Europischen Parlament einen Sonderbericht
Der Brgerbeauftragte wird vom Europischen Parlament vorlegen.
fr fnf Jahre gewhlt; eine Wiederernennung ist zulssig.
Durch die Entgegennahme und die Untersuchung von Auf der Internetseite des Brgerbeauftragten findet sich
Beschwerden trgt der Brgerbeauftragte dazu bei, ein praktischer Leitfaden zur Einreichung einer
Missstnde in der Verwaltungsttigkeit der EUInstitutionen Beschwerde.
aufzudecken also Flle, in denen eine Institution etwas
angeblich nicht richtig oder gar nicht getan hat. Beispiele
fr solche Missstnde:

XXungerechte Behandlung,

XXDiskriminierung,

XXMachtmissbrauch,

XXNichterteilung oder Verweigerung von Ausknften,

XXunntige Verzgerungen,

XXfehlerhafte Verfahren.

Unionsbrger und Personen mit Wohnsitz in einem


EUMitgliedstaat sowie in der EU niedergelassene
EU

Organisationen und Unternehmen knnen beim


Brgerbeauftragten Beschwerde einlegen. Der
Brgerbeauftragte befasst sich nur mit Beschwerden ber In ihrer Funktion als Brgerbeauftragte geht Emily O'Reilly
Institutionen der EU, nicht mit solchen ber nationale, Beschwerden gegen die EUVerwaltung nach.
regionale oder lokale Behrden oder Stellen. Er ist in seiner
Ttigkeit vollkommen unabhngig und unparteilich und
darf von keiner Regierung und keiner Organisation
Weisungen anfordern oder annehmen.

Hufig muss der Brgerbeauftragte einfach nur die


betroffene Stelle ber eine Beschwerde in Kenntnis setzen,
I hr W egweiser zu den E U - I ns t i t u t i o nen
35

Der Europische Datenschutzbeauftragte

Schutz Ihrer Privatsphre


Aufgabe: Schutz persnlicher Daten, wenn die EUInstitutionen damit arbeiten
Sitz: Brssel
XX [Link]

Im Rahmen ihrer Ttigkeit mssen die EUInstitutionen Was der EDSB tut
unter Umstnden personenbezogene Informationen ber
Brger und Einwohner der EU speichern und verarbeiten Das Tagesgeschft des EDSB verteilt sich auf zwei
(elektronisch oder anders). Der Europische Verwaltungseinheiten: Die Mitarbeiter des Bereichs
Datenschutzbeauftragte (EDSB) hat darauf zu achten, dass berwachung und Durchsetzung prfen die Einhaltung
dabei die persnlichen Daten und die Privatsphre der der Datenschutzbestimmungen durch die EUInstitutionen,
Menschen geschtzt werden; gleichzeitig soll er den whrend die Mitarbeiter des Bereichs Politik und
EUInstitutionen bewhrte Vorgehensweisen nahelegen. Beratung den Unionsgesetzgeber in Fragen des
Datenschutzes auf verschiedenen Politikfeldern und im
Zusammenhang mit neuen Rechtsvorschriften beraten.
Was der Europische Darber hinaus befasst sich der EDSB mit neuen
Datenschutzbeauftragte tut Technologien, die fr den Datenschutz relevant sein
knnten.
Die Nutzung personenbezogener Daten von
Unionsbrgerinnen und -brgern zum Beispiel Name, Wer meint, dass eine EUInstitution bei der Verarbeitung
Anschrift, Angaben zum Gesundheitszustand oder zum seiner personenbezogenen Daten seine Rechte verletzt hat,
beruflichen Werdegang durch die EUInstitutionen ist kann beim Europischen Datenschutzbeauftragten
durch strenge europische Vorgaben geregelt. Der Schutz Beschwerde einlegen. Ein entsprechendes Formular steht
dieser Daten stellt ein Grundrecht dar. Jede EUInstitution auf der Internetseite des EDSB zur Verfgung.
hat einen Datenschutzbeauftragten, der ber die Einhaltung
der Vorschriften wacht; beispielsweise drfen Daten nur aus
ganz bestimmten und zulssigen Grnden verarbeitet
werden. Des Weiteren hat derjenige, dessen Daten
verarbeitet werden, bestimmte einklagbare Rechte, wie etwa
das auf Berichtigung der Daten. Aufgabe desEDSB ist es,
die Datenschutzmanahmen und-regelungen der
EUInstitutionen zu kontrollieren und dafr zu sorgen, dass
sie hchsten Anforderungen gengen. Auerdem befasst
sich der EDSB mit Beschwerden und fhrt Untersuchungen
durch. Zuseinenweiteren Aufgaben gehren:

XXdieberwachung der Verarbeitung personenbezogener


Daten durch die EUVerwaltung;

XXdieBeratung in politischen und juristischen Fragen, die


den Schutz der Privatsphre betreffen;

XXdie Zusammenarbeit mit Datenschutzbehrden in den


Mitgliedstaaten, um einen kohrenten Datenschutz
sicherzustellen.
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Die Europische Investitionsbank

Investitionen in die Zukunft


Aufgabe: langfristige Bereitstellung von Geldern fr Projekte, die einen Bezug zur EU haben
Anteilseigner: die EUMitgliedstaaten
Verwaltungsrat: ein Vertreter aus jedem Mitgliedstaat plus die Europische Kommission
Sitz: Luxemburg
XX [Link]

Die Europische Investitionsbank (EIB) ist die Bank der Die EIB verfgt ber das bestmgliche Rating (AAA).
Europischen Union und gehrt den Mitgliedstaaten. Ihre Gewhnlich decken ihre Darlehen bis zu 50% der
Aufgabe besteht darin, Darlehen zur Finanzierung von Projektkosten. Sie funktioniert als Katalysator, indem sie
Projekten zu gewhren, die die Ziele der Union untersttzen, Mittel anderer Geldgeber mobilisiert. Darlehen ber 25Mio.
z.B. in den Bereichen Energie- und Verkehrsnetze, vergibt sie direkt an ffentliche und private
kologische Nachhaltigkeit und Innovation. Schwerpunkte der Krperschaften, z.B. Regierungen und Unternehmen. Im Fall
Ttigkeit der EIB sind die Schaffung neuer Arbeitspltze in niedrigerer Darlehen stellt die EIB Geschftsbanken und
Europa und die Steigerung des Wachstumspotenzials von anderen Geldinstituten Kreditlinien zur Verfgung, die die
Europa, die Frderung von Klimaschutzmanahmen sowie EIBMittel dann an mittelstndische Unternehmen bzw.
die Untersttzung der EUPolitik auerhalb der europischen ffentliche Kreditnehmer fr kleinere Projekte
Grenzen. weiterverleihen.

Innerhalb der EU verfolgt die EIB bei der Kreditvergabe


Was die EIB tut folgende Prioritten:

Als grter multilateraler Kreditnehmer und -geber bietet die XXInnovation und Qualifikation
EIB Finanzierungen und Knowhow fr solide und nachhaltige
Investitionsvorhaben, die meisten davon innerhalb der EU. XX Zugang zu Finanzmitteln fr kleine Unternehmen
EisenbahnHochgeschwindigkeitsstrecken, die Autobahnbrcke
bei Millau in Frankreich, Hochwasserschutzmanahmen in XXKlimaschutz

Venedig, Windparks im Vereinigten Knigreich, die


skandinavische resundBrcke, die UBahn in Athen und die XXTranseuropische Netze fr Verkehr, Energie und IT
Umweltsanierung der Ostsee sind nur einige der vielen
Tausend Projekte, die die EIB im Laufe der Jahre finanziert
hat.

Die EIB arbeitet nicht mit EUHaushaltsmitteln, sondern


finanziert sich durch die Ausgabe von Anleihen auf den
Kapitalmrkten weltweit. Im Jahr 2013 stellte die EIB
Darlehen in Hhe von 79 Mrd. fr 400Groprojekte in ber
60Lndern bereit davon 69 Mrd. in den
EUMitgliedstaaten und 10Mrd. auerhalb der EU, vor
allem in den Beitrittslndern, in den sdlichen und stlichen
Nachbarlndern Europas, in Afrika, in karibischen und
pazifischen Staaten sowie in Lateinamerika und Asien.
I hr W egweiser zu den E U - I ns t i t u t i o nen
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Der Bau einer neuen Eisenbahnstrecke ist ein Vorhaben, fr das die Europische Investitionsbank ein Darlehen gewhren kann.

So funktioniert die EIB Der Europische Investitionsfonds


Die EIB hlt die Mehrheit der Anteile am Europischen
Die EIB ist eine autonome Einrichtung. Ihre Beschlsse Investitionsfonds (EIF). Der EIF finanziert Investitionen
ber Darlehen und Anleihen fasst sie ausschlielich nach in kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die 99%
Beurteilung des Nutzens der einzelnen Projekte und der der europischen Unternehmen ausmachen und ber
Mglichkeiten auf den Finanzmrkten. Die EIB arbeitet mit 100Millionen Europer und Europerinnen
den anderen EUOrganen, insbesondere der Europischen beschftigen. Fr KMU ist es hufig schwierig, das
Kommission, dem Europischen Parlament und dem Rat, bentigte Kapital fr Investitionen und Wachstum zu
zusammen. beschaffen. Dies gilt insbesondere fr neu gegrndete
und kleine Unternehmen mit innovativen Produkten
Die Beschlsse der Bank werden von den folgenden oder Dienstleistungen also KMU mit genau jenem
Gremien gefasst: Unternehmergeist, den die EU frdern will. Der EIF
bedient diese Bedrfnisse mit Wagniskapital und
XXDer Rat der Gouverneure besteht aus Ministern (in der Risikofinanzierungsinstrumenten in Hhe von
Regel den Finanzministern) aller Mitgliedstaaten. Er legt mehreren Milliarden Euro jhrlich, die zum Teil in
die allgemeinen Richtlinien fr die Darlehensvergabe Partnerschaft mit der Europischen Kommission, den
fest. Geschftsbanken und anderen Geldgebern angeboten
werden.
XXDer Verwaltungsrat entscheidet ber die Gewhrung
von Darlehen und die Aufnahme von Anleihen. Er [Link]
besteht aus 29Direktoren, von denen 28 von den
Mitgliedstaaten und einer von der Europischen
Kommission ernannt werden; den Vorsitz fhrt der
Prsident der Bank.

XXDas Direktorium ist das auf Vollzeitbasis ttige


Exekutivorgan der Bank, das die laufenden Geschfte
fhrt.
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Die Agenturen und sonstigen Einrichtungen


der EU
Es gibt eine Reihe von spezialisierten Einrichtungen und Stellen Altersversorgung sowie die Europische Wertpapier- und
der Europischen Union, die die EUInstitutionen, die Marktaufsichtsbehrde.
Mitgliedstaaten sowie die Brgerinnen und Brger informieren
und beraten. Jede dieser Einrichtungen besitzt eine besondere Andere Einrichtungen untersttzen die EUMitgliedstaaten bei
fachliche, wissenschaftliche oder verwaltungstechnische der gemeinsamen Bekmpfung des organisierten
Aufgabe. Diese EUEinrichtungen lassen sich in verschiedene internationalen Verbrechens. Ein Beispiel hierfr ist Europol
Gruppen einteilen. mit Sitz im niederlndischen DenHaag, das
Strafverfolgungsbehrden aus den EUMitgliedstaaten eine
Plattform fr die Zusammenarbeit bietet. ber Europol knnen
Dezentrale Einrichtungen diese sich gegenseitig untersttzen, um die gefhrlichsten
kriminellen und terroristischen Netzwerke in Europa zu
Die dezentralen Einrichtungen unterliegen europischem identifizieren und zu verfolgen.
ffentlichem Recht, unterscheiden sich jedoch von den
EUOrganen (Rat, Parlament, Kommission usw.) und besitzen Drei Einrichtungen bernehmen sehr spezifische Aufgaben im
eine eigene Rechtspersnlichkeit. Da sich ihre Bros in Rahmen der gemeinsamen Auen- und Sicherheitspolitik der
verschiedenen europischen Stdten befinden, werden sie EU. Eine solche Einrichtung ist das Satellitenzentrum der
hufig als dezentrale Einrichtungen bezeichnet. Sie befassen Europischen Union im spanischen Torrejn de Ardoz. Mithilfe
sich u.a. mit juristischen und wissenschaftlichen der Daten von Erdbeobachtungssatelliten untersttzt es die
Fragestellungen. Beispiele sind das Gemeinschaftliche Entscheidungsfindung der EU in auen- und
Sortenamt im franzsischen Angers, das die Rechte an neuen sicherheitspolitischen Fragen.
Pflanzensorten regelt, oder die Europische Beobachtungs
stelle fr Drogen und Drogensucht im portugiesischen
Lissabon, die Informationen ber Drogen und Drogensucht EuratomAgenturen und -Einrichtungen
auswertet und verbreitet.
Auf der Grundlage des Vertrags zur Grndung der
Drei Aufsichtsbehrden tragen zur Durchsetzung der Europischen Atomgemeinschaft (Euratom) koordinieren
Bestimmungen fr Finanzinstitute und somit zur Stabilitt des diese Einrichtungen in den EUMitgliedstaaten
europischen Finanzsystems bei: die Europische Forschungsprojekte zur friedlichen Nutzung der
Bankenaufsichtsbehrde, die Europische Aufsichtsbehrde Kernenergie und sorgen fr eine ausreichende und sichere
fr das Versicherungswesen und die betriebliche Versorgung mit Kernenergie.

In ganz Europa mssen


Lebensmittel auf ihre
Unbedenklichkeit untersucht
werden; die Koordinierung
dieser Kontrollen ist Aufgabe
einer EUEinrichtung.
ImageGlobe
I hr W egweiser zu den E U - I ns t i t u t i o nen
39

Europische Stiftung fr Berufsbildung (ETF)


Exekutivagenturen
Europische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und
Die Exekutivagenturen gewhrleisten die praktische Arbeitsbedingungen (Eurofound)
Umsetzung der EUProgramme, z.B. die Bearbeitung von
Antrgen auf Finanzhilfen aus dem EUHaushalt. Sie werden Europische Umweltagentur (EUA)
fr einen bestimmten Zeitraum eingerichtet und mssen ihren
Standort am Sitz der Europischen Kommission also in Europische Verteidigungsagentur (EDA)
Brssel oder in Luxemburg haben. Ein Beispiel ist der
Europische Forschungsrat, der Projekte im Bereich der Europische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehrde (ESMA)
Grundlagenforschung europischer Forschergruppen finanziert.
Europisches Innovations- und Technologieinstitut (EIT)

Agentur der Europischen Union fr Grundrechte (FRA) Europisches Institut fr Gleichstellungsfragen (EIGE)

Agentur der Europischen Union fr Netz- und Europisches Polizeiamt (Europol)


Informationssicherheit (ENISA)
Europisches Untersttzungsbro fr Asylfragen (EASO)
Agentur fr das Europische GNSS (GSA)
Europisches Zentrum fr die Frderung der Berufsbildung
Agentur fr die Zusammenarbeit der (Cedefop)
Energieregulierungsbehrden (ACER)
Europisches Zentrum fr die Prvention und die Kontrolle
Ausschuss fr die einheitliche Abwicklung (SRB) von Krankheiten (ECDC)

EuratomVersorgungsagentur (ESA) Exekutivagentur Bildung, Audiovisuelles und Kultur (EACEA)

Eurojust Exekutivagentur des Europischen Forschungsrates (ERCEA)

Europische Agentur fr das Betriebsmanagement von Exekutivagentur fr die Forschung (REA)


ITGrosystemen im Raum der Freiheit, der Sicherheit und
des Rechts (eu-LISA) Exekutivagentur fr Innovation und Netze (INEA)

Europische Agentur fr die operative Zusammenarbeit an Exekutivagentur fr kleine und mittlere Unternehmen
den Auengrenzen der Mitgliedstaaten der Europischen (EASME)
Union (Frontex)
Exekutivagentur fr Verbraucher, Gesundheit und
Europische Agentur fr die Sicherheit des Seeverkehrs (EMSA) Lebensmittel (Chafea)

Europische Agentur fr Flugsicherheit (EASA) Gemeinsames Unternehmen fr die Entwicklung der


Fusionsenergie (Fusion for Energy)
Europische Agentur fr Sicherheit und Gesundheitsschutz
am Arbeitsplatz (EUOSHA) Gemeinschaftliches Sortenamt (CPVO)

Europische ArzneimittelAgentur (EMA) Gremium Europischer Regulierungsstellen fr


elektronische Kommunikation (BEREC)
Europische Aufsichtsbehrde fr das Versicherungswesen
und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA) Harmonisierungsamt fr den Binnenmarkt (Marken, Muster
und Modelle) (HABM)
Europische Bankenaufsichtsbehrde (EBA)
Institut der Europischen Union fr Sicherheitsstudien
Europische Behrde fr Lebensmittelsicherheit (EFSA) (EUISS)

Europische Beobachtungsstelle fr Drogen und Satellitenzentrum der Europischen Union (EUSC)


Drogensucht (EMCDDA)
bersetzungszentrum fr die Einrichtungen der
Europische Chemikalienagentur (ECHA) Europischen Union (CdT)

Europische Eisenbahnagentur (ERA)


Alle Einrichtungen und Stellen der EU finden Sie im
Europische Fischereiaufsichtsagentur (EFCA)
Internet unter
Europische Polizeiakademie (CEPOL) XX [Link]/abouteu/agencies/index_de.htm
Weitere Informationen ber die Europische Union
DIE EU IM INTERNET
Informationen ber die Europische Union sind in allen Amtssprachen abrufbar unter: [Link]
BESUCHEN SIE UNS!
In ganz Europa gibt es Hunderte von rtlichen EUInformationszentren. Die Anschrift des
nchstgelegenen Zentrums finden Sie unter: [Link]
RUFEN SIE UNS AN ODER SCHREIBEN SIE UNS!
Europe Direct beantwortet Ihre Fragen ber die Europische Union. Sie erreichen diesen Dienst
ber die gebhrenfreie Rufnummer 0080067891011 (einige Mobilfunkbetreiber gewhren
keinen Zugang zu 00800-Nummern oder berechnen mglicherweise eine Gebhr) oder
gebhrenpflichtig von auerhalb der EU
+3222999696 bzw. per EMail ber [Link]
LESENSWERTES

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Fr Ausknfte und Verffentlichungen ber die Europische Union in deutscher Sprache wenden Sie sich bitte an:

VERTRETUNGEN DER Vertretung in sterreich Informationsbro fr Luxemburg


EUROPISCHEN KOMMISSION Haus der Europischen Union Europahaus
Vertretung in Deutschland Wipplingerstrae 35 7, rue du MarchauxHerbes
Unter den Linden 78 1010 Wien 2929 Luxembourg
10117 Berlin STERREICH LUXEMBURG
DEUTSCHLAND Tel. +43151618-0 Tel. +3524300-22597
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Internet: [Link]/deutschland EMail: commrepvie@[Link] EMail: epluxembourg@[Link]
EMail: eudekommission@[Link]
BROS DES Informationsbro fr sterreich
Vertretung in Bonn EUROPISCHEN PARLAMENTS Haus der Europischen Union
BerthavonSuttnerPlatz 2-4 Informationsbro fr Deutschland Wipplingerstrae 35
53111 Bonn Europisches Haus 1010 Wien
DEUTSCHLAND Unter den Linden 78 STERREICH
Tel. +49228530090 10117 Berlin Tel. +43151617-0
EMail: eudebonn@[Link] DEUTSCHLAND Internet: [Link]
Tel. +49302280-1000 EMail: EPWien@[Link]
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Bob-van-Benthem-Platz 1 EMail: EPBerlin@[Link]
80469 Mnchen
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Internet: [Link]/belgium Rue Wiertz 60
EMail: commrepbru@[Link] 1047 Bruxelles
BELGIEN
Vertretung in Luxemburg Tel. +3222842005
Europahaus Internet: [Link] Vertretungen der Europischen
7, rue du MarchauxHerbes EMail: epbrussels@[Link] Kommission und Bros des
1728 Luxembourg Europischen Parlaments bestehen auch
LUXEMBURG in den brigen Lndern der
Tel. +3524301-34925 Europischen Union. Delegationen der
Internet: [Link]/luxembourg Europischen Union bestehen in anderen
EMail: commreplux@[Link] Teilen der Welt.
Die Europische Union

Lefkosa

Mitgliedstaaten der Europischen Union (2014)

Kandidatenlnder und potenzielle Kandidaten


NA-04-14-810-DEC
Die Europische Union (EU) ist einzigartig: Weder ist sie eine Fderation wie die
Vereinigten Staaten von Amerika, denn ihre Mitglieder bleiben unabhngige,
souverne Staaten. Noch ist sie lediglich eine zwischenstaatliche Organisation, in der
Regierungen zusammenarbeiten, wie die Vereinten Nationen. Die Mitgliedstaaten der
EU bndeln vielmehr einige ihrer Hoheitsrechte, um gemeinsam sehr viel strker und
einflussreicher zu sein, als sie es einzeln wren.

Das Bndeln der Hoheitsrechte bedeutet, dass die Mitgliedstaaten gemeinsame


Beschlsse in Institutionen fassen, die von den Brgerinnen und Brgern der EU
gewhlt werden (Europisches Parlament) bzw. die die Regierungen der
Mitgliedstaaten vertreten (Europischer Rat und Rat). Diese Beschlsse basieren auf
Vorschlgen der Europischen Kommission, die den Interessen der EU als Ganzes
verpflichtet ist. Aber was tun diese Institutionen im Einzelnen? Wie arbeiten sie
zusammen? Wer ist wofr zustndig?

Diese Fragen werden hier beantwortet. Darber hinaus erhalten Sie einen berblick
ber die Einrichtungen und sonstigen Stellen, die in der EU mitarbeiten. Wir hoffen,
dass die vorliegende Broschre Ihnen ein ntzlicher Wegweiser durch die
Entscheidungsverfahren der Europischen Union ist.

ISBN 978-92-79-39907-7
doi:10.2775/10989
DIE EUROPISCHE
UNION ERKLRT

Ein digitaler
Binnenmarkt
Hindernisse
fr Europa
beseitigen
Online-Potenzial
ausschpfen
Es is t an d er Zeit , E ur o p a f it f r d as
d igit al e Zeit al t er zu m ac hen d ur c h
d ie Bes eit igun g r egul ier ungs b ed ingter
Bar r ier en f r On l in e-D ien s t e k nn t en
H und er t t aus en d e n eue Ar b eit s p l t ze
ges c haf fen wer d en .
INHALTSVERZEICHNIS

Warum wir einen digitalen


Binnenmarkt in Europa brauchen . . . . 3

Besserer Zugang zu digitalen


DIE EUROPISCHE Waren und Dienstleistungen fr
Verbraucher und Unternehmen in
UNION ERKLRT ganz Europa . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5

Das richtige Umfeld fr die


Diese Verffentlichung ist Teil einer Schriftenreihe, in Entwicklung digitaler Netze und
deren Rahmen die Aktivitten der EU in unterschiedlichen Dienste schaffen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
Politikfeldern, die Grnde und die Ergebnisse ihrer Ttigkeit
erlutert werden.
Schaffung einer europischen
Sie knnen die Verffentlichungen der Reihe digitalen Wirtschaft und
hier herunterladen: Gesellschaft mit
[Link] Wachstumspotenzial . . . . . . . . . . . . . 14
[Link] qf86pN
Weitere Informationen . . . . . . . . . . . . 16

Die Europische Union erklrt: Ein digitaler


Binnenmarkt fr Europa
So funktioniert die Europische Union
Europische Kommission
Zehn Prioritten fr Europa Generaldirektion Kommunikation
Die Grndervter der EU Brgerinformation
1049 Brssel
BELGIEN
Allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport War diese Verffentlichung hilfreich? Wir freuen uns
Banken und Finanzen ber Ihr Feedback:
Beschftigung und Soziales comm-publi-feedback@[Link]
Binnenmarkt
Letzte Aktualisierung: Juli 2016
Digitaler Binnenmarkt
Energie Deckblatt und Bild auf Seite 2:
Erweiterung [Link]/Voon Nam Fook
Forschung und Innovation 16 S. 21 29,7 cm
Gesundheitswesen
PDF ISBN 978-92-79-52476-9
Handel doi:10.2775/575620
Haushalt NA-04-15-798-DE-N
Humanitre Hilfe und Katastrophenschutz
Print ISBN 978-92-79-52454-7
Internationale Zusammenarbeit und Entwicklung doi:10.2775/10352
Justiz, Grundrechte und Gleichstellung NA-04-15-798-DE-C
Klimaschutz
Luxemburg: Amt fr Verffentlichungen der
Kultur und audiovisuelle Medien
Europischen Union, 2016
Landwirtschaft
Lebensmittelsicherheit Printed by Bietlot in Belgium
Meerespolitik und Fischerei
Europische Union, 2016
Regionalpolitik
Steuern Weiterverwendung mit Quellenangabe gestattet. Die
Umwelt Weiterverwendung von Dokumenten der Europischen
Verbraucher
Kommission ist durch den Beschluss 2011/833/EU (ABl. L 330
vom 14.12.2011, S. 39) geregelt. Fr die Benutzung oder den
Verkehr Nachdruck von Fotos, die nicht dem Copyright der EU unterstellt
Wettbewerb sind, muss eine Genehmigung direkt bei dem/den Inhaber(n) des
Wirtschafts- und Whrungsunion und der Euro Copyrights eingeholt werden.
Zoll
E in digi t aler B innenmark t f r E uropa
3

Warum wir einen digitalen Binnenmarkt in


Europa brauchen

Der EU-Binnenmarkt bietet den europischen Solche Barrieren sind beispielsweise intransparente und
Brgerinnen und Brgern sowie Unternehmen erhebliche unverhltnismig hohe Zustellungskosten,
Freiheiten und Rechte in der gesamten EU zu reisen, vorstzliches Geoblocking von Diensten (Beschrnkung
Handel zu treiben oder ttig zu sein. Diese Freiheiten auf ein Land oder eine Region), fehlende
fhren wiederum dazu, dass Innovationen das grte Internetanschlsse, mangelnde digitale Kompetenz oder
Wachstum und die grte Reichweite erzielen und die ein Flickenteppich voneinander abweichender Regeln in
Brgerinnen und Brger die umfangreichsten der EU. Aus welchem Grund auch immer den
Wahlmglichkeiten und Chancen haben. Europerinnen und Europern entgehen Chancen:

Jedoch ist heutzutage eine wachsende Zahl von Die Brgerinnen und Brger haben keinen
Produkten und Dienstleistungen digital oder online vollstndigen Zugriff auf das breite Spektrum an
verfgbar. Ob Sie sich nun einen Film ansehen oder ein Waren, Dienstleistungen, Produkten oder
Angebot fr einen ffentlichen Auftrag einreichen, Mglichkeiten, die das Internet bietet.
einkaufen oder studieren Sie tun dies wahrscheinlich
(oder htten die Mglichkeit dazu) mithilfe von Online- Der Aktionsradius von Internetunternehmen und
Tools. Start-ups ist begrenzt, und sie knnen nicht so
umfassende Geschfte treiben, wie sie dies gerne
In Europa gibt es nach wie vor Barrieren fr die Nutzung mchten dies bedeutet weniger Arbeitspltze und
solcher Online-Tools und-Dienstleistungen. Und das, weniger Innovation.
obwohl sich die EU bereits seit Jahrzehnten bemht,
diese zu beseitigen.

Menschen in der EU
Warum brauchen wir einen digitalen knnten jhrlich
Binnenmarkt?

FR DIE MENSCHEN 11,7


Mrd.
um Online-Einkufe leichter zu machen
um Waren und Dienstleistungen aus allen europischen Lndern online
erwerben zu knnen

FR DIE UNTERNEHMEN
einsparen, wenn ihnen beim
um einfacher Produkte online anbieten zu knnen Online-Einkauf ein umfassendes
um an 500Millioneneuropische Verbraucher online zu verkaufen Angebot an Waren und
Dienstleistungen aus der EU zur
Verfgung stnde.*

Was ist zu beachten, damit der digitale Binnenmarkt funktioniert?

Netzwerk Erleichterung der Logistik Online-Verbrau- Urheberrecht Probleme in Zahlungssysteme


sicherheit Einrichtung cherrechte Bezug auf Daten
* Studie der Europischen Kommission.
4 D I E E U R O P I S C H E U N I O N E R K L R T

Unternehmen im Binnenmarkt profitieren nicht von


hochwertigen digitalen Diensten.

Darum mssen wir einen digitalen Binnenmarkt in


Europa schaffen: Dies ist eine der zehn Prioritten der
Europischen Kommission.

Ein digitaler Binnenmarkt bedeutet weniger Schranken


und mehr Chancen. Er ist ein hindernisfreier Raum, der
Menschen und Unternehmen das Leben erleichtert, weil
sie hier sicher und zu erschwinglichen Kosten Handel
treiben, innovieren und Rechtsgeschfte abschlieen
knnen. Er ermglicht Unternehmen, die neuen
Technologien uneingeschrnkt zu nutzen, und
insbesondere kleine Unternehmen knnen die gesamte
EU mit einem einzigen Klick erreichen. Dies knnte mit
415Mrd. jhrlich zu unserer Wirtschaftsleistung
beitragen und Hunderttausende neue Arbeitspltze
hervorbringen.

Die Kommission legte ihre Strategie fr einen digitalen


Binnenmarkt im Mai 2015 vor. Diese Strategie besteht
aus einem Paket mit 16 neuen Gesetzen und
Manahmen. Die Kommission wird bis Ende 2016 fr
alle Elemente konkrete Vorschlge machen. Die Hlfte
davon wurde vor dem Sommer 2016 vorgestellt. Das
Europische Parlament und der Ministerrat werden ber
neue Vorschriften entscheiden mssen. Die Manahmen
gliedern sich in drei Hauptsulen: Gewhrleistung des
Zugangs, Sicherstellung der richtigen
Rahmenbedingungen fr Online-Innovation in Europa
und Gewhrleistung, dass alle europischen Brger,
Unternehmen und Regierungen den grtmglichen
Nutzen aus dem digitalen Wandel ziehen knnen.

Es geht um modernere und einheitlichere


Rechtsvorschriften in Bereichen wie Verbraucherschutz,
Copyright und Online-Kufe.
E in digi t aler B innenmark t f r E uropa
5

Besserer Zugang zu digitalen Waren und


Dienstleistungen fr Verbraucher und
Unternehmen in ganz Europa

Das Potenzial des elektronischen Handels ausschpfen

15% der Verbraucher haben 2014 online im europischen Ausland eingekauft; 44% taten dies im eigenen Land.

Verbraucher in der EU knnten jhrlich 11,7Mrd. einsparen, wenn ihnen beim Online-Einkauf ein
umfassendes Angebot an Waren und Dienstleistungen aus der EU zur Verfgung stnde.

Nur 7% der KMU sind im internationalen Online-Handel in der EU ttig.

Kleinere Online-Anbieter, die in einem anderen EU-Land ttig werden wollen, mssen rund 9000 an zustzlichen Kosten fr
Anpassungen an die jeweiligen nationalen Rechtsvorschriften investieren.

Wenn in allen EU-Mitgliedstaaten die gleichen Regeln fr den elektronischen Handel glten, wrden 57% der Unternehmen ihre
Produkte auch in anderen EU-Lndern online anbieten oder ihr Online-Angebot erweitern.

Erschwingliche Gegen das Geoblocking


Versandkosten
52% der Versuche, im Ausland einzukaufen, scheitern daran,
Fr mehr als 90% der dass die Waren oder Dienstleistungen des betreffenden
Online-Kunden sind niedrige Anbieters nicht im Land des
Versandkosten bei Einkufen im Internet ebenso wichtig wie Verbrauchers verfgbar sind.
die Mglichkeit, Artikel problemlos umtauschen zu knnen. GEO
Geoblocking
62% der Unternehmen, die am elektronischen Handel Weniger Kunden bedeuten auch BLOCKED
interessiert sind, weisen auf das Problem zu hoher weniger Einnahmen fr
Versandkosten hin. Unternehmen.

Vereinfachung der Mehrwertsteuer-Vorschriften


Kleine Online-Anbieter, die im EU-Ausland ttig werden wollen, mssen sich darauf einstellen, dass ihnen fr die Einhaltung der
Mehrwertsteuervorschriften pro Mitgliedstaat jhrlich mindestens 5000 an Kosten entstehen.

Modernisierung des Urheberrechts


1 von 3 Europern mchte bei Aufenthalten im Ausland Diese Chance mssen wir nutzen:
Zugang zu Audio- oder Video-Inhalten aus dem Heimatland Internetnutzerinnen und-nutzer
haben. interessieren sich am meisten fr Bilder,
Filme, Musik und Spiele. Bei den Ausgaben
1 von 5 Europern mchte Zugang zu fr Unterhaltung und Medien werden in
Audio- oder Video-Inhalten aus anderen den kommenden fnf Jahren
EU-Lndern haben. Wachstumsraten im zweistelligen
Prozentbereich (rund 12%) erwartet.
6 D I E E U R O P I S C H E U N I O N E R K L R T

Erleichterung des grenzberschreitenden DIE GRENZBERSCHREITENDE PAKETZUSTELLUNG


elektronischen Handels ERSCHWINGLICHER UND EFFIZIENTER MACHEN

Die Kommission hat einen Plan vorgelegt, der auf drei Die Kommission hat Rechtsvorschriften vorgeschlagen,
Schwerpunkte abzielt, nmlich den Online-Handel die mehr Preistransparenz und eine bessere
anzukurbeln, indem gegen das Geoblocking Regulierungsaufsicht bei den grenzberschreitenden
vorgegangen wird, die grenzberschreitende Paketzustelldiensten bringen sollen. Verbraucher und
Paketzustellung erschwinglicher und effizienter zu Einzelhndler knnen dadurch von gnstigeren Tarifen
gestalten und fr mehr Vertrauen durch einen besseren und praktischen Rcksendemglichkeiten auch dann
Schutz der Verbraucher und eine bessere Durchsetzung profitieren, wenn Sendungen in abgelegene Randgebiete
der geltenden Vorschriften zu sorgen. gehen oder aus diesen verschickt werden.

Verbraucher und kleine Unternehmen beklagen, dass


GEOBLOCKING UND ANDERE FORMEN VON Probleme mit der Paketzustellung und insbesondere die
DISKRIMINIERUNG AUFGRUND DER hohen Preise sie davon abhalten, mehr in anderen
STAATSANGEHRIGKEIT ODER DES WOHNSITZES Mitgliedstaaten zu kaufen bzw. mehr dorthin zu
VERHINDERN verkaufen. Die Tarife, die Postdienstbetreiber fr den
Versand eines kleinen Pakets in einen anderen
Die Kommission hat eine Rechtsvorschrift (Verordnung) Mitgliedstaat verlangen, sind nicht selten bis zu fnfmal
vorgeschlagen, die gewhrleisten soll, dass Verbraucher, hher als die entsprechenden Inlandstarife und stehen
die Dienstleistungen oder Waren in einem anderen in keinem vernnftigen Verhltnis zu den tatschlichen
Mitgliedstaat online oder vor Ort erwerben wollen, nicht Kosten.
durch unterschiedliche Preise, Verkaufs- oder
Zahlungsbedingungen diskriminiert werden, sofern dies Mit der Verordnung wird der Wettbewerb durch mehr
nicht aus objektiven und nachprfbaren Grnden, wie Preistransparenz stimuliert. Die Kommission schlgt
dem Mehrwertsteuerrecht oder Vorschriften zum Schutz keine Obergrenze fr Zustelltarife vor. Die
des Gemeinwohls, gerechtfertigt ist. Preisregulierung wird nur bei einem Versagen des
Wettbewerbs als letztes Mittel eingesetzt. Die
Wenn ein Kunde in einem anderen EU-Land einen Laden Kommission wird 2019 ber die bis dahin erzielten
betritt, verlangt der Inhaber auch nicht, dass sich der Fortschritte Bilanz ziehen und dann beurteilen, ob
Kunde ausweist, damit er einem Verkauf zustimmt oder weitere Manahmen erforderlich sind.
den Preis oder die Konditionen danach gestalten kann.
Im Internet werden Verbrauchern allzu hufig Angebote Dank der Verordnung liegen den nationalen Postdienst-
aus anderen Lndern vorenthalten. Sie werden zu einer Regulierungsstellen die Daten vor, die sie brauchen, um
landesspezifischen Website umgeleitet oder zur die grenzberschreitenden Mrkte zu berwachen und
Bezahlung mit einer Debit- oder Kreditkarte aus einem um zu prfen, ob die Preise erschwinglich und
bestimmten Land aufgefordert. Eine derartige kostenorientiert sind. Die Verordnung wird auch
Diskriminierung hat im Binnenmarkt keinen Platz. wettbewerbsfrdernd wirken, da sie vorschreibt, dass
Dritte einen transparenten und nichtdiskriminierenden
Der bereits in der Dienstleistungsrichtlinie festgelegte Zugang zu grenzberschreitenden Paketzustelldiensten
Grundsatz der Nichtdiskriminierung wurde von der und Infrastrukturen erhalten sollen. Die Kommission
Kommission u.a. fr Autovermietungen und wird mit der Verffentlichung der Tariflisten von
Vergngungsparks angewendet. Nun gibt es mehr Universaldienstanbietern fr mehr Wettbewerb unter
Rechtssicherheit fr Unternehmen und Verbraucher, die den Anbietern und fr mehr Preistransparenz sorgen.
wissen wollen, welche Praktiken erlaubt sind und welche
nicht. Mit dieser Verordnung wird dafr gesorgt, dass Der Vorschlag bildet eine Ergnzung zu den
fr online oder offline gehandelte Waren und Selbstregulierungsinitiativen, mit denen
Dienstleistungen Rechtssicherheit herrscht und die Postdienstbetreiber die Qualitt und
dafr mageblichen Vorschriften auch durchgesetzt Kundenfreundlichkeit von grenzberschreitenden
werden knnen. Paketzustelldiensten verbessern mchten.

Damit Unternehmen nicht bermig belastet werden,


wird mit dieser Verordnung keine Verpflichtung zu einer
EU-weiten Zustellung eingefhrt. Zudem sind kleine,
unter einem nationalen Umsatzsteuer-Schwellenwert
liegende Unternehmen von bestimmten Vorschriften
ausgenommen.
E in digi t aler B innenmark t f r E uropa
7

MODERNES VERTRAGSRECHT FR DIE ONLINE- Rechtssicherheit und unternehmensfreundliche


WIRTSCHAFT, UM VERBRAUCHER, DIE ONLINE IN DER Rahmenbedingungen: Heute mssen Unternehmen Zeit
EU EINKAUFEN, BESSER ZU SCHTZEN UND DEN und Geld dafr aufwenden, die Bestimmungen von
UNTERNEHMEN DEN VERKAUF BER DAS INTERNET Kaufvertrgen an die Vorschriften des Mitgliedstaats
LEICHTER ZU MACHEN anzupassen, in den sie verkaufen. Nach den
vorgeschlagenen neuen Regeln werden sie nicht lnger
Die Kommission hat zwei Vorschlge angenommen: mit unterschiedlichen Rechtsvorschriften zu kmpfen
einen Vorschlag ber die Bereitstellung digitaler Inhalte haben, sondern digitale Inhalte und Waren online in der
(z.B. Musikdateien im Streaming) und einen ber den gesamten EU nach einem einheitlichen Kernbestand von
Online-Handel mit Waren ([Link]). Beide Vertragsregeln verkaufen knnen.
Vorschlge gehen die wichtigsten Hindernisse fr den
grenzbergreifenden Online-Handel in der EU an: die Kostenersparnisse fr die Unternehmen: Derzeit
Fragmentierung auf dem Gebiet des kostet es jedes Unternehmen einmalig 9000, um
Verbrauchervertragsrechts mit entsprechend hohen vertragliche Bestimmungen an das innerstaatliche
Kosten fr insbesondere mittelstndische Vertragsrecht eines anderen Mitgliedstaats anzupassen.
Unternehmen und das niedrige Vertrauen der Dank der neuen EU-weiten Regeln knnte sich die
Verbraucher in Online-Kufe im Ausland. Ersparnis auf bis zu 243000 belaufen, wenn ein
Unternehmen in alle brigen 27Mitgliedstaaten
Die Verbraucher werden von einem besseren verkaufen wollte.
Verbraucherschutz, einer greren Auswahl und
wettbewerbsfhigeren Preisen profitieren:
DAS VERTRAUEN DER VERBRAUCHER IN DEN
Umkehr der Beweislast: Heute kann beispielsweise ein ONLINE-HANDEL STEIGERN
italienischer Verbraucher, der feststellt, dass ein
Produkt, das er vor mehr als sechs Monaten online im Neben neuen Vorschriften fr digitale Vertrge hat die
Ausland erworben hat, einen Defekt aufweist, und der Kommission eine berarbeitung der Verordnung ber
den Hersteller um Reparatur oder Ersatz ersucht, die Zusammenarbeit im Verbraucherschutz
aufgefordert werden nachzuweisen, dass der Defekt vorgeschlagen. Diese wird den nationalen Behrden
bereits zum Zeitpunkt der Lieferung vorlag. Nach den mehr Befugnisse fr eine bessere Durchsetzung von
neuen Vorschriften knnte der Verbraucher innerhalb Verbraucherrechten einrumen. Sie werden berprfen
der gesamten zweijhrigen Gewhrleistungsfrist um knnen, ob Verbraucher durch Geoblocking diskriminiert
Abhilfe ersuchen, ohne nachweisen zu mssen, dass der werden oder die fr den Kundendienst geltenden
Defekt bereits zum Zeitpunkt der Lieferung vorlag. Bedingungen (z.B. das Rcktrittsrecht) mit EU-Recht
unvereinbar sind; anordnen, dass Websites mit
Klare und spezifische Rechte fr digitale Inhalte: betrgerischen Angeboten sofort gelscht werden;
Heute erhlt ein Verbraucher, der ein Spiel herunterldt, Informationen bei den Registrierstellen fr
das anschlieend nicht einwandfrei funktioniert, als Domainnamen und Banken anfordern, um die Identitt
Ausgleich mglicherweise nur einen Rabatt fr knftige des verantwortlichen Hndlers zu ermitteln.
Spielekufe. Wenn die vorgeschlagene Richtlinie
Geltungskraft erlangt, kann er auf der Behebung solcher Bei EU-weiten Versten gegen Verbraucherrechte kann
Mngel bestehen und andernfalls einen Rabatt fr das die Kommission knftig mit den nationalen
Produkt oder seine Rcknahme bei voller Erstattung des Durchsetzungsbehrden gemeinsame Manahmen
Kaufpreises erwirken. koordinieren, um diesen Praktiken Einhalt zu gebieten.
Sie wird dafr sorgen, dass ein fr die Mitgliedstaaten
Unternehmen werden digitale Inhalte und Waren online und Unternehmen zeit- und ressourcensparender
in der gesamten EU nach einheitlichen Vertragsregeln Verbraucherschutz betrieben wird.
verkaufen knnen:
8 D I E E U R O P I S C H E U N I O N E R K L R T

VEREINFACHUNG DER MEHRWERTSTEUER Da es sich um einen Verordnungsvorschlag handelt,


wird dieses Recht nach der Verabschiedung direkt in
Der Verwaltungsaufwand der Unternehmen, der sich allen 28EU-Mitgliedstaaten gelten.
aus unterschiedlichen Mehrwertsteuer-Regelungen
ergibt, wird ebenfalls verringert. Anbieter, die materielle Die Verordnung gilt unmittelbar: Die Mitgliedstaaten
Waren im EU-Ausland verkaufen, werden vom mssen die Vorschriften nicht erst in nationales Recht
elektronischen Registrierungs- und Zahlungsverfahren umsetzen. Ziel ist es, dass die Portabilitt fr die
profitieren knnen. Hinzukommen wird eine einheitliche europischen Verbraucher im Jahr 2017 Wirklichkeit
Mehrwertsteuer-Schwelle, die kleineren Start-ups beim wird.
Einstieg in den Online-Handel hilft.
Weitere zu ergreifende Initiativen wurden ferner im
Rahmen des im Dezember 2015 vorgelegten
Ein modernes, europischeres Aktionsplans zum Urheberrecht angekndigt. In einem
Urheberrecht zweiten Schritt wird die Kommission im Laufe dieses
Jahres vorschlagen, den Zugang zu Inhalten in der
Es wird ein modernes, europischeres Urheberrecht gesamten EU zu erleichtern (einschlielich einer
geschaffen. Auf diese Weise wird der Zugang der berprfung der Satelliten- und Kabelrichtlinie im
Menschen zu kulturellen Inhalten ber das Internet Zusammenhang mit der bertragung von
verbessert und somit auch die kulturelle Vielfalt Rundfunkdiensten ber Grenzen hinweg), Ausnahmen
gefrdert. Zugleich erffnen sich dadurch neue Chancen vom Urheberrecht im Hinblick auf eine innovative und
fr Urheber. inklusive Gesellschaft anzupassen (z.B. Ausnahme fr
Text- und Data-Mining zur Frderung von Forschung
Als ersten Schritt schlug die Kommission im Dezember und Innovation), einen gerechteren Markt zu schaffen
2015 vor, Brgern mit Wohnsitz in der EU zu gestatten, und Piraterie zu bekmpfen.
ihre zu Hause erworbenen oder abonnierten Online-
Inhalte Filme, Sportsendungen, Musik, elektronische
Bcher oder Spiele auf Reisen mitzunehmen. Die
grenzberschreitende Portabilitt, ein neues EU-
Verbraucherrecht, soll voraussichtlich im Jahr 2017
Wirklichkeit werden, damit die Europer ihre
Lieblingsinhalte ohne Angst vor Roaming-Gebhren
ansehen knnen, die Mitte 2017 abgeschafft werden
(das Ende der Roaming-Gebhren im Jahr 2017 wurde
von allen Organen der EU im vergangenen Jahr
vereinbart).
E in digi t aler B innenmark t f r E uropa
9

Das richtige Umfeld fr die Entwicklung


digitaler Netze und Dienste schaffen

Wirksamer europischer Datenschutz zur Frderung der digitalen Wirtschaft

72% der Internetnutzer in Europa befrchten nach wie vor, dass sie
online zu viele personenbezogene Daten angeben mssen.

Ausbau schneller Breitbandnetze fr alle


Schnelles Internet ist noch zu wenig verbreitet: Bei nur 22,5% Durch Reformen bei der Frequenzzuweisung knnen die Preise
aller Teilnehmeranschlsse handelt es sich um schnelle fr mobile Dienste gesenkt und die Produktivitt mittelfristig
Breitbandanschlsse (mit mehr als 30Mbit/s). Zudem verluft gesteigert werden (geschtzter EU-weiter Anstieg des BIP
die Einfhrung der neuesten Mobilfunktechnik der vierten zwischen 0,11% und 0,16% ber einen Zeitraum von
Generation (4G/LTE) nur schleppend, da geeignete Frequenzen fnfJahren).
fehlen.

59% Nur 59% der Europer, die in Stdten leben, haben die
Mglichkeit, 4G/LTE zu nutzen; auf dem Land sind es sogar
15% nur 15%.

Fr das [Link] taugliche EU- Im Einzelnen hat die Kommission Folgendes


Vorschriften fr den audiovisuellen vorgeschlagen:
Bereich
Verantwortungsvolle Video-Plattformen: Plattformen,
Die Kommission hat einen Vorschlag zur berarbeitung die groe Mengen an Videos organisieren und
der Richtlinie ber audiovisuelle Mediendienste (AVMD- markieren, mssen Minderjhrige vor schdlichen
Richtlinie) vorgelegt. Diese enthlt die gemeinsamen Inhalten (z.B. Pornografie und Gewalt) sowie alle Brger
Vorschriften, die seit nahezu 30Jahren fr audiovisuelle vor Aufstachelung zum Hass schtzen. Im Einzelnen
Medien gelten und die kulturelle Vielfalt sowie den vorgesehen sind Mechanismen, mit deren Hilfe die
freien Verkehr von Inhalten in der EU gewhrleisten. Nutzer schdliche Inhalte melden oder anzeigen knnen,
Heutzutage konsumieren Zuschauer Video-Inhalte nicht Altersberprfungssysteme bzw. Systeme zur
mehr ausschlielich ber das Fernsehen, sondern in elterlichen Kontrolle. Um sicherzustellen, dass die
zunehmendem Mae auch ber Video-Abrufdienste (wie Manahmen zukunftsfhig und wirksam sind, wird die
Netflix und MUBI) und Video-Plattformen (wie YouTube Kommission alle Video-Plattformanbieter einladen, im
und Dailymotion). Aus diesem Grund mchte die Rahmen einer Allianz fr einen besseren Schutz von
Kommission die Vorschriften, die heute fr traditionelle Minderjhrigen im Internet an einem Verhaltenskodex
Fernsehveranstalter, Video-Abrufanbieter und Video- fr die Branche mitzuarbeiten.
Plattformen gelten, ausgewogener gestalten,
insbesondere im Hinblick auf den Schutz von Kindern.
Die berarbeitung der Richtlinie wird auerdem die
kulturelle Vielfalt Europas strker frdern, die
Unabhngigkeit der fr audiovisuelle Medien
zustndigen Regulierungsstellen gewhrleisten und
Fernsehveranstaltern mehr Flexibilitt bei der Werbung
zugestehen.
10 D I E E U R O P I S C H E U N I O N E R K L R T

Eine Strkung der fr audiovisuelle Medien fr bestehende als auch fr neue, sowie die Schaffung
zustndigen Regulierungsstellen: Mit der Richtlinie eines wirksamen institutionellen Rahmens.
wird nun sichergestellt, dass die Regulierungsstellen
wirklich unabhngig von den Regierungen und der Die Kommission wird auf den jngst erzielten Erfolgen
Branche sind und ihre Aufgabe bestmglich bei der Abschaffung der Roaming-Gebhren und der
wahrnehmen knnen, nmlich dafr Sorge zu tragen, Einfhrung der Netzneutralitt in die EU-Gesetzgebung
dass die audiovisuellen Medien im Interesse der aufbauen.
Zuschauer handeln.
Gem den neuen EU-Vorschriften ber Netzneutralitt
Mehr europische Kreativitt: Derzeit investieren werden Europas Telekommunikationsbetreiber den
Fernsehveranstalter rund 20% ihrer Einnahmen in gesamten Internetverkehr gleich behandeln und den
selbst produzierte Inhalte, Anbieter von Abrufdiensten Vorrang fr bestimmte Dienste in ihrem Netz, die mehr
dagegen weniger als 1%. Die Kommission mchte, dass Kosten fr den Verbraucher bedeuten, rechtfertigen
die Fernsehveranstalter weiterhin mindestens die Hlfte mssen.
der Sendezeit fr europische Werke aufwenden.
Auerdem wird sie Anbieter von Abrufdiensten
verpflichten, in ihren Katalogen einen Mindestanteil ERNEUTE SENKUNG DER ROAMING-PREISE VOR DER
europischer Inhalte von 20% anzubieten. In dem ABSCHAFFUNG 2017
Vorschlag wird auerdem klargestellt, dass die
Mitgliedstaaten von in ihrem Land verfgbaren Seit dem [Link] 2016 ist das Telefonieren, Versenden
Abrufdiensten verlangen drfen, einen finanziellen von SMS oder Surfen im Internet in einem anderen
Beitrag zu europischen Werken zu leisten. Mitgliedstaat (Roaming) gnstiger als je zuvor. Die
Roaming-Gebhren sind erneut auf einen
Mehr Flexibilitt fr Fernsehveranstalter: Zuschauer, Rekordtiefstand gefallen und werden im Juni 2017
die von zu viel Fernsehwerbung genervt sind, knnen endgltig abgeschafft. Bei Reisen innerhalb der EU
auf werbefreie Online-Angebote umsteigen, die es noch zahlen die Nutzer mobiler Gerte lediglich einen
vor zehn Jahren nicht gab. Die berarbeiteten geringen Betrag zustzlich zu den Inlandspreisen: bis zu
Vorschriften fr die audiovisuellen Medien tragen diesen 0,05EUR pro Minute fr Anrufe, 0,02EUR pro SMS-
und weiteren neuen Gegebenheiten Rechnung. Durch die Nachricht und 0,05EUR pro Megabyte (ohne MwSt.).
berarbeitete Richtlinie erhalten Fernsehveranstalter Dies ist ein kurzer bergangszeitraum, da die Europer
mehr Flexibilitt in Bezug darauf, wann Werbung ab Mitte Juni 2017 die gleichen Preise bezahlen werden,
gezeigt werden darf: Die Obergrenze eines wenn sie ihr Mobiltelefon zu Hause oder anderswo in
Sendezeitanteils von 20% zwischen 7Uhr und 23Uhr der EU benutzen.
bleibt erhalten; anstelle der derzeit erlaubten
12Minuten pro Stunde knnen die Fernsehveranstalter
allerdings nun freier entscheiden, wann im Tagesverlauf ENTWICKLUNG DER NCHSTEN GENERATION DER
sie Werbung zeigen. KOMMUNIKATIONSNETZE, 5G

Diese verschiedenen Manahmen drften sich In Zukunft wird 5G das Kommunikationsnetz der
wirtschaftlich positiv auf die Anbieter von nchsten Generation von allen Menschen und Gerten
Mediendiensten insbesondere Fernsehveranstalter genutzt werden. Im Jahr 2020 wird es 26Milliarden
auswirken und ihre Fhigkeit steigern, in audiovisuelle vernetzte Gerte geben, und 70% der Menschen
Inhalte zu investieren. Dies ist wichtig fr die werden ein Smartphone besitzen. 5G wird nicht nur der
Wettbewerbsfhigkeit des audiovisuellen Sektors tragende Pfeiler des digitalen Binnenmarkts der EU sein,
derEU. sondern das Rckgrat der Industrien der Zukunft,
moderner ffentlicher Dienste und innovativer
Anwendungen wie vernetzter Fahrzeuge, intelligenter
Ein moderner Rechtsrahmen fr die Huser und mobiler Gesundheitsdienste. Um diese
Telekommunikation globale Herausforderung zu meistern, hat sich die EU
mit Sdkorea, Japan, China und Brasilien
Spter in diesem Jahr wird die Kommission eine zusammengetan, um die Zusammenarbeit in diesem
ehrgeizige berarbeitung des EU-Telekommunikations strategischen Bereich zu verstrken, damit es auf
rechts vorlegen. Dies umfasst eine wirksamere internationaler Ebene zu keiner Abschottung bei der
Koordinierung der Funkfrequenzen, die Schaffung von 5G-Entwicklung kommt.
Anreizen fr Investitionen in hochleistungsfhige
Breitbandnetze, die Gewhrleistung gleicher Mit der 5G-Technik wird sich vieles ndern, nicht nur fr
Ausgangsbedingungen fr alle Marktteilnehmer, sowohl Telekommunikationsunternehmen, sondern auch fr
E in digi t aler B innenmark t f r E uropa
11

Roaming bei Reisen in der EU


Ab dem [Link] 2017: keine zustzlichen Kosten
Ab dem [Link] 2016 gelten nationale Tarife + Aufschlge von hchstens

0,05 0,02 0,05

fr abgehende Anrufe pro SMS-Nachricht fr Daten (pro MB)


(pro Minute)

(Preise in Eurocent, ohne MwSt.)

eine ganze Reihe wichtiger Wirtschaftszweige. Deshalb Mobilfunkdienste vor. Mobilfunkbetreiber, die das
kommt es darauf an, diese Akteure zusammenzubringen 700-MHz-Band nutzen, werden so in der Lage sein, den
und den Aufbau des knftigen Marktes fr 5G-Produkte Verbrauchern hhere bertragungsgeschwindigkeiten
und Dienste zu untersttzen. Die Kommission forderte und hherwertige (d.h. unterbrechungsfreie)
Branchen wie Logistik, Verkehr, Energie, Gesundheit und Breitbandverbindungen anzubieten und grere Gebiete
digitale Fertigung dazu auf, gemeinsam an der zu versorgen, z.B. auch lndliche und entlegene
Aufstellung eines 5G-Aktionsplans zu arbeiten. Es ist Regionen. Dies wird Europa einen groen Schritt
wichtig, gemeinsam ber die notwendigen Manahmen, voranbringen und Breitbandgeschwindigkeiten jenseits
den Zeitplan und Investitionsanreize fr den Aufbau der der 100-Mbit/s-Marke ermglichen. Dadurch wird die EU
grundlegenden 5G-Infrastruktur in der EU zu jenen Regionen der Welt aufschlieen, die im
nachzudenken. Damit soll auf bereits geplanten EU- breitbandigen 4G-Mobilfunk fhrend sind (wie Sdkorea
Investitionen in die 5G-Forschung und Innovation oder die USA). Sobald dann bis 2020 konkrete
(700Mio. bis 2020) aufgebaut werden, sodass die 5G-Normen vorliegen sowie die entsprechenden
europischen Unternehmen im Jahr 2020 beginnen Technologien und Ausrstungen verfgbar sind, werden
knnen, 5G-Produkte und-Dienste anzubieten. die Mobilfunkbetreiber eine gute Ausgangsposition fr
die Einfhrung von 5G-Diensten haben. Weitere Schritte
Erst krzlich hat die Kommission einen wichtigen Schritt zur Koordinierung der Frequenznutzung in der EU sind
unternommen, um den Weg fr 5G-Netze in der EU zu als Teil der im Herbst2016 anstehenden Reform des
ebnen. Sie legte einen Vorschlag zur Koordinierung der EU-Telekommunikationsrechts vorgesehen.
Nutzung von Funkfrequenzen im 700-MHz-Band fr
12 D I E E U R O P I S C H E U N I O N E R K L R T

Mehr Schutz fr personenbezogene Daten

Verarbeitung der Daten nur nach


ausdrcklicher Einwilligung
Recht, Daten einem
anderen Diensteanbieter
Recht auf Berichtigung zu bertragen
undLschung von Daten Mehr und klarere
Automatisierte Informationen ber die
Datenverarbeitung nur sowie Recht auf
Vergessenwerden bei Verarbeitung
eingeschrnkt zulssig
alsGrundlage fr inderKindheit
Entscheidungen, erhobenen Daten
[Link] Leichterer Zugang zu den eigenen Daten

Recht auf Benachrichtigung bei Verletzung des Strengerer Schutz personenbezogener


Datenschutzes Daten auerhalb der EU

Neue Datenschutzbestimmungen Das Recht, zu erfahren, ob Daten gehackt wurden:


Unternehmen und Organisationen mssen z.B. die
Die EU hat im Jahr 2016 neue Datenschutzvorschriften nationale Aufsichtsbehrde so bald wie mglich ber
angenommen. schwere Verste gegen den Datenschutz informieren,
damit die Nutzer geeignete Manahmen ergreifen
Die neuen Vorschriften strken die bestehenden Rechte knnen.
und geben Einzelpersonen mehr Kontrolle ber ihre
personenbezogenen Daten. Im Mittelpunkt stehen Auf der Grundlage der neuen EU-Datenschutz
folgende Aspekte: vorschriften wird die Kommission eine berprfung der
e-Datenschutzrichtlinie einleiten.
Einfacherer Zugang zu den eigenen Daten: Es wird
besser ber die Art und Weise, wie die Daten verarbeitet
werden, informiert. Diese Informationen mssen klar Online-Plattformen
und verstndlich sein.
Online-Plattformen spielen eine entscheidende Rolle fr
Recht auf Datenbertragbarkeit: Personenbezogene Innovation und Wachstum im digitalen Binnenmarkt. Sie
Daten knnen einfacher von einem Anbieter auf einen haben den Zugang zu Informationen revolutioniert und
anderen bertragen werden. verbinden Kufer und Verkufer besser und effizienter
miteinander. Manahmen auf EU-Ebene sind
Eine Klrung des Rechts auf Vergessenwerden: erforderlich, damit die richtigen Rahmenbedingungen
Wenn die Betroffenen nicht mchten, dass ihre Daten geschaffen werden, um neue Innovatoren im Bereich
weiter verarbeitet werden, und es keine legitimen der Online-Plattformen anzulocken, zu halten und
Grnde fr deren Speicherung gibt, mssen die Daten wachsen zu lassen.
gelscht werden.
E in digi t aler B innenmark t f r E uropa
13

Die Kommission hat einen gezielten, auf Grundstzen Ein faires und innovationsfreundliches
basierenden Ansatz dargelegt, um Probleme zu lsen, Geschftsumfeld: Die Kommission wird eine
auf die die Teilnehmer der ffentlichen Konsultation der Bestandsaufnahme zu den Fragen durchfhren, die
Kommission whrend der einjhrigen Bewertung zu Unternehmen und Dienstleister, die direkt mit
Plattformen hingewiesen hatten. Die Kommission wird Plattformanbietern interagieren, in der ffentlichen
die Bemhungen der Branche und der Interessentrger Konsultation aufgeworfen haben. Dazu gehren z.B.
zur Selbst- und Koregulierung untersttzen, damit Bedenken wegen unfairer Geschftsbedingungen,
dieser Ansatz flexibel und zeitgem bleibt. Die insbesondere in Bezug auf den Zugang zu wichtigen
Handlungsbereiche sind die folgenden: Datenbanken, den Marktzugang und einen allgemeinen
Mangel an Transparenz. Auf dieser Grundlage wird die
Vergleichbare Regelungen fr vergleichbare digitale Kommission im Frhjahr 2017 ermitteln, ob in diesem
Dienste: Fr vergleichbare digitale Dienstleistungen Bereich zustzliche Manahmen auf EU-Ebene
sollten dieselben oder hnliche Vorschriften gelten, und notwendig sind.
die Kommission sollte mglichst den Umfang und das
Ausma der bestehenden Regulierung verringern. Die In ihrer Europischen Agenda fr die partizipative
Kommission wird diese Grundstze bei der laufenden Wirtschaft hat die Kommission auch Orientierungshilfen
berarbeitung des EU-Telekommunikationsrechts und zu geltenden EU-Rechtsvorschriften geliefert und den
der e-Datenschutzrichtlinie anwenden, so etwa bei der Mitgliedstaaten Empfehlungen unterbreitet.
Prfung der Frage, ob die Vertraulichkeitsvorschriften
sowohl fr Anbieter von elektronischen
Kommunikationsdiensten als auch fr traditionelle Eine Partnerschaft mit der Industrie
Telekommunikationsunternehmen gelten sollten. zum Thema Cybersicherheit

Verpflichtung von Online-Plattformen zu Einer neuen Untersuchung zufolge haben mindestens


verantwortungsvollem Handeln: Die bestehende 80% der europischen Unternehmen im letzten Jahr
Haftungsprivilegierung fr Vermittlungsdienste gem zumindest einmal mit einem Cybervorfall zu tun gehabt.
der e-Commerce-Richtlinie sollte beibehalten werden. Die Zahl der Sicherheitsvorflle in der gesamten
Spezifische Probleme werden mit gezielten Wirtschaft nahm 2015 weltweit um 38% zu. Dies
Instrumenten angegangen, z.B. mit den Vorschriften fr schadet den europischen Unternehmen, ob gro oder
den audiovisuellen Bereich oder das Urheberrecht sowie klein, und kann das Vertrauen in die digitale Wirtschaft
mit verstrkten freiwilligen Manahmen der Branche. untergraben. Im Rahmen ihrer Strategie fr einen
So hat die Kommission mit groen Online-Plattformen digitalen Binnenmarkt strebt die Kommission eine
an einem Verhaltenskodex zur Bekmpfung von verstrkte Zusammenarbeit an, und zwar sowohl ber
Hassreden im Internet gearbeitet. Lndergrenzen hinweg als auch zwischen allen Akteuren
und allen Sektoren, die im Bereich der Cybersicherheit
Ohne Vertrauen geht nichts: Durch aktiv sind. Auerdem will sie dazu beitragen, dass
grenzberschreitende Zusammenarbeit bei der berall in der EU innovative und sichere Technologien,
Rechtsdurchsetzung wird sichergestellt, dass die Produkte und Dienste entwickelt werden.
Plattformen ihren Verpflichtungen in Bezug auf die
Verbraucherrechte nachkommen und beispielsweise Deshalb stellte die Kommission im Juni 2016 eine
gesponserte Suchergebnisse klar kennzeichnen. Die ffentlich-private Partnerschaft mit der Industrie vor,
Kommission wird die Branche auch dazu aufrufen, ihre die bis 2020 Investitionen in Hhe von 1,8Mrd.
freiwilligen Bemhungen zur Bekmpfung von Praktiken mobilisieren soll.
wie falschen oder irrefhrenden Online-Bewertungen zu
verstrken. Die Kommission wird Online-Plattformen In der Partnerschaft werden auch Vertreter nationaler,
dazu anzuhalten, andere Arten der sicheren regionaler und lokaler ffentlicher Verwaltungen,
elektronischen Identifizierung (eID) anzuerkennen, die Forschungszentren und Hochschulen mitwirken. Ziele
die gleiche Gewhr bieten wie ihre eigenen der Partnerschaft sind die verstrkte Zusammenarbeit
Identifizierungssysteme. in den frhen Stadien des Forschungs- und
Innovationsprozesses und der Aufbau von
Offene Mrkte fr eine datengesteuerte Wirtschaft: Cybersicherheitslsungen fr verschiedene Sektoren
Die fr Ende 2016 geplante Initiative freier Datenfluss wieEnergie, Gesundheit, Verkehr und Finanzen.
wird den Wechsel und die bertragbarkeit von Daten
zwischen verschiedenen Online-Plattformen und
Cloud-Computing-Diensten vereinfachen.
14 D I E E U R O P I S C H E U N I O N E R K L R T

Schaffung einer europischen digitalen


Wirtschaft und Gesellschaft mit
Wachstumspotenzial
Big Data und Cloud-Computing

In der Cloud gespeicherte digitale Daten: 2013: 20% 2020: 40%


Wrden 100 der fhrenden Hersteller Big Data (Massendaten) nutzen, knnte dies zu
Einsparungen in Hhe von 425Mrd. fhren.

Studien zufolge knnte das Wirtschaftswachstum in der EU bis 2020 durch die Auswertung von Big Data zustzlich um 1,9%
gesteigert werden, was einem Anstieg des BIP um 206Mrd. entsprche.

Eine inklusive digitale Gesellschaft


Obwohl bereits in naher Zukunft fr 90% der Arbeitspltze Mit einer Strategie im ffentlichen Sektor nach dem Prinzip
ein gewisses Ma an IT-Kompetenzen erforderlich sein wird, Standardmig digital knnten jhrliche Einsparungen in
verfgt fast die Hlfte der EU-Brgerinnen und-Brger (47%) Hhe von rund 10Mrd. erzielt werden.
noch nicht ber ausreichende IT-Kompetenzen.

Digitalisierung der EU-Industrie Den freien Datenverkehr sicherstellen

Die Kommission hat Plne vorgestellt, wie sie die Zwar sind personenbezogene Daten durch EU-
Wirtschaft, KMU, Forschung und Behrden in der EU bei Vorschriften abgedeckt und geschtzt, fr andere Arten
der optimalen Nutzung der neuen Technologien zu von Daten gibt es jedoch keine klaren Leitlinien. Jede
untersttzen gedenkt. Sekunde werden groe Mengen an Daten erzeugt von
Menschen erstellt oder von Maschinen generiert, z.B.
Die Kommission prsentierte ein Manahmenpaket zur von Sensoren abgetastete Klimadaten, Satellitenbilder,
Untersttzung und Verknpfung nationaler Initiativen, digitale Bilder und Videos, Aufzeichnungen von
mit denen die Digitalisierung von Unternehmen aus Kaufvorgngen oder GPS-Signale. Sie stellen eine
allen Branchen und der entsprechenden Goldgrube fr Forschung, Innovation und neue
Dienstleistungen vorangebracht und gesttzt auf Geschftsmglichkeiten dar. Jedoch verbleiben die
strategische Partnerschaften und Netze neue Daten oft in teuren nationalen Datenzentren (z.B.
Investitionsanreize geschaffen werden sollen. Zudem aufgrund von Bestimmungen der Mitgliedstaaten, die
hat die Kommission konkrete Manahmen Daten in ihrem Hoheitsgebiet zu halten). Unntige
vorgeschlagen, um die Entwicklung gemeinsamer Beschrnkungen sollten beseitigt bzw. unterbunden
Normen in Schwerpunktbereichen, etwa fr werden. Die nationalen Systeme sollten besser
5G-Kommunikationsnetze, zu beschleunigen und die aufeinander abgestimmt werden, um einen besseren
ffentlichen Dienste zu modernisieren. Die Plne der Datenverkehr und die Entwicklung neuer
Kommission sehen u.a. als erstes Ziel die Einrichtung vielversprechender Technologien wie Cloud Computing
einer Europischen Cloud vor, mit der eine virtuelle und das Internet der Dinge zu ermglichen. Die
Umgebung geschaffen wird, in der Europas 1,7Millionen Kommission wird die verschiedenen rechtlichen und
Forscher und 70Millionen Fachkrfte in Wissenschaft technischen Hindernisse prfen, um anschlieend die
und Technologie eine gewaltige Menge an Manahmen zu deren berwindung festzulegen.
Forschungsdaten speichern, verwalten, auswerten und
wiederverwenden knnen.
E in digi t aler B innenmark t f r E uropa
15

Die richtigen Kompetenzen fr das


Digitalzeitalter

Die Kommission hat eine neue, umfassende


europische Kompetenzagenda verabschiedet. Die
Agenda soll gewhrleisten, dass Brgerinnen und Brger
vom frhesten Kindesalter an ein breites Spektrum von
Kompetenzen erwerben, sodass das Humankapital
Europas optimal genutzt wird, was wiederum
Beschftigungsfhigkeit, Wettbewerbsfhigkeit und
Wachstum in Europa frdert.

Als Teil dieser Agenda wird die Kommission die


Koalition fr digitale Kompetenzen und Arbeitspltze
ins Leben rufen, die es Akteuren aus den
Mitgliedstaaten, dem Bildungswesen, dem Arbeitsmarkt
und der Wirtschaft ermglichen soll, gemeinsam ein
groes Reservoir an IT-Fachkrften zu schaffen und
dafr zu sorgen, dass die Brgerinnen und Brger und
insbesondere die Arbeitskrfte in Europa ber
angemessene digitale Kompetenzen verfgen.
16

NA-04-15-798-DE-N
D I E E U R O P I S C H E U N I O N E R K L R T

Weitere Informationen

XX Die zehn Prioritten der Europischen Kommission: [Link]


XX Website zur Prioritt Digitaler Binnenmarkt: [Link]
XX Fragen zur Europischen Union? Europe Direct hilft Ihnen weiter:
00 800 6 7 8 9 10 11 [Link]

ISBN 978-92-79-52476-9
Europische Union (EU)
7

7.1Entstehung

Der Zweite Weltkrieg war fr Europa eine Zsur. Krieg als Mittel der Politik sollte
der Vergangenheit angehren, ein auf friedlicher Nachbarschaft grndender Inte-
grationsprozess die Zukunft des Kontinents sein. Die Motive fr die europische
Einigung waren Schmuck (2012, S.6) zufolge sowohl politischer als auch wirt-
schaftlicher Natur:

Gewhrleistung von Frieden und Sicherheit;


berwindung des Nationalismus;
Zugehrigkeit zu einer Wertegemeinschaft;
Einbindung Deutschlands durch deutsch-franzsische Freundschaft;
Strkung der nachbarschaftlichen Beziehungen;
Wiederaufbau wirtschaftlicher Strukturen;
Steigerung des wirtschaftlichen Wohlstandes.

Die EU nimmt im Verhltnis zu den anderen in diesem Band behandelten IGOs einen
breiteren Raum ein. Dies ist dem zunehmenden Einfluss der EU auf die Regierungen und
Verwaltungen sowie auf die Brgerinnen und Brger ihrer 28 Mitgliedstaaten geschuldet.

Springer Fachmedien Wiesbaden 2015 149


F. T. Furtak, Internationale Organisationen,
DOI 10.1007/978-3-658-00177-3_7
150 7 Europische Union (EU)

Zwei Lager mit unterschiedlichen europapolitischen Konzeptionen kristallisier-


ten sich nach 1945 heraus: Die Fderalisten und die Unionisten. Whrend sich
die Fderalisten am Modell der Vereinigten Staaten von Amerika orientierten und
einen Bundesstaat mit vollstndiger Abgabe von Souvernittsrechten favorisier-
ten, sprachen sich die Unionisten, allen voran Grobritannien, fr einen Staaten-
bund unter Beibehaltung nationalstaatlicher Souvernitt aus. Im Konzert der wi-
derstreitenden Interessen konnten sich die Unionisten mit der Grndung des Euro-
parates 1949 durchsetzen.1
Die Anhnger eines fderalistischen Europas konnten jedoch nur kurze Zeit
spter ebenfalls einen Erfolg verbuchen: Frankreich, in Gestalt seines Auenminis-
ters Robert Schumann, ebnete den Weg fr einen supranational ausgestalteten eu-
ropischen Integrationsprozess. Am 9. Mai 1950 prsentierte er seinen (eigentlich
auf Jean Monnet, dem Leiter des franzsischen Planungsamts zurckgehenden)
Plan fr die Grndung einer Europischen Gemeinschaft fr Kohle und Stahl
(EGKS). Dieser sah vor, die gesamte Kohle- und Stahlproduktion in Deutsch-
land und Frankreich einer gemeinsamen obersten Aufsichtsbehrde innerhalb ei-
ner Organisation zu unterstellen, die der Mitwirkung anderer Staaten offensteht.
Die Motive Frankreichs fr diesen weitreichenden Vorschlag waren vielschich-
tig: Deutschland, das ber eine groe Kohle- und Stahlproduktion verfgte, sollte
die Mglichkeit zur Wiederaufrstung und zum Aufbau einer neuen Militrmacht
genommen werden. Darber hinaus sollte, was insbesondere auch von den USA
gefordert wurde, Deutschland als gleichberechtigtes Mitglied in den europischen
Integrationsprozess eingebunden und schlielich der alte Gegensatz zwischen
Frankreich und Deutschland berwunden werden (Brunn 2009, S.70ff.; Mittag
2008, S.56f.).
Die Reaktionen auf den weitreichenden Vorschlag Schumanns konnten kaum
unterschiedlicher ausfallen. Bundeskanzler Konrad Adenauer signalisierte Zu-
stimmung, denn fr Deutschland hatte ein Beitritt zur EGKS zahlreiche Vorteile:
Zum einen gewann es internationale Akzeptanz und Handlungsfhigkeit zurck
und konnte als gleichberechtigter Partner am Aufbau eines vereinten Europa mit-
wirken, zum anderen konnte auf diese Weise die drohende Zerschlagung der Ruhr
industrie verhindert werden. Grobritannien hingegen lehnte den franzsischen
Vorsto vehement ab, da es nicht gewillt war, einem Vertragswerk zuzustimmen,
das die bertragung nationaler Souvernittsrechte auf eine gemeinsame suprana-
tionale Behrde vorsah (Mittag 2008, S.79). Damit blieb die britische Regierung
ihrer anti-fderalistischen Linie, die sie seit Ende des Zweiten Weltkriegs vertreten
hatte, treu.

1
Ausfhrlich zu den europischen Einigungsversuchen siehe Kap.9 zum Europarat.
7.1Entstehung 151

Am 20. Juni 1950 nahmen Frankreich, Deutschland sowie die dem Schumann-
Plan ebenfalls aufgeschlossen gegenberstehenden Lnder Italien, Belgien, die
Niederlande und Luxemburg Gesprche auf. Nach zhen Verhandlungen, insbe-
sondere ber die Kompetenzen der Hohen Behrde, unterzeichneten die sechs
Staaten am 18. April 1951 den Vertrag zur Errichtung der EGKS.
Nach der Ratifizierung durch die Grndungsstaaten trat der Vertrag am 23.
Juli 1952 in Kraft. Mit ihm wurden vier Behrden geschaffen: Die Hohe Behrde
(Vorlufer der heutigen Europische Kommission), der Ministerrat (Vorlufer des
heutigen Rates der EU), die Gemeinsame Versammlung (Vorlufer des heutigen
Europischen Parlaments) sowie ein Gerichtshof (Vorlufer des heutigen Europi-
schen Gerichtshofs).
Mit der auch als Montanunion bezeichneten EGKS wurden erstmals wenn
auch nur auf die Bereiche Kohle und Stahl beschrnkt Souvernittsrechte von
Nationalstaaten auf gemeinsame Organe einer supranationalen Organisation ber-
tragen.
Die EGKS sollte den ersten Grundstein fr eine weitere und vertiefte Gemein-
schaft unter Vlkern2 legen. Vom Willen geprgt, die Zusammenarbeit auf weite-
re Bereiche auszudehnen und das Scheitern der Europischen Verteidigungsge-
meinschaft (EVG) 1954 vergessen zu lassen, nahmen die sechs EGKS-Mitglieder,
allen voran der belgische Auenminister Paul-Henri Spaak, eine Weiterentwick-
lung der europischen Integration in den Blick. Auf einer Konferenz in Messina
vom 1.3. Juni 1955 einigten sich die Auenminister auf eine neue Initiative zur
wirtschaftlichen, atomaren und verkehrstechnischen Integration. Zwei Jahre lang
wurde verhandelt, bis ein Durchbruch erzielt werden konnte. Am 25. Mrz 1957
wurden in Rom die Vertrge zur Grndung einer Europischen Wirtschaftsge-
meinschaft (EWG) und einer Europischen Atomgemeinschaft (EAG) unter-
zeichnet. Der EWG-Vertrag sah in Art.2 die Errichtung eines gemeinsamen Mark-
tes und die schrittweise Annherung der Wirtschaftspolitiken der Mitgliedstaaten
vor; in Art.3 u.a. die Abschaffung der Zlle und mengenmigen Beschrnkun-
gen bei der Ein- und Ausfuhr von Waren. Damit wurde durch den EWG-Vertrag
de facto eine Zollunion geschaffen. Ziel des EAG-Vertrags war die zivile Nut-
zung der Atomenergie, die als unentbehrlich fr die Entwicklung und Belebung
der Wirtschaft angesehen wurde (Mittag 2008, S.107f.). Beide auch als Rmische
Vertrge bezeichneten Abkommen traten am 1. Januar 1958 in Kraft und waren
ebenfalls supranational ausgerichtet.
Im Fusionsvertrag vom 8. April 1965, der am 1. Juli 1967 in Kraft trat, wur-
den einheitliche Organe (Ministerrat, Kommission, Parlament) fr die drei Euro-

2
Aus der Prambel des EGKS-Vertrags, abgedruckt in Gasteyer (2005, S.90f.).
152 7 Europische Union (EU)

pischen Gemeinschaften (EGKS, EWG und EAG) geschaffen. Damit war die
Grundlage fr die durch den Reformvertrag von Maastricht (1993) gegrndete
und durch die Vertrge von Amsterdam (1999), Nizza (2003) und zuletzt Lissabon
(2009) weiterentwickelte Europische Union (EU) gelegt.
ber die Rechtsnatur der EU wird kontrovers diskutiert, weil sie sich kei-
ner Kategorie staatlicher Zusammenschlsse eindeutig zuordnen lsst. Sie weist
erstens Merkmale einer internationalen Organisation auf, wie UNO, NATO und
Europarat, insofern als auch sie durch einen vlkerrechtlichen Vertrag gegrn-
det worden ist und mit eigenen Organen (in Brssel, Straburg und Luxemburg),
Kompetenzen, finanziellen Mitteln und Personal ausgestattet ist. Zweitens eines
Staatenbundes (Konfderation), weil auch sie supranationale Organe besitzt,
denen die souvern gebliebenen Mitgliedstaaten einzelne politische Angelegen-
heiten bertragen haben. Drittens eines Bundesstaates, weil dessen strukturellen
Elemente Legislative, Exekutive und Judikative auf europischer Ebene (in Ge-
stalt von Rat, Europisches Parlament, Kommission und Europischer Gerichts-
hof) vorhanden sind. Von einer internationalen Organisation und einem Staaten-
bund unterscheidet sich die EU aber grundlegend dadurch, dass ihre Organe ver-
bindliches Recht fr die Mitgliedstaaten setzen. Im Unterschied zu einem Staat
hat die EU jedoch kein Staatsgebiet und kein Staatsvolk, die Brger ihrer Mit-
gliedstaaten aber immerhin eine von der nationalen Staatsbrgerschaft abgeleitete
Unionsbrgerschaft.
Das Bundesverfassungsgericht hat die EU in seinem Maastricht-Urteil vom
12. Oktober 1993 als Staatenverbund charakterisiert.3 Im Urteil zum Vertrag
von Lissabon vom 30. Juni 2009 spricht das Gericht ebenfalls von einem Staaten-
verbund, der eine enge, auf Dauer angelegte Verbindung souvern bleibender
Staaten umfasse.4 Will man der Schwierigkeit der eindeutigen Zuordnung der EU
Rechnung tragen, lsst sie sich am besten als Staatenverbindung sui generis be-
zeichnen.5

3
BVerfGE 89, 155 vom 12. Oktober 1993.
4
BVerfG, 2 BvE 2/08 vom 30. Juni 2009.
5
Zur ausfhrlichen Charakterisierung der EG/EU in der staatsrechtlichen und politikwissen-
schaftlichen Literatur siehe Furtak (2005, S.5160).
7.2Entwicklung 153

7.2Entwicklung

7.2.1Aufbau mit Hindernissen (19581972)6

Grobritannien hatte, wie erwartet, nicht nur den Beitritt zum EGKS-Vertrag, son-
dern auch zum EWG- und zum EAG-Vertrag abgelehnt und damit jeder Form von
Souvernittsbertragung auf eine supranationale Organisation eine Absage erteilt.
Stattdessen unterzeichneten die Briten 1959 mit Dnemark, Norwegen, sterreich,
Portugal, der Schweiz und Schweden einen Vertrag ber eine Europische Frei-
handelszone (European Free Trade Association EFTA), die eine wirtschaftliche
Zusammenarbeit ohne Abgabe von Souvernittsrechten beinhaltete.
Doch politische und wirtschaftspolitische Realitten London drohte die Iso-
lation und der britischen Wirtschaft schwerer Schaden zwangen Grobritannien
zur Kehrtwende. Unter Premierminister Harold MacMillan wurden 1961 Beitritts-
verhandlungen aufgenommen, die zunchst ein positives Echo hervorriefen. Doch
die britische Forderung nach Sonderregelungen und sogar nderungen der Ge-
meinschaftsvertrge fhrten rasch zu einer Ernchterung mit der Konsequenz, dass
Frankreich am 14. Januar 1963 durch seinen Staatsprsidenten Charles de Gaulle
ein Veto gegen den britischen Beitrittsantrag einlegte.
Innerhalb der Gemeinschaft wurden indes Fortschritte erzielt. 1962 einigte
man sich auf die ersten vier gemeinsamen Marktordnungen und die Einrichtung
des Europischen Ausrichtungs- und Garantiefonds fr die Landwirtschaft
(EAGFL). Frankreich und Deutschland schlossen am 22. Januar 1963 den Fran-
zsisch-Deutschen-Freundschaftsvertrag (Elyse-Vertrag) ab. Darin wurden
regelmige Konsultationen in der Wirtschafts-. Auen- und Verteidigungspolitik
sowie eine Zusammenarbeit in kulturellen Angelegenheiten und ein Jugendaus-
tausch vereinbart.
In eine kurzfristige Krise, geriet die Gemeinschaft als Frankreich vom 1. Juli
1965 bis 30. Januar 1966 die Sitzungen im damaligen Ministerrat boykottierte,
wodurch die EWG beschlussunfhig wurde. Hintergrund dieses als Politik des
leeren Stuhls in die europische Integrationsgeschichte eingegangenen Verhaltens
war, dass de Gaulle Plne der Kommission zur Finanzierung der gemeinsamen Ag-
rarpolitik sowie zum bergang von Konsens- zu Mehrheitsentscheidungen im Rat
ablehnte. Die Obstruktionspolitik Frankreichs endete erst mit dem Luxemburger
Kompromiss vom 29. Januar 1966, in dem sich die sechs Mitgliedstaaten darauf
einigten, dass bei kontroversen Entscheidungen im Ministerrat grundstzlich ein
Kompromiss anzustreben sei.

6
Zu den Ausfhrungen in den Kap.[Link].4 vgl. Mittag (2008) sowie Brunn (2009).
154 7 Europische Union (EU)

Mitte der 1960er Jahre rckte erneut Grobritannien in den Fokus der Europa-
politik. In der Erkenntnis, dass die EFTA-Mitgliedschaft die wirtschaftlichen Pro-
bleme des Landes nicht lsen kann, stellte der Premierminister Harold Wilson am
11. Mai 1967 den zweiten Beitrittsantrag Grobritanniens. Doch wenige Monate
spter, im November 1967, legte de Gaulle erneut sein Veto ein und sorgte damit
fr nachhaltigen Zwist unter den Mitgliedstaaten.
Erst unter dem Nachfolger de Gaulles, George Pompidou, kam es zu einer Neu-
ausrichtung der franzsischen EG-Politik. Auf dem Gipfeltreffen der Staats- und
Regierungschefs in Den Haag am 1./2. Dezember 1969 einigte man sich auf neue
Regelungen zur Finanzierung der Gemeinsamen Agrarpolitik, und Frankreich
signalisierte seine Zustimmung zur Aufnahme von Beitrittsverhandlungen nicht
nur mit Grobritannien, sondern auch mit Dnemark, Irland und Norwegen. Die
Verhandlungen fanden von 1970 bis 1972 statt und fhrten, trotz kontroverser
Standpunkte, insbesondere in Fragen der Fischereipolitik, zu einem erfolgreichen
Abschluss.

7.2.2Die EG zwischen Erweiterung und Vertiefung


(19731990)

Mit Ausnahme Norwegens, wo 53,9% in einem Referendum den Beitritt ablehn-


ten, traten Grobritannien, Irland und Dnemark zum 1. Januar 1973 den Europ-
ischen Gemeinschaften bei. Die erste Erweiterung, die sogenannte Norderweite-
rung, war damit erfolgreich abgeschlossen.
Auf Initiative von Bundeskanzler Helmut Schmidt und des franzsischen
Staatsprsidenten Valry Giscard dEstaing wurden 1974 die regelmigen Treffen
der Staats- und Regierungschefs institutionalisiert und die Bildung eines Europi-
schen Rates, der in den Rmischen Vertrgen nicht vorgesehen war, beschlossen.
Der Europische Rat, der erst mit der Einheitlichen Europischen Akte 1987 Ein-
gang in die EG-Vertrge fand und erst durch den Vertrag von Lissabon 2009 den
Status eines EU-Organs erhielt, sollte das wichtigstes Lenkungs- und Entschei-
dungsgremium der Gemeinschaft werden.
Mitte der 1970er Jahre begann eine Etappe in der europischen Integration, die
als Eurosklerose bezeichnet wurde. Grund hierfr war die Weltwirtschaftskrise
und in ihrem Gefolge das Bestreben vieler Mitgliedstaaten, selber mit der Krise
fertig zu werden und damit eine Renationalisierung der Wirtschaftspolitik zu ver-
folgen.
Ende der 1970er Jahre erfuhr das Europische Parlament (EP) eine wichtige
Aufwertung. Vom 7.10. Juni 1979 fanden erstmals Direktwahlen statt, womit
7.2Entwicklung 155

die Brgerinnen und Brger der Mitgliedstaaten direkt Einfluss auf dessen Zu-
sammensetzung nehmen konnten. Allerdings wurden dem EP trotz Legitimierung
durch direkte Wahlen lediglich Anhrungs- und keine Mitentscheidungsrechte ein-
gerumt.
Nach der Norderweiterung 1973 erfolgte die Sderweiterung mit den Beitrit-
ten Griechenlands (1981) sowie Spaniens und Portugals (1986). Alle drei Staa-
ten hatten sich zuvor ihrer autoritren Regime entledigt und sich zur Demokratie
hingewandt. Der Beitritt sollte sowohl die demokratischen Strukturen festigen als
auch die betrchtlichen wirtschaftlichen Probleme lsen helfen.
Das Jahr 1985 markierte den Beginn der Personenverkehrsfreiheit in Europa.
Am 14. Juni beschlossen Deutschland, Frankreich sowie die Benelux-Staaten mit
der Unterzeichnung des Schengener Abkommens den schrittweisen Abbau der
Personenkontrollen an den Binnengrenzen.
Ein erster wesentlicher Schritt zur Vertiefung der Integration erfolgte zum 1. Ja-
nuar 1987 mit dem Inkrafttreten der Einheitlichen Europischen Akte (EEA). Sie
stellte die erste umfassende nderung der Grndungsvertrge von EGKS, EWG
und EAG dar, insofern als sie die Vollendung des Europischen Binnenmarktes
zum 1. Januar 1993, eine Ausdehnung der Zustndigkeiten der Gemeinschaft auf
weitere Politikfelder (z.B. auf die Umweltpolitik) sowie eine Strkung der Rechte
des EP vorsah.
Mit dem Fall der Berliner Mauer im November 1989, der Wiedervereinigung
Deutschlands im Oktober 1990 sowie dem Zerfall der Sowjetunion (1990/1991)
sah sich die Gemeinschaft neuen Herausforderungen gegenber. Doch trotz dieser
historischen Ereignisse verlor insbesondere der damalige Kommissionsprsident
Jaques Delors die Vollendung des Binnenmarktes sowie die Schaffung einer Wirt-
schafts- und Whrungsunion nicht aus dem Blick. Schon im April 1989 war im
sogenannten Delors-Bericht festgehalten und im Juni durch den Europischen Rat
bekrftigt worden, dass die erste Stufe der Wirtschafts- und Whrungsunion
(WWU) mit einer Liberalisierung des Kapitalverkehrs, einer Strkung der Befug-
nisse der Zentralbank-Prsidenten sowie eine Annherung der Wirtschaftspolitiken
der Mitgliedstaaten zum 1. Juli 1990 in Kraft treten soll.

7.2.3Von Maastricht nach Nizza (19902000)

Im Jahre 1990 stellten Bundeskanzler Helmut Kohl und der franzsischen Staats-
prsident Franois Mitterand die Weichen fr die Einberufung einer Regierungs-
konferenz zur Schaffung einer politischen Union. Vom 9.10. Dezember 1991 tag-
ten die Staats- und Regierungschefs der 12 EG-Lnder in Maastricht und einigten
156 7 Europische Union (EU)

sich auf wesentliche nderungen der Grndungsvertrge. Der am 7. Februar 1992


unterzeichnete Vertrag von Maastricht markierte die Geburtsstunde der Euro-
pischen Union mit den drei Sulen: Europische Gemeinschaften, Gemeinsame
Auen- und Sicherheitspolitik (GASP) sowie Zusammenarbeit in der Innen- und
Justizpolitik (ZIJP). Er sah auch die Einfhrung einer Unionsbrgerschaft, eine
Erweiterung der Gemeinschaftskompetenzen, die Verankerung des Subsidiaritts-
prinzips, Kompetenzerweiterungen fr das EP, die Einrichtung eines Ausschusses
der Regionen sowie den Beginn der dritten Stufe der WWU am 1. Januar 1999 vor.
Nach einer langen und teils schwierigen Ratifizierungsphase (Dnemark brauchte
ein zweites Referendum fr seine Zustimmung) trat der Vertrag zum 1. November
1993 in Kraft.
Der nachhaltigen Vertiefung der europischen Integration durch den Vertrag
von Maastricht folgte die zweite Norderweiterung. Finnland, sterreich und
Schweden traten zum 1. Januar 1995 bei; in Norwegen fehlte indes erneut die not-
wendige Zustimmung durch die Mehrheit der Bevlkerung.
Auenpolitische Realitten die EU machte in der Kosovo-Krise 1994 eine
schlechte Figur sowie sich abzeichnende weitere Beitritte machten die erneute
Einberufung einer Regierungskonferenz notwendig. Der am 17. Juni 1997 unter-
zeichnete Vertrag von Amsterdam, der am 1. Mai 1999 in Kraft trat, sah eine
Strkung der GASP, u. a. durch die Einrichtung des Amtes eines Hohen Beauf-
tragten, und eine Ausweitung von Mehrheitsbeschlssen im Rat vor. Das EP wurde
durch die Ausweitung des sogenannten Mitentscheidungsverfahren (EP und Rat
entscheiden gemeinsam ber den Erlass von Rechtsakten) erneut gestrkt. Schlie-
lich wurden die Asyl-, Visa- und Einwanderungspolitik sowie die justizielle Zu-
sammenarbeit in Zivilsachen von der dritten in die erste Sule berfhrt, wodurch
die EU auch in diesen Bereichen Rechtsakte erlassen konnte. Die dritte Sule wur-
de in Polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen (PJZS) umbe-
nannt. Abbildung7.1 zeigt das 3-Sulen-Modell der EU von Maastricht/Amster-
dam.
Mit der Einfhrung des Euro als gemeinschaftliche Whrung in 12 der 15
Mitgliedstaaten am 1. Januar 2002 wurde die Wirtschafts- und Whrungsunion
vollendet. Grobritannien, Dnemark sowie Schweden behielten ihre nationalen
Whrungen.7 Parallel zu den Vorbereitungen zur Einfhrung des Euro wurde An-
fang 2000 erneut eine Regierungskonferenz einberufen, um die in Amsterdam
nicht gelsten Probleme anzugehen. Am 11. Dezember 2000 einigten sich die 15
Staats- und Regierungschefs in Nizza auf die vierte nderung der Grndungsver-

7
Grobritannien und Dnemark haben sich in Protokollen zu den EU-Vertrgen zusichern
lassen, den Euro nicht einfhren zu mssen.
7.2Entwicklung 157

Europische Union
(UVWH6lXOH =ZHLWH6lXOH 'ULWWH6lXOH
(XURSlLVFKH*HPHLQVFKDIWHQ *HPHLQVDPH$XHQXQG 3ROL]HLOLFKHXMXVWL]LHOOH=XV
6XSUDQDWLRQDO 6LFKHUKHLWVSROLWLN *$63 DPPHQDUEHLWLQ6WUDIVDFKHQ
,QWHUJRXYHUQHPHQWDO ,QWHUJRXYHUQHPHQWDO
3ROLWLNEHUHLFKH 3ROLWLNEHUHLFKH 3ROLWLNEHUHLFKH
$JUDUSROLWLN $XHQSROLWLN 'URJHQXQG
=ROOXQLRQ%LQQHQPDUNW .RRSHUDWLRQ :DIIHQKDQGHO
6WUXNWXUSROLWLN :DKOEHREDFKWHU 0HQVFKHQKDQGHO
+DQGHOVSROLWLN )ULHGHQVHUKDOWXQJ 7HUURULVPXV
::8 0HQVFKHQUHFKWH 6WUDIWDWHQJHJHQEHU
8QLRQVEUJHUVFKDIW 'HPRNUDWLH .LQGHUQ
%LOGXQJVXQG.XOWXUSROLWLN +LOIHIU'ULWWVWDDWHQ 2UJDQLVLHUWHV9HUEUHFKHQ
)RUVFKXQJXQG8PZHOW %HVWHFKXQJ%HVWHFK
SROLWLN 6LFKHUKHLWVSROLWLN OLFKNHLW%HWUXJ
7UDQVHXURSlLVFKH1HW]H
*HPHLQVDPH6LFKHUKHLWV
*HVXQGKHLWVZHVHQ
XQG9HUWHLGLJXQJVSROLWLN
9HUEUDXFKHUVFKXW]
*693
6R]LDOSROLWLN
$EUVWXQJ
9LVDSROLWLN
(8(LQJUHLIWUXSSH
(LQZDQGHUXQJVSROLWLN
:LUWVFKDIWOLFKH$VSHNWH
$V\OSROLWLN
GHU5VWXQJ
6FKXW]GHU$XHQJUHQ]HQ
(XURSlLVFKH6LFKHU
-XVWL]LHOOH=XVDPPHQDUEHLW
KHLWVRUGQXQJ
LQ=LYLOVDFKHQ

(85$720=XVDPPHQDUEHLW
LP%HUHLFK.HUQHQHUJLH

(*.6 DXVJHODXIHQDEHU
LQ(*9HUWUDJEHUQRPPHQ

Abb. 7.1 3-Sulen-Modell EU

trge innerhalb von 15 Jahren. Der Vertrag von Nizza, der am 26. Februar 2001
unterzeichnet wurde und am 1. Februar 2003 in Kraft trat, sollte die Union auf die
fr 2004 geplante groe Erweiterungsrunde vorbereiten und beinhaltete deshalb
u.a. eine Neugewichtung der Stimmen im Ministerrat, eine Ausweitung der Mehr-
heitsentscheidungen sowie nderungen in der Gre und Zusammensetzung der
Europischen Kommission. Ein weiteres Ergebnis war die Einigung auf die (aller-
dings in den Anhang verschobene) Europische Grundrechtecharta. Strukturelle
nderungen an der 3-Sulen-Konstruktion sah Nizza nicht vor.
158 7 Europische Union (EU)

7.2.4Vom Verfassungsvertrag bis Lissabon (20012009)

Im Jahr 2001 diskutierten Europas Eliten verstrkt ber die Zukunft der EU. Im
Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage, welche zuknftige Gestalt die Union
haben soll Staatenbund oder Bundesstaat. Zunehmend setzte sich die Idee eines
neuen Vertragswerks mit verfassungshnlichem Charakter durch. Auf ihrem Gip-
feltreffen im belgischen Laeken im Dezember 2001 verabschiedeten die Staats-
und Regierungschefs die Erklrung von Laeken, mit der ein Konvent zur Aus-
arbeitung eines Europischen Verfassungsvertrags einberufen wurde. Am 18. Juli
2003 legte der Konventsprsident Valry Giscard dEstaing den Entwurf mit der
Bezeichnung Vertrag ber eine Verfassung fr Europa vor. Dieser beinhaltete
eine neue Architektur der EU und zahlreiche nderungen in Bezug auf Kompeten-
zen, Organe und Entscheidungsverfahren.
Bei der Arbeit des Konvents waren bereits Vertreter von zehn mittel- und ost-
europischen Staaten vertreten, deren Beitritt kurz bevorstand. Am 1. Mai 2004
wurde dann formal die Osterweiterung der EU abgeschlossen: Estland, Lettland,
Litauen, Malta, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn und Zypern wur-
den aufgenommen, wodurch die Union auf 25 Mitglieder anwuchs. Mit dieser Er-
weiterungsrunde war die Spaltung Europas gnzlich berwunden. Bereits wenige
Monate spter, am 13. Juni 2004, fanden Wahlen zum EP unter Mitwirkung der
Brger aus den neuen Mitgliedstaaten statt.
Am 29. Oktober 2004 unterzeichneten die Staats- und Regierungschefs in Rom
den Verfassungsvertrag, der von Spanien als erstem EU-Mitglied in einem Refe-
rendum am 10. Februar 2005 ratifiziert wurde. In Deutschland stimmten Bundes-
tag und Bundesrat im Mai zu. In Frankreich und den Niederlanden waren ebenso
wie in Spanien Referenden angesetzt. Doch entgegen allen Erwartungen votierten
die Brgerinnen und Brger in Frankreich am 29. Mai 2005 und in den Niederlan-
den wenige Tage spter gegen den Verfassungsvertrag.
Fr die Befrworter der Europischen Integration waren die negativen Referen-
den, zumal durch zwei Grndungsmitglieder der EG/EU, ein schwerer Rckschlag.
Ein weiter so schien kaum mglich, auch wenn bis zu den Abstimmungen in
Frankreich und den Niederlanden bereits 11 Mitgliedstaaten den Verfassungsver-
trag ratifiziert hatten und dieser im Falle einer Ratifizierung durch zwei Drittel der
Mitglieder htte in Kraft treten knnen. Die Staats- und Regierungschefs beschlos-
sen deshalb noch im Juni 2005, das Ratifizierungsverfahren bis Mitte 2007 zu ver-
lngern, um den Mitgliedstaaten fr die Vermittlung des Vertragsinhalts mehr Zeit
zu geben.
Im Mrz 2007, als die EU in Berlin ihr 50-jhriges Bestehen feierte, war in-
des schon klar, dass der Verfassungsvertrag zum Scheitern verurteilt war. Deshalb
7.2Entwicklung 159

wurde im ersten Halbjahr 2007 unter deutscher Ratsprsidentschaft eine Initiative


ergriffen mit dem Ziel, auf der Basis des Verfassungsvertrags so viele Elemen-
te wie mglich in ein neues Vertragswerk zu retten. Unter erstmaliger Teilnahme
der zum 1. Januar 2007 beigetretenen neuen Mitgliedstaaten Rumnien und Bul-
garien wurden diesbezgliche Vorschlge von Bundeskanzlerin Merkel vorgelegt
und im Kreise der Staats- und Regierungschefs diskutiert. Auf dem Gipfeltreffen
des Europischen Rates in Brssel im Juni 2007 vereinbarte man, zu der Praxis
zurckzukehren, die bereits erfolgreich zu den Vertrgen von Maastricht, Nizza
und Amsterdam gefhrt hatte die Abhaltung einer Regierungskonferenz und die
Ausarbeitung eines Reformvertrages.
Nachdem sich die 27 Mitglieder am 18.19. Oktober 2007 auf einen endgl-
tigen Vertragstext geeinigt hatten, unterzeichneten sie unter portugiesischer Rats-
prsidentschaft am 13. Dezember 2007 den Vertrag von Lissabon. Er ersetzte
insofern den Verfassungsvertrag, als er weite Teile von diesem bernahm, jedoch
besonders kontroverse Punkte wie z.B. die Bezeichnung als Verfassung, die Fest-
legung der Symbole der EU, die Umbenennung der Verordnungen und Richtlinien
in Europische Gesetze und die Schaffung eines Europischen Auenministers
aussparte.
Der Vertrag von Lissabon stellt eine neue Stufe bei der Verwirklichung einer
immer engeren Union der Vlker Europas dar (Art.1 EUV). Mit ihm beruht die
EU so wie bisher auf zwei Vertrgen: Auf dem Vertrag ber die Europi-
sche Union (EUV) und auf dem Vertrag ber die Arbeitsweise der Europischen
Union (AEUV), dem vormaligen Vertrag ber die Europische Gemeinschaft
(EGV). Die 3-Sulen-Konstruktion wurde aufgelst, indem die 3. Sule (PJZS)
mit der 1. Sule zusammengelegt und damit vergemeinschaftet, d.h. in die Recht-
setzungskompetenz der EU berfhrt wurde. Die GASP blieb indessen weiterhin
intergouvernemental ausgestaltet. Mit dieser neuen Konstruktion wurde die EU,
wie Abb.7.2 verdeutlicht, von einer Sulenkonstruktion in ein Schichtmodell ber-
fhrt. Die untere Ebene (Schicht) umfasst diejenigen Politikfelder, in denen ledig-
lich eine intergouvernementale Zusammenarbeit stattfindet und Beschlsse in der
Regel nur durch Einstimmigkeit zu Stande kommen. Die obere Ebene (Schicht)
umfasst alle supranationalen, d.h. in der Rechtsetzungskompetenz der EU stehen-
den Politikfelder, in denen in der Regel mit Mehrheit entschieden wird.
Erstmals wurden durch Lissabon konkrete Zustndigkeiten der Union fest-
gelegt. So wird unterschieden zwischen ausschlielicher Zustndigkeit der EU
(Art. 3 AEUV) hier setzt die EU verbindliches Recht, geteilter Zustndigkeit
(Art.4) hier knnen sowohl die EU als auch die Mitgliedstaaten gesetzgeberisch
ttig werden und untersttzender Zustndigkeit (Art.6) hier ergnzt und koordi-
niert die EU einzelstaatliche Manahmen.
160 7 Europische Union (EU)

(XURSlLVFKH8QLRQ

3ROLWLNEHUHLFKHGHU(8
6XSUDQDWLRQDOH=XVDPPHQDUEHLW

$XVVFKOLHOLFKH=XVWlQGLJNHLW   *HWHLOWH=XVWlQGLJNHLW 8QWHUVWW]HQGH=XVWlQGLJNHLW


 =ROOXQLRQ             %LQQHQPDUNW        *HVXQGKHLWVVFKXW]
:HWWEHZHUEVUHJHOQ        6R]LDOSROLWLN         ,QGXVWULH
:lKUXQJVSROLWLN          ZLUWVFKDIWOLFKHUVR]LDOHU  .XOWXU
0HHUHVVFKlW]H 
WHUULWRULDOHU=XVDPPHQKDOW 7RXULVPXV
+DQGHOVSROLWLN           /DQGZLUWVFKDIW)LVFKHUHL  %LOGXQJ-XJHQGXQG6SRUW
8PZHOW9HUEUDXFKHUVFKXW] .DWDVWURSKHQVFKXW]
                   WUDQVHXURSlLVFKH1HW]H   9HUZDOWXQJV]XVDPPHQDUEHLW
                   (QHUJLH
                   5DXPGHU)UHLKHLW6LFKHUKHLW
XQGGHV5HFKWV

*HPHLQVDPH$XHQ XQG6LFKHUKHLWVSROLWLN *$63


LQFO*HPHLQVDPH6LFKHUKHLWVXQG9HUWHLGLJXQJVSROLWLN *693 
LQWHUJRXYHUQHPHQWDOH=XVDPPHQDUEHLW 

Abb. 7.2 Schichtmodell EU. (Quelle: Eigene Darstellung)

Weitere wesentliche Neuerungen waren die Schaffung der mter eines Pr-
sidenten des Europischen Rates sowie eines Hohen Vertreters der Union fr die
Auen- und Sicherheitspolitik, die Ausweitung der Mehrheitsentscheidungen im
Rat, die Zuerkennung der Rechtspersnlichkeit fr die EU, die Strkung des EP
und der nationalen Parlamente bei der Rechtsetzung der EU und die Einfhrung
eines Europischen Brgerbegehrens. Darber hinaus wurde die Europische
Grundrechtecharta, die den Unionsbrgern in Ergnzung zur Europischen
Menschenrechts-Konvention (EMRK) des Europarates einen zustzlichen Grund-
rechtsschutz bietet, als verbindlicher Bestandteil in den Vertrag aufgenommen.
Mit dem Vertrag von Lissabon waren zwar viele Streitpunkte beigelegt worden,
die noch zum Scheitern des Verfassungsvertrags gefhrt hatten, doch die Ratifi-
zierung in den Mitgliedstaaten lief alles andere als reibungslos. Zwar ratifizierte
Ungarn im Dezember 2007 als erstes Land den neuen Reformvertrag, doch im Juni
2008 erlebte Europa ein dej vu: In einem Referendum stimmten die Brgerin-
nen und Brger Irlands gegen den Vertrag. Die EU stand damit vor der Frage, den
7.2Entwicklung 161

Vertrag mglicherweise nicht in Kraft setzen zu knnen oder die von irischer Seite
formulierten Bedingungen fr ein zweites Referendum zu erfllen.
Im Dezember 2008 wurde der irischen Regierung zugesichert, dass die Kom-
mission nicht (wie in Art.17V EUV vorgesehen) verkleinert wird und damit jedes
Land auch in Zukunft einen Kommissar stellen kann. Ferner sollte Irland rechtliche
Garantien in der Steuerpolitik, in sozialen und ethischen Fragen sowie in der Euro-
pischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik erhalten. Im Gegenzug versprach
die irische Regierung, sich fr den Erfolg eines zweiten Referendums einzusetzen.
Im April 2009 hatte auer Irland, Tschechien und Polen auch Deutschland den
Vertrag von Lissabon noch nicht ratifiziert. Hintergrund war eine Verfassungsbe-
schwerde, ohne deren Behandlung durch das Bundesverfassungsgericht (BVerfG)
Bundesprsident Horst Khler nicht unterschreiben wollte. Am 30. Juni erklrte
das BVerfG den Vertrag von Lissabon als vereinbar mit dem Grundgesetz, forderte
aber strkere Mitwirkungsrechte fr Bundestag und Bundestag. Das im September
2009 beschlossene Gesetz ber die Wahrnehmung der Integrationsverantwortung
des Bundestages und des Bundesrates in Angelegenheiten der Europischen Uni-
on (Integrationsverantwortungsgesetz) trug dieser Forderung Rechnung.
Am 2. Oktober 2009 stimmten die irischen Brgerinnen und Brger dem Ver-
trag von Lissabon mehrheitlich zu. Nachdem in Deutschland, Polen und Tsche-
chien die Prsidenten ihre Unterschrift unter das Vertragswerk gesetzt hatten, trat
der Reformvertrag zum 1. Dezember 2009 in Kraft.

