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AbFall Wirtschaft

Livro Alemao sobre gerenciamento de resíduos

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Lucas Barbosa
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Bilitewski Hrdtle Marek

Abfallwirtschaft

Springer-V erlag Berlin Heidelberg GmbH

B. Bilitewski G. Hrdtle K. Marek

Abfallwirtschaft
Handbuch fr Praxis und Lehre
Dritte, neubearbeitete Auflage

Mit 361 Abbildungen und 130 Tabellen

'Springer

Prof. Dr.-Ing. Bernd Bilitewski


Technische Universitt Dresden
Institut fr Abfallwirtschaft und Altlasten
intecus - Ingenieurgesellschaft fr Technischen Umweltschutz mbH
Pohlandstrasse 17, 01309 Dresden

DipI.-Ing. Georg Hrdtle


Dipl.-Ing. Klaus Marek
intecus - Ingenieurgesellschaft fr Technischen Umweltschutz mbH
Stieffring 7, 13627 Berlin

Die Deutsche Bibliothek- CIP-Einheitsaufnahme


Bilitewski, Bernd:
Abfallwirtschaft: Handbuch fr Praxis und Lehre I Bernd Bilitewski; Georg Hrdtle; Klaus Marek
3., neubearb. Aufl.

ISBN 978-3-662-05569-4
ISBN 978-3-662-05568-7 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-662-05568-7
Dieses Werk ist urheberrechtlich geschtzt. Die dadurch begrndeten Rechte, insbesondere die der
bersetzung, des Nachdrucks, des Vortrags, der Entnahme von Abbildungen und Tabellen, der
Funksendung, der Mikroverfilmung oder Vervielfltigung auf anderen Wegen und der Speicherung
in Datenverarbeitungsanlagen, bleiben, auch bei nur auszugsweiser Verwertung, vorbehalten. Eine
Vervielfltigung dieses Werkes oder von Teilen dieses Werkes ist auch im Einzelfall nur in den
Grenzen der gesetzlichen Bestimmungen des Urheberrechtsgesetzes der Bundesrepublik Deutschland vom 9. September 1965 in der jeweils geltenden Fassung zulssig. Sie ist grundstzlich
vergtungspflichtig. Zuwiderhandlungen unterliegen den Strafbestimmungen des Urheberrechtsgesetzes.
Springer-VerlagBerlin Heidelberg 1990,1993, and2000

UrsprQnglich erschienen bei Springer-Verlag Berlin Heidelberg New York 2000


Softcover reprint of the bardeover 3rd edition 2000
Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Buch
berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, da solcheN amen im Sinne
der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wren und daher von
jedermann benutzt werden drften.
Sollte in diesemWerk direkt oder indirekt auf Gesetze, Vorschriften oder Richtlinien (z.B. DIN, VDI,
VDE) Bezug genommen oder aus ihnen zitiert worden sein, so kann der Verlag keine Gewhr fr die
Richtigkeit, Vollstndigkeit oder Aktualitt bernehmen. Es empfiehlt sich, gegebenenfalls fr die
eigenen Arbeiten die vollstndigen Vorschriften oder Richtlinien in der jeweils gltigen Fassung
hinzuzuziehen.
Einband-Entwurf:MEDIO,Berlin
Satz: Reproduktionsfertige Vorlagen der Autoren
Gedruckt auf surefreiem Papier SPIN 10640640 68/3020 54 3 2 1 0

Geleitwort

Inzwischen ist dieses Werk ein Klassiker. Nach der ersten Auflage 1990 und der
zweiten Auflage 1993, einer englischen Version 1994 und einer japanischen Ausgabe 1996 erscheint nun die dritte deutschsprachige Auflage.
Das Buch trgt der vernderten politischen, Gesetzes- und Wirtschaftslage
Rechnung. Die durch das Kreislaufwirtschaftsgesetz angestoenen Vernderungen
haben sich nachhaltig - und nicht nur positiv - auf das abfallwirtschaftliche Geschehen ausgewirkt. Neben kologischen und technischen Gesichtspunkten treten
konomische Einflsse immer strker in den Vordergrund. Die Geltung des Ordnungsrechts wird von Einflssen des Wirtschaftsrechts berlagert.
Entsprechend der Vorgaben des Kreislaufwirtschaftsgesetzes wird die Produktverantwortung von der Industrie zunehmend durch Vermeidungs- und Verminderungsstrategien wahrgenommen. Allerdings darf das Abfallvermeidungspotential
nicht berschtzt werden. Fachleute rechnen mit mglichen Abfallverminderungen im Bereich von zwei bis fnf Prozent.
Um so mehr Bedeutung kommt der Verwertung zu.
Nach der Verpackungsverordnung wurden weitere Verordnungen angekndigt
und zum Teil auch erlassen. Zielvereinbarungen zwischen Regierung und Vertretern der Wirtschaft sind weitere Instrumente zur Verstrkung der Verwertungsbemhungen. Allerdings ist inzwischen auch der Verwertungsmibrauch - volkstmlich kodumping genannt - immer hufiger Tagesgeschehen. Daher wird
wieder ber die Verstrkung des Ordnungsrechts diskutiert. Grund fr die wenig
eindeutige, den Mibrauch geradezu herausfordernde Gesetzeslage sind die hastig
formulierten, gegenstzliche Interessen notdrftig berdeckenden Formulierungen
im Gesetz, die im Sande der politischen Ziellosigkeit sich verlaufenden Bemhungen um przise und praktikable Abgrenzung der Verwertung in ihren vielfltigen Spielarten von der Beseitigung, aber auch das an umweltpolitischen Themen
reduzierte ffentliche Interesse.
Auch die Situation in der Abfallbeseitigung hat sich erheblich gendert. Das
Deponieren unbehandelter Abflle wird in Deutschland ab dem l. Juni 2005 nicht
mehr erlaubt sein, sofern diese Bestimmung der Technischen Anleitung Siedlungsabfall nicht trotz offizieller Beteuerungen aufgeweicht wird. Bei der Restabfallvorbehandlung konkurrieren mechanisch-biologische Verfahren mit der thermischen Abfallbehandlung. Immerhin werden in Deutschland schon mehr als eine
Million Tonnen Restabflle jhrlich mechanisch-biologisch behandelt. Noch ist
die mechanisch-biologische Behandlung nicht Stand der Technik, Umweltschutzmanahmen und technische Standards werden fr Behandlung, Verwertung der
heizwertreichen Fraktion sowie Deponierung der Rottefraktion zur Zeit definiert.
Daher kann der mechanisch-biologischen Behandlung mit ihren unterschiedlichen

VI

Geleitwort

Zielsetzungen zur Zeit noch keine Planungssicherheit garantierende Rolle im


Beseitigungsgeschehen vorausgesagt werden.
Dieses interessante und umfangreiche Einfiihrungsbuch trgt diesen neuen
Entwicklungen Rechnung; es wendet sich an Studenten der Umwelttechnik, an
abfallwirtschaftlich interessierte Fachleute anderer Disziplinen, aber auch an interessierte Laien, die die verstndliche Sprache dieses Werkes besonders schtzen
werden. Diesem informativen Abfallwirtschaftsbuch wird die gleiche Verbreitung
wie den vorhergehenden Auflagen vorausgesagt und auch gewnscht.
Berlin, im Januar 2000
Universittsprofessor Dr.-Ing. habil. Kar/ J. Thome-Kozmiensky
Technische Universitt Berlin
Institutfr Technischen Umweltschutz
-Fachgebiet Abfallwirtschaft-

Danksagung

Allen Mitarbeitern der Ingenieurgesellschaft INTECUS, die an der berarbeitung


dieses Buches mitgewirkt haben, danken wir fr die kritischen Anregungen und
die engagierte fachliche sowie organisatorische Untersttzung. Unser besonderer
Dank gilt Herrn Dipl.-Ing. Marko Gnther, der fr die gesamte redaktionelle
Bearbeitung verantwortlich war.

Berlin und Dresden, 2000

Prof. Dr.-Ing. Bernd Bilitewski


Dipl.-Ing. Georg W. Hrdtle
Dipl.-Ing. Klaus A. Marek

Inhaltsverzeichnis

1 Einfhrung in die Abfallwirtschaft ................................................................... 1


1.1 Geschichte der Abfallwirtschaft ..................................................................... 1
1.2 Umweltpolitische Prinzipien und Manahmen ............................................... 7
1.2.1 Grundzge .............................................................................................. 7
1.2.2 Umweltpolitische Instrumente ................................................................ 8
1.3 Rechtliche Grundlagen ................................................................................. 10
1.3 .1 Allgemeines .......................................................................................... 10
1.3.2Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW-/AbfG) ......................... 11
1.3 .2 .1 Begriffsbestimmungen .............................................................. 11
[Link] Grundstze der Kreislaufwirtschaft .......................................... 13
1.3 .2.3 berlassungspflichten .............................................................. 14
1.3 .2.4 Strafandrohung ......................................................................... 15
1.3 .3 Technische Anleitung Abfall (TA Abfall) ............................................ 15
1.3.4 Technische Anleitung Siedlungsabfall (TA Siedlungsabfall) .............. 15
1.3.5 Rechtsverordnungen zur Erfllung der Produktverantwortung ............ 16
1.3.6Zulassung von Abfallbehandlungsanlagen ........................................... 17
1.3. 7 Umweltvertrglichkeitsprfung ............................................................ 18
1.3.8 Untergesetzliches Regelwerk zum Kreislaufwirtschafts- und
Abfallgesetz .......................................................................................... 19
1.3 .8.1 Verordnung zur Einfhrung des Europischen
Abfallkataloges (EAK-Verordnung) ........................................ 19
1.3.8.2Verordnung zur Bestimmung der
berwachungsbedrftigkeit von Abfallen) ............................. 20
[Link] Verordnung ber Verwertungs- und Beseitigungsnachweise
(Nachweisverordnung- NachwV) ........................................... 21
[Link] Transportgenehmigungsverordnung (TgV) .............................. 21
1.3 .8.5 Verordnung ber Abfallwirtschaftskonzepte und
Abfallbilanzen ........................................................................... 21
1.3 .8.6 Entsorgungsfachbetriebverordnung (Efb V) und
Entsorgergemeinschaftenrichtlinie ............................................ 22
1.3.9Umwelthaftung ..................................................................................... 23
[Link] Gesetz fr die Umwelthaftung (UHG) ..................................... 23
[Link] Die EG-ko-Audit-Verordnung ............................................... 23

2 Der Abfall .......................................................................................................... 27


2.1 Definition des Abfallbegriffes ...................................................................... 27
2.2 Abfallmengenentwicklung und Abfallzusammensetzung ............................. 29

Inhaltsverzeichnis

2.2.1 Hausmll, Sperrmll und hausmllhnliche Gewerbeabililie .............. 32


2.2.2 Gewerbe- und Produktionsabililie ........................................................ 34
2.2.3 Sonderabilille ........................................................................................ 40
2.2.4 Verpackungsabililie .............................................................................. 45
2.2.5 Altautos und Altreifen .......................................................................... 51
2.2.6Elektronikschrott und Batterien ............................................................ 52
2.2. 7 Klrschlmme ....................................................................................... 55
2.2.8Baurestmassen ...................................................................................... 56
[Link] Aufkommen an Baurestmassen ................................................ 58
2.3 Einflugren der Zusammensetzung von Haus- , Sperr- und
Gewerbemll ................................................................................................ 62
2.3.1 Einflu der Behltergre auf den Abfall ............................................ 64
2.3 .2 Abfallzusammensetzung nach Stoffgruppen ........................................ 67
2.3.3 Schwankungen der Stoffmengen .......................................................... 70
2.3.4 Schwankungen der Dichte und des Feuchtigkeitsgehaltes ................... 72
2.3.5Komgrenverteilung des Abfalls ....................................................... 73
3 Sammlung, Umschlag und Transport von Abfllen und Wertstoffen ......... 75
3.1 Durchfhrung, Systeme, Organisation .......................................................... 75
3.1.1 Sammelsysteme .................................................................................... 76
[Link] Sammelverfahren ...................................................................... 76
[Link] Behltersysteme ........................................................................ 79
3 .1.2 Umschlag .............................................................................................. 82
[Link] Anlieferung ............................................................................... 84
[Link] Aufbereitung ............................................................................. 84
[Link] Be- und Entladung von Transportmitteln ................................. 86
[Link] Planung und Aufbau einer Umschlagstation ............................ 88
3 .1.3 Transportsysteme ................................................................................. 90
3 .1.3 .1 Abfalltransporte auf der Strae ................................................. 90
[Link] Abfalltransporte auf der Schiene .............................................. 97
3 .1.3 .3 Abfalltransporte auf dem Wasser ............................................. 97
3.2 Feste Abililie und Wertstoffe ........................................................................ 98
3 .2.1 Duales System ...................................................................................... 98
3 .2.2 Organisation der Haus- und Sperrmllsammlung ................................ 99
3.2.3 Wertstofferfassung aus Hausmll....................................................... 101
[Link] Gemischte Erfassung .............................................................. 102
[Link] Getrennte Sammlung von Wertstoffen des Hausmlls ........... 102
3 .3 Flssige Abflille und Schlmme ................................................................. 116
3 .3 .1 Transport mit Straenfahrzeugen ....................................................... 116
3 .3 .2 Fllen und Entleeren .......................................................................... 116
3 .3 .3 Behltersysteme ................................................................................. 118
3 .4 Sonderabfalle .............................................................................................. 119
3 .4.1 Gesetzliche Grundlagen ..................................................................... 119
3.4.2Behltersysteme ................................................................................. 124
[Link] Behlter fUr feste und pastse Sonderabfalle .......................... 125
[Link] Behlter fr flssige und schlammige Sonderabililie ............. 126

Inhaltsverzeichnis

XI

3.4.3 Sammelstellen und Zwischenlager ..................................................... 126


3.4.4Sonderabfallkleinmengen aus Haushaltungen .................................... 128
4 Abfallbehandlung und -beseitigung .............................................................. 131
4.1 Geordnete Deponie ..................................................................................... 134
4.1.1 Klassifizierung von Deponien ............................................................ 135
[Link] Deponieformen ....................................................................... 135
[Link] Betriebsformen ....................................................................... 136
4.1.2Deponiestandorte ................................................................................ 138
[Link] Vorschriften und Richtlinien .................................................. 13 8
[Link] Standortanforderungen ........................................................... 139
4.1.3 Einrichtung, Bau und Betrieb einer Deponie ...................................... 141
4.1.3 .1 Deponieabdichtungen ............................................................. 144
[Link] Sickerwassererfassung und -behandlung ................................ 155
4.1.3 .3 Entgasung von Deponien ........................................................ 173
[Link] Betrieb von Deponien ............................................................. 189
[Link] Rekultivierung ........................................................................ 195
4.1.4 Prognose des Langzeitverhaltens von Deponien ................................ 198
[Link] Verkrzung der Nachsorgephase durch
In situ-Stabilisierung .............................................................. 200
[Link] Verfahren zur Befeuchtung, Bewsserung und Belftung ...... 202
[Link] In situ Stabilisierung als Mglichkeit zur Kostensenkung
in der Deponienachsorge ........................................................ 204
4.1.5 Anforderungen an Sonderabfalldeponien ........................................... 205
[Link] Oberirdische Deponien ........................................................... 207
[Link] Untertagedeponien im Salzgestein ......................................... 216
4.2 Thermische Verfahren ................................................................................ 221
4.2.1 Verbrennungsanlagen fiir Haushalts- und Gewerbeabfiille (MVA) ... 222
[Link] Schematischer Aufbau einer klassischen MV A ...................... 222
[Link] Abfallannahme ....................................................................... 223
[Link] Lagerung, Vorbehandlung und Beschickung .......................... 224
[Link] Verbrennungsproze bei der Rostfeuerung ............................ 226
[Link] Schlackenabzug ...................................................................... 237
[Link] Kessel und Abwrmenutzung ................................................. 239
4.2.1. 7 Rauchgasreinigungsverfahren (RGR-Verfahren) ................... 245
[Link] Steuerung und Regelung ......................................................... 260
4.2 .2 Verbrennungsanlagen fiir Sonderabflle ............................................ 261
[Link] Verbrennungsfen .................................................................. 263
4.2.3 Verbrennung von sonstigen Abfllen ................................................. 266
[Link] Verbrennung von Klrschlamm .............................................. 266
[Link] Verbrennung von Stroh und Holz ........................................... 270
4.2.4 Ent- und Vergasung von Abfllen (Pyrolyse) .................................... 272
[Link] Entgasung ............................................................................... 273
[Link] Vergasung ............................................................................... 274
[Link] Umweltbetrachtungen ............................................................. 277
4.2.5 Hydrierung und Hydrolyse ................................................................. 279

XII

Inhaltsverzeichnis

4.2.6 Trocknungsverfahren .......................................................................... 282


[Link] Sonstige Trocknungsanlagen .................................................. 294
4.3 Biologische Verfahren ................................................................................ 294
4.3 .I Kompostierungsverfahren .................................................................. 295
4.3 .1.1 Grundlagen der Kompostierung ............................................. 295
4.3 .1.2 Bioabfallkompostierung ......................................................... 301
[Link] Rotte von festen Abfallstoffen ................................................ 320
4.3.2Anaerobe Verfahren ........................................................................... 329
[Link] Grundlagen der anaeroben Vergrung .................................... 330
[Link] Verfahrensvarianten ............................................................... 332
[Link] Endprodukte ........................................................................... 338
[Link] Emissionen ............................................................................. 341
4.4 Chemische und Physikalische Verfahren .................................................... 341
4.4.1 Emulsionsspaltung ............................................................................. 341
[Link] Behandlung der Emulsionen durch chemisch-physikalische
Verfahren ................................................................................ 343
[Link] Behandlung der Emulsionen durch thermische Verfahren ..... 343
4.4.2 Destillation und Verdampfung ........................................................... 346
4.4.3 Neutralisation ..................................................................................... 346
[Link] Neutralisation saurer oder basischer Abwsser und
Schlmme ............................................................................... 346
[Link] Behandlungsprozesse bei der Neutralisation .......................... 347
4.4.4Entgiftung ........................................................................................... 348
[Link] Chromatentgiftung .................................................................. 349
[Link] Cyanidentgiftung .................................................................... 350
[Link] Nitritentgiftung ....................................................................... 351
4.4.5 Wertstoffrckgewinnung .................................................................... 352
4.4.6 Beispiel einer chemisch-physikalischen Behandlungsanlage ............. 352

5 Recycling von Abfllen .................................................................................. 355


5.1 Grundlagen der Aufbereitungstechnik ........................................................ 355
5.1.1 Zerkleinerung ..................................................................................... 358
[Link] Hammermhlen ...................................................................... 359
5 .1.1.2 Prallbrecher ............................................................................ 360
5 .1.1.3 Schneidmhlen und Rotorscheren .......................................... 362
5 .1.1.4 Cascadenmhlen ..................................................................... 3 63
[Link] Siebraspeln ............................................................................. 364
[Link] Backenbrecher ........................................................................ 365
5.1.2 Klassierung ......................................................................................... 366
[Link] Siebe ....................................................................................... 367
[Link] Windsiebter ............................................................................ 371
5.1.3 Sortierung ........................................................................................... 375
5 .1.3 .I Magnetscheider ...................................................................... 37 5
[Link] Wirbelstromscheider ............................................................... 376
[Link] Optische Sortierung ................................................................ 378
5 .1.3 .4 Flotation .................................................................................. 3 79

Inhaltsverzeichnis

XIII

5 .1.3 .5 Dichtesortierung ..................................................................... 3 81


5 .1.3 .6 Handsortierung ....................................................................... 3 83
5.1.4 Verdichten .......................................................................................... 385
[Link] Ballenpresse ............................................................................ 387
[Link] Weitere Preverfahren ............................................................ 387
5.2 Autbereitungsverfahren .............................................................................. 390
5.2.1 Verfahren zur Gewinnung und Nutzung von Sekundrrohstoffen ..... 390
[Link] Recycling von Wertstoffen aus Haushaltsabfiillen ................. 390
[Link] Recycling von hausmllhnlichen Gewerbeabfallen .............. 398
[Link] Recycling von Bauabfiillen ..................................................... 402
5.2 .1.4 Recycling von Autowracks ..................................................... 416
5 .2.1.5 Recycling von Altreifen .......................................................... 423
5 .2.1.6 Recycling von Elektronikschrott ............................................ 428
[Link] Recycling von Khlgerten .................................................... 437
[Link] Recycling von Sonderabfiillen ................................................ 442
5 .2.2 Verfahren zur Gewinnung von Brennstoff.. ....................................... 456
[Link] Brennstoff aus Mll (BRAM) ................................................. 457
5 .2.2.2 Carbo-Sed-Verfahren ............................................................. 464
[Link] Holzhackschnitzel. .................................................................. 466
[Link] Brennstoff aus Papier (BRAP) .............................................. .467
5.3 Vermarktung von Recycling-Produkten ..................................................... 468
5.3 .1 Allgemeine Bemerkungen .................................................................. 468
5.3 .1.1 Marktanalyse .......................................................................... 469
5.3 .1.2 Produktverkauf und Leistungsparameter ................................ 469
5 .3 .1.3 F rdermglichkeiten des Absatzes ......................................... 4 70
5 .3 .2 Papier und Pappe ................................................................................ 4 71
5.3 .2.1 Qualittsanforderungen .......................................................... 4 71
[Link] Erlse ...................................................................................... 474
5.3.3 Altglas ................................................................................................ 476
[Link] Qualittsanforderungen .......................................................... 476
[Link] Erlse ...................................................................................... 477
5 .3 .4 Eisenschrott ........................................................................................ 4 77
5 .3 .4 .1 Qualittsanforderungen .......................................................... 4 77
[Link] Erlse ...................................................................................... 479
5.3.5 Kunststoffe ......................................................................................... 480
[Link] Qualittsanforderungen .......................................................... 480
[Link] Erlse ...................................................................................... 481
5.3 .6 Kompost ............................................................................................. 482
[Link] Qualittsanforderungen .......................................................... 483
[Link] Erlse ...................................................................................... 486
5.3. 7 Sekundrbaustoffe .............................................................................. 486
5.3. 7.1 Qualittsanforderungen .......................................................... 488
[Link] Erlse ...................................................................................... 493
5.3 .8 Asphalt ............................................................................................... 493
[Link] Qualittsanforderungen .......................................................... 493
[Link] Erlse ...................................................................................... 494

XIV

Inhaltsverzeichnis

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung ........................................................... 495


6.1 Rahmenbedingungen der Abfallvermeidung .............................................. 495
6.1.1 Begriffsdefinition ............................................................................... 495
6.1.2 Einflu verschiedener Akteure auf die Abfallvermeidung ................. 495
[Link] Manahmen indirekter Akteure .............................................. 499
6.1.2.2Direkte Akteure ....................................................................... 504
6.2 Vermeidung von Hausmll ......................................................................... 507
6.2.1 Mglichkeiten zur Abfallvermeidung im Haushalt ............................ 507
6.2.2 Praktische Erfahrungen mit Abfallvermeidungsmanahmen ............. 508
[Link] Modellversuch Abfallvermeidung Berlin ............................... 509
6.2.2.2Modellversuch Abfallvermeidung in Hamburg-Harburg ........ 511
[Link] bertragbarkeit von Modellversuchen und Einschtzung
erreichbarer Vermeidungsquoten ............................................ 514
[Link] Abfallvermeidung bei Groveranstaltungen am Beispiel der
,Grnen Woche' ..................................................................... 515
[Link] Energieeinsparung durch Abfallvermeidung .......................... 517
[Link] Abfallvermeidung als Kaufkriterium und wirtschaftliche
Einflugre ........................................................................... 517
6.3 Vermeidung von Produktionsabililien ........................................................ 518
6.3 .1 Instrumente zur Durchsetzung ............................................................ 518
6.3.2 Technische Mglichkeiten ................................................................. 520
6.3 .2.1 Abfallarme Produktionsverfahren (Prozeoptimierung) ......... 523
[Link] Innerbetriebliche Verwertung von Sonderabfiillen ................. 557
6.3.3 Auswirkung der Verminderung von Sonderabfllen durch
die Industrie ........................................................................................ 563
6.3 .3.1 Vorgehensweise und Untersuchungsgegenstand .................... 564
[Link] Ergebnisse der Untersuchung zur Verminderung von
Sonderabfllen durch die Industrie ......................................... 565
6.3.4 berprfung der Prognosen zur Verminderung
der Sonderabflle durch Manahmen der Industrie ............................ 572
6.3.5 Mglichkeiten zur Verminderung von Reststoffen durch
die Industrie ........................................................................................ 574
[Link] Bisher anfallende Reststoffmengen ........................................ 576
[Link] Potentiale zur Verminderung von Reststoffen ........................ 578
[Link] Nutzung der Potentiale zur Reststoffverminderung ................ 581

7 Altlasten ........................................................................................................... 583


7.1 Ursachen und Begriffsbestimmung ............................................................. 583
7.2 Umfang und Gefahrenabschtzung von Altlasten ....................................... 584
7 .2.1 Umfang altlastenverdchtiger Standorte ............................................ 584
7 .2.2 Umweltgefahren durch Altlasten ........................................................ 585
7.2.3 Rechtsfragen ....................................................................................... 585
7.3 Erfassung, Erkundung und Bewertung ....................................................... 586
7.3.1 Erfassung ............................................................................................ 586
7.3 .2 Erkundung .......................................................................................... 587

Inhaltsverzeichnis

xv

[Link] Auswertung von Archivmaterial... .......................................... 587


[Link] Karten- und Luftbildinterpretation ......................................... 587
[Link] Erkundung durch Bioindikatoren ........................................... 588
[Link] Geophysikalische Erkundungsmethoden ................................ 589
[Link] Untersuchungen des Grundwassers ........................................ 591
[Link] Untersuchungen der Bodenluft ............................................... 597
7.3 .3 Abschtzung und Bewertung des Gefhrdungspotentials .................. 598
[Link] Grenzwertproblematik ............................................................ 598
[Link] Bewertungsverfahren .............................................................. 599
7.4 Sanierungstechniken ................................................................................... 600
7 .4.1 Biologische Sanierungsverfahren ....................................................... 600
7.4 .1.1 On-site-Verfahren ................................................................... 600
7 .4.1.2 In-situ-Verfahren .................................................................... 602
7 .4.2 Physikalisch-chemische Sanierungsverfahren .................................... 602
7.4.3 Thermische Verfahren ........................................................................ 604
7 .4.4 Hydraulische Manahmen .................................................................. 605
7.4.5 Bodenluftabsaugung ........................................................................... 606
7.4.6Passive Systeme ................................................................................. 607
7 .4.6.1 Permeable Reaktionswnde .................................................... 607
7.4.6.2funnel-and-gate-System .......................................................... 609
7 .4. 7 Einkapselung ...................................................................................... 610
7.4.8Immobilisierung und Verfestigung..................................................... 612
8 Kostenbetrachtung von Abfallbehandlungsanlagen ......................... 613
8.1 Grundlagen des Wirtschaftlichkeitsvergleiches .......................................... 613
8.2 Thermische Verfahren ................................................................................ 613
8.2.1 Kapitalbedarf von Abfallverbrennungsanlagen .................................. 614
8.2.2 Betriebskosten von Abfallverbrennungsanlagen ................................ 615
8.2.3 Behandlungskosten verschiedener Thermischer Verfahren ............... 616
8.2.4Erlse filr Thermische Verfahren ....................................................... 617
8.3 Aufbereitungsverfahren .............................................................................. 619
8.3 .I Anlagekapitalbedarf und Kosten einer Gewerbeabfallsortieranlage .. 619
8.3.2 Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen filr Abbruch- und
Aufbereitungsanlagen [8.4] ................................................................ 620
[Link] Wirtschaftlichkeitsvergleich zwischen dem klassischen
Abbruch und einem kontrollierten Rckbau ........................... 620
8.3.2.2Wirtschaftlichkeit von Aufbereitungs- und Sortieranlagen
filr gebrauchte Baustoffe ........................................................ 624
8.3.2.3Kostenwirksamkeit der getrennten Erfassung
auf der Baustelle ..................................................................... 629
8.3.3 Sortierkosten bei der getrennten Altpapiersammlung ........................ 631
8.3.4 Sortierkosten der DSD-Leichtverpackungen ...................................... 632
8.3.5 Mechanisch-biologische Restabfallverfahren ..................................... 633
8.3 .5 .1 Anlagekapitalbedarf und Kostenstruktur der MBA ................ 63 5
8.3.5.2Behandlungskosten der stoffstromspezifischen
Restabfallbehandlung ............................................................. 639

XVI

Inhaltsverzeichnis

8.3 .6 Biologische Verfahren- Kompostierung und Vergrung .................. 642


8.3. 6.1 Anlagekapitalbedarf fr Vergrungsanlagen .......................... 64 2
[Link] Anlagekapitalbedarf fr Kompostierungsanlagen .................. 645
[Link] Behandlungskosten fr Vergrungsanlagen ........................... 645
[Link] Behandlungskosten fr Kompostierungsanlagen .................... 648
[Link] Kostenstrukturen ausgefhrter Anlagen [8.6] ......................... 650
[Link] Sensitivittsanalyse [8.6] ........................................................ 651
[Link] Kosten und Preise ................................................................... 652
8.3.7 Geordnete Deponie ............................................................................. 654
8.3. 7.1 Kapitalbedarf zur Errichtung einer Deponie ........................... 654
[Link] Kosten verschiedener Oberflchenabdichtungssysteme fr
Altdeponien ............................................................................ 655
[Link] Kosten der Deponie ................................................................ 658
8.3. 7.4 Kosten und fmanzmathematische Grundlage
der Nachsorge [8.18] .............................................................. 660
8.4 Vergleich der verschiedenen Entsorgungsverfahren ................................... 662
8.4.1 Reduktion der Restabfallmengen ....................................................... 663
8.4.2 Kostenvergleich der mechanisch-biologischen mit der
thermischen Abfallbehandlung ........................................................... 664
9 Integrierte Entsorgungskonzepte, zuknftige Entwicklungen ................... 667
9.1 Ziel des Entsorgungskonzeptes ................................................................... 668
9.2 Bestandsaufnahme (Ist-Zustand) ................................................................ 670
9.3 Bewertung von Entsorgungsmglichkeiten und -verfahren ....................... 671
9.4 Abfallentsorgungskonzept (Soll-Zustand) .................................................. 672
9.5 Organisatorische, finanzielle und rechtliche Manahmen .......................... 674
9.6 Zuknftige Umsetzung von Abfallgebhren nach dem
Wirklichkeitsmastab ................................................................................. 675
9.6.1 Klassische Gebhrensysteme ............................................................. 675
9.6.2Modemes Gebhrensystem ................................................................ 677
9.6.3 Verursachergerechte Abrechnung von Abfallgebhren in
Growohnanlagen .............................................................................. 680
[Link] Technische Systeme und Abrechnungsmglichkeiten ............ 681
[Link] Erfahrungen aus den bisherigen Versuchen ............................ 683
Literatur ............................................................................................................... 687
Sachverzeichnis ................................................................................................... 719

1 Einfhrung in die Abfallwirtschaft

1.1
Geschichte der Abfallwirtschaft
Schon ca. 8000 bis 9000 Jahre vor unserer Zeitrechnung haben Menschen gelernt,
ihre Abflle auerhalb der Ansiedlungen abzulagern. Es handelte sich dabei
sowohl um Speisereste wie Muschelschalen und Knochen als auch um zerstrte
Haushaltsgegenstnde wie Tonscherben. Es ist zu vermuten, da die Menschen
diese Abfallpltze anlegten, um der Belstigung durch Ungeziefer, Gestank und
wilde Tiere zu entgehen.
Im Altertum wurden die Abflle in vielen Stdten des europischen und asiatischen Raumes z.B. in Tonvasen gesammelt und abtransportiert. In verschiedenen
anderen Gebieten wurden Gruben fr die Sammlung der Abflle und Fkalien
angelegt, die nach einiger Zeit geleert und gereinigt wurden. Auch Vorschriften
(320 v. Chr. Athen) fr die tgliche Straenreinigung durch die Anlieger sind aus
dieser Zeit berliefert, obwohl zu diesem Zeitpunkt der Zusammenhang zwischen
Hygiene und den Geieln der Menschheit wie Pest, Pocken und Cholera etc. noch
nicht bekannt war.
In Athen muten Abfuhrunternehmen den Straenmll und Fkalien mindestens
2 km auerhalb der Stadtmauem ablagern [1.28].
Die rzte, wie z.B. der griech. Gelehrte Hippokrates (um 400 v. Chr.) und der
arabische Arzt Avicenna (Ibn Sina, 1000 n. Chr.), ahnten als erste einen Zusammenhang zwischen Hygiene, schlechtem Wasser und verdorbenen Lebensmitteln
sowie Seuchen.
Der rmische Kaiser Dom)tian (81-96 n. Chr.) lie regelrecht Jagd auf Ungeziefer machen, da seine Berater erkannten, da mit abnehmender Stadthygiene die
Population an Lusen, Wanzen, Ratten etc. zunahm. Kaiser Vespasian (69-79 n.
Chr.) lie ffentlich irdene Urintpfe aufstellen und deren Wchter mit einer Urinsteuer belegen, "Pecunia non olet".
Rom verfilgte 300 n. Chr. ber 144 ffentliche Bedrfnisanstalten mit darunter
flieendem Wasser [1.28].
Trotz allem beutelten die Seuchen die Menschheit, lieen Kulturen untergehen
und entvlkerten ganze Landstriche.
Mit dem Untergang des Rmischen Reiches und den Wirren der Vlkerwanderung ging das Wissen um die Kulturtechnik und die ersten Hygienetechniken des
Altertums fr fast 1000 Jahre verloren. Bis in das letzte Jahrhundert hinein wurden
Straen, Flsse und das Grundwasser durch die Abflle und Fkalien von Menschen und Tieren verschmutzt.

B. Bilitewski et al., Abfallwirtschaft


Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2000

1 Einf"hrung in die Abfallwirtschaft

Im 6. Jahrhundert wie im 14. Jahrhundert wteten die Seuchenzge in dem dichtbesiedelten Europa, denen ca. l/3 der Bevlkerung (25 Mio. Menschen) in wenigen Jahren (1347- 1352) zum Opfer fielen [1.28].
Erst im 15. Jahrhundert wurden auf Anweisung der Ratsversammlungen der
Stdte Straen gepflastert, so da niemand mehr im Kot und Abfallschlamm versinken mute. Stadtluft machte nicht nur frei, sondern stank auch zum Himmel.
Den Brgern wurde bei hohen Strafen uerste Sauberkeit verordnet. Deshalb
wurden Abfallsammelbehlter eingefiihrt, die Straen regelmig gereinigt und
Tierleichen eingesammelt sowie die Habe von Pesttoten verbrannt.
Der Durchbruch wurde zwischen 1850 und 1890 durch die rzte und Wissenschaftler lgnaz Semmelwei, Sanitrrat Thilenius, Louis Pasteur und Robert Koch
erreicht, die erstmals Bakterien und Viren als Krankheitserreger und deren Verbreitungspfade in Abhngigkeit zur Hygiene nachwiesen.
Im 19. Jahrhundert gab es allein in Preuen in den Jahren von 1831 bis 1873
bei neun Choleraepidemien etwa 380 000 Tote [1.1]. Der Zusammenhang zwischen Hygiene und Sterblichkeit war erkannt und damit der notwendige naturwissenschaftliche Hintergrund den Zweiflern entgegengesetzt. Die Forderung
nach Wasser- und Klrwerken, luftigen Wohnungen, sorgsamer Lebensmittelberwachung und ffentlicher Gesundheitsvorsorge wurde gegenber den Stadtrten lauter. Ingenieure und Techniker waren nun gefordert, Technologien zu entwickeln, die diesen Problemen Abhilfe schaffen sollten. Dies fiihrte in England
1876 unter anderem zum Bau der ersten Mllverbrennungsanlage.
Besonders deutlich wurden diese Erfordernisse 1892 in Hamburg, als ca. 9 000
Menschen der Cholera (Schmutzwasserseuche) zum Opfer fielen. Die Hamburger
"Stadtwasserkunst" pumpte abfall- und fiikalienverunreinigtes Elbwasser in die
Leitungen der Stadt und frderte damals die Seuchenausbreitung. Das preuische
Altona und Wandsbeck, mit jeweils einem eigenen Wassernetz mit Reinigungsstufen, blieb neben den "stark durchseuchten" Vierteln St. Pauli und Bimsbttel
von der Krankheit verschont. Ein Wasserwerk mit Sandfilter htte die Ratsherren
damals ca. 22 Mio. Gold-Mark gekostet, die Cholera jedoch forderte 430 Mio.
Gold-Mark als Tribut [1.28].
1893 wurde der Hamburger Senat durch die Bevlkerung des Umlandes, die die
Unterbringung des von der Cholera verseuchten Abfalls der Stadt verweigerte,
gezwungen, die erste Mllverbrennungsanlage im Deutschen Reich zu bauen und
zu betreiben. Beim Betrieb der Hamburger Mllverbrennungsanlage, an dessen
Planung englische Experten beteiligt waren, zeigten sich zu Beginn erhebliche
Probleme. Diese rhrten daher, da die Hamburger Anlage angelehnt an die Mllverbrennungsanlage in England konzipiert wurde, sich die Hamburger Hausmllzusammensetzung jedoch erheblich von der englischen unterschied [1.9].
Der essentielle Zusammenhang zwischen Umwelthygiene und lebensbedrohenden Krankheiten lt sich auch heute noch deutlich in Entwicklungslndern
nachvollziehen. berall dort, wo die Flsse als Abfall- und Fkalienpfade dienen,
wo Menschen auf Mlldeponien aus Armut ihr Auskommen suchen, wo eine Abfallentsorgung, Wasser- und Abwasserorganisation aus Grnden von Katastrophen,
Kriegen und Unterentwicklung nicht mglich ist, fmden selbst 1999 Seuchen ihre
nahezu unbegrenzbare Ausbreitung.

Ll Geschichte der Abfallwirtschaft

Um die Jahrhundertwende wurde neben der Energienutzung aus der Mllverbrennung erstmalig das Recycling von Wertstoffen aus Hausmll eingefiihrt.
Die erste Handsortieranlage der USA wurde 1898 in New York City gebaut, die
den Abfall von 116 000 Einwohnern entsorgte. Dabei wurden 37 Gew.-% des
Inputs als Wertstoffwiedergewonnen [1.2). Auch in Deutschland wurden zu dieser
Zeit Handsortieranlagen in Berlin-Charlottenburg, Harnburg und Mnchen betrieben. Mit einer Kombination von Siebtrommeln und Frderbndern konnte z.B. die
Sortieranlage in Mnchen 300 Mg Abfall pro Tag verarbeiten.
Die moderne Abfallwirtschaft in Deutschland begann Mitte der sechziger Jahre.
Die Bundesregierung hatte mittlerweile die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen, um die Stdte und Gemeinden als Abfallbeseitigungspflichtige mit entsprechender Strafandrohung zu bestinunen. Im Oktober 1965 wurde die "Zentralstelle
ftlr Abfallbeseitigung" beim Bundesgesundheitsamt in Berlin von Bund und Lndern gegrndet. Aktuelle Fragen der Abfallbeseitigung wurden in Expertenrunden
errtert und in entsprechenden Merkblttern schriftlich festgehalten. Diese Merkbltter dienen den Beseitigungspflichtigen seitdem als Grundlage ihrer Arbeit.
In Folge des enormen Wirtschaftswachstums hatte sich das Mllaufkommen
Anfang der siebziger Jahre bereits zu einer "Mllawine" [1.13] entwickelt, wofllr
die Steigerung der industriellen Produktion und des privaten Konsums mageblich
verantwortlich waren.
Die Produktion und der Verbrauch von Gtern in einem Gewinnungs-, Fertigungs-, Veredelungs- und Dienstleistungsproze zeichnet sich u.a. dadurch aus,
da neben dem eigentlichen Produkt zwangslufig Nebenprodukte und
-Ieistungen entstehen. Die Grnde ftlr die Entstehung solcher Nebenleistungen
bzw. -produkte sind vielfltig und resultieren aus verfahrenstechnisch bedingten
Zusammenhngen [1.6].
Der Verbrauch von Gtern in Haushalten hielt in den letzten Jahren mit der gestiegenen Prosperitt Schritt. Seitdem quantitative und qualitative Bedrfnisse
erfllt sind, spielen zunehmend tertire Kaufinotivationen eine entscheidende
Rolle, was einer der Grnde ftlr den Anstieg der Hausmllmengen ist. Tertire
Kaufinotivationen sind z.B. das Design des Produktes, welches unter Umstnden
durch eine aufwendige Verpackung erzielt wird, oder die Bequemlichkeit beim
Konsum, die die Verwendung von Wegwerfverpackungen und -produkten begnstigt.
Die Abfallentsorgung in der Bundesrepublik stand in diesen Jahren in erster Linie vor der Bewltigung des Massenproblems.
Die Abfiille wurden bis Ende der sechziger Jahre auf einer Vielzahl von kleinen
Kippen lediglich abgelagert, so da noch 1972 die im Laufe des Jahres angefallene
Hausmllmenge nur grob auf 9 bis 18 Mio. Mg geschtzt werden konnte [1.13].
Neben den ca. 50 000 Ablagerungspltzen wurden ungefhr 130 geordnete Deponien, 16 Kompostwerke und 30 Verbrennungsanlagen betrieben, die nur ungefiihr
37% des Hausmlls ansatzweise umweltgerecht entsorgen konnten. Als vordringliches Ziel wurde daher die Schlieung einer Vielzahl kleiner Mllkippen erklrt
[1.12, 1.14] und die Einfhrung geordneter Entsorgungsanlagen gefordert. Die
Umweltproblematik der geforderten Beseitigungsverfahren war jedoch bereits
bekannt (Grundwassergefiihrdung und Gasemissionen durch Deponien, Schadgas-

1 Einfhrung in die Abfallwirtschaft

emissionenaus der Mllverbrennung und Schwermetallbelastung des Kompostes),


so da eine weitere Forderung nach der Ordnung der Entsorgung unter Ausschlu
einer Gefahrdung der Gesundheit von Mensch und Tier erhoben wurde. Die gesetzliche Verankerung dieser Forderung wurde schlielich durch das Abfallbeseitigungsgesetz vom 7. Juni 1972 geschaffen. 1975 wurde das Studium fr technischen Umweltschutz an der TU Berlin eingefhrt und 1977 das erste deutsche
Institut fr technischen Umweltschutz in Berlin gegrndet. Der Umweltschutzingenieur sollte sich fortan als fachbergreifender Wissenschaftler der organisatorischen und technischen Qualitt des Umweltschutzes annehmen.
In den nachfolgenden Jahren konnten eine erhebliche Reduzierung der ursprnglich 50 000 Hausmlldeponien sowie eine kontinuierliche Verbesserung des
technischen Standards von Deponien erreicht werden. So wurden im Jahre 1980
nur noch 530, 1984 noch 385 und 1999 310 Deponien betrieben, die noch etwa
70% des Hausmlls entsorgten [1.10]. Obwohl sich die Deponietechnik bis hin
zum aktuellen Multibarrierenkonzept weiterentwickelte, mit Hilfe dessen eine
Gefhrdung von Mensch und Umwelt mittelfristig ausgeschlossen werden soll,
kann die Dichtigkeit der Systeme auf Dauer nicht garantiert werden. Als warnendes Beispiel kann die bis 1979 betriebene Deponie Georgswerder in Harnburg
dienen. Dort wurden, nach dem damaligen Stand der Technik, Sonderabflle in
Hausmll eingebettet. Bereits 1983 wurden in den Sickerwssem eine unberschaubare Vielfalt von Schadstoffen und hohe Konzentrationen an Dioxinen gefunden, so da die Deponie nun fr mehrere hundert Millionen DM saniert werden
mute [1.16]. Von den 50 000 Altablagerungen in der Bundesrepublik sind ca.
10% als sanierungsbedrftige Altlasten einzustufen [1.17], darunter grere Deponien, auf denen inzwischen Siedlungen errichtet wurden.
Bis 1981 wurde die Verbrennungskapazitt fr Hausmll auf42 Verbrennungsanlagen erhht. Dies hatte eine Zunahme der Schadgasemissionsmengen zur Folge,
die durch den zunehmenden Anteil chemischer Produkte im Hausmll teilweise
berproportional anwuchsen. 1981 besaen alle Anlagen zwar bereits Entstaubungseinrichtungen, aber nur 113 der Anlagen verfgten ber eine weitergehende
Rauchgasreinigung [ 1.15]. 1987 waren demgegenber schon 2/3 der nunmehr 46
Mllverbrennungsanlagen mit einer weitergehenden Rauchgasreinigung ausgestattet. Die Hlfte dieser Anlagen sind mit Entschwefelungseinrichtungen ausgerstet, so da die Schwefelemissionen weitgehend reduziert werden konnten [1.10].
Trotzdem kamen die Verbrennungsanlagen durch die Emissionen von den durch
die Seveso-Katastrophe berchtigten Dioxinen mehr und mehr in den Blickpunkt
ffentlicher Diskussionen. 1999 waren 51 Verbrennungsanlagen in Betrieb und 4
Mllverbrennungsanlagen kurz vor der Inbetriebnahme. Eine Anlage zur thermischen Verwertung von Hausmll wird als Pyrolyseanlage betrieben.
Ein weiteres Verfahren der Abfallbehandlung stellt die Kompostierung dar. Die
Zahl der Hausmll-Kompostierungsanlagen stieg bis 1987 auf 28. Whrend der
Hausmll frher berwiegend aus leicht abbaubarer organischer Substanz beschaffen war, vernderte sich dessen Zusammensetzung zunehmend zugunsten schwer
abbaubarer Inhaltsstoffe bzw. zunehmenden Anteilen an Glas, Metallen und Verbundmaterialien. Diese Vernderung fhrte unter anderem zu einer Erhhung der
Schwermetallbelastungen im Kompost, mit dem Resultat wachsender Absatz-

1.1 Geschichte der Abfallwirtschaft

Schwierigkeiten dieses Produktes. Der Trend innerhalb der Hausmllentsorgung


ging daher in Richtung einer vom brigen Hausmll getrennt erfaten organischen
Fraktion, dem sogenannten Biomll, der nach der Rotte ein absatzfhiges Produkt
darstellt. Im Jahr 1993 waren bundesweit weniger als 10 Anlagen fr die Hausmllkompostierung und ca. 80 Anlagen fr die Bioabfallkompostierung in Betrieb;
18 Anlagen waren im Bau und weitere 71 im Genehmigungsverfahren. 1999 sind
458 Bioabfallkompostierungsanlagen im Betrieb.
Entwicklungen von anaeroben Vergrungsverfahren, die zur Biogaserzeugung
bei geringerem Platzbedarf Vorteile versprechen, bieten sich hier als mgliche
Ergnzung zur Kompostierung an.
Whrend zwar das ursprngliche Ziel des Abfallbeseitigungsgesetzes, die Abfallbeseitigung zu ordnen, grundstzlich erreicht wurde, konnte der Anspruch,
auch die Abfallmenge zu steuern, bisher nicht erfllt werden. Der Begriff der Abfallvermeidung als primres Ziel der Abfallwirtschaft vor einer Verwertung und
Ablagerung fand erst 1986 mit der 4. Novelle des Abfallbeseitigungsgesetzes
Eingang in das umbenannte Abfallgesetz (AbfG). Der Begriff der Abfallvermeidung umfat nicht nur abfallarme Technologien, sondern auch die Wiederverwertung von Produkten, ihre recyclinggerechte Konstruktion sowie die Erhhung
ihrer Lebensdauer.
Der Druck auf die Industrie und den Handel, sich mit der Abfallvermeidung
ber Produktgestaltung, Transportsicherung und Konsumentenwirkung auseinanderzusetzen, konnte 1991 bis 1993 durch Erla verschiedener Verordnungen auf
Grundlage des damaligen 14 AbfG, und jetzigen 22 KrW-/AbfG, betrchtlich
verstrkt werden. Hierdurch wird in den nchsten Jahren als Reaktion von Seiten
der Industrie und Verbraucher eine essentielle Auseinandersetzung mit dem Umweltschutzgedanken zu erwarten sein.
Das Recycling von Hausmll ist auch weiterhin auf die Stoffe Glas, Papier,
Kunststoff und Metalle beschrnkt. Anlagen zur Verwertung von Hausmllinhaltsstoffen konnten technisch nicht befriedigend optimiert werden. Es lieen
sich mit recycelten Wertstoffen aus gemischt erfatem Hausmll nur ungengende
Produktqualitten erzielen, was zu einer schlechten Wirtschaftlichkeit von Sortieranlagen fhrte. Daher ging der Trend seit Mitte der achtziger Jahre zu einer weitgehenden Trennung der Stoffe vor der Sammlung, analog zur Entwicklung bei
getrennt erfaten organischen Substanzen.
Die Herstellung von Brennstoff aus Mll (BRAM) konnte die Anfang der achtziger Jahre gestellten Erwartungen, einen problemlosen und emissionsarmen Energietrger zu erzeugen, nicht erfllen. Heute entwickeln sich im Zusammenhang mit
der MBA (Mechanisch-biologische Anlage) neu heizwertreiche Abfallfraktionen,
die als BRAM in der Co-Verbrennung eingesetzt werden sollen.
Die Ent- und Vergasungsverfahren fr Hausmll fhrten bisher aufgrund vielfltiger technischer Schwierigkeiten nicht zur Durchsetzung von Groanlagen.
Diese Verfahren konnten mittelfristig nur fr getrennterfate Fraktionen, wie z.B.
gemischte Kunststoffe, Altreifen, etc., Verwendung finden.
Da in den letzten Jahrzehnten versumt wurde, ausreichende Entsorgungskapazitten zu schaffen, spitzt sich die Abfallproblematik mehr und mehr zu.
Akzeptanzprobleme in der Bevlkerung bei der Genehmigung neuer Abfallbe-

1 EinfUhrung in die Abfallwirtschaft

handlungsanlagen und dadurch bedingtes zgerndes Handeln der kommunalen


Entscheidungstrger ftlhren zu einem zunehmenden Abfallexport Zustzlich erhhen sich die Abfallmengen durch die Weiterentwicklung und Einftlhrung von Reinigungstechniken. So fallen zum Beispiel aus der kommunalen Abwasserreinigung
pro Jahr 50 Mio. m3 Klrschlmme mit 5% Trockensubstanzgehalt an [1.10]. Bei
der Abwasserreinigung sowie in der Luftreinhaltung werden die Schadstoffe dem
zu reinigenden Medium entzogen und in eine feste Form gebracht, was zu einer
Verlagerung der Schadstoffe ftlhrt und die Abfallwirtschaft vor neue Aufgaben
stellt. Mit Einftlhrung des Investitionserleichterungsgesetzes 1993 und der eindeutigen Festlegung des Standes der Technik durch die Technische Anleitung Abfall
(TA Abfall) und TA Siedlungsabfall 1993 soll den langen Laufzeiten von Genehmigungsverfahren entgegengesteuert werden.
Durch die Einftlhrung des neuen Abfallgesetzes als Kreislaufwirtschaftsgesetz
am 6.10.1996, mit seinem defmierten Schwerpunkten auf Abfallvermeidung und
Kreislaufwirtschaft, werden in nchster Zukunft groe Vernderungen fiir die
Abfallwirtschaft erwartet.
ber die zuknftige Entwicklung der Abfallwirtschaft lassen sich nur ungenaue
Aussagen treffen, zumal mit der Wiedervereinigung Deutschlands die neuen Bundeslnder mit einem erheblichen Nachholbedarf den heute bestehenden Erkenntnissen einer modernen Abfallwirtschaft angepat werden mssen. Mit Wirkung
zum 0 1. 07.1990 wurde das bestehende Umweltrecht fiir die neuen Bundeslnder
wirksam. Durch den Aufbau neuer bzw. Nutzung der in der ehemaligen DDR
(Sero-System) bestehenden Strukturen boten sich fiir die Abfallwirtschaft einzigartige Chancen, bisherige Fehler zu vermeiden. Die Mglichkeiten, so sieht die
erste Bilanz aus, wurden nicht genutzt. Es wurden neue zum Teil schwerwiegende
Fehler gemacht, die sich langfristig nachteilig auswirken werden. Dies bedeutet fiir
die an der Abfallwirtschaft Beteiligten, also private wie industrielle und kommunale Abfallerzeuger, ffentliche wie private Entsorger, beratende und planende
Ingenieure, Wissenschaftler und Gesetzgeber, eine groe Herausforderung, da
nach wie vor:
- die Abfallverbrennnung auf Akzeptanzprobleme stt,
- die Deponien zuknftige Altlasten darstellen und vorhandene Kapazitten nur
noch wenige Jahre nutzbar sind,
- die Kompostierung ein absatzfiihiges Produkt erzeugen mu und nur noch mit
Biomll als Input sinnvoll zu betreiben ist,
- Verfahren wie die Pyrolyse, an der Schwelle zur grotechnischen Umsetzung
stehen,
- neue abfallarme Verfahren beim Aufbau neuer Industrien angewendet werden
sollten, die Strukturen zur getrennten Erfassung hinsichtlich Reinheit der Sammetware und der Kosten optimiert werden mssen,
- die Technik der Demontage fUr viele Konsumprodukte und Gebude nach dem
Gebrauch anwendbar ist,
- weitere Impulse in Richtung Abfallvermeidung unternommen werden knnen.
Bei der Lsung dieser Aufgaben wird es zu interessanten Entwicklungen, insbesondere bei den Abfallwirtschaftsstrukturen, im Hinblick auf die ProduktRcknahmeverpflichtungen fUr die Produzenten kommen. Hinzu kommen neue

1.2 Umweltpolitische Prinzipien und Manahmen

Anforderungen, wie z.B. der systematische Rckbau von Gebuden und die Optimierung des Baustellenbetriebes zur Frderung des Bauschuttrecyclings.
Fr die sog. Sonderabflle stellt sich die Abfallbeseitigungssituation hnlich
wie bei den Abfllen aus Haushaltungen dar. So ermittelte das Umweltbundesamt
1987, da jhrlich ca. 1 Mio. Mg Sonderabflle in nicht geeigneten Anlagen bzw.
im Ausland entsorgt werden. Whrend Verbrennungskapazitten fiir die 1987
angefallenen 1,8 Mio. Mg fehlten [1.10] sind die 28 Sonderabfallverbrennungsanlagen zur Zeit nicht ausgelastet, da kostengnstigere Entsorgungssysteme entwikkelt wurden oder die Abflle auch in den zweifelhaften Bergversatz gehen. Ein
Schwerpunkt der TA Abfall ist deshalb die Neuregelung der Sonderabfallentsorgung. Auch bei den Sonderabfllen wirken sich die Ziele der Vermeidung und
Verwertung aus. Zunehmend sind die Anstze zur Abfallreduzierung im industriellen Bereich zu erkennen, da sich die Industrie einem verstrkten Druck seitens
der Gesetzgebung, der Entsorgungskosten und -kapazitten und zum Schutz der
betrieblichen Substanz gegenber sieht.
Ein junger stark mit der Abfallwirtschaft verknpfter Bereich ist seit Anfang der
achtziger Jahre die Altlastensanierung. Etliche Altlasten wurden insbesondere in
der Vergangenheit durch mangelhaften bzw. unverantwortlichen Umgang mit
gefhrlichen Stoffen verursacht. Dieser Bereich rckt wieder mehr in den Hintergrund und steht aufgrund der hohen Kosten nicht mehr im Mittelpunkt der Abfallwirtschaft.
Nach Abschlu der Erhebung von Altlastenverdachtsflchen, gegliedert in
Altablagerungen und Altstandorte, ergaben sich fiir die alten Bundeslnder fiir
1992 rund 80 000 Verdachtsflchen. In den neuen Bundeslndern mssen mit
Stand 1996 rund 60 000 Verdachtsflchen hinzugerechnet werden. Der gewaltige
Sicherungs- und Sanierungsaufwand wird die Abfallwirtschaft bis weit ber das
Jahr 2000 beschftigen.

