AbFall Wirtschaft
AbFall Wirtschaft
Abfallwirtschaft
Abfallwirtschaft
Handbuch fr Praxis und Lehre
Dritte, neubearbeitete Auflage
'Springer
ISBN 978-3-662-05569-4
ISBN 978-3-662-05568-7 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-662-05568-7
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vergtungspflichtig. Zuwiderhandlungen unterliegen den Strafbestimmungen des Urheberrechtsgesetzes.
Springer-VerlagBerlin Heidelberg 1990,1993, and2000
Geleitwort
Inzwischen ist dieses Werk ein Klassiker. Nach der ersten Auflage 1990 und der
zweiten Auflage 1993, einer englischen Version 1994 und einer japanischen Ausgabe 1996 erscheint nun die dritte deutschsprachige Auflage.
Das Buch trgt der vernderten politischen, Gesetzes- und Wirtschaftslage
Rechnung. Die durch das Kreislaufwirtschaftsgesetz angestoenen Vernderungen
haben sich nachhaltig - und nicht nur positiv - auf das abfallwirtschaftliche Geschehen ausgewirkt. Neben kologischen und technischen Gesichtspunkten treten
konomische Einflsse immer strker in den Vordergrund. Die Geltung des Ordnungsrechts wird von Einflssen des Wirtschaftsrechts berlagert.
Entsprechend der Vorgaben des Kreislaufwirtschaftsgesetzes wird die Produktverantwortung von der Industrie zunehmend durch Vermeidungs- und Verminderungsstrategien wahrgenommen. Allerdings darf das Abfallvermeidungspotential
nicht berschtzt werden. Fachleute rechnen mit mglichen Abfallverminderungen im Bereich von zwei bis fnf Prozent.
Um so mehr Bedeutung kommt der Verwertung zu.
Nach der Verpackungsverordnung wurden weitere Verordnungen angekndigt
und zum Teil auch erlassen. Zielvereinbarungen zwischen Regierung und Vertretern der Wirtschaft sind weitere Instrumente zur Verstrkung der Verwertungsbemhungen. Allerdings ist inzwischen auch der Verwertungsmibrauch - volkstmlich kodumping genannt - immer hufiger Tagesgeschehen. Daher wird
wieder ber die Verstrkung des Ordnungsrechts diskutiert. Grund fr die wenig
eindeutige, den Mibrauch geradezu herausfordernde Gesetzeslage sind die hastig
formulierten, gegenstzliche Interessen notdrftig berdeckenden Formulierungen
im Gesetz, die im Sande der politischen Ziellosigkeit sich verlaufenden Bemhungen um przise und praktikable Abgrenzung der Verwertung in ihren vielfltigen Spielarten von der Beseitigung, aber auch das an umweltpolitischen Themen
reduzierte ffentliche Interesse.
Auch die Situation in der Abfallbeseitigung hat sich erheblich gendert. Das
Deponieren unbehandelter Abflle wird in Deutschland ab dem l. Juni 2005 nicht
mehr erlaubt sein, sofern diese Bestimmung der Technischen Anleitung Siedlungsabfall nicht trotz offizieller Beteuerungen aufgeweicht wird. Bei der Restabfallvorbehandlung konkurrieren mechanisch-biologische Verfahren mit der thermischen Abfallbehandlung. Immerhin werden in Deutschland schon mehr als eine
Million Tonnen Restabflle jhrlich mechanisch-biologisch behandelt. Noch ist
die mechanisch-biologische Behandlung nicht Stand der Technik, Umweltschutzmanahmen und technische Standards werden fr Behandlung, Verwertung der
heizwertreichen Fraktion sowie Deponierung der Rottefraktion zur Zeit definiert.
Daher kann der mechanisch-biologischen Behandlung mit ihren unterschiedlichen
VI
Geleitwort
Danksagung
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
XI
XII
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
XIII
XIV
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
xv
XVI
Inhaltsverzeichnis
1.1
Geschichte der Abfallwirtschaft
Schon ca. 8000 bis 9000 Jahre vor unserer Zeitrechnung haben Menschen gelernt,
ihre Abflle auerhalb der Ansiedlungen abzulagern. Es handelte sich dabei
sowohl um Speisereste wie Muschelschalen und Knochen als auch um zerstrte
Haushaltsgegenstnde wie Tonscherben. Es ist zu vermuten, da die Menschen
diese Abfallpltze anlegten, um der Belstigung durch Ungeziefer, Gestank und
wilde Tiere zu entgehen.
Im Altertum wurden die Abflle in vielen Stdten des europischen und asiatischen Raumes z.B. in Tonvasen gesammelt und abtransportiert. In verschiedenen
anderen Gebieten wurden Gruben fr die Sammlung der Abflle und Fkalien
angelegt, die nach einiger Zeit geleert und gereinigt wurden. Auch Vorschriften
(320 v. Chr. Athen) fr die tgliche Straenreinigung durch die Anlieger sind aus
dieser Zeit berliefert, obwohl zu diesem Zeitpunkt der Zusammenhang zwischen
Hygiene und den Geieln der Menschheit wie Pest, Pocken und Cholera etc. noch
nicht bekannt war.
In Athen muten Abfuhrunternehmen den Straenmll und Fkalien mindestens
2 km auerhalb der Stadtmauem ablagern [1.28].
Die rzte, wie z.B. der griech. Gelehrte Hippokrates (um 400 v. Chr.) und der
arabische Arzt Avicenna (Ibn Sina, 1000 n. Chr.), ahnten als erste einen Zusammenhang zwischen Hygiene, schlechtem Wasser und verdorbenen Lebensmitteln
sowie Seuchen.
Der rmische Kaiser Dom)tian (81-96 n. Chr.) lie regelrecht Jagd auf Ungeziefer machen, da seine Berater erkannten, da mit abnehmender Stadthygiene die
Population an Lusen, Wanzen, Ratten etc. zunahm. Kaiser Vespasian (69-79 n.
Chr.) lie ffentlich irdene Urintpfe aufstellen und deren Wchter mit einer Urinsteuer belegen, "Pecunia non olet".
Rom verfilgte 300 n. Chr. ber 144 ffentliche Bedrfnisanstalten mit darunter
flieendem Wasser [1.28].
Trotz allem beutelten die Seuchen die Menschheit, lieen Kulturen untergehen
und entvlkerten ganze Landstriche.
Mit dem Untergang des Rmischen Reiches und den Wirren der Vlkerwanderung ging das Wissen um die Kulturtechnik und die ersten Hygienetechniken des
Altertums fr fast 1000 Jahre verloren. Bis in das letzte Jahrhundert hinein wurden
Straen, Flsse und das Grundwasser durch die Abflle und Fkalien von Menschen und Tieren verschmutzt.
Im 6. Jahrhundert wie im 14. Jahrhundert wteten die Seuchenzge in dem dichtbesiedelten Europa, denen ca. l/3 der Bevlkerung (25 Mio. Menschen) in wenigen Jahren (1347- 1352) zum Opfer fielen [1.28].
Erst im 15. Jahrhundert wurden auf Anweisung der Ratsversammlungen der
Stdte Straen gepflastert, so da niemand mehr im Kot und Abfallschlamm versinken mute. Stadtluft machte nicht nur frei, sondern stank auch zum Himmel.
Den Brgern wurde bei hohen Strafen uerste Sauberkeit verordnet. Deshalb
wurden Abfallsammelbehlter eingefiihrt, die Straen regelmig gereinigt und
Tierleichen eingesammelt sowie die Habe von Pesttoten verbrannt.
Der Durchbruch wurde zwischen 1850 und 1890 durch die rzte und Wissenschaftler lgnaz Semmelwei, Sanitrrat Thilenius, Louis Pasteur und Robert Koch
erreicht, die erstmals Bakterien und Viren als Krankheitserreger und deren Verbreitungspfade in Abhngigkeit zur Hygiene nachwiesen.
Im 19. Jahrhundert gab es allein in Preuen in den Jahren von 1831 bis 1873
bei neun Choleraepidemien etwa 380 000 Tote [1.1]. Der Zusammenhang zwischen Hygiene und Sterblichkeit war erkannt und damit der notwendige naturwissenschaftliche Hintergrund den Zweiflern entgegengesetzt. Die Forderung
nach Wasser- und Klrwerken, luftigen Wohnungen, sorgsamer Lebensmittelberwachung und ffentlicher Gesundheitsvorsorge wurde gegenber den Stadtrten lauter. Ingenieure und Techniker waren nun gefordert, Technologien zu entwickeln, die diesen Problemen Abhilfe schaffen sollten. Dies fiihrte in England
1876 unter anderem zum Bau der ersten Mllverbrennungsanlage.
Besonders deutlich wurden diese Erfordernisse 1892 in Hamburg, als ca. 9 000
Menschen der Cholera (Schmutzwasserseuche) zum Opfer fielen. Die Hamburger
"Stadtwasserkunst" pumpte abfall- und fiikalienverunreinigtes Elbwasser in die
Leitungen der Stadt und frderte damals die Seuchenausbreitung. Das preuische
Altona und Wandsbeck, mit jeweils einem eigenen Wassernetz mit Reinigungsstufen, blieb neben den "stark durchseuchten" Vierteln St. Pauli und Bimsbttel
von der Krankheit verschont. Ein Wasserwerk mit Sandfilter htte die Ratsherren
damals ca. 22 Mio. Gold-Mark gekostet, die Cholera jedoch forderte 430 Mio.
Gold-Mark als Tribut [1.28].
1893 wurde der Hamburger Senat durch die Bevlkerung des Umlandes, die die
Unterbringung des von der Cholera verseuchten Abfalls der Stadt verweigerte,
gezwungen, die erste Mllverbrennungsanlage im Deutschen Reich zu bauen und
zu betreiben. Beim Betrieb der Hamburger Mllverbrennungsanlage, an dessen
Planung englische Experten beteiligt waren, zeigten sich zu Beginn erhebliche
Probleme. Diese rhrten daher, da die Hamburger Anlage angelehnt an die Mllverbrennungsanlage in England konzipiert wurde, sich die Hamburger Hausmllzusammensetzung jedoch erheblich von der englischen unterschied [1.9].
Der essentielle Zusammenhang zwischen Umwelthygiene und lebensbedrohenden Krankheiten lt sich auch heute noch deutlich in Entwicklungslndern
nachvollziehen. berall dort, wo die Flsse als Abfall- und Fkalienpfade dienen,
wo Menschen auf Mlldeponien aus Armut ihr Auskommen suchen, wo eine Abfallentsorgung, Wasser- und Abwasserorganisation aus Grnden von Katastrophen,
Kriegen und Unterentwicklung nicht mglich ist, fmden selbst 1999 Seuchen ihre
nahezu unbegrenzbare Ausbreitung.
Um die Jahrhundertwende wurde neben der Energienutzung aus der Mllverbrennung erstmalig das Recycling von Wertstoffen aus Hausmll eingefiihrt.
Die erste Handsortieranlage der USA wurde 1898 in New York City gebaut, die
den Abfall von 116 000 Einwohnern entsorgte. Dabei wurden 37 Gew.-% des
Inputs als Wertstoffwiedergewonnen [1.2). Auch in Deutschland wurden zu dieser
Zeit Handsortieranlagen in Berlin-Charlottenburg, Harnburg und Mnchen betrieben. Mit einer Kombination von Siebtrommeln und Frderbndern konnte z.B. die
Sortieranlage in Mnchen 300 Mg Abfall pro Tag verarbeiten.
Die moderne Abfallwirtschaft in Deutschland begann Mitte der sechziger Jahre.
Die Bundesregierung hatte mittlerweile die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen, um die Stdte und Gemeinden als Abfallbeseitigungspflichtige mit entsprechender Strafandrohung zu bestinunen. Im Oktober 1965 wurde die "Zentralstelle
ftlr Abfallbeseitigung" beim Bundesgesundheitsamt in Berlin von Bund und Lndern gegrndet. Aktuelle Fragen der Abfallbeseitigung wurden in Expertenrunden
errtert und in entsprechenden Merkblttern schriftlich festgehalten. Diese Merkbltter dienen den Beseitigungspflichtigen seitdem als Grundlage ihrer Arbeit.
In Folge des enormen Wirtschaftswachstums hatte sich das Mllaufkommen
Anfang der siebziger Jahre bereits zu einer "Mllawine" [1.13] entwickelt, wofllr
die Steigerung der industriellen Produktion und des privaten Konsums mageblich
verantwortlich waren.
Die Produktion und der Verbrauch von Gtern in einem Gewinnungs-, Fertigungs-, Veredelungs- und Dienstleistungsproze zeichnet sich u.a. dadurch aus,
da neben dem eigentlichen Produkt zwangslufig Nebenprodukte und
-Ieistungen entstehen. Die Grnde ftlr die Entstehung solcher Nebenleistungen
bzw. -produkte sind vielfltig und resultieren aus verfahrenstechnisch bedingten
Zusammenhngen [1.6].
Der Verbrauch von Gtern in Haushalten hielt in den letzten Jahren mit der gestiegenen Prosperitt Schritt. Seitdem quantitative und qualitative Bedrfnisse
erfllt sind, spielen zunehmend tertire Kaufinotivationen eine entscheidende
Rolle, was einer der Grnde ftlr den Anstieg der Hausmllmengen ist. Tertire
Kaufinotivationen sind z.B. das Design des Produktes, welches unter Umstnden
durch eine aufwendige Verpackung erzielt wird, oder die Bequemlichkeit beim
Konsum, die die Verwendung von Wegwerfverpackungen und -produkten begnstigt.
Die Abfallentsorgung in der Bundesrepublik stand in diesen Jahren in erster Linie vor der Bewltigung des Massenproblems.
Die Abfiille wurden bis Ende der sechziger Jahre auf einer Vielzahl von kleinen
Kippen lediglich abgelagert, so da noch 1972 die im Laufe des Jahres angefallene
Hausmllmenge nur grob auf 9 bis 18 Mio. Mg geschtzt werden konnte [1.13].
Neben den ca. 50 000 Ablagerungspltzen wurden ungefhr 130 geordnete Deponien, 16 Kompostwerke und 30 Verbrennungsanlagen betrieben, die nur ungefiihr
37% des Hausmlls ansatzweise umweltgerecht entsorgen konnten. Als vordringliches Ziel wurde daher die Schlieung einer Vielzahl kleiner Mllkippen erklrt
[1.12, 1.14] und die Einfhrung geordneter Entsorgungsanlagen gefordert. Die
Umweltproblematik der geforderten Beseitigungsverfahren war jedoch bereits
bekannt (Grundwassergefiihrdung und Gasemissionen durch Deponien, Schadgas-
Anforderungen, wie z.B. der systematische Rckbau von Gebuden und die Optimierung des Baustellenbetriebes zur Frderung des Bauschuttrecyclings.
Fr die sog. Sonderabflle stellt sich die Abfallbeseitigungssituation hnlich
wie bei den Abfllen aus Haushaltungen dar. So ermittelte das Umweltbundesamt
1987, da jhrlich ca. 1 Mio. Mg Sonderabflle in nicht geeigneten Anlagen bzw.
im Ausland entsorgt werden. Whrend Verbrennungskapazitten fiir die 1987
angefallenen 1,8 Mio. Mg fehlten [1.10] sind die 28 Sonderabfallverbrennungsanlagen zur Zeit nicht ausgelastet, da kostengnstigere Entsorgungssysteme entwikkelt wurden oder die Abflle auch in den zweifelhaften Bergversatz gehen. Ein
Schwerpunkt der TA Abfall ist deshalb die Neuregelung der Sonderabfallentsorgung. Auch bei den Sonderabfllen wirken sich die Ziele der Vermeidung und
Verwertung aus. Zunehmend sind die Anstze zur Abfallreduzierung im industriellen Bereich zu erkennen, da sich die Industrie einem verstrkten Druck seitens
der Gesetzgebung, der Entsorgungskosten und -kapazitten und zum Schutz der
betrieblichen Substanz gegenber sieht.
Ein junger stark mit der Abfallwirtschaft verknpfter Bereich ist seit Anfang der
achtziger Jahre die Altlastensanierung. Etliche Altlasten wurden insbesondere in
der Vergangenheit durch mangelhaften bzw. unverantwortlichen Umgang mit
gefhrlichen Stoffen verursacht. Dieser Bereich rckt wieder mehr in den Hintergrund und steht aufgrund der hohen Kosten nicht mehr im Mittelpunkt der Abfallwirtschaft.
Nach Abschlu der Erhebung von Altlastenverdachtsflchen, gegliedert in
Altablagerungen und Altstandorte, ergaben sich fiir die alten Bundeslnder fiir
1992 rund 80 000 Verdachtsflchen. In den neuen Bundeslndern mssen mit
Stand 1996 rund 60 000 Verdachtsflchen hinzugerechnet werden. Der gewaltige
Sicherungs- und Sanierungsaufwand wird die Abfallwirtschaft bis weit ber das
Jahr 2000 beschftigen.
1.2
Umweltpolitische Prinzipien und Manahmen
1.2.1
Grundzge
Die Ziele und Prinzipien der Umweltpolitik mssen durch eine Regierung mit
Hilfe von entsprechenden umweltpolitischen Instrumenten in die Praxis umgesetzt
werden. Ziel der umweltpolitischen Instrumente ist es, die kologischen Schden
bei Produktion und Konsum von Gtern zu vermeiden, zu verringern oder nachtrglich zu beseitigen.
Umweltpolitik und Umweltrecht basieren auf folgenden drei Prinzipien:
- Vorsorgeprinzip,
- Verursacherprinzip,
- Kooperationsprinzip.
Das Vorsorgeprinzip ist das inhaltliche Leitbild der Umweltpolitik. Durch den
frhzeitigen Einsatz entsprechender Manahmen sollen vorbeugend Gefahren fiir
den Menschen und mgliche Umweltbelastungen abgewehrt werden [1.8].
1.2.2
Umweltpolitische Instrumente
Als umweltpolitische Instrumente nach dem Verursacherprinzip knnen vor allem
unterschieden werden [1.5]:
1. Umweltabgaben,
2. Umweltlizenzen,
3. freiwillige Instrumente,
4. Kooperationslsungen fiir Branchen,
5. Umweltauflagen,
6. umweltbewute staatliche Beschaffungspolitik,
7. Umweltsteuern.
Die umweltpolitischen Instrumente nach dem Gemeinlastprinzip sind [1.5]:
1. direkter und indirekter staatlicher Umweltschutz mittels Steuerfinanzierung,
2. Subventionen fiir den Verzicht aufUmweltschdigungen,
3. Umweltsubventionen zur Frderung umweltfreundlicher Produktionsverfahren,
Produkte und Einsatzstoffe,
4. staatliche Frderung der umwelttechnischen Innovation,
5. ffentliche Ausgaben zur nachtrglichen Beseitigung von Umweltschden.
Umweltauflagen
nicht
fiskalische
Instrumente
Umweltpolitik
mit ffentlichen
Ausgaben
Umweltpolitik
mit ffentlichen
Einnahmen
---E
Umweltlizenzen
Umweltabgaben
Umweltsteuern
Bild 1.1. Gesamtberblick ber die umweltpolitischen Instrumente, umgearbeitet nach [1.5]
I0
2. leistende Manahmen, die von ffentlichen Einrichtungen, Frderungen, Beratungen oder Ersatzleistungen ausgehen,
3. planende Manahmen auf Grundlage von Programmen.
1.3
Rechtliche Grundlagen
Mit den bislang angefhrten Manahmen knnen die umweltpolitischen Ziele
jedoch weder verbindlich festgelegt, noch Zielkonflikte entschieden werden. Ihre
Verbindlichkeit wird erst durch eine rechtliche Verankerung bewirkt.
1.3.1
Allgemeines
11
1.3.2
12
berwachungsbedrftige
besonders
berwachungsbedrftige
fakultatives
Nachweisverfahren
42,45
obligatorisches
Nachweisverfahren
43,46
nicht
berwachungsbedrftige
Bild 1.2. Die Einteilung der Abililie und deren berwachung [1.22]
Abflle - - - -
Die Anhnge veranschaulichen den Abfallbegriff und die beider Entsorgungswege. Anhang II zhlt die Beseitigungs- bzw. Verwertungsverfahren erschpfend
auf. Die dort nicht genannten Verfahren sind auch keine Beseitigung bzw. Verwertung im Sinne des KrW-/AbfG.
Alle Abfillle zur Beseitigung sind berwachungsbedrftig. Einige, im allgemeinen Sprachgebrauch als "Sonderabfillle" bezeichnet, tauchen als Begriff weder
im Gesetz noch in sonstigen Rechtsvorschriften auf, besonders bestimmte werden
als besonders berwachungsbedrftige Abfillle bezeichnet.
Besonders berwachungsbedrftige Abfillle werden in besonderen Rechtsverordnungen bestimmt ( 3 Abs. 8). Abfillle zur Beseitigung nach 41 Abs. l und
Abfillle zur Verwertung nach 41 Abs. 3 Nr. l gehren dazu. Sie stammen aus
gewerblichen oder sonstigen wirtschaftlichen Unternehmen oder ffentlichen Einrichtungen und sind nach Art, Beschaffenheit oder Menge in besonderem Mae
- gesundheits-,
- Iuft- oder
- wassergefilhrdend,
- explosibel oder
- brennbar,
- enthalten Erreger bertragbarer Krankheiten oder
- knnen derartige Erreger hervorbringen.
13
[Link]
Grundstze der Kreislaufwirtschaft
Abfallbeseitigung
deponieren oder thermisch behandeln( 10- 14)
bessere umweltvertrgliche Verwertungsart hat im Verhltnis zu der anderen Vorrang( 6 Abs. 1 Satz 2) [1.22].
Drei verschiedene Manahmen zur Abfallvenneidung werden in 4 Abs. 2 benannt:
1. Die anlageninterne Kreislauffiihrung von Stoffen, die als Vor-, Zwischen- und
Nebenprodukte anfallen, werden als Abfallvenneidung bezeichnet. Damit wird
die Venneidung und Verwertung von Abfall rechtlich gleich behandelt, wenn
es anlagenintern geschieht. Die berwachung der anlageninternen Verwertungs- und Venneidungsmanahme wird der fr den Vollzug des BlmSchG zustndigen Behrde bertragen.
2. Die Produktverantwortung, die in den 22-26 die abfallanne Produktgestaltung nher bestimmen.
3. Das Konsumverhalten der Brger, das zu lenken und zu bewerten das KrW/AbfG weiteren Rechtsverordnungen berlt [1.22].
Die unter 1. und 2. genannten Vorkehrungen zur Venneidung von Abtallen und
auch die Manahmen zur Verwertung sind gem der 19,20 von den Anlagenbetreibern in Abfallwirtschaftskonzepten und Abfallbilanzen darzustellen, erstmals
bis zum 31.12.1999 fr die nchsten 5 Jahre.
Das KrW-/AbfG definiert drei Fonnen der stofflichen Verwertung in 4 Abs. 3
Satz 1 [1.22]:
14
1. Die Substitution von Rohstoffen durch das Gewinnen der Rohstoffe aus Abfllen (z. B. Kupfer aus Kabelresten).
2. Die Nutzung der stofflichen Eigenschaften der Abflle fiir den ursprnglichen
Zweck (z. B. Zweitraffinat aus Altl).
3. Die Nutzung der stofflichen Eigenschaften der Abflle fiir andere Zwecke
(z.B. Kompost als Bodenverbesserer).
Das Gesetz unterscheidet deutlich zwischen einer energetischen Verwertung und
einer thermischen Behandlung von Abfllen. Fr Abflle, die fiir eine energetische
Nutzung besonders geeignet sind, werden die Kriterien Mindestheizwert !Hu =
11.000 kJ/kg) und ein Feuerungswirkungsgrad von mindestens 75 % durch die
Nutzung der entstehenden Wrme vorgegeben. BRAM ist damit Ersatzbrennstoff
und kann fiir die energetische Nutzung eingesetzt werden.
Die klassische Abfallverbrennung erfiillt die Kriterien fiir eine energetische
Verwertung in der Regel nicht, auch wenn die Energie genutzt wird. Sie ist ein
Verfahren zur Vorbehandlung nicht verwertbarer Abflle.
Die Unterscheidungskriterien fiir die energetische Verwertung von einer thermischen Behandlung ist ingenieurwissenschaftlich nicht plausibel, sondern eine
politische Entscheidung. Seit den 70er Jahren wurde der Abfallverbrennung die
thermische Verwertung zugesprochen, sobald die erzeugte Wrme direkt genutzt
oder zu Strom umgewandelt wurde. Unsere Nachbarlnder wie die Schweiz und
sterreich haben diese Auffassung in ihrer Gesetzgebung beibehalten.
[Link]
berlassungspflichten
13 Krw-/AbfD begrndet eine allgemeine berlassungspflicht nur fiir Haushaltsahflle und Abflle zur Beseitigung aus anderen Herkunftsbereichen an den
ffentlich-rechtlichen Entsorgungstrger. Die Ausnahme der grundstzlichen
berlassungspflicht sind zu sehen bei
- Verwertungsmglichkeiten,
- Eigenentsorgung,
- bertragung der Entsorgungspflicht auf Dritte,
- Bildung von Entsorgungsverbnden,
- Wahrnehmung der Entsorgung bei Kammern,
- rcknahmepflichtigen Abfllen,
- gemeinntzigen Sammlungen,
- und bei gewerblichen Sammlungen.
Zur Sicherstellung einer umweltvertrglichen Beseitigung drfen die Lnder nach
13 Abs. 4 besondere Andienungs- und berlassungspflichten begrnden. Dies
gilt im besonderen fiir besonders berwachungsbedrftige Abflle zur Beseitigung,
die uneingeschrnkt den landesoffiziellen Sonderabfallgesellschaften angedient
bzw. berlassen werden mssen.
15
[Link]
Strafandrohung
Der Vollzug eines jeden Gesetzes hngt nicht nur von der Rechtskenntnis und
Selbstkontrolle der Betroffenen ab, sondern auch von der Ausstattung mit wirksamen privatrechtliehen und strafrechtlichen Sanktionen. Neben 61/66KrW-/
AbfG, der die Ordnungswidrigkeiten in bezug auf das KrW-/AbfG regelt, findet
zustzlich das Strafgesetzbuch Anwendung.
1.3.3
1.3.4
16
Beide Technischen Anleitungen gelten bis zu einer Anpassung an das Kreislaufwirtschaftsgesetz weiter.
Neben anlagenbezogenen Festlegungen, die die Anforderungen nach dem Stand
der Technik an die Ausfiihrung von Abfallbehandlungsanlagen regeln, enthlt die
TA Siedlungsabfall gemeine Anforderungen an die stoffliche Verwertung und
Schadstoffentfrachtung und trifft dabei namentlich Aussagen ber die Getrennthaltung und Getrenntsammlung unterschiedlicher Abfallarten.
Bei den Regelungen ber die Zuordnung von Abfllen zu den verschiedenen
Entsorgungsverfahren ist die Aussage von besonderer Bedeutung , da Abflle nur
dann der Deponie zugeordnet werden drfen, wenn sie nicht verwertet werden
knnen und bestimmte Zuordnungskriterien eingehalten werden. Dabei werden
zwei verschiedene Deponieklassen defmiert (s. Kap. [Link] Tab. 4.4).
Die Konsequenz ist, da alle Siedlungsabflle, die immer deutlich hhere Gehalte an organischer Substanz als 3 % (Klasse I) oder 5 % (Klasse II) aufweisen,
nicht mehr ohne Vorbehandlung abgelagert werden drfen. Diese Werte werden
derzeit nur durch eine thermische Vorbehandlung - also durch Abfallverbrennung
-erreicht.
Die Frage, ob und unter welchen Umstnden Rckstnden aus biologisch-mechanischen Behandlungsverfahren ausnahmsweise oder uneingeschrnkt die Zulassung zur Ablagerung erteilt werden kann, entschied die Bundesregierung in ihrem
im Januar 1996 vom Bundeskabinett beschlossenen Bericht zur Bewertung der
Ablagerung der Rckstnde aus der mechanisch-biologischen Vorbehandlung. Es
wird darauf hingewiesen, da unter dem Gesichtspunkt der Str- und Schadstoffabtrennung eine ausschlieliche mechanisch-biologische Vorbehandlung nicht
zielfUhrend ist. Insofern bedarf eine mechanisch-biologische Restabfallbehandlung
(MBR) der Ergnzung durch eine thermische Behandlung.
1.3.5
filhrt. Wer Erzeugnisse entwickelt, herstellt, be- und verarbeitet oder vertreibt,
trgt dafiir die Sorge, da sowohl bei der Herstellung als auch beim Gebrauch das
Entstehen von Abfllen mglichst vermieden wird. Die Erzeugnisse mssen
- mehrfach verwendbar,
- technisch langlebig,
- nach Gebrauch stoffiich und energetisch verwertbar sein.
Entsprechende Kennzeichnung und Hinweise auf Rckgabe-, Wiederverwendungsund Verwertungsmglichkeiten sowie die tatschliche Rcknahme nach Gebrauch
sollen gewhrleistet werden.
Zur Umsetzung der Produktverantwortung nach 22 ist die Bundesregierung
nach 23 KrW-/AbfG ermchtigt, Rechtsverordnungen hinsichtlich
- Beschrnkung und Verboten fiir bestimmte Erzeugnisse,
- Kennzeichnungspflicht von Produkten,
- Beschrnkungen in der Beschaffenheit und Verwendung,
- Rcknahme- und Pfandpflichten
zu erlassen.
17
ordnung erlassen und am 24.6.1998 gendert worden, in deren Folge das "Duale
System" entstand (vgl. Kap. 2.2.3, 3.2.1, 5.3.1), oder die Altlverordnung vom
27.10.1987, die Verordnung ber die Entsorgung gebrauchter halogenierter Lsemittel vom 23.10.1989 oder die Pfandverordnung fr Kunststoffgetrnkeverpackungen vom 20.12.1988.
Die Verpackungsverordnung verpflichtet z.B. Hersteller und Vertreiber von
Produkten, die Transport-, Um- und Verkaufsverpackungen stufenweise zurckzunehmen und zu verwerten. Fr bestinunte Verpackungen ist darber hinaus ein
Zwangspfand definiert.
Von der Rcknahmepflicht kann fr Verkaufsverpackungen eine Befreiung beantragt werden (Freistellungserklrung), sofern ein von der ffentlichen Abfallentsorgung unabhngiges und leistungsfiihiges Erfassungs- und Verwertungssystem nachgewiesen wird. Dieser Nachweis wurde vorlufig von der Dualen
System Deutschland (DSD) GmbH erbracht.
Weitere Verordnungen zur Umsetzung der Produktverantwortung sind fr folgende Bereiche umgesetzt:
- Altautoverordnung vom 4.7.1997,
- Batterieverordnung vom 3.4.1998,
- Bioabfallverordnung vom 6.11.1997,
- Elektronikschrottverordnung vom 18.6.1998,
- Klrschlammverordnung vom 15.4.1992.
1.3.6
Zulassung von Abfallbehandlungsanlagen
Die Errichtung und der Betrieb von Anlagen, in denen Abtlilie behandelt oder
entsorgt werden, unterliegt der Genehmigungspflicht
Durch lokrafttreten des Investitionserleichterungs- und Wohnbaulandgesetzes
vom April 1993 wurde jedoch diese Genehmigungspflicht fr alle Anlagenarten
mit Ausnahme von Deponien aus dem Abfallgesetz herausgenommen und in das
Bundes-Immissionschutzgesetz (BimSchG) verlagert. Der Grund dafr ist in den
sehr hohen Anforderungen und weitgehenden Einspruchsmglichkeiten des Genehmigungsverfahrens nach Abfallrecht (Planfeststellungsverfahren) zu suchen.
Dies hatte in der Vergangenheit dazu gefhrt, da Genehmigungsverfahren z.B. fr
Verbrennungsanlagen oder Deponien nicht selten 8 Jahre dauerten.
Das Planfeststellungsverfahren nach 34 KrW -/AbfG vollzieht sich in folgenden Stufen:
- Antragstellung,
- Prfung bei der Behrde,
- ffentliche Auslegung der Unterlagen,
- Einspruchsfrist,
- Errterungstermin,
- Prfung der Einwendungen durch die Behrde,
- Antragsbescheidung (Planfeststellungsbeschlu oder Ablehnung),
- Mglichkeit zum Einlegen von Rechtsmitteln.
18
19
- eine interdisziplinre Betrachtung (Wechselwirkungen) - ein Ansatz, das Einwirken mehrerer Einflsse auf die Schutzgter zu erfassen und zu bewerten
in das Blickfeld der Vorhabenstrger und der Genehmigungsbehrden.
Die UVP ist als unselbstndiger Teil verwaltungsbehrdlicher Verfahren angelegt, die der Entscheidung ber die Zulssigkeit von Vorhaben dienen.
Als Vorhaben werden neben der Errichtung von Abfallbehandlungsanlagen
auch Planungen (z.B. Abfallwirtschaftskonzepte) untersucht, bei denen im Rahmen
der Projekt-UVP technische Alternativen abgewogen werden, bei denen die Mglichkeit besteht, in der Plan-UVP unterschiedliche Konzepte zu betrachten.
1.3.8
Untergesetzliches Regelwerk zum Kreislaufwirtschaftsund Abfallgesetz
20
[Link]
Die Bundesregierung hat von allen drei Ermchtigungen des 41 Gebrauch gemacht und alle vom Kreislaufwirtschaftsgesetz vorgegebenen berwachungsstufen
defmiert.
Die Verordnung zur Bestimmung von besonders berwachungsbedrftigen Abfllen [ 1.25] bestimmt sowohl die besonders berwachungsbedrftigen Abililie zur
Verwertung als auch zur Beseitigung; sie differenziert nicht zwischen Verwertung
und Beseitigung, sondern bestimmt die Abfallarten einheitlich.
Bei der Bestimmung der besonders berwachungsbedrftigen Abtalle war aufgrund der Vorgaben der Europischen Gemeinschaft das Verzeichnis gefhrlicher
Abflle umzusetzen. Dieses Verzeichnis stellte den Mindestumfang der zu bestimmenden besonders berwachungsbedrftigen Abflle dar. Dieses Verzeichnis
wird als Anlage I und damit als eine Teilmenge der besonders berwachungsbedrftigen Abflle vollstndig bernommen.
Darber hinaus enthlt die Verordnung 18 weitere Abfallarten in Anlage 2, die
unter Bercksichtigung der in 41 Abs. I KrW-/AbfG aufgefhrten Kriterien und
damit unter Bercksichtigung der spezifischen nationalen Gegebenheiten als besonders berwachungsbedrftig eingestuft werden mssen.
Die Bestimmung der berwachungsbedrftigen Abtalle zur Verwertung [1.26]
erfolgte unter Bercksichtigung von Erkenntnissen, die die zustndigen Lnderbehrden im Rahmen ihrer Vollzugsaufgaben gesammelt haben. Hierzu zhlen
insbesondere solche Abflle, die nach 41 Abstze I und 3 Nr. I nicht besonders
berwachungsbedrftig sind.
In der Anlage der Verordnung sind insgesamt 79 Abfallarten aufgelistet, die den
genannten Kriterien entsprechen. Die Verordnung trat am 1.1.1999 in Kraft.
21
[Link]
Verordnung ber Verwertungs- und Beseitigungsnachweise
(Nachweisverordnung- NachwV)
Die 42 bis 47 KrW-/AbfG regeln die formalisierte berwachung der Abfallentsorgung durch die Fhrung von Nachweisen und Nachweisbchern sowie die
Einbehaltung und Aufbewahrung von Belegen (Nachweisverfahren). Dabei kommt
dem Nachweisverfahren die Aufgabe zu, die umweltvertrgliche Verwertung oder
Beseitigung von Abfllen sicherzustellen. Um diese Zielvorgabe zu erreichen, wird
das Nachweisverfahren grundstzlich in zwei Abschnitte unterteilt:
Die Nachweisfhrung ber die Zulssigkeit der vorgesehenen Entsorgung vor
deren Beginn (Vorabkontrolle) und die Nachweisfhrung ber die tatschlich
durchgefiihrte Entsorgung (Verbleibskontrolle ).
[Link]
Transportgenehmigungsverordnung (TgV)
Nach 49 Abs. 1 Satz 1 KrW-/AbfG drfen Abflle zur Beseitigung gewerbsmig nur mit einer Transportgenehmigung der zustndigen Behrde eingesammelt oder befrdert werden. Fr Transporte im Rahmen wirtschaftlicher Unternehmen (z.B. den Werksverkehr zwischen verschiedenen Standorten eines Unternehmens) besteht keine Genehmigungspflicht mehr. Abweichend von der bislang
geltenden Rechtslage ist die Transportgenehmigung jetzt vom konkreten Transportvorgang gelst worden; sie gilt unbefristet und bundesweit.
Die TgV konkretisiert auerdem die Anforderungen an die Fach- und Sachkunde des Einsammlers und Befrderers, regelt den Transportgenehmigungsantrag
und die vorzulegenden Unterlagen sowie die zu verwendenden Formulare.
[Link]
Verordnung ber Abfallwirtschaftskonzepte und Abfallbilanzen
22
23
1.3.9
Umwelthaftung
[Link]
Gesetz fr die Umwelthaftung (UHG)
Seit dem 1.1.991 ist das Umwelthaftungsgesetz in Kraft, durch das Setreiber umweltgefahrdender Anlagen strker in die Pflicht genommen werden sollen. Dieses
Gesetz bringt fr die betroffenen Unternehmen erhebliche rechtliche wie betriebsorganisatorische Auswirkungen mit sich. Das UHG soll vornehmlich dem Schutz
der Geschdigten dienen und vor allem die Durchsetzung berechtigter Schadensersatzansprche erleichtern. Der Verursacher soll ohne Verschulden fr bestimmte
Schden einstehen mssen, die Gefiihrdungshaftung setzt also kein vorwertbares
Handeln voraus. Dieses bedeutet, da sich die Gefiihrdungshaftung fr Umweltrisiken auch auf Schden erstreckt, die durch den rechtmigen Betrieb einer umweltgefiihrdenden Anlage verursacht werden. Die Haftung gilt fr die im Anhang
zum Gesetz aufgefiihrten Anlagentypen (Abfallentsorgungsanlagen, Gieereien,
Verbrennungsanlagen etc.). Das Gesetz findet nur bei einer Schadensverursachung
durch Umwelteinwirkung Anwendung, also dann, wenn der Schaden durch Stoffe,
Erschtterung, Gerusche, Druck oder Strahlen verursacht wird, die sich in Boden,
Luft oder Wasser ausgebreitet haben. Soweit es sich um Schden aus einer solchen
Umwelteinwirkung handelt, sieht das UHG eine Haftungshchstgrenze von 160
Mio. DM fr Sachbeschdigung und fr Personenschden vor. Der Geschdigte
mu lediglich nachweisen, da eine Anlage den entstandenen Schaden verursacht
haben kann. Dann ist der Anlagenbetreiber aufgerufen, die Eignungsvermutung
auszurumen. Die Eignungsvermutung entfiillt, wenn die Anlage bestimmungsgem betrieben wurde, d.h. da die besonderen Betriebspflichten aus Genehmigung,
vollziehbaren Anordnungen und Rechtsvorschriften beachtet worden sind [1.27].
[Link]
Die EG-ko-Audit-Verordnung
Den gestiegenen Umweltanforderungen und -haftungsrisiken kann das Unternehmen nur mit einem ganzheitlichen, d.h. einem integrierten Umweltschutzkonzept begegnen.
24
jhrliche Anpassung
von Umweltzielen,
-politik, -programm
und
-managementsystemen
l-3 Jahre
25
2 Der Abfall
2.1
Definition des Abfallbegriffes
Das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW-/AbfG) vom 27. September
1994 lst mit seinem Inkrafttreten am 7. Oktober 1996 das Abfallgesetz vom 27.
August 1986 ab und verndert die Defmition des Abfallbegriffes.
Dem Abfallgesetz nicht unterworfen sind alle die Abflle, fr die das Tierkrperbeseitigungsgesetz, Tierseuchengesetz, Pflanzenschutzgesetz, Sprengstoffgesetz oder Atomgesetz gilt oder die als Abflle aus Bergwerken anfallen, als gasfrmige Stoffe entweichen oder in Gewssern. und Abwasserbehandlungsanlagen
eingeleitet werden.
Die TA Siedlungsabfall vom 14.05.1993 enthlt folgende Begriffsbestimmungen fr Abflle:
Nicht verbrauchte Medikamente, die in haushaltsblichen
Altmedikamente
Mengen anfallen.
Bauschutt, Baustellenabflle, Bodenaushub und StraenBauabflle
aufbruch.
Mineralische Stoffe aus Bauttigkeiten, auch mit geringBauschutt
filgigen Fremdanteilen.
Baustellenabflle Nichtmineralische Stoffe aus Bauttigkeit, auch mit geringfgigen Fremdanteilen.
Im Siedlungsabfall enthaltene biologisch abbaubare nativBioabfall
und derivativ-organische Abfallanteile (z.B. organische Kchenabfiille, Gartenabflle).
Nicht kontaminiertes, natrlich gewachsenes oder bereits
Bodenaushub
verwendetes Erd- und FelsmateriaL
In abflulosen Sammelgruben und Behltern anfallende ExFkalien
kremente menschlichen Ursprungs, soweit sie nicht in Abwasseranlagen eingebracht werden.
Bei der Behandlung von Abwasser in Kleinklranlagen
Fkalschlamm
(Hausklranlagen) anfallender Schlamm.
Garten- und Park- berwiegend pflanzliche Abflle, die auf grtnerischen
Grundstcken, in ffentlichen Parkanlagen und auf Friedabfalle
hfen sowie als Straenbegleitgrn anfallen.
Abflle
hauptschlich aus privaten Haushaltungen, die von
Hausmll
den Entsorgungspflichtigen selbst oder von beauftragten
Dritten in genormten, im Entsorgungsgebiet vorgeschrie-
28
2 Der Abfall
29
2.2
Abfallmengenentwicklung und Abfallzusammensetzung
Das gesamte Abfallaufkommen in Deutschland lag 1993 einschlielich der in die
Verwertung gegangenen Abflle bei 338,5 Mio. t. Davon waren mit 253,1 Mio. t
drei Viertel Abflle zur Beseitigung. Der Anteil der zur Verwertung abgegebenen
Abflle betrug insgesamt 25 %. Nicht bercksichtigt ist dabei die innerbetriebliche
Verwertung. Hierzu liegen keine Zahlen vor. In den alten Lndern sank das Aufkommen zu beseitigender Abflle zwischen 1990 und 1993 von 235,9 Mio. t um
rund 17 % auf 196,1 Mio. t. Das Aufkommen von Abfllen zur Verwertung stieg
im gleichen Zeitraum von 71,9 um 4% aufrund 74,6 Mio. t. In den neuen Lndern lag der Anteil der verwerteten Abflle deutlich unter dem Niveau der alten
Lnder. 1993 waren 75,1 Mio. tAbflle zu beseitigen. 10,8 Mio. t gingen in die
Verwertung (vgl. Tabelle 2.1.).
Tabelle 2.1. Abfallaufkommen und-verwertungnach Abfallarten in Deutschland 1993 (nach
Abfallbilanz des Statistischen Bundesamtes in Mio. Mg [2.4])
[Mio. Mg]
Abfallaufkommen
davon
Abflille zur
Verwertung
davon
Abflille zur
Beseitigung
43,5
13,0
30,5
67,8
9,1
58,7
77,7
143,1
45,6
15,8
32,1
127,3
Sonstige
Insgesamtb
6,4
2,0
4,5
338,5
85,4
253,1
Bei den Abfallen aus der Produktion werden die grten Verwertungsanstrengungen unternommen. Hier gingen 1993 59 % in die Verwertung. Hausmll und hausmllhnliche Gewerbeabflle wurden zu fast einem Drittel verwertet (30 %). Den geringsten Anteil an Abfllen zur Verwertung weist mit 11 %im
Jahr 1993 die Abfallgruppe "Bauschutt, Bodenaushub, Straenaufbruch, Baustellenabflle" auf. Hierbei sind allerdings nur die Anlieferungen an stationre Behandlungsanlagen bercksichtigt. Rechnet man auch die Sortierung bzw. Aufbereitung dieser Abflle bei Entsorgungsanlagen ein, so erhht sich der Anteil der
Abflle zur Verwertung auf etwa 25 %. Eine weitere Erhhung ergbe sich bei
Bercksichtigung von transportablen Autbereitungsanlagen. Diese Anlagen werdenjedoch von der Statistik nicht erfat [2.4].
Verwertung ohne Sortierung/Aufbereitung bei Entsorgungsanlagen ohne transportable Aufbereitungsanlagen
Abweichungen in den Summen durch Runden
30
2 Der Abfall
Haushaltsabfall. hausm. lhnl. Gewerbeabfall, SpernnOII,
Kehricht, Kllrschlamm, Krankenhausabfall
1997 56,3 Mlo. Mg
Haushalte, Klelngewett>e
38,1 Mlo. Mg
.....111111----
Verwertung
25,6 Mlo Mg
DSD
Plipiergraphisch
BiomOll
Textilien
Gewerbeabfllle
Kllrschlamm
4,4 Mlo. Mg
5,9 Mlo. Mg
4,3 Mla. Mg
0,3 Mlo. Mg
9,8 Mlo. Mg
0,9 Mlo. Mg
111
,
1 15
s:,:.
h mI . Gewett>eabfa 11
KS
13,0 Mlo. Mg
KH-Abf.
,2 Mlo
30,7 Mlo. Mg
35,0 Mlo. Mg
1 = 2 5,2Mio. Mg
MVA
9,8 Mio. Mg
Rattevertus
0,3 Mlo. Mg
unbehande~e
Abfllle
---IIJo
24,05 Mlo. Mg
Deponie
24,9 Mlo. Mg
Bild 2.1. Abschtzungen der Mengenbilanz fiir Haushaltsabfall, hausmllhnlichen Gewerbeabfall, kommunalen Klrschlamm und Abflle aus Recyclinganlagen fiir das Jahr 1997
31
Haushalte, Kleingewerbe
39,8Mio. Mg
V11fwart1.11g
31,5MioMg
DSD
Papiergraphlach
BiomOll
Textilien
~le
Klllrlchlanvn
8,5 Mlo. Mg
8,3 Mlo. Mg
5,8 Mlo. Mg
0,4 Mlo. Mg
10,7Mio. Mg
1,8 Mlo. Mg
BMA~IIil-
2 Mlo. Mw""'-
[Link]
__.
MVA
13Mio. Mg
BRAM
0,5Mlo. Mg
Rolleverlust
0,6Mio. Mg
+-u~
___.
18Mlo. Mg
Deponie
18,9 Mlo. Mg
Tabelle 2.2. Gegenberstellung der Mengenentwicklung und Verwertungsquoten fiir 1997 und
2005 im Vergleich zu den Werten von 1993
1993
1997
2005
Gesamtmenge
[Mio. Mg]
Beseitigung
[Mio. Mg]
Verwertungsquote
[%]
46,7
56,3
59,1
36,7
35,0
33,0
21 ,4
37,8
44,2
weiteren 13 Abfallverbrennungsanlagen und der Stillegung von 3 veralteten Anlagen ergibt sich ftir das Jahr 2005 eine thermische Anlagenkapazitt ftir Restabfall
von ca. 14,1 Mio. Mgla mit einer vermutlichen Auslastung, die bei 13 Mio. Mg
liegt.
Bis zum Jahre 2005 werden eine Reihe von heutigen Versuchsanlagen zur mechanisch-biologischen Behandlung stillgelegt und durch grere Anlagen ersetzt,
so da nach jetzigem Wissensstand ca. 40 Anlagen erwartet werden, die ca.
2,0 Mio. Mgla verarbeiten. Ca. 500.000 Mg EBS kann dabei als hochwertiger
Ersatzbrennstoff hergestellt und in Verbrennungsanlagen der Industrie eingesetzt
werden.
Die Mengenstrme fiir das Jahr 2005 sind in Bild 2.2. dargestellt. Daraus geht
deutlich hervor, da ca. 18 Mio. Mg Restabfall nach heutigem Kenntnisstand nicht
behandelt werden.
32
2 Der Abfall
Um 18 Mio. Mg Restabfall zu behandeln, werden in den Grenzfllen ca. 60 Verbrennungsanlagen mit einer durchschnittlichen Verbrennungskapazitt von
300.000 Mg/a oder 300 mechanisch-biologische Anlagen mit einer durchschnittlichen Behandlungskapazitt von 60.000 Mg/a erforderlich, unter der Voraussetzung, da kein bundesdeutscher Abfall ber die europischen Grenzen transportiert wird.
Damit der biologisch behandelte Teilstrom auch die erweiterten Ablagerungskriterien einer vernderten T ASI (mit z. B. Atmungsaktivitt) erfllt, mssen die
neuen MBA's alle EBS herstellen und auch vertreiben. Bei einer Abtrennungsrate
von 25 % des Restabfalls wrden 4,5 Mio. Mg EBS/a entstehen.
2.2.1
Hausmll, Sperrmll und hausmllhnliche Gewerbeabflle)))
1980
I 03Mg
32.6I6
1982
I 03Mg
29.688
1984
103Mg
29.604
I987
I 03Mg
21.288
I990
I 03Mg
50.183
6.800
43.383
1993
103Mg
43.486
12.969
30.517
33
Die Tabelle 2.4. stellt die Entwicklung der im Rahmen der ffentlichen Abfallentsorgung eingesammelten Mengen filr Hausmll, Gewerbeabfallklrmengen und
Sperrmll dar. In der 3. Spalte sind die spezifischen Abfallmengen in kg pro Einwohner und Jahr dargestellt. Seit Anfang der 80er Jahre sinkt das Pro-KopfAufkommen. Im Zeitraum 1975 bis 1984 erhhte sich das zu entsorgende spezifische Volumen von 1,40 auf 2,43 m3 pro Einwohner. Seit 1987 und vor allem
durch die Wiedervereinigung steigt die Gesamtabfallmasse aber auch die spezifische Abfallmasse deutlich. Kompensiert werden die Mengen durch das Recycling
wie bereits dargestellt.
Tabelle 2.4. Entwicklung des Hausmlls, Kleingewerbe und Sperrmlls (alte Bundeslnder bis
1987) [2.2, 2.3]
Jahr
1975
1977
1980
1982
1984
1987
1990
1993
Gesamtmasse
[Mio. Mg]
23,20
23,43
22,45
23,07
22,12
22,90
30,46
34,80
Spez. Gewicht
[kg/E*a]
383,9
366,6
380,4
374,9
361,7
375,0
382,0
428,0
Spez. Volumen
[m3/E*a]
1,40
1,74
2,00
2,34
2,53
2,61
2,30
2,57
Tabelle 2.5. Anteil von Hausmll, hausmllhnlichen Gewerbeabfiillen und Sperrmll in der
Bundesrepublik Deutschland filr den Zeitraum von 1975 bis 1993 am Gesamtabfall [2.2, 2.3]
1975
Abfallkomponente [Mio. Mgla] [%]
64,7
Haushaltsabfall
15,00
2,10
9,0
Sperrmll
6,10
26,3
GewerbeabOOie
23,20
100,0
Gesamtabfall
1980
[Mio. Mgla] [%]
14,60
65,0
2,00
8,9
5,85
26,1
22,45
100,0
1984
[Mio. Mgla]
14,00
1,80
5,48
21,28
[%]
65,8
8,4
25,8
100,0
1990
1993
[Mio. Mgla] [%]
Abfallkomponente [Mio. Mg/a] [%]
71,4
23,91
21,74
68,7
Haushaltsabfall
8,6
3,81
10,9
2,62
Sperrmll
20,0
7,08
6,10
20,3
GewerbeabOOie
100,0
34,80
30,46
100,0
Gesamtabfall
In Tabelle 2.5. wird der Anteil der hausmllhnlichen Gewerbeabfiille und des
Sperrmlls am Gesamtabfall dargestellt. Die Geschfts- oder hausmllhnlichen
34
2 Der Abfall
179 kg/E,a
48
Resl HausmOll
143 kg/E,a
Rest Gewerbeabfall
Rest Sperrmll
39 kg/E.a
110 kg/E.a
-.lt
Resl HausmOll
143 kg/E,a
Restmengen
Siedlungsabflle
zur Behandlung
389 kg/E,a
(ca. 1,09 Mio. t/a bei
2,8 Mio. Einwohnern)
Sonderdienste
14 kg/E,a
Straenreinigung
48 kg/E,a
2.2.2
35
Kenngre
Anteil GM* am Gesamtabfall
GM* pro Flche
GM* pro Einwohner
GM* pro Erwerbsttigen
* GM: Gewerbeabfallmengen
Einheit
Stadt
Land
[%]
[Mglkm2a]
35
382
211
534
55
204
520
[kg!Ea]
[kg/Erw.a]
36
36
2 Der Abfall
gewiesen. Die an ffentlich betriebene Abfallentsorgungsanlagen gesondert angelieferten Mengen an hausmllhnlichen Gewerbeabfallen lagen im Jahr 1990 bei
15,2 Mio t und im Jahr 1993 bei 7,8 Mio t. Dies entspricht nahezu einer Halbierung der angelieferten Mengen [2.4].
Aufkommen und Zusammensetzung der hausmllhnlichen Gewerbeabfalle
wurden vom Umweltbundesamt unabhngig von der Abfallstatistik im Rahmen
eines Forschungsvorhabens ermittelt. Hochgerechnet auf die alten Lnder fielen
danach in den Jahren 1991/92 insgesamt 10,5 bis 12,7 Mio t Gewerbeabfalle an,
d.h. im Mittel 11,6 Mio t pro Jahr [2.4].
Mit der Bundesweiten Gewerbeabfalluntersuchung im Auftrag des Umweltbundesamtes (1993) [2.47] wurden nicht nur Daten ber die in den alten Bundeslndern angefallenen Gewerbeabfallmengen und deren Zusammensetzung ermittelt, sondern ein Hauptbeitrag liegt auch in der kritischen Betrachtung der bei
bisherigen Untersuchungen angewendeten Methoden und Vorgehensweisen. Es
wurden die Problembereiche solcher Untersuchungen herausgearbeitet und benannt.
Fr weitere vor allem regionale Untersuchungen ergeben sich vor allem folgende zu beachtende Randbedingungen/Konsequenzen [2.47]:
- Exakte Zieldefinition vor Beginn der Untersuchungen (welche Abfalle sollen
mit welchem Ziel erfat werden; wie ist Gewerbeabfall definiert);
- Untersuchung nach dem dreisteHigen Wirtschaftsbereichschlssel:
- Bestimmung der Dichten getrennt fiir Mulden, Premllcontainer und Monochargen;
- Aufschlsselung nach mindestens 30 Fraktionen;
- Sichtung ber mindestens zwei Wochen zur Ermittlung der Zusammensetzung
und ber mindestens vier Wochen zur mglichst vollstndigen Erfassung aller
Anlieferer durchfhren;
- Statistik mindestens ber groe Umleerbehlter aufstellen/besorgen;
- Einrichtung einer erzeugerbezogenen Wiegedatenerfassung zur einfachen Erstellung von Statistiken ber Wechselbehlteranlieferungen.
Insgesamt wird damit ein wichtiger Beitrag sowohl zur Mengenstatistik der Gewerbeabflille als auch zur Untersuchungs- und Bewertungsmethodik vorgelegt.
Die Vergleichbarkeit von Untersuchungen ber Gewerbeabfalle war und ist
wegen des je nach Untersuchung unterschiedlichen Vorgehens, aber auch wegen
der unklaren Definitionen der Begriffe hausmllhnlicher Gewerbeabfall, produktionsspezifischer Abfall und Geschftsmll stark eingeschrnkt. Solange keine
Empfehlungen fiir ein einheitliches Vorgehen vorliegen, kommt der genauen Dokumentation der Untersuchungsart und der bercksichtigten Abfallarten groe
Bedeutung zu.
Grundstzlich zeigen die Ergebnisse der Bundesweiten Gewerbeabfalluntersuchung jedoch, da die Bestimmung von Kennzahlen ber die Zusammensetzung
und die Menge hausmllhnlicher Gewerbeabfalle und des Geschftsmlls anhand
der gebildeten Wirtschaftsgruppen und auf der Basis der Mitarbeiterzahlen mglich ist und diese Daten auch fr andere als die untersuchten Kommunen einsetzbar sind. [2.47].
37
Tabelle 2.7. Zusammensetzung der gesichteten hausmllhnlichen Gewerbeabfalle nach Behlterarten (auer Umleerbehlter) incl. Hochrechnung [2.47]
Stoffgruppe
Mulden
PressMonoGesamt
Gesamt
Gesamt
chargen
mllc.
[Mg]
[Mg]
[Mg]
[%]
[Mg]
437
43
1274
10,71
986
97
1579
333
13,28
1222
17
11
134
1,13
103
8
0
1,56
185
144
828
286
2249
18,92
1742
94
150
4,74
564
436
122
0
817
6,87
632
18
126
5,76
785
530
256
13
1171
9,85
907
[Mg]
Papier/Pappe
794
Holz
1149
Metalle
106
Glas
177
Kunststoffe
1135
Organik
320
Schutt
695
Werkstattabflle
541
Renovierungs902
ab flle
Mischabflle
485
352
74
Textilien
18
77
34
Schianun
0
0
579
Sonstiges
647
265
700
Summe
7028
2255
2606
auf die alten Bundeslnder hochgerechnete Mengen
911
129
4,87
1612
11889
7,60
1,09
448
13,56
100,00
700
100
1250
9200
Abfallaufkommen
1990
1993
67,8
62,3
5,5
76,8
64,1
12,7
137,2
102,7
34,5
2,2
1,7
1990
1993
1990
1993
10,8
10,7
9,1
9,1
0,1
45,8
39,9
6,0
12,9
12,7
0,2
0,2
0,2
45,5
40,2
5,2
15,8
12,2
3,6
0,2
0,2
0,0
0,0
0,6
7,7
0,6
5,9
58,7
53,2
5,5
31,3
23,9
7,4
121,4
90,5
30,9
2,1
1,5
0,6
1,4
1,7
6,3
4,2
6,5
4,9
1,3
1,5
5,2
3,4
1,2
1,0
0,1
0,2
1,1
0,8
D
AL
325,1
270,6
289,9
235,7
71, I
64,6
72,1
63,1
254,1
205,9
217,8
172,6
NL
54,5
54,2
6,4
9,0
48,1
45,2
AL
NL
Abfiille aus der Produktion D
AL
NL
Bauschutt, Bodenaushub,
D
Straenaufbruch, Baustel- AL
lenabflle
NL
Klrschlmme, Schlmme D
aus der AbwasserreiniAL
gung (Trockensubstanz)
NL
Hausmll, hausmllhnli- D
ehe Gewerbeabflle,
AL
Sperrmll, Kehricht
NL
Insgesamt
88,8
72,2
16,6
98,0
69,2
28,7
128,3
120,8
7,5
2,4
1,8
0,6
78,1
61,6
16,5
52,1
29,4
22,7
115,4
108,1
7,2
2,2
1,6
38
2 Der Abfall
Die Auswertung der Sortieranalysedaten aus der bundesweiten Gewerbeabfalluntersuchung wird in Tabelle 2. 7. dargestellt.
Abfallaufkommen und -verwertung im Produzierenden Gewerbe
Im Produzierenden Gewerbe ist ein Rckgang des Abfallaufkommens von 1990
bis 1993 um etwa 11 % zu verzeichnen. Gleichzeitig stieg der Anteil der Abflle
zur Verwertung von 22 auf 25 %. Die Entwicklung des Abfallaufkommens lt
sich teilweise mit der wirtschaftlichen Entwicklung erklren. Genauer Aufschlsse
liefert die Betrachtung der einzelnen Abfallgruppen.
Tabelle 2.9. Abfallaufkommen und -verwertung im Produzierenden Gewerbe nach Wirtschaftsbereichen 1990 und 1993 (nach Abfallbilanz des Statistischen Bundesamtes) [2.4]
[Tsd. Mg]
Abfallaufkommen
D
D
84 05I
897
65 119
3I2
4I 595
87
38 798
138
42 455
8IO
26 32I
174
8 252
6 539
I 426
I 852
6 827
4 688
I8 954
I4 878
II 777
IO 862
7I76
40I6
D
D
D
D
9 606
3 783
3 575
13 933
6 665
2 280
2 673
II 474
I 811
I 806
I 955
9 876
I 58 I
I 213
I 836
9 352
7 795
1 977
I 620
4 056
5 084
I 067
836
2122
25 052
20 298
I2 857
I1 964
12 195
8 334
I2II78 13I645
325 I27 289 887
I2 494
7I 059
Die Abfallgruppe "Bauschutt, Bodenaushub, Straenaufbruch und Baustellenabfalle" (verkrzt als Bauabfall bezeichnet) weist die grten Abfallmengen aus.
Den weitaus grten Anteil in dieser Abfallgruppe hat der Bodenaushub. Beim
Bauschutt ist als einziger Abfallgruppe ein Anstieg des Abfallaufkommens festzustellen. Die Entwicklung des Aufkommens in den alten und den neuen Lndern
war sehr unterschiedlich. In den alten Lndern nahm die Produktion der Bauwirtschaft von 1990 bis 1993 um rund 7 % zu. Gleichwohl gingen die Abfallmengen
Anzahl der
Feuerungs- und
Verbrennungsanlagen
2.488
2.243
2.271
2.056
2000
1000
39
1.926
2,26
[Link]
3,90
[Link]
4,24
[Link]
4,61
[Link]
4,10
[Link]
1980
1982
1984
1987
1993
Bild 2.4. Anzahl der Feuerungs- und Verbrennungsanlagen von Betrieben des produzierenden
Gewerbes in der Bundesrepublik Deutschland mit den Mengenangaben der eingesetzten Produktionsabflille [2.2, 2.3, 2.49]
40
2 Der Abfall
2.2.3
Sonderabflle
Zu den Industrie- und Gewerbeabfllen zhlen nicht nur die Abflle, die problemlos gemeinsam mit Haushaltsabfall in Abfallverbrennungsanlagen behandelt
oder auf Abfalldeponien abgelagert werden, sondern auch Abflle, die nach ihrer
Art nicht gemeinsam mit Hausmll beseitigt werden knnen, wie die Klassifizierung in Bild 2.5. zeigt.
Besonders berwachungsbedrftige Abflle sind nach Kreislaufwirtschaftsund Abfallgesetz {KrW-/AbfG) im EU-Sprachgebrauch "gefhrliche Abflle" und
werden umgangssprachlich als "Sonderabflle" bezeichnet.
Von Bedeutung sind hier die folgenden Regelungen:
- Das Verzeichnis gefhrlicher Abflle,
- Die Verordnung zur Bestimmung von besonders berwachungsbedrftigen
Abfallen sowie
- Die Verordnung ber Verwertungs- und Beseitigungsnachweise.
Mit Entscheidung 94/904/EG des Rates vom 22. Dezember 1994 hat der Rat der
Europischen Union (EU) das Verzeichnis gefhrliche Abflle im Sinne von Artikel 1 Abs. 4 der Richtlinie 91/689/EWG des Rates ber gefhrliche Abflle beschlossen. Dieses Verzeichnis defmiert die gefhrlichen Abflle gem der vorgenannten Richtlinie. Es zhlt 237 Abfallarten auf und macht dabei keine Unterscheidung zwischen Abfall zur Beseitigung und Abfall zur Verwertung. Das Verzeichnis ist regelmig zu berprfen und, wenn ntig, nach dem Verfahren des
Artikels 18 der Richtlinie 91/156/EWG des Rates vom 18. Mrz 1991 ber Abflle zu berarbeiten. Das Verzeichnis ist fUr alle Mitgliedsstaaten der Europischen Union verbindlich. Die Entscheidung ist ein Rechtsakt, der von den Mitgliedsstaaten durch Verordnung umgesetzt werden mu.
Die Verordnung zur Bestimmung von besonders berwachungsbedrftigen Abfllen (BestbAbfV) setzt die Ermchtigung des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes um. Sie bernimmt die durch die Verordnung der EU ber einen gemeinschaftlichen Abfallkatalog (EAK) eingetllhrt:e europische Abfallnomenklatur und
berwachungsbedrftige
besonders
berwachungsbedrftige
fakultatives
Nachweisverfahren
42,45
obligatorisches
Nachweisverfahren
43,46
41
nicht
berwachungsbedrftige
bestimmt, wie besonders berwachungsbedrftige Abfiille zuknftig zu bezeichnen sind, wie die zutreffende Abfallbezeichnung zu whlen ist und wann - in
einer bergangszeit von drei Jahren- die neuen Abfallbezeichnungen die bestehenden ersetzen sollen. Die Verordnung unterscheidet gem der EU-Vorgabe
nicht zwischen besonders berwachungsbedrftigen Abfiillen zur Beseitigung und
besonders berwachungsbedrftigen Abfallen zur Verwertung[2.48].
Bei der Bestimmung der besonders berwachungsbedrftigen Abfiille wird
aufgrundder Vorgaben der Europischen Union das bekanntgegebene Verzeichnis
gefiihrlicher Abfiille umgesetzt. Dieses Verzeichnis stellt auf europischer Ebene
eine formal abschlieende Liste der gefiihrlichen Abfiille dar. Darber hinaus
enthlt die Verordnung als deutsche Ergnzung gefiihrlicher Abfallarten, die unter
Bercksichtigung der nationalen Gegebenheiten als besonders berwachungsbedrftig eingestuft werden mssen. Die dort genannten Abfallarten wurden entsprechend der EU-Vorgaben von Deutschland bei der EG-Kommission notifiziert.
Bei den in der Anlage 2 genannten Abfallarten handelt es sich einerseits um
Abfallarten, die aus der Anlage der EAK-Verordnungen zu besonders berwachungsbedrftig hochgestuft worden sind, andererseits um Abfallarten, die eine
eigene Bezeichnung erhalten und - um dies zu verdeutlichen - mit einem "D"
gekennzeichnet worden sind.
Die berwachung der Abfallentsorgung wird durch die Verordnung ber Verwertungs- und Beseitigungsnachweise (Nachweisverordnung - NachwV) geregelt.
Durch die 42 bis 47 KrW-/AbfG ist die Fhrung von Nachweisen und Nachweisbchem sowie Einbehaltung und Aufbewahrung von Belegen vorgegeben.
Das Nachweisverfahren ist in zwei Abschnitte unterteilt:
- Die Nachweisfilhrung ber die Zulssigkeit der vorgesehenen Entsorgung vor
deren Beginn (V orabkontrolle) und
42
2 Der Abfall
Abfallart
Abfalle zur
Verwertung:
Abflle zur
Verwertung:
- "besonders
berwachungsbedrftige"
- obligatorisches
Nachweisverfahren
( 46 Abs. I)
- "Rote Liste"
-"berwachungsbedrftige"
-fakultatives Nachweisverfahren ( 45
Abs. 1,3)
-"Gelbe
Liste"
-"nicht berwachungsbedrftige"
-Ausnalune
kein Nachweis
( 45 Abs. 2)
-"Grne
Liste"
Abtalle zur
Beseitigung:
- "besonders
berwachungsbedrftige"
-obligatorische
Nachweisverfahren
( 43)
-"berwachungsbedrftige"
Abtalle zur
Beseitigung:
(keine weitere
Unterteilung)
- schriftliehe Genehmigung
erforderlich
-schriftliche
Genehmigung erforderlieh
-verboten, Ausnahme
EFIA-Staaten (Unterzeichner Basler bereinkommen, schriftliehe Genehmigung
erforderlich)
Bild 2.6. stellt das Aufkommen und die Einteilung der Sonderabflle dar nach 2
Abs. 2 AbfG.
44,3%
888888888881
Salzschlacken, aluminiumhaltig
Halogenhaltige organische Lsemittel und -gemische 2)
Halogenfreie organische Lsemittel und -gemische
brige Sonderabflle
Bild 2.6. Aufkommen und Abfallarten von Sonderabtlilien im Produzierenden Gewerbe und in
Krankenhusern im Jahr 1987 nach 2 Abs. 2 AbfG [2.3]
Deutschland
Alte Lnder
Neue Lnder
43
2 Der Abfall
44
kg/(E*a)
--------
1,50+---------------~~--------~~-~-~-~-~-----------------
-- - --....
------------~
1,00
---
0,50 +------------~~~~~-~~----""'---"'=-:=-==--------------
0,00
+-------,--------,---------,---------.-------,----~
1993
1994
1995
1996
1997
1998
--Menge je E. gesamt
- - - Menge je E. privat
- - Menge je E. gewerblich
Bild 2.7. Mengenentwicklung der Sonderabfallkleinrnengen bei einem typischen Entsorgungstrger [2.50]
Pflanzen.
sauren/Laugen
0 ,39%
sonstiges
5%
Anmedikamente
2%
A ltOI
8%
B Ieiakkumuiatoren
31%
Losem~tel
4%
Anlacke/AIIfarben
41'-l.
Tabelle 2.11. stellt die berwachungsbedrftigen Abtalle nach den neuen gesetzlichen Kriterien dar. In den neuen Lndern ist der deutliche Rckgang 68 % gegenber 18 % in den alten Lndern auf die Stillegung sowie Umstrukturierung der
Produktionsanlagen zurilckzuftlhren.
In dem betrachteten Beispiel ergaben sich ftlr die aus Haushaltungen stammenden SAKM dabei ber die Jahre ansteigende Werte, die zwischen 0,87 und
45
sonstiges
9%
A~balterien
4%
Pflanzen-
schutzmiltel
2%
Altmedikamente
2%
B Ieiakkumuiatoren
31%
Altl
18%
I
LOserniltel
14%
Alllacke/Aitfarben
25%
1,62 kg!Einwohner und Jahr, also innerhalb der bereits typisch bezeichneten
Bandbreite lagen (siehe Bild 2.7.). Die filr die Betrachtung wesentlichen SAKM
gewerblicher Herkunft wurden ebenfalls ansteigend zwischen 0,36 und
0,58 kg!Einwohner und Jahr bestimmt.
Insgesamt bedeuteten die zustzlichen gewerblichen SAKM filr den betroffenen Entsorgungstrger demnach lediglich eine Erhhung der Pro-Kopf-Erfassung
aufrd. 2 kg!Einwohner und Jahr.
Deutliche Unterschiede gab es bei der jeweils zur Abgabe gelangten Menge an
SAKM. Fr private Haushalte lag diese im Mittel zwischen 13 und 19 kg je Einzelanlieferung bzw. Abgabe. Fr gewerbliche Anlieferungen betrug dieser Wert
bis zu 239 kg. Dies ist dort wohl auch der Grund filr den Ausschlu von der mobilen Sammlung gewesen. Auf den stationren Anlagen gab es aber auch mit
solchen Mengen keine Probleme.
Der Vergleich der unterschiedlichen Zusammensetzungen der SAKM privater
und gewerblicher Herkunft spricht ebenfalls nicht filr den Ausschlu der Gewerbeabflille. Wie Bild 2.8. und Bild 2.9. zeigen, ergeben sich zwar signifikante Unterschiede. Der Anteil der beiden grten Einzelfraktionen kommt aber jeweils
den Altfarben und Bleiakkumulatoren zu.
2.2.4
Verpackungsabflle
Die "Verordnung ber die Vermeidung von Verpackungsabflillen (VerpackV)"
unterscheidet Verpackungen in Verkaufs-, Um- und Transportverpackungen
[2.43]:
46
2 Der Abfall
TransporNerpackungen
Verkau}Sverpackungen
Geschlossene oder offene Behltnisse und Umhllungen von Waren wie Becher,
Blister, Dosen, Eimer, Fsser, Flaschen, Kanister, Kartonagen, Schachteln, Scke,
Schalen, Tragetaschen oder hnliche Umhllungen, die vom Endverbraucher zum
Transport oder bis zum Verbrauch der Waren verwendet werden, fallen unter den
Begriff Verkaufsverpackungen.
Umverpackungen
Die Bezeichnung Umverpackung umfat Blister, Folien, Kartonagen oder hnliche Umhllungen, die dazu bestimmt sind, als zustzliche Verpackung um Verkaufsverpackungen
- die Abgabe von Waren im Wege der Selbstbedienung zu ermglichen oder
- die Mglichkeit des Diebstahls zu erschweren oder zu verhindem oder
- berwiegend der Werbung zu dienen.
Bei der praktischen Durchfiihrung der Verpackungsverordnung haben sich gegenber dem Erkenntnisstand von 1991 neue Abgrenzungen bezglich des Entsorgungsbereiches dualer Systeme (durch das Bundeskartellamt) sowie auch nderungen bei der Definition des Verpackungsbegriffs ergeben. Da ein unmittelbarer
Vergleich der erhobenen Daten nur auf Basis einer einheitlichen definitorischen
Abgrenzung mglich ist, wurden die Zahlen ftir das Jahr 1991 entsprechend der
Vorgehensweise bei der Datenermittlung 1994 und 1995 umgerechnet. Sie weichen deshalb von den frher verffentlichten Daten zum bundesweiten Verbrauch
von Verpackungen im Jahre 1991 etwas ab [2.4].
Sowohl 1991 als auch 1995 hatten Papier/Pappe/Karton den mengenmig
grten Anteil an den insgesamt verbrauchten Verpackungsmaterialien, gefolgt
von Glas, Holz und Kork, Kunststoff und den brigen Verpackungsmaterialien.
Bezogen auf private Haushalte und Kleingewerbe liegt bei den verbrauchten Verpackungsmaterialien Glas mit Abstand an der Spitze, gefolgt von Papier/Pappe/Karton und den brigen Verpackungsmaterialien.
Bei der Mehrzahl der Verpackungen, ausgenommen schadstofthaltige Verpakkungen und Mehrwegverpackungen, handelt es sich um Verkaufsverpackungen.
Seit lokrafttreten der Verpackungsverordnung 1991 ist der Verpackungsverbrauch
bei privaten Haushalten und Kleingewerbe bis 1995 etwa um 11 % gesunken, was
einem Rckgang des Pro-Kopf-Verbrauches von 95 kg!EW auf ca. 83 kg!EW
entspricht [2.4].
Fr gebrauchte Verkaufsverpackungen aus den am hufigsten hierfiir verwendeten Materialien, Glas, Weiblech, Aluminium, Papier/Pappe/Karton, Kunststoff
und Verbunde gibt die Verpackungsverordnung im Anhang zu 6 Abs. 3 Erfassungs- und Sortierquoten vor, aus denen sich die zu realisierenden Verwertungsquoten ableiten. Auf der Grundlage des 6 der Verpackungsverordnung- Rck-
47
Tabelle 2.12. Bundesweiter relevanter Verbrauch an Verpackungen 1991 und 1995 in 103 Mg
[2.4]
Relevanter Transport- Umverp.
Verbrauch verp.
[103 Mg]
7 (Sunune 8
8 bis 11)
1. Glas
1991
3816,9
1995
3289,4
2. Weiblech
1991
544,2
1,8
1995
448,2
1,6
3. Aluminium
1991
63,3
1995
47,2
4. Kunststoff"
1991
1387,8
311,6
1343,3
308,1
1995
5. Papier, Pappe,
1991
5312,5
1850,4
Karton
1995
5007,9
2774,8
1991
656,8
0,4
6. Verbunde
623,4
0,4
1995
6.1 Flssigkeitskarton 1991
193,0
194,5
1995
6.2 sonstige Verbunde 1991
201,1
0,2
auf Papierbasis
158,0
0,2
1995
6.3 Verbunde auf
1991
28,0
0,2
Kunststoff-Basis
1995
18,7
0,2
6.4 Verbunde auf
1991
20,2
Aluminiumbasis
18,6
1995
6.5 Verbunde auf
214,5
1991
Weiblechbasis
1995
233,6
11781,5
3164,2
Summe 1. bis 6.
1991
1995
10759,4
3084,9
191,0
112,8
7. Feinblech
1991
155,8
113,3
1995
1037,5
695,7
8. Holz und Kork
1991
740,7
538,5
1995
9. sonstige Verpak1991
16,0
kungen
14,2
1995
Summe 7. bis 9.
1991
1244,5
808,5
651,8
1995
910,7
Alle Verpackungen
13026,0
3972,7
1991
11670,1
3736,7
1995
einschl. Kunststoff/Kunststoff-Verbunde
6,4
3,2
18,5
11,5
Verkaufsverp.
Grogewerbe,
Industrie
Verkaufsverp.
Privat u.
Kleingew.
10
11
24,1
20,0
0,1
0,0
163,0
157,0
811,2
772,2
19,4
18,3
19,3
18,2
0,1
0,1
24,9
14,7
0,7
0,7
25,6
14,7
1017,8
967,5
75,0
40,8
314,6
189,4
7,9
6,3
397,5
236,5
1415,3
1204,0
3816,9
3289,4
518,3
426,6
63,2
47,2
906,8
875,0
1632,4
1449,4
637,0
604,7
193,0
194,5
181,6
139,6
27,7
18,4
20,2
18,6
214,5
233,6
7574,6
6692,3
3,2
1,7
26,5
12,8
8,1
7,9
37,8
22,4
7612,4
6714,7
48
2 Der Abfall
Verwertete Menge
Verbunde
Weiblech
575.487 t
2.704.859 t
1.415.502 t
600.015 t
344.962 t
324.947 t
374.873 t
Aluminium
37.458 t
43.343 t
5.263.425 t
5.483.554 t
Glas
Papier, Pappe, Karton
Kunststoffe
Gesamt
2.965.959 t
843.059 t
516.879 t
In 1998 hat das Duale System mehr Verpackungen der Verwertung zugefhrt als
mit dem Grnen Punkt lizenziert wurde. Besonders auffiillig ist diese Mehrleistung bei den Materialien Papier, Pappe, Karton sowie bei den Kunststoffen.
Wesentlicher Grund dafiir ist, da nach wie vor nicht lizenzierte Verpackungen in
das Duale System gelangen [2.45].
49
Leicbtver-
pl<kuugeo
~lOkgi(E ' a)
O w.w;c<~~
El [Link] Alufolie
D [Link]<....,,..
I fSl tcWti.. V..tluodeJ Mildlhmtutoll'e
9 K~ K.~ofkl:II.>A4
. Styto~ll'e
Bild 2.10. Zusammensetzung der DSD-Leichtfraktion vor und nach der Sortierung (Oktober
1995) in Dresden [2.51]
Fr die Untersuchung von Oktober 1995 in Dresden ist in Bild 2.1 0. die Zusammensetzung der gesammelten DSD-Leichtfraktion vor und nach der Sortierung
dargestellt. Die genutzte und wiederverwertete Leichtfraktion betrgt 8, I kgi(E*a)
und stellt ca. 52 % der Gelben Tonne dar. Die Sortierreste mit 0,63 kgi(E*a) aus
der Siebung bei 50 mm Lochweite sind berwiegend DSD-LF, die verworfen
werden. Die Fehlwrfe bestehen aus Pappe, Papier und Glas.
Bis auf einen kleinen Teil an Zeitungen und Zeitschriften liegt hier ein deutliches Informationsdefizit bei der Bevlkerung vor. Der Grne Punkt auf der Glasflasche bzw. auf dem Karton wird als Symbol fiir die Gelbe Tonne fehlinterpretiert.
Fr die abfallwirtschaftliche Bilanz der Verkaufsverpackungen wird der Anteil
des Restabfalls und der Inhalt der Gelben Tonne bestimmt und dann die Erfassungs- und Verwertungsquote nach der Sortierung berechnet. Auch diese Methode
ist nicht ganz exakt, da Verkaufsverpackungen auch in den Marktabfiillen, in den
Abfalleimern in Parks, Stadien, Grten etc. anfallen und ein Teil beim Kleingewerbe erfat wird. Es scheint aber nicht von Bedeutung fiir diese Art der Bewertung zu sein, da dieser Wert in der Rechnung weder das Gesamtpotential erhht
noch entlastet.
Bei der genauen Analyse der Erfassung von Wertstoffen wird deutlich, da die
Growohnanlagen und Mehrfamilienhausbebauungen in den Stdten darber
entscheiden, ob eine bundesweite Sammlung erfolgreich ist.
Die bekannten Zusammenhnge der Bebauungsstruktur und der Sammelleistung
fiir Wertstoffe zeigen sich auch bei der Erfassung von Leichtverpackungen durch
das DSD. In der Tabelle 2.14. werden am bereits vorgestellten Beispiel von
50
2 Der Abfall
Leichtverpackungen
berdie
DSDSammlung
[kgi(E*a)]
Leichtverpackungen
im
Restabfall
Potential der
Leichtverpackungen
Erfassungsquote
Verbrauch in
Sachsen nach
Bundesanzeiger
[kgi(E*a)]
[Kgi(E*a)]
[%]
[kgi(E*a)]
4,63
1,61
4,99
10,66
7,33
2,18
6,39
12,74
BS 1 Growohnanlagen
Weiblech
Aluminium
Verbunde
Kunststoffe
2,70
0,57
1,40
2,08
28,97
36,9
26,2
22,0
16,3
4,8
023,3
7,5
1,7
5,9
10,1
k.A .
25,2
14,66
1,41
8,84
17,42
18,1
ll,1
23,5
20,6
7,5
1,7
5,9
10,1
6, 77
22,20
BS 2 geschl. Mehrfamilienhausbebauung
Weiblech
Aluminium
Verbunde
Kunststoffe
. . ~.T?.P. <?:..
. . _. . . . . .Summe
2,65
0,16
2,08
3,59
12,01
1,25
6,76
13,83
BS 3 offene Mehrfamilienhausbebauung
Weiblech
Aluminium
Verbunde
Kunststoffe
1,92
0,16
1,92
3,22
2,34
0,47
3,07
4,16
4,26
0,63
4,99
7,38
45,1
25,0
38,5
43,7
................._
7,5
1,7
5,9
10,1
_;2,'-1----~:~:................
0 40,2
25,2
79,5
16,7
72,5
64,7
7,5
1,7
5,9
10,1
BS 4 Ein- u. Zweifamilienhausbebauung
Weiblech
Aluminium
Verbunde
Kunststoffe
4,84
0,16
4,ll
5,04
1,25
0,78
1,56
2,76
6,09
0,94
5,67
7,80
21,28
14,83
069,7
2,70
0,36
1,98
2,96
5,04
1,14
4,47
8,79
8,10
19,80
7,74
34,9
7,5
1,50
24,1
1,7
6,45
30,6
5,9
11,75
25,2
10,1
0,46
22,2
------------------~:~:...._
27,90
25,2
029,0
51
Dresden die Gebietsstrukturen mit der unterschiedlichen Bebauung und den Ergebnissen fr die Erfassung der Wertstoffe im Oktober 1995 dargestellt.
Es wird in der Tabelle 2.14. deutlich, da nur in der Ein- und Zweifamilienhausbebauung die Erfassungs- und Verwertungsquoten vollstndig (Ausnahme:
Aluminium) erreicht werden. Dresden ist aber keine Ausnahme, wie andere Untersuchungen zeigen. In den Growohnanlagen werden in der Regel die Verwertungsquoten fr die Wertstoffe nie erreicht [2.52]. Nur in der Ein- und Zweifamilienhausbebauung und auf dem Land werden berwiegend die Verwertungsquoten
erreicht. Damit wird deutlich, da die DSD GmbH auch in Zukunft ihre Verwertungsquoten nicht erreichen wird, wenn sie nicht die Bevlkerung in den Bebauungsstrukturen BS1 und 2- ca. 40% der Bevlkerung- berzeugt, an der Wertstoffsammlung fr LVP mitzumachen.
2.2.5
Altautos und Altreifen
1997 waren in Deutschland rund 41 Mio. Pkw registriert, wovon zum Jahresende
ca. 2,9 Mio (7 %) endgltig stillgelegt wurden [2.4].
Autowracks, die derzeit verschrottet werden, haben ein Durchschnittsalter von
rund 12 Jahren. Das durchschnittliche Gewicht der Fahrzeuge ist in den letzten
Jahren kontinuierlich gestiegen. Die vielfach zitierte Leichtbauweise konnte die
durch neue Sicherheits- und Komfortstandards (Airbag, elektrisch zu bewegende
Teile, Klimaanlage etc.) bedingte Gewichtszunahme nicht ausgleichen. Fahrzeuge,
die Anfang bis Mitte der achtziger Jahre gebaut wurden, wogen durchschnittlich
870 kg, heutige Fahrzeuge haben ein durchschnittliches Gewicht von 920 kg. Der
Anteil des gut zu recyclierenden Stahls am Gesamtgewicht eines Fahrzeuges ist
hingegen kontinuierlich gesunken (von rund 80% im Jahr 1980) aufweniger als
70 % im Jahr 1990). Die Vielzahl der im Fahrzeugbau eingesetzten Materialien
(vorrangig Kunststoffe) ist ber die letzten Jahre deutlich gestiegen [2.4].
Die ausgedienten Fahrzeuge werden in der Regel an den Schrotthandel abgegeben, der die wiederverwendbaren Bauteile wie Anlasser, Lichtmaschinen, Motoren, Getriebe etc. ausbaut und zum Verkauf anbietet. Die ausgeschlachteten Karossen werden an Shredderbetreiber weiterverkauft. Nach neuesten Schtzungen
gelangen bis zu 40 % dieser Karossen in das benachbarte Ausland.
Die Automobilindustrie sowie die mageblichen Wirtschaftszweige der Zulieferindustrien, des Autoteilehandels und der Altautoentsorgung haben sich im Februar 1996 gegenber der Bundesregierung verpflichtet, die zu beseitigenden
Abtalle aus der Altautoentsorgung von derzeit rund 25 Gewichtsprozent bis zum
Jahr 2002 aufmaximal15 Gewichtsprozent und bis zum Jahr 2015 aufmaximal5
Gewichtsprozent zu verringern. Gleichzeitig wird ein flchendeckendes Rcknahme- und Verwertungssystem fr Pkw in Deutschland aufgebaut. Die Hersteller
und Importeure verpflichteten sich , ihre Fahrzeuge mindesten bis zum Alter von
12 Jahren kostenlos zurckzunehmen. Zurckgenommene Altautos werden umweltvertrglich trockengelegt und demontiert. Ausgebaute Teile werden einer
umweltvertrglichen Verwertung zugeftihrt, nichtverwertbare Teile werden ordnungsgem beseitigt. Die Bundesregierung wird zweijhrig ber die zur Erfl-
52
2 Der Abfall
(2.1)
Bestimmen lt sich der Ersatzkoeffizient durch die Zahl der verkauften Neureifen dividiert durch den Kfz-Bestand.
Aufgrund der genannten Einflugren fiel der Ersatzkoeffizient bei Personenkraftwagen von 1975 bis 1990 von 1,5 auf 1,3 pro Pkw. Unter Bercksichtigung
des Altreifenanfalls und aus der Verschrottung von Fahrzeugen ergab sich for
1990 ein Altreifenanfall von ungefiihr 292 000 Mg/a. Zuzglich der LkwAltreifen, sonstiger Reifen und einer geschtzten Menge von 80 000 Mg in den
neuen Bundeslndern fielen 1990 insgesamt 545 000 Mg an [2.7].
1990 wurden ca. 155 000 Mg wiederverwertet (Runderneuerung, Gummigranulate, Landwirtschaft, Hafenanlagen), ca. 260 000 Mg deponiert und 185 000 Mg
durch Verbrennung (vorwiegend in Zementwerken) energetisch genutzt. Die
17. BlmSchV sieht ab 01.03.1994 schrfere Emissions-Grenzwerte fr Anlagen
vor, die Abfiille verbrennen. Sofern die Zementwerke diese Anforderungen nicht
erfilllen und somit als Abnehmer fr Altreifen entfallen, drfte der zu deponierende Anteil deutlich ansteigen [2.3].
2.2.6
53
Der Begriff Elektronikschrott bezeichnet eine Vielzahl unterschiedlicher Gertetypen, die in die folgenden Hauptgruppen eingeordnet werden knnen:
- Haushaltsgerte,
- Gerte der Unterhaltungselektronik,
- Gerte und Anlagen der Bro-, Informations- und Kommunikationstechnik,
- Gerte fiir den Geldverkehr,
- Me-, Steuerungs- und Regelungsanlagen,
- Entladungslampen,
- Uhren,
- Gerte der Labor- und Medizintechnik,
- Gerte der Bildaufzeichnung und -Wiedergabe.
Je Jahr fallen in den alten Bundeslndern bis zu 1,5 Mio Mg gebrauchter elektrotechnischer und elektronischer Gerte an. Hiervon sind ca. 600000 Mg ausgediente Investitionsgter aus dem industriellen und gewerblichen Bereich.
In den Haushaltungen fallen ca. 900000 Mg Gerte an. Die groen Haushaltsgerte (Waschmaschinen, Herde, Khlschrnke, Geschirrspler usw.) stellen mit
ca. 500000 Mg je Jahr den grten Teil der ausgemusterten Konsumgerte. Mit
400000 Mg tragen Fernsehgerte (150000 Mg) und andere Gerte der Unterhaltungselektronik bzw. die kleinen Haushaltsgerte zum Abfallaufkommen elektrotechnischer und elektronischer Konsumgter bei [2.53].
Das kologische Problem liegt in den Schadstofffrachten, die mit dem Gerteschrott in Deponien und in die Abfallverbrennung eingetragen werden. Unter dem
Begriff "Schadstoffe" werden Stoffe verstanden, die berwachungsbedrftige
Abflle sein knnen und an deren Entsorgung besondere Anforderungen gestellt
werden.
Daneben bestehen die Elektrogerte aus einer Reihe von Wertstoffen. Die Zusammensetzung der Gerte (Materialstruktur) ist in der Tabelle 2.15. aufgefhrt.
Tabelle 2.15. Zusammensetzung der Elektrogerte [2.53]
Bestandteil
Metalle
Kunststoffe
Glas
Elektronik
Sonstige Stoffe
Gesamt
[Mg/a]
[Gew.-%]
855 000
330 000
135 000
45 000
135 000
57
1 500 000
100
22
9
3
9
54
2 Der Abfall
1.1. Rundzellen
-Alkali-Mangan
-Zink-Kohle
1.2 Knopfzellen
- Quecksilberoxid
- Silberoxid
-Alkali-Mangan
-Zink-Luft
1.3 Lithium-Batterien
- Rundzellen
- Knopfzellen
2. Ni Cd -Akkus
- Rundzellen
- Knopfzellen
3. Ni-MH-Akkus
- Rundzellen
- Knopfzellen
1992
Mio Stck
1993
Mio Stck
1994
Mio Stck
1995
Mio Stck
632
287
345
57
12
24,5
6,5
7
7
669
327
342
65
15
25
8
10
7
679
85
86
70
16
645
310
335
49
6
15
13
15
30
15
15
81
69
16
68
13
358
321
44
5
13
13
13
30
20
10
65,8
58,7
7,1
26,6
21,5
5,1
1996
Mio Stck
680
370
310
51
5
12
13
21
35
25
10
55
52
3
36
30
6
55
2.2.7
Klrschlmme
Klrschlmme fallen bei der Reinigung huslicher und industrieller Abwsser an.
Die anfallende Schlammenge ist abhngig von der Anzahl der angeschlossenen
Bevlkerung, der Industriebetriebe und dem Wirkungsgrad der Klranlagen.
In der Tabelle 2.17. sind die Klranlagen der Bundesrepublik Deutschland, die
behandelten Abwassermengen und die erzielten Klrschlammengen sowie der
bisher erreichte Anschlugrad der Bevlkerung angegeben.
Tabelle 2.17. Anzahl der Klranlagen, Anschlugrad der Bevlkerung, behandelte Abwassermengen und Klrschlammengen fiir 1980- 1991 in der Bundesrepublik [2.2, 2.3]
Jahr
Klranlagen
Anzahl
Anschlugrad
[%]
Abwasser
[Mio. m3 ]
1980
1983
1987
1991
8.187
8.844
ca. 80
ca. 90
ca. 97
ca. 79
7.235,80
8.110,10
8.823,00
8.512,00
9.935
Klrschlamm
[Mio. Mg TS]
ca. 2,00
ca. 2,12
ca. 2,50
ca. 2,32
Tabelle 2.18. Verwendung von kommunalen Klrschlmmen 1996 in der Bundesrepublik [2.42]
Verwendung
Landwirtschaft
Ablagerung
Verbrennung
Kompostierung
Anteil,[%]
20-25
60-65
10-12
2-3
Die Klrschlammverordnung vom 15.04.1992 (BG BI. I, S. 912) fordert die seuchenhygienische Unbedenklichkeit und die Einhaltung von Schwermetallgrenzwerten von Klrschlamm tllr die landwirtschaftliche Nutzung. Besonders in
Ballungsgebieten treten zunehmend Probleme wegen der hohen Schadstoffbelastung bei der Klrschlammnutzung sowie Beseitigung auf, da auch die Deponierbarkeit der Klrschlmme eingeschrnkt ist und die Kapazitten von Deponien
knapp sind. Daher gewinnt die thermische Behandlung von Klrschlamm eine verstrkte Bedeutung.
56
2 Der Abfall
Die Klrschlammverordnung enthlt verschrfte Grenzwerte fr die Schadstoffmhalte in Klrschlmmen und Bden, um den Schadstoff-Transfer in die
Nahrungs- und Futterpflanzen zu begrenzen.
1996 sind bei der Reinigung von kommunalen Abwssern etwa 54 Mio. m 3
Klrschlamm mit 5% Trockenmasse angefallen. Tabelle 2.18. zeigt die Verwendung bzw. Entsorgung von Klrschlamm.
2.2.8
Baurestmassen
Das Aufkommen von Baurestmassen ist geprgt durch den nach wie vor steigenden Flchenverbrauch fr Straen-, Wohn- und Gewerbegebiete in den alten
Bundeslndern und wird durch Sanierung, Neubau und Abri von Gebuden sowie Rekonstruktion und Erweiterung des Straennetzes in den neuen Bundeslndern eine wesentliche Steigerungsrate erfahren.
Mit ca. 42 Gew.-% nimmt die Gruppe "Bodenaushub, Bauschutt, Straenaufbruch" den grten Anteil an der Abfallmenge in der Bundesrepublik ein. Ca.
89 %dieser Menge werden noch immer deponiert [2.2].
Zahlreiche intensive Manahmen zur Steigerung des Baustoffrecyclings in den
letzten Jahren konnten die Wiederverwertungs- und -verwendungsraten noch nicht
wesentlich erhhen. Nach wie vor besteht ein hoher Bedarf an Deponievolumen.
Neben der Zunahme der Baureststoffe stieg die Anzahl der Bauschuttdeponien
von 1977 bis 1987 von etwa. 1400 aufca. 2 700 und 2.310 im Jahre 1993 fr die
Bundesrepublik, whrend die Zahl der Hausmlldeponien im gleichen Zeitraum
stndig abnahm und die Ablagerung auf Hausmlldeponien stark eingeschrnkt
wurde [2.30]. 40 % dieser Bauschuttdeponien sind jedoch mit einer Restlaufzeit
kleiner 10 Jahren eingestuft.
In den neuen Bundeslndern werden eine nicht bersehbare Anzahl von geduldeten und geordneten Deponien Tagebaurestlcher zur Ablagerung genutzt [2.31].
Recyclingfhige Baustoffe sind vorwiegend ungebundene Mineralstoffgemische
aus Verkehrsflchen (z.B. Gesteinsaushub), hydraulisch gebundene (z.B. Beton)
oder bitumins gebundene (z.B. Asphalt) Stoffe, die direkt aus der Baumanahme
gewonnen werden knnen. Auf Deponien werden allerdings selten Einzelstoffe,
sondern fast ausschlielich Gemische angeliefert.
Vor allem Materialien aus dem Abbruch von Wohn- und Geschftshusern weisen
eine hohe Heterogenitt auf, wobei zum Teil unerwnschte Bestandteile oder
umweltgefahrdende Stoffe enthalten sein knnen. Um hherwertige Materialien
zurckzugewinnen, ist eine entsprechende Vorbehandlung, insbesondere eine
getrennte Erfassung am Entstehungsort, unumgnglich.
Die Materialien, die aufgrund von Baumanahmen als Baurestmassen anfallen,
werden in Bild 2.11. in Gruppen untergliedert.
Erdaushub
Bei fast allen Bauttigkeiten wie der Verlegung von elektrischen Leitungen, der
Einrichtung von Be- und Entwsserungskanlen, Straenbaumanahmen und der
Errichtung von Wohn- und Geschftskomplexen flillt Erdaushub bzw. Bodenaushub (Abfallarten-Katalog Nr. 31411) an. Es ist prinzipiell zwischen unbelastetem
Baureststoffe
Erdaushub
Straenaufbruch
I
Mutterboden
-Sand, Kies
-Lehm, Ton
-Steine
I
bitumins oder
hydraulisch gebundene Stoffe
teerhaltige oder
- teerbehaftete
Substanzen
- Pflaster- und
Randsteine
- Sand, Kies,
Schotter
57
I
I
Bauschutt
Baustellenabflle
I
-Erdreich
-Beton
-Fliesen
-Ziegel
- Kalksandstein
-Mrtel
-Gips
- Blhton
-Steinwolle
I
-Holz
- Kunststoff
-Papier
-Pappe
-Metall
-Kabel
-Farben
-Lacke
-Kleister
58
2 Der Abfall
[Link]
Aufkommen an Baurestmassen
Das Statistische Bundesamt ermittelt seit 1975 die anfallenden Mengen an Erdaushub, Bauschutt und Straenaufbruch. Diese Angaben sind jedoch nicht vollstndig, da lediglich Betriebe mit 20 und mehr Beschftigten erfat werden.
In Tabelle 2.19. sind die Anfallmengen und Verwertungsraten fiir Bodenaushub, Bauschutt und Straenaufbruch denen der marktkonkurrierenden Substitutionsgter (z.B. Hochofenschlacken, Schlacken aus der Eisen- und Stahlindustrie,
Berge aus dem Steinkohlebergbau, REA-Gips) fiir die alten Bundeslnder gegenbergestellt.
59
Tabelle 2.19. Anfall an mineralischen Reststoffen in den alten Bundeslndern [2.22, 2.35]
Abfallarten
Bodenaushub
Bauschutt
Straenaufbruch
Baustellenabflle
Schmelzkammergranulat
Aufkommen
[Mio. Mg!a]
170.
23.
20.
12.
Verwertungsrate
[Gew.-%]
32 b
16 (60)
55 (90)
0 (40)
3,5
100
4,2
Grobasche Steinkohle
50-70
2,5
Steinkohlenflugasche
70-80
7,2
Braunkohlenflugasche
2,8
MVA-Asche und -Schlacke
40-60
1,0
100
REA-Gips
10,0
Hochofenschlacke
95-100
5,0
Stahlwerksschlacke
70-90
0,5
Metallhttenschlacke
70
70,0
20-30
Waschberge Steinkohle
0,5
Waschberge Erzbergbau
25
Hochgerechneter Anfall1990; Verwertungsraten in Klammer nach Zielfestlegung der Bundesregierung.
Unbelasteter Bodenaushub ist zu verwerten und soll nicht auf Deponien abgelagert werden.
Tabelle 2.20. Jhrliches Aufkommen von Bauabfllen in Deutschland differenziert nach Abfallarten [2.29]
Abfallart
Erdaushub
Straenaufbruch
Bauschutt
Gemischte Bau- und Abbruchabflle
Summe Bauabflle
Menge [Mio. t]
94-215
10-26
8-30
8- 14
78- 75,5
8-9
6,5- 10,5
6,5-5
120-285
100
60
2 Der Abfall
[kg/(E"a))
160
140
120
o De
_ u_ts_c_
hland
100
Kreisfreie Stdte
I oKreise
---
80
60
40
20
0
1990
1991
1992
1993
1994
1995
Bild 2.12. Spezifische gemischte Bau- und Abbruchabfallmenge im Vergleich der Kreise und
kreisfreien Stdte [2.29]
[kg/(E"a)]
300 I
;-
250
200
o Deutschland
V\lestdeutschland
o Ostdeutschland
150 100
50
0
r~
L~
;-
r-- - -
f--
f--
f--
~ '-.-- -
~ '-,- -
r-
r-
,..-
1990
1991
~J~~~~_
1-
~ '-.-- ~
1992
1993
1994
1995
Bild 2.13. Spezifische gemischte Bau- und Abbruchabfallmenge im Vergleich von Ost- und
Westdeutschland [2.39]
61
Sonstiges
19%
Glas
Bauschutt
41%
1%
Kunststoffe
4%
Papier/Pappe
4%
5%
)
Holz
26%
Bild 2.14. Zusammensetzung der gemischten Bau- und Abbruchabtalle in einer entsorgungspflichtigen Krperschaft aus dem Gebiet" Westdeutschland stdtisch" (1994) in Gew.-% (einwohnerspez. Aufkommen 38 kg/(Ea) [2.39].
2 Der Abfall
62
[DM't]
300
250
200
150
Bauschutt
100
50
0
1990
1991
1992
1993
1994
1995
1996
der Monofraktion der Mineralien zu erkennen. Je grer diese Spanne ist, desto
grer ist auch der Anreiz, die mineralische Fraktion weitestgehend aus den gemischten Bau- und Abbruchabfllen femzuhalten.
Bei der Betrachtung der mittleren Gebhren-!Entgelteentwicklung (Bild 2.15.)
ist fr den Zeitraum von 1990 bis 1996 bei den gemischten Bau- und Abbruchabfllen ein Anstieg von ca. 75 DM/tauf ber 270 DM/t zu erkennen. Dies bedeutet
einen Anstieg von ber 350 % der Annahmekosten. Demgegenber sind die Gebhren und Entgelte fr Bauschutt nahezu konstant bei ca. 15 - 20 DM/t geblieben
[2.29].
2.3
Einflugren der Zusammensetzung von Haus- , Sperrund Gewerbemll
Whrend die Abfallzusammensetzung im produzierenden Gewerbe bereits im
vorangehenden Kapitel weitgehend deutlich wurde, kann der Haus-, Sperr- und
Gewerbemll aus der normalen Sammlung der Mllabfuhr qualitativ und quantitativ in den unterschiedlichen Entsorgungsgebieten schwanken. Als Ursachen
knnen dafr folgende wesentliche Einflufaktoren angegeben werden, wobei die
Reihenfolge keine Rangfolge darstellen soll:
- Gre der entsorgten Gemeinde, Flche, Einwohnerzahl,
- Geschfts- und Gewerbemllanteil, der gemeinsam mit dem Hausmll gesammelt wird,
- rtliche und regionale Unterschiede hinsichtlich der Wirtschaftskraft, der Sozial- und Gebietsstruktur,
Papier, Pappe
44,8
/
Papier, Pappe
38,2
Bild 2.16. Unterschiede in der Zusammensetzung des Abfalls aufgrund der Siedlungsstruktur in
der Stadt Wien
- zeitliche Entwicklung im Verlauf der Jahre durch Vernderung der Konsumund Lebensgewohnheiten, des Lebensstandards und der Gewerbestruktur sowie
Einflsse der allgemeinen konjunkturellen Wirtschaftslage,
- die wechselnden Jahreszeiten,
- angebotenes Sammelsystem,
- Behltergren (bzw. spezifisches Behltervolumen in Liter/Einwohner und
Tag),
- Behlterarten,
- Personenzahl eines entsorgten Gebudes,
- Frequenz und Organisation der Sperrmllabfuhr,
- Alternativen zur regelmigen Abfallentsorgung fiir den Abfallproduzenten,
wie z.B. die Recyclingbehlter fiir Papier und Glas, Mglichkeiten der Eigenkompostierung vegetabiler Abfillle, Wertstoffsammelinitiativen durch Vereine
oder Verbnde, Sammelttigkeiten privater Entsorger etc.,
- Hhe und Staffelung der Gebhrenordnung filr die Haus- und Sperrmllabfuhr,
- Intensitt der motivationsfrdernden Medien.
Die Gre der zu entsorgenden Gemeinde und deren Einflu auf die Menge und
Zusammensetzung des Abfalls wurde vor ca. 10 bis 15 Jahren bereits sorgfiiltig
untersucht. Dabei wurde festgestellt, da die Menge und die Zusammensetzung
des Abfalls von der Gre und Struktur der Siedlungszentren in dem gesamten
Siedlungsraum magebend beeinflut werden.
Kleingewerbebetriebe erhhen ber die normale Hausmllabfuhr das ProKopf-Aufkommen im Entsorgungsgebiet Der Einflu (Bild 2.16.) der sozialen
und gewerblichen Struktur wurde in einer Untersuchung in Wien 1983 deutlich.
Whrend die Randbezirke (20./22. Bezirk) vorwiegend aus Wohngebieten mit
vielen Grten, Industriebetrieben und sozialem Wohnungsbau bestehen, ist der
64
2 Der Abfall
1. Bezirk der Stadt Wien durch kleine Gaststtten, Geschfte und durch Brger
der Oberschicht gekennzeichnet.
2.3.1
spezifisches [Link]..n
<501
50-701
Anzahl d. Blcke
16
mittleres
Ben [Link]/Edl
6.2
.8.14
Housmll(kg/Eol
:.701
5
12,16
345
307
529
kg/EW0
,.., ........-""
Rest 1.15
Ras1 1,36
...... ~--
/
I
I
Rasi 2,20
//'
,~/
2
1
1
2
2,48
Vogotobilian
3,03.
Vegetabilion
4,41
Vegetabilil'n
Verpackungen
1.47
Verpackungen
1.44
Verpackungen
2.37
Papier 0,80
---
Papier 0.80
..........
' ,,
',
<Soll
..........
50-701
Papier 1,20
> 70 i
Bild 2.17. Abfallaufkommen und -Zusammensetzung unterteilt nach den wichtigsten Inhaltsstoffen in Abhngigkeit vom spezifischen Behltervolumen - Land (MGB 2401) [2.14]
2 Der Abfall
66
spezifisches Behltervolumen
<.
mittleres
kgiE
>
~Cj
20
An7ohl d Blcke
30 I
6,19
3,66
207
:Qj
285
.....
---..........
LO I
10
Rest 0,66
Rost 0.68
Vegetobtlton
2.01
Vegetabilien
Vegetabilien
Verpackungen
Verpackungen
Verpackungan
Rest 0,58
1,52
1.08
Pa~uir
0.55
2-
< Jnt
----
,_
--
1.41
PopiPr 0.65
2.04
----
c;;;~
1,70
--- ___
....
Papier 1,05
1-:401
Bild 2.18. Abfallaufkommen und -Zusammensetzung unterteilt nach den wichtigsten Inhaltsstoffen in Abhngigkeit vom spezifischen Behltervolumen-Stadt (1101 Tonnen)[2.14]
treten hier die mineralischen Bestandteile in Erscheinung, die unter der Rubrik
"Rest" subsumiert sind.
Die Dichte nimmt mit steigender Behltergre ab, wie Bild 2.19. zeigt. Die
Ausgleichsgerade ist auf der Grundlage der Ergebnisse der aktualisierten Bundesweiten Hausmllanalyse [2.15] von 1983 gelegt worden.
Besteht ein fr den Brger zu geringes Behlterangebot, so werden Hausmllbestandteile und Gartenabfiille gemeinsam mit der Sperrmllabfuhr entsorgt. Damit steigen die Sammel- und Transportkosten fr die Sperrmllabfuhr verstrkt
an, so da eine Einfhrung von greren Hausmllgefen fr den Brger billiger
wird. Durch die Vergrerung des spezifischen Behltervolumens steigt der Hausund Sperrmllanteil jedoch nicht beliebig an, sondern stabilisiert sich auf einem
Niveau gem der soziokonomischen Umgebung, der Siedlungsstruktur und dem
entsprechenden Abfall- und Recyclingbewutsein der Brger.
Verschiedene Autoren haben den Zusammenhang zwischen Abfalldichte und
Behltergre untersucht.
Mit der sinkenden Abfalldichte geht eine durchschnittliche Vergrerung der
Komdichte einher. Fr die sinkende Dichte und die grer werdende Komdichte
bei zunehmender Behltergre gibt es zweckmige Grnde: der Abfalllt sich
in kleinen Behltern besser verdichten und kann groe Stcke, wie z.B. Kartons
und sperrige Stcke aller Art, nur zerrissen oder zerschlagen aufnehmen. Damit
wird das bestehende Behltervolumen besser ausgenutzt.
30011
I
I
250 f------+----+--+---+--H
Tabarasan
Gallenkernper
b.
ARGUS
c----
o Eder
o Barghoorn
200
f--+----+---+-~------'r----t-------i----+-
b.
150
~,
[J
1oo----l-~~'
~ _l ~--'------~
00
'
30
50
110
220
770 1.100
4.400
12.000
Bild 2.19. Bestimmung der Abfalldichte in kg/m' in Abhngigkeit von dem Behltervolumen
2.3.2
68
2 Der Abfall
Gesamtmenge: 15 Mio Mg
1979/80
- - Kunststoffe 6,1 %
Holz, Leder u.a. 2,3%
Vegetabilien 26,8 %
- - - NE-Metalle 0,4%
- - - - - FE-Metalle3,5%
Pappe 4,1% --
/ ___- Wegwertwindeln 2 %
Materialverbund 1,1 %
. . . - - - - Mineralien 2%
---
Textilien2%
- - Kunststoffe 5,4 %
Vegetabilien 29,9%
----
Glas 9,2%
. - - NE-Metalle 0,4%
Pappe4%
L_____~-
Papier12%
Bild 2.21. stellt die Unterschiede in der Zusammensetzung des stdtischen und
lndlichen Abfalls fr die Bundesrepublik Deutschland nach der BHMA fr
1979/80 und 1985 dar. Unterhalb der vorgegebenen Achse sind die Verpackungsmaterialien und das Papier aufgetragen, sie stellen den wertbestimmenden Anteil
fiir eine Recyclinganlage dar. Oberhalb der Achse sind die vorwiegend mineralischen und vegetabilen Teile des Abfalls dargestellt. Aus ihnen entstehen in einer
Recyclinganlage die Kompost- und die zu deponierenden Reststofffraktionen.
Besonders deutlich wird der Unterschied in der Zusammensetzung sowohl bei
dem Papier als auch bei den Vegetabilien. Ebenfalls zum Haushaltsabfall gehrt
der Sperrmll, der fr den Zeitraum der BHMA 1979/80 bei 2,18 Mio. Mg und
1985 bei 1,7 Mio. Mg lag. Das entspricht einer spezifischen Sperrmllmenge
Land
Stadt
Land
5. 784.000 Mg/a
238,8 kg I E & a
9.160.000 Mg/a
247,7 kg I E & a
5.034.000 Mgla
239,6 kg I E & a
8.989.000 Mgla
224,5 kg I E & a
HoiZ,Teldilen,Verbund
Holz, Textilen, Verl::uld
3,9%
Mineralien3,4"L
44.70
Fraktionll15,1%
I
I
61,7%
,. ....I
52,8%
'1
vagelabHer Rest 43,3%
58%
52%
Fraktion 1116%
_;_
Fraktionl8%
Pappe4,1%
Fraktionl8,8%
FeirvnOII8,7%
Pappe 4,1%
Pap. Verb!Jnd 1,3'!1.
Papier1Ytl.
Pappe4,3%
Pap. Verbund 1,9%
Papler13,8%
38.5%
Metalle3,9%
Metalle3,ft
Kunststoff 5,8'!1.
Kunststoff 6,6%
Glas10,2%
II
j
Glas13.8%
....
Kunststoff5,7%
Metalle3,5%
Glas10,7%
I
_j_
FeinmOll I 0,6%
Pappe3,8%
.,.
I
Kunstst:off5,2%
Metatle3,1%
Glas8,3%
ll\legwerfwindeln,
Marterialverb.6,9%
\o\legwerfwindeln,
Marteriatverb.6,1%
1979180
1985
Bild 2.21. Abfallzusammensetzung in Gewichtsprozent fiir 1979/80 und 1985, unterteilt nach
Stadt und Land [2.14, 2.16]
Tabelle 2.21. Entwicklung der Hausmllzusammensetzung in der ehemaligen DDR bzw. den
neuen Bundeslndern von 1985 bis 1991 [2.28]
Fraktion
Fe-Schrott
NE-Metalle
Glas
Mineralien
Plaste
Materialverbund
Textilien
Papier/Pappe
Knochen/Holz
Vegetabilien
Brot
Feinmll <16 mm
1985
3,03
0,53
8,84
1,00
3,01
1,25
1,95
12,05
0,93
28,55
3,68
35,18
1988
2,56
0,62
10,56
0,79
3,98
1,15
2,92
13,24
0,82
23,51
3,92
35,93
1991.
100,00
100,00
100,00
Wegwerfwindeln
Problemstoffe
Summe
Angaben in Masse-%
4,90
0,59
12,45
4,62
6,01
4,29
2,72
10,32
31,02
2,99
18,42
1,30
0,37
70
2 Der Abfall
fr 1979/80 von 35,6 kg/E und 1985 von 27,9 kg/E [2.16, 2.17].
Eine Vernderung zeigte sich auch bei den spezifischen Abfallmengen zwischen Stadt und Land. Wie in Bild 2.21. deutlich wird, steigt die spezifische Abfallmenge im stdtischen Bereich, whrend sie in den Landregionen stark abfllt.
Die Zusammensetzung des Hausmlls hat sich nach der "Wende" in den ostdeutschen Bundeslndern gendert. Tabelle 2.21. zeigt diese Entwicklung. Whrend die Werte in den Jahren 1985 und 1988 noch annhernd gleich waren, so sind
fr das Jahr 1991 einige Abweichungen zu verzeichnen. Signifikant ist die Abnahme des Feinmllanteils um ca. 50%, was auf die teilweise Umstellung der
Heizungsart von Kohlefeuerung auf importiertes Erdl/Erdgas und den Ausbau
des Fernwrmenetzes zurckzufhren ist.
Durch gendertes Konsumverhalten (Kauf von Einwegverpackungen) und den
Wegfall des SERO-Systems ist der Anteil an Kunststoffen, Fe-Schrott (Konservendosen), Glas und Materialverbunden gestiegen. Der erhhte Anteil der Fraktion Mineralien wird auf den Anfall von Bauschutt infolge verstrkter Bauaktivitten zurckgefhrt. Die Steigerung der Fraktion Vegetabilien im Hausmll wird
durch ein erhhtes Angebot sowie durch den Wegfall der "Specki-Tonne" erklrt
[2.28].
2.3.3
Schwankungen der Stoffmengen
Neben der durchschnittlichen prozentualen Zusammensetzung des Abfalls sind
insbesondere fr den Betrieb einer Recyclinganlage die Schwankungen der monatlichen Abfallzusammensetzung und zustzlich noch die Schwankungen der
absoluten Mllmenge pro Jahr zu bercksichtigen.
Dies hat neben der technischen Reserve wesentliche Auswirkungen auf die
Kapazitten und Techniken im Annahmebereich, auf den Lagerbedarf, auf die
Betriebszeiten der Sortier- und Frderaggregate und auf die notwendigen Transportkapazitten fr die Produkte und Reststoffe sowie einen Einflu auf die monatlichen Erlse aus den Produktverkufen.
In der Bundesweiten Hausmllanalyse wurden die Abfallmengen im Jahresverlauf
unter Bercksichtigung des spezifischen Behltervolumens auf die zwei wesentlichen Stoffgruppenarten (Verpackung einschlielich Papier und Vegetabilien) und
den Einflu von stdtischen und lndlichen Gebieten hin untersucht. In Bild 2.22.
werden die Schwankungen des Abfalls fr den lndlichen und stdtischen Bereich
dargestellt. Auch der Einflu der Behltergre auf die Abfallmenge und -ZUsammensetzung wird hier noch einmal deutlich. Fr eine Recyclinganlage, die lndlichen Abfall zu verarbeiten htte, bedeutet dies, da bei groem spezifischen Behltervolumen im Sptsommer eine enorme Kompostfraktion anfllt. Dies wirft
eine grundstzliche Frage nach der abfallwirtschaftlichen Organisation der Landkreise auf, welche hervorruft, da durch das Aufstellen von groen Behltern,
Gartenabflle mit anderen Abfallkomponenten gemischt, mit Schadstoffen angereichert und dann in einer Recyclinganlage oder Kompostieranlage wieder von
den anderen Stoffen getrennt, kompostiert und dann mit groem Marketingaufwand an die Kleingrtner verkauft werden mssen. Das Duale System
reduziert den Hausmll ab 1995 um ca. 30 Gew.-% bzw. 50 Vol.-%.
8
7 -
kg/E Wo
6 -
5 -
4
3 -
2 -
1 -
&
1 -
2 -
3
4
5
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L------' - -------
Frhjahr
Sommer
Herbst
1960
1979
kg/E Wo
_.........---~
2
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>
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Analyselauf
-1
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Frhjahr
Winter
~e-
L-
>
Frhjahr
Sommer
Herbst
1979
Winter
Frhjahr
1980
Damit steigt der Anteil organischen Materials zu Restmll noch weiter an, wodurch noch grere Schwankungen dieser Fraktion zu bercksichtigen sind.
Die jahreszeitlichen Schwankungen der Abfallfraktionen werden nachfolgend
beispielhaft anband von 8 Abfallsortierungen in Dresden verdeutlicht. Die Sortierungen wurden im Sommer bzw. Herbst 1994 bis Sommer 1997 durchgefhrt (s.
Bild 2.23.).
Auffiillig ist der hohe Ascheanteil im Winter 1996 von ca. 100 kg/Ea. In der
Darstellung des Herbstmlls (Dresden) zeigt der geringe Ascheanfall den Beginn
72
2 Der Abfall
kgi(E' a)
300
275,7
250
100
Herost
1994
Wnter
1994
II:] WertStoffe
Hert>st
1995
l[l Bioabflllle
FrOhjahr
1996
~ Heizwertreich
Sommer
1996
~ Summe lner1
Frot'janr
1997
Schadstoffe
der Heizperiode an, auerdem ist der fr diese Jahreszeit typische gestiegene Betrag an kompostierbaren Materialien abzulesen [2.39].
2.3.4
[%]
::r
Dichte
[kg/m']
140-!
I
F M A M J J A S 0 N D
___
uuu u
F M A M J
I -r-T~--~----..
A S 0
N D
Bild 2.24. Jahresmittelwert und Jahresverlauf der Dichte und des Feuchtigkeitsgehaltes flir den
Abfallinput des Jahres 1982/83 in der Recyclinganlage in Wien [2.13]
lagebedeutet dieser Faktor eine eventuelle Verlngerung der Betriebszeit oder bei
entsprechenden Kapazittsreserven der Aggregate eine hhere Auslastung.
2.3.5
3.1
Durchfhrung, Systeme, Organisation
Nach 1 Abs. 2 AbfG umfat die Abfallbeseitigung neben der Gewinnung von
Stoffen oder Energieerzeugung aus Abfllen, deren Behandlung und Ablagerung
auch alle erforderlichen Manahmen des Einsammelns, Befrdems und Lagems.
Abflle mssen also am Anfallort bereitgestellt und eingesammelt werden. Sofern
sie nicht an Ort und Stelle verwertet werden knnen, erfolgt anschlieend der
Transport entweder direkt oder nach Umschlag auf grere Transporteinheiten
zum Ort der Behandlung, Verwertung oder Deponierung.
Sammlung und Transport von Abtallen haben folgende Aufgaben zu erfiillen
[3.1]:
- Erfassung und Einsammlung aller in Haushalten, Industrie- und Gewerbebetrieben anfallenden Abflle,
- Transport der eingesammelten Abtalle zu Abfallbehandlungs- und Beseitigungsanlagen,
- getrennte Erfassung und Abfuhr von Wertstoffen.
Der Bereich Sammlung-Umschlag-Transport spielt im System der Abfallwirtschaft eine wichtige und hufig unterschtzte Rolle. Immerhin verursacht er 30 bis
40% der Gesamtkosten der Abfallbeseitigung und bietet damit bei Verbesserungen in Organisation und Durchfiihrung erhebliche Einsparmglichkeiten. Desweiteren haben z.B. Art, Gre und Kombination der Sammetbehlter sowie der
Entleerungsrhythmus Einflu auf die Hausmllzusammensetzung und auf die
Reinheit und Menge getrennt gesammelter Wertstoffe. Hierdurch besteht also die
Mglichkeit, am Anfang des Entsorgungsprozesses eine gewisse Steuerung des
Abfallaufkommens und der Abfallzusammensetzung vorzunehmen.
Sammlung und Transport sind hoheitliche Aufgaben der nach Landesrecht zustndigen Krperschaft. In der Regel ist dies die Kommune, die sich fiir die Erfiillung dieser Aufgaben auch Dritter, d.h. privater Entsorgungsuntemehmen,
bedienen kann.
Fr eine effiziente Durchfiihrung und optimale Organisation der Abfallsammlung und des Transportes sind Einflugren [3 .3] zu bercksichtigen wie
- Gre des Sammelgebietes,
- Wirtschaftsstruktur,
- Lebensgewohnheiten,
- stdtebauliche Gegebenheiten,
76
3.1.1
Sammelsysteme
Der Vorgang des Einsammeins von Abfllen umfat den Weg von der Fllung des
Sarnmelbehlters bis zur Beladung des Sammelfahrzeuges. Hierbei versteht man
unter einem Sammelsystem eine Kombination von technischen Betriebsmitteln
und menschlicher Arbeitskraft, insbesondere
- Sammelverfahren,
- Behltersystem,
- Fahrzeuge,
- Personal.
In einer Gebietskrperschaft mit unterschiedlicher Bebauung und einer Reihe von
greren Betrieben und Verwaltungen ist es nicht mglich, die Sammlung nur mit
einem einzelnen System durchzufhren. Den jeweiligen rtlichen Verhltnissen
entsprechend mssen unterschiedliche Sarnmelsysteme eingesetzt werden.
Die Beurteilung eines Sammelsystems und die berprfung der Organisation
hinsichtlich der Zielsetzung kann anband folgender Kriterien vorgenommen werden:
- Wirtschaftlichkeit,
- Arbeitssicherheit,
- Hygiene,
- Auswirkungen auf die Wertstoffsammlung,
- Anforderungen der nachgeschalteten Behandlungs- und Beseitigungsanlagen,
- stdtebauliche Aspekte,
- Benutzerkomfort,
- Reservehaltung,
- Reparaturanfalligkeit,
- physische Beanspruchung des Ladepersonals.
Die Kriterien mssen immer gemeinsam und in einem ausgewogenen Verhltnis
bercksichtigt werden, um die Vernachlssigung einzelner Bereiche und damit die
Beeintrchtigung des gesamten Systems zu vermeiden [3.4].
[Link]
Sammetverfahren
Bei den Sammelverfahren wird unterschieden in Umleerverfahren, Wechselverfahren und Einwegverfahren. Hinzu kommen die systemlose Sammlung, die bei
der Abfuhr von Sperrmll und Sperrgut angewandt wird, und zwei Sonderverfahren nach pneumatischem und hydraulischem Prinzip. Zu jedem Sammelverfahren
77
Umleerverfahren
Beim Umleerverfahren, berwiegend bei der Abfuhr von Hausmll und hausmllhnlichem Gewerbeabfall eingesetzt, werden fahrbare Sammelbehlter verwendet, die ber Hub- und Kippvorrichtungen in die Sammetfahrzeuge umgeleert
und an den gleichen Standplatz zurckgestellt werden. Der Transport der Hausmllsammelbehlter vom Standplatz zum Straenrand und zurck wird entweder
durch den Benutzer (Benutzertransport) oder die Mllwerker (Mannschaftstransport) vorgenommen. Auf die Behlter abgestimmte System-Schttvorrichtungen
erleichtern die Arbeit fr das Ladepersonal. Verwendet werden dabei unterschiedliche, berwiegend genormte Behlter, die in Fahrzeuge mit kombinierten Schttvorrichtungen fr die verschiedenen Behltertypen entleert werden knnen.
Je nach anfallender Mllmenge und Beschaffenheit des Standplatzes werden
Behlter unterschiedlicher Art und Gre eingesetzt. Neben System-Schttvorrichtungen sind Fahrzeuge fr das Umleerverfahren heute mit Einrichtungen
zur Verdichtung des Abfalls ausgestattet, so da das zwei- bis dreifache Behltervolumen geladen werden kann [3.5]. Es werden Fahrzeuge mit Aufbauten bis zu
23 m3 Rauminhalt eingesetzt.
Wechselverfahren
Das Wechselverfahren eignet sich fr Abflle mit hoher Dichte, wie Bauschutt
und Schlmmen, und fr Abflle mit niedriger Dichte, wie Hausmll und Geschftsmll von Groanfallstellen, wie z.B. Gewerbe- und Industriebetrieben,
groen Hotels, Anstalten, Verwaltungen und Wohneinheiten gleichermaen [3.5].
Bei diesem Verfahren werden volle Sammetbehlter am Standplatz gegen leere
gleicher Art ausgetauscht und nach Entleerung an anderer Stelle abgestellt. Mssen jedoch Behlter unterschiedlicher Art und Gre transportiert werden, oder
erfolgt die Entleerung unregelmig auf Abruf, werden die Behlter nach Entleerung in der Beseitigungsanlage auf den gleichen Standplatz zurckgebracht. Man
spricht in diesem Fall von "Direkttransport".
Aus wirtschaftlichen Grnden werden in der Regel Behlter ab 4 m3 Inhalt
verwendet, die ber verschiedene Kippersysteme bewegt werden.
Eine Verdichtung des Containerinhaltes mit einer stationren Mllpresse oder
in Precontainern mit eigenen Verdichtungseinrichtungen ist mglich.
Einwegverfahren
Beim Einwegverfahren werden die Abtalle in Scken aus Papier oder Kunststoff
sauber und auf hygienisch unbedenkliche Weise bereitgestellt und verladen. Der
Sammelvorgang wird dadurch verkrzt, da keine entleerten Behlter an den
Standplatz zurckgebracht werden mssen, und die Reinigung von Behltern
entfllt. Die Verladung der Scke erfolgt in der Regel per Hand und bedeutet eine
erhebliche physische Belastung des Sammelpersonals.
Das Volumen der Scke ist deswegen und aufgrund der begrenzten Tragfhigkeit des Sackmaterials auf maximal 110 I beschrnkt. bliche Verwendungsgren sind 50 und 70 1.
78
Hinsichtlich der Zielsetzung einer Abfallvermeidung mu die Abfallmengenzunahme durch das Sackmaterial von immerhin bis zu 3 Gew.-% zumindest als bedenklich angesehen werden.
In der Regel werden Mllscke in Zeiten erhhten Mllaufkommens (z.B.
Weihnachten), auf Campingpltzen, bei Ausstellungen und Groveranstaltungen
etc. sowie berall dort verwendet, wo besondere hygienische Anforderungen an
die Abfallentsorgung gestellt werden (z.B. in Krankenhusern und Pflegeheimen).
Oft werden sie vor der Abfuhr in Containern gesammelt.
Systemlose Sammlung
Die systemlose Sammlung, bei der die Abtalle nach Gre und Form uneinheitlich
oder in offenen Behltern gesammelt werden, wird nur noch bei der Sammlung
von Sperrmll und besonders groen Teilen (z.B. Sperrgut) angewandt. Die
Sperrmllteile mssen gut zugnglich zur Abfuhr bereitgestellt werden, damit sie
von der Besatzung der Sammelfahrzeuge verladen werden knnen.
Sonderverfahren
Zu den Sonderverfahren zhlen die Systeme Absaugung und Abschwemmung. Bei
den pneumatischen Verfahren (Absaugung) und hydraulischen Verfahren (Abschwemmung) sind die Bereiche Sammlung und Transport miteinander kombiniert. Diese beiden Sammelverfahren nehmen aufgrundihrer geringen Bedeutung
eine Sonderstellung ein.
Die Anwendung des pneumatischen Verfahrens wurde fr eng gebaute Altstadtgebiete und Neubaugebiete mit hoher Einwohnerdichte (Hochhausbebauung)
errtert und bietet sich in erster Linie aus verkehrstechnischen Grnden an. Beim
pneumatischen Mlltransport dient strmende Luft als Trgermedium. Zur berwindung der Fortleitungswiderstnde und zur Herstellung einer ausreichenden
Strmung mu ein bestimmtes Druckniveau aufgewendet werden. Der pneumatische Mlltransport ersetzt sowohl die im Haushalt von den Benutzern durchzufhrende Sammlung und Bereitstellung des Hausmlls sowie die Abfuhr zur ortsnahen Verbringungsstelle, z.B. einer Mllbeseitigungsanlage oder einer Mllumladestation [3.6].
Nach dem Vorbild des pneumatischen Verfahrens, wie es in Sundbyberg
(Schweden) verwirktlicht wurde, wurde die Mllsammlung im Olympischen Dorf
der Stadt Mnchen geplant. Weitere Bespiele wurden in der Bundesrepublik
Deutschland nicht verwirklicht.
In Schweden und den USA werden Zentralsauganlagen fr eine hygienische
Gebudereinigung verwandt, die gleichzeitig die Aufgaben der Abfallbeseitigung
beinhalten. Kombinierte Saugtransportsysteme werden bereits in Krankenhusern
angewendet (z.B. Lwenstrmska-Krankenhaus bei Stockholm).
Ende der 60er Jahre wurde die Abschwemmung von Kchenabtallen ber Kchenabfallzerkleinerer gemeinsam mit dem Abwasser in die Kanalisation diskutiert (hydraulisches Verfahren). Beispiele existierten in der Schweiz und den USA.
Zwar wird die Schmutzwassermenge durch das Splwassers des Zerkleinerers
nicht wesentlich erhht, aber das Abwassernetz ertahrt eine, den Mllmengen
entsprechende hhere Belastung. Diese resultiert aus dem hohen Reinigungsauf-
79
wand fr die Klranlage, bedingt durch den hohen Reinigungsaufwand zur Trennung der Abfiille vom Wasser. Diese Idee konnte sich nicht durchsetzen [3.7].
[Link]
Behltersysteme
Um eine rationelle und mechanisierte Abfallsammlung zu ermglichen, mssen
die Anzahl der Behlterarten und -gren begrenzt und ihre Ausfhrungen genormt sein.
Im Bereich der Hausmllsammlung werden heute statt kleiner, teilweise tragbarer Behlter fast nur noch fahrbare Behlter mit Rauminhalten von II 0 bis zu
I IOO I, z.T. auch bis 5 000 I, eingesetzt. Hiermit wird durch den Rationalisierungseffekt die Wirtschaftlichkeit der Mllabfuhr erhht.
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Seit 1975 werden auch Behlter mit 2 500 und 5 000 1 Inhalt aus Stahlblech mit
einem bzw. zwei Klappdeckeln bevorzugt dort eingesetzt, wo groe Haus- und
Gewerbeabfallmengen anfallen. Wie alle bisher genannten Behlter werden auch
diese in der Regel im Umleerverfahren entleert.
MGB 120/240 werden nach DIN 30740 (Bild 3.1), MGB 1100 nach DIN 30700
(Bild 3.2) und MGB 2500/5000 nach DIN 30737 (Bild 3.3) ausgefiihrt.
In der Regel werden in solchen Anlagen Hausmll, hausmllhnliche Gewerbeabfillle und zum Teil Industrieabtalle und feste Sonderabtalle umgeschlagen. Fls-
81
82
3.1.2
Umschlag
10n?
I I
I 111111111111
11111111111
iiiiiiiiiH
SPEZIFISCHE KOSTEN
(DM/Mg)
----
<D
@
<D
ABFALLMENGE [Mg/al
QA
Bild 3.5. Vergleich der spezifischen Transportkosten zwischen Direkttransport und Umschlagstation in Abhngigkeit der Abfallmenge [3.3]
83
84
[Link]
AnIieferung
Unter Aufbereitung im Rahmen des Umschlags versteht man die Behandlung der
Abtalle nach der Anlieferung an der Umschlagstation. Sie knnen direkt oder
unter Zwischenschaltung eines Bunkers verdichtet oderunverdichtet in das Ferntransportmittel verladen werden. Die Abkippstellen fiir Sammelfahrzeuge an einem Tiefbunker knnen unterschiedlich ausgefiihrt werden.
Befindet sich die Kippkante direkt am Rand des Bunkers, besteht unter Umstnden die Gefahr einer Kollision zwischen dem Krangreifer und dem entladenden Fahrzeug. Durch Materialbschung wird das Bunkervolumen nur schlecht
ausgenutzt, wenn die Kippkante vor dem Bunkerrand verlegt wird. Technisch
aufwendig ist die Entleerung mit Hydraulikschieber, wobei jedoch eine gute Ausnutzung des Bunkervolumens erreicht wird [3.9] (Bilder 3.6, 3.7, 3.8).
Bei Umladung ohne Verdichtung werden die zum Teil im Sammelfahrzeug
vorverdichteten Abflle ohne oder nach Zwischenlagerung ber Flltrichter in
oben offene Ferntransporter oder Wechselbehlter gekippt. Mit einem mechanischen Rechen kann die Ladung verteilt werden. Diese einfache Seladungsmethode
zeichnet sich durch geringen technischen Aufwand und niedrige Stranflligkeit
aus. Allerdings wird, auch bei Vorkomprimierung der Abtalle im Sammelfahrzeug, die zulssige Zuladung nicht immer erreicht und so die Ladekapazitt nicht
vollstndig ausgenutzt. Dies gilt insbesondere fiir Sperrmll.
Die Verdichtung von Abfllen in einer Umschlagstation kann mit verschiedenen technischen Verfahren erfolgen, wie die Verdichtung durch Verdichtungsfahrzeuge in einer Grube, durch hydraulische Mllpressen oder durch Zerkleinerung.
Werden Fahrzeuge wie Raupenschlepper und Kompaktor-Traktoren zur Verdichtung eingesetzt, lt sich nur ein relativ geringes Verdichtungsverhltnis erreichen. Auerdem erfhrt der Abfall bei der Beladung wieder eine Auflockerung.
Fr die Verdichtung in hydraulischen Mllpressen werden drei Verfahren angewendet:
- An stationre Abfallpressen werden Wechselcontainer gekoppelt. Das An- und
Abkoppeln geschieht bei modernen Anlagenkonstruktionen automatisch. Das
Befiillen der Presse erfolgt unter Zwischenschaltung von Dosierbndern und
Wgeeinrichtungen ber einen Trichter. Dadurch wird eine berladung, d.h.
berschreitung der zulssigen Nutzlast, verhindert. Bei Einsatz einer Vorkammerpresse gelangt der Abfall bereits verpret in ballenartigen Portionen in den
Container. Ein Ballen entsteht durch Pressen gegen eine heruntergelassene
85
Bild 3.8. Tiefbunker mit Mllbett Entleerung in den Bunker mit Hydraulikschieber [3.9]
Wand in der Vorkammer und wird danach durch den Stempel in den Container
geschoben (Bild 3.9). In einer Stopfpresse wird der Container in einem direkten
Arbeitsgang gefllt und der Abfall gegen die Containerwnde gepret, die zu
diesem Zweck verstrkt ausgebildet werden (Bild 3.10). Hausmll kann auf
diese Weise bis auf eine Dichte von 600 kg/m3 zusammengepret werden.
Wechselcontainer werden ber Verschiebe- und Krananlagen auf das Transportmittel gehoben. Eine schnelle Entleerung der Container erfolgt mit Hilfe
der an der Stirnseite der Container angebrachten Ausdruckschilder.
- Ist die Presse im Transportfahrzeug installiert, wird der Abfall von oben durch
eine ffnung im vorderen Teil in den Groraumbehlter aufgegeben (Bild
3.11 ). Ein hydraulisches Schott drckt den Abfall in Schben durch den Behlter gegen die rckwrtigen Tren. Das Dach des Aufliegers wird nach dem
Beladevorgang durch eine Schiebeeinrichtung verschlossen. Die Presse kann
durch den Motor des Lastzuges oder durch ein auf der Umladestation und der
Entladestation fest installiertes Aggregat angetrieben werden. Wegen des hohen
Anschaffungspreises und des groen Eigengewichtes sind die Pressen relativ
86
~.
~
'
~'9
II
selten in das Fahrzeug integriert. Beim Entladevorgang arbeitet die Presse als
Aushubschild und drckt den Abfall durch die hinteren Tren hinaus.
- In einer stationren Ballenpresse knnen einzelne Ballen mit Abmessungen von
z.B. I 500 x 900 x 900 mm gepret werden (Bild 3.12). Die Ballen werden hufig whrend des Prevorganges mit Draht umwickelt und anschlieend von
Gabelstaplern oder Krnen auf eine Lkw-Plattform gesetzt. Es wird eine hohe
Nutzlast erreicht. Von Vorteil sind bei diesem Verfahren die einfache Konstruktion der Transportfahrzeuge und die einfache Stapelmglichkeit der Preballen.
- Durch Zerkleinerung in Scheren, Prall- oder Hammermhlen wird ebenfalls
eine Verdichtung des Abfalls erreicht. Hier kann zustzlich eine Magnetscheidung zwischengeschaltet werden, um damit Fe-Bestandteile abzutrennen. Zustzlich mssen Schutzmanahmen ftlr eine zustzliche Lrm- und Staubentwicklung vorgenommen werden.
[Link]
Be- und Entladung von Transportmitteln
Die Art der Betadung richtet sich nach dem eingesetzten FerntransportmitteL Der
Ferntransport kann auf der Strae, zu Wasser oder mit der Bahn erfolgen. Angeliefert werden Abflle in der Regel mit Straenfahrzeugen. Auch der Ferntransport
findet hauptschlich aufder Strae statt (Bild 3.13). Beim Ferntransport mit Straenfahrzeugen werden fest auf die Fahrzeuge montierte Groraumbehlter direkt
Beim Schienentransport werden gefilllte Groraumbehlter von einer Verladebrcke aufgenommen und auf Eisenbahnwaggons abgestellt. Am Zielort werden
diese meist wieder auf Lkw's zurckgeladen, um die Deponie oder Behandlungsanlage flexibler anfahren zu knnen.
Ferntransportfahrzeug
tn das Ftrntransporllahrzeug.
umtadtstallon mll Indirekter Umtadung ber eine MOllmn veratcntung tn das Fernuansporllahrzeug.
87
Bild 3.14. Entleeren der MUllfahrzeuge in einem Silo mit ROttelrinne und Beladen von Drehtrommelbehltem zum Bahntransport [3 .II]
Bei einer weiteren Variante werden in der Umladestation fest auf Lkw-Auflieger
montierte Groraumbehlter geftlllt. Der Auflieger wird von einer Zugmaschine
auf den Eisenbahnwaggon gefahren und am Zielort von einer anderen angekoppelt und zur Deponie oder Abfallbehandlungsanlage gebracht.
