Mea
Mea
Mitgliedstaaten der
Europischen Union
Kandidatenlnder und
potenzielle Kandidatenlnder
Die Grnder
Winston Churchill
Das Motto:
In Vielfalt geeint Die europische Hymne
Wohlstand
Flche Bevlkerung
Land (Pro-Kopf-
(x 1000 km) (Millionen)
Bruttoinlandsprodukt)
Bosnien und
51 3,8 7 600
Herzegowina
Kosovo unter
Resolution 1244 des 11 1,8 :
UN-Sicherheitsrates
Ehemalige
jugoslawische Republik 25 2,1 9 100
Mazedonien
Albanien 28 2,9 7 500
Die 28 EU-Lnder
4 272 507,4 25 700
zusammen
Die Vertrge Grundlage fr eine demokratische und
rechtsstaatliche Zusammenarbeit
Bevlkerung in Millionen
(2015)
Die Flche der EU im Vergleich zu anderen Lndern
17098
9600 9831
4272
3287
378
Spanien 506
Schweden 439
Deutschland 357
Finnland 338
Polen 313
Italien 302
Rumnien 238
Griechenland 132
Bulgarien 111
Ungarn 93
Portugal 92
Kroatien 88
sterreich 84
Wie gro sind die Lnder der EU?
Tschechische Republik 79
Irland 70
Litauen 65
Flche (x 1000 km)
Lettland 65
Slowakei 49
Estland 45
Dnemark 43
Niederlande 42
Belgien 31
Slowenien 20
Zypern 9
Luxemburg 2.6
Malta 0.3
Wie viele Menschen leben in der EU?
2015: Die europische Wirtschaft fngt an, sich nach der Krise zu erholen,
die Investitionsbereitschaft ist jedoch nach wie vor gering. Die Investoren
haben zwar die Finanzmittel, aber wenig Vertrauen.
1,3 Millionen neue Arbeitspltze knnten innerhalb von drei Jahren entstehen
Bankenunion: sichere und zuverlssige Banken
Regelwerk:
Neue Vorschriften zur Sicherstellung, dass Banken ber
das notwenige Kapital und eine bessere Risikokontrolle
verfgen
Aufsicht:
Die Europische Zentralbank berwacht +/- 130 der
wichtigsten Banken
Nationale Aufsichtsbehrden arbeiten eng zusammen
Abwicklung:
Ein europaweites Einheitliches Aufsichtsgremium kann
ber die Abwicklung einer insolventen Bank entscheiden.
Dies wird untersttzt durch einen Fonds, in den die
Banken selbst einzahlen, wodurch sichergestellt wird, dass
die Steuerzahler nicht belangt warden.
Wofr werden die EU-Gelder ausgegeben?
Globales Europa:
einschlielich Entwicklungshilfe
6%
87%
84%
65%
53%
44%
2%
Forschung in die Wissensgesellschaft investieren
3.3%
3.0%
2.7%
2.1%
1.8%
Regionalfonds
Sozialfonds
Kohsionsfonds
bergangsregionen:Pro-Kopf-BIP
zwischen 75 % und 90% des EU-
Durchschnitts
Scheine: keine nationale Seite EU-Lnder, in denen der Euro verwendet wird
EU-Lnder, in denen der Euro nicht verwendet
wird
Der Binnenmarkt: Entscheidungsfreiheit
Waren
Dienstleistungen
Personen
Kapital
Schengen:
300
200
150
50
Versenden einer SMS im
Ausland
0
2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Zum Lernen ins Ausland
Erasmus+
sauberere Badegewsser
erheblich weniger saurer Regen
bleifreies Benzin
einfache und sichere Entsorgung alter
Elektrogerte
strenge Vorschriften im Bereich der
Lebensmittelsicherheit vom Hof bis
auf den Tisch
mehr kologischer und hochwertiger
Landbau
wirksamere Warnhinweise auf
Zigarettenpackungen
Registrierung und Kontrolle aller
Chemikalien (REACH)
Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts
Gemeinsame
Terrorismusbekmpfung
Lnderbergreifende
Zusammenarbeit von Polizei und
Strafverfolgungsbehrden
Zusammenarbeit in Zivilsachen
Die EU als berbringer von Frieden und Wohlstand
Welthandelsregeln
56
24
EU USA Japan
Eindeutige Kennzeichnung
Ministerrat
Europisches Parlament (Der Rat) Europische Kommission
Total - 751
Das Europische Parlament die Stimme des Volkes
Insgesamt:
751
Der Rat der EU die Stimme der Mitgliedstaaten
Federica Mogherini
Doppelfunktion:
Vorsitz im Rat fr Auswrtige Angelegenheiten
+ Vizeprsidentin der Europischen Kommission
Sie ist zustndig fr die gemeinsame Auen-
und Sicherheitspolitik.
Sie steht an der Spitze des
Europischen Auswrtigen Dienstes.
Die Europische Kommission im Interesse des Gemeinwohls
Emily OReilly
Europische Brgerbeauftragte
Beispiele fr Missstnde:
Ungerechtigkeit, Diskriminierung,
Machtmissbrauch, unntige Verzgerung,
Nichtuerung oder falsche Verfahren
28 unabhngige Mitglieder
Mario Draghi
Prsident der Zentralbank
Sorgt fr Preisstabilitt
Kontrolliert die Geldmenge und legt
Zinsstze fest
berwacht, ob Banken sicher sind
Arbeitet unabhngig von den
Regierungen
Der Europische Wirtschafts- und Sozialausschuss
die Stimme der Zivilgesellschaft
353 Mitglieder
353 Mitglieder
1
Globalisierung und starkes Wettbewerb
Management und Kontrolle auf dem globalen Markt,
Wettbewerb auf dem Weltmarkt, globale
Arbeitsgruppen, globales Lieferungssystem
Transformation der Industrie
Wissenbasierte Wirtschaft, Produktivitt, neue
Produkte und Dienstleistungen, kurze
Produktlebenszyklen
Transformation des Unternehmens
flache Strukturen, Felxibilitt, kleine Transaktions-
und Koordinationskosten, Empowerment,
gemeinschaftliche Arbeit, Teamwork
2
Vernderung der Humane Ressource
Macht der Konsumenten
Technologischer Druck Innovation,
Informationsinflation
Soziale Verantwortung mit Einflsse auf
Reglementierungen
Freigabe/Entregulierung
Sinkende Budgets und Subventionen
Ethische Aspekte
3
Strategische Systeme
Kontinuierliche Verbesserungsmanahmen
Verbesserte Produktivitt
Just-in-time (JIT) Produktion
Total Quality Management
Besseres Entscheidungstreffen
Information & Knowledge (Wissen)
Innovation
Vernderungsmanagement (Change Management),
Customer Service
4
Business Process Reengineering
Reduzierung der Zyklenzeit und der Marktprsenz
(fast fashion)
Empowerment von Mitarbeiter (Ermchtigung,
bertragung der sozialen Verantwortung)
Konsumentenfokussiertes Verhalten
Umstaltung der Strukturen
ERP (Enterprise Resource Planning)
Business Allianzen
E-Business, E-Commerce
5
Das Geschftsumfeld (Business Environment)
ist die Summer aller internen und externen
Faktoren die ein Unternehmen und seine
Entwicklung beeinflussen
6
Unternehmen
Lokale Gemeinde
Staat
Region
Welt
Mitarbeiter
Kunden
Management
Angebot
Nachfrage
Regeln
Gesetze
Standort
Steuern und Gebhren
.....................
8
Die externen Faktoren die das Unternehmen
in kleinerem Mae oder nicht direkt
beeinflussen kann
- Politische Faktoren
- Wirtschaftliche Faktoren
- Sozio-kulturelle Faktoren (einschl.
Demographie)
- Gesetzliche Faktoren
- kologische Faktoren
9
Dynamisch, in stndige Vernderung
Unvorhersehbar, man kann die knftige
Vernderungen sehr schwer voraussagen
Es ist nicht gleich in der Welt oder auf den
Mrkten (politische Interessen in Indien sind
unterschiedlich von den politischen
Interessen in Andorra)
10
Man bestimmt die Chancen und Risiken
Das Unternehmen antwortet besser, schneller
auf die Herausforderungen
Gibt eine Entwicklungsrichtung
Man identifiziert Wachstumsmglichkeiten
(Expansion)
Permanentes Lernen (Managers aktualisieren
ihr Wissen, Informationen, Denken,
Kompetenzen um besser auf die
Herausforderungen zu reagieren)
11
Wirtschaftliche Ziele Profit erzielen, Kunden
schaffen (create customers) und Innovation
(Peter Drucker)
Soziale Ziele Hauptziel Service, Sekundres
Ziel Profit (Henry Ford)
Humane Ziele das Unternehmen ist aus
Menschen gebildet (Entwicklung,
Partizipatives Management)
12
Produkte zu fairen Preise
Faire Belohnung der Mitarbeiter
Fair Return fr die Investoren
Soziale Wohlfahrt
13
Profit
Macht
Wachstum
Mitarbeiterzufriedenheit
Marktfhrerschaft
Qualitt
Service fr die Gesellschaft
Herausforderungen berwinden
Schaffungsfreude
14
Unerwartete und unvorausgesehene
Ereignisse
Ungengende Garantien
Informationsflut
15
Das
Geschftsumfeld
Internes
Externes Umfeld
Umfeld
Makroumfeld:
Mikroumfeld: Kunden, wirtschaftliche, politische,
Mission, Vision,
Lieferanten, Konkurrenten, sozio-kulturelle,
Management, F&E, HR,
Publikum, Banken, technologische,
Anlagen, Brand equity
Vertreter usw. gesetzliche, globale
Faktoren
16
3. Aufgabe
Technik, Digitalisierung, Smart Cities sind heute
Schlagwrter. Bitte geben Sie drei Lsungen mit
Hilfe der Technologie fr ein besseres Leben.
In der Argumentation Ihrer Antwort sollen Sie
nur wissenschaftliche Quellen bentzen.
Bedingungen: Angabe der Referenzen, maximal 2000
Wrter
Abgabe: via E-Mail an
[Link]@[Link]
Frist: Freitag, den 17. Januar 2017, 16:00 Uhr
DAS POLITISCHE
UMFELD
SYSTEM STABILITT
Politisches und
rechtliches Umfeld
POLITIKEN
DAS SYSTEM
Authoritt Freiheit
Mangel an Verfassungsgarantien Rechte
Restriktive Partizipation
Unternehmen bezahlen
Stabiles wirtschaftliches Umfeld
Bestechungsgeld
dank der Gesetzgebung
Die wirtschaftliche Gesetzgebung ist
Freiheit und keine Zensur
schwach
Politische Kapitalistisches
System
Ideologie Sozialistisches
System
Kapitalistisches System Sozialistisches System
Politische Beziehungen
DAS EIGENTUM
geistiges Eigentum
Industrielles Eigentum (Patente, Marken)
Urheberechte, Copyrights
1. Wirtschaftskennzahlen
2. Vernderungen in der
Wettbewerbsstruktur
Inflation
Arbeitslosigkeit
Wechselkursschwankungen
Zinsen
Wirtschaftswachstum
Economic Growth
Potentielles Wachstum
Output
Boom
Wachstum
Aktuelles Wachstum
Verlangsamung
berkapazitt
Rezession
Zeit
Vernderungen in der Wettbewerbsstruktur
Monopol
Waren
Dienstleistungen
Kapitals
Personen
Freier Warenverkehr
Freier Export in allen Mitgliedstaaten
Keine tariffre oder Quotenbarrieren, keine
Zollkontrolen
Einheitliche Produktionsnormen
Harmonisierung der Mehrwertsteuer Min 15%
Weitere Beschrnkungen: Protektionismus (keine
offizielle Politik, aber....)
Freier Dienstleistungsverkehr
Makroniveau
Mikro- und Industrieniveau
Mehr Wettbewerb
Verbesserte Effizienz
Hhere Spezialiserung
Kostenreduzierung
Erhhte Produktivitt
Makroniveau
Island 93 95
Luxembourg 91 93
Deutschland 83 85
Griechenland 50 54
Rumnien 47 54
Bulgarien 45 51
IKT Gterexporte (OECD)
Internet of Things (Internet der Dinge)
bezeichnet die Vernetzung von Gegenstnden mit
dem Internet, damit diese Gegenstnde
selbststndig ber das Internet kommunizieren und
so verschiedene Aufgaben fr den Besitzer
erledigen knnen. Der Anwendungsbereich
erstreckt sich dabei von einer allg.
Informationsversorgung ber automatische
Bestellungen bis hin zu Warn- und
Notfallfunktionen
Quelle: Springer Gabler Verlag (Herausgeber), Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Internet der Dinge,
online im Internet: [Link]
Entwicklung
Internet of Things
Kevin Ashton
More
connected
devices
Angeschlossene 0.08 than 1.84 3.47 6.58
people
Gerte pro
Person 2003 2010 2015 2020
Quelle: Evans, D. (2011) The Internet of Things How the Next Evolution of the Internet Is Changing
Everything
IoT besteht aus Objekten, die durch Sensoren, Antennen und
Software verbunden sind und miteinander kommunizieren.
Smart Economy
Smart Governance
Smart People
Smart Mobility
Smart Environment
Smart Living
Dimensionen von Smart City
- 2017 Platz 26
- 2016 Platz 26
- 2015 Platz 51
- 2014 Platz 52
- 2012/2013 Platz 60
- Man geht durch 34 Prozeduren, dauert 512 Tagen und die
Kosten sind bei 28,9% der Rckforderung
10. DIE INSOLVENZ
- 2017 Platz 49
- 2016 Platz 50
- 2015 Platz 46
- 2014 Platz 45
- 2012/2013 Platz 102
- Die Auflsung einer Insolvenz dauert 3 Jahre und 3 Monate,
kostet 10,5% des Gterwertes eines Unternehmens und
man erhaltet 34,3% der Schulden (OECD Durschscnitt
71,9% der Schulden werden zurckbezahlt)
SCHLUSSFOLGERUNG
Quelle: [Link]
DAS EXTERNE
GESCHFTSUMFELD
-MIKRO-
Internes
Externes Umfeld
Umfeld
Makroumfeld:
Mikroumfeld: Kunden, wirtschaftliche,
Mission,Vision,
Lieferanten, politische, sozio-
Management, F&E,
Konkurrenten, kulturelle,
HR, Anlagen, Brand
Publikum, Banken, technologische,
equity
Vertreter usw. gesetzliche, globale
Faktoren
1
ELEMENTE
LIEFERANTEN
KUNDEN
WETTBEWERBER
VERTRIEB
PUBLIKUM
AKTIONRE
KREDITOREN
FINANZIERUNGSINSTITUTE
1. LIEFERANTEN
Wer sind die Lieferanten
Kapazitt der Lieferanten die Rohstoffe , Materialien
rechtzeitig zu liefern (Kosten, Qualitt)
Das Risiko von einem einzigen Lieferant abhngig zu
sein
Gute Beziehungen mit den Lieferanten pflegen
2. KUNDEN
Sehr wichtig
Ohne Kunden berlebt man nicht
Customer is the king.
Neue Kunden gewinnen und behalten
Kundentypen
Kundendatenbank
Kundenanalyse
[Link]
Internes
Externes Umfeld
Umfeld
Makroumfeld:
Mikroumfeld: Kunden, wirtschaftliche,
Mission,Vision,
Lieferanten, politische, sozio-
Management, F&E,
Konkurrenten, kulturelle,
HR, Anlagen, Brand
Publikum, Banken, technologische,
equity
Vertreter usw. gesetzliche, globale
Faktoren
1
INTERNES UMFELD EXTERNES UMFELD
Langfristige Ziele
Vision und Mission
Organisationsstruktur
Verwaltungsrat
Art und Grsse des Business
Formale und informale Organisation
Authoritt,Verantwortung und Haftbarkeit
[Link]
Kunden verstehen
Bekanntheitsgrad erhhen
7 Ps: product, place, price, promotion, people,
process, physical evidence
Segmentierung, Zielgruppe ansprechen (Targeting),
Positionierung
Marketing Abteilung
[Link] RESSOURCEN
Arbeitskraftplannung
Rekrutierung und Selektion
Training & Development
Leistunsgbelohnung
Arbeitsverhltnisse, -beziehungen
5. PRODUKTION
Prozess-Audit Marketing-Audit
Vertriebs-Audit
Finanz-Audit
Personal-Audit
SWOT Analyse
Marktlebenszyklus
Porter Analyse
Der strategische Dreieck
Marktprognose
Formen der Marktprognose
Ebene der Prognose Gesamtmarktbezogene Prognose
Teilnehmerbezogene Prognose
Unternehmensbezogene Prognose
Art der abhngigen Variable Absatzprognosen
Umsatzprognosen
Martkanteilsprognosen
Art der unabhngigen Variable Entwicklungsprognosen
Wirkungsprognosen
Bezugszeitraum der Prognose Kurzfristige, mittelfristige oder
langfristige Prognose
Art der Einflussgre Saisonprognosen
Konjunkturprognosen
Wachstumsprognosen
Bezugsobjekt Konsumenten-, Konkurrenz-,
Absatzmittler-, Umfeldprognosen
Form der Messung Quantitative Prognose
Qualitative Prognose
Proze der Marktprognose
Quantitative Prognosemethoden
1. Entwicklungsprognosen Trendprognose
2. Wirkungsprognosen
Man geht von beobachteten Marktdaten aus und man versucht, auf der Grundlage
eines mathematisch-statistischen Verfahrens mit Hilfe eines Lsungsalgorithmus
mglichst exakte Prognosewerte zu erhalten
Qualitative Prognosemethoden
Expertenbefragung
Delphi-Technik
Szenario-Technik
1. DIE EUROPISCHE UNION
- Europas Wachstumsstrategie
- Europa 2020 Ziele in den Bereichen
Beschftigung, Bildung, Forschung und
Innovation, Klimawandel und Energie,
Armut
- Wirtschaftskrise
- Eurozone
- EU Institutionen
2. DAS INTERNE UMFELD
Unternehmen
Die Rolle der KMUs
Entrepreneurschip/Existenzgrnder
Marktopportunitten
Mrkte
Konsumenten
Analyseinstrumenten
3. DAS INTERNATIONALE UMFELD
Entscheidung zur Internationalisierung der
Ttigkeit (Motive)
Druck der internationalen Konkurrenten auf
nationaler Ebener
Globalisierung (Triebkrfte, hemmende Krfte)
Wirtschaftskrise
Marktopportunitten
Analyseinstrumenten
5. DAS POLITISCHE UMFELD
Bedeutung
Einflsse auf anderen Umfelder bzw. Bereichen
Die Rolle in dem konomischen Umfeld
Direkte und indirekte Einflsse auf der Wirtschaft
Organisierung der politischen Systems
Die Rolle der Staaten, supranationalen
Organisationen, Multinationalen Unternehmen
5. DAS KONOMISCHE UMFELD
6. DAS SOZIO-KULTURELLE UMFELD
7. DAS TECHNOLOGISCHE UMFELD
8. DAS KOLOGISCHE UMFELD
Umweltschutz
Klimawandel
Energie
Druck auf natrliche Ressourcen
Lsungen fr die Knappheit der Ressourcen
Urbanisierung
Smart City
9. DAS RUMNISCHE GESCHFTSUMFELD
10. HAUPTTHEMEN DER EU
Ein neuer Start fr Europa - das Programm des neuen
Europischen Kommisars
1. Arbeitspltze, Wachstum, Investitionen
2. Digitales Binnenmarkt
3. Klimaschutzpolitik
4. Vertiefter und fairer Binnenmarkt
5. Vertiefte und faire Wirtschaftsunion und Whrungsunion
6. Freihandelabkommen mit den USA
7. Grundrechte
8. Migrationspolitik
9. Mehr Gewicht auf der internationalen Bhne
10. Eine Union des demokratischen Wandels
VIEL ERFOLG!
Internationale Marktforschung
10
In den letzten Jahren hat die Verflechtung nahezu aller Volkswirtschaften erheblich
zugenommen. Indizien dafr sind die Auenhandels- und zunehmenden Direktinvestiti-
onsdaten. Darin spiegelt sich die wirtschaftliche Aktivitt von Unternehmen wider. Fra-
gen der Internationalisierung werden daher auf allen Managementebenen aufgeworfen
(vgl. Kutschker und Schmid 2006, S.2590).
Wie die Definition erkennen lsst, handelt es sich bei der internationalen Marktforschung
um ein hchst komplexes Bettigungsfeld. Bezieht man die Beschaffungsaktivitten in
die Betrachtung mit ein, dann ergeben sich groe Parallelen zur nationalen Beschaf-
fungsmarktforschung (vgl. Kap.9). Da auch im internationalen Kontext der Wettbewerb
kontinuierlich beobachtet werden muss, ergeben sich die Aspekte, die bereits in Kap.8
behandelt wurden, diesmal jedoch fr unterschiedliche Auslandsmrkte.
Durch den verstrkten internationalen Wettbewerb sind Unternehmen dazu
gezwungen, stndig nach neuen Absatzgebieten und -mglichkeiten zu suchen, auch im
Vergleicht man die internationale mit der nationalen Marktforschung, dann sind haupt-
schlich Unterschiede in der Datengewinnung erkennbar. Diese liegen zum Groteil
in kulturellen, informationstechnischen und infrastrukturellen Besonderheiten begrndet
(vgl. Koch 2009, S.176):
Eine zentrale Besonderheit der internationalen Marktforschung ergibt sich aus der
Anforderung, dass die Ergebnisse aus den jeweils untersuchten Auslandsmrkten
vergleichbar sein mssen. Damit ist die Problematik der quivalenz angesprochen.
Damit lnderbergreifend gewonnene Sekundr- und Primrdaten vergleichbar sind,
mssen mehrere quivalenzbedingungen erfllt sein (vgl. ausfhrlich dazu Bauer
2002, S.5464 und die dort angegebene Literatur; Malhotra 2010, S.795797,
800):
Es ist Bauer (2002, S.64) zuzustimmen und festzustellen, dass die Beachtung aller qui-
valenzbedingungen in der Praxis nur schwer mglich sein wird. Die damit verbundenen
Fragestellungen gehren eher in den Bereich der akademisch orientierten internationalen
Marktforschung und sollen daher hier nicht weiter vertieft werden.
Das zentrale Ziel der internationalen Marktforschung besteht darin, die Marketingma-
nager mit objektiven, aktuellen, vergleichbaren und entscheidungsrelevanten Informati-
onen ber die Auslandsmrkte zu versorgen. Dabei geht es um die richtige Einschtzung
des internationalen Marktgeschehens. Schlielich sollen die Risiken, die mit einem Aus-
landsengagement immer verbunden sind, minimiert werden (vgl. Broda 2006, S.140).
Stellt man die Entscheidungsuntersttzungsfunktion des Marktforschers in den
Mittelpunkt der Betrachtung, dann lassen sich aus dem Aufgabenspektrum des internati-
onalen Marketingmanagements die folgenden Aufgaben bzw. Fragestellungen der inter-
nationalen Marktforschung ableiten (vgl. Bauer 2002, S.12; Broda 2006, S.140):
Soll unter Bercksichtigung der internen und externen Gegebenheiten eine (weiterge-
hende) Internationalisierung berhaupt vorangetrieben werden?
Welche strategischen internationalen Marketingziele sind anzustreben?
Welche Auslandsmrkte kommen infrage?
Mit welcher Expansionsstrategie sollen die ausgewhlten Auslandsmrkte erschlossen
werden?
Wie kann der Markteintritt in die ausgewhlten Auslandsmrkte gestaltet werden?
Welche Markbearbeitungsstrategien sind fr die jeweiligen Auslandsmrkte geeignet?
Wie ist das internationale Marketing im Unternehmen zu verankern?
Welche operativen internationalen Marketingziele sind anzustreben?
Wie ist der internationale Marketingmix zu gestalten?
Welche Budgets mssen dafr jeweils bereitgestellt werden?
Wie erfolgreich sind die ergriffenen internationalen Marketingmanahmen?
Welche Trends und Entwicklungen sind auf den jeweiligen Auslandsmrkten
erkennbar?
Die Gesamtheit der Faktoren, die durch den Marketingmanager nicht oder nur unwe-
sentlich beeinflusst werden knnen, nennt man Makroumwelt. Diese umfasst den
konomischen, politisch-rechtlichen, soziokulturellen, technologischen und geografisch-
kologischen Datenkranz in einem bestimmten geografischen Gebiet (vgl. Nieschlag
etal. 2002, S.1292).
Die Sprache bzw. Sprachen, die in einem Land gesprochen werden (z.B. in Belgien,
der Schweiz oder Kanada). Darber hinaus sind, syntaktische, semantische und pho-
netische Aspekte zu beachten. Diese wirken sich insbesondere auf die Ausgestaltung
der Kommunikationspolitik aus.
(Status-)Symbole und deren Bedeutung haben in den unterschiedlichen Kulturen
zum Teil eine enorme Bedeutung. Dies gilt es auf jeden Fall zu respektieren. Im Mar-
keting sind Tier- und Farbsymbole von besonderer Relevanz. Beispielsweise ist in
Deutschland Wei die Farbe der Reinheit und in Japan der Trauer.
Je nachdem, um welches Land es sich handelt, ist das Nationalbewusstsein sehr ver-
schieden ausgeprgt. Dieses kann sogar hinderlich fr das gesamte Auslandsengage-
ment sein. Entwicklungslnder und kleinere Staaten stehen international agierenden
Konzernen oft skeptisch gegenber und wollen ihre Unabhngigkeit bewahren.
10.4 Internationale Makroumwelt 295
Religionen ben ebenfalls einen starken Einfluss auf die Kultur eines Landes aus. Mit
den jeweiligen Sitten und Gebruchen (z.B. die Ablehnung von Alkohol im Islam)
muss man sich unbedingt vertraut machen.
Das Sozialverhalten kann sich je nach Kultur sehr stark unterscheiden und beein-
flusst die Menschen ganz erheblich in ihren Konsumgewohnheiten. Kaufentschei-
dungen hngen beispielsweise ganz wesentlich vom jeweiligen Rollenverstndnis
zwischen Mann und Frau ab.
Die zentrale Aufgabe der internationalen Marktforschung besteht darin, die kulturellen
Besonderheiten eines Lands in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Damit wird die Informa-
tionsbasis fr das internationale Marketingmanagement geschaffen. Dieses kann dann
auf die kulturellen Gegebenheiten entsprechend antworten oder versuchen, sie zu beein-
flussen. Dabei muss beachtet werden, dass von Kultur zu Kultur ganz unterschiedliche
Freiheitsgrade bestehen (vgl. Keegan etal. 2002, S.207). Aber auch auf die Arbeit des
Marktforschers knnen sich kulturelle Besonderheiten auswirken. So knnen beispiels-
weise einige Fragen gar nicht gestellt werden (Non-Response-Problem), andere werden
sehr wahrscheinlich falsch beantwortet (Hflichkeitsbias) (vgl. Koch 2009, S.176).
Bei der Wahl der Auslandsmrkte kommt die geografische Lage des Lands zum Tragen.
Dadurch wird die Entfernung zum Heimatland festgelegt. Auerdem sind fr die ber-
brckung der Distanzen sehr unterschiedliche Transportmittel verfgbar bzw. sind dafr
erforderlich. Daraus ergeben sich wiederum die Transportkosten und die Transportdauer.
Insgesamt betrachtet mssen die ausgewhlten Lnder zu vertretbaren Kosten beliefert
werden knnen. Hat die Ware das jeweilige Zielland erreicht, dann wird die Distribution
wesentlich von geografischen Gegebenheiten innerhalb des Landes und den verfgbaren
Transportmitteln beeinflusst. Dabei sind auch klimatische Bedingungen (z.B. der Mon-
sun in Asien) zu beachten. Alle genannten Aspekte wirken sich wiederum auf die Bin-
nennachfrage aus (vgl. Berekoven 1985, S.79; Kastin 2008, S.439).
Unter Klima werden unterschiedliche Naturphnomene subsumiert. Konkret han-
delt es sich dabei um die Lufttemperatur, -feuchtigkeit, -bewegung, Niederschlge und
Nebel. In diesem Kontext muss abgeschtzt werden, inwiefern sich die klimatischen
Bedingungen auf die Bedarfsbildung der Bevlkerung auswirken. Dabei muss beachtet
werden, dass zahlreiche Lebensbereiche des Menschen von klimatischen Bedingungen
beeinflusst werden. Als Beispiele knnen in diesem Zusammenhang Klimaanlagen in
heien Regionen oder wrmende Kleidung in kalten Regionen genannt werden. Hinzu
kommen noch abgeleitete Bedarfsstrukturen, die nur mittelbar etwas mit dem Klima
zu tun haben. Beispielsweise setzen Strandkleidung und die Verwendung von Sonnen-
schutzprodukten gutes Wetter voraus. Des Weiteren muss auch ein entsprechendes Frei-
zeit- und Urlaubsverhalten vorliegen. Hier unterscheiden sich die Konsumgewohnheiten
in den einzelnen Regionen dieser Erde erheblich. So kann man fr europische Lnder
ein derartiges Urlaubsverhalten feststellen, und gebrunte Haut gilt hier (weitgehend) als
Schnheitsideal. In Asien dagegen wnschen sich weite Teile der Bevlkerung einen hel-
len Teint (vgl. Berekoven 1985, S.7980).
Die Mikroumwelt umfasst die Gesamtheit der Institutionen und Organisationen, mit
denen ein Unternehmen auf den Auslandsmrkten mittelbar oder unmittelbar interagiert.
Im Einzelnen zhlen dazu die Konsumenten, Wettbewerber und der Handel. Aber auch
an Lieferanten (vgl. dazu Kap.8) ist in diesem Zusammenhang zu denken (vgl. Nie-
schlag etal. 2002, S.1297).
10.5.1 Konsumenten
Im Konsumverhalten kommt die kulturelle Vielfalt zum Ausdruck. Vergleicht man die
Regionen Europa, USA und Asien (Triade) miteinander, so sind deutliche Unterschiede
im Kaufverhalten erkennbar (beispielsweise kaufen Asiaten wesentlich mehr Produkte
in Automaten). Auch wenn derartige lnderspezifische Besonderheiten durch die wach-
sende weltweite Mobilitt und die stark zunehmende Verbreitung des Internets als Infor-
mations-, Kommunikations- und Transaktionsmedium in ihrer Bedeutung abnehmen,
werden sich die Konsumenten in den genannten Regionen dennoch zu einem gewissen
Grad weiterhin in ihren Konsumgewohnheiten unterscheiden (vgl. Meffert und Bolz
1994, S.57).
10.5.2 Wettbewerb
Genau wie auf dem Heimatmarkt mssen auch fr die ausgewhlten Auslandsmrkte die
Wettbewerbsverhltnisse analysiert werden (vgl. ausfhrlich dazu Kap.8). Allerdings
erweist sich die Datenbeschaffung und -interpretation im Ausland als wesentlich
schwieriger, zeitaufwendiger und kostenintensiver. Grundstzlich sind dabei die bestehenden
Wettbewerbsstrukturen (Monopole, Oligopole und Polypole) zu analysieren. Hinzu kommt
das konkrete Wettbewerbsverhalten. Es mssen die Marketingziele und -strategien der
Wettbewerber beobachtet und analysiert werden. Auerdem muss Klarheit ber die Produkt-
bzw. Sortimentspolitik, die Preis- und Konditionenpolitik, die Kommunikationspolitik und
Distributions- bzw. Vertriebspolitik der einheimischen Anbieter herrschen (vgl. Berekoven
1985, S.104).
298 10 Internationale Marktforschung
10.5.3 Handel
Grundstzlich weist der Prozess der internationalen Marktforschung groe Parallelen zur
nationalen Marktforschung auf. Unterschiede zeigen sich lediglich in der Gewichtung
bzw. Bedeutung der einzelnen Prozessphasen und den zu erledigenden Aufgaben zeigen
sich Unterschiede. Diese sind komplexer und umfangreicher (vgl. Bauer 2002, S.6465).
Analog zu einer nationalen Marktforschungsstudie muss das Marketingmanagement
den Informationsbedarf erkennen und przise formulieren. Darauf aufbauend werden
das Marktforschungsproblem definiert und die Ziele der Studie festgelegt (Definitions-
phase) (vgl. Meffert und Bolz 1994, S.80). Dabei unterscheidet man zwischen Mar-
ketingentscheidungsproblemen, die sich auf konkrete Auslandsmrkte beziehen, und
solchen, die lediglich einen internationalen Bezug aufweisen. Je nach Sachlage kann es
notwendig sein, explorative Voruntersuchungen durchzufhren. Der Informationsbedarf
lsst sich anhand der folgenden Fragestellungen konkretisieren (vgl. Bauer 2002, S.65):
Die Art des Informationsbedarfs verknpft die Definitionsphase mit der Designphase,
denn man muss klren, ob deskriptive und/oder kausale Aussagen vom Marketingma-
nagement gewnscht werden.
10.6 Prozess der internationalen Marktforschung 299
Der Inhalt des Informationsbedarfs bezieht sich auf die Frage, ber wen und was
geforscht werden soll.
Auch der Umfang des Informationsbedarfs ist von Relevanz. Damit werden auch
gleichzeitig Fragen zum erforderlichen Marktforschungsbudget tangiert.
Schlielich ist der zeitliche Rahmen des Informationsbedarfs festzulegen. Dies
betrifft den Zeitraum, in dem die internationale Marktforschungsstudie durchgefhrt
werden soll, und den Zeitpunkt, zu dem die Ergebnisse sptestens vorliegen mssen.
Zunchst mssen der finanzielle und zeitliche Rahmen fr die Sekundranalyse fest-
gelegt und die organisatorische Abwicklung der Datenbeschaffung geklrt werden.
Anschlieend erfolgt eine vertiefende Suche nach weiteren Sekundrquellen, die
ebenfalls hinsichtlich ihrer Aussagekraft, Aktualitt und Entscheidungsrelevanz beur-
teilt werden mssen. Basierend darauf wird entschieden, welche der aufgefundenen
Informationsquellen zu nutzen sind.
Danach beschftigt sich der Marktforscher mit der eigentlichen Informationsbe-
schaffung aus den ausgewhlten Sekundrquellen.
Die gesammelten Materialien mssen aufbereitet werden. Dabei spielt die internatio-
nale Vergleichbarkeit des Datenmaterials eine groe Rolle.
Die vorliegenden Sekundrdaten werden interpretiert.
Das Schreiben des Ergebnisberichts und die Prsentation der Ergebnisse vor dem
Marketingmanagement bilden den Abschluss der internationalen Sekundrforschung.
300 10 Internationale Marktforschung
Auch hier muss zunchst der finanzielle und zeitliche Rahmen abgesteckt werden.
Hinzu kommen Fragen zur Organisation der internationalen Primrstudie.
Anschlieend mssen die anzuwendenden Untersuchungsmethoden ausgewhlt
werden. Dabei sind die Besonderheiten der jeweiligen Mrkte, in denen die Primr-
daten zu erheben sind, zu beachten. Ziel ist es, solche Erhebungsmethoden zu whlen,
die zu international vergleichbaren Ergebnissen fhren.
Die Untersuchungseinheiten mssen ebenfalls international quivalent definiert wer-
den. Hinzu kommt die international quivalente Bestimmung geeigneter Auswahlprin-
zipien, -verfahren und -techniken.
Sind diese Fragen geklrt, schliet sich die Datenerhebung an. Whrend dieser
Phase ist auf eine quivalente Durchfhrung der Feldarbeit zu achten. Insbesondere
die Interaktionsbeziehungen zwischen Befragten und Befragenden mssen vergleich-
bar sein.
Das vorliegende Datenmaterial muss international vergleichbar aufbereitet und ana-
lysiert werden.
Danach werden die Untersuchungsergebnisse interpretiert.
Den Abschluss der internationalen Primrforschung bilden wieder der Ergebnisbe-
richt sowie die Prsentation vor den Entscheidungstrgern.
In den letzten Jahren haben sich die Mglichkeiten der internationalen Sekundrmarkt-
forschung wesentlich verbessert. Dies ist mageblich auf die Entwicklungen im Bereich
der Informations- und Kommunikationstechnologien zurckzufhren. Die Datenmen-
gen, die hauptschlich ber das Internet erhoben, verschickt und verarbeitet werden kn-
nen, haben stetig zugenommen. Hinzu kommt eine steigende Anzahl an internationalen
Online-Datenbanken, die die Recherche stark vereinfachen. Dadurch steht sehr umfas-
sendes Informationsmaterial ber Lnder, Lnderregionen, Mrkte und Marktsegmente
zur Verfgung (vgl. Berndt etal. 2003, S.49).
10.7 Internationale Sekundrforschung 301
Internationale Internationale
Dateninterpretation Dateninterpretation
Ergebnisdokumentation Ergebnisdokumentation
und -prsentation und -prsentation
10.7.1 Anwendungsschwerpunkte
Die Marktauswahl umfasst die Identifizierung, die Bewertung und den Vergleich von
potenziellen Auslandsmrkten. Im ersten Schritt werden ganze Lnderregionen einer
Grobanalyse unterzogen. Lnder, die aus klimatischen Grnden, politischen Insta-
bilitten oder wirtschaftlichen Grnden (z.B. zu geringe Kaufkraft) nicht infrage
kommen, werden ausgeschlossen. Die verbleibenden Lnder werden anhand eines
Kriterienkatalogs in einem Scoring-Modell bewertet. Fr diese Bewertung muss die
Marktforschung die bentigten Daten zur Verfgung stellen.
Im Rahmen der Strategiekontrolle werden die fr die jeweiligen Lnder gewhlten
Marketingmixes im Hinblick auf ihren Erfolgsbeitrag kontinuierlich berwacht.
Mit Entwicklungsprognosen und Frhwarninformationen versucht man, kritische
Entwicklungen in den Auslandsmrkten vorherzusagen. Dadurch soll das internatio-
nale Marketingmanagement in die Lage versetzt werden, rechtzeitig auf derartige Ver-
nderungen reagieren zu knnen.
Fr entwickelte Industrielnder finden zunehmend auch Metaanalysen Anwendung.
Dabei werden lnderbergreifend marketingrelevante Indikatoren (z.B. Preis- oder
Werbeelastizitten) miteinander verglichen, um so Gemeinsamkeiten und Unter-
schiede herauszuarbeiten.
Die durch die internationale Sekundrforschung gewonnenen Daten knnen fr sich aus-
gewertet und interpretiert werden oder flieen als Datenbasis in internationale Primrstu-
dien ein (vgl. Abb.10.1).
Innerhalb der internationalen Sekundrforschung lassen sich drei verschiedene Vari-
anten unterscheiden (vgl. Bauer 2002, S.73):
Die Vielfalt verschiedener Datenquellen stellt den Marktforscher vor groe Herausfor-
derungen. Kommen bei der ersten und zweiten Variante noch weitgehend quantitative
10.7 Internationale Sekundrforschung 303
Datenanalysemethoden (vgl. Kap.3) zur Anwendung, so muss im dritten Fall das Daten-
material einer eingehenden Inhaltsanalyse unterzogen werden (vgl. Bauer 2002, S.74).
Bei der Verwendung internationaler Sekundrdaten sind die folgenden beiden Aspekte
von besonderer Relevanz (vgl. Homburg 2012, S.1077):
10.7.2 Informationsquellen
Die weltweit verfgbaren Informationsquellen sind derart vielfltig, dass eine vollstn-
dige Auflistung nicht mglich ist und zudem gar nicht zielfhrend wre. Angelehnt an
nationale Quellen der Sekundrforschung kann man auch hier in unternehmensinterne
und -externe Quellen unterscheiden. Als weiteres Systematisierungskriterium kommt
noch der Lnderbezug hinzu. Insgesamt ergeben sich damit vier Gruppen von Informati-
onsquellen, die im Folgenden kurz nher betrachtet werden (vgl. Bauer 2002, S.77).
Die vorliegenden Sekundrdaten drfen nicht nur nach Produkten bzw. Produktgrup-
pen, Kunden bzw. Kundengruppen und Absatzmittlern gegliedert sein, sondern es
muss eine detaillierte Aufstellung ber Lnderregionen, Lnder oder transnatio-
nale Marktsegmente vorliegen.
304 10 Internationale Marktforschung
Bei der Evaluation der Informationsquellen ist zu fragen, inwiefern diese ursprnglich
(Sekundr- oder Primrquelle) sowie objektiv und professionell sind.
Die Evaluation des Informationsmaterials dagegen zielt darauf ab, dieses hinsichtlich
Entscheidungsrelevanz, Vollstndigkeit, Aktualitt, Genauigkeit und Vergleichbarkeit
zu prfen und zu beurteilen.
Erst nachdem diese Evaluation stattgefunden hat, kann bzw. darf das Sekundrmaterial
fr die Entscheidungsfindung im Marketing genutzt werden.
10.7 Internationale Sekundrforschung 307
Tab.10.3 (Fortsetzung)
Institution und Internetprsenz Leistungsspektrum
Wissenschaftliche Institutionen Deutsches Ins- Sammlung, Aufbereitung und Archivierung
titut fr Wirtschaftsforschung in Berlin: www. von Auslandsdaten
[Link] ifo-Institut fr Wirtschaftsforschung in Primrerhebungen zu Auslandsmrkten
Mnchen (CESifo-Group): [Link]
Als Adressaten kommen grundstzlich die Endkunden, der Handel oder Lnder- und
Branchenexperten infrage. Da mit Endkundenbefragungen oft groe Kosten ver-
bunden sind, greift man vorzugsweise auf Paneldaten des Gro- und Einzelhandels
zurck und bezieht Experten in die Befragung mit ein. Sollte dies noch nicht ausrei-
chen, werden auch in der internationalen Primrforschung Endkundenbefragungen
durchgefhrt.
Die Auswahl der Erhebungsmethoden muss sehr sorgfltig vorgenommen werden.
Aufgrund der geringen Verbreitung des Telefons und Internets in vielen Schwellen-
lndern knnen reprsentative Telefon- und Internetbefragungen nicht immer in
Erwgung gezogen werden. Sollte in dem zu erforschenden Land der Anteil der Anal-
phabeten sehr gro sein, sind schriftliche Befragungen automatisch ausgeschlossen.
Hier bleibt also nur das mndliche Interview als einzige Mglichkeit, dies verursacht
jedoch entsprechend hohe Kosten.
Als Befragungsstrategie empfiehlt sich das standardisierte mndliche Interview, mit
den damit verbundenen Vorteilen.
Bedingt durch kulturelle Unterschiede gestaltet sich die Auswahl der richtigen Befra-
gungstaktik oftmals schwierig. Nicht in jedem Land kann man die interessierenden
Sachverhalte direkt ansprechen. Besser geeignet sind daher oft indirekte Fragen,
durch die man geschickt den zu untersuchenden Sachverhalt abfragen kann.
Besonders sorgfltig sollte die Auswahl der Interviewer erfolgen. Es kann nmlich
durchaus vorkommen, dass sich Menschen/Endkunden nicht gern von auslndischen
Marktforschern befragen lassen, auch wenn diese ihre Sprache sprechen knnen. Bes-
ser ist es, wenn fr die Durchfhrung der mndlichen Interviews einheimische Inter-
viewer gewonnen werden. Der Interviewerbias wird dann zwar geringer ausfallen,
der notwendige Aufwand im Rahmen der Interviewerschulung ist dafr entsprechend
hher.
Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchungsvorbereitung kann in der bersetzung
des Fragebogens in die jeweilige Landessprache gesehen werden. Dabei ist darauf
zu achten, dass der Fragebogen und insbesondere die verwendeten Items und Skalen
richtig und fr die auslndischen Befragungspersonen verstndlich bersetzt wer-
den. Diese Aufgabe kann eigentlich nur ein Muttersprachler bernehmen, der idea-
lerweise im jeweiligen Befragungsland aufgewachsen ist. Nur so kann sichergestellt
werden, dass auch kulturelle und regionale Besonderheiten und Feinheiten bei der
310 10 Internationale Marktforschung
Als Zwischenfazit kann festgestellt werden, dass der Marktforscher auf internationalem
Parkett mit wesentlich mehr Schwierigkeiten fertig werden muss als in dem ihm vertrau-
ten Heimatmarkt (vgl. Tab.10.5). Auf jeden Fall ist bei internationalen Primrstudien mit
einer lngeren Projektdauer zu rechnen. Als Mindestzeitraum sollten zwlf Wochen fr
eine durchschnittliche Primrstudie auf Auslandsmrkten eingeplant werden (vgl. Broda
2006, S.145; Httner und Schwarting 2002, S.427).
Im Bedarfsfall kann im Rahmen einer internationalen Studie auch auf die Beobach-
tung als Datenerhebungsmethode zurckgegriffen werden. Dies bietet sich immer dann
an, wenn mentalittsbedingt oder aufgrund fehlender geeigneter Interviewer eine Befra-
gung nicht oder nur unter groen Schwierigkeiten mglich ist. Als Beobachtungsthemen
kommen die Einkaufs- und Verbrauchsgewohnheiten der jeweiligen Bevlkerung infrage
(vgl. Httner und Schwarting 2002, S.428).
Zum einen kann es vorkommen, dass die Mitarbeiter des beauftragenden Unterneh-
mens nicht unbedingt alle die gleiche Sprache sprechen und auch nicht unbedingt alle
aus demselben Kulturkreis stammen. Dadurch knnen sich Kommunikationspro-
bleme zwischen den Zuhrern ergeben. Viele Unternehmen haben darauf durch die
Einfhrung einer oder mehrerer Konzernsprachen, meist Englisch, reagiert. Beste-
hende Sprachbarrieren lassen sich dadurch zwar minimieren, Kulturunterschiede blei-
ben davon jedoch unberhrt und es kann weiterhin zu Kommunikationsproblemen
kommen.
Sofern externe Marktforschungsinstitute beauftragt wurden, was bei internationalen
Marktforschungsprojekten heute an der Tagesordnung ist, sprechen zum anderen auch
die prsentierenden Marktforscher nicht immer alle die gleiche Sprache. Hinzu kom-
men die bereits angesprochenen Kulturunterschiede. Letztere knnen sich sehr stark
auf die Informationsdarstellung und den Prsentationsstil auswirken, was wiederum
zu Kommunikationsproblemen zwischen Marktforschern und Zuhrern fhren
kann. Dieser Fall tritt immer dann auf, wenn das Marktforschungsprojekt dezentral
durchgefhrt wurde und jedes Marktforschungsinstitut seine Lnderergebnisse vor-
trgt. Mglicherweise unterscheiden sich die einzelnen Berichte der auslndischen
Marktforscher in ihrer Lnge, Struktur und Art der Informationsaufbereitung so stark,
dass es den Auftraggebern sehr schwer fllt, die prsentierten Ergebnisse miteinan-
der zu vergleichen. Eine Lsung des Problems besteht in der Vorgabe von formalen
Vorschriften, an die sich jedes der beteiligten Marktforschungsinstitute zu halten hat.
Alternativ mssen alle Berichte vor der Prsentation durch eine zentrale Stelle, bei-
spielsweise die Marktforschungsabteilung, vereinheitlicht werden.
312 10 Internationale Marktforschung
Ein sehr hufig anzutreffendes Organisationsprinzip ist die zentrale Organisation der
internationalen Marktforschung. Insbesondere die fr die Sekundrforschung bentigten
Daten werden an einer zentralen Stelle zusammengetragen, ausgewertet und fr die Ent-
scheidungstrger aufbereitet. Konkurrenzanalysen werden ebenfalls oft zentral gesteuert.
Dies gilt auch fr die Koordination von Primrstudien (vgl. Bauer 2002, S.344; Broda
2006, S.142).
Delegiert wird dagegen die eigentliche Feldarbeit, fr die entsprechende Marktfor-
schungsunternehmen beauftragt werden. Allerdings behlt sich die Unternehmenszent-
rale die Auswertung und Interpretation der Marktdaten vor (vgl. Bauer 2002, S.344).
Die besondere Herausforderung besteht hierbei darin, Marktforschungsunter-
nehmen ausfindig zu machen, die nach sowohl ethischen Verhaltensnormen als auch
marktforscherischen Qualittsstandards arbeiten. Aus der Vielzahl der am Markt agie-
renden Marktforschungsunternehmen ist also eine geeignete Auswahl zu treffen. Diese
gestaltet sich umso schwieriger, je weniger die jeweiligen Marktforschungsunterneh-
men den Entscheidern bekannt sind. Hinzu kommt, dass viele (Marketing-)Manager
keine Marktforschungsspezialisten sind. Einen Ausweg aus diesem Unsicherheitspro-
blem bieten Indikatoren, die die Entscheider bercksichtigen sollten (vgl. Bauer 2002,
S.345):
10.10 Organisation der internationalen Marktforschung 313
Auf der Negativseite ergibt sich jedoch ein zentraler Nachteil (vgl. Bauer 2002, S.350).
Fr gro angelegte internationale Marktforschungsstudien bestehen in der Unterneh-
menszentrale nicht immer die erforderlichen quantitativen und qualitativen Kapazitten,
die fr die gesamte Abwicklung bentigt werden. Dieses Organisationsprinzip ist daher
eher fr kleinere bzw. einfach strukturierte Studien geeignet.
Bei der dezentralen Organisation legt die Unternehmenszentrale lediglich die Zielset-
zung der internationalen Marktforschung fest. Die Auslandsniederlassungen bernehmen
die Gestaltung und das Management des Forschungsprozesses. Konkret bedeutet dies,
dass die Auslandsniederlassungen fr die Studienplanung, Datenerhebung, -auswertung,
314 10 Internationale Marktforschung
-interpretation und das Schreiben des Ergebnisberichts selbst verantwortlich sind. Auer-
dem mssen sie nach dem Abschluss der jeweiligen Marktforschungsstudie der Unter-
nehmenszentrale Bericht erstatten und die Ergebnisse prsentieren (vgl. Bauer 2002,
S.372).
Der Vorteil dieser Vorgehensweise besteht darin, dass man sich an die jeweiligen
Gegebenheiten in den einzelnen Auslandsmrkten gut anpassen kann. Allerdings kann es
dadurch auch zu Problemen kommen. Insbesondere die Vergleichbarkeit der Vorgehens-
weise und Ergebnisaufbereitung kann, bedingt durch die groen Freiheitsgrade, die die
Auslandsniederlassungen dabei haben, beeintrchtigt werden. Als Lsungsanstze bieten
sich die Standardisierung von einzelnen Prozessschritten und Koordinationstreffen bzw.
Koordinationskomitees an, die zwar zu einer Verringerung der Problematik fhren, diese
jedoch nicht vollkommen lsen knnen. Daher kommt das dezentrale Organisationsprin-
zip vorrangig bei operativen internationalen Marktforschungsstudien zur Anwendung
(vgl. Bauer 2002, S.372373; Douglas und Craig 1983, S.45f., zitiert nach Bauer 2002,
S.372; Mayr 1990, S.118, zitiert nach Bauer 2002, S.373).
Sofern das beauftragende Unternehmen lediglich ber die Art, den Inhalt, den
Umfang und die Zeitpunkte des Informationsbedarfs entscheidet, handelt es sich
um eine koordinierte Organisation der internationalen Marktforschung. Die eigent-
lichen Ausfhrungsaufgaben sowie die Analyse und Interpretation der Daten werden
von Marktforschungsunternehmen bernommen. Diese verfgen dadurch ber eine
groe Eigenstndigkeit. Die Zusammenarbeit zwischen diesen und dem Auftragge-
ber muss allerdings kontinuierlich abgestimmt und koordiniert werden (vgl. Berndt
etal. 2003, S.83; Czinkota und Ronkainen 2002, S.239, zitiert nach Berndt etal.
2003, S.83).
Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass auf die sorgfltige Auswahl des/
der Marktforschungsunternehmen besonderes Augenmerk gelegt werden sollte. In
Anlehnung an Berekoven etal. (2009, S.36) und Homburg (2012, S.254) sollten die
folgenden Auswahlkriterien fr die Zusammenarbeit mit international ttigen Marktfor-
schungsunternehmen bercksichtigt werden:
10.11 Lernfragen
Literatur
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Zentes, J. (1992): Grundbegriffe des Marketing, [Link]., Stuttgart.
White Paper
Author
Dave Evans
April 2011
Cisco IBSG 2011 Cisco and/or its affiliates. All rights reserved. 04/11
White Paper
The Internet of Things (IoT), sometimes referred to as the Internet of Objects, will change
everythingincluding ourselves. This may seem like a bold statement, but consider the
impact the Internet already has had on education, communication, business, science,
government, and humanity. Clearly, the Internet is one of the most important and powerful
creations in all of human history.
Now consider that IoT represents the next evolution of the Internet, taking a huge leap in its
ability to gather, analyze, and distribute data that we can turn into information, knowledge,
and, ultimately, wisdom. In this context, IoT becomes immensely important.
Already, IoT projects are under way that promise to close the gap between poor and rich,
improve distribution of the worlds resources to those who need them most, and help us
understand our planet so we can be more proactive and less reactive. Even so, several
barriers exist that threaten to slow IoT development, including the transition to IPv6, having a
common set of standards, and developing energy sources for millionseven billionsof
minute sensors.
However, as businesses, governments, standards bodies, and academia work together to
solve these challenges, IoT will continue to progress. The goal of this paper, therefore, is to
educate you in plain and simple terms so you can be well versed in IoT and understand its
potential to change everything we know to be true today.
IoT Today
As with many new concepts, IoTs roots can be traced back to the Massachusetts Institute of
Technology (MIT), from work at the Auto-ID Center. Founded in 1999, this group was working
in the field of networked radio frequency identification (RFID) and emerging sensing
technologies. The labs consisted of seven research universities located across four
continents. These institutions were chosen by the Auto-ID Center to design the architecture
for IoT.1
Before we talk about the current state of IoT, it is important to agree on a definition. According
to the Cisco Internet Business Solutions Group (IBSG), IoT is simply the point in time when
more things or objects were connected to the Internet than people.2
In 2003, there were approximately 6.3 billion people living on the planet and 500 million
devices connected to the Internet.3 By dividing the number of connected devices by the
world population, we find that there was less than one (0.08) device for every person. Based
on Cisco IBSGs definition, IoT didnt yet exist in 2003 because the number of connected
things was relatively small given that ubiquitous devices such as smartphones were just
being introduced. For example, Steve Jobs, Apples CEO, didnt unveil the iPhone until
January 9, 2007 at the Macworld conference.4
Cisco IBSG 2011 Cisco and/or its affiliates. All rights reserved. Page 2
Explosive growth of smartphones and tablet PCs brought the number of devices connected
to the Internet to 12.5 billion in 2010, while the worlds human population increased to 6.8
billion, making the number of connected devices per person more than 1 (1.84 to be exact) for
the first time in history.5
Methodology
In January 2009, a team of researchers in China studied Internet routing data in six-month
intervals, from December 2001 to December 2006. Similar to the properties of Moores Law,
their findings showed that the Internet doubles in size every 5.32 years. Using this figure in
combination with the number of devices connected to the Internet in 2003 (500 million, as
determined by Forrester Research), and the world population according to the U.S. Census
Bureau, Cisco IBSG estimated the number of connected devices per person.6
Refining these numbers further, Cisco IBSG estimates IoT was born sometime between
2008 and 2009 (see Figure 1). Today, IoT is well under way, as initiatives such as Ciscos
Planetary Skin, smart grid, and intelligent vehicles continue to progress.7
Figure 1. The Internet of Things Was Born Between 2008 and 2009
Looking to the future, Cisco IBSG predicts there will be 25 billion devices connected to the
Internet by 2015 and 50 billion by 2020. It is important to note that these estimates do not
take into account rapid advances in Internet or device technology; the numbers presented
are based on what is known to be true today.
Additionally, the number of connected devices per person may seem low. This is because the
calculation is based on the entire world population, much of which is not yet connected to the
Internet. By reducing the population sample to people actually connected to the Internet, the
number of connected devices per person rises dramatically. For example, we know that
Cisco IBSG 2011 Cisco and/or its affiliates. All rights reserved. Page 3
approximately 2 billion people use the Internet today.8 Using this figure, the number of
connected devices per person jumps to 6.25 in 2010, instead of 1.84.
Of course, we know nothing remains static, especially when it comes to the Internet. Initiatives
and advances, such as Ciscos Planetary Skin, HPs central nervous system for the earth
(CeNSE), and smart dust, have the potential to add millionseven billionsof sensors to the
Internet.9 As cows, water pipes, people, and even shoes, trees, and animals become
connected to IoT, the world has the potential to become a better place.
Peter Hartwell
Senior Researcher, HP Labs
Cisco IBSG 2011 Cisco and/or its affiliates. All rights reserved. Page 4
Interestingly, this situation mirrors what the technology industry experienced in the early days
of networking. In the late 1980s and early 1990s, Cisco, for example, established itself by
bringing disparate networks together with multi-protocol routing, eventually leading to IP as
the common networking standard. With IoT, history is repeating itself, albeit on a much
grander scale.
Cisco IBSG 2011 Cisco and/or its affiliates. All rights reserved. Page 5
In addition, the Internet is expanding into places that until now have been unreachable.
Patients are ingesting Internet devices into their own bodies to help doctors diagnose and
determine the causes of certain diseases.10 Extremely small sensors can be placed on plants,
animals, and geologic features, and connected to the Internet.11 At the other end of the
spectrum, the Internet is going into space through Ciscos Internet Routing in Space (IRIS)
program.12
It is also important to note there is a direct correlation between the input (data) and output
(wisdom). The more data that is created, the more knowledge and wisdom people can obtain.
IoT dramatically increases the amount of data available for us to process. This, coupled with
the Internets ability to communicate this data, will enable people to advance even further.
Cisco IBSG 2011 Cisco and/or its affiliates. All rights reserved. Page 6
IoT Applications: What Cows, Water Pipes, and People Have in Common
When we crossed the threshold of connecting more objects than people to the Internet, a
huge window of opportunity opened for the creation of applications in the areas of
automation, sensing, and machine-to-machine communication. In fact, the possibilities are
almost endless. The following examples highlight some of the ways IoT is changing peoples
lives for the better.
Holy Cow!
In the world of IoT, even cows will be connected. A special report in The Economist titled
Augmented Business described how cows will be monitored (see Figure 4). Sparked, a
Dutch start-up company, implants sensors in the ears of cattle. This allows farmers to monitor
cows health and track their movements, ensuring a healthier, more plentiful supply of meat
for people to consume. On average, each cow generates about 200 megabytes of
information a year.14
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IoT, because of its ubiquitous sensors and connected systems, will provide authorities with
more information and control in order to identify and fix these problems. This will allow utilities
to operate more profitably, giving them extra incentive to improve infrastructures in poorer
neighborhoods. More efficiency will also allow for lower prices, which, in turn, will encourage
those taking services for free to become paying customers.16
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Standards. While much progress has been made in the area of standards, more is needed,
especially in the areas of security, privacy, architecture, and communications. IEEE is just one
of the organizations working to solve these challenges by ensuring that IPv6 packets can be
routed across different network types.
It is important to note that while barriers and challenges exist, they are not insurmountable.
Given the benefits of IoT, these issues will get worked out. It is only a matter of time.
Next Steps
As often happens, history is repeating itself. Just as in the early days when Ciscos tagline was
The Science of Networking Networks, IoT is at a stage where disparate networks and a
multitude of sensors must come together and interoperate under a common set of standards.
Cisco IBSG 2011 Cisco and/or its affiliates. All rights reserved. Page 9
This effort will require businesses, governments, standards organizations, and academia to
work together toward a common goal.
Next, for IoT to gain acceptance among the general populace, service providers and others
must deliver applications that bring tangible value to peoples lives. IoT must not represent
the advancement of technology for technologys sake; the industry needs to demonstrate
value in human terms.
In conclusion, IoT represents the next evolution of the Internet. Given that humans advance
and evolve by turning data into information, knowledge, and wisdom, IoT has the potential to
change the world as we know it todayfor the better. How quickly we get there is up to us.
For more information, please contact Dave Evans, Ciscos chief futurist and chief technologist
for Cisco IBSG, at devans@[Link].
The following individuals made critical contributions to the development of this paper:
Scott Puopolo, vice president, Cisco IBSG Service Provider Practice
Jawahar Sivasankaran, senior manager, Cisco IT Customer Strategy & Success group
JP Vasseur, distinguished engineer, Cisco Emerging Technologies
Michael Adams, Cisco IBSG Communications Strategy Practice
Endnotes
1. Source: Wikipedia, 2011.
2. Source: Cisco IBSG, 2011.
3. Sources: U.S. Census Bureau, 2010; Forrester Research, 2003.
4. Source: Wikipedia, 2010.
5. Sources: Cisco IBSG, 2010; U.S. Census Bureau, 2010.
6. While no one can predict the exact number of devices connected to the Internet at
any given time, the methodology of applying a constant (Internet doubling in size
every 5.32 years) to a generally agreed-upon number of connected devices at a
point in time (500 million in 2003) provides an estimate that is appropriate for the
purposes of this paper. Sources: Internet Growth Follows Moore's Law Too, Lisa
Zyga, [Link], January 14, 2009,
[Link] George Colony, Forrester Research
founder and chief executive officer, March 10, 2003,
[Link]
7. Source: Planetary Skin: A Global Platform for a New Era of Collaboration, Juan
Carlos Castilla-Rubio and Simon Willis, Cisco IBSG, March 2009,
[Link]
_jc_2.pdf
8. Source: World Internet Stats: Usage and Population Statistics, June 30, 2010.
9. Sources: Cisco, 2010; HP, 2010.
Cisco IBSG 2011 Cisco and/or its affiliates. All rights reserved. Page 10
10. Source: The Networked Pill, Michael Chorost, MIT Technology Review, March 20,
2008, [Link]
11. Source: Researchers Debut One-Cubic-Millimeter Computer, Want to Stick It in Your
Eye, Christopher Trout, Endadget, February 26, 2011,
[Link]
computer-want-to-stick-i/
12. Ciscos Internet Routing in Space (IRIS) program uses the Cisco Space Router to
extend IP access using satellites. The router eliminates the need to send data to and
from an extra ground station, which can be expensive and time-consuming. Further,
Cisco Space Routers extend IP access to areas not covered by traditional ground
networks or 3G networks, delivering consistent and pervasive IP capabilities
regardless of geographic location.
13. Source: The Discovery of the Molecular Structure of DNA, [Link].
14. Source: Augmented Business, The Economist, November 2010.
15. Source: Fortune at the Bottom of the Pyramid: Eradicating Poverty Through Profits,
Dr. C.K. Prahalad.
16. Source: India Has Its Own Kind of Power Struggle, The Wall Street Journal, Jackie
Range, August 7, 2009.
17. Source: United Nations, 2010.
18. Source: Smart Dust Sensor Network with Piezoelectric Energy Harvesting, Yee Win
Shwe and Yung C. Liang, ICITA, 2009, [Link]
[Link]
19. Source: First Practical Nanogenerator Produces Electricity with Pinch of the
Fingers, [Link], March 29, 2011, [Link]
[Link]
Cisco IBSG 2011 Cisco and/or its affiliates. All rights reserved. Page 11
Pocketbooks
2011 edition
Pocketbooks
2011 edition
Europe Direct is a service to help you find answers
to your questions about the European Union.
ISBN 978-92-79-20422-7
ISSN 1830-9720
doi:10.2785/15193
Cat. No KS-ET-11-001-EN-C
Printed in Belgium
Production:
Data processing, analysis, design and desktop
publishing:
INFORMA srl (informa@[Link])
Giovanni Albertone, Simon Allen, Andrew Redpath
Introduction 6
Sectoral analysis 49
Mining and quarrying 50
Manufacturing 54
Network energy supply 66
Water supply, sewerage, waste and recycling
activities 68
Construction 70
Distributive trades 72
Transport and storage 78
Accomodation and food services 84
Information and communication services 86
Real estate activities 92
Professional, scientific and technical activities 94
Administrative and support service activities 100
Repair of computers and personal and household
goods 106
Financial and insurance activities 108
Introduction
This publication aims to illustrate the wide range of business
statistics available from Eurostat, in particular structural
business statistics (SBS). The statistics presented cover SBS that
are published on a regular, annual basis (where breakdowns are
available by region and by enterprise size class), as well as more
specific information from a range of development projects.
SBS describe the structure, conduct and performance of
businesses within their economic activities, down to a very
detailed activity level (several hundred sectors). In this
publication, due to space limitations, data are presented for a
set of around 100 activities, generally NACE sections, divisions
or groups.
The publication summarises the main features of the European
business economy and its different activities in a concise and
simple manner. It consists of three main chapters:
a feature on small and medium-sized enterprises;
an overview of the EU business economy, and;
a more detailed sectoral analysis.
The first chapter is a special feature on small and medium-
sized enterprises, looking at the activities where they are most
prominent, their impact on employment, and the particular
category of enterprises without paid employees. The information
presented is largely based on a size class analysis of regular SBS
data, supplemented by data on business demography.
The second chapter presents an overview of the EU business
economy. It provides details concerning the relative importance
of various activities within the non-financial business economy:
note that agriculture, forestry and fisheries, as well as public
services covering areas such as defence, education, health and
social security are not covered by SBS, while financial services
are excluded from the non-financial business economy aggregate
due to incomplete information. The chapter concludes with a
presentation of specialisation and concentration. The former
measures the share (for example, in terms of employment or value
added) of a particular sector in the whole of the non-financial
business economy within a country or a region for example,
Slovenia and Finland are relatively specialised in manufacturing,
Context
Small and medium-sized enterprises (SMEs) may be viewed
as important players in the well-being of local and regional
communities, with considerable potential for employment
creation. As such, they can play an important role in Europes
2020 strategy, contributing to the economic health of the
European economy; this numerous and disparate subpopulation
of enterprises is the focus of this special feature.
In June 2008, a Communication titled the Small Business Act
(SBA) for Europe was adopted. This recognised the central role
of SMEs in the EU economy and aimed to strengthen the role
played by SMEs and to promote their growth and job creating
potential through alleviating a number of problems which are
thought to hamper the development of SMEs. These included:
alleviating administrative burdens; facilitating SMEs access to
finance; supporting SMEs in their bid to access new markets;
ensuring fair competition; promoting education and skills for
entrepreneurship; protecting intellectual property; encouraging
research and development; or supporting SMEs in a regional and
environmental context. This mainstreaming of SME policy is
based upon a premise to think small first.
A review of the SBA was released in February 2011: it highlighted
the progress made and set out a range of new actions to respond
to challenges resulting from the financial and economic crisis.
In doing so, it is hoped that the updated SBA will contribute
towards delivering the key objectives of the Europe 2020 strategy
namely, smart, sustainable and inclusive growth.
For policy purposes, SMEs in the EU are defined as enterprises
with fewer than 250 employees, provided that they are
independent (of other enterprises) and do not have sales that
exceed EUR 50 million or an annual balance sheet that exceeds
EUR 43 million. For statistical purposes, structural business
statistics (SBS) may be broken down by enterprise size class
according to employment thresholds to present information
on: large (250 or more persons employed); medium-sized (50 to
249); small (10 to 49); and micro enterprises (less than 10). Micro,
small and medium-sized enterprises are collectively referred to
as SMEs.
For more information:
[Link]
[Link]
Number Apparent
Persons Value
of labour
employed added
enterprises productivity
Relative to
Share in total (%)
total (%)
All enterprises 100.0 100.0 100.0 100.0
All SMEs 99.8 66.7 58.6 87.8
Micro 92.0 29.0 21.8 75.3
Small 6.7 20.5 18.6 90.5
Medium-sized 1.1 17.2 18.2 105.3
Large 0.2 33.3 41.4 124.5
Source: Eurostat (online data codes: sbs_sc_ind_r2, sbs_sc_con_r2, sbs_sc_dt_r2,
sbs_sc_1b_se_r2)
While large enterprises only accounted for 0.2 % of the total enterprise
population within the EU-27s non-financial business economy in
2008, mining and quarrying, network energy supply as well as water
supply, sewerage, waste and recycling each reported that more than 1 %
of their enterprises were large; the same three activities also recorded
the highest proportion of medium-sized enterprises (between 4.1 %
and 5.5 % of the enterprise population) see Table 1.3.
The number of SMEs across the EU-27s non-financial business
economy was particularly concentrated within distributive trades
(6.1 million enterprises); this was almost twice the number of
SMEs within professional, scientific and technical activities or
construction see Figure 1.1.
Medium-
Large
Micro
Small
sized
Non-financial business economy 92.0 6.7 1.1 0.2
Mining & quarrying 72.8 21.7 4.4 1.2
Manufacturing 80.2 15.3 3.7 0.8
Network energy supply 86.6 7.4 4.1 1.9
Water supply, sewerage,
76.8 16.4 5.5 1.3
waste & recycling
Construction 92.4 6.7 0.7 0.1
Distributive trades 93.4 5.8 0.7 0.1
Transportation & storage 90.3 7.9 1.5 0.3
Accommodation & food services 91.1 8.1 0.7 0.1
Information & communication 92.9 5.6 1.2 0.3
Real estate activities 97.6 2.0 0.3 0.1
Professional, scientific &
96.0 3.5 0.4 0.1
technical activities
Administrative & support services 90.4 7.1 2.0 0.5
Repair: computers, personal
98.1 : 0.2 :
& household goods
Source: Eurostat (online data codes: sbs_sc_ind_r2, sbs_sc_con_r2, sbs_sc_dt_r2,
sbs_sc_1b_se_r2)
Distributive trades
Prof.,scientific&technicalactivities
Construction
Manufacturing
Accommodation&foodservices
Transportation & storage
Real estate activities
Administrative&supportservices
Information&communication
Water,sewerage,waste&recycling
Network energy supply
Mining & quarrying
Distributive trades
Manufacturing
Construction
Prof.,scientific&technicalactivities
Accommodation&foodservices
Administrative&supportservices
Transportation & storage
Information&communication
Real estate activities
Water,sewerage,waste&recycling
Repair:comp.,pers.&h'holdgoods
Network energy supply
Mining & quarrying
Repair:computers,personal
&h'holdgoods
Construction
Accommodation&foodservices
Professional,scientific
&technicalactivities
Distributive trades
Manufacturing
Information&communication
Water supply,sewerage,
waste&recycling
Administrative&supportservices
Medium-
All SMEs
Large
Micro
Small
sized
Other professional, scientific &
92.1 67.5 16.1 8.5 7.9
technical activities
Repair of computers &
92.0 68.2 14.3 9.5 8.0
personal & household goods
Wholesale & retail trade & repair
87.8 41.5 28.0 18.3 12.2
of motor vehicles & motorcycles
Construction of buildings 87.1 38.3 28.4 20.5 12.9
Real estate activities 86.5 59.3 15.0 12.4 13.5
Printing & reproduction
86.3 28.6 32.4 25.3 13.7
of recorded media
Legal & accounting activities 85.4 54.5 21.4 9.6 14.6
Manufacture of wood
84.5 30.6 30.8 23.1 15.5
& wood products
Architectural & engineering act.;
82.5 48.1 20.3 14.1 17.5
technical testing & analysis
Manuf. of fabricated metal prod.,
82.4 20.4 33.0 29.0 17.6
except machinery & equip.
Nonfinancial business economy 66.7 29.0 20.5 17.2 33.3
Electricity, gas, steam & air
22.4 3.6 5.3 13.5 77.6
conditioning supply
Manuf. of pharmaceuticals 21.1 1.0 4.0 16.1 78.9
Manuf. of motor vehicles,
18.6 1.5 4.6 12.5 81.4
trailers & semitrailers
Telecommunications 18.6 6.6 5.1 6.9 81.4
Manuf. of coke & refined petroleum
18.2 1.7 4.8 11.7 81.8
products
Manuf. of tobacco products 15.6 1.1 2.4 12.2 84.4
Postal & courier activities 12.9 4.9 3.7 4.3 87.1
Air transport 12.3 1.9 2.9 7.6 87.7
Mining of metal ores 9.8 0.5 1.4 7.9 90.2
Mining of coal & lignite 2.1 0.1 0.5 1.5 97.9
(1) The information presented is based on the sum of those Member States for which data are
available - the aggregate may change between activities; extraction of crude petroleum
and natural gas, sewerage, remediation activities and other waste management services,
specialised construction activities, and veterinary activities, incomplete.
Source: Eurostat (online data codes: sbs_sc_ind_r2, sbs_sc_con_r2, sbs_sc_dt_r2,
sbs_sc_1b_se_r2)
CY
IT
PT
LV
EE
LU
ES
LT
BG
IE
HU
PL
SI
CZ
AT
BE
EU-27
DK
NL
RO
SE
FI
DE
SK
UK
United Kingdom for 2006; EU average includes employment data for Portugal for 2005.
Source: Eurostat (online data code: bd_9b_size_cl)
FR
IT
DK
LT
CZ
BE
SE
SI
ES
DE
NL
BG
EU
FI
HU
EE
SK
AT
LV
LU
RO
UK
PT
CY
Distributive trades
Manufacturing
Construction
Prof.,scientific&technicalactivities
Administrativeandsupportservices
Transportation & storage
Real estate activities
Information&communication
Accommodation&foodservices
Network energy supply
Water,sewerage,waste&recycling
Mining & quarrying
Repair:comp.,pers.&h'holdgoods
Construction
Repair:computers,personal
&h'holdgoods
Professional,scientific
&technicalactivities
Accommodation&foodservices
Distributive trades
Water supply,sewerage,
waste&recycling
Manufacturing
CY
EE
LU
LV
IT
PT
ES
LT
NL
SI
BG
DK
AT
BE
SE
EU-27
CZ
IE
HU
SK
DE
FI
PL
RO
UK
SMEs
Large enterprises
(1) Administrative and support services, not available for large enterprises.
Source: Eurostat (online data codes: sbs_sc_ind_r2, sbs_sc_con_r2, sbs_sc_dt_r2,
sbs_sc_1b_se_r2)
Large
Micro
Small
sized
SK
PL
RO
BE (2)
CZ (2)
AT
IE
HU
LT
NL (2)
DE
EE
SI (2)
FI
MT (2)
CY (2)
LV
EU-27
EA-17
BG
SE
FR
PT
UK
LU
IT
DK
EL
ES
TR
CH (2)
HR
NO
Pharmaceuticals
Computer, electronic & optical prod.
Repair & installation of machinery
Other transport equipment
Other manufacturing
Food products
Metal ores mining
Chemicals & chemical products
Electrical equipment
Beverages
Network energy supply
Paper & paper products
Total industry
Machinery & equipment
Rubber & plastic products
Coke & refined petroleum
Motor vehicles & (semi-)trailers
Printing & recorded media
Fabricated metal products
Wearing apparel
Basic metals
Wood & wood products
Furniture
Other non-metallic mineral products
Other mining & quarrying
Leather & related products
Coal & lignite mining
Textiles
Crude petrol. & natural gas extraction
Tobacco products
(1) Mining support service activities and water collection, treatment and supply, not available.
Source: Eurostat (online data code: sts_inpr_a)
105
100
95
90
85
I/05 I/06 I/07 I/08 I/09 I/10
Construction
Building
Civil engineering works
(1) Estimates.
Source: Eurostat (online data code: sts_copr_q)
120
110
100
90
I/05 I/06 I/07 I/08 I/09 I/10
Distributive trades
Transportation & storage
Accommodation & food services
Information & communication
Professional, scientific & technical activities (2)
Administrative & support services (2)
(1) Estimates.
(2) As required by the STS Regulation.
Source: Eurostat (online data codes: sts_trtu_q, sts_setu_q)
RO
PL
BG
LU
UK
LT
CY
HU
LV
SI
EE
SK
FI
NL
SE (2)
AT
EU-27
FR
DK
CZ
MT
DE
EA-17
EL
PT
ES
IE
(1) As required by the STS Regulation; Belgium and Italy, not available.
(2) Average from 2005 to 2009.
Source: Eurostat (online data code: sts_trtu_a)
Manufacturing
Distributive trades
Construction
Administrative&supportservices
Information&communication
Value Invest-
Turnover
added ment
(EUR million)
Non-finanical business economy 24 915 339 6 155 686 :
Mining & quarrying 250 000 100 000 21 000
Manufacturing 7 136 428 1 669 537 240 078
Network energy supply 1 100 000 199 849 :
Water supply, sewerage, waste & recycling 218 103 : 32 426
Construction 1 907 138 604 362 97 287
Distributive trades 9 117 514 1 153 272 132 683
Transportation & storage 1 305 077 476 619 126 012
Accommodation & food services 461 343 194 131 29 112
Information & communication 1 141 269 502 495 57 279
Real estate activities 420 000 220 000 140 000
Professional, scientific & technical activities 1 168 753 573 128 42 594
Administrative & support services 810 000 390 000 70 000
Repair: computers, personal & hhold goods 26 227 10 569 :
Source: Eurostat (online data codes: sbs_na_ind_r2, sbs_na_con_r2, sbs_na_dt_r2,
sbs_na_1a_se_r2)
Wage
Gross
adjusted Invest-
oper-
labour ment
ating
product- rate
rate
ivity
(%)
Non-finanical business economy 146.3 10.2 :
Mining & quarrying 430.0 31.0 21.3
Manufacturing 145.3 8.3 16.4
Network energy supply : : :
Water supply, sewerage, waste & recycling 200.0 : :
Construction 127.8 12.6 18.9
Distributive trades 139.1 5.1 13.5
Transportation & storage 139.0 12.7 31.4
Accommodation & food services 123.5 13.8 17.9
Information & communication 172.6 21.0 13.3
Real estate activities 283.0 39.7 :
Professional, scientific & technical activities 124.5 19.9 8.8
Administrative & support services 140.0 16.0 21.0
Repair: computers, personal & hhold goods 97.5 14.4 7.0
Source: Eurostat (online data codes: sbs_na_ind_r2, sbs_na_con_r2, sbs_na_dt_r2,
sbs_na_1a_se_r2)
DE
UK
FR
IT
ES
NL
PL
SE
BE
AT
DK
IE
CZ
FI
PT
RO
HU
SK
LU
SI
BG
LT
LV
CY
EE
Value added
Employment
(1) Greece and Malta, not available; France, persons employed, not available.
Source: Eurostat (online data codes: sbs_na_ind_r2, sbs_na_con_r2, sbs_na_dt_r2,
sbs_na_1a_se_r2)
Manufacturing DE IT FR UK ES
Construction UK ES FR IT DE
Distributive trades DE UK FR IT ES
Professional, scientific
UK DE FR IT ES
& technical activities
Ciudad Autnoma
Distributive trades de Melilla (ES64)
Manufacturing
Zpadn Slovensko
(SK02)
Construction Regio Autnoma dos
Aores (PT20)
Professional, scientific
Inner London (UKI1)
& technical activities
Rgion de Bruxelles-Capitale/
Information & communication
Brussels Hoofdstedelijk Gewest (BE10)
(1) Minimum to maximum share (horizontal line), inter-quartile range covering half of all regions
(box), median share (vertical line in box); excluding Greece, France, Latvia (construction),
Luxembourg and Malta.
Source: Eurostat (online data code: sbs_r_nuts06_r2)
EU-27 = 26.2 0 25 0 20
0 50 0 20
0 100 0 10
Liechtenstein sland
0 5 0 100
(1) EU-27, excluding Greece, France, Latvia (Section F), Luxembourg and Malta.
Source: Eurostat (online data code: sbs_r_nuts06_r2)
EU-27 = 63.6 0 25 0 20
0 50 0 20
0 100 0 10
Liechtenstein sland
0 5 0 100
(1) EU-27, excluding Greece, France, Latvia (Section F), Luxembourg and Malta.
Source: Eurostat (online data code: sbs_r_nuts06_r2)
37 - 42
42 - 47
> 47
Data not available
0 100 0 20
EuroGeographics Association, for the administrative boundaries
Aores (PT) Madeira (PT)
Cartography: Eurostat GISCO, 03/2011
0 50 0 20
0 100 0 10
Liechtenstein sland
0 5 0 100
(1) EU-27, excluding Greece, France, Latvia (Section F), Luxembourg and Malta.
Source: Eurostat (online data code: sbs_r_nuts06_r2)
Figure 3.1: Sectoral analysis, mining and quarrying, EU-27, 2008 (1)
(% share of mining and quarrying total)
0 10 20 30 40 50 60 70
Value added
Employment
(1) Metal ores mining, not available.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_ind_r2)
Other mining
& quarrying
Mining &
quarrying
Crude petroleum
& natural
gas extraction
(1) Metal ores mining and mining support services, not available.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_ind_r2)
value is confidential; includes estimates; the rounding base indicates the magnitude of the
rounding employed to protect confidential cell (in the case of PRODCOM code [Link],
the confidential value lies within the range +/- EUR 30 million of the reported value).
Source: Eurostat (online data code: DS_066341)
Manufacturing
Manufacturing was the largest of the NACE sections within
the EU-27s non-financial business economy both in terms of
persons employed and value added; it contributed 24.2 % of the
workforce in 2008 and 27.1 % of value added. Overall, 2.1 million
manufacturing enterprises employed 33.0 million persons in 2008.
The largest subsectors (at the NACE division level) were food and
beverages manufacturing and the manufacture of fabricated metal
products see Figure 3.3.
Figure 3.4 shows that the share of manufacturing within the non-
financial business economys value added varied in 2008 from
13.2 % in Cyprus to 37.6 % in Hungary. The range in employment
terms was similar, from 13.5 % in the Netherlands to 40.0 % in
Slovakia. Table 3.6 indicates the manufacturing activities in which
each country was most specialised, compared with the EU-27
average. For example, the Baltic Member States were all most
specialised in the manufacture of wood and wood products as was
Austria, while Cyprus and Luxembourg were most specialised in
beverages manufacturing.
Manufacturing subsectors are very diverse, combining activities with
low apparent labour productivity, average personnel costs and rates
of investment, such as the manufacture of textiles, leather products,
wearing apparel and furniture, with those with considerably higher
values for the same indicators, such as the processing of coke and
petroleum. There is also great diversity between the manufacturing
sectors of the EU Member States: the wage adjusted labour
Food products
Electrical equipment
Computer,electronic&opticalprod.
Basic metals
Pharmaceuticals
Other manufacturing
Furniture
Beverages
Textiles
Wearing apparel
Tobacco products
Value added
Employment
(1) Chemicals and chemical products, machinery and equipment and motor vehicles and
(semi-)trailers, value added, not available; basic metals, persons employed, not available.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_ind_r2)
HU
FI
DE
CZ
SI
IE
SK
IT
PL
AT
BE
SE
LU
EU-27
RO
EE
PT
DK
BG
FR
ES
LT
NL
UK
LV
CY
HR
Value added
Employment
(1) Greece and Malta, not available; France, persons employed, not available; Croatia, excluding
mining and quarrying and repair of computers and personal and household goods;
Czech Republic, provisional.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_ind_r2)
Tobacco products
Pharmaceuticals
Beverages
Basic metals
Computer,electronic&opticalprod.
Electrical equipment
Manufacturing TOTAL
Food products
Textiles
Furniture
Wearing apparel
Other manufacturing
IE
LU
HU
RO
PL
BG
UK
LV
FI
NL
CZ
AT
PT
CY
SK
BE
ES
EE
SI
EU-27
DK
DE
LT
IT
SE
HR
(1) Greece, France and Malta, not available; Czech Republic, provisional.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_ind_r2)
Food products
Tobacco products
Manufacturing TOTAL
Pharmaceuticals
Electrical equipment
Textiles
Furniture
Other manufacturing
( ) Beverages, wearing apparel, chemicals and chemical products, basic metals, machinery and
1
Pharmaceuticals
Other manufacturing
Tobacco products
Furniture
Manufacturing TOTAL
Wearing apparel
Basic metals
Electrical equipment
Food products
Textiles
(1) Beverages, fabricated metal products and motor vehicles and (semi-)trailers, not available.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_ind_r2)
Beverages
Food products
Manufacturing TOTAL
Textiles
Pharmaceuticals
Furniture
Electrical equipment
Tobacco products
Other manufacturing
Wearing apparel
RO
BG
LV
SK
LT
PT
CZ
PL
SI
EE
CY
HU
ES
IT
BE
EU-27
DK
AT
SE
DE
NL
FI
LU
UK
IE
HR
value is confidential; includes estimates; the rounding base indicates the magnitude of the
rounding employed to protect confidential cell (in the case of PRODCOM code [Link],
the confidential value lies within the range +/- EUR 20 000 million of the reported value).
Source: Eurostat (online data code: DS_066341)
Electricity
Gas manufacture
& distribution
Value added
Employment
Waste&materials
recovery
Water supply
Sewerage
Remediation&other
waste management
Construction
Construction activity is particularly cyclical, influenced by
business and consumer confidence, interest rates and government
programmes. During the recent financial and economic crisis
activity in the construction sector declined greatly. In 2008 the
EU-27s construction sector had around 3.3 million enterprises
that together generated value added of EUR 604 400 million and
employed 15.0 million persons. This sector accounted for 15.6 % of
the enterprises in the non-financial business economy, compared
with 11.0 % of the workforce and 9.8 % of value added; the high
proportion of the number of enterprises reflects the importance of
SMEs in the construction sector.
The construction of buildings contributed around one third of
the sectors value added and employment in the EU-27 compared
with just over one tenth for civil engineering. The remainder of the
sector was made up of various specialised construction activities,
most notably installation activities and building completion
and finishing activities, such as electrical and plumbing work or
plastering and painting.
Cyprus was the most specialised Member State in construction
(in value added terms), relative to the EU-27 total, as this sector
accounted for 23.4 % of Cypriot non-financial business economy
value added in 2008, while in employment terms Luxembourg was
most specialised (17.8 % of its non-financial business economy
workforce worked in construction). Among the larger Member
States, Spain was relatively specialised in construction, particularly
building construction where it accounted for more than a quarter
of the EU-27s value added.
Construction of buildings
Construction installation
Civil engineering
Value added
Employment
Distributive trades
Most activities in this sector involve the purchase and resale of goods
in the same condition and as a consequence turnover is typically
high: distributive trades generated 36.6 % of non-financial business
economy turnover in the EU-27 in 2008, which can be contrasted
with an 18.7 % share of value added. The substantial difference in
these two output shares was reflected in the 5.1 % gross operating
rate, which was by far the lowest among the NACE sections in the
non-financial business economy. Distributive trades is characterised
by high levels of part-time employment, and this sectors workforce
of 32.8 million persons, equivalent to almost a quarter (24.1 %) of
the EU-27 non-financial business economy workforce, was only
slightly smaller than that for manufacturing.
Among the 6.1 million enterprises classified to distributive trades
are a small number of large national and international groups and a
very high number of SMEs often providing proximity services.