1.2
Umweltpolitische Prinzipien und Manahmen
1.2.1

Grundzge
Die Ziele und Prinzipien der Umweltpolitik mssen durch eine Regierung mit
Hilfe von entsprechenden umweltpolitischen Instrumenten in die Praxis umgesetzt
werden. Ziel der umweltpolitischen Instrumente ist es, die kologischen Schden
bei Produktion und Konsum von Gtern zu vermeiden, zu verringern oder nachtrglich zu beseitigen.
Umweltpolitik und Umweltrecht basieren auf folgenden drei Prinzipien:
- Vorsorgeprinzip,
- Verursacherprinzip,
- Kooperationsprinzip.
Das Vorsorgeprinzip ist das inhaltliche Leitbild der Umweltpolitik. Durch den
frhzeitigen Einsatz entsprechender Manahmen sollen vorbeugend Gefahren fiir
den Menschen und mgliche Umweltbelastungen abgewehrt werden [1.8].

1 Einrhrung in die Abfallwirtschaft

Das Verursacherprinzip ist als ein Grundsatz der Kostenzuordnung zu verstehen,


dem hchste politische Prioritt eingerumt wird. In seiner ursprnglichen Fassung
besagt das Verursacherprinzip: Jeder, der die Umwelt belastet oder sie schdigt,
soll fiir die Kosten dieser Belastung oder Schdigung aufkommen. Dieses Prinzip
erscheint auf den ersten Blick angemessen und problemlos, offenbart jedoch bei
nherer Analyse betrchtliche Schwchen [1.4]. Fr Schadstoffemissionen gibt es
in der Regel mehrere Verursacher, die direkt oder indirekt an Umweltbelastungen
beteiligt sind. Umweltbelastungen entstehen durch Konsumgter bei deren Produktion, Verwendung oder Beseitigung. Eine vollstndige Zuordnung der anteiligen Umweltbelastung einzelner Verursacherist hufig nicht mglich, weshalb die
daraus entstehenden Kosten von der Allgemeinheit getragen werden. Es handelt
sich also oft um ein Gemeinlastprinzip anstelle des angestrebten Verursacherprinzips. Das Verursacherprinzip ist kein Grundsatz, der primr auf das Vermeiden
von Umweltschden abzielt. Vielmehr lt das Verursacherprinzip Umweltbelastungen durch einzelne zu, die von der Gesellschaft getragen werden mssen. Der
Verursacher zahlt lediglich Abgaben, die ihn dazu veranlassen sollen, seine Umweltbelastung zu reduzieren.
Dem Kooperationsprinzip liegt die Idee zugrunde, Konflikte durch Beteiligung
aller Betroffenen einverstndlich zu regeln. Es wird versucht, bestimmte Umweltgteziele in Verhandlungen, beispielsweise mit dem Ergebnis freiwilliger Selbstbeschrnkungen anstelle staatlicher Vollzugsgewalt, durchzusetzen. Das Kooperationsprinzip fmdet auch zwischen Bund und Lndern Anwendung. Innerhalb von
Gesetzen ist es meist im Rahmen von Anhrungsklauseln verankert.

1.2.2
Umweltpolitische Instrumente
Als umweltpolitische Instrumente nach dem Verursacherprinzip knnen vor allem
unterschieden werden [1.5]:
1. Umweltabgaben,
2. Umweltlizenzen,
3. freiwillige Instrumente,
4. Kooperationslsungen fiir Branchen,
5. Umweltauflagen,
6. umweltbewute staatliche Beschaffungspolitik,
7. Umweltsteuern.
Die umweltpolitischen Instrumente nach dem Gemeinlastprinzip sind [1.5]:
1. direkter und indirekter staatlicher Umweltschutz mittels Steuerfinanzierung,
2. Subventionen fiir den Verzicht aufUmweltschdigungen,
3. Umweltsubventionen zur Frderung umweltfreundlicher Produktionsverfahren,
Produkte und Einsatzstoffe,
4. staatliche Frderung der umwelttechnischen Innovation,
5. ffentliche Ausgaben zur nachtrglichen Beseitigung von Umweltschden.

1.2 Umweltpolitische Prinzipien und Manahmen

Umweltauflagen

nicht
fiskalische
Instrumente

umweltrelevante nderungen der


eigentumsrechtlichen
Rahmenbedingungen
umweltpolitische
Kooperationslsungen
zwangsfreie nichtfiskalische
umwelt-politische Instrumente
Umweltplanerische Instrumente
direkter ffentlicher Umweltschutz mit
Gebhren- und Beitragsfinanzierung

Umweltpolitik
mit ffentlichen
Ausgaben

direkter ffentlicher Umweltschutz mit


Steuerfinanzierung
Finanzierung sonstiger
umweltrelevanter Manahmen
umweltbewute staatliche
Beschaffungspolitik
(Vorreiterrolle des Staates)
Induzierung umweltverbessernder
(privat-) wirtschaftlicher Aktivitten
umweltrelevante Forschungs- und
Entwicklungsfrderung
Finanzierung des institutionellen
Umweltschutzes

Umweltpolitik
mit ffentlichen
Einnahmen

---E

Umweltlizenzen
Umweltabgaben
Umweltsteuern

Bild 1.1. Gesamtberblick ber die umweltpolitischen Instrumente, umgearbeitet nach [1.5]

Die umweltpolitischen Manahmen lassen sich auch wie folgt ordnen:


I. eingreifende Manahmen wie z.B. Ge- und Verbote,

I0

1 Einrhrung in die Abfallwirtschaft

2. leistende Manahmen, die von ffentlichen Einrichtungen, Frderungen, Beratungen oder Ersatzleistungen ausgehen,
3. planende Manahmen auf Grundlage von Programmen.

1.3
Rechtliche Grundlagen
Mit den bislang angefhrten Manahmen knnen die umweltpolitischen Ziele
jedoch weder verbindlich festgelegt, noch Zielkonflikte entschieden werden. Ihre
Verbindlichkeit wird erst durch eine rechtliche Verankerung bewirkt.
1.3.1
Allgemeines

Durch die Mitgliedschaft in der Europischen Gemeinschaft, als bergeordneter


Institution, ist die Bundesrepublik verpflichtet, Rechtsverordnungen der EG als
unmittelbar geltendes Recht zu akzeptieren sowie Richtlinien der EG innerhalb
von festen Fristen (z.B. 2 Jahre) in nationales Recht umzusetzen. Ein Beispiel
daftir ist die Richtlinie ber Umweltvertrglichkeitsprfungen vom Juni 1985
[1.7].
Daneben werden vom Rat der EG Verordnungen erlassen, die in jedem Staat
der Gemeinschaft unmittelbar Rechtskraft erhalten. Ein Produkt aus jngerer Zeit
dient dem Aufbau eines freiwilligen Umweltplanungs- und -kontaktsystems in
gewerblichen Unternehmen. Kern ist die Erstellung standortbezogener Umwelterklrungen eines Unternehmens, die alle relevanten Daten zu Emissionen und Ressourcenverbrauch sowie programmatischen Zielsetzungen beinhalten. Die Verzeichnisse der abgegebenen Umwelterklrungen werden regelmig verffentlicht.
Am 1.1.1994 trat der Vertrag von Maastricht in Kraft. Fr die Umweltpolitik
der EU enthlt der Vertrag entscheidende Neuerungen:
1. Es wird unter anderem ein umweltvertrgliches Wachstum im Artikel 2 verfolgt.
2. Im Artikel 3 wird der EU "eine Politik auf dem Gebiet der Umwelt" als Bestandteil der Ttigkeit vorgeschrieben.
3. Im Artikel 3b wird das Subsidiarittsprinzip generell eingefhrt. Manahmen
auf der Ebene der EU sollen nur dann getroffen werden, wenn die Ziele auf der
Ebene der Mitgliedsstaaten nicht ausreichend erreicht werden knnen.
4. Bis zum lokrafttreten des Vertrages von Maastricht wurden umweltpolitische
Rechtsakte in der Regel einstimmig beschlossen. Knftig gilt das Verfahren der
qualifizierten Mehrheit. Danach werden Beschlsse gem der Anzahl der
heutigen Mitgliederstaaten mit einer Mehrheit von 62 aus 87 Stimmen gefat.
Die Sperrminoritt betrgt 26 Stimmen.
Bisher wird nicht erkennbar, da die EU sich aufgrund des Subsidiarittsprinzips
aus bestimmten Umweltbereichen zurckziehen mchte. Damit wird deutlich, da
in Zukunft die EU-Abfallpolitik mit der Satzung von Rechtsnormen durchfUhren
wird und die deutsche Abfallpolitik langsam in ein greres Ganzes aufgehen
wird.

1.3 Rechtliche Grundlagen

11

Die Gesetzgebung innerhalb der Bundesrepublik vollzieht sich auf verschiedenen


Gesetzgebungsebenen. Das Grundgesetz regelt die Gesetzgebungszustndigkeiten
zwischen Bund und Lndern. So war es erst nach einer Grundgesetznderung
mglich, 1972 das Abfallbeseitigungsgesetz zu erlassen. Das Bundesgesetz wird
ergnzt durch die Landesabfallgesetze. Diese bedingen beispielsweise die Erstellung von Abfallwirtschaftskonzepten, -bilanzen und -entsorgungsplnen durch die
Kommunen, Ausschlsse einzelner Abfallarten von der Andienungspflicht sowie
die Erhhung von (Sonder-) abfallabgaben. Unterhalb der Lnderebene stehen die
Satzungen der Krperschaften ffentlichen Rechts, z.B. Gemeindesatzungen zur
Ordnung der Mllabfuhr.
Rechtsverordnungen werden von Bund oder Lndern zur Konkretisierung bestimmter Ziele erlassen, sofern sie dazu in entsprechenden Gesetzen ermchtigt
worden sind.
Verwaltungsvorschriften sind zunchst nur innerhalb der Verwaltung verbindlich und wirken gegenber Dritten erst durch ausdrcklichen Verwaltungsakt.
Technische Normen und Richtlinien wie z.B. DIN-Normen oder VDI-Richtlinien knnen nur durch ausdrcklichen Verweis in Gesetzen oder Rechtsverordnungen sowie durch Gerichtsentscheidungen rechtlich verbindlichen Charakter
erlangen.

1.3.2

Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW-/AbfG)

Das Abfallgesetz wurde in seiner 1. Fassung 1972 als Abfallbeseitigungsgesetz


verabschiedet. Mit der 4. Novelle 1986 wurden die Begriffe der Abfallvermeidung
und -Verwertung als vorrangige Ziele eingefiihrt.
Das am 27.9.1994 erlassene und am 7.10.1996 in Kraft getretene Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW-/AbfG) mit Artikel 1 des Gesetzes zur Frderung einer rckstandsarmen Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltvertrglichen Entsorgung von Abfallen, verursacht eine wesentliche Umgestaltung des
Deutschen Abfallgesetzes.
[Link]
Begriffsbestimmungen

Im 3 des KrW-/AbfG wurden die europischen Abfallbegriffe inhaltlich und


formal in das deutsche Recht bernommen.
Abtalle sind danach bewegliche Sachen, die gem Anhang I des Gesetzes unter die angefiihrten Gruppen fallen und deren sich ihr Besitzer entledigt, entledigen
will oder entledigen mu. Die im Anhang I aufgefiihrten ge- und verbrauchten
Produkte und Produktions- oder Verbrauchsrckstnde sind daher nur dann Abfall,
wenn der Besitzer sich der Abfalle tatschlich entledigen will (subjektiver Abfallbegriff) oder der Zwang zur Entledigung besteht (objektiver Abfallbegrift).
Der Abfallbegriff ist erfiillt, wenn die bewegliche Sache, deren sich der Besitzer
entledigt, entledigen will oder entledigen mu unter die in Anhang I aufgefiihrten
Gruppen fallt.
die Abfallgruppen
- Anhang I

12

1 Einfhrung in die Abfallwirtschaft

berwachungsbedrftige

besonders
berwachungsbedrftige

fakultatives
Nachweisverfahren
42,45

obligatorisches
Nachweisverfahren
43,46

nicht
berwachungsbedrftige

Bild 1.2. Die Einteilung der Abililie und deren berwachung [1.22]

Anhang II A die Beseitigungsverfahren


Anhang II B die Verwertungsverfahren

- - - - - Anhang II B = Abflle zur Verwertung

Abflle - - - -

Anhang II A = Abflle zur Beseitigung

Die Anhnge veranschaulichen den Abfallbegriff und die beider Entsorgungswege. Anhang II zhlt die Beseitigungs- bzw. Verwertungsverfahren erschpfend
auf. Die dort nicht genannten Verfahren sind auch keine Beseitigung bzw. Verwertung im Sinne des KrW-/AbfG.
Alle Abfillle zur Beseitigung sind berwachungsbedrftig. Einige, im allgemeinen Sprachgebrauch als "Sonderabfillle" bezeichnet, tauchen als Begriff weder
im Gesetz noch in sonstigen Rechtsvorschriften auf, besonders bestimmte werden
als besonders berwachungsbedrftige Abfillle bezeichnet.
Besonders berwachungsbedrftige Abfillle werden in besonderen Rechtsverordnungen bestimmt ( 3 Abs. 8). Abfillle zur Beseitigung nach 41 Abs. l und
Abfillle zur Verwertung nach 41 Abs. 3 Nr. l gehren dazu. Sie stammen aus
gewerblichen oder sonstigen wirtschaftlichen Unternehmen oder ffentlichen Einrichtungen und sind nach Art, Beschaffenheit oder Menge in besonderem Mae
- gesundheits-,
- Iuft- oder
- wassergefilhrdend,
- explosibel oder
- brennbar,
- enthalten Erreger bertragbarer Krankheiten oder
- knnen derartige Erreger hervorbringen.

1.3 Rechtliche Grundlagen

13

[Link]
Grundstze der Kreislaufwirtschaft

In 4 Abs. 1 wird die Zielhierarchie des Kreislaufwirtschaftsgesetzes) festgelegt


und gibt der Abfallvenneidung wie bereits im AbfG von 1986 den obersten Rang.
Stoffliche und energetische Verwertung folgen gemeinsam auf Rang zwei. Die

Vorrang hat die besser umweltvertrgliche Verwertung ( 6 Abs. 1S. 2)

Abfallbeseitigung
deponieren oder thermisch behandeln( 10- 14)

Bild 1.3. Die Zielhierarchie des Kreislaufwirtschaftsgesetzes [1.22]

bessere umweltvertrgliche Verwertungsart hat im Verhltnis zu der anderen Vorrang( 6 Abs. 1 Satz 2) [1.22].
Drei verschiedene Manahmen zur Abfallvenneidung werden in 4 Abs. 2 benannt:
1. Die anlageninterne Kreislauffiihrung von Stoffen, die als Vor-, Zwischen- und
Nebenprodukte anfallen, werden als Abfallvenneidung bezeichnet. Damit wird
die Venneidung und Verwertung von Abfall rechtlich gleich behandelt, wenn
es anlagenintern geschieht. Die berwachung der anlageninternen Verwertungs- und Venneidungsmanahme wird der fr den Vollzug des BlmSchG zustndigen Behrde bertragen.
2. Die Produktverantwortung, die in den 22-26 die abfallanne Produktgestaltung nher bestimmen.
3. Das Konsumverhalten der Brger, das zu lenken und zu bewerten das KrW/AbfG weiteren Rechtsverordnungen berlt [1.22].
Die unter 1. und 2. genannten Vorkehrungen zur Venneidung von Abtallen und
auch die Manahmen zur Verwertung sind gem der 19,20 von den Anlagenbetreibern in Abfallwirtschaftskonzepten und Abfallbilanzen darzustellen, erstmals
bis zum 31.12.1999 fr die nchsten 5 Jahre.
Das KrW-/AbfG definiert drei Fonnen der stofflichen Verwertung in 4 Abs. 3
Satz 1 [1.22]:

14

1 Einrhrung in die Abfallwirtschaft

1. Die Substitution von Rohstoffen durch das Gewinnen der Rohstoffe aus Abfllen (z. B. Kupfer aus Kabelresten).
2. Die Nutzung der stofflichen Eigenschaften der Abflle fiir den ursprnglichen
Zweck (z. B. Zweitraffinat aus Altl).
3. Die Nutzung der stofflichen Eigenschaften der Abflle fiir andere Zwecke
(z.B. Kompost als Bodenverbesserer).
Das Gesetz unterscheidet deutlich zwischen einer energetischen Verwertung und
einer thermischen Behandlung von Abfllen. Fr Abflle, die fiir eine energetische
Nutzung besonders geeignet sind, werden die Kriterien Mindestheizwert !Hu =
11.000 kJ/kg) und ein Feuerungswirkungsgrad von mindestens 75 % durch die
Nutzung der entstehenden Wrme vorgegeben. BRAM ist damit Ersatzbrennstoff
und kann fiir die energetische Nutzung eingesetzt werden.
Die klassische Abfallverbrennung erfiillt die Kriterien fiir eine energetische
Verwertung in der Regel nicht, auch wenn die Energie genutzt wird. Sie ist ein
Verfahren zur Vorbehandlung nicht verwertbarer Abflle.
Die Unterscheidungskriterien fiir die energetische Verwertung von einer thermischen Behandlung ist ingenieurwissenschaftlich nicht plausibel, sondern eine
politische Entscheidung. Seit den 70er Jahren wurde der Abfallverbrennung die
thermische Verwertung zugesprochen, sobald die erzeugte Wrme direkt genutzt
oder zu Strom umgewandelt wurde. Unsere Nachbarlnder wie die Schweiz und
sterreich haben diese Auffassung in ihrer Gesetzgebung beibehalten.
[Link]
berlassungspflichten

13 Krw-/AbfD begrndet eine allgemeine berlassungspflicht nur fiir Haushaltsahflle und Abflle zur Beseitigung aus anderen Herkunftsbereichen an den
ffentlich-rechtlichen Entsorgungstrger. Die Ausnahme der grundstzlichen
berlassungspflicht sind zu sehen bei
- Verwertungsmglichkeiten,
- Eigenentsorgung,
- bertragung der Entsorgungspflicht auf Dritte,
- Bildung von Entsorgungsverbnden,
- Wahrnehmung der Entsorgung bei Kammern,
- rcknahmepflichtigen Abfllen,
- gemeinntzigen Sammlungen,
- und bei gewerblichen Sammlungen.
Zur Sicherstellung einer umweltvertrglichen Beseitigung drfen die Lnder nach
13 Abs. 4 besondere Andienungs- und berlassungspflichten begrnden. Dies
gilt im besonderen fiir besonders berwachungsbedrftige Abflle zur Beseitigung,
die uneingeschrnkt den landesoffiziellen Sonderabfallgesellschaften angedient
bzw. berlassen werden mssen.

1.3 Rechtliche Grundlagen

15

[Link]

Strafandrohung
Der Vollzug eines jeden Gesetzes hngt nicht nur von der Rechtskenntnis und
Selbstkontrolle der Betroffenen ab, sondern auch von der Ausstattung mit wirksamen privatrechtliehen und strafrechtlichen Sanktionen. Neben 61/66KrW-/
AbfG, der die Ordnungswidrigkeiten in bezug auf das KrW-/AbfG regelt, findet
zustzlich das Strafgesetzbuch Anwendung.

1.3.3

Technische Anleitung Abfall (TA Abfall)

Die Zweite allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Abfallgesetz (TA Abfall) regelt


fiir den Bereich der besonders berwachungsbedrftigen Abflle (gem 12
Abs. 2 KrW-/AbfG) die technischen und organisatorischen Mindestanforderungen
ftir die
- (Zwischen-) Lagerung,
- chemisch/physikalische oder biologische Behandlung,
- Verbrennung,
- Ablagerung.
Im Sprachgebrauch wird daher auch hufig von TA Sonderabfall gesprochen.
Zur Sicherung eines mglichst schadlosen Umgangs werden
- Probenahme-, Me- und Analysenverfahren,
- erforderliche Sicherheitsleistungen bei der Anlagenzulassung,
- Vorrang und Grenzen der Verwertung,
- Kriterien ftir die Zuordnung von Abfllen zu bestimmten Behandlungsanlagen
und Deponien,
- Anforderungen an Organisation und Personal von Abfallentsorgungsanlagen,
Information und Dokumentation
sowie weitere Einzelheiten fiir jede Anlagenart detailliert festgelegt.
Fr Deponien werden beispielsweise zulssige Dichtungssysteme, Gaserfassungs- und Sickerwasserbehandlungsverfahren benannt und gegeneinander abgewogen.

1.3.4

Technische Anleitung Siedlungsabfall (TA Siedlungsabfall)

Die Zielsetzung der Dritten allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Abfallgesetz


(TA Siedlungsabfall) gilt analog zur TA Abfall ftir den Bereich der Siedlungsabflle:
- nicht vermiedene Abflle sind soweit mglich zu verwerten,
- der Schadstoffgehalt der Abflle ist so gering wie mglich zu halten,
- eine umweltvertrgliche Behandlung und Ablagerung der nicht verwertbaren
Abflle ist sicherzustellen,
- die Entsorgungssicherheit ist sicherzustellen,
- die Ablagerung soll so erfolgen, da Entsorgungsprobleme nicht auf knftige
Generationen verlagert werden.

16

1 Einrhrung in die Abfallwirtschaft

Beide Technischen Anleitungen gelten bis zu einer Anpassung an das Kreislaufwirtschaftsgesetz weiter.
Neben anlagenbezogenen Festlegungen, die die Anforderungen nach dem Stand
der Technik an die Ausfiihrung von Abfallbehandlungsanlagen regeln, enthlt die
TA Siedlungsabfall gemeine Anforderungen an die stoffliche Verwertung und
Schadstoffentfrachtung und trifft dabei namentlich Aussagen ber die Getrennthaltung und Getrenntsammlung unterschiedlicher Abfallarten.
Bei den Regelungen ber die Zuordnung von Abfllen zu den verschiedenen
Entsorgungsverfahren ist die Aussage von besonderer Bedeutung , da Abflle nur
dann der Deponie zugeordnet werden drfen, wenn sie nicht verwertet werden
knnen und bestimmte Zuordnungskriterien eingehalten werden. Dabei werden
zwei verschiedene Deponieklassen defmiert (s. Kap. [Link] Tab. 4.4).
Die Konsequenz ist, da alle Siedlungsabflle, die immer deutlich hhere Gehalte an organischer Substanz als 3 % (Klasse I) oder 5 % (Klasse II) aufweisen,
nicht mehr ohne Vorbehandlung abgelagert werden drfen. Diese Werte werden
derzeit nur durch eine thermische Vorbehandlung - also durch Abfallverbrennung
-erreicht.
Die Frage, ob und unter welchen Umstnden Rckstnden aus biologisch-mechanischen Behandlungsverfahren ausnahmsweise oder uneingeschrnkt die Zulassung zur Ablagerung erteilt werden kann, entschied die Bundesregierung in ihrem
im Januar 1996 vom Bundeskabinett beschlossenen Bericht zur Bewertung der
Ablagerung der Rckstnde aus der mechanisch-biologischen Vorbehandlung. Es
wird darauf hingewiesen, da unter dem Gesichtspunkt der Str- und Schadstoffabtrennung eine ausschlieliche mechanisch-biologische Vorbehandlung nicht
zielfUhrend ist. Insofern bedarf eine mechanisch-biologische Restabfallbehandlung
(MBR) der Ergnzung durch eine thermische Behandlung.

1.3.5

Rechtsverordnungen zur Erfllung der Produktverantwortung

In 22 KrW-/AbfG wurde die Pflicht zur abfallarmen Produktgestaltung einge-

filhrt. Wer Erzeugnisse entwickelt, herstellt, be- und verarbeitet oder vertreibt,

trgt dafiir die Sorge, da sowohl bei der Herstellung als auch beim Gebrauch das
Entstehen von Abfllen mglichst vermieden wird. Die Erzeugnisse mssen
- mehrfach verwendbar,
- technisch langlebig,
- nach Gebrauch stoffiich und energetisch verwertbar sein.
Entsprechende Kennzeichnung und Hinweise auf Rckgabe-, Wiederverwendungsund Verwertungsmglichkeiten sowie die tatschliche Rcknahme nach Gebrauch
sollen gewhrleistet werden.
Zur Umsetzung der Produktverantwortung nach 22 ist die Bundesregierung
nach 23 KrW-/AbfG ermchtigt, Rechtsverordnungen hinsichtlich
- Beschrnkung und Verboten fiir bestimmte Erzeugnisse,
- Kennzeichnungspflicht von Produkten,
- Beschrnkungen in der Beschaffenheit und Verwendung,
- Rcknahme- und Pfandpflichten
zu erlassen.

1.3 Rechtliche Grundlagen

17

In diesem Zusammenhang ist 1991 noch nach 14 AbfG die Verpackungsver-

ordnung erlassen und am 24.6.1998 gendert worden, in deren Folge das "Duale
System" entstand (vgl. Kap. 2.2.3, 3.2.1, 5.3.1), oder die Altlverordnung vom
27.10.1987, die Verordnung ber die Entsorgung gebrauchter halogenierter Lsemittel vom 23.10.1989 oder die Pfandverordnung fr Kunststoffgetrnkeverpackungen vom 20.12.1988.
Die Verpackungsverordnung verpflichtet z.B. Hersteller und Vertreiber von
Produkten, die Transport-, Um- und Verkaufsverpackungen stufenweise zurckzunehmen und zu verwerten. Fr bestinunte Verpackungen ist darber hinaus ein
Zwangspfand definiert.
Von der Rcknahmepflicht kann fr Verkaufsverpackungen eine Befreiung beantragt werden (Freistellungserklrung), sofern ein von der ffentlichen Abfallentsorgung unabhngiges und leistungsfiihiges Erfassungs- und Verwertungssystem nachgewiesen wird. Dieser Nachweis wurde vorlufig von der Dualen
System Deutschland (DSD) GmbH erbracht.
Weitere Verordnungen zur Umsetzung der Produktverantwortung sind fr folgende Bereiche umgesetzt:
- Altautoverordnung vom 4.7.1997,
- Batterieverordnung vom 3.4.1998,
- Bioabfallverordnung vom 6.11.1997,
- Elektronikschrottverordnung vom 18.6.1998,
- Klrschlammverordnung vom 15.4.1992.

1.3.6
Zulassung von Abfallbehandlungsanlagen
Die Errichtung und der Betrieb von Anlagen, in denen Abtlilie behandelt oder
entsorgt werden, unterliegt der Genehmigungspflicht
Durch lokrafttreten des Investitionserleichterungs- und Wohnbaulandgesetzes
vom April 1993 wurde jedoch diese Genehmigungspflicht fr alle Anlagenarten
mit Ausnahme von Deponien aus dem Abfallgesetz herausgenommen und in das
Bundes-Immissionschutzgesetz (BimSchG) verlagert. Der Grund dafr ist in den
sehr hohen Anforderungen und weitgehenden Einspruchsmglichkeiten des Genehmigungsverfahrens nach Abfallrecht (Planfeststellungsverfahren) zu suchen.
Dies hatte in der Vergangenheit dazu gefhrt, da Genehmigungsverfahren z.B. fr
Verbrennungsanlagen oder Deponien nicht selten 8 Jahre dauerten.
Das Planfeststellungsverfahren nach 34 KrW -/AbfG vollzieht sich in folgenden Stufen:
- Antragstellung,
- Prfung bei der Behrde,
- ffentliche Auslegung der Unterlagen,
- Einspruchsfrist,
- Errterungstermin,
- Prfung der Einwendungen durch die Behrde,
- Antragsbescheidung (Planfeststellungsbeschlu oder Ablehnung),
- Mglichkeit zum Einlegen von Rechtsmitteln.

18

1 Einidhrung in die Abfallwirtschaft

Die Durchfhrungsbestimmungen fiir das Planfeststellungsverfahren finden sich in


den 72 bis 78 des Verwaltungsverfahrensgesetzes (VwVfD).
Das Planfeststellungsverfahren beginnt mit der Antragstellung bei der durch das
Landesrecht bestimmten Planfeststellungsbehrde, wobei neben dem Antrag eine
gerraue technische Beschreibung der geplanten Anlage beigefUgt werden mu.
Nach der berprfung der Planfeststellungsbehrde auf Vollstndigkeit der eingereichten Unterlagen werden diese den vom Vorhaben berhrten Fachbehrden zur
Prfung zugeleitet und die ffentliche Auslegung in den Gemeinden, auf die sich
das Vorhaben voraussichtlich auswirkt, durchgefiihrt. Die Offenlegungsdauer
betrgt 1 Monat. Die Einspruchsfrist der Betroffenen endet 14 Tage nach Ende der
ffentlichen Auslegung.
Nach Ende der Einspruchsfrist findet ein ffentlicher Errterungstermin statt,
bei dem Planfeststellungsbehrde, Antragsteller, Fachbehrden und betroffene
Personen Einwendungen bezglich der geplanten Anlage errtern. Der Zeitpunkt
des Errterungstermins wird entweder gleichzeitig mit der Bekanntmachung der
Auslegung oder durch eine sptere amtliche Bekanntmachung festgelegt. Die von
den Beteiligten vorgetragenen Einwendungen werden von der Planfeststellungsbehrde geprft. Diese holt ggf. weitere Gutachten ein oder fordert vom Antragsteller zustzliche Unterlagen an.
Ist die Prfung abgeschlossen, wird der Antrag entweder abgelehnt oder ein positiver Planfeststellungsbeschlu gefat. Dieser kann dem Antragsteller spezielle
Auflagen vorschreiben.
Der Beschlu wird allen, am Planfeststellungsverfahren betroffenen Teilnehmern mit Postzustellungsurkunde zugesandt oder bei mehr als 300 Beteiligten
nach vorheriger amtlicher Bekanntmachung 2 Wochen lang ffentlich ausgelegt.
Innerhalb eines Monats nach Zustellung knnen beim zustndigen Verwaltungsbzw. Oberverwaltungsgericht gegen den Planfeststellungsbeschlu Rechtsmittel
eingelegt werden.
1.3.7
Umweltvertrglichkeitsprfung

Eingefiihrt wurde die Umweltvertrglichkeitsprfung (UVP) 1970 in den USA


unter dem Begriff "environmental impact statement" als vorsorgendes Instrument
der Umweltpolitik Dieses stellt einen Versuch zur systematischen Prfung smtlicher Umweltauswirkungen einer Planung dar. Die Richtlinie des Rates der Europischen Gemeinschaften ber die Umweltvertrglichkeitsprfung vom 3. Juni
1985 sollte bis zum Juli 1988 in deutsches Recht umgesetzt werden [1.18], was
jedoch erst im Juni 1990 geschah.
Das UVP-Gesetz bringt eine neue Qualitt in die Anforderungen zur Genehmigung von besonders eingriffsrelevanten, im Anhang des Gesetzes aufgefiihrten
Vorhaben.
Die Umweltvertrglichkeitsprfung rckt
- die Umweltvorsorge,
- eine umfassende Betrachtung der Umwelt, was eben auch die Schutzgter wie
Pflanzen und Tiere, Klima und Sachgter beinhaltet,

1.3 Rechtliche Grundlagen

19

- eine interdisziplinre Betrachtung (Wechselwirkungen) - ein Ansatz, das Einwirken mehrerer Einflsse auf die Schutzgter zu erfassen und zu bewerten
in das Blickfeld der Vorhabenstrger und der Genehmigungsbehrden.
Die UVP ist als unselbstndiger Teil verwaltungsbehrdlicher Verfahren angelegt, die der Entscheidung ber die Zulssigkeit von Vorhaben dienen.
Als Vorhaben werden neben der Errichtung von Abfallbehandlungsanlagen
auch Planungen (z.B. Abfallwirtschaftskonzepte) untersucht, bei denen im Rahmen
der Projekt-UVP technische Alternativen abgewogen werden, bei denen die Mglichkeit besteht, in der Plan-UVP unterschiedliche Konzepte zu betrachten.

1.3.8
Untergesetzliches Regelwerk zum Kreislaufwirtschaftsund Abfallgesetz

Ziel des Untergesetzlichen Regelwerkes ist die notwendige berwachung des


Gesetzes, die auch zur Straffimg und Deregulierung der berwachungsverfahren
fUhren sollten. Wenn man die ber 100 Einzelbestimmungen mit den umfangreichen Vollzugshilfen betrachtet, so ist der Ansatz daneben gegangen.
Das untergesetzliche Regelwerk besteht aus insgesamt sieben Verordnungen
und einer Richtlinie [1.23]:
l. Verordnung zur Einfilhrung des Europischen Abfallkataloges (57 KrW-/
AbfG),
2. Verordnung zur Bestimmung besonders berwachungsbedrftiger Abflle
( 41 Abs. 1 Satz 2 und Abs. 3 Nr. 1 KrW-/AbfG),
3. Verordnung zur Bestimmung berwachungsbedrftiger Abflle zur Verwertung
( 41 Abs. 3 Nr. 2 KrW-/AbfG),
4. Verordnung ber Verwertungs- und Beseitigungsnachweise ( 48 KrW-/
AbfG),
5. Verordnung zur Transportgenehmigung ( 49 Abs. 3 und 50 Abs. 2 Nr. 1
KrW-/AbfG),
6. Verordnung ber Abfallwirtschaftskonzepte und Abfallbilanzen ( 19 Abs. 4
und 20 Abs. I KrW-/AbfG),
7. Verordnung ber Entsorgungsfachbetriebe (52 Abs. 2 KrW-/AbfG) und
8. Richtlinie fiir die Ttigkeit und Anerkennung von Entsorgergemeinschaften
(52 Abs. 3 KrW-/AbfG).
[Link]
Verordnung zur Einfhrung des Europischen Abfallkataloges (EAKVerordnung)

Die Europische Kommission hat am 20.12.1993 ein Verzeichnis der Abflle


bekanntgemacht, die unter die in Anhang I der vorgenannten Richtlinie aufgefilhrten Gruppen fallen. Geregelt werden Bezeichnung und Schlsselung der Abflle.
Das Verzeichnis gilt fiir Abflle, unabhngig ob sie zur Verwertung oder zur
Beseitigung bestimmt sind. Es wird als Europischer Abfallkatalog (EAK) be-

20

1 Einrhrung in die Abfallwirtschaft

zeichnet. Der Europischer Abfallkatalog soll von der Kommission regelmig


berprft und ggf. dem technischen Fortschritt angepat werden.
Nach 57 in Verbindung mit 59 KrW-/AbfG wird die Bundesregierung ermchtigt, Rechtsakte der Europischen Gemeinschaften durch Rechtsverordnung
mit Zustimmung des Bundesrates nach Anhrung der beteiligten Kreise unter
Bercksichtigung der Rechte des Bundestages zu erlassen.
Die auf der Grundlage des 57 KrW-/AbfG erlassene EAK-Verordnung setzt
die Abfallschlssel und Abfallbezeichnungen des Europischen Abfallkataloges in
bundesdeutsches Recht um. Sie bestimmt damit, wie Abflle (ungeachtet dessen,
ob sie verwertet oder beseitigt werden) zuknftig zu bezeichnen sind und wie die
zutreffende Abfallbezeichnung zu finden ist. Die Verordnung enthlt in der Anlage
insgesamt 645 Abfallarten, die 20 Kapiteln zugeordnet sind [1.24].
Eine wichtige Vorschrift der Verordnung ist die bergangsregelung. Bis zu einem festen Stichtag, dem 31.12.1998, sind Anlagengenehmigungen, Entsorgungsnachweise und andere behrdliche Entscheidungen, die die alten Abfallschlssel und -bezeichnungen beinhalten, auf die neue Nomenklatur umzustellen.
Wirksam wurden diese Umstellungen aber erst zum 1.1.1999.

[Link]

Verordnung zur Bestimmung der berwachungsbedrftigkeit


von Abfllen

Die Bundesregierung hat von allen drei Ermchtigungen des 41 Gebrauch gemacht und alle vom Kreislaufwirtschaftsgesetz vorgegebenen berwachungsstufen
defmiert.
Die Verordnung zur Bestimmung von besonders berwachungsbedrftigen Abfllen [ 1.25] bestimmt sowohl die besonders berwachungsbedrftigen Abililie zur
Verwertung als auch zur Beseitigung; sie differenziert nicht zwischen Verwertung
und Beseitigung, sondern bestimmt die Abfallarten einheitlich.
Bei der Bestimmung der besonders berwachungsbedrftigen Abtalle war aufgrund der Vorgaben der Europischen Gemeinschaft das Verzeichnis gefhrlicher
Abflle umzusetzen. Dieses Verzeichnis stellte den Mindestumfang der zu bestimmenden besonders berwachungsbedrftigen Abflle dar. Dieses Verzeichnis
wird als Anlage I und damit als eine Teilmenge der besonders berwachungsbedrftigen Abflle vollstndig bernommen.
Darber hinaus enthlt die Verordnung 18 weitere Abfallarten in Anlage 2, die
unter Bercksichtigung der in 41 Abs. I KrW-/AbfG aufgefhrten Kriterien und
damit unter Bercksichtigung der spezifischen nationalen Gegebenheiten als besonders berwachungsbedrftig eingestuft werden mssen.
Die Bestimmung der berwachungsbedrftigen Abtalle zur Verwertung [1.26]
erfolgte unter Bercksichtigung von Erkenntnissen, die die zustndigen Lnderbehrden im Rahmen ihrer Vollzugsaufgaben gesammelt haben. Hierzu zhlen
insbesondere solche Abflle, die nach 41 Abstze I und 3 Nr. I nicht besonders
berwachungsbedrftig sind.
In der Anlage der Verordnung sind insgesamt 79 Abfallarten aufgelistet, die den
genannten Kriterien entsprechen. Die Verordnung trat am 1.1.1999 in Kraft.

1.3 Rechtliche Grundlagen

21

[Link]
Verordnung ber Verwertungs- und Beseitigungsnachweise
(Nachweisverordnung- NachwV)

Die 42 bis 47 KrW-/AbfG regeln die formalisierte berwachung der Abfallentsorgung durch die Fhrung von Nachweisen und Nachweisbchern sowie die
Einbehaltung und Aufbewahrung von Belegen (Nachweisverfahren). Dabei kommt
dem Nachweisverfahren die Aufgabe zu, die umweltvertrgliche Verwertung oder
Beseitigung von Abfllen sicherzustellen. Um diese Zielvorgabe zu erreichen, wird
das Nachweisverfahren grundstzlich in zwei Abschnitte unterteilt:
Die Nachweisfhrung ber die Zulssigkeit der vorgesehenen Entsorgung vor
deren Beginn (Vorabkontrolle) und die Nachweisfhrung ber die tatschlich
durchgefiihrte Entsorgung (Verbleibskontrolle ).
[Link]
Transportgenehmigungsverordnung (TgV)

Nach 49 Abs. 1 Satz 1 KrW-/AbfG drfen Abflle zur Beseitigung gewerbsmig nur mit einer Transportgenehmigung der zustndigen Behrde eingesammelt oder befrdert werden. Fr Transporte im Rahmen wirtschaftlicher Unternehmen (z.B. den Werksverkehr zwischen verschiedenen Standorten eines Unternehmens) besteht keine Genehmigungspflicht mehr. Abweichend von der bislang
geltenden Rechtslage ist die Transportgenehmigung jetzt vom konkreten Transportvorgang gelst worden; sie gilt unbefristet und bundesweit.
Die TgV konkretisiert auerdem die Anforderungen an die Fach- und Sachkunde des Einsammlers und Befrderers, regelt den Transportgenehmigungsantrag
und die vorzulegenden Unterlagen sowie die zu verwendenden Formulare.
[Link]
Verordnung ber Abfallwirtschaftskonzepte und Abfallbilanzen

Gern. den 5 und 11 des Kreis1aufwirtschafts- und Abfallgesetzes (KrW-/AbfG)


haben die Abfallerzeuger die Pflichten zur Vermeidung, Verwertung und Beseitigung von Abfllen grundstzlich eigenverantwortlich zu erfiillen. Um die Eigenverantwortung und Eigeninitiative zu strken, sieht das Gesetz fiir bestimmte Erzeuger Konzept- und Bilanzpflichten vor.
Nach 19 Abs. 1 und 20 Abs. 1 in Verbindung mit 19 Abs. 1 KrW-/AbfG
haben Erzeuger, bei denenjhrlich mehr als insgesamt 2000 Kilogramm besonders
berwachungsbedrftiger Abflle oder jhrlich mehr als 2000 Tonnen berwachungsbedrftige Abflle je Abfallschlssel anfallen, ein Abfallwirtschaftskonzept ber die Vermeidung, Verwertung und Beseitigung der anfallenden Abfiille und eine Bilanz ber Art, Menge und Verbleib der verwerteten oder beseitigten besonders berwachungsbedrftigen und berwachungsbedrftigen Abflle (Abfallbilanz) zu erstellen.
Das Abfallwirtschaftskonzept dient den Abfallerzeugern als internes Planungsinstrument. Bei der Erstellung sind die Vorgaben der Abfallwirtschaftsplanung der
Lnder zu bercksichtigen. Das Abfallwirtschaftskonzept ist auf Verlangen der

22

1 Einrhrung in die Abfallwirtschaft

zustndigen Behrde zur Auswertung fiir die Abfallwirtschaftsplanung vorzulegen.


Die Abfallbilanz ist auf Verlangen der zustndigen Behrde vorzulegen.
ber die internen Instrumente hinausgehend ersetzen das Abfallwirtschaftskonzept und die Abfallbilanz nach 44 Abs. I oder 47 Abs. I KrW-/AbfG die
erforderlichen Nachweise nach der Nachweisverordnung.
Das Abfallwirtschaftskonzept ist erstmalig bis zum 31.12.I999 fiir die nchsten
5 Jahre zu erstellen und alle 5 Jahre fortzuschreiben, soweit die Lnder bis zum
7 .I 0 .I996 nichts anderes bestimmt haben. Die zustndige Behrde kann die Vorlage zu einem frheren Zeitpunkt verlangen. Die Abfallbilanz ist jhrlich, erstmalig zum I.4.1998, zu erstellen, soweit die Lnder bis zum 7.I O.I996 nichts anderes
bestimmt haben.
Die Verordnung triffi Regelungen zu Form und Inhalt von Abfallwirtschaftskonzepten und Abfallbilanzen sowie zu Ausnahmen fiir bestimmte Abfallarten:
- Konzepte und Bilanzen sind standortbezogen zu erstellen. Fr den Begriff des
Standorts ist die Begriffsbestimmung der ko-Audit-Verordnung entsprechend
anzuwenden.
- Die besonders berwachungsbedrftigen Abtlilie und die berwachungsbedrftigen Abtlilie sind - unbeschadet einer Verwertung oder Beseitigung nach Art und Menge zu erfassen.
- Im Konzept sind Angaben zum Verbleib und zum Entsorgungsweg der Abtlilie
sowie zur Standort- und Anlagenplanung und ihrer zeitlichen Abfolge bei Eigenentsorgung erforderlich.
- In der Bilanz sind Angaben zum Verbleib der Abtlilie erforderlich.
- Hervorzuheben ist, da im Konzept die getroffenen und geplanten Manahmen
zur Vermeidung, zur Verwertung und zur Beseitigung insbesondere unter Bercksichtigung der Anforderungen nach den 4 bis 6 und IO bis I2 dem
KrW-/AbfG darzustellen sind und zu begrnden ist, wenn unter Bercksichtigung dieser Manahmen die Notwendigkeit zur Beseitigung steht.
- In der Bilanz ist ebenfalls die Notwendigkeit der Beseitigung zu begrnden.
- Fr bestimmte Abfallarten werden Ausnahmen zugelassen.
Die Konzeption der Verordnung lt den Abfallerzeugern bei der Darstellung des
Abfallwirtschaftskonzeptes und der Abfallbilanz weitgehende Gestaltungsfreiheit
[Link]

Entsorgungsfachbetriebverordnung (Efb V) und Entsorgergemeinschaftenrichtlinie


Nach 52 KrW-/AbfG sind Entsorgungsfachbetriebe (Efb) abfallwirtschaftlich
ttige Unternehmen, die berechtigt sind, das Gtezeichen einer anerkannten Entsorgergemeinschaft zu fiihren oder einen berwachungsvertrag mit einer technischen berwachungsorganisation abgeschlossen haben, der eine mindestens jhrliche berprfung vorsieht. Im Hinblick auf die stndige berwachung durch die
technische berwachungsorganisation (TO) oder Entsorgergemeinschaft bedarf
ein fiir diese Ttigkeiten zertifizierter Efb weder einer Transportgenehmigung
noch einer Genehmigung fiir Vermittlungsgeschfte. Eine weitere verfahrensrechtliche Erleichterung enthlt die Nachweisverordnung; bei der Verwertung oder

1.3 Rechtliche Grundlagen

23

Beseitigung von Abfallen in zertifizierten Anlagen von Entsorgungsfachbetrieben


darf der Abfallbesitzer das privilegierte Verfahren nutzen.
Aufgrund des hohen Qualifikationsniveaus und der stndigen berwachung
durch unabhngige Stellen ist zu erwarten, da ein Abfallbesitzer, der einen hierfr
zertifizierten Efb mit dem Transport, der Verwertung oder der Beseitigung von
Abfiillen beauftragt, in der Regel seinen zivil- und strafrechtlichen Sorgfaltspflichten gengt. Die Vorschriften ber den Efb bieten serisen Unternehmen der
Entsorgungswirtschaft die Mglichkeit, sich von den "schwarzen Schafen" ihrer
Branche abzugrenzen. Es ist daher zu erwarten, da zahlreiche Unternehmen die
Entsorgungsfachbetriebseigenschaft erlangen wollen und so - entsprechend der
Zielsetzungen des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes- zur Verwirklichung
des Grundsatzes der Selbstverantwortung der Wirtschaft beitragen.

1.3.9
Umwelthaftung
[Link]
Gesetz fr die Umwelthaftung (UHG)
Seit dem 1.1.991 ist das Umwelthaftungsgesetz in Kraft, durch das Setreiber umweltgefahrdender Anlagen strker in die Pflicht genommen werden sollen. Dieses
Gesetz bringt fr die betroffenen Unternehmen erhebliche rechtliche wie betriebsorganisatorische Auswirkungen mit sich. Das UHG soll vornehmlich dem Schutz
der Geschdigten dienen und vor allem die Durchsetzung berechtigter Schadensersatzansprche erleichtern. Der Verursacher soll ohne Verschulden fr bestimmte
Schden einstehen mssen, die Gefiihrdungshaftung setzt also kein vorwertbares
Handeln voraus. Dieses bedeutet, da sich die Gefiihrdungshaftung fr Umweltrisiken auch auf Schden erstreckt, die durch den rechtmigen Betrieb einer umweltgefiihrdenden Anlage verursacht werden. Die Haftung gilt fr die im Anhang
zum Gesetz aufgefiihrten Anlagentypen (Abfallentsorgungsanlagen, Gieereien,
Verbrennungsanlagen etc.). Das Gesetz findet nur bei einer Schadensverursachung
durch Umwelteinwirkung Anwendung, also dann, wenn der Schaden durch Stoffe,
Erschtterung, Gerusche, Druck oder Strahlen verursacht wird, die sich in Boden,
Luft oder Wasser ausgebreitet haben. Soweit es sich um Schden aus einer solchen
Umwelteinwirkung handelt, sieht das UHG eine Haftungshchstgrenze von 160
Mio. DM fr Sachbeschdigung und fr Personenschden vor. Der Geschdigte
mu lediglich nachweisen, da eine Anlage den entstandenen Schaden verursacht
haben kann. Dann ist der Anlagenbetreiber aufgerufen, die Eignungsvermutung
auszurumen. Die Eignungsvermutung entfiillt, wenn die Anlage bestimmungsgem betrieben wurde, d.h. da die besonderen Betriebspflichten aus Genehmigung,
vollziehbaren Anordnungen und Rechtsvorschriften beachtet worden sind [1.27].

