Skript
Skript
die beiden Komplemente wir und dieses Problem den Verbalkomplex haben gelst zu einem
Satz. Dagegen wird in
der Verbalkomplex haben gelst zunchst durch das Supplement schnell spezifiziert und erst
anschlieend durch die Komplemente wir und dieses Problem zu einem Satz vervollstndigt.
Schlielich kann in
durch das Supplement damals der gesamte Satz Wir haben dieses Problem schnell gelst
erweitert werden, wodurch sich ein neuer Satz ergibt.
Als primre funktionale Komponenten des Satzes werden somit der Verbalkomplex, die
Komplemente und die Supplemente angesehen. Im Folgenden soll es um die Frage
gehen, wie die funktionalen Komponenten des Satzes durch bestimmte Ausdruckskategorien
realisiert und beim Aufbau von Stzen in Beziehung zueinander gesetzt werden.
Komplemente und Supplemente knnen mithilfe verschiedenartiger Ausdruckskategorien
realisiert werden: Schon in obigen Beispielen erschienen als Komplemente ein Pronomen im
Nominativ (wir ) und eine Nominalphrase im Akkusativ (dieses Problem ) und als
Supplemente ein Adjektiv (schnell ) und ein Adverb (damals ). Dagegen bildet der
Verbalkomplex, fr den das finite Verb konstitutiv ist, bereits an sich eine bestimmte
Ausdruckskategorie. Im Rahmen der aktuellen Informationseinheit werden die verschiedenen
Klassen von Komplementen und Supplementen erarbeitet und ihre mglichen
Realisierungen beschrieben. Der Verbalkomplex, der selbst eine Ausdruckskategorie bildet,
wird in einer getrennten Informationseinheit auf einer Ebene mit anderen
Ausdruckskategorien behandelt.
Verbalkomplex
Komplement
Supplement
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 3
Verbalkomplex
... weil Hans gerade den Brief schreibt.
Der Verbalkomplex ist die typische Realisationsform des Prdikats und gehrt als solche
neben Komplementen und Supplementen zu den primren Komponenten des Satzes.
Er besteht aus einer finiten Verbform (Beispiel (1)) oder aus mehreren Verbformen, von
denen eine finit ist. Im letzteren Fall, der eigentlich erst die Bezeichnung Verbalkomplex
rechtfertigt, weil er aus mehreren Elementen besteht, wird eine infinite Verbform oder eine
Gruppe infiniter Verbformen durch ein finites Hilfsverb oder Modalverb zum Verbalkomplex
vervollstndigt (Beispiele (2)-(16)). Der Verbalkomplex ist bis an die Grenze der
Verstndlichkeit ausbaubar.
Das finite Hilfsverb oder Modalverb ist in Verberst- und Verbzweitstzen oft durch andere
Satzelemente vom Rest des Verbalkomplexes getrennt (Beispiele (2)-(15)), der in der Regel
am Ende des Satzes steht. In Verbletztstzen ist es das finite Hilfsverb oder Modalverb, das
am Ende des Verbalkomplexes steht (Beispiel (16):
(1) Hans schreibt gerade den Brief.
(2) Hat Hans gerade den Brief geschrieben?
(3) Hans wird gerade den Brief schreiben.
(4) Hans muss gerade den Brief schreiben.
(5) Hans wird bis morgen den Brief geschrieben haben.
(6) Hans muss gerade den Brief geschrieben haben.
(7) Hans hat gerade den Brief schreiben mssen.
(8) Hans htte gerade den Brief geschrieben haben mssen.
(9) Hans wird bis morgen den Brief geschrieben haben mssen.
(10) Der Brief wird gerade (von Hans ) geschrieben .
(11) Der Brief ist gerade (von Hans ) geschrieben worden .
(12) Der Brief wird gerade (von Hans ) geschrieben werden .
(13) Der Brief muss gerade (von Hans ) geschrieben werden .
(14) Der Brief htte gerade (von Hans ) geschrieben werden mssen .
(15) Der Brief wird bis morgen (von Hans ) geschrieben worden sein .
(16) ... weil der Brief bis morgen (von Hans) geschrieben worden sein muss.
Die Hilfsverben sein , haben und werden beteiligen sich an der Bildung zusammengesetzter
Tempus- und Genus-Verbi-Formen im verbalen Paradigma der Vollverben.
Mit Modalverben wie drfen , knnen , mgen , mssen , sollen , wollen werden
Propositionen als mglich oder notwendig (und nicht faktisch) eingestuft. Die Modalverben
weisen dabei einen unscharfen bergangsbereich zu den Vollverben auf, der von peripheren
Modalverben wie brauchen und Halbmodalen wie scheinen gebildet wird.
Der Verbalkomplex ist bestimmt hinsichtlich aller Kategorisierungen des verbalen
Paradigmas (Tempus, Modus, Genus Verbi, Person und Numerus).
Hilfsverben im Verbalkomplex
Modalverben im Verbalkomplex
a.
b.
c.
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 6
Die auf die einzelnen Teilbereiche von Aufgabe 2 spezialisierten Verben knnen miteinander
kombiniert werden:
Die folgende Tabelle fasst die bisherigen berlegungen zu den Aufgaben des
Verbalkomplexes und seiner Bestandteile zusammen:
Die Anbindung der Komplemente erfolgt sukzessive und ist quantitativ von der Valenz des
Vollverbs abhngig. An den n-stelligen Verbalkomplex wird zunchst das unter
semantischen Gesichtspunkten verbnchste Komplement angebunden. Dabei entstehet eine
Verbgruppe, die dann nur noch n-1-stellig ist. In analoger Weise werden die brigen
Komplemente angebunden, bis keine freie Stelle mehr vorhanden ist und die nullstellige
Verbgruppe, nmlich der Satz, erreicht ist. Auf jeder der Zwischenebenen kann die
Verbgruppe durch Supplemente erweitert oder 'modifiziert' werden. Verbgruppen sind also
Wortgruppen, die aus einem Verbalkomplex und dazugehrigen Komplementen bestehen.
Bei einem n-stelligen Verbalkomplex liegt fr den Satz folgendes abstraktes Strukturschema
vor:
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 7
Es gibt zwei Kategorien von Verben, die in Verbindung mit einer infiniten Verbform eines
anderen Verbs einen Verbalkomplex bilden knnen: Hilfsverben und Modalverben. Finite
Hilfsverben und Modalverben knnen einen (vollstndigen) Verbalkomplex herstellen:
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 8
Infinite Hilfsverben und Modalverben bilden zusammen mit einer anderen infiniten Verbform
eine komplexere infinite Verbgruppe, die Teil eines greren Verbalkomplexes ist.
Unter den Eigenschaften, die Hilfsverben und Modalverben von den Vollverben
unterscheiden, gibt es einige, die sowohl den Hilfsverben als auch den Modalverben
zukommen. Zu diesen Gemeinsamkeiten gehren:
Fehlen eines eigenen Valenzrahmens
Zu syntaktischen und semantischen Unterschieden zwischen den beiden Verbklassen vgl.
Abgrenzung der Modalverben von anderen Verbklassen.
Hilfsverben im Verbalkomplex
Die Hilfsverben haben , sein und werden beteiligen sich an der Bildung zusammengesetzter
Tempus- und Genus-Verbi-Formen im Paradigma der Vollverben. Sie werden in folgenden
Informationseinheiten behandelt:
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 9
Allerdings haben die Verben haben , sein und werden auch Vollverbverwendungen: Keine
Hilfsverben sind sie z. B. im folgenden Beispiel:
Aschenputtel hatte groes Glck: Am Anfang war sie in der Kche ihrer Stiefmutter, am Ende wurde sie
Prinzessin.
Die Verbindung der Hilfsverben mit einem Vollverb oder Modalverb kann als
Verbalperiphrase gefasst werden, eine komplexe Verbform, die neben den einfachen
Formen eines Vollverbs/Modalverbs zu dessen Formenparadigma gehrt. Die
Verbalperiphrasen heien auch "umschriebene", "periphrastische" oder "analytische"
Verbformen. In den zusammengesetzten Tempuskategorien (Prsensperfekt,
Prteritumperfekt, Futur, Futurperfekt) und im Passiv kommen Tempus und Genus Verbi nur
ber mit Hilfsverben gebildete Verbalperiphrasen zur Geltung (vgl. syntaktische
Eigenschaften von Hilfsverben).
Hauptkriterium fr Hilfsverben:
Die Verben haben , sein und werden werden als Hilfsverben verwendet, wenn sie
zur Bildung von Verbalperiphrasen im verbalen Paradigma dienen. Dabei wird die
Verbalperiphrase, bestehend aus Hilfsverb(en) und Vollverb oder Modalverb, als
Tempus- bzw. Passivform des Vollverbs/Modalverbs aufgefasst.
Konjunktiven (da jede Form sowohl hinsichtlich des Tempus als auch hinsichtlich des Modus
spezifiziert ist, wird im Weiteren von Tempus-Modus-Formen gesprochen):
1. Beide Hilfsverben regieren dabei das Partizip II eines Vollverbs:
a. Er hat/hatte gearbeitet .
Er habe/htte gearbeitet .
b. Er ist/war gekommen .
Er sei/wre gekommen .
2. haben regiert auch das Partizip eines Modalverbs (a) oder den Infinitiv eines
Modalverbs (b):
a. Er hat gewollt.
b. Er hat kommen wollen.
3. Nur sein wird zur Bildung der beiden Perfektparadigmen im werden -Passiv
gebraucht. Es regiert dann die Partizipialsonderform worden von werden II, auf diese
Weise wird eine zweifache Prfigierung von ge - (beim Vollverb und beim Hilfsverb)
vermieden (vgl. b):
a. Er ist/war gerufen worden .
Er sei/wre gerufen worden .
b. ??Er ist gerufen geworden.
werden I dient zur Bildung der periphrastischen Tempusformen des Futurs und des
Futurperfekts sowie der konjunktivischen wrde -Form. In dieser Verwendung regiert werden
:
den Infinitiv eines Vollverbs:
Das Mdchen wird/werde/wrde rufen.
den Infinitiv eines Modalverbs:
Das Mdchen wird arbeiten mssen.
den Infinitiv des Hilfsverbs haben oder sein (bzw. den Infinitiv Perfekt):
Das Mdchen wird gerufen haben.
Das Mdchen wird gekommen sein.
den Infinitiv werden II:
Das Mdchen wird gerufen werden.
werden II dient zur Bildung des werden -Passivs im Indikativ und in den entsprechenden
Konjunktiven. In dieser Verwendung regiert werden
das Partizip II eines Vollverbs:
Das Mdchen wird/wurde gerufen.
Das Mdchen werde/wrde gerufen.
das Partizip II eines Modalverbs:
Das wird immer gewollt.
Das werden -Passiv wird hier als zentrales Passiv betrachtet. Am Rande des verbalen
Paradigmas befindet sich das sein -Passiv. Dabei handelt es sich um Kombinationen aus
dem Hilfsverb sein und dem Partizip II:
Das Haus ist gebaut/war gebaut/wird gebaut sein/ist gebaut gewesen.
Die folgende Tabelle bietet einen berblick ber die Rektion der einzelnen Hilfsverben und
die Funktion der jeweils entstehenden Verbalkomplexe:
werden -Passiv
Partizip II eines Vollverbs/Modalverbs,
haben Prsens- und Prteritumperfekt
Infinitiv eines Modalverbs
Infinitiv eines Vollverbs/Modalverbs,
Infinitiv des Hilfsverbs haben/sein Futur, Futurperfekt,
werden I
(Infinitiv Perfekt), konjunktivische wrde -Form
Infinitiv werden II
werden
Partizip II eines Vollverbs/Modalverbs werden -Passiv
II
Modalverben im Verbalkomplex
... weil Hans diesen Brief liest.
Mithilfe von Modalverben werden Propositionen als mglich bzw. notwendig eingeordnet. Bei
den Modalverben ist zwischen einem Kernbereich, einer noch in sich abgestuften Peripherie
und den Halbmodalen zu unterscheiden (zur genauen Beschreibung aus der Perspektive der
Wortartenklassifikation vgl. Modalverb).
gehren Partizip II
pflegen
Halbmodale scheinen zu -Infinitiv
drohen
Der ehemalige Konjunktiv mchte ist nur in den finiten Formen mglich. Er wird heute als
Indikativ Prsens verstanden. Prsentisches mgen und mchte werden zum Teil
bedeutungsverschieden gebraucht, sie haben jedoch nur die eine gemeinsame
Prteritalform mochte und werden daher zu einem Formenparadigma gerechnet.
Modalverben im Verbalkomplex werden in folgenden Informationseinheiten behandelt:
Modalverbperipherie
Die peripheren Modalverben werden behandelt in:
brauchen im System der Modalverben
Modale Verwendung von sein und haben sowie verwandte Verwendungen anderer
Verben
Die Modalverbperipherie ist in sich abgestuft. Dem Kernbereich der Modalverben am
nchsten steht dabei brauchen .
Bestand Rektion
(nicht) brauchen
haben zu -Infinitiv
sein
bleiben , stehen zu -Infinitiv
gehren Partizip II
Gebrauchsbedingungen
Ich finde meine Frage nicht so abwegig, dass Sie mir die Antwort zu verweigern brauchen .
haben zu
haben zu bertrgt den Valenzrahmen des Infinitivs, mit dem es sich verbindet, unverndert
auf den gesamten Verbalkomplex. Die Verben bzw. Prdikatsausdrcke, auf die es
angewendet wird, bezeichnen in der Regel Handlungen oder auch Prozesse und Zustnde
bezeichnen, die durch menschliche Handlungen beeinflusst, herbeigefhrt oder durch
Menschen verfgt werden knnen. Vgl.:
Ein Kind hat die Anweisungen der Eltern zu befolgen.
Das Fenster hat immer offen zu sein.
Diese Regel hat einfach zu stimmen.
Sporadisch knnen sie jedoch auch Prozesse und Zustnde bezeichnen, die von
menschlichen Handlungen und Intentionen weitgehend unabhngig sind. Vgl. etwa:
Das Kind hat zu wachsen.
sein zu
Konversion
Der Verbalkomplex mit sein zu steht zu dem Vollverbinfinitiv in Konversion. Die
Komplemente des Verbalkomplexes mit sein zu werden in umgekehrter Reihenfolge
eingebunden als die Komplemente des Vollverbs:
Ein Akkusativkomplement des Vollverbs wird zum Subjekt des Verbalkomplexes mit sein zu ,
das Subjekt des Satzes mit Vollverb wird zum fakultativen Prpositivkomplement, das meist
entfllt . In der Regel entsprechen die Mglichkeiten einer sein-zu -Konverse denen der
Passivierbarkeit des entsprechenden Verbs:
Diese Arbeit wird bis morgen (von Hans ) erledigt .
Diese Arbeit ist bis morgen (von Hans ) zu erledigen.
Halbmodale
Die Verben scheinen , drohen und pflegen mit Rektion des zu -Infinitivs zeigen eine Reihe
von bereinstimmungen mit den Modalverben und unterscheiden sich deutlich von gleichen
Verben im Vollverbgebrauch. Sie werden Halbmodale bzw. modalverbhnliche Verben
genannt.
Halbmodale
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 16
(1) Dass ich heute nicht kommen kann, schien ihm einzuleuchten .
(2) Die Krise in Argentinien droht sich auszuweiten.
(3) Er pflegt zum Essen Wein zu trinken.
Vollverben
(1a) Die Sonne schien (hell ).
(2a) Der Vorgesetzte droht dem Angestellten (mit dem Rausschmiss ).
(3a) Die Tochter pflegt den kranken Vater.
Die Halbmodale werden genauer in folgenden Informationseinheiten behandelt:
bereinstimmungen zwischen Halbmodalen und Modalverben
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 17
Die Wortstellung
Hier geht es um die Wortstellung im Satz. Die "Grammatik der deutschen Sprache" (GdS)
sagt "Linearstruktur des Satzes". Andere Grammatiken berschreiben dieses Kapitel mit
"Satzgliedstellung", "Wortfolgeregeln", "Wortabfolgeregeln". Die Wortstellung innerhalb von
Phrasen wird an anderer Stelle behandelt, ebenso die Stellung von Nebenstzen in
komplexen Stzen.