7.2.5Die Finanz- und Staatsschuldenkrise (20092013)8

Auslser der Finanz- und Staatsschuldenkrise der EU, die Ende 2009 begann, war
die verheerende Haushaltssituation in Griechenland. Im Oktober 2009 legte Grie-
chenland das ganze Ausma seiner Schuldenmisere offen: Eine Staatsverschuldung
von rund 130% sowie eine Neuverschuldung von rund 15% des Bruttoinlands-
produkts (BIP). Nach den Maastrichter Konvergenzkriterien fr die Teilnahme an
der Wirtschafts- und Whrungsunion darf der Schuldenstand jedoch maximal 60%
sowie die jhrliche Neuverschuldung maximal drei Prozent des BIP betragen. Auf
das Hilfeersuchen der griechischen Regierung reagierte die EU zunchst dadurch,
dass die Europische Kommission im Februar 2010 den griechischen Haushalt
ihrer Kontrolle unterstellte. Im Mai einigten sich die Euro-Lnder und der Inter-
nationale Whrungsfonds (IWF) auf ein Hilfspaket in Hhe von 130Mrd., wh-

8
Vgl. hierzu insbesondere Heinemann/Schmuck (2012, S.1ff.).
162 7 Europische Union (EU)

rend Athen ein Reform- und Sparpaket schnrte, das Lohn- und Rentenkrzungen
sowie Steuererhhungen vorsah, was zu massiven Unruhen im Land fhrte.
Am 8. Mai 2010 beschlossen die Staats- und Regierungschefs der EU einen
temporren Rettungsschirm fr krisengeschttelte Euro-Staaten. Ziel dieses
Rettungsschirms, der auf drei Jahre angelegt war und Kreditermchtigungen im
Umfang von maximal 750Mrd. beinhaltete, war es, den Euro zu stabilisieren und
Spekulationen auf eine Zahlungsunfhigkeit weiterer verschuldeter Euro-Staaten
zu stoppen. Rund ein Jahr spter, am 21. Juli 2011, unterzeichneten die Euro-Ln-
der den Vertrag zur Errichtung eines dauerhaften Europischen Stabilittsme-
chanismus (ESM), der den provisorischen Euro-Rettungsschirm ablsen sollte.
Darber hinaus beschlossen sie ein zweites Hilfspaket fr Griechenland. Mit dem
ESM, dem 750 Mrd. zur Verfgung gestellt wurden, sollen zahlungsunfhige
Mitgliedstaaten der Eurozone finanziell unter Einhaltung wirtschaftspolitischer
Auflagen mit Krediten der Gemeinschaft der Euro-Staaten untersttzt werden.
Deutschland ist am ESM mit 190Mrd. beteiligt.
Um die sich weiter verschrfende Finanzlage in Griechenland in den Griff zu
bekommen, beschloss der Europische Rat am 26./27 Oktober 2011 einen Schul-
denschnitt: Private Glubiger sollten auf 50% ihrer Forderungen (rund 100Mrd.)
verzichten, wodurch der Schuldenstand Griechenlands, der 2011 bei rund 165%
des BIP lag, bis zum Jahr 2020 auf 120% gedrckt werden soll. Darber hinaus
wurde vereinbart, dem Land bis zum Jahr 2014 weitere 100Mrd. zu leihen (Caesar
2012, S.11ff.).
Anfang Mrz 2012 unterzeichneten alle EU-Staaten (mit Ausnahme der Tsche-
chischen Republik und Grobritanniens) den Vertrag ber Stabilitt, Koordinie-
rung und Steuerung in der Wirtschafts- und Whrungsunion, auch Fiskalpakt
genannt. Er sieht u.a. eine strkere Koordinierung der Wirtschaftspolitiken, stren-
gere Haushaltsdisziplin samt Einfhrung einer Schuldenbremse sowie ein auto-
matisches Defizitverfahren mit Sanktionen vor. Im Juni 2012 stimmten Bundestag
und Bundesrat dem Fiskalpakt sowie dem ESM zu. Allerdings reichten die Frakti-
on Die Linke, einzelne Abgeordnete des Bundestags sowie 37.000 Brgerinnen
und Brger eine Verfassungsbeschwerde beim BVerfG mit der Begrndung ein,
der ESM und der Fiskalpakt hhlten das Haushaltsrecht des Bundestags aus, weil
die Entscheidungen des ESM-Gremiums ber Milliardenhilfen nicht demokratisch
legitimiert seien. Das BVerfG wies die Verfassungsbeschwerden am 12. September
zwar ab, machte jedoch deutlich, dass sichergestellt werden msse, dass die Haf-
tung Deutschlands nicht ber die vereinbarten 190Mrd. hinausgehen drfe. Zum
8. Oktober 2012 trat der ESM in Kraft.
Auf dem EU-Gipfel am 18./19. Oktober 2012 in Brssel berieten die Staats- und
Regierungschefs ber Reformvorschlge, die im Juni vom Prsidenten des Euro-
pischen Rates, vom Kommissionsprsidenten, vom Chef der Euro-Gruppe und
7.2Entwicklung 163

vom Prsidenten der Europischen Zentralbank unter der berschrift Towards a


Real Economic and Monetary Union vorgelegt wurden, und neben einer engeren
Zusammenarbeit der Euro-Lnder in der Finanz-, Wirtschafts- und Budgetpolitik
auch einen eigenen Haushalt fr die Euro-Zone vorsehen.
Im Januar 2013 hielt der britische Premierminister David Cameron seine lang
vorher angekndigte Europa-Rede. Trotz massiver Kritik am Zustand der EU,
sprach er sich fr einen Verbleib seines Landes in der Union aus. Allerdings kn-
digte er fr das Jahr 2017 ein Referendum an, bei dem die Briten ber die EU-Mit-
gliedschaft Grobritannien entscheiden sollen. Im Frhjahr 2013 stand Zypern fi-
nanziell vor dem Abgrund. Das Land hatte einen Kreditbedarf von 16Mrd.. Nach
zhen Verhandlungen und einer vom Parlament in Nikosia torpedierten ersten Eini-
gung schnrten die Euro-Lnder und der IWF im Mrz ein Hilfspaket in Hhe von
10Mrd.. Zypern wurde im Gegenzug dazu verpflichtet, die restlichen 6Mrd.
selbst aufzubringen, was u.a. durch eine sehr umstrittene Beteiligung von Spar-
guthaben privater Bankkunden erfolgen sollte. Bis zum Herbst 2013 ereignete sich
aufgrund des Bundestagswahlkampfs in Deutschland wenig in der Europapolitik.
Am 1. Juli 2013 trat Kroatien als 28. Mitgliedstaat der EU bei, Irland kndigte
Mitte Dezember an, den ESM verlassen zu wollen. Zum 1. Januar 2014 fhrte
Lettland als 18. EU-Mitgliedstaat den Euro ein; Spanien erklrte, keine Gelder aus
dem ESM mehr beantragen zu wollen.

7.2.6Neuaufstellung und Krisenmanagement (seit 2014)

Einen Meilenstein in der institutionellen Entwicklung der EU stellte die Europa-


wahl am 25. Mai 2014 dar. Erstmals schickten die groen Parteifamilien Spitzen-
kandidaten fr das Amt des Kommissionsprsidenten ins Rennen und verstndig-
ten sich darauf, dass derjenige Kandidat dieses Amt besetzen soll, dessen Partei die
Mehrheit gewinnt. Nachdem die Europische Volkspartei mit ihrem Spitzenkan-
didaten Jean-Claude Juncker bei der Wahl mehr Stimmen als die Sozialisten und
Sozialdemokraten mit Martin Schulz auf sich vereinigen konnte, wurde Juncker
nach heftig ausgetragenen Kontroversen unter den Staats- und Regierungschefs9
Ende Juni 2014 fr das Amt des Kommissionsprsidenten vorgeschlagen und am

9
Der Streit entbrannte an der Frage, ob und inwieweit die Staats- und Regierungschefs bei
ihrem Vorschlag an das Ergebnis der Europawahl gebunden sind. Nach Art. 17 VII EUV
bercksichtigt er [der Europische Rat] das Ergebnis der Wahlen zum Europischen Parla-
ment. Insbesondere Grobritannien und Ungarn sahen keinen Automatismus zwischen dem
Ergebnis der Europawahl und dem Vorschlag fr das Amt des Kommissionsprsidenten,
weshalb beide Staaten gegen die Nominierung Junckers votierten.
164 7 Europische Union (EU)

15. Juli vom EP mit groer Mehrheit gewhlt.10 Die Wahl des polnischen Minister-
prsidenten Donald Tusk zum Prsidenten des Europischen Rates und der italie-
nischen Auenministerin Federica Mogherini zur Hohen Vertreterin der Union fr
die Auen- und Sicherheitspolitik auf einem Sondergipfel der Staats- und Regie-
rungschefs am 30. August 2014 in Brssel sowie die Besttigung der von Juncker
zusammengestellten 28-kpfigen Europischen Kommission seitens des EP am 22.
Oktober 2014 komplettierte die personelle Neuaufstellung der EU.
Ab Mrz 2014 hielten mehrere internationale Krisen die EU in Atem: Auf meh-
reren Gipfeltreffen wurde ber die Verhngung von Sanktionen gegen Russland
wegen der Annexion der Krim und der darauffolgenden Untersttzung fr die Se-
paratisten in der Ost-Ukraine diskutiert und vereinbart, auf der einen Seite ber
die Verhngung von Sanktionen eine Drohkulisse gegen das Land aufzubauen, auf
der anderen Seite jedoch weiter den Dialog fr eine Lsung des Konflikts zu su-
chen (siehe auch Kap.[Link]). Im Juli versuchte die EU migend auf den Kon-
flikt zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas einzuwirken. Mitte August
2014 einigten sich die EU-Auenminister auf eine gemeinsame Erklrung, in der
die Lieferung von Waffen an die Kurden im Nord-Irak fr ihren Kampf gegen die
Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) begrt wurde.

7.3Mitgliedschaft

Wie Tab.7.1 zeigt, hat sich die Zahl der Mitgliedstaaten in sieben Erweiterungs-
runden von einstmals 6 auf gegenwrtig 28 erhht. Mit rund 500Mio. Menschen
stellt die EU den grten integrierten Wirtschaftsraum der Welt dar.

Tab. 7.1 Mitgliedschaftsentwicklung EU


Jahr Anzahl Lnder
1952/1958 6 Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg, Niederlande
1973 9 Dnemark, Grobritannien, Irland
1981 10 Griechenland
1986 12 Portugal, Spanien
1995 15 Finnland, sterreich, Schweden
2004 25 Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Slowakei, Slowenien,
Tschechien, Ungarn, Zypern
2007 27 Bulgarien, Rumnien
2013 28 Kroatien

Von den 729 anwesenden Abgeordneten stimmten 422 fr und 250 gegen Juncker. Not-
10

wendig war eine Mehrheit der 751 Mitglieder des EP (Art.17 VII EUV), das sind mindestens
376 Stimmen.
7.3Mitgliedschaft 165

7.3.1Beitrittskriterien

Rechtsgrundlage fr den Beitritt zur EU ist Art.49 Satz 1 EUV: Jeder europi-
sche Staat, der die in Art.2 genannten Werte achtet und sich fr ihre Frderung
einsetzt, kann beantragen, Mitglied der Union zu werden. Art.2 EUV lautet: Die
Werte, auf die sich die Union grndet, sind die Achtung der Menschenwrde, Frei-
heit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschen-
rechte einschlielich der Rechte der Personen, die Minderheiten angehren. Die
Rechtsgrundlage umfasst demnach zwei Voraussetzungen: Erstens muss es sich
um einen europischen Staat handeln, wobei bei der Beurteilung dieses Merkmals
eine geographische, kulturelle, politische, religise oder historische Sichtweise he-
rangezogen werden kann.11 Zweitens muss der beitrittswillige Staat die fr eine
Demokratie wesensimmanenten Strukturprinzipien aufweisen und frdern.
1993 haben die Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedstaaten auf einem
Gipfeltreffen in Kopenhagen die sogenannten Kopenhagener Kriterien formu-
liert, die ein Bewerber erfllen muss, um Mitglied der EU zu werden: 1) Politisches
Kriterium: Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, Wahrung der Menschenrechte so-
wie Achtung und Schutz von Minderheiten; 2) Wirtschaftliches Kriterium: Funk-
tionsfhige Marktwirtschaft, die dem Wettbewerbsdruck und den Marktkrften
innerhalb der Union standhlt; 3) Acquis-Kriterium: Fhigkeit zur bernahme
des Acquis communautaire, also des gemeinschaftlichen Besitzstands, der das
Primrrecht (Grndungs- und nderungsvertrge) und das Sekundrrecht (Ver-
ordnungen und Richtlinien, Urteile des Europischen Gerichtshofes) umfasst. Als
viertes Kriterium kommt die Erweiterungsfhigkeit der EU hinzu: Sie muss in der
Lage sein, neue Mitglieder aufzunehmen, d.h. sie muss auch nach der Aufnahme
die Effizienz ihrer Organe und Entscheidungsverfahren gewhrleisten knnen und
sie muss in der Lage sein, ihre Politiken auch in Zukunft nachhaltig zu finanzieren
(Furtak 2012, S.165f.).

7.3.2Beitrittsverfahren

Das Beitrittsverfahren nach Art.49 EUV kann in zehn Etappen unterteilt werden:
Am Anfang steht der Antrag eines beitrittswilligen europischen Staates (1), den

11
Die Gegner eines EU-Beitritts der Trkei verweisen gerne auf das geographische Merk-
mal und betonen, die Trkei sei kein europischer Staat, weil lediglich drei Prozent ihres
Staatsgebiets auf dem europischen Kontinent liegt.
166 7 Europische Union (EU)

der Rat12 zur Kenntnis nimmt (2). In einer Stellungnahme fr den Rat errtert die
Kommission Mglichkeiten und Probleme des Beitrittsgesuchs (3). Danach be-
schliet der Rat einstimmig ber die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen (4).
Im Wege von Beitrittskonferenzen verhandelt die Kommission mit dem Bewerber
ber den gemeinschaftlichen Besitzstand, der in 35Kapitel aufgeteilt ist wie z.B.
Bildung, Tourismus, Binnenmarkt, Wettbewerbspolitik (5). Sind die 35 Kapitel
ausverhandelt, erhlt der Rat von der Kommission die endgltige Stellungnahme
zum Beitritt (6). Das Europische Parlament (EP) muss sodann dem Beitritt des
Bewerbers mit absoluter Mehrheit seiner Mitglieder zustimmen (7). Erst danach
beschliet der Rat einstimmig ber den Beitrittsantrag (8). Der Beitrittsvertrag
bedarf der Ratifikation durch das Bewerberland und alle Mitgliedstaaten gem
ihren verfassungsrechtlichen Vorschriften, d. h. entweder durch die zustndigen
gesetzgebenden Organe oder mittels eines Referendums (9). Mit dem Inkrafttreten
des Vertrags wird der beitretende Staat Mitglied der EU (10). Wie das Beitrittsver-
fahren, das sich ber viele Jahre, mglichweise auch Jahrzehnte hinziehen kann,
zeigt, kann ein Beitrittsantrag auch scheitern (Furtak 2012, S.167).

7.3.3Austritt

Erstmals in der Geschichte der Europischen Integration sieht der Vertrag von Lis-
sabon die Mglichkeit zum Austritt eines Mitgliedstaates aus der Union vor. In
Art.50 I EUV heit es diesbezglich: Jeder Mitgliedstaat kann im Einklang mit
seinen verfassungsrechtlichen Vorschriften beschlieen, aus der Union auszutre-
ten. Sollte ein Mitgliedstaat aus der EU austreten wollen, handelt die Union mit
dem austrittswilligen Mitglied in einem Austrittsabkommen die Einzelheiten des
Austritts aus (Art.50 II). Sollten sich die Parteien nicht auf ein Austrittsabkommen
einigen, tritt der Austritt zwei Jahre nachdem der austrittswillige Staat seinen Aus-
trittswunsch gegenber dem Europischen Rat angezeigt hat, automatisch in Kraft
(Art.50 III).13

Gemeint ist hier und nachfolgend der Europische Rat.


12

Zu einem solchen Austrittsszenario knnte es kommen, wenn das in Grobritannien fr


13

2017 geplante Referendum ber den Verbleib des Landes in der EU negativ ausgehen sollte.
7.4Ziele und Grundstze 167

7.4Ziele und Grundstze

7.4.1Ziele

Die Ziele der EU sind in Art.3 EUV i.d.F. von Lissabon festgelegt. Sie lauten:

Frderung des Friedens, ihrer Werte und das Wohlergehen ihrer Vlker;
Ein Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts ohne Binnengrenzen, in
dem () der freie Personenverkehr gewhrleistet ist;
Errichtung eines Binnenmarktes und Hinwirkung auf eine nachhaltige Entwick-
lung Europas auf der Grundlage eines ausgewogenen Wirtschaftswachstums
und von Preisstabilitt, eine in hohem Mae wettbewerbsfhige soziale Markt-
wirtschaft, die auf Vollbeschftigung und sozialen Fortschritt abzielt, sowie auf
ein hohes Ma an Umweltschutz und Verbesserung der Umweltqualitt;
Frderung des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts;
Bekmpfung sozialer Ausgrenzung und Diskriminierung und Frderung sozia-
ler Gerechtigkeit und von sozialen Schutz, Gleichstellung von Frauen und Mn-
nern, Solidaritt zwischen den Generationen und Schutz der Rechte der Kinder;
Frderung des wirtschaftlichen, sozialen und territorialen Zusammenhalts und
der Solidaritt zwischen den Mitgliedstaaten;
Wahrung des Reichtums ihrer kulturellen und sprachlichen Vielfalt und Schutz
der Entwicklung des kulturellen Erbes Europas;
Errichtung einer Wirtschafts- und Whrungsunion mit dem Euro als gemeinsa-
me Whrung;
Beitrag zu Frieden, Sicherheit, globaler und nachhaltiger Entwicklung, Solida-
ritt und gegenseitiger Achtung der Vlker, freier und gerechter Handel, Besei-
tigung der Armut und Schutz der Menschenrechte, Einhaltung und Weiterent-
wicklung des Vlkerrechts.

ber diese im Vertrag von Lissabon genannten Ziele hinaus, setzt sich die EU
regelmig auch strategische Ziele. Im Mrz 2000 beschlossen die Staats- und
Regierungschefs die sogenannte Lissabon-Strategie, die fr die Zeit bis 2010
das strategische Ziel formulierte, die EU zum wettbewerbsfhigsten und dyna-
mischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum in der Welt zu machen. Nachfolge-
programm der Lissabon-Strategie ist die Europa 2020 Strategie, die im Juni 2010
verabschiedet wurde und deren Ziel ein intelligentes, nachhaltiges und integra-
tives Wachstum ist. Im Mittelpunkt dieses Programms stehen die fnf Bereiche
Beschftigung, Forschung, Bildung, Armutsbekmpfung und Klima/Energie. Als
konkrete Zielmarken fr das Jahr 2020 wurden festgelegt:
168 7 Europische Union (EU)

75% der 20 bis 64jhrigen sollen in Arbeit stehen;


3% des BIP der EU sollen fr Forschung und Entwicklung aufgewendet wer-
den;
Verringerung der Quote vorzeitiger Schulabgnger auf unter 10% und Steige-
rung des Anteils der 30- bis 34-Jhrigen mit abgeschlossener Hochschulbildung
auf mindestens 40%;
Absenkung der Zahl der von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffenen oder
bedrohten Menschen um mindestens 20Mio.;
Verringerung der Treibhausgasemissionen um 20% (oder sogar um 30%, so-
fern die Voraussetzungen hierfr gegeben sind) gegenber 1990; Erhhung des
Anteils erneuerbarer Energien auf 20%; Steigerung der Energieeffizienz um
20%.14

7.4.2Grundstze

Die Grundstze bzw. Prinzipien der EU sind nicht in einem Vertragsartikel aufge-
listet, sondern finden sich verstreut im EUV. Zu erwhnen sind insbesondere:

Prinzip der begrenzten Einzelermchtigung (Art.5 II EUV). Es besagt, dass


die EU nur auf den Gebieten ttig werden kann, die ihr von den Mitgliedstaaten
in den Vertrgen bertragen worden sind. Das bedeutet auch, dass die EU keine
Kompetenz-Kompetenz hat, also nicht die Fhigkeit besitzt, sich neue Befug-
nisse selbst anzueignen.
Grundsatz der Subsidiaritt (Art.5 III EUV). Dieses Prinzip, dass erstmals
im Vertrag von Maastricht verankert wurde, stellt sicher, dass nur dann Rege-
lungen auf EU-Ebene getroffen werden, wenn diese dort besser getroffen wer-
den knnen als auf der nationalen oder regionalen Ebene.
Grundsatz der Verhltnismigkeit (Art.5 IV EUV). Dieser aus dem deut-
schen Staatsrecht bekannte Grundsatz beinhaltet, dass Manahmen der EU in-
haltlich und formal nicht ber das zur Erreichung der Ziele der Vertrge erfor-
derliche Ma hinausgehen.
Grundsatz der loyalen Zusammenarbeit (Art.4 III EUV). Er bringt zum Aus-
druck, dass sich die EU und die Mitgliedstaaten bei der Erfllung der sich aus
den Vertrgen ergebenden Aufgaben gegenseitig untersttzen.

14
[Link]
28.07.2014.
7.5Organisationsstruktur 169

Grundsatz der Solidaritt (Art.3 III EUV). Er besagt, dass die EU den wirt-
schaftlichen, sozialen und territorialen Zusammenhalt und die Solidaritt zwi-
schen den Mitgliedstaaten frdert. Seinen Niederschlag findet er insbesondere
in der Struktur- und Regionalpolitik, indem strukturschwache Gebiete in den
Mitgliedstaaten durch Fonds (z.B. Kohsionsfonds) finanziell gefrdert wer-
den. Solidaritt zwischen den Mitgliedstaaten herrscht darber hinaus im Be-
reich Asyl, Einwanderung und Kontrolle der Auengrenzen (Art.67 II AEUV),
im Rahmen der Energieversorgung (Art.194 AEUV) und bei Terrorismus und
(Natur)Katastrophen (Art.222 AEUV).
Grundsatz der Gleichheit der Brgerinnen und Brger (Art. 9 EUV). Er
gewhrleistet, dass die EU bei allen ihren Handlungen die Gleichheit ihrer Br-
gerinnen und Brgern achtet und ihnen durch ihre Organe, Einrichtungen und
sonstige Stellen ein gleiches Ma an Aufmerksamkeit zuteil werden lsst.

7.5Organisationsstruktur

Die Aufgaben der EU werden gem Art.13 I EUV durch folgende Organe wahr-
genommen:

Europisches Parlament
Europischer Rat
Rat (Ministerrat)
Europische Kommission
Gerichtshof der Europischen Union
Europische Zentralbank
Rechnungshof

Darber hinaus gibt es mit dem Wirtschafts- und Sozialausschuss und dem Aus-
schuss der Regionen zwei beratende Einrichtungen, die das EP, den Rat und die
Kommission untersttzen (Art.13 IV EUV). Mit dieser Vielzahl von Organen und
Einrichtungen ist eine institutionelle Struktur geschaffen worden (siehe Abb.7.3),
die der Mehrebenenpolitik der EU, also ihrem Handeln auf der europischen, der
nationalen und der regionalen/lokalen Ebene Rechnung trgt.
170 7 Europische Union (EU)

EU
Mitgliedstaaten
Regierungen Brger

Prsident
des ER
Rat
(Ministerrat) Europische
Europischer Europisches
Prsident
EuGH EuRH EZB Rat (ER) Parlament
Kommission

Hoher
General-
Vertreter
direktionen
GASP

Auswrtiger
Dienst

WSA AdR

Ernennung
Wahl
Vorschlag

Abb. 7.3 Organisationsstruktur EU

7.5.1Das Europisches Parlament

Das EP ist das einzige demokratisch unmittelbar legitimierte Organ der EU. Seit
1979 wird es fr eine Amtsperiode von fnf Jahren direkt von den Brgerinnen
und Brger der Mitgliedstaaten, also den Unionsbrgern, gewhlt. Es bt ebenso
wie der Rat die Funktion der Legislative aus; in fast allen die EU betreffenden Be-
reichen besitzt es Mitentscheidungsrecht.

[Link]Zusammensetzung und Arbeitsweise


Bis zur Europawahl 2014 bestand das EP aus 766 Abgeordneten, darunter 99 aus
Deutschland. Der Vertrag von Lissabon sieht jedoch gem Art.14 II EUV eine
Verkleinerung des Parlaments in der neuen Amtsperiode auf 751 Abgeordnete
vor. Durch die dadurch erforderliche Anpassung der Sitzverteilung verliert etwa
Deutschland 3 Sitze und kann nur noch 96 Abgeordnete ins Parlament entsenden.
Wie sich die 751 Sitze im EP nach der Europawahl am 25. Mai 2014 in der Man-
datsperiode 20142019 auf die Mitgliedstaaten verteilen, zeigt Tab.7.2.
7.5Organisationsstruktur 171

Tab. 7.2 Sitzverteilung EP Mitgliedstaaten Sitze


nach Mitgliedstaaten
Belgien 21
Bulgarien 17
Dnemark 13
Deutschland 96
Estland 6
Finnland 13
Frankreich 74
Griechenland 21
Grobritannien 73
Irland 11
Italien 73
Kroatien 11
Lettland 8
Litauen 11
Luxemburg 6
Malta 6
Niederlande 26
sterreich 18
Polen 51
Portugal 21
Rumnien 32
Schweden 20
Slowakei 13
Slowenien 8
Spanien 54
Tschechische Republik 21
Ungarn 21
Zypern 6
EU 28 751

Das EP tagt und bert ffentlich. Seine Plenarsitzungen finden in Brssel und
Straburg statt.15 Dem Parlament steht ein Prsident vor, der fr jeweils zweiein-
halb Jahre gewhlt wird. Er wird in seiner Arbeit von 14 Vizeprsidenten unter-

15
Ende 2013 beschloss das Parlament mehrheitlich, in einem neuen EU-Reformvertrag
Brssel als alleinigen Tagungsort festzuschreiben und damit den Reisezirkus, fr den jhr-
lich Kosten in Hhe von ber 200Mio. entstehen, zu beenden.
172 7 Europische Union (EU)

sttzt. Die Entscheidungen des Parlaments werden in 22 stndigen Ausschssen


sowie zwei Sonderausschssen vorbereitet.16 Hierfr werden von den Ausschssen
sogenannte Berichterstatter ernannt, die einen von der Kommission vorgelegten
Gesetzentwurf untersuchen und dem Parlament einen Bericht vorlegen.
Das EP setzt sich aus Fraktionen zusammen, die von den Abgeordneten nicht
nach Staatsangehrigkeit, sondern entsprechend ihrer jeweiligen politischen Aus-
richtung gebildet werden. Fr die Bildung einer Fraktion sind 25 Abgeordnete er-
forderlich, in jeder Fraktion mssen Abgeordnete aus wenigstens einem Viertel der
Mitgliedstaaten (derzeit also 7), vertreten sein (Pollak und Slominiski 2012, S.73).
Die Abgeordneten verteilen sich auf sieben Fraktionen:

Europische Volkspartei
Der Zusammenschluss von christdemokratischen und konservativen Parteien
mit gegenwrtig 221 Abgeordneten, darunter 34 aus Deutschland von der CDU/
CSU, ist die strkste politische Kraft im EP.
Progressive Allianz der Sozialisten & Demokraten in Europa
Dem Zusammenschluss der sozialdemokratischen Parteien Europas sowie
der italienischen Demokraten gehren 191 Abgeordnete an, darunter 27 aus
Deutschland von der SPD.
Europische Konservative und Reformisten
In dieser Fraktion sind 70 Parlamentarier vertreten, die der EU kritisch gegen-
ber eingestellt sind, darunter die britischen Konservativen, die polnische Partei
Recht & Gerechtigkeit sowie aus Deutschland sieben Abgeordnete der Alterna-
tive fr Deutschland (AfD) und ein Abgeordneter der Familienpartei.
Allianz der Liberalen und Demokraten fr Europa
Die Fraktion besteht aus 67 Abgeordneten, darunter aus Deutschland vier Abge-
ordnete der FDP und ein Abgeordneter der Freien Whler.
Konfderale Fraktion der Vereinigten Linken/Nordische Grne Linke
Der Fraktion der Vereinigten Linken gehren 52 Abgeordnete an, darunter aus
Deutschland sieben der Partei Die Linke und ein Abgeordneter der Tierschutz-
partei.
Grne/Europische Freie Allianz
Die Fraktionsgemeinschaft von grnen Parteien und einigen regionalistischen
Parteien setzt sich aus 50 Abgeordneten zusammen, darunter aus Deutschland
11 Abgeordnete von Bndnis 90/Die Grnen sowie jeweils ein Abgeordneter
der Piratenpartei und der kologisch-Demokratischen Partei (DP).

16
[Link] 28.07.2014.
7.5Organisationsstruktur 173

Europa der Freiheit und Demokratie


Hier handelt es sich um einen Zusammenschluss von 48 stark europaskepti-
schen Abgeordneten.

52 Abgeordnete gehren keiner Fraktion an, darunter aus Deutschland jeweils ein
Abgeordneter der Partei Die Partei und der NPD.17

[Link]Funktionen, Aufgaben und Befugnisse


Das EP hat im Verlauf des europischen Integrationsprozesses betrchtlich an
Kompetenzen gewonnen. Traf frher der Vorwurf zu, es handele sich beim EP
lediglich um einen zahnlosen Papiertiger, so muss heute konstatiert werden, dass
es sich zu einem Organ mit weitreichenden Aufgaben und Befugnissen gewandelt
hat.
Die Funktionen des EP erstrecken sich im Wesentlichen auf Gesetzgebung,
Kontrolle, Wahl und Haushalt. Die Gesetzgebungsfunktion bt das EP gemein-
sam mit dem Rat aus (Art.16 I EUV). Im Rahmen des sogenannten ordentlichen
Gesetzgebungsverfahrens (Art.289 AEUV), das auf die meisten Entscheidungen
Anwendung findet, hat das EP die Mglichkeit, einen verbindlichen Rechtsakt
(Verordnung, Richtlinie, Beschluss) auch gegen ein zustimmendes Votum des
Rates zu verhindern mithin steht ihm eine Veto-Position zu. Damit ist es (fast)
gleichberechtigter Gesetzgeber neben dem Rat.
Eine Kontrollfunktion bt das EP in mehrfacher Hinsicht aus: Schrfstes Kon-
trollrecht ist das Misstrauensvotum, mit dem es den geschlossenen Rcktritt der
gesamten Kommission erzwingen kann. Erforderlich hierfr ist die Annahme des
Misstrauensvotums durch eine Mehrheit von zwei Dritteln der abgegebenen Stim-
men und die Mehrheit der Mitglieder des EP (Art.17 VIII EUV i.V.m. Art.234
AEUV). Weitere Kontrollrechte beinhalten ein mndliches oder schriftliches Fra-
gerecht gegenber der Kommission (Art.230 AEUV), die Errterung des von der
Kommission vorzulegenden jhrlichen Gesamtberichts ber die Ttigkeit der EU
(Art.233 AEUV) sowie die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses, um be-
hauptete Verste gegen das Unionsrecht oder Missstnde bei dessen Anwendung
zu berprfen (Art.226 AEUV).
Eine Wahlfunktion bernimmt das EP im Hinblick auf die Exekutive. Gem
Art.17 VII EUV whlt es mit der Mehrheit seiner Mitglieder den vom Europi-
schen Rat vorgeschlagenen Kandidaten fr das Amt des Kommissionsprsidenten.

Das BVerfG hat im Februar 2014 die Drei-Prozent-Hrde im deutschen Europawahlrecht


17

fr verfassungswidrig erklrt, weshalb nach der Wahl im Mai 2014 auch Vertreter kleiner
Parteien ins EP einziehen konnten.
174 7 Europische Union (EU)

Darber hinaus knnen die gesamte Kommission, d.h. die gegenwrtig 28 Kom-
missare inclusive des Prsidenten und des Hohen Vertreters der Union fr Auen-
und Sicherheitspolitik als Vize-Prsident nur mit einem Zustimmungsvotum des
EP ihr Amt antreten (Art.17 VII EUV). Auerdem whlt das EP den Brgerbeauf-
tragten (Art.228 II AEUV) und ernennt zusammen mit dem Rat den Europischen
Datenschutzbeauftragten.
Eine Haushaltsfunktion hat das EP schlielich insofern, als es gemeinsam mit
dem Rat den Haushalt der EU aufstellt und beschliet (Art.313ff. AEUV). Damit
hat das EP, wie ein nationales Parlament, ein originres Budgetrecht.
Weitere Befugnisse des EPs sind: Es muss der Aufnahme neuer Mitgliedstaa-
ten (Art. 49 EUV) und dem Abschluss von Assoziierungsabkommen (Art. 218
VI AEUV) zustimmen. Das gilt auch fr bestimmte bereinknfte wie z.B. den
Beitritt der EU zur Europischen Menschenrechtskonvention (EMRK). Beim Ab-
schluss von vlkerrechtlichen Vertrgen mit Drittstaaten und internationalen Orga-
nisationen ist das EP lediglich anzuhren (Herdegen 2010, S.142). Es hat ferner
ein Mitentscheidungsrecht bei der Verhngung von Sanktionen gegen einen Mit-
gliedstaat es muss der Feststellung des Rates zustimmen, dass die eindeutige
Gefahr einer schwerwiegenden Verletzung der Werte der EU durch einen Mitglied-
staat vorliegt (Art.7 I EUV).
Trotz seiner weitreichenden Befugnisse fehlt dem EP eine wichtige Kompetenz:
das Vorschlags- bzw. Initiativrecht bei der Gesetzgebung. Dieses ist der Kommis-
sion vorbehalten. Eine Art Initiativrecht light hat indessen der Vertrag von Lissa-
bon eingefhrt: Das EP kann mit der Mehrheit seiner Mitglieder die Kommission
auffordern, Gesetzgebungsvorschlge zu unterbreiten (Art. 225 AEUV). Gem
Nr.16 der Rahmenvereinbarung ber die Beziehungen zwischen dem EP und der
Europischen Kommission vom 9. Februar 2010 muss die Kommission innerhalb
eines Jahres nach Aufforderung des Parlaments einen Gesetzesvorschlag vorlegen
oder innerhalb von drei Monaten ausfhrlich begrnden, warum sie dies nicht tun
wird.18
In der Regel beschliet das EP mit der Mehrheit der abgegebenen Stimmen
(Art.231 AEUV). Die Mehrheit der Mitglieder ist erforderlich fr die Wahl des
vom Europischen Rat vorgeschlagenen Kandidaten fr das Amt des Kommis-
sionsprsidenten (Art.17 VII EUV).

18
[Link] 28.07.2014.
7.5Organisationsstruktur 175

7.5.2Der Europische Rat

Der Europische Rat wurde 1974 ins Leben gerufen. Doch erst in der EEA von
1987 wurde er rechtlich in den Vertrgen verankert. Durch den Vertrag von Lissa-
bon 2009 erhielt er den Status eines EU-Organs.

[Link]Zusammensetzung und Arbeitsweise


Der Europische Rat setzt sich aus den Staats- und Regierungschefs der Mitglied-
staaten, dem Prsidenten des Europischen Rates und dem Prsidenten der Euro-
pischen Kommission zusammen. An den Sitzungen beteiligt ist der Hohe Vertre-
ter der Union fr Auen- und Sicherheitspolitik (Art.15 II EUV). Der Europische
Rat kommt zweimal jhrlich zu regulren Gipfeltreffen zusammen. In Krisensitu-
ationen knnen auerordentliche Treffen einberufen werden. (Das war in der Fi-
nanz- und Staatsschuldenkrise hufig der Fall.)
Mit dem Vertrag von Lissabon wurde das Amt des Prsidenten des Euro-
pischen Rates geschaffen. Der Prsident wird vom Europischen Rat fr eine
Amtszeit von zweieinhalb Jahren mit der Mglichkeit der einmaligen Wiederwahl
gewhlt (Art.15V EUV). Zu seinen wesentlichen Aufgaben zhlen die Vorberei-
tung der Gipfeltreffen, die Sitzungsleitung sowie die Auenvertretung der EU in
Angelegenheiten der Gemeinsamen Sicherheits- und Auenpolitik (Art. 15 VI).
Im Vorfeld von wichtigen Entscheidungen versucht er, in der Rolle eines ehrlichen
Maklers Kompromisse zwischen den Mitgliedstaaten auszuhandeln.

[Link]Aufgaben und Befugnisse


Der Europischer Rat gibt der Union die fr ihre Entwicklung erforderlichen Im-
pulse und legt die allgemeinen politischen Zielvorstellungen und Prioritten hier-
fr fest (Art. 15 I). Er entscheidet ber die strategischen Interessen, Ziele und
Leitlinien im Bereich der Auen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik (Art.26
I). Als Diskussionsforum auf hchster politischer Ebene ist er bemht, bei Mei-
nungsverschiedenheiten zwischen den Mitgliedstaaten eine Lsung herbeizufh-
ren. Indem er sich um einer breite Themenpalette kmmert und diesbezgliche
Beschlsse und Positionen verabschiedet und Entscheidungen trifft, ist er zu einem
programmatischen Leitliniengeber mit nachhaltiger Wirkung fr die Gestaltung
mehrerer zentraler Politikfelder der EU (Wessels 2008, S.163) geworden.
ber die Wahl seines Prsidenten hinaus, schlgt der Europische Rat einen
Kandidaten fr das Amt des Kommissionsprsidenten vor und ernennt diesen nach
Zustimmung durch das EP (Art.17 VII), ernennt mit dem Einverstndnis des Kom-
missionsprsidenten den Hohen Vertreter der Union fr Auen- und Sicherheits-
politik (Art.18 I), beschliet ber die Anzahl der Sitze im EP (Art.14 II) sowie
176 7 Europische Union (EU)

ber Anzahl und Bezeichnungen der unterschiedlichen Ratszusammensetzungen


(Art. 236 AEUV). Explizit ausgeschlossen ist eine Gesetzgebungsfunktion des
Europisches Rates durch Art.15 I S.2 EUV.
Gem Art.15 IV EUV entscheidet der Europische Rat konsensual. Ausnah-
men von dieser Regel sind die Ernennung des Hohen Vertreters fr die Auen- und
Sicherheitspolitik, der Vorschlag fr das Amt des Kommissionsprsidenten, die
Ernennung der gesamten Kommission sowie die Festlegung der Ratzusammenset-
zungen, die allesamt mit qualifizierter Mehrheit erfolgen.

7.5.3Der Rat

Der Rat, auch Rat der Europischen Union oder Ministerrat genannt, ist das Binde-
glied zwischen den Mitgliedstaaten und der Union. Er vertritt primr mitgliedstaat-
liche Interessen und ist zusammen mit dem EP Teil der Legislative.

[Link]Zusammensetzung und Arbeitsweise


Der Rat besteht aus je einem Vertreter eines Mitgliedstaats auf Ministerebene, der
befugt sein muss, fr seine Regierung verbindlich zu handeln und das Stimmrecht
auszuben (Art.16 II EUV). Gngige Praxis ist, dass ein Minister im Falle sei-
ner Verhinderung von einem Staatssekretr vertreten wird. Fderal organisierte
Mitgliedstaaten knnen auch Minister der Gliedstaaten in den Rat entsenden. In
Deutschland ist diese Mglichkeit in Art.23 VI Grundgesetz vorgesehen fr den
Fall, dass die im Rat zu behandelnde Materie im Schwerpunkt ausschlieliche Ge-
setzgebungsbefugnisse der Lnder auf den Gebieten der schulischen Bildung, der
Kultur oder des Rundfunks betreffen. Die Ratsmitglieder sind (anders als die Mit-
glieder der Kommission) Vertreter der Regierungen und somit an deren Vorgaben
und Weisungen gebunden.
Der Rat tagt in zehn verschiedenen Zusammensetzungen (Formationen):

Allgemeine Angelegenheiten
Auswrtige Angelegenheiten
Wirtschaft und Finanzen
Justiz und Inneres
Beschftigung, Sozialpolitik, Gesundheit und Verbraucherschutz
Wettbewerbsfhigkeit (einschlielich Binnenmarkt, Industrie, Forschung)
Verkehr, Telekommunikation, Energie
Landwirtschaft und Fischerei
Umwelt
Bildung, Jugend, Kultur und Sport
7.5Organisationsstruktur 177

Eine besondere Rolle nimmt der Rat fr Allgemeine Angelegenheiten wahr. Er


sorgt fr die Kohrenz der Aktivitten der anderen Formationen und bereitet in
Absprache mit den Prsidenten des Europischen Rates und der Europischen
Kommission die Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs vor. Strker in den
Fokus der ffentlichkeit gerckt ist in den letzten Jahren der Rat Wirtschaft und
Finanzen (Economic and Financial Affairs Council Ecofin), der in vielen Sitzun-
gen mit der Bewltigung der Finanz- und Staatsschuldenkrise der EU befasst war.
Im Rat fr Auswrtige Angelegenheiten fhrt der Hohe Vertreter fr Auen-
und Sicherheitspolitik den Vorsitz. Fr alle anderen Rats-Formationen gilt das
Rotationsprinzip, d. h. der Vorsitz und damit die Ratsprsidentschaft wechselt
halbjhrlich zwischen den Mitgliedstaaten (Art.16 IX EUV). Um die Kontinuitt
der Arbeit des Rates zu gewhrleisten, kooperieren die gegenwrtige, die vorher-
gehende und die nachfolgende Ratsprsidentschaft.
Untersttzt wird der Rat durch ein Generalsekretariat sowie verschiedene Aus-
schsse. Der bedeutendste unter ihnen ist der Ausschuss der Stndigen Vertreter
der Regierungen der Mitgliedstaaten (COREPER Comit des Rprsentants Per-
manents). Er tagt in etwa zwei Mal pro Woche und bereitet die Beschlussvorlagen
fr den Rat vor (Art.16 VII). Rund 80% dieser Vorlagen werden von den Minis-
tern nicht mehr selbst beraten, sondern auf Grundlage der Vorarbeit des COREPER
ohne Diskussion beschlossen, was erheblich zur Effizienz der Ratsarbeit beitrgt
(Wessels 2008, S.212f.).

[Link]Aufgaben und Befugnisse


Der Rat spielt eine zentrale Rolle im Rechtsetzungsprozess der EU. Gemeinsam
mit dem EP beschliet er im Rahmen des ordentlichen Gesetzgebungsverfahrens
Verordnungen und Richtlinien und fungiert damit als Gesetzgeber der EU (Art.16
I EUV). Ebenfalls zusammen mit dem EP stellt er den Haushaltsplanentwurf auf
und verabschiedet den Haushalt der Union.
Auch im Bereich der Auenbeziehungen spielt er eine wichtige Rolle. So gestal-
tet er die GASP, beschliet ber die erforderlichen Manahmen auf Grundlage der
vom Europischen Rat festgelegten Leitlinien und strategischen Vorgaben (Art.26
II) und sorgt fr die Kohrenz auenpolitischen Handelns der Union (Art.16 VI).
Darber hinaus schliet er im Namen der Union internationale bereinknfte mit
anderen Staaten oder internationalen Organisationen (Art.218 AEUV).
Der Rat bt auch die Personalhoheit aus: Er ernennt die Mitglieder des Rech-
nungshofes, des Wirtschafts- und Sozialausschusses sowie des Ausschusses der
Regionen. Zum seinem Aufgabenprofil gehren ferner die Beschlussfassung ber
Ausnahmen vom Beihilfeverbot, ber besondere wirtschaftspolitische Manah-
men bei auergewhnlichen Schwierigkeiten, ber Manahmen gegen bermige
178 7 Europische Union (EU)

ffentliche Defizite, Embargobeschlsse gegen Drittstaaten sowie Manahmen im


Rahmen der Terrorismusbekmpfung (Bieber etal. 2013, S.139).

[Link]Beschlussfassung
Der Rat trifft seine Beschlsse mit Einstimmigkeit, einfacher Mehrheit oder mit
qualifizierter Mehrheit. In den weitaus meisten Fllen beschliet er mit qualifi-
zierter Mehrheit (Art.16 III EUV). Dazu werden die Stimmen der Mitgliedstaaten
entsprechend ihrer Bevlkerungsgre unterschiedlich gewichtet. Die Spannweite
der Stimmen reicht, wie Tab.7.3 veranschaulicht, von 29 fr die vier grten Mit-
glieder (Deutschland, Frankreich, Grobritannien, Italien) bis hin zu drei Stimmen
fr Malta.
Ein Beschluss ber einen Rechtsakt kommt mit qualifizierter Mehrheit zustan-
de, wenn eine Mehrheit der Mitgliedstaaten (gegenwrtig also 15) zustimmt und
diese mindestens 260 der 352 Stimmen im Rat auf sich vereinigt. (Im seltenen
Fall, dass ein Beschluss nicht auf Vorschlag der Kommission gefasst wird, ist eine
Zweidrittel-Mehrheit der Mitglieder und 260 Stimmen erforderlich.) Auf Antrag
eines Mitgliedstaates muss berprft werden, ob die zustimmenden Mitgliedstaa-
ten mindestens 62% der Gesamtbevlkerung der EU reprsentieren. Anderenfalls
gilt der Beschluss als nicht gefasst.19
Eine neue Regel zur Berechnung der qualifizierten Mehrheit wird ab dem 1.
November 2014 gelten: Die qualifizierte Mehrheit wird dann erreicht sein, wenn

Tab. 7.3 Stimmenverteilung EU-Rat nach Mitgliedstaaten


Mitgliedstaaten Stimmen
Deutschland, Frankreich, Italien, Grobritannien 29
Polen, Spanien 27
Rumnien 14
Niederlande 13
Belgien, Griechenland, Portugal, Tschechien, Ungarn 12
Bulgarien, sterreich, Schweden 10
Dnemark, Finnland, Irland, Kroatien, Litauen, Slowakei 7
Estland, Lettland, Luxemburg, Slowenien, Zypern 4
Malta 3
EU 28 352

Eine bersicht ber die Stimmanzahl der im Rat vertretenen EU-Mitgliedstaaten sowie
19

Erluterungen zur Berechnung der qualifizierten Mehrheit findet sich in Art.3 III des Proto-
kolls Nr.36 zum EUV/AEUV.
7.5Organisationsstruktur 179

gem Art.16 IV EUV eine Mehrheit von 55% der Mitglieder des Rates, die zu-
gleich 15 Staaten und mindestens 65% der Bevlkerung der Union reprsentieren,
fr einen Rechtsakt stimmt. (Im seltenen Fall, dass ein Beschluss nicht auf Vor-
schlag der Kommission gefasst wird, ist eine Mehrheit von 72% der Mitglieder des
Rates erforderlich, die mindestens 65% der EU-Bevlkerung ausmacht). Blockiert
werden kann ein Beschluss, falls vier Mitglieder, die mindestens 35% der Bevl-
kerung reprsentieren, dagegen votieren (Art.238 II, III AEUV).20
Bei der Beschlussfassung mit einfacher Mehrheit verfgt jeder Mitgliedstaat
ber eine Stimme. Fr einen Beschluss gengen daher gegenwrtig 15 Stimmen
(Art.238 I AEUV). Mit einfacher Mehrheit wird u.a. ber die Organisation des
Generalsekretariats des Rates und dessen Geschftsordnung sowie ber die Einset-
zung eines Beschftigungsausschusses (Art. 150 AEUV) und eines Ausschusses
fr Sozialschutz (Art.160 AEUV) entschieden. Die einfache Mehrheit im Rat gilt
auch fr Antrge des Rates zur Amtsenthebung von Mitgliedern der Kommission
(Art.247 AEUV).
Bestimmte Entscheidungen mssen mit Einstimmigkeit getroffen werden. Soll-
te sich ein Mitglied im Rat der Stimme enthalten, steht dies dem Zustandekommen
des Beschlusses nicht entgegen (Art. 238 IV AEUV). Einstimmigkeit bedarf es
generell im Bereich der intergouvernemental ausgestalteten Auen- und Sicher-
heitspolitik (Art.24 I EUV), bei der Steuer- und Sozialpolitik, der Aufnahme neuer
Mitgliedstaaten (Art.49 EUV), bei Kompetenzergnzungen (Art.352 AEUV), bei
Vorkehrungen zur Bekmpfung von Diskriminierungen (Art.19 AEUV), bei der
Einsetzung einer Europischen Staatsanwaltschaft (Art.17 EUV) sowie bei Richt-
linien fr die Harmonisierung des Binnenmarktes (Art.115 AEUV).

7.5.4Die Europische Kommission

Als Motor der Integration bringt die Kommission durch ihr Initiativrecht die
Unionsgesetzgebung voran und als Hterin der Vertrge wacht sie ber de-
ren Einhaltung. Wendet man das Gewaltenteilungsprinzip auf die EU an, so bildet
die Kommission die Exekutive. Sie bernimmt im Rahmen der Politikgestaltung
wesentliche Aufgaben bei der Vorbereitung, Verabschiedung, Durchfhrung und
Kontrolle von verbindlichen Entscheidungen (Wessels 2008, S. 225). Im Unter-
schied zu den Mitgliedern des Rates sind die Mitglieder der Kommission nicht an

20
In den Verhandlungen zum Vertrag von Lissabon hat Polen allerdings durchgesetzt, dass
in der Zeit vom 1. November 2014 bis zum 31. Mrz 2017 ein Mitglied des Rates beantragen
kann, dass die qualifizierte Mehrheit nach dem alten, bis zum 1. November 2014 geltenden
Berechnungssystem ermittelt wird (Art.3 II Protokoll Nr.36).
180 7 Europische Union (EU)

die Weisungen ihrer Regierungen gebunden und den nationalen Parlamenten nicht
rechenschaftspflichtig (Art.18 III EUV). Die Mitgliedstaaten haben ihre Unabhn-
gigkeit zu beachten und jegliche Form der Einflussnahme bei der Erfllung ihrer
Aufgaben zu unterlassen (Art.25 AEUV). Eine Abberufung eines Kommissions-
mitglieds durch eine nationale Regierung ist nicht mglich.
Eine herausgehobene Rolle nimmt der Prsident der Europischen Kommis-
sion ein. Gem Art. 248 AEUV bertrgt er den Mitgliedern der Kommission
ihre Aufgaben, die sie unter seiner Leitung ausfhren. Ferner legt er die Leitlinien
fest, nach denen die Kommission ihre Aufgaben wahrnimmt; er entscheidet ber
die interne Organisation (z.B. Anzahl und Zuschnitt der Generaldirektionen) und
ernennt (mit Ausnahme des Hohen Vertreters fr Auen- und Sicherheitspolitik)
die Vizeprsidenten der Kommission (Art.17 VI EUV).
Eine wichtige Person in der Kommission ist der mit Zustimmung des Kommis-
sionsprsidenten mit qualifizierter Mehrheit vom Europischen Rat ernannte Hohe
Vertreter der Union fr Auen- und Sicherheitspolitik (Art.18 EUV). Dieser
ist nicht nur in Personalunion Vizeprsident der Kommission, sondern auch Vor-
sitzender im Rat Auswrtige Angelegenheiten und zustndiger Kommissar fr
Auenbeziehungen (Doppelhut).

[Link]Zusammensetzung und Ernennung


Die Kommission besteht einschlielich ihres Prsidenten und dem Hohen Vertreter
fr Auen- und Sicherheitspolitik aus je einem Staatsangehrigen jedes Mitglied-
staates (Art.17 IV EUV). So umfasst die Kommission gegenwrtig 28 Kommissa-
re. Im Vertrag von Lissabon ist zwar eine Verkleinerung auf zwei Drittel der Zahl
der Mitgliedstaaten ab dem 1. November 2014 vorgesehen (Art.17V EUV), doch
hat der Europische Rat beschlossen, auf eine Verkleinerung zu verzichten.21
Die Ernennung der Kommission inklusive ihres Prsidenten ist in Art.17 VII
EUV geregelt und erfolgt in fnf Schritten: 1) Der Europische Rat schlgt dem EP
mit qualifizierter Mehrheit einen Kandidaten fr das Amt des Kommissionsprsi-
denten vor. 2) Das EP whlt diesen Kandidaten mit der Mehrheit seiner Mitglieder.
3) Der Rat nimmt danach im Einvernehmen mit dem gewhlten Kommissions-
prsidenten die Liste der von den nationalen Regierungen fr die Kommission no-
minierten Kandidaten an.22 4) Als Kollegium mssen sich dann der Prsident, der

21
Diese Entscheidung ist eine Gegenleistung fr das zweite Referendum ber den Vertrag
von Lissabon in Irland.
22
In der Praxis hat es sich eingebrgert, dass die nationalen Regierungen ehemalige hoch-
rangige Politiker ihres Landes als Kommissar in Brssel entsenden. Fr Deutschland war
dies zuletzt der frhere Ministerprsident von Baden-Wrttemberg Gnter Oettinger. Er ge-
hrt auch der neuen Kommission an.
7.5Organisationsstruktur 181

Hohe Vertreter fr Auen- und Sicherheitspolitik und die brigen Kommissions-


mitglieder einem Zustimmungsvotum des Parlaments stellen. 5) Nach erfolgter
Zustimmung wird die gesamte Kommission vom Europischen Rat mit qualifi-
zierter Mehrheit ernannt.
Die Amtszeit der Kommissionsmitglieder betrgt fnf Jahre. Auer aufgrund
freiwilligen Rcktritts, Amtsablaufs oder Todes knnen sie ihr Amt durch eine
Rcktrittsaufforderung des Kommissionsprsidenten (Art.17 VI EUV), ein erfolg-
reiches Misstrauensvotum des EPs gegen die gesamte Kommission (Art.17 VIII
EUV i.V.m. Art.234 AEUV) oder eine Amtsenthebung durch den Europischen
Gerichtshof (Art.247 AEUV) verlieren.

[Link]Arbeitsweise und Organisation


Die Kommission mit Sitz in Brssel tritt laut Geschftsordnung mindestens ein-
mal wchentlich zu einer Sitzung zusammen. Neben den Kommissionsmitgliedern
nehmen auch der Generalsekretr der Kommission sowie die Leiter einiger Gene-
raldirektionen an den Sitzungen teil.
Die von Kommissionsprsident Jean-Claude Juncker neu gebildete Kommis-
sion, deren fnfjhrige Amtszeit im November 2014 begann, weist im Vergleich
zur vorherigen Kommission unter Jos Manuel Barroso umfangreiche strukturelle
nderungen auf. So gibt es neben der als Vizeprsidentin gesetzten Hohen Vertre-
terin der Union fr Auen- und Sicherheitspolitik und dem fr Fragen der besseren
Rechtsetzung zustndigen Ersten Vizeprsidenten23 fnf weitere Vizeprsidenten,
die jeweils fr die Steuerung und die Koordination der EU-Politik in einem wich-
tigen Themenbereich (Arbeitspltze, Wachstum, Investition und Wettbewerbsf-
higkeit, Digitaler Binnenmarkt und Energieunion) zustndig sind und hierfr in
Projektteams eng mit ihnen zugeordneten Fachkommissaren zusammenarbeiten.
Ein Fachkommissar kann eine neue Gesetzesinitiative nur dann ins Kollegium der
Kommissare einbringen, wenn der Vorschlag die Zustimmung des zustndigen Vi-
zeprsidenten gefunden hat.24
Die Kommission ist in 33 nach Politikbereichen geordnete Abteilungen (Gene-
raldirektionen) sowie 11 Dienststellen gegliedert. Letztere befassen sich mit allge-
meinen Verwaltungsangelegenheiten (z.B. Juristischer Dienst) oder spezifischen

23
Dieses Amt bt der Niederlnder Frans Timmermans aus. Sein komplett neues Ressort
sollsicherstellen, dass jeder Kommissionsvorschlag wirklich erforderlich und nur auf Ziele
ausgerichtet ist, die nicht durch die Mitgliedstaaten besser erreicht werden knnen, womit
Timmermans quasi zum Wchter des Subsidiarittsgrundsatzes wird.
24
Fr Einzelheiten der neuen Kommissionsstruktur siehe [Link]
IP-14-984_de.htm; [Link] 18.09.2014.
182 7 Europische Union (EU)

Aufgabenbereichen (z.B. Europisches Amt fr Betrugsbekmpfung). Ferner gibt


es 32 dezentrale Agenturen und Einrichtungen, wie z.B. die Europische Agentur
fr die operative Zusammenarbeit an den Auengrenzen (Agence europenne pour
la gestion de la coopration oprationnelle aux frontires extrieures FRONTEX)
oder das Europische Polizeiamt (Europol).
Die Kommission unterhlt eigene Vertretungen in jedem Mitgliedstaat sowie
139 Delegationen und Bros in Drittstaaten und bei internationalen Organisati-
onen. Zur Erfllung ihrer Aufgaben stehen ihr rund 33.000 Bedienstete (Stand 1.
Januar 2014) zur Verfgung.25

[Link]Aufgaben und Befugnisse


Die zwei wichtigsten Aufgaben bzw. Befugnisse der Kommission liegen in der
Ausbung des Initiativrechts und des Kontrollrechts. Die Kommission hat insofern
das alleinige Initiativrecht als ein Gesetzgebungsakt der Union nur auf Vorschlag
der Kommission erlassen werden kann (Art.17 II EUV). In der Praxis luft das
Verfahren so ab, dass die Kommission einen Entwurf fr einen Gesetzgebungsakt
(z.B. Verordnung oder Richtlinie) ausarbeitet und diesen an den Rat und das EP
zur Beschlussfassung weiterleitet. In Ausbung ihres Kontrollrechts berwacht die
Kommission die Anwendung des Unionsrechts durch die Mitgliedstaaten (Art.17
I EUV). Hierzu zhlen die Einhaltung des primren sowie die Implementierung
des sekundren Unionsrechts. Sollte die Kommission eine Verletzung der Ver-
pflichtungen durch einen Mitgliedstaat feststellen, so kann sie gegen diesen Staat
ein Vertragsverletzungsverfahren (Art.258 AEUV) einleiten, an dessen Ende eine
Verurteilung durch den Europischen Gerichtshof stehen kann. Eine wichtige
Kontrollfunktion kommt der Kommission ferner bei der berwachung des Verbots
staatlicher Beihilfen zu (Art.108 II AEUV).
Zu den weiteren Aufgaben der Kommission gehren Koordinierungs-, Exeku-
tiv- und Verwaltungsfunktionen (Art.17 I EUV). Hierzu zhlen die Verwaltung der
zahlreichen Agenturen der EU, die Verwaltung von Fonds (Agrar-, Sozial- und Re-
gionalfonds), die Umsetzung der EU-Wettbewerbspolitik (Art.105 i.V.m. Art.101
AEUV), die Ausfhrung des EU-Haushalts (Art.17 I EUV) sowie die Aushand-
lung vlkerrechtlicher Vertrge mit Drittlndern oder internationalen Organisatio-
nen (Art.218 AEUV) und die Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen
wie insbesondere den Vereinten Nationen (Art. 220 AEUV). Schlielich hat die
Kommission auch eine Rechtsetzungsfunktion, indem sie Durchfhrungsverord-
nungen zur Freizgigkeit der Arbeitnehmer oder Richtlinien zur Wirtschaftsttig-

25
[Link] 28.07.2014.
7.5Organisationsstruktur 183

keit ffentlicher Unternehmen erlsst oder an die Mitgliedstaaten gerichtete Be-


schlsse fasst (Art.106 III AEUV).
Die Beschlsse der Kommission werden mit der Mehrheit ihrer Mitglieder ge-
fasst (Art. 250 AEUV). Fr die Beschlussfhigkeit muss laut Geschftsordnung
mindestens die Hlfte der Mitglieder bei der Abstimmung anwesend sein.

7.5.5Der Gerichtshof der EU

Zum EU-Recht, ber dessen Auslegung und Anwendung der Gerichtshof der EU
wacht, zhlt das in den Vertrgen verankerte primre Unionsrecht einschlielich
der Europischen Grundrechtecharta, das ungeschriebene Primrrecht in Form
der allgemeinen Rechtsgrundstze sowie das sekundre Unionsrecht mit den in
Art. 288 AEUV vorgesehenen Rechtsakten. Die Urteile des Gerichtshofs haben
mageblich zur Weiterentwicklung der europischen Integration beigetragen, auch
wenn sie bisweilen auf Skepsis bzw. Ablehnung in den Mitgliedstaaten gestoen
sind.

[Link]Zusammensetzung und Zustndigkeit


Der Gerichtshof der EU umfasst gem Art.19 I EUV den Europischen Gerichts-
hof (EuGH), das Gericht (frher Gericht erster Instanz) und Fachgerichte.
Der EuGH ist das Hauptgericht. Er besteht aus einem Richter je Mitglied-
staat (Art.19 II EUV), also 28 Richtern, sowie aus acht Generalanwlten (Art.222
AEUV). Sie werden von den Regierungen der Mitgliedstaaten im gegenseitigen
Einvernehmen auf sechs Jahre ernannt (Art.253 AEUV). Sie mssen Gewhr fr
Unabhngigkeit bieten, in ihrem Staat die fr die hchstrichterlichen mter er-
forderlichen Voraussetzungen erfllen oder Juristen von anerkannt hervorragender
Befhigung sein. Im Jahr 2012 gingen 632 neue Rechtssachen beim EuGH ein, 595
wurden erledigt. Die Zahl der anhngigen Rechtssachen belief sich 2012 auf 886.
Das Gericht besteht ebenfalls aus einem Richter je Mitgliedstaat, wird jedoch
nicht von Generalanwlten untersttzt. 2012 gingen 617 Rechtssachen neu ein,
688 wurden erledigt. Die Zahl der anhngigen Rechtssachen belief sich 2012 auf
1237.
Als Fachgericht (Art.257 AEUV) wurde bislang nur das Gericht fr den f-
fentlichen Dienst der EU eingerichtet, das ber Streitigkeiten zwischen der Union
und ihren Bediensteten entscheidet. 2012 gingen 178 neue Rechtssachen ein, wo-
bei die Kommission mit knapp 60% das am meisten beklagte Organ war. 2012
184 7 Europische Union (EU)

wurden 121 Rechtssachen erledigt, die Zahl der anhngigen Rechtssachen belief
sich auf 235.26
Die Zustndigkeit der Gerichte ist in Art. 256 I AEUV geregelt. Der EuGH
entscheidet ber Vertragsverletzungsklagen (Art. 258260 AEUV), Schadenser-
satzklagen (Art.268 AEUV) sowie Vorabentscheidungen (Art.267 AEUV); das
Gericht ber Nichtigkeitsklagen (Art. 263264 AEUV) und Unttigkeitsklagen
(Art. 265 AEUV).

[Link]Verfahrensarten
Der Vertragsverletzungsklage ist die Einleitung eines Vertragsverletzungsverfah-
rens durch die Kommission vorgeschaltet. Es wird entweder von der Kommission
(Regel) oder von einem Mitgliedstaat (Ausnahme) mit der Begrndung initiiert,
ein anderer Mitgliedstaat habe gegen eine Verpflichtung aus den Vertrgen ver-
stoen. Ein mglicher Versto bzw. eine Verletzung des Unionsrechts durch einen
Mitgliedstaat kann z.B. in der Nichtanwendung von Verordnungen oder einer un-
zureichenden oder unterlassenen Umsetzung einer Richtlinie bestehen. Kommt
ein Staat seinen Verpflichtungen nicht nach, kann die Kommission Vertragsver-
letzungsklage beim EuGH gegen den sumigen Staat erheben. Stellt der EuGH
einen tatschlichen Versto gegen eine Verpflichtung aus den Vertrgen fest, und
der betroffene Staat hilft diesem Versto nicht innerhalb einer bestimmten Frist
ab, so kann er entweder einen Pauschalbetrag oder ein tgliches Zwangsgeld als
Sanktion verhngen.
Ende 2012 gab es 1343 Vertragsverletzungsverfahren (dazu zhlen alle Ver-
fahren, bei denen die Kommission dem betreffenden Mitgliedstaat zumindest ein
Aufforderungsschreiben gem Art. 258 AEUV zugesandt hat), davon entfielen
61 auf Deutschland. Am wenigsten anhngige Verfahren wies Lettland mit 20, am
meisten Italien mit 99 auf.27 2012 gab es drei Gerichtsurteile gegen zwei Staa-
ten gem Artikel 260 II AEUV, die finanzielle Sanktionen zur Folge hatten.28

26
Fr eine bersicht von neu eingegangenen, erledigten und anhngigen Rechtssachen der
drei Gerichte siehe: Gerichtshof der Europischen Union: Jahresbericht 2012, [Link]
[Link]/jcms/upload/docs/application/pdf/2013-04/192685_2012_6020_cdj_ra_2012_
de_proof_01.pdf, 28.07.2014.
27
Siehe Europische Kommission: Jahresbericht ber die Kontrolle der Anwendung des
EU-Rechts (2012), COM (2013) 726 final vom 22.10.2013, [Link]
docs/docs_infringements/annual_report_30/com_2013_726_de.pdf, 28.07.2014.
28
Irland wurde in einer Rechtssache zur Zahlung eines Pauschalbetrags in Hhe von 2Mio.
und eines Zwangsgelds in Hhe von 12.000/Tag sowie in einer anderen Rechtssache zur
Zahlung eines Pauschalbetrags in Hhe von 1,5Mio. verurteilt. Gegen Spanien wurde ein
Pauschalbetrag in Hhe von 20Mio. und ein tgliches Zwangsgeld von 50.000 verhngt.
7.5Organisationsstruktur 185

Finanzielle Sanktionen gegen Deutschland wurden bisher noch nicht verhngt.29


Von 19522012 wurden 3680 Vertragsverletzungsklagen verhandelt, darunter 272
gegen Deutschland. Nur vier Staaten sahen sich in dieser Zeitspanne mehr Klagen
gegenber, und zwar Italien mit 633, Frankreich mit 410, Griechenland mit 385
und Belgien mit 323.30
Nichtigkeitsklagen (2012 gingen 257 ein) begehren die Aufhebung von ver-
bindlichen Rechtsakten der EU-Organe also von Verordnungen, Richtlinien und
Beschlssen wegen Rechtswidrigkeit aufgrund von Unzustndigkeit, Verletzung
von Formvorschriften, Vertragsverletzung oder Ermessensmissbrauch. Sie knnen
sowohl von Mitgliedstaaten als auch von EU-Organen erhoben werden; ebenfalls
klagebefugt sind natrliche und juristische Personen.
Unttigkeitsklagen (2012 gingen acht ein) richten sich gegen die Unterlassung
einer Beschlussfassung durch das EP, den Europischen Rat, den Rat, die Kom-
mission oder die Europische Zentralbank. Eine Klage ist dann begrndet, wenn
das Organ aus dem EU-Vertrag oder sekundrem Recht verpflichtet gewesen war,
den unterlassenen Beschluss zu fassen. Klagebefugt sind andere EU-Organe sowie
natrliche und juristische Personen.
Schadensersatz- bzw. Amtshaftungsklagen (2012 gingen 17 ein) machen
einen Anspruch auf Schadensersatz fr rechtswidriges Handeln eines EU-Organs
oder eines Bediensteten geltend. Klagebefugt sind Mitgliedstaaten sowie natr-
liche und juristische Personen.
Von den Klagearten zu unterscheiden ist das Vorabentscheidungsverfahren.
Auf Vorlage nationaler Gerichte entscheidet der EuGH ber die Auslegung und
Gltigkeit von EU-Recht. Jedes nationale Gericht eines Mitgliedstaats ist zur Vor-
lage eines unionsrechtlichen Problems an den EuGH berechtigt. Vorlagepflicht
besteht fr nationale Gerichte, deren Entscheidungen Letzt-Entscheidungen
sind und mit Rechtsmitteln des nationalen (innerstaatlichen) Rechts nicht mehr
angefochten werden knnen, sowie fr jedes nationale Gericht, dass in einem an-
hngigen Verfahren von der Ungltigkeit eines unionsrechtlichen Aktes ausgeht.

29
Siehe Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Jan Kor-
te, Andrej Hunko, Jens Petermann, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
Drucksache 17/9385 EU-Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik
Deutschland, [Link] 28. 07. 2014.
30
Siehe Gerichtshof der Europischen Union, Jahresbericht 2012, [Link]
jcms/upload/docs/application/pdf/2013-04/192685_2012_6020_cdj_ra_2012_de_proof_01.
pdf, 28.07.2014.
186 7 Europische Union (EU)

Deutsche Gerichte haben dem EuGH von 1952 bis 2012 insgesamt 1953 Ersuchen
zur Vorabentscheidung vorgelegt.31

7.5.6Die Europische Zentralbank (EZB)

Zusammen mit den nationalen Zentralbanken (in Deutschland die Bundesbank)


bildet die Europische Zentralbank das Europische System der Zentralbanken
(ESZB). Die EZB ist fr die Whrungspolitik des Euro-Raums verantwortlich;
ihre vordringlichste Aufgabe ist die Wahrung der Preisstabilitt. Organe der EZB
sind das Direktorium, der Rat und der erweiterte Rat. Der Prsident (gegenwrtig
der Italiener Mario Draghi), die Vizeprsidenten sowie die weiteren Mitglieder des
Direktoriums werden vom Europischen Rat auf Empfehlung des Rats mit quali-
fizierter Mehrheit fr eine Amtszeit von acht Jahren ernannt (Art. 283 II AEUV).

7.5.7Der Rechnungshof

Der Rechnungshof prft die Rechnung ber alle Einnahmen und Ausgaben der
Union sowie die Rechnung ber alle Einnahmen und Ausgaben jeder von der
Union geschaffenen Einrichtung. Prfungsmastab ist dabei die Rechtmigkeit
und Ordnungsmigkeit der Einnahmen und Ausgaben sowie die Wirtschaftlich-
keit der Haushaltsfhrung. Er setzt sich aus einem Staatsangehrigen eines jeden
Mitgliedstaats zusammen. Die Liste der von den Mitgliedstaaten vorgeschlagenen
Persnlichkeiten wird vom Rat angenommen. Aus der Mitte der Mitglieder, deren
Amtszeit sich auf sechs Jahre beluft, wird der Prsident des Rechnungshofs fr
drei Jahre gewhlt (Art. 287 AEUV).

31
Erst Anfang Februar 2014 entschied sich das BVerfG zum ersten Mal, dem EuGH eine
Entscheidung im Wege des Vorabentscheidungsverfahrens nach Art. 267 AEUV vorzule-
gen. Der Fall betrifft die (Un)Vereinbarkeit des Outright Monetary Transactions-Beschlusses
(OMT-Beschluss) der EZB mit dem Unionsrecht. Der im September 2012 von EZB-Pr-
sident Mario Draghi vorgestellte OMT-Beschluss beinhaltete die Ankndigung, im Falle
groer Turbulenzen auf den Anleihemrkten, die die geldpolitische Stabilitt der Eurozone
gefhrden, Staatsanleihen einzelner in Schieflage geratener Lnder in unbegrenzter Hhe
aufkaufen zu wollen. Der Beschluss trug wesentlich zur Beruhigung der Finanzmrkte in
der Eurokrise bei.
7.5Organisationsstruktur 187

7.5.8Der Wirtschafts- und Sozialausschuss (WSA)

Der WSA, auch Europischer Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) genannt,


ist gem Art. 300 I AEUV eine beratende Einrichtung zur Untersttzung von EP,
Rat und Kommission. Als Sprachrohr der Organisationen der Zivilgesellschaft in
den Mitgliedstaaten trgt er dazu bei, dass die demokratischen Legitimitt und die
Wirkungskraft der EU gestrkt wird, dass die Politik und die Gesetzgebung der
EU den wirtschaftlichen, sozialen und brgerschaftlichen Gegebenheiten besser
angepasst werden und dass auf diese Weise die Entwicklung einer von mehr Parti-
zipation und Brgernhe geprgten EU begnstigt wird.

[Link]Zusammensetzung, Ernennung und Arbeitsweise


Der WSA setzt sich aus hchstens 350 Mitgliedern zusammen (Art. 301 AEUV).
In der Mandatsperiode 20102015 gehren ihm 344 Mitglieder an; die Anzahl
der Vertreter, die ein Land in den Ausschuss entsenden kann, richtet sich nach
dessen Gre. Dementsprechend entfallen auf Deutschland, Frankreich, Italien,
Vereinigtes Knigreich 24; Polen, Spanien 21; Rumnien 15; Belgien, Bulgarien,
Griechenland, Portugal, Schweden, Tschechien, Ungarn 12; Dnemark, Finnland,
Irland, Litauen, Slowakei 9; Estland, Lettland, Slowenien 7, Luxemburg, Zypern
6, Malta 5.32 Die Mitglieder werden auf Vorschlag der Mitgliedstaaten vom Rat
auf fnf Jahre mit qualifizierter Mehrheit ernannt (Art. 302 I). Dabei handelt es
sich um Vertreter der Organisationen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer so-
wie andere Vertreter der Zivilgesellschaft, insbesondere aus dem sozialen, wirt-
schaftlichen, staatsbrgerlichen, beruflichen und kulturellen Bereich (Art. 300 II).
Der WSA, der im Jahr neun Sitzungen abhlt, whlt aus seiner Mitte einen Prsi-
denten und ein Prsidium fr eine Amtsdauer von zweieinhalb Jahren (Art. 303).
Die Arbeit erfolgt in sechs Fachkommissionen: Beschftigung und soziale Frage;
Transport, Energie, Infrastruktur und Informationsgesellschaft; Binnenmarkt und
Verbraucher; wirtschaftliche und soziale Kohsion; Landwirtschaft und Umwelt;
Auenbeziehungen.

[Link]Aufgaben und Befugnisse


Als beratende Einrichtung muss der WSA vom EP, vom Rat oder von der Kommis-
sion in den vertraglich vorgesehenen Fllen gehrt werden (z.B. bei Rechtsakten
im Bereich der Umweltpolitik gem Art. 192 I AEUV). Diesem Anhrungsrecht
kommt er durch die Ausarbeitung von Stellungnahmen und deren Weiterleitung an
die entsprechenden EU-Organe nach. Darber hinaus kann er von diesen Organen

32
[Link] 28.07.2014.
188 7 Europische Union (EU)

in allen Fllen gehrt werden, in denen diese es fr zweckmig erachten, und


von sich aus initiativ werden und eine Stellungnahme abgeben, sofern er dies fr
zweckmig erachtet (Art. 304). Sollte der WSA entgegen den in den Vertrgen
vorgesehenen Fllen nicht vor der Beschlussfassung eines Rechtsaktes angehrt
werden, so stellt dies eine Verletzung einer wesentlichen Formvorschrift dar und
kann im Wege einer Nichtigkeitsklage zur Rechtswidrigkeit eines Rechtsaktes fh-
ren (Art. 263).

7.5.9Der Ausschuss der Regionen (AdR)

Der AdR ist ebenfalls eine beratende Einrichtung zur Untersttzung von EP, Rat
und Kommission (Art. 300 I AEUV). Er ist das Sprachrohr der lokalen und regio-
nalen Gebietskrperschaften der Mitgliedstaaten. Fr Deutschland reprsentiert er
die 16 Bundeslnder sowie ca. 12.900 lokale Gebietskrperschaften (Landkreise,
kreisfreie Stdte, Stdte, Gemeinden).

[Link]Zusammensetzung, Ernennung und Arbeitsweise


Der AdR besteht wie der WSA aus hchstens 350 Mitgliedern. Gegenwrtig sind
es 344 Mitglieder, die analog dem Verteilungsschlssel des WSA auf die einzelnen
Staaten entfallen. Die Mitglieder werden ebenfalls auf Vorschlag der Mitgliedstaa-
ten vom Rat auf fnf Jahre mit qualifizierter Mehrheit ernannt (Art. 305 AEUV).
Dabei handelt es sich gem Art. 300 III um direkt gewhlte Vertreter regionaler
und lokaler Gebietskrperschaftenden (z. B. Landrte, Oberbrgermeister) oder
um politische Amtstrger (wie z.B. Staatssekretre). Die deutsche Delegation be-
steht aus 21 Vertretern der Bundeslnder sowie drei Vertretern der Kommunen.
Die AdR-Mitglieder haben sich in vier Fraktionen zusammengeschlossen: in
der Fraktion der Europischen Volkspartei (EVP), der Fraktion der Sozialdemo-
kratischen Partei Europas (SPE), der Allianz der Liberalen und Demokraten fr
Europa (ALDE) und der Europischen Allianz (EA). Einige Mitglieder sind frak-
tionslos. Der AdR whlt aus seiner Mitte einen Prsidenten und ein Prsidium fr
eine Amtsdauer von zweieinhalb Jahren (Art. 306). Fr seine Arbeit hat er sechs
Fachkommissionen gebildet: territorialer Zusammenhalt; Wirtschafts- und So-
zialpolitik; Bildung, Jugend und Forschung; Umwelt, Klimawandel und Energie;
Unionsbrgerschaft, Governance, institutionelle Fragen und Auenbeziehungen;
natrliche Ressourcen.33

33
[Link] 28.07.2014.
7.6Haushalt und Finanzierung 189

[Link]Aufgaben und Befugnisse


Da es sich beim AdR um eine beratende Einrichtung handelt, muss er vom EP,
vom Rat oder der Kommission in den in den Vertrgen vorgesehenen Fllen ge-
hrt werden. Es handelt sich hierbei insbesondere um die Bereiche Beschftigung,
Umwelt, Bildung und Gesundheit. Aufgrund dieses Anhrungsrechts gibt der AdR
Stellungnahmen zu Legislativakten in Hinblick auf die Bercksichtigung regio-
naler und kommunaler Interessen ab. ber die Anhrungspflicht hinaus kann er
von EP, Rat oder Kommission in den Fllen gehrt werden, in denen diese es fr
zweckmig erachten, insbesondere jedoch in Fllen mit grenzberschreitendem
Bezug. Schlielich kann der AdR auch selbst aktiv werden und eine Stellungnah-
me abgeben, sofern spezifische regionale Interessen berhrt sind. Sollte der AdR
entgegen den in den Vertrgen vorgesehenen Fllen nicht vor der Beschlussfassung
eines Rechtsaktes angehrt werden, so stellt dies analog zur Nichtanhrung des
WSA eine Verletzung einer wesentlichen Formvorschrift dar und kann im Wege
einer Nichtigkeitsklage die Aufhebung des Rechtsaktes zur Folge haben.

7.6Haushalt und Finanzierung34

Im Haushalt der EU, ber den seit dem Vertrag von Lissabon Rat und EP gleichbe-
rechtigt entscheiden, werden die Hhe und die Zusammensetzung der Einnahmen
und Ausgaben festgelegt. ber die Mittelverteilung verfolgt die EU die in Art. 3
EUV definierten Ziele und setzt politische Prioritten. Um ber einen lngeren
Zeitraum hinweg die Schwerpunkte der EU-Politik finanziell planen zu knnen,
gibt es das Instrument des mehrjhrigen Finanzrahmens.

7.6.1Mehrjhriger Finanzrahmen

Der mehrjhrige Finanzrahmen (MFR) wird fr mindestens fnf Jahre aufgestellt


(Art. 312 I AEUV). In der Praxis sind es sieben Jahre, wie beim krzlich abgelaufe-
nen Finanzrahmen 20072013 und beim gegenwrtig gltigen Finanzrahmen 2014
2020. Mit dem Finanzrahmen werden Obergrenzen fr die jhrlichen Ausgaben ins-
gesamt und fr einzelne Ausgabenkategorien festgelegt. Die Jahresplne mssen
mit dem mehrjhrigen Finanzrahmen bereinstimmen, der durch eine einstimmig
angenommene Verordnung des Rates mit Zustimmung des EP festgestellt wird.
Der MFR umfasst sowohl Mittel fr Verpflichtungen als auch Mittel fr Zah-
lungen. Nach langwidrigen Verhandlungen einigten sich Rat und EP Ende 2013

Detaillierte Informationen zum EU-Haushalt mit Links zu zahlreichen Broschren der


34

Kommission finden sich unter [Link]/budget/index_de.cfm, 28.07.2014.


190 7 Europische Union (EU)

auf den Finanzrahmen 20142020, der eine Obergrenze von 960Mrd. fr Ver-
pflichtungen und eine Obergrenze von 908Mrd. fr Zahlungen vorsieht.35 Fr
den Zeitraum 20072013 lagen die Obergrenzen fr Verpflichtungen noch bei
976Mrd. und fr Zahlungen bei 926Mrd.. Damit stehen der EU weniger Mittel
zur Verfgung, was der Forderung vieler Mitgliedslnder, insbesondere Deutsch-
lands und Grobritanniens, nach Einsparungen entsprach.

7.6.2Einnahmen

Im Unterschied zu Staaten, die sich durch Steuern und Abgaben finanzieren, resul-
tieren die Einnahmen der EU vollstndig aus Eigenmitteln (Art. 311 AEUV). Die
Einfhrung einer EU-weiten Steuer ist von den Mitgliedstaaten bislang abgelehnt
worden, weil eine solche Einnahmequelle die EU zu stark in Richtung eines Staa-
tes rcken wrde (Piepenschneider 2012, S.27). Die Eigenmittel der EU setzen
sich in der Reihenfolge ihrer Bedeutung fr den Haushalt wie folgt zusammen:
1) Prozentualer Anteil am Bruttonationaleinkommen (BNE) der Mitgliedstaaten;
2) Zlle aus der Einfuhr von Produkten aus Drittstaaten, Abschpfungen auf Ag-
rar-Importe sowie Abgaben aus der gemeinsamen Marktorganisation fr Zucker;
3) Prozentualer Anteil an den Mehrwertsteuereinnahmen der Mitgliedstaaten; 4)
Sonstige Einnahmen, wie Steuern auf Bezge von EU-Bediensteten, Beitrge von
Nicht-Mitgliedstaaten zu bestimmten EU-Programmen oder Bugelder von Unter-
nehmen, die das Wettbewerbsrecht oder andere Rechtsvorschriften missachtet ha-
ben.
Fr 2014 wurden die Gesamteinnahmen der EU auf 135,5Mrd. veranschlagt
(womit sie fast 10Mrd. unter dem Jahr 2013 lagen). Der prozentuale Anteil der
vier Einnahmequellen verteilt sich, wie Tab.7.4 zeigt, wie folgt:

Tab. 7.4 Zusammensetzung EU-Einnahmen 2014. (Quelle: Europische Kommission:


Mehrjhriger Finanzrahmen 20142020 und EU-Haushalt 2014. bersicht in Zahlen, http://
[Link]/budget/mff/figures/index_de.cfm, 28.07.2014)
Einnahmeart Anteil in Mrd. Euro Anteil in Prozent
(1) BNE-Eigenmittel 99.767 73,6
(2) Zlle und sonstige Abgaben 16.311 12,0
(3) MwSt-Eigenmittel 17.882 13,3
(4) Sonstige Einnahmen 1.544 1,1
Gesamt 135.504 100,0

35
[Link] 28.07.2014.
7.6Haushalt und Finanzierung 191

7.6.3Ausgaben

Einnahmen und Ausgaben sind miteinander gekoppelt, d.h. die Ausgaben drfen
nicht hher sein als die Einnahmen, weil sich die EU im Unterschied zu ihren Mit-
gliedstaaten nicht verschulden darf und keine Investitionen zu Lasten zuknftiger
Haushalte und auerhalb des von den Mitgliedstaaten bewilligten Finanzrahmens
ttigen darf (Aden 2012, S.152). Fr das Jahr 2014 sind rund 135,5Mrd. an Mit-
teln fr Zahlungen und 142,6Mrd. an Mitteln fr Verpflichtungen veranschlagt.
Fr welche Ausgaben-Kategorien und in welcher Hhe die Mittel fr Zahlungen in
2014 verwendet werden, zeigt Tab.7.5.
Grter Haushaltsposten ist der Bereich Intelligentes und integratives Wachs-
tum. Darunter fallen Manahmen zur Strkung der Wettbewerbsfhigkeit und des
sozialen Zusammenhalts innerhalb der Union, wie Regional- und Strukturfonds-
hilfen, Innovations- und Technologiefrderung sowie Manahmen im Rahmen des
Europischen Sozialfonds. Zweitgrter Bereich des EU-Haushalts ist die Kate-
gorie Nachhaltiges Wachstum: natrliche Ressourcen. Darunter fallen neben der
klassischen Landwirtschaftspolitik mit ihren Direktzahlungen (Agrarsubventio-
nen) auch die Entwicklung der lndlichen Rume, die Umweltpolitik sowie die Fi-
scherei. Fr die Rolle der EU in der Welt, wozu alle Auenmanahmen wie insbe-
sondere die Entwicklungshilfe und die humanitre Nothilfe zhlen, werden 6,2%
der Mittel verwendet; fr die Ausgabekategorie Sicherheit und Unionsbrgerschaft
mit den Themen Justiz und Inneres, Grenzschutz, Asyl, Einwanderung, ffentliche
Gesundheit und Verbraucherschutz 1,2%. Auf die Verwaltung, insbesondere Per-
sonal, entfallen rund 6% der Ausgaben.

Tab. 7.5 Zusammensetzung EU-Ausgaben 2014. (Quelle: [Link]


res/2014/2014_de.cfm, 28.07.2014)
Ausgaben-Kategorien Anteil in Mrd. Euro Anteil in Prozent
1. Intelligentes und integratives Wachstum 62.393 46,0
1a) Wettbewerbsfhigkeit fr Wachstum und 11.441 8,4
Beschftigung
1b) Wirtschaftlicher, sozialer und territorialer 50.952 37,6
Zusammenhalt
2. Nachhaltiges Wachstum: natrliche 56.459 41,6
Ressourcen
3. Sicherheit und Unionsbrgerschaft 1.677 1,2
4. Europa in der Welt 6.191 4,5
5. Verwaltung 8.406 6,2
6. Ausgleichzahlungen/besondere Instrumente 378 0,5
Gesamt 135.504 100,0
192 7 Europische Union (EU)

7.6.4Haushaltsverfahren

Die Bestimmungen fr das Haushaltsverfahren finden sich in den Art. 313 und
314 AEUV. Der Kommission werden von den anderen EU-Organen die Entwrfe
fr ihren Haushalt bis zum 1. Juli des Vorjahres bermittelt. Die Kommission legt
sodann sptestens am 1. September dem Rat ihren Entwurf fr den Haushaltsplan
des nchsten Jahres vor, der wiederum seinem Standpunkt bis zum 1. Oktober dem
EP bermittelt (Aden 2012, S.149). Im weiteren Verlauf des Verfahrens beraten EP
und der Rat der Finanzminister den Entwurf, ndern ihn, wo sie es fr ntig halten,
und stellen gemeinsam den Haushaltsplan auf. Ist der Haushalt aufgestellt, wird er
von der Kommission verwaltet, die auch dafr sorgt, dass die Mittel bestimmungs-
gem ausgegeben werden (Pollak und Slominski 2012, S.171).

7.7Aktionsfelder

Die EU hat im Laufe der europischen Integrationsgeschichte staatshnliche


Formen herausgebildet, weshalb die Rechtsetzung eines ihrer wichtigsten Akti-
onsfelder darstellt. Weitere Aktionsfelder sind: Errichtung eines Binnenmarktes;
Schaffung eines Raums der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts; Aufbau einer
Gemeinsamen Auen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik.