[Link]
Die EG-ko-Audit-Verordnung
Den gestiegenen Umweltanforderungen und -haftungsrisiken kann das Unternehmen nur mit einem ganzheitlichen, d.h. einem integrierten Umweltschutzkonzept begegnen.

24

1 Einfhrung in die Abfallwirtschaft

Anforderungen an den betrieblichen Umweltschutz kommen praktisch aus allen


Teilen der Gesellschaft. Die wichtigsten dabei sind:
- andere Unternehmen (Kunden, Auftraggeber und Lieferanten),
den Gesetzgebern,
die ffentlichkeit,
die Standortgemeinden,
die eigenen Mitarbeiter und Nachwuchskrfte und
die Banken und Versicherungen.
Ein Weg, diesen betrchtlichen Anforderungen gerecht zu werden, der ber ein
passives Verhalten hinausgeht, ist die Umsetzung der EG-ko-Audit-Verordnung.
Auf Grundlage dieser Verordnung knnen sich seit April 1995 gewerbliche
Unternehmen, die ber ein Umweltmanagement verfgen und regelmig Umweltbetriebsprfungen durchfilhren, von einem unabhngigen Gutachter berprfen und ihre Umwelterklrung validieren, d.h. ftlr gltig erklren lassen. Ziel der
Verordnung ist es, die Eigenverantwortung der Unternehmen ftlr den Schutz der
Umwelt zu strken und die kontinuierliche Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes im Rahmen der gewerblichen Ttigkeiten zu frdern. Erreicht werden
soll dies nach Artikell der Verordnung durch:
- Festlegung und Umsetzung standortspezifischer Umweltpolitik, -programme
und Managementsysteme durch die Unternehmen,
- systematische, objektive und regelmige Bewertung der Leistung dieser Instrumente,
- Bereitstellung von Informationen ber betrieblichen Umweltschutz.
Der Begriff "ko-Audit)" stammt aus der Wirtschaftsprfung. Analog dem Zweck
einer Bilanz soll das ko-Audit eine betriebsinterne Rechenschaft (Bilanzprfung)
ber die Umweltleistung sicherstellen. Beim ko-Audit handelt es sich somit um
ein vorsorgeorientieres Umweltinstrument ftlr die gewerbliche Wirtschaft.
Zur Umsetzung der ko-Audit-Verordnung sind konkrete Schritte erforderlich
(vgl. Bild 1.4.). Die Umweltprfung steht dabei am Anfang aller Aktivitten und
ist eine erste umfassende Untersuchung des betrieblichen Umweltschutzes. Aus
den Ergebnissen der Umweltprfung und den Vorgaben des Unternehmens wird
dann ein Umweltmanagementsystem entwickelt, es wird eine Umweltpolitik festgelegt, und es werden Umweltziele und ein Umweltprogramm beschlossen. In
allen weiteren Zyklen tritt an Stelle der Umweltprfung die regelmige Umweltbetriebsprfung, die ein in das Umweltmanagement verankertes Instrument darstellt. Am Ende steht jeweils eine jhrliche Umwelterklrung ftlr die ffentlichkeit, die aller ein bis drei Jahre durch einen unabhngigen Gutachter validiert wird,
also ftlr gltig erklrt werden mu. Dies geschieht nur, wenn alle Anforderungen
der EG-ko-Audit-Verordnung eingehalten werden. Danach wird der Standort des
Unternehmens in ein Register aller validierten Standorte eingetragen, aus dem es
bei Versten auch wieder gelscht werden kann. Die erste Validierung kann
dabei ohne Umweltbetriebsprfung erfolgen. Alle ftlr die Umsetzung der Verordnung entscheidende Begriffe werden in ihrem Artikel 2 definiert.

1.3 Rechtliche Grundlagen

~:hfiihrung einer Umweltprfung

Festlegung einer Umweltprfung

( Entwicklung von Umweltzielen, -programm


lund -managementsystemen

jhrliche Anpassung
von Umweltzielen,
-politik, -programm
und
-managementsystemen

Durchfiihrung einer Umweltbetriebsprfung

Erarbeitung einer Umwelterklrung

Validierung durch den Umweltgutachter

Registrierung des Standortes


Bild 1.4. Schritte zur Umsetzung der EG-ko-Audit-Verordnung

l-3 Jahre

25

2 Der Abfall

2.1
Definition des Abfallbegriffes
Das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW-/AbfG) vom 27. September
1994 lst mit seinem Inkrafttreten am 7. Oktober 1996 das Abfallgesetz vom 27.
August 1986 ab und verndert die Defmition des Abfallbegriffes.
Dem Abfallgesetz nicht unterworfen sind alle die Abflle, fr die das Tierkrperbeseitigungsgesetz, Tierseuchengesetz, Pflanzenschutzgesetz, Sprengstoffgesetz oder Atomgesetz gilt oder die als Abflle aus Bergwerken anfallen, als gasfrmige Stoffe entweichen oder in Gewssern. und Abwasserbehandlungsanlagen
eingeleitet werden.
Die TA Siedlungsabfall vom 14.05.1993 enthlt folgende Begriffsbestimmungen fr Abflle:
Nicht verbrauchte Medikamente, die in haushaltsblichen
Altmedikamente
Mengen anfallen.
Bauschutt, Baustellenabflle, Bodenaushub und StraenBauabflle
aufbruch.
Mineralische Stoffe aus Bauttigkeiten, auch mit geringBauschutt
filgigen Fremdanteilen.
Baustellenabflle Nichtmineralische Stoffe aus Bauttigkeit, auch mit geringfgigen Fremdanteilen.
Im Siedlungsabfall enthaltene biologisch abbaubare nativBioabfall
und derivativ-organische Abfallanteile (z.B. organische Kchenabfiille, Gartenabflle).
Nicht kontaminiertes, natrlich gewachsenes oder bereits
Bodenaushub
verwendetes Erd- und FelsmateriaL
In abflulosen Sammelgruben und Behltern anfallende ExFkalien
kremente menschlichen Ursprungs, soweit sie nicht in Abwasseranlagen eingebracht werden.
Bei der Behandlung von Abwasser in Kleinklranlagen
Fkalschlamm
(Hausklranlagen) anfallender Schlamm.
Garten- und Park- berwiegend pflanzliche Abflle, die auf grtnerischen
Grundstcken, in ffentlichen Parkanlagen und auf Friedabfalle
hfen sowie als Straenbegleitgrn anfallen.
Abflle
hauptschlich aus privaten Haushaltungen, die von
Hausmll
den Entsorgungspflichtigen selbst oder von beauftragten
Dritten in genormten, im Entsorgungsgebiet vorgeschrie-

B. Bilitewski et al., Abfallwirtschaft


Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2000

28

2 Der Abfall

benen Behltern regelmig gesammelt, transportiert und der


weiteren Entsorgung zugefUhrt werden.
Hausmllhnliche In Gewerbebetrieben, auch Geschften, Dienstleistungsbetrieben, ffentlichen Einrichtungen und Industrie anfalGewerbeabililie
lende Abfiille, soweit sie nach Art und Menge gemeinsam mit
oder wie Hausmll entsorgt werden knnen.
Geschftsmll
Die Inhaltsstoffe entsprechen denen des hausmllhnlichen
Gewerbeabfalls. Die Sammlung und Abfuhr erfolgt zusammen mit dem Hausmll in einheitlichen Behltern [2.19].
Restabfall
Nach Vermeidung und Verwertung verbleibender, zu entsorgender Abfall.
Bei der Behandlung von Abwasser in kommunalen und entKlrschlamm
sprechenden industriellen Abwasserbehandlungsanlagen
anfallender Schlamm, auch soweit er entwssert oder getrocknet oder in sonstiger Form behandelt wurde.
AufMrkten anfallende Abflle, wie z.B. Obst- und GemMarktabflle
seabtalle und nicht verwertbare Verpackungsmaterialien.
Produktionsspezi- In Industrie, Gewerbe oder sonstigen Einrichtungen anfalIende Abfiille, die keine Siedlungsabflle sind, jedoch nach
fische Abflle
Art, Schadstoffgehalt und Reaktionsverhalten wie Siedlungsabtalle entsorgt werden knnen.
Rechengut, Sandfang- und Fettfangrckstnde aus KlrRckstnde aus
Abwasseranlagen anlagen sowie Rckstnde aus Siel-, Kanalisations- und
Gullyreinigung.
Abfiille wie Hausmll, Sperrmll, hausmllhnliche GeSiedlungsabtalle
werbeabflle, Garten- und Parkabfiille, Marktabflille, Straenkehricht, Bauabflle, Klrschlamm, Fkalien, Fkalschlamm, Rckstnde aus Abwasseranlagen und Wasserreinigungsschlmme.
Feste Abfiille, die wegen ihrer Sperrigkeit nicht in die im
Sperrmll
Entsorgungsgebiet vorgeschriebenen Behlter passen und
getrennt vom Hausmll gesammelt und transportiert werden.
Mineralische Stoffe, die hydraulisch, mit Bitumen oder Teer
Straenaufbruch
gebunden oder ungebunden im Straenbau verwendet werden.
Abtalle aus der Straenreinigung, wie z.B. Straen- und ReiStraenkehricht
fenabrieb, Laub sowie Streumittel des Winterdienstes.
Bei der Behandlung von Wasser in WasseraufbereitungsWasserreinianfallende Schlmme, auch soweit diese entwssert
anlagen
gungsschlmme
oder in sonstiger Form behandelt wurden.
Abfallbestandteile oder Abfallfraktionen, die zur WiederWertstoffe
verwertung oder fiir die Herstellung verwertbarer Zwischenoder Endprodukte geeignet sind.
Werden Stoffe in Gewsser oder in Abwasserbehandlungsanlagen eingeleitet oder
eingebracht, gilt nach 1 Abs. 3 Nr. 5 AbfG nicht das Abfall-, sondern das Wasserhaushaltsrecht

2.2 Abfallmengenentwicklung und Abfallzusammensetzung

29

2.2
Abfallmengenentwicklung und Abfallzusammensetzung
Das gesamte Abfallaufkommen in Deutschland lag 1993 einschlielich der in die
Verwertung gegangenen Abflle bei 338,5 Mio. t. Davon waren mit 253,1 Mio. t
drei Viertel Abflle zur Beseitigung. Der Anteil der zur Verwertung abgegebenen
Abflle betrug insgesamt 25 %. Nicht bercksichtigt ist dabei die innerbetriebliche
Verwertung. Hierzu liegen keine Zahlen vor. In den alten Lndern sank das Aufkommen zu beseitigender Abflle zwischen 1990 und 1993 von 235,9 Mio. t um
rund 17 % auf 196,1 Mio. t. Das Aufkommen von Abfllen zur Verwertung stieg
im gleichen Zeitraum von 71,9 um 4% aufrund 74,6 Mio. t. In den neuen Lndern lag der Anteil der verwerteten Abflle deutlich unter dem Niveau der alten
Lnder. 1993 waren 75,1 Mio. tAbflle zu beseitigen. 10,8 Mio. t gingen in die
Verwertung (vgl. Tabelle 2.1.).
Tabelle 2.1. Abfallaufkommen und-verwertungnach Abfallarten in Deutschland 1993 (nach
Abfallbilanz des Statistischen Bundesamtes in Mio. Mg [2.4])
[Mio. Mg]

Abfallaufkommen

davon
Abflille zur
Verwertung

davon
Abflille zur
Beseitigung

Hausmll, hausmllhnliche Gewerbeabflille, Sperrmll, Kehricht


Bergematerial aus dem Bergbau

43,5

13,0

30,5

67,8

9,1

58,7

Abflille aus der Produktion


Bauschutt, Bodenaushub, Straenaufbruch,
Baustellenabflle

77,7
143,1

45,6
15,8

32,1
127,3

Sonstige
Insgesamtb

6,4

2,0

4,5

338,5

85,4

253,1

Bei den Abfallen aus der Produktion werden die grten Verwertungsanstrengungen unternommen. Hier gingen 1993 59 % in die Verwertung. Hausmll und hausmllhnliche Gewerbeabflle wurden zu fast einem Drittel verwertet (30 %). Den geringsten Anteil an Abfllen zur Verwertung weist mit 11 %im
Jahr 1993 die Abfallgruppe "Bauschutt, Bodenaushub, Straenaufbruch, Baustellenabflle" auf. Hierbei sind allerdings nur die Anlieferungen an stationre Behandlungsanlagen bercksichtigt. Rechnet man auch die Sortierung bzw. Aufbereitung dieser Abflle bei Entsorgungsanlagen ein, so erhht sich der Anteil der
Abflle zur Verwertung auf etwa 25 %. Eine weitere Erhhung ergbe sich bei
Bercksichtigung von transportablen Autbereitungsanlagen. Diese Anlagen werdenjedoch von der Statistik nicht erfat [2.4].
Verwertung ohne Sortierung/Aufbereitung bei Entsorgungsanlagen ohne transportable Aufbereitungsanlagen
Abweichungen in den Summen durch Runden

30

2 Der Abfall
Haushaltsabfall. hausm. lhnl. Gewerbeabfall, SpernnOII,
Kehricht, Kllrschlamm, Krankenhausabfall
1997 56,3 Mlo. Mg

Haushalte, Klelngewett>e
38,1 Mlo. Mg

.....111111----

Verwertung
25,6 Mlo Mg

DSD

Plipiergraphisch
BiomOll
Textilien
Gewerbeabfllle
Kllrschlamm

4,4 Mlo. Mg
5,9 Mlo. Mg
4,3 Mla. Mg
0,3 Mlo. Mg
9,8 Mlo. Mg
0,9 Mlo. Mg

111
,
1 15

s:,:.

h mI . Gewett>eabfa 11
KS
13,0 Mlo. Mg
KH-Abf.
,2 Mlo

30,7 Mlo. Mg

35,0 Mlo. Mg

1 = 2 5,2Mio. Mg

MVA
9,8 Mio. Mg

Rattevertus
0,3 Mlo. Mg

unbehande~e

Abfllle
---IIJo
24,05 Mlo. Mg

Deponie

24,9 Mlo. Mg

Bild 2.1. Abschtzungen der Mengenbilanz fiir Haushaltsabfall, hausmllhnlichen Gewerbeabfall, kommunalen Klrschlamm und Abflle aus Recyclinganlagen fiir das Jahr 1997

Iststand und Prognose der Abfallteilstrme in Deutschland


In den Verffentlichungen von Urban und Friede! [2.5, 2.46] wird die Entsorgungssituation auf Basis der Daten von 1993 beschrieben und der Bedarf von
Abfallverbrennungskapazitten filr das Jahr 2005 berechnet. Basierend auf diesen
Angaben sowie auf der Basis erster Landesabfallbilanzen und der Sammeierhebungen von VDP, DSD, BDE fr das Jahr 1997 wurden die Abfallmengen fr
1997 filr Haushaltsabflille, hausmllhnliche Gewerbeabflille, kommunale Klrschlmme etc. aufPlausibilitt geprft und abgeschtzt (Bild 2.1.).
Bild 2.1. zeigt, da ca. 24,05 Mio. Mg Abfalle 1997 unbehandelt auf die Deponie ging. Die gesamte erzeugte Abfallmenge betrgt 56,3 Mio. Mg filr diesen
Bereich.
Fr die Behandlung von Restabfall standen 1997 insgesamt 53 thermische Anlagen mit einer Kapazitt von ca. 12 Mio. Mg/a und ber 20 mechanischbiologische
Abfallbehandlungsanlagen
mit
einer
Kapazitt
von
ca. 1, 15 Mio. Mg/a zur Verfilgung. Eine Nutzung der hochkalorischen Fraktion
findet zur Zeit nicht statt.
Bei der Prognose des Aufkommens wird von einem weiteren Anstieg des Aufkommens ausgegangen, wie in der Tabelle 2.2. dargestellt ist. Die zu beseitigende
Restabfallmenge wird trotz einer drastischen Steigerung der Verwertungsquoten
von 37,8% (1997) auf 44,2% (2005) nur geringfgig abnehmen und
33,0 Mio. Mg Restabfalle im Jahre 2005 entsorgt werden mssen.
Bei den Behandlungskapazitten ist im Vergleich zu 1997 fr das Jahr 2005
sowohl von einem Ausbau der thermischen als auch der mechanisch-biologischen
Behandlungskapazitt auszugehen. Mit der Errichtung und Inbetriebnahme von

2.2 Abfallmengenentwicklung und Abfallzusammensetzung

31

Haushaltsabfall. hausm. ilhnl. Gewett>eabfall, SpenmOII,


Kehrich~ Klrschlamm, Krankenhausabfall
2005 59,1 Mio. Mg

Haushalte, Kleingewerbe
39,8Mio. Mg

V11fwart1.11g

31,5MioMg

DSD
Papiergraphlach
BiomOll
Textilien
~le

Klllrlchlanvn

8,5 Mlo. Mg
8,3 Mlo. Mg
5,8 Mlo. Mg
0,4 Mlo. Mg

10,7Mio. Mg
1,8 Mlo. Mg

BMA~IIil-

2 Mlo. Mw""'-

[Link]

__.
MVA
13Mio. Mg

BRAM

0,5Mlo. Mg
Rolleverlust
0,6Mio. Mg

+-u~

___.

18Mlo. Mg

Deponie
18,9 Mlo. Mg

Bild 2.2. Prognose der Mengenbilanz fiir Haushaltsabfall, hausmllhnlichen Gewerbeabfall,


kommunalen Klrschlamm und Abfalle aus Recyclinganlagen fiir das Jahr 2005

Tabelle 2.2. Gegenberstellung der Mengenentwicklung und Verwertungsquoten fiir 1997 und
2005 im Vergleich zu den Werten von 1993

1993
1997
2005

Gesamtmenge
[Mio. Mg]

Beseitigung
[Mio. Mg]

Verwertungsquote
[%]

46,7
56,3
59,1

36,7
35,0
33,0

21 ,4
37,8
44,2

weiteren 13 Abfallverbrennungsanlagen und der Stillegung von 3 veralteten Anlagen ergibt sich ftir das Jahr 2005 eine thermische Anlagenkapazitt ftir Restabfall
von ca. 14,1 Mio. Mgla mit einer vermutlichen Auslastung, die bei 13 Mio. Mg
liegt.
Bis zum Jahre 2005 werden eine Reihe von heutigen Versuchsanlagen zur mechanisch-biologischen Behandlung stillgelegt und durch grere Anlagen ersetzt,
so da nach jetzigem Wissensstand ca. 40 Anlagen erwartet werden, die ca.
2,0 Mio. Mgla verarbeiten. Ca. 500.000 Mg EBS kann dabei als hochwertiger
Ersatzbrennstoff hergestellt und in Verbrennungsanlagen der Industrie eingesetzt
werden.
Die Mengenstrme fiir das Jahr 2005 sind in Bild 2.2. dargestellt. Daraus geht
deutlich hervor, da ca. 18 Mio. Mg Restabfall nach heutigem Kenntnisstand nicht
behandelt werden.

32

2 Der Abfall

Um 18 Mio. Mg Restabfall zu behandeln, werden in den Grenzfllen ca. 60 Verbrennungsanlagen mit einer durchschnittlichen Verbrennungskapazitt von
300.000 Mg/a oder 300 mechanisch-biologische Anlagen mit einer durchschnittlichen Behandlungskapazitt von 60.000 Mg/a erforderlich, unter der Voraussetzung, da kein bundesdeutscher Abfall ber die europischen Grenzen transportiert wird.
Damit der biologisch behandelte Teilstrom auch die erweiterten Ablagerungskriterien einer vernderten T ASI (mit z. B. Atmungsaktivitt) erfllt, mssen die
neuen MBA's alle EBS herstellen und auch vertreiben. Bei einer Abtrennungsrate
von 25 % des Restabfalls wrden 4,5 Mio. Mg EBS/a entstehen.

2.2.1
Hausmll, Sperrmll und hausmllhnliche Gewerbeabflle)))

Fr die Auslegung von Abfallbehandlungsanlagen und deren Einzelaggregaten ist


die genaue Kenntnis ber die Mengen, die Zusammensetzung und die chemischen
und physikalischen Eigenschaften der Abfallstoffe eine Grundvoraussetzung.
Die Notwendigkeit dieser Kenntnis wird durch das Kreislaufwirtschafts- und
Abfallgesetz [2.18] festgelegt. Der 29 KrW-IAbfG sieht die Verpflichtung der
entsorgungspflichtigen Krperschaften und Lnder zur Aufstellung von Abfallwirtschaftsplnen vor.
In der Tabelle 2.3 sind die Abfallmengenentwicklung aus den Sammlungen der
ffentlichen und privaten Entsorger fr den Bereich Hausmll, hausmllhnliche
Gewerbeabflle, Sperrmll, Kehricht und Marktabflle dargestellt. Da die Statistik
des Statistischen Bundesamtes rckwirkend seit 1990 auch die Abflle zur Verwertung und zur Beseitigung aufteilt, wird in dieser Tabelle auch die dynamische
Entwicklung des Recyclings deutlich, die schon in den Abbildungen 2.1 und 2.2
dargestellt wurden.
Tabelle 2.3. Die Entwicklung von Hausmll, hausmll!Umliche Gewerbeabflille, Sperrmll,
Straenkehricht, Marktabililie in der Bundesrepublik (alte Bundeslnder bis 1987) [2.2]
1975
1977
103Mg 103Mg
Hausmll, hausmll- 31.012 28.9I4
!Umliche Gewerbeabfalle, Sperrmll,
Straenkehricht,
Marktabflle
Davon Abfalle zur Verwertung
Davon Abflle zur Beseitigung

1980
I 03Mg
32.6I6

1982
I 03Mg
29.688

1984
103Mg
29.604

I987
I 03Mg
21.288

I990
I 03Mg
50.183

6.800
43.383

1993
103Mg
43.486

12.969
30.517

Die Entsorgung von Hausmll, hausmllhnlichem Gewerbeabfall und Sperrmll


ber die entsorgungspflichtige Krperschaft hat 1982- bezogen auf die Wohnbevlkerung- nahezu 100% erreicht.

2.2 Abfallmengenentwicklung und Abfallzusammensetzung

33

Die Tabelle 2.4. stellt die Entwicklung der im Rahmen der ffentlichen Abfallentsorgung eingesammelten Mengen filr Hausmll, Gewerbeabfallklrmengen und
Sperrmll dar. In der 3. Spalte sind die spezifischen Abfallmengen in kg pro Einwohner und Jahr dargestellt. Seit Anfang der 80er Jahre sinkt das Pro-KopfAufkommen. Im Zeitraum 1975 bis 1984 erhhte sich das zu entsorgende spezifische Volumen von 1,40 auf 2,43 m3 pro Einwohner. Seit 1987 und vor allem
durch die Wiedervereinigung steigt die Gesamtabfallmasse aber auch die spezifische Abfallmasse deutlich. Kompensiert werden die Mengen durch das Recycling
wie bereits dargestellt.
Tabelle 2.4. Entwicklung des Hausmlls, Kleingewerbe und Sperrmlls (alte Bundeslnder bis
1987) [2.2, 2.3]
Jahr

1975
1977
1980
1982
1984
1987
1990
1993

Gesamtmasse
[Mio. Mg]
23,20
23,43
22,45
23,07
22,12
22,90
30,46
34,80

Spez. Gewicht
[kg/E*a]
383,9
366,6
380,4
374,9
361,7
375,0
382,0
428,0

Spez. Volumen
[m3/E*a]
1,40
1,74
2,00
2,34
2,53
2,61
2,30
2,57

Tabelle 2.5. Anteil von Hausmll, hausmllhnlichen Gewerbeabfiillen und Sperrmll in der
Bundesrepublik Deutschland filr den Zeitraum von 1975 bis 1993 am Gesamtabfall [2.2, 2.3]
1975
Abfallkomponente [Mio. Mgla] [%]
64,7
Haushaltsabfall
15,00
2,10
9,0
Sperrmll
6,10
26,3
GewerbeabOOie
23,20
100,0
Gesamtabfall

1980
[Mio. Mgla] [%]
14,60
65,0
2,00
8,9
5,85
26,1
22,45
100,0

1984
[Mio. Mgla]
14,00
1,80
5,48
21,28

[%]

65,8
8,4
25,8
100,0

1990
1993
[Mio. Mgla] [%]
Abfallkomponente [Mio. Mg/a] [%]
71,4
23,91
21,74
68,7
Haushaltsabfall
8,6
3,81
10,9
2,62
Sperrmll
20,0
7,08
6,10
20,3
GewerbeabOOie
100,0
34,80
30,46
100,0
Gesamtabfall

In Tabelle 2.5. wird der Anteil der hausmllhnlichen Gewerbeabfiille und des
Sperrmlls am Gesamtabfall dargestellt. Die Geschfts- oder hausmllhnlichen

34

2 Der Abfall

IGewerbeabfall 289 kg/E,a I


Recycll~

179 kg/E,a

48

Resl HausmOll
143 kg/E,a

Rest Gewerbeabfall

Rest Sperrmll
39 kg/E.a

110 kg/E.a

-.lt

Resl HausmOll
143 kg/E,a

Restmengen
Siedlungsabflle
zur Behandlung
389 kg/E,a
(ca. 1,09 Mio. t/a bei
2,8 Mio. Einwohnern)

Sonderdienste
14 kg/E,a

Straenreinigung

48 kg/E,a

Bild 2.3. Siedlungsabfallmengen fr das Land Brandenburg fr 1995 [2.29]

Gewerbeabililie beeinflussen das Materialrecycling durch den hohen Anteil an


Papier, Pappe, Holz, Folien etc. positiv.

2.2.2

Gewerbe- und Produktionsabflle


Eine Studie aus dem Jahr 1992 [2.19] wertet die Ergebnisse einer Vielzahl von
Untersuchungen zum Thema "Gewerbeabfallaufkommen/-zusammensetzung im
Gebiet der alten Bundeslnder aus. Anband von Kennziffern soll annhernd das zu
erwartende Gewerbeabfallaufkommen mittels gebietsspezifischer Strukturdaten
abschtzbar werden. Obwohl die einzelnen Untersuchungen erhebliche Schwankungen der Gewerbeabfallmengen aufweisen, lassen sich aufgrund der statistisch
groen Anzahl der untersuchten Regionen eindeutige Tendenzen bzw. Abhngigkeiten erkennen.
Die Gegenberstellung von abfallspezifischen Kenngren fi1r lndliche Regionen und Stdte zeigt, da es keine bedeutenden Unterschiede von stdtischer
und lndlicher Struktur im Hinblick auf anfallende Gewerbeabfallmengen gibt.
Der pro Flche anfallende Gewerbeabfall ist natUrlieh in der dicht besiedelten
Stadt hher als in lndlichen Regionen (vgl. Tabelle 2.6.).
In einem weiteren Teil der Auswertung ist dargestellt, da die spezifische Gewerbeabfallmenge (Menge je Erwerbsttigen) mit wachsender Betriebsgre abnimmt. Dies lt auf2 mgliche Ursachen schlieen:

2.2 Abfallmengenentwicklung und Abfallzusammensetzung

35

- Verstrkte innerbetriebliche Recyclingbemhungen bei groen Firmen. Hier


kann die Investition fr eine Recyclinganlage oder fr ein Gutachten (Vermeidungs- und Verwertungskonzept) oft eher aufgebracht werden als von Kleinbetrieben. Das lt aber wiederum die Folgerung zu, da in Kleinbetrieben ein
hohes Vermeidungs- und Verwertungspotential vorhanden ist.
- In Kleinbetrieben sind relativ mehr Beschftigte im Abfall verursachenden
Produktionsbereich ttig (fehlender "Wasserkopf'').
Tabelle 2.6. Mittelwerte einiger abfallspezifischer Kenngren [2.19]

Kenngre
Anteil GM* am Gesamtabfall
GM* pro Flche
GM* pro Einwohner
GM* pro Erwerbsttigen
* GM: Gewerbeabfallmengen

Einheit

Stadt

Land

[%]
[Mglkm2a]

35
382
211
534

55
204
520

[kg!Ea]
[kg/Erw.a]

36

Mit der Unterteilung der Erwerbsttigen in die vier Hauptwirtschaftsbereiche


(WB)
- WB 1:
Land- und Forstwirtschaft;
- WB2:
Produzierendes Gewerbe;
Handel, Verkehr und Nachrichtenbermittlung;
- WB3:
- WB4:
Dienstleistungen, Kreditinstitute, Versicherungen, Gebietskrperschaften, Organe ohne Erwerbscharakter;
wird auch der Einflu der Erwerbsstruktur auf das Gewerbeabfallaufkommen
aufgezeigt.
Wie zu erwarten, werden eine starke Zunahme der spezifischen Gewerbeabfallmengen bei wachsendem Anteil der Beschftigten im produzierenden Gewerbe und eine deutliche Abnahme der Mengen bei steigendem Anteil der Beschftigten im Bereich Handel, Verkehr und Nachrichtenbermittlung nachgewiesen. Relativ unbedeutend ist die Mengenvernderung bei Zu- oder Abnahme des
Anteils der Beschftigten im Bereich Dienstleistungen.
Neben den Abililien aus Haushaltungen und Kleingewerbe weist die Bundesstatistik auch die im Rahmen der ffentlichen Abfallentsorgung gesondert bei
Gewerbebetrieben eingesammelten hausmllhnlichen Gewerbeabililie aus. Es
handelt sich hierbei um Abflle, die nicht mit der Hausmllabfuhr, sondern ber
die getrennte Abfuhr von Containern (z.B. Mulden und Premllbehlter) zumeist
bei greren Gewerbebetrieben erfat werden. Im Jahr 1993 wurden rund
2,3 Mio t Gewerbeabililie durch kommunale Entsorgungsbetriebe oder beauftragte
Dritte getrennt gesammelt. Dies sind etwa 40 % weniger als 1990 (3,9 Mio t)
[2.4].
Gewerbeabililie werden darber hinaus teilweise ber die Hausmllabfuhr eingesammelt, teilweise aber auch von den Abfallerzeugern selbst oder von privaten
Entsorgungsunternehmen direkt an Entsorgungsanlagen angeliefert Die ber die
Hausmllabfuhr eingesammelten Mengen sind in der Statistik nicht getrennt aus-

36

2 Der Abfall

gewiesen. Die an ffentlich betriebene Abfallentsorgungsanlagen gesondert angelieferten Mengen an hausmllhnlichen Gewerbeabfallen lagen im Jahr 1990 bei
15,2 Mio t und im Jahr 1993 bei 7,8 Mio t. Dies entspricht nahezu einer Halbierung der angelieferten Mengen [2.4].
Aufkommen und Zusammensetzung der hausmllhnlichen Gewerbeabfalle
wurden vom Umweltbundesamt unabhngig von der Abfallstatistik im Rahmen
eines Forschungsvorhabens ermittelt. Hochgerechnet auf die alten Lnder fielen
danach in den Jahren 1991/92 insgesamt 10,5 bis 12,7 Mio t Gewerbeabfalle an,
d.h. im Mittel 11,6 Mio t pro Jahr [2.4].
Mit der Bundesweiten Gewerbeabfalluntersuchung im Auftrag des Umweltbundesamtes (1993) [2.47] wurden nicht nur Daten ber die in den alten Bundeslndern angefallenen Gewerbeabfallmengen und deren Zusammensetzung ermittelt, sondern ein Hauptbeitrag liegt auch in der kritischen Betrachtung der bei
bisherigen Untersuchungen angewendeten Methoden und Vorgehensweisen. Es
wurden die Problembereiche solcher Untersuchungen herausgearbeitet und benannt.
Fr weitere vor allem regionale Untersuchungen ergeben sich vor allem folgende zu beachtende Randbedingungen/Konsequenzen [2.47]:
- Exakte Zieldefinition vor Beginn der Untersuchungen (welche Abfalle sollen
mit welchem Ziel erfat werden; wie ist Gewerbeabfall definiert);
- Untersuchung nach dem dreisteHigen Wirtschaftsbereichschlssel:
- Bestimmung der Dichten getrennt fiir Mulden, Premllcontainer und Monochargen;
- Aufschlsselung nach mindestens 30 Fraktionen;
- Sichtung ber mindestens zwei Wochen zur Ermittlung der Zusammensetzung
und ber mindestens vier Wochen zur mglichst vollstndigen Erfassung aller
Anlieferer durchfhren;
- Statistik mindestens ber groe Umleerbehlter aufstellen/besorgen;
- Einrichtung einer erzeugerbezogenen Wiegedatenerfassung zur einfachen Erstellung von Statistiken ber Wechselbehlteranlieferungen.
Insgesamt wird damit ein wichtiger Beitrag sowohl zur Mengenstatistik der Gewerbeabflille als auch zur Untersuchungs- und Bewertungsmethodik vorgelegt.
Die Vergleichbarkeit von Untersuchungen ber Gewerbeabfalle war und ist
wegen des je nach Untersuchung unterschiedlichen Vorgehens, aber auch wegen
der unklaren Definitionen der Begriffe hausmllhnlicher Gewerbeabfall, produktionsspezifischer Abfall und Geschftsmll stark eingeschrnkt. Solange keine
Empfehlungen fiir ein einheitliches Vorgehen vorliegen, kommt der genauen Dokumentation der Untersuchungsart und der bercksichtigten Abfallarten groe
Bedeutung zu.
Grundstzlich zeigen die Ergebnisse der Bundesweiten Gewerbeabfalluntersuchung jedoch, da die Bestimmung von Kennzahlen ber die Zusammensetzung
und die Menge hausmllhnlicher Gewerbeabfalle und des Geschftsmlls anhand
der gebildeten Wirtschaftsgruppen und auf der Basis der Mitarbeiterzahlen mglich ist und diese Daten auch fr andere als die untersuchten Kommunen einsetzbar sind. [2.47].

2.2 Abfallmengenentwicklung und Abfallzusammensetzung

37

Tabelle 2.7. Zusammensetzung der gesichteten hausmllhnlichen Gewerbeabfalle nach Behlterarten (auer Umleerbehlter) incl. Hochrechnung [2.47]
Stoffgruppe

Mulden

PressMonoGesamt
Gesamt
Gesamt
chargen
mllc.
[Mg]
[Mg]
[Mg]
[%]
[Mg]
437
43
1274
10,71
986
97
1579
333
13,28
1222
17
11
134
1,13
103
8
0
1,56
185
144
828
286
2249
18,92
1742
94
150
4,74
564
436
122
0
817
6,87
632
18
126
5,76
785
530
256
13
1171
9,85
907

[Mg]
Papier/Pappe
794
Holz
1149
Metalle
106
Glas
177
Kunststoffe
1135
Organik
320
Schutt
695
Werkstattabflle
541
Renovierungs902
ab flle
Mischabflle
485
352
74
Textilien
18
77
34
Schianun
0
0
579
Sonstiges
647
265
700
Summe
7028
2255
2606
auf die alten Bundeslnder hochgerechnete Mengen

911
129
4,87
1612
11889

7,60
1,09
448
13,56
100,00

700
100
1250
9200

Tabelle 2.8. Abfallaufkommen und -verwertung im Produzierenden Gewerbe nach Abfallarten


1990 und 1993 (nach Abfallbilanz des Statistischen Bundesamtes) [2.4]
[Mio. Mg]

Abfallaufkommen
1990

Bergematerial aus dem


Bergbau

1993
67,8
62,3
5,5
76,8
64,1
12,7
137,2
102,7
34,5
2,2
1,7

1990

1993

1990

1993

10,8
10,7

9,1
9,1

0,1
45,8
39,9
6,0
12,9
12,7
0,2
0,2
0,2

45,5
40,2
5,2
15,8
12,2
3,6
0,2
0,2

0,0

0,0

0,6

7,7

0,6
5,9

58,7
53,2
5,5
31,3
23,9
7,4
121,4
90,5
30,9
2,1
1,5
0,6

1,4

1,7

6,3

4,2

6,5

4,9

1,3

1,5

5,2

3,4

1,2

1,0

0,1

0,2

1,1

0,8

D
AL

325,1
270,6

289,9
235,7

71, I
64,6

72,1
63,1

254,1
205,9

217,8
172,6

NL

54,5

54,2

6,4

9,0

48,1

45,2

AL
NL
Abfiille aus der Produktion D
AL
NL
Bauschutt, Bodenaushub,
D
Straenaufbruch, Baustel- AL
lenabflle
NL
Klrschlmme, Schlmme D
aus der AbwasserreiniAL
gung (Trockensubstanz)
NL
Hausmll, hausmllhnli- D
ehe Gewerbeabflle,
AL
Sperrmll, Kehricht
NL
Insgesamt

88,8
72,2

Davon Abflle zur Davon Abflle zur


Verwertung
Beseitigung

16,6
98,0
69,2
28,7
128,3
120,8
7,5
2,4
1,8
0,6

78,1
61,6
16,5
52,1
29,4
22,7
115,4
108,1
7,2
2,2
1,6

38

2 Der Abfall

Die Auswertung der Sortieranalysedaten aus der bundesweiten Gewerbeabfalluntersuchung wird in Tabelle 2. 7. dargestellt.
Abfallaufkommen und -verwertung im Produzierenden Gewerbe
Im Produzierenden Gewerbe ist ein Rckgang des Abfallaufkommens von 1990
bis 1993 um etwa 11 % zu verzeichnen. Gleichzeitig stieg der Anteil der Abflle
zur Verwertung von 22 auf 25 %. Die Entwicklung des Abfallaufkommens lt
sich teilweise mit der wirtschaftlichen Entwicklung erklren. Genauer Aufschlsse
liefert die Betrachtung der einzelnen Abfallgruppen.
Tabelle 2.9. Abfallaufkommen und -verwertung im Produzierenden Gewerbe nach Wirtschaftsbereichen 1990 und 1993 (nach Abfallbilanz des Statistischen Bundesamtes) [2.4]
[Tsd. Mg]

Energie- und Wasserversorgung, Bergbau


Verarbeitendes Gewerbe
Davon Minerallverarbeitung
Gewinnung und Verarbeitung von Steinen und
Erden
Eisenschaffende Industrie,
Gieerei
Chemische Industrie
Maschinenbau
Straenfahrzeugbau
Nahrungs- und Genumitteigewerbe
Sonstiges Verarbeitendes
Gewerbe
Baugewerbe
Insgesamt

Abfallaufkommen

Davon Abflle zur


Verwertung
1993
1990
1993
1990
119 898 93 I23
I6 970 I8 116

Davon Abfiille zur


Beseitigung
1990
1993
I02 928 75 007

D
D

84 05I
897

65 119
3I2

4I 595
87

38 798
138

42 455
8IO

26 32I
174

8 252

6 539

I 426

I 852

6 827

4 688

I8 954

I4 878

II 777

IO 862

7I76

40I6

D
D
D
D

9 606
3 783
3 575
13 933

6 665
2 280
2 673
II 474

I 811
I 806
I 955
9 876

I 58 I
I 213
I 836
9 352

7 795
1 977
I 620
4 056

5 084
I 067
836
2122

25 052

20 298

I2 857

I1 964

12 195

8 334

I2II78 13I645
325 I27 289 887

I2 494
7I 059

I5 2I5 108 685 116 429


72 I29 254 068 2I7 756

Die Abfallgruppe "Bauschutt, Bodenaushub, Straenaufbruch und Baustellenabfalle" (verkrzt als Bauabfall bezeichnet) weist die grten Abfallmengen aus.
Den weitaus grten Anteil in dieser Abfallgruppe hat der Bodenaushub. Beim
Bauschutt ist als einziger Abfallgruppe ein Anstieg des Abfallaufkommens festzustellen. Die Entwicklung des Aufkommens in den alten und den neuen Lndern
war sehr unterschiedlich. In den alten Lndern nahm die Produktion der Bauwirtschaft von 1990 bis 1993 um rund 7 % zu. Gleichwohl gingen die Abfallmengen

2.2 Abfallmengenentwicklung und Abfallzusammensetzung

Anzahl der
Feuerungs- und
Verbrennungsanlagen

2.488
2.243

2.271
2.056

2000

1000

39

1.926

2,26
[Link]

3,90
[Link]

4,24
[Link]

4,61
[Link]

4,10
[Link]

1980

1982

1984

1987

1993

Bild 2.4. Anzahl der Feuerungs- und Verbrennungsanlagen von Betrieben des produzierenden
Gewerbes in der Bundesrepublik Deutschland mit den Mengenangaben der eingesetzten Produktionsabflille [2.2, 2.3, 2.49]

um etwa 13 % zurck. Es ist daher zu vermuten, da hier in grerem Umfang


Manahmen zur Abfallvermeidung getroffen wurden. In den neuen Lndern wurden die Bauleistungen im Betrachtungszeitraum mehr als verdoppelt, wobei der
Anstieg bei den Tiefbauleistungen hher lag als bei den Hochbauleistungen. Dies
filhrte insbesondere wegen der mit hohem Anfall an Bodenaushub verbundenen
Tiefbauaktivitten zu einer Steigerung des Aufkommens an Bauabfllen um rund
300% [2.4].
Bergematerial fllt bei der Frderung im Untertagebergbau an. Es wird berwiegend oberirdisch aufgehaldet, teilweise aber auch verwertet, z.B. im Straen-,
Damm- und Deichbau als Bau- und FllmateriaL Entsprechend der rcklufigen
Frderung von Steinkohle und Kalirohsalzen ging die Menge an Bergematerial in
den alten Lndern um 14% und in den neuen Lndern um 70% zurck [2.4].
Auch bei den Produktionsabfllen ist ein Rckgang der Abfallmengen bei unterschiedlicher Entwicklung in den alten und den neuen Lndern festzustellen. Ausschlaggebend ftlr den Rckgang war insbesondere die Entwicklung in den neuen
Lndern, in denen sich der Anfall an Produktionsabfllen auf weniger als die
Hlfte reduzierte. Verursacht wurde der Rckgang u.a. durch die rcklufige Produktionsttigkeit, z.B. in der Grundstoffmdustrie. Auch der verringerte Einsatz
von Braunkohle (Abnahme der Frderung von 1990 bis 1993 etwa 54%) drfte zu
dem Rckgang beigetragen haben [2.4]

40

2 Der Abfall

Die Entwicklung der Zahl der betriebseigenen Verbrennungsanlagen und die


Menge der eingesetzten Abflle stellt Bild 2.4. dar. Von den Verbrennungsanlagen
sind der berwiegende Teil Feuerungsanlagen, in denen in einer Co-Verbrennung
neben den Abfllen auch Stein-, Braunkohle, Heizl etc. verbrannt werden. Nur
186 Anlagen waren 1982 als spezielle Abfallverbrennungsanlagen ausgelegt, die
sich aufgrund der schwierigen Genehmigungsbedingungen und dem hohen Reinigungsaufwand 1984 auf 133 Anlagen verringert haben. Die holzbe- und -verarbeitende Industrie hatte 1984 in der Bundesrepublik Deutschland mit 1 433 Anlagen und einer verbrannten Abfallmenge von ca. 1,4 Mio. Mg den grten Anteil.
Anwendung fand die Verbrennung vor allem in Betrieben der Zellstoff-, Holzschliff-, Papier- und Pappeerzeugung und der chemischen Industrie. Verbrannt
wurden hauptschlich verschiedene organische Abflle sowie Suren, Laugen und
Schlmme, Laborabflle, Chemikalienreste etc. Ein weiterer Bereich ist BRAM,
der in ersten Anlagen (Zementwerke) in der Co-Verbrennung eingesetzt wird.

2.2.3

Sonderabflle

Zu den Industrie- und Gewerbeabfllen zhlen nicht nur die Abflle, die problemlos gemeinsam mit Haushaltsabfall in Abfallverbrennungsanlagen behandelt
oder auf Abfalldeponien abgelagert werden, sondern auch Abflle, die nach ihrer
Art nicht gemeinsam mit Hausmll beseitigt werden knnen, wie die Klassifizierung in Bild 2.5. zeigt.
Besonders berwachungsbedrftige Abflle sind nach Kreislaufwirtschaftsund Abfallgesetz {KrW-/AbfG) im EU-Sprachgebrauch "gefhrliche Abflle" und
werden umgangssprachlich als "Sonderabflle" bezeichnet.
Von Bedeutung sind hier die folgenden Regelungen:
- Das Verzeichnis gefhrlicher Abflle,
- Die Verordnung zur Bestimmung von besonders berwachungsbedrftigen
Abfallen sowie
- Die Verordnung ber Verwertungs- und Beseitigungsnachweise.
Mit Entscheidung 94/904/EG des Rates vom 22. Dezember 1994 hat der Rat der
Europischen Union (EU) das Verzeichnis gefhrliche Abflle im Sinne von Artikel 1 Abs. 4 der Richtlinie 91/689/EWG des Rates ber gefhrliche Abflle beschlossen. Dieses Verzeichnis defmiert die gefhrlichen Abflle gem der vorgenannten Richtlinie. Es zhlt 237 Abfallarten auf und macht dabei keine Unterscheidung zwischen Abfall zur Beseitigung und Abfall zur Verwertung. Das Verzeichnis ist regelmig zu berprfen und, wenn ntig, nach dem Verfahren des
Artikels 18 der Richtlinie 91/156/EWG des Rates vom 18. Mrz 1991 ber Abflle zu berarbeiten. Das Verzeichnis ist fUr alle Mitgliedsstaaten der Europischen Union verbindlich. Die Entscheidung ist ein Rechtsakt, der von den Mitgliedsstaaten durch Verordnung umgesetzt werden mu.
Die Verordnung zur Bestimmung von besonders berwachungsbedrftigen Abfllen (BestbAbfV) setzt die Ermchtigung des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes um. Sie bernimmt die durch die Verordnung der EU ber einen gemeinschaftlichen Abfallkatalog (EAK) eingetllhrt:e europische Abfallnomenklatur und

2.2 Abfallmengenentwicklung und Abfallzusammensetzung

berwachungsbedrftige

besonders
berwachungsbedrftige

fakultatives
Nachweisverfahren
42,45

obligatorisches
Nachweisverfahren
43,46

41

nicht
berwachungsbedrftige

Bild 2.5. Klassifizierung der Sonderabflle [2.20]

bestimmt, wie besonders berwachungsbedrftige Abfiille zuknftig zu bezeichnen sind, wie die zutreffende Abfallbezeichnung zu whlen ist und wann - in
einer bergangszeit von drei Jahren- die neuen Abfallbezeichnungen die bestehenden ersetzen sollen. Die Verordnung unterscheidet gem der EU-Vorgabe
nicht zwischen besonders berwachungsbedrftigen Abfiillen zur Beseitigung und
besonders berwachungsbedrftigen Abfallen zur Verwertung[2.48].
Bei der Bestimmung der besonders berwachungsbedrftigen Abfiille wird
aufgrundder Vorgaben der Europischen Union das bekanntgegebene Verzeichnis
gefiihrlicher Abfiille umgesetzt. Dieses Verzeichnis stellt auf europischer Ebene
eine formal abschlieende Liste der gefiihrlichen Abfiille dar. Darber hinaus
enthlt die Verordnung als deutsche Ergnzung gefiihrlicher Abfallarten, die unter
Bercksichtigung der nationalen Gegebenheiten als besonders berwachungsbedrftig eingestuft werden mssen. Die dort genannten Abfallarten wurden entsprechend der EU-Vorgaben von Deutschland bei der EG-Kommission notifiziert.
Bei den in der Anlage 2 genannten Abfallarten handelt es sich einerseits um
Abfallarten, die aus der Anlage der EAK-Verordnungen zu besonders berwachungsbedrftig hochgestuft worden sind, andererseits um Abfallarten, die eine
eigene Bezeichnung erhalten und - um dies zu verdeutlichen - mit einem "D"
gekennzeichnet worden sind.
Die berwachung der Abfallentsorgung wird durch die Verordnung ber Verwertungs- und Beseitigungsnachweise (Nachweisverordnung - NachwV) geregelt.
Durch die 42 bis 47 KrW-/AbfG ist die Fhrung von Nachweisen und Nachweisbchem sowie Einbehaltung und Aufbewahrung von Belegen vorgegeben.
Das Nachweisverfahren ist in zwei Abschnitte unterteilt:
- Die Nachweisfilhrung ber die Zulssigkeit der vorgesehenen Entsorgung vor
deren Beginn (V orabkontrolle) und

42

2 Der Abfall

- Die Nachweisfhrung ber die tatschlich durchgefhrte Entsorgung (Verbleibskontrolle).


Umfang und Tiefe des Nachweisverfahrens richten sich dabei nach der berwachungsbedrftigkeit des zu entsorgenden Abfalls gem der Tabelle 2.10.
Tabelle 2.10. bersicht ber die deutschen und europischen berwachungsvorschriften
EG-Abfallverbringungsverordnung
Export aus der EU
Verbringung innerhalb der EU

Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz


Verbringung innerAbfallart
halb Deutschlands

Abfallart

Abfalle zur
Verwertung:

Abflle zur
Verwertung:

- "besonders
berwachungsbedrftige"

- obligatorisches
Nachweisverfahren
( 46 Abs. I)

- "Rote Liste"

-"berwachungsbedrftige"

-fakultatives Nachweisverfahren ( 45
Abs. 1,3)

-"Gelbe
Liste"

-"nicht berwachungsbedrftige"

-Ausnalune
kein Nachweis
( 45 Abs. 2)

-"Grne
Liste"

Abtalle zur
Beseitigung:
- "besonders
berwachungsbedrftige"

-obligatorische
Nachweisverfahren
( 43)

-"berwachungsbedrftige"

-fakultatives Nachweisverfahren mit


fnf Jahren( 42)

Abtalle zur
Beseitigung:
(keine weitere
Unterteilung)

-ab 1.1.1998 in NichtOECD-Staaten verboten, in OECDStaaten schriftliche


Genehmigung erforderlieh
-stillschwei- -ab 1.1.1998 in NichtOECD-Staaten vergendeoder
schriftliche boten, in OECDZustimStaaten, stillschweimung
gende oder schriftliche
erforderlich Genehmigung erforderlieh
-freie Verbringung in
Ver-freie
OECD-Staaten (siehe
bringung
"Staatenliste" bei
Nicht-OECD-Staaten)

- schriftliehe Genehmigung
erforderlich

-schriftliche
Genehmigung erforderlieh

-verboten, Ausnahme
EFIA-Staaten (Unterzeichner Basler bereinkommen, schriftliehe Genehmigung
erforderlich)

Bild 2.6. stellt das Aufkommen und die Einteilung der Sonderabflle dar nach 2
Abs. 2 AbfG.

2.2 Abfallmengenentwicklung und Abfallzusammensetzung

44,3%

~ Sauren , Suregemische, Beizen (sauer) 1)


Lack- und Farbschlamm
Bohr- und Schleiflemulsionen, Emulsionsgemische

888888888881

Salzschlacken, aluminiumhaltig
Halogenhaltige organische Lsemittel und -gemische 2)
Halogenfreie organische Lsemittel und -gemische
brige Sonderabflle

1) Ohne Akkusure und Chromschwefelsure


2) Ohne Kaltreiniger, Weichmacher und a.n.g. chlorierte Phenole

Bild 2.6. Aufkommen und Abfallarten von Sonderabtlilien im Produzierenden Gewerbe und in
Krankenhusern im Jahr 1987 nach 2 Abs. 2 AbfG [2.3]

Tabelle 2.11. Aufkommen besonders berwachungsbedrftiger Abtlilie [2.4]


[Tsd Mg]

Deutschland
Alte Lnder
Neue Lnder

berwachungsbedrftige davon Abfalle zur


Verwertung
Abililie insgesamt
1990
1993
1990
1993
9093
3543
13079
3034
2979
8120
2765
9909
973
3170
565
269

davon Abtlilie zur


Beseitigung
1990
1993
9536
6059
6930
5355
2605
704

43

2 Der Abfall

44

kg/(E*a)

--------

1,50+---------------~~--------~~-~-~-~-~-----------------

-- - --....