88
Mglich ist auch das direkte Abkippen aus den Sammetfahrzeugen in oben offene
Groraumwaggons. Entladen werden diese am Zielort ber eine Krananlage
mittels Greifern. Beim System "Altvater'' werden sich um ihre Lngsachse drehende, zylindrische Behlter (Drehtrommelbehlter) von der Stirnseite geruHt.
Innen angebrachte Leitbleche bewirken eine vollstndige Ausnutzung des Fllraumes. Die Entleerung geschieht durch entgegengesetztes Drehen der Drehtrommelbehlter (Bild 3.14). Das Fassungsvermgen der Behlter betrgt bei ca. 73m3
Rauminhalt bis 50 Mg Abflle.
Beim Ferntransport mit Schiffen kippen die Sammetfahrzeuge ihren Inhalt entweder direkt in oben offene Lastkhne (Bild 3.15) oder ber Mllpressen in Groraumbehlter, die ber Krananlagen auf Containerschiffen abgesetzt werden. Offene Schuten knnen von Krananlagen mittels Polypgreifern be- und entladen
werden. Staubentwicklung beim Beladen offener Schiffe kann durch Einhausung
und leichtem Unterdruck entgegengewirkt werden [3.3]. Beladene Khne werden
durch verschiebbare Vorrichtungen abgedeckt.
[Link]
Planung und Aufbau einer Umschlagstation
Fr die Planung einer Umschlagstation sind in erster Linie die Frage nach dem
Standort und dem Ferntransportsystem sowie Art und Menge der Abflle von
Bedeutung. Auf Grundlage des Investitionserleichterungsgesetzes und der
4. BlmSchV vom 22. Aprill993 werden Umschlaganlagen nach dem Immissionsschutzrecht genehmigt. Zur Festlegung des aus transporttechnischen Grnden
optimalen Standortes sind Transportkostenuntersuchungen durchzufUhren, die
darauf ausgerichtet sein mssen, den Zeitaufwand fUr den Abfalltransport in den
Sammelfahrzeugen gering zu halten.
Die Dimensionierung der Anlage sowie die bauliche und maschinelle Einrichtung richten sich nach Art und Menge der angelieferten Abflle und der Wahl des
Ferntransportsystems.
Bild 3.16 gibt einen systematischen Umblick ber die verschiedenen Varianten
von Umschlagstationen. Grundstzlich kann der Aufbau einer Umschlagstation
89
Gravitations-Direkt~-umladung
ohne Puffer
I Grav1~ations-Um~dui)/
m1t
Puffe~ager
___ _
Mllumladung
ohne Verdichtung
90
3.1.3
Transportsysteme
Unter Abfalltransport versteht man die Vorgnge, die nach Beendigung der
Sammlung beginnen und mit bergabe des Abfalls an die Beseitigungs- oder
Verwertungsanlage enden [3.2]. Beim Abfalltransport wird zwischen Nah- und
Ferntransport unterschieden. Nach der Sammlung bereitgestellter Abflille am
Anfallort folgt der Nahtransport zur nahegelegenen Behandlungs- und Beseitigungsanlage oder zur Umschlagstation. Von der Umschlagstation gelangt der
Abfall im Ferntransport zu einer zentralen Behandlungs- oder Beseitigungsanlage.
Bild 3.17 zeigt die Einordnung des Abfalltransportes in den Gesamtproze der
Abfallbeseitigung. Es wird unterschieden zwischen Volltransport, Leertransport
und Zwischentransport. Ein Zwischentransport ist gegeben, wenn das Sammetfahrzeug in einem Sammelrevier nicht ausgelastet werden kann.
In Umschlagstationen werden Abflille fr den Ferntransport auf die Ferntransportmittel Groraumfahrzeug, Bahn oder Schiff umgeladen. Der straengebundene Ferntransport erweist sich dabei als das variabelste Transportsystem.
Als Folge der Vernderung der Mllzusammensetzung und der insgesamt stark
angestiegenen Abfallmengen ergibt sich die Notwendigkeit, Abflille verdichtet zu
transportieren, um dadurch die zulssige Nutzlast der jeweiligen Transportmittel
vollstndig auszunutzen.
[Link]
91
Leertransport
Sammel und
Verdichten
I
I
Voltrensport
Zwischenlager
H
I
I
I
Semmel und
Verdichten
Umladen
(Verdichten)
~
'--
i
Rests toffVerwertung
Behandlung
Reduktion
Kompostierung
Verbrennung
Ferntransport
r--
i
Reststof!Iransport
Leertransport
Zentral- bzw.
Reststoffdeponie
J---
Bild 3.17. Einordnung des Transportes in die verschiedenen Verfahrensschritte der Abfallbeseitigung [3.11]
92
Schttvorrichtungen an Sammelfahrzeugen
Von pneumatischen oder hydraulischen Hub- und Kippvorrichtungen werden
Abfallsammelbehlter an der Heckseite des Sammelfahrzeuges aufgenommen,
mittels an das Behltersystem angepater ffuungen (Systemschttung) in das
Fahrzeuginnere entleert oder ber eine offene Schttung in die Aufuahmevorrichtung (auch Mulde) gegeben (Universalschttung). Das Entleeren des Fahrzeugautbaus erfolgt durch Hinterkippen und gleichzeitiges Hochschwenken der
Einfiillvorrichtung. Dadurch wird der gesamte Aufbauquerschnitt zur Entladung
freigegeben. Ein staubarmer Ladevorgang wird ermglicht, wenn eine vollstndige Verbindung zwischen dem Sammelbehlter und der Schttffnung erreicht
werden kann. Die ffuung mu dafilr auf einzelne Behltertypen und -gren
abgestimmt sein. Ringeimer und Mlltonnen werden auf diese Weise durch eine
Frontplatte mit Schttungsffuungen entleert, die dem jeweiligen Behlterquerschnitt entsprechen. Durch schrittweise Umstellung auf neue Behltersysteme
(MGB 120/240) wurde es notwendig, verschiedene unabhngig voneinander arbeitende Schttungen an einem Fahrzeug anzubringen. Bei Doppelschttungen
knnen ber dem jeweiligen System entsprechende Hubkippvorrichtungen durch
zwei nebeneinander liegende ffuungen unterschiedliche Behltersysteme, in der
Regel MGB 120/240 und 110-Liter-Mlltonnen, gleichzeitig entleert werden. Die
Hubkippvorrichtungen knnen unabhngig voneinander bedient werden. Auch die
Entleerung von MGB 120 und MGB 240 ist staubarm durchfiihrbar. Dann ist
allerdings fiir beide Behltergren je eine eigene ffnung vorzusehen. ber
Kombinationsschttungen kann die Entleerung mehrerer verschiedener
Behlter (MGB 120/240 und 70/110-Liter-Mlltonnen) durch eine ffuung erfolgen. Hierbei mu eine Staubentwicklung in Kauf genommen werden, da die ffnung lediglich von herabhngenden Gummimatten verdeckt wird. Das gilt auch
fiir Schttungen, durch die MGB 120/240 und MGB 1100, da ein Abdecken des
Entleerungsraumes bei kleinen Behltern nicht mglich ist. Die Aufuahme der
Behlter erfolgt berwiegend mit sogenannten Kammschttungen, die von unten
in eine am Behlter frontseitig angebrachte Kammleiste greifen. Ein zweigeteilter
Kamm kann unabhngig voneinander zwei MGB 120/240 aufuehmen. Nach Umschaltung ist die Aufnahme eines MGB 1100 mglich. Ein groer Vorteil der
Kammschttung besteht darin, da hier Behlter verschiedenster Grenordnung
mit einer Einheits-Hubkippvorrichtung, wenn auch nicht staubarm, entleert werden knnen [3.16]. Im Einsatz sind auch Kammschttungen mit einschwenkbaren
Hubarmen fiir die zustzliche Aufnahme von MGB 1100 mit Zapfenaufnahme
(Bild 3.18).
93
Bei Universalschttungen ist es mglich, verschiedenste Behltertypen zu entleeren, sofern sie von der Gre und Aufnahmevorrichtung zu der Hubkippvorrichtung des Sammetfahrzeuges passen.
Groe sperrige Teile knnen per Hand in die niedrig liegende Mulde gehoben
werden. Zu starke Staubentwicklung beim Umleervorgang kann durch Einrichtung
zustzlicher Staubabsauganlagen mit nachgeschalteten Luftfiltern verringert werden. ber entsprechende Hubkippvorrichtungen knnen auch Grobehlter bis zu
7 000 I Inhalt im Umleerverfahren entleert werden. Dies kann ber rckwrtige
Schttungen, aber z.B. auch mit berkopfladern bzw. Frontkippern durch Entleerung von oben in eine ffnung im vorderen Teil des Aufbaus erfolgen.
Seit einiger Zeit sind mengenorientierte Gebhrensysteme bei der Restmllentsorgung in der Diskussion. Die einzelnen Systeme beruhen auf einem Wiege- oder
Mevorgang bzw. auf einer Ermittlung der Behlterabfuhrhufigkeit Die Abfuhrhufigkeit - und damit das Volumen des zu entsorgenden Abfalls - wird ber
Wertmarken ermittelt, die auf die abzufahrenden Behlter aufgeklebt sind. Bei
gewichts- oder volumenbezogenen Abrechnung am Mllfahrzeug wird die Restmllmenge bzw. das Restmllvolumen mit Hilfe einer installierten Wiegetechnik
bzw. Ultraschall gemessen und das Ergebnis mittels Datenaufnahmegert dokumentiert. Voraussetzung ist, da zunchst alle Mllbehlter mit einer Kennung
versehen werden, um eine Zuordnung der Gebhrenschuldner zu Abfuhrgewichten bzw. -volumen zu ermglichen. Die Daten werden auf Diskette gespeichert
und nach Beendigung der Sammettour an die zustndige Abrechnungsstelle bergeben. [3.45]. Die Stadt Dresden hat 1992 als erste deutsche Grostadt ein transpondergesttztes Abrechnungssystem flchendeckend eingefhrt [3.46].
Da der Anschlu- und Benutzungszwang aus prinzipiellen Grnden nicht aufgehoben werden kann, mu zunchst weiterhin eine Grundgebhr erhoben werden. Darber hinaus mssen die leistungsabhngigen Kosten ermittelt und deren
Zuordnung zum Gebhrenschuldner durchgefhrt werden. Folglich wird die Gesamtgebhr berwiegend aus der Grundgebhr bestehen und nur der kleinere Teil
als leistungsabhngig erhoben werden.
Auch mit unerwnschten Effekten ist zu rechnen. So ist zu erwarten, da Restmll in die Wertstofferfassungssysteme umgeleitet und wegen Gebhreneinsparungen die Wertstofferfassung unzumutbar erschweren wird. Denkbar ist auch,
da der Restmll in der Natur abgeladen oder im Hauskamin verbrannt wird
[3.45].
Verdichtungsvorrichtungen in Sammetfahrzeugen
Bei der Sammlung von Hausmll, hausmllhnlichen Gewerbeabtallen und
Sperrmll sind Fahrzeuge mit geschlossenen Spezialaufbauten im Einsatz. Diese
bestehen aus geschlossenen Laderumen mit unterschiedlichen Verdichtungsvorrichtungen. Sie werden mit Universal- oder Systemschttungen ber die Heckseite
beladen. Fahrzeuge mit Verdichtung durch eine Drehtrommel sind hauptschlich
bei der Sammlung von Hausmll im Einsatz.
Beim Drehtrommelfahrzeug fiillt der Mll aus der Schttung in der feststehenden hinteren Abschluwand des Fahrzeugs in eine um die Horizontalachse rotierende Trommel. Die Trommel, die mit ca. 4 Umdrehungen pro Minute gedreht
wird, ist mit einer innen aufgeschweiten Bandschnecke versehen. Drehrichtung
94
95
Ausgangsstellung
Bei Fahrzeugen mit festen Spezialaufbauten kann die Verdichtung des Ladegutes
vor dem Verladen oder im Fahrzeug durch eigene Verdichtungsvorrichtungen
erfolgen.
Fahrzeuge ohne eigene Verdichtungsvorrichtungen knnen den Ladeinhalt z.B.
durch seitliches Kippen oben offener Aufbauten abwerfen oder vorverdichtet
geladene Abtalle mit Vortrieb eines Ausstoschildes durch die hinteren Tren
geschlossener Aufbauten herausdrcken. Durch das Fehlen schwerer Verdichtungseinrichtungen ergibt sich ein geringeres Eigengewicht des Fahrzeuges und
dadurch eine hhere Nutzlast, die aber nur beim Transport vorverdichteter Abflle
annhernd ausgenutzt werden kann. Bei Fahrzeugen mit einem zulssigen Gesamtgewicht von 38 Mg sind Nutzlasten von bis zu 20 Mg mglich.
In Fahrzeugen mit eigenen Verdichtungsvorrichtungen wird der Abfall von
oben durch eine ffnung im vorderen Teil des Aufbaus gefilllt und mit einem
hydraulischen Schott gegen die rckwrtigen Tren gepret. Beim Entladevorgang drckt das Schott den Abfall durch die hinteren Tren heraus.
96
HUBKIPPER
ABROLLKIPPER
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97
[Link]
[Link]
98
auf eine Schubeinheit verladen. Es ist allerdings auch hierbei oft nicht mglich,
den Transport zum endgltigen Bestimmungsort ohne weiteren Umladevorgang
durchzufhren, da nur wenige Umschlagstationen, Abfallbehandlungsanlagen und
Deponien ber einen Anschlu an Wasserwege verfgen. Daher ist der Ferntransport auf dem Wasser relativ selten. Hoch-, Niedrigwasser und Eisgang knnen den
regelmigen Transportbetrieb beeintrchtigen. In solchen Fllen knnen offene
Lastkhne einige Tage als Puffer dienen [3.3]. Weiterhin mu mit langen Transportzeiten, zum Teil Wochen bis Monate, gerechnet werden, die nur den Transport
von nicht verrottbarem Abfall zulassen.
3.2
Feste Abflle und Wertstoffe
3.2.1
Duales System
Auf Grundlage des Abfallgesetzes 14 Abs. 2 hat die Bundesregierung die "Verordnung ber die Vermeidung von Verpackungsabtallen (VerpackV)" erlassen
[3.44]. Abfallwirtschaftliches Ziel ist die Vermeidung von Verpackungsabtallen
(Transportverpackungen, Umverpackungen und Verkaufsverpackungen) durch
eine Beschrnkung von Verpackungsvolumen und -gewicht, die Ermglichung der
Wiederbefllung und die stoffliche Verwertung. Die VerpackV richtet sich an
Hersteller und Vertreiber als Erzeuger und Verteiler abfallhUrtiger Stoffe und
verpflichtet diese zur Rcknahme zum Zweck der erneuten Verwendung oder
Verwertung von Verkaufsverpackungen auerhalb der ffentlichen Abfallentsorgung. Die Verpflichtung entfallt, wenn von der beteiligten Wirtschaft ein haushaltsnahes Rcknahme-, Sortier- und Verwertungssystem geschaffen wird, welches von der ffentlichen Entsorgung abgekoppelt ist, dessen Kosten von der
Wirtschaft getragen werden und das bereits bestehende Sammetsysteme der Krperschaften unter Kostenbernahme durch die Wirtschaft integriert (Duales System). Die Entsorgung beim Endverbraucher verluft danach zweigleisig (dual).
Whrend die Abfallentsorgung und Sperrmllabfuhr in der Hoheit der entsorgungspflichtigen Krperschaften verbleibt, geht die Verantwortung fr die Wertstoffsammlung auf die o.a. Unternehmen ber. Voraussetzung ist, da die vom
Gesetzgeber vorgeschriebenen Erfassungs- und Sortierquoten erreicht werden.
Hierzu wurde die Duales System Deutschland GmbH (DSD) 1990 von Unternehmen des Handels, der Konsumgterindustrie, der Verpackungswirtschaft und
der Vormaterialhersteller gegrndet. Sie bernimmt nach dem Verursacherprinzip
die Verantwortung fr die Erfassung gebrauchter Verkaufsverpackungen. Hierfr
wurde der "Grne Punkt" ins Leben gerufen, als Kennzeichen fr verwertbare
Einwegverpackungen, das die DSD GmbH gegen Gebhren an die Anbieter der
jeweiligen Verpackung vergibt. Mit den Gebhren, die ber den Produktpreis vom
Konsumenten mitgetragen werden, wird die Erfassung und Sortierung finanziert.
Laut VerpackV mssen im Einzugsgebiet (die VerpackV defmiert die einzelnen
Bundeslnder als Einzugsgebiete) danach zu den Stichtagen 1. Januar 1993 und
I. Juli 1995 bestimmte Prozentzahlen des gesamten Verpackungsaufkommens erfat und hiervon wiederum ein bestimmter Prozentsatz in stofflich verwertbarer
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Qualitt sortiert werden. Das Pro-Kopf-Aufkommen an gebrauchten Verpackungen, das die Grundlage fr die Berechnung der zu erfassenden und zu sortierenden
Mengen bildet, wird von der Bundesregierung erstmals bis zum 31. August 1992
(vgl. Kap. 2.2.3) und danach im Abstand von 3 Jahren bekanntgegeben [3.44].
Sowohl der Vorstand der Dualen System Deutschland GmbH als auch der Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft sprachen sich fr ein Strecken
der in der Verpackungsverordnung gesetzten Fristen um ein Jahr aus, um insbesondere Verwertungskapazitten fr Sekundr-Kunststoffe aufzubauen [3.49].
Die zu den Stichtagen nachzuweisenden Erfassungs- und Sortierquoten sind
nach Verpackungsmaterialien differenziert. Die Quoten zeigt Bild 3 .21.
Whrend fr Glas und Papier vielerorts bereits Erfassungssysteme existierten,
die in das Duale System integriert wurden, wurde fr die anderen Verpackungsmaterialien ein solches System neu aufgebaut. Weiblech-, Aluminium-, Verbund- und Kunststoffverpackungen wurden unter dem Begriff Leichtverpackungen zusammengefat und in der sogenannten "Gelben Tonne" erfat.
Auf der gleichen gesetzlichen Grundlage hat der Bundesumweltminister im
September 1992 den Entwurf einer Verordnung ber die Vermeidung und Verwertung von Abfiillen aus Altpapier (AltpapV) vorgelegt. Zentrale Zielsetzung des
Verordnungsentwurfs, der sich an die Hersteller und Vertreiber graphischer
Papiere wendet, ist die Rcknahmepflicht und deren Verantwortung fr die
vorrangige stoffliche Verwertung der zurckgenommenen gebrauchten graphischen Papiere. Die Rcknahmepflicht entfllt durch den Aufbau bzw. die Teilnahme an einem Rcknahmesystem.
3.2.2
100
101
Bei der getrennten Sammlung von Wertstoffen und Restmll mssen die Abfuhrintervalle auf das eingesetzte Sammelsystem abgestimmt werden. Der Abstand
zwischen den Restmllsammlungen kann unter Bercksichtigung der hygienischen Verhltnisse aufgrund der reduzierten Abfallmenge durch die parallele
Wertstofferfassung verringert werden. Bei trockenen Wertstoffen wie Altglas und
Altpapier sind allein die Behlterkapazitten und Anfallmengen ausschlaggebend.
Getrennt gesammelte organische Abflle (Bio-Tonne) sollten aus hygienischen
Grnden wchentlich abgefahren werden.
Bei Sperrmll wird die Hufigkeit der Abfuhr nur von wirtschaftlichen berlegungen bestimmt.
Die Sperrmllabfuhr wird in manchen Stdten und Gemeinden nur ein- bis
zweimal im Jahr durchgefhrt. Dies hngt vor allem vom vorherrschenden Mllbehltersystem ab. Sowohl fiir den Brger als auch fiir den Abfuhrbetrieb erweist
sich die Sperrmllabfuhr auf Bestellung in mancher Hinsicht vorteilhaft. Jeder
Brger hat dabei die Mglichkeit, die Sperrmllabfuhr so oft anzufordern, wie
dies fiir ihn notwendig ist [3.5].
Bei der Wahl der vorgehaltenen Behltervolumina ist darauf zu achten, da
nicht durch eine zu knappe Bemessung ein gewisser Anteil des Hausmlls der
Sperrmllabfuhr beigegeben wird. Das fiihrt zwangsweise zu einer unbersehbaren Ausdehnung von Sperrmlleinstzen. Folgende Faktoren, die die Touren- und
Abfallplanung beeinflussen und gleichzeitig vor der Einfiihrung von Rationalisierungsmanahmen beachtet werden mssen, sind zu bercksichtigen [3.20]:
- tatschliches Mllaufkommen an einem Ladepunkt und im gesamten Sammelgebiet,
- mgliche Ladepunkte im Sammelgebiet,
- Gebietsstruktur innerhalb eines Sammelgebietes,
- Verkehrsverhltnisse der Mllsammelstrecke,
- Verkehrsverhltnisse und Entfernung der Transportstrecke,
- verwendetes Behltersystem,
- angewendetes Mllbehltertransportsystem,
- Leistungsfhigkeit der eingesetzten Mllsammelfahrzeuge.
3.2.3
Unter Wertstofferfassung versteht man die Wiedergewinnung von stofflich verwertbaren Abfallbestandteilen. Ziel der Erfassung von Wertstoffen aus Abfall und
deren Rckfiihrung in Produktionsprozesse als Sekundrrohstoffe ist die Einsparung von Primrrohstoffen und die Reduzierung der Abfallmengen. Gleichzeitig
knnen betrchtliche Energiemengen eingespart werden. Das Einschmelzen von
Scherben bei der Glasherstellung erfordert z.B. nur 2/3 des Energieeinsatzes, der
bei der Herstellung aus Primrrohstoffen bentigt wird. Die Wertstofferfassung ist
dem Bereich Abfallverwertung zuzuordnen, bewirkt aber auch eine Abfallvermeidung. Neben der Einsparung von Energie und Rohstoffen wird bei der Rckfiihrung wiedergewonnener Stoffe indirekt eine Verminderung produktionsspezifischer Abflle durch verringerten Einsatz von Zuschlag- und Hilfsstoffen erreicht.
Auer der Erfassung von Wertstoffen des Hausmlls mssen auch verstrkt die
102
getrennte Erfassung und Sortierung von Wertstoffen aus Gewerbe- und Industrieabfllen durchgeftlhrt werden.
Die Gewinnung von Wertstoffen fr die stoffliche Verwertung kann auf zwei
prinzipiell unterschiedlichen Wegen erfolgen. Alle Wertstoffgruppen werden
entweder gemischt mit Reststoffen erfat, wobei die Wertstoffe nachtrglich in
zentralen Sortieranlagen von den Reststoffen getrennt werden, oder einzelne
Wertstoffe oder Wertstoffgemische werden am oder in der Nhe des Anfallortes
getrennt gesammelt. Wertstoffgemische mssen dann einer Nachsortierung zugefUhrt werden.
[Link]
Gemischte Erfassung
Zur Gewinnung von Wertstoffen aus gemischt eingesammelten Abfllen ist eine
mechanische Sortieranlage notwendig. Hier werden in aufeinander folgenden
Verfahrensschritten Abfallbestandteile in entsprechenden Aggregaten und durch
Handsortierung voneinander getrennt. Die nachtrgliche Sortierung von Abfllen
und Wertstoffgemischen bedeutet einen geringeren Aufwand fr den Abfallerzeuger bei Bereitstellung und Sammlung. Dem steht ein hoher Softieraufwand durch
den Einsatz von Energie, Arbeitskraft und technischen Betriebsmitteln gegenber.
Die Qualitt der aussortierten Wertstoffe ist nach vorausgehender Vermischung in
Sammetbehlter und ggf. Verdichtung und Zerkleinerung im Sammetfahrzeug
durch Versehrnutzung und Befeuchtung gemindert und begrenzt ihre Vermarktbarkeit. Bei der gemischten Erfassung aller Wertstoffgruppen zeigt sich, da Altpapier, Altkunststoff und Altglas in Sortieranlagen fr gemischte Abflle nur
bedingt fr das stoffliche Recycling zu gewinnen sind. Altpapier aus diesen Anlagen wird von deutschen Papierfabriken generell abgelehnt [3.21].
[Link]
103
Wertstoffmenge
im Hausmll
enthaltene
Wertstoffe
(gemSortieranalyse)
gesamtes
Wertstoffpotential
noch
nicht
elfat
qualitativ
akzeptable
verfgbare
Wertstoffe
bereits
nicht erfabar
(z.B. fehlende Teilnahmebereitschaft)
:'
'
--------------
verwertbar
ertabar
artat
.:
.
r----------------
10
104
- Additive Systeme: Sammlung von Wertstoffen zustzlich zur normalen Hausmllabfuhr mit separaten Fahrzeugen und getrennten Behltern.
Nach dem Benutzerkomfort (vgl. Bild 3.23) in
- Holsysteme: Wertstoffe werden beim Abfallerzeuger abgeholt,
- Bringsysteme: Wertstoffe werden durch den Abfallerzeuger zu zentralen
Sammmelstellen gebracht.
Nach dem Grad der Vorsortierung im Haushalt in
- Einstoffsammlung: Gezielte Erfassung nur eines Wertstoffes, z.B. Altglas.
- Einzelstoffsammlung: Erfassung mehrerer Wertstoffe in jeweils separaten Behltern, z.B. Altglas und Altpapier.
- Mischstoff- oder Mehrstoffsammlung: Sammlung mehrerer gemischter Wertstoffe mit anschlieender Sortierung.
Die Verfahren und Verfahrensvarianten der getrennten Sammlung sind in Bild
3.24 schematisiert dargestellt.
Die Auswahl der Verfahren hngt von folgenden regionalen Randbedingungen
ab [3.22]:
- Abfallzusammensetzung,
- vorhandenes Sammelsystem,
- vorhandenes Abfallbehandlungs- und -beseitigungssystem,
- Bereitschaft der Bevlkerung zur Mitarbeit und Finanzierung,
- Verwertungsmglichkeiten
- Vermarktungsmglichkeiten.
Die Wertstoffgewinnung durch sortenreine Erfassung hat sich in den letzten Jahren fr Papier und Glas weitgehend durchgesetzt. Mit der Einfiihrung des Dualen
Systems wurde ein Erfassungssystem eingeftlhrt, das Leichtverpackungen (Weiblech-, Aluminium, Verbund- und Kunststoffverpackungen) gemischt erfat.
105
Straensammlung
Zentrale Sammelpltze
BOndeisammlung
Depotcontainer
-Glas
-Papier
-Weiblech
- Leichtverpackung
-Altpapier
Sacksammlung
- Altkleider
Mehrkammerdepotcontainer
Recyclinghfe
Dezentrale Sammelpllltze
(haushaHsnah)
WertstollbehAiter
-Glas
-Papier
- Weibleich
- Leichli/erpackungen
("Gelbe Tonne")
-Kompost
("Grne Tonne")
M!lllbehlllter plus
"Gelber Sack"
Bild 3.24. Verfahrensvariationen der getrennten Sammlung von Wertstoffen des Hausmlls
[3.22]
106
Sammelsystem
Erfate Komponenten
Holsystem
Kombibehlter
Kombibehlter
Bndelsammlung
Altpapier/Getrnkekartonagen
Dosen/Getrnkekartonagen
Altpapier/Getrnkekartonagen
Bringsystem
Monobehlter am Depotcontainer
fr Altpapier
Monobehlter an Einkaufsmrkten
Getrnkekartonagen
Mobile Annahmestelle
Depotcontainer
Getrnkekartonagen
Altpapier/Altglas/Getrnke-kartonagen
Altgas/Altdosen/Getrnke-kartonagen
107
mrkten, Einkaufszentren und zentralen ffentlichen Pltzen. Wohngebietsstandpltze sind nur bei hoher Einwohnerdichte wirtschaftlich. Folgende Gesichtspunkte mssen beachtet werden [3.21]:
- gut sichtbar an Pltzen und Straen mit grerem Verkehrsaufkommen,
- geringe zustzliche Wege durch Kombinationsmglichkeit mit anderen Wegen
(Einkaufszentren, ffentliche Einrichtungen, Hauptverkehrsstrae, Arbeitsplatz),
- leichte Erreichbarkeit filr Anlieferer und Ladefahrzeug,
- Stellflche der Container zuzglich Flche filr Laden der Container von 25 bis
40m2 ,
- mglichst befestigter Standplatz, regelmige Standplatzreinigung,
- mglichst tgliche Beaufsichtigung der Container, z.B. durch Anlieger,
- Bercksichtigung der Lrmbelstigung bei Aufstellung in Wohngebieten.
Die Behlter werden entweder in festen Zeitabstnden oder bei Bedarf geleert.
Eine Anhufung von Flaschen und Zeitungen, die lose oder in Plastiktten und
Kartons neben den vollen Behltern zurckgelassen werden, sollte vermieden
werden, da dies zu erhhtem Arbeitsaufwand beim Umleeren und zu Beschwerden
der Anwohner oder durch schlechtes Image sogar zu nachlassender Sammelleistung filhren kann. Von einer berftlllung von Behltern kann das Abfuhrunternehmen durch Anlieger unterrichtet werden.
Die Sammelbehlter und deren Stellpltze sollten hnlich Telefonzellen, Sitzbnken etc. zum festen Bestandteil des ffentlichen Raumes werden. Dabei mssen sowohl die Form als auch die Funktion eine Einheit bilden, die sich auf optisch angenehme Weise in die jeweils vorhandene Bebauungsstruktur einfilgt.
Wertstoffe knnen in Einstoff-Containern oder Mehrkammerbehltern gesammelt
werden. Einstoff-Container filr verschiedene Wertstoffe werden hufig in Gruppen
aufgestellt.
Depotcontainer fr Altglas
Altglas wird heute fast ausschlielich im Umleerverfahren in Behltern mit
Rauminhalten zwischen 0,9 und 5,5 m3 aus Stahl oder Kunststoff (GFK, glasfaserverstrkter Kunststoff) gesammelt. Neben einer Sammlung als Mischglas
(76 %), das in der Grnglasproduktion bereits mit Scherbenanteilen zwischen 75
und 95% eingesetzt wird [3.22], spielt zunehmend die farbseparierte Sammlung
eine Rolle. Verstrkt werden Container zur farbseparierten Altglassammlung zur
VerfUgung gestellt. Weiglas hat mit 55% den berwiegenden Anteil an der Verpackungsglasproduktion. Demgegenber werden bisher nur ca. 12% der Scherben
bei der Weiglasproduktion eingesetzt. Eine bessere Farbtrennung bzw.
-sortierung wrde einen hheren Scherbeneinsatz in der Behlterglasproduktion
bedingen. Systeme zur mechanisierten Farbtrennung von Altglas sind soweit ausgereift, da eine grotechnische Umsetzung filr das Jahr 1994/95 erwartet werden
kann. Die Depotcontainer verfilgen ber kreisfrmige Einwurfffnungen, die z.T.
mit Einwurfrohren und Gummischeiben ergnzt sind. Neuerdings werden auch
konstruktive Manahmen zur Lrmdmmung getroffen. In das Sammetfahrzeug
entleert werden sie in der Regel nach Aufnahme durch den Fahrzeugladekran und
ffnen der Bodenklappen.
108
Eingesetzt werden Sammelfahrzeuge mit grovolumigen Aufbauten, z.B. Sattelzge mit bis zu 60 m3 Aufbauvolumen oder mit Containern von z.B. 28 m3
Rauminhalt.
Die erfate Altglasmenge ist insbesondere abhngig von der
- Dichte des Containernetzes,
- Einfilhrungsdauer der Altglassammlung,
- Attraktivitt der Standpltze.
Von der ursprnglichen Planung, ein Containernetz mit einer Aufstelldichte von
einem Container pro 500 Einwohner, will die DSD GmbH nach Gesprchen mit
Vertretern der Glasindustrie abrcken, um die Kosten fi1r das Recycling von Glasverpackungen zu reduzieren. Im Durchschnitt sind pro 1 000 Einwohner, in Ballungsgebieten pro 2 000 Einwohner, ein Container geplant. Laut Geschftsbericht
der Dualen System Deutschland GmbH wurden 1992 im Rahmen des DSD
2 704 859 Mg/a Glasverpackungen gesammelt.
Depotcontainer fr Altpapier
Die systematische Sammlung von Altpapier in Depotcontainern wird seit einigen
Jahren verstrkt durchgeftlhrt. blicherweise werden Umleerbehlter mit Rauminhalten von 1,1 bis 5,5 m3 aus Stahl und Kunststoff(GFK) eingesetzt. Diese verfUgen ber schlitzfrmige EinwurfOffnungen, um das Einwerfen von Fremdstoffen
zu erschweren. Entleert werden sie ebenfalls mit Hilfe eines Fahrzeug-Ladekrans
und durch ffnen der Bodenklappen. Um die Brandgefahr zu mindern, sind bei
GFK-Behltern besondere Brandschutzmanahmen zu empfehlen.
Die Depotcontainer haben an den Sammelsystemen fi1r Altpapier ein Anteil
von 41 %. Von den ca. 900 000 Mg, die 1990 in Depotcontainern (alte Bundeslnder) erfat wurden, waren 75% Graphische Papiere. 25% waren Verpackungen aus Papier und Pappe [3.48]. Damit liegt die erfate Altpapiermenge mittels
Depotcontainer bei ca. 15 kg!Ea. Der Geschftsbericht der Dualen System
Deutschland GmbH weist eine erfate Menge bei Papier/Pappe/Karton fi1r Verpackungen fi1r 1998 in Hhe von 1 415 502 Mg/a aus [3.50]. An die Transportsysteme fi1r Altpapier werden die gleichen Anforderungen wie an die fi1r Altglas
gestellt. Um aber die Auslastung der Fahrzeuge zu verbessern, werden zum Teil
Verdichtungsvorrichtungen eingesetzt. Da vorsortiertes Altpapier persnlich zum
Depotcontainer gebracht werden mu, ist es meist unverschmutzt und von guter
Qualitt. Die Qualitt wird hufig gemindert durch unsachgemes Vorsortieren
im Haushalt, hinzukommende Papier-Verbundstoffe oder durch das vorstzliche
Einwerfen von Fremdstoffen. Die Vermarktung des Altpapiers ist insbesondere
bei niedrigen Qualitten schwierig [3.21, 3.22].
Depotcontainer fr Altmetall
Die Erfassung von Altmetall in Depotcontainern hat gegenber Altglas und Altpapier nur geringe Bedeutung. Es werden entweder ausschlielich Weiblech- und
Aluminiumdosen oder gemischt mit diesen auch sonstiger Metallschrott gesammelt. Problematisch sind insbesondere die hohen Erfassungskosten, die durch das
geringe spezifische Aufkommen und das niedrige Raumgewicht der Dosen be-
109
dingt sind. Der Absatz ist auch bei niedrigen Erlsen und trotz des relativ sauberen
Dosenschrotts oft schwierig.
Es werden Umleerbehlter aus Stahl und Kunststoff mit Rauminhalten von 1,1
bis 5,5 m3 eingesetzt. Die Entleerung erfolgt nach Aufnahme durch einen Fahrzeug-Ladekran und ffnen der Bodenklappen in Sammetfahrzeuge mit Aufbauvolumina bis zu 60 m3 (Fnffach-Sattelauflieger). Bei einem Potential von ca.
14 kg/ba Metall im Hausmll wird die mit Depot-Containern erfabare Menge
deutlich unter den Erfahrungswerten fiir Mehrstoffbehlter (6 bis 10 kg!E*a) liegen [3.21 ].
Depotcontainer fr Leichtverpackungen ("Gelbe Tonne'?
Whrend die getrennte Erfassung von Altglas und Altpapier seit Jahren erfolgreich
durchgefhrt wird, wurden die ersten Erfahrungen mit der "Gelben Tonne" im
Rahmen des Dualen Systems gemacht. In diesem Depotcontainer sollen Verkaufsverpackungen aus Kunststoffen, Metall- und Verbundmaterialien gesammelt werden. Die gemeinsame Erfassung bedingt eine nachtrgliche Sortierung in die verschiedenen Kunststofffraktionen und die Metall- und Verbundmaterialien, die
zumeist von Hand durchgefhrt wird. Der Anfall der Sortierreste ist erheblich.
Voraussetzung fr eine Steigerung der Verwertbarkeit ist daher die Entwicklung
geeigneter Verfahren zur Trennung von Kunststoffabfallen, eine Verringerung der
Sortenvielfalt von Kunststoffverpackungen und die Schaffung eines Marktes
fr sortierte Altkunststoffe und Produkte aus Sekundrkunststoffen. Tabelle 3.2
zeigt eine Abfallanalyse der in Berlin erfaten Leichtverpackungen, erhoben von
der DASS GmbH im Mrz 1999. In der Bundesrepublik sammelten die 1998 an
das Duale System angeschlossenen Brger l 363 193 Mg Leichtverpackungen
[3.50]. Die Sammlung von Leichtverpackungen erfolgt in separaten DepotTabelle 3.2. Analyse der in Berlinerfaten Leichtverpackungen (LVP)
Stoffgruppe
FE-Metalle (Weiblech)
NE-Metalle (Aluminium)
Verbunde (FKN-Getrnkekartons)
Kunststoffe
davon:
Hohlkrper
Becher/Blister
Folien
EPS
artgleiche Kunststoffe
Papier
Glas
Sortierreste
Summe
Analyse LVPZusammensetzung
[%]
11,5
1,1
9,4
2,5
9,2
2,0
1,5
7,4
17,2
8,7
29,5
100,00
110
CRMETHODE
Buntglas
UMSCHLAGANLAGE
Braunglas
Welssglas
Blechdosen
Altpapier
Altpapier
containern. Sie werden wie Altpapier abgefahren. Im Brandfalle ist nicht nur mit
Rauchbelstigungen zu rechnen, es knnen auch Gefhrdungen durch toxische
Gase auftreten.
Mehrkammercontainer
In Mehrkammerbehltern mit zum Teil variabel angeordneten Trennwnden werden in separaten Kammern Altglas (auch farbsepariert), Altpapier, Altmetall, Altkunststoffe/Leichtverpackungen und Alttextilien sowie in speziellen Fchern Medikamente und Batterien gesammelt. Sie werden im Gegensatz zu Depotcontainern in der Regel im Wechselverfahren entleert. Die Mehrkammercontainer werden von Abrollkippern nach Absetzen eines leeren Behlters aufgenommen und an
einer speziellen Ladestelle so entleert, da die Wertstoffe getrennt anfallen. Mehrkammercontainer werden mit Inhalten zwischen 7, 7 und 22 m3 eingesetzt. Fr die
Glaskammern knnen zustzliche Lrmschutzmanahmen vorgesehen werden.
111
112
Zur gleichzeitigen Abfuhr von zwei Komponenten werden Zweikammer-Fahrzeuge eingesetzt. Der Laderaum kann in Quer- oder Lngsrichtung unterteilt sein.
In einem quergeteilten Laderaum dient die Ausschubwand als verschiebbare
Trennwand zwischen den beiden Kammern. Die Seladung der vorderen Kammer
findet ber eine seitliche, die der hinteren ber eine Hubkippvorrichtung am Heck
statt. Die Querteilung bewirkt ein stabiles Fahrverhalten durch gleichmige Gewichtsverteilung der beiden Kammern.
Straensammlung
Altpapier und Alttextilien werden in unregelmigen, zum Teil auch regelmigen
Intervallen nach Bereitstellung auf der Strae von caritativen und privaten Organisationen abgeholt. Altpapier wird gebndelt in Plastiktten oder Kartons, Altkleider hufig in extra zur Verfgung gestellten Plastikscken, bereitgestellt. Der
Erfassungsgrad hngt sowohl von den vorausgegangenen Ankndigungen als auch
von der Regelmigkeit und Hufigkeit dieser Aktionen ab. Die vorsortierten
Wertstoffe mssen bis zur Abfuhr im Haushalt gelagert werden. Die erfate Menge liegt bei 2 bis 36 kg/Ea [3.43]. Die Qualitt des Altpapiers ist berdurchschnittlich gut.
Wertstoffbehlter ("Gelbe Tonne" und Monotonne)
In der "Gelben Tonne" werden Wertstoffgemische gesammelt. Bei dieser Art der
Sammlung von Mehrstoffgemischen werden Leichtverpackungen und Restmll in
zwei getrennten Abfallbehltern erfat. Eingesetzt werden fr die Leichtverpakkungen MGB 120/240 und MGB 660/1100. Bei der anschlieenden Sortierung
eines Wertstoffgemisches der "Gelben Tonne" mu davon ausgegangen werden,
da ca. 20 bis 30% als Reststoffe (Restmll und verpackungsfremde Wertstoffe)
anfallen. Die Abfuhr erfolgt meistens alternierend in Einkammerfahrzeugen.
Werden Wertstoffe einzeln in separaten Behltern gesammelt (Monotonne), erhht sich die Qualitt, und eine aufwendige nachtrgliche Sortierung entfllt.
Beim Einsatz blicher Sammelfahrzeuge ergibt sich bei der getrennten Umleerung
von Altglas ein erhhter Glasbruchanteil, der die Farbsortierung erschwert. Die
Anbringung eines mit Gummi beschichteten Prallbleches hinter der Schttung
kann Glasbruch vermindern. Es werden berwiegend Altglas und Altpapier in
zustzlichen Behltern gesammelt. Folgende Systeme lassen eine weitere Differenzierung der getrennten Stoffsammlung zu:
- Papier und Glas werden in zwei zustzlichen Behltern (z.B. grn und blau)
gesammelt und in einem Zweikammerfahrzeug abgefahren (Frankfurter Modell).
- Papier und Glas werden jeweils in der Einstofftonne (grn und rot), Textilien,
Kunststoffe, Metalle etc. in der Mehrstofftonne (gelb) gesammelt (Berliner System).
- Papier wird im Wechsel mit Glas in demselben grnen Behlter abgefahren,
ausschlielich Papier wird im grnen Behlter gesammelt und abgefahren; die
Glassammlung erfolgt ber Depotcontainer.
Mehrkammer-Mll
System-Behlter
113
MehrkammerSammelfahrzeug
Biotonne
In der Regel werden organische Kchen- und Gartenabililie in separaten Sammetbehltern der Gren 120 I bzw. 240 I MGB gesammelt, die mit einem gelochten Einsatz versehen sein knnen, um durch verbesserte Luftzufuhr anaerobe
Prozesse mit Geruchsentwicklung zu vermeiden. Es kommt durch Rotteverluste zu
einer Gewichtsabnahme (ca. 20% nach einer Woche) vor der Abfuhr. In einigen
Projekten kommt auch das Mekam-System zur Anwendung. Wenn der Restmll
in einem zustzlichen Behlter gesammelt wird, lt sich ein schadstoffarmer
Kompost erzeugen [3 .22].
Die Abfuhr des Bioabfalls kann integriert (Restmll und Bioabfall werden in
Mehrkammerfahrzeugen abgefahren), teilintegriert oder additiv erfolgen.
Als Sammetfahrzeuge kommen insbesondere Drehtrommel- oder Preplattenfahrzeuge in Frage. Whrend im Drehtrommelfahrzeug durch die auftretenden
Scherkrfte das Transportgut homogenisiert wird, bleibt in den Preplattenfahr
zeugen die Struktur des Bioabfalls mit geringen Strukturbestandteilen erhalten,
zudem lassen sie sich besser abdichten, so da ein Austreten von Sicker- bzw.
Prozewssem verhindert werden kann [3.52].
Behlter plus Wertstoffsack
In einzelnen Versuchen werden anstelle des Wertstoffbehlters den Haushalten
Scke filr die Sammlung der Wertstoffe zur VerfUgung gestellt. Der Vorteil besteht darin, da die einzelnen Stofffraktionen sortenrein in verschiedenfarbigen
Scken bereitgestellt werden knnen. Zustzliche Kosten entstehen filr die Wertstoffscke, das Entleeren und Sortieren der Wertstoffe.
Sack plus Wertstoffsack
Dieses System wird seit geraumer Zeit im Landkreis Hannover praktiziert. Gegenwrtig sind in Hannover 7 100 Einwohner angeschlossen. Geplant ist, 100 000
E an das System anzuschlieen. Die Sammetmenge betrgt zur Zeit 59 kg/Ea
[3.52]. Von Vorteil sind dort die gnstigen Sammelkosten, da Wertstoffscke und
Restmllscke in einer gemeinsamen Abfuhr mit normalen Lkw's eingesammelt
werden knnen. Der Einsatz von durchsichtigen Wertstoffscken und das Nichtverpressen bei der Abfuhr haben sich filr den Sortiervorgang als vorteilhaft erwiesen. Insbesondere kann bei Glas wegen des geringen Bruchs eine problemlose
Nachsortierung nach Farben erfolgen. Ein wesentlicher Nachteil ist die grere
114
Arbeitsbelastung des Ladepersonals bei der Sammlung und Sortierung. Die erfaten Mengen betragen fiir Glas 5 bis 20 und filr Papier 5 bis 30 kg/Ea [3.21].
Wertstoffsack im Behlllter
Beim "Sack-im-Behlter-Verfahren" werden im jeweiligen Haushalt die Weftstoffkomponenten in verschiedenfarbigen Scken gesammelt und anschlieend in
einer zentralen Sortieranlage wieder getrennt. Ein wesentlicher Nachteil ist die
Verminderung der Nutzlast je Sammelfahrzeug und der relativ hohe Sortieraufwand.
Mehrkammer-Mllsystem (MKMS)
Das Mehrkammer-Mllsystem besteht aus 240-Liter-MGB mit je zwei durch eine
flexible Trennwand geschaffenen Kammern, in denen unterschiedliche Abfallarten
gesammelt werden knnen. Je nach Anzahl der aufgestellten Behlter ist die
Sammlung von zwei, drei oder vier Komponenten mglich (z.B. in einem Behlter
Altpapier und Altglas, im zweiten Bio- und Restmll). Die Wertstoffe und der
Restmll werden mit Sammelfahrzeugen eingesammelt, die in Lngsrichtung in
zwei Kammern unterteilt sind. Eine Vermischung der getrennten Stoffe findet
nicht statt, da beim Schttvorgang die Trennwnde von Behlter und Fahrzeug in
Deckung gebracht werden. Dies wird durch eine flexible Schttung auch bei unterschiedlicher Behlteraufteilung gewhrleistet [3.24]. Probleme knnen sich bei
unterschiedlicher Auslastung der beiden Fahrzeugkammern (Achslastverteilung)
durch unterschiedlichen Wertstoffanfall ergeben (Bild 3.26).
Beteiligung der Bevlkerung
Neben technischen und organisatorischen Manahmen ist der Erfassungsgrad im
wesentlichen bestimmt durch die Bereitschaft der Haushalte, eine Trennung und
Sortierung von Wertstoffen des Hausmlls vorzunehmen. Zur Steigerung des
Erfassungsgrades mu deshalb berlegt werden, mit welchen Manahmen die
Haushalte, ber bereits bestehende Motivationen hinaus, zur Mitarbeit angesprochen und gewonnen werden knnen. Hierbei ist zu bedenken, da ggf. Personen
ganz unterschiedlichen Alters und verschiedener sozialer Schichten motiviert
werden mssen [3.26]. Folgende Erkenntnisse lassen sich aus einer eingehenden
Betrachtung der Einflufaktoren bei der Teilnahme an der getrennten Weftstoffsammlung gewinnen [3.2]:
- das Wertstoff-Sammelsystem mu ausreichenden Raum bieten,
- der Umweltschutzgedanke mu betont, aber der persnliche Nutzen mu deutlich gemacht werden,
- das System mu benutzerfreundlich sein,
- die ffentlichkeitsarbeit mu durch die rtliche Presse untersttzt werden.
Neben der durch individuelle Wertvorstellungen bestimmten Motivation und dem
Ma an Benutzerkomfort spielt auch die Information eine wichtige Rolle bei der
Teilnahme an der Wertstoffsammlung (Bild 3.27).
Die Information ber eine Altstoffsammlung sollte enthalten:
- die angestrebten Ziele der Altstoffsammlung,
- die genauen Daten ber den Organisationsablauf (Beginn, Intervalle, eingesetztes System),
115
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ENTSCHEIDUNGSPROZE
Bild 3.27. Motive und Einflufaktoren bei der Teilnahme an der getrennten Wertstoffsammlung
[3.27]
116
3.3
3.3.1
3.3.2
117
zip zu erreichende Saugtiefe betrgt bei einem Druck von 1 hPa und Wasser der
Dichte 1,0 g/cm3 10,33 m bei einem Vakuum von 100%.
Da die Pumpen ein Vakuum von 95 bis 98% erreichen, die anzusaugenden
Flssigkeiten in der Regel eine Dichte von mehr als 1,09 g/cm3 aufweisen und
auerdem Rohrreibungswiderstnde zu berwinden sind, kann praktisch nur mit
einer effektiven Saughhe von 7,5 bis 8 m vom Flssigkeitsspiegel bis zum Kesseleintritt gerechnet werden. Da auch die Fahrzeughhe bercksichtigt werden
mu, vermindert sich die Saughhe, bezogen auf das Straenniveau, auf ca. 6 m
[3.31].
Mit Hilfe von Tiefsaugeinrichtungen knnen Saugtiefen bis zu 20 m erreicht
werden. Sie arbeiten nach dem Prinzip der Lscher- oder auch Mammutpumpen.
Ein Tauchrohr wird in eine Flssigkeit gesenkt, so da es einige Meter in die Flssigkeit hineinragt In die Saugffnung wird Luft ber konzentrisch angeordnete
Bohrungen eingeblasen, die mit dem Sauggut ein Gemisch bildet, das spezifisch
leichter als die Flssigkeit ist. Nach dem Prinzip der kommunizierenden Rhren
mu Gleichgewicht in und auerhalb des Rohres herrschen, womit der Flssigkeits-Luftgemischspiegel angehoben wird. Die Anreicherung des Gemisches
mit Luft erreicht bei einem bestimmten Verhltnis ein Optimum an Frderhhe
[3.31] (Bild 3.28). Die Entleerung der Transportfahrzeuge kann durch das Hinterkippen des Aufbaus und/oder mit Hilfe von Ausstovorrichtungen durch die hintere Tr erfolgen. Die Abdichtung des Abschludeckels erfolgt durch eine Blhdichtung, die durch Luftberdruck eine sichere Abdichtung gewhrleistet, wenn
der Deckel sich an den Kessel anlegt. Die Entleerung dnnflssiger Stoffe geschieht ber Auslastutzen am hinteren Kesselende auf Hhe des Kesselbodens.
Die Entleerung von Mulden erfolgt durch Hinterkippen.
118
3.3.3
Behltersysteme
Fr den Transport flssiger Abfiille und Schlmme wird eine Vielzahl unterschiedlicher Behltertypen und -gren angeboten und eingesetzt. Da es sich
meist um schadstofthaltige Abflle handelt, sind an die Behlter und ihre Verschlsse besondere Anforderungen zu stellen. Sie sollen in erster Linie robust und
aus korrosionsbestndigem Material hergestellt sein. Auch solche Behlter knnen
aber durch innere oder uere Einwirkungen Leckstellen erhalten. Um das Austreten des Inhaltes zu verhindern, knnen Behlter doppelwandig ausgefiihrt und
mit einem Leckanzeigegert ausgestattet werden. In diesem Fall ist es nach den
Technischen Regeln fiir brennbare Flssigkeiten {TRbF) nicht weiter vorgeschrieben, einen Auffangraum fiir austretende Flssigkeiten herzustellen, in dem die
Behlter aufgestellt werden mssen. Ein solcher Auffangraum bedeutet eine aufwendige bauliche Manahme fiir die Einrichtung eines Sammelplatzes. Sammelbehlter mit geringem Fassungsvermgen brauchen nach den geltenden Vorschriften nur einwandig ausgefiihrt werden. Kleine Mengen werden in Kunststoffoder Metallfiissern gesammelt, die im Wechselverfahren abtransportiert und hufig mitbehandelt (d.h. verbrannt) oder abgelagert werden. Ebenfalls im Wechselverfahren werden kubische, stapelbare Kleincontainer aus Stahl eingesetzt, die ein
Fassungsvermgen von bis zu 1 000 l haben, sowie offene und geschlossene Mulden fiir den Transport von tropfendem Rechengut, nassen Aschen und Rckstnden aus der Kanalisation (vgl. auch Kap. 3.4.2). Geschlossene Mulden sind mit
einer abgedichteten Rckwand ausgestattet, die beim Hinterkippen geffnet wird.
Solche Behlter sind jedoch nur fiir den Transport halbflssiger Abfiille geeignet,
da beim Bremsen oder Beschleunigen mit dem bertreten des Transportgutes
gerechnet werden mu. Eine Schlammentwsserung kann in Mulden und Containern mit einem Fassungsvermgen zwischen 3 und 40 m3 mit austauschbaren
Filterkrben erfolgen. Ventile und Schieber sorgen fiir den Ablauf austretenden
Wassers. Sollen Flssigkeiten und Schlmme in Fahrzeugaufbauten gesaugt oder
gepumpt werden, kommen Kesselfahrzeuge mit fest montierten Behltern zum
Einsatz. Je nach Lnge der Behlter und Konsistenz der Flssigkeit mssen die
Behlter durch Querschotten unterteilt werden, um eine Gewichtsverlagerung bei
Schnellbremsungen zu verhindern. Eine geringe Schrglage nach hinten verstrkt
diese Manahme.
Angefaulte Schlmme aus Groklranlagen werden zweckmig mit Sattelaufliegerfahrzeugen mit einem Fassungsvermgen von bis zu 23 000 l transportiert.
Ein Rotationsverdichter kann den Klrschlamm an der Entladestelle mit einem
berdruck von ca. 3 bar ber eine Leitung austreiben und ggf. versprhen.
3.4 Sonderabflle
119
3.4
Sonderabflle
3.4.1
Gesetzliche Grundlagen
120
Abfallerzeuger
1
2
3
4
5
6
wei
rosa
gelb
blau
altgold
grn
Nachweisbuch
wei
5
altgold
Abfallbetrderer
3
4
5
6
gelb
blau
altgold
grn
Nachweisbuch
3
gelb
Abfallbeseitiger
4
5
6
blau
altgold
grn
Nachweisbuch
6
grn
3.4 Sonderabflle
121
Verantwortliche Erklrung
Verantwortliche Erklrung
Annahmeerklrung
Entsorgungsnachweis (EN)
Entsorgungsnachweis (Original)
Entsorgungsnachweis (Kopie)
Entsorgungsnachweis (Kopie)
Bltter 1, 4, 6, B, 9
Betrderer
Bei Ablehnung durch die Entsorgerbehrde erhlt der
Abfallerzeuger sein Original m~ der Ablehnung, der fr
den Abfallerzeuger zustndigen Behrde sowie dem Abfallentsorger werden Kopien der Ablehnung zugesandt.
oder befrdert und einer Entsorgung zugefUhrt werden. Alle anderen Altle sind
stofflich, z.B. durch Zweitraffmation, zu verwerten.
Je nach Verkehrstrger knnen Sonderabtalle auch als "gefiihrliche Gter" der
Gefahrgutverordnung Strae (GGVS), der Gefahrgutverordnung Eisenbahn
122
(GGVE), der Gefahrgutverordnung Binnenschiffahrt (GGVBinSch) oder der Gefahrgutverordnung See (GGVSee) unterliegen.
Diese Verordnungen sind auf Grundlage des Gesetzes ber die Befrderung gefhrlicher Gter erlassen worden. Gefhrliche Gter im Sinne von 2 Abs. 1
Gefahrgutgesetz sind Stoffe oder Gegenstnde, von denen aufgrund ihrer Natur,
ihrer Eigenschaft oder ihres Zustandes im Zusammenhang mit der Befrderung
Gefahren fiir die ffentliche Sicherheit oder Ordnung (Allgemeinheit, Gemeingter, Leben und Gesundheit von Menschen sowie Tieren und anderen Sachen)
ausgehen knnen. Die GGVS stellt wiederum nur einen Rahmen fiir Gefahrguttransprte auf der Strae dar. Bisher waren Abflle in der GGVS nicht besonders
genannt. Sie muten einer der 15 GGVS-Klassen und Ziffern zugeordnet und
dementsprechend befrdert werden. Dies hat hufig zu groen Problemen fiir die
Beteiligten gefhrt, weil eine solche Assimilierung praktisch selten mglich war.
[3.56]
Daher hat mit der nderung zum 01.01.1988 erstmals der AbfallbegriffEinzug
in die GGVS gehalten. In Randnummer (Rn) 2000 ist der Absatz 4 mit folgendem
Wortlaut zugefgt worden:
"Abtalle sind Stoffe, Lsungen, Gemische oder Gegenstnde, die fiir keine unmittelbare Verwendung vorgesehen sind, die aber befrdert werden zur Aufarbeitung, zur Deponie oder zur Beseitigung durch Verbrennung oder durch sonstige
Entsorgungsverfahren."
Wie so oft in der Rechtssystematik ist dieser Abfallbegriff nicht identisch mit
der Defmition des Abfalles nach dem Abfallgesetz. Hiernach sind Stoffe, Mischungen usw., die ein Abfallerzeuger der Wiederaufarbeitung direkt zufhrt,
keine Abflle, nach GGVS hingegen sehr wohl.
Abtalle selbst sind neuerdings in den Stoffaufzhlungen der einzelnen Klassen
genannt, zum Beispiel:
Rn 2301 Ziffer 20: "Sehr giftige oder giftige Stoffe sowie Lsungen und Gemische (wie Prparate, Zubereitungen und Abtalle )" oder
Rn 2801 Ziffer 66: "Flssige, tzende Stoffe, Lsungen und Gemische (wie
Prparate, Zubereitungen und Abflle), die nicht unter andere Sammelbezeichnungen fallen."
In den Befrderungspapieren mssen die chemischen Benennungen, Klassen
und Ziffern der Komponenten aufgefhrt sein, welche die magebende Gefahr
darstellen [3.35]. Erschwerend wirkt sich fiir die Einstufung nach GGVS aus, da
im Gegensatz zu Wirtschaftsgtern die exakte Zusammensetzung von Abtallen
hufig nicht bekannt ist.
Neben der GGVS gelten fiir den Transport von wassergefhrdenden, brennbaren Flssigkeiten die Verordnung fiir brennbare Flssigkeiten (VbF). Mit der
Einteilung in Gefahrenklassen (AI - AIII und B) und das entsprechende Regelwerk, die Technischen Regeln fiir brennbare Flssigkeiten (TRbF). Es mu beachtet werden, da wassergefiihrdende Flssigkeiten nicht immer auch gefhrliche
Gter nach GGVS sind. Auerdem knnen wassergefhrdende Stoffe als Strfanprodukte charakterisiert werden und unterliegen dann dem Wasserhaushaltsgesetz
(WHG), dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BimschG) mit der Strfallverordnung und weiteren Regelungen.
3.4 Sonderabflle
123
Dnemark
.~.
Frankreich
\
\ h,
V \
Die GGVS regelt die innerstaatliche Befrderung auf der Strae. Im grenzberschreitenden Verkehr ist das Europische bereinkommen ber die internationale
Befrderung gefhrlicher Gter auf der Strae (ADR) anzuwenden.
Der Export und Import von (Sonder-) Abfiillen sowie Transporte von einem
Bundesland in ein anderes werden in 13a-c AbfG sowie in der Abfallverbringungs-Verordnung (AbNerbrV) geregelt.
Gem 13b AbfG mssen Transportfahrzeuge, die nach 12, 13 AbfG genehmigungspflichtige Abfiille auf ffentlichen Straen transportieren, vom und
hinten mit je einer weien Wamtafel, die als Aufschrift ein schwarzes "A" trgt,
ausgerstet sein. Diese Kennzeichnung erleichtert die berwachung whrend des
Transportvorgangs und insbesondere von grenzberschreitenden Abfalltransporten.
124
3.4.2
Behltersysteme
3.4 Sonderabflle
125
[Link]
Behlter fr feste und pastse Sonderabflle
Je nach Bedarf und anzuwendenden Vorschriften kommen unterschiedliche Behltertypen zum Einsatz, die in einer Vielzahl unterschiedlicher Modelle angeboten werden. Es sind dies filr Sonderabflle in groen Mengen berwiegend Container, offene Absetzmulden und geschlossene Absetzmulden, z.B. mit FederklappendeckeL Klein- und Kleiostmengen werden vorteilhaft in sog. kubischen Tankcontainern KTC-ASP bis 1 000 Litern Rauminhalt gesammelt. Diese sind stapelbare kubische oder zylindrische Kleincontainer aus Stahl, in die zustzlich PEScke eingehngt werden knnen. Dadurch bleibt das Innere des Behlters sauber,
und der Inhalt kann leichter entleert werden. Zur Aufnahme fester und pastser
Stoffe von oben haben die ffnungen die Gre des gesamten Behlterquerschnittes.
ASP-Behlter knnen mit Gabelschuhen ausgefilhrt sein und knnen damit
vom Gabelstapler aufgenommen und mittels Drehservo durch Kippen ber Kopf
entleert werden. Gewebescke aus Polypropylen mit I oder 2 m3 Rauminhalt, sog.
"BIG-BAG's" (Bild 3.32), knnen filr verschiedene Abfallstoffe eingesetzt
werden.
Fr den Transport von Filterstuben und Flugaschen sind sie mit einem PEInnensack versehen. Im Falle der Deponierung werden diese Scke mit abgelagert.
Wie flssige und schlammige Stoffe knnen auch feste Abfallstoffe wie z.B.
kontaminiertes Erdreich (nach Auflockerung), Schlacke, Asche und andere Industrieabflle von Saugwagen ber Schluche und Vakuumpumpen in Kesselwagen
gepumpt werden. Von Vorteil ist diese Art des Einsammeln besonders bei der
Entleerung schwer zugnglicher Gruben, Auffangbecken und Kesselanlagen.
126
[Link]
Behlter fr flssige und schlammige Sonderabflle
Behlter und Transportsysteme fr flssige und schlammige Abtalle sind bereits
in Kap. 3.3 beschrieben worden. Das Einsammeln, Lagern und Transportieren von
flssigen und schlammigen Sonderabtalle erfordert die Beachtung zustzlicher
gesetzlicher Regelungen und praktischer Anforderungen an Konstruktion und
Material. Insbesondere gehren dazu die Verwendung korrosionsbestndiger Materialien, zuverlssige Dichtungssysteme, ggf. doppelwandige Ausfhrung mit
Leckanzeige und Aufstellung in Auffangwannen.
Fr kleinere Mengen werden Fsser, zum Teil im Einwegverfahren, aus Stahl
oder Kunststoff eingesetzt sowie KTC-ASF-Behlter aus Stahl oder KunststoffinnenteiL Sie haben im Gegensatz zu ASP-Behltern eine kleinere ffnung mit
Verschlu und einen Deckel ber den gesamten Behlterquerschnitt Groe Mengen werden in separate oder fest mit dem Transportfahrzeug verbundene Tanks
gefllt oder gesaugt, wobei das System der Gaspendelung zur Verhinderung der
Freisetzung flchtiger organischer Verbindungen mittlerweile als Stand der Technik anzusehen ist.
Bei Bau und Einsatz von Behltern fr wassergetahrdende, brennbare Flssigkeiten sind die Vorschriften der Technischen Regeln fr brennbare Flssigkeiten
(TRbF) zu beachten.
Sammelbehlter fr Altle ("Altldepot"), die von jedermann zur Abgabe von
Altlkleinmengen genutzt werden, sollen nach den Beschlssen und Empfehlungen des Deutschen Ausschusses fiir brennbare Flssigkeiten (DAbF) weitergehenden Anforderungen nach Gefahrenklasse A I gengen. In dieser Empfehlung fmden sich Angaben ber die Bauart und das Aufstellen solcher Behlter. Altlsammelbehlter sowie Behlter fr Lsemittel, Beizen, Emulsionen ("Gefahrstoffdepot") werden einwandig oder doppelwandig mit Leckanzeige ausgefiihrt. Sie besitzen Entlfter und Fllstandsanzeige.
3.4.3
Durch verschrfte gesetzliche Regelungen (TA Abfall) werden immer mehr Sonderabtalle vor einer Endlagerung auf Sonderabfall- oder Untertage-Deponien in
besonderen Anlagen thermisch oder chemisch-physikalisch aufbereitet und wenn mglich - verwertbare Bestandteile abgetrennt. Sonderabtalle werden zu
Sammelstellen befrdert, wo ihre Identifikation berprft, der Entsorgungsweg
festgelegt und sie ggf. behandelt werden.
In der Sammelstelle werden kleinere Einheiten zu greren Sammeltransporten
zusammengestellt, ein Teil der Stoffe behandelt und die sich aus der Behandlung
ergebenden Reststoffe zur endgltigen Ablagerung bereitgestellt. Die Sammelstelle erfiillt daher die Funktion eines Zwischenlagers, einer Sortier- und Umfllstation sowie einer Behandlungsanlage [3.38].
Bei den angelieferten Sonderabtallen handelt es sich um Produktionsrckstnde
aus der Industrie oder um getrennt gesammelte Sonderabtalle aus Haushalten. Der
Bundesverband der Unfallversicherungstrger der ffentlichen Hand (BAGUV)
3.4 Sonderabflle
127
hat 1987 ein Merkblatt ber die bauliche und personelle Ausstattung von Sammelstellen herausgegeben.
Angelieferte Abflille werden nach der Eingangskontrolle, d.h. Entnahme von
Proben zur Analyse und berprfung der Deklaration, nach Art der Inhaltstoffe,
Eigenschaften und Konsistenz in entsprechende Annahmebecken, Mulden u.a.
Behlter entleert oder in Wechselbehltern abgestellt. Von dort werden sie je nach
Bedarf einer chemisch-physikalischen Behandlung zugefUhrt und flssige bzw.
schlammige Stoffe in der Regel entwssert, bevor sie zu greren Transporteinheiten zusammengestellt und zur Sonderverbrennungsanlage oder -deponie gebracht werden.
Das Flieschema in Bild 3.33 zeigt prinzipiell die Verfahrensschritte einer
Sammelstelle. Grundstzlich kann eine Sammelstelle mit folgenden Betriebsteilen
ausgestattet sein [3.34]:
- Lagerflche zur Zusammenstellung fUr die Behandlung,
- Lagerflche zur Zusammenstellung der Transporte zu den Zentrallagem,
- Emulsionstrennanlagen fUr l-Wasser-Gemische,
- Neutralisations- und Entgiftungsanlagen, Entwsserungsanlagen.
An die bauliche Ausfhrung der Bereiche, in denen Abfallstoffe umgefllt und
gelagert werden, sind besondere Anforderungen zu stellen. Die Abstellflchen fUr
Behlter und die Aufnahmebecken mssen berdacht sein, um eine Vermischung
mit Regenwasser zu vermeiden. Der Boden der Abstellflchen sowie der Bereich
um die Annahmebecken ist aus hochwertigem Beton, z.B. wasserdichtem B35 mit
hohem Widerstand gegen chemischen Angriff, und geneigt oder mit Ablaufrinnen
auszufilhren. Ein besonderes Problem ist die Sicherung des Untergrundes gegen
das Eindringen von chlorierten Kohlenwasserstoffen. Diese Stoffe diffundieren
selbst durch hochwertigen Beton, es mu daher unter der Bodenplatte eine Abdichtung gegen CKW's eingebaut werden. Fr diese Dichtung gibt es eine Reihe
von Mglichkeiten. Ohne Anspruch auf Vollstndigkeit kommen folgende Dichtungskonstruktionen in Betracht:
128
3.4.4
Rund 0, 7 % des in der Bundesrepublik Deutschland anfallenden Hausmlls mssen als Sonderabfall eingestuft werden. Um diese Menge einer angemessenen
Behandlung zuzufilhren, mssen diese Stoffe von Wertstoffen und vom Restmll
getrennt erfat und eingesammelt werden. In Haushaltungen fallen folgende Problemstoffe an [3.40]:
- Reinigungsmittel, Desinfektionsmittel,
- alte Arzneimittel, Lack- und Lsemittelreste, Holzschutzmittel,
- Altbatterien,
- Pflanzenschutz- und Schdlingsbekmpfungsmittel,
- sonstige Chemikalien (Hobbybereich),
- Leuchtstoffrhren,
- ElektroartikeL
Einige dieser Problemstoffe wie Altbatterien, Elektronikschrott und Leuchtstoffrhren knnen recycelt werden. Ausrangierte Khlschrnke, die gewhnlich mit
Sperrmll abgefahren werden, knnen heute bereits getrennt und auf Abruf einge-
3.4 Sonderabflle
129
130
besitzt. Sobald der Anlieferer die Sammelstation verlassen hat, sind dessen Informationen nicht mehr abrufbar [3.41].
Problemstoffe werden in speziell dafr vorgesehenen Behltern gesammelt, die
dieselben Anforderungen erfllen mssen, wie solche fr industrielle Sonderabflle. Whrend in einer ortsfesten Sammelstelle ausreichendes Behltervolumen
zur Verfgung stehen kann, ist bei mobilen Sammelstationen die Aufteilung des
Fahrzeugraumes fr verschiedene Behltertypen und -gren auf Erfahrungswerte
zu sttzen. Die Mengen unterliegen jahreszeitlichen, rtlichen, aber auch zufiilligen Schwankungen. Behlter in ortsfesten und mobilen Sammelstationen unterscheiden sich in erster Linie durch ihre Gre. In ortsfesten Sammelstationen
werden Container, Mulden, Gitterboxen, Spannringdeckelfiisser mit 200 Litern
Rauminhalt und Altldepots aufgestellt. In Sammelfahrzeugen werden dagegen
kleinere Fsser, Kanister und Kisten aus Stahl oder Kunststoff verwendet. Sie sind
im Fahrzeug gegen Fall und Sto gesichert. Undichte Anlieferungsgefe mit
flssigem Inhalt und solche mit nicht identifizierbarem Inhalt werden zustzlich
einzeln in Folienbeutel verpackt.
Problemstoffe aus Haushaltungen sind nach der GGVS als "gefiihrliche Gter"
einzustufen. Beim Einsammeln in Sammelfahrzeugen ergibt sich dabei das Problem, da Stoffe miteinander transportiert werden, die nach den geltenden Vorschriften separat beiOrdert werden mssen.
Um trotzdem verschiedene Sonderabflle transportieren zu knnen, waren Abweichungen von den in der GGVS vorhandenen Richtlinien zu erarbeiten. Dieses
so geschaffene Regelwerk darf die Sicherheit des Transportgesamtsystems nicht
gefiihrden.
Hierzu gehren alle Manahmen, die einen sicheren Transport ermglichen und
solche, die beim Eintreten eines Schadensfalls zur Schadensbegrenzung beitragen.
Ortsfeste Sammelstellen, die vorzugsweise zentral und verkehrgnstig liegen,
mssen baulichen Anforderungen u.a. nach der Verordnung ber Anlagen zum
Lagern, Abfllen und Umschlagen wassergefiihrdender Stoffe (V AwS) erfllen,
die hauptschlich fr den Schutz der Gewsser vor Verunreinigungen Sorge tragen. Nach VAwS sind u.a. folgende Vorkehrungen zu treffen [3.41]:
- Errichtung einer flssigkeitsdichten und chemikalienbestndigen Bodenplatte,
- Errichtung eines Auffangbehlters oder einer Auffangwanne, die mindestens
den Inhalt des grten Lagerbehlters bzw. 10 % der gelagerten Stoffe aufnehmen kann,
- berdachung der Bodenplatte und Sicherstellung, da kein Niederschlag auf
die versiegelte Bodenplatte fiillt.
Sammelstellen mssen ausreichend Platz fr Anlieferfahrzeuge, Behlter und
Container haben. Das Gelnde soll abschliebar sein. Die Annahme der angelieferten Abflle mu von fachkundigem Personal beaufsichtigt werden. Ortsfeste
Problemstoffsammlungen knnen zusammen mit der Sammlung von Wertstoffen
aus Haushalten wie Glas, Papier, Kunststoffen etc. auf Recyclinghfen stattfmden.
132
durch die Verbrennung und geordnete Deponie entsorgt. Die anderen Abfallbehandlungsmethoden wie Kompostierung, Sortierung von Wertstoffen und Pyrolyse
Tabelle 4.1. Zusammenstellung der Abfallbehandlungsmethoden fiir Hausmll, hausmllhnliche Gewerbeabflille, Sperrmll etc. in der Bundesrepublik Deutschland fiir 1984 und 1990 (alte
Bundeslnder) bis 1999 [4.9]
Abfallbehandlungsmethode
Entsorgungsanlagen (Anzahl)
1984
1990
1993
1996
Mllverbrennung
46
48
56
51
55
Kompostierung
27
75
288
383
558
45
228
522
372
295
560
426
530
310
1999
Pyrolyse
Sortierung
Deponie
entsorgten 1997 zusammen weniger als 4 % der Bevlkerung. 1993 betrug die
Abfallkategorie bereits 43,5 Mio Mg. In der Tabelle 4.2. ist der Stellenwert der
jeweiligen Abfallbehandlungsmethode fr die Vergangenheit und Gegenwart dargestellt. Bis zum Jahre 2005 wird von einer abnehmenden Siedlungsabfallmenge
ausgegangen. Die Deponierung wird aus politischen und sicherheitstechnischen
Grnden erheblich teurer, so da die Zahl einfacher Kompostierungs- und Sortieranlagen betrchtlich zunehmen wird. Gab es 1984 erst 3 Anlagen, in denen
Abfiille sortiert wurden, waren 1990 bereits 45 Anlagen fr die Sortierung von
Haushaltsabfiillen gebaut worden (vgl. Tabelle 4.1.).
Entsprechend der Tabelle 4.2. wird deutlich, da die Pyrolyse nur eine geringe
Rolle in der Abfallwirtschaft der Zukunft beim Hausmll spielen wird. Nur bestimmte Komponenten des Abfalls aus der Sortierung, Kompostierung und getrennten Sammlung knnen in Pyrolyseanlagen sinnvoll eingesetzt werden. Dabei
wird es sich vor allem um Kunststoffe, Leder und Gummi handeln, die andere
Prozesse stren, sehr schadstoffreich und nicht oder nur bedingt verwertbar sind.
Tabelle 4.2. Gegenwrtiger Stand und Prognosen bis zum Jahr 2005 ber die Entsorgungsmethodenund deren Anteil am gesamten Hausmll und der ffentlichen Sammlung [4.195]
Entsorgungsmethode Anteil am gesamten Hausmll, [%]
1984
1987
1977
1982
Deponie
MVA
Kompostierung
Pyrolyse/BRAM
Sortierung
74,70
22,40
2,60
76,10
22,30
1,60
72,96
24,57
1,93
0,03
0,51
67,77
26,20
2,40
0,03
3,60
1993
1997
51,50
25,29
7,52
42,72
17,41
7,63
18,69
32,24
2005
14,60
34,79
9,81
5,23
34,35
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300
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[Link]
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17'14
Bild 4.1. Anzahl und Arten von Deponien und deren Stand der Technik in Deutschland [4.9]
133
134
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Bild 4.2. Zeitliche Entwicklung der ungeordneten zur geordneten Deponie in der Bundesrepublik
Deutschland
4.1
Geordnete Deponie
Der Vorteil der Deponierung als alleinige Beseitigungsmethode von Abtallen
beruht auf der einfachen Technik, die eingesetzt werden mu, und kurzfristigen
betriebswirtschaftliehen berlegungen mit geringen spezifischen Entsorgungskosten, die je nach Lage, Gre und Errichtungszeitpunkt z.Z. zwischen 80 und
300 DM/Mg Abfall liegen.
Nach dem gegenwrtigen Stand der Technik kann eine geordnete Deponie so
betrieben werden, da die Belstigung der Anlieger und eine Geflihrdung der Umwelt durch Sickerwasser, Geruch, Brand- und Explosionsgefahr weitgehend vermieden werden. Trotzdem bleibt die Deponie durch Emissionen von Stuben und
Mikroorganismen whrend der Einbauzeit eine Belastung fiir die Umwelt.
135
Nach Abschlu der Deponie besteht ein Langzeitrisiko durch die Wasserdampfdestillation und Auslaugung im Innem des Deponiekrpers, die Schadstoffe im
Sickerwasser und im Gas anreichert und damit die Umwelt belastet.
Die Erfahrung lehrt, da eine nach dem jeweiligen Stand der Technik angelegte
Deponie bereits heute oder morgen eine Altlast sein kann. Auch dies mu bei der
Planung und dem Betrieb von Deponien bercksichtigt werden.
Bild 4.1. zeigt die Restlaufzeit der derzeitigen Deponien sowie den umweltrelevanten sicherheitstechnischen Ausstattungsgrad.
Die geordnete Deponie steht im Gegensatz zur ungeordneten bzw. wilden Deponie. In der geordneten Deponie werden die Abflle systematisch ausgebreitet
und in Schichten von begrenzter Strke eingebaut. Gegenber der Geschichte der
Verbrennung, Kompostierung und Sortierung von Ab:fiillen stellt die geordnete
Deponie, durchgefilhrt im heutigen Sinne, ein junges Verfahren dar. Die Entwicklung zur geordneten Deponie vollzog sich in der Bundesrepublik Deutschland im
wesentlichen in den letzten dreiig Jahren [4.3]:
- 1961 Einfilhrung der ersten geordneten Deponie durch die Stadt Bochum,
- 1971 Erla des Abfallbeseitigungsgesetzes,
- 1972 Einfilhrung des ersten Kompaktors zur Verdichtung des Hausmlls.
Bild 4.2. zeigt die zeitliche Entwicklung der Anzahl ungeordneter zu geordneten
Deponien in den alten Bundeslndern. Die hier dargestellte Einstufung der Begriffe "geordnet" und "ungeordnet" bezieht sich nur auf die Einbaumethode, ergnzt
und gendert nach [4.3].
4.1.1
Klassifizierung von Deponien
Die Deponien lassen sich durch ihre Formen, die durch den Standort und seine
Topographie festgelegt sind, und durch die Technik bzw. den Betrieb auf der Deponie charakterisieren.
[Link]
Deponieformen
Bis vor ca. 20 Jahren wurden die Deponien sowohl in der Bundesrepublik als auch
in der damaligen DDR berwiegend in Gruben angelegt. Somit war die Deponieform, die in der Regel die meisten umwelttechnischen Nachteile mit sich bringt,
am hufigsten vertreten.
Deponieformen werden wie folgt eingeteilt [4.4] :
- geschlossene Grubendeponie,
- offene Grubendeponie,
- Deponie am Hang,
- Deponie im Taleinschnitt,
- Haldendeponie.
Die geschlossene Grubendeponie ist durch die unter dem umliegenden Gelndeniveau liegende Basis gekennzeichnet. Steile Bschungen, die mitunter schwer abzudichten sind, sind die Regel. Die Nachteile der Grubendeponie bestehen darin,
da das Sickerwasser stndig von der Grubensohle gepumpt werden mu und das
136
[Link]
Betriebsformen
Die Einlagerung der Abtalle geschieht entsprechend der Genehmigung nach einem
vorbestimmten Plan, der protokolliert und stndig berwacht wird. Die Form der
Einbautechnik und die abzulagernden Komponenten bzw. Abfallqualitten ermglichen die Einteilung nach folgenden Betriebsformen der Deponie:
- Verdichtungsdeponie,
- Rottedeponie,
- Ballendeponie,
- Inert- und Monodeponie,
- Sonderabfalldeponie.
Bei der Verdichtungsdeponie handelt es sich in der Regel um unbehandelte Siedlungsabtalle, die in Schichten von 0,3 bis 2 m Mchtigkeit aufgebracht und verdichtet werden. Das Ziel des Deponiebetriebes auf einer Verdichtungsdeponie ist
es, mit einem minimalem Gerteeinsatz eine mglichst hohe Verdichtungsleistung
zu erzielen.
Bei der Rotte- und Ballendeponie ist eine gewisse Vorbehandlung der Abtalle
vor ihrer Einlagerung notwendig. Auf der Rottedeponie wird der Abfall in zwei bis
drei Verfahrensschritten eingebaut, die sich wie folgt unterscheiden (vgl. Kap.
mechanisch-biologische Verfahren 4.4.3):
- Aufbereitung des Abfalls (z.B. durch Zerkleinerung) und ggf. Vermischen mit
Klrschlamm,
- Rotte des aufbereiteten Materials in losen Schichten von maximal 2 m ber
einen Zeitraum von 4 bis 6 Wochen,
- Einbau des verrotteten Materials mit der blichen Verdichtung oder Verwendung des Materials nach einer Bedarfskompostierung zur Zwischenabdeckung
oder Rekultivierung.
137
138
Die Deponieklasse I, in der Abflle mit einem sehr geringen organischen Anteil
abgelagert werden knnen, bei denen im Auslaugungsversuch nur sehr geringe
Mengen Schadstoffe freigesetzt werden.
Auf einer Deponie der Deponieklasse 11 knnen Abflle mit einem hheren organischen Gehalt und mit einer hheren Schadstofffreisetzung zur Ablagerung
kommen, entsprechend bestehen hhere Anforderungen an den Standort (s. Kap.
4.1.2).
Auf Monodeponien sollen Abflle zur Ablagerung kommen, die nach Art, Schadstoffgehalt und Reaktionsverhalten hnlich und untereinander vertrglich sind
[4.1].
4.1.2
Deponiestandorte
Whrend Abfallverwertungseinrichtungen unterschiedlicher Art oftmals in unmittelbarer Nhe von Wohngebieten angesiedelt und auch akzeptiert werden, sind
Deponiestandorte gesellschaftlich schwerer durchsetzbar. Bereits das Bekanntwerden von Planungsvorhaben ruft massive Brgerproteste hervor. Durch Einsprche
kann die Genehmigung von neuen Deponien oder deren Erweiterungen ber Jahre
hin verzgert werden. Die Errichtung einer Deponie stellt einen Landschaftsverbau
mit einer wesensfremden Nutzung dar. Neben den privat Betroffenen wird inuner
strker die Anspruchskonkurrenz des Landschaftsschutzes, der Wasserwirtschaft,
der Sicherung der Naturschtze, der Freizeitnutzung etc. zum Ausdruck gebracht.
Dadurch wird die Standortfmdung mit zunehmenden Anforderungen fUr zuknftige Deponien inuner schwieriger.
Da die Abfallbeseitigung grorumig am kostengnstigsten durchgefilhrt werden kann, wird der Deponiestandort in Form einer Zentraldeponie zunchst nach
Kostengesichtspunkten ausgewhlt. In der Regel sprechen die Flchennutzungsplne und Umweltschutzgesichtspunkte gegen einen solchen Standort. Die Standortentscheidung ist schlielich als ein Ausgleich dieser unterschiedlichen Ansprche an einem Ort zu verstehen.
[Link]
Bei der Errichtung von Deponien sind von allen Beteiligten die entsprechenden
Rechts-, Verwaltungsvorschriften und -anordnungen zu beachten.
Im Abfallgesetz ist gem 29 Abs. I festgelegt, da die Lnder die Standorte
fUr Deponien im Rahmen ihrer Abfallbeseitigungsplne festzulegen haben. Entsprechend 3 1 Abs. 2 ist fUr die Errichtung und den Betrieb der Deponie grundstzlich ein Planfeststellungsverfahren durch die zustndige Behrde vorgeschrieben. Bei der Planfeststellung ist die Umweltvertrglichkeit der Anlage zu prfen.
Die Behrde wird in der Regel im Planfeststellungsbescheid Auflagen zur Bercksichtigung von Einwnden und fachlichen Gesichtspunkten zusammenfassen
und ordnen. Es werden die Art und Herkunft der zugelassenen Abfallstoffe, die
Einrichtung der Deponie und deren Prfung und berwachung, der allgemeine
139
Die Wahl des Deponiestandortes hatte und hat neben den technischen Anforderungen eine wichtige Bedeutung fiir die Verminderung der Risiken fiir Umwelt
und Mensch.
Die Erkenntnis um die Langzeitfolgen von Deponien fiir die Umwelt fiihrte
Mitte der 80er Jahre zur Schaffung des Multibarrierenkonzeptes (vgl. Kap. 4.1.3).
Da kein Dichtungssystem die Emissionen eines Deponiekrpers "ber unendlich
lange Zeitrume" auffangen kann, wurde als Barriere 2 der Standort der Deponie
eingefhrt. Insbesondere dessen geologische und hydrogeologische Eignung steht
dabei im Vordergrund.
Entsprechend den Vorgaben der TA Siedlungsabfall ist die Standortauswahl fiir
eine Deponie so zu treffen, da bereits durch die standortspezifischen geologischen, hydrogeologischen, bodenkundliehen und geotechnischen Gegebenheiten
die Mglichkeit einer Ausbreitung von Schadstoffen auf ein Minimum reduziert
ist. Zudem sollte zu dem nchstgelegenen Siedlungsgebiet ein Schutzabstand von
mindestens 300m eingehalten werden, um eine direkte Beeintrchtigung der Anwohner durch den Deponiebetrieb zu vermeiden.
Der unter der Deponie und im weiteren Umfeld anstehende natrliche Untergrund sollte als geologische Barriere wirksam sein und folgende Bedingungen
erfllen:
- Mchtigkeit von mehreren Metern,
- schwach durchlssiges Locker- oder Festgestein,
- hohes SchadstoffrckhaltepotentiaL
Unterschreitet die geologische Barriere im Ablagerungs- oder Nahbereich der
Deponie eine Mchtigkeit von 3 m, so ist eine homogene Ausgleichsschicht (kf ::s;
I* 1o-7 m/s) einzubringen. Gegebenfalls sind zur Sicherstellung der Anforderungen
zustzliche technische Manahmen zu ergreifen.
Der Abstand des Deponieplanums zur maximal zu erwartenden Grundwasseroberflche mu mindestens 1 m betragen.
Fr die Deponieklasse I (s. Kap. [Link]) bestehen keine-besonderen Anforderungen an eine geologische Barriere.
Deponieklasse I (nach TA Siedlungsabfall)
Die Zuordnung zur Deponieklasse I gilt fr eine Deponie, in der Abflle eingelagert werden knnen, die einen sehr geringen organischen Anteil enthalten und bei
denen eine geringe Schadstofffreisetzung im Auslaugungsversuch stattfmdet. Die
entsprechenden Zuordnungswerte fiir die Abflle sind im Anhang B der TA Siedlungsabfall festgelegt (s. Tabelle 4.3. ).
I40
Nr.
Parameter
[Link]
1.02
1.03
Festigkeit
Flgelscherfestigkeit
Axiale Verformung
Einaxiale Druckfestigkeit
2.0I
2.02
Zuordnungswerte
Deponieklasse I
::::25 kN/m2
s;20%
Deponieklasse II
:::: 50kn./m2
::::25 kN/m2
s;20%
:::: 50kN/m2
s; 3 Masse-%
s; I Masse-%
s; 5 Masse-%
s; 3 Masse-%
141
4.1.3
Einrichtung, Bau und Betrieb einer Deponie
Eine Reihe von geordneten Deponien, errichtet nach dem Stand der Technik aus
den 60er und 70er Jahren, sind heute zu sanierungsbedrftigen Altlasten geworden. Dies hat dazu gefiihrt, die Deponietechnik entsprechend den neuen Erkenntnissen und Anforderungen zu revidieren.
Die Einrichtung, der Bau und der Betrieb einer Deponie basieren auf dem
LAGA-Merkblatt [4.5] und verschiedenen Informationsschriften, Richtlinien und
Erlassen der einzelnen Bundeslnder. Dennoch sah und sieht die Praxis der Ablagerung von Abfllen nicht immer so aus, wie es die heutigen Mglichkeiten gestatten wrden. Aufgrund der unzureichenden baulichen Einrichtungen und einer
inkonsequenten Betriebsfiihrung sind eine Reihe von vermeidbaren Altlasten entstanden. Es wird darauf ankommen, welches Gefiihrdungspotential diese Deponiestandorte fiir die Zukunft darstellen und ob diese Altlasten mit geringem Aufwand
entsprechend den Standards der Zukunft kontrolliert werden knnen. ber die
Altablagerungen von Haus- und Gewerbeabfllen, auch jngeren Datums, fehlen
meist nahezu alle wichtigen Informationen, um das gegenwrtige und zuknftige
Gefahrenpotential abschtzen zu knnen [4.1 0]. Dies sind:
- Dokumentation ber die Art und Menge der Abflle,
- Kataster ber die rumliche Verteilung im Deponiekrper,
- Untersuchungen ber die genaue Geologie und Hydrologie der nheren Umgebung der Deponie,
142
- bereits entstandene Schden in der Nachbarschaft der Deponie durch Setzungen, Sickerwasser und Deponiegas.
Um die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen, ist es unabdingbar, bei
Deponien nicht nur auf die Wirksamkeit einer Schutzbarriere zu vertrauen, sondern aus Grnden der Sicherheit viele Barrieren einzuplanen [4.11].
Daraus entstand der Grundgedanke des Multibarrierenkonzeptes, in dem mehrere
Sicherheiten unabhngig voneinander wirken und so die Deponie umweltvertrglich machen. Diese Sicherheitsphilosophie sieht folgende Barrieren vor
[4.10, 4.11, 4.12]:
I. Barriere: Abfallvorbehandlung,
2. Barriere: Geologie und Hydrogeologie des Standortes,
3. Barriere: Deponiekrper mit prognostizierbarem Verhalten,
4. Barriere: Deponiebasisabdichtung mit Sickerwassererfassung und Behandlung,
5. Barriere: Oberflchenahdichtung und getrennte Erfassung des Niederschlagswassers,
6. Barriere: Nutzung, Nachsorge, Kontrollier- und Reparierbarkeit der Barrieren.
Barriere 1:
Das Gefhrdungspotential einer Deponie wird wesentlich von Prsenz und Mobilitt der Schadstoffe unter Einwirkung der Biosphre bestimmt. Die Abfallvorbehandlung wird so gestaltet, da geilihrliehe Schadstoffe mglichst immobilisiert
werden. Dies geschieht durch chemisch-physikalische Vorbehandlung, weitgehende lnertisierung der Abililie durch Verbrennung, Vorsortierung oder getrennte
Sammlung von schadstofthaltigen Sonderabililien aus Haushalten und Kleingewerbe.
Barriere 2:
Langfristig mu davon ausgegangen werden, da alle knstlichen Manahmen zur
Beherrschung der Emissionen einer Deponie ganz oder zumindest teilweise versagen. Das heit, da der Deponiestandort zu irgendeinem Zeitpunkt die Emissionen,
die dann von den abgelagerten Abfllen ausgehen, in kontrollierbaren Mengen
freisetzt. Der Deponiestandort als geologische, hydrologische und geographische
Barriere stellt sicher, da sich freigesetzte Schadstoffe nur langsam und vorhersagbar ausbreiten und empfindliche Ziele nur in tolerierbarer Verdnnung erreicht
werden knnen.
Barriere 3:
Der Deponiekrper ist ein Reaktor, der Schadstoffe emittiert. Qualitt und Quantitt der emittierten Schadstoffe hngen von der chemischen Bindungsform der
Schadstoffe sowie von den chemischen, biologischen und physikalischen Prozebedingungen im Deponiekrper ab. Die Deponie ist nicht nur eine knstliche Sedimentation, auf die alle Phnomene der Geologie wie Verfestigung, Fllung,
Rcklsung und Adsorption anwendbar sind, vielmehr wirken auer Wasser andere Flssigkeiten als Lsemittel, so da die Auslaugung von Schadstoffen wesentlich komplizierter verluft.
143
Das Ziel der Deponietechnik mu sein, einen Deponiekrper aufzubauen, der eine
hohe innere und uere Stabilitt hat und von dem langfristig keine unannehmbaren Gasemissionen ausgehen knnen, auch wenn der Abfallberg ungeschtzt lngere Zeit den Witterungseinflssen ausgesetzt ist. Der Erfolg des Deponiebetriebes
mu an der Qualitt des Deponiekrpers gemessen werden. Das Ma der Immobilitt der Schadstoffe in den Abfllen und Deponiekrper unter Witterungseinflu
bestimmt die Gte der Hauptbarriere einer Deponie [4.13].
Barriere 4:
Um Fehleinschtzungen hinsichtlich der Deponierbarkeit von Abfllen und der
Immobilitt der Schadstoffe sowie der hydrogeologischen Gegebenheiten im Deponieumfeld zu begegnen, mu jede Deponie eine Deponiebasisabdichtung erhalten, die die Ableitung unzulssig verunreinigter Sickerwsser in den Untergrund
verhindert.
Barriere 5:
Obwohl nur Abtalle abgelagert werden sollten, aus denen ein Deponiekrper aufgebaut werden kann, der langfristig keine schdliche Verunreinigung des Grundwassers erwarten lt, erfordert der Vorsorgegedanke, da der Deponiekrper von
den Witterungseinflssen abgeschirmt wird.
Das Deponieoberflchenabdichtungssystem verhindert die Infiltration von Niederschlagswasser in den Deponiekrper, die unkontrollierte Ausbreitung von Gasen und Gerchen sowie das Abschwemmen und Verwehen von Abfllen und
Stuben und trennt letztlich rumlich Deponiekrper und Nutzer der Oberflche
der verfllten Deponie.
Barriere 6:
Durch Nutzung, Nachsorge, Kontrollierbarkeit und Reparierbarkeit der Barrieren
knnen ungnstige Abweichungen von Planungsannahmen teilweise korrigiert
werden.
Nach Verfllung der Deponie sollte die Flche einer weitgehend uneingeschrnkten Nutzung, zumindest aber der ursprnglich mglichen Nutzung, wieder
zur Verfgung gestellt werden. Die Nutzung darf jedoch die Oberfiichenabdichtungssysteme nicht in ihrer Funktionsfiihigkeit und Wirksamkeit beeintrchtigen.
Planung, Bau und Betrieb von Deponien mssen so erfolgen, da unerwartete
Ereignisse, die zu gravierenden Schden fhren knnen, praktisch unmglich sind.
Darber hinaus sollten Abweichungen von den erwarteten Werten fr das Deponieverhalten mit geringem Aufwand korrigierbar sein. Wie auch immer eine
Deponie angelegt, aufgebaut und abgeschlossen wird, die Kontrolle und die Messung der Parameter, die das Langzeitverhalten der Deponie beschreiben, mssen
eine unerlliche Auflage in der Deponiegenehmigung werden. Die Meergebnisse sollen geeignet sein, frhzeitig Hinweise auf Abweichungen von dem erwarteten
Deponieverhalten zu geben und die Einleitung von Gegenmanahmen bei Strfllen rechtzeitig zu ermglichen. Die Reparierbarkeit einzelner Deponieteile und die
Rckholbarkeit von abgelagerten Stoffen gewhrleisten die Funktionsfhigkeit des
Gesamtsystems Deponie.
144
Ein Deponieabdichtungssystem besteht aus der Deponieoberflchen- und -basisabdichtung, evtl. auch einer Seitenabdichtung, welche den gesamten Deponiekrper umschliet und ihn somit einkapselt. Die Wirkung der Einkapselung ist dann
vollkommen, wenn die Dichtwirkung beider Dichtungselemente dauerhaft ist und
Emissionen lediglich ber den kontrollierten Sickerwasser- und Gasabzug auftreten.
An die Beschaffenheit der Basis- und Oberflchenahdeckung knnen folgende
Anforderungen gestellt werden [4.14, 4.15]:
- Wasserdichtigkeit gegen Niederschlagswasser und eine Temperaturbestndigkeit bis mind. 70 C,
- Gasdichtigkeit gegenber Deponiegasen,
- Bestndigkeit gegenber der Deponieauflast,
- Unempfmdlichkeit gegenber Setzungen,
- Sicherheit gegen Austrocknung (bei mineralischen Dichtungsmaterialien),
- Bestndigkeit gegen Mikroorganismen, Nagetiere und gegen Wurzeleinwirkungen von Pflanzen,
- Erosions- und Frostsicherheit,
145
Entw&ssenmgsschic:lll
Siekarrohr
SchUUscl\ichl
2 2,5 mm
- <-=~===~~~~~~~~-'lo-'!>-++::1.._
Kunslslolf
dlc:lliUngsl>ahn
minerabd:>e
Oiclllungsschlchl
~------~~~~~~-~e~~m
146
Auf dem oberhalb der geologischen Barriere angelegten Deponieplanum wird eine
mineralische mindestens 31agige Dichtungsschicht (Ton) mit einer Mindeststrke
von 0,75 m aufgebracht, wobei ein Durchlssigkeitsbeiwert von k 2: 5*10 10 m/s
einzuhalten ist.
Die mineralische Dichtungsschicht wird mit einer Kunststoffdichtungsbahn
(Werkstoff bevorzugt HDPE) mit einer Mindestdicke von 2,5 mm abgeschlossen.
Die Kunststoffdichtungsbahn wird zum Schutz mit einer Lage Feinsand oder hnlichem Material abgedeckt. Darauf wird eine Entwsserungsschicht, geeignet sind
Kiesel oder gebrochenes Hartsteinmaterial (Durchlssigkeitsbeiwert k 2: I* 1o-3
rnls), aufgebracht, in der die Rohrsysteme filr die Sickerwasserfassung zu verlegen
sind.
Abgeschlossen wird die Abclichtung mit einer 1 m mchtigen Rekultivierungsschicht. In Bild 4.3. ist der Aufbau einer Kombinationsdichtung gern. den Vorgaben der TA Siedlungsabfall dargestellt.
Abfall
Entwsserungsschicht
<!30cm
~SOcm
. c:n
~~'--+~~........~~""4
E((;
(Oeponieauflager)
Slckerrohr
mineralische
Oichtungsschicht
Oeponieplanum
147
NIEDERSCHLAG
Dun;hsickerung ?
Sickerwassermenge
=t (Dichligkeit. [Link]!rauml
Oberflchenahdichtungen
Bild 4.5. zeigt eine endabgedeckte Mlldeponie. Der Hauptanteil des Niederschlages kann aufgrund einer geneigten, wasserableitenden Oberflchendichtung nicht
mehr in den Deponiekrper infiltrieren. Neigung und Durchlssigkeit, zwei erdbautechnisch weitgehend variable und kontrollierbare Parameter, bestimmen die
Infiltrationswassermenge, von der wiederum ein groer Anteil durch das Entwsserungssystem erfat und zur Beseitigung abgeleitet wird [4.21]. Ist eine reichhaltige Vegetation vorhanden, so knnen die Verluste durch die Transpiration der
Pflanzen erheblich sein. Je nach den rtlichen klimatischen Verhltnissen und der
Niederschlagshhe knnen bis ca. 60 % verdunsten und entsprechend den Neigungsverhltnissen weitere 5 bis 20% der Niederschlge abgeleitet werden [4.27].
Die anfallende Sickerwassermenge ist - lt man die mit den Abfiillen eingebrachten Wassermengen auer Betracht - vorrangig von der Niederschlagsinfiltration durch die Deponieoberflche abhngig. Hohe Sickerwassermengen knnen
sich wie folgt auswirken [4.28]:
- teilweiser Einstau des Deponiekrpers,
- Erhhung der Sickerwasserfracht,
- hhere Belastung fiir die Deponiebasis,
- Verminderung der Standsicherheit von Bschungen,
- erhhter Aufwand fiir Sickerwasserfassung und -behandlung,
- Steigerung und Vergleichmigung der Gasproduktion.
Die Oberflchenahdichtung ist das einzige Verfahren, mit dem eine nahezu
l00%ige Vermeidung der Niederschlagsinfiltration unabhngig von Standortvoraussetzungen bei gleichzeitig langfristigen Kostenvorteilen erzielt werden
kann. Durch optimal abgestimmte Begrnung allein kann die Versickerung von
berschssigem Niederschlagswasser nicht verhindert werden. Fr eine Oberfl-
148
chenabdichtung spricht neben den bereits genannten allgemeinen Sickerwasserauswirkungen die Rckhaltung "sauren Regens", dessen Einflsse und Folgen in bezug auf Schadstoffmobilisierung im Deponiekrper nicht abgeschtzt werden knnen [4.28]. In Tabelle 4.4. sind die Anwendungsflille ftlr Oberflchenahdichtungen
aufgezhlt.
Tabelle 4.4. Anwendungsflle filr Oberflchenahdichtungen [4.15]
Anwendungsflle
1 Hausmlldeponien
3
4
Oberflchenahdichtung nach Abschlu der Verfllung eines Deponieabschnittes sowie des gesamten Deponiebetriebes zur
-Verminderung der Sickerwassermenge und
-fracht
-Erhhung der Sicherheit bei mglichem Versagen der Basisabilichtung
-vollstndige Kontrolle der Gasemissionen
-Aufrechterhaltung des deponieinternen Milieus
Sonderabfall- whrend des Betriebes:
deponien
-mobile berwachung der in Betrieb befindlichen Ablagerungsflche
-vorbergehende Teilabilichtung nicht in Betrieb befindlicher Ablagerungsflchen (z.B. durch wiederverwertbare Verschliefolien)
-Oberflchenabdichtung aufbereits abgeschlossenen Teilabschnitten nach
Abschlu des Betriebes:
vollstndige Oberflchenahdichtung (aus den o.g. Grnden)
Oberflchenahdichtung fiir Ablagerungen mit leicht auslangbaren AbfiilMonolen wie z.B. Aschen, salzhaltigen Rckstnden, z.T. auch Schlacken etc.
deponien
Kontaminierte Oberflchenahdichtung zur teilweisen Abschirmung oder in Kombination
Standorte
mit weiteren Abdichtungsmanalunen zur vollstndigen Einkapselung
Die Endabdeckung der Deponie mit einer Erdschicht (als Wachstumsschicht) war
bis vor kurzem die allgemein bliche Form des Deponieabschlusses. Mierfolge
beim Pflanzenwachstum, verursacht durch das Deponiegas und die Infiltration des
Niederschlagswassers, haben dazu gefllhrt, da z.B. in Bayern und Hessen bereits
im Vorgriff auf die TA Siedlungsabfall eine Oberflchenahdichtung vorgeschrieben wurde.
Als Oberflchenahdichtung kommen heute mineralische Abclichtungen oder
Kombinationsahdichtungen zum Einsatz.
Gem TA Siedlungsabfall hat whrend des Betriebes der Deponie eine Oberflchenabdichtung der jeweils verfiillten Deponieabschnitte zu erfolgen. Die unterschiedlichen Abclichtungssysteme ftlr Deponieklasse I und II sind in Bild 4.6. und
Bild 4.7. dargestellt. Nach Abschlu der Deponie ist eine entsprechende Oberflchenahdichtung durchzufiihren. Fr Altanlagen gelten die Anforderungen ftlr Deponieklasse II.
Die Oberflchenabdichtungssysteme sollen folgenden Anforderungen entsprechen:
Bewuchs
Rekultivierungsschicht
Entwsserungsschicht
mineralische
Dichtungsschicht
Ausgleichsschicht
ggf.
Gasdrnschicht
Abfall
Bild 4.6. Oberflchenahdichtung fr Deponieklasse I gern. TA Siedlungsabfall [4.1]
Bewuchs
100crn
Rekultivierungsschicht
Entwsserungsschicht
Schutzschicht
Kunststoffdichtungsbahn
mineralische
Dichtungsschicht
Abfall
Bild 4.7. Oberflchenahdichtung fr Deponieklasse II gern. TA Siedlungsabfall [4.1]
149
150
Bild 4.8. Potentielle Bruchzonen im Bereich der Bermen von Deponien [4.14)
ll.h = 2m
Grubendeponie
Bild 4.9. Potentielle Ribildung einer 20 m hohen Grubendeponie bei einer Gesamtsetzung von
10%[4.14]
151
Setzungen und Horizontalverschiebungen sind Folgen unterschiedlicher Volumenvernderungen im Deponiekrper. Diese knnen auf unzureichende Einbautechniken und lokal unterschiedliche Abfallzusammensetzungen zurckgefiihrt werden.
Vor allem im Bereich der Bermen filhren Setzungen im Deponiekrper zu Bruchzonen (Bild 4.8.). Durch Volumenverminderung knnen die einzelnen Bermen aus
der horizontalen Einbaulage zur Deponiemitte hin abkippen und dabei im Bereich
des Bermenfues an der Deponieseite aufreien [4.14].
Bei verfilllten Grubendeponien sind Setzungsrisse im Bereich des Grubenrandes
zu erwarten, insbesondere dann, wenn der Grubenauenbereich ebenfalls berfilllt
wird (Bild 4.9.).
Die Setzungsrate kann bei Grubendeponien bis zu 20 % der Ausgangshhe betragen [4.14].
152
150
gm-2d-1
130
120
110
100
90
80
~
......
Ql
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0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 1,2 1,4 mm-1 1,8
Reziproke Foliendicke d-1
,.._
Bild 4.11. Permeationsraten einiger Lsungsmittel durch Dichtungsbahnen aus HDPE unterschiedlicher Dicke [4.17]
- betriebliche Koordinationsschwierigkeiten bei der Vorwegschttung der Flchendrainageschicht, dadurch gegebenenfalls direkter Kontakt Mll-Folie,
- Erosionsgefithrdung der Flchendrain- bzw. -schutzschicht, dadurch verstrkte
Gefithrdung der freiliegenden Folie,
- Wechselzugbeanspruchung infolge von Temperaturschwankungen, ggf. verstrkte Zugbeanspruchung im Anschlu (nach Abkhlung) an die Verlegung bei
groer Hitze, UV-Strahlung,
- Zug am Verankerungspunkt infolge Eigengewicht, Schrumpfung.
Chemische Beanspruchungen
Fr eine dauerhafte Funktionstchtigkeit der Folienahdichtung ist es entscheidend,
da es zwischen der Dichtung und dem Sickerwasser des Deponiegutes zu keinen
negativen Reaktionen kommt. Mgliche Reaktionen knnten sein [4.17]:
153
p
[g/m'd)
100
ras!
theoretische P.
tatschliche P.
100 %-Wert
10
0,1
Verdnnungsrate
0
0,05%
0,02%
0,1%
0,015%
Toluol
Xylol
Trichlorethylen
Tetrachlorethylen
Bild 4.12. Permeation konzentrierter und verdnnter organischer Substanzen durch Polyethylen
[4.17]
154
155
[Link]
Sickerwassererfassung und -behandlung
Sickerwasser aus Deponien entsteht im wesentlichen durch eingetragenes Niederschlagswasser, durch Eigenfeuchte von abgelagerten Abfallen und durch eindringendes Grund- oder Fremdwasser.
Durch die Abdichtung von Deponien gegen den Untergrund ergibt sich die
Notwendigkeit, das Sickerwasser zu erfassen, zu sammeln und abzufiihren. Ein
Wassereinstau mu vermieden werden, da dieser fiir die Abbauvorgnge in der
Deponie, insbesondere fiir die Standsicherheit der Aufschttung, negative Folgen
haben kann. Auerdem sollte der hydrostatische Druck auf die Abdichtung mglichst gering gehalten werden, um die Durchlssigkeit der Basisabclichtung zu
minimieren. Die Entwsserung der Deponiebasis untergliedert sich in die drei
Bereiche Erfassung, Lagerung und Beseitigung.
Alle im Deponiebereich auftretenden Wsser mssen erfat werden. Es lassen
sich zwei Arten von Wssern differenzieren, die getrennt erfat und behandelt
werden:
- Oberflchenwsser,
- Sickerwasser.
Als Oberflchenwsser gelten alle nicht kontaminierten, d.h. alle nicht mit dem
Deponiegut in Berhrung gekommenen Wsser. Hierzu gehren die von auerhalb
des Deponiebereiches zuflieenden, oberirdischen Wsser, der Oberflchenabflu
des Niederschlags auf zwischen- oder endabgedeckten Deponieabschnitten sowie
Niederschlagswasser auf vorbereiteten, aber noch nicht in Betrieb gegangenen
Deponiearealen.
Zum Sickerwasser gehren alle kontaminierten, d.h. mit dem Abfallgut in Berhrung gekommenen Wsser. Die in den Deponiekrper eindringenden Niederschlagswsser werden neben den zwangslufig entstehenden Konsolidationswssem aus wasserhaltigen Abfallen zu Sickerwasser. Inwieweit es zu einer Belastung dieses Wassers durch Abfallinhaltsstoffe kommt, hngt von einer Vielzahl
von Einflssen ab.
Als technische Manahmen zur Verringerung der Niederschlagsinfiltration und
somit zur Reduzierung der Sickerwassermenge whrend des Deponiebetriebes sind
die Verwendung mglichst kleiner Einbauflchen, die berdachung bzw. tgliche
Zwischenabdeckung der Einbaustelle und die Reduzierung der Eigenfeuchte der
angelieferten Abtalle durch entsprechende Vorbehandlungsmethoden zu nennen.
Die Erfassungssysteme fiir Sickerwasser mssen mindestens solange wirksam
sein wie die Dichtungen der Deponiekrper selbst. Die Funktionsfahigkeit sollte
kontrollierbar und das Sammelsystem reparierbar sein.
156
(4.1)
Niederschlag
Evaporation
Oberflchenabflu
0
zeitliche Verzgerung des Abflusses (langsam dramendes Wasser)
~R
entgegen der Schwerkraft gespeichertes Wasser (Feldkapazitt)
~s
Differenz von im Abfall gebildetem und verbrauchtem Wasser
Wsyn=
Drainabflu
D
Da eine Deponie in der Regel ber groe, wenig geneigte Flchen verfiigt, wird
der Oberflchenabflu bei der Berechnung meistens vernachlssigt. Bei der Wasserbilanzgleichung filr eine rekultivierte Deponie wird statt des Niederschlages nur
das u.U. durch die Abdichtung oder durch Leckstellen infiltrierte Wasser in die
Gleichung eingefiihrt. Eine Verdunstung direkt aus dem Abfall tritt nicht auf
(E= 0) [4.30].
Der wesentliche Unterschied der Wasserbilanzgleichung (4.1), verglichen mit
der des Bodens, liegt in den Ausdrcken ~Rund Wsyn Langsam draenendes Wasser (AR) gibt es zwar auch im Boden, doch ist die zeitliche Verzgerung gemessen
an dem Bilanzzeitraum so gering, da es im allgemeinen vernachlssigt wird.
N
E
NIEDERSCHLAG
EVAPORATION
~D~JJ
:: 111:::::
157
n~
OBERFLCHENABFLUSS
:r.:::::;::::::::. INFILTRATION
'"
/~: ..
tU: ::: j j j :
: ::: :::
::;: : ::
i.::
:::.::::: ttt::::::::.: :::::.
\ 111 iU .... J
::::::::tu::::::::
ABGELAGERTE-R
MULL
::
11 t:::: tu::::::::::~:::::
: : t H : : : 111
: : ::: ::: : :: : :: ::
.: :
S-ICKERWASSER BEWEGUNG IN
UNGESTTIGTEM
~ ~::::: GESTTIGTEM
. ..........
BE REC
I H
: ::: ::::
::
: : : : : : :7
: VERTEILUNG
:: : : : .
\ . ll. . :~ SPEICHERUNG
........ 'lll'....... .1 . . . ..
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000
00
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... ..
... ]:............., ...
.......
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...
...........
...... ............
:l.::::.
.::........
... .
.....
158
L!S
wird jedoch auch vom Deponiealter, vom pH-Wert und vom Sickerwassereinstau
beeinflut [4.2].
Tabelle 4.5. Wasserhaushaltsbilanz filr eine Deponie im Landkreis Sigmaringen [4.31]
Wasserhaushaltsbilanz
[mm]
1981
1982
1983
Niederschlag
+ 675,20
+ 771,00
+ 515,10
Verdunstung
-607,65
- 581,57
-2,35
-786,72
-6,10
-0,94
-26,35
-26,35
Sickerwasserabfuhr
-26,35
-49,60
- 71,56
Fehlbetrag
- 14,50
+ 89,17
- 55,71
-354,62
In der Regel nimmt die Belastung des Sickerwassers mit dem Alter der Deponie
ab. Jedoch werden auch viele Jahre nach Schlieung einer Hausmlldeponie noch
in erheblichem Ausma Abfallinhaltsstoffe mit dem Sickerwasser aus der Deponie
ausgetragen. Ohne die Ablagerung von nassen Abfllen bewegt sich das eindringende Niederschlagswasser in bevorzugten Bahnen durch den Deponiekrper, so
da nur wenige Prozent des Deponievolumens mit diesem Sickerwasser in Berhrung kommen.
Bei Deponien fiir Haushaltsabflle ist vor allem die organische Belastung des
Sickerwassers von Bedeutung. Im Deponiekrper fmdet die Hydrolyse der bedeutendsten Stoffgruppen statt. Durch Bakterien werden die Hydrolyseprodukte unmittelbar oder ber acetogene Zwischenstufen in niedere Fettsuren umgewandelt,
159
darauf folgt fiir lange Jahre die Methanbildungsphase und abschlieend ein
aerober Endzustand [4.2].
Am Beispiel Zucker kann der anaerobe Abbau im Vergleich zum aeroben wie
folgt dargestellt werden [4.30]:
Aerob:
(4.2)
Anaerob:
Essigsure
(4.3)
Methangrung
(4.4)
Methangrung
(4.5)
Tabelle 4.6. Mittel- (x) und Maximalwerte (max.) einiger Parameter in den Phasen der "Sauren
Grung" und der "Methangrung" (in Klammern Werte einzelner Deponien) im Vergleich zu
kommunalem Abwasser [4.29, 4.196]
[Link].
Parameter
max.
pH
6,1
5,5"
6,6
3.000
4.340
200
600
383
3,4
150
500
3,4
180
1,9
925
1.350
2.120
15
1.350
29,3
Ca (mg/1)
Mg (mg/1)
1.300
2.480
80
575
65
95
600
534
1,73
24
5,6
7,2
250
0,65
Mn (mg/1)
1.130
65,5
68,4
0,64
0,94
3,78
7,25
0,5
884
bis 600
0,58
3
4
CSB (mg/1)
22.000
38.100
BSBs (mg/1)
30.425
AOX(mg/1)
TKN (mg/1)
Fe (mg/1)
13.000
1,9
11
12
13
Zn (mg/1)
Sr (mg/1)
so4 (mg/1)
8,0
max.
8,5
BSBs/CSB
9
10
max.
"Kommunales Abwasser''
8,6
0,06
6
7
"Methangrung"
"Saure Grung"
14,7
1.745
Minimum
160
CSB
4~0~------------------~
35000
BSBs (mg/1)
25000 ; - - - - - - - - - - - - - - - - .
30000
20000
25~
15000
20000
15000
10000
10000
5~ L_.__.__._.:_~~~~~
0123456789101112
Deponieelter I a I
5000
o~~~_.~~~m----.~
9101112
01234567
Deponlaol ltr I o I
HH4N {mglll
1soo r----=;::;:;:;:;:;;;;:;:;:;:;;:;:;;;:;;:;:;;:;;t
1200
800
400
o~~~~.-~--~._~
0 1 2 3 '
5 6 7 8 9 10 11 12
Deponiealtar I o I
Bild 4.15. Genereller Verlauf der CSB-, BSBs- und NH4- Konzentrationen in Abhngigkeit vom
Deponiealter [4.34]
als Ammonium als auch in organischer Form. Der zeitliche Verlauf der Parameter
ist, mit Ausnahme des organischen Stickstoffes, in Bild 4.15. dargestellt. Der Konzentrationsverlauf des organischen Stickstoffs entspricht weitgehend dem Ammonium und betrgt ca. 30 bis 150% (i. Mittel 70 %) des Ammoniums [4.34].
In der BSB 5-Darstellung stellt die mit "I" bezeichnete Linie eine mittlere Tendenz dar, die ungefiihr filr Deponien mit 2 m Schichteinbau und einer Aufbaugeschwindigkeit von 2 bis 4 rn/a gilt. Die Richtung "2" gibt die Tendenz bei hherer
Aufbaugeschwindigkeit wieder.
Wird dagegen noch langsamer aufgebaut bzw. werden Intensivierungsmanahmen wie die Sickerwasserkreislauffiihrung durchgefiihrt, so geht die Tendenz in
Richtung "3".
I =mittlerer Verlaufbei 2m Schichten und 2 bis 4 m Aufbau pro Jahr,
2 = Tendenz bei schnellerem Aufbau,
3 = Tendenz bei langsamerem Aufbau oder Kreislauffiihrung etc.
Aus Bild 4.15. ist zu erkennen, da sich nach einem Konzentrationsanstieg in der
Anfangsphase des Deponiebetriebes die Konzentrationen des Ammoniums auf
einem hohen Niveau einpendeln. Aber auch hier ist die Differenz zwischen den
mglichen Minimal- und Maximalwerten extrem gro. Der Wertebereich schwankt
etwa zwischen 400 und 1 200 mg N/1. Es ist allerdings zu bercksichtigen, da
zustzlich noch Stickstoff in Form organischen Stickstoffs im Sickerwasser enthalten ist. Da diese Mewerte extrem stark schwanken, sind nur generelle Aussagen mglich. In der Regel liegen zustzlich 30 bis 150 % (i. Mittel 70 %) des
161
Ammoniums als organischer Stickstoff vor. Fr die gesamten Stickstoffkonzentrationen ist von Werten zwischen ca. 400 und 2 000 mg N/1 auszugehen [4.35].
Die Belastung von Deponiesickerwssern mit Schwermetallen ist im Vergleich
zu kommunalen Abwssern geringer. In der Tabelle 4.7. sind die mittleren
Schwermetallkonzentrationen von Deponiesickerwssern im Vergleich zu kommunalen Abwssern dargestellt. Toxische Wirkungen der Schwermetalle auf die
Mikroorganismen und damit eine Beeintrchtigung der biologischen Abbauprozesse sind bei diesen Konzentrationen nicht zu erwarten.
In den letzten Jahren ist vor allem das Problem der halogenierten Kohlenwasserstoffe in den Vordergrund getreten, da diese Stoffgruppe hufig giftig, langlebig
und anreicherungsfiihig ist. Die AOX-Werte (adsorbierbare organische Halogenverbindungen) in Sickerwssern liegen hufig zwischen 0,4 bis 0,9 mg/1, aber auch
bis ca. 3 mg!l und damit wesentlich ber denen von kommunalen Abwssern.
Whrend bei kommunalen Abwssern etwa 90 % des AOX bei Belften als leicht
flchtige Komponenten ausgetrieben werden, sind dies bei Sickerwssern aus
Haushaltsabfalldeponien in der Regel nur 0 bis 20 %. Die leicht flchtigen Komponenten werden weitgehend mit dem Deponiegas ausgetragen. Eine einigermaen
exakte Aussage ber die Zusammensetzung und Problematik dieser Stoffgruppe
existiert nicht [4.35].
Tabelle 4.7. Schwermetallkonzentrationen von Deponiesickerwssern im Vergleich zu kommunalen Abwasser aus Torge [4.2]
Schwermetall
Blei
Cadmium
Chrom
Kupfer
Nickel
Quecksilber
Zink
Kommunales Abwasser
[mg/1]
[mg/1]
0,087
0,005
0,275
0,065
0,166
0,0002-0,06
0,64
0,1
0,003
0,03
0,15
0,04
0,001
0,5
162
Sammler--
Bild 4.16. Sauger (DN 100 mm) und Sammler ( DN 200 mm) einer Sohldrainage [4.2]
de Schutzschicht diese Funktion nicht sicherstellt. In Bild 4.16. ist eine Sohldrainage dargestellt.
Bei Drainschichten aus hochdurchlssigem Material erhhen Sauger das Leistungsvermgen des Flchenfilters, wobei diese nicht unbedingt in Form von
Rohrleitungen ausgebildet sein mssen. Sickerwasserrigolen (Abzugsgrben) stellen gleichfalls eine sinnvolle Lsung dar. Das anfallende Sickerwasser wird vom
Flchenfilter aufgenommen und den Sammlern zugefilhrt, die das Sickerwasser aus
dem Sohlbereich nach auen hin ableiten.
Die Auslegung des Sickerwasserdrainagesystems mu den Vorgngen im Deponiekrper, also Setzungen, bevorzugten Siekerbahnen sowie den Bewegungen
des Deponieuntergrundes Rechnung tragen. Dies gilt nicht nur filr die Betriebszeit,
sondern auch filr die Nachsorgezeit von bis zu 30 Jahren. Zur Sicherung sollten
daher genaue hydraulische und statistische Berechnungen der Drainleitungen
durchgefilhrt werden. Das Rohrsystem kann ein fehlendes Gefalle nicht ersetzen.
Die Basisabclichtung und das Drainsystem sind nach der Befilllung nur begrenzt
ber die Kontrollschchte zugnglich. Daher kommt diesen Bauteilen filr die
163
Sickerwsser
:;+---knstliche
Dichtung
Geflle
mind . 2%
Sickerwaa&er
und Gas
Syphon
Bild 4.18. Sickerwassersammelschacht mit Tauchpumpe [4.36]
164
Stand
Parameter
Allgemein anerkannte Regeln der Technik
BSB5
mg/1
20
css
mg/1
200 1
TOC/NOz-N
mg/1
Nl4
mgN/1
50
Summe anorg. N
mgN/1
P04
mgP/1
1 bei Indirekteinleitung 75 %Abbau bzw. 400 mg/1
Novellierungsvorschlag
20
200"
2
10
70 (lOO)b
165
Tabelle 4.8. (Fortsetzung) Anforderungen an das Einleiten von Sickerwasser (derzeitiger Stand
und diskutierter nderungsstand) [4.7]
Parameter
Stand der Technik
Abfiltrierbare Stoffe
Cyanid
AOX
Nitrit
GF (Verdnnung)
AOX
Quecksilber
Cadmium
Chrom
Chrom (VI)
Nickel
Blei
Kupfer
Zink
Arsen
Fischgiftigkeit
Daphnientest
Leuchtbakt.
a
b
Stand
Novellierungsvorschlag
[mg/1]
20
[mg/1]
[mg/1]
0,5
[mg/1]
[mg/1]
2
[mg/1]
0,5
[mg/1]
0,05
[mg/1]
0,1
0,5
[mg/1]
[mg/1]
[mg/1]
0,5
[mg/1]
0,5
[mg/1]
0,5
[mg/1]
2
[mg/1]
2
GF
Go
GL
Bei CSBro~~ > 4000 mg/1, llCSB > 95 %
Wenn 11 > 75 %knnen bis I 00 mg/1 zugelassen werden
0,2
0,5
2
0,5
0,05
0,1
0,5
0,1
0,5
0,5
0,5
2
0,1
2
4
4
Biologische Behandlungsverfahren
Umfangreiche Untersuchungen ber die biologische Sickerwasserreinigung und
deren Ergebnisse zeigen, da dieses Verfahren speziell bei der Sickerwasserbehandlung von unproblematischen Hausmlldeponien anwendbar ist. Eine aerobe
biologische Behandlung fhrt zu einer nahezu vollstndigen Eliminierung des
biologisch abbaubaren Anteils, wenn ausreichend lange Kontaktzeiten der Biomasse mit dem Sickerwasser ermglicht werden. Als Anlagen zur aeroben Behandlung von Deponiesickerwssem werden deshalb mehrstufige und belftete
Teichanlagen empfohlen, die vereinzelt bereits in Betrieb sind.
Eine anaerobe Sickerwasserreinigung ist nur begrenzt mglich, da das Sickerwasser im Deponiekrper bereits einem anaeroben Proze unterlag.
Sind Deponiesickerwsser mit besonders toxischen Inhaltsstoffen wie den
chlororganischen Verbindungen belastet, sollten keine der biologischen Verfahren
allein zur Anwendung kommen, da hierbei ein unkontrollierter bergang der
Schadstoffe in Luft, Wasser und Klrschlamm erfolgen kann.
Eine Besonderheit der Sickerwasserbehandlung stellt die Rckfilhrung des Sikkerwassers durch Verregnung und Verrieselung auf der Deponieoberflche oder
die Rckfhrung in das Deponieinnere dar. Ursprnglich aus dem Gedanken her-
166
Tabelle 4.9. berblick ber die unterschiedlichen Verfahrensmglichkeiten zur Behandlung von
Deponiesickerwasser [modifiziert nach 4.37]
Verfahren
Bemerkungen
Probleme
1.1
Physikalische Methoden
Sedimentation
niedrige Kosten
1.2
Eindampfung
2
2.1
Physikalisch-chemische Methoden
Adsorption an Aktivkohle
fiir hydrophobe Abwasserinhaltsstoffe anwendbar
lfd.
Nr.
2.2
2.3
2.4
2.5
3
3.1
3.2
3.3
4
4.1
4.2
Aufkonzentrierung der
Inhaltsstoffe
167
Verfahren
Bemerkungen
Probleme
4.3
Aerobe Behandlung
(CSB/BSBs-Elimination)
Nitrifikation
aus begonnen, auf diese Weiseinfolge Verdunstung bei der Verregnung eine Ableitung von Sickerwasser ganz unterbinden zu knnen, gab es jedoch Rckschlge.
Auer in ausgesprochenen Trockenjahren mu Sickerwasser abgeftlhrt werden,
wenn auch in deutlich geringerer Menge (im Mittel 0,3 m3fm2 a). Hufig treten
starke Geruchsbelstigungen auf. Darber hinaus sind die Pump- und Personalkosten vergleichsweise hoch. Infolge der gewonnenen :rfahrungen gibt es jedoch
Verbesserungsvorschlge. Der Deponiekrper erweist s1ch unter der Sickerwasserrckfhrung als ein wirksamer Festbettreaktor. Bei wiederholtem Durchgang des
Wassers erfolgt ein Abbau, wobei bei ausreichend hohen Deponien sogar eine
obere Versuerungs- und untere Methanisierungszone unterschieden werden knnen. In solchen Fllen oder durch Aufbringen des Sickerwassers aus einem jungen
Deponieteil auf eine Altdeponie kann eine relativ niedrige Endkonzentration im
Ablauf erreicht werden, die jedoch noch nicht vorflutergerecht ist. Wegen des
unangenehmen Geruchs des Sickerwassers aus der sauren Phase wird vorgeschlagen, dieses nicht zu verregnen, sondern zu verrieseln oder geschlossen in den Deponiekrper zurckzufilhren. Dabei gehen natrlich die Verdunstungsverluste stark
zurck [4.40].
Biologische Nitrifikation
Bei der biologischen Nitrifikation werden Ammonium und organische Stickstoffverbindungen in Nitrit bzw. Nitrat berftlhrt. Eine Oxidierung des Stickstoffs erfolgt zum Teil bereits bei der biologischen Behandlung zur Entfernung biologisch
abbaubarer organischer Substanzen. Um aber eine weitgehende und sichere Nitrifizierung zu erreichen, sind zustzliche Manahmen und Anlagenteile erforderlich.
Die nitrifizierenden Mikroorganismen reagieren relativ empfmdlich auf ungnstige Vernderungen des sie umgebenden Milieus, wie z.B. niedrige Temperaturen, Anstieg von Ammonium oder Nitrit usw. Um eine sichere Nitrifizierung zu
erreichen, mu deshalb die Mglichkeit der Auskhlung unterbunden und jede
Mglichkeit zur Wrmezufuhr genutzt werden, wie z.B. Abdeckung und Belftung
mit Druckluft bei Belebungsanlagen. Zustzlich mu eine bestimmte Stickstoftbelastung eingehalten werden. Mit derartig bemessenen Anlagen ist eine sichere
Nitrifikation zu erzielen. Werden Werte unter 10 mg Nil gefordert, so ist eine
zweite biologische Stufe erforderlich, die wegen der schlechten Flockenbildung
168
1. Stufe
(gesicherte Nitrifika~ion)
BeUithmgsbecken
2. Stufe
(weitgehende
Nitrifikation)
Absetz-
becken
Belftungsbeckln
mit Festkrpern
(verscll. Mi:iglichk1iten)
Tauchkrper
Bypus mit geringer Menge 2ur
169
Das Verfahren gilt heute nach dem Stand der Technik als berholt. Die anfallende
Menge der zu entsorgenden Salze und Schlmme ist sehr hoch (35 kg/m3 Sickerwasser), zudem kann es durch das Einbringen zustzlicher Schwermetalle zu einer
Anreicherung bis zur Grenzwertberschreitung dieser Parameter kommen.
Adsorptionsverfahren
Die Adsorption an Adsorberharzen ist ein Verfahren zur bevorzugten Elimination
halogenorganischer Verbindungen aus Deponiesickerwssern. Das Verfahren ist
vor allem zur Behandlung hochbelasteter Wsser geeignet, aus denen bestimmte
organische Stoffgruppen eliminiert werden sollen.
Die Adsorption erfolgt ber Van-der-Waals-Krfte in den Poren der Harzkrper. Die Porenstruktur und die Oberflche des Harzes lassen sich bei der Herstellung gezielt verndern, so da sich die Eigenschaften fUr eine selektive Trennung
in einem gewissen Mae steuern lassen. Die Adsorptionsharze knnen bei Raumtemperatur regeneriert werden, wobei das Regenerierungsmittel nach Abtrennung
von den Schadstoffen durch Destillation erneut verwendet werden kann.
Die Grenzen des Verfahrens sind durch Selektivitt der Adsorptionsharztechnik
gegeben. Sie ist daher immer als Teilschritt eines Gesamtbehandlungskonzeptes zu
sehen. So ist z.B. in der Regel eine Flockung/Fllung mit Sedimentation oder eine
Filtration vorzuschalten.
Die Adsorption an Aktivkohle wird ebenfalls zur Abtrennung von organischen
Inhaltsstoffen eingesetzt. Auch hierbei ist es sinnvoll, die Wsser vor der Aktivkohlebehandlung von mechanischen Verunreinigungen zu befreien. Fr eine effektive Adsorption ist eine mglichst groe Oberflche des festen Materials erforderlich. Die vorwiegend eingesetzten Aktivkohlen weisen Oberflchen von 600 bis
1 200 m 2/g auf.
Sollen selektive Schadstoffe aus dem Sickerwasser entfernt werden, sind durch
Vorversuche die Aktivkohleart, die Adsorptionszeit und die Reaktorform zu optimieren.
In Bild 4.20. sind die Verfahrensprinzipien der Adsorption mit der zu erwartenden Ablautkonzentration dargestellt.
Da Aktivkohle sehr teuer ist, sollte fUr einen wirtschaftlichen Betrieb mit diesem Verfahren die Reaktivierung der beladenen Aktivkohle vorgenommen werden.
Dies geschieht aufthermischem Weg. Bei der Anwendung der thermischen Reaktivierung ist eine Abgasreinigung erforderlich.
Ionenaustauschverfahren { 4. 4 I]
Bei der Anwendung von Ionenaustauschern zur Aufbereitung von Sickerwasser
sollen Ionen, vorwiegend Metallionen, aus der Wasserphase entfernt werden. Dabei wird das Austauschharz unter Freisetzung gleich geladener Ionen, die in der
Ionenaustauschmatrix gebunden sind, mit den zu entfernenden Sickerwasserlnhaltsstoffen beladen.
Der Ionenaustausch ist berwiegend reversibel, so da die gebundenen Sickerwasserinhaltsstoffe wieder durch geeignete Aufbereitungsmanahmen in Lsung
gebracht werden knnen.
Die Behandlung von Sickerwasser durch Ionenaustauschverfahren ist erst bei
vorbehandeltem Sickerwasser anwendbar, da sich eine hohe Konzentration organi-
170
cl~-t
Absetzbecken
C11 =Abloufkonzentrotion
--- - Cx =Grenzkonzentration
bl
c~
t
Filter
AK - Suten
FM= Ftockungsrnitt~
.AJ(zAktivkdlle
FHM =Flocl<ungshilfsmittel
scher Inhaltsstoffe nachteilig auf ihr Eliminationsvermgen von ionischen Inhaltsstoffen auswirken kann. Um den Aufwand ftlr die Regeneration der Ionenaustauschharze gering zu halten, wird das Verfahren vor allem bei der Beseitigung
von Restkonzentrationen von Sickerwasserinhaltsstoffen angewandt
Membranverfahren
Im Gegensatz zu den weitverbreiteten Reinigungsmethoden ermglichen Umkehrosmose und Ultrafiltration die gleichzeitige Reinigung des Abwassers von organischen und anorganischen Komponenten, von Bakterien, Viren und anderen Verunreinigungen. Dabei kann hufig das Konzentrat so angereichert werden, da die
Rckgewinnung gelster Stoffe rentabel wird und das gereinigte Wasser ftlr Produktionszwecke eingesetzt werden kann. Somit knnen mit diesen beiden Prozessen gleichzeitig die Probleme der Wasserversorgung, der Wasserreinigung und der
Rckgewinnung wertvoller Stoffe gelst werden [4.37].
Diese Verfahren bestehen darin, da das zu behandelnde Sickerwasser unter einem hydrostatischen Druckgeflille, das grer ist als sein osmotischer Druck, eine
semipermeable Membran passiert. Dabei wird das Sickerwasser in zwei Fraktionen
getrennt
Das Permeat besteht im wesentlichen aus der Wasserphase und bestimmten Sikkerwasserkomponenten, die durch die Membranen diffundieren. Auf der Druckseite der Membranen fllt das Konzentrat an, das sich mit den von den Membranen
zurckgehaltenen Sickerwasserinhaltsstoffen anreichert.
Die Umkehrosmose wird schematisch in Bild 4.21, die Wirkungsweise der
Membranverfahren wird in Bild 4.22. in Abhngigkeit von der Komgre der
Inhaltsstoffe dargestellt
171
b) Umkehrosmose
a) Osmose
Tosmot.
lDruck
LL
L----.---___J -""-
konz.
Lsung
..- 1-
L....
konz.
Lsung
Reinwasser
Reinwasser
.o.H
Flierichtung
des Wassers
_,=--= semipermeable
Membran
Konventionelle Fi~ration
0,0001
0,001
0,01
0,1
10
100
[IJm]
Korngre
Bild 4.22. Wirkungsweise der Membranverfahren in Abhngigkeit von der Komgre der Inhaltssto ffe [4. 37]
172
173
Nachteilig bei der Verbrennung ist die Notwendigkeit einer aufwendigen Rauchgasreinigung, da die flchtigen Stoffe in die Rauchphase gelangen. Die hierfr
erforderlichen Kosten werden mit 10 bis 20 DMJm3 Abwasser angegeben [4.43].
[Link]
Entgasung von Deponien
Whrend der Zeit vor Einfiihrung geordneter Verdichtungsdeponien war das Wissen um die Gasentwicklung in der Deponie nicht vorhanden, da in den kleinen und
nur wenig verdichteten Deponien vorwiegend aerobe Abbauprozesse abliefen. Bei
dem anaeroben Abbau in Zentraldeponien entsteht neben Kohlendioxid berwiegend Methan, das Gefahren und Belstigungen (Explosionsgefahr, Vegetationsschden, Geruchsemissionen) fi1r die Umwelt bedeutet.
Entsprechend den Anforderungen der TA Siedlungsabfall fi1r Hausmlldeponien [4.1] ist das Deponiegas aus betriebenen oder stillgelegten Deponieabschnitten
nach Mglichkeit zu fassen und zu verwerten. Als Stand der Technik wird die
Verbrennung mit Energienutzung in Feuerungsanlagen oder Verbrennungsmotoranlagen angesehen. Eine Unterlassung der energetischen Nutzung des Deponiegases darf nur in begrndeten Ausnahmefallen erfolgen.
Fr neu zu errichtende Deponien ist aufgrund der Zusammensetzung und des
sehr geringen organischen Anteils des abgelagerten Mlls nicht mit bedeutsamer
Deponiegasentwicklung zu rechnen. Falls bei Kontrolluntersuchungen signifikante
Gaskonzentrationen gemessen werden, oder falls aufgrund von Ausnahmeregelungen mit Deponieausgasungen zu rechnen ist, werden angemessene, geeignete Einrichtungen zur Gasfassung gefordert.
Die folgenden Kapitel zum Thema Deponiegas beziehen sich demzufolge auf
Anlagen, die vor lnkrafttreten der TA Siedlungsabfall in Betrieb waren, oder mit
deren Errichtung bereits begonnen war, oder filr Deponien die bereits stillgelegt
wurden.
Gashaushalt
Wird der Abfall geordnet abgelagert, so haben Licht und Sauerstoff keinen Zugang
zu dem eingebauten Material, so da die metabolischen Prozesse nach dem Verbrauch des Sauerstoffs in der eingeschlossenen Luft anaerob verlaufen mssen.
Kommunale Abflle werden von einer Bakterienmischpopulation zunchst zu
den typischen Grprodukten wie Suren, Alkoholen usw. abgebaut. Die erste Stufe
des anaeroben Abbaus ist mit einem starken Anstieg organischer Suren verbunden. Die Abbauprodukte dieser ersten Phase werden von einer weiteren Bakteriengruppe, den acitogenen Bakterien, zu Acetat, Kohlendioxid und Wasserstoff umgesetzt. Diese Substanzen werden dann von den Methanbildnern als Substrat genutzt. Die Methanbildung verluft somit in 3 Stufen, wie Bild 4.23. schematisch
darstellt.
Die Gasproduktionsraten und deren Zusammensetzungen werden von den jeweils im Sickerwasser vorliegenden Milieuverhltnissen beeinflut.
Die Abnahme der anfangs vorherrschenden aeroben Prozesse durch anaerobe
lt sich an der Entwicklung der Gasphase im Bild 4.24. deutlich erkennen. Die
zunchst hohe COrProduktion nimmt allmhlich zugunsten der Methanproduktion
174
Biomasse
Proteine, Fette,
Kohlenhydrate
Ia
Zucker
~
Biogas
Glycerin
70% Methan
30%C02
Fettsuren
-~
Alkohole
II
Essigsure
Bild 4.23. Schema der Methanbildung von AbOOien durch drei verschiedene Bakteriengruppen
[4.114]
ab. Kurzzeitig tritt in der bergangsphase Wasserstoff auf. Nach der instabilen
Anfangsphase sind die Methan- und C02-Konzentrationen ber lange Jahre
konstant. Das Verhltnis von CH4 :C02 erreicht einen konstanten Wert, der ungefhr 1,2 bis 1,5 betrgt. Besonders bei abgedeckten Deponien und in greren
Tiefen der Deponie zeigen die Werte kaum Vernderungen. Nach bisherigen Erfahrungen setzt die Methanproduktion etwa 0,5 bis 1 Jahr nach erfolgtem Einbau
intensiv ein und hlt ber einen lngeren Zeitraum an. Es wurden an Deponien
noch nach 75 Jahren Gasemissionen beobachtet [4.46].
Durch Untersuchungen lassen sich die Langzeitphasen wie folgt charakterisieren (Bild 4.24. B) [4.197]:
- Die als Langzeitphase I bezeichnete Phase entspricht der aus der Literatur bekannten stabilen Methanphase von Farquhar. Von dieser Phase kann dann gesprochen werden, wenn im Deponiegas ein Verhltnis von 55% CRt zu 44%
C0 2/CRt/C02 = 1,25) erreicht ist. 0 2 und N 2 sind nicht oder nur in Spuren im
Deponiegas vorhanden.