7.7.1Rechtsetzung

Seitdem der EuGH in seinen Urteilen in Sachen VanGend&Loos (1963) sowie


Costa/E.N.E.L (1964) der Gemeinschaft bzw. der EWG bescheinigt hat, dass
sie eine eigene Rechtsordnung darstellt, zu deren Gunsten die Mitgliedstaaten
ihre Souvernittsrechte eingeschrnkt haben, ist allgemein anerkannt, dass das
EU-Recht im Grundsatz vorrangige Geltung gegenber dem nationalen Recht der
Mitgliedstaaten hat (Schmidt 2012, S.108). Die vorrangige Geltung des Unions-
rechts wird vom EuGH nicht nur unter Rckgriff auf seine beiden Entscheidungen
begrndet, sondern auch mit Verweis auf den Grundsatz der Unionstreue (Art. 4
III EUV) und dem Argument der Einheitlichkeit der Rechtsanwendung als Voraus-
setzung fr die Funktionsfhigkeit der EU.
In der Praxis wirkt sich die Vorrangigkeit des Unionsrechts so aus, dass deut-
sche Behrden keine Befugnis und Verpflichtung haben, das Unionsrecht auf sei-
ne Vereinbarkeit mit Bundesrecht und dem Grundgesetz zu berprfen, und jedes
deutsche Gericht sowie alle Trger der Verwaltung gehalten sind, Bestimmungen
7.7Aktionsfelder 193

des nationalen Rechts, die dem Unionsrecht widersprechen, unangewendet zu las-


sen. Deshalb spricht man auch vom sogenannten Anwendungsvorrang des EU-
Rechts.
Das EU-Recht besteht aus primrem und sekundrem Recht. Das primre
Unionsrecht umfasst die EU-Vertrge (EUV, AEUV), die Beitrittsvertrge, die
vlkerrechtlichen Vertrge sowie allgemeine Rechtsgrundstze (u.a. Rechtstaats-
prinzip, Sozialstaatsprinzip, Demokratieprinzip). Zum sekundren Unionsrecht
zhlen die Rechtsakte der EU und die Urteile des EuGH. Gem Art. 288 AEUV
sind folgende Rechtsakte zu unterscheiden:

Verordnungen
Richtlinien
Beschlsse
Empfehlungen
Stellungnahmen

Verordnungen richten sich an alle Mitgliedstaaten und an alle natrlichen und ju-
ristischen Personen. Sie haben unmittelbare Geltung und sind in allen ihren Teilen
verbindlich. Damit entsprechen sie einem deutschen Gesetz. Richtlinien mssen
innerhalb einer vorgegebenen Frist (i. d. R. 23 Jahre) in nationales Recht um-
gesetzt werden. Dies kann entweder durch den Erlass eines neuen Gesetzes oder
durch die nderung eines schon bestehenden Gesetzes erfolgen. Richtlinien sind
hinsichtlich des von ihnen verfolgten Ziels verbindlich, berlassen jedoch den Mit-
gliedstaaten und deren jeweiligen Verwaltungskultur wie dieses Ziel erreicht wird.
Ihr Adressat sind entweder alle oder nur bestimmte Mitgliedstaaten. Beschlsse
sind ebenfalls in allen Teilen verbindlich, richten sich aber nur an bestimmte Mit-
gliedstaaten oder an bestimmte natrliche und juristische Personen und sind damit
mit einem deutschen Verwaltungsakt vergleichbar. Empfehlungen und Stellung-
nahmen haben nur unverbindlichen Charakter. Empfehlungen legen dem Adres-
saten ein bestimmtes Verhalten nahe; Stellungnahmen enthalten eine Beurteilung
einer bestimmten Sachlage. Ende 2012 zhlte das EU-Recht 9576 Verordnungen
und 1989 Richtlinien.36 Zum Stichtag 1. Mai 2013 lag die Anzahl der Rechtsakte
der EU (also mit Beschlssen, Empfehlungen und Stellungnahmen) bei 14.507.37

36
Siehe Europische Kommission: Jahresbericht ber die Kontrolle der Anwendung des
EU-Rechts (2012), COM (2013) 726 final vom 22.10.2013, [Link]
docs/docs_infringements/annual_report_30/com_2013_726_de.pdf, 28.07.2014.
37
[Link] 01.05.2013.
194 7 Europische Union (EU)

7.7.2Binnenmarkt

Die Errichtung eines Binnenmarktes, in dem der freie Verkehr von Personen, Wa-
ren, Dienstleistungen und Kapital gewhrleistet ist, stellt eines der zentralen Auf-
gabenfelder der EU dar (Art. 3 III EUV i.V.m. Art. 26 II AEUV). Mit gegenwrtig
rund 500Mio. Menschen ist der europische Binnenmarkt der grte Wirtschafts-
raum der Welt. Zu den vier Grundfreiheiten zhlen:
(1) Freier Personenverkehr: Er umfasst das Recht von Arbeitnehmern, sich
zum Zwecke der Berufsausbung in jedem EU-Mitgliedstaat aufzuhalten (Arbeit-
nehmerfreizgigkeit, Art. 45 AEUV) sowie das Recht von natrlichen und juris-
tischen Personen, in einem anderen Mitgliedstaat einer selbststndigen auf Dauer
ausgerichteten Erwerbsttigkeit nachzugehen und Unternehmen einschlielich
Zweigniederlassungen zu grnden (Niederlassungsfreiheit, Art. 49). Mitglied-
staaten knnen jedoch einschrnkende Manahmen aus Grnden der ffentlichen
Sicherheit, Ordnung und Gesundheit erlassen (Art. 45 III, 52). Politisch von Be-
deutung wurde die Arbeitnehmerfreizgigkeit im Rahmen der Osterweiterung
2004/2007. Deutschland hatte sich (neben anderen Mitgliedstaaten auch), eine
siebenjhrige bergangsfrist fr die ffnung des deutschen Arbeitsmarktes fr
potentielle Arbeitskrfte aus den neuen Mitgliedstaaten vorbehalten. Mit dem 1.
Mai 2011 hat es als einer der letzten EU-Staaten seinen Arbeitsmarkt fr Arbeit-
nehmer aus Mittel- und Osteuropa geffnet. Fr Bulgarien und Rumnien galten
die Beschrnkungen bis Ende 2013.
(2) Freier Warenverkehr: Er umfasst erstens das Verbot von Ein- und Aus-
fuhrzllen (Art. 28 i.V.m. Art. 30 AEUV), zweitens das Verbot mengenmiger
Beschrnkungen im innergemeinschaftlichen Handelsverkehr (Art. 34, 35)
darunter fallen smtliche staatliche Manahmen, die die Einfuhr, Durchfuhr oder
Ausfuhr einer Ware der Menge oder dem Wert nach begrenzen, wovon insbeson-
dere Kontingentierungen erfasst werden sowie drittens alle Manahmen gleicher
Wirkung (Art. 34, 35). Hierzu zhlt jede Behinderung, die geeignet ist, den inner-
gemeinschaftlichen Handel unmittelbar oder mittelbar, tatschlich oder potenziell
zu behindern.38 Darber hinaus beinhaltet der freie Warenverkehr das Verbot dis-
kriminierender nationaler Steuer- und Abgabenerhebung (Art. 110ff.), die Wett-
bewerbsfreiheit (Art. 103ff.) einschlielich des Verbots staatlicher Beihilfen (Art.
107ff.) sowie die Gemeinsame Handelspolitik (Art. 206).
Die Warenverkehrsfreiheit ist allerdings nicht schrankenlos gewhrleistet. Ins-
besondere aus Grnden der ffentlichen Ordnung, Sicherheit und zum Schutze der
Gesundheit sind Einschrnkungen durch die Mitgliedstaaten zulssig (Art. 36).

38
Sogenannte Dassonville-Formel des EuGH von 1974.
7.7Aktionsfelder 195

Darber hinaus hat der EuGH in zahlreichen Urteilen39 weitere Ausnahmen an-
erkannt, so z. B. Einschrnkungen aus zwingenden Erfordernissen des Gemein-
wohls, wozu u.a. eine wirksame steuerliche Kontrolle, der Schutz der ffentlichen
Gesundheit, die Lauterkeit des Handelsverkehrs, die Aufrechterhaltung der Me-
dienvielfalt und der Verbraucherschutz zhlt (Pollak und Slominski 2012, S.201).
(3) Freier Dienstleistungsverkehr: Er umfasst das Recht, in einem ande-
ren Mitgliedstaat eine selbstndige Ttigkeit vorbergehend auszuben (Art. 56
AEUV). Man unterscheidet die aktive Dienstleistungsfreiheit, bei der sich der
Dienstleistungserbringer vorbergehend in das Land des Dienstleistungsempfn-
gers begibt und eine Dienstleistung ausfhrt (z.B. Bauunternehmen aus Polen baut
fr eine Privatperson ein Haus in Berlin), von der passiven Dienstleistungsfreiheit,
bei dem sich der Dienstleistungsempfnger vorbergehend in das Land begibt, in
dem der Dienstleistungserbringer ansssig ist (z.B. Deutscher aus Karlsruhe fhrt
zum Friseur ins rund 20 Kilometer entfernte Lauterburg in Frankreich). Ferner gibt
es noch die Korrespondenz-Dienstleistungsfreiheit, bei der allein die Dienstleis-
tung die Grenzen berschreitet (z. B. Post und Telekommunikation). Einschrn-
kungen der Dienstleistungsfreiheit durch die Mitgliedstaaten sind grundstzlich
zulssig aus Grnden der ffentlichen Ordnung, Sicherheit oder Gesundheit (Art.
62 i.V.m. Art. 52).
(4) Freier Kapital- und Zahlungsverkehr: Er verbietet alle Beschrnkungen
des Kapitalverkehrs zwischen den Mitgliedstaaten sowie zwischen Mitgliedstaaten
und Drittstaaten (Art. 63 AEUV). Konkret bedeutet dies, dass z.B. Brgerinnen
und Brger sowie Unternehmen unbeschrnkt Kredite im EU-Ausland aufnehmen
oder dort investieren drfen (Heinemann und Schmuck 2012, S.33).

7.7.3Raum der Freiheit, Sicherheit und des Rechts

Die im Zuge der Personenverkehrsfreiheit und durch den Abbau der Grenzkontrol-
len entstandenen offenen Grenzen in der EU brachten auch eine Vielzahl an Prob-
lemen mit sich. Stichworte in diesem Zusammenhang sind: Organisierte Krimina-
litt, Terrorismus, Asylmissbrauch und Armutseinwanderung. Um fr die Unions-
brger eine ebenso offene wie sichere Union zu gewhrleisten, vereinbarten die
Mitgliedstaaten gemeinsame Ziele in der Innen- und Justizpolitik und formulierten
das im Vertrag von Lissabon (Art. 3 II EUV) erstmals verankerte Leitbild eines
Raums der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts (RFSR). Freiheit steht da-

39
Das bekannteste ist das Cassis de Dijon-Urteil von 1979.
196 7 Europische Union (EU)

bei fr die Gewhrung der Grundrechte und Grundfreiheiten, den Schutz vor Dis-
kriminierung, die Wahrung der persnlichen Freiheitsrechte und der Privatsphre
ber Staatsgrenzen hinweg, z.B. durch Datenschutz, und fr die uneingeschrnkte
Ausbung der individuellen Rechte auch in Drittlndern; Sicherheit fr Verhtung
und Bekmpfung von organisierter und nicht organisierter Kriminalitt, Intensi-
vierung der Zusammenarbeit der Polizei und Justizorgane bei strafrechtlichen und
polizeilichen Manahmen sowie Schutz der Auengrenzen der EU; Recht u.a. fr
die gegenseitige Anerkennung von Urteilen, die Anerkennung von Urkunden in
anderen Mitgliedstaaten sowie die Einfhrung von Verfahren, die den Zugang zur
Justiz erleichtern.
Der RFSR, in dem die EU mittels Verordnungen, Richtlinien und Beschlssen
rechtsetzend ttig werden kann, umfasst die Asyl-, Einwanderungs- und Visapoli-
tik, die Bekmpfung von Terrorismus, organisierter Kriminalitt, Menschenhan-
del, Drogen, Waffenhandel u.a.m., die justizielle Zusammenarbeit in Zivilsachen,
die polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen (PJZS) sowie die
Einrichtung der europischen Polizeibehrde Europol, einer europischen Justiz-
behrde Eurojust und einer europischen Staatsanwaltschaft.
Die Rechtsakte im RFSR werden vom Rat grundstzlich mit qualifizierter
Mehrheit im ordentlichen Gesetzgebungsverfahren beschlossen. Einstimmigkeit
bedarf es nur noch in den Bereichen Psse und Personalausweise, Familienrecht,
operative polizeiliche Zusammenarbeit und Einrichtung einer europischen Staats-
anwaltschaft. Das Initiativrecht der Kommission gilt auch fr die PJZS, sie muss
es sich allerdings mit den Mitgliedstaaten teilen (Art. 76 AEUV); der EuGH besitzt
die Zustndigkeit fr alle Rechtstreitigkeiten. Der Vertrag von Lissabon sieht fr
die Innen- und Justizpolitik zudem neue flexible Instrumente wie ein Schlichtungs-
verfahren (Notbremsenmechanismus) vor, das einen Mitgliedstaat in die Lage ver-
setzt, den Europischen Rat anzurufen, wenn grundlegende Aspekte seiner Straf-
rechtsordnung betroffen sind (Art. 82 III AEUV). Damit enthlt der Reformvertrag
in diesem Politikfeld sowohl Elemente einer Supranationalisierung wie auch einer
Intergouvernementalisierung.
Fr einige Staaten fllt jedoch die im Lissabon-Vertrag verankerte Zusammen-
arbeit im RFSR zu weitgehend aus. Deshalb sind die bereits vor Lissabon be-
stehenden Opt-Outs fr Grobritannien, Irland und Dnemark bei der Grenz-
schutz-, Asyl-, Einwanderungspolitik sowie der Zusammenarbeit in Zivilsachen
um die PJZS ergnzt worden. Damit unterliegen diese drei Lnder vollumfnglich
nicht den Bestimmungen des RFSR.
7.7Aktionsfelder 197

[Link]Grenzkontrollen, Asyl und Einwanderung


Nach Art. 67 II AEUV muss die Union sicherstellen, dass Personen an den Binnen-
grenzen nicht mehr kontrolliert werden. Instrument fr den Abbau der Personen-
kontrollen an den Binnengrenzen ist das Schengener Abkommen von 1985, dem
gegenwrtig 26 Staaten angehren, darunter auch nicht EU-Mitgliedstaaten wie
die Schweiz, Norwegen, Island und Lichtenstein. Grobritannien, Irland und Zy-
pern gehren dagegen nicht dem Schengen-Raum an, ebenso wenig wie Bulgarien
und Rumnien, deren Aufnahme im Jahre 2013 durch Deutschland (vorerst) mit
der Begrndung verhindert wurde, in diesen Lndern herrsche nach wie vor zu viel
Korruption und organisierte Kriminalitt. Kroatien wird die Vollmitgliedschaft im
Schengen-Raum erlangen, sobald die Vorbereitungen abgeschlossen sind und der
erforderliche Ratsbeschluss gefasst worden ist.
Als Ausgleich fr die Gewhrung der Freizgigkeit im Rahmen des Binnen-
marktes und dem Verzicht auf Grenzkontrollen40 wurde 2004 mit dem Ziel, die
Sicherheit an der Auengrenze des Schengen-Raums zu erhhen, die Europische
Agentur fr die operative Zusammenarbeit an den Auengrenzen (Frontex) mit
u. a. folgenden Aufgaben gegrndet: Untersttzung der Mitgliedstaaten bei der
Ausbildung von Grenzschutzbeamten, Untersttzung bei der Vornahme von Rck-
fhrungsaktionen, d.h. Abschiebung von Personen aus Drittstaaten, Kooperation
mit den Sicherheitsbehrden aus Drittstaaten (Heid 2012, S.229f.). Darber hi-
naus wurde das Schengener Informationssystem (SIS) geschaffen, das eine ge-
meinsame Datenbank der Grenz- und Migrationsbehrden sowie der Strafverfol-
gungsbehrden der teilnehmenden Lnder vorsieht.
Ziel der Asylpolitik ist es, all denjenigen Menschen eine Zuflucht in der EU
zur gewhren, die in ihren Heimatstaaten einer Gefhrdung von Leben und Frei-
heit aus Grnden der Rasse, der Religion, der Nationalitt, der Zugehrigkeit zu
einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer politischen berzeugung ausgesetzt
sind. Im Jahr 2013 stellten rund 435.000 Menschen (davon 50.000 aus Syrien)
einen Asylantrag in den 28 EU-Mitgliedstaaten, wobei in erster Instanz ber rund

40
Es gibt drei Ausnahmen, wie Grenzkontrollen temporr wiedereingefhrt werden knnen:
1) Im Falle einer schwerwiegenden Gefahr fr die ffentliche Ordnung oder die innere Si-
cherheit dies betrifft insbesondere politische oder sportliche Groveranstaltungen; 2) nach
Terroranschlgen; 3) im Falle, dass die Auengrenzsicherung im Schengen-Raum nachweis-
lich fr mehr als drei Monate nicht mehr funktioniert.
198 7 Europische Union (EU)

326.000 entschieden wurde und 35% anerkannt, 65% abgelehnt wurden.41 Im ers-
ten Halbjahr 2014 wurden EU-weit bereits 239.000 Asylantrge gestellt.42
Nach ber 15-jhrigen Verhandlungen haben der Rat der Innenminister und das
EP im Juni 2013 das in Art. 78 AEUV als Ziel formulierte Gemeinsame Europi-
sche Asylsystem (GEAS) beschlossen. Dieses Asylsystem soll sicherstellen, dass
Asylsuchende berall in der EU dieselben Bedingungen vorfinden sowohl bei
ihrer Sicherheit und Versorgung als auch bei den Asylverfahren. Es sieht in weit-
gehender bereinstimmung mit der neuen im Juli 2013 in Kraft getretenen Dublin-
III-Verordnung (diese lste die Dublin-II-Verordnung von 2003 ab) vor, dass ein
Asylantrag grundstzlich von dem EU-Land behandelt wird, das der Asylbewerber
zuerst betreten hat, und dass der zustndige EU-Staat den Antragsteller whrend
des gesamten Asylverfahrens betreut. Reist dieser in ein anderes EU-Land weiter,
kann er in den zustndigen Staat zurckgeschickt werden. Asylsuchende mssen
in dem EU-Land bleiben, in das sie zuerst eingereist sind. In sichere Drittstaaten
knnen Asylbewerber ohne Prfung ihres Falls zurckgeschickt werden.43
Bei der gemeinsamen Einwanderungspolitik der EU geht es um die europa-
weite Steuerung der Migrationsstrme sowie die Verhtung und verstrkte Be-
kmpfung von illegaler Einwanderung und Menschenhandel (Art. 79 I AEUV).
Um diese Ziele zu erreichen, werden von der EU Einreise- und Aufenthaltsvoraus-
setzungen bestimmt sowie Manahmen zur Verhinderung illegaler Einwanderung
und illegalem Aufenthalt einschlielich der Rckfhrung solcher Personen erlas-
sen. Allerdings kann jeder Mitgliedstaat selbst festlegen, wie viele Drittstaatsan-
gehrige einreisen drfen, um dort als Arbeitnehmer oder Selbstndige Arbeit zu
suchen (Art. 79V).

[Link]Zusammenarbeit in Zivilsachen
Im Mittelpunkt der justiziellen Zusammenarbeit in Zivilsachen steht die gegensei-
tige Anerkennung gerichtlicher und auergerichtlicher Entscheidungen (Art. 81 I
AEUV). Die Union ist dazu aufgerufen, Manahmen zur Rechtsharmonisierung
zu ergreifen, wie z. B. die grenzberschreitende Zustellung von Schriftstcken.
Der reibungslosen justiziellen Zusammenarbeit in Zivilsachen kommt gerade im
Binnenmarkt mit den dort garantierten vier Grundfreiheiten eine erhebliche Be-
deutung zu, weil z.B. eine im Recht eines Mitgliedstaates angelegte Erschwerung

41
[Link]
[Link], 30.10.2014.
42
[Link]
[Link], 30.10.2014.
43
Siehe [Link]
[Link], 28.07.2014.
7.7Aktionsfelder 199

der Klagemglichkeit eine Verletzung einer Grundfreiheit darstellen knnte (Str-


ner 2013, S.330).

[Link]Polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit in


Strafsachen (PJZS)
Auch hinsichtlich der justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen wird die gegen-
seitige Anerkennung von gerichtlichen Entscheidungen sowie die Angleichung der
mitgliedstaatlichen Rechtsvorschriften angestrebt (Art. 82 I AEUV). Die Zusam-
menarbeit der nationalen Justizbehrden wird durch die Agentur Eurojust unter-
sttzt, die fr die Koordinierung der Zusammenarbeit bei der Ermittlung und Ver-
folgung schwerer, grenzberschreitender Straftaten, einschlielich der Frderung
des Auslieferungs- und Rechtshilfeverkehrs zustndig ist. Darber hinaus sieht
Art. 86 zur Bekmpfung von Straftaten zum finanziellen Nachteil der EU die Ein-
richtung einer Europischen Staatsanwaltschaft vor (Heid 2012, S.237).
Fr die Untersttzung der zustndigen Behrden der Mitgliedstaaten sowie die
Verstrkung der Zusammenarbeit bei der Prvention und Bekmpfung von orga-
nisierter Kriminalitt, Terrorismus und anderen Formen schwerer Kriminalitt ist
die Europische Polizeibehrde Europol zustndig. Durch den Vertrag von Lissa-
bon wurden ihre Kompetenzen dahingehend erweitert, dass sie gemeinsam mit den
zustndigen Behrden eines Mitgliedstaates ermitteln und operative Manahmen
durchfhren kann (Art. 88 II). Durch den Reformvertrag erhlt Europol zwar noch
nicht den Status einer Vollzugspolizei, die EU eignet sich jedoch verstrkt Befug-
nisse beim Gesetzesvollzug an (cker 2013, S.204f.). Zur besseren Bekmpfung
von Straftaten gibt es seit 2004 den Europischen Haftbefehl. Dieser sieht vor,
dass bei Vorliegen einer schwerwiegenden Straftat die Auslieferung des Tters von
Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat nicht an die Bedingung der beiderseitigen Strafbar-
keit geknpft ist (Heid 2012, S.240).

7.7.4Gemeinsame Auen- und Sicherheitspolitik (GASP)

Die GASP einschlielich der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspoli-


tik (GSVP) ist Bestandteil der Auenbeziehungen der EU, die auch die Bereiche
Handelspolitik, Entwicklungszusammenarbeit mit Drittlndern, humanitre Hilfe,
Erweiterungspolitik sowie die Europische Nachbarschaftspolitik umfasst.

[Link]Von der EPZ bis zum Vertrag von Lissabon


Vorlufer der heutigen GASP ist die Europische Politische Zusammenarbeit
(EPZ), auf die sich die sechs Mitgliedstaaten der EWG 1970 geeinigt hatten. Sie
200 7 Europische Union (EU)

stellte indes keine gemeinsame Auenpolitik dar, sondern war vielmehr ein lo-
ckerer Rahmen fr Konsultation und Koordinierung. Der Vertrag von Maastricht
stellte die auen- und sicherheitspolitische Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten
auf eine vllig neue Grundlage. Er berfhrte die EPZ in die GASP und setzte
damit ein deutliches Zeichen, dass die wirtschaftliche Zusammenarbeit in der EU
durch eine (auen)-politische Komponente ergnzt werden soll. Als zweite Sule
des Maastricht-Vertrags war die GASP intergouvernemental ausgestaltet, d.h. die
nationalen Regierungen waren die dominierenden Akteure und die EU konnte kei-
ne die Mitgliedstaaten bindenden Rechtsakte erlassen. Die Instrumente der GASP
waren insbesondere Gemeinsame Positionen, Gemeinsame Strategien und
Gemeinsame Aktionen, wobei das Prinzip der Einstimmigkeit galt.
Mit dem Reformvertrag von Amsterdam wurde das Amt eines Hohen Beauf-
tragten fr die Gemeinsame Auen- und Sicherheitspolitik geschaffen und damit
der Wille der Union unterstrichen, verstrkt auf internationaler Bhne prsent zu
sein. Javier Solana, dem frheren NATO-Generalsekretr, gelang es durch um-
sichtiges Wirken das auenpolitische Profil der EU zu verbessern (Gaedtke 2009,
S.34). Auf seine Initiative geht die 2003 von der EU verabschiedete europische
Sicherheitsstrategie (Ein sicheres Europa in einer besseren Welt) als Reaktion auf
den Irak-Krieg und das uneinheitliche Verhalten der Europer zurck. Sie sah im
Unterschied zur rein militrisch ausgerichteten Sicherheitsdoktrin des damaligen
US-Prsidenten Bush vor, dass bei Bedrohungen durch einen Drittstaat zunchst
nichtmilitrische Instrumente, wie schrfere Exportkontrollen, Aussetzung von
Entwicklungshilfe und Sanktionen zur Geltung kommen und die Anwendung von
militrischer Gewalt nur die ultima ratio, also das letzte Mittel, darstellen sollte.
Es blieb dem Vertrag von Lissabon vorbehalten, eine Strkung der auen- und
sicherheitspolitischen Zusammenarbeit der 27 Mitgliedstaaten festzuschreiben.
Das Amt des Hohen Beauftragten fr die GASP wurde in Hoher Vertreter der
Union fr Auen- und Sicherheitspolitik umbenannt. In dieser Position sind die
Kompetenzen des ehemaligen Hohen Beauftragten der GASP und des frheren
Kommissars fr Auenbeziehungen gebndelt. Darber hinaus ist der Hohe Ver-
treter in Personalunion Vizeprsident der Kommission sowie Vorsitzender der
Ratsformation Auswrtige Angelegenheiten. Ihm untersteht erstmals ein Euro-
pischer Auswrtiger Dienst (EAD), der zum 1. Januar 2011 seine Arbeit aufge-
nommen hat und rund 130 Delegationen in aller Welt und 7 Delegationen bei inter-
nationalen Organisationen unterhlt (Stein 2012, S.256).44

44
Fr eine erste Zwischenbilanz der Arbeit des EAD siehe Bahr-Vollrath (2014).
7.7Aktionsfelder 201

[Link]Ziele, Zustndigkeit, Instrumente


Als Ziele der GASP werden in Art. 21 EUV u. a. die Wahrung der Interessen,
Sicherheit, Werte und Unabhngigkeit der EU, die Frderung der Demokratie,
Sicherheit, Rechtstaatlichkeit und Integration aller Lnder in die Weltwirtschaft
sowie die Verbesserung der Umweltqualitt genannt.
Die Zustndigkeit der EU erstreckt sich gem Art. 24 I EUV auf alle Bereiche
der Auenpolitik sowie auf smtliche Fragen im Zusammenhang mit der Sicher-
heit der Union, einschlielich der schrittweisen Festlegung einer gemeinsamen
Verteidigungspolitik, die zu einer gemeinsamen Verteidigung fhren knnte. Ex-
plizit festgeschrieben ist im Vertrag von Lissabon, dass im Unterschied zu den
supranationalen Bereichen der EU-Politik der Erlass von Gesetzgebungsakten in
der GASP ausgeschlossen ist. Das dominierende Organ der GASP ist der Rat fr
Auswrtige Angelegenheiten. Bis auf wenige Ausnahmen (Art. 31 II AEUV) ent-
scheidet er entsprechend dem nach wie vor intergouvernementalen Charakter der
GASP mit Einstimmigkeit. Eine Stimmenthaltung ist mglich, ohne dadurch das
Zustandekommen eines einstimmigen Beschlusses zu gefhrden. Das EP besitzt in
der GASP lediglich Anhrungs- und Informationsrechte, die Kommission verfgt
ber kein Initiativrecht; der Gerichtshof ist in der GASP unzustndig (Ondarza und
Varwick 2013, S.213f.).
Die Mitgliedstaaten mssen die GASP untersttzen. Ihre eigene Auen- und
Sicherheitspolitik darf den Zielen der GASP nicht zuwider laufen, und sie ms-
sen sich jeder Handlung enthalten, die der Wirksamkeit und Kohrenz der Union
in den internationalen Beziehungen schadet (Art. 24 III EUV). Die Enthaltung
Deutschlands 2011 im UN-Sicherheitsrat bei der Abstimmung ber die Einrich-
tung einer Flugverbotszone ber Libyen, der die anderen EU-Staaten zugestimmt
hatten, ist ein Beispiel fr eine Verletzung dieses Kohrenz-Gebots.
Zur Durchfhrung der GASP bedient sich die EU mehrerer Handlungsformen
bzw. Instrumente, die in Art. 25 EUV genannt sind. Hierzu zhlen insbesondere all-
gemeine Leitlinien sowie Beschlsse zur Festlegung von Aktionen und Standpunk-
ten. Zu den Beschlssen gehren beispielsweise Sanktionen, wie sie Mitte 2012 im
Fall Syriens in Form von Einreiseverboten fr hochrangige Politiker des Regimes
und Einfrieren von Vermgenswerten von Regierungsmitgliedern und syrischen
Firmen verhngt wurden (Ondarza und Varwick 2013, S.215). Ein Beschluss im
Rahmen der GASP war ebenfalls das von der EU verhngte Waffenembargo gegen
Syrien. Ende Mai 2013 konnten sich die Auenminister der Mitgliedstaaten nicht
auf eine Verlngerung des Embargos einigen, weil sich Frankreich und Grobri-
tannien fr Waffenlieferungen an die syrischen Rebellen aussprachen ein herber
Rckschlag fr eine gemeinsame europische Auen- und Sicherheitspolitik.
202 7 Europische Union (EU)

Eine besondere Herausforderung fr die GASP stellte und stellt immer noch der
Umgang der EU mit Russland im Zuge der Ukraine-Krise dar. Nachdem Russland
die zur Ukraine gehrende Halbinsel Krim Mitte Mrz 2014 in ihren Staatsverband
aufgenommen hatte,45 was international als vlkerrechtswidrige Annexion ver-
urteilt wurde, vereinbarte die EU im Rahmen eines Drei-Stufen-Plans Strafma-
nahmen gegen Russland, die u.a. ein Einreiseverbot in die EU und die Sperrung
von Konten ausgesuchter Persnlichkeiten beinhalteten. Darber hinaus wurden
die Verhandlungen der EU mit Russland ber Visa-Erleichterungen und ber das
neue Grundlagenabkommen ausgesetzt sowie ein geplanter EU-Russland Gipfel
abgesagt. Im Juni 2014 stellte die EU Russland ein Ultimatum. Innerhalb von 72h
sollte die Regierung in Moskau zeigen, dass sie zu substantiellen Verhandlungen
ber den Friedensplan des (neuen) ukrainischen Prsidenten Poroschenko zur Bei-
legung des zwischen russischen Separatisten und ukrainischen Streitkrften in der
Ost-Ukraine entbrannten militrischen Konflikts bereit sei. Anderenfalls drohten
die Staats- und Regierungschefs mit weiteren Sanktionen gegen Russland. Obwohl
Prsident Putin guten Willen demonstrierte u.a. bat er das Parlament um Rck-
nahme der Interventions-Erlaubnis in der Ukraine einigten sich die 28 Mitglied-
staaten Anfang Juli 2014 darauf, Einreiseverbote und Kontensperrungen gegen elf
weitere Personen zu verhngen, womit die Zahl der hiervon Betroffenen auf ins-
gesamt 71 stieg. Nachdem Mitte Juli ein malaysisches Passagierflugzeug auf dem
Flug von Amsterdam nach Perth allem Anschein nach von prorussischen Separatis-
ten ber der Ost-Ukraine abgeschossen worden war, wobei ca. 300 Menschen den
Tod fanden, und im August und September regulre russische Militreinheiten auf
ukrainischem Gebiet operierten, verstrkte die EU ihre Sanktionen gegen Russ-
land.

[Link]Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik


(GSVP)
Vor dem Hintergrund der Hilflosigkeit und Handlungsunfhigkeit gegenber den
kriegerischen Auseinandersetzungen im ehemaligen Jugoslawien in den 1990er
Jahren begann in der EU ein Umdenken bezglich der Lsung von Krisen und
Konflikten. Die Erkenntnis setzte sich durch, dass Diplomatie nur erfolgreich sein
knne, wenn sie von glaubhaften militrischen Drohungen begleitet wird. Die EU
msse deshalb autonome militrische Fhigkeiten aufbauen, zumal die USA nicht

Vorangegangen war ein Umsturz in der Ukraine, die Flucht von Staatsprsident Januko-
45

witsch nach Russland, die Bildung einer neuen Regierung in Kiew sowie ein von Russland
gelenktes Referendum auf der Krim, bei dem sich eine groe Mehrheit fr den Anschluss der
Halbinsel an Russland ausgesprochen hatte.
7.7Aktionsfelder 203

auf ein dauerhaftes militrisches Engagement in Europa verpflichtet werden konn-


te (Galaski und Kaim 2013, S.292).
Auf den Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der EU im Juni 1999 in
Kln und im Dezember 1999 in Helsinki wurden richtungweisende Entscheidun-
gen gefasst: Man einigte sich darauf, der Union die notwendigen Mittel und F-
higkeiten an die Hand zu geben, um im Falle von internationalen Krisen autonom
militrische Operationen einleiten und durchfhren zu knnen. Als Aufgaben einer
Europischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) wurde humanitre
Rettungseinstze, friedenserhaltende Operationen sowie Kampfeinstze bei der
Krisenbewltigung einschlielich friedenschaffender Manahmen (sog. Peters-
berg-Aufgaben) definiert.46 In Helsinki wurde die Einrichtung der zum Krisen-
management erforderlichen Gremien beschlossen: Ein stndiges Politisches und
Sicherheitspolitisches Komitee, ein EU-Militrausschuss sowie ein EU-Militr-
stab. Darber hinaus einigte man sich darauf, bis 2003 eine 60.000 Mann star-
ke Einsatztruppe aufzubauen, die innerhalb von 60 Tagen fr mindestens ein Jahr
einsatzfhig ist. Dieses Ziel wurde allerdings nie erreicht 2004 beschloss man
stattdessen die Schaffung von zwei schnell verlegbaren etwa 1500 Mann starken
Einsatztruppen (battle groups), die innerhalb von fnf bis zehn Tagen einsatzbereit
sind (Galaski und Kaim 2013, S.295ff.).
In Ergnzung zu den militrischen Fhigkeiten beschloss der Europische Rat
in Feira (Portugal) im Jahr 2000 die Einrichtung einer 5000 Mann starken inner-
halb von 30 Tagen einsatzfhigen Polizeitruppe mit der Aufgabe, in Krisengebie-
ten die Ordnung wiederherzustellen, den Wiederaufbau staatlicher Strukturen zu
frdern und die Zivilbevlkerung, beispielweise vor Vertreibung, zu schtzen.
Mit dem Vertrag von Lissabon wurde die ESVP in Gemeinsame Sicherheits-
und Verteidigungspolitik (GSVP) umbenannt. Nach Art. 42 EUV ist die GSVP in-
tegraler Bestandteil der Gemeinsamen Auen- und Sicherheitspolitik und sichert
der Union eine auf zivile und militrische Mittel gesttzte Operationsfhigkeit.
Die Mitgliedstaaten stellen der Union fr die Umsetzung der GSVP zivile und mi-
litrische Fhigkeiten zur Verfgung (Art.42 III). Darber hinaus verpflichten sie
sich, ihre militrischen Fhigkeiten schrittweise zu verbessern, was der EU von der
Partei Die Linke in Deutschland den Vorwurf der Aufrstung und Militarisierung
einbrachte. Beschlsse zur GSVP einschlielich solcher zur Einleitung von Mis-
sionen auerhalb der Union, zu denen auch die Bekmpfung des internationalen
Terrorismus gehrt, mssen einstimmig gefasst werden (Art.42 IV EUV).

1992 hatte die Westeuropische Union (WEU), die bis zur ihrer Auflsung 2010 als vertei-
46

digungspolitischer Arm der EU fungierte, gleichlautende Aufgaben verabschiedet.


204 7 Europische Union (EU)

Der Lissabon-Vertrag sieht auch eine Beistandspflicht vor. Art.42 VII legt fest,
dass im Falle eines bewaffneten Angriffs auf einen Mitgliedstaat die anderen Mit-
gliedstaaten ihm Hilfe und Untersttzung leisten mssen. Ebenfalls neu im Bereich
der GSVP ist die Einfhrung einer Stndigen Strukturierten Zusammenarbeit. Sie
soll eine Blockade der EU in der GSVP verhindern helfen, indem sie einzelnen
Staaten erlaubt, unter dem Dach der EU weiterfhrende Integrationsschritte bei der
Entwicklung militrischer Fhigkeiten vorzunehmen, denen sich nicht alle Staaten
anschlieen knnen oder wollen (Art. 42 VI i.v.m. Art. 46).
Die im Rahmen der ESVP/GSVP durchgefhrten EU-Operationen lassen sich
im Wesentlichen in militrische, zivil-militrische und zivile Operationen eintei-
len. Zum ersten Mal umgesetzt wurde die ESVP mit der European Union Police
Mission in Bosnien-Herzegowina im Januar 2003 einer zivilen Operation mit
dem Ziel, beim Aufbau von professionellen Polizeikrften zu helfen. Bereits im
Mrz 2003 wurde mit Concordia die erste militrische Operation durchgefhrt
und zwar durch die Stationierung einer aus 400 Soldaten bestehenden Friedens-
truppe in Mazedonien. Das erste Einsatzgebiet auerhalb der EU lag im Kongo mit
der Militroperation Artemis im Sommer 2003. Im Auftrag der UNO sicherte
eine EU-Eingreiftruppe einen Waffenstillstand zwischen rivalisierenden Brger-
kriegsparteien (Galanski und Kaim 2013, S.301f.).
Die EU hat seit 2003 32 Operationen durchgefhrt, wovon 15 bereits abge-
schlossen sind. Bei der berwiegenden Mehrzahl der Operationen handelt es sich
um zivile Einstze zum Aufbau demokratischer und rechtsstaatlicher Strukturen.
Unter den gegenwrtig (Stand Oktober 2014) laufenden 17 Operationen sind sechs
militrische: EUFOR Althea in Bosnien-Herzegowina zur Untersttzung des
Friedensabkommen von Dayton, EU NAVFOR Atalanta zur Bekmpfung der Pi-
raterie am Horn von Afrika, EUTM Somalia zur Ausbildung somalischer Streit-
krfte, EUTM Mali zur Ausbildung malischer Streitkrfte, EUBAM Libya zur
Untersttzung der libyschen Regierung bei der Sicherung der Auengrenzen und
zuletzt (Februar 2014) EUFOR RCA mit dem Ziel, franzsische Truppen sowie
militrische Kontingente der AU bei der Befriedung der Brgerkriegssituation in
der Zentralafrikanischen Republik zu untersttzen.47
Trotz aller Fortschritte bei der militrischen Zusammenarbeit ist die EU von der
Bildung und dem Einsatz einer Europischen Armee noch weit entfernt. Die Grn-
de hierfr sind fehlender politischer Wille, divergierende nationale Interessen und,
strukturell gesehen, das nationale Vetorecht. Der weitere Auf- und Ausbau von
EU-Militrstrukturen liegt dagegen durchaus im Bereich des Mglichen, so z.B.

Fr eine bersicht der EU-Operationen siehe [Link]


47

operations/index_en.htm, 28.07.2014.
7.8Zusammenfassung und Ausblick 205

der Aufbau eines europischen EU-Hauptquartiers fr Militrfragen. Fr groe mi-


litrische Kriseninterventionen ist die EU (noch) nicht gerstet, ihr bleibt jedoch
der Rckgriff auf die NATO oder auf Ad-hoc-Koalitionen (Link 2013, S.28).

7.8Zusammenfassung und Ausblick

Zu Beginn des europischen Integrationsprozesses stand die wirtschaftliche Zu-


sammenarbeit im Mittelpunkt mit dem Ziel der Schaffung einer Wirtschafts- und
Whrungsunion einschlielich eines funktionierenden Binnenmarktes; spter kam
die politische Komponente hinzu durch eine verstrkte Kooperation in der Innen-
und Justizpolitik sowie in der Auen- und Sicherheitspolitik. Durch die sich stetig
vertiefende Integration ist die EU seit ber 60 Jahren Garant fr Frieden und Frei-
heit in Europa. Ihre 28 Mitgliedstaaten haben mit ihrem Integrationswillen ein-
drucksvoll die Lehren aus den zwei Weltkriegen gezogen. Nicht von ungefhr hat
die EU deshalb 2012 den Friedensnobelpreis verliehen bekommen.
Die zwei Pfeiler des Integrationsprozesses sind Vertiefung und Erweiterung.
Die Vertiefung, d.h. die Ausweitung der Zustndigkeiten der EU auf neue Politik-
felder und die Strkung der Kompetenzen der EU-Organe durch die Reformver-
trge von Maastricht, Amsterdam, Nizza und Lissabon haben die Union zu einem
staatshnlichen Gebilde gemacht. Die Erweiterung hat in politischer Hinsicht zur
Ausbreitung von Demokratie, Rechtstaatlichkeit und Achtung der Menschenrech-
te, in wirtschaftlicher Hinsicht zur Steigerung des Wohlstands und der Wettbe-
werbsfhigkeit der Mitgliedstaaten beigetragen. Das Wechselspiel zwischen Ver-
tiefung und Erweiterung, das die 60-jhrige europische Integrationsgeschichte
kennzeichnet, zeigt Tab.7.6.
Symbol fr ein vereintes Europa ist die seit dem 1. Januar 2015 in 19 Staaten
geltende gemeinsame Whrung, der Euro. Seit 2009 beschert indes die Finanz-
und Staatsschuldenkrise der EU nicht nur eine Diskussion ber die Sinnhaftigkeit
von Hilfspaketen fr krisengeschttelte Lnder, sondern auch ber die Zukunft des
Euro und sogar ber die Zukunft der EU selbst. Gestritten wurde ber Rettungs-
pakete fr berschuldete Euro-Lnder und Rettungsschirme, die den Euro stabil
halten sollen. Konkret wurde ber die Mglichkeit gesprochen, Griechenland in
die Staatsinsolvenz gehen zu lassen. Befrworter der Griechenland-Hilfe sahen
darin jedoch eine zu groe Gefahr fr den gesamten Euro-Raum, sollte das Land
zur nationalen Whrung zurckkehren. Letztlich schloss man sich in Europa, wenn
auch zum Teil widerstrebend, dem Diktum von Bundeskanzlerin Angela Merkel
an: Scheitert der Euro, scheitert Europa.
Whrend also die Mitgliedstaaten in der Finanz- und Staatsschuldenkrise ber-
wiegend an einem Strang ziehen, gibt es nach wie vor unterschiedliche Interessen-
206 7 Europische Union (EU)

Tab. 7.6 Wechselspiel zwischen Vertiefung und Erweiterung der EU. (Quelle: Eigene
Darstellung)
Vertiefung Jahr Erweiterung
EGKS (Montanunion) 1952
EWG und EAG (Rmische Vertrge) 1958
1973 Norderweiterung
Europisches Whrungssystem 1979
1981 1. Sderweiterung
1986 2. Sderweiterung
Einheitliche Europische Akte 1987
Vertrag von Maastricht, Binnenmarkt 1993
1995 Erweiterung um EFTA-Staaten
WWU, Vertrag von Amsterdam 1999
Vertrag von Nizza 2003
2004 1. Osterweiterung
Verfassungsvertrag (gescheitert) 2005
2007 2. Osterweiterung
Vertrag von Lissabon 2009
Fiskalpakt 2012
2013 Balkanerweiterung (Kroatien)

lagen im Hinblick auf die politischen und geographischen Grenzen Europas und
den Grad an Integration (Finalittsfrage). Whrend durchaus kontrovers diskutiert
wird, ob weitere Beitritte verkraftbar sind oder aber die Aufnahmekapazitt der
Union bereits erschpft ist, bleibt es um die Frage, ob die EU ein Staatenverbund
in der jetzigen Form bleiben oder aber ein Bundesstaat werden soll, eher ruhig.
Dies mag der Tatsache geschuldet sein, dass durch die gegenwrtigen Krisen keine
Kapazitten fr eine ernsthafte Auseinandersetzung mit diesem Thema vorhanden
sind. Eines gilt es indes zu konstatieren: Eine weitere Vergrerung des Kreises
der EU-Mitglieder drfte die Schaffung eines Bundesstaates ungleich erschweren,
wenn nicht gar unmglich machen.

Literaturempfehlungen

Bieber, Roland/Epiney, Astrid/Haag, Marcel 2013: Die Europische Union. Euro-


parecht und Politik, [Link]., Baden-Baden.
Eine umfassende Darstellung, die neben Grundlagen, wie dem institutionellen Sys-
tem, Rechtsquellen, Rechtsetzungsverfahren und Rechtsschutzsystem (Teil A), alle
Quellen und Literatur 207

relevanten Politikfelder und die Grundfreiheiten (Teil B) sowie die Auenbeziehun-


gen der Union (Teil C) behandelt.
Fischer, Joschka 2014: Scheitert Europa? Kln.
Der ehemalige Auenminister kritisiert das Management der europischen Fi-
nanz- und Schuldenkrise sowie die Russland-Politik der EU. Vor dem Hintergrund
der gegenwertigen Renationalisierungstendenzen pldiert er engagiert fr ein ver-
eintes Europa nach Schweizer Modell als Bundestaat.
Loth, Wilfried 2014: Europas Einigung. Eine unvollendete Geschichte, Frankfurt
a.M./New York.
Das rund 500 Seiten starke Werk zeichnet in bersichtlicher Weise die Entstehung
und Entwicklung der Europischen Union vom Schuman-Plan 1950 bis 2012 nach.
Schmidt, Sigmar/Schnemann, Wolf J. 2013: Europische Union. Eine Einfh-
rung, Stuttgart.
Das Werk bietet einen gut verstndlichen und informativen berblick ber Aufbau
und Funktionsweise der Europischen Union und stellt damit einen lesenswerten
Einstieg in das Thema dar.

Quellen und Literatur

Dokumente

Vertrag ber die Europische Union (EUV), abgedruckt in: Matjeka, Manfred u. a.: Vor-
schriftensammlung Europarecht, 7. Aufl., Stuttgart 2014; [Link]
[Link]?uri=OJ:C:2010:083:SOM:DE:HTML, 28.07.2014.
Vertrag ber die Arbeitsweise der Europischen Union (AEUV), abgedruckt in: Matjeka,
Manfred u. a.: Vorschriftensammlung Europarecht, 7. Aufl., Stuttgart 2014; [Link]
[Link]/[Link]?uri=OJ:C:2010:083: SOM:DE:HTML, 28.07.2014.

Literatur

Aden, Hartmut 2012: Haushalt und Finanzierung der EU, in: Furtak, Florian T./Gro, Bernd
(Hg.): Lernziel Europa. Integrationsfelder und -prozesse, Frankfurt a. M., S. 141162.
Bahr-Vollrath, Jan 2014: Der Europische Auswrtige Dienst, Mnchen.
Bieber, Roland/Epiney, Astrid/Haag, Marcel 2013: Die Europische Union. Europarecht und
Politik, 10. Aufl., Baden-Baden.
Brunn, Gerhard 2009: Die Europische Einigung von 1945 bis heute, Bonn.
Caesar, Rolf 2012: Die Euro-Krise Motor oder Sprengsatz fr die europische Inte-
gration?, in: Deutschland & Europa, Der Euro und die Schuldenkrise in Europa, 63,
S.1017.
208 7 Europische Union (EU)

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(Hg.): Lernziel Europa. Integrationsfelder und -prozesse, Frankfurt a. M., S. 163185.
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Gasteyer, Curt 2005: Europa zwischen Spaltung und Einigung, vollst. berarb. Aufl., Bonn.
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Florian T./Gro, Bernd (Hg.): Lernziel Europa. Integrationsfelder und -prozesse, Frank-
furt a. M., S.219249.
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Handelns, in: Bundeszentrale fr Politische Bildung (Hg.): Informationen zur politischen
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Herdegen, Matthias 2010: Europarecht, 10. Aufl., Mnchen.
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Politik und Zeitgeschichte (APuZ), 67, S.2330.
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zur Gegenwart, Mnster.
Ondarza, Nicolai/Varwick, Johannes 2013: Europa in der Welt: Die vielen Gesichter der EU-
Auenbeziehungen, in: Beichelt, Timm u. a. (Hg.): Europa-Studien. Eine Einfhrung,
[Link]., Wiesbaden, S.209228.
Piepenschneider, Melanie 2012: Vertragsgrundlagen und Entscheidungsverfahren, in: Bun-
deszentrale fr Politische Bildung (Hg.): Informationen zur politischen Bildung, The-
menheft Europische Union, 279, S.1632.
Pollak, Johannes/Slominiski, Peter 2012: Das politische System der EU, [Link]., Wien.
Schmidt, Gnter 2012: Grundzge der Europischen Rechtsordnung, in: Furtak, Florian T./
Gro, Bernd (Hg.): Lernziel Europa. Integrationsfelder und -prozesse, Frankfurt a. M.,
S.107140.
Schmuck, Otto 2012: Motiv und Leitbilder der europischen Einigung, in: Bundeszentrale
fr Politische Bildung (Hg.): Informationen zur politischen Bildung, Themenheft Euro-
pische Union, 279, S.615.
Stein, Torsten 2012: Die Gemeinsame Auen- und Sicherheitspolitik in der EU, in: Furtak,
Florian T./Gro, Bernd (Hg.): Lernziel Europa. Integrationsfelder und -prozesse, Frank-
furt a. M., S.251268.
Strner, Michael 2013: Grundlagen der justiziellen Zusammenarbeit in Zivilsachen in der
EU, in: Beichelt, Timm u. a. (Hg.): Europa-Studien. Eine Einfhrung, 2. Aufl., Wiesba-
den, S.329341.
cker, Christina 2013: Polizeikooperation im Zuge europischer Terrorismusbekmpfung.
Transformation des staatlichen Gewaltmonopols, in: Beichelt, Timm u. a. (Hg.): Europa-
Studien. Eine Einfhrung, [Link]., Wiesbaden, S.187208.
Wessels, Wolfgang 2008: Das politische System der Europischen Union, Wiesbaden.

Links
Internetauftritt EU, [Link]
Untersttzung von KMU-
Ratgeberserie Politikmanahmen aus
Strukturfondsmitteln

Frderung der
Internationalisie-
rung von KMU

Unternehmen und
Industrie
7
3

Untersttzung von KMU-


Ratgeberserie Politikmanahmen aus
Strukturfondsmitteln

Frderung der
Internationalisie-
rung von KMU

Ein Ratgeber fr politische Entscheidungs-


trger, Akteure und Verwaltungsbehrden,
insbesondere auf regionaler Ebene, die
kleinen und mittleren Unternehmen unter
Einsatz von EU-Strukturfondsmitteln dabei
helfen wollen, internationale Marktchancen
sowohl innerhalb der EU als auch welt-
weit zu erschlieen.
4

Dieser Ratgeber wurde von der Europischen Kommission auf der Grundlage der in Anhang 2
aufgefhrten Quellen erstellt. Die in dieser Broschre geuerten Ansichten entsprechen jedoch nicht
zwangslufig der Meinung der Europischen Kommission.

Weitere Informationen:
Europische Kommission
Generaldirektion Unternehmen und Industrie
Referat D.2: Marktzugang fr KMU
E-Mail: Entr-SME-Access-to-Markets@[Link]
[Link]

Dieser Ratgeber liegt in mehreren europischen Sprachen vor. Die einzelnen Sprachfassungen sind
unter folgender Adresse abrufbar: [Link]
index_de.htm.

Mit der Erarbeitung sollen Akteure bei der Inanspruchnahme von EU-Strukturfondsmitteln untersttzt
werden, um KMU zu frdern. Die Europische Kommission bernimmt jedoch keinerlei Haftung fr die
Richtigkeit und Vollstndigkeit der Angaben. Konkrete Antrge auf Inanspruchnahme von Mitteln aus
den EU-Strukturfonds sind stets nach Magabe der jeweils im Land des Antragstellers zum Zeitpunkt
der Antragstellung geltenden Regeln zu prfen.

Dieser Ratgeber ist Teil einer Serie, in der bislang folgende Titel erschienen sind:
Nr. 1 Frderung des Unternehmergeistes und unternehmerischer Kompetenzen in der EU
Nr. 2 Einsatz von Normen zur Frderung von Wachstum, Wettbewerbsfhigkeit und Innovation
Nr. 3 Erleichterung von Unternehmensbertragungen
Nr. 4 Der intelligente Ratgeber zum Thema Dienstleistungsinnovation
Nr. 5 Umsetzung des SBA auf regionaler Ebene
Nr. 6 Nutzung der Strukturfonds fr Politikmanahmen zur Frderung von KMU und
Unternehmergeist
Nr. 7 Frderung der Internationalisierung von KMU

RECHTLICHER HINWEIS

Weder die Europische Kommission noch in deren Namen handelnde Personen knnen fr die etwaige
Nutzung der in dieser Verffentlichung enthaltenen Informationen oder fr eventuelle, trotz der
sorgfltigen Vorbereitung und Prfung der Texte noch vorhandene Fehler zur Verantwortung gezogen
werden. Der Inhalt dieser Verffentlichung spiegelt nicht zwangslufig die Haltung der Europischen
Kommission wider. Luxemburg, Amt fr Verffentlichungen der Europischen Union, 2014.

ISBN 978-92-79-36465-5
ISSN 1977-6659
DOI 10.2769/92568

Europische Union, 2014


Gedruckt in Belgien
Die Wiedergabe mit Quellenangabe ist vorbehaltlich anderslautender Bestimmungen gestattet.
Die Erlaubnis zur Verwendung bzw. zum Nachdruck urheberrechtlich geschtzten und als solchen
bezeichneten Materials muss von den jeweiligen Urheberrechtsinhabern eingeholt werden.
5

Vorwort

In einer globalisierten Welt mssen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in der Lage sein,
dem zunehmenden Wettbewerbsdruck aus Industrie und Schwellenlndern standzuhalten und
die Marktchancen zu erschlieen, die diese Lnder bieten. Zwischen der Internationalisierung und
leistungsfhigeren KMU besteht ein direkter Zusammenhang. Eine internationale Ttigkeit wirkt sich
positiv auf Wachstum und Beschftigung aus, macht die Unternehmen wettbewerbsfhiger und
sichert langfristig ihren Bestand. Doch trotz des Potenzials, das der erweiterte EU-Binnenmarkt und
die Globalisierung erffnen, sind mittelstndische Betriebe in Europa immer noch weitgehend von
ihren Inlandsmrkten abhngig.
Die KMU-Strategie der EU wurde im Small Business Act for Europe festgelegt, von der Kommission
im Juni 2008 vorgestellt und 2011 einer berprfung unterzogen. Demnach sollen die EU und die
Mitgliedstaaten vor allem durch marktgerechte Frdermanahmen und Schulungen dafr sorgen, dass
die KMU vom Wachstum der Mrkte auerhalb der EU profitieren, bzw. die KMU dazu ermutigen, diese
Leistungen in Anspruch zu nehmen.
Auf diese Weise knnen die KMU davon profitieren, dass die EU-Struktur und Investitionsfonds
und insbesondere der Europische Fonds fr regionale Entwicklung (EFRE), die mit Abstand grte
Finanzierungsquelle fr die Mittelstandsfrderung, verstrkt auf die Wettbewerbs- und Innovationsfhigkeit
von KMU ausgerichtet sind.
Im Zeitraum 20072013 wurden aus den Strukturfonds rund 70 Mrd. EUR fr Unternehmen, vorwiegend
fr KMU, bereitgestellt. Mit EFRE-Mitteln wurden fast 200 000 Projekte gefrdert, die speziell KMU
zugutekamen (bei vielen Projekten wurden gleiche mehrere KMU untersttzt). Dank dieser Initiativen
konnten bisher 78 000 Start-up-Unternehmen gegrndet und mindestens 268 000 Dauerarbeitspltze
in KMU geschaffen (und viele weitere) erhalten werden. Diese Bilanz wird bis zum Abschluss der Projekte
Ende 2015 noch positiver ausfallen.
Wir hoffen, dass Entscheidungs- und Interessentrger sowie insbesondere auf regionaler Ebene ttige
Verwaltungsbehrden diesen Ratgeber als Anregung fr praktische Manahmen nutzen und damit das
Wachstum und die grenzberschreitende Ttigkeit der KMU aus Strukturfondsfondsmitteln verstrkt
frdern werden.

Antonio TAJANI Johannes HAHN


Vizeprsident der Europischen Kommission Mitglied der Europischen Kommission
zustndig fr Industrie und Unternehmertum zustndig fr Regionalpolitik
6
7

Inhalt

Abkrzungen........................................................8 4. Wie die Europischen Struktur-


und Investitionsfonds fr
1. Zusammenfassung......................................9 Internationalisierungsprojekte
genutzt werden knnen..........................25
2. Warum sollten KMU international aktiv
werden?........................................................13 5. Beispiele fr Empfehlenswerte
2.1. Einleitung........................................................ 13 Verfahren....................................................29
2.2. Die aktuelle Lage....................................... 14 5.1. Frderprojekte, Gruppe 1....................... 31
2.3. Die Internationalisierung von KMU 5.2. Frderprojekte, Gruppe 2: aus
begnstigende Faktoren............................16 EU-Strukturfonds kofinanziert............. 39
2.4. Haupthindernisse fr eine 5.3. Frderprojekte, Gruppe 3:
Internationalisierung der KMU ........... 16 ausgewertete Projekte............................ 48

3. Staatliche Untersttzung fr eine ANHANG I UNTERSTTZUNGSMASS-


Internationalisierung von KMU............19 NAHMEN UND AKTIONEN
AUF EU-EBENE.......................55
3.1. Die Rolle der staatlichen
Untersttzung.............................................. 19 ANHANG II QUELLEN.................................61
3.2. Bekanntheit und Nutzung staatlicher
ANHANG III ANDERE NTZLICHE
Frderprogramme bei KMU.................. 20
VERFFENTLICHUNGEN....61
3.3. Wie die Internationalisierung von
KMU untersttzt werden kann ........... 22
8

Abkrzungen

ADI Auslndische Direktinvestitionen

APEC Asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit

ASEAN Verband Sdostasiatischer Nationen

BRIC Brasilien, Russland, Indien, China

BSR-CBP Ostseeraum Kapazittsaufbauprogramm

CNBC Cluster and Network Cooperation for Business Success in Central Europe

CPR Verordnung mit gemeinsamen Bestimmungen

EBOs Europische Unternehmensverbnde

EFRE Europischer Fonds fr regionale Entwicklung

EK Europische Kommission

ESIF Europische Struktur- und Investitionsfonds 2014

EU Europische Union

IP Geistiges Eigentum (Intellectual Property)

IPR Rechte des geistigen Eigentums (Intellectual Property Rights)

IT Informationstechnologie

JOSEFIN Joint SME Finance for Innovation (gemeinsame KMU-Finanzierung fr den Ostseeraum)

KMU Kleine und mittlere Unternehmen

OECD Organisation fr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

SBA Small Business Act

VZ Vollzeitquivalent
9
monkeybusinessimages/iStock/Thinkstock

Zusammenfassung

Untersttzung fr die Internationali- Durch die Internationalisierung kann die Wett-


sierung von KMU der EU bewerbsfhigkeit einer Firma und damit letzt-
lich auch deren Wirtschaftsleistung auf natio-
Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bil- naler und europischer Ebene steigen:
den das Rckgrat der europischen Wirtschaft.
Bei einem Anteil von 99 % an den Unterneh- Internationales Engagement bringt eindeu-
men entfallen auf sie 67 % der Arbeitspltze tig grere Umsatzsteigerungen.
im privaten Sektor sowie 85 % aller neu ge- Bei international ttigen KMU entstehen im
schaffenen Arbeitspltze und rund 59 % der Allgemeinen mehr neue Arbeitspltze als
Wertschpfung der Wirtschaft. Die Herstellung bei den brigen KMU.
internationaler Kontakte erffnet neue Mrkte Zwischen Internationalisierung und Innova-
fr mittelstndische Betriebe und kann ihnen tion besteht ein enger Zusammenhang.
zu mehr Wettbewerbsfhigkeit und Wachstum Dennoch engagieren sich nur wenige KMU aus
verhelfen. EU-Lndern in anderen Mitgliedstaaten oder in
In diesem Ratgeber steht der Begriff Internatio- Nicht-EU-Staaten. Einer 2010 durchgefhrten
nalisierung fr alle Ttigkeiten, bei denen die KMU Studie zufolge waren in den drei Jahren davor
in einem festen Geschftsverhltnis mit einem 25 % der in der EU ansssigen KMU an Exporten
auslndischen Partner stehen: Exporte, Importe, (in EU- und Nicht-EU-Lnder) beteiligt. Nur 13 %
auslndische Direktinvestitionen (ADI Verlage- der international agierenden KMU in der EU be-
rung oder Auslagerung), internationale Vergabe arbeiteten Wachstumsmrkte auerhalb der
von Unterauftrgen und internationale technische EU.
Zusammenarbeit. Diese Aktivitten knnen grenz-
bergreifend, transnational innerhalb der EU oder
auf internationaler Ebene auerhalb der EU ab-
laufen.
10

Eine Internationalisierung begnsti- Staatliche Untersttzung kann eine


gende und hemmende Faktoren wichtige Rolle spielen
Gre, Alter und Erfahrung von KMU spielen Staatliche Untersttzung kann eine wichtige
eine wichtige Rolle fr deren Bereitschaft und Rolle fr die Frderung einer strkeren Inter-
Fhigkeit, sich international zu orientieren: nationalisierung spielen. Eine Studie der Kom-
mission aus dem Jahr 2011 zeigte, dass durch
Generell richtet sich ein Unternehmen umso
staatliche Frderprogramme fr KMU (finan-
strker international aus, je grer es ist.
zieller und nichtfinanzieller Art, auf nationaler
Export- und Importaktivitten nehmen ten-
und EU-Ebene) im Durchschnitt:
denziell in dem Mae zu, wie ein Unterneh-
men reifer wird. der Umsatz von KMU auf dem Zielmarkt um
Nur sehr wenige nicht international aktive 28 % anstieg;
KMU planen in naher Zukunft internationale der Gesamtumsatz pro Firma insgesamt
Aktivitten. um 11 % zunahm;
drei Arbeitspltze geschaffen oder erhalten
Einige Branchen sind tendenziell besser fr wurden;
eine Internationalisierung geeignet als andere: ungefhr 12 % des Umsatzes des Folge-
Der Handel, das verarbeitende Gewerbe, jahres gesichert wurden.
das Verkehrswesen sowie Kommunikation
Eine erfolgreiche Untersttzung hngt zunchst
und Forschung sind die am strksten inter-
vor allem vom Aufbau der Kapazitten inner-
national geprgten Branchen.
halb des KMU ab. Der Zugang zu Schulungs
Unternehmen, die sich am elektronischen
und Beratungsdienstleistungen spielt dabei eine
Handel beteiligen, sind strker international
zentrale Rolle. Bevor der Mix aus (blicherweise)
aktiv als andere traditionelle Unternehmen
standardisierten Frderprogrammen zur Erstel-
in derselben Branche.
lung eines unternehmensspezifischen Frder-
Wenn wir mehr mittelstndischen Betrieben plans angepasst wird, mssen Unternehmen
dabei helfen wollen, mit auslndischen Part- bewertet, ausgewhlt und analysiert werden.
nern zu arbeiten, mssen wir zuerst verstehen, Damit die Programme die Wettbewerbsfhig-
was sie bisher davon abhlt. Aus Sicht der KMU keit und das Wachstum ankurbeln, mssen da-
sind dies vor allem folgende Grnde: mit nicht nur die Exporte, sondern alle Arten von
Internationalisierung untersttzt werden.
Mangel an Betriebskapital zur Finanzierung
von Exporten; Es gibt bereits viele Programme zur Frderung
Schwierigkeiten bei der Suche nach Ge- der Internationalisierung von KMU, die aber
schftsmglichkeiten; weitgehend unbekannt sind: Der Anteil der eu-
Mangel an fr eine Lokalisierung/Analyse ropischen KMU, die ber diese Mglichkeiten
von Mrkten notwendigen Informationen; Bescheid wissen, reicht von 15 % bei Kleinst-
Kontaktaufnahme mit potenziellen Kunden unternehmen bis 27 % bei mittleren Unterneh-
im Ausland unterbleibt aufgrund mangeln- men sowie von nur 10 % bei Unternehmen, die
der Fhigkeiten; nicht international aktiv sind, bis zu 22 % bei
Schwierigkeiten beim Aufbau einer verlss- international agierenden KMU.
lichen Auslandsvertretung;
Zeitmangel bei Fhrungskrften;
nicht gengend und/oder entsprechend quali-
fizierte Mitarbeiter.
11

Struktur- und Investitionsfonds der Wie die Internationalisierung von KMU


EU im Dienste der Internationalisie- untersttzt werden kann
rung Anhang 1 enthlt eine bersicht der Initiativen
Die Strukturfonds knnen praktische Projekte der EU, die einfach in Anspruch genommen
voranbringen, die Mittelstndlern dabei helfen, werden und bei der Beratung von KMU hilfreich
internationale Kontakte zu knpfen. Deshalb sein knnen.
werden in diesem Ratgeber Manahmen vorge- Kapitel 3.3 vermittelt einen berblick ber ei-
schlagen, die sinnvollerweise in allen Mitglied- nige Konzepte, die sich in den Mitgliedstaaten
staaten und Regionen mit Strukturfondsmitteln als sehr erfolgreich erwiesen haben. Diese Pro-
untersttzt werden knnen. gramme untersttzen einzelne KMU oder kom-
men ber Netzwerke und Cluster zum Tragen.
Die Zielgruppen sind vor allem politische Ent-
Sie sind in der Regel am effektivsten, wenn sie
scheidungstrger, Interessengruppen und Ver-
auf spezielle Branchen ausgerichtet sind.
waltungsbehrden auf regionaler Ebene.
In Kapitel 4 wird beschrieben, wie die EU-Struk-
turfonds fr Internationalisierungsprojekte ge-
nutzt werden knnen.
In Kapitel 5 finden sich Beispiele fr bewhrte
Verfahren. Sie dienen als Anregung fr prakti-
sche Manahmen, mit denen europische KMU
dazu angespornt werden sollen, sich interna-
tional auszurichten und schneller zu wachsen.
12
13

Warum sollten
KMU international
Felipe Dupouy/Digital Vision/Thinkstock

aktiv werden?
2.1 Einleitung ten, mit denen Chancen genutzt und Heraus-
forderungen bewltigt werden knnen, die die
Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bilden 1
Globalisierung mit sich bringt (EK, 2007, S. 13).
das Rckgrat der europischen Wirtschaft. Bei Dies kann grenzbergreifend, auf transnationa-
einem Anteil von 99 % an den Unternehmen ler Ebene innerhalb der EU oder international
entfallen auf sie 67 % aller Arbeitspltze im auerhalb der EU geschehen.
nichtfinanziellen privaten Sektor, bis zu 85 %
aller neu geschaffenen Arbeitspltze (EK, 2011 Internationalisierung kann die Wettbewerbsf-
(3), S. 5/6) und etwa 59 % der Wertschpfung higkeit einer Firma steigern und damit letztlich
der Wirtschaft2. zu einer verbesserten Wirtschaftsleistung auf
nationaler und europischer Ebene fhren (EK,
Eine Internationalisierung erffnet neue Mrk- 2010, S. 57). Eine 2010 verffentlichte Studie
te fr mittelstndische Betriebe und hat das zu den Jahren 2007 und 2008 ergab Folgen-
Potenzial, deren Wettbewerbsfhigkeit und des (EK, 2010, S. 8):
Wachstum erheblich zu steigern.
Eine internationale Ttigkeit steht in einem
In diesem Ratgeber bezeichnet der Begriff In- deutlichen Zusammenhang mit einem
ternationalisierung alle Ttigkeitsbereiche, bei gesteigerten Umsatzwachstum.
denen die KMU in einem festen Geschftsver- ber 50 % der KMU, die entweder im Aus-
hltnis mit einem auslndischen Partner stehen: land investierten und an einer internationalen
Exporte, Importe, auslndische Direktinvestiti- Vergabe von Unterauftrgen beteiligt waren,
onen (ADI Verlagerung oder Ausgliederung), meldeten einen erhhten Umsatz, bei KMU
internationale Vergabe von Unterauftrgen und insgesamt dagegen waren es im Schnitt
internationale technische Zusammenarbeit (EK, etwa 33 %.
2010, S. 5). Es geht also um Geschftsttigkei-

1
Die Proposal
21.  Europische
for aKommission stuft
regulation of theein Unternehmen
EP and als KMU
of the Council ein,
laying wenn
down es hchstens
common 250on
provisions Personen beschftigt
the European undDevelopment
Regional einen Jahresumsatz
Fund, thevon hchstens
European 50 Fund,
Social Mio. EUR
the
erzielt oder seine Jahresbilanzsumme sich auf hchstens 43 Mio. EUR beluft.
2
[Link]
14

International ttige KMU melden im All- 2.2 Die aktuelle Lage


gemeinen einen strkeren Zuwachs an
Arbeitspltzen als andere KMU. Einige Internationale Aktivitten helfen Unterneh-
Beispiele: men, im Wettbewerb zu bestehen, zu wachsen
Die Arbeitspltze nahmen bei Exporteuren und langfristig zu berleben. Doch eine 2010
um 7 % zu, bei Nicht-Exporteuren um 3 %. durchgefhrte Studie zeigte, dass sich in den
Die Arbeitspltze nahmen bei Importeu- drei Jahren davor 25 % der in der EU ansssi-
ren um 8 %, bei Nicht-Importeuren um 2 gen KMU im Exportgeschft engagierten.3 Nur
% zu. etwa 13 % konzentrierten sich auf Mrkte au-
KMU, die sowohl importieren als auch erhalb der EU.
exportieren, vermeldeten einen Stellen-
Folglich stellt die EU fr die groe Mehrheit der
zuwachs von 10 %; andere nur 3 %.
europischen KMU den wichtigsten Markt dar.
KMU mit ADI meldeten einen Stellenzu-
Dies ist auch ein guter und geeigneter erster
wachs von 16 %, andere nur 4 %.
Schritt auf dem Weg zur Aufnahme einer inter-
nationalen Ttigkeit auerhalb der EU. In den
Es besteht ein enger Zusammenhang zwi-
meisten Fllen ermglicht der EU-Binnenmarkt
schen Internationalisierung und Innovati-
kleinen und Kleinstunternehmen, so weit zu
on.
wachsen, bis sie erfolgreich in den Wettbewerb
Von den international ttigen KMU brach- auerhalb der EU-Grenzen treten knnen. Fr die
ten 26 % Produkte oder Dienstleistungen meisten KMU kann die EU mithin als Sprungbrett
auf den Markt, die fr ihren Sektor in ihrem fr ein erfolgreicheres Engagement in internatio-
Land neu waren, whrend bei anderen KMU nalen Mrkten fungieren (EK, 2007, S. 5).
dieser Anteil nur bei 8 % lag. International
ttige KMU waren auch erfolgreicher bei Die Vorzge einer Internationalisierung ergeben
Verfahrensinnovationen, die fr ihren Sektor sich nicht nur aus dem Export, sondern aus jeder
in ihrem Land neu waren (11 % gegenber Art internationaler Aktivitt. So kann Import bei-
3 % bei anderen KMU). spielsweise die Leistungsfhigkeit steigern, weil
er Zugang zu neuen Technologien und Fhigkeiten
Somit sind international agierende KMU wett- bietet, und die Zahl der europischen Firmen, die
bewerbsfhiger als vergleichbare Unternehmen importieren, bersteigt die derjenigen, die expor-
im Land (EK, 2010, S. 70). Sie profitieren vom tieren. Auch auslndische Direktinvestitionen (Ver-
Zugang zu Know-how und Technologie, einer lagerung oder Auslagerung), Technologietransfers,
hheren Effizienz und Mengenvorteilen sowie Beteiligung an internationalen Wertschpfungs-
einer greren Kompetenz durch die Erschlie- ketten und andere Formen der Zusammenarbeit
ung schwieriger Mrkte und die Nutzung der zwischen mittelstndischen Betrieben gewinnen
Vorteile von Spitzentechnologie (EK, 2007, S. an Boden. In allen Fllen streben Unternehmen
10). Dank einer strkeren Marktintegration kn- vor allem nach einem strkeren Wettbewerbsvor-
nen mittelstndische Unternehmen eine wich- teil: Der Zugang zu Technologie und preiswerteren
tige Rolle in globalen Wertschpfungsketten oder leichter verfgbaren Inputs spielt fr sie eine
spielen. ebenso wichtige, wenn nicht sogar noch wichtige-
Dennoch ttigt nur ein kleiner Teil der KMU der re Rolle (EK, 2007, S. 8).
EU internationale Geschfte inner oder auer-
halb der EU.

3
EK, 2010, S. 5: Die Statistiken basieren auf einer Stichprobe von rund 1000 KMU in 26 Wirtschaftszweigen. Die Daten wurden im Frhjahr 2009 erhoben (als die EU
27 Mitgliedstaaten hatte) und betreffen die Jahre 2006 bis 2008.
15

Die nachstehende Tabelle vermittelt einen ber- sen der europischen KMU (EK, 2010, S. 16, 17,
blick ber die unterschiedlichen Vorgehenswei- 33 und 36).

Art der Internationalisierung % aller KMU Ca. % dieser innerhalb der % aller KMU
in der EU EU aktiven KMU betreiben ihre in der EU
adressieren internationalen Aktivitten in adressieren
Mrkte inner- Mrkte
halb der EU auerhalb
der EU
Grenzregionen anderen EU-Ln-
dern jenseits der
Grenzregionen
Import 29 % 35 % 89 % 14 %
Export 25 % 47 % 80 % 13 %
Technologische Zusammenarbeit 7%
mit einem auslndischen Partner
Vergabe von Unterauftrgen an 7%
einen auslndischen Partner n.a.
Einsatz auslndischer Unterauftrag- 7 %
nehmer
Auslndische Direktinvestitionen 2%

Unter dem Strich sind ber 40 % der europi- befrdern oder behindern: begnstigende Fak-
schen KMU in irgendeine Form von internationa- toren und hemmende Faktoren. Sie knnen
len Geschftsbeziehungen eingebunden. Aller- diese Faktoren nicht direkt beeinflussen, aber
dings agieren nur wenige auerhalb der EU (EK, wenn sie darber Bescheid wissen, knnen sie
2010, S. 15). die begnstigenden Faktoren bestmglich nut-
zen und hemmende Faktoren so weit wie mg-
Welche Wachstumsmrkte auerhalb der EU lich reduzieren.
bringen europischen Unternehmen den gr-
ten Gewinn? Beginnen wir mit den begnstigenden Faktoren.

Eine Studie aus dem Jahr 2011 ergab, dass die Die Hauptmerkmale der aktuellen Globalisie-
folgenden sieben Zielmrkte fr europische rungswelle sind (EK, 2007, S. 6):
Unternehmen mehr und mehr an Bedeutung
ein beispielloser Abbau von Handelsschran-
gewinnen: Brasilien, Russland, Indien, China (die
ken weltweit;
BRIC-Lnder), Japan, Sdkorea und die Ukrai-
ne. Der Anteil internationalisierter europischer erheblich verbesserte Logistik und Kom-
KMU mit Geschftsttigkeiten in diesen Wachs- munikationssysteme, die allen Unterneh-
tumsmrkten in den Jahren 2009 und 2010 ver- men zur Verfgung stehen;
teilt sich wie folgt: Russland: 13 %, China: 10 %,
Ukraine: 8 %, Japan: 7,5 %, Brasilien: 6,5 %, die Revolution der Informationstechnologie,
Indien: 6 %, Sdkorea: 4,5 % (EK, 2011 (1), die den Weg fr einen umfassenderen Tech-
S. 13). nologie und Wissensaustausch und das Auf-
kommen neuer Arten von wirtschaftlichen
2.3. Die Internationalisierung von Transaktionen, wie etwa den elektronischen
Handel, bereitet.
KMU begnstigende Faktoren
Diese Vorzge bestehen fr groe Konzerne
Erbringer von Untersttzungsdienstleistungen
und KMU gleichermaen, doch KMU scheinen
sollten die wirtschaftlichen Rahmenbedingun-
noch nicht genau zu verstehen, wie sie sie am
gen kennen, die eine KMU-Internationalisierung
16

besten fr sich nutzen knnen. Mehr KMU auf berhaupt internationale Mrkte ins Visier
eine internationale Ausrichtung vorzubereiten, zu nehmen (EK, 2010, S. 6).
bedeutet mehr Unternehmer auf eine interna-
tionale Ausrichtung vorzubereiten, indem man Gibt es eine bestimmte Art von Internationa-
sie vorzugsweise im Bildungssystem frh- lisierung, die sich fr den Einstieg besonders
zeitig mit dem internationalen Umfeld und den gut eignet?
Vorzgen einer internationalen Perspektive Der erste Schritt fr Mittelstndler ist hufig
vertraut macht (EK, 2007, S. 10). der Import. Bei KMU, die sowohl importieren als
Sieht man sich nun die verschiedenen Heimat- auch exportieren, haben doppelt so viele (39 %)
mrkte von KMU nher an, erkennt man, dass mit Importen wie mit Exporten (18 %) begon-
sich mittelstndische Unternehmen umso str- nen. 42 % begannen im gleichen Jahr zu impor-
ker international orientieren, je kleiner ihr Land tieren und zu exportieren (EK, 2010, S. 6).
ist. In Lndern wie Estland, Dnemark, Schwe- Zudem sind einige Branchen tendenziell besser fr
den, der Tschechischen Republik oder Slowe- eine Internationalisierung geeignet als andere:
nien liegt der Anteil der Exporteure bei 55 %
bis 35 %, im EU-Durchschnitt bei 25 % und in Handel, verarbeitendes Gewerbe, Verkehrs-
Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten wesen sowie Kommunikation und Forschung
Knigreich bei rund 20 % (EK, 2010, S. 24). sind die am strksten international geprgten
Branchen. Den hchsten Anteil an exportieren-
Wie nicht anders zu erwarten, sind KMU mit ei- den KMU haben die Wirtschaftszweige Bergbau
nem Standort in Grenznhe wesentlich aktiver (58 %), verarbeitendes Gewerbe (56 %), Gro-
in ihren Grenzregionen, aber nicht viel weiter handel (54 %), Forschung (54 %), Kfz-Handel
darber hinaus (EK, 2010, S. 6). (53 %), Vermietungsdienstleistungen (39 %)
sowie Verkehr und Kommunikation (39 %). Bei
Gre, Alter und Erfahrung von KMU spielen
den Dienstleistungen ist der Anteil im Bereich
eine wichtige Rolle fr deren Bereitschaft und
Forschung besonders hoch (EK, 2010, S. 6).
Fhigkeit, sich international zu orientieren:
Unternehmen, die sich am elektronischen Han-
Allgemein richtet sich ein Unternehmen
del beteiligen, engagieren sich strker im Aus-
umso strker international aus, je grer
land. Es besteht eindeutig eine Wechselwirkung
es ist: 24 % der Kleinstunternehmen, 38 %
zwischen der Mglichkeit, Produkte oder Dienst-
der kleinen Unternehmen und 53 % der
leistungen online verkaufen zu knnen, und einer
mittleren Unternehmen exportieren; bei den
Aktivitt in Export oder Importmrkten (selbst
Importen betragen die entsprechenden An-
wenn man die Firmengre auer Acht lsst).
teile 28 %, 39 % bzw. 55 % (EK, 2010, S. 5).
Dies legt den Schluss nahe, dass das Internet es
Export und Importaktivitten nehmen fr KMU aller Gren leichter gemacht hat, ei-
mit zunehmendem Reifegrad eines Unter- nige Schranken fr eine Internationalisierung zu
nehmens zu. Der Anteil exportierender KMU berwinden. In der Tat ist der Zusammenhang
steigt von gut 15 % bei Unternehmen, die zwischen bestimmten hemmenden Faktoren und
bis zu vier Jahre alt sind, auf fast 30 % bei der Firmengre dank des Internets schwcher
Unternehmen, die 25 Jahre und lter sind geworden (EK, 2010, S. 7).
(EK, 2010, S. 6).
2.4. Haupthindernisse fr eine
Zum Punkt Erfahrung ist zu sagen, dass Internationalisierung der KMU
nur wenige nicht international agierende
KMU in naher Zukunft internationale Ak- Wenn man die Hindernisse fr eine Internatio-
tivitten planen. Lediglich etwa 4 % aller nalisierung der KMU kennt, kann man die Un-
nicht internationalisierten Unternehmen tersttzung auf die speziellen Bedrfnisse des
beabsichtigen nach eigenen Angaben, Mittelstands ausrichten (EK, 2010, S. 57).
17

Zwar bieten internationale Mrkte, private wie nicht vorhandenen internationalen Erfahrungen
auch ffentliche, europischen Unternehmen von Firmen zu bercksichtigen (EK, 2010, S. 57).
betrchtliche Chancen, doch KMU stehen vor be-
sonderen Hindernissen, wenn sie den Weltmarkt Eine 2010 durchgefhrte Erhebung (EK, 2010,
erschlieen wollen, nicht zuletzt beim Zugang S. 58/59) offenbarte, dass aus Sicht der KMU
zu Marktinformationen, der Lokalisierung mg- folgende hemmende Faktoren unternehmen-
licher Kunden und der Suche nach den richtigen sintern bestehen:
Partnern. Sie mssen auch komplexere Prob-
der Preis ihres Produkts oder ihrer Dienst-
leme lsen, wie etwa die Einhaltung auslndi-
leistung;
scher Gesetze, beispielsweise von verbindlichen
die hohen Kosten einer Internationalisie-
Regeln des Vertragsrechts, Zollvorschriften,
rung;
technischen Regelungen und Normen, die Hand-
die Qualitt des Produkts und das Fehlen
habung von Technologietransfer und den Schutz
von qualifiziertem Personal;
von Rechten an geistigem Eigentum oder ge-
die Spezifikationen der Firmenprodukte;
werblichen Schutzrechten. Fr die Bewltigung
die Sprache.
dieser Herausforderungen sind KMU in der Regel
nicht so gut mit eigenem Know-how und finanzi- An erster Stelle steht aus Sicht der KMU der
ellen oder personellen Ressourcen ausgestattet Preis der Produkte oder Dienstleistungen ihrer
wie grere Unternehmen (EK, 2011 (2), S. 3). Firma. Dies ist natrlich abhngig von den all-
gemeinen Preisen auf dem heimischen Markt
Sollen also Manahmen zur Frderung eines in-
und dem Grad der Wirtschaftlichkeit; spezi-
ternationalen Engagements von KMU erfolgreich
fische Manahmen zur Untersttzung einer
sein, muss man zuerst verstehen, vor welchen
Internationalisierung wrden dieses Problem
wesentlichen Problemen diese stehen, wenn sie
also vermutlich nicht lsen. Hilfreich knnte je-
abwgen, ob sie eine Zusammenarbeit mit einem
doch die Einfhrung von Manahmen zur Stei-
auslndischen Partner in Angriff nehmen sollen.
gerung der wirtschaftlichen Leistungsfhigkeit
Nach OECD-Angaben4 nennen KMU vor allem fol-
sein, und zwar entweder durch eine kombinier-
gende hemmenden Faktoren (EK, 2007, S. 10/11):
te Internationalisierungs- und Innovationspoli-
Mangel an Betriebskapital zur Finanzierung tik oder durch eine effizientere Beschaffung von
von Exporten; Vormaterialien, vielleicht durch Direktimporte.
Schwierigkeiten bei der Suche nach Geschfts-
Auf dem zweiten Platz der Rangliste stehen die
mglichkeiten;
hohen Kosten einer Internationalisierung. Es ist
Mangel an fr eine Lokalisierung/Analyse
Aufgabe der EU, auf internationale Handelsre-
von Mrkten notwendigen Informationen;
geln hinzuwirken, die den speziellen Bedrfnis-
Kontaktaufnahme mit potenziellen Kunden
sen des europischen Mittelstands gerecht wer-
im Ausland unterbleibt aufgrund mangeln-
den. Die Europische Kommission bemht sich
der Fhigkeiten;
um den Abbau tarifrer und nichttarifrer Han-
Schwierigkeiten beim Aufbau einer verlss-
delsschranken, wenn sie mit Drittstaaten ber
lichen Auslandsvertretung;
Freihandelsabkommen verhandelt. Auerdem
fehlende Zeit bei den Fhrungskrften, sich
strebt sie eine Angleichung von Rechtsvorschrif-
mit einer Internationalisierung zu befassen;
ten durch verschiedene Dialoge an, zum Beispiel
nicht gengend und/oder entsprechend un-
im Rahmen der europischen Nachbarschafts-
qualifizierte Mitarbeiter.
politik, d. h. der stlichen Partnerschaft und der
Unternehmen, die noch nicht auf dem internati- technischen Zusammenarbeit zwischen der EU
onalen Markt aktiv sind, unterschtzen vielleicht und den Lndern des Mittelmeerraums.
einige hemmende Faktoren und berschtzen
KMU knnen aber auch direkte technische Hil-
andere, weshalb es wichtig ist, bei der Konzeption
fe erhalten, z. B. indem Informationen ber in-
und Entwicklung von Untersttzungsdienstleis-
ternationale Mrkte leicht zugnglich gemacht
tungen fr Unternehmen die vorhandenen bzw.

4
Abschlieender Hintergrundbericht des gemeinsamen OECD-APEC-Projekts Removing barriers to SME access to international markets, OECD-APEC-Weltkonferenz,
6.8. November 2006, Athen, Griechenland.
18

werden, indem sie bei der Grndung internationa- Bei den externen hemmenden Faktoren ergibt sich
ler Geschfts-, Forschungs- und Technologiepart- fr die EU und die brige Welt ein hnliches Bild,
nerschaften (etwa durch das Enterprise Europe wenngleich Zolltarife und andere Handelsschran-
Network, siehe Anhang 1) untersttzt werden ken auf dem auslndischen Markt, andere Geset-
oder indem ihre Teilnahme an internationalen ze und Regelungen im Ausland, Zolltarife oder an-
Handelsmessen finanziell gefrdert wird. dere Handelsschranken auf dem heimischen Markt
und kulturelle Unterschiede im Zusammenhang
Die Firmengre spielt fr interne Hemmnisse mit der EU eher weniger angefhrt werden. ber-
kaum eine Rolle; eine Ausnahme ist der Mangel raschenderweise nannten KMU Mangel an Kapital
an ausreichend qualifizierten Mitarbeitern: Diese und Mangel an angemessener staatlicher Unter-
Barriere erscheint umso grer, je kleiner das sttzung hufiger in Bezug auf die EU als bei glo-
Unternehmen ist. balen Mrkten. Der Grund dafr knnte sein, dass
auf Nicht-EU-Mrkten agierende KMU in der Regel
Die Studie befasste sich auch mit externen
grer und erfahrener sind. Grere KMU betrach-
hemmenden Faktoren im Geschftsumfeld (EK,
ten andere Gesetze und Regelungen im Ausland
2010, S. 59/60). Die KMU sahen folgende Fakto-
als wichtiger, whrend Kleinstunternehmen fter
ren als die grten Hemmnisse fr eine Interna-
auf den Mangel an Kapital verwiesen.
tionalisierung an:

Mangel an Kapital;
Mangel an angemessener staatlicher Unter-
sttzung;
Mangel an geeigneten Informationen;
die Kosten oder Schwierigkeiten in Verbin-
dung mit den fr die Befrderung notwendi-
gen Papieren;
andere Gesetze und Regelungen im Ausland;
Zolltarife oder andere Handelsschranken auf
dem auslndischen Markt;
kulturelle Unterschiede (einschlielich Unter-
nehmenskultur).
19

Staatliche Unterstt-
zung fr eine Internatio-
tfoxfoto/iStock/Thinkstock

nalisierung von KMU


3.1. Die Rolle der staatlichen Unter- groe Welt: eine neue Partnerschaft, um KMU
sttzung zu helfen, ihre Chancen im globalen Kontext zu
nutzen7.
Wie sich gezeigt hat, spielen mittelstndische
Betriebe eine Schlsselrolle fr die Stabilitt KMU schtzen eindeutig die staatliche Unterstt-
und das Potenzial einer Volkswirtschaft im Hin- zung: 11 % derjenigen, die staatliche Frderma-
blick auf Arbeitspltze und Wertschpfung. Da nahmen ihrer Regierungen in Anspruch nehmen,
die meisten KMU nur ber begrenzte Ressour- erklren, sie wren ohne diese Untersttzung
cen verfgen, bentigen sie Untersttzung, um nicht international ttig geworden. Insgesamt
die Fhigkeiten zu erwerben, die sie brauchen, stimmen 55 % international agierender KMU
wenn sie im Wettbewerb auf dem internatio- mindestens einer der folgenden vier Aussagen zu
nalen Markt erfolgreich bestehen wollen (EK, (EK, 2010, S. 70):
2007, S. 17). Ohne Frderung htten sie sich berhaupt
Deshalb werden in der KMU-Strategie der EU, nicht internationalisiert.
die im Small Business Act for Europe (SBA) Mit Frderung haben sie sich frher internati-
dargelegt, von der Kommission im Juni 20085 onalisiert, als sie es andernfalls getan htten.
erstellt und 20116 berprft wurde, die EU und Mit Frderung nahmen sie zustzliche Akti-
die Mitgliedstaaten dazu aufgerufen, insbe- vitten zur Internationalisierung auf.
sondere durch marktspezifische Frderung und Mit Frderung erlangten sie einen besse-
Unternehmerschulung dafr zu sorgen, dass ren Einblick in Chancen auf auslndischen
die KMU vom Wachstum der Mrkte auer- Mrkten.
halb der EU profitieren, bzw. die KMU dazu zu Die staatliche Frderung kann auch einen wert-
ermutigen (EK, 2011 (2), S. 5). Im Jahr 2011 vollen Beitrag leisten, indem sie jene Probleme
folgte als flankierendes Dokument dazu die lsen hilft, die als Haupthemmnisse fr eine
Kommissionmitteilung Kleine Unternehmen, Internationalisierung wahrgenommen werden:
5
[Link]
6
[Link]
7
[Link]
20

Zugang zu Informationen und Zugang zu finan- nutzen (EK, 2010, S. 63/64). Bisher nehmen
zieller Untersttzung (EK, 2010, S. 70). sehr wenige europische KMU tatschlich
staatliche Untersttzungsmanahmen in An-
Die Studie der Kommission von 2011 zeigte, spruch. Der Studie aus dem Jahr 2010 zufolge
dass dank der Inanspruchnahme staatlicher wird eine nichtfinanzielle Frderung eher von
Frderprogramme (finanzieller und nichtfinan- den kleinsten Firmen genutzt, die sich im Aus-
zieller Art, auf nationaler und EU-Ebene) im land engagieren: 10 % der Kleinstunterneh-
Durchschnitt (EK, 2011 (1), S. 8) men, aber nur 8 % der kleinen Unternehmen
der Umsatz von KMU auf dem Zielmarkt um und 6 % der mittleren Unternehmen. Finanziel-
28 % stieg; le Frderung hingegen wird strker von gre-
sich der Umsatz der Firma insgesamt um ren KMU genutzt, die international agieren: 10
11 % erhhte; % der Kleinstunternehmen, 13 % der kleinen
drei Arbeitspltze geschaffen oder erhalten Unternehmen und 16 % der mittleren Unter-
wurden; nehmen (EK, 2010, S. 7).
12 % des Umsatzes des Folgejahres gesichert
Es bestehen groe Unterschiede zwischen den
wurden.
Lndern. Ein hoher Anteil von KMU in ster-
3.2. Bekanntheit und Nutzung staat- reich (47 %) meldete die Inanspruchnahme
von finanzieller Frderung, whrend diese Zahl
licher Frderprogramme bei KMU in Lndern wie Portugal, Dnemark und den
Obwohl es bereits viele Programme zur Fr- Niederlanden bei 1 % oder darunter liegt. Bei
derung der Internationalisierung von KMU gibt, nichtfinanzieller Frderung ist die Nutzung am
sind sie weitgehend unbekannt: Der Anteil der hchsten in Slowenien (23 %), Zypern (19 %)
EU-KMU, die ber diese Mglichkeiten Bescheid und Lettland (16 %), in allen anderen Mitglied-
wissen, reicht von 15 % bei Kleinstunternehmen staaten hingegen weit geringer (EK, 2010, S.
bis 27 % bei mittleren Unternehmen sowie von 7 und 67). Die nachstehende Tabelle gibt ei-
nur 10 % bei Unternehmen, die nicht internatio- nen berblick ber die Inanspruchnahme von
nal aktiv sind, bis 22 % bei KMU mit internatio- finanziellen und nichtfinanziellen staatlichen
naler Geschftsttigkeit (EK, 2010, S. 7). Untersttzungsmanahmen fr die Internatio-
nalisierung im Jahr 2009, aufgeschlsselt nach
Es gibt Unterschiede zwischen den Branchen: Lndern und Anteilen der KMU, die internatio-
20 % bis 25 % der KMU im Grohandel und nale Geschfte ttigen:
im verarbeitenden Gewerbe kennen die Frder-
programme, whrend in den Bereichen Einzel-
handel, Verkehr und persnliche Dienstleistun-
gen nur 10 % bis 13 % der Unternehmen von
der ihnen zur Verfgung stehenden staatlichen
Untersttzung wissen. Daher muss der erste
Schritt fr eine angemessene Untersttzung
von KMU, die die Mglichkeiten internationa-
ler Markt nutzen wollen, darin bestehen, den
eher geringen Bekanntheitsgrad von Unter-
nehmensfrderprogrammen unter den Mittel-
stndlern zu erhhen (EK, 2010, S. 7).

Kleine Firmen bekommen Handelsschranken


wesentlich strker zu spren als groe Firmen,
und grere Unternehmen wissen besser ber
die ihnen zugnglichen Untersttzungsma-
nahmen Bescheid, die sie auch entsprechend
21

Anteil international ttiger KMU, die finanzielle oder nichtfinanzielle Frderung nutzen
Rang Land Anteil der Rang Land Anteil der
Nutzung Nutzung nicht-
finanzieller finanzieller
Frderung Frderung

1 sterreich 47 % 1 Slowenien 23 %
2 Trkei 32 % 2 Zypern 19 %
3 Griechenland 17 % 3 Lettland 16 %
4 Lettland 7% 10 Litauen 9%
5 Norwegen 6% 11 Luxemburg 7%
6 Deutschland 5% 12 Italien 5%
7 Spanien 5% 13 Norwegen 5%
8 Italien 5% 14 Griechenland 4%
9 Slowakei 5% 15 Frankreich 3%
10 Frankreich 7% 10 Spanien 9%
11 Rumnien 6% 11 Deutschland 7%
12 Ungarn 5% 12 Dnemark 5%
13 Schweden 5% 13 Vereinigtes Knigreich 5%
14 Zypern 5% 14 Irland 4%
15 Vereinigtes Knigreich 5% 15 sterreich 3%
16 Slowenien 4% 16 Polen 3%
17 Luxemburg 4% 17 ehemalige jugoslawische 2%
Republik Mazedonien
18 Liechtenstein 4% 18 Finnland 2%
19 Belgien 4% 19 Belgien 1%
20 Finnland 3% 20 Slowakei 1%
21 Estland 3% 21 Niederlande 0%
22 Litauen 3% 22 Estland 0%
23 Polen 3% 23 Malta 0%
24 Irland 3% 24 Kroatien 0%
25 Malta 2% 25 Portugal 0%
26 Bulgarien 2% 26 Schweden 0%
27 Kroatien 2% 27 Tschechische Republik 0%
28 Tschechische Republik 2% 28 Bulgarien 0%
29 Portugal 1% 29 Ungarn 0%
30 Dnemark 1% 30 Island 0%
31 Niederlande 1% 31 Liechtenstein 0%
32 ehemalige jugoslawische 0% 32 Rumnien 0%
Republik Mazedonien
33 Island 0% 33 Trkei 0%
Quelle: EK, 2010, S. 67
22

Welche Art der ffentlichen Frderung nutzen aus und sind besonders schutzbedrftig. Die
KMU am hufigsten? Bemhungen sollten sich darauf richten, die
Kapazitten sowohl fr Innovation als auch fr
Bei den finanziellen Dienstleistungen stehen Bei- eine internationale Geschftsttigkeit gleich-
hilfen und Zuschsse mit Abstand an erster Stelle zeitig zu erweitern, da diese beiden Faktoren
und werden von international operierenden KMU in der Regel Hand in Hand gehen (siehe vorhe-
auch als am ntzlichsten angesehen. Von den ver- rige Kapitel). Eine weitere untersttzenswerte
fgbaren nichtfinanziellen Untersttzungsdienst- Komponente ist der elektronische Handel: Mit
leistungen werden die folgenden sechs von KMU dem Internet als einfach verfgbarem Ver-
an strksten genutzt und sind folglich besonders triebsweg selbst fr die kleinsten KMU bietet
beachtenswert (EK, 2011 (1), S. 51): der grenzbergreifende elektronische Handel
Informationen ber Vorschriften und Rege- ein gewaltiges Wachstumspotenzial fr diese
lungen; Unternehmen (EK, 2010, S. 7175).
Informationen ber Marktchancen;
In Bezug auf die sieben Zielmrkte Brasilien,
Ausstellung auf internationalen Handels-
Russland, Indien, China, Japan, Sdkorea und die
messen;
Ukraine erwarten europische KMU im Allgemei-
Ermittlung potenzieller auslndischer Ge-
nen die grte Wirkung von ffentlicher Unter-
schftspartner;
sttzung in folgender Form (EK, 2011 (1), S. 7):
geschftliche Zusammenarbeit und Vernet-
zung; Hilfe bei der Suche nach Geschftspartnern
Veranstaltung fr die Vermittlung von Ge- in diesen Lndern;
schftspartnern.
Bereitstellung geeigneter Informationen
ber Marktchancen;
3.3. Wie die Internationalisierung von
KMU untersttzt werden kann Bereitstellung geeigneter Informationen
ber Vorschriften und Regelungen.
Eine erfolgreiche Hilfe fr die Internationalisie-
rung hngt vor allem vom Aufbau der Kapazi- Doch nicht jede ffentliche Untersttzung ist
tten innerhalb der KMU ab; dabei spielen in- gleichermaen wirksam.
dividuelle Frderung und Zugang zu Schulungs Zunchst muss ffentliche Untersttzung Be-
und Beratungsdienstleistungen eine zentrale reichen gelten, in denen ein Marktversagen
Rolle. Bevor irgendeine Frderung gewhrt festzustellen ist, um einen bermigen Wett-
wird und der Mix aus (blicherweise) standardi- bewerb mit privaten Dienstleistern zu ver-
sierten Frderprogrammen zur Erstellung eines meiden. Auerdem mssen klare quantitative
unternehmensspezifischen Frderplans ange- Ziele und Vorgaben gesetzt werden sowie eine
passt wird, mssen Unternehmen bewertet, berwachung und Bewertung der Ergebnisse
ausgewhlt und analysiert werden. Zur Str- eingefhrt werden. Damit soll gewhrleistet
kung von Wettbewerbsfhigkeit und Wachs- werden, dass die Untersttzung den vorge-
tum mssen Programme auerdem nicht nur sehenen Empfnger erreicht, die geforderten
Exporte, sondern alle Arten von Internationali- Ergebnisse erbringt und keine Verschwendung
sierung untersttzen (EK, 2007, S. 32). ffentlicher Mittel darstellt (EK, 2010, S. 70).
Die wichtigsten Internationalisierungsprogram- Die Europische Kommission unterhlt oder
me drften die grtmgliche Zahl von KMU untersttzt eine Reihe von Info-Stellen fr Un-
ansprechen (EK, 2007, S. 32). Es empfiehlt sich, ternehmen, Beratungsstellen, Websites, Daten-
Kleinstunternehmen und kleinen Unternehmen banken und anderen Dienstleistungen, die KMU
besondere Aufmerksamkeit zu schenken, also bei ihrer Internationalisierung helfen sollen. Sie
Firmen mit weniger als 50 Mitarbeitern, einem sind zudem eine reichhaltige Informationsquel-
Umsatz von maximal 10 Mio. EUR und einer le fr Organisationen, die KMU untersttzen.
Bilanzsumme von hchstens 10 Mio. EUR. Sie Diese Manahmen und Aktionen sind in An-
machen den grten Teil aller KMU in der EU hang 1 aufgefhrt.
23

Des weiteren bieten private, halbffentliche von Netzwerken: Untersttzungsnetzwerke und


und ffentliche Dienstleister in den Mitglied- Kooperationsnetzwerke (EK, 2007, S. 24/25).
staaten (z. B. nationale Handelskammern, Un-
ternehmensverbnde, Unternehmensberater, Untersttzungsnetzwerke werden in der Re-
KMU-Agenturen und Organisationen zur Frde- gel von staatlichen Stellen (z. B. kommerziellen
rung des Handels), die alle ber eine hohe Kom- Bros im Ausland) oder groen Unternehmens-
petenz in der Hilfe fr KMU bei der Ausfhrung verbnden geleitet. Sie spielen eine Schlssel-
internationaler Geschfte verfgen, eine breite rolle bei der Frderung jeder Art von Internati-
Palette von Aktivitten zur Untersttzung von onalisierung, da sie Zugang zu Informationen
Unternehmen auf Mrkten auerhalb der EU.8 ermglichen, die von den KMU direkt verwertet
werden knnen. In dieser Funktion decken sie
Derartige Programme knnen Untersttzung einen der Bereiche ab, bei denen in Bezug auf
auf individueller Basis oder ber Netzwerke KMU die grte Nachfrage und der grte Be-
oder Cluster leisten. darf bestehen (EK, 2007, S. 24/25).