------------~

1,00

---

0,50 +------------~~~~~-~~----""'---"'=-:=-==--------------
0,00

+-------,--------,---------,---------.-------,----~

1993

1994

1995

1996

1997

1998

--Menge je E. gesamt
- - - Menge je E. privat
- - Menge je E. gewerblich

Bild 2.7. Mengenentwicklung der Sonderabfallkleinrnengen bei einem typischen Entsorgungstrger [2.50]

Pflanzen.

sauren/Laugen
0 ,39%

sonstiges
5%

Anmedikamente
2%
A ltOI

8%
B Ieiakkumuiatoren
31%

Losem~tel

4%

Anlacke/AIIfarben

41'-l.

Bild 2.8. Zusammensetzung der privaten SAKM (Mittel1990-98) [2.50]

Tabelle 2.11. stellt die berwachungsbedrftigen Abtalle nach den neuen gesetzlichen Kriterien dar. In den neuen Lndern ist der deutliche Rckgang 68 % gegenber 18 % in den alten Lndern auf die Stillegung sowie Umstrukturierung der
Produktionsanlagen zurilckzuftlhren.
In dem betrachteten Beispiel ergaben sich ftlr die aus Haushaltungen stammenden SAKM dabei ber die Jahre ansteigende Werte, die zwischen 0,87 und

2.2 Abfallmengenentwicklung und Abfallzusammensetzung


Sauren/Laugen
3%

45

sonstiges

9%
A~balterien

4%
Pflanzen-

schutzmiltel
2%
Altmedikamente
2%

B Ieiakkumuiatoren
31%

Altl
18%
I
LOserniltel
14%

Alllacke/Aitfarben
25%

Bild 2.9. Zusammensetzung der gewerblichen SAKM (Mittel 1990-98) [2.50]

1,62 kg!Einwohner und Jahr, also innerhalb der bereits typisch bezeichneten
Bandbreite lagen (siehe Bild 2.7.). Die filr die Betrachtung wesentlichen SAKM
gewerblicher Herkunft wurden ebenfalls ansteigend zwischen 0,36 und
0,58 kg!Einwohner und Jahr bestimmt.
Insgesamt bedeuteten die zustzlichen gewerblichen SAKM filr den betroffenen Entsorgungstrger demnach lediglich eine Erhhung der Pro-Kopf-Erfassung
aufrd. 2 kg!Einwohner und Jahr.
Deutliche Unterschiede gab es bei der jeweils zur Abgabe gelangten Menge an
SAKM. Fr private Haushalte lag diese im Mittel zwischen 13 und 19 kg je Einzelanlieferung bzw. Abgabe. Fr gewerbliche Anlieferungen betrug dieser Wert
bis zu 239 kg. Dies ist dort wohl auch der Grund filr den Ausschlu von der mobilen Sammlung gewesen. Auf den stationren Anlagen gab es aber auch mit
solchen Mengen keine Probleme.
Der Vergleich der unterschiedlichen Zusammensetzungen der SAKM privater
und gewerblicher Herkunft spricht ebenfalls nicht filr den Ausschlu der Gewerbeabflille. Wie Bild 2.8. und Bild 2.9. zeigen, ergeben sich zwar signifikante Unterschiede. Der Anteil der beiden grten Einzelfraktionen kommt aber jeweils
den Altfarben und Bleiakkumulatoren zu.

2.2.4
Verpackungsabflle
Die "Verordnung ber die Vermeidung von Verpackungsabflillen (VerpackV)"
unterscheidet Verpackungen in Verkaufs-, Um- und Transportverpackungen
[2.43]:

46

2 Der Abfall

TransporNerpackungen

Zu Transportverpackungen zhlen Fsser, Kanister, Kisten, Scke einschlielich


Paletten, Kartonagen, geschumte Schalen, Schrumpffolien und hnliche Umhllungen, die Bestandteile von Transportverpackungen sind und die dazu dienen,
Waren auf dem Weg vom Hersteller bis zum Vertreiber vor Schden zu bewahren,
oder die aus Grnden der Sicherheit des Transports verwendet werden.

Verkau}Sverpackungen

Geschlossene oder offene Behltnisse und Umhllungen von Waren wie Becher,
Blister, Dosen, Eimer, Fsser, Flaschen, Kanister, Kartonagen, Schachteln, Scke,
Schalen, Tragetaschen oder hnliche Umhllungen, die vom Endverbraucher zum
Transport oder bis zum Verbrauch der Waren verwendet werden, fallen unter den
Begriff Verkaufsverpackungen.

Umverpackungen

Die Bezeichnung Umverpackung umfat Blister, Folien, Kartonagen oder hnliche Umhllungen, die dazu bestimmt sind, als zustzliche Verpackung um Verkaufsverpackungen
- die Abgabe von Waren im Wege der Selbstbedienung zu ermglichen oder
- die Mglichkeit des Diebstahls zu erschweren oder zu verhindem oder
- berwiegend der Werbung zu dienen.
Bei der praktischen Durchfiihrung der Verpackungsverordnung haben sich gegenber dem Erkenntnisstand von 1991 neue Abgrenzungen bezglich des Entsorgungsbereiches dualer Systeme (durch das Bundeskartellamt) sowie auch nderungen bei der Definition des Verpackungsbegriffs ergeben. Da ein unmittelbarer
Vergleich der erhobenen Daten nur auf Basis einer einheitlichen definitorischen
Abgrenzung mglich ist, wurden die Zahlen ftir das Jahr 1991 entsprechend der
Vorgehensweise bei der Datenermittlung 1994 und 1995 umgerechnet. Sie weichen deshalb von den frher verffentlichten Daten zum bundesweiten Verbrauch
von Verpackungen im Jahre 1991 etwas ab [2.4].
Sowohl 1991 als auch 1995 hatten Papier/Pappe/Karton den mengenmig
grten Anteil an den insgesamt verbrauchten Verpackungsmaterialien, gefolgt
von Glas, Holz und Kork, Kunststoff und den brigen Verpackungsmaterialien.
Bezogen auf private Haushalte und Kleingewerbe liegt bei den verbrauchten Verpackungsmaterialien Glas mit Abstand an der Spitze, gefolgt von Papier/Pappe/Karton und den brigen Verpackungsmaterialien.
Bei der Mehrzahl der Verpackungen, ausgenommen schadstofthaltige Verpakkungen und Mehrwegverpackungen, handelt es sich um Verkaufsverpackungen.
Seit lokrafttreten der Verpackungsverordnung 1991 ist der Verpackungsverbrauch
bei privaten Haushalten und Kleingewerbe bis 1995 etwa um 11 % gesunken, was
einem Rckgang des Pro-Kopf-Verbrauches von 95 kg!EW auf ca. 83 kg!EW
entspricht [2.4].
Fr gebrauchte Verkaufsverpackungen aus den am hufigsten hierfiir verwendeten Materialien, Glas, Weiblech, Aluminium, Papier/Pappe/Karton, Kunststoff
und Verbunde gibt die Verpackungsverordnung im Anhang zu 6 Abs. 3 Erfassungs- und Sortierquoten vor, aus denen sich die zu realisierenden Verwertungsquoten ableiten. Auf der Grundlage des 6 der Verpackungsverordnung- Rck-

2.2 Abfallmengenentwicklung und Abfallzusammensetzung

47

Tabelle 2.12. Bundesweiter relevanter Verbrauch an Verpackungen 1991 und 1995 in 103 Mg
[2.4]
Relevanter Transport- Umverp.
Verbrauch verp.

[103 Mg]

7 (Sunune 8
8 bis 11)
1. Glas
1991
3816,9
1995
3289,4
2. Weiblech
1991
544,2
1,8
1995
448,2
1,6
3. Aluminium
1991
63,3
1995
47,2
4. Kunststoff"
1991
1387,8
311,6
1343,3
308,1
1995
5. Papier, Pappe,
1991
5312,5
1850,4
Karton
1995
5007,9
2774,8
1991
656,8
0,4
6. Verbunde
623,4
0,4
1995
6.1 Flssigkeitskarton 1991
193,0
194,5
1995
6.2 sonstige Verbunde 1991
201,1
0,2
auf Papierbasis
158,0
0,2
1995
6.3 Verbunde auf
1991
28,0
0,2
Kunststoff-Basis
1995
18,7
0,2
6.4 Verbunde auf
1991
20,2
Aluminiumbasis
18,6
1995
6.5 Verbunde auf
214,5
1991
Weiblechbasis
1995
233,6
11781,5
3164,2
Summe 1. bis 6.
1991
1995
10759,4
3084,9
191,0
112,8
7. Feinblech
1991
155,8
113,3
1995
1037,5
695,7
8. Holz und Kork
1991
740,7
538,5
1995
9. sonstige Verpak1991
16,0
kungen
14,2
1995
Summe 7. bis 9.
1991
1244,5
808,5
651,8
1995
910,7
Alle Verpackungen
13026,0
3972,7
1991
11670,1
3736,7
1995
einschl. Kunststoff/Kunststoff-Verbunde

6,4
3,2
18,5
11,5

Verkaufsverp.
Grogewerbe,
Industrie

Verkaufsverp.
Privat u.
Kleingew.

10

11

24,1
20,0
0,1
0,0
163,0
157,0
811,2
772,2
19,4
18,3

19,3
18,2
0,1
0,1

24,9
14,7

0,7

0,7
25,6
14,7

1017,8
967,5
75,0
40,8
314,6
189,4
7,9
6,3
397,5
236,5
1415,3
1204,0

3816,9
3289,4
518,3
426,6
63,2
47,2
906,8
875,0
1632,4
1449,4
637,0
604,7
193,0
194,5
181,6
139,6
27,7
18,4
20,2
18,6
214,5
233,6
7574,6
6692,3
3,2
1,7
26,5
12,8
8,1
7,9
37,8
22,4
7612,4
6714,7

48

2 Der Abfall

nahmepflichten fiir Verkaufsverpackungen - hat sich gem Abs. 3 die Duales


System Deutschland GmbH (DSD GmbH) gebildet, die durch flchendeckende
Erfassung der Verpackungsabflle und deren Sortierung und Zufhrung zu einer
stofflichen Verwertung auerhalb der ffentlichen Abfallentsorgung die Erfllung
der vorgegebenen Quoten zu gewhrleisten und jhrlich den Nachweis darber zu
erbringen hat [2.4].
In der VerpackV wird die Bundesregierung verpflichtet, alle drei Jahre (erstmalig zum 31.08.1992), bezogen auf das jeweilige Bundesland, das auf jeden
Einwohner im Mittel entfallene Aufkommen an gebrauchten Verpackungen aufgeschlsselt nach Verpackungsmaterialien und Pro-Kopf-Verbrauch im Bundesanzeiger bekanntzugeben. Tabelle 2.12. gibt den relevanten bundesweiten Verbrauch an Verpackungen fr das Jahr 1995 an.
Die wissenschaftlichen Untersuchungen aus abfallwirtschaftlicher Sicht haben
bereits 1995 gezeigt, da in einigen Bundeslndern die Quoten nicht erreicht werden. Die DSD GmbH hat fiir 1995 bei den Erfassungsquoten der einzelnen Wertstoffe nicht nur die Verpackungsanteile im Sortierrest, sondern auch die Nichtverpackungsanteile im Sortierrest auf die Erfassungsmenge der einzelnen Wertstofffraktionen aufaddiert. Die Aufteilung erfolgte proportional zum Verpackungsverbrauch gem GVM [2.44].
Die erfate Gesamtmenge der LVP in der Gelben Tonne wurde vom DSD wie
folgt angegeben [2.45]:
- 1993 - 12,3 kg/(E*a)
- 1994 - 15,8 kg/(E*a)
- 1995 - 18,7 kg/(E*a)
- 1996 - 22,3 kg/(E*a)
- 1997 - 23,3 kg/(E*a)
- 1998 - 24,9 kg/(E*a).
Tabelle 2.13. Verwertung gebrauchter Verpackungen 1998
Lizenzierte Menge

Verwertete Menge

Verbunde
Weiblech

575.487 t

2.704.859 t
1.415.502 t
600.015 t
344.962 t

324.947 t

374.873 t

Aluminium

37.458 t

43.343 t

5.263.425 t

5.483.554 t

Glas
Papier, Pappe, Karton
Kunststoffe

Gesamt

2.965.959 t
843.059 t
516.879 t

In 1998 hat das Duale System mehr Verpackungen der Verwertung zugefhrt als
mit dem Grnen Punkt lizenziert wurde. Besonders auffiillig ist diese Mehrleistung bei den Materialien Papier, Pappe, Karton sowie bei den Kunststoffen.
Wesentlicher Grund dafiir ist, da nach wie vor nicht lizenzierte Verpackungen in
das Duale System gelangen [2.45].

2.2 Abfallmengenentwicklung und Abfallzusammensetzung

49

Leicbtver-

pl<kuugeo
~lOkgi(E ' a)

O w.w;c<~~

El [Link] Alufolie
D [Link]<....,,..
I fSl tcWti.. V..tluodeJ Mildlhmtutoll'e
9 K~ K.~ofkl:II.>A4

. Styto~ll'e

Bild 2.10. Zusammensetzung der DSD-Leichtfraktion vor und nach der Sortierung (Oktober
1995) in Dresden [2.51]

Fr die Untersuchung von Oktober 1995 in Dresden ist in Bild 2.1 0. die Zusammensetzung der gesammelten DSD-Leichtfraktion vor und nach der Sortierung
dargestellt. Die genutzte und wiederverwertete Leichtfraktion betrgt 8, I kgi(E*a)
und stellt ca. 52 % der Gelben Tonne dar. Die Sortierreste mit 0,63 kgi(E*a) aus
der Siebung bei 50 mm Lochweite sind berwiegend DSD-LF, die verworfen
werden. Die Fehlwrfe bestehen aus Pappe, Papier und Glas.
Bis auf einen kleinen Teil an Zeitungen und Zeitschriften liegt hier ein deutliches Informationsdefizit bei der Bevlkerung vor. Der Grne Punkt auf der Glasflasche bzw. auf dem Karton wird als Symbol fiir die Gelbe Tonne fehlinterpretiert.
Fr die abfallwirtschaftliche Bilanz der Verkaufsverpackungen wird der Anteil
des Restabfalls und der Inhalt der Gelben Tonne bestimmt und dann die Erfassungs- und Verwertungsquote nach der Sortierung berechnet. Auch diese Methode
ist nicht ganz exakt, da Verkaufsverpackungen auch in den Marktabfiillen, in den
Abfalleimern in Parks, Stadien, Grten etc. anfallen und ein Teil beim Kleingewerbe erfat wird. Es scheint aber nicht von Bedeutung fiir diese Art der Bewertung zu sein, da dieser Wert in der Rechnung weder das Gesamtpotential erhht
noch entlastet.
Bei der genauen Analyse der Erfassung von Wertstoffen wird deutlich, da die
Growohnanlagen und Mehrfamilienhausbebauungen in den Stdten darber
entscheiden, ob eine bundesweite Sammlung erfolgreich ist.
Die bekannten Zusammenhnge der Bebauungsstruktur und der Sammelleistung
fiir Wertstoffe zeigen sich auch bei der Erfassung von Leichtverpackungen durch
das DSD. In der Tabelle 2.14. werden am bereits vorgestellten Beispiel von

50

2 Der Abfall

Tabelle 2.14. Potential und verwertete Leichtverpackungen aus Haushalten unterschiedlicher


Bebauungsstrukturen am Beispiel der Stadt Dresden (Oktober 1995)
Fraktion

Leichtverpackungen
berdie
DSDSammlung
[kgi(E*a)]

Leichtverpackungen
im
Restabfall

Potential der
Leichtverpackungen

Erfassungsquote

Verbrauch in
Sachsen nach
Bundesanzeiger

[kgi(E*a)]

[Kgi(E*a)]

[%]

[kgi(E*a)]

4,63
1,61
4,99
10,66

7,33
2,18
6,39
12,74

BS 1 Growohnanlagen
Weiblech
Aluminium
Verbunde
Kunststoffe

2,70
0,57
1,40
2,08

28,97

36,9
26,2
22,0
16,3
4,8
023,3

7,5
1,7
5,9
10,1
k.A .
25,2

14,66
1,41
8,84
17,42

18,1
ll,1
23,5
20,6

7,5
1,7
5,9
10,1

. . ~.T.:?.!?~. . . . . . . . . . . .----~~-~----------'o,;_3_1_ _ _ _o...;;.,3_3_


Summe

6, 77

22,20

BS 2 geschl. Mehrfamilienhausbebauung
Weiblech
Aluminium
Verbunde
Kunststoffe

. . ~.T?.P. <?:..
. . _. . . . . .Summe

2,65
0,16
2,08
3,59

12,01
1,25
6,76
13,83

..............~:..~?.. _____~..!~~------o.....:.,_IO_ _ _ _s~,-~---------~:~--


8,53
33,90
42,43
0 20,1
25,2

BS 3 offene Mehrfamilienhausbebauung
Weiblech
Aluminium
Verbunde
Kunststoffe

1,92
0,16
1,92
3,22

2,34
0,47
3,07
4,16

4,26
0,63
4,99
7,38

....~tyrol'.~~------- 0,02 ...................................~:..?.~. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .~:.?..?.


Summe
7,24
10,77
18,01

45,1
25,0
38,5
43,7

................._

7,5
1,7
5,9
10,1

_;2,'-1----~:~:................

0 40,2

25,2

79,5
16,7
72,5
64,7

7,5
1,7
5,9
10,1

BS 4 Ein- u. Zweifamilienhausbebauung
Weiblech
Aluminium
Verbunde
Kunststoffe

4,84
0,16
4,ll
5,04

1,25
0,78
1,56
2,76

6,09
0,94
5,67
7,80

. . ~T?.P..~. . . . . . . . ._ _o..!~.........................g,}_~------o....;..,7_8_. . ___..............~~:..?.. . . . . . .____k_.A_._


Summe

21,28

14,83

069,7

Durchschnitt filr die Stadt Dresden


Weiblech
Aluminium
Verbunde
Kunststoffe

2,70
0,36
1,98
2,96

5,04
1,14
4,47
8,79

--~!E.?.P.~--------~'-!E... . ___ 0,36


Summe

8,10

19,80

7,74
34,9
7,5
1,50
24,1
1,7
6,45
30,6
5,9
11,75
25,2
10,1
0,46
22,2
------------------~:~:...._
27,90
25,2
029,0

2.2 Abfallmengenentwicklung und Abfallzusammensetzung

51

Dresden die Gebietsstrukturen mit der unterschiedlichen Bebauung und den Ergebnissen fr die Erfassung der Wertstoffe im Oktober 1995 dargestellt.
Es wird in der Tabelle 2.14. deutlich, da nur in der Ein- und Zweifamilienhausbebauung die Erfassungs- und Verwertungsquoten vollstndig (Ausnahme:
Aluminium) erreicht werden. Dresden ist aber keine Ausnahme, wie andere Untersuchungen zeigen. In den Growohnanlagen werden in der Regel die Verwertungsquoten fr die Wertstoffe nie erreicht [2.52]. Nur in der Ein- und Zweifamilienhausbebauung und auf dem Land werden berwiegend die Verwertungsquoten
erreicht. Damit wird deutlich, da die DSD GmbH auch in Zukunft ihre Verwertungsquoten nicht erreichen wird, wenn sie nicht die Bevlkerung in den Bebauungsstrukturen BS1 und 2- ca. 40% der Bevlkerung- berzeugt, an der Wertstoffsammlung fr LVP mitzumachen.

2.2.5
Altautos und Altreifen
1997 waren in Deutschland rund 41 Mio. Pkw registriert, wovon zum Jahresende
ca. 2,9 Mio (7 %) endgltig stillgelegt wurden [2.4].
Autowracks, die derzeit verschrottet werden, haben ein Durchschnittsalter von
rund 12 Jahren. Das durchschnittliche Gewicht der Fahrzeuge ist in den letzten
Jahren kontinuierlich gestiegen. Die vielfach zitierte Leichtbauweise konnte die
durch neue Sicherheits- und Komfortstandards (Airbag, elektrisch zu bewegende
Teile, Klimaanlage etc.) bedingte Gewichtszunahme nicht ausgleichen. Fahrzeuge,
die Anfang bis Mitte der achtziger Jahre gebaut wurden, wogen durchschnittlich
870 kg, heutige Fahrzeuge haben ein durchschnittliches Gewicht von 920 kg. Der
Anteil des gut zu recyclierenden Stahls am Gesamtgewicht eines Fahrzeuges ist
hingegen kontinuierlich gesunken (von rund 80% im Jahr 1980) aufweniger als
70 % im Jahr 1990). Die Vielzahl der im Fahrzeugbau eingesetzten Materialien
(vorrangig Kunststoffe) ist ber die letzten Jahre deutlich gestiegen [2.4].
Die ausgedienten Fahrzeuge werden in der Regel an den Schrotthandel abgegeben, der die wiederverwendbaren Bauteile wie Anlasser, Lichtmaschinen, Motoren, Getriebe etc. ausbaut und zum Verkauf anbietet. Die ausgeschlachteten Karossen werden an Shredderbetreiber weiterverkauft. Nach neuesten Schtzungen
gelangen bis zu 40 % dieser Karossen in das benachbarte Ausland.
Die Automobilindustrie sowie die mageblichen Wirtschaftszweige der Zulieferindustrien, des Autoteilehandels und der Altautoentsorgung haben sich im Februar 1996 gegenber der Bundesregierung verpflichtet, die zu beseitigenden
Abtalle aus der Altautoentsorgung von derzeit rund 25 Gewichtsprozent bis zum
Jahr 2002 aufmaximal15 Gewichtsprozent und bis zum Jahr 2015 aufmaximal5
Gewichtsprozent zu verringern. Gleichzeitig wird ein flchendeckendes Rcknahme- und Verwertungssystem fr Pkw in Deutschland aufgebaut. Die Hersteller
und Importeure verpflichteten sich , ihre Fahrzeuge mindesten bis zum Alter von
12 Jahren kostenlos zurckzunehmen. Zurckgenommene Altautos werden umweltvertrglich trockengelegt und demontiert. Ausgebaute Teile werden einer
umweltvertrglichen Verwertung zugeftihrt, nichtverwertbare Teile werden ordnungsgem beseitigt. Die Bundesregierung wird zweijhrig ber die zur Erfl-

52

2 Der Abfall

Jung der Selbstverpflichtung getroffenen Manahmen unterrichtet, gleichzeitig


wird ein Nachweis ber den Zielerreichungsgrad gefUhrt [2.4].
Die anfallenden Shredderabfiille, gegenwrtig ca. 650 000 Mg jhrlich, werden
derzeit noch deponiert, sind jedoch aufgrund ihrer schdlichen Inhaltsstoffe wie
CKW's, PVC-Kunststoffen etc. in die Diskussion geraten. Gem der TAShredderrckstnde [2.40] sollen die Abfiille knftig prinzipiell einer Verwertung
zugefUhrt werden, eine oberirdische Ablagerung ist nur in Ausnahmefitlien vorgesehen (s. Kap. [Link]).
Erwhnenswert ist auch die Entwicklung des Altreifenanfalls. Der Altreifenanfall hngt im wesentlichen von folgenden Faktoren ab:
- Kfz-Bestand der Bundesrepublik Deutschland,
- durchschnittliche Fahrleistung pro Jahr und Kfz,
- Reifenqualitt,
- durchschnittliches Reifengewicht,
- Marktanteil von runderneuerten Reifen im Ersatzgeschft,
- AltautoanfalL
Der jhrliche Altreifenanfall (ARE) lt sich ber den Ersatzkoeffizienten berechnen:
ARE =Kfz-Bestand x Ersatzkoeffizient

(2.1)

Bestimmen lt sich der Ersatzkoeffizient durch die Zahl der verkauften Neureifen dividiert durch den Kfz-Bestand.
Aufgrund der genannten Einflugren fiel der Ersatzkoeffizient bei Personenkraftwagen von 1975 bis 1990 von 1,5 auf 1,3 pro Pkw. Unter Bercksichtigung
des Altreifenanfalls und aus der Verschrottung von Fahrzeugen ergab sich for
1990 ein Altreifenanfall von ungefiihr 292 000 Mg/a. Zuzglich der LkwAltreifen, sonstiger Reifen und einer geschtzten Menge von 80 000 Mg in den
neuen Bundeslndern fielen 1990 insgesamt 545 000 Mg an [2.7].
1990 wurden ca. 155 000 Mg wiederverwertet (Runderneuerung, Gummigranulate, Landwirtschaft, Hafenanlagen), ca. 260 000 Mg deponiert und 185 000 Mg
durch Verbrennung (vorwiegend in Zementwerken) energetisch genutzt. Die
17. BlmSchV sieht ab 01.03.1994 schrfere Emissions-Grenzwerte fr Anlagen
vor, die Abfiille verbrennen. Sofern die Zementwerke diese Anforderungen nicht
erfilllen und somit als Abnehmer fr Altreifen entfallen, drfte der zu deponierende Anteil deutlich ansteigen [2.3].

2.2.6

Elektronikschrott und Batterien

Die zunehmende Versorgung der Bevlkerung mit langlebigen Gebrauchsgtern,


die zu wesentlichen Teilen aus elektrischen und elektronischen Bauteilen bestehen, fUhrt dazu, da zunehmend defekte und veraltete Gerte entsorgt werden
mssen. Derzeit erfolgt die Entsorgung, mit Ausnahme der Haushaltsgrogerte,
die ber den Metallhandel verwertet werden, in der Regel mit dem Haus- oder
Sperrmll, d.h. die Gerte werden ohne weitere Behandlung deponiert oder verbrannt.

2.2 Abfallmengenentwicklung und Abfallzusammensetzung

53

Der Begriff Elektronikschrott bezeichnet eine Vielzahl unterschiedlicher Gertetypen, die in die folgenden Hauptgruppen eingeordnet werden knnen:
- Haushaltsgerte,
- Gerte der Unterhaltungselektronik,
- Gerte und Anlagen der Bro-, Informations- und Kommunikationstechnik,
- Gerte fiir den Geldverkehr,
- Me-, Steuerungs- und Regelungsanlagen,
- Entladungslampen,
- Uhren,
- Gerte der Labor- und Medizintechnik,
- Gerte der Bildaufzeichnung und -Wiedergabe.
Je Jahr fallen in den alten Bundeslndern bis zu 1,5 Mio Mg gebrauchter elektrotechnischer und elektronischer Gerte an. Hiervon sind ca. 600000 Mg ausgediente Investitionsgter aus dem industriellen und gewerblichen Bereich.
In den Haushaltungen fallen ca. 900000 Mg Gerte an. Die groen Haushaltsgerte (Waschmaschinen, Herde, Khlschrnke, Geschirrspler usw.) stellen mit
ca. 500000 Mg je Jahr den grten Teil der ausgemusterten Konsumgerte. Mit
400000 Mg tragen Fernsehgerte (150000 Mg) und andere Gerte der Unterhaltungselektronik bzw. die kleinen Haushaltsgerte zum Abfallaufkommen elektrotechnischer und elektronischer Konsumgter bei [2.53].
Das kologische Problem liegt in den Schadstofffrachten, die mit dem Gerteschrott in Deponien und in die Abfallverbrennung eingetragen werden. Unter dem
Begriff "Schadstoffe" werden Stoffe verstanden, die berwachungsbedrftige
Abflle sein knnen und an deren Entsorgung besondere Anforderungen gestellt
werden.
Daneben bestehen die Elektrogerte aus einer Reihe von Wertstoffen. Die Zusammensetzung der Gerte (Materialstruktur) ist in der Tabelle 2.15. aufgefhrt.
Tabelle 2.15. Zusammensetzung der Elektrogerte [2.53]
Bestandteil
Metalle
Kunststoffe
Glas
Elektronik
Sonstige Stoffe
Gesamt

[Mg/a]

[Gew.-%]

855 000
330 000
135 000
45 000
135 000

57

1 500 000

100

22
9
3
9

Die von der Bundesregierung erlassene Batterieverordnung ist nach Zustimmung


des Bundestages und des Bundesrates sowie nach Notifizierung bei der Kommission der Europischen Gemeinschaft am 3. April1998 in Kraft getreten.
Ab 3. April 1998 ist es verboten, Alkali-Mangan-Batterien mit einem Quecksilbergehalt von mehr als 0,025 Prozent (bzw. 0,05 Prozent fiir spezielle Anwendungen) in Verkehr zu bringen.

54

2 Der Abfall

Tabelle 2.16. In Verkehr gebrachte Batterien und Akkumulatoren [2.41]

1.1. Rundzellen
-Alkali-Mangan
-Zink-Kohle
1.2 Knopfzellen
- Quecksilberoxid
- Silberoxid
-Alkali-Mangan
-Zink-Luft
1.3 Lithium-Batterien
- Rundzellen
- Knopfzellen
2. Ni Cd -Akkus
- Rundzellen
- Knopfzellen
3. Ni-MH-Akkus
- Rundzellen
- Knopfzellen

1992
Mio Stck

1993
Mio Stck

1994
Mio Stck

1995
Mio Stck

632
287
345
57
12
24,5
6,5
7
7

669
327
342
65
15
25
8
10
7

679

85

86
70
16

645
310
335
49
6
15
13
15
30
15
15
81

69
16

68
13

358
321
44

5
13
13
13
30
20
10
65,8
58,7
7,1
26,6
21,5
5,1

1996
Mio Stck
680
370
310
51

5
12
13
21
35
25
10

55
52
3
36
30
6

Ferner ist es verboten, Gerte mit fest eingebauten schadstofihaltigen Batterien


(z.B. Blei- oder Nickel-Cadmium-Akkumulatoren) zu verkaufen. Fr einige Gertegruppen, darunter z.B. Anwendungen im medizinischen Bereich, gibt es aus
Grnden der Sicherheit des Verbrauchers Ausnahmen von diesem Verbot. Dann
mu aber in der Gebrauchsanweisung darauf hingewiesen werden, da der Verbraucher das Gert mit der darin enthaltenen Batterie zurckgeben kann.
Schlielich sind ab sofort alle schadstofihaltigen Batterien zu kennzeichnen, so
da der Verbraucher bereits beim Kauf knftig leichter entscheiden kann, ob er
eine schadstoff- oder nicht schadstofihaltige Batterie erwerben mchte.
Ab 1. Oktober 1998 mu der Handel alle von ihm vertriebenen Batterien nach
Gebrauch vom Verbraucher unentgeltlich zurcknehmen und den Herstellern zur
Verwertung oder Beseitigung berlassen.
Ab Oktober 1998 gelten auch fUr den Verbraucher Pflichten. Er mu gebrauchte
Batterien an den Handel oder an von den ffentlich-rechtlichen Entsorgungstrgem eingerichteten Rckgabestellen (z.B. Schadstoffmobile und Recyclinghfe)
zurckgeben.
Fr Starterbatterien von Kraftfahrzeugen gibt es ab Oktober eine Pfand-Sonderregelung: Wenn der Kunde beim Kauf einer neuen Starterbatterie keine alte zurckgibt, hat er ein Pfand in Hhe von 15 DM zu zahlen, das ihm bei Rckgabe
einer Starterbatterie zu erstatten ist. Diese Sonderregelung gilt allerdings nicht fr
in Fahrzeuge eingebaute Batterien.
In der Bundesrepublik Deutschland werden jhrlich rund 857 Millionen Batterien und Akkumulatoren in Verkehr gebracht (s. Tabelle 2.16.). Der immer noch

2.2 Abfallmengenentwicklung und Abfallzusammensetzung

55

wachsende Verbrauch an Batterien und Akkumulatoren folgt dem steigenden


Einsatz elektrischer und elektronischer Gerte in den privaten Haushalten und in
der Wirtschaft [2.41].
Zink-Kohle- und Alkali-Mangan-Batterien nehmen mit 680 Millionen Stck
pro Jahr (370 Millionen Zink-Kohle-, 310 Millionen Alkali-Mangan-Batterien)
eine Spitzenposition ein. Sie sind auf Grund der technischen Entwicklung der
letzten Jahre berwiegend.

2.2.7

Klrschlmme

Klrschlmme fallen bei der Reinigung huslicher und industrieller Abwsser an.
Die anfallende Schlammenge ist abhngig von der Anzahl der angeschlossenen
Bevlkerung, der Industriebetriebe und dem Wirkungsgrad der Klranlagen.
In der Tabelle 2.17. sind die Klranlagen der Bundesrepublik Deutschland, die
behandelten Abwassermengen und die erzielten Klrschlammengen sowie der
bisher erreichte Anschlugrad der Bevlkerung angegeben.
Tabelle 2.17. Anzahl der Klranlagen, Anschlugrad der Bevlkerung, behandelte Abwassermengen und Klrschlammengen fiir 1980- 1991 in der Bundesrepublik [2.2, 2.3]
Jahr

Klranlagen
Anzahl

Anschlugrad
[%]

Abwasser
[Mio. m3 ]

1980
1983
1987
1991

8.187
8.844

ca. 80
ca. 90
ca. 97
ca. 79

7.235,80
8.110,10
8.823,00
8.512,00

9.935

Klrschlamm
[Mio. Mg TS]
ca. 2,00
ca. 2,12
ca. 2,50
ca. 2,32

Tabelle 2.18. Verwendung von kommunalen Klrschlmmen 1996 in der Bundesrepublik [2.42]
Verwendung
Landwirtschaft
Ablagerung
Verbrennung
Kompostierung

Anteil,[%]
20-25
60-65
10-12
2-3

Die Klrschlammverordnung vom 15.04.1992 (BG BI. I, S. 912) fordert die seuchenhygienische Unbedenklichkeit und die Einhaltung von Schwermetallgrenzwerten von Klrschlamm tllr die landwirtschaftliche Nutzung. Besonders in
Ballungsgebieten treten zunehmend Probleme wegen der hohen Schadstoffbelastung bei der Klrschlammnutzung sowie Beseitigung auf, da auch die Deponierbarkeit der Klrschlmme eingeschrnkt ist und die Kapazitten von Deponien
knapp sind. Daher gewinnt die thermische Behandlung von Klrschlamm eine verstrkte Bedeutung.

56

2 Der Abfall

Die Klrschlammverordnung enthlt verschrfte Grenzwerte fr die Schadstoffmhalte in Klrschlmmen und Bden, um den Schadstoff-Transfer in die
Nahrungs- und Futterpflanzen zu begrenzen.
1996 sind bei der Reinigung von kommunalen Abwssern etwa 54 Mio. m 3
Klrschlamm mit 5% Trockenmasse angefallen. Tabelle 2.18. zeigt die Verwendung bzw. Entsorgung von Klrschlamm.

2.2.8
Baurestmassen
Das Aufkommen von Baurestmassen ist geprgt durch den nach wie vor steigenden Flchenverbrauch fr Straen-, Wohn- und Gewerbegebiete in den alten
Bundeslndern und wird durch Sanierung, Neubau und Abri von Gebuden sowie Rekonstruktion und Erweiterung des Straennetzes in den neuen Bundeslndern eine wesentliche Steigerungsrate erfahren.
Mit ca. 42 Gew.-% nimmt die Gruppe "Bodenaushub, Bauschutt, Straenaufbruch" den grten Anteil an der Abfallmenge in der Bundesrepublik ein. Ca.
89 %dieser Menge werden noch immer deponiert [2.2].
Zahlreiche intensive Manahmen zur Steigerung des Baustoffrecyclings in den
letzten Jahren konnten die Wiederverwertungs- und -verwendungsraten noch nicht
wesentlich erhhen. Nach wie vor besteht ein hoher Bedarf an Deponievolumen.
Neben der Zunahme der Baureststoffe stieg die Anzahl der Bauschuttdeponien
von 1977 bis 1987 von etwa. 1400 aufca. 2 700 und 2.310 im Jahre 1993 fr die
Bundesrepublik, whrend die Zahl der Hausmlldeponien im gleichen Zeitraum
stndig abnahm und die Ablagerung auf Hausmlldeponien stark eingeschrnkt
wurde [2.30]. 40 % dieser Bauschuttdeponien sind jedoch mit einer Restlaufzeit
kleiner 10 Jahren eingestuft.
In den neuen Bundeslndern werden eine nicht bersehbare Anzahl von geduldeten und geordneten Deponien Tagebaurestlcher zur Ablagerung genutzt [2.31].
Recyclingfhige Baustoffe sind vorwiegend ungebundene Mineralstoffgemische
aus Verkehrsflchen (z.B. Gesteinsaushub), hydraulisch gebundene (z.B. Beton)
oder bitumins gebundene (z.B. Asphalt) Stoffe, die direkt aus der Baumanahme
gewonnen werden knnen. Auf Deponien werden allerdings selten Einzelstoffe,
sondern fast ausschlielich Gemische angeliefert.
Vor allem Materialien aus dem Abbruch von Wohn- und Geschftshusern weisen
eine hohe Heterogenitt auf, wobei zum Teil unerwnschte Bestandteile oder
umweltgefahrdende Stoffe enthalten sein knnen. Um hherwertige Materialien
zurckzugewinnen, ist eine entsprechende Vorbehandlung, insbesondere eine
getrennte Erfassung am Entstehungsort, unumgnglich.
Die Materialien, die aufgrund von Baumanahmen als Baurestmassen anfallen,
werden in Bild 2.11. in Gruppen untergliedert.

Erdaushub

Bei fast allen Bauttigkeiten wie der Verlegung von elektrischen Leitungen, der
Einrichtung von Be- und Entwsserungskanlen, Straenbaumanahmen und der
Errichtung von Wohn- und Geschftskomplexen flillt Erdaushub bzw. Bodenaushub (Abfallarten-Katalog Nr. 31411) an. Es ist prinzipiell zwischen unbelastetem

2.2 Abfallmengenentwicklung und Abfallzusammensetzung

Baureststoffe

Erdaushub

Straenaufbruch

I
Mutterboden
-Sand, Kies
-Lehm, Ton
-Steine

I
bitumins oder
hydraulisch gebundene Stoffe
teerhaltige oder
- teerbehaftete
Substanzen
- Pflaster- und
Randsteine
- Sand, Kies,
Schotter

57

I
I

Bauschutt

Baustellenabflle

I
-Erdreich
-Beton
-Fliesen
-Ziegel
- Kalksandstein
-Mrtel
-Gips
- Blhton
-Steinwolle

I
-Holz
- Kunststoff
-Papier
-Pappe
-Metall
-Kabel
-Farben
-Lacke
-Kleister

Bild 2.11. Aufgliederung der Baureststoffe [2.23]

und schadstoffverunreinigtem Erdaushub zu unterscheiden. Mit ca. 76 Gew.-%


bildet der Erdaushub mengenmig den grten Anteil der Baurestmassen, wobei
die Zusammensetzung sowohl von den rtlichen geologischen Gegebenheiten als
auch von der Art der Baumanahme abhngt.
Das Material kann je nach Reinheitsgrad und Zusammensetzung direkt fti.r das
Straenplanum, Deponieabdeckungen, Dammschttungen, Lrmschutzwlle oder
filr den Gartenbau verwertet bzw. einer Absiehanlage zugefUhrt werden. Bei
schadstoffverunreinigtem Erdaushub, der vor allem bei Baumanahmen in alten
Industriegebieten, auf Industriebrachen, Bahnhfen, Flugpltzen etc. anflillt, handelt es sich um besonders berwachungsbedrftige Abflille, deren geordnete Beseitigung zur Wahrung des Wohls der Allgemeinheit erforderlich ist.
Bauschutt
Bauschutt flillt bei Baumanahmen im Hoch- und Tiefbau an. Abhngig von Alter
und Konstruktionsweise der Bauwerke weist der dabei entstehende Bauschutt
unterschiedliche Zusammensetzungen sowie Verunreinigungen mit organischen
und anorganischen Bestandteilen auf.
Der Bauschutt wird dabei unterteilt in unbelastet, belastet und schadstoffverunreinigt
Als unbelasteter Bauschutt wird das mineralische Material (z.B. Kalksandstein,
Mrtel) bezeichnet, das bei Abbrucharbeiten (z.B. durch systematischen Rckbau)
anflillt und nur geringfgig mit organischen und anorganischen Strstoffen (z.B.
Erdreich, Sand, Beton ohne Bewehrungsstahl, Ziegelmauerwerk, Natursteine)
durchsetzt ist. Dieses Material kann nach der 4. BlmSchV als knstliches Gestein
bezeichnet werden.
Belasteter Bauschutt flillt bei Abriarbeiten ohne systematischen Rckbau an.
Die darin enthaltenen Verunreinigungen knnen ber Sortieranlagen separiert und
entsorgt werden. Bei den Verunreinigungen handelt es sich um die ehemals festen
Bestandteile des Gebudes, die in einem funktionalen Zusammenhang mit diesem

58

2 Der Abfall

standen, wie z.B. Installationen, Fubden, Wand- und Deckenverkleidungen. In


den Satzungen von entsorgungspflichtigen Krperschaften werden Anteile bis zu
10 Vol.-% akzeptiert [2.31].
Schadstoffverunreinigter Bauschutt liegt vor, wenn die mineralischen Abbruchmassen wasser-, boden- oder gesundheitsgefhrdende Stoffe enthalten, die
aufgrund des Gehalts dieser Stoffe zu nachteiligen Auswirkungen auf die Umwelt
fUhren knnen. Diese Materialien entstehen i.d.R. beim Abbruch von Industriegebuden, Flchenbefestigungen oder nach Brnden. Der Abfall gilt als besonders
berwachungsbedrftig und mu einer geordneten Beseitigung unterzogen werden.
Straenaufbruch
Je nach verwendetem Material fiir die Straenbauschichten (Deck-, Binder-, Tragschichten) setzt sich der unbelastete Straenaufbruch aus ungebundenen bzw.
bitumins oder hydraulisch gebundenen Schichten sowie den Rand- und Pflastersteinen zusammen. Dieses Material entsteht beim Bau oder der Instandsetzung
von Straen und Wegen. Soweit keine umweltgefiihrdenden Stoffe enthalten sind
(z.B. nach Verkehrsunfllen), kann davon ausgegangen werden, da der bitumenhaltige sowie der mineralische Straenaufbruch ein hochwertiges Wirtschaftsgut
darstellen [2.31]. Ausnahmen hiervon und besonders geregelt sind teerhaltige
Deck- und Bindeschichten, da diese wasserlsliche Phenole enthalten.
Baustellenabflle
Der Begriff Baustellenabfall fat alle Rckstnde zusammen, die beim Neubau,
Ausbau oder bei Sanierungen von Bauwerken anfallen und ist damit wesentlich
weiter als der des Bauschutts gefat. Baustellenabfall kann sich aus Bestandteilen
wie Holz, Eisen- und Nichteisenmetalle, Kunststoffen, Papier, Pappe, organischen
Resten, Sperrmll sowie Sonderabtallen (Farben, Lacke etc.) zusammensetzen.
Gem dem Entwurf der Baustellenabfallverordnung (BauAbtV) handelt es sich
bei den Baustellenabtallen lediglich um die mineralischen Anteile, die jedoch
durch getrennte Erfassung und nachfolgende Sortierung einer Wiederverwertung
zugefUhrt werden knnen. Die nicht wiederverwendbaren, strenden sowie schadstofthaltigen Bestandteile werden gem Entwurf der TA Siedlungsabfall als
Baurestabtalle definiert [2.32, 2.33].

[Link]
Aufkommen an Baurestmassen
Das Statistische Bundesamt ermittelt seit 1975 die anfallenden Mengen an Erdaushub, Bauschutt und Straenaufbruch. Diese Angaben sind jedoch nicht vollstndig, da lediglich Betriebe mit 20 und mehr Beschftigten erfat werden.
In Tabelle 2.19. sind die Anfallmengen und Verwertungsraten fiir Bodenaushub, Bauschutt und Straenaufbruch denen der marktkonkurrierenden Substitutionsgter (z.B. Hochofenschlacken, Schlacken aus der Eisen- und Stahlindustrie,
Berge aus dem Steinkohlebergbau, REA-Gips) fiir die alten Bundeslnder gegenbergestellt.

2.2 Abfallmengenentwicklung und Abfallzusammensetzung

59

Tabelle 2.19. Anfall an mineralischen Reststoffen in den alten Bundeslndern [2.22, 2.35]
Abfallarten
Bodenaushub
Bauschutt
Straenaufbruch
Baustellenabflle
Schmelzkammergranulat

Aufkommen
[Mio. Mg!a]
170.
23.
20.
12.

Verwertungsrate
[Gew.-%]
32 b
16 (60)

55 (90)

0 (40)
3,5
100
4,2
Grobasche Steinkohle
50-70
2,5
Steinkohlenflugasche
70-80
7,2
Braunkohlenflugasche
2,8
MVA-Asche und -Schlacke
40-60
1,0
100
REA-Gips
10,0
Hochofenschlacke
95-100
5,0
Stahlwerksschlacke
70-90
0,5
Metallhttenschlacke
70
70,0
20-30
Waschberge Steinkohle
0,5
Waschberge Erzbergbau
25
Hochgerechneter Anfall1990; Verwertungsraten in Klammer nach Zielfestlegung der Bundesregierung.
Unbelasteter Bodenaushub ist zu verwerten und soll nicht auf Deponien abgelagert werden.

Tabelle 2.20. Jhrliches Aufkommen von Bauabfllen in Deutschland differenziert nach Abfallarten [2.29]
Abfallart
Erdaushub
Straenaufbruch
Bauschutt
Gemischte Bau- und Abbruchabflle
Summe Bauabflle

Menge [Mio. t]

Anteil [%] von - bis

94-215
10-26
8-30
8- 14

78- 75,5
8-9
6,5- 10,5
6,5-5

120-285

100

In der Tabelle 2.20. ist das Aufkommen an Baurestmassen fr die Bundesrepublik


abgeschtzt. Es ist deutlich die Mengenrelevanz der Bauabfiille in Deutschland
erkennen.
Bei den gemischten Bau- und Abbruchabfiillen sind, insbesondere in den vergangeneo 5 Jahren (vgl. Bild 2.12.) in der Bundesrepublik deutliche Mengenrckgnge zu verfolgen, da aufgrund der immer grer werdenden Spanne zwischen den Entgelten oder Gebhren fr Bauschutt einerseits und gemischte Bauund Abbruchabfiille andererseits die Vortrennung besonders der mineralischen
Anteile auf der Baustelle zugenommen hat.
Zur Erfassung der Situation der gemischten Bau- und Abbruchabfiille der
letzten Jahre in Deutschland sind im Rahmen des vorgenannten Projektes in einer
bundesweiten Befragung bei Kreisen und kreisfreien Stdten Mengen, Entsor-

60

2 Der Abfall

[kg/(E"a))

160
140
120

o De
_ u_ts_c_
hland

100

Kreisfreie Stdte

I oKreise
---

80
60
40
20
0

1990

1991

1992

1993

1994

1995

Bild 2.12. Spezifische gemischte Bau- und Abbruchabfallmenge im Vergleich der Kreise und
kreisfreien Stdte [2.29]

[kg/(E"a)]

300 I

;-

250
200

o Deutschland
V\lestdeutschland
o Ostdeutschland

150 100
50
0

r~
L~

;-

r-- - -

f--

f--

f--

~ '-.-- -

~ '-,- -

r-

r-

,..-

1990

1991

~J~~~~_

1-

~ '-.-- ~

1992

1993

1994

1995

Bild 2.13. Spezifische gemischte Bau- und Abbruchabfallmenge im Vergleich von Ost- und
Westdeutschland [2.39]

gungskosten und -wege mit Hilfe eines Fragebogens ermittelt worden.


Bei der Gegenberstellung der spezifischen (d.h. pro-Kopf-bezogen) gemischten Bau- und Abbruchabfallmengen von Kreisen und kreisfreien Stdten liegt das
Jahresaufkommen pro Einwohner der kreisfreien Stdte deutlich ber dem der
Kreise (Bild 2.12.) Grnde hierfr sind u.a. die unterschiedlichen Infra- und Be-

2.2 Abfallmengenentwicklung und Abfallzusammensetzung

61

Sonstiges
19%

Glas

Bauschutt
41%

1%
Kunststoffe
4%

Papier/Pappe
4%

5%
)

Holz
26%

Bild 2.14. Zusammensetzung der gemischten Bau- und Abbruchabtalle in einer entsorgungspflichtigen Krperschaft aus dem Gebiet" Westdeutschland stdtisch" (1994) in Gew.-% (einwohnerspez. Aufkommen 38 kg/(Ea) [2.39].

vlkerungsstrukturen sowie die intensivere Bauttigkeit in verdichteten Rumen.


Im Bundesvergleich ist durch die vermehrte Bauttigkeit in Ostdeutschland ein
deutlich hheres pro-Kopf-Aufkommen an gemischten Bau- und Abbruchabililien
als in Westdeutschland festzustellen (Bild 2.13 .). In den alten Bundeslndern ist
ein kontinuierlicher Rckgang von ca. 100 kg/(Ea) im Jahr 1990 auf ca. 50
kg/(Ea) im Jahr 1996 zu erkennen. Dieser Rckgang ist unter anderem auf die
zunehmende Abtrennung der mineralischen Anteile aus den gemischten Bau- und
Abbruchabililien zurckzufhren.
In der Gesamtbetrachtung filr die Bundesrepublik Deutschland ist aufgrunddes
dominierenden Trends in den alten Bundeslndern ein Rckgang der gemischten
Bau- und Abbruchabfallmengen zu verzeichnen, der i. w. auf die genannten Grnde zurckzufUhren ist.
Bemerkenswert sind die regionalen Unterschiede des Aufkommens an gemischten Bau- und Abbruchabfiillen. Es schwankt zwischen 40 und 200 kg/(Ea).
Die Aufteilung der einzelnen Fraktionen verdeutlicht, da die Unterschiede der
anfallenden Mengen abhngig sind von dem vorhandenen Bauschuttanteil in den
gemischten Bau- und Abbruchabililien sowie von weiteren wichtigen Einflssen
wie etwa der baukonjunkturellen Entwicklung. Der Anteil der sonstigen Stoffe,
wie beispielsweise Holz, Metall, Papier/Pappe, Kunststoff, Glas usw., unterliegt
weniger groen Schwankungen.
Das folgende Bild 2.14. zeigt beispielhaft die Zusammensetzung der gemischten Bau- und Abbruchabfiille.
Vergleicht man die Gebhren- bzw. Entgeltespanne zwischen gemischten Bauund Abbruchabililien und Bauschutt, so ist aus Bild 2.15. die immer weiter auseinandergehende Schere fiir gemischte Bau- und Abbruchabfalle im Vergleich mit

2 Der Abfall

62

[DM't]
300

250
200

-+- Baus tellenabfall

150

Bauschutt

100
50

0
1990

1991

1992

1993

1994

1995

1996

Bild 2.15. Gebhren-/Entgeltevergleich fr gemischte Bau- und Abbruchabfalle und Bauschutt


von 1990 bis 1996, Deutschland - Mittelwerte [2.29]

der Monofraktion der Mineralien zu erkennen. Je grer diese Spanne ist, desto
grer ist auch der Anreiz, die mineralische Fraktion weitestgehend aus den gemischten Bau- und Abbruchabfllen femzuhalten.
Bei der Betrachtung der mittleren Gebhren-!Entgelteentwicklung (Bild 2.15.)
ist fr den Zeitraum von 1990 bis 1996 bei den gemischten Bau- und Abbruchabfllen ein Anstieg von ca. 75 DM/tauf ber 270 DM/t zu erkennen. Dies bedeutet
einen Anstieg von ber 350 % der Annahmekosten. Demgegenber sind die Gebhren und Entgelte fr Bauschutt nahezu konstant bei ca. 15 - 20 DM/t geblieben
[2.29].