Wir gehen von einer unmarkierten, "normalen" Worstellung aus, die mit sehr vielen
Kontexten vertrglich ist. Wir gehen weiterhin zunchst von drei Hauptstellungsfeldern
innerhalb des Satzes aus, die durch die Satzklammer entstehen. Die Satzklammer (Skl) hat
einen linken und einen rechten Teil. Im linken Teil steht in allen Hauptsatztypen das finite
Verb. Diese Klammer muss in Aussage- und Aufforderungsstzen immer besetzt sein. Im
rechten Klammerteil stehen - wenn er besetzt ist - die infiniten Teile des Verbalkomplexes. In
eingeleiteten Nebenstzen steht das Einleitungselement im linken Satzklammerteil (lSkl)und
der gesamte Verbalkomplex, also das Finitum und eventuell infinite Verben im rechten
Satzklammerteil (rSkl).
Die Satzklammer strukturiert den Satz in die drei Hauptstellungsfelder: Vorfeld, Mittelfeld und
Nachfeld. Die Position dieser Stellungsfelder wird in der folgenden Grafik deutlich.
Man sieht, dass nicht immer alle Satzfelder besetzt sind. Das hngt u.a. vom Satztyp ab. So
ist z.B. in Ergnzungsfragestzen (3), in Aufforderungs-(4) und Wunschstzen (5) das
Vorfeld in der Regel nicht besetzt. Es handelt sich bei diesen Beispielen um Verberststze,
weil der Satz mit dem finiten Verb beginnt.
Wir legen fest, dass auch Nebenstze kein Vorfeld haben (7). Oder andersherum gesagt:
Das Vorfeld ist in der Regel nur in Verbzweitstzen besetzt. Auch die rechte Satzklammer
muss nicht besetzt sein (4, 6) auer in Nebenstzen/ Verbletztstzen (7). Das Nachfeld ist
nur relativ selten besetzt, obwohl es bei jedem Satztyp realisiert werden kann. Das Mittelfeld
hat potenziell die grte Zahl von Stellungseinheiten. Deshalb sind hier die
Wortstellungsregeln besonders wichtig. Mehr dazu unter Stellungsfelder und Satzklammer
Die Wortstellung wird unter syntaktischen Gesichtspunkten betrachtet, um strukturelle
Regeln aufzudecken aber auch unter kommunikativen, also mit der Frage nach der
Informationsstruktur, d.h. nach der Art von Information, die mit den einzelnen Satzteilen
bermittelt wird. Die syntaktische Detailbeschreibung - vor allem im Mittelfeld und im Vorfeld
- bezieht sich [Link] die Stellungseigenschaften von Komplementen und von Supplementen.
Unter der kommunikativen Perspektive wird z.B. beschrieben, dass in der unmarkierten
Rede im Vorfeld gewhnlich die Teile des Satzes stehen, die eine Hintergrund-Information
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 18
darstellen. Das ist dann eine bekannte bzw. im Vortext oder dem direkt vorangehenden Satz
eingefhrte Information. Im linken Satzklammerteil und am Anfang des Mittelfeldes stehen
gewhnlich auch noch Hintergrund-Informationen. Am Ende des Mittelfeldes und z.T. im
rechten Satzklammerteil folgen dann Vordergrund-Informationen. Das sind meist neue
Redegegenstnde, also neue Informationen.
Wozu Wortstellung?
Eine naive Vorstellung von menschlicher Sprache besagt, dass sie aus Wrtern und
Grammatik besteht. Und unter Grammatik versteht man dann meist die Formenlehre. Dass
die Anordnung der Wrter im Satz bei der Interpretation der Bedeutung eine wichtige Rolle
spielt, wird dabei oft vergessen. (Wir haben den Terminus "Wortstellung" beibehalten, weil er
sehr weit verbreitet ist.)
Wer Latein gelernt hat wird sich an den inhaltsschweren Satz "agricola gallinas numerat" (1)
erinnern. Der wurde dann mit "Der Bauer zhlt die Hhner" bersetzt. Dabei ist einem kaum
aufgefallen, dass es im Original doch eigentlich anders heit, nmlich "Der Bauer die Hhner
zhlt." Sehr viel spter - wenn berhaupt - hat man dann erfahren, dass die Wortstellung im
Lateinischen wegen seines groen Formenreichtums sehr frei bzw. variabel ist. Man kann
also auch schreiben: "agricola numerat gallinas" (2) oder "numerat gallinas agricola" (3) oder
"numerat agricola gallinas" (4) oder "gallinas agricola numerat" (5) oder "gallinas numerat
agricola" (6). Die wrtliche bertragung all dieser Stze ins Deutsche zeitigt unterschiedlich
akzeptable Ergebnisse:
Ohne Probleme akzeptabel sind die Stze (2') als Aussage- und (4') als Fragesatz. D.h.,
dass im Deutschen - anders als im Lateinischen - die Wortstellung fr die Bildung von
Satztypen mitverantwortlich ist. Bei (6') muss man sich einen bestimmten Kontext und eine
spezifische Akzentuierung denken, um den Satz akzeptabel zu machen, etwa einen Vorsatz
wie "Die Buerin zhlt die Gnse.", dem dann kontrastiv der nachfolgende Satz
gegenbergestellt wird: "Die Hhner zhlt der Bauer". Mit einer vergleichbaren
"Kontextualisierung" kann man (3') ?hinkriegen'. Die Stze (1') und (5') sind als Hauptstze
aber in keinem Kontext weder als Aussage noch als Frage mglich. Sie verstoen
offensichtlich gegen die Bauprinzipien deutscher Hauptstze. Mglich sind die Abfolgen in
(1') und (5') aber als Nebenstze mit einem entsprechenden Einleitewort (weil der Bauer die
Hhner zhlt ).
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 19
Die Stellung des Verbalkomplexes ist also nicht generell festgelegt wie z.B. auf die
Endstellung im Japanischen, sie ist aber fr den jeweiligen Satztyp bindend festgelegt.
Variabler ist die Wortstellung bei den nicht-verbalen Teilen des Satzes.
Wenn man also die Aufgabe htte - was im Fremdsprachenunterricht hufiger vorkommt -
aus den folgenden vermischten Wrtern einen sinnvollen Satz zu bilden, muss man zunchst
die Stellung des finiten Verbs festlegen.
Fr diese zwlf Wrter gibt es 479001600 Mglichkeiten der Wortstellung, aber nur ganz
wenige davon ergeben einen syntaktisch richtigen und sinnvollen Satz. Wie viele es sind
hngt u.a. davon ab, wie viele Kontexte man zulsst. In jedem Fall muss man sich - wie
gesagt- zunchst fr einen Satztyp und damit fr die Stellung des finiten Verbteils
entscheiden.
Zwei Beispiele:
Aussagesatz
finites infiniter
- - -
Verb Verbteil
Seit einiger am Mannheimer Institut fr Deutsche Sprache
wird entwickelt. -
Zeit ProGr@mm
Entscheidungsfragesatz
infiniter
- finites Verb - -
Verbteil
seit einiger Zeit am Manheimer Institut fr
- Wird entwickelt? -
Deutsche Sprache ProGr@mm
Die Abfolge
(7) Entwickelt wird ProGr@mm seit einiger Zeit am Institut fr Deutsche Sprache.
ist zwar auch auf Anhieb verstndlich, signalisiert aber, dass es einen Vortext geben muss,
in dem schon ber ProGr@mm gesprochen wurde. Entweder wurde allgemein etwas ber
ProGr@mm gesagt und (7) ergnzt in einem thematischen Anschluss Informationen ber die
"Hersteller". Oder im Vortext wird zum Beispiel etwas darber gesagt, dass ProGr@mm von
einer Organisation, z.B. einem Deutschlehrerverband so und so bewertet wurde. Dann
signalisiert die Voranstellung des infiniten Verbteils eine kontrastierende Hervorhebung. Die
ungewhnliche Besetzung des Satzabschnitts vor dem finiten Verb (wird ) passt den Satz in
den greren Kontext ein, macht ihn sozusagen "textfhig".
Informationen dem Hintergrund und die wichtigeren - meist neuen Informationen - dem
Vordergrund zuordnet. Das Ende des Mittelfelds ist ein typischer Vordergrundbereich.
Die syntaktisch begrndeten Abfolgeregeln und die kommunikative Gewichtung ("
Informationsstruktur") sind auch die beiden Domnen der Wortstellung, die in dieser
thematischen Einheit schwerpunktmig behandelt werden.
Man erkennt bei den Stellungsvarianten der Beispiele (8) - (10), dass nicht alle Wrter
umgestellt werden:
(8) Seit einigen Jahren wird am Institut fr Deutsche Sprache ProGr@mm entwickelt.
(9) Seit einigen Jahren wird ProGr@mm am Institut fr Deutsche Sprache entwickelt.
(10) Am Institut fr Deutsche Sprache wird ProGr@mm seit einigen Jahren entwickelt.
Einige Wrter sind offensichtlich so eng miteinander verbunden, dass sie nur zusammen
umgestellt werden knnen. (Eine Ausnahme bildet der Verbalkomplex).Diese Wortgruppen
sind Satzglieder, die in ProGr@mm primre Komponenten genannt werden.
Mit der Stellungsvariation ndern sich auch - wie oben gesagt - die kommunikativen Ziele
bzw. das, was (wichtige) Vordergrundinformation und was (weniger wichtige)
Hintergrundinformation ist.
Die jeweils zwlf Wrter in den Stze (8) bis (10) oben gliedern sich in folgende vier
Komponenten
Die ersten drei Komponentzen sind Phrasen, die letzte - der Verbalkomplex - gilt in
Programm nicht als Phrase. Die interne Abfolge der Wrter in einer Phrase ist sehr fest. Die
Abfolge der Elemente kann also nicht zu kommunikativen Zwecken verndert werden.
Aber es gibt auch auf Satzebene Grenzen der Wortstellungsvariation. Die Abfolgen unten
gehren nicht zu den syntaktisch mglichen Strukturen deutscher Stze:
(11) Am Institut fr Deutsche Sprache wird entwickelt seit einiger Zeit ProGr@mm
12) ProGr@mm seit einiger Zeit wird am Institut fr Deutsche Sprache entwickelt.
Hier werden entweder die Stellungsregeln fr einen bestimmten Satztyp verletzt, nmlich die
die des Verbalkomplexes im Aussagemodus (11), oder die Art der Vorfeldbesetzung ist nicht
zulssig (12).
In (13) hat der Kandidat schon mehrfach und auch dieses Mal erfolglos versucht. Kanzler zu
werden. In (14) hat der Kanzler die Wiederwahl nicht geschafft.
Es zeigen sich also vier Funktionen der Wortstellung, die jeweils fr das Vorfeld, das
Mittelfeld und das Nachfeld im Detail beschrieben werden:
Stellungseinheiten
Die Wrter in einem Satz werden beim Sprechen oder beim Schreiben hintereinander - also
linear - angeordnet. Sehr oft bilden aber zwei oder mehr Wrter, die von der Bedeutung her
und oft auch grammatisch eng zusammengehren, eine feste Gruppe, die Satzteile oder
Satzglieder und hier primre Komponenten genannt werden. Normalerweise steht das, was
inhaltlich und grammatisch eng zusammengehrt, beieinander:
[Die ganze Mannschaft] fuhr [nach dem Spiel] [in das abgelegene "Landhaus Bachmair"].
(...), weil er [den Vorschlag] [abgelehnt hatte].
Wegen dieser Mglichkeit der Distanzstellung ist ein Satzglied (eine primre Komponente)
nicht automatisch auch eine Stellungseinheit.
Stellungseinheiten sind Wrter oder Wortgruppen, die bei gleichem Aufbau des
Satzes innerhalb dieses Satzes verschoben werden knnen. Stellungseinheiten sind
oft aber nicht immer mit primren Komponenten identisch.
Im Beispiel [Zeit] hatte er immer [viel]. oben sind Zeit und viel zusammen eine Komponente
aber zwei Stellungseinheiten.
Stellungsfelder
Die Stellungsfelder ergeben sich aus der relativen Position zum linken und rechten
Satzklammerteil. In der Satzklammer stehen die Teile des Verbalkomplexes. Deshalb wird
sie manchmal auch Verbalklammer genannt. Im linken Klammerteil steht immer das finite
Element, im der rechten Klammerteil das infinte bzw. die infiniten Elemente. Im Nebensatz
bildet das Einleitungswort den linken Klammerteil und der gesamte Verbalkomplex - also
auch das finite Verb - den rechten.
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 22
Die Satzklammer kann in den drei Satztypen VERBERST (V-1), VERBZWEIT (V-2) und
VERBLETZT (V-L) wie folgt mit finiten Verben (VFIN) mit infiniten Verben (VINF) und mit
Einleitungselementen von Subjunktorstzen (V-L Einl.) besetzt sein. (XXXXX = ist nicht
besetzt)
Aufgrund der Satzklammer ergeben sich - wie gesagt - die drei folgenden Stelllungsfelder:
Das Vorfeld ist der Teil des Satzes, der sich vor der linken Satzklammer befindet. Es ist nur
in Verbzweitstzen besetzt. Das Vorfeld enthlt eine Informationseinheit und meist - aber
nicht immer - nur eine syntaktische Stellungseinheit.
(1) Also, Jeremies hat heute nicht gut gespielt, wie sonst
(2) Allerdings, in der Filmversion gehen diese Nuancen vollkommen verloren.
(3) Die Wste, das ist ein Lebensraum fr groe Zahl von Tieren.
Das Mittelfeld ist der Teil des Satzes, der sich zwischen dem linken und dem rechten
Satzklammerteil befindet. Dieses Stellungsfeld kann in allen Typen von Verbstellungen
besetzt sein, was auch in den meisten Stzen der Fall ist. Deshalb sind hier die
Stellungsregularitten besonders wichtig.
Das Nachfeld ist der Teil des Satzes, der sich rechts vom rechten Satzklammerteil befindet.
Dieses Stellungsfeld kann in allen Typen von Verbstellungen realisiert sein, aber es ist relativ
selten besetzt. Auch wenn der rechte Satzklammerteil nicht besetzt ist, kann das Nachfeld
realisiert sein.
Im Bereich des Nachfelds knnen auch Einheiten stehen, die an der grammatischen
Konstruktion des Satzes nicht beteiligt sind, die aber, hnlich wie das linke Auenfeld, Teil
der kommunikativen Einheit sind. Im rechten Auenfeld (rA) stehen z.T. hnliche Elemente
wie im linken Auenfeld. Diese Einheiten knnen vor und nach Nachfeldeinheiten (Nf)
stehen. Sie knnen diese auch einrahmen.
Ich hab' mir eine Erkltung geholt, Erich (rA), gestern beim Joggen (Nf).
Jeremies hat heute nicht so gut gespielt wie sonst (Nf), Herr Hne (rA).
Ich hab' mir eine Erkltung geholt, Erich (rA), gestern beim Joggen (Nf), wirklich (rA).
Satzklammer
Die Satzklammer wird auch als "Verbalklammer" oder "Satzrahmen" bezeichnet. Sie besteht
aus einem linken und einem rechten Satzklammerteil. Der linke Satzklammerteil (lSkl) ist
immer besetzt, der rechte (rSkl) je nach Satztyp obligatorisch oder fakultativ. Fakultativ ist er
in Verberst- (1, 2) und Verbzweitstzen (3, 4) besetzt, obligatorisch in Verbletztstzen (5, 6):
Da der linke Satzklammerteil nicht nur durch ein (finites) Verb, sondern in Verbletztstzen
auch durch Nebensatzeinleitungs-Elemente belegt sein kann, ist die Bezeichnung
"Satzklammer" angemessener als "Verbalklammer".
Man sieht schon an den Beispielen oben, dass der linke Satzklammerteil in Verberst- und
Verbzweitstzen immer nur durch ein Verb und zwar in einer finiten Form besetzt sein kann.
In Verbletztstzen steht dort in der Regel ein Subjunktor, der aber auch zu einer Phrase
ausgebaut sein kann, besonders bei Relativstzen, indirekten Fragestzen und
Infinitkonstruktionen:
Wir sahen uns zu einem Zeitpunkt wieder, bis zu dem ich von seiner Unschuld berzeugt war.