The distributive trades sector can be subdivided in many ways: the
analysis presented here identifies six subsectors (see Figure 3.14),
one covering motor trades, two in wholesale trade (distinguishing
agents working on commission from own account wholesalers that
buy and resell) and three in retail trade (separating automotive
Ownaccountwholesaletrade
Other(specialised)retailtrade
Non-specialisedretailing
Motortrades
Commissionwholesaletrade
Automotivefuelretailing
Value added
Employment
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_dt_r2)
Ownaccountwholesaletrade
DistributivetradesTOTAL
Motor trades
Non-specialised retailing
RO
BG
SK
PL
LV
UK
SI
NL
DE
LU
HU
PT
EE
LT
CZ
CY
FI
IE
EU-27
AT
NO
DK
BE
ES
SE
IT
HR
(1) Greece, France and Malta, not available; Czech Republic and Romania, provisional.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_dt_r2)
Motor trades
Ownaccountwholesaletrade
Non-specialised retailing
Non-specialised retailing
Motor trades
Ownaccountwholesaletrade
Water transport
Air transport
Value added
Employment
Water transport
Air transport
Passengerrailtransport,interurban
Transportation&storage TOTAL
LV
BG
RO
LT
DE
EE
PT
UK
PL
NL
AT
CY
BE
CZ
EU-27
SI
DK
ES
LU
SK
FI
IE
HU
IT
NO
HR
(1) Greece, France, Malta and Sweden, not available; Czech Republic and Romania, provisional.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)
Water transport
Transportation&storage TOTAL
Passengerrailtransport,interurban
Air transport
Water transport
Passengerrailtransport,interurban
Transportation&storage TOTAL
Air transport
Beverage serving
Holiday&shortstay accommodation
Other accommodation
Value added
Employment
(1) Camping and recreational parks, value added, not available.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)
Telecommunications
Computer activities
Publishing activities
Information services
Audiovisualprod.&musicpublishing
Value added
Employment
Telecommunications
Info.&communicationTOTAL
Computer activities
Information services
Audiovisualprod.&musicpublishing
BG
SK
LU
RO
IE
PL
LV
PT
LT
CZ
CY
ES
EE
IT
DE
UK
EU-27
HU
SI
NL
BE
FI
DK
AT
HR
NO
(1) Greece, France, Malta and Sweden, not available; Czech Republic and Romania, provisional.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)
Telecommunications
Info.&communicationTOTAL
Computer activities
Information services
Audiovisualprod.&musicpublishing
Telecommunications
Audiovisualprod.&musicpublishing
Info.&communicationTOTAL
Information services
Computer activities
Publishing activities
Figure 3.30: Sectoral analysis, real estate activities, EU-27, 2008 (1)
(% share of real estate services total)
0 10 20 30 40 50 60 70 80
Rentingofrealestate
Commissionrealestateactivities
Value added
Employment
(1) Buying and selling own real estate, value added, not available.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)
Headoffices&managementcons.
Otherprof.,scientific&[Link].
Scientificresearch&development
Veterinary activities
Value added
Employment
Headoffices&managementcons.
Prof.,scientific&[Link]
Scientificresearch&development
Otherprof.,scientific&[Link].
Veterinary activities
RO
BG
LV
PT
SK
CY
LT
PL
DE
UK
LU
EE
IE
SI
CZ
AT
EU-27
NL
IT
FI
ES
DK
BE
HU
HR
(1) Greece, France, Malta and Sweden, not available; Czech Republic and Romania, provisional.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)
Veterinary activities
Otherprof.,scientific&[Link].
Prof.,scientific&[Link]
Headoffices&managementcons.
Scientificresearch&development
Scientificresearch&development
Headoffices&managementcons.
Otherprof.,scientific&[Link].
Prof.,scientific&[Link]
Employment activities
Officeadmin.&supportactiv.
[Link]&landscapeactiv.
Travelagency&touroperatorserv.
Value added
Employment
Travelagency&touroperatorserv.
Officeadmin.&supportactiv.
Admin.&[Link]
Employment activities
[Link]&landscapeactiv.
(1) Total for administrative & support services, apparent labour productivity, not available.
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)
SK
BG
LV
RO
DE
AT
CY
PL
UK
NL
LT
CZ
IE
EU-27
PT
EE
BE
FI
HU
ES
IT
SI
DK
HR
NO
Admin.&[Link]
Officeadmin.&supportactiv.
[Link]&landscapeactiv.
Employment activities
Travelagency&touroperatorserv.
Admin.&[Link]
Officeadmin.&supportactiv.
Travelagency&touroperatorserv.
[Link]&landscapeactiv.
Employment activities
Numberofenterprises
Turnover
Value added
Persons employed
Repair of computers
Repair of personal & h'hold goods
Source: Eurostat (online data code: sbs_na_1a_se_r2)
Data sources
The vast majority of the data used in this pocketbook come from
SBS, comprised of main annual data by country providing a
detailed activity analysis, as well as regional data, data analysed by
enterprise size class, and data collections related to specific topics,
such as business demography.
The legal basis for the collection of structural business statistics
(recast) is Regulation 295/2008 of the European Parliament and of
the Council. Annex 9 of the Regulation concerns the collections of
data for business demography
The information presented in the special feature on SMEs is
also largely taken from SBS. Eurostat collects data in relation to
enterprise size classes generally based on employment thresholds
(although for distributive trades, information is also collected
according to the size of turnover). These statistics for SMEs (with
less than 250 persons employed) are often aggregated into three
headings, namely:
micro-enterprises: less than 10 persons employed;
small enterprises: 10 to 49 persons employed;
medium-sized enterprises: 50 to 249 persons employed.
In addition, Eurostat also publishes data in relation to large
enterprises, defined as those with 250 or more persons employed.
A number of other Eurostat sources are used to complement SBS
in the remainder of the publication, namely short-term statistics
(STS) and Prodcom.
All sources are detailed under each table or figure with specific
data tables being documented through the use of an online data
code. This code can be used as a search criterion on the Eurostat
website in order to access directly the freshest data available.
The data presented were extracted from a wide variety of Eurostat
databases in April 2011 and the text that accompanies the tables
and figures was drafted the same month. Most data sources are
continuously updated and revised. The freshest data are available
free-of-charge in Eurostats database.
EU-27 data
Unless otherwise stated, data for the EU-27 are the sum/average of
the 27 Member States as appropriate or include estimates to cover
missing data. All EU-27 data from SBS are estimates, excluding
Malta. Equally all EU-27 indices from short-term business
statistics are estimates.
Country abbreviations
Other abbreviations
architect. architecture
activ. activities
CPA statistical classification of products by activity
in the European Economic Community
cm cubic centimetres
cons consultancy
electr. electronic
engineer. engineering
EU European Union
GDP gross domestic product
hhold household
lab. labour
NACE statistical classification of economic activities in the
European Community
No. number
NUTS classification of territorial units for statistics
prod. products/production
prof. professional
Prodcom from the French term PRODuction
COMmunautaire; covers statistics on the production
of industrial goods
Rev. revision
SBA Small Business Act
SBS structural business statistics
serv. services
SME small and medium-sized enterprise
STS short-term statistics
tech. technical
VAT value added tax
Units and measures
EUR euro
kg kilogramme
l litre
p/st pieces
: not available
% per cent
ISBN 978-92-79-20422-7
ISSN 1830-9720
doi:10.2785/15193
Cat. No KS-ET-11-001-EN-C
How to obtain EU publications
Free publications:
t via EU Bookshop ([Link]
t at the European Union's representations or delegations.
You can obtain their contact details on the Internet (http://
[Link]) or by sending a fax to +352 2929-42758.
Priced publications:
t via EU Bookshop ([Link]
Priced subscriptions (e.g. annual series of the Official Journal
of the European Union and reports of cases before the Court
of Justice of the European Union):
[Link]
europeanbusiness
ISBN 978-92-79-20422-7
9 7 8 9 2 7 9 2 0 4 2 2 7
Daten sind KOSTENLOS auf der
Elektronische Versionen von Publikationen statistischer Begriffe. Alle Artikel sind in englischer Sprache, eine Taschenbuch Schlsseldaten ber Europa, Allgemeine und Regionalstatistiken
KS-32-12-273-DE-C
Eurostat-Website erhltlich: Kompaktfhrer
Reihe von Artikeln auch in anderen Amtssprachen der EU vorhan- Migrants in Europe A statistical portrait of the first and second Regionen und Stdte; Landnutzung/Bodenbedeckung (LUCAS);
[Link]/eurostat sind kostenlos (PDF-Dateien) den. Da Statistics Explained hnlich wie Wikipedia verwendet generation (Migranten in Europa Ein statistisches Portrt der lndliche Entwicklung; Kandidatenlnder und potenzielle Kandi-
Um mehr Informationen zu erhalten, ffnen Sie einen Webbrowser, ge- werden kann, ist das System einfach zu benutzen und darin zu navi- ersten und der zweiten Generation; nur in Englisch), datenlnder; Lnder der Europischen Nachbarschaftspolitik; in-
hen Sie auf die Eurostat-Website [Link] und wh- gieren. Statistics Explained ist eine reiche Informationsquelle fr ternationale statistische Zusammenarbeit
alle von Eurostat abgedeckten statistischen Themen. Es ist Active ageing and solidarity between generations (Aktives Al-
len Sie die Registerkarte Verffentlichungen aus der oberen Menleiste. tern und Solidaritt zwischen den Generationen; nur in Englisch), Wirtschaft und Finanzen
bereitzustellen, die Schwierigkeiten bei der Suche nach bentigten Alternativ knnen Sie Publikationen auch nach statistischen Themen eine Enzyklopdie der Statistiken ber die Europische Union, Taschenbuch Energy, transport and environment indicators
statistischen Daten haben. Die Hilfe kann ber die Registerkarte Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen (einschlielich BIP);
suchen: Verwenden Sie hierzu die weiteren Optionen der Website- ein Portal zu weiteren Informationen sowohl fr gelegentliche als (Energie, Verkehr und Umwelt Indikatoren, nur in Englisch). ESA 95 Input-Output-Tabellen; europische Sektorkonten; staat-
Benutzeruntersttzung auf der Eurostat-Website erreicht werden: Suche oder die Registerkarte (auch in der oberen Menleiste) Statisti- auch fr regelmige Nutzer, Weitere Informationen ber die neuesten Schlsselpublikationen kn- liche Finanzstatistiken, Wechselkurse, Zinsstze, Whrungs-und
[Link] ken und whlen Sie ein Sie interessierendes Thema aus dem Hauptfens- Finanzstatistik, harmonisierte Verbraucherpreisindizes (HVPI);
ein statistisches Glossar. nen unter der folgenden URL gefunden werden: [Link]
ter; alle Themen verfgen ber eigene Seiten auf der Eurostat-Website Kaufkraftparitten (KKP); Zahlungsbilanz
Medien und institutionelle Untersttzung [Link]/portal/page/portal/release_calendars/publications
und haben mehrheitlich auch einen Link zu relevanten Publikationen Statistics Explained macht ausgiebig Gebrauch von Hyperlinks
Die Eurostat-Pressestelle verffentlicht Pressemitteilungen zu einer im Men auf der linken Seite. und einer automatischen Indexierung, um einen nahtlosen Zugang Bevlkerung und soziale Bedingungen
Reihe wichtiger Daten der EU, des Euroraums, der Mitgliedstaaten zu Informationen auf den verschiedenen Ebenen zu bieten. Es ent- Bevlkerung; Gesundheit (ffentliche Gesundheitswesen/Gesund-
und deren Partnern. Sie sind kostenlos erhltlich auf der Website Druckexemplare der wichtigsten Verffentlichungen (nicht alle werden ge- hlt statistische Daten und Erklrungen und bietet auch Links zu heit und Sicherheit am Arbeitsplatz); Bildung und Ausbildung; Ar-
von Eurostat und werden um jeweils 11.00 Uhr herausgegeben. druckt) sind ber den EU-Bookshop bestellbar ([Link]). den neuesten Zahlen und relevante Hintergrundinformationen, beitsmarkt (einschlielich Arbeitskrfteerhebungen); Einkommen;
Sollten Sie wnschen, die Pressemitteilungen (am Tag der Verf- Eurostat-Publikationen sind in Reihen eingeteilt: die ntzlich sind, um die vorhandenen Statistiken zu verstehen. soziale Eingliederung und Lebensbedingungen; soziale Sicherheit;
fentlichung) oder den wchentlichen Verffentlichungskalender Haushaltsbudgeterhebungen; Kriminalitt und Strafjustiz; Kultur
Pressemitteilungen bieten schnelle Informationen ber die Herausga-
per E-Mail zu erhalten, wenden Sie sich bitte per Mail an eurostat-
pressoffice@[Link] oder per Telefon an +352 4301-33444. be wichtiger neuer Daten ber die EU und den Euroraum. RSS-Feeds Industrie, Handel und Dienstleistungen
([Link] knnen Strukturelle Unternehmensstatistik; kurzfristige Unternehmenssta-
Etwa 200 Pressemitteilungen wurden 2011 verffentlicht. Das verwendet werden, um den Erhalt aktueller Informationen zu gewhr- tistik; Tourismus; Industriegterproduktion (Prodcom); Informati-
Media-Support-Center hilft zudem professionellen Journalisten,
leisten. Ein Verffentlichungskalender ist verfgbar unter: [Link] onsgesellschaft; Postdienste
Daten zu finden (eurostat-mediasupport@[Link]).
[Link]/portal/page/portal/release_calendars/news_releases
Der institutionelle Support bietet Untersttzung fr das Personal der Landwirtschaft und Fischerei
Statistische Bcher umfangreiche Studien welche Analysen, Tabellen
EU-Institutionen (Europische Kommission, Europisches Parlament,
Europarat usw.), EU-Agenturen und internationale Organisationen und Grafiken aus einem oder mehreren statistischen Themen enthalten. Landwirtschaft; Forstwirtschaft; Fischerei; Nahrungsmittel: vom Er-
zeuger bis zum Verbraucher; Agrarumweltindikatoren
Einfacher und kostenloser
(UN, OECD usw.) (eurostat-institutional-support@[Link]). Pocketbooks handliche Verffentlichungen im Taschenbuchformat,
die die wichtigsten Indikatoren fr ein bestimmtes Thema in kompak- Der internationale Handel Zugang zu den europischen
ter Form vorstellen.
Statistik kurz gefasst relativ kurze Publikationen, die Zusam-
Abdeckung aller Waren und Partnerlnder Statistiken
menfassungen der wichtigsten Ergebnisse von statistischen Erhe- Transport Ein Leitfaden zu Eurostats Website,
bungen, Studien und Analysen prsentieren; verffentlicht fr alle Straen-, Bahn-, Luft- und Seetransport; Binnenschifffahrt; l-Pipelines Daten und Verffentlichungen
statistischen Themen mit 4 bis 12 Seiten je Ausgabe; circa 70 Ausga- Wichtige Verffentlichungen
ben werden jedes Jahr verffentlicht. Eurostat verffentlicht eine umfassende Auswahl an Statistiken ber Umwelt und Energie [Link]/eurostat
Methodologies and working papers wenden sich an Nutzer, welche Europa, die Bereiche umfassen wie: allgemeine und regionale Statisti- Statistik nach Themen Umwelt; Energie
Methoden, Nomenklaturen oder bestimmte Details im Zusammen- ken; Wirtschaft und Finanzen; Bevlkerung und soziale Bedingungen; Informationen im Internet werden tglich aktualisiert. Die Daten
hang mit der Datenerhebung oder Verarbeitung der Daten bentigen. Industrie, Handel und Dienstleistungen; Landwirtschaft und Fischerei; Wissenschaft und Technologie
werden in neun Themen und eine Reihe Indikatoren zur EU-Politik
internationaler Handel; Verkehr Umwelt und Energie; Wissenschaft unterteilt (diese sind normalerweise themenbergreifend). Um auf Wissenschaft; Technologie und Innovation
und Technik. Unter den wichtigsten Verffentlichungen findet der Be-
Statistics Explained nutzer statistische Bcher oder Taschenbcher, wie zum Beispiel:
Daten nach Themen zuzugreifen, klicken Sie auf die Statistik-Re-
gisterkarte in der oberen Menleiste. Die meisten statistischen The-
Statistics Explained ([Link] men haben mehrere Abschnitte zu bestimmten Gebieten.
Europa in Zahlen EurostatJahrbuch (deutsche Fassung ab Weitere Informationen: [Link]
lained) ist ein neues elektronisches Publikationssystem, das eine groe
2011 jedoch nur in Statistics Explained),
Anzahl von Themen der europischen Statistik behandelt. Es basiert
Eurostat Jahrbuch der Regionen, Indikatoren der EU-Politik ISBN 978-92-79-25395-9
auf MediaWiki, der Software, welche fr Wikipedia verwendet wird, doi:10.2785/33155
und liefert eine groe Anzahl von strukturierten Artikeln mit statisti- The EU in the world A statistical portrait (Die EU in der Welt Europa 2020; Euro-Indikatoren/WEWI; nachhaltige Entwicklung; Europische Union, 2012
schen Kommentaren, Analysen und Schlsseldaten sowie ein Glossar Ein statistisches Portrt; nur in Englisch), Verfahren bei einem makro-konomischen Ungleichgewicht Titelfoto: Phovoir
Ihr freier Zugang zu europischen Hinter vielen Elementen im Daten-Navigationsbaum finden Sie ein Sym- Europa-2020-Indikatoren prsentieren Daten, die zur berwachung Erweiterte Funktionen stehen Benutzern zur Verfgung, die sich auf Optionen ermglichen, die Variablen zu verndern und zu einer
bol ( ), das einen Link zu einem methodischen Dokument mit beglei- der Fortschritte in Bezug auf die Strategie Europa 2020 fr Beschf- der Website registrieren zum Beispiel Benachrichtigungen bei neuen tabellarischen Ansicht zu wechseln.
Statistiken die Eurostat-Website tenden Informationen ber die Methoden der Datenerhebung, Datenver- tigung und intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum ge- Publikationen.
Eurostat bietet freien Zugang zu seinen Daten, welche alle auf der arbeitung, Klassifikationen und Definitionen bietet. Zudem sind nutzt werden knnen. Diese Strategie basiert auf den fnf EU-Kern-
Website ([Link] verfgbar sind. Es verffent- Metadaten zur Datenabdeckung, die Publikationsfrequenz, Qualitt, Re- zielen, d. h. Beschftigung, Innovation, Bildung, soziale Integration Internationale Handelsdaten
licht harmonisierte Statistiken ber die Europische Union (EU), levanz, Genauigkeit und Zuverlssigkeit, Kohrenz und Revisionspolitik und Klima/Energie, die derzeit mittels acht Leitindikatoren gemessen Stark aggregierte Daten ber den internationalen Handel knnen ber
ihre Mitgliedstaaten und die Beitrittslnder sowie ber einige andere enthalten. werden. die Standard-Datensatz-Anwendungen (TGK und Daten-Explorer) von
Lnder der Welt. Eurostat bietet eine vergleichbare, verlssliche und Eurostat eingesehen und extrahiert werden. Eurostat erhebt auch detail-
Indikatoren fr nachhaltige Entwicklung berwachen die Fort-
objektive Darstellung der wirtschaftlichen, sozialen, kologischen liertere Informationen ber den Auenhandel der EU und den Han-
und technologischen Trends. Es sammelt Daten von nationalen
Tabellen, Grafiken und Karten schritte in Bezug auf die Verbesserung der Lebensqualitt und des
del zwischen den Mitgliedstaaten, der mehr als 10 000 Produkte und
statistischen Behrden nach EU-weiten Methoden innerhalb des Wohlbefindens fr heutige und knftige Generationen durch den
Die Tabellen, Grafiken und Karten-Anwendung (TGK) zeigt vordefi- mehr als 250 Partnerlnder umfasst und auf monatlicher Basis erstellt
Europischen Statistischen Systems. Die Daten sind daher wirklich effizienten Einsatz von Ressourcen sowie durch die Erschlieung
nierte statistische Daten fr alle EU-Mitgliedstaaten, Beitrittskandidaten wird. Diese detaillierten Daten knnen mithilfe einer spezifischen An-
vergleichbar. EU-Daten knnen nach verschiedenen EU-Gesamt- des kologischen und sozialen Innovationspotenzials der Wirtschaft
und einige andere Lnder fr die letzten 12 Jahre oder andere verfgbare wendung (Comext)
werten, einzelnen Lndern oder nach Regionen analysiert werden. erzielten Wohlstand, Umweltschutz und sozialen Zusammenhalt:
Zeitrume. Sie sind insoweit vordefiniert, als der Nutzer die Dimensio- fr internationalen
Die meisten Eurostat-Daten knnen fr jeden Zweck frei verwendet soziokonomische Entwicklung, nachhaltiger Konsum und Produk-
nen der angezeigten Daten nicht ndern kann. Die TGK kann aus dem Handel und Pro-
werden, einschlielich einer kommerziellen Verwendung. tion, soziale Eingliederung, demografischer Wandel, ffentliche Ge-
Daten-Navigationsbaum aufgerufen werden, der in zwei Hauptbereiche duktionsstatistik ex-
sundheit, Klimawandel und Energie, Transport, natrliche Ressour-
Es existieren zwei Mglichkeiten, auf die Eurostat-Daten zuzu- aufgeteilt ist: Tabellen nach Themen und Tabellen zur EU-Politik. trahiert werden.
cen, globale Partnerschaft und gute Regierungsfhrung.
greifen: Lnderprofile fr Mobilgerte
Suche nach vordefinierten Tabellen mit Daten fr ausgewhlte Indika- Die Tabellen bezglich der EU-Politik bieten Zugriff auf die Daten
TGK, die in einem Webbrowser ausgefhrt wird, ist eine in sich geschlos- Diese Anwendung ermglicht den Vergleich zwischen zwei Ln-
toren aus den neun statistischen Themen und EU-PolitikIndikatoren, nach wichtigen EU-Politiken und zeigen typischerweise einen Quer- dern oder EU-Gesamtwerten anhand von Schlsselindikatoren.
schnitt ber aktuelle Themen: sene Oberflche zum Anzeigen, Drucken und Herunterladen von Da-
Nutzung eines komplexeren Werkzeugs (Eurostat-Daten-Explorer) Sie zeigt die neuesten Daten in einer bersichtstabelle fr die
ten. Die Anwendung ermglicht es Benutzern, den Stil der Grafiken und Daten-Explorer verschiedenen statistischen Themen. Innerhalb der Tabelle sind
zum Extrahieren von benutzerdefinierten Daten. Verfahren bei einem makrokonomischen Ungleichgewicht (VMU) Karten zu definieren und diese mithilfe von Lesezeichen zu speichern.
haben den Schwerpunkt auf der Identifizierung neu auftretender oder Die Daten knnen auch mit dem Daten-Explorer abgerufen und Hyperlinks zur TGK-Anwendung fr jeden der Indikatoren zur
Um mehr zu entdecken, ffnen Sie einen Webbrowser und gehen Sie
anhaltender makrokonomischer Ungleichgewichte in einem frhen Tabellen: Anzeigen von Daten; erlaubt dem Benutzer das Ein- heruntergeladen werden. Die meisten Datenstze auf der Eurostat- Verfgung gestellt, so dass der Anwender auf ein breiteres Spek-
auf die Eurostat-Homepage ([Link] (Registerkarte trum an Informationen, wie komplette Lnderinformation oder
Home). Um auf Daten zuzugreifen, klicken Sie auf den Link zur Statistik- Stadium. Das VMU wird durch ein Scoreboard, bestehend aus einer oder Ausblenden von Funoten/Markierungen, Etiketten und Website umfassen verschiedene statistische Indikatoren, eine geo-
Codes; bietet verschiedene Optionen fr das Speichern von Daten grafische Dimension (Lnder, Regionen oder Stdte), eine Zeitdi- lngere Zeitreihen, zugreifen kann. Innerhalb der Lnderprofil-
Datenbank, der sich links oben auf der Startseite befindet. Dies wird Ih- kleinen Anzahl von relevanten, praktischen, einfachen, messbaren und
mension (Jahr, Quartal, Monat usw.) und Maeinheiten (z.B. Euro, Anwendung wird die Auswahl der Lnder und der statistischen
nen einen Daten-Navigationsbaum fr den Zugriff auf die Datenstze verfgbaren makrokonomischen und finanziellen Indikatoren beglei- (MS Excel, HTML, XML oder TSV); ermglicht das Drucken der
Themen vom Benutzer eingestellt.
oder ausgewhlten Tabellen, Grafiken und Karten nach Themen anzei- tet. Das Scoreboard, kombiniert mit einer entsprechenden wirtschaftli- Informationen. %, physikalische Einheiten) sowie eine Reihe von Markierungen
chen Analyse, bildet die Grundlage fr den Warnmechanismus-Bericht, (z. B. Identifizierung von Schtzungen oder Prognosen). Es kann Andere Benutzeranwendungen Die mobile Anwendung der Lnderprofile bietet eine hnliche
gen. Darber hinaus ist der Zugang zu dem Daten-Navigationsbaum ber
Grafiken: bieten eine Vielzahl von anderen Dimensionen, abhngig vom spezifi- Funktionalitt wie die zuvor erwhnte Web-Anwendung. Sie ist
das Datenbank-Symbol oben rechts auf jeder Seite der Website verfgbar. der jhrlich von der Europischen Kommission ausgearbeitet wird.
eine Reihe von Es gibt zwei weitere datenbezogene Anwendungen direkt auf der derzeit fr iPads, iPhones und Android-Gerte verfgbar (suche
Die Indikatoren beinhalten interne und externe Ungleichgewichte. Zu den schen Datensatz (z.B. Aufgliederung nach Geschlecht, Alter oder
Es ist auch mglich, auf Daten fr ein bestimmtes statistisches Thema Diagrammtypen; Eurostat-Website. nach Eurostat im Apple App Store oder im Google Play Store).
internen Ungleichgewichten gehren jene, die aus der ffentlichen und Art der wirtschaftlichen Ttigkeit/Sektor), vorhanden sein.
zuzugreifen: Klicken Sie dazu auf die Registerkarte Statistik in der Daten knnen Neben einer Tabelle bietet sie auch Grafiken sowie Karten. Die
privaten Verschuldung entstehen knnen; Finanz- und Vermgensmarkt- Der Daten-Explorer ist ein Werkzeug, mit dem Benutzer eine Aus- Inflation Dashboard Update-Funktion ermglicht das Herunterladen der neuesten
oberen Menleiste und whlen Sie dann das Sie interessierende Thema. auf der Basis der
entwicklungen, einschlielich Wohnraum; die Entwicklung der Finanzie- wahl aus allen Dimensionen eines Datensatzes treffen knnen. Es Daten. Weitere Produkte fr mobile Gerte werden im Zeitraum
Jedes dieser Themen hat ei- rung des privaten Sektors und die Entwicklung der Arbeitslosigkeit. Die zugr undelieg- Das Inflation Dashboard liefert die aktuellen Zahlen des Harmonisier- 2012-2013 bereitgestellt werden.
enden Hauptta- ermglicht dem Benutzer, benutzerdefinierte Abfragen zu erstellen
nen eigenen Abschnitt auf auenwirtschaftlichen Ungleichgewichte schlieen diejenigen ein, die sich und dann die Ergebnisse als Kreuztabellen zu strukturieren, die auf ten Verbraucherpreisindex (HVPI) fr die Europische Union sowie
der Website von Eurostat aus der Entwicklung der Leistungsbilanz und Netto-Investitionspositionen belle ausgewhlt die Lnder des Euroraums.
und meistens auch Links der Mitgliedstaaten, der realen effektiven Wechselkurse, der Anteile an den werden; erlauben zwei, drei oder vier Dimensionen basieren knnen. Benutzeruntersttzung
Dieses interaktive Tool hilft bei der Analyse der Inflationsentwicklung.
zu relevanten Tabellen und weltweiten Exporten und den nominalen Lohnstckkosten ergeben die Anpassung Der Daten-Explorer erlaubt es, benutzerdefinierte Abfragen als Inter-
von Achsenska- net-Lesezeichen zu speichern, die gesetzt werden knnen, um entwe-
Vier Fenster stellen verschiedene Aspekte der Entwicklung der Infla- Untersttzung fr alle Internetnutzer
Datenstzen. Darber hin- knnen. tion dar:
aus bietet die Anwendung lierungen und der statische oder dynamische Tabellen darzustellen. Letzteres bietet Eurostat und die anderen Mitglieder des Europischen Statisti-
Statistics explained die Kurzfristige Indikatoren (Euro-Indikatoren) geben einen berblick Sortierung von Benutzern die Mglichkeit, eine Tabelle mit einer bestimmten Anzahl ein Diagramm, das die Gesamt-Inflationsrate im Laufe der Zeit zeigt; schen Systems haben ein Netzwerk von Benutzeruntersttzungs-
Mglichkeit, eine groe Pa- ber die jngsten wirtschaftlichen Entwicklungen innerhalb des Werten. von Zeitrumen zu erstellen und dann die Tabelle unter Beibehaltung eine Karte mit der aktuellen Inflationsrate per Land; zentren aufgebaut. Diese bestehen in fast allen Amtssprachen
lette von statistischen Arti- Euroraums der EU und den Mitgliedstaaten. Die Indikatoren be- der Struktur zu aktualisieren, wenn neue Informationen verfgbar sind. der EU sowie den Sprachen der EWR-/EFTA-Lnder und der
inhalten Zahlungsbilanzen, Unternehmens- und Verbraucherum- Karten: Auswahl an Kartenstilen; benutzerdefinierte Klassen fr die ein Sulendiagramm, das die Aufteilung des gesamten Index (der ak-
keln zu suchen, einschlie- Kandidatenlnder. Um eine bestmgliche Untersttzung bei An-
fragen, den internationalen Handel, Industrie, Handel und Dienst- Kartenschattierung/-layout; Einbeziehung geografischer Besonder- Der Daten-Explorer bietet auch Werkzeuge fr Extraktionen diese tuellen Inflationsrate) nach Produktkategorien zeigt; fragen zu gewhrleisten, sollten diese mglichst immer an das
lich Links zu Daten (siehe
leistungen, den Arbeitsmarkt, monetre und finanzielle Indikatoren, heiten wie Flsse; Navigations-Tools, um auf ein bestimmtes Land knnen in hnlichen Formaten wie die von der Tabellen, Grafiken ein Diagramm, das die Inflationsrate fr eine ausgewhlte Kategorie zustndige Untersttzungszentrum der gewnschten Sprache ge-
Statistics explained).
volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen und die Verbraucherpreise. oder eine Region zu fokussieren. und Karten-Anwendung (TGK) produzierten gespeichert werden. im Laufe der Zeit zeigt. richtet werden, dessen Aufgabe es ist, kostenlose Hilfe fr Benutzer
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung
Nummer 7
Smart City:
Begriff, Charakteristika und Beispiele
Wien 2011
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung
In Vorbereitung des ersten Nachhaltigkeitsberichts der Wiener Stadtwerke und als
Informationsgrundlage fr das Nachhaltigkeitsmanagement wurden 2007 und 2008 mehrere
Hintergrundpapiere zu ausgewhlten Aspekten der Nachhaltigkeit erstellt. Diese Texte waren
aber zumeist zu ausfhrlich und zum Teil auch zu speziell, um sie vollstndig im
Nachhaltigkeitsbericht abzudrucken. Man ging aber davon aus, dass insbesondere
WissenschaftlerInnen und StudentInnen, aber auch JournalistInnen und interessierte
BrgerInnen diese Informationen gerne nutzen wrden. Daher hat die Konzern-
Nachhaltigkeitsbeauftragte der Wiener Stadtwerke beschlossen, diese Texte in einer Reihe
als Materialen der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung zu verffentlichen.
Mit den Materialien zu Erneuerbaren Energien in Stdten sowie zu Energieeffizienz von
Stdten wird diese Reihe fortgesetzt.
Bislang liegen folgende Materialen der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung vor:
Nr. 1 Klimaschutz: Einfhrung, politische Meilensteine und die Ansatzpunkte der Wiener
Stadtwerke (2008)
Nr. 2 Daseinsvorsorge: Politisches Konzept und Leistungen der Wiener Stadtwerke (2008)
Nr. 3 Politische Vorgaben: Globaler Rahmen, kommunale Ziele und Programme der Politik
zur Nachhaltigkeit (2008)
Nr. 4 Energieeffizienz: Begriffe, Berechnung und Bezug zum Klimaschutz (2008)
Nr. 5 Erneuerbare Energien in Stdten: Potenziale, Technologien und Beispiele (2010)
Nr. 6 Energieeffizienz von Stdten: Szenarien fr eine sichere und klimavertrgliche
Energieversorgung von Grostdten (2011)
Nr. 7 Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele
Die Materialen werden bis auf weiteres nur als PDF-Publikation verffentlicht. Download
unter [Link]
Impressum
Wien, 2011
Inhalt
0 Zusammenfassung ....................................................................................................... 5
1 Veranlassung ................................................................................................................ 7
2 Begriff Smart City ......................................................................................................... 8
2.1 Entwicklung und Bedeutung von Smart City ............................................................ 8
2.2 Verwandte Begriffe .................................................................................................11
2.3 Zwischenfazit zum Begriff Smart City......................................................................13
3 Gegenstand von Smart Cities .....................................................................................13
3.1 Verstndnis von Smart City im European Smart Cities Ranking .............................13
3.2 Kriterien fr Smart Cities nach dem Klima- und Energiefonds sterreich ...............15
3.3 Kriterien von Arthur D. Little ....................................................................................15
3.4 Handlungsfelder fr die Stadt der Zukunft ...............................................................16
3.5 Zwischenfazit: Handlungsfelder fr Smart Cities und Definitionsvorschlag .............17
4 Smart City Beispiele ausgewhlter Stdte.................................................................20
4.1 Auswahl der Smart City Beispiele ...........................................................................20
4.2 Amsterdam .............................................................................................................22
4.3 Helsinki ...................................................................................................................28
4.4 Luxemburg .............................................................................................................32
4.5 Kopenhagen ...........................................................................................................35
4.6 Gesamtschau der betrachteten Stdte....................................................................37
5 Anbieter von Smart City Lsungen ............................................................................38
5.1 Marktstudie von Greenbang ....................................................................................38
5.2 Ausgewhlte Anbieter und ihre Leistungen .............................................................40
6 Ausgewhlte Studien zu Smart City ...........................................................................41
6.1 Urban Future (BMVIT) ............................................................................................41
6.2 SmartCitiesNet (IR, AIT / BMVIT, FFG) ................................................................43
6.3 Smart Cities 2015 (trend:research) .........................................................................44
6.4 CityMobil .................................................................................................................45
6.5 Weitere Studien zu Smart City Themenfeldern .......................................................45
7 Fazit ..............................................................................................................................46
Anhang ................................................................................................................................47
7.2 Anhang I - Projekte und Netzwerke zu Smart Cities................................................47
7.3 Anhang II Indikatoren fr das EU-Smart Cities Ranking .......................................52
7.4 Anhang III Barcelona Smart City Award ...............................................................54
Quellenverzeichnis.............................................................................................................55
Abbildungen
Abbildung 1: Smart City Handlungsfelder ............................................................................................. 16
Abbildung 2: Website Amsterdam Smart City ....................................................................................... 22
Abbildung 3: Stromerzeugung aus nachhaltigen Energien in Amsterdam 2007 ................................... 23
Abbildung 4: Funktionsweise Lake Water Cooling ................................................................................ 25
Abbildung 5: Ergebnisse des Smart City Rankings fr Luxemburg ...................................................... 33
Abbildung 6: Modal Split in Kopenhagen .............................................................................................. 36
Abbildung 7: Greenbang Smart Matrix Smart Cities......................................................................... 39
Abbildung 8: Ausgewhlte Anbieter von Smart City Services ............................................................... 40
Abbildung 9: Themenfelder fr die Stadt der Zukunft ........................................................................... 41
Abbildung 10: Integrative Anstze fr die Stadt der Zukunft ................................................................. 42
Abbildung 11: Umsetzungsbereiche von Smart Cities mit Einordnung der SET Plan Aktivitten ...... 43
Abbildung 12: Roadmap der European Smart Cities Initiative .............................................................. 48
Abbildung 13: Mitglieder des Sustainable Cities Network ..................................................................... 49
Abbildung 14: Best Practice Beispiele fr erneuerbare Energien der C40 Cities ................................. 50
Abbildung 15: Indikatoren fr das EU Smart City Ranking ................................................................... 52
Tabellen
Tabelle 1: Verwandte Begriffe zu Smart City ........................................................................................ 12
Tabelle 2: Charakteristika und Faktoren des Smart City Rankings....................................................... 14
Tabelle 3: Vergleich ausgewhlter Smart City Anstze ........................................................................ 17
Tabelle 4: Themen, die von den betrachteten Stdten Smart City zugeordnet werden ....................... 38
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele
0 Zusammenfassung
Die Idee einer Smart City Wien ist seit Anfang 2010 ein Thema in Wien1. Seither gibt es dazu
eine Reihe an Aktivitten und Projekten in der Stadt und auch in den Wiener Stadtwerken.
Brgermeister Hupl hat 2011 eine anspruchsvolle Zielsetzung vorgegeben2:
"Wir wollen uns von Anfang bemhen, bei Smart Cities eine fhrende
Rolle in Europa zu spielen.
Dabei sieht der Brgermeister deutliche Vorteile fr die regionale Entwicklungsstrategie
Wiens. Um Klarheit zu schaffen, worum es bei Smart City konkret geht, welche Beispiele es
bereits gibt und welche Chancen Wien hat, hier tatschlich eine fhrende Rolle
einzunehmen, ist Gegenstand dieser Studie, die im Zeitraum Mai bis September 2011 erstellt
wurde.
Was ist eine Smart City?
Hierfr gibt es bislang noch keine allgemein anerkannte Definition. Der Begriff Smart City
wurde bereits Ende der 1990er Jahre geprgt. Damals ging es um die Bedeutung von
Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) fr eine moderne Infrastruktur und
neue Formen von Governance in Stdten. Heute stehen bei Smart City insbesondere auch
Energie und Mobilitt in Verbindung mit der Nutzung moderner IKT fr Klimaschutz (low
carbon) und Lebensqualitt im Mittelpunkt. Denn Stdte spielen bei der Bewltigung der
Herausforderungen des Klimawandels und der demografischen Entwicklung eine zentrale
Rolle. Neben Smart City gibt es thematisch hnliche Begriffe wie zum Beispiel Sustainable
City, Green City oder Klimaneutrale Stdte. Im Vergleich zu diesen Bezeichnungen betont
Smart City die Nutzung von IKT und neuen Technologien als Lsungsansatz. Zudem ist
Smart City thematisch umfassender, weil nicht nur auf Energie und Umwelt fokussiert wird,
sondern beispielsweise auch auf Mobilitt, Governance und Lebensqualitt. Auch spielt bei
Smart City die Vernetzung und Integration der verschiedenen Bereiche eine wichtige Rolle.
Gegenstand von Smart Cities
Folgende Bereiche werden meist als Gegenstand von Smart Cities benannt:
Mobilitt
Energie
Umwelt
Wirtschaft
Governance3
Mensch und Lebensqualitt
1 Siehe z.B. die Podiumsdiskussion am 06.05.2010 "Smart City Wien wie sieht die stdtische
Energieversorgung im Jahr 2030 aus?" [Link]
2 Statement von Brgermeister Hupl am 20.9.2011 im Rahmen des dritten Stakeholderforums des
Projekts Smart City Wien.
3 Es gibt verschiedene Interpretationen dieses Begriffs; gemeint ist hier Regierungsfhrung.
-5-
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7
1 Veranlassung
Der Begriff Smart City wird in der politischen Diskussion wie in der Fachffentlichkeit
zunehmend hufiger verwendet, wohl nicht zuletzt, weil die EU den technologischen
Fortschritt und zugleich den Klimaschutz in Stdten frdern mchte. Im Englischen bedeutet
der Begriff smart so viel wie clever, intelligent, schlau, klug, elegant, gerissen, schnell, pfiffig,
geschickt, gewieft, schick.5 In den letzten Jahren wurde mit dem Begriff smart in Kombination
mit Technologien eine moderne, IT-basierte Neugestaltung von Technologien und Gerten
bezeichnet, siehe smart phone, smart meter, smart grid.
4 Siehe Funote 2.
5 [Link]
6fDie Initiative baut auf den bestehenden EU-weiten und nationalen Programmen CIVITAS,
CONCERTO und Intelligent Energy Europe auf und sttzte sich auf andere Industrie-Initiativen im
Rahmen SET-Plan (EU 2011), siehe hierzu auch SETIS Strategic energy technologies information
system ([Link]
-7-
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7
Dementsprechend gibt es nun auch Stdte wie etwa Amsterdam oder Helsinki, die eine
Smart City werden wollen ebenso Wien.
Smart City Wien
Mit Blick auf diese Entwicklung und diesen Anspruch haben die Wiener Stadtwerke im
Kontext des Projektes e-Mobility on Demand und der dort vorgesehenen Smart Card der
Begriff Smart City Wien fr ihre Kerngeschftsbereiche Energie, Mobilitt,
Infrastrukturdienstleistungen konkretisiert:
Die Wiener Stadtwerke tragen mit Smart Energy, Smart Mobility und Smart
Infrastructure als eine Smart Company zur Smart City Wien bei.
So haben sich die Wiener Stadtwerke auch bei der [Link]-Ausschreibung Smart Energy
Demo Fit4SET beim Projekt Smart City Wien als Konsortial-Partner beteiligt. Die
Frderung dieses Projekts wurde im Sommer 2011
bewilligt.
Smart
Der Begriff Smart City wird nun zunehmend im Mobility
Sprachgebrauch der Wiener Stadtwerke wie in der
Wiener Fachffentlichkeit verwendet. Zugleich werden Smart City
-8-
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele
Der alleinige Bezug auf IKT ist jedoch nach Caragliu et. al. (2009) als Kennzeichen fr eine
Smart City nicht mehr ausreichend.
Although several different definitions of smart city have been given in the past, most of
them focus on the role of communication infrastructure. However, this bias reflects the
time period when the smart city label gained interest, viz. the early 1990s, when the ICTs
first reached a wide audience in European countries. Hence, in our opinion, the stress on
the internet as the smart city identifier no longer suffices. (Caragliu et. al. 2009)
Diese Schwerpunktverschiebung des Begriffes Smart City begrndet sich unseres Erachtens
mit der besonderen Bedeutung von Stdten im Kontext von Klimaschutz und
Ressourcenmanagement. Denn in Europa leben bereits heute 70 % der Menschen in
Stdten und weltweit sind Stdte fr 80% der globalen Treibhausgasemissionen
verantwortlich. Somit wird gerade in Stdten ein besonderes groes Potenzial gesehen,
Problemen wie Klimawandel, Ressourcenknappheit und demografischer Wandel mit
intelligenten Lsungen zu begegnen. Diese Lsungsanstze werden nun in zunehmenden
Mae mit dem Begriff Smart City verbunden.
Jenseits von IKT gibt es bislang jedoch noch keine eindeutige und allgemein anerkannte
Definition des Begriffes Smart City. Es gibt allerdings verschiedene Vorschlge, was unter
Smart City verstanden werden knnte bzw. welche Charakteristika fr eine Smart City
kennzeichnend sind.
Caragliu et al. (2009) arbeiten beispielsweise folgende Charakteristika heraus, die mit Smart
City in Verbindung gebracht werden:
(1) Die Verwendung einer Netzwerk-Infrastruktur, um die konomische und kulturelle
Effizienz zu erhhen und soziale, kulturelle und urbane Entwicklung zu ermglichen.
(2) Eine Orientierung an konomischer Wettbewerbsfhigkeit.
(3) Die Frderung von sozialer Inklusion (z.B. durch Smart Cards).
(4) Die Betonung der Rolle von High-Tech- und Kreativ-Industrie fr das langfristige
Wachstum.
(5) Die Bercksichtigung von sozialen Ungleichheiten.
(6) Soziale und kologische Nachhaltigkeit als eine wichtige strategische Komponente.
Schlielich schlagen sie vor, dass eine Stadt dann als smart bezeichnet werden kann,
wenn die Investitionen in das Humankapital, das soziale Kapital und in traditionelle
(Transport) sowie moderne (IUK) Infrastrukturen ein nachhaltiges konomisches Wachstum
und eine hohe Lebensqualitt befrdern. Dies soll in einer Smart City mit einem vernnftigen
Umgang mit natrlichen Ressourcen und einer partizipativen Governance einhergehen.
(Caragliu et. al. 2009)
-9-
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7
Eine Studie zu der European Smart Cities Initiative, die im Rahmen des SET-Plans initiiert
wurde, benennt drei Eckpunkte, die fr Smart Cities kennzeichnend sind:
friendliness towards the environment;
use of information and communication technologies as tools of (smart) management
and
ultimate goal of sustainable development. (Think 2011)
Die European Smart Cities Initiative fokussiert stark auf die Energiesysteme von Stdten:
In this case, a Smart City is implicitly defined as a city that improves the quality of life
and local economy, through moving towards a low carbon future. Investments in energy
efficiency and local renewable energy, with consequent radical reductions of primary
fossil forms of energy and of CO2 emissions, are seen as tools that help achieving
sustainability and quality of life in a city.
A prospective Smart City is therefore considered as a pioneer city that undertakes
innovative measures, also at the energy demand side level (involving energy networks,
buildings and transport) to strongly reduce the use of fossil fuels and CO2 emissions by
reaching targets stated for 2020 and beyond and boost its economy through the use of
energy under a sustainable approach. (Think 2011)
Letztlich wird hier smart mit den Begriffen low carbon und sustainable gleichgesetzt
(Think 2011).
In den Arbeiten des sterreichischen Forschungsprojektes SmartCitiesNet, das vom BMVIT
und FFG beauftragt wurde, findet sich folgender Definitionsansatz:
[] das bergeordnete Ziel einer Smart City [kann] ganz allgemein als eine
zukunftsfhige stdtische postfossile Gesellschaft definiert werden. Das smarte an
Umsetzungsmanahmen fr die zukunftsfhige stdtische postfossile Gesellschaft ist
hier nicht ausschlielich durch intelligente (IKT-)vernetzte Infrastrukturen definiert,
sondern soll auch einen Mehrwert durch Bercksichtigung von Schnittstellen und
Integration im System Stadt ausdrcken. Smart beschreibt daher folgende Aspekte:
Strategische Vernetzung: Systemintegration und Abstimmung zwischen
Themenbereichen
Deutlich hhere Effizienzsteigerungen bzw. Reduktion des Energieverbrauchs
(insbesondere fossiler Energie) als bei nicht vernetzten Anstzen
Geringstmglicher Ressourceneinsatz fr grtmglichen (gesamtgesellschaftlichen)
Nutzen (SmartCitiesNet 2011).7
- 10 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele
- 11 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7
- 12 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele
- 13 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7
Im Bereich Smart Economy beispielsweise gibt es den Faktor Innovative Spirit, der anhand
folgender Indikatoren bewertet wird:
R&D expenditure in % of GDP,
Employment rate in knowledge-intensive sectors,
Patent applications per inhabitant. (Giffinger et. al. 2007)
Eine vollstndige Liste der verwendeten Indikatoren findet sich im Anhang.
- 14 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele
3.2 Kriterien fr Smart Cities nach dem Klima- und Energiefonds sterreich
Der Klima- und Energiefonds sterreich ([Link]) will mit dem Frderprogramm Smart
Energy Demo Fit4Set die Entwicklung von Smart City Leuchtturmprojekten frdern.
Zudem sollen Unternehmen und Forschungseinrichtungen zur erfolgreichen Teilnahme am
SET-Plan8 der Europischen Union befhigt werden. Die Programmstrategie des [Link] sieht
zwei Stufen vor. In der ersten Stufe soll die Entwicklung von Roadmaps fr einzelne Stdte
gefrdert und in der zweiten Stufe sollen die in den Roadmaps entwickelten Manahmen in
Form von Demonstrationsprojekten umgesetzt werden.
Folgende Kriterien werden fr die Beurteilung einer Smart City vom Klima- und Energie-
fonds benannt:
Treibhausgasbilanz (z.B. -20 % bis 2020, -80 % bis 2050),
Einsatz neuester Technologien mit hoher Ressourcen- und Energieeffizienz,
intelligente und systemorientierte Lsungen zur Optimierung der Energiesysteme,
Modal Split,
soziale und organisatorische Innovation,
frhzeitige Einbeziehung von InvestorInnen,
deutlicher Beitrag zur Nachhaltigkeit. ([Link] 2011)
8 Strategieplan fr Energietechnologien
- 15 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7
- 16 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele
10 In der bmvit-Studie Urban Futures wird der Begriff Smart City nicht explizit verwendet. Es handelt
jedoch auch um einen Smart City Ansatz im weiteren Sinne.
- 17 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7
Der Vergleich zeigt, dass der Vorschlag von Arthur D. Little wohl die wesentlichen Bereiche
von Smart City abdeckt, insbesondere aus der Perspektive der Wiener Stadtwerke. Aus
Sicht der Stadt wre wohl noch Smart People also das Humankapital und Smart
Environment in Betracht zu ziehen. Smart Environment ist deshalb von Bedeutung, weil
hiermit beispielsweise auch Abfall- und Wasserkreislufe in Betracht gezogen werden, die
ebenfalls durch intelligente Technologien optimiert werden knnen. Bezglich Smart
People11 kann man die Auffassung vertreten, das diese Dimension teilweise als Ergebnis
der Lebensqualitt und der City Services angesehen werden kann.
Smart Governance ist ebenfalls aus Sicht der Stadt von Interesse. So setzt die Stadt auf
Open Government und Open Government Data: Open Government Data bezeichnet die
Idee, dass von der Verwaltung gesammelte ffentliche Daten frei zugnglich gemacht
werden. Diese Daten sollen der Bevlkerung in maschinen-lesbarer Form zur Verfgung
gestellt werden, so dass die Daten auch automatisiert verarbeitet werden knnen. Offene
Standards bei den Schnittstellen und der Software ermglichen mehr Transparenz,
Partizipation und Kollaboration. Neben den technischen Schnittstellen muss seitens der
Verwaltung ein rechtlicher Rahmen geschaffen werden.12
11fIm Smart City Ranking der europischen Union werden bei Smart People Faktoren wie
Qualifikation, Flexibilitt und soziale und ethnische Pluralitt bewertet.
12 [Link]
- 18 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele
- 19 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7
- 20 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele
Aus diesen Stdten wurden folgende Stdte fr Best Practice Beispiele ausgewhlt:
Amsterdam, weil es ein explizites Smart City Projekt gibt.
Helsinki, weil die Stadt in der Arthur D. Little Untersuchung als Smart City
Wettbewerber genannt wird.
Luxemburg, weil es den 1. Platz im Smart City Ranking der EU fr kleine und mittlere
Stdte erreicht hat.
Kopenhagen, weil die Stadt sich zum Ziel gesetzt hat, die erste klimaneutrale Stadt
Europas zu werden, und Kopenhagen bei der EU-Initiative als Vorreiter genannt
wird.
Die Best-Practice Beispiele der Stdte werden fr folgende Kategorien dargestellt:
Energie,
Mobilitt und
Informations- und Kommunikationstechnologien.
Zwar bezieht sich der Begriff Smart City auf weitere Handlungsfelder (z.B. Smart
Governance, Smart Economy). Diese Abgrenzung hat sich jedoch in der Wahrnehmung und
in der Praxis noch nicht so stark durchgesetzt, weshalb eine weniger differenzierte Aufteilung
sinnvoll erscheint.
Im Bereich Energie gibt es in vielen Stdten Manahmen z.B. zu Energieeffizienz oder
Smart Grid. Diese Manahmen werden, auch in den dargestellten Beispielen, oft noch nicht
unter dem Begriff Smart City zusammengefasst. Nur in Amsterdam werden unter dem Begriff
Smart City vor allem Projekte im Bereich Energie dargestellt.
Im Hinblick auf Mobilitt gibt es bei den dargestellten Beispielen kaum Projekte, die unter
dem Stichwort Smart City laufen. Grundstzlich verfolgen jedoch alle genannten Stdte auch
Strategien zu zukunftsfhiger Mobilitt.
Am hufigsten werden bei den dargestellten Stdten die Projekte im IKT-Bereich mit dem
Begriff Smart City in Verbindung gebracht. Hier kann es auch berschneidungen zu den
anderen Bereichen geben, denn IKT lassen sich auch fr Anwendungen im Bereich Energie
und Mobilitt nutzen und stellen somit allgemein das verbindende Element der
Handlungsfelder von Smart City dar.
- 21 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7
4.2 Amsterdam
Eckdaten
4.2.2 Energie
Ausgangssituation
Der Primrenergieverbrauch (Haushalt, Gewerbe und Verkehr) in Amsterdam belief sich im
Jahr 2007 auf rund 73 PJ.
lteren Schtzungen zufolge knnte der Energieverbrauch in Amsterdam bis zum Jahr 2025
auf rund 84 PJ/Jahr ansteigen. Die damit verbundenen CO2-Emissionen wrden sich damit
von 4.941 auf 6.350 Kilotonnen CO2 pro Jahr erhhen. Das Ziel der Stadt Amsterdam ist ein
Aussto von 2.500 Kilotonnen im Jahr 2025, was einer Reduzierung von 3.850 Kilotonnen
entspricht.
Im Jahr 2007 lag der Anteil erneuerbarer Energien an der gesamten Energieversorgung in
Amsterdam bei rund 5,8%.
- 23 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7
Den grten Anteil davon macht Biomasse aus, dann folgt Windenergie (Bei den Angaben
ist unklar, ob es sich bei der Position Fernwrme (Warmtelevering) um Fernwrme aus
Biomasse handelt).
In Amsterdam ist besonders das Potenzial fr Windenergie sehr hoch, da im Kstenbereich
sehr hohe Windgeschwindigkeiten herrschen. So knnte die installierte Leistung bei
Windenergie laut einer Studie in 2025 auf 175 bis 265 MW gesteigert werden (von 72 MW in
2003). Auch fr Photovoltaik gibt es groe Potenziale in Amsterdam. Insgesamt knnte der
Anteil an erneuerbaren Energien in Amsterdam im Jahr 2020 17,8 % betragen (de Buck et.
al 2008).
Projekte im Rahmen von Amsterdam Smart City
Zuidas Solar
Bei diesem Projekt sollen auf den Dchern von Gebuden im
Geschftsbezirk Zuidas 3.000 Solarpanels mit einer Kapazitt
von insgesamt 0,5 MW installiert werden. Ziel des Projektes ist
zu zeigen, dass PV-Anlagen auch in groem Mastab mglich
und sinnvoll sind. Dafr sollen die Unternehmen,
MitarbeiterInnen und BrgerInnen des Bezirks einbezogen
werden.
Ein weiteres Ziel dieses Testprojektes ist zu ermitteln, welche
Anstze gut und welche weniger gut funktionieren.
ffentliche Gebude
Die Stadtverwaltung hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2015
energieneutral zu sein, und sieht dafr eine Reihe an Manahmen vor. Unter anderem wird
ein Online-Portal zur Messung des Energieverbrauchs in stdtischen Gebuden entwickelt.
In dem Projekt Smart Schools knnen zehn Grundschulen die Ergebnisse ihrer
Energieeffizienzbemhungen in einem Online-Portal vergleichen.
- 24 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele
4.2.3 Mobilitt
Amsterdam ist als Fahrradmetropole bekannt. Eine Untersuchung von Motorcylce Insurance
besttigt, dass Amsterdam die fahrradfreundlichste Grostadt der Welt ist. Der Anteil der
FahrradfahrerInnen am Modal Split ist dementsprechend mit 38 % (2008) sehr hoch (zum
Vergleich: Wien 5 % (2010), Berlin 13 % (2008)). Dementsprechend gut ist die Infrastruktur
fr FahrradfahrerInnen in Amsterdam auch ausgebaut.
Im Rahmen von Amsterdam Smart City gibt es derzeit zwei kleinere Projekte, die sich mit
Elektromobilitt befassen. Umfassendere Projekte integrierter Mobilitt konnten bei der
Initiative Smart City Amsterdam nicht identifiziert werden. Die Stadt verfolgt jedoch neben
dem Smart City Projekt eine Strategie zu Elektromobilitt (siehe Kasten).
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Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7
Moet je Watt
Moet je Watt ist ein Batteriesystem fr Elektroautos, das mit einem Smart Meter
kommuniziert, um beispielsweise eine berladung zu verhindern. In diesem Projekt wird das
Batteriesystem mit den verschiedenen marktblichen Smart Meter Gerten getestet, um die
optimale Integration der Batterie und des Smart Meter zu erreichen.
Ship-to-Grid
In dem Projekt geht es um die Stromversorgung von Schiffen, wenn sie im Hafen liegen. Ziel
ist es, dass Schiffe ihre Energie anstatt ber Dieselgeneratoren von sogenannten Shore
Power Stations beziehen, die mit erneuerbaren Energien gespeist werden. Insgesamt sollen
73 Ladestationen mit 154 Anschlssen errichtet werden. Die Bezahlung erfolgt mit einem
telefonischen System, das der Skipper durch einen Anruf und die Eingabe eines
persnlichen Codes aktivieren kann. Durch dieses Projekt sollen sowohl die Lrm- als auch
die Luftschadstoff- und CO2-Emissionen im Hafenbereich reduziert werden.
- 26 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele
- 27 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7
4.3 Helsinki
EinwohnerInnen: 588.695
Flche: 715,55 km (davon Landflche):
214 km;
Binnengewsserflche:
1,2 km;
Meeresflche: 500 km
Bevlkerungsdichte: 2.755,3 Ew./km
Pro-Kopf-Emissionen: 7,0 t CO2/a (2005)
Klimaschutz-Ziel: 39% Reduktion der Pro-Kopf
CO2-Emissionen (Metropolregion)
bis 2030 (Basisjahr 1990)
4.3.2 Energie
Ausgangssituation
Helsinki hat eines der am weitesten entwickelten Fernwrmenetze in Westeuropa. So
werden ber 90 Prozent der Gebude der Stadt Helsinki mit Fernwrme des stdtischen
Energieversorgers Helsingin Energia versorgt, dabei kommt 72 % der erzeugten Fernwrme
aus Kraft-Wrme-Kopplungsanlagen. Seit 2001 wird auch Fernklte mit diesem System
erzeugt. Interessant ist die Lsung zur Abdeckung der Spitzenlasten. Hier dient eine
Wrmepumpenanlage, die Wrme im geklrten Abwasser fr die Wrmeversorgung nutzt,
als Spitzenlastheizwerk.
The five large heat pumps of the Katri Vala heating and cooling plant can produce
90xMW of district heat and 60 MW of district cooling in a single process. The main energy
source is the thermal energy of purified waste water of Helsinki residents. Heat is
produced with the Katri Vala heat pumps when peak-load heat production is required in
addition to combined heat and power plants. Waste water heat reduces the use of fossil
fuels. (Helsingin Energia 2011)
Durch diese und weitere Manahmen sollen die CO2-Emissionen in Helsinki bis 2030 um
mehr als ein Drittel verringert werden (Basisjahr: 1990).
- 28 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele
4.3.3 Mobilitt
Im Rahmen von Forum Virium einem Cluster aus verschiedenen Unternehmen, das die
Entwicklung und Verbreitung von digitalen Technologien in Helsinki frdern soll wurden
unterschiedliche Projekte zu Smart City Themen durchgefhrt. Die so vorangetriebenen
Projekte werden unter dem Stichwort Smart City kommuniziert.
Intelligentes Verkehrsmanagementsystem
Von 2006 bis 2007 wurde ein Projekt durchgefhrt, bei dem verkehrsrelevante Informationen
beispielsweise zu Baustellen, Verkehrsstrungen und Parkpltzen auf Displays angezeigt
werden und die Informationen auf dem Handy angezeigt werden knnen.
13 [Link] (16.06.2011)
14 [Link]
- 29 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7
Weiterhin wird im Rahmen des Sustainable Community Programmes von Januar 2010 bis
Dezember 2011 das Projekt SIMBe (Smart Infrastructures for Electric Mobility in Built
Environments) durchgefhrt, das die Verbreitung von Elektromobilitt in Finnland
beschleunigen soll. In diesem Projekt wird unter anderem der Einbezug der Elektromobil-
Flotte in das Smart Grid erprobt.
Based on the smart energy production and distribution scenario, in which electric and hybrid
vehicles batteries will deliver energy on demand to the grid, SIMBe aims to prepare key
Finnish industrial players and consumers for the transition to this new energy-transportation
paradigm.
In the frame of the Tekes Sustainable Community programme, SIMBe aims to complement
the building- and real estate based concepts of sustainability (e.g. smart houses) with a
concrete deployment plan for electric mobility. Participants will overcome the momentary
chicken-egg problem of market entry as SIMBe concepts will enable them to develop
concrete services for (and together with) mobile citizens as end users (SIMBe 2011).
15 [Link]
16 NFC steht fr Near-field-communication
17fUbiquitous Computing bezeichnet die Allgegenwrtigkeit rechnergesttzter
Informationsverarbeitung.
- 30 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele
Ein Projekt von Ubiquitious Helsinki ist [Link], bei dem ortsgebundene und Service-Daten
aus dem Groraum Helsinki gesammelt werden, die es beispielsweise ermglichen,
Straenbahnen in Echtzeit zu folgen, Treffpunkte mit Freunden einzurichten oder individuelle
Empfehlungen fr Dienstleistungen zu erhalten.
Weitere Informationen zu diesen und weiteren Smart City Projekten finden sich unter:
[Link]
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Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7
4.4 Luxemburg
EinwohnerInnen: 91.857
Flche: 51,73 km
Bevlkerungsdichte: 1775 Ew/km
Pro-Kopf-Emissionen: k.A.
Klimaschutz-Ziel: k.A.
4.4.1 Energie
In Luxemburg wurden keine Projekte im Themenbereich Energie identifiziert, die unter dem
Stichwort Smart City kommuniziert werden.
Der Environmental Action Plan der Stadt Luxemburg sieht vor, dass fr alle neu errichteten
Gebude der Stadt ein Niedrigenergie- bzw. Passivhausstandard angewendet wird. Zudem
konnte der Stromverbrauch der Stadt in 2010 erstmals um 10% gesenkt werden. Mit
Biomasse, Solarkollektoren einer Biogasanlage und verschiedenen Photovoltaikanlagen
produziert Luxemburg derzeit 10% seiner Strom- und Wrmeversorgung aus erneuerbaren
Energien (EU, 2009).18
Finally, reducing heating requirements are among the objectives of the environmental action
plan. All buildings of the City of Luxembourg are being built or are being renovated according
to the standard low energy or passive house concerts. The total consumption of electricity
has also been reduced for the first time in 2010, with all electricity consumed being labelled
as green electricity. With wood-fired boilers, solar collectors, a biogas plant, various
photovoltaic and micro hydro equipment and technology, Luxembourg City itself produces
renewable energy equivalent to about 10% of its needs for heating and electricity. (EU,
2009)
18 [Link]
- 32 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele
- 33 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7
4.4.2 Mobilitt
In Luxemburg finden sich keine Projekte im
Themenbereich Mobilitt, die unter dem Stichwort Smart
City kommuniziert werden.
Der Environmental Action Plan der Stadt Luxemburg
enthlt auch Manahmen zu Mobilitt. Dazu gehren die
Modernisierung der Busflotte, Projekte zur Erhhung des
Anteils nicht-motorisierter Mobilitt, wie ein 140 km
umfassendes Fahrradnetz, ein Netzwerk von
Fahrradleihstationen sowie die Ausweitung von 30km/h-
Zonen in Wohngebieten. Zudem sind ein Light-Tram-
System (Oberleitungsbusse), ein Carsharing-System
sowie ein autofreier Stadtteil geplant (EU, 2009).
19 [Link]
- 34 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele
4.5 Kopenhagen
EinwohnerInnen: 528.208
2
Flche: 88,25 km
Bevlkerungsdichte: 5.985
2
EinwohnerInnen/km
Pro-Kopf-Emissionen: 5,3 t CO2/a (2005)
Klimaschutz-Ziel: Klimaneutral bis 2025
Kopenhagen gilt als eine der Grostdte, die groe Anstrengungen und innovative Projekte
im Bereich Energie- und Klimaschutz vorzuweisen haben. So erreichte Kopenhagen
beispielsweise im European Green City Index (Siemens 2009) den 1. Platz. Kopenhagens
Vision fr eine Smart City ist die Integration der Aktivitten in den verschiedenen Sektoren
Mobilitt, Gebude und Energie mit dem Ziel to create the sustainable and smart city, not
just develop one technological solution in one sector (Billehj 2010). Die Stadt versteht sich
als ein Grnes Labor, in dem die verschiedenen Smart City Lsungen getestet werden
knnen, um sie auch in anderen Stdten anzuwenden.
4.5.1 Mobilitt
Kopenhagen ist ebenso wie Amsterdam eine Fahrradmetropole und hat mit 0,5 Millionen
Fahrrdern in der Stadt eine stark ausgeprgt Fahrradkultur. Der Anteil der
FahrradfahrerInnen und FugngerInnen am Modal Split betrgt insgesamt 59%, whrend
der Anteil des motorisierten Individualverkehrs 21% betrgt (Abbildung 6).
Die Stadt sieht darin einen wichtigen Beitrag auf dem Weg zu einer Smart City (Billehj
2010) und will den Anteil der FahrradfahrerInnen am Modal Split weiter erhhen.
Projekte zum Thema Mobilitt, die unter dem Stichwort Smart City kommuniziert werden,
konnten nicht identifiziert werden.
- 35 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7
4.5.2 Energie
Kopenhagen hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2025 klimaneutral zu sein, und hat
dafr den Copenhagen Climate Plan verffentlicht (City of Copenhagen o.J.).
Kopenhagen hat eines der grten und modernsten Fernwrmesysteme der Welt. 98 % aller
Haushalte sind an das Fernwrmenetz angeschlossen. Kopenhagen beteiligt sich an einem
groen Offshore-Windprojekt vor der Kste. Die Wind Farm Middelgrunden besteht aus 20
Windkraftanlagen mit einer Leistung von 2 MW. Middelgrunden ist mit 8.600 BesitzerInnen
eine der grten Windenergie-Kooperativen berhaupt. Das Grundkapital stammt zu 50%
vom kommunalen Energieversorger Kopenhagen Energy und zu 50% von kleinen
GesellschafterInnen. Um derartige Projekte zu frdern, bietet die dnische Regierung
Steuererleichterung an, wenn sich BrgerInnen an Windenergieprojekten in ihren
Kommunen beteiligen.20
Das Fernwrmesystem von Kopenhagen wird von der Stadt als wichtiger Beitrag zu einer
Smart City gesehen (Billehj 2011).
Nordhavn Ein neuer Bezirk soll zur Smart City werden
Im Bezirk Nordhavn in Kopenhagen soll unter dem Namen Nordholmene Urban Delta ein
Stadtteil entstehen, in dem nachhaltige und innovative Wohn- und
Energieversorgungsstrukturen aufgebaut werden.
20f[Link]
- 36 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele
The ambition for the Nordhavn development is that of making a carbon-negative city
district. (Copenhagen X 2011).21 Das Projekt ist eines der grten nachhaltigen
Stadtentwicklungsprojekte in Skandinavien, weshalb die Bauzeitcirca 30 bis 40 Jahre
betragen wird. Insgesamt sollen Gebude fr 40.000 AnwohnerInnen und ebenso viele
Arbeitspltze entstehen.
Durch eine dichte Stadtstruktur mit optimalem Zugang zu ffentlichem Nahverkehr und
Einkaufsmglichkeiten sollen Wege mglichst kurz gehalten werden.
Das Konzept einer dichten Stadt (density) bildet eine wichtige Grundlage fr das
Stadtentwicklungsprojekt. Das Energiekonzept soll so gestaltet werden, dass der Stadtteil
mehr Energie produziert, als er bentigt. Fr die Strom- und Wrmeversorgung sollen
erneuerbare Energietrger wie Windkraft, Geothermie und Biomasse aus Seealgen genutzt
werden. Alle Huser in dem Stadtteil werden Niedrigenergiehuser sein, in denen
beispielsweise fr die Toilettensplung Brauchwasser genutzt wird.
Das Projekt in Nordhaven soll dazu beitragen, das Ziel der Klimaneutralitt bis 2025 in
Kopenhagen zu erreichen.
- 37 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7
Tabelle 4: Themen, die von den betrachteten Stdten Smart City zugeordnet werden
- 38 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele
Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass viele der Smart City Lsungen, die in den
nchsten fnf bis zehn Jahren verkauft werden, davon abhngen werden, inwieweit es den
Unternehmen jetzt gelingt, eine entsprechende Marktkommunikation fr die angebotenen
Smart City Lsungen zu entwickeln (Greenbang 2010).
- 39 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7
Arthur D. Little Beratung Arthur D. Little bietet Beratung und Studien etc. zur
Umsetzung und zu Technologien von Smart City
an.
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Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele
In der Studie werden der Stand der Forschung in den jeweiligen Themenfeldern und
Projektbeispiele fr bereits realisierte Projekte dargestellt.
- 41 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7
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Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele
Abbildung 11: Umsetzungsbereiche von Smart Cities mit Einordnung der SET Plan
Aktivitten
- 43 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7
In einem ersten Workshop des Projektes wurden die Themen Gebude, Mobilitt,
Stadtplanung, Ressourcen und Gesellschaft und deren Schnittstelle mit dem Thema Energie
diskutiert. Es wurden Wechselwirkungen, Hemmnisse, Widerstnde in der Zusammenarbeit
und nicht zuletzt Lsungsvorschlge besprochen.
Die Ergebnisse des Workshops sowie aktuelle Informationen zum Stand finden sich unter:
[Link]
- 44 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele
6.4 CityMobil
Das Projekt CityMobil ist ein Forschungs-, Entwicklungs-
und Demonstrationsprojekt, das sich mit der Integration
automatisierter Verkehrssysteme in die stdtische
Umgebung befasst. Beteiligt an dem Projekt ist unter
anderem der Forschungsbereich Verkehrsplanung und
Verkehrstechnik der TU Wien, dem auch Prof. Dr. Michael
Schopf angehrt, der Mitglied des Nachhaltigkeitsbeirates
der Wiener Stadtwerke ist.
Ziel des Projektes ist eine effektivere Organisation von stdtischen Verkehrssystemen zur
Erhhung der stdtischen Lebensqualitt.
We must recognise the need for both high speed scheduled mass transport as well as
individualised on-demand short distance transport. This is why we have to test and evaluate
new solutions based on advanced city vehicles. At the end of the project, we will have a
better understanding of the capabilities of new technologies and what the expected gains can
be (CityMobil 2011)
- 45 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7
7 Fazit
- 46 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele
Anhang
EUROCITIES
Based on the EU's three key challenges, EUROCITIES' policy priorities are:
Climate
Recovery
Inclusion
([Link]
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Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7
The Initiative builds on existing EU and national policies and programmes, such as CIVITAS,
CONCERTO and Intelligent Energy Europe. It will draw upon the other SET-Plan Industrial
Initiatives, in particular the Solar and Electricity Grid, as well as on the EU public-private
partnership for Buildings and Green Cars established under the European Economic Plan for
Recovery. The local authorities involved in the Covenant of Mayors (more than 500 cities)
will be mobilised around this initiative to multiply its Impact. 23
Quelle: Setis
23 [Link]
- 48 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele
Quelle: [Link]
24 [Link]
- 49 -
Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7
Abbildung 14: Best Practice Beispiele fr erneuerbare Energien der C40 Cities
Quelle: [Link]
25 [Link]
- 50 -
Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele
26x[Link]
uage=DE&guiLanguage=en
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Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele
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Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7
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Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele
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Materialien der Wiener Stadtwerke zur nachhaltigen Entwicklung Nr. 7
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Smart City: Begriff, Charakteristika und Beispiele
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DIE
EUROPISCHE
UNION ERKLRT
So funktioniert
die Europische
Union
Ihr Wegweiser
zu den
EUInstitutionen
Europische Union
DIE EUROPISCHE
UNION ERKLRT
So funktioniert
die Europische
Union
Ihr Wegweiser
zu den
EUInstitutionen
2 S O F U N K T I O N I E R T D I E E U R O P I S C H E U N I O N
Inhalt
Die Europische Union stellt sich vor: Wie funktioniert sie, wer macht was? ...... 3
Das Europische Parlament: die Stimme der Brgerinnen und Brger ................... 9
Der Gerichtshof der Europischen Union: Wchter ber das EURecht ................ 24
Zweck dieser Verffentlichung abhngen, inwiefern es gelingt, zur rechten Zeit wirksame
Entscheidungen zu treffen und diese gut umzusetzen.
Diese Verffentlichung erlutert die Funktionsweise der
Europischen Union (EU): Wie werden Entscheidungen in
der EU getroffen und von wem? Im Zentrum dieses Die EUVertrge
Entscheidungsprozesses stehen das Europische
Parlament, der Rat und die Europische Kommission, von Die Europische Union beruht auf dem Grundsatz der
denen Sie vermutlich schon einmal gehrt haben; es gibt Rechtsstaatlichkeit. Jede Manahme der EU grndet daher
jedoch noch weitere EUInstitutionen. Im Folgenden lesen auf Vertrgen, die alle EULnder freiwillig und
Sie zunchst, wie EURechtsvorschriften entstehen. Danach demokratisch gebilligt haben. Die Vertrge werden
erhalten Sie einen genaueren Einblick in die einzelnen gemeinsam von allen EUMitgliedstaaten ausgehandelt
Organe, Einrichtungen und sonstigen Stellen der EU. und vereinbart und dann von den nationalen Parlamenten
oder per Referendum ratifiziert.
Die Europische Union in Krze Die Vertrge regeln die Ziele der Europischen Union, die
Aufgaben ihrer Institutionen, die Beschlussfassung sowie das
Den Mittelpunkt der EU bilden ihre 28Mitgliedstaaten und Verhltnis zwischen der EU und ihren Mitgliedstaaten. Bei
deren Brgerinnen und Brger. Das Alleinstellungsmerkmal jedem Beitritt eines neuen Mitgliedstaats werden die
der EU: Alle diese Staaten bleiben souvern und Vertrge angepasst. Gelegentlich geschah dies auerdem,
unabhngig, bndeln aber einige ihrer hoheitlichen um die EUInstitutionen zu reformieren und ihnen neue
Befugnisse, um dadurch mehr Einfluss zu erlangen und Zustndigkeiten zu bertragen.
effizienter handeln zu knnen. Diese teilweise bertragung
von Befugnissen an Institutionen, die die Mitgliedstaaten Der letzte nderungsvertrag, der LissabonVertrag, wurde
selbst geschaffen haben, bedeutet in der Praxis, dass am [Link] 2007 in Lissabon unterzeichnet und trat
Entscheidungen zu bestimmten Fragen von gemeinsamem am [Link] 2009 in Kraft. Frhere Vertrge, der
Interesse auf europischer Ebene demokratisch getroffen Vertrag ber die Europische Union und der Vertrag ber
werden knnen. Damit bewegt sich die EU zwischen dem
fderalen System der USA und dem lockeren
Kooperationsverbund von Regierungen in der UNO.
ImageGlobe
Wer trifft die Entscheidungen?
An der Beschlussfassung in der EU sind mehrere Das Handeln der Europischen Union beruht auf Vertrgen, die
EUInstitutionen beteiligt, insbesondere von allen Mitgliedstaaten gemeinsam vereinbart werden; nach
einer umfassenden berarbeitung wurde die derzeit gltige
XXdas Europische Parlament, das die europischen Fassung 2007 in Lissabon unterzeichnet.
Brgerinnen und Brger vertritt und direkt von ihnen
gewhlt wird;
Nachdem der franzsische Auenminister Robert XX Der Vertrag ber die Europische Union (Vertrag
Schuman im Jahr 1950 die gemeinsame Kontrolle der von Maastricht) wurde am [Link] 1992
europischen Montanindustrie vorgeschlagen hatte, unterzeichnet und trat 1993 in Kraft. Er schuf
fanden seine Ideen ein Jahr darauf im Vertrag von die Europische Union, rumte dem Parlament
Paris ihren Niederschlag der Vorlufer der EU, die mehr Mitentscheidungsrechte ein und fgte neue
Europische Gemeinschaft fr Kohle und Stahl, war Bereiche der Zusammenarbeit hinzu.
geboren. Seither hat die EU die Vertrge regelmig
aktualisiert und ergnzt, um ein wirksames politisches
XX Der Vertrag von Amsterdam wurde am
Handeln und Entscheiden zu ermglichen: 2.Oktober1997 unterzeichnet und trat 1999 in
Kraft. Mit ihm wurden frhere Vertrge gendert.
XX Der Vertrag von Paris ber die Grndung der
Europischen Gemeinschaft fr Kohle und Stahl
XX Der Vertrag von Nizza wurde am [Link]
(EGKS) wurde am [Link] 1951 unterzeichnet. 2001 unterzeichnet und trat 2003 in Kraft. Das
Er trat 1952 in Kraft und lief 2002 aus. institutionelle System der EU wurde gestrafft,
damit es auch nach der EUBeitrittswelle im
XX Die Rmischen Vertrge zur Grndung der Jahr 2004 weiterhin effektiv arbeiten konnte.
Europischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG)
und der Europischen Atomgemeinschaft
XX Der Vertrag von Lissabon wurde am
(Euratom) wurden am [Link] 1957 in Rom [Link] 2007 unterzeichnet und trat 2009
unterzeichnet und traten 1958 in Kraft. in Kraft. Er vereinfachte die Arbeitsweise und die
Abstimmungsregeln und schuf das Amt des
XX Die Einheitliche Europische Akte (EEA) wurde im Prsidenten des Europischen Rates sowie neue
Februar 1986 unterzeichnet und trat 1987 in Strukturen, um der EU mehr Gewicht auf der
Kraft. Mit ihr wurde der EWGVertrag gendert Weltbhne zu verschaffen.
und der Weg fr die Vollendung des
Binnenmarkts bereitet.
I hr W egweiser zu den E U - I ns t i t u t i o nen
5
XXderEuropische Rat, der sich aus den Staats- und vor, doch wie der einzelne Mitgliedstaat es erreichen
Regierungschefs der EUMitgliedstaaten mchte, entscheidet er selbst.
zusammensetzt;
XXEin Beschluss kann an Mitgliedstaaten, Gruppen oder
XXder Rat, der die Regierungen der EUMitgliedstaaten Einzelne gerichtet sein. Er ist in allen seinen Teilen
vertritt; verbindlich. Beschlsse ergehen zum Beispiel zu
beabsichtigten Unternehmensfusionen.
XXdie Europische Kommission, die die Interessen der
EU insgesamt wahrt. XXEmpfehlungen und Stellungnahmen haben keine
bindende Wirkung.
Der Europische Rat bestimmt den allgemeinen politischen
Kurs und die Prioritten der EUPolitik, hat jedoch keine
gesetzgeberischen Aufgaben. Im Allgemeinen macht die Wie werden EURechtsvorschriften
Europische Kommission Vorschlge fr neue verabschiedet?
Rechtsvorschriften, ber deren Annahme das Europische
Parlament und der Rat entscheiden. Fr die Durchfhrung Jede europische Rechtsvorschrift sttzt sich auf einen
sind dann die Mitgliedstaaten und wieder die Kommission bestimmten Vertragsartikel, und nach dieser
zustndig. Rechtsgrundlage richtet sich, welches Verfahren
anwendbar ist. Der Vertrag regelt den Ablauf des
Beschlussverfahrens: Vorschlag der Kommission, Lesungen
Welche Arten von EURechtsvorschriften von Parlament und Rat, Stellungnahmen der beratenden
gibt es? Einrichtungen. Er legt zudem fest, wann Einstimmigkeit
erforderlich ist und wann eine qualifizierte Mehrheit fr die
Es gibt mehrere verschiedene Vorschriftenarten, die sich Annahme im Rat gengt.
auch in der Anwendung unterscheiden:
Die allermeisten EURechtsvorschriften werden nach dem
XXEine Verordnung ist ein Gesetz, das in allen ordentlichen Gesetzgebungsverfahren
Mitgliedstaaten direkt anwendbar und bindend ist. angenommen. Bei diesem Verfahren teilen sich Parlament
Esmuss von den Mitgliedstaaten nicht in und Rat die Legislativbefugnis.
einzelstaatliches Recht umgesetzt werden; sehr wohl
sind aber eventuell nationale Vorschriften zu ndern, Das Verfahren beginnt bei der Kommission. Bevor diese
damit sie mit der Verordnung bereinstimmen. jedoch einen Vorschlag unterbreitet, bittet sie oft zunchst
Regierungen, Unternehmen, zivilgesellschaftliche
XXEine Richtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten oder eine Organisationen und Einzelpersonen um ihre Meinung zu dem
Gruppe von Mitgliedstaaten dazu, ein bestimmtes Thema. Deren Stellungnahmen flieen in den Vorschlag ein,
Ergebnis zu erzielen. In der Regel sind Richtlinien in den die Kommission dann dem Rat und dem Parlament
einzelstaatliches Recht umzusetzen, um wirksam zu vorlegt. Die Kommission unterbreitet ihre Vorschlge von sich
werden. Anders ausgedrckt: Eine Richtlinie gibt das Ziel
ORDENTLICHES GESETZGEBUNGSVERFAHREN
3. (falls vorgeschrieben) Stellungnahmen des Europischen Wirtschafts- und Sozialausschusses und/oder des
Ausschusses der Regionen
ERSTE LESUNG
4. Erste Lesung des Europischen Parlaments: Das Parlament legt seinen Standpunkt (mit nderungsvorschlgen) fest.
7. Der Rat billigt den Standpunkt des Parlaments. 8. Rat und Parlament sind sich nicht einig ber die
Der Rechtsakt ist erlassen. nderungsvorschlge. Der Rat legt seinen Standpunkt in
erster Lesung fest.
ZWEITE LESUNG
9. Zweite Lesung des Europischen Parlaments: Entweder billigt das Parlament den Standpunkt des Rates in erster
Lesung der Rechtsakt ist dann in frher zweiter Lesung erlassen oder es schlgt nderungen vor.
12. Der Rat billigt alle nderungsvorschlge des Parlaments am 13. Der Rat und das Parlament sind sich nicht einig ber
Standpunkt des Rates in erster Lesung. die Vorschlge des Parlaments zur nderung des
Der Rechtsakt ist erlassen. Standpunkts des Rates in erster Lesung.
VERMITTLUNGSVERFAHREN
16. Parlament und Rat stimmen dem Vorschlag des 17. Parlament und/oder Rat lehnen den Vorschlag des
Vermittlungsausschusses zu: Vermittlungsausschusses ab:
Der Rechtsakt ist erlassen. Der Rechtsakt ist nicht erlassen.
(*) Der Rat legt seinen Standpunkt mit qualifizierter Mehrheit fest (Einstimmigkeit ist im Vertrag nur in wenigen Ausnahmefllen vorgesehen). Mchte der Rat jedoch vom
Vorschlag oder der Stellungnahme der Kommission abweichen, so muss er seinen Standpunkt einstimmig festlegen.
I hr W egweiser zu den E U - I ns t i t u t i o nen
7
aus oder auf Ersuchen des Rates, des Europischen Rates, Darber hinaus knnen weitere Institutionen konsultiert
des Parlaments oder europischer Brgerinnen und Brger. werden, wenn sie inhaltlich oder fachlich von dem
Vorschlag betroffen sind. Beispielsweise wrde die
Rat und Parlament prfen und errtern den Vorschlag jeweils Europische Zentralbank erwarten, zu Vorschlgen
fr sich. Kommt in der zweiten Lesung keine Einigung zustande, konsultiert zu werden, die wirtschaftliche und finanzielle
wird der Vorschlag an einen Vermittlungsausschuss Fragen berhren.
weitergeleitet, in dem ebenso viele Vertreter des Rates wie
Vertreter des Parlaments sitzen. Auch Vertreter der Kommission
nehmen an den Ausschusssitzungen teil und tragen zu den Mitsprache der Brgerinnen und Brger
Beratungen bei. Hat der Ausschuss eine Einigung erzielt, wird Mithilfe einer europischen Brgerinitiative knnen
der vereinbarte Text dem Parlament und dem Rat zwecks EUBrgerinnen und -Brger (mindestens 1Million aus
endgltiger Verabschiedung in dritter Lesung vorgelegt. In den mindestens einem Viertel der EULnder) die
meisten Fllen wird im Parlament ber die Vorschlge mit Kommission auffordern, einen Legislativvorschlag zu
einfacher Mehrheit abgestimmt, im Rat hingegen mit einem bestimmten Thema vorzulegen. Die Kommission
qualifizierter Mehrheit, wobei die Zustimmung von mindestens prft alle Initiativen sorgfltig, wenn sie in ihren
der Hlfte der Mitgliedstaaten notwendig ist, die zusammen Zustndigkeitsbereich fallen und von 1Million
etwa zwei Drittel der EU-Bevlkerung reprsentieren mssen. Menschen untersttzt werden. Zu den Initiativen findet
In manchen Fllen ist im Rat Einstimmigkeit erforderlich. im Parlament eine Anhrung statt. Derartige Initiativen
knnen somit durchaus die Arbeit der EUInstitutionen
und auch die ffentliche Debatte beeinflussen.
Besondere Gesetzgebungsverfahren
Parlamente kontrollieren die ordnungsgeme Anwendung EuroRaum auswirken knnen, mssen bestimmte, auf
dieses Grundsatzes im EUBeschlussfassungsprozess. EUEbene festgelegte Regeln eingehalten werden. Damit die
WWU wirksam funktioniert und damit Stabilitt und
Wachstum gesichert sind, ist eine Koordinierung der
Welche Entscheidungen werden wo getroffen? (gesunden) ffentlichen Haushalte und der struktur
politischen Manahmen erforderlich. Die Notwendigkeit, die
Die Vertrge nennen die Politikfelder, in denen die EU wirtschaftspolitische Steuerung in der EU und im Euro
Beschlsse fassen darf. In einigen verfgt die EU ber die Raum unter anderem mittels einer engeren politischen
ausschlieliche Zustndigkeit, die Beschlsse werden Abstimmung sowie vermehrter Beobachtung und Aufsicht
also auf EUEbene vom Rat (den Mitgliedstaaten) und vom zu verstrken, ist insbesondere in der wirtschaftlichen Krise,
Europischen Parlament gefasst. Dies gilt fr folgende die 2008 begann, deutlich geworden.