2.3
Einflugren der Zusammensetzung von Haus- , Sperrund Gewerbemll
Whrend die Abfallzusammensetzung im produzierenden Gewerbe bereits im
vorangehenden Kapitel weitgehend deutlich wurde, kann der Haus-, Sperr- und
Gewerbemll aus der normalen Sammlung der Mllabfuhr qualitativ und quantitativ in den unterschiedlichen Entsorgungsgebieten schwanken. Als Ursachen
knnen dafr folgende wesentliche Einflufaktoren angegeben werden, wobei die
Reihenfolge keine Rangfolge darstellen soll:
- Gre der entsorgten Gemeinde, Flche, Einwohnerzahl,
- Geschfts- und Gewerbemllanteil, der gemeinsam mit dem Hausmll gesammelt wird,
- rtliche und regionale Unterschiede hinsichtlich der Wirtschaftskraft, der Sozial- und Gebietsstruktur,

2.3 Einflugren der Zusammensetzung von Haus- , Sperr- und Gewerbemll 63


Hausmllabfuhr (20. I 22. Bezirk)

Hausmllabfuhr (1. Bezirk)

Papier, Pappe
44,8

/
Papier, Pappe
38,2

Bild 2.16. Unterschiede in der Zusammensetzung des Abfalls aufgrund der Siedlungsstruktur in
der Stadt Wien

- zeitliche Entwicklung im Verlauf der Jahre durch Vernderung der Konsumund Lebensgewohnheiten, des Lebensstandards und der Gewerbestruktur sowie
Einflsse der allgemeinen konjunkturellen Wirtschaftslage,
- die wechselnden Jahreszeiten,
- angebotenes Sammelsystem,
- Behltergren (bzw. spezifisches Behltervolumen in Liter/Einwohner und
Tag),
- Behlterarten,
- Personenzahl eines entsorgten Gebudes,
- Frequenz und Organisation der Sperrmllabfuhr,
- Alternativen zur regelmigen Abfallentsorgung fiir den Abfallproduzenten,
wie z.B. die Recyclingbehlter fiir Papier und Glas, Mglichkeiten der Eigenkompostierung vegetabiler Abfillle, Wertstoffsammelinitiativen durch Vereine
oder Verbnde, Sammelttigkeiten privater Entsorger etc.,
- Hhe und Staffelung der Gebhrenordnung filr die Haus- und Sperrmllabfuhr,
- Intensitt der motivationsfrdernden Medien.
Die Gre der zu entsorgenden Gemeinde und deren Einflu auf die Menge und
Zusammensetzung des Abfalls wurde vor ca. 10 bis 15 Jahren bereits sorgfiiltig
untersucht. Dabei wurde festgestellt, da die Menge und die Zusammensetzung
des Abfalls von der Gre und Struktur der Siedlungszentren in dem gesamten
Siedlungsraum magebend beeinflut werden.
Kleingewerbebetriebe erhhen ber die normale Hausmllabfuhr das ProKopf-Aufkommen im Entsorgungsgebiet Der Einflu (Bild 2.16.) der sozialen
und gewerblichen Struktur wurde in einer Untersuchung in Wien 1983 deutlich.
Whrend die Randbezirke (20./22. Bezirk) vorwiegend aus Wohngebieten mit
vielen Grten, Industriebetrieben und sozialem Wohnungsbau bestehen, ist der

64

2 Der Abfall

1. Bezirk der Stadt Wien durch kleine Gaststtten, Geschfte und durch Brger
der Oberschicht gekennzeichnet.

2.3.1

Einflu der Behltergre auf den Abfall

Durch die Umstellung der Einsammelbehlter zu greren Systemen konnten die


Kosten der Sammlung, die jahrelang berproportional anstiegen, im Verhltnis zu
den gesamten Abfallbehandlungskosten je nach Siedlungsstruktur etwa auf der
Kostenrelation von 1976 gehalten werden. Whrend der gewichtete Teuerungsindex fr Personal, Kfz, Treibstoff, Reifen, Behlter etc. im Zeitraum 1976 bis 1984
auf das 1,45fache stieg, muten die Gebhren im gleichen Zeitraum nur um das
1,36fache gesteigert werden.
Dabei wurde der Abfall hinsichtlich der
- Menge,
- Zusammensetzung,
- des Raumgewichtes und seiner Korngre,
- aufgrund der vernderten Einsammelbehlter beeintlut.
Whrend der Zusammenhang zwischen der Behltergre und dem Anteil am
Sperrmllaufkommen in der Hausmllabfuhr seit geraumer Zeit bekannt war,
wurde eine Beziehung zwischen Behltervolumenangebot und der Menge des
Haushaltsabfalls lange nicht so deutlich gesehen. Erstmals wurde in den 70er
Jahren [2.8] aufgrund empirischer Untersuchungen eine Berechnung der Hausmllmengen aus dem spezifischen Behltervolumen durchgefhrt.
Untersuchungen [2.9] zeigten, da aufgrund von Systemumstellung des bereitgestellten Behltervolumens auf 135 % ein rapider Anstieg der Abfallmengen um
ca. 25 Gew.-% die Folge war. Absolut stieg damit die spezifische Abfallmenge
um ca. 60 kg pro Einwohner und Jahr. Dieser Effekt konnte auch etwa 10 Jahre
spter bei der Bundesweiten Hausmllanalyse (BHMA) durch die Technische
Universitt Berlin 1979/80 in den Stdten Hamm, Ansbach und dem Landkreis
Bruchsal beobachtet werden, als vom 35/50-1-ME-System auf das 120/240-1MGB-System umgestellt wurde.
Die Behltergre hat nicht nur einen Einflu auf die anfallenden Mllmengen,
sondern auch eine Bedeutung fr deren Zusammensetzung. Bereits frhzeitig
wurde vermutet, da durch ein geringeres Behlterangebot die Brger sich veranlat sehen, sorgsamer mit ihrem verfgbaren Volumen umzugehen [2.10]. Ein
knappes spezifisches Behltervolumen begnstigt das Recycling, die eigene Bedarfskompostierung bei Gartenbesitzern und abfallbewuteres Denken. Reichliches Behlterangebot bietet Platz fr zustzlichen Abfall und provoziert die Abfallerzeuger zum "Wegwerf-Denken".
Bei Untersuchungen in Norddeutschland wurde nachgewiesen, da die Teilnahme am Altglasrecycling mit steigendem Angebot an Behltervolumen fr den
Hausmll abnimmt [2.11 ]. Das gestiegene Behltervolumen pro Kopf der Bevlkerung fhrt scheinbar besonders bei den Gartenbesitzern zu der Einstellung
[2.12], da das schon einmal bezahlte Behltervolumen mglichst vollstndig
ausgenutzt werden mu. Bild 2.17. und Bild 2.18. stellen das Abfallaufkommen

2.3 Einflugren der Zusammensetzung von Haus- , Sperr- und Gewerbemll 65

spezifisches [Link]..n

<501

50-701

Anzahl d. Blcke

16

mittleres
Ben [Link]/Edl

6.2

.8.14

Housmll(kg/Eol

:.701

5
12,16

345

307

529

kg/EW0

,.., ........-""

Rest 1.15

Ras1 1,36

...... ~--

/
I

I
Rasi 2,20

//'
,~/

2
1

1
2

2,48
Vogotobilian

3,03.
Vegetabilion

4,41
Vegetabilil'n

Verpackungen
1.47

Verpackungen
1.44

Verpackungen
2.37

Papier 0,80

---

Papier 0.80

..........

' ,,

',

<Soll

..........

50-701

Papier 1,20

> 70 i

Bild 2.17. Abfallaufkommen und -Zusammensetzung unterteilt nach den wichtigsten Inhaltsstoffen in Abhngigkeit vom spezifischen Behltervolumen - Land (MGB 2401) [2.14]

und die wichtigsten Inhaltsstoffe des Abfalls in Abhngigkeit vom angebotenen


Behltervolumen pro Einwohner fr Stadt- und Landgebiete dar. Es wird dabei
deutlich, da der Hauptbeitrag fr die Abfallmengensteigerung fr das Land von
den Vegetabilien ausgeht und je nach spezifischem Behltervolumen von 2,48 kg
ber 3,03 auf 4,41 kg pro Einwohner und Woche im Jahresdurchschnitt ansteigt.
Bei einem spezifischen Behltervolumen von mehr als 70 1/E steigt der Anteil des
Gartenabfalls auf ca. 60% der vegetabilen Abfillle oder auf 135 kg Gartenabfall
pro Einwohner und Jahr. In der Stadt ist dieser Einflu ebenfalls nachweisbar,
aber wesentlich undramatischer. Hier tragen vorrangig die Verpackungen zum
Abfallmengenanstieg bei. Werden zum Verpackungsanteil noch die Papierabfiille
hinzugezhlt, liegt dieser wertbestimmende Anteil des Abfalls bei einem Behltervolumen von ber 50 1 pro Einwohner fr die Stadt bei ca. 50% des Gesamtmlls.
Auf dem Land steigen auch alle anderen Abfallkomponenten neben den bereits
erwhnten Gartenabfllen mit dem spezifischen Behltervolumen an. Strker

2 Der Abfall

66

spezifisches Behltervolumen

<.

mittleres

~eh Yo!:~IIE _?_)_ _


a~:muu lkg/E-al

kgiE

>

~Cj

20

An7ohl d Blcke

30 I

6,19

3,66

207

:Qj

285

.....

---..........

LO I

10

Rest 0,66

Rost 0.68

Vegetobtlton

2.01
Vegetabilien

Vegetabilien

Verpackungen

Verpackungen

Verpackungan

Rest 0,58

1,52

1.08
Pa~uir

0.55

2-

< Jnt

----

,_

--

1.41

PopiPr 0.65

2.04

----

c;;;~

1,70

--- ___
....

Papier 1,05

1-:401

Bild 2.18. Abfallaufkommen und -Zusammensetzung unterteilt nach den wichtigsten Inhaltsstoffen in Abhngigkeit vom spezifischen Behltervolumen-Stadt (1101 Tonnen)[2.14]

treten hier die mineralischen Bestandteile in Erscheinung, die unter der Rubrik
"Rest" subsumiert sind.
Die Dichte nimmt mit steigender Behltergre ab, wie Bild 2.19. zeigt. Die
Ausgleichsgerade ist auf der Grundlage der Ergebnisse der aktualisierten Bundesweiten Hausmllanalyse [2.15] von 1983 gelegt worden.
Besteht ein fr den Brger zu geringes Behlterangebot, so werden Hausmllbestandteile und Gartenabfiille gemeinsam mit der Sperrmllabfuhr entsorgt. Damit steigen die Sammel- und Transportkosten fr die Sperrmllabfuhr verstrkt
an, so da eine Einfhrung von greren Hausmllgefen fr den Brger billiger
wird. Durch die Vergrerung des spezifischen Behltervolumens steigt der Hausund Sperrmllanteil jedoch nicht beliebig an, sondern stabilisiert sich auf einem
Niveau gem der soziokonomischen Umgebung, der Siedlungsstruktur und dem
entsprechenden Abfall- und Recyclingbewutsein der Brger.
Verschiedene Autoren haben den Zusammenhang zwischen Abfalldichte und
Behltergre untersucht.
Mit der sinkenden Abfalldichte geht eine durchschnittliche Vergrerung der
Komdichte einher. Fr die sinkende Dichte und die grer werdende Komdichte
bei zunehmender Behltergre gibt es zweckmige Grnde: der Abfalllt sich
in kleinen Behltern besser verdichten und kann groe Stcke, wie z.B. Kartons
und sperrige Stcke aller Art, nur zerrissen oder zerschlagen aufnehmen. Damit
wird das bestehende Behltervolumen besser ausgenutzt.

2.3 Einflugren der Zusammensetzung von Haus- , Sperr- und Gewerbemll 67


[kg/m3 ]

30011

I
I
250 f------+----+--+---+--H

Tabarasan

Gallenkernper

b.

ARGUS

c----

o Eder

o Barghoorn
200

f--+----+---+-~------'r----t-------i----+-

b.

150

~,

[J

1oo----l-~~'
~ _l ~--'------~

00

'

30

50

110

220

770 1.100

4.400

12.000

Bild 2.19. Bestimmung der Abfalldichte in kg/m' in Abhngigkeit von dem Behltervolumen

[2.13] nach Angabe verschiedener Autoren

2.3.2

Abfallzusammensetzung nach Stoffgruppen


Bild 2.20. stellt die Ergebnisse der Bundesweiten Hausmllanalyse (BHMA) fiir
1979/80 und 1985 dar. Es ist dabei zu bercksichtigen, da in dieser Untersuchung kein Sperrmll und keine Abflle aus Kleinbetrieben (Geschfte, Handwerk
etc.) enthalten sind, die bei der allgemeinen Mllabfuhr erfat und in den kommunalen Abfallverwertungs- und -behandlungsanlagen verarbeitet werden. Darber
hinaus werden ca. 25 % des Abfalls durch die Einteilung in Fein- und Mittelmll
nur unscharf definiert.
Aus Bild 2.20. wird deutlich, da die Recyclingaktivitten fiir Glas, Papier und
Pappe sich bundesweit ausgewirkt haben. So konnte bis 1985 eine Absenkung
dieser Abfallbestandteile erzielt werden, obwohl die hergestellten Produktionsmengen in diesem Zeitraum stiegen.
Bei Glas konnten 1980 etwa 8 kg und 1985 ca. 15,8 kg pro Einwohner und Jahr
ber Altglassammlungen erfat werden. Insgesamt wurden 1980 rund 22 % und
1985 ca. 43 % des gesamten Altglases getrennt erfat.
Die spezifische Abfallmenge aus Haushalten, dargestellt als Kennziffer in Kilogramm pro Einwohner und Jahr, sank fiir den Zeitraum 1979/80 bis 1985 von
243,7 auf229,7 kgje Einwohner und Jahr.

68

2 Der Abfall
Gesamtmenge: 15 Mio Mg
1979/80

Mittelmll (8-40 mm) 15,6 %


/ - - Feinmoll (bis 8 mm) 8,5%

/ ' - - Materialverbund 0,9%


. . . . - - - - Mineralien 2,9%
Textilien 1,5%

- - Kunststoffe 6,1 %
Holz, Leder u.a. 2,3%
Vegetabilien 26,8 %

- - - NE-Metalle 0,4%
- - - - - FE-Metalle3,5%

Pappe 4,1% --

\\~~ Pap~erverbund 1,2%


Papier 14,6%
Gesamtmenge: 14 Mio Mg
1985

Mittelmll (8-40 mm) 1 6 % - - \

- - - Feinmoll (bis 8 mm) 10,1%


Problemabtaue 0,4%

/ ___- Wegwertwindeln 2 %
Materialverbund 1,1 %
. . . - - - - Mineralien 2%
---

Textilien2%

- - Kunststoffe 5,4 %

Vegetabilien 29,9%

----

Glas 9,2%

. - - NE-Metalle 0,4%

~-- FE-Metalle 2,8%


- - - Papierverbund 1,9%

Pappe4%

L_____~-

Papier12%

Bild 2.20. Hausmllzusammensetzung in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren

1979/80 und 1985 [2.3]

Bild 2.21. stellt die Unterschiede in der Zusammensetzung des stdtischen und
lndlichen Abfalls fr die Bundesrepublik Deutschland nach der BHMA fr
1979/80 und 1985 dar. Unterhalb der vorgegebenen Achse sind die Verpackungsmaterialien und das Papier aufgetragen, sie stellen den wertbestimmenden Anteil
fiir eine Recyclinganlage dar. Oberhalb der Achse sind die vorwiegend mineralischen und vegetabilen Teile des Abfalls dargestellt. Aus ihnen entstehen in einer
Recyclinganlage die Kompost- und die zu deponierenden Reststofffraktionen.
Besonders deutlich wird der Unterschied in der Zusammensetzung sowohl bei
dem Papier als auch bei den Vegetabilien. Ebenfalls zum Haushaltsabfall gehrt
der Sperrmll, der fr den Zeitraum der BHMA 1979/80 bei 2,18 Mio. Mg und
1985 bei 1,7 Mio. Mg lag. Das entspricht einer spezifischen Sperrmllmenge

2.3 Einflugren der Zusammensetzung von Haus- , Sperr- und Gewerbemll 69


Stadt

Land

Stadt

Land

5. 784.000 Mg/a
238,8 kg I E & a

9.160.000 Mg/a
247,7 kg I E & a

5.034.000 Mgla
239,6 kg I E & a

8.989.000 Mgla
224,5 kg I E & a

HoiZ,Teldilen,Verbund
Holz, Textilen, Verl::uld

3,9%

vegetabler Rest 23,8%

Mineralien3,4"L

vegetabler Rest 28,7%

44.70

Fraktionll15,1%

I
I

vegetabler Rest 47,4%

61,7%

,. ....I

52,8%

'1
vagelabHer Rest 43,3%

58%
52%
Fraktion 1116%

_;_
Fraktionl8%

Pappe4,1%

Pap. Verbun:t 1,3'11.


Papier 17,5%

Fraktionl8,8%

FeirvnOII8,7%

Pappe 4,1%
Pap. Verb!Jnd 1,3'!1.
Papier1Ytl.

Pappe4,3%
Pap. Verbund 1,9%
Papler13,8%
38.5%

Metalle3,9%

Metalle3,ft

Kunststoff 5,8'!1.

Kunststoff 6,6%
Glas10,2%

II
j

Glas13.8%

....

Kunststoff5,7%

Metalle3,5%
Glas10,7%

I
_j_

FeinmOll I 0,6%

Pappe3,8%

Pap. Verbund 1 ,8%


Papier 10,9%

.,.
I

Kunstst:off5,2%
Metatle3,1%
Glas8,3%

ll\legwerfwindeln,
Marterialverb.6,9%

\o\legwerfwindeln,
Marteriatverb.6,1%

1979180

1985

Bild 2.21. Abfallzusammensetzung in Gewichtsprozent fiir 1979/80 und 1985, unterteilt nach
Stadt und Land [2.14, 2.16]
Tabelle 2.21. Entwicklung der Hausmllzusammensetzung in der ehemaligen DDR bzw. den
neuen Bundeslndern von 1985 bis 1991 [2.28]
Fraktion
Fe-Schrott
NE-Metalle
Glas
Mineralien
Plaste
Materialverbund
Textilien
Papier/Pappe
Knochen/Holz
Vegetabilien
Brot
Feinmll <16 mm

1985
3,03
0,53
8,84
1,00
3,01
1,25
1,95
12,05
0,93
28,55
3,68
35,18

1988
2,56
0,62
10,56
0,79
3,98
1,15
2,92
13,24
0,82
23,51
3,92
35,93

1991.

100,00

100,00

100,00

Wegwerfwindeln
Problemstoffe
Summe

Angaben in Masse-%

4,90
0,59
12,45
4,62
6,01
4,29
2,72
10,32
31,02
2,99
18,42
1,30
0,37

70

2 Der Abfall

fr 1979/80 von 35,6 kg/E und 1985 von 27,9 kg/E [2.16, 2.17].
Eine Vernderung zeigte sich auch bei den spezifischen Abfallmengen zwischen Stadt und Land. Wie in Bild 2.21. deutlich wird, steigt die spezifische Abfallmenge im stdtischen Bereich, whrend sie in den Landregionen stark abfllt.
Die Zusammensetzung des Hausmlls hat sich nach der "Wende" in den ostdeutschen Bundeslndern gendert. Tabelle 2.21. zeigt diese Entwicklung. Whrend die Werte in den Jahren 1985 und 1988 noch annhernd gleich waren, so sind
fr das Jahr 1991 einige Abweichungen zu verzeichnen. Signifikant ist die Abnahme des Feinmllanteils um ca. 50%, was auf die teilweise Umstellung der
Heizungsart von Kohlefeuerung auf importiertes Erdl/Erdgas und den Ausbau
des Fernwrmenetzes zurckzufhren ist.
Durch gendertes Konsumverhalten (Kauf von Einwegverpackungen) und den
Wegfall des SERO-Systems ist der Anteil an Kunststoffen, Fe-Schrott (Konservendosen), Glas und Materialverbunden gestiegen. Der erhhte Anteil der Fraktion Mineralien wird auf den Anfall von Bauschutt infolge verstrkter Bauaktivitten zurckgefhrt. Die Steigerung der Fraktion Vegetabilien im Hausmll wird
durch ein erhhtes Angebot sowie durch den Wegfall der "Specki-Tonne" erklrt
[2.28].

2.3.3
Schwankungen der Stoffmengen
Neben der durchschnittlichen prozentualen Zusammensetzung des Abfalls sind
insbesondere fr den Betrieb einer Recyclinganlage die Schwankungen der monatlichen Abfallzusammensetzung und zustzlich noch die Schwankungen der
absoluten Mllmenge pro Jahr zu bercksichtigen.
Dies hat neben der technischen Reserve wesentliche Auswirkungen auf die
Kapazitten und Techniken im Annahmebereich, auf den Lagerbedarf, auf die
Betriebszeiten der Sortier- und Frderaggregate und auf die notwendigen Transportkapazitten fr die Produkte und Reststoffe sowie einen Einflu auf die monatlichen Erlse aus den Produktverkufen.
In der Bundesweiten Hausmllanalyse wurden die Abfallmengen im Jahresverlauf
unter Bercksichtigung des spezifischen Behltervolumens auf die zwei wesentlichen Stoffgruppenarten (Verpackung einschlielich Papier und Vegetabilien) und
den Einflu von stdtischen und lndlichen Gebieten hin untersucht. In Bild 2.22.
werden die Schwankungen des Abfalls fr den lndlichen und stdtischen Bereich
dargestellt. Auch der Einflu der Behltergre auf die Abfallmenge und -ZUsammensetzung wird hier noch einmal deutlich. Fr eine Recyclinganlage, die lndlichen Abfall zu verarbeiten htte, bedeutet dies, da bei groem spezifischen Behltervolumen im Sptsommer eine enorme Kompostfraktion anfllt. Dies wirft
eine grundstzliche Frage nach der abfallwirtschaftlichen Organisation der Landkreise auf, welche hervorruft, da durch das Aufstellen von groen Behltern,
Gartenabflle mit anderen Abfallkomponenten gemischt, mit Schadstoffen angereichert und dann in einer Recyclinganlage oder Kompostieranlage wieder von
den anderen Stoffen getrennt, kompostiert und dann mit groem Marketingaufwand an die Kleingrtner verkauft werden mssen. Das Duale System
reduziert den Hausmll ab 1995 um ca. 30 Gew.-% bzw. 50 Vol.-%.

2.3 Einflugren der Zusammensetzung von Haus-, Sperr- und Gewerbemll 71

8
7 -

kg/E Wo

6 -

5 -

4
3 -

2 -

1 -

&

1 -

2 -

3
4
5

.
.i
~

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/ ,-- ///

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spez. BehiHerwlumen > 70 I


spez. Behllterwlumen < 50 I

---r-~ ,--./,--..-------

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Analyselauf

"i5.

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e-

=
=

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-.____________

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L------' - -------

Frhjahr

Sommer

Herbst

1960

1979

kg/E Wo

spez. BehHerwlumen > 40 I

spez. Behilterwlumen < 30 I

_.........---~

2
1

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Analyselauf

-1

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Frhjahr

Winter

~e-

L-

>

Frhjahr

Sommer

Herbst

1979

Winter

Frhjahr

1980

Bild 2.22. Aufkommen an Verpackungen incl. Papier und Vegetabilien im Jahresverlauf im


stdtischen und lndlichen Abfall unter dem Einflu des spezifischen Behltervolumens [2.14]

Damit steigt der Anteil organischen Materials zu Restmll noch weiter an, wodurch noch grere Schwankungen dieser Fraktion zu bercksichtigen sind.
Die jahreszeitlichen Schwankungen der Abfallfraktionen werden nachfolgend
beispielhaft anband von 8 Abfallsortierungen in Dresden verdeutlicht. Die Sortierungen wurden im Sommer bzw. Herbst 1994 bis Sommer 1997 durchgefhrt (s.
Bild 2.23.).
Auffiillig ist der hohe Ascheanteil im Winter 1996 von ca. 100 kg/Ea. In der
Darstellung des Herbstmlls (Dresden) zeigt der geringe Ascheanfall den Beginn

72

2 Der Abfall

kgi(E' a)
300

275,7

250

100

Herost

1994

Wnter

1994

II:] WertStoffe

Hert>st

1995

l[l Bioabflllle

FrOhjahr

1996
~ Heizwertreich

Sommer
1996
~ Summe lner1

Frot'janr

1997

Schadstoffe

Bild 2.23. Restabfallzusammensetzung in Dresden im Sommer 1994 bis 1997 [2.39]

der Heizperiode an, auerdem ist der fr diese Jahreszeit typische gestiegene Betrag an kompostierbaren Materialien abzulesen [2.39].

2.3.4

Schwankungen der Dichte und des Feuchtigkeitsgehaltes

Durch die relativen und absoluten Schwankungen der Abfallzusammensetzung


verndern sich auch die Dichte und die Feuchtigkeit des Abfalls.
Die in der Wiener Recyclinganlage gemessenen Schwankungen der Dichte und
des Feuchtigkeitsgehaltes sind in Bild 2.24. dargestellt.
Der Feuchtigkeitsgehalt des Abfalls hngt von der Jahreszeit und der herrschenden Witterung ab. Im Frlihjahr steigt mit dem ersten Grasschnitt und den ersten
Arbeiten in den Grten der Wassergehalt des Abfalls stark an. Die hohen Werte
im September und Oktober wurden 1982 gemessen und hingen mit dem hohen
Anteil an feuchtem Laub zusammen. Korrespondierende Messungen im besonders
trockenen und warmen Herbst 1983 ergaben fr September, Oktober und November Durchschnittswerte von 27,4 % Wassergehalt Die im Bild 2.24. angegebene Messung fr Dezember von 34,2 % wurde 1982 durchgefhrt und liegt fr
einen Wintermonat relativ hoch. Auch dieser Wert kann auf die Wettersituation
zurckgefhrt werden, denn in diesem Zeitraum herrschten frhlingshafte Temperaturen mit einem hohen Anteil an Niederschlgen, die sonst in Form von Schnee
auftreten.
Fr die Planung einer Aufbereitungsanlage ist zu bercksichtigen, da die blichen Durchsatzangaben nicht die reale Kapazitt eines technischen Aggregates
oder einer Frderanlage beschreiben, sondern immer auf eine Dichte bezogen
sind. Daraus wird deutlich, da trotz gleicher Gewichtsangaben das zu verarbeitende Volumenaufgrund abweichender Dichten unterschiedlich ist. Fr eine An-

2.3 Einflugren der Zusammensetzung von Haus- , Sperr- und Gewerbemll 73


Wassergehalt

[%]

::r

Dichte
[kg/m']

140-!
I

F M A M J J A S 0 N D

___

uuu u

F M A M J

I -r-T~--~----..

A S 0

N D

Bild 2.24. Jahresmittelwert und Jahresverlauf der Dichte und des Feuchtigkeitsgehaltes flir den
Abfallinput des Jahres 1982/83 in der Recyclinganlage in Wien [2.13]

lagebedeutet dieser Faktor eine eventuelle Verlngerung der Betriebszeit oder bei
entsprechenden Kapazittsreserven der Aggregate eine hhere Auslastung.

2.3.5

Korngrenverteilung des Abfalls

Die Komgrenverteilungen des Gesamtabfalls und der im Abfall vorhandenen


einzelnen Stoffgruppen sind sowohl fr die Dimensionierung der einzelnen Aufbereitungsschritte als auch fr eine optimale Nutzung der im Abfall vorhandenen
Wertstoffkomponenten von Bedeutung. Auch lt sich aufgrund der Abfallzusammensetzung in den verschiedenen Komgrenklassen eine Verfahrenskonzeption entwickeln, durch die Produkte mit einem minimalen Schadstoffgehalt
hergestellt werden knnen.
Bei durchgefhrten Komgrenanalysen einer Wiener Anlage wurde der Abfallinput in 15 Stoffgruppen und in vier Komgrenklassen unterteilt. Whrend
eines Versuchslaufs im September 1982 wurde bei der Analyse von 100 Stichproben festgestellt, da die wertbestimmenden Bestandteile berwiegend in der
Komgrenklasse ber 60 mm zu finden sind. Die Ballaststoffe wie Vegetabilien
sind zu ber 60 % kleiner als 60 mm und die Mineralien zu ber 70 % kleiner als
20mm.

3 Sammlung, Umschlag und Transport von


Abfllen und Wertstoffen

3.1
Durchfhrung, Systeme, Organisation
Nach 1 Abs. 2 AbfG umfat die Abfallbeseitigung neben der Gewinnung von
Stoffen oder Energieerzeugung aus Abfllen, deren Behandlung und Ablagerung
auch alle erforderlichen Manahmen des Einsammelns, Befrdems und Lagems.
Abflle mssen also am Anfallort bereitgestellt und eingesammelt werden. Sofern
sie nicht an Ort und Stelle verwertet werden knnen, erfolgt anschlieend der
Transport entweder direkt oder nach Umschlag auf grere Transporteinheiten
zum Ort der Behandlung, Verwertung oder Deponierung.
Sammlung und Transport von Abtallen haben folgende Aufgaben zu erfiillen
[3.1]:
- Erfassung und Einsammlung aller in Haushalten, Industrie- und Gewerbebetrieben anfallenden Abflle,
- Transport der eingesammelten Abtalle zu Abfallbehandlungs- und Beseitigungsanlagen,
- getrennte Erfassung und Abfuhr von Wertstoffen.
Der Bereich Sammlung-Umschlag-Transport spielt im System der Abfallwirtschaft eine wichtige und hufig unterschtzte Rolle. Immerhin verursacht er 30 bis
40% der Gesamtkosten der Abfallbeseitigung und bietet damit bei Verbesserungen in Organisation und Durchfiihrung erhebliche Einsparmglichkeiten. Desweiteren haben z.B. Art, Gre und Kombination der Sammetbehlter sowie der
Entleerungsrhythmus Einflu auf die Hausmllzusammensetzung und auf die
Reinheit und Menge getrennt gesammelter Wertstoffe. Hierdurch besteht also die
Mglichkeit, am Anfang des Entsorgungsprozesses eine gewisse Steuerung des
Abfallaufkommens und der Abfallzusammensetzung vorzunehmen.
Sammlung und Transport sind hoheitliche Aufgaben der nach Landesrecht zustndigen Krperschaft. In der Regel ist dies die Kommune, die sich fiir die Erfiillung dieser Aufgaben auch Dritter, d.h. privater Entsorgungsuntemehmen,
bedienen kann.
Fr eine effiziente Durchfiihrung und optimale Organisation der Abfallsammlung und des Transportes sind Einflugren [3 .3] zu bercksichtigen wie
- Gre des Sammelgebietes,
- Wirtschaftsstruktur,
- Lebensgewohnheiten,
- stdtebauliche Gegebenheiten,

B. Bilitewski et al., Abfallwirtschaft


Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2000

76

3 Sammlung, Umschlag und Transport von Abfllen und Wertstoffen

- Forderungen der Benutzer,


- Wahl des geeigneten Sarnmelsystems.
Mit zunehmender Zentralisierung von Abfallbehandlungsanlagen und Deponien
ergibt sich aus wirtschaftlichen Erwgungen zustzlich die Notwendigkeit, den
Transport dorthin erst nach Umschlag der Abfalle auf grere Transporteinheiten
durchzufhren.

3.1.1

Sammelsysteme

Der Vorgang des Einsammeins von Abfllen umfat den Weg von der Fllung des
Sarnmelbehlters bis zur Beladung des Sammelfahrzeuges. Hierbei versteht man
unter einem Sammelsystem eine Kombination von technischen Betriebsmitteln
und menschlicher Arbeitskraft, insbesondere
- Sammelverfahren,
- Behltersystem,
- Fahrzeuge,
- Personal.
In einer Gebietskrperschaft mit unterschiedlicher Bebauung und einer Reihe von
greren Betrieben und Verwaltungen ist es nicht mglich, die Sammlung nur mit
einem einzelnen System durchzufhren. Den jeweiligen rtlichen Verhltnissen
entsprechend mssen unterschiedliche Sarnmelsysteme eingesetzt werden.
Die Beurteilung eines Sammelsystems und die berprfung der Organisation
hinsichtlich der Zielsetzung kann anband folgender Kriterien vorgenommen werden:
- Wirtschaftlichkeit,
- Arbeitssicherheit,
- Hygiene,
- Auswirkungen auf die Wertstoffsammlung,
- Anforderungen der nachgeschalteten Behandlungs- und Beseitigungsanlagen,
- stdtebauliche Aspekte,
- Benutzerkomfort,
- Reservehaltung,
- Reparaturanfalligkeit,
- physische Beanspruchung des Ladepersonals.
Die Kriterien mssen immer gemeinsam und in einem ausgewogenen Verhltnis
bercksichtigt werden, um die Vernachlssigung einzelner Bereiche und damit die
Beeintrchtigung des gesamten Systems zu vermeiden [3.4].
[Link]

Sammetverfahren

Bei den Sammelverfahren wird unterschieden in Umleerverfahren, Wechselverfahren und Einwegverfahren. Hinzu kommen die systemlose Sammlung, die bei
der Abfuhr von Sperrmll und Sperrgut angewandt wird, und zwei Sonderverfahren nach pneumatischem und hydraulischem Prinzip. Zu jedem Sammelverfahren

3.1 Durchfhrung, Systeme, Organisation

77

gehren passende Behltersysteme und Fahrzeuge mit entsprechenden Einfllvorrichtungen.

Umleerverfahren
Beim Umleerverfahren, berwiegend bei der Abfuhr von Hausmll und hausmllhnlichem Gewerbeabfall eingesetzt, werden fahrbare Sammelbehlter verwendet, die ber Hub- und Kippvorrichtungen in die Sammetfahrzeuge umgeleert
und an den gleichen Standplatz zurckgestellt werden. Der Transport der Hausmllsammelbehlter vom Standplatz zum Straenrand und zurck wird entweder
durch den Benutzer (Benutzertransport) oder die Mllwerker (Mannschaftstransport) vorgenommen. Auf die Behlter abgestimmte System-Schttvorrichtungen
erleichtern die Arbeit fr das Ladepersonal. Verwendet werden dabei unterschiedliche, berwiegend genormte Behlter, die in Fahrzeuge mit kombinierten Schttvorrichtungen fr die verschiedenen Behltertypen entleert werden knnen.
Je nach anfallender Mllmenge und Beschaffenheit des Standplatzes werden
Behlter unterschiedlicher Art und Gre eingesetzt. Neben System-Schttvorrichtungen sind Fahrzeuge fr das Umleerverfahren heute mit Einrichtungen
zur Verdichtung des Abfalls ausgestattet, so da das zwei- bis dreifache Behltervolumen geladen werden kann [3.5]. Es werden Fahrzeuge mit Aufbauten bis zu
23 m3 Rauminhalt eingesetzt.

Wechselverfahren
Das Wechselverfahren eignet sich fr Abflle mit hoher Dichte, wie Bauschutt
und Schlmmen, und fr Abflle mit niedriger Dichte, wie Hausmll und Geschftsmll von Groanfallstellen, wie z.B. Gewerbe- und Industriebetrieben,
groen Hotels, Anstalten, Verwaltungen und Wohneinheiten gleichermaen [3.5].
Bei diesem Verfahren werden volle Sammetbehlter am Standplatz gegen leere
gleicher Art ausgetauscht und nach Entleerung an anderer Stelle abgestellt. Mssen jedoch Behlter unterschiedlicher Art und Gre transportiert werden, oder
erfolgt die Entleerung unregelmig auf Abruf, werden die Behlter nach Entleerung in der Beseitigungsanlage auf den gleichen Standplatz zurckgebracht. Man
spricht in diesem Fall von "Direkttransport".
Aus wirtschaftlichen Grnden werden in der Regel Behlter ab 4 m3 Inhalt
verwendet, die ber verschiedene Kippersysteme bewegt werden.
Eine Verdichtung des Containerinhaltes mit einer stationren Mllpresse oder
in Precontainern mit eigenen Verdichtungseinrichtungen ist mglich.

Einwegverfahren
Beim Einwegverfahren werden die Abtalle in Scken aus Papier oder Kunststoff
sauber und auf hygienisch unbedenkliche Weise bereitgestellt und verladen. Der
Sammelvorgang wird dadurch verkrzt, da keine entleerten Behlter an den
Standplatz zurckgebracht werden mssen, und die Reinigung von Behltern
entfllt. Die Verladung der Scke erfolgt in der Regel per Hand und bedeutet eine
erhebliche physische Belastung des Sammelpersonals.
Das Volumen der Scke ist deswegen und aufgrund der begrenzten Tragfhigkeit des Sackmaterials auf maximal 110 I beschrnkt. bliche Verwendungsgren sind 50 und 70 1.

78

3 Sammlung, Umschlag und Transport von Abfllen und Wertstoffen

Hinsichtlich der Zielsetzung einer Abfallvermeidung mu die Abfallmengenzunahme durch das Sackmaterial von immerhin bis zu 3 Gew.-% zumindest als bedenklich angesehen werden.
In der Regel werden Mllscke in Zeiten erhhten Mllaufkommens (z.B.
Weihnachten), auf Campingpltzen, bei Ausstellungen und Groveranstaltungen
etc. sowie berall dort verwendet, wo besondere hygienische Anforderungen an
die Abfallentsorgung gestellt werden (z.B. in Krankenhusern und Pflegeheimen).
Oft werden sie vor der Abfuhr in Containern gesammelt.
Systemlose Sammlung
Die systemlose Sammlung, bei der die Abtalle nach Gre und Form uneinheitlich
oder in offenen Behltern gesammelt werden, wird nur noch bei der Sammlung
von Sperrmll und besonders groen Teilen (z.B. Sperrgut) angewandt. Die
Sperrmllteile mssen gut zugnglich zur Abfuhr bereitgestellt werden, damit sie
von der Besatzung der Sammelfahrzeuge verladen werden knnen.
Sonderverfahren
Zu den Sonderverfahren zhlen die Systeme Absaugung und Abschwemmung. Bei
den pneumatischen Verfahren (Absaugung) und hydraulischen Verfahren (Abschwemmung) sind die Bereiche Sammlung und Transport miteinander kombiniert. Diese beiden Sammelverfahren nehmen aufgrundihrer geringen Bedeutung
eine Sonderstellung ein.
Die Anwendung des pneumatischen Verfahrens wurde fr eng gebaute Altstadtgebiete und Neubaugebiete mit hoher Einwohnerdichte (Hochhausbebauung)
errtert und bietet sich in erster Linie aus verkehrstechnischen Grnden an. Beim
pneumatischen Mlltransport dient strmende Luft als Trgermedium. Zur berwindung der Fortleitungswiderstnde und zur Herstellung einer ausreichenden
Strmung mu ein bestimmtes Druckniveau aufgewendet werden. Der pneumatische Mlltransport ersetzt sowohl die im Haushalt von den Benutzern durchzufhrende Sammlung und Bereitstellung des Hausmlls sowie die Abfuhr zur ortsnahen Verbringungsstelle, z.B. einer Mllbeseitigungsanlage oder einer Mllumladestation [3.6].
Nach dem Vorbild des pneumatischen Verfahrens, wie es in Sundbyberg
(Schweden) verwirktlicht wurde, wurde die Mllsammlung im Olympischen Dorf
der Stadt Mnchen geplant. Weitere Bespiele wurden in der Bundesrepublik
Deutschland nicht verwirklicht.
In Schweden und den USA werden Zentralsauganlagen fr eine hygienische
Gebudereinigung verwandt, die gleichzeitig die Aufgaben der Abfallbeseitigung
beinhalten. Kombinierte Saugtransportsysteme werden bereits in Krankenhusern
angewendet (z.B. Lwenstrmska-Krankenhaus bei Stockholm).
Ende der 60er Jahre wurde die Abschwemmung von Kchenabtallen ber Kchenabfallzerkleinerer gemeinsam mit dem Abwasser in die Kanalisation diskutiert (hydraulisches Verfahren). Beispiele existierten in der Schweiz und den USA.
Zwar wird die Schmutzwassermenge durch das Splwassers des Zerkleinerers
nicht wesentlich erhht, aber das Abwassernetz ertahrt eine, den Mllmengen
entsprechende hhere Belastung. Diese resultiert aus dem hohen Reinigungsauf-

3.1 Durchfhrung, Systeme, Organisation

79

wand fr die Klranlage, bedingt durch den hohen Reinigungsaufwand zur Trennung der Abfiille vom Wasser. Diese Idee konnte sich nicht durchsetzen [3.7].

[Link]

Behltersysteme
Um eine rationelle und mechanisierte Abfallsammlung zu ermglichen, mssen
die Anzahl der Behlterarten und -gren begrenzt und ihre Ausfhrungen genormt sein.
Im Bereich der Hausmllsammlung werden heute statt kleiner, teilweise tragbarer Behlter fast nur noch fahrbare Behlter mit Rauminhalten von II 0 bis zu
I IOO I, z.T. auch bis 5 000 I, eingesetzt. Hiermit wird durch den Rationalisierungseffekt die Wirtschaftlichkeit der Mllabfuhr erhht.

Mlleimer und Mlltonnen


Als kleinste Einheiten werden heute bei der Hausmllsammlung nur noch selten
System-Mlleimer mit 35 und 50 I Inhalt aus feuerverzinktem Stahlblech oder
Kunststoff verwendet. Sie mssen an den Straenrand getragen oder mit Hilfe von
Transportkarren dorthin gebracht werden.
Ihr geringes Volumen erweist sich beim Anfall grerer und sperriger Hausmllteile als nachteilig, da diese neben den Behltern abgelagert und per Hand
verladen werden mssen.
Die nchstgreren Einheiten, System-Mlltonnen mit 70 und II 0 I Inhalt,
werden auch mit rundem Grundri ausgeftlhrt, aber nur aus Kunststoffhergestellt
In einer Vielzahl unterschiedlicher Mlleimer und Papierkrbe werden Kleinabflle auf Straen, Pltzen, in Grnanlagen etc. gesammelt und per Hand in das
Sammetfahrzeug entleert.
Mllgrobehlter und -container
Wegen steigender Mllaufkommen wurden in den 60er Jahren rollbare Mllgrobeblter (MGB) mit 660, 770 und IIOO aus Stahlblech und in den 70er Jahren mit
I20 und 240 I, seltener mit 360 I Rauminhalt aus Kunststoff entwickelt, die berwiegend in der Hausmllsammlung und der getrennten Sammlung von Wertstoffen des Hausmlls zum Einsatz kommen. Fr die Sammlung von Sonderabfallkleinmengen werden diese aus Stahlblech hergestellt. Sie besitzen einen rechtekkigen Grundri und sind mit zwei bzw. vier Rdern ausgerstet. Sie knnen vom
Benutzer transportiert werden und sind vom Ladepersonal leicht zu handhaben.
Mllgrobehlter mit Rauminhalten von 660, 770 und I IOO I sind mit lenkbaren
Rollen ausgestattet. Die besonders schlanken, hauptschlich fr den Einsatz auf
Kellerstandpltzen entwickelten MGB mit 660 und 770 I Rauminhalt werden aus
Kunststoff, die MGB 1100 zustzlich aus Stahlblech hergestellt. Sie bentigen
einen festen Stellplatz und werden vom Ladepersonal von dort zum Sammetfahrzeug und zurckgerollt.
Insbesondere der MGB 1100 fmdet berall dort Verwendung, wo grere Mllmengen anfallen, in greren Wohneinheiten, Gewerbebetrieben, bei Sportveranstaltungen, Mrkten und Messen. Neben dem geringen Gewicht der Kunststoffbehlter aus Niederdruck-Polyethylen sind insbesondere die glatte Behlteroberflche, die Korrosionsbestndigkeit und die verminderte Geruschbelstigung beim
Sammetvorgang als Vorteile zu nennen.

3 Sammlung, Umschlag und Transport von Abfllen und Wertstoffen

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Bild 3.1. Mllgrobehlter 240 I (MGB 240)

Seit 1975 werden auch Behlter mit 2 500 und 5 000 1 Inhalt aus Stahlblech mit
einem bzw. zwei Klappdeckeln bevorzugt dort eingesetzt, wo groe Haus- und
Gewerbeabfallmengen anfallen. Wie alle bisher genannten Behlter werden auch
diese in der Regel im Umleerverfahren entleert.
MGB 120/240 werden nach DIN 30740 (Bild 3.1), MGB 1100 nach DIN 30700
(Bild 3.2) und MGB 2500/5000 nach DIN 30737 (Bild 3.3) ausgefiihrt.
In der Regel werden in solchen Anlagen Hausmll, hausmllhnliche Gewerbeabfillle und zum Teil Industrieabtalle und feste Sonderabtalle umgeschlagen. Fls-

Bild 3.2. MGB 1100 aus Stahlblech mit Kammleiste

3.1 Durchfhrung, Systeme, Organisation

81

Bild 3.3. MGB 5000

sige und pastse Sonderabflle werden im allgemeinen in Spezialbehltern direkt


zum Bestimmungsort oder nach Konditionierung in chemisch-physikalischen
Behandlungsanlagen in greren Einheiten weitertransportiert.
Insbesondere bei der Sammlung von Gewerbe- und Industrieabfiillen und berall dort, wo kurzzeitig oder regelmig groe Abfallmengen anfallen, werden
Grobehlter mit bis zu 40 m3 Inhalt eingesetzt. Dies sind hauptschlich Mulden
zwischen 7 und 20 m3 und Container zwischen 10 und 40 m3 Rauminhalt (Bild
3.4) sowie Grobehlter mit eigenen Verdichtungseinrichtungen (Selbstprecontainer). Diese werden auch als Mllgrocontainer (MGC) bezeichnet. Behlter
dieser Gre werden im Wechselverfahren geladen. Sammel- und Transportbehlter filr flssige Abfiille, Schlmme und Sonderabflle sind wegen der
Konsistenz und/oder Gefiihrlichkeit der Abflle unter besonderen technischen und
Sicherheitsanforderungen auszufilhren. Eine nhere Beschreibung erfolgt in den
Kap. 3.3.3 und 3.4.2.
An Zufahrten und Stellpltze werden besondere Anforderungen gestellt, da die
Transportfahrzeuge bis an die Container heranfahren mssen. Diese sind mglichst so anzulegen, da jeweils ein Standplatz frei ist, um den mitgefilhrten Leerbehlter absetzen zu knnen. Container und Mulden in offenen oder geschlossenen Ausfilhrungen, werden ber Hub-, Abroll-, Abgleit- und Absetzkippersysteme
aufgeladen und abgesetzt. Inhalte von offenen Containern werden whrend des
Transportes mit Planen oder Netzen gesichert.

82

3 Sammlung, Umschlag und Transport von Abfllen und Wertstoffen

3.1.2

Umschlag

Als unwirtschaftlich erweist sich der Abfalltransport, wenn AbOOie in Fahrzeugen


mit geringem Fassungsvermgen ber groe Entfernungen transportiert werden
mssen und unter Umstnden eine mehrkpfige Besatzung mitflihrt.
Durch die allgemeine Tendenz, Abflle in wenigen groen zentralen Anlagen
zu behandeln oder zu deponieren, werden die Entfernungen vom Anfallsort zur
Behandlungsanlage immer grer.
Bei greren Einzugsgebieten mit hohen Abfallmengen und groer Distanz zur
Behandlungsanlage ist es sinnvoll, Umschlagstationen zwischenzuschalten, in denen die Abflle fr den Ferntransport von Sammelfahrzeugen auf grere Transporteinheiten umgeladen werden. Der Ferntransport kann auf der Strae, auf dem
Wasser oder auf der Schiene erfolgen.
In Bild 3.5 ist der Zusammenhang zwischen spezifischen Transportkosten und
Abfallmenge dargestellt.
Mit zunehmender Abfallmenge sinken die Kosten fr den Direkttransport in
den Sammelfahrzeugen zur Behandlungsanlage (Kurve 1). Gleiches gilt auch fr
den Transport in Groraumfahrzeugen. Doch sind diese Kosten -relativ gesehen wesentlich niedriger (Kurve 2). Aus der Addition der spezifischen Kosten fr den
Betrieb der geplanten Umschlagstation (Kurve 3) und der ermittelten Kosten fr
den Spezialtransport ergibt sich Kurve 4, die einen Schnittpunkt mit der Kurve 1
hat. Damit ist jene Abfallmenge QA gefunden, die als Grenzwert fr die Wirtschaftlichkeit des Betriebes einer Umschlagstation angesehen werden kann.
Weiterhin hat die Lnge der Wegstrecke Einflu auf die Transportorganisation.
Hierbei spielt aber weniger die absolute Entfernung zur Weiterbehandlungsanlage
eine Rolle als der dafilr ntige Zeitaufwand.
Bei grostdtischen Verhltnissen und stark frequentierten Straen kann schon
bei einer Distanz von nur wenigen Kilometern das Umladen in Grotransporter
wirtschaftlich werden, weil die direkte Anlieferung mit den Sammelfahrzeugen
viel Zeit und damit unproduktive Lohnkosten verursacht [3.3].
Die Umladung in einer Umschlagstation erfolgt entweder direkt aus dem Sammelfahrzeug in das Ferntransportmittel oder indirekt unter Zwischenschaltung eines
Bunkers. Beim Einsatz von Mllpressen sind in der Regel Zwischenbunker erforderlich. Diese erfttllen auch die Funktion eines Puffers, durch den bei schubweiser
Anlieferung ein kontinuierlicher Betrieb gewhrleistet werden kann. Von dort
werden die Abflle z.B. von Brckenkranen mit Polypgreifern von Stahlplattenbndern oder Schubschilden den Beschickungseinrichtungen zugeftihrt.
Grundstzlich knnen beim Umschlag drei Grundoperationen unterschieden
werden:
- Anlieferung (Art der Anlieferung),
- Aufbereitung (Umladung mit oder ohne Verdichtung),
- Seladung (in Abhngigkeit vom Ferntransportmittel).

3.1 Durchfhrung, Systeme, Organisation

10n?