Individuelle Untersttzung Kooperationsnetzwerke richten sich auf die


Frderung einer direkten Zusammenarbeit zwi-
Die individuelle Untersttzung geht von einer schen Unternehmen. Untersuchungen deuten
Analyse des einzelnen KMU und der Bereiche aus, darauf hin, dass Kooperationsanstze, bnd-
in denen dieses Hilfe bentigt wird; die Unterstt- nisse und netzwerke unter Beteiligung von
zung wird dann auf dessen spezielle Ressourcen KMU in der Zukunft zunehmen werden (EK,
und Fhigkeiten zugeschnitten (EK, 2007, S. 22). 2007, S. 24/25).
Ausgangspunkt dieser Programme ist fr ge- Cluster, Unternehmensnetze und Exportkonsor-
whnlich eine Bewertung der Fhigkeit zur tien knnen einen wesentlichen Beitrag leisten,
Internationalisierung des KMU; darauf folgt wenn KMU sich strker international ausrichten
eine langfristig angelegte Beratung, um Un- wollen. Vor allem Exportkonsortien knnen
ternehmen beim Aufbau der Leitungskapazi- eine besondere Rolle spielen, da sie aus Unter-
tten zu helfen, die sie fr eine internationale nehmensgruppen bestehen, die gemeinsam an
Geschftsttigkeit bentigen. Ergnzend dazu einem Projekt zur Exportentwicklung arbeiten.
werden eine Reihe von Manahmen ergriffen, Beispielsweise haben jngste Untersuchungen
die die anderen Bereiche betreffen, in denen gezeigt, dass neu gegrndete KMU, die in ei-
blicherweise Untersttzung vonnten ist: In- ner bestimmten Marktnische neue Waren und
formationen und bisweilen Untersttzung bei Dienstleistungen entwickeln, hufig von Anfang
der Finanzierung internationaler Geschfte, Zu- an auf Auslandsmrkten ttig sind und ihre Ex-
gang zu Informationen, Netzwerke usw. portfhigkeit durch die Mitgliedschaft in einem
Cluster gestrkt wird (EK, 2011 (2), S. 15).
Individuelle Frderprogramme sind ganzheitlich
in ihrer Sicht auf das Unternehmen und die ber- Mittelstndischen Betrieben, die Mitglied von
windung der konkreten Hemmnisse angelegt, vor Clustern und Unternehmensnetzen sind,
denen das einzelne KMU beim Auslandsgeschft kommen Kontakte, Geschftsverbindungen so-
steht. Sie sind im Grunde ein Programm von wie formale und informelle Kenntnisse zugu-
Programmen, dessen Kern die Aufstellung einer te, die in diesen Gruppierungen weitergereicht
nachhaltigen Internationalisierungsstrategie fr werden, und sie profitieren von den mage-
das einzelne KMU ist (EK, 2007, S. 22). schneiderten Dienstleistungen, die diese Orga-
nisationen anbieten. Diese Vorteile begnsti-
Netzwerke und Cluster gen u. a. die Entwicklung von Partnerschaften
im Ausland, und dies wiederum erleichtert KMU
Netzwerke erweitern die Fhigkeit einzelner
den Zugang zu weltumspannenden Wertschp-
KMU, sich international auszurichten, und sind
fungsketten, die Entwicklung strategischer
nach wie vor eine unerlssliche Komponente
Allianzen mit Forschungsorganisationen im
einer solchen Untersttzung. Es gibt zwei Arten

8
Kapitel 5 enthlt einige Beispiele fr empfehlenswerte Verfahrensweisen, die eine Anregung fr praktische Manahmen bieten sollen, mit denen europischen KMU
geholfen werden kann, sich international zu engagieren und zu wachsen.
24

Rahmen von Clustern oder Netzen, die Auswei- Branchenspezifische Programme


tung ihrer Vermarktungsttigkeiten im Ausland
einschlielich der Akquise ffentlicher Auftrge, Die Branche, in dem ein Unternehmen ttig ist,
den Erwerb der passenden Fhigkeiten und die spielt bei der Exposition gegenber auslndi-
Einholung mageschneiderten fachlichen Rates schen Mrkten eine wichtige Rolle, denn nicht alle
(EK, 2011 (2), S. 15). Wirtschaftszweige sind von der Globalisierung
gleichermaen betroffen. Spitzentechnologie und
Die Mitgliedstaaten sollten die Bedeutung der Hochtechnologiebranchen sind im Allgemeinen
moderierenden Funktion von Clustern und Net- strker internationalisiert als weniger technolo-
zen anerkennen und diese in Programme zur Un- gieintensive Wirtschaftszweige. Dabei besteht
ternehmensfrderung einbeziehen, die sich auf kein grundlegender Unterschied zwischen Gter-
die Frderung der Internationalisierung von KMU und Dienstleistungsbranchen. Unternehmen in
richten (EK, 2011 (2), S. 15). Spitzentechnologiebereichen mssen besonders
spezialisiert und nischenorientiert sein, um im
Wettbewerb mithalten zu knnen. Deshalb sind
mageschneiderte Frderprogramme besonders
geeignet (EK, 2007, S. 25/26).
25

Wie die Europischen Struktur-


und Investitionsfonds fr
monkeybusinessimages/iStock/Thinkstock

Internationalisierungsprojekte
genutzt werden knnen
Von den verschiedenen Finanzierungsquellen, Konzentration, Ergebnisorientierung und Addi-
die fr Internationalisierungsprogramme zur tionalitt (kein Ersatz fr nationale Mittel), am
Verfgung stehen, widmen sich die vorliegen- wichtigsten sind.
den Ratgeber der grten: den Europischen
Struktur und Investitionsfonds (ESIF). (Infor- Um ein ausreichendes Ma an Eigenverantwor-
mationen zu anderen Finanzierungsmglich- tung, Engagement und effektiver Ressourcen-
keiten finden Sie in der neuesten Ausgabe von nutzung zu gewhrleisten, binden die Mitglied-
berblick ber die wichtigsten Finanzierungs- staaten alle relevanten Verwaltungsebenen
mglichkeiten fr europische KMU9 auf der und soziokonomischen Interessentrger ein.
Website der Europischen Kommission.) Praktisch bedeutet dies:
In den ESIF-Verordnungen sind die themati- Basierend auf der Europa 2020-Strategie
schen Ziele und Investitionsprioritten in Ver- schliet die Kommission mit jedem Mit-
bindung mit den Europa 2020-Zielen der Fr- gliedstaat einen Partnerschaftsvertrag fr
derung von Beschftigung und Wachstum in den Zeitraum 20142020, in den alle in-
der gesamten EU aufgefhrt. dividuellen Verpflichtungen des jeweiligen
Mitgliedstaats zur Verwirklichung europi-
Programme werden auf nationaler und/oder scher Ziele und Vorgaben einflieen.
regionaler Ebene formuliert und verwaltet. Bei
Jeder Mitgliedstaat setzt seinen Partner-
der Formulierung der Programme whlen die
schaftsvertrag in mehrere operationelle
Mitgliedstaaten die Ziele aus, die ihnen aus-
Programme um, in denen die Finanzierungs-
gehend von ihrem Entwicklungsbedarf und
prioritten fr den Zeitraum 20142020
von europischen Prioritten, beispielsweise
festgelegt werden. Diese Programme werden
lnderspezifischen Empfehlungen aus der Ko-
von Verwaltungsbehrden durchgefhrt, die
ordinierungsrunde fr die Wirtschaftspolitik
von den einzelnen Mitgliedstaaten auf regio-
im Europischen Semester und allgemeinen
naler oder nationaler Ebene benannt werden.
Grundstzen, wie etwa der Notwendigkeit einer

9
[Link]
26

Whrend des Programmzeitraums (d. h. von von Unternehmensgrndungen, auch durch


2014 bis 2020) verffentlicht jede Verwal- Grnderzentren;
tungsbehrde eine Reihe von Aufforderungen Entwicklung und Einfhrung neuer Ge-
zur Einreichung von Vorschlgen fr Projekte, schftsmodelle fr KMU, insbesondere hin-
die auf regionaler Ebene finanziert werden sichtlich der Internationalisierung;
sollen. Unter Umstnden wird es auch mg-
Untersttzung bei der Schaffung und dem
lich sein, ein neues Projekt im Rahmen eines
Ausbau fortschrittlicher Kapazitten fr die
laufenden Programms vorzulegen.
Produkt und Dienstleistungsentwicklung;
Von den Finanzierungsinstrumenten, die zur Untersttzung der Fhigkeit von KMU, sich
Frderung der Regional und Kohsionspolitik am Wachstum der regionalen, nationalen
der EU aufgelegt worden sind, spielt der EFRE und internationalen Mrkte sowie am Inno-
die mit Abstand grte Rolle fr die Unterstt- vationsprozess zu beteiligen.
zung von KMU. Sein Ziel ist die Verringerung
von Unterschieden in der regionalen Entwick- Weitere Informationen sind auf der Websi-
lung und die Frderung des sozialen und wirt- te der Generaldirektion Regionalpolitik der
schaftlichen Zusammenhalts in der EU. Europischen Kommission11 zu finden.

Um die Grndung von KMU zu untersttzen und Unter In Ihrem Land finden Sie auerdem:
deren Wettbewerbsfhigkeit zu steigern werden eine Liste der Verwaltungsbehrden fr
aus dem EFRE Aktivitten in einer Vielzahl von die Strukturfonds in jedem Mitgliedstaat;
Bereichen mitfinanziert (EK, 2012, S. 2 und 11): Kurzzusammenfassungen der in jeder
unternehmerische Initiative, Innovation und Region verfgbaren Programme.
Wettbewerbsfhigkeit der KMU (etwa unterneh-
merisches Monitoring, innovative Technologien Unter Unsere Arbeit / Die Fonds finden Sie:
und Managementsysteme in KMU, koinnova- Informationen ber den Zugang zu den
tion sowie bessere Nutzung von Informations Fonds.
und Kommunikationstechnologien);
Unter Informationsquellen / Verffentlichun-
Verbesserung der regionalen und lokalen gen / Broschren und Informationsbltter
Rahmenbedingungen fr KMU (etwa des finden Sie:
Zugangs in der Grndungs und Wachstum-
sphase zu Finanzmitteln, der Unternehmen- einen Leitfaden fr die EFRE-Verwal-
sinfrastruktur und der Untersttzungsdiens- tungsbehrden zur Ausgestaltung geeig-
te, der regionalen und lokalen Kapazitt neter Untersttzungsmanahmen, um
fr Forschung, technische Entwicklung und KMU dabei zu helfen, die Vorteile regio-
Innovation sowie der Kooperations und In- naler intelligenter Spezialisierungsstra-
novationsfhigkeit der Unternehmen); tegien bestmglich zu nutzen.
interregionale und grenzberschreitende
Zusammenarbeit von KMU; Wie beantragt man EU-Hilfen?
Investitionen in Humanressourcen (Kofinanzie- Projekte fr eine EU-Kofinanzierung knnen
rungen mit dem Europischen Sozialfonds). von Unternehmen, Bildungseinrichtungen, For-
schungsinstituten, Gemeinden und anderen
Die Wettbewerbsfhigkeit von KMU ist eines von
Organisationen oder Mischformen daraus vor-
elf thematischen Zielen der neuen Kohsionspo-
geschlagen werden. Wenn Sie zu einer dieser
litik. Ihre Investitionsprioritten zur Strkung der
Gruppen gehren und eine Idee fr ein Projekt
Wettbewerbsfhigkeit von KMU lauten:10
haben, das KMU helfen soll, durch eine interna-
Frderung des Unternehmergeists, insbe- tionale Geschftsttigkeit wettbewerbsfhiger
sondere durch Erleichterung der wirtschaft- zu werden, mssen Sie Folgendes beachten:
lichen Nutzung neuer Ideen und Frderung

10
Siehe Verordnung (EU) Nr. 1303/2013 (Verordnung mit gemeinsamen Bestimmungen) und die fondsspezifischen Verordnungen unter: [Link]
policy/information/legislation/index_de.cfm.
11
[Link]
27

1. Stellen Sie sicher, dass Ihr Projekt in sei- 3. Reichen Sie Ihr Projekt bei einer geeigne-
ner Dauer und seinem Umfang begrenzt ten Aufforderung zur Einreichung von Vor-
ist, wenn Sie EU-Mittel erhalten wollen. Sie schlgen ein.
bentigen einen Projektplan, der den Inhalt
des Projekts, Ziele und Etappen, die Auf- Weitere Informationen ber den Zugang zu
teilung der Arbeit, den Kosten und Finan- EU-Strukturfondsmitteln finden Sie im Ratge-
zierungsplan sowie einen Zeitplan fr die ber Nutzung der Strukturfonds fr Politikma-
Durchfhrung umfasst. nahmen zur Frderung von KMU und Unterneh-
mergeist12.
2. Finden Sie heraus, welche operationellen
Programme fr Ihre Region bestehen und
wer Ihre Verwaltungsbehrde ist. In der Re-
gel verfgt die Verwaltungsbehrde ber
eine Website, auf der man sich ber die
Verfahren zur Beantragung von Mitteln, die
Fristen und den Kofinanzierungsanteil in-
formieren kann.

12
[Link]
28
29

Beispiele fr
Empfehlenswerte
David Sacks/Photodisc/Thinkstock

Verfahren
In diesem Kapitel werden Beispiele fr gute Im Jahr 2008 verffentlichte die Europische
Internationalisierungsprogramme verschiede- Kommission eine Broschre zu empfehlenswer-
ner Mitgliedstaaten und Regionen vorgestellt, ten Verfahren in diesem Bereich: Untersttzung
die als Anregung dienen sollen. Bitte beachten fr die Internationalisierung von KMU Auswahl
Sie, dass Manahmen, die fr eine ESIF-Finan- empfehlenswerter Verfahren14. Sie beinhaltet
zierung vorgeschlagen werden, im Einklang 27 Beispiele und kann von der Europa-Website
mit den einschlgigen Bestimmungen der Ver- heruntergeladen werden. Einige dieser Beispie-
ordnung Gemeinsame Bestimmungen, den le sind in der nachstehenden ersten Gruppe zu
fondspezifischen Verordnungen und den Kofi- finden. In der zweiten Gruppe werden Projekte
nanzierungsregeln der konkreten operationel- vorgestellt, die im Zeitraum 20072013 aus
len Programme stehen mssen.13 EU-Strukturfonds mitfinanziert wurden (EK,
2013). Die dritte Gruppe besteht aus Frder-
projekten, die in einer Studie 2011 ausgewertet
wurden (EIM 2011, S. 6777).

13
[Link]
14
[Link]
30

Empfehlenswerte Verfahren Land Empfehlenswerte Ver-


fahren fr die folgenden
Frderaufgaben*:
GRUPPE 1
A Schulungsprogramme: Regionalprogramm zur Fr- Norwegen 3, 8
derung von Export und Internationalisierung von KMU
B KMU und grenzbergreifende Finanzierung Niederlande 2, 4
C PIPEnet Spanien 6, 8
D Vertrge ber industrielle Forschung und Entwicklung (IRDC) Norwegen 4, 6, 7
E Move or stay and improve Schweden 2, 7, 8
F First flight Irland 2, 3, 8
G Inkubationsprogramm Italien 8
H Transnationales Netz Handwerk in der Groregion Luxemburg 2, 8, 9

GRUPPE 2 AUS EU-STRUKTURFONDS KOFINANZIERT


I BioFix Estland 9
J Wachsende Unternehmenscluster in Mitteleuropa mehrere 3, 5
K Innovation im Ostseeraum mehrere 4
L Clustern im Ostseeraum machen Schule mehrere 3, 5
M Ein skandinavisches Modell fr von Frauen gefhrte mehrere 1, 5, 7
Unternehmen
N Nachhaltige Holzenergie aus Nordkarelien Finnland 3, 5, 6
O Digitale Investitionen im griechischen Fremdenverkehrssektor Griechenland 4, 7
P DRIVE for growth mehrere 5
Q Intelligente Vermarktungsplattform fr kleine Designunternehmen Ver. Knigreich 2, 3, 6, 8

GRUPPE 3 AUSGEWERTETE FRDERPROJEKTE


R Exportpartnergruppen als Vermittler von Internationalisierung Finnland 2, 3, 8
S Exportinitiative Erneuerbare Energien Deutschland 2, 4
T Prepare2start Niederlande 2, 4, 8
U Bros fr Unternehmensfrderung in den Niederlanden Niederlande 2, 8
V Swedpartnership Schweden 4
W Programm von UK Trade and Investment fr den Zugang zu Messen Ver. Knigreich 4
X Politik von Scottish Development International Ver. Knigreich 2, 4, 8

* Frderaufgaben:
1. Sensibilisierung 6. Untersttzung der Internationalisierung von Dienst-
2. Gutes Informationsangebot leistungen
3. Programme zur Entwicklung des Humankapitals 7. Internationalisierung zur Strkung der Wettbewerbs-
4. Finanzierungshilfen zur Internationalisierung fhigkeit
5. Frderung von Netzwerken 8. Individuelle Untersttzung
9. Grenzgebiete und grenzbergreifende Kooperation
31

5.1. Frderprojekte, Gruppe 1

A Norwegen
Schulungsprogramme:
Regionalprogramm zur Frderung von Export und Internationalisierung von KMU

Thema, Ziel und geografischer Geltungsbereich


Das Regionalprogramm soll die Wettbewerbsfhigkeit von KMU verbessern, indem der Export und die
Internationalisierung gefrdert und untersttzt werden.

Kurzbeschreibung der Verfahrensweise


Das Programm basiert auf einem Konzept, das fr KMU entwickelt wurde, die das Potenzial und die Fhig-
keit haben, ihre globale Wettbewerbsfhigkeit durch Innovation und Internationalisierung zu steigern. Bei
diesem Geschftsentwicklungsprogramm durchlaufen Unternehmen einen 12 bis 14 monatigen Entwick-
lungsprozess. Innovation Norway gewhrt Unternehmen Zuschsse fr ein Geschftsentwicklungsprojekt.
Das Programm gliedert sich in vier Phasen:
1. Festlegung und Bewertung der Bedrfnisse und Lebensphasen interessierter Unternehmen: Es
wird geklrt, ob die Unternehmen wirklich an einer Internationalisierung interessiert sind, sowie
ob die Unternehmen dazu befhigt und bereit sind, und ob die Unternehmen tatschlich von dem
Programm profitieren knnen.
2. Analyse der Fhigkeit des Unternehmens fr eine innovative Markt- und Technologieentwicklung:
Diese Analyse ist die Grundlage fr die durchzufhrenden Markt- und Technologieprojekte.
3. Planung: Die Unternehmen werden bei der Erstellung eines Plans fr ihre Markt- und/oder Tech-
nologieprojekte untersttzt.
4. Durchfhrung: Die Unternehmen erhalten Hilfe bei der Durchfhrung ihrer Projekte durch mageschnei-
derte Untersttzung mit verschiedenen Kompetenz-, Beratungs-, Netz- oder Finanzierungsdiensten.

Weitere Informationen
Im Jahr 1999 begannen die Bezirke Sr-Trndelag und Nord-Trndelag mit der Vorbereitung eines
strkeren und besser koordinierten Programms zur Untersttzung der Unternehmen in der Region bei
internationalen Geschften. Auf der Grundlage einer vorhergehenden Studie lief 2001 ein Dreijah-
resprogramm an, das von den Bezirken und von Innovation Norway finanziert wurde. Da die ersten
drei Jahre positiv beurteilt wurden, wurde das Programm nach 2003 fortgesetzt. Im Rahmen des
Programms wurde in den Bezirken eine Reihe branchenspezifischer Netze eingerichtet. Ende 2005
bestanden fnf solcher Netze fr die Bereiche Umwelt, Gesundheit, Energie, IKT sowie l und Gas.

Bewertung/Ergebnisse
Im Zeitraum von 2001 bis 2003 beteiligten sich ber 300 Unternehmen an einer oder mehreren Program-
maktivitten, wobei 170 Unternehmen einer grndlichen Analyse unterzogen wurden. Die teilnehmenden
Unternehmen steigerten ihre Exportumstze insgesamt um durchschnittlich 7 %. Die enge Zusammenar-
beit zwischen der regionalen Handelskammer, Exportverbnden, Innovation Norway, privaten Beratern, For-
schungs- und Ausbildungseinrichtungen, Gemeinden und Bezirksrten hat dazu gefhrt, dass die Unterstt-
zung fr die Internationalisierung von KMU qualitativ verbessert und gezielter eingesetzt werden konnte.

Kontaktdaten
Christian Peter Haugen
Senior Adviser - Innovation Norway
Tel. (47) 74 13 54 00 - Fax (47) 74 13 54 01
E-mail: [Link]@[Link]
[Link]
(Quelle: EK, 2008, S. 18)
32

B Niederlande
Schulungsprogramme:
KMU und grenzbergreifende Finanzierung

Thema, Ziel und geografischer Geltungsbereich


Zu Finanzprodukten und finanziellen Aspekten gibt es nur vereinzelte, nichttransparente Informationen.
Dies ist besonders fr KMU problematisch, die sich im Ausland engagieren wollen und sowohl die Finanzie-
rung als auch einen Plan fr ihre Vorbereitung bentigen. Unser Ziel ist es, KMU den Zugang zu finanziellen
Mitteln zu erleichtern, indem die verfgbaren Informationen gesammelt und in einer Webdatei zur Verf-
gung gestellt werden. Dabei arbeiten wir mit privaten Einrichtungen zusammen [u. a. mit unseren Banken-
verbnden (NVB) und KMU-Verbnden (MKB-NI)]; insoweit spielt die Nachfrageseite eine entscheidende
Rolle. Die weltweit anwendbare Webdatei ist auf niederlndische KMU und ihre Partner ausgerichtet. Der
Dutch Trade Board (DTB), ein ffentlich-privates Beratungsgremium der Regierung, hat die Initiative ein-
geleitet; die Durchfhrung bernahm unsere Agentur fr internationale Geschfte und Kooperation (EVD).
Kurzbeschreibung der Verfahrensweise
Die Webdatei ([Link]/mkb-financiering) prsentiert im Internet die Produkte
des privaten Finanzsektors, des Staates, der EU und multilateraler Institutionen. Enthalten sind spezielle
Produkte wie Exportkreditversicherungen und internationale Kreditratings sowie Factoring, Risikokapital,
Zahlungsbedingungen, Leasing und Fahrplne, die fr eine grenzbergreifende Finanzierung hilfreich
sein knnen. Offensichtlich heterogene Produkte werden vereinheitlicht, d. h. sie werden zusammenge-
fasst und in einer einfachen, nutzerfreundlichen Form prsentiert und im Hinblick auf Konditionen und
Preise verglichen. Damit der Besucher die Informationen so schnell wie mglich auffindbar sind, gibt es
kurze, detaillierte Seiten und differenzierte Links zu den mageblichen Seiten auf der Website der Anbie-
ter. Die EVD wertet die Information weiter auf durch einfache Fahrplne, Business Cases und demnchst
auch Verweise auf Finanz /Rechtsberater fr KMU (Prfer, Anwlte) usw.
Zielgruppe
Zielgruppe sind niederlndische KMU, die exportieren, investieren und an grenzbergreifender Koopera-
tion beteiligt sind. Dazu zhlen 75 000 Unternehmen (mit etwa 70 000 Exporteuren). Die berwiegende
Mehrheit, schtzungsweise 80 % dieser Unternehmen, bentigt keine externe Information/Beratung
zur Finanzierung; diese Unternehmen knnen die bestehenden Anforderungen aus eigener Kraft oder
gemeinsam mit ihren auslndischen Kunden bewltigen. Somit umfasst die potenzielle Zielgruppe etwa
15 000 KMU. Nach unserer Erfahrung finden auch KMU-Berater die Informationen sehr ntzlich.
Erwartete oder erzielte Ergebnisse
Die Reaktionen des Finanzsektors, von Handelskammern, dem KMU-Verband usw. sind beraus posi-
tiv. Offensichtlich haben wir eine Marktnische entdeckt. Besttigt wird dies durch:
die Zahl der gezhlten Besucher. Die EVD hat ihre Instrumente zur Erfassung der Zahl der
Besucher verfeinert, um die Hits der Webcrawler (Suchmaschinen) zu korrigieren. Dadurch
knnen die einzelnen Besucher zahlenmig genau erfasst werden. Das Ergebnis: im Jahr 2007
etwa 3900 verschiedene Besucher. Das ist ein gutes Ergebnis verglichen mit anderen Teilen der
Website, zumal es sich um eine Nische fr Spezialisten handelt;
das Seitenranking bei Google. Die Datei umfasst etwa 80 Seiten. In 85 % der Flle stehen sie
bei Google unter den ersten drei Eintrgen. Diese Prsenz ist Ausdruck der Beliebtheit dieser
Website und zeigt, dass die Website fr die Kunden leicht aufzufinden ist.

Kontaktdaten
EVD
Juliana van Stolberglaan 148 - 2595 CL Den Haag, Niederlande
Tel. (31-70) 778 80 79 - E-mail: brouwer@[Link]
(Quelle: EK, 2008, S. 24)
33

C Spanien
Schulungsprogramme:
PIPEnet

Thema, Ziel und geografischer Geltungsbereich


personalisierte Beratungsdienste und die am besten geeigneten Technologieinstrumente eingesetzt
werden; PIPEnet optimiert neue Informations und Kommunikationstechnologien (IKT) fr die beteilig-
ten KMU. Die Manahme erstreckt sich auf ganz Spanien.

Kurzbeschreibung der Verfahrensweise


Fr die Konzipierung und die Durchfhrung der Manahme zeichnet das spanische Auenhandelsins-
titut verantwortlich, das finanzielle Untersttzung von der Europischen Kommission erhlt (Kofinan-
zierung). Es erarbeitet einen strategischen Plan. Dazu finden Sitzungen mit dem Unternehmen statt,
die ein Beratungsdienst durchfhrt. Der Plan beinhaltet zwei Forschungsprojekte: eines zur Situation
neuer Technologien in den Ziellndern und das andere zu fhrenden Unternehmen im Internetsektor.
Auerdem wird der Technologie , Budget und Personalbedarf des Unternehmens abgewogen. Im ers-
ten Jahr nach Vorlage der abschlieenden Dokumentation steht den KMU die Beratung zur Verfgung,
um die im Plan vorgesehene technische Untersttzung zu gewhren. Die beteiligten Unternahmen
tragen 20 % der Kosten des kundenspezifischen Beratungsdienstes, whrend ICEX die restlichen 80
% bis maximal 6000 EUR bernimmt.

Zielgruppe
Alle Branchen, auch der Dienstleistungssektor, Unternehmen aus allen spanischen Regionen; nur KMU,
die weniger als 30 % ihres Umsatzes mit Exporten erwirtschaften.

Erwartete oder erzielte Ergebnisse


In den gut zwei Jahren, in denen PIPEnet jetzt existiert, haben etwa 1500 Unternehmen die Erstbera-
tung mit einem Experten absolviert, und ber 300 Unternehmen haben das gesamte Beratungspro-
gramm abgeschlossen.

Referenzen
Julio Gabriel Esteban, Exportmanager, NIKAI
Wir wussten, welche Mglichkeiten das Internet bietet, jedoch nicht, wie wir sie nutzen sollten (). Mit
seiner Hilfe kann man die Effizienz steigern, indem man das kommerzielle Netz ausbaut, eine starke
Marke entwickelt und sich von seinen Konkurrenten abhebt.

CREYCONFE, Madrid
Es war eine bemerkenswerte Erfahrung fr das Unternehmen. Es wird uns helfen, das Internet effi-
zienter zu nutzen (...). Zurzeit versehen wir unsere Website mit neuem Inhalt. Demnchst wollen wir
B2B-Instrumente einsetzen.

Kontaktdaten
Managing Director of Export
Initiation and New Projects
ICEX Spanisches Auenhandelsinstitut
Paseo de la Castellana, 18 5a planta
E-28046 Madrid
Tel (34) 91 349 6335 - Fax (34) 91 349 0686
E-mail: [Link]@[Link]
[Link]
(Quelle: EK, 2008, S. 29)
34

D Norwegen
Schulungsprogramme:
Vertrge ber industrielle Forschung und Entwicklung (IRDC)

Thema, Ziel und geografischer Geltungsbereich


Ziel des Programms ist die Stimulierung und Strkung der Fhigkeit kleiner und mittlerer Anbieter,
marktorientierte Forschung und Entwicklung neuer und innovativer Produkte und Dienstleistungen in
enger Zusammenarbeit mit einem anspruchsvollen Kunden durchzufhren. Da Auslandsaktivitten
in Form einer Zusammenarbeit im Bereich Innovation einen hheren Innovationsinput bewirken, sind
auslndische Unternehmen als Partner besonders willkommen.

Kurzbeschreibung der Verfahrensweise


Auf internationaler Ebene wchst das Bewusstsein, dass die enge Zusammenarbeit zwischen einem An-
bieter und einem groen anspruchsvollen Kunden, deren gemeinsames Interesse darin liegt, ein neuarti-
ges Produkt oder einen neuartigen Dienst zu entwickeln, ein groes Geschftspotenzial birgt. Ein Vertrag
ber industrielle Forschung und Entwicklung (IRDC) ist eine bindende Vereinbarung zwischen zwei oder
mehr Unternehmen ber die Zusammenarbeit in der Entwicklung eines neuartigen Produkts oder Pro-
zesses oder Dienstes. Der Kunde muss Marktfhrer und im Geschftsbereich anerkannt sein und einen
breiten Marktzugang haben. Die Parteien selbst legen die Inhalte so fest, dass sie den grtmglichen
Nutzen aus der Frderung ziehen. Ein IRDC-Vertrag gilt nur fr Projekte, die ein auergewhnliches Ma
an Innovation und Wertschpfung sowie ein genau definiertes Marktpotenzial und eine hohe Additiona-
litt aufweisen.
Die Unternehmen mssen einen formellen Antrag bei Innovation Norway stellen. In einem IRDC-Pro-
jekt muss eine Partei, der Anbieter, normalerweise als kleineres Entwicklungsunternehmen (KMU)
definiert sein. Wenn ein Unternehmen diese Anforderungen erfllt, kann der Vertrag mit bis zu 35 %
der frderfhigen Kosten untersttzt werden. Ist der Anbieter kein KMU, werden nur bis zu 25 % der
Projektkosten gewhrt.

Zielgruppe
KMU mit inlndischen und/oder auslndischen Kunden.

Erwartete oder erzielte Ergebnisse


Eine 2007 vorgenommene Evaluierung auf der Grundlage von mehr als 1200 finanzierten Projekten im
Zeitraum 19952005 hat gezeigt, dass 44 % der Projekte kommerzielle Erfolge waren. Nur 12 % der
Projekte sind fehlgeschlagen. Unternehmen mit gut geschulten Mitarbeitern, einer Innovationsstrategie
und internationalen Partnern waren am erfolgreichsten. Die Projekte haben erhebliche Umstze und
Exporte bewirkt, die mindestens den gesamten Zuschssen der letzten zehn Jahre (ber 1,4 Mrd. NOK
19952005) entsprachen. IRDC-Vertrge gelten als eine der erfolgreichsten Frdermanahmen von
Innovation Norway. Damit werden sowohl Innovation als auch die Internationalisierung angeregt.

Kontaktdaten
Per Niederbach, Director
Innovation Norway
E-mail: [Link]@[Link]
Tel. (47) 22 00 25 00
Fax (47) 22 00 25 01
[Link]
(Quelle: EK, 2008, S. 33)
35

E Schweden
Schulungsprogramme:
Move or stay and improve Ein Instrument zur Gewinnberechnung der Internationalisierung von KMU

Thema, Ziel und geografischer Geltungsbereich


Durch diese Manahme sollen KMU genauer informiert werden und Ausknfte auch ber andere
Variablen als die Arbeitskosten in anderen Lnder erhalten, damit sie fundierte Entscheidungen im
internationalen Geschftsverkehr treffen knnen. Das Berechnungsinstrument wird in Verbindung mit
Beratung in produzierenden Unternehmen in ganz Schweden eingesetzt.

Kurzbeschreibung der Verfahrensweise


Move or stay and improve ist ein Produkt der Entwicklungsagentur ALMI. 35 Berater wurden in der
Anwendung geschult. Das computergesttzte Instrument geht von den Geschftsberichten und Bilan-
zen der KMU aus. Ergnzend zu den 18 bercksichtigten Faktoren wird auch Zahlenmaterial genutzt,
um die Situation in zehn Lndern zu vergleichen. Die Berechnungen zeigen, wie sich die Ertrge der
Unternehmen bei Verlagerung der Geschfte in unterschiedliche Lnder verndern wrden. Zurzeit wird
das Instrument weiterentwickelt. So sollen verschiedene Verbesserungen fr den Fall simuliert werden,
dass sich Unternehmen auf den jeweiligen eigenen nationalen Markt beschrnken und wissen mchten,
wie sich diese Verbesserungen auf ihre Umstze auswirken wrden. Die von diesem Instrument ver-
wendeten Zahlen werden jedes Jahr aktualisiert. Auf diese Weise arbeiten die Unternehmen an ihrer
Produktivitt, statt ihre Produktion zu verlagern. Dies strkt die europische Dimension, da die Unter-
nehmen ermutigt werden, ber Kooperationen mit europischen Unternehmen nachzudenken, statt eine
Produktion in Asien anzustreben.

Zielgruppe
KMU, die ihre Geschfte aus Schweden verlagern wollen, oder Unternehmen, die ihre internationale
Wettbewerbsfhigkeit berprfen mchten.

Erwartete oder erzielte Ergebnisse


104 Unternehmen haben das computergesttzte Instrument genutzt, um festzustellen, ob sie durch
eine Verlagerung ihrer Produktion Gewinne oder Verluste machen wrden. Von diesen haben 52 be-
schlossen, ihre Produktion effizienter zu machen, und zwlf haben sich dafr entschieden, ihre Produk-
tion ganz oder teilweise ins Ausland zu verlagern. 40 Unternehmen haben das Instrument zu anderen
Zwecken genutzt, z. B. fr eine Wettbewerbs- oder Rentabilittsanalyse oder auch nur als Grundlage
fr interne strategische Diskussionen. Auf 128 Veranstaltungen wurde ber das Instrument informiert.

Referenzen
Wir haben jetzt eine ausgezeichnete Entscheidungsgrundlage fr den nchsten Schritt in unserer
Entwicklung.
Dieses Instrument drfte fr viele Unternehmen hilfreich sein, selbst wenn sie nicht ber eine Verla-
gerung ihrer Produktion nachdenken.

Kontaktdaten
Bjorn Olanders - ALMI Development Agency
E-mail: [Link]@[Link]
Ulla Rolf - Enterprise Europe Network ALMI
Box 1501
S-351 15 Vxj
E-mail: [Link]@[Link]
(Quelle: EK, 2008, S. 32)
36

F Irland
Schulungsprogramme:
First flight

Thema, Ziel und geografischer Geltungsbereich


First flight soll Unternehmen durch die Bewertung und Entwicklung von Kernfhigkeiten helfen, die
Risiken, den Zeitaufwand und die Ausgaben ihrer Internationalisierung zu bewltigen.

Kurzbeschreibung der Verfahrensweise


Im Rahmen von First flight werden Kunden bei allem untersttzt, was sie zur internationalen Ent-
wicklung brauchen, denn die Entwicklung neuer Mrkte ist ein wesentlicher Aspekt der Geschftsent-
wicklung mit hohem Kosten und Zeitaufwand. Das Programm First flight untersttzt die Unterneh-
mensleitung dabei, den Planungsprozess systematisch und konsistent zu strukturieren. Dazu wird
eine groe Zahl zu beachtender Aspekte vorgegeben.
Anhand eines Fragebogens, der von den Unternehmen mit Hilfe eines Entwicklungsberaters ausge-
fllt werden muss, werden die Unternehmen in mehreren Bereichen bewertet (allgemeine Beschrei-
bung, Leistungsfhigkeit, Managementressourcen, Marktkenntnisse, Business Case sowie Budgets
und Finanzierung).
Anschlieend wird ein entsprechender Aktionsplan mit dem Unternehmen entwickelt. Vielfltige Fr-
dermanahmen von Enterprise Ireland (EI) werden angeboten:
Zugang zu den Diensten von Enterprise Ireland im auslndischen Netz (z. B. Marktforschung);
Verbesserung der Managementkenntnisse durch Teilnahme an verschiedenen Schulungspro-
grammen;
Zugang zum Mentorennetz in bestimmten Bereichen wie Finanzplanung, Marktentwicklung usw.;
Teilnahme an Handelsmissionen;
ggf. Hinzuziehung von Schlsselpersonen (mit bentigten Kenntnissen).

Zielgruppe
First flight ist ein Angebot von Enterprise Ireland speziell fr Unternehmen, welche die Aufnahme
einer Exportttigkeit beabsichtigen oder gerade damit begonnen haben (Exporte unter 30 000 EUR).

Erwartete oder erzielte Ergebnisse


First flight liefert wichtige und effiziente Informationen, die von den beteiligten KMU direkt verwen-
det werden knnen. Der Prozess wird begleitet, um das Risiko fr die Unternehmen zu minimieren. Er
ist auf die Bedrfnisse der jeweiligen Unternehmen zugeschnitten. First flight ist ein erster Schritt
zu einer langfristigen Internationalisierung und Exportstrategie.

Kontaktdaten
Neil Cooney
Policy Division Enterprise Ireland
Glasnevin, Dublin 9
Irland
Tel. (353-1) 808 20 00
Fax (353-1) 808 20 20
E-mail: [Link]@[Link]
[Link]

(Source: EC, 2008, p 36)


37

G Italien
Schulungsprogramme:
Inkubationsprogramm

Thema, Ziel und geografischer Geltungsbereich


Das innovative Programm orientiert sich an den Bedrfnissen von KMU. Zunchst erfolgt ein direkter
Kontakt zu den Unternehmen ber eine Anhrungskampagne. Dann wird ihnen angeboten, Risiken
und Erfolge mit ihnen zu teilen. Die Manahme wird fr ganz Italien angeboten.

Kurzbeschreibung der Verfahrensweise


Der Specialist Assistance Service (SAS) soll Untersttzung bieten, die vollstndig auf die Bedrfnisse
der Kunden zugeschnitten ist: Kundensuche, Partnerauswahl, Marktanalyse und Analyse der Wettbe-
werbsfhigkeit. Der Incubation Service for Internationalisation (SIPI) soll KMU untersttzen, die die
Internationalisierung nicht aus eigener Kraft bewltigen knnen. Der Dienst bietet ihnen an, Risiken
und Erfolge zu teilen. Er soll insbesondere als Inkubator wirken und den Absatz der Unternehmen auf
dem Zielmarkt steigern. Es besteht eine Kooperationsvereinbarung mit nationalen Fhrungskrftever-
bnden, um gut geschulte Experten/Mentoren zu bekommen.

Zielgruppe
Die hufigsten Nutzer sind Klein- und Kleinstunternehmen, ohne Einschrnkung hinsichtlich Branche,
Gre oder Umsatz.

Erwartete oder erzielte Ergebnisse


Seit der Dienst seine Ttigkeit aufgenommen hat, wurden 261 Unternehmen bei der Internationalisie-
rung untersttzt: 249 im Rahmen des SAS und zehn im Rahmen des SIPI sowie zwei im Rahmen der
Vereinbarung mit Fhrungskrfteverbnden.

Referenz
[Link] Barbara Calvani, Export Manager, Centerglass Line, spa
(...) nach der Handelsmission in Casablanca, die mit Untersttzung der Spezialisten fr Internationali-
sierung organisiert wurde, baut Centerglass Line eine Geschftsbeziehung mit einigen marokkanischen
Geschftsleuten auf und verkauft seine Produkte auf dem dortigen Markt. Ich bin mit den Mitarbeitern
der Spezialdienste sehr zufrieden und hoffe, diese Zusammenarbeit fortsetzen zu knnen.

Kontaktdaten
Commercial Director of Promofirenze
Special Agency of the Florence
Chamber of Commerce and Industry
Enterprise Europe Network
Via Por S. Maria
Palazzo Borsa Merci
I-50122 Florenz
Tel. (39) 055 267 16 48
Fax (39) 055 267 14 04
E-mail: [Link]@[Link]
[Link]

(Quelle: EK, 2008, S. 37)


38

H Luxemburg
Schulungsprogramme:
Transnationales Netz Handwerk in der Groregion

Thema, Ziel und geografischer Geltungsbereich


Ziel des Programms ist die Entwicklung grenzbergreifender Aktivitten von KMU im Handwerksbe-
reich durch Information, Untersttzung, Netzaktivitten und begleitende Handwerksunternehmen auf
grenzberschreitenden Mrkten in der sogenannten Groregion SaarLothringenLuxemburgWallo-
nienRheinland-Pfalz mit den Grenzregionen Luxemburgs, Deutschlands, Frankreichs und Belgiens.

Kurzbeschreibung der Verfahrensweise


Die Groregion umfasst deutsche, luxemburgische, belgische und franzsische Regionen, und sie
grenzt an zwei andere wichtige Grenzregionen: eine mit Maastricht (Niederlande), Nordrhein-West-
falen und der Provinz Lttich, die andere mit dem Elsass, Baden-Wrttemberg und Basel (Schweiz).
Diese groe Vielfalt bedeutet eine wettbewerbliche und geschftliche Herausforderung fr Hand-
werksbetriebe. Unternehmer in den einzelnen Sparten des Sektors mssen sich auf administrative,
rechtliche, technische, sprachliche und kulturelle Komplexitten einstellen. Dieses Projekt mit seiner
groen Reichweite sttzt sich auf moderne Kommunikationstechnologien zum Aufbau eines Informa-
tions und Beratungsnetzes.
Zu diesem Zweck wurden fr Handwerksbetriebe in der Groregion eine CD-ROM und eine Website
erstellt, auf denen Verfahren, Regelungen und Bewerbungsformulare zu finden sind, die Handwerksbe-
triebe fr ihre jeweilige Sparte bercksichtigen sollten, um Zugang zu grenzbergreifenden Mrkten zu
bekommen. Die wichtigsten erfassten Bereiche:
Entwicklung einer gemeinsamen Diagnosemethode fr Gewerke, um Unternehmen mit Infor-
mation zu versorgen, die auf netzbezogener, individueller Beratung beruht;
Durchfhrung von Sensibilisierungskampagnen durch themenbezogene Austauschforen;
Nutzung eines Begleitsystems zur berwachung von Unternehmen mit grenzbergreifender Erfah-
rung (Strukturerhebungen und vergleichende zyklische Erhebungen);
strukturierte, zusammenfassende Prsentation themenbezogener Informationen zu Gewerken
in der Groregion.

Zielgruppe
KMU aus dem Handwerksbereich in den fnf Regionen der Groregion, insgesamt 156 975 Unter-
nehmen: 4 258 in Luxemburg, 11 155 im Saarland, 47 027 in Rheinland-Pfalz, 27 535 in Lothringen
(Frankreich) und 67 000 in Wallonien (Belgien).

Kontaktdaten
Marc Gross Christiane Bram
Saar-Lor-Lux Interregional Council Enterprise Europe Network/PME
of Chambers of Skilled Crafts Chambre des Metiers
2, circuit FIL 2, circuit FIL
L-1347 Luxemburg L-1347 Luxemburg
E-mail: [Link]@[Link] E-mail: [Link]@[Link]

[Link]
CD-ROM: Transnationale Mrkte Handwerk grenzenlos

(Quelle: EK, 2008, S. 42)


39

5.2. Frderprojekte, Gruppe 2: aus EU-Strukturfonds kofinanziert


Die folgenden Projekte stellen nicht durchweg die Internationalisierung in den Vordergrund, aber sie
tragen unmittelbar dazu bei.

I Estland
Schulungsprogramme:
BioFix Sauberes Wasser und solides Geschft

Dieses Programm ermglichte einem innovativen KMU, ein Umweltverfahren zu entwickeln und in
seinen Nachbarlndern erfolgreich auf den Markt zu bringen.
Hintergrund
In Estland gehrt die staatliche Organisation Enterprise Estonia (Ettevtluse Arendamise Sihtasutus,
EAS) zu den Einrichtungen, die in der EU fr die Verwaltung der Strukturfonds verantwortlich sind.
Mithilfe des Europischen Fonds fr regionale Entwicklung (EFRE) bringt sie verschiedene Programme
zur Unternehmensfrderung auf den Weg, die auf Forschung und Entwicklung, Export bzw. Neugrn-
dungen abzielen. EAS bietet Beratung zu allen Fragen im Zusammenhang mit Patenten, Technologien
und innovativen Dienstleistungen, Geschftsentwicklung, Wettbewerb usw., und zwar sowohl in der
Vorstudienphase als auch vor der Einreichung des Hauptprojekts.
BioFix-Projekt
Fixtec wurde 1992 als mittelstndisches Unternehmen gegrndet, das Umwelttechnologie entwickelt
oder importiert. Es begann mit der Herstellung kleiner kologischer Wasserreinigungsgerte mit der
Bezeichnung BioFix fr private Haushalte, Seniorenheime, Hotels usw. Auslser fr diese Idee war eine
sehr hohe Nachfrage auf dem finnischen Markt. Finnland, bekannt fr seine sehr strengen Umweltre-
gelungen, schreibt seit 2003 eine biochemische Abwasserreinigung vor, auch fr Privathaushalte. Fixtec
sah, dass die meisten Hersteller diese Art von Reinigungsanlagen nicht anboten, und startete deshalb
sein Projekt zur Entwicklung des Produkts und dessen Export auf den finnischen Markt.
Finnland ist momentan der wichtigste Markt, aber Fixtec produziert auch fr den estnischen und den
lettischen Markt; in beiden Lndern muss Abwasser aufbereitet werden, bevor es in die natrliche
Umgebung abgegeben wird.
Partner
Zwei estnische Berater (ein Forscher und ein Ingenieur/Designer) wurden hinzugezogen, um das Pro-
jekt auf den Weg zu bringen. Man arbeitete eng mit einer Reihe auslndischer Unternehmen zusam-
men. Zugelassene Laboratorien in Estland fhrten Wasseranalysen durch. Die zur Erlangung des
CE-Kennzeichens notwendigen Tests wurden in Finnland vorgenommen.
Ergebnisse
Die BioFix-Initiative ist ein Beispiel dafr, wie eine finanzielle Frderung regional nutzbringend ein-
gesetzt werden kann. Mithilfe eines von der EU mitfinanzierten Programms entwickelte Fixtec erfolg-
reich dieses neue Produkt und neue Verfahren und drang dabei auf neue Mrkte vor. Im Jahr 2006
war BioFix bereits an mehrere hundert Kunden in Finnland verkauft worden. EAS half bei der Ausar-
beitung des Geschftsplans fr den Export des Produkts in groem Mastab.
Technische Informationen
Programm: Ziel 1 Estland 2004-2006 - Investitionen insgesamt: 43 460 EUR - EU-Investitionen: 14 380 EUR
Ansprechpartner:
Fixtec
Vike-Ameerika 15 - EE-10129, Tallinn - Estland
Managing Director: Mait, Pldemaa
Tel.: +372 646 6305 - E-Mail: fixtec@[Link] - Web: [Link]/
Datum des Entwurfs: 1.9.2006 (Quelle15)
15
[Link]
40

J Italien, Ungarn, sterreich, Polen, Slowenien, Slowakei


Schulungsprogramme:
Wachsende Unternehmenscluster in Mitteleuropa fr mehr Wettbewerbsfhigkeit und Innovation

Das Konzept von Branchenclustern verbundener Unternehmen und Lieferanten, die in hnlichen oder
miteinander in Beziehung stehenden Branchen zusammenarbeiten, wird als wichtiges Mittel betrach-
tet, um die Produktivitt zu steigern und um wirtschaftliche Entwicklung und Innovation zu frdern.
Cluster knnen eine aktive Rolle bei der Strkung der Wettbewerbsfhigkeit von Regionen einnehmen,
indem sie deren Attraktivitt steigern, zur Frderung der Forschung und zur Weitergabe bewhrter
Vorgehensweise beitragen und kleine bis mittlere Unternehmen untersttzen.
Das transnationale Projekt Cluster and Network Co-operation for Business Success in Central Europe
(CNBC), welches in sieben Lndern in Mitteleuropa durchgefhrt wird, zielt darauf ab, Cluster und
Cluster-Manager zu untersttzen, um ihre Managementkompetenzen zu frdern, ihr Service-Portfolio
zu optimieren und ihre internationale Entwicklung voranzubringen. Dies wurde zum Teil durch die
Organisation von Schulungen fr Cluster-Manager erreicht, mit dem Ziel, einen gemeinsamen Schu-
lungsplan und ein ausfhrliches Schulungshandbuch fr sie zu erstellen.
Obwohl das CNCB-Projekt hauptschlich fr Cluster in Mitteleuropa ins Leben gerufen wurde, steht es
auch Bildungsinstitutionen, Entscheidungstrgern und Innovationsagenturen offen.

Unterschiedlichste Branchen
Obwohl die Unternehmens-Cluster in Europa sich in unterschiedlichen Phasen der organisatorischen
Entwicklung befanden, nahm eine Vielzahl an Industriezweigen am CNBC-Projekt teil, darunter alter-
native Energien, die Bekleidungsindustrie, Design, die Luftfahrtindustrie, das Kunststoffgewerbe und
der Automobilsektor. Die Projektgelder wurden grtenteils fr Mitarbeiter ausgegeben, die Umfragen
fr die teilnehmenden Unternehmen organisierten, sowie fr Kommunikations- und Informationsak-
tivitten (einschlielich der Einrichtung einer Website) und fr die Organisation von Konferenzen, auf
denen die Umfrageergebnisse prsentiert wurden.
Neben der Erstellung eines Schulungshandbuchs sollen im Rahmen des Projekts ein Handbuch ber
Cluster-Optimierung sowie ein weiteres Handbuch ber Internationalisierung herausgegeben werden.
Im Ergebnis des Projekts wird mit der Schaffung von zehn bis zwanzig Arbeitspltzen, hauptschlich
in der Cluster-Organisation, gerechnet.

Technische Informationen
Programm: EFRE fr den Programmplanungszeitraum 20072013
Investitionen insgesamt: 2 129 157 EUR
EU-Investitionen: 1 715 630 EUR

Ansprechpartner:
Verwaltungsbehrde: Empfnger:
Magistrat der Stadt Wien, Magistratsabteilung Clusterland Upper Austria Ltd
27 Dezernat Urbanistik (federfhrender Partner)
Schlesingerplatz 2 Hafenstrae 47-51 - A-4040 Linz
A-1080 Wien sterreich
sterreich
Projektmanager: Andreas Geiblinger
Heinrich Weber
Tel.: +43 798105086
Tel.: +43 1400027050
Fax: +43 798105080
E-Mail: [Link]@[Link]
E-Mail: [Link]@[Link]

Datum des Entwurfs: 31.10.2013 (Quelle16)

16
[Link]
41

K Deutschland, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Schweden, Norwegen


Schulungsprogramme:
Rckenwind fr Innovation im Ostseeraum

Der Ostseeraum ist fr seine starke wissensbasierte und innovative Wirtschaft bekannt. Kleine und
mittlere Unternehmen (KMU) spielen bei diesem Innovationsprozess eine entscheidende Rolle. Mit-
telstndler haben aber hufig Schwierigkeiten, Innovation und transnationale Projekte zu finanzieren.
Um diese Hrde zu berwinden, bietet JOSEFIN (Joint SME Finance for Innovation gemeinsame
KMU-Finanzierung fr den Ostseeraum) KMU im Ostseeraum integrierte finanzielle Dienstleistungen
wie individuelles Coaching und mageschneiderte Beratung an.

Das Innovationspotenzial nutzen


Die JOSEFIN-Partnerschaft schliet die wichtigsten Akteure im Innovationsprozess ein: Inkubatoren,
Unternehmensentwicklungsagenturen, wie etwa Partner des Enterprise Europe Network, fr die Ent-
wicklung und Umsetzung von Politiken verantwortliche Behrden, ffentliche Finanzinstitutionen und
Organisationen fr Forschung und technologische Entwicklung. Sie entwickelten gemeinsam Modelle
und Konzepte sowie konkrete Hilfsmittel und Instrumente in den beteiligten Lndern, um den Zugang
zu Finanzmitteln sowie die Zusammenarbeit und Internationalisierung von Unternehmen zu frdern.
Im Rahmen des Projekts wurde ein Rckbrgschaftsfonds eingerichtet, der Darlehen fr KMU mit inte-
grierten Coaching-Diensten absichern soll, um somit das Kreditausfallrisiko von Banken zu verringern,
die Innovationen und transnationale Projekte von KMU finanzieren. Darber hinaus wurden neue Ver-
einbarungen zur Nutzung von EU-Initiativen wie JEREMIE und der KMU-Brgschaftsfazilitt des vom
Europischen Investitionsfonds verwalteten CIP-Programms geschlossen. Bis zum Ende des Projekts
im Januar 2012 wurden dank der JOSEFIN-Kreditbrgschaften an KMU Kredite in einer Gesamthhe
von rund 150 Mio. EUR und viele weitere ber das Projektende hinaus vergeben.

Ansprechpartner:
Joint Technical Secretariat Rostock
Investitionsbank Schleswig-Holstein
Grubenstrae 20
18055 Rostock, Deutschland
Tel.: +49 381 45484 5281
Fax: +49 381 45484 5282
E-Mail: info@[Link]
Web: [Link]
Datum des Entwurfs: 4.1.2010, aktualisiert 2014 (Quelle17)

17
[Link]
42

L Dnemark, Lettland, Schweden


Schulungsprogramme:
Cluster im Ostseeraum machen Schule

Cluster bieten ideale Mglichkeiten, um Begabungen und Ressourcen fr die Fertigung von Produkten
bzw. Erbringung von Dienstleistungen zusammenzubringen. Um die Arbeit von Clustern in Dnemark,
Lettland und Schweden zu optimieren, hat das Projekt Ostseeraum Programm fr den Kapazitts-
aufbau (Baltic Sea Region Capacity Building Programme, BSR-CBP) einen gemeinsamen Rahmen
fr Clusterpolitiken und transnationale Innovationsprogramme konzipiert.
Als jemand, der sich selbst zum Cluster-Vermittler qualifiziert hat, habe ich festgestellt, dass die drei
weiterfhrenden Lehrgnge im Bereich Cluster-Vermittlung im BSR-CBP-Projekt genau die Heraus-
forderungen behandelten, mit denen ich es in meiner tglichen Arbeit zu tun habe. Durch die Vortrge
und Gruppendiskussionen habe ich viel darber gelernt, wie ein Cluster untersttzt werden kann und
welche praktischen Hilfsmittel ich in meiner tglichen Arbeit anwenden kann.
Hans A. Pedersen, Projektleiter, dnischer Cluster Khlung

Den Ressourcenpool fllen


Die Projektpartner kommen aus dem so genannten Dreilndereck mit Dnemark (Grnder von REG X,
der dnischen Cluster-Akademie), Schweden (ber VINNOVA, die schwedische staatliche Stelle fr In-
novationssysteme) und Lettland (ber LIAA, die lettische Agentur fr Investitionen und Entwicklung).
Der Transfer von Wissen und Erfahrung im Bereich des Cluster-Managements ist ein wesentliches
Merkmal des Projekts und wird Teil des Pools von in der Region verfgbaren Ressourcen sein.

Schulung fr Wachstum
Die Partner haben erkannt, dass es notwendig ist, Schulungsmodule zu Cluster-Frderung, Frder-
programmen, Management, Konzept und Umsetzung zu konzipieren und durchzufhren. Zielgruppen
des Projekts sind Akteure im ffentlichen Raum, beispielsweise Fhrungskrfte von Cluster-Organisa-
tionen, Organisationen fr die Unternehmensfrderung und Staatsbedienstete auf lokaler, regionaler
und nationaler Ebene. Das Projekt beinhaltet die Konzipierung und Erprobung von zwei Modulen fr
die Basisschulung zur Verwendung auf regionaler oder nationaler Ebene, drei Modulen zur Fortbildung
fr die transnationale Ebene und drei Modulen zu staatlichen Cluster-Frderprogrammen ebenfalls
zur Anwendung auf transnationaler Ebene. Ziel ist es, die Schulungsmodule anschlieend zu einer
transnationalen Plattform fr strategische Zusammenarbeit im Ostseeraum zusammenzufhren.

Technische Informationen
Programm: EFRE im Zeitraum Januar 2009 Januar 2010
EU-Investitionen: 300 000 EUR

Ansprechpartner:
BSR CBP
Lottes Langkild
Tel.: +45 2061 2440
E-Mail: lottelangkilde@[Link]

BSR CBP
Susanne Krawack
Tel.: +4575508383
E-Mail: sk@[Link]
Datum des Entwurfs: 15.2.2010 (Quelle18)

18
[Link]
43

M Dnemark, Schweden, Norwegen


Schulungsprogramme:
Ein skandinavisches Modell fr von Frauen gefhrte Unternehmen

Unternehmerinnen in drei skandinavischen Lndern haben sich zusammengeschlossen, um von Frau-


en gefhrte kleine und mittlere Unternehmen zu frdern. Sie wollen die Wettbewerbsbedingungen
fr die Kattegat/Skagerrak-Region durch Innovation, Entwicklung und tragfhiges Wachstum ver-
bessern. Dem Netzwerk gehren regionale Behrden, Unternehmerinnen und Wissenschaftlerinnen
aus Dnemark, Norwegen und Schweden an. Ein zentraler Teil ihrer Arbeit sind sechs Seminare zum
Schwerpunkt Wachstum.

Strke einer Partnerschaft


Lediglich ein Drittel aller neuen Firmen in Norwegen, Schweden und Dnemark wird von Frauen
gegrndet. Deshalb kamen 2007/2008 insgesamt zehn verschiedene Partner aus diesen drei Ln-
dern zusammen, um das Projekt Frauen in der Wirtschaft ins Leben zu rufen. Es wird teilweise aus
EU-Mitteln finanziert und ist auf drei Jahre angelegt.
Ein Ziel des neuen Projekts besteht darin, mehr Frauen in der Kattegat/Skagerrak-Region dazu zu
bewegen, ein eigenes Unternehmen zu grnden und dabei ber die Grenzen der drei Lnder, die
sich an dem Projekt beteiligen, hinweg zusammenzuarbeiten. Sie werden untersttzt von mehreren
erfolgreichen Unternehmerinnen, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit ihnen teilen.
Federfhrender Partner ist Freningen Norden, eine politisch unabhngige Organisation (NRO) mit ca.
60 000 Mitgliedern in allen skandinavischen Lndern. Weitere Partner sind vier Regionalbehrden. Zu
dem Projekt gehren mehrere Gruppen mit Mitgliedern aus allen drei Lndern, und es arbeitet mit
verschiedenen Hochschuleinrichtungen zusammen, um zu untersuchen, welche Hrden in der Region
fr die unternehmerische Selbstndigkeit von Frauen bestehen.

Wissen und Know-how


Letztlich verfolgen sie das Anliegen, ein skandinavisches Modell fr weibliches Unternehmertum zu
entwickeln, nachdem sie die besten Verfahrensweisen erprobt haben, die in allen drei Lndern an-
wendbar sind. Diese Aktivitten sollen auerdem zu neuen Erkenntnissen ber die Faktoren fhren,
die die Ausdehnung und Entwicklung der von Frauen gefhrten Unternehmen befrdern, und zwar
mittels Innovation und neuartigen Anstzen fr die Geschftsttigkeit.

Technische Informationen
Programm: EFRE fr den Programmplanungszeitraum 20072013
Investitionen insgesamt: 724 990 EUR
EU-Investitionen: 362 490 EUR

Ansprechpartner:
Freningen Norden
Postboks 77
NO-4801, Arendal
Norwegen
Hilde, Lona
Datum des Entwurfs: 16.3.2011 (Quelle19)

19
[Link]
44

N Finnland
Schulungsprogramme:
Nachhaltige Holzenergie aus Nordkarelien

Ostfinnland ist weltweit fhrend in der Forsttechnik. Hier entstand das Wenet-Zentrum ein Netzwerk
fr Sachverstand im Bereich nachhaltige Energie , das das regionale Know-how auf diesem Gebiet
international bekanntmacht.
Das Wenet-Netzwerk in der Region Nordkarelien exportiert seit 2004 Know-how im Bereich Holze-
nergie. Das EU-finanzierte regional bergreifende Projekt Wenet-Zentrum, das seine Arbeit 2009
aufnahm, zielte auf eine weitere Strkung der Stellung der Region auf dem Markt fr erneuerbare
Energie ab. Dem Zentrum gehren Unternehmen fr nachhaltige Energie sowie Forschungs , Bildungs
und Ausbildungseinrichtungen an; es suchte nach den geeignetsten Lsungen bei Energiedienstleis-
tungen fr seine Kunden und ermglichte die Vernetzung von Fachleuten.

Mehr internationale Chancen fr regionale Akteure im Bereich Energie


Mit dem Wenet-Zentrum sollte das beste einschlgige Know-how in Ostfinnland zusammengefhrt
werden, um lokalen Unternehmen dabei zu helfen, auf diesem Gebiet zu starken internationalen
Akteuren zu werden. Im Mittelpunkt des Projekts stand eine bessere Vermarktung von Energieerzeug-
nissen und dienstleistungen. Ferner wurden Projekte konzipiert, um Exportmglichkeiten zu frdern
und Reisen nach Ostfinnland zu organisieren, die dem Export und der Internationalisierung dienten.

Erfassung der gesamten Energieversorgungskette


Mit einem Netzwerk von fast 30 Unternehmen, die mit nachhaltiger Energie arbeiten, und mehr
als 15 Organisationen aus Ostfinnland und darber hinaus ist es dem Wenet-Zentrum gelungen,
Sachverstand und Technologie im Bereich Energie fr die gesamte Wertschpfungskette zusammen-
zubringen: Ernte von Energieholz, Transport, Fernwrme, Verbraucherschnittstelle, Umnutzung von
Holzasche in Dnger usw. Auerdem stellte das Zentrum Forschungs und Schulungsdienstleistungen
zur Verfgung und erstellte Berichte zu Umweltfolgenabschtzungen.
Das Ergebnis des Projekts bestand darin, dass Unternehmen und Organisationen, die mit nachhal-
tiger Energie arbeiten, sich enger vernetzten; es ist uns gelungen, internationale Partnerschaften zu
knpfen, und wir haben unser Wissen und unsere Technologie an Kanada, Russland und EU-Lnder
weitergegeben, fasst Jouko Parviainen, der Projektmanager, die Nutzeffekte des Projekts zusammen.
Dank des Projekts hat Ostfinnland grere Bekanntheit als Vorreiter auf diesem Gebiet erlangt, wo-
durch die Wettbewerbsfhigkeit lokaler Experten vor allem in der Holzenergie und Forstbiowirtschaft
gestrkt worden ist.

Technische Informationen
Programm: Europischer Fonds fr regionale Entwicklung 20072013
Investitionen insgesamt: 464 000 EUR
EU-Investitionen: 162 400 EUR

Ansprechpartner:
(nicht genannt)
Datum des Entwurfs: 23.9.2013 (Quelle20)

20
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45

O Griechenland
Schulungsprogramme:
Digitale Investitionen im griechischen Fremdenverkehrssektor

Digi-lodge ist eine staatlich gefrderte Initiative in Griechenland, die konzipiert wurde, um digitale
Investitionen in den Fremdenverkehrssektor des Landes, insbesondere in staatlich konzessionierten
Einrichtungen (Hotels, Ferienhuser, Motels, vermietete Zimmer usw.) anzukurbeln. Durch die weit-
verbreitete Einfhrung moderner IKT-Systeme in Hotels und anderen Fremdenverkehrseinrichtungen
steigen die Zahlen von Besuchern mit hherer Wertschpfung sowohl aus Griechenland als auch
aus dem Ausland, und auch die Effizienz des Hotelmanagements verbessert sich.
Die griechische Tourismusbranche hat sich nur langsam die Vorteile moderner Internettechnologien und
-dienste fr sich genutzt, um Touristen in greren Zahlen und mit hherer Wertschpfung anzulocken.
Kleine und mittelgroe Hotels sind in der Regel auf Ferien fr griechische Familien eingerichtet, wh-
rend viele grere Hotels stark von Reiseveranstaltern abhngig sind. Infolgedessen haben Hotels
und Pensionen in Griechenland keinen direkten Zugang zu einem breiteren Kundenkreis von Touristen
und Besuchern aus dem Ausland.
Nur 74 % der griechischen Hotels haben einen Internetzugang, und bei kleinen Gstehusern sinkt
diese Zahl auf 37 %. Lediglich 63 % der Hotels haben einen Internetauftritt (30 % bei kleineren Feri-
enhusern); etwa 71 % der vorhandenen Hotel-Websites bieten keine Einzelheiten zur Verfgbarkeit
von Zimmern; bei etwa 77 % fehlen Preisangaben; und mehr als 67 % der Buchungen werden auf
traditionellem Weg gettigt.
Ein Ansporn zu Investitionen fr Technologie
Eines der zentralen Ziele der Initiative ist es, technologiebezogene Investitionen auch in den kleineren Ferienhu-
sern und Familienhotels in ganz Griechenland voranzutreiben. Digi-lodge bietet eine finanzielle Beteiligung an
privaten Investitionen in Informations und Kommunikationstechnologien an, um ihnen dabei zu helfen,
ihren Internetauftritt und ihre internationale Prsentation zu optimieren;
Online-Buchungen mit vollautomatischer Online-Abwicklung zu steigern;
saisonbedingte Schwankungen zu verringern und den ganzjhrigen Zustrom von Touristen zu steigern;
die Service-Qualitt allgemein zu erhhen, indem Angebote wie WiFi, digitale Unterhaltung usw.
bereitgestellt werden; und
die betriebswirtschaftliche Effizienz durch eine Modernisierung der Abwicklungsvorgnge deut-
lich zu verbessern.
Inzwischen bieten 1500 Hotels und Ferienhuser Online-Dienste an.
Digi-lodge frdert IKT-Investitionen, die sich im Bereich einer Gesamthhe von 7000 bis 40 000 EUR
bewegen, von denen es 60 % bernimmt. Das insgesamt frderfhige Investitionsbudget steht in
direktem Zusammenhang mit der Art der staatlichen Konzession und der Anzahl der Sterne des
Hotels. Jeder Investitionsvorschlag wird ber ein automatisches elektronisches Portal eingereicht und
berprft, was den Vorgang vereinfacht.
Im Rahmen des Digi-lodge-Programms wurden bislang Vereinbarungen ber digitale Investitionen
mit fast 1500 Hotels und Ferienhusern geschlossen, die jetzt Online-Abwicklungen und elektroni-
sche Dienste anbieten knnen.
Technische Informationen
Investitionen insgesamt: 75 000 000 EUR EU-Investitionen: 36 000 000 EUR
Ansprechpartner:
Managing Authority for Digital Convergence Digital Aid SA
23-25 Lekka Str 8, Kolokotroni Str
EL-10562 Athen - - Griechenland EL-10561, Athen - - Griechenland
Emmanouil Giampouras Alexandros Bregiannis
Tel.: +30 2103722488 Tel.: +30 2103377941
E-Mail: [Link]@[Link] E-Mail: abregiannis@[Link]
Datum des Entwurfs: keine Angaben (Quelle21)
21
[Link]
46

P Deutschland, Irland, Vereinigtes Knigreich


Schulungsprogramme:
Keine Passagiere im DRIVE for Growth

Directing Research into Viable Enterprise (Forschungsergebnisse direkt in die Wirtschaft lenken) for
Growth (DRIVE for Growth)
Bei diesem Projekt geht um die Notwendigkeit einer besseren Vernetzung des in den EU-Regionen vor-
handenen Wissens. Zu diesem Zweck hat jede Partnerregion eine Gruppe fr regionale Innovation und
Entwicklung (Group for Regional Innovation and Development, GRID) eingerichtet, um Beziehungen, Zu-
sammenarbeit und Produktivitt von Forschungsgemeinschaften, Frderstellen und Industrie. Auf trans-
nationaler Ebene tragen diese Gruppen dazu bei, einen einheitlichen Raum zu schaffen, in dem KMU
und Forschungseinrichtungen in Nordwesteuropa eine kritische Masse von Ressourcen in den Bereichen
Marktentwicklung, verfgbare Forschungsergebnisse, Leistungsfhigkeit und Netzen nutzen knnen.

Dynamische Internet-Plattform
Eine wichtige Neuerung des Projekts ist die Entwicklung einer dynamischen Internet-Plattform, zu der alle
Partnerregionen Zugang haben. Sobald sich eine Person oder eine Organisation angemeldet hat, sucht das
Tool automatisch nach Entwicklungen, die von Interesse sein knnten, wie z. B. neue Forschungsergebnis-
se oder Mglichkeiten fr Unterlieferanten. Mit Hilfe dieses Instruments knnen Forscher darber hinaus
Partner in der Industrie und Unternehmensnetze in einer Reihe von Branchen finden.

Ergebnisse
Hier einige konkrete Ergebnisse des Projekts von 2007:
Durchfhrung von Benchmarking-Umfragen zur Unternehmensinnovation an 350 Befragten;
Errichtung von vier regionalen GRID unter Beteiligung von Behrden, Wirtschaftsfrderungsge-
sellschaften/-netzen, Forschungseinrichtungen und Privatwirtschaft;
Entwicklung einer neuen Internet-Plattform zur Verbesserung von Austausch und Zusammenar-
beit von Behrden, Frderstellen, Forschungseinrichtungen und Industrie;
Registrierung von ber 170 Unternehmen mit mehr als 200 regelmigen Nutzern auf der DRI-
VE for Growth-Plattform. Bis Projektende sollen 600 Nutzer erreicht werden;
Bisher nehmen 10 Forschungseinrichtungen am Projekt teil;
600 Unternehmen nehmen an regionalen Veranstaltungen im Rahmen des Projekts teil;
ber 4000 Unternehmen aus allen Partnerregionen haben sich in die verschiedenen Verteiler
des Projekts eingetragen.

Technische Informationen
Programm: Programm INTERREG IIIB NWE
Investitionen insgesamt: 1 075 000 EUR - EU-Investitionen: 516 000 EUR

Ansprechpartner:
South West Regional Authority South West Regional Authority
Innishmore Innishmore
Ballincollig Co. Cork Ballincollig Co. Cork
Projects Manager: Sinead Crowley Director: John McAleer
Tel.: +353 21 4876877, +353 87 2360143 Tel.: +353 21 4876877, +353 87 2360143
Fax: +353 21 4876872 Fax: +353 21 4876872
E-Mail: drive@[Link] E-Mail: jmcaleer@[Link]

Datum des Entwurfs: 25.5.2007 (Quelle22)

22
[Link]
47

Q Vereinigtes Knigreich
Schulungsprogramme:
Intelligente Vermarktungsplattform fr kleine Designunternehmen

Hidden Art ist eine nicht gewinnorientierte Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, benachteiligten
Kleinstunternehmen im Designbereich im Raum London dabei zu helfen, Zugang zum hart umkmpf-
ten globalen Markt zu erhalten. Sie stellt ein spezielles Netzwerk und eine B2B-Plattform (Verbindung
zwischen Unternehmen) fr Designer bereit und untersttzt sie mit Schulungen, Informationen und
Mglichkeiten fr eine Unternehmenskooperation.
Das Hidden-Art-Projekt Innovative Collaboration Networks for Smart Growth (Netzwerke fr innovative
Zusammenarbeit und intelligentes Wachstum) stellt darauf ab, intelligentes Wachstum fr die lokalen
Designfirmen in London durch Dienstleistungsinnovation, Kooperationsnetze und Schulung zu frdern.
Es stellt die Infrastruktur und Untersttzung bereit, um Designern, die oft Einzelunternehmer sind, dabei
zu helfen, ihre Produkte weltweit ber den Online-Shop von Hidden Art, Pop-up-Shops, internationale
Handelsmessen, die Unternehmenswebsite und Berichterstattung in der Presse zu vermarkten.
Integriertes Untersttzungsnetz
Das Hidden-Art-Projekt bietet ein integriertes Untersttzungsnetz und will Design-Kleinstunterneh-
men zu den Ressourcen und dem Zugang verhelfen, die normalerweise nur greren Unternehmen
zur Verfgung stehen.
Neben der eigenen B2B-Plattform erhalten Designer eine individuelle Anleitung ber monatliche Netz-
werkveranstaltungen und persnliche Beratungen. Im Mittelpunkt des Frdermodells steht eine Reihe
mageschneiderter Entwicklungswege, um ihre Vermarktungsfhigkeiten zu verbessern sowie Plattfor-
men fr die Zusammenarbeit, die Produktion und den Vertrieb ihrer Erzeugnisse bereitzustellen.
Produktentwicklungsprogramme
Auerdem werden Produktentwicklungsprogramme aufgelegt, um Teilnehmern dabei zu helfen, aus
ihren Ideen ein Produkt zu entwickeln und dieses dann zu vermarkten.
Das Hidden-Art-Netzwerk steht allen Designern/Kunstgewerblern offen und zhlt derzeit rund 2000
Mitglieder, von denen 67 % Frauen sind. Etwa 100 Designer zeigen ihre Produkte im Online-Shop von
Hidden Art ([Link] und etwa 300 haben ihre Verzeichnisseite auf der Website
von Hidden Art ([Link]
Kooperationen fr gemeinsame Vermarktungen, Veranstaltungen und Programme werden von Hidden
Art vermittelt oder verwaltet, um die Vermarktungschancen zu maximieren. Bis heute wurden 450
Unternehmen untersttzt. Etwa 150 Unternehmen haben sich an den Kooperationsnetzen beteiligt.
Das Projekt hat das Selbstvertrauen der in London lebenden Designer/Kunstgewerbler gestrkt. Fr
diesen Wirtschaftszweig wurden Vorbilder geschaffen, denn die Fallstudien zeigen, dass es einer Rei-
he von Personen mithilfe des Projekts gelungen ist, ihr Unternehmen zu vergrern.
Technische Informationen
Investitionen insgesamt: 1 490 000 EUR
EU-Investitionen: 750 000 EUR
Ansprechpartner:
Mazorca Projects Greater London Authority
Shoreditch Stables, Ground Floor Rear, 138 City Hall, The Queens Walk
Kingsland Road UK- SE1 2AA, London
UK-E2 8DY, London Vereinigtes Knigreich
Vereinigtes Knigreich Andrei Popescu
Dieneke Ferguson Tel.: +44 2079834829
Tel.: +44 207 7293800 Durchwahl 22 E-Mail: [Link]@[Link]
E-Mail: dieneke@[Link]
Datum des Entwurfs: keine Angaben (Quelle23)

23
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48

5.3. Frderprojekte, Gruppe 3: ausgewertete Projekte

R Finnland
Schulungsprogramme:
Schneller, weiter und wirksamer? Exportpartnergruppen als Vermittler von Internationalisierung

Bei der Exportpartnerschaftsmanahme geht es darum, den Zugang von Unternehmen zu Zielmrkten
durch die Bildung synergetischer Exportcluster zu erleichtern. Es handelt sich um ein Kooperationspro-
jekt von KMU, die gemeinsam auf einen ausgewhlten Zielmarkt oder Zielmrkte gelangen wollen, wo-
bei fr die Bildung eines synergetischen Exportclusters mindestens vier Unternehmen notwendig sind.
Der Trger stellt einen externen Exportmanager fr die Gruppe ein, der einen besonderen Aktivposten
fr die Unternehmen darstellt und neben ihrem Netzwerk fr eine lokale Prsenz auf dem Zielmarkt
sorgt. Der Exportmanager kann auch in Finnland ansssig sein, wenn sich der Arbeitsmodus dafr eig-
net. Die teilnehmenden Unternehmen spielen eine aktive Rolle in dem Projekt. Diese Art des Arbeitens
bietet ihnen auch eine hervorragende Chance, zu lernen und zu wachsen. Die Stellenbeschreibung des
Exportmanagers kann nach den Anforderungen des Unternehmens gestaltet werden. In erster Linie
geht es darum, Tren zu ffnen, den Markt zu erforschen, nach Partnern zu suchen und anzuleiten.
Finpro hat die Funktion des Projektmanagements und verwaltet rund 30 Exportpartnerschaften, die jhrlich
verschiedene Mrkte und unterschiedliche Wirtschaftszweige in Angriff nehmen. Die Laufzeit der staatlichen
Hilfe ist auf maximal dreieinhalb Jahre begrenzt. Die Verpflichtung und Finanzierung gelten jedoch immer nur
fr jeweils ein Jahr. In der Anfangsphase ist auch eine sechsmonatige Vorbereitungszeit mglich.
Die Zielgruppe sind finnische KMU mit einem besonderen Schwerpunkt auf Wachstumsunternehmen.
Grere Unternehmen knnen ebenfalls teilnehmen, aber je nach der Unternehmensgre kann die
staatliche Hilfe reduziert oder gar nicht gewhrt werden.
Budget: rund 3,7 Mio. EUR (pro Jahr) - Manahme luft seit: 1993 (Finpro)
Trger: Fachverband: Finpro
Bewertungszeitraum: 19982002
Methodik
Mehrere Quellen wurden herangezogen:
telefonische Befragungen von 226 Unternehmen und 51 gemeinsamen Exportmanagern
persnliche Befragungen von Vertretern von sieben evaluierten Unternehmen.
Aktivitten, fr die die Manahme in Anspruch genommen wird
Die teilnehmenden Unternehmen nutzten die Manahme fr verschiedene Internationalisierungsaktivit-
ten. Diese lassen sich allgemein in finanzielle und nichtfinanzielle Aktivitten unterteilen. Der Hauptzweck
bestand darin, neue Kundenkontakte zu knpfen und den Exporthandel in Gang zu bringen oder zu stei-
gern. Weitere Ziele waren (in der Reihenfolgen ihres Stellenwerts): Zugang zu einem neuen Zielmarkt, Er-
werb von Wissen ber Mrkte und Wettbewerb, Suche nach einem neuen Vertriebsnetz, Teilen der Risiken
und Kosten einer Internationalisierung mit anderen teilnehmenden Unternehmen sowie Verbesserung der
Exportfhigkeit und bereitschaft des Unternehmens. Auerdem stellte die Manahme darauf ab, interna-
tionale Partner zu finden, die keine Kunden oder Vertriebshndler waren, um gemeinsame Lieferungen zu
entwickeln und einen Plan oder eine Strategie fr die Internationalisierung des Unternehmens aufzustellen.
Nutzerzufriedenheit
90 % aller teilnehmenden Unternehmen wrden die Manahme anderen Unternehmen empfehlen. Aller-
dings waren bei der Zufriedenheit mit der Exportpartnerschaft Unterschiede zu verzeichnen: 38 % meinten,
dass die finanziellen Ziele der Partnerschaft vollstndig oder teilweise erreicht wurden, whrend mit den
nichtfinanziellen Ergebnissen 64 % der Befragten vollkommen oder teilweise zufrieden waren.
(Quelle: EIM, 2011, S. 67)
49

S Deutschland
Schulungsprogramme:
Exportinitiative Erneuerbare Energien

Ziel der Exportinitiative ist es, deutsche Unternehmen durch Informationsangebote, die Vernetzung von
bestehenden Initiativen und Aktivitten sowie die aktive Begleitung von Auslandsprojekten beim Export
von Erneuerbare-Energie-Technologien zu untersttzen. Eine der zentralen Aufgaben der Initiativen ist
die Prsentation deutscher Produkte und Unternehmen im Bereich der Erneuerbare-Energie-Technolo-
gien im Ausland. Das Bundesministerium fr Wirtschaft und Technologie finanziert mehrere Unterstt-
zungspakete, die von verschiedenen Dienstleistern in Deutschland und im Ausland umgesetzt werden.
Die Exportinitiative setzt folgende Untersttzungsmanahmen ein:
Handelsmessen (teilweise integriert in das Auslandsmesseprogramm der Bundesrepublik Deutschland)
Geschftsreisen zu potenziellen Geschftspartnern im Ausland und Organisation spezieller themati-
scher Konferenzen im Ausland (gefrdert durch das Netz der Deutschen Auslandshandelskammern)
Informations und Kontaktveranstaltungen (Informations und Kontaktveranstaltungen im Rah-
men des Programms fr Auenhandel, koordiniert von Germany Trade and Invest)
Reisen auslndischer Entscheidungstrger nach Deutschland, um sich vor Ort ber deutsche
Erneuerbare-Energie-Technologien zu informieren und Geschftskontakte zu knpfen
Aufbau von Leit oder Vorzeigeprojekten im Ausland in offiziellen deutschen Einrichtungen, beglei-
tet von entsprechenden Manahmen der ffentlichkeitsarbeit
B2B-Plattform
Bereitstellung von Informationen ber Auslandsmrkte und Vermarktung im Ausland (Deutsche
Energie-Agentur dena)
staatliche finanzielle Frderung (z. B. durch die KfW Bankengruppe).
Das Hauptziel der Manahme besteht insgesamt darin, Marktinformationen bereitzustellen und Ge-
schftskontakte anzubahnen. Die Manahme richtet sich an Unternehmen, vor allem mittelstndische
Betriebe, die im Bereich erneuerbare Energien, z. B. Solarenergie, Windkraft, Biokraftstoffe, Erdwrme
und Wasserkraft, ttig sind.
Budget: Im Jahr 2006 kostete die Umsetzung der verschiedenen Exportinitiativen rund 8,8 Mio. EUR.
Manahme luft seit: 2003
Website: [Link]
Trger: verschiedene spezielle Agenturen, koordiniert von Germany Trade and Invest.
Bewertungszeitraum: 20032006
Methodik
Eine Umfrage bei teilnehmenden Unternehmen (244) und Befragungen bei Fachverbnden und Ex-
perten. Die Ergebnisse der einzelnen Manahmen wurden dargelegt, ebenso die allgemeinen Erkennt-
nisse. Bei dieser Meta-Analyse geht es vor allem um allgemeine Erkenntnisse.
Aktivitten, fr die die Manahme in Anspruch genommen wird
Am hufigsten genutzt wurden Manahmen zur Untersttzung von Geschftsreisen (Netz der Deut-
schen Auslandshandelskammern), Messen, Informationen ber Auslandsmrkte und Marketing im
Ausland (dena).
Nutzerzufriedenheit
74 % der befragten Unternehmen kannten die Initiative und 53 % hatten einige der Manahmen in
Anspruch genommen. Sie beurteilten die Initiative als recht gut: Insgesamt wurde sie im Schnitt mit
2,2 Punkten auf einer Skala von 1 (sehr gut) bis 5 (unbefriedigend) bewertet. Einige uerten aller-
dings Kritik an ihrer Organisation (zu kompliziert, nicht transparent genug).
(Quelle: EIM, 2011, S. 68)
50

T Niederlande
Schulungsprogramme:
Prepare2start

Ziel der Manahme ist die Bereitstellung von Beratung und Hilfe bei der Aufstellung und Durchfh-
rung eines Internationalisierungsplans und eines 50 % igen Zuschusses fr Aktivitten wie Partnersu-
che, Messeteilnahme und Rechtsberatung. Prepare2start ist die Fortfhrung der vorherigen PSB-Ma-
nahme: das Programm fr Einsteiger auf Auslandsmrkten (19992007). Die Zielgruppe besteht aus
KMU mit weniger als 100 Mitarbeitern mit wenig oder keiner internationalen Erfahrung und mit dem
Wunsch, als Exporteur auf einen (neuen) Auslandsmarkt vorzustoen.
Budget: rund 12 Mio. EUR (2010)
Manahme luft seit: 1999 (seit 2007 unter einem neuen Namen)
Website: [Link]
Trger: Agentur: Agentschap NL (zuvor EVD)
Bewertungszeitraum: Die Auswertung betraf die Jahre 20022006.

Methodik
Folgende Rechercheaktivitten wurden ausgefhrt: Sekundranalysen; telefonische Umfrage bei Nut-
zern; ausfhrliche Befragungen von Entscheidungstrgern, Trgern, Interessenvertretern und anderen
Organisationen, die Handel frdern; Schwerpunktgruppen von Unternehmen, die teilnahmen.

Aktivitten, fr die die Manahme in Anspruch genommen wird


Die Manahme wurde neben der Untersttzung bei der Aufstellung eines Internationalisierungs-
plans zusammen mit einem Berater am hufigsten fr Produktprsentationen, Marktorientierung
und Prsentationsmaterial genutzt.

Nutzerzufriedenheit
70 % der befragten Teilnehmer gaben an, dass die gefrderten Aktivitten im Rahmen der Unterstt-
zungsmanahme den Bedrfnissen ihres Unternehmens gut oder sehr gut entsprachen. Die Ausfh-
rung der Manahme scheint im Allgemeinen zufriedenstellend zu verlaufen und wurde als professi-
onell und zgig beschrieben.
(Quelle: EIM, 2011, S. 70)
51

U Niederlande
Schulungsprogramme:
Betreuungsbros fr Unternehmen der Niederlande

Die Manahme diente ursprnglich der Frderung des Einstiegs niederlndischer Firmen in erfolgver-
sprechende, aber relativ unzugngliche Mrkte, wurde aber nach einigen Jahren auf nher gelegene
Mrkte ausgeweitet. Sie ist flexibel: Einmal erffnete Betreuungsbros fr Unternehmen der Nieder-
lande knnen nach internen Bewertungen ihrer Effektivitt geschlossen werden (und wurden auch
schon geschlossen). Im Jahr 2010 umfasste das niederlndische Netz dieser Betreuungsbros 24
Bros in elf Lndern, darunter sechs in China, je zwei in Indien und Brasilien und eins in Russland. Die
Betreuungsbros richten sich sowohl an groe als auch an mittlere Unternehmen.
Budget: rund 2,5 Mio. EUR (2007)
Manahme luft seit: 1997
Website: [Link]
Trger: Agentur: Agentschap NL (zuvor EVD)
Die Betreuungsbros fr Unternehmen der Niederlande bieten allgemeine Informationen und (re-
gionale) Wirtschaftsberichte zu dem betreffenden Markt, vermitteln lokale Kontakte zu staatlichen
Stellen oder Unternehmen und frdern Besuche von niederlndischen Firmen.
Bewertungszeitraum: 20012006

Methodik
Fr die Auswertung wurde Material aus unterschiedlichen Quellen herangezogen: Sekundranalysen,
ausfhrliche Befragungen von Beteiligten und Interessenvertretern, Schwerpunktgruppen mit Mitar-
beitern von Betreuungsbros, Online-Umfrage bei Mitarbeitern von Betreuungsbros und Umfrage
bei Nutzern von Betreuungsbros.

Aktivitten, fr die die Manahme in Anspruch genommen wird


Folgende Dienstleistungen werden am hufigsten genutzt: 1) Vermittlung lokaler Kontakte, 2) allge-
meine Informationen ber die Region des Betreuungsbros, 3) (regionale) Wirtschaftsberichte zu dem
betreffenden Markt, 4) Frderung von Reisen in die Region eines Betreuungsbros und 5) konkrete
Recherchen fr das Unternehmen.

Nutzerzufriedenheit
Die Mehrzahl der Nutzer hielt die von Betreuungsbros erhaltenen Informationen fr ntzlich: Die
Informationen wurden von 82 % der befragten Nutzer als ntzlich oder sehr ntzlich eingestuft. Die
Betreuungsbros fr Unternehmen der Niederlande in China schnitten am besten ab (88 %). Sowohl
die Standorte der Betreuungsbros als auch die angebotenen Dienste wurden von niederlndischen
Firmen gewrdigt. Sie beschrieben die Bromitarbeiter als gut erreichbar und aufgeschlossen.
(Quelle: EIM, 2011, S. 71)
52

V Schweden
Schulungsprogramme:
Swedpartnership

Im April 2010 legte Swedfund ein Programm mit dem Titel Swedpartnership auf, das speziell auf
schwedische KMU ausgerichtet ist, die mit Unternehmen in Entwicklungslndern (d. h. Indien, China,
Ukraine, Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Georgien und Republik Moldau) Geschfte ttigen wollen.
Swedfund ist Schwedens Risikokapitalunternehmen, das auf Investitionen in Entwicklungslndern spe-
zialisiert ist. Bei der Untersttzung handelt es sich um ein Darlehen, das abgeschrieben werden kann,
wenn das Projekt ausgearbeitet und genehmigt worden ist. Ein Projekt wird mit hchstens 75 000 EUR
untersttzt. Der Anteil der finanziellen Frderung kann hchstens 40 % der Projektkosten betragen.
Die Vorlufer von Swedpartnership, die Programme STARTsouth und STARTeast, wurden ausgewertet.
Bei diesen Manahmen standen schwedische KMU im Mittelpunkt, die in Lndern Afrikas, Asiens, La-
teinamerikas sowie Ost und Mitteleuropas investieren wollten. Die Darlehen und Bedingungen waren
denen von Swedpartnership vergleichbar.
Budget: 3 Mio. EUR
Manahme luft seit: 2009 (mehrere Vorgnger seit 2002)
Website: [Link] und [Link]
Trger: Staat: Swedfund International
Bewertungszeitraum: Befragt wurden Nutzer der Programme im Zeitraum 20022005.

Methodik
Eine telefonische Umfrage bei 169 teilnehmenden Unternehmen mit Antworten von 109 Unternehmen.

Aktivitten, fr die die Manahme in Anspruch genommen wird


Hierzu erfolgte keine Auswertung.

Nutzerzufriedenheit
Die Mehrheit war mit ihren Kontakten zu den jeweiligen Behrden zufrieden. Wenige waren unzu-
frieden. Von den teilnehmenden Unternehmen erklrten 95 %, dass ihre Erwartungen erfllt worden
seien.
(Quelle: EIM, 2011, S. 72)
53

W Vereinigtes Knigreich
Schulungsprogramme:
Programm von UK Trade and Investment fr den Zugang zu Messen

Das Programm von UK Trade and Investment (UKTI) fr den Zugang zu Messen (Tradeshow Access Program-
me, TAP) gewhrt Zuschsse fr Messen im Ausland. Die Teilnahme kann auf zwei Wegen erfolgen: ber TAP
Group oder TAP SOLO. TAP Group bietet Unternehmen die Mglichkeit, als Teil einer Gruppe von britischen
Unternehmen unter der Leitung einer zugelassenen Handelsorganisation teilzunehmen. Die Zuschsse von
TAP Group reichen von 1000 bis 1800 GBP. TAP SOLO untersttzt eine kleinere Anzahl von Unternehmen, die
im Alleingang auf Messen ausstellen wollen, bei denen keine Gruppe unter Leitung einer Handelsorganisati-
on vertreten ist. Sie erhalten einen Festzuschuss in Hhe von 1000 GBP. Im Mrz 2010 standen Zuschsse
fr ber 400 Messen auf vielen Mrkten zur Verfgung. Dazu zhlten spezifische Veranstaltungen in China,
Indien, Russland, der Ukraine, Japan und Brasilien. Das TAP-Programm soll vor allem:
neuen Exporteuren dabei helfen, die ersten Barrieren fr den Export zu berwinden;
Unternehmen im Spitzentechnologie-Bereich und Firmen, die neu auf Wachstumsmrkten sind,
dabei helfen zu lernen, wie sie Handelsmessen als Teil ihrer Plne zur Entwicklung des Handels
nutzen knnen; und
britischen Firmen dabei helfen, die Vorteile des Ausstellens auf Messen im Ausland bestmglich
zu nutzen.
Die Zielgruppe sind KMU oder britische ffentlich finanzierte Hochschuleinrichtungen oder britische
ffentlich finanzierte Forschungsorganisationen, die
o Exportneulinge (ausgehend vom Exportanteil am Umsatz) sind und
o weniger als drei TAP-Zuschsse (fr mehr als einen Markt) erhalten haben 2009 wurde
diese Zahl auf sechs erhht.
Budget: 8 Mio. GBP pro Jahr - Manahme luft seit: 2006
Website: [Link] - Trger: Staat: UK Trade and Investment (UKTI)
Bewertungszeitraum: Januar 2005 Mrz 2006
Methodik
Verwendung von vorhandenem Material: Dazu gehrten die TAP-Datenbank, die UKTI-Leistungs
und Folgenberwachungserhebung (Performance and Impact Monitoring Survey, PIMS) und die
Amadeus-Finanzdatenbank sowie eine Literaturrecherche zur Messebeteiligung.
Sammlung von neuem Material: Es erfolgten eine telefonische Umfrage bei gefrderten und
nichtgefrderten Firmen (Untersuchung der kontrafaktischen Fallkonstellation; Einbeziehung ei-
ner Kontrollgruppe) und telefonische Befragungen bei zugelassenen Handelsorganisationen, die
Delegationsreisen zu Handelsmessen (TAP Group) organisieren, und Auenhandelsberatern, die
sich um die individuelle Teilnahme von Firmen an Handelsmessen (TAP SOLO) kmmern.
Beschreibende und konometrische Analyse.
Aktivitten, fr die die Manahme in Anspruch genommen wird
Etwa 30 % der Messen sind so genannte Welthandelsmessen: Messen, die nicht auf einen bestimmten
nationalen Markt, sondern auf den Wirtschaftszweig mit globaler oder regionaler Perspektive ausgerich-
tet sind. Rund 20 % sind Handelsmessen von hoher Prioritt mit dem Schwerpunkt auf Mrkten, denen
UKTI eine besondere strategische Bedeutung beimisst (z. B. Japan, Sdkorea, China, Indien, Brasilien und
Russland). Etwa die Hlfte der Zuschsse wurde fr Messen auf anderen Mrkten aufgewendet.
Nutzerzufriedenheit
Die Unternehmen, die Dienste in Anspruch nahmen, waren im Allgemeinen mit ihnen zufrieden. Sieben
Punkte wurden bewertet. 70 % oder mehr beurteilten die Untersttzung in Form von Hilfe bei der Vorbe-
reitung, praktischen Modalitten, Qualitt der Veranstaltung und Qualitt der geknpften Kontakte
als gut oder sehr gut. Weniger gut schnitt Profil der Delegation des Vereinigten Knigreichs: durchgefhrte
Aktivitten ab.
(Quelle: EIM, 2011, S. 74)
54

X Vereinigtes Knigreich
Schulungsprogramme:
Politik von Scottish Development International

Scottish Development International (SDI) ist eine staatliche Einrichtung und ein Gemeinschaftsunter-
nehmen der schottischen Regierung mit Scottish Enterprise (SE) und Highlands and Islands Enterprise
(HIE), das Dienstleistungen zur Frderung von auslndischen Investitionen und Internationalisierung
fr das gesamte Schottland bereitstellt. Zur Untersttzung der Internationalisierung von Unterneh-
men werden folgende Dienstleistungen angeboten:
Vorbereitung auf eine internationale Geschftsttigkeit
Entwicklung einer internationalen Strategie
internationale Beratung
Untersttzung auf Auslandsmrkten
Untersttzung fr die Teilnahme an Ausstellungen, Informationsreisen und Studienreisen, Pau-
schalangebote fr bernachtungen im Ausland.
In den Zahlenangaben sind die TAP SOLO-Handelsmessen nicht bercksichtigt.
Budget: rund 5 Mio. GBP pro Jahr fr SDI-Dienstleistung fr die Internationalisierung, Durchschnitt
fr den Zeitraum von 2005/2006 bis Mitte 2009
Manahme luft seit: 2002 (OMS) und 2003 (ELMJ)
Trger: Staat in Form von Scottish Development International (SDI)
Overseas Market Support (OMS) bietet in Schottland ansssigen Unternehmen eine mageschneiderte
Untersttzung fr die Erschlieung neuer internationaler Mrkte: z. B. Marktberichte und informationen,
Suche nach potenziellen Geschftskontakten und partnern sowie Gestaltung von Werbematerial fr den
Einstieg in einen Auslandsmarkt. Wenn Finanzmittel bereitstehen, knnen bis zu 50 % der frderfhigen
Kosten bernommen werden. Grundlage ist der mit SDI abgestimmte internationale strategische Plan
eines Unternehmens. Die Zielgruppe besteht aus Unternehmen mit Sitz in Schottland, die neue Welt-
mrkte fr sich erschlieen wollen und einen Umsatz von mindestens 400 000 GBP erzielen.
Die SDI-Initiative fr internationale Ausstellungen, Informationsreisen und Studienreisen (EMLJ) kann
Unternehmen helfen, sich mit Kufern und potenziellen Geschftspartnern im Ausland zu vernetzen.
SDI organisiert Gruppenstnde auf wichtigen internationalen Ausstellungen und veranstaltet sek-
torbezogene Informations und Studienreisen ins Ausland. Unternehmen, die an einer Ausstellung,
Informationsreise oder Studienreise mit Scottish Development International teilnehmen, knnen Fr-
dermittel erhalten. Die Zielgruppe dieser Manahmen ist dieselbe wie bei OMS.
Bewertungszeitraum: 20062009 (Daten fr die konometrische Analyse: 20032006).
Methodik
Die Hauptelemente der Bewertung waren:
Befragungen von 250 Unternehmen, die Untersttzung fr eine Internationalisierung erhalten hatten
konometrische Analyse auf der Grundlage einer Datenbank mit 1480 Unternehmen, die im
Zeitraum 20032006 SDI-Dienstleistungen in Anspruch genommen haben
zehn Fallstudien
Befragungen der Stelle, von Interessenvertretern und von externen Partnerorganisationen
Aktivitten, fr die die Manahme in Anspruch genommen wird
Die meisten Unternehmen haben die Untersttzung fr Ausstellungen und Informationsreisen im
Ausland (53 %) und eine Form von Marktuntersttzung (50 %) in Anspruch genommen. Die EMLJ und
die OMS-Manahme werden relativ oft genutzt.
Nutzerzufriedenheit
Unter dem Strich sind rund 70 % der Nutzer von SDI mit den erhaltenen Leistungen (sehr) zufrieden.
Am hchsten geschtzt werden die Qualitt und Aussagekraft der Informationen und der Nutzen der
Beratung.
(Quelle: EIM, 2011, S. 75)
55
AndreyPopov/iStock/Thinkstock

Anhang

ANHANG I UNTERSTTZUNGSMASSNAHMEN UND -AKTIONEN AUF EU-EBENE


Eine Reihe von Info-Stellen fr Unternehmen, Beratungsstellen (Helpdesks), Websites, Datenbanken
und anderen Diensten, die von der Europischen Kommission verwaltet oder untersttzt werden,
knnen KMU helfen, sich international zu orientieren.
Nachstehend sind 1) Dienste, die nur den EU-Markt abdecken, 2) Dienste, die auch Nicht-EU-Lnder
abdecken, und 3) Dienste, die ausschlielich Wachstumsmrkten auerhalb der EU gelten, aufgefhrt.