Sie wollt wissen, in welcher Weise der Auftrag erledigt worden war.
Wir waren ber den Tisch gezogen worden, ohne dass wir es gemerkt hatten.
Die Besetzung des rechten Satzklammerteils ist viel komplexer. Besetzt wird er immer und
ausschlielich durch ein oder mehrere verbale Elemente, zu denen wir auch die Prverben
("trennbaren Verbprfixe") zhlen.
Die Distanzstellung des Prverbs erfolgt nur bei Prsens- und Prteritumformen im Aktiv.
Wenn in einem Verbletztsatz nur ein verbales Element auftritt, ist es notwendigerweise
immer eine finite Verbform:
Die Abfolge der verbalen Elemente im rechten Satzklammerteil bildet die kombinatorische
Ordnung der Teile des Verbalkomplexes ab:
Noch deutlicher wird das in Verbletztstzen, da bei diesen der gesamte Verbalkomplex im
rechten Satzklammerteil steht:
Der jeweilige Operator folgt unmittelbar dem Operanden, auch wenn dieser schon komplex
ist:
Das Element mit dem weitesten Skopus steht jeweils am weitesten rechts. Bei zwei oder
mehr verbalen Elementen im Verbletztsatz muss also ein Element finit sein. Bei zwei
verbalen Elementen steht das finite immer am Ende:
Wenn der Verbalkomplex aus drei und mehr Verben besteht und das finite Verb ein
Modalverb oder das Hilfsverb sein ist, bleibt die Regel "Finitum am Ende" erhalten:
Zu der Abfolgeregel "Finitum am Ende" gibt es folgende Ausnahme: Die finite Form des
Hilfsverbs haben steht - bei zwei (oder drei) Infinitiven - nicht am Ende, sondern am Anfang
des gesamten Verbalkomplexes:
Bei den finiten Formen des Hilfsverbs werden ist diese Umstellungsregel fakultativ:
Wenn das Finitum ein Modalverb ist, ist bei zwei Infinitiven umgangssprachlich die
Umstellung ausgeschlossen, bei drei Infinitiven aber mglich:
In literarischen Texten findet sich bei der Konstellation mit zwei Infinitiven allerdings auch
Voranstellung des Finitums:
Vorgestern noch htte er es nicht fr mglich gehalten, (...) da er noch einmal den Strom des Lebens, der
Freude, der Jugend so voll und drngend durch sein Blut knnte strmen fhlen. (H. Hesse, Narzi, 245; zit.
nach Bech, 21983, 66)
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 26
Phrasen
Andere Bezeichnungen: Wortgruppen
Der strukturelle Aufbau eines Satzes erschliet sich nicht einfach dadurch, dass man ihn als
eine lineare Ansammlung einzelner Wortformen auffasst. Zwischen Wortformen als
Realisierungen einzelner Wortarten auf einer unteren Ebene und dem Satz auf hherer
Ebene liegt eine weitere Beschreibungsebene, auf welcher die einzelnen Wortformen zu
Wortgruppen zusammengefasst werden knnen. Stze werden demnach durch spezifische
Wortgruppen, sogenannte Phrasen konstituiert. Phrasen oder Kombinationen von Phrasen
knnen als unmittelbare Konstituenten des Satzes fungieren.
Die Verwendung der Lexeme Wortgruppe und Phrase ist insofern etwas ungenau, als beide
intuitiv Mengen mehrerer lexikalischer Einheiten erwarten lassen. Phrasen knnen durch
mehrere Elemente, Nominalphrasen, Pronominalphrasen, Adjektivphrasen und
Adverbphrasen aber auch durch nur eine einzige Wortform realisiert werden. In solch einem
Fall ist diese Wortform notwendigerweise auch der Kopf der Phrase, welcher die Eigenschaft
der Phrase festlegt.
Die Wortart des Kopfes legt darber hinaus die Bezeichnung der Phrase fest.
Der Satz
besteht aus einer Verbform und aus zwei Phrasen, einer Nominalphrase und einer
Adjektivphrase, die je aus nur einem Element bestehen, dem Nomen bzw. dem Adjektiv.
Die Bezeichnungen Nomen und Adjektiv sind in diesem Fall nur die Bezeichnungen fr die
abstrakten Einheiten der jeweiligen Wortarten. Im konkreten Fall, nmlich im Satz, sind sie
als Nominalphrase und Adjektivphrase realisiert. Das Nomen und das Adjektiv sind die
Grundelemente - die sog. Kpfe - der jeweiligen Phrasen. Phrasen sind prinzipiell
ausbaufhig:
Nun sind aber Phrasen nicht nur beliebige Folgen von Wortformen. Phrasen sind
Wortgruppen, deren Elemente syntaktisch und semantisch funktional zusammengehren,
eine Einheit bilden und bestimmten syntaktischen Regeln folgen.
Vorfeld besetzen.
[das interessante Grammatikseminar ] [letzter Woche ] -->[das interessante Grammatikseminar letzter Woche]
Phrasen als Konstituenten des Satzes sind topikalisierbar, d. h. sie knnen im Aussagesatz
im Vorfeld stehen:
Sie sind als Ansammlung einer geordneten Menge sprachlichen Materials als ganzes
verschiebbar (permutierbar), austauschbar (kommutierbar) und koordinierbar:
Es gibt verschiedene Arten von Phrasen. Die unterschiedlichen Arten werden nach der
Wortart ihres lexikalischen Kopfs benannt:
Der lexikalische Kopf modifiziert und spezifiziert keine weiteren Elemente der Phrase, kann
selbst aber modifiziert oder spezifiziert werden.
Er kann Formmerkmale anderer Elemente der Phrase steuern. Das Nomen Schuhe regiert
das Genus (Maskulin) und den Numerus (Plural) von Artikel und Adjektiv in:
Komplemente und Supplemente sind neben dem Verbalkomplex die primren Komponenten
des Satzes.
Phrasentypen
Nominalphrase (NP)
Pronominalphrase (PROP)
Prpositionalphrase (PP)
Adjunktorphrase (AJKP)
Adjektivphrase (ADJP)
Adverbphrase (ADVP)
Nominalphrase
Andere Bezeichnungen: Nominalgruppe, Substantivphrase
Die typische Nominalphrase besteht aus einem Nomen - dem Kopf der Nominalphrase -, aus
einem Artikel und aus mglichen aber nicht notwendigen unterschiedlichen attributiven
Erweiterungen:
Als minimalste Ausdrucksform kann die Nominalphrase nur aus dem lexikalischen Kopf
bestehen, wenn dieser entweder ein Eigenname:
Franz geht.
ein Stoffname:
sind. Die so durch den Definiten Artikel erweiterte Nominalphrase kann nun - im Gegensatz
zu ihrem Pendant ohne Artikel - Ausdruckseinheit des Satzes sein:
morphologische Eigenschaften
Die Ausdruckseinheit Nominalphrase kann minimal durch ihren lexikalischen Kopf, Nomen,
realisiert werden. Der Kopf der NP wird flektiert.
Das Nomen kann ein Eigenname, ein Stoffname oder die Pluralform eines Gattungsnamens
sein.
Die typischste Realisierungsform der Nominalphrase ist jedoch die Verbindung von Artikel
und Nomen. Dabei sind in der Position des Artikels - nmlich vor dem Nomen - alle
Subklassen der Wortart Artikel mglich (Definiter Artikel, Indefiniter Artikel, Possessiv-Artikel,
Demonstrativ-Artikel, W-Artikel, Quantifikativ-Artikel).
Erweiterungsmglichkeiten
Ausbaufhig sind Nominalphrasen auf vielfltige Weise:
Hansens Hoffnungen
Mutters Apfelkuchen
Bei Appositionen ist es oftmals nicht eindeutig, welches Nomen Bezugsnomen, welches
Apposition ist:
Prpositionalphrase
Andere Bezeichnungen: Prpositionalgruppe, Prpositionalgefge
Bei einer Beschreibung des Bildes der Bcherwurm von Carl Spitzweg werden sicherlich
diverse Prpositionalphrasen verwendet.
Eine mgliche Auswahl von Prpositionalphrasen, die lokale Bezge ausdrcken, knnte
sein:
lokal 8. An die oberste Reihe kommt der alte Herr nur mit der Leiter.
instrumental 9. Die oberen Reihen sind nur mit der Leiter zu erreichen.
10. Aus Liebe zur Literatur wird sich der Bcherwurm noch den Hals
kausal
brechen.
11. In diesem mrderisch heien Sommer hlt man es bestenfalls in der
temporal
Bibliothek aus.
final 12. Fr seine geistige Erbauung ist dem Bcherwurm jedes Buch recht.
syntaktische Struktur
Rein morphologisch betrachtet handelt es sich bei einer Prpositionalphrase (PP) um eine
Nominalphrase (NP), eine Pronominalphrase (PROP) oder eine Adverbphrase (ADVP) mit
einer Prposition als Kopf:
Kopf NP
auf dem Lande
von der Regierung
Kopf PROP
auf uns alle
von manchem aus Mannheim
Kopf ADVP
auf heute abend
von hinten
Kopf PP
von unter dem Ladentisch
Die Prposition als Kopf bildet in der Regel die linke Grenze der gesamten Phrase. Einige
Prpositionen knnen und wenige mssen als Postpositionen nachgestellt werden:
Nur eine Prposition kann eindeutig als Zirkumposition die Nominalphrase umschlieen:
Die Prposition kann unter bestimmten Bedingungen mit dem definiten Artikel verschmolzen
sein:
aufs Neue
beim Aufrumen
durchs Wasser
im Vorbergehen
ums Haar
vom Bcker
Pronominalphrase
Andere Bezeichnungen: Pronominalgruppe, Protermphrase
syntaktische Struktur
Der Kopf einer Pronominalphrase ist ein Pronomen (ich, du; er, sie; der; dieser; wer; jemand;
niemand ... ). Das Pronomen steht in der Regel am linken Auenrand der Phrase.
Kopf Pronominalphrase
anaphorisches Sie alle; er mit seinen Hirngespinsten; sie die groen
Personalpronomen Grammatiker; es;
Kommunikanten-Pronomen wir alle; ich, der wieder nichts kapiert hat; du allein; ihr;
w-Pronomen was alles; wer aus Mannheim; wen, den du willst; wer;
meine alle; unsere mit dem roten Umschlag; eure, die mir
Possessiv-Pronomen
nicht gefallen; deins;
Indefinit-Pronomen eine, die ihm gefllt; irgenetwas, was schn ist; jemand;
smtliche, die in der Grammatik Bescheid wissen; keiner
Quantifikativ-Pronomen
von denen; alle;
Gegenber Nominalphrasen ist der Ausbau stark eingeschrnkt. Auer Fokuspartikeln und
in wenigen Fllen Artikeln knnen keine lexikalischen Elemente links vor dem Pronomen
stehen.
Der definite Artikel kann nur bei Pronominalphrasen mit Possessiv-Pronomen, mit wenigen
Indefinit-Pronomen und mit dem Quantifkativ-Pronomen alle als Kopf erscheinen:
*das deins
*der wen, den du kennst
Attribute, die eine Nominalphrase nach links erweitern knnen, sind bei der
Pronominalphrase ausgeschlossen:
Adjektivphrase
Andere Bezeichnungen: Adektivgruppe
Der Kopf einer Adjektivphrase (ADJP) ist ein Adjektiv. Durch Erweiterung des Kopfs kann die
Adjektivphrase auf unterschiedliche Art und Weise ausgebaut werden.
Die Adjektivphrase kann attributiv, adverbial oder prdikativ verwendet werden.
Besondere Flle der Adjektivphrase sind die Adkopulaphrase und die Partizipialphrase.
Den Kopf einer Adkopulaphrase (ADKP) bildet eine Adkopula. Der Kopf einer
Partizipialphrase (PARTP) ist entweder ein Partizip I oder - nach Konversion vom verbalen in
den adjektivischen Bereich - auch ein Partizip II.
Syntaktische Struktur
Nur der Kopf der attributiv verwendeten Adjektivphrase wird flektiert. Die Kpfe der
adverbial und prdikativ verwendeten Adjektivphrasen bleiben unflektiert.
Verwendungsweise Adjektivphrase
attributiv der leuchtend grn e Baum
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 36
In der Regel steht der Kopf an der rechten Grenze der Phrase. Erweiterungen gehen ihm
voraus. Bei den Erweiterungen handelt es sich um Modifikatoren unterschiedlicher Art, die z.
B. durch Adjektive, Adverbien oder Intensittspartikeln realisiert werden.
Adjektivphrase
Wird der Kopf der Adjektivphrase durch eine Adjunktorphrase erweitert, steht diese rechts
vom Kopf. Auf diese Art erweiterte Adjektivphrasen knnen nur adverbial oder prdikativ
verwendet werden.
Werden Adjektive flektiert, sind sie Kpfe von Adjektivphrasen und modifizieren z. B.
Nominalphrasen:
bayrisches [ Bier ]
gutes [ bayrisches Bier ]
frisches [ bayrisches Bier ]
Die Adjektivphrase, welche die Nominalphrase erweitert, kann wiederum durch ein
unflektiertes Adjektiv erweitert werden:
Partizipialphrase
Partizipialphrasen (PARTP) werden zu den Adjektivphrasen gezhlt.
Der Kopf der Partizipialphrase ist ein Partizip I oder ein Partizip II.
Das Partizip I ist ein aus einem Verb gebildetes Adjektiv. Das Partizip II als Verbform kann
als Adjektiv gebraucht werden.
Der Kopf der Partizipialphrase steht an ihrer rechten Grenze. Erweiterungen des Kopfs
gehen diesem voraus.
Adkopulaphrase
Adjektivphrasen knnen in der Regel attributiv, adverbial und prdikativ verwendet werden.
Einige Adjektivphrasen knnen allerdings nur prdikativ verwendet werden. Sie werden als
Adkopulaphrasen (ADKP) bezeichnet. Wie bei den prdikativ verwendeten Adjektivphrasen
ist der Kopf der Adkopulaphrase immer unflektiert.
Die adjektivischen Erweiterungen der Adkopula verhalten sich wie die Erweiterungen
innerhalb der Adjektivphrase.
Adverbphrase
Andere Bezeichnungen: Adverbgruppe
syntaktische Struktur
Adverbien sind nur sehr eingeschrnkt zu Adverbphrasen ausbaubar.
Die Erweiterungen durch Intensittspartikeln oder durch Adverbien stehen in der Regel links
vor dem Kopf:
immer am Sonntag
immer nach drei Tagen
Prpositionalphrasen
damals vor der Wende
damals nach dem Krieg
Adjunktorphrase
Andere Bezeichnungen: Vergleichsphrase
Kopf einer Adjunktorphrase ist ein Adjunktor. Die Adjunktorphrase baut sich aus dem
Adjunktor und verschiedenen Phrasentypen auf.
Folgende Phrasentypen knnen neben dem Adjunktor Bestandteil der Adjunktorphrase sein:
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 39
Phrasentyp Adjunktorphrase/Adjunkt
als guter Mensch
Nominalphrase
wie ein Dummkopf
als einer, der Politik macht
Pronominalphrase
wie einer, der alles aussitzen kann
besser als im Theater
Prpositionalphrase
wie im Bundesrat
als besonders gut
Adjektivphrase
wie bld
als da unten
Adverbphrase
wie dort oben
wichtiger als du glaubtest
Verbletztsatz
so wichtig wie du gesagt hast
Durch den verknpfenden Adjunktor werden die unterschiedlichen Phrasen zu Adjunkten.
syntaktische Struktur
Die Adjunktoren als und wie bilden eine Subklasse der Junktoren. Zusammen mit Phrasen
unterschiedlichen Typs bilden sie Adjunktorphrasen.