I I

I 111111111111

11111111111

iiiiiiiiiH

Bild 3.4. Gebruchliche Behlter des Wechselverfahrens

SPEZIFISCHE KOSTEN
(DM/Mg)

----

<D
@

<D

ABFALLMENGE [Mg/al
QA
Bild 3.5. Vergleich der spezifischen Transportkosten zwischen Direkttransport und Umschlagstation in Abhngigkeit der Abfallmenge [3.3]

83

84

3 Sammlung, Umschlag und Transport von Abfllen und Wertstoffen

[Link]
AnIieferung

Die Anlieferung von Abtallen kann ausschlielich durch kommunale Fahrzeuge


oder zustzlich durch Privatfahrzeuge erfolgen. Sind Privatfahrzeuge zur Alllieferung zugelassen, werden neben einer zustzlichen Waage und Kasse weitere
Kippstellen entsprechend der Vielfalt der anliefemden Fahrzeuge und ein Aufgabefrderband fiir Privatanlieferer, die ihre Abtalle per Hand entladen, bentigt.
[Link]
Aufbereitung

Unter Aufbereitung im Rahmen des Umschlags versteht man die Behandlung der
Abtalle nach der Anlieferung an der Umschlagstation. Sie knnen direkt oder
unter Zwischenschaltung eines Bunkers verdichtet oderunverdichtet in das Ferntransportmittel verladen werden. Die Abkippstellen fiir Sammelfahrzeuge an einem Tiefbunker knnen unterschiedlich ausgefiihrt werden.
Befindet sich die Kippkante direkt am Rand des Bunkers, besteht unter Umstnden die Gefahr einer Kollision zwischen dem Krangreifer und dem entladenden Fahrzeug. Durch Materialbschung wird das Bunkervolumen nur schlecht
ausgenutzt, wenn die Kippkante vor dem Bunkerrand verlegt wird. Technisch
aufwendig ist die Entleerung mit Hydraulikschieber, wobei jedoch eine gute Ausnutzung des Bunkervolumens erreicht wird [3.9] (Bilder 3.6, 3.7, 3.8).
Bei Umladung ohne Verdichtung werden die zum Teil im Sammelfahrzeug
vorverdichteten Abflle ohne oder nach Zwischenlagerung ber Flltrichter in
oben offene Ferntransporter oder Wechselbehlter gekippt. Mit einem mechanischen Rechen kann die Ladung verteilt werden. Diese einfache Seladungsmethode
zeichnet sich durch geringen technischen Aufwand und niedrige Stranflligkeit
aus. Allerdings wird, auch bei Vorkomprimierung der Abtalle im Sammelfahrzeug, die zulssige Zuladung nicht immer erreicht und so die Ladekapazitt nicht
vollstndig ausgenutzt. Dies gilt insbesondere fiir Sperrmll.
Die Verdichtung von Abfllen in einer Umschlagstation kann mit verschiedenen technischen Verfahren erfolgen, wie die Verdichtung durch Verdichtungsfahrzeuge in einer Grube, durch hydraulische Mllpressen oder durch Zerkleinerung.
Werden Fahrzeuge wie Raupenschlepper und Kompaktor-Traktoren zur Verdichtung eingesetzt, lt sich nur ein relativ geringes Verdichtungsverhltnis erreichen. Auerdem erfhrt der Abfall bei der Beladung wieder eine Auflockerung.
Fr die Verdichtung in hydraulischen Mllpressen werden drei Verfahren angewendet:
- An stationre Abfallpressen werden Wechselcontainer gekoppelt. Das An- und
Abkoppeln geschieht bei modernen Anlagenkonstruktionen automatisch. Das
Befiillen der Presse erfolgt unter Zwischenschaltung von Dosierbndern und
Wgeeinrichtungen ber einen Trichter. Dadurch wird eine berladung, d.h.
berschreitung der zulssigen Nutzlast, verhindert. Bei Einsatz einer Vorkammerpresse gelangt der Abfall bereits verpret in ballenartigen Portionen in den
Container. Ein Ballen entsteht durch Pressen gegen eine heruntergelassene

3.1 Durchfhrung, Systeme, Organisation

Bild 3.6. Tiefbunker mit Kippkante am


Bunkerrand [3.9]

85

Bild 3.7. Tiefbunker mit vor dem Bunkerrand


verlegter Kippkante und schrger Rutsche [3.9]

Bild 3.8. Tiefbunker mit Mllbett Entleerung in den Bunker mit Hydraulikschieber [3.9]

Wand in der Vorkammer und wird danach durch den Stempel in den Container
geschoben (Bild 3.9). In einer Stopfpresse wird der Container in einem direkten
Arbeitsgang gefllt und der Abfall gegen die Containerwnde gepret, die zu
diesem Zweck verstrkt ausgebildet werden (Bild 3.10). Hausmll kann auf
diese Weise bis auf eine Dichte von 600 kg/m3 zusammengepret werden.
Wechselcontainer werden ber Verschiebe- und Krananlagen auf das Transportmittel gehoben. Eine schnelle Entleerung der Container erfolgt mit Hilfe
der an der Stirnseite der Container angebrachten Ausdruckschilder.
- Ist die Presse im Transportfahrzeug installiert, wird der Abfall von oben durch
eine ffnung im vorderen Teil in den Groraumbehlter aufgegeben (Bild
3.11 ). Ein hydraulisches Schott drckt den Abfall in Schben durch den Behlter gegen die rckwrtigen Tren. Das Dach des Aufliegers wird nach dem
Beladevorgang durch eine Schiebeeinrichtung verschlossen. Die Presse kann
durch den Motor des Lastzuges oder durch ein auf der Umladestation und der
Entladestation fest installiertes Aggregat angetrieben werden. Wegen des hohen
Anschaffungspreises und des groen Eigengewichtes sind die Pressen relativ

86

3 Sammlung, Umschlag und Transport von Abfllen und Wertstoffen

Bild 3.9. Schema einer Vorkammerpresse


[3.10]

Bild 3.10. Schema einer Stopfpresse [3.10]

~.
~

Bild 3.11. Schema des Preverfahrens im


Sattelauflieger [3.1 0]

'

~'9

II

Bild 3.12. Schema des Ballenpreverfahrens


[3.10]

selten in das Fahrzeug integriert. Beim Entladevorgang arbeitet die Presse als
Aushubschild und drckt den Abfall durch die hinteren Tren hinaus.
- In einer stationren Ballenpresse knnen einzelne Ballen mit Abmessungen von
z.B. I 500 x 900 x 900 mm gepret werden (Bild 3.12). Die Ballen werden hufig whrend des Prevorganges mit Draht umwickelt und anschlieend von
Gabelstaplern oder Krnen auf eine Lkw-Plattform gesetzt. Es wird eine hohe
Nutzlast erreicht. Von Vorteil sind bei diesem Verfahren die einfache Konstruktion der Transportfahrzeuge und die einfache Stapelmglichkeit der Preballen.
- Durch Zerkleinerung in Scheren, Prall- oder Hammermhlen wird ebenfalls
eine Verdichtung des Abfalls erreicht. Hier kann zustzlich eine Magnetscheidung zwischengeschaltet werden, um damit Fe-Bestandteile abzutrennen. Zustzlich mssen Schutzmanahmen ftlr eine zustzliche Lrm- und Staubentwicklung vorgenommen werden.

[Link]
Be- und Entladung von Transportmitteln
Die Art der Betadung richtet sich nach dem eingesetzten FerntransportmitteL Der
Ferntransport kann auf der Strae, zu Wasser oder mit der Bahn erfolgen. Angeliefert werden Abflle in der Regel mit Straenfahrzeugen. Auch der Ferntransport
findet hauptschlich aufder Strae statt (Bild 3.13). Beim Ferntransport mit Straenfahrzeugen werden fest auf die Fahrzeuge montierte Groraumbehlter direkt
Beim Schienentransport werden gefilllte Groraumbehlter von einer Verladebrcke aufgenommen und auf Eisenbahnwaggons abgestellt. Am Zielort werden
diese meist wieder auf Lkw's zurckgeladen, um die Deponie oder Behandlungsanlage flexibler anfahren zu knnen.

3.1 Durchfhrung, Systeme, Organisation

Ferntransportfahrzeug

Umtadutallon mit direkter Umtaaung onne Verdichtung

tn das Ftrntransporllahrzeug.

umtadtstallon mll Indirekter Umtadung ber eine MOllmn veratcntung tn das Fernuansporllahrzeug.

87

Bunker mil P1anenb&ndabzu<J

Umladestation mll lnturekter Umladuno Ober Bunker


und F6raerbana,ystem onne Verdichtung.

Umladesusllon m11 tncUrekler Umladuno Ober etne MOll-

mit verdtcntung in wechsetbehlller. Oie aenlner weraen


Gber ein Hubsy ste m auf die Transportfahrzeuge verladen.

Bild 3.13. Umladesysteme [3.9]

Bild 3.14. Entleeren der MUllfahrzeuge in einem Silo mit ROttelrinne und Beladen von Drehtrommelbehltem zum Bahntransport [3 .II]

Bei einer weiteren Variante werden in der Umladestation fest auf Lkw-Auflieger
montierte Groraumbehlter geftlllt. Der Auflieger wird von einer Zugmaschine
auf den Eisenbahnwaggon gefahren und am Zielort von einer anderen angekoppelt und zur Deponie oder Abfallbehandlungsanlage gebracht.

88

3 Sammlung, Umschlag und Transport von Abfllen und Wertstoffen

Bild 3.15. Umladestation fiir Schiffiransporte [3.11]

Mglich ist auch das direkte Abkippen aus den Sammetfahrzeugen in oben offene
Groraumwaggons. Entladen werden diese am Zielort ber eine Krananlage
mittels Greifern. Beim System "Altvater'' werden sich um ihre Lngsachse drehende, zylindrische Behlter (Drehtrommelbehlter) von der Stirnseite geruHt.
Innen angebrachte Leitbleche bewirken eine vollstndige Ausnutzung des Fllraumes. Die Entleerung geschieht durch entgegengesetztes Drehen der Drehtrommelbehlter (Bild 3.14). Das Fassungsvermgen der Behlter betrgt bei ca. 73m3
Rauminhalt bis 50 Mg Abflle.
Beim Ferntransport mit Schiffen kippen die Sammetfahrzeuge ihren Inhalt entweder direkt in oben offene Lastkhne (Bild 3.15) oder ber Mllpressen in Groraumbehlter, die ber Krananlagen auf Containerschiffen abgesetzt werden. Offene Schuten knnen von Krananlagen mittels Polypgreifern be- und entladen
werden. Staubentwicklung beim Beladen offener Schiffe kann durch Einhausung
und leichtem Unterdruck entgegengewirkt werden [3.3]. Beladene Khne werden
durch verschiebbare Vorrichtungen abgedeckt.
[Link]
Planung und Aufbau einer Umschlagstation

Fr die Planung einer Umschlagstation sind in erster Linie die Frage nach dem
Standort und dem Ferntransportsystem sowie Art und Menge der Abflle von
Bedeutung. Auf Grundlage des Investitionserleichterungsgesetzes und der
4. BlmSchV vom 22. Aprill993 werden Umschlaganlagen nach dem Immissionsschutzrecht genehmigt. Zur Festlegung des aus transporttechnischen Grnden
optimalen Standortes sind Transportkostenuntersuchungen durchzufUhren, die
darauf ausgerichtet sein mssen, den Zeitaufwand fUr den Abfalltransport in den
Sammelfahrzeugen gering zu halten.
Die Dimensionierung der Anlage sowie die bauliche und maschinelle Einrichtung richten sich nach Art und Menge der angelieferten Abflle und der Wahl des
Ferntransportsystems.
Bild 3.16 gibt einen systematischen Umblick ber die verschiedenen Varianten
von Umschlagstationen. Grundstzlich kann der Aufbau einer Umschlagstation

3.1 Durchfhrung, Systeme, Organisation

89

Gravitations-Direkt~-umladung

ohne Puffer

I Grav1~ations-Um~dui)/
m1t

Puffe~ager

___ _

Mllumladung
ohne Verdichtung

Bild 3.16. Systematische Darstellung verschiedener Varianten von Umschlagstationen [3.13]

durch folgende bauliche und maschinelle Anlagenteile gekennzeichnet werden


[3.12]:
Eingangsbereich mit Stauzone,
Waage,
Entladehalle, in der die Entleerung der Sammelfahrzeuge erfolgt,
Sammetbunker fr die angelieferten Abflle,
Einrichtungen zum Befrdern der Abflle aus dem Sammetbunker in die zum
Weitertransport eingesetzten Behlter in Form von Krananlagen, Rumschilden
oder Frderbndern,
Einrichtungen zur Verdichtung der Abflle, zumeist ausgefhrt als stationre
Pressen,
Vorrichtungen zum Umsetzen der Behlter (Behlterverschiebeanlagen, Krananlagen),
Brorume bzw. zentrale Steuerwarte sowie Sanitranlagen.
Um die von einer Umschlagstation ausgehenden Umweltbeeinflussungen wie
Lrm, Staub und Geruch zu mindern, werden solche Anlagen nur in seltenen Fllen als Freiluftanlagen ausgefhrt. Zustzlich zur geschlossenen Bauweise werden
weitere emissionsmindernde Manahmen ergriffen. So knnen z.B. im Mllbunker ein leichter Unterdruck eingestellt und die Abluft durch Filter vom Staub gereinigt werden. Im Vergleich zu Mllverbrennungsanlagen und Deponien werden
nur geringe Standortanforderungen gestellt. Die LAGA (Lnderarbeits-

90

3 Sammlung, Umschlag und Transport von Abfllen und Wertstoffen

gemeinschaft Abfall) hat 1979 eine Informationsschrift "Umschlagstationen fr


Hausmll und hausmllhnliche Abfiille" verffentlicht. Diese gibt einen berblick ber die wesentlichen Elemente von Umschlagstationen.

3.1.3

Transportsysteme
Unter Abfalltransport versteht man die Vorgnge, die nach Beendigung der
Sammlung beginnen und mit bergabe des Abfalls an die Beseitigungs- oder
Verwertungsanlage enden [3.2]. Beim Abfalltransport wird zwischen Nah- und
Ferntransport unterschieden. Nach der Sammlung bereitgestellter Abflille am
Anfallort folgt der Nahtransport zur nahegelegenen Behandlungs- und Beseitigungsanlage oder zur Umschlagstation. Von der Umschlagstation gelangt der
Abfall im Ferntransport zu einer zentralen Behandlungs- oder Beseitigungsanlage.
Bild 3.17 zeigt die Einordnung des Abfalltransportes in den Gesamtproze der
Abfallbeseitigung. Es wird unterschieden zwischen Volltransport, Leertransport
und Zwischentransport. Ein Zwischentransport ist gegeben, wenn das Sammetfahrzeug in einem Sammelrevier nicht ausgelastet werden kann.
In Umschlagstationen werden Abflille fr den Ferntransport auf die Ferntransportmittel Groraumfahrzeug, Bahn oder Schiff umgeladen. Der straengebundene Ferntransport erweist sich dabei als das variabelste Transportsystem.
Als Folge der Vernderung der Mllzusammensetzung und der insgesamt stark
angestiegenen Abfallmengen ergibt sich die Notwendigkeit, Abflille verdichtet zu
transportieren, um dadurch die zulssige Nutzlast der jeweiligen Transportmittel
vollstndig auszunutzen.

[Link]

Abfalltransporte auf der Strae


Bei Sammet- und Transportfahrzeugen handelt es sich um Lkw-Fahrgestelle mit
Spezialaufbauten, die im Umleerverfahren gefllt werden oder Lkw-Auflieger mit
Vorrichtungen fr den Transport von Grobehltern und Containern im Wechselverfahren, wobei letztere sowohl fr den Nah- als auch fr den Ferntransport eingesetzt werden.
Diese Fahrzeuge nehmen am ffentlichen Straenverkehr teil und unterliegen
damit dem Straenverkehrsgesetz (StVG), der Straenverkehrsordnung (StVO)
und der Straenverkehrszulassungsverordnung (StVZO).
Die Straenverkehrszulassungsverordnung beinhaltet konstruktive Angaben
wie z.B. Abmessungen der Aufbauten und Achslasten fr die verschiedenen Fahrgestelle. Die gegenwrtig zulssige Achsenlast fr die Einzelachse betrgt 10 Mg.
Zweiachsfahrzeuge drfen ein Gesamtgewicht von 16 Mg und Dreiachsfahrzeuge von 22 Mg aufweisen. Das maximale Gesamtgewicht betrgt nach StVZO
38Mg.
In einigen Bundeslndern wurde eine Erhhung der zulssigen Achslasten auf
mehr als 10 Mg erreicht. Fr hhere Gesamtgewichte sind Sondergenehmigungen
erforderlich.

91

3.1 Durchfhrung, Systeme, Organisation

Leertransport

Sammel und
Verdichten

I
I

Voltrensport
Zwischenlager

H
I

I
I

Semmel und
Verdichten

Umladen
(Verdichten)

~
'--

i
Rests toffVerwertung

Behandlung
Reduktion
Kompostierung
Verbrennung

Ferntransport

r--

i
Reststof!Iransport

Leertransport

Zentral- bzw.
Reststoffdeponie

J---

Bild 3.17. Einordnung des Transportes in die verschiedenen Verfahrensschritte der Abfallbeseitigung [3.11]

Eine wesentliche Forderung an die Sammetfahrzeuge ist, eine mglichst groe


Menge Abfall aufnehmen zu knnen. Die Entwicklung von immer greren Fahrzeugen hat ihre Grenzen in der Festlegung des zulssigen Gesamtgewichts und in
der Forderung nach einer mglichst groen Wendigkeit der Fahrzeuge. Dies hat
zur Konstruktion von Dreiachsfahrzeugen und Sattelaufliegern gefiihrt. Die Lnge
der Einzelfahrzeuge ist bei Zweiachsfahrzeugen auf 12m, bei Sattelaufliegern auf
15 m begrenzt. Die zulssige Hhe von 4 m wird wegen der Kippsicherheit der
Fahrzeuge - Fahrzeugschwerpunkt bei Grundstckeinfahrten - nicht ausgenutzt.
Die maximale Breite betrgt 2,5 m Auenma.
Bei der Festlegung der Gre des Sammel- und Transportfahrzeuges mssen
bercksichtigt werden [3.2]:
- Nutzlast,
- Entfernung zur Entsorgungs- oder Umschlagstation,
- Behltersysteme,
- Topographie, Verkehrsbehinderung oder -beschrnkungen,
- Straenbreiten der Sammel- und Transportstrecken,
- tgliche Arbeitszeit, Pausen und Gewohnheiten des Personals,
- Gre der Sammelmannschaft.

92

3 Sammlung, Umschlag und Transport von Abfllen und Wertstoffen

Bild 3.18. Hydraulische Hubkippvorrichtungen fiir Kamm- und Zapfenaufnahme [3 .17]

Schttvorrichtungen an Sammelfahrzeugen
Von pneumatischen oder hydraulischen Hub- und Kippvorrichtungen werden
Abfallsammelbehlter an der Heckseite des Sammelfahrzeuges aufgenommen,
mittels an das Behltersystem angepater ffuungen (Systemschttung) in das
Fahrzeuginnere entleert oder ber eine offene Schttung in die Aufuahmevorrichtung (auch Mulde) gegeben (Universalschttung). Das Entleeren des Fahrzeugautbaus erfolgt durch Hinterkippen und gleichzeitiges Hochschwenken der
Einfiillvorrichtung. Dadurch wird der gesamte Aufbauquerschnitt zur Entladung
freigegeben. Ein staubarmer Ladevorgang wird ermglicht, wenn eine vollstndige Verbindung zwischen dem Sammelbehlter und der Schttffnung erreicht
werden kann. Die ffuung mu dafilr auf einzelne Behltertypen und -gren
abgestimmt sein. Ringeimer und Mlltonnen werden auf diese Weise durch eine
Frontplatte mit Schttungsffuungen entleert, die dem jeweiligen Behlterquerschnitt entsprechen. Durch schrittweise Umstellung auf neue Behltersysteme
(MGB 120/240) wurde es notwendig, verschiedene unabhngig voneinander arbeitende Schttungen an einem Fahrzeug anzubringen. Bei Doppelschttungen
knnen ber dem jeweiligen System entsprechende Hubkippvorrichtungen durch
zwei nebeneinander liegende ffuungen unterschiedliche Behltersysteme, in der
Regel MGB 120/240 und 110-Liter-Mlltonnen, gleichzeitig entleert werden. Die
Hubkippvorrichtungen knnen unabhngig voneinander bedient werden. Auch die
Entleerung von MGB 120 und MGB 240 ist staubarm durchfiihrbar. Dann ist
allerdings fiir beide Behltergren je eine eigene ffnung vorzusehen. ber
Kombinationsschttungen kann die Entleerung mehrerer verschiedener
Behlter (MGB 120/240 und 70/110-Liter-Mlltonnen) durch eine ffuung erfolgen. Hierbei mu eine Staubentwicklung in Kauf genommen werden, da die ffnung lediglich von herabhngenden Gummimatten verdeckt wird. Das gilt auch
fiir Schttungen, durch die MGB 120/240 und MGB 1100, da ein Abdecken des
Entleerungsraumes bei kleinen Behltern nicht mglich ist. Die Aufuahme der
Behlter erfolgt berwiegend mit sogenannten Kammschttungen, die von unten
in eine am Behlter frontseitig angebrachte Kammleiste greifen. Ein zweigeteilter
Kamm kann unabhngig voneinander zwei MGB 120/240 aufuehmen. Nach Umschaltung ist die Aufnahme eines MGB 1100 mglich. Ein groer Vorteil der
Kammschttung besteht darin, da hier Behlter verschiedenster Grenordnung
mit einer Einheits-Hubkippvorrichtung, wenn auch nicht staubarm, entleert werden knnen [3.16]. Im Einsatz sind auch Kammschttungen mit einschwenkbaren
Hubarmen fiir die zustzliche Aufnahme von MGB 1100 mit Zapfenaufnahme
(Bild 3.18).

3.1 Durchfhrung, Systeme, Organisation

93

Bei Universalschttungen ist es mglich, verschiedenste Behltertypen zu entleeren, sofern sie von der Gre und Aufnahmevorrichtung zu der Hubkippvorrichtung des Sammetfahrzeuges passen.
Groe sperrige Teile knnen per Hand in die niedrig liegende Mulde gehoben
werden. Zu starke Staubentwicklung beim Umleervorgang kann durch Einrichtung
zustzlicher Staubabsauganlagen mit nachgeschalteten Luftfiltern verringert werden. ber entsprechende Hubkippvorrichtungen knnen auch Grobehlter bis zu
7 000 I Inhalt im Umleerverfahren entleert werden. Dies kann ber rckwrtige
Schttungen, aber z.B. auch mit berkopfladern bzw. Frontkippern durch Entleerung von oben in eine ffnung im vorderen Teil des Aufbaus erfolgen.
Seit einiger Zeit sind mengenorientierte Gebhrensysteme bei der Restmllentsorgung in der Diskussion. Die einzelnen Systeme beruhen auf einem Wiege- oder
Mevorgang bzw. auf einer Ermittlung der Behlterabfuhrhufigkeit Die Abfuhrhufigkeit - und damit das Volumen des zu entsorgenden Abfalls - wird ber
Wertmarken ermittelt, die auf die abzufahrenden Behlter aufgeklebt sind. Bei
gewichts- oder volumenbezogenen Abrechnung am Mllfahrzeug wird die Restmllmenge bzw. das Restmllvolumen mit Hilfe einer installierten Wiegetechnik
bzw. Ultraschall gemessen und das Ergebnis mittels Datenaufnahmegert dokumentiert. Voraussetzung ist, da zunchst alle Mllbehlter mit einer Kennung
versehen werden, um eine Zuordnung der Gebhrenschuldner zu Abfuhrgewichten bzw. -volumen zu ermglichen. Die Daten werden auf Diskette gespeichert
und nach Beendigung der Sammettour an die zustndige Abrechnungsstelle bergeben. [3.45]. Die Stadt Dresden hat 1992 als erste deutsche Grostadt ein transpondergesttztes Abrechnungssystem flchendeckend eingefhrt [3.46].
Da der Anschlu- und Benutzungszwang aus prinzipiellen Grnden nicht aufgehoben werden kann, mu zunchst weiterhin eine Grundgebhr erhoben werden. Darber hinaus mssen die leistungsabhngigen Kosten ermittelt und deren
Zuordnung zum Gebhrenschuldner durchgefhrt werden. Folglich wird die Gesamtgebhr berwiegend aus der Grundgebhr bestehen und nur der kleinere Teil
als leistungsabhngig erhoben werden.
Auch mit unerwnschten Effekten ist zu rechnen. So ist zu erwarten, da Restmll in die Wertstofferfassungssysteme umgeleitet und wegen Gebhreneinsparungen die Wertstofferfassung unzumutbar erschweren wird. Denkbar ist auch,
da der Restmll in der Natur abgeladen oder im Hauskamin verbrannt wird
[3.45].
Verdichtungsvorrichtungen in Sammetfahrzeugen
Bei der Sammlung von Hausmll, hausmllhnlichen Gewerbeabtallen und
Sperrmll sind Fahrzeuge mit geschlossenen Spezialaufbauten im Einsatz. Diese
bestehen aus geschlossenen Laderumen mit unterschiedlichen Verdichtungsvorrichtungen. Sie werden mit Universal- oder Systemschttungen ber die Heckseite
beladen. Fahrzeuge mit Verdichtung durch eine Drehtrommel sind hauptschlich
bei der Sammlung von Hausmll im Einsatz.
Beim Drehtrommelfahrzeug fiillt der Mll aus der Schttung in der feststehenden hinteren Abschluwand des Fahrzeugs in eine um die Horizontalachse rotierende Trommel. Die Trommel, die mit ca. 4 Umdrehungen pro Minute gedreht
wird, ist mit einer innen aufgeschweiten Bandschnecke versehen. Drehrichtung

94

3 Sammlung, Umschlag und Transport von Abfllen und Wertstoffen

und Schneckengang sind so orientiert, da der Mll zur vorderen Abschluwand


der Trommel gefrdert wird. Durch die stndige Frderung zur vorderen Trommelwand wird eine Verdichtung um den Faktor 2 bis 4 erzielt. Durch die stndige
Umwlzung und durch das Zerdrcken und Zerreien von sperrigen Teilen zwischen den Rippen der Schnecke und den feststehenden Teilen des Gehuses tritt
ein Zerkleinerungs- und Mischeffekt ein, ohne den eine ausreichende Verdichtung
sperriger Gter und Gewerbeabfall nicht mglich ist. Hierbei mu beachtet werden, welche Auswirkungen sich durch den Mischeffekt auf die anschlieende
Mllaufbereitung ergeben.
Bei der Verbrennung ist dieser Effekt erwnscht, bei der Sortierung zur Wiedergewinnung von Wertstoffen jedoch nachteilig. Insbesondere tritt eine Befeuchtung und Versehrnutzung des Papiers durch die organischen Kchenabflle
ein.
Zum Entleeren wird die hintere Abschluwand des Fahrzeugs aufgeklappt und
die Trommel in gegensinniger Drehrichtung angetrieben. Dadurch wird der Mll
nach hinten aus der Trommel gefrdert. Die Entleerungsdauer betrgt 3 bis 5 min.
bliche Fahrzeuggren sind 13 m3 bzw. 7 Mg bei Zweiachsfahrzeugen und
18m3 bzw. 11 Mg bei Dreiachsfahrzeugen.
Premllfahrzeuge werden ber eine hinter der Schttung liegende Vorkammer
beladen. Eine hydraulisch bettigte Preplatte in Verbindung mit einer Schubwand
rumt die Vorkammer und ftlllt unter Verdichtung den Transportbehlter. Die
vordere Abschluwand des Transportbehlters ist hydraulisch ber die gesamte
Behlterlnge verfahrbar. Die grte Verdichtungswirkung ist im Arbeitsbereich
der Preplatte und der Schubwand zu erzielen. Zur Entleerung wird die hintere
Wand des Transportbehlters hochgeklappt und die vordere Abschluwand nach
hinten geschoben. Dadurch wird die Ladung ausgestoen.
Der Entleerungsvorgang dauert ca. 1 Minute. Fassungsvermgen und Nutzlast
entsprechen etwa den Werten von Drehtrommelfahrzeugen [3.9]. Zu Beginn des
Fllvorgangs wird die vordere Abschluwand in unmittelbarer Nhe der Vorkammer geschoben. Mit zunehmender Betadung weicht die Abschluwand nach
und nach bis zum vorderen Ende des Transportbehlters aus, wobei durch eine
Regelung immer der gleiche Flldruck und eine gleichmige Verdichtung ber
die ganze Behlterlnge eingehalten werden. Der maximal erreichbare Verdichtungsfaktor betrgt ca. 3: 1. Eine Vermischung und Zerkleinerung der eingefilllten
Abflle fmdet nicht statt. In der Vorkammer ist jedoch eine Zerkleinerung von
Sperrmll mglich (Bild 3.19).
Um der Druckentwicklung im Gehuse standzuhalten, mssen die Gehusewnde verstrkt sein. Eine berladung und damit berschreitung der zulssigen
Achslasten kann durch Einbau von Meldern verhindert werden, die bei Erreichen
der zulssigen Grenzlast selbstttig anspringen und den Ladevorgang abbrechen
[3.3].
Groraumtransportfahrzeuge
In Umschlagstationen werden Abflle entweder in Wechselbehlter oder in Femtransportfahrzeuge mit fest montierten Spezialaufbauten gefilllt.

3.1 Durchfhrung, Systeme, Organisation

95

Verfahrbare vordere Abschluwand

Ausgangsstellung

Preplatte schwenkt ein

Preplane schwenkt aus

Schubwand fhn abwns

Sperriger Mll wird mit


der Preplatte 2erkleinen

Bild 3.19. Beladevorgang eines Premllwagens [3.15]

Bei Fahrzeugen mit festen Spezialaufbauten kann die Verdichtung des Ladegutes
vor dem Verladen oder im Fahrzeug durch eigene Verdichtungsvorrichtungen
erfolgen.
Fahrzeuge ohne eigene Verdichtungsvorrichtungen knnen den Ladeinhalt z.B.
durch seitliches Kippen oben offener Aufbauten abwerfen oder vorverdichtet
geladene Abtalle mit Vortrieb eines Ausstoschildes durch die hinteren Tren
geschlossener Aufbauten herausdrcken. Durch das Fehlen schwerer Verdichtungseinrichtungen ergibt sich ein geringeres Eigengewicht des Fahrzeuges und
dadurch eine hhere Nutzlast, die aber nur beim Transport vorverdichteter Abflle
annhernd ausgenutzt werden kann. Bei Fahrzeugen mit einem zulssigen Gesamtgewicht von 38 Mg sind Nutzlasten von bis zu 20 Mg mglich.
In Fahrzeugen mit eigenen Verdichtungsvorrichtungen wird der Abfall von
oben durch eine ffnung im vorderen Teil des Aufbaus gefilllt und mit einem
hydraulischen Schott gegen die rckwrtigen Tren gepret. Beim Entladevorgang drckt das Schott den Abfall durch die hinteren Tren heraus.

96

3 Sammlung, Umschlag und Transport von Abfllen und Wertstoffen

HUBKIPPER

ABROLLKIPPER

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Bild 3.20. Containerfahrzeuge (3.3]

Im Wechselverfahren werden in der Regel Behlter ab 1,1 m3 Inhalt benutzt. Bis


zu 8 Grobehlter einer Bauart mit 1,1 m3 Inhalt knnen z.B. auf der Ladeflche
von Fahrzeugen mit eigenem Ladekran untergebracht und rckwrtig oder seitlich
gekippt und entleert werden. Gewerbe- und Industrieabflle werden meist in
Grobehltern ab 5 m3 Inhalt abgefahren. Dies geschieht in oben offenen Behltern oder in Precontainern mit eigenen Verdichtungsvorrichtungen. Verpakkungsmaterial kann in einer Containerpresse auf rund 115 des Ausgangsvolumens
verdichtet werden. Precontainer ohne eigene Pressen werden an stationre Preaggregate angeschlossen und ber diese befiillt. Stationre Mllpreanlagen erreichen einen hheren Verdichtungsgrad als Containerpressen und sind dann vorzuziehen, wenn der Abfall kontinuierlich anfllt. Zustzlich kann vor dem EinfiilIen in die Presse eine Zerkleinerung vorgeschaltet werden. Mit Rollverdichtem
werden Abtalle in offenen Containern verdichtet. Eine schwere Walze luft im
offenen Container hin und her und verdichtet den Inhalt bis auf l/4 des ursprnglichen Volumens.
Das Auf- und Abladen von Mulden und Grocontainern erfolgt ber fahrzeugeigene Hub- und Absetzsysteme sowie Abrollsysteme mit Hakenaufnahme und
Abgleitsysteme mit Seilzug (Bild 3.20).
In Umladestationen werden Abflle in geschlossene Behlter bis 40 m3 Rauminhalt, in Einzelfllen auch mehr [3 .14], verladen. Diese werden nach dem Befiillen ber Behlterverschiebe- und Krananlagen auf entsprechende Ferntransportfahrzeuge abgesetzt [3.16].
Ein neu entwickeltes System fiir Sammlung und Transport (Multi-ServiceTransportsystem, MSTS) bedient sich eines fiir verschiedene Zwecke speziell
konzipierten Sammelfahrzeug- Wechselcontainers, in denen verdichtete Abflle
und Wertstoffe auch ferntransportiert werden knnen. Damit werden die Entleerung der Sammelfahrzeuge in einer Umladestation und das erneute Verladen auf
grere Transporteinheiten entbehrlich. Das Sammelfahrzeug bringt den gefiillten

3.1 Durchfhrung, Systeme, Organisation

97

MSTS-Wechselcontainer zu einem in der Nhe des Sammetreviers liegenden


Sammelplatz, setzt den Container ab und fiihrt mit einem leeren Container zurck
in das Sammelrevier.
Auf dem Sammelplatz werden die in den Wechselcontainern enthaltenen verschiedenen Abfall- und Sekundrrohstofffraktionen nach Gruppen geordnet, zwischengelagert und zu greren Transporteinheiten zusammengestellt. ber Strae,
Schiene oder Wasser werden die Container zum Bestimmungsort transportiert.
Das Umsetzen der Container auf den Sammelplatz kann im Vergleich zum
Verladen in der Umladestation energiesparend durchgefiihrt werden. Die fiir das
Verdichten eingesetzte Energie geht im Gegensatz zum konventionellen Umschlag
bis zum Bestimmungsort nicht verloren [3.18].

[Link]

Abfalltransporte auf der Schiene

Allen schienengebundenen Transporten ist gemeinsam, da die Abflle nach der


Sammlung bei den einzelnen Haushalten und Industriebetrieben mit Straenfahrzeugen zu einer Umschlagstation gebracht werden mssen. Dort werden sie
- meist verdichtet- der Schiene zum Weitertransport ber unterschiedlichste
Entfernungen zu einer jeweils zentralen Behandlungs- oder Beseitigungsanlage
bergeben. Der Bahntransport wird in Precontainern, Drehtrommelbehltern oder
ungepret in oben offenen Waggons durchgefiihrt.
Als vorteilhaft erweisen sich beim Bahntransport die Witterungsunabhngigkeit
und die Entlastung des Straennetzes von Schwertransporten. Allerdings verfUgen
wenige Umschlagstationen und Beseitigungsanlagen ber Gleisanschlsse, so da
meist weitere Umladevorgnge erforderlich sind, die die Transportkosten erhhen.
Die Waggonnutzlasten liegen zwischen 30 und 50 Mg je Einheit. Der Anhindung
von Umschlag- und Entsorgungsanlage an das Schienennetz ist daher bei Neuplanungen verstrkt Aufmerksamkeit zu schenken.
Aufgrund der groen Mengen und hohen Lasten, die pro Zugeinheit transportiert werden knnen, wird der Bahntransport besonders fiir Massenabtalle mit
hoher Dichte wie z.B. Schrott, Schlacken, Bauschutt und Schlmme durchgefiihrt.
Der Transport von Hausmll und Gewerbeabfllen wird erst bei berschreiten
grerer zurckzulegender Entfernungen, z.B. bei der grorumigen Entsorgung
von Ballungsgebieten oder bei Mangel an Deponieflchen in unmittelbarer Nhe
groer Stdte, wirtschaftlich interessant [3.19]. Auch bei geringeren Entfernungen
(unter 100 km) mu jedoch die Umweltfreundlichkeit des Bahntransportes, d. h.
die Entlastung der Straen, der geringere spezifische Energieaufwand, die Verkehrssicherheit und lufthygienische Aspekte, als bedeutender Vorteil angesehen
werden.

[Link]

Abfalltransporte auf dem Wasser

Abflle knnen beim Umschlag lose in Lastkhne oder in Grobehltern auf


Containerschiffe verladen werden. Auf dem Wasserweg kann ebenfalls ein Vielfaches gegenber der Transportleistung auf der Strae erbracht werden. In der Umschlagstation der StadtUtrecht (NL) werden 48 Container mit rund 10MgInhalt

98

3 Sammlung, Umschlag und Transport von Abfllen und Wertstoffen

auf eine Schubeinheit verladen. Es ist allerdings auch hierbei oft nicht mglich,
den Transport zum endgltigen Bestimmungsort ohne weiteren Umladevorgang
durchzufhren, da nur wenige Umschlagstationen, Abfallbehandlungsanlagen und
Deponien ber einen Anschlu an Wasserwege verfgen. Daher ist der Ferntransport auf dem Wasser relativ selten. Hoch-, Niedrigwasser und Eisgang knnen den
regelmigen Transportbetrieb beeintrchtigen. In solchen Fllen knnen offene
Lastkhne einige Tage als Puffer dienen [3.3]. Weiterhin mu mit langen Transportzeiten, zum Teil Wochen bis Monate, gerechnet werden, die nur den Transport
von nicht verrottbarem Abfall zulassen.

3.2
Feste Abflle und Wertstoffe
3.2.1

Duales System

Auf Grundlage des Abfallgesetzes 14 Abs. 2 hat die Bundesregierung die "Verordnung ber die Vermeidung von Verpackungsabtallen (VerpackV)" erlassen
[3.44]. Abfallwirtschaftliches Ziel ist die Vermeidung von Verpackungsabtallen
(Transportverpackungen, Umverpackungen und Verkaufsverpackungen) durch
eine Beschrnkung von Verpackungsvolumen und -gewicht, die Ermglichung der
Wiederbefllung und die stoffliche Verwertung. Die VerpackV richtet sich an
Hersteller und Vertreiber als Erzeuger und Verteiler abfallhUrtiger Stoffe und
verpflichtet diese zur Rcknahme zum Zweck der erneuten Verwendung oder
Verwertung von Verkaufsverpackungen auerhalb der ffentlichen Abfallentsorgung. Die Verpflichtung entfallt, wenn von der beteiligten Wirtschaft ein haushaltsnahes Rcknahme-, Sortier- und Verwertungssystem geschaffen wird, welches von der ffentlichen Entsorgung abgekoppelt ist, dessen Kosten von der
Wirtschaft getragen werden und das bereits bestehende Sammetsysteme der Krperschaften unter Kostenbernahme durch die Wirtschaft integriert (Duales System). Die Entsorgung beim Endverbraucher verluft danach zweigleisig (dual).
Whrend die Abfallentsorgung und Sperrmllabfuhr in der Hoheit der entsorgungspflichtigen Krperschaften verbleibt, geht die Verantwortung fr die Wertstoffsammlung auf die o.a. Unternehmen ber. Voraussetzung ist, da die vom
Gesetzgeber vorgeschriebenen Erfassungs- und Sortierquoten erreicht werden.
Hierzu wurde die Duales System Deutschland GmbH (DSD) 1990 von Unternehmen des Handels, der Konsumgterindustrie, der Verpackungswirtschaft und
der Vormaterialhersteller gegrndet. Sie bernimmt nach dem Verursacherprinzip
die Verantwortung fr die Erfassung gebrauchter Verkaufsverpackungen. Hierfr
wurde der "Grne Punkt" ins Leben gerufen, als Kennzeichen fr verwertbare
Einwegverpackungen, das die DSD GmbH gegen Gebhren an die Anbieter der
jeweiligen Verpackung vergibt. Mit den Gebhren, die ber den Produktpreis vom
Konsumenten mitgetragen werden, wird die Erfassung und Sortierung finanziert.
Laut VerpackV mssen im Einzugsgebiet (die VerpackV defmiert die einzelnen
Bundeslnder als Einzugsgebiete) danach zu den Stichtagen 1. Januar 1993 und
I. Juli 1995 bestimmte Prozentzahlen des gesamten Verpackungsaufkommens erfat und hiervon wiederum ein bestimmter Prozentsatz in stofflich verwertbarer

3.2 Feste Abflle und Wertstoffe

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Bild 3.21. Erfassungs- und Sortierquoten nach der VerpackV in%

Qualitt sortiert werden. Das Pro-Kopf-Aufkommen an gebrauchten Verpackungen, das die Grundlage fr die Berechnung der zu erfassenden und zu sortierenden
Mengen bildet, wird von der Bundesregierung erstmals bis zum 31. August 1992
(vgl. Kap. 2.2.3) und danach im Abstand von 3 Jahren bekanntgegeben [3.44].
Sowohl der Vorstand der Dualen System Deutschland GmbH als auch der Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft sprachen sich fr ein Strecken
der in der Verpackungsverordnung gesetzten Fristen um ein Jahr aus, um insbesondere Verwertungskapazitten fr Sekundr-Kunststoffe aufzubauen [3.49].
Die zu den Stichtagen nachzuweisenden Erfassungs- und Sortierquoten sind
nach Verpackungsmaterialien differenziert. Die Quoten zeigt Bild 3 .21.
Whrend fr Glas und Papier vielerorts bereits Erfassungssysteme existierten,
die in das Duale System integriert wurden, wurde fr die anderen Verpackungsmaterialien ein solches System neu aufgebaut. Weiblech-, Aluminium-, Verbund- und Kunststoffverpackungen wurden unter dem Begriff Leichtverpackungen zusammengefat und in der sogenannten "Gelben Tonne" erfat.
Auf der gleichen gesetzlichen Grundlage hat der Bundesumweltminister im
September 1992 den Entwurf einer Verordnung ber die Vermeidung und Verwertung von Abfiillen aus Altpapier (AltpapV) vorgelegt. Zentrale Zielsetzung des
Verordnungsentwurfs, der sich an die Hersteller und Vertreiber graphischer
Papiere wendet, ist die Rcknahmepflicht und deren Verantwortung fr die
vorrangige stoffliche Verwertung der zurckgenommenen gebrauchten graphischen Papiere. Die Rcknahmepflicht entfllt durch den Aufbau bzw. die Teilnahme an einem Rcknahmesystem.

3.2.2

Organisation der Haus- und Sperrmllsammlung

Betrachtet werden im folgenden fr die entsorgungspflichtigen Krperschaften


einige fr die Organisation und Durchfhrung der Hausmllsammlung im Um-

100

3 Sammlung, Umschlag und Transport von Abfllen und Wertstoffen

leerverfahren und der systemlosen Sperrmllsammlung wichtige Gesichtspunkte.


Zielvorstellungen sind dabei die Entsorgungssicherheit, die Einhaltung hygienischer Anforderungen, Bedarfsdeckung und Wirtschaftlichkeit. Bei der Organisation der Abfallsammlung unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sind folgende
logistische Probleme von Bedeutung:
- Welche Standorte fr Depot-, Umlade-, Beseitigungs- und Verwertungsanlagen
sind auszuwhlen?
- Welche Kapazitten mssen die vorgenannten Anlagen besitzen?
- Welche Orte oder Bezirke werden zu welchen Anlagen entsorgt?
- In welcher Reihenfolge sind die einzelnen Orte oder die Straenabschnitte
eines Ortes zu durchfahren?
- Wie sollen die Touren zu einem Abfuhrplan zusammengestellt werden?
- Welche Behlter, Schttungen, Fahrzeuge und Mannschaftsstrken sind auszuwhlen?
Ein wichtiger Ansatzpunkt fr eine wirtschaftliche Durchflihrung ist die Tourenund Abfuhrplanung. Bei der Sammlung von Abfllen mit Umleerbehltem und
Mllscken werden die "Sammeltouren" noch berwiegend aufgrund von Erfahrungswerten zusammengestellt. Dabei wird eine bestimmte Anzahl Mllbehlter
in rumlich zusammenhngenden Stadtteilen oder Straen zu einer Tagestour
zusammengefat. Das Ziel ist eine mglichst gleichmige und gerechte Aufteilung der insgesamt zu leerenden Mllbehlter auf alle Mannschaften. Die in den
Tagesbezirken enthaltenen Straen werden dann von den Mannschaften in der
Reihenfolge abgefahren, die sich als am gnstigsten und zweckmigsten herausstellt. Diese recht einfache Vorgehensweise bei der Touren- und Abfuhrplanung
hat den Vorteil, da bei Vernderungen der V erkehrsflihrungen und der Behlter
keinerlei Verwaltungsaufwand anflillt.
Bei einer rechnergesttzten Planung unter Anwendung des Operation Research
wird derart vorgegangen, da eine gegebene oder gefundene, zunchst nicht optimale Lsung, d.h. eine aufeinander abgestimmte Kombination von Arbeitskraft
und technischen Betriebsmitteln unter Bercksichtigung der Abfallmengen, Fahrzeiten, Arbeitszeiten etc., solange nach dem Saving-Verfahren durchprobiert wird,
bis eine weitere Verbesserung nicht mehr mglich ist. Die so gefundene Lsung
stellt das Optimum dar. Es wird als realistisch angesehen, da durch eine detaillierte Planung unter Anwendung dieses Verfahrens Einsparungen bezglich
Zeit und Fahrstrecke von 15 bis 20 % zu erreichen sind. Bercksichtigt werden
mssen aber der Aufwand und damit die erheblichen Kosten fr die Datenerfassung und -pflege, insbesondere bei der straenabschnittsorientierten Tourenplanung. Die den Anforderungen der Hygiene entsprechende Hufigkeit der Abfuhr
von Hausmll hngt von der Zusammensetzung der Abfiille, d.h. insbesondere von
dem Anteil organischer, leicht abbaubarer Stoffe und vom Klima ab.
Whrend in heien sdlichen Lndern der Hausmll tglich abgefahren werden
mu und in Deutschland frher eine zweimalige Abfuhr pro Woche blich war,
wird heute in der Bundesrepublik Deutschland berwiegend 14tgig abgefahren.
Aufgrund der Zusammensetzung der Abflle und dem hier herrschenden Klima
gengt dies den hygienischen Anforderungen.

3.2 Feste Abflle und Wertstoffe

101

Bei der getrennten Sammlung von Wertstoffen und Restmll mssen die Abfuhrintervalle auf das eingesetzte Sammelsystem abgestimmt werden. Der Abstand
zwischen den Restmllsammlungen kann unter Bercksichtigung der hygienischen Verhltnisse aufgrund der reduzierten Abfallmenge durch die parallele
Wertstofferfassung verringert werden. Bei trockenen Wertstoffen wie Altglas und
Altpapier sind allein die Behlterkapazitten und Anfallmengen ausschlaggebend.
Getrennt gesammelte organische Abflle (Bio-Tonne) sollten aus hygienischen
Grnden wchentlich abgefahren werden.
Bei Sperrmll wird die Hufigkeit der Abfuhr nur von wirtschaftlichen berlegungen bestimmt.
Die Sperrmllabfuhr wird in manchen Stdten und Gemeinden nur ein- bis
zweimal im Jahr durchgefhrt. Dies hngt vor allem vom vorherrschenden Mllbehltersystem ab. Sowohl fiir den Brger als auch fiir den Abfuhrbetrieb erweist
sich die Sperrmllabfuhr auf Bestellung in mancher Hinsicht vorteilhaft. Jeder
Brger hat dabei die Mglichkeit, die Sperrmllabfuhr so oft anzufordern, wie
dies fiir ihn notwendig ist [3.5].
Bei der Wahl der vorgehaltenen Behltervolumina ist darauf zu achten, da
nicht durch eine zu knappe Bemessung ein gewisser Anteil des Hausmlls der
Sperrmllabfuhr beigegeben wird. Das fiihrt zwangsweise zu einer unbersehbaren Ausdehnung von Sperrmlleinstzen. Folgende Faktoren, die die Touren- und
Abfallplanung beeinflussen und gleichzeitig vor der Einfiihrung von Rationalisierungsmanahmen beachtet werden mssen, sind zu bercksichtigen [3.20]:
- tatschliches Mllaufkommen an einem Ladepunkt und im gesamten Sammelgebiet,
- mgliche Ladepunkte im Sammelgebiet,
- Gebietsstruktur innerhalb eines Sammelgebietes,
- Verkehrsverhltnisse der Mllsammelstrecke,
- Verkehrsverhltnisse und Entfernung der Transportstrecke,
- verwendetes Behltersystem,
- angewendetes Mllbehltertransportsystem,
- Leistungsfhigkeit der eingesetzten Mllsammelfahrzeuge.

3.2.3

Wertstofferfassung aus Hausmll

Unter Wertstofferfassung versteht man die Wiedergewinnung von stofflich verwertbaren Abfallbestandteilen. Ziel der Erfassung von Wertstoffen aus Abfall und
deren Rckfiihrung in Produktionsprozesse als Sekundrrohstoffe ist die Einsparung von Primrrohstoffen und die Reduzierung der Abfallmengen. Gleichzeitig
knnen betrchtliche Energiemengen eingespart werden. Das Einschmelzen von
Scherben bei der Glasherstellung erfordert z.B. nur 2/3 des Energieeinsatzes, der
bei der Herstellung aus Primrrohstoffen bentigt wird. Die Wertstofferfassung ist
dem Bereich Abfallverwertung zuzuordnen, bewirkt aber auch eine Abfallvermeidung. Neben der Einsparung von Energie und Rohstoffen wird bei der Rckfiihrung wiedergewonnener Stoffe indirekt eine Verminderung produktionsspezifischer Abflle durch verringerten Einsatz von Zuschlag- und Hilfsstoffen erreicht.
Auer der Erfassung von Wertstoffen des Hausmlls mssen auch verstrkt die

102

3 Sammlung, Umschlag und Transport von Abfllen und Wertstoffen

getrennte Erfassung und Sortierung von Wertstoffen aus Gewerbe- und Industrieabfllen durchgeftlhrt werden.
Die Gewinnung von Wertstoffen fr die stoffliche Verwertung kann auf zwei
prinzipiell unterschiedlichen Wegen erfolgen. Alle Wertstoffgruppen werden
entweder gemischt mit Reststoffen erfat, wobei die Wertstoffe nachtrglich in
zentralen Sortieranlagen von den Reststoffen getrennt werden, oder einzelne
Wertstoffe oder Wertstoffgemische werden am oder in der Nhe des Anfallortes
getrennt gesammelt. Wertstoffgemische mssen dann einer Nachsortierung zugefUhrt werden.

[Link]

Gemischte Erfassung

Zur Gewinnung von Wertstoffen aus gemischt eingesammelten Abfllen ist eine
mechanische Sortieranlage notwendig. Hier werden in aufeinander folgenden
Verfahrensschritten Abfallbestandteile in entsprechenden Aggregaten und durch
Handsortierung voneinander getrennt. Die nachtrgliche Sortierung von Abfllen
und Wertstoffgemischen bedeutet einen geringeren Aufwand fr den Abfallerzeuger bei Bereitstellung und Sammlung. Dem steht ein hoher Softieraufwand durch
den Einsatz von Energie, Arbeitskraft und technischen Betriebsmitteln gegenber.
Die Qualitt der aussortierten Wertstoffe ist nach vorausgehender Vermischung in
Sammetbehlter und ggf. Verdichtung und Zerkleinerung im Sammetfahrzeug
durch Versehrnutzung und Befeuchtung gemindert und begrenzt ihre Vermarktbarkeit. Bei der gemischten Erfassung aller Wertstoffgruppen zeigt sich, da Altpapier, Altkunststoff und Altglas in Sortieranlagen fr gemischte Abflle nur
bedingt fr das stoffliche Recycling zu gewinnen sind. Altpapier aus diesen Anlagen wird von deutschen Papierfabriken generell abgelehnt [3.21].