Bereiche: Handel, Zoll, Wettbewerbsregeln, Whrungspolitik
fr den EuroRaum und Erhaltung der Fischbestnde. Der Rat beobachtet die Finanz- und Wirtschaftspolitik der
Mitgliedstaaten und kann einzelnen EULndern auf der
In anderen Bereichen sind die Entscheidungsbefugnisse Grundlage von Kommissionsvorschlgen bei Bedarf
zwischen der Union und den Mitgliedstaaten geteilt. Das Anpassungen empfehlen. Ebenso kann er aber EuroLnder
bedeutet, dass Rechtsvorschriften, die auf EUEbene mit Zwangsmanahmen belegen, die nicht genug zur
angenommen werden, Vorrang haben. Hat die EU hingegen Reduzierung eines bermigen Haushaltsdefizits oder
keine Vorschriften angenommen, so knnen die Mitgliedstaa- Schuldenniveaus unternehmen.
ten selbst gesetzgeberisch ttig werden. Die geteilte
Zustndigkeit gilt fr viele Politikfelder, darunter Binnenmarkt, ber die Steuerung des EuroRaums und groe
Landwirtschaft, Umwelt, Verbraucherschutz und Verkehr. wirtschaftspolitische Reformen wird auch auf den
EuroGipfeln gesprochen, wo die Staats- und
In allen anderen Bereichen verbleibt die Zustndigkeit bei Regierungschefs der EuroLnder zusammenkommen.
den Mitgliedstaaten. In Politikbereichen, die nicht in einem
der Vertrge genannt werden, darf die Kommission auch
keinen Rechtsakt vorschlagen. In bestimmten Fragen darf Die Auenbeziehungen der EU
die Union die Mitgliedstaaten bei deren gesetzgeberischen
Initiativen allerdings untersttzen; hierzu zhlen Raumfahrt, Fr die Beziehungen zu Lndern auerhalb der EU ist die
Bildung, Kultur und Tourismus. Auf wieder anderen Gebie- Hohe Vertreterin/der Hohe Vertreter der Union fr Auen-
ten, etwa in der Entwicklungszusammenarbeit und der und Sicherheitspolitik zustndig, die/der vom Europischen
Forschung, kann die EU parallele Manahmen durchfhren Rat ernannt wird und zugleich das Amt der Vizeprsidentin/
(z.B. humanitre Hilfsprogramme). des Vizeprsidenten der Europischen Kommission innehat.
Auf der Ebene der Staats- und Regierungschefinnen/chefs
wird die Union von der Prsidentin/vom Prsidenten des
Wirtschaftspolitische Koordinierung Europischen Rates vertreten. (*)
Alle EULnder sind Teil der Wirtschafts- und Whrungsunion Der Europische Auswrtige Dienst (EAD) ist das Auen
(WWU); sie betrachten ihre Wirtschaftspolitik als eine ministerium und der diplomatische Dienst der Union; er
Angelegenheit von gemeinsamem Interesse und untersteht dem Hohen Vertreter. Sein Personal besteht aus
koordinieren sie untereinander. Innerhalb der WWU ist keine Experten des Rates, der Mitgliedstaaten und der Europi-
Institution allein fr die gesamte Wirtschaftspolitik zustndig. schen Kommission. Die auen- und sicherheitspolitischen
Die entsprechenden Zustndigkeiten sind vielmehr zwischen Entscheidungen trifft der Rat aufgrund der Vorgaben des
den Mitgliedstaaten und den EUInstitutionen aufgeteilt. Europischen Rates. Die Kommission ist zustndig fr den
Handel mit NichtEULndern und fr Finanzhilfen an diese
Die Whrungspolitik im EuroRaum, bei der es um die Lnder (z.B. in Form von humanitrer oder Entwicklungshil-
Preisstabilitt und die Zinshhe geht, fllt in die autonome fe). Darber hinaus vertritt die Kommission die Union in
Zustndigkeit der Europischen Zentralbank (EZB); der Euro- allen anderen Zustndigkeitsbereichen der EU (auer in der
Raum umfasst diejenigen Mitgliedstaaten, die den Euro als Auen- und Sicherheitspolitik).
Whrung haben. Wenn Litauen im Januar 2015 den Euro
einfhrt, sind 19 Lnder im Euro-Raum vertreten.
Die Mitglieder des Europischen Parlaments (MdEP) ANZAHL DER MdEP JE MITGLIEDSTAAT IM JAHR 2014
Was das Europische Parlament tut muss. Fr alle internationalen bereinknfte zu Fragen, die
unter das ordentliche Gesetzgebungsverfahren fallen, ist
Das Parlament hat vor allem drei Aufgaben: die Zustimmung des Parlaments erforderlich.
1. Es ist zusammen mit dem Rat fr die Gesetzgebung Das Parlament muss zu zahlreichen anderen Vorschlgen
zustndig. Der Umstand, dass es direkt gewhlt ist, angehrt werden, und bei wichtigen politischen oder
trgt zur demokratischen Legitimation des europischen institutionellen Entscheidungen ist seine Zustimmung
Rechts bei. ntig: Rechtsakte zur sozialen Sicherheit und zum
Sozialschutz, Steuerbestimmungen im Bereich Energie,
2. Es bt eine demokratische Kontrolle ber alle Organe Harmonisierung der Umsatz- und der indirekten
der EU und insbesondere ber die Kommission aus. Es Besteuerung. Auerdem gibt das Parlament Anste zu
stimmt der Ernennung des Kommissionsprsidenten und neuen Rechtsvorschriften, indem es bei der Prfung des
der Kommissionsmitglieder zu oder lehnt sie ab, und es Jahresarbeitsprogramms der Kommission errtert, welche
kann einen Misstrauensantrag gegen die gesamte neuen Rechtsvorschriften zweckmig wren, und dann
Kommission einbringen. von der Kommission die Vorlage entsprechender
Vorschlge verlangen kann.
3. Es teilt sich die Haushaltsbefugnis mit dem Rat und
kann somit Einfluss auf die Ausgaben der EU nehmen. 2. DIE AUFSICHTSBEFUGNIS
Am Ende des Haushaltsverfahrens genehmigt es den Das Parlament bt auf verschiedene Art und Weise eine
Gesamthaushalt oder lehnt ihn ab. demokratische Kontrolle ber die anderen EUOrgane aus.
Wenn eine neue Kommission ernannt werden soll, hrt das
Diese drei Aufgaben werden im Folgenden nher Parlament die potenziellen neuen Mitglieder der
beschrieben. Kommission und deren Prsidenten (der von den
Mitgliedstaaten nominiert wird). Ohne die Zustimmung des
1. DIE GESETZGEBUNGSBEFUGNIS Parlaments knnen sie nicht ernannt werden.
Das gebruchlichste Verfahren zur Annahme von
EURechtsvorschriften ist das ordentliche Auerdem ist die Kommission politisch
Gesetzgebungsverfahren, auch rechenschaftspflichtig gegenber dem Parlament, das die
Mitentscheidungsverfahren genannt. Dabei haben gesamte Kommission durch einen Misstrauensantrag zum
Parlament und Rat gleiche Rechte, und die angenommenen Rcktritt zwingen kann. Kontrolle bt das Parlament ferner
Rechtsvorschriften sind gemeinsame Rechtsakte beider dadurch aus, dass es regelmig die von der Kommission
Organe. Dieses Verfahren kommt bei den meisten bermittelten Berichte prft und ihr Fragen stellt, auf die
EURechtsvorschriften in vielen Bereichen (darunter sie schriftlich oder mndlich antworten muss.
Verbraucherrechte, Umweltschutz und Verkehr) zur
Anwendung. Beim ordentlichen Gesetzgebungsverfahren Die Kommissionsmitglieder (Kommissare) sind in
macht die Kommission einen Vorschlag, der dann sowohl Plenartagungen des Parlaments und Sitzungen der
vom Parlament als auch vom Rat angenommen werden Parlamentsausschsse anwesend. Ebenso fhrt das
I hr W egweiser zu den E U - I ns t i t u t i o nen
11
Parlament einen regelmigen Dialog mit dem Prsidenten So funktioniert das Parlament
der Europischen Zentralbank ber die Whrungspolitik.
Das Parlament whlt seinen Prsidenten fr eine
Die parlamentarische Kontrolle erstreckt sich auch auf die zweieinhalbjhrige Amtszeit. Dieser vertritt das Parlament
Ttigkeit des Rates: Die Abgeordneten richten regelmig gegenber den anderen EUInstitutionen und der Auenwelt;
Anfragen (zur schriftlichen oder mndlichen Beantwortung) an er wird von 14Vizeprsidenten untersttzt. Zusammen mit
den Rat, und dessen Vorsitz wohnt den Plenartagungen bei dem Prsidenten des Rates unterzeichnet der Prsident des
und beteiligt sich an wichtigen Debatten. In einigen Europischen Parlaments alle von beiden Organen
Politikbereichen, z.B. in der Gemeinsamen Auen- und angenommenen Rechtsakte.
Sicherheitspolitik, ist der Rat allein fr die Beschlsse
verantwortlich. Dennoch arbeitet das Parlament auch in Die Arbeit des Parlaments luft im Wesentlichen in zwei
diesen Bereichen eng mit dem Rat zusammen. Stufen ab:
Die Prfung der von Brgerinnen und Brgern eingereichten XXVorbereitung der Plenartagungen. Diese Arbeit
Petitionen und die Einsetzung von Sonderuntersuchungs bernehmen die MdEP in den 20Parlaments
ausschssen bilden weitere Kontrollmglichkeiten des ausschssen, die auf die verschiedenen EUAktivitten
Parlaments. spezialisiert sind; als Beispiele seien der Ausschuss fr
Wirtschaft und Whrung und der Ausschuss fr
Schlielich legt das Parlament Beitrge zu allen Tagungen internationalen Handel genannt. Die zu behandelnden
des Europischen Rates, den EUGipfeln, vor. Zu Beginn jedes Themen werden auch von den politischen Fraktionen
Gipfeltreffens legt der Parlamentsprsident die Standpunkte errtert.
und Anliegen des Parlaments bezglich aktueller Fragen und
der Themen dar, die auf der Tagesordnung des Europischen XXAbhaltung der Plenartagungen. Die Plenartagungen, an
Rates stehen. denen alle MdEP teilnehmen, finden in der Regel in
Straburg (eine Woche pro Monat) und manchmal
3. DIE HAUSHALTSBEFUGNIS zustzlich in Brssel statt. Auf diesen Tagungen bert
Der Haushaltsplan der EU wird jhrlich vom Europischen das Parlament ber vorgeschlagene Rechtsvorschriften
Parlament und vom Rat der Europischen Union und stimmt ber nderungsantrge ab, ehe ber den
gemeinsam verabschiedet. Das Parlament errtert den Gesamttext entschieden wird. Auf der Tagesordnung
Haushaltsplan in zwei aufeinanderfolgenden Lesungen, und knnen ferner Mitteilungen des Rates oder der
er wird erst wirksam, wenn er vom Parlamentsprsidenten Kommission stehen oder Fragen zu aktuellen
unterzeichnet worden ist. Entwicklungen in der EU oder der brigen Welt.
Der Parlamentsausschuss fr Haushaltskontrolle Grundstzlich ist das Parlament nur beschlussfhig, wenn
berwacht die Verwendung der Gelder. Auerdem stimmt ein Drittel seiner Mitglieder bei einer Abstimmung im
das Parlament jedes Jahr darber ab, ob die Ausfhrung Plenarsaal anwesend ist. Normalerweise wird eine
des Haushaltsplans durch die Kommission im Abstimmung mit der Mehrheit der abgegebenen Stimmen
abgelaufenen Haushaltsjahr gebilligt werden soll entschieden. In besonderen Fllen ist fr eine Entscheidung
(Entlastung der Kommission). die Mehrheit aller Mitglieder des Parlaments erforderlich,
etwa fr die Wahl des Kommissionsprsidenten oder bei
Abstimmungen in zweiter Lesung im Rahmen eines
ordentlichen Gesetzgebungsverfahrens.
12 S O F U N K T I O N I E R T D I E E U R O P I S C H E U N I O N
Im Europischen Rat sind die fhrenden Politiker der EU Prsident des Europischen Rates
vereint, d.h. die Premierminister, Bundeskanzler und
Prsidenten sowie die Prsidenten von Europischem Rat Die Arbeiten des Europischen Rates werden von dessen
und Kommission. Sie kommen mindestens viermal pro Jahr Prsidenten koordiniert, der die Tagungen einberuft und
zusammen, um den allgemeinen politischen Kurs und die den Vorsitz bernimmt und der dem Europischen Rat bei
vorrangigen Ziele und Aufgaben festzulegen. DerHohe seinen Arbeiten auerdem die ntigen Impulse gibtv.
Vertreter der Union fr Auen- und Sicherheitspolitik nimmt
ebenfalls an den Beratungen des Europischen Rates teil. Er ist es auch, der die Union nach auen reprsentiert.
Zusammen mit dem Hohen Vertreter der Union fr Auen-
und Sicherheitspolitik vertritt er die EUInteressen in
Was der Europische Rat tut auen- und sicherheitspolitischen Fragen.
Der Europische Rat ist das Gipfeltreffen der Staats- und Der Prsident wird vom Europischen Rat fr zweieinhalb
Regierungschefs aller EULnder und bildet somit die Jahre gewhlt und kann einmal wiedergewhlt werden. Der
hchste Ebene der politischen Zusammenarbeit der Vorsitz des Europischen Rates erfordert vollen Einsatz,
Mitgliedstaaten. Auf ihren Tagungen entscheiden die weswegen der Prsident nicht gleichzeitig ein nationales
fhrenden Politiker im Konsens ber die groe Richtung Amt bekleiden darf.
und die Prioritten der Union; auerdem geben sie die
ntigen Anste zur Weiterentwicklung der EU.
Wie trifft der Europische Rat seine
Der Europische Rat erlsst keine Rechtsvorschriften. Entscheidungen?
Vielmehr verffentlicht er am Ende jeder Tagung
Schlussfolgerungen; darin werden die wichtigsten Der Europische Rat entscheidet meist im Konsens. In
Botschaften, die sich aus den Beratungen ergeben haben, einigen Fllen reicht jedoch die qualifizierte Mehrheit, etwa
und die gefassten Beschlsse aufgefhrt, einschlielich der bei der Wahl seines Prsidenten sowie bei der Ernennung
zu ihrer Umsetzung erforderlichen Manahmen. Die der Kommission und des Hohen Vertreters der Union fr
Schlussfolgerungen nennen auch wichtige Fragen, mit Auen- und Sicherheitspolitik.
denen sich dann der Rat (also die Minister) auf seinen
Tagungen befassen muss. Bisweilen wird auch die Wenn der Europische Rat per Abstimmung entscheidet,
Kommission aufgefordert, Vorschlge zu einem bestimmten sind nur die Staats- und Regierungschefs stimmberechtigt.
Thema zu unterbreiten, das fr die Union eine
Herausforderung oder eine Chance darstellt.
Sekretariat
Tagungen des Europischen Rates finden in der Regel
mindestens zweimal pro Halbjahr statt. Zustzliche Der Europische Rat wird vom Generalsekretariat des
(auerordentliche oder informelle) Tagungen knnen Rates untersttzt.
anberaumt werden, wenn drngende, beispielsweise
wirtschafts- oder auenpolitische Probleme auf hchster
Ebene errtert werden mssen.
I hr W egweiser zu den E U - I ns t i t u t i o nen
13
EuroGipfel
EU
Die Ernennung erfolgt zum gleichen Zeitpunkt wie die des
Prsidenten des Europischen Rates, und auch die Als Prsident des Europischen Rates leitet Donald Tusk die
Amtszeiten sind gleich lang. Die beiden Positionen knnen EU-Gipfel ab 1.Dezember2014.
von ein und derselben Person bekleidet werden.
Bisweilen nehmen auch die Staats- und Regierungschefs teilnahmeberechtigt sind, hlt der Prsident des
der Lnder an den Beratungen des EuroGipfels teil, die EuroGipfels sie und die brigen EUMitgliedstaaten
den SKSVertrag zwar ratifiziert, den Euro aber nicht als kontinuierlich ber die Vorarbeiten fr die Gipfeltreffen und
Whrung haben. Sofern diese Lnder nicht ber deren Ergebnisse auf dem Laufenden.
Der Rat
Im Rat kommen die Minister der EUMitgliedstaaten Wie die Zusammensetzung einer Ratstagung aussieht,
zusammen, um EUAngelegenheiten zu besprechen, welche Minister also teilnehmen, richtet sich nach den
Entscheidungen zu treffen und Rechtsvorschriften zu Themen auf der Tagesordnung. Wenn zum Beispiel
verabschieden. Alle auf den Ratstagungen anwesenden Umweltfragen auf der Tagesordnung stehen, nehmen die
Minister sind befugt, fr die Regierungen der von ihnen Umweltminister der EUStaaten an der Tagung teil, die
vertretenen Mitgliedstaaten verbindlich zu handeln. dann als Rat Umwelt bezeichnet wird. Andere
Zusammensetzungen sind (zum Beispiel) der Rat
Wirtschaft und Finanzen und der Rat
Was der Rat tut Wettbewerbsfhigkeit.
XX Allgemeine Angelegenheiten
XX
XX Umwelt
Die EuroGruppe wirkt durch die Koordinierung der Die Mitglieder der EuroGruppe whlen ihren Prsidenten
Wirtschaftspolitik auf wirtschaftliches Wachstum und fr zweieinhalb Jahre. Das Generalsekretariat des Rates
finanzielle Stabilitt im EuroRaum hin. Da nur der Ecofin leistet bei den Sitzungen der EuroGruppe administrative
formale Beschlsse zu wirtschaftlichen Fragen fassen Untersttzung.
kann, trifft sich die EuroGruppe informell einen Tag vor
der EcofinTagung (ungefhr einmal monatlich). Am
darauffolgenden Tag entscheiden die EuroLnder dann Die Gemeinsame Auen- und
auf der EcofinTagung frmlich ber die in der EuroGruppe Sicherheitspolitik
Aufgabenverteilung innerhalb der GASP: Der Hohe Vertreter bringt die GASP voran und vertritt sie
weltweit, indem er den politischen Dialog mit Drittlndern
XXDer Europische Rat legt unter der Leitung seines und Partnern fhrt und den Standpunkt der EU in
Prsidenten und unter Bercksichtigung der internationalen Organisationen und Konferenzen darlegt.
strategischen Interessen der Union die Gemeinsame Auf der Ebene der Staats- und Regierungschefs wird die
Auen- und Sicherheitspolitik fest; dies gilt auch fr Union vom Prsidenten des Europischen Rates vertreten.
verteidigungspolitisch relevante Fragen.
Ein Aspekt der GASP sind die sicherheits- und
XXAuf der Grundlage der strategischen Vorgaben des verteidigungspolitischen Fragen. Hierzu entwickelt die EU
Europischen Rates fasst der Rat, insbesondere der Rat eine Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik
Auswrtige Angelegenheiten, die fr die Festlegung (GSVP), die die EU in die Lage versetzen soll, Operationen
und Durchfhrung der GASP erforderlichen Beschlsse. zur Bewltigung von Krisen durchzufhren. Dabei handelt
Den Vorsitz im Rat Auswrtige Angelegenheiten fhrt es sich um militrische oder zivile humanitre und
der Hohe Vertreter der Union fr Auen- und friedenschaffende oder friedenerhaltende Missionen. Fr
Sicherheitspolitik. solche Einstze stellen die Mitgliedstaaten der EU freiwillig
einen Teil ihrer Streitkrfte zur Verfgung. Dies wird stets
XXZusammen mit den Mitgliedstaaten sorgt er mit der NATO abgestimmt, deren Befehlsstrukturen
anschlieend fr eine kohrente und wirksame manchmal fr praktische Aufgaben im Rahmen von
Durchfhrung der GASP. Hierbei kann er auf Mittel der EUMissionen genutzt werden. Die Arbeiten werden von
Mitgliedstaaten und der Union zurckgreifen. mehreren stndigen EUGremien koordiniert.
Der Europische Auswrtige Dienst (EAD) ist das XXDas Politische und Sicherheitspolitische Komitee
Auenministerium und der diplomatische Dienst der (PSK) verfolgt die internationale Lage und prft, welche
Union. Er untersteht dem Hohen Vertreter und besteht aus Optionen die EU hat, um auf eine Krisensituation im
Experten des Rates, der Mitgliedstaaten und der Ausland zu reagieren.
Europischen Kommission. Die Delegationen, die die EU in
den meisten Lndern der Welt hat, sind Teil des EAD. Sie XXDer Militrausschuss der Europischen Union
arbeiten bei GASPThemen eng mit den nationalen (EUMC) besteht aus den Generalstabschefs aller
Botschaften der EUMitgliedstaaten zusammen. EULnder, leitet die militrischen Aktivitten der EU
und bert in militrischen Angelegenheiten.
Jeder Mitgliedstaat oder der Hohe Vertreter (mit oder ohne
Untersttzung der Kommission) kann den Rat mit einer die XXDer Militrstab der Europischen Union (EUMS)
GASP betreffenden Frage befassen. Angesichts der hufig setzt sich aus Militrexperten zusammen, die in
gegebenen Dringlichkeit solcher Fragen sind Vorkehrungen stndigen militrischen Hauptquartieren in Brssel ttig
getroffen, damit Beschlsse bei Bedarf schnell gefasst sind und den EUMC untersttzen.
werden knnen. Dies geschieht auf diesem Gebiet im
Allgemeinen einstimmig.
I hr W egweiser zu den E U - I ns t i t u t i o nen
19
EU
Der Begriff Kommission wird in zwei Bedeutungen
verwendet. Erstens bezieht er sich auf das Kollegium von JeanClaude Juncker ist Prsident des Exekutivorgans der EU,
Mnnern und Frauen, die von den Mitgliedstaaten und vom der Europischen Kommission.
Parlament ernannt werden, um das Organ zu leiten und
Beschlsse zu fassen. Zweitens bezeichnet der Begriff Die laufende Arbeit der Kommission wird von ihren
Kommission das Organ selbst und seine Bediensteten. Verwaltungsmitarbeitern, Experten, bersetzern,
Dolmetschern und Assistenzkrften erledigt. Die Beamten
Informell werden die Mitglieder des Kollegiums als der Kommission werden, wie die Bediensteten der anderen
Kommissare bezeichnet. Sie alle haben zuvor politische EUEinrichtungen auch, vom Europischen Amt fr
mter bekleidet, viele von ihnen als Minister. Als Mitglieder Personalauswahl (EPSO) rekrutiert: [Link]
der Kommission sind sie jedoch verpflichtet, im Interesse Es sind Brgerinnen und Brger aus allen EULndern, die in
der gesamten Union zu handeln; sie drfen keine offenen Einstellungsverfahren ausgewhlt werden. Die
Weisungen von nationalen Regierungen annehmen. Kommission hat etwa 33000 Bedienstete. Diese Zahl mag
hoch klingen, ist aber tatschlich niedriger als der
Die Kommission hat mehrere Vizeprsidenten, darunter Personalstand der meisten mittelgroen Stdte in Europa.
den Hohen Vertreter der Union fr Auen- und
Sicherheitspolitik, und dadurch auch eine direkte
Verbindung zum Rat.
Was die Kommission tut Die Kommission schlgt nur dann ein Handeln auf
EUEbene vor, wenn sie der Ansicht ist, dass ein Problem
Die Europische Kommission hat im Wesentlichen vier dadurch wirksamer gelst werden kann als durch
Aufgaben: nationale, regionale oder lokale Manahmen. Diesem
Vorgehen, bei dem Angelegenheiten auf der niedrigsten
1. Sie unterbreitet dem Parlament und dem Rat Vorschlge mglichen Ebene behandelt werden, liegt das
fr neue Rechtsvorschriften. Subsidiarittsprinzip zugrunde.
2. Sie fhrt die EUPolitik durch und verwaltet den Haushalt. Wenn die Kommission zu dem Schluss kommt, dass
europische Rechtsvorschriften notwendig sind, arbeitet
3. Sie sorgt (gemeinsam mit dem Gerichtshof) fr die sie einen Vorschlag aus, der ihrer berzeugung nach das
Einhaltung des EURechts. Problem wirkungsvoll lst und einem mglichst breiten
Spektrum von Interessen entspricht. Zur Gewhrleistung
4. Sie vertritt die Europische Union in der Welt. der fachlichen Richtigkeit zieht die Kommission im Rahmen
verschiedener Ausschsse und Arbeitsgruppen Experten zu
Rate.
Langrock/Zenit/Laif/Reporters
EU
2. DURCHFHRUNG DER EUPOLITIK UND
DESHAUSHALTS Federica Mogherini ist Chefin der EU-Auenpolitik und
Als Exekutiveorgan der EU ist die Kommission fr die koordiniert das Handeln der EU gegenber den brigen
Verwaltung und Ausfhrung des EUHaushalts und fr die Lndern der Welt.
Durchfhrung der Strategien und Programme zustndig,
die vom Parlament und vom Rat beschlossen werden. Der
Groteil der konkreten Arbeit und der Ausgaben wird zwar 4. VERTRETUNG DER EU AUF INTERNATIONALER
von nationalen und lokalen Behrden geleistet bzw. EBENE
gettigt, aber die Kommission ist fr ihre Kontrolle Der Hohe Vertreter der Union fr Auen- und
verantwortlich. Sicherheitspolitik ist Vizeprsident der Kommission und
zustndig fr Auswrtiges. In Fragen der Auen- und
Die Kommission verwaltet den Haushalt unter dem Sicherheitspolitik arbeitet er mit dem Rat zusammen.
wachsamen Auge des Rechnungshofs. Beide Organe Inanderen Bereichen der Auenbeziehungen spielt die
verfolgen dabei das Ziel einer wirtschaftlichen Kommission jedoch die fhrende Rolle insbesondere in
Haushaltsfhrung. Das Europische Parlament erteilt der der Handelspolitik und bei der humanitren Hilfe. Indiesen
Kommission nur dann die Entlastung fr die Durchfhrung Bereichen ist die Kommission das Sprachrohr der
des Haushaltsplans, wenn es mit dem Jahresbericht des Europischen Union. Somit knnen die 28Mitgliedstaaten
Rechnungshofs zufrieden ist. in internationalen Gremien, etwa der
Welthandelsorganisation, mit einer Stimme sprechen.
3. DURCHSETZUNG DES EUROPISCHEN RECHTS
Die Kommission ist die Hterin der Vertrge;
gemeinsam mit dem Gerichtshof wacht sie ber die
ordnungsgeme Anwendung des EURechts in allen
Mitgliedstaaten. Wenn sie feststellt, dass ein EUStaat Den Schwachen die Hand reichen
gegen europisches Recht verstt und seinen rechtlichen Die Generaldirektion fr humanitre Hilfe und
Verpflichtungen nicht nachkommt, leitet sie ein Katastrophenschutz (ECHO) der Europischen
sogenanntes Vertragsverletzungsverfahren ein. Kommission wurde 1992 eingerichtet. Da die EU der
weltgrte Akteur im Bereich humanitre Hilfe ist,
In einem frmlichen Schreiben an die betreffende hat diese innerhalb des auswrtigen Handelns der
Regierung erlutert sie zunchst, worin ihrer Ansicht nach Europischen Union mittlerweile einen hohen
der Versto gegen das EURecht besteht; sie setzt eine Stellenwert.
Frist fr die bermittlung einer detaillierten
Stellungnahme. Lsst sich die Frage auf diesem Wege Etwa 125 Millionen Menschen erhalten jedes Jahr
nicht klren, leitet die Kommission den Fall an den humanitre Hilfe in Form von EUGeldern, die ber
Gerichtshof weiter, der Sanktionen verhngen kann. Die 200 Partner z.B. karitative Organisationen und
Urteile des Gerichtshofs sind fr die Mitgliedstaaten und UNAgenturen ausgezahlt werden. Dabei wird
die Organe der EU bindend. nach den humanitren Grundstzen der
Nichtdiskriminierung und der Unparteilichkeit
vorgegangen.
22 S O F U N K T I O N I E R T D I E E U R O P I S C H E U N I O N
So funktioniert die Kommission Die Vorschlge fr Rechtsakte werden in der Praxis von
den Generaldirektionen ausgearbeitet; offiziellen Status
Der Prsident der Kommission entscheidet darber, fr erlangen sie allerdings erst nach Billigung durch das
welche Politikfelder die einzelnen Kommissionsmitglieder Kollegium. Ein Beispiel:
verantwortlich sind, und kann diese Zustndigkeiten
whrend der Amtszeit der Kommission gegebenenfalls neu Angenommen, die Kommission sieht Bedarf fr einen
verteilen. Er kann ein Kommissionsmitglied auerdem zum europischen Rechtsakt zur Eindmmung der
Rcktritt auffordern. Das Team der Verschmutzung europischer Flsse. Auf der Grundlage
28Kommissionsmitglieder (Kollegium) kommt einmal umfassender Konsultationen mit allen interessierten
wchentlich meist mittwochs in Brssel zusammen. Die Kreisen wie Industrie und Landwirtschaft,
einzelnen Tagesordnungspunkte werden von dem jeweils Umweltministerien der Mitgliedstaaten und
zustndigen Kommissionsmitglied erlutert, bevor das Umweltorganisationen arbeitet die GDUmwelt nun einen
gesamte Kollegium gemeinsam einen Beschluss dazu fasst. Vorschlag aus. Damit Einzelpersonen entweder im
eigenen Namen oder im Namen einer Organisation ihre
Das Personal der Kommission arbeitet in Verwaltungs Meinung dazu uern knnen, finden zu vielen Vorschlgen
einheiten, die als Generaldirektionen (GD) oder Dienste ffentliche Konsultationen statt.
(z.B. Juristischer Dienst) bezeichnet werden. Jede GD ist
fr einen bestimmten Politikbereich zustndig, etwa fr Der vorgeschlagene Rechtsakt wird dann mit allen
den Handel oder den Wettbewerb, und wird von einem betroffenen Kommissionsabteilungen errtert und
Generaldirektor geleitet, der einem Kommissionsmitglied eventuell gendert. Anschlieend wird er vom Juristischen
gegenber verantwortlich ist. Dienst geprft.
[Link]
I hr W egweiser zu den E U - I ns t i t u t i o nen
23
Die EUInstitutionen frdern die strkere Beteiligung der Jedes nationale Parlament kann daraufhin eine
nationalen Parlamente an den Aktivitten der Europischen begrndete Stellungnahme abgeben, wenn es der
Union. In diesem Sinne leitet die Kommission seit 2006 Auffassung ist, dass die betreffende Vorlage nicht mit dem
smtliche Legislativvorschlge an die nationalen Subsidiarittsprinzip in Einklang steht. Je nach Anzahl der
Parlamente weiter und reagiert auf deren Stellungnahmen. begrndeten Stellungnahmen der nationalen Parlamente
Im Vertrag von Lissabon (2009) sind die Rechte und muss die Kommission unter Umstnden ihren Vorschlag
Pflichten der nationalen Parlamente innerhalb der EU erneut prfen und entscheiden, ob sie ihn aufrechterhlt,
eindeutig festgelegt. Die nationalen Parlamente knnen anpasst oder zurckzieht. Dies wird als Verfahren der
sich zu den Gesetzgebungsakten uern, die fr sie von gelben bzw. orangefarbenen Karte bezeichnet. Gibt die
besonderem Interesse sind. Mehrheit der nationalen Parlamente im Rahmen des
ordentlichen Gesetzgebungsverfahrens eine begrndete
Die Aktivitten der EU unterliegen dem Subsidiaritts Stellungnahme ab und beschliet die Kommission dennoch,
prinzip, das bedeutet, dass die Union nur dort ttig wird, ihren Vorschlag beizubehalten, so muss sie ihre Grnde
wo Manahmen auf Gemeinschaftsebene effektiver sind hierfr darlegen. In diesem Fall entscheiden das
als auf nationaler Ebene. Wo die EU gem den Vertrgen Europische Parlament und der Rat ber die Fortsetzung
ausschlieliche Befugnisse besitzt, wird dies nicht in Frage des Gesetzgebungsverfahrens.
gestellt; in allen anderen Fllen ist dies bei jeder neuen
Rechtsvorschrift individuell zu entscheiden. Die nationalen Darber hinaus sind die nationalen Parlamente unmittelbar
Parlamente berwachen die korrekte Anwendung dieses an der Umsetzung der EURechtsvorschriften beteiligt. Die
Grundsatzes bei der Entscheidungsfindung in der EU. EURichtlinien richten sich an die Mitgliedstaaten. Diese
mssen die Richtlinien in innerstaatliches Recht integrieren,
Hierzu bermittelt die Kommission ihre Vorschlge fr worber hauptschlich die nationalen Parlamente ent-
Rechtsakte zur selben Zeit an die nationalen Parlamente scheiden. In den Richtlinien sind bestimmte Zielvorgaben
wie an die gesetzgebenden Organe der Union (d.h. das gemacht, die in jedem Mitgliedstaat bis zu einem angege-
Europische Parlament und den Rat). benen Termin erreicht sein mssen. Die nationalen
Behrden mssen ihre Vorschriften so anpassen, dass
diese Ziele verwirklicht werden; es steht ihnen jedoch frei
zu entscheiden, wie sie dies tun. Richtlinien dienen dazu,
unterschiedliche nationale Rechtsvorschriften miteinander
in Einklang zu bringen, und werden vor allem in Bereichen
erlassen, die die Funktionsweise des Binnenmarkts
betreffen (z.B. Produktsicherheitsnormen).
24 S O F U N K T I O N I E R T D I E E U R O P I S C H E U N I O N
Der Gerichtshof der Europischen Union (im Folgenden Ein Sondergericht, das Gericht fr den ffentlichen Dienst,
Gerichtshof der EU) gewhrleistet, dass das EURecht in entscheidet in Rechtsstreitigkeiten zwischen der EU und
allen Mitgliedstaaten einheitlich ausgelegt und angewandt ihren Beamten.
wird, so dass das Recht fr alle unter allen Umstnden
gleich ist. Hierzu berprft er die Rechtmigkeit der
Aktivitten der EUInstitutionen; er stellt sicher, dass die Was der Gerichtshof der EU tut
Mitgliedstaaten ihren Verpflichtungen nachkommen, und er
legt das EURecht auf Ersuchen nationaler Gerichte aus. Er fllt Urteile in Rechtssachen, mit denen er befasst wird.
Die vier hufigsten Arten von Rechtssachen sind:
Der Gerichtshof der EU ist befugt, in Rechtsstreitigkeiten
zwischen EUMitgliedstaaten, EUInstitutionen, 1. ERSUCHEN UM VORABENTSCHEIDUNG
Unternehmen und Privatpersonen zu entscheiden. Damit er Die Gerichte jedes EUMitgliedstaats mssen fr eine
die vielen Tausend ihm vorgelegten Rechtssachen ordnungsgeme Anwendung des EURechts in ihrem Land
bewltigen kann, besteht der Gerichtshof der EU aus zwei sorgen. Wenn ein nationales Gericht Zweifel hinsichtlich der
Hauptorganen: dem Gerichtshof, der Vorabentscheidungs Auslegung oder Gltigkeit einer Rechtsvorschrift der EU hat,
ersuchen nationaler Gerichte, bestimmte Nichtigkeitsklagen kann es in manchen Fllen muss es dies sogar den
und Rechtsmittelantrge behandelt, sowie dem Gericht, Gerichtshof der EU zu Rate ziehen. Dieser Rat wird in Form
das in allen Nichtigkeitsklagen von Privatpersonen und einer Vorabentscheidung erteilt. Die Entscheidung stellt fr
Unternehmen sowie in bestimmten hnlichen Klagen von die Brger und Brgerinnen einen wichtigen Weg dar,
Mitgliedstaaten urteilt. um ber ihre nationalen Gerichte zu klren, inwieweit sie
von EURechtsvorschriften betroffen sind.
ImageGlobe
Aufgabe der Europischen Zentralbank (EZB) ist die
Erhaltung der Whrungsstabilitt im EuroRaum durch Wie sorgt die EZB fr Preisstabilitt?
Gewhrleistung mglichst stabiler Verbraucherpreise. Die EZB legt die Zinsstze fest, zu denen sich die
Stabile Preise und eine niedrige Inflation gelten als Geschftsbanken Geld leihen. Dies hat Auswirkungen
entscheidend fr ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum, auf den Preis und die Menge des im Wirtschafts
da sie fr Unternehmen Anreize fr Investitionen und die system im Umlauf befindlichen Geldes und somit
Schaffung von Arbeitspltzen sind was wiederum den auf die Inflationsrate. Sind beispielsweise groe
Lebensstandard der Brgerinnen und Brger in Europa Geldmengen in Umlauf, so kann die Inflationsrate der
erhht. Die EZB ist ein unabhngiges EUOrgan. Sie fllt Verbraucherpreise steigen, wodurch sich Waren und
ihre Entscheidungen, ohne Weisungen von Regierungen Dienstleistungen verteuern. Daraufhin kann die EZB
oder anderen EUInstitutionen einzuholen oder die Kosten fr Finanzierungen erhhen, indem sie den
entgegenzunehmen. Zinssatz fr ihre Darlehen an Geschftsbanken
anhebt. Dies wiederum verringert die im Umlauf
befindliche Geldmenge und fhrt zu einem geringeren
Was die EZB tut Preisdruck. Soll die Wirtschaftsttigkeit hingegen
angeregt werden, so kann die EZB ihren Zinssatz
Die EZB wurde 1998 mit der Einfhrung des Euro senken, um Kreditvergaben und Investitionen zu
gegrndet und ist fr die Whrungspolitik im EuroRaum frdern.
zustndig. Vorrangiges Ziel der EZB ist die Erhaltung der
Preisstabilitt. Diese wird definiert als ein Anstieg der
Verbraucherpreise um knapp unter 2% im Jahr. Darber
hinaus trgt die EZB mit ihrer Ttigkeit zur Frderung der
Beschftigung und eines nachhaltigen
Wirtschaftswachstums in der EU bei.
I hr W egweiser zu den E U - I ns t i t u t i o nen
27
Zur Durchfhrung ihres Kreditgeschfts hlt und verwaltet XXDer Erweiterte Rat des Europischen Systems der
die EZB die offiziellen Whrungsreserven der Mitglieder Zentralbanken setzt sich aus den Prsidenten der
des EuroRaums. Im Rahmen ihrer weiteren Aufgaben fhrt 28nationalen Zentralbanken sowie dem Prsidenten
die EZB Devisengeschfte durch, frdert effiziente und dem Vizeprsidenten der EZB zusammen.
Zahlungssysteme zur Untersttzung des Binnenmarkts,
genehmigt die Herstellung der EuroBanknoten durch die XXDas Direktorium der EZB besteht aus dem Prsidenten,
Mitglieder des EuroRaums und vergleicht einschlgige dem Vizeprsidenten und vier weiteren Mitgliedern, die
statistische Daten der nationalen Zentralbanken. Bei vom Europischen Rat mit qualifizierter Mehrheit fr
wichtigen hochrangigen EUSitzungen und auf eine Amtszeit von acht Jahren ernannt werden. Das
internationaler Ebene wird die EZB durch ihren Prsidenten Direktorium ist fr die Durchfhrung der
vertreten. Whrungspolitik zustndig, fhrt die Tagesgeschfte der
Bank, bereitet die Sitzungen des EZBRates vor und bt
bestimmte, vom EZBRat erteilte Befugnisse aus.
So funktioniert die EZB
XX Der Rat der Europischen Zentralbank (EZBRat) besteht
Die Europische Zentralbank ist ein Organ der Wirtschafts- aus den sechs Mitgliedern des Direktoriums und den
und Whrungsunion (WWU), der alle EUMitgliedstaaten Prsidenten der nationalen Zentralbanken der
angehren. Der Beitritt zum EuroRaum und die bernahme 19Mitglieder des EuroRaums: Diese bilden zusammen
der gemeinsamen Whrung des Euro stellt die letzte das EuroSystem. Der EZBRat ist das hchste
Phase der WWU dar. Nicht alle EUMitgliedstaaten gehren Entscheidungsgremium der EZB und tritt zweimal im
dem EuroRaum an: Einige bereiten ihre Wirtschaft noch Monat zusammen. Grundstzlich beurteilt der EZBRat
auf einen Beitritt vor, andere haben sich vorlufig gegen auf seiner ersten monatlichen Sitzung die wirtschafts-
eine Beteiligung entschieden. Die EZB steht im Zentrum des und whrungspolitischen Entwicklungen und trifft seine
Europischen Systems der Zentralbanken, in dem die EZB monatlichen whrungspolitischen Entscheidungen. Auf
und die nationalen Zentralbanken aller EUMitgliedstaaten seiner zweiten Sitzung errtert der EZBRat vor allem
zusammenarbeiten. Der Aufbau der EZB spiegelt diese Fragen im Zusammenhang mit anderen Aufgaben und
Situation in ihren drei Hauptgremien wider: Zustndigkeiten der EZB.
28 S O F U N K T I O N I E R T D I E E U R O P I S C H E U N I O N
Der Europische Rechnungshof ist der unabhngige externe und in anderen Lndern statt, sowohl bei den
Rechnungsprfer der Europischen Union. Er kontrolliert, ob Organisationen, die die Mittel verwalten, als auch bei den
die Einknfte der Union korrekt eingegangen sind, ob die Begnstigten. Die Ergebnisse werden in Jahres- und
Ausgaben ordnungsgem gettigt wurden und ob das Sonderberichten verffentlicht, in denen Kommission und
Finanzmanagement solide ist. Er fhrt seine Aufgaben Mitgliedstaaten auf festgestellte Fehler und Probleme
unabhngig von den anderen EUInstitutionen und den aufmerksam gemacht werden und Empfehlungen erhalten.
Regierungen der Mitgliedstaaten aus. Hierdurch trgt der
Rechnungshof seinen Teil zu einer besseren Verwendung der Eine weitere zentrale Aufgabe des Europischen
EUMittel zum Wohle der europischen Brgerinnen und Rechnungshofs besteht darin, die fr den Haushalt
Brger bei. zustndigen Organe (das Europische Parlament und den
Rat) durch Vorlage eines Berichts ber das jeweils
abgeschlossene Haushaltsjahr zu untersttzen. Die
Was der Europische Rechnungshof tut Ergebnisse und Schlussfolgerungen in diesem Bericht
spielen eine wichtige Rolle fr den Entlastungsbeschluss
Die Hauptaufgabe des Rechnungshofs besteht darin, die des Parlaments ber die Haushaltsfhrung der
einwandfreie Ausfhrung des Haushaltsplans der EU also Kommission.
die Recht- und Ordnungsmigkeit ihrer Einnahmen und
Ausgaben zu kontrollieren und ein solides Auf Ersuchen der anderen EUInstitutionen gibt der
Finanzmanagement zu gewhrleisten. Seine Arbeit hilft Europische Rechnungshof auerdem Stellungnahmen zu
somit, dass die EU effektiv und effizient verwaltet wird. Im neuen oder berarbeiteten EUVorschriften ab, die
Rahmen seines Mandats fhrt der Rechnungshof finanzielle Auswirkungen haben. Zudem kann er in eigener
eingehende Prfungen bei allen fr die Einnahmen und Initiative Positionspapiere zu sonstigen Themen
Ausgaben der EU zustndigen Stellen durch. Solche verffentlichen.
Prfungen finden auch direkt in den EUMitgliedstaaten
Der Europische Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) Sondierungsstellungnahmen auf Anfrage der europischen
ist eine beratende Einrichtung der Europischen Union. Er Gesetzgeber, wenn diese einen berblick ber die
bildet ein einzigartiges Forum fr Konsultation, Dialog und Ansichten der Zivilgesellschaft bentigen, und
Konsensfindung zwischen Vertretern aller Sektoren der verffentlicht Informationsberichte zu spezifischen Fragen.
organisierten Zivilgesellschaft, darunter Arbeitgeber Etwa 170Stellungnahmen legt der Ausschuss jhrlich vor,
organisationen, Gewerkschaften und andere Gruppen wie rund 15% davon auf eigene Initiative.
Berufs- und andere Verbnde, Jugendorganisationen,
Frauengruppen, Verbrauchervereinigungen, Umweltschtzer
und viele mehr. Die Mitglieder des EWSA sind nicht So funktioniert der EWSA
weisungsgebunden und vertreten das allgemeine Interesse
der Union. Als Bindeglied zwischen den EUOrganen und Dem EWSA gehren 353 Mitglieder aus den 28 EU-
den europischen Brgerinnen und Brgern frdert der Mitgliedstaaten an. Die Mitglieder stammen aus den
EWSA eine strker auf Partizipation und Inklusion verschiedensten wirtschaftlichen und sozialen Bereichen
ausgerichtete und daher demokratischere Gesellschaft in und verfgen ber eine enorme Bandbreite an Wissen und
der Europischen Union. Erfahrung. Sie werden auf Vorschlag ihrer Mitgliedstaaten
vom Rat der Europischen Union fr fnf Jahre ernannt und
arbeiten unabhngig fr den EWSA im Interesse aller
Was der EWSA tut EU-Brgerinnen und -Brger. Die Mitglieder sind nicht
ausschlielich in Brssel ttig, sondern behalten zumeist
Der EWSA hat drei Hauptaufgaben: ihren Arbeitsplatz im Herkunftsland, wodurch sie mit den
Menschen dort in Kontakt bleiben.
XXEr untersttzt das Europische Parlament, den Rat und
die Europische Kommission. Die EWSA-Mitglieder sind intern in drei Gruppen organisiert:
Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Verschiedene
XXErsorgt dafr, dass die Ansichten der Organisationen Interessen. Das Ziel besteht darin, einen Konsens zwischen
der Zivilgesellschaft in Brssel Gehr finden und dort diesen Gruppen herzustellen, damit die EWSA-
das Bewusstsein fr die Auswirkungen des EU-Rechts Stellungnahmen auch tatschlich die wirtschaftlichen und
auf das Leben der EU-Brgerinnen und -Brger sozialen Interessen der EU-Brgerinnen und -Brger
geschrft wird. widerspiegeln. Der EWSA whlt aus seiner Mitte einen
Prsidenten und zwei Vizeprsidenten fr die Dauer von
XXEr untersttzt und strkt die organisierte zweieinhalb Jahren. Die Mitglieder des EWSA treten neun
Zivilgesellschaft sowohl innerhalb als auch auerhalb Mal jhrlich in Brssel zu Vollsitzungen zusammen, bei
der EU. denen Stellungnahmen mit einfacher Mehrheit
angenommen werden. Die Vorarbeiten zu den Vollsitzungen
Der EWSA muss laut den Vertrgen zu zahlreichen Fragen bernehmen die folgenden sechs Fachgruppen und eine
vom Europischen Parlament, vom Rat und von der Kommission, die von Ausschussmitgliedern geleitet und vom
Kommission obligatorisch gehrt werden. Daneben kann Generalsekretariat des EWSA (Sitz in Brssel) untersttzt
der Ausschuss aus eigenem Entschluss Stellungnahmen werden:
abgeben, wenn er dies zur Verteidigung der Interessen der
Zivilgesellschaft fr wichtig hlt. Er erstellt auch
32 S O F U N K T I O N I E R T D I E E U R O P I S C H E U N I O N
XXFachgruppe Wirtschafts- und Whrungsunion, Der EWSA verfolgt den Fortschritt der langfristigen
wirtschaftlicher und sozialer Zusammenhalt (ECO) EUStrategien ber einen Lenkungsausschuss und die
sogenannten Beobachtungsstellen, die die Umsetzung und
XXFachgruppe Binnenmarkt, Produktion und Verbrauch die Auswirkungen vor Ort berwachen. Diese Stellen
(INT) befassen sich mit nachhaltiger Entwicklung, dem
Arbeitsmarkt, dem Binnenmarkt und der Wachstumsstrategie
XXFachgruppeLandwirtschaft, lndliche Entwicklung, Europa 2020.
Umweltschutz (NAT)
Der Ausschuss der Regionen (AdR) ist eine beratende Einrichtung, EU reprsentieren. Es kann sich um Prsidenten einer
die aus Vertretern der regionalen und lokalen Regionalregierung, Abgeordnete von Regionalparlamenten,
Gebietskrperschaften Europas besteht. Er verleiht den Regionen Landrte oder Brgermeister groer Stdte handeln. Alle
Europas Gehr in den politischen Entscheidungsprozessen der EU Mitglieder mssen in ihrem Herkunftsland ein politisches Amt
und berprft, ob rtlichen Besonderheiten, Kompetenzen und bekleiden. Sie werden von den EURegierungen nominiert, sind
Bedrfnissen Rechnung getragen wird. Der Rat und die in ihrer politischen Arbeit jedoch vollkommen unabhngig. Sie
Kommission mssen den AdR in Angelegenheiten, die die lokalen werden vom Rat fr fnf Jahre ernannt, wobei eine
und regionalen Gebietskrperschaften betreffen zum Beispiel Wiederernennung zulssig ist. Den Prsidenten whlt der AdR
Regionalpolitik, Umweltschutz, Bildung und Verkehr anhren. aus den eigenen Reihen (fr die Dauer von zweieinhalb Jahren).
Die Kommission und das Europische Parlament mssen den XXFachkommission fr Kohsionspolitik (COTER)
AdR zu Gesetzesvorschlgen in Politikbereichen, die die lokalen
und regionalen Gebietskrperschaften unmittelbar betreffen XXFachkommission fr Wirtschafts- und Sozialpolitik
(zum Beispiel Zivilschutz, Klimawandel und Energie), konsultieren. (ECOS)
Sobald dem AdR ein Legislativvorschlag vorliegt, errtern ihn die
Mitglieder in einer Vollsitzung; gegebenenfalls nehmen sie ihn XXFachkommission fr Bildung, Jugend, Kultur und
dann mit einfacher Mehrheit an und geben eine Stellungnahme Forschung (EDUC)
ab. Kommission und Parlament sind zwar nicht verpflichtet, dem
Rat des AdR zu folgen, aber sie mssen den Ausschuss XXFachkommission fr Umwelt, Klimawandel und Energie
zumindest anhren. Findet diese Anhrung im Rahmen des (ENVE)
Gesetzgebungsverfahrens nicht ordnungsgem statt, hat der
AdR das Recht, beim Gerichtshof der EU Klage zu erheben. Der XXFachkommission fr natrliche Ressourcen (NAT)
Ausschuss kann auch auf eigene Initiative Stellungnahmen zu
aktuellen Fragen abgeben. Die Mitglieder des AdR sind auch in nationale Delegationen,
eine fr jeden Mitgliedstaat, unterteilt. Darber hinaus gibt
es interregionale Gruppen zur Frderung der
So funktioniert der Ausschuss grenzberschreitenden Zusammenarbeit sowie vier
derRegionen politische Gruppierungen.
Der Europische Brgerbeauftragte untersucht damit diese das Problem aus der Welt schafft. Wird die
Beschwerden ber das Verwaltungshandeln der Angelegenheit bei seinen Untersuchungen nicht
EUInstitutionen. Er erhlt und prft Beschwerden von zufriedenstellend gelst, versucht der Brgerbeauftragte
EUBrgerinnen und -Brgern sowie von natrlichen oder soweit dies mglich ist, eine gtliche Einigung zu
juristischen Personen mit Wohnort oder Sitz in einem erzielen, die den Missstand abstellt und die Sache zur
Mitgliedstaat. Zufriedenheit des Beschwerdefhrers regelt. Falls dies
nicht gelingt, kann der Brgerbeauftragte Empfehlungen
zur Lsung des Problems unterbreiten. Sollte die
Was der Brgerbeauftragte tut betreffende Stelle seine Empfehlungen ablehnen, kann er
dem Europischen Parlament einen Sonderbericht
Der Brgerbeauftragte wird vom Europischen Parlament vorlegen.
fr fnf Jahre gewhlt; eine Wiederernennung ist zulssig.
Durch die Entgegennahme und die Untersuchung von Auf der Internetseite des Brgerbeauftragten findet sich
Beschwerden trgt der Brgerbeauftragte dazu bei, ein praktischer Leitfaden zur Einreichung einer
Missstnde in der Verwaltungsttigkeit der EUInstitutionen Beschwerde.
aufzudecken also Flle, in denen eine Institution etwas
angeblich nicht richtig oder gar nicht getan hat. Beispiele
fr solche Missstnde:
XXungerechte Behandlung,
XXDiskriminierung,
XXMachtmissbrauch,
XXunntige Verzgerungen,
XXfehlerhafte Verfahren.
Im Rahmen ihrer Ttigkeit mssen die EUInstitutionen Was der EDSB tut
unter Umstnden personenbezogene Informationen ber
Brger und Einwohner der EU speichern und verarbeiten Das Tagesgeschft des EDSB verteilt sich auf zwei
(elektronisch oder anders). Der Europische Verwaltungseinheiten: Die Mitarbeiter des Bereichs
Datenschutzbeauftragte (EDSB) hat darauf zu achten, dass berwachung und Durchsetzung prfen die Einhaltung
dabei die persnlichen Daten und die Privatsphre der der Datenschutzbestimmungen durch die EUInstitutionen,
Menschen geschtzt werden; gleichzeitig soll er den whrend die Mitarbeiter des Bereichs Politik und
EUInstitutionen bewhrte Vorgehensweisen nahelegen. Beratung den Unionsgesetzgeber in Fragen des
Datenschutzes auf verschiedenen Politikfeldern und im
Zusammenhang mit neuen Rechtsvorschriften beraten.
Was der Europische Darber hinaus befasst sich der EDSB mit neuen
Datenschutzbeauftragte tut Technologien, die fr den Datenschutz relevant sein
knnten.
Die Nutzung personenbezogener Daten von
Unionsbrgerinnen und -brgern zum Beispiel Name, Wer meint, dass eine EUInstitution bei der Verarbeitung
Anschrift, Angaben zum Gesundheitszustand oder zum seiner personenbezogenen Daten seine Rechte verletzt hat,
beruflichen Werdegang durch die EUInstitutionen ist kann beim Europischen Datenschutzbeauftragten
durch strenge europische Vorgaben geregelt. Der Schutz Beschwerde einlegen. Ein entsprechendes Formular steht
dieser Daten stellt ein Grundrecht dar. Jede EUInstitution auf der Internetseite des EDSB zur Verfgung.
hat einen Datenschutzbeauftragten, der ber die Einhaltung
der Vorschriften wacht; beispielsweise drfen Daten nur aus
ganz bestimmten und zulssigen Grnden verarbeitet
werden. Des Weiteren hat derjenige, dessen Daten
verarbeitet werden, bestimmte einklagbare Rechte, wie etwa
das auf Berichtigung der Daten. Aufgabe desEDSB ist es,
die Datenschutzmanahmen und-regelungen der
EUInstitutionen zu kontrollieren und dafr zu sorgen, dass
sie hchsten Anforderungen gengen. Auerdem befasst
sich der EDSB mit Beschwerden und fhrt Untersuchungen
durch. Zuseinenweiteren Aufgaben gehren:
Die Europische Investitionsbank (EIB) ist die Bank der Die EIB verfgt ber das bestmgliche Rating (AAA).
Europischen Union und gehrt den Mitgliedstaaten. Ihre Gewhnlich decken ihre Darlehen bis zu 50% der
Aufgabe besteht darin, Darlehen zur Finanzierung von Projektkosten. Sie funktioniert als Katalysator, indem sie
Projekten zu gewhren, die die Ziele der Union untersttzen, Mittel anderer Geldgeber mobilisiert. Darlehen ber 25Mio.
z.B. in den Bereichen Energie- und Verkehrsnetze, vergibt sie direkt an ffentliche und private
kologische Nachhaltigkeit und Innovation. Schwerpunkte der Krperschaften, z.B. Regierungen und Unternehmen. Im Fall
Ttigkeit der EIB sind die Schaffung neuer Arbeitspltze in niedrigerer Darlehen stellt die EIB Geschftsbanken und
Europa und die Steigerung des Wachstumspotenzials von anderen Geldinstituten Kreditlinien zur Verfgung, die die
Europa, die Frderung von Klimaschutzmanahmen sowie EIBMittel dann an mittelstndische Unternehmen bzw.
die Untersttzung der EUPolitik auerhalb der europischen ffentliche Kreditnehmer fr kleinere Projekte
Grenzen. weiterverleihen.
Als grter multilateraler Kreditnehmer und -geber bietet die XXInnovation und Qualifikation
EIB Finanzierungen und Knowhow fr solide und nachhaltige
Investitionsvorhaben, die meisten davon innerhalb der EU. XX Zugang zu Finanzmitteln fr kleine Unternehmen
EisenbahnHochgeschwindigkeitsstrecken, die Autobahnbrcke
bei Millau in Frankreich, Hochwasserschutzmanahmen in XXKlimaschutz
Der Bau einer neuen Eisenbahnstrecke ist ein Vorhaben, fr das die Europische Investitionsbank ein Darlehen gewhren kann.
Agentur der Europischen Union fr Grundrechte (FRA) Europisches Institut fr Gleichstellungsfragen (EIGE)
Europische Agentur fr die operative Zusammenarbeit an Exekutivagentur fr kleine und mittlere Unternehmen
den Auengrenzen der Mitgliedstaaten der Europischen (EASME)
Union (Frontex)
Exekutivagentur fr Verbraucher, Gesundheit und
Europische Agentur fr die Sicherheit des Seeverkehrs (EMSA) Lebensmittel (Chafea)
Verffentlichungen ber die EU sind nur einen Mausklick entfernt auf der Website des EU
Bookshop: [Link]
Fr Ausknfte und Verffentlichungen ber die Europische Union in deutscher Sprache wenden Sie sich bitte an:
Lefkosa
Diese Fragen werden hier beantwortet. Darber hinaus erhalten Sie einen berblick
ber die Einrichtungen und sonstigen Stellen, die in der EU mitarbeiten. Wir hoffen,
dass die vorliegende Broschre Ihnen ein ntzlicher Wegweiser durch die
Entscheidungsverfahren der Europischen Union ist.
ISBN 978-92-79-39907-7
doi:10.2775/10989
DIE EUROPISCHE
UNION ERKLRT
Ein digitaler
Binnenmarkt
Hindernisse
fr Europa
beseitigen
Online-Potenzial
ausschpfen
Es is t an d er Zeit , E ur o p a f it f r d as
d igit al e Zeit al t er zu m ac hen d ur c h
d ie Bes eit igun g r egul ier ungs b ed ingter
Bar r ier en f r On l in e-D ien s t e k nn t en
H und er t t aus en d e n eue Ar b eit s p l t ze
ges c haf fen wer d en .
INHALTSVERZEICHNIS
Der EU-Binnenmarkt bietet den europischen Solche Barrieren sind beispielsweise intransparente und
Brgerinnen und Brgern sowie Unternehmen erhebliche unverhltnismig hohe Zustellungskosten,
Freiheiten und Rechte in der gesamten EU zu reisen, vorstzliches Geoblocking von Diensten (Beschrnkung
Handel zu treiben oder ttig zu sein. Diese Freiheiten auf ein Land oder eine Region), fehlende
fhren wiederum dazu, dass Innovationen das grte Internetanschlsse, mangelnde digitale Kompetenz oder
Wachstum und die grte Reichweite erzielen und die ein Flickenteppich voneinander abweichender Regeln in
Brgerinnen und Brger die umfangreichsten der EU. Aus welchem Grund auch immer den
Wahlmglichkeiten und Chancen haben. Europerinnen und Europern entgehen Chancen:
Jedoch ist heutzutage eine wachsende Zahl von Die Brgerinnen und Brger haben keinen
Produkten und Dienstleistungen digital oder online vollstndigen Zugriff auf das breite Spektrum an
verfgbar. Ob Sie sich nun einen Film ansehen oder ein Waren, Dienstleistungen, Produkten oder
Angebot fr einen ffentlichen Auftrag einreichen, Mglichkeiten, die das Internet bietet.
einkaufen oder studieren Sie tun dies wahrscheinlich
(oder htten die Mglichkeit dazu) mithilfe von Online- Der Aktionsradius von Internetunternehmen und
Tools. Start-ups ist begrenzt, und sie knnen nicht so
umfassende Geschfte treiben, wie sie dies gerne
In Europa gibt es nach wie vor Barrieren fr die Nutzung mchten dies bedeutet weniger Arbeitspltze und
solcher Online-Tools und-Dienstleistungen. Und das, weniger Innovation.
obwohl sich die EU bereits seit Jahrzehnten bemht,
diese zu beseitigen.
Menschen in der EU
Warum brauchen wir einen digitalen knnten jhrlich
Binnenmarkt?
FR DIE UNTERNEHMEN
einsparen, wenn ihnen beim
um einfacher Produkte online anbieten zu knnen Online-Einkauf ein umfassendes
um an 500Millioneneuropische Verbraucher online zu verkaufen Angebot an Waren und
Dienstleistungen aus der EU zur
Verfgung stnde.*
15% der Verbraucher haben 2014 online im europischen Ausland eingekauft; 44% taten dies im eigenen Land.
Verbraucher in der EU knnten jhrlich 11,7Mrd. einsparen, wenn ihnen beim Online-Einkauf ein
umfassendes Angebot an Waren und Dienstleistungen aus der EU zur Verfgung stnde.
Kleinere Online-Anbieter, die in einem anderen EU-Land ttig werden wollen, mssen rund 9000 an zustzlichen Kosten fr
Anpassungen an die jeweiligen nationalen Rechtsvorschriften investieren.
Wenn in allen EU-Mitgliedstaaten die gleichen Regeln fr den elektronischen Handel glten, wrden 57% der Unternehmen ihre
Produkte auch in anderen EU-Lndern online anbieten oder ihr Online-Angebot erweitern.
Die Kommission hat einen Plan vorgelegt, der auf drei Die Kommission hat Rechtsvorschriften vorgeschlagen,
Schwerpunkte abzielt, nmlich den Online-Handel die mehr Preistransparenz und eine bessere
anzukurbeln, indem gegen das Geoblocking Regulierungsaufsicht bei den grenzberschreitenden
vorgegangen wird, die grenzberschreitende Paketzustelldiensten bringen sollen. Verbraucher und
Paketzustellung erschwinglicher und effizienter zu Einzelhndler knnen dadurch von gnstigeren Tarifen
gestalten und fr mehr Vertrauen durch einen besseren und praktischen Rcksendemglichkeiten auch dann
Schutz der Verbraucher und eine bessere Durchsetzung profitieren, wenn Sendungen in abgelegene Randgebiete
der geltenden Vorschriften zu sorgen. gehen oder aus diesen verschickt werden.
72% der Internetnutzer in Europa befrchten nach wie vor, dass sie
online zu viele personenbezogene Daten angeben mssen.
59% Nur 59% der Europer, die in Stdten leben, haben die
Mglichkeit, 4G/LTE zu nutzen; auf dem Land sind es sogar
15% nur 15%.
Eine Strkung der fr audiovisuelle Medien fr bestehende als auch fr neue, sowie die Schaffung
zustndigen Regulierungsstellen: Mit der Richtlinie eines wirksamen institutionellen Rahmens.
wird nun sichergestellt, dass die Regulierungsstellen
wirklich unabhngig von den Regierungen und der Die Kommission wird auf den jngst erzielten Erfolgen
Branche sind und ihre Aufgabe bestmglich bei der Abschaffung der Roaming-Gebhren und der
wahrnehmen knnen, nmlich dafr Sorge zu tragen, Einfhrung der Netzneutralitt in die EU-Gesetzgebung
dass die audiovisuellen Medien im Interesse der aufbauen.
Zuschauer handeln.
Gem den neuen EU-Vorschriften ber Netzneutralitt
Mehr europische Kreativitt: Derzeit investieren werden Europas Telekommunikationsbetreiber den
Fernsehveranstalter rund 20% ihrer Einnahmen in gesamten Internetverkehr gleich behandeln und den
selbst produzierte Inhalte, Anbieter von Abrufdiensten Vorrang fr bestimmte Dienste in ihrem Netz, die mehr
dagegen weniger als 1%. Die Kommission mchte, dass Kosten fr den Verbraucher bedeuten, rechtfertigen
die Fernsehveranstalter weiterhin mindestens die Hlfte mssen.
der Sendezeit fr europische Werke aufwenden.
Auerdem wird sie Anbieter von Abrufdiensten
verpflichten, in ihren Katalogen einen Mindestanteil ERNEUTE SENKUNG DER ROAMING-PREISE VOR DER
europischer Inhalte von 20% anzubieten. In dem ABSCHAFFUNG 2017
Vorschlag wird auerdem klargestellt, dass die
Mitgliedstaaten von in ihrem Land verfgbaren Seit dem [Link] 2016 ist das Telefonieren, Versenden
Abrufdiensten verlangen drfen, einen finanziellen von SMS oder Surfen im Internet in einem anderen
Beitrag zu europischen Werken zu leisten. Mitgliedstaat (Roaming) gnstiger als je zuvor. Die
Roaming-Gebhren sind erneut auf einen
Mehr Flexibilitt fr Fernsehveranstalter: Zuschauer, Rekordtiefstand gefallen und werden im Juni 2017
die von zu viel Fernsehwerbung genervt sind, knnen endgltig abgeschafft. Bei Reisen innerhalb der EU
auf werbefreie Online-Angebote umsteigen, die es noch zahlen die Nutzer mobiler Gerte lediglich einen
vor zehn Jahren nicht gab. Die berarbeiteten geringen Betrag zustzlich zu den Inlandspreisen: bis zu
Vorschriften fr die audiovisuellen Medien tragen diesen 0,05EUR pro Minute fr Anrufe, 0,02EUR pro SMS-
und weiteren neuen Gegebenheiten Rechnung. Durch die Nachricht und 0,05EUR pro Megabyte (ohne MwSt.).
berarbeitete Richtlinie erhalten Fernsehveranstalter Dies ist ein kurzer bergangszeitraum, da die Europer
mehr Flexibilitt in Bezug darauf, wann Werbung ab Mitte Juni 2017 die gleichen Preise bezahlen werden,
gezeigt werden darf: Die Obergrenze eines wenn sie ihr Mobiltelefon zu Hause oder anderswo in
Sendezeitanteils von 20% zwischen 7Uhr und 23Uhr der EU benutzen.
bleibt erhalten; anstelle der derzeit erlaubten
12Minuten pro Stunde knnen die Fernsehveranstalter
allerdings nun freier entscheiden, wann im Tagesverlauf ENTWICKLUNG DER NCHSTEN GENERATION DER
sie Werbung zeigen. KOMMUNIKATIONSNETZE, 5G
Diese verschiedenen Manahmen drften sich In Zukunft wird 5G das Kommunikationsnetz der
wirtschaftlich positiv auf die Anbieter von nchsten Generation von allen Menschen und Gerten
Mediendiensten insbesondere Fernsehveranstalter genutzt werden. Im Jahr 2020 wird es 26Milliarden
auswirken und ihre Fhigkeit steigern, in audiovisuelle vernetzte Gerte geben, und 70% der Menschen
Inhalte zu investieren. Dies ist wichtig fr die werden ein Smartphone besitzen. 5G wird nicht nur der
Wettbewerbsfhigkeit des audiovisuellen Sektors tragende Pfeiler des digitalen Binnenmarkts der EU sein,
derEU. sondern das Rckgrat der Industrien der Zukunft,
moderner ffentlicher Dienste und innovativer
Anwendungen wie vernetzter Fahrzeuge, intelligenter
Ein moderner Rechtsrahmen fr die Huser und mobiler Gesundheitsdienste. Um diese
Telekommunikation globale Herausforderung zu meistern, hat sich die EU
mit Sdkorea, Japan, China und Brasilien
Spter in diesem Jahr wird die Kommission eine zusammengetan, um die Zusammenarbeit in diesem
ehrgeizige berarbeitung des EU-Telekommunikations strategischen Bereich zu verstrken, damit es auf
rechts vorlegen. Dies umfasst eine wirksamere internationaler Ebene zu keiner Abschottung bei der
Koordinierung der Funkfrequenzen, die Schaffung von 5G-Entwicklung kommt.
Anreizen fr Investitionen in hochleistungsfhige
Breitbandnetze, die Gewhrleistung gleicher Mit der 5G-Technik wird sich vieles ndern, nicht nur fr
Ausgangsbedingungen fr alle Marktteilnehmer, sowohl Telekommunikationsunternehmen, sondern auch fr
E in digi t aler B innenmark t f r E uropa
11
eine ganze Reihe wichtiger Wirtschaftszweige. Deshalb Mobilfunkdienste vor. Mobilfunkbetreiber, die das
kommt es darauf an, diese Akteure zusammenzubringen 700-MHz-Band nutzen, werden so in der Lage sein, den
und den Aufbau des knftigen Marktes fr 5G-Produkte Verbrauchern hhere bertragungsgeschwindigkeiten
und Dienste zu untersttzen. Die Kommission forderte und hherwertige (d.h. unterbrechungsfreie)
Branchen wie Logistik, Verkehr, Energie, Gesundheit und Breitbandverbindungen anzubieten und grere Gebiete
digitale Fertigung dazu auf, gemeinsam an der zu versorgen, z.B. auch lndliche und entlegene
Aufstellung eines 5G-Aktionsplans zu arbeiten. Es ist Regionen. Dies wird Europa einen groen Schritt
wichtig, gemeinsam ber die notwendigen Manahmen, voranbringen und Breitbandgeschwindigkeiten jenseits
den Zeitplan und Investitionsanreize fr den Aufbau der der 100-Mbit/s-Marke ermglichen. Dadurch wird die EU
grundlegenden 5G-Infrastruktur in der EU zu jenen Regionen der Welt aufschlieen, die im
nachzudenken. Damit soll auf bereits geplanten EU- breitbandigen 4G-Mobilfunk fhrend sind (wie Sdkorea
Investitionen in die 5G-Forschung und Innovation oder die USA). Sobald dann bis 2020 konkrete
(700Mio. bis 2020) aufgebaut werden, sodass die 5G-Normen vorliegen sowie die entsprechenden
europischen Unternehmen im Jahr 2020 beginnen Technologien und Ausrstungen verfgbar sind, werden
knnen, 5G-Produkte und-Dienste anzubieten. die Mobilfunkbetreiber eine gute Ausgangsposition fr
die Einfhrung von 5G-Diensten haben. Weitere Schritte
Erst krzlich hat die Kommission einen wichtigen Schritt zur Koordinierung der Frequenznutzung in der EU sind
unternommen, um den Weg fr 5G-Netze in der EU zu als Teil der im Herbst2016 anstehenden Reform des
ebnen. Sie legte einen Vorschlag zur Koordinierung der EU-Telekommunikationsrechts vorgesehen.
Nutzung von Funkfrequenzen im 700-MHz-Band fr
12 D I E E U R O P I S C H E U N I O N E R K L R T
Die Kommission hat einen gezielten, auf Grundstzen Ein faires und innovationsfreundliches
basierenden Ansatz dargelegt, um Probleme zu lsen, Geschftsumfeld: Die Kommission wird eine
auf die die Teilnehmer der ffentlichen Konsultation der Bestandsaufnahme zu den Fragen durchfhren, die
Kommission whrend der einjhrigen Bewertung zu Unternehmen und Dienstleister, die direkt mit
Plattformen hingewiesen hatten. Die Kommission wird Plattformanbietern interagieren, in der ffentlichen
die Bemhungen der Branche und der Interessentrger Konsultation aufgeworfen haben. Dazu gehren z.B.
zur Selbst- und Koregulierung untersttzen, damit Bedenken wegen unfairer Geschftsbedingungen,
dieser Ansatz flexibel und zeitgem bleibt. Die insbesondere in Bezug auf den Zugang zu wichtigen
Handlungsbereiche sind die folgenden: Datenbanken, den Marktzugang und einen allgemeinen
Mangel an Transparenz. Auf dieser Grundlage wird die
Vergleichbare Regelungen fr vergleichbare digitale Kommission im Frhjahr 2017 ermitteln, ob in diesem
Dienste: Fr vergleichbare digitale Dienstleistungen Bereich zustzliche Manahmen auf EU-Ebene
sollten dieselben oder hnliche Vorschriften gelten, und notwendig sind.
die Kommission sollte mglichst den Umfang und das
Ausma der bestehenden Regulierung verringern. Die In ihrer Europischen Agenda fr die partizipative
Kommission wird diese Grundstze bei der laufenden Wirtschaft hat die Kommission auch Orientierungshilfen
berarbeitung des EU-Telekommunikationsrechts und zu geltenden EU-Rechtsvorschriften geliefert und den
der e-Datenschutzrichtlinie anwenden, so etwa bei der Mitgliedstaaten Empfehlungen unterbreitet.
Prfung der Frage, ob die Vertraulichkeitsvorschriften
sowohl fr Anbieter von elektronischen
Kommunikationsdiensten als auch fr traditionelle Eine Partnerschaft mit der Industrie
Telekommunikationsunternehmen gelten sollten. zum Thema Cybersicherheit
Studien zufolge knnte das Wirtschaftswachstum in der EU bis 2020 durch die Auswertung von Big Data zustzlich um 1,9%
gesteigert werden, was einem Anstieg des BIP um 206Mrd. entsprche.
Die Kommission hat Plne vorgestellt, wie sie die Zwar sind personenbezogene Daten durch EU-
Wirtschaft, KMU, Forschung und Behrden in der EU bei Vorschriften abgedeckt und geschtzt, fr andere Arten
der optimalen Nutzung der neuen Technologien zu von Daten gibt es jedoch keine klaren Leitlinien. Jede
untersttzen gedenkt. Sekunde werden groe Mengen an Daten erzeugt von
Menschen erstellt oder von Maschinen generiert, z.B.
Die Kommission prsentierte ein Manahmenpaket zur von Sensoren abgetastete Klimadaten, Satellitenbilder,
Untersttzung und Verknpfung nationaler Initiativen, digitale Bilder und Videos, Aufzeichnungen von
mit denen die Digitalisierung von Unternehmen aus Kaufvorgngen oder GPS-Signale. Sie stellen eine
allen Branchen und der entsprechenden Goldgrube fr Forschung, Innovation und neue
Dienstleistungen vorangebracht und gesttzt auf Geschftsmglichkeiten dar. Jedoch verbleiben die
strategische Partnerschaften und Netze neue Daten oft in teuren nationalen Datenzentren (z.B.
Investitionsanreize geschaffen werden sollen. Zudem aufgrund von Bestimmungen der Mitgliedstaaten, die
hat die Kommission konkrete Manahmen Daten in ihrem Hoheitsgebiet zu halten). Unntige
vorgeschlagen, um die Entwicklung gemeinsamer Beschrnkungen sollten beseitigt bzw. unterbunden
Normen in Schwerpunktbereichen, etwa fr werden. Die nationalen Systeme sollten besser
5G-Kommunikationsnetze, zu beschleunigen und die aufeinander abgestimmt werden, um einen besseren
ffentlichen Dienste zu modernisieren. Die Plne der Datenverkehr und die Entwicklung neuer
Kommission sehen u.a. als erstes Ziel die Einrichtung vielversprechender Technologien wie Cloud Computing
einer Europischen Cloud vor, mit der eine virtuelle und das Internet der Dinge zu ermglichen. Die
Umgebung geschaffen wird, in der Europas 1,7Millionen Kommission wird die verschiedenen rechtlichen und
Forscher und 70Millionen Fachkrfte in Wissenschaft technischen Hindernisse prfen, um anschlieend die
und Technologie eine gewaltige Menge an Manahmen zu deren berwindung festzulegen.
Forschungsdaten speichern, verwalten, auswerten und
wiederverwenden knnen.
E in digi t aler B innenmark t f r E uropa
15
NA-04-15-798-DE-N
D I E E U R O P I S C H E U N I O N E R K L R T
Weitere Informationen
ISBN 978-92-79-52476-9
Europische Union (EU)
7
7.1Entstehung
Der Zweite Weltkrieg war fr Europa eine Zsur. Krieg als Mittel der Politik sollte
der Vergangenheit angehren, ein auf friedlicher Nachbarschaft grndender Inte-
grationsprozess die Zukunft des Kontinents sein. Die Motive fr die europische
Einigung waren Schmuck (2012, S.6) zufolge sowohl politischer als auch wirt-
schaftlicher Natur:
Die EU nimmt im Verhltnis zu den anderen in diesem Band behandelten IGOs einen
breiteren Raum ein. Dies ist dem zunehmenden Einfluss der EU auf die Regierungen und
Verwaltungen sowie auf die Brgerinnen und Brger ihrer 28 Mitgliedstaaten geschuldet.
1
Ausfhrlich zu den europischen Einigungsversuchen siehe Kap.9 zum Europarat.
7.1Entstehung 151
Am 20. Juni 1950 nahmen Frankreich, Deutschland sowie die dem Schumann-
Plan ebenfalls aufgeschlossen gegenberstehenden Lnder Italien, Belgien, die
Niederlande und Luxemburg Gesprche auf. Nach zhen Verhandlungen, insbe-
sondere ber die Kompetenzen der Hohen Behrde, unterzeichneten die sechs
Staaten am 18. April 1951 den Vertrag zur Errichtung der EGKS.
Nach der Ratifizierung durch die Grndungsstaaten trat der Vertrag am 23.
Juli 1952 in Kraft. Mit ihm wurden vier Behrden geschaffen: Die Hohe Behrde
(Vorlufer der heutigen Europische Kommission), der Ministerrat (Vorlufer des
heutigen Rates der EU), die Gemeinsame Versammlung (Vorlufer des heutigen
Europischen Parlaments) sowie ein Gerichtshof (Vorlufer des heutigen Europi-
schen Gerichtshofs).
Mit der auch als Montanunion bezeichneten EGKS wurden erstmals wenn
auch nur auf die Bereiche Kohle und Stahl beschrnkt Souvernittsrechte von
Nationalstaaten auf gemeinsame Organe einer supranationalen Organisation ber-
tragen.
Die EGKS sollte den ersten Grundstein fr eine weitere und vertiefte Gemein-
schaft unter Vlkern2 legen. Vom Willen geprgt, die Zusammenarbeit auf weite-
re Bereiche auszudehnen und das Scheitern der Europischen Verteidigungsge-
meinschaft (EVG) 1954 vergessen zu lassen, nahmen die sechs EGKS-Mitglieder,
allen voran der belgische Auenminister Paul-Henri Spaak, eine Weiterentwick-
lung der europischen Integration in den Blick. Auf einer Konferenz in Messina
vom 1.3. Juni 1955 einigten sich die Auenminister auf eine neue Initiative zur
wirtschaftlichen, atomaren und verkehrstechnischen Integration. Zwei Jahre lang
wurde verhandelt, bis ein Durchbruch erzielt werden konnte. Am 25. Mrz 1957
wurden in Rom die Vertrge zur Grndung einer Europischen Wirtschaftsge-
meinschaft (EWG) und einer Europischen Atomgemeinschaft (EAG) unter-
zeichnet. Der EWG-Vertrag sah in Art.2 die Errichtung eines gemeinsamen Mark-
tes und die schrittweise Annherung der Wirtschaftspolitiken der Mitgliedstaaten
vor; in Art.3 u.a. die Abschaffung der Zlle und mengenmigen Beschrnkun-
gen bei der Ein- und Ausfuhr von Waren. Damit wurde durch den EWG-Vertrag
de facto eine Zollunion geschaffen. Ziel des EAG-Vertrags war die zivile Nut-
zung der Atomenergie, die als unentbehrlich fr die Entwicklung und Belebung
der Wirtschaft angesehen wurde (Mittag 2008, S.107f.). Beide auch als Rmische
Vertrge bezeichneten Abkommen traten am 1. Januar 1958 in Kraft und waren
ebenfalls supranational ausgerichtet.
Im Fusionsvertrag vom 8. April 1965, der am 1. Juli 1967 in Kraft trat, wur-
den einheitliche Organe (Ministerrat, Kommission, Parlament) fr die drei Euro-
2
Aus der Prambel des EGKS-Vertrags, abgedruckt in Gasteyer (2005, S.90f.).
152 7 Europische Union (EU)
pischen Gemeinschaften (EGKS, EWG und EAG) geschaffen. Damit war die
Grundlage fr die durch den Reformvertrag von Maastricht (1993) gegrndete
und durch die Vertrge von Amsterdam (1999), Nizza (2003) und zuletzt Lissabon
(2009) weiterentwickelte Europische Union (EU) gelegt.
ber die Rechtsnatur der EU wird kontrovers diskutiert, weil sie sich kei-
ner Kategorie staatlicher Zusammenschlsse eindeutig zuordnen lsst. Sie weist
erstens Merkmale einer internationalen Organisation auf, wie UNO, NATO und
Europarat, insofern als auch sie durch einen vlkerrechtlichen Vertrag gegrn-
det worden ist und mit eigenen Organen (in Brssel, Straburg und Luxemburg),
Kompetenzen, finanziellen Mitteln und Personal ausgestattet ist. Zweitens eines
Staatenbundes (Konfderation), weil auch sie supranationale Organe besitzt,
denen die souvern gebliebenen Mitgliedstaaten einzelne politische Angelegen-
heiten bertragen haben. Drittens eines Bundesstaates, weil dessen strukturellen
Elemente Legislative, Exekutive und Judikative auf europischer Ebene (in Ge-
stalt von Rat, Europisches Parlament, Kommission und Europischer Gerichts-
hof) vorhanden sind. Von einer internationalen Organisation und einem Staaten-
bund unterscheidet sich die EU aber grundlegend dadurch, dass ihre Organe ver-
bindliches Recht fr die Mitgliedstaaten setzen. Im Unterschied zu einem Staat
hat die EU jedoch kein Staatsgebiet und kein Staatsvolk, die Brger ihrer Mit-
gliedstaaten aber immerhin eine von der nationalen Staatsbrgerschaft abgeleitete
Unionsbrgerschaft.
Das Bundesverfassungsgericht hat die EU in seinem Maastricht-Urteil vom
12. Oktober 1993 als Staatenverbund charakterisiert.3 Im Urteil zum Vertrag
von Lissabon vom 30. Juni 2009 spricht das Gericht ebenfalls von einem Staaten-
verbund, der eine enge, auf Dauer angelegte Verbindung souvern bleibender
Staaten umfasse.4 Will man der Schwierigkeit der eindeutigen Zuordnung der EU
Rechnung tragen, lsst sie sich am besten als Staatenverbindung sui generis be-
zeichnen.5
3
BVerfGE 89, 155 vom 12. Oktober 1993.
4
BVerfG, 2 BvE 2/08 vom 30. Juni 2009.
5
Zur ausfhrlichen Charakterisierung der EG/EU in der staatsrechtlichen und politikwissen-
schaftlichen Literatur siehe Furtak (2005, S.5160).
7.2Entwicklung 153
7.2Entwicklung
Grobritannien hatte, wie erwartet, nicht nur den Beitritt zum EGKS-Vertrag, son-
dern auch zum EWG- und zum EAG-Vertrag abgelehnt und damit jeder Form von
Souvernittsbertragung auf eine supranationale Organisation eine Absage erteilt.
Stattdessen unterzeichneten die Briten 1959 mit Dnemark, Norwegen, sterreich,
Portugal, der Schweiz und Schweden einen Vertrag ber eine Europische Frei-
handelszone (European Free Trade Association EFTA), die eine wirtschaftliche
Zusammenarbeit ohne Abgabe von Souvernittsrechten beinhaltete.
Doch politische und wirtschaftspolitische Realitten London drohte die Iso-
lation und der britischen Wirtschaft schwerer Schaden zwangen Grobritannien
zur Kehrtwende. Unter Premierminister Harold MacMillan wurden 1961 Beitritts-
verhandlungen aufgenommen, die zunchst ein positives Echo hervorriefen. Doch
die britische Forderung nach Sonderregelungen und sogar nderungen der Ge-
meinschaftsvertrge fhrten rasch zu einer Ernchterung mit der Konsequenz, dass
Frankreich am 14. Januar 1963 durch seinen Staatsprsidenten Charles de Gaulle
ein Veto gegen den britischen Beitrittsantrag einlegte.
Innerhalb der Gemeinschaft wurden indes Fortschritte erzielt. 1962 einigte
man sich auf die ersten vier gemeinsamen Marktordnungen und die Einrichtung
des Europischen Ausrichtungs- und Garantiefonds fr die Landwirtschaft
(EAGFL). Frankreich und Deutschland schlossen am 22. Januar 1963 den Fran-
zsisch-Deutschen-Freundschaftsvertrag (Elyse-Vertrag) ab. Darin wurden
regelmige Konsultationen in der Wirtschafts-. Auen- und Verteidigungspolitik
sowie eine Zusammenarbeit in kulturellen Angelegenheiten und ein Jugendaus-
tausch vereinbart.
In eine kurzfristige Krise, geriet die Gemeinschaft als Frankreich vom 1. Juli
1965 bis 30. Januar 1966 die Sitzungen im damaligen Ministerrat boykottierte,
wodurch die EWG beschlussunfhig wurde. Hintergrund dieses als Politik des
leeren Stuhls in die europische Integrationsgeschichte eingegangenen Verhaltens
war, dass de Gaulle Plne der Kommission zur Finanzierung der gemeinsamen Ag-
rarpolitik sowie zum bergang von Konsens- zu Mehrheitsentscheidungen im Rat
ablehnte. Die Obstruktionspolitik Frankreichs endete erst mit dem Luxemburger
Kompromiss vom 29. Januar 1966, in dem sich die sechs Mitgliedstaaten darauf
einigten, dass bei kontroversen Entscheidungen im Ministerrat grundstzlich ein
Kompromiss anzustreben sei.
6
Zu den Ausfhrungen in den Kap.[Link].4 vgl. Mittag (2008) sowie Brunn (2009).
154 7 Europische Union (EU)
Mitte der 1960er Jahre rckte erneut Grobritannien in den Fokus der Europa-
politik. In der Erkenntnis, dass die EFTA-Mitgliedschaft die wirtschaftlichen Pro-
bleme des Landes nicht lsen kann, stellte der Premierminister Harold Wilson am
11. Mai 1967 den zweiten Beitrittsantrag Grobritanniens. Doch wenige Monate
spter, im November 1967, legte de Gaulle erneut sein Veto ein und sorgte damit
fr nachhaltigen Zwist unter den Mitgliedstaaten.
Erst unter dem Nachfolger de Gaulles, George Pompidou, kam es zu einer Neu-
ausrichtung der franzsischen EG-Politik. Auf dem Gipfeltreffen der Staats- und
Regierungschefs in Den Haag am 1./2. Dezember 1969 einigte man sich auf neue
Regelungen zur Finanzierung der Gemeinsamen Agrarpolitik, und Frankreich
signalisierte seine Zustimmung zur Aufnahme von Beitrittsverhandlungen nicht
nur mit Grobritannien, sondern auch mit Dnemark, Irland und Norwegen. Die
Verhandlungen fanden von 1970 bis 1972 statt und fhrten, trotz kontroverser
Standpunkte, insbesondere in Fragen der Fischereipolitik, zu einem erfolgreichen
Abschluss.
die Brgerinnen und Brger der Mitgliedstaaten direkt Einfluss auf dessen Zu-
sammensetzung nehmen konnten. Allerdings wurden dem EP trotz Legitimierung
durch direkte Wahlen lediglich Anhrungs- und keine Mitentscheidungsrechte ein-
gerumt.
Nach der Norderweiterung 1973 erfolgte die Sderweiterung mit den Beitrit-
ten Griechenlands (1981) sowie Spaniens und Portugals (1986). Alle drei Staa-
ten hatten sich zuvor ihrer autoritren Regime entledigt und sich zur Demokratie
hingewandt. Der Beitritt sollte sowohl die demokratischen Strukturen festigen als
auch die betrchtlichen wirtschaftlichen Probleme lsen helfen.