- Die sich an die im Bild 4.24. A dargestellte anschlieende Phase V in Bild
4.24. B ist durch ein hheres CRt/COrVerhltnis als in der stabilen Methanphase charakterisiert. Bei Sondenmessungen und Absaugversuchen werden in
der Regel noch deutlich ber 50% CRt im Deponiekrper messen. Das Verhltnis CRt/C02 liegt dabei meist zwischen 1,5 und 4.
Fr die beiden beschriebenen Langzeitphasen I und II ist typisch, da durch die
ausgeprgte Gasproduktion ein Druckgeflle zur Umgebung besteht. Das Gefhrdungspotential durch Deponiegasemissionen ist zu diesem Zeitpunkt ausgesprochen hoch.
- In der folgenden Langzeitphase III, der sogenannten Lufteindringphase, hat die
Biogasproduktion weiter abgenommen. Durch die abbrechende Biogasproduktion reicht der Gasdruck im Inneren nicht mehr aus, um das Eindringen
Vol.%
aerob
100
I
I
anaerob
anaarob
anaerob
saura
Grung
Methanglirung
-tnstlbil-
Methangrung
- stab11-
I
I
80
Cl
CH 4
60
:::1
N
....GI
175
111
40
111
:::1
N
20
111
10
CD
0
Zeit
II
IV
111
Phase
Langzeitphasen
Phasen r10c:h
F" cuquho.r
~
100
1-111
IV
111
.!;
....
1;.
40
---
...
IV
VI
VII
f~~:~~~':r:':l..naijruno
VI
20
[Link]
LuFtPNs
L------
""
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VI
VIII
IX
I' -z
'
I
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-------
--ca~-- 1---
H2
0
Luftll'lndringpha.R
~ll, ::r.!':.::::.,.~or
Aroobl' Phas
CH4
'
&0
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..
IV
80
"'c:
111
T
II
c1
ll
,'
-"v" -
-~
02
-........_....._
---t>
Bild 4.24.A+B Gaszusammensetzung whrend des Abbaus von Abfall in der Deponie in Abhngigkeit von der Lagerungsdauer [4.54]
176
177
- Mit dem Sickerwasser wird ebenfalls Kohlenstoff aus der Deponie ausgetragen.
- Die Umsetzung der organischen Abfallinhaltsstoffe im Deponiegas erfolgt nicht
vollstndig.
ber die Hauptbestandteile CH4 und C0 2 des Deponiegases hinaus gibt es eine
Reihe von Spurenstoffen, die in der Regel weniger als 0, I % ausmachen. In der
Tabelle 4.10. sind Komponenten von Deponiegasen und deren Schwankungsbereiche dargestellt.
Tabelle 4.10. Zusammensetzung der Deponiegaskomponenten und deren Schwankungsbereiche
[4.48]
Komponente
Konzentrationsbereich
Methanol
0-80 Vol.-%
Nr.
2
Kohlendioxid
0-80 Vol.-%
Kohlenmonoxid
0-3 Vol.-%
Wasserstoff
0-3 Vol.-%
Sauerstoff
0-21 Vol.-%
Stickstoff
0-78 Vol.-%
Ammoniak
0-100 [Link]
Ethen
0-65 [Link]
Ethan
[Link]
10
Acetaldehyd
0-150 [Link]
ll
Aceton
0-100 [Link]
12
Sonstige Kohlenwasserstoffe
(ohne Aromaten)
je 0-50 [Link]
13
Schwefelwasserstoffe
0-100 [Link]
14
Ethylmercaptan
0-120 [Link]
15
Benzol
16
Toluol
0-15 [Link]
0-15 [Link]
17
Xylol
0-15 [Link]
18
Ethylbenzol
0-10 [Link]
19
Vinylchlorid
0-10 [Link]
20
0-100 [Link]
Halogenverbindungen
(u.a. 1.1 Dichlorethen, Methylenchlorid, Tetrachlorkohlenwasserstoff, Trichlorethen, Frigene)
21
Wasserdampf
i.d.R. gesttigt
178
179
r----------.. ----------------------------1
1::
'~'"'"'-~'.;_'~-
-~
~-.~:~:/~' R --,=::~.R:~::::::: R
o---( - ' I
'
'
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i Einzelleilungen
J
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'
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y
f,
Q
....._.........
.R
I .
.
~ Verdichterstation
und Fackel
!3.
Regelung
.............. Anschluleitungen
- - Sammelleitungen
Bild 4.25. Formen des Anschlusses der Brunnen an die Sammetstation [4.49]
180
Aufbereitung zu Erdgasqualitt
Anlagen zur Aufbereitung von Deponiegas zu Erdgasqualitt sind in den USA, den
Niederlanden, in sterreich und in der Bundesrepublik Deutschland in Betrieb.
Methanhaltige Gase mit einem Wobbe-Index von 13 bis 15 kWh/m3 kann man als
erdgashnliche Energietrger bezeichnen und in jedem handelsblichen, fiir Erdgas ausgelegten Aggregat ohne nachtrgliche Anpassung verwenden. Der geforderte Wobbe-Index wird mit einem Methangehalt ab ca. 85 bis 90% erreicht. Zur
Aufbereitung der Deponiegase zu Erdgasqualitt eignen sich zwei unterschiedliche
Trennverfahren:
1. Adsorption an Aktivkohle und Molekularsieben,
2. Absorption mit Wasser oder mit physikalischen und chemischen Lsungsmitteln.
In Bild 4.26. wird der Einsatz von Aktivkohle und ein Kohlenstoff-Molekularsieb
mit den Roh- und Reingasen dargestellt.
Die Adsorption von Schwefelwasserstoff und organischen Schwefelverbindungen an Aktivkohle wird schon lange angewandt. Das Verfahren zur Deponiegasentschwefelung nutzt eine weitporige, jodimprgnierte Aktivkohle als Adsorber
bzw. Katalysator. Bei der sogenannten Adsorptionskatalyse wird H 2S in Gegenwart des Sauerstoffs unter dem katalytischen Einflu der Aktivkohle zu Schwefel
oxidiert.
Katalytische H 2S-Oxidation
2H 2 S+0 2
Aktivkohle
114S 8 +2H 2 0
(4.6)
Der bei dieser Reaktion entstehende elementare Schwefel wird adsorbiert, whrend
das Reaktionsprodukt Wasser von der Katalysatoroberflche desorbiert wird. Die
Restgehalte an Schwefelwasserstoff liegen nach Passieren des Festbettadsorbers
unter 1 mg/m3 [4.44].
Sollte der zur Oxidation des Schwefelwasserstoffs erforderliche Sauerstoff, der
in den meisten Fllen im Deponiegas vorhanden ist, nicht ausreichen, wird eine
geringe Menge Luft kontrolliert eingeblasen. Bei zwei Festbettadsorbern kann
nach einer Standzeit von bis zu einem halben Jahr und einem Schwefelwasserstoffgehalt von 5 ppm auf den zweiten Adsorber umgeschaltet werden, so da der
erste entleert werden kann. Die beladene Aktivkohle wird verworfen oder regeneriert.
Adsorption an
Aktivkohle
Adsorptionskalalyse
Schwefe~
wasserstoff
Rohgas Produktgas
(mg/m3)
_____..
0-1000
<=5
...__....
Rohgas Produktgas
(mg/m3)
Halog. KW
0-1000
<25
Aromaten
0-1000
<25
Alkane
0-1000
<25
181
~ BLOCKHEIZKRAFTWERKE
--
PSA-Anlage
KohlenstoffMolekularsiebe
Rohgas Produktgas
Vol.-%
C02
02
N2
30-50
<9
<2
<8
<3
CH4 40-60
H2
EINSPEISUNG IN
ERDGASNETZE
Die Entfernung der organischen Verbindungen wird in einer zweiten Behandlungsstufe mit ausgewhlten Aktivkohlesorten durchgeflihrt. Diese Aktivkohlen
werden bei der Abluftreinigung und Lsungsmittelrckgewinnung zur Adsorption
von KW und HKW eingesetzt. Die Verunreinigungen werden adsorptiv an der
Aktivkohle gebunden. Die Betadung (Aufuahmeflihigkeit) ist abhngig von Art
und Menge der Verunreinigung sowie von der Anlagenausfiihrung und der Betriebsweise.
Grundlage filr die Auslegung sind die min./max. Analysenwerte des jeweils zu
behandelnden Deponiegases. Weiterhin sind die Adsorptionsgleichgewichte, die
Desorptionsenergien sowie die CO-Adsorption der unterschiedlichen Spurenbestandteile zu beachten. Die Seladung variiert zwischen 0,1 bis 40 Gew.-% und ist
in der Regel um so grer, je hher der Siedepunkt eines Stoffes liegt. Bild 4.27.
zeigt das Grundfliebild einer Anlage.
Methananreicherung
Der Vorreinigung des Deponiegases ist die Methananreicherung bzw. die Abtrennung von Kohlenmonoxid im Druckwechseladsorptionsverfahren mit Kohlenstoffinolekularsieben nachgeschaltet Anschlieend erfolgt die Endbehandlung,
d.h. die Karburation und Odorierung des Gases. In Tabelle 4.11. sind die wichtigsten Anforderungen fi1r angereichertes Deponiegas dargestellt.
Das Bild 4.28. stellt das Grundfliebild des Druckwechselbadsorptionsverfahrens zur Anreicherung von CH4 dar. Kohlendioxid wird aus dem mit ca. 5
bis I 0 hPa verdichteten Deponiegas an dem Kohlenstoffmolekularsieb adsorbiert.
Geringe Spuren von Stickstoff und Sauerstoff werden ebenfalls angelagert und so
182
Regeneration
Adsorption
Deponiegas
Heigas o. Heidampf
KW,HKW
Bild 4.27. Grundfliebild einer Anlage zur Entfernung von gromolekularen und halogenierten
Kohlenwasserstoffen mit Aktivkohle [4.52]
Tabelle 4.11. Die wichtigsten Anforderungen fl1r die Herstellung von Deponiegas mit Erdgasqualitt gem des DVWG-Arbeitsblattes G 260/1 vom April 1983
Bezeichnung
Wobbe-Index
Gesamtbereich, [kWh/m3]
Gruppe L
Gruppe H
11,40-13,49
13,03-15,70
0,58
8,84-13,14
0,58
Schwankungsmglichkeiten
im Versorgungsgebiet, [kWh/m3 ]
Brennwert Ho,n, [kWhlm3 ]
Relative Dichte
Wasser Taupunkt, [0 C]
0,55-0,7
unter Bodentemperatur (meist 0C)
Sauerstoff, [Vol.-%]
<3
Schwefelwasserstoff, [kWh/m3 ]
<5
aus dem Reingasrohr entfernt. Durch einen Druckwechsel wird das beladene Molekularsieb frei. Die angelagerten Gaskomponenten (C02 , N 2, 0 2) werden an die
Umgebungsluft abgegeben.
Alternativ zum Molekularsieb kann die chemische und physikalische Wsche
zur CH4-Anreicherung eingesetzt werden. In Bild 4.29. wird das Grundfliebild
der Waschverfahren zur CH4-Anreicherung dargestellt. Bei der chemischen Wsche wird C02 mit Waschmittel (verschiedene anionische Verbindungen) chemisch gebunden.
Die physikalische Wsche (Druckwasserwsche, Selexol-, Kryosol-Verfahren)
arbeitet hingegen mit Druck zwischen 10 bis 30 hPa. Die Entspannung wird durch
Wrme aufgebracht. Die Methanausbeute liegt hher als bei Molekularsieben oder
Membranen. Die Gaspermeation ist ein druckgetriebener Proze; entsprechend der
Partialdruckdifferenz zu beiden Seiten der Membran werden Gase durch die
Membran transportiert.
183
as
Vakuum Pumpe
~--~----~~
2
Erdgas
Stripper
co2 +
Waschmittel
Bild 4.29. Prinzipielle Darstellung einer physikalischen oder chemischen Wsche zur Trennung
von C02/CH4 [4.52]
184
CH4 -Reinheit
im Tetentat
im Permeat
CH4 Ausbeute
[Vol.-%]
[Vol.-%]
[%]
77,2
76,6
73,5
90,6
68,4
77,9
63,8
69,7
85,7
91,7
95,2
COz-Reinheit
Feedzusammensetzung
84,4
Betriebszustand
p = 32 bar
T =80C
V=llm'n/h
Fl = Gasmengenzhler
Ql = Gasanalyse
PI = Manometer
Tl = Thermometer
Produktstrom
(CH 4 - reich)
Bypass
Bild 4.30. Schema der Gasseparationsanlage auf der Deponie Croglio (Schweiz) [4.54]
185
Reingas
Reingas
Bedsungsleitung
-Pral nachen
Rohgas __,--.
~~
Rohgas
Bedsungs
Ieitung
~==- Pumpen
sumpf
Bild 4.31. Biowscher nach dem Belebtschlammverfahren und dem Tropfkrperprinzip [4.55]
186
r - - - - - - < i = H2 0zur
Befeuchtung
biologisch
aktive
Filtennasse
=>
Rohgas
Lochblech
' - - - - - - - - = > Kondensat
Ablauf
187
299
78
3
92
Gasnutzung
5
103
Gesamt
307
273
Wrmenutzung
Bei den derzeit in Betrieb befmdlichen Anlagen wird vor allem Wrme und Prozedampf hergestellt. Die Umsetzung erfolgt in herkmmlichen, ftlr diesen Ernsatzstoff leicht modifizierten Brennern. Durch speziell ftir Deponiegas ausgelegte
Brenner werden eine exakte Steuerung und Durchmischung der Verbrennungsluft
und eine geeignete Flammenfilhrung angestrebt, da bei dieser Art der Deponiegasnutzung mit der Bildung von Dioxinen und Furanen aufgrund der halogenierten
Kohlenwasserstoffe im Deponiegas zu rechnen ist.
Daher wurde im Bundesland Hessen die Frderung fr Deponiegasbehandlungsanlagen neu definiert und entsprechend angepate Technologien Brennmuffel mit Abhitzekessel- eingefilhrt. Es bleibt weiteren wissenschaftlichen
Untersuchungen vorbehalten, ob beide Konzeptionen nebeneinander bestehen
knnen, oder ob in dem Bereich der thermischen Deponiegasverwertung die herkmmliche Brenntechnik vollstndig durch die Muffeltechnik abgelst wird
(s. Kap. [Link].5). Die Wrmenutzung des Deponiegases hat unter der Voraussetzung, da der Energiebedarf kontinuierlich in gleichbleibender Grenordnung
besteht, den besten Wirkungsgrad. Auch unter Bercksichtigung problematischer
Deponiegasinhaltsstoffe und mglicher Reaktionsprodukte auf der Emissionsseite
werden die technischen Vorkehrungen zur Problembeherrschung vermutlich weniger aufwendig als bei anderen Nutzungsvarianten ausfallen.
Verstromung
Die Verbrennung von Deponiegas in Gasmotoren zur Erzeugung von elektrischer
Energie ist bisher ebenfalls in zahlreichen Anlagen verwirklicht worden. Die Verstromung bietet im Vergleich zur Wrmeerzeugung den entscheidenden Vorteil
der bertragungsmglichkeit der Energie zu deponiefernen Energieabrlehmern.
Allerdings ist der Wirkungsgrad dieser Anlagen mangels geeigneter Wrmeabnehmer wesentlich geringer.
Der Deponiegasmotor stellt oft die einzige Mglichkeit dar, das anfallende Deponiegas sinnvoll und vor allem ganzjhrig zu nutzen. Alle modernen Deponien
sind zudem an die ffentliche Stromversorgung angeschlossen, so da auch eine
Rckspeisung von Strom ins EVU-Netz in Frage kommt. Der Verbrennung von
Deponiegas in Gasmotoren sind Grenzen gesetzt.
188
Raume bwr me 3%
100%
l.
Gasmotor
6.
Khler
2.
Generator
7.
Heizwassereintritt 55C
3.
Deponiegas
4.
Abgas (Auspuff)
8.
9.
5.
KhlwasserWnneaustauscher
10.
Auspuffkollektor
Heizwasseraustritt 85C
Schadstoffe im Deponiegas, ungengende Gasqualitt oder Gasmengen, berschreiten der TA Luft-Grenzwerte im Abgas, mangelnde Strom- und Heizenergieabnahme und Distanzen zu den Abnehmern behindern vielfach den wirtschaftlich
vertretbaren Einsatz. Mit der reinen Verstromungsanlage knnen aus I 00 % Deponiegasenergie bei voller Verfilgbarkeit der Deponiegasmotoren ca. 30 % in
elektrische Energie umgewandelt werden (Bild 4.33.) [4.56].
189
L
I
l~
i
<I>
f<
I
Fr hher belastete Deponiegase ist somit bei diesem Verfahren eine Einhaltung
der Grundwerte der TA Luft fiir gasfOrrnige anorganische Stoffe (Verbrennungsanlagen) nicht gegeben. Dies betrifft sowohl die Grundwerte fiir PCDD als auch
die Werte filr anorganische gasfOrrnige Chlor- und Fluorverbindungen (TCDD und
TCDF).
Anstelle von Gasfackeln werden zunehmend Muffeln eingesetzt. In einer Muffel
verbrennt das Gas in einem Brennraum mit definierter Aufenthaltszeit und Temperatur. Die Wandung der Muffel ist isoliert, so da das Temperaturgeflle zur Wandung hin vernachlssigbar klein ist. Nach erfolgreicher Vorerprobung wurden
bereits die ersten Muffeln auf Betriebsdeponien eingefiihrt.
[Link]
Betrieb von Deponien
Die Betriebsfiihrung einer Deponie stellt einen wichtigen Bestandteil des Multibarrierenkonzeptes dar. Ziel einer systemgerechten Betriebsfiihrung ist es, die Schadstoffemissionen whrend und auch nach der Beendigung des Deponiebetriebes zu
verhindem bzw. zu minimieren und eine umfassende Dokumentation ber den
Aufbau des Deponiekrpers und des Deponieverhaltens zu erstellen.
Um den Forderungen einer umfassenden Dokumentation und Reparierbarkeit
mit entsprechender Schadensbegrenzung einer Deponie zu gengen, mssen im
Deponiebetrieb folgende Anforderungen der TA Siedlungsabfall [4.1] konsequent
erfilllt werden:
190
191
Geruch
Deponiegas tritt an der Oberflche meist verdnnt auf, so da hier nur noch 50 bis
100 ppm Methan gemessen werden. Das Deponiegas mit einem Methangehalt von
etwa 55 Vol.-% CR. wird also erheblich verdnnt. Eine ausreichende Verdnnung
bis zur Geruchsfreiheit ist dies allerdings nicht, da hierzu die Verdnnung bei
ungefhr 105 bis 106 liegen mu, d.h. zwei bis drei Zehnerpotenzen hher. Die
Summe der Spurenstoffe liegt bei geruchsfreier Verdnnung bei etwa 1,9 g/m3 ,
wobei es sich um eine nichttoxische Konzentration handelt [4.2].
Generell werden Gerche in Entfernungen von ber 500 m zur Deponie nicht
mehr wahrgenommen, in Entfernungen zwischen 300 bis 500 m in Hauptwindrichtung mehr oder weniger toleriert und im nheren Bereich, zwischen 50 bis
300 m, als zeitweise unzumutbar beurteilt.
Staub
Die Staub- und Aerosolbelastungen haben ihre hauptschlichen Quellen im Entladebereich und auf der Betriebsflche der Deponie. Die Staubbelastung ist u.a. von
den meteorologischen Verhltnissen abhngig. Relativ windarme Gebiete gelten
als ungnstig, da sich die Aerosole nur in der unmittelbaren Nachbarschaft ausbreiten. Als Maximalvorgabe gilt ein Aerosolgehalt von 200 mg/m3 im JahresmitteL Kleinrumig kann der Gehalt bis auf 300 mg/m3 steigen [4.2].
Mgliche Manahmen zum Schutz der Deponieumgebung vor Staub sind ein
Befeuchten der Deponieflche und der Deponiestraen sowie eine regelmige
Reinigung der befestigten Straen mit Kehrmaschinen bei trockener Wetterlage.
Randpflanzungen tragen ebenfalls zur Verminderung von Staubemissionen bei.
Lrm
Lrm entsteht auf der Deponieflche, auf den Zufahrtsstraen im Deponiebereich
und im Einzugsgebiet. Lrmquellen sind die anliefemden Fahrzeuge und die EiDbaugerte auf der Deponie. In Abhngigkeit von der Betriebsart liegt die durchschnittliche Nutzlast bei 2 bis 3 Mg/Lkw.
192
1 Kompaktor
1 Planierraupe
100 Anlieferfahrzeuge
1 Kettenlader
1 Planierraupe
lOOLkw
Schalleistung
[dB (A)]
116
113
105
114
113
107
Schallpegel
Radlader
Hydrobagger, einzeln
Lw= 66dB(A)
Durch Auswahl geruscharmer Transportfahrzeuge, Begrenzung der Entleerungszeit und eine Tarifgestaltung, die gewisse Mindestabfallmengen zur Anlieferung
vorsieht, lassen sich Lrmbelastungen durch Anlieferer vermindern. Nach DIN
18005 (Schallschutz im Hochbau) sind Berechnungsverfahren filr die Schallausbreitung, die maximal zulssigen Schallpegel filr Baugebiete sowie Manahmen
zum Schallschutz durchzufUhren (s. Tabelle 4.14.).
Als Beispiel werden Schallemissionsmessungen, die in Berlin in Zusammenhang mit der Planung einer Bauschuttaufbereitungs- und Baustellenabfallsortieranlage durchgefiihrt wurden, aufgefiihrt. Diese haben im Bereich der Bauschuttumschlagstelle folgende Werte ergeben (s. Tabelle 4.15. ).
Bild 4.35. zeigt die Ausbreitung der Schallwellen, bezogen auf die einzelnen
Emittenten.
Ein Schutzabstand von etwa200m zwischen Wohnhusern und der Deponie ist
zur Einhaltung eines Wertes von 60 dB(A) erforderlich. Entsprechend den rtlichen Erfordernissen knnen, insbesondere zum Schutz von Siedlungs- und Erholungsgebieten, Wind-, Sicht- und Lrmschutzwlle aus Erdmaterial erforderlich
werden.
Auf die Auenbschung ist kulturfiihiger Boden in ausreichender Strke aufzubringen. Es ist von Vorteil, derartige Schutzwlle mit entsprechender Bepflanzung
mglichst langfristig vor Inbetriebnahme der Deponie anzulegen. Der Schutzwall
193
.... ................
~
mu aus Grtinden des Sicht- und Lrmschutzes stets hher als die jeweilige Mllschttung sein.
Verwehungen
Papier-, Kunststoff- und Folienverwehungen stellen eine nachhaltige und mebare
Beeintrchtigung dar, die zu Schadensersatzansprchen filhrt. 4 m hohe Fangnetze,
dem Wind entgegengeneigt, knnen an der tglichen Entladeflche aufgestellt
werden. Durch die Vertiefungen und bewegte Oberflche entstehen anstelle von
194
195
GENERALNEIGUNG f. 3
...
0
Bild 4.36. Schnitt durch die fertiggestellte und bepflanzte Deponie [4.61]
frischgeschtteten Abfallstoffe mit inertem Material und hohe Verdichtung schaffen hierbei Abhilfe.
[Link]
Rekultivierung
Umfang und Art der Deponierung hngen entscheidend davon ab, wie die Deponien nach Beendigung der Ablagerung weiter genutzt werden sollen. Andererseits
hngt die Folgenutzung einer Deponie auch von der unter dem Gesichtspunkt der
Beherrschung des Wasser- und Gashaushaltes gewhlten Methode der Rekultivierung ab [4.5].
Rekultivierungsmanahmen
Ziel der Rekultivierungsmanahmen ist es, da sich Anpflanzungen ungestrt vom
Deponiegas entwickeln knnen und eine Reduktion des Sickerwassers erreicht
werden kann. Die Gestaltung der Deponie ist so vorzunehmen, da sie sich in die
Umgebung eingliedert.
Wie in Bild 4.36. dargestellt, sind die Rnder flach auszuziehen und mit Zwischenbermen in Abstnden von 8 bis I 0 m und einer Breite von mindestens 4 m zu
untergliedern. Bergseits sind die Bermen mit Wasserfanggrben auszustatten, die
an Ableitungsgrben angeschlossen sind. Pflanzensoziologische Untersuchungen
der Vegetation auf Mllablagerungen ergaben, da sich, wie bei der Besiedlung
von stdtischem dland, auch auf Deponien spontan Vegetation ausdauernder
Ruderalgesellschaften (d.h. charakteristische Pflanzenarten der sogenannten
Schuttfluren und Beifugesellschaften) einstellt. So vermittelt das Studium der
Spontanvegetation auf Deponien Anregungen fiir die Auswahl geeigneter Ho!zarten, die fiir eine schnelle, gezielte Wiederbegrnung von Bedeutung sein knnen.
Die Rekultivierung von Deponien kann mit und ohne Bodenahdeckung vorgenommen werden. Wenn die Deponie mit Boden abgedeckt wird, so werden zunchst an den Deponierndern Wlle aus Erde aufgeschttet. Fr jede weitere
Mllschicht wird ein Wall mit einer Auenbschung nicht steiler als I :3 und einer
von den Materialeigenschaften begrenzten mglichst steilen Innenbschung errichtet (Bild 4.37.). Die Begrnung mit Gehlzen, Stauden oder Grasansaaten
erfolgt fortlaufend mit der Schttung.
196
Die Vorteile dieser Vorgehensweise liegen darin, da die Pflanzung von Bumen
und Struchern sofort mglich ist, und die Kosten fiir die Dichtungsschicht entfallen. Es zeigte sich, da trotz fehlender Dichtungsschicht nur geringe Niederschlagsmengen in den Deponiekrper eintreten knnen.
Die Nachteile liegen darin, da der Sickerwasseraustritt nicht vollstndig unterbunden wird. Der Luft-Gas-Austausch ist nur sehr gering, so da Methan in den
Abdeckboden dringen und die Vegetation schdigen kann. Durch Setzungen im
Mll kippen die Ringwlle nach innen ab, so da Methan an den Nahtstellen konzentriert entweichen kann.
Auf die Oberflchenahdichtung mit Gasdrainage (Bild 4.38.) stellt die gedichtete Deponie ftir die Halden- und Grubenform dar) sollte kulturflihiger Boden in
einer Strke von mindestens I ,5 m aufgetragen werden, soweit Baumpflanzungen
vorgesehen sind. Fr Strauchpflanzungen sind mindestens 0,5 m, fiir Grasansaaten
und Stauden mindestens 0,3 m erforderlich. Auch bei diesem System ist eine
Pflanzung von Bumen und Struchern sofort nach Mllschttung bzw. Bodenaudeckung mglich. Unter der Voraussetzung, da die Dichtungsschicht hlt, kann
eine Beeinflussung der Vegetation durch Methan nicht auftreten und kein Niederschlagswasser in den Mll eintreten. Besonders bei der Grubendeponie ist die
Sickerwasserreduzierung im Hinblick auf die Pumpkosten von besonderer Bedeutung.
Bei der Haldendeponie besteht die Gefahr des Abrutschens des kulturfhigen
Bodens, weil Sickerwasser auf der Dichtungsschicht abluft. Die Gefahr steigt mit
zunehmender Steilheit der Bschungen, aber auch mit der Verringerung der Bodenschicht, weil das Wasserrckhaltevermgen schneller erschpft ist. Weiterhin
197
besteht die Gefahr des Windwurfes bei groen Bumen, wenn aus Kostengrnden
Abdeckstrken unter I ,5 m gewhlt werden. Die Abdeckung der Deponieoberflche vor der Bepflanzung mit kulturfiihigem Boden hat neben sthetischen Funktionen die Aufgabe, Emissionen zu reduzieren, Brandentstehungen zu verhindern, die
Ansiedlung von Ungeziefer zu unterbinden sowie ein Pflanzensubstrat zu schaffen,
in das unmittelbar nach Schttbeendigung Vegetation eingebracht werden kann
[4.61].
198
4.1.4
Prognose des Langzeitverhaltens von Deponien
Der Begriff des Langzeitverhaltens von Deponien ist bisher nicht eindeutig geklrt
worden, so da darunter hufig die verschiedensten Aspekte zusammengefut
werden. In diesem Rahmen werden aber nur die Emissionen an Gas und Wasser
aus der Ablagerung und im Prinzip der umweltrelevante Zustand des Abfallkrpers
unter dem Begriff Langzeitverhalten betrachtet.
Im Rahmen unterschiedlichster Forschungsvorhaben wurden in den vergangenen Jahren detaillierte Untersuchungen zum langfristigen Emissionsverhalten von
Ablagerungen an Deponien und in Laborversuchen durchgeftlhrt. Beide Untersuchungen sind in Kombination bzw. Ergnzung notwendig, da man an Deponien
kein Langzeitverhalten untersuchen kann. Der Existenzzeitraum bestehender Deponien und Untersuchungszeitrume von einigen Jahren sind in Relation zu wahrscheinlichen Emissionszeiten fast vemachlssigbar. Auch wenn Laborversuche
andererseits das Emissionsverhalten einer Deponie nur eingeschrnkt widerspiegeln knnen, sind sie zur Abschtzung und Eingrenzung des zuknftigen Verhaltens unerllich. Neben umfangreichen Untersuchungen an der TU Braunschweig,
Dresden und Hamburg-Harburg wurden im Rahmen des Verbundforschungsvorhabens "Deponiekrper'' [4.197] intensive Arbeiten zu diesem Thema durchgefiihrt. Aus der Summe dieser Arbeiten lt sich das zuknftige Emissionsverhalten
von Ablagerungen relativ sicher abschtzen. Es ist allerdings unstrittig, da aufgrund der Randbedingungen einzelner Deponien erhebliche Abweichungen von
einem generellen Verlauf mglich sind, die nicht in allen Fllen durch belegbare
Untersuchungsergebnisse abgeschtzt werden knnen.
Fr den zeitlichen Verlauf ist ein Beispiel der Sickerwasserbelastungen in Bild
4.39. mit CSB-Belastungen und der Gasbildung Bild 4.40. dargestellt. In Bild
4.39. sind die CSB-Konzentrationen von 3 unterschiedlichen Sickerwssem dargestellt. Es ist deutlich zu erkennen, da die daraus extrapolierten zuknftigen Emissionsverlufe erst nach erheblichen und sehr unterschiedlichen Zeitrumen vorgegebene Grenzwerte (hier: Wert des 51. Anhangs der Rahmen-Abwasser VwV)
erreichen bzw. unterschreiten. Der Bereich des Schnittpunktes dieser Extrapolation
mit den Grenzwerten im Bereich von 50 bis 150 Jahren nach Betriebsende erscheint relativ gro, ergibt sich aber schon fast zwangslufig aus der Art der Kurvenverlufe und bereits relativ geringen Variationen der gemessenen Daten. Dabei
sagt diese Abbildung nur aus, da das Sickerwasser, bezogen auf den CSB, nach
den derzeit geltenden gesetzlichen Regelungen ohne Behandlung in ein Gewsser
eingeleitet werden drfte [4.198].
In Bild 4.40. sind die Gasproduktionsraten einer greren Zahl von Deponien
ab dem Ablagerungsende dargestellt. Zustzlich ist der Vertrauensbereich fiir
diese Werte auf dem 95 %-Niveau eingetragen. Bei diesen Werten ist allerdings zu
bercksichtigen, da es sich um die erfaten Gasmengen dieser Ablagerungen
handelt. Unter der Annahme von mittleren Erfassungsraten bei der Mehrzahl der
Deponien von ev. 40- 60% knnen diese Werte fiir die tatschliche Gasproduktion in etwa verdoppelt werden. Geht man ansatzweise davon aus, da Gasproduktionsraten < I - 2 m 3/hsxa kaum ohne Betriebsprobleme mit den bisherigen
199
100000
10000
....
m
g
m
1000
Cl)
..
r;c. - - - - - - -
I
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---- ------- ----------------
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...
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...........
100
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10
50
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150
200
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10
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:
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0,01
+-----.--------r------....-----..--------.----- --1
0
10
15
20
Jahre nach Deponieabschlu
25
30
Bild 4.40. Darstellung dererfaten Gasmengen mit dem ermittelten und extrapolierten 95 %
Vertrauensbereich
200
Tabelle 4.16. Zeitdauer TE zum Erreichen der Einleitbedingungen CE in Deutschland (RahmenAbwasser VwV) und der Schweiz [4.200]
Einleitbedingungen
fllr Sickerwasser CE
COD
TKN
200mgll
60mgll
70mgll
5mgll
TE fllr Westdeutsche
Altdeponie
[Jahre]
(TU Hamburg-Harburg)
120-220
200-300
120-300
280-580
werden Nachsorgezeitrume von 200 bis 300 Jahre fiir Ostdeponien und bis zu
580 Jahren filr Westdeponien prognostiziert. Diese unterschiedlichen Prognosen
sind einerseits auf dem unterschiedlichen Deponiebetrieb und andererseits auf die
unterschiedliche Abfallzusammensetzung aus der DDR-Zeit zurckzufilhren.
[Link]
Mit zunehmender Ablagerungsdauer verringert sich in der fortgeschrittenen stabilen Methanphase die Gasproduktion soweit, da eine wirtschaftliche Deponiegasverwertung nicht mehr mglich ist. Gleichwohl ist eine kontrollierte Erfassung und
Entsorgung der verbleibenden Gasmengen aus Grnden des Umweltschutzes und
der Gefahrenabwehr weiterhin erforderlich. Dies gilt auch filr die vielen Altablagerungen, die nicht ber eine Gaserfassung verfilgen.
Bei geordneten Deponien ist eine Erfassung und Behandlung des Sickerwassers
voraussichtlich ber viele Jahrzehnte notwendig. Bei Altablagerungen, die hufig
weder ber eine Basisabdichtung noch eine Sickerwassererfassung verfilgen, besteht die permanente Gefahr des Sickerwasseraustritts in den Untergrund und damit in das Grundwasser, so da Sicherungs- oder Sanierungsmanahmen notwendig werden knnen. Zur Vermeidung der Umweltbelastungen durch Sickerwasser
sind also in beiden Fllen erhebliche Kosten aufzuwenden.
Eine Sicherung von Deponien und Altablagerungen kann durch das Aufbringen
einer Oberflchenabdichung erfolgen. Fr abzusaugende Restgasmengen kommt
dann ggf. eine Schwachgasbehandlung in Frage. Durch eine Oberflchenabdichtung werden die Sickerwasseremissionen reduziert, was zu einer unerwnschten Konservierung des verbleibenden Emissionspotentials fiihren kann. Bei
einem Versagen der Oberflchenahdichtung ist aber wieder mit belastetem Sikkerwasser und mglicherweise erneuter Deponiegasproduktion zu rechen, d.h., mit
einer Sicherung allein erfolgt keine Sanierung im Sinne der kontrollierten Schadstoffreduktion der Abfallablagerung.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie man das Emissionsverhalten
von Siedlungsabfallablagerungen positiv beeinflussen und damit die Dauer und
den Umfang von Manahmen in der Nachsorge, Sicherung und berwachung
reduzieren kann. Dazu knnen in Abhngigkeit der Randbedingungen von Depo-
201
202
ca. 30m
Regelorgan
Oberflchenabdeckung/abdichtung
Ggf. gas-/wasserwegige
Ausgleichsschicht
Oberer jngerer
Deponiebereich mit
biologisch abbaubaren
Anteilen
\ \\ \
Unterer ~erer
Deponiebereich mit
biologisch wengehend
abgebauten Anteilen
Bild 4.41. Ausbreitungsverhalten des eingebrachten Wassers zur Befeuchtung eines Deponieabschnittes; schematische Darstellung
kostenintensiv, technisch nicht durchfilhrbar oder nicht sinnvoll einsetzbar wren, da durch die Sicherungsmanahmen keine kontrollierte Senkung des
Schadstoffpotentials erreicht wrde.
Mit der in situ Belftung von Deponien und Altablagerungen wird ebenfalls das
Ziel verfolgt, den Deponiekrper mglichst schnell in einen biologisch stabilisierten Zustand zu berfilhren. Nach Durchfilhrung der in situ Stabilisierung soll mglichst "keine" Methanproduktion mehr erfolgen, und die Sickerwasserkonzentrationen sollen im Idealfall im Bereich umweltvertrglicher Restkonzentrationen bzw. -frachten liegen [4.199]
[Link]
Verfahren zur Befeuchtung, Bewsserung und Belftung
Befeuchtungs- und Bewsserungsverfahren
Die Stabilisierung kann ber eine Befeuchtung des Deponiekrpers zur Beschleunigung der biologischen Umsetzungsprozesse im anaeroben oder aeroben Milieu
bis hin zu einer intensiven Bewsserung, d.h. einer Auslaugung von Schadstoffen
durch erhhten Wasseraustausch reichen.
Bei der Befeuchtung wird nur soviel Wasser zugegeben, wie der nicht wassergesttigte Deponiekrper aufnehmen kann, ohne da es zu nennenswerten Sickerwasserabflssen zur Deponiebasis oder in den Untergrund kommt. In Bild 4.41. ist
beispielhaft die Befeuchtung eines jngeren Depnieabschnittes ber ein horizontales Befeuchtungssystem, was in die Oberflchenahdeckung integriert ist, zur
Intensivierung der Umsetzung biologisch verfilgbarer Abfallstoffe dargestellt.
203
Wasseruhr
Absperrhahn
Oberflchenabdeckung/dichtung
Ggf. gas-twasserwegige
Ausgleichsschicht
.. : ..
...........
..........
.........:;.:.........
:~ :
Oberer jngerer
Deponiebereich mit
biologisch abbaubaren
Anteilen
4: :
!:::::::::: ~ :::::::::::
....... : :-.......
_.....--" V ...........
E
N
'
204
: ...,..
1. Grundwasserleiter
[Link]
Gegenber herkmmlichen Verfahren zur Sicherung von Deponien und Altablagerungen und der Nachsorge sollen durch die in situ Stabilisierung betrchtliche
Kosten eingespart werden. Bei der groen Anzahl an Deponien und Altablagerungen, bei denen noch ein Handlungsbedarf besteht, ergibt sich damit ein betrchtli-
205
4.1.5
Anforderungen an Sonderabfalldeponien
ber die Altablagerungen von Sonderabfllen der letzten 30 bis 40 Jahre fehlen
nahezu alle wichtigen Informationen, um das Gefahrenpotential der Gegenwart
und Zukunft abzuschtzen, [4.1 0]:
- Dokumentationen ber die Art und Menge der Abfiille,
- Kataster ber die rumliche Verteilung im Deponiekrper,
- Untersuchungen ber die genaue Geologie und Hydrogeologie der nheren
Umgebung der Deponie,
- bereits entstandene Schden in der Nachbarschaft der Deponie durch Setzungen, Sickerwasser und Deponiegas.
Bis in die jngste Zeit wurden Anforderungen an Sonderabfalldeponien standortbezogen unter besonderer Bercksichtigung der Anforderungen an den Gewsserschutz festgelegt. Die Auflagen im Planfeststellungsverfahren orientierten sich in
diesem Zusammenhang an den eingefiihrten Merkblttern und Richtlinien sowie
wissenschaftlichen Untersuchungen, insbesondere an geologischen und wasserwirtschaftlichen Gutachten. In der Zweiten allgemeinen Verwaltungsvorschrift
zum Abfallgesetz (TA Abfall, Teil 1)[4.26] ist seit 1991 fiir die Deponierung von
Sonderabfiillen der Stand der Technik festgeschrieben worden.
206
Dem Abfallgesetz entsprechend sollen Abflle, die weder vermieden, noch mit
wirtschaftlich vertretbarem Aufwand verwertet werden knnen und entsprechend
vorbehandelt sind, in Deponien auf Dauer abgelagert werden. Dazu sind die Abflle soweit vorzubehandeln, da "schdliche und gefhrliche Inhaltsstoffe in den
Abfllen durch thermische, chemisch/physikalische oder biologische Behandlung
nach Punkt 8 der TA Abfall (besondere Anforderungen an Behandlungsanlagen)
soweit zerstrt, umgewandelt, abgetrennt, konzentriert oder immobilisiert werden,
da sie, soweit nicht verwertbar, ohne Beeintrchtigung des Wohls der Allgemeinheit abgelagert werden knnen" [4.26].
Um die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen, sind neue Deponiekonzepte filr Sonderabflle entwickelt worden, die hinsichtlich des Langzeitverhaltens mehr Sicherheit versprechen.
Folgende Mglichkeiten zur Deponierung und Zuordnung von Sonderabfllen
mit den entsprechenden Zuordnungskriterien sind gem TA Abfall Teil 1 [4.26]
vorgesehen:
Oberirdische Deponien
Bei einer oberirdischen Ablagerung im Sinne der TA Abfall werden Abflle zeitlich unbegrenzt abgelagert.
Untertagedeponie
Eine Untertagedeponie gem TA Abfall ist eine Deponie, in der Abflle vollstndig im Salzgestein eingeschlossen werden.
Monodeponie
Eine Monodeponie im Sinne der TA Abfall ist eine oberirdische oder unterirdische
Deponie oder ein gesonderter Bereich einer Deponie, in der Abflle, die aus definierten Produktions-, Abwasserbehandlungs-, Abfallbehandlungs-, Abgasreinigungsverfahren oder aus der Altlastensanierung stammen oder die nach Art und
Reaktionsverhalten vergleichbar sind, zeitlich unbegrenzt abgelagert werden
[4.26]. Grundstzlich gelten die gleichen Anforderungen wie fr oberirdische und
unterirdische Deponien. Auf oberirdischen Monodeponien drfen auch Abflle
zugelassen werden, wenn einzelne Zuordnungswerte des Anhangs D (s. Tabelle
4.17.) berschritten werden, mit Ausnahme von Dl. Dabei mu aber der Nachweis
erbracht werden, da sich die Ablagerung insgesamt nicht nachteiliger auf die
Umwelt auswirkt als eine Ablagerung nach den Anforderungen filr eine oberirdische Deponie.
Sowohl bei der oberirdischen als auch bei der unterirdischen Deponierung von
besonders berwachungsbedrftigen Abfllen gilt der Grundsatz, diese dauerhaft
so abzulagern, da die Freisetzung und Ausbreitung von Schadstoffen verhindert
wird. In der TA Abfall sind entsprechende Anforderungen festgeschrieben.
Die Sonderabfalldeponie stellt ein Bauwerk dar, das mit einer Anzahl von Sicherheitsvorrichtungen ausgerstet ist, um zuknftig die berwachung und Instandhaltung zu gewhrleisten.
207
[Link]
Oberirdische Deponien
Fr oberirdische Deponien werden
- durch geeignete Standortwahl,
- durch geeignete Deponieabdichtungssysteme,
- durch geeignete Einbautechnik der Abfiille,
- durch Einhaltung der Zuordnungswerte nach Anhang D (s. Tabelle 4.17.)
mehrere Barrieren geschaffen, die den o.a. Forderungen Rechnung tragen.
Zuordnungskriterien
Bei der Zuordnung von Abfiillen zur oberirdischen Ablagerung sind die nachfolgenden Zuordnungswerte einzuhalten:
Sowohl die Erfahrungen mit den heutigen Altlasten als auch die wissenschaftlich begrndeten Zweifel an der ausreichenden Wirksamkeit der heute eingesetzten
Abdichtungsmaterialien fiihren daher zwangslufig zu der Forderung nach geologisch und wasserwirtschaftlich geeigneten Deponiestandorten.
Ebenso entscheidend sind der Einsatz geeigneter Deponieabdichtungssysteme,
eine geeignete Einbautechnik der Abfalle sowie die Einhaltung der Zuordnungswerte (s. Tab. 4.17). Nur so werden voneinander unabhngige, wirksame
Barrieren geschaffen, die eine Freisetzung und Ausbreitung von Schadstoffen
verhindern.
208
Tabelle 4.17. Anhang D der TA Abfall (Teil I); Zuordnungskriterien von Abfllen zur Ablagerung auf einer oberirdischen Deponie
Nr.
Parameter
Dl
[Link]
Festigkeit
Flgelscherfestigkeit
Dl.02
Dl.03
Axiale Verformung
Einaxiale Druckfestigkeit
(Fliewert)
Glhverlust des Trockenrckstandes
der Originalsubstanz
Extrahierbare lipophile Stoffe
Eluatkriterien
pH-Wert
Leitfhigkeit
D2
D3
D4
D4.01
D4.02
D4.03
TOC
D4.04
Phenole
D4.05
D4.06
D4.07
Arsen
Blei
Cadmium
D4.08
Chrom-VI
Kupfer
D4.09
D4.10
Nickel
Quecksilber
Zink
Fluorid
D4.11
D4.12
D4.13
D4.14
D4.15
D4.16
D4.17
D4.18
D4.19
Ammonium
Chlorid
Cyanide, leicht freisetzbar
Sulfat
Nitrit
AOX
D4.20
Wasserlslicher Anteil
Zuordnungswert
kN/m2
:S: 20 %
~50 kN/m2
~25
:S:IO Gew.-%
:S:4 Gew.-%
413
:S: 100.000 !!S/cm
:S:200 mg/1
:S: 100 mg/1
:S:l mg/1
:S:2 mg/1
:S:0,5 mg/1
:S: 0,5 mg/1
:S: 10 mg/1
mg/1
mg/1
mg/1
mg/1
mg/1
mg/1
:S: 1 mg/1
:S: 5.000 mg/1
:S: 30 mg/1
:S:3 mg/1
:S:2
:S: 0,1
:S: 10
:S: 50
:S: 1.000
:S: 10.000
:S: 10 Gew.-%
Fr den Verdichtungsgrad der Oberflche des Deponieauflagers ist eine Proctordichte von~ 95% vorgeschrieben.
Das Deponieplanum mu mindestens 1 m ber der hchsten zu erwartenden
Grundwasseroberflche bzw. ber der Grundwasserdruckflche bei freiem oder
gespanntem Grundwasser nach DIN 4049, Teil 1 (Ausgabe Sept. 1979) liegen
[4.26].
209
Oeponla
Geologischer Untergrund
Als Deponieauflager oder sog. "geologische Barriere" sind folgende Materialien
besonders geeignet:
Lockergesteine aus bindigem Material wie Ton, Mergel, Llehm, u.U. auch
Geschiebelehme und Mornenablagerungen. In Abhngigkeit von Bodenart,
Komgre und Komoberflche besitzen Lockergesteine ein hohes Rckhaltevermgen (Sorption, Ionenaustausch, mechanische Filterung) fiir Schadstoffe. Auch
Festgesteine mit geringer Durchlssigkeit, ohne Klftung knnen eine geeignete
geologische Barriere darstellen.
Die Bedeutung der Wirksamkeit der geologischen Barriere ist in Bild 4.44. dargestellt.
Deponiebasisabdichtungssystem
Als eine weitere Barriere, die Austrag und Verbreitung von Schadstoffen aus der
Deponie verhindem soll, ist die Deponiebasisabdichtung anzusehen. In der TA
Abfall sind detailliert Anforderungen erarbeitet worden, die sich mit Eignung und
Einbau des Materials sowie berwachung und berprfung der Basisabdichtungssysteme befassen.
Das heit, da vor der Erstellung eines Basisabdichtungssystems ein Qualittssicherungsplan zu erstellen ist, der u.a. die Ergebnisse der Eignungsprfung fiir die
verwendeten Materialien, die Manahmen zur Qualittslenkung, -berwachung
und -prfung enthlt sowie die Dokumentation der Herstellung, die Eigen- und
Fremdprfung und die berwachung durch die zustndige Behrde.
In der TA Abfall wird als Dichtung eine Kombinationsdichtung gefordert, bestehend aus einer mineralischen Dichtungsschicht (Durchlssigkeitsbeiwert kf
!S: 510 10 rnls) mit direkt auflagernder Kunststoffdichtungsbahn (Dicke~ 2,5 mm).
Die Oberflche der Dichtung ist dachziegelartig zu formen. Die Oberflche mu
nach Abklingen der Setzungserscheinungen ein Quergellilie von ~ 3 % und
210
Entwsserungsschicht
Sickerrohr
Schutzschicht
C/ltw~ s serungs
system
--.;-
mineralische
Oi chtungsscn lcht
"
V
-.
Xombinat!onsdlchtung
Deponiebasis
abdlchtungssystem
. - - Deponieauflager
0
0
r>
"I
ein Lngsgefalle von $ I % aufweisen. Darber sind eine 0,3 m mchtige Entwsserungsschicht (k= I I o-3) und eine I m mchtige Rekultivierungsschicht aufzubringen. In der Entwsserungsschicht sind splbare und kontrollierbare Sickerrohre zu installieren (s. Bild 4.45.).
Bei der in der TA Abfall als Regeldichtung vorgeschriebenen Kombinationsdichtung sind bislang noch nicht alle damit in Zusammenhang stehenden wissenschaftlichen und technischen Fragen geklrt.
Ein vom BMFT initiiertes Verbundforschungsvorhaben "Weiterentwicklung
von Deponieabdichtungssystemen" soll dazu beitragen, vor allem in folgenden
Punkten eine Klrung zu erreichen [4.8]:
- Feuchtebewegung/Austrocknung der mineralischen Abdichtungsschichten,
- Setzung sowie Dehnung und mgliche Ribildung,
- Selbstheilung (berprfung des Phnomens der Selbstheilung, z.B. bei Scherbrchen von mineralischen Schichten,
- Frosteinwirkung (Untersuchungen an bereits teilweise fertiggestellten Deponieabdichtungen).
Ein weiterer Untersuchungsschwerpunkt des Forschungsvorhabens befat sich
mit dem Materialverhalten der Kunststoffdichtungsbahnen, der Schutzschichten
und der Drainsysteme sowie mit Fragen der Material- und Verfahrensoptimierung.
Deponieoberjlchenabdichtungssystem
Gem TA Abfall ist auch die Oberflchendichtung - jeweils aufzubringen auf
abgeschlossene Deponieabschnitte - als Kombinationsdichtung auszufUhren
(s. Bild 4.46.).
ber einem Deponieauflager aus bindigem verdichtetem Material von mindestens 0,5 m Mchtigkeit, in das ggf. eine Gasdrainschicht einzubringen ist, wird
~[
u
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G
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.. .-
BewtJchs
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.....- --.
o-
211
':""-.
-0
Reku I t! v I erungssch!cht
Entwllsserungssclllcht
kulststol'fdi~
mineralIsche
Olchtungsschlcht,
Koalblnatlonsdlchtung und
IControllelnrichtung
DeponieoberfUchenabdlchtungssystem
Ausgleichsschicht
erforderllcnenfalls
Gasdranschicht
Abfall
eine mindestens 0,5 m mchtige mineralische Dichtungsschicht (Durchlssigkeitsbeiwert k ~ 5*I0- 10 m/s), abgedeckt mit einer Kunststoffdichtungsbahn (2,5 mm),
aufgebracht. Die Anforderungen an das Entwsserungssystem entsprechen den
aufgefhrten Anforderungen fiir Deponiebasissysteme.
Zustzlich wird ein hydraulischer Nachweis ber die Leistungsfhigkeit des Systems gefordert. Die Oberflchenahdichtung wird mit einer 1 m mchtigen Rekultivierungsschicht abgeschlossen. Sie soll einen Schutz der Dichtung vor Wurzelund Frosteinwirkungen wie auch vor Wind- und Wassererosion garantieren. Die
Installation einer geeigneten Sickerwasserbehandlungsanlage ist vorgeschrieben.
212
Abbau mikrobiell,
cl1emische Reaktion
Abbau mikrobiell
Abbau
l IIULL
toxische Anionen
z.B. CN , SCN-
ILDrLn
Reaktionsraum
DTIJJilJJJDTIJJioil:hJl
mobile Phase
Metall
komplexe
Lsungsvermittler
wasserlslich
213
satz zu den polaren sind die unpolaren Chemikalien praktisch immobil, werden
jedoch durch polare organische Verbindungen, wie z.B. Alkohole und Detergentien, mobilisiert [4.62].
Reaktionen der persistenten organischen Substanzen
Bei den persistenten Organika handelt es sich um unpolare Stoffe in Form von
chlorierten Kohlenwasserstoffen aus Produktionsrckstnden der chemischen
Industrie. Persistente organische Substanzen sind nur gering wasserlslich. Erst bei
Anwesenheit von "Lsungsvermittlern" kann sich die Lslichkeit um Potenzen
erhhen.
214
- wenn die Zuordnungswerte des Anhangs D der TA Abfall (s. Tabelle 4.17.)
eingehalten werden knnen,
- wenn von ihnen keine erhebliche Geruchsbelstigung fUr die Nachbarschaft
ausgeht.
215
hender Sickerwsser, sonstiger Wsser und entstehender Deponiegase sind entsprechende Ableitungs- bzw. Erfassungs- und Verwertungseinrichtungen zu schaffen .
Zur Kontrolle sollen ein Grundwasserberwachungssystem und eine Meeinrichtung zur berwachung des Setzungsverhaltens der Deponie und fiir die
Erfassung meteorologischer Daten installiert werden.
Nach Abschlu der Deponie wird von der zustndigen Behrde unter Auswertung der entsprechenden Dokumentationen eine Schluabnahme durchgefiihrt.
Als Beispiel fiir die Planung einer Deponie, die den Anforderungen der TA
Sonderabfall gengt, ist in Bild 4.48. die Konzeption der Verbunddeponie Bielefeld-Herford dargestellt [4.24].
Nachsorge
Die Tatsache, da Abflle in Deponien "filr die Ewigkeit" abgelagert bleiben sollen [4.63] bedeutet, da nach Abschlu der Deponie Kontrollen und Sicherungsmanahmen ber einen langen Zeitraum weiter durchgefilhrt werden mssen.
Die TA Abfall legt fest, da in der Nachsorgephase vom Setreiber Langzeitsicherungsmanahmen und Kontrollen zum Deponieverhalten durchzufUhren sind.
Die durchgefiihrten Manahmen sind zu dokumentieren, um eine berprfung
durch die zustndigen Behrden zu gewhrleisten. Eine endgltige Entlassung aus
der Nachsorgepflicht erfolgt auf Entscheidung der zustndigen Behrde [4.26].
216
[Link]
Untertagedeponien im Salzgestein
217
:::"
0
doll II
Deponlekaverve fOr
Oeponlekaverve fOr
fiHlAGlRSTOLLEN
218
ne\.1& Strecke
darstellen und deren biologischer oder thermischer Abbau technisch und kologisch problematisch sein wUrde, oder deren anderweitige Beseitigung zu aufwendig wre.
In der Bundesrepublik Deutschland gibt es z.Z. filnf Bergwerke, die als Untertage-Deponien betrieben werden, die beiden ltesten sind:
- die Schachtanlage Herfa-Neurode (Bild 4.48.),
- das Salzbergwerk Heilbronn.
In der Bergwerksdeponie Heilbronn werden vorwiegend Rckstnde aus der
Rauchgasreinigung abgelagert. Z.Z. werden 50 000 bis 60 000 Mg/a eingelagert.
Die bestehenden Gesamtkapazitten reichen ber das Jahr 2000 hinaus.
Die Gesamtkapazitt der Untertage-Deponie Herfa-Neurode betrgt derzeit
ber I Mio. Mg. Da durch den fortschreitenden Salzbergbau stndig neue Hohlrume fUr die Deponierung von Sonderabililien entstehen, wird eine mgliche
Betriebsdauer von ber 100 Jahren angesetzt.
Die derzeitige Kapazitt ftlr die Einlagerung in einem 2-Schicht-System betrgt
200 000 Mg/a. Tatschlich eingelagert werden gegenwrtig ca. 140 000 Mg/a
[4.193].
219
Untertage-Deponie
Herfa-Neu rode
Milliarerund
Unterer Bunt
sandsteln
~~~~ 403.1
~
Grundwasser
f------ - - 1 471.7
spernnde
Tonschichten
Plattondolom~
11!1
520,8 ZwischeMalinat
Obo4'n Wennteinsalz
1==
AOsslgkelts
und gasdichtes
Salzgebirge
Kali\~ger
ca . 820 [Link]
- der Standort darf sich nicht in einem Gebiet befmden, in dem die Erdbebenwahrscheinlichkeit den Wert 99% nach der MSK-Skala (MedwedjewSponheuer-Karnik) berschreitet.
220
221
4.2
Thermische Verfahren
Zu den thermischen Verfahren in der Abfallbehandlung zhlen die Abfallverbrennung, die Abfallpyrolyse (Entgasung/Vergasung), die Hydrierung und die
Trock:nungsverfahren.
Das mit Abstand wichtigste thermische Verfahren ist z.Z. die Abfallverbrennung.
In der modernen Abfallwirtschaft kommt der Abfallverbrennung die Aufgabe
zu, stofflich nicht mehr verwertbare Reststoffe (Restabfall) so zu behandeln, da
es zu einer
- Inertisierung des Restabfalls, bei Minimierung der abgas- und abwasserseitigen
Emissionen,
- Schadstoffzerstrung bei organischen Schadstoffen bzw. Schadstoftkonzentrierung bei anorganischen Schadstoffen,
- Verminderung des zu deponierenden Abfallaufkommens, besonders dessen
Volumens,
- Nutzung des Heizwertes des Restabfalls zur Schonung der Energieressourcen,
- berftlhrung der Rckstnde in verwertbare Sekundrprodukte zur Schonung
der sonstigen Ressourcen (Stoftkreislaut)
kommt.
Die obigen Punkte sind nach ihrer abfallwirtschaftlichen Prioritt geordnet. Eine optimale und damit auch zuknftig genehmigungsflihige Restabfallbehandlungsanlage hat vor allem den ersten drei Punkten Rechnung zu tragen. Dabei mu
besonders beachtet werden, da ein Restabfallbehandlungsverfahren auch grotechnisch verfilgbar sein mu, d.h. ein Mindestma an Entsorgungssicherheit garantieren kann.
Wichtigster Grundsatz ist die Inertisierung des Restabfalls, zu der auch die
Schadstoffzerstrung bzw. Schadstoftkonzentrierung rechnet. Dabei ist inert im
Sinne von immissionsneutral zur Umgebung zu verstehen. Knnen die im folgenden vorgestellten Verfahren diesem Kriterium nicht gengen, sind sie fiir eine
Restabfallbehandlung nicht geeignet. Damit ist der Grundsatz Inertisierung das
wichtigste Abwgungskriterium.
Dieses gilt auch, allerdings in abgemildeter Form, fiir das Kriterium "Volumenreduktion". Bewirkt ein Restab fallbehandlungsverfahren keine erhebliche Volumemeduktion des Restabfalls, ist es nur bedingt geeignet.
Dagegen sind die folgenden beiden Punkte "Energierckgewinnung" und ,,Erzeugung von verkaufsfhigen Sekundrprodukten" nur zweitrangig. Diese Kriterien knnen aber eine Auswahl von zur Inertisierung und Volumemeduktion geeigneten Verfahren erleichtern (Feinkriterien).
Neben den 2 Abwgungskriterien, den 2 Feinkriterien sowie der Verfilgbarkeit
sind auerdem die folgenden Punkte zu beachten:
- Betriebssicherheit,
- Investitionsbedarf,
- Platzbedarf,
- mgliche bzw. sinnvolle Durchstze.
222
Bei der Pyrolyse werden organische Abflle durch die thermische Zersetzung unter
Luftabschlu in lagerfhige, energiehaltige Produkte umgesetzt. Die Restabfallpyrolyse befindet sich immer noch im Versuchsstadium, da zahlreiche Probleme
bisher ungelst blieben. Dagegen haben kombinierte Pyrolyse-Hochtemperaturverbrennungsverfahren, wie das Schwel-Brennverfahren der KWU, mittlerweile
ihre Marktreife erreicht.
Die Hydrierung wiederum fmdet vor allem bei der Behandlung und Verwertung
von Raffmerierckstnden und ggf. von Altkunststoffen Anwendung. In diesem
Zusammenhang sei auf die Versuchsanlage der Veba in Bottrop mit einem Durchsatz von 200 000 Mgla Raffinerierckstnden und Altkunststoffen verwiesen.
Die Trocknung wiederum fmdet vor allem bei der Klrschlammbehandlung
Anwendung.
4.2.1
Verbrennungsanlagen fr Haushalts- und Gewerbeabflle (MVA)
In der Bundesrepublik Deutschland befmden sich 1999 55 Verbrennungsanlagen
fllr Haushalts- und Gewerbeabflle in Betrieb, die 11 Mio. Mg Abfall behandelten. An diese Anlagen sind rund 28 Mio. Einwohner angeschlossen. Dabei werden
alle Abflle in Anlagen mit Wrmeverwertung durchgesetzt. Die z.Z. betriebenen
Anlagen befmden sich ausschlielich in den alten Bundeslndern.
Der Beitrag der Abfallverbrennungsanlagen an der Energieerzeugung zur Einsparung von Primrenergietrgem ist mit 0,46 % relativ gering.
Im internationalen Vergleich nimmt die Bundesrepublik Deutschland bei der
Energienutzung aus Abfllen eine Spitzenposition ein. In der Europischen Gemeinschaft wurden 1990 nur etwa 18 % des Aufkommens an Haushaltsabfllen in
Abfallverbrennungsanlagen mit Wrmerckgewinnung verbrannt.
Die Schlacken und Stube der z.Z. betriebenen 55 Verbrennungsanlagen erfiillen die o.a. Kriterien hinsichtlich der Inertisierung nur noch bedingt. Daher wurden
zahlreiche V erfahren und Verfahrensvarianten der MVA entwickelt, die weitgehend inerte Schlacken liefern. Stube fallen bei den Neuentwicklungen nicht an, da
sie in die Schlacke eingebunden werden.
Im folgenden wird zunchst die klassische MVA erlutert, um dieses Kapitel
dann mit der Darstellung von zeitgemen Verfahren abzurunden.
[Link]
Schematischer Aufbau einer klassischen MVA
Der prinzipielle Aufbau und die Funktionsweise einer klassischen Mllverbrennungsanlage lt sich anband weniger Anlagenkomponenten und -aggregate aufzeigen (vgl. Bild 4.53.). Diese werden von einer Vielzahl von Herstellern angeboten, entsprechend unterschiedlich sind die einzelnen Ausfilhrungen. Jedoch unterscheiden sich der prinzipielle Ablauf der Verbrennung und der Stoffllu bei Mllverbrennungsanlagen verschiedener Hersteller nur geringfgig voneinander. Eine
Mllverbrennungsanlage besteht aus folgenden Funktionsbereichen, die nachfolgend erlutert werden:
- Abfallannahme,
2
3
4
Mllentladehalle
Mllbunker
Mllaufgabetrichter
Mllverbrennungsraum
5
6
7
8
Verbrennungsrost
Entschlacker
Dampferzeuger
Elektrofilter
223
9 Rauchgaswscher
10 Schornstein
Lagerung, Vorbehandlung,
Beschickung und Verbrennungseinheit,
Schlackeabzug/Reststoftbehandlung!Lagerung,
KesseVDampfnutzung,
Rauchgasreinigung (RGR),
Kamin.
[Link]
Abfallannahme
Bei der Annahme des Abfalls erfolgt zunchst eine Wgung zur Bestimmung der
angelieferten Abfallmenge. Bestimmte Abtalle knnen festgelegten Entladestellen
bzw. einer Vorbehandlung zugewiesen werden. Die Wiegedaten der anliefemden
Fahrzeuge werden zur Kostenabrechnung herangezogen. Auerdem knnen so
Abfallstatistiken und betriebsbezogene Berechnungen (Leistungsdaten) durchgefiihrt werden.
Wgung
Die Wgung der Fahrzeuge kann mechanisch, hybrid oder elektromechanisch
erfolgen. Durchgesetzt haben sich elektromechanische Systeme, da diese zum
einen eine einfache bertragung von Mewerten ermglichen und zum anderen
die Waagen direkt in die Gebhrenabrechnung integriert werden knnen. Dazu
knnen an hufig anliefemde Fahrzeuge (gewerbsmig betriebene Fahrzeuge
oder Fahrzeuge kommunaler Betriebe) Loch- oder Magnetkarten ausgegeben werden, auf denen das Fahrzeug-Leergewicht (bei Fahrzeugen mit festem Aufbau), das
Kfz-Kennzeichen und der Rechnungsempflinger gespeichert sind. Zur Bestimmung
der angelieferten Abfallmenge mu dann keine zweite Wgung nach der Entleerung durchgefiihrt werden. Bei privaten Anlieferem und Fahrzeugen mit Wechsel-
224
containem ist immer ein zweiter Wiegevorgang zur Bestimmung der angelieferten
Abfallmenge notwendig.
KlassifiZierung
Durch die Klassifizierung knnen nicht brennbare Abtalle (Strstoffe) ausgeschleust werden, durch die der Betrieb der Anlage unterbrochen werden knnte.
Die brennbaren sperrigen Bestandteile des Sperrmlls mssen vor der Verbrennung einer Zerkleinerung zugefiihrt werden.
[Link]
Lagerung, Vorbehandlung und Beschickung
Bunkerausfhrungen
Fr die angelieferten Abtalle mu ein Lager vorhanden sein, da die Anlieferung
der Abtalle diskontinuierlich, die Beschickung der MVA aber kontinuierlich erfolgt. Der Mllbunker dient zum einen zur Pufferung der Abfallmenge, zum anderen knnen hier Strstoffe erkannt und aussortiert oder einer Vorbehandlung zugeftlhrt werden. Auerdem findet im Bunker eine Homogenisierung der Abtalle statt.
Durch Selbsterhitzung des im Bunker befindlichen Abfalls und Bildung von
brennbaren Gasen, die bei Grprozessen entstehen knnen (Methangasbildung),
kann es zu lokalen Brnden im Bunker und in den Einfiilltrichtem kommen. Aus
diesem Grund ist eine Lscheinrichtung installiert, die von den Kranfiihrerkabinen
bettigt wird und mit der gezielt einzelne Brandherde bekmpft werden knnen.
In der Entladehalle und im Mllbunker herrscht ein leichter Unterdruck im
Vergleich zur Umgebung, um Geruchs- und Staubemissionen zu vermeiden. Die
abgesaugte Luft wird entweder der Verbrennung zugefUhrt oder in einem Biofilter
desodoriert.
Folgende Bunkerausfiihrungen werden unterschieden:
- Tiefbunker,
- Plattenbandbunker,
- Flachbunker.
Tiefbunker
Tiefbunker zeichnen sich durch einen geringen Flchenbedarf und den daraus
resultierenden kurzen Wegen der Mllkrne zur Abfallumlagerung und Beschikkung aus. Dabei sind die Anordnung und Ausfiihrung der Kippkanten fiir einen
strungsfreien Betrieb und filr eine optimale Ausnutzung des Bunkervolumens von
Bedeutung. Diesbezglich stellen Kippstellen mit Mllbett und Hydraulikschieber
eine sinnvolle Lsung dar, da bei dieser Anordnung der Abfall im Bunker noch bis
ber die Oberkante des Schiebers gestapelt werden kann. Die Entladestelle mu
folglich nicht nachjeder Entladung von dem Mllkran gerumt werden.
Plattenbandbunker
Plattenbandbunker dienen hauptschlich der Aufuahme und Dosierung. Ein Plattenbandbunker besteht aus einem Frderband, das mit Stahlplatten gepanzert ist,
um Beschdigungen an der Frdereinrichtung zu minimieren. Das Band befmdet
sich am Boden einer Grube mit trichtertOrmigem Querschnitt, wodurch dessen
Aufuahmekapazitt erhht wird. Der Abfall wird direkt auf das Frderband ge-
225
kippt, aus dem Bunker ausgetragen und der nchsten Verfahrensstufe zugefiihrt.
Das Speichervolumen wird durch die Bandbreite (max. 2,5 m) und die Stapelhhe
in dem Trichter (max. 3,5 m) begrenzt. Bei dieser Bunker- und Frdereinrichtung
findet nur eine geringe Durchmischung der Abflille statt. Lange oder sperrige Abfallbestandteile knnen zu Brckenbildung im Trichter und somit zu Betriebsstrungen fiihren.
Flachbunker
Im Gegensatz zu Tiefbunkern werden fiir Flachbunker bei gleichem Nutzvolumen
groe Flchen bentigt. Da Mllverbrennungsanlagen hufig in Ballungsgebieten
errichtet werden und die bentigte Flche meist nicht zur VerfUgung steht, sind
Flachbunker bei MVA's in der Bundesrepublik von untergeordneter Bedeutung.
Vorteilhaft wirken sich die geringen Kosten fiir Grndung und Ausbildung eines
Flachbunkers aus, die allerdings durch betriebliche Nachteile (wie beispielsweise
groe Kranspiele) oft kompensiert werden.
Krananlagen
Der Mllkran dient in erster Linie der Beschickung der Aufgabetrichter. Auerdem knnen Strstoffe aussortiert und ggf. einer Zerkleinerung zugefUhrt werden.
In der Regel werden Mehrschalengreifer (Polypgreifer) mit einem Fassungsvermgen von 4 bis 8 m3 eingesetzt. Der Kran ist als Brckenkonstruktion mit Laufkatze
ausgefiihrt, so da alle Stellen des Bunkerbereiches schnell angesteuert werden
knnen. Die Steuerung des Krans erfolgt von einer Kabine, aus der der gesamte
Bunkerbereich, die Entladestellen und die Beschickungstrichter einsehbar sind.
Aus Grnden des Arbeitsschutzes mu die Kabine klimatisiert sein. Ein Reservekran ist erforderlich, um bei Ausfall eines Mllkrans den Betrieb der Anlage sicherzustellen.
Vorbehandlung
Fr die Verbrennung geeignete sperrige Abflle mssen zerkleinert werden. Die
Zerkleinerung des Sperrmlls bedeutet eine Volumenreduktion und somit eine
bessere Ausnutzung des zur VerfUgung stehenden Bunkerraumes. Durch die grere spezifische Oberflche nach der Zerkleinerung verbrennt der Abfall besser.
Gelangen unzerkleinerte sperrige Abflle in die Aufgabetrichter, kann es zu Verstopfungen und zum Stillstand der Anlage kommen. Fr die Zerkleinerung der
sperrigen Abflle werden Scheren, Schnecken-, Prall- oder Schlagmhlen eingesetzt, die bei Bedarf mit Absaugeinrichtungen versehen werden knnen. Die Zerkleinerung findet im allgemeinen in einem dafiir reservierten Bereich des Bunkers
statt. Hier knnen einerseits die aus dem Haus- und Gewerbemll separierten Stoffe behandelt werden, andererseits knnen die bei der Annahme als Sperrmll deklarierten Abflle sortiert werden. Der Durchsatz der Zerkleinerungseinrichtung
mu an die jhrlich anfallende Sperrmllmenge angepat sein. Zur Beschickung
des Zerkleinerungsaggregates kann ein kleiner Mehrschalengreifer dienen, der
notfalls auch zur Beschickung der Verbrennungseinrichtung verwendet werden
kann.
226
Beschickung
Die Einftllltrichter sind in der Regel so bemessen, da sie durch Aufnahme des
stndlichen Durchsatzes der Verbrennungseinheit einen kontinuierlichen Betrieb
gewhrleisten. Der im Einfiilltrichter befindliche Mll gelangt ber einen Einfiillschacht auf die Beschickungseinrichtung. Der Einfiillschacht ist mit einer Klappe
zum Einfiilltrichter hin verschliebar, um ein Zurckschlagen der Flammen zu
vermeiden. Die Beschickungseinrichtungen unterliegen einer starken mechanischen Belastung durch den Mlltransport und einer groen thermischen Belastung
durch die direkte Anordnung am Verbrennungsrost Eingesetzt werden Plattenbnder, Vorschubroste und AufgabesteL Bild 4.54. zeigt Einfiilltrichter mit Einfiillschacht und Beschickungseinrichtung.
Zur Verbrennung von Haushaltsabflillen werden in der Regel Rostfeuerungsaulagen eingesetzt. Die Wirbelschichtfeuerung befindet sich derzeit noch im Versuchsstadium. Drehrohrfeuerungen werden blicherweise nicht zur ausschlielichen Verbrennung von Haus- und Gewerbemll eingesetzt. Eine Ausnahme stellt
das Verbrennungssystem V0lund dar. Dabei handelt es sich um eine Kombination
von Verbrennungsrost und nachgeschaltetem Drehrohrofen.
[Link]
Verbrennungsproze bei der Rostfeuerung
Unabhngig von dem eingesetzten Rostsystem ist der grundstzliche Aufbau des
Verbrennungsraums nach unten durch den Verbrennungsrost, zu den Seiten durch
die Feuerraumwnde und nach oben durch eine Decke oder den Kessel begrenzt.
Zum Anfahren der Anlage mu der Feuerraum vorgeheizt werden. Damit wird
die in der 17. BlmSchV vorgeschriebene Mindesttemperatur in der Nachver-
227
Rauchgas
1
2
3
4
5
Trocknungszone
Entgasungszone
Ausbrandzone
Vergasungszone
Nachbrennzone
--'-
31
Schlacke
228
8o'l, -BEREICH - - - - -
MITIELWERT
ca. 35 GEW-'/,
ca 3o GEW -'/,
CQ
35 GEW.-'/,
Hu
rd
6.o MJ lkg
[Link]
OHNE
HILFSBRENNSTOFFE
BRENNBARES (BI...
Rostfeuerungssysteme
Bei den bestehenden 55 deutschen MV A 's wird die Rostfeuerung mit unterschiedlichen Systemen eingesetzt. Dabei kommen die folgenden Rosttypen zum Einsatz:
- V orschubroste,
229
\ __ ______ __
- Rckschubroste,
- Walzenroste.
Vorschubroste
Vorschubroste bestehen aus mehreren feststehenden und beweglichen Roststben,
die reihenweise berlappend angeordnet sind. Durch Hubbewegung der beweglichen Querreihen wird der Abfall ber den Rost befrdert. Vorschubroste knnen
sowohl geneigt als auch horizontal angeordnet sein, da die Vorwrtsbewegung des
Verbrennungsgutes durch die Hubbewegung und nicht durch das Eigengewicht
bzw. die Schwerkraft erfolgt. Durch die Bewegung der Roststabreihen ist eine
ausreichende Schrung gewhrleistet. Bild 4.57. zeigt den Bewegungsablauf eines
Vorschubrostes (System K+K).
Rckschubroste
Der Rckschubrost besteht wie der Vorschubrost aus beweglichen und feststehenden Querreihen. Der Rost ist zum Schlackeaustrag hin geneigt, die Hubbewegung
der Roststbe erfolgt zur Beschickungseinrichtung hin. Durch diese Aufwrtsbewegung und die durch die Schwerkraft verursachte Abwrtsbewegung wird eine
gute Schrung erreicht, da stndig Glutteile aus der Hauptbrennzone zum Rostanfang geschoben werden. Am Rostende werden die Verbrennungsrckstnde mit
einer Walze ausgetragen. Bild 4.58. zeigt einen Rckschubrost (System Martin).
Watzenroste
Der Walzenrost besteht aus sechs hintereinander angeordneten Walzen von 1,5 m
Durchmesser. Der Walzenrost ist zum Austrag hin 30 o geneigt. Die Walzen werden einzeln elektrisch angetrieben, wodurch die Frdergeschwindigkeit an die
Brennbarkeit des Abfalls angepat werden kann. Die Taschen zwischen den einzelnen Walzen erzwingen eine Umwlzung des Mlls, wodurch eine gute Durchmischung und Schrung erreicht werden. Bild 4.59. zeigt den Aufbau eines Walzenrostes.
230
BrtMtlott
011f9'1>t
Verbrennungssystem V0/und
Das Verbrennungssystem V0lund ist eine Kombination von Vorschubrost und
nachgeschalteter Drehrohrfeuerung. Die Anordnung bewirkt eine Trocknung und
Verbrennung des Abfalls auf dem Rost und den Ausbrand im Drehrohr bei 800 bis
231
232
GLEICHSTROM
GEGENSTROM
MITTELSTROM
bundene Gefahr von Kurzschlustrmungen. Auf diese Weise kann relativ viel
Unverbranntes in die Nachbrennzone gelangen.
Bei der Mittelstromftihrung wird der erste Zug oberhalb der Hauptverbrennungszolle angeordnet, so da die Rauchgase zwangslufig durch die heie
Verbrennungszone hindurchtreten. Ein Vergleich verschiedener Anlagen hinsichtlich der Feuerraumgeometrie zeigt, da oftmals ein Kompromi zwischen Gegenstrom- und Mittelstromfiihrung eingegangen wird.
Wirbelschichtfeuerung
Whrend Rostfen fiir Haus- und Gewerbemll bewhrte Verbrennungsverfahren
darstellen, sind Wirbelschichtfen fiir diesen Brennstoff in der Bundesrepublik
Deutschland noch in der Erprobungsphase. So steht eine in Berlin Ruhleben gebaute rotierende Wirbelschichtverbrennungsanlage kurz vor der Inbetriebnahme.
Hier sollten ab Mitte 1999 65 000 Mg/a Hausmll verbrannt werden. In Japan
waren 1987 bereits rund 40 Anlagen und im europischen Ausland ca. 8 Anlagen
in Betrieb, in denen zum Teil nicht aufbereiteter Hausmll verbrannt wird. Die
bertragbarkeit dieser Technologie auf deutsche Verhltnisse war wegen der unterschiedlichen Abfallzusammensetzung und anderer Vorgaben fiir Abgasreinigung und Wrmerckgewinnung schwierig. Hier mssen in jedem Fall eine Vorsortierung zur Abscheidung von Strteilen, eine Zerkleinerung und die Abscheidung von FE-Metallen vorgesehen werden.
Die Asche fiillt durch den Dsenboden und wird im unteren Teil des Ofens ausgetragen. Der schematische Aufbau eines Wirbelschichtofens wird in Bild 4.63.
dargestellt. Da aus verfahrenstechnischen Grnden der Ascheerweichungspunkt
nicht erreicht werden darf, kommt es zu einer geringen Schwermetalleinbindung in
Aschen. Damit sind Wirbelschichtverbrennungsanlagen nur zur Verbrennung
schwermetallarmer Abtalle geeignet (z.B. Restholz, evtl. Kunststoffe, Papier).
lgt.p '
lga
(1)
'il
(2)
(l
233
Rostfeuerung
2
zirkulierende Wirbelschicht
6 p Druckverlust
Wrmebergang
Luftgeschwindigkeit
Verbrennungs Gose
Sekundr .
Lufl
Abiallbeschickung
Dsenboden
Anlohr SreMer
SchwerlLanze
Entosehung
234
mogene und von den Verbrennungseigenschaften des Abfalls weitgehend unabhngige Temperaturverteilung erreicht. Dies fiihrt zu einem ausgezeichneten Ausbrand. Zur Senkung der Schadstoffgehalte im Rauchgas knnen Additive
(z.B. Kalk) in die Wirbelschicht gegeben werden, die die Schadgase einbinden.
235
Abgas
Rauchgasreinigungsrckstnde
Energie
Gas
/verglaste Schlacke
Abfall ,:::;_,
Inertstoffe
Eisen
NE- Metalle
werden, so da die Aschen entweder bei I 150 oc gesintert oder aber bei ca.
I 300 C geschmolzen und verglast werden [4.89].
In das Drehrohr werden die Kesselaschen und Filteraschen zurckgefhrt und
ebenfalls gesintert/verglast. Die verglasten Schlacken/Stube aus einer Technikumsanlage der Fa. von Roll weisen eine geringe Eluierbarkeit fiir Schwermetalle
auf. So knnen die Grenzwerte in Eluat fr eine schadlose Deponierung gem TA
Siedlungsabfall weit unterschritten werden. Damit sollte auch eine Verwertung der
Schlacken mglich sein.
Im Drehrohr liegen deutlich hhere Temperaturen als in konventionellen Rostfeuerungsantagen vor. Durch die hohen Temperaturen im Drehrohr mssen die
nachgeschalteten Aggregate- wie Nachbrennkammer und Abhitzenutzung- dieser
thermischen Belastung standhalten.
Nach dem Drehrohr ist eine Nachbrennkammer zur Minimierung des im
Rauchgas vorhandenen CO und des Unverbrannten vorgesehen. In diese wird ein
Teil des bereits entstaubten Rauchgases zurckgefhrt (Rauchgasrezirkulation).
Damit werden die Rauchgastemperaturen vergleichmigt, eine primre Entstikkung bewirkt sowie der Luftberschu und damit der Rauchgasvolumenstrom
minimiert.
Schwel-Brennverfahren
236
Nach der Verschwelung wird der Feststoff gesiebt. Das Material> 5 nun besteht
zum grten Teil aus Inertien (Glas, Keramik, Steine) sowie aus NE- und FeMetallen. ber 99 % des im Schwelgut enthaltenen Restkohlenstoffs befinden sich
jedoch im Feingut (< 5 nun). Dieses wird aufgemahlen und gemeinsam mit dem
Schwelglas in der Hochtemperaturverbrennung verbrannt. Hier werden auerdem
Flug- und Kesselstube dazugegeben. Durch die hohen Verbrennungstemperaturen
von ber 1 300 C bildet sich schmelzflssige Schlacke. Auerdem wird mit den
hohen Temperaturen erreicht, da die organischen Restgehalte (vor allem die der
Stube) weitgehend zerstrt werden. Die schmelzflssige Schlacke wird naentschlackt und befmdet sich in einem glasartigen Zustand, so da Schwermetalle
eingebunden und wenig eluierbar sind. Die Eluatwerte der Schlacken aus der
Technikumsanlage in Ulm unterschreiten die Anforderungen fiir die Deponieklasse I (gern. TA Siedlungabfall) deutlich, so da die verglasten Schlacken auch
schadlos verwertet werden knnten.
Das heie Rauchgas verbrennt bei einer nachgeschalteten Brennkammer fast
vollstndig. Ein Teil des bereits entstaubten Rauchgases wird in die Brennkammer
zurckgefhrt. Damit werden die Rauchgastemperaturen vergleichmigt, eine
primre Entstickung bewirkt sowie der Luftberschu und damit der Rauchgasvolumenstrom minimiert.
Thermoselect
Beim Thermoselectverfahren wird der Restabfall zuerst mit einer Presse auf 10 %
seines Ausgangsvolumens verdichtet. Darauf wird der verdichtete Restabfall in
einem Schubofen indirekt auf 400 bis 600 C erwrmt und entgast. Das Schwelgas
wird darauf mglichst unvollstndig gemeinsam mit dem Schwelgut mit reinem
Sauerstoff verbrannt. Die sich dabei bildende ca. 2 000 C heie Schlacke wird
schmelzflssig abgezogen. Die Metalle werden schmelzflssig abgetrennt. Die
verbleibende mineralische Schlacke liegt nach einer Naentschlackung verglast
vor. Einem Bericht des TV Thringen von Mai 1993 zu Folge besteht die Mglichkeit, gemahlene Thermoselectschlacke bei der Betonherstellung einzusetzen.
Genauere Aussagen knnen erst nach Ende eines Langzeitversuches erfolgen.
Durch die unvollstndige Verbrennung des Schwelgases kann Synthesegas gewonnen werden. Eine Abhitzenutzung ist nicht vorgesehen. Statt dessen wird das
heie Gas durch eingesprhtes Wasser bis auf 90 oc schlagartig abgekhlt (Quenche). Damit soll eine Neubildung von Dioxinen und Furanen verhindert werden
(Unterbindung der De Novo-Synthese). Darauf folgt eine nasse Gaswsche zur
Entfernung von HCl, HF und S02 . Das Waschwasser wird gereinigt und eingedampft. Nach der Wsche folgt eine Trocknung des Synthesegases durch Abkhlung bis auf 10 C sowie abschlieend eine Aktivkohleadsorption zur Schwermetall- und Dioxinabtrennung. Das gereinigte Synthesegas verlt die Anlage und
kann in einem Gasmotor energetisch genutzt werden.
Durch die geringen zu reinigenden Gasvolumenstrme (ca. 118 des Rauchgasvolumenstromes einer MVA) ergeben sich bei einer Thermoselectanlage geringere
Schadstofffrachten als bei einer MVA, falls vergleichbare Rauchgasreinigungstechniken eingesetzt werden.
Die Funktionsweise des Thermoselectverfahrens soll anhand von Bild 4.65.
noch einmal verdeutlicht werden.
237
Synthesegase
Salze
Abfall
==:>
Brennkammer
~~
mineralische
metallische
Schlacke
[Link]
Schlackenabzug
Die Schlacke wird am Ende des Verbrennungsrostes abgeworfen und mu abtransportiert werden. Die wichtigsten Anforderungen an diese Austragseinrichtung
sind die Venneidung von Verstopfungen beim Schlackenaustrag sowie die Verhinderung von Falschlufteinbrchen. Dazu werden mehrere Entschlackungssysteme angeboten, die zum Teil vom eingesetzten Rostsystem abhngig sind. Der
Austrag des Rostabwurfes erfolgt ausschlielich durch Schwerkraft in Fallschchte, die direkt in den Entschlacker fiihren.
238
Rostdurchfall
Asche
Das Hauptproblem beim Austrag vom Rostabwurf besteht in der hohen Temperatur der Schlacke, die zwischen 600 und 900 C liegen kann. Durch ungengenden
Luftberschu kann bei 950 bis I 000 C der Schlackenerweichungspunkt erreicht
werden, wodurch die Verbrennungsrckstnde einen teigigen Zustand annehmen
knnen.
239
Die Ablschung der Schlacke und der Luftabschlu zum Feuerraum hin erfolgt
durch Nasysteme. Unterschieden werden Austragseinrichtungen mit Stel, Plattenbndern und Kratzketten. Bild 4.66., Bild 4.67. und Bild 4.68. zeigen die verschiedenen Austragsverfahren.
[Link]
Neben der in der 17. BlmSchV geforderten Wrmerckgewinnung ist eine Abkhlung der bei der Verbrennung von Hausmll entstehenden Rauchgase von
1 000 bis 1 200 C auf 200 bis 300 C auch aus verfahrenstechnischen Grnden
ntig, da Rauchgasreinigungsverfahren Temperaturen unterhalb 350 C erfordern.
Die Abkhlung der Rauchgase aus der Mllverbrennung erfolgt meist indirekt, das
heit durch rekuperative Wrmetauscher Luft-Wasser bzw. Dampf. Als Wrmebertragungseinrichtung dient ein Kessel, in dem die fhlbare Wrme (= kinetische Energie = Wrmeenergie) der Rauchgase auf einen geeigneten Wrmetrger
(Dampf oder Wasser) bertragen wird. Die wesentlichen Elemente einer Dampfkesselantage mit dem Wrmetrger Wasser/Dampf sind Speisewasserautbereitungsanlage, Speisewasserleitung, Druckkessel, Sicherheitsventile und
Dampfentnahmerohr mit den jeweiligen Regelungseinrichtungen zur Steuerung
von Wasserstand, Kessel- und Dampfdruck.
Auslegungskriterien
Die Auslegung einer Dampfkesselanlage richtet sich nach der zu erwartenden
Wrme- oder Dampfleistung des Brennstoffes sowie dem Kesselwirkungsgrad.
Whrend dieser Wirkungsgrad bei Verwendung fossiler Brennstoffe zuverlssig
vorausbestimmbar ist, ist er im Falle der Mllverbrennung aufgrund des inhomogenen Brennstoffes nach Erfahrung auszuwhlen. Aufgrund von Mengen- und
Heizwertschwankungen treten Wrmespitzen auf, die abgefangen werden mssen.
Es ist daher blich, den Kessel entsprechend berzudimensionieren.
Eine weitere Besonderheit bei der Mllverbrennung stellt die hohe Staubfracht
in den abzukhlenden Rauchgasen dar. Zur Verhinderung von rauchgasseitigen
Verunreinigungen am Kessel, die zu reisezeitmindernden Anbackungen fhren
knnen, sind deshalb eine Reihe von Vorkehrungen erforderlich. Hierzu gehren
- begrenzte Rauchgasgeschwindigkeiten im ersten Kesselzug zur Schwerkraftaustragung des Flugstaubes vor Eintritt in den Kessel,
- Abkhlung der Rauchgase durch Strahlungswrmetransport anstelle von konvektiver Abkhlung zur Vermeidung von Anbackungen teigiger Flugascheteilchen an der Berhrungsflche.
Zur Minderung des Korrosionsrisikos sind darber hinaus die mglichen Dampfparameter in MVA 's auf 400 C und 40 bar beschrnkt und damit sehr viel geringer als in Kohlekraftwerken. Entsprechend gering ist in MVA 's der elektrische
Wirkungsgrad, der nur ca. 50 bis 60 % des Wirkungsgrades von Kohlekraftwerken
erreicht.
240
Bauarten
Kessel werden nach ihrer Bauart und der Art des verwendeten W1irmetrgers benannt. Man unterscheidet:
- Wannwasserkessel,
- Heiwasserkessel,
- Heilkessel,
- Sattdampfkessel,
- HeidampfkesseL
In MV A 's werden Heiwasser-, Sattdampf- und Heidampfkessel eingesetzt.
In Heiwasserkesseln wird Wasser unter berdruck von 110 C bis blicherweise 200 C aufgewrmt. Das aufgeheizte Wasser wird vorzugsweise fiir Fernheizzwecke verwendet.
In Sattdampfkesseln wird Wasser unter berdruck von 130 oc bis zu der jeweiligen druckabhngigen Verdampfungstemperatur (Sattdampftemperatur) erhitzt.
Das sich dabei bildende Wasser-Dampf-Gemisch wird in einer Trommel gesammelt, die Dampf vom Wasser scheidet. Der Dampf kann fiir Prozezwecke verwendet und das Wasser in den Kessel zurckgefiihrt werden.
In Heidampfkesseln wird zunchst Sattdampf erzeugt, der anschlieend weiter
aufgeheizt (berhitzt) wird.
Satt- und Heidampfkessel werden vorwiegend fiir die Herstellung von Prozedampf verwendet.
Dampfkessel werden nach der Art des W1irmetrgerumlaufes unterschieden. Die
wichtigsten Bauarten sind:
- Naturumlauf,
- Zwangsumlauf,
- Zwangsdurchlauf.
Naturumlaufkessel
Dieses Prinzip basiert auf dem natrlichen Wasserumlauf (Schwerkraftprinzip)
infolge von Dichteunterschieden von Wasser bei verschiedenen Temperaturen.
Bild 4.69. zeigt den schematischen Aufbau eines Naturumlaufkessels zur Herstellung von berhitztem Dampf.
Zwangumlaufkessel
Bei diesen Kesseln erfolgt die Wasserumwlzung neben der Ausnutzung der
Dichteunterschiede zustzlich durch eine Pumpe. Bild 4.70. zeigt den schematischen Aufbau eines Zwangumlaufkessels.
Das Umlaufwasser luft aus der Trommel (h) zur Umwlzpumpe (i) und wird
den aus mehreren parallel geschalteten Rohren ausgebildeten Verdampfer-Heizflchen (c) zugefiihrt. Auch hier wird der in der Trommel abgeschiedene Dampf
im rauchgasseitig nachfolgenden berhitzer (fund g) berhitzt.
Zwangdurchlaufkessel
In Zwangdurchlaufkesseln wird das Wasser nicht im Kreis gefiihrt (kein Wasserumlaut). Statt dessen tritt die gleiche Menge an Wasser ein, wie an Dampf austritt (Wasserdurchlaut). Bild 4.71. zeigt zwei Bauformen von Kesseln nach dem
Zwangdurchlaufprinzip.
241
9
a
b
c
e
Speisewasser
Speisewasservorwrmer
Verdampfer
Strahlungsberhitzer
f
g
Berhrungsberhitzer
Trommel
Dampf
m Luftvorwrmer
n
Brenner
Speisewasser
Speisewasservorwrmer
Verdampfer
Strahlungsberhitzer
f
g
Berhrungsberhitzer
Trommel
Dampf
Umwlzpumpe
m Luftvorwrmer
n Brenner
0
242
a
b
c
d
e
f
g
k
m
n
0
sulzer-Kessel
Speisewasser
Speisewasservorwarmer
Verdampfer
Restverdampfer bzw. berhitzer
Strahlungsberhitzer
Belilbrungsuberhitzer
Dampf
Wasserabscheider
Luftvorwarmer
Brenner
0
Benson-Kessel
Bild 4.71. Benson- und Sulzerkessel als Beispiele filr Zwangdurchlaufkessel [4.124]
Ein direkt aufgesetzter Kessel hat den Vorteil, da ein groer Teil der Energie aus
dem Feuerraum ber Strahlung an den Kessel abgegeben wird. Damit erfolgt keine
wesentliche Berhrung der Rauchgase mit der Kesselflche. Da die Rauchgase im
Feuerraum jedoch noch Inhomogenitten aufweisen, mu der Kessel im unteren
Bereich keramisch ausgekleidet werden. Bild 4.73. zeigt einen Feuerraum mit
aufgesetztem Kessel.
Die aufgesetzte Bauweise bedarf ferner nur einer geringen Grundflche und begnstigt das Naturumlaufprinzip.
Ein nachgeschalteter Abhitzekesselliegt auerhalb des Bereiches von Rauchgasinhomogenitten und ist damit durch Rauchgasstrhnen nicht korrosionsgefhrdet
Bild 4.74. zeigt einen solchen Kessel. Bei nachgeschalteten Kesseln sollte jedoch
ein erhhter Temperaturabbau durch Luftkhlung von Feuerraumwnden und
Rostbereich erfolgen, um die Gefahr von Anbackungen durch erweichende
Ascheteilchen zu vermeiden.
243
Feuerraum, Strahlraum und je nach Kesselbauart auch der berhitzer sind rauchgasseitig besonders korrosionsgefhrdete Zonen. Man unterscheidet zwischen
Hoch- und Tieftemperaturkorrosionen.
Die Hochtemperaturkorrosion luft unter Ausschlu von Feuchtigkeit ab. Sie
kann aufgrund der Ursachen in die Chlorwasserstoff-, Chlorid- und Sulfatkorrosion eingeteilt werden.
Tieftemperaturkorrosion luft unter Anwesenheit von Feuchtigkeit im unteren
Temperaturbereich ab. Dabei ist zwischen Stillstands- und Taupunktkorrosionen
zu unterscheiden. Whrend Taupunktkorrosionen bei Unterschreitung des Suretaupunktes in nachgeschalteten Aggregaten auftreten, wirken Stillstandskorrosionen durch Zusammenwirken von Luftfeuchtigkeit und wasserlslichen
Bestandteilen in den Ablagerungen bei Stillstand der Anlage.
244
[Link].,.. 2:
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ra::h\[Link]
~~1:~%
lil1stare: :D~
~:~%
11\Ststtfe: EDo/~
Abwrmenutzung
245
Rauchgasreinigungsverfahren (RGR-Verfahren)
246
Reingas
JStaubsammelbunlcer
Bild 4. 75. Bestandteile und Funktionsweise eines Zyklons
Gewebefilter
Das staubbeladene Gas wird durch eine porse Schicht geleitet, die das Gas passieren lt und die Staubteilchen auf der Oberflche zurckhlt. Die Wahl des
Filtermaterials wird durch die Eigenschaften des zu reinigenden Gases wie chemi-
Zone
247
'-......,
0
0
--~
o --
--
_o
cc:5~o
-~
-0-(J
/
./
sehe Zusammensetzung, Temperatur sowie Gre der abzuscheidenden Staubteilchen bestimmt. Je nach Anforderungen kommen Fasern aus Naturprodukten,
Kunststoffen, Glas, Mineralien und Metallen zur Anwendung. Die Materialien sind
zu Stoffen gewoben, geknpft oder zu Filzen verarbeitet.
Die Abscheidung der Feststoffe erfolgt vor allem im Filterkuchen und nicht am
Filtermaterial, weshalb vor Inbetriebnahme eines Gewebefilters eine erste Staubschicht aus Kalkstaub auf das Filtermaterial aufgebracht wird (Precoating). Die
Filtergewebe sind als Taschen oder Schluche in einem Gehuse angeordnet, das
in mehrere Kammern unterteilt ist.
Der Staub wird in einem Bunker mit Austragsvorrichtung unterhalb der Schluche gesammelt. Die Abreinigung des Filtermaterials erfolgt periodisch durch Rtteln oder Druckluft. Mit modernen Gewebefiltern lassen sich hervorragende Reingaswerte erzielen, die die gesetzlichen Anforderungen der 17. BlmSchV fr Staubemissionen weit unterschreiten.
Elektrofilter - EGR
Kennzeichen der elektrischen Stauhabscheidung ist die Verschiebung von Staubteilchen zu den Abscheideflchen durch elektrische Krfte in einem Hochspannungsfeld. Dabei werden die im Gas enthaltenen Staubteilchen zunchst aufgeladen, indem sie mit Ionen oder Elektronen zusammengebracht werden.
Bild 4.76. zeigt schematisch die Wirkungsweise des Abscheidevorgangs:
Zone a: Beschleunigungszone der freien Elektronen, die von der Sprhelektrode
freigesetzt werden.
Zone b: Stoionisation elektrisch neutraler Gasmolekle, aus deren Atomschalen
weitere Elektronen freigesetzt werden (Koronaentladung).
Zone c: Anlagerung von Elektronen an neutrale Gasmolekle, wodurch diese
negativ geladen werden.
Zone d: Anhaften der negativ geladenen Gasmolekle an die Partikel, welche
dadurch zur Niederschlagselektrode hin beschleunigt werden.
Das Filtergehuse besteht aus einem gasdicht verschweiten Stahlblechgehuse,
welches ber Ein- und Ausstrmbergnge an die Gasleitung angeschlossen ist.
Unterhalb des Gehuses befindet sich der Staubbunker, der zum besseren Staub-
248
austrag eine Neigung von mindestens 50 zur Horizontalen aufweist. Innen weist
der Filter eine oder mehrere Gassen auf, in denen die Niederschlags-Elektroden,
die Sprhelektroden mit deren Aufhngevorrichtungen und der Abreinigungsmechanismus filr beide plaziert sind [4.121].
Mit E-Filtern lassen sich gute Reingaswerte erreichen, die die Anforderungen
der 17. BlmSchV erfiillen. Allerdings stehen E-Filter im Verdacht, die Dioxinneubildung in einem Temperaturfenster von 200 bis 400 C katalytisch zu untersttzen. Untersuchungen haben 2- bis 4fach erhhte Dioxinwerte nach dem E-Filter
sowohl im Rauchgas als auch im abgeschiedenen Staub gefunden [4.57]. Daher
wird bei Neuanlagen in der Regel der Einsatz von Gewebefiltern bevorzugt.
249
Absorptionsmittel
(wrig)
Rauchgas mit
Schadgas
Absorber
1====- Rauchgas
beladenes
Absorptionsmittel
Bild 4. 77. Schema der nassen Rauchgasreinigung
dung von HCl und HF sowie der leicht flchtigen Schwermetalle. S02 soll mglichst nicht abgeschieden werden.
Das erhaltene Waschwasser kann durch Rektifikation in drei Fraktionen aufgeteilt werden: eine verwertbare ca. 30%ige HCl, einen schwermetallhaltigen Teilstrom, der einzudampfen und zu entsorgen ist, sowie in Waschwasser, das wieder
dem Wscher zugefilhrt wird. HCl kann ggf. mit Natronlauge neutralisiert werden,
falls das dabei gebildete NaCl einfacher verwertet werden kann als Salzsure.
An den sauren Wscher schliet sich ein alkalischer Wscher an, der das S02
entfernt. In diesen kann Gips hergestellt werden.
Beide Produkte (die Salzsure und der Gips) sind, wie Untersuchungen in bestehenden Rauchgasreinigungsanlagen gezeigt haben, prinzipiell verwertbar. So
sind die Schwermetallgehalte in der gewonnenen Salzsure geringer als in handelsblicher Ware.
Die zweigeteilte, nasse Rauchgaswsche weist folgende Vorteile auf:
I. stchiometrischer, d.h. niedriger Chemikalienverbrauch bei der SOrEntfernung,
2. hohe Rauchgasreinigungsleistung,
3. es entstehen drei Stoffstrme, von denen die greren beiden (Salzsure und
Gips) stofflich verwertbar sind.
Alternativ zur HCI- bzw. NaCl- und Gipsausschleusung knnen die Waschwsser
der sauren und alkalischen Wsche nach dem Gewebefilter zur Stauhabscheidung
ber einen Sprhtrockner in das ca. 200 C heie Rauchgas eingedst werden.
Dabei werden das Rauchgas abgekhlt und das Wasser vollstndig eingedampft.
Die entstehenden festen Reststoffe (schwermetallhaltige Salze) werden in einem
weiteren Gewebefilter vor der nassen Wsche abgeschieden (s. Bild 4.77.). Der
Vorteil dieser Variante ist der geringere apparative Aufwand, um eine abwasserlose Rauchgasreinigung zu betreiben.
Entscheidender Nachteil ist allerdings, da die erhaltenen Salze schwermetallhaltige Mischsalze darstellen, die nicht verwertet werden knnen, sondern untertgig zu deponieren sind.
Fr die nassen Verfahren kommen Venturiwscher, EDV-Wscher (Elektrodynamisches Venturirohr), Waschtrme, Bodenkolonnen und Radialstromwscher
250
wje Variante I
Besonderheit der
Variante
zum Einsatz [4.121, 4.128]. Nasse Verfahren erreichen die besten Reingaswerte.
Mit ihnen ist eine quantitative Entfernung der sauren Schadgase mglich. Die
Grenzwerte der 17. BlmSchV ftlr saure Schadgase knnen mit ihnen gesichert
unterschritten werden.
Quasi-Trockene Verfahren
Bei diesem Verfahren handelt es sich um eine Sprhabsorption, bei der eine Lsung oder Suspension als Neutralisationsmittel im heien Rauchgasstrom zerstubt
wird und die kristallinen Festprodukte in einem nachgeschalteten Feststoffabscheider abgetrennt werden.
Menge und Konzentration des Absorbermediums werden dabei so dosiert, da
die im Rauchgas enthaltene Wrme zur Verdampfung des Wassers ausreicht, ohne
da ein Taupunkt unterschritten wird. Die entstehenden Neutralsalze fallen trocken
an. Das Neutralisationsmittel ist in fast allen Fllen eine Ca(OH)rSuspension, die
mit den Komponenten HF, HCl, S02 und S03 reagiert.
Die Absorption verluft hauptschlich in der flssigen Phase. Daher steigt die
Abscheideleistung mit Absenkung der Temperatur. Im Unterschied zu den sauer
bis schwach alkalisch betriebenen Wschern tritt bei der Sprh- und Trockensorption zustzlich Kohlendioxid als unerwnschter Reagenzverbraucher auf.
Bei allen quasi-trockenen Verfahren wird das Neutralisationsmittel mit einem
1,5- bis 4fachen berschu gefahren. Fr die quasi-trockenen Verfahren werden
im wesentlichen SprhtUrme verwendet. [4.121]
Mit quasi-trockenen Verfahren knnen nicht so niedrige Reingaswerte wie mit
nassen Verfahren erreicht werden. Daher kommen sie bei modernen Anlagen nur
bedingt bei der Eindampfung von beladenen Waschlsungen zum Einsatz (s. Bild
4.78.).
Trockene Verfahren
Bei den trockenen Verfahren handelt es sich ebenfalls um ein Absorptionsverfahren. Dabei werden fein kristalline, alkalische Komponenten in den heien
Rauchgasstrom geblasen und die entstehenden Reaktionsprodukte in einem nachgeschalteten Feststoffabscheider aus dem Rauchgasstrom entfernt.
251
Fr die trockenen Verfahren werden im wesentlichen Trockensorptionsreaktoren eingesetzt. Mit trockenen Verfahren zur Rauchgasreinigung knnen die
Anforderungen der 17. BlmSchV nicht erfiillt werden. Sie werden daher in modernen Anlagen nicht mehr eingesetzt.
Entstickung
Bei der Verbrennung von Abfall mit Luft entstehen bei hheren Temperaturen
Stickoxide. Durch die Anforderungen der 17. BlmSchV mssen Stickoxidemissionen auf200 mg/m3 (im Tagesmittel) beschrnkt werden.
Bei der Entstickung unterscheidet man zwischen primren und sekundren Entstickungsmanahmen.
Primre Entstickung
Primre Entstickungsverfahren verhindem bereits im Feuerungsraum die Bildung
von Stickoxiden. Bild 4.79. zeigt exemplarisch die mglichen Manahmen. Die
Luftzahlen in diesem Bild beziehen sich aufeine Verbrennung von Gas.
Bei der Luftstufung fmdet die Verbrennung in zwei oder mehreren Stufen "gestuft" statt. Dabei wird in der ersten Stufe mit Luftunterschu unvollstndig verbrannt. Erst in einer zweiten bzw. dritten Stufe kommt es durch Zugabe weiterer
Verbrennungsluft zu einem vollstndigen Ausbrand.
Eine gestufte Verbrennung fmdet in allen MVA 's statt. Hier ist allerdings das
hauptschliche Ziel der Zugabe von Sekundr- und ggf. Tertierluft der vollstndige
Ausbrand der Rauchgase.
Bei der Rauchgasrckfhrung werden entstaubte und meist abgekhlte Rauchgase in den Verbrennungsraum zurckgefilhrt. Damit kann der Stickoxidgehalt im
Rauchgas um bis zu 20 % reduziert werden.
Diese relativ einfache Form der Stickoxidminderung wird bereits in zahlreichen
MV A 's angewendet. Hauptziele sind dabei allerdings eine Minderung des Rauchgasvolumenstromes sowie eine Vergleichmigung der Rauchgastemperaturen. Es
lassen sich so NOxWerte von 300- 350 mg/m3 erreichen.
Die Brennstoffitufung findet hauptschlich bei der Verbrennung von Gasen
Anwendung. Sie ist daher bei MVA 's nicht anzutreffen.
Mit primren Manahmen allein knnen die Grenzwerte der 17. BlmSchV nicht
eingehalten werden. Untersttzend mssen sekundre Verfahren eingesetzt werden.
252
t
:~.~
Rauchgas
A.
1,1
I.
A.
<<
~1,05
Luftstufung
~1.05
A. > 1
Rauchgasrckfhrung
Brennstoffstufung
(fr ~A's nicht geeignet)
Sekundre Entstickung
Bei der sekundren Entstickung sollen bereits gebildete Stickoxide durch Reduktion zerstrt werden. Dabei kann zwischen katalytischen und nichtkatalytischen
Verfahren unterschieden werden.
Mit nichtkatalytischen Verfahren (SNCR, ~elective Non ~atalytic Reduktion)
zur Entstickung knnen Minderungsraten von 70 % erreicht werden. Bei diesem
Verfahren werden Ammoniak, Harnstoff, Glle o.. als Reduktionsmittel verwendet, das in den Brennraum eingedst wird. Die anwesenden Stickoxide werden bei
Temperaturen von ca. 1 000 C durch das Reduktionsmittel in Sauerstoff und
Stickstoff zerlegt.
Bei der katalytischen Entstickung (SCR, ~elective ~atalytic Reduktion) werden
die hchsten Entstickungsraten (bis 85 %) erreicht. Dabei werden die schon weitgehend von Staub und sauren Schadgasen befreiten Rauchgase ber einen Katalysator geleitet, in den Harnstoff oder Ammoniak gegeben wird. Stickoxidkatalysatoren werden bei Temperaturen von 150 bis 400 oc betrieben. Dabei gilt:
je hher die Betriebstemperaturen, je geringer ist die bentigte Katalysatorflche.
253
[4.66, 4.67]. Zur gesicherten Zerstrung dieser Eingangsfracht mssen die in der
17. BlmSchV festgelegten Mindesttemperaturen und Mindestverweilzeiten eingehalten werden.
Tabelle 4.18. quivalente der wichtigsten Dioxine und Furane [4.194]
2,3,7,8
1,2,3,7,8
1,2,3,4, 7,8
1,2,3,7,8,9
2,3,7,8
2,3,4,7,8
1,2,3,7,8
1,2,3,4,7,8
Tetrachlordibenzodioxin (TCDD)
Pentachlordibenzodioxin (PeCDD)
Hexachlordibenzodioxin (HxCDD)
Hexachlordibenzodioxin (HxCDD)
Tetrachlordibenzofuran (TCDF)
Pentachlordibenzofuran (PeCDF)
Pentachlordibenzofuran (PeCDF)
Hexachlordibenzofuran (HxCDF)
quivalenzfaktor
1,0
0,5
0,1
0,1
0,1
0,5
0,05
0,1
Allerdings ist mit einer vollstndigen Verbrennung die Dioxinproblematik in keinem Fall gelst.
Es mu aufgrunddes sogenanntenDe Novo-Effekts bei langsamer Rauchgasabkhlung eine erhebliche Neubildung von Dioxinen und Furanen beobachtet werden.
Die Neubildung von Dioxinen wird durch hohe Staubgehalte, die Anwesenheit
von Metall- und Alkalichloriden sowie hohe Konzentrationen von CO und Unverbranntem begnstigt. Als weiterer Katalysator zur Dioxinneubildung mssen EFilter im Temperaturbereich von 200 bis 400 C rechnen.
Zur Verminderung der Dioxinemissionen knnen zunchst die Randbedingungen der Rauchgasabkhlung so beeinflut werden, da eine Neubildung erschwert
wird (primre Minderungsmanahmen). Zu den primren Minderungsmanahmen
zhlen die Reduzierung von CO und Unverbranntem durch verbesserten Ausbrand
der Rauchgase, eine Minderung der Rohgasstaubgehalte durch geschickte Verbrennungsfiihrung sowie der Verzicht auf eine E-Filterentstaubung.
Mit Hilfe der primren Manahmen allein kann der Grenzwert der 17.
BlmSchV nicht erreicht werden. Auch hier sind, hnlich wie bei der Entstickung,
zustzlich sekundre Manahmen erforderlich. Zur Entfernung der gebildeten
Dioxine aus dem Rauchgas sind grundstzlich zwei Verfahren mglich:
1. ein Dioxinkatalysator,
2. eine Abscheidung auf Aktivkohle/Aktivkoks.
Mit beiden Varianten gelingt eine gesicherte Einhaltung des Grenzwertes von 0,1
ng TE/m3 Rauchgas.
Mit der katalytischen Dioxinzerstrung, die am Ende der Rauchgasreinigung
betrieben wird, istjedoch keine Schwermetallabscheidung verbunden. Wegen der
z.Z. noch im Restabfall relativ hohen Gehalte an leichtflchtigem Quecksilber u..
sind Dioxinkatalysatoren fr Restabfallverbrennungsanlagen nicht geeignet. Daher
fmdet in den MVA's eine Dioxinabscheidung mit Aktivkohle/Koks statt. Hierzu
254
werden Flugstromreaktoren, Festbette und zirkulierende Wirbelschichten verwendet. An die Aktivkohle/Koks lagern sich dabei auch Schwermetalle an.
Die Dioxinentfernung findet meist nach der sauren Wsche und in Einzeltallen
auch nach der katalytischen Entstickung statt. Daneben wurden ebenfalls Verfahren realisiert, bei dem ein Flugstromreaktor vor der sauren Wsche installiert wurde [4.68]. Vorteil dieser Variante ist der verminderte Schwermetalleintrag in die
saure Wsche.
Erfahrungen an umgersteten bzw. neugebauten MVA 's haben gezeigt, da alle
zuvor genannten Varianten der Dioxinabscheidung dazu in der Lage sind, den
Grenzwert
der
17. BlmSchV um 80 bis 95 % zu unterbieten.
Damit ist die moderne Mllverbrennung im Gegensatz zu den nicht umgersteten Altanlagen keine Dioxinquelle, sondern eine Dioxinsenke. Dies zeigt Tabelle
4.19 ., in der die verschiedenen Dioxinemissionspfade aufgefhrt sind. Es ist zu
erkennen, da die geringsten Emissionen ber den Rauchgaspfad verlaufen. Werden die Schlacken und Aschen verglast, reduzieren die MVA 's die Inputfracht um
mindestens den Faktor 50.
Mit Hilfe einer modernen Rauchgasreinigung gelingt es ohne grere Probleme,
die in der 17. BlmSchV formulierten Grenzwerte weit zu unterschreiten.
Tabelle 4.19. Dioxinbilanz einer MVA mit einem Durchsatz von 200 000 Mg/a [4.66]
Beispiel 200 000 Mg/a-Anlage
Dioxingehalt (TE) unverbrannter Hausmll [g/a]
Dioxingehalt Abluft (gern. 17. BhnSchV) [g/a]
Dioxingehalt E-Filterstaub [g/a]
Dioxingehalt Schlacke [g/a]
I)
Dioxinemission mit Schlacken- und Filterstaubverglasung [g/a]
2)
Dioxinemission ohne Schlacken- und Filterstaubverglasung [g/a]
Verhltnis der Dioxinemissionsgesamtbilanz mit und ohne Verglasung (I zu 2)
IO
< 0, 1
0,078
4,8
< O,I
4,8I
ca. I :50
Das Bild 4.80. zeigt beispielhaft den Aufbau einer modernen Rauchgasreinigungsanlage.
In Tabelle 4.20. sind vergleichsweise die Mewerte der bereits umgersteten
MVA Zirndorfaufgefhrt [4.70].
Behandlung der Schlacken, Aschen und Rckstnde aus der Rauchgasreinigung
Bei der Mllverbrennung fallen verschiedene feste und flssige Reststoffe an. Die
Mengen und Zusammensetzungen der Verbrennungsprodukte hngen von der
Zusammensetzung des Brennstoffes und der Feuerflihrung ab.
Verbrennungsschlacke
Schlacke flillt bei der Verbrennung an. Sie besteht im wesentlichen aus Unhrennbarem wie wasserunlslichen Silikaten, Aluminium- und Eisenoxiden.
glasartige
Schlacke
<:i=--
255
externe
Verglasung
HCL
(Verwertung)
Waschwasser
<'L
Schwermetallsalze
(SAD, unter Tage)
Gips
Waschwasser,
Kalk
Verbrennung
Adsorptionsmittel
Kamin
Grenzwert
17. BlmSchV
Tagesmittel
Erreichbare
Reingaswerte
Meergebnisse
MVAZimdorf
Mittelwert
Staub
HCI
10 mg/m3
<0,3 mg/m3
< 1 mg/m3
1 mg/m3
max. 2 mg/m3
max. 2mg/m3
max. 1 mg/m3
so2
50mg/m3
max. 10 mg/m3
< 1 mg/m3
NOx
200mg/m3
n.b.
CO
50 mg/m
max. 15 mg/m3
11,2 mg/m3
organischer C
10 mg/m
max. 5 mg/m
<2mg/m3
LCdTh
0,05 mg/m3
Hg
0,05 mg/m3
<0,02mg/m3
Dioxine/Furane
0,1 mg/m3
0,01 ng TE/m3
0,0059 ng TE/m3
HF
10 mg/m3
0,9mg/m3
256
257
Eine Verglasung von Schlacken (und Stuben) kann in die Verbrennung integriert
werden (s. Kap. [Link].) oder in einem externen Aggregat erfolgen.
Die wichtigsten Verfahren zur externen Verglasung sind das Fos-MeltVerfahren der Fa. Steinmller [4.77], das Red-Mett-Verfahren der TU Berlin, bei
dem die Schwermetalle schmelzflssig abgetrennt werden und nicht in der Sch1akke verbleiben [4.78], sowie das Plasma-Schmelz-Verfahren der Fa. Krupp Koppers [4.81].
Alle vorgenannten Verfahren befmden sich z.Z. noch im Technikumsmastab.
Verstrkte Anforderungen an den Inertisierungsgrad von Schlacken und Stuben
lassen allerdings fr die nchste Zukunft erwarten, da es zu grotechnischen
Umsetzungen kommen wird. In diesem Zusammenhang sei auf das geplante Restabfallheizwerk in Bblingen verwiesen, das 1996 seinen Betrieb aufnehmen soll.
Hier soll zur externen Schlacke- und Staubverglasung entweder das Red-MettVerfahren oder das Fos-Melt-Verfahren zum Einsatz kommen.
Filterstube
Filterstube enthalten gegenber Schlacke erhhte Gehalte an Organika (auch
Dioxine/Furane), Schwermetallen, Chloriden und Sulfaten. Filterstube werden in
der Regel nicht verwertet, sondern mssen deponiert werden. Das Ablagerungsverhalten von Filterstuben aus Mllverbrennungsanlagen soll mit unterschiedlichen Verfahren [4.136] verbessert werden:
Durch Verfestigung mit Zement sollen die Schadstoffe chemisch und physikalisch so in die Zementmatrix eingebunden werden, da die Eluationen deutlich
reduziert werden. Der Chloridgehalt der Stube von 6 bis 8 % wirkt sich jedoch
nachteilig auf die Verfestigung aus, so da sich durch ein vorheriges Auswaschen
der Chloride der Bindemittelverbrauch fr die Verfestigung auf ein Viertel (12,5
% Trockengewichtsanteile) reduzieren lt. Die Wsche kann alkalisch bei pH 9
bis 11 oder sauer mit Wasser aus der Rauchgaswsche geringer als pH 4 durchgefhrt werden [4.164].
Im "3-R-Verfahren" werden die Filterstube von Schwermetallen und wasserunlslichen Salzen befreit, indem das saure Waschwasser aus der Rauchgasreinigung zur Auslaugung der Filterstube genutzt wird. Die sauer gewaschenen Flugstube knnen dann entweder neutralisiert, entwssert und verfestigt werden oder
zur Zerstrung der organischen Schadstoffe in die Feuerung der Mllverbrennungsanlage zurckgefhrt werden. Aus dem Eluat knnen die Schwermetalle
durch Fllung leicht abgeschieden werden [4.152, 4.153].
Auerdem knnen organische Schadstoffe, insbesondere Dioxine, Furane und
andere halogenierte Kohlenwasserstoffe, durch thermische Behandlung bei relativ
niedrigen Temperaturen (Niedertemperaturverfahren) unter Sauerstoffmangel
zerstrt werden (Hagenmaiertrommel). Hiermit kann eine bis zu 97%ige Abnahme
der PCDD/PCDF genutzt werden [4.139, 4.140, 4.166]. Eine Hagenmaiertrommel
kommt z.B. zur Behandlung der Flugstube der MVA Bonn zum Einsatz.
Andere Verfahren verfestigen Filterstube mit Neutralisationsschlmmen aus
der Rauchgaswsche [4.16 7] oder aufbereiteten Schlacken mit salzhaltigen Rckstnden aus Quasitrocken-Verfahren und Zement [4.168]. Aussichtsreichstes Verfahren der Filterstaubbehandlung scheint allerdings die Verglasung zu sein. Wie
bereits bei den Schlackebehandlungsverfahren erwhnt, knnen verbrennungsin-
258
Flssige Rckstnde
Modeme Mllverbrennungsanlagen arbeiten weitgehend abwasserfrei. Anfallende
Waschwasser aus der Rauchgasreinigung werden eingedampft. Teilweise wird
auch eine Verwertung der Rauchgasreinigungsrckstnde angestrebt. So kann die
mit Wasser aus dem Rauchgas entfernte Chloridfracht durch Rektifikation in verwertbare Salzsure berfUhrt werden. Die SOrFracht des Rauchgases wiederum
kann in verwertbaren Gips berfUhrt werden, der zu entwssern ist. Das bei der
Aufarbeitung abgetrennte Wasser kann wieder in den Wschern eingesetzt werden.
Alternativ knnen die Rauchgasreinigungswsser ber einen Sprhtrockner in
den heien Rauchgasstrom eingedst werden. Dabei wird das Rauchgas abgekhlt,
und das Wasser wird verdampft. Die festen Kristallisationsprodukte werden in
einen Gewebefilter abgeschieden und mssen entsorgt werden. Diese Variante
einer abwasserlosen Rauchgasreinigung wurde z.B. bei der MVA Bonn realisiert.
Reaktionsprodukte aus Trocken- und Sprhabsorbern
Eine Verwertung der Reaktionsprodukte aus SprhtrockDem ist nicht mglich.
Die Reaktionsprodukte werden z.B. in Bayern zusammen mit den brigen VerbrennungsrUckstnden abgelagert. Bei der gemeinsamen Ablagerung mit Schlacke
wird die Zielsetzung der pH-Wert-Absenkung auf pH 9 bis 10 verfolgt, um eine
Auslaugung von Schwermetallen (insbesondere Blei) mglichst zu verhindern. Bei
einem Verhltnis von gleichen Teilen Schlacke und Reaktionsprodukten auf der
Deponie Hopferstadt bei Wrzburg wurde das anfallende Sickerwasser untersucht
und festgestellt, da lediglich hhere Chloridgehalte bei einem Eluatwert von pH 7
auftreten. Versuche in Bayern zur Verfestigung von Reaktionsprodukten mit
Schlacke unter Zusatz von Zement lieferten wasserundurchlssige Massen. Weitere Versuche an einer als Monolith aufgebauten Versuchsdeponie mit einer Masse
von 500 Mg Schlacke, Flugstaub, Reaktionsprodukten und Zement zeigten nach
einjhrigem Versuchsbetrieb sehr gute Ergebnisse hinsichtlich der Wasserundurchlssigkeit des Monolithen [4.136].
Salze und Sure aus der abwasserlosen Abgasreinigung
Je nach angewendeter Reinigungstechnik und angewendetem Neutralisationsmittel
entstehen vor allem die Salze NaCl, Na2S04, CaCh und CaS04 in unterschiedlichen Mischungsverhltnissen.
Bild 4.81. zeigt die Rckstandsmengen, wie sie in Anlagen mit unterschiedlichen Abgasreinigungsverfahren anfallen.
Die am Markt mit den Salzen aus der Nawsche konkurrierenden Rohstoffe
werden derzeit aus natrlichen Vorkommen abgebaut (Gips, Kochsalz) oder hergestellt (Glaubersalz). Ungnstiger sieht es bei der Vermarktung von CaC12 aus, da
dieses bereits als Nebenprodukt in groen Mengen bei der Sodaherstellung anfllt
259
24 Anlagen m~
nasser Abgasreinigung
186 300 Mg/a
Abwassermengeanteil
1 ,64 Mio. m'/a
8 Anlagen mit
trockener
14 Anlagen m~
quasi-trockener
Abgasreini gung
160 600 Mg/a
Bild 4.81. RUckstandsmengen aus der Abgasreinigung von HausmUllverbrennungsanlagen (trokken) [4.133]
und nur zu ca. 25 % absetzbar ist. Daher scheidet eine Verwertung des zustzlich
anfallenden CaC12 aus der Rauchgasreinigung aus.
Neben den Salzen bestehen auch fiir technische Suren (Salzsure, Schwefelsure) Marktchancen. Soweit die Qualittsanforderungen erfilllt werden, lassen
sich diese Suren in greren Mengen industriell verwerten [4.133].
Eisenschrott
Pro Mg Rohschlacke sind 120 bis 150 kg Eisenschrott durch Magnetscheidung
abtrennbar. Insgesamt fallen aus 42 Anlagen also ca. 0,35 Mio. Mg!a separierter
Eisenschrott an, der prinzipiell verwertbar ist.
Zu erzielende Erlse und Aufbereitungsgrad bedingen sich wechselseitig. Voraussetzung fiir den Einsatz von MV A-Schrott im Stahlwerk ist ein mglichst hoher
Reinheitsgrad des Schrottes.
Da MV A-Schrott oft erhebliche Anteile an Schlacke aufweist, ist eine Nachreinigung der Fe-Fraktion erforderlich. Durch Siebung (Abtrennen loser bzw. anhaftender Verunreinigungen) sowie durch mechanische Bearbeitung in speziell ausgelegten Shredderanlagen sind Erlse wie fiir Shredderschrott aus der Altautoaufbereitung zu erzielen. Vor einer Entscheidung ber das Feinaufbereitungsverfahren
sind umfassende Kosten/Erls-Rechnungen durchzufUhren [4.121].
260
Rauchgasbehandlung
und Schornstein
Lagerung
p
I
2
3
4
5
6
Kransteuerungsautomatik
Waagenautomatisierung
Leistungsbrenner Regelung
Luftpressungsregelung
Feuerleistungsregelung
HD-Dampftemperatur
7
8
9
10
11
12
verwertung
Speise;;;;;;:;;gelung
Wrmenutzung, Turbine
Generator Regelung
Elektrofilter Regelung
Rauchgaswsche Regelung
Feuerraumunterdruck Regelung
---Dampf
- - - Speisewasser
~~~
Betriebsmitteillsungen
Schmutzwasser/lauge
Rauchgas
Luft
---t
[Link]
Verbrennung und Dampferzeugung stellen die eng aneinander gekoppelten Hauptprozesse der Mllverbrennung dar. Fr die Verbrennung wird eine mglichst konstante Feuerleistung bzw. Energiefreisetzung als Voraussetzung fr eine gleichmige Dampfproduktion gefordert.
Ein berwachungssystem versorgt die Regelkreise und die Schaltwarte mit Informationen aus den Teilprozessen. Es umfat Mefiihler an den verschiedensten
Stellen des Gesamtsystems, die Gasanalyse am Kesselende (Rohgas) und nach der
Rauchgasreinigung. Bild 4.82. zeigt einen berblick ber die wichtigsten Regelkreise und ihre Lage im Gesamtsystem.
Mefiihler fr Temperatur, Druck, Durchflu sowie Fllstandsanzeiger und
Schaltkontakte liefern Informationen ber Betriebszustnde. Zur Feuerfhrung
werden CO- und 0 2- Mewerte herangezogen. Fr den Elektrofilterbetrieb wird
der Staubgehalt des Reingases kontinuierlich gemessen, Schadstoffmessungen im
Reingas werden dokumentiert. Die Wasseranalyse umfat Leitfhigkeits- und pHMessungen im Kesselwasser sowie pH-Bestimmungen in den Abwssern der
Rauchgasreinigung.
Besondere Bedeutung kommt der Regelung der Verbrennung zu. Whrend frher nur Wert auflange Reisezeiten, hohen Durchsatz sowie Vermeidung von Korrosionsschden gelegt wurde, wird heute zustzlich eine mglichst hohe Reduktion
der bei der Verbrennung entstehenden Emissionen angestrebt. Whrend Schwermetalle und anorganische Halogenide aufgrund ihres Vorhandenseins im angelieferten Mll entstehen und durch feuerungstechnische Manahmen nur bedingt
261
4.2.2
Verbrennungsanlagen fr Sonderabflle
Zur Zeit werden in der Bundesrepublik Deutschland jhrlich 800 000 Mg Sonderabflle in 28 greren Sonderabfallverbrennungsanlagen entsorgt. Davon sind
7 Verbrennungsanlagen ffentlich zugnglich [4.58]. Es ist damit zu rechnen, da
aufgrundwachsender Sonderabfallmengen in den kommenden Jahren der Bedarf
an Sonderabfallverbrennungsanlagen weiter steigen wird, obwohl zwischenzeitlich
verstrkte Anstrengungen seitens der Bundeslnder unternommen werden, das
Sonderabfallaufkommen durch Vermeidung und Verwertung zu verringern.
Beispielhaft sei auf das Vollzugsprogramm des Landes Hessen zur Durchsetzung des Reststoffvermeidungs- und -verwertungsgebotes des 5-1-3 BlmSchG
hingewiesen. Dennoch geht man auch in Hessen von einem kurzfristigen Bedarf an
zustzlicher Verbrennungskapazitt aus. Langfristig wird sich allerdings nach den
Vorstellungen des Landes Hessen das zu verbrennende Sonderabfallaufkommen
durch Vermeidung und stoffliche Verwertung verringern.
Sonderabfallverbrennungsanlagen sind zumeist in Sonderabfallbehandlungsanlagen integriert. Diese bestehen in der Regel aus:
- Kontrollbereich,
- Zwischenlagerung,
- Behandlungsanlage,
- Aufbereitung von Abfllen zur Wiederverwertung,
- Thermische Anlage.
Der Kontrollbereich umfat die Wgung, Registrierung, Probenahmestatistik und
das Labor. Fr die Zwischenlagerung stehen Abstellflchen sowie Tank-, Fa- und
Feststofflager zur Verfilgung.
Die chemisch-physikalische Behandlung zur Entgiftung, Neutralisation,
Schlammbehandlung, Emulsionstrennung, Verfestigung oder Eindampfung von
262
263
knnten. Grere Gefil.e bis zu 200 l Inhalt werden daher vom speziell dafr
ausgebildeten Annahmepersonal auf die Anwesenheit dieser Flssigkeiten untersucht, wonach diese - falls erforderlich - mit Hilfe von Vakuumlanzen abgesaugt
werden [4.137].
[Link]
VerbrennungsiJfen
Sonderabtlilie werden in rostlosen Systemen verbrannt. Hauptschliche Vertreter
rostloser Verbrennungseinrichtungen sind [4.142]:
- Drehrohrofen,
- Etagenofen,
- Wirbelschichtofen,
- Brennkammer.
Drehrohrofen
Der Drehrohrofen ist aufgrundder erreichbaren hohen Temperaturen, der groen
Verweilzeiten und seines universellen Feuerungssystems hinsichtlich der Verbrennung von Sonderabfllen am meisten verbreitet. In mit Drehrohrfen und Nachbrennkammern ausgersteten Sondermllverbrennungsanlagen knnen folgende
Industrieabfiille verbrannt werden:
- flssige Stoffe wie Lsemittel,
- pumpbare Stoffe wie Schlmme,
- pastse Abfiille,
- feste und unterhalb der Zndtemperatur schmelzende Verbindungen.
Die flssigen Abfiille werden ber einen wassergekhlten Brenner an der Stirnseite
des Drehrohrofens direkt mit dem in der Ringleitung herrschenden Druck eingedst Eine andere Mglichkeit ist das Einbringen der Lsungen direkt in die Nachbrennkammer.
Die teigigen und pastsen Abfiille werden dem Drehrohrofen direkt mittels einer Doppelkolbenpumpe aus Lagerbehltern ber wassergekhlte Dsen zugefiihrt. Andere teigige und pastse Abtlilie werden in geschlossenen Gebinden (Fssern) angeliefert. Diese werden durch einen Faaufzug aus einem Zwischenlager
auf die Hhe des Aufgabetrichters getbrdert.
ber eine durch Schleusen gesicherte Vorkammer werden diese in den Aufgabetrichter geschoben. Die festen Abfiille werden von einer Krananlage aus dem
Bunker dem Aufgabetrichter zugeftlhrt. ber diesen Trichter erfolgt die Aufgabe
direkt in den Drehrohrofen. Die gastbrmigen Abfallstoffe werden direkt in die
Nachbrennkammer eingedst
Bild 4.83. zeigt ein bersichtsschema einer Sondermllverbrennungsanlage.
Das Kernstck der Verbrennungsanlage ist der Drehrohrofen mit Nachbrennkammer. Beim Drehrohrofen handelt es sich um einen um 3 bis 5 % geneigten
Zylinder, der mit feuerfestem Material ausgekleidet ist. Durch die Rotation des
Ofens mit 0,1 bis 0,6 U/min um die Lngsachse werden die Abfallstoffe gemischt
und weiter betbrdert. Der Drehrohrofen wird in vier Belastungszonen eingeteilt
[4.143]:
264
[Link]
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Ofen
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Etagenofen
Das Einsatzgebiet der Etagenfen ist hauptschlich die Klrschlammverbrennung
(s. Kap. [Link]). In einigen speziellen Fllen von stark Wasserhaitigen Abtallen
wird der Etagenofen auch zur Beseitigung von Industriemll verwendet. Der Einsatz fr die Sondermllverbrennung ist jedoch unbedeutend.
1 Feststoff-Bescbickung
2 Fa-Bescbi ckung
265
6 V erl>ren.n ungsraum
7 Drehrohrantrieb
3 Primrluftsystem
8 VORTEX-Nachbrcnnkanuner
4 Brenner fOr FlOssigabfllllc
9 Wasscrcindsung
5 Lanzen filr pastse und flssi gc 10 Schlackenaustrag
Abfllllc
Wirbelschichtofen
Wirbelschichtfen werden zur Verbrennung einheitlicher flssiger, pastser und
gasfOrmiger Abfallstoffe eingesetzt. Vom Aufbau her ist der Wirbelschichtofen mit
einer stehenden Brennkammer zu vergleichen. Im unteren Bereich des Ofens ist
ber einem Rost (Anstrmflche) das Wirbelbett angeordnet. Durch einen hohen
Wrme- und Stoffilbergang werden spezifische Verbrennungsleistungen wie in
einer Brennkammer erreicht.
Das Verbrennungsprinzip wurde bereits in Kapitel4.2.1.4. beschrieben. Wegen
der geringen erreichbaren Verbrennungstemperaturen sind Wirbelschichtfen zur
Sonderabfallverbrennung nur bedingt einsetzbar (z.B. zur Verbrennung der Shredderleichtfraktion).
Brennkammer
Bei der Brennkammer (vgl. Bild 4.85 .) handelt es sich um ein Rohr, bei dem aus
unterschiedlichen Dsen die Rckstnde und die Verbrennungsluft zugefilhrt werden. Diese eignet sich aufgrund des Verfahrensprinzips bevorzugt zur Verbrennung von gasfrmigen und flssigen Industrierckstnden.
Flssige Rckstnde mit einem Heizwert von mehr als ca. 12 000 kJ/kg lassen
sich bei Flammentemperaturen von mehr als I 300 C in Sekundenbruchteilen bei
kleinerem Flammenraum vollstndig ausbrennen. Flssige Rckstnde mit einem
Heizwert von weniger als ca. 12 000 kJ/kg sind nur unter gleichzeitiger Verbrennung von Zusatzbrennstoff zu verbrennen. Fr eine vollstndige Verbrennung sind
266
c
k
c
a
Temperaturen von 800 bis 1 100 C, Verweilzeiten von 1 bis 2 Sekunden und ein
Luftberschu von 10 bis 20 % des stchiometrischen Bedarfsfalles notwendig.
Verweilzeit und Temperaturen mssen hher gewhlt werden, wenn die Industrierckstnde PCB-haltige Stoffe beinhalten.
Flssige und gasfi>rmige Industrierckstnde werden gemeinsam mit dem Zusatzbrennstoff (a) im Flammenraum (A) verbrannt. Bezogen auf den Wrmeumsatz
wird in diesem Teil der Brennkammer fast die gesamte erforderliche Energie freigesetzt. Je nach den Erfordernissen kann die Verbrennung im Flammenraum (A)
bei Luftberschu oder Luftmangel vorgenommen werden. Luftmangel ist bei
Anwesenheit organischer N-Verbindungen zu empfehlen, um die Bildung von
Stickoxiden zu verhindern bzw. zu reduzieren. Die heien Rauchgase aus dem
Flammenraum (A) werden, falls erforderlich, im Reaktionsraum (B) mit weiterer
Luft ber die Dsen (g) vermischt und verbrennen hier vollstndig. Weitere flssige Rckstnde, zumeist wrige, knnen ber die Dse (h) zugefilhrt und mitverbrannt werden.
Die Abmessungen der Brennkammer und der einzelnen Reaktionsrume sind
verschieden und unabhngig davon, ob es sich um Ausfilhrungen handelt nach dem
Quer-, Parallel- oder Gegenstromprinzip. Auerdem knnen die Reaktionsrume
(A) und (B) auch ohne Abgrenzung ausgefilhrt werden.
Ein Zusatzbrennstoff fiir heizwertarme, flssige Rckstnde ist um so mehr erforderlich, je hher
- die erforderliche Reaktionstemperatur,
- der erforderliche Luftberschu und
- die Wrmeverluste
sind.
4.2.3
Verbrennung von sonstigen Abfllen
[Link]
In der Bundesrepublik Deutschland fallen pro Jahr 56 Mio. m3 kommunaler Klrschlamm mit einer Trockensubstanz von 5 % an, von denen ca. 4,5 Mio. m3/a in
267
268
r
2
3
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10
II
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r---...
"""" ..........
..",.,.,
/ V
100 200 300 XX !iOO 800 700 800 1100 1000
Heigas
Heigas
Eine gemeinsame Verbrennung von Hausmll und Klrschlamm ist aus mehreren
Grnden empfehlenswert. Einer der wichtigsten Grnde ist die sinnvolle Verwendung des Mllenergieinhaltes zur Klrschlammtrocknung, wodurch diese Wrmeenergie ganzjhrig wirtschaftlich nutzbar ist. Zur Mll- und Klrschlammverbrennung im Etagenofen ist keine Vorbehandlung ntig, ebensowenig wie bei der
gemeinsamen Verbrennung im Drehrohr.
Bei geplanten Mllverbrennungsanlagen ist oft eine Verbrennung von Klrschlmmen vorgesehen. Dabei werden zwei Wege beschritten:
1. Verbrennung der Klrschlmme in der MV A,
2. Verbrennung der Klrschlmme in einem eigenen Aggregat.
Eine Verbrennung von Klrschlmmen zusammen mit dem Restabfall ist z.B. bei
der geplanten Frther Schwel-Brennanlage vorgesehen. In dieser Anlage, mit einem geplanten Durchsatz von 100 000 Mg/a, sollen 20 % Klrschlmme mitverbrannt werden.
Eine Verbrennung von Klrschlmmen in einer separaten Wirbelschicht ist z.B.
bei der geplanten Anlage in Bblingen vorgesehen. Hier soll der Restabfall in
einer Rostfeuerung verascht werden, whrend der getrocknete Klrschlamm in
einer Wirbelschicht verbrannt wird.
I Schlamm ca. 3% TS
2Rechenglt
A Polya0381Zung
G Radlalstromwascher
B Rechengutzertdelnerer H Schlammslo
c Wlrme!auacher
Kl<alksllo
3 AltOI
E Abhitze-Kessel
F Beklroliter
SPQyaleJctrolyt
6Aktlvator
DEtagenwlrtller
JAsehesilo
K GebAudehelzung
L Obe~astkOhler
4 Lelch!OI
269
1 Wasaar (l<lAranlagenabl8ul)
e Aufberafteter KlAranlagenablauf
9Kalk
10 Zentralablauf
11 Asche-Luft-Gemisch
t2luftvOIWAnnung zur Rauchgasberhitzung
13Thermo01
270
Lager
HO-Ballen
Rul'ldbai!On
kubi:acbtw
Grnblil11en
Bfiketla
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Cobo
Mt
Pelleis
Beschickung Feuerung
Verarbeitung
oll
_l_W=;r==r= =t= ~ i[JJ
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Gru8b&llen - Unletbrandkeuel
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F~utomat.