Adjunktoren regieren im Gegensatz zu Prpositionen keine Kasus. Sie sind
kasustransparent. Der Kasus des Adjunkts ist identisch mit dem Kasus des
Bezugsausdrucks auerhalb der Adjunktorphrase:
Einleitung
In ProGr@mm wird die Grundannahme vertreten, dass Stze regelhaft aus kleineren
Einheiten, also "kompositional", aufgebaut sind. Die drei wichtigsten Komponenten - die
primren Komponenten - werden hier Verbalkomplex, Komplement und Supplement
genannt. Der Verbalkomplex kann auch aus einer einzigen finiten Verbform bestehen. Jedes
Wort, genauer: jede Wortform, jede Phrase im Satz muss zu einer dieser drei primren
Komponenten gehren. Das heit aber nicht, dass immer alle drei Komponenten realisiert
sein mssen.
Beispiele:
Es ist notorisch schwierig, Komplemente von Supplementen abzugrenzen. So ist die Phrase
in Berlin in (5) ein Komplement, in (6) aber ein Supplement.
Von der Bedeutung des Verbs wohnen wird ein Ausdruck fr einen Ort verlangt und zwar in
der Realisierung einer Prpositionalphrase oder eines Lokaladverbs (z.B. dort). Diese starke
Forderung der Valenz des Verbs wohnen bestimmt, dass in Berlin in Satz 1. ein Komplement
ist. Das gilt auch, wenn es grammatisch komplette Stze mit wohnen gibt, die kein solches
Komplement enthalten: Er wohnt allein.
Das Verb scheinen hat keine vergleichbare Komplementforderung. Es gengt das Subjekt,
um einen grammatisch vollstndigen Satz mit scheinen zu bilden.
Diese ersten berlegungen zur Abgrenzung von Komplementen und Supplementen werden
in einem dreistufigenTestverfahren nachprfbar differenziert, und zwar mit Hilfe des
Reduktionstests, des Folgerungstests und des Anschlusstests. Aufgrund der Testergebnisse
ergibt sich ein flieender bergang zwischen Kern- und Randkomplementen und
Supplementen.
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 41
Wichtiger als diese z.T. schwierigen Testverfahren sind vielleicht die Einteilung der
Komplemente in Klassen und Typen und der berblick ber die Komplementklassen, wobei
die groe Zahl der syntaktischen Realisierungsformen fr manchen berraschend sein wird.
Hauptgruppe
Termkomplemente
Die meisten Komplemente sind auch Terme, d.h. sie reprsentieren immer Argumente und
entsprechen damit weitgehend den traditionellen Satzgliedern Subjekt und Objekt. Das trifft
z.B. fr die Wortgruppen mein reicher Onkel Emil und einen neuen Mercedes im folgenden
Satz zu:
Mein reicher Onkel Emil kauft jedes Jahr einen neuen Mercedes.
Wir nennen diesen Typ von Komplementen Termkomplemente, weil sie in der aktuellen
Verwendung Gegenstnde konstituieren.
Adverbialkomplemente
Es gibt aber auch Komplemente, die keine Terme sind, d.h. die in ihrer aktuellen
Verwendung keine Gegenstnde konstituieren. Diese knnen in vergleichbarer Bedeutung in
anderen Kontexten als Satzadverbialia, also als Supplemente, fungieren. Wir nennen diese
deshalb Adverbialkomplemente.
Prdikativkomplemente
Ausdrcke, die unter Umstnden in anderen Kontexten als Terme oder Adverbialia
fungieren, knnen zusammen mit bestimmten Verben (z.B. sein, bleiben, werden, heien,
nennen, aussehen als, halten fr ) Prdikatsausdrcke bilden:
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 42
Weil diese Ausdrcke zusammen mit dem Verb als Prdikat fungieren, heien sie
Prdikativkomplemente.
Periphere Gruppe
Zu diesen drei zentralen Komplementtypen kommen noch zwei weitere, periphere hinzu, die
hier nur mit einigen Beispielen vorgestellt werden: das AcI-Komplement (bei Verben wie
lassen, heien, machen, ahnen, hren, sehen, fhlen, spren, finden, haben ) und das
Verbativkomplement (bei Verben wie gedenken, geruhen, verstehen und bestimmte
Bedeutungen von gelten und heien ).
AcI-Komplement
Er hrte sich selber schreien.
Wir ahnten eine Katastrophe kommen.
Sie lsst wieder die Puppen tanzen.
Er sprte sein Herz in die Hose rutschen.
Verbativkomplement
Sie hat es geschickt verstanden, ihre Meinung durchzusetzen.
Jetzt heit es sparen.
Nach der langen Durststrecke gilt es jetzt, die Ernte einzufahren.
Auf der Grundlage der formalen und - weniger zentral - semantischen Restriktionen, kann
man eine berschaubare und untereinander abgrenzbare Anzahl von Komplementklassen
ermitteln. Die formalen Restriktionen lassen jeweils mehrere verschiedene
Realisierungsformen zu. Die allgemeinsten davon knnen als Ersatz fr alle Vertreter einer
Komplementklasse dienen. Diese nennen wir "Leitform".
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 43
ADJP Adjektivphrase
AJKP Adjunktorphrase (mit wie oder als )
ADVP Adverbphrase
IK Infinitivkonstruktionen
NP Nominalphrase
PP Prpositionalphrase
Prp-Adv Prpositionaladverb
PROP Pronominalphrase
SJS Subjunktorsatz
V2-Satz Verbzweitsatz (Vorfeld ist besetzt.)
W-Satz Fragesatz mit W-Wort (Wer, Wo, Wann, ... )
Dass sie die richtige Frau war, habe ich sofort gemerkt.
dass/ob -Satz
Ich wei nicht mehr, ob ich ihm das damals gesagt habe.
W-Satz Warum er damals Depressionen hatte, wusste er nicht.
V-2-Satz Ich vermutete, er wenigstens knne mir helfen.
Die Ministerin hoffte vergeblich, Mitstreiter im Bauernverband zu
Infinitiv mit zu
finden.
reiner Infinitiv Du musst schwimmen lernen.
wenn -Satz Du wirst sofort merken, wenn das die richtige Medizin fr dich ist.
Alle weiteren Komplemente mit Beispielen nach diesem Muster finden sich im berblick ber
die Komplementklassen
ADJP Adjektivphrase
AJKP Adjunktorphrase (mit wie oder als )
ADVP Adverbphrase
IK Infinitivkonstruktionen
NP Nominalphrase
PP Prpositionalphrase
Prp-Adv Prpositionaladverb
PROP Pronominalphrase
SJS Subjunktorsatz
V2-Satz Verbzweitsatz (Vorfeld ist besetzt.)
W-Satz Fragesatz mit W-Wort (Wer, Wo, Wann, ... )
Termkomplemente
Subjekt
Akkusativkomplement
Dativkomplement
Genitivkomplement
Prpositivkomplement
Adverbialkomplemente
Situativkomplement
Direktivkomplement
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 45
Dilativkomplement
Prdikativkomplement
Periphere Komplemente
AcI-Komplement
Verbativkomplement
1. Termkomplemente
Subjekt (Ksub)- Leitform: Anaphorisches Personalpronomen im Nominativ:
NP im
Der Vertreter hat sich nicht mehr gemeldet.
Nominativ
PROP im
Er hat sich nicht mehr gemeldet.
Nominativ
Dass wir heute alle zusammen sind, freut mich besonders.
dass/ob -Satz
Ob sie davon gewusst hat, kann ich nicht sagen.
W-Satz Wer nicht hren will, muss fhlen.
V-2-Satz: Von Wagner-Opern wird oft gesagt, sie seien zu lang.
Infinitiv mit zu Immer weiter zu verhandeln, macht keinen Sinn.
reiner Infinitiv Immer weiter verhandeln macht keinen Sinn.
In Bezug auf die Forschungsfrderung entspricht dieser Tendenz, wenn die
wenn -Satz
Kosten-Leistung-Rechnung eingefhrt wird.
2. Adverbialkomplemente
Situativkomplement (Ksit) - Leitform: dort, dann
(Thematisch verwandte Bezeichnungen: Zeit-/Ortsbestimmung, Temporal-/Raumergnzung)
3. Prdikativkomplement
(KPRD) - Leitform: es, so, als solch-, dafr
(Thematisch verwandte Bezeichnungen: Prdikativum, Gleichsetzungsnominativ,
Prdikatsnomen, Nominativ-/Subsumptiv-/Artergnzung)
4. Periphere Komplemente
AcI-Komplement (KAcI) - Keine Leitform
Als AcI-Verben knnen Verben fungieren, die als Valenzforderung ein Nomen im Akkusativ
mit einer Infinitivform haben knnen: lassen, heien, machen, hren, sehen, fhlen, spren,
finden, haben.
Es ist vielleicht berraschend, dass eine Reihe von Strukturen in vielen Komplementklassen
vorkommen knnen. Man muss sich bewusst sein, dass isolierte
Ausdrcke/Phrasen/Strukturen noch nichts darber aussagen, zu welcher
Komplementklasse sie gehren, und auch nichts darber, ob es sich um ein Komplement
oder ein Supplement handelt.
Die folgende Tabelle gibt eine bersicht mit Beispielen ber die meist etwas schwieriger zu
bestimmenden Komplementklassen, also die, die nicht Kasuskomplemente sind.
Komplementklasse Beispielsatz
Die Bezeichnungen der Komplementklassen sind fr Sie sicher zum Teil neu und
gewhnungsbedrftig. Mit der folgenden bung knnen Sie - jetzt oder in einigen Tagen -
testen, ob Ihnen die Bezeichnungen schon vertraut sind.
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 49
Reduktionstest
Folgerungstest
Anschlusstest
Reduktionstest
Reduktionstest (R-Test) filtert bei positiver Entscheidung die obligatorischen Komplemente
heraus.
Der Reduktionstest (R-Test) geht von isolierten Einzelstzen aus. D.h. ein mglicherweise
mehrfach ausgebauter Satz wird so lange um jeweils eine Phrase reduziert bis ein Ausdruck
brig bleibt, der kein grammatisch vollstndiger Satz mehr ist. Die Testfrage lautet bei jedem
Reduktionsschritt: Ist der Ausdruck ohne die betreffende Phrase unvollstndig? Wenn ja, ist
diese Phrase ein obligatorisches Komplement.
Es bleibt immer ein grammatischer Satz brig, wenn man aus dem Satz
Meine Groeltern haben in den dreiiger Jahren mit dem Geld aus einer Erbschaft im
Norden Berlins eine kleine Villa gekauft.
Aus dem so ermittelten minimalen Satz Meine Groeltern haben eine Villa gekauft. kann
man jeweils zusammen mit dem Verbalkomplex zwei weitere Phrasen herausfiltern. Das
Ergebnis lautet:
Diese beiden Ausdrcke sind unvollstndig, genauer: ungrammatisch (Deshalb werden sie
mit einem * gekennzeichnet). Beide Phrasen (Meine Groeltern und eine Villa) sind deshalb
Komplemente.
Wenn man seit drei Jahren entfernt, bleibt der Restsatz grammatisch. Wenn man ein
Reihenhaus entfernt, ist der Restsatz ungrammatisch.
Was ist das Ergebnis dieses Tests? Wenn man in einem grammatisch vollstndigen Satz
einen Teil, genauer: eine Phrase weglsst, und der so entstandene Satz ungrammatisch ist,
dann ist die Phrase, um die es geht, ein (obligatorisches) Komplement. Das gilt auch fr den
Fall, dass der Satz nach der Reduktion zwar grammatisch erscheint, aber die Interpretation
des verbalen Prdikatsausdrucks sich ndert:
In a) hat sitzen die "normale" Bedeutung. Satz b) ist aber auch sinnvoll und grammatisch, da
man hier automatisch auf die Bedeutung 'ist Hftling/Gefangener' umschaltet. b) ist also nur
grammatisch, wenn eine andere Verbbedeutung greift. In diesem Fall sagen wir auch, dass
der Test positiv verlaufen ist und in der Badewanne Ausdruck eines Komplements ist.
Weitere Beispiele:
Fazit :
Folgerungstest
Der Folgerungstest (F-Test) filtert bei negativer Entscheidung Supplemente heraus, bei
positiver Entscheidung Komplement-Kandidaten, deren endgltiger Status durch den
folgenden Anschlusstest festgelegt wird.
Es gibt Stze, die in Bezug auf die Valenz des Verbs minimal ausgestattet sind und die - um
eine Phrase reduziert - dennoch einen vollstndigen Satz darstellen.
Der Folgerungstest muss also folgende Frage beantworten:
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 51
Trifft es zu, dass aus dem reduzierten Ausdruck (in bestimmten Zusammenhngen und
bestimmten Verwendungsweisen des Verbs) auf einen Ausdruck mit indefiniter Besetzung
der fraglichen Stelle gefolgert werden kann?
Auch Satz b), in dem Saumagen entfernt wurde, drckt einen nachvollziehbaren Sachverhalt
aus.
An Stelle dieser eliminierten Phrase Saumagen kann man eine unbestimmte Phrase, eine
Art Variable, einsetzen. Aus Edmund isst. kann man folgern:
Dass Edmund etwas isst, also eine bestimmte Nahrung zu sich nimmt, kann man aus der
spezifischen Verbbedeutung von essen folgern. Auch wenn der "Gegenstand", das
Nahrungsmittel in (b) nicht explizit als Komplement im Satz erscheint, kann man es bei
Verben wie essen offensichtlich mitverstehen, so dass Edmund isst. ein sinnvoller Satz des
Deutschen ist.
Weitere Beispiele:
In diesen Fllen ist die Phrase, um die der ursprngliche Satz reduziert wurde (z.B. die
Morgenzeitung ) ein Komplement-Kandidat.
Dass Edmund etwas isst, also eine bestimmte Nahrung zu sich nimmt, dass Opa etwas
Geschriebenes z.B. ein Druckerzeugnis liest, dass der DAX um einen bestimmten Betrag
gestiegen ist, kann man aus der spezifischen Verbbedeutung von essen, lesen und steigen
folgern. Dass Ausdrcke (Stze) von elementaren Propositionen um eine Komponente
reduziert werden knnen und dennoch Propositionsaudrcke bleiben, wirkt auf den ersten
Blick paradox. Das erklrt sich aber daraus, dass - bei bestimmten Verben - betroffene
Gegenstnde oder Umstnde ber Schlussfolgerungen zugnglich sein knnen, auch wenn
sie nicht benannt sind.
Fazit:
Die positiven Ergebnisse des F-Tests erweitern den Bereich der potentiellen Komplemente
gegenber traditionelleren Definitionen. Ob es sich wirklich um Komplemente handelt, muss
der Anschlusstest erweisen.
Anschlusstest
Der Anschlusstest (An-Test) differenziert den Bereich der fakultativen Komplemente und den
bergangsbereich zu den Supplementen. Die Kandidaten werden auf den Grad der
syntaktischen Integration auf der einen und auf die adverbiale Qualitt auf der anderen Seite
berprft.
Die Entscheidung, ob eine Phrase Komplement oder Supplement ist, hngt eng damit
zusammen, wie stark diese Phrase syntaktisch integriert, also von der Verbbedeutung
gesteuert oder ber sie erschliebar ist. In dem Satz
ist wohl unzweifelhaft, dass die Benennung des Ortes nicht von der Verbbedeutung
gesteuert sein kann. Sie ist eine zustzliche Information, die den Kontext spezifiziert, also ein
Supplement.
Ein Satz AX ([Sie nieste ]A [im Wald ]X) wird um die Phrase X reduziert und das Ergebnis der
Reduktion (Sie nieste ) gilt als minimaler Satz. X wird im Sinne des Folgerungstests in dem
Sinne impliziert, dass Niesen immer irgendwo geschieht.
Das ist die Eingangsbedingung. Das weitere Verfahren geht so:
Ist die Paraphrase des ursprnglichen Satzes AX in der Form 'A, und das X' nicht mglich?
Bei einer klaren Nein-Antwort, wenn also der Anschluss klar mglich ist, ist X ein
Supplement (Beispiel 1).
Ist die Umformung von mittlerer Akzeptabilitt, ist X eingeschrnkt ein Komplement-
Kandidat (Beispiel 2).
Ist der umgeformte Satz nicht oder wenig akzeptabel, gilt er als Komplement-
Kandidat (Beispiel 3).
1.a) Blting beendete seinen Vortrag mit einem Gedicht von Kstner.