Internationalisierung innerhalb der EU

Portal Ihr Europa Unternehmen


Dieses Portal bietet Unternehmen, die grenzberschreitende Aktivitten planen, Informationen und
interaktive Dienstleistungen, die ihnen helfen, ihre Geschftsttigkeit innerhalb der EU auszudehnen.
[Link]
European IPR Helpdesk
Das IPR Helpdesk der Europischen Kommission bietet kostenfreie professionelle Beratung und In-
formationen zum Thema geistiges Eigentum und geistige Eigentumsrechte. Der Dienst richtet sich an
Forscher sowie KMU, die an EU-gefrderten Forschungsprojekten teilnehmen. Darber hinaus knnen
KMU, die an internationalen Technologietransferprozessen beteiligt sind, das Dienstleistungsportfolio
des Helpdesk in Anspruch nehmen.
Wer Hilfe in einer speziellen Frage zu geistigen Eigentumsrechten oder Ausknfte ber aktuelle Ent-
wicklungen bentigt oder Interesse an einer Schulung zu geistigem Eigentumsrecht hat, kann sich an
das European IPR Helpdesk wenden.
[Link]
Europisches Netzwerk nationaler mter fr den gewerblichen Rechtsschutz
Gefrdert von der EU.
[Link]
56

Erasmus fr Jungunternehmer
Dieses grenzberschreitende Austauschprogramm bietet neuen bzw. angehenden Unternehmern die
Mglichkeit, von einem erfahrenen Unternehmer zu lernen, der in einem anderen teilnehmenden Land
ein kleines Unternehmen leitet. Der Gastunternehmer profitiert von einer neuen Perspektive auf sein
eigenes Unternehmen und hat die Mglichkeit, neue Geschftsbeziehungen zu knpfen und neue Mrkte
kennen zu lernen. Die Reise- und Aufenthaltskosten werden von der Europischen Union bezuschusst.
[Link]

Solvit
Solvit hilft Brgern und Unternehmen, Streitflle mit Behrden in anderen Mitgliedstaaten ohne Ge-
richtsverfahren und kostenfrei beizulegen.
[Link]

Internationalisierung innerhalb der EU und ber die EU hinaus

Enterprise Europe Network


Wenn ein KMU vorhat, sich international zu orientieren, sucht es in der Regel vor der Haustr nach
Untersttzung und Beratung. Das Enterprise Europe Network hilft europischen KMU, nicht nur den
Binnenmarkt, sondern auch Wachstumsmrkte andernorts bestmglich zu nutzen. Es ist ein echter
Komplettanbieter, der mittelstndischen Betrieben hilft,
ihre Geschftsttigkeit auf neue Mrkte auszudehnen;
neue Technologien zu lokalisieren oder zu lizensieren;
EU-Finanzierung und EU-Frderung zu erhalten.
Darber hinaus organisiert das Enterprise Europe Network Veranstaltungen zur Anbahnung von Geschfts-
beziehungen und vermittelt mit seiner Online-Datenbank internationale Kontakte zwischen Unternehmen.
Mit fast 600 Partnerorganisationen Industrie und Handelskammern, Technologiezentren, Hoch-
schulen und Wirtschaftsfrderungsagenturen und ber 3000 erfahrenen Mitarbeitern bietet das
Enterprise Europe Network diese Dienstleistungen in allen EU-Mitgliedstaaten und ber Vertretungen
auch in 26 Drittlndern, darunter den USA, Russland, China, Indien und Brasilien, an.
[Link]

Europisches Mittelstandsportal
Dieses Portal bietet Information zu EU-Politiken, Programmen und Initiativen zur Untersttzung von KMU.
[Link]

EUREKA: Eurostars-Programm
Bietet EU-KMU, die 10 % ihres Umsatz oder des Vollzeitquivalents (VZ) ihrer Mitarbeiter fr die
Forschung einsetzen, Frderung fr internationale Forschung.
[Link]/activities/eurostars

European Cluster Collaboration Platform (ECCP)


Die ECCP ist eine webbasierte Plattform, die die Zusammenarbeit von Clustern innerhalb von Europa
und darber hinaus frdert. Sie zhlt derzeit ber 900 angemeldete Cluster-Organisationen aus ganz
Europa und stellt in Europa das wichtigste Instrument fr Cluster-Organisationen dar, um sich zu pro-
filieren, Erfahrungen auszutauschen und potenzielle Partner fr eine transnationale Zusammenarbeit
zum Vorteil ihre KMU-Mitglieder zu finden.
Darber hinaus trgt die Plattform wesentlich dazu bei, die internationale Cluster-Zusammenarbeit
bekannter zu machen. Sie hat eine Reihe von Absichtserklrungen (Memoranda of Understanding) mit
Partnern in Japan, Indien, Brasilien, Sdkorea, Tunesien, Marokko, Mexiko und Chile unterzeichnet, um
die Rahmenbedingungen fr eine langfristige Zusammenarbeit zwischen der Plattform und Partner-
57

organisationen in Drittlndern zu schaffen. Diese Absichtserklrungen erleichtern den Informations-


austausch zu Cluster-Kartierung, -Initiativen und Veranstaltungen und frdern die Organisation von
Reisen zur Anbahnung von Clustern in Europa und Drittlndern.
[Link]

Internationale Veranstaltung zur Anbahnung von Clustern


Veranstaltungen zur Cluster-Anbahnung werden organisiert, um Cluster-Organisationen und ihre Mit-
glieder in ihren Bemhungen zu untersttzen, Zugang zu globalen Wertschpfungsketten zu erhalten
und internationale strategische Partnerschaften und Unternehmenskooperationen aufzubauen. Jede
Veranstaltung fhrt eine Abordnung europischer Cluster-Organisationen und KMU-Vertreter aus Eu-
ropa zusammen, um internationale Partner zu treffen und strategische Kooperationen anzustoen.
Bisher wurden drei Veranstaltungen organisiert, nmlich in Japan zu umweltfreundlichen Materialien
und Cleantech,24 in Brasilien zu Biotechnologie25 und in Indien zur Ressourceneffizienz.26 Fr 2014 und
2015 sind weitere derartige Veranstaltungen geplant.
Die Teilnahme steht Cluster-Organisationen aus Europa und ihren europischen KMU-Mitgliedern
offen. Die Cluster-Organisationen mssen bei der European Cluster Collaboration Platform (ECCP)
angemeldet sein. Die Teilnehmer werden ber auf der ECCP verffentlichte Aufforderungen zur Inte-
ressenbekundung ausgewhlt.

Internationalisierung ber die EU hinaus

Geschfte mit Asien

IPR Helpdesks
Die Beratungsstellen fr Fragen des geistigen Eigentums (IPR Helpdesks) der EU fr China, Sdost-
asien (die ASEAN-Region) und lateinamerikanische Lnder (Mercosur) beraten in Angelegenheiten
des gewerblichen Rechtsschutzes. Sie bieten professionelle Beratung zu Fragen geistiger Eigentums-
rechte, Kontakte zu externen Sachverstndigen und die Vorbereitung allgemeiner und individueller
Schulungen. KMU aus der EU knnen sich mit vertraulichen Anfragen persnlich, per E-Mail, Telefon
oder Fax an die Stelle wenden und erhalten zgig eine Antwort kostenlos.

ASEAN IPR SME Helpdesk


Diese KMU-Beratungsstelle fr Fragen des geistigen Eigentums im ASEAN-Raum hilft kleinen und mitt-
leren Unternehmen (KMU) dabei, ihre geistigen Eigentumsrechte in ASEAN-Lndern sowohl zu schtzen
als auch durchzusetzen, indem sie kostenlos Informationen und Dienstleistungen bereitstellt.
[Link]

China IPR SME helpdesk


Diese KMU-Beratungsstelle fr Fragen des geistigen Eigentums in China stellt kostenlos Infor-
mationen, Beratung und Schulung fr europische KMU bereit, um ihnen dabei zu helfen, ihre
geistigen Eigentumsrechte in China zu schtzen und durchzusetzen.
[Link]

Mercosur IPR SME Helpdesk


Diese KMU-Beratungsstelle bietet kostenlose Hilfe aus erster Hand in Angelegenheiten des ge-
werblichen Rechtsschutzes an, um ein Engagement europischer KMU in der Mercosur-Region,
in Chile and in anderen lateinamerikanischen Lndern zu erleichtern.
[Link]

24
[Link]
25
[Link]
26
[Link]
pdf/24ddb6de-dd8c-44e6-9d51-da3557403a2a?version=1.0.
58

EU Business Centres
Bisher bestehen fr drei Wachstumsmrkte auerhalb der EU europische Infostellen fr Unterneh-
men (EU Business Centres): Das European Business and Technological Centre in Indien, das EU SME
Centre in China und das europische ASEAN Business Centre in Thailand beraten europische KMU
darin, wie sie in den jeweiligen Lndern investieren und Geschftsmglichkeiten nutzen knnen.
Unter der Bezeichnung SEBSEAM (Support to European Business in South-East Asia Markets) richtet
die EU weitere Strukturen fr europische Unternehmen in Malaysia, Vietnam, den Philippinen, In-
donesien, Myanmar/Birma, Kambodscha und Laos ein, die auf bereits bestehenden Untersttzungs-
strukturen basieren. Oberstes Ziel dieser SEBSEAM-Strukturen ist es, die Handels und Investitions-
strme zwischen der EU und den einzelnen Volkswirtschaften, in denen sie sich befinden, sowie in der
brigen ASEAN-Region zu steigern.

European ASEAN Business Centre, Thailand


Diese europische Handelsorganisation befindet sich in Bangkok, Thailand, und soll zur Verbes-
serung von Handel und Investitionsttigkeit europischer Unternehmen in Thailand beitragen.
[Link]

European Business and Technology Centre in Indien


Diese Info-Stelle hilft Unternehmern, Wissenschaftlern und Forschern in Europa und Indien
bei der Schaffung neuer Geschftsmglichkeiten und beim Technologietransfer sowie bei der
Frderung umweltfreundlicher Technologien aus Europa in Indien.
Sie befindet sich in Neu-Delhi; fr Mumbai, Kalkutta und Bangalore ist die Erffnung von Au-
enstellen geplant. Die von der Europischen Kommission mitfinanzierte Info-Stelle wurde im
Januar 2009 erffnet. Sie wird betrieben von Eurochambres in Partnerschaft mit 16 Unter-
nehmen und Forschungsorganisationen aus vier Wirtschaftszweigen (Biotechnologie, Energie,
Umwelt und Verkehr). Ihr Ziel ist es, zum Anlaufpunkt fr europische Unternehmen und For-
schungseinrichtungen zu werden, die auf dem indischen Markt einsteigen wollen.
Die durchgefhrten Aktivitten decken eine breite Vielfalt an Manahmen ab: Informations
und Recherchedienste, Hilfeleistung und sektorspezifische Aktivitten (EK, 2012).
[Link]

EU SME Centre China


Die EU-Stelle zur Untersttzung europischer KMU (EU SME Centre) wird von der Europischen
Kommission finanziert und bietet Informationen, Beratung, Schulung und Mglichkeiten der
Kontaktanbahnung fr europische KMU, die nach China exportieren oder auf dem chinesi-
schen Markt investieren wollen (EK, 2012).
[Link]
[Link]

Quiz: EU SME Centre Are you ready for China?


In diesem Online-Quiz (Info-Stelle fr KMU in der EU Sind Sie bereit fr China?) knnen
KMU prfen, ob sie fr den Aufbau einer Geschftsttigkeit in China gerstet sind, und
herausfinden, ob sie auf dem richtigen Weg sind.
[Link]

Understanding China
Dieses Schulungsprogramm wurde von Eurochambres und anderen Interessengruppen durchgefhrt
und von der Europischen Kommission kofinanziert. Unter der berschrift China verstehen wurden
Wirtschaftsverbnde darin geschult, europischen Unternehmen zu einem besseren Verstndnis von
der chinesischen Wirtschaft zu verhelfen und ihre Wettbewerbsfhigkeit auf diesem Markt zu ver-
59

bessern. Das Programm ist inzwischen ausgelaufen, aber die Website liefert immer noch ntzliche
Informationen ber den chinesischen Markt.
[Link]

EU Project Innovation Centre (China)


(von der EU gefrdert)
EUPIC (die Info-Stelle der EU fr innovative Projekte in China) ist eine umfassende Plattform zur
Frderung von Handel, Investitionen und technischer Zusammenarbeit zwischen der EU und China.
[Link]

EU-Japan Centre for Industrial Cooperation


Diese Info-Stelle fr industrielle Zusammenarbeit zwischen der EU und Japan dient dem Austausch
von Erfahrungen und Know-how zwischen Unternehmen der EU und Japans und hilft ihnen, ihre Wett-
bewerbsfhigkeit und Zusammenarbeit zu verbessern.
[Link]

EU Business in Japan
Diese Website fr EU-Unternehmen in Japan umfasst mehrere Kapitel zu jedem Aspekt einer
Geschftsttigkeit in oder mit Japan. Auerdem bietet sie eine Datenbank mit ffentlichen
Dienstleistern. Einige Teile der Website sind nur Mitgliedern zugnglich.
[Link]

Step in Japan
Step in Japan ist eine kostenlose Initiative fr Logistikuntersttzung von KMU, die als Start-
plattform fr in der EU ansssige KMU fungiert, die in Japan ttig werden oder ihre Geschfts-
ttigkeit dort ausweiten wollen.
[Link]

Schulungen
In Japan werden Schulungen fr EU-Unternehmen jeder Gre organisiert. Dieses Angebot
umfasst auch Stipendien fr Teilnehmer von kleinen Firmen.
[Link]

EU Gateway Programme Opportunities for EU Companies in Japan and Sdkorea


Das EU-Gateway-Programm ist fr EU-Unternehmen bestimmter Wirtschaftszweige gedacht, die
eine Unternehmenszusammenarbeit mit Japan und Sdkorea aufbauen wollen. Im Rahmen des Pro-
gramms werden Geschftsreisen in Verbindung mit Spitzentechnologie und Design in diese beiden
Lnder finanziert und organisiert.
[Link]

Schulungsprogramm fr Fhrungskrfte in Japan und Sdkorea


Dieses Programm soll europischen Firmen, einschlielich KMU, dabei helfen, auf dem japanischen
und dem sdkoreanischen Markt erfolgreich Fu zu fassen. Es bietet und finanziert eine Intensivschu-
lung mit Vortrgen, Sprachunterricht und Praktika.
[Link]

European Business Council (Japan)


(von der EU gefrdert)
Dieses Gremium untersttzt KMU indirekt; es soll das Handels und Investitionsklima auf dem Wege
der Handelspolitik verbessern.
[Link]
60

Geschfte mit Amerika

Transatlantisches Portal EU-USA fr den Schutz der Rechte an geistigem Eigentum


Diese Website untersttzt KMU auf beiden Seiten des Atlantiks bei der Nutzung einer breiten Palette
von Ressourcen im Bereich der Rechte des geistigen Eigentums.
[Link]

Datenbanken

SME Internationalisation Portal


Die EU richtet 2014 dieses Portal fr die Internationalisierung von KMU ein. Mittelstndische Unter-
nehmen, die ihre Geschftsttigkeit ber die EU hinaus ausdehnen wollen, finden dann in der Daten-
bank des Portals eine Liste von (halb )staatlichen Dienstleistern mit Kontaktdaten und Einzelheiten
zu den angebotenen Dienstleistungen. [Link]

Market access database


Die Marktzugangs-Datenbank vermittelt wichtige Informationen fr EU-Exporteure zu geltenden Zoll-
tarifen, Importformalitten, Statistiken und Handelsschranken und ermglicht die Meldung von Han-
delsschranken an die Europische Kommission. [Link]

Steuern und Zlle: elektronische Datenbanken


Auf dieser Website sind alle Datenbanken der Kommission im Zusammenhang mit Zllen und Steuern
verzeichnet. [Link]

Informations-/Feedback-Instrumente fr KMU:
Handelspolitische Schutzinstrumente und technische Handelsbarrieren

Handelspolitische Schutzinstrumente Gewhrleistung eines fairen Handels fr KMU der Euro-


pischen Union
Erfahren Sie, wie KMU vor handelspolitischen Schutzmanahmen, wie etwa subventionierten und
niedrigpreisigen Importen aus Nicht-EU-Lndern, geschtzt werden knnen und was man tun kann,
wenn ein KMU, das in ein Nicht-EU-Land exportiert, von Antidumping-, Antisubventions- oder Schutz-
manahmen dieses Landes betroffen ist.
[Link]

Studien und aktuelle Nachrichten zur Internationalisierung, bereitgestellt


von der Europischen Kommission

Promoting international activities of SMEs


Auf dieser Website zur Frderung internationaler Aktivitten von KMU finden sich Links zu einer Reihe
von Studien, in denen es um das Thema KMU-Internationalisierung geht.
[Link]

Going global: Auf dem Weltmarkt zu Hause sein


Auch europischen Kleinunternehmen stehen Chancen auerhalb des Binnenmarkts offen. Hier erfhrt
man mehr ber Marktzugang, Wettbewerb auf dem globalen Markt und Handelsliberalisierung.
[Link]
61

ANHANG II QUELLEN
Europische Kommission (EK), 2013. Regionalpolitik Projektdatenbank.
[Link]

Europische Kommission (EK), 2012. berblick ber die wichtigsten Finanzierungsmglichkeiten fr


europische KMU. NEU Ausgabe Januar 2012, GD Unternehmen und Industrie, Brssel.
[Link]

EIM Business & Policy Research 2011. Opportunities for the internationalisation of European SMEs
Background document 2: Overview of 310 Policy Support Measures at Member State Level, (finanziert
von der Europischen Kommission), Zoetermeer.

Europische Kommission (EK) und EIM Business & Policy Research, 2011 (1). Opportunities for the
internationalisation of European SMEs, GD Unternehmen und Industrie, Brssel.

Europische Kommission (EK), 2011 (2). Mitteilung der Kommission an das Europische Parlament,
den Rat, den Europischen Wirtschafts und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen Kleine
Unternehmen groe Welt: Eine neue Partnerschaft, um KMU zu helfen, ihre Chancen im globalen
Kontext zu nutzen, Europische Kommission, Brssel.
[Link]

Europische Kommission (EK) und EIM Business & Policy Research, 2011 (3). Do SMEs create more
and better jobs?, GD Unternehmen und Industrie, Brssel.

Europische Kommission (EK) und EIM Business & Policy Research, 2010. Internationalisation of Euro-
pean SMEs, final report, GD Unternehmen und Industrie, Brssel.

Europische Kommission (EK), 2008. Untersttzung fr die Internationalisierung von KMU, Auswahl
empfehlenswerter Verfahren, GD Unternehmen und Industrie, Brssel.

Europische Kommission (EK), 2007. Supporting the Internationalisation of SMEs, final report of the
Expert Group, GD Unternehmen und Industrie, Brssel.

ANHANG III ANDERE NTZLICHE VERFFENTLICHUNGEN


Die Ratgeberserie Untersttzung von KMU-Politikmanahmen aus Strukturfondsmitteln kann auf
dieser Internet-Seite heruntergeladen werden:
[Link]
Nr. 1 Frderung des Unternehmergeistes und unternehmerischer Kompetenzen in der EU
Nr. 2 Einsatz von Normen zur Frderung von Wachstum, Wettbewerbsfhigkeit und Innovation
Nr. 3 Erleichterung von Unternehmensbertragungen
Nr. 4 Der intelligente Ratgeber zum Thema Dienstleistungsinnovation
Nr. 5 Die Umsetzung des SBA auf regionaler Ebene
Nr. 6 Nutzung der Strukturfonds fr Politikmanahmen zur Frderung von KMU und
Unternehmergeist
Nr. 7 Frderung der Internationalisierung von KMU

Eine Ratgeberserie zur Regionalpolitik und intelligenten Spezialisierung, einschlielich KMU-Unterstt-


zung, kann ber folgende Website heruntergeladen werden: [Link]
62

Zu dieser Serie gehren unter anderem die Ratgeber:


Regional policy for smart growth of SMEs (Regionalpolitik fr intelligentes Wachstum von KMU)
Smart Guide to Innovation-Based Incubators (IBI) (Intelligenter Ratgeber zum Thema innovati-
onsorientierte Grnderzentren)
63
NB-BN-14-001-DE-N
Ratgeberserie Untersttzung von KMU-Politikmanahmen aus Strukturfondsmitteln

Frderung der
Internationalisierung
von KMU

ISBN 978-92-79-36465-5
Untersttzung von KMU-
Ratgeberserie Politikmanahmen aus
Strukturfondsmitteln

Frderung des
Unternehmer-
geistes und
unternehmerischer
Kompetenzen
in der EU

Unternehmen
und Industrie
1
3

Untersttzung von
Ratgeberserie KMU-Politikmanahmen
aus Strukturfondsmitteln

Frderung des
Unternehmergeistes
und
unternehmerischer
Kompetenzen
in der EU
Leitfaden zur Frderung und Untersttzung der
Erziehung zu unternehmerischem Denken und
Handeln fr junge Menschen mit Mitteln aus
den EU-Strukturfonds
4

Dieser Leitfaden wurde von der Europischen Kommission erstellt und beruht auf den Informationen,
die in mehreren Projekten und Studien zu dem Thema zusammengetragen wurden. Obwohl die
Arbeiten unter der Federfhrung von Bediensteten der Europischen Kommission durchgefhrt
wurden, entsprechen die in diesem Bericht enthaltenen Meinungen nicht zwangslufig der Auffassung
der Europischen Kommission.

Weitere Informationen:
Europische Kommission
Generaldirektion Unternehmen und Industrie
Referat D.1: Unternehmerische Initiative 2020
E-Mail: Entr-entrepreneurship@[Link]
URL: [Link]

bersetzungen dieses Dokuments in mehrere europische Sprachen knnen ber das Internet
abgerufen werden.

Mit der Erarbeitung dieses Leitfadens sollen Informationen ber die Inanspruchnahme von EU-
Strukturfonds zusammengestellt werden. Die Europische Kommission bernimmt jedoch keinerlei
Haftung fr die Richtigkeit und Vollstndigkeit der Angaben. Konkrete Antrge auf Inanspruchnahme
von Mitteln aus den EU-Strukturfonds sind stets nach Magabe der jeweils im Land des Antragstellers
geltenden Regeln zu prfen.

Dieser Ratgeber ist Teil einer Serie, in der bislang folgende Titel erschienen sind:

Nr. 1 Entwicklung unternehmerischen Denkens und Handelns in der EU


Nr. 2 Einsatz von Normen zur Frderung von Wachstum, Wettbewerbsfhigkeit und Innovation
Nr. 3 Erleichterung von Unternehmensbertragungen
Nr. 4 Ratgeber zum Thema Dienstleistungsinnovation

RECHTLICHER HINWEIS

Weder die Europische Kommission noch Personen, die im Namen der Kommission handeln, sind
fr die Verwendung der in dieser Verffentlichung enthaltenen Informationen oder fr eventuelle,
trotz der sorgfltigen Erarbeitung und Prfung der Texte noch vorhandene Fehler verantwortlich. Der
Inhalt dieser Verffentlichung spiegelt nicht unbedingt die Meinung oder Haltung der Europischen
Kommission wider. Luxemburg, Amt fr Verffentlichungen der Europischen Union, 2012.

ISBN 978-92-79-26340-8
ISSN 1977-7361
doi:10.2769/56107

Europische Union, 2012


Die Wiedergabe mit Quellenangabe ist vorbehaltlich anders lautender Bestimmungen gestattet.
Die Erlaubnis zur Verwendung bzw. zum Nachdruck urheberrechtlich geschtzten und als solches
bezeichneten Materials muss von den jeweiligen Urheberrechtsinhabern eingeholt werden
5

Vorwort

Es gibt Anhaltspunkte dafr, dass die Frderung des Unternehmergeistes eine Grundvoraussetzung fr
endogenes Wachstum und eine notwendige Bedingung fr eine nachhaltige lokale und regionale Ent-
wicklung sowie den sozialen Zusammenhalt ist.
Gegenwrtig wird die Rolle von Bildung und Erziehung bei der Frderung unternehmerischer Einstel-
lungen und Verhaltensweisen weithin anerkannt. Querschnittskompetenzen wie z. B. Kreativitt, Ei-
geninitiative und Unternehmergeist helfen jungen Menschen dabei, ihre kreativen Fhigkeiten und ihr
Innovationspotenzial besser zu entwickeln und sich proaktives Handeln und Denken, Flexibilitt, eine
selbstndige und ergebnisorientierte Arbeitsweise sowie die Kompetenz zum Projektmanagement an-
zueignen.
Zudem mehren sich die Hinweise auf die positiven Auswirkungen der Erziehung zu unternehmerischem
Denken und Handeln. Junge Menschen, die an derartigen Bildungsprogrammen teilgenommen ha-
ben, eignen sich verstrkt unternehmerische Einstellungen an, finden nach Abschluss ihrer Ausbildung
schneller einen Arbeitsplatz und grnden hufiger Unternehmen und schaffen dadurch auch mehr
Arbeitspltze.
Die Programme zur Frderung unternehmerischer Initiative bieten eine ausgezeichnete Gelegenheit,
den Bildungssektor und die lokalen Unternehmen zusammenzubringen, da sie auf Projektarbeit und
der freiwilligen Mitwirkung echter Unternehmer beruhen. Schler oder Studierende, die Kontakte mit
den Unternehmen vor Ort knpfen, bleiben nach Abschluss ihrer Ausbildung hufiger in ihrer Region
oder in ihrem Land, sei es als Arbeitnehmer in lokalen Unternehmen oder als Grnder eines eigenen
Unternehmens.
Aus all diesen Grnden empfehlen wir diesen Leitfaden den politischen Entscheidungstrgern und all
jenen, die in die lokale Entwicklung eingebunden sind. An dieser Stelle mchten wir alle Beteiligten
herzlich einladen, sich im Rahmen ihrer operationellen Programme in der Aus- und Weiterbildung an der
Entwicklung von Initiativen zur Frderung des unternehmerischen Denkens und Handelns zu beteiligen
und dabei alle Ressourcen in Anspruch zu nehmen, die die EU anbietet.

Antonio TAJANI Johannes HAHN Lszl ANDOR


Vizeprsident der Mitglied der Mitglied der
Europischen Kommission Europischen Kommission Europischen Kommission
Zustndig fr Industrie Zustndig fr Regionalpolitik Zustndig fr Beschftigung,
und Unternehmertum Soziales und Integration
6
7

Inhaltsverzeichnis

1 Zusammenfassung............................................9. 3.4.2 Entwicklung von Zielsetzungen,


1.1 Gegenstand des Berichts..................................... 9 Indikatoren und Einzelzielen....................... 31
1.2 Politischer Hintergrund ........................................ 9 3.4.3 Unterrichtsmethoden...................................... 32
1.3 Entwicklung wirksamer politischer 3.4.4 Entwicklungschancen...................................... 32
Manahmen und Verfahren: 3.4.5 Bewertung, Validierung und
Anwendung bewhrter Verfahren Anerkennung........................................................ 32
zur Befrderung weiterer Fortschritte....... 11 3.4.6 bergang von der Schule zum
Unternehmen....................................................... 33
2 Die gegenwrtige Situation: Erziehung 3.4.7 Ausbildung und Einbeziehung
zu unternehmerischem Denken und von Lehrern.......................................................... 33
Handeln ein uneinheitliches Bild........... 15 3.4.8 Systematische Einbeziehung
2.1 Einleitung .................................................................. 16 der Wirtschaft...................................................... 33
2.2  Vorgaben und Zielsetzungen der 3.4.9 Systematische Einbeziehung privater
Erziehung zu unternehmerischem Verbnde und Organisationen................... 33
Denken und Handeln........................................... 16 3.4.10 Die Rolle lokaler, regionaler und
2.3 Auf dem Weg zu einer gemeinsamen nationaler Behrden und die Rolle
Interventionslogik.................................................. 18 der Europischen Kommission.................. 34
2.4 Schlsselmerkmale der gegenwrtigen
Praxis in der Erziehung zu unternehme- 4 Entwicklung wirksamer politischer
rischem Denken und Handeln ....................... 19 Manahmen und Verfahren: Anwendung
2.5 Notwendigkeit politischer Manahmen bewhrter Verfahren zur Befrderung
auf nationaler Ebene........................................... 22 weiterer Fortschritte.................................... 35
2.6 Aktuelle Situation in Bezug auf die 4.1 Einleitung............................................................... 36
Entwicklung nationaler Strategien............... 23 4.2 Schlsselelemente einer nationalen
Strategie................................................................. 37
3 Auf dem Weg zu einem Entwicklungs- 4.3 Entwicklung des nationalen
stufenmodell fr bessere Zusammen- politischen Rahmens....................................... 39
arbeit und strkeren Zusammenhalt....... 25 4.4 Entwicklung einer wirksamen Praxis...... 45
3.1 Das Entwicklungsstufenmodell: 4.4.1 Lehrer als erfolgsentscheidender
Gegenstand und Grundgedanke.................... 26 Faktor....................................................................... 45
3.2 Struktur und Inhalte des Modells................. 29 4.4.2 Einbeziehung von Unternehmen
3.3 Das Modell im berblick.................................... 29 sowie privaten Verbnden und
3.3.1 Gesamtziele.............................................................. 29 Organisationen................................................... 53
3.3.2 Die entscheidenden Phasen............................ 30 4.4.3 Entwicklung einer aktiven Rolle der
lokalen und regionalen Behrden............ 58
3.4 Auswirkungen des Modells: Heraus-
forderungen und Chancen der
knftigen Entwicklung......................................... 31
3.4.1 Finanzierung............................................................. 31
4.4.4 Wirksame Erziehung zu unternehme- 7 Beispiele fr bewhrte Verfahren............ 75
rischem Denken und Handeln in den 7.1 Dnische Stiftung fr unter-
Schulen: Aufbau des lokalen und nehmerische Initiative........................................ 75
regionalen Gesamtsystem fr die 7.2 Aktionsprogramm Bildung und
Erziehung zu unternehmerischem Erziehung zu unternehmerischem
Denken und Handeln........................................... 61 Denken und Handeln........................................... 76
7.3 TF-Fest........................................................................ 78
5 Weiterentwicklung der Agenda.................. 65 7.4 Schlerfirmenprogramm .................................. 79
5.1 Einleitung................................................................... 66 7.5 Unternehmerfhrerschein................................ 80
5.2 Politische Auswirkungen .................................. 66 7.6 Lucy et Valentin crent leur entreprise !
5.2.1 Die EU als Wegbereiter: Untersttzung (Lucy und Valentin grnden ein
neuer Entwicklungen und Strkung von Unternehmen!) ..................................................... 81
Programmen............................................................ 67 7.7 Kitzbheler Sommerhochschule fr
5.2.2 Rollen und Zustndigkeiten auf Entrepreneurship .................................................. 82
EU-Ebene................................................................... 68 7.8 Unternehmergymnasium Bayern ................ 82
7.9 Programm zur Frderung unter-
6 Die Oslo-Agenda Erziehung zu unter- nehmerischer Initiative...................................... 83
nehmerischem Denken und Handeln in 7.10 resund Entrepreneurship Academy ........ 84
Europa.............................................................. 69 7.11 Weitere Beispiele fr bewhrte
Verfahren................................................................... 85
9

Zusammenfassung

1.1 Gegenstand des Berichts im Rahmen der operationellen Programme


(OP) der Strukturfonds dienen sollen. Diese
Den Strukturfonds insbesondere dem ESF und
Beispiele sind in den erluternden Ksten in
dem EFRE kommt bei der Untersttzung konkre-
Kapitel 4 und im Anhang aufgefhrt.
ter Projekte zur Strkung des Unternehmergeists
und zur Entwicklung unternehmerischer Kompe- Dieser Leitfaden basiert im Wesentlichen auf
tenzen und Einstellungen junger Menschen eine den von der Kommission in den vergangenen
wichtige Rolle zu. Bisher wurde diese Mglichkeit fnf Jahren in enger Zusammenarbeit mit den
allerdings nicht von allen Mitgliedstaaten in vollem einzelstaatlichen Behrden durchgefhrten Ar-
Umfang ausgeschpft. Mit dem vorliegenden Do- beiten zur Frderung der Erziehung zu unter-
kument sollen daher Anregungen fr Manahmen nehmerischem Denken und Handeln in Schule
gegeben werden, die in allen Lndern und Regio- und Hochschule, wobei besonderes Augenmerk
nen mit Untersttzung aus den EU-Strukturfonds auf die Untersttzung der Umsetzung der natio-
gewinnbringend durchgefhrt werden knnten. nalen Strategien in diesem Bereich gelegt wird.
Der Bericht beschreibt 1.2 Politischer Hintergrund
a) die allgemeinen Grundlagen und den Stand
Die Entwicklung und die Frderung unternehme-
der Erziehung zu unternehmerischem Den-
rischer Initiative sind seit vielen Jahren strategi-
ken und Handeln in der EU,
sche Ziele politischer Manahmen sowohl der EU
b) ein Entwicklungsstufenmodell fr die Kon- als auch der einzelnen Mitgliedstaaten. Nach der
zeption und Umsetzung verschiedener Ent- Einfhrung einer Reihe von Manahmen durch die
wicklungsphasen der Politik im Bereich der Europische Kommission und einzelne Mitglied-
Erziehung zu unternehmerischem Denken staaten haben diese Ziele nochmals an Bedeutung
und Handeln und gewonnen. Herausragende Bedeutung kommt
c) eine Reihe von Beispielen fr bewhrte Ver- in diesem Zusammenhang den Manahmen zur
fahren, die als Anregung fr weitere Projekte strkeren Ausprgung einer Kultur unternehmeri-
10

scher Initiative und unternehmerischen Denkens dieser Aspekt im Unterrichtsmaterial korrekt


bei den Brgern Europas und insbesondere bei dargestellt wird,
jungen Menschen zu. Aus- und Weiterbildung sind dafr zu sorgen, dass das unternehmerische
Schlsselfaktoren in diesem Prozess. Alle Schler Denken in der Lehrerausbildung angemessen
sollten an Manahmen zur Frderung der Erzie- bercksichtigt wird und
hung zu unternehmerischem Denken und Handeln
durch verstrkte Zusammenarbeit mit der
teilnehmen knnen, und Manahmen in diesem
Wirtschaft systematisch Strategien fr eine
Bereich sollten in allen Stufen und Formen des Bil-
Erziehung zu unternehmerischem Denken auf
dungssystems angeboten werden.
allen Ebenen zu entwickeln.
In der Strategie Europa 2020 wird die Notwen-
Im Europischen Referenzrahmen ist Eigeninitia-
digkeit hervorgehoben, Kreativitt, Innovation
tive und unternehmerische Kompetenz eine von
und Unternehmergeist in den Lehrplnen zu ver-
acht Schlsselkompetenzen fr lebensbegleiten-
ankern. Zudem wird eine Reihe von Manahmen
des Lernen, welche die Brger fr ihre persn-
vorgeschlagen, um die unternehmerischen Kom-
liche Entfaltung, soziale Integration, aktive Br-
petenzen und das Innovationspotenzial Europas
gerschaft und Beschftigungsfhigkeit in einer
durch die Leitinitiativen Jugend in Bewegung,
wissensbasierten Gesellschaft bentigen. Im Re-
Eine Agenda fr neue Kompetenzen und neue
ferenzrahmen ist die Schlsselkompetenz Eigen-
Beschftigungsmglichkeiten und Innovations-
initiative und unternehmerische Kompetenz als
union freizusetzen. Darber hinaus ist die Frde-
die Fhigkeit des Einzelnen, Ideen in die Tat um-
rung von Innovation und Kreativitt (einschlielich
zusetzen definiert. Dies erfordert Kreativitt,
unternehmerischen Denkens) auf allen Ebenen der
Innovation und Risikobereitschaft sowie die F-
allgemeinen und beruflichen Bildung im Arbeits-
higkeit, Projekte zu planen und durchzufhren,
programm der GD Bildung und Kultur (Allgemeine
um bestimmte Ziele zu erreichen. Unternehme-
und berufliche Bildung 2020) eines von vier stra-
rische Kompetenz hilft dem Einzelnen nicht nur
tegischen Zielen.
in seinem tglichen Leben zu Hause oder in
Im Jahr 2008 hat der Small Business Act for Eu- der Gesellschaft, sondern auch am Arbeitsplatz,
rope (SBA) der Entwicklung und Intensivierung sein Arbeitsumfeld bewusst wahrzunehmen und
der Erziehung zu unternehmerischem Denken Chancen zu ergreifen; sie ist die Grundlage fr die
und Handeln mit der folgenden Feststellung neu- besonderen Fhigkeiten und Kenntnisse, die die-
en Auftrieb verliehen: jenigen bentigen, die eine gesellschaftliche oder
gewerbliche Ttigkeit begrnden oder dazu bei-
Im Bildungssystem und vor allem in den Lehr-
tragen. Dazu sollte ein Bewusstsein fr ethische
plnen der Schulen wird dem Unternehmertum
Werte und die Frderung einer verantwortungs-
nicht gengend Platz eingerumt. Zudem ist die
bewussten Unternehmensfhrung gehren.
Vermittlung unternehmerischer GrundKompe-
tenzen nicht vorgesehen. Kinder knnen ab dem Es mehren sich die Hinweise auf die positiven
Beginn ihrer Schulzeit lernen, ein Interesse fr Wirkungen der Erziehung zu unternehmerischem
unternehmerische Ttigkeiten zu entwickeln. Denken und Handeln auf einzelne Personen, die
Gesellschaft und die Wirtschaft. Die Lnder oder
Im Rahmen von Grundsatz 1 wurde im SBA die
Regionen mit einer gefestigten Strategie fr die
Notwendigkeit festgestellt, das Interesse am Un-
Erziehung zu unternehmerischem Denken und
ternehmerberuf [zu] wecken und Talente [zu] fr-
Handeln bewerten bereits die Auswirkungen ihrer
dern. Diesbezglich wurden die Mitgliedstaaten
Bemhungen. Die Ergebnisse einer unlngst von
insbesondere ersucht,
der Generaldirektion Unternehmen und Industrie
innovatives und unternehmerisches Den- der Europischen Kommission in Auftrag gegebe-
ken bei jungen Menschen zu frdern und als nen Studie ber die Auswirkungen von Program-
Schlsselkompetenz in die Lehrplne der men zur Frderung unternehmerischer Initiative
Schulen vor allem der Sekundarstufe auf- auf Hochschulebene zeigen eindeutig, dass die
zunehmen und dabei sicherzustellen, dass Erziehung zu unternehmerischem Denken und

1 [Link]
11

Handeln durchaus einen Unterschied ausmacht. Untersttzung von Entwicklungen in den Mit-
Junge Menschen, die an den Programmen und gliedstaaten und ihren Regionen.
Aktivitten zur Frderung unternehmerischer Ini-
tiative teilgenommen haben, legen verstrkt un- 1.3 Entwicklung wirksamer politischer
ternehmerische Einstellungen und Bestrebungen Manahmen und Verfahren: An-
an den Tag, finden nach Abschluss ihrer Ausbil- wendung bewhrter Verfahren zur
dung schneller einen Arbeitsplatz, bringen selbst Befrderung weiterer Fortschritte
als Beschftigte in Unternehmen mehr Innovatio- Angesichts der beraus vielfltigen Gegebenhei-
nen ein und grnden hufiger Unternehmen. ten hinsichtlich der Erziehung zu unternehmeri-
Dieses Dokument baut auf den folgenden Haupt- schem Denken und Handeln in Europa werden
quellen auf: systematischere Anstze bentigt, um sicherzu-
stellen, dass alle Schler in allen Schulen eine
- Empfehlungen der von der Kommission im entsprechende Erziehung erhalten. Im Gesamt-
Jahr 2007 verffentlichten Oslo-Agenda Er- system fr die Erziehung zu unternehmerischem
ziehung zu unternehmerischem Denken und Denken und Handeln sind Weiterentwicklungen in
Handeln in Europa; allen Bereichen erforderlich.
Ergebnisse der fnf Hochrangigen Refle- Dieser Bericht beschreibt ein Progressionsmodell,
xionsgremien im Bereich der Erziehung zu das die Mitgliedstaaten und die Interessenvertre-
unternehmerischem Handeln und Denken ter dabei untersttzen soll. Das Modell bietet einen
unter Beteiligung politischer Entscheidungs- konzeptionellen Gesamtrahmen fr die Festlegung
trger und wichtiger Interessengruppen, die von Prioritten fr das knftige Vorgehen und be-
sich von 2009 bis 2010 mit dem hier err- stimmt die Eckpunkte fr die Gestaltung der wei-
terten Themengebiet befasst haben; teren Entwicklung durch die beteiligten Akteure.
Ergebnisse zweier Symposien aus dem Jahr Es umfasst vier aufeinander folgende Phasen von
2011 ber die Aus- und Weiterbildung von der vorbereitenden Strategie bis hin zur Integ-
Lehrkrften im Bereich der unternehmeri- ration (Mainstreaming) und erlutert eingehend
schen Initiative; die zu ergreifenden Manahmen im Zusammen-
Datenbank mit bewhrten Verfahren des hang mit nationalen Strategien und Rahmenbe-
Small Business Act for Europe. dingungen, Schulen, Lehrkrften, regionalen und
lokalen Behrden und Unternehmen sowie priva-
Der Bericht beinhaltet:
ten Verbnden und Organisationen.
Informationen ber die gegenwrtige Situati-
on im Bereich der Erziehung zu unternehmeri- Mit dem Modell werden die nachstehenden Ziele
schem Denken und Handeln, insbesondere im verfolgt:
Hinblick auf die Entwicklung von Strategien fr konzeptionelle Umorientierung der Erziehung
die Erziehung zu unternehmerischem Denken zu unternehmerischem Denken und Handeln,
und Handeln und deren Umsetzung, weg von der Vermittlung einer Anleitung zur
einen Rahmen fr die Bestandsaufnahme des Fhrung eines Unternehmens und hin zur
Bereichs Erziehung zu unternehmerischem Entwicklung eines allgemeinen Katalogs von
Denken und Handeln, die Entwicklung einer Kompetenzen, die fr alle Lebensbereiche
Strategie und die Festlegung von Schwerpunk- von Bedeutung sein knnen, und Anwendung
ten und Manahmen unter Nutzung eines auf- dieser Kompetenzen in der Schule; Verlage-
grund der Diskussionen in den Reflexionsgre- rung vom lehrplanergnzenden Zusatzange-
mien entwickelten Entwicklungsstufenmodells, bot vorwiegend in den hheren Jahrgngen
des Sekundarbereichs II hin zur Einrichtung
eine Sammlung bewhrter Verfahren zur Be-
als wesentlicher Bestandteil des Lehrplans in
handlung von Schlsselbereichen des Entwick-
allen Bildungsstufen;
lungsstufenmodells und
Entwicklung einer gemeinsamen Vision aller
Handlungsempfehlungen auf allen Ebenen zur wichtigen Interessenvertreter auf nationaler
12

Ebene in Bezug auf Lernergebnisse, Zielset- weils unterschiedlichen Hintergrnde, Perspek-


zungen, Einzelziele und Indikatoren unter tiven und Kompetenzen zu bercksichtigen.
Einsatz besserer Mechanismen fr die res- 2. Lehrer als erfolgsentscheidender Faktor:
sortbergreifende Zusammenarbeit und die Lehrer sind auf geeignete Untersttzung
Einbeziehung der Sozialpartner und angewiesen: auf fundierte Forschungen, um
bernahme einer Schlsselrolle bei der Ent- die Vorstellungen und Konzepte der Lehrer
wicklung systematischerer und nachhaltige- im Hinblick auf die Erziehung zu unterneh-
rer Anstze durch Lehrer, Schulen und Unter- merischem Denken und Handeln zu verste-
nehmen auf lokaler Ebene, mit Untersttzung hen, auf effiziente Angebote fr die Aus- und
privater Vereinigungen und Verbnde sowie Weiterbildung von Lehrern und auf stndige
lokaler, regionaler und nationaler einschl- Untersttzung z. B. durch Instrumente fr den
giger Dienste, die unter anderem Weiter- Austausch bewhrter Verfahren, durch Wis-
bildungsangebote fr die Lehrer, geeignete sensbanken, durch geeignete Tools, Metho-
Lehrmittel und Instrumente, Mechanismen den und Ressourcen oder durch die Einrich-
fr den Austausch bewhrter Verfahren so- tung wirksamer Untersttzungsnetze.
wie Cluster und Partnerschaften umfassen.
3. Einbeziehung von Unternehmen sowie
Bei der Entwicklung von Strategien fr die Erzie- privaten Verbnden und Organisationen:
hung zu unternehmerischem Denken und Handeln Unternehmen knnen Beispiele und Erfah-
und bei der Umsetzung dieser Strategien sind rungen aus der Praxis einbringen, die fr die
Beispiele fr bewhrte Verfahren bereits in vie- Ausbildung der Schler von grundlegender
len Bereichen zu finden. Zur Untersttzung von Bedeutung sind. Eine entsprechende Vermitt-
Interessenvertretern werden in diesem Bericht lung knnte etwa durch Besuche, durch Prak-
die Merkmale einer idealen Strategie beschrieben: tika, anhand von Fallstudien oder mithilfe von
ressortbergreifende Einbindung, Konsultation bzw. Rollenmodellen erfolgen; auerdem knnen
Einbeziehung von Interessenvertretern, um eine Unternehmen die Arbeit privater Verbnde
mglichst breit gefcherte Beteiligung zu gewhr- und Organisationen wie z. B. der Netze Junior
leisten, Einbeziehung von Kernkompetenzen auf Achievement Young Enterprise (Projekt Junior)
allen Ebenen nationaler Lehrplne, bergeordnete und EUROPEN (bungsfirmennetzwerke) un-
strategische Vorgaben und Zielsetzungen, Verbrei- tersttzen, die bei der Bereitstellung von Ange-
tung bewhrter Verfahren, Weiterbildung von Leh- boten fr praktisches, experimentelles Lernen
rern, Erschlieen von Entwicklungspotenzialen und eine wichtige Rolle spielen (z. B. Mini-Unterneh-
Bereitstellung von Finanzmitteln. men bzw. Juniorfirmen und virtuelle Unterneh-
Auerdem werden in diesem Bericht die erfor- men, bungsfirmen oder Schlerfirmen).
derlichen Leitaktionen in den fnf Schlsselberei- 4. Entwicklung einer aktiven Rolle der loka-
chen des Entwicklungsstufenmodells eingehend len und regionalen Behrden: Die lokalen
berprft und bestehende bewhrte Verfahren und regionalen Behrden knnen Unterstt-
ermittelt, die bei knftigen Entwicklungen berck- zungsmanahmen fr Schulen und Lehrer
sichtigt werden knnen. entwickeln und sind in besonderer Weise in
1. 
Entwicklung des nationalen politischen der Lage, beim Aufbau von Schul-Clustern
Rahmens: In der Regel sind zwar in erster und bei der Vernetzung von Ausbildungsein-
Linie die Bildungsministerien zustndig, aber richtungen und der Wirtschaft eine fhrende
auch die Ministerien fr Wirtschaft, Unterneh- Rolle zu bernehmen. Auerdem knnen sie
men und Handel spielen eine tragende Rolle; sicherstellen, dass die Erziehung zu unterneh-
die ressortbergreifende Koordinierung trgt merischem Denken und Handeln in weitere
ebenfalls entscheidend zum Erfolg bei. Wichtig lokale bzw. regionale Strategien einbezogen
ist ferner die Abstimmung mit Interessenver- wird (z. B. in die Bereiche Soziales (Jugend
tretern und den Sozialpartnern. Bei Prozessen usw.) und Wirtschaftsfrderung).
zur Einbeziehung dieser Akteure sind die je-
13

5. Wirksame Erziehung zu unternehme-


rischem Denken und Handeln in den
Schulen: Aufbau des lokalen und regionalen
Gesamtsystems fr die Erziehung zu unter-
nehmerischem Denken und Handeln: Das ei-
gentliche Ziel des Entwicklungsstufenmodells
besteht darin, dass smtliche Schulen auf
allen Ebenen in die Erziehung zu unterneh-
merischem Denken und Handeln einbezogen
werden und dass klare Bezge zwischen den
verschiedenen Bildungsstufen und -formen
hergestellt werden; auerdem sollen umfas-
sendere Zusammenhnge im Rahmen des
Aufbaus so genannter lokaler Gesamtsyste-
me fr unternehmerisches Denken und Han-
deln entwickelt werden. Die entsprechenden
Manahmen knnen damit beginnen, dass
Schulen eigene kohrente Anstze fr die Er-
ziehung zu unternehmerischem Denken und
Handeln entwickeln und experimentelle Ler-
numgebungen schaffen; anschlieend knnen
durch die Bildung von Clustern und die Be-
grndung von Partnerschaften umfassendere
Verbindungen hergestellt werden.
14
15

Die gegenwrtige
Situation:
Erziehung zu unternehmer-
ischem Denken und Handeln
ein uneinheitliches Bild
Kapitel 2 die wichtigsten Punkte Lehrer und Schulen sind entscheidende Vermitt-
im berblick ler: Ob ein Schler eine hochwertige Erziehung
zu unternehmerischem Denken und Handeln
Zwischen den Mitgliedstaaten besteht ein brei-
erfahren konnte, hing bislang weitgehend von
ter Konsens ber die Vorgaben und Zielset-
der Einsatzbereitschaft der Lehrkrfte sowie
zungen der Erziehung zu unternehmerischem
davon ab, in welchem Umfang die Lehrkrfte in
Denken und Handeln: Die Erziehung zu unter-
der Lage waren, sich Zugang zu den bentigten
nehmerischem Denken und Handeln soll zur
Ressourcen zu verschaffen.
Ausprgung allgemeiner Kompetenzen wie z. B.
Selbstvertrauen, Anpassungsfhigkeit und Kre- Private Unternehmen und Organisationen ohne
ativitt sowie zum Erwerb unternehmerischer Erwerbszweck (z. B. das Netz Junior-Achieve-
Kompetenzen und Kenntnisse beitragen. ment Young Enterprise) spielen insoweit eine
wichtige Rolle, als sie Lehrern Ressourcen sowie
Zurzeit erfolgt die Erziehung zu unternehmeri-
wirklichkeitsnahe, praktische Erfahrungen ver-
schem Denken und Handeln in den Schulsyste-
mitteln.
men bis zum Abschluss des Sekundarbereichs
I eher als Zusatzangebot zum allgemeinen Die regionalen und lokalen Behrden nehmen
Lehrplan. Vom Sekundarbereich II an werden ihre Rollen sehr unterschiedlich wahr, knnen
entsprechende Manahmen im Rahmen eines aber als frdernde und vermittelnde Einrichtun-
eigenen bergeordneten Fachs (z. B. Betriebs- gen Schlsselfunktionen bernehmen.
wirtschaft oder Volkswirtschaft) als Wahlfach Die folgenden Voraussetzungen mssen erfllt
angeboten. sein, damit die Erziehung zu unternehmeri-
Die praktische Handhabung gestaltet sich in Euro- schem Denken und Handeln nicht lnger als ein
pa sehr unterschiedlich; in der Regel werden ent- zustzliches auerunterrichtliches Angebot
sprechende Angebote von der Basis ausgehend begriffen wird, sondern sich zu einem wesentli-
(Bottom-up) entwickelt, und eine systematische chen Bestandteil des Lehrplans entwickelt:
Behandlung im Lehrplan ist nicht vorgesehen.
16

nderungen der Lehrmethoden: verstrktes verschiedenen Lndern, Kommunen und Schulen


experimentelles Lernen und Schaffung einer und sogar in den einzelnen Klassen und Hrslen.
neuen Rolle des Lehrers als Coach/Modera- Dieses Kapitel ist in drei Teile gegliedert. Gegen-
tor, der den Schlern zu grerer Unabhn- stand des ersten Teils sind die zurzeit in der Politik
gigkeit und zu strkerer Eigeninitiative im formulierten und in der Praxis umgesetzten Vor-
Hinblick auf die eigene Ausbildung verhilft; gaben und Zielsetzungen der Erziehung zu unter-
konzeptionelle nderungen des Unterrichts, nehmerischem Denken und Handeln. Auf dieser
um die Schler aus den Klassenzimmern in Grundlage kann man eine umfassende Interven-
echte Unternehmen zu fhren und Hierarchi- tionslogik entwickeln und beschreiben, die den
en innerhalb von Schulen zu reduzieren; und derzeitigen Manahmen zugrunde liegt.
bernahme einer Schlsselrolle durch die Im zweiten Teil des Kapitels wird ein berblick ber
Verwaltungen: Nur die Verwaltungen sind in die Schlsselmerkmale der gegenwrtigen Praxis
der Lage, den ntigen Richtungswechsel zur in der Erziehung zu unternehmerischem Denken
strkeren Verbreitung und zur qualitativen und Handeln vermittelt und die Rolle verschiedener
Aufwertung der Erziehung zu unternehmeri- Akteure in den betreffenden Prozessen errtert.
schem Denken und Handeln herbeizufhren. Im dritten Teil des Kapitels wird auf der Grundla-
In den einzelnen Lndern wurden bislang sehr ge der ersten beiden Abschnitte die Notwendigkeit
unterschiedliche Fortschritte bei der Entwick- nationaler Manahmen untersucht.
lung und der Umsetzung einschlgiger Stra- Die Analyse hat vor allem ergeben, dass sich die
tegien erzielt. In manchen Lndern wurden Mitgliedstaaten dahingehend einig sind, was mit
eigene Strategien im Bereich der Erziehung zu der Erziehung zu unternehmerischem Denken und
unternehmerischem Denken und Handeln ent- Handeln erreicht werden sollte und was dies so-
wickelt; andere Lnder haben diesbezglich wohl fr die derzeitige Umsetzung entsprechender
politische Manahmen im Wege anderer Ins- Manahmen als auch fr nderungen bedeutet,
trumente (insbesondere durch nationale Rah- die eingefhrt werden mssen, wenn die Bildungs-
menlehrplne) eingefhrt. Und manche Lnder systeme den Erwartungen gerecht werden sollen.
befinden sich immer noch in der Planungspha-
se. Die meisten politischen Manahmen bie- 2.2 Vorgaben und Zielsetzungen
ten umfassende Rahmenbedingungen fr die der Erziehung zu unternehmeri-
zu unternehmenden Schritte, und teilweise schem Denken und Handeln
wird die Zustndigkeit fr die Umsetzung der
Wie bereits in Kapitel 1 festgestellt, ist die Erzie-
Manahmen anderen Stellen bertragen (z. B.
hung zu unternehmerischem Denken und Handeln
Behrden oder privaten Verbnden und Or-
in Europa bereits heute ein wichtiger Schwerpunkt
ganisationen). Bei der Festlegung von Einzel-
staatlicher Manahmen und wird als wesentliches
zielen fr die berwachung von Fortschritten
Element einer Reihe von Manahmen zur Unter-
und zur Bewertung der Kenntnisse der Schler
sttzung der Entwicklung einer umfassenderen,
ergibt sich ebenfalls ein sehr unterschiedliches
solideren und lebendigeren Grundlage fr kleine
Bild. Im Allgemeinen besteht in den Mitglied-
Unternehmen betrachtet. Sie ist einer der zehn
staaten die ausgeprgte Notwendigkeit einer
Grundstze des Small Business Act for Europe und
Einbeziehung und weitergehenden Umsetzung
ergnzt viele weitere Bestrebungen. Aber worin ge-
der Erziehung zu unternehmerischem Denken
nau soll eigentlich der Beitrag der Erziehung zu un-
und Handeln.
ternehmerischem Handeln und Denken bestehen?
Die Zielrichtung der EU-Politik zeigt, dass die Erzie-
2.1 Einleitung hung zu unternehmerischem Denken und Handeln
In diesem Kapitel wird die gegenwrtige Situation in der zurzeit in Politik und Praxis verstandenen
im Hinblick auf die Erziehung zu unternehmeri- Form verschiedene positive Auswirkungen haben
schem Denken und Handeln beschrieben. Insge- knnte. Letztlich wird davon ausgegangen, dass
samt bietet sich ein sehr uneinheitliches Bild in den die Erziehung zu unternehmerischem Denken und
17

Handeln unmittelbar zur Entwicklung des Unterneh- Arbeitsmarkt zunehmend geforderten Anpassungs-
mergeistes bei den jungen Brgern Europas, zu einer fhigkeit zu entwickeln. Die Erziehung zu unterneh-
Erhhung des Anteils neu gegrndeter und stabiler merischem Denken und Handeln wird ferner allge-
Unternehmen sowie zu strkerem Wachstum und mein zum besseren Verstndnis der Wirtschaft und
zu intensiverer Innovationsttigkeit in KMU und da- der Unternehmer und zu positiveren Einstellungen
mit auf mittlere Sicht zur Erweiterung der Beschfti- in der breiten Bevlkerung gegenber unternehme-
gungsangebote beitragen kann. Seit Ende der 1990er rischem Verhalten beitragen. Allgemein werden die
Jahre wurde die Erziehung zu unternehmerischem Menschen mglicherweise besser imstande sein, als
Denken und Handeln jedoch auch zunehmend im aktivere Brger einen positiven Beitrag zur Gesell-
Zusammenhang mit einer Reihe umfassenderer Aus- schaft zu leisten. Dies ist zweifellos eine sehr weit
wirkungen gesehen; als positive Auswirkungen gelten gefasste Agenda, und entsprechend ist davon aus-
etwa die Frderung der Kreativitt und der Innovati- zugehen, dass die politischen Entscheidungstrger
onskraft der Brger Europas sowie infolge der Str- auf allen Ebenen betrchtliche Anstrengungen un-
kung des Selbstbewusstseins, der Unabhngigkeit ternehmen mssen, um die betreffenden Anforde-
und der Anpassungsfhigkeit die Verbesserung des rungen zu verstehen und ihnen mit realistischen po-
sozialen Zusammenhalts und des brgerschaftlichen litischen und praktischen Manahmen zu begegnen.
Verhaltens. Sie spielt daher eine wichtige Rolle in der In Abbildung 2.1 sind die Kompetenzen zusammen-
Jugendpolitik. gestellt, die gemeinsam fr die Ziele der Erziehung
In der derzeit entwickelten Form soll die Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln stehen.
zu unternehmerischem Denken und Handeln zur Gegenstand der Erziehung zu unternehmerischem
Ausprgung unternehmerischer Kompetenzen bei Denken und Handeln ist im Wesentlichen die Um-
smtlichen Schlern und Studierenden (auch bei Er- setzung von Ideen in praktisches Handeln; insoweit
wachsenen) beitragen. Aus diesem umfassenderen stehen Kreativitt, Innovationskraft und Risikobe-
Pool strker unternehmerisch orientierter Personen reitschaft im Vordergrund. Erforderlich ist aber auch
knnten einige durchaus den Schritt in die Selbst- die Fhigkeit zur Strukturierung, Planung und Steue-
stndigkeit wagen; wichtig ist jedoch, dass alle Br- rung der entsprechenden Prozesse.
ger besser in der Lage sein werden, die auf dem

Wissen Knnen/Kenntnisse
Verstndnis der Wirtschaft und der Arbeitswelt Entwickeln von Eigeninitiative, Arbeit im Team
Fhigkeit zum Erkennen von Chancen Erkennen und Einschtzen von Strken und Schwchen
Verstndnis der Wirtschaftsethik Risikobewertung
Kenntnisse ber Unternehmens Projektplanung und -management
grndungen und betriebliche Verfahren (Produktion, Finanzmanagement
Management, Vermarktung usw.) Verhandlungsfhrung und Reprsentation

Umsetzung von Ideen in praktisches Handeln


Kreativitt, Innovationsfhigkeit, Risikobereitschaft

Initiative, proaktives Handeln, Unabhngigkeit, Durchhaltevermgen,


Kreativitt, Innovationsfhigkeit, Zielorientierung, Verantwortungsbewusstsein
(einschlielich sozialer Verantwortung/Brgersinn), Fhrungsqualitten
Einstellungen/Persnlichkeitsmerkmale
Quellen: Diskussionen in HLRP; Europische Kommission Schlsselkompetenzen fr lebenslanges Lernen

Abbildung 2.1: Schlsselkompetenzen/wesentliche Ziele in der Erziehung zu unternehmerischem


Denken und Handeln
18

2.3 Auf dem Weg zu einer gemein- werden aber nicht nur als Schlsselbedingungen
samen Interventionslogik bergeordneter Rahmenkonzeptionen beschrieben,
sondern kommen wahrscheinlich ebenso hufig
Die oben errterten Vorgaben und Zielsetzungen
auch in der Praxis zum Ausdruck (u. a. in konkreten
werden in den Mitgliedstaaten zurzeit in unter-
Angeboten der Schulen).
schiedlichen Formen beschrieben. Wie im Folgen-
den erlutert, werden die Vorgaben und Zielsetzun- Aufgrund dieser gemeinsamen Standpunkte konn-
gen in den entwickelten Strategien zur Frderung te eine Interventionslogik entwickelt werden.
des Unternehmergeistes teilweise gut definiert; sie

Abbildung 2.2: Eine Interventionslogik fr die Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln

Hherer Anteil neu gegrndeter


Gesamt- Verstrker sozialer Produktivere und und stabiler Unternehmen
auswirkungen Zusammenhalt innovativere Unternehmen - erweitertes Beschftigungs-
angebot im Bereich KMU

Vorlufige Kreativere und


Auswirkungen Aktiveres Brgerschaftliches Mehr potenzielle
anpassungsfhigere
Verhalten Unternehmer
Arbeitskrfte

Ergebnisse Mehr Mehr Kompetenz


Mehr Selbstbewisstsein Anpassungsfhigkeit Positivere Einstellung im Bereich der
und Selbstmotivation und Kreativitt bei zur Risikobereitschaft Unternehmensfhrung
jedem Einzelnen

Lemziele Entwicklung unternehmerischer Entwicklung spezifischer


Kernkompetenzen Unternehmensfhrungskompetenzen

Manahmen Verankerung von Vermittlung und Vermittung und Erwerb von Kompetenzen
Erwerb von Kernkompetenzen und Know-how fr die
in Unterricht und Ausbildung Unternehmensfhrung

Abbildung 2.2: Eine Interventionslogik fr die Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln
Hinsichtlich der Manahmen, mit denen diese Er- Leitung eines Unternehmens gelegt, und die
gebnisse erzielt werden bzw. erzielt werden sol- Angebote werden im Lehrplan eher als Wahl-
len , ist festzustellen, dass bei der Erziehung zu fach denn als Pflichtfach bercksichtigt.
unternehmerischem Denken und Handeln zweifel-
In den ersten Jahren des Bildungswegs knnen so-
los ein zweigleisiger Ansatz verfolgt werden muss:
mit die Grundlagen unternehmerischer Kompetenz
i) Die Inhalte knnen auf allen Ebenen in die gelegt werden; auf diesen Grundlagen aufbauend
Lehrplne integriert werden (Mainstreaming), knnen spter konkretere unternehmensbezogene
wenn allgemeine Kompetenzen wie z. B. Kre- Kompetenzen und Kenntnisse vermittelt werden.
ativitt, Initiative und Selbstvertrauen im Vor-
Im Allgemeinen kann das Bemhen um einen
dergrund stehen.
strukturierteren und systematischeren Ansatz bei
ii) Sie knnen aber auch als Bestandteile eines der Erziehung zu unternehmerischem Denken und
eigenstndigen Unterrichtsfachs vermittelt Handeln nur dann auf breiter Ebene zum Erfolg
werden (in der Regel ab dem Sekundarbereich fhren, wenn entsprechende Angebote in den all-
II). Dabei wird der Schwerpunkt eher auf den gemeinen Bildungskatalog aufgenommen werden.
Erwerb von Fhigkeiten und Kenntnissen im Dies wiederum erfordert einige wichtige nderun-
Zusammenhang mit der Grndung und der gen des Unterrichts- und des Lernverhaltens. Die
19

Verlagerung der Erziehung zu unternehme- Wirtschaft und dem Bildungssektor stehen. Der
rischem Denken und Handeln von einem Schwerpunkt muss sich von traditionellen An-
zustzlichen auerunterrichtlichen Angebot stzen hin zu Methoden verlagern, mit denen
bei dem traditionell eher die Fhrung eines die Menschen experimentieren und etwas ber
Unternehmens im Vordergrund steht hin zu sich selbst erfahren knnen. In vielen Lndern
ihrer Einbindung als wesentlicher Bestand- ist es hilfreich, wenn diese Entwicklungen auf
teil des Lehrplans unter Bercksichtigung bestehende Bildungstrends abgestimmt wer-
einer breiten Palette an unternehmerischen den. In anderen Lndern ist zweifellos eine be-
Fhigkeiten und Kompetenzen bedeutet un- trchtliche Umstellung der Bildungspolitik und
ter Umstnden nicht weniger als einen Pa- der praktischen Bildungsarbeit erforderlich.
radigmenwechsel im Bildungssystem. Dies gilt
Insoweit deckt die Erziehung zu unternehmeri-
insbesondere dort, wo die betreffenden Angebote
schem Denken und Handeln hinsichtlich der an-
in die Lehrplne der allgemeinbildenden Schu-
gestrebten Ergebnisse und der zur Erzielung die-
len bzw. der Hochschulen aufgenommen werden
ser Ergebnisse vorgesehenen Mittel ein weites
mssen und wo gegenwrtig traditionellere Un-
Feld ab. Dabei gilt es sorgfltig abzuwgen, wie
terrichtsmodelle gepflegt werden. In allen Phasen
der Prozess der langfristigen teilweise tief-
ist das Element des experimentellen Lernens ent-
greifenden Umgestaltung eingeleitet werden
scheidend; die Vermittlung darf sich nicht auf tra-
soll; dazu mssen Schwerpunkte und erreichba-
ditionelle Unterrichtsmethoden beschrnken.
re Zwischenziele definiert werden.
Die Entwicklung der in Abbildung 2.1 dargestellten
Palette an Kompetenzen setzt die Anpassung von 2.4 Schlsselmerkmale der gegen-
Unterrichtsverfahren und die Entwicklung geeigne- wrtigen Praxis in der Erziehung
ter Umgebungen im Bildungsbereich voraus; diese zu unternehmerischem Denken
Umgebungen mssen sich vom traditionelleren und Handeln
Lernumfeld der allgemeinen Schulbildung unter- Eines der hervorstechendsten Merkmale der Erzie-
scheiden. Wichtig ist weniger, was unterrichtet hung zu unternehmerischem Denken und Handeln
wird; mageblich ist vielmehr, wie der Unter- ist die groe Vielfalt der praktischen Hand-
richt gestaltet wird. Dies gilt insbesondere im habung in Europa sowohl zwischen verschiede-
Hinblick auf experimentelles Lernen und auf das nen Lndern als auch innerhalb einzelner Lnder;
Aufbrechen der traditionelleren Hierarchien zwi- dies gilt sogar fr einzelne Bildungseinrichtungen
schen Lehrern und Schlern in der Weise, dass der (Schulen, Anbieter von Manahmen der Berufsbil-
Lehrer eher als Coach und/oder Moderator auftritt. dung und Hochschulen) und selbst auf Ebene der
Derartige Anstze rumen den Schlern grere Lehrkrfte. Diese Situation spiegelt auch die Tat-
Unabhngigkeit ein und bieten ihnen die Mglich- sache wider, dass die Erziehung zu unternehmeri-
keit zum eigenstndigen Lernen, so dass sie die ent- schem Denken und Handeln in der heutigen Form
sprechenden wichtigen unternehmerischen Kompe- weitgehend als Bottom-up-Initiative unter mini-
tenzen besser ausprgen knnen. Ebenfalls wichtig maler staatlicher Beteiligung entwickelt wurde.
ist die Lernumgebung; insbesondere sollten die
Schler aus der traditionellen Umgebung des Klas- Teilweise beruht diese Vielfalt auf dem unter-
senzimmers herausgefhrt und zur Herstellung von schiedlichen Verstndnis und der unterschiedli-
Kontakten mit der lokalen Gemeinschaft und zu Er- chen Auslegung des Begriffs Erziehung zu un-
fahrungen mit echten Unternehmen angeregt wer- ternehmerischem Denken und Handeln. Da in
den; auerdem sollte ein schulisches Umfeld ge- den meisten Lndern ein gemeinsamer und/oder
schaffen werden, das weniger durch hierarchische offizieller Standpunkt hinsichtlich der zu erzie-
Beziehungen gekennzeichnet ist. lenden Ergebnisse noch immer nicht gefunden
wurde, sind diese Diskrepanzen nur natrlich.
Im Zentrum der Aufmerksamkeit mssen das Auerdem spiegelt diese Situation den umfas-
Bemhen um eine geeignete Kombination the- senden Hintergrund und die breit gefcherten
oretischer und praktischer Bestandteile und kulturellen Faktoren wider, die Herausforde-
die Beseitigung von Hindernissen zwischen der
20

rungen und Chancen gleichermaen beinhal- Kreativitt und Risikobereitschaft zu frdern; und
ten knnen. Diese unterschiedlichen Haltungen (iii) der Unterricht zur Vermittlung unternehmeri-
in den einzelnen Mitgliedstaaten hinsichtlich scher Kompetenzen wird eher nicht als Bestand-
der Frderung des Unternehmergeistes sowie teil des eigentlichen Lehrplans bewertet: Lehrer
die Struktur und die Art der nationalen Volks- und Schulen beschrnken sich vielmehr auf die
wirtschaften knnen sich signifikant auswirken. vom allgemeinen Bildungsplan unabhngige Ver-
In Schweden beispielsweise wurde angesichts gabe schulinterner Preise und Auszeichnungen
eines kulturellen Hintergrunds, der durch ein oder beteiligen sich an Wettbewerben bekann-
traditionell geringes Interesse der Bevlkerung ter Organisationen (z. B. im Netz Junior Achie-
an der Aufnahme einer eigenen Unternehmer- vement-Young Enterprise (JA-YE)).
ttigkeit gekennzeichnet ist, und in einer haupt-
Drittens bedeutet das Fehlen einer systemati-
schlich durch groe Unternehmen und einen
schen Behandlung der Erziehung zu unternehme-
umfangreichen ffentlichen Sektor geprgten
rischem Denken und Handeln, dass die Lehrer
Wirtschaft eine Strategie fr die Erziehung zu
sich in ihrem Unterricht auf eine Vielzahl von
unternehmerischem Denken und Handeln ent-
Ressourcen zurckgreifen mssen, die hufig
wickelt.
von privaten Unternehmen und/oder Organi-
Was lsst sich angesichts dieser allgemeinen sationen ohne Erwerbszweck entwickelt und
Situation nun im Einzelnen zur gegenwrtigen bereitgestellt werden (s. u.). Das Spektrum der
Praxis in Europa feststellen? Erstens spielen Anstze, Methoden und Instrumente beinhaltet
Lehrkrfte in einem stark durch freiwilligen virtuelle Simulationen von Situationen aus dem
Einsatz geprgten System hufig insoweit Unternehmensalltag, konkrete praktische Erfah-
eine Schlsselrolle, als sie die ersten Schritte rungen im Unternehmensumfeld und Unterneh-
bei der Vermittlung unternehmerischer Kompe- menstage/Unternehmenswochen, in denen die
tenzen und bei der Gestaltung der gegenwrtigen Schler Ideen entwickeln, an Aktivitten teilneh-
Unterrichtspraxis unternehmen. Dies gilt selbst men (z. B. in den Bereichen Marktforschung und
fr Lnder, in denen die Erziehung zu unterneh- Gestaltung) oder Ideen in Produkt- oder Dienstleis-
merischem Denken und Handeln wohl im grten tungsentwrfe umsetzen. In all diesen Fllen bietet
Umfang angeboten wird und am besten entwi- die Erziehung zu unternehmerischem Denken und
ckelt ist (z. B. im Vereinigten Knigreich2 vor der Handeln alternative Methoden fr die allgemeine
von der Zentralregierung angestoenen neuen Unterrichtspraxis.
Entwicklung).
Viertens spielen private Verbnde und Or-
Zweitens ist die Erziehung zu unternehme- ganisationen eine wesentliche Rolle. Im
rischem Denken und Handeln in den Lehr- Folgenden sind die wichtigsten Organisationen
plnen eher nicht systematisch vorgesehen. mit internationalem Profil zusammengestellt:
Vielmehr werden entsprechende Manahmen
JA-YE: Das Netz Junior Achievement-Young
in der Regel als auerunterrichtliche Aktivitt
Enterprise (JA-YE) vermittelt jungen Menschen
angeboten, die im Schatten der allgemeinen
durch praktische Erfahrungen Einblicke in das
Schulbildung steht und von der Einsatzbereit-
Wirtschaftsleben; dazu werden Kindern, Ju-
schaft einzelner Lehrer und Schulen abhngt.
gendlichen und jungen Erwachsenen im Alter
Dies hat zu folgenden Entwicklungen gefhrt: (i)
von 6-25 Jahren in Partnerschaften mit rt-
Der Schwerpunkt wird bislang eher auf Themen
lichen Unternehmen und Schulen Bildungs-
gelegt, die unmittelbarer mit dem Funktionieren
manahmen zu unternehmerischen und wirt-
von Unternehmen zusammenhngen oder die
schaftsbezogenen Themen angeboten.
den Schlern eher eine allgemeine Vorstellung
von der Arbeitswelt vermitteln sollen; dagegen EUROPEN: Dieses bungsfirmen-Netz un-
werden grundlegendere unternehmerische Kom- tersttzt, koordiniert und entwickelt Dienst-
petenzen weniger bercksichtigt; (ii) vorwiegend leistungen zur Frderung und Verbesserung
werden Mglichkeiten zur Interaktion mit Unter- des Lernens in bzw. aufgrund von simulier-
nehmen geschaffen, statt Kompetenzen wie z. B. ten Unternehmensumgebungen. EUROPEN

2 Siehe z. B. Bennett, R. J., und McCoshan, A. (1993), Enterprise and Human Resource Development: Local Capacity Building.
21

mchte den Austausch von Informationen Handeln zu untersttzen, bestehen jedoch deutli-
frdern, den Mitgliedern innovative Bil- che Unterschiede zwischen den Lndern und sogar
dungsinstrumente an die Hand geben, das innerhalb einzelner Lnder; vielfach sind Schulen
Konzept der bungsfirmen untersttzen und und Lehrer auf glckliche Zuflle angewiesen,
die Mitglieder des Netzes auf unterschiedli- wenn sie sich um die Herstellung von Kontakten mit
chen staatlichen Ebenen sowie bei privaten lokalen Unternehmen bemhen. Hufig kommen
Einrichtungen vertreten. Verbindungen ber einzelne Eltern zustande. In
manchen Regionen hat sich jedoch eine gut struk-
JADE (Hochschulbereich): Diese Organisation
turierte und formal geregelte Zusammenarbeit
untersttzt die Entwicklung von Junior Enter-
zwischen Unternehmen und Schulen mit von den
prises in Europa, indem sie Projekte auf euro-
Schulen initiierten Partnerschaften zwischen Bil-
pischer Ebene durchfhrt und den Rahmen
dungseinrichtungen und Unternehmen entwickelt,
fr eine grenzbergreifende Zusammenarbeit
die teilweise unter Federfhrung der Kommunen
bei multinationalen Studien bereitstellt. Sie
und unter Beteiligung lokaler Interessenvertre-
richtet internationale Kongresse und Sitzun-
tungen der Wirtschaft (z. B. der Handelskammern)
gen aus, die den Austausch von Wissen und
zustande kommen. Fr die Unternehmen setzt die
Erfahrungen, interkulturelle Verstndigung
Beteiligung an derartigen Initiativen ein betrcht-
und die Verbreitung der europischen Idee
liches Engagement voraus, und hufig beruht die
frdern. Dem JADE-Netz gehren derzeit 20
entsprechende Motivation auf dem Bewusstsein
000 Mitglieder in elf EU-Mitgliedstaaten und
der sozialen Verantwortung der Unternehmen. In
150 Junior Enterprises an.
vielen Lndern wrden sich auch zahlreiche Klein-
Darber hinaus bestehen in verschiedenen Ln- betriebe einbringen; ihnen fehlt allerdings die Zeit
dern auf nationaler und regionaler Ebene zahlrei- fr ein langfristiges Engagement.
che Vereinigungen mit unterschiedlichen Rollen
Sechstens knnen regionale und lokale Be-
und Arbeitsmodellen. Diese Vereinigungen haben
hrden eine wichtige frdernde und vermit-
sich im Laufe der letzten 20 Jahre zu groen
telnde Funktion bernehmen, wenn auf natio-
und gut etablierten Organisationen entwickelt,
naler Ebene keine entsprechende Politik verfolgt
die Schulen und Lehrern unmittelbar nutzbare
wird. Sie knnen sich in Schulen fr die Erziehung
Programme anbieten. Diese Organisationen sind
zu unternehmerischem Denken und Handeln ein-
offenbar besonders hilfreich bei der Entwicklung
setzen und Kontakte zwischen Bildungseinrich-
der Erziehung zu unternehmerischem Denken
tungen und Unternehmen frdern (s. o.), wobei
und Handeln in Lndern, in denen keine oder nur
die Kommunen als Vermittler, Anlaufstellen fr
schwach ausgeprgte Verbindungen zwischen
Ressourcen usw. fungieren knnen.
Bildungseinrichtungen und der Wirtschaft beste-
hen (insbesondere in den ehemaligen sozialisti- Wenngleich den Behrden vielfach gesetzlich
schen Staaten). Allgemein ermglichen diese Or- festgelegte Aufgaben im Bildungsbereich zu-
ganisationen Bottom-up-Anstze, bei denen die gewiesen sind, ist dadurch nicht gewhrleis-
Praxis auf lokaler Ebene in gewisser Weise von tet, dass die Erziehung zu unternehmerischem
nicht kalkulierbaren politischen Vernderungen Denken und Handeln als Bestandteil in der lo-
auf nationaler Ebene abgekoppelt wird und somit kalen Politik verankert wird.3
grere Kontinuitt gegeben ist.
Innerhalb dieses Gesamtbildes ist festzustellen,
Fnftens knnen viele Programme und Simulati- dass sich die Erziehung zu unternehmeri-
onen zwar von Lehrern in Schulen durchgefhrt schem Denken und Handeln in den einzel-
werden; wirklichkeitsnahe, praktische Erfah- nen Stufen und Formen der Aus- und Wei-
rungen im lebendigen Unternehmensumfeld terbildung betrchtlich unterscheidet.
knnen den Schlern aber nur in Unterneh-
Am hufigsten bietet sich das beschriebene Bild
men vermittelt werden. Hinsichtlich des Anteils
im Primarbereich und im Sekundarbereich I.
der Unternehmen, die bereit und in der Lage sind,
In diesen Phasen wird die Erziehung zu unterneh-
die Erziehung zu unternehmerischem Denken und
merischem Denken und Handeln in der Regel als
3 Die Zustndigkeiten gestalten sich sehr unterschiedlich. In manchen Lndern besitzen die lokalen Behrden Zustndigkei-
ten fr die Gestaltung von Lehrplnen; in anderen Lndern bestehen nur minimale, eingeschrnkte Kompetenzen (z. B. fr
Schulgebude und fr das nicht mit Unterrichtsaufgaben befasste Personal).
22

auerunterrichtliche Aktivitt angeboten, die hu- ist aber durch erhebliche Aktivitt gekennzeich-
fig mit Besuchen in Unternehmen bzw. mit Besu- net: Teilweise werden ambitionierte Vorhaben
chen von Arbeitgebern in den Schulen einhergeht verfolgt. Das Bild ist im Wandel begriffen und
und unter dem Motto die Arbeitswelt verstehen lsst eine positive Entwicklung hin zu einer brei-
steht. Gezieltere Aktivitten oder Projekte unter ter gefcherten praktischen Ausgestaltung er-
Einbeziehung von Programmen fr Mini-Unterneh- kennen. Andererseits bedeuten die Unterschie-
men sind eher selten. Im Allgemeinen ist die Erzie- de in der praktischen Ausgestaltung und die
hung zu unternehmerischem Denken und Handeln Einrichtung als weitgehend freiwilliges Ange-
im Primarbereich am schwchsten ausgeprgt. bot, dass die Chancen der einzelnen Sch-
ler fr eine Teilhabe an der Erziehung zu
Im Sekundarbereich II wird die Erziehung zu
unternehmerischem Denken und Handeln
unternehmerischem Denken und Handeln eben-
weitgehend vom Zufall abhngen.
falls als auerunterrichtliche Aktivitt angeboten.
Die als Wahlfcher zu belegenden Kurse treten Die derzeitige beilufige und unsystematische
jedoch mehr in den Vordergrund, und in Fchern Praxis bedeutet, dass die Qualitt und die In-
wie Betriebswirtschaft oder Volkswirtschaft kann tensitt der Erziehung zu unternehmerischem
unternehmerische Initiative als wesentliche Kom- Denken und Handeln im Einzelfall davon abhn-
ponente bercksichtigt werden. Sehr beliebt sind gen, a) ob ein Lehrer oder der Leiter einer Schule
organisierte Angebote zum experimentellen Ler- zufllig bereit und in der Lage ist, Erziehung zu
nen in Verbindung mit realen Unternehmen oder unternehmerischem Denken und Handeln zu ver-
mit Mini-Unternehmen. mitteln, und/oder b) ob Lehrer auf lokale Unter-
nehmen zugehen knnen, die willens und in der
In der schulischen beruflichen Erstausbildung
Lage sind, Mglichkeiten fr entsprechende Ler-
(IVET)4 wird die Erziehung zu unternehmerischem
nangebote zu erffnen. Zwar ist es in den letzten
Denken und Handeln hufig ber die Fcher Be-
Jahren fr Schulen und Lehrer eindeutig leichter
triebswirtschaft und Volkswirtschat in den Lehr-
geworden, die bentigten Unterrichtsmaterialien
plan einbezogen.
zu beschaffen und sich an bewhrten Verfahren
Im Hochschulbereich ist die Frderung un- im Bereich der Erziehung zu unternehmerischem
ternehmerischer Initiative ein eigenes Fach im Denken zu orientieren, nach wie vor werden je-
Rahmen verschiedener Bachelor- und Master- doch entsprechende Manahmen unter Umstn-
studiengnge (z. B. Betriebswirtschaftslehre und den in verschiedener Weise be- oder verhindert.
Volkswirtschaftslehre); zunehmend wird dieses Die Verwaltungen werden die entsprechenden
Fach aber auch Bestandteil einiger Aufbaustudi- Hemmnisse ausrumen mssen.
engnge. Auch in einigen Hochschuleinrichtungen
Zudem haben weiter entwickelte Lnder offen-
bestehen spezifische Angebote zur Frderung des
bar die Erfahrung gemacht, dass die Erziehung
Unternehmergeistes, und in manchen Lndern
zu unternehmerischem Denken und Handeln
wurden in Hochschuleinrichtungen teilweise Zen-
zwar in einem Bottom-up-Ansatz entwi-
tren fr unternehmerische Initiative eingerichtet.
ckelt werden kann, dass jedoch nur die Regie-
Im Hochschulbereich besteht die Herausforde-
rungsstellen in der Lage sind, die erforder-
rung darin sicherzustellen, dass die Frderung
liche neue Gangart bei der Verbreitung und
unternehmerischer Kompetenzen in alle Studien-
der qualitativen Gestaltung entsprechender
gnge einbezogen wird.
Angebote und somit einen Paradigmenwech-
2.5 Notwendigkeit politischer Ma- sel in den Bildungssystemen herbeizufhren.
nahmen auf nationaler Ebene Im Vereinigten Knigreich beispielsweise erfolgte
nach 20 Jahren, in denen die Erziehung zu un-
Das oben beschriebene hchst uneinheitliche ternehmerischem Denken und Handeln weitge-
Bild hat zwei Seiten. Einerseits steht auer hend von der Basis (Bottom-up) gestaltet wur-
Zweifel, dass die Mitgliedstaaten keineswegs de,5 2003 eine massive Untersttzung durch den
bei Null anfangen. Das Gesamtbild beinhaltet Staat, die dazu fhrte, dass die Anzahl der Schu-
fruchtbare Ebenen ebenso wie de Wsten, len, die Manahmen im Bereich der Erziehung zu
4 In welchem Alter die schulische berufliche Erstausbildung (IVET) beginnt, ist in den einzelnen EU Mitgliedstaaten
unterschiedlich geregelt.
5 Siehe z. B. Bennett, R. J., und McCoshan, A. (1993), Enterprise and Human Resource Development: Local Capacity Building.
23

unternehmerischem Denken und Handeln anbie- Rahmen fr die Ausarbeitung detaillierterer Um-
ten, in fnf Jahren (d. h. bis 2008) von 10 auf 90 setzungsplne durch andere Interessenvertreter
% gesteigert werden konnte.6 wie z. B. regionale oder lokale Behrden oder
Schulen und Lehrer bieten. In diesen Fllen fun-
Politische Manahmen auf nationaler Ebene
gieren die einzelstaatlichen Regierungen als Stra-
knnen dazu beitragen,
tegiekoordinatoren fr eine Reihe weiterer Behr-
i) Hindernisse auszurumen, die einer weiteren den und Interessenvertreter, die die eigentliche
Verbreitung und Vertiefung der Erziehung zu Entwicklungs- und Umsetzungsarbeit leisten. Die
unternehmerischem Denken und Handeln schwedische Strategie ist ein bemerkenswertes
entgegenstehen, Beispiel fr diesen Ansatz.
(ii) einen strategischen Schwerpunkt zu setzen und In anderen Fllen hat die Politik der Mitgliedstaaten
eine strategische Ausrichtung zu erzielen, und im Bereich der Erziehung zu unternehmerischem
Denken und Handeln zur Entwicklung detaillierte-
(iii) grere Kohrenz und eine bessere Struktu-
rer strategischer Aktionsplne gefhrt. In Belgien
rierung zu bewirken.
etwa hat die Regierung 2006 den flmischen Akti-
Besonders wichtig sind die durch das Einschrei- onsplan Ondernemend Onderwijs zur Frderung
ten der Verwaltung zu erzielende grere Koh- der Erziehung zu unternehmerischem Denken und
renz und die bessere Strukturierung in den Mit- Handeln angenommen. Der flmische Plan bein-
gliedstaaten, in denen Aktivitten zunchst nur haltet spezifische Aktionen und einen Zeitplan fr
in verhltnismig geringem Umfang bestehen. den Zeitraum 2007 bis 2009 und sieht bestimmte
Zu klren bleibt allerdings die gegenwrtige Finanzmittel fr Manahmen wie etwa die Ent-
Haltung der EU-Mitgliedstaaten in Bezug auf wicklung von Projekten zur Herstellung von Ver-
die Entwicklung von Strategien. bindungen zwischen dem Bildungssektor und der
Wirtschaft sowie zur Grndung von Schlerfirmen
2.6 Aktuelle Situation in Bezug auf die (mock companies oder shadow companies) un-
Entwicklung nationaler Strategien ter Beteiligung von Jugendlichen in Schulen und
Kollegs vor.8 Entsprechende Finanzmittel werden
In den einzelnen Lndern wurden bislang sehr un-
den Schulen und/oder Vermittlerorganisationen
terschiedliche Fortschritte in der Entwicklung ein-
unmittelbar zugeleitet.
schlgiger Strategien erzielt. Etwa ein Drittel hat
ein spezifisches und eigenstndiges nationales Die nationalen Strategien haben unabhngig von
Strategiedokument fr die Erziehung zu unterneh- der jeweiligen Gestaltung jedoch oftmals gewis-
merischem Denken und Handeln vorgelegt.7 se Merkmale gemein. Im Allgemeinen lsst sich
bei nationalen Lehrplnen ein gemeinsamer
In einer Reihe von Lndern werden gegenwrtig
Trend hinsichtlich der Verlagerung vom Wis-
Strategien erarbeitet. Ein positives Beispiel ist
senserwerb hin zur Aneignung von Kompe-
diesbezglich in jngster Zeit Dnemark, wo vier
tenzen erkennen. Dadurch erffnen sich neue
Ministerien im Jahr 2009 eine nationale Stra-
Chancen fr die Einbeziehung unternehmeri-
tegie fr die Erziehung zu unternehmerischem
scher Initiative als Schlsselkompetenz in
Denken und Handeln entwickelt haben.
den Schulen. Insgesamt tendieren die Strategien
In einigen wenigen Fllen ist die Erziehung zu fr die Erziehung zu unternehmerischem Denken
unternehmerischem Denken und Handeln Be- und Handeln zu einem breit gefcherten Ansatz.
standteil nationaler Lehrplne (z. B. in Finnland)
In Norwegen geht es z. B. nicht nur darum, wie po-
bzw. existiert auf nationaler Ebene nicht, weil
tenzielle Unternehmer untersttzt werden knnen,
die Verwaltung in hohem Mae dezentral struk-
sondern auch darum, wie Menschen, die in einem
turiert ist (z. B. in Deutschland).
Beschftigungsverhltnis stehen, bei ihrer Be-
Vielfach knnen die Inhalte der spezifischen oder schftigung eine unternehmerische Haltung entwi-
eigenstndigen Strategien fr die Erziehung zu ckeln knnen oder sogar, wie Menschen insgesamt
unternehmerischem Denken und Handeln einen ein positives brgerschaftliches Verhalten zeigen

6 UK Government, Her Majestys Treasury (2008), Enterprise: Unlocking the UKs talent. [Link]
7 Siehe Bericht Towards Greater Cooperation and Coherence in Entrepreneurship Education, Europische Kommission, 2010.
8 Es sei angemerkt, dass fr den Plan insgesamt keine bestimmte Finanzierung vorgesehen ist.
24

und Innovationen in ihre jeweilige Gesellschaft ein- arbereichs II sowie die Anwendung von Instru-
bringen knnen. Bei einem derartigen Ansatz zielt menten und Methoden im Vordergrund.
die Erziehung zu unternehmerischem Denken und
Allerdings bestehen einige bemerkenswerte Un-
Handeln im Grunde auf die Entwicklung der indivi-
terschiede zwischen den verfolgten Strategien.
duellen Qualitten und Haltungen von Einzelperso-
Ein wichtiger Aspekt ist der Umfang, in dem
nen ab. (Mit diesem Ansatz knnen beispielsweise
Einzelziele und Indikatoren zur Messung der
die Kompetenz zur Entwicklung von Initiative so-
Umsetzungserfolge entwickelt werden. Die
wie Innovationskraft, Kreativitt, Risikobereitschaft
durch einen umfassenden Aktionsrahmen gekenn-
und erhhtes Selbstvertrauen untersttzt werden.)
zeichnete schwedische Strategie beispielsweise
In Schweden wird in der nationalen Strategie ein
sieht keine spezifischen Einzelziele und Indikato-
hnlich umfassendes Verstndnis des Begriffs
ren vor. Die belgische Region Flandern hingegen
Unternehmergeist zugrunde gelegt. Nach dieser
hat Ergebnisse und Auswirkungen bewertet.
Strategie ist unternehmerische Initiative ein dyna-
mischer und sozialer Prozess, in dem Einzelperso- Der Flanders District of Creativity hat die Fol-
nen privat oder in Zusammenarbeit mit anderen genabschtzungsstudie EFFECTO in die Wege
Potenziale erkennen und nutzen, um Vorstellungen geleitet; diese Studie konzentriert sich auf Ju-
in praktische und zielorientierte Manahmen im gendliche in lokalen Schulen des Sekundarbe-
sozialen, kulturellen oder wirtschaftlichen Bereich reichs, die Angebote im Bereich der Erziehung
umzusetzen. Allerdings wird auch eine Erhhung zu unternehmerischem Denken und Handeln
der Anzahl von Unternehmensgrndungen aus- wahrgenommen haben.
drcklich als Programmziel genannt. 03-Loep: Entrepreneurial Spirit Magnifying
Nationale Strategien nehmen verstrkt ausdrck- Glass ist ein Screening-Instrument, mit dem
lich Bezug auf die Bedeutung der Einbeziehung gemessen werden kann, in welchem Umfang
von Manahmen der Erziehung zu unternehmeri- Bildungsprojekte zur Entwicklung unterneh-
schem Denken und Handeln in nationale Qualifika- merischer Initiative beitragen knnen.
tionsrahmen. Darber hinaus messen Strategien ENTRE-Mirror ist ein Tool, mit dem Teilnehmer
von Lndern wie z. B. den Niederlanden, Norwe- entsprechender Angebote selbst bewerten
gen, Portugal und Schweden der Entwicklung von knnen, welche Fortschritte sie im Hinblick
Programmen zur Ausbildung von Lehrern sowie auf den Erwerb unternehmerischer Kompe-
Bewertungen und Zertifizierungen im Zusammen- tenzen erzielt haben.10
hang mit der Einbeziehung der Strategien in natio-
Unterschiede bestehen auch hinsichtlich des
nale Qualifikationsrahmen und der Rolle mageb-
Umfangs, in dem Standards vorgegeben wer-
licher Interessenvertreter auf unterschiedlichen
den, mit denen gemessen werden kann, welche
rumlichen Umsetzungsebenen groes Gewicht
Erfolge die Lernenden bei Lehrplanfchern zur
bei. In sterreich beispielsweise wird zurzeit eine
Frderung unternehmerischer Initiative erzielen.
nationale Strategie zur Ausbildung von Lehrkrf-
ten vorbereitet, die Folgendes beinhaltet Trotz der ausgeprgten Differenzierung einiger na-
Programme fr die Erstausbildung von Lehr- tionaler Strategien bietet sich hinsichtlich der
krften vier Hochschulen haben sich auf die erforderlichen Umsetzungsschritte eher ein
Bereiche unternehmerische Initiative und Mana- lckenhaftes Bild. Dies besttigt die Bedeutung
gement spezialisiert (Graz, Wien, Innsbruck, Linz); des initiierten Prozesses sowie der wesentlichen
Rolle, die die Europische Kommission als Kata-
berufsbegleitende Programme fr Lehrkrf- lysator der ntigen Entwicklungen spielen kann.
te regelmige Symposien, Workshops und Zudem besteht in den Mitgliedstaaten die ausge-
Seminare zur Fortbildung von Lehrern;9 prgte Notwendigkeit weiterer Manahmen zur
berufsbegleitende Fortbildungs- und Lernpro- Einbeziehung und weiter gehenden Umsetzung
gramme Kitzbheler Sommerhochschule fr der Erziehung zu unternehmerischem Denken und
Entrepreneurship; bei diesem Angebot stehen Handeln in den jeweiligen nationalen Kontext.
praktische bungen fr Schler des Sekund-

9 [Link]
10 [Link]
on%20Enterprise%[Link].
25

Auf dem Weg zu einem


Entwicklungsstufenmo-
dell fr bessere Zusam-
men-arbeit und strkeren
Zusammenhalt
Kapitel 3 die wichtigsten Punkte tigen, sich dabei aber immer als Bottom-
im berblick up-Initiative verstehen.
Angesichts der beraus vielfltigen Gegeben- Es umfasst vier aufeinander folgende Phasen
heiten hinsichtlich der Erziehung zu unterneh- von der vorbereitenden Strategie bis hin zur
merischem Denken und Handeln in Europa Integration (Mainstreaming) und erlutert
werden systematischere Anstze bentigt, um eingehend die zu ergreifenden Manahmen
sicherzustellen, dass alle Schler in allen Schu- im Zusammenhang mit nationalen Strategi-
len eine entsprechende Erziehung erhalten. Im en und Rahmenbedingungen, Schulen, Lehr-
Gesamtsystem fr die Erziehung zu unterneh- krften, regionalen und lokalen Behrden und
merischem Denken und Handeln sind Weiter- Unternehmen sowie privaten Verbnden und
entwicklungen in allen Bereichen erforderlich. Organisationen.
Daher wurde ein Entwicklungsstufenmodell Mit dem Modell werden die nachstehenden
entwickelt, das Ziele verfolgt:
a) einen konzeptionellen Gesamtrahmen bie- eine konzeptionelle Umorientierung der Er-
tet, in dem Handlungsschwerpunkte gesetzt ziehung zu unternehmerischem Denken und
werden knnen, und Handeln, weg von der Vermittlung einer An-
leitung zur Fhrung eines Unternehmens
b) die Eckpunkte bestimmt, mit denen In-
und hin zur Entwicklung eines allgemeinen
teressenvertreter die weitere Entwicklung
Katalogs von Kompetenzen, die fr alle
gestalten knnen.
Lebensbereiche von Bedeutung sein kn-
Das Modell spiegelt die vorherrschende Vorge- nen; Verlagerung vom lehrplanergnzenden
hensweise der gegenwrtigen Strategien wi- Zusatzangebot vorwiegend in den hhe-
der, die einen Rahmen abstecken, Richtungen ren Jahrgngen des Sekundarbereichs II hin
vorgeben, anregen, motivieren und auf breiter zur Einrichtung als wesentlicher Bestandteil
Ebene zur Umsetzung von Manahmen ermu- des Lehrplans in allen Bildungsstufen;
26

Entwicklung einer gemeinsamen Vision al- Bestandteil auch eine gute Erziehung zu unter-
ler wichtigen Interessenvertreter auf nati- nehmerischem Denken und Handeln erhlt, hngt
onaler Ebene in Bezug auf Lernergebnisse, von der jeweiligen Region ab. In einigen Regionen
Zielsetzungen, Einzelziele und Indikatoren erfolgt eine ausgezeichnete Erziehung zu unter-
unter Einsatz besserer Mechanismen fr nehmerischem Denken und Handeln; in anderen
die ressortbergreifende Zusammenarbeit Regionen wird unternehmerische Initiative kaum
und die Einbeziehung der Sozialpartner; oder berhaupt nicht unterrichtet. Entwicklungen
bernahme einer Schlsselrolle bei der sind durchgngig im Gesamtsystem fr unter-
Entwicklung systematischerer und nach- nehmerisches Denken und Handeln zu leisten, um
haltigerer Anstze durch Lehrer, Schulen ausgehend von der gegenwrtigen Situation zu
und Unternehmen auf lokaler Ebene, mit systematischeren Anstzen zu gelangen und letzt-
Untersttzung privater Vereinigungen und lich smtliche Mitgliedstaaten vollstndig abzude-
Verbnde sowie lokaler, regionaler und na- cken (d. h. dafr zu sorgen, dass die Erziehung zu
tionaler einschlgiger Dienste, die unter an- unternehmerischem Denken und Handeln auf alle
derem Weiterbildungsangebote fr die Leh- Schulen und alle Schler ausgedehnt wird).
rer, geeignete Lehrmittel und Instrumente, Das Modell trgt diesen Erfordernissen Rechnung,
Mechanismen fr den Austausch bewhrter indem es effiziente Anstze ermittelt, mit denen
Verfahren sowie Cluster und Partnerschaf- die Entwicklung der verschiedenen Elemente eines
ten umfassen. Gesamtsystems der Erziehung zu unternehme-
rischem Denken und Handeln ermglicht werden
3.1 Das Entwicklungsstufenmodell: knnte. Dazu mussten wir uns die Gesamtstruk-
Gegenstand und Grundgedanke tur und die Inhalte der gegenwrtigen Strategie-
anstze vor Augen fhren. Eines der wichtigsten
Im vorstehenden Abschnitt haben wir die gegen-
Merkmale der gegenwrtigen Strategien besteht
wrtige Situation im Hinblick auf die Erziehung
im Bestreben, weniger konkrete Manahmen
zu unternehmerischem Denken und Handeln
vorzuschreiben als vielmehr allgemein gehaltene
in Europa beleuchtet. Dabei wurde die groe
Rahmenbedingungen fr mgliche Manahmen
Vielfalt in Bezug auf Umfang und Zielrichtung
bereitzustellen. In der Regel werden die Hand-
der Manahmen deutlich: In Lndern, Regio-
lungsparameter durch die Strategien bestimmt.
nen, Kommunen und sogar innerhalb einzelner
Sie betonen die Bedeutung der Erziehung zu un-
Kommunen sind unterschiedliche Entwicklungs-
ternehmerischem Denken und Handeln und die
stufen zu konstatieren. Vor diesem Hintergrund
Notwendigkeit der Einbeziehung entsprechender
konnte ein Entwicklungsstufenmodell entwickelt
Manahmen in den Lehrplan und der Behandlung
werden. Dieses Modell soll
entsprechender Inhalte als eigenstndiges Unter-
a) einen konzeptionellen Gesamtrahmen bie- richtsfach (je nach Bildungsstufe); als weitere Er-
ten, in dem Handlungsschwerpunkte gesetzt fordernis wird ein umfassenderer und fundierterer
werden knnen, und Unterricht betrachtet. Wie dies im Einzelnen er-
b) die Eckpunkte bestimmen, mit denen die folgt, bleibt weitgehend den Schulen und Lehrern
Interessenvertreter die weitere Entwick- sowie mglicherweise regionalen und kommu-
lung in diesem Bereich gestalten knnen. nalen Behrden berlassen; entsprechend wichtig
sind spezifische Zielsetzungen fr alle beteiligten
Insgesamt wird mit den aktuellen Entwicklungen
Interessenvertreter sowie die Einbeziehung dieser
in Europa die Erzielung einer erheblich greren
Interessenvertreter. Im Wesentlichen geben die
Kohrenz, einer deutlich besseren Strukturierung
gegenwrtigen Strategien den Rahmen und die
und eines systematischeren Ansatzes in Bezug
Richtung vor; sie regen zu geeigneten Manahmen
auf die Erziehung zu unternehmerischem Denken
an und frdern und untersttzen die Umsetzung
und Handeln angestrebt. Die gegenwrtige Situa-
eines Entwicklungsprozesses, der sich unverndert
tion der Erziehung zu unternehmerischem Denken
weitgehend als Bottom-up-Ansatz mit berge-
und Handeln ist vor allen Dingen durch groe Un-
ordneten gemeinsamen Zielen gestaltet.
einheitlichkeit gekennzeichnet; ob jemand im Rah-
men seiner allgemeinen Bildung als wesentlichen
(b)
Vorbereitende Strategie (auf der Strategieumsetzung und konsolidierung
Phase Einleitende Strategieentwicklung Integration (Mainstreaming)
Grundlage individueller Initiative) sowie Entwicklung von Verfahren

Vorlufiger
Ausgangssituation 0-2 Jahre ca. 2-5 Jahre ca. > 5 Jahre
Zeitrahmen

Keine formale Strategie; Bercksichti- Entwicklung und Verbreitung der Strategie Spezifizierung von Lernergebnissen, Ziel- Laufende berwachung und regel-
gung der Erziehung zu unternehmeri- unter Bestimmung und Vereinbarung von setzungen, Indikatoren und Einzelzielen; mige Bewertung der Erziehung
schem Denken und Handeln allenfalls Zielen fr die Erziehung zu unternehmeri- Entwicklung von Methoden zur Bewer- zu unternehmerischem Denken und
in getrennten Strategiepapieren; schem Denken und Handeln sowie fr die tung von Lernergebnissen; Entwicklung Handeln in Bezug auf die Qualitt der
allenfalls geringfgige ressortber- Kompetenzen, Rollen und Zustndigkeiten geeigneter Qualifikationen; Angebote und die Lernergebnisse;
greifende Zusammenarbeit; wichtiger Akteure; Mechanismen zur regulren Zusam- Einfhrung von Untersttzungs-
keine oder nur ansatzweise vorhan- Mechanismen fr die Zusammenarbeit menarbeit werden auf unterschiedlichen mechanismen als Bestandteil der
dene Plattformen fr einen Dialog mit zwischen Schlsselministerien; Systemebenen eingefhrt; dabei werden tglichen Weiterentwicklung von
mageblichen Sozialpartnern. Einrichtung von Plattformen zur umfassende- die jeweiligen Rollen und Zustndigkeiten Lehrkrften und Schulen; Erziehung
ren Einbeziehung von Interessenvertretern; der verschiedenen Akteure eindeutig zu unternehmerischem Denken und
Nationale (a) Beschreibung einer Vision (und angestrebter definiert und angenommen; Handeln als vollstndig integrierter
Ergebnisse), unter Umstnden unter Abstim- Erschlieung von Finanzierungsquellen: Bestandteil der Erstausbildung smtli-
Strategie, Rahmen-
mung konkurrierender Konzepte innerhalb der Aufteilung vorgesehener Ressourcen; cher Lehrkrfte;
bedingungen Verwaltungen sowie zwischen ffentlichem Einfhrung von Untersttzungsmecha- kontinuierliche Anwendung und
und privatem Sektor usw.; nismen; Bereitstellung von Ressourcen- Verbesserung wirksamer Unterrichts-
Abbildung und Analyse von Angeboten im banken verfgbarer Lehrmaterialien, methoden;
Bereich der Erziehung zu unternehmerischem Verbreitung und umfassende Anwendung Einrichtung tragfhiger Finanzierungs-
Denken und Handeln; Bestimmung beispiel- der ermittelten effizienten Unterrichts- mechanismen.
hafter bewhrter Verfahren; methoden;
Erfassung wirksamer Unterrichtsmethoden Entwicklung einer Forschungsbasis.
und Lehrmaterialien;
Durchfhrung von Aufklrungskampagnen,
um das Interesse der Wirtschaft zu wecken;
Sensibilisierung von Lehrkrften.