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Feuerungsautomat - Hkbelgut
und Prelinge
[Link]
Stroh
Getreidestroh stellt mit einer jhrlichen Produktion von 23 Mio. Mg den grten
Teil der pflanzlichen Reststoffe, von denen ca. 20 % nicht sinnvoll verwertet werden knnen [4.170]. Stroh besitzt bei einer Feuchte von 20% einen unteren Heizwert von 12 bis 14 MJ!k:g. Je nach Art besteht es aus 40 bis 50 %Kohlenstoff, 5
bis 6% Wasserstoff, 36 bis 44% Sauerstoff, 0,1 bis 0,2% Schwefel und 0,3 bis
2,3% Stickstoff. Der Aschegehalt schwankt zwischen 2 und 16% [4.170].
Wegen seiner geringen Raumdichte von ungefhr 200 kg/m 3 [4.170] wre ein
grerer Transport des Strohs unwirtschaftlich, so da es nur fiir eine dezentrale
Verbrennung in Kleinanlagen in Frage kommt. Da Stroh frei von Schadstoffen ist,
sind kaum Emissionen zu erwarten, bis auf unvollstndig oxidierte Gase wie Kohlenmonoxid bei schlechtem Ausbrand. Deshalb sind einige Kessel auch mit einer
Nachbrennkammer ausgerstet. Hinzu kommen Staubemissionen. Diese lassen
sich nur durch aufwendigere Feuerungsanlagen oder Aufbereitung des Strohs zu
Briketts bzw. Pellets deutlich reduzieren.
Die Mglichkeiten der Strohfeuerung in Kleinanlagen zeigt Bild 4.89. Die
Kennwerte der verschieden aufbereiteten Brennstoffarmen von Stroh werden in
Tabelle 4.21 . dargestellt.
271
1---------j---------- -
mnlerer
Teilchendurchmesser
i Abmessungen in m
Verdichten
Groballen
HO-Ballen
Briketts
'---.--/
Pellets
6:f7
.g>V
0 = 1,5-1,8
0,001 - 0,008
0,3-0,4 X
0,4- 0,5 X
1 - 13
kg/m'
40-60
70- 120
kg/m'
80- 150
40-60
80- 120
90- 160
800- 1.600
1.000- 1.700
- f - - - - - + - - - - + - - - - - f - - - - - - f - - - - - - . ---
0 = 0,04-0,1
0 <0,04
b=1,2-1,7
0,7-1,5x
1,2-1,5x
1,2-2,9
I= 0,03-0,25
I = 0,01 - 0,05
60-90
60- 120
300-600
500
r-Sch-"tt'cd-""ich'"'tec------+---'--+-----t-----+-----+------r---'----~
Stapeldichte
Raumdichte
f--- - -
Gewicht je Einhe kg
--------+------f---8--2-5-+--30_0__4_00-+-1'-20_0__80i0:1 Verdichtungsdruck
hPa
li.~---=J
1
ou:~satz
-
Mg/h
1 -20
5- 20
\- 9 - 250
~--
60 - 90
- - - - - - - - - - - - - __ c ________
...
o~
70 - 1
-----
5- 20
+--=-
0,:~~002- O,OJ
800- 1.000
1.000
~~,-~;~ ,,_,
10-0--_1-4-0+--5-_1-5---1---5---10---j
__l__ -----
2-4
- ~-------'-----
Holz
Das in der Bundesrepublik Deutschland vorhandene Potential an Altholz wird auf
1 Mio. Mg pro Jahr geschtzt [4.173). Eine Verbrennung von Holz zur energetischen Nutzung ist nur dann sinnvoll, wenn keine andere Verwertung, die auch die
stofflichen Eigenschaften erhlt, mglich ist. Dies wren z.B. eine direkte Wiederverwertung von Althlzern oder ein Einsatz in der Spanplattenherstellung.
Holz besteht in trockenem Zustand zu etwa 50% aus Kohlenstoff, zu etwa 44%
aus Sauerstoff und ca. 6 % Wasserstoff, und enthlt 0,5 bis 2 % mineralische,
aschebildende Stoffe sowie bis zu 0,5 % organisch gebundenen Stickstoff [4.173,
4.175].
Verbrennung in Kleinanlagen
Die Verbrennung in Kleinanlagen ist bei den derzeitigen Energiepreisen nur wirtschaftlich, wenn das Holz zu geringen bzw. ohne Kosten bezogen werden kann
und nur wenig aufbereitet werden mu.
Unbehandeltes Holz enthlt keine umweltrelevanten Stoffe, die eine spezielle
Behandlung der Verbrennungsrckstnde ntig machen wrde.
Holz ist als gasreicher Festbrennstoff nur schwierig vollstndig zu verbrennen,
so da bei unzureichendem Ausbrand das Rauchgas mit unvollstndig oxidierten
Stoffen belastet ist, z.B. Kohlenmonoxid und Kohlenwasserstoffe. Die Ausbrauclqualitt wird insbesondere durch die Holzfeuchte bestimmt [4.175]. Da bei Kleinfeuerungsanlagen ein vollstndiger Ausbrand nicht immer gegeben ist und diese
Anlagen auch ber keine Rauchgasreinigung verfUgen, ist hier nur der Einsatz
bestimmter Holzsortimente zulssig.
272
Verbrennung in Grofeuerungen
Die Verbrennung in greren Anlagen gewhrleistet bei entsprechender Technik
einen vollstndigen Ausbrand und eine Minimierung der Umweltbelastung durch
eine nachgeschaltete Rauchgasreinigung. Hier ist auch der Einsatz verunreinigter
Abfallhlzer mglich.
In greren Anlagen werden hauptschlich Holzhackschnitzel eingesetzt, da
diese gut zu lagern und auch automatisiert in die Verbrennung eingebracht werden
knnen. Es gibt zwei Prinzipien der Holzverbrennung. Das Holz wird entweder
vollstndig im Brennraum verbrannt, oder es wird in einer ersten Stufe vergast,
nach der dann die Holzgase verbrannt werden.
Bei der grten europischen Gewerbeabfallsortieranlage in Berlin ist eine
Verbrennung von unbehandeltem Holz in einer Wirbelschicht vorgesehen. Der
Energieinhalt des Holzes deckt den Bedarf der Sortieranlage [4.92].
Rckstnde
Durch die Rauchgasreinigung fallen neben den Aschen (1 bis 5 % der Einsatzmenge) auch Filterstube an, die entsprechend ihrem Schadstoffgehalt entsorgt werden
mssen. Da eine genaue Differenzierung nur mit groen analytischem Aufwand
mglich ist, ist hier eine strenge Einstufung zu erwarten [4.173].
4.2.4
Ent- und Vergasung von Abfllen (Pyrolyse)
Die Pyrolyse ist aus der Verfahrenstechnik bekannt. Eine Weiterentwicklung und
Anwendung auf den Rohstoff Abfall wurde durch die bei der Mllverbrennung
auftretenden Nachteile gefrdert.
Im Hinblick auf die Hausmllbehandlung wurden von der Pyrolyse u. a. folgende Vorteile erwartet [4.93]:
- unkomplizierte Verfahren, das auch bei geringen Durchstzen bis ca. 10 Mglh
kostengnstig arbeitet,
- Mglichkeit der Energie- und Rohstoffgewinnung,
- Lagerfiihigkeit der energetisch nutzbaren Produkte,
- Flexibilitt gegenber unterschiedlichen und wechselnden Abfallzusammensetzungen,
- weitgehende Vermeidung von Umweltbelastungen bzw. -beeintrchtigungen.
Mit der Abfallent- bzw. -vergasung wurde eine hnliche Zielsetzung wie bei der
Verbrennung verfolgt. Abfallstoffe werden in ihrem Volumen erheblich reduziert
und bei der Umwandlung in eine Form gebracht, in der eine Ablagerung ohne
wesentliche Beeintrchtigungen der Umgebung mglich wird.
Der Zusammenhang der thermischen Verfahren Pyrolyse, Entgasung und Verbrennung ist in Tabelle 4.22. dargestellt.
Bei der konventionellen Verbrennung spielen sich die Vorgnge der
Trocknung, Entgasung, Vergasung und Verbrennung (Ausbrand der gasfrmigen
Produkte) in einer Kammer ab. Bei der Pyrolyse knnen einige dieser Teilprozesse
in getrennten Reaktoren durchgefUhrt werden, so da die Entgasung und Vergasung zu eigenstndigen Abfallbehandlungsverfahren werden.
273
Verfahrensbezeichnung
Entgasung
Vergasung
Verbrennung
Trocknung
Trocknung
Entgasung
Entgasung
Trocknung
Entgasung
(Pyrolyse)
(Pyrolyse)
(Pyrolyse)
Vergasung
Vergasung
Verfahrensstufen
Trocknung
Stufe I
Trocknung
Stufe II
Stufe III
Stufe IV
Verbrennung
Die Entgasung (Pyrolyse) stellt die thermische Zersetzung von organischem Material unter Ausschlu eines Vergasungsmittels wie Sauerstoff, Luft, C02 , Dampf
etc. dar.
In den Temperaturbereichen zwischen 150 und 900 oc werden flchtige Stoffe
ausgetrieben, und hhere Kohlenwasserstoffverbindungen in niedere zerlegt.
Dieser Vorgang wird auch Schwelung oder trockene Destillation genannt.
Als Pyrolyseprodukte entstehen je nach den Betriebsparametern der Anlage Pyrolysegas, -koks, -l bzw. -teer. Da die Verwertung der lfraktionen durch Destillation nur bei sehr groen Mengen und entsprechendem hochwertigen Einsatzmaterial wie Kunststoffe, Altreifen, etc. wirtschaftlich durchfUhrbar ist, wird hufig
das Hauptgewicht auf eine maximale Gasausbeute gelegt. Das Pyrolysegas weist je
nach Ausgangsmaterial 12 500 bis 46 000 kJ/Nm3 auf, ist jedoch nicht frei von
kondensierbaren Bestandteilen.
Der als fester Rckstand anfallende Pyrolysekoks enthlt mehr oder weniger
Restkohlenstoff, der bei der Pyrolyse nicht in Gas umgesetzt wird. Hierdurch ist
der Wirkungsgrad dieses Verfahrens im Vergleich zur Vergasung etwas niedriger.
Die Entgasung ist insgesamt ein endothermer Proze, d.h. es mu Energie zugefUhrt werden.
274
Tabelle 4.23. Pyrolytische Zersetzung organischer Materialien in Abhngigkeit von der Temperatur [4.96, 4.97]
Temperatur,
Temperaturbereich
[oC]
Chemische Reaktion
340
380
400
400bis 600
600
>600
[Link]
Vergasung
275
0.6 kg Schwelgas
Wassergehalt 60 Gew. %
Hu= 12000 KJ I Kg
1 kg Hausmll
Wassergehalt 35 Gew.%
Hu= 9200 KJ I Kg
Bild 4.90. Beispiel fllr eine Stoff- und Energiebilanz bei der Niedertemperatur-Pyrolyse von
Hausmll [4.98]
umwandelt. Die Vergasung ist streng genommen die Weiterfilhrung des Pyrolyseprozesses, wobei der Restkohlenstoffanteil des Pyrolysekokses im Glutbett bei
Temperaturen oberhalb 800 C bei einer unterstchiometrischen Sauerstoffzufuhr
oxidiert wird.
Als Vergasungsmittel werden im allgemeinen Dampf, Kohlendioxid, Sauerstoff
oder Luft verwendet [4.95, 4.97, 4.111]. Die Vergasung ist ebenso wie die Entgasung sowohl ein eigenstndiges Verfahren als auch ein Teilproze der Verbrennung. Die bei der Vergasung entstehenden Produkte sind entsprechend der Art des
Vergasungsmittels Schwachgas, Wassergas etc.
Die notwendige Reaktionsenergie fUr den Vergasungsproze wird durch eine
Teilverbrennung des organischen Materials im Innem des Reaktors erzeugt.
C+ I I 2 0 2
~CO
(4.7)
(4.8)
(4.9)
(4.10)
Durch eine teilweise Verbrennung des Kohlenstoffes gem den Reaktionen (4.7)
und (4.8) wird das Brennstoftbett zum Glhen gebracht und reagiert mit dem gebildeten Kohlendioxid entsprechend der heterogenen Boudouard-Reaktion
C+C02
~2
CO
(4.11)
276
80
60
40
CO
20
400
600
800
1000 (
Bei hherer Temperatur im Brennstoftbett erfolgt eine strkere Kohlenmonoxidbildung. Die Verteilung CO/C02 ist in Bild 4.91. durch das BoudouardGleichgewicht dargestellt.
Analog verluft die sog. Wassergasreaktion, bei der sich durch Zugabe von
Wasserdampf zur Vergasungsluft bei niedrigen Temperaturen C02 und Wasserstoff(4.9) bzw. bei hohen Temperaturen CO und Wasserstoffbilden (4.10). Boudouard-Reaktion und Wassergasreaktion sind endotherme Reaktionen, whrend
die Oxidation des Kohlenstoffs exotherm verluft.
277
Eine sofortige Verbrennung in einer Nachbrennkammer hat sich bisher als die
wirtschaftlichste Lsung ergeben.
Im Gegensatz zur Entgasung ist das Schlackegranulat bei der Vergasung glasartig und in der Umwelt bestndig gegenber Auslaugung. Daher eignet sich das
Material zum Wege- und Straenbau sowie als abstumpfendes Streumittel im
Winterdienst
[Link]
Umweltbetrachtungen
Bei der Betrachtung der Umweltvertrglichkeit von Pyrolyseprozessen mu zwischen systemimmanenten und prozespezifischen Schadstoffen unterschieden
werden. Systemimmanente Schadstoffe resultieren aus den in den Abfllen enthaltenen Verbindungen bzw. Elementen wie Schwefel, Fluor, Chlor, Schwermetalle und Quecksilber.
Die prozespezifischen Schadstoffe sind dadurch charakterisiert, da die Entstehung erst bei der Durchfhrung der thermischen Behandlung erfolgt. Art der
Anlage und Betriebsbedingungen (Temperatur, Verweilzeit) bestimmen dabei das
Schadstoffspektrum.
Pyrolysegas
278
Gew.[%]
70
50
700
800
900
Pyrolysetemperatur
Bild 4.92. Anteil an ausgebrachten Mengen an Chlor, Schwefel und Stickstoff, bezogen auf den
Input im Hausmll [4.104]
Eine Mglichkeit zur Verminderung der organischen Schadstoffe ist die Zersetzung bereits whrend des Pyrolyseprozesses, indem die Gase im Gleichstrom
durch die heieste Zone im Reaktor geftlhrt werden (vorzugsweise bei Schachtreaktoren, z.B. Destrugas-Verfahren). Die erforderliche Temperatur zur thermischen
Zersetzung hhermolekularer Verbindungen betrgt ca. 1 000 bis 1 300 C. Durch
die Zersetzung hhermolekularer Verbindungen durch Zugabe von Luftsauerstoff
(partielle Oxidation) sinkt jedoch der Heizwert des Gases.
Der Austrag von Schwermetallen durch das Pyrolysegas (durch Anlagerung
leichtflchtiger Metalle an feine Flugaschen) ist im wesentlichen abhngig von der
Prozetemperatur. Bei Temperaturen um 500 C ist davon auszugehen, da nur
geringe Schwermetallanteile in die Gasphase bergehen.
Pyrolyseabwasser
Pyrolyseabwasser setzt sich aus der Mllfeuchte, dem Zersetzungswasser und
Verbrennungswasser, vermindert um den Teil, der bei der Wassergasreaktion
verbraucht wird, zusammen.
Das Pyrolyseabwasser verlt den Reaktor dampffrmig und fiillt nach Abkhlung des Gases als Kondensat an. Zum Pyrolyseabwasser im weiteren Sinne zhlen
neben dem Kondensat auch das Gaswaschwasser und das Khlwasser aus dem
Naaustrag der festen Rckstnde. Die Gesamtabwassermenge liegt bei ca. 0,4 bis
2m3/Mgdes Inputs [4.95].
Die organisch stark belasteten Abwsser, besonders bei der Pyrolyse von
Hausmll mit len, Teeren, Phenolen etc., machen eine chemisch-physikalische
Vorbehandlung notwendig, da die Schadstoffe in biologischen Klranlagen nur
zum Teil abgebaut werden knnen. Eine weitere Mglichkeit der Verminderung
279
von Schadstoffbelastungen im Abwasser ist die bereits erwhnte thermische Zersetzung der Schwelgase.
Das Wasser aus dem Naaustrag der festen Rckstnde kann in geringem Umfang lsliche Bestandteile (wasserlsliche Verbindungen von Calcium, Chloriden,
Sulfaten und organischen Stoffen) eluieren.
Feste Rckstnde
Pyrolysekokse aus der Niedertemperaturbehandlung weisen in der Wasserhaltekapazitt nach einem krzeren Beregnungszeitraum eine Sttigung gegenber denen
mit hheren Behandlungstemperaturen auf. Mit steigender Prozetemperatur ist
auch eine Erhhung des Speichervermgens verbunden, wodurch sich ein zeitlich
vernderter Eluatanfall ergibt. Durch Lysimeter-Versuche wurde bei Niedertemperatur-Koksen (450 C) eine Sttigung nach 45 Tagen (entspricht einem simulierten
Zeitraum von 1,5 Jahren) und bei Hochtemperatur-Koksen (1 000 C) nach 73
Tagen (entsprechend 2,5 Jahren) ermittelt [4.119].
Die Schwermetallanreicherung in den Eluaten nimmt mit zunehmender Behandlungstemperatur der Pyrolyserckstnde ab. Dies zeigt sich insbesondere bei
Metallen mit niedrigen Schmelz- bzw. Siedetemperaturen. Jedoch wird gerade
durch Pyrolyseverfahren im Niedertemperaturbereich (400 bis 500 C) und damit
mit Unterschreiten der Dampfphase der meisten Schwermetalle (auer Quecksilber) deren Einbindung in den festen Pyrolyserckstand angestrebt [4.102, 4.119].
Aufgrund des damit hheren Restkohlenstoffgehaltes (ca. 20 Gew.-%) im Pyrolysekoks und dem dadurch verbessertem adsorptiven Verhalten werden weniger
Schadstoffe eluiert [4.119].
Organische Schadstoffe
Bei der Pyrolyse von organischem Material entstehen einige hundert verschiedene
polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAH). Die Gehalte der PAH in
den festen Rckstnden waren beim Destrugas-Pyrolyseverfahren um ein Vielfaches hher als beim Kiener-Pyrolyseverfahren. Dies ist auf unterschiedliche Prozetemperaturen sowie Einflsse der unterschiedlichen Pyrolysereaktoren (senkrechter Schachtreaktor ohne Materialumwlzung beim Destrugas-Verfahren und
horizontaler Drehrohr-Reaktor beim Kiener-Verfahren) zurckzufilhren.
Dabei zeigt sich, da die PAH im Hausmll in allen Fllen bedeutend hher liegen als in den nach dem Pyrolyseproze verbleibenden festen Rckstnden, d.h.
die Pyrolyse filhrt zu einer Verminderung der PAH in der festen Phase.
PCDD und PCDF werden bei der Pyrolyse im Vergleich zur Verbrennung nur
in sehr geringen Mengen gebildet, da zur Bildung von Dioxinen Sauerstoff bentigt wird, der in einem Pyrolyseproze nur durch Input eingebracht werden kann.
4.2.5
Unter Hydrierung versteht man die Umsetzung von Stoffen, z.B. Kohle und chemische Makromolekle, mit Wasserstoff unter Druck und Temperaturerhhung
[4.86]. Unter Hydrolyse versteht man die Spaltung einer chemischen Verbindung
mit Wasser [4.87].
280
Die Mglichkeiten einer Aufbereitung kohlenstofthaltiger Abfalle durch Bachdruckhydrierung wird seit den 50er Jahren diskutiert [4.187].
Entwickelt wurde die Hochdruckhydrierung Ende der 20er Jahre mit dem Ziel,
aus Kohle Benzin zu gewinnen. In Bottrop entstand 1981 eine Kohlelanlage.
Diese Anlage arbeitet nach dem modifizierten Bergius-Pier-Verfahren (VCCVerfahren, d.h. VEBA-Combi-Crakking) zur Verflssigung von Steinkohle. Neben
Kohle lassen sich ebenso Destillationsrckstnde aus der Erdlverarbeitung und
auch Reststoffe wie u.a. Altl, PCB-haltige Altle, Lsemittel, lsungsmittelbelastete Aktivkohle, Lackschlmme sowie Altkunststoffe einsetzen [4.32, 4.33,
4.38, 4.39].
Die Hydrierung wird bei Temperaturen von 440 bis 480 C, unter einem Druck
von ca. 300 bar und bei Anwesenheit von Wasserstoff durchgefiihrt. Hierbei werden die Makromolekle der Einsatzstoffe in kleinere Molekle zerlegt und mit
Wasserstoff abgesttigt. So werden z.B. Polyolefme, Polyamide, aliphatische Polymethane bevorzugt zu gasfrmigen und flssigen Kohlenwasserstoffen umgewandelt. Die Hydrierprodukte werden als Rohstoffe der Erdlraffmation zugefiihrt.
Die in den Einsatzstoffen vorhandenen Heteroatome wie Sauerstoff, Stickstoff,
Chlor und Schwefel werden abgespalten und fallen als Wasser, Ammoniak, Salzsure und Schwefelwasserstoff an. Gemischte Kunststoffe, die im Rahmen des
Dualen Systems gesammelt wurden, wurden bereits mit Erfolg in der Bottroper
Anlage eingesetzt.
In einer geplanten Vorlseanlage, soll bei Einsatz von Kunststoffen bereits eine
Depolymerisation stattfinden. Hierbei werden die Altkunststoffe bei einer Temperatur von ca. 400 oc aufgeschmolzen und gelst. Unter diesen Bedingungen setzt
zum Teil schon eine Spaltung der Makromolekle ein. Als Anmaischl wird Vakuumrckstandsl aus der Erdlverarbeitung eingesetzt. Der im Vakuumrckstandsl augemaischte Kunststoff wird mit Additoren und Wasserstoff ber
Hochdruckpumpen bzw. Kompressen in den Hydrierreaktor gefrdert. In einem
Heiabscheider wird das Produkt aus der ersten Hydrierstufe (Sumpfphasenhydrierung) in eine gasfrmige und eine Fest-Flssig-Phase getrennt (Bild 4.93.).
Die Fest-Flssig-Phase wird in einer Vakuumdestillation aufgearbeitet. Das gewonnene Vakuumgasl wird in den Proze zurckgefiihrt und der Destillationsrckstand in der Kokerei als Bindemittel der Kokskohle zugemischt
Die Gasphase aus der Sumpfphasenhydrierung wird einer zweiten Hydrierung
(Gasphasenhydrierung) unterzogen. Nach einem Kaltabscheider und der Wsche
wird der Wasserstoff in den Proze zurckgeleitet Salzsure wird als Calciumchlorid bzw. Natriumchlorid mit dem Rckstand ausgetragen. Die Kohlenwasserstoffe und der Schwefelwasserstoffwerden an die Raffmerie abgegeben.
Bei der Hydrierung von Altkunststoffen entsteht nach der Abspaltung des organisch gebundenen Chlors eine Palette von Produkten, die im wesentlichen im Bereich des Benzins sieden und damit ein Vorprodukt fiir die Synthese von Kunststoffen darstellen.
Von den Verfahren Pyrolyse, Vergasung und Hydrierung erfordert die Hydrierung die hchsten Investitionen. Dies ist auf die Anwendung der Hochdrucktechnik zurckzufiihren. Gleichzeitig liefert die Hydrierung das beste Endprodukt -
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Neutralisationsmittel
Industrielle Reststoffe
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Wasser
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Wasserstoff
281
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Vakuum-[
Destillation
1stabilisierung
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Abwasser
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HydrierbHumen
(incl. Natriumchlorid
Rohl
282
4.2.6
Trocknungsverfahren
Die grte Bedeutung haben die Trocknungsverfahren bei der SchlammtrockDung
erlangt. Fr die Verfahrensauswahl ist von Bedeutung, ob der Schlamm stark geruchsbehaftet ist oder sich, wie manche Papierschlmme, nahezu geruchsneutral
verhlt. Bei geruchsbehafteten Schlmmen empfiehlt sich die Verwendung eines
indirekten Trocknungsprozesses, wie z.B. die Wirbelschicht mit Brdenkreislauf.
Hier kann das verdampfte Wasser kondensiert werden, und das Fluidisierungsmedium (berhitzter Wasserdampf) wird im Prozekreislauf gefiihrt. Geruchsbelstigungen sind somit weitestgehend ausgeschlossen.
Bild 4.95. zeigt die indirekte Trocknung im Brdenkreislauf [4.147]. Nicht geruchsbelastete Schlmme knnen auch konvektiv im offenen System z.B. unter
ausschlielicher oder zustzlicher Verwendung heier Rauchgase getrocknet werden. Die dabei anfallenden Abgase sind trocken oder na zu reinigen. Die
Trocknung im konvektiven offenen System zeigt Bild 4.96.
Bei der Konvektionstrocknung stehen die Trocknungsmedien, Rauchgase, berhitzter Wasserdampf oder Brden, Luft, direkt mit dem Schlamm in Berhrung
und nehmen das aus dem Schlamm verdampfenden Wasser in sich auf. Bei geschlossenen Systemen, welche mit erhitzten Brden arbeiten, werden in einem
Khler die berschubrden kondensiert (Bild 4.95.). Bei offenen Systemen verlassenen die noch heien Rauchgase zusammen mit dem Wasserdampf den Trockner. Bei der Kontakttrocknung wird die Trocknungsenergie indirekt an das Trokkengut zugefiihrt. Zwischen dem Schlamm und dem Heizmedium befindet sich
eine Wand, welche den Schlamm und das Heizmedium, meistens Wasserdampf
mit einigen HPa berdruck, voneinander trennt. Durch mechanische Einrichtungen wird der Schlamm in intensivem Kontakt mit der beheizten Wand gehalten,
.
~
Wasserdampf
zur
Kondensation
r- ,.
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Wrmetrgervorlauf
.....
WrmetrgerrOcklauf
283
{>
Trockenprodukt
C:::.
L.................. J
Feuchtprodukt
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i
Wasserdampf
zur Kondensation
Trockenprodukt
heie Rauchgase
__________ .......................
l.
~----
wobei das Wasser im feuchten Schlamm verdampft. Das Prinzip der Schlammtrocknung ist in Bild 4.97. dargestellt.
Der Wrmebedarf filr die Schlammtrocknung setzt sich zusammen aus der Verdampfungsenthalpie von 2,26 MJ/kg (bezogen auf verdampftes Wasser) und der
Enthalpiedifferenz zur Erwrmung des Schlammes von z.B. 30 auf 100 C. Die
Verdampfungswrme macht dabei den grten Anteil aus und ist abhngig von
dem tatschlich verdampften WasseranteiL Die Wrmeverluste hngen vom jeweiligen Verfahren ab.
Der linke Teil von Bild 4.98. zeigt den Energieflu filr herkmmliche Konvektionstrockner. Die Verluste werden vor allem durch den latenten Brdenverlust
und durch den Verlust der filhlbaren Wrme im Rauchgas bestimmt. Das mittlere
284
KC.V[KT ICNSTROCKNUNG
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KONT AKTTROCKNUNG
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Energiequelle
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400
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Dampfholzung
Fossile Befeuerung
Kcnvekticns~
Trommelln>cl<nw
Dampf-Wirt>elsdlidiHrod<ner
RaJcng.
Trac_...,
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Teilbild zeigt den Energieflu in einem Kontakttrockner, der mit Schleppluft und
Brdenabgabe arbeitet. Der Abgasverlust ist gegenber dem Konvektionstrockner
vermindert. Die Wrmeverluste treten bei Kontakttrocknem im wesentlichen beim
Kessel auf. Der Wirkungsgrad liegt bei ca. 65 bis 80 %. Der spezifische Energieverbrauch (Brennstoff* Heizwert* verdampftes Wasser) liegt bei ca. 3,1 MJ/kg.
Das rechte Teilbild zeigt den Energieflu filr einen Dampf-WirbelschichtTrockner, bei dem ca. 83 % der durch den Heizdampf eingebrachten Wrmemenge
durch die Brdenkondensation als Heiwasser mit ca. 90 C wieder zurckgenommen werden. Der Wirkungsgrad von Wirbelschichttrocknem liegt bei 75 bis
ber 80 %. Fr die Trocknung werden ca. 3 MJ/kg thermische Energie pro Kilogramm Wasserverdampfung bentigt, whrend beim Konvektionstrockner hierfilr
4 MJ/kg thermische Energie aufzuwenden sind [4.186].
Trocknungsverfahren fr Kllirschlamm
Die thermische Trocknung von Klrschlamm ist lediglich als weitergehende Klrschlammbehandlung zu verstehen.
285
Kontakttrockner
Bei diesem Trockner wird die erforderliche Wrme ber beheizte Flchen auf den
Schlamm bertragen, wobei das Trockengut hufig umgeschichtet werden mu.
Die Erwrmung der Heiflchen erfolgt durch Dampf, Heiwasser oder Thermol.
286
Med\lnil.c:tle
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[Link]
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Trocbnsc:[Link]
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287
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RCIIIOftlmtntt
TROCKlN5Ck~AI"II"I
Zone A: Der Schlamm ist noch fliefhig, breiartig und lt sich auf der beheizten
Wand verstreichen.
Zone B: Der Schlamm wird teigig, viskos und die Rotorelemente brechen die
feuchte Schicht in Einzelteile auf.
Zone C: Der Schlamm wird oberflchentrocken, krmelig, und die Rotorelemente
sorgen durch Umwlzen ftir einen intensiven Kontakt mit der Heizwand.
Die Aufenthaltszeit des Schlammes im Apparat betrgt einige Minuten und kann
durch spezielle Einbauten wie Stauringe, tbrdernde oder bremsende Rotorelemente
den spezifischen Schlammeigenschaften angepat werden.
Die spezifische Verdampferleistung ist vergleichsweise hoch und kann bei gnstigen Verhltnissen bis zu 100 kg/hm2 erreichen [4.188].
Die Nachtrocknung (in der zweiten Stufe) auf hchste Trockenstoffgehalte erfolgt in einem Langzeittrockner. Den Aufbau und die Funktionsweise des Tauchscheibentrockners zeigt das Bild 4.10 1.
Der dargestellte ROV ACTOR besteht aus einem trogfOrmigen Mantel und einem mit Schaufeln bestckten Rotor. Der Mantel, der Rotor und die Schaufeln
sind mit Sattdampf beheizt, und der Apparat wird mit ca. 50 % Fllung betrieben
[4.188]. Die Verweilzeit betrgt 30 Minuten bis zu einer Stunde, und es werden
problemlos Trockenstoffgehalte von ber 90% erreicht. Die Verdampferleistung
betrgt, je nach Schlammart, bis zu 15 kgl(hm2 ).
Wirbelschichttrockner
Das Verfahren der Wirbelschichttrocknung kann je nach Schlammherkunft und der
geforderten Endproduktspezifikation modifiziert werden. Neben der eher sekundren Unterscheidung von Roh- und Faulschlmmen ist insbesondere im Hinblick
auf die Wahl derFrder-und Strukturiereinrichtung zwischen leicht pumpfhigen
und nicht pumpfhigen Schlmmen zu unterscheiden. Im ersten Fall wird zur
Strukturierung eine Trockengutrckfhrung bentigt.
Einen groen Einflu auf die Wahl der Verfahrensvariante haben auch die gewnschte Restfeuchte und die Produktform. Beim Wirbelschichttrocknungs-
288
Proclul<l E<!ltftl
Helt/K(tlmiltol EINritt
DlthdtllthiOtvung
Produkt Ausirin
Rovactor-Tauchscheibe
KONDENSATION
ODER
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~~CHvERBRENNUNG
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<ooc..
90 -96Y. TS
'oiAERMETRAEGERVORLAUF
__J
verfahren ist es problemlos mglich, den Klrschlamm in einer Stufe auf bis zu
98 % TS zu trocknen.
Restfeuchten zwischen 50 und 90 % werden durch Feuchteeinstellung im Mischer vor bzw. nach der Trocknung erreicht. Es lassen sich verschiedene Verfahrensvarianten durchfilhren:
Herstellung von Klrschlammstaub,
- Herstellung von Feuchtgranulat (Teiltrocknung),
Herstellung von Trockengranulat ohne Granulat-Rckfilhrung,
289
Schlammentwsserung
Brennkammer
290
*'Ir
Produlrtaintrog
Produktaustrag
O l~
Beim Seilers-Koppers-Trockner besteht die Trommel aus 3 konzentrisch ineinanderliegenden Zylindern, die der Schlamm nacheinander durchlaufen mu (s. Bild
4.104.).
Schwebetrockner
Bei der Trocknung im Fliebett verdampft das im Schlamm enthaltene Wasser in
einem Strom senkrecht aufsteigender Heigase. Wrmetrger knnen Rauchgase
oder berhitzter Wasserdampf sein. Die Trennung von Heigas und Abgas (Brden) sowie Trockengut erfolgt im Zyklon. Das Aufgabegut mu auf ca. 25 bis 30
% TS vorentwssert werden. Bei manchen Verfahren mu dem Schlamm getrocknetes Material zugemischt werden, um ein Verkleben zu vermeiden.
Die Zerkleinerung des Schlammes und Vermischung mit den Rauchgasen erfolgen beim Raymond-Verfahren in einer Kfigmhle, beim Mahltrockner in einer
Geblseschlgermhle.
Beim HF-Verfahren (BF: Bergbau-Forschung) zur Klrschlammtrocknung und
-Verbrennung (Bild 4.1 05.) wird der Schlamm in breiiger und fliefiihiger Konsistenz mittels Exzenterschneckenpumpen in die Sandwirbelschicht des Trockners
gefrdert. In dieser Wirbelschicht wird der Schlamm zerkleinert, dispers verteilt
und bei Temperaturen von 150 C getrocknet.
Die dabei entstehende pulverfrmige Trockensubstanz wird mit dem Abgas aus
dem Wirbelschichttrockner ausgetragen und in einer nachgeschalteten Feststoffabscheidung vom Abgas getrennt. Die Trockensubstanz kann alternativ in einem
Feststoffbrenner als Brennstoff eingesetzt oder einer externen Verwertung zugefiihrt werden. Das bei der Feststoffverbrennung entstehende Rauchgas wird mit
rckgefiihrtem Abgas aus dem Wirbelschichttrockner (bis zu 80 %) vermischt und
dient im Trockner als Wirbelgas und Wrmetrger. Vor Eintritt in den Wirbeltrockner erfolgt die Ascheabtrennung [4.182].
291
Etagentrockner
Etagentrockner wurden in den vergangeneo Jahren in Deutschland mit Etagenfen
zur Verbrennung des Klrschlammes kombiniert [4.183]. Einen solchen Etagenofen zeigt Bild 4.1 06.
Der Etagenofen besteht aus einem senkrechten Zylinder mit horizontal angeordneten Zwischenbden, die wechselweise am Innen- und Auenrand Durchfallffnungen fiir den Klrschlamm besitzen. Der Schlamm wird in den verschiedenen
Etagen von Krhlarmen transportiert, die ber eine gemeinsame Welle angetrieben
werden. Rauchgase und Schlmme bewegen sich im Gleichstrom von oben nach
unten.
Bandtrockner
Fr kleinere Mengen Klrschlamm eignen sich Bandtrockner. Dieses Verfahren ist
als Monoverfahren konzipiert, d.h. der Schlamm durchluft die Anlage in einem
Arbeitsgang und wird nicht in Produktstrmen aufgeteilt (z.B. Rckmischen, um
den Schlamm mit Trockengut aufzukonzentrieren). Es entfiillt dadurch eine Vielzahl von Maschinen wie Frderaggregate, Mischer, Siebe, Staubfilter usw. Das
Trocknungsprinzip zeigt das Bild 4.107.
Vorentwsserter Klrschlamm wird als lockeres Haufwerk auf dem perforierten
Band abgelegt und vom Heigas durchstrmt.
Beim SEV AR-Trocknungsverfahren werden die anfallenden Schlmme zu einer
wrstchenfrmigen Struktur verformt und auf das Trocknerband gelegt. Whrend
des Trocknungsvorganges kommt es zum Schrumpfungsproze und aufgrund der
292
lllllllllllllllll
1 Trocknelt)and
21..uftfhrung
3 Formpresse
4 Haufwerk (Produkt)
5Abwurf
Schl8mmaulgabe
Trocknerbauweise
in Standardelementen
gern . Baukastensystem
( Se~enansich!)
(Draufslcht)
293
Die Trocknung luft bei Temperaturen von 80 bis 150 C ab und kann direkt mit
geringer, aber auch ohne Abluft betrieben werden. Die Luftfiihrung erfolgt innerhalb des Systems automatisch. Das Bild 4.1 08. zeigt den Trocknerautbau.
294
[Link]
Sonstige Trocknungsanlagen
Ein einfacher und robuster Trockner wird schon seit langem filr die Schlammtrocknung und Trocknung sonstiger Abtalle (z.B. Holz, Rinde, Stroh) eingesetzt.
Hauptbestandteil ist eine schwach nach dem Ausfallgehuse hin geneigte Stahltrommel. Sie rotiert langsam um ihre Achse und lagert dabei durch fest in der
Trommel eingebaute Vorrichtungen das zu trocknende Gut um. Verweilzeit und
Trocknungszeit knnen durch eine verstellbare Stauvorrichtung reguliert werden
[4.183]. Rauchgase und Brden werden durch einen Ventilator abgesaugt und
behandelt.
4.3
Biologische Verfahren
Die biologische Abfallbehandlung beruht auf dem Abbau von organischer Substanz durch verschiedene Mikroorganismen. Der Abbau erfolgt bei den Kompostierungsverfahren unter Luftzufuhr, beim Biogasverfahren unter Luftabschlu und
ftlhrt zu einer Reduktion der ursprnglichen organischen Stoffe.
Die Zielsetzung der biologischen Verfahren kann einerseits als Verwertungs-,
andererseits als Entsorgungsverfahren ausgerichtet sein. Getrennt erfate organische Abfiille stellen ein verwertungsflihiges Potential dar, das in Kompostierungsund Vergrungsanlagen oder in kombinierten Konzepten stofflich genutzt werden
kann. Zum Zwecke der Entsorgung des Restmlls nach einer Wertstoffabschpfung sind die biologischen Verfahren ebenfalls in der Lage, alternativ zu den Verbrennungsanlagen eine sogenannte "Kalte lnertisierung" des zu deponierenden
Restmlls durchzufUhren. In der 1993 in Kraft getretenen TA Siedlungsabfall wird
eine Untersuchung ber die Eignung der biologisch mechanischen Aufbereitung
gefordert.
295
4.3.1
Kompostierungsverfahren
Die Kompostierung gehrt wie die Deponierung und Verbrennung zu den klassischen Verfahren der Abfallbehandlung. Es ist eine kologisch sinnvolle Behandlungsmethode, da der organische Anteil im Abfall, der rund 40 Gew.-% des Hausmlls betrgt, wieder in den natrlichen Kreislauf zurckgefiihrt wird. Verglichen
mit anderen Abfallbehandlungsmethoden fiihrt die Kompostierung nur zu geringen
Umweltbelastungen.
In der Bundesrepublik Deutschland befmden sich im Dezember 1998 558 Kampostwerke fiir organische Abflle (Bio- und Grnabflle) aus getrennter Sammlung
in Betrieb, die jhrlich ungefhr 6, 7 Mio Mg durchsetzen knnen.
Neben der Kompostierung von Siedlungsabfllen in Kompostanlagen werden
pflanzliche und andere organische Abflille dezentral in der Landwirtschaft, in
Grtnereien oder im eigenen Garten kompostiert. Allerdings kann die dezentrale
Kompostierung, vor allem in stdtisch geprgten Gebieten, kein Ersatz fiir die
abfalltechnische Behandlung in Kompostwerken sein. Sie bietet sich vorwiegend
in lndlich strukturierten Gebieten an.
[Link]
Grundlagen der Kompostierung
Stoffliche Bedingungen
Abflle, die einer Kompostierung zugefUhrt werden sollen, mssen berwiegend
organisch zusammengesetzt und hinsichtlich ihres Schadstoffgehaltes nur sehr
gering belastet sein. Die wichtigsten eingesetzten Abfallstoffe sind:
- Bioabflle (getrennt gesammelte Kchen- und Gartenabflle),
- Garten- und Parkabflle,
- hausmllhnliche Gewerbeabflille, Kchenabflle,
- organische Rckstnde der Nahrungs- und Genumittelindustrie,
- Klrschlamm.
Der Anteil dieser Stoffgruppen am Gesamtabfall der Bundesrepublik Deutschland
betrgt 50 bis 60 Gew.-%.
296
Abbaubarkeit
Kohlenwasserstoffe
Kohlenhydrate
praktisch nicht
Spuren
Zucker, Strke
sehr gut
II
Hemicellulose
sehr gut
63
Cellulose
Lignin
gut
19
schwer
gut
Mucine
sehr gut
Keratine
sehr schwer
Verfahrenstechnische Bedingungen
Wassergehalt
Die Mikroorganismen nehmen Nhrstoffe in molekular gelster Form ber eine
semipermeable Membran auf, weshalb im Rohkompost ein Wassergehalt von 55%
eingestellt werden sollte. Unterhalb von 20 % Feuchte sind keine biologischen
Vorgnge mehr mglich. Der Wassergehalt im Hausmll betrgt 20 bis 40%, so
da Feuchtigkeit zugegeben werden mu. Es bietet sich dazu eine Klrschlammbeimengung an.
297
-----T---1
Intensive
Phase
Stobllfsferun sphose
Abkhl hose
Plateauphose
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I
J:
a.
'l __~.~---'-------'----'-----1~
6
9
8
Rollezeit in Wochen
Luftporenvolumen
Das Luftporenvolumen sollte im Bereich 25 bis 35 % [4.160] liegen. Luftporenvolumen und Wassergehalt stehen damit zueinander in Konkurrenz.
Sauerstoffbedarf
Der Sauerstoftbedarf bei der aeroben Rotte betrgt etwa 2 g 0 2/goTS (=2 I Luftig
Frischmaterial) [4.160]. Im Verlauf der Rotte nimmt der Abbau an organischer
Substanz pro Zeiteinheit und damit auch die Atmungsaktivitt ab. Der hchste
Sauerstoffverbrauch ist im Temperaturbereich von 60 C zu erwarten.
Belftung
Bei geschlossenen Rottezellen und belfteten Mieten erfolgt die Belftung mittels
Druck- und Saugsystemen. Dabei erweist sich auf den begrenzten Raum eine differenzierte Luftsteuerung als vorteilhaft, um die Negativwirkung mglicher Luftdurchbrche zu vermeiden. In unbelfteten Systemen erfolgt eine Sauerstoffversorung durch Diffusion und Thermik bzw. durch Umsetzen der Mieten. Die Eindringtiefe durch Diffusion betrgt etwa 70 cm, weshalb unbelftete Mieten nicht
zu hoch aufgeschttet werden sollten. Bei der Belftung sollte mehr Sauerstoff, als
theoretisch bentigt wird, der Miete zugefiihrt werden, damit der aerobe Abbau
sichergestellt ist. Eine Unterversorgung mit Sauerstoff kann zu Faul- und Grungsprozessen und dadurch zu Geruchsstoftbildung fiihren. Eine Beurteilungsmglichkeit der Rottevorgnge bietet der Respirationsquotient RQ [4.169], der das
Verhltnis von C0 2 zu 0 2 in der Rottezuluft und -abluft angibt und somit Rckschlsse auf die Qualitt der Sauerstoffversorgung zult.
Aktive Oberflche
Fr eine erfolgreiche Rotte ist eine mglichst groe aktive Oberflche des Kompostrohstoffes ntig, weshalb dieser vor der Rotte entsprechend zerkleinert werden
mu [4.141].
298
Abbauphase
Umbaup~ase
299
Aufbauphase
Die bei der Rotte freiwerdende Energie ist fr den Rotteproze selbst erforderlich,
so da keine energetische Nutzung der Wrmeenergie mglich ist.
300
Emissionen
Die Beeintrchtigung der Umwelt durch Kompostierungsanlagen ist gegenber
anderen Mllbeseitigungsanlagen gering. Die flssigen Reststoffe aus Kompostanlagen sind das aus dem Rottegut austretende Sickerwasser und das stark
verunreinigte Niederschlagswasser. Der Sickerwasseranfall ist weitaus geringer als
bei verdichteten Deponien. Er ist charakterisiert durch organische Belastungen und
hohe Salzgehalte und mu entweder in einer Nachklrung behandelt oder in den
Rotteproze zurckgeftlhrt werden.
Staubemissionen treten bei allen Kompostierungsverfahren auf. Durch Absaugung und Entstaubung der Bunker- und Hallenluft sowie staubfreie Mietenumsetzverfahren ist es grundstzlich immer mglich, die Emissionen sehr gering zu halten
[4.174]. Besondere Beachtung bei der Errichtung von Kompostierungsanlagen
verdient die Belstigung durch Geruchsstoffe (Osmogene), die zum Teil aus der
Anlieferung der Ausgangsmaterialien stammen, zum Teil von den Umsetzungsprodukten herrhren. Man unterscheidet biogene und abiogene Geruchsstoffe:
1. Biogene Geruchsstoffe
- vermeidbare Faul- und Grungsstoffwechselprodukte (H2S, Mercaptane, Cystein),
- unvermeidbare bergangsstoffwechselprodukte (organische Suren etc.),
- rottespezifische Stoffwechselprodukte (Aldehyde, Geosmin, Limonen).
2. Abiogene Geruchsstoffe
Gerche aus der Heirotte, die von chemischen Umsetzungsprodukten herrhren.
Emissionsquellen sind der Bereich der Lagerung, der Intensivrottebereich und der
Rottebereich bei Umsetzen der Mieten.
Geruchsmessungen knnen chemisch-instrumentell mittels FID (TOCBestimmung) bzw. GC-MS (Herstellung eines Osmogramms aus den Einzelkomponenten) oder olfaktometrisch (Bestimmung von Geruchsschwellenwerten) vorgenommen werden.
Eine Geruchsbekmpfung kann mittels
- Verbrennung der Abluft (z.B. Bunkerabluft als Verbrennungsluft in MVA),
- Adsorption der Geruchsstoffe an Aktivkohle oder Absorption in flssiger Phase
mit anschlieender Oxidation, z.B. mit Ozon,
- Bodenfiltration, z.B. in einem Biofilter,
erfolgen.
Bodenfiltration
Von den genannten Mglichkeiten stellt die Bodenfiltration eine preiswerte und
wirksame Methode zur Geruchsbekmpfung dar. Beim Biofilter werden die
301
Schadstoffe an einen festen Trger (z.B. Kompost, Torf, Heidekraut oder Baumrinde) abgeschieden und durch Mikroorganismen, die in wriger Phase auf dem
Trger angesiedelt sind, abgebaut. Um die Aktivitt der Mikroorganismen auf
einem hohen Niveau zu halten, mssen die Milieuanforderungen im Filterbett
hinsichtlich Feuchtigkeit, Sauerstoffgehalt, Temperatur und pH-Wert in mglichst
engen Grenzen gehalten werden. Der Wassergehalt sollte im Bereich von 20 bis
40 % liegen, die Kontaktzeit 0,5 bis 1 min und die Filtergeschwindigkeit im Mittel
I m/min betragen. Die Filterflchenbelastung betrgt etwa 100 m31h*m2 [4.161,
4.162, 4.163].
[Link]
Bioabfallkompostierung
Die Bioabfallkompostierung hat in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Whrend 1987/88 in der Bundesrepublik (alte Bundeslnder) 430 000
Haushalte an laufende Bioabfallaktivitten angeschlossen waren, erhhte sich die
Zahl 1999 auf ca. 20 Mio. Haushalte. Derzeit sind ber 558 Kompostwerke in
Betrieb, die neben Bioabfall auch Grnabflle kompostieren.
Die kompostierbare organische Fraktion im Hausmll (Garten-, Obst-, Gemseund Speiseabtalle sowie Hygienepapier) betrgt im Jahresmittel ca. 30 Gew.-% des
gesamten Hausmllaufkommens. Im Jahresgang kann dieser Anteil ein Spitzenwert
von ca. 60 Gew.-% in den Herbstmonaten erreichen. Tendenziell gilt, da das
Bioabfallaufkommen in Stdten geringer ist als auf dem Land. Die Spannweite
kann im Einzelfall erheblich sein.
In Tabelle 4.25. sind die Vegetabilienmengen fr Mittel- und Grostdte und
Landkreise dargestellt.
Tabelle 4.25. Erfate Bioabfallmengen aus Haushalten (1992) [4.106]
Erfate Bioabfallmengen
[kg/E*a]
70-120
80-180
Aufgrund verschiedener Verordnungen (u.a. Verpackungsverodnung) in den letzten Jahren hat sich die Hausmllzusammensetzung deutlich gendert. Der nichtorganische Wertstoffanteil ging strker zurck, und fr die Organikfraktion wurde
eine relative Erhhung im verbleibenden Restabfallaufkommen festgestellt
[4.106].
In der 1993 erlassenen TA Siedlungsabfall werden die Bioabtalle als Wertstoffbestandteile im Hausmll angesehen und sind demnach zu verwerten. Alle Bundeslnder haben in ihren Landesabfallsatzungen den Anschlu der Bioabflle an
die Biotonne umgesetzt.
302
Tabelle 4.26. Schwermetallgehalte von Kompost aus der getrennten Sammlung in Gttingen
(1987); verglichen mit den Richtwerten der Bioabfallverordnung von 1998
Schwermetallgehalte
Zn
[mg/kg TS]
[mg/kg TS]
Bioabfallverordnung
1998
[mg/kg TS] [mg/kg TS]
min.
max.
Mittelwert
Kompost
Cu
95
13
Richtwerte
493
289
400
70
2,0
50
0,88
100
87
47
100
1,5
Cd
0,3
Cr
Pb
9
20
205
86
150
Ni
10
96
49
Hg
0,1
0,34
0,23
50
1,0
303
Bunker
Sichtkontrolle
Handauslese
!:. ______________
... r-----------.::
0
2 - 3% Siebreste
55-60%
Abbau
organischer Substanz
H2 0-Verlust
1 -2% Siebreste
35-40%
Fertigkompost
304
- Vorbehandlungsaggregate,
- Frdergerte.
Anlieferung
Die Transportfahrzeuge passieren bei der Einfahrt auf das Gelnde der Kompostierungsanlage eine Eingangswaage. Bei der Ausfahrt werden die Fahrzeuge erneut
verwogen und das Differenzgewicht zum eingehenden Material fiir die Bilanzierung der Anlage herangezogen. Die Verwiegung beim Verlassen des Betriebsgelndes kann entfallen, wenn es sich um betriebseigene Abfalltransportfahrzeuge
handelt.
An den Entladestellen werden die Bioabflle aus den Fahrzeugen in den Annahmebunker entleert.
Der Bunker soll sowohl Schwankungen der Liefermengen ausgleichen als auch
ber eine an die Frequenz der Anlieferung angepate, erforderliche Zahl an Entladestellen verfilgen.
Bunker werden unterschieden in:
- einfache Aufgabetrichter zur Direktbeschickung,
- Grabenbunker,
- Flachbunkersysteme,
- Tietbunker,
- kombinierte Bunkeranlagen.
Die Beschickung der Anlage bzw. der Materialtransport innerhalb der Anlage
erfolgt mit
- Frderbndern und Frdergerten,
- Frontladern,
- Krananlagen.
Es werden folgende Frdergerte verwendet:
- horizontale und ansteigende Abzugs- (Platten-) Bnder,
- Gurtbandfrderer,
- Trogkettenfrderer und in Einzelfllen auch
- Frderrinnen (filr sehr kurze Entfernungen),
- Frderschnecken (speziell filr schlammige Stoffe),
- Becherwerke (zur Senkrechtfrderung).
Krananlagen
Diese werden zumeist halbautomatisch betrieben. Als Greifer dienen in der Regel
Mehrschalen-Polypgreifer mit 3 bis6m3 Inhalt.
Zur Verhinderung von Kollisionen zwischen Mllwagen und Krangreifer gibt es
folgende Lsungsmglichkeiten:
- Verriegelung zwischen Kranbetrieb und Abkippvorgang, was allerdings nur bei
vollautomatischem Kranbetrieb mglich ist.
- Schrge Rutsche zwischen Entladekante und Bunkerkante mit dem Nachteil
eines Nutzhhenverlustes.
- Trennung zwischen Entlade- und Bunkergebude mit hydraulischem Schieber
zur Bunkerbeschickung. Dieses ist eine gute, aber teure Lsung.
305
Sichtkontrolle
Durch eine Sichtkontrolle im Annahmebereich soll erreicht werden, da grere
Mllbestandteile, die den Betriebsablauf mit hoher Wahrscheinlichkeit stren,
Einzelaggregate beschdigen und ganze Anlagenteile vorbergehend unbrauchbar
machen knnen, nicht in die Aufbereitung gelangen. Eine manuelle Sortierung von
Bioabfllen wird zwar teilweise durchgefhrt, aber vielfach wegen der gesundheitlichen Belastungen durch Keime und Gerche nicht empfohlen.
Siebung
Untersuchungen haben ergeben, da sich 98 % der Strstoffe in einer Siebfraktion
> 60 mm befinden. Gleichzeitig kann die Fraktion > 60 mm ohne weitere Zerkleinerung in die Rotte eingehen. Grundstzliche Siebtypen sind Rund- und Flachsiebe
(letztere als Schttet- oder Spannwellensiebe) mit runden, quadratischen, rechtekkigen oder rautenfrmigen Sieblchern.
Magnetscheider
Die Eliminierung der Eisenbestandteile erfolgt mit Trommelmagneten, berhandmagneten und Walzenmagneten mit elektrischem oder permanentem Magnetfeld.
Einsatz, Anordnung und Bauweise der Magnetscheider sind flexibel und knnen
optimal an die Betriebsverhltnisse angepat werden.
306
Zerkleinerung
Die Zerkleinerung dient der Vergrerung der spezifischen Oberflche der Bioabfallbestandteile. Dadurch wird das Gut fiir die mikrobielle Zersetzung aufgeschlossen und die Aufuahme von Wasser verbessert. Zur Zerkleinerung werden schnell
laufende Schlagmhlen, schnell und langsam laufende Schneidmhlen, Kugelmhlen, Drehtrommeln, Siebraspeln und Schneckenmhlen eingesetzt. Fr die
Aufbereitung der Bioabfiille zum Zweck der Kompostierung sollte durch die Zerkleinerung insbesondere eine Auffaserung des Materials erwirkt werden. Schnell
laufende Schneidmhlen werden bei der Zerkleinerung von Strauchschnitt als
Strukturmittelbeigabe bevorzugt.
Mischung
Mischaggregate zur Homogenisierung des Einsatzmaterials sind in erster Linie fiir
die Kompostierung von unsortierten Haushaltsabfllen interessant. Bei der Bioabfallkompostierung knnen diese Mischaggregate zum gleichmigen durchmischen bei der Strukturmaterialbeigabe eingesetzt werden. Es kommen Langzeitmiseher (Mischbunker, Drehtrommeln und Kugelmhlen) sowie Kurzzeitmischer
(Doppelwellen-Paddelmischer und Einwellen-Doppelschneckenmischer) zum
Einsatz. Die Herstellung eines derartigen Gemenges in Kurzzeitmischem gelingt
um so besser, je homogener die zu vermengenden Komponenten sind. Eine Vergleichmigung der Zusammensetzung kann entweder durch Vorsortierung und
Separierung oder durch Langzeitmiseher erfolgen. Drehtrommeln bringen gute
Resultate bei Aufenthaltszeiten von ca. l Stunde und Drehzahlen von 13 bis
15 U/min. Bei der Verwendung eines dynamischen Vorrottesystems wird das
Strukturmaterial der Rottetrommel beigegeben. Bei Kugelmhlen wird der Mischeffekt in der Trommel mit 10 bis 15 min Aufenthaltszeit durch die SiebrestRckftlhrung untersttzt, so da sehr gute Resultate erzielt werden knnen. Doppelwellen-Paddelmischer knnen nach entsprechender Anpassung an die zu vermengenden Komponenten mit gutem Erfolg betrieben werden. Sie sind relativ
empfmdlich gegen Feuchte- und Konsistenzschwankungen. Als optimaler Grenzwasssergehalt hat sich eine Gemischfeuchte von 55 % herausgestellt. ber die
Betriebseigenschaften von Einwellen-Doppelschneckenmischem liegen bisher
keine abschlieenden Ergebnisse vor. Der Mischeffekt in Prallmhlen ist unbefriedigend [4.159].
Die einzelnen Aggregate werden in Kapitel 5.1 erlutert.
Kompostierungstechnik
Der Kompostrohstoff wird nach einer ersten Zerkleinerung zur Vergrerung der
spezifischen Oberflche zunchst vorgerottet Anschlieend wird das Material
nachzerkleinert und gesiebt. Das entstandene Produkt, der Frischkompost, ist ein
entseuchter, noch in der Rotte befmdlicher Kompost. Dieser wird in der Regel
einer Nachrotte zugefiihrt, bei der aus dem Frischkompost nach erneuter Absiebung der Fertigkompost hervorgeht.
Die Rotte ist der Hauptproze in jeder Kompostierungsanlage. An die Rottefiihrung werden insbesondere folgende Forderungen gestellt:
- Beschleunigung des Prozesses durch Optimierung der Rottebedingungen,
- Steuerung der aeroben Prozesse,
307
1,69m2
- Emissionskontrolle [4.159].
Vorrotte
Vorrottesysteme sind unter anderem dann sinnvoll, wenn vorwiegend Frischkomposte in kurzer Zeit erzeugt werden sollen und wenn bei kritischen Standortlagen
Geruchsemissionen aus dem ersten intensiven Rotteabschnitt verhindert werden
mssen. Es werden dynamische und statische Vorrottesysteme unterschieden.
Statische Vorrottesysteme weisen hinsichtlich der Reparaturanfiilligkeit, der Kosten, der Hygienisierung und Qualitt des Kompostes sowie der Emissionsfiihrung
zahlreiche Vorzge auf, whrend dynamische Vorrottesysteme vor allem den
Vorteil der besseren Steuerbarkeil aufweisen. Dadurch knnen bestimmte Rotteabschnitte nachweislich schneller in Gang gesetzt und durchlaufen werden. Das angestrebte Ziel, in optimal gesteuerten dynamischen Rottesystemen in einem Verfahrensgang und in kurzen, nach Tagen bemessenen Rottezeiten fertige Komposte
zu gewinnen, konnte jedoch bisher von keinem der bekannten Systeme erreicht
werden [4.159].
Nachrotte
Zur Erzielung eines Fertigkompostes mu das vorkompostierte Material einer
Nachrotte unterzogen werden, die zumeist in Mieten erfolgt. Whrend frher eine
Nachrotte in Dreiecksmieten vorgenommen wurde, zeichnen sich heutzutage verwendete, trapezfrmige Wandermieten durch schnellere Rotte sowie geringeren
Platzbedarf aus. Bild 4.114. zeigt den vergleichenden Platzbedarf von Dreiecksund Trapezmieten.
Ausgehend von 11,6 m Platzbreite und einer Mietenhhe von 1,3 m ergeben
sich folgende Mietenquerschnitte: 3 Dreiecksmieten mit insgesamt 5,07 m2 Querschnittsflche; 1 Breitmiete mit insgesamt 13,26 m2 Querschnittsflche.
Dynamische Verfahren
Diese Verfahren zeichnen sich durch eine kontinuierliche Bewegung und Belftung des Materials aus. Da das Material nie zur Ruhe kommt, knnen sich keine
Pilzzellflchen ausbilden, die zu einer vollstndigen Rotte beitragen. Dynamische
308
1 Gre~erl<ran
2 Dosierbunker m~ Plattenband
3 Gum~Orderband
4 Schrott-Austrag
5 berband-Magnet
6 Lesestand mit Entstaubungsanlage
8 GummKrderband
9 Schwlngsleb
10 HammermQhle (Nachzerkfelnerung)
11 SlabrestAuatrag (zum Ofen bzw.
zur Ablagerung
12 Rohkornpost-Austrag
7 Becherwerk
1 MOllbunker mit Plattenband
8 Frderband
2 Frderband
9 Rotteturm-Hyglenlsator
3 berbandmagnet
10 Verteller
4 Detektor
11 Abzugs-Schnecke
5 Novorotor-HammermOhle
6 Vibrationstrderer
Bild 4.116. Kompostwerk Plaisir [4.158]
Schau-Mannloch und
Montagewren
309
12 Frderband
13 VIbrations-Sieb
14 Magnet-Trommel
15 Frderband fOr Siebrest
16 Austrags-Frderband
310
schlecht abgebaut. Bild 4.116. zeigt das Betriebsschema des Kompostwerkes Plaisir.
Etagenturm
Das Hauptmerkmal dieser Trme ist die Auflsung des Materials in dnne
Schichten und die damit verbundene intensive Mischung und Relativbewegung der
Stoftkomponenten. Das Material wird jeweils mit pflughnlichen Transportgerten
ber ebene Bden gefrdert und durch entsprechend angeordnete ffuungen im
freien Fall in die darunterliegende Etage abgeworfen. Die erforderliche Frischluft
wird in jeder Etage durch seitlich angebrachte Ansaugffuungen im natrlichen
Zug oder knstlich von unten nach oben geleitet. Das Material ist nach 1 bis 2
Tagen bereits entseucht und weitgehend abgebaut. Nachteil bei diesem System ist
die Verschleianflligkeit der Pflugarme. Bild 4.117. zeigt das Schema eines Etagenrotteturmes.
Statische Verfahren
Das zu kompostierende Material ist in Ruhe, und die Belftung erfolgt knstlich
oder natrlich.
Die wichtigsten statischen Verfahren sind die
- Mietenkompostierung,
- Brikollareverfahren,
- Boxen oder Containerkompostierung.
Mietenkompostierung
Dieses ist das lteste Kompostierungsverfahren. Ein Hauptproblem dieses Verfahrens ist die ausreichende Sauerstoffversorgung des Materials, die nur bei geringen
Mietenhhen gewhrleistet wird. Hher aufgesetzte Mieten werden daher in der
Regel umgesetzt oder systematisch belftet. Mietenhhen bei Umsetzverfahren
sind aufgrund der Geometrie auf 2,20 m begrenzt, whrend systematisch belftete
Mieten bis 5 m hoch aufgesetzt werden knnen. Die Mietenkompostierung erfolgt
mit zerkleinertem oder unzerkleinertem Material, wobei letzteres Verfahren verschiedene Nachteile mit sich bringt. So knnen sich beispielsweise "Luftschchte"
bilden, die zum Austrocknen der Miete beitragen.
Das Umsetzen erfolgt mit Radladern oder speziellen Umsetzgerten. Der Platzbedarf ist abhngig von Mietenform, Mietenhhe, Abfallmenge und Rottezeit
Eine Entwsserung des Kompostplatzes durch Ringgrben ist erforderlich, damit
das anfallende Sickerwasser kontrolliert erfat werden kann. Eine berdachung
der Mieten ist sinnvoll, um eine zu hohe Materialfeuchte durch Niederschlge
auszuschlieen. Auerdem wird durch diese Manahme der Sickerwasseranfall
minimiert.
Die Rottezeit bis zur Herstellung eines Fertigkompostes betrgt
- mit Umsetzen 7 bis 9 Wochen,
- ohne Umsetzen mit knstlicher Belftung 12 bis 16 Wochen,
- ohne Umsetzen ohne knstliche Belftung 20 bis 25 Wochen.
311
312
AUFBEREITUNG
BEFLLUNG UND
ID A
~I
<
ROTTEPROZESS
'""'"'I
'"""
WASSERRCKFHRUNG
VERMARKTUNG
NACHBEREITUNG
NACHROTTE I
LAGERUNG
~ ~",-~
Bild 4.118. Rotteboxenkompostierung, System "Herhot" [4.144]
Auf diese Art knnen Tafel-, Dreiecks- sowie Schichtmieten aufgesetzt werden.
Mittels vertikaler Schneckenfrswelle wird die Miete aufgelockert und kann ggf.
dabei noch befeuchtet werden. Nach Beerdigung des Rotteprozesses wird der
Trogkettenfrderer auf die Mieten gesenkt, kratzt mit den Stegen der Kette die
Mieten ab und frdert den Kompost auf ein lngst der Flche laufendes Unterflurfrderband.
Auf und Umsetzsystem" Wende/in"
Der Rohkompost wird ber zwei lngsseitig angeordnete Bnder den beiden Bdern auf der Eintragsbrcke zugefilhrt. Die Eintragsbrcke ist fahrbar angeordnet
und kann eine Tafelmiete auf eine Hhe von 3 m aufsetzen. Ein Querwagen mit
Schaufelrdern trgt das Rottegut von unten nach oben ab und befrdert es ber
ein hhenverstellbares Frderband um einige Meter nach hinten auf die neu entstehende Tafelmiete. Beim Umsetzen kann das Rottegut auf die notwendige
Feuchtigkeit eingestellt werden. Der hinterste Teil der Tafelmiete entspricht der
Endmiete, die ebenfalls durch "Wendelin" abgetragen und der nachfolgenden
Feinaufbereitung bergeben werden kann (vgl. Bild 4.119.).
zu Fenioit
~"'*"'ie
Phase 2 Umschichtung
2UIIl
I
I
Belftung_
313
Austrag_
'f
Feinaujbereitung/Konfektionierung
Der Kompost ist nach Ende der Rotteperiode biologisch umgewandelt. Je nach
Strstoffgehalt, dem Vorbehandlungsverfahren und abhngig von den angestrebten
Anwendungsgebieten kommen bei der Feinaufbereitung verschiedene Varianten
zur Anwendung.
Grundstzlich wird der Bioabfallkompost gesiebt, und es werden zwei Siebklassen und ein berkorn gewonnen. Beide Siebfraktionen werden einer Hartstoffabscheidung unterzogen und bilden nach einer Mischung den vermarktungsflihigen
Kompost. Das strukturmaterialreiche berkorn wird zumeist wieder in den Rotteproze zurckgefhrt oder entsorgt.
Weiterhin knnen zur Feinaufbereitung z.B. nachgeschaltete Metallabscheidung, Windsichtung zur Folienahtrennung und Nachzerkleinerung des berkorns
eingesetzt werden.
314
Siebtechnik
Im Hinblick auf die Gewinnung von Komposten guter Qualitt sowie eines befriedigenden Wirkungsgrades gengt eine Nachsiebung. Hierfiir werden vorwiegend
selbstreinigende Spannwellensiebe mit Vulkolan- oder Gummi-Matten oder auch
Trommelsiebe mit Brsten und Klopfeinrichtungen eingesetzt. Die Nachsiebung
von reifem Kompost setzt eine Reduzierung der Materialfeuchte am Schlu der
Rotte auf maximal 30 Gew.-% voraus. Die hufig eingesetzten gewhnlichen
Schttelsiebe sind in ihrem Wirkungsgrad und damit in ihrer Brauchbarkeit in den
blichen Ausruhrungen umstritten.
H artstoffabscheidung
Zur Eliminierung von Glas-, Steingut- und anderen Scherben mit relativ hohem
spezifischen Gewicht werden Windsiebter und Luftsetzmaschinen eingesetzt. Ballistische Separatoren haben sich auf Dauer nicht durchgesetzt. An neueren Entwicklungen wurden Zick-Zack-Windsichter, Schwebewindsiebter und Steinausleser (Setzmaschinen) eingesetzt.
F olienabscheidung
Zur Entfernung von spezifisch leichten, optisch unerwnschten Teilen zur Verbesserung der physikalischen Kompostqualitt bzw. zur Wertstoffgewinnung werden
Exhaustoren, Windsichter, Stachelwalzen, Trommelsiebe und mechanische Greifer-Werkzeuge verwendet. Die Erfahrungen ber den Einsatz dieser Aggregate bei
der Kompostaufbereitung sind aber nicht berzeugend.
Zerkleinerung
Zur Nachbearbeitung von Kompost vor der Endsiebung, besonders nach statischer
Rotte, knnen jedoch schnell laufende Mhlen verschiedener Bauart mit Erfolg
eingesetzt werden. Langsam laufende Mhlen gelten allgemein als geruscharm
und nicht explosionsanfllig.
Konfektionierung
Die Komposte werden abhngig von dem Vermarktungskonzept als Massenware
verladen oder auf dem Gelnde in Scken konfektioniert. Durch die Beigabe von
unbelastetem Erdaushub knnen definierte Pflanzsubstrate hergestellt werden.
315
In physikalischer Hinsicht soll der Kompost ansprechend, d.h. frei von optisch
wahrnehmbaren Kunststoff-, Hartstoff- und insbesondere Glasteilchen sein, die
auch zu Verletzungen fhren knnten.
In chemischer Hinsicht sollen pflanzenschdigende Wirkungen des Kompostes
ebenso ausgeschlossen sein, wie nachteilige Einflsse auf die Konsumenten des
Erntegutes. Da der Chemismus des Kompostes durch verfahrenstechnische Manahmen nur indirekt oder gar nicht beeinflut werden kann, ist diese Forderung
nur durch Auswahl geeigneter Rohstoffe zu erfllen.
In biologischer Hinsicht sind fr die Anwendung des Kompostes die Entseuchung und der Rottegrad von Bedeutung.
In Abhngigkeit vom Rottegrad werden wiederum verschiedene Kompostarten
unterschieden:
Frischkompost
Durch Schnellrotte entseuchter, aber nicht bis zur Wurzelvertrglichkeit verrotteter, durch Siebung von grberen Bestandteilen befreiter Rohkompost Frischkomposte haben einen hohen Gehalt an organischer Substanz, sind jedoch wegen
der enthaltenen abbauenden Organismen noch wurzelschdlich. Durch unsachgeme Lagerung, Weiterverarbeitung oder Vernssung kann es aufgrund von
Sauerstoffinangel zu Faulprozessen kommen. Fr den Frischkompost wird ein Verhltnis des Kohlenstoffs zum Stickstoff in dem Rottematerial von 25 bis 30 zu 1
gefordert. Dieses C/N-Verhltnis ist ein Ma fr den Reifegrad des Kompostes. Je
kleiner die VerhltDiszahl durch das Entweichen des gasfrmigen oxidierten Kohlenstoffs wird, desto grer ist der Rotte- oder Kompostreifungsgrad. Frischkompost entspricht gem dem Merkblatt M 10 der Lnderarbeitsgemeinschaft
Abfall (LAGA) einem Rottegrad von II bis III.
Fertig- oder Reifkompost
Aus Frischkompost durch Nachrotte bis zur Wurzelvertrglichkeit gewonnener
Kompost. Das C/N-Verhltnis sollte deutlich kleiner als 25/1 bis 30/1 sein (etwa
15/1), Fertigkompost sollte dem Rottegrad IV bis V entsprechen [4.165].
Neben den oben genannten Qualittsanforderungen sollte guter Kompost gengend organische Substanz und pflanzenverfgbare Haupt- und Spurennhrstoffe
enthalten.
Mit zunehmender Kompostreife nimmt auch die Humifizierung des Kompostes
zu. Neben der chemischen und physikalischen Wirksamkeit entfaltet sich damit
also auch eine biologische Wirksamkeit. Ein qualitativ hochwertiger, funktionsfhiger Reifkompost kann nicht innerhalb weniger Tage entstehen, sondern bentigt
selbst mit modernster Technik mindestens eines Zeitraumes von 4 Wochen. Als
realistischer Zeitraum fr die Dauer der Kompostierung vom Ausgangsmaterial
zum Fertigkompost mssen 8 bis 12 Wochen veranschlagt werden.
Derzeit existieren in der Bundesrepublik keine Grenzwerte fr organische
Schadstoffe in Komposten. Bei Bio- und Grnfallkomposten wurde festgestellt,
da die Gehalte fr polychlorierte Biphenyle (PCB), polycyclische aromatische
Kohlenwasserstoffe (PAK), polychlorierte Dibenzodioxine (PCDD) und Dibenzofurane (PCDF) signifikant unter den Werten der Komposte aus Gesamtmll liegen.
Von den chlorierten Pestiziden darf im Landbau nur noch Hexachlorbenzol einge-
316
setzt werden. Alle Stoffe sind jedoch ubiquitr vorhanden und belasten weiterhin
die Umwelt.
Grundstzlich sind deshalb aus Grnden der Schadstoffreduzierung die getrennte Erfassung von Bio- und Grnabfiillen zu betreiben. Nach bisherigem
Kenntnisstand sind die ermittelten PCDD/F-Gehalte in Bio- und Grnabfallkomposten als gering einzustufen. Es besteht jedoch generell noch ein erheblicher
Forschungsbedarf, um die Zusammenhnge in den bertragungsketten BodenPflanze-Tier-Mensch aufzuklren.
Zustzlich existieren auch Grenzwerte fr Schwermetallkonzentrationen in
landwirtschaftlich verwertbaren Klrschlmmen, welche in der Klrschlammverordnung festgelegt sind [4.154].
Die Tabelle 4.27. gibt Orientierungsdaten fiir Schwermetallgehalte in Kulturbden und Kompost nach dem Einsatz gem der Bioabfallverordnung an.
Tabelle 4.27. Gesamtgehalte einiger Elemente in Kulturbden [4.165, 4.153] und im Kompost
[4.151] nach der Bioabfallverordnung
Schwermetall
Kompostaufbringung
[mg/kgTS]
Ton
Wald
Lehm
Sand
Kulturboden
Blei
100
70
40
100
Cadmium
1,5
1,0
0,4
2,5
Quecksilber
1,0
0,5
0,1
2,5
200
60
150
40
60
20
500
100
6
750
150
Zink
Kupfer
200
Nickel
70
50
15
25
50
Chrom
100
60
30
200
300
317
Namllkornpost
Ges. Mllkornpost
Pb
77,64
78,6
60,8
449
Cd
0,78
0,74
0,70
2,6
513
5,5
Cr
33,73
31,7
27,04
72
71,4
Cu
43,24
58,2
32,67
228
274
Ni
19,13
16,1
17,53
30
44,9
Zn
232,82
273,8
167,82
Hg
0,33
0,37
0,27
850
1,04
1.570
2,4
63,10
705
596
Richtwert
BGK
83,07
116,2
150
Cd
0,84
0,96
0,72
4,08
6,39
1,5
Cr
35,83
39,8
28,44
113,0
82,9
100
Cu
46,76
76,2
34,52
357,8
318
100
Ni
20,48
21,4
18,56
47,1
52,1
Zn
249,10
350,3
176,92
1334
1823
50
400
Hg
0,38
0,54
0,28
1,63
2,79
1,0
Bundesgtegemeinschaft Kompost
318
werden durch das Ausgangsmaterial und durch Auswaschungen bestimmt. Kompostmaterial, welches whrend der Rotte unter Dach gelagert wird, weist hhere
Salzgehalte auf als solches, dessen Rotteprozesse im Freien ablaufen, da durch
Niederschlge strkere Auswaschungen hervorgerufen werden.
Von der erzielten Kompostqualitt hngt schlielich direkt die Vermarktungsmglichkeit ab.
Anwendung und Absatzmglichkeiten fr Komposte
Eine breite Palette von Anwendungsmglichkeiten fr Komposte wird im Merkblatt M 10 der LAGA (Qualittskriterien und Anwendungsempfehlungen fr
Komposte aus Mll und Mll/Klrschlamm) katalogisiert [4.138].
Kompost kann im grtnerischen Gemsebau, in der Landwirtschaft zur Erzeugung von Feldfrchten und Futtergrsem, im Obst- und Weinbau, in Baumschulen
und zur Wiederbegrnung von dland eingesetzt werden. Die Verwendung des
Kompostes auerhalb des Ackerbaus hat hauptschlich betriebswirtschaftliche
Grnde. So wird Kompost z.B. im Weinbau zur Erosionsbekmpfung eingesetzt
(vgl. Tabelle 4.29.).
Tabelle 4.29. Anwendungsgebiete der abgesetzten Bio- und Pflanzenkomposte [4.101]
Anwendung
Biokompost
Pflanzenkompost
[%]
[%]
30
Erwerbsgartenbau
10
13
12
29
Straenbaumter
Landschaftsbau
1
29
Weinbau
Landwirtschaft
Technische Anwendungen
7
13
I
10
2
5
Deponieabdeckung
25
Verkaufschancen hat Kompost heute vor allem fr Monokulturen wie Wein, Obst,
Hopfen u.a., und die Hauptabnehmer sind Grtnereien, Baumschulen, Friedhfe
und Gartengestalter. Ein groer Teil des Kompostes wird heute auch noch zur
Landschaftsgestaltung, im Straenbau sowie zur Rekultivierung von Deponien
verwandt.
Der Weinbau gehrt zu den klassischen Absatzgebieten fr Komposte. In der
Vergangenheit konnten hier auch minderwertige Komposte in groen Mengen
eingesetzt werden. Demzufolge drfte es in Zukunft fr Gebietskrperschaften in
Weinbaugebieten keine Schwierigkeiten bereiten, qualitativ hochwertige Komposte zur Erhhung des Humusgehaltes zu vermarkten. Als Anwendungsempfehlung
fr Biokomposte im Weinbau gilt eine Aufbringungsmenge von 3 bis 6 kg/m3 alle
drei Jahre bei bestehenden Anlagen und fr Neuanlagen 5 bis I 0 kg/m3
319
Das derzeit grte genutzte Potential filr den Kompostabsatz bietet der Gartenund Landschaftsbau. Dennoch wird heute im Gartenbau anstelle das traditionellen
Kompostes in groen Umfang Torf eingesetzt. Torf ist jedoch ein ungeeigneter
Ersatz filr Kompost. Die Bodenverbesserungseigenschaften des Kompostes sind
weit grer. Torf enthlt kaum Haupt- und Spurennhrstoffe und trgt zudem zur
Versuerung des Bodens bei. Auerdem gehen die Torfvorrte Europas zur Neige,
und der Torfabbau zerstrt grundstzlich immer mehr wertvolle und erhaltenswerte Biotope. So leistet die Kompostierung einen zustzlichen wichtigen Beitrag
zum Natur- und Artenschutz.
Als Manahme einer geordneten landwirtschaftlichen Kompostverwertung
schreibt die Bioabfall- und Kompostverordnung vor, da nicht mehr als 20 Mg
TS/ha innerhalb von 3 Jahren aufgebracht werden drfen. In Ausnahmefiillen ist
eine Aufbringungsmenge von 30 Mg TS/ha innerhalb von 3 Jahren mglich.
Die beim Verkauf des Biokompostes erzielten Erlse weisen groe Schwankungen auf. Der mittlere Erls filr Reifekompost liegt durchschnittlich zwischen
20 bis 30 DM/m3 , wobei sich mit hochwertigen Sonderchargen wesentlich hhere
Preise erzielen lassen.
Wird der Energieaufwand verglichen, der erforderlich ist, um mit technischen
Hilfsmitteln zu erreichen, was auf natrliche Weise der Kompost an biologischer,
chemischer und physikalischer Bodenverbesserung leistet, ist der Komposteinsatz
mit erheblicher Arbeits- und Energieersparnis zu bewerten. Zahlenmige Abschtzungen liegen z.B. filr die Energieersparnis durch Kunstdngereinsatz vor.
Hierfilr wird ein Energiesparwert von 1,2 GJ/Mg Kompost genannt [4.150].
Um Vermarktungsengpssen, insbesondere bei flchendeckender Biomllsammlung entgegenzuwirken, ist es dringend geboten, rechtzeitig ein Marketingkonzept zu entwickeln. Empfehlenswert hierbei sind absatzfrdernde Manahmen
wie Werbung, Beratung und regelmige Qualittsnachweise, um das Produkt auf
dem Markt zu etablieren.
Die Kompostierung zur Rckgewinnung von Nhrstoffen aus Siedlungsabfllen
kann dazu beitragen, den Humusgehalt der Bden wieder anzuheben und die Bodenstruktur nachhaltig zu verbessern. Probleme beim Absatz haben ihre Ursache in
unzureichenden Produkten, wie z.B.
- der Frischkompost wegen der Gefahr der biologischen Aktivitt,
- Komposte mit sichtbaren Anteilen an Fremdkrpern wie Glas oder
Kunststoff,
- solche mit zu hohem Schwermetallgehalt filr Garten- und Landbau.
Bei geeigneter Technik ist es mglich, einen qualitativ hochwertigen Kompost zu
erzeugen. Ein Kompost aus biologischen Abfiillen, filr dessen staatlich berwachte
und mit Prf- und Gtesiegel besttigte Qualitt der Kufer eine Garantie erhlt,
wirdjederzeit als Bodenverbesserungsmittel Absatz finden [4.174].
320
[Link]
Rotte von festen Abfallstoffen
Rohschlamm
321
Org. Zuschlagstoffe
(Sgemehl, Rinde, Papier u.a.)
~---
----------~K~o~m~po~&~ie~ru~ng~i=m~e=rnw~s~se~rt=e~n~M=ilie~u~-- [
Whrend bei der Flssigkompostierung sowohl die Hygienisierung als auch die
Stabilisierung nach ca. 5 Tagen theoretischer Verweilzeit im Bioreaktor erreicht
sind, mssen bei der Klrschlamm-Kompostierung im festen Aggregatzustand fr
die Schnellrotte ca. 14 Tage und fr die Nachrotte ca. 4 bis 8 Wochen angesetzt
werden. Dieser Sachverhalt liegt in erster Linie darin begrndet, da die Flssigkompostierung in volldurchmischten Reaktoren durchgefiihrt wird und somit
ideale Bedingungen fr die Materialanimpfung und den Stofftransport der biochemischen Reaktionsvorgnge vorliegen. Einschrnkungen fr die generell anzustrebende Art der Klrschlammbeseitigung im Landbau oder in der Landwirtschaft
sind in erster Linie durch eventuell im Rohschlamm enthaltene Schadstoffe (insbesondere Schwermetalle) oder durch nicht ausreichend verfgbare bzw. zu weit
entfernte Ausbringungsflchen gegeben [4.157].
Biologische Restabfallbehandlung
Die TA Siedlungsabfall (1993) fordert eine weitgehende Wertstoffentnahme und
eine ordnungsgeme Entsorgung des verbleibenden Restmlls. Es darf nach
Magabe der TA Siedlungsabfall nur noch behandelter Restmll deponiert werden. Als wesentlich beschrnkendes Kriterium fr eine Zuordnung von Restabfllen zur Deponieklasse II (Siedlungsabfalldeponie) sind die Werte des Anhangs B
322
mageblich. Es wird ein Glhverlust von 5 % der Trockensubstanz als Zuordnungswert vorgeschrieben. Erreicht werden kann dieser Zuordnungswert nach den
ersten Untersuchungen nur durch die Restabfallbehandlung mit Hilfe moderner
thermischer Verfahren.
Die TA Siedlungsabfall verweist dennoch auf die biologisch-mechanische Aufbereitung (BMA) der Restabfitlle. 1995 wurde geprft, ob die festgelegten Anforderungen den praktischen Mglichkeiten entsprechen und inwieweit Abweichungen zulssig sind. Dabei kam die Bundesregierung sowie die Mehrheit der Landesregierungen zu dem Schlu, da nur thermische Verfahren dazu in der Lage sind,
die Schutzziele der TA Siedlungsabfall zu erfiillen [4.202].
Trotz eindeutiger Stellungnahme der Bundesregierung bevorzugen einige Gebietskrperschaften mit Untersttzung ihrer Landesregierungen den Bau und Betrieb mechanisch-biologischer Restabfallbehandlungsanlagen [4.203], [4.204].
Grundstzlicher Aufbau einer mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlage
Mechanisch-biologische Abfallbehandlungsanlagen bestehen aus einer mechanischen Vorbehandlung einer biologischen Hauptbehandlung und evtl. einer mechanischen Nachbehandlung.
Mechanische Vorbehandlung
Mit der mechanischen Vorbehandlung sollen optimale Bedingungen fUr die nachfolgende biologische Behandlung eingestellt werden. Dies soll durch Abtrennen
bzw. Ausschleusen von Stoffen erreicht werden, die eine biologische Abfallbehandlung erschweren (z.B. Sonderabfitlle), bzw. biologisch nicht (z. B. Glas, Steine) oder nur schwer abbaubar sind (z.B. Kunststoffe) oder die ein Wertstoffpotential darstellen (z.B. Fe-Metalle). Die Ausschleusung/Abtrennung von Teilstrmen
sollte aus Grnden des Arbeitsschutzes immer automatisch durchgefhrt werden.
Manuelle Softierungen sind bei Hausmll bzw. Bioabfall auf Grund der erheblichen Gesundheitsgefahren fUr das Personal zu vermeiden [4.201]. Nach der Abtrennung o.g. Stoffe sollte der Abfall so homogenisiert werden, da eine biologische Behandlung effektiv durchgefhrt werden kann.
Allen neueren Anlagenplanungen ist gemeinsam, da vor oder nach der biologischen Behandlung eine heizwertreiche Leichtfraktion (bestehend aus Kunststoffen, Papier, Textilien etc.) abzutrennen ist. Die Leichtfraktion soll energetisch
verwertet oder thermisch beseitigt werden.
Biologische Behandlung
Fr die biologische Behandlung knnen aerobe (Rotte) und anaerobe (Vergrungsfermentation) Verfahren eingesetzt werden. Fr die Rotte liegen mehr Erfahrungen
als fUr die Vergrung vor.
Endrotteverfahren
Alle bisher gebauten Rotteanlagen arbeiten nach dem Prinzip der Endrotte. Durch
die Rotte sollen die biologisch abbaubarer Inhaltsstoffe weitgehend in C02, Wasser und huminsurehaltige Substanzen umgewandelt werden. Die Gasbildung und
das Sickerwasseraufkommen des Rotteprodukts ist gegenber unbehandeltem
Abfall deutlich reduziert. Das bedeutet, alle Abbaureaktionen, die bei unbehan-
323
deltem Abfall im Deponiekrper ablaufen, werden durch die biologische Behandlung beschleunigt und laufen unter kontrollierten Bedingungen ab.
Zu Beginn der Rotte (Intensivrotte; Dauer: Ibis 4 Wochen) fmdet der grte
Teil der biochemischen Abbauvorgnge statt. Dabei entstehen, neben C0 2, Wasser
und huminsurehaltigen Substanzen eine Vielzahl weiterer gasfrmiger Abbauprodukte, die geruchsintensiv und/oder schadstoffhaltig sind. Daher sollte die Intensivrotte eingehaust und die entstehende Abluft behandelt werden. Die folgende Phase der Nachrotte (Dauer: 4 bis 12 Monate) zeichnet sich durch eine deutliche Verringerung der biochemischen Aktivitten aus und dient der Stabilisierung des Materials. Durch den gegenber der Intensivrotte verringerten biochemischen Aktivitt ist eine Einhausung des Nachrottebereiches in der Regel nicht erforderlich.
Biologische Trocknung/Stabilisierung
Da durch die Rotte der Energiegehalt des Abfalls nicht genutzt wird, wurden Biologisch-Mechanische-Stabilisierungsverfahren als Vorbehandlungsstufe vor thermischen Verfahren mit energetischer Nutzung entwickelt (vgl. mit Kapitel 3.2.2).
Gegenber den Rotteverfahren ist vor allem der biologische Anlagenteil verndert,
da bei den konzipierten Stabilisierungsverfahren ein biochemischer Abbau der
Organik in C02 und Wasser vermieden werden soll. Statt dessen soll der Heizwert
des Abfalls durch biologische Trocknung angehoben werden. Zum anderen wird
ein lagerfiihiger, biologisch nicht aktiver Brennstoff erhalten. Zum Dritten werden
durch die Wasserabtrennung die zu verbrennenden Mllmengen reduziert.
Schlielich knnen- vor oder nach der biologischen Trocknung (=Stabilisierung)
- die heizwertreichen und wahrscheinlich schadstoffarmen Leichtstoffe abgetrennt
und zu BRAM verarbeitet werden, der in der Industrie als Ersatzbrennstoff eingesetzt werden kann.
Vergrung
Bei der anaeroben Prozefiihrung (Vergrung) fmden die biologischen Abbauvorgnge in der wrigen Phase unter Luftabschlu in geschlossenen Reaktoren statt.
Dem zu vergrenden Abfall mu Wasser zugefhrt werden. Bei der Vergrung
wird heizwertreiches Biogas gebildet, das energetisch genutzt werden kann.
Fr die Vergrung sind Abfiille geeignet, die gut wasserlslich und leicht biologisch abbaubar sind. Die Verweilzeiten im Grreaktor bei hohen Abbauleistungen
betragen ca. 10 bis 25 Tage. Der Grrest mu nach der biologischen Behandlung
entwssert werden. Zur Stabilisierung ist eine aerobe Nachrotte empfehlenswert.
Die nachfolgenden Bilder Bild 4.121. und Bild 4.122. geben einen berblick ber
die o.g. Elemente mechanisch-biologischer Abfallbehandlungsanlagen. In Bild
4.121. ist der Unterschied der Rotte- und Vergrungsverfahren dargestellt, in Bild
4.122. die verfahrenstechnischen Grundelemente einer mechanisch biologischen
Abfallbehandlung.
Biologische Verfahren im einzelnen:
Endrotteverfahren
Durch die Rotte werden die biologisch abbaubaren Abfiille weitgehend in C0 2,
Wasser und huminsurehaltige Substanzen umgewandelt. Man unterscheidet zwischen statischen und dynamischen (incl. quasi dynamischen) Verfahren.
324
Blclosjsche
Verglrmg
Trocknung
Restabfall
Mechanische Vorbehandlung
1-4
Wochen
4-12
Monate
Wasser
Biogas
Statische Verfahren
Die statischen Verfahren sind die technisch einfachsten Rotteverfahren. Hier wird
das Rottegut whrend der Rotte nicht umgesetzt.
Bei den Mieteverfahren ohne Umsetzen wird der (homogenisierte) Abfall zu
Dreiecks- oder Tafelmieten aufgeschichtet. Die Mietenrotte ohne Umsetzung ist
nur mit technischen Hilfsmitteln zur Belftung und Bewsserung zur Vorrotte
geeignet.
Das einfachste Belftungs/Bewsserungsverfahren ist das Kaminzugverfahren
nach Spillmann/Collins. Dieses Verfahren zeichnet sich durch quer zur Tafelmiete
verlegte, flexible und gelochte Drnagerohre aus. Der Abstand der Rohre betrgt 3
bis 4 m. In der Mitte der Tafelmiete werden die Drnagerohre kaminartig aus der
Miete herausgefhrt. Durch die biologische Selbsterhitzung des Rottegutes wird
eine Luftstrmung erzeugt, die die Sauerstoffversorgung der Miete sicherstellt.
Der Wassergehalt der Miete wird durch Beregnung konstant gehalten. Durch den
statischen Betrieb knnen bis zu 2,5 m hohe und 30 m breite Tafelmieten aufgeschichtet werden, die erst nach der 3 bis 6 monatigen Intensivrotte aufgenommen
werden mu. Die Miete wird mit Kompost abgedeckt, der Geruchs- und Schadstoffemissionen mindern soll. Die nachfolgende Skizze verdeutlicht das Kaminzugverfahren.
Produkte
325
Verfahr-tionen
Restabfall
Slllrstolfe
Leichtstoffe
(BRAM)
- (Siebung)
- (Kiassle~W~g)
- (Magnetabschelcblg)
Schwerfraktion
(Glas. Slaine)
Eisen
-- (Trockanstabllat)
--nvnel
- Rottezelle
- elngahauste Mieten
- Vargi!WigsreakiDr
Abluft
Wasser
Biogas
(bel Vwglrung)
- aushiiUSige Mieten
-- (Rotlegut)
- Zerkleinerung
::E
RotteguUSiabilat
Abluft
tt
Miete
Abdeckschicht (KofT1'0$1)
Miete
Zuluft
Untergrund
gelochte Drainagerohre
j..
max. 30m
.. I
326
Diese einfache und preiswerte Technik, die in Deutschland nur als bergangslsung zur Verlngerung von Deponielaufzeiten gelten kann, wird z. B. bei den
Anlagen in Wilhelmshaven und Meisenheim (LK Bad Kreuznach) angewendet.
Technisch sehr aufwendig ist das Biopuster Verfahren, das zur Verrottung der
Restabflle der Stadt Freiburg entwickelt wurde. Hier stand sehr wenig Platz zur
Verfgung, so da nur ein statisches Verfahren in Frage kam. Bei dem BiopusterVerfahren wird der homogenisierte Abfall zu 10 m hohen (!) Mieten aufgebaut.
Die Mieten sind mit Kunststoffplanen abgedeckt. Die Mieten werden mit 8 m
langen Lanzen mit Luft (6 bar) stoweise belftet und bewssert. Neben den Pusterlanzen werden Absauglanzen in die Mieten eingebracht, die kontinuierlich Luft
aus den Mieten absaugen. Die abgesaugte Luft wird mit einem Biofilter und Aktivkohle zur Minderung der abluftseitigen Emissionen gereinigt.
Trotz erfolgversprechender Versuche wurde die Anlagenplanung durch die
Stadt Freiburg im Februar 1995 gestoppt, da der technische Optimierungsbedarf
und die derzeitige Stranfiilligkeit des neuen Verfahrens als zu hoch eingeschtzt
wurde.
Zwischenzeitlich bereitet der Landkreis Stendal Versuche zur biologischen Behandlung von Restabfall nach dem Biopuster-Verfahren vor. Mit den Versuchen
soll gezeigt werden, da das Biopuster-Verfahren bei ausreichenden Platzverhltnissen zu einer befriedigenden, kostendeckenden biologischen Abfallbehandlung
in der Lage ist.
Eine Mietenrotte ohne Umsetzen und sonstige technische Hilfen wird nur fr
die biologisch wenig aktive Nachrotte verwendet (offene Nachrotte auf der Deponie). Zur Vorrotte wre dieses Verfahren ungeeignet, da weder Wassergehalt noch
Sauerstoffversorgung eingestellt werden knnen. Zur Nachrotte wird dieses Verfahren beispielsweise in Wilhelmshaven eingesetzt.
Rotteboxen der Fa. Herhof bestehen aus Stahlbeton und besitzen einen befahrbaren Lochboden. Sie werden chargenweise betrieben. Die Boxen werden von
unten mit Luft versorgt, die Abluft wird oberhalb des Rottegutes abgesaugt und
kann behandelt werden. Die Intensivrotte ist nach 8 bis 10 Tagen abgeschlossen.
Die Technik ist einfach und wenig stranfiillig. Allerdings setzen die Rotteboxen
eine gute mechanische Vorbehandlung voraus. Zudem neigt das Rottegut zum
Austrocknen. Die Rotteboxen der Fa. Herhof wurden bisher nur fr Bioabfall
verwendet. Im Lahn-Dill-Kreis werden seit einigen Jahren Versuche mit Restabfall
durchgefhrt. Da sich die Rotteboxen besonders zur biologischen Trocknung von
Abfall eignen, wurde bei den Versuchen auch biologisch getrockneter Abfall hergestellt.
Die Fa. ML, Ratingen bietet ein hnliches System wie die Fa. Herhof an (Rottecontainer). Der entscheidende Unterschied zu Herhof ist die automatische Befllung!Entleerung der Container. Damit knnen die Container bei groen Anlagen
mit Portalkran bereinander gestapelt werden, was den Platzbedarf der Intensivrotte deutlich verringert. Bei den Rottecontainern der ML trocknet das Material
ebenfalls relativ stark aus, so da es auch zur biologischen Trocknung geeignet
wre. 3 ML-Container werden in der Versuchsanlage des Landes Brandenburg auf
der Deponie Scharfenberg (1.200 Mg!a) zur Restabfallbehandlung eingesetzt.
327
Dynamische Verfahren
In Tunnelreaktoren erfolgt die Rotte in geschlossenen Schubfen, in denen der
Abfall je nach Rottegrad belftet und bewssert wird. Durch die geschlossene
Bauweise knnen die Rottegase erfat und behandelt werden. Durch die intensive
Umsetzung in den Reaktoren dauert die Intensivrotte lediglich 4 Tage. Dieses
Verfahren wird bei der MBA Horm, Kreis Dren angewendet.
Rottetrommeln sind besonders zur Vorrotte geeignet. In ihnen findet eine gute
Homogenisierung und ein guter mechanischer Aufschlu des Abfalles statt. Allerdings sind Trommeln auf Grund der sich bewegenden Teile verschleianfllig und
sollten daher nur fiir relativ kurze Vorrotten verwendet werden (z. B. wie in der
Anlage in Quarzbichl).
Mieten-Verfahren mit Umsetzen (quasi dynamisch) hneln den statischen Mietenverfahren. Entscheidender Unterschied ist, da die Mieten zur Belftung und
Befeuchtung regelmig umgesetzt werden. Beim Umsetzen der Mieten kommt es
whrend der ersten Rottewochen zu erheblichen Geruchs- und Schadstoffemissionen. Daher sollte zur Beherrschung der Abluftproblematik der Intensivrottebereich
immer eingehaust sein. Die Abluft sollte mit Biofiltern und evtl. mit Aktivkohlen
gereinigt werden. Fa. Bhler bietet eine druckbelftete Dreiecksmietenkompostierung mit automatischer Umsetzung an. Die Rottedauer betrgt je nach gewnschtem Rottegrad zwischen 4 und 20 Wochen, wobei die Mieten wchentlich mit
einem mobilen Umschichtgert umgesetzt werden. Die Mieten sind 4,5 m breit und
ca. 2 m hoch und befinden sich in einer belfteten Halle. Die Anlagentechnik wird
bei den Anlagen in Schaffhausen und Bassum angewendet.
Fa. Noell bietet ein Verfahren an, bei dem 3m hohe Mieten alle 7 Tage automatisch umgesetzt werden (automatische Wandermiete). Das Umsetzen geschieht
ber Brckenkrne. Dabei wird das Rottegut befeuchtet. Die Intensivrotte ist je
nach gewnschtem Rottegrad in 6 bis 20 Wochen abgeschlossen. Als Beispiel
kann die technisch sehr aufwendige MBA Lneburg genannt werden.
Stabilisierungsverfahren
Durch eine biologische Trocknung soll der Heizwert des Abfall durch biologische
Trocknung angehoben werden. Der weitgehende Abbau der enthaltenen Organik
soll vermieden werden. Zur biologischen Trocknung von Abfall sind besonders
geschlossene Boxen oder Container geeignet. Die meisten Erfahrungen kann die
Fa. Herhof aufweisen, die schon seit einigen Jahren Versuche an Rotteboxen im
Lahn-Dill-Kreis durchfUhrt. Der Abfall mu vor seiner Aufgabe in die Rotteboxen
gut homogenisiert und zerkleinert sein. Vor der Homogenisierung ist die Zugabe
von Klrschlamm (bis zu 20% Klrschlamm mit 35% TS) mglich. Die Trocknung dauert 7 bis l 0 Tage. Darauf wird der Abfall aus den Boxen oder Containern
entnommen und nachgesiebt Dabei wird ein hochkalorischer und ein mittelkalorischer Brennstoff erhalten. Eine Biostabilisierungsanlage mit einem geplanten
Durchsatz von 86.000 t/a wird seit 1997 in Alar, Hessen betrieben.
Der Abfall erhitzt sich durch Abbau der leicht abbaubaren Abfallbestandteile selber. Dies fhrt
zu einer Trocknung auf Wassergehalte < 15 %. Bei Wassergehalten von < 15% endet der
biologische Abbau nahezu vollstndig. Damit liegt ein stabiler, lagerfiihiger Brennstoff vor.
328
Hausmll
I
I
I
I
I
I
I
I
--------.I
I Mis0er
I
I
I
I
I
~----~
_____ ...JI
"-----.---=------' (Rotteboxen)
hoch kalorischer
Abfall
(BRAM)
mittelkalorischer
Abfall
Inbetriebnahme
Durchsatz
[1.000 t/a]
1997
1997
1996
1996
1993
112
86
61
30
185
1952b
30
1995
1993
29
70
1975
1995
1994
80
40
60
1976
70
Wilhelmshaven, Stadt
Wilhelmshaven, NIE
Stemburg, Stadt Oldenburg, NIE
Kirchberg, LK Rhein Hunsrck, RP
Bemerkung
mit Vergrung
biologische Trocknung
mit Homogenisierungstrommel
329
4.3.2
Anaerobe Verfahren
Biogasanlagen waren ursprnglich nur in der Landwirtschaft zur Behandlung tierischer Exkremente, zur anaeroben Schlammstabilisierung in kommunalen Klranlagen und in der Reinigung organisch hoch belasteter Abwsser verbreitet. Die
organische Fraktion des Hausmlls wurde, wenn biologisch, dann ausschlielich
aerob behandelt, also kompostiert. Nachdem es in der Abwasserreinigung durch
Entwicklung leistungsflihiger Reaktoren Anfang der achtziger Jahre Fortschritte
gegeben hatte, begann die Entwicklung von Biogasanlagen filr feste und schlammartige organische Abfallstoffe. Im Vergleich zur Kompostierung wurden von der
Fermentation ein geringerer Platzbedarf, keine Geruchsemissionen, eine Energiegewinnung und flexiblere Anwendungsmglichkeiten erwartet.
Der Erfolg bei der Einfilhrung des Biogasverfahrens hngt von der Einbeziehung in differenzierte Entsorgungskonzepte ab. Zur Zeit fallen in den westlichen
Bundeslndern etwa 10 Mio. Mg organische Produktionsabtlilie (hauptschlich in
der Nahrungsmittel- und Getrnkeindustrie) an, was mengenmig etwa der organischen Fraktion im Hausmll entspricht [4.107].
Eine Kompostierung dieser Abfiille beim Erzeuger scheidet durch die teilweise
hohen Wassergehalte und durch den groen Flchenbedarf aus. Eine Verbrennung
wrde zwar zu einer enormen Volumenreduktion, allerdings unter erheblichem
technischen und energetischen Aufwand, filhren. Die anaerobe Umsetzung vor Ort
bietet sich mit ihrem geringen Platzbedarf und der Volumenreduktion bei gleichzeitiger Energieerzeugung filr die Unternehmen als wirtschaftliche Lsung an
[4.115].
Eine Vergrung von Bioabfall aus Haushalten ist durch den mglichen Energiegewinn und die Vermeidung von Geruchsbelstigungen der Anwohner attraktiv geworden. Nach umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchungen in den 80er
Jahren ist die technische Machbarkeit der Vergrungsanlagen filr feste Abfallstoffe
hinreichend erwiesen. Verschiedene Anlagenkonzepte haben das Stadium der
Pilotanlagen bereits verlassen und arbeiten erfolgreich in grotechnischer Betriebsweise.
330
Hydrolyse
Surebildung
Fermentative
Bakterien
Acetogene
Bakterien
[Link]
Biochemische Vorgnge
Methanbakterien finden sich in der Natur berall dort, wo unter Luftabschlu
biogen-organisches Material abgebaut wird, z.B. in Smpfen und Sedimenten, aber
auch in Mgen von Wiederkuern. Sie sind obligate Anaerobier, knnen also nur
im sauerstofffreien Milieu berleben. Da ohne Sauerstoff der Energiegewinn beim
Substratabbau nur 1/7 derjenigen von aeroben Bakterien betrgt, vermehren sich
die Anaerobier mit einer entsprechend langen Generationszeit [4.116, 4.117].
In ihrem Stoffwechsel sind sie auf die Vorarbeit und Symbiose mit anderen
Bakterien angewiesen. Anband dieser Schritte wird die Methanerzeugung in drei
Phasen aufgeteilt (s. Bild 4.125.).
In der ersten Phase werden hochmolekulare Verbindungen wie Kohlenhydrate,
Fette und Eiweie in Zucker, Fettsuren und Aminosuren aufgespalten und im
Wasser gelst; diese Stufe wird als Hydrolyse bezeichnet.
In der anschlieenden Surebildung werden die Verbindungen von acidogenen
(surebildenden) Bakterien weiter zu Propion- und Buttersure, Wasserstoff und
Kohlendioxid sowie niederen Alkoholen vergoren.
Beide Bakteriengruppen leben in einer rumlichen Symbiose, da die acetogenen
Bakterien durch ihr eigenes Produkt, den Wasserstoff, gehemmt werden und somit
auf die Entgiftung des Milieus durch die Methanbakterien angewiesen sind. Aufgrund dieser Symbiose werden diese zwei Schritte der Essigsurebildung und
Methanbildung als eine dritte Phase der Methangrung zusammengefat. Da der
331
Energiegewinn fr die Methanbakterien sehr gering ist und sie sich entsprechend
langsam vermehren, begrenzt die Methanogenese die Geschwindigkeit des anaeroben Abbaus. In einer Konkurrenzreaktion bilden sulfatreduzierende Bakterien
Schwefelwasserstoff aus anorganischen wie organischen Schwefelverbindungen
und Wasserstoff [4.117].
332
Die Entwicklung der anaeroben Verfahrenstechnik entstammt traditionell der Abwasserreinigung. Bei organischem Gewerbeabfall, Na- und Bioabfall kann es in
den bekannten Reaktoren zu Ablagerungen, Verstopfungen und zur Bildung von
Sediment- und Schwimmschichten kommen.
Es zeichnen sich in der Entwicklung der Anlagen drei prinzipielle Lsungen ab:
Bei der Trockerifermentation wird das Substrat mit einem Trockensubstanzgehalt bis zu 65 % vergoren, whrend es bei der Nafermentation mit Wasser zu
einem Schlamm von ca.l 0 % Trockensubstanzgehalt angemaischt wird. Bei der
zweistufigen Nafermentation passiert der Feststoff eine Hydrolysestufe, in der ein
Groteil der organischen Substanz im Wasser gelst wird, das dann in einem herkmmlichen Anaerobreaktor aus der Abwasserreinigung behandelt wird. Bei der
Trockenfermentation werden als Vorteil ein geringer Wasserbedarfund eine hohe
Faulraumbelastung erwartet. Die Nafermentation verspricht geringere Probleme
in der Handhabung eines homogenen Schlammes, eine mgliche Abscheidung von
Schwimm- und Sinkstoffen in der Verflssigungsstufe und eine Schlammrckfhrung. Bei der zweiphasigen Nafermentation erhofft man sich hhere Leistungen durch die Mglichkeit, fiir die getrennten Phasen jeweils optimale Bedingungen zu schaffen und auf Hochleistungsreaktoren der Abwasserreinigung zurckgreifen zu knnen. Das entstehende Biogas ist mit einem greren Methananteil hherwertiger, da das berwiegend in der Hydrolyse gebildete Kohlendioxid
verworfen wird.
Trockenfermentationsverfahren
Fr die Trockenfermentation sind im wesentlichen drei Verfahren zu nennen.
333
Gazometer
Gasausleitung fair
Direktnutzung oder
Weltenerarbeitung
Zufuhr
fennentierbarer
Abfallstoffe
Ausgabe on
Anaerobkompost
fr die Veredelung
Das VALORGA-Verfahren wird seit 1988 in einer Anlage in Arniens (F) eingesetzt. Die Anlage verarbeitet 55 000 Mgla einer Feinfraktion aus der vorhergehenden Abfallaufbereitung [4.113].
In der Aufbereitung wird die Leichtfraktion aus dem Hausmll abgeschieden
und Schrott und Schwerstoffe entnommen. Die Feinfraktion wird direkt und eine
Grobfraktion nach einer Zerkleinerung in den Fermenter gepumpt. Die grbaren
Abflle werden mit Prozewasser auf einen Trockensubstanzgehalt von 30 bis
35% eingestellt. Whrend einer Verweilzeit von ca. 3 Wochen bei rnesophilen
Bedingungen wird der Reaktorinhalt durch Einpressen von Biogas in Bewegung
gehalten. Nach Verlassen des Reaktors wird das Substrat entwssert, die Feststoffe
werden gesiebt, zerkleinert und nachkornpostiert (Bild 4.126.).
In einer Anlage in Tilburg (NL) werden von 1994 an ca. 40 000 Mgla Bioabflle aus der getrennten Sammlung gerneinsam mit ca. 6 000 Mgla Papier der Vergrung unterzogen [4.128].
Das DRANCO-Verjahren unterscheidet sich vorn VALORGA-Verfahren kaum.
Bei 55 oc werden Bioabflle und nicht recyclingfhiges Papier fermentiert. Die
Verweilzeit betrgt ca. 3 Wochen, die Grreste werden ca. 10 Tage nachkompostiert (Bild 4.127.).
Seit 1992 ist in Brecht (B) eine Anlage zur Vergrung von 10 500 Mgla Bioabtallen errichtet. Seit Ende 1997 wird in der Stadt Wels (A) eine Anlage zur Behandlung von ca. 20 000 Mgla Bioabfall mit landwirtschaftlichen Abtallen in der
Co-Vergrung betrieben [4.112].
Das KOMPOGAS-Verfahren ist erstmals 1992 in Rrnlang (CH) grotechnisch
umgesetzt worden. Hier werden ca. 5 000 Mgla Bioabtalle fermentiert. Die Bioabflle passieren eine manuelle Strstoffentnahme und eine Zerkleinerungsstufe und
werden dann in den Bioabfallzwischenbunker befrdert. Dieser dient sowohl
334
der Pufferung der Bioabfiille als auch der selbstndigen Vorwrmung aufgrund
aerober Prozesse.
Das Material mit einem Trockensubstanzgehalt von 30 % wird nach Passieren
eines Wrmetauschers durch eine Feststoffpumpe dem Fermenter zugefiihrt. Der
Fermenter ist als horizontaler Pfropfenstromreaktor konstruiert und mit einem
langsamlaufenden Rhrwerk fr den Transport und die Ausgasung der Materialien
ausgestattet. Nach einer Verweilzeit von 15 bis 20 Tagen bei thermophiler Betriebstemperatur wird das Grgut aus dem Reaktor abgezogen und ber eine Feststoffpumpe zur Schneckenpresse gefOrdert und entwssert.
Das entwsserte Material gelangt in den Nachrottebunker. Dort wird das Material in aerober Umgebung durch Feststoffrdereinrichtungen 5 bis 10 Tage stndig
in Bewegung gehalten, bevor es aus dem Proze ausgetragen wird.
Seit 1993 ist eine weitere Anlage mit einer Kapazitt von 10 000 Mg/a Bioabfall in Bachen-Mllach bei Zrich in Betrieb.
Einstufige Nafermentation
Die Behandlung fester Abfallstoffe in einer wsserigen Lsung mit bis zu 15 % TS
mit Hilfe einer einstufigen Vergrung wird derzeit von verschiedenen Herstellern
angegangen.
Im SOLIDIGEST-Verfahren in Bellaria (I) werden 84 Mg/d einer Feinfraktion
aus der Hausmllaufbereitung in die Faultrme der kommunalen Abwasserbehandlung mit eingebracht. Ein von der BTA (Biotechnische Abfallverwertung
GmbH) und MAT (Mll und Abfalltechnik GmbH) projektierter Aufbereitungsproze bereitet 5 000 Mg/a Bioabfiille der Stadt Baden-Baden auf und gibt die
leicht lsliche Suspension den Faulbehltern der kommunalen Abwasserbehandlung bei. Die Anlage wurde 1993 offiziell in Betrieb genommen.
335
organischer
NamOll
Inertstoffe
TS: 40-50%
Schwimmstoffe
....,.t-----_
Sinkstoffe
TS: ca.13%
_J
Gasnutzung
Frischwasser
TS: ca. 38%
Abwasser
ca. 0,64 m3 /t
org. Namoll
Bild 4.128. Fliebild des Pilotprojektes der Vergrungsanlage Rottweil [4.109]
336
BIOMLL
Fe-Metalle
....------+-
.----..L.---,__~
Rechengut
Schwerstoffe I
NaOH
Schwerstoffe u
Biogas
Reststoffe
.----...L..---.,__~ Biogas
Oberschuschlamm
Abwasser
Bild 4.129. Verfahrensfliebild des BTA-Verfahrens [4.120]
tiert und der Schlamm anschlieend auf 38% TS-Gehalt entwssert und nachkompostiert.
Zweistufige Nafermentation
Anaerobe Verfahren mit einem dem Methanreaktor vorangestellten Hydrolysereaktor werden als zweistufige Verfahren bezeichnet. Durch die Vorbehandlung in einem Hydrolysebehlter werden die schwer abbaubaren Inhaltsstoffe
im Substrat durch hydrolysierende und versuernde Mikroorganismen so vorbereitet, da die Verweilzeit in der Methanstufe verkrzt werden kann. Zweistufige
Anlagen fUhren in der Regel zu einer hheren Methankonzentration im Biogas und
337
BiomilU Feuchtmasse
Rechengut 8 %
Schwerstoffe 1 %
Biogas 15 %
Bild 4.130. Stofffludiagramm bei der Vergrung von Biomll mit dem BTA-Verfahren [4.120]
338
Gas
Lf
i
l
!
organische
Siedlungsabflle
- . -.
-. - . - . -... .- -
0.
. . .
::::::::::::::::::::::::::::::::
...............
.............. .....
................
0. 0
Kompost Rohmaterial
Zerkleinerung
Hydrolyse - Stufe
Puffer
Methan - Stufe
viertgige Perkolation wird ein groer Teil der organischen Masse im Prozewasser gelst und in den Methanreaktor geleitet. Die im Hydrolysebehlter verbleibenden Feststoffe werden entleert und kompostiert [4.117, 4.118].
[Link]
Endprodukte
Biogas
Der Ertrag an Biogas und seine Qualitt sind stark von den eingesetzten Substraten
und der Anlagenauslegung abhngig. Die derzeit erzielten Ausbeuten liegen in der
Grenordnung zwischen 100 bis 200 Nm3 pro Mg Bioabfall [4.114]. Die Zusammensetzung des Biogases variiert nach den eingehenden Substraten und der
Ein- bzw. Mehrstufigkeit des Fermentierungsprozesses (Tabelle 4.31.).
Tabelle 4.31. Zusammensetzung von Biogasen
Inhaltsstoff
[Vol.-%]
Methan (CH4)
40-75
Kohlendioxid (C02)
25-60
Stickstoff (N02)
0-7
Sauerstoff (02)
0-2
Wasserstoff (H2)
0-1
Schwefelwasserstoff (H2S)
0-1
339
Bei Einsatz bestimmter Abflle knnen dazu noch Spuren von Halogenkohlenwasserstoffen kommen.
Gasaufbereitung
Je nach Verwertungsart und Methangehalt mu das Gas gereinigt und evtl. im
Methangehalt angereichert werden. Bei der Reinigung steht die Entschwefelung an
erster Stelle, da Schwefelwasserstoff ein farbloses, giftiges und tzend riechendes
Gas ist, das zu korrosivem und umweltbelastendem S02 verbrennt. Allen Entschwefelungsverfahren ist gemeinsam, da sich die Reinigungsmedien mit Sauerstoff wieder regenerieren lassen.
Bei der Entschwefelung mit Raseneisenerz wird das Raseneisenerz mit dem
Schwefelwasserstoffnach der Gleichung
(4.12)
zu Wasser und Pyrit umgesetzt. Mit Sauerstoff bildet sich wieder Raseneisenerz
und elementarer Schwefel.
Bei der Adsorption wird mit Aktivkohle als Adsorptionsmittel der adsorbierte
Schwefelwasserstoff mit Sauerstoff zu elementarem Schwefel und Wasser umgesetzt.
In der oxidativen Gaswsche wird der Schwefelwasserstoff durch eine komplexe Eisenverbindungen zu elementarem Schwefel oxidiert, der sich als Schlamm
absetzt. Die Komplexlsung wird durch Sauerstoff regeneriert.
Eine mikrobielle Oxidation des Schwefelwasserstoffs in einem Riesetfilmreaktor ist ebenfalls mglich.
Halogenkohlenwasserstoffe
Die Halogenkohlenwasserstoffe knnen in Aktivkohlefiltern weitgehend abgeschieden werden.
Methananreicherung
Eine Kohlendioxidabtrennung zur Methananreicherung ist z.B. bei einer beabsichtigen Einspeisung des Gases ins ffentliche Erdgasnetz unumgnglich. Hierzu
stehen drei Verfahren zur Verftlgung:
Beim absorptiven Verfahren, einer Wsche mit Monoethanolamin, wird neben
Kohlendioxid auch Schwefelwasserstoff abgeschieden. Es gehen Hydrogencarbonate und Hydrogensulfit in Lsung, die aus dieser durch Temperaturerhhung und
Druckerniedrigung desorbiert werden knnen.
Beim Druckwechseladsorptionsverfahren werden die unterschiedlichen Adsorptionsgeschwindigkeiten der Gase an Kohlenstoffinolekularsieben ausgenutzt.
Auf eine durch Druckaufbau verursachte Adsorption folgt eine Druckentlastung.
Bei der anschlieenden Evakuierung wird hauptschlich Kohlendioxid abgesaugt,
da es sich im Gegensatz zu Methan erst bei der Evakuierung lst.
Beim Membranverfahren erfolgt die Gasseparation nach dem unterschiedlichen
Permeationsverhalten der Gase. Die Membranen aus Celluloseacetat, Polysulfonen, Silikonen und Polycarbonaten werden allerdings durch Schwefelwasserstoff
geschdigt, so da dieser unbedingt vorher abgeschieden werden mu [4.109].
340
Verluste
rl
tt
!?
Prozewannebedarf
Prozewannebedarf
Biogasanlage
Biogasanlage
Bild 4.132. Energieflu bei einem Heizkessel und einer Kraft-Wrme-Kopplung [4.117]
Gasverwertung
Das Biogas kann verbrannt werden in
- Kesseln zur Wnneerzeugung,
- Kraft-Wnne-Kopplungsaggregaten,
- Motoren zum Fahrzeugantrieb oder
ins ffentliche Netz eingespeist werden.
Wegen des hohen Aufbereitungsaufwandes sind die beiden letztgenannten Nutzungen nur selten anzutreffen. Den hchsten Wirkungsgrad erzielt eine Verbrennung in Gasmotoren als Kraft-WnDe-Kopplung, da sowohl Wnne als auch
Strom im Verfahren genutzt werden knnen (Bild 4.132.).
341
Kompost
Die Substrateigenschaften hneln denen des aerob gewonnenen Kompostes. Es
zeigten sich die gleichen Abhngigkeiten zwischen den Schwermetallgehalten der
Produkte und der Einsatzstoffe. Die Anaerobverfahren werden deshalb in der
Bundesrepublik Deutschland hauptschlich mit Bioabfall bzw. mit unbelastetem
organischen Gewerbeabfall betrieben [4.109).
Es zeichnet sich ab, da Manahmen zur Hygienisierung, z.B. eine Nachkompostierung des Substrates, notwendig sind, da bei der mesophilen Vergrung
keine Abttung pathogener Keime stattfmdet. Die erforderlichen Nachrottezeiten
sind gegenber dem Bioabfall deutlich verkrzt.
[Link]
Emissionen
Luft
Wie bei aeroben Verfahren ist beim Einsatz organischer Substrate mit Geruchsemissionen zu rechnen. Da die Vergrung in einem abgeschlossenen Reaktor stattfmdet, treten bei Kapselung der vorgeschalteten Aufbereitungsaggregate (Pulper
o..) keine Emissionen auf. Das austretende Substrat ist ausgefault und geruchsfrei.
Da das Methan im Biogas starke Auswirkungen bei der Zerstrung der Ozonschicht bewirkt, mu es unbedingt verbrannt werden. Ein Abfackeln des ungereinigten Biogases, notwendig z.B. bei einem Ausfall der Gasaufbereitungsaggregate,
htte Schwefeldioxidemissionen zur Folge.
Abwasser
Durch das Substrat, dessen Trockenmasse in der Anlage reduziert wird, wird immer Wasser in das System eingetragen, so da auch bei einer Kreislauffiihrung von
Prozewssem mit einem Abwasseranfall zu rechnen ist. Hinzu kommt, da sich
diese aufsalzen und deshalb ausgetauscht werden mssen. Das so entstehende
Abwasser ist nur mit anorganischen Salzen und organischen Verbindungen gering
belastet, so da es der kommunalen Klranlage zugefUhrt werden kann [4.109].
4.4
4.4.1
Emulsionsspaltung
Emulsionen sind Gemische zweier oder mehrerer nicht ineinander lslicher Flssigkeiten, bei denen die eine Flssigkeit als disperse Phase in Form kleiner Trpfchen in der zweiten Flssigkeit (dem Dispersionsmittel) verteilt vorliegt.
Die relevanteste Art ist l in Wasser-Emulsionen. Bei derartigen Emulsionen
ist das l nicht mehr mit einfachen mechanischen Verfahren abtrennbar.
Der grte Teil derartiger Emulsionen stammt aus der metallverarbeitenden Industrie. Dabei wird zwischen Khl- und Schmierstoffen auf Minerallbasis (Bohrund Schleiflemulsionen), halbsynthetischen len mit geringem Minerallanteil
342
~
Chemikalien
Annahmebecken
Sonderemulsionen
45m 3
--., \\
rr ' ->:,:----.--.......,L
I<Sl
_
Emulslons-Dreikammerrj
sammelbecken
_ Q)
2X300 m
L.J.J
Stapelbehlter
3x50m 3
3x50 m'
Flockungsmittel
Mulde
NaOH
Trennmittel
Flockungsmittel ,.------1
zur Standneutralisation
y
Tl
~trommelPrecoat
Anschwemmbehlter
'1 filter
L!__j
Mulde
~~-~---------~
behandlung
Abwasserkontrolbehlter
und minerallfreien Produkten (fiir Wasch- und Reinigungsanlagen sowie Entfettungsbder) unterschieden.
Entsprechend dem Einsatzgebiet werden den Emulsionen unterschiedliche Additive wie Emulgatoren (zur Herabsetzung der Oberflchenspannung), Stabilisatoren (Glycol), Entschlmmer, Hochdruckzustze (Chlor-, Phosphor- oder Schwefelkomponenten) sowie korrosionsschtzende Substanzen (Nitrit) zugegeben. Zustzliche Verschmutzungen wie Fette, freie le, Metalle und Schlmme gelangen
bei der Fertigung in die Emulsionen. Der lgehalt der Emulsionen liegt zwischen
2 bis 5 Gew.-%. Die bei der Produktion anfallenden Abwasserarten variieren in
der chemischen Zusammensetzung je nach eingesetztem l. Jhrlich fallen in der
Bundesrepublik Deutschland schtzungsweise 2 Mio. m3 an [4.129].
Emulsionen fallen auch bei der Behandlung von l-Wasser und Schlammgemischen (z.B. aus Sandfanggruben) an. l-Wasser-Schlamm-Gemische werden in
einem Vorbehandlungsschritt durch Sedimentation oder Zentrifugation bzw. Dekantierung separiert (vgl. Bild 4.133.).
Bei dieser Trennung wird das Gemisch durch Schwerkrafteinwirkung und
eventuelle Zugabe von Fllungs- bzw. Fllungshilfsmitteln in eine leichte Phase
(konzentrierte lphase), eine schwere Phase (l-Wasserphase) und eine Schlamm-
343
phase aufgetrennt. Die konzentrierte lphase und die Schlammphase werden einer
thermischen Behandlung bzw. Verwertung zugefilhrt. Die l-Wasserphase wird
der Emulsionstrennanlage zugeleitet (s. Bild 4.133.).
[Link]
Eines der am hufigsten angewandten physikalischen Verfahren zur Emulsionstrennung beruht auf der Bindung der Emulsionsbestandteile (l) an Adsorbenzien.
Dabei werden die grobstofffreien l-Wassergemische und Emulsionen durch
Zugabe von Trennmitteln (Magnesiumsalze/Kieselgur) gespalten. Danach erfolgt
die eigentliche Trennung der Wasserphase von den lteilen. Um groe Mengen
filtern zu knnen, werden kontinuierlich arbeitende Entwsserungsapparate, wie
Membranfilter, eingesetzt [4.88]. Die Suspensionen knnen auch ber einen precoatierten (vorbeschichteten) Vakuumtrommelfilter gereinigt werden, wobei die
Kieselgur-Filterschicht ebenfalls kontinuierlich abgeschabt und der Verbrennung
zugefilhrt wird.
Auf chemischem Wege erfolgt die Emulsionsspaltung am einfachsten durch den
Zusatz von Suren. Die aufschwimmenden le und Fette werden mechanisch entfernt bzw. am berlauf des Spaltbehlters abgezogen.
Einige Emulsionen (z.B. Khlschmiermittel) sind durch Surebehandlung allein
nicht mehr trennbar. Deshalb werden Kombinationen der chemischen und physikalischen Verfahren verwendet. Bei der Spaltung mit Suren sollten Abfallsuren
genutzt werden, um eine zustzliche Aufsatzung des Abwassers zu vermeiden.
[Link]
Thermische Verfahren sollten immer dann eingesetzt werden, wenn ProzeWrme zur Verfilgung steht. Die Vorteile sind:
- kein Chemikalienzusatz,
- praktisch kein Schlamm,
- Emulgatoren, Stabilisatoren u.a. organische Zustze verbleiben meist in der lphase,
- das abgespaltene l kann in der Regel direkt verbrannt oder als Altl verwertet
werden,
- Salze (so auch Nitrit) fallen kristallin an,
- im allgemeinen entsteht kein Abwasser, da das Wasser als Dampf abgeht und
das gebildete Kondensat wieder als Brauchwasser verwendet werden kann,
- auch stabile Emulsionen knnen gespalten werden,
- der Energiebedarf ist bei mehrstufigen Vakuumverdampfern relativ gering.
Als Endprodukte bei der thermischen Emulsionstrennung fallen Altle mit einem
hohen Heizwert, Salze sowie Wasser an. Schadstoffbelastete Altle sollten einer
Sonderabfallverbrennung zugefUhrt werden.
Zur thermischen Trennung von Emulsionen kommen verschiedene Verfahren
zum Einsatz:
344
2 Heizl
Tauchbrennerverfahren
Hierbei wird die Emulsion direkt mit der Flamme bzw. den heien Verbrennungsgasen in Berhrung gebracht. Da ein direkter Wrmeaustausch stattfmdet, ist dieses Verfahren uerst wirtschaftlich. Auerdem kann das anfallende Altl mitverbrannt werden. Durch Verdampfen des Wassers konzentriert sich die Emulsion
auf, so da als Zwischenprodukt Wasser-l-Emulsionen entstehen. Bei weiterer
Verdampfung des Wassers bleibt schlielich ein Rckstand aus l, Salzen und
mechanischen Verunreinigungen (Abrieb, Metallspne etc.) zurck (s. Bild 4.134).
Umlaufverdampfer
Umlaufverdampfer werden unterschieden in Naturumlaufverdampfer und Zwangsumlaufverdampfer. Bei Naturumlaufverdampfern erfolgt die Zirkulation des Wasser-Dampf-Gemisches aufgrund physikalischer Gesetzmigkeiten. Die intensive
Umwlzung vermeidet weitgehend eine Krustenbildung und bewirkt einen guten
Wrmebergang (Bild 4.135).
Bei Zwangsumlaufverdampfern wird die Zirkulation der einzudampfenden
Flssigkeit mittels einer Pumpe untersttzt. Hierdurch knnnen die Strmungsgeschwindigkeiten unabhngig von der Temperatur des Wassers variieren und ein
Sieden (Verlustgefahr) in den Rohren weitgehend vermieden werden.
In Bild 4.136 ist das Verfahrensfliebild einer Groanlage zur thermischen
Spaltung von Emulsionen mittels Umlaufverdampfer dargestellt.
Umlauf- und Dnnschichtverdampfer werden vorwiegend dann eingesetzt,
wenn ausreichend Prozewrme zur Verfilgung steht (z.B. Turbinendampt).
Dnnschichtverdampfer
Dnnschichtverdampfer eignen sich filr stark verschmutzte oder zu Verkrustungen
neigende Flssigkeiten. Die Emulsion wird in dnnen Schichten ber indirekt
beheizte runde Verdampferkrper gefilhrt, wobei das Wasser verdampft und das
l abgeschieden wird. Die Verdampferflchen werden durch Wischerflgel eines
Rotors stndig gereinigt [4.80].
345
A: Produkt
B: Brden
D: Heizdampf
E: Kondensat
1: Verdampfer
2: Zentrifugalscheider
3: Zirkulationsrohr
4: Brdenrohr
Bild 4.135. Schematische Darstellung einer Umlaufverdampferanlage zur Spaltung von Emulsionen [4.80]
Wasserphase
7 UmlaufVerdampfer 2. Stufe
15 pH-Wert-Kontrolle
8 UmlaufVerdampfer 3. Stufe
346
4.4.2
Destillation
Die Destillation wird insbesondere zur Rckgewinnung von Lsungsmitteln eingesetzt. Das Behandlungsziel ist eine Entfernung der in den flssigen Sonderabfllen
enthaltenen Schadstoffe und damit eine Umwandlung in eine deponiefhige oder in
eine fiir den Vorfluter bzw. die Klranlage unschdliche Form. Untersuchungen
zur destillativen Aufbereitung flssiger Sonderabflle werden im Rahmen von
Forschungsvorhaben berprft. Durch Ausdampfung des Wassers kann eine Konzentrierung der festen und nichtflchtigen Bestandteile im Rckstand erreicht werden. Im Rahmen des Forschungsvorhabens "Destillative Behandlung von flssigen
Sonderabfllen" an der TU Mnchen wurde eine destillative Behandlung folgender
Abwsser untersucht:
- Sickerwasser einer Sonderabfalldeponie,
- Abwsser einer Sonderabfallbehandlungsanlage,
- einige besonders problematische flssige Sonderabflle bei verschiedenen Versuchsbedingungen.
In Laborversuchen wurden flssige Abflle, die durch eine nachemische Behandlung nur schwer oder nicht zu beseitigen waren, durch einfache, unproblematische Eindampfung gereinigt. Cyanidhaltige und komplexhaltige Sonderabflle
konnten ohne Chemikalienzusatz in einem Rotationsverdampfer durch Destillation
vollstndig im Rckstand zurckgehalten werden. Die Versuche haben gezeigt,
da insbesondere durch eine Bi-Destillation gute Ergebnisse erzielt werden knnen.
Verdampfung
Die Verdampfungsverfahren knnen zur Konzentration flssiger Abflle verwendet werden. Vorrangiges Ziel dabei ist in den meisten Fllen die Entfernung von
Wasser. Hufige Anwendungen sind die Konzentration von Salzlsungen und die
thermische Emulsionsspaltung (s. Kap. [Link]). Die Verdampfungsverfahren bieten sich zur Entfernung von Neutralsalzfrachten aus Abwssern an. Verdampfer
knnen vor allem bei Vorhandensein von Proze- bzw. Abwrme sinnvoll eingesetzt werden.
4.4.3
Neutralisation
[Link]
Neutralisation saurer oder basischer Abwsser und Schlmme
Bei einer Vielzahl industrieller Prozesse werden Salz-, Schwefel- und Salpetersure eingesetzt und fallen in verschmutzter Form an.
Bei der produzierenden Industrie sind die Kunststoff-, Farb-, Petrochemie- und
Nahrungsmittelindustrie zu nennen. Im Bereich der verarbeitenden Industrie werden Suren zur Produktion organischer und anorganischer Chloride, dem Beizen
[Link]
m3
Lauge
347
Annahmebecken
Slure
m3
Stapelbehlter
1 ~ 50 m3
Sickerwasser
von Stahl und der Alkylierung und Polymerisation von Erdlprodukten eingesetzt
[4.82].
Schwefelsure wird in der Textilindustrie, der Metallverarbeitung und in der
Erdlraffinerie fiir die Herstellung einer Vielzahl von Produkten verwendet [4.82].
Salpetersure findet Verwendung in der Dngemittelindustrie, bei der Herstellung von Schwermetallnitraten, zum tzen von Metallen und in der Sprengstoffindustrie. Bei der Produktion eines Mg konzentrierter Salpetersure entstehen ca. 80
bis90m3 surehaltiges Abwasser [4.82].
Natronlauge wird bei einer Vielzahl von Produktionsprozessen eingesetzt. Anwendungsgebiete sind die Seifenfabrikation, Chemikalienproduktion, Farb- und
Textilindustrie, Zellstoff- und Papierindustrie sowie die Filmproduktion. Natriumhydroxidhaltige Abwsser und Schlmme entstehen auerdem in Metallbeizereien
und Galvanikbetrieben der weiterverarbeitenden Industrie [4.82].
Die Lsungen und Schlmme der zu neutralisierenden Suren und Laugen sind
mit unterschiedlichen Konzentrationen an Schwermetallen kontaminiert, die stufenweise im Verlaufe der Neutralisation gefallt werden knnen (vgl. 4.137).
[Link]
Behandlungsproze sse bei der Neutralisation
348
Im Sinne einer greren Wirtschaftlichkeit knnen Altsuren, Altlaugen, Schlmme und Beizen, die keine toxischen Bestandteile enthalten, durch gegenseitige
Mischung neutralisiert werden.
Vorher sollte aber die externe Verwertbarkeit der Altsuren oder -Laugen geprft werden. Nur wenn eine Verwertung nicht mglich ist oder nicht gengend
Abfallsuren und Laugen vorhanden sind, erfolgt die Neutralisation durch Zugabe
von Natronlauge, Natriumcarbonat sowie Aufschlmmungen von Calciumhydroxid
(Kalkmilch) oder Salz-, selten mit Schwefel- oder Salpetersure.
Befmden sich Metallionen im zu behandelnden Abwasser, ist die Einstellung
des gewnschten End-pH-Wertes nicht ausreichend. Die pH-Wertfiihrung mu so
erfolgen, da unlsliche Metallhydroxide entstehen. Eine Metallfllung ist notwendig, um die gesetzlich geforderten Grenzwerte fr diese Stoffe im Abwasser
einzuhalten. Der Proze der Neutralisation verbunden mit einer Fllung wird als
Neutralisationstallung bezeichnet. Durch Zugabe von Flockungsmitteln werden
aus den Metallhydroxiden gut sedimentierbare Makroflocken gebildet und als
Neutralisationsschlamm sedimentiert.
Die Neutralisationszeit sollte im Chargenbetrieb fr Abflle mit hoher Konzentration mindestens 20 bis 30 min betragen. Abfalle, die frei von gefiihrlichen Stoffen sind, knnen bei geringen Konzentrationen im Durchlaufverfahren neutralisiert
werden. Die Behandlung des Abwassers wird mit einer Filtration ber Kiesfilter
bzw. Aktivkohle und einen Selektivionenaustauscher abgeschlossen.
Tabelle 4.32. Hydroxidfiillung der Metallionen in der Lsung in Abhngigkeit vom eingestellten
pH-Wert [4.40]
Metall-Ion
pH-Bereich
Ausfiillung
9,2
9,1
9,6
10,0
9,5
12,2
pH-Wert
fr Abbau auf 0, 1 mgll
1,5
3,3
5,0
5,7
7,0
8,4
4.4.4
Entgiftung
349
wendung. Die Annahme und Lagerung der Abflle sollte nach Inhaltsstoffen getrennt stattfmden. Eine Entgiftung darfnur im Chargenbetrieb stattfmden.
[Link]
Chromatentgiftung
pH::> 2,S
Aus dem Chromatsulfat entsteht bei der anschlieenden Neutralisation mit Natronlauge, Kalkmilch und Soda unlsliches Chromhydroxid. Dieses kann sedimentiert und ber Kammerfilterpressen abgetrennt werden. Zu beachten ist, da bei der
Entgiftung mit Sulfiten durch diese eine zustzliche Abwasserbelastung entsteht
und der CSB-Wert steigt.
II. Reduktion des Chromats mit Eisen-li-Salzen
Bei einem pH-Wert unter 2,5 stellen die Eisen-li-Salze gute Reduktionsmittel dar.
Die Reaktion verluft nur dann gengend schnell und qualitativ ab, wenn der Sureverbrauch whrend der Reaktion stndig durch Zusatz von Sure kompensiert
wird. Der Unterschied zur Reaktion mit Sulfit liegt im wesentlich hheren Verbrauch an Sure und der damit verbundenen Aufsalzung. In Bild 4.138 ist das
Beispiel einer Chromatentgiftung dargestellt.
350
45 m'
Aufnahmebehlter
(6-werllgt Chromverbindungen I
Stapelbehlter
2 50m 3
Chemiekalitnbehlter
3Sm 3
INaHS01 1
zur Schlammbehandlung
[Link]
Cyanidentgiftung
Groe Mengen cyanidhaltiger Abtlilie entstehen bei der Oberflchenbehandlung
und dem Hrten von Metallen sowie bei der Elektroplatierung.
Die chemischen Reaktionen zur Entgiftung des Cyanids in der Sonderabfallbehandlung sind am weitgehendsten untersucht. Hierfllr lassen sich zwei Grnde
nennen:
- Cyanid ist eine der giftigsten Komponenten im Abwasser,
- die Reaktionsmechanismen der Cyanidentgiftung sind sehr komplex.
Es treten bei allen Verfahren -mit Ausnahme der thermischen und Fllungsverfahren - stets mindestens zwei Einzelreaktionen auf, deren optimale Bedingungen
bezglich der Reaktionsgeschwindigkeit und des Reaktionsgleichgewichtes variabel sind. Hinzu kommen die Probleme, die sich aus der Komplexbildung des Cyanids mit den meisten Schwermetallen ergeben.
Cyanide werden in der Regel durch Oxidationsmittel in ungiftige Verbindungen
berfhrt. Die hufigste Anwendung findet z.Z. noch Natriumhypochlorid
(NaClO). Mit Natriumhypochlorid erfolgt eine Umsetzung des Cyanids in mehreren Teilreaktionen ber die Bildung von Chlorcyan und Cyanat zu Stickstoff und
Kohlendioxid. Der pH-Wert mu ber 10 liegen [4.85].
NaCN+ NaCIO
2NaOCN+ 3NaCIO+ H 20
NaOCN+ NaCl
(4.14)
(4.15)
351
Die Reaktionszeit betrgt unter gnstigen Bedingungen 30 bis 60 min, kann aber
bei komplexen Sonderabfllen bis zu mehreren Tagen andauern.
Der Nachteil dieses Verfahrens ist, da bei hheren Temperaturen bedingt
durch Konzentrationen> 1gll cN-gasfrmiges Chlorcyan entstehen kann [4.131].
Ein weiterer Nachteil ist die Aufsatzung des Abwassers [4.83].
Des weiteren ist die Gefahr der Bildung organischer Chlorverbindungen beim
Einsatz chlorierter Oxidationsmittel sehr hoch. Dies kann zu berschreitungen der
dafllr vorgeschriebenen Abwassergrenzwerte ftlhren (AOX, HKW). Von Vorteil
ist, da fllr das Verfahren mit Natriumhypochlorid langjhrige praktische Erfahrungen und bei entsprechender Me- und Regeltechnik eine sichere Reaktionsfilhrung mglich ist.