1.b) Blting beendete seinen Vortrag, und das mit einem Gedicht von Kstner.
(mit einem Gedicht von Kstner = Supplement)
2.a) Die Eltern sorgten sich um die Kinder, die mit dem Rad losgefahren waren.
2.b) Die Eltern sorgten sich, und das um die Kinder, die mit dem Rad losgefahren waren.
(um die Kinder, die mit dem Rad losgefahren waren. = eingeschrnkt Komplement-Kandidat)
3.a) Haider schimpfte auf die franzsische Regierung .
3.b) Haider schimpfte, und das auf die franzsische Regierung.
(auf die franzsische Regierung = Komplement-Kandidat)
Diese Einstufung in Bezug auf die Akzeptabilitt der b)-Stze basiert auf mehreren Umfragen
unter Muttersprachlern. Dabei gibt es naturgem Schwankungen, d.h. man wird individuell
z.T. zu anderen Ergebnissen kommen.
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 53
Testergebnisse
Zwei Testergebnisse konnten durch den Reduktionstest (R-Test) sowie durch den
Folgerungstest (F-Test) und Anschlusstest (An-Test) schon festgelegt werden:
Die Menge der Komplement-Kandidaten aufgrund des F-Tests kann nach dem An-Test in
folgende Gruppen eingeteilt werden:
Wir wurden von seinem Tod durch das Rote Kreuz unterrichtet.
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 54
Wir sind also durch die drei Tests zu insgesamt sieben Klassen von Phrasen gekommen,
von den uneingeschrnkten, obligatorischen Komplementen im Kernbereich ber die
fakultativen Komplemente im Randbereich zu den Supplementen.
Man kann die Verteilung der Testergebnisse auf Komplemente im Kernbereich, im
Randbereich bzw. auf Supplemente in folgender Grafik deutlich machen:
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 55
Supplement
Die syntaktische Komponente, um die es hier geht, luft - je nach Grammatiktheorie - unter
verschiedenen Namen: Angabe, freie Angabe, Adverbial, Umstandsbestimmung. Diese
Komponente wird aber nicht nur anders benannt, sondern z.T. auch anders definiert bzw.
"abgegrenzt". Sie umfasst dann z.B auch Satzkomponenten, die in dieser Grundgrammatik
als (Adverbial-)Komplemente bezeichnet werden.
damals Supplement zum Satz, also Satzadverbiale zur Spezifizierung der Zeit
haben gelst Verbalkomplex
wir, dieses
Komplemente
Problem
doch Abtnungspartikel, die auf gemeinsames Vorwissen hinweist
Supplement zur Verbgruppe (also Verbgruppenadverbiale zu
schnell
Spezifizierung der Art und Weise)
Supplemente sind aber nicht Teile des Ausdrucks der Kernsatzbedeutung. Sie sind oft
weglassbar.
Satzadverbialia
Ein Satzadverbiale (Plural: Satzadverbialia) ist ein Adverbiale, das sich im Unterschied zum
Verbgruppenadverbiale auf den ganzen Satz bezieht, d.h. zusammen mit einem
vollstndigen Satz einen neuen Satz ergibt. Als Satzadverbialia knnen Adverbien (1),
Nominalphrasen (2), Prpositionalphrasen (3), Adjektive (4), Nebenstze (5) und
Infinitivkonstruktionen (6) auftreten:
Die Satzadverbialia unterteilen sich in zwei Grogruppen mit jeweils weiteren Untergruppen:
Modale Satzadverbialia
Kontextspezifizierende Satzadverbialia:
Verbgruppenadverbalia
Als Verbgruppenadverbiale (Plural: Verbgruppenadverbialia) bezeichnen wir ein Adverbiale,
das eine Verbgruppe modifiziert, also zusammen mit einer Verbgruppe wieder eine
(erweiterte) Verbgruppe ergibt. Ausdrcke fr Verbgruppenadverbialia sind Adverbien (1),
Adjektive (2), Adjunktorphrasen (3), Prpositionalphrasen (4) und Nebenstze(5).
Dimensionsbezogene Modifikatoren
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 57
Kausale Modifikatoren
Abtnungspartikeln
Abtnungspartikeln wie ja, halt, doch, denn, eben, vielleicht sind typisch fr die gesprochene
Sprache. Abtnungspartikeln fungieren nur als Supplemente. Sie spezifizieren uerungen
in Bezug auf Erwartungen und Einstellungen des Sprechers und der Adressaten und tragen
dadurch dazu bei, diese uerungen in den jeweiligen Handlungszusammenhang zu
integrieren. Sie sind groteils unbetont, aber es gibt auch eine Reihe von betonten
Abtnungspartikeln (= rote Schrift).
Beispiele:
Ist Erich etwa krank?
Das ist ja die Hhe!
Komm ja nicht zu spt nach Hause.
Das ist vielleicht eine Hitze heute!
Was hat er wohl heute Leckeres gekocht?
Das war schon unangenehm!
Abtnungspartikeln sind untereinander kombinierbar, knnen aber anders als die beiden
anderen Supplementtypen keine Phrasen bilden:
Die Abtnungspartikeln werden formal und funktional abgegrenzt. Formal nach ihren
Stellungseigenschaften, nach ihrem Vorkommen in bestimmten Satzmodi und nach ihren
Akzentuierungsmglichkeiten.
Funktional unterscheiden sie sich nach der Differenzierung bzw. Abtnung von Satzmodi,
nach den Arten des Wissens von Sprecher und Hrer sowie hinsichtlich ihrer
textverknpfenden Funktion.
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 58
Satzadverbialia
Ein Satzadverbiale (Plural: Satzadvebialia) ist ein Adverbiale, das sich im Unterschied zum
Verbgruppenadverbiale auf den ganzen Satz bezieht, d.h. zusammen mit einem
vollstndigen Satz einen neuen Satz ergibt. Satzadverbialia lassen sich ber folgenden Test
von Verbgruppenadverbialia unterscheiden:
Ein Ausdruck m eines Satzes ist dann ein Satzadverbiale, modifiziert also einen ganzen
Satz, wenn folgende Paraphrase eines Satzes s, der m enthlt, mglich ist:
Modale Satzadverbialia
Eine besondere Rolle spielen modale Satzadverbialia, die sich auf die Geltung einer
uerung beziehen. Je nachdem, wie sie sich auf die Geltung einer uerung auswirken,
spricht man von assertiven, modal abschwchenden oder negativen Satzadverbialia.
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 59
Bei Satzadverbialia, die die Gltigkeit eines Satzes besttigen, sprechen wir von assertiven
Satzadverbialia. Sie lassen den Schluss von einem Satz s mit einem Satzadverbial (Es
schneit wirklich.) auf einen Satz s' ohne dieses zu (Es schneit. ).
Als modal abschwchende Satzadverbialia gelten Ausdrcke, die zwar diesen Schluss
nicht zulassen, aber darauf schlieen lassen, dass der eingebettete Satz mglicherweise
wahr ist (Wahrscheinlich schneit es. --> Mglicherweise schneit es.).
Bei Stzen mit negativen Satzadverbialia kann man auf die Falschheit des Satzes
schlieen, der um das Adverbiale reduziert wurde (Es schneit niemals.--> Es schneit nicht.) .
Wie alle Adverbialia knnen auch Satzadverbialia allein im Vorfeld eines Aussagesatzes
stehen. Komplexe Phrasen knnen sie allenfalls mit Intensittspartikeln bilden (vllig
unzweifelhaft, ganz offenbar).
Kontextspezifizierende Satzadverbialia
Die kontextspezifizierenden Satzadverbialia dienen der genaueren "Verortung" von
Umstnden fr die der Restsatz gilt. Das sind berwiegend grenbezogene Ausdrcke, die
sich auf Gren wie Zeit, Raum, Temperatur u.. beziehen. Diese Adverbialia bringen zum
Ausdruck, dass die Wahrheit des eingebetteten Satzes von einer bestimmten Gre
abhngig ist. In (1) ist es der Ort und in (2) die Zeit:
Die Gre "Zeit" wird ausgedrckt durch quantifizierende oder temporale Satzadverbialia,
die Gre "Raum" durch Lokaladverbialia. Weiterhin gibt es noch eine kleine Gruppe von
nicht-grenbezogenen Satzadverbialia, die hier "Redehintergrundadverbialia" genannt
werden. Diese spezifizieren Kontexte u.a. als Bedingung, Ursache, Folge oder Zweck.
Verbgruppenadverbialia
Wir haben den Verbalkomplex, die Komplemente und die Supplemente als die primren
Komponenten (traditionell: Satzglieder) des Satzes festgelegt. Bei den Supplementen, um
die es hier geht, gibt es drei Typen: Satzadverbialia, Abtnungspartikeln und
Verbgruppenadverbialia (abgekrzt: VG-Adverbialia, Singular: Verbgruppenadverbiale).
Letztere werden im Folgenden syntaktisch und semantisch beschrieben.
Wichtig ist festzuhalten, dass VG-Adverbialia eine syntaktische Klasse darstellen. Sie
mssen deshalb streng von der Wortart Adverb unterschieden werden. Adverbien sind nur
eine von mehreren Realisierungsformen von VG-Adverbialia. Weiterhin kann ihr
semantischer Bezugsbereich (Skopus) und der Einfluss ihrer Stellungseigenschaften auf den
Skopus beschrieben werden.
Wie bei den Satzadverbialia gibt es auch bei den VG-Adverbialia mehrere semantische
Subklassen:
Dimensionsbezogene Modifikatoren (trge, gern, kaum )
Modifikatoren mit Bezug auf Ereignisbeteiligte (hungrig, elegant, gemeinsam )
Kausale Modifikatoren (erfolgreich, laut, dankbar )
Definition
Verbgruppenadverbialia (VG-Adverbialia) kann man mit folgendem Test von Satzadverbialia
abgrenzen:
Ein Ausdruck k ist dann ein Verbgruppenadverbiale, modifiziert also eine Verbgruppe, wenn
die folgende Paraphrase eines Satzes s, der k enthlt, nicht mglich ist:
Als Verbgruppenadverbiale bezeichnen wir ein Adverbiale, das eine Verbgruppe modifiziert,
d.h. das zusammen mit einer Verbgruppe wieder eine (erweiterte) Verbgruppe ergibt. VG-
Adverbialia sind also Modifikatoren, die im Satz i.d.R. die Rolle von Supplementen
einnehmen.
VG-Adverbialia sind eine syntaktische Klasse und mssen deutlich von der Wortart Adverb
unterschieden werden. VG-Adverbialia knnen mit einfachen (gern) und mit
zusammengesetzten Ausdrcken (mit Vorliebe) realisiert werden. Ausdrcke fr
Verbgruppenadverbialia sind Adverbien (1), Adjektive (2), Adjunktorphrasen (3),
Prpositionalphrasen (4) und Nebenstze(5).
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 61
bung: Verbgruppenadverbialia
Handelt es sich bei den folgenden Beispielen um Stze, die gem der Definition VG-
Adverbialia enthalten?
Abtnungspartikeln
Sie knnen sich vorab im Kapitel Wortarten ber die Abtnungspartikeln informieren. Die fr
die Supplementfunktion wichtigen Eigenschaften werden aber im Folgenden
zusammengefasst und ergnzt. Zu den Abtnungspartikeln rechnen wir in Progr@mm die
folgenden:
(Fettschrift = betonte Abtnungspartikeln):
aber, auch, blo, blo, denn, denn, doch, doch, eben, eh, eigentlich, eigentlich, einfach,
etwa, fei, halt, ja, ja, mal, man, nicht, nur, ruhig, ruhig, schon, schon, berhaupt,
berhaupt, vielleicht, wohl, wohl.
Eh, fei und man sind regional begrenzt, werden aber im ganzen deutschen Sprachraum
verstanden. Einige Abtnungspartikeln haben - wie aus der Liste oben ersichtlich - betonte
"Verwandte", die aber eigenstndige Mitglieder dieser Partikelsubklasse sind. Eh kommt nur
betont vor.
Wie oft in der Grammatik, sind solche Abgrenzungen diffus bzw. an den Rndern offen. Bei
manchen Einheiten - etwa bei berhaupt, eigentlich, einfach, erst - ist die Zuordnung unklar,
da ihre abtnende Funktion im Mittelfeld von anderen Funktionen, wie z.B. der
Satzverknpfungsfunktion der Konnektoren, nur schwer zu unterscheiden ist. Entsprechend
uneinheitlich werden diese Einheiten in der Partikelforschung behandelt. Einige
Grammatiken zhlen auch die betonten Einheiten nicht zu den Abtnungspartikeln.
Die Abtnungspartikeln bilden keine Phrasen. Mglich sind allerdings Kombinationen von
Abtnungspartikeln. Davon unberhrt ist die Tatsache, dass einige davon auch Elemente
anderer Wortklassen sein knnen, aus denen sie sich auch entwickelt haben, zum Beispiel:
Konjunktoren (aber, denn ), Gradpartikeln (nur, schon ), Adverbien (vielleicht ) und Adjektive
(einfach, ruhig ). Anders als diese, haben die Abtnungspartikeln aber die "ursprngliche"
Bedeutung weitgehend verloren, die sie als Elemente der o.a. Wortklassen hatten. Ihre
Bedeutung ist abgeschwcht oder verblasst.
In den letzten dreiig Jahren ist die spezifische Leistung bzw. kommunikative Funktion der
Abtnungspartikel herausgearbeitet worden. So z.B. durch Harald Weydt, Maria Thurmair
und Armin Burkhardt.
Mit folgendem Test knnen Abtnungspartikeln von den beiden anderen Supplementtypen
Satzadverbialia und Verbgruppenadverbialia unterschieden werden:
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 63
Test fr
Abtnungspartikeln
Ein Ausdruck a ist dann eine
Abtnungspartikel, wenn es nicht
mglich ist, einen gegebenen
Aussagesatz s, der a enthlt, wie
folgt zu paraphrasieren:
Beispiel:
Es regnet ja.
*'Es ist der Fall, dass es ja regnet.'
Wenn die Paraphrase mglich ist, handelt es sich um einen Satz mit Satzadverbiale oder mit
Verbgruppenadverbiale:
Es regnet heute.
'Es ist der Fall, dass es heute regnet.'
Es regnet in Strmen.
'Es ist der Fall, dass es in Strmen regnet.'
Die Supplemente in Form von Abtnungspartikeln stellen eine Funktionsklasse dar, die im
Deutschen besonders ausgebaut ist. Natrlich knnen diese Funktionen auch in anderen
Sprachen ausgedrckt werden, aber meist nicht durch eine eigene Wort- oder
Funktionsklasse.
Als Beispiel mgen folgende drei uerungen aus "Tom Sawyer" von Mark Twain in drei
verschiedenen Sprachen dienen (vgl. Weydt, 1969, 20).
Der deutsche bersetzer des "Tom Sawyer" hat an vielen Stellen Abtnungspartikeln
eingebaut, ohne dass in der englischen Vorlage ein entsprechendes Wort vorhanden war.
Die Abtnungsfunktion wird offensichtlich im Englischen und Franzsischen - zumindest in
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 64
Abtnungspartikeln sind typisch fr die gesprochen Sprache und beziehen sich auf den Satz
als kommunikative Einheit. Sie operieren auf Erwartungen und Einstellungen des Sprechers
und der Adressaten und sind daher nicht erfragbar. Sie tragen dazu bei, uerungen in den
jeweiligen Handlungszusammenhang zu integrieren. Damit verbunden ist oft eine bestimmte
"Abtnung" oder "Einfrbung" der betreffenden uerung z.B. als Abschwchung einer
Aufforderung durch mal oder als Ausdruck des Erstaunens in Ausrufen durch (das
unbetonte) ja . Die abtnende Wirkung kann aber auch eine Verstrkung sein. z.B. bei einer
Warnung oder Drohung mit (dem betonten) ja :
Wie Satzadverbialia beziehen sich auch Abtnungspartikeln auf einen Satz. Besonders
modale Satzadverbialia sind in ihrer Funktion den Abtnungspartikeln hnlich:
Stellungsverhalten
Abtnungspartikeln sind typische Mittelfeldeinheiten. Die Abfolge der verschiedenen Typen
von Supplementen wird im Kapitel Mittelfeld/Supplemente beschrieben. Innerhalb des
Mittelfeldes ist die Position der Abtnungspartikeln nicht streng festgelegt. Verglichen mit
anderen Supplementtypen haben sie den weitesten Skopus. Sie gehen deshalb meist den
Adverbialia voraus. Die generelle Abfolgeregel lautet:
Der Subtyp der Frequenzadverbialia ( z.B. wieder, immer, oft, selten ) steht allerdings immer
nach den Abtnungspartikeln:
Die Reihenfolge der Abtnungspartikeln in Kombinationen ist dagegen relativ fest geregelt,
das gilt vor allem fr den hufigsten Fall von Zweierkombinationen:
Mal, nur, ja, blo stehen in Aufforderungs- und Wunschstzen an zweiter Stelle:
Das ist wohl blo ein Patzer gewesen.