Das Jahr 1985 markierte den Beginn der Personenverkehrsfreiheit in Europa.
Am 14. Juni beschlossen Deutschland, Frankreich sowie die Benelux-Staaten mit
der Unterzeichnung des Schengener Abkommens den schrittweisen Abbau der
Personenkontrollen an den Binnengrenzen.
Ein erster wesentlicher Schritt zur Vertiefung der Integration erfolgte zum 1. Ja-
nuar 1987 mit dem Inkrafttreten der Einheitlichen Europischen Akte (EEA). Sie
stellte die erste umfassende nderung der Grndungsvertrge von EGKS, EWG
und EAG dar, insofern als sie die Vollendung des Europischen Binnenmarktes
zum 1. Januar 1993, eine Ausdehnung der Zustndigkeiten der Gemeinschaft auf
weitere Politikfelder (z.B. auf die Umweltpolitik) sowie eine Strkung der Rechte
des EP vorsah.
Mit dem Fall der Berliner Mauer im November 1989, der Wiedervereinigung
Deutschlands im Oktober 1990 sowie dem Zerfall der Sowjetunion (1990/1991)
sah sich die Gemeinschaft neuen Herausforderungen gegenber. Doch trotz dieser
historischen Ereignisse verlor insbesondere der damalige Kommissionsprsident
Jaques Delors die Vollendung des Binnenmarktes sowie die Schaffung einer Wirt-
schafts- und Whrungsunion nicht aus dem Blick. Schon im April 1989 war im
sogenannten Delors-Bericht festgehalten und im Juni durch den Europischen Rat
bekrftigt worden, dass die erste Stufe der Wirtschafts- und Whrungsunion
(WWU) mit einer Liberalisierung des Kapitalverkehrs, einer Strkung der Befug-
nisse der Zentralbank-Prsidenten sowie eine Annherung der Wirtschaftspolitiken
der Mitgliedstaaten zum 1. Juli 1990 in Kraft treten soll.
Im Jahre 1990 stellten Bundeskanzler Helmut Kohl und der franzsischen Staats-
prsident Franois Mitterand die Weichen fr die Einberufung einer Regierungs-
konferenz zur Schaffung einer politischen Union. Vom 9.10. Dezember 1991 tag-
ten die Staats- und Regierungschefs der 12 EG-Lnder in Maastricht und einigten
156 7 Europische Union (EU)
7
Grobritannien und Dnemark haben sich in Protokollen zu den EU-Vertrgen zusichern
lassen, den Euro nicht einfhren zu mssen.
7.2Entwicklung 157
Europische Union
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trge innerhalb von 15 Jahren. Der Vertrag von Nizza, der am 26. Februar 2001
unterzeichnet wurde und am 1. Februar 2003 in Kraft trat, sollte die Union auf die
fr 2004 geplante groe Erweiterungsrunde vorbereiten und beinhaltete deshalb
u.a. eine Neugewichtung der Stimmen im Ministerrat, eine Ausweitung der Mehr-
heitsentscheidungen sowie nderungen in der Gre und Zusammensetzung der
Europischen Kommission. Ein weiteres Ergebnis war die Einigung auf die (aller-
dings in den Anhang verschobene) Europische Grundrechtecharta. Strukturelle
nderungen an der 3-Sulen-Konstruktion sah Nizza nicht vor.
158 7 Europische Union (EU)
Im Jahr 2001 diskutierten Europas Eliten verstrkt ber die Zukunft der EU. Im
Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage, welche zuknftige Gestalt die Union
haben soll Staatenbund oder Bundesstaat. Zunehmend setzte sich die Idee eines
neuen Vertragswerks mit verfassungshnlichem Charakter durch. Auf ihrem Gip-
feltreffen im belgischen Laeken im Dezember 2001 verabschiedeten die Staats-
und Regierungschefs die Erklrung von Laeken, mit der ein Konvent zur Aus-
arbeitung eines Europischen Verfassungsvertrags einberufen wurde. Am 18. Juli
2003 legte der Konventsprsident Valry Giscard dEstaing den Entwurf mit der
Bezeichnung Vertrag ber eine Verfassung fr Europa vor. Dieser beinhaltete
eine neue Architektur der EU und zahlreiche nderungen in Bezug auf Kompeten-
zen, Organe und Entscheidungsverfahren.
Bei der Arbeit des Konvents waren bereits Vertreter von zehn mittel- und ost-
europischen Staaten vertreten, deren Beitritt kurz bevorstand. Am 1. Mai 2004
wurde dann formal die Osterweiterung der EU abgeschlossen: Estland, Lettland,
Litauen, Malta, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn und Zypern wur-
den aufgenommen, wodurch die Union auf 25 Mitglieder anwuchs. Mit dieser Er-
weiterungsrunde war die Spaltung Europas gnzlich berwunden. Bereits wenige
Monate spter, am 13. Juni 2004, fanden Wahlen zum EP unter Mitwirkung der
Brger aus den neuen Mitgliedstaaten statt.
Am 29. Oktober 2004 unterzeichneten die Staats- und Regierungschefs in Rom
den Verfassungsvertrag, der von Spanien als erstem EU-Mitglied in einem Refe-
rendum am 10. Februar 2005 ratifiziert wurde. In Deutschland stimmten Bundes-
tag und Bundesrat im Mai zu. In Frankreich und den Niederlanden waren ebenso
wie in Spanien Referenden angesetzt. Doch entgegen allen Erwartungen votierten
die Brgerinnen und Brger in Frankreich am 29. Mai 2005 und in den Niederlan-
den wenige Tage spter gegen den Verfassungsvertrag.
Fr die Befrworter der Europischen Integration waren die negativen Referen-
den, zumal durch zwei Grndungsmitglieder der EG/EU, ein schwerer Rckschlag.
Ein weiter so schien kaum mglich, auch wenn bis zu den Abstimmungen in
Frankreich und den Niederlanden bereits 11 Mitgliedstaaten den Verfassungsver-
trag ratifiziert hatten und dieser im Falle einer Ratifizierung durch zwei Drittel der
Mitglieder htte in Kraft treten knnen. Die Staats- und Regierungschefs beschlos-
sen deshalb noch im Juni 2005, das Ratifizierungsverfahren bis Mitte 2007 zu ver-
lngern, um den Mitgliedstaaten fr die Vermittlung des Vertragsinhalts mehr Zeit
zu geben.
Im Mrz 2007, als die EU in Berlin ihr 50-jhriges Bestehen feierte, war in-
des schon klar, dass der Verfassungsvertrag zum Scheitern verurteilt war. Deshalb
7.2Entwicklung 159
(XURSlLVFKH8QLRQ
3ROLWLNEHUHLFKHGHU(8
6XSUDQDWLRQDOH=XVDPPHQDUEHLW
Weitere wesentliche Neuerungen waren die Schaffung der mter eines Pr-
sidenten des Europischen Rates sowie eines Hohen Vertreters der Union fr die
Auen- und Sicherheitspolitik, die Ausweitung der Mehrheitsentscheidungen im
Rat, die Zuerkennung der Rechtspersnlichkeit fr die EU, die Strkung des EP
und der nationalen Parlamente bei der Rechtsetzung der EU und die Einfhrung
eines Europischen Brgerbegehrens. Darber hinaus wurde die Europische
Grundrechtecharta, die den Unionsbrgern in Ergnzung zur Europischen
Menschenrechts-Konvention (EMRK) des Europarates einen zustzlichen Grund-
rechtsschutz bietet, als verbindlicher Bestandteil in den Vertrag aufgenommen.
Mit dem Vertrag von Lissabon waren zwar viele Streitpunkte beigelegt worden,
die noch zum Scheitern des Verfassungsvertrags gefhrt hatten, doch die Ratifi-
zierung in den Mitgliedstaaten lief alles andere als reibungslos. Zwar ratifizierte
Ungarn im Dezember 2007 als erstes Land den neuen Reformvertrag, doch im Juni
2008 erlebte Europa ein dej vu: In einem Referendum stimmten die Brgerin-
nen und Brger Irlands gegen den Vertrag. Die EU stand damit vor der Frage, den
7.2Entwicklung 161
Vertrag mglicherweise nicht in Kraft setzen zu knnen oder die von irischer Seite
formulierten Bedingungen fr ein zweites Referendum zu erfllen.
Im Dezember 2008 wurde der irischen Regierung zugesichert, dass die Kom-
mission nicht (wie in Art.17V EUV vorgesehen) verkleinert wird und damit jedes
Land auch in Zukunft einen Kommissar stellen kann. Ferner sollte Irland rechtliche
Garantien in der Steuerpolitik, in sozialen und ethischen Fragen sowie in der Euro-
pischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik erhalten. Im Gegenzug versprach
die irische Regierung, sich fr den Erfolg eines zweiten Referendums einzusetzen.
Im April 2009 hatte auer Irland, Tschechien und Polen auch Deutschland den
Vertrag von Lissabon noch nicht ratifiziert. Hintergrund war eine Verfassungsbe-
schwerde, ohne deren Behandlung durch das Bundesverfassungsgericht (BVerfG)
Bundesprsident Horst Khler nicht unterschreiben wollte. Am 30. Juni erklrte
das BVerfG den Vertrag von Lissabon als vereinbar mit dem Grundgesetz, forderte
aber strkere Mitwirkungsrechte fr Bundestag und Bundestag. Das im September
2009 beschlossene Gesetz ber die Wahrnehmung der Integrationsverantwortung
des Bundestages und des Bundesrates in Angelegenheiten der Europischen Uni-
on (Integrationsverantwortungsgesetz) trug dieser Forderung Rechnung.
Am 2. Oktober 2009 stimmten die irischen Brgerinnen und Brger dem Ver-
trag von Lissabon mehrheitlich zu. Nachdem in Deutschland, Polen und Tsche-
chien die Prsidenten ihre Unterschrift unter das Vertragswerk gesetzt hatten, trat
der Reformvertrag zum 1. Dezember 2009 in Kraft.
Auslser der Finanz- und Staatsschuldenkrise der EU, die Ende 2009 begann, war
die verheerende Haushaltssituation in Griechenland. Im Oktober 2009 legte Grie-
chenland das ganze Ausma seiner Schuldenmisere offen: Eine Staatsverschuldung
von rund 130% sowie eine Neuverschuldung von rund 15% des Bruttoinlands-
produkts (BIP). Nach den Maastrichter Konvergenzkriterien fr die Teilnahme an
der Wirtschafts- und Whrungsunion darf der Schuldenstand jedoch maximal 60%
sowie die jhrliche Neuverschuldung maximal drei Prozent des BIP betragen. Auf
das Hilfeersuchen der griechischen Regierung reagierte die EU zunchst dadurch,
dass die Europische Kommission im Februar 2010 den griechischen Haushalt
ihrer Kontrolle unterstellte. Im Mai einigten sich die Euro-Lnder und der Inter-
nationale Whrungsfonds (IWF) auf ein Hilfspaket in Hhe von 130Mrd., wh-
8
Vgl. hierzu insbesondere Heinemann/Schmuck (2012, S.1ff.).
162 7 Europische Union (EU)
rend Athen ein Reform- und Sparpaket schnrte, das Lohn- und Rentenkrzungen
sowie Steuererhhungen vorsah, was zu massiven Unruhen im Land fhrte.
Am 8. Mai 2010 beschlossen die Staats- und Regierungschefs der EU einen
temporren Rettungsschirm fr krisengeschttelte Euro-Staaten. Ziel dieses
Rettungsschirms, der auf drei Jahre angelegt war und Kreditermchtigungen im
Umfang von maximal 750Mrd. beinhaltete, war es, den Euro zu stabilisieren und
Spekulationen auf eine Zahlungsunfhigkeit weiterer verschuldeter Euro-Staaten
zu stoppen. Rund ein Jahr spter, am 21. Juli 2011, unterzeichneten die Euro-Ln-
der den Vertrag zur Errichtung eines dauerhaften Europischen Stabilittsme-
chanismus (ESM), der den provisorischen Euro-Rettungsschirm ablsen sollte.
Darber hinaus beschlossen sie ein zweites Hilfspaket fr Griechenland. Mit dem
ESM, dem 750 Mrd. zur Verfgung gestellt wurden, sollen zahlungsunfhige
Mitgliedstaaten der Eurozone finanziell unter Einhaltung wirtschaftspolitischer
Auflagen mit Krediten der Gemeinschaft der Euro-Staaten untersttzt werden.
Deutschland ist am ESM mit 190Mrd. beteiligt.
Um die sich weiter verschrfende Finanzlage in Griechenland in den Griff zu
bekommen, beschloss der Europische Rat am 26./27 Oktober 2011 einen Schul-
denschnitt: Private Glubiger sollten auf 50% ihrer Forderungen (rund 100Mrd.)
verzichten, wodurch der Schuldenstand Griechenlands, der 2011 bei rund 165%
des BIP lag, bis zum Jahr 2020 auf 120% gedrckt werden soll. Darber hinaus
wurde vereinbart, dem Land bis zum Jahr 2014 weitere 100Mrd. zu leihen (Caesar
2012, S.11ff.).
Anfang Mrz 2012 unterzeichneten alle EU-Staaten (mit Ausnahme der Tsche-
chischen Republik und Grobritanniens) den Vertrag ber Stabilitt, Koordinie-
rung und Steuerung in der Wirtschafts- und Whrungsunion, auch Fiskalpakt
genannt. Er sieht u.a. eine strkere Koordinierung der Wirtschaftspolitiken, stren-
gere Haushaltsdisziplin samt Einfhrung einer Schuldenbremse sowie ein auto-
matisches Defizitverfahren mit Sanktionen vor. Im Juni 2012 stimmten Bundestag
und Bundesrat dem Fiskalpakt sowie dem ESM zu. Allerdings reichten die Frakti-
on Die Linke, einzelne Abgeordnete des Bundestags sowie 37.000 Brgerinnen
und Brger eine Verfassungsbeschwerde beim BVerfG mit der Begrndung ein,
der ESM und der Fiskalpakt hhlten das Haushaltsrecht des Bundestags aus, weil
die Entscheidungen des ESM-Gremiums ber Milliardenhilfen nicht demokratisch
legitimiert seien. Das BVerfG wies die Verfassungsbeschwerden am 12. September
zwar ab, machte jedoch deutlich, dass sichergestellt werden msse, dass die Haf-
tung Deutschlands nicht ber die vereinbarten 190Mrd. hinausgehen drfe. Zum
8. Oktober 2012 trat der ESM in Kraft.
Auf dem EU-Gipfel am 18./19. Oktober 2012 in Brssel berieten die Staats- und
Regierungschefs ber Reformvorschlge, die im Juni vom Prsidenten des Euro-
pischen Rates, vom Kommissionsprsidenten, vom Chef der Euro-Gruppe und
7.2Entwicklung 163
9
Der Streit entbrannte an der Frage, ob und inwieweit die Staats- und Regierungschefs bei
ihrem Vorschlag an das Ergebnis der Europawahl gebunden sind. Nach Art. 17 VII EUV
bercksichtigt er [der Europische Rat] das Ergebnis der Wahlen zum Europischen Parla-
ment. Insbesondere Grobritannien und Ungarn sahen keinen Automatismus zwischen dem
Ergebnis der Europawahl und dem Vorschlag fr das Amt des Kommissionsprsidenten,
weshalb beide Staaten gegen die Nominierung Junckers votierten.
164 7 Europische Union (EU)
15. Juli vom EP mit groer Mehrheit gewhlt.10 Die Wahl des polnischen Minister-
prsidenten Donald Tusk zum Prsidenten des Europischen Rates und der italie-
nischen Auenministerin Federica Mogherini zur Hohen Vertreterin der Union fr
die Auen- und Sicherheitspolitik auf einem Sondergipfel der Staats- und Regie-
rungschefs am 30. August 2014 in Brssel sowie die Besttigung der von Juncker
zusammengestellten 28-kpfigen Europischen Kommission seitens des EP am 22.
Oktober 2014 komplettierte die personelle Neuaufstellung der EU.
Ab Mrz 2014 hielten mehrere internationale Krisen die EU in Atem: Auf meh-
reren Gipfeltreffen wurde ber die Verhngung von Sanktionen gegen Russland
wegen der Annexion der Krim und der darauffolgenden Untersttzung fr die Se-
paratisten in der Ost-Ukraine diskutiert und vereinbart, auf der einen Seite ber
die Verhngung von Sanktionen eine Drohkulisse gegen das Land aufzubauen, auf
der anderen Seite jedoch weiter den Dialog fr eine Lsung des Konflikts zu su-
chen (siehe auch Kap.[Link]). Im Juli versuchte die EU migend auf den Kon-
flikt zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas einzuwirken. Mitte August
2014 einigten sich die EU-Auenminister auf eine gemeinsame Erklrung, in der
die Lieferung von Waffen an die Kurden im Nord-Irak fr ihren Kampf gegen die
Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) begrt wurde.
7.3Mitgliedschaft
Wie Tab.7.1 zeigt, hat sich die Zahl der Mitgliedstaaten in sieben Erweiterungs-
runden von einstmals 6 auf gegenwrtig 28 erhht. Mit rund 500Mio. Menschen
stellt die EU den grten integrierten Wirtschaftsraum der Welt dar.
Von den 729 anwesenden Abgeordneten stimmten 422 fr und 250 gegen Juncker. Not-
10
wendig war eine Mehrheit der 751 Mitglieder des EP (Art.17 VII EUV), das sind mindestens
376 Stimmen.
7.3Mitgliedschaft 165
7.3.1Beitrittskriterien
Rechtsgrundlage fr den Beitritt zur EU ist Art.49 Satz 1 EUV: Jeder europi-
sche Staat, der die in Art.2 genannten Werte achtet und sich fr ihre Frderung
einsetzt, kann beantragen, Mitglied der Union zu werden. Art.2 EUV lautet: Die
Werte, auf die sich die Union grndet, sind die Achtung der Menschenwrde, Frei-
heit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschen-
rechte einschlielich der Rechte der Personen, die Minderheiten angehren. Die
Rechtsgrundlage umfasst demnach zwei Voraussetzungen: Erstens muss es sich
um einen europischen Staat handeln, wobei bei der Beurteilung dieses Merkmals
eine geographische, kulturelle, politische, religise oder historische Sichtweise he-
rangezogen werden kann.11 Zweitens muss der beitrittswillige Staat die fr eine
Demokratie wesensimmanenten Strukturprinzipien aufweisen und frdern.
1993 haben die Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedstaaten auf einem
Gipfeltreffen in Kopenhagen die sogenannten Kopenhagener Kriterien formu-
liert, die ein Bewerber erfllen muss, um Mitglied der EU zu werden: 1) Politisches
Kriterium: Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, Wahrung der Menschenrechte so-
wie Achtung und Schutz von Minderheiten; 2) Wirtschaftliches Kriterium: Funk-
tionsfhige Marktwirtschaft, die dem Wettbewerbsdruck und den Marktkrften
innerhalb der Union standhlt; 3) Acquis-Kriterium: Fhigkeit zur bernahme
des Acquis communautaire, also des gemeinschaftlichen Besitzstands, der das
Primrrecht (Grndungs- und nderungsvertrge) und das Sekundrrecht (Ver-
ordnungen und Richtlinien, Urteile des Europischen Gerichtshofes) umfasst. Als
viertes Kriterium kommt die Erweiterungsfhigkeit der EU hinzu: Sie muss in der
Lage sein, neue Mitglieder aufzunehmen, d.h. sie muss auch nach der Aufnahme
die Effizienz ihrer Organe und Entscheidungsverfahren gewhrleisten knnen und
sie muss in der Lage sein, ihre Politiken auch in Zukunft nachhaltig zu finanzieren
(Furtak 2012, S.165f.).
7.3.2Beitrittsverfahren
Das Beitrittsverfahren nach Art.49 EUV kann in zehn Etappen unterteilt werden:
Am Anfang steht der Antrag eines beitrittswilligen europischen Staates (1), den
11
Die Gegner eines EU-Beitritts der Trkei verweisen gerne auf das geographische Merk-
mal und betonen, die Trkei sei kein europischer Staat, weil lediglich drei Prozent ihres
Staatsgebiets auf dem europischen Kontinent liegt.
166 7 Europische Union (EU)
der Rat12 zur Kenntnis nimmt (2). In einer Stellungnahme fr den Rat errtert die
Kommission Mglichkeiten und Probleme des Beitrittsgesuchs (3). Danach be-
schliet der Rat einstimmig ber die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen (4).
Im Wege von Beitrittskonferenzen verhandelt die Kommission mit dem Bewerber
ber den gemeinschaftlichen Besitzstand, der in 35Kapitel aufgeteilt ist wie z.B.
Bildung, Tourismus, Binnenmarkt, Wettbewerbspolitik (5). Sind die 35 Kapitel
ausverhandelt, erhlt der Rat von der Kommission die endgltige Stellungnahme
zum Beitritt (6). Das Europische Parlament (EP) muss sodann dem Beitritt des
Bewerbers mit absoluter Mehrheit seiner Mitglieder zustimmen (7). Erst danach
beschliet der Rat einstimmig ber den Beitrittsantrag (8). Der Beitrittsvertrag
bedarf der Ratifikation durch das Bewerberland und alle Mitgliedstaaten gem
ihren verfassungsrechtlichen Vorschriften, d. h. entweder durch die zustndigen
gesetzgebenden Organe oder mittels eines Referendums (9). Mit dem Inkrafttreten
des Vertrags wird der beitretende Staat Mitglied der EU (10). Wie das Beitrittsver-
fahren, das sich ber viele Jahre, mglichweise auch Jahrzehnte hinziehen kann,
zeigt, kann ein Beitrittsantrag auch scheitern (Furtak 2012, S.167).
7.3.3Austritt
Erstmals in der Geschichte der Europischen Integration sieht der Vertrag von Lis-
sabon die Mglichkeit zum Austritt eines Mitgliedstaates aus der Union vor. In
Art.50 I EUV heit es diesbezglich: Jeder Mitgliedstaat kann im Einklang mit
seinen verfassungsrechtlichen Vorschriften beschlieen, aus der Union auszutre-
ten. Sollte ein Mitgliedstaat aus der EU austreten wollen, handelt die Union mit
dem austrittswilligen Mitglied in einem Austrittsabkommen die Einzelheiten des
Austritts aus (Art.50 II). Sollten sich die Parteien nicht auf ein Austrittsabkommen
einigen, tritt der Austritt zwei Jahre nachdem der austrittswillige Staat seinen Aus-
trittswunsch gegenber dem Europischen Rat angezeigt hat, automatisch in Kraft
(Art.50 III).13
2017 geplante Referendum ber den Verbleib des Landes in der EU negativ ausgehen sollte.
7.4Ziele und Grundstze 167
7.4.1Ziele
Die Ziele der EU sind in Art.3 EUV i.d.F. von Lissabon festgelegt. Sie lauten:
Frderung des Friedens, ihrer Werte und das Wohlergehen ihrer Vlker;
Ein Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts ohne Binnengrenzen, in
dem () der freie Personenverkehr gewhrleistet ist;
Errichtung eines Binnenmarktes und Hinwirkung auf eine nachhaltige Entwick-
lung Europas auf der Grundlage eines ausgewogenen Wirtschaftswachstums
und von Preisstabilitt, eine in hohem Mae wettbewerbsfhige soziale Markt-
wirtschaft, die auf Vollbeschftigung und sozialen Fortschritt abzielt, sowie auf
ein hohes Ma an Umweltschutz und Verbesserung der Umweltqualitt;
Frderung des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts;
Bekmpfung sozialer Ausgrenzung und Diskriminierung und Frderung sozia-
ler Gerechtigkeit und von sozialen Schutz, Gleichstellung von Frauen und Mn-
nern, Solidaritt zwischen den Generationen und Schutz der Rechte der Kinder;
Frderung des wirtschaftlichen, sozialen und territorialen Zusammenhalts und
der Solidaritt zwischen den Mitgliedstaaten;
Wahrung des Reichtums ihrer kulturellen und sprachlichen Vielfalt und Schutz
der Entwicklung des kulturellen Erbes Europas;
Errichtung einer Wirtschafts- und Whrungsunion mit dem Euro als gemeinsa-
me Whrung;
Beitrag zu Frieden, Sicherheit, globaler und nachhaltiger Entwicklung, Solida-
ritt und gegenseitiger Achtung der Vlker, freier und gerechter Handel, Besei-
tigung der Armut und Schutz der Menschenrechte, Einhaltung und Weiterent-
wicklung des Vlkerrechts.
ber diese im Vertrag von Lissabon genannten Ziele hinaus, setzt sich die EU
regelmig auch strategische Ziele. Im Mrz 2000 beschlossen die Staats- und
Regierungschefs die sogenannte Lissabon-Strategie, die fr die Zeit bis 2010
das strategische Ziel formulierte, die EU zum wettbewerbsfhigsten und dyna-
mischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum in der Welt zu machen. Nachfolge-
programm der Lissabon-Strategie ist die Europa 2020 Strategie, die im Juni 2010
verabschiedet wurde und deren Ziel ein intelligentes, nachhaltiges und integra-
tives Wachstum ist. Im Mittelpunkt dieses Programms stehen die fnf Bereiche
Beschftigung, Forschung, Bildung, Armutsbekmpfung und Klima/Energie. Als
konkrete Zielmarken fr das Jahr 2020 wurden festgelegt:
168 7 Europische Union (EU)
7.4.2Grundstze
Die Grundstze bzw. Prinzipien der EU sind nicht in einem Vertragsartikel aufge-
listet, sondern finden sich verstreut im EUV. Zu erwhnen sind insbesondere:
14
[Link]
28.07.2014.
7.5Organisationsstruktur 169
Grundsatz der Solidaritt (Art.3 III EUV). Er besagt, dass die EU den wirt-
schaftlichen, sozialen und territorialen Zusammenhalt und die Solidaritt zwi-
schen den Mitgliedstaaten frdert. Seinen Niederschlag findet er insbesondere
in der Struktur- und Regionalpolitik, indem strukturschwache Gebiete in den
Mitgliedstaaten durch Fonds (z.B. Kohsionsfonds) finanziell gefrdert wer-
den. Solidaritt zwischen den Mitgliedstaaten herrscht darber hinaus im Be-
reich Asyl, Einwanderung und Kontrolle der Auengrenzen (Art.67 II AEUV),
im Rahmen der Energieversorgung (Art.194 AEUV) und bei Terrorismus und
(Natur)Katastrophen (Art.222 AEUV).
Grundsatz der Gleichheit der Brgerinnen und Brger (Art. 9 EUV). Er
gewhrleistet, dass die EU bei allen ihren Handlungen die Gleichheit ihrer Br-
gerinnen und Brgern achtet und ihnen durch ihre Organe, Einrichtungen und
sonstige Stellen ein gleiches Ma an Aufmerksamkeit zuteil werden lsst.
7.5Organisationsstruktur
Die Aufgaben der EU werden gem Art.13 I EUV durch folgende Organe wahr-
genommen:
Europisches Parlament
Europischer Rat
Rat (Ministerrat)
Europische Kommission
Gerichtshof der Europischen Union
Europische Zentralbank
Rechnungshof
Darber hinaus gibt es mit dem Wirtschafts- und Sozialausschuss und dem Aus-
schuss der Regionen zwei beratende Einrichtungen, die das EP, den Rat und die
Kommission untersttzen (Art.13 IV EUV). Mit dieser Vielzahl von Organen und
Einrichtungen ist eine institutionelle Struktur geschaffen worden (siehe Abb.7.3),
die der Mehrebenenpolitik der EU, also ihrem Handeln auf der europischen, der
nationalen und der regionalen/lokalen Ebene Rechnung trgt.
170 7 Europische Union (EU)
EU
Mitgliedstaaten
Regierungen Brger
Prsident
des ER
Rat
(Ministerrat) Europische
Europischer Europisches
Prsident
EuGH EuRH EZB Rat (ER) Parlament
Kommission
Hoher
General-
Vertreter
direktionen
GASP
Auswrtiger
Dienst
WSA AdR
Ernennung
Wahl
Vorschlag
Das EP ist das einzige demokratisch unmittelbar legitimierte Organ der EU. Seit
1979 wird es fr eine Amtsperiode von fnf Jahren direkt von den Brgerinnen
und Brger der Mitgliedstaaten, also den Unionsbrgern, gewhlt. Es bt ebenso
wie der Rat die Funktion der Legislative aus; in fast allen die EU betreffenden Be-
reichen besitzt es Mitentscheidungsrecht.
Das EP tagt und bert ffentlich. Seine Plenarsitzungen finden in Brssel und
Straburg statt.15 Dem Parlament steht ein Prsident vor, der fr jeweils zweiein-
halb Jahre gewhlt wird. Er wird in seiner Arbeit von 14 Vizeprsidenten unter-
15
Ende 2013 beschloss das Parlament mehrheitlich, in einem neuen EU-Reformvertrag
Brssel als alleinigen Tagungsort festzuschreiben und damit den Reisezirkus, fr den jhr-
lich Kosten in Hhe von ber 200Mio. entstehen, zu beenden.
172 7 Europische Union (EU)
Europische Volkspartei
Der Zusammenschluss von christdemokratischen und konservativen Parteien
mit gegenwrtig 221 Abgeordneten, darunter 34 aus Deutschland von der CDU/
CSU, ist die strkste politische Kraft im EP.
Progressive Allianz der Sozialisten & Demokraten in Europa
Dem Zusammenschluss der sozialdemokratischen Parteien Europas sowie
der italienischen Demokraten gehren 191 Abgeordnete an, darunter 27 aus
Deutschland von der SPD.
Europische Konservative und Reformisten
In dieser Fraktion sind 70 Parlamentarier vertreten, die der EU kritisch gegen-
ber eingestellt sind, darunter die britischen Konservativen, die polnische Partei
Recht & Gerechtigkeit sowie aus Deutschland sieben Abgeordnete der Alterna-
tive fr Deutschland (AfD) und ein Abgeordneter der Familienpartei.
Allianz der Liberalen und Demokraten fr Europa
Die Fraktion besteht aus 67 Abgeordneten, darunter aus Deutschland vier Abge-
ordnete der FDP und ein Abgeordneter der Freien Whler.
Konfderale Fraktion der Vereinigten Linken/Nordische Grne Linke
Der Fraktion der Vereinigten Linken gehren 52 Abgeordnete an, darunter aus
Deutschland sieben der Partei Die Linke und ein Abgeordneter der Tierschutz-
partei.
Grne/Europische Freie Allianz
Die Fraktionsgemeinschaft von grnen Parteien und einigen regionalistischen
Parteien setzt sich aus 50 Abgeordneten zusammen, darunter aus Deutschland
11 Abgeordnete von Bndnis 90/Die Grnen sowie jeweils ein Abgeordneter
der Piratenpartei und der kologisch-Demokratischen Partei (DP).
16
[Link] 28.07.2014.
7.5Organisationsstruktur 173
52 Abgeordnete gehren keiner Fraktion an, darunter aus Deutschland jeweils ein
Abgeordneter der Partei Die Partei und der NPD.17
fr verfassungswidrig erklrt, weshalb nach der Wahl im Mai 2014 auch Vertreter kleiner
Parteien ins EP einziehen konnten.
174 7 Europische Union (EU)
Darber hinaus knnen die gesamte Kommission, d.h. die gegenwrtig 28 Kom-
missare inclusive des Prsidenten und des Hohen Vertreters der Union fr Auen-
und Sicherheitspolitik als Vize-Prsident nur mit einem Zustimmungsvotum des
EP ihr Amt antreten (Art.17 VII EUV). Auerdem whlt das EP den Brgerbeauf-
tragten (Art.228 II AEUV) und ernennt zusammen mit dem Rat den Europischen
Datenschutzbeauftragten.
Eine Haushaltsfunktion hat das EP schlielich insofern, als es gemeinsam mit
dem Rat den Haushalt der EU aufstellt und beschliet (Art.313ff. AEUV). Damit
hat das EP, wie ein nationales Parlament, ein originres Budgetrecht.
Weitere Befugnisse des EPs sind: Es muss der Aufnahme neuer Mitgliedstaa-
ten (Art. 49 EUV) und dem Abschluss von Assoziierungsabkommen (Art. 218
VI AEUV) zustimmen. Das gilt auch fr bestimmte bereinknfte wie z.B. den
Beitritt der EU zur Europischen Menschenrechtskonvention (EMRK). Beim Ab-
schluss von vlkerrechtlichen Vertrgen mit Drittstaaten und internationalen Orga-
nisationen ist das EP lediglich anzuhren (Herdegen 2010, S.142). Es hat ferner
ein Mitentscheidungsrecht bei der Verhngung von Sanktionen gegen einen Mit-
gliedstaat es muss der Feststellung des Rates zustimmen, dass die eindeutige
Gefahr einer schwerwiegenden Verletzung der Werte der EU durch einen Mitglied-
staat vorliegt (Art.7 I EUV).
Trotz seiner weitreichenden Befugnisse fehlt dem EP eine wichtige Kompetenz:
das Vorschlags- bzw. Initiativrecht bei der Gesetzgebung. Dieses ist der Kommis-
sion vorbehalten. Eine Art Initiativrecht light hat indessen der Vertrag von Lissa-
bon eingefhrt: Das EP kann mit der Mehrheit seiner Mitglieder die Kommission
auffordern, Gesetzgebungsvorschlge zu unterbreiten (Art. 225 AEUV). Gem
Nr.16 der Rahmenvereinbarung ber die Beziehungen zwischen dem EP und der
Europischen Kommission vom 9. Februar 2010 muss die Kommission innerhalb
eines Jahres nach Aufforderung des Parlaments einen Gesetzesvorschlag vorlegen
oder innerhalb von drei Monaten ausfhrlich begrnden, warum sie dies nicht tun
wird.18
In der Regel beschliet das EP mit der Mehrheit der abgegebenen Stimmen
(Art.231 AEUV). Die Mehrheit der Mitglieder ist erforderlich fr die Wahl des
vom Europischen Rat vorgeschlagenen Kandidaten fr das Amt des Kommis-
sionsprsidenten (Art.17 VII EUV).
18
[Link] 28.07.2014.
7.5Organisationsstruktur 175
Der Europische Rat wurde 1974 ins Leben gerufen. Doch erst in der EEA von
1987 wurde er rechtlich in den Vertrgen verankert. Durch den Vertrag von Lissa-
bon 2009 erhielt er den Status eines EU-Organs.
7.5.3Der Rat
Der Rat, auch Rat der Europischen Union oder Ministerrat genannt, ist das Binde-
glied zwischen den Mitgliedstaaten und der Union. Er vertritt primr mitgliedstaat-
liche Interessen und ist zusammen mit dem EP Teil der Legislative.
Allgemeine Angelegenheiten
Auswrtige Angelegenheiten
Wirtschaft und Finanzen
Justiz und Inneres
Beschftigung, Sozialpolitik, Gesundheit und Verbraucherschutz
Wettbewerbsfhigkeit (einschlielich Binnenmarkt, Industrie, Forschung)
Verkehr, Telekommunikation, Energie
Landwirtschaft und Fischerei
Umwelt
Bildung, Jugend, Kultur und Sport
7.5Organisationsstruktur 177
[Link]Beschlussfassung
Der Rat trifft seine Beschlsse mit Einstimmigkeit, einfacher Mehrheit oder mit
qualifizierter Mehrheit. In den weitaus meisten Fllen beschliet er mit qualifi-
zierter Mehrheit (Art.16 III EUV). Dazu werden die Stimmen der Mitgliedstaaten
entsprechend ihrer Bevlkerungsgre unterschiedlich gewichtet. Die Spannweite
der Stimmen reicht, wie Tab.7.3 veranschaulicht, von 29 fr die vier grten Mit-
glieder (Deutschland, Frankreich, Grobritannien, Italien) bis hin zu drei Stimmen
fr Malta.
Ein Beschluss ber einen Rechtsakt kommt mit qualifizierter Mehrheit zustan-
de, wenn eine Mehrheit der Mitgliedstaaten (gegenwrtig also 15) zustimmt und
diese mindestens 260 der 352 Stimmen im Rat auf sich vereinigt. (Im seltenen
Fall, dass ein Beschluss nicht auf Vorschlag der Kommission gefasst wird, ist eine
Zweidrittel-Mehrheit der Mitglieder und 260 Stimmen erforderlich.) Auf Antrag
eines Mitgliedstaates muss berprft werden, ob die zustimmenden Mitgliedstaa-
ten mindestens 62% der Gesamtbevlkerung der EU reprsentieren. Anderenfalls
gilt der Beschluss als nicht gefasst.19
Eine neue Regel zur Berechnung der qualifizierten Mehrheit wird ab dem 1.
November 2014 gelten: Die qualifizierte Mehrheit wird dann erreicht sein, wenn
Eine bersicht ber die Stimmanzahl der im Rat vertretenen EU-Mitgliedstaaten sowie
19
Erluterungen zur Berechnung der qualifizierten Mehrheit findet sich in Art.3 III des Proto-
kolls Nr.36 zum EUV/AEUV.
7.5Organisationsstruktur 179
gem Art.16 IV EUV eine Mehrheit von 55% der Mitglieder des Rates, die zu-
gleich 15 Staaten und mindestens 65% der Bevlkerung der Union reprsentieren,
fr einen Rechtsakt stimmt. (Im seltenen Fall, dass ein Beschluss nicht auf Vor-
schlag der Kommission gefasst wird, ist eine Mehrheit von 72% der Mitglieder des
Rates erforderlich, die mindestens 65% der EU-Bevlkerung ausmacht). Blockiert
werden kann ein Beschluss, falls vier Mitglieder, die mindestens 35% der Bevl-
kerung reprsentieren, dagegen votieren (Art.238 II, III AEUV).20
Bei der Beschlussfassung mit einfacher Mehrheit verfgt jeder Mitgliedstaat
ber eine Stimme. Fr einen Beschluss gengen daher gegenwrtig 15 Stimmen
(Art.238 I AEUV). Mit einfacher Mehrheit wird u.a. ber die Organisation des
Generalsekretariats des Rates und dessen Geschftsordnung sowie ber die Einset-
zung eines Beschftigungsausschusses (Art. 150 AEUV) und eines Ausschusses
fr Sozialschutz (Art.160 AEUV) entschieden. Die einfache Mehrheit im Rat gilt
auch fr Antrge des Rates zur Amtsenthebung von Mitgliedern der Kommission
(Art.247 AEUV).
Bestimmte Entscheidungen mssen mit Einstimmigkeit getroffen werden. Soll-
te sich ein Mitglied im Rat der Stimme enthalten, steht dies dem Zustandekommen
des Beschlusses nicht entgegen (Art. 238 IV AEUV). Einstimmigkeit bedarf es
generell im Bereich der intergouvernemental ausgestalteten Auen- und Sicher-
heitspolitik (Art.24 I EUV), bei der Steuer- und Sozialpolitik, der Aufnahme neuer
Mitgliedstaaten (Art.49 EUV), bei Kompetenzergnzungen (Art.352 AEUV), bei
Vorkehrungen zur Bekmpfung von Diskriminierungen (Art.19 AEUV), bei der
Einsetzung einer Europischen Staatsanwaltschaft (Art.17 EUV) sowie bei Richt-
linien fr die Harmonisierung des Binnenmarktes (Art.115 AEUV).
Als Motor der Integration bringt die Kommission durch ihr Initiativrecht die
Unionsgesetzgebung voran und als Hterin der Vertrge wacht sie ber de-
ren Einhaltung. Wendet man das Gewaltenteilungsprinzip auf die EU an, so bildet
die Kommission die Exekutive. Sie bernimmt im Rahmen der Politikgestaltung
wesentliche Aufgaben bei der Vorbereitung, Verabschiedung, Durchfhrung und
Kontrolle von verbindlichen Entscheidungen (Wessels 2008, S. 225). Im Unter-
schied zu den Mitgliedern des Rates sind die Mitglieder der Kommission nicht an
20
In den Verhandlungen zum Vertrag von Lissabon hat Polen allerdings durchgesetzt, dass
in der Zeit vom 1. November 2014 bis zum 31. Mrz 2017 ein Mitglied des Rates beantragen
kann, dass die qualifizierte Mehrheit nach dem alten, bis zum 1. November 2014 geltenden
Berechnungssystem ermittelt wird (Art.3 II Protokoll Nr.36).
180 7 Europische Union (EU)
die Weisungen ihrer Regierungen gebunden und den nationalen Parlamenten nicht
rechenschaftspflichtig (Art.18 III EUV). Die Mitgliedstaaten haben ihre Unabhn-
gigkeit zu beachten und jegliche Form der Einflussnahme bei der Erfllung ihrer
Aufgaben zu unterlassen (Art.25 AEUV). Eine Abberufung eines Kommissions-
mitglieds durch eine nationale Regierung ist nicht mglich.
Eine herausgehobene Rolle nimmt der Prsident der Europischen Kommis-
sion ein. Gem Art. 248 AEUV bertrgt er den Mitgliedern der Kommission
ihre Aufgaben, die sie unter seiner Leitung ausfhren. Ferner legt er die Leitlinien
fest, nach denen die Kommission ihre Aufgaben wahrnimmt; er entscheidet ber
die interne Organisation (z.B. Anzahl und Zuschnitt der Generaldirektionen) und
ernennt (mit Ausnahme des Hohen Vertreters fr Auen- und Sicherheitspolitik)
die Vizeprsidenten der Kommission (Art.17 VI EUV).
Eine wichtige Person in der Kommission ist der mit Zustimmung des Kommis-
sionsprsidenten mit qualifizierter Mehrheit vom Europischen Rat ernannte Hohe
Vertreter der Union fr Auen- und Sicherheitspolitik (Art.18 EUV). Dieser
ist nicht nur in Personalunion Vizeprsident der Kommission, sondern auch Vor-
sitzender im Rat Auswrtige Angelegenheiten und zustndiger Kommissar fr
Auenbeziehungen (Doppelhut).
21
Diese Entscheidung ist eine Gegenleistung fr das zweite Referendum ber den Vertrag
von Lissabon in Irland.
22
In der Praxis hat es sich eingebrgert, dass die nationalen Regierungen ehemalige hoch-
rangige Politiker ihres Landes als Kommissar in Brssel entsenden. Fr Deutschland war
dies zuletzt der frhere Ministerprsident von Baden-Wrttemberg Gnter Oettinger. Er ge-
hrt auch der neuen Kommission an.
7.5Organisationsstruktur 181
23
Dieses Amt bt der Niederlnder Frans Timmermans aus. Sein komplett neues Ressort
sollsicherstellen, dass jeder Kommissionsvorschlag wirklich erforderlich und nur auf Ziele
ausgerichtet ist, die nicht durch die Mitgliedstaaten besser erreicht werden knnen, womit
Timmermans quasi zum Wchter des Subsidiarittsgrundsatzes wird.
24
Fr Einzelheiten der neuen Kommissionsstruktur siehe [Link]
IP-14-984_de.htm; [Link] 18.09.2014.
182 7 Europische Union (EU)
25
[Link] 28.07.2014.
7.5Organisationsstruktur 183
Zum EU-Recht, ber dessen Auslegung und Anwendung der Gerichtshof der EU
wacht, zhlt das in den Vertrgen verankerte primre Unionsrecht einschlielich
der Europischen Grundrechtecharta, das ungeschriebene Primrrecht in Form
der allgemeinen Rechtsgrundstze sowie das sekundre Unionsrecht mit den in
Art. 288 AEUV vorgesehenen Rechtsakten. Die Urteile des Gerichtshofs haben
mageblich zur Weiterentwicklung der europischen Integration beigetragen, auch
wenn sie bisweilen auf Skepsis bzw. Ablehnung in den Mitgliedstaaten gestoen
sind.
wurden 121 Rechtssachen erledigt, die Zahl der anhngigen Rechtssachen belief
sich auf 235.26
Die Zustndigkeit der Gerichte ist in Art. 256 I AEUV geregelt. Der EuGH
entscheidet ber Vertragsverletzungsklagen (Art. 258260 AEUV), Schadenser-
satzklagen (Art.268 AEUV) sowie Vorabentscheidungen (Art.267 AEUV); das
Gericht ber Nichtigkeitsklagen (Art. 263264 AEUV) und Unttigkeitsklagen
(Art. 265 AEUV).
[Link]Verfahrensarten
Der Vertragsverletzungsklage ist die Einleitung eines Vertragsverletzungsverfah-
rens durch die Kommission vorgeschaltet. Es wird entweder von der Kommission
(Regel) oder von einem Mitgliedstaat (Ausnahme) mit der Begrndung initiiert,
ein anderer Mitgliedstaat habe gegen eine Verpflichtung aus den Vertrgen ver-
stoen. Ein mglicher Versto bzw. eine Verletzung des Unionsrechts durch einen
Mitgliedstaat kann z.B. in der Nichtanwendung von Verordnungen oder einer un-
zureichenden oder unterlassenen Umsetzung einer Richtlinie bestehen. Kommt
ein Staat seinen Verpflichtungen nicht nach, kann die Kommission Vertragsver-
letzungsklage beim EuGH gegen den sumigen Staat erheben. Stellt der EuGH
einen tatschlichen Versto gegen eine Verpflichtung aus den Vertrgen fest, und
der betroffene Staat hilft diesem Versto nicht innerhalb einer bestimmten Frist
ab, so kann er entweder einen Pauschalbetrag oder ein tgliches Zwangsgeld als
Sanktion verhngen.
Ende 2012 gab es 1343 Vertragsverletzungsverfahren (dazu zhlen alle Ver-
fahren, bei denen die Kommission dem betreffenden Mitgliedstaat zumindest ein
Aufforderungsschreiben gem Art. 258 AEUV zugesandt hat), davon entfielen
61 auf Deutschland. Am wenigsten anhngige Verfahren wies Lettland mit 20, am
meisten Italien mit 99 auf.27 2012 gab es drei Gerichtsurteile gegen zwei Staa-
ten gem Artikel 260 II AEUV, die finanzielle Sanktionen zur Folge hatten.28
26
Fr eine bersicht von neu eingegangenen, erledigten und anhngigen Rechtssachen der
drei Gerichte siehe: Gerichtshof der Europischen Union: Jahresbericht 2012, [Link]
[Link]/jcms/upload/docs/application/pdf/2013-04/192685_2012_6020_cdj_ra_2012_
de_proof_01.pdf, 28.07.2014.
27
Siehe Europische Kommission: Jahresbericht ber die Kontrolle der Anwendung des
EU-Rechts (2012), COM (2013) 726 final vom 22.10.2013, [Link]
docs/docs_infringements/annual_report_30/com_2013_726_de.pdf, 28.07.2014.
28
Irland wurde in einer Rechtssache zur Zahlung eines Pauschalbetrags in Hhe von 2Mio.
und eines Zwangsgelds in Hhe von 12.000/Tag sowie in einer anderen Rechtssache zur
Zahlung eines Pauschalbetrags in Hhe von 1,5Mio. verurteilt. Gegen Spanien wurde ein
Pauschalbetrag in Hhe von 20Mio. und ein tgliches Zwangsgeld von 50.000 verhngt.
7.5Organisationsstruktur 185
29
Siehe Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Jan Kor-
te, Andrej Hunko, Jens Petermann, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
Drucksache 17/9385 EU-Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik
Deutschland, [Link] 28. 07. 2014.
30
Siehe Gerichtshof der Europischen Union, Jahresbericht 2012, [Link]
jcms/upload/docs/application/pdf/2013-04/192685_2012_6020_cdj_ra_2012_de_proof_01.
pdf, 28.07.2014.
186 7 Europische Union (EU)
Deutsche Gerichte haben dem EuGH von 1952 bis 2012 insgesamt 1953 Ersuchen
zur Vorabentscheidung vorgelegt.31
7.5.7Der Rechnungshof
Der Rechnungshof prft die Rechnung ber alle Einnahmen und Ausgaben der
Union sowie die Rechnung ber alle Einnahmen und Ausgaben jeder von der
Union geschaffenen Einrichtung. Prfungsmastab ist dabei die Rechtmigkeit
und Ordnungsmigkeit der Einnahmen und Ausgaben sowie die Wirtschaftlich-
keit der Haushaltsfhrung. Er setzt sich aus einem Staatsangehrigen eines jeden
Mitgliedstaats zusammen. Die Liste der von den Mitgliedstaaten vorgeschlagenen
Persnlichkeiten wird vom Rat angenommen. Aus der Mitte der Mitglieder, deren
Amtszeit sich auf sechs Jahre beluft, wird der Prsident des Rechnungshofs fr
drei Jahre gewhlt (Art. 287 AEUV).
31
Erst Anfang Februar 2014 entschied sich das BVerfG zum ersten Mal, dem EuGH eine
Entscheidung im Wege des Vorabentscheidungsverfahrens nach Art. 267 AEUV vorzule-
gen. Der Fall betrifft die (Un)Vereinbarkeit des Outright Monetary Transactions-Beschlusses
(OMT-Beschluss) der EZB mit dem Unionsrecht. Der im September 2012 von EZB-Pr-
sident Mario Draghi vorgestellte OMT-Beschluss beinhaltete die Ankndigung, im Falle
groer Turbulenzen auf den Anleihemrkten, die die geldpolitische Stabilitt der Eurozone
gefhrden, Staatsanleihen einzelner in Schieflage geratener Lnder in unbegrenzter Hhe
aufkaufen zu wollen. Der Beschluss trug wesentlich zur Beruhigung der Finanzmrkte in
der Eurokrise bei.
7.5Organisationsstruktur 187
32
[Link] 28.07.2014.
188 7 Europische Union (EU)
Der AdR ist ebenfalls eine beratende Einrichtung zur Untersttzung von EP, Rat
und Kommission (Art. 300 I AEUV). Er ist das Sprachrohr der lokalen und regio-
nalen Gebietskrperschaften der Mitgliedstaaten. Fr Deutschland reprsentiert er
die 16 Bundeslnder sowie ca. 12.900 lokale Gebietskrperschaften (Landkreise,
kreisfreie Stdte, Stdte, Gemeinden).
33
[Link] 28.07.2014.
7.6Haushalt und Finanzierung 189
Im Haushalt der EU, ber den seit dem Vertrag von Lissabon Rat und EP gleichbe-
rechtigt entscheiden, werden die Hhe und die Zusammensetzung der Einnahmen
und Ausgaben festgelegt. ber die Mittelverteilung verfolgt die EU die in Art. 3
EUV definierten Ziele und setzt politische Prioritten. Um ber einen lngeren
Zeitraum hinweg die Schwerpunkte der EU-Politik finanziell planen zu knnen,
gibt es das Instrument des mehrjhrigen Finanzrahmens.
7.6.1Mehrjhriger Finanzrahmen
auf den Finanzrahmen 20142020, der eine Obergrenze von 960Mrd. fr Ver-
pflichtungen und eine Obergrenze von 908Mrd. fr Zahlungen vorsieht.35 Fr
den Zeitraum 20072013 lagen die Obergrenzen fr Verpflichtungen noch bei
976Mrd. und fr Zahlungen bei 926Mrd.. Damit stehen der EU weniger Mittel
zur Verfgung, was der Forderung vieler Mitgliedslnder, insbesondere Deutsch-
lands und Grobritanniens, nach Einsparungen entsprach.
7.6.2Einnahmen
Im Unterschied zu Staaten, die sich durch Steuern und Abgaben finanzieren, resul-
tieren die Einnahmen der EU vollstndig aus Eigenmitteln (Art. 311 AEUV). Die
Einfhrung einer EU-weiten Steuer ist von den Mitgliedstaaten bislang abgelehnt
worden, weil eine solche Einnahmequelle die EU zu stark in Richtung eines Staa-
tes rcken wrde (Piepenschneider 2012, S.27). Die Eigenmittel der EU setzen
sich in der Reihenfolge ihrer Bedeutung fr den Haushalt wie folgt zusammen:
1) Prozentualer Anteil am Bruttonationaleinkommen (BNE) der Mitgliedstaaten;
2) Zlle aus der Einfuhr von Produkten aus Drittstaaten, Abschpfungen auf Ag-
rar-Importe sowie Abgaben aus der gemeinsamen Marktorganisation fr Zucker;
3) Prozentualer Anteil an den Mehrwertsteuereinnahmen der Mitgliedstaaten; 4)
Sonstige Einnahmen, wie Steuern auf Bezge von EU-Bediensteten, Beitrge von
Nicht-Mitgliedstaaten zu bestimmten EU-Programmen oder Bugelder von Unter-
nehmen, die das Wettbewerbsrecht oder andere Rechtsvorschriften missachtet ha-
ben.
Fr 2014 wurden die Gesamteinnahmen der EU auf 135,5Mrd. veranschlagt
(womit sie fast 10Mrd. unter dem Jahr 2013 lagen). Der prozentuale Anteil der
vier Einnahmequellen verteilt sich, wie Tab.7.4 zeigt, wie folgt:
35
[Link] 28.07.2014.
7.6Haushalt und Finanzierung 191
7.6.3Ausgaben
Einnahmen und Ausgaben sind miteinander gekoppelt, d.h. die Ausgaben drfen
nicht hher sein als die Einnahmen, weil sich die EU im Unterschied zu ihren Mit-
gliedstaaten nicht verschulden darf und keine Investitionen zu Lasten zuknftiger
Haushalte und auerhalb des von den Mitgliedstaaten bewilligten Finanzrahmens
ttigen darf (Aden 2012, S.152). Fr das Jahr 2014 sind rund 135,5Mrd. an Mit-
teln fr Zahlungen und 142,6Mrd. an Mitteln fr Verpflichtungen veranschlagt.
Fr welche Ausgaben-Kategorien und in welcher Hhe die Mittel fr Zahlungen in
2014 verwendet werden, zeigt Tab.7.5.
Grter Haushaltsposten ist der Bereich Intelligentes und integratives Wachs-
tum. Darunter fallen Manahmen zur Strkung der Wettbewerbsfhigkeit und des
sozialen Zusammenhalts innerhalb der Union, wie Regional- und Strukturfonds-
hilfen, Innovations- und Technologiefrderung sowie Manahmen im Rahmen des
Europischen Sozialfonds. Zweitgrter Bereich des EU-Haushalts ist die Kate-
gorie Nachhaltiges Wachstum: natrliche Ressourcen. Darunter fallen neben der
klassischen Landwirtschaftspolitik mit ihren Direktzahlungen (Agrarsubventio-
nen) auch die Entwicklung der lndlichen Rume, die Umweltpolitik sowie die Fi-
scherei. Fr die Rolle der EU in der Welt, wozu alle Auenmanahmen wie insbe-
sondere die Entwicklungshilfe und die humanitre Nothilfe zhlen, werden 6,2%
der Mittel verwendet; fr die Ausgabekategorie Sicherheit und Unionsbrgerschaft
mit den Themen Justiz und Inneres, Grenzschutz, Asyl, Einwanderung, ffentliche
Gesundheit und Verbraucherschutz 1,2%. Auf die Verwaltung, insbesondere Per-
sonal, entfallen rund 6% der Ausgaben.
7.6.4Haushaltsverfahren
Die Bestimmungen fr das Haushaltsverfahren finden sich in den Art. 313 und
314 AEUV. Der Kommission werden von den anderen EU-Organen die Entwrfe
fr ihren Haushalt bis zum 1. Juli des Vorjahres bermittelt. Die Kommission legt
sodann sptestens am 1. September dem Rat ihren Entwurf fr den Haushaltsplan
des nchsten Jahres vor, der wiederum seinem Standpunkt bis zum 1. Oktober dem
EP bermittelt (Aden 2012, S.149). Im weiteren Verlauf des Verfahrens beraten EP
und der Rat der Finanzminister den Entwurf, ndern ihn, wo sie es fr ntig halten,
und stellen gemeinsam den Haushaltsplan auf. Ist der Haushalt aufgestellt, wird er
von der Kommission verwaltet, die auch dafr sorgt, dass die Mittel bestimmungs-
gem ausgegeben werden (Pollak und Slominski 2012, S.171).
7.7Aktionsfelder
7.7.1Rechtsetzung
Verordnungen
Richtlinien
Beschlsse
Empfehlungen
Stellungnahmen
Verordnungen richten sich an alle Mitgliedstaaten und an alle natrlichen und ju-
ristischen Personen. Sie haben unmittelbare Geltung und sind in allen ihren Teilen
verbindlich. Damit entsprechen sie einem deutschen Gesetz. Richtlinien mssen
innerhalb einer vorgegebenen Frist (i. d. R. 23 Jahre) in nationales Recht um-
gesetzt werden. Dies kann entweder durch den Erlass eines neuen Gesetzes oder
durch die nderung eines schon bestehenden Gesetzes erfolgen. Richtlinien sind
hinsichtlich des von ihnen verfolgten Ziels verbindlich, berlassen jedoch den Mit-
gliedstaaten und deren jeweiligen Verwaltungskultur wie dieses Ziel erreicht wird.
Ihr Adressat sind entweder alle oder nur bestimmte Mitgliedstaaten. Beschlsse
sind ebenfalls in allen Teilen verbindlich, richten sich aber nur an bestimmte Mit-
gliedstaaten oder an bestimmte natrliche und juristische Personen und sind damit
mit einem deutschen Verwaltungsakt vergleichbar. Empfehlungen und Stellung-
nahmen haben nur unverbindlichen Charakter. Empfehlungen legen dem Adres-
saten ein bestimmtes Verhalten nahe; Stellungnahmen enthalten eine Beurteilung
einer bestimmten Sachlage. Ende 2012 zhlte das EU-Recht 9576 Verordnungen
und 1989 Richtlinien.36 Zum Stichtag 1. Mai 2013 lag die Anzahl der Rechtsakte
der EU (also mit Beschlssen, Empfehlungen und Stellungnahmen) bei 14.507.37
36
Siehe Europische Kommission: Jahresbericht ber die Kontrolle der Anwendung des
EU-Rechts (2012), COM (2013) 726 final vom 22.10.2013, [Link]
docs/docs_infringements/annual_report_30/com_2013_726_de.pdf, 28.07.2014.
37
[Link] 01.05.2013.
194 7 Europische Union (EU)
7.7.2Binnenmarkt
Die Errichtung eines Binnenmarktes, in dem der freie Verkehr von Personen, Wa-
ren, Dienstleistungen und Kapital gewhrleistet ist, stellt eines der zentralen Auf-
gabenfelder der EU dar (Art. 3 III EUV i.V.m. Art. 26 II AEUV). Mit gegenwrtig
rund 500Mio. Menschen ist der europische Binnenmarkt der grte Wirtschafts-
raum der Welt. Zu den vier Grundfreiheiten zhlen:
(1) Freier Personenverkehr: Er umfasst das Recht von Arbeitnehmern, sich
zum Zwecke der Berufsausbung in jedem EU-Mitgliedstaat aufzuhalten (Arbeit-
nehmerfreizgigkeit, Art. 45 AEUV) sowie das Recht von natrlichen und juris-
tischen Personen, in einem anderen Mitgliedstaat einer selbststndigen auf Dauer
ausgerichteten Erwerbsttigkeit nachzugehen und Unternehmen einschlielich
Zweigniederlassungen zu grnden (Niederlassungsfreiheit, Art. 49). Mitglied-
staaten knnen jedoch einschrnkende Manahmen aus Grnden der ffentlichen
Sicherheit, Ordnung und Gesundheit erlassen (Art. 45 III, 52). Politisch von Be-
deutung wurde die Arbeitnehmerfreizgigkeit im Rahmen der Osterweiterung
2004/2007. Deutschland hatte sich (neben anderen Mitgliedstaaten auch), eine
siebenjhrige bergangsfrist fr die ffnung des deutschen Arbeitsmarktes fr
potentielle Arbeitskrfte aus den neuen Mitgliedstaaten vorbehalten. Mit dem 1.
Mai 2011 hat es als einer der letzten EU-Staaten seinen Arbeitsmarkt fr Arbeit-
nehmer aus Mittel- und Osteuropa geffnet. Fr Bulgarien und Rumnien galten
die Beschrnkungen bis Ende 2013.
(2) Freier Warenverkehr: Er umfasst erstens das Verbot von Ein- und Aus-
fuhrzllen (Art. 28 i.V.m. Art. 30 AEUV), zweitens das Verbot mengenmiger
Beschrnkungen im innergemeinschaftlichen Handelsverkehr (Art. 34, 35)
darunter fallen smtliche staatliche Manahmen, die die Einfuhr, Durchfuhr oder
Ausfuhr einer Ware der Menge oder dem Wert nach begrenzen, wovon insbeson-
dere Kontingentierungen erfasst werden sowie drittens alle Manahmen gleicher
Wirkung (Art. 34, 35). Hierzu zhlt jede Behinderung, die geeignet ist, den inner-
gemeinschaftlichen Handel unmittelbar oder mittelbar, tatschlich oder potenziell
zu behindern.38 Darber hinaus beinhaltet der freie Warenverkehr das Verbot dis-
kriminierender nationaler Steuer- und Abgabenerhebung (Art. 110ff.), die Wett-
bewerbsfreiheit (Art. 103ff.) einschlielich des Verbots staatlicher Beihilfen (Art.
107ff.) sowie die Gemeinsame Handelspolitik (Art. 206).
Die Warenverkehrsfreiheit ist allerdings nicht schrankenlos gewhrleistet. Ins-
besondere aus Grnden der ffentlichen Ordnung, Sicherheit und zum Schutze der
Gesundheit sind Einschrnkungen durch die Mitgliedstaaten zulssig (Art. 36).
38
Sogenannte Dassonville-Formel des EuGH von 1974.
7.7Aktionsfelder 195
Darber hinaus hat der EuGH in zahlreichen Urteilen39 weitere Ausnahmen an-
erkannt, so z. B. Einschrnkungen aus zwingenden Erfordernissen des Gemein-
wohls, wozu u.a. eine wirksame steuerliche Kontrolle, der Schutz der ffentlichen
Gesundheit, die Lauterkeit des Handelsverkehrs, die Aufrechterhaltung der Me-
dienvielfalt und der Verbraucherschutz zhlt (Pollak und Slominski 2012, S.201).
(3) Freier Dienstleistungsverkehr: Er umfasst das Recht, in einem ande-
ren Mitgliedstaat eine selbstndige Ttigkeit vorbergehend auszuben (Art. 56
AEUV). Man unterscheidet die aktive Dienstleistungsfreiheit, bei der sich der
Dienstleistungserbringer vorbergehend in das Land des Dienstleistungsempfn-
gers begibt und eine Dienstleistung ausfhrt (z.B. Bauunternehmen aus Polen baut
fr eine Privatperson ein Haus in Berlin), von der passiven Dienstleistungsfreiheit,
bei dem sich der Dienstleistungsempfnger vorbergehend in das Land begibt, in
dem der Dienstleistungserbringer ansssig ist (z.B. Deutscher aus Karlsruhe fhrt
zum Friseur ins rund 20 Kilometer entfernte Lauterburg in Frankreich). Ferner gibt
es noch die Korrespondenz-Dienstleistungsfreiheit, bei der allein die Dienstleis-
tung die Grenzen berschreitet (z. B. Post und Telekommunikation). Einschrn-
kungen der Dienstleistungsfreiheit durch die Mitgliedstaaten sind grundstzlich
zulssig aus Grnden der ffentlichen Ordnung, Sicherheit oder Gesundheit (Art.
62 i.V.m. Art. 52).
(4) Freier Kapital- und Zahlungsverkehr: Er verbietet alle Beschrnkungen
des Kapitalverkehrs zwischen den Mitgliedstaaten sowie zwischen Mitgliedstaaten
und Drittstaaten (Art. 63 AEUV). Konkret bedeutet dies, dass z.B. Brgerinnen
und Brger sowie Unternehmen unbeschrnkt Kredite im EU-Ausland aufnehmen
oder dort investieren drfen (Heinemann und Schmuck 2012, S.33).
Die im Zuge der Personenverkehrsfreiheit und durch den Abbau der Grenzkontrol-
len entstandenen offenen Grenzen in der EU brachten auch eine Vielzahl an Prob-
lemen mit sich. Stichworte in diesem Zusammenhang sind: Organisierte Krimina-
litt, Terrorismus, Asylmissbrauch und Armutseinwanderung. Um fr die Unions-
brger eine ebenso offene wie sichere Union zu gewhrleisten, vereinbarten die
Mitgliedstaaten gemeinsame Ziele in der Innen- und Justizpolitik und formulierten
das im Vertrag von Lissabon (Art. 3 II EUV) erstmals verankerte Leitbild eines
Raums der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts (RFSR). Freiheit steht da-
39
Das bekannteste ist das Cassis de Dijon-Urteil von 1979.
196 7 Europische Union (EU)
bei fr die Gewhrung der Grundrechte und Grundfreiheiten, den Schutz vor Dis-
kriminierung, die Wahrung der persnlichen Freiheitsrechte und der Privatsphre
ber Staatsgrenzen hinweg, z.B. durch Datenschutz, und fr die uneingeschrnkte
Ausbung der individuellen Rechte auch in Drittlndern; Sicherheit fr Verhtung
und Bekmpfung von organisierter und nicht organisierter Kriminalitt, Intensi-
vierung der Zusammenarbeit der Polizei und Justizorgane bei strafrechtlichen und
polizeilichen Manahmen sowie Schutz der Auengrenzen der EU; Recht u.a. fr
die gegenseitige Anerkennung von Urteilen, die Anerkennung von Urkunden in
anderen Mitgliedstaaten sowie die Einfhrung von Verfahren, die den Zugang zur
Justiz erleichtern.
Der RFSR, in dem die EU mittels Verordnungen, Richtlinien und Beschlssen
rechtsetzend ttig werden kann, umfasst die Asyl-, Einwanderungs- und Visapoli-
tik, die Bekmpfung von Terrorismus, organisierter Kriminalitt, Menschenhan-
del, Drogen, Waffenhandel u.a.m., die justizielle Zusammenarbeit in Zivilsachen,
die polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen (PJZS) sowie die
Einrichtung der europischen Polizeibehrde Europol, einer europischen Justiz-
behrde Eurojust und einer europischen Staatsanwaltschaft.
Die Rechtsakte im RFSR werden vom Rat grundstzlich mit qualifizierter
Mehrheit im ordentlichen Gesetzgebungsverfahren beschlossen. Einstimmigkeit
bedarf es nur noch in den Bereichen Psse und Personalausweise, Familienrecht,
operative polizeiliche Zusammenarbeit und Einrichtung einer europischen Staats-
anwaltschaft. Das Initiativrecht der Kommission gilt auch fr die PJZS, sie muss
es sich allerdings mit den Mitgliedstaaten teilen (Art. 76 AEUV); der EuGH besitzt
die Zustndigkeit fr alle Rechtstreitigkeiten. Der Vertrag von Lissabon sieht fr
die Innen- und Justizpolitik zudem neue flexible Instrumente wie ein Schlichtungs-
verfahren (Notbremsenmechanismus) vor, das einen Mitgliedstaat in die Lage ver-
setzt, den Europischen Rat anzurufen, wenn grundlegende Aspekte seiner Straf-
rechtsordnung betroffen sind (Art. 82 III AEUV). Damit enthlt der Reformvertrag
in diesem Politikfeld sowohl Elemente einer Supranationalisierung wie auch einer
Intergouvernementalisierung.
Fr einige Staaten fllt jedoch die im Lissabon-Vertrag verankerte Zusammen-
arbeit im RFSR zu weitgehend aus. Deshalb sind die bereits vor Lissabon be-
stehenden Opt-Outs fr Grobritannien, Irland und Dnemark bei der Grenz-
schutz-, Asyl-, Einwanderungspolitik sowie der Zusammenarbeit in Zivilsachen
um die PJZS ergnzt worden. Damit unterliegen diese drei Lnder vollumfnglich
nicht den Bestimmungen des RFSR.
7.7Aktionsfelder 197
40
Es gibt drei Ausnahmen, wie Grenzkontrollen temporr wiedereingefhrt werden knnen:
1) Im Falle einer schwerwiegenden Gefahr fr die ffentliche Ordnung oder die innere Si-
cherheit dies betrifft insbesondere politische oder sportliche Groveranstaltungen; 2) nach
Terroranschlgen; 3) im Falle, dass die Auengrenzsicherung im Schengen-Raum nachweis-
lich fr mehr als drei Monate nicht mehr funktioniert.
198 7 Europische Union (EU)
326.000 entschieden wurde und 35% anerkannt, 65% abgelehnt wurden.41 Im ers-
ten Halbjahr 2014 wurden EU-weit bereits 239.000 Asylantrge gestellt.42
Nach ber 15-jhrigen Verhandlungen haben der Rat der Innenminister und das
EP im Juni 2013 das in Art. 78 AEUV als Ziel formulierte Gemeinsame Europi-
sche Asylsystem (GEAS) beschlossen. Dieses Asylsystem soll sicherstellen, dass
Asylsuchende berall in der EU dieselben Bedingungen vorfinden sowohl bei
ihrer Sicherheit und Versorgung als auch bei den Asylverfahren. Es sieht in weit-
gehender bereinstimmung mit der neuen im Juli 2013 in Kraft getretenen Dublin-
III-Verordnung (diese lste die Dublin-II-Verordnung von 2003 ab) vor, dass ein
Asylantrag grundstzlich von dem EU-Land behandelt wird, das der Asylbewerber
zuerst betreten hat, und dass der zustndige EU-Staat den Antragsteller whrend
des gesamten Asylverfahrens betreut. Reist dieser in ein anderes EU-Land weiter,
kann er in den zustndigen Staat zurckgeschickt werden. Asylsuchende mssen
in dem EU-Land bleiben, in das sie zuerst eingereist sind. In sichere Drittstaaten
knnen Asylbewerber ohne Prfung ihres Falls zurckgeschickt werden.43
Bei der gemeinsamen Einwanderungspolitik der EU geht es um die europa-
weite Steuerung der Migrationsstrme sowie die Verhtung und verstrkte Be-
kmpfung von illegaler Einwanderung und Menschenhandel (Art. 79 I AEUV).
Um diese Ziele zu erreichen, werden von der EU Einreise- und Aufenthaltsvoraus-
setzungen bestimmt sowie Manahmen zur Verhinderung illegaler Einwanderung
und illegalem Aufenthalt einschlielich der Rckfhrung solcher Personen erlas-
sen. Allerdings kann jeder Mitgliedstaat selbst festlegen, wie viele Drittstaatsan-
gehrige einreisen drfen, um dort als Arbeitnehmer oder Selbstndige Arbeit zu
suchen (Art. 79V).
[Link]Zusammenarbeit in Zivilsachen
Im Mittelpunkt der justiziellen Zusammenarbeit in Zivilsachen steht die gegensei-
tige Anerkennung gerichtlicher und auergerichtlicher Entscheidungen (Art. 81 I
AEUV). Die Union ist dazu aufgerufen, Manahmen zur Rechtsharmonisierung
zu ergreifen, wie z. B. die grenzberschreitende Zustellung von Schriftstcken.
Der reibungslosen justiziellen Zusammenarbeit in Zivilsachen kommt gerade im
Binnenmarkt mit den dort garantierten vier Grundfreiheiten eine erhebliche Be-
deutung zu, weil z.B. eine im Recht eines Mitgliedstaates angelegte Erschwerung
41
[Link]
[Link], 30.10.2014.
42
[Link]
[Link], 30.10.2014.
43
Siehe [Link]
[Link], 28.07.2014.
7.7Aktionsfelder 199
stellte indes keine gemeinsame Auenpolitik dar, sondern war vielmehr ein lo-
ckerer Rahmen fr Konsultation und Koordinierung. Der Vertrag von Maastricht
stellte die auen- und sicherheitspolitische Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten
auf eine vllig neue Grundlage. Er berfhrte die EPZ in die GASP und setzte
damit ein deutliches Zeichen, dass die wirtschaftliche Zusammenarbeit in der EU
durch eine (auen)-politische Komponente ergnzt werden soll. Als zweite Sule
des Maastricht-Vertrags war die GASP intergouvernemental ausgestaltet, d.h. die
nationalen Regierungen waren die dominierenden Akteure und die EU konnte kei-
ne die Mitgliedstaaten bindenden Rechtsakte erlassen. Die Instrumente der GASP
waren insbesondere Gemeinsame Positionen, Gemeinsame Strategien und
Gemeinsame Aktionen, wobei das Prinzip der Einstimmigkeit galt.
Mit dem Reformvertrag von Amsterdam wurde das Amt eines Hohen Beauf-
tragten fr die Gemeinsame Auen- und Sicherheitspolitik geschaffen und damit
der Wille der Union unterstrichen, verstrkt auf internationaler Bhne prsent zu
sein. Javier Solana, dem frheren NATO-Generalsekretr, gelang es durch um-
sichtiges Wirken das auenpolitische Profil der EU zu verbessern (Gaedtke 2009,
S.34). Auf seine Initiative geht die 2003 von der EU verabschiedete europische
Sicherheitsstrategie (Ein sicheres Europa in einer besseren Welt) als Reaktion auf
den Irak-Krieg und das uneinheitliche Verhalten der Europer zurck. Sie sah im
Unterschied zur rein militrisch ausgerichteten Sicherheitsdoktrin des damaligen
US-Prsidenten Bush vor, dass bei Bedrohungen durch einen Drittstaat zunchst
nichtmilitrische Instrumente, wie schrfere Exportkontrollen, Aussetzung von
Entwicklungshilfe und Sanktionen zur Geltung kommen und die Anwendung von
militrischer Gewalt nur die ultima ratio, also das letzte Mittel, darstellen sollte.
Es blieb dem Vertrag von Lissabon vorbehalten, eine Strkung der auen- und
sicherheitspolitischen Zusammenarbeit der 27 Mitgliedstaaten festzuschreiben.
Das Amt des Hohen Beauftragten fr die GASP wurde in Hoher Vertreter der
Union fr Auen- und Sicherheitspolitik umbenannt. In dieser Position sind die
Kompetenzen des ehemaligen Hohen Beauftragten der GASP und des frheren
Kommissars fr Auenbeziehungen gebndelt. Darber hinaus ist der Hohe Ver-
treter in Personalunion Vizeprsident der Kommission sowie Vorsitzender der
Ratsformation Auswrtige Angelegenheiten. Ihm untersteht erstmals ein Euro-
pischer Auswrtiger Dienst (EAD), der zum 1. Januar 2011 seine Arbeit aufge-
nommen hat und rund 130 Delegationen in aller Welt und 7 Delegationen bei inter-
nationalen Organisationen unterhlt (Stein 2012, S.256).44
44
Fr eine erste Zwischenbilanz der Arbeit des EAD siehe Bahr-Vollrath (2014).
7.7Aktionsfelder 201
Eine besondere Herausforderung fr die GASP stellte und stellt immer noch der
Umgang der EU mit Russland im Zuge der Ukraine-Krise dar. Nachdem Russland
die zur Ukraine gehrende Halbinsel Krim Mitte Mrz 2014 in ihren Staatsverband
aufgenommen hatte,45 was international als vlkerrechtswidrige Annexion ver-
urteilt wurde, vereinbarte die EU im Rahmen eines Drei-Stufen-Plans Strafma-
nahmen gegen Russland, die u.a. ein Einreiseverbot in die EU und die Sperrung
von Konten ausgesuchter Persnlichkeiten beinhalteten. Darber hinaus wurden
die Verhandlungen der EU mit Russland ber Visa-Erleichterungen und ber das
neue Grundlagenabkommen ausgesetzt sowie ein geplanter EU-Russland Gipfel
abgesagt. Im Juni 2014 stellte die EU Russland ein Ultimatum. Innerhalb von 72h
sollte die Regierung in Moskau zeigen, dass sie zu substantiellen Verhandlungen
ber den Friedensplan des (neuen) ukrainischen Prsidenten Poroschenko zur Bei-
legung des zwischen russischen Separatisten und ukrainischen Streitkrften in der
Ost-Ukraine entbrannten militrischen Konflikts bereit sei. Anderenfalls drohten
die Staats- und Regierungschefs mit weiteren Sanktionen gegen Russland. Obwohl
Prsident Putin guten Willen demonstrierte u.a. bat er das Parlament um Rck-
nahme der Interventions-Erlaubnis in der Ukraine einigten sich die 28 Mitglied-
staaten Anfang Juli 2014 darauf, Einreiseverbote und Kontensperrungen gegen elf
weitere Personen zu verhngen, womit die Zahl der hiervon Betroffenen auf ins-
gesamt 71 stieg. Nachdem Mitte Juli ein malaysisches Passagierflugzeug auf dem
Flug von Amsterdam nach Perth allem Anschein nach von prorussischen Separatis-
ten ber der Ost-Ukraine abgeschossen worden war, wobei ca. 300 Menschen den
Tod fanden, und im August und September regulre russische Militreinheiten auf
ukrainischem Gebiet operierten, verstrkte die EU ihre Sanktionen gegen Russ-
land.
Vorangegangen war ein Umsturz in der Ukraine, die Flucht von Staatsprsident Januko-
45
witsch nach Russland, die Bildung einer neuen Regierung in Kiew sowie ein von Russland
gelenktes Referendum auf der Krim, bei dem sich eine groe Mehrheit fr den Anschluss der
Halbinsel an Russland ausgesprochen hatte.
7.7Aktionsfelder 203
1992 hatte die Westeuropische Union (WEU), die bis zur ihrer Auflsung 2010 als vertei-
46
Der Lissabon-Vertrag sieht auch eine Beistandspflicht vor. Art.42 VII legt fest,
dass im Falle eines bewaffneten Angriffs auf einen Mitgliedstaat die anderen Mit-
gliedstaaten ihm Hilfe und Untersttzung leisten mssen. Ebenfalls neu im Bereich
der GSVP ist die Einfhrung einer Stndigen Strukturierten Zusammenarbeit. Sie
soll eine Blockade der EU in der GSVP verhindern helfen, indem sie einzelnen
Staaten erlaubt, unter dem Dach der EU weiterfhrende Integrationsschritte bei der
Entwicklung militrischer Fhigkeiten vorzunehmen, denen sich nicht alle Staaten
anschlieen knnen oder wollen (Art. 42 VI i.v.m. Art. 46).
Die im Rahmen der ESVP/GSVP durchgefhrten EU-Operationen lassen sich
im Wesentlichen in militrische, zivil-militrische und zivile Operationen eintei-
len. Zum ersten Mal umgesetzt wurde die ESVP mit der European Union Police
Mission in Bosnien-Herzegowina im Januar 2003 einer zivilen Operation mit
dem Ziel, beim Aufbau von professionellen Polizeikrften zu helfen. Bereits im
Mrz 2003 wurde mit Concordia die erste militrische Operation durchgefhrt
und zwar durch die Stationierung einer aus 400 Soldaten bestehenden Friedens-
truppe in Mazedonien. Das erste Einsatzgebiet auerhalb der EU lag im Kongo mit
der Militroperation Artemis im Sommer 2003. Im Auftrag der UNO sicherte
eine EU-Eingreiftruppe einen Waffenstillstand zwischen rivalisierenden Brger-
kriegsparteien (Galanski und Kaim 2013, S.301f.).
Die EU hat seit 2003 32 Operationen durchgefhrt, wovon 15 bereits abge-
schlossen sind. Bei der berwiegenden Mehrzahl der Operationen handelt es sich
um zivile Einstze zum Aufbau demokratischer und rechtsstaatlicher Strukturen.
Unter den gegenwrtig (Stand Oktober 2014) laufenden 17 Operationen sind sechs
militrische: EUFOR Althea in Bosnien-Herzegowina zur Untersttzung des
Friedensabkommen von Dayton, EU NAVFOR Atalanta zur Bekmpfung der Pi-
raterie am Horn von Afrika, EUTM Somalia zur Ausbildung somalischer Streit-
krfte, EUTM Mali zur Ausbildung malischer Streitkrfte, EUBAM Libya zur
Untersttzung der libyschen Regierung bei der Sicherung der Auengrenzen und
zuletzt (Februar 2014) EUFOR RCA mit dem Ziel, franzsische Truppen sowie
militrische Kontingente der AU bei der Befriedung der Brgerkriegssituation in
der Zentralafrikanischen Republik zu untersttzen.47
Trotz aller Fortschritte bei der militrischen Zusammenarbeit ist die EU von der
Bildung und dem Einsatz einer Europischen Armee noch weit entfernt. Die Grn-
de hierfr sind fehlender politischer Wille, divergierende nationale Interessen und,
strukturell gesehen, das nationale Vetorecht. Der weitere Auf- und Ausbau von
EU-Militrstrukturen liegt dagegen durchaus im Bereich des Mglichen, so z.B.
operations/index_en.htm, 28.07.2014.
7.8Zusammenfassung und Ausblick 205
Tab. 7.6 Wechselspiel zwischen Vertiefung und Erweiterung der EU. (Quelle: Eigene
Darstellung)
Vertiefung Jahr Erweiterung
EGKS (Montanunion) 1952
EWG und EAG (Rmische Vertrge) 1958
1973 Norderweiterung
Europisches Whrungssystem 1979
1981 1. Sderweiterung
1986 2. Sderweiterung
Einheitliche Europische Akte 1987
Vertrag von Maastricht, Binnenmarkt 1993
1995 Erweiterung um EFTA-Staaten
WWU, Vertrag von Amsterdam 1999
Vertrag von Nizza 2003
2004 1. Osterweiterung
Verfassungsvertrag (gescheitert) 2005
2007 2. Osterweiterung
Vertrag von Lissabon 2009
Fiskalpakt 2012
2013 Balkanerweiterung (Kroatien)
lagen im Hinblick auf die politischen und geographischen Grenzen Europas und
den Grad an Integration (Finalittsfrage). Whrend durchaus kontrovers diskutiert
wird, ob weitere Beitritte verkraftbar sind oder aber die Aufnahmekapazitt der
Union bereits erschpft ist, bleibt es um die Frage, ob die EU ein Staatenverbund
in der jetzigen Form bleiben oder aber ein Bundesstaat werden soll, eher ruhig.
Dies mag der Tatsache geschuldet sein, dass durch die gegenwrtigen Krisen keine
Kapazitten fr eine ernsthafte Auseinandersetzung mit diesem Thema vorhanden
sind. Eines gilt es indes zu konstatieren: Eine weitere Vergrerung des Kreises
der EU-Mitglieder drfte die Schaffung eines Bundesstaates ungleich erschweren,
wenn nicht gar unmglich machen.
Literaturempfehlungen
Dokumente
Vertrag ber die Europische Union (EUV), abgedruckt in: Matjeka, Manfred u. a.: Vor-
schriftensammlung Europarecht, 7. Aufl., Stuttgart 2014; [Link]
[Link]?uri=OJ:C:2010:083:SOM:DE:HTML, 28.07.2014.
Vertrag ber die Arbeitsweise der Europischen Union (AEUV), abgedruckt in: Matjeka,
Manfred u. a.: Vorschriftensammlung Europarecht, 7. Aufl., Stuttgart 2014; [Link]
[Link]/[Link]?uri=OJ:C:2010:083: SOM:DE:HTML, 28.07.2014.
Literatur
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Transformation des staatlichen Gewaltmonopols, in: Beichelt, Timm u. a. (Hg.): Europa-
Studien. Eine Einfhrung, [Link]., Wiesbaden, S.187208.
Wessels, Wolfgang 2008: Das politische System der Europischen Union, Wiesbaden.
Links
Internetauftritt EU, [Link]
Untersttzung von KMU-
Ratgeberserie Politikmanahmen aus
Strukturfondsmitteln
Frderung der
Internationalisie-
rung von KMU
Unternehmen und
Industrie
7
3
Frderung der
Internationalisie-
rung von KMU
Dieser Ratgeber wurde von der Europischen Kommission auf der Grundlage der in Anhang 2
aufgefhrten Quellen erstellt. Die in dieser Broschre geuerten Ansichten entsprechen jedoch nicht
zwangslufig der Meinung der Europischen Kommission.
Weitere Informationen:
Europische Kommission
Generaldirektion Unternehmen und Industrie
Referat D.2: Marktzugang fr KMU
E-Mail: Entr-SME-Access-to-Markets@[Link]
[Link]
Dieser Ratgeber liegt in mehreren europischen Sprachen vor. Die einzelnen Sprachfassungen sind
unter folgender Adresse abrufbar: [Link]
index_de.htm.
Mit der Erarbeitung sollen Akteure bei der Inanspruchnahme von EU-Strukturfondsmitteln untersttzt
werden, um KMU zu frdern. Die Europische Kommission bernimmt jedoch keinerlei Haftung fr die
Richtigkeit und Vollstndigkeit der Angaben. Konkrete Antrge auf Inanspruchnahme von Mitteln aus
den EU-Strukturfonds sind stets nach Magabe der jeweils im Land des Antragstellers zum Zeitpunkt
der Antragstellung geltenden Regeln zu prfen.
Dieser Ratgeber ist Teil einer Serie, in der bislang folgende Titel erschienen sind:
Nr. 1 Frderung des Unternehmergeistes und unternehmerischer Kompetenzen in der EU
Nr. 2 Einsatz von Normen zur Frderung von Wachstum, Wettbewerbsfhigkeit und Innovation
Nr. 3 Erleichterung von Unternehmensbertragungen
Nr. 4 Der intelligente Ratgeber zum Thema Dienstleistungsinnovation
Nr. 5 Umsetzung des SBA auf regionaler Ebene
Nr. 6 Nutzung der Strukturfonds fr Politikmanahmen zur Frderung von KMU und
Unternehmergeist
Nr. 7 Frderung der Internationalisierung von KMU
RECHTLICHER HINWEIS
Weder die Europische Kommission noch in deren Namen handelnde Personen knnen fr die etwaige
Nutzung der in dieser Verffentlichung enthaltenen Informationen oder fr eventuelle, trotz der
sorgfltigen Vorbereitung und Prfung der Texte noch vorhandene Fehler zur Verantwortung gezogen
werden. Der Inhalt dieser Verffentlichung spiegelt nicht zwangslufig die Haltung der Europischen
Kommission wider. Luxemburg, Amt fr Verffentlichungen der Europischen Union, 2014.
ISBN 978-92-79-36465-5
ISSN 1977-6659
DOI 10.2769/92568
Vorwort
In einer globalisierten Welt mssen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in der Lage sein,
dem zunehmenden Wettbewerbsdruck aus Industrie und Schwellenlndern standzuhalten und
die Marktchancen zu erschlieen, die diese Lnder bieten. Zwischen der Internationalisierung und
leistungsfhigeren KMU besteht ein direkter Zusammenhang. Eine internationale Ttigkeit wirkt sich
positiv auf Wachstum und Beschftigung aus, macht die Unternehmen wettbewerbsfhiger und
sichert langfristig ihren Bestand. Doch trotz des Potenzials, das der erweiterte EU-Binnenmarkt und
die Globalisierung erffnen, sind mittelstndische Betriebe in Europa immer noch weitgehend von
ihren Inlandsmrkten abhngig.