Alternativen zu diesem Verfahren sind die Cyanidoxidation mit Sauerstoff,
Sauerstoffverbindungen (z.B. Wasserstoffperoxid, Ozon) und durch anodische
Oxidation [4.131].
Die Vorteile dieser Verfahren sind die Vermeidung von zustzlicher Abwasseraufsatzung und von chlorierten organischen Verbindungen.
[Link]
Nitritentgiftung
(4.16)
Die erforderliche Reaktionszeit wird mit ca. 20 min angegeben, kann aber auch bis
zu 8 h und mehr betragen. Zur Vermeidung einer weiteren Aufsatzung wird die
Oxidation z.T. auch mit Ozon oder Wasserstoffperoxid durchgeftlhrt [4.85].
Bei der Anwesenheit von Cyanid und Nitrit mu zuerst das Cyanid bei pH 10
und dann das Nitrit bei pH 3 bis 4 mit gleichen Oxidationsmitteln entgiftet werden
[4.85].
Bei der Reduktionsmethode wird durch Anwendung von Amidosulfonsure das
Nitrit zu Stickstoff reduziert.
(4.17)
Diese Reaktion verluft am besten bei pH-Werten unter 4. Zur Umsetzung von
1 kg Natriumnitrit werden 1,5 kg Amidosulfonsure bentigt [4.85].
352
4.4.5
Wertstoffrckgewinnung
4.4.6
Das Bild 4.139 zeigt ein Grundfliebild einer Behandlungsanlage fiir flssige
Abfiille (Konzentrate) und Schlmme aus Betrieben der Oberflchenbehandlung
(z.B. Galvaniken). Dabei sollen die in den Schlmmen enthaltenen Wertstoffe
(Metalle) durch geeignete Verfahren (Elektrolyse, separate Fllung von zwei- bzw.
dreiwertigen Metallen) in eine verwertbare Form berfUhrt werden.
Die in Bild 4.139 skizzierte CP-Anlage besteht im wesentlichen aus einem Vorbehandlungs-, einem Entgiftungs-, einem Metallrckgewinnungs- sowie einem
Abwasser- und Schlammkonditionierungsbereich. Im Vorbehandlungsbereich
sollen die angelieferten Schmme mit Sure und Wasser behandelt werden, um die
enthaltenen Schwermetalle in eine wrige Lsung zu berfilhren.
Sind in der wrigen Lsung Strstoffe (meist Chromat, Cyanid oder Organika)
vorhanden, mssen diese zunchst zerstrt bzw. aus der Lsung entfernt werden.
Darauf werden zunchst die 3-wertigen Metalle selektiv ausgefiillt. Der dabei
erhaltene Schlamm enthlt im wesentlichen Eisen und Chrom und kann in einer
Mischschlamm-und
Konzentratbehandlung
Vorbehandlung
Entgiftung
Grundfliebild
0
0
Zwischenlagern
353
Metallgewinnung
Abwasserrem1gung
und$chlammkonitionierun
Lagern
Verbraucher
Fluorid-Entgiftung
strstolfhaltig
Nitrit-Entgiftung
Chromat-Entgiftung
(J)
<>
:T
iii"
3
schwefelsaures
Sonderml~
vert>rennung
Schlamm
metallarm
ausgetriebenes
N [Link] Kreislauf
strstoftfrei
metallarmer
undstrstofffreierSchlamD
Filtrat
Abwasserendreinigung
Abwasser
beladener
Ionenaustauscher
Deponie
Regeneration
Abwasserkanal
Bild 4.139. Vereinfachtes Grundfliebild einer chemisch-physikalischen Sondermllbehandlungsanlage mit Wertstoffrckgewinnung [4.134]
354
Htte verwertet werden. Die wrige Lsug enthlt hauptschlich noch 2-wertige
Metalle, die mit Natronlauge ausgefiillt und ebenfalls in der Httenindiustrie verwertet werden knnen.
Diese oder hnliche Anlagenkonzeptionen wurden bisher noch nicht realisiert,
da die Verwertungskosten fi1r eine Auflsung von Mischschlmmen mit anschlieender Entgiftung und selektiver Fllung die heutigen Entsorgungskosten deutlich
bersteigen.
5.1
Grundlagen der Aufbereitungstechnik
Die Aufbereitungstechnik gehrt definitionsgem zur physikalischen V erfahrenstechnik, in der mittels physikalischer Verfahren die Zusammensetzung und die
Eigenschaften von Stoffen gendert werden. Hierbei wird differenziert zwischen
mechanischen und thermischen Verfahren. Bei der mechanischen Verfahrenstechnik sind die Gesetze der Mechanik und bei der thermischen die Gesetze der Ther-
356
modynamik magebend fiir die Stoffiinderung. Die Umwandlung und Aufbereitung des Rohstoffs "Abfall" fmdet in entsprechenden Aggregaten statt, die in
Kombination mit Frderanlagen die Produktionsanlagen ergeben. Aufbereitungsanlagen bestehen somit aus Aggregaten, die eine Folge von Stoffumwandlungsvorgngen vornehmen, bei denen sich Stoffzusammensetzung und Stoffeigenschaften ndern.
Jeder Recyclingproze stellt einen Stoffumwandlungsvorgang dar. Aus einer
Gesamtabfallmenge knnen z.B. durch Trenn- bzw. Sortierverfahren einzelne
wiederverwendbare Stoffe, sog. Sekundrrohstoffe, mehr oder weniger sortenrein
wiedergewonnen werden. Insofern ist ein Recyclingproze auch ein Produktionsverfahren zur Herstellung bzw. Trennung von Wertstoffen aus einer Gesamtmenge. Jedes Produktionsverfahren besteht aus verschiedenartige miteinander kombinierbare Produktionsbausteine, die die Basis eines jeden Stoffumwandlungsprozesses bilden.
Bei einem Produktionsproze werden vorhandene Dinge zu wirtschaftlichen
Zwecken umgestaltet, getrennt und/oder verbunden, in andere Form gebracht bzw.
zu anderen Zwecken brauchbar gemacht. Der Recyclingproze ist dem Produktionsproze immer zeitlich nachgeschaltet und kann als eine zweite Art der Produktion bezeichnet werden, bei dem Reststoffe und Abflle aufgearbeitet werden.
Gemeinsam ist beiden Prozessen, da es jeweils einen oder mehrere Inputstrme
und unterschiedliche Outputstrme gibt.
Fr die immer wichtiger werdende Aufgabe der Volkswirtschaften, Rest- und
Abfallstoffe mglichst weitgehenden neuen produktiven Prozessen zuzufhren,
sind Kenntnisse ber die Grundzusammensetzung des Abfallgemisches unabdingbar.
Konzeption und Betrieb einer Recyclinganlage erfordern deshalb umfangreiche
Kenntnisse ber die Grundverfahren zur selektiven Trennung von Wertstoffen aus
den gemischten Haushalts- und Gewerbeabfllen. Je nach Sammetsystem oder
Trennverfahren ergeben sich unterschiedliche Stoffzusammensetzungen oder
Mischungen der Abfallmenge, die dann den Input fr den Recyclingproze darstellen. Die Art bzw. die Zusammensetzung der Mischung ist der bestimmende
Faktor fiir die Konzeption der technischen Produktionsbausteine bzw. fiir das
technische Konzept eines Recyclingprozesses.
Fr die Kennzeichnung des technologischen Erfolges von Verfahren und Verfahrensstufen haben sich in der Aufbereitungstechnik Begriffe und Methoden
durchgesetzt, die hier zur Klrung kurz dargestellt werden sollen, da besonders in
der Literatur ber das Recycling und die Abfallaufbereitung mit miverstndlichen Begriffen gearbeitet wird.
Bei der Trennung von einzelnen Komponenten aus einer Abfallmischung gibt
es einen Input- und unterschiedliche Outputstrme. So ergeben sich z.B. bei der
Abtrennung von Fe-Metall mittels Magnetscheider zwei Stoffstrme, whrend bei
der Siebung durch mehrere verschiedenartige Lochweiten mehr als zwei Outputstrme bei einem Trennvorgang entstehen knnen. In Bild 5.1. sind die beiden
unterschiedlichen Trennstufen schematisch dargestellt. Zur Vereinfachung soll
nachfolgend nur die Trennung mit zwei Outputstrmen betrachtet werden.
357
Output
Trennung
ln
2 Outputstrme
x1 +Y1
Wertstorrprodukte
x2 +Y2
Reststoff
z1
Trennung ln
x1 +Y1+ .. +
mehrals 2
x2 +Y2+ .. +Z2
Outputstrme
Xm+Ymt .. + zm
Der Input besteht aus einem Stoffgemisch (angeben in Mg/h oder Volumen/h) Xn
und Yn Nach dem Trennaggregat sind zwei Stoffstrme entstanden: ein mit Wertstoff angereichertes Produkt x 1 + y 1 und eine Reststoff-Fraktion x 2 + y 2 , die noch
Wertstoffanteile enthlt und weiter aufgearbeitet werden kann. Wrde ein Recyclingproze bzw. eine Recyclinganlage den Stoffx in den einen und den Stoffy in
den anderen Outputstrom trennen, wre sie 100 % effektiv.
Die Effektivitt der Trennung kann durch das Masseausbringen Rm gekennzeichnet werden. Das Masseausbringen Rm gibt an, welcher Masseanteil des Aufgabegutes in einem beliebigen Produkt ausgebracht worden ist. Im allgemeinen
wird der Begriff Masseausbringen auf das wertstoffangereicherte Produkt bezogen.
Entsprechend dem Beispiel ergibt sich somit fr den Wertstoff:
X
1 *100(%)
R(x 1 ) = -
Xo
(5.1)
(5.2)
ergibt sich
(5.3)
Diese hier dargestellten Formeln werden in der Praxis weitgehend genutzt und
werden in den Publikationen und entsprechenden Untersuchungen zur Wertstofftonne als Recyclingquote oder Abfallverwertungsquote zitiert. Es ist allerdings
nicht ausreichend, eine Trennung oder ein Verfahren nur durch das Masseausbringen Rm zu charakterisieren. Wrde das Trennaggregat so eingestellt werden, da
x 2 = y 2 = 0 gesetzt werden kann, dann wrde der gesamte Input auch als Output
auftreten. Daraus liee sich eine 100 % Recycling- oder Abfallverwertungsquote
ausrechnen, obwohl nicht die gewnschte Trennung erzielt wird. Daher ist ein
weiterer Parameter fr die Beschreibung der Qualitt des Outputstromes notwendig, der als Reinheitsgrad Pm bezeichnet werden kann und die Verunreinigung y
im Wertstoffprodukt bercksichtigt:
358
P(x 1 ) =
XI
*100(%)
(5.4)
XI +yl
(5.5)
(5.7)
5.1.1
Zerkleinerung
Zerkleinem ist das berfhren eines Aufgabegutes in eine feinere Krnung. Jede
Zerkleinerung dient der spezifischen Oberflchenvergrerung. Fr die Auswahl
der richtigen Zerkleinerungsmaschine werden folgende Informationen bentigt:
- die physikalischen Eigenschaften der zu zerkleinemden Stoffe wie Ausgangskrnung, Aufbau, Hrte, Sprdigkeit und Spaltbarkeit,
- der Verwendungszweck, wie z.B. weiteres Aufbereiten oder chemische Reaktion,
- die geforderten Eigenschaften des Fertiggutes wie Komgrenverteilung,
Komform, gewnschter Schwerpunkt eines Komgrenbereiches oder auch
selektiv zerkleinertes Fertiggut
Roststab
Rotor
359
Bild 5.2. Schematische Darstellung einer Hammermhle der [Link] Arbra [5.9]
Fr die Zerkleinerung von Autowracks, Haus-, Gewerbe-, Holz- und Papierabflillen haben sich Hammermhlen bewhrt, die sich prinzipiell nur durch den Aufbau
des Rotors unterscheiden.
Es wird zwischen horizontalen und vertikalen Hammermhlen mit flexibel angebrachten Hmmern differenziert. In Bild 5.2. ist eine horizontale Hammermhle
schematisch dargestellt.
Nach diesem Grundprinzip sind eine Reihe von Mhlen in Kompost-, Recycling- und Deponieanlagen in Betrieb, so da umfangreiche Erfahrungen bei unterschiedlichen Abfallzusammensetzungen gesammelt werden konnten.
Die vertikale Version der Hammermhle ist durch einen mit Schlaghmmern
bestckten, vertikalen Rotor ( Bild 5.3.), gekennzeichnet. Dieser Mhlentyp ist
Ende der filnfziger Jahre eigens fi1r die Aufbereitung von Haushaltsabflillen konzipiert worden. Um den anflinglich zu geringen Durchsatz zu erhhen, wird die
Luft aus der Mhle ber den Austrag abgesaugt. Dadurch knnen auch besonders
leichte Abfallfraktionen wie Papier, Kunststoffe etc. schnell und mit hohen Durchstzen zerkleinert werden.
Da die Vertikal-Hammermhle keine Komgrenbegrenzung durch einen Rost
besitzt, kann die Komgrenverteilung durch die Anzahl der Hmmer verndert
werden. Aus der Erhhung der Hammerzahl resultiert ein feineres Korn und ein
sinkender Gesamtdurchsatz pro Zeiteinheit. Da kein Rost vorhanden ist, mu,
damit die Komgre des Austrages innerhalb einer akzeptablen Toleranz bleibt,
ein genau berprfbarer Abstand von der untersten Hammerstation zur Mhlenwand eingehalten werden.
360
BETONSOO<El
Bild 5.3. Schnitt durch die Vertikal-Hammermhle der Fa. Tollemache [5.10]
Eine Sonderform stellt der Schlagwalzenbrecher dar, der in der Aufbereitung von
Baurestmassen bevorzugt als erste Zerkleinerungsstufe eingesetzt wird.
Beim Schlagwalzenbrecher wird das zu brechende Gut horizontal mittels eines
Kratzkettenfrderers dem Brecher zugefUhrt Die ber dem Frderer schnell rotierende Schlagwalze zerkleinert das Material und trgt es in Frderrichtung gem
Bild 5.4. aus. Vorteil dieses Brechertyps sind die niedrige Bauweise und die gradlinige Transportrichtung. Das Material wird ebenerdig auf das Kratzkettenfrderband aufgegeben. Anfahrrampen sowie Trichter sind nicht notwendig. Durch
Beibehaltung der Transportrichtung ist der Brecher unempfindlich gegen Strungen durch Bewehrungsteile.
[Link]
Prallbrecher
Der Prallbrecher (Bild 5.5.) besteht aus einem mehrteiligen, aus Blech oder Profilstahl geschweiten Gehuse, dessen Innenflchen mit Verschleiplatten (Prallplatten) belegt sind. Die schnell umlaufende Walze (500 bis 1 000 min- 1) ist mit
mehreren auswechselbaren Pralleisten aus verschleifestem Stahl bestckt. Die
Walze luft in Wlzlagern, die an der Gehusewand arretiert sind. Die Prallplatten
sind hngend ber Spindeln verstellbar gelagert. Sowohl der Abstand zwischen
den Prallplatten und den Pralleisten als auch die Neigung der Prallplatten knnen
verndert werden. Bei Eintritt von nicht zerkleinerbaren Bestandteilen in den
Prallraum knnen die Prallplatten nach oben ausweichen und die Teile nach unten
ausgetragen werden. Prallbrecher werden von oben beschickt, wobei das gebrochene Gut nach unten ausgetragen wird [5.153]. In Bild 5.5. ist die Zerkleinerungswirkung eines Prallbrechers dargestellt.
361
Asphaltaufbruch
Aufgabe bis 1300 mm Kantenlnge, ca. l 00-400 mm Dicke
Geschlossener Kreislauf
II. Betonaufbruch
Aufgabe bis l 000 mm Kantenlnge, ca. 300-600 mm Dicke
Geschlossener Kreislauf
Bild 5.5. Schematische Darstellung eines Prallbrechers der Fa. Bhringer [5.154]
I.
362
363
Die Praxis bei Sortieranlagen mit einer Rotorschere hat gezeigt, da es gnstiger
ist, wenn harte und sperrige Bestandteile wie Metalle, Reifen mit Felgen, aber
auch Teppiche vor dem Einlaufmanuell entfernt werden.
Eine bessere Einhaltung der Komgrenklassen wird durch Einsatz von
schnellaufenden Trommelschneidmhlen mit Siebeinstzen erreicht. Bei diesen
Aggregaten fiihren jedoch bereits geringe Anteile abrasiver Stoffe zu hohem
Verschlei der Schneidmesser. Je nach Siebeinstzen sind Durchsatzleistungen bis
zu 3 Mg/h mglich. Das Korn zeichnet sich durch exakte Form der Schnittkante
und enge Komklasse aus, was fiir das Flieverhalten und damit fiir die Frderung
in Schnecken, Mischem, Vorlagebunkern etc. vorteilhaft ist. Vorwiegendes Einsatzgebiet fiir Trommelschneidmhlen ist die Zerkleinerung von Kunststofffraktionen.
[Link]
Cascadenmhlen
Bei der Cascadenmhle handelt es sich um eine langsam rotierende, kurze Drehtrommel mit Durchmessern von 4 bis 7,2 m. Das Verhltnis Durchmesser zu Lnge betrgt ca. 3: 1. Die Stirnwnde sind leicht konisch geneigt.
Der Ein- und Austrag erfolgt durch die in den Stirnwnden angeflanschten Lagerzapfen. Das Innere der Drehtrommel, einschlielich der Lagerzapfen, ist mit
einer Panzerung aus vergtetem Stahlgu ausgekleidet.
Der Mhlenraum, schematisch dargestellt in Bild 5.8., ist zu ca. 17 % mit
Stahlkugeln gefiillt. Diese Kugeln bilden bei optimalen Drehzahlen zwischen 14
und 20 U/min zusammen mit dem Mahlgut eine geneigte Oberflche, an der die
Mahlkrper abrollen. Teilweise fallen die Kugeln kataraktartig auf das Mahlgut
Durch den Reib- und Walzvorgang zwischen Stahlkugeln und Abfallbestandteilen
erfolgt eine Zerkleinerung.
Durch Lcher in der Mhlenstirnwand werden die eingegebenen Stoffe beim
Erreichen der gewnschten Komgre ausgetragen. Auch die Stahlkugeln verlas-
364
.
Bild 5.8. Schematische Darstellung der Cascaden-Kugelmhle der Fa. Lsche [5.8]
sen nach einem entsprechenden Abrieb die Mhle durch diese Siebwand. Die
Kugeln mssen regelmig ergnzt werden. Da auch Mllbestandteile wie FeMetalle als Mahlhilfe dienen, wird die Zerkleinerung in der Cascadenmhle auch
als halbautogene Mahlung bezeichnet. Wird Klrschlamm mit einem hohen
Feuchtigkeitsgehalt in der Cascadenmhle verarbeitet, spricht man auch von einer
teilautogenen, halbnassen Mahlung.
[Link]
Siebraspeln
365
Raspelarme
Siebraspeln werden in der Praxis der Abfallaufbereitung immer weniger eingesetzt, was auf folgende Nachteile zurckzufUhren ist:
Die Zerkleinerungswirkung der Siebraspel ist geringer als bei Hammermhlen.
Um eine vergleichbare Zerkleinerungsleistung zu erzielen, mte die Raspelzeit
pro Fllung ca. 20 min betragen. Mit ca. 6 bis7 kWh/Mg ist der Energieverbrauch
der Siebraspel nur um ca. 30 bis 40 % niedriger als bei einer vergleichbaren
Hammermhle.
Ein weiterer Nachteil der Siebraspel ist die diskontinuierliche Betriebsfhrung.
Ein relativ groes und teures Gert erreicht bei einer Raspelzeit von 20 min nur
Durchstze von ca. 6 Mglh.
[Link] Backenbrecher
In Bild 5.10. ist der Backenbrecher schematisch dargestellt. Der Backenbrecher
eignet sich besonders fr harte, sprde Bestandteile. Beim Backenbrecher wird das
zu verarbeitende Material von oben zwischen die schwingenden Brechbacken
gegeben. Durch die Bewegung der Backen wird das Aufgabegut eingezogen, zerquetscht und zermahlen. Je nach gewnschter Endkrnung werden die Abstnde
366
5.1.2
Klassierung
Siebung
Die Siebung trennt Stoffe mit unterschiedlicher Komgre in die jeweils gewnschten Komgrenklassen. Dieser Vorgang wird als "Klassieren" bezeichnet.
Im Gegensatz dazu steht die Sortierung, die ein krniges Haufwerk in Komponenten unterschiedlicher Stoffarten oder Eigenschaften zerlegt. Bei der Siebung
von Abfallgemischen (z.B. Hausmll) kann neben der Klassierung nach der Komgre auch gleichzeitig eine Sortierung nach Stoffen auftreten, sofern bestimmte
Stoffarten sich in eingegrenzten Kornklassen aufhalten. Somit knnen Siebmaschinen auch zur sortierenden Klassierung verwendet werden.
Bei der Siebklassierung erfolgt die Trennung nach der charakteristischen Lnge
der Krner mit Hilfe einer Trennflche (Siebboden), in der sich geometrisch angeordnete ffnungen befinden. Krner, die bei der Bewegung ber den Siebboden
hinweg in einer passenden Lage kleiner als die ffnungen sind, fallen durch diese
hindurch und werden somit zum Unterkom, dem sog. Feingut Die anderen verbleiben auf dem Siebboden und bilden das Grobgut
Da eine technische Siebung nur einen unvollkommenen Trennproze darstellt,
kann ein gewisser Anteil des Unterkorns im Grobgut verbleiben. Bei Ausbildungsfehlern der Siebffnungen oder Verschleierscheinungen des Siebbodens kann
auch berkorn in das Feingut gelangen. Diese Anteile werden als Fehlkorn
(Fehlunter- bzw. Fehlberkom) bezeichnet. Besondere Probleme bereiten beim
Absieben jene Komgrenanteile, die in etwa der Siebffnung entsprechen
(Grenzkom) und als Klemmkorn den Siebboden zusetzen.
Der Siebgtegrad ist eine Kenngre ftlr die Trennschrfe eines Siebvorganges
und wird durch das Verhltnis der Feinkomanteile im Siebdurchgang und im Aufgabegut ausgedrckt, wobei die Voraussetzung gilt, da kein Fehlberkorn im
Durchgang vorhanden ist.
(5.8)
XI
Siebgtegrad [%]
Feinkomanteil im Siebdurchgang [kg]
xo
367
Feinkrnige, feuchte, faserige und klebrige Haufwerke neigen zum Verstopfen der
Siebflchen. Die offene Siebflche wird verkleinert, und der Siebdurchsatz nimmt
ab. Um Verstopfungen zu verhindern, werden bestimmte Siebkonstruktionen fr
schwierig zu siebende Gter eingesetzt oder Siebhilfen benutzt. Wichtige Siebhilfen sind Brsten, Ketten, Siebheizungen, Luftste und Zusatzwasser zum Aufheben der Kapillarkrfte zwischen aneinanderklebenden Teilchen.
Sichtung
Ein weiteres Verfahren zur Klassierung von Raufwerken ist Sichtung. Die Windsichtung ist ein Verfahren der Stromklassierung und beruht auf der Gleichflilligkeit spezifisch hnlicher/gleicher Stoffe im aufsteigendem Luftstrom. Gleichflilligkeit bedeutet, da verschiedene Teilchen gleiche Endfallgeschwindigkeiten erreichen. Wenn Teilchen gleichfllig sind, dann mssen diese unter gleichen Anfangsbedingungen gleiche Bahnen beschreiben, zeigen also ein gleiches Verhalten
bzw. haben die gleiche Sinkgeschwindigkeit
Der Siebter trennt nach der Sinkgeschwindigkeit der Teilchen, wobei die Sinkgeschwindigkeit von der Komform und von dem jeweiligen spezifischen Gewicht
eines Stoffes abhngt.
Fr die Auslegung von Windsichtern ist die Menge in kg des Aufgabegutes pro
m 3 Luft (Beladung) oder der reziproke Wert insoweit von Bedeutung, als oberhalb
bzw. unterhalb eines bestimmten Verhltnisses die effektive Trennung in eine
Leicht- und Schwerfraktion nicht mehr mglich ist.
Aus diesen berlegungen lt sich der Durchsatz eines Windsichters ableiten:
(5.9)
Q
A
JlA
Durchsatz [kg/h]
Sichtraumquerschnitt [m2 ]
mittlere Strmungsgeschwindigkeit [m/s]
mittlere Feststoftbeladung der Luft [kg/m3 ]
Unabhngig von diesen Gren haben auch das Schttgewicht, Feuchte, Abfallzusammensetzung und die vorhergehende Zerkleinerung einen Einflu auf die Formel, so da diese Gleichung nur als praktischer Richtwert gelten kann.
Eine Reihe von verschiedenen Windsiebtertypen wurde fr Kompostierungsanlagen und fr Haus- und Gewerbeabfall getestet [5.14]. Von den unterschiedlichen Gertetypen werden berwiegend zwei Arten in der Abfallaufbereitung eingesetzt: der Zick-Zack-Windsiebter und der Rotationswindsichter.
[Link]
Siebe
Trommelsieb
Das Trommelsieb ist ein bewhrtes Klassieraggregat und kann in einer Aufbereitungsanlage sowohl als erste Aufbereitungsstufe als auch nach der Zerkleinerungsstufe eingesetzt werden. In Bild 5.11. ist ein Trommelsieb schematisch dargestellt.
368
Der Durchsatz und die Trennleistung einer Siebtrommel sind durch die Lochweite,
den Durchmesser, die Drehzahl, die Einbauten und den Neigungswinkel der
Trommel gekennzeichnet. Da die effektive Siebflche einer Siebtrommel relativ
klein ist, wird durch geeignete Mitnehmer und Wandkonstruktionen (Polygonsieb)
versucht, das Siebgut mglichst weit an der drehenden Trommelwand mit nach
oben zu nehmen, um damit eine effektivere Siebung zu erzielen.
Durch Vergrerung des negativen Neigungswinkels einer Trommel auf mehr
als 5 Grad verschlechtert sich der Siebgtegrad rapide. Um den Siebgtegrad zu
verbessern, wurden an der Siebtrommelwand durchgehende spiralfrmige Mitnehmer fiir den Materialtransport entwickelt, so da die Siebtrommel auch ohne
Neigungswinkel eingesetzt werden kann. Fr die Planung und technische Auslegung von Siebtrommeln wurden eine Reihe von praktischen Faustformeln entwikkelt. Um einen Siebgtegrad von ca. 90% zu erzielen, mssen sowohl die Verweilzeit des Materials in der Trommel als auch die Siebflche auf das Material
abgestimmt werden. Die Trommelheiadung sollte 0, I Mg/m2 nicht berschreiten.
Bei Versuchen mit Rohmll in einem Trommelsieb konnte bei einer Beladung von
0,41 Mg/m2 ein Siebgtegrad von 80% erreicht werden [5.15].
Fr die Verweilzeit von unzerkleinertem Mll werden mindestens 25 bis 30 s
gefordert. Bei einem Trommeldurchmesser von 2, 70 m wurde eine optimale Rotationsgeschwindigkeit von ca. 45 % der kritischen Geschwindigkeit ermittelt
[5.16].
Bei Untersuchungen in der Byker Sortieranlage, GB, konnte fiir ein Trommelsieb, das in zwei Sektoren mit verschiedenen Lochweiten eingeteilt war, nach der
Zerkleinerung bei den jeweiligen Lochweiten differierende Siebleistungen feststellen [5.17]. So betrug der Siebgtegrad fiir die Komgre 10 mm nur 32,5 und
369
34,3 %, whrend das Mittelgut mit einer Komgre von I 0 bis 160 mm einen
Siebgtegrad von 90 bis 95% aufwies. Um diesen Effekt zu vermeiden, kann fiir
die Trennung eines Abfallgemisches in drei Fraktionen ein ineinandergestecktes
Doppelsieb mit separatem Antrieb zur Optimierung der jeweiligen Rotationsgeschwindigkeit angewendet werden.
Spannwellensieb
Das Spannwellensieb gehrt in die Reihe der dynamischen Siebmaschinen, das
sich als ein verstopfungsfreies, leistungsfiihiges Aggregat, insbesondere bei der
Absiebung von Kompost, bewhrt hat (Bild 5.12.).
Beim Spannwellenprinzip werden verformbare Siebbden aus Gummi oder
Kunststoffen eingesetzt, die auf zwei, sich gegeneinander bewegende, Kipptrgersystemen aufgelegt sind. Der zwangslufige Antrieb dieser Systeme fUhrt zu einer
wellenartigen Bewegung der Siebflche mit betrchtlichen Amplituden (30 bis
50 mm) bei Schwingungszahlen von 600 bis 800 min-I und somit relativ hohen
auf das Siebgut wirkenden Beschleunigungsspitzen.
Bechersieb
Zur Aufbereitung von Abililien mit sperrigen und feinen Anteilen (z.B. Baustellenmischabflille, Gewerbeabflille) ist wegen des problemlosen, verstopfungsfreien
Betriebsablaufs das Bechersieb (Bild 5.13.) entwickelt worden. Das abzutrennende Feingut flillt in Bechern (rechteckigen Kassetten) und wird am hchsten Punkt
der Maschine ber eine Rutsche ausgetragen. Das Bechersieb ist im Gegensatz zu
den Siebtrommeln nach oben offen und im Bereich der wirksamen Siebflche in
Form einer Welle ausgebildet. Das Grobgut rutscht in Neigungsrichtung des Aggregats und wird dabei teilweise seitlich mit den Stahlgliedern nach oben auf dem
Wellenrcken gefrdert. Aufgrund der Schwerkraft rutscht das Grobgut wieder in
das Wellental und wird ber eine Schurre ausgetragen [5.125].
Ballistischer Separator
Entwickelt wurde das Gert fiir die Trennung von zerkleinertem Haus- und Gewerbeabfall in drei Fraktionen: Schwer-, Leicht- und Feinfraktion. Das Prinzip der
ballistischen Trennung kann der sortierenden Klassierung zugeordnet werden.
Der ballistische Siebter besteht aus einer Zuftlhreinrichtung und einer beweglichen, geneigten und perforierten Ebene. Die Ebene ist in Rttelelernente unterteilt.
Das zerkleinerte Material wird, abhngig von spezifischem Gewicht und Form, die
Ebene hinauf- oder hinabtransportiert. Die schweren Bestandteile des Aufgabe-
370
z~
\?
Aufgabe der
trennenden Fra~on
Lelchlfraktion
$iebhktion
gutes rutschen durch den Einflu des Hangabtriebes zur tiefergelegenen Kante der
Ebene und bilden die Schwerfraktion. Die leichten Partikel, wie Papier, Pappen,
Folien etc., werden durch die Bewegung der Rttelrinne, unter krftiger Umschichtung, in entgegengesetzter Richtung zur hhergelegenen Kante der Ebene
gefrdert und bilden die Leichtfraktion. Durch die Perforation der Ebene entsteht
eine dritte Fraktion, die Siebfraktion.
Der Antrieb der Rttelelernente erfolgt mittels Elektromotor und Kurbelwelle.
Die Bewegung der Elemente im Verhltnis zueinander ist versetzt. Durch die
Wahl des Lochdurchmessers der Perforierung kann der Anteil der Siebfraktion
bestimmt werden. Die Siebbleche sind auswechselbar und haben quer- und lngslaufende Mitnehmer. Der Anteil der Leicht und Schwerfraktion ist durch nderung des Neigungswinkels der Rttelebene steuerbar. Der Neigungswinkel der
Elemente betrgt normalerweise 15, am untersten Teil20 Grad.
Die Separatoren sind ftlr eine Kapazitt von ca. 10 Mglh oder 90 m3/h ausgelegt. Fr das Gert sind 5 kW Anschluleistung erforderlich.
371
.............,...~
2. Komfraktion
Grobfraktion
Diskscheider
Ein Diskscheider ist ein Kaskaden-Klassiergert bestehend aus einem Klassierrost
mit mehreren stufenfrmig angeordneten Teilsiebbden, die aus einer Vielzahl
von zueinander abstandsgleichen und parallel verlaufenden Wellen mit sechseckigen Frderscheiben zusammengesetzt sind. Diese Frderscheiben greifen jeweils
in die Lcke von zwei benachbarten Scheibenkrpem.
Die gegenseitigen Abstnde bestimmen die Gre der Siebffuungen eines jeden Teilsiebbodens. Vorsortierte Baustellenabflle werden z.B. ber einen Aufgabefrderer dem ersten Teilsiebboden zugefilhrt und beim Siebvorgang durch die
Anordnung der Frderscheiben auf den Wellen sowie durch eine in Frderrichtung
eines jeden Teilsiebbodens ansteigende Drehzahl der Wellen beschleunigt und
auseinandergezogen. Die abgerundeten Wellen zwischen den Frderscheiben und
den gewlbten Eckenbereichen verhindem ein Festhaken des Gutes [5.126].
[Link]
Windsichter
Zick-Zack- Windsichter
Der Zick-Zack-Siebter ist filr Hausmll eingehend untersucht und vielfach eingesetzt worden. In einem senkrecht stehenden zickzackfOrmigen Sichtrohr strmt
Luft von unten nach oben entgegen der Fallrichtung des Aufgabegutes. Das Besondere an dieser Siebterform ist, da sich der Sichtvorgang an jeder Knickstelle
durch eine Querstromsichtung wiederholt und somit Fehlsichtungen der vorhergehenden Zone korrigiert werden knnen. In Abhngigkeit von der Anzahl der
Sichtglieder, der geometrischen Abmessung, dem Aufgabeort, der Menge des Abfalls, der Abfallzusammensetzung und der Windgeschwindigkeit lassen sich grbere und feinere Trennschrfen erzielen. In Bild 5.16. ist ein Zick-ZackWindsichter schematisch dargestellt.
372
In der Tabelle 5.1. wird die Trennung des Input in die Leicht- und Schwerfraktion
aus einem Zick-Zack-Windsichter dargestellt. Als Einsatzmaterial stand in einer
Rotorschere zerkleinerter Hausmll zur Verfiigung. Aus der Tabelle wird deutlich,
da die unterschiedlichen Bestandteile sowohl in der Schwer- als auch in der
Leichtfraktion vertreten sind. Neben einer guten Trennung von Papier, Textilien
und Folien wird jedoch auch folgendes deutlich: Bei Pappe und Holz, die in der
Schwerfraktion verbleiben, treten groe Wertstoffverluste auf. Bis zu 50 Gew.-%
der Vegetabilien, mineralischen Bestandteile, NE-Metalle etc. gelangen in die
Leichtfraktion.
Tabelle 5.1. Massenbilanz eines Zick-Zack-Windsichtcrs beschickt mit zerkleinertem Hausmll
sowie die Wiedergewinnungsraten bezogen auf die Leichtfraktion [5.14]
Stoffgruppe
Leichtfraktion
Input
[Gew.-%]
Papier
Pappe
Holz
Leder
Gummi
Knochen
Textilien
Kunststoff-Folien
38,30
8,20
3,80
0,40
0,09
0,50
[Gew.-%]
Schwerfraktion
[Gew.-%]
31,40
5,60
1,40
0,16
0,03
6,90
2,60
2,40
0,24
0,06
0,20
3,60
0,30
1,00
0,30
Kunststoff-Formk.
4,60
5,00
4,80
Vegetabilien 1
Schrott (fein)
Nichteisenmetalle
Glas
6,70
0,40
1,30
7,10
7,40
0,05
0,50
9,40
0,35
0,80
0,40
Mineral. Best.
8,70
4,40
6,70
4,30
100,00
62,20
37,80
GESAMT
4,70
2,45
2,35
Wiedergewinnungsrate
[%]
82,0
68,3
36,8
40,0
33,3
40,0
78,3
94,0
51,0
44,3
12,5
38,5
5,6
50,6
373
Abluft
OruekluftdUse
Abutz-
kammer
Seh.,erfraktion
LIichtfraktion
374
---
Otticnt
eschwer
...!./_(J
Q~
q~':g<1-
~~L
Jb .08 .~
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375
-Do 0
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~!--c_~
Bild 5.20. Schematische Darstellung eines Flugbettsichters [5.13]
Flugbettsichter
In dem in Bild 5.20. als Prinzip dargestellten Flugbettsiebter werden die Abfallkomponenten durch eine Luftstrmung, die durch eine geneigte Siebflche blst,
krftig aufgewirbelt, wobei die leicht flugfhigen Teile vom Luftstrom ber ein
Strmungsrohr oder aber ber mehrere Zick-Zack-Kanle abgezogen werden. Die
verbleibende Schwerfraktion wird durch Schwerkraftwirkung ausgetragen. Es
kommen auch flache Siebbden zum Einsatz, wie z.B. beim Wirbelstromsichter.
Auf den flachen Siebbden wird die Auflockerung durch einen langsam kreisenden Rotor untersttzt [5.13].
5.1.3
Sortierung
Beim Sortieren werden die physikalischen Eigenschaftsunterschiede der zu trennenden Feststoffteilchen ausgenutzt. Dabei wird grundstzlich zwischen Dichtesortieren, Flotieren, optischem Sortieren, Magnet- und Elektrosortieren etc. unterschieden. Die verschiedenen Methoden wurden fr die Sortierung von Glas, Aluminium, Kupfer, Kunststoff-Folien, Holz etc. aus dem Abfallgemisch untersucht.
Insgesamt erwiesen sich viele der Apparate als zu teuer und ungeeignet fr den
Einsatzstoff Abfall. In der Praxis haben bisher Setzherde als Steinausleser in
Kompostierungsanlagen, Magnetscheider, Hydrozyklone, Dichtesortierer und
Schwimm-Sink-Scheider eine Verwendung gefunden.
[Link]
Magnetscheider
Die Magnetsortierung erfolgt weitgehend durch berbandmagnete, die die Eisenteile aus dem Abfallstrom herausziehen und ber ein umlaufendes Band entweder
quer oder parallel zur Frderrichtung des Mlltransportes austragen. Eine wirksame Magnetscheidung setzt voraus, da die ferromagnetischen Teile durch eine
entsprechende Vorzerkleinerung bzw. Auflockerung weitgehend einzeln und von
Anhaftungen befreit dem Magneten zugefUhrt werden. Die Gre der Eisenteile
376
ist nicht begrenzt, da Magnete fiir die Entfernung nahezu aller Gewichtsgren zur
Verfiigung stehen. berbandmagnete werden in der Regel zur groben magnetischen Vorsortierung von zerkleinerten und nicht zerkleinerten Siedlungsabfiillen
eingesetzt. Whrend sich die magnetische Sortierung nach der Zerkleinerung als
erfolgreich erwiesen hat, sind bisher alle Versuche, ein gutes ferromagnetisches
Produkt durch Ausheben der FE-Metalle vor dem Zerkleinerungsaggregat zu erzielen, gescheitert. Wie die Tabelle 5.2 deutlich zeigt, ist die Wiedergewinnungsrate der Magnetscheidung vor der Zerkleinerung zwar ausreichend, jedoch fiihrten
die Verunreinigungen durch Hausmllbestandteile in der Schrottfraktion zu keinem marktgngigen Produkt.
Die gnstigste Teilchengre liegt beim Magnetsortieren aus Haushaltsabfiillen
bei 10 bis 100 mm. Diese Komgre wird allerdings nur selten so gleichmig mit
den blichen Zerkleinerungsaggregaten erreicht.
Tabelle 5.2. Wiedergewinnungsraten und Verunreinigungen der Schrottfraktion beim Einsatz
von Magnetscheidern vor der Zerkleinerung des Hausmlls [5.14]
Schrottfraktion
Fe-Schrott
Fe-Blech
Hausmllbestandteile
Summe
Anteil
[%]
48,1
35,2
Wiedergewinnungsrate
[%]
98,9
87,6
16,7
100,0
[Link]
Wirbelstromscheider
Ein Verfahren zur Sortierung eines Gemisches in der gleichen Dichtestufe (Aluminium und Steine bzw. Glas) stellt die Wirbelstromscheidung dar (Alternative
Verfahren: Handsortierung, Trennschmelzverfahren, Detektionsverfahren).
Die Wirbelstromscheidung von Nichteisenmetallen wurde schon um die Jahrhundertwende angewendet. T.A. Edison bekam bereits 1889 ein Patent auf sein Verfahren zur Ablenkung von Nichteisenmetallen.
Aufgrund mangelnder Anwendungsmglichkeiten und schlechter Trennergebnisse wurde diese Technik nur sporadisch weiterverfolgt. Eine praktische Anwendung hat diese Art der Trennung im magnetischen Wechselfeld jedoch erst im
Verlauf der 70er Jahre erhalten. Die Entwicklung ging dabei besonders von den
USA aus, da dort im Hausmll Getrnkedosen vorhanden sind, die vollstndig aus
Aluminium bestehen. Fr die Sortierung von solchen groflchigen und gnstig
geformten Bestandteilen ist die Trennung auch in Wirbelstromscheidern einfacherer Bauart mglich [5.19].
Das Trennverfahren beruht auf der Induktion von Wirbelstrmen in elektrisch
leitenden Krpern, die dadurch eine Kraftwirkung in einem Magnetfeld erfahren.
Weitgehend bekannt sind andere gewollte oder unerwnschte Effekte der Wirbelstrme: die Wirbelstrombremse, Magnetschwebebahn oder Wirbelstromverluste in
Transformatoren.
377
Aufsicht
Auffongbehiil ter
'
"
'
l'
I II~ I:~ II
Seitenanaicht
Bild 5.21. Prinzipskizze des am Institut filr Aufbereitung in Aachen aufgebauten Wirbelstromscheiders filr Versuchszwecke [5.19]
Tabelle 5.3. Ablenkfhigkeit eines elektrischen Leiters, gegeben durch den Quotienten aus
elektrischer Leitfhigkeit und der Dichte [5.19]
Elektrische
Leitfhigkeit
[10-6/Q m]
Leitfhigkeit/
Dichte
[m2 103/n kg]
Dichte
[g/cm3 ]
Aluminium
AICuMg1
AIMgSh
AIMg5
35,00
18,50
31,00
16,50
2,70
2,80
2,70
2,63
12,96
6,61
11,48
6,23
Blei
Bronze
Kupfer
Magnesium
4,82
9,00
60,00
22,20
11,34
8,73
8,96
1,74
0,43
1,03
6,90
12,76
Messing
16,00
8,40
1,90
Zink
16,90
7,14
Zinn
8,70
7,30
2,37
1,19
Wirbelstrme entstehen, wenn sich ein Leiter in einem zeitlich oder rumlich sich
ndernden Magnetfeld befindet oder darin bewegt wird. Wirbelstrme flieen
innerhalb des Leiters auf geschlossenen Bahnen und sind in ihrer Form nicht an
378
die Form des Leiters gebunden. Nach der Lenz'schen Regel erzeugen diese Strme ihrerseits ein Magnetfeld, das dem sie erzeugenden Feld entgegengerichtet ist.
Dabei wird eine Kraft auf den Leiter ausgebt, die ihn aus dem Ursprungsfeld
herausbeschleunigt Mit fallender Leitfhigkeit wird die ausgebte Kraft kleiner.
Mit steigender Dichte (bei gleichem Volumen bedeutet das steigende Masse) mu
eine grere Kraft aufgrund der Massentrgheit des Teilchens zur Auslenkung
aufgebracht werden. Eine bersicht von Werten des charakteristischen Quotienten
elektrische Leitfahigkeit durch Dichte zeigt Tabelle 5.3. [5.19].
[Link]
Optische Sortierung
Die starke Ausweitung der Altglassammlung hat dazu gefiihrt, da die Aufnahmekapazitt der Grnglasschmelze fr gemischtes Altglas mit einem Scherbenzusatz
von 90 bis 95% erschpft ist. Fr eine Steigerung der Recyclingrate mu daher
das Altglas farbsortiert werden. Die bisher durchgefiihrte hndische Sortierung
verteuert das Altglas um ca. 25 bis 60 DM/Mg je nach Anlagengre. Die Frage
besteht darin, inwieweit eine farbgetrennte Erfassung gnstiger ist, da die Mehrkosten der farbgetrennten zur farbgemischten Sammlung etwa 50 bis 80 DM/Mg
betragen.
Eine Reihe von Herstellern entwickelten elektro-optische Sortiergerte, die die
Scherben nach dem Prinzip der Opazitt farblieh erkennen und mit Hilfe von
Druckluft oder eines mechanischen Klappensystems zu separieren. Hierbei konnten Reinheitsgrade von I bis 2% Fremdscherben beim Weiglas erzielt werden
[5.20]. Aufgrund der geringen Durchstze konnten sich die meisten Aggregate
jedoch nicht durchsetzen, so da die hndische Sortierung und das getrennte Erfassen von mglichst ganzen Flaschen weiterhin im Vordergrund standen.
Im Jahre 1997 ging eine Farbglassortieranlage mit einem effektiven Durchstze
von ca. 4,8 Mg!h in Betrieb. Nach einer Vorbehandlung (Siebung, Sortierung,
Zerkleinerung, Sichtung) wird der zur optischen Sortierung vorgesehene Altgiasanteil kontinuierlich aus einem Glasbunker abgezogen.
Die automatische Einzelstcksortieranlage besteht aus insgesamt 180 Sortierkanlen (Bild 5.22.), welche mittels Dosier- und Vereinzelungssystem beschickt
werden.
Die vereinzelten Glasscherben durchlaufen im folgenden die optische Erkennungseinheit Das die Glasscherbe durchdringende Licht wird ber den Sensor
aufgenommen. Ein Kunststofflichtleiter fiihrt das Signal zur Auswerteeinheit Das
Lichtsignal wird in die Farben Rot, Grn und Blau zerlegt. Nach Auswertung auf
Grundlage eines vorgegebenen Programms erfolgt die Zuordnung der Mewerte
zu einer Glasfarbe. Anschlieend wir der Steuermechanismus fr den Klappenaustrag aktiviert.
Es werden Reinheiten entsprechend den Anforderungen an aufbereitetes Altglas erzielt. Zum Beispiel ist mittels dieser Farbsortieranlage eine Reinheit des
Weiglases von ca. 99,7% mglich [5.143].
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Zuflilrnmen
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8unkerracklo.Jfba1d
lt
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VereinzellllgSrinnen
[
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Sartierkonole
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Weiglas
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l _ _
379
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Granglas
BrCUI'l9as
KSP/Metan
IJ
Bild 5.22. Darstellung des Verfahrensablaufes zur Farbsortierung von Altglasscherben [5.143]
[Link]
Flotation
380
X:rlauf
[Link]
l'
Gu1$101f
Stcff
sehen Tenside an. In Japan, den USA und Skandinavien werden fter nichtionogene Tenside in Flotations-Deinkinganlagen eingesetzt. Whrend anionische
Tenside als Voraussetzung fr die Fllung als Seife Ca2+-Ionen im Prozewasser
bentigen, knnen nichtionogene synthetische Tenside zur Entfaltung ihrer
Sammlerwirkung auf Ca2+-Ionen verzichten. Besonders in Regionen mit weichem
Wasser stellt dies einen Vorteil dar [5.21].
In der ersten Entwicklungsphase war die Zellenform beim Deinking-Proze
rechteckig. Die Verteilung der Luft in der Suspension und die Erzeugung der
Druckfarben-Luftblasen-Kontakte erfolgte mechanisch und mit einem starken,
speziellen Rhrwerk. Die Anlagen wiesen groe hnlichkeit mit den Flotationsanlagen auf, die in der Erzaufbereitung bekannt sind.
Die hydrodynamisch augepate Form der zylindrischen Zelle entstand in einer
zweiten Entwicklungsphase. Die Luftverteilung wurde zum Teil noch mit mechanischen Rhrwerken vollzogen. Es wurden jedoch auch die Mischkammer und das
Injektorenprinzip angewendet, die vor allem der Energieeinsparung bei der Flotation zugute kamen. Die Mischkammer bietet die Mglichkeit, die Luftblasengre
zu kontrollieren und dem Proze anzupassen.
In einer dritten Entwicklungsphase wurden Injektor- bzw. MischkammerBelftung vorherrschend eingesetzt. Durch die mehrfache Belftung steigt der
Grad der Belftung bis auf 60 %.
Die Flotation unter berdruck stellt den Anfang einer vierten Phase bei der verfahrenstechnischen Entwicklung des Flotations-Deinkingprozesses dar [5.21].
Durch die verbesserte Hydrodynamik der Zellen und durch die Steigerung des
Belftungsgrades konnte eine deutliche Durchsatzsteigerung der Anlagen erzielt
werden. Damit verbunden sank der spezielle Energiebedarf von 46 kWh!Mg von
rechteckigen Flotationszellen mit mechanischer Belftung auf 22 kWh/Mg in
Multi-Injektor-Flotationszellen [5.21].
Im gleichen Rahmen zeigt die Effektivitt der Druckfarbenentfernung eine fallende Tendenz von 90% auf78 bis 65% [5.21]. Diese Entwicklung beruht aufder
381
[Link]
Dichtesortierung
Die Dichtesortierung mit Hilfe eines flssigen Mediums wurde in der Erzaufbereitung entwickelt. Vor 15 bis 20 Jahren wurde diese Technik in verschiedenen
Versuchen auch fr die Trennung von Abfallkomponenten, NE-Metalle, Glas,
Kunststoffe und Verunreinigungen eingesetzt.
Die Auftrennung der Kunststoffpartikel nach der Dichte ist das am meisten angewandte Verfahren. Bei der Dichtetrennung mit flssigen Medien gibt es zwei
Verfahren:
- Schwimm-Sink-Verfahren,
- Hydrozyklon-Verfahren.
Schwimm-Sink- Verfahren
(5.10)
Angepat an diesen Bereich wird die Dichte der Trennflssigkeit z.B. mit CaC12
(220 g/1) eingestellt. Um eine gute Trennung zu erreichen, mu durch Zugabe von
weiteren Chemikalien die Oberflche der Kunststoffe benetzbar gemacht werden.
Bei Versuchen [5.22] mit Granulat ohne Verunreinigungen aus einer hausmllhnlichen Kunststofffraktion im Trennmedium Wasser (Dichte 1,0 g/cm3)
konnte eine Polyolefinfraktion abgetrennt und mit mehr als 98 % Reinheit ausgebracht werden. Die Schwerfraktion setzte sich aus PS und PVC zusammen, wobei
der Fehlaustrag aus weniger als 2 % PS bestand. Durch Feinanteile im Aufgabegut
wurden vorwiegend die Fehlaustrge im Schwimmgut hervorgerufen. Durch eine
vorherige Windsichtung knnen diese jedoch weitgehend abgeschieden werden.
Eine weitere Nachtrennung der Sinkfraktion in einer CaClrLsung brachte eine Anreicherung von 98 % fr PS und PVC.
382
-::
I
Wesentlich fr den Trennerfolg ist, da in der Trennzone keine Turbulenzen auftreten, die zum Aufschwimmen der Schwerfraktion fUhren. Durch diese Gefahr ist
der Durchsatz bei Schwimm-Sink-Scheidern begrenzt.
Bei Anwendung von statischen (diskontinuierlichen) Schwimm-Sink-Scheidern
sind zur Vermeidung von Turbulenzen aufwendige Konstruktionen erforderlich.
Aus wirtschaftlicher Sicht sind nur kontinuierlich arbeitende Schwimm-SinkScheider sinnvoll.
Hydrozyklon
Die Trennung der verschiedenen Kunststofffraktionen eines Granulatgemisches
wird beim Hydrozyklon in einem Zentrifugalkraftfeld hervorgerufen. Die Zyklongeometrie erzeugt einen aufwrtsgerichteten Innenwirbel mit dem die Leichtfraktion ausgebracht wird und einen abwrtsgerichteten Auenwirbel zum Ausbringen
der Schwerfraktion, wie es in Bild 5.24. schematisch dargestellt ist.
Gegenber dem Schwimm-Sink-Verfahren ist der Hydrozyklon durch einen
einfacheren Aufbau -keine komplizierten Einbauten- und hheren Durchsatz
gekennzeichnet.
Durch die Art und Qualitt der vorgeschalteten Zerkleinerungsstufe wird auch
die Qualitt der Anreicherung der einzelnen Kunststoffarten in den Hydrozyklonstufen wesentlich beeinflut. Im Rahmen von Untersuchungen im Technikumsmastab wurden Versuche an einem Hydrozyklon mit einer Kapazitt von
1 Mglh durchgefhrt [5.23]. Die verwendeten Kunststoffe wurden aus Hausmll
separiert. Der Anteil der Verunreinigungen betrug 1 bis 5 % (Papier, Metall,
Sand). Die mittlere Zusammensetzung bestand aus 80 bis 85 % PE, 2 bis 10 % PS
und 8 bis 15% PVC. Die Versuche ergaben einen 100%igen Austrag von Polyethylen, mit einem Fehlaustrag von 2 bis 3 % an Polystyrol. Ein Fehlaustrag von
PVC konnte in der Polyethylenfraktion nicht festgestellt werden. Die Nachsortierung der Schwerfraktion aus Polystyrol und PVC aus dem Umlauf des Zyklons
ergab, da bei PVC eine nahezu 100%ige Anreicherung erreicht wird. Polystyrol
6)
7)
15)
&)
10)
Ir Sperrleitrott
tr lumpet\
lr Glat
Ki' Kul'\atatolle
~wenkrulsc:bt f{lr
Muldt
M\olfdt
[Link],dt
Muldt
2 MLI11pttUn
11)
383
konnte zu etwa 95% angereichert werden, der Fehlaustrag bestand aus PVC und
Polyethylen. Der Groteil der enthaltenen Verunreinigungen wurde zusammen mit
dem PVC als Schwerfraktion abgeschieden.
Da Haftwasser aus dem Zyklon ausgetragen wird, wurden 0,2 m3 Frischwasser
pro Mg Aufgabegut verbraucht. Der Energiebedarfbetrug 36 kWh/Mg. Eine berschlgige Kostenrechnung ergab bei einem Jahresdurchsatz von 4 000 Mg Sortierkosten von ca. 36 DM/Mg [5.23].
Fr den Gesamtproze einer Zerkleinerung und anschlieenden Sortierung in
die einzelnen Kunststoffsorten mit Hilfe eines Hydrozyklons berechnen sich Kosten von ber 115 DM/Mg.
[Link]
Handsortierun g
Die Handsortierung stellt auch heute die einzige zuverlssige Methode dar, Sekundrprodukte gezielt und in guter Qualitt aus einem Abfallgemisch abzutrennen. Aus dem Haus- und Gewerbeabfall aber auch aus separat erfaten Abfallfraktionen lassen sich so bestimmte A1tpapierqualitten, verschiedenfarbige und
gemischte Glassorten, weie und farbige Polyethylenfolien usw. gewinnen und
Schadstoffkomponenten oder Fremdstoffe durch das Handlesepersonal entfernen.
Durch gezielte Steuerung der hndischen Sortierung kann schnell und ohne technische Umstellung auf die Marktpreisschwankungen von Sekundrrohstoffen eingegangen werden.
Da die Handsortierung kostenintensiv ist, mu durch eine maschinelle Untersttzung die Leseleistung erhht werden. Materialien mit kleiner Komgre werden durch Siebe entfernt und so die Produktivitt der Handlese erhht. Magnetscheider, Geblse, Schrgbnder, Siebmaschinen haben alle das Ziel, den Gut-
384
strom fr die Handlese vorzubereiten und die Leseleistung des Personals zu verbessern. Dabei wird in positive und negative Sortierung unterschieden.
Bei der Positivsortierung wird der Wertstoff gezielt aus dem Gutstrom hndisch herausgenommen und in die entsprechenden Abwurfschchte geworfen. Bei
der Negativsortierung werden die Strstoffe aus dem Gutstrom geklaubt, whrend
die gewnschte Fraktion auf dem Leseband verbleibt.
Mit der negativen Sortierung sind wesentlich hhere Leseleistungen bei geringeren Qualitten zu erreichen. Mit der positiven Sortierung knnen gezielt hhere
Qualitten zusammengestellt werden, dabei ist jedoch die Leseleistung wesentlich
geringer. Die getrennte Sammlung von Wertstoffen erhht die Sortierleistung des
Personals erheblich.
Sortierleistung bei Altpapier
Altpapier aus Bndelsammlungen, das weitgehend aus Zeitschriften und Illustrierten besteht, wird durch Separierung von Verpackungsmaterial und Aussortierung von papierfremden Bestandteilen in die Qualitten D39-Deinking (ca. 95 %)
und B19-Kauthaus (ca. 4 %) getrennt. Die Sortierleistung liegt zwischen 1 und 1,5
Mg/Mann und Stunde [5.25].
Bei Altpapier aus Depotcontainern steigt der Anteil von Verpackungsmaterial
auf bis zu 35% an. Die Sortierleistung liegt bei etwa 0,7 bis 1,2 Mg/Mann und
Stunde [5.25]. Bei der Sortierung des Altpapiergemisches aus der Monotonne zu
D39 (Deinking) und Bl9 (Kaufhaus) oder B12 (sortiertes Mischpapier) sinkt die
Sortierleistung auf ca. 0,7 bis 1,0 Mg/Mann und Stunde [5.25].
Eine deutliche Verringerung der Sortierrnglichkeiten entsteht, wenn das Altpapier in Mll-Trommelfahrzeugen durchmischt oder in Mll-Prefahrzeugen
gepret wird. Dieses Material kann nach Aussortierung von Unrat lediglich als
Mischpapier verkauft werden. Es besteht jedoch die Mglichkeit, je nach Zielsetzung, durch Einsatz anderer Sammelfahrzeuge oder durch Reduzierung des Predruckes eine Vermischung zu verhindern.
Die Sortierleistungen bei Altpapier aus der Wertstofftonne liegen in Abhngigkeit von der technischen Ausstattung der Sortieranlage zwischen 0,45 und
0, 7 Mg/Mann und Stunde.
Sortierleistung bei Altglas
Die Handlese bei Altglasaufbereitungsanlagen hat folgende Aufgaben [5.26]:
- Auslese von groben Verunreinigungen,
- Auslese von Keramik,
- Auslese ganzer Wei- bzw. Braunglasflaschen bei farbgemischtem Altglas
bzw. von Fehlfarben bei farbsepariert gesammeltem Altglas.
Die mgliche Sortierleistung sowie die erzielbare Reinheit des handsortierten
Gutes sind im wesentlichen abhngig von der Hhe des Bruchanteiles im aufgegebenen Altglas. Die Sammlung und der Transport des Altglases zur Aufbereitung
sollten daher auf einen mglichst geringen Bruchanteil ausgerichtet sein.
Bei Untersuchungen an der TU Berlin konnte die Effektivitt der Handsortierung von Wei- und Braunglas aus farbgemischtem Altglas ber den Versuchszeitraum von einer Woche mit 10,75% und der erfaten Fremdbestandteile mit
0,49 % bestimmt werden.
385
5.1.4
Verdichten
386
>
Phase I
Phasen
Phaseiii
c::
0
Kolben PreOdruck p
Bild 5.26. Prinzipieller Zusammenhang zwischen Predruck und Volwnenreduktion bei der
Preagglomeration mit festem Widerlager [5.65]
Extruder,
Schneckenpresse
Pelletierpresse
Brikettierpresse
387
Druckes weicht dieser dem weiteren Stempelfortschritt aus, wenn sein Verschiebewiderstand berwunden ist.
Strangpreverfahren werden eingeteilt in kontinuierliche, quasikontinuierliche
und diskontinuierliche Verfahren.
Kontinuierlich arbeitende Pressen sind Extruder- bzw. Schneckenpressen.
Hierbei wird das Pregut mit einer Verdichterschnecke gegen eine Matrize (mit
einer oder mehreren Bohrungen) gedrckt und als kontinuierlicher Strang gefi>rdert. Nach diesem Prinzip werden vorwiegend feinkrnige, stark feuchte Materialien (z.B. Klrschlamm in Mischung mit Holzspnen) aufbereitet.
Quasikontinuierliche Strangpressen bzw. Pelletierpressen sind Kollergangpressen, die mit rotierenden Kollern ber gelochte Scheiben oder in Ringmatrizen das
Pregut in die Matrizenbohrungen hubweise einpressen. Bei der Pressung werden
parallel mehrere Strnge gefrdert, die, zeitlich versetzt, diskontinuierlich ausgetragen werden.
In diskontinuierlich arbeitenden Kolbenstrangpressen bzw. Brikettierpressen
wird das Pregut mit mechanisch oder hydraulisch angetriebenem Kolben hubweise in einen offenen Formkanal verdichtet [5.65]. In der Regel wird nur ein
Formkanal verwendet, so da pro Hub nur je ein Brikett gefi>rdert werden kann.
[Link]
Ballenpresse
Der Einsatz von Ballenpressen filr die verschiedensten Produkte (Papier, Pappe
und Kunststoff-Folien, z.T. auch fitr Metalldosen und grobe Holzspne) hat sich in
der Praxis durchgesetzt.
Container- und Ballenpreverfahren werden in Kapitel 3 .1.2.2 ff. ausfilhrlich
beschrieben.
[Link]
Weitere Preverfahren
388
Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Kolbenstrangpressen fr die Torfverarbeitung und die Braunkohlebrikettierung eingesetzt. In der Abfallwirtschaft wurden diese Pretypen in den letzten Jahren vor allem fr die Verdichtung von Sgemehl, Holzspnen, Stroh, Altpapier etc. untersucht [5.65].
Eine weitere Bauform einer Brikettieranlage ist die Brikollare-Presse. Diese erzeugt durch Walken unter hydraulischem Predruck Prelinge aus MllKlrschlamm-Gemischen mit einem Wassergehalt von ca. 55 Gew.-%. Die Prelinge werden anschlieend im Schnellrotteverfahren vorgerottet (Brikollareverfahren, s. auch Kap. [Link]).
Pelletierpressen
Die Pelletiertechnologie wurde ursprnglich in der Futtermittelindustrie zur Verwertung der heizwertreichen Fraktionen aus Mll (BRAM) entwickelt. Von dort
wurden Pelletierpressen von der Abfallwirtschaft bernommen. Aufgrund der
hheren Durchstze und des zustzlichen Zerkleinerungseffekts im Kollergang
wurden Pelletierpressen gegenber Brikettierpressen in Aufbereitungsanlagen mit
BRAM-Herstellung bevorzugt. Mit der Pelletierung sollten vor allem folgende
Vorteile erzielt werden:
- verringertes Lagervolumen durch die Erhhung des Schttgewichtes vom losen
Brennstoff (ca. 65 kg/m2 ) zu weichen Pellets (ca. 450 kg/m2 ) oder zu harten
Pellets (ca. 650 kglm2 ),
- verbesserte Flie- und Dosiereigenschaften,
- Vermeidung von Brckenbildung in Silos und Transportaggregaten,
- Erhhung der Energiedichte und des Wrmeinhaltes durch Druck und Wrme
[5.14].
Zur Verdichtung werden Pelletierpressen in drei verschiedene Grundformen unterschieden:
- John-Deere-Pressen,
- Ringmatrizenpressen,
- Flachmatrizenpressen.
John-Deere-Presse
Dieser Pressentyp besteht aus einem Ring von senkrecht angeordneten Presskanlen mit einem Querschnitt von 32 x 32 mm. Das zu verpressende Material wird
von oben auf die Kollerspur ber den Prekanlen gegeben. Der Koller pret das
Material in die quadratischen Kanle. Auf diese Weise wird das Material zu
Strngen geformt und anschlieend durch feststehende Messer auf 20 bis 50 mm
Lnge abgeschnitten.
Ringmatrizenpressen
In der Regel bestehen die vertikal angeordneten Preorgane aus einem Matrizenring und innenlaufenden Kollern, wie in Bild 5.28. schematisch dargestellt. Entweder ist der Matrizenring oder sind die Koller angetrieben. Das Material wird
von innen radial durch die Bohrungen der zylinderfrmigen Matrize gepret. Die
Anzahl und Gre der Koller sind durch den Matrizeninnenraum begrenzt. Das
Material wird axial ber eine Schnecke oder ber eine Rutsche zugefiihrt.
3 Pellets
2 Matrize
1 zu verpressendes Material
389
Bild 5.28. Schematische Darstellung des Pelletiervorganges bei der Ringmatrizenpresse [5.68]
Tabelle 5.4. Angaben ber die maximalen Komgren und Feuchtegehalte des Einsatzgutes
BRAM von verschiedenen Pressenherstellern
Flachmatrize
A. Kahl
Maximale AufgabeKmung[mm]
Maximale Feuchtigkeit
[Gew.-%]
Ringmatrize
CPM
Sirnon Heesen
System
John Deere
PLM
120
10 bis 15
50
120
28
15
32
Flachmatrizenpresse
Die Flachmatrizenpresse besteht aus einer runden und flachen Matrize, auf der die
angetriebenen Koller rotieren. Das Material wird senkrecht axial durch die Prekanle gepret. Die Kollerabmessungen und Kolleranzahl knnen flexibler als in
der Ringmatrizenpresse gehandhabt werden. Das zu verpressende Einsatzmaterial
fllt senkrecht von oben auf die Preorgane. Leitbleche oder Zwangseinspeiseelemente sind nicht erforderlich.
Wie Tabelle 5.4. zeigt, geben die Firmen fr die jeweiligen Pressen Obergrenzen hinsichtlich der Komgre des Materials an, um Verstopfungen und
Blockaden zu verhindern.
Neben den genannten Parametern spielt der Feuchtigkeitsgehalt bei der Verpressung eine wesentliche Rolle und kann z.B. bei losem BRAM zwischen 18 bis 24
Gew.-% zu den besten Ergebnissen fr die Durchsatzleistungen fhren.
Nach jeder Pelletierung mssen die heien Pellets abgekhlt und der berschssige Wasserdampf abgefhrt werden, um ein Zerfallen zu verhindern. Werden nur Weichpellets, unter geringem Druck und ohne Trocknung hergestellt, ist
fr eine lngere Lagerung eine biologische Stabilisierung unter Chemikalienzugabe erforderlich.
390
5.2
Aufbereitungsverfahren
Die stoffliche Verwertung von Stoffen aus Abfllen ist sowohl bei der getrennten
Sammlung als auch bei der Erfassung von gemischten Abfllen an die Voraussetzung geknpft, da eine der Sammlung nachgeschaltete Behandlungsanlage die
Abfallbestandteile zu verwertbaren Fraktionen aufbereiten kann.
1995 wurden in der Bundesrepublik werden 32 Glashtten mit 25 Anlagen fiir
die Altglasaufbereitung betrieben [5.188]. Im Jahr 1992 wurden bei einem Gesamtverbrauch von Glasverpackungen (einschlielich der importierten gefiillten
Glasverpackungen) von ca. 3,81 Mio. Mg etwa 2,46 Mio. Mg wiederverwertet
[5.188]. Dies bedeutet eine Verwertungsquote von 64,5 %.
Zur Aufbereitung der Haushaltsabflle mit dem Ziel der Wertstofferfassung
waren im alten Bundesgebiet 45 Sortieranlagen (Stand Juli 1990) in Betrieb
[5.141]. Aufgrund umfangreicher Planungen von Sortieranlagen sowie Umrstungen von bestehenden Anlagen mit dem Ziel, auch DSD-Leichtfraktionen (Fraktion
des Dualen Systems Deutschlands) zu sortieren, sind derzeit ber 400 Sortieranlagen fiir die Wertstofferfassung aus den Haushalts- und Gewerbeabfllen verfiigbar. Eine gleich groe Zahl an Anlagen kann fiir die Aufbereitung von Bauschutt
und Baustellenabfllen angesetzt werden.
5.2.1
5.2 Aufbereitungsverfahren
391
........_......
...
-.........
1$2~~
Bild 5.29. Potential der Abflille aus Haushalten und deren Erfassungswege in Abhngigkeit von
den Bebauungsstrukturen [kg!E a] [5.140]
Aus Bild 5.29. geht deutlich hervor, da die Beteiligung an der getrennten Wertstofferfassung in Abhngigkeit von der Bebauungsstruktur erheblich differiert.
Eine wesentliche Ursache ist in der unterschiedlichen Wirksamkeit finanzieller
Anreize zu suchen. Dadurch wird in der Ein-/Zweifamilienhausbebauung eine
Erfassungsquote der Wertstoffe von durchschnittlich 80 %, in den Growohnanlagen/Neubaugebieten hingegen nur von durchschnittlich 34 %realisiert.
Aus Bild 5.29. wird auch ersichtlich, da die Erfassungsquoten bezglich der
einzelnen Stoffgruppen sehr unterschiedlich ausfallen, die in den entsprechenden
Sortieranlagen ftir die Vermarktung aufbereitet werden.
In einer Untersuchung von I 00 Mg Altglas aus Depotcontainern konnte ein
Fremdanteil von 0,61 % bestimmt werden. Diese Fremdbestandteile setzen sich
aus folgenden Komponenten zusammen:
Tabelle 5.5. Zusammensetzung der Fremdstoffe im Depotcontainer von Mischglas
Stoffgruppe
[%]
Fe-Metalle
NE-Metalle
Kunststoffe, Kork
0,10
0,02
0,05
Papier
0,40
Steine, Porzellan
o
0,04
..-
o '''''''''''''''''''''''''~ --M--
Surnrne
0,61
Das Glas wurde in einer Anlage entsprechend der in Bild 5.30. aufbereitet.
392
10
1. Aufgabetrichter
7. Gummigurtilirderer
2. Schwingilirderrinne
3. GummigurtfrdereT
4. Magnetabscheider
5. Hammerbrecher
6. Sieb-Schwingfrderrinne
8. Magnetabscheider
9. Leseschutz
10. Lesebhne
11. Gurtbecherwerk
12. Absauganlage
Bild 5.31. stellt die Herstellungs- und Verbrauchsstufen ftlr Papier der Bundesrepublik Deutschland ftlr das Jahr 1994 dar. In diesem Mengenfliebild sind alle
vier Hauptproduktgruppen Papier, Karton und Pappe zu Verpackungszwecken,
Graphische Papiere, Hygiene-Papiere sowie Technische und Spezial-Papiere bercksichtigt.
Im Jahr 1994 wurden 14,457 Mio. Mg Papier, Pappe und Karton erzeugt. Daftlr
wurden 8,160 Mio. Mg bzw. 56,4% Altpapier sowie 8,136 Mio. Mg Neufasern
und HUfsstoffe eingesetzt.
Die Marktversorgung von Papier und Pappe wird durch einen Nettoimportberschu in Hhe von 1,878 Mio. Mg bzw. 13,0% der Inlandserzeugung
auf 16,335 Mio. Mg angehoben. Unter Bercksichtigung des bei der Verarbeitung
anfallenden Altpapiers, der Remittenden, der bentigten Zusatzstoffe und des
Nettoexportberschusses kann der Produktgebrauch auf 14,853 Mio. Mg beziffert
werden. Durch Abzug der Mengen langlebiger Produkte, nicht erfabarer Produkte oder nicht verwertbaren Altpapiers besteht ein theoretisches AltpapierPotential beim Endverbraucher von 12,529 Mio. Mg. ber die haushaltsnahe und
gewerbliche Altpapier-Sammlung werden 8,644 Mio. Mg Altpapier erfat.
In der Folge der Verpackungsverordnung, der Einfiihrung des Dualen Systems
und der Freiwilligen Selbstverpflichtung der AGRAPA hat es auf dem Gebiet der
Altpapiererfassung aus Haushalten erhebliche Vernderungen gegeben.
Mit Einfilhrung des Dualen Systems wurden von diesem die bestehenden Erfassungssysteme ftlr die Verpackungspapiere und -pappen und die graphischen
Papier bernommen. In der Tabelle 5.6. sind die Sammelsysteme fiir die haus-
5.2 Aufbereitungsverfahren
393
Produktioosspezifische Abflle
1,990 Mio. Mol
AP-Export
RernitiBrden
0,300 Mio. Mol
Nelklexportilberschu verarbei1eler
F'roruk1B0,919 Mio. Mg
Deponie
1,632 Mio. Mol
l'l!fallverbrennung
0,98 Mo. Mol
DepoCcon1ainer
2,59 Mio. Mol
Moootoone
1,84Mio. Mg
Bioabfallkompostiefulg
Brdelsammlmg
0,37 Mo. Mol
SoostigeSyslllme
0,46 Mo Mol
Bild 5.31. Mengenfliebild fiir alle Herstellungs- und Verbrauchsstufen fiir die Papiere und
Pappen fiir das Jahr 1994
394
Depotcontainer
Bndelsammlung
Monotonne
Sonstige Systeme
Summe
1992
[MioMg] [%]
1,51
39,0
14,2
0,55
1,71
44,2
0,10
2,6
3,87
100
1994
[MioMg] [%]
2,47
49,3
0,35
7,0
1,75
34,9
0,44
8,8
5,01
8,8
1995
[MioMg] [%]
2,59
49,3
0,37
7,0
1,84
34,9
0,46
8,8
5,26
100
Tabelle 5.7. Zusammensetzung der haushaltsnahen Erfassung von Altpapieren in den Jahren
1992-1995
1992
[MioMg]
Verpackungspapiere 1,36
Graphische Papiere 2,51
3,87
Summe
[%]
35,1
64,9
100
1994
[MioMg]
1,40
3,61
5,01
[%]
27,9
72,1
100
1995
[MioMg]
1,468
3,792
5,260
[%]
27,9
72,1
100
1992
1994
1995
1996
1997
Altpapierverwertung [%]
Graphisches Papier
Gesamtpapier
54,6
52,1
64,1
56,4
72,9
58,0
82,9
60,3
83,1
59,3
In der BHMA 1985 wurden 755 000 Mg Kunststoffe oder 12,4 kg!E und Jahr
statistisch erfat. Die Verpackungen haben an den KunststoffabOOien einen Mengenanteil von 84,8 %. Als Gebrauchsgegenstnde sind Spielzeug, Einweggeschirr,
Schallplatten, Schaumstoffe, Schreib- und Browaren einzustufen [5.38].
Auer dieser Kunststofffraktion ergeben sich Verbundstoffe, die ebenfalls
Kunststoffe enthalten, aber bei der Hausmllanalyse anderen Kategorien wie Le-
5.2 Aufbereitungsverfahren
395
[kgiEa)
14
12
~PE/PP
10
l2j PS
PVC
SONSTIGE
VERUNREINIGUNGEN
KUNSTSTOFFE
~ MEHRSTOFFTONNE
rm
2
0
BRINGSYSTEM
HOLSYSTEM
MEHRSTOFFTONNE
Bild 5.32. Erfassungsquote filr die Mehrstofftonne des Hol- und Bringsystems und die Zusam-
396
0,0'/o
:E 17,9 kg(E*a)
Restabfall +
Sortierrestat___..,......._
2,01Q'(E"aV
0
B Ill
aoot:tell
121
~I
Leichtver-
8
0
C
V\Ei~ec:h
AIUTiriurr LrdAh..tdiEn
Gotr~rkekertcns
[ ] Gas
~PaPat
1131~
E:l ~a..sPI
Bild 5.33. Zusammensetzung der Sammetware DSD-Leichtfraktion in der Stadt Dresden, Juni
1996
In Bild 5.33. ist die Zusammensetzung der Gelben Tonne und des Gelben Sackes
dargestellt fiir die Stadt Dresden im Sommer 1996. Die Mehrstoffsammlung ist
seit langem bekannt dafilr, da die Verunreinigungen hoch sind. Die gewnschte
Sammelware macht nur ca. 60 % der eingesammelten Menge aus, wobei die
Fehlwrfe und die artgleichen Wertstoffe wieder in den Kreislauf der Rohstoffe
gefilhrt werden knnen.
Die bisher genutzten Sortieranlagen des DSD sind einfache Anlagen mit Handsortierung. Die Neuentwicklung (Kaktus) gliedert sich in eine trockenmechanische
und eine namechanische Aufbereitung. Bild 5.34. stellt das vereinfachte Fliebild
der Versuchsanlage dar.
Zentrale Prozestufe des Verfahrens bildet ein spezieller Stofflser, der mit
dem Rohmaterialgemisch nach mechanischer Gebindeffnung und Magnetscheidung beaufschlagt wird. In dem diskontinuierlich arbeitenden Stofflser
erfolgt unter Zugabe von Prozewasser eine Attrition zur Oberflchenreinigung
und Auflsung von Papier. Daneben werden im Reaktor ber eine Schwergutfalle
verschleifrdernde Inhaltsstoffe wie Glas, Steine und Schrott dem weiteren Proze entzogen.
Die Trennung von Pulpe und Feststoff wird in einer nachgeschalteten Ableertrommel vorgenommen. Aus der Pulpe werden zunchst die Papierfasern abgesiebt und entwssert, bevor das Prozewasser zur geschlossenen Kreislauffilhrung einer mehrstufigen Reinigung unterzogen wird. Abgang der Prozewasserreinigung bildet ein auf ca. 45 % TS entwsserter Schlamm.
Die in der Ableertrommel abgetrennten gereinigten nicht lslichen Komponenten werden schneidend zerkleinert und einer Dichtetrennung mittels Sortierzentrifuge bei einer Trenndichte von 1 glcm 3 unterzogen, als deren entwssertes
5.2 Aufbereitungsverfahren
397
AulgabeLVP
, - - - - - [Link] -
PS-Fraktion
(opUonal)
, - - - - - Aluminium
PVC-Fraktion
(Res/)
Kunststoff..
mlsehprodukt -
wonnen [5.140]
Die Organik im Bereich der Haushaltsabtalle setzt sich aus Kchenabfllen und
Abfllen der Gartenpflege zusammen und bilden den BegriffBioabflle. Nach den
Daten der Bundesweiten Hausmllanalyse betrgt der Anteil der organischen
Fraktion ca. 32 Gew.-%. Legt man rein kalkulatorisch die projektierten Wertstoffabschpfungen der gesetzlichen Vorgaben zugrunde, steigt der Organikanteil
relativ im Hausmll auf 57 Gew.-%.
Derzeit geht man abhngig von regionalen Gebietsstrukturen von unterschiedlichen Erfassungsmengen aus. So liegen die Mittelwerte der in verschiedenen Projekten erfaten Bioabfallmengen in Mittel- und Grostdten bei 70 bis 120 kg!Ea
und in Landkreisen bei 80 bis 180 kg/E*a. Der Anteil der Park- und Gartenabflle
betrgt davon 30 bis 60 kg/E*a. Der Anteil der Garten- und Parkabtalle ist fur
saisonale Schwankungen in den Erfassungsmengen von mehr als 50 % vom Mittelwert verantwortlich [5.123].
Die relativ groen Bandbreiten in den Erfassungsmengen sind auf regionale
Umstnde, wie Erfassungssystem, sowie auf Motivation und besonders auf den
Stellenwert der Eigenkompostierung zurckzufhren.
398
[Link]
Recycling von hausmllhnlichen Gewerbeabfllen
Je nach der Gebietsstruktur und aufgrund der Vielfalt der zu entsorgenden Branchen variieren die Inhaltsstoffe der hausmllhnlichen Gewerbeabililie erheblich,
wie in Bild 5.35. und der Tabelle 5.9. deutlich wird. Durch erhhte Anteile an
Verunreinigungen (z.B. organische Bestandteile) sinkt die Sortierbarkeit und
Qualitt der Wertstoffe erheblich. Eine weitgehende Vermeidung der Vermischung mit nicht verwertbaren Abililien ist nur durch eine mglichst getrennte
Erfassung am Anfallort mglich. Eine Aufbereitung von Gewerbeabfall ist hnlich
Papier/Pappe
Sonstiges
11%
13%
5%
Textilien
M'!talle
1%
1%
Mschabflle
8%
Glas
2%
Renovierungsabflle
10%
Kunststoffe
18%
6%
7%
5%
5.2 Aufbereitungsverfahren
399
wie beim Hausmll mglich und erfolgt nach den gleichen technischen Grundstzen. Um die Sortierung von Gewerbeabfllen voranzutreiben, werden von privaten
und kommunalen Entsorgern auch die Gewerbeabflle getrennt gesammelt.
Aufgabe der in Sortieranlagen fUr Gewerbeabflle vor- und zwischengeschalteten Sortier- und Klassieraggregate ist es, die jeweilig interessanten (d.h.
sortierwrdigen) Fraktionen der Inputmaterialien soweit anzureichern bzw. um
Strstoffe (d.h. softierunwrdige Fraktionen) abzureichern, da die darauffolgende
hndische Sortierung mit hoher Effizienz erfolgen kann. Die Aufbereitungsaggregate wie Siebe, Windsichter, Ballistischer Separator, Magnetscheider etc.
befreien das Gut auerdem von belastenden Stoffen oder leicht zu trennenden
Wertstoffen.
Tabelle 5.9. Gewerbemllzusammensetzung im Landkreis Heidenheim und im Stadtkreis Ulm
1985 [5.90]
Stoffgruppe
Vegetabilien
Glas
Schrott
Folien
brige Kunststoffe
Textilien
Gummi und Reifen
Holz
Papier
Pappe
Mineralisches
Hausmllhnliches
Sonstiges
Heidenheim
[Gew.-%]
1,44
1,60
1,96
1,56
2,07
2,76
0,96
13,04
5,73
2,62
63,83
1,81
0,63
Ulm
[Gew.-%]
1,99
3,94
1,57
2,05
2,01
3,04
1,71
11,94
7,43
3,84
59,09
1,29
0,11
Das zu sortierende Material gelangt dann auf die Lesebnder, um die eigentliche
Wertstofferfassung mittels hndischer Sortierung vornehmen zu knnen. Trotz
umfangreicher Bemhungen in den Ietzen Jahren ist es bisher nicht gelungen,
grotechnische Abfallsortierverfahren zu entwickeln, die bei gleichbleibenden
Qualittsstandards auf die hndische Sortierung vollkommen oder zumindest
grtenteils verzichten knnen. Bei der auf eine thermische Verwertung ausgerichteten Herstellung von BRAM war dies hingegen mglich. Im Hinblick auf die
hier anzustrebende stoffliche Verwertung wird also die Wertstoffsortierung im
wesentlichen mittels hndischer Sortierung erfolgen mssen.
Die angelieferten Wertstoffmengen werden mittels Brckenwaage gewogen
und anschlieend im Flachbunker bzw. auf Grund abgekippt. Im Flachbunker
erfolgt die Beschickung des Unterflurbandes mit dem Radlader. Grbere Stcke
(Weiware, Motorteile etc.) werden vom Radlader zur Seite geschoben und der
entsprechenden Fraktion (Schrott, Deponierest etc.) zugeordnet. Der Material-
400
Magnetscheider
Reststoffe
L-"
J____. /
'-.__.__['
'--------v/
Bild 5.37. Mengenbilanz filr 30 000 Mg/a Werstoffgemisch aus der Gewerbemllsortierung
5.2 Aufbereitungsverfahren
401
Anlleferung
Gewerbeabfllle
\\t6rstofle
stromgelangt ber ein Steigband zur Sortierstation (Sortierbhne), in der die einzelnen Wertstoffkomponenten und Reststoffe mit der Hand aussortiert werden. Es
findet eine kombinierte positive und negative Handlese statt. Bild 5.37. zeigt die
Mengenbilanz fr eine Verarbeitungsmenge von 30 000 Mg/a oder 15 Mg/h Weftstoffgemisch aus Wertstoffcontainern in graphischer Form (Sankey-Diagramm).
Dabei wird deutlich, da trotz der angenommenen Verwertungsmglichkeit immer
noch eine Reststoffdeponie vorgesehen werden mu. 4 200 Mg/a oder 14 Gew.-%
aus der Anlage mssen beseitigt werden.
Eine beispielhafte Anlage zur Sortierung von hausmllhnlichen Gewerbeabfllen ist seit 1992 in Berlin-Reinickendorf in Betrieb. Die Verfahrenstechnik ist
fiir eine Kapazitt von 100 000 Mg/a ausgelegt. Ziel ist die weitgehende Weftstofferfassung aus den angelieferten Abtallen (s. Bild 5.38.).
Die angelieferten Gewerbeabtalle werden zur Bevorratung und Pufferung entweder in einen Flachbunker oder direkt auf Bunkerbnder (Schubbden) aufgegeben. Eine Vorsortierung erfolgt mittels Radlader im Flachbunkerbereich und durch
einen stationren Sortiergreifer, der nach einer Vergleichmigung des Gutes auf
402
Zerkleinerung
5.2 Aufbereitungsverfahren
403
dient jeweils ein Prallbrecher. Backenbrecher werden aber auch in mobilen Anlagen als einzelner Brecher eingesetzt.
Beim horizontalen Schlagwalzenbrecher werden die aufgegebenen Baureststoffe durch Schlag und Druck zerkleinert. Ein Kratzkettenfrderer transportiert dabei
das aufgegebene Material der Schlagwalze zu. Die Verschleikosten liegen dabei
zwischen denen des Backenbrechers und Prallbrechers (Tabelle 5.10.).
Tabelle 5.10. Vergleich der unterschiedlichen Brechertypen [5.160]
Parameter
Prallbrecher
Backenbrecher
Schlagwalzenbrecher
Beanspruchung
Prall
Druck
Schlag, Prall
1:6
500
1:7
200
<5
< 15
Zerkleinerungsverhltnis 1:20
Festigkeit der Aufgabe- 300
materialien, [MPa]
<8
Feuchte, [%]
Vor- und Nachteile:
groe Masse
geringe Masse
geringe lnvestkosten wenig stranflillig
geringe Masse
ebenerdige Beschikkung, geringe Bauhhe
empfindlich gegen
nicht zerkleinerbare
Gegenstnde (z.B.
Stahl)
geringe StaubentwiekJung
keine Fundamente,
leichte Umsetzbarkeit
lange Standzeiten
der Verschleielemente bei Einsatz
als Vorbrecher
Verschleikosten hher
als Backenbrecher u.
niedriger als Prall-breeher, starker Verschlei der Kratzkette
hohes Zerkleinerungsverhltnis
(Einsparung einer
Zerkleinerungsstufe)
geringer Energiebedarf
geringer spezifischer
Energieverbrauch
Klassierung
Die Klassierung dient der Auftrennung des Aufgabematerials in Kornklassen.
Dabei wird die Vorabsiebung und die Nachsiebung (Produktsiebung) unterschieden. Der Vorabscheider ist massiv zu konstruieren, da unzerkleinerter Bauschutt teilweise direkt vom Radlader aufgegeben werden. Fr die Vorabsiebung
wird. Stangemoste, Stangensizer, Schwerlastsiebe oder Rollemoste eingesetzt. Die
meist zweistufige Vorabsiebung dient zur Vorabtrennung des Fllbodens (0/810 mm) und einer Mittelkrnung (8/32-56 mm), um den Verschlei am nachfolgenden Brecher zu verringern und den Durchsatz zu erhhen.
404
5.2 Aufbereitungsverfahren
405
Bild 5.39./A Mobile Recyclinganlage der Fa. Orenstein & Koppel, Durchsatz von
100 bis 120 Mg/h
Bild 5.39.18 Mobile Recyclinganlage mit Raupenfahrwerk der Fa. Orenstein & Koppel
Bild 5.39/C: Transport der Recyclinganlage mit Raupenfahrwerk auf einem Tieflader
406
5.2 Aufbereitungsverfahren
407
408
Feinkam
Verbrennungsanlage
intern
t-----~----+----+---1
L_- - -Verladung
-
------------"
5.2 Aufbereitungsverfahren
409
~-
1--r---~~~
1-bl
410
Als Mengenfaktoren sind vor allem der Ausbau und die Rekonstruktion der Straen in den neuen Bundeslndern zu sehen. Entscheidend fOr die Einsatzflihigkeit
der Recycling-Baustoffe ist dabei deren Umweltvertrglichkeit
Ein wesentlicher Beitrag zur Akzeptanz und damit zur Schaffung von Absatzpotentialen fOr alternative Baustoffe wurde durch die 1983 gegrndete Gtegemeinschaft der Recycling Baustoffe e.V. bewirkt. Umfassende Festlegungen ber
Gte- und Prfbestimmungen zur Qualittssicherung fOr Recyclingbaustoffe haben diese in kalkulierbare Konkurrenz zu Primrbaustoffen gesetzt.
Die derzeit praktizierten Einsatzmglichkeiten fr Recycling-Baustoffe sowie
die Anforderungen hinsichtlich der jeweiligen Prfbestimmungen werden in dem
"Merkblatt ber die Verwendung von industriellen Nebenprodukten im Straenbau, Teil: Wiederverwendung von Baustoffen" der Forschungsgesellschaft fOr
Straen- und Verkehrswesen im Einzelnen beschrieben.
Neben dem Merkblatt gibt es die Technischen Lieferbedingungen '95 fr Recycling-Baustoffe in Tragschichten ohne Bindemittel, die LAGA Anforderungen
an die stoffliche Verwertung von mineralischen Reststoffen/AbflUlen - Technische Regeln - Teil 11.1.4 Bauschutt vom September 1995 sowie das Arbeitspapier
Nr. 2811, Umweltvertrglichkeit von Mineralstoffen, Teil: Wasserwirtschaftliche
Vertrglichkeit der Forschungsgesellschaft fOr Straen- und Verkehrswesen.
Eine Erhhung der Verwertungsquoten fOr Bauabflle wird vor allem durch die
Anwendung eines technischen und organisatorischen Instrumentariums bestimmt.
Im wesentlichen knnen hierzu folgende Einflugren aufge:ftlhrt werden
[5.168]:
- Verstrkte Bercksichtigung von Sekundrbaustoffen in Ausschreibungen der
ffentlichen Hand und Akzeptanzfrderung bei privaten Ausschreibern.
- Nutzung der Anstze fOr recyclinggerechte Bauweise, um zuknftige getrennte
Erfassung von Baustoffen zu gewhrleisten.
- Nachweis der Einhaltung von Verwertungspflichten bei Bauttigkeiten und
vorherige Quantiftzierung der Massenstrme.
- Einfilhrung des qualifizierten Abbruchs, d.h. frhzeitige Stoffselektion, um
nachgeschaltete Aufbereitungstechnologien zu entlasten.
- Verstrkte Entwicklung von Sortier- und Reinigungstechnologien zur Entfernung von Strstoffen, die die Qualitt des Alternativ-Baustoffes beeinflussen.
- Qualittssicherung der Sekundrprodukte durch abgestimmte Aufbereitungstechnologien und allgemein anerkannte Gteberwachung.
- Entwicklung von neuen Mrkten fOr problematisches Massenmaterial, z.B.
Ziegel, Holz, sowie verstrkte Nutzung der vorhandenen Marktpotentiale.
Ein wesentliches Element, welches zeitlich und technisch kurzfristig umsetzbar
ist, ist die fOr eine nachfolgende Aufbereitung des Bauschutts sinnvolle selektive
Demontage von Bauwerken. Im folgenden soll darauf nher eingegangen werden,
wobei diese Methode nicht in jedem Fall die traditionellen Abbruchtechniken
vollstndig ersetzen kann.
6.2 Aufbereitungsverfahren
Systematischer Rckbau
411
412
Abrikonzept
Der Grundgedanke in 1 des Abfallgesetzes (Vermeidung vor Verwertung vor
Entsorgung) sollte in einem Abrikonzept eine ausreichende Anwendung fmden.
Eine Vermeidung von Abfall in bezug auf Bauwerke liegt zunchst im vollstndigen oder teilweisen Erhalt der Bausubstanz. Eine Verwertung liegt vor, wenn
Fraktionen der Baumasse sortiert oder aufbereitet und wieder als Wertstoffe verwendet werden knnen. Ein selektiver Abri ist dafilr eine vorbereitende Manahme. Eine Entsorgung von Abfallstoffen erfolgt, wenn keine geeigneten Vermeidungs- oder Verwertungsverfahren gefunden werden knnen.
Um eine weitgehende Wiederverwertung von Material zu gewhrleisten, ist die
Erstellung eines Abrikonzeptes erforderlich (s. Bild 5.43. und Bild 5.44.). Dieses
Abrikonzept mu folgende Aspekte beinhalten:
- Notwendigkeit der Abrimanahme,
- Vorgehensweise beim Abri,
- Trennung des Bauschutts,
- Lagerung des Bauschutts,
- Verwertungs- und Entsorgungswege.
Bei der Auswahl der Abbruchtechniken und der praktischen Vorgehensweise sind
insbesondere die Belange der Arbeitssicherheit mit erster Prioritt zu bercksichtigen.
Das Abrikonzept sollte ebenso die sptere Nutzung des Gelndes bercksichtigen. Bei einer erneuten Bebauung knnen u. U. Gebudeteile, wie Fundamente, Sttzmauern, befestigte Wegflchen etc., bestehen bleiben. Verwertbare
Abrimaterialien knnen u.U. fiir eine Folgenutzung am Abriort verbleiben.
Die direkte Eingliederung der ausgebauten Teile in den Rohstoffkreislauf ist
angebracht, da es sich in der Regel um nicht toxische Baurestmassen handelt.
Generell sollte bercksichtigt werden, da Baureststoffe zwar gebraucht, aber im
physikalischen Sinne nicht verbraucht sind. Daher ist der Wiedereinsatz in anderer
Form, an anderer Stelle als Ersatz- oder umgewandelter Sekundrrohstoff gerechtfertigt und je nach Aufbereitungsverfahren konomisch und kologisch sinnvoll
[5.168).
Durch das im Abfallgesetz wie auch in den Zielfestlegungen der Bundesregierung formulierte Verwertungsgebot ist es darber hinaus notwendig, auch die
derzeitigen Bautechnologien und -materialien zu berprfen, ob diese fiir eine
6.2 Aufbereitungsverfahren
413
Prfung Bauunterlagen
Gebudebegehung
{}
Demontageplan
li
{}
{}
414
Stufe 2
Stufe 3
Stufe4
technische Gerte,
Heizung, Rohre,
Annaturen, Tren,
Fenster,
Frdertechnik
Lager
Instandsetzung
Handel
Entsorgung
elektr. Leitungen,
Reinigung,
Wandverkleidungen,
Teilaufbereitung,
Decken, Fensterglas,
Trennung,
Klimakanle, Rohre,
Entsorgung
Treppen- u. Fubodenbelge
Kabelkanle,Tilrzargen
Kunststoffe,
Stahlkonstruktionen
Rohrleitungen, Fassaden- u.
Dachkonstruktionen
l=o
Asbest
Dmmmatten
Raumteiler
Fllschume
Teerpappen
Beton
Ziegel
Holz
Stahl
WertstoffAufbereitung
Entsorgung
Entsorgung
{}
Stufe 5
Rckbau Gebudesubstanz
Aufbereitung
Handel
{}
Stufe&
Fundamente
Fllsande
lsolieranstriche
Kanalisation
Aufbereitung
Entsorgung
Der Abbruch eines Gebudes lt damit zunchst zwei alternative Vorgehensweisen zu:
Demontage der Gebude unter dem Vorsatz einer mglichst weitgehenden
Materialgewinnung bei gleichzeitiger Sortierung der gewonnenen Fraktionen
in verschiedene Container.
Abbruch des gesamten Bauwerkes ohne differenzierte Demontagestufen und
ohne Sortierung vor Ort.
Eine Entscheidung zwischen beiden Mglichkeiten geschieht vor dem Hintergrund der Bedingungen:
5.2 Aufbereitungsverfahren
415
- Platzverhltnisse,
- Zeitplan,
- Lohnkosten,
- Transportkosten,
- Entsorgungskosten,
- rechtliche Rahmenbedingungen.
Meist ist eine Kombination beider Vorgehensweisen ein wirtschaftlich sinnvoller
Weg. Dabei werden in einer ersten Demontagestufe die leicht entfernbaren Dachziegel, Fenster, Tren, Rohre und Bodenbelge erfat, und anschlieend erfolgt
der herkmmliche Abri in einem weiteren Arbeitsgang.
Der mechanisierte Handabbruch ist dabei die derzeit einzige Mglichkeit, die
Baustoffe als Ganzes zu erhalten. Dachziegel knnen ohne technischen Aufwand
erfat werden. Mauerwerksziegel knnen durch ein spezielles Gert von der Mauer getrennt und gleichzeitig von anhaftendem Mrtel befreit werden. Tren und
Fenster, Dielenbretter etc. werden getrennterfat und aufbereitet.
Die Vermarktung der aufbereiteten Tren, Fenster und Ziegel etc. sowie die
Erprobung neuer Baustoffe aus recycelten Materialien erfolgt bisher erst vereinzelt.
Fr die Demontage der einzelnen Stoffgruppen ist in einer beengten, zumeist
verkehrsreichen Lage im Stadtgebiet oft nicht gengend Platz, um smtliche
Fraktionen vor Ort zwischenzulagern. Die Demontage lt sich aber unter Umstnden in zeitlicher Reihenfolge durchfhren, so da nicht whrend der gesamten
Abridauer smtliche Container oder Freiflchen bereitgehalten werden mssen.
Bei Teilabbruchvorhaben sind eine besonders sorgfaltige Abriplanung und
Abbruchstatik mageblich. Ein Einreien mit der Abribirne ist zumeist nicht
mglich, weil andere Gebudeteile durch die starken Erschtterungen in Mitleidenschaft gezogen werden.
Bei steigenden Entsorgungskosten ist eine Demontage von Gebuden bei
gleichzeitiger Gewinnung von direkt verwendbaren Baustoffen ein richtungsweisendes und kostendeckendes Verfahren [5.168).
Gnstige Bedingungen fiir einen systematischen Rckbau liegen vor, wenn nur
wenige unterschiedliche Materialien in einem Gebude verbaut worden sind. Dies
trifft vielfach auf lteren Bauten zu, bei denen Folien, Dmm- und Verbundstoffe
nur in geringem Mae eingesetzt wurden.
Die Regelwerke (Zielfestlegung der Bundesregierung und Baustellenabfallverordnung) sollen bewirken, da der Bauschutt bereits auf der Baustelle in
verwertbare mineralische und nichtmineralische und nichtverwertbare Fraktionen
getrennt wird. Bei greren Abriprojekten kann eine mobile Sortierung und Aufbereitungsanlage vor Ort sinnvoll sein.
Als Beispiel fiir eine Kosteneinsparung durch Demontage lassen sich die Abriarbeiten am Bahnhof Kln-Gereon nennen. Hier sind 30 Hochbauten, 18 000
und 15 000 m2 Rampen, eine Gter- und zwei Umladehallen demontiert worden.
Auf dem Gelnde waren zudem noch eine groe Zahl von Betonsockeln vorhanden. Auf dem Bahnhofsgelnde wurde eine mobile Bauschuttaufbereitungsanlage
errichtet. Whrend die Gebude mit dem Hydraulikbagger abgerissen wurden,
erfolgte die Demontage der Umladehallen mit Hilfe eines Kranes. Die Abbruch-
416
manahmen kosteten 3,2 Mio. DM, damit ergaben sich fr die Deutsche Bundesbahn Einsparungen von 2,5 Mio. DM [5.166).
1995 filhrte die Ingenieurgesellschaft INTECUS in Berlin ein Pilotprojekt
durch, bei dem baugleiche Gebude nach verschiedenen Methoden abgebrochen
wurden. Untersucht wurden Zeit- und Personalbedarf, Materialqualitten und
Verwertungsquoten. Als Fazit wurde eine Kostenbetrachtung fr die Varianten
erstellt, die sich an aktuellen Berliner Marktverhltnissen orientiert.
Untersucht wurden drei Abbruchmethoden:
Variante A: Kontrollierter Rckbau, Ausbau aller nicht-mineralischen Baustoffe auer Stahltrgem und Deckenbalken;
Variante B: Weitestgehende Entkemung, Demontagetiefe an Einbausituation
sowie Entsorgungswege angepat und optimiert
Variante C: Konventioneller Abbruch, Ausbau von Bausonderabfiillen wie gesetzlich vorgeschrieben
Im Ergebnis erwies sich die Variante B als kostengnstigste. Nachfolgend werden grafisch die Ergebnisse hinsichtlich Zeitbedarf, Demontagetiefe und Kostenbetrachtung dargestellt.
Die Erfahrungen mit einem systematischen Rckbau von Gebuden unter den
Aspekten Materialgewinnung und Wirtschaftlichkeit wren in Zukunft noch genauer zu untersuchen, um kologisch sinnvolle Richtlinien mit technisch und
wirtschaftlich nachvollziehbaren Eckwerten aufstellen zu knnen.
[Link]
Material
Stahl, Eisen
Aluminium
Sonstige NE-Metalle
(Kupfer, Blei, Zink)
Kunststoffe
Sonstiges
(Glas, Gummi)
Herstellungsjahr
1985
1965
1995
[Gew.-%]
[Gew.-%]
[Gew.-%]
[Gew.-%]
76,0
2,0
68,0
4,5
63,0
6,5
61,0
7,5
4,0
2,0
3,0
10,0
3,0
13,0
4,0
14,0
16,0
14,5
14,5
13,5
2000
5.2 Aufbereitungsverfahren
417
418
5.2 Aufbereitungsverfahren
419
Nickel, Mangan, Chrom und Chromnickelstahl- detektiert werden. Die Durchsatzleistung der Anlage betrgt in Abhngigkeit von der Komgre zwischen 400
und I 000 kglh [5.137].
Allen Verfahren zur Aufbereitung bzw. Rckgewinnung der NE-Metalle ist
gemein, da nur dann betriebswirtschaftlich gearbeitet werden kann, wenn die
Stoffstrme mehrerer Shredderbetriebe zusammengeftlhrt werden.
Als Hauptproblem der bisherigen Altautoverwertung sind die anfallenden Abflle (ca. 25 bis 30 Gew.-% vom Input) zu betrachten, die eine Vielzahl von Stoffen enthalten, die als Sonderabflle einzustufen sind. Die ShredderabOOie werden
durch Kraftstoffe, Motoren-, Getriebe- und Differentialle sowie Bremsflssigkeiten, Batteriewasser und mit Frostschutzmittel beaufschlagten Khl- und Scheibenwischwasser verschmutzt. Nach INTECUS-Schtzungen kann bei 2,6 Mio.
Altfahrzeugen jhrlich von ca. 68,7 Mio. I Flssigkeiten und len ausgegangen
werden, deren Erfassung aufgrund der bislang praktizierten Altautoentsorgung nur
unzureichend erfolgt. Dadurch werden die Sonderabflle mit harmlosen Shredderabfllen wie Textilien, Kunststoffen etc. vermischt, die dann ihrerseits aufgrund
der Kontaminierung als Sonderabflle zu betrachten sind.
Die zunehmende Verwendung von Kunststoffen, Verbundmaterialien und anderen nichtmetallischen Materialien, z.B. Keramik im Automobilbau, ftlhrt tendenziell zu steigenden Mengen an Shreddermll [5.85]. Jhrlich fallen in der Bundesrepublik Deutschland ca. 550 000 Mg Shredderrckstnde an, die grtenteils
auf Hausmlldeponien abgelagert werden. Etwa 400 000 Mg der Shredderrckstnde stammen aus der Altautoverwertung, die restlichen 150 000 Mg sind der
Zerkleinerung von Sammelschrott zuzuordnen [5.138].
Untersuchungen der Shredderabflle ergaben, da das Material im wesentlichen
mit polychlorierten Biphenylen (PCB) und Kohlenwasserstoffen (KW) belastet ist,
wobei PCB-Gehalte von durchschnittlich 50 ppm festgestellt wurden.
Die im Entwurf vorliegende Technische Anleitung zur Verwertung und sonstigen Entsorgung von Shredderrckstnden (TA Shredderrckstnde) sieht grundstzlich eine Verwertung der Shredderrckstnde vor. Ist eine Verwertung nicht
mglich, sind die Shredderrckstnde durch eine thermische Behandlung zu entsorgen. Nur wenn weder eine Verwertung noch eine thermische Behandlung
mglich ist und die Zuordnungswerte von 10 mglkg PCB-Gehalt und
4 Gew.-% KW-Gehalt nicht berschritten werden, ist die oberirdische Ablagerung
der Shredderrckstnde zulssig.
In Anbetracht der erheblichen Umweltprobleme durch die Entsorgung von Altautos wurde im Herbst 1992 die Verordnung ber die Vermeidung, Verringerung
oder Verwertung von Abfllen aus der Kraftfahrzeugentsorgung (Altauto-V) im
Entwurf vorgelegt, die die Kraftfahrzeughersteller und den Kraftfahrzeughandel in
Ausfilhrung des 14 AbfG zur Rcknahme und stofflichen Verwertung von Altfahrzeugen verpflichten soll.
Die wesentlichen Punkte der Altautoverordnung sind im folgenden dargestellt:
- Vermeidung und Verringerung von Reststoffen durch recyclinggnstige Konstruktionen und eine einheitliche Kennzeichnung der Bauteile und Materialien.
- Kostenlose Rcknahme der Altautos durch den Hersteller und Vertreiber.
420
- Rcknahme von alten Bauteilen durch Vertreiber von Ersatz-, Austausch- und
Zubehrteilen.
- Aufbau eines Rcknahmesystems mit Rcknahmestellen in der Dichte des Vertriebsnetzes.
- Vorrangig stoffliche Verwertung nicht wiederverwertbarer Bauteile.
- Hersteller und Vertreiber haben bei der zustndigen Behrde einen Nachweis
ber die stoffliche Verwertung der Materialien vorzulegen.
- Bei der Beauftragung Dritter hat der Hersteller durch ein Gutachten eines
Sachverstndigen zu belegen, da der Verwerterbetrieb die Anforderungen des
Abfallgesetzes und der Rechtsverordnung erfiillt.
- Der Letztbesitzer hat dem Hersteller, einem von diesem beauftragten Dritten
oder einem sonstigen Verwerterbetrieb das Altauto so zu berlassen, da eine
umweltvertrgliche Entsorgung gewhrleistet ist.
Die Gewinnung der in den Automobilen enthaltenen Nichtmetalle sowie die Erfassung der Betriebsflssigkeiten lt sich derzeit nur ber eine Demontage der
Fahrzeuge erreichen. Dabei soll die Demontage die bisherigen Verfahren keineswegs ersetzen, sondern vielmehr eine Ergnzung darstellen. Der Shredder wird
weiterhin seine Aufgabe als zentrales Element der Aufbereitungskette behalten, da
durch eine, unter konomischen Gesichtspunkten ausgelegte Demontage ohnehin
nicht alle nichtmetallischen Werkstoffe vollstndig separiert werden knnen.
Whrend sich die Fahrzeugmontage auf einem sehr hohen technischen Niveau
befindet, ist der Bereich der Altautodemontage eher durch eine manuelle Vorgehensweise und hohe Wege- und Rstzeiten gekennzeichnet. Da einschlgige Erfahrungen mit der Zerlegung von Fahrzeugen bislang kaum vorlagen, wurden seit
1990/91 von den Automobilherstellern sowie einigen Altautoverwertern Versuchsdemontageanlagen errichtet, in denen spezifische Techniken zur wirtschaftlichen Demontage von Bauteilen und zur Entnahme der Betriebsstoffe erarbeitet,
typenbezogene Demontageumfiinge und deren Zerlegegrad ermittelt sowie Erkenntnisse ber die Demontagefreundlichkeit fiir die Neukonstruktion gewonnen
werden sollen. Die in den Anlagen gewonnenen Wertstoffe werden fiir die Erprobung von grotechnischen Verfahren zur Wiederaufbereitung bereitgestellt.
Anstze der Automobilindustrie zur Errichtung von zentralen herstellergebundenen Groanlagen (ca. 1 bis 2 Anlagen pro Hersteller) zur Demontage der
Fahrzeuge, z.B. BMW in Wackersdorf, wurden i.d.R. wieder verworfen, da der
erforderliche Transportaufwand zu einer unangemessenen Erhhung des Verkehrsaufkommens beitragen wrde. Vielmehr wird von der deutschen Automobilindustrie nun ein System selbstndiger Verwertungsbetriebe prferiert.
Derzeit liegen verschiedene Konzepte fiir den Aufbau von Altautodemontageanlagen vor, die sich vor allem in der Anlagenkapazitt (zentrale oder
dezentrale Anlagen) und der internen Logistik (Flieprinzip oder Inselsystem) unterscheiden. Whrend zentrale Anlagen einen Transport der grovolumigen Altautos ber weite Strecken bedingen, kann bei dezentralen Anlagen eine
Zerlegung in den Rcknahmestationen, die gem der Altauto V flchendeckend
zu errichten sind, erfolgen.
Eine Automatisierung der Demontage wird aufgrund der unterschiedlichen
Fahrzeugtypen sowie des individuellen Fahrzeugzustandes (Korrosion, Ver-
5.2 Aufbereitungsverfahren
421
~~
\.-t
I~ -.~,t.o,r. . ., . ~.
j_(~
Betriebsflssigkeiten
Papier I Pappe
Leichtmetalle
Ersatzteile
Batterie
Kunststoffe
Reifen
L.~
422
Fahrzeug-Annahme
- ffnen der Schlsser
- EDV- Erfassung
- Entnahme der losen Gegenstnde
Fahrzeug-Lager
1
Fahrzeug-Vorbehandlung
-.I
- Fzg-Reinigung
- Fzg-Prilfung
Laboranalyse
Lagerfr
Betriebsflssigkeiten
Fahrzeug-Zwischenlager
l
Fahrzeug-Demontage
-Aggregate
- Elektrischen Anlage
- Inneneinrichtung
- Anbauteile
-Trennung der Ersatzteile, Wertund Reststoffe
Rohkarossen-Lager
Schrottpresse
--1
--1
------
Wertstofflager
Reststofflager
Ersatzteillager
- Qualittskontrolle
- Katalogisierung
- EDV-Erfassung
~
Ersatztellverkauf
Bild 5.47. Arbeitsablauf in der Autodemontageanlage der Fa. ALBA, Berlin [5.139]
Derzeit wird geprft, inwieweit eine entsprechende Anlage im Stahlwerk Maxhtte (Sulzbach-Rosenberg) errichtet werden kann. Ein Fliebild des Verfahrens
ist im Bild 5.48. dargestellt.
Die mit Kunststoff und organischen Bestandteilen verunreinigten Schrottpakete
werden bei Temperaturen von ber 2 000C eingeschmolzen. Die Schmelze mitsamt der Schlacke wird einem Hochofen zur weiteren Bearbeitung zugefhrt.
Aufgrund der reduzierenden Atmosphre werden die organischen Bestandteile
der Schrottpakete lediglich in ein energiereiches Gas berfhrt. Zink und Blei
5.2 Aufbereitungsverfahren
423
gehen in das Rauchgas ber und lagern sich bei Abkhlung bevorzugt an den
Staubpartikeln an.
Durch die Zugabe von Sekundrluft in der oberen Zone des Schmelzreaktors
werden die reduzierenden Gase verbrannt. Durch die Wrmeentwicklung in diesem Bereich werden die zugefhrten Schrottpakete auf nahezu 1 000C vorgeheizt. Die Rauchgase werden ber einen Schmelzreaktor, einen zweistufigen Mischer mit Wirbelkammer (sog. "Thermoreaktor'') in den Abhitzekessel gefhrt, in
dem Dampf zur Strom- und Wrmeproduktion hergestellt werden soll. Im Abhitzeteil sollen die Rauchgase bis auf ca. 400 oc abgekhlt werden. Daran schliet
sich ein Quench mit Wasser auf ca. 150 C an, bevor die Rauchgase mit Schlauchfiltern entstaubt werden. Der Quench dient dazu, eine Neubildung von Dioxinen
und Furanen zu unterbinden. Anschlieend folgt nach einem weiteren Quench
eine zweistufige Rauchgaswsche zur HCl- und SOrEntfernung. Als Reststoffe
entstehen dabei ein schwermetallhaltiges Abwasser, das einzudampfen ist, sowie
verwertbarer Gips. Als abschlieender Rauchgasreinigungsschritt folgt eine Aktivkoksfilterung zur Entfernung von Dioxinen/Furanen bzw. Schwermetallen aus
dem Rauchgas. Der erschpfte Koks soll dem Schmelzreaktor wieder als Brennstoff zugefhrt werden.
[Link]
424
450.0001
:J
rundemeuerle ,-----..
~~I
Karlcassezur
~-m~
Ersalzreifon
550.0001
~--'\ Abrieb, VerschleiB
-------1 55.000 I
1181W81ldungslahiga
.--,-----l~
Altreilen
(meist Export)
20-50.0001
80.0001
Sc:lvotlteilen
350-380.000 I
Reifen aller Kategorien (PKW, LKW, Flugzeug etc.) bestehen aus den selben
Materialien und zwar aus Kautschuk, Ru, Stahl, Textilien sowie diversen Zuschlagstoffen. Ein typischer PKW-Reifen weist in etwa die folgende Zusammensetzung auf:
- Kautschuk
48 %
- Ru
23%
- Stahl
18%
- Zuschlagstoffe 8 %
- Textilien
3%
Stahl und Textilien bilden den Festigkeitstrger (Karkasse), der bei einer Runderneuerung erhalten bleibt. PKW-Reifen wiegen heute ca. 8 kg, schwere LKWReifen ca. 55 kg.
In ganz Deutschland fallen ca. 350.000 bis 380.000 t/a (d.h. ca. 30 Mio. Stck)
nicht verwendungsfhige Altreifen an (sog. Schrottreifen) [5.170].
Die Mengenstrme sind im berblick dem Bild 5.49 zu entnehmen. Dabei sind
die 20.000 bis 50.000 t/a Reifen aus der Altautoverwertung mit gewissen Unsicherheiten behaftet, da zunehmend Altautos mit Bereifung ins Ausland exportiert
werden.
Altreifen fallen vorwiegend bei Kfz-Service-Stationen (Werksttten, Reifenhndler) sowie bei Speditionen I ffentlichen Fuhrparks an. Von dort werden diese
von regionalen Altreifenhndler bernommen, die verwendungsfhige Altreifen
aussortieren und entweder direkt verkaufen oder an Runderneuerungsanlagen
weitergeben.
Die nicht verwendungsfhigen Schrottreifen werden direkt oder ber Zwischenhndler an die Zementindustrie oder an Granulier- bzw. Zerkleinerungsbetriebe weitergegeben.
5.2 Aufbereitungsverfahren
425
Runderneuerung
Insgesamt werden in Deutschland ca. 85.000 t/a Altreifen runderneuert, hierbei
sinkt der Rohlverbrauch auf 1/7 der bei der Neureifenproduktion eingesetzten
Menge.
Bei der Runderneuerung bleibt der Festigkeitstrger der Reifen- die Karkasse - erhalten. Es wird lediglich das abgefahrene Profil durch Abschlen entfernt
und durch eine neue profilierte Laufflche ersetzt.
Die Runderneuerung ist vor allem bei LKW-Reifen blich. Etwa 42% der verkauften LKW-Reifen sind runderneuert. Bei den schweren LKW-Reifen betrgt
der Marktanteil der runderneuerten Reifen sogar ber 50%. Bei PKW-Reifen ist
die Runderneuerung dagegen unblich. Hier werden- mit sinkender Tendenznur etwa 12 % der verkauften Reifen als runderneuert am Markt abgesetzt.
Bei den Runderneuerungsbetrieben handelt es sich in der Regel um Klein- und
Mittelbetriebe. So arbeiten in Deutschland mehr als 150 Runderneuerungsbetriebe,
die grtenteils deutlich weniger als 1.000 t/a Altreifen verarbeiten.
Thermische Verwertung
Der Heizwert von Gummi liegt bei 25 000 bis 30 000 kJ/kg und entspricht in etwa
dem Heizwert von Steinkohle. Daher wird i.d.R. die thermische Nutzung von
Altreifen der Deponierung vorgezogen. Die thermische Verwertung von Altreifen
in Hausmllverbrennungsanlagen wird jedoch aufgrund des hohen und damit
durchsatzbegrenzenden Heizwertes vermieden.
Zementindustrie
Die Zementindustrie ist mit Abstand der wichtigste Abnehmer von Altreifen und
nutzt diese als Ersatzbrennstoff. In den letzten Jahren wurden die Verbrennungskapazitten in deutschen Zementwerken teilweise erheblich ausgebaut. Ein Blick
auf die jhrlichen Mengen der in der Zementindustrie verbrannten Altreifen zeigt
die steigende Bedeutung dieses Verwertungsweges [5.171]:
1993: ca. 180.000 t/a
1994: ca. 200.000 t/a
1995: ca. 225.000 t/a
1996: ca. 240.000 t/a (geschtzt)
1997: ca. 280.000 t/a (Prognose)
In vielen Zementwerken knnen ganze Altreifen verbrannt werden. In diesen
Werken ist eine aufwendige Aufarbeitung (=Zerkleinerung) der Altreifen vor der
thermischen Nutzung nicht erforderlich. Da der Einsatz ganzer Altreifen aus tech-
426
Kraft-Wrme-Kopplung
Zu den weiteren inlndischen Abnehmern rechnen vor allem die beiden Altreifenverbrennungsanlagen zur Kraft- und Wrmeerzeugung in Berlin und in Landau
(zusammen ca. 30.000 t/a Kapazitt). Daneben verfUgt das Kraftwerk von VW in
Wolfsburg ber die Genehmigung, Altreifenschnitzel (ca. 30.000 t/a) einzusetzen.
Grere Verbrennungsanlagen, wie die in Sachtleben (75.000 t/a Durchsatz)
oder die in Bitterfeld (125.000 t/a Durchsatz) geplanten, werden nicht realisiert, da
eine kostengnstige Beschaffung derart groer Altreifenmengen unrealistisch ist.
Ebenso scheiterten bisher alle Projekte, Altreifen zu pyrolysieren und auf diese
Weise Chemierohstoffe zu gewinnen.
Granulieranlagen
Zur stofflichen Verwertung von Altreifen ist deren Zerkleinerung erforderlich.
Dabei wird Granulat und Mehl, sowie die Stahl- und Textileinlage zur stofflichen
und I oder thermischen Nutzung gewonnen. Das Granulat und das Mehl werden
als Fllstoff filr diverse Produkte (z.B. Sportbodenbelge) verwendet. Da die Absatzmglichkeiten begrenzt und die Entsorgungskosten fiir Altreifen stark rcklufig sind, klagen alle noch in Betrieb befindlichen Granulieranlagen ber eine unzureichende Auslastung. Granulieranlagen bentigen i.d.R. Altreifenentsorgungskosten in Hhe von 150,- DM/t. Diese Gebhren knnen in Deutschland nicht
mehr erteilt werden. Teilweise liegen die thermischen Verwertungskosten bei
unter 50,- DM/t.
Die noch betriebenen Granulieranlagen sind in Bild 5.50. dargestellt.
Export von Altreifen
Verwendungsfhige Altreifen werden vorzugsweise nach Osteuropa und in einem
kleineren Umfang nach Afrika exportiert.
Nicht verwendungsfhige Schrottreifen werden hauptschlich nach Grobritannien und in jngster Zeit nach Frankreich und Belgien exportiert (zusammen
5.2 Aufbereitungsverfahren
427
Bild 5.50. Regionale Verteilung der Abnehmer von Schrottreifen (Stand: Anfang 1996)
1995 ca. 15.000 t mit steigender Tendenz). Daneben wird zuknftig ein bedeutender Export von Schrottreifen aus Norddeutschland nach Schweden erwartet, da
dort Heizwerke mit dem Brennstoff Altreifen gebaut werden. Der Export von
Schrottreifen nach Osteuropa ist dagegen unbedeutend.
428
Granulierung
30.000
Energieerzeugung
30.000
Zementindustrie
220.000
Export und
unbekannt
60.000
gesamt: 380.000 t
Weiterhin mu bercksichtigt werden, da Altreifen im groen Umfang gemeinsam mit Altautos exportiert werden. Verwendungsfhige Fahrzeuge (mit Altreifen) werden nach Osteuropa, Schrottfahrzeuge (mit und ohne Reifen) in die
Niederlande verbracht.
1995 fielen in ganz Deutschland ca. 380.000 t Schrottreifen (incl. der mit Altautos exportierten) an. Der Verbleib der Schrottreifen ist im Bild 5.51. dargestellt.
[Link]
Recycling von Elektronikschrott
Das Recycling von Gtern, die unter dem Begriff Elektronikschrott fallen, wurde
bislang nur in wenigen Teilbereichen durchgefhrt, z.B. bei der Rckgewinnung
der Eisenmetalle aus Haushaltsgrogerten durch Shredderanlagen oder in lukrativen Einzelbereichen, z.B. des thermischen bzw. chemischen Aufschlusses hoch
edelmetallhaltiger Produkte (Bauteile und Platinen). Infolge des Verordnungsentwurfes wurden verschiedene Konzepte und Teillsungen entwickelt, um der komplexen Aufgabenstellung gerecht zu werden und Lsungen ftlr die gesamte
Spannbreite der Gter- von batteriebetriebenen Grukarten bis zu Grorechneranlagen - zu finden.
Der Elektronikschrott setzt sich vorwiegend aus Metallen (57 Gew.-%), Kunststoffen
(ca.
22 Gew.-%) und Glas (9 Gew.-%) zusammen, whrend der Anteil der eigentlichen
elektrischen und elektronischen Komponenten mit 3 Gew.-% eher gering ausfallt.
Die sonstigen im Elektronikschrott enthaltenen Stoffe, z.B. Holz, Papier, Fasermatten oder auch Beton (Waschmaschinengewichte), belaufen sich auf ca. 9
Gew.-%.
Fr das Recycling des Elektronikschrotts stehen manuelle Demontagetechniken
sowie mechanische, chemische und thermische Verfahren zur Verfgung, die es
sinnvoll zu verknpfen gilt, um eine kologisch und konomisch vertrgliche Gesamtlsung zur Elektronikschrottverwertung zu finden.
5.2 Aufbereitungsverfahren
429
Manuelle Demontage
Die Altgerte werden durch manuelle Demontage (Schadstoffentfrachtung) in ihre
stofflich sehr unterschiedlichen Hauptbestandteile zerlegt. Nur so ist es mglich,
in spezifisch ausgelegten Prozelinien die jeweiligen Inhaltsstoffe mit einer Sortenreinheit zurckzugewinnen, die fr eine Rckfiihrung in den Produktionskreislauf erforderlich ist. Separiert werden neben den Schadstoffen vor allem Wertstoffe, die sortenrein vorliegen, sowie Fraktionen, die einer speziellen Behandlung
bedrfen. Dabei ist von drei verschiedenen Zerlegeanlagen und zwar fr Weie
Ware, fr Bildschirmgerte und filr sonstige Gerte (Kleingerte, Braune Ware)
auszugehen, da jede Zerlegezelle speziell fr die entsprechende Gertegruppe
modifiziert wird.
In der Regel erfolgt die Zerlegung in die folgenden Fraktionen:
- Schadstoffe (Kondensatoren),
- Fe-Metalle,
- NE-Metalle,
- Kunststoffe (Gehuse, Rckwnde),
- Holz,
- Gummi,
- Bildschirme,
- Kabel,
- Batterien,
- Metall-Kunststoff-Verbunde,
- Leiterplatten.
Dabei wird der Demontagegrad in Abhngigkeit von den nachfolgenden Verfahrensstufen ausgewhlt.
Bildschirmrecycling
Die Bildschirmrecyclinganlagen beruhen in der Regel auf thermisch-mechanischen Spezialverfahren, die in 4 Takten folgende Arbeitsschritte realisieren:
- Takt I
Absprengen des Halsglases, Entfernung des Strahlsystems,
- Takt 2
Trennung von Schirm- und Konusglas,
- Takt 3
Ausknpfen der Metallmaske,
- Takt 4
mechanisches Entfernen der Leuchtstoffe.
Je nach Anforderungen des Glasabnehmers knnen im 4. Taktschritt
- nur die Leuchtstoffe oder
- die gesamte Leuchtstoff-Al-Kohlenstoffschicht
entfernt werden.
Die auf den Glasfraktionen Konus- und Schirmglas befindlichen Innerdag/Quadagschichten bestehen aus einer Mischung von Wasserglas und Kohlenstoff und sind filr die Wiederverwertung der genannten Fraktionen unbedenklich
[5.183].
Mechanische Verfahren
Die trocken-mechanischen Verfahren, im Bild 5.52. dargestellt, bestehen aus mehreren Zerkleinerungsstufen, die das Verbundmaterial jeweils selektiv zerkleinern.
Nach jeder dieser Stufen werden bereits hinreichend aufgeschlossene Material-
430
Gerteteile
Fe. -Konz.
NE
>Metall
Konz.l
Reststoff
NE
Metall
[Link]
Reststoff
NE-Metall
Konz.m
gruppen aus dem Hauptstoffstrom entfernt und knnen ggf. nachfolgend weiter
gereinigt werden. In elektronischen Erzeugnissen, insbesondere auf bestckten
Leiterplatten, gibt es sehr fein strukturierte Metall-Kunststoff-Verbunde, die mechanisch nur durch Feinzerkleinerung aufzuschlieen sind.
Bestimmend filr die Auslegung der Grobzerkleinerung, die mittels Scher- bzw.
Schlagbeanspruchung zum Stckigmachen bzw. zum ersten Aufschlu filhrt, sind
die Abmessungen und die stoffliche Beschaffenheit der zur Verarbeitung kommenden Teile.
5.2 Aufbereitungsverfahren
431
Die Zerkleinerung in den folgenden Stufen erfordert den Einsatz von Mhlen, die
den Aufschlu gewhrleisten. Dazu werden Mhlen eingesetzt, bei denen durch
die Wahl konstruktiver Gren (Werkzeugausfhrung, Abstand Werkzeug/Rost,
Austragsgestaltung, Mhlenentstaubung) und durch Variation der Betriebsgren
(Drehzahl, offene Rostflche, Rostffnungsweite) eine gezielte Einstellung fr den
Anwendungsfall mglich wird.
Die mglichen und notwendig einzusetzenden, trocken arbeitenden mechanischen Trennprozesse sind vielfliltig angepat an die beim Zerkleinem stufenweise
erreichten Aufschluverhltnisse. Die Fe-Abtrennung erfolgt durch Magnetscheidung. Durch Wirbelstromscheidung, Klassierung bzw. Dichtesortierung kann die
NE-Abscheidung realisiert werden. Die Kunststoffabscheidung wird mittels Klassierung und Klauben durchgefhrt, und nach der letzten Aufschluzerkleinerung
erfolgt die Reinigung der Konzentrate und Reststoffe durch kombinierte Stromklassierung und Dichtesortierung [5.184].
Thermische Verfahren
Fr Leiterplatten und Kunststoffe sind Pyrolyseverfahren im Versuchsstadium. Im
Bild 5.53. sind die Trennungswege dargestellt.
In der Pyrolyse werden die organischen Komponenten thermisch aufgespalten,
die Verbundmaterialien versprdet und Ltverbindungen durch das Aufschmelzen
der Lote gelst. Glasfasermatten werden durch die Temperatureinwirkung versprdet. Die mechanische Durchmischung fhrt zu einem weiteren Auflsen der
in die Pyrolysetrommel eingebrachten Materialien. Neben den Loten werden auch
die Aluminiumlegierungen aufgeschmolzen, die zu einer Dehalogenierung der
chlororganischen Verbindungen beitragen.
Die Feststoffe werden ber einen Naaustrag in Wasser schlagartig abgekhlt,
whrend die flchtigen Komponenten in einem Einspritzkhler mit Kreislaufwasser gequencht und entstaubt werden. Die in der Quenche abgeschiedenen Stube
und Ru sowie die schweren Kohlenwasserstoffe werden ber eine Kammerfilterpresse abgetrennt und wieder in den Pyrolysereaktor zurckgegeben. Dort knnen
die Kohlenwasserstoffe cracken und sich zu Koksrckstand und leichten Komponenten aufspalten. Gleichzeitig werden so Staub und Ru in den sich dabei bildenden Koks eingebunden. Das nach der Gasbehandlung vorliegende Reingas
weist einen Heizwert von ca. 5 000 MJ/m3 auf und kann ohne weitere Rauchgasreinigung zur Beheizung der Pyrolysetrommel dienen.
Das Flssigprodukt aus der Gaswsche wird in eine wrige und eine organische Phase aufgetrennt, wobei die anschlieende Fraktionierung der organischen
Phase so gefhrt werden soll, da die noch verbliebenen halogenorganischen Substanzen gezielt in einer Fraktion angereichert werden. Die gewonnenen organischen Produkte wie BTX-Fraktion, Phenole und Kresole sowie Naphthalin stehen
dann dem stofflichen Recycling zur Verfgung.
Die Aufbereitung der ausgetragenen Feststoffe ist auf eine Nabehandlung abgestimmt, da das Material bereits im Austrag benetzt ist. Der Feststoffanteil betrgt zwischen 70 und 80 %. Danach mu die Separation der Metalle durch
Trennverfahren erfolgen [5.185].
432
Pyrolyse
fest
flchtig
Kondensation I Phasentrennung
gasfrmig
organischflssig
wssrig
Permanentgase
niedere Kohlenwasserstoffe
BTX-Aromaten
Phenole
hhere Kohlenwasserstoffe
Wasser
Halogenide
Ammoniak
Metalle
Kohlenstoff
Keramik
Glasfaser
Chemische Verfahren
Die chemischen Verfahren knnen beim Recycling von Elektronikschrott nur fiir
metallhaltige Verbundfraktionen Anwendung finden. Dabei ist vorrangig die Gewinnung von Edelmetallen interessant. So knnen z.B. von unbestckten Leiterplatten oder Steckerleisten die Metalle gewonnen werden. Dabei kommen in Abhngigkeit vom unterschiedlichen Basismaterials (Kunststoff, Metall, Keramik)
verschiedene Verfahren zum Einsatz.
Fr nichtmetallisches Basismaterial knnen die Metalle durch Laugung in Lsung gebracht werden. Als Aufschlumittel werden Suren (z.B. Schwefelsure,
Salpetersure), Basen (z.B. Natriumhydroxid, Ammoniak) oder Salzlsungen
(z.B. Natrium- oder Kaliumcyanid) fiir die Edelmetallgewinnung verwendet. Prinzipiell ist der Erfolg jedes Laugungsprozesses von der physikalisch-chemischen
Zusammensetzung des aufzuschlieenden Materials, von der Konzentration des
Lsungsmittels sowie von der Prozetemperatur und der Laugungszeit abhngig
[5.186].
Beispielsweise knnen die Edelmetalle von unbestckten Leiterplatten durch
die salpetersaure Laugung gelst werden. Dort luft, vereinfacht dargestellt, die
folgende Redoxreaktion ab:
(5.11)
5.2 Aufbereitungsverfahren
433
mtfallarmr
En41ektrolyt
(zur Laugung)
Die metallischen Bestandteile knnen vollstndig vom Trger gelst werden, und
die erhaltene edelmetallhaltige Lsung kann aufgearbeitet werden [5.187].
Diese Lsungen aus dem Laugungsverfahren mssen dann einem Reduktionsverfahren unterzogen werden, damit der Metallinhalt in elementarer Form vorliegt. Dabei kommt die elektrochemische Reduktion mittels Gewinnungselektrolyse (auch als Fllungselektrolyse bezeichnet) zum Einsatz. Diese Elektrolyse arbeitet mit unlslicher Anode im Gegensatz zur Raffinationselektrolyse, welche mit
lslicher Anode arbeitet und die i.d.R. bei der klassischen Buntmetallgewinnung
(Kupfer, Blei, Silber) aus Erz bzw. Konzentrat angewendet wird. In Bild 5.54. ist
das Prinzip der Gewinnungselektrolyse dargestellt.
Die Elektrodenbruttoreaktionen, aus mehreren Teilschritten bestehende Umsetzungen, haben fr die Metallgewinnungselektrolyse folgende allgemeine Form
[5.31]:
Katodenreaktion:
{5.12)
Anodenreaktion:
im alkalischen Elektrolyt:
(5.13)
im sauren Elektrolyt:
(5.14)
Fr metallische Basismaterialien (Kupfer, Eisen-Nickellegierungen) bieten sich
elektrochemische Verfahren zur Edelmetallgewinnung an. Speziell fr Abflle mit
dnner Edelmetallbeschichtung, beispielsweise Stecker, gibt es ein anodisches
Ablseverfahren, das sog. JE-Verfahren, bei dem alkalische Jodidlsungen als
Elektrolyt dienen. Die Edelmetalle Gold, Silber und Palladium werden anodisch
434
gelst und katodisch abgeschieden. Die Trgermaterialien bleiben sortenrein erhalten und knnen problemlos verwertet werden [5.187].
Produkte
Beim Pyrolyseverfahren wird das Reingas im Proze selbst genutzt, anfallende
le werden im Proze verwertet, sofern eine Verglasung der festen Rckstnde
integriert ist. Die Verglasung der Rckstnde sollte jedoch erst nach Ausschpfung aller anderen Verwertungsmglichkeiten angestrebt werden. Die Metalle
werden nach der Trennung aus den festen Rckstnden in den metallurgischen
Proze eingebunden. Defmierte Kohlenwasserstofffraktionen knnen der Industrie
zur VerfUgung gestellt werden.
Die bei dem chemischen Verfahren gewonnenen Metalle zeichnen sich durch
eine hohe Reinheit aus und knnen im Metallkreislauf problemlos eingebracht
werden. Die nichtmetallischen Trgermaterialien mssen einer thermischen Verwertung bzw. Entsorgung zugefUhrt werden. Die Aufschlumittel bei der Laugung
bzw. die Elektrolyte der elektrochemischen Verfahren knnen i.d.R. im Kreislauf
gefiihrt werden.
Die bei der trocken-mechanischen Aufbereitung entstehenden Fe-Konzentrate
knnen mhelos in den metallurgischen Proze der Eisen- und Stahlerzeugung
eingeschleust werden.
DieNE-Metallkonzentratebestehen zum berwiegenden Teil aus Kupfer, mit
Heimengungen blicher NE-Metalle wie Blei, Zink, Zinn und Nickel sowie verschiedenen Edelmetallen (Gold, Silber und Platin). Der jeweilige Restgehalt an
organischem Kohlenstoff, der aus Kunststoffanhaftungen resultiert, lt sich auf
einen Wert< 1 %reduzieren. Damit ist sichergestellt, da nur sehr geringe Mengen organischer Bestandteile in die metallurgischen Weiterverwertungsprozesse
eingetragen werden.
Die bleihaltigen Glser der Bildschirme knnen in der Httenindustrie als Zuschlagstoff (Schlackenbildner) verwendet werden. Die Barium und Strontium
enthaltenden Glser knnen vorzugsweise in der Glas- und Keramikindustrie
eingesetzt werden. Die Rckgewinnung des abgelsten Leuchtstoffgemisches
(Seltene Erden Yttrium und Europium) der Bildschirme ist technisch zwar machbar, aufgrund der geringen Mengen und der hohen Aufbereitungskosten wird diese
Fraktion i.d.R. jedoch deponiert.
Die Restfraktion mu nach derzeitigem Erkenntnisstand als Sondermll entsorgt werden. Sie besteht aus berwiegend duraplastischen Kunstharzen der Leiterplatten mit untergeordneten Heimengungen von thermoplastischen Kabelummantelungen, Keramik aus Widerstnden und Isolierungen sowie Schwermetallen.
Die bei der Zerkleinerung der Verbundfraktionen anfallende Staubmenge wird
in Filteranlagen gesammelt. In entsprechenden Aufbereitungsanlagen kann der
Metallinhalt dieses Staubes in einem namechanischen Separationsproze mit
geschlossenem Wasserkreislaufweitgehend zurckgewonnen werden.
Ein Problem stellen die PCB-Gehalte dar, die sich praktisch in allen Proben
nachweisen lassen. Diese entstammen nicht nur Kondensatoren, sondern werden
auch durch die Kunststoffe eingetragen. Die Durchschnittsgehalte liegen im Bereich von 5 bis 50 ppm und sind stark von den behandelten Produktgruppen sowie
deren Alter abhngig.
5.2 Aufbereitungsverfahren
435
Lampenrecycling
In der Bundesrepublik Deutschland werden jhrlich ca. 80 Mio. neue Leuchtstofflampen eingesetzt, denen in etwa der gleiche Anteil ausgedienter Lampen
gegenberstehen. Im Rahmen des Recyclinggebotes stellt sich die Frage nach den
Verwertungsmglichkeiten. Dabei stehen die Energiesparlampen (Niederdruckentladungslampen) aufgrund ihrer Inhaltsstoffe im Vordergrund der Betrachtungen.
Fr Entladungslampen mit Quecksilberanteilen im Fllgas schreibt der Gesetzgeber eine Deponierung entsprechend der Verordnung zur Bestimmung von Abfllen nach 2 Abs. 2 AbfG (AbfBestV) vor. Diese besagt, da fr Quecksilber,
quecksilberhaltige Rckstnde, Quecksilberdampflampen (Schlsselnummer 353
26) aus dem gewerblichen und ffentlichen Bereich eine Entsorgung als Sonderabfall vorgeschrieben ist. Eine Erfassung und geordnete Entsorgung der Mengen,
die aus den Haushaltungen stammen, wird durch geeignete Sammelsysteme angestrebt.
Die Tabelle 5.12. zeigt eine Auflistung der umweltrelevanten Inhaltsstoffe in
Energiesparlampen, die neben einer Vielzahl von umweltneutralen Elementen
auftreten.
Tabelle 5.12. Umweltbezogene Elemente bzw. deren Verbindungen in Energiesparlampen
[5.176]
Lampenteil
Fllgas
Quecksilber
Lampensockel
Blei
Elektroden
Barium, Strontium
Lampenkolben
Barium
Seltene Erden wie Yttrium,
Europium, Cer, Terbium
Leuchtstoff
In den Halophosphat-Leuchtstoffen der Stablampen ist als Aktivator eine geringe Menge
Antimon enthalten. Das Antimon ist im Apatit-Gitter des Leuchtstoffes fest eingebaut und
liegt somit nicht in Form des gesundheitsgeflihrdenden Antimontrioxids vor.
436
ausgebrannte
Leuchtstofflampen
Lampenenden
abtrennen
Leuchtstoff u.
Quecksilber
ausblasen
::[]
Glasbruch
[[]: -
Lampenenden
Brechen
Hg entfernen
Leuchtstoff u.
Quecksilber
Glashtte
85%
r-
Nichtmetallische
Reststoffe
Deponie
3%
Trennen
Metalle
Metallaufbereitung
5%
7%
Fr alle anderen Bauformen (z.B. U-Form) bleibt nur die Zerkleinerung des Glases ohne vorgeschaltete automatische Demontage von Glas und Metallsockel, um
den Leuchtstoffund somit das Quecksilber zu separieren.