Halt nur ja die Klappe!
Etwa, nicht, schon stehen in Fragen an zweiter Stelle, wenn sie eine Hypothese des
Sprechers in Bezug auf die Geltung des Sachverhalts ausdrcken:
Wer wei denn schon, dass Goethe eine Schwester hatte?
Was ist denn schon dabei?
Es ist eine allgemeine Tendenz festzustellen, dass die wichtigere oder spezifischere
Abtnungspartikel nach der weniger spezifischen steht.
Die Abtnungspartikel-Kombinationen knnen sowohl in Kontaktstellung stehen wie auch
durch andere Elemente des Satzes getrennt sein:
Es gibt nur wenige feste Kombinationen wie doch nicht etwa, doch blo, doch nur.
Wortarten
Auf die Frage, worin sich Sprache gemeinhin manifestiert, wird die landlufigste Antwort
lauten: Sprache manifestiert sich in Wrtern.
Bei einer grammatischen Beschreibung der deutschen Sprache sind Wrter aber nur auf
einer von verschiedenen Beschreibungsebenen angesiedelt. Bei der Beschreibung von
Sprache gibt es grundstzlich zwei Perspektiven. Einerseits kann man absteigend
(deszendent), andererseits kann man aufsteigend (aszendent) vorgehen. Deszendentes
Vorgehen bedeutet, dass Sprache von der grten Einheit aus betrachtet wird und in immer
kleinere Einheiten segmentiert wird. Das aszendente Vorgehen ist das umgekehrte. Wenn
wir deszendent vorgehen, gehen wir vom Text aus und beschreiben dann die Einheiten, die
den Text aufbauen, nmlich die komplexen und die einfachen Stze. Die Stze wiederum
sind aufgebaut aus Phrasen und diese aus den Wrtern. Damit sind wir aber noch nicht am
unteren Ende der deszendenten Beschreibung angelangt. Wrter werden gebildet aus einem
oder mehreren Morphemen, den kleinsten bedeutungstragenden Einheiten der Sprache.
Diese wiederum setzen sich aus den kleinsten bedeutungsunterscheidenden Elementen der
Sprache, den Phonemen, zusammen.
Aszendente Beschreibung
Texte knnen auf Grund verschiedener Eigenschaften zu Textsorten klassifiziert werden.
Stze werden nach dem Grad ihrer Komplexitt und nach ihrer Form und ihrer Funktion
klassifiziert. Und wenn wir hier Wrter nach bestimmten Eigenschaften klassifizieren, dann
sprechen wir von Wortarten oder Wortklassen.
Relevant fr die Beschreibung der Satzstruktur werden Wrter als syntaktische Wrter, als
spezifische grammatische Ausprgungen eines Worts in einer ganz bestimmten, flexivisch
markierten Wortform. In Stzen realisierte Wrter sind also immer syntaktische Wrter.
Formgleiche syntaktische Wrter knnen unterschiedliche Funktionen einnehmen. So kann
die Wortform zerstrte, die im Beispiel
Sie zerstrte seine Hoffnungen.
als 3. Person Singular Indikativ Aktiv Prteritum des Verbs zerstren bestimmt werden muss,
in anderer lexikalischer Umgebung ein anderes syntaktisches Wort reprsentieren, z. B. die
1. Person Singular in ich zerstrte oder ein attributives Partizip in das zerstrte Reich. Die fr
die Beschreibung der Lexikon-Eigenschaften relevante Einheit, das Lexem, ergibt sich unter
Absehung von grammatischen Kategorisierungen wie Person, Numerus, Kasus etc.
sozusagen als Zusammenfassung des Paradigmas verschiedener syntaktischer Wrter unter
einer Zitierform, hier das Verb zerstren. Die Zitierform bei Verben ist immer der Infinitiv, bei
Substantiven ist es der Nominativ Singular.
Wrter in diesem Sinne, also Lexeme oder lexikalische Einheiten, knnen hinsichtlich
verschiedener Kriterien kategorisiert werden: nach ihren morphologischen, syntaktischen
und semantischen Merkmalen. Nur die semantischen fhren zu bereinzelsprachlichen
Kategorien und knnen deshalb beim Sprachvergleich herangezogen werden. Die
morphologischen und syntaktischen Eigenschaften sind jeweils einzelsprachliche
Ausprgungen.
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 67
semantische Eigenschaften
Einige zentrale semantische Eigenschaften, - kognitive und konzeptuelle Grundfunktionen -
nach denen man Wrter klassifizieren kann, finden sich in allen Sprachen. Wrter knnen
Prdikate ausdrcken, - das ist im Deutschen die Hauptaufgabe von Verben; Wrter knnen
wie im Deutschen die Nomina Gegenstnde charakterisieren; Wrter knnen Sachverhalte
modifizieren und spezifizieren, das sind die Hauptaufgaben der Adjektive und der Adverbien;
Wrter knnen aber auch Sachverhalte zueinander in Beziehung setzen, das leisten vor
allem Junktoren, Prpositionen, Partikeln und Adverbien.
morphologische Eigenschaften
Nach morphologischen Eigenschaften unterscheidet man flektierbare von unflektierbaren
Wortarten. Flektierbare Wortarten haben einen (von Ausnahmen abgesehen)
unvernderbaren Stamm und vernderbare (Flexions-) Endungen/Flexive. In der Menge
der flektierbaren Wrter ergeben sich die Hauptklassen Verb, Nomen, Adjektiv, Artikel,
Pronomen. Ihre Vernderung erfolgt je nach der morphologischen Kategorisierung
(Numerus, Genus, Kasus, Person, Tempus, Verbmodus, Genus verbi, Komparation).
blicherweise bezeichnet man die Flexion des Verbs als Konjugation, die der nominalen
Wortarten (Nomen, Adjektiv, Artikel, Pronomen) als Deklination. Unflektierbare Wrter
dagegen zeichnen sich dadurch aus, dass sie nie verndert werden, sie kommen nur in
einer Form vor. Zu den Wortarten, deren Vertreter nicht flektiert werden, zhlen die
Adverbien, Partikeln, Prpositionen und Junktoren.
syntaktisch-distributionelle Eigenschaften
Fr die genauere Ermittlung und die Subklassifizierung der vier traditionellen nominalen
Wortarten Nomen, Adjektiv, Artikel und Pronomen mssen zustzlich syntaktisch-
distributionelle Kriterien herangezogen werden wie z. B. die Position von Wrtern in Stzen
oder Phrasen, die syntagmatischen (horizontalen) Beziehungen zu anderen Einheiten im
Satz (Rektion, Kongruenz, Valenz) oder die Stellungseigenschaften in der linearen
Satzstruktur.
Bei den unflektierbaren Wrtern werden mangels eindeutiger morphologischer Flexive vor
allem die syntaktisch-distributionellen Eigenschaften fr die Klassenbildung relevant.
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 68
In der Geschichte der Sprachwissenschaft hat es seit der Antike immer wieder Versuche
einer Strukturierung des Wortschatzes einer Sprache nach Wortarten gegeben (vgl. z. B.
Junker (1997)). Anzahl und Art der ermittelten Klassen differieren dabei erheblich, etwa von
den zwei Hauptklassen bei der semantischen Klassifikation in der bei Plato und Aristoteles
begrndeten griechisch-rmischen Tradition (referierend vs. prdizierend; Onoma und
Rhema; entspricht grosso modo der Unterscheidung zwischen Nomen und Verb) bis zu den
51 syntaktisch begrndeten Klassen frs Deutsche bei Bergenholtz / Schaeder.
Prinzipiell kann man den Wortschatz einer Sprache nach ganz verschiedenen Kriterien in
Gruppen einteilen, etwa nach der Anzahl der Buchstaben, Silben oder Morpheme, in Wrter
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 69
mit gleichem Wortstamm (sogenannten Wortfamilien) oder nach semantischen Feldern wie
"Werkzeuge", "Fortbewegungsarten", "Sinneseindrcke" usw. Diese mgen in bestimmten
Verwendungszusammenhngen durchaus Sinn haben, fr die Grammatik sind aber nur
grammatisch begrndete Kategorien relevant, d.h. solche, auf die die - phonologischen,
morphologischen und syntaktischen - Regeln der Grammatik Bezug nehmen. So kann man
Klassen von Wrtern ermitteln, die z. B.
zusammen mit einem Artikel wie der, ein, dieser eine im Satz verschiebbare Einheit
bilden: die Kuh, die Milch, ein Leben , aber nicht: die gehen, der rot, der aber, der auf, ein
weil usw.
zusammen mit einer Nominalphrase, deren Kasus sie bestimmen, eine verschiebbare
Einheit - eine Prpositionalphrase - bilden: durch den Wald, an den Vater, ber den
Zaun, aber zum Beispiel nicht: durch rot, auf aber, an weil, weil den Wald, grn den
Zaun, Wald den Zaun usw.
ber ein Tempusparadigma verfgen: gehe, ging, bin gegangen, sehe, sah, werde sehen
usw.
Die Merkmale, nach denen wir hier in unseren Beispielen Gruppen gebildet haben, sind
morphologische und syntaktische.
Etwas komplizierter steht es mit semantischen Einteilungskriterien. Zwar werden seit je
her Wortarten auch nach ihren semantischen Eigenschaften gekennzeichnet oder sogar
benannt (Das Substantiv hat seiner Wortwurzel nach etwas mit Substanz, das Nomen mit
Namen zu tun), es ist aber fraglich, inwieweit semantische Merkmale fr alle Wortarten a)
distinktiv, b) grammatisch relevant und c) auf eine einheitliche Bedeutungstheorie
zurckzufhren sind. In einer Traditionslinie etwa werden ber ontologisch-semantische, auf
die auersprachliche Wirklichkeit bezogene Kategorien wie "Gegenstand", "Eigenschaft",
"Prozess", "Relation" die drei Wortarten Nomen (Substantiv), Adjektiv, Verb und eine
Restkategorie, die z. B. Prpositionen und Junktoren enthlt, differenziert.
Aber bezeichnen Nomina wie Hrte oder Schnheit im Unterschied zu hart und schn
Gegenstnde oder Eigenschaften? Bezeichnet Explosion einen Gegenstand oder einen
Prozess? Bezeichnet das Verb in das beruht auf einem Irrtum oder in A ist mit B verbunden
Prozess oder Relation, und was bezeichnen Ausdrcke wie doch, auch, ja, hm, gern,
vielleicht, mssen, drfen, ich, hier, jetzt ?
innerhalb der vernderlichen noch weiter nach den Flexionskategorien untergliedert werden
kann.
Wenn man dies nun fr die fnf traditionell etablierten Kategorien versucht, mssen z. B.
Artikel und Nomen einer Klasse zugeordnet werden.
Darber hinaus fallen bei solch einer homogenen Klassifizierung Einheiten wie Milch, man,
allerlei in eine Klasse mit doch, nun, ja, nicht, dass und zu . Alle Einheiten werden nicht
verndert. Eine so gewonne Klasse wre zu gro, um irgendwie operabel zu sein. Die
morphologische Charakterisierung muss also mindestens um eine syntaktische ergnzt
werden. Diese bezieht sich auf
die Position von Wrtern in Ausbaueinheiten (ob eine Einheit berhaupt zu einer
Phrase ausbaubar ist, mit welchen Einheiten sie sich zu einer komplexeren
Einheit verbindet)
die Position in der linearen Satzstruktur (z. B. ob eine Einheit selbstndig im
Vorfeld stehen kann)
die syntagmatischen Beziehungen zu anderen Einheiten im Satz (z. B. ob eine
Einheit eine andere Konstituente im Satz hinsichtlich einer Kategorie wie
Numerus, Person oder Kasus regiert oder darin mit ihr kongruiert, ob sie Valenz-
Leerstellen fr andere Konstituenten erffnet)
Syntaktisch-distributionelle Eigenschaften werden vor allem bei der Klassenbildung der
unflektierbaren Wortarten relevant. Ohne Charakterisierungen wie "bildet mit Artikel
zusammen eine Nominalphrase", "hat ein inhrentes Genus", "regiert ein Nomen im
Nominativ", "bildet eine Verbalphrase" knnten aber auch Einheiten wie Milch oder
bruchrechnen nicht den Klassen Nomen respektive Verb zugeordnet werden.
Schlielich kommen - vor allem bei der Feindifferenzierung in Subklassen - auch funktional-
semantische Kriterien zum Tragen: so kann etwa ber das semantische Merkmal "kann
selbstndig als Argument fungieren" man der Intuition entsprechend den Pronomina
zugeordnet werden, obwohl es - anders als das Gros der Pronomina - nicht flektiert. Auch
knnen die Artikel der, ein, dieser, jener nach der Art des Verweises, den ein Sprecher mit
ihnen in einer sprachlichen Handlung ttigt, in die Subklassen definiter Artikel, indefiniter
Artikel, Demonstrativ-Artikel eingeteilt werden.
Fr unsere Wortarten-Einteilung machen wir uns alle die genannten
Kriterien zu Nutze und treffen eine Bestimmung jeweils auf der Basis
eines Merkmal-Bndels aus funktional-semantischen,
morphologischen und syntaktischen Eigenschaften. Diese
Merkmale sind nun allerdings nicht als gleichberechtigte zu verstehen,
sondern im Sinne einer Merkmalshierarchie: fr die Einteilung gehen
morphologische vor syntaktisch-distributionellen vor semantischen
Kriterien. Die letzteren spielen teilweise berhaupt nur fr die
Differenzierung in feinere Subklassen eine Rolle.
Auf diese Weise ermittelten wir die neun distinktiven Klassen Nomen,
Pronomen, Artikel, Adjektiv, Verb, Prposition, Adverb, Partikel und
Junktor, die ihrerseits wieder in feiner gerasterte Unterklassen zerfallen.
Die neun Groklassen sind terminologisch und dem Gegenstand nach
weitgehend mit traditionellen Wortarten identisch, dagegen findet sich
bei den Subklassen manches Neue.
Pronomen
Pronomen im berblick
morphologische Eigenschaften
syntaktische Eigenschaften
semantische und funktionale Eigenschaften
Subklassen
Pronomen im berblick
Hier werden nur allgemeine Charakteristika zu Pronomen erlutert. Alles Weitere finden Sie
in den Erklrungen der Subklassen.
Unter Pronomen (Plural: Pronomina) verstehen wir eine zusammenfassende
Sammelbezeichnung fr eine Reihe verschiedener, formal wie funktional heterogener
Wortklassen, die gemeinsam haben, dass sie in einem Satz selbstndig als Komplemente
fungieren knnen.
Katharina, Franz und Lydia sind zufrieden mit ihrer Arbeit.
Alle sind zufrieden mit ihrer Arbeit.
ich, sie, sich, wem, jene, dessen, einer, alle, jeden ...
Sie kann es sich nicht leisten.
Wem soll ich das berichten?
Man sollte einander in Frieden lassen.
morphologische Eigenschaften
Prinzipiell flektieren Pronomina nach Numerus, Kasus und Genus. Bei einzelnen Subklassen
oder einzelnen Vertretern knnen Einschrnkungen auftreten.
syntaktische Eigenschaften
Mit Ausnahme des Possessiv-Pronomens (die meinen) sind sie nicht mit Artikeln
kombinierbar.
*Die alle waren ziemlich gesprchig.