Die Erziehung zu unternehmerischem Beschreibung der Rolle der Schulen in der Die Erziehung zu unternehmerischem Angebot einer hochwertigen Erzie-
Denken und Handeln ist sehr unter- Strategie Anerkennung einer zentralen Denken und Handeln erfolgt in allen hung zu unternehmerischem Denken

Bzw. regionale Strategien und Rahmenbedingungen (je nach Verwaltungsstrukturen).


schiedlich verbreitet; in erheblichem Rolle; Schulen im Rahmen des Lehrplans glei- und Handeln fr alle Schler in allen
Umfang erfolgt sie durch spontane die Erziehung zu unternehmerischem chermaen als Bestandteil des gesamten Phasen und Formen der Bildung;
Manahmen und wird eher als Er- Denken und Handeln wird in den Lehrplnen Bildungskonzepts und als eigenstndiges klare Verbindungen zwischen ver-
gnzung zum eigentlichen Lehrplan zunehmend als integrierte Gruppe von Kom- Fach; schiedenen Phasen und Formen der
betrachtet, wobei der Schwerpunkt petenzen und nicht als isoliertes Lehrfach schrittweise Begrndung von Partner- Bildung;
auf unternehmerischer Initiative im behandelt; schaften mit Unternehmen in allen schrittweise Entwicklung umfassen-
Sinne der Fhrung eines Unterneh- die Erziehung zu unternehmerischem Denken Schulen (z. B. ber Pilotprojekte); derer Verbindungen im Rahmen der
Schulen
mens gelegt wird; und Handeln muss ber den Sekundarbereich Herstellen von Verbindungen zwischen Entwicklung des lokalen Gesamtsys-
Tendenz zur Fokussierung auf den hinaus entwickelt werden (z. B. durch Aufnah- Schulen unterschiedlicher Bildungsstufen, tems fr unternehmerisches Denken
Sekundarbereich und auf bestimmte me in den Primarbereich und die Bildung von um die Erziehung zu unternehmerischem und Handeln;
Fcher; Schul-Clustern). Denken und Handeln aus dem Sekundar- Bewertung von Lernergebnissen.
allenfalls sporadische frmliche bereich auch in den Primarbereich und in
Bewertung von Lernergebnissen; den postsekundren Bereich zu berneh-
Nutzung (nicht zertifizierter) Preise men (z. B. ber Pilotprojekte).
und Auszeichnungen zur Wrdigung
besonderer Leistungen.
27
28

()
Vorbereitende Strategie (auf der Strategieumsetzung und konsolidierung
Phase Einleitende Strategieentwicklung Integration (Mainstreaming)
Grundlage individueller Initiative) sowie Entwicklung von Verfahren

Starke Abhngigkeit vom Einsatz Beschreibung der Rolle der Lehrer in der Die Lehrer machen verstrkt von auf Alle Lehrkrfte nehmen im Rahmen

ebenen ab.
einzelner Lehrer; die Erziehung zu Strategie Anerkennung einer zentralen nationaler/regionaler und lokaler Ebene ihrer Erstausbildung oder regelm-
unterneh-merischem Denken und Rolle; angebotenen Untersttzungs-mecha- iger Fortbildungen an Manahmen
Handeln erfolgt hufig auerhalb Bestimmung beispielhafter bewhrter Ver- nismen (z. B. Weiterbildungen oder zur Ausbildung im Bereich der
der Kern-Unterrichtszeit als auer- fahren fr die Weiterbildung von Lehrern Austauschplattformen) Gebrauch; Erziehung zu unternehmerischem
unterrichtliche Aktivitt; und Lehrmaterialien. Nutzung von Pilotprojekten zur Denken und Handeln teil;
die Ausbildung der Lehrkrfte erfolgt Verbreitung bewhrter Verfahren und alle Lehrer beteiligen sich an der
Lehrkrfte nur in sehr begrenztem Umfang; zur Erhhung der Anzahl der Lehrer, die Erziehung zu unternehmerischem
Fortbildungen sind allenfalls in sich fr die Erziehung zu unternehmeri- Denken und Handeln als integralem
geringem Umfang vorgesehen. schem Denken und Handeln einsetzen; Bestandteil des Lehrplans.
Angebot von Manahmen zur Ver-
mittlung von unterneh-merischen
Kompetenzen im Rahmen der Erstaus-
bildung bzw. der Weiterbildung fr alle
Lehrkrfte.

Uneinheitliche Beteiligung: einige Bercksichtigung der (potenziellen) Rolle Die lokalen Behrden spielen eine Uneingeschrnkte Beteiligung
Behrden sind am Aufbau lokaler lokaler Behrden beim Prozess der Strate- zunehmend wichtige Rolle beim Aufbau lokaler Behrden an der Organisati-
Partnerschaften beteiligt; andere gieentwicklung; von Schul-Clustern und bei der Herstel- on von Manahmen im Bereich der
sind in keiner Weise einbezogen. Entwicklung beispielhafter bewhrter Ver- lung von Verbindungen zwischen dem Erziehung zu unternehmerischem
Regionale und fahren fr Schul-Cluster und fr Partner- Bildungssektor und der Wirtschaft. Denken und Handeln;
lokale Behrden (b) schaften zwischen dem Bildungssektor und mgliche Festlegung gesetzlicher
der Wirtschaft auf lokaler Ebene. Anforderungen fr die Organisation
von Partnerschaften unter Berck-
sichtung der rumlichen Nhe von
Kommunen.

Unternehmen werden nur unregel- Bercksichtigung der Schlsselrolle von Auslotung des Potenzials zur Strkung Uneingeschrnkte Beteiligung von
mig, in unstrukturierter Form und Unternehmen und privaten Verbnden in der Rolle der Unternehmen und Unternehmen an der Erziehung zu
hufig nur aufgrund der Initiative der Strategie; privaten Verbnde in der Erziehung unternehmerischem Denken und
einzelner Eltern einbezogen; (zunehmende) Einbeziehung von Unterneh- zu unternehmerischem Denken und Handeln in allen Schulen/Hoch-
Unternehmen, von privaten Organisationen entwi- men ber Organisationen der Sozialpartner Handeln: Erweiterung und Vertiefung schulen;
ckelte Programme (z. B. durch das in die Gestaltung geeigneter Manahmen dieser Rolle; Untersttzung der Erziehung zu
private Verbnde
Netz JA YE) werden offenbar eher und in die Erziehung zu unternehmeri- systematischere Einbindung von unternehmerischem Denken und
und Organisa- ad hoc und von einzelnen Schulen schem Denken und Handeln in den Schulen. Unternehmen auf lokaler Ebene Ent- Handeln durch Unternehmen auf
tionen genutzt, sie spielen aber eine we- wicklung weg von Ad-hoc-Anstzen hin allen Ebenen zunehmend ber
sentliche Rolle bei der Vermittlung zur Einrichtung von Mechanismen zur strukturierte Anstze (z. B. durch
von Angeboten zum experimentellen Vermittlung und Einrichtung langfris- Partnerschaften zwischen Bildungs-
und praxisbezogenen Lernen. tiger, nachhaltiger Beziehungen mit einrichtungen und der Wirtschaft
Schulen. oder durch organisierte Vermittlung).

Die Rolle der regionalen und der lokalen Behrden hngt von der Verteilung der Zustndigkeiten auf den verschiedenen Verwaltungs-
29

3.2 Struktur und Inhalte des Modells gangspunkt und etwaige gnstige Rahmenbe-
dingungen sein, unter denen die vorgesehenen
Im Gesamtsystem fr die Erziehung zu unter- Entwicklungen umgesetzt werden knnen. Ent-
nehmerischem Denken und Handeln sind Wei- scheidend ist beispielsweise, in welchem Umfang
terentwicklungen in allen Bereichen erforderlich. die bentigten Freirume im Lehrplan geschaffen
Angesichts dessen wurden im Modell Schlssel- werden knnen, oder ob bereits andere Reform-
komponenten des Systems bestimmt, bei denen programme umgesetzt werden, die mglicher-
Handlungsbedarf besteht: nationale Strategien weise die Aufmerksamkeit binden, die andern-
und Rahmenbedingungen, Lehrkrfte, Schulen falls auf die Erziehung zu unternehmerischem
sowie Unternehmen, private Verbnde und Orga- Denken und Handeln verwendet werden knnte,
nisationen. In Tabelle 3.1 sind die Entwicklungs- oder umgekehrt entsprechende Anregungen ver-
schritte zusammengestellt, die das Modell fr mitteln. Im Folgenden werden die betreffenden
die verschiedenen Elemente vorsieht. In diesem Herausforderungen eingehender errtert.
Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass das
Modell zwar als allgemeines Modell angelegt ist; Auch innerhalb der Palette der verschiedenen Ele-
um die Anwendbarkeit auf die sehr unterschied- mente des Gesamtsystems fr die Erziehung zu
lichen Rahmenbedingungen in Europa sicherzu- unternehmerischem Denken und Handeln drften
stellen, wird in diesem Modell jedoch anerkannt, in den einzelnen Mitgliedstaaten kaum einheitli-
dass immer mehrere Wege zum gewnschten Ziel che Fortschritte mglich sein. In manchen Berei-
fhren. Je nach den individuellen Gegebenheiten chen werden Fortschritte leichter zu erzielen sein
werden unterschiedliche Mechanismen bentigt. als in anderen. Angesichts der Erfahrung der wei-
Nach der Vorstellung des Modells in diesem Kapi- ter fortgeschrittenen Mitgliedstaaten sind wir je-
tel wird im folgenden Kapitel eine Reihe konkreter doch der Ansicht, dass die Zeitplne einen guten
bewhrter Verfahren beschrieben, um Interessen- Anhaltspunkt dafr bieten, in welchem Umfang
vertretern die Anpassung dieses Modells an ihre Manahmen unter gnstigen Umstnden umge-
jeweiligen Bedrfnisse zu ermglichen. setzt werden knnen.11
Das Modell umfasst verschiedene Stufen: i) vor- Im Hinblick auf die letzte Phase des Modells ist
bereitende Strategie; ii) einleitende Strategieen- zu betonen, dass kein Zeitpunkt fr einen Ab-
twicklung; iii) Strategieumsetzung und konso- schluss genannt werden kann, weil dieses Mo-
lierung sowie Entwicklung von Verfahren und iv) dell eben unter anderem auch die Grundlage fr
Integration (Mainstreaming). Die Ausgangssi- eine nachhaltige Entwicklung bieten soll, d. h. fr
tuation wurde als Status quo definiert, der ohne Manahmen, die bestndig weiterentwickelt und
ein Einschreiten der Verwaltungen zur Lenkung, verbessert werden knnen. Das Modell msste
federfhrenden Begleitung und Strukturierung sich an neue Entwicklungen im wirtschaftlichen
von Entwicklungen bestehen wrde. und im sozialen Bereich anpassen knnen.
Fr jede Stufe geben wir im Folgenden poten- 3.3 Das Modell im berblick
zielle Zeitrahmen an. Allerdings ist zu betonen,
dass diese Zeitrahmen als vorlufige Angaben Insgesamt kann das Modell wie folgt beschrie-
zu verstehen sind. Whrend dieser Bericht ver- ben werden:
fasst wurde, bestanden in den Mitgliedstaaten 3.3.1 Gesamtziele
naturgem sehr unterschiedliche Situationen: Das Gesamtziel besteht darin, ein System auf-
In einigen Mitgliedstaaten war die beschriebene zubauen, mit dem schlielich allen Schlern
Ausgangssituation gegeben, andere durchliefen in allen Stufen des Bildungsprozesses eine
die ersten Stufen einer Strategieentwicklung. hochwertige Erziehung zu unternehmeri-
Auch die je nach Ausgangssituation zu erzielen- schem Denken und Handeln vermittelt wer-
den Fortschritte drften sich eher unterschiedlich den kann. In diesem Zusammenhang strebt
gestalten. Die Mitgliedstaaten knnen das Tempo das Modell Vernderungen sowohl auf der
der weiteren Entwicklung beliebig bestimmen; konzeptionellen Ebene als auch in der Praxis
mageblich hierfr werden der jeweilige Aus- der Erziehung zu unternehmerischem Denken

11 Aufgrund der Erfahrung in Schweden ist in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass die Vereinbarung einer
nationalen Strategie 15 bis 18 Monate dauern kann und zudem Zeit fr die Umsetzung der Strategie bentigt wird.
30

und Handeln an. Auf der konzeptionellen Ebe- Strategien und der betreffenden Untersttzungs-
ne sieht das Modell eine Verlagerung von der mechanismen vor. Besonders wichtig werden
Tendenz der Gleichsetzung von Erziehung zu in diesem Zusammenhang die Entwicklung von
unternehmerischem Denken mit der Vermitt- Zielsetzungen, Einzelzielen und Indikatoren sowie
lung von Informationen ber die praktische die Spezifizierung von Lernergebnissen sein. Die
Fhrung eines Unternehmens hin zu einer Beschreibung einer gemeinsamen Vision sowie
umfassenderen Definition vor, gem der die begleitender Zielsetzungen ist von wesentlicher
Menschen in allen Bereichen ihres Lebens zu Bedeutung dafr, dass innerhalb der einzelnen
unternehmerischem Denken und Handeln be- Mitgliedstaaten eine gemeinsame Zielrichtung
wegt werden sollen. Mit diesem Konzept wird an- verfolgt und sichergestellt wird, dass die vielfl-
erkannt, dass die Erziehung zu unternehmerischem tigen knftigen Manahmen auf lokaler Ebene
Denken und Handeln Lehr- und Lernprozesse in auf ein einheitliches Ziel und einen einheitlichen
vielfltiger Weise verndern, die Selbstndigkeit Zweck ausgerichtet sind. In diesem Zusammen-
der Schler durch die Befhigung zu eigenstndi- hang tragen die Beschreibung und die Bewertung
gem Lernen strken, hierarchische Beziehungen in von Lernergebnissen entscheidend dazu bei, dass
Schulen reduzieren und Bildungseinrichtungen fr die Schler die erforderlichen unternehmerischen
Einflsse aus der Wirtschaft ffnen kann. Kompetenzen insbesondere in den frheren Bil-
dungsstufen erwerben, in denen die Erziehung
Dieses Konzept steht in engem Zusammenhang
zu unternehmerischem Denken und Handeln als
mit einem Wandel auch im praktischen Bereich,
fcherbergreifende Manahme nicht nur theo-
der ebenfalls ein zentrales Anliegen dieses Mo-
retisches Lernen, sondern vor allem auch experi-
dells ist. Fr die Praxis sieht das Modell eine n-
mentelles Lernen anhand von Projekten, Fallstu-
derung dahingehend vor, dass Erziehung zu
dien usw. beinhaltet, die den Schlern das Gefhl
unternehmerischem Denken und Handeln
vermitteln, tatschlich etwas erreicht und reali-
nicht mehr als zustzliche Ergnzung
ttsnahe Situationen kennengelernt zu haben.
des Lehrplans betrachtet wird, die meist erst
Bewertungen sind in diesem Zusammenhang
in den spteren Phasen der Pflichtschulzeit an-
auch wichtig, um den bergang zur Erziehung zu
geboten wird, sondern sich als wesentlicher
unternehmerischem Denken und Handeln als ei-
Bestandteil des Lehrplans in allen Bildungs-
genstndigem Fach in den spteren Bildungsstu-
stufen entwickelt. Bei einem derartigen Sze-
fen (z. B. im Sekundarbereich II) zu befrdern. We-
nario soll die Erziehung zu unternehmerischem
sentliche Voraussetzung fr diese Entwicklungen
Denken und Handeln bereits in den ersten Jahren
wird eine weitere Verbesserung von Verfahren
des Bildungsprozesses vom Primarbereich bis
zur ressortbergreifenden Zusammenarbeit und
in den Sekundarbereich I Schlern die Grund-
zur Einbeziehung der Sozialpartner mit dem Ziel
lagen dafr vermitteln, dass sie das Fach Unter-
sein, gut strukturierte und organisierte Plattfor-
nehmerisches Denken und Handeln spter (z. B.
men fr die Umsetzung und die Weiterentwick-
ab dem Sekundarbereich II) als eigenstndiges
lung entsprechender Strategien bereitzustellen.
Fach belegen knnen.
Diese Mechanismen tragen gemeinsam ma-
3.3.2 Die entscheidenden Phasen geblich dazu bei, Entwicklungen an der Basis
Wie diese Ziele erreicht werden knnen, wird anzustoen und zu frdern.
anhand der einzelnen fr die verschiedenen
Im Hinblick auf die Praxis und die Vermittlung sol-
Elemente des Modells vorgesehenen Phasen
len gem dem Modell Schulen, Lehrer und Un-
oder Etappen aufgezeigt. In diesem Zusam-
ternehmen auf lokaler Ebene, untersttzt durch
menhang ist es mglicherweise hilfreich, zwi-
private Verbnde und Organisationen, entschei-
schen der Manahmen-/Strategieebene einer-
dend zur Entwicklung systematischerer Anstze
seits und der Ebene der Vermittlung und der
fr die Erziehung zu unternehmerischem Denken
Praxis andererseits zu unterscheiden.
und Handeln beitragen. Sie sollen die lokalen und
Auf der Manahmen-/Strategieebene12 sieht regionalen Strukturen entwickeln und langfristige
das Modell die Weiterentwicklung nationaler Beziehungen aufbauen, die als Grundlage fr die

12 Gemeint ist die Ebene der rechtlichen Zustndigkeit; in der Regel ist dies die nationale Ebene; in Lndern mit stark dezen-
tralen Verwaltungssystemen (z. B. Spanien oder Deutschland) knnen dies aber auch regionale Behrden sein.
31

weitere Entwicklung des Gesamtsystems fr die Daher sollen im Folgenden in verschiedenen Be-
Erziehung zu unternehmerischem Denken und reichen Herausforderungen auf der Ebene nati-
Handeln dienen; auerdem werden diese Akteure onaler Strategien beschrieben werden.
mageschneiderte Lsungen fr die jeweiligen
3.4.1 Finanzierung
lokalen Gegebenheiten erarbeiten. Dabei werden
Die Finanzierung von Manahmen im Bereich
sie eine breite Palette von Werkzeugen benti-
der Erziehung zu unternehmerischem Denken
gen, die auf nationaler und regionaler Ebene ent-
und Handeln ist bislang tendenziell immer eher
wickelt wurden. Dazu zhlen die Entwicklung von
auerhalb der allgemeinen Finanzierung des
Bildungsangeboten fr die Lehrer, Wissensban-
Bildungssystems durch die Untersttzung priva-
ken mit Lehrmitteln und Werkzeugen sowie Me-
ter Organisationen wie z. B. des Netzes Junior
chanismen zur Verbreitung bewhrter Verfahren.
Achievement oder durch die Finanzierung zeitlich
Auf diese Weise wird die Entwicklung ber die ge-
befristeter Projekte erfolgt. Diese Finanzierungs-
samte Bandbreite des Gesamtsystems (auf nati-
quellen sind jedoch eher instabil. Das skizzierte
onaler, regionaler und lokaler Ebene) untersttzt.
Entwicklungsstufenmodell beinhaltet eine erheb-
3.4 Auswirkungen des Modells: liche Ausweitung der Manahmen. In Diskussio-
Herausforderungen und Chancen nen ber die Erziehung zu unternehmerischem
der knftigen Entwicklung Denken und Handeln wird zwar hufig die Not-
wendigkeit einer Einbeziehung in den Lehrplan
Die Umsetzung einer nationalen Strategie im betont, jedoch haben die Reflexionsgremien auch
Bereich der Erziehung zu unternehmerischem Belege fr die Bedeutung einschlgiger auer-
Denken und Handeln geht naturgem mit ver- unterrichtlicher Manahmen vorgelegt. Entspre-
schiedenen potenziellen Herausforderungen und chend knnte sich in diesem Bereich ein umfang-
Chancen einher. Die wichtigsten voraussichtli- reicherer und konkreterer Finanzierungsbedarf
chen Herausforderungen und Chancen sollen in ergeben. Finanzierungsquellen werden daher ein
diesem Abschnitt errtert werden. wichtiges Thema fr weitere Schritte der Verwal-
Wie bereits angemerkt ist die Erziehung zu unter- tungen sein: Stabilere und langfristiger orientier-
nehmerischem Denken und Handeln insgesamt te Finanzierungsstrme werden erforderlich sein,
nicht nur mit einer Reihe komplexer Herausforde- damit in allen Schulen im geforderten Umfang
rungen verbunden; hinzu kommt, dass in jedem Manahmen im Bereich der Erziehung zu unter-
Land jeweils eigene nationale Bedingungen zu nehmerischem Denken und Handeln angeboten
bercksichtigen sind. Aus Sicht der Unternehmen werden knnen. Eine entscheidende Bedingung
beispielsweise bestehen betrchtliche Unterschie- fr die knftige Entwicklung wird die strkere
de in Bezug auf Faktoren wie etwa den Anteil der Profilierung auf nationaler politischer Ebene sein.
Firmengrndungen, die Einstellung gegenber Auch die lokalen und regionalen Behrden kn-
dem Schritt in die Selbststndigkeit und die Anfor- nen bestimmte Funktionen bernehmen etwa
derungen bei der Grndung eines Unternehmens. durch die Beteiligung an der Koordinierung von
Auch im Hinblick auf die Erziehung zu unterneh- Finanzierungsmodellen, durch die Zusammenar-
merischem Denken und Handeln knnen sich beit mit dem privaten Sektor und/oder durch den
komplexe Fragestellungen ergeben; diese Fragen Abruf von EU-Mitteln (z. B. aus dem Europischen
stehen mit der ffentlichen Einstellung gegenber Sozialfonds (ESF) oder im Rahmen von Program-
unternehmerischem Verhalten sowie mit dem men im Bereich des lebenslangen Lernens).
Stellenwert unternehmerischer Initiative inner- 3.4.2 Entwicklung von Zielsetzungen,
halb der nationalen Bildungsprioritten und der Indikatoren und Einzelzielen
Bildungshierarchie in Zusammenhang. Hinsichtlich Eine weitere Herausforderung auf nationaler Ebe-
der Einbeziehung der Erziehung zu unternehme- ne wird die Entwicklung von Zielsetzungen,
rischem Denken und Handeln in die Schulbildung Indikatoren und Einzelzielen sowie von geeig-
kann es allgemein geboten sein, diesbezglich neten Instrumenten zur adquaten Messung und
auch bei den Eltern der Schler zu werben, um Bewertung von Fortschritten bei der Umsetzung
eine positivere Einstellung herbeizufhren. der entsprechenden Manahmen sein. Fr ein der-
32

art komplexes Manahmenpaket zur Vermittlung neue Entwicklungschancen zu ermglichen.


und zum Erlernen unternehmerischer Initiative Bislang haben sich Manahmen weitgehend je-
steht diese Aufgabe noch bevor; wie im folgenden weils auf bestimmte Bildungsformen bzw. -stu-
Abschnitt erlutert, sind in diesem Bereich noch fen beschrnkt; Brcken wurden eher selten
keine groen Fortschritte zu verzeichnen. Bewhr- geschlagen. Insoweit werden diese Angebote
te Verfahren mssen insbesondere dort entwi- meist eher als Einzelmanahmen und weniger
ckelt werden, wo unternehmerische Kompetenzen im Rahmen einer strukturierten Bildungslauf-
sichtbar gemacht werden mssen. bahn durchgefhrt. Dies ist heute allerdings ein
verbreitetes Problem im Bildungssektor: Neuere
3.4.3 Unterrichtsmethoden
Arbeiten haben zwar gezeigt, dass die Schler in
Das Modell beinhaltet eine wichtige Verlagerung
den meisten Systemen nur selten in strukturell
weg von traditionellen Lehrmethoden hin zu
bedingte Sackgassen geraten; die Einfhrung
neuen Formen des Unterrichts, bei denen expe-
von Bildungslaufbahnen muss jedoch aktiver un-
rimentelles Lernen in realen Situationen strker
tersttzt werden. Dies gilt auch fr die Erziehung
im Vordergrund steht und bei denen die Sch-
zu unternehmerischem Denken und Handeln; in
ler aktiver an der Gestaltung ihrer persnlichen
diesem Bereich drfte die Herausforderung al-
Bildung mitwirken. Durch diese Methoden ent-
lerdings noch grer sein, wenn die Erziehung zu
wickeln Schler die Kompetenz zum eigenstn-
unternehmerischem Denken und Handeln in den
digen, selbstbestimmten und heuristischen Arbei-
allgemeinen Lehrplan einbezogen werden soll.
ten und Lernen. Sie gewinnen zudem das Gefhl,
Die Entwicklung nationaler Qualifikationsrahmen
tatschlich etwas erreicht zu haben und strken
auf der Grundlage des Konzepts der Lernergeb-
ihr Selbstvertrauen. Diese Vorstellungen sind na-
nisse des europischen Qualifikationsrahmens
trlich nicht neu, und die entsprechende Verlage-
erffnet entsprechende Mglichkeiten.
rung entspricht einem allgemeinen Trend im Bil-
dungswesen. In Verbindung mit der Erziehung zu 3.4.5 Bewertung, Validierung und
unternehmerischem Denken und Handeln bieten Anerkennung
sie jedoch eine Mglichkeit, die Entwicklung all- Diese Werkzeuge bieten auch die Mglichkeit der
gemeiner Kompetenzen wie z. B. Eigeninitiative, Entwicklung von Bewertungs-, Validierungs-
Innovationskraft, Risikobereitschaft und Kreativi- und Anerkennungsprozessen, die in der Erzie-
tt zu frdern. Dazu mssen die Lehrer eine neue hung zu unternehmerischem Denken und Han-
Rolle einnehmen: Sie mssen sich von der Rolle deln zurzeit noch eher selten sind. Die Bewertung
des Vortragenden hin zur Rolle des Coachs oder von Lernergebnissen bei der Erziehung zu unter-
Mentors entwickeln. Anfangs stehen die Lehrer nehmerischem Denken und Handeln ist ein ent-
der Erziehung zu unternehmerischem Denken scheidender Aspekt, wenn die Ergebnisse ber die
und Handeln mglicherweise skeptisch gegen- Schulen hinaus sichtbar gemacht werden sollen.
ber, weil sich derartige Angebote bislang immer Wie bereits erlutert, wird diesbezglich gegen-
eher darauf beschrnkten, den Schlern Informa- wrtig auf Preise und Auszeichnungen von Ein-
tionen ber Wirtschaft zu vermitteln; dieser neue richtungen auerhalb der Schulen gesetzt. Hufig
Ansatz wird allgemein jedoch einmal erklrt genieen diese Einrichtungen in der Gesellschaft
gut aufgenommen. Die Lehrer erkennen im neu- insgesamt ein gewisses Ansehen vielfach auch
en Ansatz die Chance, die ntigen nderungen im innerhalb der Wirtschaft; bestimmte Themen be-
Unterrichtsbetrieb herbeizufhren und die Leh- drfen jedoch der Entwicklung systematischerer
rer-Schler-Beziehung zu verbessern. Trotzdem Anstze. Angesichts ihrer Bedeutung auf dem Ar-
werden diese Entwicklungen Zeit brauchen und beitsmarkt kommt der Anerkennung erworbener
vom langfristigen Engagement der jeweiligen unternehmerischer Kompetenzen in Unterneh-
nationalen Behrden abhngen. men groe Bedeutung zu; die Anerkennung in der
Wirtschaft muss durch die Entwicklung geeigne-
3.4.4 Entwicklungschancen
ter Verfahren untersttzt werden.
Auf nationaler Ebene wird sich auch die Heraus-
forderung stellen, die verschiedenen Bildungsfor-
men und -stufen miteinander zu verzahnen, um
33

3.4.6 bergang von der Schule zum Bereitschaft von Unternehmen auf lokaler Ebene
Unternehmen zur Bereitstellung entsprechender Angebote fr
Eng mit diesem Aspekt verwandt und bisher nur die Schler. Die Systematisierung der Erziehung
wenig beachtet ist der bergang von Schule in zu unternehmerischem Denken und Handeln geht
das Berufsleben bzw. in diesem Kontext der mit erhhten Anforderungen an die Unternehmen
bergang von der Schule zum Unternehmen. einher; diese Anforderungen knnen insbesonde-
In ganz Europa werden verschiedene Verfahren re bei ungnstiger Wirtschaftslage durchaus eine
zur Frderung von Unternehmensgrndungen ge- Herausforderung darstellen. In diesem Zusam-
nutzt, und es bestehen unterschiedliche Mglich- menhang sind systematischere Anstze fr die
keiten zur Knpfung von Beziehungen zwischen Gewinnung lokaler Unternehmen fr eine Mit-
neu gegrndeten Unternehmen und Schulen, arbeit wichtig, um zum einen die Anforderungen
Kollegs und Anbietern von Bildungsmanahmen, auf mglichst viele Schultern zu verteilen und um
um den Weg zur Grndung eines eigenen Unter- zum anderen ebenso wie bei den Lehrkrften
nehmens klarer zu beschreiben, wenn die Schler sicherzustellen, dass Bereitschaft und Engage-
ihre allgemeine oder berufliche Ausbildung abge- ment der Akteure erhalten bleiben.
schlossen haben.
Erfahrungsgem ist davon auszugehen, dass
3.4.7 Ausbildung und Einbeziehung von lokale und regionale Wirtschaftsverbnde eine
Lehrern wichtige Rolle in diesem Prozess spielen knnen,
Fr die Lehrer wird eine Herausforderung darin indem sie Partnerschaften mit lokalen und regi-
bestehen, dafr zu sorgen, dass sich systemati- onalen Behrden knpfen, um die Arbeit einzel-
sche Anstze grundstzlich das Engagement der ner Schulen und Unternehmen zu frdern und zu
Lehrkrfte zunutze machen, das auch weitgehend ergnzen. Dies drfte in einigen Lndern leichter
Grundlage der bisherigen Praxis war. Dies knnte gelingen als in anderen. Deutschland beispiels-
sich als schwierig erweisen: Hufig ist die gegen- weise verfgt ber ein gewachsenes Netz von
wrtige Situation durch Einsatzbereitschaft und als ffentlich-rechtliche Krperschaften gefhr-
freiwillige zustzliche Arbeit der Lehrer ber das ten Handelskammern und ist den bestehenden
eigentliche Deputat hinaus gekennzeichnet; die Herausforderungen insoweit vermutlich besser
systematische Unterrichtung eines Themas drfte gewachsen als ehemalige sozialistische Lnder.
weitere Fragen hinsichtlich der Verfgbarkeit der
3.4.9 Systematische Einbeziehung privater
bentigten Zeit und der erforderlichen Mittel auf-
Verbnde und Organisationen
werfen. Auerdem wird eine Reihe von Rahmenbe-
Fr private Verbnde und Organisationen,
dingungen zu bercksichtigen sein z. B. die ber-
die in vielen Lndern im Hinblick auf derartige
alterung auf dem Arbeitsmarkt in vielen Lndern
Entwicklungen eine so wichtige Rolle gespielt
und die verbreiteten Probleme bei der Deckung
haben, setzen systematischere Anstze fr die
des Personalbedarfs in diesem Sektor. Durch die
Erziehung zu unternehmerischem Denken und
Auswirkungen auf die Art des Unterrichts kann
Handeln die Ausweitung der bisherigen Ma-
die Erziehung zu unternehmerischem Denken und
nahmen voraus. Viele dieser Organisationen
Handeln allerdings ein Mittel zur Weiterentwick-
haben sich in den letzten Jahren betrchtlich
lung von Unterrichtsverfahren und -umgebungen
weiterentwickelt und bieten inzwischen um-
sein, das die Attraktivitt dieses Berufsbildes fr
fangreiche Manahmenprogramme an. Ange-
Berufseinsteiger erhht. Wichtig ist auch, dass die
sichts beschrnkter Mglichkeiten zur Beschaf-
Lehrkrfte durch eine angemessene und hochwer-
fung von Investitionskapital zur Finanzierung
tige Ausbildung untersttzt werden.
neuer Anstze in einer durch auerordentlichen
3.4.8 Systematische Einbeziehung der finanziellen Druck gekennzeichneten Umgebung
Wirtschaft ist fr die Organisationen jedoch hufig bereits
ber den Bildungssektor hinaus wird das Mo- die Aufrechterhaltung ihrer eigentlichen Aktivi-
dell aber auch nderungen auf Seiten der Wirt- tten schwierig. Mithilfe von Strategien fr die
schaft bewirken. Das bis vor kurzem noch vor- Erziehung zu unternehmerischem Denken und
herrschende Ad-hoc-Modell beruhte auf der Handeln muss ausgelotet werden, welche Rolle
34

die Verbnde bei der weiteren Entwicklung des 3.4.10 Die Rolle lokaler, regionaler und
Gesamtsystems fr die Erziehung zu unterneh- nationaler Behrden und die Rolle
merischem Denken und Handeln auf Dauer spie- der Europischen Kommission
len knnten; auerdem muss geklrt werden,
Allgemein betrachtet besteht auf der lokalen
wie sich der steigende Bedarf auf die Verbnde
bzw. regionalen Ebene viel Raum fr eine inten-
auswirken knnte und wie Vereinbarungen zur
sivere Untersttzung der angestrebten Zusam-
Finanzierung der laufenden Verbandsarbeit am
menarbeit zwischen dem Bildungssektor und
besten gestaltet werden knnen. In diesem Be-
der Wirtschaft. Unter Entwicklung lokaler oder
reich bestehen vielversprechende Mglichkeiten;
regionaler Untersttzungszentren knnen
die zu bewltigenden Herausforderungen liegen
Untersttzungsmanahmen auf den Ebenen
wahrscheinlich jedoch eher in der Art und Wei-
angeboten werden, auf denen sie von Schulen,
se einer nachhaltigen Finanzierung des dritten
Lehrern und Schulen am besten genutzt werden
Sektors insgesamt als in der grundstzlichen
knnen.
Bereitschaft, sich auf die Erziehung zu unterneh-
merischem Denken und Handeln einzulassen.13 Im Hinblick auf diese Herausforderungen und
Chancen werden Manahmen nationaler oder
regionaler Verwaltungen zwar hufig von Vor-
teil sein, die Mitgliedstaaten knnen jedoch in
verschiedenen Bereichen auch von der Euro-
pischen Kommission untersttzt werden.
Diese Bereiche werden im abschlieenden Ka-
pitel dieses Berichts behandelt.

13 Siehe Lloyd P. E (2007), The Social Economy in the New Political Context, in: Noya, A. und Clarence, E., The Social
Economy: Building Inclusive Economies, Kapitel 2, OECD, Paris.
35

Entwicklung wirksamer
politischer Manahmen
und Verfahren:
Anwendung bewhrter Verfahren zur
Befrderung weiterer Fortschritte

Kapitel 4 die wichtigsten Punkte tbergreifende Koordinierung trgt ebenfalls


im berblick entscheidend zum Erfolg bei. Wichtig ist ferner
die Abstimmung mit Interessenvertretern und
Nationale Strategien fr die Erziehung zu un- den Sozialpartnern. Bei Prozessen zur Einbe-
ternehmerischem Denken und Handeln ms- ziehung dieser Akteure sind die jeweils unter-
sen einige Schlsselelemente beinhalten, da- schiedlichen Hintergrnde, Perspektiven und
runter die ressortbergreifende Einbindung, Kompetenzen zu bercksichtigen.
die Konsultation von Interessenvertretern, um
eine mglichst breit gefcherte Beteiligung zu Lehrer als erfolgsentscheidender Faktor: Lehrer
gewhrleisten, die Einbeziehung von Kernkom- sind auf geeignete Untersttzung angewiesen:
petenzen auf allen Ebenen nationaler Lehrpl- auf fundierte Forschungen, um die Vorstellun-
ne, bergeordnete strategische Vorgaben und gen und Konzepte der Lehrer im Hinblick auf die
Zielsetzungen und begleitende berwachungs- Erziehung zu unternehmerischem Denken und
systeme sowie Einzelziele und Indikatoren, be- Handeln zu verstehen, auf effiziente Angebote
whrte Verfahren, Weiterbildung von Lehrern, fr die Aus- und Weiterbildung von Lehrern und
das Erschlieen von Entwicklungspotenzialen auf stndige Untersttzung z. B. durch Instru-
und die Bereitstellung von Finanzmitteln. mente fr den Austausch bewhrter Verfahren,
durch Wissensbanken, durch geeignete Tools
In fnf Schlsselbereichen des Entwicklungs- und Ressourcen oder durch die Einrichtung
stufenmodells knnen bewhrte Verfahren die wirksamer Untersttzungsnetze.
gewnschten Entwicklungen frdern:
Einbeziehung von Unternehmen sowie priva-
Entwicklung des nationalen politischen Rah- ten Verbnden und Organisationen: Unter-
mens: In der Regel sind zwar in erster Linie die nehmen knnen Beispiele und Erfahrungen
Bildungsministerien zustndig, aber auch die aus der Praxis einbringen, die fr die Ausbil-
Ministerien fr Wirtschaft, Unternehmen und dung der Schler von grundlegender Bedeu-
Handel spielen eine tragende Rolle; die ressor- tung sind. Eine entsprechende Vermittlung
36

knnte etwa durch Besuche, durch Praktika, 4.1 Einleitung


anhand von Fallstudien oder mithilfe von
Rollenmodellen erfolgen; auerdem knnen Im vorstehenden Kapitel haben wir ein Entwick-
Unternehmen die Arbeit privater Verbnde lungsstufenmodell erlutert, das die Storich-
und Organisationen wie z. B. der Netze Ju- tung fr die Entwicklung von Strategien fr die
nior Achievement-Young Enterprise (JA YE) Erziehung zu unternehmerischem Denken und
und EUROPEN untersttzen, die bei der Be- Handeln und fr die Umsetzung dieser Strate-
reitstellung von Angeboten fr praktisches, gien vorgibt. In diesem Kapitel sollen nun einige
experimentelles Lernen eine wichtige Rolle Schlsselelemente des Modells untersucht und
spielen (z. B. Mini-Unternehmen und virtuelle eine Reihe bewhrter Verfahren vorgestellt wer-
Unternehmen). den, um Interessenvertreter in ihrem Bemhen
um weitere Fortschritte zu untersttzen.
Entwicklung einer aktiven Rolle der lokalen
und regionalen Behrden: Die lokalen und Wie bereits erlutert, befinden sich die meis-
regionalen Behrden knnen Untersttzungs- ten Lnder noch in den frhen Phasen des Ent-
manahmen fr Schulen und Lehrer ent- wicklungsstufenmodells. Daher werden fr die
wickeln und sind in besonderer Weise in der spteren Phasen weniger Verfahrensbeispiele
Lage, beim Aufbau von Schul-Clustern und bei angefhrt als fr die frheren Phasen. Dies gilt
der Vernetzung von Ausbildungseinrichtun- insbesondere fr Bereiche wie die Festlegung von
gen und der Wirtschaft eine fhrende Rolle zu Zielsetzungen, Einzelzielen und Indikatoren und
bernehmen. Auerdem knnen sie sicherstel- die Definition von berwachungs- und Bewer-
len, dass die Erziehung zu unternehmerischem tungsverfahren. In Bereichen wie diesen mssen
Denken und Handeln in weitere lokale bzw. bewhrte Verfahren entwickelt und begleitend
regionale Strategien einbezogen wird (z. B. in zur knftigen Entwicklung verbreitet werden; wie
die Bereiche Soziales (Jugend usw.) und Wirt- im abschlieenden Kapitel erlutert, kommt den
schaftsfrderung). Mitgliedstaaten und der Europischen Kommis-
sion eine wichtige Rolle bei der Einrichtung ent-
Wirksame Erziehung zu unternehmerischem sprechend geeigneter Mechanismen zu. Diese
Denken und Handeln in den Schulen: Aufbau Mechanismen knnen einen wichtigen Beitrag
des lokalen und regionalen Gesamtsystems zur weiteren Entwicklung des Modells leisten. Wie
fr die Erziehung zu unternehmerischem bereits betont, sollte das Modell eher als Rahmen
Denken und Handeln: Das eigentliche Ziel des und weniger als starre Vorgabe betrachtet wer-
Entwicklungsstufenmodells besteht darin, den; in diesem Zusammenhang spielen alle Inter-
dass smtliche Schulen auf allen Ebenen in essenvertreter eine wichtige Rolle bei der Gestal-
die Erziehung zu unternehmerischem Denken tung des Modells im Laufe der nchsten Jahre.
und Handeln einbezogen werden und dass
klare Bezge zwischen den verschiedenen Bil- In diesem Kapitel betrachten wir zunchst die
dungsstufen und -formen hergestellt werden; fr nationale Strategien unabdingbaren Schls-
auerdem sollen umfassendere Zusammen- selelemente, bevor wir uns bewhrten Verfah-
hnge im Rahmen des Aufbaus so genannter ren in folgenden Bereichen zuwenden:
lokaler Gesamtsysteme fr unternehmeri- Entwicklung des nationalen politischen
sches Denken und Handeln entwickelt werden. Rahmens,
Die entsprechenden Manahmen knnen da-
Lehrkrfte,
mit beginnen, dass Schulen eigene kohrente
Anstze bei der Erziehung zu unternehmeri- Unternehmen sowie private Verbnde und
schem Denken und Handeln entwickeln und Organisationen,
experimentelle Lernumgebungen schaffen;
lokale und regionale Behrden sowie
anschlieend knnen durch die Bildung von
Clustern und die Begrndung von Partner- Schulen und die Entwicklung lokaler Ge-
schaften umfassendere Verbindungen herge- samtsysteme fr die Erziehung zu unter-
stellt werden. nehmerischem Denken und Handeln.
37

EHinsichtlich der zu entwickelnden Praxis be- 4.2 Schlsselelemente einer


stehen betrchtliche berschneidungen zwi- nationalen Strategie
schen diesen Kategorien, und bewhrte Ver-
fahren in einem Bereich sind teilweise auch fr Anhand des Entwicklungsstufenmodells konn-
andere Bereiche relevant. ten die wichtigsten Elemente herausgearbeitet
werden, die in eine nationale Strategie fr die
Wie bereits am Anfang des Berichts festge- Erziehung zu unternehmerischem Denken und
stellt, stand die Hochschulbildung nicht im Handeln einbezogen werden mssten. In Ab-
Zentrum des Interesses der Reflexionsgruppen; bildung 4.1 sind diese Elemente in einem Dia-
dieser Bereich wurde jedoch als eine horizon- gramm dargestellt; in Tabelle 4.1 werden diese
tale Dimension bercksichtigt, und in den ver- Elemente detaillierter erlutert.
schiedenen Abschnitten wird gegebenenfalls
entsprechend Bezug genommen.

UNTERSTTZUNG
DURCH DIE
EUROPISCHE
FINANZIERUNGS-ASPEKTE:
KOMMISSION ARBEITSGRUPPE
INTERESSEN-
ANBIETER DIREKTER FINANZIERUNGEN FR
FORSCHUNGSBASIS VERTRETER?
SCHULEN
ABSTIMMUNG VON FINANZIERUNGSMODELLEN
HANDELS- ANBIETER
KAMMER EUDH/NRO NUTZUNG EUROP. MITTEL
Strukturfonds/ESF usw.

NATIONALES BILDUNGS-
WIRTSCHAFT
MINISTERIUM FR SEKTOR
WIRTSCHAFTS-
FRDERUNG

NATIONALE BETEILIGUNG
EBENE NATIONALES VISION UND VON INTERVENTIONS- VERBREITUNG
MINISTERIUM BILDUNGS- EVALUATION
FEDER-
MINISTERIUM ZIELSETZUNGEN INTERESSEN- ANSATZ DER STRATEGIE
FHREND?
VERTRETERN

WEITERE KONKRETE FACHBEZOGENE. ENTWICKLUNG


BETEILIGTE SCHLSSEL- UND FCHER- ENTWICKLUNG VON VON INDIKATOREN
ZIELE ASPEKTE INDIKATOREN UND (fr hard und
MINISTERIEN BERGREIFENDE
(HOCHSCH., BILDUNG, ZEITPLAN soft skills)
Anreize fr EUDH
JUGEND/FAMILIEN) (fr hard und
Beteiligung von
Unternehmen? soft skills)
BESTIMMUNG UND
BERCKSICHTIGUNG UNTERSTTZT DURCH ENTWICKLUNG
Einrichtung LEHRER-
VON KERN- Interessenvertr.- AKTIVE UNTERRICHTSME- AUSBILDUNG UND
KOMPETENZEN Arbeitsgruppe? THODE ZUR SCHAFFUNG STANDARD-
VERFAHREN
EINER GEEIGNETEN
Rahmen fr die
den Austausch von LERNUMGEBUNG
BESTREBEN, Wissen und Lern-
EUDH IN NATIONALEN prozessen zwischen
LEHRPLAN Interessen-
AUFZUNEHMEN vertretern? NENNUNG BEW. VERFAHREN
Lernmaterial, Aktivitten

NATIONALE STRATEGIE ERZIEHUNG ZU UNTERNEHMERISCHEM DENKEN U. HANDELN (EUDH) MGLICHST ZU BERCKSICHTIGENDE ELEMENTE

Abbildung 4.1: Elemente einer nationalen Strategie fr die Erziehung zu unternehmerischem Denken
und Handeln
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Tabelle 4.1: Die wesentlichen Elemente einer idealen nationalen Strategie fr die Erziehung zu
unternehmerischem Denken und Handeln
Schlsselelement Beschreibung

1. Eine vereinbarte Nach Mglichkeit sollte der Begriff Erziehung zu unternehmerischem Denken und
Begriffsbestimmung Handeln beziehungsweise Frderung von Unternehmergeist und Eigeninitiative im
Was ist Erziehung zu un- Unterricht aus der Oslo-Agenda (c) und dem Small Business Act abgeleitet werden;
ternehmerischem Denken dabei sollte allerdings bercksichtigt werden, dass auf nationaler Ebene Unterschie-
und Handeln (Entrepre- de auftreten knnen, insbesondere im Kleingedruckten (d. h. im Hinblick auf unter-
neurship Education)? schiedliche Gewichtungen entsprechend den jeweiligen nationalen Bedrfnissen bzw.
gem dem kulturellen Hintergrund, der Stellung eines Landes usw.).

2. Ressortbergreifende Bei der Entwicklung einer nationalen Strategie sollten alle mageblichen Ministerien
Einbeziehung beteiligt werden. Der Prozess der Strategieentwicklung kann allerdings mglicherwei-
aller Ministerien se dynamischer gestaltet werden, wenn ein einziges Ministerium die Federfhrung
als magebliche bernimmt. Insbesondere Ministerien mit bereichsbergreifender Zustndigkeit sowie
Interessenvertreter die unmittelbar fr Unternehmen oder Bildung zustndigen Ministerien mssen
einbezogen und konsultiert werden.

3. Konsultation von Wichtig ist auch die frhzeitige Konsultation von NRO, Lehrern und Unternehmen.
Interessenvertretern, Insbesondere sollten Manahmen im Bildungsbereich an den Erfahrungen und Bei-
um eine mglichst breit trgen von Lehrkrften orientiert werden. Durch geeignete Bestimmungen sollte eine
gefcherte Beteiligung aktive Konsultation bereits frhzeitig im Prozess der Strategieentwicklung sicherge-
und ein mglichst um- stellt werden, und eine Arbeitsgruppe der Interessenvertreter sollte in dieser Phase
fassendes Verstndnis des Prozesses die bentigte Untersttzung bieten.
zu gewhrleisten

4. Einbeziehung von Nationale Strategien sollten die fcherbergreifende Bercksichtigung der Erziehung
Kernkompetenzen auf zu unternehmerischem Denken und Handeln sowie ggf. auch die Aufnahme der
allen Ebenen nationaler Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln in die nationalen Lehrplne
Lehrplne der einzelnen Mitgliedstaaten frdern. Die Strategien sollten eher auf den Erwerb
von Kernkompetenzen (d. h. der fr unternehmerisches Verhalten charakteristischen
Kompetenzen und sonstigen Qualifikationsmerkmale) durch experimentelles Lernen
denn auf die Beschreibung der eigentlichen Schritte zur Frderung unternehmeri-
scher Kompetenzen und Verhaltensweisen ausgerichtet sein.

5. bergeordnete stra- Die nationalen Strategien sollten visionr gestaltet werden und strategische Vorga-
tegische Vorgaben und ben und Zielsetzungen auf allen Bildungsebenen bercksichtigen; dabei sollten alle
Zielsetzungen mageblichen Interessenvertreter einbezogen werden.

6. Einbeziehung Die Europische Kommission kann eine wichtige Rolle spielen, indem sie die Fhrung bei
ermittelter bewhrter der Ermittlung und dem Austausch bewhrter Verfahren in der Erziehung zu unterneh-
Verfahren zur Unter- merischem Denken bernimmt. Bewhrte Verfahren spielen auch in nationalen Strategi-
sttzung der Strategie en eine Schlsselrolle, indem sie in berzeugender Weise veranschaulichen, wie sich die
Entwicklung effizienter Unterrichtsverfahren in der Praxis gestaltet.

Ausbildung der Lehrer Die Ausbildung der Lehrkrfte ist von entscheidender Bedeutung. Erstens frdert sie die
Anerkennung des Konzepts der Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln als
Manahme zur Vermittlung einer Reihe breiterer Kernkompetenzen im Gegensatz zur blo-
en Vermittlung von Informationen eingeschrnkt auf die Fhrung eines Unternehmens.
Wenn dieser Zusammenhang erst einmal erlutert wurde, stehen die Lehrer dieser Vorstel-
lung erfahrungsgem positiv gegenber. Zweitens erhalten die Lehrer das erforderliche
Rstzeug fr die Einbeziehung experimentellen Lernens in ihre Unterrichtspraxis und fr
die Entwicklung einer neuen Coach-/Mentoren-Beziehung zu den Schlern.

Die Oslo-Agenda Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln, Europische Kommission 2007.
(c)
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8. Entwicklung einer Die klare Beschreibung der Ziele nationaler und regionaler Strategien sowie der
logischen Kette unter jeweiligen Lernziele ist entscheidend fr eine effiziente Umsetzung. Die Entwicklung
Bercksichtigung von logischer Ketten (siehe z. B. Abbildung 2.2) ist ein wichtiger Schritt. Gleichzeitig soll-
Indikatoren, Manah- ten Einzelziele und Indikatoren fr die berwachung und Bewertung der Fortschritte
men und Leistungen, definiert werden. In diesem Bereich bleibt selbst in Lndern, die bei der Entwicklung
Lernzielen und Ergeb- und der Umsetzung ihrer Strategien bereits verhltnismig weit fortgeschritten
nissen sind, noch Betrchtliches zu leisten.

9. Strategien zum Nach Mglichkeit sollten die Strategien den gesamten Bildungszyklus abdecken;
Nachweis von Fort- dabei sollten der Aspekt des lebenslangen Lernens und der Erwerb von Kernkompe-
schritten vom Prim- tenzen im Mittelpunkt stehen. Strategien knnen zeigen, wie sich die Erziehung zu
arbereich bis in den unternehmerischem Denken und Handeln ausgehend von einer bereichsbergrei-
tertiren Bildungsbe- fenden horizontalen Manahme (Primarbereich und Sekundarbereich I) bis hin zu
reich (allgemeine und vertikalen Spezialisierungsmanahmen (im Sekundarbereich II sowie im Anschluss
berufliche Bildung) an die Schulbildung) in der Praxis gestalten kann.

10. Bereitstellung der Eine auf hochrangiger Ebene erstellte nationale Strategie sollte nicht allzu sehr durch
bentigten Ressourcen finanzielle Beschrnkungen belastet werden. Einige deutliche Hinweise darauf, wie
fr die Strategie die im Rahmen einer Strategie angestrebten Ziele finanziert werden sollen, schlieen
die verbreitete Gefahr aus, dass Visionen an fehlenden Ressourcen scheitern (siehe
praktische Umsetzung auf lokaler Ebene).

4.3 Entwicklung des nationalen entwickeln einen Rahmen, in dem die Kommunen
politischen Rahmens und die Schulen Projekte und Initiativen gestalten
knnen; sie entwickeln Programme zur Frderung
In der EU spielen die Ministerien und die Sozialpart- der erforderlichen Aus- und Weiterbildung von
ner in den einzelnen Lndern unterschiedliche Rol- Lehrern und zur Erarbeitung von Lehrmaterialien;
len bei der Entwicklung wirksamer Strategien und sie definieren die zu erreichenden Lernergebnisse
Anstze fr die Erziehung zu unternehmerischem fr die Schler.
Denken und Handeln, und sie sehen sich mit einer
Reihe von Herausforderungen konfrontiert. Die Bildungsministerien spielen eine zentra-
le Rolle bei der Gestaltung der Erziehung zu
In Bezug auf die Rolle und die Beitrge von Minis- unternehmerischem Denken und Handeln; in
terien im Rahmen der unterschiedlichen nationa- den Mitgliedstaaten sind allerdings hufig
len Gegebenheiten ist festzustellen, dass in den auch andere Ministerien beteiligt insbe-
meisten Lndern (mit Ausnahme der Niederlande sondere die Ressorts Wirtschaft, Unterneh-
und Polens) in erster Linie das Bildungsmi- men und Handel.15 Die fr Unternehmen zu-
nisterium fr die Gestaltung der Erziehung stndigen Ministerien sind hufig wesentlich an
zu unternehmerischem Denken und Han- der Entwicklung politischer Manahmen beteiligt
deln zustndig ist.14 Im Allgemeinen beruht und haben verschiedentlich offenkundig wichtige
diese vorrangige Zustndigkeit auf der rechtli- Anste fr die Gestaltung der Erziehung zu un-
chen Stellung der Bildungsministerien (z. B. da- ternehmerischem Denken und Handeln gegeben.
hingehend, dass die Bildungsministerien fr die
Entwicklung nationaler Qualifikationsrahmen und In Schweden beispielsweise ging der Ansto zur
fr die Lehrplangestaltung verantwortlich sind). Frderung unternehmerischer Initiative vom Mi-
Entsprechend leisten die Bildungsministerien u. nisterium fr Unternehmen, Energie und Kom-
a. folgende Beitrge: Sie definieren den Umfang munikation aus und wurde anschlieend vom
und die Einordnung der Erziehung zu unterneh- Bildungsministerium aufgegriffen und weiter-
merischem Denken und Handeln im Lehrplan; sie entwickelt.

14 In den Niederlanden leistet in erster Linie das Wirtschaftsministerium die erforderliche Untersttzung, in Polen ist primr
das Bro des Premierministers zustndig.
15 In den einzelnen Lndern spielen neben den Bildungsministerien auch andere Ministerien eine Rolle; in erster Linie be-
schrnkt sich die Zustndigkeit jedoch auf die Ressorts Handel und Unternehmensentwicklung sowie Wirtschaftsfrderung
und gelegentlich Beschftigung.
40

Strategie zur Frderung unterneh- Lehrplan fr den Primar- und den Sekundarbe-
merischer Initiative im Bildungs- reich gendert, und vielfach wird die Erziehung
bereich die schwedische natio- zu unternehmerischem Handeln und Denken im
nale Strategie 2009 (d) Lehrplan bercksichtigt. Fr die Abstimmung der
betreffenden Initiativen ist das Ministerium fr
Im Haushaltsgesetz 2009 hat die schwedische Bildung und Forschung zustndig; die Umsetzung
Regierung mitgeteilt, dass sie bestrebt ist, die erfolgt nach einem dezentralen Ansatz, wobei die
Erziehung zu unternehmerischem Denken und Zustndigkeit fr die Umsetzung bei den einzel-
Handeln als wesentlichen Bestandteil in das Bil- nen Bildungseinrichtungen liegt.
dungssystem aufzunehmen. Gegenwrtig wird
das Bildungssystem umfassend reformiert. Die See the Opportunities and
Regierung hat bereits Entscheidungen ber Make Them Work: norwegische
mehrere Initiativen zur Untersttzung der Ent- Strategie fr die Erziehung zu
wicklung von Programmen zur Frderung un- unternehmerischem Denken und
ternehmerischer Initiative in Schulen und im Handeln 2004-2008
Hochschulbereich getroffen. Im Laufe des Re- (2006 berarbeitet)(e)
formprozesses entscheidet die Regierung ge-
gebenenfalls ber weitere Initiativen. Diese In- Mit der norwegischen Strategie soll die Ent-
itiativen werden nun alle in einer im Mai 2009 wicklung unternehmerischer Initiative als
verffentlichten Strategie zur Frderung unter- Bildungsziel und als Gegenstand von Ausbil-
nehmerischer Initiative zusammengefasst. dungsstrategien definiert werden. Auerdem
sollen Bildungseinrichtungen, Kommunen und
Die Strategie umfasst elf Hauptpunkte, in de- Provinzverwaltungen angeregt und motiviert
nen Manahmen des Staates und sonstiger werden, diesbezgliche Manahmen in Zu-
Interessenvertreter beschrieben werden; diese sammenarbeit mit der Industrie und anderen
Manahmen reichen von besseren Angeboten mageblichen Akteuren auf lokaler Ebene zu
fr eingehendere Studien unternehmerischen planen und fest zu verankern.
Denkens und Handelns im Sekundarbereich
II bis zur sektorbergreifenden Bestandsauf- Im Herbst 2006 wurde ein neuer nationaler
nahme von Manahmen und zur Entwicklung Lehrplan fr die Ausbildung im Primar- und im
bahnbrechender Programme zur Frderung von Sekundarbereich eingefhrt; in diesem Lehr-
Innovation und unternehmerischer Initiative. plan wurde die Frderung unternehmerischer
Initiative als Mittel zur Erneuerung des Bil-
In anderen Lndern wird die Entwicklung von dungssystems bewertet. Aus pdagogischen
Strategien als gemeinsame Aufgabe betrachtet. Grnden sollte die Erziehung zu unternehme-
Die norwegische Strategie fr die Erziehung zu rischem Denken und Handeln in den Schulen je
unternehmerischem Denken und Handeln bei- nach Bildungsstufe unterschiedlich organisiert
spielsweise beruht auf der Zusammenarbeit von werden. Die Schler sollten eine umfassende
drei Ministerien: dem Ministerium fr Forschung Grundkompetenz erwerben.
und Bildung, dem Ministerium fr Gebietskr- Die Strategie beschreibt eine Reihe von Ma-
perschaften und Regionalentwicklung und dem nahmen zur Frderung der Erziehung zu un-
Ministerium fr Handel und Industrie. Die Stra- ternehmerischem Denken und Handeln in
tegie deckt alle Bildungsebenen ab und soll in norwegischen Schulen, darunter Verbesserung
erster Linie Bildungseinrichtungen, Kommunen der Wissensbasis fr Lehrer und Bildungs-
und Provinzverwaltungen anregen und moti- einrichtungen, Sensibilisierung im Wege der
vieren, Manahmen im Bereich der Erziehung Durchfhrung von Konferenzen und Semina-
zu unternehmerischem Denken und Handeln in ren, Austausch von Erfahrungen und vorbildli-
Zusammenarbeit mit der Industrie und anderen chen Verfahren, Zusammenarbeit mit Organi-
mageblichen Akteuren auf lokaler Ebene zu pla- sationen und Netzen auerhalb der Regierung
nen und fest zu verankern. Ergnzend wurde der und internationale Vernetzung.

[Link]
(d)

[Link]
(e)

work_2204-[Link].
41

Die Entwicklung gemeinsamer Manahmen schafts- und das Bildungsministerium sowie


war auch ein Merkmal des Ansatzes im Ver- verschiedene Sozialpartner (u. a. Bildungsver-
einigten Knigreich, aus dem die Regierung bnde und Arbeitgeberverbnde) einbezogen.
schlielich die ressortbergreifende Unterneh-
Die Partnerschaft war bestrebt, die Frderung
mensstrategie Enterprise: Unlocking the UKs
unternehmerischer Initiative im Bildungssys-
Talent erarbeitete.
tem u. a. mit Manahmen wie z. B. der Einrich-
Zu den weiteren wichtigen Beitrgen von tung einer Plattform zum Austausch bewhrter
Ministerien mit Zustndigkeit fr Unterneh- Verfahren und durch die Schaffung von Mg-
men zhlen: Frderung von Verbindungen lichkeiten zum leichterem Austausch von Ideen
zwischen dem Bildungssektor und der Wirt- zur Entwicklung neuer Initiativen und Anstze
schaft, Untersttzung der Entwicklung von zu untersttzen.
Unternehmerakademien sowie von Stiftun-
Zwar sind in allen Lndern das Bildungsminis-
gen und Trusts, Frderung und Untersttzung
terium und das Ministerium fr Unternehmen
von Manahmen zur Strkung unternehme-
die wichtigsten Akteure bei der Erziehung zu
rischer Initiative bei jungen Menschen, Ein-
unternehmerischem Denken und Handeln auf
richtung von Netzen oder Plattformen zum
nationaler Ebene, jedoch haben in einigen Fl-
Austausch bewhrter Verfahren und finanzi-
len auch andere Ministerien Beitrge geleistet.
elle Untersttzung externer Organisationen,
Als Beispiele sind etwa das Ministerium fr Re-
die einschlgige Programme in den Schulen
gionalentwicklung in Norwegen, die Ministerien
anbieten.
fr Wissenschaft und Forschung in sterreich,
Dnemark und Portugal und die Ministerien
Integration der Erziehung zu unter-
fr Jugend in Portugal, sterreich und Bulga-
nehmerischem Denken und Handeln
rien zu nennen. Dies spiegelt zum einen die
in den Lehrplan: der britische Ansatz
Tatsache wider, dass die Formen und Struktu-
Im Vereinigten Knigreich wurde in England ren staatlicher Zustndigkeit in den verschie-
eine Reform fr Schler im Alter von 14 bis denen Ministerien der betreffenden Lnder
19 Jahren eingefhrt. Zunchst wurden den unterschiedlich ausgestaltet sind, macht aber
Schulen Mittel zur Durchfhrung von Pilot- auch die Bedeutung ressortbergreifender Zu-
projekten zur Verfgung gestellt. Spter ent- sammenarbeit und Abstimmung deutlich. Die
wickelte die Regierung allgemeine Leitlinien. Weiterentwicklung dieser Agenda und die Er-
Statt der Einfhrung eines gesonderten Fa- arbeitung effizienter Strategien hngen jedoch
ches wurde die Integration der Erziehung zu zweifellos auch von der Beteiligung eines brei-
unternehmerischem Denken und Handeln in ten Spektrums von Akteuren und Sozialpartner
den gesamten Lehrplan angestrebt. Unterneh- ab. Dieser Aspekt ist zwar besonders wichtig
merische Initiative wird als Kompetenz junger bei der Umsetzung der Strategien, kommt aber
Menschen betrachtet, mit Unsicherheiten um- auch bereits bei der Entwicklung der Strate-
zugehen, sich auf Vernderungen einzustellen gien entscheidend zum Tragen. In Schweden
und Kreativitt zu entwickeln. Gegenwrtig beispielsweise wurden durch die Konsultation
bieten 90 % aller Sekundarschulen in England von Interessenvertretern zu bercksichtigen-
eine derartige Ausbildung an. de Aspekte bestimmt, und die Ergebnisse der
Konsultation flossen in die Strategieentwick-
Wie sich fr Unternehmen zustndige Minis- lung ein. Dies hat beispielsweise dazu beige-
terien insbesondere durch die kooperative tragen, die Anforderungen im Zusammenhang
Partnerschaft mit den jeweiligen Bildungsein- mit dem Austausch von Daten zwischen natio-
richtungen einbringen knnen, wird auch am nalen Behrden, die Notwendigkeit der Einbe-
Beispiel der Niederlande deutlich; dort wurde ziehung der Erziehung zu unternehmerischem
im Jahr 2005 eine Partnerschaft fr Unter- Denken und Handeln in alle Bildungsebenen
nehmergeist und unternehmerische Initiative und die Notwendigkeit einer Ausweitung der
gegrndet. In die Partnerschaft sind das Wirt- Wissensbasis und der Forschungen in Verbin-
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dung mit der Erziehung zu unternehmerischem Perspektiven und Kompetenzen bei der Ent-
Denken und Handeln bewusst zu machen. Im wicklung von Partnerschaften auf nationaler
Allgemeinen mssen Prozesse zur Einbezie- Ebene zu bercksichtigen, stellt angesichts der
hung von Interessenvertretern der Tatsache Komplexitt und des breiten Spektrums der
Rechnung tragen, dass die Interessenvertreter Anforderungen an die Erziehung zu unterneh-
die unterschiedlichsten Positionen bekleiden merischem Denken und Handeln eine betrcht-
und vielfltige Perspektiven und Kompetenzen liche Herausforderung dar.
einbringen. Diese unterschiedlichen Positionen,

Beispiele fr Beitrge unterschiedlicher Ministerien im Bereich der Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln
Bildungsministerien Ministerien fr Unternehmen/Wirtschaft/Handel Sonstige Ministerien
In der Regel federfhrend bei der uerst variable Rolle bei der Strategieentwicklung Arbeitsministerien Vermittlung
Entwicklung einer Strategie fr die (vom Initiator (wenngleich nur selten) ber eine unternehmerischer Initiative bei
Erziehung zu unternehmerischem partnerschaftliche Stellung bis hin zum konsultierten Arbeitslosen;
Denken und Handeln; Experten); Ministerien fr
rechtliche Zustndigkeit fr den Schwerpunkt: Unternehmensgrndungen und bereits Regionalentwicklung
Bildungsbereich; ttige Unternehmer; Bercksichtigung der Erziehung zu
Entwicklung nationaler Beitrag zur Beschreibung der Inhalte der Erziehung unternehmerischem Denken und
Qualifikationsrahmen (Beschreibung zu unternehmerischem Denken und Handeln und zur Handeln in regionalen Strategien;
von Lernergebnissen); Erarbeitung und Verbreitung von Lehrmaterial; Ministerien fr Jugend
Festlegung von Standards, Untersttzung ergnzender Manahmen und Initiativen Integration der Erziehung zu
Leistungsbewertung, berwachung (z. B. private Verbnde und Organisationen, praktische unternehmerischem Denken und
und Evaluierung; projektbezogene Initiativen (auerunterrichtlich), Handeln in Strategien fr junge
Bildungsmanahmen fr Lehrer; Akademien, Stiftungen und Trusts); Menschen
Finanzmittel fr die Entwicklung von Mittlerfunktion z. B. bei Universitten (Verbindung zu (z. B. Frderung von Kreativitt
Lehrmitteln und die Erschlieung von Innovationsstrategien); und Entwicklung des Brgersinns).
Unterrichtsressourcen. Gewhrleistung der Bercksichtigung von Kompeten-
zanforderungen der Wirtschaft im Prozess;
Weiterleitung von Mitteln aus EU Strukturfonds.

Fr die Ministerien und ihre Partner stellen sich Fehlen sttzender und kohrenter Strategien,
in unterschiedlichem Umfang u. a. die folgenden die die Umsetzung der betreffenden Manah-
Punkte als gemeinsame Herausforderungen: men erleichtern wrden,
fehlende Forschungen als Grundlage fr die Schwierigkeiten bei der Abstimmung der
Lenkung der Entwicklung und der Umsetzung Manahmen verschiedener Ministerien im
von Strategien, Rahmen der vorgesehenen Agenda und
unzureichende Ressourcen, gesetzliche und/ Mobilisierung des erforderlichen politischen
oder verfassungsrechtliche Hindernisse, Willens und der erforderlichen Dynamik fr
die weitere Entwicklung der Manahmen im
Schwierigkeiten beim Aufbau von Kapazit-
Bereich der Erziehung zu unternehmerischem
ten sowie bei der Frderung von Verstndnis
Denken und Handeln.
und Fachkompetenz bei den Lehrkrften,
Besonders wichtige Herausforderungen sind die
effiziente Einbindung der Erziehung zu unter-
Notwendigkeit des Kapazittsaufbaus bei den
nehmerischem Denken und Handeln in beste-
Lehrkrften, die Abstimmung der einschlgigen
hende Lehrplne,
Manahmen der mageblichen Interessenvertre-
Bemhen, der Erziehung zu unternehmeri- ter und der Einbindung der Erziehung zu unter-
schem Denken und Handeln Raum und Pr- nehmerischem Denken und Handeln in bestehen-
senz gegenber anderen nationalen Schwer- de Lehrplne sowie die Unsicherheit hinsichtlich
punkten zu gewhren, der knftig einzuschlagenden Richtung. Die op-
timale Abstimmung der Interessenvertreter und
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ihrer Beteiligung ist besonders problematisch, da berwachung behandelt. Portugal dagegen bietet
sehr viele Interessenvertreter einbezogen werden ein Beispiel fr einen Ansatz, bei dem an der Basis
mssen (Hochschuleinrichtungen, Unternehmen, nur in verhltnismig geringem Umfang spon-
Lehrer, nationale Ministerien, NRO, einschlgige tane Manahmen im Bereich der Erziehung zu
Verbnde usw.). In manchen Lndern wurden unternehmerischem Denken und Handeln entwi-
besondere Stellen fr die Umsetzung oder ckelt wurden und der Staat einschreiten musste,
Frderung nationaler Strategien eingerich- um eine entsprechende Entwicklung einzuleiten.
tet, u. a. um diese Aufgabe besser zu bewltigen. Trotz der Abstimmung auf die Anforderungen un-
In Dnemark beispielsweise haben mehrere Mi- terschiedlicher Gegebenheiten entsprechen beide
nisterien gemeinsam eine Stiftung zur Frderung Anstze weitgehend dem im Entwicklungsstufen-
der Erziehung zu unternehmerischem Denken und modell vorgesehenen Konzept, das die Schaffung
Handeln gegrndet. eines Rahmens zur Untersttzung von Manah-
men auf lokaler Ebene vorsieht.
Zwischen den einzelnen Lndern bestehen zwar
eindeutig gewisse Gemeinsamkeiten in Bezug
auf die jeweiligen Probleme, jedoch gibt es Un-
Kontrastierende Anstze bei der
terschiede hinsichtlich der Bedeutung und der Art
Erziehung zu unternehmerischem
dieser Herausforderungen. Daher mssen Strate-
Denken und Handeln unter unter-
gien zur Frderung unternehmerischer Initiative
schiedlichen Gegebenheiten
und Anstze fr deren Umsetzung hinreichend Ein ausgereifter Ansatz: die Niederlande
auf nationale, regionale und lokale Gegebenhei-
In den Niederlanden liegt der Schwerpunkt
ten abgestimmt werden. Dabei gehen die Ln-
auf der Vorgabe einer politischen Richtung
der in unterschiedlicher Weise vor. In Lndern, in
sowie auf der Untersttzung und Motivation
denen die Zustndigkeit fr das Bildungssystem
(durch einen programmatischen Ansatz) und
weitgehend dezentral von den unteren Verwal-
weniger darauf, die Erziehung zu unterneh-
tungsebenen wahrgenommen wird, bestehen
merischem Denken und Handeln in den Lehr-
mglicherweise regionale Besonderheiten inner-
plnen aller Bildungseinrichtungen als Pflicht-
halb des nationalen Rahmens. In Spanien bei-
fach zu verankern. Subventionen werden
spielsweise wird das 2006 angenommene Gesetz
gewhrt (im Rahmen des von der staatlichen
zur Einbeziehung von Manahmen zur Frderung
Agentur SenterNovem geleiteten Nationalen
unternehmerischer Initiative in den schulischen
Programms fr Bildung und unternehmeri-
Lehrplan von den Autonomen Gemeinschaften
sche Initiative), um die in der nationalen Stra-
erst seit 2009 auf lokaler Ebene umgesetzt. (Die
tegieagenda fr Hochschul-, Forschungs- und
Verffentlichung eines Berichts ber entsprechen-
Wissenschaftspolitik vorgesehene Einfhrung
de regionale Manahmen wurde angekndigt.)
der Erziehung zu unternehmerischem Denken
In diesem Zusammenhang sind zwei Anstze und Handeln in allen Phasen des Bildungs-
zu erlutern, die unter jeweils unterschied- wegs zu ermglichen. Allerdings ist die Er-
lichen Gegebenheiten zur Anwendung kom- ziehung zu unternehmerischem Denken und
men. Am Beispiel der Niederlande wird deutlich, Handeln kein ausdrcklicher Bestandteil des
wie ein Ansatz unter ausgereiften Bedingungen Lehrplans. Der Schwerpunkt liegt auf den im
gestaltet werden kann; dort erfolgt die Erziehung gegenwrtigen Bildungssystem erkannten
zu unternehmerischem Denken und Handeln Defiziten insbesondere in den ersten Jahren
bereits seit einiger Zeit als Bottom-up-Initiati- des Bildungswegs, wobei die Umsetzung
ve und wird durch Top-down-Manahmen und des Programms bewusst an der Nachfrage
-Projekte untersttzt. Zudem wird gegenwr- orientiert wird, d. h. bei diesem Ansatz ste-
tig die Mitwirkung des Staates vertieft, um eine hen Einrichtungen im Vordergrund, die ein
strkere Verbreitung der Erziehung zu unterneh- besonderes Interesse an der Schaffung von
merischem Denken und Handeln zu erzielen. Au- Angeboten im Bereich der Erziehung zu un-
erdem werden Aspekte der Bewertung und der ternehmerischem Denken und Handeln zum
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Ausdruck gebracht haben. Manche Schulen bie- deln als fcherbergreifendes Lehrplanfach
ten inzwischen Projekte fr Vorschulkinder an; etabliert werden soll. Im Rahmen des PNEE
bei dem Projekt Mein Restaurant beispielswei- wurden Primarschulen, Sekundarschulen und
se werden Klassenzimmer als Restaurants her- berufsbildende Schulen (Berufsfachschulen)
gerichtet, die Kinder bereiten Mahlzeiten zu usw. aufgefordert, auf freiwilliger Basis eine Reihe
Diese Initiative wird mit einem Besuch in einem von Initiativen zu entwickeln, mit denen sich
echten Restaurant in der jeweiligen Gemeinde die Schler unternehmerische Kompetenzen
kombiniert. In der Regel beginnt die Erziehung und Einstellungen aneignen knnen. Dabei ist
zu unternehmerischem Denken und Handeln in das PNEE bestrebt, zu einem kontinuierlichen
Primarschulen im Alter von acht Jahren. Qualifikations- und Lernprogramm sowohl
fr die Lehrkrfte als auch fr die Lernenden
Magebliche Akteure werden auf allen Verwal-
beizutragen.
tungsebenen einbezogen. Ergnzend zu den
von der Regierung vorgegebenen Rahmen- In den Jahren 2007/2008 haben 99 allge-
bedingungen sind auf regionaler Ebene die meinbildende und berufsbildende Schulen
Handelskammern an folgenden Manahmen mit 4 153 Schlern an ber 357 Projekten
beteiligt: Untersttzung von Unternehmens- zur Frderung unternehmerischer Initiative
grndungen, Frderung der Bercksichtigung im technischen und im sozialen Bereich teil-
der Erziehung zu unternehmerischem Denken genommen. Aus einigen der Projekte drften
und Handeln in der regionalen Agenda in Ab- knftig echte Unternehmen hervorgehen.
stimmung mit Organisationen zur sektorbezo- Im letzten Vierteljahr 2008 fand eine landes-
genen Kompetenzbildung und Durchfhrung weite Fortbildung fr Lehrkrfte statt, an der
von Simulationsprojekten unter Beteiligung von etwa 300 Lehrer aus am PNEE beteiligten
Schulen und Unternehmen. Auf lokaler Ebene Schulen teilgenommen haben.
knnen die rtlichen Behrden Projekte in den
Inzwischen wird an einer nationalen Strategie
lokalen Schulen in Zusammenarbeit mit lokalen
auf der Grundlage des PNEE gearbeitet.
Unternehmen und Organisationen frdern.
Auerdem beginnen die Niederlande, sich mit Wie diese beiden Beispiele zeigen, bestehen
dem Aspekt der Bewertung zu beschftigen; in wichtige Unterschiede zwischen den einzelnen
diesem Zusammenhang wurde ein nationales Lndern nicht nur im Hinblick auf die Entwick-
Zertifikat fr unternehmerische Initiative ein- lung, sondern auch bezglich der Umsetzung
gefhrt. Das Zertifikat wird nur in der mittleren von Strategien. In diesem Zusammenhang sind
Stufe der Berufsausbildung und im Hochschul- die folgenden Beispiele aufschlussreich.
bereich verwendet und orientiert sich an Zer-
In Schweden haben das Ministerium fr Bildung
tifikaten, die zurzeit in einer Reihe von Hoch-
und Forschung und das Ministerium fr Wirt-
schuleinrichtungen (z. B. der Utrecht Academy
schaft, Energie und Kommunikation eine Strate-
of Entrepreneurship) erworben werden knnen.
gie zur Frderung unternehmerischer Initiative
Die Bewertung und berwachung der Auswir- im Bildungssystem beschrieben, die von der Not-
kungen des niederlndischen Programms fr wendigkeit der Einbeziehung unternehmerischer
Bildung und unternehmerische Initiative erfolgt Initiative in das gesamte Bildungssystem aus-
im Zweijahres-Turnus. geht. Eine Manahme war das nationale Drei-
jahresprogramm fr unternehmerische Initiative
Entwicklung eines neuen Ansatzes:
der schwedischen Agentur fr Wirtschafts- und
Portugal
Regionalentwicklung (Agency for Economic and
In Portugal fhrt das Bildungsministerium Regional Growth) fr den Zeitraum 2005-2008.
mit dem Projecto Nacional de Educao para Von 2005 bis 2007 wurden im Rahmen dieses
o Empreendedorismo (PNEE) ein nationales Programms 13 Mio. EUR zur Finanzierung von
Bildungsprojekt durch, mit dem die Erziehung etwa 100 Projekten aufgewendet. (Zuschsse in
zu unternehmerischem Denken und Han- Hhe von 50 % wurden angeboten, und Schulen
45

und Kollegs beteiligten sich in betrchtlichem spielsweise ist Unternehmerische Initiative


Umfang.) Die Bildungsangebote wurden von 4 (Entrepreneurship) im Lehrplan als eigenes
000 Lehrern in Anspruch genommen; 50 Kurse Fach vorgesehen; dies frdert die Akzeptanz in
wurden neu entwickelt; an den Manahmen be- den Schulen. Irland ist allerdings auch um einen
teiligten sich 140 000 Schler, und insgesamt horizontalen Ansatz bemht. In Polen wird die
wurden sechs regionale Strategien zur Frderung Erziehung zu unternehmerischer Initiative im na-
unternehmerischer Initiative entwickelt. Auer- tionalen Lehrplan in allen Sekundarschulen als ei-
dem beteiligt sich die schwedische Regierung genstndiges Fach behandelt; der entsprechende
an verschiedenen Organisationen wie z. B. der Unterricht gilt jedoch weiterhin als zu theoretisch.
schwedischen Organisation Ung Fretagsam- In der Tschechischen Republik wird die Erziehung
het im Rahmen des Netzes Junior Achievement zu unternehmerischem Denken und Handeln ber
Young Enterprise Europe. Diese Organisation allgemeine Bildungsprogramme (GEP = General
ist bestrebt, in jedem Schuljahr mehr als 10 % Education Programmes) im Rahmen der natio-
der Schler im Sekundarbereich II (d. h. 15 000 nalen Strategie fr lebenslanges Lernen in die
Schlern) die Mglichkeit zur Grndung und Wei- Lehrplne der Schulen eingefhrt; die nationa-
terentwicklung eines eigenen Unternehmens zu le Strategie soll die Grundlage fr einen neuen
bieten. Ein weiteres Beispiel ist Emax Nordic; die- Bildungsansatz schaffen. Manahmen zur Fr-
ses Trainingslager fr Jungunternehmer bietet derung unternehmerischer Initiative werden im
bis zu 200 Jungunternehmern im Alter von 18 nationalen Lehrplan als Teil der neuen Schlssel-
bis 25 Jahren ein gemeinsames Forum, orga- kompetenzen bercksichtigt.
nisiert Wettbewerbe und vergibt Preise. Bei den
Im Primarbereich sehen die Lehrplne Erfahrun-
entsprechenden Veranstaltungen erhalten junge
gen mit bungsfirmen und mit jungen Unterneh-
Unternehmer Anregungen, gewinnen Einblicke
men vor. Etwa 20,4 % der Schulen bieten nun ein
und knnen wertvolle Kontakte knpfen.16
Programm im Bereich der Erziehung zu unterneh-
Auch in England wurde die Erziehung zu unter- merischer Initiative an, und bislang haben 1,4 %
nehmerischem Denken und Handeln durch ge- der Schler an entsprechenden Manahmen teil-
zielte Initiativen gefrdert und untersttzt; dort genommen. In der Erwachsenenbildung wird in der
haben 700 Sekundarschulen im Rahmen des Tschechischen Republik ein Gutscheinsystem zur
Programms Enterprise Pathfinders zwischen Frderung unternehmerischer Initiative eingefhrt.
2003 und 2005 Finanzmittel von 15 Mio. GBP
erhalten. Nach den Erfahrungen in diesen Pilot- 4.4 Entwicklung einer wirksamen
schulen konnte allen Schulen Zugang zu diesem Praxis
Programm gewhrt und die nationale Programm-
leitung ber die Verbreitung des Programms un- 4.4.1 Lehrer als erfolgsentscheidender Faktor
terrichtet werden. Dieser Ansatz wurde durch Lehrer spielen eine entscheidende Rolle bei der
eine Rechtsvorschrift fr berufsbezogenes Ler- Entwicklung der Erziehung zu unternehmeri-
nen fr 14- bis 16-Jhrige ergnzt, die einen schem Denken und Handeln. Das in Kapitel 3 er-
Rahmen fr die Frderung der wirtschaftlichen rterte Modell sieht vor, dass die gegenwrtige
Stellung junger Menschen bietet. Gegenwrtig Situation, in der die Erziehung zu unternehme-
liegt der Schwerpunkt auf der Bildung in der Se- rischem Denken und Handeln weitgehend vom
kundarstufe; das zustndige Ministerium mch- Engagement einzelner Lehrer und ihrer Bereit-
te die Erziehung zu unternehmerischem Denken schaft und Fhigkeit zur Durchfhrung entspre-
und Handeln allerdings auch auf den Primar- und chender auerunterrichtlicher Manahmen ab-
den Tertirbereich ausdehnen. hngt, dahingehend weiterentwickelt wird, dass
In der Praxis bestehen Unterschiede darin, ob alle Schler in allen Schulen systematisch Zu-
die Strategien die Erziehung zu unternehmeri- gang zu Manahmen im Bereich der Erziehung
schem Denken und Handeln eher in bestimmten zu unternehmerischem Denken und Handeln er-
Unterrichtsfchern oder die Bercksichtigung halten. Dazu mssen alle Lehrer die Erziehung
im gesamten Lehrplan vorsehen. In Irland bei- zu unternehmerischem Denken und Handeln

16 [Link]
46

als wesentlichen Bestandteil des Lehrplans be- Fundierte Forschungen mssten zur Entwick-
greifen; dies wiederum setzt voraus, dass die lung kontinuierlicher Instrumente zur Unterstt-
Erziehung zu unternehmerischem Denken und zung der stndigen beruflichen Weiterbildung
Handeln zum inhrenten Bestandteil sowohl der von Lehrern beitragen; denkbar wren etwa der
Erstausbildung als auch der berufsbegleitenden Austausch bewhrter Verfahren oder Praktika
Fortbildung von Lehrern wird. in echten Unternehmen. Ebenso wichtig sind
die Entwicklung von Wissensbanken sowie von
Der entsprechende Paradigmenwechsel in der
Werkzeugen und Ressourcen und die Einrichtung
Erziehung zu unternehmerischem Denken und
wirksamer Untersttzungsnetze.
Handeln bedeutet, dass die Lehrer entscheidend
an der Herbeifhrung von nderungen beteiligt Eine effiziente Praxis und effizient ttige Lehrer
werden mssen. Dazu muss den Lehrern geeig- mssen Anerkennung und Beachtung erfahren
nete Untersttzung zuteil werden. Zunchst muss (z. B. durch nationale Auszeichnungen), um die
zuverlssig und wissenschaftlich fundiert geklrt Wahrnehmung der Erziehung zu unternehmeri-
werden, wie Lehrer Erziehung zu unternehmeri- schem Denken und Handeln zu verbessern.
schem Denken wahrnehmen. Wie bereits erlu-
tert, stehen Lehrer einer engen Definition Schlsselelemente bei der Ent-
des Begriffs der Erziehung zu unternehme- wicklung der Rolle der Lehrer
rischem Denken und Handeln im Sinne der
Vermittlung von Informationen zur Fh- Wissenschaftliche Forschungen zur Klrung
rung eines Unternehmens ablehnend ge- der Frage, wie Lehrer an die Erziehung zu
genber; ein umfassendes Verstndnis im unternehmerischem Denken und Handeln
Sinne des Erwerbs von Lebenskompeten- herangehen und welche Vorstellung sie da-
zen wird hingegen durchaus begrt. von haben;

Diese Sicht sollte in die Entwicklung von Ange- Entwicklung eines Programms zur Erstaus-
boten zur Ausbildung von Lehrern einflieen. bildung und zur beruflichen Weiterbildung
Parallel zu den (z. B. auf EU-Ebene) bereits er- von Lehrern einschlielich einer Programm-
mittelten Schlssellernkompetenzen mssen komponente, um Lehrkrften in leitenden
die entscheidenden Kompetenzen fr Lehrer Funktionen Fhrungskompetenzen zu ver-
definiert werden. Die Erziehung zu unternehme- mitteln;
rischem Denken und Handeln setzt eine neue Schaffung und Verbreitung effizienter Inhal-
Lehrer-Schler-Beziehung voraus, die weniger te, Werkzeuge, Methoden und Ressourcen
durch Lehrer als Vortragende oder Ausbilder fr den Unterricht;
gekennzeichnet ist und in der die Lehrer eher als
Coachs und Mentoren (oder Moderatoren) Einrichtung von Untersttzungsnetzen.
auftreten, die die Selbststndigkeit und die Ei-
geninitiative der einzelnen Schler frdern. Au- Verstehen, wie Lehrer Erziehung zu unter-
erdem mssen die Lehrer in grerem Umfang nehmerischem Denken und Handeln begrei-
praktisches, experimentelles Lernen in ihren Un- fen und in Konzepte umsetzen: Notwendig-
terricht einbeziehen. In vielen Lndern wird dies keit einschlgiger Forschungsarbeiten
tief greifende Vernderungen zur Folge haben. Wir haben bereits festgestellt, dass Lehrern bei
In den Mitgliedstaaten sind in der Erstausbil- der systematischeren Verankerung der Erziehung
dung sowie im Bereich der berufsbegleitenden zu unternehmerischem Denken und Handeln in
Fortbildung von Lehrern (stndige Weiterbil- Bildungseinrichtungen eine zentrale Funktion zu-
dung) nderungen erforderlich. Lehrkrfte in kommt und dass daher die Einstellungen, ber-
leitender Funktion, die in der Erziehung zu un- zeugungen und Wahrnehmungen der Lehrkrfte
ternehmerischem Denken und Handeln in ihrer in der Phase der praktischen Einfhrung der Erzie-
jeweiligen Einrichtung als Wegbereiter eine hung zu unternehmerischem Denken und Handeln
federfhrende Rolle bernehmen knnen, ben- als wichtige Faktoren bercksichtigt werden ms-
tigen geeignete Schulungen.
47

sen. Die Erfahrung zeigt, dass dies nicht immer als scher Initiative in der Lage seien und dass das
selbstverstndlich vorausgesetzt werden kann. In Bildungssystem diese vorhandenen Potenziale
Schweden beispielsweise wurde berichtet, dass aufgreifen und frdern msse. Die Konzeption
das nationale Dreijahresprogramm zur Frderung und die Auslegung der Erziehung zu unternehme-
unternehmerischer Initiative (2005-2008) zwar rischem Denken und Handeln durch die einzelnen
von Lehrern und anderen bereits mit der Frde- Lehrer wirken sich zweifellos auf die praktische
rung unternehmerischer Initiative im Bildungsbe- Unterrichtsgestaltung aus; entsprechend werden
reich befassten Akteuren begeistert aufgenom- konkrete grundlegende Leitlinien bentigt. Auf der
men wurde; bei Lehrkrften mit weniger stark im Rahmen der umfassenderen Forschungsarbeit
ausgeprgtem Engagement erwies sich die Ver- im Bereich der Erziehung zu unternehmerischem
mittlung jedoch als schwieriger. Erfahrungsgem Denken und Handeln entwickelten Website Ent-
sind langfristige nachhaltige Anstrengungen erfor- [Link] sind bewhrte Verfahren und hilfreiche
derlich; gleichzeitig muss gewhrleistet werden, Werkzeuge zusammengestellt; dort wird betont,
dass die Rolle der Lehrer sowohl auf strategischer dass der Aufbau eines Modellprogramms fr die
als auch auf praktischer Ebene klar definiert wird. Erziehung zu unternehmerischem Denken und
Handeln schwierig sei (kein einheitlicher Ansatz
Daher mssen alle strategischen Anstze zur
und keine einheitliche Form), und die Bedeutung
Frderung unternehmerischer Initiative auf de-
des eigenstndigen Lernens und des Lernens in
taillierten Kenntnissen darber beruhen, wie
der Praxis (d. h. durch die Einbeziehung von Lern-
Lehrer unternehmerische Initiative verstehen
prozessen in den tglichen Unterricht und in die
und einbeziehen und was dies fr die jeweiligen
tgliche Arbeit) hervorgehoben. Insoweit knn-
Bildungsumgebungen bedeutet. Forschungen in
te sich experimentelles Lernen als beste Option
schwedischen Schulen (Berglund & Holmgren,
erweisen. Auch Unternehmer experimentieren
200717) beispielsweise legen den Schluss nahe,
zunchst gewhnlich, um dann die gewonnenen
dass die Erziehung zu unternehmerischem Den-
Einsichten in die Realitt zu bertragen.
ken und Handeln bei Lehrern und Schulleitern
ausgehend von einem eng gefassten und auf
Unternehmensgrndungen beschrnkten Ver-
Qualittsrahmen und nationaler
stndnis hin zu einem umfassenderen Konzept
Standard fr die Erziehung zu unter-
umgestaltet worden ist, das vielleicht am tref-
nehmerischem Denken und Handeln
fendsten als Vermittlung einer Weltsicht oder ei-
Zentrum fr Bildung und Industrie
ner bestimmten Beziehung zur Welt beschreiben
der Universitt Warwick, Vereinigtes
lsst. Die Lehrer erklrten insbesondere, dass sie
Knigreich
bei der Erziehung zu unternehmerischem Denken Das Zentrum fr Bildung und Industrie der Uni-
und Handeln die Herstellung von Beziehungen versitt Warwick im Vereinigten Knigreich hat
zur brigen Welt untersttzten, die durch Krea- fr Schulen in England einen Qualittsrahmen
tivitt, Reflexivitt und Initiative gekennzeichnet und einen nationalen Standard fr die Erzie-
seien. Diese Sicht deckt sich mit dem natrlichen hung zu unternehmerischem Denken und Han-
Anliegen der Lehrer, Schlern die Einstellung zu deln entwickelt. Durch den nationalen Standard
vermitteln, dass sie fr das Leben lernen. fr die Erziehung zu unternehmerischem Den-
ken und Handeln sollen ein Prozess und ein Ins-
Auch Forschungen in Bezug auf die Perspekti-
trument fr die Qualittsprfung bereitgestellt
ven von Lehrern in Finnland zeigen verschiedene
werden, die es ermglichen, bewhrte Verfah-
interessante Trends auf: Lehrer betrachten die
ren in der Erziehung zu unternehmerischem
Erziehung zu unternehmerischem Denken und
Denken und Handeln zu erkennen und zu wr-
Handeln nicht als neues Phnomen, und die Ma-
digen. Das mit der Ausarbeitung betraute Team
nahmen zur Frderung unternehmerischer Initi-
des Zentrums fr Bildung und Industrie an der
ative werden als eher unspezifisch eingeschtzt
Universitt Warwick verfgt ber Fachkenntnis-
(Projekte, Besuche, Experimente usw.). Auerdem
se auf dem Gebiet der Erziehung zu unterneh-
betonten die Lehrer, dass die Schler grundstz-
merischem Denken und Handeln.
lich zur Entwicklung individueller unternehmeri-

17 The Introduction of Entrepreneurship in Contemporary Swedish Education Policy: Ugly duckling or Beautiful Swan?
Konferenz: ECER 2008, From Teaching to Learning?
48