Tabelle 5.13. Inhaltsstoffe ausgewhlter Entladungslampen in% [5.179]
Inhaltsstoffe
Kolbenglas
Sockel- und Metalleinbauteile
Bleihaltiges Glas
Drhte, Wendel usw.
Entladungsgefli
Hg-Hochdrucklampe
68,7
19,1
Na-Hochdrucklampe
72,9
20,2
92,3
2,6
2,0
0,4
12,2
6,9
Leuchtstoff
2,7
Natrium
Quecksilber
Leuchtstofflampe
0,01
0,02
0,02
0,006
In Abhngigkeit von der Anlageart erfolgt zustzlich eine Trennung des Quecksilbers vom Leuchtstoffmittels Destillation. Der auf diese Weise gewonnene Quecksilberanteil (etwa I 0 mg/Rhre) mit einem Reinheitsgrad von nahezu 99 % wird
5.2 Aufbereitungsverfahren
437
wiederverwertet In der Gesamtbilanz verbleibt ein Reststoffanteil (zu deponierender Sonderabfall) in Grenordnungen von weniger als 10 Gew.-%. Die Prozeluft wird whrend der Arbeitsablufe permanent abgesaugt und ber Schlauchund Aktivkohlefilter gereinigt [5.177].
Die Tabelle 5.13. zeigt eine Auflistung der prozentualen Wert- und Strstoffanteile von Nieder- und Hochdruckentladungslampen. Quecksilber- und NatriumHochdrucklampen werden gegenwrtig noch weitgehend manuell demontiert, um
das einzige quecksilberbelastete Bauelement - das Entladungsgefa - herauszutrennen. Durch eine nachgeschaltete thermische Behandlung wird das Quecksilber wiedergewonnen. Der Wertstoffanteil (Glas, Metalle) kann der Verwertung
zugefhrt werden [5 .179].
[Link]
Recycling von Khlgerten
FCKW-Problematik
Die Feststellung, da die Ozonschicht durch die Freisetzung der Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) verstrkt abnimmt, fordert intensive Handlungen seitens der
Regierungen und der Industrie. Die an der Erdoberflche stabilen FCKW werden
in der Stratosphre durch energiereiche Strahlungen der Sonne gespalten. Das
freiwerdene Chlor kann dann mit dem Ozon reagieren und dieses abbauen [5.7].
Auf der Grundlage der Erkenntnisse, da der erhebliche Abbau der Ozonschicht Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt hat, haben
sich 31 Staaten im Wiener Abkommen vom Mrz 1985 verpflichtet, durch geeignete Manahmen fiir eine Begrenzung, Verringerung und Vermeidung dieser
Emissionen zu sorgen. Dieses bereinkommen ist eine Rahmenvereinbarung, die
in Form von Protokollen konkretisiert werden mu. Im Mrz 1988 ist in Montreal
ein erstes Protokoll unterzeichnet worden [5.1]. In den nachfolgenden Verhandlungen in London (1990) und Kopenhagen (1992) wurde der zeitliche Rahmen des
Ausstiegs aus der FCKW-Produktion weiter przisiert und schlielich auf den 1.
Januar 1996 festgelegt. Die EG hat diese Richtlinie noch einmal verschrft und
den Ausstiegszeitpunkt EG-weit auf den 1. Januar 1995 gelegt [5.169].
Mit der "Verordnung zum Verbot von bestimmten, die Ozonschicht abbauenden Halogenkohlenwasserstoffen" (FCKW-Halon-Verbotsverordnung) vom 6.
Mai 1991 wurden vor diesem Hintergrund mgliche Anwendungsbereiche fiir
FCKW drastisch eingeschrnkt.
Die Verwendung von FCKW fr die herkmmlichen Einsatzzwecke in
- Verpackungsmaterial,
- Ortsschumen (ein an der Anwendungsstelle mittels transportabler Schumernrichtungen mit Spritz- oder Gieverfahren hergestellter Schaumkunststoft),
- Kltemitteln,
- Druckgasbehltem,
- Schaumstoffen
endet damit in Deutschland zum 01.01.1995.
In groen Teilbereichen, wie etwa als Treibmittel fiir Spraydosen, wurde die
Verwendung bereits Ende 1991 untersagt. Ausnahmen bilden lediglich der Arzneimittel- und Forschungsbereich.
438
Kennzeichen
Formel
MoleChlorkularge- gehalt
[%]
wicht
Trichlorfluormethan
R-11
CFCI3
137,37
77,43
DichlorR-12
difluormethan
CF2Cl2
120,91
58,64
1,328
-29,8
Chlortrifluormethan
Dichlorfluormethan
Chlordifluormethan
R-13
CF3CI
104,46
33,94
0,924
-81,5
Kltemittel
Treibmittel,
Lsemittel
Schume
Kltemittel,
Treibmittel
Lsemittel
Feuerlscher
Kltemittel
R-21
CHFCI2
102,92
68,98
1,282
8,9
Kltemittel
R-22
CHF2CI
80,47
44,06
1,213
-40,8
1,1,2Trichlortrifluorethan
1,2-Dichlortetrafluorethan
R-113
CF2CICFCI2
187,38
56,76
1,582
47,6
R-114
CF2CICF2CI
170,91
41,49
1,473
3,5
Kltemittel,
Treibmittel
Lsemittel
Fluorkunst-stoffe
Kltemittel,
Lsemittel
Entfettung
Kltemittel,
Treibmittel
Wrmetrger
Hauptschliche
Verwendung
5.2 Aufbereitungsverfahren
/~
,,~~
439
Kltemittel 0,5 kg
/
/////
l0,3kg
~o.---~/~/
/
Kompressor 9,0 kg
/ - Elektroschrott 1,0 kg
//
/
_--'~--~
Glas 1,0 kg
NE - Metall 2,0 kg
Fe- Metall11 ,0 kg
Kunststoff 4,0 kg - /
440
Verftllsslger
WrmedAmmung
( R11 PUR -Schaum)
Bild 5.57. Schnittbild durch einen Khlschrank mit ca. !50 I Nutzinhalt [5.47]
die vorwiegend mit Ammoniak als Kltemittel arbeiten. Die restlichen ca. 38 Mio.
Khlgerte sind mit dem FCKW (R 12) als Kltemittel ausgestattet [5.1].
Diese Zahlen illustrieren das groe Schad- und Wertstoffpotential, das in Khlschrankdemontageanlagen abgeschpft werden kann.
Recyclingverfahren
Im Juli 1987 wurde vom Bundesinnungsverband des Deutschen Klteanlagenbauer-Handwerks ein erstes Konzept zur Erfassung von Khlmittel und
Kompressorl entwickelt.
Dieses Konzept sah im wesentlichen folgende Schritte vor:
- Anstechen des Kltekreislaufes mit einer Spezialzange,
- Anschlu an das Entnahmegert,
- Abftlllen des Kltemittels auf Stahlflaschen,
- separate Entnahme des Kompressorls durch Anstich des Kompressors.
In der Zwischenzeit hat die Totalentsorgung von Khlmbeln das Konzept aus
dem Jahre 1987 abgelst. Darunter werden die folgenden Schritte verstanden:
- gemeinsame Entnahme von Kltemittel und l aus dem Kreislauf,
- Entgasen des ls auf einen FCKW-Gehalt von unter 0,2 %,
- Demontage der Khlgerte und Abschpfen der Wertstoffe,
- Erfassen und Entgasen des PUR-Schaumes.
Zwei Beispiele unterschiedlicher Techniken zur Verarbeitung des PUR-Schaumes
werden nachstehend beschrieben.
5.2 Aufbereitungsverfahren
441
Shreddertechnik
Das Khlgert wird im Vorfeld manuell von Kltemittel, Kompressorl, Einlegebden und Elektronikschrott befreit und anschlieend in einen langsam laufenden
gasdichten Shredder mit ebenfalls gasdichter Presse berfhrt. Dabei wird der
PUR-Schaum aufgeschlossen. Der Auslauf des Shredders wird an einem Magnetscheider und NE-Abscheider vorbeigeftlhrt. Der verbleibende Leichtstoff (im
wesentlichen der zerkleinerte PUR-Schaum) wird in einer Presse verdichtet und
dabei vollstndig entgast. Aus dem Gesamtaggregat wird das frei werdende
FCKW bodennah abgesaugt, verdichtet und kondensiert [5.149].
Demontagelsung
Hier wird eine sog. "diskrete Lsung" angeboten. Dies bedeutet, da der PURSchaum im Zuge der manuellen Demontage aus den Khlmbeln vorsichtig herausgetrennt wird. Die so anfallenden Platten werden einer Schaumentgasungsanlage zugeftlhrt. Diese Anlage besteht im wesentlichen aus den drei Komponenten
Zerkleinerer, Vorratssilo und Hochdruckverdichter (Brikettierpresse). Im Zerkleinerer werden die PUR-Schaumplatten zerkleinert, im Zwischensilo gelagert und
von dort der eigentlichen Entgasungsstation, der Brikettierpresse, zugeftlhrt. Die
Abftlhrung des FCKW-Gases erfolgt wie im Falle der Shredderlsung [5.150].
Mit Verabschiedung der 4. BimSchV vom April 1993 werden Khlschrankdemontageanlagen nach Immissionsschutzrecht genehmigt. In Abhngigkeit vom
Durchsatz der Anlage erfolgt dies entweder nach vereinfachtem oder :llirmlichen
Verfahren.
Das aufzubereitende Kltemittel wird auf Menge und Art der Verunreinigungen,
Wasser- und Suregehalt untersucht. Mittels eines Gaschromatographen wird
zustzlich festgestellt, ob eventuell ein Gemisch unterschiedlicher Kltemittel
vorliegt sowie der Gehalt an kondensierbaren Gasen. Liegt ein Gemisch unterschiedlicher Kltemittel-Typen vor, ist eine Aufarbeitung nicht mglich. Die
Analyse gibt darber Aufschlu, ob vor der eigentlichen Aufbereitung weitere
Manahmen ergriffen werden mssen. Beispielsweise mu eine Abtrennung von
freiem Wasser erfolgen oder bei hohem Suregrad (Korrosionsgefahr) eine sofortige Reinigung des Sammetbehlters durchgeftlhrt werden. Die Aufarbeitung umfat die in Bild 5.58. dargestellten Arbeitsschritte.
Zunchst werden hochsiedende Verunreinigungen, wie das Kltemaschinenl,
abgetrennt. Nach der Sureentfernung und Trocknung wird der Kltemitteldampf
kondensiert und auf eine Destillationskolonne gegeben. Aus dem Kolonnensumpf
werden Reste hochsiedender Bestandteile abgezogen, whrend inerte Gase am
Kolonnenkopf ausgetragen werden. Nach dieser Behandlung wird das aufbereitete
Kltemittel ber einen Filter in Lagergefiie abgeftlllt.
Nach einer Qualittskontrolle gem den Anforderungen an das Primrprodukt
wird das aufbereitete Kltemittel in den Handel gebracht. Die bei der Aufarbeitung anfallenden Rckstnde werden in einer Sondermllverbrennungsanlage
beseitigt [5.3].
Da die Verwendung von FCKW im wesentlichen ab 01.01.1995 beendet wurde,
war das Recycling und Wieder-In-Verkehrbringen des FCKW nur bis zu diesem
442
Filter
Inerte Gase
Verflssiger
verunreinigtes
Frigen ----.,
hhersiedene
hochsiedender
I
==:E~~~j...:.R:.::ck:;~;tand
(l, etc.)
Anteile
Bild 5.58. Aufarbeitung von verunreinigten Kltemitteln nach dem Hoechst-Verfahren [5.4]
[Link]
5.2 Aufbereitungsverfahren
443
198r
[%]
1468 625
1 207 040
Salzschlacken (aluminiumhaltig)
Lack- und Farbschlamm
Bohr- und Schleifblemulsionen, Emulsionsgemische
Halogenfreie organische Lsemittel und
Lsemittelgemischeb
222147
208 415
198 547
241 230
14 075
275 906
1984
[%]
51,52
7,93
7,47
7,12
147 547
239 268
5,29
8,77
115 770
147 740
4,15
5,42
23 877
436196
22 722
448 675
0,86
15,66
0,83
16,45
Insgesamt
2 788 424
2 727 656
100,00
100,00
1984
[Mg]
44,25
8,84
5,32
10,12
vorlufige Ergebnisse
einschlielich 156 Mg, die auch bei KrankenhausabOOien enthalten sind; 1987 sind dies
2 347Mg
Im Jahre 1980 wurden 1,14 Mio. Mg Dnnsure aufhoher See verklappt [5.172].
Seit Anfang der 90er Jahre fllt durch Verfahrensumstellung bzw. Aufarbeitung
keine Dnnsure mehr an. Eine weitere Reduzierung des Titels "Suren, Suregemisch, Beizen (sauer)" in Tabelle 5.15. ist daher filr zuknftige Bilanzen zu
erwarten.
Gipse mit produktionsspezifischen Reimengungen
In zahlreichen chemischen Prozessen, z.B. die Herstellung von Zitronensure,
Weinsure, Oxalsure oder Borsure, fllt durch Neutralisation berschssiger
Schwefelsuren zwangslufig Gips mit produktionsspezifischen Seimengungen
an. Wegen der Verunreinigungen ist bisher eine Verwertung als Baugips nicht
mglich. Lediglich die Gipse aus der Zitronensureproduktion werden in eine
trockene, stckige Form gebracht und in der Zementindustrie verwertet [5.40].
Sureteere und Sureharze
Unter Sureteer wird das surehaltige Reaktionsprodukt von konzentrierter
Schwefelsure oder Oleum mit Komponenten der Schmierldestillation bzw.
Solventraffination bei der Erstraffination verstanden. Sureharze fallen bei der
Zweitraffmation von Altlen nach dem Schwefelsure-Bleicherde-Verfahren als
Reaktionsprodukt von konzentrierter Schwefelsure mit den Additiven, Oxidationsprodukten sowie anderen Verunreinigungen des Altls an. Die Zusammensetzung und Konsistenz von Sureteer und Sureharz sind wesentlich voneinander
verschieden [5.53].
Sureteer setzt sich annhernd aus 10 bis 50 Gew.-% Kohlenwasserstoffen und
50 bis 90 Gew.-% freien Sulfonsuren und Schwefelsure zusammen.
444
2. Nachververbrennungs- kammer
Spaltgas
Zwischenkammer
Koks
Sureharz hingegen besteht neben Wasser und Schwermetallen zu 13 bis 28% aus
Kohlenwasserstoffen und 38 bis 45 Gew.-% aus freier Schwefelsure, bei einem
Polymergehalt von I 0 bis 30 %.
Bei der Verwertung von Sureteer und Sureharz gibt es zwei Verfahren, die
eine Aufarbeitung der Abtalle zu Schwefeldioxid und Schwefelsure bewirken:
- Grillo-Verfahren der Grillo-Werke, Duisburg,
- Sureharzverwertung in der Kupferindustrie, Norddeutsche Affinerie, Harnburg.
Beim Grillo-Verfahren, einem Drehrohrofen-Verfahren, bei dem das anfallende
SOz-Gas durch gleichzeitige Verbrennung von Elementarschwefel am Koksbett
aufkonzentriert wird, knnen SOrflssig oder Schwefelsure gewonnen werden
[5.48, 5.54]. Das Bild 5.59. zeigt das Verfahrensschema des Grillo-Surespaltverfahrens [5.54]
Bei der Norddeutschen Affinerie, die frher Sureharze und Sureteer nach
dem Sonnebom-Verfahren verwertet hat, werden die schwefelhaltigen Abflle in
den Outokumpu-Schwebeschmelzofen der Kupferabrstung eingedst und gespalten. Das S02/S0 3-haltige Gas wird zu Schwefelsure nach dem Kontaktverfahren weiterverarbeitet Organische Schadstoffe werden bei den Temperaturen im
Schmelzofen zerstrt, Schwermetalle in den Stuben und Schlacken angereichert
[5.48].
Zunehmend finden Sureharz und Sureteer auch Verwendung als Zusatzbrennstoff in der Zementindustrie. Dabei werden die bei der Verbrennung freiwerdenden Schwefeldioxide (S02) und Schwefeltrioxide (S0 3) durch Reaktion
mit dem im Rohmehl enthaltenen Kalk und der Alkalien in Calcium-, Natriumund Kaliumsulfat umgewandelt und damit in den Zementklinker eingebunden.
Auch andere Inhaltsstoffe der Sureharze, wie Schwermetalle oder Chlorverbindungen, knnen im Klinker eingebunden werden. Die Entsorgungskosten nach
5.2 Aufbereitungsverfahren
445
dieser Verfahrensweise sind gnstiger als andere in Betracht kommende Entsorgungsmglichkeiten [5.48].
Die zu erzielenden Abfallreduktionen durch die verschiedenen Verfahren zur
Verwertung von Sureharz und -teer zeigt die Tabelle 5.16.
Tabelle 5.16. Verwertungsverfahren filr Sureharz und Sureteer
(Abfallschlsselnummer 54802)
Verwertungsverfahren
Abfallreduktion
[%]
Grillo-Verfahren
Schmelzofen der
Kupferindustrie
Zementindustrie
90
I 00
I 00
lemulsionen
Ein groer Teil der lhaltigen Abtalle wird durch den Einsatz von Khlemulsionen bei der Bearbeitung von Metallen verursacht. Auch diese Stoffe sind Hilfsstoffe, die so lange im innerbetrieblichen Kreislauf gefilhrt werden, bis sie durch
irreversible chemische und biologische Reaktionen einzelner Komponenten unbrauchbar geworden sind. Wichtigste Abfallvermeidungmanahme ist die innerbetriebliche Pflege der KhlschmiermitteL Verbrauchte Khlschmiermittel bzw.
Emulsionen knnen stofflich nicht mehr verwertet werden. Eine thermische Verwertung ist mglich, sofern fr die Spaltung der Emulsionen ein geeignetes Verfahren angewendet wird.
Die Verfahren zur Emulsionsspaltung sind in Tabelle 5.17. zusammengefat
[5.92].
lschlmme
Die Stoffgruppe der minerallhaltigen Schlmme ist nicht klar zu defmieren. Im
weitesten Sinne sind minerallhaltige Schlmme entweder Feststoffe, die stark mit
Minerall vermischt sind, oder Mineralle, die stark mit Feststoffen vermischt
sind. Grundstzlich setzen sich die Schlmme aus Minerall, den jeweils produktionsspezifischen, lagerungsspezifischen oder auf sonstige Weise in das Minerall
gelangten Feststoffen sowie eventuell Wasser und/oder anderen Flssigkeiten
zusammen.
Die Schlmme knnen dabei eine flssige, pastse oder stichfeste Konsistenz
aufweisen. Die lanteile knnen zwischen ca. 5 und 65% liegen. Die Herkunft
der Schlmme lt sich grob in vier Kategorien einteilen:
- Schlmme aus Mineralllagersttten,
- Schlmme aus Emulsionslagerbehltern und Emulsionsbehandlungsanlagen,
- Schlmme aus Produktionsprozessen,
- Schlmme aus Abwasserklranlagen von Raffmerien und petrochemischen
Betrieben.
446
Surespaltung
Hydroxid- OrganiSpaltung
sehe
Spalter
Ultrafiltration
Adsorption
anionisehe
einfach
90C
/pH2
anionisehe
einfach
20C
/normal
anionisehe
einfach
20C
/normal
unabhngig
komplex
20C
/lOMPa
Unabhngig
einfach
20C
/normal
Technische Bedeutung
unabhngig
komplex
130C
/3MPa
Vakuum
kontinuierlich
mittel
hoch
kont./diskont.
gering
mittel
kont./diskont.
gering
gering
kont./diskont.
gering
gering/
steigend
diskont.
mittel
hoch
diskont.
gering
mitteVgering
Betriebsmittel
Chemikalien
keine
Suren
/Laugen
Metallsalz/
Laugen
organisehe
Spalter
keine
Aufheizen gering
auf
90 oc
6kWhlm' gering
gering
gering
keine
Kieselsure/
Bentonit
(ca. 8
kg/m')
gering
gering
Pumpen
gering
l-Konzentrierung
90%a
50-70%
30-50%
Restl im Abwasser
Sekundrabfall
15-20%
imAdsorptionsmittel
< lO mgll
40-60
kglm',
lhaltig
nein
Kriterien
Verfahren
Art der Emulsion
Einfachheit
Betriebsbedingungen
Betriebsweise
Wartung
Energie
thermisch
elektrisch
160
kWhlm'
Betriebsergebnis
ca. 50%
40-50%
im
Schlamm
<20mgll
<50mgll
Salzeund
Schmutzstoffe
nein
entflillt
sehrhoch
Verbrennen
Verbrennen
Verbrennen
Verbrennen
Verbrennen
AbwasserNachbehandlung
Phasentrenner
filr Restl
A-KohleFilter
Neutralisation AKohleFilter
entflillt
A-KohleFilter
kann
Tenside/
Emulgatoren
enthalten
Abfallreduktion
90%
50%
90-98%
Wasseraufsalzung
Entsorgung
l-Konzentrat
< 5 mgll
entflillt
nein
Verbrennen/
Deponie
entflillt
5.2 Aufbereitungsverfahren
447
Tabelle 5.17. (Fortsetzung) Kennzeichnende Eigenschaften und Merkmale von Emulsionsspaltverfahren [5.92]
Kriterien
Kosten (DM/m3 )
Investition
Betrieb
Verdampfung
10-20
10-20/
20-30b
20-40
1981
Surespaltung
Hydroxid- OrganiSpaltung
sehe
Spalter
Gesamt
5-8
9-15
5
Basisjahr
1981
1987
1987
nach Entwsserung des les in einem Fallstromverdampfer
mit/ohne Warmerckgewinnung
Ultra-
filtration
Adsorption
13-17
5-8
3-5
2-20
18-25
1981
5-25
1981
Zur Zeit stehen im Regelfall nur die Sonderabfallverbrennung sowie bei wenigen
Ausnahmen die Sonderabfalldeponie zur Verfilgung.
Ein modernes Verfahren zur Aufbereitung von lschlmmen steht seit 1988
zur Verfilgung (s. Bild 5.60.). Danach ist es mglich, l, Feststoffe und Wasser zu
separieren und wiederverwendungsfllhig aufzubereiten [5.55, 5.56].
Die Trennung des ls und der Feststoffe von der Wasserphase erfolgt durch eine zweistufige Flotation. In zwei Konditionierern werden die angelieferten, zwischengelagerten lschlmme durch Zugabe der zurckgefhrten Waschlsung in
einen fliefllhigen Zustand versetzt und die Flotationschemikalien zugemischt
Beide Flotationsreaktoren sind mit Rotor-Stator-Rhrwerken ausgestattet. Im
ersten Flotationsreaktor erfolgt die Trennung des ls vom Feststoff, der in einen
Eindicker gelangt. Der lschaum der Vorflotation tritt in den zweiten Flotationsreaktor ein, wo das l von der Wasserphase abgetrennt und einem Dekanter zugefhrt wird.
Der eingedickte Feststoff wird auf einem Trommelfilter entwssert und kann
u.a. in der Bauindustrie (Straen- und Wegebau) verwendet oder auf Hausmlldeponien abgelagert werden.
Das l wird im Dekanter vom noch vorhandenem Feststoff abgetrennt und in
beheizten ltanks zur Abtrennung des Restwassergehaltes gelagert. Aus diesen
Tanks wird das Fertigl abgezogen und nach berprfung auf eventuell vorhandene Schadstoffe einer Wiederverwertung (Altlraffination) oder bei Schadstoffhaitigen len einer Verbrennung in Sonderabfallverbrennungsanlagen zugefhrt.
Die Anlage filr 30 000 Mgla lschlamm verarbeitet Schlmme mit einem
durchschnittlichen lgehalt von 40%. Ohne diese Aufbereitung mte der
Schlamm deponiefllhig gemacht werden mit einem lgehalt von weniger als 5%.
Dazu mte unverlter Feststoff zugemischt werden, d.h. aus den ursprnglich
30 000 Mgla lschlamm wrden ca. 240 000 Mgla verfestigter lschlamm, bei
Halogenhaltige Lsemittel
Die unter dieser Gruppe zusammengefaten Sonderabflle entstehen vor allem
beim Einsatz von chlorierten Lsemitteln als Hilfsstoff in verschiedenen Prozes
sen und aufgrund von Fehlreaktionen bei der Herstellung chlororganischer Produkte [5.49,5.58].
448
r~J1 1 WI
11
sUchfeste
Olscl'ilmme
~~
""""'lmme
5.2 Aufbereitungsverfahren
Chlor
449
Chlor
HCI
Rckstnde
~~---
Sumpf
zur SAV
PER
Kopfprodukt
450
Bei der Verarbeitung von Aluminiumabtallen dient ein Gemisch aus Natrium- und
Kaliumchlorid als Hilfsstoff. Das Salz nimmt die im Aluminiumschrott vorhandenen und bei dessen Verarbeitung entstehenden Verunreinigungen auf und flillt als
Salzschlacke an, die auch Aluminium enthlt. Ein Verfahren zur Verwertung wurde im Rahmen von Forschungsvorhaben entwickelt [5.62, 5.63].
Die Grundlage des Verfahrens beruht auf der Zerlegung der Schlacke in wiederverwertbares Aluminiummetall und Schmelzsalz sowie Abtrennung der unlslichen Rckstnde in salzfreiere Form unter Bercksichtigung der Abtrennung von
Schadgasen [5.64]. Das Bild 5.62. zeigt das Verfahrensschema.
In einer ersten Stufe wird aus der Schlacke das Feingut vom Metall durch Brechen, SchUlpen und Sieben getrennt, so da 70 % des metallischen Aluminiums in
Form von Granalien wiedergewonnen werden. Das Feingut wird nach der Laugung mit Wasser, bei der die Hauptgasentwicklung abluft, als Suspension einem
Eindicker zur Abtrennung der Feststoffe zugeftthrt. Die Feststoffsuspension wird
filtriert und gewaschen. Der Rckstand enthlt weniger als 1 % wasserlsliche
Salze. In einer mehrstufigen Vakuumkristallisationsanlage wird das Salz aus der
Sohle auskristallisiert. Nach der Abtrennung und Trocknung sowie einer Zugabe
von ca. 2 Gew.-% Fluspat steht das ausgebrachte Schmelzsalz fttr die Wiederver-
5.2 Aufbereitungsverfahren
Salzschlacke
451
Kugelmhlenstube
.-----'---------''---;
1 - - - - - - - - - - - - - - Aluminium
Spezialgasreinigung
f-------------~
ROckstand
Dampf
Schmelzsalz
wendung zur Verfiigung. Das bei der Kristallisation anfallende Kondensat wird
zuerst zur Waschung des Filterrckstandes und anschlieend zur Feingutlaugung
verwendet. Der Filterrckstand eignet sich als Aluminiumoxidtrger, da das Aluminiumoxid hauptschlich als Korund vorliegt.
In der Bundesrepublik Deutschland sind 1993 vier nach dem Lse-Kristallisations-Verfahren arbeitende Anlagen mit einer Aufarbeitungskapazitt von ca.
300 000 Mgla Salzschlacken in Betrieb.
452
Abfallreduktion
Kennzeichnung
Vakuumabsorption
Inertgasregeneration
Wasserdampf-Desorption
Thermische Reaktivierung
bis 80 %
Stand d.
Stand d.
Stand d.
Stand d.
bis 80 %
bis 80%
bis 80 %
Technik
Technik
Technik
Technik
ohne Aktivkohlenachreinigung
5.2 Aufbereitungsverfahren
Natriumsulfat
'
Flusure
Aluminiumfluorid
453
'
Elektrische
Energie
Die Aufarbeitung des Ofenausbruchs zu Kryolith wird in einigen Aluminiumhtten seit langem praktiziert. Das Verfahren, das eine Laugung der Httenabtalle mit
Natronlauge zur Gewinnung von Kryolith vorsieht, verliert aber insofern an Bedeutung, als infolge vernderter Elektrolysetechnologie der zuknftige Bedarf an
Kryolith zugunsten von Aluminiumfluorid stark zurckgeht. Dazu kommt, da
sich bei diesem herkmmlichen Laugungsverfahren die abzulagernde oder zu
beseitigende Menge nur um 25 % reduziert und damit das Entsorgungsproblem
nicht gelst wird [5.74].
Fr die verbrauchten Kohlenstoffauskleidungen knnen folgende neuen Technologien angewendet werden:
- Pyrosulfolyse, Pyrohydrolyse,
- Sekundrbrennstoff in der Zementindustrie,
- Fluspatersatz bei der Gueisenerzeugung,
- Aufarbeitung der thermischen Isolation,
- Verwertung der Eisenbarren.
Die Pyrosulfolyse stellt ein Verfahren zur annhernd vollstndigen Aufarbeitung
des Kathodenausbruchs dar. Das Verfahren besteht darin, da die in der verbrauchten Kohlenstoffauskleidung enthaltenen Bestandteile wie Kryolith, Aluminiumfluorid, Calcium- und Natriumfluorid in Gegenwart von Wasserdampf,
Luft und Schwefeldioxid bei Temperaturen von 600 bis 1 200 C im Wirbelbettreaktor behandelt werden und dadurch die Fluoride und Cyanide entfernt werden
454
Dampf
Verbrennungsluft
Dampf/Turbine
Natriumaluminat
Flusure
Aluminiumfluorid
'
Elektrische
Energie
[5.74]. Den Verfahrensstammbaum, der in der Entwicklung befindlichen Pyrosulfolyse, zeigt das Bild 5.63. Bei der Pyrohydrolyse wird der Ofenausbruch in das
bei 1 200 oc heie expandierende Wirbelbett eingetragen und die Fluoride entfernt. Nach der Gaskhlung und einer Absorptionsstufe werden Flusure und
Aluminiumfluorid sowie Natriumaluminat als Produkte der Pyrohydrolyse erhalten. Das Aluminiumfluorid wird als Schmelzmittel in die Elektrolyse zurckgegeben. Aus der Pyrolyse anfallendes Natriumaluminat wird im Bayer-Proze eingesetzt und dort zu Aluminiumoxid umgewandelt, welches ebenfalls in die Elektrolyse zurckgefilhrt wird [5.74, 5.75]. Das Verfahrensfliebild der Pyrohydrolyse
zeigt Bild 5.64.
Als Sonderabfall zu entsorgende Abflle entstehen bei diesem Verfahren nicht
mehr. Fr die Pyrohydrolyse existierte bisher eine Pilotanlage, die gemeinsam von
Lurgi, Kaiser Aluminium und Vereinigte Aluminiumwerke Lnen betrieben wurde. Die Umsetzung der positiven Ergebnisse mit diesen Pilotversuchen in eine
grotechnische Demonstrationsanlage scheiterte einzig und allein an der fehlenden
Wirtschaftlichkeit des Verfahrens, die erst ab einem Durchsatz von I 0 000 Mg!a
an Kathodenausbruch gegeben ist [5.76].
Wie in Bild 5.65. gezeigt, werden ca. 90% des im Elektrolyserckstand vorliegenden Kohlenstoffs als thermische Energie zurckgewonnen. Es verbleibt nach
der Extraktion des wasserlslichen Natriumaluminats ein Rckstand aus Natrium-
5.2 Aufbereitungsverfahren
455
Wertstoffrckgewinnung
Wertstoffanteile
Fluor
13%
Energierckgewinnung
35%
Aluminiumoxid
17%
Energieverlust
5%
Unlslicher Rckstand
20%
Verfahren
Zweck
Stand
Kryolithherstellung
AIF3-Herstellung
herkmmlich
Pilotanlage
Pyrosulfolyse
AIF3-Herstellung
Pilotversuche
60
Sekundrbrennstoff in der
Zementindustrie
Fuspatersatz in der Eisengieerei
Groversuche
100
Pilotversuche
100
90
456
5.2.2
Verfahren zur Gewinnung von Brennstoff
Obwohl sich die Anwendung von Verfahren zur Mllbrennstoffgewinnung in der
Bundesrepublik Deutschland nicht durchgesetzt haben, wird in diesem Kapitel die
fr Anfang der 90er Jahre wichtige Entwicklung weiterhin dokumentiert. Sie gibt
einen berblick ber die im Gesamtabfall enthaltenen Bestandteile und deren
Verhalten bei thermischer Nutzung. Durch die neue Entwicklung der MBA's
entsteht ein hochkalorischer Brennstoff, der als BRAM aufbereitet, konfektioniert
und als Brennstoff in der Co-Verbrennung eingesetzt werden kann.
5.2 Aufbereitungsverfahren
457
[Link]
458
kJ/kg
16.000
14.000
1-
/y
.r.::-. h- ,_ .,...
~
1/
-- 1-.._ -- -
.-HH 0 ([Link])
12.000
10.000
8.000
0
0
..........
""'
....._ 1-o
--
, ,!-""
~
Hu ([Link])
6.000
4.000
2.000
0
F MA M J
0 N D J
F MA M J
A S 0 N
1982 1983
Bild 5.66. Saisonale Schwankungen des Brenn- und Heizwertes von Hausmll aus den Jahren
1982/83 fr die Stadt Wien [5.8]
den mssen durch vernderte konstruktive Gestaltungen der Anlagen gelst werden.
Durch die bereits dargestellten relativen und absoluten Schwankungen der
Stoffgruppen und der Abfallmengen ndert sich der Energieinhalt im Abfall im
Laufe des Jahres und lngerfristig ber die sich ndernden Lebensgewohnheiten.
Bild 5.66. zeigt die saisonalen Schwankungen des Brenn- und Heizwertes aus
den Jahren 1982/83 fiir die Stadt Wien. Der Brennwert H0 (kJ/kg TS) ist auf die
Trockensubstanz, und der Heizwert Ru (kJ/kg i. roh) ist bezogen auf den feuchten
Abfall dargestellt. Dadurch wird deutlich, da im grostdtischen Bereich den
groen jahreszeitlichen Schwankungen der frheren Jahre keine so groe Bedeutung beigemessen werden kann. Anband der Heizwerte fiir den feuchten Abfall
wird dessen Abhngigkeit vom Wassergehalt berdeutlich.
Ebenso wie ein Zusammenhang zwischen den Inhaltsstoffen des Abfalls und
dessen Energieinhalt besteht, ist auch ein entsprechender Zusammenhang fiir die
Schadstoffe im Hausmll anzunehmen.
Untersuchungen zeigen diesen Zusammenhang zwischen einzelnen Abfallkomponenten, Komgrenklassen und dem unterschiedlichen Anteil an Schadstoffen im HaushaltsabfalL
Die verschiedenen Verffentlichungen ber den Schadstoffgehalt im Haushaltsabfall variieren je nach Materialzusammensetzung, Probenahme, Probenaufbereitung und dem unterschiedlichen Aufschluverfahren.
42
II-I5
13,2
I8,8-2I,8
11
BRAP
Hausmll
3,8
bis
11,9
I3,I
bis
I8,9
BRAM
8,5
12
bis
2-5
28,5-29,9
Saar
Flammkohle
29
bis
30
I7
bis
25
I-10
30,5-32,6
Ruhrfettkohle
50-60
7,5-IO
Rheinische
Braunkohle
Mitteldeutsche
Braunkohle
BraunkohleBriketts
68,2
6,7
48
bis
53
I5
bis
I7
7
bis
30
8,5
23,8
bis
25,5
39,5
35,6
bis
47,5
79,1
80,8
63,3
5,2
66,I
2,75
5,5
5,3
53,4
11
k.A.
5,3
4,5
bis
6,8
5,27
4,5
5,0
4,8
6,5
Wasserstoff
[%]
50,4
Kohlenstoff
[%]
0,35
[%]
[%]
5,97
25-35
Asche
Wassergehalt
I5,I
IO-I5
Heizwert
[MJ/kg]
Hartholz
Torf
Brennstoff
k.A.
k.A.
22,3
bis
36,4
I,2
3,7
25,5
I9,6
25,3
42,4
28,5
Sauerstoff
[%]
0,8
0,5
O,I
I,5
k.A.
k.A.
0,4
bis
I,8
7.400
I,4
k.A.
Stickstoff
[%]
660
bis
850
730
bis
970
990
bis
5.400
8.000
[Link]
4.700
2.300
1.950
2.200
2.500
Schwefel
[mg/kg]
3.370
bis
4.200
1.000
bis
1.800
3.600
bis
I8.300
2.000
bis
90
1.000
bis
2.000
k.A.
k.A.
[mg/kg]
Chlor
k.A.
8
bis
20
I7
bis
59
I5
bis
IO
k.A.
k.A.
k.A.
[mg/kg]
Nickel
3
bis
5
0,7
bis
I,3
0,4
bis
9,I
I
bis
IOO
I
bis
IO
k.A.
k.A.
Cadmium
[mg/kg]
180
bis
640
95
bis
130
I40
bis
370
40
bis
50
5
bis
500
k.A.
k.A.
[mg/kg]
Blei
180
bis
300
IIO
I8
bis
2.250
20
bis
50
k.A.
k.A.
k.A.
[mglkg]
Kupfer
"'
V.
"""
iil
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CD
cn
;..,
460
Pb
[mglkg TS]
Cr
[mglkgTS]
Cu
[mglkg TS]
Hg
[mglkg TS]
0,13
13,6
1,75
0,27
35,6
22,5
6,16
0,53
150
33,1
28
90,8
15
60
30
40
0,56
Kunststoffverpackung
Verpackungsverbunde
Sonstige Kunststoffe
Sonstige Verbunde
Schuhe/Leder
Organik
427
19.142
155
64,4
30
118
2.255
45,6
150
15.200
27
110
0,23
1,73
0,42
0,2
0
0,14
In der Tabelle 5 .21. sind die Schwermetalle fr verschiedene Hausmllbestandteile als Hauptkomponenten des BRAM auf der Datenbasis von 1999 dargestellt.
Durch die getrennte Erfassung werden zum einen Brennstoffbestandteile, wie
Papier, Pappe, Karton und Kunststoffe getrennt erfat und stehen fr einen Ersatzbrennstoff nicht mehr zur V erfilgung. Zum anderen werden durch die getrennte
Wertstofferfassung des Dualen Systems und der Bioabfallsammlung im wesentlichen schadstoffarme Stoffe/Produkte abgetrennt, whrend andere Stoffe/Produkte
im Restabfall verbleiben. Deutlich erkennbar sind in Tabelle 5.21. die Unterschiede zwischen kurzlebigen, i.d.R. schadstoffarmen Verbrauchsmaterialien (PPK,
Kunststoffverpackungen, Verpackungsverbunde) und langlebigen Konsumgtern
(Sonstige Kunststoffe, sonstige Verbunde, Schuhe, Leder). Bei einer stndigen
Steigerung der getrennten Wertstofferfassung ist ein Anstieg des Schadstoffgehaltes im Stoffstrom der Ersatzbrennstoffe zu erwarten.
Da die eingesetzte Aufbereitungstechnik wesentlichen Einflu auf die Eigenschaften des Ersatzbrennstoffes hat, wurde bereits bei der Klassifizierung der
Ersatzbrennstoffe genutzt. Die American Society of Testing and Materials
(ASTM) hat in der Vergangenheit eine auch in Europa vielbeachtete Klassifizierung fr EBS im Hinblick auf die Zusammensetzung und die chemischen Eigenschaften entwickelt, die in Tabelle 5.22. dargestellt ist. Die ersten fnf Gliederungspunkte der ASTM sind fr die feste EBS-Herstellung relevant.
Tabelle 5.22. Klassifizierung von mglichen EBS-Spezifikatoren vom ASTM Committee
[5.189]
EBS-1
EBS-2
EBS-3
EBS-4
EBS-5
EBS-6
EBS-7
Rohmll
Zerkleinerter Rohmll mit (ohne) Magnetscheidung
Zerkleinerter Hausmll nach der Magnetscheidung und Entfernung von Glas und
anderen anorganischen Stoffen. Die Komgre betrgt 95 Gew.-% < 50,8 mm Quadratloch (2 inch)
Staubfnniger EBS mit 95 Gew.-% < 2 mm (10 mesh)
Brikettierter und pelletierter EBS
Die brennbaren Bestandteile des Abfalls weiter aufbereitet zu flssigem Brennstoff
Die brennbaren Bestandteile des Abfalls weiter aufbereitet zu gas:filrmigem Brennstoff
5.2 Aufbereitungsverfahren
461
462
Fe- Metall
1.
2.
3.
3a.
3b.
4.
5.
6.
Bild 5.67. Schematische Darstellung des Probenahmeplans zur Bilanzierung der Sortieranlage in
Wien [5.32]
Massenbilanz
<Smm
25,8%
)~ mm
39,7".
5.2 Aufbereitungsverfahren
>4111111
57,3"1.
SF
11,7 e;.
<SIM S"i0nvft>10mm
13,8 '!. 1),4"1. 3,9 e;.
463
<4111m
2,9"1.
Bild 5.69. Energiebilanz fiir den aufbereiteten Hausmll auf der Basis des Brennwertes [5.8]
<Smm
5-10mm >10111m
30,3%
10,5%
2,5%
SF
12,6%
>4mlll
35,5%
<4mlll
8,6%
Bild 5.70. Bilanz der Summe der PAH's (polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe) [5.8]
Die Energiebilanz in Bild 5.69., auf der Basis des Brennwertes erstellt, zeigt deutlich eine Anreicherung des Brennwertes auf Ho = 18,9 MJ/kg Brennstoff. Whrend die Brennstoftbestandteile Schwefel, Fluor und Stickstoff im Hausmll nur
relativ gering vertreten sind, kommt Chlor in erheblichen Konzentrationen vor.
In der Tabelle 5.23. sind der Schadstoffgehalt fr BRAM und der Reduktionsgrad im Verhltnis zum Haus- und Gewerbeabfall dargestellt. Es wird deutlich,
da sich bezogen auf die Masse Chlor nicht und Schwefel nur sehr geringfgig
verndern. Bezogen auf den Energiegehalt des erzeugten Brennstoffs betrgt die
Reduktion der Schadstoffe gegenber dem Ausgangsmaterial jedoch auch bei
464
Chlor fast 40 %. Erstmals dargestellt ist in der 6. Zeile die Summe aus sieben
polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAH), wie Benzapyren, Perylen, Pyren, etc., die gefhrliche organische Verbindungen im Feuerraum bilden
knnen. Auch hier gibt es, bezogen auf den Energiegehalt, eine Reduktion um
70%.
Tabelle 5.23. Schadstoffgehalt filr BRAM und der Reduktionsgrad bezogen auf den Einsatzstoff
Haus- und GeschftsmlL Energiegehalt: BRAM: H.. = 11,6 MJ (Feuchte 28,2 %); Haus- und
Geschftsmll: H.. = 7,9 MJ (Feuchte 31,3 %) [5.34]
Schadstoffe
Cd
Pb
Cu
Zn
Cr
PAH
(Summe)
Cl
Forg
BRAM
Hausmll
Reduktionsgrad [%],
nach
Masse
Energiegehalt
1,85
2,68
1,78
2,61
2,46
3,62
1,41
2,08
1,21
1,78
1,17
1,71
4,7
307
140
676
89
3,6
0,41
26,47
12,07
58,28
7,67
0,31
8,7
345
345
956
108
4,2
1,01
68,99
43,67
121,01
13,67
0,53
7200
67
620,69
5,78
6800
101
860,76
12,78
0,94
1,51
1,39
2,21
4800
413,79
5100
645,51
1,06
1,56
[Link]
Carbo-Sed-Verfahren
Unter dem Carbo-Sed-Verfahren ist die Aufbereitung von Klrschlamm zu Brennstoffen zu verstehen. Das Blockschaltbild des Carbo-Sed-Verfahrens ist in Bild
5. 71. wiedergegeben.
Das besondere Kennzeichen dieses Verfahrens ist die Verwendung von Flotationskohlekonzentrat, das als Filterhilfsmittel bei der mechanischen Entwsserung
in Filterpressen eingesetzt wird, und der Zusatz von gezielt ausgewhlten Polyelektrolyten (anionisches Flockungshilfsmittel Sedipur), die eine stabile Flocke
auch bei hohen Drcken in der Filterpresse gewhrleisten. Diese Kombination
ermglicht eine optimale Vorentwsserung, die ber die Verfahrensstufen Eindickung, Durchmischen in Doppelwellenmischem, Sedimentation bzw. Flokkungsstabilisierung in sog. Kontaktwerken und weitgehende Vorentwsserung
ber Kammerfilterpressen luft. Ein Mischungsverhltnis von [Link] von 1:1,3 hat sich dabei als optimal erwiesen. Der Filterkuchen
aus Kohle und vorgetrockneter Schlammtrockensubstanz wird ber eine Zwischenbunkerung in Drehrohrtrommeltrocknem auf Feststoff-Gehatte von ca. 90 %
getrocknet. Dieses Feststoff-Gemisch wird zum Teil als Brennstoff filr die Brennkammern, die zur Erzeugung der Trocknungsgase dienen, verwendet. Der filr die
5.2 Aufbereitungsverfahren
t80"C
465
Trockengu~
4fll
V
Bunktr
.........__...__.__ ..J
01
____;
i
~
.1
Sw
Kohle
[Link]
Q:
CJ-~[Link] I,
t<ohla
Luft _ _ _ _ _ _ ____.
Kohle
466
kenthal mit einer Ausbaugre von 6,25 Mio. EGW (EGW = Einwohnergleichwerte) entwickelt. Der Schlammanfall ist seit 1975 von 235 Mg TS/d aufber 400
Mg TS/d 1985 gestiegen. Bei der BASF wurden knapp 100 Schlmme aus kommunalen und industriellen Klranlagen auf ihre Anwendbarkeit fr das CarboSed-Verfahren untersucht. Es stellte sich heraus, da fr den Feststoffgehalt des
Filterkuchens das Verhltnis von Primr- und Sekundrschlamm und der organische Anteil der Schlammtrockensubstanz von Bedeutung sind (s. Bild 5.71.). Je
hher der Primrschlammanteil und je niedriger der organische Anteil, desto besser sind Schlmme entwsserbar und um so hher ist der Feststoffgehalt
[Link]
Holzhackschnitzel
Der Einsatz von Holzhackschnitzeln in der Verbrennung zur Nutzung des hohen
Heizwertes des Abfallholzes konkurriert mit der stofflichen Verwertung [5.45].
Bestimmte Altholzfraktionen (Rohholzabflle aus den Tischlereien, bestimmte
Bauholzbestandteile etc.) knnen einer stofflichen Verwertung, z.B. in der Spanplattenindustrie, zugefilhrt werden, jedoch fr z.B. mit Teerl behandeltes Altholz
ist diese Verwertungsmglichkeit aufgrund des Geruches ausgeschlossen.
Fr die nicht stofflich verwertbaren Sortimente des behandelten Holzes ist eine
Entsorgung als besonders berwachungsbedrftige Abfiille vorzusehen (Deponierung, Verbrennung). Verwerter, Verbnde (z.B. Bundesverband der Altholzautbereiter und -verwerter e.V.) und Institute (z.B. Wilhelm-Klauditz-Institut Braunschweig), die sich mit der Problematik der Verwertung behandelten Holzes auseinandersetzen, untersuchen Mglichkeiten, die eine thermische Nutzung unter
bestimmten Voraussetzungen zulassen.
Neben einer stofflichen Verwertung sollte auch eine thermische Nutzung von
behandeltem Altholz in eine Verwertungsstrategie einbezogen werden, die auch
fr holzschutzmittelhaltige Holzreste eine evtl. eingeschrnkte Zulassung als Festbrennstoff ermglicht. Voraussetzung dafr ist die Bereitstellung einer dafr geeigneten und genehmigten Feuerungsanlage.
Bei einer Verbrennung in einer mehrstufigen Holzfeuerungsanlage ist die Minimierung der Emissionen durch eine Optimierung des Brennverhaltens entscheidend. Im Falle des unvollstndigen Ausbrands entstehen vielfach relativ hohe
Emissionen durch Kohlenmonoxid und Kohlenwasserstoffe. Das heit, da durch
konstruktive und verbrennungstechnische Manahmen die Voraussetzungen fr
eine mglichst vollstndige Oxidation des behandelten Holzes geschaffen werden
mssen. Ausbrandinhibitoren (z.B. Alkaliverbindungen in Phenolharzen und
Holzschutzmitteln) stren die Verbrennung und filhren zu erhhten Emissionswerten. Es gibt ebenfalls Bestandteile des behandelten Holzes, die das Brennverhalten gnstig beeinflussen (z.B. Aminoplastharze, Ammoniumverbindungen),
die jedoch aufgrund des Stickstoffgehaltes zu einer Erhhung der Stickoxidbelastung filhren. Die Reduzierung des Stickoxidausstoes ist durch die Rauchgasrckfilhrung und eine optimierte Brennluftzufilhrung mit langer Reduktionszone
mglich. Als Sekundrmanahme bietet sich eine Entstickung der Rauchgase an
[5.157].
5.2 Aufbereitungsverfahren
467
[Link]
Brennstoff aus Papier (BRAP)
Die Papierfraktion des Hausmlls bietet sich mit ihrem hohen Heizwert von ca. 15
000 kJ/kg zur Erzeugung eines speziellen Brennstoffes, dem Brennstoff aus Papier, BRAP, an. Diese Verwertung konkurriert allerdings mit der stofflichen Verwertung des Altpapier-Recyclings, bei dem smtliche Materialeigenschaften erhalten werden und eine Mehrfachnutzung mglich ist [5.44]. Da die Altpapiererfassung und das Altpapierrecycling bis auf 56 % im Jahr 1988 in der Bundesrepublik Deutschland [5.43] angestiegen ist, hat sich die Erzeugung von BRAP bisher
nicht durchgesetzt. Allerdings zeichnet sich seit Beginn der neunziger Jahre eine
andere Tendenz ab.
Seitens der Papierindustrie wird angestrebt, nicht mehr verwertbare untere
Altpapiersorten gemeinsam mit den Abwasserbehandlungsschlmmen der Papier-
468
5.3
Vermarktung von Recycling-Produkten
5.3.1
Allgemeine Bemerkungen
Auf der Grundlage des 14 Abs. 2 AbfG hat die Bundesregierung bereits die
"Verordnung ber die Vermeidung von Verpackungsabfllen (VerpackV)" erlassen, eine "Verordnung ber die Vermeidung und Verwertung von Abfllen aus
Druckerzeugnissen sowie Bro- und Administrationspapieren (AlpapV)" wird in
naher Zukunft folgen. Beiden Verordnungen gemeinsam ist die Option, ein haushaltsnahes Rcknahmesystem fr Verpackungen bzw. Altpapier aufzubauen, anderenfalls an bestehenden teilzunehmen (Duales System) (vgl. Kap. 1.3.5 und
3.2.1). Die Entsorgung des Endverbrauches verluft danach zweigleisig (dual).
Whrend die entsorgungspflichtige Krperschaft fr die Abfuhr des Restmlls,
Sperrmlls etc. zustndig ist, trgt die Wirtschaft fr die von ihr initiierten Sammetsysteme fr Verpackungen und Altpapier die Verantwortung.
Die Motivation der Brger zur Teilnahme am Dualen System ist relativ hoch,
so da die bisher erzielten Sammeierfolge Schwierigkeiten bereiten, da die fr die
Weiterbehandlung erforderlichen Einrichtungen nicht im gleichen Tempo errichtet, ausgebaut und in Betrieb genommen werden knnen. Als Folge mssen Zwischenlager aufgestockt bzw. neu eingerichtet werden. Besonders schwierig gestaltet sich die Sachlage fr DSD-Kunststoffverpackungen. Auch bei Glas und
Papier zeigt sich die Situation aufgrund der schwachen Konjunktur 1992/93 gespannt. Als Reaktion hebt das DSD die Gebhren fr den Grnen Punkt teilweise
deutlich an.
Die Verordnungen wenden sich ausschlielich an Hersteller und Verarbeiter,
nicht aber an die entsorgungspflichtigen Krperschaften oder an den Verbraucher.
Damit besteht fr diesen kein Zwang, am Dualen System teilzunehmen. Das
Duale System ist darber hinaus eine privatwirtschaftliche betriebene Sammlung
und fllt nicht unter den Begriff der Abfallentsorgung.
469
[Link]
Marktanalyse
Aus der Praxis ist bekannt, da die Vermarktung der Produkte aus Recyclinganlagen das schwchste Glied in der Kette des Wertstoffkreislaufes darstellt. Wie die
Erfahrungen bei Kompostierungsanlagen gezeigt haben, ist die ffentliche Hand
selten in der Lage, Produkte aus Entsorgungsanlagen professionell zu vermarkten.
Neben der Entsorgungsfunktion haben die Recyclinganlagen die Funktion der
Produktion von Produkten, die auf dem Markt abgesetzt werden mssen. Die
wirtschaftlichen Konsequenzen werden von den Betreibern der kommunalen Anlagen selten erfat. Je nach Standort und Marktsituation unterscheiden sich die
Erlse fr die gleichen Recyclingprodukte erheblich. Fr jeden Standort gilt, da
alle wiedergewonnenen Rohstoffe auf Mrkte stoen, die bereits durch Konkurrenz-Primrrohstoffe besetzt sind. Da die Rohstoffe aus den Recyclinganlagen nur
teilweise die Qualitt der Konkurrenzrohstoffe erreichen, kann nur ein wesentlich
niedrigerer Preis den Zugang zu diesen Mrkten erffnen [5.8].
Im Rahmen einer Markterhebung ist zunchst das reale Mengenaufkommen an
potentiellen Wertstoffen im Einzugsgebiet des Standortes der Analge zu ermitteln.
Weiterhin sind die derzeitigen Verwertungs- und Entsorgungswege sowie deren
Kosten darzustellen.
Darber hinaus wird auch der Bereich Logistik mit in die Betrachtung einbezogen. Neben der Ermittlung anderer Entsorgungsbetriebe, die Wertstoffe sammeln
und verwerten, ist vor allem im Bereich von Sammlung und Transport zu untersuchen, inwieweit Optimierungsmanahmen mglich sind.
In Abhngigkeit von den Verwertungskosten fr die produzierte Ware und den
voraussichtlichen Investitions- und Betriebskosten der Anlage ist der Annahmepreis fr die Wertstoffe zu berechnen. Nach Vorlage dieses Preises mu mit den
entsprechenden entsorgungspflichtigen Krperschaften der jeweiligen Einzugsgebiete verhandelt werden, ob die Bereitschaft einer Abgabe von Wertstoffen unter
der Voraussetzung des kalkulierten Annahmepreises besteht.
Nach Vorliegen aller wirtschaftlichen Daten kann nun der Produktpreis ermittelt werden, der um konkurrenzfhig zu sein, kleiner oder hchsten gleich dem
Preis fr Produkte aus Primrmaterial sein mu.
[Link]
Produktverkauf und Leistungsparameter
Die Erfahrungen zeigen, da es wnschenswert ist, die Recyclingprodukte Kompost, Papier, Pappe, Kunststoff, Glas und Metalle hinsichtlich der Qualittsmerkmale eindeutig zu definieren. Aufgrund der Inhomogenitt des Ausgangsstoffes Abfall ist es aber nur schwer mglich, die Bandbreite der Qualittsmerkmale sehr eng zu halten. Der jeweilige Produktabnehmer mu daher entweder auf
diese Bandbreiten eingestellt sein oder derart im Einflubereich der entsorgenden
Krperschaft oder beim Setreiber der Anlage liegen, da die Abweichungen toleriert und nicht zum Kriterium des Gesamtfunktionierens der Recyclinganlage
werden knnen.
470
[Link]
Zur Frderung des Absatzes knnen insbesondere die verarbeitende Industrie, der
Handel, der Verbraucher und die ffentliche Hand beitragen [5.96].
Verarbeitende Industrie
Besonders bedeutsam ist die Erweiterung vorhandener Verwertungskapazitten (z.
B. Deinkanlagen, Altglasaufbereitung, Kunststoffgranulierung) sowie die Weiterentwicklung von Verfahren zur Aufbereitung von Wertstoffen. Wichtig ist darber
hinaus die Entwicklung neuer Produkte, die aus den erfaten Wertstoffen hergestellt werden knnen.
Handel
Wnschenswert ist eine strkere Untersttzung des Vertriebs sowie eine Preisgestaltung zugunsten von Recyclingprodukten, insbesondere whrend der Einfhrungsphase.
Verbraucher
Von ausschlaggebender Bedeutung fiir die Frderung der Absatzmglichkeiten ist
eine verstrkte Nachfrage von seitens des Verbrauches nach Waren und Gtern,
die erkennbar mit hohen Anteilen aus Recyclingstoffen hergestellt werden. Auch
die Verbraucherverbnde haben hier eine bedeutsame Rolle, die es verstrkt zu
erfiillen gilt.
ffentliche Hand
Die ffentliche Hand kann durch eine vielseitige Palette bei der Frderung der
Absatzmglichkeiten behilflich sein.
Hierzu sind vor allem zu nennen:
- Frderung von Forschungs- und Modellvorhaben,
- Steuerliche Begnstigung zur Schaffung weiterer Kapazitten bei der Verarbeitung von Wertstoffen zu Gtern,
- Finanzielle .Hilfen zur Verbesserung und Verbreitung vorhandener und noch
einzufUhrender technischer Anlagen und Technologien,
- Verbrauch von Waren und Gtern aus Sekundrrohstoffen in grerem Umfang
als bisher in ffentlichen Einrichtungen und Betrieben,
- Erzeugung von Anreizen zur Verwendung solcher Gter, z.B. durch nderung
der Gtevorschriften und Normen,
- Gezielte Beschlsse und Empfehlungen der Umweltminister zur Verwendung
von Recyclingprodukten,
471
5.3.2
Die Altpapierverwertung hat eine lange Tradition. Auch nach dem zweiten Weltkrieg war die Altpapierverwertung in der Bundesrepublik Deutschland bis zum
Aufkommen der Wegwerfmentalitt allgemein blich. Diese Entwicklung wurde
auch durch die niedrigen Kosten der damals weitgehend ungeordneten Abfallbeseitigung mglich. Erst die einsetzende Verknappung der Ressourcen sowie die
hheren Anforderungen an die Abfallbeseitigung und die damit verbundenen
hheren Kosten machten die Altpapierverwertung aus dem Haushaltsbereich wieder attraktiver. Diese Entwicklung wurde erleichtert, weil der Rohstofthandel
traditionell auf diesem Gebiet ttig ist. Papier- und Kartonfabriken muten sich
lediglich an die Qualitt der neuen Sorten anpassen.
Seit 1972 wird in der Bundesrepublik eine getrennte Altpapiersammlung
durchgeftihrt.
Bisherige Stimulanz ftlr die getrennte Erfassung und Zufilhrung zur stofflichen
Verwertung ist die Hhe der alternativ zu zahlenden Abfallgebhr.
[Link]
Qualitiitsanforderungen
Die Qualittsanforderungen an Altpapier wurden vom Verband Deutscher Papierfabriken in einer Sortenliste festgehalten. In dieser Liste wurden ber 40 Standardqualitten in ftlnf Gruppen beschrieben. Diese Liste wurde durch die - European List of Standard Grades of Recovered Paper and Board- ersetzt. Die strkere
Vernetzung der Europischen Papierfabriken, des Altpapierhandels und der
grenzberschreitende Handel mit den unterschiedlichen Papiersorten fllhrte zu
dieser Liste.
Aus der deutschen Altpapierliste wurde die Definition und Formulierung ftlr
"Unerwnschte Papiere und Pappen" bernommen. Damit ist Altpapier prinzipiell
frei von unerwnschten Stoffen zu liefern. Dies gilt nicht ftlr unerwnschte Papiersorten.
In der Liste wird auch festgehalten, da Altpapier aus Abfallsortieranlagen
nicht ftlr den Einsatz in der Papierindustrie geeignet ist. Es wird auch erwartet,
da Altpapier aus der Multikomponentensammlung entsprechend gekennzeichnet
wird und nicht mit anderem Recyclingpapier ohne Kennzeichnung vermischt
werden darf.
Darber hinaus spielt der Feuchtegehalt im Altpapier eine neue Rolle. Bei einer
Lieferung von Altpapier mit mehr als I 0 % Feuchtegehalt kann das berschssige
Gewicht zurckgewiesen werden.
Bild 5.72. zeigt schematisch die Erfassung, Sortierung, Aufbereitung und Einsatz des Altpapiers aus Haushalt und Gewerbe unter Bercksichtigung ausgewhlter Altpapiersorten der alten nationalen und der neuen Europischen Altpapiersortenliste.
472
1.01
1.02
1.03
1.04
1.05
1.06
1.06
.01
1.07
1.08
1.09
1.10
1.11
2.01
2.02
473
2.05
2.09
2.10
2.11
2.12
Diese Papiersorten haben in der Abfallwirtschaft nur eine sehr geringe Bedeutung
GROUP 4- KRAFT GRADES - Krafthaltige Sorten
4.01
4.02
5.01
5.02
5.03
5.04
5.05
Unused boxes, sheets and shavings of corrugated board, with Iiners ofkraft or testliner.
Used corrugated kraft 1 (Entspricht W62)
Used boxes of corrugated board, with kraft Iiners only, the fluting made from chemical
or thermo-chemical pulp.
GROUP 5 -SPECIAL GRADES - Sondersorten
Mixed recovered paper and board (Entspricht AOO)
Unsorted paper and board, separated at source.
Mixed packaging (Neu)
A mixture ofvarious qualities ofused paper and board packaging, free from newspaper
and magazines.
Liquidboard packaging (Entspricht B22)
Used liquid packaging board including used PE-coated liquid packaging board (with or
without aluminium content), containing a minimum of 50% by weight of fibres, and
the balance being aluminium or coatings.
Wrapper kraft (Neu)
Poly-lined, sprayed, or Iaminated used kraft. Must not contain bitumen or wax coatings.
Wet Iabels (Entspricht X01)
Used wet Iabels from wet-strength papers, containing a maximum of 1% glass content,
and a maximum of 50% moisture, without other unusable materials.
474
Andere
Sortiertrakiionen
z. B. Graukarton
Vollpappe
z. B. Zeitungsdruckpapier
z. B. Wellpappenrohpapiere,
Hygienepapiere
Bild 5.72. Altpapier aus Haushalt und Gewerbe und deren Sortierwege
Tabelle 5.25. Strstoffanteile der wichtigsten Altpapiersanunelsysteme (Stand 1997) [5.129]
Sanunelsystem
Strstoffanteil
[%]
Depotcontainer
gemischte Sanunlung
graphisches Papier
Pappen
4,0
0,6
3,5
Monotonne
3,5
SERO, Wertstoffhof
0,1
Bndelsanunlung
0,6
Die Qualitt des im Haushalt erfaten Altpapiers wird entscheidend von der Art
des durchgefilhrten Sammelsystems beeinflut. Tabelle 5.25. verdeutlicht, da der
Wertstoffhof, die Bndelsammlung und der Depotcontainer mit der alleinigen
Erfassung von graphischen Papieren die besten Ergebnisse erzielen.
[Link]
Erlse
Bild 5.73. zeigt die groen Schwankungen auf dem Altpapiermarkt und auch die
negativen Werte fr gemischtes Altpapier aus Haushalten (B12). In dem Zeitraum
muten die Landkreise und Stdte groe Zuzahlungen fr die Sammlung und das
Recycling von Altpapier leisten.
Bild 5.74. zeigt die Schwankungen dieser Indizes im Jahr 1992 und im ersten
Halbjahr 1993.
475
~T----------------------------------------------------
,__ _,
-10
..
!!
!"'
:!:
Jahr
Bild 5.73. Preisentwicklung Ofllr die Altpapiersorten - in Klammern neue Europische Liste 039 (1.11), B19 (1.04), B12 (1.02) von 1985 bis 1997 [5.131]
60
..... 812
-o-031
-+-E11
--<>-819
---K51
--tr- W52162
~0+------+------~----~-----+------+-----~
Jan 92
Apr92
Jul92
Okt 92
Jan93
Apr93
Jul93
Bild 5.74. Monatliche Schwankungen der Preisindiz einiger ausgewhlter AP-Sorten im Jahr
1992 und im ersten Halbjahr 1993 [5.132]
Die Hhe der zu erzielenden Erlse ist abhngig von mehreren Faktoren, u.a.:
- von der Sorte und der Menge der gesammelten Fraktionen,
- vom Lagerbestand bei den Altpapierhndlern und der Papierindustrie,
- vom Bedarf der Papierindustrie in Verbindung mit der Einsatzquote bei der
Herstellung von Neuprodukten,
476
5.3.3
Altglas
Altglas bietet als einer der wenigen Wertstoffe aufgrund seiner stofflichen Eigenschaften gnstige Voraussetzungen, um in der Glasproduktion wieder eingesetzt
zu werden. Die heute erreichte Recycling-Quote von ber 90 % setzt jedoch eine
farbgetrennte Altglaserfassung bzw. eine nachtrgliche Sortierung von gesammeltem Mischglas voraus, da bei der Glasherstellung eine hohe Farbreinheit (insbesondere bei Weiglas) gefordert wird [5.96).
[Link]
Qualitiltsanforderungen
Die Forderung eines geringen Fehlfarbanteils im Altglas beruht auf den Qualittsansprchen hinsichtlich der Farbreinheit bei der Herstellung von Neuglas. Die
Annahmespezifikationen der Glashtten enthalten neben den noch tolerierbaren
Fehlfarbenanteilen weiterhin Anforderungen an den maximalen Fremdstoffgehalt
(vgl. Tabelle 5.26.). Zu hohe Fremdstoffgehalte im Altglas beeintrchtigen insbesondere den Schmelzproze bei der Glasherstellung oder fUhren zu unerwnschten
Einschlssen beim Hohlglas.
Tabelle 5.26. Qualittsvorschriften filr Altglas (aufbereitete Scherben)
Maximale Fremdanteile
Keramik, Steine, Scherben
1991
1992
1993
1994
1997
Aluminium
Fe-Metalle
NE-Metalle
Feuchtigkeit
<60
<50
<40
<25
<25
<5
<5
<5
<2
[g!Mg]
[g!Mg]
[g!Mg]
[g!Mg]
[g!Mg]
[g!Mg]
[g!Mg]
[g!Mg]
[%]
Maximaler Fehlfarbanteil
wei
In Weiglas
In Braunglas
In Grnglas
<5,0%
<5,0%
Fehlfarbe
braun
<0,3%
<5,0%
grn
<0,1%
<5,0%
477
[Link]
Erlse
Die Erlssituation hat sich ftir Altglasscherben in den letzten Jahren bis zur Einfhrung des Dualen Systems kaum verndert. Die anfallenden Kosten zur Erfassung, Sortierung und Transport zur Glashtte liegen bei durchschnittlich 130 bis
190 DM/Mg verwertbarer Scherben [5.144].
Mit EinfUhrung des Dualen Systems ist der Markt ftir Altglas fast vollstndig
zum Erliegen gekommen und durch den Verteilmechanismus des DSD ersetzt
worden. Die Kosten ftir Erfassung, Sortierung und Transport werden aus den Einnahmen des "Grnen Punktes" bezahlt. Bedingt durch die hheren Einsatzquoten
bei der Glasherstellung wird Mischglas kaum noch akzeptiert, so da entweder
farbgetrennt gesammelt wird oder eine Farbseparierung bei der Aufbereitung
erfolgt (vgl. [Link]).
5.3.4
Eisenschrott
Bei dem im Hausmll befindlichen Eisenschrott handelt es sich zum grten Teil
um verzinnte Blechdosen. Dieses Material ist durch Papier, Kunststoffe, Gummi,
Lacke, Farbe, Speisereste usw. stark verunreinigt, so da es nur aufbereitet im
Roheisen- und Stahlerzeugungsproze einsetzbar ist.
Schon vor Jahren hatte die deutsche Weiblechindustrie der Bundesregierung
eine Abnahmegarantie ftir alle zu sammelnden Mengen gegeben, allerdings ohne
Preisangabe. Die Erlse ftir dieses Material decken bei weitem nicht die Sammetund Transportkosten [5.1 04]
[Link]
Qualittsanforderungen
478
Sortenbeschreibung
Sorte 0
Sorte 1
Sorte 2
Sorte 3
Sorte 4
Sorte 46
Sorte 47
Sorte 5
Sorte 6
Sorte 7
Sorte 8
479
DM/Mg
300
275
250
200
175
150
125
100
75
Bild 5.75. Entwicklung der Schrottpreise filr die Sorte 1 frei Httenwerke Ruhr in den Jahren
1982 bis 1993
[Link]
Erlse
Der Schrotthandel ist vergleichbar dem Altpapierhandel starken Preisschwankungen unterworfen. Nach einem Preiseinbruch in den Jahren 1986/87
konnten sich die Erlse filr Altschrott in den folgenden zwei Jahren kurzzeitig
erholen. In den Jahren 1990/91 folgte ein erneuter Preissturz bis auf den Tiefstand
des Jahres 1987. Die Schrotterlse blieben mit Ausnahme eines kurzen Zwischentiefs im vierten Quartal 1992 konstant auf diesem Niveau. Im Frhjahr 1993 lag
der Preis fiir schweren Stahlschrott bei ca. 125 DM.
Die Entwicklung der Schrottpreise in den letzten 10 Jahren ist im Bild 5.75.
dargestellt.
Die Erlssituation fiir Stahlschrott wird durch eine Vielzahl von Faktoren bestimmt. Neben den Betriebs- und Personalkosten spielen vor allem der Kurs des
amerikanischen Dollar, die Stahlproduktion und das Angebot an Schrotten aus
dem Ausland eine wichtige Rolle. Der Preis wird derzeit vor allem durch billige
Schrotte aus Osteuropa und die Absatzschwierigkeiten filr Stahlprodukte gedrckt.
Da die Erlse filr Stahlschrott die Kosten filr Erfassung, Behandlung und Entsorgung nicht mehr decken, werden vom Schrotthandel neuerdings genderte
Berechnungsgrundlagen angesetzt. Konnten die Letztbesitzer frher grundstzlich
Erlse filr Stahlschrott erzielen, so werden heute Gebhren filr die Aufstellung
von Containern und den Transport des Materials in Rechnung gestellt. In Abhngigkeit von der jeweiligen Marktlage sowie der Qualitt des Materials erhlt der
Letztbesitzer ein Entgelt oder mu ggf. nochmals zahlen. Sofern bei der Aufbereitung des Materials Abflille anfallen, z.B. Shredderrckstnde aus der Zerkleinerung von Altautos oder Haushaltgrogerten, werden die Kosten filr die Deponierung bercksichtigt. Bei der Abgabe von Altautos an Shredderbetriebe ist derzeit
oftmals eine Zuzahlung von bis zu 300,- DM erforderlich.
480
5.3.5
Kunststoffe
Sortenreine Kunststoffe homogener Qualitt sind in der Regel vermarktbar. Absatzschwierigkeiten bereiten Verbundkunststoffe und vermischte Kunststoffe, wie
diese im Haushalt und in der Sammlung ber die "Gelbe Tonne" anfallen. Da das
Duale System auch fr das Recycling verantwortlich ist, flieen in Zukunft
(Stichtag ist der 1. Oktober 1993) bei diesen Verpackungen auch die Verwertungskosten in die Gebhr ein. Die Gebhren fr den "Grnen Punkt" orientieren sich
an den Prozekosten fr die Sortierung und Aufbereitung sowie fr die Forschung
und Entwicklung neuer Sortierverfahren fr Kunststoffe und neuartige Recyclingtechnologien, diese sollen durch das Duale System gefOrdert werden [5.133].
[Link]
Qualittsanforderungen
Die Qualitt richtet sich vor allem nach den Anforderungen, die an das Erzeugnis
im Gebrauch gestellt werden. Fr technische, langlebige Erzeugnisse sind es meist
Spezifikationen zur Erfllung bestimmter technischer Daten und Gleichmigkeit.
Beispielsweise werden die Anforderungen fr Kunststofferzeugnisse auf dem
Baugebiet vom Institut fr Bautechnik und den Obersten Baubehrden der Lnder
zusammen mit Sachverstndigenausschssen erarbeitet. Hiernach wird die gleiche
Lebensdauer von 50 und mehr Jahren wie fr Primrmaterialien gefordert [5.105].
Auch alle anderen Erzeugnisse mssen wiederholbare Eigenschaften aufwiesen, wenn diese immer wieder ohne Schden und Reklamationen eingesetzt werden sollen. Das gilt auch fr Erzeugnisse aus wiederverwertbaren Abtallen
[5.105].
Beispiele fr die Mitverwendung von Produktionsabfall und die Wiederverwertung gebrauchter Erzeugnisse zeigen, da bei einer Reihe von Anwendungen Normen und Anforderungen berprft werden mssen, um auch die Verwertung von Altkunststoffen zuzulassen.
Eine TV-Arbeitsgemeinschaft untersucht in- und auslndische Betriebe auf
ihre Voraussetzung, gebrauchte Kunststoffverpackungen mit dem Grnen Punkt
zu verwerten. Nach einer positiven Erstbewertung werden diese Betriebe fr einen
Probebetrieb mit Materialien aus Sammlungen des DSD beliefert, um unter Beweis zu stellen, da sie die angelieferten Materialien erfolgreich verarbeiten knnen. Darber hinaus mssen die Betriebe plausibel nachweisen, wo die erzeugten
Produkte geblieben sind. Bei positiven Ausgang der berprfung wird diesen
Betrieben ein zeitlich begrenztes Zertifikat ausgestellt. Hintergrund der Aktion
sind die Erklrungen der Bundeslnder, ihre Freistellungserklrungen fr den
Handel nur dann zu verlngern, wenn der TV die Verwertungsbetriebe zertifiziere [5.134].
In der Tabelle 5.28. sind die erfaten und sortierten Kunststoffe aus dem DSD
von 1993 - 1997 dargestellt. Dabei wird deutlich, das der Anteil des werkstoffliehen Recyclings seit 1994 wieder abgenommen hat. Dies hat einmal mit den hohen Kosten des werkstoffliehen Recycling zu tun und darber hinaus auch mit der
starken Versehrnutzung der Kunststoffe aus dem Verpackungsbereich durch Le-
481
bensmittel, Flssigkeiten aller Art, Fetten, etc., die ein werkstoffliches Recycling
sehr behindern. Daher stieg das rohstoffliche Recycling von 19.000 Mg im Jahre
1993 auf 359.000 Mg im Jahre 1997 an, da es preiswerter durchzufhren ist und
die Schwarze Pumpe sowie das Stahlwerk Bremen groe Massen an energiereichen Materialien bei der Eisenreduktion und bei der Vergasung einsetzen kann.
Tabelle 5.28. bernommene Kunststoffmengen aus den Sortieranlagen des DSD und deren
Verwertungswege in 103 Mg [5.152]
1993
1994
1995
1996
1997
280
461
504
-Folien
-Flaschen
-Becher und EPS
-Mischkunststoffe
Der Verwertung zugeflihrte Mengen
101
124
42
131
40
535
145
48
567
153
18
277
472
416
166
15
318
470
16
326
483
51
11
352
615
385
155
250
154
256
201
47
203
66
164
29
56
56
85
85
31
24
359
19
67
233
233
203
393
541
421
werkstojj/ich
-davon Inland
-davon Europische Union
-davon sonstige Lnder
Rohstojj/ich
-davon Inland
33
20
126
216
197
67
39
91
19
359
559
[Link]
Erlse
Der Markt fiir die Kunststoff-Rohstoffe als Granulat oder Pulver ist in hohem
Mae vom Preis des Erdls und der Erdlfolgeprodukte und damit vom Weltmarkt beeinflut. Die Preise der Recycling-Granulate sind von den Preisbewegungen der Neuware am Weltmarkt hnlich abhngig wie die Altpapier- und
Schrottpreise von der Neuware auf diesen Gebieten.
Die Hersteller von Granulaten und Erzeugnissen mssen als Absatzmarkt alle
europischen Lnder einbeziehen. Ebenso spielt der Export von RecyclingGranulat und von gebrauchten Folienballen in das europische Ausland eine groe
Rolle. Eine Reihe auereuropischer Lnder, insbesondere Entwicklungslnder
haben wegen fehlender eigener Produktion und Devisenmangel Bedarf an Recycling-Ware, auch von unteren Qualitten [5.1 06].
Hauptabnehmer der Regranulate sind Folienhersteller, Rohrhersteller und
Spritzgubetriebe. Die Regranulate werden teils in abgemischter, aber berwiegend in reiner Form wieder zu Fertigteilen verarbeitet. Die Verarbeitungseigenschaften von Regranulaten streuen breiter als typengerechte Neuware. Nur
wenn der Verarbeiter diesem Umstand Rechnung trgt und das Preis-LeistungsVerhltnis fiir ihn Vorteile bringt, wird Regranulat eingesetzt. So hat sich ber
einen lngeren Zeitraum herausgestellt, da beispielsweise naturfarbenes Poly-
482
5.3.6
Kompost
Bundesweit einheitliche Qualittskriterien ftlr Biomllkomposte in Form von
Grenzwerten liegen in der Bioabfallverordnung - Bio AbtV von 1998 vor. Zur
Bewertung der Qualitt von Komposten werden die Richtlinien ftlr Schwermetalle
der Bundesgtergemeinschaft Kompost e.V., die BioAbtV und das LAGA-Merkblatt M10 herangezogen (vgl. auch Kapitel4.3.1.2.).
I
I
Niederschlag
Lufttemperatur
I
I
Rotteproze
I
Mieten-
temperatur
I
wassargehalt
Volumenreduktion
Abfallmengen
Abfallarten
Reinheitsgrad
C02/02
organische Substanz
C/N-Verhltnis
Kompostierungs-
Geruch
technik
I zeitliche Ablufe I
CJ
l=:l
Bodentiere
Sickerwasser
Qualittskriterien
I
I
pH-Wert
org. Substanz
Letttahigkeit
wirksame org.
Substanz
Feuchte
C/N-Verhltnis
483
I
Schwermetalle
I org. Schadstoffe I
1 "Unkrautsamen" 1
I pathogene Keime I
I Nhrstolle
I
PftanzenverI I Verunreinigung
II Keimzahlen KEE trglichkeit
I Komgren I I Gesamtaktivitt
J
Huminstoffe
Selbsterhitzung
I
I
~~
knnen zustzlich
vor Ort erlat werden
[Link]
Qualittsanforderungen
484
terisieren (Tabelle 5.29.). Fr den Rottegrad eines Kompostes ist die im Selbsterhitzungsversuch erreichte Maximaltemperatur kennzeichnend.
Der Wert von Kompost als Bodenverbesserungsmittel liegt insbesondere im
Gehalt an organischer Substanz. Der Gehalt an organischer Substanz betrgt im
allgemeinen 35 %[Link]. Er wird als Glhverlust ermittelt.
Kompost enthlt wasserlsliche Salze, meist Chloride und Sulfate der Alkaliund Erdalkalimetalle. Nhrstoffreiche Komposte weisen in der Regel hhere,
nhrstoffarme Komposte dagegen niedrigere Salzgehalte auf. Hhere Salzgehalte
knnen Wurzelfunktionen und damit das Wachstum von Pflanzen beeintrchtigen.
Als reines Pflanzsubstrat eignet sich Kompost aufgrund seines Salzgehaltes in der
Regel nicht.
Komposte enthalten alle ft1r die Pflanzenernhrung notwendigen Haupt- und
Spurennhrstoffe. Als Hauptnhrstoffe gelten Stickstoff, Phosphor, Kalium, Magnesium und Kalzium. Als Spurennhrstoffe gelten Eisen, Mangan, Zink, Kupfer,
Bor und Molybdn.
Tabelle 5.29. Einteilung der Rottegrade entsprechend den Maximaltemperaturen im Selbsterhitzungsversuch [5.107]
Rottegrad
I
II
III
IV
V
Tmax [ 0 C]
>60
50-60
40-50
30-40
<30
Produktbezeichnung
Kompostrohstoff
Frischkompost
Frischkompost
Fertigkompost
Fertigkompost
Dimension
[%TS]
[%TS]
[%]
[gll]
[gll]
[%TS]
[mgll FM]
[%TS]
[mgll FM]
[%TS]
[mgll FM]
[%TS]
[mgll FM]
[%TS]
Mittelwertbereich
35
65
36
680
4
7,6
1,1
150
0,7
1200
1,2
2500
0,4
250
3
485
Fremdstoffe sind unerwnschte lnhaltsstoffe, da sie das produkttypische Erscheinungsbild und damit die Verwertung und Vermarktung von Kompost beeintrchtigen. Als Fremdstoffe anzusprechen sind insbesondere Glas, Kunststoffe, Verbundstoffe, Metalle und andere fr die Kompostierung ungeeignete Stoffe.
Im Gegensatz zur organischen Substanz in Kompost unterliegen Schwermetalle
keinem biologischen Abbau. Sie reichem sich daher im Verlauf der Rotte relativ
an. Fertigkomposte weisen i.d.R. hhere Schwermetallgehalte auf als Frischkomposte.
Zur einheitlichen Bewertung von Schwermetallgehalten in Komposten unterschiedlicher Rottegrade und anderer organischer Bodenverbesserungs- und Dngemittel werden die jeweils ermittelten Schwermetallgehalte, auf Basis eines
Standardkompostes mit 70 % mineralischem Anteil und 30 % organischer Trokkensubstanz, umgerechnet:
SM3oo;. = SMp 70 /(100-GVp)
SM3001 = Schwermetallgehalt [mglkg TS] normiert auf30% Glhverlust
SMp = Schwermetallgehalt [mglkg TS] der Probe
GVP = Glhverlust [% TS] der Probe
Richtwerte zur Begrenzung von Schwermetallen in Komposten haben den Zweck,
stofflich verwertbare Produkte von nicht verwertbaren Produkten zu unterscheiden
bzw. Produkte, die fr den Bereich der Nahrungspflanzenerzeugung geeignet sind,
zu charakterisieren. Das Aufbringen von Kompost soll generell unterbleiben,
wenn die genannten Richtwerte berschritten werden.
Tabelle 5.31. Richtwerte flir maximal zulssige Konzentrationen an Schwermetallen filr Komposte nach der BioAbtV
Schwermetall
Blei
Cadmium
Chrom
Kupfer
Nickel
Quecksilber
Zink
[mg!kg TS]
Pb
Cd
Cr
Cu
Ni
Hg
Zn
150
1,5
100
100
50
I
400
Wie Tabelle 5.31. zeigt, ftlhrt jedoch eine Fokussierung auf die Schadstoffgehalte
im Kompost am Ziel eines vorsorgenden Bodenschutzes vorbei. Die hchsten
Frachten durch Dngung entfallen bezogen auf die landwirtschaftlichen Flchen
auf Wirtschaftsdnger, deren sehr hohe Cu- und Zn-Frachten durch die Futtermittel verursacht werden. Durch anorganische Dngemittel sind vor allem hohe Cdund er-Frachten festzustellen. Der atmosphrische Eintrag liegt besonders fr Cd,
Zn und Pb bei einem Anteil von 40 bis 50 %. Rinde und Torf sind in diesem Fall
sowohl hinsichtlich des Einsatzes in der Landwirtschaft als auch hinsichtlich der
Gesamtfrachten von untergeordneter Bedeutung (Einsatz im Garten- und Landschaftsbau). Der Anteil der Komposte betrgt hierbei 5,6% fr Blei und 0,9% fr
486
Cr
Cu
Ni
Pb
Zn
Wirtschaftsdnger
Klrschlamm
Kompost
Rinde und Torf
Anorg. Dngemittel
Atmosphrischer Eintrag
0,71
0,66
0,05
0,02
1,45
2,50
23,12
15,76
2,44
0,03
68,90
7,00
168,83
57,09
4,09
0,24
8,76
52,60
14,74
6,66
1,69
0,18
6,81
11,00
11,36
27,51
6,57
0,37
9,80
57,20
518,2
228,0
19,0
2,2
64,1
540,0
5,39
117,25
291,61
41,10
112,51
1371,5
0,9
2,1
1,4
4,1
5,8
1,4
[Link]
Erlse
Die Vermarktung von Kompost aus Siedlungsabfllen sollte sehr vorsichtig eingeschtzt werden und bei der Planung nicht mit Erlsen, sondern mit Deponiekosten
in die Betriebskostenberechnung eingehen. Es gibt Produkte wie Torf und Humusboden auf dem Markt, die durch Kompost aus Recyclinganlagen ersetzt und
substituiert werden knnen. Da Torf keine pflanzenphysiologischen Nutzen, sondern nur eine auflockemde und darber hinaus versauemde Wirkung auf den Boden hat, sollte Kompost ausgestattet mit weitaus besseren Eigenschaften Torf
ersetzen knnen. Dabei wren je nach Losgre Preise zwischen 30 und 60
DM/Mg aufgrund der Dngewirkung erzielbar.
Humusboden wird in der Bauwirtschaft bei Landschaftsgrtnern und bei Rekultivierungen von industriell stark genutzten Landschaften bentigt. Ein groer Teil
des Humus fllt bei Manahmen im Siedlungs- und Straenbau selbst an und wird
mit 10 bis 30 DM/Mg (1999) gehandelt. Hier lassen sich erhebliche Mengen an
Kompost, vor allem vermischt mit Humusboden, einsetzen.
5.3.7
Sekundrbaustoffe
Durch das Recycling von Baurestmassen werden Sekundrbaustoffe erzeugt, die
mit den Primrbaustoffen konkurrieren knnen.
487
488
489
Tabelle 5.33. Einsatzmglichkeiten von Recycling-Baustoffen in Abhngigkeit von der Komgrenklasse [5 .163]
Krnung
Vorabsiebung
Einsatzmglichkeiten
0/6 mm Grabenverfllung (Dammschttung, Bodenaustausch)
0/4 mm Pflastersand, Bodenaustauschmaterial mit hohen Verdichtungswerten
0/8 mm Wassergebundene Schichten, Landschaftsbau
0/25 mm Pflasterunterbau, Bankettbefestigungen
4/8 mm Abstreuen von Wegen, Drainagekies
0/32 mm Schottertragschicht, Frostschutzschicht
0/45 mm Schottertragschicht, Frostschutzschicht
4/45 mm Drainagematerial, Kanalbau
25/45 Bodenaustauschmaterial, unterste Schicht zur Verfestigung des
mm Planums
die Hauptaufgabe der Gtegemeinschaft dar. Die Erzeugnisse, die den Gte- und
Prfbestimmungen entsprechen, werden mit dem Gtezeichen RAL-RG 50111 fr
Recycling-Baustoffe ausgezeichnet. Die Gte- und Prfbestimmungen regeln die
Art und den Umfang der Prfungen an den wiedergewonnenen Baustoffen. Neben
der Verwendung der Recycling-Baustoffe im Straenbau kann beispielsweise
aufbereiteter Betonabbruch als Zuschlagsstoff fr hydraulisch gebundene Tragschichten oder theoretisch Betonsplittbeton eingesetzt werden. Da an Beton besondere Festigkeitsansprche gestellt werden, sind umfangreiche Untersuchungen
ber Technologien, Eigenschaften und Einsatzmglichkeiten durchgefiihrt worden
[5.118, 5.119]. Der Einsatz von Betonsplittbeton ist in der Bundesrepublik aufgrund einer fehlenden Normung nicht mglich. Um neue Absatzmrkte zu erschlieen, werden mittlerweile auch neue Einsatzgebiete fr die RecyclingBaustoffe, wie z.B. der Einsatz als Zuschlagstoff in der Produktion von Verbundund Pflastersteinen etc. untersucht.
Klassifizierter Straenbau
Der Straenbau ist das Hauptverwendungsgebiet fr Sekundrbaustoffe. Die einzelnen Anforderungen an die Einsatzgebiete sind im Merkblatt "Wiederverwendung von Baustoffen" dargestellt. Recycling-Baustoffe, die im klassifizierten
Straenbau eingesetzt werden, mssen uneingeschrnkt den technischen Anforderungen an Primrbaustoffen entsprechen. Die Tabelle 5.34. zeigt die einzelnen
Einsatzmglichkeiten der unterschiedlichen Recycling-Baustoffgruppen im Straenbau. Entsprechend den Verwendungsbereichen sind in Tabelle 5.35. die erforderlichen Prfeigenschaften aufgezeigt. Die jeweiligen Anforderungen sind im
Merkblatt detailliert aufgefiihrt [5.111].
Nicht klassifizierter Straenbau, Garten- und Landschaftsbau
Fr den nichtklassifizierten Straenbau wie auch Garten- und Landschaftsbau
zeigen Erfahrungen vieler ausfiihrender Unternehmen, da hier nicht nur die ReBaustoffe mit Gtezeichen und den mglichen Anteilen an Ziegel und Asphalt wie
beim klassifizierten Straenbau einsetzbar sind, sondern auch Mischmaterialien
Kies, Sand
Verwendung mglich
----- -
Beton, Betonwerksteine
Lrmschutzwlle
--- 1---
Asphalt
Stoffgruppen
Verwendungsbereiche
C1
C2
D1
D2
E
F
G1
G2
-~-
L__
--
---
0
---
.2)
2) Siehe "Merkblatt fr die Erhaltung von AsphaltstraenTeil: Bauliche Ma nahmen-Wiederverwenden von Asphalt"
.2)
01)
>
1) Als Beimengung zu den Stoffgruppen 2 bis 5 je nach Laboruntersuchung oder aufgrund von Praxiserlahrungen.
0
0
Tabelle 5.34. Verwendungsmglichkeit gem "Merkblatt ber die Verwendung von industriellen Nebenprodukten im Straenbau; Teil:
Wiederverwendung von Baustoffen" [5.111 ].
:::s
iD
!!!!
)>
C"
:::s
<
0
(Q
:r
2.
'<
(')
cn
.;..
Raumbestndigkeit
4
5
6
7
Komfestigkeit
SchdliChe Bestandteile nach
DIN 4226
Affinitt zu bit. Bindemitteln
9
10
11
12
13
Begrnbarkeit
17
auf Bautetle
Einwirkung auf Umwett
~.;nemtscn:pnysu<anscne
Frostempfindlichkeit
16
18
19
Zeit- Selzungsverhalten
14
15
.,
t:tnwtrt<ung
Verfonnung~odul. Standfesti~keit
Proctordichte
Komfonn
Komgroenverteilung
Kom-. Rohdichte
Stoffliche Zusammenselzung
0
0
0
0
0
0
C1
C2
01
02
G1
G2
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
TragBodenverHydraulisct
TragBit. Deck- BetonHinterfestigung schichten gebundene schichten
tragmitbitumin. u. BinderVerfllung
fllung
und
ohne
Ungeb.
Tragschichten schichten
von
~ntergrund Bindemittel schichten ~indemittelr
und
~erkehrsfl.
verM
Leitungsberund
Oberbau
besserung
grben
Wegebau Unterbau schttung
zu prfen
Schutzwlle
Lrm-
:r
;:::s
a.
c
Cl
ID
I
"tl
!!.
~
::s
ID
::s
3:c
3
Dl
01
492
493
[Link]
Erlse
5.3.8
Asphalt
Ausbauasphalt findet fast ausschlielich als bituminses Mischgut fiir Binder- und
bitumins gebundene Tragschichten Wiederverwendung. Ein je nach Bundesland
unterschiedlicher Anteil an Ausbauasphalt kann auch fiir die Deckschicht verwendet werden. Sofern das Material zur Replastifizierung nicht mehr geeignet ist,
wird es entweder deponiert oder bei anderen Baumanahmen, wie z.B. Lrmschutzwllen, verwendet.
[Link]
Qualittsanforderungen
494
- Komgrenverteilung,
- Mineralstoffart,
- Wassergehalt
Bei der Eigenberwachung sind neben der durchschnittlichen Granulatzusammensetzung auch die Gleichmigkeit der Qualittsmerkmale festzustellen. Frsgut
sollte bei jeder Anlieferung untersucht werden, Schollenaufbruch ist nach dem
Brechen einer Charge zu charakterisieren.
In einer Eignungsprfung sind die Auswirkungen der Komzusammensetzung, des
Bindemittelgehaltes und des Erweichungspunktes auf die Eigenschaften des resultierenden Mischgutes zu ermitteln. Im Prfbericht ber die Eignungsprfung sind
die Ergebnisse der Voruntersuchung und die Zugabemengen anzugeben.
Fr die Recycling-in-place-Verfahren sind in dem Merkblatt fiir die "Erhaltung
von Asphaltstraen" Baugrundstze, Bauverfahren, Ausfhrung, Anforderungen,
Prfungen sowie die Abnahmemodalitten, Gewhrleistung und Abrechnung festgelegt [5.116].
Die Mglichkeiten der Wiederverwendung und somit die Einsatzgebiete von
Ausbauasphalt lassen sich gem dem "Merkblatt fiir die Erhaltung von Asphaltstraen, Teil: Bauliche Manahmen, Wiederverwendung von Asphalt" in 3 Kategorien einteilen [5 .117]:
Wiederverwendung ohne Aufbereitung:
Das anfallende Frsgut und teilweise der Schollenaufbruch knnen in geeigneter
Gre ohne weitere Aufbereitung fiir den Bau von Lrmschutzwllen, zur Verbesserung des Untergrundes und des Unterbaues von Verkehrsflchen eingesetzt
werden.
Wiederverwendung mit zustzlichen Baustoffen:
Derzeit sind Verfahren in Erprobung, bei denen gefrster oder gebrochener Asphalt im kalten Zustand nach Einmischung anderer Baustoffe vor Ort oder in Misehern wiederverwendet wird. Art und Menge der zustzlichen Baustoffe richten
sich nach dem Verwendungszweck. Unter Verwendung von z.B. Sand, Fller,
Bitumenemulsion, Wasser und Zement kann der Ausbauasphalt derart aufbereitet
werden, da das Material fiir den Einbau fiir verfestigte oder unverfestigte Frostschutzschichten geeignet ist.
Wiederverwertung zur Herstellung von Asphalt
Hierunter fallen die Recycling-in-place-Verfahren und die Recycling-in-plantVerfahren. Es gelten die genannten Anforderungen.
[Link]
Erlse
In der Literatur werden keine Angaben ber die Erlse fiir Asphalt gemacht. Es ist
jedoch davon auszugehen, da die Preisabschlge deutlich geringer ausfallen als
bei den Sekundrbaustoffen.
"Die besten Abflle sind die erst gar nicht entstandenen" ist die bestechende Logik
einer viel zitierten Aussage. In der praktischen Umsetzung zeigt sich jedoch eher
eine zgerliche Wirkung.
Trotz einer bereits vor 15 Jahren vollzogenen gesetzlichen Verankerung des
Vermeidungsgedankens, dem seither vorrangig Rechnung getragen werden sollte,
werden heute noch die Hauptanstrengungen im Bereich der Verwertung und Beseitigung von Abfallen unternommen.
In den Jahren 1987 bis 1990 stieg die Menge der Siedlungsabflle zwischen 4,5
und 5,0% p.a. (vgl. Tab. 2.1).
Aufgrund erheblicher Probleme mit den wachsenden Abfallbergen zeichnet
sich im Bereich der Kommunen als beseitigungspflichtige Krperschaften und in
der Industrie jedoch ab, da der Abfallvermeidung ein zunehmender Stellenwert
eingerumt wird.
6.1
Rahmenbedingungen der Abfallvermeidung
6.1.1
Begriffsdefinition
Der Begriff der Abfallvermeidung umfat die Handlungsmglichkeiten, die ein
Entstehen von Abfllen bereits beim Abfallproduzenten problemlos verhindem
bzw. den Anfall von Abfall so gering wie mglich halten. Die Abfallvermeidung
ist somit eng an die Produktions- und Verbraucherstrukturen geknpft, die sowohl
einen erheblichen Einflu auf die Abfallproduktion ausbt als auch durch Vermeidungshandlungen verndert werden kann [6.22].
Die Mllvermeidung ist in qualitativer und quantitativer Hinsicht zu differenzieren. So ist unter qualitativer Vermeidung eine Vermeidung kurzlebiger sowie
problembehafteter Produkte zu verstehen, whrend mit quantitativer Abfallvermeidung eine Reduktion der noch zu verwertenden bzw. zu entsorgenden Abflle
gemeint ist [6.6].
6.1.2
Einflu verschiedener Akteure auf die Abfallvermeidung
Die im Bereich der Abfallproduktion Handelnden knnen in die Bereiche der
direkten und indirekten Akteure unterteilt werden. Zu den direkten Akteuren zhlen:
496
DATENERHEBUNG
UI!Meltplanung
kobilanz
Energie- und Stoffbilanz
Produktlinienanalyse
Gesetzgeber
INJIREKTE
AKTEURE
TECHNISCHE
EBENE
DIREKTE
AKTEURE
ABFALLEBENE
Bild 6.1. Wirkungsbeziehungen zwischen den verschiedenen Akteuren und Ebenen der Abfallwirtschaft
497
[Link]
Materialfludiagramm fr Papier
Materialfludiagramm fr Aluminium
498
499
[Link]
Europische Gemeinschaft
Innerhalb der EG tritt heute an die Stelle der bisherigen Abfallbeseitigung die
sinnvolle Abfallwirtschaft mit eindeutiger Prioritt zugunsten einer Abfallvermeidung und -verwertung.
Trotzdem mssen die Mitgliedsstaaten die Regeln des freien Binnenmarktes
beachten, die seit 1992 zwingend vorgeschrieben sind. Gem der Prmisse, da
keine Diskriminierung von Handelspartnern auftreten darf, sind Produktions- und
Handelsbeschrnkungen nur begrenzt durchsetzbar. Durch diese Einbindung werden die einzelnen EG-Mitglieder in ihren Abfallvermeidungsmanahmen teilweise
erheblich behindert. Ein deutsches Verbot von Einwegverpackungen wrde vermutlich an dieser Hrde scheitern.
Als EG-Richtlinie wurde jedoch der Ausstieg aus der FCKW-Produktion als
langfristige Perspektive verankert.
Bundesrepublik Deutschland
Mit Inkrafttreten des Gesetzes ber die Vermeidung und Entsorgung von Abfllen
(Abfallgesetz) vom 0 1.1I.I986 wurde der Begriff der Abfallvermeidung in das
aus dem Jahre I972 stammende Abfallbeseitigungsgesetz eingefilhrt:.
Abfallgesetz
Der in das Gesetz neu aufgenommene I a AbfG bestimmt in seinem ersten Absatz, da Abflle zu vermeiden sind, allerdings nur nach Magabe zustzlicher
Rechtsverordnungen, die von der Bundesregierung gem I4 Abs. I und 2 erlassen werden knnen. Damit hat der Ia keine unmittelbar bindende rechtliche
Wirkung, sondern ist vielmehr als richtungsweisender Programmsatz fiir die Exekutive zu verstehen. Vermeidungsgebote setzen vielmehr eine Ausgestaltung des
Rahmengesetzes durch die Bundesregierung in Form von Rechtsverordnungen
gem I4 AbfG voraus.
Die Bundesregierung darf von ihrer Befugnis gem I4 Abs. 2 AbfG allerdings erst dann Gebrauch machen, wenn sie zuvor vergeblich versucht hat, eine
marktwirtschaftliche Lsung des Problems herbeizufiihren. Die Schwche der
Ermchtigung liegt darin, da die Bundesregierung direkt nur eingreifen darf,
wenn es sich um die Vermeidung schdlicher Stoffe handelt. Geht es "lediglich"
um die Reduktion von Abfailmengen, ist die Bundesregierung gezwungen, in
langwierige Diskussionen mit den Verursachern der Abfallmengen einzutreten
[6.3].
Um diesen Schritt abzukrzen, wurde beispielsweise die Verpackungsverordnung (vgl. Kap. 1.3.4) zweigleisig angelegt. Der beteiligten Wirtschaft wurde die
Mglichkeit zum Aufbau eines haushaltsnahen Erfassungs- und Verwertungssystems fiir Verkaufsverpackungen eingerumt. Gleichzeitig wurde fUr den Fall des
Scheiteros eine Zwangsrcknahme durch den Handel angeordnet.
Weitere Vorlagen, wie z.B. fUr die Rcknahme von Altautos, Altpapier oder
Elektronikschrott, liegen im Entwurf vor.
500
Material
1988
1990
1991
1992
[103 Mg]
[103 Mg]
[103 Mg]
[103 Mg]
3.146,3
4.205,1
4.426,3
Glas
4.636,8
603,7
738,7
793,1
752,2
Weiblech
102,1
118,2
Aluminium
124,0
114,8
Kunststoff'
1.227,8
1.441,8
1.606,5
1.542,1
3.874,7
Papier, Pappe, Karton
5.082,5
5.209,3
5.035,3
Verbunde, davon:
303,1
348,6
410,9
402,9
141,8
161,1
198,2
201,6
Flssigkeitskarton
137,1
155,1
177,9
168,1
Papierbasis
19,9
26,4
28,0
26,8
Kunststoffbasis
6,0
4,2
6,8
6,4
Alubasis
9.257,7
11.934,9
12.780,6
12.273,6
Quotierte Verpackungen
insgesamt
301,0
220,5
293,4
259,0
Feinblech
1.471,1
2.117,9
2.249,9
2.131,6
Holz, Kork
Sonst. Verpackungenb
14,9
12,5
15,5
14,0
Nicht quotierte Verpak1.706,5
2.434,4
2.557,3
2.403,1
kungen insgesamt
10.964,2
14.369,3
15.337,9
14.676,7
Alle Verpackungen
1992 Vorabschtzung
incl. Kunststoff/Kunststoffverbunde
1995 Prognose
Textil, Keramik, Blei, Kautschuk
1988 alte Bundeslnder
1990 inkl. neue Bundeslnder
1995
[103 Mg]
3.980,5
722,6
105,6
1.498,5
5.107,7
399,8
205,4
164,5
23,9
6,1
11.814,7
269,6
2.064,9
12,1
2.346,6
14.161,3
Ein Jahr nach Inkrafttreten zeigt die VerpackV erste Erfolge nicht nur bezglich
der Verwertung, sondern auch im Bereich der Abfallvermeidung. Whrend der
Verpackungsverbrauch in den letzten Jahren beinahe unabhngig von konjunkturellen Einflssen anstieg, ist 1992 erstmalig ein Rckgang gegenber dem Vorjahr
um 4,3 %oder ca. 661 000 Mg zu verzeichnen [6.8]. Bezogen auf die von der
VerpackV reglementierten Verpackungen betrgt der Rckgang rund 500 000 Mg
(s. Tabelle 6.1.). Fr die kommenden drei Jahre wird ein weiterer Rckgang um
ca. 450 000 bis 500 000 Mg prognostiziert.
Bundes-Immissionschutzgesetz
Gem 5 Abs. 1 Nr. 3 BlmSchG sind genehmigungsbedrftige Anlagen so zu
errichten und zu betreiben, da "Reststoffe" vermieden werden, es sei denn, sie
werden ordnungsgem und schadlos verwertet. Falls beides nicht zurnutbar ist,
mssen die Abtlilie ohne Beeintrchtigung des Wohls der Allgemeinheit beseitigt
werden. Die Erfllung dieser Pflicht ist Genehmigungsvoraussetzung nach 6
BlmSchG, weshalb das BlmSchG sogar weitreichendere Auswirkungen hat als
das AbfG. Allerdings bezieht sich das BlmSchG nur auf die Errichtung und den
Betrieb von Anlagen, nicht aber auf bestimmte Produkte, wie z.B. Verpackungsmaterialien [6.3].
501
TA Abfall
Die TA Abfall dient dazu, die Umsetzung der angestrebten Strategien zur Abfallvermeidung und -Verwertung als zentrales Element der Abfallwirtschaft einzufhren. Ein wesentliches Element ist eine Verbesserung der Sonderabfallentsorgung
durch die Bindung bestimmter Abfallarten an dafr am besten geeignete Entsorgungswege. Anforderungen an die Vermeidung von AbOOien kann die TA Sonderabfall aufgrundfehlender gesetzlicher Ermchtigungjedoch nicht formulieren.
Verbot bestimmter Beseitigungswege
Hierunter tallt in erster Linie ein Verbot der Beseitigung (Deponierung, Ableitung,
Behandlung und Verbrennung) potentiellverwert-oder vermeidbarer Abtalle und
Reststoffe. Mgliche Instrumente sind die TA Abfall, in der bestimmte Entsorgungswege fr Sonderabtalle und Reststoffe vorgeschrieben werden, und die
Hohe-See-Einbringungsverordnung, die die Abfallverbrennnung auf See ab 1994
verbietet.
Verbot von Produkten
Zu den produktseitigen Instrumenten zhlen das Verbot von Produkten, die entweder in der Herstellung oder nach Benutzung besonders abfall- und reststoffintensiv sind, wobei sowohl das Chemikaliengesetz als auch das Abfallgesetz als
Instrument zur Durchsetzung dienen kann.
Lnder
Die Abfallvermeidungsgebote des AbfG und des BlmSchG sind abschlieende
Regelungen, so da landesrechtliche auf die Abfallvermeidung gerichtete Normen
wegen des Vorrangs von Bundesrecht auf dem Gebiet der konkurrierenden Gesetzgebung ausgeschlossen sind. Es steht dem Landesgesetzgeber jedoch frei, z.B.
in seine Kommumtlgesetze weitergehende Abfallvermeidungsgebote aufzunehmen. So verpflichtet 2 Abs. I LAbfG/Rheinland-Pfalz die Entsorgungspflichtigen, in ihrem Zustndigkeitsbereich darauf hinzuwirken, da mglichst
wenig Abfall entsteht [6.3].
Beseitigungspjlichtige Krperschaften
Auch die Kommunen als beseitigungspflichtige Krperschaften mssen sich im
Rahmen der Bundes- und Landesgesetze bewegen. Eigene Gesetzgebungskompetenz hinsichtlich Abfallvermeidung steht ihnen nicht zu. Im Rahmen ihrer Satzungsautonomie stehen ihnen jedoch Mglichkeiten zur Verfgung, der Abfallvermeidung einen hheren Stellenwert beizumessen.
Das Hausmllaufkommen bei den Haushalten mit Ge- und Verboten zu senken,
erscheint unzweckmig, denn es ist zu befrchten, da Haushalte, denen nur ein
bestimmtes Abfallkontingent pro Zeiteinheit zugestanden wird, auf illegale Entsorgungswege ausweichen und damit erhebliche Umweltschden verursachen
[6.15].
Dagegen kann dieses Instrument bei der Vermeidung von Sonderabtallen einen
wichtigen Beitrag leisten. Zu nennen sind Rechtsverordnungen zur Rcknahme
oder zum Verbot von bestimmten Reststoffen aus der Produktion oder die TA
Abfall.
502
Wirtschaftspolitische Instrumente
In diesem Bereich sind zahlreiche Instrumente auf der Grundlage der in Kap.
[Link] aufgefhrten Gesetze einsetzbar, von denen hier nur zwei exemplarisch
behandelt werden. Weitere Instrumente sind an dieser Stelle nur im berblick
wiedergegeben.
Wirtschaftsfrderung
Dieses Instrument bietet vielfliltige Mglichkeiten zur Einflunahme auf das Verhalten von Industrie und Gewerbe. Instrumente fr eine umweltorientierte Wirtschaftspolitik knnen
- Finanzierungshilfen,
- Steuer- und Tarifpolitik,
- Infrastrukturpolitik,
- Baugenehmigungspraxis, Bauleitplanung,
- umweltrelevante Forschungs- und Entwicklungsfrderung,
- Information und Beratung sowie ffentliche Frdermanahmen durch Land,
Bund undEG
sein.
Umgesetzt wurde dies bereits als Teil innerhalb der Frderprogramme fr die
neuen Bundeslnder, z.B. als zinsgnstige Kredite fr Investitionen zur Verbesserung der Abfallwirtschaft (Recycling und Beseitigung), Abwasser- und Luftreinigung sowie Energieeinsparung [6.93].
konomische Anreize
konomische Anreize auf der Stufe der Rohstoff- und Gterproduzenten werden
als erfolgversprechende Manahmen zur Verminderung des Abfallaufkommens
angesehen [6.15], da die Vermeidungszielsetzung fr industrielle Produzenten auf
marktwirtschaftliehen berlegungen, wie z.B. umweltschutzbedingten Kostenlasten, liegen. Der Produzent kalkuliert in alternativen Investitionsrechnungen
durch, wie ersparte Umweltschutzausgaben zu Buche schlagen. Die Vermeidungszielsetzung wird daher derjenigen zur Verwertung von Rohstoffen hnlich [6.20].
Weitere Anreize sind Subventionen fr den Verzicht auf Umweltschdigungen
oder zur Frderung umweltfreundlicher Produktionsverfahren, staatliche Frderung der umwelttechnischen Innovationen, Umweltlizenzen oder Umweltabgaben
(z.B. die Sonderabfallabgabengesetze in mehreren Bundeslndern).
In der Vergangenheit wurden Anreize zur Abfallvermeidung, die direkt in den
privaten Haushaltungen ansetzen, wegen des hohen administrativen Aufwandes
und der Sorge vor einem Ausweichen auf illegale Entsorgungswege als wenig
geeignetes Mittel angesehen. Drei Grnde fhrten im wesentlichen zu einer Revision dieser Auffassung:
- der Preisverfall bei der Mikroelektronik macht solche Systeme bezahlbar,
- die vollzogene und auch gewnschte Verteuerung der Abfallentsorgung verringert den Preissprung bei Einfhrung der gewichtsorientierten Entsorgungsgebhr,
- das gestiegene Umweltbewutsein lt eine illegale Abfallentsorgung als weniger wahrscheinlich erscheinen.
503
Dies entspricht auch der Einschtzung des Umwelt- und Prognose-Instituts Heidelberg e.V. (UPI), welches in einem zweijhrigen Forschungsprojekt eine kologische Steuerreform erarbeitete [6.30]. Im Rahmen dieses Reformvorschlages
sollen diverse umweltbelastende Produkte und Aktivitten besteuert werden, wovon sich das UPI erhebliche Erfolge im Hinblick auf die Abfallvermeidung erhofft.
ffentlichkeitsarbeit
Neben den Mglichkeiten der Ge- und Verbote und der Wirtschaftspolitik besteht
insbesondere filr die Kommunen die Mglichkeit, eine gezielte ffentlichkeitsarbeit durchzufhren.
Adressaten der ffentlichkeitsarbeit sind die Brger, der Handel und das Gewerbe sowie die kommunale Verwaltung. Ziele der ffentlichkeitsarbeit sind:
- Vernderungen des Kaufverhaltens (abfallarmer und umweltbewuter Einkauf),
- Vernderungen des Eigenverhaltens (zum Abfall bestimmte Produkte sinnvoll
weiterverwenden, z.B. Sperrmllnutzung),
- Frderung der Kompostierung (von Kchenabtallen zum Eigen- und Nachbarschaftsbedarf),
- Umstrukturierung der Angebotspalette des Handels und Gewerbes nach Kriterien der Umweltfreundlichkeit (langlebige, reparatur- und umweltfreundliche
Produkte),
- Frderung der Umweltpdagogik [6.7].
Die ffentlichkeitsarbeit sollte professionell durchgefhrt werden, da sie mit der
z.T. abfalltOrdernden Industrie konkurriert. Die ffentlichkeitsmanahmen sollten
mit der Einstellung von Abfallberatern verbunden sein, deren Aufgaben u.a. in der
Beratung und berwachung der abfallvermeidenden und -vermindernden Manahmen der Gemeinde, des Handels und Gewerbes und natrlich der Haushalte
bestehen sollten [6.6].Das Instrument der ffentlichkeitsarbeit ist positiv zu beurteilen. Hierbei
scheint es mglich, das ohnehin wachsende Umweltbewutsein [6.16, 6.17] durch
entsprechende ffentlichkeitsarbeit zustzlich zu strken. Die bereits erzielten
guten Sammetergebnisse bei der Erfassung von Altpapier, Altglas und Leichtverpackungen knnen als Indiz dafilr gewertet werden, da die privaten Haushalte zu
einem umweltschonenden Verhalten bereit sind. Eine . gezielte ffentlichkeitsarbeit knnte die privaten Haushalte zu weiteren Verhaltensnderungen
und zur Verringerung des Hausmllaufkommens veranlassen [6.15] sowie zu einer
Verminderung bei den Sonderabtallen durch Sensibilisierung der Verbraucher
fhren.
Das produzierende Gewerbe und die Industrie mu auf die Eigenverantwortung
und Mglichkeiten zur Abfallvermeidung bei den Gewerbeabtallen und den Sonderabtallen zielgerichtet, technisch fundiert hingewiesen werden. In freiwilligen
Absprachen (Branchenabkommen und Verbandslsungen) sollten die zuknftigen
Abfallmengen und der Stand der Technik bei der Produktion bzw. Reststoffbehandlung festgelegt und durchgesetzt werden.
504
[Link]
Direkte Akteure
Nachdem im vorangegangenen Kapitel die Instrumente zur Abfallvermeidung
erlutert worden sind, sollen in diesem Kapitel deren Auswirkungen auf die direkten Akteure und deren Mglichkeiten zur Abfallvermeidung aufgezeigt werden.
Produzierendes Gewerbe
Das Warenangebot stellt fr den Verbraucher eine sprbare Grenze seiner Abfallvermeidungsbestrebungen dar. Vielfach knnen verpackungsreiche Produkte
mangels Angebot nicht durch verpackungsarme Produkte ersetzt werden. In einigen Fllen, in denen dies mglich ist, mu mit erheblichen zustzlichen finanziellen Aufwendungen gerechnet werden. Dabei mssen die Preise, die der Verbraucher fr das Produkt einschlielich Verpackung bezahlt, noch nicht einmal objektiv auf die geringere, aber vielleicht teuere Verpackung zurckzufhren sein. Hufig sind verpackungsarme Produkte nur durch Preisverzerrungen wesentlich teurer.
Das produzierende Gewerbe knnte durch das verstrkte Anbieten verpakkungsarmer Produkte, aber auch gezielt langlebiger Gebrauchsgter einen ganz
erheblichen Beitrag zur Abfallvermeidung leisten. Diese Neuorientierung mte
dabei nicht einmal gngigen Vermarktungspraktiken von Produkten im Wege
stehen, da umweltfreundliche Produkte heute auch ein hohes Ma an Wettbewerbsfhigkeit und sogar Wettbewerbsvorteilen aufweisen und als solche vermarktet werden knnten.
Bisherige Erfahrungen lieen die Schaffung von Verordnungen notwendig erscheinen. Den Beginn machte die VerpackV (vgl. Kap. 3.2.1), weitere Verordnungen werden folgen.
Welche Bedeutung die Abfallvermeidung in der Industrie hat, verdeutlichen die
Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Von 205 Mio. Mg/a Abfall im Jahr 1987
des produzierenden Gewerbes trgt die Industrie mit 72 Mio. Mg einen betrchtlichen Anteil zur Abfallentstehung bei [6.22].
In vielen Unternehmen besteht die Erkenntnis, da von der Produktion und den
damit erzeugten Abtallen eine Umweltbeeintrchtigung ausgeht. Da aber der
Produktionsfaktor Umwelt neben den klassischen Produktionsfaktoren Boden,
Kapital und Arbeit zu einer entscheidenden Gre im unternehmerischen Handeln
herangewachsen ist, scheint vielen Unternehmern noch nicht bewut zu sein.
Abfallvermeidung bedeutet nicht nur die Einsparung von Entsorgungskosten,
sondern ermglicht auch eine positive Imagewirkung nach innen auf die Mitarbeiter und nach auen auf die ffentlichkeit bzw. die Verbraucher. Ebenso wird
durch die Fragestellung "Wie vermeide ich Abflle im Produktionsproze?" ein
erneutes Durchdenken selbst komplexer und bewhrter Arbeitsprozesse gefrdert.
"Betriebsblindheit" wird durch freigesetztes Innovationspotential ersetzt und kann
zu nachgewiesen positiven Ergebnissen fhren.
Ferner werden mit den Manahmen zur Abfallvermeidung auch die Risiken
verringert, die von den Abfallstoffen auf die Umwelt ausgehen. Aufgrund dieses
Schadenpotentials fr die Umwelt wurden umfangreiche Umweltschutzvorschrif-
505
506
507
Umgekehrt sind auch den privaten Haushalten bei der Abfallvermeidung Grenzen
gesetzt, die vom Warenangebot, der Sozialstruktur und der herrschenden Konsumund Lebensprferenz vorgegeben werden. Eine Abfallvermeidung ist nur schwer
zu realisieren, wenn beispielsweise im Handel weiterhin eine weitgehende Verdrngung von Mehrwegbehltern stattfindet, wenn verpackungsarme Produkte
unverhltnismig teuer sind oder wenn auf den Kauf notwendiger Gegenstnde
verzichtet werden mte, wollte man die aufwendige Verpackung einsparen.
Theoretisch ist bei den Haushalten eine sehr hohe Vermeidungsquote denkbar
(vgl. Kap. 6.2.2). Auf einer breiten Ebene erscheint sie jedoch nur realisierbar,
wenn vorausgesetzt wird, da sich auch die soziokonomischen Rahmenbedingungen verndern werden.
Es ist somit notwendig aufzuzeigen, wie gro der Spielraum des privaten Verbrauchers und Abfallerzeugers zur Abfallvermeidung ist und wie gro sein Beitrag
zur Mllmengenreduzierung sein knnte. Hierzu reicht es nicht mehr, von den
anfallenden Mllmengen und den Mllfraktionen auszugehen, da diese Daten nur
sehr grobe Anhaltspunkte fr Vermeidungspotentiale im Bereich privater Mikroakteure geben.
Wichtiger ist dagegen auch die Erfassung der Grnde fr den Konsum und den
Abfallanfall beim Verbraucher, weil nur in diesem Zusammenhang die Realisierbarkeit einer Vermeidungsmanahme bewertet werden kann [6.22].
6.2
Vermeidung von Hausmll
Wie bereits in Kapitel 6.1.2 erlutert wurde, sind sowohl produzierendes Gewerbe,
Handel und private Haushalte an der Produktion von Hausmll beteiligt. In diesem
Kapitel wird jedoch eine Beschrnkung auf letztere vorgenommen, da den Haushalten am Hausmllaufkommen eine besondere Bedeutung zukommt.
Whrend in Kapitel [Link] die Manahmen der direkten Akteure im Hinblick
auf die Abfallvermeidung beim Privatverbraucher diskutiert wurden, werden in
diesem Kapitel konkrete Mglichkeiten zur Abfallvermeidung im Haushalt qualitativ und quantitativ dargestellt.
6.2.1
Zunchst werden die wichtigsten Kenngren des Hausmlls im Hinblick auf die
Abfallvermeidung, die in Kapitel 2.2 und 2.3 ausfilhrlich dargestellt sind, noch
einmal kurz aufgefilhrt.
508
6.2.2
Praktische Erfahrungen mit Abfallvermeidungsmanahmen
In den nachfolgenden Abschnitten sind verschiedene Untersuchungen zur Abfallvermeidung aufgezeigt, die zum einen die Vermeidung von Hausmll durch umweltbewutes Einkaufen aber auch die Vermeidung von hausmllhnlichem Gewerbeabfall durch die Umstellung von Mehrweggeschirr bei einer Groveranstaltung aufzeigen.
509
Wie die Modellversuche aus Berlin (1985) und Harnburg (1988) gezeigt haben,
liegen besonders im Bereich der Produktverpackungen groe vermeidbare Abfallpotentiale, die ohne einen Konsumverzicht erreicht werden knnen. Durch das
mittlerweile errichtete Duale Abfallentsorgungssystem fiir Verpackungen (DSD)
wird zwar ein Groteil der Verpackungen einer Wiederverwertung zugefiihrt,
damit jedoch noch nicht vermieden.
Nach der zusammenfassenden Darstellung der Modellversuche folgt eine Untersuchung zur Abfallvermeidung bei einer Groveranstaltung aus dem Jahr 1992,
die aufzeigt, da sich auch im Bereich der hausmllhnlichen Gewerbeabililie
noch bedeutende Abfallmengen vermeiden lassen.
[Link]
Der Modellversuch wurde 1985 von der Gesellschaft fiir wissenschaftliche Beratung mbH (PLENUM) im Auftrag des Umweltbundesamtes Berlin als Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zur Abfallvermeidung durchgefiihrt.
Der Modellversuch sollte klren, welche Mglichkeiten und Grenzen fiir den
Verbraucher bei der Reduktion des Hausmllaufkommens existieren. Der
Schwerpunkt der Untersuchung lag bei der Fragestellung, ob sich Abfall in privaten Haushalten durch die Beeinflussung des Verbraucherverhaltens beeinflussen
lt sowie in welchem Umfang und bei welchen Stoffgruppen dies mglich sei.
Planung und Durchfhrung
Die Untersuchung wurde mit 50 freiwilligen Berliner Haushalten durchgefiihrt.
Der Versuch erstreckte sich ber zwei zeitlich getrennte Versuchsphasen von
Februar bis Juni 1983 (16 Wochen) und von Februar bis Juni 1984 (16 Wochen).
Dabei wurden die Mllmengen und Stofffraktionen der beteiligten Haushalte
genau registriert, in den ersten 6 Wochen der ersten Mephase handelte es sich
hierbei um nicht durch Aufklrungsarbeit beeinflute Bezugsmessungen.
Whrend der ersten Mephase wurden in regelmigen Abstnden Gesprchsrunden in kleinen Gruppen durchgefiihrt. Den beteiligten Haushalten wurden
Informationen ber die Mllproblematik und Beratung fiir husliche Abfallprobleme angeboten. Ab der 6. Woche wurde die Aufmerksamkeit der Beteiligten auf
Mglichkeiten der gezielten Abfallvermeidung gelenkt, die Erfolge bzw. Probleme wurden in den Gesprchsgruppen diskutiert.
Bei dem Berliner Modellversuch wurde den beteiligten Haushalten ein hohes
Ma an Engagement abverlangt, nicht nur durch die regelmig stattfindenden
Gesprchsgruppen, sondern auch durch das 6fach getrennte Sammeln von Hausmll bzw. Wertstoffen, das Verwiegen der Mllmengen und das Fhren eines
Abfall-Haushaltsbuches. Der Versuch ist somit nicht nur fiir die Abfallvermeidung, sondern auch fiir die getrennte Wertstofferfassung im Haushalt von Bedeutung.
Ergebnisse
Die durchschnittliche Mllmenge pro Einwohner und Woche vor Beginn der Aufklrung ber Abfallvermeidung lag bei 4,47 kg!Einwohner und Woche und lag
damit bereits unter den Werten der Durchschnittswerte fiir das Bundesgebiet bzw.
510
Berlin-West. Whrend der Aufklrungsphase sank die durchschnittliche Mllmenge auf 3,58 kg/pro Einwohner und Woche. Es wurde somit durch die Informations- und Aufklrungsarbeit und durch ein verndertes Verbraucher- und
Wegwerfverhalten eine Abfallvermeidungsquote von durchschnittlich 20 % erreicht. Die durchschnittliche Mllmenge stieg in dem folgenden unbeeinfluten
3/4 Jahr zwischen der ersten und zweiten Mephase wieder auf 3,78 kg/pro Einwohner und Woche an. Die Aufklrung ber die Mglichkeiten der Abfallvermeidung wirkte auch nach lngerer Zeit noch nach und betrug langfristig ca. 15 bis
16%.
In der zweiten Mephase 1984 nahm die Mllmenge dann wieder rapide ab,
sozusagen als Erinnerungseffekt, und stieg dann wieder auf 3,57 kg!Einwohner
und Woche an. Langfristig ergab sich eine Vermeidungsquote von mindestens 15
%, nach einer Auffrischung in der zweiten Mephase sogar von 20 %.
Diese Werte wurden bei bestehendem Warenangebot und sozialen Verhltnissen erreicht, sie knnen deshalb durchaus als Mastbe fiir die im privaten Haushalt erzielbare Abfallvermeidung gelten.
In Tabelle 6.2. sind die Versuchsdaten einer Regressionsanalyse unterworfen
worden, um kurzzeitige Schwankungen der Mllmengen zu eliminieren und den
Trend bei der Abfallvermeidung zu erkennen. Auch diese Vermeidungsquote liegt
im Bereich zwischen 16 und 21 %.
Tabelle 6.2. Durchschnittliche Mllmenge pro Einwohner und Woche whrend des Berliner
Modellversuchs nach einer Regressionsanalyse der Daten [6.25]
Anfang 1983
Gesamtmll
Papier
Zeitungen
Glas
Metall
Kunststoff
Verbundstoff
Restmll
Ende 1983
Diff. gegenber
Anf. 83
Ende 1984
Diff. gegenber
Anf. 83
Anteil an
Vermeidung
Anfang 83/
Ende 84
[g!E*W] [Gew.-%]
[g/E*W] [Gew.-%]
[g/E*W] [Gew.-%]
4.334
100
3.640
- 16
3.443
-21
100
80
- 19
-8
-9
- 35
-8
-10
315
362
827
144
119
89
14
9
23
5
3
2
490
353
921
138
132
-49
-6
-18
-32
-17
-2
33
3
21
7
3
0
1.888
44
1.526
-19
-15
33
606
386
1.014
204
144
87
1.589
Das hchste Vermeidungspotential scheint nach diesem Versuch in der Papierfraktion zu liegen, die einschlielich der Zeitungen zu rund 36 % der vermeidbaren Mllmenge beitrgt. Dies ist plausibel, bedenkt man, da gerade in der Papierfraktion die Vermeidung von Verpackungsmaterial erheblich zu Buche schlagen
mu. Die Glasfraktion weist einen kontinuierlichen Vermeidungstrend auf, der in
erster Linie durch den Ersatz von Einwegflaschen durch Pfandflaschen erzeugt
wurde. Auf Metalllt sich kurzfristig scheinbar am leichtesten verzichten, bereits
in der ersten Mephase wurde hier eine Verringerung von 35% festgestellt. Dies
511
[Link]
Modellversuch Abfallvermeidung in Hamburg-Harburg
Der Modellversuch zur Abfallvermeidung in einem Hamburger Stadtteil wurde
1987 von der INTECUS, Ingenieurgesellschaft ftlr technischen Umweltschutz
Berlin, zusammen mit dem Recycling-Centrom Rarburg im Auftrag der Stadtreinigung Hamburg-Harburg durchgefhrt [6.24].
Ziele der Untersuchungen
Der Modellversuch sollte Aufschlu darber geben, wie die Verbraucher die gegebenen Mglichkeiten zur Reduktion des eigenen Hausmllaufkommens aufnehmen und umsetzen und wie sich Vermeidungsmanahmen auf die Qualitt und
Quantitt des Restmlls sowie der Wert- und Problemstoffe auswirken. Eine
bertragbarkeit der Daten auf vergleichbare Untersuchungen sollte weitgehend
gewhrleistet werden.
Planung und Durchfhrung
Fr das Projekt wurden 81 Haushalte gewonnen, um neben der bis dahin schon
regelmig praktizierten getrennten Sammlung von Wert- und Problemstoffen die
Mglichkeiten einer gezielten Abfallvermeidung zu untersuchen.
Die Testhaushalte wurden aus dem Rarburger Stadtgebiet mit unterschiedlichen
Wohnstrukturen ausgewhlt. Vor Beginn der Untersuchung wurden mit Hilfe
eines Fragebogens die Sozialstruktur ermittelt sowie Fragen zum Abfallverhalten
bzw. Umweltbewutsein gestellt. Die Restmllanalyse erfolgte insgesamt in 6
periodischen Abstnden, die ber das Jahr 1987 verteilt waren. Zur Untersttzung
des Abfallvermeidungsverhaltens (Motivation) wurden die Haushalte whrend des
gesamten Versuchszeitraumes in Form von persnlichen Gesprchen, greren
512
[kg/Ea]
5,5
5,0
4 ,5
4,0
3,5
3,0
2,5
2,0
1 .5
-k<:""'m"""""'"'""
1,0
0,5
0,0 -~~~~~~~~~~~~~~~~~
Oktober
1986
Januar
Mrz
Mai
1987
August
Sept.
November
Probelauf
Lauf 1
Laut 2
Lauf 3
Lauf 4
Lauf 5
Lauf 6
513
Tabelle 6.3. Spezifische Hausmllmengen ausgewhlter Stdte in der Bundesrepublik Deutschland aus der Bundesweiten Hausmllanalyse 1985 im Vergleich zu den Ergebnissen des Modellversuchs in [kg!E*Wo] [6.24, 6.27]
Bestandteile
Erfassungsraum
Bremen Berlin
BR
Stadt
BR
Stadt u.
Land
Abfallaufkommen Versuchslauf 6
GeProbWertRestsamtlernstoffe
mll
mll
stoffe
Pappe
0,20
0,21
0,20
0,18
0,067
0,105
0,172
Papier
0,71
0,64
0,567
0,731
0,13
0,09
0,53
0,08
0,164
Verpackungsverbund
0,73
0,11
FE-Metall
0,15
0,27
0,14
0,13
0,019
0,073
0,092
0,02
0,005
0,004
0,009
0,40
0,24
0,007
0,541
0,046
0,548
NE-Metall
0,02
0,02
0,02
Glas
Kunststoffe
0,64
0,23
0,73
0,49
Textilien
0,07
0,29
0,10
0,26
0,09
Mineralien
0,18
Sonstiges
0,06
0,14
0,19
Wegwerfwindeln
0, 10
Problemmll
Feinmll
0-8mm
0,09
0,110
0,010
0,09
0,06
0,09
0,019
0,00
0,014
0,14
0,10
0,12
0,04
0,03
0,02
0,30
0,39
0,40
0,02
0,45
Mittelmll
8-40 mm
0,70
0,63
0,71
0,71
Vegetabilien
1,14
0,99
1,29
1,32
Fehlstoffe
4,98
4,67
Gesamt
Bundesrepublik
BR:
4,59
4,41
0,156
0,055
0,045
0,019
0,014
0,029
0,029
0,959
0,959
0,004
0,048
1,377
1,429
0,052
0,029
2,834
Die Spitze im Gesamtabfallaufkommen zum Jahreswechsel ist auf die mit den
Festlichkeiten einhergehenden erhhten Abfallmengen zurckzufhren.
Tabelle 6.3. gibt einen berblick ber die stoffliche Zusammensetzung der drei
Fraktionen Restmll, Wertstoffe und Problemstoffe vom 6. Versuchslauf im Vergleich zu spezifischen Hausmllmengen ausgewhlter Stdte der Bundesrepublik
Durch Abfallvermeidung konnte der Restmll um etwa 30 % reduziert werden.
Die Verringerung des Restmllaufkommens ist dabei im wesentlichen durch die
Abnahme der Vegetabilien bedingt. Bei der Gruppe der Eigenkompostierer (27%
der Teilnehmer) konnte eine grere Reduzierung des Vegetablienanteils im
Restmll als in der Gruppe der Nichtkompostierer festgestellt werden.
Verschiedene ffentliche Projekte zur Frderung der Eigenkompostierung haben gezeigt, da durch einen geringen Kostenaufwand eine betrchtliche Hausmllmenge vermieden werden konnte. So konnte im Landkreis Mnchen, durch
514
die kostenlose Verteilung von Kompostern an interessierte Haushalte, die Restabfallmenge um 10 bis 20% gesenkt werden [6.76].
Weiterhin wurden erhebliche Mengen an Wertstoffen vermieden, darunter die
Hauptkomponenten Papier, Pappe sowie Glas. Whrend die Vermeidungsquoten
bei Glas mit einer Verschiebung zugunsten von Mehrwegsystemen zu erklren
sind, knnen die hohen Vermeidungsquoten fr Papier sowohl auf die Vernderung des Verbraucherverhaltens bezglich Verpackungen als auch auf die verstrkte Benutzung der Recyclingbehlter begrndet werden.
[Link]
bertragbarkeit
- Sowohl der "Berliner'' als auch der "Harburger Modellversuch" wurden mit
freiwilligen Versuchshaushalten durchgeftlhrt.
- Eine derart intensive Informations- und Autklrungskampagne, wie sie fr die
meist geringe Teilnehmerzahl eines Modellversuchs durchgeftlhrt wird, ist fr
eine grere Bevlkerungsgruppe, wie z.B. einer Stadt oder einem Landkreis,
kaum realisierbar.
Tabelle 6.4. Erreichbare Abfallvermeidungsquoten bei vier ausgewhlten Projekten
Rahmenbedingungen
Modellversuche
Hamburg/
Harburg
1987 [6.24]
Berlin 1984
[6.25]
Kln 1988
[6.26]
Bielefeld
1986 [6.22]
b
Erreichbare Abfallvermeidungsquoten
[%] bezogen auf
Anzahl der grere
kurz- u.
geschtzt
teilnehGesamtheit mittellangfristig
menden
fiistig
Haushalte
81
50
140
b,d
8' 16
20-25
12
13
24
bezogen auf eine realistisch eingeschtzte Annahme einer 30%igen Beteiligungsquote der
Gesamtheit
bezogen auf eine optimistisch eingeschtzte Annahme einer 60%igen Beteiligungsquote der
Gesamtheit
aus Hochrechnung einer Sortieranalyse
Wird eine Kombination der getrennten Sammlung von Wertstoffen und Biomll gewhlt, so
knnte unter Annahme der Biomllerfassungsrate von 90% nach [6.19] und einer Beteiligungsquote von 30 % eine Abfallvermeidungsquote von ca. 20 %erreicht werden. Bei einer
BeteiligiDtg von 60% ergbe sich eine Vermeidungsquote von ca. 47 %.
515
[Link]
516
Porzellangeschirrteile
Suppenschsseln
Besteckteile
Porzellantassen
Anzahl
Unterer Wert
Einzelteil Summe
[g]
[kg]
30.142
120
10.571
ca. 50.000
18.364
8
3
3
85
150
55
Getrnkeglser
(ohne Bier)
Summe
ObererWert
Einzelteil Summe
[g]
[kg]
17
14
3
10
512
148
150
183
ca.800
ca. 2.600
1.210
3.593
Tabelle 6.6. Zustzlich vermeidbare Abfallmenge durch die Substitution von Einweggeschirr
[6.96]
Einweggeschirr
Anzahl
Pappteller
56.347
10
563
17
958
Papptabletts
15.600
4.542
62
14
218
36
14
12.718
27.507
10
20
63
381
127
82
3.856
11
42
Pappschsseln
Ebare Verpackungen
Kunststoffbecher
Pappbecher
Summe
Unterer Wert
Einzelteil Summe
[g]
[kg]
912
ObererWert
Einzelteil Summe
[g]
[kg]
10
12
275
46
1.941
517
[Link]
Energieeinsparung [GJ/Mg]
Wiederverwertung
Vermeidung
Papier
20,2
Glas
14,0
5,7
6,6
Metalle
Eisen
Aluminium
19,5
220,0
18,0
208,0
Kunststoffe
Polystyrol
70,0
82,2
PVC
53,0
Polyethylen
wesentlichesb
Einsparungspotential
[Link]
Seit Beginn der Modellversuche sind von den entsorgungspflichtigen Krperschaften deutliche Anstrengungen unternommen worden, die Haushalte ber den
umweltfreundlichen und abfallarmen Einkauf zu informieren. Auf der Konsumentenseite ist das Kaufkriterium der Abfallvermeidung durch abfallarmen Einkauf angenommen worden und wurde von der Seite der Produzenten zunehmend
bercksichtigt. So sind mittlerweile Pfandbehltnisse fr verschiedene Milcher-
518
6.3
Vermeidung von Produktionsabfllen
Die Beseitigung der ProduktionsabOOie hat in der Vergangenheit zu starken Umweltbelastungen geftlhrt, die heute als Altlasten vorhanden sind. Auch gegenwrtig bestehen groe Probleme, die nicht allein durch die bundeseinheitliche Regelung der Sonderabfallbeseitigung in der TA Sonderabfall und den Bau verbesserter
Beseitigungsanlagen (z.B. chemisch/physikalische Behandlungsanlagen, Hochtemperaturverbrennungsanlagen) zu lsen sind. Aus diesem Grund gewinnt die
Vermeidung und Verwertung der Abtlilie ein immer greres Gewicht. Hierauf
mu sich die Abfallwirtschaft einstellen.
Gefiihrliche Produktionsabtlilie entstehen fast ausschlielich im Bereich der Industrie, wo Abfallvermeidung und -Verwertung schon von jeher in gewissem Umfang aus wirtschaftlichen Grnden durchgefilhrt wurden. Umweltschutzberlegungen spielten eine untergeordnete Rolle. Die Abfallbeseitigung war auerdem
relativ problemlos, da ausreichend Beseitigungskapazitten zur Verfgung standen
und die Beseitigungskosten kaum ins Gewicht fielen, so da auch von dieser Seite
keine zustzlichen Anreize zur Abfallvermeidung kamen. Die genderten gesetzlichen Regelungen zur Abfallvermeidung und -Verwertung sowie knappe Beseitigungskapazitten und steigende Beseitigungskosten ergeben filr die Zukunft eine
genderte Ausgangssituation [6.34].
6.3.1
Instrumente zur Durchsetzung
Zur Durchsetzung des ffentlichen Interesses an der Vermeidung von industriellen
Sonderabtlilien und Reststoffen wurden umfangreiche Umweltschutzvorschriften
vom Gesetzgeber erlassen.
Diese Umweltgesetze sehen eine umfangreiche Haftung vor, die sogar unter der
Anwendung des Umwelthaftungsgesetzes Haftungshchstgrenzen von 160 Mio.
DM bedeuten knnen. Damit ist ein haftungsrechtliches Risiko verbunden, das
vielen Unternehmern heute noch nicht bewut ist. Eine Nichtbeachtung bestehender Rechtsvorschriften kann schnell haftungsrechtliche Konsequenzen ber den
Schadensverursacher hinaus auch filr die Mitglieder der Geschftsfilhrung bedeuten. Dabei besteht die Nichtbeachtung nicht nur in dem Begehen eines Gesetzesverstoes, sondern auch in einem Unterlassen [6.83].
519
520
ihrer Verwertbarkeit als Reststoff sind die Abflle in verschiedene Kategorien mit
verschiedenen Abgabestzen eingeteilt.
Das "Hessische Sonderabfallabgabengesetz" [6.84] unterteilt die besonders
berwachungsbedrftigen Abflille in drei Kategorien:
Ab 1. Januar 1993 betrgt in Hessen der Abgabesatz fiir abgabepflichtige Abflille der
- Kategorie 1
100DM
- Kategorie 2
200DM
- Kategorie 3
300DM
je angefangene Tonne.
6.3.2
Technische Mglichkeiten
1-
Betriebsexterne
Verwertung
Verwertung
Produktionsbereich
Abfallerzeuger
---c--~----------+-- - - - - t - - - - t - - - - t - - - - 1
~ =--14--+---1
1-==--------
----+-[ i'
P = Produktion
A = Aufbereitung
-+----Markt-1
521
522
Standsgruppen ausgerichtet sind. Zentrale Anlagen mssen hinsichtlich der einsetzbaren Abfallqualitt flexibler sein als betriebsinterne, da sie von unterschiedlichen Abfallerzeugern bedient werden.