[Link]

Getrennte Sammlung von Wertstoffen des Hausmlls

Bei der getrennten Erfassung einzelner Wertstoffe und von Wertstoffgemischen


vor Eingang in den Gesamtabfallstrom verlagern sich der organisatorische urid
technische Arbeitsaufwand auf das Bereitstellen und Einsammeln. Der Abfallerzeuger mu die Wertstoffe am Anfallort von nicht verwertbaren Abfallbestandteilen trennen und separaten Behltern zufUhren. Sie sind entweder in der Nhe
des Anfallortes (Bringsysteme) oder am Anfallort selbst (Holsysteme) aufgestellt.
Die Behlter mssen zustzlich zu den Restmllbehltern geleert, die Wertstoffe
in der Regel in speziellen Sammetfahrzeugen abgefahren werden. Die Notwendigkeit, Wertstoffe nachtrglich aus gemischten Abfllen auszusortieren, entfllt, und
ihre durch geringe Versehrnutzung und hohe Reinheit erzielte Qualitt erleichtert
den Absatz.
Zur Wiedergewinnung von Wertstoffen eignen sich grundstzlich die Trockenfraktionen (Papier, Pappe, Glas, Metalle, Kunststoffe und Textilien) sowie die
Nafraktion (organische Kchen-/Gartenabflle). Die Anfallmengen hngen unter
anderem von folgenden Faktoren ab:
- Entwicklung des Konsums, der Produktion und Verpackung,
- Lebensstandard,

103

3.2 Feste Abflle und Wertstoffe

Wertstoffmenge

im Hausmll
enthaltene
Wertstoffe
(gemSortieranalyse)
gesamtes
Wertstoffpotential

aus Grnden unzureichender Qualitt


bzw. unzumutbaren
Aufwandes nicht
verwertbarer I erfabarer Anteil

getrennt gesammelter Wertstoff, z.B. Bringsystem

noch
nicht
elfat

qualitativ
akzeptable
verfgbare
Wertstoffe

bereits

nicht erfabar
(z.B. fehlende Teilnahmebereitschaft)

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'

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verwertbar

ertabar

artat

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.

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10

Bild 3.22. Zusammenhnge zwischen sortiertem, verfilgbarem, erfabarem und verwertbarem

Anteil des Wertstoffpotentials [3.21]

- Wohnform (Gartenflchen, Eigenversorgungsgrad),


- rtliche Lage und Gegebenheiten,
- Art- und Volumenangebot der Mll- bzw. Wertstoftbehlter.
Als Wertstoffpotential (1) ist die im Hausmll enthaltene Wertstoflfraktion (2)
zuzglich der (bereits) getrennt gesammelten Mengen (3) zu sehen. Die im Mll
enthaltenen Wertstoffmengen (2) knnen wegen unzureichender Qualitt (z.B.
Verschmutzungen, Verbundstoffe) oder unzumutbaren Aufwandes (z.B. Glasbruch, Kleinmengen, zu viele Einzelfraktionen) nicht insgesamt verwertet bzw.
erfat werden.
Nicht alle qualitativ akzeptablen Wertstoffe knnen erfat werden, da niemals
eine 1OO%ige Teilnahme der Abfallerzeuger an einer getrennten Sammlung erreicht werden kann. Entsprechend reduziert sich die verfilgbare Wertstoffinenge
(7). Je nach Marktlage und Wertstoffqualitt kann die verwertbare Menge (10)
grer oder kleiner als die verfgbare oder auch erfabare Menge sein. Zustzlich
ist der Auenhandelssaldo im Altstoffhandel zu bercksichtigen, z.B. ein
Exportberschu bei Altpapier, jedoch ein Importberschu bei Altglas [3 .21].
Als Erfassungsgrad wird das Verhltnis "erfate Wertstoffinenge" zu "Wertstoffmenge im Haushalt" bezeichnet (Bild 3.22).
Die verschiedenen Systeme der getrennten Sammlung lassen sich unterscheiden
[3 .21] nach der Abfuhrorganisation in
- Integrierte Systeme: Sammlung von Wertstoffen und Restmll erfolgt in einem
- geteilten oder mehreren Behltern zusammen in einem Arbeitsgang mit einem
Mehrkammerfahrzeug.
- Teilintegrierte Systeme: Separate Wertstoffabfuhr in besonderen Touren anstelle einer Restmlltour (alternierende Abfuhr).

104

3 Sammlung, Umschlag und Transport von Abfllen und Wertstoffen

Weg der Offentliehen Abfuhr


Weg der Anlieferar

Bild 3.23 Schematische L

.mng von Holsystem (links) und Bringsystem [3.55]

- Additive Systeme: Sammlung von Wertstoffen zustzlich zur normalen Hausmllabfuhr mit separaten Fahrzeugen und getrennten Behltern.
Nach dem Benutzerkomfort (vgl. Bild 3.23) in
- Holsysteme: Wertstoffe werden beim Abfallerzeuger abgeholt,
- Bringsysteme: Wertstoffe werden durch den Abfallerzeuger zu zentralen
Sammmelstellen gebracht.
Nach dem Grad der Vorsortierung im Haushalt in
- Einstoffsammlung: Gezielte Erfassung nur eines Wertstoffes, z.B. Altglas.
- Einzelstoffsammlung: Erfassung mehrerer Wertstoffe in jeweils separaten Behltern, z.B. Altglas und Altpapier.
- Mischstoff- oder Mehrstoffsammlung: Sammlung mehrerer gemischter Wertstoffe mit anschlieender Sortierung.
Die Verfahren und Verfahrensvarianten der getrennten Sammlung sind in Bild
3.24 schematisiert dargestellt.
Die Auswahl der Verfahren hngt von folgenden regionalen Randbedingungen
ab [3.22]:
- Abfallzusammensetzung,
- vorhandenes Sammelsystem,
- vorhandenes Abfallbehandlungs- und -beseitigungssystem,
- Bereitschaft der Bevlkerung zur Mitarbeit und Finanzierung,
- Verwertungsmglichkeiten
- Vermarktungsmglichkeiten.
Die Wertstoffgewinnung durch sortenreine Erfassung hat sich in den letzten Jahren fr Papier und Glas weitgehend durchgesetzt. Mit der Einfiihrung des Dualen
Systems wurde ein Erfassungssystem eingeftlhrt, das Leichtverpackungen (Weiblech-, Aluminium, Verbund- und Kunststoffverpackungen) gemischt erfat.

3.2 Feste Abflle und Wertstoffe

105

Verfahren der Wertstoffsammlung

Straensammlung

Zentrale Sammelpltze

BOndeisammlung

Depotcontainer
-Glas
-Papier
-Weiblech
- Leichtverpackung

-Altpapier
Sacksammlung
- Altkleider

Mehrkammerdepotcontainer
Recyclinghfe

Dezentrale Sammelpllltze
(haushaHsnah)

WertstollbehAiter
-Glas
-Papier
- Weibleich
- Leichli/erpackungen
("Gelbe Tonne")
-Kompost
("Grne Tonne")
M!lllbehlllter plus
"Gelber Sack"

Bild 3.24. Verfahrensvariationen der getrennten Sammlung von Wertstoffen des Hausmlls
[3.22]

Darber hinaus existieren u.a. von Fachverbnden Bestrebungen, fr einzelne


Verpackungen diverse Sammelsysteme auf ihre besondere Eignung fr diese Verpackung zu untersuchen.
Dieses soll am Beispiel einer Untersuchung ber geeignete Erfassungssysteme fr
gebrauchte Getrnkekartonagen [3.54] dargestellt werden.
In dieser Studie werden 6 Sammelsysteme - sowohl als Hol- als auch als
Bringsystem- in Hamburg, Dresden und Langeisheim untersucht (vgl. Tabelle
3.1). Es zeigt sich, da die Bringsysteme mit durchschnittlich 37,4% deutlich vor
den Holsystemen (im Durchschnitt 23,7 %) rangieren. Bei der Bewertung mssen
die Sammelaktivitten, die diesem Versuch vorangingen, bercksichtigt werden.
Bei der getrennten Sammlung an Einkaufsmrkten bestand in diesem Einzugsbereich bereits eine getrennte Sammlung diverser Abfallstoffe. Die Variante, bei der
der Verbraucher die Getrnkekartonagen zu einer mobilen Annahmestelle brachte,
fand in Dresden statt. Es ist fr dieses Sammelgebiet anzunehmen, da durch die
langjhrige Teilnahme am Sero-System der Verbraucher eine grere Sammeldisziplin an den Tag legt.
Fragebogenaktionen haben u.a. ergeben, da sich an allen Sammelsystemen
Haushaltungen mit einem berdurchschnittlichen Getrnkekartonagenverbrauch
beteiligen. Nichtteilnehmer gaben folgende Grnde an:
- es werden keine Getrnkekartonagen im Haushalt verwendet
46%
- der Aufwand fr die Sammlung sei zu hoch
22%
- man sei mit dem Sammelsystem nicht einverstanden
29%
- Sonstiges
3%

106

3 Sammlung, Umschlag und Transport von Abfllen und Wertstoffen

Tabelle 3.1. Sammelversuche zur Erfassung von gebrauchten Getrnkekartonagen


System

Sammelsystem

Erfate Komponenten

Holsystem

Kombibehlter
Kombibehlter
Bndelsammlung

Altpapier/Getrnkekartonagen
Dosen/Getrnkekartonagen
Altpapier/Getrnkekartonagen

Bringsystem

Monobehlter am Depotcontainer
fr Altpapier
Monobehlter an Einkaufsmrkten

Getrnkekartonagen

Mobile Annahmestelle
Depotcontainer

Getrnkekartonagen
Altpapier/Altglas/Getrnke-kartonagen
Altgas/Altdosen/Getrnke-kartonagen

Die genannten Erfassungssysteme haben verschiedene Auswirkungen auf die


Qualitt der gesammelten Getrnkekartonagen. Die gemeinsame Sammlung mit
Dosen und/oder Glas fhrt vor allem zu einer Erhhung des Feuchtigkeitsgrades
der Getrnkekartons, whrend die Verunreinigung durch Scherben gering bleibt.
Bei der gemeinsamen Sammlung mit Altpapier liegt die Verunreinigung nur wenig hher als bei der separaten Erfassung.
Die spezifischen Bereitstellungskosten liegen am niedrigsten bei den Bringsystemen mit einer Erfassung im Depotcontainer mit 660 DM/Mg und dem Holsystem mit einer Erfassung im Kombibehlter fr die Komponenten Altpapier/Getrnkekartonagen (1.160 DM/Mg). Die gemeinsame Erfassung mit Glas
und Dosen zeichnet sich durch besonders niedrige Sortierkosten aus, wenn ein
mechanisches Trennverfahren verwendet wird.
Als Resultat dieser Studie bietet sich als gnstigste Variante ein Modell aus
folgenden Komponenten an:
- In innerstdtischen Bereichen mit einer hohen Bevlkerungsdichte wird in der
Regel ein haushaltsnahes Erfassungssystem bevorzugt werden. Intensive begleitende Manahmen zur ffentlichkeitsarbeit sind erforderlich, um zufriedenstellende Erfassungsquoten zu gewhrleisten. Die gemeinsame Erfassung
mit Altpapier im Kombibehlter stellt eine besonders saubere Variante dar.
- Bei einer niedrigen Bevlkerungsdichte wird in der Regel ein Bringsystem mit
Depotcontainer die beste Mglichkeit darstellen.
- Die Bndelsammlung eignet sich als additives System zu Depotcontainern in
dicht bebauten stdtischen Gebieten, in denen die Aufstellung weiterer Sammelbehlter am Haushalt nicht mglich ist. Als alleiniges System ist sie zum
Erreichen hherer Erfassungsquoten nicht geeignet.
- Eine schnelle Realisierbarkeit der neu einzufUhrenden Getrnkekartonsammlung ist mit der Erweiterung bestehender Systeme zu erreichen.
Bringsysteme
Im Haushalt angefallene Wertstoffe werden durch den Abfallerzeuger zu zentralen
Standpltzen transportiert und dort in speziellen Behltern gesammelt. Um eine
mglichst hohe Beteiligung an dieser Art der Wertstoffsammlung zu erreichen,
mssen einige Anforderungen an die Wahl des Standplatzes und die Organisation
der Abfuhr gestellt werden. Besonders bewhrt haben sich Standpltze an Gro-

3.2 Feste Abflle und Wertstoffe

107

mrkten, Einkaufszentren und zentralen ffentlichen Pltzen. Wohngebietsstandpltze sind nur bei hoher Einwohnerdichte wirtschaftlich. Folgende Gesichtspunkte mssen beachtet werden [3.21]:
- gut sichtbar an Pltzen und Straen mit grerem Verkehrsaufkommen,
- geringe zustzliche Wege durch Kombinationsmglichkeit mit anderen Wegen
(Einkaufszentren, ffentliche Einrichtungen, Hauptverkehrsstrae, Arbeitsplatz),
- leichte Erreichbarkeit filr Anlieferer und Ladefahrzeug,
- Stellflche der Container zuzglich Flche filr Laden der Container von 25 bis
40m2 ,
- mglichst befestigter Standplatz, regelmige Standplatzreinigung,
- mglichst tgliche Beaufsichtigung der Container, z.B. durch Anlieger,
- Bercksichtigung der Lrmbelstigung bei Aufstellung in Wohngebieten.
Die Behlter werden entweder in festen Zeitabstnden oder bei Bedarf geleert.
Eine Anhufung von Flaschen und Zeitungen, die lose oder in Plastiktten und
Kartons neben den vollen Behltern zurckgelassen werden, sollte vermieden
werden, da dies zu erhhtem Arbeitsaufwand beim Umleeren und zu Beschwerden
der Anwohner oder durch schlechtes Image sogar zu nachlassender Sammelleistung filhren kann. Von einer berftlllung von Behltern kann das Abfuhrunternehmen durch Anlieger unterrichtet werden.
Die Sammelbehlter und deren Stellpltze sollten hnlich Telefonzellen, Sitzbnken etc. zum festen Bestandteil des ffentlichen Raumes werden. Dabei mssen sowohl die Form als auch die Funktion eine Einheit bilden, die sich auf optisch angenehme Weise in die jeweils vorhandene Bebauungsstruktur einfilgt.
Wertstoffe knnen in Einstoff-Containern oder Mehrkammerbehltern gesammelt
werden. Einstoff-Container filr verschiedene Wertstoffe werden hufig in Gruppen
aufgestellt.
Depotcontainer fr Altglas
Altglas wird heute fast ausschlielich im Umleerverfahren in Behltern mit
Rauminhalten zwischen 0,9 und 5,5 m3 aus Stahl oder Kunststoff (GFK, glasfaserverstrkter Kunststoff) gesammelt. Neben einer Sammlung als Mischglas
(76 %), das in der Grnglasproduktion bereits mit Scherbenanteilen zwischen 75
und 95% eingesetzt wird [3.22], spielt zunehmend die farbseparierte Sammlung
eine Rolle. Verstrkt werden Container zur farbseparierten Altglassammlung zur
VerfUgung gestellt. Weiglas hat mit 55% den berwiegenden Anteil an der Verpackungsglasproduktion. Demgegenber werden bisher nur ca. 12% der Scherben
bei der Weiglasproduktion eingesetzt. Eine bessere Farbtrennung bzw.
-sortierung wrde einen hheren Scherbeneinsatz in der Behlterglasproduktion
bedingen. Systeme zur mechanisierten Farbtrennung von Altglas sind soweit ausgereift, da eine grotechnische Umsetzung filr das Jahr 1994/95 erwartet werden
kann. Die Depotcontainer verfilgen ber kreisfrmige Einwurfffnungen, die z.T.
mit Einwurfrohren und Gummischeiben ergnzt sind. Neuerdings werden auch
konstruktive Manahmen zur Lrmdmmung getroffen. In das Sammetfahrzeug
entleert werden sie in der Regel nach Aufnahme durch den Fahrzeugladekran und
ffnen der Bodenklappen.

108

3 Sammlung, Umschlag und Transport von Abfllen und Wertstoffen

Eingesetzt werden Sammelfahrzeuge mit grovolumigen Aufbauten, z.B. Sattelzge mit bis zu 60 m3 Aufbauvolumen oder mit Containern von z.B. 28 m3
Rauminhalt.
Die erfate Altglasmenge ist insbesondere abhngig von der
- Dichte des Containernetzes,
- Einfilhrungsdauer der Altglassammlung,
- Attraktivitt der Standpltze.
Von der ursprnglichen Planung, ein Containernetz mit einer Aufstelldichte von
einem Container pro 500 Einwohner, will die DSD GmbH nach Gesprchen mit
Vertretern der Glasindustrie abrcken, um die Kosten fi1r das Recycling von Glasverpackungen zu reduzieren. Im Durchschnitt sind pro 1 000 Einwohner, in Ballungsgebieten pro 2 000 Einwohner, ein Container geplant. Laut Geschftsbericht
der Dualen System Deutschland GmbH wurden 1992 im Rahmen des DSD
2 704 859 Mg/a Glasverpackungen gesammelt.

Depotcontainer fr Altpapier
Die systematische Sammlung von Altpapier in Depotcontainern wird seit einigen
Jahren verstrkt durchgeftlhrt. blicherweise werden Umleerbehlter mit Rauminhalten von 1,1 bis 5,5 m3 aus Stahl und Kunststoff(GFK) eingesetzt. Diese verfUgen ber schlitzfrmige EinwurfOffnungen, um das Einwerfen von Fremdstoffen
zu erschweren. Entleert werden sie ebenfalls mit Hilfe eines Fahrzeug-Ladekrans
und durch ffnen der Bodenklappen. Um die Brandgefahr zu mindern, sind bei
GFK-Behltern besondere Brandschutzmanahmen zu empfehlen.
Die Depotcontainer haben an den Sammelsystemen fi1r Altpapier ein Anteil
von 41 %. Von den ca. 900 000 Mg, die 1990 in Depotcontainern (alte Bundeslnder) erfat wurden, waren 75% Graphische Papiere. 25% waren Verpackungen aus Papier und Pappe [3.48]. Damit liegt die erfate Altpapiermenge mittels
Depotcontainer bei ca. 15 kg!Ea. Der Geschftsbericht der Dualen System
Deutschland GmbH weist eine erfate Menge bei Papier/Pappe/Karton fi1r Verpackungen fi1r 1998 in Hhe von 1 415 502 Mg/a aus [3.50]. An die Transportsysteme fi1r Altpapier werden die gleichen Anforderungen wie an die fi1r Altglas
gestellt. Um aber die Auslastung der Fahrzeuge zu verbessern, werden zum Teil
Verdichtungsvorrichtungen eingesetzt. Da vorsortiertes Altpapier persnlich zum
Depotcontainer gebracht werden mu, ist es meist unverschmutzt und von guter
Qualitt. Die Qualitt wird hufig gemindert durch unsachgemes Vorsortieren
im Haushalt, hinzukommende Papier-Verbundstoffe oder durch das vorstzliche
Einwerfen von Fremdstoffen. Die Vermarktung des Altpapiers ist insbesondere
bei niedrigen Qualitten schwierig [3.21, 3.22].

Depotcontainer fr Altmetall

Die Erfassung von Altmetall in Depotcontainern hat gegenber Altglas und Altpapier nur geringe Bedeutung. Es werden entweder ausschlielich Weiblech- und
Aluminiumdosen oder gemischt mit diesen auch sonstiger Metallschrott gesammelt. Problematisch sind insbesondere die hohen Erfassungskosten, die durch das
geringe spezifische Aufkommen und das niedrige Raumgewicht der Dosen be-

3.2 Feste Abflle und Wertstoffe

109

dingt sind. Der Absatz ist auch bei niedrigen Erlsen und trotz des relativ sauberen
Dosenschrotts oft schwierig.
Es werden Umleerbehlter aus Stahl und Kunststoff mit Rauminhalten von 1,1
bis 5,5 m3 eingesetzt. Die Entleerung erfolgt nach Aufnahme durch einen Fahrzeug-Ladekran und ffnen der Bodenklappen in Sammetfahrzeuge mit Aufbauvolumina bis zu 60 m3 (Fnffach-Sattelauflieger). Bei einem Potential von ca.
14 kg/ba Metall im Hausmll wird die mit Depot-Containern erfabare Menge
deutlich unter den Erfahrungswerten fiir Mehrstoffbehlter (6 bis 10 kg!E*a) liegen [3.21 ].
Depotcontainer fr Leichtverpackungen ("Gelbe Tonne'?
Whrend die getrennte Erfassung von Altglas und Altpapier seit Jahren erfolgreich
durchgefhrt wird, wurden die ersten Erfahrungen mit der "Gelben Tonne" im
Rahmen des Dualen Systems gemacht. In diesem Depotcontainer sollen Verkaufsverpackungen aus Kunststoffen, Metall- und Verbundmaterialien gesammelt werden. Die gemeinsame Erfassung bedingt eine nachtrgliche Sortierung in die verschiedenen Kunststofffraktionen und die Metall- und Verbundmaterialien, die
zumeist von Hand durchgefhrt wird. Der Anfall der Sortierreste ist erheblich.
Voraussetzung fr eine Steigerung der Verwertbarkeit ist daher die Entwicklung
geeigneter Verfahren zur Trennung von Kunststoffabfallen, eine Verringerung der
Sortenvielfalt von Kunststoffverpackungen und die Schaffung eines Marktes
fr sortierte Altkunststoffe und Produkte aus Sekundrkunststoffen. Tabelle 3.2
zeigt eine Abfallanalyse der in Berlin erfaten Leichtverpackungen, erhoben von
der DASS GmbH im Mrz 1999. In der Bundesrepublik sammelten die 1998 an
das Duale System angeschlossenen Brger l 363 193 Mg Leichtverpackungen
[3.50]. Die Sammlung von Leichtverpackungen erfolgt in separaten DepotTabelle 3.2. Analyse der in Berlinerfaten Leichtverpackungen (LVP)
Stoffgruppe

FE-Metalle (Weiblech)
NE-Metalle (Aluminium)
Verbunde (FKN-Getrnkekartons)
Kunststoffe
davon:
Hohlkrper
Becher/Blister
Folien
EPS
artgleiche Kunststoffe
Papier
Glas
Sortierreste
Summe

Analyse LVPZusammensetzung
[%]
11,5
1,1
9,4

2,5
9,2
2,0

1,5
7,4
17,2
8,7

29,5
100,00

110

3 Sammlung, Umschlag und Transport von Abfllen und Wertstoffen

CRMETHODE

Buntglas

UMSCHLAGANLAGE

Braunglas
Welssglas

Blechdosen

Altpapier
Altpapier

Bild 3.25. Schema einer Umschlagstelle fr Wertstoffe aus Mehrkammercontainern [3.23]

containern. Sie werden wie Altpapier abgefahren. Im Brandfalle ist nicht nur mit
Rauchbelstigungen zu rechnen, es knnen auch Gefhrdungen durch toxische
Gase auftreten.

Mehrkammercontainer

In Mehrkammerbehltern mit zum Teil variabel angeordneten Trennwnden werden in separaten Kammern Altglas (auch farbsepariert), Altpapier, Altmetall, Altkunststoffe/Leichtverpackungen und Alttextilien sowie in speziellen Fchern Medikamente und Batterien gesammelt. Sie werden im Gegensatz zu Depotcontainern in der Regel im Wechselverfahren entleert. Die Mehrkammercontainer werden von Abrollkippern nach Absetzen eines leeren Behlters aufgenommen und an
einer speziellen Ladestelle so entleert, da die Wertstoffe getrennt anfallen. Mehrkammercontainer werden mit Inhalten zwischen 7, 7 und 22 m3 eingesetzt. Fr die
Glaskammern knnen zustzliche Lrmschutzmanahmen vorgesehen werden.

3.2 Feste Abflle und Wertstoffe

111

Die Standpltze mssen grozgig angelegt sein, da beim Wechselverfahren eine


gleichgroe Flche zum Abstellen des mitgefiihrten leeren Behlters bentigt
wird. Ebenfalls mu ausreichender Rangierraum fr das Transportfahrzeug vorgesehen werden. Als nachteilig erweist sich, da die Kammeraufteilung nicht immer
dem fr die verschiedenen Stoffgruppen erforderlichen Behlterraumangebot
entspricht. Dieses fiihrt fr den Gesamtbehlter zu einem unbefriedigendem Fllgrad, da die Abfuhr bereits nach der Fllung einer Kammer erforderlich wird
[3.21] (Bild 3.25).
Recyclinghfe
Ein Recyclinghof enthlt Container fr verwertbare Stoffe des Hausmlls und
Aufuahmebehltnisse fr Problemabfiille aus Haushalten. Das Gelnde mu durch
eine entsprechende Umzunung gesichert werden. Whrend der ffnungszeiten
gewhrleistet Fachpersonal einen reibungslosen Sammelbetrieb. Durch den groen
Platz- und Personalbedarf ist die mgliche Standplatzdichte begrenzt (ca. 30 000
bis 50 000 angeschlossene Einwohner). Weite Bringwege fr den Brger haben
einen relativ geringen Erfassungsgrad zur Folge. Die Qualitt der gesammelten
Wertstoffe ist sehr gut [3.22].
Holsysteme
Bei Holsystemen werden den Haushaltungen zustzliche Sammelbehlter fr
Wertstoffe zur Verfgung gestellt, fr die auf dem Grundstck der notwendige
Platz vorhanden sein mu. Dies stt sowohl bei Einfamilien-Reihenhusern als
auch in Wohnblocks auf Schwierigkeiten, wenn nur die minimal erforderliche
Anzahl von Mllbehltern bei der Bauplanung bercksichtigt wurde.
Als Behlter werden berwiegend solche wie bei der Hausmllsammlung verwendet, d.h. MGB 120/240 und MGB 660/1100, zum Teil sogar Behlter bis
MGB 5000 [3.21]. Um Fehleinwrfe zu vermeiden, sind sie farblieh besonders
gekennzeichnet und mit groen Aufklebern versehen, die auf die einzuwerfenden
Materialien mit Erluterung (Produkthinweise bei Kunststoffverpackungen) und
Einwurfverhalten (Altglas nur zu bestimmten Zeiten wegen Lrmbelstigungen)
hinweisen.
Bei Holsystemen ist ein wesentlich hherer Erfassungsgrad erreichbar, da die
Wertstoffe vom Abfallerzeuger in einem Gang mit dem Restmll zum Behlter
gebracht werden knnen. Der Aufwand beim Umleeren in das Sammetfahrzeug ist
jedoch hher als bei Bringsystemen, da in der Regel mehrere Behlter vom Ladepersonal zum Sammetfahrzeug gefahren und einzeln entleert werden mssen.
Scke mssen per Hand verladen werden. Wertstoffe knnen einzeln oder gemischt in Einkammer-Fahrzeugen, je nach Art der Wertstoffe mit oder ohne Verdichtungsvorrichtungen, abgefahren werden. Bei der Verdichtung von WeTtstoffgemischen oder mit hohem Bruchanteil separat abgefahrenes Altglas nimmt die
Sortierfiihigkeit stark ab. Durch grere Aufbauten, verringertem Predruck und
geringen Einschtthhen kann dieser Nachteil umgangen werden. Speziell entwickelte Wertstoffsammelfahrzeuge sind mit einer Verteilerschnecke und einem
mit Gummi beschichteten Prallblech ausgerstet, um den Glasbruch zu vermindern.

112

3 Sammlung, Umschlag und Transport von Abfllen und Wertstoffen

Zur gleichzeitigen Abfuhr von zwei Komponenten werden Zweikammer-Fahrzeuge eingesetzt. Der Laderaum kann in Quer- oder Lngsrichtung unterteilt sein.
In einem quergeteilten Laderaum dient die Ausschubwand als verschiebbare
Trennwand zwischen den beiden Kammern. Die Seladung der vorderen Kammer
findet ber eine seitliche, die der hinteren ber eine Hubkippvorrichtung am Heck
statt. Die Querteilung bewirkt ein stabiles Fahrverhalten durch gleichmige Gewichtsverteilung der beiden Kammern.
Straensammlung
Altpapier und Alttextilien werden in unregelmigen, zum Teil auch regelmigen
Intervallen nach Bereitstellung auf der Strae von caritativen und privaten Organisationen abgeholt. Altpapier wird gebndelt in Plastiktten oder Kartons, Altkleider hufig in extra zur Verfgung gestellten Plastikscken, bereitgestellt. Der
Erfassungsgrad hngt sowohl von den vorausgegangenen Ankndigungen als auch
von der Regelmigkeit und Hufigkeit dieser Aktionen ab. Die vorsortierten
Wertstoffe mssen bis zur Abfuhr im Haushalt gelagert werden. Die erfate Menge liegt bei 2 bis 36 kg/Ea [3.43]. Die Qualitt des Altpapiers ist berdurchschnittlich gut.
Wertstoffbehlter ("Gelbe Tonne" und Monotonne)
In der "Gelben Tonne" werden Wertstoffgemische gesammelt. Bei dieser Art der
Sammlung von Mehrstoffgemischen werden Leichtverpackungen und Restmll in
zwei getrennten Abfallbehltern erfat. Eingesetzt werden fr die Leichtverpakkungen MGB 120/240 und MGB 660/1100. Bei der anschlieenden Sortierung
eines Wertstoffgemisches der "Gelben Tonne" mu davon ausgegangen werden,
da ca. 20 bis 30% als Reststoffe (Restmll und verpackungsfremde Wertstoffe)
anfallen. Die Abfuhr erfolgt meistens alternierend in Einkammerfahrzeugen.
Werden Wertstoffe einzeln in separaten Behltern gesammelt (Monotonne), erhht sich die Qualitt, und eine aufwendige nachtrgliche Sortierung entfllt.
Beim Einsatz blicher Sammelfahrzeuge ergibt sich bei der getrennten Umleerung
von Altglas ein erhhter Glasbruchanteil, der die Farbsortierung erschwert. Die
Anbringung eines mit Gummi beschichteten Prallbleches hinter der Schttung
kann Glasbruch vermindern. Es werden berwiegend Altglas und Altpapier in
zustzlichen Behltern gesammelt. Folgende Systeme lassen eine weitere Differenzierung der getrennten Stoffsammlung zu:
- Papier und Glas werden in zwei zustzlichen Behltern (z.B. grn und blau)
gesammelt und in einem Zweikammerfahrzeug abgefahren (Frankfurter Modell).
- Papier und Glas werden jeweils in der Einstofftonne (grn und rot), Textilien,
Kunststoffe, Metalle etc. in der Mehrstofftonne (gelb) gesammelt (Berliner System).
- Papier wird im Wechsel mit Glas in demselben grnen Behlter abgefahren,
ausschlielich Papier wird im grnen Behlter gesammelt und abgefahren; die
Glassammlung erfolgt ber Depotcontainer.

3.2 Feste Abflle und Wertstoffe

Mehrkammer-Mll
System-Behlter

113

MehrkammerSammelfahrzeug

Bild 3.26. Das Mehrkammer-MUllsystem [3.25]

Biotonne
In der Regel werden organische Kchen- und Gartenabililie in separaten Sammetbehltern der Gren 120 I bzw. 240 I MGB gesammelt, die mit einem gelochten Einsatz versehen sein knnen, um durch verbesserte Luftzufuhr anaerobe
Prozesse mit Geruchsentwicklung zu vermeiden. Es kommt durch Rotteverluste zu
einer Gewichtsabnahme (ca. 20% nach einer Woche) vor der Abfuhr. In einigen
Projekten kommt auch das Mekam-System zur Anwendung. Wenn der Restmll
in einem zustzlichen Behlter gesammelt wird, lt sich ein schadstoffarmer
Kompost erzeugen [3 .22].
Die Abfuhr des Bioabfalls kann integriert (Restmll und Bioabfall werden in
Mehrkammerfahrzeugen abgefahren), teilintegriert oder additiv erfolgen.
Als Sammetfahrzeuge kommen insbesondere Drehtrommel- oder Preplattenfahrzeuge in Frage. Whrend im Drehtrommelfahrzeug durch die auftretenden
Scherkrfte das Transportgut homogenisiert wird, bleibt in den Preplattenfahr
zeugen die Struktur des Bioabfalls mit geringen Strukturbestandteilen erhalten,
zudem lassen sie sich besser abdichten, so da ein Austreten von Sicker- bzw.
Prozewssem verhindert werden kann [3.52].
Behlter plus Wertstoffsack
In einzelnen Versuchen werden anstelle des Wertstoffbehlters den Haushalten
Scke filr die Sammlung der Wertstoffe zur VerfUgung gestellt. Der Vorteil besteht darin, da die einzelnen Stofffraktionen sortenrein in verschiedenfarbigen
Scken bereitgestellt werden knnen. Zustzliche Kosten entstehen filr die Wertstoffscke, das Entleeren und Sortieren der Wertstoffe.
Sack plus Wertstoffsack
Dieses System wird seit geraumer Zeit im Landkreis Hannover praktiziert. Gegenwrtig sind in Hannover 7 100 Einwohner angeschlossen. Geplant ist, 100 000
E an das System anzuschlieen. Die Sammetmenge betrgt zur Zeit 59 kg/Ea
[3.52]. Von Vorteil sind dort die gnstigen Sammelkosten, da Wertstoffscke und
Restmllscke in einer gemeinsamen Abfuhr mit normalen Lkw's eingesammelt
werden knnen. Der Einsatz von durchsichtigen Wertstoffscken und das Nichtverpressen bei der Abfuhr haben sich filr den Sortiervorgang als vorteilhaft erwiesen. Insbesondere kann bei Glas wegen des geringen Bruchs eine problemlose
Nachsortierung nach Farben erfolgen. Ein wesentlicher Nachteil ist die grere

114

3 Sammlung, Umschlag und Transport von Abfllen und Wertstoffen

Arbeitsbelastung des Ladepersonals bei der Sammlung und Sortierung. Die erfaten Mengen betragen fiir Glas 5 bis 20 und filr Papier 5 bis 30 kg/Ea [3.21].
Wertstoffsack im Behlllter
Beim "Sack-im-Behlter-Verfahren" werden im jeweiligen Haushalt die Weftstoffkomponenten in verschiedenfarbigen Scken gesammelt und anschlieend in
einer zentralen Sortieranlage wieder getrennt. Ein wesentlicher Nachteil ist die
Verminderung der Nutzlast je Sammelfahrzeug und der relativ hohe Sortieraufwand.
Mehrkammer-Mllsystem (MKMS)
Das Mehrkammer-Mllsystem besteht aus 240-Liter-MGB mit je zwei durch eine
flexible Trennwand geschaffenen Kammern, in denen unterschiedliche Abfallarten
gesammelt werden knnen. Je nach Anzahl der aufgestellten Behlter ist die
Sammlung von zwei, drei oder vier Komponenten mglich (z.B. in einem Behlter
Altpapier und Altglas, im zweiten Bio- und Restmll). Die Wertstoffe und der
Restmll werden mit Sammelfahrzeugen eingesammelt, die in Lngsrichtung in
zwei Kammern unterteilt sind. Eine Vermischung der getrennten Stoffe findet
nicht statt, da beim Schttvorgang die Trennwnde von Behlter und Fahrzeug in
Deckung gebracht werden. Dies wird durch eine flexible Schttung auch bei unterschiedlicher Behlteraufteilung gewhrleistet [3.24]. Probleme knnen sich bei
unterschiedlicher Auslastung der beiden Fahrzeugkammern (Achslastverteilung)
durch unterschiedlichen Wertstoffanfall ergeben (Bild 3.26).
Beteiligung der Bevlkerung
Neben technischen und organisatorischen Manahmen ist der Erfassungsgrad im
wesentlichen bestimmt durch die Bereitschaft der Haushalte, eine Trennung und
Sortierung von Wertstoffen des Hausmlls vorzunehmen. Zur Steigerung des
Erfassungsgrades mu deshalb berlegt werden, mit welchen Manahmen die
Haushalte, ber bereits bestehende Motivationen hinaus, zur Mitarbeit angesprochen und gewonnen werden knnen. Hierbei ist zu bedenken, da ggf. Personen
ganz unterschiedlichen Alters und verschiedener sozialer Schichten motiviert
werden mssen [3.26]. Folgende Erkenntnisse lassen sich aus einer eingehenden
Betrachtung der Einflufaktoren bei der Teilnahme an der getrennten Weftstoffsammlung gewinnen [3.2]:
- das Wertstoff-Sammelsystem mu ausreichenden Raum bieten,
- der Umweltschutzgedanke mu betont, aber der persnliche Nutzen mu deutlich gemacht werden,
- das System mu benutzerfreundlich sein,
- die ffentlichkeitsarbeit mu durch die rtliche Presse untersttzt werden.
Neben der durch individuelle Wertvorstellungen bestimmten Motivation und dem
Ma an Benutzerkomfort spielt auch die Information eine wichtige Rolle bei der
Teilnahme an der Wertstoffsammlung (Bild 3.27).
Die Information ber eine Altstoffsammlung sollte enthalten:
- die angestrebten Ziele der Altstoffsammlung,
- die genauen Daten ber den Organisationsablauf (Beginn, Intervalle, eingesetztes System),

3.2 Feste Abflle und Wertstoffe

115

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ENTSCHEIDUNGSPROZE

Bild 3.27. Motive und Einflufaktoren bei der Teilnahme an der getrennten Wertstoffsammlung
[3.27]

- Anweisungen ber die Stofftrennung - welche Stoffe erwnscht und welche


Stoffe aus welchen Grnden unerwnscht sind,
- Angaben ber die Art der Bereitstellung der Altstoffe,
Auskunft ber die Auswirkung der Altstoffsammlung auf die Mllsammlung,
- Angaben ber den Organisationstrger,
- regelmige Information ber der Ablauf der Sammlung.
Als materielles Ameizsystem fr die Wertstoffsammlung bietet sich in erster Linie
die Schaffung eines finanziellen Vorteils bei der teilweisen Verlagerung der Abflle von der Restmllabfuhr zur Abfuhr von Wertstoffen an. Eine direkte individuelle Zuordnung der Sammelleistung zu den Entsorgungsgebhren ist z.B. bei
der Verwendung von Mll- und Altstoffscken mglich.
Dieses System wird z.B. in [Link] in der Schweiz praktiziert. Sowohl der
Mll- als auch der Altstoffsack wird ber den Einzelhandel verkauft. Im Kaufpreis
des Mllsacks sind die Sammet- und Beseitigungskosten enthalten, im Altstoffsack die Sammelkosten. Der Konsument hat hier den groen Ameiz, Mllent
sorgungskosten zu sparen und mglichst viele Altstoffe in den billigeren
Altstoffscken bereitzustellen. Die Altstoffscke sind durchsichtig, damit ist eine
einfache Kontrolle der Altstoffe bezglich ihres Reinheitsgrades mglich. Scke
mit zu vielen Fremdstoffen werden zurckgelassen [3.28].

116

3 Sammlung, Umschlag und Transport von Abfllen und Wertstoffen

3.3

Flssige Abflle und Schlmme

3.3.1

Transport mit Straenfahrzeugen


Gewerbe- und Industrieschlmme werden nach Bereitstellung auf dem Betriebsgelnde mit speziellen Transportmitteln abgefahren. Grundstzlich knnen derartige Abflle auf der Strae, der Schiene oder auf dem Wasser transportiert werden.
Im folgenden wird der Transport mit Straenfahrzeugen betrachtet.
Der Aufbau von Straenfahrzeugen besteht im wesentlichen aus dem Behlter
filr Flssigkeiten und Schlmme, ggf. Saugvorrichtungen mit Vakuumpumpe und
Entleerungsvorrichtungen. Der Fassungsraum der Behlter wird durch die Angaben von Hchstlasten in der StVZO begrenzt. Das hohe Raumgewicht von flssigen, schlammigen und pastsen Abfllen fhrt zu einer maximalen Ausnutzung
des zulssigen Gesamtgewichtes bei jedoch unzureichender Auslastung mglicher
Volumina von Aufbaubehltern [3.3]. Deshalb ist es notwendig, alle Mglichkeiten zur Mengenreduzierung durch Eindickung von Schlmmen auszuschpfen, um Kosten filr Transport und Ablagerung einzusparen.
Neben der StVZO stellt die Verordnung ber die Befrderung gefhrlicher
Gter auf der Strae (Gefahrgutverordnung Strae - GGVS) sowie die Verordnung filr brennbare Flssigkeiten (VbF) unter Beachtung der Technischen Regeln
filr brennbare Flssigkeiten {TRbF) Anforderungen an die Ausfilhrung und Ausrstung der Straenfahrzeuge [3.3].

3.3.2

Fllen und Entleeren

Schlmme und Flssigkeiten knnen in Wechselbehltern gesammelt, in fest auf


Transportfahrzeuge montierte Kessel gesaugt oder gepumpt werden. Bei Fahrzeugen ohne eigene Befiillungseinrichtungen erfolgt dies ber stationre Anlagen
unter berdruck von oben durch den Dom des Kessels. Das Fllen der Kessel,
d.h. geschlossener, horizontal liegender zylindrischer Behlter, erfolgt ebenso mit
Hilfe einer oder mehrerer fahrzeugeigener Vakuumpumpen, die im Behlter einen
Unterdruck erzeugen und vom Fahrzeugmotor angetrieben werden. Saugwagen
werden zur Entleerung von Kanalisationen, Sandfngen und Absetzbecken industrieller Anlagen eingesetzt. Um ein berschreiten der zulssigen Achslasten zu
vermeiden, ist der Kessel mit einer Fllstandanzeige ausgerstet. Da das Transportgut unterschiedliche Dichten haben kann, ist es zweckmig, derartige Fahrzeuge mit Achslastanzeigeeinrichtung auszursten [3.30].
Als Vakuumpumpen werden z.B. Rotationsverdichter verwendet. Es werden je
nach Behltervolumen Pumpleistungen zwischen 200 und 2 000 m 3/h erzielt. Da
hierbei Temperaturen bis zu 250 C entstehen knnen, die einen Leistungsabfall
verursachen, ist eine ausreichende Khlung durch luft- oder wassergekhlte Umlaufsysteme notwendig.
Sollen z.B. sehr tiefliegende Sandfnge entleert werden, reicht die Saugtiefe einer normalen Pumpvorrichtung nicht aus. Die theoretisch nach dem V akuumprin-

3.3 Flssige Abflle und Schlmme

117

Bild 3.28. Tiefsaugeinrichtung unter Verwendung von Zusatzluft [3.31]

zip zu erreichende Saugtiefe betrgt bei einem Druck von 1 hPa und Wasser der
Dichte 1,0 g/cm3 10,33 m bei einem Vakuum von 100%.
Da die Pumpen ein Vakuum von 95 bis 98% erreichen, die anzusaugenden
Flssigkeiten in der Regel eine Dichte von mehr als 1,09 g/cm3 aufweisen und
auerdem Rohrreibungswiderstnde zu berwinden sind, kann praktisch nur mit
einer effektiven Saughhe von 7,5 bis 8 m vom Flssigkeitsspiegel bis zum Kesseleintritt gerechnet werden. Da auch die Fahrzeughhe bercksichtigt werden
mu, vermindert sich die Saughhe, bezogen auf das Straenniveau, auf ca. 6 m
[3.31].
Mit Hilfe von Tiefsaugeinrichtungen knnen Saugtiefen bis zu 20 m erreicht
werden. Sie arbeiten nach dem Prinzip der Lscher- oder auch Mammutpumpen.
Ein Tauchrohr wird in eine Flssigkeit gesenkt, so da es einige Meter in die Flssigkeit hineinragt In die Saugffnung wird Luft ber konzentrisch angeordnete
Bohrungen eingeblasen, die mit dem Sauggut ein Gemisch bildet, das spezifisch
leichter als die Flssigkeit ist. Nach dem Prinzip der kommunizierenden Rhren
mu Gleichgewicht in und auerhalb des Rohres herrschen, womit der Flssigkeits-Luftgemischspiegel angehoben wird. Die Anreicherung des Gemisches
mit Luft erreicht bei einem bestimmten Verhltnis ein Optimum an Frderhhe
[3.31] (Bild 3.28). Die Entleerung der Transportfahrzeuge kann durch das Hinterkippen des Aufbaus und/oder mit Hilfe von Ausstovorrichtungen durch die hintere Tr erfolgen. Die Abdichtung des Abschludeckels erfolgt durch eine Blhdichtung, die durch Luftberdruck eine sichere Abdichtung gewhrleistet, wenn
der Deckel sich an den Kessel anlegt. Die Entleerung dnnflssiger Stoffe geschieht ber Auslastutzen am hinteren Kesselende auf Hhe des Kesselbodens.
Die Entleerung von Mulden erfolgt durch Hinterkippen.

118

3 Sammlung, Umschlag und Transport von Abfllen und Wertstoffen

3.3.3

Behltersysteme

Fr den Transport flssiger Abfiille und Schlmme wird eine Vielzahl unterschiedlicher Behltertypen und -gren angeboten und eingesetzt. Da es sich
meist um schadstofthaltige Abflle handelt, sind an die Behlter und ihre Verschlsse besondere Anforderungen zu stellen. Sie sollen in erster Linie robust und
aus korrosionsbestndigem Material hergestellt sein. Auch solche Behlter knnen
aber durch innere oder uere Einwirkungen Leckstellen erhalten. Um das Austreten des Inhaltes zu verhindern, knnen Behlter doppelwandig ausgefiihrt und
mit einem Leckanzeigegert ausgestattet werden. In diesem Fall ist es nach den
Technischen Regeln fiir brennbare Flssigkeiten {TRbF) nicht weiter vorgeschrieben, einen Auffangraum fiir austretende Flssigkeiten herzustellen, in dem die
Behlter aufgestellt werden mssen. Ein solcher Auffangraum bedeutet eine aufwendige bauliche Manahme fiir die Einrichtung eines Sammelplatzes. Sammelbehlter mit geringem Fassungsvermgen brauchen nach den geltenden Vorschriften nur einwandig ausgefiihrt werden. Kleine Mengen werden in Kunststoffoder Metallfiissern gesammelt, die im Wechselverfahren abtransportiert und hufig mitbehandelt (d.h. verbrannt) oder abgelagert werden. Ebenfalls im Wechselverfahren werden kubische, stapelbare Kleincontainer aus Stahl eingesetzt, die ein
Fassungsvermgen von bis zu 1 000 l haben, sowie offene und geschlossene Mulden fiir den Transport von tropfendem Rechengut, nassen Aschen und Rckstnden aus der Kanalisation (vgl. auch Kap. 3.4.2). Geschlossene Mulden sind mit
einer abgedichteten Rckwand ausgestattet, die beim Hinterkippen geffnet wird.
Solche Behlter sind jedoch nur fiir den Transport halbflssiger Abfiille geeignet,
da beim Bremsen oder Beschleunigen mit dem bertreten des Transportgutes
gerechnet werden mu. Eine Schlammentwsserung kann in Mulden und Containern mit einem Fassungsvermgen zwischen 3 und 40 m3 mit austauschbaren
Filterkrben erfolgen. Ventile und Schieber sorgen fiir den Ablauf austretenden
Wassers. Sollen Flssigkeiten und Schlmme in Fahrzeugaufbauten gesaugt oder
gepumpt werden, kommen Kesselfahrzeuge mit fest montierten Behltern zum
Einsatz. Je nach Lnge der Behlter und Konsistenz der Flssigkeit mssen die
Behlter durch Querschotten unterteilt werden, um eine Gewichtsverlagerung bei
Schnellbremsungen zu verhindern. Eine geringe Schrglage nach hinten verstrkt
diese Manahme.
Angefaulte Schlmme aus Groklranlagen werden zweckmig mit Sattelaufliegerfahrzeugen mit einem Fassungsvermgen von bis zu 23 000 l transportiert.
Ein Rotationsverdichter kann den Klrschlamm an der Entladestelle mit einem
berdruck von ca. 3 bar ber eine Leitung austreiben und ggf. versprhen.

3.4 Sonderabflle

119

3.4
Sonderabflle
3.4.1

Gesetzliche Grundlagen

Beim Umgang mit als besonders berwachungsbedrftig eingestuften Abfllen


nach 2 Abs. 2 AbfG in Verbindung mit der Abfallbestimmungsverordnung
(AbfBestV) mssen aufgrund ihrer Gefhrlichkeit fr Mensch und Umwelt besondere organisatorische und technische Manahmen ergriffen werden. Es sind fr
das Einsammeln, Lagern und Transportieren von Sonderabfllen diverse, sich
manchmal berschneidende gesetzliche Regelungen zu beachten.
Auer der berwachung von Anlagen, in denen Sonderabflle anfallen und
solchen, in denen Sonderabflle behandelt und beseitigt werden, ist auch eine
Kontrolle des Verbleibs von Sonderabfllen nach dem Einsammeln beim Abfallerzeuger notwendig.
Durch Vollzug der Lnder kann die zustndige Behrde nach 11 Abs. 2 AbfG
von Besitzern solcher Abflle, die nicht mit den in Haushaltungen anfallenden
Abfiillen entsorgt werden, Nachweis ber deren Art, Menge und Entsorgung sowie
die Fhrung von Nachweisbchern, das Einbehalten von Belegen und deren Aufbewahrung verlangen. Nachweisbcher und Belege sind der zustndigen Behrde
aufVerlangen zur Prfung vorzulegen.
Gem 11 Abs. 3 AbfG sind auch ohne besonderes Verlangen der zustndigen Behrde alle Besitzer von Abfllen zur Fhrung eines Nachweisbuches nach
Absatz 2 und zur Vorlage der fr die zustndige Behrde bestimmten Belege,
jedoch beschrnkt auf Abfiille im Sinne des 2 Abs. 2 AbfG (sog. besonders
berwachungsbedrftige Abflle), verpflichtet [3.32].
Zum Zwecke der berwachung ist das System der Entsorgungsnachweise und
der Abfallbegleitscheine, in den Bildern 3.29 und 3.30 dargestellt, eingefhrt
worden. Die Grundlagen fr das Begleitscheinsystem sind in der Abfallnachweisverordnung (AbtNachwV) festgelegt, der Ablauf der Entsorgung von Sonderabfllen mittels Entsorgungsnachweisverfahren ist in der Abfall- und Reststoffberwachungs-Verordnung (AbtRestberwV) geregelt.
Der Entsorgungsnachweis setzt sich aus den drei Teilen, verantwortliche Erklrung des Abfallerzeugers, Annahmeerklrung des Betreibers der Entsorgungsanlage und der Besttigung der fr die Entsorgungsanlage zustndigen Behrde, zusammen.
Die gesetzliche Basis fr die Sammlung und den Transport von Sonderabfllen
liegt im 12 AbfG.
Absatz 1:
"Abflle drfen gewerbsmig oder im Rahmen wirtschaftlicher Unternehmen nur mit Genehmigung der zustndigen Behrde eingesammelt
oder befrdert werden."
Absatz 2:
"Zustndig ist die Behrde des Landes, in dessen Bereich die Abflle
eingesammelt werden oder die Befrderung beginnt."

120

3 Sammlung, Umschlag und Transport von Abfllen und Wertstoffen

Abfallerzeuger
1

2
3

4
5
6

wei
rosa
gelb
blau
altgold
grn

Nachweisbuch
wei
5

altgold

Abfallbetrderer
3

4
5
6

gelb
blau
altgold
grn

Nachweisbuch
3

gelb

Abfallbeseitiger

4
5
6

blau
altgold
grn

Nachweisbuch
6

grn

Bild 3.29. Begleitscheinverfahren gem Abfallnachweisverordnung [3.57]

Jeder, der gewerbsmig Sonderabflille einsammelt oder transportiert, bentigt


eine Genehmigung. Die Zustndigkeit der Behrden ist in dem jeweiligen Bundesland unterschiedlich. In Baden-Wrttemberg sind es die Unteren Wassserbehrden in den Landratsmtem, in Hessen und Nordrhein-Westfalen werden diese
Aufgaben durch die Referate der Regierungsprsidien wahrgenommen. In den
groen kreisfreien Stdten sind die stdtischen Ordnungsmter zustndig.
Die Frist zwischen Einreichung und Erteilung ist unterschiedlich und dauert
durchschnittlich vier bis sechs Wochen bis zur Erteilung der Genehmigung
[3.33].
In der Abfallbefrderungsverordnung (AbffietV) nach 12(3) Abfallgesetz
sind die Genehmigungsformalitten fr das Einsammeln und Befrdern von Abflillen geregelt. Genehmigungsformalitten fr grenzberschreitende Abfalltransporte regelt die Abfallverbringungsverordnung (AbtVerbrV) [3.34].
Auf Altle findet 5a AbfG Anwendung. Nach 4 der Altlverordnung (AltlV) von 1987 mssen synthetische le auf PCB-Basis sowie halogenhaltige
Ersatzprodukte, die insbesondere in Transformatoren, Kondensatoren und Hydraulikanlagen enthalten sein knnen, getrennt von anderen Altlen eingesammelt

3.4 Sonderabflle

121

Verantwortliche Erklrung

Verantwortliche Erklrung
Annahmeerklrung

Verantwortliche Erklrung--- ______ _


Annahmeerklrung
Entsorgerbesttigung -------

Entsorgungsnachweis (EN)

Entsorgungsnachweis (Original)

Entsorgungsnachweis (Kopie)

Entsorgungsnachweis (Kopie)
Bltter 1, 4, 6, B, 9

Betrderer
Bei Ablehnung durch die Entsorgerbehrde erhlt der
Abfallerzeuger sein Original m~ der Ablehnung, der fr
den Abfallerzeuger zustndigen Behrde sowie dem Abfallentsorger werden Kopien der Ablehnung zugesandt.