Die KMU-Strategie der EU wurde im Small Business Act for Europe festgelegt, von der Kommission
im Juni 2008 vorgestellt und 2011 einer berprfung unterzogen. Demnach sollen die EU und die
Mitgliedstaaten vor allem durch marktgerechte Frdermanahmen und Schulungen dafr sorgen, dass
die KMU vom Wachstum der Mrkte auerhalb der EU profitieren, bzw. die KMU dazu ermutigen, diese
Leistungen in Anspruch zu nehmen.
Auf diese Weise knnen die KMU davon profitieren, dass die EU-Struktur und Investitionsfonds
und insbesondere der Europische Fonds fr regionale Entwicklung (EFRE), die mit Abstand grte
Finanzierungsquelle fr die Mittelstandsfrderung, verstrkt auf die Wettbewerbs- und Innovationsfhigkeit
von KMU ausgerichtet sind.
Im Zeitraum 20072013 wurden aus den Strukturfonds rund 70 Mrd. EUR fr Unternehmen, vorwiegend
fr KMU, bereitgestellt. Mit EFRE-Mitteln wurden fast 200 000 Projekte gefrdert, die speziell KMU
zugutekamen (bei vielen Projekten wurden gleiche mehrere KMU untersttzt). Dank dieser Initiativen
konnten bisher 78 000 Start-up-Unternehmen gegrndet und mindestens 268 000 Dauerarbeitspltze
in KMU geschaffen (und viele weitere) erhalten werden. Diese Bilanz wird bis zum Abschluss der Projekte
Ende 2015 noch positiver ausfallen.
Wir hoffen, dass Entscheidungs- und Interessentrger sowie insbesondere auf regionaler Ebene ttige
Verwaltungsbehrden diesen Ratgeber als Anregung fr praktische Manahmen nutzen und damit das
Wachstum und die grenzberschreitende Ttigkeit der KMU aus Strukturfondsfondsmitteln verstrkt
frdern werden.
Inhalt
Abkrzungen
CNBC Cluster and Network Cooperation for Business Success in Central Europe
EK Europische Kommission
EU Europische Union
IT Informationstechnologie
JOSEFIN Joint SME Finance for Innovation (gemeinsame KMU-Finanzierung fr den Ostseeraum)
VZ Vollzeitquivalent
9
monkeybusinessimages/iStock/Thinkstock
Zusammenfassung
Warum sollten
KMU international
Felipe Dupouy/Digital Vision/Thinkstock
aktiv werden?
2.1 Einleitung ten, mit denen Chancen genutzt und Heraus-
forderungen bewltigt werden knnen, die die
Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bilden 1
Globalisierung mit sich bringt (EK, 2007, S. 13).
das Rckgrat der europischen Wirtschaft. Bei Dies kann grenzbergreifend, auf transnationa-
einem Anteil von 99 % an den Unternehmen ler Ebene innerhalb der EU oder international
entfallen auf sie 67 % aller Arbeitspltze im auerhalb der EU geschehen.
nichtfinanziellen privaten Sektor, bis zu 85 %
aller neu geschaffenen Arbeitspltze (EK, 2011 Internationalisierung kann die Wettbewerbsf-
(3), S. 5/6) und etwa 59 % der Wertschpfung higkeit einer Firma steigern und damit letztlich
der Wirtschaft2. zu einer verbesserten Wirtschaftsleistung auf
nationaler und europischer Ebene fhren (EK,
Eine Internationalisierung erffnet neue Mrk- 2010, S. 57). Eine 2010 verffentlichte Studie
te fr mittelstndische Betriebe und hat das zu den Jahren 2007 und 2008 ergab Folgen-
Potenzial, deren Wettbewerbsfhigkeit und des (EK, 2010, S. 8):
Wachstum erheblich zu steigern.
Eine internationale Ttigkeit steht in einem
In diesem Ratgeber bezeichnet der Begriff In- deutlichen Zusammenhang mit einem
ternationalisierung alle Ttigkeitsbereiche, bei gesteigerten Umsatzwachstum.
denen die KMU in einem festen Geschftsver- ber 50 % der KMU, die entweder im Aus-
hltnis mit einem auslndischen Partner stehen: land investierten und an einer internationalen
Exporte, Importe, auslndische Direktinvestiti- Vergabe von Unterauftrgen beteiligt waren,
onen (ADI Verlagerung oder Ausgliederung), meldeten einen erhhten Umsatz, bei KMU
internationale Vergabe von Unterauftrgen und insgesamt dagegen waren es im Schnitt
internationale technische Zusammenarbeit (EK, etwa 33 %.
2010, S. 5). Es geht also um Geschftsttigkei-
1
Die Proposal
21. Europische
for aKommission stuft
regulation of theein Unternehmen
EP and als KMU
of the Council ein,
laying wenn
down es hchstens
common 250on
provisions Personen beschftigt
the European undDevelopment
Regional einen Jahresumsatz
Fund, thevon hchstens
European 50 Fund,
Social Mio. EUR
the
erzielt oder seine Jahresbilanzsumme sich auf hchstens 43 Mio. EUR beluft.
2
[Link]
14
3
EK, 2010, S. 5: Die Statistiken basieren auf einer Stichprobe von rund 1000 KMU in 26 Wirtschaftszweigen. Die Daten wurden im Frhjahr 2009 erhoben (als die EU
27 Mitgliedstaaten hatte) und betreffen die Jahre 2006 bis 2008.
15
Die nachstehende Tabelle vermittelt einen ber- sen der europischen KMU (EK, 2010, S. 16, 17,
blick ber die unterschiedlichen Vorgehenswei- 33 und 36).
Art der Internationalisierung % aller KMU Ca. % dieser innerhalb der % aller KMU
in der EU EU aktiven KMU betreiben ihre in der EU
adressieren internationalen Aktivitten in adressieren
Mrkte inner- Mrkte
halb der EU auerhalb
der EU
Grenzregionen anderen EU-Ln-
dern jenseits der
Grenzregionen
Import 29 % 35 % 89 % 14 %
Export 25 % 47 % 80 % 13 %
Technologische Zusammenarbeit 7%
mit einem auslndischen Partner
Vergabe von Unterauftrgen an 7%
einen auslndischen Partner n.a.
Einsatz auslndischer Unterauftrag- 7 %
nehmer
Auslndische Direktinvestitionen 2%
Unter dem Strich sind ber 40 % der europi- befrdern oder behindern: begnstigende Fak-
schen KMU in irgendeine Form von internationa- toren und hemmende Faktoren. Sie knnen
len Geschftsbeziehungen eingebunden. Aller- diese Faktoren nicht direkt beeinflussen, aber
dings agieren nur wenige auerhalb der EU (EK, wenn sie darber Bescheid wissen, knnen sie
2010, S. 15). die begnstigenden Faktoren bestmglich nut-
zen und hemmende Faktoren so weit wie mg-
Welche Wachstumsmrkte auerhalb der EU lich reduzieren.
bringen europischen Unternehmen den gr-
ten Gewinn? Beginnen wir mit den begnstigenden Faktoren.
Eine Studie aus dem Jahr 2011 ergab, dass die Die Hauptmerkmale der aktuellen Globalisie-
folgenden sieben Zielmrkte fr europische rungswelle sind (EK, 2007, S. 6):
Unternehmen mehr und mehr an Bedeutung
ein beispielloser Abbau von Handelsschran-
gewinnen: Brasilien, Russland, Indien, China (die
ken weltweit;
BRIC-Lnder), Japan, Sdkorea und die Ukrai-
ne. Der Anteil internationalisierter europischer erheblich verbesserte Logistik und Kom-
KMU mit Geschftsttigkeiten in diesen Wachs- munikationssysteme, die allen Unterneh-
tumsmrkten in den Jahren 2009 und 2010 ver- men zur Verfgung stehen;
teilt sich wie folgt: Russland: 13 %, China: 10 %,
Ukraine: 8 %, Japan: 7,5 %, Brasilien: 6,5 %, die Revolution der Informationstechnologie,
Indien: 6 %, Sdkorea: 4,5 % (EK, 2011 (1), die den Weg fr einen umfassenderen Tech-
S. 13). nologie und Wissensaustausch und das Auf-
kommen neuer Arten von wirtschaftlichen
2.3. Die Internationalisierung von Transaktionen, wie etwa den elektronischen
Handel, bereitet.
KMU begnstigende Faktoren
Diese Vorzge bestehen fr groe Konzerne
Erbringer von Untersttzungsdienstleistungen
und KMU gleichermaen, doch KMU scheinen
sollten die wirtschaftlichen Rahmenbedingun-
noch nicht genau zu verstehen, wie sie sie am
gen kennen, die eine KMU-Internationalisierung
16
besten fr sich nutzen knnen. Mehr KMU auf berhaupt internationale Mrkte ins Visier
eine internationale Ausrichtung vorzubereiten, zu nehmen (EK, 2010, S. 6).
bedeutet mehr Unternehmer auf eine interna-
tionale Ausrichtung vorzubereiten, indem man Gibt es eine bestimmte Art von Internationa-
sie vorzugsweise im Bildungssystem frh- lisierung, die sich fr den Einstieg besonders
zeitig mit dem internationalen Umfeld und den gut eignet?
Vorzgen einer internationalen Perspektive Der erste Schritt fr Mittelstndler ist hufig
vertraut macht (EK, 2007, S. 10). der Import. Bei KMU, die sowohl importieren als
Sieht man sich nun die verschiedenen Heimat- auch exportieren, haben doppelt so viele (39 %)
mrkte von KMU nher an, erkennt man, dass mit Importen wie mit Exporten (18 %) begon-
sich mittelstndische Unternehmen umso str- nen. 42 % begannen im gleichen Jahr zu impor-
ker international orientieren, je kleiner ihr Land tieren und zu exportieren (EK, 2010, S. 6).
ist. In Lndern wie Estland, Dnemark, Schwe- Zudem sind einige Branchen tendenziell besser fr
den, der Tschechischen Republik oder Slowe- eine Internationalisierung geeignet als andere:
nien liegt der Anteil der Exporteure bei 55 %
bis 35 %, im EU-Durchschnitt bei 25 % und in Handel, verarbeitendes Gewerbe, Verkehrs-
Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten wesen sowie Kommunikation und Forschung
Knigreich bei rund 20 % (EK, 2010, S. 24). sind die am strksten international geprgten
Branchen. Den hchsten Anteil an exportieren-
Wie nicht anders zu erwarten, sind KMU mit ei- den KMU haben die Wirtschaftszweige Bergbau
nem Standort in Grenznhe wesentlich aktiver (58 %), verarbeitendes Gewerbe (56 %), Gro-
in ihren Grenzregionen, aber nicht viel weiter handel (54 %), Forschung (54 %), Kfz-Handel
darber hinaus (EK, 2010, S. 6). (53 %), Vermietungsdienstleistungen (39 %)
sowie Verkehr und Kommunikation (39 %). Bei
Gre, Alter und Erfahrung von KMU spielen
den Dienstleistungen ist der Anteil im Bereich
eine wichtige Rolle fr deren Bereitschaft und
Forschung besonders hoch (EK, 2010, S. 6).
Fhigkeit, sich international zu orientieren:
Unternehmen, die sich am elektronischen Han-
Allgemein richtet sich ein Unternehmen
del beteiligen, engagieren sich strker im Aus-
umso strker international aus, je grer
land. Es besteht eindeutig eine Wechselwirkung
es ist: 24 % der Kleinstunternehmen, 38 %
zwischen der Mglichkeit, Produkte oder Dienst-
der kleinen Unternehmen und 53 % der
leistungen online verkaufen zu knnen, und einer
mittleren Unternehmen exportieren; bei den
Aktivitt in Export oder Importmrkten (selbst
Importen betragen die entsprechenden An-
wenn man die Firmengre auer Acht lsst).
teile 28 %, 39 % bzw. 55 % (EK, 2010, S. 5).
Dies legt den Schluss nahe, dass das Internet es
Export und Importaktivitten nehmen fr KMU aller Gren leichter gemacht hat, ei-
mit zunehmendem Reifegrad eines Unter- nige Schranken fr eine Internationalisierung zu
nehmens zu. Der Anteil exportierender KMU berwinden. In der Tat ist der Zusammenhang
steigt von gut 15 % bei Unternehmen, die zwischen bestimmten hemmenden Faktoren und
bis zu vier Jahre alt sind, auf fast 30 % bei der Firmengre dank des Internets schwcher
Unternehmen, die 25 Jahre und lter sind geworden (EK, 2010, S. 7).
(EK, 2010, S. 6).
2.4. Haupthindernisse fr eine
Zum Punkt Erfahrung ist zu sagen, dass Internationalisierung der KMU
nur wenige nicht international agierende
KMU in naher Zukunft internationale Ak- Wenn man die Hindernisse fr eine Internatio-
tivitten planen. Lediglich etwa 4 % aller nalisierung der KMU kennt, kann man die Un-
nicht internationalisierten Unternehmen tersttzung auf die speziellen Bedrfnisse des
beabsichtigen nach eigenen Angaben, Mittelstands ausrichten (EK, 2010, S. 57).
17
Zwar bieten internationale Mrkte, private wie nicht vorhandenen internationalen Erfahrungen
auch ffentliche, europischen Unternehmen von Firmen zu bercksichtigen (EK, 2010, S. 57).
betrchtliche Chancen, doch KMU stehen vor be-
sonderen Hindernissen, wenn sie den Weltmarkt Eine 2010 durchgefhrte Erhebung (EK, 2010,
erschlieen wollen, nicht zuletzt beim Zugang S. 58/59) offenbarte, dass aus Sicht der KMU
zu Marktinformationen, der Lokalisierung mg- folgende hemmende Faktoren unternehmen-
licher Kunden und der Suche nach den richtigen sintern bestehen:
Partnern. Sie mssen auch komplexere Prob-
der Preis ihres Produkts oder ihrer Dienst-
leme lsen, wie etwa die Einhaltung auslndi-
leistung;
scher Gesetze, beispielsweise von verbindlichen
die hohen Kosten einer Internationalisie-
Regeln des Vertragsrechts, Zollvorschriften,
rung;
technischen Regelungen und Normen, die Hand-
die Qualitt des Produkts und das Fehlen
habung von Technologietransfer und den Schutz
von qualifiziertem Personal;
von Rechten an geistigem Eigentum oder ge-
die Spezifikationen der Firmenprodukte;
werblichen Schutzrechten. Fr die Bewltigung
die Sprache.
dieser Herausforderungen sind KMU in der Regel
nicht so gut mit eigenem Know-how und finanzi- An erster Stelle steht aus Sicht der KMU der
ellen oder personellen Ressourcen ausgestattet Preis der Produkte oder Dienstleistungen ihrer
wie grere Unternehmen (EK, 2011 (2), S. 3). Firma. Dies ist natrlich abhngig von den all-
gemeinen Preisen auf dem heimischen Markt
Sollen also Manahmen zur Frderung eines in-
und dem Grad der Wirtschaftlichkeit; spezi-
ternationalen Engagements von KMU erfolgreich
fische Manahmen zur Untersttzung einer
sein, muss man zuerst verstehen, vor welchen
Internationalisierung wrden dieses Problem
wesentlichen Problemen diese stehen, wenn sie
also vermutlich nicht lsen. Hilfreich knnte je-
abwgen, ob sie eine Zusammenarbeit mit einem
doch die Einfhrung von Manahmen zur Stei-
auslndischen Partner in Angriff nehmen sollen.
gerung der wirtschaftlichen Leistungsfhigkeit
Nach OECD-Angaben4 nennen KMU vor allem fol-
sein, und zwar entweder durch eine kombinier-
gende hemmenden Faktoren (EK, 2007, S. 10/11):
te Internationalisierungs- und Innovationspoli-
Mangel an Betriebskapital zur Finanzierung tik oder durch eine effizientere Beschaffung von
von Exporten; Vormaterialien, vielleicht durch Direktimporte.
Schwierigkeiten bei der Suche nach Geschfts-
Auf dem zweiten Platz der Rangliste stehen die
mglichkeiten;
hohen Kosten einer Internationalisierung. Es ist
Mangel an fr eine Lokalisierung/Analyse
Aufgabe der EU, auf internationale Handelsre-
von Mrkten notwendigen Informationen;
geln hinzuwirken, die den speziellen Bedrfnis-
Kontaktaufnahme mit potenziellen Kunden
sen des europischen Mittelstands gerecht wer-
im Ausland unterbleibt aufgrund mangeln-
den. Die Europische Kommission bemht sich
der Fhigkeiten;
um den Abbau tarifrer und nichttarifrer Han-
Schwierigkeiten beim Aufbau einer verlss-
delsschranken, wenn sie mit Drittstaaten ber
lichen Auslandsvertretung;
Freihandelsabkommen verhandelt. Auerdem
fehlende Zeit bei den Fhrungskrften, sich
strebt sie eine Angleichung von Rechtsvorschrif-
mit einer Internationalisierung zu befassen;
ten durch verschiedene Dialoge an, zum Beispiel
nicht gengend und/oder entsprechend un-
im Rahmen der europischen Nachbarschafts-
qualifizierte Mitarbeiter.
politik, d. h. der stlichen Partnerschaft und der
Unternehmen, die noch nicht auf dem internati- technischen Zusammenarbeit zwischen der EU
onalen Markt aktiv sind, unterschtzen vielleicht und den Lndern des Mittelmeerraums.
einige hemmende Faktoren und berschtzen
KMU knnen aber auch direkte technische Hil-
andere, weshalb es wichtig ist, bei der Konzeption
fe erhalten, z. B. indem Informationen ber in-
und Entwicklung von Untersttzungsdienstleis-
ternationale Mrkte leicht zugnglich gemacht
tungen fr Unternehmen die vorhandenen bzw.
4
Abschlieender Hintergrundbericht des gemeinsamen OECD-APEC-Projekts Removing barriers to SME access to international markets, OECD-APEC-Weltkonferenz,
6.8. November 2006, Athen, Griechenland.
18
werden, indem sie bei der Grndung internationa- Bei den externen hemmenden Faktoren ergibt sich
ler Geschfts-, Forschungs- und Technologiepart- fr die EU und die brige Welt ein hnliches Bild,
nerschaften (etwa durch das Enterprise Europe wenngleich Zolltarife und andere Handelsschran-
Network, siehe Anhang 1) untersttzt werden ken auf dem auslndischen Markt, andere Geset-
oder indem ihre Teilnahme an internationalen ze und Regelungen im Ausland, Zolltarife oder an-
Handelsmessen finanziell gefrdert wird. dere Handelsschranken auf dem heimischen Markt
und kulturelle Unterschiede im Zusammenhang
Die Firmengre spielt fr interne Hemmnisse mit der EU eher weniger angefhrt werden. ber-
kaum eine Rolle; eine Ausnahme ist der Mangel raschenderweise nannten KMU Mangel an Kapital
an ausreichend qualifizierten Mitarbeitern: Diese und Mangel an angemessener staatlicher Unter-
Barriere erscheint umso grer, je kleiner das sttzung hufiger in Bezug auf die EU als bei glo-
Unternehmen ist. balen Mrkten. Der Grund dafr knnte sein, dass
auf Nicht-EU-Mrkten agierende KMU in der Regel
Die Studie befasste sich auch mit externen
grer und erfahrener sind. Grere KMU betrach-
hemmenden Faktoren im Geschftsumfeld (EK,
ten andere Gesetze und Regelungen im Ausland
2010, S. 59/60). Die KMU sahen folgende Fakto-
als wichtiger, whrend Kleinstunternehmen fter
ren als die grten Hemmnisse fr eine Interna-
auf den Mangel an Kapital verwiesen.
tionalisierung an:
Mangel an Kapital;
Mangel an angemessener staatlicher Unter-
sttzung;
Mangel an geeigneten Informationen;
die Kosten oder Schwierigkeiten in Verbin-
dung mit den fr die Befrderung notwendi-
gen Papieren;
andere Gesetze und Regelungen im Ausland;
Zolltarife oder andere Handelsschranken auf
dem auslndischen Markt;
kulturelle Unterschiede (einschlielich Unter-
nehmenskultur).
19
Staatliche Unterstt-
zung fr eine Internatio-
tfoxfoto/iStock/Thinkstock
Zugang zu Informationen und Zugang zu finan- nutzen (EK, 2010, S. 63/64). Bisher nehmen
zieller Untersttzung (EK, 2010, S. 70). sehr wenige europische KMU tatschlich
staatliche Untersttzungsmanahmen in An-
Die Studie der Kommission von 2011 zeigte, spruch. Der Studie aus dem Jahr 2010 zufolge
dass dank der Inanspruchnahme staatlicher wird eine nichtfinanzielle Frderung eher von
Frderprogramme (finanzieller und nichtfinan- den kleinsten Firmen genutzt, die sich im Aus-
zieller Art, auf nationaler und EU-Ebene) im land engagieren: 10 % der Kleinstunterneh-
Durchschnitt (EK, 2011 (1), S. 8) men, aber nur 8 % der kleinen Unternehmen
der Umsatz von KMU auf dem Zielmarkt um und 6 % der mittleren Unternehmen. Finanziel-
28 % stieg; le Frderung hingegen wird strker von gre-
sich der Umsatz der Firma insgesamt um ren KMU genutzt, die international agieren: 10
11 % erhhte; % der Kleinstunternehmen, 13 % der kleinen
drei Arbeitspltze geschaffen oder erhalten Unternehmen und 16 % der mittleren Unter-
wurden; nehmen (EK, 2010, S. 7).
12 % des Umsatzes des Folgejahres gesichert
Es bestehen groe Unterschiede zwischen den
wurden.
Lndern. Ein hoher Anteil von KMU in ster-
3.2. Bekanntheit und Nutzung staat- reich (47 %) meldete die Inanspruchnahme
von finanzieller Frderung, whrend diese Zahl
licher Frderprogramme bei KMU in Lndern wie Portugal, Dnemark und den
Obwohl es bereits viele Programme zur Fr- Niederlanden bei 1 % oder darunter liegt. Bei
derung der Internationalisierung von KMU gibt, nichtfinanzieller Frderung ist die Nutzung am
sind sie weitgehend unbekannt: Der Anteil der hchsten in Slowenien (23 %), Zypern (19 %)
EU-KMU, die ber diese Mglichkeiten Bescheid und Lettland (16 %), in allen anderen Mitglied-
wissen, reicht von 15 % bei Kleinstunternehmen staaten hingegen weit geringer (EK, 2010, S.
bis 27 % bei mittleren Unternehmen sowie von 7 und 67). Die nachstehende Tabelle gibt ei-
nur 10 % bei Unternehmen, die nicht internatio- nen berblick ber die Inanspruchnahme von
nal aktiv sind, bis 22 % bei KMU mit internatio- finanziellen und nichtfinanziellen staatlichen
naler Geschftsttigkeit (EK, 2010, S. 7). Untersttzungsmanahmen fr die Internatio-
nalisierung im Jahr 2009, aufgeschlsselt nach
Es gibt Unterschiede zwischen den Branchen: Lndern und Anteilen der KMU, die internatio-
20 % bis 25 % der KMU im Grohandel und nale Geschfte ttigen:
im verarbeitenden Gewerbe kennen die Frder-
programme, whrend in den Bereichen Einzel-
handel, Verkehr und persnliche Dienstleistun-
gen nur 10 % bis 13 % der Unternehmen von
der ihnen zur Verfgung stehenden staatlichen
Untersttzung wissen. Daher muss der erste
Schritt fr eine angemessene Untersttzung
von KMU, die die Mglichkeiten internationa-
ler Markt nutzen wollen, darin bestehen, den
eher geringen Bekanntheitsgrad von Unter-
nehmensfrderprogrammen unter den Mittel-
stndlern zu erhhen (EK, 2010, S. 7).
Anteil international ttiger KMU, die finanzielle oder nichtfinanzielle Frderung nutzen
Rang Land Anteil der Rang Land Anteil der
Nutzung Nutzung nicht-
finanzieller finanzieller
Frderung Frderung
1 sterreich 47 % 1 Slowenien 23 %
2 Trkei 32 % 2 Zypern 19 %
3 Griechenland 17 % 3 Lettland 16 %
4 Lettland 7% 10 Litauen 9%
5 Norwegen 6% 11 Luxemburg 7%
6 Deutschland 5% 12 Italien 5%
7 Spanien 5% 13 Norwegen 5%
8 Italien 5% 14 Griechenland 4%
9 Slowakei 5% 15 Frankreich 3%
10 Frankreich 7% 10 Spanien 9%
11 Rumnien 6% 11 Deutschland 7%
12 Ungarn 5% 12 Dnemark 5%
13 Schweden 5% 13 Vereinigtes Knigreich 5%
14 Zypern 5% 14 Irland 4%
15 Vereinigtes Knigreich 5% 15 sterreich 3%
16 Slowenien 4% 16 Polen 3%
17 Luxemburg 4% 17 ehemalige jugoslawische 2%
Republik Mazedonien
18 Liechtenstein 4% 18 Finnland 2%
19 Belgien 4% 19 Belgien 1%
20 Finnland 3% 20 Slowakei 1%
21 Estland 3% 21 Niederlande 0%
22 Litauen 3% 22 Estland 0%
23 Polen 3% 23 Malta 0%
24 Irland 3% 24 Kroatien 0%
25 Malta 2% 25 Portugal 0%
26 Bulgarien 2% 26 Schweden 0%
27 Kroatien 2% 27 Tschechische Republik 0%
28 Tschechische Republik 2% 28 Bulgarien 0%
29 Portugal 1% 29 Ungarn 0%
30 Dnemark 1% 30 Island 0%
31 Niederlande 1% 31 Liechtenstein 0%
32 ehemalige jugoslawische 0% 32 Rumnien 0%
Republik Mazedonien
33 Island 0% 33 Trkei 0%
Quelle: EK, 2010, S. 67
22
Welche Art der ffentlichen Frderung nutzen aus und sind besonders schutzbedrftig. Die
KMU am hufigsten? Bemhungen sollten sich darauf richten, die
Kapazitten sowohl fr Innovation als auch fr
Bei den finanziellen Dienstleistungen stehen Bei- eine internationale Geschftsttigkeit gleich-
hilfen und Zuschsse mit Abstand an erster Stelle zeitig zu erweitern, da diese beiden Faktoren
und werden von international operierenden KMU in der Regel Hand in Hand gehen (siehe vorhe-
auch als am ntzlichsten angesehen. Von den ver- rige Kapitel). Eine weitere untersttzenswerte
fgbaren nichtfinanziellen Untersttzungsdienst- Komponente ist der elektronische Handel: Mit
leistungen werden die folgenden sechs von KMU dem Internet als einfach verfgbarem Ver-
an strksten genutzt und sind folglich besonders triebsweg selbst fr die kleinsten KMU bietet
beachtenswert (EK, 2011 (1), S. 51): der grenzbergreifende elektronische Handel
Informationen ber Vorschriften und Rege- ein gewaltiges Wachstumspotenzial fr diese
lungen; Unternehmen (EK, 2010, S. 7175).
Informationen ber Marktchancen;
In Bezug auf die sieben Zielmrkte Brasilien,
Ausstellung auf internationalen Handels-
Russland, Indien, China, Japan, Sdkorea und die
messen;
Ukraine erwarten europische KMU im Allgemei-
Ermittlung potenzieller auslndischer Ge-
nen die grte Wirkung von ffentlicher Unter-
schftspartner;
sttzung in folgender Form (EK, 2011 (1), S. 7):
geschftliche Zusammenarbeit und Vernet-
zung; Hilfe bei der Suche nach Geschftspartnern
Veranstaltung fr die Vermittlung von Ge- in diesen Lndern;
schftspartnern.
Bereitstellung geeigneter Informationen
ber Marktchancen;
3.3. Wie die Internationalisierung von
KMU untersttzt werden kann Bereitstellung geeigneter Informationen
ber Vorschriften und Regelungen.
Eine erfolgreiche Hilfe fr die Internationalisie-
rung hngt vor allem vom Aufbau der Kapazi- Doch nicht jede ffentliche Untersttzung ist
tten innerhalb der KMU ab; dabei spielen in- gleichermaen wirksam.
dividuelle Frderung und Zugang zu Schulungs Zunchst muss ffentliche Untersttzung Be-
und Beratungsdienstleistungen eine zentrale reichen gelten, in denen ein Marktversagen
Rolle. Bevor irgendeine Frderung gewhrt festzustellen ist, um einen bermigen Wett-
wird und der Mix aus (blicherweise) standardi- bewerb mit privaten Dienstleistern zu ver-
sierten Frderprogrammen zur Erstellung eines meiden. Auerdem mssen klare quantitative
unternehmensspezifischen Frderplans ange- Ziele und Vorgaben gesetzt werden sowie eine
passt wird, mssen Unternehmen bewertet, berwachung und Bewertung der Ergebnisse
ausgewhlt und analysiert werden. Zur Str- eingefhrt werden. Damit soll gewhrleistet
kung von Wettbewerbsfhigkeit und Wachs- werden, dass die Untersttzung den vorge-
tum mssen Programme auerdem nicht nur sehenen Empfnger erreicht, die geforderten
Exporte, sondern alle Arten von Internationali- Ergebnisse erbringt und keine Verschwendung
sierung untersttzen (EK, 2007, S. 32). ffentlicher Mittel darstellt (EK, 2010, S. 70).
Die wichtigsten Internationalisierungsprogram- Die Europische Kommission unterhlt oder
me drften die grtmgliche Zahl von KMU untersttzt eine Reihe von Info-Stellen fr Un-
ansprechen (EK, 2007, S. 32). Es empfiehlt sich, ternehmen, Beratungsstellen, Websites, Daten-
Kleinstunternehmen und kleinen Unternehmen banken und anderen Dienstleistungen, die KMU
besondere Aufmerksamkeit zu schenken, also bei ihrer Internationalisierung helfen sollen. Sie
Firmen mit weniger als 50 Mitarbeitern, einem sind zudem eine reichhaltige Informationsquel-
Umsatz von maximal 10 Mio. EUR und einer le fr Organisationen, die KMU untersttzen.
Bilanzsumme von hchstens 10 Mio. EUR. Sie Diese Manahmen und Aktionen sind in An-
machen den grten Teil aller KMU in der EU hang 1 aufgefhrt.
23
8
Kapitel 5 enthlt einige Beispiele fr empfehlenswerte Verfahrensweisen, die eine Anregung fr praktische Manahmen bieten sollen, mit denen europischen KMU
geholfen werden kann, sich international zu engagieren und zu wachsen.
24
Internationalisierungsprojekte
genutzt werden knnen
Von den verschiedenen Finanzierungsquellen, Konzentration, Ergebnisorientierung und Addi-
die fr Internationalisierungsprogramme zur tionalitt (kein Ersatz fr nationale Mittel), am
Verfgung stehen, widmen sich die vorliegen- wichtigsten sind.
den Ratgeber der grten: den Europischen
Struktur und Investitionsfonds (ESIF). (Infor- Um ein ausreichendes Ma an Eigenverantwor-
mationen zu anderen Finanzierungsmglich- tung, Engagement und effektiver Ressourcen-
keiten finden Sie in der neuesten Ausgabe von nutzung zu gewhrleisten, binden die Mitglied-
berblick ber die wichtigsten Finanzierungs- staaten alle relevanten Verwaltungsebenen
mglichkeiten fr europische KMU9 auf der und soziokonomischen Interessentrger ein.
Website der Europischen Kommission.) Praktisch bedeutet dies:
In den ESIF-Verordnungen sind die themati- Basierend auf der Europa 2020-Strategie
schen Ziele und Investitionsprioritten in Ver- schliet die Kommission mit jedem Mit-
bindung mit den Europa 2020-Zielen der Fr- gliedstaat einen Partnerschaftsvertrag fr
derung von Beschftigung und Wachstum in den Zeitraum 20142020, in den alle in-
der gesamten EU aufgefhrt. dividuellen Verpflichtungen des jeweiligen
Mitgliedstaats zur Verwirklichung europi-
Programme werden auf nationaler und/oder scher Ziele und Vorgaben einflieen.
regionaler Ebene formuliert und verwaltet. Bei
Jeder Mitgliedstaat setzt seinen Partner-
der Formulierung der Programme whlen die
schaftsvertrag in mehrere operationelle
Mitgliedstaaten die Ziele aus, die ihnen aus-
Programme um, in denen die Finanzierungs-
gehend von ihrem Entwicklungsbedarf und
prioritten fr den Zeitraum 20142020
von europischen Prioritten, beispielsweise
festgelegt werden. Diese Programme werden
lnderspezifischen Empfehlungen aus der Ko-
von Verwaltungsbehrden durchgefhrt, die
ordinierungsrunde fr die Wirtschaftspolitik
von den einzelnen Mitgliedstaaten auf regio-
im Europischen Semester und allgemeinen
naler oder nationaler Ebene benannt werden.
Grundstzen, wie etwa der Notwendigkeit einer
9
[Link]
26
Um die Grndung von KMU zu untersttzen und Unter In Ihrem Land finden Sie auerdem:
deren Wettbewerbsfhigkeit zu steigern werden eine Liste der Verwaltungsbehrden fr
aus dem EFRE Aktivitten in einer Vielzahl von die Strukturfonds in jedem Mitgliedstaat;
Bereichen mitfinanziert (EK, 2012, S. 2 und 11): Kurzzusammenfassungen der in jeder
unternehmerische Initiative, Innovation und Region verfgbaren Programme.
Wettbewerbsfhigkeit der KMU (etwa unterneh-
merisches Monitoring, innovative Technologien Unter Unsere Arbeit / Die Fonds finden Sie:
und Managementsysteme in KMU, koinnova- Informationen ber den Zugang zu den
tion sowie bessere Nutzung von Informations Fonds.
und Kommunikationstechnologien);
Unter Informationsquellen / Verffentlichun-
Verbesserung der regionalen und lokalen gen / Broschren und Informationsbltter
Rahmenbedingungen fr KMU (etwa des finden Sie:
Zugangs in der Grndungs und Wachstum-
sphase zu Finanzmitteln, der Unternehmen- einen Leitfaden fr die EFRE-Verwal-
sinfrastruktur und der Untersttzungsdiens- tungsbehrden zur Ausgestaltung geeig-
te, der regionalen und lokalen Kapazitt neter Untersttzungsmanahmen, um
fr Forschung, technische Entwicklung und KMU dabei zu helfen, die Vorteile regio-
Innovation sowie der Kooperations und In- naler intelligenter Spezialisierungsstra-
novationsfhigkeit der Unternehmen); tegien bestmglich zu nutzen.
interregionale und grenzberschreitende
Zusammenarbeit von KMU; Wie beantragt man EU-Hilfen?
Investitionen in Humanressourcen (Kofinanzie- Projekte fr eine EU-Kofinanzierung knnen
rungen mit dem Europischen Sozialfonds). von Unternehmen, Bildungseinrichtungen, For-
schungsinstituten, Gemeinden und anderen
Die Wettbewerbsfhigkeit von KMU ist eines von
Organisationen oder Mischformen daraus vor-
elf thematischen Zielen der neuen Kohsionspo-
geschlagen werden. Wenn Sie zu einer dieser
litik. Ihre Investitionsprioritten zur Strkung der
Gruppen gehren und eine Idee fr ein Projekt
Wettbewerbsfhigkeit von KMU lauten:10
haben, das KMU helfen soll, durch eine interna-
Frderung des Unternehmergeists, insbe- tionale Geschftsttigkeit wettbewerbsfhiger
sondere durch Erleichterung der wirtschaft- zu werden, mssen Sie Folgendes beachten:
lichen Nutzung neuer Ideen und Frderung
10
Siehe Verordnung (EU) Nr. 1303/2013 (Verordnung mit gemeinsamen Bestimmungen) und die fondsspezifischen Verordnungen unter: [Link]
policy/information/legislation/index_de.cfm.
11
[Link]
27
1. Stellen Sie sicher, dass Ihr Projekt in sei- 3. Reichen Sie Ihr Projekt bei einer geeigne-
ner Dauer und seinem Umfang begrenzt ten Aufforderung zur Einreichung von Vor-
ist, wenn Sie EU-Mittel erhalten wollen. Sie schlgen ein.
bentigen einen Projektplan, der den Inhalt
des Projekts, Ziele und Etappen, die Auf- Weitere Informationen ber den Zugang zu
teilung der Arbeit, den Kosten und Finan- EU-Strukturfondsmitteln finden Sie im Ratge-
zierungsplan sowie einen Zeitplan fr die ber Nutzung der Strukturfonds fr Politikma-
Durchfhrung umfasst. nahmen zur Frderung von KMU und Unterneh-
mergeist12.
2. Finden Sie heraus, welche operationellen
Programme fr Ihre Region bestehen und
wer Ihre Verwaltungsbehrde ist. In der Re-
gel verfgt die Verwaltungsbehrde ber
eine Website, auf der man sich ber die
Verfahren zur Beantragung von Mitteln, die
Fristen und den Kofinanzierungsanteil in-
formieren kann.
12
[Link]
28
29
Beispiele fr
Empfehlenswerte
David Sacks/Photodisc/Thinkstock
Verfahren
In diesem Kapitel werden Beispiele fr gute Im Jahr 2008 verffentlichte die Europische
Internationalisierungsprogramme verschiede- Kommission eine Broschre zu empfehlenswer-
ner Mitgliedstaaten und Regionen vorgestellt, ten Verfahren in diesem Bereich: Untersttzung
die als Anregung dienen sollen. Bitte beachten fr die Internationalisierung von KMU Auswahl
Sie, dass Manahmen, die fr eine ESIF-Finan- empfehlenswerter Verfahren14. Sie beinhaltet
zierung vorgeschlagen werden, im Einklang 27 Beispiele und kann von der Europa-Website
mit den einschlgigen Bestimmungen der Ver- heruntergeladen werden. Einige dieser Beispie-
ordnung Gemeinsame Bestimmungen, den le sind in der nachstehenden ersten Gruppe zu
fondspezifischen Verordnungen und den Kofi- finden. In der zweiten Gruppe werden Projekte
nanzierungsregeln der konkreten operationel- vorgestellt, die im Zeitraum 20072013 aus
len Programme stehen mssen.13 EU-Strukturfonds mitfinanziert wurden (EK,
2013). Die dritte Gruppe besteht aus Frder-
projekten, die in einer Studie 2011 ausgewertet
wurden (EIM 2011, S. 6777).
13
[Link]
14
[Link]
30
* Frderaufgaben:
1. Sensibilisierung 6. Untersttzung der Internationalisierung von Dienst-
2. Gutes Informationsangebot leistungen
3. Programme zur Entwicklung des Humankapitals 7. Internationalisierung zur Strkung der Wettbewerbs-
4. Finanzierungshilfen zur Internationalisierung fhigkeit
5. Frderung von Netzwerken 8. Individuelle Untersttzung
9. Grenzgebiete und grenzbergreifende Kooperation
31
A Norwegen
Schulungsprogramme:
Regionalprogramm zur Frderung von Export und Internationalisierung von KMU
Weitere Informationen
Im Jahr 1999 begannen die Bezirke Sr-Trndelag und Nord-Trndelag mit der Vorbereitung eines
strkeren und besser koordinierten Programms zur Untersttzung der Unternehmen in der Region bei
internationalen Geschften. Auf der Grundlage einer vorhergehenden Studie lief 2001 ein Dreijah-
resprogramm an, das von den Bezirken und von Innovation Norway finanziert wurde. Da die ersten
drei Jahre positiv beurteilt wurden, wurde das Programm nach 2003 fortgesetzt. Im Rahmen des
Programms wurde in den Bezirken eine Reihe branchenspezifischer Netze eingerichtet. Ende 2005
bestanden fnf solcher Netze fr die Bereiche Umwelt, Gesundheit, Energie, IKT sowie l und Gas.
Bewertung/Ergebnisse
Im Zeitraum von 2001 bis 2003 beteiligten sich ber 300 Unternehmen an einer oder mehreren Program-
maktivitten, wobei 170 Unternehmen einer grndlichen Analyse unterzogen wurden. Die teilnehmenden
Unternehmen steigerten ihre Exportumstze insgesamt um durchschnittlich 7 %. Die enge Zusammenar-
beit zwischen der regionalen Handelskammer, Exportverbnden, Innovation Norway, privaten Beratern, For-
schungs- und Ausbildungseinrichtungen, Gemeinden und Bezirksrten hat dazu gefhrt, dass die Unterstt-
zung fr die Internationalisierung von KMU qualitativ verbessert und gezielter eingesetzt werden konnte.
Kontaktdaten
Christian Peter Haugen
Senior Adviser - Innovation Norway
Tel. (47) 74 13 54 00 - Fax (47) 74 13 54 01
E-mail: [Link]@[Link]
[Link]
(Quelle: EK, 2008, S. 18)
32
B Niederlande
Schulungsprogramme:
KMU und grenzbergreifende Finanzierung
Kontaktdaten
EVD
Juliana van Stolberglaan 148 - 2595 CL Den Haag, Niederlande
Tel. (31-70) 778 80 79 - E-mail: brouwer@[Link]
(Quelle: EK, 2008, S. 24)
33
C Spanien
Schulungsprogramme:
PIPEnet
Zielgruppe
Alle Branchen, auch der Dienstleistungssektor, Unternehmen aus allen spanischen Regionen; nur KMU,
die weniger als 30 % ihres Umsatzes mit Exporten erwirtschaften.
Referenzen
Julio Gabriel Esteban, Exportmanager, NIKAI
Wir wussten, welche Mglichkeiten das Internet bietet, jedoch nicht, wie wir sie nutzen sollten (). Mit
seiner Hilfe kann man die Effizienz steigern, indem man das kommerzielle Netz ausbaut, eine starke
Marke entwickelt und sich von seinen Konkurrenten abhebt.
CREYCONFE, Madrid
Es war eine bemerkenswerte Erfahrung fr das Unternehmen. Es wird uns helfen, das Internet effi-
zienter zu nutzen (...). Zurzeit versehen wir unsere Website mit neuem Inhalt. Demnchst wollen wir
B2B-Instrumente einsetzen.
Kontaktdaten
Managing Director of Export
Initiation and New Projects
ICEX Spanisches Auenhandelsinstitut
Paseo de la Castellana, 18 5a planta
E-28046 Madrid
Tel (34) 91 349 6335 - Fax (34) 91 349 0686
E-mail: [Link]@[Link]
[Link]
(Quelle: EK, 2008, S. 29)
34
D Norwegen
Schulungsprogramme:
Vertrge ber industrielle Forschung und Entwicklung (IRDC)
Zielgruppe
KMU mit inlndischen und/oder auslndischen Kunden.
Kontaktdaten
Per Niederbach, Director
Innovation Norway
E-mail: [Link]@[Link]
Tel. (47) 22 00 25 00
Fax (47) 22 00 25 01
[Link]
(Quelle: EK, 2008, S. 33)
35
E Schweden
Schulungsprogramme:
Move or stay and improve Ein Instrument zur Gewinnberechnung der Internationalisierung von KMU
Zielgruppe
KMU, die ihre Geschfte aus Schweden verlagern wollen, oder Unternehmen, die ihre internationale
Wettbewerbsfhigkeit berprfen mchten.
Referenzen
Wir haben jetzt eine ausgezeichnete Entscheidungsgrundlage fr den nchsten Schritt in unserer
Entwicklung.
Dieses Instrument drfte fr viele Unternehmen hilfreich sein, selbst wenn sie nicht ber eine Verla-
gerung ihrer Produktion nachdenken.
Kontaktdaten
Bjorn Olanders - ALMI Development Agency
E-mail: [Link]@[Link]
Ulla Rolf - Enterprise Europe Network ALMI
Box 1501
S-351 15 Vxj
E-mail: [Link]@[Link]
(Quelle: EK, 2008, S. 32)
36
F Irland
Schulungsprogramme:
First flight
Zielgruppe
First flight ist ein Angebot von Enterprise Ireland speziell fr Unternehmen, welche die Aufnahme
einer Exportttigkeit beabsichtigen oder gerade damit begonnen haben (Exporte unter 30 000 EUR).
Kontaktdaten
Neil Cooney
Policy Division Enterprise Ireland
Glasnevin, Dublin 9
Irland
Tel. (353-1) 808 20 00
Fax (353-1) 808 20 20
E-mail: [Link]@[Link]
[Link]
G Italien
Schulungsprogramme:
Inkubationsprogramm
Zielgruppe
Die hufigsten Nutzer sind Klein- und Kleinstunternehmen, ohne Einschrnkung hinsichtlich Branche,
Gre oder Umsatz.
Referenz
[Link] Barbara Calvani, Export Manager, Centerglass Line, spa
(...) nach der Handelsmission in Casablanca, die mit Untersttzung der Spezialisten fr Internationali-
sierung organisiert wurde, baut Centerglass Line eine Geschftsbeziehung mit einigen marokkanischen
Geschftsleuten auf und verkauft seine Produkte auf dem dortigen Markt. Ich bin mit den Mitarbeitern
der Spezialdienste sehr zufrieden und hoffe, diese Zusammenarbeit fortsetzen zu knnen.
Kontaktdaten
Commercial Director of Promofirenze
Special Agency of the Florence
Chamber of Commerce and Industry
Enterprise Europe Network
Via Por S. Maria
Palazzo Borsa Merci
I-50122 Florenz
Tel. (39) 055 267 16 48
Fax (39) 055 267 14 04
E-mail: [Link]@[Link]
[Link]
H Luxemburg
Schulungsprogramme:
Transnationales Netz Handwerk in der Groregion
Zielgruppe
KMU aus dem Handwerksbereich in den fnf Regionen der Groregion, insgesamt 156 975 Unter-
nehmen: 4 258 in Luxemburg, 11 155 im Saarland, 47 027 in Rheinland-Pfalz, 27 535 in Lothringen
(Frankreich) und 67 000 in Wallonien (Belgien).
Kontaktdaten
Marc Gross Christiane Bram
Saar-Lor-Lux Interregional Council Enterprise Europe Network/PME
of Chambers of Skilled Crafts Chambre des Metiers
2, circuit FIL 2, circuit FIL
L-1347 Luxemburg L-1347 Luxemburg
E-mail: [Link]@[Link] E-mail: [Link]@[Link]
[Link]
CD-ROM: Transnationale Mrkte Handwerk grenzenlos
I Estland
Schulungsprogramme:
BioFix Sauberes Wasser und solides Geschft
Dieses Programm ermglichte einem innovativen KMU, ein Umweltverfahren zu entwickeln und in
seinen Nachbarlndern erfolgreich auf den Markt zu bringen.
Hintergrund
In Estland gehrt die staatliche Organisation Enterprise Estonia (Ettevtluse Arendamise Sihtasutus,
EAS) zu den Einrichtungen, die in der EU fr die Verwaltung der Strukturfonds verantwortlich sind.
Mithilfe des Europischen Fonds fr regionale Entwicklung (EFRE) bringt sie verschiedene Programme
zur Unternehmensfrderung auf den Weg, die auf Forschung und Entwicklung, Export bzw. Neugrn-
dungen abzielen. EAS bietet Beratung zu allen Fragen im Zusammenhang mit Patenten, Technologien
und innovativen Dienstleistungen, Geschftsentwicklung, Wettbewerb usw., und zwar sowohl in der
Vorstudienphase als auch vor der Einreichung des Hauptprojekts.
BioFix-Projekt
Fixtec wurde 1992 als mittelstndisches Unternehmen gegrndet, das Umwelttechnologie entwickelt
oder importiert. Es begann mit der Herstellung kleiner kologischer Wasserreinigungsgerte mit der
Bezeichnung BioFix fr private Haushalte, Seniorenheime, Hotels usw. Auslser fr diese Idee war eine
sehr hohe Nachfrage auf dem finnischen Markt. Finnland, bekannt fr seine sehr strengen Umweltre-
gelungen, schreibt seit 2003 eine biochemische Abwasserreinigung vor, auch fr Privathaushalte. Fixtec
sah, dass die meisten Hersteller diese Art von Reinigungsanlagen nicht anboten, und startete deshalb
sein Projekt zur Entwicklung des Produkts und dessen Export auf den finnischen Markt.
Finnland ist momentan der wichtigste Markt, aber Fixtec produziert auch fr den estnischen und den
lettischen Markt; in beiden Lndern muss Abwasser aufbereitet werden, bevor es in die natrliche
Umgebung abgegeben wird.
Partner
Zwei estnische Berater (ein Forscher und ein Ingenieur/Designer) wurden hinzugezogen, um das Pro-
jekt auf den Weg zu bringen. Man arbeitete eng mit einer Reihe auslndischer Unternehmen zusam-
men. Zugelassene Laboratorien in Estland fhrten Wasseranalysen durch. Die zur Erlangung des
CE-Kennzeichens notwendigen Tests wurden in Finnland vorgenommen.
Ergebnisse
Die BioFix-Initiative ist ein Beispiel dafr, wie eine finanzielle Frderung regional nutzbringend ein-
gesetzt werden kann. Mithilfe eines von der EU mitfinanzierten Programms entwickelte Fixtec erfolg-
reich dieses neue Produkt und neue Verfahren und drang dabei auf neue Mrkte vor. Im Jahr 2006
war BioFix bereits an mehrere hundert Kunden in Finnland verkauft worden. EAS half bei der Ausar-
beitung des Geschftsplans fr den Export des Produkts in groem Mastab.
Technische Informationen
Programm: Ziel 1 Estland 2004-2006 - Investitionen insgesamt: 43 460 EUR - EU-Investitionen: 14 380 EUR
Ansprechpartner:
Fixtec
Vike-Ameerika 15 - EE-10129, Tallinn - Estland
Managing Director: Mait, Pldemaa
Tel.: +372 646 6305 - E-Mail: fixtec@[Link] - Web: [Link]/
Datum des Entwurfs: 1.9.2006 (Quelle15)
15
[Link]
40
Das Konzept von Branchenclustern verbundener Unternehmen und Lieferanten, die in hnlichen oder
miteinander in Beziehung stehenden Branchen zusammenarbeiten, wird als wichtiges Mittel betrach-
tet, um die Produktivitt zu steigern und um wirtschaftliche Entwicklung und Innovation zu frdern.
Cluster knnen eine aktive Rolle bei der Strkung der Wettbewerbsfhigkeit von Regionen einnehmen,
indem sie deren Attraktivitt steigern, zur Frderung der Forschung und zur Weitergabe bewhrter
Vorgehensweise beitragen und kleine bis mittlere Unternehmen untersttzen.
Das transnationale Projekt Cluster and Network Co-operation for Business Success in Central Europe
(CNBC), welches in sieben Lndern in Mitteleuropa durchgefhrt wird, zielt darauf ab, Cluster und
Cluster-Manager zu untersttzen, um ihre Managementkompetenzen zu frdern, ihr Service-Portfolio
zu optimieren und ihre internationale Entwicklung voranzubringen. Dies wurde zum Teil durch die
Organisation von Schulungen fr Cluster-Manager erreicht, mit dem Ziel, einen gemeinsamen Schu-
lungsplan und ein ausfhrliches Schulungshandbuch fr sie zu erstellen.
Obwohl das CNCB-Projekt hauptschlich fr Cluster in Mitteleuropa ins Leben gerufen wurde, steht es
auch Bildungsinstitutionen, Entscheidungstrgern und Innovationsagenturen offen.
Unterschiedlichste Branchen
Obwohl die Unternehmens-Cluster in Europa sich in unterschiedlichen Phasen der organisatorischen
Entwicklung befanden, nahm eine Vielzahl an Industriezweigen am CNBC-Projekt teil, darunter alter-
native Energien, die Bekleidungsindustrie, Design, die Luftfahrtindustrie, das Kunststoffgewerbe und
der Automobilsektor. Die Projektgelder wurden grtenteils fr Mitarbeiter ausgegeben, die Umfragen
fr die teilnehmenden Unternehmen organisierten, sowie fr Kommunikations- und Informationsak-
tivitten (einschlielich der Einrichtung einer Website) und fr die Organisation von Konferenzen, auf
denen die Umfrageergebnisse prsentiert wurden.
Neben der Erstellung eines Schulungshandbuchs sollen im Rahmen des Projekts ein Handbuch ber
Cluster-Optimierung sowie ein weiteres Handbuch ber Internationalisierung herausgegeben werden.
Im Ergebnis des Projekts wird mit der Schaffung von zehn bis zwanzig Arbeitspltzen, hauptschlich
in der Cluster-Organisation, gerechnet.
Technische Informationen
Programm: EFRE fr den Programmplanungszeitraum 20072013
Investitionen insgesamt: 2 129 157 EUR
EU-Investitionen: 1 715 630 EUR
Ansprechpartner:
Verwaltungsbehrde: Empfnger:
Magistrat der Stadt Wien, Magistratsabteilung Clusterland Upper Austria Ltd
27 Dezernat Urbanistik (federfhrender Partner)
Schlesingerplatz 2 Hafenstrae 47-51 - A-4040 Linz
A-1080 Wien sterreich
sterreich
Projektmanager: Andreas Geiblinger
Heinrich Weber
Tel.: +43 798105086
Tel.: +43 1400027050
Fax: +43 798105080
E-Mail: [Link]@[Link]
E-Mail: [Link]@[Link]
16
[Link]
41
Der Ostseeraum ist fr seine starke wissensbasierte und innovative Wirtschaft bekannt. Kleine und
mittlere Unternehmen (KMU) spielen bei diesem Innovationsprozess eine entscheidende Rolle. Mit-
telstndler haben aber hufig Schwierigkeiten, Innovation und transnationale Projekte zu finanzieren.
Um diese Hrde zu berwinden, bietet JOSEFIN (Joint SME Finance for Innovation gemeinsame
KMU-Finanzierung fr den Ostseeraum) KMU im Ostseeraum integrierte finanzielle Dienstleistungen
wie individuelles Coaching und mageschneiderte Beratung an.
Ansprechpartner:
Joint Technical Secretariat Rostock
Investitionsbank Schleswig-Holstein
Grubenstrae 20
18055 Rostock, Deutschland
Tel.: +49 381 45484 5281
Fax: +49 381 45484 5282
E-Mail: info@[Link]
Web: [Link]
Datum des Entwurfs: 4.1.2010, aktualisiert 2014 (Quelle17)
17
[Link]
42
Cluster bieten ideale Mglichkeiten, um Begabungen und Ressourcen fr die Fertigung von Produkten
bzw. Erbringung von Dienstleistungen zusammenzubringen. Um die Arbeit von Clustern in Dnemark,
Lettland und Schweden zu optimieren, hat das Projekt Ostseeraum Programm fr den Kapazitts-
aufbau (Baltic Sea Region Capacity Building Programme, BSR-CBP) einen gemeinsamen Rahmen
fr Clusterpolitiken und transnationale Innovationsprogramme konzipiert.
Als jemand, der sich selbst zum Cluster-Vermittler qualifiziert hat, habe ich festgestellt, dass die drei
weiterfhrenden Lehrgnge im Bereich Cluster-Vermittlung im BSR-CBP-Projekt genau die Heraus-
forderungen behandelten, mit denen ich es in meiner tglichen Arbeit zu tun habe. Durch die Vortrge
und Gruppendiskussionen habe ich viel darber gelernt, wie ein Cluster untersttzt werden kann und
welche praktischen Hilfsmittel ich in meiner tglichen Arbeit anwenden kann.
Hans A. Pedersen, Projektleiter, dnischer Cluster Khlung
Schulung fr Wachstum
Die Partner haben erkannt, dass es notwendig ist, Schulungsmodule zu Cluster-Frderung, Frder-
programmen, Management, Konzept und Umsetzung zu konzipieren und durchzufhren. Zielgruppen
des Projekts sind Akteure im ffentlichen Raum, beispielsweise Fhrungskrfte von Cluster-Organisa-
tionen, Organisationen fr die Unternehmensfrderung und Staatsbedienstete auf lokaler, regionaler
und nationaler Ebene. Das Projekt beinhaltet die Konzipierung und Erprobung von zwei Modulen fr
die Basisschulung zur Verwendung auf regionaler oder nationaler Ebene, drei Modulen zur Fortbildung
fr die transnationale Ebene und drei Modulen zu staatlichen Cluster-Frderprogrammen ebenfalls
zur Anwendung auf transnationaler Ebene. Ziel ist es, die Schulungsmodule anschlieend zu einer
transnationalen Plattform fr strategische Zusammenarbeit im Ostseeraum zusammenzufhren.
Technische Informationen
Programm: EFRE im Zeitraum Januar 2009 Januar 2010
EU-Investitionen: 300 000 EUR
Ansprechpartner:
BSR CBP
Lottes Langkild
Tel.: +45 2061 2440
E-Mail: lottelangkilde@[Link]
BSR CBP
Susanne Krawack
Tel.: +4575508383
E-Mail: sk@[Link]
Datum des Entwurfs: 15.2.2010 (Quelle18)
18
[Link]
43
Technische Informationen
Programm: EFRE fr den Programmplanungszeitraum 20072013
Investitionen insgesamt: 724 990 EUR
EU-Investitionen: 362 490 EUR
Ansprechpartner:
Freningen Norden
Postboks 77
NO-4801, Arendal
Norwegen
Hilde, Lona
Datum des Entwurfs: 16.3.2011 (Quelle19)
19
[Link]
44
N Finnland
Schulungsprogramme:
Nachhaltige Holzenergie aus Nordkarelien
Ostfinnland ist weltweit fhrend in der Forsttechnik. Hier entstand das Wenet-Zentrum ein Netzwerk
fr Sachverstand im Bereich nachhaltige Energie , das das regionale Know-how auf diesem Gebiet
international bekanntmacht.
Das Wenet-Netzwerk in der Region Nordkarelien exportiert seit 2004 Know-how im Bereich Holze-
nergie. Das EU-finanzierte regional bergreifende Projekt Wenet-Zentrum, das seine Arbeit 2009
aufnahm, zielte auf eine weitere Strkung der Stellung der Region auf dem Markt fr erneuerbare
Energie ab. Dem Zentrum gehren Unternehmen fr nachhaltige Energie sowie Forschungs , Bildungs
und Ausbildungseinrichtungen an; es suchte nach den geeignetsten Lsungen bei Energiedienstleis-
tungen fr seine Kunden und ermglichte die Vernetzung von Fachleuten.
Technische Informationen
Programm: Europischer Fonds fr regionale Entwicklung 20072013
Investitionen insgesamt: 464 000 EUR
EU-Investitionen: 162 400 EUR
Ansprechpartner:
(nicht genannt)
Datum des Entwurfs: 23.9.2013 (Quelle20)
20
[Link]
45
O Griechenland
Schulungsprogramme:
Digitale Investitionen im griechischen Fremdenverkehrssektor
Digi-lodge ist eine staatlich gefrderte Initiative in Griechenland, die konzipiert wurde, um digitale
Investitionen in den Fremdenverkehrssektor des Landes, insbesondere in staatlich konzessionierten
Einrichtungen (Hotels, Ferienhuser, Motels, vermietete Zimmer usw.) anzukurbeln. Durch die weit-
verbreitete Einfhrung moderner IKT-Systeme in Hotels und anderen Fremdenverkehrseinrichtungen
steigen die Zahlen von Besuchern mit hherer Wertschpfung sowohl aus Griechenland als auch
aus dem Ausland, und auch die Effizienz des Hotelmanagements verbessert sich.
Die griechische Tourismusbranche hat sich nur langsam die Vorteile moderner Internettechnologien und
-dienste fr sich genutzt, um Touristen in greren Zahlen und mit hherer Wertschpfung anzulocken.
Kleine und mittelgroe Hotels sind in der Regel auf Ferien fr griechische Familien eingerichtet, wh-
rend viele grere Hotels stark von Reiseveranstaltern abhngig sind. Infolgedessen haben Hotels
und Pensionen in Griechenland keinen direkten Zugang zu einem breiteren Kundenkreis von Touristen
und Besuchern aus dem Ausland.
Nur 74 % der griechischen Hotels haben einen Internetzugang, und bei kleinen Gstehusern sinkt
diese Zahl auf 37 %. Lediglich 63 % der Hotels haben einen Internetauftritt (30 % bei kleineren Feri-
enhusern); etwa 71 % der vorhandenen Hotel-Websites bieten keine Einzelheiten zur Verfgbarkeit
von Zimmern; bei etwa 77 % fehlen Preisangaben; und mehr als 67 % der Buchungen werden auf
traditionellem Weg gettigt.
Ein Ansporn zu Investitionen fr Technologie
Eines der zentralen Ziele der Initiative ist es, technologiebezogene Investitionen auch in den kleineren Ferienhu-
sern und Familienhotels in ganz Griechenland voranzutreiben. Digi-lodge bietet eine finanzielle Beteiligung an
privaten Investitionen in Informations und Kommunikationstechnologien an, um ihnen dabei zu helfen,
ihren Internetauftritt und ihre internationale Prsentation zu optimieren;
Online-Buchungen mit vollautomatischer Online-Abwicklung zu steigern;
saisonbedingte Schwankungen zu verringern und den ganzjhrigen Zustrom von Touristen zu steigern;
die Service-Qualitt allgemein zu erhhen, indem Angebote wie WiFi, digitale Unterhaltung usw.
bereitgestellt werden; und
die betriebswirtschaftliche Effizienz durch eine Modernisierung der Abwicklungsvorgnge deut-
lich zu verbessern.
Inzwischen bieten 1500 Hotels und Ferienhuser Online-Dienste an.
Digi-lodge frdert IKT-Investitionen, die sich im Bereich einer Gesamthhe von 7000 bis 40 000 EUR
bewegen, von denen es 60 % bernimmt. Das insgesamt frderfhige Investitionsbudget steht in
direktem Zusammenhang mit der Art der staatlichen Konzession und der Anzahl der Sterne des
Hotels. Jeder Investitionsvorschlag wird ber ein automatisches elektronisches Portal eingereicht und
berprft, was den Vorgang vereinfacht.
Im Rahmen des Digi-lodge-Programms wurden bislang Vereinbarungen ber digitale Investitionen
mit fast 1500 Hotels und Ferienhusern geschlossen, die jetzt Online-Abwicklungen und elektroni-
sche Dienste anbieten knnen.
Technische Informationen
Investitionen insgesamt: 75 000 000 EUR EU-Investitionen: 36 000 000 EUR
Ansprechpartner:
Managing Authority for Digital Convergence Digital Aid SA
23-25 Lekka Str 8, Kolokotroni Str
EL-10562 Athen - - Griechenland EL-10561, Athen - - Griechenland
Emmanouil Giampouras Alexandros Bregiannis
Tel.: +30 2103722488 Tel.: +30 2103377941
E-Mail: [Link]@[Link] E-Mail: abregiannis@[Link]
Datum des Entwurfs: keine Angaben (Quelle21)
21
[Link]
46
Directing Research into Viable Enterprise (Forschungsergebnisse direkt in die Wirtschaft lenken) for
Growth (DRIVE for Growth)
Bei diesem Projekt geht um die Notwendigkeit einer besseren Vernetzung des in den EU-Regionen vor-
handenen Wissens. Zu diesem Zweck hat jede Partnerregion eine Gruppe fr regionale Innovation und
Entwicklung (Group for Regional Innovation and Development, GRID) eingerichtet, um Beziehungen, Zu-
sammenarbeit und Produktivitt von Forschungsgemeinschaften, Frderstellen und Industrie. Auf trans-
nationaler Ebene tragen diese Gruppen dazu bei, einen einheitlichen Raum zu schaffen, in dem KMU
und Forschungseinrichtungen in Nordwesteuropa eine kritische Masse von Ressourcen in den Bereichen
Marktentwicklung, verfgbare Forschungsergebnisse, Leistungsfhigkeit und Netzen nutzen knnen.
Dynamische Internet-Plattform
Eine wichtige Neuerung des Projekts ist die Entwicklung einer dynamischen Internet-Plattform, zu der alle
Partnerregionen Zugang haben. Sobald sich eine Person oder eine Organisation angemeldet hat, sucht das
Tool automatisch nach Entwicklungen, die von Interesse sein knnten, wie z. B. neue Forschungsergebnis-
se oder Mglichkeiten fr Unterlieferanten. Mit Hilfe dieses Instruments knnen Forscher darber hinaus
Partner in der Industrie und Unternehmensnetze in einer Reihe von Branchen finden.
Ergebnisse
Hier einige konkrete Ergebnisse des Projekts von 2007:
Durchfhrung von Benchmarking-Umfragen zur Unternehmensinnovation an 350 Befragten;
Errichtung von vier regionalen GRID unter Beteiligung von Behrden, Wirtschaftsfrderungsge-
sellschaften/-netzen, Forschungseinrichtungen und Privatwirtschaft;
Entwicklung einer neuen Internet-Plattform zur Verbesserung von Austausch und Zusammenar-
beit von Behrden, Frderstellen, Forschungseinrichtungen und Industrie;
Registrierung von ber 170 Unternehmen mit mehr als 200 regelmigen Nutzern auf der DRI-
VE for Growth-Plattform. Bis Projektende sollen 600 Nutzer erreicht werden;
Bisher nehmen 10 Forschungseinrichtungen am Projekt teil;
600 Unternehmen nehmen an regionalen Veranstaltungen im Rahmen des Projekts teil;
ber 4000 Unternehmen aus allen Partnerregionen haben sich in die verschiedenen Verteiler
des Projekts eingetragen.
Technische Informationen
Programm: Programm INTERREG IIIB NWE
Investitionen insgesamt: 1 075 000 EUR - EU-Investitionen: 516 000 EUR
Ansprechpartner:
South West Regional Authority South West Regional Authority
Innishmore Innishmore
Ballincollig Co. Cork Ballincollig Co. Cork
Projects Manager: Sinead Crowley Director: John McAleer
Tel.: +353 21 4876877, +353 87 2360143 Tel.: +353 21 4876877, +353 87 2360143
Fax: +353 21 4876872 Fax: +353 21 4876872
E-Mail: drive@[Link] E-Mail: jmcaleer@[Link]
22
[Link]
47
Q Vereinigtes Knigreich
Schulungsprogramme:
Intelligente Vermarktungsplattform fr kleine Designunternehmen
Hidden Art ist eine nicht gewinnorientierte Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, benachteiligten
Kleinstunternehmen im Designbereich im Raum London dabei zu helfen, Zugang zum hart umkmpf-
ten globalen Markt zu erhalten. Sie stellt ein spezielles Netzwerk und eine B2B-Plattform (Verbindung
zwischen Unternehmen) fr Designer bereit und untersttzt sie mit Schulungen, Informationen und
Mglichkeiten fr eine Unternehmenskooperation.
Das Hidden-Art-Projekt Innovative Collaboration Networks for Smart Growth (Netzwerke fr innovative
Zusammenarbeit und intelligentes Wachstum) stellt darauf ab, intelligentes Wachstum fr die lokalen
Designfirmen in London durch Dienstleistungsinnovation, Kooperationsnetze und Schulung zu frdern.
Es stellt die Infrastruktur und Untersttzung bereit, um Designern, die oft Einzelunternehmer sind, dabei
zu helfen, ihre Produkte weltweit ber den Online-Shop von Hidden Art, Pop-up-Shops, internationale
Handelsmessen, die Unternehmenswebsite und Berichterstattung in der Presse zu vermarkten.
Integriertes Untersttzungsnetz
Das Hidden-Art-Projekt bietet ein integriertes Untersttzungsnetz und will Design-Kleinstunterneh-
men zu den Ressourcen und dem Zugang verhelfen, die normalerweise nur greren Unternehmen
zur Verfgung stehen.
Neben der eigenen B2B-Plattform erhalten Designer eine individuelle Anleitung ber monatliche Netz-
werkveranstaltungen und persnliche Beratungen. Im Mittelpunkt des Frdermodells steht eine Reihe
mageschneiderter Entwicklungswege, um ihre Vermarktungsfhigkeiten zu verbessern sowie Plattfor-
men fr die Zusammenarbeit, die Produktion und den Vertrieb ihrer Erzeugnisse bereitzustellen.
Produktentwicklungsprogramme
Auerdem werden Produktentwicklungsprogramme aufgelegt, um Teilnehmern dabei zu helfen, aus
ihren Ideen ein Produkt zu entwickeln und dieses dann zu vermarkten.
Das Hidden-Art-Netzwerk steht allen Designern/Kunstgewerblern offen und zhlt derzeit rund 2000
Mitglieder, von denen 67 % Frauen sind. Etwa 100 Designer zeigen ihre Produkte im Online-Shop von
Hidden Art ([Link] und etwa 300 haben ihre Verzeichnisseite auf der Website
von Hidden Art ([Link]
Kooperationen fr gemeinsame Vermarktungen, Veranstaltungen und Programme werden von Hidden
Art vermittelt oder verwaltet, um die Vermarktungschancen zu maximieren. Bis heute wurden 450
Unternehmen untersttzt. Etwa 150 Unternehmen haben sich an den Kooperationsnetzen beteiligt.
Das Projekt hat das Selbstvertrauen der in London lebenden Designer/Kunstgewerbler gestrkt. Fr
diesen Wirtschaftszweig wurden Vorbilder geschaffen, denn die Fallstudien zeigen, dass es einer Rei-
he von Personen mithilfe des Projekts gelungen ist, ihr Unternehmen zu vergrern.
Technische Informationen
Investitionen insgesamt: 1 490 000 EUR
EU-Investitionen: 750 000 EUR
Ansprechpartner:
Mazorca Projects Greater London Authority
Shoreditch Stables, Ground Floor Rear, 138 City Hall, The Queens Walk
Kingsland Road UK- SE1 2AA, London
UK-E2 8DY, London Vereinigtes Knigreich
Vereinigtes Knigreich Andrei Popescu
Dieneke Ferguson Tel.: +44 2079834829
Tel.: +44 207 7293800 Durchwahl 22 E-Mail: [Link]@[Link]
E-Mail: dieneke@[Link]
Datum des Entwurfs: keine Angaben (Quelle23)
23
[Link]
48
R Finnland
Schulungsprogramme:
Schneller, weiter und wirksamer? Exportpartnergruppen als Vermittler von Internationalisierung
Bei der Exportpartnerschaftsmanahme geht es darum, den Zugang von Unternehmen zu Zielmrkten
durch die Bildung synergetischer Exportcluster zu erleichtern. Es handelt sich um ein Kooperationspro-
jekt von KMU, die gemeinsam auf einen ausgewhlten Zielmarkt oder Zielmrkte gelangen wollen, wo-
bei fr die Bildung eines synergetischen Exportclusters mindestens vier Unternehmen notwendig sind.
Der Trger stellt einen externen Exportmanager fr die Gruppe ein, der einen besonderen Aktivposten
fr die Unternehmen darstellt und neben ihrem Netzwerk fr eine lokale Prsenz auf dem Zielmarkt
sorgt. Der Exportmanager kann auch in Finnland ansssig sein, wenn sich der Arbeitsmodus dafr eig-
net. Die teilnehmenden Unternehmen spielen eine aktive Rolle in dem Projekt. Diese Art des Arbeitens
bietet ihnen auch eine hervorragende Chance, zu lernen und zu wachsen. Die Stellenbeschreibung des
Exportmanagers kann nach den Anforderungen des Unternehmens gestaltet werden. In erster Linie
geht es darum, Tren zu ffnen, den Markt zu erforschen, nach Partnern zu suchen und anzuleiten.
Finpro hat die Funktion des Projektmanagements und verwaltet rund 30 Exportpartnerschaften, die jhrlich
verschiedene Mrkte und unterschiedliche Wirtschaftszweige in Angriff nehmen. Die Laufzeit der staatlichen
Hilfe ist auf maximal dreieinhalb Jahre begrenzt. Die Verpflichtung und Finanzierung gelten jedoch immer nur
fr jeweils ein Jahr. In der Anfangsphase ist auch eine sechsmonatige Vorbereitungszeit mglich.
Die Zielgruppe sind finnische KMU mit einem besonderen Schwerpunkt auf Wachstumsunternehmen.
Grere Unternehmen knnen ebenfalls teilnehmen, aber je nach der Unternehmensgre kann die
staatliche Hilfe reduziert oder gar nicht gewhrt werden.
Budget: rund 3,7 Mio. EUR (pro Jahr) - Manahme luft seit: 1993 (Finpro)
Trger: Fachverband: Finpro
Bewertungszeitraum: 19982002
Methodik
Mehrere Quellen wurden herangezogen:
telefonische Befragungen von 226 Unternehmen und 51 gemeinsamen Exportmanagern
persnliche Befragungen von Vertretern von sieben evaluierten Unternehmen.
Aktivitten, fr die die Manahme in Anspruch genommen wird
Die teilnehmenden Unternehmen nutzten die Manahme fr verschiedene Internationalisierungsaktivit-
ten. Diese lassen sich allgemein in finanzielle und nichtfinanzielle Aktivitten unterteilen. Der Hauptzweck
bestand darin, neue Kundenkontakte zu knpfen und den Exporthandel in Gang zu bringen oder zu stei-
gern. Weitere Ziele waren (in der Reihenfolgen ihres Stellenwerts): Zugang zu einem neuen Zielmarkt, Er-
werb von Wissen ber Mrkte und Wettbewerb, Suche nach einem neuen Vertriebsnetz, Teilen der Risiken
und Kosten einer Internationalisierung mit anderen teilnehmenden Unternehmen sowie Verbesserung der
Exportfhigkeit und bereitschaft des Unternehmens. Auerdem stellte die Manahme darauf ab, interna-
tionale Partner zu finden, die keine Kunden oder Vertriebshndler waren, um gemeinsame Lieferungen zu
entwickeln und einen Plan oder eine Strategie fr die Internationalisierung des Unternehmens aufzustellen.
Nutzerzufriedenheit
90 % aller teilnehmenden Unternehmen wrden die Manahme anderen Unternehmen empfehlen. Aller-
dings waren bei der Zufriedenheit mit der Exportpartnerschaft Unterschiede zu verzeichnen: 38 % meinten,
dass die finanziellen Ziele der Partnerschaft vollstndig oder teilweise erreicht wurden, whrend mit den
nichtfinanziellen Ergebnissen 64 % der Befragten vollkommen oder teilweise zufrieden waren.
(Quelle: EIM, 2011, S. 67)
49
S Deutschland
Schulungsprogramme:
Exportinitiative Erneuerbare Energien
Ziel der Exportinitiative ist es, deutsche Unternehmen durch Informationsangebote, die Vernetzung von
bestehenden Initiativen und Aktivitten sowie die aktive Begleitung von Auslandsprojekten beim Export
von Erneuerbare-Energie-Technologien zu untersttzen. Eine der zentralen Aufgaben der Initiativen ist
die Prsentation deutscher Produkte und Unternehmen im Bereich der Erneuerbare-Energie-Technolo-
gien im Ausland. Das Bundesministerium fr Wirtschaft und Technologie finanziert mehrere Unterstt-
zungspakete, die von verschiedenen Dienstleistern in Deutschland und im Ausland umgesetzt werden.
Die Exportinitiative setzt folgende Untersttzungsmanahmen ein:
Handelsmessen (teilweise integriert in das Auslandsmesseprogramm der Bundesrepublik Deutschland)
Geschftsreisen zu potenziellen Geschftspartnern im Ausland und Organisation spezieller themati-
scher Konferenzen im Ausland (gefrdert durch das Netz der Deutschen Auslandshandelskammern)
Informations und Kontaktveranstaltungen (Informations und Kontaktveranstaltungen im Rah-
men des Programms fr Auenhandel, koordiniert von Germany Trade and Invest)
Reisen auslndischer Entscheidungstrger nach Deutschland, um sich vor Ort ber deutsche
Erneuerbare-Energie-Technologien zu informieren und Geschftskontakte zu knpfen
Aufbau von Leit oder Vorzeigeprojekten im Ausland in offiziellen deutschen Einrichtungen, beglei-
tet von entsprechenden Manahmen der ffentlichkeitsarbeit
B2B-Plattform
Bereitstellung von Informationen ber Auslandsmrkte und Vermarktung im Ausland (Deutsche
Energie-Agentur dena)
staatliche finanzielle Frderung (z. B. durch die KfW Bankengruppe).
Das Hauptziel der Manahme besteht insgesamt darin, Marktinformationen bereitzustellen und Ge-
schftskontakte anzubahnen. Die Manahme richtet sich an Unternehmen, vor allem mittelstndische
Betriebe, die im Bereich erneuerbare Energien, z. B. Solarenergie, Windkraft, Biokraftstoffe, Erdwrme
und Wasserkraft, ttig sind.
Budget: Im Jahr 2006 kostete die Umsetzung der verschiedenen Exportinitiativen rund 8,8 Mio. EUR.
Manahme luft seit: 2003
Website: [Link]
Trger: verschiedene spezielle Agenturen, koordiniert von Germany Trade and Invest.
Bewertungszeitraum: 20032006
Methodik
Eine Umfrage bei teilnehmenden Unternehmen (244) und Befragungen bei Fachverbnden und Ex-
perten. Die Ergebnisse der einzelnen Manahmen wurden dargelegt, ebenso die allgemeinen Erkennt-
nisse. Bei dieser Meta-Analyse geht es vor allem um allgemeine Erkenntnisse.
Aktivitten, fr die die Manahme in Anspruch genommen wird
Am hufigsten genutzt wurden Manahmen zur Untersttzung von Geschftsreisen (Netz der Deut-
schen Auslandshandelskammern), Messen, Informationen ber Auslandsmrkte und Marketing im
Ausland (dena).
Nutzerzufriedenheit
74 % der befragten Unternehmen kannten die Initiative und 53 % hatten einige der Manahmen in
Anspruch genommen. Sie beurteilten die Initiative als recht gut: Insgesamt wurde sie im Schnitt mit
2,2 Punkten auf einer Skala von 1 (sehr gut) bis 5 (unbefriedigend) bewertet. Einige uerten aller-
dings Kritik an ihrer Organisation (zu kompliziert, nicht transparent genug).
(Quelle: EIM, 2011, S. 68)
50
T Niederlande
Schulungsprogramme:
Prepare2start
Ziel der Manahme ist die Bereitstellung von Beratung und Hilfe bei der Aufstellung und Durchfh-
rung eines Internationalisierungsplans und eines 50 % igen Zuschusses fr Aktivitten wie Partnersu-
che, Messeteilnahme und Rechtsberatung. Prepare2start ist die Fortfhrung der vorherigen PSB-Ma-
nahme: das Programm fr Einsteiger auf Auslandsmrkten (19992007). Die Zielgruppe besteht aus
KMU mit weniger als 100 Mitarbeitern mit wenig oder keiner internationalen Erfahrung und mit dem
Wunsch, als Exporteur auf einen (neuen) Auslandsmarkt vorzustoen.
Budget: rund 12 Mio. EUR (2010)
Manahme luft seit: 1999 (seit 2007 unter einem neuen Namen)
Website: [Link]
Trger: Agentur: Agentschap NL (zuvor EVD)
Bewertungszeitraum: Die Auswertung betraf die Jahre 20022006.
Methodik
Folgende Rechercheaktivitten wurden ausgefhrt: Sekundranalysen; telefonische Umfrage bei Nut-
zern; ausfhrliche Befragungen von Entscheidungstrgern, Trgern, Interessenvertretern und anderen
Organisationen, die Handel frdern; Schwerpunktgruppen von Unternehmen, die teilnahmen.
Nutzerzufriedenheit
70 % der befragten Teilnehmer gaben an, dass die gefrderten Aktivitten im Rahmen der Unterstt-
zungsmanahme den Bedrfnissen ihres Unternehmens gut oder sehr gut entsprachen. Die Ausfh-
rung der Manahme scheint im Allgemeinen zufriedenstellend zu verlaufen und wurde als professi-
onell und zgig beschrieben.
(Quelle: EIM, 2011, S. 70)
51
U Niederlande
Schulungsprogramme:
Betreuungsbros fr Unternehmen der Niederlande
Die Manahme diente ursprnglich der Frderung des Einstiegs niederlndischer Firmen in erfolgver-
sprechende, aber relativ unzugngliche Mrkte, wurde aber nach einigen Jahren auf nher gelegene
Mrkte ausgeweitet. Sie ist flexibel: Einmal erffnete Betreuungsbros fr Unternehmen der Nieder-
lande knnen nach internen Bewertungen ihrer Effektivitt geschlossen werden (und wurden auch
schon geschlossen). Im Jahr 2010 umfasste das niederlndische Netz dieser Betreuungsbros 24
Bros in elf Lndern, darunter sechs in China, je zwei in Indien und Brasilien und eins in Russland. Die
Betreuungsbros richten sich sowohl an groe als auch an mittlere Unternehmen.
Budget: rund 2,5 Mio. EUR (2007)
Manahme luft seit: 1997
Website: [Link]
Trger: Agentur: Agentschap NL (zuvor EVD)
Die Betreuungsbros fr Unternehmen der Niederlande bieten allgemeine Informationen und (re-
gionale) Wirtschaftsberichte zu dem betreffenden Markt, vermitteln lokale Kontakte zu staatlichen
Stellen oder Unternehmen und frdern Besuche von niederlndischen Firmen.
Bewertungszeitraum: 20012006
Methodik
Fr die Auswertung wurde Material aus unterschiedlichen Quellen herangezogen: Sekundranalysen,
ausfhrliche Befragungen von Beteiligten und Interessenvertretern, Schwerpunktgruppen mit Mitar-
beitern von Betreuungsbros, Online-Umfrage bei Mitarbeitern von Betreuungsbros und Umfrage
bei Nutzern von Betreuungsbros.
Nutzerzufriedenheit
Die Mehrzahl der Nutzer hielt die von Betreuungsbros erhaltenen Informationen fr ntzlich: Die
Informationen wurden von 82 % der befragten Nutzer als ntzlich oder sehr ntzlich eingestuft. Die
Betreuungsbros fr Unternehmen der Niederlande in China schnitten am besten ab (88 %). Sowohl
die Standorte der Betreuungsbros als auch die angebotenen Dienste wurden von niederlndischen
Firmen gewrdigt. Sie beschrieben die Bromitarbeiter als gut erreichbar und aufgeschlossen.
(Quelle: EIM, 2011, S. 71)
52
V Schweden
Schulungsprogramme:
Swedpartnership
Im April 2010 legte Swedfund ein Programm mit dem Titel Swedpartnership auf, das speziell auf
schwedische KMU ausgerichtet ist, die mit Unternehmen in Entwicklungslndern (d. h. Indien, China,
Ukraine, Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Georgien und Republik Moldau) Geschfte ttigen wollen.
Swedfund ist Schwedens Risikokapitalunternehmen, das auf Investitionen in Entwicklungslndern spe-
zialisiert ist. Bei der Untersttzung handelt es sich um ein Darlehen, das abgeschrieben werden kann,
wenn das Projekt ausgearbeitet und genehmigt worden ist. Ein Projekt wird mit hchstens 75 000 EUR
untersttzt. Der Anteil der finanziellen Frderung kann hchstens 40 % der Projektkosten betragen.
Die Vorlufer von Swedpartnership, die Programme STARTsouth und STARTeast, wurden ausgewertet.
Bei diesen Manahmen standen schwedische KMU im Mittelpunkt, die in Lndern Afrikas, Asiens, La-
teinamerikas sowie Ost und Mitteleuropas investieren wollten. Die Darlehen und Bedingungen waren
denen von Swedpartnership vergleichbar.
Budget: 3 Mio. EUR
Manahme luft seit: 2009 (mehrere Vorgnger seit 2002)
Website: [Link] und [Link]
Trger: Staat: Swedfund International
Bewertungszeitraum: Befragt wurden Nutzer der Programme im Zeitraum 20022005.
Methodik
Eine telefonische Umfrage bei 169 teilnehmenden Unternehmen mit Antworten von 109 Unternehmen.
Nutzerzufriedenheit
Die Mehrheit war mit ihren Kontakten zu den jeweiligen Behrden zufrieden. Wenige waren unzu-
frieden. Von den teilnehmenden Unternehmen erklrten 95 %, dass ihre Erwartungen erfllt worden
seien.
(Quelle: EIM, 2011, S. 72)
53
W Vereinigtes Knigreich
Schulungsprogramme:
Programm von UK Trade and Investment fr den Zugang zu Messen
Das Programm von UK Trade and Investment (UKTI) fr den Zugang zu Messen (Tradeshow Access Program-
me, TAP) gewhrt Zuschsse fr Messen im Ausland. Die Teilnahme kann auf zwei Wegen erfolgen: ber TAP
Group oder TAP SOLO. TAP Group bietet Unternehmen die Mglichkeit, als Teil einer Gruppe von britischen
Unternehmen unter der Leitung einer zugelassenen Handelsorganisation teilzunehmen. Die Zuschsse von
TAP Group reichen von 1000 bis 1800 GBP. TAP SOLO untersttzt eine kleinere Anzahl von Unternehmen, die
im Alleingang auf Messen ausstellen wollen, bei denen keine Gruppe unter Leitung einer Handelsorganisati-
on vertreten ist. Sie erhalten einen Festzuschuss in Hhe von 1000 GBP. Im Mrz 2010 standen Zuschsse
fr ber 400 Messen auf vielen Mrkten zur Verfgung. Dazu zhlten spezifische Veranstaltungen in China,
Indien, Russland, der Ukraine, Japan und Brasilien. Das TAP-Programm soll vor allem:
neuen Exporteuren dabei helfen, die ersten Barrieren fr den Export zu berwinden;
Unternehmen im Spitzentechnologie-Bereich und Firmen, die neu auf Wachstumsmrkten sind,
dabei helfen zu lernen, wie sie Handelsmessen als Teil ihrer Plne zur Entwicklung des Handels
nutzen knnen; und
britischen Firmen dabei helfen, die Vorteile des Ausstellens auf Messen im Ausland bestmglich
zu nutzen.
Die Zielgruppe sind KMU oder britische ffentlich finanzierte Hochschuleinrichtungen oder britische
ffentlich finanzierte Forschungsorganisationen, die
o Exportneulinge (ausgehend vom Exportanteil am Umsatz) sind und
o weniger als drei TAP-Zuschsse (fr mehr als einen Markt) erhalten haben 2009 wurde
diese Zahl auf sechs erhht.
Budget: 8 Mio. GBP pro Jahr - Manahme luft seit: 2006
Website: [Link] - Trger: Staat: UK Trade and Investment (UKTI)
Bewertungszeitraum: Januar 2005 Mrz 2006
Methodik
Verwendung von vorhandenem Material: Dazu gehrten die TAP-Datenbank, die UKTI-Leistungs
und Folgenberwachungserhebung (Performance and Impact Monitoring Survey, PIMS) und die
Amadeus-Finanzdatenbank sowie eine Literaturrecherche zur Messebeteiligung.
Sammlung von neuem Material: Es erfolgten eine telefonische Umfrage bei gefrderten und
nichtgefrderten Firmen (Untersuchung der kontrafaktischen Fallkonstellation; Einbeziehung ei-
ner Kontrollgruppe) und telefonische Befragungen bei zugelassenen Handelsorganisationen, die
Delegationsreisen zu Handelsmessen (TAP Group) organisieren, und Auenhandelsberatern, die
sich um die individuelle Teilnahme von Firmen an Handelsmessen (TAP SOLO) kmmern.