Die zentrale Verwertung setzt ein Sammel- und Transportsystem voraus, das
auf die zu verarbeitende Rckstandsart abgestellt ist. Fallen Rckstnde in unterschiedlichen Bereichen an, wie z.B. Lsemittel, dann ist eine nach Branchen und
Stoffklassen getrennte Sammlung erforderlich. Die zentrale Aufarbeitung erfolgt
insbesondere filr getahrliche, besonders berwachungsbedrftige Reststoffe, die in
kleinen Mengen anfallen, wie z.B. bei chlorierten Lsemitteln und nicht halogenierten Lsemitteln. Weitere Beispiele sind quecksilberhaltige Produktionsrckstnde (Leuchtstoffrhren u.a.), Katalysatoren (vanadium-, nickelhaltig), Entwicklungsbder und Kupfertzlsungen.
Die betriebsexterne Verwertung ist auch dann sinnvoll, wenn zwar groe Mengen anfallen, die betriebsintern auch nach einer Aufarbeitung nicht sinnvoll eingesetzt werden knnen. Dies ist meist bei der Verwertung von Massenabtallen aus
der Httenindustrie und den Kraftwerken sowie im Baustoffsektor der Fall. Hier
geht es vorwiegend darum, die Rckstnde als Sekundrrohstoffe auf vorhandenen
Mrkten unterzubringen. Bei der betriebsexternen Verwertung ist die Zusammenarbeit zwischen Rckstandserzeugern und Verwertern von Bedeutung. Insbesondere besteht die Mglichkeit, durch Beeinflussung der Rckstandsqualitt
die Voraussetzungen filr eine Verwertung zu schaffen [6.34, 6.36].
Mit nderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen, etwa der Erweiterung der
Abfallbestimmungsverordnung von 1990 oder den in manchen Bundeslndern
eingefhrten Sonderabfallabgaben (beispielsweise in Hessen und BadenWrttemberg), haben sich auch die betrieblichen Kostenstrukturen gendert.
Die zuvor beschriebene Vermeidung und Verwertung von Sonderabtallen bentigt als Grundlage ein betriebliches Abfallmanagement, dessen wesentliche
Bestandteile
- die Bilanzierung und
- die Charakterisierung
der Reststoffe sind.
Bild 6.5. zeigt einen Entscheidungsstammbaum, der bei der Entwicklung eines
betrieblichen Abfallmanagementkonzeptes als Hilfsmittel herangezogen werden
kann [6.91].
Danach steht zunchst die Bilanzierung der Reststoffe und deren Vermeidbarkeit im Vordergrund. Ist dies wirtschaftlich mglich, werden die entsprechenden
Manahmen ergriffen, etwa die Umstellung des Verfahrens.
Bevor die Einschtzung der Verwertbarkeit durchgefhrt wird, werden die
Reststoffe charakterisiert, um deren Marktchancen einzuschtzen.
Wird die Verwertbarkeit zunchst negiert, mu geprft werden, ob die Qualitt
der Reststoffe verbessert werden kann. Beispielsweise knnen
- die Reinheit,
- der zeitliche Anfall oder
- das Handling
des Reststoffes optimiert werden.
523
an.. ~erung
~8.
Umstellung
des Verfahrens
z.B. Verbesserung
des Verfahrens
Charaklerisierung }----1~
z.8. Weit..gabe
M
Verwerter
~8.
gatremte E~as
sung, Aufbereitung,
Ent~flung
Unter abfallarmen Produktionsverfahren versteht man die Integration von Stoffkreislufen oder von Reinigungsschritten in Produktionsanlagen, so da auer
geringfiigigen Verunreinigungen praktisch nur das gewnschte Endprodukt die
Anlage verlt. Den bergang vom offenen zum geschlossenen abfallarmen System zeigt das Bild 6.6. [6.36).
Im folgenden sollen aus verschiedenen industriellen Bereichen Beispiel fiir derartige Verfahren gegeben werden.
524
bl Verwertungskaskade
ol offenes System
c) geschlossenes Systam
c,
A
8
Wtorhtoffe
[Link]"""''"
Hilhstoffe
c1Cz Produkt
D
Rilcl<stand
FeS
so
02
:~----;~~s-:-hich~ ~Edenreakto~
02
Edukte
--
SO
3
c___ _ __ _ j
"Verunreinigung"
im Edukt
nicht umgesetztes
Zwischenprodukt
Produkt
525
Gleichgewichtsreaktion
E1~
E2--
~p
L _ __ _
E1
_j~
E2
Reaktion
Nebenreaktion
E __ ___..
1
E2~---.
~p
~
~E2
~K
Folgereaktion
P: Produkt
E: Edukt
K: Kuppelprodukt
526
527
Neutrafisirrung
Laugt
Abluft
50 3 Luft
Ab loHsure
S~ - Ab sarplio n
Bild 6.9. Verfahrensschema der Sulfierung von Alkylbenzol mit S03 [6.39]
der Ester die Reaktionszone verlassen, werden sie mit kaltem Reaktionsprodukt
gekhlt. In einem Zyklon werden Reaktionsflssigkeit und Restgas getrennt. Die
erzeugten Ester und Sulfonsuren werden kontinuierlich neutralisiert.
528
Phosphaterz
Rckphosphorsure
H2SO,
CoS04 2 H2 0
Bild 6.10. Verfahrensschema des Semihydratverfahrens [6.39]
Abgaszum
Kesselhaus
1,6%
Jahr1986
16 kg
100%
Ethylen,
Comonomere
u. Hilfsmittel
~ ~-
1020 kg
1000 kg
4 kg
--
99,0%
HDPE
....
RVA u. Deponie
0,4%
Jahr 1964
108 kg
100%
Ethylen,
Comonomere
u. Hilfsmittel
___.
1020 kg
1000 kg
---
15 kg - -
77 ka-Abwasser
6,4%
J)
Atmosph re
9,0%
83,3%
HDPE
1l
tepo
nie
1,3%
529
Cllltr
Rijcllstidt
rercflter-
Sumpf zur
Sttnrltnnnung
ltfl71tn
loflltUioxi4
SlltrSitfl
Bild 6.12. Oxichlorierung zur Erzeugung von Vinylchlorid aus Ethylen [6.39]
Das Verfahren zur Herstellung von HDPE mit Zieglerkatalysatoren der 2. Generation arbeitet dagegen abwasserfrei. Es wurden hochaktive komplexe Katalysatoren entwickelt, die nur noch in sehr geringen Mengen eingesetzt zu werden brauchen, so da die geringen im Produkt verbleibenden Restmengen nicht stren und
daher nicht mehr entfernt werden mssen [6.39].
Herstellung von Polyethylen
Das Bild 6.11. zeigt das Mengenfludiagramm des Produktionsprozesses zur Herstellung von HDPE.
Herstellung von Ethylen- und Propylenoxid
Ethylenoxid ist eine sehr reaktive Substanz und ein wichtiger Grundstoff in der
chemischen Industrie. Aus Ethylenoxid wird z.B. Glycol hergestellt, das als Vorkondensat bei der Polyurethanherstellung dient. Propylenoxid ist ebenfalls sehr
reaktiv und findet bei der Herstellung von Ooxo-Alkoholen Verwendung. Frher
wurden sowohl Ethylenoxid als auch Prolylenoxid nach dem Chlorhydrinproze
hergestellt.
Dabei wird das entsprechende Olefin in wriger Lsung bei 50 bis 60 C mit
Ch und H20 zum Chlorhydrin umgesetzt, das in einer zweiten Stufe mit Ca(OH)2
bei 100 C zum Endprodukt reagiert. Bei diesem Proze wird das eingesetzte
Chlor verbraucht. Als Nebenprodukte fallen aufgrundvon Folge- und Nebenreaktionen 1,2 Dichtorethan und Dichlordialkylether sowie CaC12 ( ca. 2 bis 2,5 Mg
CaCh/Mg Epoxid) an, die zu entsorgen sind oder verwertet werden.
Bei den modernen Verfahren wird Ethylenoxid mit Sauerstoff an Silberkatalysatoren direkt oxidiert. Diese Reaktion findet in der Gasphase statt, so da kein
Abwasser mehr anflillt. Chlor wird ebenfalls nicht mehr bentigt. Die Ausbeute an
Etyhlenoxid betrgt 77% [6.39, 6.40]. Die unterschiedlichen Reaktionsfhrungen
illustrieren die folgenden Bruttogleichungen:
Chlorhydrinproze:
530
Katalytisch:
(6.2)
Bei der Propylenproduktion ist es bisher nicht gelungen, die Direktreduktion ausreichend selektiv zu gestalten. Die Ausbeute betrgt hier nur 50 %. Hier wurde die
Chlorhydrinsynthese so optimiert, da die Gesamtausbeute auf 92 % steigt. Durch
die Verwendung von NaOH zur Hydrolyse (Bayer-Kellogg-Proze) kann das
entstehende NaCl verwertet werden [6.40].
Phenol-Herstellung
Bei der Herstellung von Phenol wenden die herkmmlichen Verfahren die Synthese ber Natrium-Benzolsulfonat oder Chlorbenzol als Zwischenstufe an, der dann
eine Hydrolyse zu den Phenolen folgt. Die Umweltprobleme entstehen durch die
anfallenden anorganischen Nebenprodukte, z.B. stark organisch und anorganisch
(Na2 S03 und NaCl) verunreinigte Dnnsure beim Sulfonsureverfahren und
NaCl beim Chlorbenzolverfahren [6.39, 6.40].
Daher wird seit Anfang der 70er Jahre die Synthese durch katalytisch durchgefiihrte Cumol-Oxidation ersetzt, bei der als Nebenprodukt Aceton anfiillt. Die
Hocksehe Phenolsynthese ist damit gleichzeitig der bedeutendste Herstellungsproze fiir Aceton. Pro Mg Phenol entstehen an Nebenprodukten:
- 620 kg Aceton,
- 20 bis 30 kg a-Methylstyrol,
- I 0 bis 20 kg Acetophenon,
- 0,5 m3 Abwasser [6.40].
Die groen Mengen an Nebenprodukten konnten bisher vom Markt nicht vollstndig aufgenommen werden, so da die Entwicklung bei der Phenolsynthese in
Richtung nebenproduktarmer Verfahren, z.B. der DOW-Synthese, luft. Hierbei
wird in einer 1. Stufe der Einsatzstoff Toluol in flssiger Phase katalytisch zu
Benzoesure oxidiert, die in einer 2. Stufe mit Luft und Wasserdampf zum Phenol
decarboxiliert wird. Als Nebenprodukte entstehen nur Wasser und Kohlendioxid
[6.40].
Gewinnung von Vinylchlorid
Das wichtigste Edukt bei der Herstellung von Vinylchlorid ist Ethylen. Alle Verfahren fiihren ber 1,2-Dichlorethan als Zwischenprodukt, das entweder durch
Direktchlorierung oder Oxichlorierung von Ethylen erzeugt wird. Bei der Direktchlorierung fiillt Salzsure als Kuppelprodukt an. Diese kann bei der Oxichlorierung als Edukt verwendet werden. Daher haben sich die gleichzeitige Anwendung
von Direktchlorierung und Oxichlorierung weitgehend durchgesetzt. Die ChlorHCl-Bilanz wird dadurch ausgeglichen, da der HCl-Anfall aus der Crackung und
der HCl-Bedarf der Oxichlorierung bereinstimmen (Bild 6.12.). Abfall wird bei
dieser Verfahrenskombination dadurch vermieden, da ein Nebenprodukt des
einen Verfahrens (HCl) als Edukt des anderen Verfahrens dient.
531
Titanerz (Ilmenit)
Schwefelsure
--hp...l.ro_z_e-.-.., Titandioxid.----G-1
...
Pigment
Mahlung, Nach- (Rutil, Anatas)behandlung
532
Titanerz (Rutil)
K ks
Aufschlu,
Chlor
_I
litanchlorid
-=0"-"'-----~1 Umwandlung zu
Kondensation,
Destillation
Oxidation,
Abscheidung
___:S""a""ue""rst""o""ff_ _~
~
Gangart,
Koksrckstand
Chloride der
Begleitmetalle
TitandioxidPigment (Rutil)
Seit Ende 1989 wird der gesamte Dnnsureanfall der Kronos Titan nach diesem
Verfahren wiederaufbereitet. Beide Innovationen, Umstellung auf den Ch1oridproze und Sulfatproze mit Dnnsureaufbereitung, werden seit 1992 betrieben
[6.92].
Abfallarme Verfahren der Chloralkali-Elektrolyse
Die Erzeugung von Chlor, Natronlauge und Wasserstoff durch ChloralkaliElektrolyse hat technisch grte Bedeutung. Es werden die beiden lteren Verfahren, das Amalgam-Verfahren und Diaphragma-Verfahren angewandt, neuerdings
auch vermehrt das abfallarme Membranverfahren.
Beim Amalgam-Verfahren (Bild 6.15.) werden die Teilreaktionen der anodischen Chlorabscheidung, der kathodischen Wasserstoffabscheidung und NaOHBildung durch eine umlaufende Quecksilberkathode voneinander getrennt.
Die Verwendung von Quecksilber als Hilfsstoff fhrt zu Quecksilberemissionen in die Produkte, die Abluft, das Abwasser und in die Feststoffrckstnde. Die
Rckstnde werden entweder in der Elektrolyseanlage selbst oder auerhalb von
Quecksilber befreit und auf Deponien abgelagert. Der Soleschlamm, auch als
Bariumsulfatschlamm bezeichnet, weist folgende Zusammensetzung auf[6.43]:
- 25 %Wasser,
- 12 % Bariumsulfat,
- 9% Natriumchlorid,
- 8 % Calciumcarbonat,
- 4 % basisches Magnesiumcarbonat,
- 0,0006 bis 0,001 % Quecksilber,
- Rest: Aluminiumsilicat, Ton etc.
Beim Diaphragma-Verfahren (Bild 6.16.) werden die Teilreaktionen durch eine
porse Trennschicht, das Diaphragma, zwischen Anoden- und Kathodenraum
voneinander getrennt. Hierfr wird auf die Stahlnetzkathode eine Schicht aus
Asbestfasern mit Kunstharzzustzen angeschwemmt. Die Diaphragmen-Lauge
enthlt nur 11 bis 13% NaOH neben etwa 15% Natriumchlorid. Durch Eindampfung kann wie beim Amalgam-Verfahren 5%ige Lauge erhalten werden, die aber
hier noch mit ca. 1 % NaCl verunreinigt ist.
Fllchemikalien
Fllschlamm
Hg-haltlge
Salz Elektrolysenabwsser
unlsliche ROckstnde
Anolyt 24 % Nacl
Sole 26 % NaCI
Lauge
50%NaOH
0,006%NaCI
< 10 ppm NaCI0 3
Fllchemikalien
Fllschlamm
Salz
Wasser
unlsliche ROckstande
Salz
Sole 26 % NaCI
Katholyt:
16%NaCi
12%NaOH
0;01 % NaCI0 3
1--+----Q
L __J::::==r-
Asbest-Diaphragma
Lauge
50%Na0H
1% NaCI
0,07%NaCI0 3
533
534
Wasser
Salz
unlsliche Rckstnde
Katholyt (Lauge)
Sole 26 % NaCI
20 bis 35 % NaOH
0,009%NaCI
Lauge
-- KationenaustauscherMembran
50%NaOH
0,02% NaCI
535
Wasser
Benzin
Gasl
Verdampfer
Schmlerlfraktlon
Rckstand
Hochvalwumdestlllatlon
Valwumerzeugung
VordestlllaHon
1rrmaJ.
SpeiS&wasser
., , I
Dampf
rl.l
Kondensat
Khl
.... wasser
[Link]-
sledar
536
GasOll
20kgMitl
Wasser
100 - 150 kg/t Attl
Schwefelsaure
120- 150 kg/t Altl
Saureharz
200 - 300 kg/t Altl
Bleicherde
50 - 70 kg/t Altl
Kondensat
5-10 kg/t Altl
Gasl II
40 kg/t Altl
Kondensat
4 - 6kg/t Attl
Strippanlage
Filtration
bei. Bleicherde
80 - 120 kg/t Altl
1. Grundl
2. Spindell
3. Gasl II
Bleicherde
Als Bleicherden werden tonmineralhaltige Erden bezeichnet, die aus len, Fetten
und Wachsen Verunreinigungen und flirbende Bestandteile adsorbieren knnen.
Minerallhaltige Bleicherden fallen u.a. bei der Erst- und Zweitraffmation an.
Bei der Erstraffination knnen minerallhaltige Bleicherden bei der Herstellung
von Speziallen wie z.B. Transformatorenlen, Turbinenlen und Weilen anfallen. Die frher bliche Sure-Raffination mit anschlieender Bleichung (s. Bild
6.22.) ist bereits durch Verfahren der Lsemittel- und hydrierenden Raffination
ersetzt worden, so da minerallhaltige Bleicherden hier meist nicht mehr anfallen.
Bei den Hydrierverfahren wird das in einer Vorbehandlung gereinigte (Alt-)l
einer Hydrierung mit Wasserstoff bei einer Temperatur von 250 bis 370 C, und
einem Druck von 50 bis 300 bar unter Einsatz eines Katalysators unterzogen.
Folgende Hydrier- und Raffinationsverfahren knnen angewandt werden:
- KTI-Verfahren,
- IFP-Selectopropan-Wasserstoff-Verfahren,
- BERC-Lsemittel-/Destillationsverfahren,
- Lurgi-Fall-Schleier-Verdampferverfahren.
Das Bild 6.18. und Bild 6.19. zeigen das KTI-Verfahren und das Lurgi Fall
Schleier Verdampferverfahren.
537
Entparaffiniertes fl
Extraktion
Entparaffinierung
Wasserstoffbehandlung
Allerdings werden Bleicherden auch heute noch bei der Herstellung von Paraffin,
Vaseline und technischen Fetten sowie bei der Reinigung von abgelassenen Transformatorenlen angewendet. Das Bild 6.21. zeigt den Gewinnungsproze bei der
Herstellung von mineralischen Grundlen nach heutigem Stand der Technik.
Ziel der Raffination ist es:
- unerwnschte Bestandteile zu entfernen oder umzuformen,
- die Alterungsstabilitt zu erhhen,
- den Viskosittsindex (VI) auf ca. 90 bis 100 einzustellen,
- den Stockpunkt durch Entparaffinieren auf ca. -9 bis -15 C einzustellen.
Sureteer und -harz
Unter Sureteer wird das surehaltige Reaktionsprodukt von konzentrierter
Schwefelsure oder Oleum mit Komponenten der Schmierldestillation bzw.
Solventraffination bei der Erstraffination verstanden. Sureharze fallen bei der
Zweitraffmation von Altlen nach dem Schwefelsureverfahren als Reaktionsprodukt an. Darin sind Additive, Oxidationsprodukte sowie anderen Verumeinigungen des Altls enthalten. Die Vermeidung des Sureteers und der Sureharze ist
durch die Anwendung von Raffmationsverfahren mglich, die ohne Schwefelsure arbeiten [6.46, 6.47, 6.48].
Dies sind bei der Erstraffination die
- Lsemittel-Raffination,
- hydrierende Raffination.
Diese Verfahren haben bei der Erstraffination das frher angewendete Schwefelsure-Raffmationsverfahren vollstndig ersetzt. Daher flillt bei der Raffmation der
Rohle zu Grundlen kein Sureteer mehr an. Bei der Behandlung der Grundle
wird bei Einfhrung von Hochdruckhydrierverfahren kein Sureteer mehr anfallen. Eine Substitution der Schwefelsure ist allerdings bei der Herstellung von
Spezialprodukten, z.B. Testbenzine, spezielle Kerosin- und Gaslfraktionen, nicht
mglich, so da auch zuknftig Sureteer bei der Raffination anfallen wird.
Bei der Aufbereitung von Altl knnen die selben Hydrierverfahren eingesetzt
werden.
538
[--~~~
T-1.
l___....
Oispergier-
station
Afternative 1
Feststoff-
~I~J
E~ergiege-z.B.
I WJnnung
in Kraftwerken
----
Zudem lassen sich durch die Extraktion mit berkritischen Gasen nach dem
Krupp-Koppers-Verfahren und durch das Recyclon-Verfahren, das Natrium zur
Behandlung von Altl einsetzen (Bild 6.22.) und der Anfall an Sureteer oder
Sureharz vermeiden.
Abfallvermeidung bei der Metallherstellung
Unter dem Begriff der Metallherstellung soll hier das Schmelzen von Nichteisenmetallen (NE-Metallen) sowie von Eisen und Stahl betrachtet werden.
Nichteisenmetalle
Beim Schmelzproze von NE-Metallen kommt es aufgrund der Schmelzbedingungen zu mehr oder minder starker Bildung von Metalloxiden, die durch
Schmelzzustze gebunden und aus der Metallschmelze abgeschieden werden.
Diese Krtze enthlt neben Metalloxiden auch noch metallische Anteile. Bei
Schwer- und Leichtmetallkrtzen hat sich die Aufarbeitung in Mhlen und Sieben
als geeignet erwiesen [6.76].
Dabei entstehen metallreiche bzw. -rmere Fraktionen, die eingeschmolzen
oder in der Httenindustrie verwertet werden knnen bzw. entsorgt werden mssen. Die Hei-Aufbereitung von Krtze kann nur innerbetrieblich, die KaitAutbereitung dagegen inner- oder auerbetrieblich durchgefhrt werden (s. Bild
6.23.) [6.77].
Bei der in Bild 6.23. skizzierten Anlage wird die Krtze bei der HeiAufbereitung gesammelt und zu einer Ausrhreinheit mit integrierter Khlanlage
transportiert. Durch Rhren knnen bis zu 20 % der Krtzemenge als flssiges
Metall in der Auffangwanne zurckgewonnen werden.
539
Heikratze
(100 Gew.-%)
flssiges Metall
(20Gew.-%)
Kaltkratze
> 100 mm
Metallbrocken
Feinfraktion
(10Gew.-%)
,___Z..:..yk,lo_n_...J~..__F_il..,.te_r_...J~
Luft
Abluft
Staub (3,5 Gew.-%)
Feinfraktion
(35Gew.-%)
Grobfraktion
(31 ,5 Gew.-%)
Bei der Kalt-Aufbereitung wird abgekhlte Krtze in mehrere Fraktionen aufgetrennt, z.B.
- <2mm,
- > 2 mm und <100 mm,
- > 100mm.
Die Fraktion ber 100 mm besteht hauptschlich aus reinem Metall und kann
direkt eingeschmolzen werden. In der 2. Siebstufe flUlt als Unterkorn eine feine
Fraktion an, die berwiegend aus oxidischen Bestandteilen besteht und zur Metallgewinnung an Httenwerke abgegeben werden kann. Die Fraktion von 2 bis
100 mm gelangt ber Schwingroste in die Kugelmhle, wo die oxidischen Anteile
leicht gemahlen und in einer 3. Siebstufe als Unterkorn abgetrennt werden knnen. Die metallischen Granalien fallen als berlauf an und knnen im Herd-/
Wannenofen ohne Zugabe von Salzen oder im Drehtrommelofen unter einer Salzdecke eingeschmolzen werden.
540
541
EinblaS\'Onichtung
Filtcranlge
r;
;
;
;
;
;
;
;
;
1 Abspnrorau
2 Drucbchln.~~ RDS 40
J FOffknolullmlenl.:urc
4MAXSordcJ;Vorrsl:iloColnn
6BlJI'l.l.tr11Uf:[Link]
l ciO!'[Link]
Sf!inlauf'.Vc-ncl!ILII
9 DrucklchkLik
10 Pl'letaNilikltwUI!.IIOn.
II Einblaslanu
enthaltenen Eisen-, Calcium- und Magnesiumoxide der Schmelze wieder zugefiihrt. Da Zink und Blei sowie deren Oxide bei den Metallbadtemperaturen leicht
flchtig sind, reichem sie sich in den neu entstehenden Stuben an.
542
100
'' '
4 5,6 10
'
31 ,6
1 .000
'
1.000
543
10.000
.Q._
V
Bild 6.26. Abhngigkeit des Splwasserbedarfes von der Anzahl der Splschritte [6.85]
544
Verdunstung
r:,\
Vo"'hi'PP<mg
Frischwasser
Standsple
mglich
545
Anwendungsgebiete
Vorteile
Nachteile
Phasentrennverfahren
. . "i~t;~~hcld~g Entfettt;g;;t;d;--...........s~~eiterhh~g d~-~~~ii~~di"l~~oi~~t:-Filtration
Bder
Standzeiterhhung
fernung
Standzeiterhhung
Strungsanfllig; hohe
Investitionskosten
~e01branverfahren
Ultrafiltration
Entfettungsbder
Ther01ische Verfahren
--------------------------------VerdaDlpfen
Standsplinhalte
Verdunsten
Standsplinhalte
Rckftlhrung von
Konzentrat in das
Beschichtungsbad
hoher Energieverbrauch
anfllig fllr
Verkrustungen
Ionenaustauscherverfahren
Ionenaustausch
Regeneration von
ChroDl-/ChroDlatbdern,
Kreislauffiihrung von
Splwssern
selektive Gewinnung
von Ionen,
Splwassereinsparung
begrenzte Kapazitt,
Che01ikalieneinsatz
ZUD1 Regenerieren
Retardation
Rckgewinnung freier
Suren
Diskontinuierliches
Verfahren, Effektivitt
bei niedrigen Surekonzentrationen gering
Elektrolyse
Rckgewinnung von
~etallinhalten, z.B. aus
Standsplen
Konzentration von
Lsungen,
Entfernung von Strstoffen
Elektrodialyse
Fllungund
Kristallisation
Rckftlhrungen von
Konzentrat 01glich,
Regeneration von
Suren
Standzeitverlngerungen
begrenzte Anwendbarkeit
546
Die chemische Reaktion, die in den Salzbdern vom Cyanid ber Cyanat zum
Carbonat :fiihrt, wird bei ca. 580 oc durch den Regenerator zugefiihrt, so da Carbonat wieder zu Cyanid reduziert wird. Dadurch entfiillt das Ausschpfen von
Altsalz [6.53]. In Bild 6.30. sind die Unterschiede zwischen dem alten und neuen
Salzbadnitrocarburier-Verfahren schematisch dargestellt.
Das Durofer-Verfahren ermglicht es auch bei den hheren Temperaturen des
Kohlungsprozesses ohne Alt-Hrtesalzanfall zu arbeiten (Bild 6.30.). Das beim
Salzbadkohlen gebildete Carbonat wird im Durofer-Proze nicht ausgeschpft,
sondern im Kohlungsbad durch Zugabe des Regenerators wieder zu kohlungsaktivem Cyanid umgesetzt. Damit entfllt das bisher hufig erforderliche Abschpfen
des Aufkohlungsbades.
Bei diesen beiden Verfahren kann auch die Abwasserbelastung durch geringere
Cyanidkonzentrationen in der Salzschmelze reduziert werden, da die Ausschleppfracht ebenfalls entsprechend sinkt. Der Gehalt von bis zu 50 % Cyanid konnte mit
dem Regeneriermittel Melon um 90% aufunter 4% Cyanid gesenkt werden.
Die beiden Salzbadverfahren zum Nitrieren und Aufkohlen besitzen folgende
Vorteile:
- es entstehen keine giftigen Abfallsalze,
- es werden keine cyanidhaltigen Nachfiillsalze bentigt,
- verbrauchte Bder werden mit ungiftigen Polymeren regeneriert,
- der Einsatz der Regeneriermittel ermglicht eine kontinuierliche Verfahrensweise mit mikroprozessorgesteuerten Dosierautomaten und Chargierrobotem
[6.53, 6.54].
Eine vollstndige Cyanidsubstitution ist mit dem Gasphasenhrter mglich. Hier
wird als Trger des einzudiffundierenden Stickstoffs nicht mehr das Cyanid bentigt, da die Nitrierung in der Gasphase stattfindet.
Gasphasenverfahren arbeiten praktisch abfallfrei.
Allerdings knnen bei der Gasphasennitrierung nicht die Hrtegrade der Salzbadverfahren erreicht werden. Auerdem ist der Investitionsbedarf mit ber
1 Mio. DM pro Aggregat deutlich hher als bei den Salzbadverfahren. Hinzu
kommen lngere Behandlungszeiten, so da das Gasphasengemisch nicht berall
zum Einsatz kommen kann.
Suren und Suregemische
Suren werden bei der Oberflchenbehandlung von Metallteilen vorwiegend zur
Entfernung von Oxid und Zunder verwendet. Die Suren reichem sich dabei mit
festen Verunreinigungen (Schlamm), organischen Verbindungen (Fett, l) und
Schwermetall an. Die Konzentration an freier Sure nimmt durch den Beizvorgang ab. Die verbrauchten und verunreinigten Suren werden verworfen und
berwiegend in betriebseigenen Abwasserbehandlungsanlagen neutralisiert. Das
fiihrt zu erheblichen Mengen an Schlamm und zu Neutralsalzbelastungen des Abwassers.
Altsuren lassen sich in zentralen chemisch-physikalischen Behandlungsanlagen meist effektiver behandeln, z.T. ist auch die Verwertung der Altsuren mglich. Dies wird in der Stahlindustrie verbreitet gehandhabt. Hier werden abgestumpfte Salzsurebeizen (eisenhaltig) thermisch regeneriert, so da Sure und
547
A) Grundreaktionen
2 CN + 0 2 -. 2 Nco2 Neo-+ o 2 -. co 3 2- + co + 2N
x Fe+ (N) -->- FexN : Nitriervorgang
T = 580" C
Bl Altes Verfahren
Erneuern durch
Nachfllen von
Cyanid
NCOCN"
co 32-
frisch
gebraucht
teilweises
Abschpfen
giftiges
Abfallsalz
Frisches Bad
0
")
~-T
CN _
C03 -
frisch
gebraucht
"''00
__,durch
IRegeneration
chemische Reaktion
2
3 C0 3 - + Melon ___.
6NCO +xH2 0
Frisches Bad
Bild 6.29. Grundreaktionen beim Salzbadnitrieren und Vergleich des alten und neuen umweltfreundlichen Tenifer-Verfahrens [6.53]
A) Grundreaktionen
frisch
gebraucht
/----------~BE:3
~r~
teilweises
Abschpfen
giftiges
Abfallsalz
Erneuern durch
Nachfllen von
CN-1 er
Frisches Bad
~~
frisch
gebraucht
Regeneration durch
chemische Reaktion
CO:? + Regenerate,-.
2 CN- + C0 2 I H2 0
Frisches Bad
Bild 6.30. Grundreaktionen beim Kohlungsproze und Vergleich des alten mit dem neuen Durofer-Verfahrens [6.53]
548
6
3
549
4. Beschickungsffnung
550
Lslichkeit
in Wasser
I nicht lslich I
Abscheidungsverfahren
Aufbereitung
Produkt
Zer1egung der
Komponenten
Beispiele
Toluol, Xylol,
Benzine, Chlorkohlenwasserstoffe, Schwefelkohlenstoff, etc.
Destillation/Extraktion
Ethylacetat. MIBK,
MEKIToluol,
THFfToluol,
AlkoholfToluol etc.
Menthanol,
DimethyWormamid
Wrige Reiniger
Die Substitution von Kohlenwasserstoffen durch wrige Systeme ist in aller
Regel mit einer Anlagenumstellung, in einigen Fllen sogar mit einer vlligen
Neukonzeption verbunden. Auerdem mu der Reiniger entsprechend der Verschmutzungsart sowie des Grundwerkstoffes ausgewhlt werden. Wrige "Allround-Reiniger" fiir alle Entfettungsaufgaben sind im Gegensatz zu Kohlenwasserstoffreinigem nicht verfiigbar.
Die wrigen Reinigungssysteme sind im wesentlichen aus Wasser, Tensiden
und Buildem zusammengesetzt. Dabei erreicht man durch eine mechanische Untersttzung wie z.B. Brsten, durch Ultraschall sowie die Erzeugung von starken
Strmungen in Tauchbdern oder durch Spritzverfahren eine Verbesserung der
Reinigungswirkung [6.59]. Die Reinigungsergebnisse sind bei spezifischer Auswahl geeigneter wriger Systeme in vielen Fllen besser als nach der Entfettung
mit Kohlenwasserstoffen.
Folgen weitere Behandlungsschritte in wrigen Medien (z.B. Anodisieren,
Galvanisieren), so ist ein Na-in-Na-Arbeiten mit Zwischensplschritten angeraten. Bei stark differenzierten und hochstrukturierten Oberflchen (z.B.
Kleiostteile als Stckgut, bestckte Leiterplatten) wird allerdings die Trocknung
sehr problematisch. Zudem werden in der Elektronikindustrie sehr hohe Reinheitsansprche gestellt, so da nur hochspezialisierte wrige Reiniger zur Substitution der halogenhaltigen Lsemittel herangezogen werden knnen.
Die Inhaltsstoffe unbelasteter wriger Reiniger sind im allgemeinen umweltvertrglich. Es werden weitgehend biologisch abbaubare Tensidkombinationen
eingesetzt.
551
Wrige Systeme
Kaltreiniger
Vorteile
-hervorragendes l- und Fettlsevermgen,
- niedriger Siedpunkt,
-geringe Verdampfungsenthalpie,
-nur schwer entzndbar,
- einfache Wiederaufarbeitung
durch Destillation
Nachteile
- Aggressivitt gegenber Kunststoffen,
- giftig, gesundheitsgefllhrdend,
- Auftreten von StreBkorrosion bei
Metallen,
- gem GefStoffV kennzeichnungspflichtig,
mit Ausnahme der FCKW,
- Einschrnkungen nach 2.
BimSchV filr Abluft
- keine Abluftreinigung erforder- Wasserverbrauch,
lich,
- Wasserverschmutzung durch
- keine Brand- und ExplosionsgeEmulsionsbildung, daher
fahren,
- aufwendige Abwasseraufbereitung ntig,
- einfache Anlagentechnologie,
- Wasserbenetzbarkeit der Teile bei - Energieaufwendige Trocknung,
anschlieender Weiterverarbeitung - hoher Chemikalienverbrauch,
- Kapillartrocknung mangelhaft,
in wrigen Medien,
- Rostgefahr, Lackhaftungsproble- fleckenfreie Reinigung sehr aufwendig
me (Korrosionsnester)
- gute Lslichkeit filr alle unpolaren - Brand- und Explosionsgefahr,
Stoffe,
- Grundwasserverschmutzung
- energiesparend wegen niedriger
mglich,
Temperaturen,
- Rckgewinnung durch Destillation
-keine Schwermetallkomplexbilwegen Zusatz von Kriechverbessem
dung,
kaum mglich,
- keine Emulsionen im Abwasser,
- Aerosolnebelbildung mglich
- niedrige Anlagenkosten
552
553
1-- - -- -
Abluft
waseher
Spritzkabine
Koagulierm ittelzugabe
-~~
Neulack
0
~--"~F
Lacl<koagulal
A,pplkiltion
ltdt:Z5tp
12 ,H;iltlf"MN~PN
U.511G"'Utttnhll )
-0.5
bezogen
auf
Festk"'J)er
Koagulierung
11 ,6 kglh L~semittel
ln der Abluft
elektrostatisch untersttzt lackiert werden. Tabelle 6.10. stellt die Applikationswirkungsgrade der wichtigsten Applikationsverfahren zusammen [6.98].
Zur Abfallvermeidung sollte der Verbesserung des Applikationswirkungsgrades Prioritt eingerumt werden. In der Regel ist eine deutliche Wirkungsgradverbesserung immer mit einem wirtschaftlichen Vorteil verbunden, da die
Kosten des Overspray ber den reinen Entsorgungskosten liegen. Dabei schlgt
554
Wirkungsgrad
[%]
Druckluftspritzen
Airless-Spritzen
20-50
40-70
Elektrostatisches Spritzen
Niederdruck-Heispritzen
60-70
60-75
Elektrostatisches Sprhen
Tauchen
80-85
>90
Pulverlackieren
Streichen, Walzen
>98
>90
Wert
12,00DM/kg
1,50DM/kg
1,50DM/kg
15,00DM/kg
555
L651J9millelzulel~
Lack
EP-Abscheidung
Vorlage
Umlaufwasser
Wasser
Eine weitere Mglichkeit zur direkten Rckgewinnung von Overspray ist seit
kurzem verfiigbar. Werden Lacke auf Wasserbasis appliziert, kann der Overspray
556
Lackiertes Werkstck
557
Lackschlamm
Abwasser
SiebObe~auf
(.Pig~~'
Paste )
l---
~~
~/ (Bindemittel.\.
konzernrat )
Lack
Bild 6.38. Verfahrensschema zur Aufarbeitung von Lackschlamm nach dem Envilack-Verfahren
[6.90]
[Link]
Innerbetriebliche Verwertung von Sonderabfllen
Die innerbetriebliche Verwertung trgt erheblich zur Verminderung von Sonderabfllen bei. In den Kapiteln 4.4 und [Link] wurden bereits einige Verfahren der
558
innerbetrieblichen Verwertung behandelt, z.B. fiir Galvanikabflle oder fiir Abfalle aus Lackieranlagen. Im folgenden werden weitere innerbetriebliche Verwertungsverfahren aufgefhrt:
Filterstube aus der Stahlindustrie
Die in den Stahlwerken hauptschlich in Schlauchfiltern anfallenden Stube enthalten eine Reihe von Bestandteilen, die bei den im Elektroofen herrschenden
Bedingungen flchtig sind, z.B. Halogenide, Alkalien, Schwefelverbindungen,
daneben Zink und Blei. Eine Durchschnittsanalyse von Stahlwerksstuben zeigt
die Tabelle 6.12.
Tabelle 6.12. Durchschnittliche Zusammensetzung von den Stahlwerksstuben [6.63]
Element
Zn
Gehalt
[Gew.-%]
Stoff
20-30 FeO
Gehalt
[Gew.-%]
26-30
Pb
2-4 MnO
4-5
Cu
5-12
Sn
0,2-0,8 CaO
0,04-0,1 MgO
1,2-4,5
Cd
0,04-0,06 BaO
0,01
Sges
Cl
0,6-1,2 A)z03
0,1-0,3 Na20
0,2-0,6 K20
1-2 Si02
0,4-0,8
1,5-6,0
0,5-2,0
0,8-2,5
Zur Verwertung der Filterstube stehen vier Verfahren zur Verfiigung, die eine
Anreicherung der Zn- und Pb-Anteile im Filterstaub mit anschlieendem Einsatz
im Imperial-Melting-Schachtofen der Nichteisen-Metallhttenindustrie sowie den
Wiedereinsatz der Schlacken im Produktionsproze ermglichen [6.62 bis 6.66]:
- Scandust-Reduktionsverfahren (grotechnische Anlage),
- Wlzverfahren (grotechnisch erprobt),
- Inmetco-Direktreduktionsverfahren (grotechnisch erforscht),
- Reduktion im Gegenlaufofen (grotechnisch erforscht).
Bei dem Scandust-Verfahren (Bild 6.39.) erfolgt die Reduktion der Metalloxide
im Hochfrequenzplasma (Gleichstrom). Zink und Eisen werden bei den Temperaturen von ca. 2 500 C im Plasma (1 400 C in der Schmelze) reduziert. Dabei
verdampfen Zink und ein Teil des Eisens, die mit der Abluft ausgetragen werden.
Eine angeschlossene Kondensation gewinnt Zink und Eisen in metallischem Zustand. Das restliche Eisen und andere Metalle, wie z.B. Chrom, Nickel und Molybdn, werden als Eisenlegierung am Boden des Reaktionsraumes abgezogen.
Zudem fiillt noch eine eisenmetallarme Schlacke an. Die Anlage wird mit 3 Plasmageneratoren mit einer elektrischen Leistung vonjeweils 6 MW versorgt [6.62].
Bei Wlzverfahren werden Zn- und Pb-haltige Reststoffe in ein Oxid mit hoher
Metallkonzentration berfUhrt. Dieses wird in einer nachgeschalteten Brikettieranlage in eine stckige Form gebracht und im Imperial-Smelting-Schachtofen
559
560
INMETCO - Drehherdofen
Brennstoff
(Erdgas)
zur
id Zink!
Bleihtte
Abgas
weiter verarbeitet. Die Ausbringungsrate filr Zn betrgt ber 95 %, filr Blei ca.
90 %. Die Schlacken mit Blei- und Zinkgehalten von 0,2 % sind wasserunlslich
und als Straenbaumaterial geeignet [6.63]. Das Verfahrensschema ist Bild 6.40.
dargestellt.
Beim Inmetco-Direktreduktionsverfahren (Bild 6.41.) werden die Filterstube
zusammen mit gemahlenem Walzenzunder, Schleifstuben und feingemahlener
Kohle vermischt und zu selbstndig reduzierenden Grnpellets verarbeitet. Die
Pellets werden dann in dnner Lage auf den durch Brenner beheizten InmetcoDrehherd chargiert. Whrend eines Umlaufs werden die Pellets auf Reduktionstemperatur aufgeheizt und die enthaltenen Oxide durch den eingelagerten Kohlenstoff reduziert. Es entsteht ein Eisenschwamm, in dem Nickel (zu 100 %), Eisenoxid (zu 90 %) und Chromoxid (zu 5 %) metallisiert vorliegen. Der Eisenschwamm mit einem defmierten, einstellbaren Kohlenstoffgehalt (I ,5 bis I 0 %)
wird bei ca. 900 C unter Luftausschlu aus dem Drehherdofen ausgetragen und in
einen Elektro-Roheisenschmelzofen chargiert. Die Sekundrstube aus dem Drehherdofen und Schmelzofen sind mit Zink und Blei angereichert. Sie werden zur
Weiterverarbeitung im Imperial-Smelter-Proze an die Nichteisen-Metallhtten
abgegeben [6.65].
Beim Brennen im Gegenlaufofen verbleibt eine Mischung aus Filterstaub (ca.
40 %) und Feinerz (ca. 60 %) 16 Stunden oberhalb von 900 C. Die Brenntemperatur von I 100 C ftlhrt zu einer keramischen Verfestigung der Prelinge
561
Stahlwerksstube
Feinerz
Zuschlge
Brennstoff
(Erdgas)
zum
Hochofen
Abgas
[6.66]. Das beim Brennen verdampfende Zink und Blei sublimiert im Abgas und
reichert sich im Staub als Oxid an.
Gegenber einem Tunnelofen weist der Gegenlaufofen einen deutlich geringeren Energieverbrauch und nur geringe Wrmeverluste auf.
Suren und Suregemische
Die Hauptmengen an Abfallsuren sind Schwefel- und Salzsure.
Die Eindampfung der Abfallschwefelsuren aus der Metallbranche verbunden
mit einer anschlieenden Vorkonzentrierung und/oder Hochkonzentrierung stellen
bewhrte Verfahren dar. Fr die Vor- und/oder Hochkonzentrierung existieren
folgende Mglichkeiten [6.41]:
I. Vorkonzentrierung (60 bis 70% Schwefelsure)
- Venturi-Aufkonzentrierungsverfahren,
- Tauchbrenner-Verfahren,
- Umlaufverdampfer-Verfahren.
II. Hochkonzentrierung
- Pauling-Plinke-Verfahren,
562
Vorkonzentrierung
i
Abfallsure
20- 50% fi:1S04
~
l_________
I
Mittelkonzentrierung
Hochkonzentrierung
Vakuum
Umlauf
TauchBrenner
Vakuum
Umlauf
Vakuum
Umlauf
Vakuum
Umlauf
Atmosph.
Kessel
Konzentrierung
Konzentrierung
Konzentrierung
Konzentrierung
Konzentrierung
Konzentrierung
- Fallfilm-Verdampfer-Verfahren,
- Bayer-Bertrams-Verfahren,
- Unterdruckverfahren,
- Drum-Konzentrator-Verfahren.
Gemeinsam ist allen Verfahren, da die Abfallschwefelsuren oft mit Unterdruck
erwrmt werden und dabei verdampfen. Die Dmpfe werden gekhlt, kondensiert
und knnen anschlieend gesammelt werden. Als Reststoff verbleiben Eindampfrckstnde. Einen berblick ber Verfahren der Behandlung von Abfallsuren zeigt Bild 6.43.
Das Vakuumkristallisationsverfahren, die Flssig-Flssig-Extraktion und das
Cleanflow-Verfahren stellen Verfahren zur innerbetrieblichen Kreislauffiihrung
(Verwertung und Entfrachtung) dar; die Abfallreduktionen betragen je nach Verfahren zwischen 80 bis 100 %.
Salzsure aus Grobeizanlagen lt sich durch thermische Behandlung rckgewinnen. Dabei wird das in der Altsure enthaltene Eisen(II)-chlorid bei gleichzeitiger Oxidation thermisch gespalten. Dabei entstehen Eisen-III-Oxid und Salzsure. Die bekanntesten Verfahren zur Salzsurerckgewinnung sind das Wirbelschicht- und das Splrostverfahren.
Halogenfreie Lsemittel und Lsemittelgemische
Altlsemittel fallen vor allem bei Reinigungsarbeiten in Lackier- und Beschichtungsanlagen , in Druckereien etc. an. Diese Altlsemittel enthalten z.T. erhebliche Anteile der entfernten Lacke, Harze o.., die bei der Aufarbeitung gewisse
Probleme verursachen knnen. Besonders die klebenden Eigenschaften von Lakken standen vielfach einer Aufarbeitung im Wege.
Daneben werden organische Lsemittel in bestimmten Anwendungsgebieten
immer noch zur Entfettung eingesetzt. Dies geschieht vorzugsweise in gekapselten
Anlagen mit integrierter Abluftreinigung und Rckgewinnung. Dies hat einen
- erheblich geringeren Verbrauch an Lsemitteln,
- deutlich geringere Emissionen in der Abluft,
- strkere Belastung der Lsemittel durch Kreislauffiihrung
zur Folge.
563
a: RektHizlerkolonne
b: ZWangsumlaufverdampfer
c: Kondensator
d: KOhler
e: Trenngef
f: Vertikaltrockner
g: Kondensator
h: KOhler
1: Lsungsmittelbehlter
k:Puwemuffanggem
Verschmutztes Lsungtmlttel
Feststoff
Lelcht&ledende
relnea L6aungsmlttel
Fr Altlsemittel ohne klebende Verunreinigungen stehen die folgenden Verfahren zur Verfgung:
- mechanische Rckgewinnung,
- Verdampfung,
- Destillation (Wasserdampf-, Vakuum-, einfache u. mehrfache Destillationen),
- Rektifikation.
Die Verfahren werden hufig in Kombination durchgefhrt [6.59]. Ein Beispiel
fr eine Rektifikationsanlage zeigt das Bild 6.44.
Um mglichst hohe Qualitten bei Redestillaten zu erreichen, sind an die zu
verwertenden verunreinigten Lsemittel folgende Mindestanforderungen zu stellen [6.59]:
- keine Vermischung mit Fremdlsemitteln oder Wasser,
- keine berbeanspruchung der Medien (erfordert rechtzeitigen Austausch),
- Sicherung der Aufarbeitungsrentabilitt durch einen entsprechenden Restlsemittelanteil,
- ordnungsgeme Zwischenlagerung durch geeignete- ebenfalls nicht mit anderen Medien verunreinigte - Lager- bzw. Transportbehlter.
Durch interne Altlsemittelaufarbeitung lt sich je nach Lsemittelart und Grad
der Verunreinigung eine Abfallreduktion von bis zu 90 % erreichen.
6.3.3
Auswirkung der Verminderung von Sonderabfllen durch die Industrie
Zwischenzeitlich bieten allerdings schon Lieferanten kleinerer Aufarbeitungsaggregate Verfahren zur Lsemittelrckgewinnung fr Altlsemittel mit klebenden
Verunreinigungen an. Bei diesen Verfahren werden die mit Lacken verunreinigten
564
[Link]
Vorgehensweise und Untersuchungsgegenstand
In Zusammenarbeit mit dem Amt fUr Technischen Umweltschutz und der IHK der
Hansestadt sollten die Groanfallstellen fUr Sonderabfiille untersucht und Lsungsmglichkeiten aufgezeigt werden. Dazu wurden insgesamt 27 Betriebe aus
den folgenden fllnf Branchen ausgewhlt: Httenindustrie, Metallbe- und -Verarbeiter, Minerallraffination, Chemische Industrie, Nahrungs-, Genu- und Futtermittelindustrie.
565
Die erste Phase der Untersuchung umfate die Analyse der Abfallentsorgungsstruktur (Sonderabfallarten, -mengen und -strme), der Umweltauswirkungen
durch die gegenwrtige Abfallentsorgung und die prinzipiellen/theoretischen
Mglichkeiten zur Vermeidung, Verwertung und Entfrachtung von Abfiillen.
Die Anzahl der Abfallarten fr die Sonderabfallentsorgung des Jahres 1987 betrug 135.
Fr 1987 ergab sich eine Menge von 72 664 Mg Sonderabfiille. Davon waren
61 Abfallarten bundesweit nachweispflichtig und als gefiihrliche Sonderabfiille
mit einer Gesamtmenge von 19 702 Mg eingestuft. Dies entspricht einem Anteil
von rund 27 % an der gesamten ermittelten Sonderabfallmenge.
In der zweiten Phase wurde fr die fnf Industriebranchen die jeweilige Mengenentwicklung bei den Sonderabfiillen fr den Zeitraum von 1987 bis 1993 unter
der Bercksichtigung der Manahmengruppen
- Vermeidung,
- Substitution,
- Verwertung,
- Entfrachtung,
die zu einer Vernderung der Sonderabfallmengen fhren, untersucht. Die zugrunde liegenden Daten wurden von den an der Untersuchung beteiligten Firmen
unter Bercksichtigung ihrer Produktionsplne prognostiziert und zeigen die Entwicklung der Sonderabfallmengen fr die nchsten 5 Jahre. Die Auswirkungen der
von den Unternehmen beabsichtigten Manahmen zur Abfallvermeidung und
-Verwertung auf die Entwicklung der Sonderabfallmenge werden dargestellt.
Auf der Grundlage der Ergebnisse der Phasen 1 und 2 wurde eine Ermittlung
bzw. Bewertung eines theoretischen Abfallvermeidungs- und -Verwertungspotentials durchgefhrt.
[Link]
566
80
70
53.045 Mg
73%
0>
::;:60
42.872 Mg
59%
~50
c:
23.526 Mg
31%
;; 40
g>
.30
(ij
~ 20
10
0
1987
1990
1993
Theoretisch
Bild 6.45. Prognostizierte Sonderabfallmengenentwicklung von 1987 bis 1993 fiir alle Betriebe
in der Untersuchung [6.1 08]
567
39,6%
26,0%
8,7%
18,0%
7,7%
Bild 6.46. Entsorgungswege der Sonderabililie im Jahre 1987 fr die 27 Betriebe mit 135 Abfallarten in der Stadt Harnburg
6,2%
Bild 6.47. Prognostizierte Entsorgungswege der Sonderabfalle im Jahre 1993 fr die 27 untersuchten Betriebe
Damit sollte die Abfallentsorgung verstrkt zurck in die Stadt Harnburg verlegt
werden.
568
569
Abfallart
Abfallschlsselnummer
Theor.
Abfallreduktion
[%]
Venninderung
bis 1993 durch
die Manahmen
der Unternehmen
[%]
570
Abfallschlsselnummer
Theor.
Verminderung
Abfallreduktion bis 1993 durch
dieManahmen der Unternelunen
[%]
[%]
Fettabscheiderinhalte
l-, Fett- u. Wachsemulsionen
Schlmme aus der lfabrikation
Bleicherden
Verbrauchte Filter- u. Aufsaugmassen
Abflille von Krperpflegemitteln
Abflle von pharmazeutischen Produkten
Schlamm aus ltrennanlagen
Schlamm aus Tankreinigung
Paraffinlschlamm
Minerallhaltige Bleicherden
12 501
12 503
80
85
70
100
12 703
12 901
31 435
5
4
0
0
0
0
10
0
0
53 303
53 503
54 703
54 704
54 706
54 801
90
0
0
100
100
100
100
100
55 220
55 370
54402
55 502
55 901
55 903
57 110
57 703
100
60
90
0
100
70
80
90
98
3
80
0
95
20
0
90
Es hat sich inzwischen gezeigt, da durch verschiedene Manahmen des Gesetzgebers die Industrie zu weiteren Abfallverminderungsmanahmen angeregt werden knnte. Hierzu zhlt die TA Siedlungsabfall, die Abfallbestimmungsverordnung, Verordnungen zur Vermeidung von Abfllen, das BundesImmissionsschutzgesetz (BimSchG) - insbesondere der 5 Abs. 1 Nr.3
BimSchG, das Wasserhaushaltsgesetz (WHG), die Strfallverordnung sowie das
Chemikaliengesetz. Darber hinaus sind freiwillige Absprachen der Industrie und
der Aufsichts- bzw. Genehmigungsbehrden, die Einrichtung von Koordinationsstellen und die Erarbeitung von Branchenkonzepten zur Vermittlung von
571
Abfallart
Abfallschlsselnummer
Strahlmittelrckstnde
Phosphatierschlamm
Metallemballagen und -behltnisse mit
Reststoffen
Galvanik- und Metallhydroxidschlamm
31440
31 637
35 106
51100
Cyanidhaltiger Galvanikschlamm
Chrom(IV)-haltiger Galvanikschlamm
Hrtesalze, cyanidhaltig
Hrtesalze, nitrit- und nitrathaltig
Suren, Suregemische und Beizen
(sauer),
Laugen, Laugengemische und Beizen
(basisch)
Fixierbder
Spl- und Waschwsser, cyanidhaltig
Halbkonzentrate, chrom(IV)-haltig
52 714
52 717
Halbkonzentrate, cyanidhaltig
Halbkonzentrate, metallsalzhaltig
52 718
52 719
52 720
52 723
54 401
54402
51 101
51 102
51 533
51 534
52 102
Theor.
Verminderung
Abfallreduktion bis 1993 durch
die Manahmen der
Unternehmen
[%]
[%]
90
60
100
60
60
60
100
100
90
20
5
5
100
5
5
5
5
52402
90
65
52 702
90
100
100
0
0
100
100
0
90
Entwicklungsbder
Synthetische Khl- und Schmierstoffe
Bohr-, Schleif6lemulsionen und Emulsionsgemische
lhaltige Schleifschlmme
Phenolhaitiger Schlamm
Halogenhaltige Lsemittel
Halogenhaltige Lsemittelgemische
Halogenfreie Lsemittel
Halogenfreie Lsemittelgemische
55 300
55 370
55 503
54 710
54903
55 200
55 220
90
70
100
90
90
0
0
0
50
40
100
90
75
50
20
90
50
50
1
40
60
Know-how sowie die weitere Verteuerung der Abfallbeseitigung. Auch Entwicklungen, wie sie in den USA z.Z. diskutiert werden und die eine Reduktion gellihrlieher Stoffe (Toxic Use Reduction) bewirken sollen, stellen Mglichkeiten fr die
bundesdeutsche Gesetzgebung dar.
572
6.3.4
1987-1993
geplant
tatschlich
16413
-47%
-42%
-66%
realistisch
18871
Metallverarbeiter
Chemische Erzeug- 6322
nisse, Arzneimittel
18685
3728
-49%
-14%
-1%
-41%
-53%
-45%
realistisch
realistisch oder
darber hinausgehend
13087
16235
+21%
+24%
+ 12%
5638
.41413
+0%
-75%
-2%
72664
56474
-27%
-22%
-41%
Metallerzeuger
(Httenindustrie)
Minerallraffination
Nahrungs-, Genuund Futtermittel
Gesamt
1987
1990
[Mg]
[Mg]
28746
Reduzierung
schon in 1990
darber hinausgehend
573
Bis zur Phase 1, die von 1987 bis 1990 reichte, konnten die gesamte Abfallmengenentwicklung gem der Prognose mit nur geringen Abweichungen erreicht
werden. Die hchsten Abweichungen zwischen der Prognose und der tatschlichen Abfallmengenentwicklung lagen bei der Metallbe- und -Verarbeitungsindustrie und der Nahrungs-, Genu- und Futtermittelindustrie.
Beim Soll-Ist-Vergleich der Abfallentwicklung ftlr die Metallbe- und -Verarbeitung sind erhebliche Diskrepanzen zu sehen. Dies ist im wesentlichen darauf
zurckzufilhren, da die in 1987 prognostizierte Reduzierung der Strahlmittelrckstndedurch Einftihrung des Hochdruckstrahlers mit Wasser nicht umgesetzt
wurde. Dieses Verfahren steckte zu dem Zeitpunkt noch in der Forschungs- und
Entwicklungsphase. Zudem ist der wirtschaftliche Anreiz zur Vermeidung dieser
Abfallart verlorengegangen, da die Strahlmittelrckstnde im Bergeversatz preiswert untergebracht werden knnen.
Darber hinaus sind Anlagen zur Aufbereitung Laugen und Laugengemische
und das Aqua-Stripping von Isungsmittelhaitigen Schlmmen erst in der 2. Phase
der Prognose wirksam geworden.
Die Reduzierung der Abflille im Nahrungs-, Genu- und Futtermittelindustrie
sind gegenber der Prognose betrchtlich. Durch innerbetriebliche Verwertung
von ber 100 Mgla und dem Einsatz von ber 1000 Mg Bleicherde in der Zementindustrie wurde eine Abfallreduktion von 75% erzielt.
Aus der Tabelle 6.16. wird ftlr den Zeitraum nach 1990 deutlich, da die Abfallbilanzen der Firmen auch weiterhin eine Abfallreduktion aufweisen und die
Prognosen ftlr 1993 als sehr realistisch eingeschtzt werden konnte.
Im Jahre 1990 konnte ein Ausstieg aus Schnberg noch nicht vollzogen werden. Insgesamt wurden nur noch 14.500 Mg ftlr 1990 auf die Deponie Schnberg
verbracht, was deutlich unter der Prognose der Phase I lag, die die Abfallmenge
ftlr die Deponie im Jahre 1990 auf ca. 16.460 Mg berechnet hat. Mit der Umleitung der Strahlmittelrckstnde und der Vermeidung von Schlmmen durch entsprechende Verfahrensumstellung konnte filr 1991 ca. 13.000 Mg weniger nach
Schnberg gebracht werden. Damit konnte die politische Zielsetzung, den Ausstieg bis 1995 umzusetzen, vorzeitig erreicht werden.
Es ist davon auszugehen, da durch verschiedene Manahmen des Gesetzgebers die Industrie zu weiteren Abfallverminderungsmanahmen angehalten werden kann. Hierzu zhlen die TA Abfall, die Abfallbestimmungs- bzw. Reststoffbestimmungsverordnung, evtl. weitere Verordnungen nach 14 AbfG, das
Bundes-Immissionsschutzgesetz (BimSchG)- insbesondere der 5 Abs. 1 Nr.3
BlmSchG -, das Wasserhaushaltsgesetz (WHG), die Strfallverordnung sowie das
Chemikaliengesetz. Darber hinaus sind freiwillige Absprachen der Industrie und
der Aufsichts- bzw. Genehmigungsbehrden sowie die weitere Verteuerung der
Abfallbeseitigung mglich. Zu prfen ist, ob Gesetzentwrfe, wie sie in den USA
z.Z. diskutiert werden und die eine Reduktion geflihrlicher Stoffe (Toxic Use
Reduction) bewirken sollen (s. Bild 6.48.), auch in die bundesdeutsche Gesetzgebung einflieen sollten.
Bei dem Gesetzentwurf werden drei verschiedenen Bereiche angesprochen
[6.72]:
- Management und Infrastruktur eines Vermeidungsprogrammes,
574
Verpflichtungen
der
Industrie
i
vollstl!ndiger bzw.
teilweiser
Einsatzstop
Toxic Use Reduction
Plne
Bild 6.48. bersicht wichtiger Elemente des "Toxic Use Reduction"-Gesetzentwurfes von Massachusetts (USA) [6.33]
6.3.5
Im Rahmen von Vollzugsprogrammen zur Durchfhrung des Reststoffvermeidungs- und-verwertungsgebotesnach 5 Abs. I Nr. 3 BimSchG (vgl. [Link])
wurden von INTECUS in den Jahren 1988 bis 1994 nach BimSchG genehmi-
575
Am Beispiel der Eisengieereianlagen in Nordrhein-Westfalen sowie der Lackieranlagen in Hessen soll die bisherige Situation der Reststoffverwertung und entsorgung dargestellt werden.
In Bild 6.49. wird die Situation bei den in Hessen untersuchten Lackieranlagen
im Erhebungsjahr 1988 aufgezeigt. Es fiel die Gesamtmenge von 3 071 Mg/a an
Reststoffen an. In der Darstellung erfolgt eine Untergliederung dieser Menge in
die Fraktionen Lackschlamm, Altlacke, Lsemittel und Papier/Kunststoff/Holz.
Es ist erkennbar, da Lackschlamm und Altlacke im Erhebungsjahr nicht verwertet wurden. Bei der Fraktion Papier/Kunststoff/Holz erfolgte bereits eine Verwertung von etwa 20 % der anfallenden Menge. Lediglich die Altlsemittel wurden mit einem Anteil von ca. 70 % der in Erhebungsjahr angefallenen Menge in
deutlichem Umfang verwertet.
Noch ungnstiger in bezug auf bisher schon vorgenommene Verwertungsmanahmen stellt sich die Situation in der nordrhein-westfiilischen Gieereinindustie
576
Mg/a
1.800
1.600
1.400
1. 200 J
I ~
Entsorgung
fi_[[JJ
Verwertung
1.000
800
600
400
200
0
lacksdllamm
Altlacke
Lsemittel
Papier/Kunststoff/
Holz
Bild 6.49. Verwertung und Entsorgung von Reststoffen aus Lackieranlagen in Hessen, Situation
im Erhebungsjahr 1988 [6.101]
Mg/a
300.000
200.000
100.000
Hausmll- Bauschuttdeponie
deponie
Werksdeponie
Sonstige
Deponien
Regeoorierung
Straenbau
Sonstige
Verwertung
Bild 6.50. Verwertung und Entsorgung von Altsand aus Eisengieereianlagen in NordrheinWestfalen, Situation im Erhebungsjahr 1991 [6.97]
577
Mg/a
1.800
1.600
1.400
Entsorgung
1.206
1.200
1.000 1
800
600
400
200
0
Lackschlamm
Altlacke
Lsemittel
Papier/Kunststoff/
Holz
Bild 6.51. Verwertung und Entsorgung von Reststoffen aus Lackieranlagen in Hessen, Situation
nach Umsetzung der Verminderungsmanahmen [6.10 l]
[Link]
Beim Vergleich der untersuchten Anlagen mit den technischen Mglichkeiten zur
Reststoffvermeidung knnen filr die einzelne Anlage bisher nicht genutzte Potentiale zur weitergehenden Vermeidung und Verwertung von Reststoffen aufgezeigt
werden. Werden die bei den Einzelanlagen ermittelten Potentiale zusammengefat, ergibt sich fr die Lackieranlagen in Hessen die folgende Einschtzung
[6.13].
578
60
1i
55
50
45
c:
"'C>-
~~
-gE
40
ij
~~
30
e"
~ -~
35
25
"
20
:::>
15
10
111
Q.
5
0
Abwasser
Sonstige
Holz/Papier/
AllLOsemittel
Kunststoff
AllLacke
Lackschlamm
In Bild 6.51. ist die Verwertung und Entsorgung fiir die einzelnen Reststofffraktionen nach der Umsetzung der Verminderungsmanahmen dargestellt. Der Anfall
von Lackschlamm reduziert sich durch Vermeidungsmanahmen von I 625 Mg/a
um 4I9 auf I 206 Mg/a. Davon sind 420 Mg/a oder 35 % des verbleibenden Anfalls verwertbar. Die bisher entsorgte Altlackmenge von 25I Mg/a kann
durch Vermeidungsmanahmen um 86 Mg auf 165 Mg/a gesenkt werden. Der
bisherige Anfall von Lsemitteln kann von 784 Mg/a durch Vermeidungsmanahmen um 151 Mg/a gesenkt werden. Von der verbleibenden Menge sind
525 Mg oder 83 % verwertbar. Bei der Papier/Pappe/Kunststoff-Fraktion ist eine
Steigerung der verwertbaren Menge um 6 Mg/a mglich.
In Bild 6.51. ist die prozentuale Gesamtverminderung von Reststoffen aus den
Lackieranlagen im Land Hessen in bezug auf die ursprnglich anfallenden Reststoffmengen auf der Grundlage der von INTECUS vorgeschlagenen Manahmen
dargestellt. Zustzlich zu den in Bild 6.52. gezeigten Reststofffraktionen wurde
die Vermeidung von Abwasser sowie sonstiger Reststoffe bercksichtigt. Zu erkennen ist, da durch innerbetriebliche Optimierungsmanahmen fiir verschiedene
Reststoffe erhebliche Vermeidungspotentiale bestehen. Dies trifft insbesondere
auf die Vermeidung von Abwasser in Hhe von 51 % der ursprnglichen Menge
sowie auf die Vermeidung von Lackschlamm in Hhe von 25 % der bisherigen
Menge zu.
Die Mglichkeiten der Vermeidung sowie der Verwertungs- und Entsorgungswege fiir verschiedene Reststoffe aus der Gieereiindustrie in NordrheinWestfalen sind in Bild 6.53 . dargestellt. Betrachtet werden Altsand, Stube aus
dem Formsandkreislauf und eisenhaltige Stube. Die -bezogen auf die Reststoffmenge - wichtigste Fraktion des Gieereialtsandes ist durch Vermeidungsmanahmen um 293 865 Mg/a oder 47% und durch Verwertungsmanahmen um
579
Mg/a
700.000
600.000
Entsorgung
500.000
Vermeidung
400.000
300.000
200.000
100.000
0
Altsand/
Formsand
Eisenha~ige
Stube
Bild 6.53. Reststoffvermeidungs- und -verwertungspotential in den Eisen-, Stahl- und Tempergieereien in Nordrhein-Westfalen [6.97]
237 182 Mg/a oder 38% reduzierbar. Es ergibt sich eine Gesamtverminderung
von 531 047 Mg/a oder 85% der ursprnglichen Menge.
Als wichtigste Vermeidungsmanahme ist in den Eisengieereianlagen die betriebsinteme Sandregenerierung zu nennen. Vermeidung im Sinne des 5 Abs. 1
Nr. 3 BlmSchG ist dabei nicht im Sinne des Nichtentstehens von Reststoffen zu
verstehen. Ein Stoff wird nach dieser Definition erst dann zum Reststoff, wenn er
die Systemgrenzen der genehmigungsbedrftigen Anlage verlt und nicht ein
zum Verkauf hergestelltes Produkt dieser Anlage ist. Wird z.B. Altsand nach der
Regenerierung wieder eingesetzt, verbleibt er in den Systemgrenzen der genehmigungsbedrftigen Anlage. Er wird damit im Sinne von 5 Abs. 1 Nr. 3 BlmSchG
vermieden.
Die absoluten sowie prozentualen Vermeidungs- und Verwertungspotentiale fiir
die wichtigsten in Eisen-, Stahl- und Tempergieereien anfallenden festen Reststoffe sind in Tabelle 6.19 dargestellt. Es ist ersichtlich, da die Gesamtmenge der
580
Gieereialtsand,
Formsand
Schlmme aus
derNaentstaubung
Eisenhaltige
Stube
Stube aus dem
Formsandkreislauf
Putzereisandund Strahlsandruckstnde
Kernsand
Summe
LAGA- Bisher
Nr.
angefa11ene
Reststoffe
[Mg/a]
Vermeidbare
Reststoffe
[Mg/a]
Verwertbare
Reststoffe
[%]
[Mg/a]
Zu entsorgende
Reststoffe
[%]
47,00 237.182
[Mg/a]
[%]
38,00
92.099
15,00
12,60
116
0,70
13.926
86,70
35.101
45.080
500
1,20
6.058
13,40
38.525
85,40
31.401
47.783
10.851
22,70
18.656
39,00
18.276
38,30
31.402
31.647
6.131
20,00
18.419
58,00
7.097
22,00
31.426
11.003
5.601
51,00
1.516
14,00
606
35,0
37 17.0529
22
774.729 318.976
41 281.947
berwachungsbedrftiger Reststoff
Dieser Betrag ist um ca. 4 000 Mg/a grer als das Aufkommen 1991, da bei dem Vermeidungspotential ein hheres Altsandautkommen aufgrund einer Betriebserweiterung Bercksichtigung fand.
Davon werden durch die Betreiber schon 3 280 Mg/a vermieden bzw. verwertet.
[Link]
Die Vollzugsprogramme zur Durchfilhrung des Reststoffvermeidungs- und -verwertungsgebotes befmden sich nach 5 Abs. 1 Nr. 3 BlmSchG noch in der Umsetzungsphase. Die zu erwartende Verminderung des Reststoffanfalls kann jedoch
filr die Lackieranlagen im Bundesland Hessen anband des Standes des Vollzuges
im ersten Halbjahr 1992 dargelegt werden.
Das Verminderungspotential filr Lackschlamm wurde mit 839 Mg!a ermittelt.
Die Verminderung dieser Menge um 348 Mg!a wurde von den Anlagenbetreibern
akzeptiert. Eine Verminderung der Lackschlamm-Menge von 150 Mg!a ist zwischen den Anlagenbetreibern und den Genehmigungsbehrden umstritten. Ma-
581
nahmen im Umfang von 100 Mg wurden von den Genehmigungsbehrden zurckgenommen. Keine Stellungnahme der Betreiber lag bis zum ersten Halbjahr
1992 fr Manahmen im Umfang von 240 Mg/a Lackschlamm vor.
Es wurde ein Verminderungspotential von 243 Mg/a fr Altlsemittel ermittelt.
Von den Anlagenbetreibern wurde eine Verminderung um 122 Mg/a akzeptiert.
Eine weitere Verminderung um 81 Mg/a ist zwischen Betreibern und Genehmigungsbehrde umstritten. Manahmen im Umfang von 40 Mg/a wurden von den
Genehmigungsbehrden zurckgenommen.
7 Altlasten
7.1
Ursachen und Begriffsbestimmung
Altlasten sind eine Folgeerscheinung der Industrialisierung. Sie sind durch Irrtmer und Fahrlssigkeiten bei der Abfall- und Rckstandsbeseitigung sowie beim
Umgang mit umweltgefahrdenden Stoffen entstanden. Dementsprechend werden
die Altlasten den Hauptkategorien Altablagerungen und Altstandorte zugeordnet.
Durch die umweltpolitische Diskussion der Altlastenproblematik wurde der rechtlich nicht bestimmte Begriff Altlast von unterschiedlicher Seite nher defmiert.
Erstmalig in einem Gesetz wird der Begriff Altlasten im Abfallgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen von I988 erwhnt. Der siebte Teil enthlt in 28 folgende Begriffsbestimmung und sachlichen Geltungsbereich [7 .I]:
- Altlasten sind
Altablagerungen und Altstandorte, sofern von diesen nach den Erkenntnissen
einer im einzelnen Fall vorausgegangenen Untersuchung und einer daraufberuhenden Beurteilung durch die zustndige Behrde eine Gefahr filr die ffentliche Sicherheit und Ordnung ausgeht.
- Altablagerungen sind
I. stillgelegte Anlagen zum Ablagern,
2. Grundstcke, auf denen vor dem 11. Juni 1972 Abtalle abgelagert worden
sind,
3. sonstige stillgelegte Aufhatdungen und Verfiillungen.
- Altstandorte sind
I. Grundstcke stillgelegter Anlagen, in denen mit umweltgefiihrdenden Stoffen
umgegangen worden ist, soweit es sich um Anlagen der gewerblichen Wirtschaft oder im Bereich ffentlicher Einrichtungen gehandelt hat, ausgenommen der Umgang mit Kernbrennstoffen und sonstigen radioaktiven Stoffen im Sinne des Atomgesetzes,
2. Grundstcke, auf denen im Bereich der gewerblichen Wirtschaft und im Bereich ffentlicher Einrichtungen sonst mit umweltgefiihrdenden Stoffen umgegangen worden ist, ausgenommen der Umgang mit Kernbrennstoffen und
sonstigen radioaktiven Stoffen im Sinne des Atomgesetzes, das Aufbringen
von Abwasser, Klrschlamm, Fkalien oder hnlichen Stoffen und von festen
Stoffen, die aus oberirdischen Gewssern entnommen worden sind, sowie
das Aufbringen und Anwenden von Pflanzenbehandlungs- und Dngemitteln.
584
7 Altlasten
3. Die Vorschriften des siebten Teils dieses Gesetzes dienen nicht dem Aufsuchen und Bergen von Kampfinitteln.
In den Landesabfallgesetzen einiger Bundeslnder ist zustzlich der Begriff Altlastenverdachtsflchen mit aufgenommen worden. Beispielhaft sei hier die Definition aus dem Landesabfallvorschaltgesetz des Landes Brandenburg (LAbfVG 25
Abs. 2) angeftlhrt:
- Altlastverdachtsflchen sind
Altablagerungen und Altstandorte, soweit ein hinreichender Verdacht besteht,
da von ihnen eine Gefahr fr die ffentliche Sicherheit und Ordnung ausgeht.
In den neuen Bundeslndern wurde in den jeweiligen Landesabfallgesetzen die
Defmition des Begriffes Altstandorte erweitert, da die Grundstcke der ehemaligen
militrischen Liegenschaften mit einbezogen wurden.
7.2
Umfang und Gefahrenabschtzung von Altlasten
7.2.1
Umfang altlastenverdchtiger Standorte
585
7.2.2
Das Gefhrdungspotential einer Altlast filr die Umwelt lt sich ermitteln aus der
Bioverfllgbarkeit und der Biotoxizitt der von ihr ausgehenden Stoffe (vgl. Kap.
7.3.3). Dabei spielen die Transportmittel Luft und Wasser die entscheidende Rolle.
Beeintrchtigungen der menschlichen Gesundheit und des kosystems sind die
Folge von Emissionen aus Altlasten.
Die von einer Altlast ausgehenden unmittelbaren Gefahren filr die menschliche
Gesundheit werden verursacht durch Schadstoffaufuahme ber das Einatmen giftiger Gase, durch Resorption von Schadstoffen ber Hautkontakt und ber den Magen-Darm-Trakt mittels kontaminiertem Wasser oder kontaminierten Nahrungsmitteln. Eine weitere [Link] stellt die Explosions- und Brandgefahr durch
Eindringen von Methangas, z.B. in Kellerrume, dar.
Ohne Anspruch auf Vollstndigkeit sind im folgenden humantoxikologisch
wichtige Schadstoffe bzw. Schadstoffgruppen aufgelistet, die in Altlasten hufig
vorkommen. Bezglich der jeweiligen spezifischen Wirkungen auf den Menschen
wird auf die medizinische Fachliteratur verwiesen [7.4]. Humantoxikologisch
relevante Schadstoffe aus Altlasten sind:
- Schwermetalle wie Cadmium, Blei, Quecksilber, Chrom, Nickel, Kupfer, Zink
und das Halbmetall Arsen,
- anorganische Schadstoffe wie Nitrate, Cyanide und Eisen-Cyano-Komplexe,
- Aromate (Benzol, Toluol, Xylol) und Polycyclische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), u.a. Benzo-a-pyren,
- leichtflchtige Halogenkohlenwasserstoffe (u.a. Tetrachlorethen, Trichlorethen,
1,1, 1-Trichlorethan) und deren Abbauprodukte,
- schwerflchtige Kohlenwasserstoffe (u.a. Polychlorierte Biphenyle (PCB),
Hexachlorcyclohexan (HCH), Chlorbenzole, Chlorphenole, Dioxine, Furane
und deren Abbauprodukte.
7.2.3
Rechtsfragen
Fr die rechtliche Regelung der Altlastensanierung gibt es noch kein Altlastensanierungsgesetz, in dem die Rechtsanwendung filr die Altlastensanierung bundes-
586
7 Altlasten
einheitlich geregelt ist. Vielmehr sind Vorschriften hierfiir in verschiedenen Bundesgesetzen (Abfallgesetz, Wasserrecht, Immissionsrecht, Ordnungsrecht, Baurecht) enthalten.
Der Komplex der Altlastensanierung beinhaltet folgende Bereiche, die einer
rechtlichen Regelung unterliegen:
- Erfassung: Anzeigepflicht, berwachung, Untersuchungspflicht, Kennzeichnungspflicht, Kosten,
- Gefiihrdungsabschtzung: ffentliche Sicherheit und Ordnung, Wasserwirtschaft,
- Durchfiihrung von Sanierungsmanahmen: Zulassungsverfahren, berwachung,
Arbeitsschutz, Nachsorge,
- Haftung,
- Finanzierung.
7.3
Erfassung, Erkundung und Bewertung
7.3.1
Erfassung
Gegenwrtig liegt in den alten und neuen Bundeslndern noch ein unterschiedlicher Bearbeitungsstand bei der Erfassung von Altlastenverdachtsflchen vor. In
den meisten Bundeslndern haben die unteren Abfallwirtschaftsbehrden gem
den entsprechenden Landesabfallgesetzen bereits Erhebungen ber Altlastenverdachtsflchen durchgeftlhrt. Die Erhebungen umfassen Daten, Tatsachen und Erkenntnisse ber
- Lage, Gre und Zustand der Altablagerungen und Altstandorte,
- frhere Nutzung des Betriebes einschlielich der Anlagen und Einrichtungen,
- Art, Menge und Beschaffenheit der Abflle und Stoffe, die zur Ablagerung
gekommen sein knnten oder mit denen umgegangen worden sein knnte,
- Umwelteinwirkungen einschlielich mglicher Schutzgutgefiihrdungen, die von
den Ablagerungen und Altstandorten ausgehen.
Die Daten dieser Erhebungen werden in ein Erfassungs- und Bewertungssystem
eingearbeitet. Dadurch wird sowohl eine Vereinheitlichung und Vergleichbarkeit
der Informationen gewhrleistet als auch die Definierung von Handlungsprioritten und Sanierungszielen ermglicht. Die Abfallbehrde wird durch die Fhrung
eines solchen Altlastenkatasters, das jederzeit aktualisierbar ist, befhigt, angemessene Handlungsstrategien zu entwickeln und die Erkenntnisse in die Planungsprozesse anderer Behrden auf der kommunalen und berregionalen Ebene einzubinden.
Die zielgerichtete Erkundung von Altlasten wird mit den folgenden, unter Punkt
7.3 .2 dargestellten Methoden durchgeftlhrt.
587
7.3.2
Erkundung
[Link]
[Link]
588
7 Altlasten
[Link]
Deponiegas-Austrittsstellen
Fr die Besiedelbarkeit von Altablagerungen durch Pflanzen stellen Ausgasungen
die strksten Beeintrchtigungen dar. Bei Deponiegasdurchbrchen durch eine
bindige Abdeckschicht treten kahle Stellen auf, da durch Sauerstoffverdrngung
im Boden alle Pflanzen absterben. Auf nicht mit bindigem Material abgedeckten
Deponien kann das Gas ber die gesamte Oberflche austreten und filhrt nur selten
zu deutlichen Ausgasungsflecken.
Deponiegas
Ausgasungsstellen sind durch spezifische Grser gekennzeichnet. Zu den beiden
hufigsten gehren Deutsches Weidetgras (Lolium perenne) und Rot-Straugras
(Agrostis tenuis). Darber hinaus ist die Quecke (Agropyron repens) auf fast allen
Typen von Schadstellen vertreten. Quecke und Weidelgras knnen die Ausgasungsstellen durch Ausluferbildung schnell zurckerobern. Pionierpflanzen wie
Silbergras (Corynephorus canescens), Weier Gnsefu (Chenopodium album),
Geruchlose Kamille (Tripleurospermum indorum) und Ampfer-Knterich (Polygonum lapathifolium) knnen bei geringerem Gasanfall aufkommen [7.5]. Mit abnehmendem Gasgehalt findet eine langsame Wiedereinwanderung der standorttypischen Vegetation statt.
Stauwasser-Schwankungsbereich
Siedelt sich Wolliges Honiggras (Holcus lanatus) oder Behaarte Segge (Carex
hirta) in den Schadstellen an, liegt der Einflu von Sickerwasser vor. Beide Arten
wachsen gern in wechselfeuchten zur Verdichtung neigenden Bden und dokumentieren so den Wechselbereich des Stauwasserhorizontes [7.5].
Sickerwasser
Sickerwasseraustrittsstellen erreichen eine hohe Vegetationsdeckung und sind
nicht wie Gasaustrittsstellen an kahlen Flchen erkennbar. Sie besitzen eine Vegetation, wie sie an den Rndern eutropher und hypertropher Gewsser zu finden ist,
z.B. sind sie oft mit Weiem Gnsefu und Wei-Straugras bestanden. Auch
589
[Link]
Geophysikalische Erkundungsmethoden
Geophysikalische Verfahren ermglichen eine schnelle und schonende Untersuchung auch groer Flchen. Probennahmepunkte und Brunnen knnen an besonders gnstigen und reprsentativen Stellen errichtet werden. Punktinformationen
von Bohrungen und Schrfen sind mit Hilfe von geophysikalisch gewonnenen
Daten auf Flchen zu bertragen. Neben der lateralen wie tiefenmigen Abgrenzung des Deponiekrpers sind u. U. Erkenntnisse des Deponieaufbaus zu gewinnen.
Um einen berblick ber eine Altablagerung zu gewinnen, beginnt man in der
Regel die Untersuchung mit einer flchenhaften Vermessung des gesamten Areals.
Folgende Messungen kommen dabei in Frage:
- magnetische Messungen,
- elektromagnetische Messungen,
- Kartierung des elektrischen Widerstandes,
- Messung des elektrischen Eigenpotentials.
Neben dem schnell ermittelten berblick ber die Begrenzung des Deponiekrpers knnen die Untersuchungen gegebenenfalls auch Informationen ber Stauund Sickerwasser sowie ber die Abflurichtung (Eigenpotentialmessungen, elektrische Kartierung) liefern.
Problemzonen mssen dann entweder mit einem verdichteten Meraster mit
denselben Meverfahren bearbeitet oder mit aufwendigeren Methoden untersucht
werden, z.B. mit
- seismischen Messungen,
- elektrischen Kleinkartierungen,
- elektomagnetischen Reflexions-Messungen (Radar).
Sind im Areal der Altablagerung Sondierbohrungen vorhanden, mssen auch diese
geophysikalisch vermessen werden, da hierdurch die Interpretierbarkeit der geophysikalischen Oberflchenmessungen abgesichert wird.
Im folgenden werden die verschiedenen geophysikalischen Verfahren kurz dargestellt.
Magnetische Messungen
Mit einem Magnetometer wird die Strke des magnetischen Feldes gemessen.
Durch magnetische und magnetisierbare Materialien im Untergrund wird die Strke des Erdmagnetfeldes verndert. Aus den mit dem Magnetometer erfaten Daten
590
7 Altlasten
wird die laterale Verteilung der magnetischen Materialien im Untergrund abgeleitet. Darber hinaus lt sich in vielen Fllen die Gre und Tiefenlage des magnetischen Materials (z.B. Schrott, Fsser) abschtzen. Magnetische Messungen werden als bersichtsautnahmen relativ rasch und ohne groen Aufwand durchgefiihrt.
Elektromagnetische Verfahren: Induktion und Reflexion
Beim Einsatz der elektromagnetischen Induktion wird ein elektromagnetisches
Feld mit einer Frequenz von etwa 10 kHz in den Untergrund abgestrahlt und als
ein durch den Untergrund modifiziertes Feld wieder empfangen. Das Verfahren
der elektromagnetischen Induktion spricht sowohl auf Leitfhigkeitsnderungen
als auch auf nderungen der Magnetisierung im Untergrund (z.B. durch metallische Ablagerungen) an und ist mit geringem Aufwand und schnellem Gelndefortschritt durchzufiihren.
Das Bodenradarverfahren macht sich die elektromagnetische Reflexion zu Nutze. Dabei wird ein hochfrequentes elektromagnetisches Signal in den Boden abgesandt, das an Grenzflchen, an denen sich die elektrischen Eigenschaften des Untergrundes ndern, reflektiert wird. Empfangen wird das reflektierte Signal von
einer Antenne, die ber den Boden geschleppt wird. Indem Sender und Empfangsantenne in gleichmiger Geschwindigkeit entlang einer Profillinie ber den Boden gefiihrt werden, wird ein Schnitt durch den Untergrund aufgebaut. Das Verfahren ist besonders geeignet, den Grundwasserspiegel zu kartieren. Mit Georadar
knnen aber auch Tiefe, Lage und Ausdehnung einer Altlast ermittelt werden und
Informationen ber Art, Konsistenz und Struktur einer Altablagerung gewonnen
werden.
Elektrische Verfahren
Bei der elektrischen Kartierung wird ein elektrisches Feld ber zwei Elektroden in
den Untergrund eingespeist und die dadurch bedingte Spannung an zwei Sonden
aufgezeichnet. Wird mit einer konstanten Megeometrie von einem Sendedipol
und einem Empfangsdipol das Meareal mit einem regelmigen Raster berzogen, erhlt man die Eindringtiefe. Eine detaillierte Erkundung wird mit einer sich
ndernden Geometrie von Sende- und Empfangsdipol durchgefiihrt. Bei einer
Vergrerung des Abstandes der beiden Dipole erreichen die Strombahnen tiefere
Schichten.
Bei der geoelektrischen Tiefensondierung wird die vertikale Verteilung von
Schichten mit unterschiedlichen elektrischen Widerstnden untersucht. Dazu wird
ber zwei Elektroden ein Gleichstrom in den Boden eingespeist und an zwei Sonden die daraus resultierende Spannungsdifferenz gemessen. Fr die Durchfiihrung
der Messungen haben sich verschiedene geometrische Muster von Elektroden- und
Sonden-Anordnungen bewhrt. Am hufigsten wird jedoch die SchiumbergerAnordnung gewhlt (s. Bild 7.1), bei der die Stromeinspeiseelektroden sukzessive
weiter nach auen wandern, whrend die Mesonden an festen Punkten in der
Mitte verbleiben. Der eingespeiste Strom erreicht um so grere Tiefen, je weiter
die Elektroden voneinander entfernt sind. Die Sondierungen dienen vor allem der
Erfassung der allgemeinen geologischen und hydrogeologischen Situation, knnen
aber auch den Bereich direkt unterhalb des Deponiekrpers erschlieen.
591
Bei Eigenpotentialmessungen wird die Eigenschaft des Untergrundes als Stromquelle genutzt. Diese Messungen knnen Hinweise auf die Existenz von hohen
Elektrolytgehalten liefern, wie sie im Abstrombereich von Altablagerungen zu
finden sind.
Seismische Messungen
Eine kontinuierliche Vermessung von Schichtgrenzen im Untergrund ist mit seismischen Refraktionsmessungen mglich. Dazu werden akustische Wellen entweder mechanisch (Hammerschlag, Fallgewicht) oder durch kleine Explosionen erzeugt und dann von Iinienhaft angeordneten Geophonen aufgenommen. Aus der
Messung der Ankunftszeit der Refraktionsenergie wird der Ausbreitungsweg rekonstruiert und daraus ein Bild des Untergrundes abgeleitet. Das Verfahren eignet
sich gut zur Erfassung der Untergrenze einer Altablagerung und zur Ermittlung des
Flurabstandes des Grundwasserspiegels [7.6].
Sonar
Die Echolotung wird ber offenen Wasserflchen angewendet. ber einen Sender
werden kurze Schallsignale in Richtung Meeres- oder Seeboden abgestrahlt. Der
Dichteunterschied an der Grenze Wasser-Meeresboden reflektiert in der Regel die
Signale zum Meschiff. Ausgewertet wird die Zeitdifferenz zwischen Senden und
Empfangen, die in einem proportionalen Verhltnis zur Wassertiefe steht [7.32].
Anwendung im Altlastenbereich findet dieses Verfahren u.a. fiir Sucharbeiten
dicht am Grund mit oder ohne Hilfe eines Tauchers, wobei auch Dichtenderungen
und Gegenstnde im Sediment erfat werden knnen [7.33].
[Link]
Hydrogeologische Untersuchungen
592
7 Altlasten
Die hydrogeologische Beweissicherung dient dem Nachweis einer Grundwasserverumeinigung. Dazu werden die Analysenbefunde der Nullsonde mit denen der
Grundwassersonden im Abstrombereich verglichen.
Zur Prfung, ob Emissionen aus der Verdachtsflche ins Grundwasser gelangt
sind, knnen nachstehende Parameter herangezogen werden:
- Feldparameter: Farbe, Geruch, Trbung, Leitfiihigkeit, pH-Wert, Temperatur,
Sauerstoffgehalt,
- Laboruntersuchungen: Calcium, Magnesium, Natrium, Ammonium (Nitrat,
Nitrit), Gesamthrte, Carbonathrte, Kaliumpermanganat-Verbrauch, Chlorid,
593
594
7 Altlasten
595
0.50
Q)
......... 0.40
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7 Altlasten
596
40.00
80.00
120.00
180.00
200.00
240.00
280.00
320.00
360.00
280.00
280.00
240.00
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200.00
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160.00
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120.00
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200.00
240.00
280.00
320.00
0.00
360.00
Bild 7.4. Lage und Mchtigkeit der Mineralllinse zur Zeit t = 0 d, in Metern
40.00
240.00
80.00
182
280.00
320.00
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80.00
80.00
40.00
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40.00
80.00
120.00
160.00
200.00
240.00
280.00
J20.00
0.00
360.00
Bild 7.5. Lage und Mchtigkeit der Mineralllinse zur Zeit t = 182 d, in Metern
Aus den Modellergebnissen knnen wichtige planerische Daten (notwendige Frdermengen, :ilirderbare Mengen, Reichweiten von Entnahme- und Infiltrationsmanahmen, Zeitdauer des Sanierungsprozesses, Optimierung der Standorte von Sanierungsbrunnen etc.) gewonnen werden. Durch Variation der Randbedingungen
kann die Auswirkung sich ndernder Potentialverhltnisse erfat werden. ber den
Vergleich der Modellergebnisse mit im Laufe der Sanierung gewonnenen Me-
597
200
ISO
~ 100
50
werten der Auswirkungen des realen Eingriffs kann das Simulationsmodell immer
besser angepat werden und so zu einem wertvollen Werkzeug bei der Begleitung
des Sanierungsprozesses werden.
[Link]
Untersuchungen der Bodenluft
598
7 Altlasten
Luft abgepumpt ist und damit der COrMaximalwert erreicht ist, wird eine Bodenluftprobe am Sondenkopf entnommen, um sie anschlieend gaschromatographisch analysieren zu knnen. Die Mesonde lt sich bei Bedarf mit Aktivkohlerhrchen umrsten. Dadurch lassen sich die Bestimmungsgrenzen um den Faktor
100 senken, z.B. um schwerflchtige Stoffe wie Chlorbenzole zu erfassen.
Darber hinaus kann eine halbquantitative Erfassung auch mit speziellen
Prfrhrchen erfolgen.
Folgende leichtflchtige Schadstoffe sind mittels Bodenluftabsaugung problemlos bestimmbar:
- chlorierte Kohlenwasserstoffe (z.B. Trichlorethan, Trichlorethylen, Tetrachlorethen und Tetrachlorkohlenstofl),
- aromatische Kohlenwasserstoffe (z.B. Benzol, Toluol, Xylol und Ethylbenzol),
- aliphatische Kohlenwasserstoffe (z.B. Methan, Hexan, Oktan etc.).
7.3.3
Abschtzung und Bewertung des Gefhrdungspotentials
Die tatschliche Getllhrdung, die von einem kontaminierten Standort ausgeht,
ergibt sich einerseits aus der Menge und der Art der nachgewiesenen Schadstoffe,
andererseits aber auch aus der kotoxikologischen Gesamtsituation [7.7]:
- der chemischen Bindungsform der Schadstoffe, der Wasser- und Surelslichkeit, der Verdamptbarkeit,
- der Aufuahme in Pflanzen und Tieren,
- der Verfgbarkeit fr den menschlichen Verdauungstrakt,
- den Wechselwirkungen und mglichen Reaktionen mit weiteren vorhanden
Stoffen,
- der Boden- und Untergrundbeschaffenheit,
- der Nutzung des Gelndes sowie des Umfeldes,
- dem Kontakt zu Grund- und Oberflchenwasser und zahlreichen Faktoren mehr.
Jede Getllhrdungsabschtzung mu vor dem Hintergrund dieser Punkte gesehen
werden. Auf der einen Seite ist jede Verdachtsflche ein Einzelfall, der eine besondere Bearbeitung erfordert. Auf der anderen Seite ist aber ein einheitliches,
zumindestens landesweites Vorgehen erforderlich, um die Vergleichbarkeit und
Nachvollziehbarkeit der Einschtzung des Getllhrdungspotentials und der Gefahren zu gewhrleisten. Um Manahmen zur Behebung und Vermeidung derartiger
Umweltschden angemessen vorbereiten zu knnen, sind in den Bundeslndern
Bewertungsmodelle fr das Getllhrdungspotential von Verdachtsflchen entwickelt
worden (s. Kap. [Link]).
[Link]
Grenzwertproblematik
Eine erstmalige Angabe von Orientierungswerten zur Einschtzung von gemessenen Konzentrationen ist in der sog. Hollndischen Liste aus dem niederlndischen
Interimsgesetz zur Bodensanierung von 1983 publiziert worden [7.9]. In diesem
Gesetz sind rechtliche Voraussetzungen festgelegt, nach denen vorhandene oder
drohende Bodenverunreinigungen kurzfristig beseitigt werden knnen. Mit Hilfe
599
der Liste wurden erstmalig die Gefahren, die von einem Standort ausgehen, mageblich ber die dort angegebenen Schwellenwerte festgelegt. In der Folgezeit hat
es immer wieder Diskussionen gegeben, wie sinnvoll derartige Grenzkonzentrationen sind.
Das Problem der Festlegung von stoffspezifischen Hchstkonzentrationen dokumentiert sich durch neue, relativierende WOrtschpfungen wie Schwellenwert
oder Handlungswert, die flexibler zu handhaben sind. Der Grenzwert ist jedoch
juristisch genau defmiert, er wird im allgemeinen als einklagbarer Hchstwert filr
noch zulssige Umweltbelastungen angesehen. Neben den Grenzwerten existieren
jedoch auch Richtwerte, die lediglich Orientierungscharakter, aber keine juristische Bedeutung haben.
[Link]
Bewertungsverfahren
Das Ziel eines Bewertungsmodells ist es, mit einem pragmatischen Ansatz eine
groe Anzahl von Verdachtsflchen in relativ kurzer Zeit mit mglichst geringem
Aufwand hinsichtlich ihres Geflihrdungspotentials zu unterscheiden. Damit soll
eine transparente, nachvollziehbare Basis filr die politische Entscheidungstindung
gegeben werden, auf der dann das tatschlich Notwendige an Sanierungsmanahmen eingeleitet werden kann.
Das Bewertungsmodell dient somit ausschlielich der Priorittensetzung. Es
ermglicht in systematischer Weise, die Verdachtsflchen mit dem dringlichsten
Handlungsbedarf aus der groen Zahl von Verdachtflchen herauszufinden. Damit
liefert das Bewertungsmodell eine relative Bewertung und kann lediglich Hinweise
auf das absolute Geflihrdungspotential geben [7.2].
Die gebruchlichen Bewertungsverfahren sind unterschiedlich angelegt. Manche Verfahren zielen nur auf die Bewertung von Altablagerungen, andere auf Altstandorte und wieder andere auf Bodenkontaminationen insgesamt. Weiterhin sind
die Bewertungskriterien und die Einteilung der einzelnen Modelle in Teilschritte
unterschiedlich.
Teilschritte sind nach der in der Bundesrepublik blichen Vorgehensweise:
- Erstbewertung, auf der Basis vorhandener Informationen einschlielich Ortsbegehung,
- Zweitbewertung, nach orientierenden Untersuchungen,
- Schlubewertung, nach Detailuntersuchungen,
- Entscheidung ber Art und Umfang von Sicherungs-, Sanierungs-, und Gefahrenabwehrmanahmen [7 .1 0].
Mit Bewertungsmodellen soll eine formalisierte Vorgehensweise zur Abschtzung
des Gefahrenpotentials ermglicht werden. Da jedoch die Bewertung einer Verdachtsflche nicht zu automatisieren ist, geht die Entwicklung der Modelle in
Richtung auf Expertensysteme. Erste Expertensysteme zur Abschtzung des Geflihrdungspotentials von Altlasten sind bereits in Anwendung.
600
7 Altlasten
7.4
Sanierungstechniken
Die Entwicklung und Erprobung neuer Sanierungstechniken ist in den letzten Jahren verstrkt in Angriff genommen worden. Vor diesem Hintergrund soll ein
berblick ber den Stand der Technik der verschiedenen Sanierungsverfahren
gegeben werden.
Fr die Auswahl des jeweils optimalen Sanierungsverfahrens oder der optimalen Verfahrenskombination sind jedoch sorgfiiltige geologische, hydrogeologische,
bodenkundliehe und chemische Untersuchungen erforderlich.
7.4.1
Biologische Sanierungsverfahren
[Link]
On-site-Verfahren
Bei einer biologischen On-site-Sanierung wird der betroffene Boden aufgenommen bzw. ausgekoffert und nach seiner Behandlung an Ort und Stelle wieder eingebaut.
Die verschiedenen Verfahren der biologischen Bodensanierung unterscheiden
sich im wesentlichen in der Differenziertheit, mit der jeweils die Randbedingungen
fr einen optimalen Schadstoffabbau ermittelt werden und in der technischen Umsetzung. Der Boden wird vor der biologischen Behandlung grundstzlich nach dem
Auskoffern mechanisch aufbereitet, um ihn dann in Mieten, Beeten oder Reaktoren
mit optimalen Abbaubedingungen behandeln zu knnen (s. Bild 7.8).
7.4 Sanierungstechniken
leicht biologisch
abbaubar
schwer biologisch
abbaubar
'
kein biologischer
Abbau
Schwermetalle
BetOflungssdliclltoo
Planum
Scllutzschicllt aus
Adsorptionsmaterial
Baslsabdichtung
601
602
7 Altlasten
Der Abbauproze wird durch Zugabe von Mikroorganismen und Nhrstoffen untersttzt und beschleunigt. Hierzu werden Mikroorganismen benutzt, die im Labor
an bestimmte Schadstoffe adaptiert wurden oder von verunreinigten Standorten
stammen. Der Einsatz von Organismen aus dem zu behandelnden Boden, die zunchst im Labor in biotechnologischen Verfahrensweisen ausgelesen und vermehrt
werden, versprechen aufgrund ihrer Anpassung den grten Nutzen. Trgersubstanzen fiir die Organismen sind z.B. Kiefemborke, Torf- und Sgespne.
Die Kosten einer biologischen On-site-Sanierung werden mit 200 bis
500 DM/m3 angegeben [7.11, 7.12, 7.16].
[Link]
ln-situ-Verfahren
Die In-situ-Verfahren fiihren die Sanierung im natrlichen Lagerungsverband des
Bodens durch. Im Unterschied zu den On-site-Verfahren mssen daher besonders
grndliche geologische und bodenkundliehe Untersuchungen vor der eigentlichen
Sanierung erfolgen. Das Einbringen von Mikroorganismen in den Boden mu den
wasserrechtlichen Vorschriften entsprechen und ist mit der zustndigen Wasserbehrde abzustimmen.
Wichtige, den biologischen Abbau stimulierende Manahmen sind z.B. die Erhhung des Sauerstoffgehalts des Bodens durch Auflockerungsmanahmen sowie
das Einbringen von Ozon oder Wasserstoffperoxid.
Hufig wird das In-situ-Verfahren in Zusammenhang mit hydraulischen Verfahren angewandt. Nhrstoffe, Bakterien und Wasser werden injiziert und im Rodensplverfahren wieder an die Oberflche gepumpt (s. Bild 7.9). Die Grenze des
Tiefgrundverfahrens liegt bei etwa 20 m.
Kosten fUr mikrobiologische In-situ-Verfahren liegen bei etwa 200 bis 250
DM/m3 [7.12, 7.16].
Durch geringen Eingriff in den Aquifer lassen sich die Schadstoffe auf natrlichem Wege durch biologischen Abbau mit relativ geringem technischen und finanziellen Aufwand fast vollstndig eliminieren.
Hochkonzentrierte und toxische Schadstoffe setzen dem biologischen Abbau
allerdings Grenzen. Als Nachteile werden zum Teil mangelnde Steuerbarkeit und
Kontrollierbarkeit, verbunden mit der Gefahr der erneuten Kontamination durch
Zwischenprodukte, und Nhrlsungen genannt.
7.4.2
Physikalisch-chemische Sanierungsverfahren
Die z.Z. in Betrieb befindlichen physikalisch-chemischen Bodenreinigungsverfahren basieren auf der Wsche des Bodens in meist recht aufwendigen Anlagen. Die Bodenwsche kontaminierten Aushubmaterials wird mit Extraktions- und
Splverfahren betrieben und fiihrt zu einer Schadstoffilbertragung aus dem ausgekofferten Boden in die flssige Waschphase, in der dann in weiteren Prozeschritten eine Aufkonzentration oder Entgiftung stattfindet.
Der erste Schritt der Bodenbehandlung nach dem Ausheben ist die mechanische
Bodenvorbereitung, die haupschlich aus Sortier-, Klassier- und Zerkleinerungs-
7.4 Sanierungstechniken
Punpe
603
TrennanJage
vom
Vorfluter
vorgngen besteht. Der Feinkomanteil enthlt den Hauptanteil der an die Bodenpartikel gebundenen Schadstoffe und ist darber hinaus nur schlecht dekontaminierbar. Die Feinfraktion wird daher je nach Verfahren von kleiner 60 bis 200
Mikrometer abgetrennt und als Sonderabfall entsorgt (Bild 7.10).
Die grobkrnigere Bodenfraktion wird durch Absplvorgnge, z.B. durch
Hochdruckwasserstrahlen oder durch Extraktion mit wssrigen Lsungen und nicht
wasserlslichen Lsungsmitteln, von den Schadstoffpartikeln befreit. Diese werden in die flssige Waschphase berfilhrt. Schwermetallextraktion erfolgt z.B. mit
Mineralsuren, lextraktion wird bei einem Verfahren mittels wasserunlslichem,
die lphase lsendem Extraktionsmittel durchgefilhrt. Die meisten Verfahren zur
Elimination organischer Substanzen arbeiten jedoch mit Wasser und einem Zusatz
oberflchenaktiver Substanzen.
Die Prozewasserautbereitung ist mehr als alle anderen Anlagenbereiche auf
den jeweiligen Anwendungsfall abzustimmen. Zur Wasseraufbereitung bzw. Abwasserreinigung werden bisher folgende Grundverfahren angewandt:
- mechanische Trennverfahren wie Feinsiebung, Trennung durch Hydrozyklone,
Sedimentation, Flotation, Tiefen- und Obertlchenfiltration,
- physiko-chemische Verfahren wie Fllung, Flockung, Adsorption und Strippung,
- biologische Verfahren, Belebtschlammreinigung.
Ziel aller Anlagenkonzepte ist es, mglichst geschlossene Wasserkreislufe zu
erhalten, um die Menge der zu entsorgenden Abflle gering zu halten.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der physikalisch-chemischen Bodenreinigungsanlagen ist die bei den meisten Anwendungsfllen notwendige Abluftreinigung.
Zum weiteren Schadstoffabbau kann der gewaschene Boden eine Zeit lang zwischengelagert werden. Bei der Bodenlagerung findet ein mikrobieller Abbau orga-
604
7 Altlasten
Reinigung des
Feinanteils
Bodenfeinanteile
Bodennachbereitung
gereinigter
Boden
7.4.3
Thermische Verfahren
7.4 Sanierungstechniken
Kontaminierte
Massen
605
Verdampfung
und
teilweise
Verbrennung
Energie
M Abgas
Nachverbrennung
Energie
II Nachverbranntes
jlAbgas
Belliebshilfsmittel
L~>
Abgasreinigung
Nebenprodukte
Reingas
Bei der Pyrolyse wird der kontaminierte Boden unter Luftabschlu oder Luftmangel in einem indirekt beheizten Reaktor bei Temperaturen von 400 bis 800 C
entgast. Dabei entstehen brennbares Pyrolysegas, wrige und lhnliche Kondensate sowie feste kohlenstofthaltige Rckstnde (Pyrolysekoks). Die gereinigten
Gase knnen zur Reaktorbeheizung oder zur Dampferzeugung benutzt werden.
Im Hinblick auf den im Vergleich zur Verbrennung niedrigen Temperaturbereich im Reaktorraum ist bei der Pyrolyse zu prfen, welche Schadstoffe in welcher Konzentration im Boden verbleiben.
Thermische Verfahren sind grundstzlich ftlr alle organischen Verunreinigungen einsetzbar, es knnen jedoch nur wenige Schwermetalle aus dem Boden eliminiert werden. Bei der thermischen Bodenbehandlung werden die natrlichen organischen Bodenbestandteile zerstrt, zurck bleiben nur die anorganischen Komponenten [7.15].
7.4.4
Hydraulische Manahmen
Unter hydraulischen Manahmen ist die Erzeugung von einem oder mehreren
Absenktrichtern im Grundwasserkrper mit Hilfe von Grundwasserentnahmebrunnen zu verstehen. Dadurch wird das kontaminierte Grundwasser aus dem
Aquifer gefrdert, und die Ausbreitung der Kontamination wird grundwasserstromabwrts vermieden. Voraussetzung fr die Durchfhrung hydraulischer Sanierungstechniken ist ein ausreichend porser und permeabler Untergrund und
detaillierte Kenntnisse ber die hydrogeologische Situation wie Richtung und
Fliegeschwindigkeit der Grundwassers, Durchlssigkeitsbeiwert des Untergrun-
606
7 Altlasten
Pumpe
Abwasserreinigung
Absenldrlchter
des. Aus diesen Daten lt sich die Reichweite von Absenktrichtern errechnen
[7.16].
Es lassen sich aktive und passive hydraulische Verfahren unterscheiden. Passive
hydraulische Verfahren haben die Vernderung der hydromechanischen Verhltnisse des Grundwasserkrpers zum Ziel. Die Ausbreitung von schadstoffbelastetem Grundwasser soll eingeschrnkt, verhindert oder ggf. umgelenkt werden. Diese Manahmen setzen auerhalb des Kontaminationsherdes an.
Aktive Verfahren, in Bild 7.12 dargestellt, dienen der Fassung und anschlieenden Behandlung des belasteten Grund- oder Sickerwassers. Sie werden in der
Regel innerhalb des Verunreinigungsherdes eingesetzt [7.14.].
Hydraulische Manahmen allein stellen keine echte Sanierungstechnik dar,
sondern eher Sicherungsmanahrnen. Nur in Kombination mit anderen Sanierungstechniken, z.B. der Behandlung des gefrderten kontaminierten Wassers und
einer anschlieenden Rckfilhrung in den Boden, stellen die hydraulischen Techniken ein vollwertiges Bodensanierungsverfahren dar.
7.4.5
Bodenluftabsaugung
Die Technik der Bodenluftabsaugung eignet sich zur Sanierung von leichtflchtigen Verbindungen und wird auf breiter Ebene bei der Sanierung von leichtflchtigen CKW- und aliphatischen Kohlenwasserstoffbelastungen in der ungesttigten
Bodenzone eingesetzt.
Die Bodenluft wird aus speziell installierten Absaugpegeln oder -Ianzen oder
aus Grundwassermestellen abgesaugt und ggf. gereinigt. Die Effizienz der Absaugmanahme richtet sich nach der Durchlssigkeit des Untergrundes und dem
7.4 Sanierungstechniken
607
7.4.6.
Passive Systeme
Aufgrund der langen Dauer und der hohen Kosten von Aktiven Systemen wird in
den letzten Jahren intensiv an der Entwicklung kostengnstiger In-situSanierungsmanahmen gearbeitet. Die passiven Methoden sind durch eine sehr
geringe Energiezufuhr whrend des Sanierungsvorgangs gekennzeichnet. Dadurch
knnen die Betriebskosten reduziert werden, die bei langen Sanierungszeiten den
entscheidenden Einflu haben.
[Link]
Permeable Reaktionswnde
608
7 Altlasten
Kompressor
Bodenluftentsorgungsanlage
Bodenluftabsauganlage\ \
Volumenmesser \ \
- ---
----
7.4 Sanierungstechniken
609
Permeable Reaktionswand
Kontaminationsfahne
-.
gereinigtes
Grundwasser
GW-Fiiessrichtung
Kontaminationsherd
-.
gereinigtes
Grundwasser
GW-Fiiessrichtung
Bild 7.14. Abstromsanierung durch (a) eine Permeable Reaktionswand und (b) einfunnel-andgate-System [7.34]
[Link]
funne/-and-gate-System
Eine Alternative zu den Permeablen Reaktionswnden ist das System des funneland-gate. Dieses patentierte Konzept wurde erstmals im Jahre 1991 in Kanada im
Borden-Testfeld eingesetzt. Es beruht darauf, da nur ein kleiner Teil der In-situWand als permeable reaktive Zone (gate) verwendet wird, whrend der berwiegende Teil der Wand als geringdurchlssiger Trichter (funnel), z. B. in Form von
Spund- oder Schlitzwnden ausgebaut wird. Der wichtigste Vorteil des funnel-andgate Prinzips besteht darin, da grundstzlich die Mglichkeit gegeben ist, die
Reaktorfiillung mehrfach auszutauschen. Jedoch ist davon auszugehen, da die
hierfiir erforderliche Reaktorkonstruktion, vor allem filr Tiefen grer als I 0 m,
aufgrund der einzusetzenden Spezial-Tiefbautechnik einen wesentlichen Kostenfaktor darstellt. Das funnel-and-gate Prinzip hat vor allem dort Vorteile, wo entweder der Reaktor in regelmigen Zeitabstnden auszutauschen (z.B. bei Sorptionsreaktoren) oder die Reaktorfiillung relativ teuer ist und nur ein kleines Reaktorvolumen bentigt wird (z.B. schnelle Katalysereaktoren). Darber hinaus bietet
es in stark heterogenen Aquifersystemen (z.B. geklftete Aquifere) eine effizientere Nutzung der Reaktorfiillung [7.34].
610
7 Altlasten
OBERFLCHENABOICHTU'JG
SICKERWASSERFASSUNG
..
'
..
..
.
..
..
7.4.7
Einkapselung
Einkapselungsverfahren zielen auf die Unterbrechung der Emissionspfade ab und
verndern an der chemischen und physikalischen Beschaffenheit der Altlast nichts.
Einkapselungsmanahmen lassen sich baulich folgendermaen aufgliedern, wobei
jedes der genannten Systeme fiir sich allein oder in Kombination angewendet werden kann:
- Abdecksysteme (Oberflchenabdichtung),
- vertikales Dichtungssystem (Dichtwand),
- Basisdichtungssystem (Dichtsohle).
An die vorgenannten baulichen Systeme einer Einschlieung (vgl. Bild 7.15) werden die Anforderung nach hoher Abdichtungswirkung, groer Bestndigkeit sowie
nach Kontrollierbarkeit und Reparierbarkeit gestellt.
Abdecksysteme
Umweltrelevante Emissionen aus einer Altlast sind kontaminiertes Sickerwasser,
Gas und Staub. Durch Aufbringen einer Oberflchenahdichtung werden diese
Emissionen im Falle des kontaminierten Wassers sehr stark reduziert, im Falle der
Gase in ordnungsgemer Weise kanalisiert und im Falle des Staubes praktisch
7.4 Sanierungstechniken
611
Stahlspundwand, Kunststoffprofile
Schmalwand (Bentonit- Zement)
Schlitzwand (Bentonit -Zement/Beton)
berschnittene Bohrpfahlwand
Jetsulen
Jetwand
~
Frostschutzwand
612
7 Altlasten
Dichtungssohlen
In gnstigen Fllen steht im Untergrund einer Altlast eine ausreichend mchtige,
homogene und gering durchlssige Schicht an. Ist ein solcher Untergrund nicht
vorhanden, wird eine nachtrglich hergestellte Dichtungssohle ntig. Es stehen
mehrere neuentwickelte Lsungsmglichkeiten zur Verfiigung, deren Bauerprobungjedoch noch nicht abgeschlossen ist. Die Kosten der nachtrglich hergestellten Dichtungssohlen betragen je nach Verfahren zwischen I 000 und 2 000 DM/m2
[7.12, 7.16].
Bei den Verfahren der Einschlieung einer Altlast handelt es sich um keine Sanierung im eigentlichen Sinne, sondern um eine Sicherungsmanahme, da der
Schadstoftherd nicht entfernt oder unwirksam gemacht wird.
7.4.8
8 Kostenbetrachtung von
Abfallbehandlungsanlagen
8.1
Grundlagen des Wirtschaftlichkeitsvergleiches
Ein Wirtschaftlichkeitsvergleich von unterschiedlichen Entsorgungssystemen wird
von allen in der Abfallwirtschaft Ttigen besonders interessiert aufgenommen.
Faktisch hat ein strenger wirtschaftlicher Vergleich von verschiedenen Handlungsaltemativen auf dem Gebiet der Abfallwirtschaft kaum einen Einflu auf die
tatschliche politische Entscheidung fiir die Entsorgung einer Region. Hier haben
meist politisch motivierte Grnde Vorrang.
Ein Vergleich der Wirtschaftlichkeit von verschiedenen Entsorgungssystemen
kann nur fiir eine fiktive Region auf der "Grnen Wiese" stattfinden, die alle Abfallbeseitigungsmethoden sowohl technisch als auch konomisch zult. Diesen
idealen Standort gibt es nicht, so da in der Realitt kaum alle Alternativen oder
nur eine Kombination aus zwei oder drei Entsorgungsmglichkeiten in Frage
kommen. Wie die Erfahrung zeigt, sind die politisch bedingten Auswahlkriterien
oftmals nicht in der Lage, die der Realitt wirtschaftlich und technisch optimal
angepaten Entsorgungssysteme zu bestimmen.
Wesentlich fiir die Behandlung von Abfllen ist, da, wie bereits bei der Charakterisierung des Abfalls beschrieben, im Gegensatz zu vielen anderen industriellen Prozessen die Stoffinengen zeitlich stark schwanken, die heterogene Zusammensetzung der Abflle sich im Jahresverlauf auch stark ndert und die Nachbarn
einer Abfallbehandlungsanlagen besonders niedrige Emissionswerte erwarten.
Durch diese komplexen Anforderungen haben alle Prozesse der Abfallwirtschaft ein hohes Niveau mit entsprechenden Behandlungskosten erreicht. Die Kostenentwicklung ist in den letzten Jahren an eine Grenze der Akzeptanz durch die
Bevlkerung gestoen. Damit werden Forderungen an die Entscheidungstrger
gestellt, wirtschaftlichere Verfahren zu planen und zu bauen, bzw. die Abfallbehandlung komplett an private Setreiber in einem Ausschreibungsverfahren zeitlich
befristet zu bergeben, um am Kostenvorteil den der Wettbewerb verspricht teilzunehmen.
8.2
Thermische Verfahren
Nachfolgend wird ein berblick ber den Kapitalbedarf und die Betriebskosten in
Abhngigkeit von der installierten Entsorgungsleistung in Mg/d gegeben. Die im
614
[Link]
1.000
500
V
Y m 3 2( ~000
100
50
/
/
L'
/V
0,715
- - f------ -- -
V
!
20
50
100
500
5.000
1.000
Mg /d
8.2.1
50.000
100.000
200.000
300.000
Hauptposition [%]
0,5
0,4
0,3
0,2
2. Bau
13,6
15,7
16,2
16,4
3. Maschinen- Elektrik
69,7
67,9
68,3
68,2
2,5
2,5
1,6
1,5
13,7
13,5
13,6
13,7
100,0
100,0
100,0
100,0
I. Erschlieung
4. Auenanlagen
5. Bauzusatzkosten, Baufinanzierung
6. Anlagekapitalbedarf
615
=~1 X~",
==-x-
200 1-~~~~~~~------x_......___x
100
0
Auslegungsleistung
----,-----------,--------
0 30 40 50 60 70 75
Auslastung [ % ]
~-------,--
80
100
Bild 8.2. Spezifische Kosten in Abhngigkeit der Kapazittsauslastung filr eine Abfallverbrennungsanlage mit einer Dauerleistung von 300.000 Mg/a (Preisbasis 1997)
Der Anlagekapitalbedarf setzt sich wie in Tabelle 8.1. dargestellt aus verschiedenen Anlagekapitalbedarfspositionen zusammen. Je nach Gre der Anlage gibt es
eine prozentuale Verschiebung der unterschiedlichen Hauptpositionen. Zum Beispiel steigt der Kapitalbedarf fiir den Bau berproportional mit hherem Durchsatz, gegenber allen anderen Hauptpositionen.
8.2.2
616
MioDM/Mg
Strom
_ Fe-Schrott
Fernwnne
200
400
600
800 1000
1500
2000
Mg/d
Bild 8.3. Gesamtkosten und Nettobeseitigungskosten in DM/Mg in Abhngigkeit von der installierten Leistung (Mgla) filr Abfallverbrennungsanlagen mit Kraft-Wrme-Koppelung (Preisbasis
1997) [8.1]
8.2.3
Die Rostfeuerungstechnik fiir die Verbrennung von Abfilllen ist ausgereift, technisch sicher und fiir ein breites Band unterschiedlicher Haushalts- und Gewerbeabfillle einsetzbar. Neben der klassischen Rostfeuerung und der Wirbelschichttechnik
haben sich in den letzten Jahren die Kombinationsverfahren in das Interesse der
ffentlichkeit geschoben. Hier sind besonders das Schwel-Brenn- und das Thermoselect-Verfahren zu erwhnen.
Das Schwel-Brenn-Verfahren stellt eine Kombination aus Entgasung im Drehrohrofen mit einer nachfolgenden Verbrennung der Entgasungsprodukte in einer
Brennkammer dar.
Beim Thermoselect-Verfahren wird die Entgasung in einem Schubofen durchgefiihrt. Die Entgasungsprodukte werden in einem Vergaser partiell oxidiert. In
dem folgenden Bild 8.4. sind die Behandlungskosten verschiedener thermischer
Abfallbehandlungsverfahren in Abhngigkeit vom Durchsatz dargestellt.
617
Tabelle 8.2. Basisdaten zur Ermittlung der Betriebs-, Gesamt- und Nettobeseitigungskosten am
Beispiel einer Abfallverbrennungsanlage mit 300.000 Mgla (Preisbasis 1997)
Kapitalabhngige Kosten:
Annuitten
Baufinanzierung, [%]
Bauteil, [%]
M&E,[%]
Versicherungen & Steuern,[%]
Betriebskosten:
Reparatur & Wartung
Bau,[%]
M&E,[%]
Personal, [DM/Kopf und Jahr]
Allg. Verwaltung, [% der Personalkosten]
Neu- und Abwasser, [DM/rn']
Neutralisation, [DM/Mg]
Erdgas, [DM/m3]
Deponie, [DM/Mg]
Aktivkoks [DM/Mg]
Erlse:
Elektrizitt [DM/kWh]
Fernwrme, [DM/GJ]
Schrott, [DM/Mg]
Nettobeseitigungskosten
spezifische Nettobeseitigungskosten
Bei einem Durchsatz von I 00.000 Mgla liegen die Kosten der thermischen Behandlung zwischen 400 und 530 DM/Mg und sinken auf Werte bis 250 DM/Mg
bei einem Durchsatz von 500.000 Mgla. Dies sind kalkulierte Werte, da bisher nur
filr Rostfeuerungsanlagen die Erfahrungen vorliegen. Die neuen Kombinationsverfahren sind bisher noch nicht in den Dauerbetrieb gegangen.
8.2.4
In Bild 8.3. sind bereits die Erlse im Verhltnis zu den Betriebskosten in Abhngigkeit vom Durchsatz dargestellt. Die Haupteinnahmen filr die thermischen Verfahren sind Strom und Wrme.
Durch Erlse, die im wesentlichen aus der Vergtung von Strom resultieren,
lassen sich etwa 10 % der Betriebskosten reduzieren. Ist die Mglichkeit zur Einspeisung von Fernwrme gegeben, so verbessert sich die Wirtschaftlichkeit in
Abhngigkeit der anzusetzenden Stromminderleistung und der erzielbaren Erlse
filr die Wrme. Die Auskopplung von Fernwrme aus dem Dampfsystem der
MVA trgt entscheidend zur Wirkungsgraderhhung der Anlage und zur Verbes-
618
600 . - - - - - - , - - -
~ ~---+----+----+-
200.000
100.000
300.000
[Link] IM &I I
400.000
100.000
600.000
Bild 8.4. Behandlungskosten verschiedener Verfahren zur thermischen Behandlung von Abfilllen
in Abhngigkeit vom Durchsatz (Preisbasis 1995) [8.2]
14
12 ~-----~
10
- - - 0.04 OM'kWl th
-------tJ
: +---1
0,1
0.2
0,3
0 ,4
--0.02 OM'kWl th
-6-0,01 OM'kWlth
--*-0,10 OM'kWl
ei l
Feuerungsw arrre
Ieistung 55 MN
0,5
Bild 8.5. Entwicklung der Gesamterlse bei einer Kraft-Wrme-Kopplung in Abhngigkeit von
der Fernwrmeauskoppelung im Verhltnis zur Dampfproduktion. Stromminderung:
0,15 kWhe1/kWhth (gendert nach [8.3]
serung der Umweltvertrglichkeit bei. Gleichwohl ist diese Manahme aus wirtschaftlicher Sicht nicht immer sinnvoll. Bild 8.5. zeigt den Einflu der Fernwrmevergtung unter Bercksichtigung der Stromminderleistung auf die Erlssituation bei Kraft-Wrmekopplung. Dargestellt ist das Ergebnisdiagramm filr eine
Stromminderleistung von 0,15 kWh.1/kWhth.
8.3 Aufbereitungsverfahren
6I9
Das Bild 8.5. zeigt den Gesamterls von ca. 8,4 Mio DM ohne Femwrmeauskoppelung. Whrend der Erls filr Strom sinkt und bei einer Fernwrmeauskoppelung
von 50 % auf ca. 5,8 Mio DM sinkt, steigt dennoch der Gesamterls filr die Anlage auf ca. 13,0 Mio DM, wenn der Fernwrmepreis bei 0,04 DMIKWhth liegt.
8.3
Aufbereitungsverfahren
8.3.1
Anlagekapitalbedarf und Kosten einer Gewerbeabfallsortieranlage
Tabelle 8.3. Anlagenkapitalbedarffilr eine Sortieranlage (Preisbasis 2. Halbjahr 1992)
Anlagenbezeichnung
Bauteil
Sortierhalle und Haustechnik
Planung/Bauaufsicht
Summe Bauteil
Maschinen und Fahrzeugtechnik
Sortieranlage
Fahrzeugtechnik
Summe Maschinen und Fahrzeugtechnik
Finanzierungskosten (9,5 %)
Anlagenkapitalbedarf (AK)
Kapitalbedarf
[DM]
17 500 000
I 500 000
19 000 000
10 500 000
750 000
II 250 000
I 437 000
31 687 000
Im Gegensatz zur Verbrennungsanlage, bei der nur eine grobe Kenntnis ber die
Zusammensetzung der Abflle notwendig ist, mu bei der Auslegung einer Sortieranlage eine mglichst genaue Kenntnis der Abfallinhaltsstoffe vorhanden sein.
Als Beispiel wird eine Sortierungsanlage filr Gewerbemll und Baustellenabtlilie
zugrunde gelegt. Insgesamt werden 11 0 000 Mgla verarbeitet. Dabei werden nicht
kontaminierte Holzabtlilie in einem Wirbelschichtofen in der Anlage thermisch
verwertet.
In der Tabelle 8.3 ist der Kapitalbedarf filr eine kombinierte Gewerbe- und
Baustellenabfall-Sortieranlage mit ca. 31,7 Mio. DM kalkuliert. Die prognostizierte Genauigkeit betrgt 20 %. In der Tabelle 8.4. sind die Gesamtkosten der
Sortieranlage kalkuliert. Aufgrund dieser Kalkulation ergeben sich Gesamtkosten
pro Jahr von 16,95 Mio. DM fUr den Betrieb einer kombinierten Sortieranlage mit
einem Durchsatz von 11 0 000 Mgla. Die spezifischen Behandlungskosten betragen
ohne die Bercksichtigung der Erlse 154 DM/Mg.
620
Tabelle 8.4. Ermittlung der kapitalabhngigen Kosten, der Betriebs- und Gesamtkosten filr die
Gewerbesortieranlage in DM (gerundet, Preisbasis 2. Halbjahr 1992)
288 000
2 416 000
2 253 000
190 000
5 147 000
376 000
I 585 000
7 108 000
II. Betriebskosten:
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
II.
4 200 000
95 000
262 500
22 500
380 000
77 000
195 000
176 000
220 000
397 000
4 170 000
210 000
209000
419 000
9 838 000
16 946 800
154
8.3.2
Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen fr Abbruch- und
Aufbereitungsanlagen [8.4]
[Link]
Wirtschaftlichkeitsvergleich zwischen dem klassischen Abbruch und
einem kontrollierten ROckbau
Steigende Abbruchkosten, verursacht durch hhere Deponiepreise und gesetzliche
Auflagen zur Trennung unterschiedlicher Baustoff-Fraktionen, bieten die Grundla-
8.3 Aufbereitungsverfahren
621
ge filr einen konomischen Vergleich zwischen den herkmmlichen Abbruchverfahren und dem kontrollierten Rckbau.
Es stehen folgende Abbruchmglichkeiten zur Verfilgung:
I. Kontrollierter Rckbau eines Gebudes in Deomontagestufen mit dem Ziel
einer mglichst weitgehenden Materialgewinnung. Die Sortierung der gewonnenen Fraktionen erfolgt whrend des Abbruchs.
2. Abbruch des gesamten Bauwerks ohne differenzierte Demontagestufen und
Sortierung vor Ort (klassischer Abbruch).
Eine dritte Variante stellt die Kombination der beiden Verfahren dar:
3. Kombinierter selektiver Rckbau (Entkemung) mit anschlieendem Totalabbruch des Restgebudes.
Bei dieser Variante wird die Innenausstattung (z. B. Elektrik-, Sanitr- und Heizungsinstallationen, Bodenbelge, Tren usw.) weitgehend demontiert. Das noch
verbleibende Restgebude (Dach, Auen- und Innenwnde, Decken, Fundamente)
wird ohne weitere Dernontage abgebrochen.
Kostenvergleich beim Rckbau, Beispiel Hotel Post, Dobel [8.3]
In Dobel, Landkreis Calw wurde 1993 der Abbruch eines Hotels als selektiver
Rckbau durchgefilhrt. In diesem Zusammenhang erfolgte ein Kostenvergleich
zwischen den drei oben genannten Abbruchrnglichkeiten. Das Ergebnis dieses
Vergleichs ist in Bild 8.6. dargestellt. Aus Bild 8.6. wird deutlich, da der selektive bzw. kontrollierte Rckbau unter den gegebenen lokalen Rahmenbedingungen
die kostengnstigste Variante darstellt. Bezogen auf den Bruttorauminhalt (BRI)
des Gebudes wurden filr die einzelnen Methoden folgende Gesamtkosten ermittelt:
26,40 DM/rn 2 BRI,
- selektiver Rckbau:
- teilweise selektiver Rckbau: 29,67 DM/ rn2 BRI,
32,64 DM/rn 2 BRI.
- klassischer Abbruch:
180.000
160.000
_..--
140.000
120.000
i'
e.
100.000
~0
80.000
>::
60.000
40.000
20.000
selektiver
Rckbau
Teiledementage
und Abbruch
Abbruch IX1d
Demontage
Bild 8.6. Kostenvergleich von drei Abbruchmglichkeiten filr das Hotel Post, Dobel
622
Unter den regionalen Bedingungen erwies sich der klassische Abbruch um etwa
24 %, der teilweise selektive Rckbau um etwa 12% teurer als der kontrollierte
Rckbau.
Kontamination
Recycelbares
Material
Nichtrecycelbares Material
Masse
Demontagekosten
Transportkosten
[Mg]
55
[DM]
251.000
[DM]
13.000
19.800
1.666.000
170.000
800
(84DM/Mg)
426.000
(8,5 DM/Mg)
32.000
(40 DM/Mg)
2.342.000
215.000
Summe
20.655
Klassischer Abri des Industriegebudes- Variante 2TransportMasse Demontakosten
gekosten
[Mg]
55
[DM]
251.000
[DM]
13.000
Bauschutt/ Baustellenrestabfall
20.600
1.45.000
185.000
Summe
20.655
Kontamination
(75 DM/Mg)
1.796.000
(9 DM/Mg)
198.000
Recycling/
Summe
Deponiekosten
[DM]
[DM]
44.000
308.000
(800DM/Mg)
400.000
2.236.000
(20DM/Mg)
160.000
(200DM/Mg)
604.000
618.000
3.161.000
Recycling/
Summe
Deponiekosten
[DM]
[DM]
44.000
308.000
(800DM/Mg)
l.l33.000
2.863.000
(55 DM/Mg)
l.l77.000
3.171.000
8.3 Aufbereitungsverfahren
623
0,3% 3,9%
C)
95,8%
I 11 Kontaniniert
flichtrecycelbar
o Recycelbar I
Bild 8.7. Massenanteile der Materialklassen beim Teilrckbau eines Industriegebudes in Dresden [8.3]
Auf der Grundlage der Gebudeanalyse und des Verwertungs- und Entsorgungsplanes wurden die Demontageschritte und der Zeitplan (Rckbauplan) entwickelt.
Darauf basierend wurde der Arbeits-, Transport- und Entsorgungs- bzw. Verwertungsaufwand abgeschtzt (Tabelle 8.5.).
Folgende Rckbauverfahren wurden verglichen:
1. Der kontrollierte Rckbau mit eine detaillierten Trennung der Materialien in
verschiedene Verwertungsfraktionen auf der Baustelle.
2. Rckbau ohne Separierung auf der Baustelle und Anlieferung des Bauschutts
bzw. der Baustellenabililie an eine Sortieranlage.
3. Vollstndige Deponierung der gebrauchten Baustoffe auf einer regionalen
Deponie.
Bei allen drei Varianten wurde vorausgesetzt, da das kontaminierte Material
getrennt erfat und einer geordneten Entsorgung zugeftlhrt wurde. Fr den Kostenvergleich wurden die 1994 in der Region Dresden geltenden Preisstrukturen
zugrundegelegt
Der Kostenvergleich (Tabelle 8.5.) ergab, da der kontrollierte Rckbau (Variante I) und die Variante 2 (Anlieferung an Sortieranlage) in der Gesamtkostenbilanz etwa gleich zu bewerten waren. Der Totalabbruch mit vollstndiger Deponierung ergab ca. 14 % hhere Gesamtkosten.
Wirtschaftlichkeit verschiedener Abbruchverfahren in Abhlingigkeit
von der Deponiegebhrenentwicklung
Die Kosten ftlr den kontrollierten Rckbau des Industriegebudes in Dresden wurden erstmals 1992 ermittelt. Dabei wurden die Demontage,- Transport-, Entsorgungs- bzw. Recyclingkosten erfat. Parallel erfolgte eine Kostenschtzung ftlr
einen klassischen Abbruch. Die Ergebnisse beider Methoden wurden vergleichend
dargestellt. Ein Vergleich der Ergebnisse auf der Grundlage der Kostenstrukturen
von 1992 und 1994 ist in Bild 8.8. dargestellt.
Whrend die Demontage-, Transport- und Recyclingkosten im wesentlichen im
Rahmen der allgemeinen Inflationsrate von 4-6 % stiegen, haben sich die Deponiekosten ftlr gebrauchte Baustoffe in der Region Dresden fast verdreifacht. Waren
die Gesamtkosten beider Abbruchmethoden im Jahre 1992 noch miteinander vergleichbar, so ergaben sich 1994 ftlr den kontrollierten Rckbau um etwa ein Drittel
niedrigere Gesamtkosten.
624
Als Schlufolgerung lt sich fr alle dargestellten Beispiele zeigen, da der kontrollierte Rckbau gegenber dem klassischen Abbruch die gnstigere Variante in
der Gesamtkostenbilanz ist. Der konomische Vorteil des kontrollierten Rckbaus
wird jedoch sehr stark von der regionalen Deponiegebhrenstruktur bestimmt und
kann deshalb nicht verallgemeinert werden.
[Link]
8.3 Aufbereitungsverfahren
625
Kontrollierter ROckbau
I:3,407
3,5
3,0
2,5
::g
2,0
1,5
.5
c
%l
{2
1,0
0,5
1992
1994
Klassischer Abri
I:5,125
5,0
4,0
~
0
3,0
.5
{2
2,0
1,0
0,0
1992
0 Recyci.!Deponiekosten
1994
!21 Demontagekosten
D Transportkosten
Bild 8.8. Kostenentwicklung filr den kontrollierten Rckbau und klassischen Abbruch von 1992
und 1994 filr ein Industriegebude in Dresden [8.3]
626
25
-+-variable Kosten
20
-fixe Kosten
~ Gesantkosten
15
10
5
0+-----~----~------~----~----~----~
50000
75000
100000
125000
150000
200000
250000
Durchsatz [fvtl/a]
Bild 8.9. Zusammenfassung der spezifischen Gesamt-, fixen und variablen Kosten in Abhngig-
Baustellenabfa/1-Sortieran/agen
Die generellen Einflufaktoren auf die Wirtschaftlichkeit von BaustellenabfallSortieranlagen sind vergleichbar denen bei Baustoff-Aufbereitungsanlagen. Unterscheidungen ergeben sich aufgrund des geringeren Aufkommens an Baustellenabfllen sowie des hheren Strstoffanteils. Dies bedingt einen entsprechend hohen
Aufwand bei der Sortierung zur Gewhrleistung der fiir die Verwertung erforderlichen Qualitt der Produkte.
Die Absatzchancen des inerten Anteils aus einer Baustellenabfall-Sortieranlage
sind nur fiir untergeordnete Einsatzgebiete gegeben, was niedrigere Erlse zur
Folge hat. Die Feinfraktionen <5-8 mm werden teilweise entsorgt, da sich hier
etwaige Schadstoffe anreichern. In einer Kombinationsanlage, in der sowohl Baustellenahflle als auch Bauschutt aufbereitet werden knnen, stellt sich die Vermarktungssituation bedeutend positiver dar.
Nachfolgend werden beispielhaft zwei Baustellenabfall-Sortieranlagen in einer
Wirtschaftlichkeitsbetrachtung gegenbergestellt. Beide Anlagen verfUgen ber
eine Vorsortierung mittels Greifbagger und einer Handsortierstation. Die Anlagen
sind fiir einen Durchsatz von ca. 50.000 Mgla ausgelegt. Unterschiedlich ist jedoch
der maschinentechnische Aufwand.
In der Anlage I wird nach dem Vorabscheider das Grobkorn (> 150 mm) ber
einen Magnetscheider in die Handsortierung geleitet. Von der Feinfraktion wird
8.3 Aufbereitungsverfahren
627
Anlage I und II
[Gew.-%]
Mineralische Anteile
50,0
Metalle (Fe/NE)
3,2
Holz
Papier/Pappe
6,5
8,5
Dachpappe
2,3
Kunststoffe
0,5
Sonstige Fll-/Reststoffe
29,0
Anlage I
Anlage II
[Gew.-%]
[Gew.-%]
39,4
10,0
46,0
12,5
NE-Metallet
3,1
0,1
3,1
0,1
Holz
7,0
8,3
Papier/Pappe
6,5
6,5
Kunststoff
0,5
0,5
Mineralien
22,0
12,5
Sonstiges
ll,4
10,5
Output
Wertstoffe:
Inertes Material
Fllboden
FE-Metalle
Reststoffe:
628
Fr die Betrachtung der Outputsituation wurde bei beiden Anlagen von dem in
Tabelle 8.6. dargestellten Input ausgegangen. Danach ergibt sich jeweils die abgeschtzte Zusammensetzung des Anlagenoutputs. In Tabelle 8.7. sind die Einzeldaten der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung zusammengefat.
Tabelle 8.7. Kosten und Erlse von zwei beispielhaften Baustellenabfall-Sortieranlagen [8.4]
Parameter
Bauteil
Maschinen
Fahrzeug
Investitionssumme
Anlagekapital (lnvest +Finanz.)
Abschreibung (Annuittentilgung), inkl.
Umlaufkapital
Anlage I [DM]
Anlage II [DM]
500.000
800.000
1.300.000
4.200.000
250.000
250.000
2.050.000
5.250.000
2.234.500
5.722.500
387.100
973.500
44.700
114.500
431.800
1.088.000
918.000
800.000
110.000
137.000
174.000
381.000
550.000
313.000
1.140.000
1.050.000
13.0000
13.000
8.500
10.000
195.000
180.000
3.108.500
2.884.000
310.000
288.000
3.850.300
4.260.000
197.000
345.000
10.000
12.500
Fe-Schrott 80 DM/Mg
124.000
124.000
10.000
10.000
-17.500
-20.750
-2.500
-2.500
321.000
468.250
70,60DM/Mg
75,88DM/Mg
Summe Erlse
Annahmeentgelt zur Kostendeckung
8.3 Aufbereitungsverfahren
629
Die unterschiedlichen Resultate ergeben sich u.a. aus den folgenden Grnden:
- Beide Anlagen verfgen ber eine Annahmehalle. Diese differiert in der Gre,
da die komplette Maschinentechnik der Anlage II in der Halle untergebracht ist.
- Die Investitionskosten unterscheiden sich durch den maschinentechnischen
Aufwand fUr die Sortieraggregate.
- Der hhere maschinelle Softieraufwand der Anlage II bedingt weniger Arbeitskrfte zur hndischen Sortierung. Damit ergeben sich geringere Personalkosten.
- Bei der Anlage I ergeben sich aufgrund der einfacheren Maschinentechnik gnstigere Energie- und Reparaturkosten.
- Der hhere Erls fUr den Inert-Anteil der Anlage II ist durch das qualitativ
hochwertige Produkt (hhere Reinheitsgrad) begrndet.
Das errechnete Annahmeentgelt ergibt sich als Mindestforderung, das bei den
getroffenen Annahmen zur Deckung der Kosten erforderlich ist. Die Kalkulation
verdeutlicht, da bei gleichen Standortbedingungen (Miete, Input, etc.) das Annahmeentgelt der Anlage II nur ca. 5,15 DM hher liegen mte, um die Anlage
kostendeckend zu betreiben.