Der Qualittsrahmen und der nationale len Anstzen ist zu folgern, dass die Erziehung
Standard bestehen aus fnf Elementen, zu unternehmerischem Denken und Handeln in
die allesamt unter anderem folgende Qua- die gegenwrtige Ausbildung von Lehrern auf-
littsprozesse beschreiben und definieren: genommen werden muss. Es ist notwendig, zum
Vision der Erziehung zu unternehmerischem einen in die Anhebung von Standards bei den
Denken und Handeln in Bezug auf Konzept Lehrkrften zu investieren und zum anderen
und Kommunikation; hoch qualifizierte Absolventen fr entsprechende
Ttigkeiten zu gewinnen. Investitionen sind so-
Durchfhrung eines Audits der Erziehung zu
wohl bei der Erstausbildung von Lehrern als auch
unternehmerischem Denken und Handeln;
bei der berufsbegleitenden Weiterbildung nicht
Planung und Verwaltung der Erziehung zu zuletzt fr die Lehrer erforderlich, die bereits im
unternehmerischem Denken und Handeln; Beruf stehen, aber noch nicht in die Erziehung zu
Ausarbeitung eines Lehrplans fr die Erzie- unternehmerischem Denken und Handeln einge-
hung zu unternehmerischem Denken und bunden waren.
Handeln; In Finnland wurde die Erziehung zu unternehme-
Bewertung und Evaluierung der Erziehung zu rischem Denken und Handeln bereits verhltnis-
unternehmerischem Denken und Handeln. mig frhzeitig (1994) eingefhrt und erfolgt
Jedes Element sieht eine Reihe von Anforderun- dort fcherbergreifend. Dort mssen Lehrkrfte
gen vor, denen die Schulen entsprechen mssen, in drei Einrichtungen zur Ausbildung von Lehrern
um den Standard zu erfllen, und beinhaltet eine (dem Kajaani Department of Teacher Education
erluternde Kurzbeschreibung der Art der Doku- der Universitt Oulu, im Rahmen der Programme
mentation, die gegebenenfalls gemeinsam mit zur Ausbildung von Lehrern fr handwerkliches
den verpflichtend vorgeschriebenen Nachweisen Gestalten im Rauma Department of Teacher
eingereicht werden muss. Das Zielpublikum war Education der Universitt Turku und im Vaasa
sehr gro, und die Materialien fr die Selbstbe- Department der Universitt bo Akademi) an
wertung wurden von einer breiten Palette von Manahmen zur Vorbereitung auf die Erziehung
Primar-, Sekundar- und Frderschulen abgeru- zu unternehmerischem Denken und Handeln
fen. Mehrere regionale Untersttzungsnetze fr teilnehmen; in anderen Einrichtungen ist die Teil-
Lehrkrfte haben ebenfalls die Materialien als nahme an diesen Angeboten freiwillig. Auerdem
Benchmark fr ihre Angebote herangezogen und wurden Manahmen getroffen, um mehr junge
als Grundlage fr die Konzeption ihrer berufli- Menschen mit unternehmerischem Hintergrund
chen Weiterbildungsprogramme verwendet. Die und mit persnlichen Unternehmererfahrungen
Berichte legen den Schluss nahe, dass Lehrkrfte fr die Lehrerausbildung zu gewinnen. Alle Hoch-
und ihre Mentoren die Bereitstellung klarer Leit- schulen, in denen Lehrer ausgebildet werden,
linien schtzen, die geeignet sind, einen Beitrag bieten Erziehung zu unternehmerischem Denken
zu einer hochwertigen Erziehung zu unterneh- und Handeln als Wahlfach fr Referendare an.
merischem Denken und Handeln zu leisten. Sie Die betreffenden Angebote bestehen im Allge-
uern sich ferner positiv ber die Flexibilitt der meinen an den Fakultten fr Betriebswirtschaft
Anforderungen, die es ermglicht, den lokalen und Verwaltungswissenschaften; dabei stehen
Prioritten Rechnung zu tragen und zugleich den unternehmerische Initiative und wirtschaftsbezo-
grundlegenden Kriterien gerecht zu werden. gene Kenntnisse im Vordergrund. In den Jahren
2006-2007 haben etwa 60 Studierende entspre-
chende Kurse besucht.
Weiterentwicklung der Aus- und Weiter-
In Zypern erhalten Lehrer, die im Sekundarbereich
bildung von Lehrern
eingesetzt werden sollen, eine verpflichtende ein-
Die Aus- und Weiterbildung von Lehrern ist we- schlgige Erstausbildung an der Universitt Zy-
sentlicher Bestandteil der Untersttzung von pern; das betreffende Programm umfasst zehn
Lehrern bei einer effizienten Erziehung zu un- Unterrichtsmodule im Bereich der Erziehung zu
ternehmerischem Denken und Handeln. Aus den unternehmerischem Denken und Handeln. Das
im vorherigen Abschnitt beschriebenen nationa-
49

Zypriotische Pdagogische Institut bietet optiona- im Beruf ebenso wie im Privatleben zu frdern.
le Seminare fr Lehrer, Schulleiter und politische Unternehmerische Initiative soll die persnli-
Entscheidungstrger an. Diese Seminare werden chen Potenziale erschlieen, auf denen jegliche
vom Bildungsministerium in Zusammenarbeit unternehmerische Ttigkeit beruht. Die Zusam-
mit anderen Organisationen (d. h. mit Hochschu- menarbeit mit Lehrern von Sekundarschulen hat
len) veranstaltet. Gegebenenfalls arbeiten die zur Entwicklung verschiedener Lehrmaterialien
Ausbilder mit der Industrie zusammen, um die und Handbcher zu folgenden Themen gefhrt:
Praxisrelevanz der Kurse sicherzustellen. Unternehmerisches Handeln in der Berufsbil-
In Polen wird unter der Bezeichnung Dynami- dung, Mglichkeiten selbststndiger Ttigkeit
sches Unternehmertum ein Programm zur Fr- und Einblicke in das Leben von Unternehmern.
derung der Erziehung zu unternehmerischem Auerdem wurde ein Handbuch fr Lehrer zur
Denken und Handeln im Hochschulbereich durch- Einfhrung der Erziehung zu unternehmerischem
gefhrt. Ziel dieses 2004 ins Leben gerufenen Denken und Handeln in berufsbildenden Schulen
Programms ist die Entwicklung von Methoden (Sekundarbereich) verfasst.
und Werkzeugen fr Kurse zur Vermittlung un-
ternehmerischer Initiative auf Hochschulniveau in Weiterbildungsmanahmen fr
Polen. Die Unterrichtsmethoden sowie die Werk- Lehrer in sterreich
zeuge und Fallstudien wurden erstmals an der In sterreich wurde die Initiative fr Teaching
Leon-Kozminski-Akademie fr unternehmerische Entrepreneurship (ifte) (f) auf den Weg ge-
Initiative und Management (Wirtschaftsfach- bracht, um die Weiterbildung von Lehrern wei-
schule) im Rahmen eines von der EU finanzierten terzuentwickeln und Lehrern entsprechende
Projektes fr 120 Teilnehmer aus 32 Hochschu- Manahmen anbieten zu knnen; im Rahmen
leinrichtungen in der Region Masowien (zumeist dieser Initiative findet jhrlich die Kitzbheler
auerhalb des Wirtschaftsbereichs) erprobt. Aus Sommerhochschule statt. Die im Juli angebo-
dieser Initiative ist das 2006 verffentlichte und tenen einwchigen Sommerkurse richten sich
fr den Hochschulbereich vorgesehene Handbuch an Lehrer berufsbildender Schulen und Kol-
Dynamic Entrepreneurship. How to Start Your legs sowie an Lehrer, die in allgemeinbilden-
Own Business hervorgegangen. den Schulen des Sekundarbereichs ttig sind.
In Slowenien hat das Zentrum fr Berufsbil- Das Programm ist breit gefchert und deckt
dung ein Weiterbildungsprogramm fr Lehrer Themen wie z. B. unternehmerische Initiative
eingefhrt, die in Berufs- und Fachschulen des und Unterrichtsphilosophie, Wirtschaftsethik
Sekundarbereichs im Bereich der Erziehung zu und Kreativittsfrderung ab, umfasst prakti-
unternehmerischem Denken und Handeln ttig sche Erfahrungen und erlutert, wie Prozesse
sind. Die Lehrer nehmen an Workshops teil, bei des Vernderungsmanagements eingesetzt
denen der Einsatz aktiver Lernmethoden und werden knnen, um innovative Bildungsein-
die unterschiedlichen Aktivitten zur Frderung richtungen zu schaffen. Dem experimentellen
und Entwicklung unternehmerischer Haltungen Lernen wird ebenfalls ein hoher Stellenwert
im Vordergrund stehen. Dazu richtet sich die beigemessen. Da die ifte durch zahlreiche f-
Aufmerksamkeit auf strukturierte Prozesse, die fentliche und private Sponsoren untersttzt
auf Anstzen zur kreativen Problemlsung und wird, setzt sich das Schulungsteam aus Fach-
zu kritischem Denken beruhen und zum Lernen leuten aus Wirtschaft, Hochschulen und Schu-
durch praktisches Handeln (Learning by Doing) len zusammen; die Zusammensetzung ergibt
sowie durch Nachahmung und durch erfolgrei- sich aus der Untersttzung der ifte durch viel-
che Kommunikation anregen sollen. Die Nutzung fltige Sponsoren aus dem ffentlichen und
dieser Verfahren im Klassenzimmer soll in erster dem privaten Sektor.
Linie dazu beitragen, unternehmerische Initiative
bei den Lernenden zu wecken und entsprechende Betriebspraktika von Lehrern sind ein wertvol-
Kompetenzen zu entwickeln, um die individuelle les Mittel zum Erwerb von Kompetenzen fr
allgemeine Befhigung zur Effizienzsteigerung Lehrkrfte im Bereich der Erziehung zu unter-

[Link]
(f)
50

nehmerischem Denken und Handeln. Durch Le- Lehrgangs hofft man, die unternehmerische
arning-by-Doing vermitteln sie fundierte prak- Flamme zu entfachen, indem den Lehrkrf-
tische Erfahrungen mit dem Arbeitsleben in der ten Erfahrungen aus erster Hand geboten
Privatwirtschaft. Weitere potenzielle Vorteile von werden, damit ihnen bewusst wird, was eine
Betriebspraktika sind u. a. der Erwerb von Fh- unternehmerische Einstellung ausmacht. Die
rungskompetenz sowie die allgemeine Kompe- Teilnehmer lernen, das Thema aus einem
tenzentwicklung; auerdem erhlt die Wirtschaft unterschiedlichen Blickwinkel zu betrachten,
die Mglichkeit, sich in den Bildungsbereich ein- und mssen ber ihr eigenes Talent und die
zubringen. Dies frdert das wechselseitige Ver- Talente ihrer Schler nachdenken. Sie ms-
stndnis beider Bereiche. Allerdings erfordern sen sich auf die Auenwelt einlassen und
Betriebspraktika auch ein erheblich strkeres En- unternehmerische Initiative und Bildung mit-
gagement und umfangreichere Mittel als bloe einander verknpfen.
Besuche in rtlichen Unternehmen und in Schu-
Das zweite Weiterbildungsangebot luft ber
len. Die Praktika knnen zwar zwischen einzelnen
zwei Tage unter Bezeichnung Arranging (Or-
Schulen und Betrieben vereinbart werden, wahr-
ganisieren). Das Ziel dieses Lehrgangs besteht
scheinlich drfte aber doch ein relativ hohes Ma
darin, dass die Lehrkrfte die unternehme-
an Organisation auf lokaler Ebene mglicher-
rische Begeisterung in die Unterrichtspraxis
weise unter Beteiligung lokaler oder regionaler
einbringen. Die Teilnehmer erfahren aus-
Behrden oder Untersttzungszentren und eines
gehend von und mit Blick auf die eigene Un-
lokalen Unternehmensverbands erforderlich
terrichtspraxis , wie sie den Unterricht in un-
sein, um Praktika einzurichten und zu verwalten.
ternehmerischer Initiative in Zusammenarbeit
mit externen Unternehmern gestalten knnen.
Golden opportunities: Closing the
Dabei wird der Bogen zu den Bildungsrahmen
books a little more often (Ein-
und Bildungszielen geschlagen. Von den teil-
malige Chancen: weniger Bcher,
nehmenden Lehrkrften wird erwartet, dass
mehr Praxis) Nationales Zen-
sie ihren eigenen Unterricht im Bereich der
trum fr Lehrplanentwicklung
Erziehung zu unternehmerischem Denken und
(SLO), Niederlande
Handeln konzipieren und dabei auf alle We-
SLO, das niederlndische Kompetenzzentrum sensmerkmale der unternehmerischen Initia-
fr Lehrplanentwicklung, bietet Weiterbil- tive zurckgreifen.
dungsmanahmen fr Lehrkrfte, Schulleiter
und weitere Akteure an, die an der Entwicklung Inhalte, Werkzeuge, Methoden und Ressour-
und Umsetzung von Programmen im Bereich cen fr Unterrichtsmanahmen
der Erziehung zu unternehmerischem Denken Ebenso wichtig wie die Aus- und Weiterbildung
und Handeln mitwirken oder diesbezglich von Lehrkrften ist, dass effiziente Ressourcen
einen Beitrag leisten mchten. Die Weiterbil- und wirksame Untersttzung fr den Unter-
dung fr Lehrkrfte setzt sich aus zwei aufei- richt bereitgestellt werden und der Erziehung
nanderfolgenden Lehrgngen zusammen. Das zu unternehmerischem Denken und Handeln
Grundprinzip der Weiterbildungsangebote von im Lehrplan gengend Raum gewhrt wird.
SLO lautet: Unternehmerisches Denken und In der Regel mchten Lehrer Ressourcen anpas-
Handeln ist eine Frage des Verhaltens. sen und weiterentwickeln knnen; fr Lehrkrfte
Der erste Lehrgang luft ber drei Tage unter knnen Standard-Produkte allerdings eine sehr
der Bezeichnung Excelling (Spitzenleistung). hilfreiche Alternative sein. Viele der Ressourcen
Im Rahmen dieses Lehrgangs, in dessen Mit- knnen sich Lehrer auf lokaler Ebene erschlie-
telpunkt Einstellungen und Verhaltenswei- en, indem sie sich die bestehenden Einrichtun-
sen stehen, soll das unternehmerische Ver- gen (z. B. von den lokalen/regionalen Behrden
halten der Lehrkrfte gefrdert werden. Die gefrderte Untersttzungszentren, siehe folgen-
Teilnehmer arbeiten an ihrer persnlichen der Abschnitt 4.3.3) zunutze machen. In einer
Entwicklung als Unternehmer. Whrend des Reihe von Fllen wurden allerdings landesweite
51

Anstrengungen unternommen, um Zugang zu Im Jahr 2011 waren bereits 26 Partner einge-


Ressourcen zu erhalten. In Slowenien beispiels- bunden. Erste Ergebnisse belegen nderungen
weise wurde ein Katalog von Schulungsprogram- in der Entwicklung von Strategien und Lehr-
men fr Lehrer eingerichtet, in dem geeignetes plnen im Bereich der Ausbildung von Lehrern
Lehrmaterial zum Einsatz kommt; das Spektrum sowie eine Verbesserung der pdagogischen
reicht hier von der Entwicklung unternehmeri- Bereitschaft der Lehrkrfte, die Erziehung zu
scher Denkweisen und Kompetenzen bis hin zu unternehmerischem Denken und Handeln im
spezielleren betriebswirtschaftlichen Lehrgngen. Unterricht einzufhren. Das Projekt hat zudem
In sterreich bietet das Impulszentrum fr Entre- zu einer Strkung des finnischen Netzes bei-
preneurship-Education (eesi = Entrepreneurship getragen.
Education fr schulische Innovationen) unter an-
derem zertifizierte Lehrbcher fr die Erziehung In Schottland untersttzt das Exzellenzzentrum
zu unternehmerischem Denken und Handeln an. Enterprising Careers Lehrer in unterschiedlicher
Das Zentrum hat ein Software-Tool zur Messung Form bei der Erziehung zu unternehmerischem
von Persnlichkeitsmerkmalen und Haltungen Denken und Handeln. Diese Untersttzung wird
in unternehmerischen Fragen als Lehrmittel fr von einer Drittorganisation (in diesem Fall dem
Schulen des Sekundarbereichs II entwickelt. Da- Centre for Studies in Enterprise, Career Develop-
rber hinaus organisiert es Geschftsplan-Wett- ment & Work) der Universitt Strathclyde an-
bewerbe und veranstaltet jhrlich ein Symposium geboten. Die Erziehung zu unternehmerischem
mit Fachvortrgen und Workshops zur Frderung Denken und Handeln wird hier als umfassender
unternehmerischer Initiative. Ansatz betrachtet (hnlich wie bereits etwa fr
Finnland beschrieben); bei diesem Ansatz liegt
Die virtuelle Lernumgebung fr der Schwerpunkt eher auf der persnlichen Ent-
die Erziehung zu unternehme- wicklung und der Verbesserung des Unterrichts-
rischem Denken und Handeln erfolgs als auf der vorrangigen Konzentration auf
Universitt Turku, Finnland unternehmerische Initiative im Sinne der Grn-
dung oder Fhrung eines Unternehmens. Enter-
Die von der Universitt Turku in Finnland ent-
prising Careers bietet eine Reihe von CPD-Kursen
wickelte virtuelle Lernumgebung fr die Erzie-
(Continuing Professional Development stndi-
hung zu unternehmerischem Denken und Han-
ge Weiterbildung) etwa unter folgenden Titeln
deln ist ein gutes Beispiel fr den Versuch, eine
an: The Enterprising Teacher, The Enterprising
Online-Plattform zu schaffen, um dem Mangel
School und Excellence in Enterprise. (Der letzt-
an Informationen, Lernmaterialien und Kon-
genannte Kurs stellt Werkzeuge zur Verfgung,
takten im Bereich der Aus- und Weiterbildung
mit denen die Schulen den Umfang von Manah-
von Lehrer im Bereich der Erziehung zu unter-
men zur Frderung unternehmerischer Initiative
nehmerischem Denken und Handeln zu be-
in ihren jeweiligen Einrichtungen prfen knnen.)
gegnen. Mithilfe der virtuellen Lernumgebung
sollen dynamische Modelle fr die Erziehung Auerdem werden verschiedene Unterneh-
zu unternehmerischem Denken und Handeln menspakete u. a. mit Materialien und Werkzeu-
geschaffen, die Knpfung von Kontakten zwi- gen fr Lehrer angeboten, die in unterschiedli-
schen den mit der Konzeption der Erziehung chen Altersstufen (5-7 Jahre, 8 11 Jahre und
zu unternehmerischem Denken und Handeln 12-14 Jahre) eingesetzt werden knnen.
betrauten Fachkrften ermglicht und Ausbil-
Europaweit werden noch zahlreiche weitere An-
der von Lehrkrften untersttzt werden, indem
stze verfolgt. In Frankreich beispielsweise wer-
Hilfestellung bei der Entwicklung von pdago-
den Kinder und Jugendliche im Alter von 5 bis 14
gischen Konzepten, Strategien und Lehrplnen
Jahren mit dem Comic Lucy et Valentin crent
fr die Ausbildung von Lehrkrften in diesem
leur entreprise! (Lucy und Valentin grnden
Bereich geleistet wird.
ein Unternehmen!) zu unternehmerischem Den-
Das Mitte 2010 in die Wege geleitete Projekt ken und Handeln ermutigt und motiviert, ber die
wird im Zeitraum 2010 bis 2013 durchgefhrt. Grndung eines eigenen Unternehmens nach-
52

zudenken. Der Comic vermittelt auf interaktive, rufe, das Orientierungsmodul Entdecke deine
dynamische, positive und pragmatische Weise Strken zur Erkennung persnlicher Strken
Einblicke in die Wirtschaft und in unternehmeri- und Schwchen und schlielich einen Test zur
sches Denken und Handeln und kann sowohl von Ermittlung unternehmerischer Begabung. Au-
einzelnen interessierten Schlern eigenstndig erdem absolvieren die Teilnehmer zu Hause
verwendet als auch im Klassenverbund einge- zwei schriftliche Tests: einer Selbstbewertung
setzt werden. Der Comic besteht aus zehn Teilen, und einer Einschtzung der Strken der Sch-
jeweils einem fr die einzelnen Stufen des Pro- ler durch Freunde, Eltern usw. Die Online-Tests
zesses, den Lucy und Valentin bei der Erffnung werden einem Talent-Coach bermittelt; sp-
ihres Ladens fr Sportmode durchlaufen. Ein ter erfolgt eine Nachbereitung in einem eintgi-
hnlicher Ansatz wird in Luxemburg verfolgt; dort gen Seminar der Teilnehmer mit dem Talent-
werden im Primarbereich anhand des Comics beauftragten (mit hchstens zwlf Schlern).
Boule et Bill crent leur entreprise (Boule und In diesem Seminar werden die Ergebnisse der
Bill grnden ein Unternehmen) Informationen Tests errtert und persnliche Talentprofile er-
ber die Grndung von Unternehmen vermittelt. arbeitet. Nach Abschluss des Seminars gehen
die Schler mit fnf konkreten Vorschlgen fr
Zunehmend werden auch virtuelle Ressourcen
eine knftige Berufsausbildung, eine Beschf-
genutzt. Im Vereinigten Knigreich beispiels-
tigung oder ein Studium nach Hause. In den
weise werden internetbasierte Ressourcen auf
ersten 18 Monaten haben sich mehr als 4 500
nationaler und regionaler Ebene von staatlichen
Schler aus 170 Schulen an dem Projekt be-
und lokalen Bildungsbehrden bereitgestellt
teiligt. Die vom Wirtschaftsministerium Baden
([Link]/). In Polen besteht
Wrttemberg (mit Schwerpunkt auf dem As-
eine Schlsselkomponente des nationalen Pro-
pekt der unternehmerischen Initiative) und von
gramms Dynamisches Unternehmertum zur
der Regionaldirektion Baden-Wrttemberg der
Frderung der Erziehung zu unternehmerischem
Bundesagentur fr Arbeit (mit Schwerpunkt auf
Denken und Handeln in Hochschuleinrichtungen
dem Aspekt der Berufsberatung) finanzierte In-
in einem speziellen Web-Portal ([Link].
itiative hat sich als gutes Beispiel fr eine Zu-
pl), ber das Studierenden Unterlagen, Werkzeu-
sammenarbeit auf regionaler Ebene erwiesen.
ge und Lerntipps erhalten und Lehrkrften Unter-
richtsmaterialien zur Verfgung gestellt werden.
ber die oben beschriebenen Arten von Ressour-
cen hinaus bentigen die Lehrer allerdings auch
Ermittlung unternehmerischer Raum, um von den verfgbaren Ressourcen Ge-
Talente ber das Internet brauch machen zu knnen. Einer Nutzung die-
Baden-Wrttemberg, Deutschland ser Ressourcen knnen allerdings verschiedene
Die Talenteschmiede Baden-Wrttemberg ist Hindernisse entgegenstehen, die die Erziehung
ein Pilotprojekt der NaturTalent-Stiftung fr zu unternehmerischem Denken und Handeln als
Schler allgemeinbildender Schulen im Alter auerunterrichtliche Aktivitt an den Rand des
von 15 bis 20 Jahren. Mit der Talenteschmiede Lehrplans verdrngt haben. Teilweise sind die
sollen Schler auf ihre natrlichen Begabungen Lehrplne nicht flexibel genug. Aus derartigen
aufmerksam gemacht werden und Hinweise Grnden kann es fr Lehrer schwierig sein, inno-
auf mgliche Berufswege erhalten. Dahinter vative Aktivitten zu organisieren und den Sch-
steht der Gedanke, dass Menschen vermutlich lern grere Freirume zu gewhren. Eine Lsung
effizienter und innovativer arbeiten, wenn sie ist in Slowenien gelungen: Dort knnen die Lehrer
ihre Begabungen in ihre Beschftigung einbrin- frei ber bis zu 20 % des gem dem nationa-
gen knnen. In der ersten Stufe des Prozesses len Rahmenlehrplan vorgesehenen Zeitbudgets
unterziehen sich die Schler verschiedenen verfgen. Diese Regelung erffnet Freirume zur
Online-Tests; diese Tests dauern insgesamt Frderung unternehmerischer Initiative.
fnf Stunden und sind zu Hause zu absolvie-
ren. Sie umfassen eine Kompetenzprfung,
eine Prfung zur Bestimmung mglicher Be-
53

Untersttzungsnetze die Art unternehmerischer Ttigkeit sowohl im


Allgemeinen als auch in der jeweiligen lokalen
Netze knnen in erheblichem Umfang zur Un-
oder regionalen Umgebung.
tersttzung von Lehrern beitragen. In berufsbe-
zogenen Netzen oder Wissensgemeinschaften Die Einbeziehung von Unternehmen erfolgt al-
knnen Lehrer Erfahrungen und Wissen im Be- lerdings unregelmig und unsystematisch;
reich der Erziehung zu unternehmerischem Den- entsprechend unterschiedlich sind die Ausgangs-
ken und Handeln weitergeben und voneinander punkte des Entwicklungsstufenmodells. Der Ein-
lernen. In Slowenien beispielsweise wurden die beziehung von Unternehmen stehen verschiede-
Bedeutung derartiger untersttzender Rahmen- ne Hindernisse entgegen; dies sind insbesondere
bedingungen bei der Entwicklung der Erziehung der Mangel an Zeit und Ressourcen, die fehlenden
zu unternehmerischem Denken und Handeln Anreize fr eine Beteiligung und die unklare Vor-
sowie die Notwendigkeit der Frderung einer stellung davon, wie Unternehmen am vorteilhaf-
intensiveren Zusammenarbeit und Kommunika- testen in die Erziehung zu unternehmerischem
tion der beteiligten Akteure anerkannt. Dies hat Denken und Handeln eingebunden werden knn-
das Engagement beim Aufbau eines Lehrernet- ten. Eine Mglichkeit zur Verstrkung der Beteili-
zes gefrdert. gung besteht darin, an die soziale Verantwortung
in Unternehmen zu appellieren und dabei anzu-
Untersttzungsnetz fr Lehrkrfte erkennen, dass die Frderung unternehmerischer
im Hochschulbereich in Irland Initiative bei jungen Menschen der Gesellschaft
insgesamt (d. h. einschlielich der Wirtschaft) zu-
In Irland hat das INTRE (Irish Network of Tea-
gutekommt. Die Beteiligung an Manahmen zur
chers and Researchers of Entrepreneurship) (g)
Frderung unternehmerischer Initiative kann das
zur Gestaltung der Kultur und der Verfahren
Profil eines Unternehmens schrfen und seine
bei Manahmen im Bereich der Frderung
Wahrnehmung in der ffentlichkeit verbessern.
unternehmerischer Initiative (im Hochschul-
bereich) beigetragen. Dies spielt fr den Ka- Auerdem untersttzen Unternehmen die T-
pazittsaufbau in allen Einrichtungen eine tigkeit der zahlreichen privaten Vereinigungen
entscheidende Rolle. Der britische National und Organisationen (z. B. JA-YE und EUROPEN),
Council for Graduate Entrepreneurship un- die bei der Entwicklung praktischer Erfahrungen
tersttzt die Arbeit des INTRE und hat irische bislang eine hchst wichtige Rolle gespielt ha-
Lehrkrfte in sein International Entrepreneurs- ben. Diese Organisationen genieen im privaten
hip Educators Programme aufgenommen; Sektor groen Rckhalt und knnen unmittelbar
dieses Programm wird von Enterprise Ireland auf konkreten praktischen Erfahrungen in Unter-
finanziell untersttzt. nehmen aufbauen und diese praktischen Erfah-
rungen Schulen und Lehrkrften als Material fr
4.4.2 E
 inbeziehung von Unternehmen praxisbezogenes experimentelles Lernen zur Ver-
sowie privaten Verbnden und fgung stellen. Bislang haben Schulen und Lehrer
Organisationen derartige von privaten Verbnden und Organisa-
tionen eingebrachte praktische Erfahrungen je-
Unternehmen sind entscheidende Akteure in doch eher auf Ad-hoc-Basis fr sich genutzt.
Strategien fr die Erziehung zu unternehme-
rischem Denken und Handeln: Sie knnen die Um die Frderung unternehmerischer Initiati-
Beispiele und Erfahrungen aus dem wirklichen ve bei allen Schlern zu ermglichen, sieht das
Leben einbringen, die fr die Lernentwicklung Entwicklungsstufenmodell eine Ausweitung der
der Schler von wesentlicher Bedeutung sind. Anfragen bei Unternehmen sowie bei privaten
Der Dialog zwischen Unternehmern und Lehr- Verbnden und Organisationen vor. Da die Beteili-
krften ist eine entscheidende Voraussetzung gung der Wirtschaft auf Freiwilligkeit beruht, sind
fr die Relevanz der Erziehung zu unternehme- Erfolge nur dann zu erwarten, wenn die folgenden
rischem Denken und Handeln und fr die Sen- Bedingungen gegeben sind: i) strkere systema-
sibilisierung der Schler fr den Umfang und tische Beteiligung und Aufbau langfristiger nach-

[Link]
(g)
54

haltiger Beziehungen mit Schulen gem dem Vision einer durch unternehmeri-
Entwicklungsstufenmodell und ii) Entwicklung sche Initiative bestimmten Zukunft:
innovativer Anstze fr die Einbeziehung von Un- das Programm DREAM
ternehmen, einschlielich einer umfassenderen
Nutzung lokaler Partnerschaften und der Entwick- Im Rahmen des fr Jugendliche im Alter von
lung einer Vermittlerttigkeit lokaler Unterneh- 16 bis 19 Jahren aufgelegten belgischen Pro-
mensverbnde (was in Lndern wie Deutschland jekts DREAM(h) knnen Unternehmer/Arbeitge-
mit einer gewachsenen Verbandsstruktur etwa in ber auf freiwilliger Basis in Schulklassen oder
Form der Handelskammern natrlich leichter zu am Arbeitsplatz ihre Erfahrungen weitergeben.
bewerkstelligen ist). Ebenso wichtig ist die Ein- Das Programm wurde vom Fachbereich KMU
beziehung von Unternehmensverbnden in die der Brussels Management School des Institut
Entwicklung und Umsetzung von Strategien auf Catholique des Hautes Etudes Commerciales
nationaler Ebene. Unternehmensverbnde und (ICHEC-PME) entwickelt. Mit dem Programm
Interessenvertretungen der Wirtschaft wie z. B. DREAM werden vier Ziele angestrebt:
Handelskammern knnen wertvolles Fachwissen 1. Ermutigung Jugendlicher zum Nachdenken
und wichtige Erfahrungen fr die Einfhrung der darber, welchen Beruf sie ausben mch-
Erziehung zu unternehmerischem Denken und ten bzw. wovon sie wirklich trumen,
Handeln einbringen und sicherstellen, dass Schu- 2. Beratung zu den Kompetenzen, die zur
len und Lehrer die Anforderungen der Wirtschaft Verwirklichung der persnlichen Trume
angemessen bercksichtigen. bentigt werden,
In einer Reihe von Bereichen kann die Rolle der 3. Frderung und Vermittlung unternehme-
Unternehmen gestrkt werden, um die Ent- rischer Einstellungen und Verhaltenswei-
wicklung der Erziehung zu unternehmerischem sen und
Denken und Handeln zu untersttzen (siehe 4. Vertiefung von Kontakten zwischen Schu-
folgenden Kasten): len und der Wirtschaft.
Im Zentrum von DREAM steht ein nationaler
Schlsselelemente bei der Entwick-
Tag, der jungen Menschen die Mglichkeit
lung der Rolle der Unternehmen
bieten soll, sich angeregt durch Schilderungen
Besuche, Praktika, Fallstudien und Rollen- von Akteuren aus unterschiedlichen Bereichen
modelle von Wirtschaft und Gesellschaft (Dienstleis-
Programme fr Mini-Unternehmen und tungen, produzierendes Gewerbe, Kultur- und
virtuelle Unternehmen Kreativwirtschaft, NRO usw.) Gedanken ber
ihre Zukunft zu machen. Die Initiative wurde
Private Verbnde und Organisationen als 1999 landesweit eingeleitet; seitdem haben
Vermittler zwischen der Wirtschaft und mehr als 101 000 Schler an dem Programm
dem Bildungssektor teilgenommen.

Besuche, Praktika, Fallstudien und Rollen- Unternehmenstage oder -wochen erfreuen sich
modelle zunehmender Beliebtheit; sie bieten die Mg-
lichkeit zur zielgerichteten Beschftigung, hufig
Die Unternehmen untersttzen die Erziehung zu unter Aussetzung des normalen Stundenplans
unternehmerischem Denken und Handeln seit der jeweiligen Schule, und die Schler arbeiten
Jahren in vielfltiger Weise und werden dies gemeinsam an bestimmten Aufgabenstellungen.
auch knftig tun. Einer der wirkungsvollsten An- In Frankreich beispielsweise knnen Unterneh-
stze besteht darin, Schler mit Unternehmen men der unterschiedlichsten Branchen whrend
und echten Unternehmerpersnlichkeiten in Be- der Semaine Ecole-Entreprise18 ihre Tren fr
rhrung zu bringen. Schler ffnen, und Unternehmer bzw. Arbeit-
geber knnen in den Schulen ihre Erfahrungen

(h)
[Link]
18 [Link]
55

weitergeben. Diese im Jahr 2000 ins Leben geru- gangenen Jahr verzeichnete die Website19, auf
fene Initiative hat folgende Ziele: Frderung des der das Spiel in einer Demoversion verfgbar ist,
gegenseitigen Verstndnisses im Bildungssektor 5 000 Besucher.
und in der Wirtschaft, Strkung des Austauschs
und des Aufbaus von Partnerschaften zur Unter- Gewhrleistung der direkten
sttzung neuer Initiativen und Begrndung ei- Beteiligung von Unternehmern an
nes nachhaltigen langfristigen Dialogs zwischen der Erziehung zu unternehmeri-
Lehrern und Fhrungskrften aus der Wirtschaft. schem Denken und Handeln:
Die Initiative ist Bestandteil eines jhrlichen Ver- Universitt Valencia, Spanien
anstaltungskalenders, der gem einer Rahmen-
An der Universitt Valencia (Spanien) finanzie-
vereinbarung vom 19. Juli 2004 zwischen dem
ren und verwalten Unternehmer einen Lehr-
Bildungsminister und dem Prsidenten des Mou-
stuhl fr Erziehung zu unternehmerischem
vement des Entreprises de France in Zusammen-
Denken und Handeln. Die fr die Durchfhrung
arbeit mit der Wirtschaft gestaltet wird. Weitere
des begleitenden Seminars zustndigen Leiter/
Partner sind das Centre of Young Leaders und der
Lehrbeauftragten stammen ausschlielich aus
Verband Youth Association and Enterprise.
lokalen Unternehmen. Entsprechend haben sie
In Slowenien werden in der von JAPTI, der Be- nicht nur Vorbildcharakter, sondern sind auch
hrde fr Unternehmen und auslndische Di- unmittelbar an der Erziehung zu unternehmeri-
rektinvestitionen, geleiteten Initiative D-School schem Denken und Handeln beteiligt. Im Laufe
(Design Thinking School) interdisziplinre Grup- der zehn Jahre, die dieses Programm inzwi-
pen von Schlern, Lehrern und innovativen Un- schen besteht, wurden 250 Unternehmenspro-
ternehmen zusammengebracht, um Lsungen jekte entwickelt. Der Erwerb unternehmerischer
fr Probleme der realen Wirtschaft zu entwickeln. Kompetenzen und Einstellungen seitens der
Mentoren aus der Wirtschaft kommen regelm- Studierenden ist als ein wesentlicher Erfolg die-
ig in die Schulen, und die Schler besuchen be- ses Programms zu verbuchen.
teiligte Unternehmen, in denen sie erste Einblicke
in die jeweiligen Betriebe erhalten und in denen Mini-Unternehmen, virtuelle Unternehmen
die jeweiligen Produkte und Technologien vorge- Die wirksamste Form der Konfrontation von Sch-
stellt werden. Auerdem stellen die Unternehmen lern (und Lehrern!) mit Methoden und Herausfor-
Schlern ihre Forschungsinfrastruktur zur Verf- derungen der Wirtschaft besteht in der Nutzung
gung, um die Schler bei der Entwicklung von von Mini-Unternehmen zur Nachbildung einer
Prototypen zu untersttzen. Umgebung, in der unternehmerische Kompe-
Dieser praxisorientierte Ansatz ist auch in den tenzen experimentell entwickelt werden knnen.
Niederlanden zu beobachten. Dort hat im Jahr In diesen Mini-Unternehmen werden in kleinem
2004 die Universitt Groningen gemeinsam mit Mastab und fr einen begrenzten Zeitraum reale
ID Media ein Internet-Lernspiel fr Schler be- betriebliche Ttigkeiten durchgefhrt; damit wird
rufsvorbereitender und berufsbildender hherer den Schlern die Mglichkeit erffnet, persnliche
Schulen entwickelt. Mit dem KvK Startersspel Erfahrungen mit den Herausforderungen zu sam-
(KvK= Kamer van Koophandel) sollen Sch- meln, mit denen Unternehmer konfrontiert sind.
ler auf spielerische Art ber die verschiedenen Der Bericht der Europischen Kommission aus
Schritte bei der Grndung eines Unternehmens dem Jahr 2005 ber Mini-Unternehmen zeigt,
informiert und auf Organisationen aufmerksam dass diese Schlern den Erwerb grundlegender
gemacht werden, die bei der Unternehmens- unternehmerischer Kompetenzen, persnlicher
grndung von Belang sind (z. B. Handelskam- Kompetenzen und Querschnittskompetenzen so-
mern). Das Spiel wurde im Jahr 2005 zunchst wie die Entwicklung von Kreativitt, Begeisterung
in fnf Schulen erprobt und kann inzwischen in und Selbstvertrauen ermglichen; die Schler
allen niederlndischen Schulen genutzt werden. lernen, im Team zu arbeiten, Verantwortung zu
Zurzeit sind etwa 80 Schulen registriert. Im ver- bernehmen und Eigeninitiative zu entwickeln.20

19 [Link]
20 GD Unternehmen und Industrie (2005) Best-Projekt: Schlerfirmen im Sekundarbereich ([Link]
newsroom/cf/[Link]?item_id=3358).
56

Die wesentlichen Faktoren (bewhrte Verfahren) Mini-Unternehmen in Bulgarien


fr die wirksame und erfolgreiche Einfhrung von
Schlerfirmenprogrammen sind Teamarbeit und In Bulgarien wurde in der Sophia High School
die Freiheit der Schler zur Entwicklung eigener (einer berufsbildenden Einrichtung mit dem
Ideen, das Knpfen von Kontakten zur Wirtschaft Schwerpunkt Architektur, Bauwesen und Ver-
und zur rtlichen Gemeinde und die Verfgbarkeit messungswesen) ein Zentrum fr unterneh-
von Mentoren und Beratern aus der Wirtschaft. merische Initiative eingerichtet, das zwei Sch-
lerunternehmen untersttzt hat. Die Schler
Mini-Unternehmen bieten folgende werden theoretisch und praktisch mit grund-
Vorteile: legenden Inhalten unternehmerischer Ttigkeit
vertraut gemacht, indem sie eigene Unterneh-
1. starke Verbindung mit Unternehmen und men grnden und fr die Dauer eines Schuljah-
mit der rtlichen Gemeinde und die Einbe- res leiten. Dabei erhalten sie Orientierungshilfe
ziehung des privaten Sektors, von speziell geschulten Lehrern/Beratern. Bei
2. Flexibilitt und Anpassungsfhigkeit der den ersten Schritten als junge Unternehmer
Programme an unterschiedliche Bildungs- werden die Schler von freiwilligen Mitarbei-
formen sowie an unterschiedliche Gege- tern aus Unternehmen des Business Club
benheiten vor Ort, begleitet, der ebenfalls zum Zentrum gehrt
und die Kontakte zwischen Schulen und lokalen
3. sich bei den Schlern entwickelnde Begeis- Unternehmen frdern soll. Die freiwilligen Krf-
terung und Motivation (selbst bei Schlern, te aus der Wirtschaft stehen den Schlern fr
die in den herkmmlichen Fchern weniger Konsultationen zur Verfgung; sie fungieren als
motiviert sind) und Coachs und geben den Schlern Anregungen.
4. Potenzial an Kreativitt, Initiative und In- Als Alternative zur Grndung echter Unterneh-
novation, das diese Aktivitten bei Jugend- men sind virtuelle Unternehmen oder bungs-
lichen freisetzen knnen. firmen beliebt, die in grtmglichem Umfang
Quelle: GD Unternehmen und Industrie (2005), Ablufe, Produkte und Dienstleistungen aus der
Best-Projekt: Schlerfirmen im Sekundarbe- realen Wirtschaft nachbilden. bungsfirmen wer-
reich. den insbesondere im Sekundarbereich und in der
Berufsausbildung genutzt. Die Schler arbeiten
Erfahrungsgem kann sich die Beteiligung an an Unternehmensprojekten mit und erhalten Ein-
derartigen Aktivitten unmittelbar dahingehend blicke in die Ablufe in realen Unternehmen. Im
auswirken, dass die Schler spter tatschlich ei- Allgemeinen stehen die bungsfirmen mit einem
gene Unternehmen grnden. Zwei in Norwegen in echten Unternehmen in Verbindung: Die bungs-
den Jahren 2002 und 2005 durchgefhrte nati- firmen verfgen ber verschiedene Abteilungen
onale Evaluierungen des Nutzens von Schlerfir- (Personalwesen, Verwaltung, Marketing, Buchhal-
men im allgemein- und berufsbildenden Sekund- tung, Logistik usw.), die von den Schlern durch-
arbereich II haben ergeben, dass die Schler, die laufen werden.
in einer Schlerfirma mitgearbeitet hatten, eher LDie Schulungen erfolgen praxisbezogen, inter-
den Schritt in die Selbststndigkeit wagen. Unter- disziplinr und lsungsorientiert. So erwerben die
suchungen in der Altersgruppe der ber 29-Jh- Schler die Kompetenz zur Arbeit in Teams, zur
rigen zeigen, dass der Anteil derjenigen, die ein Entscheidungsfindung und zur bernahme von
eigenes Unternehmen grnden, bei Personen, Verantwortung fr die eigene Arbeit. Darber hin-
die an Schlerfirmen beteiligt waren, berdurch- aus erarbeiten sie sich weitere unternehmerische
schnittlich hoch ist (16,6 % gegenber einem all- Kompetenzen (Fhigkeit zur Verhandlungsfh-
gemeinen Durchschnitt von 7,5 %).21 rung, Einschtzung und bernahme von Risiken,
Planung und Strukturierung eigener Arbeit usw.).
bungsfirmen sind hufig in umfassendere Netze
eingebunden, die Geschftsbeziehungen mit ande-

21 Die Evaluierungen wurden vom Nord-Trndelags Research Institute durchgefhrt (siehe Kovereid und Alsos, 2003).
57

ren Unternehmen unterhalten knnen. Internatio- Teilnehmerzahlen haben in allen Bildungsebenen


nale Partnerschaften mit bungsfirmen in anderen stndig zugenommen, insbesondere im Sekund-
Lndern sind ebenfalls mglich (z. B. im Rahmen arbereich: 48 921 Schler und 1 250 Lehrer ha-
von EUROPEN, einem weltweiten Netz mit mehr ben whrend der ersten Phase zwischen 2004
als 5 500 bungsfirmen in 42 Lndern).22 und 2007 an dem Programm teilgenommen.
Beitrag privater Verbnde und Organisa-
Virtuelle Firmen in der Tschechischen tionen
Republik
Wie bereits erlutert, spielen viele Organisa-
In erster Linie soll das Projekt Virtuelle Fir- tionen auerhalb des allgemeinen ffent-
ma in der Tschechischen Republik Schlern lichen Bildungssektors seit geraumer Zeit
zeigen, wie sie eigene Unternehmen grnden eine Schlsselrolle bei der Einfhrung und
und fhren knnen. Ausgehend von einer Frderung der Erziehung zu unternehmeri-
vorgegebenen Situation im Zusammenhang schem Denken und Handeln. Vielfach engagie-
mit ihrem jeweiligen Unterrichtsinhalt bzw. ren sich Unternehmen und private Organisationen
eigenen Interessen oder eigenem Erleben er- in bemerkenswerter Weise: Die Palette reicht von
arbeiten die Schler einen Geschftsplan. Die kleinen lokalen Betrieben und Organisationen bis
Prozesse im Rahmen dieses Projekts spiegeln hin zu Akteuren des Bildungssektors von interna-
in grtmglichem Umfang Prozesse in der tionalem Rang. Das Spektrum der Akteure reicht
realen Wirtschaft wider. Bei diesen bun- von lokalen Kammern oder branchenbezogenen
gen in Verbindung mit virtuellen Unterneh- Organisationen ber Unternehmenszentren im
men des CEFIF (des nationalen Zentrums fr Hochschulbereich, Agenturen zur Regionalent-
bungsfirmen) mssen sich die Schler mit wicklung und Beratungsgesellschaften bis hin zu
der ffentlichen Verwaltung in Verbindung Initiativen und Projekten zur Wahrnehmung der
setzen (weil sie z. B. Genehmigungen benti- sozialen Verantwortung in Unternehmen. Hufig
gen, weil ein Unternehmen eingetragen wer- werden die Projekte aus ffentlichen Mitteln oder
den soll oder weil steuerliche Aspekte geklrt von privaten Sponsoren finanziert. Bei in der Re-
werden mssen). Auerdem organisieren die gel eher geringerem Aufwand vermitteln diese
Schulen mit Untersttzung des CEFIF jhrlich Projekte wertvolle Inhalte und bieten Lehrern und
13 Regionalmessen und eine internationale Schulen, die nicht ber die erforderliche Erfahrung
Messe. Am Ende des Schuljahres knnen die verfgen, wichtige logistische Untersttzung.
Schler ihre Firmen auflsen oder auf jn-
gere Schler bertragen. Die internationale JA-YE (Junior Achievement Young
Vernetzung erfolgt ber das Netz EUROPEN. Enterprise)
In Spanien sollen die von der Autonomen Ge- Eine der grten und bekanntesten privaten
meinschaft Asturien aufgelegten Programme Organisationen ist das Netz JA YE Europe (JA
Emprender en mi escuela (Unternehmerische YE Junior Achievement Young Enterprise)(i).
Initiative in meiner Schule) und Empresa Joven Das Netz wird von Unternehmen, Einrichtun-
Europea (Junges europisches Unternehmen) gen, Stiftungen und Privatpersonen finanziert
die Einfhrung unternehmerisch orientierter An- und ist in 41 Lndern ttig. JA-YE untersttzt
stze im Bildungssystem ermglichen. Beide Pro- u. a. ein Programm, in dem junge Menschen
gramme ermglichen Schlern die Grndung und Erfahrungen mit der Leitung eines Unterneh-
die Leitung von Mini-Unternehmen. Das umfas- mens sammeln knnen. Das JA-YE Company
sendere Ziel dieser Programme besteht jedoch in Programme vermittelt Schlern im Alter von
der Sensibilisierung des Bildungssektors und an- 15 bis 21 Jahren fundierte Erfahrungen in
derer Teile der Gesellschaft fr unternehmerische Bezug auf verschiedene unternehmerische
Initiative sowie darin, Lehrern und Schulen ge- Aufgaben, von der Projektentwicklung ber die
eignete Mittel zur Frderung unternehmerischer Gestaltung bis zur Fertigung von Produkten.
Initiative im Bildungssystem bereitzustellen. Die Die Schler knnen Fhrungskrfte whlen,

JA-YE Europe ist die europische Sektion des in 98 Lndern vertretenen Netzes JA Worldwide.
(i)

22 [Link]
58

Grohandels- und Einzelhandelspreise aus- de die externe Organisation Valnaln beauftragt,


handeln, Gewinnschwellen berechnen, Budgets Manahmen im Bereich der Erziehung zu unter-
erstellen, Lhne zahlen, Marktforschungen nehmerischem Denken und Handeln einzufhren.24
durchfhren, Werbung gestalten und Produkte Die Erziehung zu unternehmerischem Denken
verkaufen. Am Ende des Programms lsen die und Handeln ist inzwischen Bestandteil des regi-
Schler ihre Unternehmen wieder auf, erstellen onalen Lehrplans, und zurzeit wird das in Asturien
eine Gewinn- und Verlustrechnung und eine entwickelte Modell auf andere spanische Regio-
Bilanz und berichten einer Gruppe von Aktion- nen bertragen. Unter Leitung von Valnaln wur-
ren ber ihre wichtigsten Erfahrungen. den unter anderem die Initiativen Empresa en Mi
Escuela (Ein Unternehmen in meiner Schule) und
Eine weitere wichtige internationale Organisa- Empresa Joven Europea (Junges europisches
tion ist EUROPEN; diese Organisation frdert Unternehmen) in die Wege geleitet. In Luxemburg
bungsfirmen, erleichtert die Schaffung eines wurde einer ASBL25 (asbl Jonk Entrepreneuren)
internationalen Netzes, entwickelt Methoden von der Regierung der ffentliche Auftrag er-
und vertritt die Mitglieder gegenber staatlichen teilt, die Erziehung zu unternehmerischem Den-
Behrden. ken und Handeln zu bewerben und zu gestalten.
Durch die Mitgliedschaft der ASBL im JA-YE-Netz
Auerdem hat diese Organisation im Rahmen
sowie mit Untersttzung aus der Privatwirtschaft
eines mit Mitteln des EU-Programms Leonar-
frdert diese neu gegrndete Organisation ohne
do da Vinci gefrderten Projekts ein Programm
Erwerbszweck Mini-Unternehmen von Schlern in
zur Verleihung der EUROPEN-Qualittszertifi-
Sekundarschulen.
kate fr bungsfirmen und fr Praktikanten in
bungsfirmen entwickelt.23
Entwicklung einer strukturierten
Externe Organisationen zur Frderung der Beteiligung von Unternehmen an
Erziehung zu unternehmerischem Denken der Erziehung zu unternehmeri-
und Handeln knnen wirksam in nationale schem Denken und Handeln: Bei-
Strategien einbezogen werden. In Norwegen spiel Italien
beispielsweise ist JA-YE ein wesentlicher Be-
In Italien hat der Arbeitgeberverband Confin-
standteil der nationalen Strategie und spielt eine
dustria ein Projekt initiiert, mit dem Unterneh-
zentrale Rolle bei deren Umsetzung. In Rumnien
mer in 16 italienischen Provinzen in Schulrte
ist das nationale Programm zur Frderung unter-
aufgenommen wurden. Um das Bewusstsein
nehmerischer Initiative (Junior Achievement Ro-
fr die Rolle des Unternehmers zu frdern, hat
mania) in das ffentliche Schulsystem integriert.
Confindustria einen verbandsinternen Bereich
Das Programm beinhaltet zwlf Komponenten,
Jungunternehmer eingerichtet, der sich als
in denen die Schler durch praktische Erfahrun-
kritisches Gewissen innerhalb der Confindus-
gen lernen sollen (Learning by Doing): Unsere
tria und als Innovationslabor fr die Zivilge-
Gemeinde, Das ist mein Unternehmen, Globaler
sellschaft versteht. Der Bereich umfasst heute
Marktplatz, Unternehmensprogramm, Fremden-
12 500 Verbnde in 105 Provinzen und 20
verkehrsunternehmen, Technologieunternehmen,
Regionalausschssen.
Unternehmen ohne Grenzen, IT in Unternehmen,
Mathematik fr Unternehmen, Wirtschaftsethik,
Programm Innovationsfrderung, Programm 4.4.3 Entwicklung einer aktiven Rolle der
Wirtschaftsfrderung (Titan). lokalen und regionalen Behrden

Das Programm wird landesweit auf allen Bil- Lokale und regionale Behrden spielen eine wich-
dungsebenen durchgefhrt. Die Schler erhalten tige Rolle bei der Entwicklung der Erziehung zu
kostenlose Lehrbcher und Online-Untersttzung. unternehmerischem Denken und Handeln. Gem
spielen. In Asturien (Spanien) beispielsweise wur- dem Entwicklungsstufenmodell kamen lokalen
und regionalen Behrden bisher sehr unterschied-

23 [Link]
24 [Link]
25 Eine ASBL (Association Sans But Lucratif) ist eine Organisation ohne Erwerbszweck, die berschssige Mittel in die Verwirklichung
ihrer Ziele reinvestiert. Die Mitglieder einer ASBL mssen Rechtssubjekte sein (Unternehmen oder natrliche Personen).
59

liche Rollen zu; teilweise waren die Behrden au- Schlsselrollen regionaler und
erordentlich aktiv, manche Behrden haben aber lokaler Behrden
auch keinerlei Funktion bernommen. Das Ent-
wicklungsstufenmodell sieht vor, dass lokale und Aufbau von Untersttzungsnetzen
regionale Behrden eine zunehmend wichtigere Aufbau lokaler und regionaler Unter-
Funktion bernehmen, indem sie zur Entwicklung sttzungszentren
systematischerer und strukturierterer Anstze in
Verknpfung der Erziehung zu unter-
der Erziehung zu unternehmerischem Denken und
nehmerischem Denken und Handeln mit
Handeln beitragen. Dies wird erforderlich sein, um
umfassenderen lokalen und regionalen
das bergeordnete Ziel der Erziehung zu unterneh-
Strategien
merischem Denken und Handeln fr alle Schler
verwirklichen zu knnen. Am Ende dieser Entwick-
Aufbau von Untersttzungsnetzen und
lung knnte die Einrichtung von Partnerschaften
-zentren
auf der Ebene lokaler Gebietskrperschaften ge-
setzlich vorgeschrieben werden, um eine umfas- Auf praktischer Ebene knnen lokale und regio-
sende Abdeckung sicherzustellen. nale Behrden eine wichtige Rolle beim Aufbau
von Untersttzungsnetzen und -zentren spielen.
Regionale und lokale Behrden sind in einzigar- Sie stellen ein natrliches Forum dar, um Schu-
tiger Weise fr die bernahme einer fhrenden len zusammenzufhren, den Dialog und Aus-
Rolle bei der Entwicklung von Schul-Clustern und tausch mit Unternehmen zu frdern, Aspekte
der Herstellung von Verbindungen zwischen dem der Erziehung zu unternehmerischem Denken
Bildungssektor und der Wirtschaft prdestiniert. und Handeln zu errtern und bewhrte Verfah-
Wenn lokalen und regionalen Behrden weitrei- ren zu verbreiten. Ein aufschlussreiches Beispiel
chende Zustndigkeiten im Bildungsbereich ber- aus dem Vereinigten Knigreich zeigt, wie eine
tragen wurden (z. B. in Deutschland und in Spa- derartige langfristige lokale Entwicklung von der
nien), muss die Erziehung zu unternehmerischem nationalen Regierung aufgegriffen wurde, um
Denken und Handeln in vollem Umfang in der eine landesweite Abdeckung herbeizufhren;
lokalen Bildungspolitik und praktischen Bildungs- dieser Schritt ist auch im Entwicklungsstufen-
arbeit bercksichtigt werden. modell vorgesehen.
Die lokalen und regionalen Behrden knnen
zur Strukturierung und zur Vermittlung von Be- Vernetzung der Erziehung zu unter-
ziehungen zwischen Schulen und einzelnen Un- nehmerischem Denken und Handeln:
ternehmen beitragen und mit lokalen Unterneh- Beispiel Vereinigtes Knigreich
mensverbnden zusammenarbeiten, um lokale Das im Vereinigten Knigreich eingerichtete
Strategien innerhalb nationaler Bildungsrahmen Unternehmensnetz (Enterprise Network) soll
zu entwickeln und sicherzustellen, dass die An- die Erziehung 5- bis 19-Jhriger zu unterneh-
forderungen der Wirtschaft in lokalen und regi- merischem Denken und Handeln frdern. Alle
onalen Lehrplnen angemessen bercksichtigt 155 Gebietskrperschaften werden abgedeckt.
werden. Sie knnen digitale Sammlungen von Geplant ist, dass sich einige zu wirksamen
Lehrmaterialien und Werkzeugen aufbauen und Partnerschaften zusammenschlieen, um auf
zugnglich machen sowie lokale und regionale diese Weise 50 bis 60 ELPs (Enterprise Lear-
Projekte finanzieren. Auerdem knnen sie si- ning Partnerships) in einem nachhaltigen Netz
cherstellen, dass die Erziehung zu unternehme- zusammenfhren. In ELPs sind Gruppen von
rischem Denken und Handeln in weitere lokale Schulen und Verbnden innerhalb jeweils ei-
bzw. regionale Strategien einbezogen wird (z. B. ner Gebietskrperschaft zusammengeschlos-
in die Bereiche Soziales (Jugend usw.) und Wirt- sen, die die Erziehung zu unternehmerischem
schaftsfrderung). Denken und Handeln proaktiv untersttzen
mchten. Jede ELP erhlt Finanzmittel zur Un-
tersttzung der unternehmerischen Erfahrun-
60

gen der 5- bis 19-Jhrigen in ihrem jeweiligen fr Manahmen der Behrden. Ein gutes Beispiel
rumlichen Zustndigkeitsbereich. ELPs unter- bietet etwa Litauen, wo Pilotzentren zur Frderung
sttzen alle Schulen im jeweiligen Gebiet, um des Unternehmergeists bei Jugendlichen eine ins-
die Qualitt und den Umfang der Erziehung zu titutionelle Grundlage fr die Erziehung Jugendli-
unternehmerischem Denken und Handeln zu cher zu unternehmerischem Denken und Handeln
verbessern. Neben den lokal definierten Ak- in vier Kommunen schaffen. Vier Zentren zur Fr-
tivitten der ELPs ist das Netz auch insoweit derung unternehmerischer Initiative bei Jugendli-
von Bedeutung, als den Schulen Zugang zu chen wurden in den Bezirken Anyksciai, Mazeikiai,
zahlreichen zentral organisierten Ressourcen Taurage und Zarasai eingerichtet. Aufbauend auf
gewhrt wird. Dazu bringt das Netz national den Erfahrungen der Partnerorganisation Com-
anerkannte Organisationen im Bereich der Er- municare wurde eine Methode fr die Frderung
ziehung zu unternehmerischem Denken und des Unternehmergeistes bei Jugendlichen entwi-
Handeln zusammen (z. B. Make your Mark ckelt. 16 als Berater ttige Jugendsozialarbeiter
und den Enterprise Education Trust). Enter- (jeweils vier in den einzelnen Kommunen) wurden
prise Village (j) ist die Online-Komponente des fr die Vermittlung einer Reihe von Programmen
Enterprise Network; diese Website fungiert geschult (Der erste Schritt, Unternehmensgrn-
vornehmlich in England als One-Stop-Shop dungen und Unternehmensentwicklung).
fr alle, die sich fr die Erziehung zu unter-
Verknpfung der Erziehung zu unternehme-
nehmerischem Denken und Handeln interes-
rischem Denken und Handeln mit umfassen-
sieren. Regionale Unternehmenskoordinatoren
deren lokalen und regionalen Strategien
und ELPs knnen lokale und regionale Seiten
einrichten, um die Entwicklung innerhalb der Kommunen und Regionen sind vielfach die geo-
Kommunen und das Engagement des Ge- grafischen Ebenen, auf denen weitere Strategi-
meinwesens zu frdern. en entwickelt und umgesetzt werden z. B. in
Bezug auf Jugend und Wirtschaftsfrderung. Die
In Wales ist im Rahmen der Entwicklungspartner- Erziehung zu unternehmerischem Denken und
schaft Cyfenter die Wissensbasis fr den Welsh Handeln kann durch die Einbeziehung in die-
Entrepreneurship Action Plan (WEAP) entstanden. se Strategien untersttzt werden, und mitunter
Ein wesentliches strategisches Ziel des Plans war kann sie auch aus anderweitigen Finanzierungs-
die Einbeziehung unternehmerischer Initiative in quellen gefrdert werden (z. B. aus dem Europ-
den nationalen Lehrplan und die Frderung von ischen Sozialfonds oder aus dem Europischen
Unternehmenskultur bereits bei Kindern und Fonds fr regionale Entwicklung).
Jugendlichen. Mit dem Projekt Dynamo will der
WEAP die Perspektiven der Menschen ndern und Etablierung der Erziehung zu unter-
eine Kultur entwickeln, in der Unternehmertum nehmerischem Denken und Handeln
respektiert und geschtzt wird. Dynamo organi- als wesentlicher Bestandteil der um-
siert Fortbildungen fr Lehrer und stellt Schulen fassenden soziokonomischen Ent-
Lehrmittel zur Verfgung (u. a. Lehrer-Begleit- wicklung, Beispiel Asturien, Spanien
hefte und Unterrichtsplne, CD-ROM-Cards mit
Die Regierung der Autonomen Gemeinschaft
Informationen ber die Wirtschaft in Wales und
Asturien und die Sozialpartner haben die Ver-
eine CD-ROM mit einem interaktiven Spiel zur un-
einbarung ber Wirtschaftsfrderung, Wettbe-
ternehmerischen Initiative). Alle Sekundarschulen
werbsfhigkeit und Beschftigung (ADEC) fr
in Wales haben nun Zugang zum Projekt Dynamo
den Zeitraum 2004 bis 2007 unterzeichnet
und den betreffenden Lehrmaterialien.
und dabei ein Programm zur Entwicklung un-
Lokale und regionale Behrden knnen auch Un- ternehmerischer Kultur einbezogen. Die Ver-
tersttzungszentren einrichten. Diese Zentren kn- einbarung wurde fr den Zeitraum 2008 bis
nen Schulen und Lehrer und sogar Unternehmen 2011 als Vereinbarung fr Wettbewerbsfhig-
in allgemeiner Weise untersttzen. Allerdings be- keit, Beschftigung und Wohlfahrt in Asturien
stehen in anderen Lndern konkretere Beispiele verlngert. Dieser regionale Ansatz hat die Er-

[Link]
(j)
61

schlieung zustzlicher Finanzierungsquellen Schler Freude am Lernen haben, nach-


ermglicht. In La Felguera beispielsweise hat haltige Lernerfolge erzielt werden und die
die fr die Erziehung zu unternehmerischem Schler Erfolgserlebnisse haben, die ihr
Denken und Handeln zustndige Gesellschaft Selbstvertrauen strken;
Valnaln (siehe Abschnitt 4.3.2) ein Projekt
die Schler sollen Aufgabenstellungen
konzipiert, das im Rahmen der EU-Initiative
bearbeiten, mit denen sie Eigenverant-
EQUAL gefrdert wurde. Mit diesem Projekt
wortung und das Gefhl der Zustndigkeit
wurde eine Reihe von Bildungsmanahmen
fr die Manahmen entwickeln; auf diese
zur Frderung unternehmerischer Initiative
Weise soll die Entstehung und die Anwen-
insbesondere bei Frauen und jungen Men-
dung innovativer Anstze zur Probleml-
schen entwickelt. Dieses Projekt wurde als
sung gefrdert werden;
Cadena de Formacin de Emprendedores
(Manahmenkette fr unternehmerische Bil- bei den Manahmen sollen Lehrer zum
dung) in die ADEC 2004-2007 aufgenommen. Einsatz kommen, die ber entsprechende
Erfahrungen mit den Grundlagen der Un-
4.4.4 
Wirksame Erziehung zu unternehmeri- ternehmensfhrung verfgen, die in der
schem Denken und Handeln in den Schu- Lage sind, Inhalte zu vermitteln, die Sch-
len: Aufbau des lokalen und regionalen ler fr die zentralen Aspekte der Manah-
Gesamtsystems fr die Erziehung zu un- men zu begeistern und sie beim selbstbe-
ternehmerischem Denken und Handeln stimmten Lernen zu untersttzen.
Neben den Lehrern spielen auch die Schulen eine
entscheidende Rolle bei der Entwicklung einer Wie bereits in Verbindung mit dem Entwicklungs-
wirksamen Erziehung zu unternehmerischem Den- stufenmodell erlutert, ist die typische Ausgangs-
ken und Handeln. Auf der Ebene der Schulen ms- situation in den Schulen durch erhebliche Vielfalt
sen die verschiedenen Elemente der Erziehung zu bestimmt: Das Spektrum reicht von uerst akti-
unternehmerischem Denken und Handeln zusam- ven Schulen ber Schulen, in denen Manahmen
mengefhrt werden, um die erforderlichen Lehr- ad hoc und begleitend zum eigentlichen Lehrplan
und Lernumgebungen zu schaffen, in denen sich durchgefhrt werden, bis hin zu Schulen, in denen
unternehmerische Kompetenzen entwickeln kn- keinerlei Erziehung zu unternehmerischem Den-
nen. In Tabelle 4.1 sind die in den Reflexionsgre- ken und Handeln erfolgt. Die Erziehung zu unter-
mien herausgearbeiteten wesentlichen Merkmale nehmerischem Denken und Handeln beschrnkt
einer derartigen Umgebung zusammengestellt. sich eher auf Sekundarschulen. Das eigentliche
Ziel des Entwicklungsstufenmodells besteht dar-
in, dass smtliche Schulen auf allen Ebenen in die
Wesentliche Merkmale einer effizi- Erziehung zu unternehmerischem Denken und
enten Umgebung fr die Erziehung Handeln einbezogen werden und dass klare Be-
zu unternehmerischem Denken und zge zwischen den verschiedenen Bildungsstufen
Handeln und -formen hergestellt werden; auerdem sol-
Qualittsorientierte Untersttzung von len umfassendere Zusammenhnge im Rahmen
Schlern durch echte Unternehmer; des Aufbaus so genannter lokaler Gesamtsyste-
me fr unternehmerisches Denken und Handeln
die Schler verstehen die Motivation und
entwickelt werden. Dazu muss hufig erhebliche
die Ziele der Manahmen, an denen sie
Entwicklungsarbeit geleistet werden.
teilnehmen (z. B. Manahmen zur Frde-
rung von Kreativitt und Initiative, zur Ent- Hinsichtlich der an der Schaffung der fr die
wicklung von Risikobereitschaft oder zur Erziehung zu unternehmerischem Denken und
effizienten Leitung von Unternehmen); Handeln bentigten neuen Lernumgebungen
mitwirkenden Akteure ist festzustellen, dass Leh-
experimentelle und praxisorientierte Er-
rer, Schler und Unternehmer auf der Ebene der
fahrungen sollen dazu beitragen, dass die
Schulen zusammenkommen. Gerade in Schulen
62

besteht das Potenzial zur Bildung von Clustern derungen und Kompetenzen gerecht werden. Dies
oder Partnerschaften, die alle Bildungsebenen gilt gleichermaen fr die jeweiligen Rahmenbe-
umfassen und alle Beteiligten auf praktischer dingungen (Hintergrnde der Schler, Herausfor-
Ebene einbeziehen knnen, wenngleich fr diesen derungen der rtlichen Industrie usw.) und fr die
abschlieenden Schritt hufig lokale oder regio- institutionellen Bedingungen (d. h. fr den Umfang
nale Behrden eingebunden werden mssen (sie- der Erziehung zu unternehmerischem Denken und
he vorstehenden Abschnitt). Da die Manahmen Handeln, fr deren Verhltnis zum Lehrplan usw.).
in den Schulen durchgefhrt werden, stellen sich Die erforderliche Integration bedeutet insbeson-
hier natrlich auch konkreten Herausforderun- dere auch, dass gemeinsame Interessen und po-
gen (z. B. die Beschaffung von Ressourcen und tenzielle Synergien zwischen den verschiedenen
die Erarbeitung eines Zeitplans fr die Manah- Einrichtungen und Ebenen genutzt werden sollten
men). Allerdings bietet die Zusammenarbeit auf (z. B. zwischen Schulen und Hochschulen). Dies
lokaler und regionaler Ebene im Rahmen einer wird eine zunehmende Zusammenarbeit sowie die
Gesamtstrategie die Mglichkeit zur Entwicklung Bildung von Clustern einzelner Schulen und Grup-
gemeinsamer Manahmen, zur gemeinsamen pierungen der beteiligten Unternehmen zur Folge
Nutzung von Ressourcen auf lokaler, regionaler haben. Diese Cluster bzw. Gruppierungen knnen
und nationaler Ebene und zum Austausch von dann durch die Entwicklung formalerer Regelun-
Erfahrungen. gen zwischen Kommunen und Interessenvertre-
tungen der Wirtschaft (z. B. Handelskammern)
Der Prozess beginnt jedoch in Schulen, die eigene
systematisiert werden.
kohrente Anstze fr die Erziehung zu unter-
nehmerischem Denken und Handeln entwickeln Viele der in den frheren Abschnitten dieses Ka-
mssen mglicherweise aufbauend auf Unter- pitels beschriebenen Manahmen sind auch im
richts- und Lernerfahrungen der einzelnen Lehrer. Hinblick auf die Formen von Bedeutung, in de-
Dazu mssen verschiedene Akteure zusammen- nen auf effiziente Weise ein zunehmend ganz-
wirken. Die Bedeutung dieses Prozesses wird aus heitlicher Ansatz in der Erziehung zu unterneh-
der Erfahrung in Finnland deutlich. Dort haben merischem Denken und Handeln ausgearbeitet
Lehrer, Schler und Schulrte in Zusammenarbeit werden kann. Allerdings kommt in diesem Zu-
gemeinsame Ziele vereinbart und eine frderli- sammenhang eine Reihe zustzlicher wichtiger
che Umgebung geschaffen, die die Erziehung zu Merkmale zum Tragen. Diese Merkmale sind im
unternehmerischem Denken und Handeln unter- folgenden Kasten zusammengestellt:
sttzt. Derart ehrgeizige Ziele setzen allerdings
auch konkrete Planungen und Vorgaben voraus,
Schlsselelemente bei der Entwick-
um einen ganzheitlichen Ansatz entwickeln zu
lung eines lokalen Gesamtsystems
knnen. Vor allem zeigt die Erfahrung in Finnland
fr die Erziehung zu unternehmeri-
auch, dass sich eine effiziente Erziehung zu un-
schem Denken und Handeln
ternehmerischem Denken und Handeln mit Pro-
zessen und Teilhabe beschftigen und weniger Schaffung von Umgebungen zum expe-
durch die Wahrung traditioneller Zustndigkeiten rimentellen Lernen (hufig zustzlich
als vielmehr durch einen ausgeprgten interdiszi- und/oder ergnzend zu traditionellen
plinren Ansatz gekennzeichnet sein muss. Lernumgebungen im Klassenzimmer)
Die Entwicklung eines strker integrierten Systems Bildung von Clustern, Partnerschaften
ist mit verschiedenen Vorteilen verbunden, darun- und umfassenderen Beziehungen unter
ter der Zugang zu besseren Ressourcen, Gren- Einbeziehung smtlicher Bildungsebe-
vorteile, die Mglichkeit des Peer-Learning und nen und vielfltiger Interessenvertreter
Nachhaltigkeit. Gleichzeitig muss sichergestellt
Aufbau lokaler und regionaler Unter-
sein, dass die Rahmenbedingungen den einzel-
sttzungszentren
nen Lehrern und Schulen hinreichende Flexibilitt
fr die Entwicklung von Anstzen und Materialien
einrumen, die den jeweiligen spezifischen Anfor-
63

Die Erluterung dieser Merkmale anhand be- Cluster, Partnerschaften und umfassen-
whrter Verfahren ist in dieser Phase naturge- dere Verbindungen
m besonders schwierig, da zunchst definiti-
In Lndern mit verhltnismig langer Tradition im
onsgem die einzelnen Schulen und sonstigen
Bereich der Erziehung zu unternehmerischem Den-
Lernorte diesbezglich die Initiative ergreifen
ken und Handeln haben die Schulen in manchen
mssen. Allerdings kann beispielhaft auf ver-
Kommunen eigene Cluster gebildet, die spter bis-
schiedene von nationalen und/oder regionalen
weilen unter der Federfhrung von lokalen Behr-
bzw. lokalen Behrden gefrderte Manahmen
den und Unternehmensverbnden zur Entwicklung
verwiesen werden, die veranschaulichen, wie An-
von Partnerschaften zwischen Bildungseinrich-
reize fr entsprechende Manahmen geschaffen
tungen und Unternehmen gefhrt haben. In ver-
werden knnen.
schiedenen Teilen Europas wurden auf regionaler
Schaffung experimenteller Ebene umfangreiche Manahmen durchgefhrt.
Lernumgebungen Wie im Folgenden erlutert, knnen auf regionaler
Ebene mglicherweise mehr Akteure eingebunden
Ein aufschlussreiches Beispiel fr die Schaf- werden, darunter Hochschuleinrichtungen sowie
fung experimenteller Lernumgebungen ist das regionale Einrichtungen und Gremien.
italienische System Impresa Formativa Simu-
lata (IFS) (Simulierte bungsfirmen). Mit dem In Spanien beispielsweise haben sich das IMPIVA
IFS-System wird eine neue Form der Erziehung (das Institut fr kleine und mittlere Unternehmen
zu unternehmerischem Denken und Handeln in Valencia) und die ADEIT (Fundacin Universi-
eingefhrt, die auf einer speziell entwickelten dad-Empresa de Valencia Stiftung Hochschu-
Software zur virtuellen Simulation von Unter- le-Wirtschaft in Valencia) zusammengeschlossen,
nehmensumgebungen unter Bercksichtigung um technischen und pdagogischen Bildungsein-
von Behrden, Banken und Handelskammern richtungen der Region den Zugang zur Wirtschaft
beruht. 731 Schulen und 370 Unternehmen zu erleichtern. In das Programm ist ein Konsor-
haben sich bislang an dieser Initiative betei- tium von Persnlichkeiten aus der kommunalen
ligt. 15 Regionalzentren wurden in Zusammen- Wirtschaft eingebunden, das die Frderung un-
arbeit mit einer Reihe italienischer Regionen ternehmerischer Initiative in Schulen und Hoch-
eingerichtet, um die Einfhrung des Systems schulen anstrebt. Die Frderung erfolgt haupt-
auf lokaler Ebene zu untersttzen. Das neue schlich durch Schulungen und zielgerichtete
Weiterbildungsmodell auf der Grundlage dieser Manahmen, die von den Konsortialunterneh-
Unterrichtsmethode konzentriert sich auf die men finanziert werden. Als Beispiel ist etwa eine
Entwicklung unternehmerischer Kompetenzen Sommerschule zu nennen, in der an Hochschulen
und die Frderung von Innovations-Kompetenz ttige Lehrkrfte lernen sollen, ihre Studierenden
sowie den Ausbau der Kapazitten innerhalb zu unternehmerischem Denken und Handeln zu
einzelner Schulen und schulbergreifend. Au- motivieren. Dieses Programm umfasst sowohl
erdem veranschaulicht das Modell die Vor- Workshops als auch eine Online-Komponente.
teile der Entwicklung von Alternativen zum Das Programm wurde entwickelt, um den folgen-
traditionellen Unterricht im Klassenzimmer. den wesentlichen Herausforderungen/Besonder-
Entscheidend fr das IFS-System ist die Frde- heiten in der Region Valencia und ihrer Wirtschaft
rung einer Strategie des Lernens durch prakti- zu begegnen sowie um mithilfe eines integrierten
sches Handeln (Learning by doing). In einem Ansatzes die folgenden spezifischen Probleme in
Simulationslabor schlgt das System eine Br- Angriff zu nehmen: die rcklufigen Absolventen-
cke vom Klassenzimmer in die reale Wirtschaft; zahlen in pdagogischen Ausbildungsgngen, die
dies erfordert eine entsprechende Zusammen- Notwendigkeit der Maximierung der im Rahmen
arbeit zwischen Schulen und Unternehmen so- des Programms ERASMUS angebotenen und von
wie die Einrichtung von Bildungswegen, die auf der Universitt Valencia bereits genutzten Mg-
genau definierte Lernziele ausgerichtet sind. lichkeiten und die Notwendigkeit der Konzentration
auf die Schlsselsektoren des Arbeitsmarkts der
64

Stadt und der Region insgesamt (Metallindustrie, regionale Ebene ein. Wettbewerbe fr Unter-
Maschinenbau, Lebensmittel- und Getrnkeindus- nehmensgrndungen fr Schler auf natio-
trie). naler sowie auf regionaler und lokaler Ebene
(z. B. der Nordschwarzwald-Cup) sind eine
Wenn regionalen Verwaltungen weitreichende
wichtige Komponente dieses Programms; der
Zustndigkeiten in den Bereichen Bildung und
Nordschwarzwald-Cup beruht auf einem Com-
Wirtschaft bertragen wurden, knnen noch um-
puter-Spiel ber Unternehmensgrndungen.
fassendere und besser strukturierte Manahmen
Whrend des Wettbewerbs wird ein virtuelles
entwickelt werden. Dies geschieht beispielswei-
Unternehmen ber einen simulierten Zeitraum
se in Baden-Wrttemberg (Deutschland). Wie
von 16 Jahren von der Grndung des Unter-
im folgenden Kasten dargestellt, wurde dort mit
nehmens bis zum Brsengang geleitet. Die
entsprechenden teils regionalen und teils lan-
Teams bestehen aus Schlern unterschiedli-
desweiten Manahmen versucht, einen strker
cher Schultypen. Auerdem werden die Schu-
integrierten Ansatz fr die Untersttzung der Er-
len auf verschiedene Weise dabei untersttzt,
ziehung zu unternehmerischem Denken und Han-
die Vorteile dieses auf der Arbeit mit Mini-Un-
deln zu entwickeln.
ternehmen beruhenden Ansatzes bestmglich
zu nutzen. Die betreffenden Manahmen um-
Auf dem Weg zu einem integrierten fassen die im November 2009 durchgefhrte
Ansatz unter Verbindung der Konferenz Schule und Selbstndigkeit, Mes-
nationalen und der regionalen sen fr Schlerfirmen und Mini-Unternehmen,
Ebene: Baden-Wrttemberg, eine internetgesttzte Datenbank mit Mi-
Deutschland ni-Unternehmen ([Link]),
Materialien und Literatur zur Grndung von
In Deutschland soll das baden-wrttember-
Mini-Unternehmen, ein Netz von Kontaktstel-
gische Programm fr Schlerfirmen die Ent-
len (die Seminare und Workshops fr Lehrer
wicklung von Unternehmergeist durch ein
durchfhren und auch Interaktionen mit ech-
vielfltiges Manahmenpaket frdern, das u.
ten Unternehmen vermitteln knnen) und eine
a. die Grndung von Schlerfirmen und Mi-
landesweite Hotline fr Rechtsausknfte.
ni-Unternehmen vorsieht; diese Manahmen
beziehen gleichermaen die nationale und die
65

Weiterentwicklung
der Agenda

Kapitel 5 die wichtigsten Punkte Erfassung und Verbreitung bewhrter Ver-


im berblick fahren;
Unter den Mitgliedstaaten besteht Einigkeit da- Untersttzung der Entwicklung und Ver-
rber, dass die unternehmerische Initiative in breitung von Lehrmaterialien und -metho-
smtliche Bildungsangebote und/oder Strategi- den sowie der Weiterbildung von Lehrern
en zum lebenslangen Lernen auf nationaler/re- (z. B. durch Seminare und Workshops);
gionaler Ebene einbezogen werden muss, dass Finanzierung von Aufklrungsinitiativen
smtliche Ebenen und Formen der Bildung ab- zur Initiierung weiterer Aktivitten;
gedeckt werden mssen und dass die EU eine
uneingeschrnkte Einbeziehung der Erzie-
entscheidende Rolle bei der Untersttzung ent-
hung zu unternehmerischem Denken und
sprechender Entwicklungen spielen muss.
Handeln in knftige Programme (nach 2013);
Zu den Manahmen, die zweckmigerweise diese Einbeziehung sollte durch Verfahren
auf EU-Ebene durchgefhrt werden knnen, zur Folgenabschtzung/Ex-ante-Bewertung
zhlen unter anderem: sowie anschlieend bei der eigentlichen Kon-
Finanzierung der Einrichtung nationaler zeption der Programme (d. h. nicht als nach-
und regionaler Zentren fr die Erziehung trgliche Manahme) erfolgen;
zu unternehmerischem Denken und Han- Finanzierung von Manahmen in den Mit-
deln als Beobachtungsstelle zur Ermittlung gliedstaaten/Regionen zur Frderung des
bewhrter Manahmen und Verfahren so- Zusammenhalts, zur Ankurbelung der Wirt-
wie als zentrale FuE-Stelle und als Platt- schaft und zur Schaffung von Wohlstand
form fr die Einbeziehung von Interessen- durch nationale Reformprogramme (NRP)
vertretern; und durch operationelle Programme (OP);
Finanzierung neuer Forschungs- und Ent- im Rahmen des Europischen Sozialfonds
wicklungsvorhaben und Untersttzung der (ESF) und des Europischen Fonds fr re-
66

gionale Entwicklung (EFRE) Frderung und 5.2 Politische Auswirkungen


Erschlieung von Chancen fr Ministerien/
Es besteht Einigkeit hinsichtlich der Ziele der Er-
Programm-Begleitausschsse und Regio-
ziehung zu unternehmerischem Denken und Han-
nalbehrden; Manahmen im Bereich der
deln; diese Ziele lassen sich wie folgt beschreiben:
Erziehung zu unternehmerischem Denken
und Handeln knnen aus diesen Fonds Bercksichtigung unternehmerischer Initia-
gefrdert werden; Manahmen zur Wirt- tive in allen nationalen bzw. regionalen Bil-
schaftsfrderung sind in nationalen Re- dungsstrategien und in allen Strategien zum
formprogrammen und in operationellen lebenslangen Lernen, um im Primarbereich
Programmen an der Tagesordnung; diese und im Sekundarbereich im Rahmen des
Manahmen knnen durch die Entwicklung Lehrplans bis hin zur formalen Bildung im Ter-
kohrenter Pakete zur Frderung der Erzie- tirbereich auf allen Ebenen als wesentlichen
hung zu unternehmerischem Denken und allgemeinen Bestandteil den Erwerb grundle-
Handeln untersttzt werden. gender unternehmerischer Kompetenzen zu
ermglichen, wobei die Lernenden zwischen
5.1 Einleitung unterschiedlichen inhaltlichen Ausrichtungen
whlen knnen sollten;
Insgesamt zeigt die in Kapitel 2 beschriebene
Frderung der Entwicklung unternehmerisch
gegenwrtige Situation eindeutig, dass noch
denkender und handelnder europischer
betrchtlicher Raum fr die Untersttzung der
Brger, die Chancen fr die Grndung neuer
Lnder bei der Umsetzung des vorgestellten Ent-
Unternehmen und die Sicherung bestehender
wicklungsstufenmodells besteht. Gleichzeitig hat
Unternehmen erffnen und nutzen, Arbeits-
die Analyse in Kapitel 2 einen berblick ber den
pltze schaffen und fr Wohlstand und wirt-
gesamten Umfang der weiterzuentwickelnden
schaftliche Stabilitt sorgen knnen.
Agenda vermittelt. Die Erziehung zu unternehme-
rischem Denken und Handeln kann Beitrge zu Herbeifhrung einer strker unternehmeri-
vielfltigen Bereichen in Wirtschaft und Gesell- schen Ausrichtung der Europischen Union,
schaft leisten, und der umfassende Ansatz macht fr deren Brger unternehmerisches Denken
deutlich, dass nicht weniger als ein Paradigmen- und Handeln fester Bestandteil der kulturellen
wechsel in der Bildungspraxis erforderlich ist. Identitt ist und als grundlegendes Mittel zur
Erschlieung und zur Nutzung von Chancen in
Wichtig ist, dass die Akteure in den Mitgliedstaa-
allen Bereichen des Lebens verstanden wird.
ten das Ausma der bestehenden Herausforde-
rungen verstehen, denn vom Verstndnis dieser Daraus ergeben sich natrlich Auswirkungen in
Herausforderungen hngt ab, wie die EU die einem breiten politischen Spektrum, die nun er-
Regierungen der Mitgliedstaaten und andere In- rtert werden mssen. Besonders wichtig sind
teressenvertreter am besten untersttzen kann. folgende Punkte:
Allgemein ist eine Reihe von Aspekten von beson- Die Auswirkungen der Erziehung zu unter-
derer Bedeutung: Erstens ist wichtig, dass die Mit- nehmerischem Denken und Handeln auf die
gliedstaaten die bestehenden Herausforderungen Konvergenzpolitik sowohl hinsichtlich regi-
in einzelne Aufgaben unterteilen, um Schwerpunk- onaler Unterschiede innerhalb der Mitglied-
te setzen und eine sinnvolle Reihenfolge fr die staaten als auch in Bezug auf Unterschiede
Bewltigung der Aufgaben festlegen zu knnen, innerhalb der 27 Mitgliedstaaten der EU;
in der die zu treffenden Manahmen aufeinander die Auswirkungen auf die Politik zur Frderung
aufbauen. Wie bereits erlutert, ist zweitens wich- der Wettbewerbsfhigkeit, insbesondere
tig, dass nationale und regionale Verwaltungen angesichts des gegenwrtigen Konjunkturab-
umfassende Rahmenbedingungen festlegen, mit schwungs und alternder Bevlkerungen; Fr-
denen alle Beteiligten zur engagierten Einfhrung derung von Innovation und Diversifizierung,
der Erziehung zu unternehmerischem Denken und Untersttzung von Unternehmensbertra-
Handeln auf allen Ebenen ermutigt werden (statt gungen und Regelungen zur Unternehmens-
sich auf einen Top-down-Ansatz zu beschrnken).
67

nachfolge (dieser Punkt wurde besonders in angesichts der sehr unterschiedlichen Hintergrn-
der Zusammenkunft des Reflexionsgremiums de war dies allerdings auch zu erwarten.
in Rom betont); Insgesamt ist es Aufgabe der EU, die ihr zur Verf-
die Auswirkungen auf die Jugendpolitik im gung stehenden Ressourcen zu mobilisieren und
Hinblick auf den Einsatz fr junge Menschen, ber Projekte und Einrichtungen auf europischer
die Verbesserung ihrer Lebenskompetenzen Ebene in gewissem Umfang in Schlsselbereichen
und der Mglichkeiten ihrer individuellen Le- als Katalysator zu fungieren. Entsprechende Ma-
bensgestaltung; nahmen knnten etwa in der verstrkten Aufkl-
die Auswirkungen auf die Manahmen zur rung ber die Mglichkeiten der Inanspruchnahme
Frderung des Zusammenhalts, z. B. in der Strukturfonds oder sonstigen EU-Ressourcen
Bezug auf die Untersttzung der Agenden fr zur Untersttzung von Vorhaben bestehen; auer-
aktive Brgerschaft, die soziale Verantwor- dem msste sichergestellt werden, dass die Erzie-
tung in Unternehmen, die Entwicklung belast- hung zu unternehmerischem Denken und Handeln
barerer Gemeinschaften, den Kapazittsauf- in jhrlichen Ausschreibungen/Aufforderungen zur
bau und den Aufbau von Sozialkapital. Einreichung von Vorschlgen und bei der Gestal-
tung neuer Programme fr Zeitrume nach 2013
5.2.1 Die EU als Wegbereiter: Untersttzung angemessen bercksichtigt wird.
neuer Entwicklungen und Strkung von In der folgenden Tabelle sind die wichtigsten durch-
Programmen zufhrenden Manahmen zusammengestellt:
Es wird allgemein anerkannt, dass nationale Re-
gierungen die Finanzierung der Erziehung zu un-
Die EU als Wegbereiter: Schlssel-
ternehmerischem Denken und Handeln weiterhin
aktivitten
als nachrangig betrachten und dass zudem die Fi- Finanzierung der Einrichtung nationaler
nanzierungsbereitschaft durch die derzeitige Wirt- und europischer Zentren fr die Erzie-
schaftskrise nachgelassen hat. Es ist jedoch auch hung zu unternehmerischem Denken und
mglich, einige wesentliche Finanzierungsquellen Handeln als Beobachtungsstelle zur Er-
auf EU-Ebene zu ermitteln, die in Anspruch ge- mittlung bewhrter Manahmen und Ver-
nommen werden knnten, um Mitgliedstaaten fahren sowie als zentrale FuE-Stelle und
und Regionen bei der Entwicklung von Initiativen als Plattform fr die Einbeziehung von
zu untersttzen. Besonders verbreitet sind hier- Interessenvertretern;
bei Finanzierungen aus dem Europischen Sozi- Finanzierung neuer Forschungs- und Entwick-
alfonds. In Deutschland wurden beispielsweise in lungsvorhaben und Untersttzung der Erfas-
Baden Wrttemberg sektorbezogene Manah- sung und Verbreitung bewhrter Verfahren;
men und Netze zur Untersttzung unternehmeri-
schen Denkens und Handelns in auerunterricht- Untersttzung der Entwicklung und Ver-
licher Jugendarbeit im Rahmen des Europischen breitung von Lehrmaterialien und -metho-
Sozialfonds gefrdert; bislang wurden fr acht den sowie der Weiterbildung von Lehrern
genehmigte Projekte Finanzmittel in Hhe von (z. B. durch Seminare und Workshops);
1,2 Mio. EUR genehmigt. In Rumnien wird die Finanzierung von Aufklrungsinitiativen
nationale Strategie zur Entwicklung der Human- zur Initiierung weiterer Aktivitten;
ressourcen u. a. durch die Erziehung zu unterneh- uneingeschrnkte Einbeziehung der Erzie-
merischem Denken und Handeln aus dem Euro- hung zu unternehmerischem Denken und
pischen Sozialfonds (ESF) untersttzt; fr das Handeln in knftige Programme (nach 2013);
Programm SOPHRD 2007-2013 wurden 201 127 diese Einbeziehung sollte durch Verfahren
040 EUR bereitgestellt. Zugleich ist festzustellen, zur Folgenabschtzung/Ex-ante-Bewertung
dass das Wissen ber die Quellen zur Finanzie- sowie anschlieend bei der eigentlichen Kon-
rung von Manahmen im Bereich der Erziehung zeption der Programme (d. h. nicht als nach-
zu unternehmerischem Denken und Handeln bei trgliche Manahme) erfolgen;
den Teilnehmern unterschiedlich ausgeprgt war;
68

Finanzierung von Manahmen in den Mit- Grenzbergreifendes Labor fr Beitrge und


gliedstaaten/Regionen zur Frderung des Ideen von Lehrern im Bereich der Erziehung zu
Zusammenhalts, zur Ankurbelung der Wirt- unternehmerischem Denken und Handeln: Sd-
schaft und zur Schaffung von Wohlstand osteuropisches Zentrum fr Erziehung zu unter-
durch nationale Reformprogramme (NRP) nehmerischem Denken und Handeln (SEECEL)
und durch operationelle Programme (OP); Das Sdosteuropische Zentrum fr Erziehung
im Rahmen des Europischen Sozialfonds zu unternehmerischem Denken und Handeln
(ESF) und des Europischen Fonds fr re- (SEECEL) entstand im Zusammenhang mit
gionale Entwicklung (EFRE) Frderung und dem berwachungsrahmen der EU-Unterneh-
Erschlieung von Chancen fr Ministerien/ menspolitik in der Heranfhrungsregion. Auf-
Programm-Begleitausschsse und Regio- grund des Interesses mehrerer Lnder an einer
nalbehrden; Manahmen im Bereich der Zusammenarbeit im Bereich der Erziehung zu
Erziehung zu unternehmerischem Denken unternehmerischem Denken und Handeln wird
und Handeln knnen aus diesen Fonds das Zentrum von der Europischen Kommis-
gefrdert werden; Manahmen zur Wirt- sion und der kroatischen Regierung gefrdert.
Das Zentrum untersttzt acht Lnder, deren
schaftsfrderung sind in nationalen Re-
Bildungs- und Wirtschaftsministerien Vertreter
formprogrammen und in operationellen in den Verwaltungsrat entsenden.
Programmen an der Tagesordnung; diese
Die Aktivitten des Zentrums werden von mul-
Manahmen knnen durch die Entwicklung
tinationalen Expertenteams getragen, die an
kohrenter Pakete zur Frderung der Erzie- Lehrplnen und Lernergebnissen im Bereich der
hung zu unternehmerischem Denken und Erziehung zu unternehmerischem Denken und
Handeln untersttzt werden. Handeln, an der Erstausbildung und der Weiter-
bildung von Lehrkrften sowie an innovativen
5.2.2 Rollen und Zustndigkeiten auf Konzepten fr die Frderung der Unternehmer-
EU-Ebene schule arbeiten. In Bezug auf die Komponen-
Bei den oben empfohlenen Regelungen kn- te Erstausbildung arbeitet SEECEL mit jeweils
nen betrchtliche Synergien zwischen den ver- einer Hochschule aus den acht teilnehmenden
schiedenen Funktionen gehoben werden. Zur Lndern zusammen (Pdagogik und weitere
Fachbereiche, in denen Lehrer fr den fcherbe-
Erschlieung dieser Synergien knnten die fol-
zogenen Unterricht ausgebildet werden), um fr
genden Akteure beitragen: die Lehrer ein Erstausbildungsprogramm ber
GD Bildung und Kultur (EAC), unternehmerische Initiative mit speziellem Be-
zug zur Schlsselkompetenz Unternehmerische
GD Unternehmen und Industrie (ENTR),
Kompetenz auszuarbeiten. Eine nicht verpflicht-
GD Regionalpolitik (in Verbindung mit dem ende Veranstaltung an den Hochschulen befasst
EFRE), sich schwerpunktmig mit der Rolle der Unter-
nehmerschule und der Entwicklung unternehme-
GD Beschftigung, Soziales und Chancen-
rischer Eigenschaften bei Schlern/Studierenden.
gleichheit (in Verbindung mit dem ESF),
Die Untersttzung des SEECEL fr berufsbeglei-
EUROSTAT (bei der Entwicklung von Indika- tende Weiterbildungen wird auf zwei Ebenen
toren sowie der evidenzbasierten berwa- angeboten. Zum einen auf nationaler Ebene (Bil-
chung), dungsagenturen), um die Politik zu strken und
Exekutivagentur fr Bildung, Audiovisuel- die berwachungsverfahren zu gewhrleisten.
Zum anderen auf Schulebene, wo die weiter-
les und Kultur (in Verbindung mit dem Pro-
gebildeten Lehrkrfte die Unterrichtsgrundstze
gramm Lifelong Learning), und -methoden an 32 Schulen in allen 8 teilneh-
Exekutivagentur fr Wettbewerbsfhigkeit menden Lndern erproben (2011-2012). Auf-
und Innovation (bei Pilotprojekten im Be- grund des Interesses an der Nachhaltigkeit der
reich der Erziehung zu unternehmerischem Entwicklungen im Schulbereich bildet ferner die
Denken und Handeln). Aus- und Weiterbildung der Schulleiter einen der
Kernbereiche der Ttigkeit von SEECEL.
69

Die Oslo-Agenda Erziehung


zu unternehmerischem Denken
und Handeln in Europa:
ein vielfltiger
Manahmenkatalog
Ziel dieses Dokuments ist es, systematisch und durch wirksame Aktionen

Zwischengeschaltete Organisationen
Unternehmen/Unternehmer
den Unternehmergeist in der Gesellschaft zu frdern.

Schulen/Universitten
Regionale/Lokale Behrden
Bildungsbehrden
Mitgliedstaaten

Die Agenda enthlt vielfltige Vorschlge, aus denen die Akteure Ak-
tionen auf der geeigneten Ebene auswhlen und diese an ihre lokalen
Gegebenheiten anpassen knnen.
EU

Fr die vorgeschlagenen Manahmen sind die jeweils relevanten Akteure


angegeben.