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 72
Die semantische Funktion der Pronomina wird anders als bei Gattungsnamen oder
Stoffnamen nicht mittels eines charakterisierenden Prdikats erbracht. Pronomina sind oft
polysem/mehrdeutig.
Jene laufen, jene gehen und jene bewegen sich berhaupt nicht ...
Anders als bei Eigennamen ist ihre semantische Funktion nicht auf der Basis vorgngiger
Vereinbarungen (Namensgebungsakt) geregelt.
Im brigen sind die funktionalen Eigenschaften je nach Pronomen-Subklasse sehr
unterschiedlich.
Subklassen
Literatur zu Pronomina:
Braunmller 1977, Haspelmath 1997, Lenerz 1992, Lenerz 1994, Schramm 1980, Vater 1985
1. anaphorisches Personalpronomen
Als anaphorisches Personalpronomen referiert es auf Personen, Gegenstnde und
Sachverhalte. Es kann fr eine Nominalphrase im Neutrum stehen (1, 3) oder fr einen durch
einen Satz ausgedrckten Sachverhalt (2, 4), kann die Funktion des Subjekts (1, 2) oder des
Akkusativkomplements (3, 4) haben.
1. "Wenn ein Mdchen nicht verheiratet ist, sollte es zumindest einen festen Freund
haben", meint Antje (27) aus Hamburg. [Bild, 6.1.1967, S. 5]
2. "Willst du mir vielleicht doch verraten, warum du in den See gesprungen bist?
Vielleicht erleichtert es dich?"
3. Wer das neue Pril kennt, wird es zu schtzen wissen .
4. Gelegentlich spielt er Schach und er tut es mit groem Erfolg.
5.
Es klappert die Mhle am rauschenden Bach. Die Mhle am rauschenden Bach klappert.
Es darf gelacht werden! Hier darf wohl gelacht werden. Gelacht werden darf ja wohl noch.
Weiterfhrende Literatur zu es :
Ptz 1986, Ptz 1991, Kemme 1979, Bergenholtz 1983, Marx-Moyse 1982, Cardinaletti 1990, Askedal 1990,
Buscha 1988, Tomaselli 1986 bzw. Recherche unter Objektwort es in der Bibliografie.
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 75
Artikel
Artikel im berblick
morphologische Eigenschaften
syntaktische Eigenschaften
semantische und funktionale Eigenschaften
Subklassen
Artikel im berblick
Als Artikel werden eine Reihe von Wrtern bezeichnet, denen die Funktion der
Determination gemeinsam ist. Sie knnen zusammen mit einem Nomen eine
Nominalphrase bilden.
der, diese, ein, unser, alle, irgendwelche, wieviele, dasselbe, jene ...
die neue Strae, ein altes Haus, diese Bume, welches Dorf, alle Brger unseres Dorfs, irgendwelche
Neuigkeiten, wieviele Straen, derselbe alte Hut ...
morphologische Eigenschaften
Artikel flektieren nach den Kategorisierungen Genus (nur im Singular), Numerus und Kasus.
Es ergibt sich ein Paradigma mit 16 Stellen. Nur wenige Artikel flektieren nicht: all mein
Sinnen und Trachten, welch ein Zwitschern, solch Tun.
syntaktische Eigenschaften
Artikel fungieren als Determinierer, sie bilden mit Nomina eine Nominalphrase. Als Kopf der
Nominalphrase fungiert das Nomen. Sie stehen am Anfang der Nominalphrase vor
mglichen Attributen. Artikel regieren nachfolgende attributive Adjektive hinsichtlich der
Flexionskategorie stark oder schwach. Artikel kongruieren im Numerus mit dem Kopf der
Nominalphrase, der seinerseits das Genus des Artikels regiert.
Artikel sind nur minimal zu Artikelphrasen ausbaufhig, z.B. indem unflektierte Quantifikativ-
Artikel vor eine Nominalphrase treten: all die/diese/meine/jene Entchen, welch ein Aufwand,
in diesem unserem Land.
Alle Artikel haben die Funktion der Determination. Sie erfllen als Teile von Termen die
Funktionen des Verweisens, der Thematisierung oder der thematischen Fortfhrung.
Subklassen
definiter Artikel
indefiniter Artikel
Possessiv-Artikel
Demonstrativ-Artikel
w-Artikel
Quantifikativ-Artikel
Literatur: Grimm 1986, Grimm 1987, Heim 1991, Vater 1979, Vater 1985, Vater 1986.
Adverb
Adverb im berblick
morphologische Eigenschaften
syntaktische Eigenschaften
semantische und funktionale Eigenschaften
Subklassen
Adverb im berblick
Zur Wortart Adverb gehren unflektierbare Ausdrcke, deren prototypische Funktion darin
besteht, ein Geschehen, einen Gegenstand oder einen Sachverhalt semantisch zu
modifizieren. Adverbien operieren auf Nominalphrasen, unterschiedlich komplexen
Verbgruppen bis hin zum Satz Sie fungieren dann als Attribute (die langweilige
Besprechung gestern), Verbgruppenadverbialia (eilends eintreffen, unverrichteterdinge
nach Hause gehen, sich kopfber ins Wasser strzen, krankheitshalber ausfallen) oder
Satzadverbialia (Leider / sicher / glcklicherweise / dummerweise ist der Prsident eine
Frau.) Adverbien knnen alleine das Vorfeld eines Aussagesatzes besetzen und sind
selbstndig, z.B. als Antwort auf eine Frage, verwendbar.
andere Bezeichnungen und Zuordnungen:
gern, dort, gestern, anders, kopfber, hierher, darauf, landeinwrts, leider, wann ...
Der Eisvogel strzt sich gern kopfber in die Fluten.
Gestern abend war keiner daheim.
Wir haben leider schon zu.
Der Turm hier stammt aus dem 15. Jahrhundert.
morphologische Eigenschaften
Adverbien sind unflektierbar und mit Ausnahme von oft, gern und bald nicht komparierbar.
syntaktische Eigenschaften
Auch hier gilt, Adverbien sind nicht flektierbar. Adverbial gebrauchte Adjektive werden in
diesem Fall ebenso nicht flektiert. Wenn sie allerdings prototypisch als Attribut gebraucht
werden, mssen sie flektiert werden.
Junktor
Junktor im berblick
morphologische Eigenschaften
syntaktische Eigenschaften
semantische und funktionale Eigenschaften
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 79
Subklassen
Junktor im berblick
Junktoren sind unflektierbare Ausdrcke. Ganz allgemein verknpfen sie sprachliche
Einheiten. Die unterschiedlichen Subklassen unterscheiden sich danach, von welchem
Typ die verknpften Einheiten sind (Stze, Phrasen), und danach, ob sie diese
koordinieren (nebenordnen) oder subordinieren (unterordnen). Einige Junktoren knnen
ihrer besonderen, nicht regelhaft beschreibbaren Eigenschaften wegen weder eindeutig
zu den koordinierenden Konjunktoren noch zu den subordinierenden Subjunktoren
gezhlt werden.
andere Bezeichnungen und Zuordnungen
Konjunktionen, Fgewrter allerdings werden unter diesen Bezeichnungen in der Regel nicht die hier als
eigene Subklasse Adjunktoren gefhrten Einheiten als und wie subsumiert.
und, oder, d. h., dass, ob, als ob, falls, da, weil, denn, wobei, angenommen, auer, es sei denn, als, wie ...
koordinierende Junktoren:
der Hase und der Igel
Nimm die Hnde weg oder es knallt.
Er ist wtend, ja er rast.
subordinierende Junktoren:
Wer wei, ob das mit rechten Dingen zugeht.
Ich bin in der Bibliothek, falls jemand nach mir fragt.
Angenommen, die Bayern verlieren am Sonntag, dann wird Kaiserslautern Meister.
Adjunktoren:
Ein Kerl wie ein Br
Der Wal als Sugetier
Er kommt wie versprochen.
morphologische Eigenschaften
Junktoren sind unflektierbar. Einige Junktoren sind morphologisch komplex, sie sind
Mehrwortlexeme (sowohl ... als auch, vorausgesetzt dass, das heit, es sei denn dass, je ...
umso) oder zusammengesetzt (sodass, wobei ... )
syntaktische Eigenschaften
Konjunktoren und Subjunktoren gelten - wie Konnektivpartikeln - selbst nicht als Element des
durch sie angeschlossenen Satzes.
Adjunktoren hingegen knnen als Kopf einer Adjunktorphrase fungieren und sind somit Teil
des angeschlossenen Satzes.
Junktoren verknpfen sprachliche Einheiten. Sie dienen - mit Ausnahme von dass und ob -
dem Ausbau der minimalen Satzstruktur.
Subklassen
Konjunktor
Subjunktor
Adjunktor
idiosynkratische (nicht regelhaft beschreibbare) Einheiten
Konjunktor
Konjunktor im berblick
Als Konjunktoren wie und, oder, sowie, sowohl ... als auch bezeichnen wir eine Klasse von
Junktoren, die sprachliche Einheiten in einer spezifischen semantischen Relation
"koordinierend" miteinander verknpfen. Bei der Koordination ben zwei in Beziehung zu
einander gesetzte Ausdrcke die gleiche syntaktische Funktion aus.
Koordiniert werden knnen Stze, Phrasen, Verbgruppen, Wrter und sogar Morpheme.
das heit
d. i.
entweder ... oder
ja
oder
respektive
sondern
sowie
sowohl ... als auch
sowohl ... wie (auch)
sprich
und
und/oder
will sagen
Beispiele
morphologische Eigenschaften
syntaktische Eigenschaften
Umgekehrt wirkt das folgende Zitat von Wilhelm Busch deshalb so "merkwrdig", weil es
zwei Ausdrcke koordiniert, die trotz identischer Form nicht die gleiche syntaktische Funktion
erfllen: hier werden ein (instrumentales) Satzadverbial und ein (modifikatives)
Verbgruppenadverbial miteinander koordiniert.
Mit einer Gabel und mit Mh, zieht ihn die Mutter aus der Brh.
Konjunktoren stellen additive (und) und disjunktive (oder) semantische Relationen zwischen
den koordinierten Ausdrcken her.
Subjunktor
Subjunktor im berblick
Subjunktor ist eine Sammelbezeichnung fr solche Junktoren, die einen
Verbletztsatz/Nebensatz einleiten, d.h. einen Satz, in dem das finite Verb an der letzten
Stelle steht.
Funktional ist die Klasse der subordinierenden Junktoren jedoch sehr heterogen. Die
Subjunktoren dass und ob stellen keine spezifische inhaltliche Beziehung zwischen dem
subordinierten und dem bergeordneten Ausdruck her. Subjunktoren im engeren Sinne
wie wenn, obwohl, weil, sodass, auf dass ... dagegen stellen spezifische inhaltliche
Relationen zwischen den verknpften Einheiten her. Wir bezeichnen sie deshalb auch als
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 82
relationale Subjunktoren.
morphologische Eigenschaften
Subjunktoren sind unflektierbar und berwiegend morphologisch einfach. Es gibt aber auch
morphologisch komplexe und mehrteilige Einheiten, insbesondere Kombinationen mit dass :
wenngleich, je nachdem, je ... umso, sodass, so ... dass, dadurch dass, indem dass,
dergestalt dass, ...
syntaktische Eigenschaften
Subjunktoren leiten Verbletztstze ein, die als Teile des bergeordneten Ausdrucks
fungieren. Sie knnen als Komplemente, als Supplemente oder Attribute fungieren.
Funktion Beispiel
Komplement Man befrchtet, dass noch weitere Erdbeben folgen knnten.
Supplement Das Sportfest fiel aus, weil es den ganzen Tag regnete.
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 83
Attribut Der Tag, als endlich der Regen kam, war einer der heiesten Augusttage.
Subjunktoren fungieren als Konnektoren und lassen sich somit nach inhaltlichen
Gesichtspunkten in semantische Subklassen wie kausal (weil, da), konsekutiv (sodass),
konzessiv (obwohl), konditional (wenn, falls), proportional (je ... desto), restriktiv (auer
dass), substitutiv (anstatt dass), temporal (nachdem, whrend, sobald) usw. einteilen.
Adjunktor
Adjunktor im berblick
Die Adjunktoren als und wie machen aus einer Phrase oder einem (Vergleichs-)Satz ein
Adjunkt mit eigenstndiger syntaktischer Funktion. Bezugsausdruck ist eine
Nominalphrase, Prpositionalphrase, Pronominalphrase oder Verbgruppe, ein Nomen,
Adjektiv oder Adverb. Adjunktoren regieren keinen Kasus. Sie sind "kasustransparent", d.
h. enthlt das Adjunkt eine Nominal- oder Pronominalphrase, dann stimmt diese im Kasus
mit dem nominalen Kopf des Bezugsausdrucks berein.
Vergleichspartikeln. In manchen Darstellungen werden sie zu den Prpositionen gerechnet, sie regieren im
Unterschied zu diesen aber keinen Kasus.
als, wie
Beispiel Bezugsausdruck
Sie hat ihn wie eine Therapeutin befragt. Subjekt
Meier als Direktor kann sich das leisten. Subjekt
Sie hat ihn als Kind kennengelernt. Subjekt / Akkusativkomplement
Sie hat ihn als groen Feigling kennengelernt. Akkusativkomplement
Er starb wie er gelebt hatte. Verbgruppe
Mnner wie wir Nomen
frech wie Oskar Adjektiv
Am 21. Juni sa er in unserem Berliner Studio und hrte sich die Frage an, ob er damals, als Stasi-General,
denn auch die Bundesrepublik besucht habe.
[Wolfgang Heim, 1995 in SDR 3: Leute]
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 84
morphologische Eigenschaften
syntaktische Eigenschaften
Adjunktoren bilden den Kopf einer Adjunktorphrase. Diese knnen sehr unterschiedliche
Formen haben.
Bestandteil der Adjunktorphrase Beispiel
Adjektivphrase Ich betrachte das als sehr gelungen.
Nominalphrase (Kasusidentitt mit dem Ich betrachte das als einen sehr
Bezugsausdruck) gelungenen Fall.
Es wurde gefeilscht wie auf einem
Prpositionalphrase
Wochenmarkt.
Pronominalphrase (Kasusidentitt mit dem Einem Kerl wie dir kann man nichts
Bezugsausdruck) vormachen.
Adverbphrase Ein Erker wie dort drben
Verbletztsatz Er war so schnell, wie du gesagt hast.
Ihrer syntaktischen Funktion nach sind Adjunktorphrasen heterogen. Sie fungieren als
syntaktische Funktion Beispiel
Prdikativkomplement Es war wie immer. Er gilt als schlau.
Attribut ein Mann wie du, ich als Kunde, frech wie Oskar
Verbgruppen-Adverbiale Es wurde gefeilscht wie auf einem Wochenmarkt.
Mit einem Adjunkt wird die Person, der Gegenstand oder Sachverhalt zustzlich
charakterisiert und zwar ber eine Relation der Identifikation, Klassifikation, Quantifikation
oder ber einen Vergleich.
Partikel
Partikel im berblick
morphologische Eigenschaften
syntaktische Eigenschaften
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 85
Partikel im berblick
Als Partikeln bezeichnen wir eine heterogene Klasse von unflektierbaren Einheiten.
Im Unterschied zu den Adverbien zeigen manche Partikelklassen Beschrnkungen in den
Stellungsmglichkeiten. Sie knnen nicht allein im Vorfeld eines Aussagesatzes stehen.
Partikeln sind - besonders in der Alltagssprache - hochfrequent.
Ein sprachtypisches Charakteristikum ist ihre Polyfunktionalitt.
andere Bezeichnungen und Zuordnungen:
Partikeln stellen wahrscheinlich den uneinheitlichsten Bereich der Wortartenklassfikation. Grob gesagt lassen
sich drei Anstze ausmachen: beim weitesten Partikelbegriff werden alle unflektierbaren Einheiten, also auch
Prpositionen, Junktoren, Adverbien, als Partikeln klassifiziert. Ein engeres Konzept grenzt Prpositionen,
Junktoren und Adverbien aufgrund von Satzgliedwert oder syntaktischen Eigenschaften aus den Partikeln
aus, und drittens wird als Partikeln im engsten Sinn eine Restgruppe bezeichnet, die im wesentlichen mit den
Klassen Abtnungspartikeln und Fokuspartikeln identisch ist.
doch, blo, halt, mal, nicht, sehr, beraus, sogar, selbst, auch, erst, schon, also, brigens, jedoch, aber ...