Beschreibende und konometrische Analyse.
Aktivitten, fr die die Manahme in Anspruch genommen wird
Etwa 30 % der Messen sind so genannte Welthandelsmessen: Messen, die nicht auf einen bestimmten
nationalen Markt, sondern auf den Wirtschaftszweig mit globaler oder regionaler Perspektive ausgerich-
tet sind. Rund 20 % sind Handelsmessen von hoher Prioritt mit dem Schwerpunkt auf Mrkten, denen
UKTI eine besondere strategische Bedeutung beimisst (z. B. Japan, Sdkorea, China, Indien, Brasilien und
Russland). Etwa die Hlfte der Zuschsse wurde fr Messen auf anderen Mrkten aufgewendet.
Nutzerzufriedenheit
Die Unternehmen, die Dienste in Anspruch nahmen, waren im Allgemeinen mit ihnen zufrieden. Sieben
Punkte wurden bewertet. 70 % oder mehr beurteilten die Untersttzung in Form von Hilfe bei der Vorbe-
reitung, praktischen Modalitten, Qualitt der Veranstaltung und Qualitt der geknpften Kontakte
als gut oder sehr gut. Weniger gut schnitt Profil der Delegation des Vereinigten Knigreichs: durchgefhrte
Aktivitten ab.
(Quelle: EIM, 2011, S. 74)
54
X Vereinigtes Knigreich
Schulungsprogramme:
Politik von Scottish Development International
Scottish Development International (SDI) ist eine staatliche Einrichtung und ein Gemeinschaftsunter-
nehmen der schottischen Regierung mit Scottish Enterprise (SE) und Highlands and Islands Enterprise
(HIE), das Dienstleistungen zur Frderung von auslndischen Investitionen und Internationalisierung
fr das gesamte Schottland bereitstellt. Zur Untersttzung der Internationalisierung von Unterneh-
men werden folgende Dienstleistungen angeboten:
Vorbereitung auf eine internationale Geschftsttigkeit
Entwicklung einer internationalen Strategie
internationale Beratung
Untersttzung auf Auslandsmrkten
Untersttzung fr die Teilnahme an Ausstellungen, Informationsreisen und Studienreisen, Pau-
schalangebote fr bernachtungen im Ausland.
In den Zahlenangaben sind die TAP SOLO-Handelsmessen nicht bercksichtigt.
Budget: rund 5 Mio. GBP pro Jahr fr SDI-Dienstleistung fr die Internationalisierung, Durchschnitt
fr den Zeitraum von 2005/2006 bis Mitte 2009
Manahme luft seit: 2002 (OMS) und 2003 (ELMJ)
Trger: Staat in Form von Scottish Development International (SDI)
Overseas Market Support (OMS) bietet in Schottland ansssigen Unternehmen eine mageschneiderte
Untersttzung fr die Erschlieung neuer internationaler Mrkte: z. B. Marktberichte und informationen,
Suche nach potenziellen Geschftskontakten und partnern sowie Gestaltung von Werbematerial fr den
Einstieg in einen Auslandsmarkt. Wenn Finanzmittel bereitstehen, knnen bis zu 50 % der frderfhigen
Kosten bernommen werden. Grundlage ist der mit SDI abgestimmte internationale strategische Plan
eines Unternehmens. Die Zielgruppe besteht aus Unternehmen mit Sitz in Schottland, die neue Welt-
mrkte fr sich erschlieen wollen und einen Umsatz von mindestens 400 000 GBP erzielen.
Die SDI-Initiative fr internationale Ausstellungen, Informationsreisen und Studienreisen (EMLJ) kann
Unternehmen helfen, sich mit Kufern und potenziellen Geschftspartnern im Ausland zu vernetzen.
SDI organisiert Gruppenstnde auf wichtigen internationalen Ausstellungen und veranstaltet sek-
torbezogene Informations und Studienreisen ins Ausland. Unternehmen, die an einer Ausstellung,
Informationsreise oder Studienreise mit Scottish Development International teilnehmen, knnen Fr-
dermittel erhalten. Die Zielgruppe dieser Manahmen ist dieselbe wie bei OMS.
Bewertungszeitraum: 20062009 (Daten fr die konometrische Analyse: 20032006).
Methodik
Die Hauptelemente der Bewertung waren:
Befragungen von 250 Unternehmen, die Untersttzung fr eine Internationalisierung erhalten hatten
konometrische Analyse auf der Grundlage einer Datenbank mit 1480 Unternehmen, die im
Zeitraum 20032006 SDI-Dienstleistungen in Anspruch genommen haben
zehn Fallstudien
Befragungen der Stelle, von Interessenvertretern und von externen Partnerorganisationen
Aktivitten, fr die die Manahme in Anspruch genommen wird
Die meisten Unternehmen haben die Untersttzung fr Ausstellungen und Informationsreisen im
Ausland (53 %) und eine Form von Marktuntersttzung (50 %) in Anspruch genommen. Die EMLJ und
die OMS-Manahme werden relativ oft genutzt.
Nutzerzufriedenheit
Unter dem Strich sind rund 70 % der Nutzer von SDI mit den erhaltenen Leistungen (sehr) zufrieden.
Am hchsten geschtzt werden die Qualitt und Aussagekraft der Informationen und der Nutzen der
Beratung.
(Quelle: EIM, 2011, S. 75)
55
AndreyPopov/iStock/Thinkstock
Anhang
Erasmus fr Jungunternehmer
Dieses grenzberschreitende Austauschprogramm bietet neuen bzw. angehenden Unternehmern die
Mglichkeit, von einem erfahrenen Unternehmer zu lernen, der in einem anderen teilnehmenden Land
ein kleines Unternehmen leitet. Der Gastunternehmer profitiert von einer neuen Perspektive auf sein
eigenes Unternehmen und hat die Mglichkeit, neue Geschftsbeziehungen zu knpfen und neue Mrkte
kennen zu lernen. Die Reise- und Aufenthaltskosten werden von der Europischen Union bezuschusst.
[Link]
Solvit
Solvit hilft Brgern und Unternehmen, Streitflle mit Behrden in anderen Mitgliedstaaten ohne Ge-
richtsverfahren und kostenfrei beizulegen.
[Link]
Europisches Mittelstandsportal
Dieses Portal bietet Information zu EU-Politiken, Programmen und Initiativen zur Untersttzung von KMU.
[Link]
EUREKA: Eurostars-Programm
Bietet EU-KMU, die 10 % ihres Umsatz oder des Vollzeitquivalents (VZ) ihrer Mitarbeiter fr die
Forschung einsetzen, Frderung fr internationale Forschung.
[Link]/activities/eurostars
IPR Helpdesks
Die Beratungsstellen fr Fragen des geistigen Eigentums (IPR Helpdesks) der EU fr China, Sdost-
asien (die ASEAN-Region) und lateinamerikanische Lnder (Mercosur) beraten in Angelegenheiten
des gewerblichen Rechtsschutzes. Sie bieten professionelle Beratung zu Fragen geistiger Eigentums-
rechte, Kontakte zu externen Sachverstndigen und die Vorbereitung allgemeiner und individueller
Schulungen. KMU aus der EU knnen sich mit vertraulichen Anfragen persnlich, per E-Mail, Telefon
oder Fax an die Stelle wenden und erhalten zgig eine Antwort kostenlos.
24
[Link]
25
[Link]
26
[Link]
pdf/24ddb6de-dd8c-44e6-9d51-da3557403a2a?version=1.0.
58
EU Business Centres
Bisher bestehen fr drei Wachstumsmrkte auerhalb der EU europische Infostellen fr Unterneh-
men (EU Business Centres): Das European Business and Technological Centre in Indien, das EU SME
Centre in China und das europische ASEAN Business Centre in Thailand beraten europische KMU
darin, wie sie in den jeweiligen Lndern investieren und Geschftsmglichkeiten nutzen knnen.
Unter der Bezeichnung SEBSEAM (Support to European Business in South-East Asia Markets) richtet
die EU weitere Strukturen fr europische Unternehmen in Malaysia, Vietnam, den Philippinen, In-
donesien, Myanmar/Birma, Kambodscha und Laos ein, die auf bereits bestehenden Untersttzungs-
strukturen basieren. Oberstes Ziel dieser SEBSEAM-Strukturen ist es, die Handels und Investitions-
strme zwischen der EU und den einzelnen Volkswirtschaften, in denen sie sich befinden, sowie in der
brigen ASEAN-Region zu steigern.
Understanding China
Dieses Schulungsprogramm wurde von Eurochambres und anderen Interessengruppen durchgefhrt
und von der Europischen Kommission kofinanziert. Unter der berschrift China verstehen wurden
Wirtschaftsverbnde darin geschult, europischen Unternehmen zu einem besseren Verstndnis von
der chinesischen Wirtschaft zu verhelfen und ihre Wettbewerbsfhigkeit auf diesem Markt zu ver-
59
bessern. Das Programm ist inzwischen ausgelaufen, aber die Website liefert immer noch ntzliche
Informationen ber den chinesischen Markt.
[Link]
EU Business in Japan
Diese Website fr EU-Unternehmen in Japan umfasst mehrere Kapitel zu jedem Aspekt einer
Geschftsttigkeit in oder mit Japan. Auerdem bietet sie eine Datenbank mit ffentlichen
Dienstleistern. Einige Teile der Website sind nur Mitgliedern zugnglich.
[Link]
Step in Japan
Step in Japan ist eine kostenlose Initiative fr Logistikuntersttzung von KMU, die als Start-
plattform fr in der EU ansssige KMU fungiert, die in Japan ttig werden oder ihre Geschfts-
ttigkeit dort ausweiten wollen.
[Link]
Schulungen
In Japan werden Schulungen fr EU-Unternehmen jeder Gre organisiert. Dieses Angebot
umfasst auch Stipendien fr Teilnehmer von kleinen Firmen.
[Link]
Datenbanken
Informations-/Feedback-Instrumente fr KMU:
Handelspolitische Schutzinstrumente und technische Handelsbarrieren
ANHANG II QUELLEN
Europische Kommission (EK), 2013. Regionalpolitik Projektdatenbank.
[Link]
EIM Business & Policy Research 2011. Opportunities for the internationalisation of European SMEs
Background document 2: Overview of 310 Policy Support Measures at Member State Level, (finanziert
von der Europischen Kommission), Zoetermeer.
Europische Kommission (EK) und EIM Business & Policy Research, 2011 (1). Opportunities for the
internationalisation of European SMEs, GD Unternehmen und Industrie, Brssel.
Europische Kommission (EK), 2011 (2). Mitteilung der Kommission an das Europische Parlament,
den Rat, den Europischen Wirtschafts und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen Kleine
Unternehmen groe Welt: Eine neue Partnerschaft, um KMU zu helfen, ihre Chancen im globalen
Kontext zu nutzen, Europische Kommission, Brssel.
[Link]
Europische Kommission (EK) und EIM Business & Policy Research, 2011 (3). Do SMEs create more
and better jobs?, GD Unternehmen und Industrie, Brssel.
Europische Kommission (EK) und EIM Business & Policy Research, 2010. Internationalisation of Euro-
pean SMEs, final report, GD Unternehmen und Industrie, Brssel.
Europische Kommission (EK), 2008. Untersttzung fr die Internationalisierung von KMU, Auswahl
empfehlenswerter Verfahren, GD Unternehmen und Industrie, Brssel.
Europische Kommission (EK), 2007. Supporting the Internationalisation of SMEs, final report of the
Expert Group, GD Unternehmen und Industrie, Brssel.
Frderung der
Internationalisierung
von KMU
ISBN 978-92-79-36465-5
Untersttzung von KMU-
Ratgeberserie Politikmanahmen aus
Strukturfondsmitteln
Frderung des
Unternehmer-
geistes und
unternehmerischer
Kompetenzen
in der EU
Unternehmen
und Industrie
1
3
Untersttzung von
Ratgeberserie KMU-Politikmanahmen
aus Strukturfondsmitteln
Frderung des
Unternehmergeistes
und
unternehmerischer
Kompetenzen
in der EU
Leitfaden zur Frderung und Untersttzung der
Erziehung zu unternehmerischem Denken und
Handeln fr junge Menschen mit Mitteln aus
den EU-Strukturfonds
4
Dieser Leitfaden wurde von der Europischen Kommission erstellt und beruht auf den Informationen,
die in mehreren Projekten und Studien zu dem Thema zusammengetragen wurden. Obwohl die
Arbeiten unter der Federfhrung von Bediensteten der Europischen Kommission durchgefhrt
wurden, entsprechen die in diesem Bericht enthaltenen Meinungen nicht zwangslufig der Auffassung
der Europischen Kommission.
Weitere Informationen:
Europische Kommission
Generaldirektion Unternehmen und Industrie
Referat D.1: Unternehmerische Initiative 2020
E-Mail: Entr-entrepreneurship@[Link]
URL: [Link]
bersetzungen dieses Dokuments in mehrere europische Sprachen knnen ber das Internet
abgerufen werden.
Mit der Erarbeitung dieses Leitfadens sollen Informationen ber die Inanspruchnahme von EU-
Strukturfonds zusammengestellt werden. Die Europische Kommission bernimmt jedoch keinerlei
Haftung fr die Richtigkeit und Vollstndigkeit der Angaben. Konkrete Antrge auf Inanspruchnahme
von Mitteln aus den EU-Strukturfonds sind stets nach Magabe der jeweils im Land des Antragstellers
geltenden Regeln zu prfen.
Dieser Ratgeber ist Teil einer Serie, in der bislang folgende Titel erschienen sind:
RECHTLICHER HINWEIS
Weder die Europische Kommission noch Personen, die im Namen der Kommission handeln, sind
fr die Verwendung der in dieser Verffentlichung enthaltenen Informationen oder fr eventuelle,
trotz der sorgfltigen Erarbeitung und Prfung der Texte noch vorhandene Fehler verantwortlich. Der
Inhalt dieser Verffentlichung spiegelt nicht unbedingt die Meinung oder Haltung der Europischen
Kommission wider. Luxemburg, Amt fr Verffentlichungen der Europischen Union, 2012.
ISBN 978-92-79-26340-8
ISSN 1977-7361
doi:10.2769/56107
Vorwort
Es gibt Anhaltspunkte dafr, dass die Frderung des Unternehmergeistes eine Grundvoraussetzung fr
endogenes Wachstum und eine notwendige Bedingung fr eine nachhaltige lokale und regionale Ent-
wicklung sowie den sozialen Zusammenhalt ist.
Gegenwrtig wird die Rolle von Bildung und Erziehung bei der Frderung unternehmerischer Einstel-
lungen und Verhaltensweisen weithin anerkannt. Querschnittskompetenzen wie z. B. Kreativitt, Ei-
geninitiative und Unternehmergeist helfen jungen Menschen dabei, ihre kreativen Fhigkeiten und ihr
Innovationspotenzial besser zu entwickeln und sich proaktives Handeln und Denken, Flexibilitt, eine
selbstndige und ergebnisorientierte Arbeitsweise sowie die Kompetenz zum Projektmanagement an-
zueignen.
Zudem mehren sich die Hinweise auf die positiven Auswirkungen der Erziehung zu unternehmerischem
Denken und Handeln. Junge Menschen, die an derartigen Bildungsprogrammen teilgenommen ha-
ben, eignen sich verstrkt unternehmerische Einstellungen an, finden nach Abschluss ihrer Ausbildung
schneller einen Arbeitsplatz und grnden hufiger Unternehmen und schaffen dadurch auch mehr
Arbeitspltze.
Die Programme zur Frderung unternehmerischer Initiative bieten eine ausgezeichnete Gelegenheit,
den Bildungssektor und die lokalen Unternehmen zusammenzubringen, da sie auf Projektarbeit und
der freiwilligen Mitwirkung echter Unternehmer beruhen. Schler oder Studierende, die Kontakte mit
den Unternehmen vor Ort knpfen, bleiben nach Abschluss ihrer Ausbildung hufiger in ihrer Region
oder in ihrem Land, sei es als Arbeitnehmer in lokalen Unternehmen oder als Grnder eines eigenen
Unternehmens.
Aus all diesen Grnden empfehlen wir diesen Leitfaden den politischen Entscheidungstrgern und all
jenen, die in die lokale Entwicklung eingebunden sind. An dieser Stelle mchten wir alle Beteiligten
herzlich einladen, sich im Rahmen ihrer operationellen Programme in der Aus- und Weiterbildung an der
Entwicklung von Initiativen zur Frderung des unternehmerischen Denkens und Handelns zu beteiligen
und dabei alle Ressourcen in Anspruch zu nehmen, die die EU anbietet.
Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung
1 [Link]
11
Handeln durchaus einen Unterschied ausmacht. Untersttzung von Entwicklungen in den Mit-
Junge Menschen, die an den Programmen und gliedstaaten und ihren Regionen.
Aktivitten zur Frderung unternehmerischer Ini-
tiative teilgenommen haben, legen verstrkt un- 1.3 Entwicklung wirksamer politischer
ternehmerische Einstellungen und Bestrebungen Manahmen und Verfahren: An-
an den Tag, finden nach Abschluss ihrer Ausbil- wendung bewhrter Verfahren zur
dung schneller einen Arbeitsplatz, bringen selbst Befrderung weiterer Fortschritte
als Beschftigte in Unternehmen mehr Innovatio- Angesichts der beraus vielfltigen Gegebenhei-
nen ein und grnden hufiger Unternehmen. ten hinsichtlich der Erziehung zu unternehmeri-
Dieses Dokument baut auf den folgenden Haupt- schem Denken und Handeln in Europa werden
quellen auf: systematischere Anstze bentigt, um sicherzu-
stellen, dass alle Schler in allen Schulen eine
- Empfehlungen der von der Kommission im entsprechende Erziehung erhalten. Im Gesamt-
Jahr 2007 verffentlichten Oslo-Agenda Er- system fr die Erziehung zu unternehmerischem
ziehung zu unternehmerischem Denken und Denken und Handeln sind Weiterentwicklungen in
Handeln in Europa; allen Bereichen erforderlich.
Ergebnisse der fnf Hochrangigen Refle- Dieser Bericht beschreibt ein Progressionsmodell,
xionsgremien im Bereich der Erziehung zu das die Mitgliedstaaten und die Interessenvertre-
unternehmerischem Handeln und Denken ter dabei untersttzen soll. Das Modell bietet einen
unter Beteiligung politischer Entscheidungs- konzeptionellen Gesamtrahmen fr die Festlegung
trger und wichtiger Interessengruppen, die von Prioritten fr das knftige Vorgehen und be-
sich von 2009 bis 2010 mit dem hier err- stimmt die Eckpunkte fr die Gestaltung der wei-
terten Themengebiet befasst haben; teren Entwicklung durch die beteiligten Akteure.
Ergebnisse zweier Symposien aus dem Jahr Es umfasst vier aufeinander folgende Phasen von
2011 ber die Aus- und Weiterbildung von der vorbereitenden Strategie bis hin zur Integ-
Lehrkrften im Bereich der unternehmeri- ration (Mainstreaming) und erlutert eingehend
schen Initiative; die zu ergreifenden Manahmen im Zusammen-
Datenbank mit bewhrten Verfahren des hang mit nationalen Strategien und Rahmenbe-
Small Business Act for Europe. dingungen, Schulen, Lehrkrften, regionalen und
lokalen Behrden und Unternehmen sowie priva-
Der Bericht beinhaltet:
ten Verbnden und Organisationen.
Informationen ber die gegenwrtige Situati-
on im Bereich der Erziehung zu unternehmeri- Mit dem Modell werden die nachstehenden Ziele
schem Denken und Handeln, insbesondere im verfolgt:
Hinblick auf die Entwicklung von Strategien fr konzeptionelle Umorientierung der Erziehung
die Erziehung zu unternehmerischem Denken zu unternehmerischem Denken und Handeln,
und Handeln und deren Umsetzung, weg von der Vermittlung einer Anleitung zur
einen Rahmen fr die Bestandsaufnahme des Fhrung eines Unternehmens und hin zur
Bereichs Erziehung zu unternehmerischem Entwicklung eines allgemeinen Katalogs von
Denken und Handeln, die Entwicklung einer Kompetenzen, die fr alle Lebensbereiche
Strategie und die Festlegung von Schwerpunk- von Bedeutung sein knnen, und Anwendung
ten und Manahmen unter Nutzung eines auf- dieser Kompetenzen in der Schule; Verlage-
grund der Diskussionen in den Reflexionsgre- rung vom lehrplanergnzenden Zusatzange-
mien entwickelten Entwicklungsstufenmodells, bot vorwiegend in den hheren Jahrgngen
des Sekundarbereichs II hin zur Einrichtung
eine Sammlung bewhrter Verfahren zur Be-
als wesentlicher Bestandteil des Lehrplans in
handlung von Schlsselbereichen des Entwick-
allen Bildungsstufen;
lungsstufenmodells und
Entwicklung einer gemeinsamen Vision aller
Handlungsempfehlungen auf allen Ebenen zur wichtigen Interessenvertreter auf nationaler
12
Die gegenwrtige
Situation:
Erziehung zu unternehmer-
ischem Denken und Handeln
ein uneinheitliches Bild
Kapitel 2 die wichtigsten Punkte Lehrer und Schulen sind entscheidende Vermitt-
im berblick ler: Ob ein Schler eine hochwertige Erziehung
zu unternehmerischem Denken und Handeln
Zwischen den Mitgliedstaaten besteht ein brei-
erfahren konnte, hing bislang weitgehend von
ter Konsens ber die Vorgaben und Zielset-
der Einsatzbereitschaft der Lehrkrfte sowie
zungen der Erziehung zu unternehmerischem
davon ab, in welchem Umfang die Lehrkrfte in
Denken und Handeln: Die Erziehung zu unter-
der Lage waren, sich Zugang zu den bentigten
nehmerischem Denken und Handeln soll zur
Ressourcen zu verschaffen.
Ausprgung allgemeiner Kompetenzen wie z. B.
Selbstvertrauen, Anpassungsfhigkeit und Kre- Private Unternehmen und Organisationen ohne
ativitt sowie zum Erwerb unternehmerischer Erwerbszweck (z. B. das Netz Junior-Achieve-
Kompetenzen und Kenntnisse beitragen. ment Young Enterprise) spielen insoweit eine
wichtige Rolle, als sie Lehrern Ressourcen sowie
Zurzeit erfolgt die Erziehung zu unternehmeri-
wirklichkeitsnahe, praktische Erfahrungen ver-
schem Denken und Handeln in den Schulsyste-
mitteln.
men bis zum Abschluss des Sekundarbereichs
I eher als Zusatzangebot zum allgemeinen Die regionalen und lokalen Behrden nehmen
Lehrplan. Vom Sekundarbereich II an werden ihre Rollen sehr unterschiedlich wahr, knnen
entsprechende Manahmen im Rahmen eines aber als frdernde und vermittelnde Einrichtun-
eigenen bergeordneten Fachs (z. B. Betriebs- gen Schlsselfunktionen bernehmen.
wirtschaft oder Volkswirtschaft) als Wahlfach Die folgenden Voraussetzungen mssen erfllt
angeboten. sein, damit die Erziehung zu unternehmeri-
Die praktische Handhabung gestaltet sich in Euro- schem Denken und Handeln nicht lnger als ein
pa sehr unterschiedlich; in der Regel werden ent- zustzliches auerunterrichtliches Angebot
sprechende Angebote von der Basis ausgehend begriffen wird, sondern sich zu einem wesentli-
(Bottom-up) entwickelt, und eine systematische chen Bestandteil des Lehrplans entwickelt:
Behandlung im Lehrplan ist nicht vorgesehen.
16
Handeln unmittelbar zur Entwicklung des Unterneh- Arbeitsmarkt zunehmend geforderten Anpassungs-
mergeistes bei den jungen Brgern Europas, zu einer fhigkeit zu entwickeln. Die Erziehung zu unterneh-
Erhhung des Anteils neu gegrndeter und stabiler merischem Denken und Handeln wird ferner allge-
Unternehmen sowie zu strkerem Wachstum und mein zum besseren Verstndnis der Wirtschaft und
zu intensiverer Innovationsttigkeit in KMU und da- der Unternehmer und zu positiveren Einstellungen
mit auf mittlere Sicht zur Erweiterung der Beschfti- in der breiten Bevlkerung gegenber unternehme-
gungsangebote beitragen kann. Seit Ende der 1990er rischem Verhalten beitragen. Allgemein werden die
Jahre wurde die Erziehung zu unternehmerischem Menschen mglicherweise besser imstande sein, als
Denken und Handeln jedoch auch zunehmend im aktivere Brger einen positiven Beitrag zur Gesell-
Zusammenhang mit einer Reihe umfassenderer Aus- schaft zu leisten. Dies ist zweifellos eine sehr weit
wirkungen gesehen; als positive Auswirkungen gelten gefasste Agenda, und entsprechend ist davon aus-
etwa die Frderung der Kreativitt und der Innovati- zugehen, dass die politischen Entscheidungstrger
onskraft der Brger Europas sowie infolge der Str- auf allen Ebenen betrchtliche Anstrengungen un-
kung des Selbstbewusstseins, der Unabhngigkeit ternehmen mssen, um die betreffenden Anforde-
und der Anpassungsfhigkeit die Verbesserung des rungen zu verstehen und ihnen mit realistischen po-
sozialen Zusammenhalts und des brgerschaftlichen litischen und praktischen Manahmen zu begegnen.
Verhaltens. Sie spielt daher eine wichtige Rolle in der In Abbildung 2.1 sind die Kompetenzen zusammen-
Jugendpolitik. gestellt, die gemeinsam fr die Ziele der Erziehung
In der derzeit entwickelten Form soll die Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln stehen.
zu unternehmerischem Denken und Handeln zur Gegenstand der Erziehung zu unternehmerischem
Ausprgung unternehmerischer Kompetenzen bei Denken und Handeln ist im Wesentlichen die Um-
smtlichen Schlern und Studierenden (auch bei Er- setzung von Ideen in praktisches Handeln; insoweit
wachsenen) beitragen. Aus diesem umfassenderen stehen Kreativitt, Innovationskraft und Risikobe-
Pool strker unternehmerisch orientierter Personen reitschaft im Vordergrund. Erforderlich ist aber auch
knnten einige durchaus den Schritt in die Selbst- die Fhigkeit zur Strukturierung, Planung und Steue-
stndigkeit wagen; wichtig ist jedoch, dass alle Br- rung der entsprechenden Prozesse.
ger besser in der Lage sein werden, die auf dem
Wissen Knnen/Kenntnisse
Verstndnis der Wirtschaft und der Arbeitswelt Entwickeln von Eigeninitiative, Arbeit im Team
Fhigkeit zum Erkennen von Chancen Erkennen und Einschtzen von Strken und Schwchen
Verstndnis der Wirtschaftsethik Risikobewertung
Kenntnisse ber Unternehmens Projektplanung und -management
grndungen und betriebliche Verfahren (Produktion, Finanzmanagement
Management, Vermarktung usw.) Verhandlungsfhrung und Reprsentation
2.3 Auf dem Weg zu einer gemein- werden aber nicht nur als Schlsselbedingungen
samen Interventionslogik bergeordneter Rahmenkonzeptionen beschrieben,
sondern kommen wahrscheinlich ebenso hufig
Die oben errterten Vorgaben und Zielsetzungen
auch in der Praxis zum Ausdruck (u. a. in konkreten
werden in den Mitgliedstaaten zurzeit in unter-
Angeboten der Schulen).
schiedlichen Formen beschrieben. Wie im Folgen-
den erlutert, werden die Vorgaben und Zielsetzun- Aufgrund dieser gemeinsamen Standpunkte konn-
gen in den entwickelten Strategien zur Frderung te eine Interventionslogik entwickelt werden.
des Unternehmergeistes teilweise gut definiert; sie
Abbildung 2.2: Eine Interventionslogik fr die Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln
Manahmen Verankerung von Vermittlung und Vermittung und Erwerb von Kompetenzen
Erwerb von Kernkompetenzen und Know-how fr die
in Unterricht und Ausbildung Unternehmensfhrung
Abbildung 2.2: Eine Interventionslogik fr die Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln
Hinsichtlich der Manahmen, mit denen diese Er- Leitung eines Unternehmens gelegt, und die
gebnisse erzielt werden bzw. erzielt werden sol- Angebote werden im Lehrplan eher als Wahl-
len , ist festzustellen, dass bei der Erziehung zu fach denn als Pflichtfach bercksichtigt.
unternehmerischem Denken und Handeln zweifel-
In den ersten Jahren des Bildungswegs knnen so-
los ein zweigleisiger Ansatz verfolgt werden muss:
mit die Grundlagen unternehmerischer Kompetenz
i) Die Inhalte knnen auf allen Ebenen in die gelegt werden; auf diesen Grundlagen aufbauend
Lehrplne integriert werden (Mainstreaming), knnen spter konkretere unternehmensbezogene
wenn allgemeine Kompetenzen wie z. B. Kre- Kompetenzen und Kenntnisse vermittelt werden.
ativitt, Initiative und Selbstvertrauen im Vor-
Im Allgemeinen kann das Bemhen um einen
dergrund stehen.
strukturierteren und systematischeren Ansatz bei
ii) Sie knnen aber auch als Bestandteile eines der Erziehung zu unternehmerischem Denken und
eigenstndigen Unterrichtsfachs vermittelt Handeln nur dann auf breiter Ebene zum Erfolg
werden (in der Regel ab dem Sekundarbereich fhren, wenn entsprechende Angebote in den all-
II). Dabei wird der Schwerpunkt eher auf den gemeinen Bildungskatalog aufgenommen werden.
Erwerb von Fhigkeiten und Kenntnissen im Dies wiederum erfordert einige wichtige nderun-
Zusammenhang mit der Grndung und der gen des Unterrichts- und des Lernverhaltens. Die
19
Verlagerung der Erziehung zu unternehme- Wirtschaft und dem Bildungssektor stehen. Der
rischem Denken und Handeln von einem Schwerpunkt muss sich von traditionellen An-
zustzlichen auerunterrichtlichen Angebot stzen hin zu Methoden verlagern, mit denen
bei dem traditionell eher die Fhrung eines die Menschen experimentieren und etwas ber
Unternehmens im Vordergrund steht hin zu sich selbst erfahren knnen. In vielen Lndern
ihrer Einbindung als wesentlicher Bestand- ist es hilfreich, wenn diese Entwicklungen auf
teil des Lehrplans unter Bercksichtigung bestehende Bildungstrends abgestimmt wer-
einer breiten Palette an unternehmerischen den. In anderen Lndern ist zweifellos eine be-
Fhigkeiten und Kompetenzen bedeutet un- trchtliche Umstellung der Bildungspolitik und
ter Umstnden nicht weniger als einen Pa- der praktischen Bildungsarbeit erforderlich.
radigmenwechsel im Bildungssystem. Dies gilt
Insoweit deckt die Erziehung zu unternehmeri-
insbesondere dort, wo die betreffenden Angebote
schem Denken und Handeln hinsichtlich der an-
in die Lehrplne der allgemeinbildenden Schu-
gestrebten Ergebnisse und der zur Erzielung die-
len bzw. der Hochschulen aufgenommen werden
ser Ergebnisse vorgesehenen Mittel ein weites
mssen und wo gegenwrtig traditionellere Un-
Feld ab. Dabei gilt es sorgfltig abzuwgen, wie
terrichtsmodelle gepflegt werden. In allen Phasen
der Prozess der langfristigen teilweise tief-
ist das Element des experimentellen Lernens ent-
greifenden Umgestaltung eingeleitet werden
scheidend; die Vermittlung darf sich nicht auf tra-
soll; dazu mssen Schwerpunkte und erreichba-
ditionelle Unterrichtsmethoden beschrnken.
re Zwischenziele definiert werden.
Die Entwicklung der in Abbildung 2.1 dargestellten
Palette an Kompetenzen setzt die Anpassung von 2.4 Schlsselmerkmale der gegen-
Unterrichtsverfahren und die Entwicklung geeigne- wrtigen Praxis in der Erziehung
ter Umgebungen im Bildungsbereich voraus; diese zu unternehmerischem Denken
Umgebungen mssen sich vom traditionelleren und Handeln
Lernumfeld der allgemeinen Schulbildung unter- Eines der hervorstechendsten Merkmale der Erzie-
scheiden. Wichtig ist weniger, was unterrichtet hung zu unternehmerischem Denken und Handeln
wird; mageblich ist vielmehr, wie der Unter- ist die groe Vielfalt der praktischen Hand-
richt gestaltet wird. Dies gilt insbesondere im habung in Europa sowohl zwischen verschiede-
Hinblick auf experimentelles Lernen und auf das nen Lndern als auch innerhalb einzelner Lnder;
Aufbrechen der traditionelleren Hierarchien zwi- dies gilt sogar fr einzelne Bildungseinrichtungen
schen Lehrern und Schlern in der Weise, dass der (Schulen, Anbieter von Manahmen der Berufsbil-
Lehrer eher als Coach und/oder Moderator auftritt. dung und Hochschulen) und selbst auf Ebene der
Derartige Anstze rumen den Schlern grere Lehrkrfte. Diese Situation spiegelt auch die Tat-
Unabhngigkeit ein und bieten ihnen die Mglich- sache wider, dass die Erziehung zu unternehmeri-
keit zum eigenstndigen Lernen, so dass sie die ent- schem Denken und Handeln in der heutigen Form
sprechenden wichtigen unternehmerischen Kompe- weitgehend als Bottom-up-Initiative unter mini-
tenzen besser ausprgen knnen. Ebenfalls wichtig maler staatlicher Beteiligung entwickelt wurde.
ist die Lernumgebung; insbesondere sollten die
Schler aus der traditionellen Umgebung des Klas- Teilweise beruht diese Vielfalt auf dem unter-
senzimmers herausgefhrt und zur Herstellung von schiedlichen Verstndnis und der unterschiedli-
Kontakten mit der lokalen Gemeinschaft und zu Er- chen Auslegung des Begriffs Erziehung zu un-
fahrungen mit echten Unternehmen angeregt wer- ternehmerischem Denken und Handeln. Da in
den; auerdem sollte ein schulisches Umfeld ge- den meisten Lndern ein gemeinsamer und/oder
schaffen werden, das weniger durch hierarchische offizieller Standpunkt hinsichtlich der zu erzie-
Beziehungen gekennzeichnet ist. lenden Ergebnisse noch immer nicht gefunden
wurde, sind diese Diskrepanzen nur natrlich.
Im Zentrum der Aufmerksamkeit mssen das Auerdem spiegelt diese Situation den umfas-
Bemhen um eine geeignete Kombination the- senden Hintergrund und die breit gefcherten
oretischer und praktischer Bestandteile und kulturellen Faktoren wider, die Herausforde-
die Beseitigung von Hindernissen zwischen der
20
rungen und Chancen gleichermaen beinhal- Kreativitt und Risikobereitschaft zu frdern; und
ten knnen. Diese unterschiedlichen Haltungen (iii) der Unterricht zur Vermittlung unternehmeri-
in den einzelnen Mitgliedstaaten hinsichtlich scher Kompetenzen wird eher nicht als Bestand-
der Frderung des Unternehmergeistes sowie teil des eigentlichen Lehrplans bewertet: Lehrer
die Struktur und die Art der nationalen Volks- und Schulen beschrnken sich vielmehr auf die
wirtschaften knnen sich signifikant auswirken. vom allgemeinen Bildungsplan unabhngige Ver-
In Schweden beispielsweise wurde angesichts gabe schulinterner Preise und Auszeichnungen
eines kulturellen Hintergrunds, der durch ein oder beteiligen sich an Wettbewerben bekann-
traditionell geringes Interesse der Bevlkerung ter Organisationen (z. B. im Netz Junior Achie-
an der Aufnahme einer eigenen Unternehmer- vement-Young Enterprise (JA-YE)).
ttigkeit gekennzeichnet ist, und in einer haupt-
Drittens bedeutet das Fehlen einer systemati-
schlich durch groe Unternehmen und einen
schen Behandlung der Erziehung zu unternehme-
umfangreichen ffentlichen Sektor geprgten
rischem Denken und Handeln, dass die Lehrer
Wirtschaft eine Strategie fr die Erziehung zu
sich in ihrem Unterricht auf eine Vielzahl von
unternehmerischem Denken und Handeln ent-
Ressourcen zurckgreifen mssen, die hufig
wickelt.
von privaten Unternehmen und/oder Organi-
Was lsst sich angesichts dieser allgemeinen sationen ohne Erwerbszweck entwickelt und
Situation nun im Einzelnen zur gegenwrtigen bereitgestellt werden (s. u.). Das Spektrum der
Praxis in Europa feststellen? Erstens spielen Anstze, Methoden und Instrumente beinhaltet
Lehrkrfte in einem stark durch freiwilligen virtuelle Simulationen von Situationen aus dem
Einsatz geprgten System hufig insoweit Unternehmensalltag, konkrete praktische Erfah-
eine Schlsselrolle, als sie die ersten Schritte rungen im Unternehmensumfeld und Unterneh-
bei der Vermittlung unternehmerischer Kompe- menstage/Unternehmenswochen, in denen die
tenzen und bei der Gestaltung der gegenwrtigen Schler Ideen entwickeln, an Aktivitten teilneh-
Unterrichtspraxis unternehmen. Dies gilt selbst men (z. B. in den Bereichen Marktforschung und
fr Lnder, in denen die Erziehung zu unterneh- Gestaltung) oder Ideen in Produkt- oder Dienstleis-
merischem Denken und Handeln wohl im grten tungsentwrfe umsetzen. In all diesen Fllen bietet
Umfang angeboten wird und am besten entwi- die Erziehung zu unternehmerischem Denken und
ckelt ist (z. B. im Vereinigten Knigreich2 vor der Handeln alternative Methoden fr die allgemeine
von der Zentralregierung angestoenen neuen Unterrichtspraxis.
Entwicklung).
Viertens spielen private Verbnde und Or-
Zweitens ist die Erziehung zu unternehme- ganisationen eine wesentliche Rolle. Im
rischem Denken und Handeln in den Lehr- Folgenden sind die wichtigsten Organisationen
plnen eher nicht systematisch vorgesehen. mit internationalem Profil zusammengestellt:
Vielmehr werden entsprechende Manahmen
JA-YE: Das Netz Junior Achievement-Young
in der Regel als auerunterrichtliche Aktivitt
Enterprise (JA-YE) vermittelt jungen Menschen
angeboten, die im Schatten der allgemeinen
durch praktische Erfahrungen Einblicke in das
Schulbildung steht und von der Einsatzbereit-
Wirtschaftsleben; dazu werden Kindern, Ju-
schaft einzelner Lehrer und Schulen abhngt.
gendlichen und jungen Erwachsenen im Alter
Dies hat zu folgenden Entwicklungen gefhrt: (i)
von 6-25 Jahren in Partnerschaften mit rt-
Der Schwerpunkt wird bislang eher auf Themen
lichen Unternehmen und Schulen Bildungs-
gelegt, die unmittelbarer mit dem Funktionieren
manahmen zu unternehmerischen und wirt-
von Unternehmen zusammenhngen oder die
schaftsbezogenen Themen angeboten.
den Schlern eher eine allgemeine Vorstellung
von der Arbeitswelt vermitteln sollen; dagegen EUROPEN: Dieses bungsfirmen-Netz un-
werden grundlegendere unternehmerische Kom- tersttzt, koordiniert und entwickelt Dienst-
petenzen weniger bercksichtigt; (ii) vorwiegend leistungen zur Frderung und Verbesserung
werden Mglichkeiten zur Interaktion mit Unter- des Lernens in bzw. aufgrund von simulier-
nehmen geschaffen, statt Kompetenzen wie z. B. ten Unternehmensumgebungen. EUROPEN
2 Siehe z. B. Bennett, R. J., und McCoshan, A. (1993), Enterprise and Human Resource Development: Local Capacity Building.
21
mchte den Austausch von Informationen Handeln zu untersttzen, bestehen jedoch deutli-
frdern, den Mitgliedern innovative Bil- che Unterschiede zwischen den Lndern und sogar
dungsinstrumente an die Hand geben, das innerhalb einzelner Lnder; vielfach sind Schulen
Konzept der bungsfirmen untersttzen und und Lehrer auf glckliche Zuflle angewiesen,
die Mitglieder des Netzes auf unterschiedli- wenn sie sich um die Herstellung von Kontakten mit
chen staatlichen Ebenen sowie bei privaten lokalen Unternehmen bemhen. Hufig kommen
Einrichtungen vertreten. Verbindungen ber einzelne Eltern zustande. In
manchen Regionen hat sich jedoch eine gut struk-
JADE (Hochschulbereich): Diese Organisation
turierte und formal geregelte Zusammenarbeit
untersttzt die Entwicklung von Junior Enter-
zwischen Unternehmen und Schulen mit von den
prises in Europa, indem sie Projekte auf euro-
Schulen initiierten Partnerschaften zwischen Bil-
pischer Ebene durchfhrt und den Rahmen
dungseinrichtungen und Unternehmen entwickelt,
fr eine grenzbergreifende Zusammenarbeit
die teilweise unter Federfhrung der Kommunen
bei multinationalen Studien bereitstellt. Sie
und unter Beteiligung lokaler Interessenvertre-
richtet internationale Kongresse und Sitzun-
tungen der Wirtschaft (z. B. der Handelskammern)
gen aus, die den Austausch von Wissen und
zustande kommen. Fr die Unternehmen setzt die
Erfahrungen, interkulturelle Verstndigung
Beteiligung an derartigen Initiativen ein betrcht-
und die Verbreitung der europischen Idee
liches Engagement voraus, und hufig beruht die
frdern. Dem JADE-Netz gehren derzeit 20
entsprechende Motivation auf dem Bewusstsein
000 Mitglieder in elf EU-Mitgliedstaaten und
der sozialen Verantwortung der Unternehmen. In
150 Junior Enterprises an.
vielen Lndern wrden sich auch zahlreiche Klein-
Darber hinaus bestehen in verschiedenen Ln- betriebe einbringen; ihnen fehlt allerdings die Zeit
dern auf nationaler und regionaler Ebene zahlrei- fr ein langfristiges Engagement.
che Vereinigungen mit unterschiedlichen Rollen
Sechstens knnen regionale und lokale Be-
und Arbeitsmodellen. Diese Vereinigungen haben
hrden eine wichtige frdernde und vermit-
sich im Laufe der letzten 20 Jahre zu groen
telnde Funktion bernehmen, wenn auf natio-
und gut etablierten Organisationen entwickelt,
naler Ebene keine entsprechende Politik verfolgt
die Schulen und Lehrern unmittelbar nutzbare
wird. Sie knnen sich in Schulen fr die Erziehung
Programme anbieten. Diese Organisationen sind
zu unternehmerischem Denken und Handeln ein-
offenbar besonders hilfreich bei der Entwicklung
setzen und Kontakte zwischen Bildungseinrich-
der Erziehung zu unternehmerischem Denken
tungen und Unternehmen frdern (s. o.), wobei
und Handeln in Lndern, in denen keine oder nur
die Kommunen als Vermittler, Anlaufstellen fr
schwach ausgeprgte Verbindungen zwischen
Ressourcen usw. fungieren knnen.
Bildungseinrichtungen und der Wirtschaft beste-
hen (insbesondere in den ehemaligen sozialisti- Wenngleich den Behrden vielfach gesetzlich
schen Staaten). Allgemein ermglichen diese Or- festgelegte Aufgaben im Bildungsbereich zu-
ganisationen Bottom-up-Anstze, bei denen die gewiesen sind, ist dadurch nicht gewhrleis-
Praxis auf lokaler Ebene in gewisser Weise von tet, dass die Erziehung zu unternehmerischem
nicht kalkulierbaren politischen Vernderungen Denken und Handeln als Bestandteil in der lo-
auf nationaler Ebene abgekoppelt wird und somit kalen Politik verankert wird.3
grere Kontinuitt gegeben ist.
Innerhalb dieses Gesamtbildes ist festzustellen,
Fnftens knnen viele Programme und Simulati- dass sich die Erziehung zu unternehmeri-
onen zwar von Lehrern in Schulen durchgefhrt schem Denken und Handeln in den einzel-
werden; wirklichkeitsnahe, praktische Erfah- nen Stufen und Formen der Aus- und Wei-
rungen im lebendigen Unternehmensumfeld terbildung betrchtlich unterscheidet.
knnen den Schlern aber nur in Unterneh-
Am hufigsten bietet sich das beschriebene Bild
men vermittelt werden. Hinsichtlich des Anteils
im Primarbereich und im Sekundarbereich I.
der Unternehmen, die bereit und in der Lage sind,
In diesen Phasen wird die Erziehung zu unterneh-
die Erziehung zu unternehmerischem Denken und
merischem Denken und Handeln in der Regel als
3 Die Zustndigkeiten gestalten sich sehr unterschiedlich. In manchen Lndern besitzen die lokalen Behrden Zustndigkei-
ten fr die Gestaltung von Lehrplnen; in anderen Lndern bestehen nur minimale, eingeschrnkte Kompetenzen (z. B. fr
Schulgebude und fr das nicht mit Unterrichtsaufgaben befasste Personal).
22
auerunterrichtliche Aktivitt angeboten, die hu- ist aber durch erhebliche Aktivitt gekennzeich-
fig mit Besuchen in Unternehmen bzw. mit Besu- net: Teilweise werden ambitionierte Vorhaben
chen von Arbeitgebern in den Schulen einhergeht verfolgt. Das Bild ist im Wandel begriffen und
und unter dem Motto die Arbeitswelt verstehen lsst eine positive Entwicklung hin zu einer brei-
steht. Gezieltere Aktivitten oder Projekte unter ter gefcherten praktischen Ausgestaltung er-
Einbeziehung von Programmen fr Mini-Unterneh- kennen. Andererseits bedeuten die Unterschie-
men sind eher selten. Im Allgemeinen ist die Erzie- de in der praktischen Ausgestaltung und die
hung zu unternehmerischem Denken und Handeln Einrichtung als weitgehend freiwilliges Ange-
im Primarbereich am schwchsten ausgeprgt. bot, dass die Chancen der einzelnen Sch-
ler fr eine Teilhabe an der Erziehung zu
Im Sekundarbereich II wird die Erziehung zu
unternehmerischem Denken und Handeln
unternehmerischem Denken und Handeln eben-
weitgehend vom Zufall abhngen.
falls als auerunterrichtliche Aktivitt angeboten.
Die als Wahlfcher zu belegenden Kurse treten Die derzeitige beilufige und unsystematische
jedoch mehr in den Vordergrund, und in Fchern Praxis bedeutet, dass die Qualitt und die In-
wie Betriebswirtschaft oder Volkswirtschaft kann tensitt der Erziehung zu unternehmerischem
unternehmerische Initiative als wesentliche Kom- Denken und Handeln im Einzelfall davon abhn-
ponente bercksichtigt werden. Sehr beliebt sind gen, a) ob ein Lehrer oder der Leiter einer Schule
organisierte Angebote zum experimentellen Ler- zufllig bereit und in der Lage ist, Erziehung zu
nen in Verbindung mit realen Unternehmen oder unternehmerischem Denken und Handeln zu ver-
mit Mini-Unternehmen. mitteln, und/oder b) ob Lehrer auf lokale Unter-
nehmen zugehen knnen, die willens und in der
In der schulischen beruflichen Erstausbildung
Lage sind, Mglichkeiten fr entsprechende Ler-
(IVET)4 wird die Erziehung zu unternehmerischem
nangebote zu erffnen. Zwar ist es in den letzten
Denken und Handeln hufig ber die Fcher Be-
Jahren fr Schulen und Lehrer eindeutig leichter
triebswirtschaft und Volkswirtschat in den Lehr-
geworden, die bentigten Unterrichtsmaterialien
plan einbezogen.
zu beschaffen und sich an bewhrten Verfahren
Im Hochschulbereich ist die Frderung un- im Bereich der Erziehung zu unternehmerischem
ternehmerischer Initiative ein eigenes Fach im Denken zu orientieren, nach wie vor werden je-
Rahmen verschiedener Bachelor- und Master- doch entsprechende Manahmen unter Umstn-
studiengnge (z. B. Betriebswirtschaftslehre und den in verschiedener Weise be- oder verhindert.
Volkswirtschaftslehre); zunehmend wird dieses Die Verwaltungen werden die entsprechenden
Fach aber auch Bestandteil einiger Aufbaustudi- Hemmnisse ausrumen mssen.
engnge. Auch in einigen Hochschuleinrichtungen
Zudem haben weiter entwickelte Lnder offen-
bestehen spezifische Angebote zur Frderung des
bar die Erfahrung gemacht, dass die Erziehung
Unternehmergeistes, und in manchen Lndern
zu unternehmerischem Denken und Handeln
wurden in Hochschuleinrichtungen teilweise Zen-
zwar in einem Bottom-up-Ansatz entwi-
tren fr unternehmerische Initiative eingerichtet.
ckelt werden kann, dass jedoch nur die Regie-
Im Hochschulbereich besteht die Herausforde-
rungsstellen in der Lage sind, die erforder-
rung darin sicherzustellen, dass die Frderung
liche neue Gangart bei der Verbreitung und
unternehmerischer Kompetenzen in alle Studien-
der qualitativen Gestaltung entsprechender
gnge einbezogen wird.
Angebote und somit einen Paradigmenwech-
2.5 Notwendigkeit politischer Ma- sel in den Bildungssystemen herbeizufhren.
nahmen auf nationaler Ebene Im Vereinigten Knigreich beispielsweise erfolgte
nach 20 Jahren, in denen die Erziehung zu un-
Das oben beschriebene hchst uneinheitliche ternehmerischem Denken und Handeln weitge-
Bild hat zwei Seiten. Einerseits steht auer hend von der Basis (Bottom-up) gestaltet wur-
Zweifel, dass die Mitgliedstaaten keineswegs de,5 2003 eine massive Untersttzung durch den
bei Null anfangen. Das Gesamtbild beinhaltet Staat, die dazu fhrte, dass die Anzahl der Schu-
fruchtbare Ebenen ebenso wie de Wsten, len, die Manahmen im Bereich der Erziehung zu
4 In welchem Alter die schulische berufliche Erstausbildung (IVET) beginnt, ist in den einzelnen EU Mitgliedstaaten
unterschiedlich geregelt.
5 Siehe z. B. Bennett, R. J., und McCoshan, A. (1993), Enterprise and Human Resource Development: Local Capacity Building.
23
unternehmerischem Denken und Handeln anbie- Rahmen fr die Ausarbeitung detaillierterer Um-
ten, in fnf Jahren (d. h. bis 2008) von 10 auf 90 setzungsplne durch andere Interessenvertreter
% gesteigert werden konnte.6 wie z. B. regionale oder lokale Behrden oder
Schulen und Lehrer bieten. In diesen Fllen fun-
Politische Manahmen auf nationaler Ebene
gieren die einzelstaatlichen Regierungen als Stra-
knnen dazu beitragen,
tegiekoordinatoren fr eine Reihe weiterer Behr-
i) Hindernisse auszurumen, die einer weiteren den und Interessenvertreter, die die eigentliche
Verbreitung und Vertiefung der Erziehung zu Entwicklungs- und Umsetzungsarbeit leisten. Die
unternehmerischem Denken und Handeln schwedische Strategie ist ein bemerkenswertes
entgegenstehen, Beispiel fr diesen Ansatz.
(ii) einen strategischen Schwerpunkt zu setzen und In anderen Fllen hat die Politik der Mitgliedstaaten
eine strategische Ausrichtung zu erzielen, und im Bereich der Erziehung zu unternehmerischem
Denken und Handeln zur Entwicklung detaillierte-
(iii) grere Kohrenz und eine bessere Struktu-
rer strategischer Aktionsplne gefhrt. In Belgien
rierung zu bewirken.
etwa hat die Regierung 2006 den flmischen Akti-
Besonders wichtig sind die durch das Einschrei- onsplan Ondernemend Onderwijs zur Frderung
ten der Verwaltung zu erzielende grere Koh- der Erziehung zu unternehmerischem Denken und
renz und die bessere Strukturierung in den Mit- Handeln angenommen. Der flmische Plan bein-
gliedstaaten, in denen Aktivitten zunchst nur haltet spezifische Aktionen und einen Zeitplan fr
in verhltnismig geringem Umfang bestehen. den Zeitraum 2007 bis 2009 und sieht bestimmte
Zu klren bleibt allerdings die gegenwrtige Finanzmittel fr Manahmen wie etwa die Ent-
Haltung der EU-Mitgliedstaaten in Bezug auf wicklung von Projekten zur Herstellung von Ver-
die Entwicklung von Strategien. bindungen zwischen dem Bildungssektor und der
Wirtschaft sowie zur Grndung von Schlerfirmen
2.6 Aktuelle Situation in Bezug auf die (mock companies oder shadow companies) un-
Entwicklung nationaler Strategien ter Beteiligung von Jugendlichen in Schulen und
Kollegs vor.8 Entsprechende Finanzmittel werden
In den einzelnen Lndern wurden bislang sehr un-
den Schulen und/oder Vermittlerorganisationen
terschiedliche Fortschritte in der Entwicklung ein-
unmittelbar zugeleitet.
schlgiger Strategien erzielt. Etwa ein Drittel hat
ein spezifisches und eigenstndiges nationales Die nationalen Strategien haben unabhngig von
Strategiedokument fr die Erziehung zu unterneh- der jeweiligen Gestaltung jedoch oftmals gewis-
merischem Denken und Handeln vorgelegt.7 se Merkmale gemein. Im Allgemeinen lsst sich
bei nationalen Lehrplnen ein gemeinsamer
In einer Reihe von Lndern werden gegenwrtig
Trend hinsichtlich der Verlagerung vom Wis-
Strategien erarbeitet. Ein positives Beispiel ist
senserwerb hin zur Aneignung von Kompe-
diesbezglich in jngster Zeit Dnemark, wo vier
tenzen erkennen. Dadurch erffnen sich neue
Ministerien im Jahr 2009 eine nationale Stra-
Chancen fr die Einbeziehung unternehmeri-
tegie fr die Erziehung zu unternehmerischem
scher Initiative als Schlsselkompetenz in
Denken und Handeln entwickelt haben.
den Schulen. Insgesamt tendieren die Strategien
In einigen wenigen Fllen ist die Erziehung zu fr die Erziehung zu unternehmerischem Denken
unternehmerischem Denken und Handeln Be- und Handeln zu einem breit gefcherten Ansatz.
standteil nationaler Lehrplne (z. B. in Finnland)
In Norwegen geht es z. B. nicht nur darum, wie po-
bzw. existiert auf nationaler Ebene nicht, weil
tenzielle Unternehmer untersttzt werden knnen,
die Verwaltung in hohem Mae dezentral struk-
sondern auch darum, wie Menschen, die in einem
turiert ist (z. B. in Deutschland).
Beschftigungsverhltnis stehen, bei ihrer Be-
Vielfach knnen die Inhalte der spezifischen oder schftigung eine unternehmerische Haltung entwi-
eigenstndigen Strategien fr die Erziehung zu ckeln knnen oder sogar, wie Menschen insgesamt
unternehmerischem Denken und Handeln einen ein positives brgerschaftliches Verhalten zeigen
6 UK Government, Her Majestys Treasury (2008), Enterprise: Unlocking the UKs talent. [Link]
7 Siehe Bericht Towards Greater Cooperation and Coherence in Entrepreneurship Education, Europische Kommission, 2010.
8 Es sei angemerkt, dass fr den Plan insgesamt keine bestimmte Finanzierung vorgesehen ist.
24
und Innovationen in ihre jeweilige Gesellschaft ein- arbereichs II sowie die Anwendung von Instru-
bringen knnen. Bei einem derartigen Ansatz zielt menten und Methoden im Vordergrund.
die Erziehung zu unternehmerischem Denken und
Allerdings bestehen einige bemerkenswerte Un-
Handeln im Grunde auf die Entwicklung der indivi-
terschiede zwischen den verfolgten Strategien.
duellen Qualitten und Haltungen von Einzelperso-
Ein wichtiger Aspekt ist der Umfang, in dem
nen ab. (Mit diesem Ansatz knnen beispielsweise
Einzelziele und Indikatoren zur Messung der
die Kompetenz zur Entwicklung von Initiative so-
Umsetzungserfolge entwickelt werden. Die
wie Innovationskraft, Kreativitt, Risikobereitschaft
durch einen umfassenden Aktionsrahmen gekenn-
und erhhtes Selbstvertrauen untersttzt werden.)
zeichnete schwedische Strategie beispielsweise
In Schweden wird in der nationalen Strategie ein
sieht keine spezifischen Einzelziele und Indikato-
hnlich umfassendes Verstndnis des Begriffs
ren vor. Die belgische Region Flandern hingegen
Unternehmergeist zugrunde gelegt. Nach dieser
hat Ergebnisse und Auswirkungen bewertet.
Strategie ist unternehmerische Initiative ein dyna-
mischer und sozialer Prozess, in dem Einzelperso- Der Flanders District of Creativity hat die Fol-
nen privat oder in Zusammenarbeit mit anderen genabschtzungsstudie EFFECTO in die Wege
Potenziale erkennen und nutzen, um Vorstellungen geleitet; diese Studie konzentriert sich auf Ju-
in praktische und zielorientierte Manahmen im gendliche in lokalen Schulen des Sekundarbe-
sozialen, kulturellen oder wirtschaftlichen Bereich reichs, die Angebote im Bereich der Erziehung
umzusetzen. Allerdings wird auch eine Erhhung zu unternehmerischem Denken und Handeln
der Anzahl von Unternehmensgrndungen aus- wahrgenommen haben.
drcklich als Programmziel genannt. 03-Loep: Entrepreneurial Spirit Magnifying
Nationale Strategien nehmen verstrkt ausdrck- Glass ist ein Screening-Instrument, mit dem
lich Bezug auf die Bedeutung der Einbeziehung gemessen werden kann, in welchem Umfang
von Manahmen der Erziehung zu unternehmeri- Bildungsprojekte zur Entwicklung unterneh-
schem Denken und Handeln in nationale Qualifika- merischer Initiative beitragen knnen.
tionsrahmen. Darber hinaus messen Strategien ENTRE-Mirror ist ein Tool, mit dem Teilnehmer
von Lndern wie z. B. den Niederlanden, Norwe- entsprechender Angebote selbst bewerten
gen, Portugal und Schweden der Entwicklung von knnen, welche Fortschritte sie im Hinblick
Programmen zur Ausbildung von Lehrern sowie auf den Erwerb unternehmerischer Kompe-
Bewertungen und Zertifizierungen im Zusammen- tenzen erzielt haben.10
hang mit der Einbeziehung der Strategien in natio-
Unterschiede bestehen auch hinsichtlich des
nale Qualifikationsrahmen und der Rolle mageb-
Umfangs, in dem Standards vorgegeben wer-
licher Interessenvertreter auf unterschiedlichen
den, mit denen gemessen werden kann, welche
rumlichen Umsetzungsebenen groes Gewicht
Erfolge die Lernenden bei Lehrplanfchern zur
bei. In sterreich beispielsweise wird zurzeit eine
Frderung unternehmerischer Initiative erzielen.
nationale Strategie zur Ausbildung von Lehrkrf-
ten vorbereitet, die Folgendes beinhaltet Trotz der ausgeprgten Differenzierung einiger na-
Programme fr die Erstausbildung von Lehr- tionaler Strategien bietet sich hinsichtlich der
krften vier Hochschulen haben sich auf die erforderlichen Umsetzungsschritte eher ein
Bereiche unternehmerische Initiative und Mana- lckenhaftes Bild. Dies besttigt die Bedeutung
gement spezialisiert (Graz, Wien, Innsbruck, Linz); des initiierten Prozesses sowie der wesentlichen
Rolle, die die Europische Kommission als Kata-
berufsbegleitende Programme fr Lehrkrf- lysator der ntigen Entwicklungen spielen kann.
te regelmige Symposien, Workshops und Zudem besteht in den Mitgliedstaaten die ausge-
Seminare zur Fortbildung von Lehrern;9 prgte Notwendigkeit weiterer Manahmen zur
berufsbegleitende Fortbildungs- und Lernpro- Einbeziehung und weiter gehenden Umsetzung
gramme Kitzbheler Sommerhochschule fr der Erziehung zu unternehmerischem Denken und
Entrepreneurship; bei diesem Angebot stehen Handeln in den jeweiligen nationalen Kontext.
praktische bungen fr Schler des Sekund-
9 [Link]
10 [Link]
on%20Enterprise%[Link].
25
Entwicklung einer gemeinsamen Vision al- Bestandteil auch eine gute Erziehung zu unter-
ler wichtigen Interessenvertreter auf nati- nehmerischem Denken und Handeln erhlt, hngt
onaler Ebene in Bezug auf Lernergebnisse, von der jeweiligen Region ab. In einigen Regionen
Zielsetzungen, Einzelziele und Indikatoren erfolgt eine ausgezeichnete Erziehung zu unter-
unter Einsatz besserer Mechanismen fr nehmerischem Denken und Handeln; in anderen
die ressortbergreifende Zusammenarbeit Regionen wird unternehmerische Initiative kaum
und die Einbeziehung der Sozialpartner; oder berhaupt nicht unterrichtet. Entwicklungen
bernahme einer Schlsselrolle bei der sind durchgngig im Gesamtsystem fr unter-
Entwicklung systematischerer und nach- nehmerisches Denken und Handeln zu leisten, um
haltigerer Anstze durch Lehrer, Schulen ausgehend von der gegenwrtigen Situation zu
und Unternehmen auf lokaler Ebene, mit systematischeren Anstzen zu gelangen und letzt-
Untersttzung privater Vereinigungen und lich smtliche Mitgliedstaaten vollstndig abzude-
Verbnde sowie lokaler, regionaler und na- cken (d. h. dafr zu sorgen, dass die Erziehung zu
tionaler einschlgiger Dienste, die unter an- unternehmerischem Denken und Handeln auf alle
derem Weiterbildungsangebote fr die Leh- Schulen und alle Schler ausgedehnt wird).
rer, geeignete Lehrmittel und Instrumente, Das Modell trgt diesen Erfordernissen Rechnung,
Mechanismen fr den Austausch bewhrter indem es effiziente Anstze ermittelt, mit denen
Verfahren sowie Cluster und Partnerschaf- die Entwicklung der verschiedenen Elemente eines
ten umfassen. Gesamtsystems der Erziehung zu unternehme-
rischem Denken und Handeln ermglicht werden
3.1 Das Entwicklungsstufenmodell: knnte. Dazu mussten wir uns die Gesamtstruk-
Gegenstand und Grundgedanke tur und die Inhalte der gegenwrtigen Strategie-
anstze vor Augen fhren. Eines der wichtigsten
Im vorstehenden Abschnitt haben wir die gegen-
Merkmale der gegenwrtigen Strategien besteht
wrtige Situation im Hinblick auf die Erziehung
im Bestreben, weniger konkrete Manahmen
zu unternehmerischem Denken und Handeln
vorzuschreiben als vielmehr allgemein gehaltene
in Europa beleuchtet. Dabei wurde die groe
Rahmenbedingungen fr mgliche Manahmen
Vielfalt in Bezug auf Umfang und Zielrichtung
bereitzustellen. In der Regel werden die Hand-
der Manahmen deutlich: In Lndern, Regio-
lungsparameter durch die Strategien bestimmt.
nen, Kommunen und sogar innerhalb einzelner
Sie betonen die Bedeutung der Erziehung zu un-
Kommunen sind unterschiedliche Entwicklungs-
ternehmerischem Denken und Handeln und die
stufen zu konstatieren. Vor diesem Hintergrund
Notwendigkeit der Einbeziehung entsprechender
konnte ein Entwicklungsstufenmodell entwickelt
Manahmen in den Lehrplan und der Behandlung
werden. Dieses Modell soll
entsprechender Inhalte als eigenstndiges Unter-
a) einen konzeptionellen Gesamtrahmen bie- richtsfach (je nach Bildungsstufe); als weitere Er-
ten, in dem Handlungsschwerpunkte gesetzt fordernis wird ein umfassenderer und fundierterer
werden knnen, und Unterricht betrachtet. Wie dies im Einzelnen er-
b) die Eckpunkte bestimmen, mit denen die folgt, bleibt weitgehend den Schulen und Lehrern
Interessenvertreter die weitere Entwick- sowie mglicherweise regionalen und kommu-
lung in diesem Bereich gestalten knnen. nalen Behrden berlassen; entsprechend wichtig
sind spezifische Zielsetzungen fr alle beteiligten
Insgesamt wird mit den aktuellen Entwicklungen
Interessenvertreter sowie die Einbeziehung dieser
in Europa die Erzielung einer erheblich greren
Interessenvertreter. Im Wesentlichen geben die
Kohrenz, einer deutlich besseren Strukturierung
gegenwrtigen Strategien den Rahmen und die
und eines systematischeren Ansatzes in Bezug
Richtung vor; sie regen zu geeigneten Manahmen
auf die Erziehung zu unternehmerischem Denken
an und frdern und untersttzen die Umsetzung
und Handeln angestrebt. Die gegenwrtige Situa-
eines Entwicklungsprozesses, der sich unverndert
tion der Erziehung zu unternehmerischem Denken
weitgehend als Bottom-up-Ansatz mit berge-
und Handeln ist vor allen Dingen durch groe Un-
ordneten gemeinsamen Zielen gestaltet.
einheitlichkeit gekennzeichnet; ob jemand im Rah-
men seiner allgemeinen Bildung als wesentlichen
(b)
Vorbereitende Strategie (auf der Strategieumsetzung und konsolidierung
Phase Einleitende Strategieentwicklung Integration (Mainstreaming)
Grundlage individueller Initiative) sowie Entwicklung von Verfahren
Vorlufiger
Ausgangssituation 0-2 Jahre ca. 2-5 Jahre ca. > 5 Jahre
Zeitrahmen
Keine formale Strategie; Bercksichti- Entwicklung und Verbreitung der Strategie Spezifizierung von Lernergebnissen, Ziel- Laufende berwachung und regel-
gung der Erziehung zu unternehmeri- unter Bestimmung und Vereinbarung von setzungen, Indikatoren und Einzelzielen; mige Bewertung der Erziehung
schem Denken und Handeln allenfalls Zielen fr die Erziehung zu unternehmeri- Entwicklung von Methoden zur Bewer- zu unternehmerischem Denken und
in getrennten Strategiepapieren; schem Denken und Handeln sowie fr die tung von Lernergebnissen; Entwicklung Handeln in Bezug auf die Qualitt der
allenfalls geringfgige ressortber- Kompetenzen, Rollen und Zustndigkeiten geeigneter Qualifikationen; Angebote und die Lernergebnisse;
greifende Zusammenarbeit; wichtiger Akteure; Mechanismen zur regulren Zusam- Einfhrung von Untersttzungs-
keine oder nur ansatzweise vorhan- Mechanismen fr die Zusammenarbeit menarbeit werden auf unterschiedlichen mechanismen als Bestandteil der
dene Plattformen fr einen Dialog mit zwischen Schlsselministerien; Systemebenen eingefhrt; dabei werden tglichen Weiterentwicklung von
mageblichen Sozialpartnern. Einrichtung von Plattformen zur umfassende- die jeweiligen Rollen und Zustndigkeiten Lehrkrften und Schulen; Erziehung
ren Einbeziehung von Interessenvertretern; der verschiedenen Akteure eindeutig zu unternehmerischem Denken und
Nationale (a) Beschreibung einer Vision (und angestrebter definiert und angenommen; Handeln als vollstndig integrierter
Ergebnisse), unter Umstnden unter Abstim- Erschlieung von Finanzierungsquellen: Bestandteil der Erstausbildung smtli-
Strategie, Rahmen-
mung konkurrierender Konzepte innerhalb der Aufteilung vorgesehener Ressourcen; cher Lehrkrfte;
bedingungen Verwaltungen sowie zwischen ffentlichem Einfhrung von Untersttzungsmecha- kontinuierliche Anwendung und
und privatem Sektor usw.; nismen; Bereitstellung von Ressourcen- Verbesserung wirksamer Unterrichts-
Abbildung und Analyse von Angeboten im banken verfgbarer Lehrmaterialien, methoden;
Bereich der Erziehung zu unternehmerischem Verbreitung und umfassende Anwendung Einrichtung tragfhiger Finanzierungs-
Denken und Handeln; Bestimmung beispiel- der ermittelten effizienten Unterrichts- mechanismen.
hafter bewhrter Verfahren; methoden;
Erfassung wirksamer Unterrichtsmethoden Entwicklung einer Forschungsbasis.
und Lehrmaterialien;
Durchfhrung von Aufklrungskampagnen,
um das Interesse der Wirtschaft zu wecken;
Sensibilisierung von Lehrkrften.
Die Erziehung zu unternehmerischem Beschreibung der Rolle der Schulen in der Die Erziehung zu unternehmerischem Angebot einer hochwertigen Erzie-
Denken und Handeln ist sehr unter- Strategie Anerkennung einer zentralen Denken und Handeln erfolgt in allen hung zu unternehmerischem Denken
()
Vorbereitende Strategie (auf der Strategieumsetzung und konsolidierung
Phase Einleitende Strategieentwicklung Integration (Mainstreaming)
Grundlage individueller Initiative) sowie Entwicklung von Verfahren
Starke Abhngigkeit vom Einsatz Beschreibung der Rolle der Lehrer in der Die Lehrer machen verstrkt von auf Alle Lehrkrfte nehmen im Rahmen
ebenen ab.
einzelner Lehrer; die Erziehung zu Strategie Anerkennung einer zentralen nationaler/regionaler und lokaler Ebene ihrer Erstausbildung oder regelm-
unterneh-merischem Denken und Rolle; angebotenen Untersttzungs-mecha- iger Fortbildungen an Manahmen
Handeln erfolgt hufig auerhalb Bestimmung beispielhafter bewhrter Ver- nismen (z. B. Weiterbildungen oder zur Ausbildung im Bereich der
der Kern-Unterrichtszeit als auer- fahren fr die Weiterbildung von Lehrern Austauschplattformen) Gebrauch; Erziehung zu unternehmerischem
unterrichtliche Aktivitt; und Lehrmaterialien. Nutzung von Pilotprojekten zur Denken und Handeln teil;
die Ausbildung der Lehrkrfte erfolgt Verbreitung bewhrter Verfahren und alle Lehrer beteiligen sich an der
Lehrkrfte nur in sehr begrenztem Umfang; zur Erhhung der Anzahl der Lehrer, die Erziehung zu unternehmerischem
Fortbildungen sind allenfalls in sich fr die Erziehung zu unternehmeri- Denken und Handeln als integralem
geringem Umfang vorgesehen. schem Denken und Handeln einsetzen; Bestandteil des Lehrplans.
Angebot von Manahmen zur Ver-
mittlung von unterneh-merischen
Kompetenzen im Rahmen der Erstaus-
bildung bzw. der Weiterbildung fr alle
Lehrkrfte.
Uneinheitliche Beteiligung: einige Bercksichtigung der (potenziellen) Rolle Die lokalen Behrden spielen eine Uneingeschrnkte Beteiligung
Behrden sind am Aufbau lokaler lokaler Behrden beim Prozess der Strate- zunehmend wichtige Rolle beim Aufbau lokaler Behrden an der Organisati-
Partnerschaften beteiligt; andere gieentwicklung; von Schul-Clustern und bei der Herstel- on von Manahmen im Bereich der
sind in keiner Weise einbezogen. Entwicklung beispielhafter bewhrter Ver- lung von Verbindungen zwischen dem Erziehung zu unternehmerischem
Regionale und fahren fr Schul-Cluster und fr Partner- Bildungssektor und der Wirtschaft. Denken und Handeln;
lokale Behrden (b) schaften zwischen dem Bildungssektor und mgliche Festlegung gesetzlicher
der Wirtschaft auf lokaler Ebene. Anforderungen fr die Organisation
von Partnerschaften unter Berck-
sichtung der rumlichen Nhe von
Kommunen.
Unternehmen werden nur unregel- Bercksichtigung der Schlsselrolle von Auslotung des Potenzials zur Strkung Uneingeschrnkte Beteiligung von
mig, in unstrukturierter Form und Unternehmen und privaten Verbnden in der Rolle der Unternehmen und Unternehmen an der Erziehung zu
hufig nur aufgrund der Initiative der Strategie; privaten Verbnde in der Erziehung unternehmerischem Denken und
einzelner Eltern einbezogen; (zunehmende) Einbeziehung von Unterneh- zu unternehmerischem Denken und Handeln in allen Schulen/Hoch-
Unternehmen, von privaten Organisationen entwi- men ber Organisationen der Sozialpartner Handeln: Erweiterung und Vertiefung schulen;
ckelte Programme (z. B. durch das in die Gestaltung geeigneter Manahmen dieser Rolle; Untersttzung der Erziehung zu
private Verbnde
Netz JA YE) werden offenbar eher und in die Erziehung zu unternehmeri- systematischere Einbindung von unternehmerischem Denken und
und Organisa- ad hoc und von einzelnen Schulen schem Denken und Handeln in den Schulen. Unternehmen auf lokaler Ebene Ent- Handeln durch Unternehmen auf
tionen genutzt, sie spielen aber eine we- wicklung weg von Ad-hoc-Anstzen hin allen Ebenen zunehmend ber
sentliche Rolle bei der Vermittlung zur Einrichtung von Mechanismen zur strukturierte Anstze (z. B. durch
von Angeboten zum experimentellen Vermittlung und Einrichtung langfris- Partnerschaften zwischen Bildungs-
und praxisbezogenen Lernen. tiger, nachhaltiger Beziehungen mit einrichtungen und der Wirtschaft
Schulen. oder durch organisierte Vermittlung).
Die Rolle der regionalen und der lokalen Behrden hngt von der Verteilung der Zustndigkeiten auf den verschiedenen Verwaltungs-
29
3.2 Struktur und Inhalte des Modells gangspunkt und etwaige gnstige Rahmenbe-
dingungen sein, unter denen die vorgesehenen
Im Gesamtsystem fr die Erziehung zu unter- Entwicklungen umgesetzt werden knnen. Ent-
nehmerischem Denken und Handeln sind Wei- scheidend ist beispielsweise, in welchem Umfang
terentwicklungen in allen Bereichen erforderlich. die bentigten Freirume im Lehrplan geschaffen
Angesichts dessen wurden im Modell Schlssel- werden knnen, oder ob bereits andere Reform-
komponenten des Systems bestimmt, bei denen programme umgesetzt werden, die mglicher-
Handlungsbedarf besteht: nationale Strategien weise die Aufmerksamkeit binden, die andern-
und Rahmenbedingungen, Lehrkrfte, Schulen falls auf die Erziehung zu unternehmerischem
sowie Unternehmen, private Verbnde und Orga- Denken und Handeln verwendet werden knnte,
nisationen. In Tabelle 3.1 sind die Entwicklungs- oder umgekehrt entsprechende Anregungen ver-
schritte zusammengestellt, die das Modell fr mitteln. Im Folgenden werden die betreffenden
die verschiedenen Elemente vorsieht. In diesem Herausforderungen eingehender errtert.
Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass das
Modell zwar als allgemeines Modell angelegt ist; Auch innerhalb der Palette der verschiedenen Ele-
um die Anwendbarkeit auf die sehr unterschied- mente des Gesamtsystems fr die Erziehung zu
lichen Rahmenbedingungen in Europa sicherzu- unternehmerischem Denken und Handeln drften
stellen, wird in diesem Modell jedoch anerkannt, in den einzelnen Mitgliedstaaten kaum einheitli-
dass immer mehrere Wege zum gewnschten Ziel che Fortschritte mglich sein. In manchen Berei-
fhren. Je nach den individuellen Gegebenheiten chen werden Fortschritte leichter zu erzielen sein
werden unterschiedliche Mechanismen bentigt. als in anderen. Angesichts der Erfahrung der wei-
Nach der Vorstellung des Modells in diesem Kapi- ter fortgeschrittenen Mitgliedstaaten sind wir je-
tel wird im folgenden Kapitel eine Reihe konkreter doch der Ansicht, dass die Zeitplne einen guten
bewhrter Verfahren beschrieben, um Interessen- Anhaltspunkt dafr bieten, in welchem Umfang
vertretern die Anpassung dieses Modells an ihre Manahmen unter gnstigen Umstnden umge-
jeweiligen Bedrfnisse zu ermglichen. setzt werden knnen.11
Das Modell umfasst verschiedene Stufen: i) vor- Im Hinblick auf die letzte Phase des Modells ist
bereitende Strategie; ii) einleitende Strategieen- zu betonen, dass kein Zeitpunkt fr einen Ab-
twicklung; iii) Strategieumsetzung und konso- schluss genannt werden kann, weil dieses Mo-
lierung sowie Entwicklung von Verfahren und iv) dell eben unter anderem auch die Grundlage fr
Integration (Mainstreaming). Die Ausgangssi- eine nachhaltige Entwicklung bieten soll, d. h. fr
tuation wurde als Status quo definiert, der ohne Manahmen, die bestndig weiterentwickelt und
ein Einschreiten der Verwaltungen zur Lenkung, verbessert werden knnen. Das Modell msste
federfhrenden Begleitung und Strukturierung sich an neue Entwicklungen im wirtschaftlichen
von Entwicklungen bestehen wrde. und im sozialen Bereich anpassen knnen.
Fr jede Stufe geben wir im Folgenden poten- 3.3 Das Modell im berblick
zielle Zeitrahmen an. Allerdings ist zu betonen,
dass diese Zeitrahmen als vorlufige Angaben Insgesamt kann das Modell wie folgt beschrie-
zu verstehen sind. Whrend dieser Bericht ver- ben werden:
fasst wurde, bestanden in den Mitgliedstaaten 3.3.1 Gesamtziele
naturgem sehr unterschiedliche Situationen: Das Gesamtziel besteht darin, ein System auf-
In einigen Mitgliedstaaten war die beschriebene zubauen, mit dem schlielich allen Schlern
Ausgangssituation gegeben, andere durchliefen in allen Stufen des Bildungsprozesses eine
die ersten Stufen einer Strategieentwicklung. hochwertige Erziehung zu unternehmeri-
Auch die je nach Ausgangssituation zu erzielen- schem Denken und Handeln vermittelt wer-
den Fortschritte drften sich eher unterschiedlich den kann. In diesem Zusammenhang strebt
gestalten. Die Mitgliedstaaten knnen das Tempo das Modell Vernderungen sowohl auf der
der weiteren Entwicklung beliebig bestimmen; konzeptionellen Ebene als auch in der Praxis
mageblich hierfr werden der jeweilige Aus- der Erziehung zu unternehmerischem Denken
11 Aufgrund der Erfahrung in Schweden ist in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass die Vereinbarung einer
nationalen Strategie 15 bis 18 Monate dauern kann und zudem Zeit fr die Umsetzung der Strategie bentigt wird.
30
und Handeln an. Auf der konzeptionellen Ebe- Strategien und der betreffenden Untersttzungs-
ne sieht das Modell eine Verlagerung von der mechanismen vor. Besonders wichtig werden
Tendenz der Gleichsetzung von Erziehung zu in diesem Zusammenhang die Entwicklung von
unternehmerischem Denken mit der Vermitt- Zielsetzungen, Einzelzielen und Indikatoren sowie
lung von Informationen ber die praktische die Spezifizierung von Lernergebnissen sein. Die
Fhrung eines Unternehmens hin zu einer Beschreibung einer gemeinsamen Vision sowie
umfassenderen Definition vor, gem der die begleitender Zielsetzungen ist von wesentlicher
Menschen in allen Bereichen ihres Lebens zu Bedeutung dafr, dass innerhalb der einzelnen
unternehmerischem Denken und Handeln be- Mitgliedstaaten eine gemeinsame Zielrichtung
wegt werden sollen. Mit diesem Konzept wird an- verfolgt und sichergestellt wird, dass die vielfl-
erkannt, dass die Erziehung zu unternehmerischem tigen knftigen Manahmen auf lokaler Ebene
Denken und Handeln Lehr- und Lernprozesse in auf ein einheitliches Ziel und einen einheitlichen
vielfltiger Weise verndern, die Selbstndigkeit Zweck ausgerichtet sind. In diesem Zusammen-
der Schler durch die Befhigung zu eigenstndi- hang tragen die Beschreibung und die Bewertung
gem Lernen strken, hierarchische Beziehungen in von Lernergebnissen entscheidend dazu bei, dass
Schulen reduzieren und Bildungseinrichtungen fr die Schler die erforderlichen unternehmerischen
Einflsse aus der Wirtschaft ffnen kann. Kompetenzen insbesondere in den frheren Bil-
dungsstufen erwerben, in denen die Erziehung
Dieses Konzept steht in engem Zusammenhang
zu unternehmerischem Denken und Handeln als
mit einem Wandel auch im praktischen Bereich,
fcherbergreifende Manahme nicht nur theo-
der ebenfalls ein zentrales Anliegen dieses Mo-
retisches Lernen, sondern vor allem auch experi-
dells ist. Fr die Praxis sieht das Modell eine n-
mentelles Lernen anhand von Projekten, Fallstu-
derung dahingehend vor, dass Erziehung zu
dien usw. beinhaltet, die den Schlern das Gefhl
unternehmerischem Denken und Handeln
vermitteln, tatschlich etwas erreicht und reali-
nicht mehr als zustzliche Ergnzung
ttsnahe Situationen kennengelernt zu haben.
des Lehrplans betrachtet wird, die meist erst
Bewertungen sind in diesem Zusammenhang
in den spteren Phasen der Pflichtschulzeit an-
auch wichtig, um den bergang zur Erziehung zu
geboten wird, sondern sich als wesentlicher
unternehmerischem Denken und Handeln als ei-
Bestandteil des Lehrplans in allen Bildungs-
genstndigem Fach in den spteren Bildungsstu-
stufen entwickelt. Bei einem derartigen Sze-
fen (z. B. im Sekundarbereich II) zu befrdern. We-
nario soll die Erziehung zu unternehmerischem
sentliche Voraussetzung fr diese Entwicklungen
Denken und Handeln bereits in den ersten Jahren
wird eine weitere Verbesserung von Verfahren
des Bildungsprozesses vom Primarbereich bis
zur ressortbergreifenden Zusammenarbeit und
in den Sekundarbereich I Schlern die Grund-
zur Einbeziehung der Sozialpartner mit dem Ziel
lagen dafr vermitteln, dass sie das Fach Unter-
sein, gut strukturierte und organisierte Plattfor-
nehmerisches Denken und Handeln spter (z. B.
men fr die Umsetzung und die Weiterentwick-
ab dem Sekundarbereich II) als eigenstndiges
lung entsprechender Strategien bereitzustellen.
Fach belegen knnen.
Diese Mechanismen tragen gemeinsam ma-
3.3.2 Die entscheidenden Phasen geblich dazu bei, Entwicklungen an der Basis
Wie diese Ziele erreicht werden knnen, wird anzustoen und zu frdern.
anhand der einzelnen fr die verschiedenen
Im Hinblick auf die Praxis und die Vermittlung sol-
Elemente des Modells vorgesehenen Phasen
len gem dem Modell Schulen, Lehrer und Un-
oder Etappen aufgezeigt. In diesem Zusam-
ternehmen auf lokaler Ebene, untersttzt durch
menhang ist es mglicherweise hilfreich, zwi-
private Verbnde und Organisationen, entschei-
schen der Manahmen-/Strategieebene einer-
dend zur Entwicklung systematischerer Anstze
seits und der Ebene der Vermittlung und der
fr die Erziehung zu unternehmerischem Denken
Praxis andererseits zu unterscheiden.
und Handeln beitragen. Sie sollen die lokalen und
Auf der Manahmen-/Strategieebene12 sieht regionalen Strukturen entwickeln und langfristige
das Modell die Weiterentwicklung nationaler Beziehungen aufbauen, die als Grundlage fr die
12 Gemeint ist die Ebene der rechtlichen Zustndigkeit; in der Regel ist dies die nationale Ebene; in Lndern mit stark dezen-
tralen Verwaltungssystemen (z. B. Spanien oder Deutschland) knnen dies aber auch regionale Behrden sein.
31
weitere Entwicklung des Gesamtsystems fr die Daher sollen im Folgenden in verschiedenen Be-
Erziehung zu unternehmerischem Denken und reichen Herausforderungen auf der Ebene nati-
Handeln dienen; auerdem werden diese Akteure onaler Strategien beschrieben werden.
mageschneiderte Lsungen fr die jeweiligen
3.4.1 Finanzierung
lokalen Gegebenheiten erarbeiten. Dabei werden
Die Finanzierung von Manahmen im Bereich
sie eine breite Palette von Werkzeugen benti-
der Erziehung zu unternehmerischem Denken
gen, die auf nationaler und regionaler Ebene ent-
und Handeln ist bislang tendenziell immer eher
wickelt wurden. Dazu zhlen die Entwicklung von
auerhalb der allgemeinen Finanzierung des
Bildungsangeboten fr die Lehrer, Wissensban-
Bildungssystems durch die Untersttzung priva-
ken mit Lehrmitteln und Werkzeugen sowie Me-
ter Organisationen wie z. B. des Netzes Junior
chanismen zur Verbreitung bewhrter Verfahren.
Achievement oder durch die Finanzierung zeitlich
Auf diese Weise wird die Entwicklung ber die ge-
befristeter Projekte erfolgt. Diese Finanzierungs-
samte Bandbreite des Gesamtsystems (auf nati-
quellen sind jedoch eher instabil. Das skizzierte
onaler, regionaler und lokaler Ebene) untersttzt.
Entwicklungsstufenmodell beinhaltet eine erheb-
3.4 Auswirkungen des Modells: liche Ausweitung der Manahmen. In Diskussio-
Herausforderungen und Chancen nen ber die Erziehung zu unternehmerischem
der knftigen Entwicklung Denken und Handeln wird zwar hufig die Not-
wendigkeit einer Einbeziehung in den Lehrplan
Die Umsetzung einer nationalen Strategie im betont, jedoch haben die Reflexionsgremien auch
Bereich der Erziehung zu unternehmerischem Belege fr die Bedeutung einschlgiger auer-
Denken und Handeln geht naturgem mit ver- unterrichtlicher Manahmen vorgelegt. Entspre-
schiedenen potenziellen Herausforderungen und chend knnte sich in diesem Bereich ein umfang-
Chancen einher. Die wichtigsten voraussichtli- reicherer und konkreterer Finanzierungsbedarf
chen Herausforderungen und Chancen sollen in ergeben. Finanzierungsquellen werden daher ein
diesem Abschnitt errtert werden. wichtiges Thema fr weitere Schritte der Verwal-
Wie bereits angemerkt ist die Erziehung zu unter- tungen sein: Stabilere und langfristiger orientier-
nehmerischem Denken und Handeln insgesamt te Finanzierungsstrme werden erforderlich sein,
nicht nur mit einer Reihe komplexer Herausforde- damit in allen Schulen im geforderten Umfang
rungen verbunden; hinzu kommt, dass in jedem Manahmen im Bereich der Erziehung zu unter-
Land jeweils eigene nationale Bedingungen zu nehmerischem Denken und Handeln angeboten
bercksichtigen sind. Aus Sicht der Unternehmen werden knnen. Eine entscheidende Bedingung
beispielsweise bestehen betrchtliche Unterschie- fr die knftige Entwicklung wird die strkere
de in Bezug auf Faktoren wie etwa den Anteil der Profilierung auf nationaler politischer Ebene sein.