Schlufolgerungen
Die dargestellten Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen zeigen, da fUr die Herstellung
von Qualittsprodukten sowohl im Bereich der Baustoff- wie auch der Baustellenabfall-Sortierung ein erheblicher techniSICher und verwaltungsmiger Aufwand
erforderlich ist. Hierzu zhlt auch die gesamte Unternehmensstruktur, um das
Baustoff-Recycling nachhaltig zu einem umweltfreundlichen Proze zu gestalten.
Der Aufwand fUr die Produktion von RC-Baustoffen auf hohem Qualittsniveau
und unter Bercksichtigung aller Umweltschutzanforderungen verursacht entsprechende Kosten. Die Kosten in Abhngigkeit von der Durchsatzleistung unterliegen
einem degressiven Verlauf. Fr einen wirtschaftlichen Anlagenbetrieb ist bei den
erzielbaren Erlsen aus dem Verkauf der Produkte sowie den Einnahmen durch
Annahmeentgelt eine gesicherte Jahresdurchsatzmenge erforderlich.
[Link]
630
DM
44 .000
40.000
36.000
32..000
28.000
24 .000
20.000
16 .000
12.000
8.000
4.000
DM
14000
38.988
12000
Baumanahme 2
11 .753
10000
26247
7.980
8000
6000
4000
2000
0 ~~--~-+~. . . .~
olmo
Trennung
ol>no
n-11
Trennung
Trennung
Baumanahme 3
DM
20000
DM
16.835
n-11
Trennung
Baumanahme 4
12000
16000
8.934
10000
10..29
8000
12000
6000
8000
2000
ohne
TMnnung
fril
Trennung
Baumanahme 5
DM
Ohno
Trennung
DM
140.000
rri1
Trennung
Baumanahme 6
8000
120.098
120.000
7000
100.000
6000
72.655
80.000
6.Je0
4.620
5000
4000
60.000
3000
40.000
2000
20.000
1000
Ohno
Trennung
mt
Trennung
Ohno
Trennung
mt
Trennung
Bild 8.10. Vergleich der Gesamtkosten mit und ohne Vorsortierung auf der Baustelle (Preisbasis
1995) [8.5]
Tendenziell haben Klein- und Minicontainer bei zunehmender Anzahl an getrennten Fraktionen und in lndlichen Regionen logistische Vorteile. Auerdem sind
diese evtl. bei beengten Platzverhltnissen gnstig einsetzbar.
8.3 Aufbereitungsverfahren
631
(DM!Mg) A
160
J
140
120 -
r--
100 -
1----
',_,I--
~i~-'~JI
80
I
60
,...-
40
20
0
BOndeisammlung
Depotcontainer
,
Recyclinghof
Monotonne
Bild 8.11. Darstellung der Bandbreiten der Sortierkosten von gemischt und getrennt gesammeltem Altpapier aus verschiedenen Sammelsystemen [8.1 0]
8.3.3
Das gesammelte Altpapier aus Depotcontainern und Monotonnen mu in Sortieranlagen von den papierfremden Bestandteilen sowie produktionsschdlichen Bestandteilen gem der Altpapier-Sortenliste befreit werden. Eine PositivSortierung in die Sorten B 19 (Kauthausaltpapier) und D 39 (Deinkingware) ist
empfehlenswert.
Fr die Sortierung des in Depotcontainern oder Monotonnen gesammelten Altpapiers werden einfache Anlagen, bestehend aus einem Aufgabellirderer (Plattenband), einer manuellen Sortierstrecke und einer Ballenpresse, eingesetzt. Je nach
Altpapierdurchsatz und Art der Sortierung (positiv oder negativ) mssen unterschiedlich viele Arbeitspltze an der Sortierstrecke vorhanden sein. Die Sortierer
nehmen die Verunreinigungen bzw. Zeitschriften, Illustrierten oder Wellpappe
vom Band und werfen diese ber Fallschchte in bereitstehende Container oder
hnliches. Die einzelnen Altpapier-Sorten werden anschlieend mittels einer Ballenpresse verdichtet, sofern die Verdichtung im Fahrzeug nicht ausreichend ist.
Bild 8.11. zeigt die Spannweite fiir die Sortierkosten des Altpapiers aus den verschiedenen Sammelsystemen.
Die Hhe der Sortierkosten hngt bei der Sortierung von Altpapieren von der Art
der Sortierung ab. Die negative Sortierung stellt die preiswerteste Variante dar,
setzt aber voraus, da die Altpapiere nicht gemischt, sondern bereits getrennt in
graphische und Verpackungspapiere erfat werden.
632
1.61
1,22
elnfo<he .Aologen~onllgu<ollon
Bild 8.12. Vergleich der Produktausbringung in einfachen und automatisierten Sortieranlagen filr
LVPC [8.12]
8.3.4
Eine Schlsselbestellung ftir die Kostenentwicklung des Recycling von LVP aus
der DSD-Sammlung im Gelben Sack bzw. in der Gelben Tonne kommt die Sortierung der Sammelgemische zu. Niedrige Schttgewichte, geringe Einzelteilchenmassen, hohe Verunreinigungsgrade, Artikel- und Stoffvielfalt sowie eine starke Heterogenitt bezglich aller physikalischer Parameter erschweren eine mechanische
Aufbereitung der LVP-Gemische, so da in der betrieblichen Praxis ca. 350 Sortieranlagen vornehmlich mit maschinengesttzter Handsortierung betrieben werden.
Daher kommt filr die Kostenbetrachtung der Sortierung auch die Steigerung der
Produkttrennung pro Zeiteinheit eine groe Bedeutung zu, da in den einfachen
Anlagen der spezifische Durchsatz bei 125 kg InputmateriaVSortierer und h liegt.
Wie Bild 8.12. zeigt, wird durch das integrierte Verfahren ein deutlich hheres
Ausbringen erreicht. Der Systemvergleich ist im folgenden um eine Kostenbetrachtung ausgeweitet worden.
Bild 8.13. zeigt die Ergebnisse der Kostenbetrachtung, die erwartungsgem im
Vergleich der spezifischen Betriebskosten zwischen den konventionellen Verfahren deutliche Vorteile auf Seiten der [Link], hher mechanisierten
Variante ausweist. Trotz der deutlich hheren Investitionskosten und der Notwendigkeit, hher qualifiziertes Personal einzusetzen, erweist sich das integrierte Verfahren als das kostengnstigste, wobei sich der Abstand gegenber den konventio-
8.3 Aufbereitungsverfahren
633
-
Olnv- ror M&E
p.r:fscl'le [Link]
Cspez:tfiscl'le Srstsmkoste n
Bild 8.13. Vergleich der spezifischen Kosten von einfachen und automatisierten Sortieranlagen
fr LVP [8.12]
8.3.5
Mechanisch-biologische Restabfallverfahren
Bei den Verfahren der mechanisch-biologischen Restabfallbehandlung (MBA) gibt
es zur Zeit keinen bundesweit anerkannten Stand der Technik. Die bisher geplanten und realisierten Anlagen der MBA unterscheiden sich hinsichtlich Zielsetzung
(z.B. biologische Stabilisierung oder biologische Trocknung) sowie im technischen Standard beachtlich voneinander (von emissionskontrollierten, eingehausten
Rottehallen bis zu offenen Rotteflchen). Sie entstanden im Ergebnis konkreter
Anforderungen von entsorgungspflichtigen Krperschaften zur Verlngerung der
Deponielaufzeit, zur Minimierung der Emissionen, zur Verbesserung des Einbauverhaltens und als Vorschaltanlage vor der Abfallverbrennung.
Es ergeben sich zwei prinzipielle Mglichkeiten einer stoffspezifischen Restabfallbehandlung:
1. Kombination der biologischen mit der thermischen Behandlung nach Trennung
der Stoffstrme in eine heizwertreiche Fraktion (BRAM) zur thermischen Verwertung und in eine heizwertarme Fraktion (inkl. biologisch abbaubarer Fraktion) zur biologischen Behandlung und/ oder thermischen Beseitigung (Parallelschaltung),
2. Biologische Vorbehandlung vor der thermischen Restabfallbehandlung zur
Reduzierung der thermisch zu behandelnden Abfallmengen (Reihenschaltung).
Nach dem heutigen Kenntnisstand ist dabei in jedem Falle eine thermische Stufe
zur Behandlung der Abfallteilstrme vorzusehen. In Forschungsarbeiten wird
634
Durchsatz
Bauweise
Flchenbedarf
Kohlenstoffabbau
biologische
Trocknung
Anlieferung
Kategorie I
bergangslsung
10.000-20.000 Mgla
offen
Kategorie li
Extensivverfahren
30.000-90.000 Mgla
teilgeschlossen
Kategorlern
Intensivverfahren
>100.000 Mgla
geschlossen
ca. 4.400-6.800 m2
ca. 2.500-2.800 m2
ca. 12.000-21.000 m2
ca. 8.700-9.200 m2
ca. 23.000-36.000 m2
ca. 12.000-13.500 m2
Flachbunker
Flachbunker
Tiefbunker
Greifkran
Zerkleinerung
Fe-Abscheidung
Zerkleinerung
Fe-Abscheidung
Homogenisierung
Siebung
Siebung
Presse
Presse
Geschlossene
geschlossene quasidyBiologische Stufe
Intensivrotte
namische Rotte
offene Kaminzugrotte offene Kaminzugrotte
Ja
Ja
Nein
Biofilter
Restabtlilie aus Haushalten, Sortierreste, geeignete Gewerbeabtlilie
Input
Strstoffe, Fe, BRAM
Output
Brennstoff aus Mll
Mechanische
Aufbereitung
Zerkleinerung
Fe-Abscheidung
Siebung
8.3 Aufbereitungsverfahren
635
[Link]
Anlagekapitalbedarf und Kostenstruktur der MBA
Die in der vorhergehenden Tabelle beschriebenen drei Kategorien knnen in Abhngigkeit von der Zielsetzung der biologischen Stufe in zwei weitere Grundvarianten unterschieden werden:
- weitgehender Kohlenstoffabbau (angenommene Rottezeit 12 Wochen),
- biologische Trocknung (angenommene Rottezeit 10 Tage).
Die unterschiedliche Rottezeit wirkt sich auf die Gestaltung der biologischen Stufe, insbesondere der Technik und des Bauteiles, aus.
In der Tabelle 8.9. sind zunchst der Anlagekapitalbedarf, die fixen und variablen Jahreskosten sowie die spezifischen Behandlungskosten der einzelnen Kategorien unter Zielsetzung eines weitgehenden Kohlenstoffabbaus dargestellt. Analog sind in der Tabelle 8.10. die Kostenstrukturen der MBA unter der Zielstellung
der Trockenstabilisierung enthalten. Alle Kosten beziehen sich dabei stets auf die
Vollauslastung der genannten Durchstze. Die dick gekennzeichneten Anlagen mit
einem Durchsatz von 50.000 Mgla gehen bei der Betrachtung von Restabfallbehandlungskonzepten ein.
Bei dem Einsatz einer klassischen MBA mit der Zielstellung des weitgehenden
Kohlenstoffabbaus (Tabelle 8.9.) bewegen sich die spezifischen Behandlungskosten in Kategorie I in einem Bereich von 44 DM/Mg bis 63 DM/Mg. Sie stellen
die Mindestausgaben filr die einfachsten Anlagen dar (ohne Deponierung).
Tabelle 8.9. Kosten der MBA in Abhngigkeit von der Anlagentechnik und dem Durchsatz bei
einer Rottezeit von 12 Wochen (ohne Deponie) (Preisbasis 1996) [8.12]
konzipierter
Durchsatz
[Mg/a]
Anlagekapitalbedarf
[[Link]]
Variable
Kosten
[DM/a]
Fixe Kosten
[DM/a]
Jhrliche
Spez. BehandGesamtkosten lungskosten
[DM/a]
[DM/Mg]
_Ka~~!?.?..'.:i.~..!. . . . . . . . -----------------------------------10.000
2,304
244.000
388.000
632.000
63
15.000
2,403
349.000
415.000
764.000
51
2,461
451.000
434.000
20.000
44
885.000
....!<.:~t.~!?.?!iell ---------------754.000
30.000
9,403
1.515.000
OMOH"'----
2.269.000
50.000
12,156
1.189.000
1.999.000
3.188.000
60.000
90.000
13,285
17,187
1.413.000
2.072.000
2.193.000
2.875.000
3.606.000
4.947.000
76
64
60
55
....!<.:~t.e._~orie -~ - - ...-------------
100.000
43,500
1.819.000
7.148.000
8.967.000
90
150.000
60,217
2.662.000
9.841.000
12.503.000
83
77,256
3.483.000
12.597.000
200.000
16.080.000
80
636
100
I
Kategorie II
K t g rle
76
60
l6
59
r~ 51
\
63.
-----ll3
I
Kater o r le 111
90
~ -------,55-
00
60
...............
..........................
~~ 44
40 --- ~
47
47
. ......... . .-
. .. . . . .. . . _
44
...... _RO-
N O_ _ _
42 -
20
.._..__,_
--.....
3e --------- ----------~-
l=
Kohlenstoffabbau
T rockenst a bilisieru ng
101520 30
60
90
100
I
150
200
Bild 8.14. Spezifische Behandlungskosten der MBA in Abhngigkeit von den gewhlten Kategorien und der Zielsetzung [8.12, 8.13]
Tabelle 8.10. Kosten der MBA in Abhngigkeit von der Anlagentechnik und dem Durchsatz bei
einer Rottezeit von 10 Tagen (ohne Deponie) (Preisbasis 1996) [8.12]
konzipierter
Durchsatz
Anlagekapitalbedarf
Variable
Kosten
Fixe Kosten
[Mg/a]
[Mio. DM]
[DM/a]
[DM/a]
-~-~~=~?.r..i:J
10.000
15.000
20.000
--~~.t.=~?..~:..!!. .
------..................
2,221
2,280
2,296
212.000
303.000
390.000
............................................. ..------
380.000
401.000
416.000
Jhrliche
Spez. BeGesamtkosten handlungskosten
[DM/a]
[DM/ Mg]
.................................................................. --
----
592.000
704.000
806.000
59
47
40
30.000
7,179
1.174.000
1.880.000
63
50.000
8,452
1.110.000
1.431.000
2.541.000
51
60.000
8,840
1.318.000
1.511.000
2.829.000
90.000
10,521
1.930.000
1.852.000
3.782.000
47
42
~~t.=~?.:.i.:.~!~ ........................................
100.000
14,713
150.000
200.000
706.000
---- ............................................................._
------
1.791.000
2.652.000
4.443.000
17,039
2.620.000
3.098.000
5.718.000
38
19,684
3.427.000
3.605.000
7.032.000
35
44
8.3 Aufbereitungsverfahren
637
Demgegenber verursachen die Anlagen der Kategorie II Kosten, die in der Spanne zwischen 55 DM/Mg und 76 DM/Mg liegen.
Bei den Intensivverfahren der Kategorie III werden Behandlungskosten von
80 DM/Mg bei einem Durchsatz von 200.000 Mgla und bis 90 DM/Mg bei einem
Durchsatz von 100.000 Mgla ermittelt. (Behandlungskosten ohne Deponie). Werden kleinere Anlagen mit gleichartigem hohen technischen Standard ausgefiihrt, so
ergibt sich ein exponentieller Anstieg der Kosten, was auch aus Bild 8.14. zu entnehmen ist. Zum anderen ist auf die Mglichkeit einer Minderauslastung hinzuweisen, was nachfolgend noch differenzierter ausgefiihrt wird.
In dem Bild 8.14. sind die ermittelten spezifischen Behandlungskosten zusammengefat. ber die Berechnungsgrenzen hinaus wird der weitere Verlauf gestrichelt vermerkt. Sprungfixe Kosten sind idealisiert als Kurve dargestellt.
Die Kosten der fr die biologische Trocknung konzipierten Anlagen liegen infolge der geringeren Aufwendungen fr die Rotte prinzipiell unter den Kosten der
fr die entsprechenden Durchstze konzipierten Anlagen mit der Zielsetzung weitgehender Kohlenstoffabbau.
Die Behandlungskosten bei der biologischen Trocknung schwanken nur in einem engen Bereich. In der Kategorie II wurden Behandlungskosten in Hhe von
42 DM/Mg bis 63 DM/Mg, in der Kategorie III von 35 DM/Mg bis 44 DM/Mg
ermittelt. Praktische Vergleichswerte liegen derzeit noch nicht vor.
Das Bild 8.15. verdeutlicht, da durch die Auswahl grerer Anlagen in jeder
Kategorie die spezifischen Behandlungskosten reduziert werden. Aufgrund der
proportional zum Durchsatz angenommenen steigenden Komplexitt der Anlagenkategorien werden die Kosteneinsparungen jedoch vllig oder teilweise aufgehoben. Vergleicht man exemplarisch den Anlagekapitalbedarf der MBA umgerechnet
in die Jahresannuitt, so betragen diese Kosten bei Einsatz der Kategorie I (Durchsatz von 10.000 Mgla) 27 DM/Mg und steigen bei Einsatz der Kategorie III
(Durchsatz von 100.000 DM/a) auf 54 DM/Mg an. Diese Entwicklung ergibt sich
im wesentlichen durch die Gestaltung der eingehausten Rotte, welche einen hohen
investiven Aufwand erfordert.
Bei Rottezeiten zwischen 10 Tagen und 12 Wochen werden die Behandlungskosten in dem durch beide Kurven begrenzten Bereich zu erwarten sein. Eine
Minderauslastung, wie in der Praxis stndig der Fall, bewirkt einen Anstieg der
spezifischen Behandlungskosten. Je grer der Anteil der fixen Kosten an den
Gesamtkosten ist, um so strker wirkt sich eine Minderauslastung der Anlage kostensteigemd aus.
Beispielhaft werden die Anlagen zum weitgehenden Kohlenstoffabbau bei einer
Rottezeit von 12 Wochen unter diesem Aspekt gegenbergestellt. In Bild 8.15.
sind fr ausgewhlte Anlagen (Kategorie I: 15.000 Mgla; Kategorie II:
50.000 Mgla; Kategorie III: 100.000 Mgla) die fixen und variablen Kosten sowie
die sich daraus ergebenden jhrlichen Gesamtkosten und spezifischen Behaildlungskosten fr verschiedene Auslastungen der Anlagen zusammengefat. Der
Auslegungspunkt der Anlagen befmdet sich jeweils am rechten Rand des Diagrammes.
Es ist zu erkennen, da der Fixkostenanteil mit steigendem Technologisierungsgrad ansteigt. In der Kategorie I betrgt dieser Anteil 54 % (bei Vollauslastung). Er steigt in der Kategorie III auf 80 % (bei Vollauslastung) an, was den
Verhltnissen einer MVA entspricht.
638
Mio. DM/a
DM/Mg
QQY~---------.-------~r--------r180
Q.~~------~~~......~..~
.. ~~~~--------+120
............... ,........
Q......
"",.,.""..........
90
....~oo
51
..-.. r:p-~---+--------+30
Q11~Br------",
..........
0-~~..
~..
------~------~~-------LO
0
[Link]>
1QCXX>
[Link]>
IJlRhsalz [N\l'a]
Kategorie II
Mio. DM/a
DM/Mg
4,oo..----~-------.----...-----.------.
30D
3,1E
3,m+-----+---l----+--="
~
225~
................
.....
zoo~~"~.. ~~~~"~--~--~--zw~~~1ED
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1,1~
...- - -
.....................
..............
8)
64
a~~-~..
~--..
~----~----L---~----~o
0
1QCXX>
[Link]>
[Link]>
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ffiCXX>
Dlrchsalz [N\l'a]
Kategorie IIJ
DM/Mg
1QUJmr---.---.----,---.----,- 400
Mlo. DM/a
38)~
8,00
.......;;
....
........
~-
............
--7,2
~a~~---+----~~~"~r---;---~100
!'--~
zoor---_,-----r----+---~r---~~
~----
--1::
---------I
Q.~--..
~-=-~--L--~--~-~o
20.0X>
4QCXX>
[Link]>
[Link]>
[Link]>
Dlrchsalz [N\l'a]
Il ..
--- Fbckcsla1
Bild 8.15. Darstellung der Kostenstrukturen fiir ausgewhlte MBA bei einer Rottezeit von
12 Wochen (Preisbasis 1996) [8.12]
8.3 Aufbereitungsverfahren
5
4
3
2
..',,.
........
~... '
0
20%
--
............
.;..
Kategorie II
Kategorie III
~'~
40%
Kategorie I
60%
639
--
800/o
100'
Auslastungsgrad
Bild 8.16. Spezifische Behandlungskosten der Kategorien I, II und III, normiert auf die jeweilige
Vollauslastung [8.12]
Die Aussagen von Bild 8.15. werden in Bild 8.17. nochmals in anderer Form aufbereitet. Es wird dargestellt, um [Link] Normfaktor die spezifischen Behandlungskosten der betrachteten Kategorien bei entsprechendem Auslastungsgrad
ansteigen. Bei einer Teilauslastung von 80 % liegen diese Faktoren fr alle Kategorien in einem engen Bereich von 1,1 - 1,2. Eine starke Differenzierung fmdet bei
Auslastungsgraden < 60 % statt.
[Link]
Behandlungskosten der stoffstromspezifischen
Restabfallbehandlung
Fat man die in den voranstehenden Kapiteln dargestellten Betrachtungen zusammen, so wird schnell deutlich, da diese Konzepte stark von der regionalen und
verfahrenstechnischen Umsetzung abhngen. In Bild 8.17. ist schematisch eine
einfache Grundkonzeption der stoffspezifischen Restabfallbehandlung dargestellt.
Bei einem Anfall von 100.000 Mg!a werden die dargestellten Mengenstrme abgeschtzt, die sich ebenfalls flexibel in Abhngigkeit vom Input und seiner Zusammensetzung entwickeln. Fr jeden der dargestellten Behandlungsschritte knnen
Schwankungsbreiten der Behandlungskosten angegeben werden. Sowohl die Aufteilung zur stoffspezifischen Behandlung als auch die Behandlungskosten beeinflussen die Kosten des Gesamtkonzeptes.
In der nachfolgenden Tabelle 8.11. sind die Schwankungsbreiten, welche fr
das Gesamtkonzept bezogen auf die zu behandelnde Restabfallmenge von
100.000 Mgla ergeben, dargestellt. Transportkosten sind nicht explizit bercksichtigt, da diese eine untergeordnete Rolle spielen.
Werden alle dargestellten Verfahrensstufen bercksichtigt, so ergibt sich eine
Schwankungsbreite von 200-490 DM/Mg. Kann, beispielsweise durch eine sinnvolle Abwrmenutzung zur Trocknung der Schwerfraktion, auf die biologische
Stufe verzichtet werden, so ergeben sich rechnerische Behandlungskosten von
640
EvU.
Klrschlamm
Heizwertreiche
Sortierreste
Hausmll,
Gewerbeabfall,
Sperrmll
~100.000 Mg
brennbare
Fraktion
mechanische
Aufbereitung
(Restmllbehandlungszentrum)
35.000 Mg
40-80 DM/Mg
~62.000 Mg
Verluste
15.500 Mg
+-
Biologische
Stabilisierung
40-80 DM/Mg
~46.500 Mg
Verluste 4.
28.500 Mg
Thermische
Beseitigung
3.000 Mg
200-500
DM/Mg
~18.000 Mg
Deponierung
der Reststoffel
SchlackeVerwertung
100-200
DM/Mg
BrennstoffAufbereitung
,,
Fe-/NeMetallVerwertung
thermische
Verwertung
50-250 DM/Mg
ODM/Mg
180-440 DM. Kann darber hinaus auf die Deponierung der Schlacke verzichtet
und eine kostenneutrale Schlackenutzung erreicht werden, so ergeben sich mittlere
Behandlungskosten von 280 DM/Mg. Wird statt der biologischen Trocknung eine
Langzeitrotte mit anschlieender Deponierung sowie eine thermische Verwertung
der heizwertreichen Fraktion angestrebt, so ergeben sich mittlere Behandlungskosten von 230 DM/Mg bei einer Schwankungsbreite von 135-300 DM/Mg.
Diese Angaben stellen die derzeit diskutierten Grenordnungen sowie eigene
Erfahrungen zusammen und zeigen deutlich die groen Schwankungsbereiche
einer stoffspezifischen Restabfallbehandlung. Die regionalen Randbedingungen
werden die Entscheidung fr eine stoffspezifische Restabfallbehandlung stark
beeinflussen. Die Entscheidung, ob eine stoffspezifische Restabfallbehandlung
gnstiger ist als eine thermische Behandlungsanlage ist im Einzelfall zu treffen
[8.13].
8.3 Aufbereitungsverfahren
641
DM/Mg
400
_\
300
----
1\_
' "-...
............
\
\
100
\
\
['--.....
--
~ 1-r-- "--
!'... .........
200
----~
1--
......__!--
100000
-~-----
:--- t---~---
r--
200000
1-
300000
400000 Mg/a
200-340-490
180-350-440
160-280-400
135-230-300
Konzept zur bergangslsung mit Langzeitrotte, ohne thermische
Stufe, mit Deponie
Reihenfolge der Angabe (unter Nutzung aller unterer, mittlerer und oberer Werte)
642
Ein Beispiel ist die Behandlung von 100.000 Mg/a mit folgenden spezifischen
Behandlungskosten bei der stoffspezifischen Restabfallbehandlung:
- mechanische Stufe
- 60 DM/Mg,
- biologische Stufe
- 60 DM/Mg,
- thermische Verwertung
- 150 DM/Mg,
- thermische Beseitigung
- 250 DM/Mg,
- Deponierung
- 150 DM/Mg.
Es ergeben sich Behandlungskosten von ca. 290 DM/Mg [8.13].
In dem Bild 8.18. sind die spezifischen Kosten in Abhngigkeit von Durchsatz
filr die Kategorie III mit 12 Wochen Rotte dargestellt. Die Kurve I stellt die MBA
ohne Deponie dar. Die Kurve II enthlt zustzlich die Konfektionierung eines
hochkalorischen Brennstoffs (BRAM) und dessen thermische Verwertung in einer
externen Anlage. Der biologisch behandelte Restabfall wird deponiert. In der Kurve III wird statt der Deponierung des Restabfalls eine thermische Behandlung und
eine Ablagerung der Schlacke durchgefilhrt. Entsprechend der Darstellung wird
deutlich, da die spezifischen Kosten mit einem geringeren Durchsatz und mit dem
Anspruch an die Erfilllung der TASI (nur Kurve III erfllt die TASI) ansteigen.
8.3.6
Biologische Verfahren - Kompostierung und Vergrung
[Link]
Anlagekapitalbedarf fr Vergrungsanlagen
Der Anlagekapitalbedarf filr den M + E-Teil der Vergrungsanlagen beruht auf
Richtpreisen und Funktionalausschreibungsergebnissen aus den Jahren 1992/1993.
Der Bauteil filr die verschiedenen Vergrungsan1agen wurde auf der Basis der
bentigten Flchen und Bauvolumina bieterunabhngig filr normale Grndungsverhltnisse kalkuliert, hierdurch ist sichergestellt, da zum einen ein einheitlicher
Baustandard gegeben ist, zum anderen mgliche Preisunterschiede zwischen den
Verfahren allein system- oder bieterbedingt sind. Der Anlagekapitalbedarf der
Vergrungssysteme umfat folgende Einzelpositionen:
- Waage, Verwaltungs- und Sozialrume, Werkstatt, Verkehrsflchen;
- Annahme, Aufbereitung und Maschinentechnik in geschlossener Bauweise;
- Nachrotte des Grrestes bis Rottegrad IV (bieterabhngig geschlossen oder
teilberdacht);
- berdachtes Produktlager filr eine Kapazitt eines halben Jahres;
- M + E-Technik Vergrung, Biogasverwertung in einem Blockheizkraftwerk,
Interne Abwasserreinigung auf Indirekteinleiterwerte;
- Baunebenkosten.
Nicht enthalten sind Anstze filr Grunderwerb, Erschlieung und erhhte Grndungsaufwendungen.
Bild 8.19. zeigt den spezifischen Anlagekapitalbedarf in DM/Mg Bioabfall filr
neun Anbieter von Vergrungssystemen. Die spezifischen Investitionen liegen
dabei filr einen Anlagendurchsatz von 10.000 Mg/a im Bereich von etwa 1.150 bis
1.920 DM/Mg. Mit zunehmendem Anlagendurchsatz sinken die Investitionsaufwendungen aufgrund des besseren Nutzungsverhltnisses einzelner Bau- und An-
8.3 Aufbereitungsverfahren
643
2.00
1.800
1.600
1.400
1.200
1.000
800
r-
600
400
200
0
10.000 Mg/a
20.000 Mg/a
30.000 Mg/a
Anlagendurchsatz
lagenteile. Im Bereich von 20.000 Mg/a Anlagendurchsatz zeigt sich eine Schwankungsbreite von etwa 970 bis 1.380 DM/Mg, fUr 30.000 Mg/a von etwa 790 bis
1.120 DM/Mg Input. Ebenso wie bei der Kompostierung, bei der verschiedene
Systeme erst ab einem bestimmten Anlagendurchsatz kostenseitig zu vertreten
sind, stellt sich auch bei der Vergrung die Frage, welche Systeme fUr welchen
Anlagendurchsatz aus wirtschaftlicher Sicht geeignet sind. Prinzipiell sind ein- und
zweistufige Vergrungsverfahren zu unterscheiden. Whrend bei einstufigen Verfahren alle Abbauschritte in einem Grreaktor stattfinden, werden in zweistufigen
Verfahren die HydrolyseN ersuerung und die Methanisierung des Substrates
rumlich getrennt voneinander durchgefUhrt, um die unterschiedlichen Eigenschaften und Milieubedingungen der beteiligten Mikroorganismen besser nutzen
zu knnen. Zweistufige Vergrungssysteme zeichnen sich somit in der Regel durch
einen deutlich hheren verfahrenstechnischen Aufwand aus.
Bild 8.20. und Bild 8.21. verdeutlichen den spezifischen Anlagekapitalbedarf
fUr ein- und zweistufige Vergrungsanlagen in Abhngigkeit vom Anlagendurchsatz. Der spezifische Invest beluft sich bei einstufigen Vergrungssytemen zwischen etwa 1.150 DM/Mg und 1.690 DM/Mg bei einem Durchsatz von
10.000 Mg/a zwischen etwa 1.000 und 1.250 DM/Mg bei 20.000 Mg/a bei einer
Anlagengre von 30.000 Mg/a an Bioabfiillen. Bei einem Durchsatz von
10.000 Mg/a sind einstufig arbeitende Systeme damit meist deutlich kostengnstiger zu realisieren als zweistufige Vergrungsanlagen. Ab etwa 20.000 Mg/a ist der
Anlagekapitalbedarf fUr beide Systeme etwa gleich, wobei mit zunehmendem
Durchsatz in der Tendenz geringere spezifische Kosten bei den zweistufigen Verfahren zu beobachten sind. Ein Grund hierfilr ist, da bei hheren Anlagendurchstzen einstufige Anlagen u.a. aus Grnden der Betriebssicherheit nicht mehr mit
nur einem Biogasreaktor gebaut werden knnen und sich somit der verfahrens-
644
Einstufige Vergrungsanlagen
[DM/Mg]
1.800
1.600
1.400
1.200
1.000
1--
800
600
400
200
0
10.000 Mg/a
20.000 Mg/a
30.000 Mg/a
Anlagendurchsatz
Zweistufige Vergrungsanlagen
[DM/Mg)
2.000
1.800
1.600
1.400
1.200
1.000
800
r-
600
400
200
0
10.000 Mg/a
20.000 Mg/a
30.000 Mg/a
Anlagendurchsatz
technische Aufwand zwischen beiden Systemen angleicht. Fr zweistufige Vergrungsanlagen liegt der spezifische Anlagekapitalbedarf im Bereich von etwa 1.370
bis 1.920 DM/Mg filr einen Anlagendurchsatz von I 0.000 Mgla. Der Kapitalbedarf fllt bei 20.000 Mgla Durchsatz auf etwa 970 bis 1.380 DM/Mg und bei
30.000 Mgla auf etwa 790 bis 1.060 DM/Mg.
8.3 Aufbereitungsverfahren
645
15.000 Mg/a
Anlagendurchsatz
[Link]
Anlagekapitalbedarf fr Kompostierungsanlagen
Bild 8.22. zeigt zum Vergleich den Anlagenkapitalbedarf fiir verschiedene Kampostwerke unterschiedlicher Verfahrensanbieter nach Angaben von Kern [8.7].
Ausgewertet wurden Herstellerangaben sowie Ausschreibungsergebnisse fiir verschiedene Standardverfahren. Zustzliche Kosten fiir Grundstckskauf, Infrastruktur oder zustzliche Manahmen zur Emissionsminderung blieben unbercksichtigt.
Trotz der unterschiedlichen Vorgehensweise bei der Kapitalbedarfsermittlung
treten tendenziell mit zunehmender Anlagengre fiir geschlossene Kompostierungs- und Vergrungssysteme Kosten in einer vergleichbaren Grenordnung auf.
[Link]
Behandlungskosten fr Vergrungsanlagen
Analog zur Darstellung des spezifischen Anlagekapitalbedarfs werden die spezifischen Behandlungskosten fiir Vergrungs- und Kompostierungssysteme dargestellt.
Die Behandlungskosten fiir die Vergrung variieren in einem weiten Bereich
zwischen etwa 251 bis 376 DM/Mg bei 10.000 Mg/a Durchsatz, etwa 202 bis
269 DM/Mg bei 20.000 Mg/a und etwa 166 bis 226 DM/Mg bei einer Anlagenkapazitt von 30.000 Mg/a jeweils netto, ohne Wagnis und Gewinn. Mit zunehmender Anlagengre sind Bioabflle kostengnstiger zu behandeln. Obwohl bei gleichem Durchsatz der Kapitalbedarf bei einzelnen Vergrungsanlagen nicht stark
differiert, sind zum Teil deutliche Unterschiede in den Behandlungskosten festzustellen. Die Grnde liegen beispielsweise im hheren Anfall an Autbereitungsrest-
646
350
300
250
200
150
100
50
0
10.000 Mg/a
20.000 Mg/a
30.000 Mg/a
Anlagendurchsatz
Einstufige Vergrungsanlagen
[DM/Mg]
350
300
250
200
150
100
50
0
10.000 Mg/a
20.000 Mg/a
30.000 Mg/a
Anlagendurchsatz
8.3 Aufbereitungsverfahren
647
Zweistufige Vergrungsanlagen
[DM/Mg]
400
350
300
250
200
150
100
50
0
10.000 Mgla
20.000 Mgla
30.000 Mg/a
Anlagendurchsatz
300
200
100
0
<6.500 Mg/a
15-20.000 Mg/a
Bild 8.26. Spezifische Betriebskosten incl. Kapitaldienst der Vergnmgsanlagen (Herstellungsangaben 1993/94) [8.8]
648
Vergrungssysteme Behandlungskosten von etwa 285 bis 376 DM/Mg, die deutlich ber denen von einstufigen V~rfahren liegen. Hier sind filr die Behandlung
Kosten zwischen 249 und 328 DM/Mg festzustellen. Im Bereich eines Anlagendurchsatzes von 20.000 Mg/a ergeben sich filr einstufige Anlagen Behandlungskosten von etwa 207 bis 235 DM/Mg und filr 30.000 Mg/a von etwa 192 bis
220 DM/Mg. Die Behandlungskosten zweistufiger Verfahren variieren dabei zwischen etwa 202 und 269 DM/Mg ftlr 20.000 Mg/a Durchsatz und zwischen etwa
166 und 211 DM/Mg filr eine Kapazitt von 30.000 Mg/a.
In einer anderen Untersuchung kommen Kern [Link]. [8.8] zu einem leicht abweichenden Ergebnis, wie Bild 8.26. zeigt.
[Link]
Behandlungskosten fr Kompostierungsanlagen
Die Betriebskosten ftlr die Kompostierung sind der Literatur entnommen [8.7] und
in Bild 8.27. dargestellt. Bild 8.28. stellt ergnzend die spezifischen Behandlungskosten filr unterschiedliche Varianten der Bioabfallkompostierung bei gleichbleibendem Durchsatz dar. Dabei wurden nur die eigentlichen Rottesysteme variiert,
whrend die vor- und nachgeschalteten Anlagenkomponenten jeweils identisch
sind.
Kompostierungsanlagen
[DM/Mg)
300 -----..--------------
---------------,
250 -1---~
200
1-- -
,_
50 + - - - - - -
------------------------
--~
---------------------------1
o +-----------------~---------------------;
30.000 Mg/a
15.000 Mg/a
Anlagendurchsatz
Aufgrund unterschiedlicher Anstze bei der Berechnung sind die Behandlungskosten der Vergrung nicht unmittelbar mit denen der Kompostierung zu vergleichen.
Tendenziell weisen Vergrungsanlagen bei kleinen Anlagendurchstzen hhere
8.3 Aufbereitungsverfahren
DM/Mg
3 50
-----------..----
------ - - - - - - - - - - - - - - - -- - ,
300
250
r-
649
rr-
r-
r-
r-
r-
200
l!..
150
100
50
0
--~-
6
Rotteverfahren
~triebskosten Rottesystem
10
'-'-
LJ
11
12
13
OVerfahrensunabhangige Betriebskosten 1
[%)des Anlagekapitalbedarfs
40
35
30
25
20
15
Erschlieung
Gebude
M+E Teil
Auenanlagen
Kostengruppen
Fahrzeuge
Baunebenkosten
Bild 8.29. Aufteilung des Anlagekapitalbedarfs auf Hauptpositionen filr ein Kompostwerk [8.6]
Behandlungskosten auf, die sich mit zunehmendem Durchsatz an die Behandlungskosten der Kompostierung angleichen oder diese unterschreiten. Als Orientierungswert kann eine Anlagengre von etwa 15.000 Mgla genannt werden, ab
der vergleichbare Kosten bei der Kompostierung und Vergrung auftreten.
650
--
80
70
60
50
40
30
20
,-
10
0
r=J
Erschlieung
Baukonstruktion
II
,-----j
techn. Anlagen
Auenanlagen
M+ETeil
Bild 8.30. Aufteilung des Anlagekapitalbedarfs auf Hauptpositionen filr eine Vergrungsanlage
[8.6]
[Link]
Kostenstrukturen ausgefhrter Anlagen [8.6]
8.3 Aufbereitungsverfahren
651
(%)des Gesamlanlagekapilalbedarfs
40
35
30
25
20
15
10
5
0
r--
Aufbereitung
Vergrung Nachrotte
nn
Abluft
Abwasser
r--
r--
I
BHKW
MSR
Montage,
IBN
Bild 8.31. Aufteilung des Anlagekapitalbedarfs der Verfahrenstechnik(= 100%) auf Einzelpositionen [8.6]
Bauteil nur etwa 20 % des Anlagekapitalbedarfs, etwa 70 % entfallen auf die maschinentechnische Ausrstung. Bild 8.31. schlsselt den Anlagekapitalbedarf des
M + E-Teils der Vergrungsanlage weiter auf.
[Link]
Sensitivittsanalyse [8. 6]
Nochmals soll exemplarisch auf die Bedeutung einzelner Anstze der Betriebskostenrechnung hingewiesen werden. Mit einer verkrzten Sensitivittsanalyse wird
betrachtet, wie sich die Behandlungskosten ndern, wenn einzelne Kostengren
(z. B. Verteuerung des M + E-Teils, Wahl anderer Abschreibungszeiten oder des
Zinssatzes) variiert werden. Ausgangspunkt fUr die Betrachtung ist eine einstufige
Vergrungsanlage mit einem spezifischen Invest von 1.100 DM/Mg und Behandlungskosten von etwa 223 DM/Mg BioabfalL Bei Variation der Investition, des
Zinssatzes oder der Abschreibungsdauer ergeben sich unter realistischen Bedingungen folgende nderungen in den Behandlungskosten:
- Die Erhhung der Gesamtinvestition um 10 % ftlhrt zu einer Steigerung der
Behandlungskosten um etwa 18 DM/Mg auf etwa 241 DM/Mg.
- Bei einer kostengnstigeren Kreditaufnahme und Verzinsung (7 % statt 9 %)
knnen die Behandlungskosten um etwa 16 DM/Mg auf etwa 207 DM/Mg reduziert werden. Somit werden jhrliche Einsparungen bei einer Anlage von
20.000 Mgla im Bereich von etwa 320.000 DM/a mglich.
- Wird die Abschreibungsdauer des Bauteils und des verschleiarmen M + ETeils auf25 Jahre, des verschleiintensiven M + E-Teils und der Planungs/Neben-kosten auf 15 Jahre verlngert, errechnet sich wie bei der vorgenannten
652
250 ------------------------------------225
200
175
150
125
100~~----------+--------------r-------------~
1991
1992
--15.000 Mg/a
1993
--[Link] Mg/a
1994
Position eine Einsparung von etwa 16 DM/Mg. Die hier verkrzt dargestellte
Sensitivittsanalyse sollte ebenfalls bei einer Entscheidungsfmdung integraler
Bestandteil einer Kostenbetrachtung sein. Mgliche Kostennderungen, die
whrend des Realisierungsprozesses einer Behandlungsanlage zwangslufig
auftreten, knnen somit im Vorfeld einer Entscheidun~> transparent dargestellt
werden.
[Link]
Kosten und Preise
Die mitgeteilten Vorkalkulationswerte spiegeln nicht das tatschliche Preisniveau
der biologischen Abfallverwertung wider, da sich im Gegensatz zu den vorkalkulierten Kosten die Preise am Markt bilden und somit von weiteren Einflufaktoren
abhngig sind:
- Art der Ausschreibung: ffentliche Ausschreibungen fiir Dienstleistungsvetrge, bei denen der Bieter das Grundstck bereitstellt, die Anlage plant, baut und
betreibt und das Produkt vermarktet, tragen nicht zur Kostentransparenz und
-kontrolle bei. Im Einzelfall lt sich ber eine eigenstndige Kalkulation zeigen, da extrem gnstige Preise nicht die tatschlichen Kosten abdecken. Die
Motivation der Bieter scheint eher von strategischen Gesichtspunkten (Konzentration, Verdrngungswettbewerb usw.) geprgt zu sein, teilweise werden
Defizite kurzfristig ber Mischkalkulationen ausgeglichen.
- Sogwirkung nicht ausgelasteter Anlagen: Verschiedentlich wurden Bioabfallverwertungsanlagen zu gro ausgelegt, so da zur Senkung der Kostendefizite
Bioabflle anderer Gebietskrperschaften akquiriert werden. Je nach Kostendruck und Konkurrenzsituation fiihrt dies zu Preissenkungen. In Einzeltlilien
8.3 Aufbereitungsverfahren
653
250~~~~~+-~~~~+-~~~--
150
100.000
150.000
200.000
250.000
Ablagerungsmenge [m 3 /a)
Bild 8.33. Zusammenstellung der Investitionen fllr den Bau einer modernen Deponie nach dem
wurden Preise von 140 bis 175 DM/Mg einschlielich Transportkosten mitgeteilt. In diesem Zusammenhang kommt es dann auch zu Bioabfalltransporten
ber Lnder- und Staatengrenzen hinweg, da eine zunehmende Zahl von Bioabfallbehandlungsanlagen nicht ausgelastet ist.
- Anlagenberlastung: Durchsatzerhhungen ftlhren zur Senkung der spezifischen Betriebskosten, sind aber auch mit Problemen wie Geruch, Verkrzung
der Rottezeit usw. behaftet.
Die einseitige Ausrichtung von Entscheidungen zur Bioabfallverwertung amKriterium Preis kann eine Reihe von Nachteilen (Abhngigkeit, Umweltbelastungen
durch unntige Transporte, mangelhafte Qualitt der Produkte usw.) mit sich ziehen. Hier ist eine umfassende Abwgung ntig.
654
In dem Bild 8.32. werden von Kernet. al. [8.9] die Entwicklung der spezifischen
Kosten von Kompostierungsanlagen gezeigt.
8.3.7
Geordnete Deponie
Das technische Ausbaukonzept fiir bauliche Anlagen von Deponien ist in seinem
Umfang und in den bautechnischen Anforderungen in vielen Bereichen durch neue
Verordnungen auf einen hheren technischen Standard gebracht.
Dazu zhlen insbesondere die TA Siedlungsabfall ftlr den Deponiebereich sowie die Abwasserherkunftsverordnung, die allgemeine Rahmen-Verwaltungsvorschrift, die Mindestanforderungen und der Anhang 51 fiir die Sickerwasserbehandlung (1989).
Diese neuen hohen Anforderungen sowie die Baupreisentwicklung haben im Vergleich zum Aulagen-/Baukostenniveau 1985/87 zu einer Kostensteigerung von ca.
7 5 bis 80 % geftlhrt.
Die in Bild 8.33. dargestellten Investitionen sind als Kostenschtzungen, abgeleitet vom Baupreisniveau 1990/91, zu werten.
Hier nicht dargestellt sind die Betriebskosten und der Kapitaldienst sowie die
Aufwendungen fiir Entschdigung, Grunderwerb, weitergehende Behandlungssysteme und Verfahrenstechniken [8.15].
Neben den Investitionen und Betriebskosten werden auch fmanzielle Aufwendungen erforderlich sein, wenn die Deponie bereits verftlllt, abgedeckt und rekultiviert ist. Diese Deponiefolgekosten setzen sich aus Kosten fiir Wartung, Pflege,
berwachung, Emissionsbehandlung und ggf. Sanierungsmanahmen zusammen
[8.16].
[Link]
Zur Abschtzung des bentigten Kapitalbedarfs zur Errichtung der Deponie, der
kologischen Ausgleichsmanahmen und der zuknftigen Manahmen zur Rekultivierung und der Nachsorge sind die dargestellten Bauabschnitte in die einzelnen
kostenwirksamen Manahmen zerlegt und deren Kosten bestimmt.
Tabelle 8.12. Technische Daten als Grundlage fiir die Bestimmung des Anlagenkapitalbedarfs
einer Deponie
Technische Daten
Einheit
Wert
Abfalldurchsatz
[m3/a]
110 000,00
lnstall. Leistung
[KW]
50,00
1 000,00
Deponieflche
[m']
[m2]
Bauzeit
[a]
1,50
[a]
20,00
Umbauter Raum
200 000,00
8.3 Aufbereitungsverfahren
655
In der Tabelle 8.12. sind die technischen Grundlagen filr die Bestimmung des
Kapitalbedarfs aufgelistet. In der Tabelle 8.13. ist der Kapitalbedarf filr die Deponie mit 211,876 Mio. DM bestimmt.
Tabelle 8.13. Anlagenkapitalbedarfilir eine Deponie mit einer Einlagerungsmenge von 110 000
m3/a und einer Laufzeit von 20 Jahren (Preisstand Sept. 1990/91)
Anlagenbezeichnung
Grundstck
Standortsuche, Gutachten, Genehmigungsplanung
Kapitalbedarf
[DM]
10 000 000
6 900 000
Erschlieungskosten
2 350 000
Gebude
4 000 000
Basisabdichtung
22 000 000
Sickerwassersammlung
40 500 000
Sickerwasserbehandlung
Entgasung
45 000 000
Oberflchenahdichtung
39 000 000
Rekultivierung
Summe Bauteil
3 500 000
3 000 000
176 250 000
M + E Anlagengruppe
Fahrzeuge, VVaage
3 840 000
I 050 000
Summe
4 890 000
Finanzierung
Anlagenkapitalbedarf
10 745 000
191 885 000
[Link]
656
Bewuchs
2 DM/m 2
Rekultivierungsschicht 14 DM/m 2
7 DM/m 2
Entwsserungsschicht 18 DM/m 2
ggf. Trennvlies
mineralische
Dichtungsschicht
27 DM/m 2
Ausgleichs- und
Gasdranschicht
ggf. Trennvlies
20 DM/m 2
7 DM/m 2
Abfall
Summe 81-109 DMtm
2 DMtm
Bewuchs
Rekultivierungsschicht 14 DM/m 2
ggf. Trennvlies
Entwsserungsschicht
Betonitmatte
ggf. mit Schutzschicht
Ausgleichs- und
Gasdrnschicht
ggf. Trennvlies
7 DM/m 2
18
15
12
20
DM/m 2
DM/m 2
DM/m 2
DM/m 2
7 DM/m 2
Abfall
Dichtung (ca. 7 DM/m2). Die spezifischen Kosten liegen dann zwischen 101 und
134 DM/m2
8.3 Aufbereitungsverfahren
657
2 DM/m'
Bewuchs
Rekultivierungsschichl 14 DM/m'
ggf. Trennvlies
Kapillarschicht
aus Feinsand
7 DM/m 2
40 DM/m'
Kapillarblock
aus Grobsand
18 DM/m 2
Ausgleichs- und
Gasdrnschicht
ggf. Trennvlies
20 DM/m 2
7 DMtm
Abfall
658
Bewuchs
2 DM/m 2
Rekultivierungsschicht 14 DMtm
ggf. Trennvlies
7 DMtm
20 DM/m'
7 DM/m 2
Abfall
Summe 74-112 DM/m 2
dichtungsbahn (20 DM/ m2) und eine Drnschicht (18 DM/ m2) auf 94 bis
150 DM/m 2
Ein anderes Prinzip wird durch eine permanente berwachung der Oberflchenahdichtung verfolgt. Hier werden mgliche Undichtigkeiten der Kunststoffdichtungshahn bereits kurz nach Eintritt der Beschdigung und vor Entstehung des
Umweltschadens bemerkt und knnen repariert werden. Das berwachungssystem
ist ausreichend langlebig, wenn die [Link] ber einen Zeitraum von
mindestens 10 bis 15 Jahren gewhrleistet ist. Beschdigungen in der Kunststoffdichtungshahn entstehen im wesentlichen in der Einbauphase und in dem Zeitraum, in dem noch Setzungen/Sackungen stattfinden. Die Kosten liegen um ca. 15
DM/ m2 hher als bei der einfachen Kunststoffdichtungsbahn (siehe Bild 8.37.).
Die spezifischen Kosten betragen 89 bis 127 DM/m 2 [8.16].
[Link]
8.3 Aufbereitungsverfahren
659
10,20
9,80
M+E, [%]
24,72
1,50
Betriebskosten:
Reparatur und Wartung
Bau,[%]
M+E[%]
1,00
5,00
60 000,00
3]
Diesel, [DM/Mg]
2,40
980,00
1,00
15,00
1,00
Nachsorgemanahmen, [DM/Mg]
Tabelle 8.15. Ermittlung der kapitalabhngigen Kosten, der Betriebs- und Gesamtkosten einer
Deponie [DM/a] (gerundet), Preisbasis: 1991
I.
l.
Kapitalabhngige Kosten:
Annuitten
1075 000
Baufinanzierung
Bauteil,
17 272 000
I 209 000
M+E
Summe der Annuitten
....~.:.............Y.~~~~-~herung und Steuern
I.
Summe kapitalabhngige
Kosten
n.
1.
2.
19 556 000
3 178 000
Betriebskosten:
Personsalkosten (5 Personen)
Reparatur und Wartung Bau
M+E
Reparatur+ Wartung
300 000
I 762 000
244 000
2 006 000
3.
4.
5.
110 000
6.
270 000
7.
Rckstellung fr Nachsorge
110 000
8.
120 000
88 000
660
Tabelle 8.16. (Fortsetzung) Ermittlung der kapitalabhngigen Kosten, der Betriebs- und Gesamtkosten einer Deponie [DM/a] (gerundet), Preisbasis: 1991
li.
Betriebskosten:
5 % der Personalkosten
4 % von Pos. 2-6
III.
15 000
104 000
119 000
3 123 000
25 857 000
[Link]
Kosten und finanzmathematische Grundlage der Nachsorge [8.18}
Unter Beachtung des deponiespezifischen Nachsorgezeitraumes erfolgt die konkrete Kostemechnung differenziert nach:
- Anlagen der Bau-, Maschinen-, Elektro-, Me-Steuer-Regeltechnik
- Betriebliche Manahmen (Reparatur, Wartung, Kontrollen etc.)
Dabei werden Manahmen fr begrenzte Zeitrume, z.B. Manahmen zur Deponieentgasung bzw. praktisch unbegrenzte Zeitrume, z.B. Manahmen zur Sickerwasserentsorgung unterschieden. Die Kostenberechnung erfolgt fr die Einzelgewerke und betriebliche Manahmen in den jeweiligen Anfalljahren. Die
Rckstellungsberechnung zum Deponieende bzw. Ablagerungsende erfolgt auf der
Grundlage des festzusetzenden Zinssatzes durch Umrechnung der Einzelkosten in
"Kostenbarwerte" durch Diskontierung der Einzelkosten. Durch diese Methodik
werden die Zinsgewinne im Nachsorgezeitraum bis zum jeweiligen Ausgabenzeitpunkt bercksichtigt. Weitere Zinsgewinne, die bei der Rckstellungsbewertung zu
bercksichtigen sind, ergeben sich whrend des Deponiebetriebszeitraumes durch
die kontinuierliche Zufhrung der Rckstellungshhe bis zum Nachsorgebeginn.
Eindeutige diesbezgliche Regelwerte existieren bis zum heutigen Zeitpunkt nicht.
Besondere Bedeutung kommt dem festzusetzenden Zinssatz bei der Rckstellungsberechnung zu. Dieser ist insbesondere bei den langen Betrachtungszeitrumen, wie sie fr Nachsorgebetrachtungen blich sind, kaum kalkulierbar, so da
man hier aufWerte zurckliegender Jahre zurckgreifen mu.
Grundstzlich besteht die Mglichkeit der Berechnung mit:
- nominalem Zinssatz unter Bercksichtigung der Inflationsrate,
- realem Zinssatz bei Nichtbercksichtigung der Inflationsrate.
Der Ansatz des nominalen Zinssatzes bedeutet die Bercksichtigung von Preissteigerungen bei der Kostenberechnung. Einfacher ist hier der Ansatz des realen Zinssatzes. Unter der Voraussetzung, da die Differenz des realen zum nominalen
Zinssatz identisch ist mit der Inflationsrate, kann auf den Ansatz von Preissteigerungen bei der Kostenberechnung verzichtet werden.
Nachfolgende Graphik zeigt den Verlauf des Diskontierungsfaktors fr eine
Spannbreite des realen Zinssatzes von 3-5% ber eine Zeitdauer von 100 Jahren.
Es wird deutlich, da die Aufwendungen, die in einem groen zeitlichen Abstand nach der Stillegung der Deponie bzw. des Ablagerungsabschnittes liegen,
nur noch geringen Einflu auf die Rckstellungshhe aufweisen. Damit relativie-
8.3 Aufbereitungsverfahren
i-
0 ,9
0,8
-+-3%
----4%
-tr-5%
10
20
30
40
50
Zeitdauer (a)
60
70
80
661
I
I
~
90
100
Bild 8.38. Berechnung des Diskondierungsfaktors fiir reale Zinsstze von 3-5% fiir einen Zeitraum bis I 00 Jahren [8.18]
ren sich die Diskussionen bezglich des technisch erforderlichen Nachsorgezeitraurnes. Unter Bercksichtigung der erluterten finanzmathematischen Berechnungsgrundlagen sind Aufwendungen, die > 80 Jahre nach Betriebsende der Deponie bzw. des Ablagerungsabschnittes entstehen, fiir die Hhe der erforderlichen
Rckstellungen vemachlssigbar.
Die Rckstellungshhe zum Deponieende bzw. zum Ende des jeweiligen Ablagerungsabschnittes errechnet sich aus den erforderlichen Aufwendungen fiir Investitionen und betrieblichen Manahmen im gesamten Nachsorgezeitraum. Nachfolgend werden die Rckstellungswerte als spezifische Kosten bezogen auf das
gesamte Deponievolumen verschiedener Deponien dargestellt.
- Deponie A: ca. 17,00 DM/m3
- Deponie B: ca. 15,00 DM/m3
- Deponie C: ca. 22,00 DM/m3
Deutlich hhere Kosten knnen sich durch Einbeziehung von Altbereichen, fiir die
in der Praxis zur Erfiillung der Anforderungen des aktuellen Standes der Technik
in der Vergangenheit des fteren zu geringe Rckstellungen gebildet wurden,
ergeben.
Hier sind in Abhngigkeit der rtlichen Randbedingungen Werte von > 40
DM/m3 erreichbar. In der Literatur werden spezifische Rckstellungen von 21 bis
46 DM/m 3 genannt.
Bei einer Investition von 20,0 Mio DM fiir ein Obertlchenabdichtungssystem,
die bei Aufbringen der Dichtung auf den Deponiekrper direkt nach Betriebsende
unmittelbar in die erforderliche Rckstellungshhe als Barwert einfliet, ergeben
sich zustzlich erforderliche Rcklagen fiir eine Reininvestition nach 50 Jahren in
Hhe von ca. 4,2 Mio DM (Grundlage: realer Zinssatz von 4 %). Dies entspricht
zustzlich ca. 20% bezogen auf die Erstinvestition [8.18].
662
8.4
Vergleich der verschiedenen Entsorgungsverfahren
Die mechanische Sortierung der im Restmll enthaltenen Rohstoffe stellte sich
sehr viel schwieriger heraus als erwartet. Sind die vielfaltigen Bestandteile des
Hausmlls erst einmal miteinander vermischt, hngen die Recyclingmglichkeiten
entscheidend davon ab, wie gut die einzelnen Fraktionen z.B. Papier, Glas, Aluminium und Kunststoffe separiert werden knnen. Da in den Abfallaufbereitungsanlagen im wesentlichen Zerkleinerungs-, Mischungs- und Trennvorgnge durchgefiihrt werden, wird mit den verfahrenstechnischen Kennzahlen "Ausbeute,
Selektivitt und Reinheitsgrad" unmittelbar ein Ma fiir die Aufbereitungsqualitt
gegeben. In den Produktstrmen werden aufgrund unvollkommener Trennleistungen des Verfahrens neben der gewnschten Fraktion stets stofffremde Anteile
gefunden. Dabei erweist sich die bestehende nur mechanische Aufbereitungstechnik als weitgehend ungeeignet, Stoffe selektiv und mit hohem Reinheitsgrad wiederzugewinnen. Aus den ursprnglich komplexen Technologien haben
sich in den letzten Jahren robuste und einfache Verfahren herausgebildet, die nach
zwei Gesichtspunkten arbeiten:
- Die getrennte Wertstofferfassung, die nach den Modellen in der Biotonne, Gelbe Tonne, Papier- und Glascontainer etc., die mit einer einfachen, nachgeschalteten mechanischen und/oder hndischen Aufbereitung arbeiten. Neben
vielfaltigen Wertstoffen wie Glas, Papier, Pappe, Kunststoffe, Metalle etc. ist
ein schadstoffarmer Kompost wiederzugewinnen.
- Kombinierte mechanisch/Restabfallsortieranlagen, bei denen die Wiedergewinnung der im Abfall vorhandenen Anteile an Pappe, Papier, Folien und Textilien
etc. als Brennstoff separiert werden. Neben stofflich verwertbaren Metallen
kann Altholz sowohl stofflich als auch thermisch genutzt werden.
Fr die Abfallverwertung stehen somit drei Sortier- und Erfassungsmglichkeiten
zur Verfiigung, die in einem Kuppelproduktproze jeweils einen der drei Hauptprodukte herstellen knnen:
- Rohstoffe wie Papier, Pappe, Folien, Metalle etc.,
- Brennstoff,
- Kompost als organischer Bodenverbesserer.
Je nach Sortier- oder Sammelverfahren entstehen Nebenprodukte, die energetisch
als Bodenverbesserer oder Rohstoffe genutzt werden knnen oder deponiert werden mssen. Daraus ergibt sich, da die verschiedenen abfallwirtschaftlichen
Hauptverfahren nicht prinzipiell im Gegensatz zueinander stehen, wie die politische Diskussion suggeriert, sondern sich gegenseitig ergnzen. Welchen Kombinationsmglichkeiten im jeweiligen konkreten Fall der Vorzug zu geben ist, wird
durch die gesetzlichen Regelungen, die geographische Lage, die Gewerbe- und
Siedlungsstruktur, den Absatzmarkt fiir die Produkte, der Organisationsform und
die Finanzierungsmglichkeiten bestimmt.
Bei einem wirtschaftlichen Vergleich der verschiedenen Verfahren und Organisationsmodelle zur Erfassung und Behandlung von Abfallen knnen hier nur die
663
8.4.1
Reduktion der Restabfallmengen
Durch die getrennte Sammlung von Wertstoffen werden groe Anteile in den
Verwertungskreislauf zurckgegeben.
Das DSD hat aufgrund der Untersuchung der AbflUle aus verschiedenen Stdten
und Gemeinden [8.5] fiir 1996 Verkaufsverpackungen haushaltsnah von 55,9
kg/E.a gesammelt.
Die durchschnittlichen Entsorgungskosten fiir die Verkaufsverpackungen sind
im Bild 8.39. dargestellt.
Tabelle 8.17. Spezifische Erfassungsmengen durch die getrennte Sammlung von Wertstoffen aus
Haushalten fllr 1996
Spannbreite: stdtisch-lndlich 0BRD
[kg/E*a]
[kg/E*a]
Glas
23,8-42,4
32,5
Graphische Papiere
41,0- 51,1
45,7
Verpackungspapiere
10,2- 13,8
12,8
Leichtverpackungen
4,6- 16,4
38,0- 159,0
10,6
66,7
Biotonne
Gesamtreduktion BRD
168,4
Tabelle 8.18. Kosten der Bioabfallerfassung und Behandlung [8.18] (Preisbasis 1995)
Bioabfall
stdtisch
lndlich
70 kg/E*a
120kg/E*a
11,20
19,20
14,00
24,00
Gesamtkosten [DM]
25,20
43,20
Damit betragen die Einnahmen ber den Grnen Punkt in Deutschland knapp
4 Mrd. DM. Dem gegenber stehen mittlere Abfallgebhren in Deutschland (ftlr
Haus-, Sperr- Bioabfallentsorgung, Beratung, Schadstoffsammlung etc.) von ca.
I 00-150 DM/(E*a).
664
70 r----------------------------------------- -,
60 1- - - - - - - - - - - - - - -
50 +--------------------
JG
w
:i
0
40
30 +---r.o~.,---1
20
10
0 ~~~~~-~-L--r~~~--+-~~~-+-~~L-~
1992
1993
1994
1995
1996
Jahr
Bild 8.39. Durchschnittliche Entsorgungskosten filr Verkaufsverpackungen [8.20]
Die Kosten der Biotonne ergeben sich bei einer 14-tgigen altemierenden Abfuhr
ftlr Restabfall und Bioabfall wie folgt nach Doedens [8.19]
Die Kosten ftlr die Sammlung von graphischem Altpapier in Depotcontainern
sind in der folgenden Tabelle dargestellt [8.1 0).
Tabelle 8.19. Erfassungskosten filr graphisches Papier- getrennterfat
Depotcontainer
Blaue Tonne (2401 MGB)
Recyclinghof
Stadt
Kleinstadt
Land
[DM/kg]
[DM/kg]
[DM/kg]
60,00
140,00
70,00
150,00
110,00
60,00
8.4.2
665
600
\
\\~u
::!:
..... 500
::!:
r--~-\-4-----+--
400
"'
~
"'~
::a=
=
lU
"'
+----"~!-+---_ -- . .
--f--------4
+ - - -kA+BRAM+therrnische Behandlung -
lU
I:
+--
---~-----
'
=...
MVA -----1------+-----1
300
.c 200
.c
- - - + - - - --
~\
100
'j;j
4>
Q,
rn
100.000
200.000
300.000
400.000
-+-+--
500.000
Durchsatz IMglaJ
Bild 8.40. Vergleich der spezifischen Behandlungskosten der MBA (mit BRAM extern), Thermische Beseitigung (extern), Schlackedeponie und der MV A auf dem Rost ohne Bercksichtigung der Erlse in Abhngigkeit vom Durchsatz (Preisbasis 1997)[8.14]
Wie in den vergangenen Kapiteln ausfuhrlieh geschildert wurde, liegt eine in Art
und Umfang differenzierte Abfallproblematik vor, die somit einer ebenso differenzierten Problemlsung bedarf. Ein Abfallentsorgungssystem mu dieser Komplexitt des Abfallproblems entsprechen, indem es verschiedene Einzelverfahren
und Manahmen in ein sinnvolles Gesamtkonzept integriert.
Zur Zeit verpflichtet das Abfallgesetz des Bundes die Landkreise zwar noch
nicht zur Erstellung eines umfassenden, umweltfreundlichen und wirtschaftlichen
Abfallentsorgungskonzeptes, dennoch wird dieses aus praktischen und kommunalpolitischen Grnden notwendig. Daher haben einige der Lnder-Abfallgesetze
diese Lcke durch entsprechende Verpflichtungen an die entsorgungspflichtigen
Krperschaften geschlossen. In der 5. Novelle des AbfG ist dies jedoch z.Z. vorgesehen.
Ein Landkreis kann eine zukunftsweisende und effektive Entsorgung nur gewhrleisten, wenn dabei jede Stadt/Gemeinde ihr Konzept fiir das Einsammeln
und den Transport frhzeitig mit den Entsorgungsabsichten des Kreises abstimmt.
Diese notwendige wechselseitige Abstimmung der Manahmen ist mit einem
integrierten Abfallentsorgungskonzept gut zu erreichen.
Neben der Entsorgung von Siedlungsabfllen, Boden, Bauschutt, Baustellenabfllen, Produktionsabfllen aus Industrie und Gewerbe werden Problemstoffe wie
z.B. Klrschlamm, Altl oder Sonderabflle in dieses Entsorgungskonzept eingebunden [9.1].
Optimal ist ein integriertes Entsorgungskonzept, wenn es mit Manahmen der
Abfallvermeidung beginnt, kologisch und konomisch sinnvolle Elemente der
Altstoffsammlung und -Verwertung umfat, eine gezielte Aufbereitung und Sortierung der Abflle einschliet und den verbleibenden Restmll in eine inerte, endlagerungsfhige Form bringt [9.1, 9.2, 9.4, 9.5].
Eines der jngsten Beispiele ist das Umwelt- und Recyclingzentrum (URZ) in
Berlin, das neben einer Restmllverbrennungsanlage mit Kraft-Wrme-Kopplung
ber eine Biokompostierungsanlage, eine Gewerbeabfall- und Baustellenmischabfallsortieranlage, eine Bauschuttaufbereitungsanlage, eine Anlage zur Autodemontage sowie zur Entsorgung von Khlgerten und weier Ware, eine Anlage
zur Vergrung von vegetabilen Abfllen, eine
nachemische Bodenreinigungsanlage, eine Anlage zur Verwertung von Speiseresten und zur Kunststoffaufbereitung, eine Shredderanlage sowie ber eine Anlage zur Demontage
von Elektronikgerten verfgt (Bild 9.1 ). Die Vorplanungen wurden 1992
668
Standortunabhngige Aufstellung
fQr ein idealtypisches URZ
Gesamtflche : 9Q-100 ha
Sdione
Demontogeonloge
for Altautos
Bioobfolkompostierungsanlege
17,5ho
Shredderalloge
Verg0"111QSonloge
far vegetabile
gewerbliche
Abfdle
Anlage
zur Demontage
von KOhlgeraten
und "Weier Ware"
Bodenreinigungsallegen
Demontageanlage
far Elektronikerzeugnisse
Aufbereitungsonloge
far Altholz
zur
Verwertung von
Speiseresten
Anlage
Sortierenloge far
Haus-, Gewerbe- und
BoustelenmischobfOIIe
Anlage zur
Kl.l'lStstoffoufbereitung
Bouobforecyclinga'lloge
Bild 9.1. Anlagenkonfiguration eines von INTECUS geplanten "idealtypischen" Umwelt- und
Recyclingzentrums [9.6]
abgeschlossen, und 1993 wurde dieses Vorhaben mit der Standortoptimierung und
Betreibersuche fortgesetzt.
Ein integriertes Entsorgungssystem ist jedoch immer auf die speziellen Gegebenheiten des Planungsgebietes auszurichten, weshalb es kein allgemeines Patentrezept filr ein solches System gibt. Es mu vielmehr fiir jedes Planungsgebiet ein
eigenes, speziell angepates und damit optimales Entsorgungssystem erstellt werden, um den vielfaltigen Anforderungen gerecht werden zu knnen.
Zur Erstellung eines Entsorgungskonzeptes sind verschiedene Planungsschritte
erforderlich, die im folgenden erlutert werden.
9.1
Ziel des Entsorgungskonzeptes
Zunchst mu eine Zielrichtung als Grundlage der Konzeptplanung bestimmt
werden. Whrend sich die verschiedenen Konzepte in Einzelheiten unterscheiden,
liegt allen Konzepten die bereits mehrfach zitierte Zielhierarchie zugrunde:
- Abfallvermeidung und -Verminderung,
- Abfallverwertung,
- Abfallablagerung und -beseitigung.
Die Zielvorgaben werden auf die kurz- und mittelfristige sowie auf die langfristige
Planung bezogen.
Whrend die Zielhierarchie langfristigen Bestand hat (qualitative Vorgabe), sind
die Verfahren zu ihrer Umsetzung sowie die Zielerreichungsgrade (quantitative
Vorgabe) einem steten Wandel unterworfen. Das bedeutet filr das Konzept, da es
stets fortgeschrieben werden mu und zwar sukzessive mit dem Erreichen der
Abfallaufkommen
Ist -Zustand
Sammalsysteme und
Anlagen Ist- Zustand
-Mengen
- raumlieh
Inhalte, Struktur
(Probeverwertung)
- raumlieh
-Technologie. Verfahren
-Kapazitt
- Restlaufzeit
~
KOnftlge Entwicklung des
Abfallaufkommens
Vorhandene Planungen
- Vernderungen MVA
- Umladestationen
-Mengen
-Struktur
_j
Dokumentation und
Bewertung von Verfahren
und Technologien
- Sammelsysteme
- Sortierverfahren
''!
Wertstoffabsatz
- Marktsituation fr einzelne
Wertstoffe
Papier
Glas
Kunststoff
Planungsvorschlag
bertragbarkeit
Bild 9.2. Vorgehensweise und Arbeitsschritte ftir die Erstellung eines integrierten Entsorgungskonzeptes [9.3]
Tabelle 9.1. Zielvorgaben ftir ein Abfallentsorgungskonzept des LandkreisesUnna von 1986
[9.1]
Ist-Zustand
[Gew.-%]
Abfallvermeidung
Stoffliche Verwertung
Thermische Verwertung
Reststoffablagerung
0
4
25
77
Kurz-/mittelfristige
Zielvorgabe
[Gew.-%]
Langfristige
Zielvorgabe
[Gew.-%]
10
25
25
40
54
303
27
ca. 1/4 des Verbrennungsinputs fllt als Reststoff(Schlacken und Stube) an;
entspricht bei 25 % = 6 % und bei 30 % = 7 %
669
670
9.2
Bestandsaufnahme (Ist-Zustand)
Diese Phase beinhaltet die Zusammenstellung der Datengrundlage ftir die Planung. Die Datengrundlage umfat:
- Abfallzusammensetzung, Abfallmengenstrme und -entwicklung,
- Abfallsammlung und -sammeleinrichtungen,
- Abfallbehandlungsanlagen der Regionen,
- Entsorgungsverfahren ftir die verschiedenen anfallenden Abfalle.
Neben der Ermittlung der Abfallzusammensetzung und der -mengenstrme
kommt der Abfallmengenentwicklung in der Vergangenheit eine besondere Bedeutung zu. Die Abfallmengenentwicklung dient sowohl zur berprfung vergangeuer Prognosen als auch als Basis ftir zuknftige Entwicklungen des Abfallaufkommens. Dabei sollte die Interpretation der Abfallmengenentwicklung hinsichtlich ihrer Plausibilitt untersucht werden, damit Fehlinterpretationen mit weitreichenden Planungsfolgen mglichst vermieden werden.
Die Darstellung der Abfallsammlung und -sammeleinrichtungen lt Rckschlsse auf die Effizienz bisher verwendeter Sammeleinrichtungen zu und dient
derErrechnungwichtiger spezifischer Parameter wie z.B. exakter Erfassungsquoten in Abhngigkeit von Siedlungsstruktur, Sozial- und Altersstruktur sowie vom
Behltersystem. Diese Daten sind im Hinblick auf die zunehmend getrennte Erfassung verschiedener Komponenten des Hausmlls unerllich. So haben schlecht
augepate Sammelsysteme negative Rckwirkungen auf Quantitt und Qualitt
der erfaten Fraktionen und damit auf die Wirtschaftlichkeit sowie auf die Motivation der Abfallerzeuger zur Folge. Die wesentlichen Faktoren zur Beeinflussung
der Teilnahme des Abfallerzeugers an der getrennten Sammlung sind im Bild 9.3.
dargestellt.
Ein berblick ber die angewendete Verfahrenstechnik und den Durchsatz der
bestehenden Abfallbehandlungsanlagen gibt Aufschlu ber die Anlagentechnik
im Hinblick auf den allgemeinen Stand der Technik, ber die Auslastung der Anlage, altersbedingte erforderliche Modemisierungsmanahmen sowie die noch zu
erwartende Lebensdauer der Anlage. Auf Grundlage dieser Daten und der zuknftigen Abfallmengenentwicklung werden schlielich die neu zu errichtenden Anlagen ausgelegt.
Die Darstellung der Entsorgungsverfahren fiir einzelne Abfallarten ordnet die
Abfallfraktionen den einzelnen Entsorgungsanlagen zu und ermglicht somit auch
eine qualitative Beschreibung der Abfallmengenstrme.
Ziele
Organisatorisches
HandlungsansprOche
Ressourcenschutz
Landschaftsschutz
Umweltschutz
Recydingwerbend
Auswirkungen auf
Umwelt, Mllabtuhr
Monostoffl<onstruktionen
Mehrfachvetwendung
Verwertung
Mehrfachfunktionen
Gewinnverwendung
Sekundarrohstoffprodukte
Systembehalter in
der Wohnung
Medien
einfache Entleerung
keine strenden Einfle
BehaHerkapazitat
soziale SchichtzugehOrigkeit
Bildungsniveau
HaushallsgrOe
Auslandoranteil
Bild 9.3. Motive und Einflufaktoren bei der Teilnahme zur getrennten Sammlung [9.7)
9.3
671
672
Baugewerbe
Produktion
und
Landwirtschaft
Rest
Isauschult
inerte Reststoffe
'
Deponie
Gewerbe
Wertstoffe
--
I Sondermll- ]
besettigung
Kompost
9.4
Abfallentsorgungskonzept (Soll-Zustand)
Auf der Grundlage des Datenmaterials wird nun ein integriertes Entsorgungskonzept abgeleitet und vorgeschlagen. Dazu werden verschiedene Entsorgungsvarianten hinsichtlich regionaler Lage, Entsorgung, Transport und Kosten eines Behandlungssystems unterschieden und bewertet.
Die empfohlenen Manahmen zur qualitativen und quantitativen Abfallvermeidung und -verwertung sowie zur Entsorgung der Restmassen und Problemabflle
werden nacheinander erlutert und Bilanzen ber die jeweils zu erwartenden Abfallpotentiale erstellt. In Bild 9.4. und Bild 9.5. werden schematisch Beispiele
integrierter Abfallentsorgungskonzepte gezeigt.
Ein weiteres Beispiel einer integrierten Entsorgung sind sog. Branchenkonzepte. Danach werden Abfalle aufgrund einer gleichartigen Beschaffenheit hinsichtlich ihrer Art oder ihrem Gefiihrdungspotential fr die Umwelt gemeinsam
erfat. So sind Kleinbetriebe meist Anfallstellen eines weiten Spektrums von
problematischen Abfallen in Klein- und Kleinstmengen. Es knnen etwa 40 Branchen identifiziert werden (Uhrmacher, medizinische Praxen, Maler, Friseure, KfzWerksttten, Gebudereiniger, Reinigungen, Tankstellen, Tischler, Fotografen
etc.), die gefhrliche Abfalle entsorgen mssen. Die Entsorgung dieser Abtalle
wird heute leider immer noch weitgehend gemeinsam mit dem Hausmll bzw.
V
D
........,
l_ ___ _l
Klrwerk
Mllabfuhr
StadtGraz
673
85%
,
li
Klrschlammentwsserung
15%
Aufbereitungsanlage
Deponlegut 3- 5%
r --
-"
Kompostieran Iage
Kompost-
Rohfraktion
-45- 50 o~
!3-5%!
l_ _~:~~-~~~~~-~~--___i~l___ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _~~=::~:~:~----------------------------'
674
4. Die sortenreinen Abflle werden zusammengefat und in entsprechenden technischen Einrichtungen verwertet bzw. einer abfallartenspezifischen Behandlung
unterzogen.
9.5
Organisatorische, finanzielle und rechtliche Manahmen
ffentlichkeitsarbeit
Fr die erfolgreiche Umsetzung des Abfallentsorgungskonzeptes kommt einer
intensiven ffentlichkeitsarbeit eine groe Bedeutung zu. Daher werden in diesem
Planungsabschnitt zunchst gngige Mittel der ffentlichkeitsarbeit aufgezeigt. Es
wird dargelegt, welche Erfahrungen mit einzelnen Manahmen vorliegen, welche
dieser Manahmen im Planungsgebiet bereits durchgefhrt werden und welche
Manahmen konkret umgesetzt werden sollen.
Personalausstattung
Die Erfordernisse an die Personalstruktur ergeben sich aus den einzelnen Punkten
der Sollkonzeption ( vgl. Kap. 9.4) sowie aus ausgewhlten Manahmen im Hinblick auf die ffentlichkeitsarbeit. Es wird festgelegt, wieviel Personal im einzelnen in den Bereichen
- Abfallberatung in Haushalten, Gewerbe, Handel, Dienstleistung,
- Abfallberatungs- und -verwertungszentren,
- Verwaltung,
- Anlagenplanung und -betrieb
eingesetzt werden sollen.
Finanzielle und rechtliche Manahmen
Um das Abfallentsorgungskonzept satzungsrechtlich umzusetzen, werden nderungs- und Ergnzungswnsche der bestehenden Abfallbeseitigungssatzungen
formuliert. Weiterhin sind ggf. gebhrenrechtliche Regelungen erforderlich, die
ebenfalls erlutert werden (
Bild 9.6).
Zeitliche Realisation
Abschlieend wird der Ablaufplan ber die zeitliche Umsetzung der einzelnen
Elemente des Planungskonzeptes erlutert. Dieser Ablaufplan gibt einen berblick darber, wann bestimmte zur Umsetzung des Konzeptes notwendige Entscheidungen getroffen sein mssen. Die Aufstellung eines solchen Planes dient
daher u.a. zur Vermeidung von Zeitverzgerungen bei der Realisierung des Konzeptes.
675
9.6
Klassische Gebhrensysteme
Im allgemeinen wird in den Landesabfallgesetzen geregelt, da die entsorgungspflichtigen Krperschaften durch Satzung ftir die Grundstcke ihres Gebietes den
Anschlu an die Einrichtungen der Abfallentsorgung und die Benutzung dieser
Einrichtungen regeln. Dafr sind Benutzungsgebhren zu bezahlen. In der Vergangenheit haben sich zwei klassische Gebhrenumlagesysteme herausgebildet, die als
Pauschal- und als Wertmarkensystem allgemein bekannt geworden sind. In den
alten Bundeslndern hat sich in den 70er und 80er Jahren das Pauschalsystem
durchgesetzt. In den neuen Bundeslndern fand dagegen die Wertmarke eine weite
Verbreitung. Diese zwei klassischen Gebhrenumlagesysteme weisen jedoch
verschiedene Vor- und Nachteile auf, so da seit Ende der 80er Jahre zunehmend
andere Gebhrensysteme erprobt werden.
Beim klassischen Pauschalsystem wird je Bemessungseinheit (z.B. je Einwohner oder je Abfallbehltertyp) pauschal eine Gebhr erhoben. Der Brger bezahlt
die Gebhr unabhngig vom Umfang der Inanspruchnahme der angebotenen
Dienstleistungen. Im allgemeinen wird das Abfallbehltervolumen so gro dimensioniert, da der einzelne Durchschnittsbrger seine Abflle ohne Platzprobleme in
den Abfallbehlter eingeben kann. Durch die Anwendung der pauschalen Umlage
mit grozgig dimensionierten Abfallbehltern sind die frher hufig anzutreffenden ungeordneten wilden Ablagerungen drastisch zurckgegangen. Das zunehmend abfallbewute Verhalten vieler Brger fhrt dazu, da das Abfallaufkommen
der einzelnen Brger sehr unterschiedlich sein kann. Bei der pauschalen Gebh-
~
r
MVA
Bio. Abfall
Bau Abfall
Demontage
- Entsorgungspflicht
- Know-how
- Finanzierung
Finanzierungskonzeptkonzept
Fond-Modell
Leasing
Leasing
Konventionell
Leasing
- Hohes Finanzaufkommen
- Ausgestaltungsmglichkeiten
Hohe WettbewerbsIntensitt
Einbindung in
Baustoffkreislauf
Hoheitliche Aufgabe
Bundesweite
Rcknahme
verordnung
Frderprogramme
Hoher Wettbewerb
Frdermglichkeit
676
Prozent
Prozent
677
9.6.2
Modernes Gebhrensystem
678
(u U. Verwiegung)
(oder Volumenbestimmung)
mobile Datenerfassung
Datenbergabe - - -
(Schninstelle)
679
Kosten (DM)
.....
Gesamtkosteneinsparung
650 TDM/a
Gesamtkosten
..
Kosteneinsparung
Personal u. Fuhrparl<k.
1.340 TDM/_a
.. ..
l.... .. ....
~
-------Zustandsbereich
nach Einfhrung
des CAS in Dresden
, , ",
........
...... .
,
Investitionskosten
--,
zustzliche
Investitionskosten
690 TDM/a
x
gering
~.
Personal- u.
Fuhrparkkosten
Optimum
Automatisierungsgrad
>
hoch
Bild 9.9. Prognose des Kostenverlaufs bei der Einfuhrung eines CAS in Dresden im Jahr 1993
680
Restmllmenge
kg/(E*Wo)
7,0
6,0
Abrechnung 1991
nach dem Wahrscheinlichkeitsmastab
mit Wertmarken
Fugnheim
Neuhofen
Haloch
Abrechnung 1991
nach dem Wirklichkeitsprinzip
mit Verwiegung
Barkheim
Billigheim
Bild 9.10. Mengenreduzierung beim Wechsel von pauschalen zu verursachergerechten Abrechnungen nach dem Wahrscheinlichkeits- und Wirklichkeitsmastab in den Jahren 1990/92
beschreitenden Wege kann das Abfallaufkommen zuknftig auch in Growohnanlagen positiv beeinflut werden.
9.6.3
681
sich die Brger in den verdichteten Gebieten hnlich wie in den Gebieten mit
Einzelhausbebauung.
Fr die individuelle Abfallerfassung sind die bisherigen Abfallbehlter zu modifizieren oder neue technische Systeme einzufhren.
[Link]
2. Gruppe- Schleusensysteme
Durch Anbringen von einzelnen oder mehreren Schleusen mit jeweils definierten
Volumina (z.B. 5 I oder 10 I etc.) ist der freie Zugang an die Abfallbehlter [Link] nicht mehr mglich. An die Nutzer (Mieter) werden Zugangsberechtigungssysteme (z.B. Chips, Chipkarten, Magnetkarten o..) verteilt, die gleichzeitig
fr die Abrechnung herangezogen werden. Abgerechnet wird nach Hufigkeit der
Schleusenbenutzungen unter Bercksichtigung des Schleusenvolumens.
Diese Gruppe ist zur Zeit die Bedeutendste und unterteilt sich je nach Ausfhrungin
- Aufsatzsysteme am Behlter,
- Boxsysteme mit herkmmlichen Behltern und
- ber- sowie Unterflur-Containersysteme.
3. Gruppe- Volumenmesysteme
Bei diesen Systemen ist ebenfalls fr die Benutzung ein Zugangsberechtigungssystem erforderlich. Nach der Identifizierung wird eine grozgig dimensionierte
Schleuse geffnet, der Abfall hineingegeben und die Schleuse geschlossen. Durch
Zusammenpressen bis zu einem definierten Grenzdruck wird der Abfall zusammengeschoben. Das verbleibende Volumen wird den Nutzern zugeordnet und zur
Gebhrenbemessung herangezogen. Zur Zeit ist nur 1 Volumenmesystem am
Markt bekannt.
4. Gruppe- Verwiegesysteme
Bei diesen Systemen ist ebenfalls ein Zugangsberechtigungssystem erforderlich.
Nach der Identifikation sind die Abfallbehlter entweder frei zugnglich oder ber
grozgig dimensionierte Schleusen zu bedienen. Bei diesen Systemen werden die
682
eigenes
VolumenBehltervolumen messung
fr jeden Haushalt
Verwiegung
LUFB
CONTAINER mit
An bau/Aufsatz
LSAV
Schleuse
Aufsatz am MGB 1,1
I
[
STABE
IBP/IOMEGA
WESOMA
CSL
WOLFF
CONTAINER mit
An bau/Aufsatz
LAVERMANN
683
Vorteile
Vorfinanzierung -Vorfinanzierung
und Entwertung -Zugang aufbestimmte Personen
bei Benutzung
begrenzt
Bezahlung bei
Benutzung
Identifikation
bei Benutzung
und nachtrgliche Veranlagung
Nachteile
-Vertrieb mu installiert werden
-hohe Kosten je Chip bzw. Karte
-Mikrochipkarte ist geldhnlich,
deshalb Diebstahlgefahr
[Link]
Erfahrungen aus den bisherigen Versuchen
Es sind seit 1995 eine Reihe von Modellvorhaben zur Umsetzung einer verursachergerechteren Abfallerfassung und Abrechnung in Growohnanlagen durchgefiihrt worden.
Entwicklung des Restabfallaufkommens
Bei allen durchgefiihrten Modellvorhaben war eine deutliche Reduzierung der
Restabfallmengen feststellbar. Allgemein war zu verzeichnen, da je grer der
finanzielle Anreiz, desto grer der Rckgang bei den erfaten Restabfallmengen.
In der Tabelle 9.3. sind einige ausgewhlte Beispiele dargestellt.
Die Ursachen fiir die Entwicklung der Restabfallmengen sind:
- Verringerung des Anteils der Wertstoffe im Restabfall,
- Unterbindung von Restabfallimport nach Installation der Systeme,
- Verschiebung der Abfallstrme bei Mietern mit Garten,
- Verschiebung von Restabfllen hin zu den sperrigen Abfllen,
- Abfallvermeidung im Zuge der durchgefiihrten ffentlichkeitsarbeit und
- Abfallexport whrend der Modell vorhaben.
Am Beispiel Dresden sei aber angemerkt, da der Abfallexport eine untergeordnete Rolle spielte.
684
System
Restabfall
Iststand
[kg/(E*a)]
Restabfall
Versuch
[kg/(E*a)]
Rckgang
um
[%]
Quelle
Dresden
Hoyerswerda
Hoyerswerda
WOLFFa
178
27!
210
31,41/Wo
228
30
81
83
70
56
> 38
94
[9.13]
[9.14]
[9.14]
[9.16]
[9.17]
Jena
Schwerin
STABE"
UFBb
IBPIIOMEGA"
WES OMA"
93
<121/Wo
14
Schleusensystem
Verwiegesystem
685
Es konnte in den Modenversuchen gezeigt werden, da fiir die Mieter in Growohnanlagen trotz erhhter Aufwendungen flir das System und die Abrechnung
reale Einsparmglichkeiten gegeben sind. Mit einer verstrkten Umsetzung ist in
den nchsten Jahren zu rechnen.
Literatur
Kapitel 1
1.1 Hsel, G.: Beseitigung von Abfallstoffen aus der Sicht der ffentlichen Gesundheitspflege
(Kennz. 0120). Hsel, Schenkel, Bilitewski, Schnurer: Mll-Handbuch. Berlin: Erich
Schrnidt Verlag 1991
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Prentice-Hall International, lnc. 1981
N.N.: Leitlinien der Bundesregierung zur Umweltvorsorge durch Vermeidung und stu1.3
fenweise Verminderung von Schadstoffen. Leitlinien Umweltversorgung. Bundesdrucksache I 0/6028 vom 19.09.1986
Strebe!, H.: Umwelt und Betriebswirtschaft- Die natrliche Umwelt als Gegenstand der
1.4
Unternehmenspolitik Berlin: Erich Schrnidt Verlag 1980
Wicke, L.: Umweltkonomie- Eine praxisorientierte Einfiihrung. Mnchen: Verlag Franz
1.5
Vahlen 1982
Schrnalenbach, E.: Selbstkostenrechnung I. Zeitschrift fiir handelswissenschaftliche
1.6
Forschung (1919) 265
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Kapitel 5
5.1
5.2
5.3
5.4
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5.6
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5.9
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Marburg-Biedenkopf: Landratsamt Marburg 1989
5.90 INTECUS: Gewerbe- und Sperrmllanalyse in Heidenheim!Ulm zur Errichtung einer
Sortieranlage: Landratsamt Heidenheim 1985/86
5.91 Bilitewski, B.; Marek, K.; Hrdtle, G.; Schulz, A.: Bauschutt- und Asphaltrecycling Grundlagen- Technik- Wirtschaftlichkeit. Beiheft zu Mll und Abfall 23 (1986)
5.92 N.N.: bersicht ber Verfahren zur Spaltung von l/Wasser-Emulsionen. UTZ- Materialien 5: Frankfurt 1988
5.93 Schulze, J.: Entwicklungstendenzen zu einer rckstandsfreien oder rckstandsarmen
Chemieproduktion. Mll und Abfalll (1987)
5.94 INTECUS: Entsorgungsstruktur und Lsungen auf dem Gebiet der Sonderabflle in den
Wirtschaftszweigen
Httenindustrie,
Chemische
Industrie,
Metallbeund
-Verarbeitung (Gromengenkonzept): Umweltbehrde Harnburg 1989
5.95 Ozenski, B.v.: Stand und Mglichkeiten der Klrschlammbehandlung und -verwertung in
der Bundsrepublik Deutschland. Berlin: INTECUS 1987
5.96 N.N.: Informationsschrift Verwertung von festen Siedlungsabfllen (Kennz. 2990). Hsel/SchenkeVSchnurer: Mll-Handbuch. Berlin: Erich Schmidt Verlag 1991
5.97 CEPI: European List of Standard Grades of Recovered Paper and Board, Brussels,
[Link]-org., Februar I 999
5.98 INTECUS: Einflu der Entsorgungskosten von Hausmll in der Bundesrepublik
Deutschland. Im Auftrag des VDP Berlin 1989
5.99 Faltin, M.: Mglicher Beitrag der altpapierverarbeitenden Papierfabriken zur gesicherten
Altpapierentsorgung der bayerischen Kommunen. Mnchen: Papiertechnische Stiftung
1988
5.100 Lubisch, G.: Verwertung von Altglas aus der Sicht der Glasindustrie. Stoffliche Verwertung von Abfall- und Reststoffen. Seminar des VDI Bildungswerkes 1989
5.101 Reiling, B.: Altglas aus der Sicht des Erfassers und Autbereiters. Stoffliche Verwertung
von Abfall- und Reststoffen: Seminar des VDI Bildungswerkes 1989
5.102 Koch, G.: Altglas aus der Sicht der Glasindustrie. Stoffliche Verwertung von Abfall- und
Reststoffen: Seminar des VDI Bildungswerkes I 989
5.103 Willeke, R.: Schrott-Recycling-Wirtschaft. Stoffliche Verwertung von Abfall- und Reststoffen: Seminar des VDI Bildungswerkes I 989
5.104 Koellner, W.: Schrott aus der Sicht eines Erfassers und Aufbereiters und der Stahlindustrie. Stoffliche Verwertung von Abfall- und Reststoffen: Seminar des VDI Bildungswerkes 1989
5. I 05 Schnbom, H.-H.: Neu- und Altkunststoffe - bersicht. Stoffliche Verwertung von Abfall- und Reststoffen: Seminar des VDI Bildungswerkes 1989
5.106 Armsen, R.: Wirtschaftliche Situation der Regranulierungsbetriebe bei niedrigen Neumaterialpreisen und steigenden Anforderungen an die Eigenschaftskonstanz der Regranulatqualitt. Thome-Kozmiensky, K.J. (Hrsg.): Recycling von Kunststoffen. Berlin:
EF-Verlag 1987
5.107 N.N.: Merkblatt 10 der LAGA: Qualittskriterien und Anwendungsempfehlungen fiir
Kompost (Kennz. 6856). Hsel/Bilitewski/SchenkeVSchnurer: Mll-Handbuch. Berlin:
Erich Schmidt Verlag 1995
Literatur
707
5.108 Schriefe, T.: Kommunale Kompostierung und Qualittssicherung- Ein Handbuch. Bremen: Bodenkologische Arbeitsgemeinschaft e. V. 1988
5.1 09 Rie: Anforderungen der Landwirtschaft an die Kompostqualitt, in: K. J. ThomeKozmiensky (Hrsg. ): Biologische Abfallbehandlung, EF-Verlag, Berlin, 1995, 347-353
5.110 Bnsow, W.: Vergleichende Auswertung von Feuerungsversuchen mit Brennstoff aus
Mll (BRAM) in Industriekesseln unter den Gesichtspunkten der Umeltvertrglichkeit
(Emissionen), der Versuchsbilanzierung und des Vergleichs mit anderen festen Brennstoffen: Dissertation TU Berlin 1986
5.111 N.N.: Merkblatt ber die Verwendung von industriellen Nebenprodukten im Straenbau,
Teil: Wiederverwendung von Baustoffen. Kln: Forschungsgesellschaft fr Straen und
Verkehrswesen 1985
5.112 Schniering, A.: Mglichkeiten und Vorschriften zur Wiederverwendung von Baustoffen
im Straenbau. Thome-Kozmiensky, K.J. (Hrsg.): Recycling International. Berlin: EFVerlag 1984
5.113 Schndorfer, G.: Die konomischen Grenzen mglicher Recyclingmanahmen von Bauschutt: Diplomarbeit Universitt Essen 1984
5.114 Kolb, K.-H.: Gtesicherung bei der Wiederverwertung von Asphalt in Mischanlagen. Die
Asphaltstrae 8 (1986)
5.115 Bellin, P.; Rode, F.: Qualittssicherung bei der Wiederverwertung von Asphalt. Strae
und Autobahn 7 (1985)
5.116 N.N.: Merkblatt ber die Erhaltung von Asphaltstraen, Teil: Bauliche Manahmen;
Instandsetzung 2.4 Rckformen der Fahrbahnoberflche. Kln: Forschungsgesellschaft fr
Straen unf Verkehrswesen 1983
5.117 N.N.: Merkblatt ber die Erhaltung von Asphaltstraen, Teil: Bauliche Manahmen;
Wiederverwenden von Asphalt. Kln: Forschungsgesellschaft fiir Straen und Verkehrswesen 1985
5.118 Sommer, H.: Recycling von Beton- Wiederverwertung im Deckenbau. Strae und Autobahn 5 (1984)
5.119 Wesche, K.; Schulz, R.-R.: Beton aus aufbereitetem Altbeton-Technologieund Eigenschaften. Beton 2 und 3 (1982)
5.120 INTECUS: Vorstellung einer Anlage zur Wertstoffrckgewinnung aus Gewerbe- und
Baustellenabfiillen. Thome-Kozmienzky, K.J. (Hrsg.): Internationaler Recyclingkongre,
Vermeidung und Verwertung von Abfllen 3. Berlin: EF-Verlag 1992
5.121 Wuttke, J.: Bundesweite Gewerbeabfalluntersuchung, (Kennz. 1742) in: Hsel/Schenkel/Bilitewski/Schnurer (Hrsg.): Mllhandbuch. Berlin: Erich Schmidt Verlag 1999
5.122 Scheffold, K.: Ist die Zielsetzung fr die Glasverpackung flchendeckend erfiillt worden?
in: Beitrge zur Abfallwirtschaft, Band 6 der TU Dresden, 1997, 37-53
5.123 Wiemer, K.: Stand und Perspektiven der Bioabfallkompostierung in der Bundesrepublik
Deutschland. Gtesicherung und Vermarktung von Bioabfallkompost (Abfallwirtschaft 9).
Witzenhausen: M.I.C.-Verlag 1992
5.124 Fricke, K.; Nieen, H.; Turk, T.; Vogtmann, H.: Situationsanalyse Bioabfall 1991. Mll
und Abfall (1992) 8, S. 533
5.125 N.N.: Firmendruckschrift Fa. Bezner
5.126 N.N.: Diskscheider, ein neues Kaskaden-Klassiergert fiir siebschwierige Gter. Aufbereitungstechnik 31 (1990) 12
5.127 INTECUS: Analyse von Mengenstrmen auf dem Papiermarkt in Deutschland zur Erstellung eines papierspezifischen Recycling- und Entsorgungssystems - Endfassung. Berlin,
Darmstadt 1992, 29 ff.
5.128 N.N.: Presseinformation des DSD, Mai 1999
5.129 INTECUS: Bilitewski, B.; Wagner, A.: Mglichkeiten der sortenreinen Altpapiererfassung in Haushalten, Das Papier 6A, 1997, V 169-V 172
5.130 N.N.: "Klrschlammverordnung" BGBI. I 1992, S. 912-934,
5.131 Ges PaRec Bonn 1997
708
Literatur
Literatur
709
710
Literatur
Kapitel 6
6.1
6.2
6.3
6.4
6.5
6.6
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6.8
6.9
6.10
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6.20
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6.28
Literatur
6.29
6.30
6.31
6.32
6.33
6.34
6.35
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6.37
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6.51
6.52
6.53
6.54
711
712
Literatur
Literatur
713
6.77 Hautz, U.: Metall-Recycling aus NE-Krtzen: Recycling von Metallen. Berlin: EF-Verlag
1987
6.78 Jst Engineering: Firmenprospekt 1990
6. 79 Hessisches Ministerium ftir Umwelt, Energie und Bundesangelegenheiten: Bericht ber
die Untersuchung von 26 Anlagen zum Erschmelzen von Gueisen und Stahl im Land
Hessen hinsichtlich der Umsetzung des Reststoffvermeidungs- und -verwertungsgebotes
des 5 Abs. I Nr. 3 Bundes-lmmissionsschutzgesetz: INTECUS, August 1992
6.80 Freunscht, E.; Rudolpf, A.: Konzeption einer modernen Heiwind-Kupolofenanalge.
Gieerei 76 (1989) 10/11, S. 328-335
6.81 Prospekt der Fa. GHW, Gesellschaft ftir Httenwerksanlagen mbH Dsseldorf-Oberkassel
6.82 Prospekt der Fa. Ingenieurbro Rtters GmbH Freudenberg
6.83 Marek, K.; Schwarze, J.H.: Das Risikomanagement unter dem Gesichtspunkt der Abfallvermeidung. Fleischer, G. (Hrsg.): Vermeidung und Verwertung von Abfllen. Berlin: EFVerlag 1992, S. 43
6.84 Hessisches Sonderabfallabgabengesetz vom 26. Juni 1991, Nr. 16: Gesetz- und Verordnungsblatt ftir das Land Hessen, Teil I, 9. Juli 1991
6.85 INTECUS: Leitfaden ftir den Einsatz in der behrdlichen Bearbeitung von Genehmigungsantrgen gem Anhang 40 Rahmenabwasserverwaltungsvorschrift (vorlufige Endfassung), Senatsverwaltung ftir Stadtentwicklung und Umweltschutz Berlin 1993
6.86 INTECUS: Bericht ber die Untersuchung von 6 Lackieranlagen im Land Berlin hinsichtlich der Umsetzung des Reststoffvermeidungs- und -verwertungsgebotes gern. 5-1-3
BlmSchG 1993
6.87 Angelehnt an: Sutter, H.: Beseitigung, Vermeidung und Verwertung von Lackschlmmen. Mll-Handbuch (Kennz. 8551). Berlin: Erich-Schmidt-Verlag 1986
6.88 INTECUS: Bericht ber die Untersuchung von 20 Lackieranlagen im Land Hessen hinsichtlich der Umsetzung des Vermeidungs- und -verwertungsgebotes gern. 5-1-3
BlmSchG. Im Auftrag des Hessischen Ministeriums ftir Umwelt, Energie und Bundesangelegenheiten: Wiesbaden 1991
6.89 Verwertung von Lackkoagulaten nach dem Envilack-Verfahren. Informationsschrift der
Envilack GmbH: Duisburg 1992
6.90 Fischer, K.-J.; Niestroj, J.; Alwast, H.; Bilitewski, B.: Die Umsetzung des Reststoffvermeidungs- und -verwertungsgebotes nach 5 Abs. I Satz 3 BlmSchG am Beispiel
von Lackieranlagen. AbfallwirtschaftsJournal (1991) 741-745
6.91 Fischer, K-J.; A1wast, H.; Bilitewski, B.: Technische und wirtschaftliche Aspekte zur
betrieblichen Sonderabfallwirtschaft. Maschinenmarkt 97 (1991) 41
6.92 Wagener, F.; Wiesner, J.: Vermeidung und Verwertung von Reststoffen aus der Titandioxidproduktion. Produktionsintegrierter Umweltschutz in der chemischen Industrie.
DECHEMA (Hrsg.): Frankfurt/Main 1990
6.93 Bundesministerium ftir Wirtschaft: Wirtschaftliche Frderung in den neuen Bundeslndern, April 1993
6.94 Angelehnt an: Sutter, H.: Beseitigung, Vermeidung und Verwertung von Lackschlmmen. Mll-Handbuch (Kennz. 8551). Berlin: Erich Schmidt Verlag Lfg. 111986
6.95 Wiege!, U.: Eigenkompostierung- Alternative oder Alibi? In: Gtesicherung und Vermarktung von Bioabfallkompost Wiemer; Kern (Hrsg.): Witzenhausen 1992
6.96 Fleischer, G. et al.: Abfallvermeidung und-verwertungbei Messeveranstaltungen, Fachbereich Abfallwirtschaft: TU Berlin 1992
6.97 INTECUS: Kurzgutachten: 5-1-3-NRW 120 Eisen-, Temper- und Stahlgieereien
6.98 INTECUS: Kurzgutachten: 5-1-3-Hessen 27 Eisen-, Temper- und Stahlgieereien
6.99 INTECUS: Kurzgutachten: 5-1-3-Hessen 26 Anlagen zum Erschmelzen von Gueisen und
Stahl
6.100 INTECUS: Kurzgutachten: 5-1-3-Hessen 60 NE-Metallschmelzanlagen und 27 NEMetallgieereien
714
6.101
6.102
6.103
6.104
6.105
6.106
6.107
6.108
Literatur
Kapitel 7
N.N.: Abfallgesetz fiir das Land Nordrhein-Westfalen (Landes-abfallgesetz - LAbfG)
vom 21. Juni 1988. Gesetz- und Verordnungsblatt fiir das Land Nordrhein-Westfalen, Nr.
26 vom 14. Juli 1988
7.2 Lhr, H.-P.: Altlasten, Teil 1: Anforderungen an die Bearbeitung von Verdachtsflchen,
IWS-Schriftenreihe Band 7. Berlin: Erich Schmidt Verlag 1989
7.3 Elvers, R.; Krischok, A.: Altlastenerfassung - Anlsse, zu erhebende Daten, Altlastenkataster. Franzius; Stegmann; Wolf (Hrsg.): Handbuch der Altlastensanierung, Kap. 2.1.
Heidelberg: R.v. Decker's Verlag, G. Schenck GmbH 1988
7.4 Kruse, H.M.; Wieben: Emissionspfade und humantoxikologische Auswirkungen von
ausgewhlten Schadstoffen in Altlasten (auer Schwermetalle). Franzius; Stegmann; Wolf
(Hrsg.): Handbuch der Altlastensanierung, Kap. 2.2.3. Heidelberg: R.v. Decker's Verlag,
G. Schenck GmbH 1988
7.5 Kurz, H.: Vegetationskundliehe Untersuchungen zur Altlastenerfassung. Franzius; Stegmann; Wolf (Hrsg.): Handbuch der Altlastensanierung, Kap. 2.2.3. Heidelberg: R.v. Dekker's Verlag, G. Schenck GmbH 1988
7.6 Muckelmann, R.; Schulze, B.; Tietze, G.: Geophysikalische Untersuchungen an Altlasten
anhand von praktischen Beispielen. Thome-Kozmiensky K.J. (Hrsg.): Altlasten 2. Berlin:
EF-Verlag 1988, S. 439-451
7.7 Barkowski, D.; et al.: Altlasten- Handbuch zur Ermittlung und Abwehr von Gefahren
durch kontaminierte Standorte. Alternative Konzepte 56. Karlsruhe: Verlag C.F. Mller
1987
7.8 Wegener, I.: Standarduntersuchungsprogramm fiir Grundwasseranalysen im Nahbereich
von altlastenverdchtigen Flchen. Lhr, H.-P.: Altlasten, Teil 1: Anforderungen an die
Bearbeitung von Verdachtsflchen. Berlin: IWS-Schriftenreihe Band 7, Erich Schmidt
Verlag 1989
7.9 N.N.: Hollndische Liste: Bewertungstabelle fiir die Beurteilung des Konzentrationsniveaus verschiedener Bodenverunreinigungen. J. W. van Lidth de Jeude: Leitraad bodensanering, Staatuitgeverij's-Gravenhage, Holland 1983
7.10 Lhr, H.-P.: Vergleichende priorittssetzende Verfahren zur Gefahrdungsabschtzung von
Altlasten. Franzius; Stegmann; Wolf (Hrsg.): Handbuch der Altlastensanierung, Kap.
[Link]. Heidelberg: R.v. Decker's Verlag, G. Schenck GmbH 1988
7.11 Wemicke, G.: Biologische Verfahren zur On-site-Bodensanierung- berblick. Franzius;
Stegmann; Wolf (Hrsg.): Handbuch der Altlastensanierung, Kap. [Link].0 Heidelberg:
R.v. Decker's Verlag, G. Schenck GmbH 1988
7.12 N.N.: Technologieregister zur Sanierung von Altlasten, TERESA: Umweltbundesamt
Berlin (Hrsg.) Mrz 1991
7.1
Literatur
715
7.13 Heimhard, H.J.: Schadstoffseparation aus kontaminierten Bden mittels Hochdruckbodenwaschverfahren. Franzius (Hrsg.): Sanierung kontaminierterStandorte 1986. Abfallwirtschaft Berlin: Forschung und Praxis Band 18 (1987)
7.14 N.N.: Ministerium flir Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft des Landes NordrheinWestfalen: Hinweise zur Ermittlung und Sanierung von Altlasten, 2. Auflage. Dsseldorf:
Landwirtschaftsverlag GmbH 1987
7.15 N.N.: Bundesministerium filr Forschung und Technologie: Statusbericht zur Altlastensanierung. Berlin: Umweltbundesamt 1988, S. 48-85
7.16 Stupp, H.D.: Methoden zur Sicherung und Sanierung kontaminierter Standorte. wlbAchema-Report (1988) S. 42-54
7.17 N.N.: Phitipp Holzmann AG: Planen und Bauen flir den technischen UmweltschutzTechnischer Bericht 1987, S. 38
7.18 Binder, H.: Extraktions- und Splverfahren zur Bodensanierung. Handbuch der Altlastensanierung, Kapitel5.[Link]. R.v. Decker's Verlag, G. Schenck GmbH 1988
7.19 Franzius; Stegmann; Wolf (Hrsg.): Handbuch der Altlastensanierung, Kap. [Link] Heidelberg: R.v. Decker's Verlag, G. Schenck GmbH 1988
7.20 Bewley: Hilker-Klckner Oecotec GmbH: Mikrobiologische On-site-Sanierung eines
ehemaligen Gaswerksgelndes, dargestellt am Beispiel Blackbum, England, Sonderdruck
7.21 Hher, K.: Mikrobiologische Behandlung von Kontaminationen. Handbuch der Altlastensanierung, Kap. [Link].4: R.v. Decker's Verlag, G. Schenck GmbH 1988
7.22 Hartmann, H.: Thermische Verfahren zur Bodensanierung. Handbuch der Altlastensanierung, Kap. [Link].0. Berlin: R.v. Decker's Verlag, G. Schenck GmbH 1988
7.23 Holzwarth, W.; Schndorf, T.: Technische Lsungen der Sanierung von Altlasten. Rosenkranz, D. (Hrsg.): Bodenschutz, Kap. 6005. Berlin: Erich Schmidt Verlag 1988
7.24 Lffelholz, R.: Sonderdruck Drgerheft 343: Erkundung von Altlasten
7.25 Luckner, L.; Schestakow, W.M.: Simulation der Geofiltration. Leipzig: Deutscher Verlag
der Grundstoffindustrie 1975
7.26 Luckner, L.; Schestakow, W.M.: Migrationsprozesse im Boden- und Grundwasserbereich. Leipzig: Deutscher Verlag der Grundstoffindustrie 1986
7.27 bermann, P.; Philip, W.; Rdiger, G.: Beurteilung und Behandlung von Minerallschadensfllen im Hinblick auf den Grundwasserschutz: Umweltbundesamt Berlin 1990
7.28 N.N.: Programmdokumentationen: ARMOS/MOTRANS Environmental Systems & Technologies, Inc. Blacksburg, USA
7.29 INTECUS: Untersuchungen zur Ausbreitung und Sanierung eines mit Vergaserkraftstoff
und Diesell kontaminierten Tanklagergebudes 1992 (unverff.)
7.30 Franzius: VDI Nachrichten (1992) Nr. 48
7.31 Dodt, J.: Die Verwendung von Karten und Luftbildern bei der Ermittlung von Altlasten:
Der Minister flir Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft des Landes NordrheinWestfalen: Dsseldorf 1987
7.32 Aster, D.; Meyer, E.: Verbesserte Bestimmung der nautischen Tiefe im Emder Fahrwasser. HANSA (1990) Nr. 23-24, S. 1729 ff.
7.33 Storch, K.: Sonar: Broschre des Leistungsprofils Jena
7.34 Teutsch. G.; Grathwohl, P.; Schad, H.; Wemer, P.: In-situ-Reaktionswnde- ein neuer
Ansatz zur passiven Sanierung von Boden- und Grundwasserverunreinigungen. Grundwasser-Zeitschrift der Fachsektion Hydrologie l (1996) S. 12-20
Kapitel 8
8.1
8.2
716
8.3
8.4
8.5
8.6
8.7
8.8
8.9
8.10
8.11
8.12
8.13
8.14
8.15
8.16
8.17
8.18
8.19
8.20
Literatur
Berichte aus Wassergte- und Abfallwirtschaft der TU Mnchen Nr. 137 (1998), S. 466480
Bilitewski, B.; Gewiese, A.; Hrdtle, G.; Marek, K.: Vermeidung und Verwertung von
Reststoffen in der Sauwirtschaft, Beiheft 30 zu Mll und Abfall, 3. Auflage (1995), S.
109-113
Stoll, M.; Ruhnau, B.: Kosten des Baustoff-Recyclings. Hiersehe (Hrsg.): BaustoffRecycling 94/95; S. 119-132, Stein-Verlag, Baden-Baden
Gallenkemper, B.; et. al.: Verstrkte Erschlieung des Verwertungspotentials von Baustellenabfllen durch organisatorische und technische Manahmen, Forschungsbericht
BMBF Frderkennzeichen 1450788-0, (Hrsg.: Umweltbundesamt 1997)
Oetjen-Dehne, R.; Ries, G.: Was kostest die biologische Abfallbehandlung? in ThomeKozmiensky, K.J. (Hrsg.): Biologische Abfallbehandlung, EF-Verlag Berlin (1995), S.
168-177
Kern, M.: Grundstze und Systematik des Verfahrensvergleiches von Kompostierungssystemen, in: Wiemer, K.; Kern, M. (Hrsg.): Biologische Abfallbehandlung, Baeza Verlag,
Witzenhausen 1993, S. 343-374
Kern, M.; Mller, C.; Wiemer, K.: Vergleichende Darstellung und Bewertung von Vergrungsverfahren, in: Wiemer, K., Kern, M. (Hrsg.): Grundlagen und Verfahren der Anaerobtechnik, MIC Baeza-Verlag (1994), S. 27-47
Kern, M., Sprick, W.: Neuere Ergebnisse des Verfahrensvergleichs von Anlagen zur
aeroben Abfallbehandlung, in Wiemer, K.; Kern, M. (Hrsg.): Verwertung biologischer
Abflle, MIC Baeza-Verlag (1994), S. 37-62
Bilitewski, B.: Wer bezahlt bei der Altpapiererfassung was? in Beitrge zur Abfallwirtschaft, Band 6: 6 Jahre Verpackungsverordnung- eine Zwischenbilanz, Institut fiir Abfallwirtschaft und Altlasten 1997, S. 131-139
Christiani, J.: Stand der Sortiertechnik - Leistungsdaten von LVP-Sortieranlagen, in
Beitrge zur Abfallwirtschaft, Band 6: 6 Jahre Verpackungsverordnung- eine Zwischenbilanz, Institut fiir Abfallwirtschaft und Altlasten 1997, S. 86-97
Bilitewski, B.; Stegmann (Hrsg.) Mechanisch-biologische Verfahren zur stoffspezifischen
Abfallbehandlung, Beiheft zu Mll und Abfall 33, Erich Schmidt Verlag Berlin ( 1997),
131 Seiten
Bilitewski, B.; Heilmann, A.: Kosten der mechanisch-biologischen Behandlung im Vergleich zur thermischen Behandlung, in Kar! J. Thome-Kozmiensky (Hrsg.), "Abfallwirtschaft am Wendepunkt", TK Verlag Kar! Thome-Kozmiensky Neuruppin 1997, S. 489501
Bilitewski, B.: Kostensenkung durch Kombinationslsungen? in Faulstich, Bilitewski,
Urban (Hrsg.): Thermische Abfallbehandlung, Berichte aus Wassergte- und Abfallwirtschaft der TU Mnchen Nr. 137 (1998}, S. 538-554
Hillebrecht, E.: Kosten moderner Deponien fiir Siedlungsabflille. Zeitgeme Deponietechnik. VI Stuttgarter Berichte zur Abfallwirtschaft, Band 50. Berlin: Erich Schmidt
Verlag 1992
Burkhard, G.: Deponiefolgekosten. Stuttgarter Berichte zur Abfallwirtschaft, Band 45,
Berlin: Erich Schmidt Verlag 1992
Hoins, H.; Tyranowski, H.: Oberflchenabdichtungssysteme fiir Altdeponien: Gestaltung
und Kosten in Stegmann/Rettenberger (Hrsg.): Entwicklungstendenzen in der Deponietechnik, Economica Verlag, Hamburger Berichte 12 (1998), S. 197-211
Gallenkemper, B.; Eitner, R.: Kosten der Deponienachsorge-Differenzierte Anstze zur
Rckstellungsberechnung in Stegmann/Rettenberger (Hrsg.): Entwicklungstendenzen in
der Deponietechnik, Economica Verlag, Hamburger Berichte 12 (1998), S. 252-255
Doedens, H: Gebhrenbeeinflussung durch die Biotonne, in Beitrge zur Abfallwirtschaft,
Band 6: 6 Jahre Verpackungsverordnung- eine Zwischenbilanz, Institut fiir Abfallwirtschaft und Altlasten 1997, S. 86-97
Geschftsberichte DSD 1992-1997
Literatur
717
Kapitel 9
9.1
9.2
9.3
9.4
9.5
9.6
9.7
9.8
9.9
9.10
9.11
9.12
9.13
9.14
9.15
9.16
9.17
Sachverzeichnis
Abbruchtechnik
- Abrikonzept 412
- Systematischer Rckbau 411
Abfall
- Aufkommen 66
- Beseitigung 75
- Dichte 72
- Einflugren 64
- Feuchtigkeitsgehalt 72
- flssig 116
- Behltersysteme 118
- Straentransport 116
- Gebhren siehe Gebhrensysteme
- Gewerbeabfall 32
- Hausmll 32,75
- Hausmllanalyse 67
- Komgrenverteilung 73
- Mengenentwicklung 29
- Sammlung 75
- Sonderabfall 40
- Sperrmll 32
- Transport 75
- Umschlag 75
- Vermeidung siehe Abfallvermeidung
- Verpackungen 45
- Zusammensetzung 29, 62, 66
Abfallentsorgungskonzept
- Bestandsaufnahme 670
- finanzielle Manahmen 674
- Optimierung 672
- organisatorische Manahmen 674
- rechtliche Manahmen 674
- Zielsetzung 668
Abfalltransport
- auf dem Wasser 97
- auf der Schiene 97
- auf der Strae 90
Abfallvermeidung
720
Sachverzeichnis
- Sammlung 104
- Sortierung 384
- Verwertung 476
Altholz
- Aufbereitung 467
- Einsatzmglichkeiten 467
271
- Verbrennung
Altlasten
- Begriffsbestimmung 583
- Bewertung 599
- Erfassung 586
- Erkundung 587
- Archivmaterial 587
- Bioindikatoren 588
- Bodenluftuntersuchung 597
- geophysikalische Verfahren 589
- Grundwasseruntersuchung 591
- Karten- und Luftbildinterpretation
587
- Gefahrdungspotential 585, 598
- Recht 585
- Sanierung 600
- biologische Verfahren 600
- Bodenluftabsaugung 606
- Einkapselung 610
- funnel and gate-System 609
- hydraulische Manahmen 605
- Immobilisierung 612
- In-situ-Verfahren 602
- On-site-Verfahren 600
- Permeable Reaktionswand 607
- physikalisch-chemische Verfahren
602
- thermische Verfahren 604
- Verfestigung 612
- Umfang 584
- Umweltgefahren 585
- Ursachen 583
- Verdachtsflchen 584
Altlastverdachtsflchen siehe Altlasten
Altpapier
- Deinking 3 79
- Erlse 474
- Sorten 471
- Sortierung 384
- Verwertung 4 71
Sachverzeichnis
Altreifen
- Aufkommen 51,424
- Recycling 423
- Runderneuerung 425
- Thermische Verwertung 425
Altstandorte siehe Altlasten
anaerobe Verfahren 329
anaerober Abbau 159
Anlagen
- genehmigungsbedrftig 519
Asphalt
- Erlse 494
- Qualittsanforderungen 493
Aufbereitungsanlage
- Aggregate 392
Aufbereitungsverfahren
- siehe auch Recycling 390
Backenbrecher 365
Bakterien
- acidogene 330
- aerobe298
- Hemmstoffe 331
- hydrolysierende 330
- Methanbakterien
- mesophil 331
- psychrophil 331
- thermophil 331
- sulfatreduzierende 331
Ballistischer Separator 369
Baurestmassen
- Asphalt 407
- Aufbereitungstechnik
- mobile 404
- semimobile 404
- stationre 406
- Aufkommen 56, 58
- Aufkommen 38
- Bauschutt 57
- Baustellenabfall 58, 407
- Baustoffrecycling 56
- Deponierung 56
- Erdaushub 56
- Nasortierung 404
- Recycling 402
Straenaufbruch 58
721
- Trockenreinigung 404
- Verwertungsquote 41 0
Bechersieb 369
Behltersysteme
- Mlleimer 79
- Mllgrobehlter 79
- Mllgrocontainer 79
- Mlltonne 79
Behandlungsanlage
- chemisch-physikalische 541
Beizlsungen 349
Bioabfall
- Aufbereitung 305
- Magnetscheider 305
- Mischung 306
- Sichtkontrolle 305
- Siebung 305
- Zerkleinerung 306
- Kompostierung 301
- Kompostierungsanlage 302
- Mengen 301
- Schwermetallgehalte 302
- Wassergehalt 296
Biofilter 186, 300
Biogas
- Aufbereitung 339
- Ausbeute 338
- Entschwefelung 339
- Methananreicherung 339
- Verfahren 329
- Verwertung 340
- Zusammensetzung 338
biologische Abbaubarkeit 296
biologisch-mechanische Aufbereitung BMA 322
Biowscher 185
siehe auch Biofilter
Bodenfiltration
Boudouard-Reaktion 275
BRAM siehe Brennstoff aus Mll
Branchenkonzept 672
BRAP siehe Brennstoff aus Papier
Brennstoff aus Mll
- Altholz 466
- Aufbereitung 5, 387, 461
- Charakterisierung 457
- Reduktionsgrad 463
722
Sachverzeichnis
- Schadstoffgehalt 463
Brennstoffdreieck 228
Brikollareverfahren 388
Bunker 224, 304
Carbo-Sed-Verfahren 464
Cascadenmhle 363
C/N-Verhltnis 296
Chromatentgiftung 349
Cyanidentgiftung 350
Dampfkessel
- Heidampfkessel240
- Heiwasserkessel 240
- Naturumlaufkessel 240
- Sattdampfkessel 240
- Zwangdurchlaufkessel 240
- Zwangumlaufkessel 240
De Novo Effekt 236, 253
Deponie
- Bauschutt 56
- Befeuchtung 201
- Belftung 201
- Betriebsfhrung 189
- Bewsserung 201
- Deponie am Hang 136
- Emissionen 191
- Entgasung 173
- geordnete 3, 134
- Grubendeponie 135
- Haldendeponie 136
- In situ Stabilisierung 204
- Inert-Deponie 137
- Klassen 138
- Klassen (nach TA Siedlungsabfall)
139
- Langzeitverhalten 198
- Monodeponie 137, 138, 141
- Multikomponenten-Deponien
137
- Nachsorge 199
- Oberflchenwasser 155
- Rekultivierung 195
- Rotte- und Ballendeponie 136
- Sickerwasser 155
- Sickerwasserhaushalt 155
Sachveneichnis
- Surebehandlung 343
- Tauchbrennerverfahren 344
- Umlaufverdampfer 344
- Zwangsumlaufverdampfer 344
Entleerungsrhythmus 75
Fllung 168
Fllung 348
Faulraumbelastung 331
Fermentation 329
Fermentationsverfahren
- Nafermentation, einstufige
334
- Nafermentation, zweistufige
336
- Trockenfermentation 332
Filterstaub
- 3-R-Verfahren 257
- Verfestigung 257
- Verglasung 258
Fluorchlorkohlenwasserstoffe 437
- Aufbereitung 441
- Einsatzgebiet 438
Furane 252
Galvanikschlmme 352
Gasanreicherung
- absorptive Verfahren 339
- adsorptive Verfahren 339
- Membranverfahren 339
Gaswsche 248
- oxidative 339
Geruchsstoffe
- abiogene 300
- biogene 300
Gebhrensysteme
- Behlterabfuhrhufigkeit 93, 676
- Computerintegriertes
Abfallentsorgungssystem - CAS 677
- gewichtsbezogen 93, 677
- klassische Wertmarke 676
- klassisches Pauschalsystem 675
- mengenorientierte 93, 675
- verursachergerechte
- Erfahrungen 683
- Growohnanlagen 680
723
724
Sachverzeichnis
- Wirbelschicht 267
Klassierung 366, 403
- sortierende 369
Kompost siehe auch Kompostierung
- Erlse 486
- Fertigkompost 315
- Frischkompost 315
- Mllkompost 316
- organische Schadstoffe 315
- Qualittsanforderungen 483
- Salzgehalt 317
- Schwermetallgehalt 316
Kompostierung
- Anwendungsgebiete 318
- C/N-Verhltnis 296
- dynamisches Vefahren
- Rotteturm 308
- Rottetrommel 308
- etagenlose Trme 308
- Etagenturm 310
- Feinaufbereitung 313
- Folienahscheidung 314
- Hartstoffabscheidung 314
- in Gromieten 311
- in Rotteboxen oder Rottecontainern
311
- Konfektionierung 314
- Mietenkompostierung mit Umsetzen
311
- Nachrotte 307
- Nhrstoffverhltnis 295
- Rotte von festen Abfallstoffen
320
- Rottegrad 315
- Rottezeit 310
- Sauerstoff-Bedarf 297
- Siebtechnik 314
- statische Verfahren
- Brikollareverfahren 311
- Mietenkompostierung 310
- Temperaturverlauf 298
- Umsetzsysteme 311
- Verfahren, statische
- Rottebox 311
- Rottecontainer 311
- Tafelmiete 311
- Tunnelmiete 311
- Vorrotte 307
- Zerkleinerung 314
Kompostwerk 3
Kontakttrockner
- Dnnschicht- und Scheibentrockner
286
Konvektionstrockner
- Bandtrockner 291
- Etagentrockner 291
- Schwebetrockner290
- Seilers-Koppers-Trockner 289
- SEVAR-Trocknungsverfahren
292
- Trommeltrockner 289
Kosten
- Abfallverbrennung 614
- Abri 620
- Aufbereitungsverfahren 619
- Baustoffe
- Aufbereitungsanlage 624
- Sortieranlage 624
- Geordnete Deponie 654
- Nachsorge 660
- Oberflchenahdichtung 655
- Kompostierung 642
- kontrollierter Rckbau 620
- mechanisch-biologische Verfahren 633
- Sensitivittsanalyse 651
- Sortierung
- Altpapier 631
- DSD-Leichtverpackungen 632
- Thermische Verfahren 613
- Erlse 617
- Vergrung 642
- Vergleich der Entsorgungsverfahren
662
Kraft-Wrme-Kopplung 340
Krananlagen 225, 304
Khlgerte
- Recycling 437
Khlschmiermittel 343
Kunststoff
- Erlse 481
- Qualittsanforderungen 480
Kunststoffhydrierung 280
Sachverzeichnis
Lackieranlagen
- Verwertung von Lackschlamm 557
Lsungsmittel
- Rckgewinnung 346
Membranverfahren 170
Metallhydroxide 348
Methanbakterien 330
Methanreaktor 336
MGB siehe Mllgrobehlter
MGC siehe Mllgrocontainer
mikrobielle Oxidation 339
MKMS siehe Mehrkammer-Mllsystem
Mllverbrennung
- Abwrmenutzung 239, 244
- Anlagen 222
- Beschickung 226
- Drehrohr 234
- Energieerzeugung 222
- Feuerraum 242
- Heizwert 228, 244, 245
- Klrschlammverbrennung 245
- Luftfhrung 231,265
- Mittelstromprinzip 228
- Rauchgas siehe
Rauchgasreinigung
- Rostfeuerung 226, 228
- Rckschubrost 229
- Schlacke 254
- Schlackenaustrag 237
- Verbrennungssystem V0lund
230
- Vorbehandlung 225
- Vorschubrost 229
- Walzenrost 229
- Wirbelschichtfeuerung 232
MVA s. Mllverbrennung
Nafermentation, einstufige
- Pilotanlage Rottweil 335
- SOLIDIGEST-Verfahren 334
N afermentation, zweistufige
- AN-Verfahren 337
- BTA-Verfahren 337
Naoxidation, chemische 172
Neutralisation 346
Nitrifikation 167
Nitritentgiftung 351
Oberflchenbehandlung 349
ko-Audit 26
kobilanz 497
organische Substanz 295
Osmogene 300
Osmose 171
Oxidation 350
Pellet 388
Prallbrecher 360
Produktionsfaktor
- Umwelt 504
Produktlinienanalyse 498
Pyrolyse
- Abfa11272
- Abwasser 278
- Gas 273, 277
- Koks 273, 279
- Produkte 273,274
- Schadstoffe 279
Rauchgasreinigung
- Abwasser 258
- Dioxinentfernung 254, 257
- Gaswsche 248
- Gips249, 258
- katalytische Entstickung 252
- nasse Verfahren 248
- quasi-trockene-Verfahren 250
- Rauchgasrckfiihrung 251
- Rckstnde 258
- SNCR-Verfahren 252
- Stauhabscheidung 246
- trockene Verfahren 250
- Verfahren 245
Recht
- Abfall
- Definition 27
- Abfall- und ReststoffberwachungsVerordnung- AbtRestberwV 119
- Abfallbefrderungsverordnung AbfBefV 120
- Abfallbeseitigungsgesetz 5
725
726
Sachverzeichnis
Sachverzeichnis
- Altauto 416,421
- Baurestmassen 402, 409
- Brennstoff aus Mll 457
- Brennstoff aus Papier 467
- Khlgerte 437
- Sonderabfall 442
Recyclingzentrum
- Anlagenkonfiguration 668
Restmll 221
Risikomanagement 519
Rotorschere 362
Rottegrad 299
Sammelbehlter 75
- Behlter plus Wertstoffsack 113
- Biotonne 113
- Depotcontainer filr Altglas I 07
- Depotcontainer filr Altpapier 108
- Depotcontainer fr Leichtverpackungen
109
- Gelbe Tonne 109,395
- Mehrkammercontainer II 0
- Mehrkammer-Mllsystem 114
- Monotonne 112
- Sack plus Wertstoffsack 113
- Wertstoffbehlter 112
- Wertstoffsack im Behlter 114
Sammelfahrzeug
- Containerfahrzeug 96
- Groraumtransportfahrzeug 94
- Hubkippvorrichtung 92
- Premllfahrzeug 94
- Schttvorrichtung 92
- Verdichtungsvorrichtung 93
Sanunelverfahren
- Einwegverfahren 77
- Hydraulische Verfahren 78
- Pneumatische Verfahren 78
- Sonderverfahren 78
- Systemlose Sanunlung 78
- Umleerverfahren 77
- Wechselverfahren 77
Sammlung
- Bringsystem 390, 395
- Hausmll 99
- Holsystem 390, 395
727
- Sperrmll 99
- Wertstoff 101
Surebildung 330
Schlacke
- Alterung 256
- Eisenschrott 259
- Fos-Melt-Verfahren 257
- Plasma-Schmelz-Verfahren 257
- Red-Melt-Verfahren 257
- Verfestigung 258
- Verglasung 234,256
Schlamm 116
Schneidmhle 362
Schwefelwasserstoff 339
Schwel-Brennverfahren 235
Sekundrbaustoff
- Erlse 493
- Qualittsanforderungen 488
- Umweltvertrglichkeit 406
- Umweltvertrglichkeitskriterien 487
Selektivionenaustauscher 348
Seveso-Katastrophe 4
Shredderabfall 52
Shredderanlage 417
Sickerwasser 135, 144, 147, 155, 300,
310,588
Sickerwasserbehandlung
- Abwasserverbrennung 172
- Eindampfung 172
- Sickerwassererfassung 161
- Sohldrainage 162
- Umkehrosmose 171
- Verfahren 166, 167
Siebung 305
Siebgtegrad 368
Siebraspel 364
Sonderabfall
- Abfallbegleitschein 119
- Abgaben 519
- Aufkommen 43. 443
- Batterien 52
- Behltersysteme 124
- chemisch-physikalische Behandlung
261,353
- chromathaltig 349
- cyanidhaltig 346
728
Sachverzeichnis
Destillationsrckstand 452
Dnnsure 442
Entsorgungsnachweis 119
Feststofflager 128
Filtermasse 452
flssig 126
Galvanikabfall 449
gesetzliche Grundlagen 119
Gips 443
grenzberschreitende Entsorgung 123
Klassifizierung 40
Kleinmengen aus Haushaltungen 128
komplexhaltig 346
Lagerung 124,262
Lsemittel, halogenfrei, organisch 451
Lsemittel, halogenhaltig 447
- Chlorolyseverfahren 448
- lsemittelhaltig 346
- Ofenausbruch
- Pyrohydrolyse 454
- Pyrosulfolyse 453
- Ofenausbruch,Aluminiumherstellung
452
- lemutsion 445
- Emulsionsspaltverfahren 446,447
- lschlamm 445
- Prognose 572
- Recycling 442
- Salzschlacke 450
- Sammelstelle 126
- Sammlung 119
- Sureharz 443
- Sureteer 443
- Schlamm 126,452
- Transport 119
- Verbrennung 261
- Verminderung 565
- Verwertung 442
- Zwischenlager 126
Sonderabfalldeponie
- Abdichtungssystem 209
- Betriebsfhrung 214,220
- Kaverne 216
- Monodeponie 206
- oberirdische 206, 207
- Standort 207,218
Sachverzeichnis
Umladesystem 87
Umschlag
- Anlieferung 84
- Aufbereitung 84
- Station 82
- Transport 82
Umschlagstation
- Aufbau 88
- Planung 88
Umweltpolitik 8
- Instrumente 7, 8
- Kooperationsprinzip 7
- Manahmen 7
- Prinzipien 7
- Umweltabgabe 8, 502
- Umweltlizenz 8, 502
- Verursacherprinzip 7
- Vorsorgeprinzip 7
Verbrennung
- Stroh 270
Verbrennungsanlage 3
Verdampfung
- Dnnschichtverdampfer 344
- Naturumlaufverdampfer 344
- Tauchbrennerverfahren 344
- Umlaufverdampfer 344
- Zwangsumlaufverdampfer 344
Verdichtung
- Ballenpresse 86, 387
- Ballenpreverfahren 86
- Brikettierpresse 387
- Brikollare-Presse 388
- Kollergangpressen 387
- kontinuierlich arbeitende Pressen 387
- Mllpresse, hydraulische 84
- Pelletierpresse 388
- Flachmatrizenpresse 389
- John-Deere-Presse 388
- Ringmatrizenpresse 388
- Preverfahren im Sattelauflieger 86
- Stopfpresse 86
- Verdichtungsfahrzeug 84
- Vorkammerpresse 86
Vergrung 323, 329
Vergasung
729
- Produkte 276
- Vorgang 274
Verpackungen
- Aufkommen 71
- Transportverpackungen 46
- Umverpackungen 46
- Verkaufsverpackungen 46
Verpackungsabflille, Vermeidung von 98
Verwertung
- Schlacke 256
Wrmerckgewinnung 239
Wertstoff
- Rckgewinnung 352
- Sammlung 75
- Transport 75
- Umschlag 75
Wertstofferfassung
- Beteiligung der Bevlkerung 114
- Bringsystem 106
- Gemischte Erfassung 102
- Getrennte Sammlung 102
- Holsystem 111
- Straensammlung 112
Windsiebter 371
- Absaugung 373
- Flugbettsiebter 375
- Horizontalwindsiebter 374
- Impulssiebter 374
- Querstromsiebter 374
- Rotationswindsiebter 373
- Zick-Zack-Windsichter 371
Windsichtung 367
Wirbelschichtverbrennung, rotierende 232
Zentralstelle fiir Abfallbeseitigung 3
Zerkleinerung 225, 358
- Aggregate 402
Zyklon 246,373,383
Pneumatische Abfallsammelsysteme sind besonders vorteilhaft in dicht besiedelten urbanen Gebieten, da sie die Verkehrsbelastung durch Müllfahrzeuge reduzieren und die effiziente Entsorgung auch bei beengten Verhältnissen ermöglichen. Diese Systeme kombinieren Sammlung und Transport, was insbesondere in Altstadtbereichen mit schwierigen Zufahrtsmöglichkeiten vorteilhaft ist .
Geografische und städtebauliche Faktoren wie die Bebauungsstruktur und der Zugang zu Transportwegen beeinflussen maßgeblich die Wahl und Effizienz von Abfallsammelsystemen. In dicht besiedelten Gebieten sind kompakte Systeme erforderlich, während in ländlichen Regionen großflächigere Sammelsysteme mit möglicherweise längeren Transportwegen verwendet werden müssen .
Recycling hat eine wesentliche Rolle in der Entwicklung der spezifischen Abfallmasse in Deutschland gespielt. Seit den 1980er Jahren ist das Pro-Kopf-Aufkommen an Abfall gesunken. Diese Reduktion wurde teilweise durch erhöhte Recyclinganstrengungen kompensiert, die die spezifische Abfallmasse stabilisierten oder senkten .
Das Thermoselectverfahren reduziert Restabfall durch mechanische Verdichtung und Erwärmung vor der unvollständigen Verbrennung in einem Schubofen. Es folgt eine gasbasierte Abkühlung zur Verhinderung unerwünschter Syntheseprozesse, die Aufbereitung mineralischer Rückstände und Nutzung gewonnenen Synthesegases für die Energiewiedergewinnung .
Wichtige Umweltfaktoren bei der Standortwahl für eine Deponie umfassen die geologische und hydrogeologische Eignung des Untergrunds, um eine Ausbreitung von Schadstoffen zu verhindern. Ein Schutzabstand von mindestens 300 m zu bewohnten Gebieten ist erforderlich, um die direkte Beeinträchtigung der Anwohner zu minimieren .
Gemäß § 29 Abs. I des deutschen Abfallgesetzes müssen die Länder im Rahmen ihrer Abfallbeseitigungspläne die Standorte für Deponien festlegen. Für die Errichtung und den Betrieb einer Deponie ist ein Planfeststellungsverfahren vorgeschrieben, bei dem die Umweltverträglichkeit geprüft wird. Auflagen zum Gewässerschutz, zur Gaserfassung und -behandlung sowie zur Folgenutzung der Deponie sind zu beachten .
Im städtischen Kontext wird die systemlose Sammlung angewandt, bei der große Sperrmüllteile bereitgestellt werden müssen, um sie leicht verladen zu können. Auf dem Land hingegen kann aufgrund geringerer Sammeltourenfrequenzen und größerer Entfernungen eine organisierte Sammlung notwendig sein, um effiziente Entsorgung sicherzustellen .
Die Wahl des Sammelsystems beeinflusst die Effizienz und Ordnung der Abfallentsorgung erheblich. Systeme wie Umleer- und Wechselverfahren ermöglichen eine organisierte und saubere Sammlung und Transport der Abfälle. Eine systematische Auswahl unter Berücksichtigung städtebaulicher und logistischer Gegebenheiten maximiert die Effizienz und reduziert physische Belastungen des Personals .
Die Klärschlammtrocknung bietet die Möglichkeit, Klärschlamm effizient auf hohen Trockensubstanzgehalt zu bringen, was die weitere Verarbeitung erleichtert. Herausforderungen bestehen jedoch in der Anpassung der Trocknungsanlagen an die spezifischen Zusammensetzungen und Volumina des Schlamms, eine effiziente Energieausnutzung sowie der Minimierung von Emissionen .
Die Müllzusammensetzung hat sich in urbanen Gebieten im Anteil von Verpackungsmaterialien und Papier verstärkt, während in ländlichen Gegenden ein höherer Anteil an vegetabilen Resten und geringere Mengen an Verpackungsabfällen verzeichnet wurden. Diese Unterschiede verdeutlichen die Variabilität des Abfallaufkommens, das durch unterschiedliche Konsum- und Lebensweisen in städtischen und ländlichen Gebieten beeinflusst wird .