Also das ist doch auch nur langweilig.
Gefllt Ihnen das etwa nicht?
Sogar Elefanten werden hier sehr oft gesichtet.
morphologische Eigenschaften
syntaktische Eigenschaften
Allen Partikeln ist gemeinsam, dass sie keine Phrasen bilden knnen, dass sie nicht
erfragbar und nicht selbstndig, zum Beispiel als Antwort auf eine Frage, verwendbar sind.
Partikeln sind aber untereinander kombinierbar.
Subklassen
Intensittspartikel
Fokuspartikel
Abtnungspartikel
Konnektivpartikel
Intensittspartikel
Intensittspartikel im berblick
Als Intensittspartikeln bezeichnen wir eine Klasse von Partikeln, die die von einem
Adjektiv oder Adverb ausgedrckte Charakterisierung intensivierend-steigernd oder
abschwchend-abstufend modifizieren.
andere Bezeichnungen:
Steigerungspartikel, Intensifikator
Intensittspartikeln:
einigermaen
etwas
kaum
recht
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 87
sehr
beraus
ungemein
weitaus
zu
morphologische Eigenschaften
Die Intensittspartikeln sind - wie alle Partikeln - unflektierbar.
Intensittspartikeln knnen einen Akzent erhalten.
Er hatte sie sehr vermisst.
syntaktische Eigenschaften
Die Intensittspartikel steht unmittelbar vor dem modifizierten Adjektiv oder Adverb: (sehr
glcklich, beraus gern, zu oft); in wenigen Fllen ist der Bezugsausdruck ein Verb (das
schmerzt sehr, er leidet ziemlich), nie ein Nomen (*Sehr Lippenstift war an ihrem Likrglas).
Intensittspartikeln zeigen unterschiedliche Vertrglichkeiten mit den einzelnen
Steigerungsstufen ihrer Bezugsadjektive: manche knnen nur vor einem nicht-komparierten
Adjektiv (Positiv) stehen (sehr / besonders / ungemein schn; aber: *sehr / *besonders /
*ungemein schner), andere vor einem Positiv und einem Komparativ (etwas faul / der
etwas fleiigere Bruder), nur vor einem Komparativ (*viel gut, viel besser) oder vor dem
Komparativ und dem Superlativ (*weitaus gut, weitaus besser, weitaus am besten).
Fokuspartikel
Fokuspartikel im berblick
andere Bezeichnungen:
Gradpartikel, Skalarpartikel, Gradmodifikator
vor allem
wenigstens
zumindest.
morphologische Eigenschaften
Fokuspartikeln sind - wie alle Partikeln - unflektierbar.
syntaktische Eigenschaften
Als Bezugsausdrcke knnen Einheiten unterschiedlicher Komplexitt - vom Satz bis zu
einzelnen Wrtern - fungieren. Der Bezugsausdruck ist durch einen Gewichtungsakzent
hervorgehoben.
Satz: Im Zirkus war es wunderschn. Sogar ein Trapezknstler ist aufgetreten.
Prpositionalphrase: Ausgerechnet im Urlaub bin ich krank geworden.
Prposition: (Nicht nur auf) sondern sogar unter der Bettdecke fanden sich Wespen.
Fokuspartikeln stehen in der Regel vor, einige auch unmittelbar nach dem Bezugsausdruck.
Auch Distanzstellung vom Bezugsausdruck kommt vor.
Nur zwei Jahre muss er sitzen.
Zwei Jahre nur muss er sitzen.
Zwei Jahre muss er nur sitzen.
Negationspartikel
Negationspartikel im berblick
Die Negationspartikel nicht bzw. Kombinationen damit wie gar nicht, berhaupt
nicht hat hnliche Eigenschaften wie die Fokuspartikeln, sie verndert aber im
Unterschied zu diesen immer den Wahrheitswert des Satzes, auf den sie
angewendet wird: die Weglassung oder Hinzufgung einer Negationspartikel kehrt
den Wahrheitswert um.
Beispiele
Wir hatten nicht gewusst, dass man sich fr die Kantine eintragen muss.
[Harry Rowohlt, 1998 in SWR1: Leute]
Gromutter weer, war in ihrem ganzen Leben noch nicht krank gewesen.
[Proben deutscher Mundarten (Phonai Bd. 5, I/3822, Sdtondern)]
Nein, die Kollegen bei der Tagesschau, die wird das mit Sicherheit berraschen. Die wussten das na .., die
wissen das eigentlich bis heute nicht, es sei denn, sie haben das Buch schon gelesen.
[Jrg Wontorra, 1997 in SDR3: Leute]
Und wenn Sie jetzt anfangen zu spekulieren, was wird sein, wenn wir unser Ziel nicht erreicht haben, machen
Sie einen Fehler.
[Wolfgang Schuble, 1998 in SWR1: Leute]
syntaktische Eigenschaften
Die Negationspartikel hat als Bezugsbereich (Skopus) stets den gesamten Satz.
Bezugsausdruck ist, was im Satz hervorgehoben (fokusiert) ist. Der Fokus kann je nach der
beabsichtigten Kontrastierung variieren.
Die Gebrder Grimm haben 1997 die dreibndige Grammatik des Englischen herausgegeben.
Nicht die Gebrder Grimm haben die dreibndige Grammatik des Englischen herausgegeben (sondern
andere).
Die Gebrder Grimm haben nicht die Grammatik des Englischen herausgegeben (sondern die des
Deutschen).
Die Gebrder Grimm haben die Grammatik des Englischen nicht herausgegeben (sondern entworfen).
Die Negationspartikel bildet nur in sehr eingeschrnktem Mae formelhaft verfestigte
Phrasen: aber schon gleich ganz und gar nicht. Sie kann nicht als Antwort auf Fragen
verwendet werden - dafr gibt es im Deutschen das Responsiv nein.
Abtnungspartikel
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 91
Abtnungspartikel im berblick
andere Bezeichnungen:
Modalpartikel, Einstellungspartikel
morphologische Eigenschaften
Abtnungspartikeln sind - wie alle Partikeln - unflektierbar.
syntaktische Eigenschaften
Abtnungspartikeln bilden keine Phrasen, sind aber nach bestimmten Regeln kombinierbar:
Ja, da muss man sich doch einfach hinlegen.
Findest du das denn vielleicht schn?
Abtnungspartikeln fungieren als Supplemente.
Konnektivpartikel
Konnektivpartikel im berblick
andere Bezeichnungen:
Konjunktionaladverb, Konnektivadverb, Rangierpartikel
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 93
Bestand
aber, abermals, allein, allemal, allenfalls, allerdings, alsbald, alsdann, also, ander(e)nfalls,
ander(er)seits, andernteils, anschlieend, ansonsten, anstatt dessen, auch, aufgrund
dessen, ausschlielich, auerdem, bald ... bald, beispielsweise, beziehungsweise,
bestenfalls, blo, da, dabei, dadurch, dafr, daher, dahingegen, damit, danach, daneben,
dann, darauf, darauhfin, darber hinaus, darum, davor, dazu, dazwischen, dementgegen,
dementsprechend, demgegenber, demgem, demnach, demzufolge, denn, dennoch,
derweilen, desgleichen, deshalb, deswegen, ferner, folglich, freilich, gegebenenfalls,
genauso, gleichwohl, gleichfalls, gleichzeitig, hernach, hierbei, hierdurch, hiermit, hingegen,
hinterher, hinwiederum, immerhin, im brigen, indes, indessen, infolgedessen,
insbesondere, insofern, insoweit, inzwischen, jedoch, kaum, mal, mithin, mittlerweile,
nachher, nmlich, nebenbei, nebenher, nichtsdestominder, nichtsdestoweniger,
nichtsdestotrotz, noch, nun, nunmehr, nur, obendrein, ohnedies, ohnehin, schlielich, schon,
seitdem, seither, selbst, so, sodann, somit, sonst, soviel, soweit, sowieso, stattdessen,
trotzdem, berdies, berhaupt, unterdessen, vielmehr, vor allem, vorher, whrenddessen,
weiter, weiterhin, weiters, wieder, wiederum, wohlgemerkt, z. B., zudem, zu guter Letzt,
zumal, zustzlich, zuvor, zwar, zwischendurch, zwischenzeitlich
morphologische Eigenschaften
Konnektivpartikeln sind - wie alle Partikeln - unflektierbar.
Einige Einheiten sind ihrer Form nach komplex und haben phraseologische Bedeutung.
Dazu zhlen repetitive Konnektoren wie bald ... bald, teils ... teils, mal ... mal, korrelative wie
einerseits ... anderseits, zwar ... aber, weder ... noch und zusammengesetzte wie vor allem.
Ich hab zwar das alles schon gehrt gehabt, dass sowas mglich ist, aber ich habs nicht fr realistisch
gehalten, dass ich das verwirklichen knnte.
[Manfred Rommel, in SWR1 1998, Leute]
syntaktische Eigenschaften
Nur wenige Konnektivpartikeln knnen nicht allein im Vorfeld stehen (aber, nmlich). Andere,
vorfeldfhige Konnektivpartikeln unterscheiden sich danach, ob sie auch in der
Nacherstposition, d.h. im Vorfeld nach einer anderen Konstituente, oder im linken Auenfeld,
d.h. vor dem Vorfeld des zweiten Satzes stehen knnen.
Britta ist eine ausgezeichnete Kchin. Jedoch / dennoch /*aber berlsst sie den Abwasch lieber anderen.
Britta ist eine ausgezeichnete Kchin. Den Abwasch jedoch / aber / *dennoch berlsst sie lieber anderen.
Britta ist eine ausgezeichnete Kchin. Jedoch / aber / *dennoch den Abwasch berlsst sie lieber anderen.
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 94
Interrogativ-Elemente
Die Funktion der Bildung einer Frage kann im Deutschen von verschiedenen w-
Elementen ausgebt werden.
1. w-Pronomina:
Wer hat geklingelt?
Mit wem hast du gesprochen?
Wessen Auto ist das?
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 95
2. w-Artikel:
Mit welchem Auto ist sie gekommen?
Was fr einen Wagen fhrt sie?
3. w-Prpositionaladverbien:
Womit kann ich Ihnen helfen?
Wohin soll ich die Kommode stellen?
Weshalb fragst du?
4. deiktische w-Adverbien:
Wo liegt das Problem?
Wie soll das funktionieren?
Wann kommst du?
Darber hinaus haben die Interrogativ-Elemente andere Funktionen bei der Bildung von:
Exklamativen: Welch herrliches Wetter!
Termstzen: Ich fragte, was das soll.
Relativstzen: Sie schrieb eine schlechte Klausur, was alle berraschte.
Relativ-Elemente
Die Funktion des Anschlusses eines Relativsatzes an einen bergeordneten Ausdruck
knnen im Deutschen Einheiten verschiedener Wortarten erfllen. Gemeinsam ist diesen
Relativ-Elementen die Funktion der Reorientierung auf einen zuvor verbalisierten
Redegegenstand mit gleichzeitigem Anschluss einer Proposition.
Die mit den Relativ-Elementen angeschlossene Proposition dient der Klarstellung des
Gegenstands (restriktiver Relativsatz), bringt darber zustzliche Informationen (appositiver
Relativsatz) oder fhrt die Vorgngerproposition thematisch weiter (weiterfhrender
Relativsatz).
Beispiele:
restriktiver Relativsatz: Kennen Sie die Frau, die das geschrieben hat?
Wir reden immer von der Kritik oder wir reden nur von den Leuten, die meinen, die Kritik bestimmen zu
knnen.
[Gnter Grass, Oktober 1995 in SDR3: Leute]
appositiver Relativsatz: Sie, die brigens ein Buch geschrieben hat, ist vierzig.
weiterfhrender Relativsatz: Sie schrieb einen Roman, was alle berraschte.
Relativ-Elemente kongruieren in Numerus und Genus mit dem Kopf der Nominalphrase oder
Pronominalphrase, an die der Relativsatz angeschlossen ist, whrend der Kasus
relativsatzintern bestimmt wird. Das Relativ-Element kann selbst Teil einer Nominal- oder
Prpositionalphrase sein:
das Haus, an das sie gedacht hat
das Haus, dessen Besitzer sie nicht kennt
das Haus, mit dessen Besitzer sie gesprochen hat
1. Demonstrativ-Pronomina:
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 96
2. w -Pronomina:
Die Form was wird vor allem nach dem anaphorischen Personalpronomen das , nach nominalisierten
Adjektiven und nach Indefinit-Pronomina eingesetzt: (das Wichtigste / alles / das, was wir erfahren haben ).
Die Formen wer, wen, was, wem werden zur Einleitung gegenstandsfundierter w-Stze ("freier Relativsatz")
(Wer rastet, rostet) verwendet.
3. w -Prpositionaladverbien:
nichts, wofr zu kmpfen es sich lohnen wrde
manches, womit nicht zu rechnen war
Das Kaleidoskop ist eine Rhre, worin durch mehrfache Spiegelungen immer wieder bunte, sternfrmige
Muster entstehen.
4. deiktische w -Adverbien:
Im Standarddeutschen gibt es keine blo formal markierende Relativpartikel, lediglich dialektal werden die
Formen wo und was synchron so verwendet. Als Relativ-Element hat wo standardsprachlich lokaldeiktischen
Charakter, wird aber ber die Besetzung einer im engeren Sinne 'lokalen' Stelle hinaus verwendet.
dort, wo die Zitronen blhn
die Art und Weise, wie das vor sich geht
so eine Sache, bei der / wo unklar ist, wer sie vertritt
Deutschland, *in dem / wo ich lebe
der Mann, wo mich gefragt hat (Nicht-Standard)
Interaktive Einheiten
Interaktive Einheiten im berblick
Interjektionen
Interjektionen fungieren im Diskurs als funktional selbstndige Einheiten der Interaktion, mit
denen der Gesprchspartner unmittelbar gelenkt oder ber Emotionen des Sprechers
informiert werden kann. Die Gesprchssteuerung kann sich auf die laufende
Handlungskoordination und Wissensorganisation erstrecken.
Interjektionen sind nur sehr eingeschrnkt mit Phrasen oder Stzen kombinierbar (ach Hans,
Skript zur Ruhrmeisterschaft Grammatik 97
na komm schon) .
au, hm, oh, ach, h, ih, pst, na, oi, oh, naja, oho, mhm, aua, eiei, tja,ne, gell, ah, h...
Uiii, das wird schwer werden!
[Harry Rowohlt, 1998 SWR 1: Leute]
hm, wir haben das geahnt, dass das passieren wrde.
[Wolf von Lojewski , 1995 in SDR 3: Leute]
Ach ich wrd ' mir auch an Rockkonzert anhren oder wrde in die, in die, nicht in die Premiere, sondern in
die fnfte Auffhrung der Volksbhne in Berlin gehen wollen.
[Jens Reich, 1994 in SDR 3: Leute]
Also als Fensterputzer hier am Fernsehturm wr' ich vllig ungeeignet. Da wrd' 'zerscht der Eimer
runterfallen, dann ich.
[Manfred Rommel, 1996 in SDR 3: Leute]
Richtige Klamotten? - Ich bin Damenschneiderin geworden. - Ja? - Also, wre ich geworden, wenn ich's
zuende gemacht htte.
Responsive
Responsive knnen im Unterschied zu den traditionellen Wortarten als selbstndige und
vollstndige Einheiten der Kommunikation (als kommunikative Minimaleinheiten) fungieren
und ein Handlungssequenz durch eine erwartbare Reaktion abschlieen (Antwort auf eine
Frage, Annahme eines Angebots etc.). Sie sind nicht in einen Satz integrierbar und nur
minimal ausbaufhig (ganz genau, ja gut) . Sie haben selbst keinen propositionalen Gehalt
(drcken keine Proposition aus), sondern beziehen sich auf kontextuell vorhergehende
sprachliche Einheiten wie z.B. Fragen.