Firmengrndungen, die Einstellung gegenber Auch die lokalen und regionalen Behrden kn-
dem Schritt in die Selbststndigkeit und die Anfor- nen bestimmte Funktionen bernehmen etwa
derungen bei der Grndung eines Unternehmens. durch die Beteiligung an der Koordinierung von
Auch im Hinblick auf die Erziehung zu unterneh- Finanzierungsmodellen, durch die Zusammenar-
merischem Denken und Handeln knnen sich beit mit dem privaten Sektor und/oder durch den
komplexe Fragestellungen ergeben; diese Fragen Abruf von EU-Mitteln (z. B. aus dem Europischen
stehen mit der ffentlichen Einstellung gegenber Sozialfonds (ESF) oder im Rahmen von Program-
unternehmerischem Verhalten sowie mit dem men im Bereich des lebenslangen Lernens).
Stellenwert unternehmerischer Initiative inner- 3.4.2 Entwicklung von Zielsetzungen,
halb der nationalen Bildungsprioritten und der Indikatoren und Einzelzielen
Bildungshierarchie in Zusammenhang. Hinsichtlich Eine weitere Herausforderung auf nationaler Ebe-
der Einbeziehung der Erziehung zu unternehme- ne wird die Entwicklung von Zielsetzungen,
rischem Denken und Handeln in die Schulbildung Indikatoren und Einzelzielen sowie von geeig-
kann es allgemein geboten sein, diesbezglich neten Instrumenten zur adquaten Messung und
auch bei den Eltern der Schler zu werben, um Bewertung von Fortschritten bei der Umsetzung
eine positivere Einstellung herbeizufhren. der entsprechenden Manahmen sein. Fr ein der-
32
3.4.6 bergang von der Schule zum Bereitschaft von Unternehmen auf lokaler Ebene
Unternehmen zur Bereitstellung entsprechender Angebote fr
Eng mit diesem Aspekt verwandt und bisher nur die Schler. Die Systematisierung der Erziehung
wenig beachtet ist der bergang von Schule in zu unternehmerischem Denken und Handeln geht
das Berufsleben bzw. in diesem Kontext der mit erhhten Anforderungen an die Unternehmen
bergang von der Schule zum Unternehmen. einher; diese Anforderungen knnen insbesonde-
In ganz Europa werden verschiedene Verfahren re bei ungnstiger Wirtschaftslage durchaus eine
zur Frderung von Unternehmensgrndungen ge- Herausforderung darstellen. In diesem Zusam-
nutzt, und es bestehen unterschiedliche Mglich- menhang sind systematischere Anstze fr die
keiten zur Knpfung von Beziehungen zwischen Gewinnung lokaler Unternehmen fr eine Mit-
neu gegrndeten Unternehmen und Schulen, arbeit wichtig, um zum einen die Anforderungen
Kollegs und Anbietern von Bildungsmanahmen, auf mglichst viele Schultern zu verteilen und um
um den Weg zur Grndung eines eigenen Unter- zum anderen ebenso wie bei den Lehrkrften
nehmens klarer zu beschreiben, wenn die Schler sicherzustellen, dass Bereitschaft und Engage-
ihre allgemeine oder berufliche Ausbildung abge- ment der Akteure erhalten bleiben.
schlossen haben.
Erfahrungsgem ist davon auszugehen, dass
3.4.7 Ausbildung und Einbeziehung von lokale und regionale Wirtschaftsverbnde eine
Lehrern wichtige Rolle in diesem Prozess spielen knnen,
Fr die Lehrer wird eine Herausforderung darin indem sie Partnerschaften mit lokalen und regi-
bestehen, dafr zu sorgen, dass sich systemati- onalen Behrden knpfen, um die Arbeit einzel-
sche Anstze grundstzlich das Engagement der ner Schulen und Unternehmen zu frdern und zu
Lehrkrfte zunutze machen, das auch weitgehend ergnzen. Dies drfte in einigen Lndern leichter
Grundlage der bisherigen Praxis war. Dies knnte gelingen als in anderen. Deutschland beispiels-
sich als schwierig erweisen: Hufig ist die gegen- weise verfgt ber ein gewachsenes Netz von
wrtige Situation durch Einsatzbereitschaft und als ffentlich-rechtliche Krperschaften gefhr-
freiwillige zustzliche Arbeit der Lehrer ber das ten Handelskammern und ist den bestehenden
eigentliche Deputat hinaus gekennzeichnet; die Herausforderungen insoweit vermutlich besser
systematische Unterrichtung eines Themas drfte gewachsen als ehemalige sozialistische Lnder.
weitere Fragen hinsichtlich der Verfgbarkeit der
3.4.9 Systematische Einbeziehung privater
bentigten Zeit und der erforderlichen Mittel auf-
Verbnde und Organisationen
werfen. Auerdem wird eine Reihe von Rahmenbe-
Fr private Verbnde und Organisationen,
dingungen zu bercksichtigen sein z. B. die ber-
die in vielen Lndern im Hinblick auf derartige
alterung auf dem Arbeitsmarkt in vielen Lndern
Entwicklungen eine so wichtige Rolle gespielt
und die verbreiteten Probleme bei der Deckung
haben, setzen systematischere Anstze fr die
des Personalbedarfs in diesem Sektor. Durch die
Erziehung zu unternehmerischem Denken und
Auswirkungen auf die Art des Unterrichts kann
Handeln die Ausweitung der bisherigen Ma-
die Erziehung zu unternehmerischem Denken und
nahmen voraus. Viele dieser Organisationen
Handeln allerdings ein Mittel zur Weiterentwick-
haben sich in den letzten Jahren betrchtlich
lung von Unterrichtsverfahren und -umgebungen
weiterentwickelt und bieten inzwischen um-
sein, das die Attraktivitt dieses Berufsbildes fr
fangreiche Manahmenprogramme an. Ange-
Berufseinsteiger erhht. Wichtig ist auch, dass die
sichts beschrnkter Mglichkeiten zur Beschaf-
Lehrkrfte durch eine angemessene und hochwer-
fung von Investitionskapital zur Finanzierung
tige Ausbildung untersttzt werden.
neuer Anstze in einer durch auerordentlichen
3.4.8 Systematische Einbeziehung der finanziellen Druck gekennzeichneten Umgebung
Wirtschaft ist fr die Organisationen jedoch hufig bereits
ber den Bildungssektor hinaus wird das Mo- die Aufrechterhaltung ihrer eigentlichen Aktivi-
dell aber auch nderungen auf Seiten der Wirt- tten schwierig. Mithilfe von Strategien fr die
schaft bewirken. Das bis vor kurzem noch vor- Erziehung zu unternehmerischem Denken und
herrschende Ad-hoc-Modell beruhte auf der Handeln muss ausgelotet werden, welche Rolle
34
die Verbnde bei der weiteren Entwicklung des 3.4.10 Die Rolle lokaler, regionaler und
Gesamtsystems fr die Erziehung zu unterneh- nationaler Behrden und die Rolle
merischem Denken und Handeln auf Dauer spie- der Europischen Kommission
len knnten; auerdem muss geklrt werden,
Allgemein betrachtet besteht auf der lokalen
wie sich der steigende Bedarf auf die Verbnde
bzw. regionalen Ebene viel Raum fr eine inten-
auswirken knnte und wie Vereinbarungen zur
sivere Untersttzung der angestrebten Zusam-
Finanzierung der laufenden Verbandsarbeit am
menarbeit zwischen dem Bildungssektor und
besten gestaltet werden knnen. In diesem Be-
der Wirtschaft. Unter Entwicklung lokaler oder
reich bestehen vielversprechende Mglichkeiten;
regionaler Untersttzungszentren knnen
die zu bewltigenden Herausforderungen liegen
Untersttzungsmanahmen auf den Ebenen
wahrscheinlich jedoch eher in der Art und Wei-
angeboten werden, auf denen sie von Schulen,
se einer nachhaltigen Finanzierung des dritten
Lehrern und Schulen am besten genutzt werden
Sektors insgesamt als in der grundstzlichen
knnen.
Bereitschaft, sich auf die Erziehung zu unterneh-
merischem Denken und Handeln einzulassen.13 Im Hinblick auf diese Herausforderungen und
Chancen werden Manahmen nationaler oder
regionaler Verwaltungen zwar hufig von Vor-
teil sein, die Mitgliedstaaten knnen jedoch in
verschiedenen Bereichen auch von der Euro-
pischen Kommission untersttzt werden.
Diese Bereiche werden im abschlieenden Ka-
pitel dieses Berichts behandelt.
13 Siehe Lloyd P. E (2007), The Social Economy in the New Political Context, in: Noya, A. und Clarence, E., The Social
Economy: Building Inclusive Economies, Kapitel 2, OECD, Paris.
35
Entwicklung wirksamer
politischer Manahmen
und Verfahren:
Anwendung bewhrter Verfahren zur
Befrderung weiterer Fortschritte
UNTERSTTZUNG
DURCH DIE
EUROPISCHE
FINANZIERUNGS-ASPEKTE:
KOMMISSION ARBEITSGRUPPE
INTERESSEN-
ANBIETER DIREKTER FINANZIERUNGEN FR
FORSCHUNGSBASIS VERTRETER?
SCHULEN
ABSTIMMUNG VON FINANZIERUNGSMODELLEN
HANDELS- ANBIETER
KAMMER EUDH/NRO NUTZUNG EUROP. MITTEL
Strukturfonds/ESF usw.
NATIONALES BILDUNGS-
WIRTSCHAFT
MINISTERIUM FR SEKTOR
WIRTSCHAFTS-
FRDERUNG
NATIONALE BETEILIGUNG
EBENE NATIONALES VISION UND VON INTERVENTIONS- VERBREITUNG
MINISTERIUM BILDUNGS- EVALUATION
FEDER-
MINISTERIUM ZIELSETZUNGEN INTERESSEN- ANSATZ DER STRATEGIE
FHREND?
VERTRETERN
NATIONALE STRATEGIE ERZIEHUNG ZU UNTERNEHMERISCHEM DENKEN U. HANDELN (EUDH) MGLICHST ZU BERCKSICHTIGENDE ELEMENTE
Abbildung 4.1: Elemente einer nationalen Strategie fr die Erziehung zu unternehmerischem Denken
und Handeln
38
Tabelle 4.1: Die wesentlichen Elemente einer idealen nationalen Strategie fr die Erziehung zu
unternehmerischem Denken und Handeln
Schlsselelement Beschreibung
1. Eine vereinbarte Nach Mglichkeit sollte der Begriff Erziehung zu unternehmerischem Denken und
Begriffsbestimmung Handeln beziehungsweise Frderung von Unternehmergeist und Eigeninitiative im
Was ist Erziehung zu un- Unterricht aus der Oslo-Agenda (c) und dem Small Business Act abgeleitet werden;
ternehmerischem Denken dabei sollte allerdings bercksichtigt werden, dass auf nationaler Ebene Unterschie-
und Handeln (Entrepre- de auftreten knnen, insbesondere im Kleingedruckten (d. h. im Hinblick auf unter-
neurship Education)? schiedliche Gewichtungen entsprechend den jeweiligen nationalen Bedrfnissen bzw.
gem dem kulturellen Hintergrund, der Stellung eines Landes usw.).
2. Ressortbergreifende Bei der Entwicklung einer nationalen Strategie sollten alle mageblichen Ministerien
Einbeziehung beteiligt werden. Der Prozess der Strategieentwicklung kann allerdings mglicherwei-
aller Ministerien se dynamischer gestaltet werden, wenn ein einziges Ministerium die Federfhrung
als magebliche bernimmt. Insbesondere Ministerien mit bereichsbergreifender Zustndigkeit sowie
Interessenvertreter die unmittelbar fr Unternehmen oder Bildung zustndigen Ministerien mssen
einbezogen und konsultiert werden.
3. Konsultation von Wichtig ist auch die frhzeitige Konsultation von NRO, Lehrern und Unternehmen.
Interessenvertretern, Insbesondere sollten Manahmen im Bildungsbereich an den Erfahrungen und Bei-
um eine mglichst breit trgen von Lehrkrften orientiert werden. Durch geeignete Bestimmungen sollte eine
gefcherte Beteiligung aktive Konsultation bereits frhzeitig im Prozess der Strategieentwicklung sicherge-
und ein mglichst um- stellt werden, und eine Arbeitsgruppe der Interessenvertreter sollte in dieser Phase
fassendes Verstndnis des Prozesses die bentigte Untersttzung bieten.
zu gewhrleisten
4. Einbeziehung von Nationale Strategien sollten die fcherbergreifende Bercksichtigung der Erziehung
Kernkompetenzen auf zu unternehmerischem Denken und Handeln sowie ggf. auch die Aufnahme der
allen Ebenen nationaler Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln in die nationalen Lehrplne
Lehrplne der einzelnen Mitgliedstaaten frdern. Die Strategien sollten eher auf den Erwerb
von Kernkompetenzen (d. h. der fr unternehmerisches Verhalten charakteristischen
Kompetenzen und sonstigen Qualifikationsmerkmale) durch experimentelles Lernen
denn auf die Beschreibung der eigentlichen Schritte zur Frderung unternehmeri-
scher Kompetenzen und Verhaltensweisen ausgerichtet sein.
5. bergeordnete stra- Die nationalen Strategien sollten visionr gestaltet werden und strategische Vorga-
tegische Vorgaben und ben und Zielsetzungen auf allen Bildungsebenen bercksichtigen; dabei sollten alle
Zielsetzungen mageblichen Interessenvertreter einbezogen werden.
6. Einbeziehung Die Europische Kommission kann eine wichtige Rolle spielen, indem sie die Fhrung bei
ermittelter bewhrter der Ermittlung und dem Austausch bewhrter Verfahren in der Erziehung zu unterneh-
Verfahren zur Unter- merischem Denken bernimmt. Bewhrte Verfahren spielen auch in nationalen Strategi-
sttzung der Strategie en eine Schlsselrolle, indem sie in berzeugender Weise veranschaulichen, wie sich die
Entwicklung effizienter Unterrichtsverfahren in der Praxis gestaltet.
Ausbildung der Lehrer Die Ausbildung der Lehrkrfte ist von entscheidender Bedeutung. Erstens frdert sie die
Anerkennung des Konzepts der Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln als
Manahme zur Vermittlung einer Reihe breiterer Kernkompetenzen im Gegensatz zur blo-
en Vermittlung von Informationen eingeschrnkt auf die Fhrung eines Unternehmens.
Wenn dieser Zusammenhang erst einmal erlutert wurde, stehen die Lehrer dieser Vorstel-
lung erfahrungsgem positiv gegenber. Zweitens erhalten die Lehrer das erforderliche
Rstzeug fr die Einbeziehung experimentellen Lernens in ihre Unterrichtspraxis und fr
die Entwicklung einer neuen Coach-/Mentoren-Beziehung zu den Schlern.
Die Oslo-Agenda Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln, Europische Kommission 2007.
(c)
39
8. Entwicklung einer Die klare Beschreibung der Ziele nationaler und regionaler Strategien sowie der
logischen Kette unter jeweiligen Lernziele ist entscheidend fr eine effiziente Umsetzung. Die Entwicklung
Bercksichtigung von logischer Ketten (siehe z. B. Abbildung 2.2) ist ein wichtiger Schritt. Gleichzeitig soll-
Indikatoren, Manah- ten Einzelziele und Indikatoren fr die berwachung und Bewertung der Fortschritte
men und Leistungen, definiert werden. In diesem Bereich bleibt selbst in Lndern, die bei der Entwicklung
Lernzielen und Ergeb- und der Umsetzung ihrer Strategien bereits verhltnismig weit fortgeschritten
nissen sind, noch Betrchtliches zu leisten.
9. Strategien zum Nach Mglichkeit sollten die Strategien den gesamten Bildungszyklus abdecken;
Nachweis von Fort- dabei sollten der Aspekt des lebenslangen Lernens und der Erwerb von Kernkompe-
schritten vom Prim- tenzen im Mittelpunkt stehen. Strategien knnen zeigen, wie sich die Erziehung zu
arbereich bis in den unternehmerischem Denken und Handeln ausgehend von einer bereichsbergrei-
tertiren Bildungsbe- fenden horizontalen Manahme (Primarbereich und Sekundarbereich I) bis hin zu
reich (allgemeine und vertikalen Spezialisierungsmanahmen (im Sekundarbereich II sowie im Anschluss
berufliche Bildung) an die Schulbildung) in der Praxis gestalten kann.
10. Bereitstellung der Eine auf hochrangiger Ebene erstellte nationale Strategie sollte nicht allzu sehr durch
bentigten Ressourcen finanzielle Beschrnkungen belastet werden. Einige deutliche Hinweise darauf, wie
fr die Strategie die im Rahmen einer Strategie angestrebten Ziele finanziert werden sollen, schlieen
die verbreitete Gefahr aus, dass Visionen an fehlenden Ressourcen scheitern (siehe
praktische Umsetzung auf lokaler Ebene).
4.3 Entwicklung des nationalen entwickeln einen Rahmen, in dem die Kommunen
politischen Rahmens und die Schulen Projekte und Initiativen gestalten
knnen; sie entwickeln Programme zur Frderung
In der EU spielen die Ministerien und die Sozialpart- der erforderlichen Aus- und Weiterbildung von
ner in den einzelnen Lndern unterschiedliche Rol- Lehrern und zur Erarbeitung von Lehrmaterialien;
len bei der Entwicklung wirksamer Strategien und sie definieren die zu erreichenden Lernergebnisse
Anstze fr die Erziehung zu unternehmerischem fr die Schler.
Denken und Handeln, und sie sehen sich mit einer
Reihe von Herausforderungen konfrontiert. Die Bildungsministerien spielen eine zentra-
le Rolle bei der Gestaltung der Erziehung zu
In Bezug auf die Rolle und die Beitrge von Minis- unternehmerischem Denken und Handeln; in
terien im Rahmen der unterschiedlichen nationa- den Mitgliedstaaten sind allerdings hufig
len Gegebenheiten ist festzustellen, dass in den auch andere Ministerien beteiligt insbe-
meisten Lndern (mit Ausnahme der Niederlande sondere die Ressorts Wirtschaft, Unterneh-
und Polens) in erster Linie das Bildungsmi- men und Handel.15 Die fr Unternehmen zu-
nisterium fr die Gestaltung der Erziehung stndigen Ministerien sind hufig wesentlich an
zu unternehmerischem Denken und Han- der Entwicklung politischer Manahmen beteiligt
deln zustndig ist.14 Im Allgemeinen beruht und haben verschiedentlich offenkundig wichtige
diese vorrangige Zustndigkeit auf der rechtli- Anste fr die Gestaltung der Erziehung zu un-
chen Stellung der Bildungsministerien (z. B. da- ternehmerischem Denken und Handeln gegeben.
hingehend, dass die Bildungsministerien fr die
Entwicklung nationaler Qualifikationsrahmen und In Schweden beispielsweise ging der Ansto zur
fr die Lehrplangestaltung verantwortlich sind). Frderung unternehmerischer Initiative vom Mi-
Entsprechend leisten die Bildungsministerien u. nisterium fr Unternehmen, Energie und Kom-
a. folgende Beitrge: Sie definieren den Umfang munikation aus und wurde anschlieend vom
und die Einordnung der Erziehung zu unterneh- Bildungsministerium aufgegriffen und weiter-
merischem Denken und Handeln im Lehrplan; sie entwickelt.
14 In den Niederlanden leistet in erster Linie das Wirtschaftsministerium die erforderliche Untersttzung, in Polen ist primr
das Bro des Premierministers zustndig.
15 In den einzelnen Lndern spielen neben den Bildungsministerien auch andere Ministerien eine Rolle; in erster Linie be-
schrnkt sich die Zustndigkeit jedoch auf die Ressorts Handel und Unternehmensentwicklung sowie Wirtschaftsfrderung
und gelegentlich Beschftigung.
40
Strategie zur Frderung unterneh- Lehrplan fr den Primar- und den Sekundarbe-
merischer Initiative im Bildungs- reich gendert, und vielfach wird die Erziehung
bereich die schwedische natio- zu unternehmerischem Handeln und Denken im
nale Strategie 2009 (d) Lehrplan bercksichtigt. Fr die Abstimmung der
betreffenden Initiativen ist das Ministerium fr
Im Haushaltsgesetz 2009 hat die schwedische Bildung und Forschung zustndig; die Umsetzung
Regierung mitgeteilt, dass sie bestrebt ist, die erfolgt nach einem dezentralen Ansatz, wobei die
Erziehung zu unternehmerischem Denken und Zustndigkeit fr die Umsetzung bei den einzel-
Handeln als wesentlichen Bestandteil in das Bil- nen Bildungseinrichtungen liegt.
dungssystem aufzunehmen. Gegenwrtig wird
das Bildungssystem umfassend reformiert. Die See the Opportunities and
Regierung hat bereits Entscheidungen ber Make Them Work: norwegische
mehrere Initiativen zur Untersttzung der Ent- Strategie fr die Erziehung zu
wicklung von Programmen zur Frderung un- unternehmerischem Denken und
ternehmerischer Initiative in Schulen und im Handeln 2004-2008
Hochschulbereich getroffen. Im Laufe des Re- (2006 berarbeitet)(e)
formprozesses entscheidet die Regierung ge-
gebenenfalls ber weitere Initiativen. Diese In- Mit der norwegischen Strategie soll die Ent-
itiativen werden nun alle in einer im Mai 2009 wicklung unternehmerischer Initiative als
verffentlichten Strategie zur Frderung unter- Bildungsziel und als Gegenstand von Ausbil-
nehmerischer Initiative zusammengefasst. dungsstrategien definiert werden. Auerdem
sollen Bildungseinrichtungen, Kommunen und
Die Strategie umfasst elf Hauptpunkte, in de- Provinzverwaltungen angeregt und motiviert
nen Manahmen des Staates und sonstiger werden, diesbezgliche Manahmen in Zu-
Interessenvertreter beschrieben werden; diese sammenarbeit mit der Industrie und anderen
Manahmen reichen von besseren Angeboten mageblichen Akteuren auf lokaler Ebene zu
fr eingehendere Studien unternehmerischen planen und fest zu verankern.
Denkens und Handelns im Sekundarbereich
II bis zur sektorbergreifenden Bestandsauf- Im Herbst 2006 wurde ein neuer nationaler
nahme von Manahmen und zur Entwicklung Lehrplan fr die Ausbildung im Primar- und im
bahnbrechender Programme zur Frderung von Sekundarbereich eingefhrt; in diesem Lehr-
Innovation und unternehmerischer Initiative. plan wurde die Frderung unternehmerischer
Initiative als Mittel zur Erneuerung des Bil-
In anderen Lndern wird die Entwicklung von dungssystems bewertet. Aus pdagogischen
Strategien als gemeinsame Aufgabe betrachtet. Grnden sollte die Erziehung zu unternehme-
Die norwegische Strategie fr die Erziehung zu rischem Denken und Handeln in den Schulen je
unternehmerischem Denken und Handeln bei- nach Bildungsstufe unterschiedlich organisiert
spielsweise beruht auf der Zusammenarbeit von werden. Die Schler sollten eine umfassende
drei Ministerien: dem Ministerium fr Forschung Grundkompetenz erwerben.
und Bildung, dem Ministerium fr Gebietskr- Die Strategie beschreibt eine Reihe von Ma-
perschaften und Regionalentwicklung und dem nahmen zur Frderung der Erziehung zu un-
Ministerium fr Handel und Industrie. Die Stra- ternehmerischem Denken und Handeln in
tegie deckt alle Bildungsebenen ab und soll in norwegischen Schulen, darunter Verbesserung
erster Linie Bildungseinrichtungen, Kommunen der Wissensbasis fr Lehrer und Bildungs-
und Provinzverwaltungen anregen und moti- einrichtungen, Sensibilisierung im Wege der
vieren, Manahmen im Bereich der Erziehung Durchfhrung von Konferenzen und Semina-
zu unternehmerischem Denken und Handeln in ren, Austausch von Erfahrungen und vorbildli-
Zusammenarbeit mit der Industrie und anderen chen Verfahren, Zusammenarbeit mit Organi-
mageblichen Akteuren auf lokaler Ebene zu pla- sationen und Netzen auerhalb der Regierung
nen und fest zu verankern. Ergnzend wurde der und internationale Vernetzung.
[Link]
(d)
[Link]
(e)
work_2204-[Link].
41
dung mit der Erziehung zu unternehmerischem Perspektiven und Kompetenzen bei der Ent-
Denken und Handeln bewusst zu machen. Im wicklung von Partnerschaften auf nationaler
Allgemeinen mssen Prozesse zur Einbezie- Ebene zu bercksichtigen, stellt angesichts der
hung von Interessenvertretern der Tatsache Komplexitt und des breiten Spektrums der
Rechnung tragen, dass die Interessenvertreter Anforderungen an die Erziehung zu unterneh-
die unterschiedlichsten Positionen bekleiden merischem Denken und Handeln eine betrcht-
und vielfltige Perspektiven und Kompetenzen liche Herausforderung dar.
einbringen. Diese unterschiedlichen Positionen,
Beispiele fr Beitrge unterschiedlicher Ministerien im Bereich der Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln
Bildungsministerien Ministerien fr Unternehmen/Wirtschaft/Handel Sonstige Ministerien
In der Regel federfhrend bei der uerst variable Rolle bei der Strategieentwicklung Arbeitsministerien Vermittlung
Entwicklung einer Strategie fr die (vom Initiator (wenngleich nur selten) ber eine unternehmerischer Initiative bei
Erziehung zu unternehmerischem partnerschaftliche Stellung bis hin zum konsultierten Arbeitslosen;
Denken und Handeln; Experten); Ministerien fr
rechtliche Zustndigkeit fr den Schwerpunkt: Unternehmensgrndungen und bereits Regionalentwicklung
Bildungsbereich; ttige Unternehmer; Bercksichtigung der Erziehung zu
Entwicklung nationaler Beitrag zur Beschreibung der Inhalte der Erziehung unternehmerischem Denken und
Qualifikationsrahmen (Beschreibung zu unternehmerischem Denken und Handeln und zur Handeln in regionalen Strategien;
von Lernergebnissen); Erarbeitung und Verbreitung von Lehrmaterial; Ministerien fr Jugend
Festlegung von Standards, Untersttzung ergnzender Manahmen und Initiativen Integration der Erziehung zu
Leistungsbewertung, berwachung (z. B. private Verbnde und Organisationen, praktische unternehmerischem Denken und
und Evaluierung; projektbezogene Initiativen (auerunterrichtlich), Handeln in Strategien fr junge
Bildungsmanahmen fr Lehrer; Akademien, Stiftungen und Trusts); Menschen
Finanzmittel fr die Entwicklung von Mittlerfunktion z. B. bei Universitten (Verbindung zu (z. B. Frderung von Kreativitt
Lehrmitteln und die Erschlieung von Innovationsstrategien); und Entwicklung des Brgersinns).
Unterrichtsressourcen. Gewhrleistung der Bercksichtigung von Kompeten-
zanforderungen der Wirtschaft im Prozess;
Weiterleitung von Mitteln aus EU Strukturfonds.
Fr die Ministerien und ihre Partner stellen sich Fehlen sttzender und kohrenter Strategien,
in unterschiedlichem Umfang u. a. die folgenden die die Umsetzung der betreffenden Manah-
Punkte als gemeinsame Herausforderungen: men erleichtern wrden,
fehlende Forschungen als Grundlage fr die Schwierigkeiten bei der Abstimmung der
Lenkung der Entwicklung und der Umsetzung Manahmen verschiedener Ministerien im
von Strategien, Rahmen der vorgesehenen Agenda und
unzureichende Ressourcen, gesetzliche und/ Mobilisierung des erforderlichen politischen
oder verfassungsrechtliche Hindernisse, Willens und der erforderlichen Dynamik fr
die weitere Entwicklung der Manahmen im
Schwierigkeiten beim Aufbau von Kapazit-
Bereich der Erziehung zu unternehmerischem
ten sowie bei der Frderung von Verstndnis
Denken und Handeln.
und Fachkompetenz bei den Lehrkrften,
Besonders wichtige Herausforderungen sind die
effiziente Einbindung der Erziehung zu unter-
Notwendigkeit des Kapazittsaufbaus bei den
nehmerischem Denken und Handeln in beste-
Lehrkrften, die Abstimmung der einschlgigen
hende Lehrplne,
Manahmen der mageblichen Interessenvertre-
Bemhen, der Erziehung zu unternehmeri- ter und der Einbindung der Erziehung zu unter-
schem Denken und Handeln Raum und Pr- nehmerischem Denken und Handeln in bestehen-
senz gegenber anderen nationalen Schwer- de Lehrplne sowie die Unsicherheit hinsichtlich
punkten zu gewhren, der knftig einzuschlagenden Richtung. Die op-
timale Abstimmung der Interessenvertreter und
43
ihrer Beteiligung ist besonders problematisch, da berwachung behandelt. Portugal dagegen bietet
sehr viele Interessenvertreter einbezogen werden ein Beispiel fr einen Ansatz, bei dem an der Basis
mssen (Hochschuleinrichtungen, Unternehmen, nur in verhltnismig geringem Umfang spon-
Lehrer, nationale Ministerien, NRO, einschlgige tane Manahmen im Bereich der Erziehung zu
Verbnde usw.). In manchen Lndern wurden unternehmerischem Denken und Handeln entwi-
besondere Stellen fr die Umsetzung oder ckelt wurden und der Staat einschreiten musste,
Frderung nationaler Strategien eingerich- um eine entsprechende Entwicklung einzuleiten.
tet, u. a. um diese Aufgabe besser zu bewltigen. Trotz der Abstimmung auf die Anforderungen un-
In Dnemark beispielsweise haben mehrere Mi- terschiedlicher Gegebenheiten entsprechen beide
nisterien gemeinsam eine Stiftung zur Frderung Anstze weitgehend dem im Entwicklungsstufen-
der Erziehung zu unternehmerischem Denken und modell vorgesehenen Konzept, das die Schaffung
Handeln gegrndet. eines Rahmens zur Untersttzung von Manah-
men auf lokaler Ebene vorsieht.
Zwischen den einzelnen Lndern bestehen zwar
eindeutig gewisse Gemeinsamkeiten in Bezug
auf die jeweiligen Probleme, jedoch gibt es Un-
Kontrastierende Anstze bei der
terschiede hinsichtlich der Bedeutung und der Art
Erziehung zu unternehmerischem
dieser Herausforderungen. Daher mssen Strate-
Denken und Handeln unter unter-
gien zur Frderung unternehmerischer Initiative
schiedlichen Gegebenheiten
und Anstze fr deren Umsetzung hinreichend Ein ausgereifter Ansatz: die Niederlande
auf nationale, regionale und lokale Gegebenhei-
In den Niederlanden liegt der Schwerpunkt
ten abgestimmt werden. Dabei gehen die Ln-
auf der Vorgabe einer politischen Richtung
der in unterschiedlicher Weise vor. In Lndern, in
sowie auf der Untersttzung und Motivation
denen die Zustndigkeit fr das Bildungssystem
(durch einen programmatischen Ansatz) und
weitgehend dezentral von den unteren Verwal-
weniger darauf, die Erziehung zu unterneh-
tungsebenen wahrgenommen wird, bestehen
merischem Denken und Handeln in den Lehr-
mglicherweise regionale Besonderheiten inner-
plnen aller Bildungseinrichtungen als Pflicht-
halb des nationalen Rahmens. In Spanien bei-
fach zu verankern. Subventionen werden
spielsweise wird das 2006 angenommene Gesetz
gewhrt (im Rahmen des von der staatlichen
zur Einbeziehung von Manahmen zur Frderung
Agentur SenterNovem geleiteten Nationalen
unternehmerischer Initiative in den schulischen
Programms fr Bildung und unternehmeri-
Lehrplan von den Autonomen Gemeinschaften
sche Initiative), um die in der nationalen Stra-
erst seit 2009 auf lokaler Ebene umgesetzt. (Die
tegieagenda fr Hochschul-, Forschungs- und
Verffentlichung eines Berichts ber entsprechen-
Wissenschaftspolitik vorgesehene Einfhrung
de regionale Manahmen wurde angekndigt.)
der Erziehung zu unternehmerischem Denken
In diesem Zusammenhang sind zwei Anstze und Handeln in allen Phasen des Bildungs-
zu erlutern, die unter jeweils unterschied- wegs zu ermglichen. Allerdings ist die Er-
lichen Gegebenheiten zur Anwendung kom- ziehung zu unternehmerischem Denken und
men. Am Beispiel der Niederlande wird deutlich, Handeln kein ausdrcklicher Bestandteil des
wie ein Ansatz unter ausgereiften Bedingungen Lehrplans. Der Schwerpunkt liegt auf den im
gestaltet werden kann; dort erfolgt die Erziehung gegenwrtigen Bildungssystem erkannten
zu unternehmerischem Denken und Handeln Defiziten insbesondere in den ersten Jahren
bereits seit einiger Zeit als Bottom-up-Initiati- des Bildungswegs, wobei die Umsetzung
ve und wird durch Top-down-Manahmen und des Programms bewusst an der Nachfrage
-Projekte untersttzt. Zudem wird gegenwr- orientiert wird, d. h. bei diesem Ansatz ste-
tig die Mitwirkung des Staates vertieft, um eine hen Einrichtungen im Vordergrund, die ein
strkere Verbreitung der Erziehung zu unterneh- besonderes Interesse an der Schaffung von
merischem Denken und Handeln zu erzielen. Au- Angeboten im Bereich der Erziehung zu un-
erdem werden Aspekte der Bewertung und der ternehmerischem Denken und Handeln zum
44
Ausdruck gebracht haben. Manche Schulen bie- deln als fcherbergreifendes Lehrplanfach
ten inzwischen Projekte fr Vorschulkinder an; etabliert werden soll. Im Rahmen des PNEE
bei dem Projekt Mein Restaurant beispielswei- wurden Primarschulen, Sekundarschulen und
se werden Klassenzimmer als Restaurants her- berufsbildende Schulen (Berufsfachschulen)
gerichtet, die Kinder bereiten Mahlzeiten zu usw. aufgefordert, auf freiwilliger Basis eine Reihe
Diese Initiative wird mit einem Besuch in einem von Initiativen zu entwickeln, mit denen sich
echten Restaurant in der jeweiligen Gemeinde die Schler unternehmerische Kompetenzen
kombiniert. In der Regel beginnt die Erziehung und Einstellungen aneignen knnen. Dabei ist
zu unternehmerischem Denken und Handeln in das PNEE bestrebt, zu einem kontinuierlichen
Primarschulen im Alter von acht Jahren. Qualifikations- und Lernprogramm sowohl
fr die Lehrkrfte als auch fr die Lernenden
Magebliche Akteure werden auf allen Verwal-
beizutragen.
tungsebenen einbezogen. Ergnzend zu den
von der Regierung vorgegebenen Rahmen- In den Jahren 2007/2008 haben 99 allge-
bedingungen sind auf regionaler Ebene die meinbildende und berufsbildende Schulen
Handelskammern an folgenden Manahmen mit 4 153 Schlern an ber 357 Projekten
beteiligt: Untersttzung von Unternehmens- zur Frderung unternehmerischer Initiative
grndungen, Frderung der Bercksichtigung im technischen und im sozialen Bereich teil-
der Erziehung zu unternehmerischem Denken genommen. Aus einigen der Projekte drften
und Handeln in der regionalen Agenda in Ab- knftig echte Unternehmen hervorgehen.
stimmung mit Organisationen zur sektorbezo- Im letzten Vierteljahr 2008 fand eine landes-
genen Kompetenzbildung und Durchfhrung weite Fortbildung fr Lehrkrfte statt, an der
von Simulationsprojekten unter Beteiligung von etwa 300 Lehrer aus am PNEE beteiligten
Schulen und Unternehmen. Auf lokaler Ebene Schulen teilgenommen haben.
knnen die rtlichen Behrden Projekte in den
Inzwischen wird an einer nationalen Strategie
lokalen Schulen in Zusammenarbeit mit lokalen
auf der Grundlage des PNEE gearbeitet.
Unternehmen und Organisationen frdern.
Auerdem beginnen die Niederlande, sich mit Wie diese beiden Beispiele zeigen, bestehen
dem Aspekt der Bewertung zu beschftigen; in wichtige Unterschiede zwischen den einzelnen
diesem Zusammenhang wurde ein nationales Lndern nicht nur im Hinblick auf die Entwick-
Zertifikat fr unternehmerische Initiative ein- lung, sondern auch bezglich der Umsetzung
gefhrt. Das Zertifikat wird nur in der mittleren von Strategien. In diesem Zusammenhang sind
Stufe der Berufsausbildung und im Hochschul- die folgenden Beispiele aufschlussreich.
bereich verwendet und orientiert sich an Zer-
In Schweden haben das Ministerium fr Bildung
tifikaten, die zurzeit in einer Reihe von Hoch-
und Forschung und das Ministerium fr Wirt-
schuleinrichtungen (z. B. der Utrecht Academy
schaft, Energie und Kommunikation eine Strate-
of Entrepreneurship) erworben werden knnen.
gie zur Frderung unternehmerischer Initiative
Die Bewertung und berwachung der Auswir- im Bildungssystem beschrieben, die von der Not-
kungen des niederlndischen Programms fr wendigkeit der Einbeziehung unternehmerischer
Bildung und unternehmerische Initiative erfolgt Initiative in das gesamte Bildungssystem aus-
im Zweijahres-Turnus. geht. Eine Manahme war das nationale Drei-
jahresprogramm fr unternehmerische Initiative
Entwicklung eines neuen Ansatzes:
der schwedischen Agentur fr Wirtschafts- und
Portugal
Regionalentwicklung (Agency for Economic and
In Portugal fhrt das Bildungsministerium Regional Growth) fr den Zeitraum 2005-2008.
mit dem Projecto Nacional de Educao para Von 2005 bis 2007 wurden im Rahmen dieses
o Empreendedorismo (PNEE) ein nationales Programms 13 Mio. EUR zur Finanzierung von
Bildungsprojekt durch, mit dem die Erziehung etwa 100 Projekten aufgewendet. (Zuschsse in
zu unternehmerischem Denken und Han- Hhe von 50 % wurden angeboten, und Schulen
45
16 [Link]
46
als wesentlichen Bestandteil des Lehrplans be- Fundierte Forschungen mssten zur Entwick-
greifen; dies wiederum setzt voraus, dass die lung kontinuierlicher Instrumente zur Unterstt-
Erziehung zu unternehmerischem Denken und zung der stndigen beruflichen Weiterbildung
Handeln zum inhrenten Bestandteil sowohl der von Lehrern beitragen; denkbar wren etwa der
Erstausbildung als auch der berufsbegleitenden Austausch bewhrter Verfahren oder Praktika
Fortbildung von Lehrern wird. in echten Unternehmen. Ebenso wichtig sind
die Entwicklung von Wissensbanken sowie von
Der entsprechende Paradigmenwechsel in der
Werkzeugen und Ressourcen und die Einrichtung
Erziehung zu unternehmerischem Denken und
wirksamer Untersttzungsnetze.
Handeln bedeutet, dass die Lehrer entscheidend
an der Herbeifhrung von nderungen beteiligt Eine effiziente Praxis und effizient ttige Lehrer
werden mssen. Dazu muss den Lehrern geeig- mssen Anerkennung und Beachtung erfahren
nete Untersttzung zuteil werden. Zunchst muss (z. B. durch nationale Auszeichnungen), um die
zuverlssig und wissenschaftlich fundiert geklrt Wahrnehmung der Erziehung zu unternehmeri-
werden, wie Lehrer Erziehung zu unternehmeri- schem Denken und Handeln zu verbessern.
schem Denken wahrnehmen. Wie bereits erlu-
tert, stehen Lehrer einer engen Definition Schlsselelemente bei der Ent-
des Begriffs der Erziehung zu unternehme- wicklung der Rolle der Lehrer
rischem Denken und Handeln im Sinne der
Vermittlung von Informationen zur Fh- Wissenschaftliche Forschungen zur Klrung
rung eines Unternehmens ablehnend ge- der Frage, wie Lehrer an die Erziehung zu
genber; ein umfassendes Verstndnis im unternehmerischem Denken und Handeln
Sinne des Erwerbs von Lebenskompeten- herangehen und welche Vorstellung sie da-
zen wird hingegen durchaus begrt. von haben;
Diese Sicht sollte in die Entwicklung von Ange- Entwicklung eines Programms zur Erstaus-
boten zur Ausbildung von Lehrern einflieen. bildung und zur beruflichen Weiterbildung
Parallel zu den (z. B. auf EU-Ebene) bereits er- von Lehrern einschlielich einer Programm-
mittelten Schlssellernkompetenzen mssen komponente, um Lehrkrften in leitenden
die entscheidenden Kompetenzen fr Lehrer Funktionen Fhrungskompetenzen zu ver-
definiert werden. Die Erziehung zu unternehme- mitteln;
rischem Denken und Handeln setzt eine neue Schaffung und Verbreitung effizienter Inhal-
Lehrer-Schler-Beziehung voraus, die weniger te, Werkzeuge, Methoden und Ressourcen
durch Lehrer als Vortragende oder Ausbilder fr den Unterricht;
gekennzeichnet ist und in der die Lehrer eher als
Coachs und Mentoren (oder Moderatoren) Einrichtung von Untersttzungsnetzen.
auftreten, die die Selbststndigkeit und die Ei-
geninitiative der einzelnen Schler frdern. Au- Verstehen, wie Lehrer Erziehung zu unter-
erdem mssen die Lehrer in grerem Umfang nehmerischem Denken und Handeln begrei-
praktisches, experimentelles Lernen in ihren Un- fen und in Konzepte umsetzen: Notwendig-
terricht einbeziehen. In vielen Lndern wird dies keit einschlgiger Forschungsarbeiten
tief greifende Vernderungen zur Folge haben. Wir haben bereits festgestellt, dass Lehrern bei
In den Mitgliedstaaten sind in der Erstausbil- der systematischeren Verankerung der Erziehung
dung sowie im Bereich der berufsbegleitenden zu unternehmerischem Denken und Handeln in
Fortbildung von Lehrern (stndige Weiterbil- Bildungseinrichtungen eine zentrale Funktion zu-
dung) nderungen erforderlich. Lehrkrfte in kommt und dass daher die Einstellungen, ber-
leitender Funktion, die in der Erziehung zu un- zeugungen und Wahrnehmungen der Lehrkrfte
ternehmerischem Denken und Handeln in ihrer in der Phase der praktischen Einfhrung der Erzie-
jeweiligen Einrichtung als Wegbereiter eine hung zu unternehmerischem Denken und Handeln
federfhrende Rolle bernehmen knnen, ben- als wichtige Faktoren bercksichtigt werden ms-
tigen geeignete Schulungen.
47
sen. Die Erfahrung zeigt, dass dies nicht immer als scher Initiative in der Lage seien und dass das
selbstverstndlich vorausgesetzt werden kann. In Bildungssystem diese vorhandenen Potenziale
Schweden beispielsweise wurde berichtet, dass aufgreifen und frdern msse. Die Konzeption
das nationale Dreijahresprogramm zur Frderung und die Auslegung der Erziehung zu unternehme-
unternehmerischer Initiative (2005-2008) zwar rischem Denken und Handeln durch die einzelnen
von Lehrern und anderen bereits mit der Frde- Lehrer wirken sich zweifellos auf die praktische
rung unternehmerischer Initiative im Bildungsbe- Unterrichtsgestaltung aus; entsprechend werden
reich befassten Akteuren begeistert aufgenom- konkrete grundlegende Leitlinien bentigt. Auf der
men wurde; bei Lehrkrften mit weniger stark im Rahmen der umfassenderen Forschungsarbeit
ausgeprgtem Engagement erwies sich die Ver- im Bereich der Erziehung zu unternehmerischem
mittlung jedoch als schwieriger. Erfahrungsgem Denken und Handeln entwickelten Website Ent-
sind langfristige nachhaltige Anstrengungen erfor- [Link] sind bewhrte Verfahren und hilfreiche
derlich; gleichzeitig muss gewhrleistet werden, Werkzeuge zusammengestellt; dort wird betont,
dass die Rolle der Lehrer sowohl auf strategischer dass der Aufbau eines Modellprogramms fr die
als auch auf praktischer Ebene klar definiert wird. Erziehung zu unternehmerischem Denken und
Handeln schwierig sei (kein einheitlicher Ansatz
Daher mssen alle strategischen Anstze zur
und keine einheitliche Form), und die Bedeutung
Frderung unternehmerischer Initiative auf de-
des eigenstndigen Lernens und des Lernens in
taillierten Kenntnissen darber beruhen, wie
der Praxis (d. h. durch die Einbeziehung von Lern-
Lehrer unternehmerische Initiative verstehen
prozessen in den tglichen Unterricht und in die
und einbeziehen und was dies fr die jeweiligen
tgliche Arbeit) hervorgehoben. Insoweit knn-
Bildungsumgebungen bedeutet. Forschungen in
te sich experimentelles Lernen als beste Option
schwedischen Schulen (Berglund & Holmgren,
erweisen. Auch Unternehmer experimentieren
200717) beispielsweise legen den Schluss nahe,
zunchst gewhnlich, um dann die gewonnenen
dass die Erziehung zu unternehmerischem Den-
Einsichten in die Realitt zu bertragen.
ken und Handeln bei Lehrern und Schulleitern
ausgehend von einem eng gefassten und auf
Unternehmensgrndungen beschrnkten Ver-
Qualittsrahmen und nationaler
stndnis hin zu einem umfassenderen Konzept
Standard fr die Erziehung zu unter-
umgestaltet worden ist, das vielleicht am tref-
nehmerischem Denken und Handeln
fendsten als Vermittlung einer Weltsicht oder ei-
Zentrum fr Bildung und Industrie
ner bestimmten Beziehung zur Welt beschreiben
der Universitt Warwick, Vereinigtes
lsst. Die Lehrer erklrten insbesondere, dass sie
Knigreich
bei der Erziehung zu unternehmerischem Denken Das Zentrum fr Bildung und Industrie der Uni-
und Handeln die Herstellung von Beziehungen versitt Warwick im Vereinigten Knigreich hat
zur brigen Welt untersttzten, die durch Krea- fr Schulen in England einen Qualittsrahmen
tivitt, Reflexivitt und Initiative gekennzeichnet und einen nationalen Standard fr die Erzie-
seien. Diese Sicht deckt sich mit dem natrlichen hung zu unternehmerischem Denken und Han-
Anliegen der Lehrer, Schlern die Einstellung zu deln entwickelt. Durch den nationalen Standard
vermitteln, dass sie fr das Leben lernen. fr die Erziehung zu unternehmerischem Den-
ken und Handeln sollen ein Prozess und ein Ins-
Auch Forschungen in Bezug auf die Perspekti-
trument fr die Qualittsprfung bereitgestellt
ven von Lehrern in Finnland zeigen verschiedene
werden, die es ermglichen, bewhrte Verfah-
interessante Trends auf: Lehrer betrachten die
ren in der Erziehung zu unternehmerischem
Erziehung zu unternehmerischem Denken und
Denken und Handeln zu erkennen und zu wr-
Handeln nicht als neues Phnomen, und die Ma-
digen. Das mit der Ausarbeitung betraute Team
nahmen zur Frderung unternehmerischer Initi-
des Zentrums fr Bildung und Industrie an der
ative werden als eher unspezifisch eingeschtzt
Universitt Warwick verfgt ber Fachkenntnis-
(Projekte, Besuche, Experimente usw.). Auerdem
se auf dem Gebiet der Erziehung zu unterneh-
betonten die Lehrer, dass die Schler grundstz-
merischem Denken und Handeln.
lich zur Entwicklung individueller unternehmeri-
17 The Introduction of Entrepreneurship in Contemporary Swedish Education Policy: Ugly duckling or Beautiful Swan?
Konferenz: ECER 2008, From Teaching to Learning?
48
Der Qualittsrahmen und der nationale len Anstzen ist zu folgern, dass die Erziehung
Standard bestehen aus fnf Elementen, zu unternehmerischem Denken und Handeln in
die allesamt unter anderem folgende Qua- die gegenwrtige Ausbildung von Lehrern auf-
littsprozesse beschreiben und definieren: genommen werden muss. Es ist notwendig, zum
Vision der Erziehung zu unternehmerischem einen in die Anhebung von Standards bei den
Denken und Handeln in Bezug auf Konzept Lehrkrften zu investieren und zum anderen
und Kommunikation; hoch qualifizierte Absolventen fr entsprechende
Ttigkeiten zu gewinnen. Investitionen sind so-
Durchfhrung eines Audits der Erziehung zu
wohl bei der Erstausbildung von Lehrern als auch
unternehmerischem Denken und Handeln;
bei der berufsbegleitenden Weiterbildung nicht
Planung und Verwaltung der Erziehung zu zuletzt fr die Lehrer erforderlich, die bereits im
unternehmerischem Denken und Handeln; Beruf stehen, aber noch nicht in die Erziehung zu
Ausarbeitung eines Lehrplans fr die Erzie- unternehmerischem Denken und Handeln einge-
hung zu unternehmerischem Denken und bunden waren.
Handeln; In Finnland wurde die Erziehung zu unternehme-
Bewertung und Evaluierung der Erziehung zu rischem Denken und Handeln bereits verhltnis-
unternehmerischem Denken und Handeln. mig frhzeitig (1994) eingefhrt und erfolgt
Jedes Element sieht eine Reihe von Anforderun- dort fcherbergreifend. Dort mssen Lehrkrfte
gen vor, denen die Schulen entsprechen mssen, in drei Einrichtungen zur Ausbildung von Lehrern
um den Standard zu erfllen, und beinhaltet eine (dem Kajaani Department of Teacher Education
erluternde Kurzbeschreibung der Art der Doku- der Universitt Oulu, im Rahmen der Programme
mentation, die gegebenenfalls gemeinsam mit zur Ausbildung von Lehrern fr handwerkliches
den verpflichtend vorgeschriebenen Nachweisen Gestalten im Rauma Department of Teacher
eingereicht werden muss. Das Zielpublikum war Education der Universitt Turku und im Vaasa
sehr gro, und die Materialien fr die Selbstbe- Department der Universitt bo Akademi) an
wertung wurden von einer breiten Palette von Manahmen zur Vorbereitung auf die Erziehung
Primar-, Sekundar- und Frderschulen abgeru- zu unternehmerischem Denken und Handeln
fen. Mehrere regionale Untersttzungsnetze fr teilnehmen; in anderen Einrichtungen ist die Teil-
Lehrkrfte haben ebenfalls die Materialien als nahme an diesen Angeboten freiwillig. Auerdem
Benchmark fr ihre Angebote herangezogen und wurden Manahmen getroffen, um mehr junge
als Grundlage fr die Konzeption ihrer berufli- Menschen mit unternehmerischem Hintergrund
chen Weiterbildungsprogramme verwendet. Die und mit persnlichen Unternehmererfahrungen
Berichte legen den Schluss nahe, dass Lehrkrfte fr die Lehrerausbildung zu gewinnen. Alle Hoch-
und ihre Mentoren die Bereitstellung klarer Leit- schulen, in denen Lehrer ausgebildet werden,
linien schtzen, die geeignet sind, einen Beitrag bieten Erziehung zu unternehmerischem Denken
zu einer hochwertigen Erziehung zu unterneh- und Handeln als Wahlfach fr Referendare an.
merischem Denken und Handeln zu leisten. Sie Die betreffenden Angebote bestehen im Allge-
uern sich ferner positiv ber die Flexibilitt der meinen an den Fakultten fr Betriebswirtschaft
Anforderungen, die es ermglicht, den lokalen und Verwaltungswissenschaften; dabei stehen
Prioritten Rechnung zu tragen und zugleich den unternehmerische Initiative und wirtschaftsbezo-
grundlegenden Kriterien gerecht zu werden. gene Kenntnisse im Vordergrund. In den Jahren
2006-2007 haben etwa 60 Studierende entspre-
chende Kurse besucht.
Weiterentwicklung der Aus- und Weiter-
In Zypern erhalten Lehrer, die im Sekundarbereich
bildung von Lehrern
eingesetzt werden sollen, eine verpflichtende ein-
Die Aus- und Weiterbildung von Lehrern ist we- schlgige Erstausbildung an der Universitt Zy-
sentlicher Bestandteil der Untersttzung von pern; das betreffende Programm umfasst zehn
Lehrern bei einer effizienten Erziehung zu un- Unterrichtsmodule im Bereich der Erziehung zu
ternehmerischem Denken und Handeln. Aus den unternehmerischem Denken und Handeln. Das
im vorherigen Abschnitt beschriebenen nationa-
49
Zypriotische Pdagogische Institut bietet optiona- im Beruf ebenso wie im Privatleben zu frdern.
le Seminare fr Lehrer, Schulleiter und politische Unternehmerische Initiative soll die persnli-
Entscheidungstrger an. Diese Seminare werden chen Potenziale erschlieen, auf denen jegliche
vom Bildungsministerium in Zusammenarbeit unternehmerische Ttigkeit beruht. Die Zusam-
mit anderen Organisationen (d. h. mit Hochschu- menarbeit mit Lehrern von Sekundarschulen hat
len) veranstaltet. Gegebenenfalls arbeiten die zur Entwicklung verschiedener Lehrmaterialien
Ausbilder mit der Industrie zusammen, um die und Handbcher zu folgenden Themen gefhrt:
Praxisrelevanz der Kurse sicherzustellen. Unternehmerisches Handeln in der Berufsbil-
In Polen wird unter der Bezeichnung Dynami- dung, Mglichkeiten selbststndiger Ttigkeit
sches Unternehmertum ein Programm zur Fr- und Einblicke in das Leben von Unternehmern.
derung der Erziehung zu unternehmerischem Auerdem wurde ein Handbuch fr Lehrer zur
Denken und Handeln im Hochschulbereich durch- Einfhrung der Erziehung zu unternehmerischem
gefhrt. Ziel dieses 2004 ins Leben gerufenen Denken und Handeln in berufsbildenden Schulen
Programms ist die Entwicklung von Methoden (Sekundarbereich) verfasst.
und Werkzeugen fr Kurse zur Vermittlung un-
ternehmerischer Initiative auf Hochschulniveau in Weiterbildungsmanahmen fr
Polen. Die Unterrichtsmethoden sowie die Werk- Lehrer in sterreich
zeuge und Fallstudien wurden erstmals an der In sterreich wurde die Initiative fr Teaching
Leon-Kozminski-Akademie fr unternehmerische Entrepreneurship (ifte) (f) auf den Weg ge-
Initiative und Management (Wirtschaftsfach- bracht, um die Weiterbildung von Lehrern wei-
schule) im Rahmen eines von der EU finanzierten terzuentwickeln und Lehrern entsprechende
Projektes fr 120 Teilnehmer aus 32 Hochschu- Manahmen anbieten zu knnen; im Rahmen
leinrichtungen in der Region Masowien (zumeist dieser Initiative findet jhrlich die Kitzbheler
auerhalb des Wirtschaftsbereichs) erprobt. Aus Sommerhochschule statt. Die im Juli angebo-
dieser Initiative ist das 2006 verffentlichte und tenen einwchigen Sommerkurse richten sich
fr den Hochschulbereich vorgesehene Handbuch an Lehrer berufsbildender Schulen und Kol-
Dynamic Entrepreneurship. How to Start Your legs sowie an Lehrer, die in allgemeinbilden-
Own Business hervorgegangen. den Schulen des Sekundarbereichs ttig sind.
In Slowenien hat das Zentrum fr Berufsbil- Das Programm ist breit gefchert und deckt
dung ein Weiterbildungsprogramm fr Lehrer Themen wie z. B. unternehmerische Initiative
eingefhrt, die in Berufs- und Fachschulen des und Unterrichtsphilosophie, Wirtschaftsethik
Sekundarbereichs im Bereich der Erziehung zu und Kreativittsfrderung ab, umfasst prakti-
unternehmerischem Denken und Handeln ttig sche Erfahrungen und erlutert, wie Prozesse
sind. Die Lehrer nehmen an Workshops teil, bei des Vernderungsmanagements eingesetzt
denen der Einsatz aktiver Lernmethoden und werden knnen, um innovative Bildungsein-
die unterschiedlichen Aktivitten zur Frderung richtungen zu schaffen. Dem experimentellen
und Entwicklung unternehmerischer Haltungen Lernen wird ebenfalls ein hoher Stellenwert
im Vordergrund stehen. Dazu richtet sich die beigemessen. Da die ifte durch zahlreiche f-
Aufmerksamkeit auf strukturierte Prozesse, die fentliche und private Sponsoren untersttzt
auf Anstzen zur kreativen Problemlsung und wird, setzt sich das Schulungsteam aus Fach-
zu kritischem Denken beruhen und zum Lernen leuten aus Wirtschaft, Hochschulen und Schu-
durch praktisches Handeln (Learning by Doing) len zusammen; die Zusammensetzung ergibt
sowie durch Nachahmung und durch erfolgrei- sich aus der Untersttzung der ifte durch viel-
che Kommunikation anregen sollen. Die Nutzung fltige Sponsoren aus dem ffentlichen und
dieser Verfahren im Klassenzimmer soll in erster dem privaten Sektor.
Linie dazu beitragen, unternehmerische Initiative
bei den Lernenden zu wecken und entsprechende Betriebspraktika von Lehrern sind ein wertvol-
Kompetenzen zu entwickeln, um die individuelle les Mittel zum Erwerb von Kompetenzen fr
allgemeine Befhigung zur Effizienzsteigerung Lehrkrfte im Bereich der Erziehung zu unter-
[Link]
(f)
50
nehmerischem Denken und Handeln. Durch Le- Lehrgangs hofft man, die unternehmerische
arning-by-Doing vermitteln sie fundierte prak- Flamme zu entfachen, indem den Lehrkrf-
tische Erfahrungen mit dem Arbeitsleben in der ten Erfahrungen aus erster Hand geboten
Privatwirtschaft. Weitere potenzielle Vorteile von werden, damit ihnen bewusst wird, was eine
Betriebspraktika sind u. a. der Erwerb von Fh- unternehmerische Einstellung ausmacht. Die
rungskompetenz sowie die allgemeine Kompe- Teilnehmer lernen, das Thema aus einem
tenzentwicklung; auerdem erhlt die Wirtschaft unterschiedlichen Blickwinkel zu betrachten,
die Mglichkeit, sich in den Bildungsbereich ein- und mssen ber ihr eigenes Talent und die
zubringen. Dies frdert das wechselseitige Ver- Talente ihrer Schler nachdenken. Sie ms-
stndnis beider Bereiche. Allerdings erfordern sen sich auf die Auenwelt einlassen und
Betriebspraktika auch ein erheblich strkeres En- unternehmerische Initiative und Bildung mit-
gagement und umfangreichere Mittel als bloe einander verknpfen.
Besuche in rtlichen Unternehmen und in Schu-
Das zweite Weiterbildungsangebot luft ber
len. Die Praktika knnen zwar zwischen einzelnen
zwei Tage unter Bezeichnung Arranging (Or-
Schulen und Betrieben vereinbart werden, wahr-
ganisieren). Das Ziel dieses Lehrgangs besteht
scheinlich drfte aber doch ein relativ hohes Ma
darin, dass die Lehrkrfte die unternehme-
an Organisation auf lokaler Ebene mglicher-
rische Begeisterung in die Unterrichtspraxis
weise unter Beteiligung lokaler oder regionaler
einbringen. Die Teilnehmer erfahren aus-
Behrden oder Untersttzungszentren und eines
gehend von und mit Blick auf die eigene Un-
lokalen Unternehmensverbands erforderlich
terrichtspraxis , wie sie den Unterricht in un-
sein, um Praktika einzurichten und zu verwalten.
ternehmerischer Initiative in Zusammenarbeit
mit externen Unternehmern gestalten knnen.
Golden opportunities: Closing the
Dabei wird der Bogen zu den Bildungsrahmen
books a little more often (Ein-
und Bildungszielen geschlagen. Von den teil-
malige Chancen: weniger Bcher,
nehmenden Lehrkrften wird erwartet, dass
mehr Praxis) Nationales Zen-
sie ihren eigenen Unterricht im Bereich der
trum fr Lehrplanentwicklung
Erziehung zu unternehmerischem Denken und
(SLO), Niederlande
Handeln konzipieren und dabei auf alle We-
SLO, das niederlndische Kompetenzzentrum sensmerkmale der unternehmerischen Initia-
fr Lehrplanentwicklung, bietet Weiterbil- tive zurckgreifen.
dungsmanahmen fr Lehrkrfte, Schulleiter
und weitere Akteure an, die an der Entwicklung Inhalte, Werkzeuge, Methoden und Ressour-
und Umsetzung von Programmen im Bereich cen fr Unterrichtsmanahmen
der Erziehung zu unternehmerischem Denken Ebenso wichtig wie die Aus- und Weiterbildung
und Handeln mitwirken oder diesbezglich von Lehrkrften ist, dass effiziente Ressourcen
einen Beitrag leisten mchten. Die Weiterbil- und wirksame Untersttzung fr den Unter-
dung fr Lehrkrfte setzt sich aus zwei aufei- richt bereitgestellt werden und der Erziehung
nanderfolgenden Lehrgngen zusammen. Das zu unternehmerischem Denken und Handeln
Grundprinzip der Weiterbildungsangebote von im Lehrplan gengend Raum gewhrt wird.
SLO lautet: Unternehmerisches Denken und In der Regel mchten Lehrer Ressourcen anpas-
Handeln ist eine Frage des Verhaltens. sen und weiterentwickeln knnen; fr Lehrkrfte
Der erste Lehrgang luft ber drei Tage unter knnen Standard-Produkte allerdings eine sehr
der Bezeichnung Excelling (Spitzenleistung). hilfreiche Alternative sein. Viele der Ressourcen
Im Rahmen dieses Lehrgangs, in dessen Mit- knnen sich Lehrer auf lokaler Ebene erschlie-
telpunkt Einstellungen und Verhaltenswei- en, indem sie sich die bestehenden Einrichtun-
sen stehen, soll das unternehmerische Ver- gen (z. B. von den lokalen/regionalen Behrden
halten der Lehrkrfte gefrdert werden. Die gefrderte Untersttzungszentren, siehe folgen-
Teilnehmer arbeiten an ihrer persnlichen der Abschnitt 4.3.3) zunutze machen. In einer
Entwicklung als Unternehmer. Whrend des Reihe von Fllen wurden allerdings landesweite
51
zudenken. Der Comic vermittelt auf interaktive, rufe, das Orientierungsmodul Entdecke deine
dynamische, positive und pragmatische Weise Strken zur Erkennung persnlicher Strken
Einblicke in die Wirtschaft und in unternehmeri- und Schwchen und schlielich einen Test zur
sches Denken und Handeln und kann sowohl von Ermittlung unternehmerischer Begabung. Au-
einzelnen interessierten Schlern eigenstndig erdem absolvieren die Teilnehmer zu Hause
verwendet als auch im Klassenverbund einge- zwei schriftliche Tests: einer Selbstbewertung
setzt werden. Der Comic besteht aus zehn Teilen, und einer Einschtzung der Strken der Sch-
jeweils einem fr die einzelnen Stufen des Pro- ler durch Freunde, Eltern usw. Die Online-Tests
zesses, den Lucy und Valentin bei der Erffnung werden einem Talent-Coach bermittelt; sp-
ihres Ladens fr Sportmode durchlaufen. Ein ter erfolgt eine Nachbereitung in einem eintgi-
hnlicher Ansatz wird in Luxemburg verfolgt; dort gen Seminar der Teilnehmer mit dem Talent-
werden im Primarbereich anhand des Comics beauftragten (mit hchstens zwlf Schlern).
Boule et Bill crent leur entreprise (Boule und In diesem Seminar werden die Ergebnisse der
Bill grnden ein Unternehmen) Informationen Tests errtert und persnliche Talentprofile er-
ber die Grndung von Unternehmen vermittelt. arbeitet. Nach Abschluss des Seminars gehen
die Schler mit fnf konkreten Vorschlgen fr
Zunehmend werden auch virtuelle Ressourcen
eine knftige Berufsausbildung, eine Beschf-
genutzt. Im Vereinigten Knigreich beispiels-
tigung oder ein Studium nach Hause. In den
weise werden internetbasierte Ressourcen auf
ersten 18 Monaten haben sich mehr als 4 500
nationaler und regionaler Ebene von staatlichen
Schler aus 170 Schulen an dem Projekt be-
und lokalen Bildungsbehrden bereitgestellt
teiligt. Die vom Wirtschaftsministerium Baden
([Link]/). In Polen besteht
Wrttemberg (mit Schwerpunkt auf dem As-
eine Schlsselkomponente des nationalen Pro-
pekt der unternehmerischen Initiative) und von
gramms Dynamisches Unternehmertum zur
der Regionaldirektion Baden-Wrttemberg der
Frderung der Erziehung zu unternehmerischem
Bundesagentur fr Arbeit (mit Schwerpunkt auf
Denken und Handeln in Hochschuleinrichtungen
dem Aspekt der Berufsberatung) finanzierte In-
in einem speziellen Web-Portal ([Link].
itiative hat sich als gutes Beispiel fr eine Zu-
pl), ber das Studierenden Unterlagen, Werkzeu-
sammenarbeit auf regionaler Ebene erwiesen.
ge und Lerntipps erhalten und Lehrkrften Unter-
richtsmaterialien zur Verfgung gestellt werden.
ber die oben beschriebenen Arten von Ressour-
cen hinaus bentigen die Lehrer allerdings auch
Ermittlung unternehmerischer Raum, um von den verfgbaren Ressourcen Ge-
Talente ber das Internet brauch machen zu knnen. Einer Nutzung die-
Baden-Wrttemberg, Deutschland ser Ressourcen knnen allerdings verschiedene
Die Talenteschmiede Baden-Wrttemberg ist Hindernisse entgegenstehen, die die Erziehung
ein Pilotprojekt der NaturTalent-Stiftung fr zu unternehmerischem Denken und Handeln als
Schler allgemeinbildender Schulen im Alter auerunterrichtliche Aktivitt an den Rand des
von 15 bis 20 Jahren. Mit der Talenteschmiede Lehrplans verdrngt haben. Teilweise sind die
sollen Schler auf ihre natrlichen Begabungen Lehrplne nicht flexibel genug. Aus derartigen
aufmerksam gemacht werden und Hinweise Grnden kann es fr Lehrer schwierig sein, inno-
auf mgliche Berufswege erhalten. Dahinter vative Aktivitten zu organisieren und den Sch-
steht der Gedanke, dass Menschen vermutlich lern grere Freirume zu gewhren. Eine Lsung
effizienter und innovativer arbeiten, wenn sie ist in Slowenien gelungen: Dort knnen die Lehrer
ihre Begabungen in ihre Beschftigung einbrin- frei ber bis zu 20 % des gem dem nationa-
gen knnen. In der ersten Stufe des Prozesses len Rahmenlehrplan vorgesehenen Zeitbudgets
unterziehen sich die Schler verschiedenen verfgen. Diese Regelung erffnet Freirume zur
Online-Tests; diese Tests dauern insgesamt Frderung unternehmerischer Initiative.
fnf Stunden und sind zu Hause zu absolvie-
ren. Sie umfassen eine Kompetenzprfung,
eine Prfung zur Bestimmung mglicher Be-
53
[Link]
(g)
54
haltiger Beziehungen mit Schulen gem dem Vision einer durch unternehmeri-
Entwicklungsstufenmodell und ii) Entwicklung sche Initiative bestimmten Zukunft:
innovativer Anstze fr die Einbeziehung von Un- das Programm DREAM
ternehmen, einschlielich einer umfassenderen
Nutzung lokaler Partnerschaften und der Entwick- Im Rahmen des fr Jugendliche im Alter von
lung einer Vermittlerttigkeit lokaler Unterneh- 16 bis 19 Jahren aufgelegten belgischen Pro-
mensverbnde (was in Lndern wie Deutschland jekts DREAM(h) knnen Unternehmer/Arbeitge-
mit einer gewachsenen Verbandsstruktur etwa in ber auf freiwilliger Basis in Schulklassen oder
Form der Handelskammern natrlich leichter zu am Arbeitsplatz ihre Erfahrungen weitergeben.
bewerkstelligen ist). Ebenso wichtig ist die Ein- Das Programm wurde vom Fachbereich KMU
beziehung von Unternehmensverbnden in die der Brussels Management School des Institut
Entwicklung und Umsetzung von Strategien auf Catholique des Hautes Etudes Commerciales
nationaler Ebene. Unternehmensverbnde und (ICHEC-PME) entwickelt. Mit dem Programm
Interessenvertretungen der Wirtschaft wie z. B. DREAM werden vier Ziele angestrebt:
Handelskammern knnen wertvolles Fachwissen 1. Ermutigung Jugendlicher zum Nachdenken
und wichtige Erfahrungen fr die Einfhrung der darber, welchen Beruf sie ausben mch-
Erziehung zu unternehmerischem Denken und ten bzw. wovon sie wirklich trumen,
Handeln einbringen und sicherstellen, dass Schu- 2. Beratung zu den Kompetenzen, die zur
len und Lehrer die Anforderungen der Wirtschaft Verwirklichung der persnlichen Trume
angemessen bercksichtigen. bentigt werden,
In einer Reihe von Bereichen kann die Rolle der 3. Frderung und Vermittlung unternehme-
Unternehmen gestrkt werden, um die Ent- rischer Einstellungen und Verhaltenswei-
wicklung der Erziehung zu unternehmerischem sen und
Denken und Handeln zu untersttzen (siehe 4. Vertiefung von Kontakten zwischen Schu-
folgenden Kasten): len und der Wirtschaft.
Im Zentrum von DREAM steht ein nationaler
Schlsselelemente bei der Entwick-
Tag, der jungen Menschen die Mglichkeit
lung der Rolle der Unternehmen
bieten soll, sich angeregt durch Schilderungen
Besuche, Praktika, Fallstudien und Rollen- von Akteuren aus unterschiedlichen Bereichen
modelle von Wirtschaft und Gesellschaft (Dienstleis-
Programme fr Mini-Unternehmen und tungen, produzierendes Gewerbe, Kultur- und
virtuelle Unternehmen Kreativwirtschaft, NRO usw.) Gedanken ber
ihre Zukunft zu machen. Die Initiative wurde
Private Verbnde und Organisationen als 1999 landesweit eingeleitet; seitdem haben
Vermittler zwischen der Wirtschaft und mehr als 101 000 Schler an dem Programm
dem Bildungssektor teilgenommen.
Besuche, Praktika, Fallstudien und Rollen- Unternehmenstage oder -wochen erfreuen sich
modelle zunehmender Beliebtheit; sie bieten die Mg-
lichkeit zur zielgerichteten Beschftigung, hufig
Die Unternehmen untersttzen die Erziehung zu unter Aussetzung des normalen Stundenplans
unternehmerischem Denken und Handeln seit der jeweiligen Schule, und die Schler arbeiten
Jahren in vielfltiger Weise und werden dies gemeinsam an bestimmten Aufgabenstellungen.
auch knftig tun. Einer der wirkungsvollsten An- In Frankreich beispielsweise knnen Unterneh-
stze besteht darin, Schler mit Unternehmen men der unterschiedlichsten Branchen whrend
und echten Unternehmerpersnlichkeiten in Be- der Semaine Ecole-Entreprise18 ihre Tren fr
rhrung zu bringen. Schler ffnen, und Unternehmer bzw. Arbeit-
geber knnen in den Schulen ihre Erfahrungen
(h)
[Link]
18 [Link]
55
weitergeben. Diese im Jahr 2000 ins Leben geru- gangenen Jahr verzeichnete die Website19, auf
fene Initiative hat folgende Ziele: Frderung des der das Spiel in einer Demoversion verfgbar ist,
gegenseitigen Verstndnisses im Bildungssektor 5 000 Besucher.
und in der Wirtschaft, Strkung des Austauschs
und des Aufbaus von Partnerschaften zur Unter- Gewhrleistung der direkten
sttzung neuer Initiativen und Begrndung ei- Beteiligung von Unternehmern an
nes nachhaltigen langfristigen Dialogs zwischen der Erziehung zu unternehmeri-
Lehrern und Fhrungskrften aus der Wirtschaft. schem Denken und Handeln:
Die Initiative ist Bestandteil eines jhrlichen Ver- Universitt Valencia, Spanien
anstaltungskalenders, der gem einer Rahmen-
An der Universitt Valencia (Spanien) finanzie-
vereinbarung vom 19. Juli 2004 zwischen dem
ren und verwalten Unternehmer einen Lehr-
Bildungsminister und dem Prsidenten des Mou-
stuhl fr Erziehung zu unternehmerischem
vement des Entreprises de France in Zusammen-
Denken und Handeln. Die fr die Durchfhrung
arbeit mit der Wirtschaft gestaltet wird. Weitere
des begleitenden Seminars zustndigen Leiter/
Partner sind das Centre of Young Leaders und der
Lehrbeauftragten stammen ausschlielich aus
Verband Youth Association and Enterprise.
lokalen Unternehmen. Entsprechend haben sie
In Slowenien werden in der von JAPTI, der Be- nicht nur Vorbildcharakter, sondern sind auch
hrde fr Unternehmen und auslndische Di- unmittelbar an der Erziehung zu unternehmeri-
rektinvestitionen, geleiteten Initiative D-School schem Denken und Handeln beteiligt. Im Laufe
(Design Thinking School) interdisziplinre Grup- der zehn Jahre, die dieses Programm inzwi-
pen von Schlern, Lehrern und innovativen Un- schen besteht, wurden 250 Unternehmenspro-
ternehmen zusammengebracht, um Lsungen jekte entwickelt. Der Erwerb unternehmerischer
fr Probleme der realen Wirtschaft zu entwickeln. Kompetenzen und Einstellungen seitens der
Mentoren aus der Wirtschaft kommen regelm- Studierenden ist als ein wesentlicher Erfolg die-
ig in die Schulen, und die Schler besuchen be- ses Programms zu verbuchen.
teiligte Unternehmen, in denen sie erste Einblicke
in die jeweiligen Betriebe erhalten und in denen Mini-Unternehmen, virtuelle Unternehmen
die jeweiligen Produkte und Technologien vorge- Die wirksamste Form der Konfrontation von Sch-
stellt werden. Auerdem stellen die Unternehmen lern (und Lehrern!) mit Methoden und Herausfor-
Schlern ihre Forschungsinfrastruktur zur Verf- derungen der Wirtschaft besteht in der Nutzung
gung, um die Schler bei der Entwicklung von von Mini-Unternehmen zur Nachbildung einer
Prototypen zu untersttzen. Umgebung, in der unternehmerische Kompe-
Dieser praxisorientierte Ansatz ist auch in den tenzen experimentell entwickelt werden knnen.
Niederlanden zu beobachten. Dort hat im Jahr In diesen Mini-Unternehmen werden in kleinem
2004 die Universitt Groningen gemeinsam mit Mastab und fr einen begrenzten Zeitraum reale
ID Media ein Internet-Lernspiel fr Schler be- betriebliche Ttigkeiten durchgefhrt; damit wird
rufsvorbereitender und berufsbildender hherer den Schlern die Mglichkeit erffnet, persnliche
Schulen entwickelt. Mit dem KvK Startersspel Erfahrungen mit den Herausforderungen zu sam-
(KvK= Kamer van Koophandel) sollen Sch- meln, mit denen Unternehmer konfrontiert sind.
ler auf spielerische Art ber die verschiedenen Der Bericht der Europischen Kommission aus
Schritte bei der Grndung eines Unternehmens dem Jahr 2005 ber Mini-Unternehmen zeigt,
informiert und auf Organisationen aufmerksam dass diese Schlern den Erwerb grundlegender
gemacht werden, die bei der Unternehmens- unternehmerischer Kompetenzen, persnlicher
grndung von Belang sind (z. B. Handelskam- Kompetenzen und Querschnittskompetenzen so-
mern). Das Spiel wurde im Jahr 2005 zunchst wie die Entwicklung von Kreativitt, Begeisterung
in fnf Schulen erprobt und kann inzwischen in und Selbstvertrauen ermglichen; die Schler
allen niederlndischen Schulen genutzt werden. lernen, im Team zu arbeiten, Verantwortung zu
Zurzeit sind etwa 80 Schulen registriert. Im ver- bernehmen und Eigeninitiative zu entwickeln.20
19 [Link]
20 GD Unternehmen und Industrie (2005) Best-Projekt: Schlerfirmen im Sekundarbereich ([Link]
newsroom/cf/[Link]?item_id=3358).
56
21 Die Evaluierungen wurden vom Nord-Trndelags Research Institute durchgefhrt (siehe Kovereid und Alsos, 2003).
57
JA-YE Europe ist die europische Sektion des in 98 Lndern vertretenen Netzes JA Worldwide.
(i)
22 [Link]
58
Das Programm wird landesweit auf allen Bil- Lokale und regionale Behrden spielen eine wich-
dungsebenen durchgefhrt. Die Schler erhalten tige Rolle bei der Entwicklung der Erziehung zu
kostenlose Lehrbcher und Online-Untersttzung. unternehmerischem Denken und Handeln. Gem
spielen. In Asturien (Spanien) beispielsweise wur- dem Entwicklungsstufenmodell kamen lokalen
und regionalen Behrden bisher sehr unterschied-
23 [Link]
24 [Link]
25 Eine ASBL (Association Sans But Lucratif) ist eine Organisation ohne Erwerbszweck, die berschssige Mittel in die Verwirklichung
ihrer Ziele reinvestiert. Die Mitglieder einer ASBL mssen Rechtssubjekte sein (Unternehmen oder natrliche Personen).
59
liche Rollen zu; teilweise waren die Behrden au- Schlsselrollen regionaler und
erordentlich aktiv, manche Behrden haben aber lokaler Behrden
auch keinerlei Funktion bernommen. Das Ent-
wicklungsstufenmodell sieht vor, dass lokale und Aufbau von Untersttzungsnetzen
regionale Behrden eine zunehmend wichtigere Aufbau lokaler und regionaler Unter-
Funktion bernehmen, indem sie zur Entwicklung sttzungszentren
systematischerer und strukturierterer Anstze in
Verknpfung der Erziehung zu unter-
der Erziehung zu unternehmerischem Denken und
nehmerischem Denken und Handeln mit
Handeln beitragen. Dies wird erforderlich sein, um
umfassenderen lokalen und regionalen
das bergeordnete Ziel der Erziehung zu unterneh-
Strategien
merischem Denken und Handeln fr alle Schler
verwirklichen zu knnen. Am Ende dieser Entwick-
Aufbau von Untersttzungsnetzen und
lung knnte die Einrichtung von Partnerschaften
-zentren
auf der Ebene lokaler Gebietskrperschaften ge-
setzlich vorgeschrieben werden, um eine umfas- Auf praktischer Ebene knnen lokale und regio-
sende Abdeckung sicherzustellen. nale Behrden eine wichtige Rolle beim Aufbau
von Untersttzungsnetzen und -zentren spielen.
Regionale und lokale Behrden sind in einzigar- Sie stellen ein natrliches Forum dar, um Schu-
tiger Weise fr die bernahme einer fhrenden len zusammenzufhren, den Dialog und Aus-
Rolle bei der Entwicklung von Schul-Clustern und tausch mit Unternehmen zu frdern, Aspekte
der Herstellung von Verbindungen zwischen dem der Erziehung zu unternehmerischem Denken
Bildungssektor und der Wirtschaft prdestiniert. und Handeln zu errtern und bewhrte Verfah-
Wenn lokalen und regionalen Behrden weitrei- ren zu verbreiten. Ein aufschlussreiches Beispiel
chende Zustndigkeiten im Bildungsbereich ber- aus dem Vereinigten Knigreich zeigt, wie eine
tragen wurden (z. B. in Deutschland und in Spa- derartige langfristige lokale Entwicklung von der
nien), muss die Erziehung zu unternehmerischem nationalen Regierung aufgegriffen wurde, um
Denken und Handeln in vollem Umfang in der eine landesweite Abdeckung herbeizufhren;
lokalen Bildungspolitik und praktischen Bildungs- dieser Schritt ist auch im Entwicklungsstufen-
arbeit bercksichtigt werden. modell vorgesehen.
Die lokalen und regionalen Behrden knnen
zur Strukturierung und zur Vermittlung von Be- Vernetzung der Erziehung zu unter-
ziehungen zwischen Schulen und einzelnen Un- nehmerischem Denken und Handeln:
ternehmen beitragen und mit lokalen Unterneh- Beispiel Vereinigtes Knigreich
mensverbnden zusammenarbeiten, um lokale Das im Vereinigten Knigreich eingerichtete
Strategien innerhalb nationaler Bildungsrahmen Unternehmensnetz (Enterprise Network) soll
zu entwickeln und sicherzustellen, dass die An- die Erziehung 5- bis 19-Jhriger zu unterneh-
forderungen der Wirtschaft in lokalen und regi- merischem Denken und Handeln frdern. Alle
onalen Lehrplnen angemessen bercksichtigt 155 Gebietskrperschaften werden abgedeckt.
werden. Sie knnen digitale Sammlungen von Geplant ist, dass sich einige zu wirksamen
Lehrmaterialien und Werkzeugen aufbauen und Partnerschaften zusammenschlieen, um auf
zugnglich machen sowie lokale und regionale diese Weise 50 bis 60 ELPs (Enterprise Lear-
Projekte finanzieren. Auerdem knnen sie si- ning Partnerships) in einem nachhaltigen Netz
cherstellen, dass die Erziehung zu unternehme- zusammenfhren. In ELPs sind Gruppen von
rischem Denken und Handeln in weitere lokale Schulen und Verbnden innerhalb jeweils ei-
bzw. regionale Strategien einbezogen wird (z. B. ner Gebietskrperschaft zusammengeschlos-
in die Bereiche Soziales (Jugend usw.) und Wirt- sen, die die Erziehung zu unternehmerischem
schaftsfrderung). Denken und Handeln proaktiv untersttzen
mchten. Jede ELP erhlt Finanzmittel zur Un-
tersttzung der unternehmerischen Erfahrun-
60
gen der 5- bis 19-Jhrigen in ihrem jeweiligen fr Manahmen der Behrden. Ein gutes Beispiel
rumlichen Zustndigkeitsbereich. ELPs unter- bietet etwa Litauen, wo Pilotzentren zur Frderung
sttzen alle Schulen im jeweiligen Gebiet, um des Unternehmergeists bei Jugendlichen eine ins-
die Qualitt und den Umfang der Erziehung zu titutionelle Grundlage fr die Erziehung Jugendli-
unternehmerischem Denken und Handeln zu cher zu unternehmerischem Denken und Handeln
verbessern. Neben den lokal definierten Ak- in vier Kommunen schaffen. Vier Zentren zur Fr-
tivitten der ELPs ist das Netz auch insoweit derung unternehmerischer Initiative bei Jugendli-
von Bedeutung, als den Schulen Zugang zu chen wurden in den Bezirken Anyksciai, Mazeikiai,
zahlreichen zentral organisierten Ressourcen Taurage und Zarasai eingerichtet. Aufbauend auf
gewhrt wird. Dazu bringt das Netz national den Erfahrungen der Partnerorganisation Com-
anerkannte Organisationen im Bereich der Er- municare wurde eine Methode fr die Frderung
ziehung zu unternehmerischem Denken und des Unternehmergeistes bei Jugendlichen entwi-
Handeln zusammen (z. B. Make your Mark ckelt. 16 als Berater ttige Jugendsozialarbeiter
und den Enterprise Education Trust). Enter- (jeweils vier in den einzelnen Kommunen) wurden
prise Village (j) ist die Online-Komponente des fr die Vermittlung einer Reihe von Programmen
Enterprise Network; diese Website fungiert geschult (Der erste Schritt, Unternehmensgrn-
vornehmlich in England als One-Stop-Shop dungen und Unternehmensentwicklung).
fr alle, die sich fr die Erziehung zu unter-
Verknpfung der Erziehung zu unternehme-
nehmerischem Denken und Handeln interes-
rischem Denken und Handeln mit umfassen-
sieren. Regionale Unternehmenskoordinatoren
deren lokalen und regionalen Strategien
und ELPs knnen lokale und regionale Seiten
einrichten, um die Entwicklung innerhalb der Kommunen und Regionen sind vielfach die geo-
Kommunen und das Engagement des Ge- grafischen Ebenen, auf denen weitere Strategi-
meinwesens zu frdern. en entwickelt und umgesetzt werden z. B. in
Bezug auf Jugend und Wirtschaftsfrderung. Die
In Wales ist im Rahmen der Entwicklungspartner- Erziehung zu unternehmerischem Denken und
schaft Cyfenter die Wissensbasis fr den Welsh Handeln kann durch die Einbeziehung in die-
Entrepreneurship Action Plan (WEAP) entstanden. se Strategien untersttzt werden, und mitunter
Ein wesentliches strategisches Ziel des Plans war kann sie auch aus anderweitigen Finanzierungs-
die Einbeziehung unternehmerischer Initiative in quellen gefrdert werden (z. B. aus dem Europ-
den nationalen Lehrplan und die Frderung von ischen Sozialfonds oder aus dem Europischen
Unternehmenskultur bereits bei Kindern und Fonds fr regionale Entwicklung).