A Schaffung eines Rahmens auf politischer Ebene


A1 Sicherstellung einer politischen Untersttzung fr die Erziehung zu unterneh-
merischem Denken und Handeln auf hchster Ebene. Ohne ein starkes Engage-
ment der nationalen und regionalen Regierungen sowie der zustndigen Minister
im Rahmen der Umsetzung der Lissabon-Strategie knnen keine wirklichen Fort-
schritte erzielt werden.
A2 Strkere Einbeziehung der Vermittlung unternehmerischen Denkens und Han-
delns in den Prozess der Lissabon-Strategie (Integrierte Leitlinien fr Wachstum
und Arbeitspltze) und effizientere Bewertung der Fortschritte der Mitgliedstaaten
auf diesem Gebiet anhand spezieller Indikatoren.
A3 Erarbeitung europaweiter Vorgaben fr die zu erzielenden Ergebnisse mit an-
schlieender sachgerechter Bewertung der Auswirkungen der getroffenen Ma-
nahmen. Auf EU-Ebene bedarf es einer Koordinierung mit Definierung breiter
Zielsetzungen und Festlegung der angestrebten Ergebnisse bei der Erziehung zu
unternehmerischem Denken und Handeln. Untersttzt werden knnte die Umset-
zung dieser Vorgaben durch die Einrichtung einer Europischen Beobachtungsstel-
le fr die Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln, die auch natio-
nale Auenstellen umfassen wrde.
70

Zwischengeschaltete Organisationen
Unternehmen/Unternehmer
Schulen/Universitten
Regionale/Lokale Behrden
Bildungsbehrden
Mitgliedstaaten
EU
A4 Entwicklung nationaler Strategien fr die Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln mit
klaren Zielsetzungen fr alle Stufen des Bildungswesens. Solche Strategien mssten unter aktiver Mitwir-
kung aller relevanten (ffentlichen und privaten) Akteure umgesetzt werden und sollten einen allgemeinen
Rahmen mit konkreten Manahmen vorgeben. Diese Manahmen sollten von der Aufnahme der unterneh-
merischen Initiative in die nationalen Lehrplne bis zur Untersttzung fr Schulen und Lehrer reichen. Allge-
meines Ziel ist es, sicherzustellen, dass sich junge Menschen in allen Stufen des Bildungswesens in einem
kohrenten Rahmen schrittweise unternehmerische Kompetenzen aneignen knnen.
A5 Einsetzung von Lenkungsgruppen auf europischer wie auch auf nationaler Ebene,
in denen alle von der Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln betroffenen
Akteure vertreten sein knnen (Behrden, Unternehmen, Bildungseinrichtungen, Schler,
Studenten usw.). Diese Lenkungsgruppen htten unter anderem Ziele fr die Erziehung zu
unternehmerischem Denken und Handeln unter Bercksichtigung ihrer verschiedenen As-
pekte zu erarbeiten und ber die erreichten Ergebnisse Bericht zu erstatten.
A6 Frderung der Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln auf regionaler
Ebene gem einem kohrenten Programm, an dessen Umsetzung sich die lokalen Akteure
beteiligen und das fr die verschiedenen Stufen des Bildungswesens eine breite Palette an
Instrumenten vorsieht.
A7 Untersttzung der Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln im Rahmen
des Bologna-Prozesses durch die Frderung der Mobilitt von Lehrkrften (zwischen Lndern
und verschiedenen Einrichtungen einschlielich des privaten Sektors), die Anerkennung der
Rolle von Ausbildern, die keine Lehrer sind (Fachkrfte, Unternehmer, Studenten) sowie die
Anerkennung der Karriere als Unternehmer in den prgradualen Hochschulstudiengngen.
A8 Verbesserung der Kohrenz zwischen europischen Frderprogrammen, die die Projekte
und Ttigkeiten zur Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln untersttzen
knnen (insbesondere das Programm fr lebenslanges Lernen, der ESF, der EFRE). Diese
Programme knnen die auf nationaler und lokaler Ebene durchgefhrten Aktionen begleiten.
A9 Europaweite Koordinierung der Evaluierung von Programmen und Ttigkeiten, um die
Ergebnisse miteinander vergleichen zu knnen. Die EU knnte eine Gruppe von Forschern
des Bereichs Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln einsetzen, die bei der
Definierung von Indikatoren und der Festlegung reprsentativer Lernprozesse hilft.
B Untersttzung fr Bildungseinrichtungen
B1 Strkere Einbeziehung der Programme und Ttigkeiten zur Frderung der unternehme-
rischen Initiative in die amtlichen Lehrplne in allen Stufen (Primarbereich, Sekundarbereich,
berufliche Bildung), und zwar bereichsbergreifend (Unternehmergeist) sowie als eigenstn-
diges Thema (unternehmerische Kompetenzen).
B2 In ihrer breiter gefassten Definition (Frderung von Eigenschaften wie Kreativitt, Selb-
stndigkeit, Eigeninitiative, Teamgeist usw.) sollte die Erziehung zu unternehmerischem
Denken und Handeln auch Bestandteil der Lehrplne im Primarbereich sein. Insbesondere in
dieser Stufe des Bildungswesens ist es wichtig, Schulen, Lehrer und Eltern davon zu ber-
zeugen, dass unternehmerische Initiative eine Schlsselkompetenz fr alle darstellt und es
nicht Ziel ist, aus allen Schlern Unternehmer zu machen.
B3 Die Europische Kommission sollte die Reformen der Lehrplne auf nationaler Ebene
untersttzen und eine komparative Analyse anhand einer Reihe von Instrumenten erleich-
tern, angefangen von der Koordinierung der Umsetzung der Lissabon-Strategie bis hin zur
Untersttzung des Austauschs bewhrter Verfahren.
71

Zwischengeschaltete Organisationen
Unternehmen/Unternehmer
Schulen/Universitten
Regionale/Lokale Behrden
Bildungsbehrden
Mitgliedstaaten
EU
B4 Untersttzung des Einsatzes praxisbasierter pdagogischer Instrumente, bei denen sich die
Schler und Studenten mit einem konkreten Unternehmensprojekt befassen (beispielsweise
Betrieb eines Mini-Unternehmens). Diese Ttigkeiten sind als anerkannte Option in die
amtlichen schulischen Lehrplne, insbesondere im Sekundarbereich aufzunehmen.
B5 Frderung der Durchfhrung von Pilotprojekten in Schulen mittels gezielter ffentlicher Finanzierung,
um verschiedene Wege der Vermittlung unternehmerischen Denkens und Handelns zu erproben. Ziel ist
es letztendlich, die daraus resultierenden bewhrten Verfahren umfassend zu verbreiten und mglichst
viele Bildungseinrichtungen zur bernahme der getesteten Methoden zu ermuntern.
B6 Sicherstellung einer dauerhaften Finanzierung/Untersttzung der Ttigkeiten zur Ver-
mittlung unternehmerischen Denkens und Handelns sowie der Durchfhrung konkreter Un-
ternehmensprojekte in den Bildungseinrichtungen. Eine kurzfristige Finanzierung von Pro-
jekten oder die nderung der Finanzierungsmechanismen schadet der Nachhaltigkeit dieser
Ttigkeiten, es sei denn, dies ist Bestandteil einer kohrenten Strategie.
B7 Bereitstellung ffentlicher Mittel fr die Einrichtung von Zentren fr unternehmerische
Initiative an den Universitten und fr deren Vernetzung. Aufgabe dieser Zentren wre es
unter anderem, Unternehmergeist in den verschiedenen Studiengngen einer Bildungsein-
richtung zu vermitteln, die Vermarktung von Forschungsergebnissen und die Nutzung neuer
Geschftsideen zu frdern, Verbindungen zu den Unternehmen zu knpfen usw.
B8 Schaffung gemeinsamer europischer und nationaler Plattformen fr bestehende Pro-
gramme, Projekte und Unterrichtsmaterialien, um deren Verbreitung und gemeinsame Nutzung
zu erleichtern. Solche Plattformen werden die Fachkrfte bei der Verbesserung des Angebots an
Ttigkeiten zur Vermittlung unternehmerischen Denkens und Handelns nachhaltig untersttzen.
B9 Frderung der Forschungsttigkeiten zur Bewertung der bei der Erziehung zu unter-
nehmerischem Denken und Handeln erzielten Ergebnisse im Hinblick auf einzelne Personen,
Gruppen, die Gesellschaft und die Wirtschaft. Wichtig fr eine erfolgreiche Bewertung ist die
Verfolgung der Karriere der ehemaligen Schler und Studenten.
C Untersttzung fr Lehrer und Ausbilder
C1 Die Organisation spezieller Weiterbildungsmanahmen fr Lehrkrfte im Bereich un-
ternehmerische Initiative ist ein politisches Erfordernis und sollte bei den Reformen der
nationalen Lehrplne bercksichtigt werden. Die Bildungsbehrden sollten den Lehrern in
ihrer eigenen Sprache erklren, weshalb unternehmerische Initiative eine Schlsselkom-
petenz fr alle darstellt und wie die damit verbundenen Methoden und Ttigkeiten in den
verschiedenen Kursen fr mehr Dynamik und Innovation sorgen knnen.
C2 Einfhrung innovativer Methoden zur Weiterbildung von Lehrern im Bereich unternehme-
rische Initiative. Hierzu wrden Fallstudien und sonstige interaktive Methoden gehren, wie
beispielsweise die Beteiligung von Lehrern an der Durchfhrung realer Unternehmenspro-
jekte oder der Betrieb eines Mini-Unternehmens durch Lehrer. Durch den Erwerb praktischer
Erfahrungen knnen die Lehrkrfte diese Unterrichtsmethoden effizienter einsetzen.
C3 Schaffung von Anreizen fr Schullehrer, um sie zu ermutigen, unternehmerisches
Denken und Handeln zu vermitteln, beispielsweise durch die Bereitstellung von Mitteln fr
die Weiterbildung von Lehrern oder durch die Anerkennung und Belohnung ihrer Mitwirkung
an Ttigkeiten, die eine innovative Lehrmethode erfordern, da dies fr sie oftmals einen
auerordentlichen Arbeitsaufwand darstellt.
C4 Durchfhrung innovativer Aktionen zur Ausbildung von Lehrern in unternehmerischer
Initiative, die eine europische Dimension besitzen und durch das Gemeinschaftsprogramm
fr lebenslanges Lernen gefrdert werden.
72

Zwischengeschaltete Organisationen
Unternehmen/Unternehmer
Schulen/Universitten
Regionale/Lokale Behrden
Bildungsbehrden
Mitgliedstaaten
EU
C5 Untersttzung der Mobilitt von Lehrkrften innerhalb Europas vor allem im Hochschulbe-
reich im Rahmen des Gemeinschaftsprogramms fr lebenslanges Lernen und/oder sonstiger
eigens hierfr geschaffener Instrumente. Erforderlich sind in Europa eine grere Mobilitt und
ein verstrkter Erfahrungsaustausch, nicht nur zwischen Universitten, sondern auch zwischen
Hochschulen und Unternehmen. Es mssen Programme aufgelegt werden, damit Lehrkrfte eine
gewisse Zeit an anderen Einrichtungen und/oder im Privatsektor verbringen und sich somit wirk-
lich engagieren und weiterbilden knnen. In Europa muss der Austausch von Wissen und bewhr-
ten Verfahren zwischen den einzelnen Sektoren und den Lndern intensiviert werden.
D Ttigkeiten zur Vermittlung unternehmerischen Denkens und Handelns in Schulen und Universitten
D1 Frderung bestimmter unternehmerischer Eigenschaften (Neugier, Kreativitt, Selbstn-
digkeit, Eigeninitiative, Teamgeist) bereits im Primarbereich. Zu diesem Zweck sind Spiele,
Cartoons oder sonstige Instrumente entsprechend dem Alter der Schler zu verwenden.
D2 Bereits im Primarbereich Sensibilisierung der Kinder fr die Bedeutung von Unternehmen
und unternehmerischer Initiative in der Gesellschaft. Durch die Herausstellung des Begriffs
verantwortungsbewusstes Unternehmertum gewinnt eine Karriere als Unternehmer an
Attraktivitt.
D3 Verbreitung eines Buchs mit Erfolgsgeschichten ber junge Unternehmer in den Schu-
len, um das Image der Unternehmer als Modell fr junge Menschen zu verbessern.
D4 Einfhrung innovativer Lehrmethoden in allen Kursen als notwendige Grundlage fr
die Herausbildung von Unternehmergeist. Erarbeitung innovativer Lehrplne, um die beste-
henden Unterrichtsmethoden auszuweiten. Die Schulbildung sollte auf der Neugier und den
natrlichen unternehmerischen Kompetenzen von Kindern aufbauen.
D5 Im Rahmen der abschlieenden Bewertung eines Programms oder eines Kurses zur Ver-
mittlung unternehmerischen Denkens und Handelns Test der unternehmerischen Kompeten-
zen der Schler und Studenten und Vergabe eines Zertifikats (Unternehmerfhrerschein),
das den Erwerb dieser Kompetenzen bescheinigt.
D6 Frderung der Kontakte von Schlern und Studenten zu realen Unternehmen und zu
Geschftsleuten, damit sie Einblick in die wirkliche Geschftswelt erhalten. Die Schler und
Studenten sollten nicht abgeschirmt und von der Welt auerhalb der Schulen und Univer-
sitten fern gehalten werden, wenn sie beispielsweise eine virtuelle Firma leiten oder einen
Geschftsplan simulieren.
D7 Frderung und Untersttzung spontaner Initiativen von Schler- und Studentenverbnden,
die beispielsweise Verbindungen zu Unternehmen zu knpfen und sich an Unternehmenspro-
jekten zu beteiligen wnschen. Die Zeit, die die Schler und Studenten solchen Ttigkeiten
widmen, ist als Studienleistung anzurechnen.
D8 Einbeziehung ehemaliger Schler/Studenten in die Aktionen von Schulen/Universitten
und Einladung ehemaliger Schler/Studenten in die Schulen/Universitten (beispielsweise
einen ehemaligen Schler/Studenten, der ein Unternehmen gegrndet hat).
D9 Sicherstellung, dass benachteiligte Menschen Zugang zum Unterricht in unternehmerischem Denken
und Handeln haben. Insbesondere fr junge Menschen, denen soziale Ausgrenzung droht (Jugendliche mit
geringem Einkommen, Schul- und Studienabbrecher, von Langzeitarbeitslosigkeit bedrohte Jugendliche,
Flchtlinge usw.), kann diese Art der Ausbildung von groem Nutzen sein. Sie kann die Motivation
derjenigen steigern, die am besten durch praktisches Handeln lernen und in traditionelleren Fachrichtungen
mit Schwierigkeiten konfrontiert sind. Einige auf diese Zielgruppen abgestellte Programme erwiesen sich
im Hinblick auf die Firmengrndungen und die soziale Integration als sehr erfolgreich.
73

Zwischengeschaltete Organisationen
Unternehmen/Unternehmer
Schulen/Universitten
Regionale/Lokale Behrden
Bildungsbehrden
Mitgliedstaaten
EU
D10 Die Hochschulen sollten den Unterricht in unternehmerischem Denken und Handeln
in verschiedene Fcher ihrer Studienprogramme einbeziehen, da sich dadurch ein Zusatz-
nutzen in allen Kursen erzielen lsst (beispielsweise in technische und wissenschaftliche
Studiengnge, aber auch in geisteswissenschaftliche Fcher und kreative Studiengnge).
Alle Fakultten/Fachrichtungen sollten den Studenten die Mglichkeiten bieten, sich unter-
nehmerische Erfahrung anzueignen.
D11 Einladung von Unternehmern in die Hochschulen zu Vortrgen und direkte Beteiligung
von Studenten an Unternehmensprojekten. Aktive Formen des Lernens sind komplexer als
traditionelle Lehrmethoden. Sie setzen voraus, dass sich die Studenten engagieren und sich
persnlich einbringen. Die Lehrkrfte/Wissensvermittler mssen deshalb in der Lage sein,
ein offenes Umfeld zu schaffen, in dem die Studenten die notwendige Risikobereitschaft
entwickeln knnen.
D12 Vermehrte Erarbeitung europischer Fallstudien, die in den Hochschulen verwen-
det werden. Gruppenarbeit zu konkreten Fllen ist eine effiziente Methode, da sie den Sinn
fr tatschliche unternehmerische Fragen schrft und die Studenten zwingt, Lsungen fr
wirkliche Probleme zu finden. Damit Fallstudien mglichst wirksam zum Einsatz kommen
knnen, sollten sie eine europische oder lokale Dimension haben und nicht von den USA
bernommen werden.
D13 Grere akademische Anerkennung der unternehmerischen Initiative: Erstellung ge-
eigneter Forschungs- und Promotionsprogramme im Bereich unternehmerische Initiative,
um eine kritische Masse knftiger Lehrkrfte mit diesen speziellen Kompetenzen zu er-
reichen.
D14 Ermutigung von Studenten, Akademikern und Forschern, die lebensfhige Geschfts-
ideen entwickelt haben, diese in Unternehmen zu realisieren, durch die Bereitstellung einer
Reihe von Dienstleistungen in der betreffenden Einrichtung (Grndungszentren, Finanzie-
rung, Betreuung durch Mentoren usw.).
D15 Systematische Einbeziehung der Bewertung in smtliche Programme. Am effizientes-
ten sind unabhngige und komparative Bewertungen (d. h. eine Bewertung sollte vor Beginn
eines Programms und nach dessen Abschluss vorgenommen werden).
E - Knpfen von Verbindungen und ffnung der Bildungseinrichtungen gegenber der Auenwelt
E1 Frderung der Grndung von Lerngemeinschaften, um die Entwicklung von Unternehmergeist zu unterstt-
zen; erfolgen kann dies durch das Knpfen von Verbindungen zwischen ffentlichem und privatem Sektor unter
Einbeziehung von Schulen, Universitten und Unternehmen sowie relevanten zwischengeschalteten Organisati-
onen. Insbesondere sollte die Rolle der zwischengeschalteten Organisationen, die die Einfhrung von Aktivitten
zur Vermittlung unternehmerischen Denkens und Handelns in Schulen und Universitten sowie die Herstellung
von Beziehungen zwischen Bildungseinrichtungen und Unternehmen frdern, strker anerkannt werden.
E2 Frderung der Einbeziehung privater Partner in den Unterricht in unternehmerischer
Initiative im Rahmen von Finanzierungen und Sachleistungen. Die Unternehmen sollten in
dieser Mitwirkung eine langfristige Investition sowie einen wichtigen Aspekt ihrer sozialen
Verantwortung sehen.
E3 Die Unternehmen sollten es ihren Mitarbeitern ermglichen, zumindest einen Bruchteil
ihrer Arbeitszeit dazu zu verwenden, an Ttigkeiten in Schulen und Universitten mitzuwir-
ken; denn die Beratung und Betreuung durch Leute mit Unternehmenserfahrung bilden die
Grundlage fr jeden Unterricht in unternehmerischer Initiative.
74

Zwischengeschaltete Organisationen
Unternehmen/Unternehmer
Schulen/Universitten
Regionale/Lokale Behrden
Bildungsbehrden
Mitgliedstaaten
EU
E4 Entwicklung oder Frderung von Forschungsprogrammen ber die Mglichkeiten einer
besseren Einbeziehung von Arbeitgebern in die Schul- und Hochschulbildung. Damit sich
die Unternehmen strker an den Ttigkeiten von Bildungseinrichtungen beteiligen, bedarf
es entsprechender Anreize. Eine gelegentliche Mitwirkung, von der beide Seiten profitieren,
kann ntzlich sein, wird aber oftmals nicht als nachprfbare und angemessene Ttigkeit des
Personals anerkannt.
E5 Untersttzung bei der Herausbildung pdagogischer Kompetenzen von Unternehmern
und Geschftsleuten, damit diese einen effizienteren Beitrag zu den Ttigkeiten in Schulen
und Universitten leisten knnen. Wahrgenommen werden knnten solche Aufgaben von
Organisationen ohne Erwerbszweck, die Verbindungen zwischen Schulen und Unternehmen
knpfen, sowie von Unternehmensverbnden.
E6 Entwicklung und Frderung eines Gtezeichens fr Entrepreneurship-Schulen und
Entrepreneurship-Universitten, das die Bildungseinrichtungen auf freiwilliger Basis ver-
wenden knnen. Auf europischer und/oder nationaler Ebene knnten weit gefasste Kriterien
definiert werden, die auf alle Flle an das lokale Umfeld und die einzelnen Bildungssysteme
angepasst werden mssten. Umgesetzt werden knnte diese Initiative auf nationaler Ebene
von zwischengeschalteten Organisationen, die ber umfassende Erfahrungen mit der Erzie-
hung zu unternehmerischem Denken und Handeln verfgen, im Rahmen der Zusammenarbeit
mit Bildungsbehrden und Schulen/Universitten.
E7 Gewhrleistung, dass jungen Menschen die Gelegenheit geboten wird, unternehmeri-
sche Kompetenzen zu entwickeln, indem sie bei der Konzeption ihres Sommerjobs unter-
sttzt werden, und mit ihren eigenen Ideen und Initiativen Geld zu verdienen. Gefrdert wer-
den knnen solche Ttigkeiten durch die Zusammenarbeit zwischen Schulen/Universitten,
Organisationen ohne Erwerbszweck, Unternehmen und lokalen Behrden.
E8 Einrichtung von Zentren fr unternehmerische Initiative auf lokaler Ebene, die Schulen/
Universitten und Lehrer/Dozenten untersttzen, Verbindungen zwischen Bildungseinrich-
tungen und Unternehmen knpfen, die Mitwirkung von Unternehmern und Geschftsleuten
an Programmen von Schulen und Universitten erleichtern und Initiativen zur Sensibilisie-
rung in der rtlichen Gemeinschaft frdern.
F - Kommunikationsttigkeiten
F1 Durchfhrung von Sensibilisierungskampagnen auf europischer und nationaler Ebene,
um zu erreichen, dass der Begriff Unternehmertum in einem weit gefassten Sinn verstan-
den wird (nicht nur als Betrieb einer Firma). Im Rahmen gro angelegter Initiativen knnten
auf nationaler und lokaler Ebene verschiedene Aktionen durchgefhrt und koordiniert werden
(beispielsweise Entrepreneurship-Tage oder ein Europisches Jahr fr Entrepreneurship).
F2 Organisation von Wettbewerben und Vergabe von Preisen, um gut funktionierende T-
tigkeiten und Programme zur Vermittlung unternehmerischen Denkens und Handelns aus-
zuzeichnen.
F3 Vergabe von Preisen auf europischer und/oder nationaler Ebene, um die Unternehmen
auszuzeichnen, die fr den Unterricht, die Betreuung und ganz allgemein die Mitwirkung an
Ttigkeiten in Schulen und Universitten vermehrt Finanzmittel und Personal bereitstellen.
75

Beispiele fr
bewhrte Verfahren

7.1  Dnische Stiftung fr unternehmerische Initiative


Land: Dnemark

Kontaktdaten:

Zustndige Organisation:
Danish Enterprise and Construction Authority
(Dnische Behrde fr Unternehmen und Bauwesen)
Vor- und Nachname des Ansprechpartners: Bent Lindhardt Andersen
Strae und Hausnummer: Langelinie All 17
PLZ: 2100
Ort: Kopenhagen
E-Mail des Ansprechpartners: bla@[Link]
Website der Organisation: [Link]

Beschreibung der Manahme


Die Stiftung wurde im Januar 2010 von den Ministerien fr Bildung, Wissenschaft, Wirtschaft und
Unternehmen sowie Kultur gemeinsam gegrndet. Die vier Ministerien initiierten im Jahr 2009 eine
nationale Strategie fr die Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln, zu der auch
die Stiftung als eine der neuen Initiativen gehrte. Angeregt wurde die Schaffung dieser neuen
Einrichtung unter anderem durch die die Kauffman Foundation in den USA. Die dnische Stiftung
soll einen kohrenten nationalen Rahmen fr die Erziehung und Ausbildung zu unternehmerischem
Denken und Handeln schaffen und sich zu einem nationalen Wissenszentrum fr diesen Bereich
entwickeln. Fr den Zeitraum 2012 bis 2012 sind staatliche Zuschsse in Hhe von 25 Mio. DKK
pro Jahr vorgesehen. Auerdem wird die Stiftung im Jahr 2010 voraussichtlich ca. 40 Mio. DKK
76

von privaten Sponsoren (sowohl finanzielle Untersttzung als auch Sachleistungen) erhalten. Die
Fortschritte der Stiftung werden im Rahmen eines (jhrlich verlngerten) Dreijahresvertrags mit der
dnischen Regierung berprft. Die Stiftung zeichnet verantwortlich fr die folgenden zehn Aufga-
benbereiche: 1. Erarbeitung von Konzepten zur Vermittlung von unternehmerischem Denken und
Handeln; 2. Entwicklung von Lehrplnen bzw. Studienprogrammen, Kursen und Lehrmethoden fr
Schler und Studierende; 3. Entwicklung von Tests und Prfungen; 4. Talentfrderung; 5. Sammlung
und Verbreitung von Wissen; 6. Internationale und lnderbergreifende Initiativen; 7. Entwicklung
und finanzielle Untersttzung von Strategien fr unternehmerische Initiative im Bildungssystem; 8.
Dialog mit Bildungseinrichtungen; 9. Durchfhrung von Manahmen zur Frderung einer Kultur des
Unternehmertums; 10. Durchfhrung zuknftiger nationaler und regionaler Initiativen.

Ziele:
Frderung der Kompetenzen junger Menschen in den Bereichen Selbststndigkeit, Innovation
und Unternehmertum; Wissenszentrum fr alle Bildungseinrichtungen, die junge Menschen in
der Ausbildung auf ihrem Weg in die Selbststndigkeit untersttzend begleiten oder andere
Manahmen zur Vermittlung von Kompetenzen durchfhren.

Beginn: 1. Januar 2010

Zielgruppe: Primarschler bis Doktoranden

Inwiefern ist die Manahme ein Erfolg?


22 % aller Schler des allgemein- oder berufsbildenden Sekundarbereichs II erhalten Unter-
richt zum Thema Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln. Im Hochschulbereich
betrgt dieser Anteil 11 %. Im Jahr 2010 wurden von der dnischen Regierung und der Stif-
tung Vertrge ber verschiedene Zusatzprojekte abgeschlossen. Hierzu zhlen z. B. Zentren fr
unternehmerische Initiative an Hochschulen mit einer Gesamtbudget von 80 Mio. DKK fr den
Zeitraum 2011 bis 2012, ein Projekt zur Ermittlung der Wirksamkeit der Erziehung zu unter-
nehmerischem Denken und Handeln von der Primarschule bis zur Promotion und Hochschulsti-
pendien fr Studierende mit besonderen unternehmerischen Kompetenzen.

7.2  Aktionsprogramm Bildung und Erziehung zu unternehmerischem Denken


und Handeln
Land: Niederlande

Kontaktdaten:

Zustndige Organisation:
Ministerium fr Wirtschaft, Landwirtschaft und Innovation
Vor- und Nachname des Ansprechpartners: Herr Jurgen Geelhoed
Strae und Hausnummer: P.O. Box 20101
PLZ: 2500 EC
Ort: Den Haag
E-Mail des Ansprechpartners: [Link]@[Link]
Website der Organisation: [Link]/ez & [Link]

Beschreibung der Manahme:


Das Bildungssystem eignet sich in besonderer Weise, um den Menschen die Chancen einer unter-
nehmerischen Ttigkeit bewusst zu machen und ihnen das entsprechende Know-how, die richtige
77

Einstellung und die erforderlichen Kompetenzen zu vermitteln. Die niederlndische Regierung hat
daher ein ganzheitliches Konzept zur Frderung der Erziehung zu unternehmerischem Denken und
Handeln im Bildungswesen von der Grundschule bis zur Hochschule entwickelt. Die Minister
fr Wirtschaft sowie fr Bildung, Kultur und Wissenschaft setzen sich seit dem Jahr 2000 fr die
Frderung der Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln ein. Dabei arbeiten sie mit
(Dach-)Organisationen aus dem Bildungssektor und der Wirtschaft zusammen. Seit 2008 gilt fr
alle Akteure der Grundsatz, dass mehr in Netzwerke investiert werden muss, um den Wissenstrans-
fer zwischen Bildungseinrichtungen (und somit den Lehrkrften) und Unternehmern zu befrdern.
Zugrunde liegt die Idee, den Wissenstransfer strukturell zu verankern, statt Wissen nur im Rah-
men von Einzelprojekten weiterzugeben. Seit 2008 werden im Rahmen des Aktionsprogramms
Bildung und Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln verschiedene Schwerpunkt-
bereiche gefrdert: 1. Netzwerke fr die Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln.
Schulen bauen ein Netzwerk auf und arbeiten mit Unternehmen zusammen, um Schler, Lehrer
und Fhrungskrfte von Bildungseinrichtungen zu mehr unternehmerischer Initiative zu ermutigen.
2. Entwicklung eines nationalen Zertifikats ber unternehmerische Kompetenzen in der mittleren
Ebene der Berufsbildung und in der Hochschulbildung. 3. Frderung der unternehmerischen Initi-
ative in der Hochschulbildung durch die Schaffung weiterer Zentren fr unternehmerische Initia-
tive. 4. Ausbildungsprogramme im Bereich unternehmerische Initiative. In Zusammenarbeit mit
dem niederlndischen Institut fr Lehrplanentwicklung (SLO) wird ein Programm Ausbildung der
Ausbilder entwickelt, um das unternehmerische Denken und Handeln der Lehrkrfte zu strken.
5. Entwicklung eines Austauschprogramms fr (potenzielle) studentische Existenzgrnder, das in
Zusammenarbeit mit der Kauffman Foundation und deren internationalem Stipendienprogramm
(Global Fellowship Programme) durchgefhrt wird. 6. berprfung der Wirksamkeit. Im Rahmen
des Aktionsprogramms soll eine Studie ber die Entwicklung der Erziehung zu unternehmerischem
Denken und Handeln in den Niederlanden in die Wege geleitet werden. Die Ergebnisse des Aktions-
programms werden berprft.

Ziele:
Die Zahl der Ausbildungseinrichtungen, bei denen die Erziehung zu unternehmerischem Denken
und Handeln fester Bestandteil ihrer Arbeit, ihrer Organisation und ihres Lehrplans ist, soll erhht
werden. Ziel ist es, den Anteil der Schler und Studierenden zu steigern, die unternehmerische In-
itiative zeigen und fnf Jahre nach Abschluss ihrer Ausbildung ihr eigenes Unternehmen grnden.

Beginn: 1. Januar 2008

Grupo destinatario
Ausbildungseinrichtungen von der Grundschule bis zum Hochschulbereich, deren Schler, Stu-
dierende und Lehrkrfte sowie Unternehmen und Unternehmer.

Inwiefern ist die Manahme ein Erfolg?


Das Aktionsprogramm sieht eine Studie ber die Entwicklung der Erziehung zu unternehmeri-
schem Denken und Handeln in den Niederlanden sowie eine Evaluierung der durchgefhrten
Manahmen vor. Zwischenbewertung des Frderprogramms:
Das Aktionsprogramm Bildung und Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln
wird in allen Bildungsstufen, von der Grundschule bis zur Hochschule, wirksam eingesetzt. In
der Grundschule sind die Projekte beliebt und die Schler sehr geschftstchtig.
Das Projekt zur Frderung der Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln wird an
den meisten Schulen kontinuierlich durchgefhrt oder ist langfristig angelegt.
Die Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln wird in allen Hochschulen gefrdert,
78

und insgesamt erhalten mehr Studierende als bisher eine Ausbildung auf diesem Gebiet. Das
Programm bewirkt, dass Studierende strker unternehmerisch denken und handeln, und kann
so die Voraussetzung fr eine sptere Unternehmerttigkeit schaffen.
Im Jahr 2010 gaben 62 % der Studierenden an, dass eine unternehmerische Ttigkeit einen
wichtigen bis sehr wichtigen Stellenwert bei ihren Berufswnschen einnimmt. Im selben Jahr
erklrten 23 % der Studierenden, sie seien sich sicher, eine unternehmerische Ttigkeit ausben
zu wollen, whrend es im 2007 nur 13 % waren. Im Zeitraum 2007 bis Anfang 2010 hat sich
im Bildungsbereich ein Wandel hin zu einer strkeren Frderung des Unternehmertums bzw. des
unternehmerischen Denkens und Handelns vollzogen.

7.3 TF-Fest
Land: Bulgarien

Kontaktdaten: 
Zustndige Organisation: - (Bulgarisches bungs-
firmen Servicecenter (BUCT))
Vor- und Nachname des Ansprechpartners:
Strae und Hausnummer: . 1
PLZ: 1421
Ort: Sofia
E-Mail des Ansprechpartners: info@[Link]
Website der Organisation: [Link]

Beschreibung der Manahme:


Zur Erweiterung der Kenntnisse und Fhigkeiten der Teilnehmer an Projekten im Bereich der Erzie-
hung zu unternehmerischem Denken und Handeln (bungsfirmen) ist es unbedingt notwendig,
Messen zu veranstalten, die wirklichen Handelsmessen hnlich sind. Bei derartigen Veranstaltun-
gen knnen die Schler lernen, wie man die Teilnahme an einer Messe plant, einen Stand aufbaut
und betreut, direkte Kontakte knpft und Verhandlungen fhrt. Die erste Messe ber Projekte im
Bereich der Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln fand im Jahr 1997 statt. Nach
einer eingehenden Analyse wurde jedoch beschlossen, die jhrliche nationale Veranstaltung zu
einem internationalen Forum fr Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln auszu-
bauen, in dem Schler in einem Wettbewerb ihre Leistung messen knnen. Um dieses Ziel zu
erreichen, wurden Vertreter aus Industrie, staatlichen Verwaltungsbehrden, rtlichen Behrden,
nichtstaatlichen Organisationen, Sekundarschulen und Hochschulen herangezogen. Dank der Ver-
bindung mit der Internationalen Messe von Plovdiv kann diese Veranstaltung auf einem echten
Messegelnde durchgefhrt werden. Im Vorfeld der Veranstaltung werden die Schler mithilfe ei-
ner speziell ausgearbeiteten Methodik vorbereitet. Bei der Veranstaltung nehmen sie an einer Reihe
von Wettbewerben teil: beste Werbestrategie und Positionierung ihrer Handelsmarke, bester Stand,
beste Firmenbekleidung usw. bungsfirmen aus Rumnien, der Slowakei, sterreich, Kroatien, der
Ukraine, der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien und Montenegro nehmen seit vielen
Jahren an der TF Fest teil. Die Messe wird vom Zentrum fr bungsfirmen (TsUTF) veranstaltet.
Hierbei handelt es sich um eine ffentliche Stelle, die beim Ministerium fr Bildung, Jugend und
Wissenschaft angesiedelt ist. Sie ist zustndig fr die Durchfhrung von mehr als 300 Projekten im
Bereich der bungsfirmen in Sekundarschulen im ganzen Land.
79

Ziele:
Begegnung zuknftiger Unternehmer und Arbeitsmarktteilnehmer mit echten Unternehmern
und Bewertung der Leistung der Aussteller und ihrer Betreuer durch die Unternehmer; Ver-
gleich der Ergebnisse der heimischen und auslndischen bungsfirmen, Verwirklichung von
Ausbildungsbedingungen, die eine bestmgliche Vorbereitung auf die Anforderungen der rea-
len Geschftswelt gewhrleisten.

Beginn: 22. April 2005

Zielgruppe:
Jhrlich etwa 4 000 Schler aus Sekundarschulen in Bulgarien, die an mehr als 300 Projekten
im Bereich bungsfirmen an 55 Schulen in 39 Stdten teilnehmen

Inwiefern ist die Manahme ein Erfolg?


TF-Fest hat sich mittlerweile als bedeutsames Forum etabliert und erfhrt nicht nur in Plovdiv
und Bulgarien generell, sondern in der gesamten Balkanregion groen Zuspruch. Die Veran-
staltung spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung, Frderung und Strkung des Unterneh-
mergeistes bei jungen Menschen, da sie ihnen ermglicht, ihre Kompetenzen in einem realen
Unternehmensumfeld zu erproben und Erfahrungen zu gewinnen, die ihnen bei ihrer knftigen
Entwicklung zum Vorteil gereichen knnen. Es ist immer wieder beeindruckend zu sehen, wie
ernsthaft und grndlich Veranstalter und Teilnehmer die Messe vorbereiten und wie sehr sie
sich darum bemhen, seris aufzutreten. Dies ist eine gute Vorbereitung fr knftige Unter-
nehmer. Die Teilnehmer imponieren nicht nur durch ihre unternehmerischen Kompetenzen,
sondern auch durch die Beachtung geschftlicher Gepflogenheiten und der Regeln des fairen
Wettbewerbs. Valentina Petrova, Geschftsfhrerin, Fortis Vel
Im Jahr 2010 meldete die Veranstaltung eine Rekordzahl von Teilnehmern: 97 bungsfirmen,
an denen 673 Schler, 43 Schulen, 95 Lehrer und 5 Lnder beteiligt waren. TF Fest wurde von
12 Unternehmen und Behrden gefrdert, es wurden 14 Wettbewerbe veranstaltet und zwei
Projekte im Bereich der sozialen Verantwortung vorgestellt: Zu Fu zur Schule und Akademie
fr sozial verantwortliche Unternehmen. Einer Reihe von Schlern wurde von den Partnerun-
ternehmen Praktika angeboten.

7.4 Schlerfirmenprogramm
Land: Estland

Kontaktdaten: 
Zustndige Organisation: Junior Achievement Arengufond (JAA)
Vor- und Nachname des Ansprechpartners: Epp Vodja
Strae und Hausnummer: Kleri 24
PLZ: 10150
Ort: Tallinn
E-Mail des Ansprechpartners: epp@[Link]
Website der Organisation: [Link]

Beschreibung der Manahme:


Whrend des Schuljahres werden verschiedene Kurse, Messen und Wettbewerbe fr die regis-
trierten Schlerfirmen veranstaltet. Die Unternehmen mssen sich bei der Junior Achievement
Arengufond (JAA) anmelden und ber einen zertifizierten Berater/Lehrer verfgen. Die Schler-
80

firma handelt wie ein Kleinbetrieb. Sie erstellt einen Geschftsplan und hlt diesen im Rahmen
ihrer Geschftsttigkeit ein. Die Schlerfirma produziert und verkauft Produkte oder Dienstleis-
tungen. Am Ende des Geschftsjahres legt die Firma ihren Jahresabschluss vor. Die Schler zah-
len keine Steuern. Falls ihr Einkommen ber dem steuerfreien Existenzminimum liegt, mssen
sie eine Steuererklrung abgeben.

Ziele:
Die Schlerfirma wird als Teil des Wirtschaftslehrplans gegrndet, damit die Schler die Grund-
stze der Fhrung eines Unternehmens besser und leichter erlernen knnen und ihre Eigeniniti-
ative und ihre Problemlsungskompetenz gestrkt wird.

Beginn: 15. September 1992

Zielgruppe:
Zielgruppe sind Schler. Das Hauptprogramm richtet sich an Schler der Sekundarstufe II, es wird
aber auch ein Mini-Unternehmensprogramm fr jngere Schler angeboten.

Inwiefern ist die Manahme ein Erfolg?


Der Erfolg dieses Programms ist darauf zurckzufhren, dass es wichtige Aspekte der Entwick-
lung junger Unternehmer bietet. Zum einen vermittelt es wertvolle Kenntnisse ber unternehme-
rische Initiative, zum anderen werden die Einstellungen junger Menschen weiterentwickelt und
ihre Eigeninitiative, ihre Selbstvertrauen und ihre Offenheit gestrkt.

7.5 Unternehmerfhrerschein
Land: sterreich

Kontaktdaten:
Zustndige Organisation: sterreichische Wirtschaftskammer, Abteilung fr Bildungspolitik
Vor- und Nachname des Ansprechpartners: Dr. Friederike Soezen
Strae und Hausnummer: Wiedner Hauptstr. 63
PLZ: 1045
Ort: Wien
E-Mail des Ansprechpartners: [Link]@[Link]
Website der Organisation: [Link]

Beschreibung der Manahme:


Der Unternehmerfhrerschein besteht aus drei Basismodulen A, B und C sowie aus dem Fort-
geschrittenen Modul (UP Unternehmerprfung). Die vier Module befhigen die Lernenden, die
notwendigen Qualifikationen zu erwerben, um Kernprobleme und Zusammenhnge in einem Un-
ternehmen zu verstehen oder um selbststndige Unternehmer zu werden. Im Rahmen dieser Ma-
nahme werden auch soziale Kompetenzen gefrdert. Die Lernenden knnen am Ende jedes Moduls
freiwillige Abschlussprfungen absolvieren und erhalten bei Bestehen der Prfung ein Zertifikat.
Mit dem Modul UP (Unternehmerprfung), das der Meisterprfung entspricht, wird die Weiterbil-
dung Unternehmerfhrerschein abgerundet.

Ziele:
Die Absolventen des Unternehmerfhrerscheins denken unternehmerisch und haben fundiertes
betriebswirtschaftliches Wissen. Sie haben zudem bessere Chancen beim Start in den Beruf. Der
ESC befhigt zu unternehmerischem Handeln sowohl als Unternehmer als auch als Angestellter.
81

Beginn: 1. Januar 2004

Zielgruppe: Schler ab 14 Jahren

Inwiefern ist die Manahme ein Erfolg?


Immer mehr Lernende im In- und Ausland erwerben mit dem Unternehmerfhrerschein unterneh-
merische Kompetenzen. Der Unternehmerfhrerschein bietet eine solide Basis fr unternehmeri-
sche Aktivitten in der Zukunft. Die Vermittlung unternehmerischer Kompetenzen erffnet jungen
Menschen ein greres Spektrum von Mglichkeiten in ihrem beruflichen Leben.

7.6 Lucy et Valentin crent leur entreprise !


(Lucy und Valentin grnden ein Unternehmen!)
Land: Frankreich

Kontaktdaten:
Zustndige Organisation: Ministre de lconomie, des finances et de lemploi DGCIS
Vor- und Nachname des Ansprechpartners: Ghilhem Bertholet
Strae und Hausnummer: 23 rue dEdimbourg
PLZ: 75008
Ort: Paris
E-Mail des Ansprechpartners: guilhembertholet@[Link]
Website der Organisation: [Link]
Zustndige Organisation: Agence pour la cration dentreprises
Vor- und Nachname des Ansprechpartners: Virginie Dantard
Strae und Hausnummer: 14 rue Delambre
PLZ: 75682
Ort: Paris cedex 12
E-Mail des Ansprechpartners: dantard@[Link]

Beschreibung der Manahme:


Kinder und Jugendliche im Alter von 5 bis 14 Jahren werden mit dem Comic Lucy und Valentin
grnden ein Unternehmen! zu unternehmerischem Denken und Handeln ermutigt und motiviert,
ber die Grndung eines eigenen Unternehmens nachzudenken. Der Comic vermittelt auf dyna-
mische, positive und pragmatische Weise Einblicke in die Wirtschaft und in unternehmerisches
Denken und Handeln und kann sowohl von einzelnen interessierten Schlern eigenstndig ver-
wendet als auch im Klassenverbund eingesetzt werden. Der Comic hilft darber hinaus Lehrern,
Themen anzusprechen, ber die sie in der Regel nicht gut informiert sind. Der Comic besteht aus
zehn Teilen, jeweils einem fr die einzelnen Stufen, die Lucy und Valentin, die beiden begeister-
ten Hauptdarsteller, bei der Erffnung ihres Ladens fr Sportmode durchlaufen. Im Wesentlichen
beschreibt der Comic, wie man in zehn Schritten ein Unternehmen grnden kann.

Ziele:
Junge Menschen haben eine sehr lckenhafte und um es vorsichtig auszudrcken verzerrte
Vorstellung von den Schritten, die erforderlich sind, um ein eigenes Unternehmen zu grnden.
Das Projekt zielt darauf ab, diesbezglich Abhilfe zu schaffen und diese unvorteilhaften Einstel-
lungen durch den Comic zu korrigieren. Das macht Spa, ist pdagogisch sinnvoll selbst fr die
jngsten Teilnehmer und frdert die Sensibilisierung.

Beginn: 1. Juni 2006


82

Zielgruppe: Jugendliche im Alter von 14 und 15 Jahren und ihre Lehrer

7.7 Kitzbheler Sommerhochschule fr Entrepreneurship


Land: sterreich

Kontaktdaten:
Zustndige Organisation: Initiative fr Teaching Entrepreneurship
Vor- und Nachname des Ansprechpartners: Mag. Johannes Lindner
Strae und Hausnummer: Maygasse 43
PLZ: 1130
Ort: Wien
E-Mail des Ansprechpartners: entrepreneurship@[Link]
Website der Organisation: [Link], [Link]

Beschreibung der Manahme:


Die Kitzbheler Sommerhochschule fr Entrepreneurship bietet Lehrern die Mglichkeit, an ei-
genen Ideen zu arbeiten. Sie sieht sich als Wegbereiter fr die Erziehung zu unternehmerischem
Denken und Handeln im Wirtschaftsunterricht und in anderen Fchern. Ziel ist es, den Teilneh-
mern ein dynamisches Forum fr den Austausch von Ideen zu bieten. Die Sommerhochschule
ist eine Einrichtung mit Weitblick in der Bergwelt von Hochkitzbhel. Die Referenten sind Fach-
didaktiker, Experten fr Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln und bekannte
sterreichische Unternehmer.

Ziele:
Die Sommerhochschule zielt darauf ab, dass die teilnehmenden Lehrer selbst eigene Idee entwi-
ckeln und einen unternehmerischen Prozess erleben, damit sie ihre Schler praktisch unterstt-
zen knnen. Das Seminarkonzept wurde bewusst in die Bergwelt verlegt, damit die Lehrkrfte
ihren Alltag ausblenden knnen.

Beginn: 2. Juli 2001

Zielgruppe: Lehrer (in erster Linie solche, die 15 bis 19-jhrige Schler unterrichten)

Inwiefern ist die Manahme ein Erfolg?


Evaluierung durch die Teilnehmer. Durch den Fortbildungscharakter des Angebots wird die Rele-
vanz des Themas gestrkt und von vielen Lehrern wahrgenommen.

7.8 Unternehmergymnasium Bayern


Land: Deutschland

Kontaktdaten:
Zustndige Organisation: Unternehmergymnasium Bayern
Vor- und Nachname des Ansprechpartners: Joachim Barth
Strae und Hausnummer: Arnstorferstr. 9
PLZ: D-84347
Ort: Pfarrkirchen
E-Mail des Ansprechpartners: bart@[Link]
Website der Organisation: [Link]
83

Beschreibung der Manahme:


Das Unternehmergymnasium Bayern ist ein Gymnasium mit Schwerpunkt Erziehung zu unter-
nehmerischem Denken und Handeln, das Schlern ab der 10. Jahrgangsstufe dabei hilft, sich
auf eine selbststndige Ttigkeit vorzubereiten, und ihnen im Rahmen ihrer Schulausbildung
Fhrungsqualitten vermittelt. Die Schler profitieren von Workshops mit erfahrenen Unterneh-
mern und von einem Netz mit 80 Unternehmen und Bildungseinrichtungen. Den Schlern werden
ferner im Rahmen von Projekten praktische Erfahrungen wie z. B. die Organisation der Mittags-
verpflegung vermittelt.

Beginn: 1. September 2005

Zielgruppe:
Schler ab der 10. Jahrgangsstufe (Sekundarbereich II)

Inwiefern ist die Manahme ein Erfolg?


Das Projekt hat in Bayern und im Bereich der Erziehung zu unternehmerischer Initiative in ande-
ren deutschen Bundeslndern einen neuen Trend begrndet.

7.9 Programm zur Frderung unternehmerischer Initiative


Land: Spanien

Kontaktdaten:
Zustndige Organisation: Ministerium fr Industrie und Beschftigung der Regierung der Autono-
men Gemeinschaft Asturien
Vor- und Nachname des Ansprechpartners: Julio Gonzlez Zapico
Strae und Hausnummer: Plaza de Espaa, 1
PLZ: 33007
Ort: Oviedo
E-Mail des Ansprechpartners: juliogz@[Link]
Website der Organisation: [Link]

Beschreibung der Manahme:


Im Rahmen des Programms werden Mittel fr die Einfhrung unternehmerischer Anstze im
Bildungssystem bereitgestellt. Das Programm erfasst alle Bildungsbereiche. Zu den wichtigsten
Manahmen zhlen: Konzeption von Lehrmaterialien, Ausbildung und Beratung von Lehrkrften.
Primarbereich: Emprender en mi escuela (Unternehmerische Initiative in meiner Schule). Die
Schler grnden und leiten ein Mini-Unternehmen. Sekundarbereich: Empresa Joven Europea
(Junges europisches Unternehmen). Die Schler grnden und leiten ein Mini-Unternehmen.
Sekundarbereich II Berufsbildung: Taller para Emprender (Unternehmer-Workshop). Schler
mit unternehmerischen Interessen erhalten Informationen, Beratung und Untersttzung fr die
Entwicklung eigener Geschftsideen. Jhrlich werden die besten Geschftsideen ausgezeichnet.
Berufsbildung: Die Schler grnden und leiten ein Kleinunternehmen.

Ziele:
Schrfung des Bewusstseins der Bildungsakteure fr unternehmerische Initiative; Verbreitung
des Konzepts der unternehmerischen Initiative und Motivation der Gesellschaft insgesamt. Be-
reitstellung geeigneter Ressourcen fr Schulen und Lehrkrfte zwecks Frderung unternehmeri-
scher Initiative im Bildungssystem.

84

Beginn: 1. Januar 2004

Zielgruppe:
Das Programm zur Frderung unternehmerischer Initiative im Bildungssystem richtet sich an
die Schulakteure insgesamt: Schler, Lehrkrfte und Eltern. Fr den Primarbereich, den Se-
kundarbereich I und II sowie fr die Berufs- und Hochschulbildung sind jeweils differenzierte
Manahmen vorgesehen.

Inwiefern ist die Manahme ein Erfolg?


Das Programm bietet Schlern Gelegenheit, sich whrend der Schulzeit unternehmerische Er-
fahrungen in allen Bildungsstufen anzueignen. Empresa Joven Europea, das Projekt fr den
Sekundarbereich, wurde in vollem Umfang in den regionalen Lehrplan integriert. Die langfristi-
ge Tragfhigkeit ist durch einen vierjhrigen Finanzierungsplan gesichert. Schulleiter, Lehrkrf-
te und Eltern erkennen die Bedeutung unternehmerischer Initiative an.

7.10 resund Entrepreneurship Academy


Land: Dnemark

Kontaktdaten:
Zustndige Organisation: resund Entrepreneurship Academy
Vor- und Nachname des Ansprechpartners: Christian Vintergaard
Strae und Hausnummer: Kilevej 14A
PLZ: 2000
Ort: Fredriksberg
E-Mail des Ansprechpartners: [Link]@[Link]
Website der Organisation: [Link]

Beschreibung der Manahme:


Die resund Entrepreneurship Academy ist eine grenzbergreifende dnisch-schwedische Initi-
ative unter der Federfhrung der resund-Universitt. bergeordnetes Ziel der Akademie ist die
Strkung des Wirtschaftswachstums in der resundregion. Die Akademie ist bestrebt, die Region
als international anerkanntes Zentrum im Bereich der Erziehung zu unternehmerischem Denken
und Handeln zu etablieren. Daher untersttzt die Akademie die Hochschulen in der Region dabei,
eine hochwertige Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln zu erbringen und die
Studierenden zu motivieren, Kurse ber unternehmerische Initiative zu belegen.

Ziele:
Steigerung des Anteils der Studierenden, die an den elf Hochschulen der resundregion Erzie-
hung zu unternehmerischem Denken und Handeln belegen, von 2 % im Jahr 2006 auf 15 %
im Jahr 2015.

Beginn: 10. November 2006

Zielgruppe: 150 000 Studierende der elf Hochschulen der resundregion

Inwiefern ist die Manahme ein Erfolg?


Sie entspricht erstklassigen internationalen Standards.
85

7.11 Weitere Beispiele fr bewhrte Verfahren


Die beschriebenen bewhrten Verfahren stammen aus dem Katalog bewhrter Verfahren
der EU im Bereich KMU-Politik, der unter folgender Adresse abgerufen werden kann: http://
[Link]/enterprise/policies/sme/best-practices/database/SBA.
Die Ermittlung bewhrter Verfahren ist eine kontinuierliche Aufgabe, bei der besonderes
Augenmerk auf jene Verfahren gelegt wird, die mit Mitteln aus den Strukturfonds gefr-
dert wurden. Im Rahmen dieser Reihe wird zudem ein Leitfaden ber die Abfassung von
Antrgen auf Finanzierung von Projekten mit Mitteln aus den Strukturfonds erscheinen.
Aktualisierte Informationen zu dieser Initiative sind auf der Website der Kommission ver-
fgbar unter [Link]
86
NB-BN-12-001-DE-C
Ratgeberserie Untersttzung von KMU-Politikmanahmen aus Strukturfondsmitteln

Frderung des
Unternehmergeistes
und unternehmerischer
Kompetenzen in der EU
Technology Innovation Management Review March 2012

Global from the Start:


The Characteristics of Born-Global
Firms in the Technology Sector
Stoyan Tanev

Born-global companies merit much more attention than


they are receiving, as their growth strategies could
provide lessons for many other organizations.
Alina Kudina, George S. Yip, and Harry G. Barkema
Born Global, Business Strategy Review, 2008

This article provides insights from recent research on firms that are born global. A born-
global firm is a venture launched to exploit a global niche from the first day of its opera-
tions. The insights in this article are relevant to technology entrepreneurs and top manage-
ment teams of new technology firms. After discussing various definitions for the term
born global and identifying the main characteristics of born-global firms, this article lists
a few salient characteristics of firms that are born global in the technology sector. The art-
icle concludes by identifying opportunities for future research.

Introduction firms target global niches and develop a global presence


within one or two years of their founding (Autio et al.,
The born global label originated with Michael Rennie 2000: [Link]/7plvc5d; McDougall and Oviatt, 2000: tiny
(1993; [Link]/7d6aa22), who studied firms established [Link]/745yv3v; Rennie, 1993: [Link]/7d6aa22), this
with the capability to compete internationally and co- does not mean they fit the definition of born global.
ordinate resources across countries (Jones et al., 2011;
[Link]/7mbjjzz). Research on born-global firms fo- For the purpose of this paper, a true born-global firm is a
cuses on how to launch and grow a small firm to satisfy new venture that acts to satisfy a global niche from day
the needs of customers in a global niche (Cavusgil and one. While various definitions of born-global firms have
Knight, 2009: [Link]/74th3bb; Knight and Cavusgil, been proposed (Jones et al., 2011; [Link]/7mbjjzz), this
1996: [Link]/7hxs7l2; Madsen and Servais, 1997: tiny definition of born-global firms fits best with the entre-
[Link]/82pgrhj). The internationalization of businesses preneurship literature and is consistent with the defini-
has become a pervasive phenomenon, which under- tion advanced by Moen, Srheim, and Erikson (2008;
scores the importance of the born-global concept and [Link]/82r2j4k). This definition focuses on the cre-
the need for researchers and practitioners to under- ation of new ventures that are international by design
stand the factors that influence the success of born- and not by emergence. Thus, the unit of analysis is a
global firms. startup that is born global, excluding firms that have
simply grown to be global after being a domestic firm
In the international business literature, firms that inter- for a period of time.
nationalize early in their life cycle are also referred to as
global startups (Oviatt and McDougall, 1995; tinyurl The remainder of this article is organized into four sec-
.com/6w6v8cj), instant internationals (Fillis, 2001; tinyurl tions. The next section describes the distinctive charac-
.com/7e8dqb3), and international new ventures (Oviatt teristics of born-global firms. Then, the conditions that
and McDougall, 1994; [Link]/79eye8t). Although many enable a technology firm to go global are identified, the

[Link] 5
Technology Innovation Management Review March 2012

The Characteristics of Born-Global Firms in the Technology Sector


Stoyan Tanev

importance of business ecosystems to the growth of [Link]/7d6aa22). For example, in Denmark, Madsen,
born-global firms is highlighted, and a set of research and Servais (1997; [Link]/82pgrhj) have found born-
questions is advanced. The last section provides the global firms in industries such as metal fabrication, fur-
conclusions. niture, processed food, and consumer products.

Distinctive Characteristics of Born-Global 4. Managers have a strong international outlook and in-
Firms ternational entrepreneurial orientation
The managers of born-global firms do not see foreign
Born-global firms possess the following distinctive char- markets as a mere addition to their domestic markets.
acteristics: They possess a strong entrepreneurial mindset. They
proactively and aggressively compete in international
1. High activity in international markets from or near markets, they take risks, and innovate. Findings from
the founding the United States, the United Kingdom, Australia,
Born-global firms begin exporting their products or ser- Canada, Ireland, and New Zealand highlight the import-
vices within a couple of years after their founding and ance of the combined role of the creativity, knowledge,
may export a quarter or more of their total production. and resourcefulness of the top management team and
Most of them advance through subsequent stages of in- not just of the personal qualities of a single entrepren-
ternationalization, collaboration with foreign partners, eur. The skills of top management teams have been
or undertaking of direct foreign investment. Findings found important for a more dynamic form of interna-
from Denmark and Australia show that, although born- tionalization, particularly in the knowledge-based sec-
global firms are presumed to have the intent to interna- tors (Johnson, 2004: [Link]/7ylm49z; Andersson and
tionalize from inception; internationalization is not ne- Evangelista, 2006: [Link]/6wm49re; Loane et al., 2007;
cessarily an objective in the founding process [Link]/7hdohoc).
(Rasmussen et al., 2001; [Link]/7u8pj4l). The decision
to engage the firm into a systematic internationaliza- 5. Emphasis on differentiation strategy
tion process is usually determined by the nature of the Born-global firms tend to adopt differentiation
new firm; the type of technology that is being de- strategies by developing differentiated designs and
veloped or the firms specialization within the specific highly distinctive products that target niche markets,
industry sector, value chain, or market (Jones et al., which may be too small for the tastes of larger firms.
2011; [Link]/7mbjjzz). Other studies from Norway and The focus is on stimulating customer loyalty by
France show slightly different results, indicating that, al- uniquely meeting particular needs. People and firms
though the specific market situation is important, the increasingly demand specialized and customized
extent to which a firm is a born global rather than a products, and niche markets have become an import-
born local or a late global depends on the firms ant source of opportunities for small firms (Cavusgil
own early decisions (Moen, 2002; [Link]/7yegguu). and Knight, 2009; [Link]/74th3bb).
Similar findings were reported in Sweden and Finland,
where the founders vision at the time of the incorpora- 6. Emphasis on superior product quality
tion was found to be a key factor for a firms early inter- Born-global firms are often at the leading technological
nationalization patterns (Gabrielsson and Pelkonen, edge of their industry or product category. They are
2008; [Link]/6ot26js). founded to exploit business opportunities based on the
development of new products or services that are better
2. Limited financial and tangible resources designed and higher quality than competitors offerings.
Born-global firms tend to be relatively small and have Typically, these firms do not operate in commodity
far fewer financial, human, and tangible resources as markets (Cavusgil and Knight, 2009; [Link]/74th3bb).
compared to large multinational enterprises that have
been considered as dominant in global trade and in- 7. Leveraging advanced information and communica-
vestment. tions technology (ICT)
Many born-global firms leverage ICT to segment cus-
3. Present across most industries tomers into narrow global-market niches and skillfully
Many born-global firms are technology firms. However, serve highly specialized buyer needs. ICT allows them
recent evidence suggests that the born global phe- to process information efficiently and communicate
nomenon is widely spread beyond the technology sec- with partners and customers worldwide at practically
tor (Moen, 2002: [Link]/7yegguu; Rennie, 1993: zero cost (Cavusgil and Knight, 2009; [Link]/74th3bb).

[Link] 6
Technology Innovation Management Review March 2012

The Characteristics of Born-Global Firms in the Technology Sector


Stoyan Tanev

8. Using external, independent intermediaries for distri- 9. The firms product or service has significant first-
bution in foreign markets mover advantages or network effects.
Most born-global firms expand internationally through
exports by engaging in direct international sales or 10. The firms major competitors have already interna-
leveraging the resources of independent intermediaries tionalized or will internationalize soon.
located abroad. Many of them rely on external facilitat-
ors to organize international shipments. Exporting and 11. The firm has key managers who are experienced in
leveraging independent intermediaries enables flexible international business.
international operations including the ability to enter
or withdraw from foreign markets relatively quickly and The Importance of Ecosystems
easily. More experienced born-global firms appear to
adopt additional strategies, such as joint ventures and Researchers have identified a number of organizational
foreign direct investment (Cavusgil and Knight, 2009; capabilities that enable internationalization and increase
[Link]/74th3bb). the international performance of born-global firms. Kud-
ina, Yip, and Barkema (2008; [Link]/83c2qdz) attribute
The Specifics of Technology Firms the success of technology firms that are born global to
their effective use of three types of ecosystems:
The majority of born-global firms are technology com-
panies. A research study based on a comprehensive 1. The first type of ecosystem is anchored around uni-
analysis of 12 technology firms in England formulated a versities and firms operating in the same industry as the
number of conditions for newly created technology focal firm. Being part of such ecosystems results in a flow
firms considering early, rapid globalization (Kudina et of technological knowledge, experienced people, and
al., 2008; [Link]/83c2qdz). Although these conditions contacts with local venture capitalists that benefit the fo-
were developed in a very specific context, it is worth cal firm. The knowledge and expertise developed within
summarizing them here: such ecosystems provide a global competitive advantage.

1. The market in the home country is not large enough 2. The second type of ecosystem establishes and
to support the scale at which the firm needs to operate. strengthens relationships between the local operations of
firms and their foreign sales subsidiaries. Such networks
2. Most of the firms potential customers are foreign, are important sources of knowledge from experts that are
multinational firms. spread out internationally. The ecosystem facilitates dir-
ect contacts between engineers and clients to satisfy the
3. Many of the firms potential customers have overseas specific needs of clients and provides a mechanism for
operations where they will use the firms products or winning additional business.
services.
3. The third type of ecosystem is anchored around for-
4. The firm operates in a knowledge-intensive or high- eign sales subsidiaries and local clients that are import-
technology sector. ant for high-quality service. Such ecosystems involve
customers and provide highly relevant information about
5. Having the most technically advanced offering in the client needs in relation to product development. These
world is key to the firms competitive advantage. contacts help firms to obtain technological knowledge
from the client or through the clients business partners
6. The firms product or service category faces few trade that they would otherwise have to develop themselves.
barriers.
The success of a firm is conditional on its ability to cre-
7. The firms product or service has high value relative ate an ecosystem of firms beyond its clients. The ecosys-
to its transportation and other logistics costs. tem comprises firms in the industry in which it has
clients, as well as firms in many other related indus-
8. Customer needs and tastes are fairly standard across tries. Such an arrangement helps the firm to secure cli-
the firms potential country-markets. ents in a more systematic way as part of its ecosystem.

[Link] 7
Technology Innovation Management Review March 2012

The Characteristics of Born-Global Firms in the Technology Sector


Stoyan Tanev

Research Questions Conclusion

The research on born-global firms is growing. There are The main objective of this article was to discuss the
many relevant research questions that should be ad- characteristics of born-global firms. The literature on
dressed in future studies. This section builds on the re- born-global firms has developed separately from the
search questions that have been discussed in the technology entrepreneurship literature. The various
literature (Cavusgil and Knight, 2009; [Link]/74th3bb). definitions of born-global firms do not enable linking
Suggested research questions include: research on born-global firms and the theory of the
firm or entrepreneurship theory. This fact provides
1. What barriers inhibit technology firms from being valuable opportunities for future research.
born global?
If technology firms that are born global are more suc-
2. What factors contribute to the early success of born- cessful than technology firms that are not born global,
global firms even in light of their limited access to re- we should focus on defining design principles that in-
sources? corporate key attributes of born-global firms and use
these design principles to launch and grow technology
3. What are the main advantages associated with inter- companies. This article is a call to first empirically valid-
nationalization at an early stage of the life cycle of a ate that born-global firms are more successful than
technology company? What is the nature of these ad- firms that were not born global and then identify the
vantages and how could they be developed? design principles that can be used to design technology
startups.
4. How can design principles help launch and grow
born-global technology firms?

5. How do resource-poor technology companies recon-


cile the costly needs for product customization in
unique foreign markets with the need to achieve eco-
nomies through product standardization? How can cus- About the Author
tomer co-creation capabilities and business models
help new firms deal with the high costs of customiza- Stoyan Tanev is an Associate Professor in the Insti-
tion? tute of Technology and Innovation and member of
the Integrative Innovation Management (I2M) Re-
6. Does early internationalization also occur among search Unit at the University of Southern Denmark,
firms that specialize in technology-driven services? If Odense, Denmark. He is also Adjunct Professor in
so, how do they differ from manufacturers? How can the Department of Systems and Computer Engineer-
product-enabled services help firms to differentiate ing at Carleton University in Ottawa, Canada, where
themselves and compete in foreign markets? he was previously a faculty member in the Techno-
logy Innovation Management Program. He has an
7. What is the role of ecosystems in launching and MSc and PhD in Physics (jointly by the University of
growing technology firms that are born global? How do Sofia, Bulgaria, and the University Pierre and Marie
ecosystems advance internationalization goals of tech- Curie, Paris, France), an MEng in Technology Man-
nology companies? What types of network contacts are agement (Carleton University, Canada), and a MA
most beneficial? (University of Sherbrooke, Canada). His main re-
search interests are in the fields of technology innov-
8. What proportion of born-global technology firms be- ation management and value co-creation in
come large, successful firms? How many merge with technology-driven businesses. Dr. Tanev is also on
other firms or become acquired by larger ones? Do the Review Board of the Technology Innovation Man-
born-global firms go out of business at the same rate as agement Review.
firms that were not born global? How do born-global
companies grow?
Citation: Tanev, S. 2012. Global from the Start: The
Characteristics of Born-Global Firms in the Technology
9. Is ownership of born-global firms significantly differ- Sector. Technology Innovation Management Review.
ent from ownership of firms that were not born global? March 2012: 5-8.

[Link] 8
2 Interessenvertretung und Lobbying

Die Vertretung von Interessen gegenber politischen Entscheidungstrgern ist


ein realpolitischer Vorgang, den man nicht abschlieend beschreiben und damit
auch nicht endgltig definieren kann. Der Versuch der Einordnung einiger zent-
raler Begriffe soll aber ermglichen, den Untersuchungsgegenstand klar heraus-
zustellen und Kriterien der Abgrenzung zu erzeugen, anhand derer sich die vor-
liegenden Forschungsfragen beantworten lassen.

2.1 Interesse, Interessenvertretung, Information und Einflussnahme

Es ist wohl die grundlegendste Motivation menschlichen Verhaltens Bedrfnisse


zu haben und die aus ihnen resultierenden Interessen umzusetzen. Mit der Ver-
schiedenartigkeit der Bedrfnistrger ist die Vielschichtigkeit der Interessen
verbunden. Als soziales Wesen steht der Mensch mit anderen Individuen im
Austausch, so dass unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen. Teilweise
stimmen sie berein oder ergnzen sich, teilweise widersprechen sie sich aber
auch. Existenz und Entwicklung einer Gesellschaft stehen somit in unmittelbarer
Abhngigkeit vom Bestreben der Gesellschaftsmitglieder, ihre Interessen zu
vermitteln und zu realisieren. Die Einordnung des Begriffs Interesse ist insofern
weniger politologischer als eher soziologischer Art. So betont Hegel: Es kommt
() nichts ohne Interesse zustande34. Max Weber sieht im Interesse die Bedin-
gung menschlichen Handelns berhaupt35. Ausgehend von einer Interessenslage
hat eine Person oder eine Personengruppe nach Ansicht Webers eine zweckge-
richtete Orientierung hinsichtlich einer gewnschten und bevorzugten Entwick-
lung des Geschehens (Erwartung)36. Diese Orientierung bestimmt die Gestalt des
Handelns, die sich in der Vertretung des Interesses niederschlagen kann. Mit

34 Glockner, Hermann (Hrsg.): Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Smtliche Werke. System der
Philosophie Teil 3, B. 10, Stuttgart 1929, S. 376.
35 Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft, Neu-Isenburg 2005 , Kap. I, 4, S. 20 ff.; Massing,
Peter: Interesse, in: Nohlen, Dieter/Schultze, Rainer-Olaf (Hrsg.): Lexikon der Politikwissen-
schaft, 2. A., B. 1, Mnchen 2004, S. 375.
36 Weber: Wirtschaft und Gesellschaft, Kap. I, 4, S. 20ff.

31

A. Classen, Interessenvertretung in der Europischen Union,


DOI 10.1007/978-3-658-05410-6_2, Springer Fachmedien Wiesbaden 2014
dem Begriff des Interesses werden zweckorientierte Verhaltensweisen und Er-
wgungen von Einzelnen und Gruppen in einem sozialen Umfeld beschrieben37.
Von Alemann weist auf die Definition des Begriffes Interesse im Vollstndi-
gen politischen Taschenwrterbuch aus dem Jahr 1849 hin, in dem das Interesse
als Teilnahme an etwas, das Verwebtsein in eine Sache, das Anziehende, der
Reiz, Vorteil, Eigennutz, Gewinn38 bezeichnet wird. Der Begriff Verwebtsein
kndigt dem Interpretierenden damit bereits an, dass das seiner Natur nach ei-
genntzige Interesse durch Kommunikation und im Wege gesellschaftlicher
Auseinandersetzung verfolgt wird. Von Alemann fhrt aus, dass sich der Interes-
senbegriff in drei Dimensionen darstellen lsst in einer individuellen, einer
materiellen, sowie einer ideellen Dimension39. Whrend es bei der individuellen
Dimension um die Frage der Verwirklichung eigener Bedrfnisse geht, ist die
materielle Dimension durch soziale Interaktion gekennzeichnet. Bei Non-Profit-
Organisationen wird der konomische Vorteil aber gerade nicht als erstes Ziel
ihres Handelns begriffen. Sie vertreten Interessen, die von allgemeiner Bedeu-
tung und im Interesse aller Gesellschaftsmitglieder sind. Von Alemann erfasst die
Vertretung solch allgemeiner Interessen ber die von ihm vorgenommene Erwei-
terung des Interessenbegriffes um eine dritte ideelle Dimension40, die im Han-
deln der Vertreter allgemeiner Interessen ihren Niederschlag findet.
In der modernen Gesellschaft hat sich der Lebenswandel zunehmend diver-
sifiziert. Damit geht auch eine zunehmende Individualisierung und Spezialisie-
rung der (politischen) Interessen einher. Im heutigen Verstndnis wird der Be-
griff des Interesses zunchst wertungsfrei verwendet. Ein Interesse kann gut oder
schlecht, moralisch wertvoll, neutral, oder verwerflich sein. Der Begriff Interesse
gilt als allgemeine Bezeichnung fr Absichten von individuellen oder kollektiven
Akteuren, die in der Regel auf materielle, konomische oder politische Vorteile
ausgerichtet sind41. Um dieser Vorteile habhaft zu werden, bedarf es der Kund-
gabe und damit der Vertretung des Interesses. Der Galle-Report des Europi-
schen Parlaments definiert den Interessenvertreter als eine Person, die im Auf-
trag eines Dritten handelt und die Interessen dieses Dritten gegenber dem Euro-
pischen Parlament und sonstigen Gemeinschaftsinstitutionen vertritt oder re-
gelmig Informationen verschafft oder zu diesem Zweck regelmig Kontakte
zu den Mitgliedern des Europischen Parlaments und den Bediensteten der Insti-

37 Ebenda, Kap. I, 3, S. 20 f., Kap. III 1, S. 157.


38 Alemann: Organisierte Interessen in der Bundesrepublik, S. 26 f.
39 Ebenda, S. 27.
40 Ebenda, S. 28 f.
41 Thibaut, Bernhard: Interesse, in: Nohlen, Dieter (Hrsg.): Lexikon der Politik, B. 7, Mnchen
1998, S. 280.

32
tutionen knpft bzw. unterhlt42. In zutreffender Weise wird bei dieser Einord-
nung nicht nur die Beeinflussung der Parlamentarier im Sinne einer direkten
Interessenvertretung, sondern auch die damit verbundenen Ttigkeiten der In-
formationsbeschaffung, des Kontaktierens, des Austauschens und hnliches
erfasst. Zu hinterfragen ist die Definition allerdings hinsichtlich der Formulie-
rung, dass lediglich diejenigen Personen als Interessenvertreter gelten, die fr
einen Dritten handeln. Die hchstpersnliche Vertretung wird von der Einord-
nung also ausgeklammert. Gerade aber die direkte Interessenvertretung, bei-
spielsweise durch die hauseigenen Interessenvertreter groer Firmen, nahm in
den vergangenen Jahren in Brssel bestndig zu. Die Definition des Galle-
Reports scheint fr eine allumfassende Einordnung deshalb unzureichend. Als
Interessenvertreter sollen deshalb all diejenigen Personen oder Personengruppen
gelten, die Inhaber des zu vertretenden Interesses oder deren Stellvertreter sind
und das Interesse durch jedwede Art politisch motivierter Kundgabe geltend
machen.
Unter einer Interessengruppe soll ein Zusammenschluss von Personen ver-
standen werden, deren politische Interessen einen gemeinsamen Kern aufweisen
und bei denen der Zweck des Zusammenschlusses in der effektiveren Vermitt-
lung ihrer Interessen gegenber dem Hoheitstrger liegt.
Michalowitz ordnet die Interessenvermittlung als Austausch von Ansichten
zur Gestaltung eines Rechtsaktes zwischen Verbnden, Unternehmen oder ande-
ren privaten Akteuren und Politikern ein43. Die Einordnung erscheint zutreffend,
soll aber fr vorliegende Zwecke noch um den Gesichtspunkt ergnzt werden,
dass nicht nur private, sondern eben auch ffentliche Akteure der nationalen oder
regionalen Ebenen sowie aus Drittstaaten als Interessenvertreter bei den EU-
Institutionen auftreten und damit auch sie als Interessenvermittler zu betrachten
sind.
Die Durchsetzungsmglichkeiten der Interessen stehen in Abhngigkeit ih-
rer Aggregations- und Konfliktfhigkeit. Gruppenbildung und gemeinschaftliche
Vertretung erhhen die Konfliktfhigkeit eines Interesses. Deshalb wird unter
Interessenaggregation der Vorgang der Zusammenfassung, Bndelung und
wechselseitigen Abstimmung von Einzel-, bzw. Partikularinteressen im Rahmen
gesellschaftlicher und politischer Organisationsformen verstanden44. Aufgrund

42 Nach dem belgischen MdEP Marc Galle benannte Report: Europisches Parlament: PE
200.405/endg., Galle-Report, vom 08.10.1992, S. 2, zitiert nach Buholzer: Legislatives Lob-
bying in der Europischen Union, S. 6 f.
43 Michalowitz: Lobbying in der EU, S. 19.
44 Thibaut, Bernhard: Interessenaggregation, in: Nohlen, Dieter/Schultze, Rainer-Olaf (Hrsg.):
Lexikon der Politikwissenschaft, 2. A., B. 1, Mnchen 2004, S. 379.

33
ihres Aggregationsvermgens bilden Interessenverbnde die klassische Form der
Interessenvertretung [dazu auch Kapitel 3.3.1].
Unter Einfluss wird das Erzeugen einer Wirkung auf das Verhalten eines
anderen, sei es nderung oder Bestrkung, verstanden45. Im politischen System
erfolgt die Einflussnahme durch die Artikulation und Vertretung von Interessen.
In Abhngigkeit vom Einflussvermgen des Interessenvertreters kann man sein
Durchsetzungsvermgen und damit seine Erfolgswahrscheinlichkeit beurteilen.
Je mehr Einfluss ein Interessenvertreter ausben kann, desto mehr politische
Macht hat er potentiell inne.
Die Arbeit der Interessenvertreter ist nicht auf die Vermittlung ihrer politi-
schen Ansichten und Interessen begrenzt. Meistens geht sie mit einer darber
hinausgehenden Informationsvermittlung einher. Die Versorgung des Hoheits-
trgers mit Informationen dient der Beziehungsunterhaltung oder -strkung und
bildet die Grundlage fr ein Austauschverhltnis zu gegenseitigem Nutzen. Vor
diesem Hintergrund sei deshalb auch auf den Begriff der Information kurz ein-
gegangen: Nach Pfeifer ist Information jede Beschreibung der Realitt, die einer-
seits fr den, der sie erhlt, von Nutzen ist und andererseits sowohl faktischen
Wert als auch subjektive Werte, Interpretationen und Anschauungen enthlt46.
Eine an der Gesetzgebung beteiligte Person hat die Aufgabe, gesamtgesellschaft-
lich verbindliche Entscheidungen anhand objektiver Mastbe und vor dem
Hintergrund einer unvoreingenommen ausgerichteten Bewertung der gesell-
schaftlichen Situation vorzunehmen. Als Rezipient einer Information, die von
externer Seite an den Hoheitstrger herangetragen wird, muss sich der Entschei-
dungstrger des Umstandes bewusst sein, dass diese nicht in jeder Hinsicht ob-
jektiv ist, sondern eine subjektive Frbung, bzw. Polarisierung aufweisen kann.
Der Eigenschaft der Subjektivitt einer Information kommt hierdurch eine nicht
zu unterschtzende Bedeutung zu. So kann der Nutzen einer Information aus
Sicht des Hoheitstrgers mit ihrer Objektivitt oder Subjektivitt stehen und
fallen. Subjektive Informationen bringen die Bedrfnisse und Anliegen der ver-
mittelnden Person direkt und unverflscht zum Ausdruck. Sie taugen dagegen
nicht fr die reprsentative Einschtzung einer Sachlage. Informationen knnen
ohne spezifischen Inhalt, an einen nicht spezifizierten Adressatenkreis gerichtet,
schlichtweg falsch oder aus Sicht des Rezipienten unntz sein. Wrde man den
aus Sicht des Rezipienten unntzen Informationen jeglichen informativen Cha-
rakter absprechen, knnten Phnomene, wie die des Massenmailings, nicht mehr
als Informationsvermittlung aufgefasst werden. In modernen Gesellschaften

45 Pfeifer: Eurolobbyismus, S. 13.


46 Ebenda, S. 13.

34
werden die unterschiedlichsten Leistungen und Waren beworben. Diese Wer-
bung findet immer fter vllig unabhngig davon statt, ob sie der Rezipient er-
halten mchte oder nicht. Der Nutzen fr den Rezipienten ist damit kein prg-
nantes Kriterium dafr, eine Nachricht als Information einzuordnen.

2.2 Lobbying

Politische Interessen werden seit jeher von denjenigen vertreten, die sie inneha-
ben und gegenber denen vorgebracht, die die Herrschaftsgewalt innerhalb eines
politischen Systems ausben. Seit Anbeginn politischer Ordnungen existiert
daher auch die Interessenvertretung, die mittlerweile vorwiegend als Lobbying
bezeichnet wird. Verstndnis und Form der Interessenvertretung unterliegen
daher historischen und etymologischen Einflssen und werden bis heute durch
politische Gegebenheiten geprgt. Der Begriff soll deshalb eine genauere Ein-
ordnung erfahren.

2.2.1 Historische Einordnung

Auf dem europischen Kontinent nahm die zielgerichtete Vertretung politischer


Interessen durch breite Bevlkerungsschichten seit der zweiten Hlfte des 19.
Jahrhunderts erheblich zu. Die Industrialisierung brachte mit der Massenbeschf-
tigung eine Angleichung und Vergemeinschaftung gleichgesinnter Interessen mit
sich. Interessen der Arbeitnehmer, wie aufwandsgerechte Entlohnung, Arbeits-
schutzmanahmen und soziale Frsorge mndeten in Mitgliedschaften gewerk-
schaftlicher Zusammenschlsse, die ihre Anliegen gegenber der Politik zum
Ausdruck brachten. Die Arbeiterklasse stand als nicht regierende Klasse den
politisch Machthabenden zunchst mit einem nur geringen Ma an politischer
Konfliktfhigkeit gegenber. Die Angleichung der Lebens- und Arbeitsbedin-
gungen der Arbeiterklasse mehrte die Gemeinsamkeiten ihrer Bedrfnisse und
Anliegen und ermglichte damit die Herausbildung einer homogenen Gesell-
schaftsschicht mit gleichartigen politischen Zielen. Die Aggregation ihrer politi-
schen Interessen und die gemeinsame verbandliche Vertretung durch die Ge-
werkschaft verliehen den politischen Anliegen der Arbeiterklasse das ntige
politische Gewicht als Grundlage fr eine erfolgreiche Teilhabe an der Mitgestal-
tung der politischen Rahmenbedingungen im Sinne und zum Vorteil der eigenen
Lebens- und Arbeitsverhltnisse. Zur Zeit der Begrndung der europischen
Institutionen war Interessenvertretung damit bereits ein fr den Gesetzgeber zu

35
bercksichtigender Faktor der Politik, der im Grndungsvertrag der Europi-
schen Gemeinschaft fr Kohle und Stahl (EGKS) seinen Niederschlag fand:

Art. 18 EGKS-Vertrag:
Er [der beratende Ausschuss] besteht aus Mitgliedern () gleicher Anzahl von
Vertretern der Erzeuger, der Arbeitnehmer sowie der Verbraucher und Hndler.47

Art. 46 Abs. I f) EGKS-Vertrag:


Die Hohe Behrde [heute: Kommission] kann jederzeit () die verschiedenen Be-
teiligten (Unternehmer, Arbeitnehmer, Verbraucher und Hndler) und ihre Verbnde
ebenso wie Sachverstndige anhren. Die Unternehmen, die Arbeitnehmer, die Ver-
braucher und Hndler und ihre Verbnde sind berechtigt, der Hohen Behrde zu den
sie angehenden Fragen Anregungen oder Bemerkungen jeder Art vorzulegen.48

Der EGKS-Vertrag billigte den Gesellschaftsvertretern mit Artikel 18 politische


Teilhabe und Einflussnahme durch ihre beratende Ttigkeit zu. Die Anhrungs-
mglichkeit nach Artikel 46 bot der Hohen Behrde die Mglichkeit der Infor-
mationseinholung. Die Vermittlung fachlicher Expertisen von Lobbyisten ge-
genber politischen Entscheidungstrgern war damit von Anbeginn ein instituti-
onalisierter Bestandteil europischer Politik.
Als ebenfalls entscheidende Entwicklungsphase wird die Zeit der 70er und
80er Jahre betrachtet, in der sich die europische Interessenvertretung in Brssel
etablierte49, was vor allem auf die im Jahr 1979 erstmalig stattfindende Direkt-
wahl zum Europischen Parlament zurckgefhrt wird. Hierdurch wurde den
Interessenvertretern das zuknftig autonome Agieren einer neuen politischen
Entscheidungsebene deutlich vor Augen gefhrt. Geiger fhrt dazu aus: EU
decision making became more complex, and companies increasingly felt the
need of an expert local presence to find out what was going on in Brussels.50
EU developed from a Member States Organisation to an active political play-
er.51
Die Verabschiedung der Einheitlichen Europischen Akte (EEA) im Jahr
1986 brachte weitere Vernderungen des europisch-politischen Systems mit

47 Vertrag ber die Grndung der Europischen Gemeinschaft fr Kohle und Stahl, unter:
[Link] vom 18.04.
1951.
48 Ebenda.
49 Geiger: EU Lobbying handbook, S. 14; Teuber, Jrg: Interessenverbnde und Lobbying in der
Europischen Union, S. 120.
50 Geiger: EU Lobbying handbook, S. 13.
51 Ebenda, S. 14.

36
sich. Durch die EEA kam es zum einen zur Herausbildung des Binnenmarktes,
zum anderen nahm die Komplexitt der europischen Rechtsetzung zu52. Die
Entwicklung des Binnenmarktes und seine Kopplung an die nationalstaatlich
bergreifende europische Gesetzgebung steigerte die Aufmerksamkeit der Ver-
treter kommerzieller Interessen. Teuber bezeichnet diese Phase des Entstehens
europischer Interessenvermittlung als forming stage53. Die Vertretung politi-
scher Interessen ist daher eine seit geraumer Zeit stattfindende und in allen EU-
Mitgliedstaaten zu beobachtende Art politischer Partizipation. Mit Blick auf den
Fortschritt der europischen Integration und das Anwachsen der Kompetenzen
der europischen Ebene stellt die Tatsache, dass sich immer mehr gesellschaftli-
che Gruppen mit zunehmend diverseren politischen Anliegen um deren Einbrin-
gung und Durchsetzung bei den EU-Institutionen bemhen, eine geradezu logi-
sche Konsequenz dar.

2.2.2 Begriffliche Einordnung

Die Begriffe Lobbyismus und Lobbying finden ihren etymologischen Ursprung


im lateinischen Wort labium, welches mit Vorhalle bersetzt werden kann. Im
politischen Kontext lsst sich dies auf die Vorhalle der Sitzungssle von Abge-
ordneten (auch Wandelhalle) beziehen54. Beide Begriffe bezeichnen im weitesten
Sinne Ttigkeiten politischer Einflussnahme von Gesellschaftsmitgliedern auf
politische Entscheidungstrger. Vor dem Hintergrund der Anglisierung der deut-
schen Sprache wird angenommen, dass sich die englischsprachige Variante Lob-
bying gegenber dem synonymen Begriff Lobbyismus mehr und mehr durch-
setzt, zumal auch der Ausgangspunkt der Ttigkeit in den politischen Systemen
Britanniens und Amerikas vermutet wird55.
Ebenso wird eine gleichbedeutende Verwendung des Begriffes Interessen-
vertretung angenommen56. Bei genauerer Betrachtung ergibt sich jedoch das

52 Teuber: Interessenverbnde und Lobbying in der Europischen Union, S. 120.


53 Ebenda, S. 119.
54 Fischer: Lobbying und Kommunikation in der Europischen Union, S. 55; Teuber: Interessen-
verbnde und Lobbying in der Europischen Union, S. 117; Lsche: Verbnde und Lobbyismus
in Deutschland, S. 62.
55 Teuber: Interessenverbnde und Lobbying in der Europischen Union, S. 117.
56 Anderer Ansicht, weil zwischen Interessenvertretung als unspezifischer permanenter Reprsenta-
tion und Lobbying als punktuelle Vertretung einzelner Interessen unterscheidet wird: Leif,
Thomas/Speth, Rudolf: Die fnfte Gewalt Anatomie des Lobbyismus in Deutschland, in: Leif,
Thomas/Speth, Rudolf: Die fnfte Gewalt. Lobbyismus in Deutschland (Schriftenreihe der Bun-
deszentrale fr politische Bildung, B. 514), Bonn 2006, S. 13 f.

37
Erfordernis der Unterscheidung, denn letzterer Begriff umfasst ein weit greres
Handlungsspektrum und nicht jede Interessenvertretung muss politischer Art
sein. Unter Lobbying wird demgegenber ausschlielich die politisch motivierte
Interessenvertretung verstanden. Der Begriff trifft auf der multilingualen Ent-
scheidungsebene der EU zudem auf breiteres Verstndnis und wird entsprechend
hufiger verwendet. Gleichwohl sollen beide Begriffe in der vorliegenden Unter-
suchung synonym gebraucht werden, da es bei der Interessenvertretung im hier
verstandenen Sinne immer um Akte politisch motivierter Einflussnahme gehen
wird.
Fr die lobbyierenden Akteure brachte der englische Sprachgebrauch meh-
rere Bezeichnungen mit unterschiedlicher Konnotation hervor. So stehen die
neutralen Begriffe Lobbyist und Interest Group der aggressiveren Bedeutung der
Pressure Group gegenber.
Je nachdem, auf welches politische System eine Vertretung politischer Inte-
ressen gerichtet ist, wird der Begriff Lobbying unterschiedlich interpretiert. So
beziehen sich vor allem die Einordnungen der lteren Verbandsforschung aus-
schlielich auf den Nationalstaat. Da im nationalstaatlichen Kontext die Zuord-
nung der Stellung als Entscheidungstrger konkreter auf die Regierung bezogen
werden kann, als im vergleichsweise komplexeren Institutionengefge der EU,
verstehen Leif und Speth unter Lobbying die Beeinflussung der Regierung
durch bestimmte Methoden mit dem Ziel, die Anliegen von Interessengruppen
mglichst umfassend bei politischen Entscheidungen durchzusetzen57. Diese
Definition vernachlssigt allerdings, dass auch im nationalen System nicht aus-
schlielich Regierungsmitglieder von Lobbyisten beeinflusst werden. Ebenso
knnen Beamte von Ministerien oder Abgeordnete der Opposition Ziel einer
Interessenvermittlung sein. Im brigen eignen sich Definitionen fr national-
staatliches Lobbying nicht fr eine Untersuchung der Interessenvertretung auf
europischer Ebene. Die Europische Kommission verwendet in der Mitteilung
zur Transparenzinitiative fr den Begriff Interessenvertretung auch die Bezeich-
nung Lobbyarbeit. Ihrer Meinung nach ist darunter eine Ttigkeit [zu verste-
hen], mit der auf die Politikgestaltung und den Entscheidungsprozess der europ-
ischen Organe und Einrichtungen Einfluss genommen werden soll58. Danach ist
es also unerheblich, welcher Entscheidungstrger Adressat der Einflussnahme
ist. In Brssel sind dies smtliche an Rechtsetzungs- und Verwaltungsprozessen
beteiligten Entscheidungstrger, so in erster Linie die Abgeordneten des Parla-

57 Leif/Speth: Die fnfte Gewalt Anatomie des Lobbyismus in Deutschland, S. 12.


58 Europische Kommission: KOM(2006) 194 endg.: Grnbuch zur Europischen Transparenzini-
tiative, unter: [Link] vom 03.05.2006, S. 5.

38
ments, die jeweiligen Minister im Rat sowie die Mitglieder seiner vorbereitenden
Ausschsse und vor allem die Mitarbeiter und Beamten der Kommission.
Bercksichtigt wird dieser Umstand von der Einordnung Geigers: Lobbying is
the professional practice of advocating private and public interests towards legis-
lators and decision makers.59 Da politische Einflussnahme nicht zwangslufig
zur Verwirklichung des vermittelten Interesses fhrt, wird Lobbying zutreffender
Weise auch als Versuch der Beeinflussung von Entscheidungstrgern durch Drit-
te definiert60.

2.2.3 Akteursspezifische Einordnung

Eine Betrachtung der Lobbyisten, ihrer Methoden und Zielsetzungen, erlaubt es,
die Ttigkeit Lobbying nher zu spezifizieren. So kann zwischen privatem Lob-
bying und ffentlichem Lobbying unterschieden werden. Die Bandbreite lob-
byierender Akteure ist damit sehr gro. Als Vertreter privater Interessen kom-
men alle organisierten und individuell auftretenden Akteure aus der Mitte der
Gesellschaft in Betracht, so unter anderem Firmenvertreter, Verbnde, Organisa-
tionen (u. a. auch Non-Profit-Organisations und Non-Governmental-Organi-
sations), Gewerkschaften und sonstige Berufsvereinigungen. Auch diejenigen,
die Lobbying als Dienstleistung anbieten, sind diesem Spektrum zuzurechnen, da
sie wenn auch nur stellvertretend mit ihrer Arbeit in der Pflicht zur Vertre-
tung privater Interessen stehen. Unter ffentlichem Lobbying soll dagegen die
Lobby-Ttigkeit der staatlichen Hoheitstrger verstanden werden, also die Ge-
samtheit der Regierungsvertreter der Mitgliedstaaten, insbesondere des Mitarbei-
terstabes der Exekutive, die Vertreter der Lnder und Region. Zu bedenken
bleibt, dass sich die Handlungen der Union nicht nur auf die Rechtsetzungsttig-
keit nach innen beschrnken. Das auswrtige Handeln der Europischen Union
tangiert die Politik vieler Drittstaaten sowie zahlreicher internationaler Regime,
Partnerschaften und Koalitionen. Demzufolge stehen die unterschiedlichsten
Vertreter von Drittstaaten mit den europischen Institutionen im Austausch, die
ebenfalls zu den ffentlichen Akteuren zu zhlen sind.
Lobbying bedeutet immer auch Verstndigung und Auseinandersetzung mit
politischen Entscheidungstrgern. blicherweise geht die Interessenvermittlung
mit einem bergreifenden Informationsaustausch zu beiderlei Nutzen einher.
Hufig wird der Lobbyist im politischen Alltag zum Dienstleister der Informati-

59 Geiger: EU Lobbying handbook, S. 13.


60 Fischer: Lobbying und Kommunikation in der Europischen Union, S. 55.

39
onsbeschaffung. Hat er sich diesbezglich den Status eines sachverstndigen
Experten verschafft, kann er Kommunikationsnetzwerke aufbauen und einen
nachhaltigen Austausch mit EU-Bediensteten pflegen. Fr diese Beziehungen
wird hufig der Begriff Governmental Relations verwendet.
Von weiterer Bedeutung ist die Frage, ob ein Interesseninhaber selbst oder
ein beauftragter Stellvertreter mit einer hoheitlichen Institution im Austausch
steht. Zu unterscheiden sind dementsprechend die selbstverantwortliche unab-
hngige Eigenvertretung und die auftrags- und weisungsgebundene Fremdvertre-
tung [dazu Kapitel 3.3.3].

2.2.4 Sachbezogene Einordnung

Verschiedene Begriffsbestimmungen nehmen die Zielsetzung und den Inhalt des


vertretenen Interesses zum Anlass fr eine Differenzierung verschiedener Lobby-
Ttigkeiten. Nicht alle als Lobbying bezeichneten Ttigkeiten erfllen bei nhe-
rer Betrachtung jedoch die Voraussetzungen einer Interessenvertretung im vor-
liegenden Sinne. Als Beispiel zur Abgrenzung kann die von Buholzer vorge-
nommene Einordnung dienen:

1. Legislatives Lobbying: Bei dieser Art der Interessenvertretung versuchen


die Lobbyisten die staatlichen Normen, welche die Rahmenbedingungen fr
ihr Handeln bestimmen, zu beeinflussen.
2. Anwendungsorientiertes Lobbying: Hier geht es um die Beeinflussung indi-
vidueller Einzelentscheidungen von ffentlichen Instanzen. Nach Aussagen
Buholzers betrifft dies im Zusammenhang mit der Europapolitik vor allem
die Bereiche der Wettbewerbspolitik, der Staatshilfen sowie den Auenhan-
del.
3. Fond-Lobbying bedeutet, dass Interesseninhaber versuchen, am Finanzku-
chen der EU zu partizipieren, so zum Beispiel in den Bereichen der Agrar-
und Strukturpolitik, der Forschung und bei Entwicklungs- und Unterstt-
zungsprogrammen61.

Nach dieser Einordnung geht es beim Fond-Lobbying allerdings mehr um ein


Akquirieren von Frder-, bzw. Subventionsmitteln und nicht um eine Vermitt-
lung politischer Interessen, gerichtet auf die Beeinflussung des Rechtsetzungs-
prozesses. So nimmt auch Buholzer das Fond-Lobbying sogleich wieder vom

61 Buholzer: Legislatives Lobbying in der Europischen Union, S. 8 f.

40
Begriff der fr seine Fragestellung zur Diskussion stehenden politischen Ein-
flussnahme aus. Auch in der vorliegenden Untersuchung werden Handlungen
von Akteuren, die sich um eine Generierung von europischen Frdermitteln
bemhen, nicht als Lobbying betrachtet, wenngleich sich auf dem Gebiet des
Frdermittelwesens einige Fragen zur Rechtmigkeit ergeben [zum Subventi-
onsbetrug und illegalem Verhalten im ffentlichen Auftragswesen daher nur kurz
in Kapitel [Link]]. Ergnzend ist anzufgen, dass unter dem Begriff der Norm
alle Rechtsakte der EU subsumiert werden sollen, neben Richtlinien und Verord-
nungen also auch Beschlsse und Empfehlungen, da alle diese Rechtsakte von
potentieller Relevanz fr die Lage eines Interesseninhabers sein knnen. ber
das Fond-Lobbying hinaus soll auch die von Buholzer als anwendungsorientier-
te Lobbying62 bezeichnete Ttigkeit nicht als Lobbying im vorliegenden Sinne
betrachtet werden. Unter anwendungsorientiertem Lobbying versteht Buholzer
den Versuch der Beeinflussung einzelner Entscheidungen von Exekutivbehr-
den. In diesen Fllen geht es also gerade nicht um eine Beeinflussung hoheitli-
cher Entscheidungen im Rahmen eines Rechtssetzungsprozesses. Eine Vernde-
rung der Rechtslage ist in diesem Fall somit ausgeschlossen. Lediglich durch den
Begriff des legislativen Lobbying wird diejenige Ttigkeit beschrieben, die im
Zentrum der vorliegenden Untersuchung steht: die Interessenvertretung als Form
politischer Teilhabe, gerichtet auf die Beeinflussung der Rechtsetzungsttigkeit
des Hoheitstrgers zu eigenen Gunsten.

2.2.5 Abgrenzung zur Rolle der Parteien und des Parlamentariers

Politische Parteien und die sie reprsentierenden Abgeordneten lassen sich von
Interessengruppen, bzw. Interessenvertretern klar abgrenzen. Parteien streben im
Gegensatz zu Interessengruppen nicht nur die Vermittlung und Durchsetzung
politischer Interessen an. Parteien wirken wie Interessenverbnde am gesell-
schaftlichen Willensbildungsprozess mit. Sie verfolgen mit ihrer Arbeit aber das
weitergehende Ziel, auf demokratisch legitimierte Weise in den rechtsetzungsbe-
teiligten Institutionen vertreten zu sein und im gnstigsten Fall Regierungsver-
antwortung zu bernehmen. Da diese Intension auch von denjenigen Parteien
geteilt wird, die nicht in den rechtsetzungsbeteiligten Institutionen vertreten sind,
unterscheiden sich alle Parteien von brigen politischen Gruppierungen. Sie sind
somit vom Begriff der Lobbygruppe auszunehmen. Auf europischer Ebene
besteht darber hinaus die Besonderheit, dass sich die Parteien ganz berwie-

62 Ebenda, S. 8.

41
gend als Bndnis aus nationalen Parteien zusammensetzen. Die unterschiedliche
Rolle von Lobbyisten und Abgeordneten lsst sich darber hinaus auch histo-
risch nachvollziehen. Der dem ursprnglichem Wirkungsort entsprechende Auf-
enthalt des Lobbyisten in der Wandelhalle verdeutlichte mit der rumlichen Ab-
grenzung zu den Abgeordnetenzimmern bereits eine funktionelle Abgrenzung
der Aufgaben. Lobbying wurde seit jeher als eine der politischen Entscheidungs-
findung vorgelagerte Ttigkeit betrachtet. Eine theoretische Einordnung sttzt
diese Abgrenzung bis in die heutige Zeit. Die Systemtheorie ordnet Politik als
gesellschaftliches Teilsystem ein63, das kollektiv verbindliche Entscheidungen
erzeugt und dadurch das gesamtgesellschaftliche System regulierend beein-
flusst64. Nach Lehmbruch ist Politik gesellschaftliches Handeln, (...) welches
darauf gerichtet ist, gesellschaftliche Konflikte ber Werte verbindlich zu re-
geln65. Nach diesem Verstndnis erarbeiten Abgeordnete im Rahmen des Ge-
setzgebungsprozesses gesamtgesellschaftlich verbindliche Entscheidungen durch
den Erlass von Gesetzen. Sie nehmen die Funktion von gewhlten Volksvertre-
tern war, fungieren als Reprsentanten des ganzen Volkes und sollen im Ver-
bund des Plenums dem Gemeinwohl frderliche Entscheidungen treffen. Die
Artikulationsfunktion eines Parlaments besteht darin, nach Mglichkeit das Mei-
nungsspektrum der gesamten Bevlkerung zum Ausdruck zu bringen66. Auch der
Lobbyist reprsentiert bei seiner Vermittlung ein gesellschaftliches Interesse,
wenngleich in erster Linie sein eigenes. Eine Entscheidungsfindung obliegt ihm
aber gerade nicht, weshalb sich sein Handeln in dem Versuch erschpft, die
hoheitliche Entscheidung zu eigenen Gunsten zu beeinflussen. Hinsichtlich des
Abgrenzungskriteriums der Beteiligung an der hoheitlichen Entscheidung besteht
in der Wissenschaft seltene Einigkeit. Leif und Speth betrachten die Beteiligung,
bzw. Nichtbeteiligung an der hoheitlichen Entscheidungsfindung als entschei-
dendes Indiz zur Bestimmung der Lobby-Ttigkeit67. Teuber hebt hervor, dass
Lobbying nicht als anhaltende Mitgestaltung staatspolitischer Rahmenbedingun-
gen verstanden werden knne 68. In den Vordergrund der Lobby-Ttigkeit rckt
die punktuelle Beeinflussung spezifischer Sachentscheidungen. Unter einer Lob-

63 Kieserling, Andr (Hrsg.): Niklas Luhmann. Die Politik der Gesellschaft, Frankfurt a. M. 2008,
S. 16.
64 Schultze, Rainer-Olaf: Politik/Politikbegriffe, in: Nohlen, Dieter (Hrsg.): Lexikon der Politik, B.
7, Mnchen 1998, S. 489.
65 Lehmbruch, Gerhard: Einfhrung in die Politikwissenschaft, 4. A., Stuttgart 1971, S. 17.
66 Thaysen, Uwe: Parlamentarisches Regierungssystem in der Bundesrepublik Deutschland, Opla-
den 1976, S. 22.
67 Leif/Speth: Die fnfte Gewalt Anatomie des Lobbyismus in Deutschland, S. 12; Teuber:
Interessenverbnde und Lobbying in der Europischen Union, S. 117.
68 Teuber: Interessenverbnde und Lobbying in der Europischen Union, S. 117.

42
by, so hebt Knig hervor, sei ein Zusammenschluss von Personen und Organisa-
tionen zur Vertretung gemeinsamer Interessen gegenber Gesetzgeber und Ver-
waltung zu verstehen69. Wissenschaftliche Einordnungen gehen also ebenfalls
von einer klaren Unterscheidbarkeit der Rollen von Lobbyist und Entscheidungs-
trger aus. Diese Abgrenzungsmglichkeit wird bei der spteren berprfung
der Rechtmigkeit, insbesondere bei der Frage der Legitimitt der europischen
Interessenvertretung, von eminenter Bedeutung sein.
Ausgehend von den vorgenommenen Einordnungen sollen abschlieend die
Kriterien formuliert werden, die eine abstrahierte, aber allgemein gltige Be-
stimmung einer Ttigkeit als europische Interessenvertretung zulassen.

2.2.6 Determinanten der europischen Interessenvertretung

Die Interessenvertretung kann nicht nur durch eine Negativabgrenzung zu ande-


ren politischen Ttigkeiten, sondern auch durch die sie selbst bedingenden Ei-
genschaften beschrieben werden. Zunchst sollen dafr die Minimalanforderun-
gen benannt werden, die erfllt sein mssen, um berhaupt von europischer
Interessenvertretung, bzw. EU-Lobbying sprechen zu knnen:

Akteur
Inhaber eines politischen Interesses (Einzelvertreter/Gruppe/Verband),
der nicht Bestandteil oder Mitglied desjenigen hoheitlichen Entscheidungs-
gremiums ist, das lobbyiert wird
Anliegen
begehrt die Bercksichtigung seines Interesses durch den (europischen)
Gesetzgeber
Vermittlung
bt im Wege des Informationsaustausches und/oder der zielgerichteten Inte-
ressensvermittlung Einfluss auf einen rechtsetzungsbefugten Entschei-
dungstrger aus
Ziel
zum Zweck der Wahrnehmung und Durchsetzung seiner Interessen

69 Knig, Johann-Gnter: Die Lobbyisten. Wer regiert wirklich?, Dsseldorf 2007, S. 12.

43
Damit sind fr die Qualifikation einer Handlung als (europische) Interessen-
vermittlung von Bedeutung:

die Eigenschaften des Akteurs


die Eigenschaften des Adressaten
der politische Bezug des Interesses
das Ziel der politischen Einflussnahme

Eine Interessenvermittlung kann durch direkten Kontakt oder ber ein Medium
erfolgen. Der Versuch politischer Einflussnahme findet keineswegs ausschlie-
lich in Brssel, also auf europischer Ebene statt. So kann beispielsweise ein
Abgeordneter des Europischen Parlaments ebenso in seinem Wahlkreisbro
aufgesucht werden. Die Anwesenheit eines Lobbyisten innerhalb der Rumlich-
keiten der europischen Organe ist fr eine Interessenvermittlung jedenfalls nicht
erforderlich. Fr eine Bestimmung eines Verhaltens als Interessenvertretung
spielen mithin keine Rolle:

der Weg, auf dem ein Interesse kommuniziert wird


der Ort der Einflussnahme

Ausgehend von diesen Einordnungen soll im Folgenden untersucht werden,


inwieweit die derzeitige Gestalt des politischen Systems der Europischen Union
die Vorgehensweisen der europischen Interessenvertretung bestimmt.

44

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