Jugendlichen. Mit dem Projekt Dynamo will der
WEAP die Perspektiven der Menschen ndern und Etablierung der Erziehung zu unter-
eine Kultur entwickeln, in der Unternehmertum nehmerischem Denken und Handeln
respektiert und geschtzt wird. Dynamo organi- als wesentlicher Bestandteil der um-
siert Fortbildungen fr Lehrer und stellt Schulen fassenden soziokonomischen Ent-
Lehrmittel zur Verfgung (u. a. Lehrer-Begleit- wicklung, Beispiel Asturien, Spanien
hefte und Unterrichtsplne, CD-ROM-Cards mit
Die Regierung der Autonomen Gemeinschaft
Informationen ber die Wirtschaft in Wales und
Asturien und die Sozialpartner haben die Ver-
eine CD-ROM mit einem interaktiven Spiel zur un-
einbarung ber Wirtschaftsfrderung, Wettbe-
ternehmerischen Initiative). Alle Sekundarschulen
werbsfhigkeit und Beschftigung (ADEC) fr
in Wales haben nun Zugang zum Projekt Dynamo
den Zeitraum 2004 bis 2007 unterzeichnet
und den betreffenden Lehrmaterialien.
und dabei ein Programm zur Entwicklung un-
Lokale und regionale Behrden knnen auch Un- ternehmerischer Kultur einbezogen. Die Ver-
tersttzungszentren einrichten. Diese Zentren kn- einbarung wurde fr den Zeitraum 2008 bis
nen Schulen und Lehrer und sogar Unternehmen 2011 als Vereinbarung fr Wettbewerbsfhig-
in allgemeiner Weise untersttzen. Allerdings be- keit, Beschftigung und Wohlfahrt in Asturien
stehen in anderen Lndern konkretere Beispiele verlngert. Dieser regionale Ansatz hat die Er-
[Link]
(j)
61
besteht das Potenzial zur Bildung von Clustern derungen und Kompetenzen gerecht werden. Dies
oder Partnerschaften, die alle Bildungsebenen gilt gleichermaen fr die jeweiligen Rahmenbe-
umfassen und alle Beteiligten auf praktischer dingungen (Hintergrnde der Schler, Herausfor-
Ebene einbeziehen knnen, wenngleich fr diesen derungen der rtlichen Industrie usw.) und fr die
abschlieenden Schritt hufig lokale oder regio- institutionellen Bedingungen (d. h. fr den Umfang
nale Behrden eingebunden werden mssen (sie- der Erziehung zu unternehmerischem Denken und
he vorstehenden Abschnitt). Da die Manahmen Handeln, fr deren Verhltnis zum Lehrplan usw.).
in den Schulen durchgefhrt werden, stellen sich Die erforderliche Integration bedeutet insbeson-
hier natrlich auch konkreten Herausforderun- dere auch, dass gemeinsame Interessen und po-
gen (z. B. die Beschaffung von Ressourcen und tenzielle Synergien zwischen den verschiedenen
die Erarbeitung eines Zeitplans fr die Manah- Einrichtungen und Ebenen genutzt werden sollten
men). Allerdings bietet die Zusammenarbeit auf (z. B. zwischen Schulen und Hochschulen). Dies
lokaler und regionaler Ebene im Rahmen einer wird eine zunehmende Zusammenarbeit sowie die
Gesamtstrategie die Mglichkeit zur Entwicklung Bildung von Clustern einzelner Schulen und Grup-
gemeinsamer Manahmen, zur gemeinsamen pierungen der beteiligten Unternehmen zur Folge
Nutzung von Ressourcen auf lokaler, regionaler haben. Diese Cluster bzw. Gruppierungen knnen
und nationaler Ebene und zum Austausch von dann durch die Entwicklung formalerer Regelun-
Erfahrungen. gen zwischen Kommunen und Interessenvertre-
tungen der Wirtschaft (z. B. Handelskammern)
Der Prozess beginnt jedoch in Schulen, die eigene
systematisiert werden.
kohrente Anstze fr die Erziehung zu unter-
nehmerischem Denken und Handeln entwickeln Viele der in den frheren Abschnitten dieses Ka-
mssen mglicherweise aufbauend auf Unter- pitels beschriebenen Manahmen sind auch im
richts- und Lernerfahrungen der einzelnen Lehrer. Hinblick auf die Formen von Bedeutung, in de-
Dazu mssen verschiedene Akteure zusammen- nen auf effiziente Weise ein zunehmend ganz-
wirken. Die Bedeutung dieses Prozesses wird aus heitlicher Ansatz in der Erziehung zu unterneh-
der Erfahrung in Finnland deutlich. Dort haben merischem Denken und Handeln ausgearbeitet
Lehrer, Schler und Schulrte in Zusammenarbeit werden kann. Allerdings kommt in diesem Zu-
gemeinsame Ziele vereinbart und eine frderli- sammenhang eine Reihe zustzlicher wichtiger
che Umgebung geschaffen, die die Erziehung zu Merkmale zum Tragen. Diese Merkmale sind im
unternehmerischem Denken und Handeln unter- folgenden Kasten zusammengestellt:
sttzt. Derart ehrgeizige Ziele setzen allerdings
auch konkrete Planungen und Vorgaben voraus,
Schlsselelemente bei der Entwick-
um einen ganzheitlichen Ansatz entwickeln zu
lung eines lokalen Gesamtsystems
knnen. Vor allem zeigt die Erfahrung in Finnland
fr die Erziehung zu unternehmeri-
auch, dass sich eine effiziente Erziehung zu un-
schem Denken und Handeln
ternehmerischem Denken und Handeln mit Pro-
zessen und Teilhabe beschftigen und weniger Schaffung von Umgebungen zum expe-
durch die Wahrung traditioneller Zustndigkeiten rimentellen Lernen (hufig zustzlich
als vielmehr durch einen ausgeprgten interdiszi- und/oder ergnzend zu traditionellen
plinren Ansatz gekennzeichnet sein muss. Lernumgebungen im Klassenzimmer)
Die Entwicklung eines strker integrierten Systems Bildung von Clustern, Partnerschaften
ist mit verschiedenen Vorteilen verbunden, darun- und umfassenderen Beziehungen unter
ter der Zugang zu besseren Ressourcen, Gren- Einbeziehung smtlicher Bildungsebe-
vorteile, die Mglichkeit des Peer-Learning und nen und vielfltiger Interessenvertreter
Nachhaltigkeit. Gleichzeitig muss sichergestellt
Aufbau lokaler und regionaler Unter-
sein, dass die Rahmenbedingungen den einzel-
sttzungszentren
nen Lehrern und Schulen hinreichende Flexibilitt
fr die Entwicklung von Anstzen und Materialien
einrumen, die den jeweiligen spezifischen Anfor-
63
Die Erluterung dieser Merkmale anhand be- Cluster, Partnerschaften und umfassen-
whrter Verfahren ist in dieser Phase naturge- dere Verbindungen
m besonders schwierig, da zunchst definiti-
In Lndern mit verhltnismig langer Tradition im
onsgem die einzelnen Schulen und sonstigen
Bereich der Erziehung zu unternehmerischem Den-
Lernorte diesbezglich die Initiative ergreifen
ken und Handeln haben die Schulen in manchen
mssen. Allerdings kann beispielhaft auf ver-
Kommunen eigene Cluster gebildet, die spter bis-
schiedene von nationalen und/oder regionalen
weilen unter der Federfhrung von lokalen Behr-
bzw. lokalen Behrden gefrderte Manahmen
den und Unternehmensverbnden zur Entwicklung
verwiesen werden, die veranschaulichen, wie An-
von Partnerschaften zwischen Bildungseinrich-
reize fr entsprechende Manahmen geschaffen
tungen und Unternehmen gefhrt haben. In ver-
werden knnen.
schiedenen Teilen Europas wurden auf regionaler
Schaffung experimenteller Ebene umfangreiche Manahmen durchgefhrt.
Lernumgebungen Wie im Folgenden erlutert, knnen auf regionaler
Ebene mglicherweise mehr Akteure eingebunden
Ein aufschlussreiches Beispiel fr die Schaf- werden, darunter Hochschuleinrichtungen sowie
fung experimenteller Lernumgebungen ist das regionale Einrichtungen und Gremien.
italienische System Impresa Formativa Simu-
lata (IFS) (Simulierte bungsfirmen). Mit dem In Spanien beispielsweise haben sich das IMPIVA
IFS-System wird eine neue Form der Erziehung (das Institut fr kleine und mittlere Unternehmen
zu unternehmerischem Denken und Handeln in Valencia) und die ADEIT (Fundacin Universi-
eingefhrt, die auf einer speziell entwickelten dad-Empresa de Valencia Stiftung Hochschu-
Software zur virtuellen Simulation von Unter- le-Wirtschaft in Valencia) zusammengeschlossen,
nehmensumgebungen unter Bercksichtigung um technischen und pdagogischen Bildungsein-
von Behrden, Banken und Handelskammern richtungen der Region den Zugang zur Wirtschaft
beruht. 731 Schulen und 370 Unternehmen zu erleichtern. In das Programm ist ein Konsor-
haben sich bislang an dieser Initiative betei- tium von Persnlichkeiten aus der kommunalen
ligt. 15 Regionalzentren wurden in Zusammen- Wirtschaft eingebunden, das die Frderung un-
arbeit mit einer Reihe italienischer Regionen ternehmerischer Initiative in Schulen und Hoch-
eingerichtet, um die Einfhrung des Systems schulen anstrebt. Die Frderung erfolgt haupt-
auf lokaler Ebene zu untersttzen. Das neue schlich durch Schulungen und zielgerichtete
Weiterbildungsmodell auf der Grundlage dieser Manahmen, die von den Konsortialunterneh-
Unterrichtsmethode konzentriert sich auf die men finanziert werden. Als Beispiel ist etwa eine
Entwicklung unternehmerischer Kompetenzen Sommerschule zu nennen, in der an Hochschulen
und die Frderung von Innovations-Kompetenz ttige Lehrkrfte lernen sollen, ihre Studierenden
sowie den Ausbau der Kapazitten innerhalb zu unternehmerischem Denken und Handeln zu
einzelner Schulen und schulbergreifend. Au- motivieren. Dieses Programm umfasst sowohl
erdem veranschaulicht das Modell die Vor- Workshops als auch eine Online-Komponente.
teile der Entwicklung von Alternativen zum Das Programm wurde entwickelt, um den folgen-
traditionellen Unterricht im Klassenzimmer. den wesentlichen Herausforderungen/Besonder-
Entscheidend fr das IFS-System ist die Frde- heiten in der Region Valencia und ihrer Wirtschaft
rung einer Strategie des Lernens durch prakti- zu begegnen sowie um mithilfe eines integrierten
sches Handeln (Learning by doing). In einem Ansatzes die folgenden spezifischen Probleme in
Simulationslabor schlgt das System eine Br- Angriff zu nehmen: die rcklufigen Absolventen-
cke vom Klassenzimmer in die reale Wirtschaft; zahlen in pdagogischen Ausbildungsgngen, die
dies erfordert eine entsprechende Zusammen- Notwendigkeit der Maximierung der im Rahmen
arbeit zwischen Schulen und Unternehmen so- des Programms ERASMUS angebotenen und von
wie die Einrichtung von Bildungswegen, die auf der Universitt Valencia bereits genutzten Mg-
genau definierte Lernziele ausgerichtet sind. lichkeiten und die Notwendigkeit der Konzentration
auf die Schlsselsektoren des Arbeitsmarkts der
64
Stadt und der Region insgesamt (Metallindustrie, regionale Ebene ein. Wettbewerbe fr Unter-
Maschinenbau, Lebensmittel- und Getrnkeindus- nehmensgrndungen fr Schler auf natio-
trie). naler sowie auf regionaler und lokaler Ebene
(z. B. der Nordschwarzwald-Cup) sind eine
Wenn regionalen Verwaltungen weitreichende
wichtige Komponente dieses Programms; der
Zustndigkeiten in den Bereichen Bildung und
Nordschwarzwald-Cup beruht auf einem Com-
Wirtschaft bertragen wurden, knnen noch um-
puter-Spiel ber Unternehmensgrndungen.
fassendere und besser strukturierte Manahmen
Whrend des Wettbewerbs wird ein virtuelles
entwickelt werden. Dies geschieht beispielswei-
Unternehmen ber einen simulierten Zeitraum
se in Baden-Wrttemberg (Deutschland). Wie
von 16 Jahren von der Grndung des Unter-
im folgenden Kasten dargestellt, wurde dort mit
nehmens bis zum Brsengang geleitet. Die
entsprechenden teils regionalen und teils lan-
Teams bestehen aus Schlern unterschiedli-
desweiten Manahmen versucht, einen strker
cher Schultypen. Auerdem werden die Schu-
integrierten Ansatz fr die Untersttzung der Er-
len auf verschiedene Weise dabei untersttzt,
ziehung zu unternehmerischem Denken und Han-
die Vorteile dieses auf der Arbeit mit Mini-Un-
deln zu entwickeln.
ternehmen beruhenden Ansatzes bestmglich
zu nutzen. Die betreffenden Manahmen um-
Auf dem Weg zu einem integrierten fassen die im November 2009 durchgefhrte
Ansatz unter Verbindung der Konferenz Schule und Selbstndigkeit, Mes-
nationalen und der regionalen sen fr Schlerfirmen und Mini-Unternehmen,
Ebene: Baden-Wrttemberg, eine internetgesttzte Datenbank mit Mi-
Deutschland ni-Unternehmen ([Link]),
Materialien und Literatur zur Grndung von
In Deutschland soll das baden-wrttember-
Mini-Unternehmen, ein Netz von Kontaktstel-
gische Programm fr Schlerfirmen die Ent-
len (die Seminare und Workshops fr Lehrer
wicklung von Unternehmergeist durch ein
durchfhren und auch Interaktionen mit ech-
vielfltiges Manahmenpaket frdern, das u.
ten Unternehmen vermitteln knnen) und eine
a. die Grndung von Schlerfirmen und Mi-
landesweite Hotline fr Rechtsausknfte.
ni-Unternehmen vorsieht; diese Manahmen
beziehen gleichermaen die nationale und die
65
Weiterentwicklung
der Agenda
nachfolge (dieser Punkt wurde besonders in angesichts der sehr unterschiedlichen Hintergrn-
der Zusammenkunft des Reflexionsgremiums de war dies allerdings auch zu erwarten.
in Rom betont); Insgesamt ist es Aufgabe der EU, die ihr zur Verf-
die Auswirkungen auf die Jugendpolitik im gung stehenden Ressourcen zu mobilisieren und
Hinblick auf den Einsatz fr junge Menschen, ber Projekte und Einrichtungen auf europischer
die Verbesserung ihrer Lebenskompetenzen Ebene in gewissem Umfang in Schlsselbereichen
und der Mglichkeiten ihrer individuellen Le- als Katalysator zu fungieren. Entsprechende Ma-
bensgestaltung; nahmen knnten etwa in der verstrkten Aufkl-
die Auswirkungen auf die Manahmen zur rung ber die Mglichkeiten der Inanspruchnahme
Frderung des Zusammenhalts, z. B. in der Strukturfonds oder sonstigen EU-Ressourcen
Bezug auf die Untersttzung der Agenden fr zur Untersttzung von Vorhaben bestehen; auer-
aktive Brgerschaft, die soziale Verantwor- dem msste sichergestellt werden, dass die Erzie-
tung in Unternehmen, die Entwicklung belast- hung zu unternehmerischem Denken und Handeln
barerer Gemeinschaften, den Kapazittsauf- in jhrlichen Ausschreibungen/Aufforderungen zur
bau und den Aufbau von Sozialkapital. Einreichung von Vorschlgen und bei der Gestal-
tung neuer Programme fr Zeitrume nach 2013
5.2.1 Die EU als Wegbereiter: Untersttzung angemessen bercksichtigt wird.
neuer Entwicklungen und Strkung von In der folgenden Tabelle sind die wichtigsten durch-
Programmen zufhrenden Manahmen zusammengestellt:
Es wird allgemein anerkannt, dass nationale Re-
gierungen die Finanzierung der Erziehung zu un-
Die EU als Wegbereiter: Schlssel-
ternehmerischem Denken und Handeln weiterhin
aktivitten
als nachrangig betrachten und dass zudem die Fi- Finanzierung der Einrichtung nationaler
nanzierungsbereitschaft durch die derzeitige Wirt- und europischer Zentren fr die Erzie-
schaftskrise nachgelassen hat. Es ist jedoch auch hung zu unternehmerischem Denken und
mglich, einige wesentliche Finanzierungsquellen Handeln als Beobachtungsstelle zur Er-
auf EU-Ebene zu ermitteln, die in Anspruch ge- mittlung bewhrter Manahmen und Ver-
nommen werden knnten, um Mitgliedstaaten fahren sowie als zentrale FuE-Stelle und
und Regionen bei der Entwicklung von Initiativen als Plattform fr die Einbeziehung von
zu untersttzen. Besonders verbreitet sind hier- Interessenvertretern;
bei Finanzierungen aus dem Europischen Sozi- Finanzierung neuer Forschungs- und Entwick-
alfonds. In Deutschland wurden beispielsweise in lungsvorhaben und Untersttzung der Erfas-
Baden Wrttemberg sektorbezogene Manah- sung und Verbreitung bewhrter Verfahren;
men und Netze zur Untersttzung unternehmeri-
schen Denkens und Handelns in auerunterricht- Untersttzung der Entwicklung und Ver-
licher Jugendarbeit im Rahmen des Europischen breitung von Lehrmaterialien und -metho-
Sozialfonds gefrdert; bislang wurden fr acht den sowie der Weiterbildung von Lehrern
genehmigte Projekte Finanzmittel in Hhe von (z. B. durch Seminare und Workshops);
1,2 Mio. EUR genehmigt. In Rumnien wird die Finanzierung von Aufklrungsinitiativen
nationale Strategie zur Entwicklung der Human- zur Initiierung weiterer Aktivitten;
ressourcen u. a. durch die Erziehung zu unterneh- uneingeschrnkte Einbeziehung der Erzie-
merischem Denken und Handeln aus dem Euro- hung zu unternehmerischem Denken und
pischen Sozialfonds (ESF) untersttzt; fr das Handeln in knftige Programme (nach 2013);
Programm SOPHRD 2007-2013 wurden 201 127 diese Einbeziehung sollte durch Verfahren
040 EUR bereitgestellt. Zugleich ist festzustellen, zur Folgenabschtzung/Ex-ante-Bewertung
dass das Wissen ber die Quellen zur Finanzie- sowie anschlieend bei der eigentlichen Kon-
rung von Manahmen im Bereich der Erziehung zeption der Programme (d. h. nicht als nach-
zu unternehmerischem Denken und Handeln bei trgliche Manahme) erfolgen;
den Teilnehmern unterschiedlich ausgeprgt war;
68
Zwischengeschaltete Organisationen
Unternehmen/Unternehmer
den Unternehmergeist in der Gesellschaft zu frdern.
Schulen/Universitten
Regionale/Lokale Behrden
Bildungsbehrden
Mitgliedstaaten
Die Agenda enthlt vielfltige Vorschlge, aus denen die Akteure Ak-
tionen auf der geeigneten Ebene auswhlen und diese an ihre lokalen
Gegebenheiten anpassen knnen.
EU
Zwischengeschaltete Organisationen
Unternehmen/Unternehmer
Schulen/Universitten
Regionale/Lokale Behrden
Bildungsbehrden
Mitgliedstaaten
EU
A4 Entwicklung nationaler Strategien fr die Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln mit
klaren Zielsetzungen fr alle Stufen des Bildungswesens. Solche Strategien mssten unter aktiver Mitwir-
kung aller relevanten (ffentlichen und privaten) Akteure umgesetzt werden und sollten einen allgemeinen
Rahmen mit konkreten Manahmen vorgeben. Diese Manahmen sollten von der Aufnahme der unterneh-
merischen Initiative in die nationalen Lehrplne bis zur Untersttzung fr Schulen und Lehrer reichen. Allge-
meines Ziel ist es, sicherzustellen, dass sich junge Menschen in allen Stufen des Bildungswesens in einem
kohrenten Rahmen schrittweise unternehmerische Kompetenzen aneignen knnen.
A5 Einsetzung von Lenkungsgruppen auf europischer wie auch auf nationaler Ebene,
in denen alle von der Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln betroffenen
Akteure vertreten sein knnen (Behrden, Unternehmen, Bildungseinrichtungen, Schler,
Studenten usw.). Diese Lenkungsgruppen htten unter anderem Ziele fr die Erziehung zu
unternehmerischem Denken und Handeln unter Bercksichtigung ihrer verschiedenen As-
pekte zu erarbeiten und ber die erreichten Ergebnisse Bericht zu erstatten.
A6 Frderung der Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln auf regionaler
Ebene gem einem kohrenten Programm, an dessen Umsetzung sich die lokalen Akteure
beteiligen und das fr die verschiedenen Stufen des Bildungswesens eine breite Palette an
Instrumenten vorsieht.
A7 Untersttzung der Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln im Rahmen
des Bologna-Prozesses durch die Frderung der Mobilitt von Lehrkrften (zwischen Lndern
und verschiedenen Einrichtungen einschlielich des privaten Sektors), die Anerkennung der
Rolle von Ausbildern, die keine Lehrer sind (Fachkrfte, Unternehmer, Studenten) sowie die
Anerkennung der Karriere als Unternehmer in den prgradualen Hochschulstudiengngen.
A8 Verbesserung der Kohrenz zwischen europischen Frderprogrammen, die die Projekte
und Ttigkeiten zur Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln untersttzen
knnen (insbesondere das Programm fr lebenslanges Lernen, der ESF, der EFRE). Diese
Programme knnen die auf nationaler und lokaler Ebene durchgefhrten Aktionen begleiten.
A9 Europaweite Koordinierung der Evaluierung von Programmen und Ttigkeiten, um die
Ergebnisse miteinander vergleichen zu knnen. Die EU knnte eine Gruppe von Forschern
des Bereichs Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln einsetzen, die bei der
Definierung von Indikatoren und der Festlegung reprsentativer Lernprozesse hilft.
B Untersttzung fr Bildungseinrichtungen
B1 Strkere Einbeziehung der Programme und Ttigkeiten zur Frderung der unternehme-
rischen Initiative in die amtlichen Lehrplne in allen Stufen (Primarbereich, Sekundarbereich,
berufliche Bildung), und zwar bereichsbergreifend (Unternehmergeist) sowie als eigenstn-
diges Thema (unternehmerische Kompetenzen).
B2 In ihrer breiter gefassten Definition (Frderung von Eigenschaften wie Kreativitt, Selb-
stndigkeit, Eigeninitiative, Teamgeist usw.) sollte die Erziehung zu unternehmerischem
Denken und Handeln auch Bestandteil der Lehrplne im Primarbereich sein. Insbesondere in
dieser Stufe des Bildungswesens ist es wichtig, Schulen, Lehrer und Eltern davon zu ber-
zeugen, dass unternehmerische Initiative eine Schlsselkompetenz fr alle darstellt und es
nicht Ziel ist, aus allen Schlern Unternehmer zu machen.
B3 Die Europische Kommission sollte die Reformen der Lehrplne auf nationaler Ebene
untersttzen und eine komparative Analyse anhand einer Reihe von Instrumenten erleich-
tern, angefangen von der Koordinierung der Umsetzung der Lissabon-Strategie bis hin zur
Untersttzung des Austauschs bewhrter Verfahren.
71
Zwischengeschaltete Organisationen
Unternehmen/Unternehmer
Schulen/Universitten
Regionale/Lokale Behrden
Bildungsbehrden
Mitgliedstaaten
EU
B4 Untersttzung des Einsatzes praxisbasierter pdagogischer Instrumente, bei denen sich die
Schler und Studenten mit einem konkreten Unternehmensprojekt befassen (beispielsweise
Betrieb eines Mini-Unternehmens). Diese Ttigkeiten sind als anerkannte Option in die
amtlichen schulischen Lehrplne, insbesondere im Sekundarbereich aufzunehmen.
B5 Frderung der Durchfhrung von Pilotprojekten in Schulen mittels gezielter ffentlicher Finanzierung,
um verschiedene Wege der Vermittlung unternehmerischen Denkens und Handelns zu erproben. Ziel ist
es letztendlich, die daraus resultierenden bewhrten Verfahren umfassend zu verbreiten und mglichst
viele Bildungseinrichtungen zur bernahme der getesteten Methoden zu ermuntern.
B6 Sicherstellung einer dauerhaften Finanzierung/Untersttzung der Ttigkeiten zur Ver-
mittlung unternehmerischen Denkens und Handelns sowie der Durchfhrung konkreter Un-
ternehmensprojekte in den Bildungseinrichtungen. Eine kurzfristige Finanzierung von Pro-
jekten oder die nderung der Finanzierungsmechanismen schadet der Nachhaltigkeit dieser
Ttigkeiten, es sei denn, dies ist Bestandteil einer kohrenten Strategie.
B7 Bereitstellung ffentlicher Mittel fr die Einrichtung von Zentren fr unternehmerische
Initiative an den Universitten und fr deren Vernetzung. Aufgabe dieser Zentren wre es
unter anderem, Unternehmergeist in den verschiedenen Studiengngen einer Bildungsein-
richtung zu vermitteln, die Vermarktung von Forschungsergebnissen und die Nutzung neuer
Geschftsideen zu frdern, Verbindungen zu den Unternehmen zu knpfen usw.
B8 Schaffung gemeinsamer europischer und nationaler Plattformen fr bestehende Pro-
gramme, Projekte und Unterrichtsmaterialien, um deren Verbreitung und gemeinsame Nutzung
zu erleichtern. Solche Plattformen werden die Fachkrfte bei der Verbesserung des Angebots an
Ttigkeiten zur Vermittlung unternehmerischen Denkens und Handelns nachhaltig untersttzen.
B9 Frderung der Forschungsttigkeiten zur Bewertung der bei der Erziehung zu unter-
nehmerischem Denken und Handeln erzielten Ergebnisse im Hinblick auf einzelne Personen,
Gruppen, die Gesellschaft und die Wirtschaft. Wichtig fr eine erfolgreiche Bewertung ist die
Verfolgung der Karriere der ehemaligen Schler und Studenten.
C Untersttzung fr Lehrer und Ausbilder
C1 Die Organisation spezieller Weiterbildungsmanahmen fr Lehrkrfte im Bereich un-
ternehmerische Initiative ist ein politisches Erfordernis und sollte bei den Reformen der
nationalen Lehrplne bercksichtigt werden. Die Bildungsbehrden sollten den Lehrern in
ihrer eigenen Sprache erklren, weshalb unternehmerische Initiative eine Schlsselkom-
petenz fr alle darstellt und wie die damit verbundenen Methoden und Ttigkeiten in den
verschiedenen Kursen fr mehr Dynamik und Innovation sorgen knnen.
C2 Einfhrung innovativer Methoden zur Weiterbildung von Lehrern im Bereich unternehme-
rische Initiative. Hierzu wrden Fallstudien und sonstige interaktive Methoden gehren, wie
beispielsweise die Beteiligung von Lehrern an der Durchfhrung realer Unternehmenspro-
jekte oder der Betrieb eines Mini-Unternehmens durch Lehrer. Durch den Erwerb praktischer
Erfahrungen knnen die Lehrkrfte diese Unterrichtsmethoden effizienter einsetzen.
C3 Schaffung von Anreizen fr Schullehrer, um sie zu ermutigen, unternehmerisches
Denken und Handeln zu vermitteln, beispielsweise durch die Bereitstellung von Mitteln fr
die Weiterbildung von Lehrern oder durch die Anerkennung und Belohnung ihrer Mitwirkung
an Ttigkeiten, die eine innovative Lehrmethode erfordern, da dies fr sie oftmals einen
auerordentlichen Arbeitsaufwand darstellt.
C4 Durchfhrung innovativer Aktionen zur Ausbildung von Lehrern in unternehmerischer
Initiative, die eine europische Dimension besitzen und durch das Gemeinschaftsprogramm
fr lebenslanges Lernen gefrdert werden.
72
Zwischengeschaltete Organisationen
Unternehmen/Unternehmer
Schulen/Universitten
Regionale/Lokale Behrden
Bildungsbehrden
Mitgliedstaaten
EU
C5 Untersttzung der Mobilitt von Lehrkrften innerhalb Europas vor allem im Hochschulbe-
reich im Rahmen des Gemeinschaftsprogramms fr lebenslanges Lernen und/oder sonstiger
eigens hierfr geschaffener Instrumente. Erforderlich sind in Europa eine grere Mobilitt und
ein verstrkter Erfahrungsaustausch, nicht nur zwischen Universitten, sondern auch zwischen
Hochschulen und Unternehmen. Es mssen Programme aufgelegt werden, damit Lehrkrfte eine
gewisse Zeit an anderen Einrichtungen und/oder im Privatsektor verbringen und sich somit wirk-
lich engagieren und weiterbilden knnen. In Europa muss der Austausch von Wissen und bewhr-
ten Verfahren zwischen den einzelnen Sektoren und den Lndern intensiviert werden.
D Ttigkeiten zur Vermittlung unternehmerischen Denkens und Handelns in Schulen und Universitten
D1 Frderung bestimmter unternehmerischer Eigenschaften (Neugier, Kreativitt, Selbstn-
digkeit, Eigeninitiative, Teamgeist) bereits im Primarbereich. Zu diesem Zweck sind Spiele,
Cartoons oder sonstige Instrumente entsprechend dem Alter der Schler zu verwenden.
D2 Bereits im Primarbereich Sensibilisierung der Kinder fr die Bedeutung von Unternehmen
und unternehmerischer Initiative in der Gesellschaft. Durch die Herausstellung des Begriffs
verantwortungsbewusstes Unternehmertum gewinnt eine Karriere als Unternehmer an
Attraktivitt.
D3 Verbreitung eines Buchs mit Erfolgsgeschichten ber junge Unternehmer in den Schu-
len, um das Image der Unternehmer als Modell fr junge Menschen zu verbessern.
D4 Einfhrung innovativer Lehrmethoden in allen Kursen als notwendige Grundlage fr
die Herausbildung von Unternehmergeist. Erarbeitung innovativer Lehrplne, um die beste-
henden Unterrichtsmethoden auszuweiten. Die Schulbildung sollte auf der Neugier und den
natrlichen unternehmerischen Kompetenzen von Kindern aufbauen.
D5 Im Rahmen der abschlieenden Bewertung eines Programms oder eines Kurses zur Ver-
mittlung unternehmerischen Denkens und Handelns Test der unternehmerischen Kompeten-
zen der Schler und Studenten und Vergabe eines Zertifikats (Unternehmerfhrerschein),
das den Erwerb dieser Kompetenzen bescheinigt.
D6 Frderung der Kontakte von Schlern und Studenten zu realen Unternehmen und zu
Geschftsleuten, damit sie Einblick in die wirkliche Geschftswelt erhalten. Die Schler und
Studenten sollten nicht abgeschirmt und von der Welt auerhalb der Schulen und Univer-
sitten fern gehalten werden, wenn sie beispielsweise eine virtuelle Firma leiten oder einen
Geschftsplan simulieren.
D7 Frderung und Untersttzung spontaner Initiativen von Schler- und Studentenverbnden,
die beispielsweise Verbindungen zu Unternehmen zu knpfen und sich an Unternehmenspro-
jekten zu beteiligen wnschen. Die Zeit, die die Schler und Studenten solchen Ttigkeiten
widmen, ist als Studienleistung anzurechnen.
D8 Einbeziehung ehemaliger Schler/Studenten in die Aktionen von Schulen/Universitten
und Einladung ehemaliger Schler/Studenten in die Schulen/Universitten (beispielsweise
einen ehemaligen Schler/Studenten, der ein Unternehmen gegrndet hat).
D9 Sicherstellung, dass benachteiligte Menschen Zugang zum Unterricht in unternehmerischem Denken
und Handeln haben. Insbesondere fr junge Menschen, denen soziale Ausgrenzung droht (Jugendliche mit
geringem Einkommen, Schul- und Studienabbrecher, von Langzeitarbeitslosigkeit bedrohte Jugendliche,
Flchtlinge usw.), kann diese Art der Ausbildung von groem Nutzen sein. Sie kann die Motivation
derjenigen steigern, die am besten durch praktisches Handeln lernen und in traditionelleren Fachrichtungen
mit Schwierigkeiten konfrontiert sind. Einige auf diese Zielgruppen abgestellte Programme erwiesen sich
im Hinblick auf die Firmengrndungen und die soziale Integration als sehr erfolgreich.
73
Zwischengeschaltete Organisationen
Unternehmen/Unternehmer
Schulen/Universitten
Regionale/Lokale Behrden
Bildungsbehrden
Mitgliedstaaten
EU
D10 Die Hochschulen sollten den Unterricht in unternehmerischem Denken und Handeln
in verschiedene Fcher ihrer Studienprogramme einbeziehen, da sich dadurch ein Zusatz-
nutzen in allen Kursen erzielen lsst (beispielsweise in technische und wissenschaftliche
Studiengnge, aber auch in geisteswissenschaftliche Fcher und kreative Studiengnge).
Alle Fakultten/Fachrichtungen sollten den Studenten die Mglichkeiten bieten, sich unter-
nehmerische Erfahrung anzueignen.
D11 Einladung von Unternehmern in die Hochschulen zu Vortrgen und direkte Beteiligung
von Studenten an Unternehmensprojekten. Aktive Formen des Lernens sind komplexer als
traditionelle Lehrmethoden. Sie setzen voraus, dass sich die Studenten engagieren und sich
persnlich einbringen. Die Lehrkrfte/Wissensvermittler mssen deshalb in der Lage sein,
ein offenes Umfeld zu schaffen, in dem die Studenten die notwendige Risikobereitschaft
entwickeln knnen.
D12 Vermehrte Erarbeitung europischer Fallstudien, die in den Hochschulen verwen-
det werden. Gruppenarbeit zu konkreten Fllen ist eine effiziente Methode, da sie den Sinn
fr tatschliche unternehmerische Fragen schrft und die Studenten zwingt, Lsungen fr
wirkliche Probleme zu finden. Damit Fallstudien mglichst wirksam zum Einsatz kommen
knnen, sollten sie eine europische oder lokale Dimension haben und nicht von den USA
bernommen werden.
D13 Grere akademische Anerkennung der unternehmerischen Initiative: Erstellung ge-
eigneter Forschungs- und Promotionsprogramme im Bereich unternehmerische Initiative,
um eine kritische Masse knftiger Lehrkrfte mit diesen speziellen Kompetenzen zu er-
reichen.
D14 Ermutigung von Studenten, Akademikern und Forschern, die lebensfhige Geschfts-
ideen entwickelt haben, diese in Unternehmen zu realisieren, durch die Bereitstellung einer
Reihe von Dienstleistungen in der betreffenden Einrichtung (Grndungszentren, Finanzie-
rung, Betreuung durch Mentoren usw.).
D15 Systematische Einbeziehung der Bewertung in smtliche Programme. Am effizientes-
ten sind unabhngige und komparative Bewertungen (d. h. eine Bewertung sollte vor Beginn
eines Programms und nach dessen Abschluss vorgenommen werden).
E - Knpfen von Verbindungen und ffnung der Bildungseinrichtungen gegenber der Auenwelt
E1 Frderung der Grndung von Lerngemeinschaften, um die Entwicklung von Unternehmergeist zu unterstt-
zen; erfolgen kann dies durch das Knpfen von Verbindungen zwischen ffentlichem und privatem Sektor unter
Einbeziehung von Schulen, Universitten und Unternehmen sowie relevanten zwischengeschalteten Organisati-
onen. Insbesondere sollte die Rolle der zwischengeschalteten Organisationen, die die Einfhrung von Aktivitten
zur Vermittlung unternehmerischen Denkens und Handelns in Schulen und Universitten sowie die Herstellung
von Beziehungen zwischen Bildungseinrichtungen und Unternehmen frdern, strker anerkannt werden.
E2 Frderung der Einbeziehung privater Partner in den Unterricht in unternehmerischer
Initiative im Rahmen von Finanzierungen und Sachleistungen. Die Unternehmen sollten in
dieser Mitwirkung eine langfristige Investition sowie einen wichtigen Aspekt ihrer sozialen
Verantwortung sehen.
E3 Die Unternehmen sollten es ihren Mitarbeitern ermglichen, zumindest einen Bruchteil
ihrer Arbeitszeit dazu zu verwenden, an Ttigkeiten in Schulen und Universitten mitzuwir-
ken; denn die Beratung und Betreuung durch Leute mit Unternehmenserfahrung bilden die
Grundlage fr jeden Unterricht in unternehmerischer Initiative.
74
Zwischengeschaltete Organisationen
Unternehmen/Unternehmer
Schulen/Universitten
Regionale/Lokale Behrden
Bildungsbehrden
Mitgliedstaaten
EU
E4 Entwicklung oder Frderung von Forschungsprogrammen ber die Mglichkeiten einer
besseren Einbeziehung von Arbeitgebern in die Schul- und Hochschulbildung. Damit sich
die Unternehmen strker an den Ttigkeiten von Bildungseinrichtungen beteiligen, bedarf
es entsprechender Anreize. Eine gelegentliche Mitwirkung, von der beide Seiten profitieren,
kann ntzlich sein, wird aber oftmals nicht als nachprfbare und angemessene Ttigkeit des
Personals anerkannt.
E5 Untersttzung bei der Herausbildung pdagogischer Kompetenzen von Unternehmern
und Geschftsleuten, damit diese einen effizienteren Beitrag zu den Ttigkeiten in Schulen
und Universitten leisten knnen. Wahrgenommen werden knnten solche Aufgaben von
Organisationen ohne Erwerbszweck, die Verbindungen zwischen Schulen und Unternehmen
knpfen, sowie von Unternehmensverbnden.
E6 Entwicklung und Frderung eines Gtezeichens fr Entrepreneurship-Schulen und
Entrepreneurship-Universitten, das die Bildungseinrichtungen auf freiwilliger Basis ver-
wenden knnen. Auf europischer und/oder nationaler Ebene knnten weit gefasste Kriterien
definiert werden, die auf alle Flle an das lokale Umfeld und die einzelnen Bildungssysteme
angepasst werden mssten. Umgesetzt werden knnte diese Initiative auf nationaler Ebene
von zwischengeschalteten Organisationen, die ber umfassende Erfahrungen mit der Erzie-
hung zu unternehmerischem Denken und Handeln verfgen, im Rahmen der Zusammenarbeit
mit Bildungsbehrden und Schulen/Universitten.
E7 Gewhrleistung, dass jungen Menschen die Gelegenheit geboten wird, unternehmeri-
sche Kompetenzen zu entwickeln, indem sie bei der Konzeption ihres Sommerjobs unter-
sttzt werden, und mit ihren eigenen Ideen und Initiativen Geld zu verdienen. Gefrdert wer-
den knnen solche Ttigkeiten durch die Zusammenarbeit zwischen Schulen/Universitten,
Organisationen ohne Erwerbszweck, Unternehmen und lokalen Behrden.
E8 Einrichtung von Zentren fr unternehmerische Initiative auf lokaler Ebene, die Schulen/
Universitten und Lehrer/Dozenten untersttzen, Verbindungen zwischen Bildungseinrich-
tungen und Unternehmen knpfen, die Mitwirkung von Unternehmern und Geschftsleuten
an Programmen von Schulen und Universitten erleichtern und Initiativen zur Sensibilisie-
rung in der rtlichen Gemeinschaft frdern.
F - Kommunikationsttigkeiten
F1 Durchfhrung von Sensibilisierungskampagnen auf europischer und nationaler Ebene,
um zu erreichen, dass der Begriff Unternehmertum in einem weit gefassten Sinn verstan-
den wird (nicht nur als Betrieb einer Firma). Im Rahmen gro angelegter Initiativen knnten
auf nationaler und lokaler Ebene verschiedene Aktionen durchgefhrt und koordiniert werden
(beispielsweise Entrepreneurship-Tage oder ein Europisches Jahr fr Entrepreneurship).
F2 Organisation von Wettbewerben und Vergabe von Preisen, um gut funktionierende T-
tigkeiten und Programme zur Vermittlung unternehmerischen Denkens und Handelns aus-
zuzeichnen.
F3 Vergabe von Preisen auf europischer und/oder nationaler Ebene, um die Unternehmen
auszuzeichnen, die fr den Unterricht, die Betreuung und ganz allgemein die Mitwirkung an
Ttigkeiten in Schulen und Universitten vermehrt Finanzmittel und Personal bereitstellen.
75
Beispiele fr
bewhrte Verfahren
Kontaktdaten:
Zustndige Organisation:
Danish Enterprise and Construction Authority
(Dnische Behrde fr Unternehmen und Bauwesen)
Vor- und Nachname des Ansprechpartners: Bent Lindhardt Andersen
Strae und Hausnummer: Langelinie All 17
PLZ: 2100
Ort: Kopenhagen
E-Mail des Ansprechpartners: bla@[Link]
Website der Organisation: [Link]
von privaten Sponsoren (sowohl finanzielle Untersttzung als auch Sachleistungen) erhalten. Die
Fortschritte der Stiftung werden im Rahmen eines (jhrlich verlngerten) Dreijahresvertrags mit der
dnischen Regierung berprft. Die Stiftung zeichnet verantwortlich fr die folgenden zehn Aufga-
benbereiche: 1. Erarbeitung von Konzepten zur Vermittlung von unternehmerischem Denken und
Handeln; 2. Entwicklung von Lehrplnen bzw. Studienprogrammen, Kursen und Lehrmethoden fr
Schler und Studierende; 3. Entwicklung von Tests und Prfungen; 4. Talentfrderung; 5. Sammlung
und Verbreitung von Wissen; 6. Internationale und lnderbergreifende Initiativen; 7. Entwicklung
und finanzielle Untersttzung von Strategien fr unternehmerische Initiative im Bildungssystem; 8.
Dialog mit Bildungseinrichtungen; 9. Durchfhrung von Manahmen zur Frderung einer Kultur des
Unternehmertums; 10. Durchfhrung zuknftiger nationaler und regionaler Initiativen.
Ziele:
Frderung der Kompetenzen junger Menschen in den Bereichen Selbststndigkeit, Innovation
und Unternehmertum; Wissenszentrum fr alle Bildungseinrichtungen, die junge Menschen in
der Ausbildung auf ihrem Weg in die Selbststndigkeit untersttzend begleiten oder andere
Manahmen zur Vermittlung von Kompetenzen durchfhren.
Kontaktdaten:
Zustndige Organisation:
Ministerium fr Wirtschaft, Landwirtschaft und Innovation
Vor- und Nachname des Ansprechpartners: Herr Jurgen Geelhoed
Strae und Hausnummer: P.O. Box 20101
PLZ: 2500 EC
Ort: Den Haag
E-Mail des Ansprechpartners: [Link]@[Link]
Website der Organisation: [Link]/ez & [Link]
Einstellung und die erforderlichen Kompetenzen zu vermitteln. Die niederlndische Regierung hat
daher ein ganzheitliches Konzept zur Frderung der Erziehung zu unternehmerischem Denken und
Handeln im Bildungswesen von der Grundschule bis zur Hochschule entwickelt. Die Minister
fr Wirtschaft sowie fr Bildung, Kultur und Wissenschaft setzen sich seit dem Jahr 2000 fr die
Frderung der Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln ein. Dabei arbeiten sie mit
(Dach-)Organisationen aus dem Bildungssektor und der Wirtschaft zusammen. Seit 2008 gilt fr
alle Akteure der Grundsatz, dass mehr in Netzwerke investiert werden muss, um den Wissenstrans-
fer zwischen Bildungseinrichtungen (und somit den Lehrkrften) und Unternehmern zu befrdern.
Zugrunde liegt die Idee, den Wissenstransfer strukturell zu verankern, statt Wissen nur im Rah-
men von Einzelprojekten weiterzugeben. Seit 2008 werden im Rahmen des Aktionsprogramms
Bildung und Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln verschiedene Schwerpunkt-
bereiche gefrdert: 1. Netzwerke fr die Erziehung zu unternehmerischem Denken und Handeln.
Schulen bauen ein Netzwerk auf und arbeiten mit Unternehmen zusammen, um Schler, Lehrer
und Fhrungskrfte von Bildungseinrichtungen zu mehr unternehmerischer Initiative zu ermutigen.
2. Entwicklung eines nationalen Zertifikats ber unternehmerische Kompetenzen in der mittleren
Ebene der Berufsbildung und in der Hochschulbildung. 3. Frderung der unternehmerischen Initi-
ative in der Hochschulbildung durch die Schaffung weiterer Zentren fr unternehmerische Initia-
tive. 4. Ausbildungsprogramme im Bereich unternehmerische Initiative. In Zusammenarbeit mit
dem niederlndischen Institut fr Lehrplanentwicklung (SLO) wird ein Programm Ausbildung der
Ausbilder entwickelt, um das unternehmerische Denken und Handeln der Lehrkrfte zu strken.
5. Entwicklung eines Austauschprogramms fr (potenzielle) studentische Existenzgrnder, das in
Zusammenarbeit mit der Kauffman Foundation und deren internationalem Stipendienprogramm
(Global Fellowship Programme) durchgefhrt wird. 6. berprfung der Wirksamkeit. Im Rahmen
des Aktionsprogramms soll eine Studie ber die Entwicklung der Erziehung zu unternehmerischem
Denken und Handeln in den Niederlanden in die Wege geleitet werden. Die Ergebnisse des Aktions-
programms werden berprft.
Ziele:
Die Zahl der Ausbildungseinrichtungen, bei denen die Erziehung zu unternehmerischem Denken
und Handeln fester Bestandteil ihrer Arbeit, ihrer Organisation und ihres Lehrplans ist, soll erhht
werden. Ziel ist es, den Anteil der Schler und Studierenden zu steigern, die unternehmerische In-
itiative zeigen und fnf Jahre nach Abschluss ihrer Ausbildung ihr eigenes Unternehmen grnden.
Grupo destinatario
Ausbildungseinrichtungen von der Grundschule bis zum Hochschulbereich, deren Schler, Stu-
dierende und Lehrkrfte sowie Unternehmen und Unternehmer.
und insgesamt erhalten mehr Studierende als bisher eine Ausbildung auf diesem Gebiet. Das
Programm bewirkt, dass Studierende strker unternehmerisch denken und handeln, und kann
so die Voraussetzung fr eine sptere Unternehmerttigkeit schaffen.
Im Jahr 2010 gaben 62 % der Studierenden an, dass eine unternehmerische Ttigkeit einen
wichtigen bis sehr wichtigen Stellenwert bei ihren Berufswnschen einnimmt. Im selben Jahr
erklrten 23 % der Studierenden, sie seien sich sicher, eine unternehmerische Ttigkeit ausben
zu wollen, whrend es im 2007 nur 13 % waren. Im Zeitraum 2007 bis Anfang 2010 hat sich
im Bildungsbereich ein Wandel hin zu einer strkeren Frderung des Unternehmertums bzw. des
unternehmerischen Denkens und Handelns vollzogen.
7.3 TF-Fest
Land: Bulgarien
Kontaktdaten:
Zustndige Organisation: - (Bulgarisches bungs-
firmen Servicecenter (BUCT))
Vor- und Nachname des Ansprechpartners:
Strae und Hausnummer: . 1
PLZ: 1421
Ort: Sofia
E-Mail des Ansprechpartners: info@[Link]
Website der Organisation: [Link]
Ziele:
Begegnung zuknftiger Unternehmer und Arbeitsmarktteilnehmer mit echten Unternehmern
und Bewertung der Leistung der Aussteller und ihrer Betreuer durch die Unternehmer; Ver-
gleich der Ergebnisse der heimischen und auslndischen bungsfirmen, Verwirklichung von
Ausbildungsbedingungen, die eine bestmgliche Vorbereitung auf die Anforderungen der rea-
len Geschftswelt gewhrleisten.
Zielgruppe:
Jhrlich etwa 4 000 Schler aus Sekundarschulen in Bulgarien, die an mehr als 300 Projekten
im Bereich bungsfirmen an 55 Schulen in 39 Stdten teilnehmen
7.4 Schlerfirmenprogramm
Land: Estland
Kontaktdaten:
Zustndige Organisation: Junior Achievement Arengufond (JAA)
Vor- und Nachname des Ansprechpartners: Epp Vodja
Strae und Hausnummer: Kleri 24
PLZ: 10150
Ort: Tallinn
E-Mail des Ansprechpartners: epp@[Link]
Website der Organisation: [Link]
firma handelt wie ein Kleinbetrieb. Sie erstellt einen Geschftsplan und hlt diesen im Rahmen
ihrer Geschftsttigkeit ein. Die Schlerfirma produziert und verkauft Produkte oder Dienstleis-
tungen. Am Ende des Geschftsjahres legt die Firma ihren Jahresabschluss vor. Die Schler zah-
len keine Steuern. Falls ihr Einkommen ber dem steuerfreien Existenzminimum liegt, mssen
sie eine Steuererklrung abgeben.
Ziele:
Die Schlerfirma wird als Teil des Wirtschaftslehrplans gegrndet, damit die Schler die Grund-
stze der Fhrung eines Unternehmens besser und leichter erlernen knnen und ihre Eigeniniti-
ative und ihre Problemlsungskompetenz gestrkt wird.
Beginn: 15. September 1992
Zielgruppe:
Zielgruppe sind Schler. Das Hauptprogramm richtet sich an Schler der Sekundarstufe II, es wird
aber auch ein Mini-Unternehmensprogramm fr jngere Schler angeboten.
7.5 Unternehmerfhrerschein
Land: sterreich
Kontaktdaten:
Zustndige Organisation: sterreichische Wirtschaftskammer, Abteilung fr Bildungspolitik
Vor- und Nachname des Ansprechpartners: Dr. Friederike Soezen
Strae und Hausnummer: Wiedner Hauptstr. 63
PLZ: 1045
Ort: Wien
E-Mail des Ansprechpartners: [Link]@[Link]
Website der Organisation: [Link]
Ziele:
Die Absolventen des Unternehmerfhrerscheins denken unternehmerisch und haben fundiertes
betriebswirtschaftliches Wissen. Sie haben zudem bessere Chancen beim Start in den Beruf. Der
ESC befhigt zu unternehmerischem Handeln sowohl als Unternehmer als auch als Angestellter.
81
Kontaktdaten:
Zustndige Organisation: Ministre de lconomie, des finances et de lemploi DGCIS
Vor- und Nachname des Ansprechpartners: Ghilhem Bertholet
Strae und Hausnummer: 23 rue dEdimbourg
PLZ: 75008
Ort: Paris
E-Mail des Ansprechpartners: guilhembertholet@[Link]
Website der Organisation: [Link]
Zustndige Organisation: Agence pour la cration dentreprises
Vor- und Nachname des Ansprechpartners: Virginie Dantard
Strae und Hausnummer: 14 rue Delambre
PLZ: 75682
Ort: Paris cedex 12
E-Mail des Ansprechpartners: dantard@[Link]
Ziele:
Junge Menschen haben eine sehr lckenhafte und um es vorsichtig auszudrcken verzerrte
Vorstellung von den Schritten, die erforderlich sind, um ein eigenes Unternehmen zu grnden.
Das Projekt zielt darauf ab, diesbezglich Abhilfe zu schaffen und diese unvorteilhaften Einstel-
lungen durch den Comic zu korrigieren. Das macht Spa, ist pdagogisch sinnvoll selbst fr die
jngsten Teilnehmer und frdert die Sensibilisierung.
Kontaktdaten:
Zustndige Organisation: Initiative fr Teaching Entrepreneurship
Vor- und Nachname des Ansprechpartners: Mag. Johannes Lindner
Strae und Hausnummer: Maygasse 43
PLZ: 1130
Ort: Wien
E-Mail des Ansprechpartners: entrepreneurship@[Link]
Website der Organisation: [Link], [Link]
Ziele:
Die Sommerhochschule zielt darauf ab, dass die teilnehmenden Lehrer selbst eigene Idee entwi-
ckeln und einen unternehmerischen Prozess erleben, damit sie ihre Schler praktisch unterstt-
zen knnen. Das Seminarkonzept wurde bewusst in die Bergwelt verlegt, damit die Lehrkrfte
ihren Alltag ausblenden knnen.
Zielgruppe: Lehrer (in erster Linie solche, die 15 bis 19-jhrige Schler unterrichten)
Kontaktdaten:
Zustndige Organisation: Unternehmergymnasium Bayern
Vor- und Nachname des Ansprechpartners: Joachim Barth
Strae und Hausnummer: Arnstorferstr. 9
PLZ: D-84347
Ort: Pfarrkirchen
E-Mail des Ansprechpartners: bart@[Link]
Website der Organisation: [Link]
83
Zielgruppe:
Schler ab der 10. Jahrgangsstufe (Sekundarbereich II)
Kontaktdaten:
Zustndige Organisation: Ministerium fr Industrie und Beschftigung der Regierung der Autono-
men Gemeinschaft Asturien
Vor- und Nachname des Ansprechpartners: Julio Gonzlez Zapico
Strae und Hausnummer: Plaza de Espaa, 1
PLZ: 33007
Ort: Oviedo
E-Mail des Ansprechpartners: juliogz@[Link]
Website der Organisation: [Link]
Ziele:
Schrfung des Bewusstseins der Bildungsakteure fr unternehmerische Initiative; Verbreitung
des Konzepts der unternehmerischen Initiative und Motivation der Gesellschaft insgesamt. Be-
reitstellung geeigneter Ressourcen fr Schulen und Lehrkrfte zwecks Frderung unternehmeri-
scher Initiative im Bildungssystem.
84
Zielgruppe:
Das Programm zur Frderung unternehmerischer Initiative im Bildungssystem richtet sich an
die Schulakteure insgesamt: Schler, Lehrkrfte und Eltern. Fr den Primarbereich, den Se-
kundarbereich I und II sowie fr die Berufs- und Hochschulbildung sind jeweils differenzierte
Manahmen vorgesehen.
Kontaktdaten:
Zustndige Organisation: resund Entrepreneurship Academy
Vor- und Nachname des Ansprechpartners: Christian Vintergaard
Strae und Hausnummer: Kilevej 14A
PLZ: 2000
Ort: Fredriksberg
E-Mail des Ansprechpartners: [Link]@[Link]
Website der Organisation: [Link]
Ziele:
Steigerung des Anteils der Studierenden, die an den elf Hochschulen der resundregion Erzie-
hung zu unternehmerischem Denken und Handeln belegen, von 2 % im Jahr 2006 auf 15 %
im Jahr 2015.
Beginn: 10. November 2006
Zielgruppe: 150 000 Studierende der elf Hochschulen der resundregion
Frderung des
Unternehmergeistes
und unternehmerischer
Kompetenzen in der EU
Technology Innovation Management Review March 2012
This article provides insights from recent research on firms that are born global. A born-
global firm is a venture launched to exploit a global niche from the first day of its opera-
tions. The insights in this article are relevant to technology entrepreneurs and top manage-
ment teams of new technology firms. After discussing various definitions for the term
born global and identifying the main characteristics of born-global firms, this article lists
a few salient characteristics of firms that are born global in the technology sector. The art-
icle concludes by identifying opportunities for future research.
[Link] 5
Technology Innovation Management Review March 2012
importance of business ecosystems to the growth of [Link]/7d6aa22). For example, in Denmark, Madsen,
born-global firms is highlighted, and a set of research and Servais (1997; [Link]/82pgrhj) have found born-
questions is advanced. The last section provides the global firms in industries such as metal fabrication, fur-
conclusions. niture, processed food, and consumer products.
Distinctive Characteristics of Born-Global 4. Managers have a strong international outlook and in-
Firms ternational entrepreneurial orientation
The managers of born-global firms do not see foreign
Born-global firms possess the following distinctive char- markets as a mere addition to their domestic markets.
acteristics: They possess a strong entrepreneurial mindset. They
proactively and aggressively compete in international
1. High activity in international markets from or near markets, they take risks, and innovate. Findings from
the founding the United States, the United Kingdom, Australia,
Born-global firms begin exporting their products or ser- Canada, Ireland, and New Zealand highlight the import-
vices within a couple of years after their founding and ance of the combined role of the creativity, knowledge,
may export a quarter or more of their total production. and resourcefulness of the top management team and
Most of them advance through subsequent stages of in- not just of the personal qualities of a single entrepren-
ternationalization, collaboration with foreign partners, eur. The skills of top management teams have been
or undertaking of direct foreign investment. Findings found important for a more dynamic form of interna-
from Denmark and Australia show that, although born- tionalization, particularly in the knowledge-based sec-
global firms are presumed to have the intent to interna- tors (Johnson, 2004: [Link]/7ylm49z; Andersson and
tionalize from inception; internationalization is not ne- Evangelista, 2006: [Link]/6wm49re; Loane et al., 2007;
cessarily an objective in the founding process [Link]/7hdohoc).
(Rasmussen et al., 2001; [Link]/7u8pj4l). The decision
to engage the firm into a systematic internationaliza- 5. Emphasis on differentiation strategy
tion process is usually determined by the nature of the Born-global firms tend to adopt differentiation
new firm; the type of technology that is being de- strategies by developing differentiated designs and
veloped or the firms specialization within the specific highly distinctive products that target niche markets,
industry sector, value chain, or market (Jones et al., which may be too small for the tastes of larger firms.
2011; [Link]/7mbjjzz). Other studies from Norway and The focus is on stimulating customer loyalty by
France show slightly different results, indicating that, al- uniquely meeting particular needs. People and firms
though the specific market situation is important, the increasingly demand specialized and customized
extent to which a firm is a born global rather than a products, and niche markets have become an import-
born local or a late global depends on the firms ant source of opportunities for small firms (Cavusgil
own early decisions (Moen, 2002; [Link]/7yegguu). and Knight, 2009; [Link]/74th3bb).
Similar findings were reported in Sweden and Finland,
where the founders vision at the time of the incorpora- 6. Emphasis on superior product quality
tion was found to be a key factor for a firms early inter- Born-global firms are often at the leading technological
nationalization patterns (Gabrielsson and Pelkonen, edge of their industry or product category. They are
2008; [Link]/6ot26js). founded to exploit business opportunities based on the
development of new products or services that are better
2. Limited financial and tangible resources designed and higher quality than competitors offerings.
Born-global firms tend to be relatively small and have Typically, these firms do not operate in commodity
far fewer financial, human, and tangible resources as markets (Cavusgil and Knight, 2009; [Link]/74th3bb).
compared to large multinational enterprises that have
been considered as dominant in global trade and in- 7. Leveraging advanced information and communica-
vestment. tions technology (ICT)
Many born-global firms leverage ICT to segment cus-
3. Present across most industries tomers into narrow global-market niches and skillfully
Many born-global firms are technology firms. However, serve highly specialized buyer needs. ICT allows them
recent evidence suggests that the born global phe- to process information efficiently and communicate
nomenon is widely spread beyond the technology sec- with partners and customers worldwide at practically
tor (Moen, 2002: [Link]/7yegguu; Rennie, 1993: zero cost (Cavusgil and Knight, 2009; [Link]/74th3bb).
[Link] 6
Technology Innovation Management Review March 2012
8. Using external, independent intermediaries for distri- 9. The firms product or service has significant first-
bution in foreign markets mover advantages or network effects.
Most born-global firms expand internationally through
exports by engaging in direct international sales or 10. The firms major competitors have already interna-
leveraging the resources of independent intermediaries tionalized or will internationalize soon.
located abroad. Many of them rely on external facilitat-
ors to organize international shipments. Exporting and 11. The firm has key managers who are experienced in
leveraging independent intermediaries enables flexible international business.
international operations including the ability to enter
or withdraw from foreign markets relatively quickly and The Importance of Ecosystems
easily. More experienced born-global firms appear to
adopt additional strategies, such as joint ventures and Researchers have identified a number of organizational
foreign direct investment (Cavusgil and Knight, 2009; capabilities that enable internationalization and increase
[Link]/74th3bb). the international performance of born-global firms. Kud-
ina, Yip, and Barkema (2008; [Link]/83c2qdz) attribute
The Specifics of Technology Firms the success of technology firms that are born global to
their effective use of three types of ecosystems:
The majority of born-global firms are technology com-
panies. A research study based on a comprehensive 1. The first type of ecosystem is anchored around uni-
analysis of 12 technology firms in England formulated a versities and firms operating in the same industry as the
number of conditions for newly created technology focal firm. Being part of such ecosystems results in a flow
firms considering early, rapid globalization (Kudina et of technological knowledge, experienced people, and
al., 2008; [Link]/83c2qdz). Although these conditions contacts with local venture capitalists that benefit the fo-
were developed in a very specific context, it is worth cal firm. The knowledge and expertise developed within
summarizing them here: such ecosystems provide a global competitive advantage.
1. The market in the home country is not large enough 2. The second type of ecosystem establishes and
to support the scale at which the firm needs to operate. strengthens relationships between the local operations of
firms and their foreign sales subsidiaries. Such networks
2. Most of the firms potential customers are foreign, are important sources of knowledge from experts that are
multinational firms. spread out internationally. The ecosystem facilitates dir-
ect contacts between engineers and clients to satisfy the
3. Many of the firms potential customers have overseas specific needs of clients and provides a mechanism for
operations where they will use the firms products or winning additional business.
services.
3. The third type of ecosystem is anchored around for-
4. The firm operates in a knowledge-intensive or high- eign sales subsidiaries and local clients that are import-
technology sector. ant for high-quality service. Such ecosystems involve
customers and provide highly relevant information about
5. Having the most technically advanced offering in the client needs in relation to product development. These
world is key to the firms competitive advantage. contacts help firms to obtain technological knowledge
from the client or through the clients business partners
6. The firms product or service category faces few trade that they would otherwise have to develop themselves.
barriers.
The success of a firm is conditional on its ability to cre-
7. The firms product or service has high value relative ate an ecosystem of firms beyond its clients. The ecosys-
to its transportation and other logistics costs. tem comprises firms in the industry in which it has
clients, as well as firms in many other related indus-
8. Customer needs and tastes are fairly standard across tries. Such an arrangement helps the firm to secure cli-
the firms potential country-markets. ents in a more systematic way as part of its ecosystem.
[Link] 7
Technology Innovation Management Review March 2012
The research on born-global firms is growing. There are The main objective of this article was to discuss the
many relevant research questions that should be ad- characteristics of born-global firms. The literature on
dressed in future studies. This section builds on the re- born-global firms has developed separately from the
search questions that have been discussed in the technology entrepreneurship literature. The various
literature (Cavusgil and Knight, 2009; [Link]/74th3bb). definitions of born-global firms do not enable linking
Suggested research questions include: research on born-global firms and the theory of the
firm or entrepreneurship theory. This fact provides
1. What barriers inhibit technology firms from being valuable opportunities for future research.
born global?
If technology firms that are born global are more suc-
2. What factors contribute to the early success of born- cessful than technology firms that are not born global,
global firms even in light of their limited access to re- we should focus on defining design principles that in-
sources? corporate key attributes of born-global firms and use
these design principles to launch and grow technology
3. What are the main advantages associated with inter- companies. This article is a call to first empirically valid-
nationalization at an early stage of the life cycle of a ate that born-global firms are more successful than
technology company? What is the nature of these ad- firms that were not born global and then identify the
vantages and how could they be developed? design principles that can be used to design technology
startups.
4. How can design principles help launch and grow
born-global technology firms?
[Link] 8
2 Interessenvertretung und Lobbying
34 Glockner, Hermann (Hrsg.): Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Smtliche Werke. System der
Philosophie Teil 3, B. 10, Stuttgart 1929, S. 376.
35 Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft, Neu-Isenburg 2005 , Kap. I, 4, S. 20 ff.; Massing,
Peter: Interesse, in: Nohlen, Dieter/Schultze, Rainer-Olaf (Hrsg.): Lexikon der Politikwissen-
schaft, 2. A., B. 1, Mnchen 2004, S. 375.
36 Weber: Wirtschaft und Gesellschaft, Kap. I, 4, S. 20ff.
31
32
tutionen knpft bzw. unterhlt42. In zutreffender Weise wird bei dieser Einord-
nung nicht nur die Beeinflussung der Parlamentarier im Sinne einer direkten
Interessenvertretung, sondern auch die damit verbundenen Ttigkeiten der In-
formationsbeschaffung, des Kontaktierens, des Austauschens und hnliches
erfasst. Zu hinterfragen ist die Definition allerdings hinsichtlich der Formulie-
rung, dass lediglich diejenigen Personen als Interessenvertreter gelten, die fr
einen Dritten handeln. Die hchstpersnliche Vertretung wird von der Einord-
nung also ausgeklammert. Gerade aber die direkte Interessenvertretung, bei-
spielsweise durch die hauseigenen Interessenvertreter groer Firmen, nahm in
den vergangenen Jahren in Brssel bestndig zu. Die Definition des Galle-
Reports scheint fr eine allumfassende Einordnung deshalb unzureichend. Als
Interessenvertreter sollen deshalb all diejenigen Personen oder Personengruppen
gelten, die Inhaber des zu vertretenden Interesses oder deren Stellvertreter sind
und das Interesse durch jedwede Art politisch motivierter Kundgabe geltend
machen.
Unter einer Interessengruppe soll ein Zusammenschluss von Personen ver-
standen werden, deren politische Interessen einen gemeinsamen Kern aufweisen
und bei denen der Zweck des Zusammenschlusses in der effektiveren Vermitt-
lung ihrer Interessen gegenber dem Hoheitstrger liegt.
Michalowitz ordnet die Interessenvermittlung als Austausch von Ansichten
zur Gestaltung eines Rechtsaktes zwischen Verbnden, Unternehmen oder ande-
ren privaten Akteuren und Politikern ein43. Die Einordnung erscheint zutreffend,
soll aber fr vorliegende Zwecke noch um den Gesichtspunkt ergnzt werden,
dass nicht nur private, sondern eben auch ffentliche Akteure der nationalen oder
regionalen Ebenen sowie aus Drittstaaten als Interessenvertreter bei den EU-
Institutionen auftreten und damit auch sie als Interessenvermittler zu betrachten
sind.
Die Durchsetzungsmglichkeiten der Interessen stehen in Abhngigkeit ih-
rer Aggregations- und Konfliktfhigkeit. Gruppenbildung und gemeinschaftliche
Vertretung erhhen die Konfliktfhigkeit eines Interesses. Deshalb wird unter
Interessenaggregation der Vorgang der Zusammenfassung, Bndelung und
wechselseitigen Abstimmung von Einzel-, bzw. Partikularinteressen im Rahmen
gesellschaftlicher und politischer Organisationsformen verstanden44. Aufgrund
42 Nach dem belgischen MdEP Marc Galle benannte Report: Europisches Parlament: PE
200.405/endg., Galle-Report, vom 08.10.1992, S. 2, zitiert nach Buholzer: Legislatives Lob-
bying in der Europischen Union, S. 6 f.
43 Michalowitz: Lobbying in der EU, S. 19.
44 Thibaut, Bernhard: Interessenaggregation, in: Nohlen, Dieter/Schultze, Rainer-Olaf (Hrsg.):
Lexikon der Politikwissenschaft, 2. A., B. 1, Mnchen 2004, S. 379.
33
ihres Aggregationsvermgens bilden Interessenverbnde die klassische Form der
Interessenvertretung [dazu auch Kapitel 3.3.1].
Unter Einfluss wird das Erzeugen einer Wirkung auf das Verhalten eines
anderen, sei es nderung oder Bestrkung, verstanden45. Im politischen System
erfolgt die Einflussnahme durch die Artikulation und Vertretung von Interessen.
In Abhngigkeit vom Einflussvermgen des Interessenvertreters kann man sein
Durchsetzungsvermgen und damit seine Erfolgswahrscheinlichkeit beurteilen.
Je mehr Einfluss ein Interessenvertreter ausben kann, desto mehr politische
Macht hat er potentiell inne.
Die Arbeit der Interessenvertreter ist nicht auf die Vermittlung ihrer politi-
schen Ansichten und Interessen begrenzt. Meistens geht sie mit einer darber
hinausgehenden Informationsvermittlung einher. Die Versorgung des Hoheits-
trgers mit Informationen dient der Beziehungsunterhaltung oder -strkung und
bildet die Grundlage fr ein Austauschverhltnis zu gegenseitigem Nutzen. Vor
diesem Hintergrund sei deshalb auch auf den Begriff der Information kurz ein-
gegangen: Nach Pfeifer ist Information jede Beschreibung der Realitt, die einer-
seits fr den, der sie erhlt, von Nutzen ist und andererseits sowohl faktischen
Wert als auch subjektive Werte, Interpretationen und Anschauungen enthlt46.
Eine an der Gesetzgebung beteiligte Person hat die Aufgabe, gesamtgesellschaft-
lich verbindliche Entscheidungen anhand objektiver Mastbe und vor dem
Hintergrund einer unvoreingenommen ausgerichteten Bewertung der gesell-
schaftlichen Situation vorzunehmen. Als Rezipient einer Information, die von
externer Seite an den Hoheitstrger herangetragen wird, muss sich der Entschei-
dungstrger des Umstandes bewusst sein, dass diese nicht in jeder Hinsicht ob-
jektiv ist, sondern eine subjektive Frbung, bzw. Polarisierung aufweisen kann.
Der Eigenschaft der Subjektivitt einer Information kommt hierdurch eine nicht
zu unterschtzende Bedeutung zu. So kann der Nutzen einer Information aus
Sicht des Hoheitstrgers mit ihrer Objektivitt oder Subjektivitt stehen und
fallen. Subjektive Informationen bringen die Bedrfnisse und Anliegen der ver-
mittelnden Person direkt und unverflscht zum Ausdruck. Sie taugen dagegen
nicht fr die reprsentative Einschtzung einer Sachlage. Informationen knnen
ohne spezifischen Inhalt, an einen nicht spezifizierten Adressatenkreis gerichtet,
schlichtweg falsch oder aus Sicht des Rezipienten unntz sein. Wrde man den
aus Sicht des Rezipienten unntzen Informationen jeglichen informativen Cha-
rakter absprechen, knnten Phnomene, wie die des Massenmailings, nicht mehr
als Informationsvermittlung aufgefasst werden. In modernen Gesellschaften
34
werden die unterschiedlichsten Leistungen und Waren beworben. Diese Wer-
bung findet immer fter vllig unabhngig davon statt, ob sie der Rezipient er-
halten mchte oder nicht. Der Nutzen fr den Rezipienten ist damit kein prg-
nantes Kriterium dafr, eine Nachricht als Information einzuordnen.
2.2 Lobbying
Politische Interessen werden seit jeher von denjenigen vertreten, die sie inneha-
ben und gegenber denen vorgebracht, die die Herrschaftsgewalt innerhalb eines
politischen Systems ausben. Seit Anbeginn politischer Ordnungen existiert
daher auch die Interessenvertretung, die mittlerweile vorwiegend als Lobbying
bezeichnet wird. Verstndnis und Form der Interessenvertretung unterliegen
daher historischen und etymologischen Einflssen und werden bis heute durch
politische Gegebenheiten geprgt. Der Begriff soll deshalb eine genauere Ein-
ordnung erfahren.
35
bercksichtigender Faktor der Politik, der im Grndungsvertrag der Europi-
schen Gemeinschaft fr Kohle und Stahl (EGKS) seinen Niederschlag fand:
Art. 18 EGKS-Vertrag:
Er [der beratende Ausschuss] besteht aus Mitgliedern () gleicher Anzahl von
Vertretern der Erzeuger, der Arbeitnehmer sowie der Verbraucher und Hndler.47
47 Vertrag ber die Grndung der Europischen Gemeinschaft fr Kohle und Stahl, unter:
[Link] vom 18.04.
1951.
48 Ebenda.
49 Geiger: EU Lobbying handbook, S. 14; Teuber, Jrg: Interessenverbnde und Lobbying in der
Europischen Union, S. 120.
50 Geiger: EU Lobbying handbook, S. 13.
51 Ebenda, S. 14.
36
sich. Durch die EEA kam es zum einen zur Herausbildung des Binnenmarktes,
zum anderen nahm die Komplexitt der europischen Rechtsetzung zu52. Die
Entwicklung des Binnenmarktes und seine Kopplung an die nationalstaatlich
bergreifende europische Gesetzgebung steigerte die Aufmerksamkeit der Ver-
treter kommerzieller Interessen. Teuber bezeichnet diese Phase des Entstehens
europischer Interessenvermittlung als forming stage53. Die Vertretung politi-
scher Interessen ist daher eine seit geraumer Zeit stattfindende und in allen EU-
Mitgliedstaaten zu beobachtende Art politischer Partizipation. Mit Blick auf den
Fortschritt der europischen Integration und das Anwachsen der Kompetenzen
der europischen Ebene stellt die Tatsache, dass sich immer mehr gesellschaftli-
che Gruppen mit zunehmend diverseren politischen Anliegen um deren Einbrin-
gung und Durchsetzung bei den EU-Institutionen bemhen, eine geradezu logi-
sche Konsequenz dar.
37
Erfordernis der Unterscheidung, denn letzterer Begriff umfasst ein weit greres
Handlungsspektrum und nicht jede Interessenvertretung muss politischer Art
sein. Unter Lobbying wird demgegenber ausschlielich die politisch motivierte
Interessenvertretung verstanden. Der Begriff trifft auf der multilingualen Ent-
scheidungsebene der EU zudem auf breiteres Verstndnis und wird entsprechend
hufiger verwendet. Gleichwohl sollen beide Begriffe in der vorliegenden Unter-
suchung synonym gebraucht werden, da es bei der Interessenvertretung im hier
verstandenen Sinne immer um Akte politisch motivierter Einflussnahme gehen
wird.
Fr die lobbyierenden Akteure brachte der englische Sprachgebrauch meh-
rere Bezeichnungen mit unterschiedlicher Konnotation hervor. So stehen die
neutralen Begriffe Lobbyist und Interest Group der aggressiveren Bedeutung der
Pressure Group gegenber.
Je nachdem, auf welches politische System eine Vertretung politischer Inte-
ressen gerichtet ist, wird der Begriff Lobbying unterschiedlich interpretiert. So
beziehen sich vor allem die Einordnungen der lteren Verbandsforschung aus-
schlielich auf den Nationalstaat. Da im nationalstaatlichen Kontext die Zuord-
nung der Stellung als Entscheidungstrger konkreter auf die Regierung bezogen
werden kann, als im vergleichsweise komplexeren Institutionengefge der EU,
verstehen Leif und Speth unter Lobbying die Beeinflussung der Regierung
durch bestimmte Methoden mit dem Ziel, die Anliegen von Interessengruppen
mglichst umfassend bei politischen Entscheidungen durchzusetzen57. Diese
Definition vernachlssigt allerdings, dass auch im nationalen System nicht aus-
schlielich Regierungsmitglieder von Lobbyisten beeinflusst werden. Ebenso
knnen Beamte von Ministerien oder Abgeordnete der Opposition Ziel einer
Interessenvermittlung sein. Im brigen eignen sich Definitionen fr national-
staatliches Lobbying nicht fr eine Untersuchung der Interessenvertretung auf
europischer Ebene. Die Europische Kommission verwendet in der Mitteilung
zur Transparenzinitiative fr den Begriff Interessenvertretung auch die Bezeich-
nung Lobbyarbeit. Ihrer Meinung nach ist darunter eine Ttigkeit [zu verste-
hen], mit der auf die Politikgestaltung und den Entscheidungsprozess der europ-
ischen Organe und Einrichtungen Einfluss genommen werden soll58. Danach ist
es also unerheblich, welcher Entscheidungstrger Adressat der Einflussnahme
ist. In Brssel sind dies smtliche an Rechtsetzungs- und Verwaltungsprozessen
beteiligten Entscheidungstrger, so in erster Linie die Abgeordneten des Parla-
38
ments, die jeweiligen Minister im Rat sowie die Mitglieder seiner vorbereitenden
Ausschsse und vor allem die Mitarbeiter und Beamten der Kommission.
Bercksichtigt wird dieser Umstand von der Einordnung Geigers: Lobbying is
the professional practice of advocating private and public interests towards legis-
lators and decision makers.59 Da politische Einflussnahme nicht zwangslufig
zur Verwirklichung des vermittelten Interesses fhrt, wird Lobbying zutreffender
Weise auch als Versuch der Beeinflussung von Entscheidungstrgern durch Drit-
te definiert60.
Eine Betrachtung der Lobbyisten, ihrer Methoden und Zielsetzungen, erlaubt es,
die Ttigkeit Lobbying nher zu spezifizieren. So kann zwischen privatem Lob-
bying und ffentlichem Lobbying unterschieden werden. Die Bandbreite lob-
byierender Akteure ist damit sehr gro. Als Vertreter privater Interessen kom-
men alle organisierten und individuell auftretenden Akteure aus der Mitte der
Gesellschaft in Betracht, so unter anderem Firmenvertreter, Verbnde, Organisa-
tionen (u. a. auch Non-Profit-Organisations und Non-Governmental-Organi-
sations), Gewerkschaften und sonstige Berufsvereinigungen. Auch diejenigen,
die Lobbying als Dienstleistung anbieten, sind diesem Spektrum zuzurechnen, da
sie wenn auch nur stellvertretend mit ihrer Arbeit in der Pflicht zur Vertre-
tung privater Interessen stehen. Unter ffentlichem Lobbying soll dagegen die
Lobby-Ttigkeit der staatlichen Hoheitstrger verstanden werden, also die Ge-
samtheit der Regierungsvertreter der Mitgliedstaaten, insbesondere des Mitarbei-
terstabes der Exekutive, die Vertreter der Lnder und Region. Zu bedenken
bleibt, dass sich die Handlungen der Union nicht nur auf die Rechtsetzungsttig-
keit nach innen beschrnken. Das auswrtige Handeln der Europischen Union
tangiert die Politik vieler Drittstaaten sowie zahlreicher internationaler Regime,
Partnerschaften und Koalitionen. Demzufolge stehen die unterschiedlichsten
Vertreter von Drittstaaten mit den europischen Institutionen im Austausch, die
ebenfalls zu den ffentlichen Akteuren zu zhlen sind.
Lobbying bedeutet immer auch Verstndigung und Auseinandersetzung mit
politischen Entscheidungstrgern. blicherweise geht die Interessenvermittlung
mit einem bergreifenden Informationsaustausch zu beiderlei Nutzen einher.
Hufig wird der Lobbyist im politischen Alltag zum Dienstleister der Informati-
39
onsbeschaffung. Hat er sich diesbezglich den Status eines sachverstndigen
Experten verschafft, kann er Kommunikationsnetzwerke aufbauen und einen
nachhaltigen Austausch mit EU-Bediensteten pflegen. Fr diese Beziehungen
wird hufig der Begriff Governmental Relations verwendet.
Von weiterer Bedeutung ist die Frage, ob ein Interesseninhaber selbst oder
ein beauftragter Stellvertreter mit einer hoheitlichen Institution im Austausch
steht. Zu unterscheiden sind dementsprechend die selbstverantwortliche unab-
hngige Eigenvertretung und die auftrags- und weisungsgebundene Fremdvertre-
tung [dazu Kapitel 3.3.3].
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Begriff der fr seine Fragestellung zur Diskussion stehenden politischen Ein-
flussnahme aus. Auch in der vorliegenden Untersuchung werden Handlungen
von Akteuren, die sich um eine Generierung von europischen Frdermitteln
bemhen, nicht als Lobbying betrachtet, wenngleich sich auf dem Gebiet des
Frdermittelwesens einige Fragen zur Rechtmigkeit ergeben [zum Subventi-
onsbetrug und illegalem Verhalten im ffentlichen Auftragswesen daher nur kurz
in Kapitel [Link]]. Ergnzend ist anzufgen, dass unter dem Begriff der Norm
alle Rechtsakte der EU subsumiert werden sollen, neben Richtlinien und Verord-
nungen also auch Beschlsse und Empfehlungen, da alle diese Rechtsakte von
potentieller Relevanz fr die Lage eines Interesseninhabers sein knnen. ber
das Fond-Lobbying hinaus soll auch die von Buholzer als anwendungsorientier-
te Lobbying62 bezeichnete Ttigkeit nicht als Lobbying im vorliegenden Sinne
betrachtet werden. Unter anwendungsorientiertem Lobbying versteht Buholzer
den Versuch der Beeinflussung einzelner Entscheidungen von Exekutivbehr-
den. In diesen Fllen geht es also gerade nicht um eine Beeinflussung hoheitli-
cher Entscheidungen im Rahmen eines Rechtssetzungsprozesses. Eine Vernde-
rung der Rechtslage ist in diesem Fall somit ausgeschlossen. Lediglich durch den
Begriff des legislativen Lobbying wird diejenige Ttigkeit beschrieben, die im
Zentrum der vorliegenden Untersuchung steht: die Interessenvertretung als Form
politischer Teilhabe, gerichtet auf die Beeinflussung der Rechtsetzungsttigkeit
des Hoheitstrgers zu eigenen Gunsten.
Politische Parteien und die sie reprsentierenden Abgeordneten lassen sich von
Interessengruppen, bzw. Interessenvertretern klar abgrenzen. Parteien streben im
Gegensatz zu Interessengruppen nicht nur die Vermittlung und Durchsetzung
politischer Interessen an. Parteien wirken wie Interessenverbnde am gesell-
schaftlichen Willensbildungsprozess mit. Sie verfolgen mit ihrer Arbeit aber das
weitergehende Ziel, auf demokratisch legitimierte Weise in den rechtsetzungsbe-
teiligten Institutionen vertreten zu sein und im gnstigsten Fall Regierungsver-
antwortung zu bernehmen. Da diese Intension auch von denjenigen Parteien
geteilt wird, die nicht in den rechtsetzungsbeteiligten Institutionen vertreten sind,
unterscheiden sich alle Parteien von brigen politischen Gruppierungen. Sie sind
somit vom Begriff der Lobbygruppe auszunehmen. Auf europischer Ebene
besteht darber hinaus die Besonderheit, dass sich die Parteien ganz berwie-
62 Ebenda, S. 8.
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gend als Bndnis aus nationalen Parteien zusammensetzen. Die unterschiedliche
Rolle von Lobbyisten und Abgeordneten lsst sich darber hinaus auch histo-
risch nachvollziehen. Der dem ursprnglichem Wirkungsort entsprechende Auf-
enthalt des Lobbyisten in der Wandelhalle verdeutlichte mit der rumlichen Ab-
grenzung zu den Abgeordnetenzimmern bereits eine funktionelle Abgrenzung
der Aufgaben. Lobbying wurde seit jeher als eine der politischen Entscheidungs-
findung vorgelagerte Ttigkeit betrachtet. Eine theoretische Einordnung sttzt
diese Abgrenzung bis in die heutige Zeit. Die Systemtheorie ordnet Politik als
gesellschaftliches Teilsystem ein63, das kollektiv verbindliche Entscheidungen
erzeugt und dadurch das gesamtgesellschaftliche System regulierend beein-
flusst64. Nach Lehmbruch ist Politik gesellschaftliches Handeln, (...) welches
darauf gerichtet ist, gesellschaftliche Konflikte ber Werte verbindlich zu re-
geln65. Nach diesem Verstndnis erarbeiten Abgeordnete im Rahmen des Ge-
setzgebungsprozesses gesamtgesellschaftlich verbindliche Entscheidungen durch
den Erlass von Gesetzen. Sie nehmen die Funktion von gewhlten Volksvertre-
tern war, fungieren als Reprsentanten des ganzen Volkes und sollen im Ver-
bund des Plenums dem Gemeinwohl frderliche Entscheidungen treffen. Die
Artikulationsfunktion eines Parlaments besteht darin, nach Mglichkeit das Mei-
nungsspektrum der gesamten Bevlkerung zum Ausdruck zu bringen66. Auch der
Lobbyist reprsentiert bei seiner Vermittlung ein gesellschaftliches Interesse,
wenngleich in erster Linie sein eigenes. Eine Entscheidungsfindung obliegt ihm
aber gerade nicht, weshalb sich sein Handeln in dem Versuch erschpft, die
hoheitliche Entscheidung zu eigenen Gunsten zu beeinflussen. Hinsichtlich des
Abgrenzungskriteriums der Beteiligung an der hoheitlichen Entscheidung besteht
in der Wissenschaft seltene Einigkeit. Leif und Speth betrachten die Beteiligung,
bzw. Nichtbeteiligung an der hoheitlichen Entscheidungsfindung als entschei-
dendes Indiz zur Bestimmung der Lobby-Ttigkeit67. Teuber hebt hervor, dass
Lobbying nicht als anhaltende Mitgestaltung staatspolitischer Rahmenbedingun-
gen verstanden werden knne 68. In den Vordergrund der Lobby-Ttigkeit rckt
die punktuelle Beeinflussung spezifischer Sachentscheidungen. Unter einer Lob-
63 Kieserling, Andr (Hrsg.): Niklas Luhmann. Die Politik der Gesellschaft, Frankfurt a. M. 2008,
S. 16.
64 Schultze, Rainer-Olaf: Politik/Politikbegriffe, in: Nohlen, Dieter (Hrsg.): Lexikon der Politik, B.
7, Mnchen 1998, S. 489.
65 Lehmbruch, Gerhard: Einfhrung in die Politikwissenschaft, 4. A., Stuttgart 1971, S. 17.
66 Thaysen, Uwe: Parlamentarisches Regierungssystem in der Bundesrepublik Deutschland, Opla-
den 1976, S. 22.
67 Leif/Speth: Die fnfte Gewalt Anatomie des Lobbyismus in Deutschland, S. 12; Teuber:
Interessenverbnde und Lobbying in der Europischen Union, S. 117.
68 Teuber: Interessenverbnde und Lobbying in der Europischen Union, S. 117.
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by, so hebt Knig hervor, sei ein Zusammenschluss von Personen und Organisa-
tionen zur Vertretung gemeinsamer Interessen gegenber Gesetzgeber und Ver-
waltung zu verstehen69. Wissenschaftliche Einordnungen gehen also ebenfalls
von einer klaren Unterscheidbarkeit der Rollen von Lobbyist und Entscheidungs-
trger aus. Diese Abgrenzungsmglichkeit wird bei der spteren berprfung
der Rechtmigkeit, insbesondere bei der Frage der Legitimitt der europischen
Interessenvertretung, von eminenter Bedeutung sein.
Ausgehend von den vorgenommenen Einordnungen sollen abschlieend die
Kriterien formuliert werden, die eine abstrahierte, aber allgemein gltige Be-
stimmung einer Ttigkeit als europische Interessenvertretung zulassen.
Akteur
Inhaber eines politischen Interesses (Einzelvertreter/Gruppe/Verband),
der nicht Bestandteil oder Mitglied desjenigen hoheitlichen Entscheidungs-
gremiums ist, das lobbyiert wird
Anliegen
begehrt die Bercksichtigung seines Interesses durch den (europischen)
Gesetzgeber
Vermittlung
bt im Wege des Informationsaustausches und/oder der zielgerichteten Inte-
ressensvermittlung Einfluss auf einen rechtsetzungsbefugten Entschei-
dungstrger aus
Ziel
zum Zweck der Wahrnehmung und Durchsetzung seiner Interessen
69 Knig, Johann-Gnter: Die Lobbyisten. Wer regiert wirklich?, Dsseldorf 2007, S. 12.
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Damit sind fr die Qualifikation einer Handlung als (europische) Interessen-
vermittlung von Bedeutung:
Eine Interessenvermittlung kann durch direkten Kontakt oder ber ein Medium
erfolgen. Der Versuch politischer Einflussnahme findet keineswegs ausschlie-
lich in Brssel, also auf europischer Ebene statt. So kann beispielsweise ein
Abgeordneter des Europischen Parlaments ebenso in seinem Wahlkreisbro
aufgesucht werden. Die Anwesenheit eines Lobbyisten innerhalb der Rumlich-
keiten der europischen Organe ist fr eine Interessenvermittlung jedenfalls nicht
erforderlich. Fr eine Bestimmung eines Verhaltens als Interessenvertretung
spielen mithin keine Rolle:
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