Bild 3.30. Entsorgungsnachweisverfahren gem Abfall- und Reststoffiiberwachungsverordnung

oder befrdert und einer Entsorgung zugefUhrt werden. Alle anderen Altle sind
stofflich, z.B. durch Zweitraffmation, zu verwerten.
Je nach Verkehrstrger knnen Sonderabtalle auch als "gefiihrliche Gter" der
Gefahrgutverordnung Strae (GGVS), der Gefahrgutverordnung Eisenbahn

122

3 Sammlung, Umschlag und Transport von Abfllen und Wertstoffen

(GGVE), der Gefahrgutverordnung Binnenschiffahrt (GGVBinSch) oder der Gefahrgutverordnung See (GGVSee) unterliegen.
Diese Verordnungen sind auf Grundlage des Gesetzes ber die Befrderung gefhrlicher Gter erlassen worden. Gefhrliche Gter im Sinne von 2 Abs. 1
Gefahrgutgesetz sind Stoffe oder Gegenstnde, von denen aufgrund ihrer Natur,
ihrer Eigenschaft oder ihres Zustandes im Zusammenhang mit der Befrderung
Gefahren fiir die ffentliche Sicherheit oder Ordnung (Allgemeinheit, Gemeingter, Leben und Gesundheit von Menschen sowie Tieren und anderen Sachen)
ausgehen knnen. Die GGVS stellt wiederum nur einen Rahmen fiir Gefahrguttransprte auf der Strae dar. Bisher waren Abflle in der GGVS nicht besonders
genannt. Sie muten einer der 15 GGVS-Klassen und Ziffern zugeordnet und
dementsprechend befrdert werden. Dies hat hufig zu groen Problemen fiir die
Beteiligten gefhrt, weil eine solche Assimilierung praktisch selten mglich war.
[3.56]
Daher hat mit der nderung zum 01.01.1988 erstmals der AbfallbegriffEinzug
in die GGVS gehalten. In Randnummer (Rn) 2000 ist der Absatz 4 mit folgendem
Wortlaut zugefgt worden:
"Abtalle sind Stoffe, Lsungen, Gemische oder Gegenstnde, die fiir keine unmittelbare Verwendung vorgesehen sind, die aber befrdert werden zur Aufarbeitung, zur Deponie oder zur Beseitigung durch Verbrennung oder durch sonstige
Entsorgungsverfahren."
Wie so oft in der Rechtssystematik ist dieser Abfallbegriff nicht identisch mit
der Defmition des Abfalles nach dem Abfallgesetz. Hiernach sind Stoffe, Mischungen usw., die ein Abfallerzeuger der Wiederaufarbeitung direkt zufhrt,
keine Abflle, nach GGVS hingegen sehr wohl.
Abtalle selbst sind neuerdings in den Stoffaufzhlungen der einzelnen Klassen
genannt, zum Beispiel:
Rn 2301 Ziffer 20: "Sehr giftige oder giftige Stoffe sowie Lsungen und Gemische (wie Prparate, Zubereitungen und Abtalle )" oder
Rn 2801 Ziffer 66: "Flssige, tzende Stoffe, Lsungen und Gemische (wie
Prparate, Zubereitungen und Abflle), die nicht unter andere Sammelbezeichnungen fallen."
In den Befrderungspapieren mssen die chemischen Benennungen, Klassen
und Ziffern der Komponenten aufgefhrt sein, welche die magebende Gefahr
darstellen [3.35]. Erschwerend wirkt sich fiir die Einstufung nach GGVS aus, da
im Gegensatz zu Wirtschaftsgtern die exakte Zusammensetzung von Abtallen
hufig nicht bekannt ist.
Neben der GGVS gelten fiir den Transport von wassergefhrdenden, brennbaren Flssigkeiten die Verordnung fiir brennbare Flssigkeiten (VbF). Mit der
Einteilung in Gefahrenklassen (AI - AIII und B) und das entsprechende Regelwerk, die Technischen Regeln fiir brennbare Flssigkeiten (TRbF). Es mu beachtet werden, da wassergefiihrdende Flssigkeiten nicht immer auch gefhrliche
Gter nach GGVS sind. Auerdem knnen wassergefhrdende Stoffe als Strfanprodukte charakterisiert werden und unterliegen dann dem Wasserhaushaltsgesetz
(WHG), dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BimschG) mit der Strfallverordnung und weiteren Regelungen.

3.4 Sonderabflle

123

Dnemark

.~.

Frankreich
\

\ h,

V \

Bild 3.31. Grenzberschreitende Entsorgung von Sonderabflillen 1990 (alle nachweispflichtigen


Abflille), Angaben in Mg [3.36]

Die GGVS regelt die innerstaatliche Befrderung auf der Strae. Im grenzberschreitenden Verkehr ist das Europische bereinkommen ber die internationale
Befrderung gefhrlicher Gter auf der Strae (ADR) anzuwenden.
Der Export und Import von (Sonder-) Abfiillen sowie Transporte von einem
Bundesland in ein anderes werden in 13a-c AbfG sowie in der Abfallverbringungs-Verordnung (AbNerbrV) geregelt.
Gem 13b AbfG mssen Transportfahrzeuge, die nach 12, 13 AbfG genehmigungspflichtige Abfiille auf ffentlichen Straen transportieren, vom und
hinten mit je einer weien Wamtafel, die als Aufschrift ein schwarzes "A" trgt,
ausgerstet sein. Diese Kennzeichnung erleichtert die berwachung whrend des
Transportvorgangs und insbesondere von grenzberschreitenden Abfalltransporten.

124

3 Sammlung, Umschlag und Transport von Abfllen und Wertstoffen

Um die grenzberschreitende Verbringung von Abfllen aus dem Gebiet der EG


und EFTA zu unterbinden, hat die Bundesregierung Ende April 1993 einen Gesetzentwurf fiir ein Zustimmungs- und Ausfiihrungsgesetz zur Baseler Konvention
vom 22. Mrz 1989 beschlossen. Mit diesem Gesetz soll die noch bestehende
"Grauzone" zwischen Abfall und Wirtschaftsgut beseitigt und eine klare Grenzlinie zwischen legalen und illegalen Vorgngen getroffen werden. Dazu werden
auch zur Verwertung bestimmte Rckstnde in die Verbots-, berwachungs- und
Kontrollregelungen einbezogen.
Danach drfen potentiell geflihrliche Rckstnde nicht mehr ohne Zustimmung
der betroffenen Staaten grenzberschreitend verbracht werden. Weiter sieht das
Gesetz vor, da Exporteure fiir jede Verbringung Sicherheiten leisten mssen, so
da bei einer notwendigen Rckfiihrung auf diese Leistung zurckgegriffen werden kann. Bei gescheiterten oder illegalen Exportvorgngen besteht dem Gesetz
zufolge eine Wiedereinfuhrpflicht Die Kosten dafiir mte primr der Verursacher tragen. Falls dies nicht mglich ist, haften die zustndigen Lnder.

3.4.2

Behltersysteme

An die Ausfhrung von Behltern, in denen Sonderabflle gesammelt, gelagert


und transportiert werden, sind nach Art der Inhaltstoffe und der Konsistenz besondere Anforderungen zu stellen. Whrend Schlmme u.U. in offenen Mulden transportiert werden knnen, mssen z.B. wassergefiihrdende Flssigkeiten in geschlossene, korrosionsbestndige, mglicherweise doppelwandige Behlter gefllt
werden.
Behlter, die Stoffe aufnehmen sollen, die unter die Vorschriften der GGVS
fallen, mssen entsprechend dieser Richtlinie ausgefhrt und geprft werden. Sie
mssen besonders stabil sein und werden daher mit Bodenplatten, Sattelfen
oder Gestellen versehen. Zur Unfallverhtung werden Gestelle als Rahmen ausgebildet, um die Behlter gegen Fall und Sto zu sichern. Sie erleichtern auerdem
den Transport und knnen dadurch gestapelt werden. Ein einwandfrei dichtes
Verschlieen wird durch Gummidichtungen und Spannverschlsse gewhrleistet.
Das Behltermaterial mu korrosionsbestndig sein und darf nicht altem. Es gibt
Stahlbehlter und Kunststoffbehlter, z.B. aus glasfaserverstrkten Polyesterharzen [3.3]. Oberflchenschutzmanahmen sind z.B. unterschiedliche Beschichtungsverfahren, Gummierungen, Einbrennlackierungen und Emaillierungen. Um
Verwechselungen auszuschlieen, mssen sich die Behlter in Form und ggf.
Farbe und Hinweisschildern von Behltern fiir ungefhrliche Abflle unterscheiden.
Behlterstandpltze mssen bei flssigen und schlammigen Sonderabtallen
hufig mit besonderen Sicherheitsvorrichtungen, z.B. Auffangwannen, versehen
werden. Durch Einzunung groer und Aufbewahrung kleiner Sammelbehlter in
abschliebaren Sammelstationen knnen sie vor Zugang Unbefugter gesichert
werden.

3.4 Sonderabflle

125

Bild 3.32. Stehende Befllung von Gewebescken "BIG-BAG's" [3.37]

[Link]
Behlter fr feste und pastse Sonderabflle

Je nach Bedarf und anzuwendenden Vorschriften kommen unterschiedliche Behltertypen zum Einsatz, die in einer Vielzahl unterschiedlicher Modelle angeboten werden. Es sind dies filr Sonderabflle in groen Mengen berwiegend Container, offene Absetzmulden und geschlossene Absetzmulden, z.B. mit FederklappendeckeL Klein- und Kleiostmengen werden vorteilhaft in sog. kubischen Tankcontainern KTC-ASP bis 1 000 Litern Rauminhalt gesammelt. Diese sind stapelbare kubische oder zylindrische Kleincontainer aus Stahl, in die zustzlich PEScke eingehngt werden knnen. Dadurch bleibt das Innere des Behlters sauber,
und der Inhalt kann leichter entleert werden. Zur Aufnahme fester und pastser
Stoffe von oben haben die ffnungen die Gre des gesamten Behlterquerschnittes.
ASP-Behlter knnen mit Gabelschuhen ausgefilhrt sein und knnen damit
vom Gabelstapler aufgenommen und mittels Drehservo durch Kippen ber Kopf
entleert werden. Gewebescke aus Polypropylen mit I oder 2 m3 Rauminhalt, sog.
"BIG-BAG's" (Bild 3.32), knnen filr verschiedene Abfallstoffe eingesetzt
werden.
Fr den Transport von Filterstuben und Flugaschen sind sie mit einem PEInnensack versehen. Im Falle der Deponierung werden diese Scke mit abgelagert.
Wie flssige und schlammige Stoffe knnen auch feste Abfallstoffe wie z.B.
kontaminiertes Erdreich (nach Auflockerung), Schlacke, Asche und andere Industrieabflle von Saugwagen ber Schluche und Vakuumpumpen in Kesselwagen
gepumpt werden. Von Vorteil ist diese Art des Einsammeln besonders bei der
Entleerung schwer zugnglicher Gruben, Auffangbecken und Kesselanlagen.

126

3 Sammlung, Umschlag und Transport von Abfllen und Wertstoffen

[Link]
Behlter fr flssige und schlammige Sonderabflle
Behlter und Transportsysteme fr flssige und schlammige Abtalle sind bereits
in Kap. 3.3 beschrieben worden. Das Einsammeln, Lagern und Transportieren von
flssigen und schlammigen Sonderabtalle erfordert die Beachtung zustzlicher
gesetzlicher Regelungen und praktischer Anforderungen an Konstruktion und
Material. Insbesondere gehren dazu die Verwendung korrosionsbestndiger Materialien, zuverlssige Dichtungssysteme, ggf. doppelwandige Ausfhrung mit
Leckanzeige und Aufstellung in Auffangwannen.
Fr kleinere Mengen werden Fsser, zum Teil im Einwegverfahren, aus Stahl
oder Kunststoff eingesetzt sowie KTC-ASF-Behlter aus Stahl oder KunststoffinnenteiL Sie haben im Gegensatz zu ASP-Behltern eine kleinere ffnung mit
Verschlu und einen Deckel ber den gesamten Behlterquerschnitt Groe Mengen werden in separate oder fest mit dem Transportfahrzeug verbundene Tanks
gefllt oder gesaugt, wobei das System der Gaspendelung zur Verhinderung der
Freisetzung flchtiger organischer Verbindungen mittlerweile als Stand der Technik anzusehen ist.
Bei Bau und Einsatz von Behltern fr wassergetahrdende, brennbare Flssigkeiten sind die Vorschriften der Technischen Regeln fr brennbare Flssigkeiten
(TRbF) zu beachten.
Sammelbehlter fr Altle ("Altldepot"), die von jedermann zur Abgabe von
Altlkleinmengen genutzt werden, sollen nach den Beschlssen und Empfehlungen des Deutschen Ausschusses fiir brennbare Flssigkeiten (DAbF) weitergehenden Anforderungen nach Gefahrenklasse A I gengen. In dieser Empfehlung fmden sich Angaben ber die Bauart und das Aufstellen solcher Behlter. Altlsammelbehlter sowie Behlter fr Lsemittel, Beizen, Emulsionen ("Gefahrstoffdepot") werden einwandig oder doppelwandig mit Leckanzeige ausgefiihrt. Sie besitzen Entlfter und Fllstandsanzeige.

3.4.3

Sammelstellen und Zwischenlager

Durch verschrfte gesetzliche Regelungen (TA Abfall) werden immer mehr Sonderabtalle vor einer Endlagerung auf Sonderabfall- oder Untertage-Deponien in
besonderen Anlagen thermisch oder chemisch-physikalisch aufbereitet und wenn mglich - verwertbare Bestandteile abgetrennt. Sonderabtalle werden zu
Sammelstellen befrdert, wo ihre Identifikation berprft, der Entsorgungsweg
festgelegt und sie ggf. behandelt werden.
In der Sammelstelle werden kleinere Einheiten zu greren Sammeltransporten
zusammengestellt, ein Teil der Stoffe behandelt und die sich aus der Behandlung
ergebenden Reststoffe zur endgltigen Ablagerung bereitgestellt. Die Sammelstelle erfiillt daher die Funktion eines Zwischenlagers, einer Sortier- und Umfllstation sowie einer Behandlungsanlage [3.38].
Bei den angelieferten Sonderabtallen handelt es sich um Produktionsrckstnde
aus der Industrie oder um getrennt gesammelte Sonderabtalle aus Haushalten. Der
Bundesverband der Unfallversicherungstrger der ffentlichen Hand (BAGUV)

3.4 Sonderabflle

127

Bild 3.33. Flieschema einer Sammelstelle fiir Sonderabfall [3.29]

hat 1987 ein Merkblatt ber die bauliche und personelle Ausstattung von Sammelstellen herausgegeben.
Angelieferte Abflille werden nach der Eingangskontrolle, d.h. Entnahme von
Proben zur Analyse und berprfung der Deklaration, nach Art der Inhaltstoffe,
Eigenschaften und Konsistenz in entsprechende Annahmebecken, Mulden u.a.
Behlter entleert oder in Wechselbehltern abgestellt. Von dort werden sie je nach
Bedarf einer chemisch-physikalischen Behandlung zugefUhrt und flssige bzw.
schlammige Stoffe in der Regel entwssert, bevor sie zu greren Transporteinheiten zusammengestellt und zur Sonderverbrennungsanlage oder -deponie gebracht werden.
Das Flieschema in Bild 3.33 zeigt prinzipiell die Verfahrensschritte einer
Sammelstelle. Grundstzlich kann eine Sammelstelle mit folgenden Betriebsteilen
ausgestattet sein [3.34]:
- Lagerflche zur Zusammenstellung fUr die Behandlung,
- Lagerflche zur Zusammenstellung der Transporte zu den Zentrallagem,
- Emulsionstrennanlagen fUr l-Wasser-Gemische,
- Neutralisations- und Entgiftungsanlagen, Entwsserungsanlagen.
An die bauliche Ausfhrung der Bereiche, in denen Abfallstoffe umgefllt und
gelagert werden, sind besondere Anforderungen zu stellen. Die Abstellflchen fUr
Behlter und die Aufnahmebecken mssen berdacht sein, um eine Vermischung
mit Regenwasser zu vermeiden. Der Boden der Abstellflchen sowie der Bereich
um die Annahmebecken ist aus hochwertigem Beton, z.B. wasserdichtem B35 mit
hohem Widerstand gegen chemischen Angriff, und geneigt oder mit Ablaufrinnen
auszufilhren. Ein besonderes Problem ist die Sicherung des Untergrundes gegen
das Eindringen von chlorierten Kohlenwasserstoffen. Diese Stoffe diffundieren
selbst durch hochwertigen Beton, es mu daher unter der Bodenplatte eine Abdichtung gegen CKW's eingebaut werden. Fr diese Dichtung gibt es eine Reihe
von Mglichkeiten. Ohne Anspruch auf Vollstndigkeit kommen folgende Dichtungskonstruktionen in Betracht:

128

3 Sammlung, Umschlag und Transport von Abfllen und Wertstoffen

c_-_-_-_-_-~-------~:::::::::::::::::l----~------ .... ______ 1

Bild 3.34. Feststofflager [3 .38]

- Stahlblecheinlagen auf einer Betonschicht mit Estrichauflage,


- Mehrkomponenten-Beschichtungssystem (z.B. System Asplitt der Firma
Hoechst),
- Dichtungsbahnen (z.B. Delta-Sperrschicht der Firma E. Drken KG),
- Bleifolien.
Keine dieser Manahmen kann aber als optimale Lsung angesehen werden. Ein
Feststofflager mit einer vollstndigen Trennung der Anlieferseite von der Aufnahmeseite zeigt das Bild 3.34. Damit wird erreicht, da die anliefemden Fahrzeuge nicht in mglicherweise kontaminierte Fahrbereiche gelangen und somit
Schadstoffe auf allgemeine Verkehrsflchen austragen knnen.
Es ist erforderlich, Abfallstoffe hnlicher Zusammensetzung gemeinsam zu lagern und rumlich deutlich getrennt von solchen Stoffen zu halten, mit denen es
zu unerwnschten Reaktionen kommen kann [3.38).

3.4.4

Sonderabfallkleinmengen aus Haushaltungen

Rund 0, 7 % des in der Bundesrepublik Deutschland anfallenden Hausmlls mssen als Sonderabfall eingestuft werden. Um diese Menge einer angemessenen
Behandlung zuzufilhren, mssen diese Stoffe von Wertstoffen und vom Restmll
getrennt erfat und eingesammelt werden. In Haushaltungen fallen folgende Problemstoffe an [3.40]:
- Reinigungsmittel, Desinfektionsmittel,
- alte Arzneimittel, Lack- und Lsemittelreste, Holzschutzmittel,
- Altbatterien,
- Pflanzenschutz- und Schdlingsbekmpfungsmittel,
- sonstige Chemikalien (Hobbybereich),
- Leuchtstoffrhren,
- ElektroartikeL
Einige dieser Problemstoffe wie Altbatterien, Elektronikschrott und Leuchtstoffrhren knnen recycelt werden. Ausrangierte Khlschrnke, die gewhnlich mit
Sperrmll abgefahren werden, knnen heute bereits getrennt und auf Abruf einge-

3.4 Sonderabflle

129

sammelt werden, um die im Khlsystem enthaltenen FCKW zurckzugewinnen


und so ein Entlassen des FCKW in die Atmosphre zu verhindern.
Etwa 50 % der Sonderabfiille aus Haushaltungen, bei bestimmten Sonderabfallarten sogar bis zu 90 %, gelangen in die Hausmllbeseitigung und in das husliche Abwasser. Neben Sonderabfallkleinmengen aus Haushaltungen mssen auch
solche aus dem Gewerbe sowie Handels- und Dienstleistungsbereich verstrkt
erfat werden.
Sonderabfiille aus Haushaltungen fallen im Gegensatz zu den meisten brigen
Bestandteilen des Hausmlls in der Regel in kleinen Mengen und unregelmig
an, so da hier ein anderes Sammetsystem zum Einsatz gelangen mu. Ein langfristig tragfhiges Sammetsystem mu auf eine Vielzahl von Rahmenbedingungen
eingehen. Hierzu gehren unter anderem [3 .41]
- der Arbeitsschutz,
- die Anforderungen der Abfallbeseitigungsanlagen,
- die Brgernhe,
- die Wirtschaftlichkeit,
- der Gewsserschutz,
- die Transportsicherheit
Problemstoffe knnen von speziell ausgersteten Sammelfahrzeugen {"Giftmobil", "Schadstofftaxi") am Anfallort abgeholt (Holsystem) oder durch den Abfallerzeuger zu zentralen Sammelstationen oder zum Handel gebracht werden
(Bringsystem). Als Sammetverfahren knnen eingeftihrt werden [3.42]:
- Rcknahme durch den Handel oder Hersteller,
- periodische Sammlungen bei den Abfallbesitzern,
- periodische Sammlung an zentralen Stellen,
- stndige Annahme an zentralen Stellen,
- Sammlung auf Abruf.
In der Praxis kann auch eine Kombination dieser Verfahren angewendet werden.
Der Aufwand ftlr den Abfallbesitzer mu mglichst gering gehalten werden. Die
Annahme von Problemstoftkleinmengen mu kostenlos sein, um einen Anreiz ftlr
die Teilnahme an der Sammlung von Sonderabfiillen berhaupt erst zu schaffen.
Um die Bevlkerung auf Sammelaktionen aufmerksam zu machen und ihren Bekanntheitsgrad zu steigern, ist eine intensive und mglichst kontinuierliche ffentlichkeitsarbeit zu leisten. Ein Nachlassen der Berichterstattung in den Medien
kann zu einer Abnahme der Anlieferzabi fhren.
Die Aufstellung von Depotcontainern ohne sachgerechte Annahme der Anlieferungen durch ausgebildetes Personal ist wegen des hohen Gefiihrdungspotentials
der zu sammelnden Stoffe nicht zu empfehlen. Die Mitarbeiter, die mobile und
ortsfeste Sammelstationen betreuen, mssen neben einer ausreichenden Kenntnis
ber Stoffzusammensetzungen, mgliche Reaktionen der Abfiille untereinander
sowie den Verfahren zur Abfallbehandlung ein ausgeprgtes Verantwortungsbewutsein besitzen, damit sie eine sachgerechte Zuordnung der angelieferten Abfiille vornehmen knnen.
Die Einstufung kann bei Originalverpackungen durch Inhaltshinweise oder
Kennzeichnung erfolgen. Von groer Bedeutung ftlr die Einstufung nicht gekennzeichneter Abfiille ist die Information, die nur der Abfallerzeuger bzw. -anlieferer

130

3 Sammlung, Umschlag und Transport von Abfllen und Wertstoffen

besitzt. Sobald der Anlieferer die Sammelstation verlassen hat, sind dessen Informationen nicht mehr abrufbar [3.41].
Problemstoffe werden in speziell dafr vorgesehenen Behltern gesammelt, die
dieselben Anforderungen erfllen mssen, wie solche fr industrielle Sonderabflle. Whrend in einer ortsfesten Sammelstelle ausreichendes Behltervolumen
zur Verfgung stehen kann, ist bei mobilen Sammelstationen die Aufteilung des
Fahrzeugraumes fr verschiedene Behltertypen und -gren auf Erfahrungswerte
zu sttzen. Die Mengen unterliegen jahreszeitlichen, rtlichen, aber auch zufiilligen Schwankungen. Behlter in ortsfesten und mobilen Sammelstationen unterscheiden sich in erster Linie durch ihre Gre. In ortsfesten Sammelstationen
werden Container, Mulden, Gitterboxen, Spannringdeckelfiisser mit 200 Litern
Rauminhalt und Altldepots aufgestellt. In Sammelfahrzeugen werden dagegen
kleinere Fsser, Kanister und Kisten aus Stahl oder Kunststoff verwendet. Sie sind
im Fahrzeug gegen Fall und Sto gesichert. Undichte Anlieferungsgefe mit
flssigem Inhalt und solche mit nicht identifizierbarem Inhalt werden zustzlich
einzeln in Folienbeutel verpackt.
Problemstoffe aus Haushaltungen sind nach der GGVS als "gefiihrliche Gter"
einzustufen. Beim Einsammeln in Sammelfahrzeugen ergibt sich dabei das Problem, da Stoffe miteinander transportiert werden, die nach den geltenden Vorschriften separat beiOrdert werden mssen.
Um trotzdem verschiedene Sonderabflle transportieren zu knnen, waren Abweichungen von den in der GGVS vorhandenen Richtlinien zu erarbeiten. Dieses
so geschaffene Regelwerk darf die Sicherheit des Transportgesamtsystems nicht
gefiihrden.
Hierzu gehren alle Manahmen, die einen sicheren Transport ermglichen und
solche, die beim Eintreten eines Schadensfalls zur Schadensbegrenzung beitragen.
Ortsfeste Sammelstellen, die vorzugsweise zentral und verkehrgnstig liegen,
mssen baulichen Anforderungen u.a. nach der Verordnung ber Anlagen zum
Lagern, Abfllen und Umschlagen wassergefiihrdender Stoffe (V AwS) erfllen,
die hauptschlich fr den Schutz der Gewsser vor Verunreinigungen Sorge tragen. Nach VAwS sind u.a. folgende Vorkehrungen zu treffen [3.41]:
- Errichtung einer flssigkeitsdichten und chemikalienbestndigen Bodenplatte,
- Errichtung eines Auffangbehlters oder einer Auffangwanne, die mindestens
den Inhalt des grten Lagerbehlters bzw. 10 % der gelagerten Stoffe aufnehmen kann,
- berdachung der Bodenplatte und Sicherstellung, da kein Niederschlag auf
die versiegelte Bodenplatte fiillt.
Sammelstellen mssen ausreichend Platz fr Anlieferfahrzeuge, Behlter und
Container haben. Das Gelnde soll abschliebar sein. Die Annahme der angelieferten Abflle mu von fachkundigem Personal beaufsichtigt werden. Ortsfeste
Problemstoffsammlungen knnen zusammen mit der Sammlung von Wertstoffen
aus Haushalten wie Glas, Papier, Kunststoffen etc. auf Recyclinghfen stattfmden.

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Die abfallwirtschaftlichen Aktivitten lassen sich auf zwei grundstzliche Ziele


zurckfUhren:
- Die Haushalte, Stdte und Gemeinden mssen regelmig von Abfllen entsorgt werden.
- Die eingesammelten Abflle mssen so beseitigt werden, da das Wohl der
Allgemeinheit nicht beeintrchtigt wird.
Das zweite Ziel ist erst in den letzten 40 Jahren verstrkt in das Bewutsein der
Menschen eingedrungen. Dies hat dazu gefilhrt, da sowohl die Umwelthygiene
als auch die Schonung der Umwelt ein wichtiger Faktor wurde. Somit ist fi1r die
Wahl eines Systems zur Abfallbehandlung nicht nur die Wirtschaftlichkeit eines
Verfahrens ausschlaggebend, sondern es mssen auch die Forderungen nach der
Umwelthygiene und dem Schutz der Umwelt vorrangig bercksichtigt werden. Der
Oberbegriff "Abfallwirtschaft" hat sich eingebrgert und umfat nach heutigem
Verstndnis die Summe aller Manahmen zur Vermeidung, mglichst schadlosen
Behandlung, Wieder- und Weiterverwendung und endgltigen Unterbringung von
Abfllen aller Art unter der Bercksichtigung kologischer und konomischer
Gesichtspunkte. Neben den organisatorisch-strukturellen und technischen Manahmen zur Abfallbehandlung kommen als Abfallbehandlungsmethoden folgende
Verfahrensgruppen in Betracht:
- die Deponierung von Abfllen in geordneter Weise als endliche Ablagerungsmglichkeit filr "Restabfiille", deren weitere Behandlung und Aufbereitung weder wirtschaftlich noch technisch durchfUhrbar ist,
- die thermische Behandlung von Abfllen zur Nutzung der Energie und Reduktion der Abfallmengen (Energie-Recycling),
- die biologische Behandlung von organischen Abfllen zur Verbesserung und
Erschlieung von Kulturbden (biologischer Naturkreislauf),
- die chemisch-physikalische Behandlung von Sonderabfllen mit der Zielsetzung, gefhrliche und reaktionsfreudige organische und anorganische Abflle in
einen Zustand zu bringen, der eine umweltgerechte Entsorgung durch eine entsprechende stoffliche oder thermische Nutzung bzw. Ablagerung erst mglich
macht,
- die Aufbereitung von Abfllen zu Primr- und Sekundrrohstoffen und die
damit verbundene Einsparung an Rohstoffen und Primrenergie (RohstoffRecycling).
Im Jahr 1987 wurden insgesamt ca. 23 Mio. Mg Hausmll, hausmllhnliche Gewerbeabflle, Sperrmll, Straenkehricht und MarktabOOie nahezu vollstndig

B. Bilitewski et al., Abfallwirtschaft


Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2000

132

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

durch die Verbrennung und geordnete Deponie entsorgt. Die anderen Abfallbehandlungsmethoden wie Kompostierung, Sortierung von Wertstoffen und Pyrolyse
Tabelle 4.1. Zusammenstellung der Abfallbehandlungsmethoden fiir Hausmll, hausmllhnliche Gewerbeabflille, Sperrmll etc. in der Bundesrepublik Deutschland fiir 1984 und 1990 (alte
Bundeslnder) bis 1999 [4.9]
Abfallbehandlungsmethode

Entsorgungsanlagen (Anzahl)
1984

1990

1993

1996

Mllverbrennung

46

48

56

51

55

Kompostierung

27

75

288

383

558

45

228

522

372

295

560

426

530
310

1999

Pyrolyse

Sortierung
Deponie

entsorgten 1997 zusammen weniger als 4 % der Bevlkerung. 1993 betrug die
Abfallkategorie bereits 43,5 Mio Mg. In der Tabelle 4.2. ist der Stellenwert der
jeweiligen Abfallbehandlungsmethode fr die Vergangenheit und Gegenwart dargestellt. Bis zum Jahre 2005 wird von einer abnehmenden Siedlungsabfallmenge
ausgegangen. Die Deponierung wird aus politischen und sicherheitstechnischen
Grnden erheblich teurer, so da die Zahl einfacher Kompostierungs- und Sortieranlagen betrchtlich zunehmen wird. Gab es 1984 erst 3 Anlagen, in denen
Abfiille sortiert wurden, waren 1990 bereits 45 Anlagen fr die Sortierung von
Haushaltsabfiillen gebaut worden (vgl. Tabelle 4.1.).
Entsprechend der Tabelle 4.2. wird deutlich, da die Pyrolyse nur eine geringe
Rolle in der Abfallwirtschaft der Zukunft beim Hausmll spielen wird. Nur bestimmte Komponenten des Abfalls aus der Sortierung, Kompostierung und getrennten Sammlung knnen in Pyrolyseanlagen sinnvoll eingesetzt werden. Dabei
wird es sich vor allem um Kunststoffe, Leder und Gummi handeln, die andere
Prozesse stren, sehr schadstoffreich und nicht oder nur bedingt verwertbar sind.
Tabelle 4.2. Gegenwrtiger Stand und Prognosen bis zum Jahr 2005 ber die Entsorgungsmethodenund deren Anteil am gesamten Hausmll und der ffentlichen Sammlung [4.195]
Entsorgungsmethode Anteil am gesamten Hausmll, [%]
1984
1987
1977
1982
Deponie
MVA
Kompostierung
Pyrolyse/BRAM
Sortierung

74,70
22,40
2,60

76,10
22,30
1,60

72,96
24,57
1,93
0,03
0,51

67,77
26,20
2,40
0,03
3,60

1993

1997

51,50
25,29
7,52

42,72
17,41
7,63

18,69

32,24

2005
14,60
34,79
9,81
5,23
34,35

4.1 Geordnete Deponie


Votausslchlticht [Link]:.. im Jthr

U~a5

Depoaxn

300

100

.... ...~~.~~~~"
.

Technischer Ausstattungsgrad mJahre 1993

""""'~
300

250
200

150
100

50
0

t.l"'taclestation ReWenrelnlgung

Waage

BalilabdichlJng lmJatve 199:5

Labor

Kofrpaklor

Beslaab<[Link] Oeponie1'l und Teiabl:chnile Im

Jahr~~toll
4'14

[Link]
41 '14
~sbehancfung

knJahre 1995

Sickw asaerbehandkmg im Jar.e- 19i5

Kreiolo<Jf.

....

(Qhrl.g

-'

Bohond-

bngeuf
Vorflutet

2'14

17'14

Bild 4.1. Anzahl und Arten von Deponien und deren Stand der Technik in Deutschland [4.9]

133

134

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

50.010

- ""-.......,,

...

'
10.000
5..010

II

1.000
500

100
50

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I

111Ga &4 e& 88 70 72 74 76 78 80 82 84 86 88 10 92 84 91 98 GO Jahr

-.----- ungaordnet

pordnllt

Bild 4.2. Zeitliche Entwicklung der ungeordneten zur geordneten Deponie in der Bundesrepublik
Deutschland

4.1
Geordnete Deponie
Der Vorteil der Deponierung als alleinige Beseitigungsmethode von Abtallen
beruht auf der einfachen Technik, die eingesetzt werden mu, und kurzfristigen
betriebswirtschaftliehen berlegungen mit geringen spezifischen Entsorgungskosten, die je nach Lage, Gre und Errichtungszeitpunkt z.Z. zwischen 80 und
300 DM/Mg Abfall liegen.
Nach dem gegenwrtigen Stand der Technik kann eine geordnete Deponie so
betrieben werden, da die Belstigung der Anlieger und eine Geflihrdung der Umwelt durch Sickerwasser, Geruch, Brand- und Explosionsgefahr weitgehend vermieden werden. Trotzdem bleibt die Deponie durch Emissionen von Stuben und
Mikroorganismen whrend der Einbauzeit eine Belastung fiir die Umwelt.

4.1 Geordnete Deponie

135

Nach Abschlu der Deponie besteht ein Langzeitrisiko durch die Wasserdampfdestillation und Auslaugung im Innem des Deponiekrpers, die Schadstoffe im
Sickerwasser und im Gas anreichert und damit die Umwelt belastet.
Die Erfahrung lehrt, da eine nach dem jeweiligen Stand der Technik angelegte
Deponie bereits heute oder morgen eine Altlast sein kann. Auch dies mu bei der
Planung und dem Betrieb von Deponien bercksichtigt werden.
Bild 4.1. zeigt die Restlaufzeit der derzeitigen Deponien sowie den umweltrelevanten sicherheitstechnischen Ausstattungsgrad.
Die geordnete Deponie steht im Gegensatz zur ungeordneten bzw. wilden Deponie. In der geordneten Deponie werden die Abflle systematisch ausgebreitet
und in Schichten von begrenzter Strke eingebaut. Gegenber der Geschichte der
Verbrennung, Kompostierung und Sortierung von Ab:fiillen stellt die geordnete
Deponie, durchgefilhrt im heutigen Sinne, ein junges Verfahren dar. Die Entwicklung zur geordneten Deponie vollzog sich in der Bundesrepublik Deutschland im
wesentlichen in den letzten dreiig Jahren [4.3]:
- 1961 Einfilhrung der ersten geordneten Deponie durch die Stadt Bochum,
- 1971 Erla des Abfallbeseitigungsgesetzes,
- 1972 Einfilhrung des ersten Kompaktors zur Verdichtung des Hausmlls.
Bild 4.2. zeigt die zeitliche Entwicklung der Anzahl ungeordneter zu geordneten
Deponien in den alten Bundeslndern. Die hier dargestellte Einstufung der Begriffe "geordnet" und "ungeordnet" bezieht sich nur auf die Einbaumethode, ergnzt
und gendert nach [4.3].
4.1.1
Klassifizierung von Deponien

Die Deponien lassen sich durch ihre Formen, die durch den Standort und seine
Topographie festgelegt sind, und durch die Technik bzw. den Betrieb auf der Deponie charakterisieren.
[Link]
Deponieformen

Bis vor ca. 20 Jahren wurden die Deponien sowohl in der Bundesrepublik als auch
in der damaligen DDR berwiegend in Gruben angelegt. Somit war die Deponieform, die in der Regel die meisten umwelttechnischen Nachteile mit sich bringt,
am hufigsten vertreten.
Deponieformen werden wie folgt eingeteilt [4.4] :
- geschlossene Grubendeponie,
- offene Grubendeponie,
- Deponie am Hang,
- Deponie im Taleinschnitt,
- Haldendeponie.
Die geschlossene Grubendeponie ist durch die unter dem umliegenden Gelndeniveau liegende Basis gekennzeichnet. Steile Bschungen, die mitunter schwer abzudichten sind, sind die Regel. Die Nachteile der Grubendeponie bestehen darin,
da das Sickerwasser stndig von der Grubensohle gepumpt werden mu und das

136

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Deponiegas leicht in die Seitenwnde abwandert und unkontrolliert entweichen


kann.
Die offene Grubendeponie entsteht an Hangeinschnitten und ist somit nach
mindestens einer Seite hin offen. Die Grubensohle ist zur offenen Seite hin geneigt, so da die Entwsserung des Sickerwassers durch das natrliche Getalle
erfolgen kann.
Im Gegensatz zur Grubendeponie, bei der ein ehemaliger Eingriff in die Landschaft durch Kies-, Gesteins- oder Tonabbau rckgngig gemacht wird, bedeutet
die Deponie am Hang oder im Taleinschnitt eine Vernderung der Landschaftsform. Hinsichtlich der Erschlieung, dem Betrieb, der Mglichkeit der Dichtung
und Zuverlssigkeit der Entwsserung haben diese Deponietypen groe Vorteile
gegenber den Grubendeponien.
Die Haldendeponie ist ftlr viele Gebiete in Deutschlandaufgrund der topographischen und hydrologischen Verhltnisse die einzig mgliche Deponieform. Die
gute Kontrolle der Deponiebasis, der entstehenden Gase, die sichere Betriebsfllhrung und Langzeitkontrolle haben dazu gefllhrt, da die Haldendeponie sich verstrkt durchgesetzt hat.

[Link]
Betriebsformen
Die Einlagerung der Abtalle geschieht entsprechend der Genehmigung nach einem
vorbestimmten Plan, der protokolliert und stndig berwacht wird. Die Form der
Einbautechnik und die abzulagernden Komponenten bzw. Abfallqualitten ermglichen die Einteilung nach folgenden Betriebsformen der Deponie:
- Verdichtungsdeponie,
- Rottedeponie,
- Ballendeponie,
- Inert- und Monodeponie,
- Sonderabfalldeponie.
Bei der Verdichtungsdeponie handelt es sich in der Regel um unbehandelte Siedlungsabtalle, die in Schichten von 0,3 bis 2 m Mchtigkeit aufgebracht und verdichtet werden. Das Ziel des Deponiebetriebes auf einer Verdichtungsdeponie ist
es, mit einem minimalem Gerteeinsatz eine mglichst hohe Verdichtungsleistung
zu erzielen.
Bei der Rotte- und Ballendeponie ist eine gewisse Vorbehandlung der Abtalle
vor ihrer Einlagerung notwendig. Auf der Rottedeponie wird der Abfall in zwei bis
drei Verfahrensschritten eingebaut, die sich wie folgt unterscheiden (vgl. Kap.
mechanisch-biologische Verfahren 4.4.3):
- Aufbereitung des Abfalls (z.B. durch Zerkleinerung) und ggf. Vermischen mit
Klrschlamm,
- Rotte des aufbereiteten Materials in losen Schichten von maximal 2 m ber
einen Zeitraum von 4 bis 6 Wochen,
- Einbau des verrotteten Materials mit der blichen Verdichtung oder Verwendung des Materials nach einer Bedarfskompostierung zur Zwischenabdeckung
oder Rekultivierung.

4.1 Geordnete Deponie

137

Die Verpressung von Siedlungsabfllen zu Ballen wird in verschiedenen Lndern


(z.B. Japan) praktiziert [4.2]. Dabei wird die Ballenpresse im Abfallbeseitigungssystem hnlich einer Umladestation angelegt, so da die Sammelkosten minimiert
und vor der Verpressung Wertstoffe wie Papier, Pappe, Glas und Metalle aussortiert werden. Der Transport der Ballen erfolgt in der Regel durch Lkw. Auf der
Deponie werden die Ballen dann mit Radladern oder Gabelstaplern in Hhen von
3 bis 4 Stck ein- bzw. abgelagert.
Die Ballendeponie ist staubfrei und erfordert weniger Zeit-, Gerte- und Arbeitsaufwand als die Ablagerung von unverpretem Abfall. Es zeigte sich jedoch,
da beim Einbau von nicht verschnrten Ballen als Folge der ungleichmigen
Abmessungen Schwierigkeiten zu erwarten sind, die hnlich der Verdichtungsdeponie nur durch einen erheblichen Aufwand an Abdeckmaterial ausgeglichen werden knnen. Die Raumgewichte der Ballen variieren je nach verwendetem Pretyp
zwischen 600 bis 700 kg/m 3 bei schwachverdichtenden und zwischen
725 bis 1 250 kg/m 3 bei hochverdichtenden Pressen.
Im Gegensatz zu den Multikomponenten-Deponien wird bei der Monodeponie
eine einzige Abfallart abgelagert.
Monodeponien enthalten hufig Abflle wie Abraum, Bauschutt, Altreifen,
Kunststoffe oder Klr- und Industrieschlmme, die in groen Mengen anfallen und
fr die es z.Z. noch keine wirtschaftliche und/oder gefahrlose Wiederverwendung
gibt.
Inert-Deponien werden durch die Qualitt der Abflle charakterisiert. Zum Beispiel fhrt die Verbrennung von verschiedenen Abfllen zu einer groen Volumenreduktion und weitgehenden Mineralisierung der Reststoffe. Daraus ergibt sich
eine Verminderung von Abbau- und Auslaugvorgngen. Bei der Inert-Deponie
werden Abflle abgelagert, die wie Bodenaushub keine oder nur geringe mobile
Schadstoffe enthalten.
Sonderabfalldeponien werden durch die Gefhrlichkeit der abzulagernden Stoffe charakterisiert. Dabei werden Zwischenlager und Endlager unterschieden. Das
Zwischenlager stellt ein Bauwerk auf Stelzen, mit Behltern oder mit Unterkellerung etc. dar und nimmt vornehmlich Abfallgemische mit unbestimmten und
nicht standortgerechten Deponieverhalten auf. Diese Abflle verbleiben so lange
unter kontrollierten Bedingungen, bis fr eine entsprechende Behandlung oder fr
einen geeigneten Verbleib gesorgt ist.
Als Endlagersttte werden Untertage-, Kavernen- und bertagedeponien dann
angesehen, wenn die eingelagerten Stoffe verfestigt und immobilisiert sind.
Aktuelle Betriebsformen
Fr Sonderabflle sind heute gem der im November 1991 in Kraft getretenen
TA Abfall noch zwei Deponietypen vorgesehen, die oberirdische Deponie und die
Untertagedeponie in Salzgestein (s. Kap. 4.1.4).
Fr die Ablagerung von Siedlungsabfllen wird es entsprechend der am 1. Juni
1993 in Kraft getretenen Dritten Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Abfallgesetz (TA Siedlungsabfall), nach der die stoffliche Verwertung Vorrang hat, in
Zukunft lediglich drei Deponiebetriebsformen geben.

138

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Die Deponieklasse I, in der Abflle mit einem sehr geringen organischen Anteil
abgelagert werden knnen, bei denen im Auslaugungsversuch nur sehr geringe
Mengen Schadstoffe freigesetzt werden.
Auf einer Deponie der Deponieklasse 11 knnen Abflle mit einem hheren organischen Gehalt und mit einer hheren Schadstofffreisetzung zur Ablagerung
kommen, entsprechend bestehen hhere Anforderungen an den Standort (s. Kap.
4.1.2).
Auf Monodeponien sollen Abflle zur Ablagerung kommen, die nach Art, Schadstoffgehalt und Reaktionsverhalten hnlich und untereinander vertrglich sind
[4.1].

4.1.2

Deponiestandorte

Whrend Abfallverwertungseinrichtungen unterschiedlicher Art oftmals in unmittelbarer Nhe von Wohngebieten angesiedelt und auch akzeptiert werden, sind
Deponiestandorte gesellschaftlich schwerer durchsetzbar. Bereits das Bekanntwerden von Planungsvorhaben ruft massive Brgerproteste hervor. Durch Einsprche
kann die Genehmigung von neuen Deponien oder deren Erweiterungen ber Jahre
hin verzgert werden. Die Errichtung einer Deponie stellt einen Landschaftsverbau
mit einer wesensfremden Nutzung dar. Neben den privat Betroffenen wird inuner
strker die Anspruchskonkurrenz des Landschaftsschutzes, der Wasserwirtschaft,
der Sicherung der Naturschtze, der Freizeitnutzung etc. zum Ausdruck gebracht.
Dadurch wird die Standortfmdung mit zunehmenden Anforderungen fUr zuknftige Deponien inuner schwieriger.
Da die Abfallbeseitigung grorumig am kostengnstigsten durchgefilhrt werden kann, wird der Deponiestandort in Form einer Zentraldeponie zunchst nach
Kostengesichtspunkten ausgewhlt. In der Regel sprechen die Flchennutzungsplne und Umweltschutzgesichtspunkte gegen einen solchen Standort. Die Standortentscheidung ist schlielich als ein Ausgleich dieser unterschiedlichen Ansprche an einem Ort zu verstehen.
[Link]

Vorschriften und Richtlinien

Bei der Errichtung von Deponien sind von allen Beteiligten die entsprechenden
Rechts-, Verwaltungsvorschriften und -anordnungen zu beachten.
Im Abfallgesetz ist gem 29 Abs. I festgelegt, da die Lnder die Standorte
fUr Deponien im Rahmen ihrer Abfallbeseitigungsplne festzulegen haben. Entsprechend 3 1 Abs. 2 ist fUr die Errichtung und den Betrieb der Deponie grundstzlich ein Planfeststellungsverfahren durch die zustndige Behrde vorgeschrieben. Bei der Planfeststellung ist die Umweltvertrglichkeit der Anlage zu prfen.
Die Behrde wird in der Regel im Planfeststellungsbescheid Auflagen zur Bercksichtigung von Einwnden und fachlichen Gesichtspunkten zusammenfassen
und ordnen. Es werden die Art und Herkunft der zugelassenen Abfallstoffe, die
Einrichtung der Deponie und deren Prfung und berwachung, der allgemeine

4.1 Geordnete Deponie

139

Deponiebetrieb, Manahmen zum Gewsserschutz, zur Deponiegaserfassung und


-behandlung sowie die Folgenutzung der Deponie geregelt.
Als Prfungs- und Entscheidungsgrundlage fiir die Vollzugsbehrden gelten
hierbei die in der Dritten Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Abfallgesetz
(TA Siedlungsabfall) erarbeiteten Anforderungen.
[Link]
Standortanforderungen

Die Wahl des Deponiestandortes hatte und hat neben den technischen Anforderungen eine wichtige Bedeutung fiir die Verminderung der Risiken fiir Umwelt
und Mensch.
Die Erkenntnis um die Langzeitfolgen von Deponien fiir die Umwelt fiihrte
Mitte der 80er Jahre zur Schaffung des Multibarrierenkonzeptes (vgl. Kap. 4.1.3).
Da kein Dichtungssystem die Emissionen eines Deponiekrpers "ber unendlich
lange Zeitrume" auffangen kann, wurde als Barriere 2 der Standort der Deponie
eingefhrt. Insbesondere dessen geologische und hydrogeologische Eignung steht
dabei im Vordergrund.
Entsprechend den Vorgaben der TA Siedlungsabfall ist die Standortauswahl fiir
eine Deponie so zu treffen, da bereits durch die standortspezifischen geologischen, hydrogeologischen, bodenkundliehen und geotechnischen Gegebenheiten
die Mglichkeit einer Ausbreitung von Schadstoffen auf ein Minimum reduziert
ist. Zudem sollte zu dem nchstgelegenen Siedlungsgebiet ein Schutzabstand von
mindestens 300m eingehalten werden, um eine direkte Beeintrchtigung der Anwohner durch den Deponiebetrieb zu vermeiden.
Der unter der Deponie und im weiteren Umfeld anstehende natrliche Untergrund sollte als geologische Barriere wirksam sein und folgende Bedingungen
erfllen:
- Mchtigkeit von mehreren Metern,
- schwach durchlssiges Locker- oder Festgestein,
- hohes SchadstoffrckhaltepotentiaL
Unterschreitet die geologische Barriere im Ablagerungs- oder Nahbereich der
Deponie eine Mchtigkeit von 3 m, so ist eine homogene Ausgleichsschicht (kf ::s;
I* 1o-7 m/s) einzubringen. Gegebenfalls sind zur Sicherstellung der Anforderungen
zustzliche technische Manahmen zu ergreifen.
Der Abstand des Deponieplanums zur maximal zu erwartenden Grundwasseroberflche mu mindestens 1 m betragen.
Fr die Deponieklasse I (s. Kap. [Link]) bestehen keine-besonderen Anforderungen an eine geologische Barriere.
Deponieklasse I (nach TA Siedlungsabfall)
Die Zuordnung zur Deponieklasse I gilt fr eine Deponie, in der Abflle eingelagert werden knnen, die einen sehr geringen organischen Anteil enthalten und bei
denen eine geringe Schadstofffreisetzung im Auslaugungsversuch stattfmdet. Die
entsprechenden Zuordnungswerte fiir die Abflle sind im Anhang B der TA Siedlungsabfall festgelegt (s. Tabelle 4.3. ).

I40

4 Abfallbehandlung und -beseltlgung

Tabelle 4.3. Zuordnungskriterien filr Deponieo

Nr.

Parameter

[Link]
1.02
1.03

Festigkeit
Flgelscherfestigkeit
Axiale Verformung
Einaxiale Druckfestigkeit

2.0I
2.02

Organischer Anteil des Trokkenrckstandes der Originalsubstanzb


Bestimmt als Glhverlust
Bestimmt als TOC

Zuordnungswerte
Deponieklasse I
::::25 kN/m2
s;20%

Deponieklasse II

:::: 50kn./m2

::::25 kN/m2
s;20%
:::: 50kN/m2

s; 3 Masse-%
s; I Masse-%

s; 5 Masse-%
s; 3 Masse-%

Extrahierbare lipophile Stoffe s; 0,4 Masse-%


s; 0,8 Masse-%
der Originalsubstanz
Eluatkriterien
4
5,5-13,0
5,5-13,0
pH-Wert
4.0I
Leitfiihigkeit
4.02
s; I 0.000 11S/cm
s; 50.000 11S/cm
4.03
TOC
s; 20 mg!l
s; IOO mg!l
Phenole
4.04
s; 0,2 mg!l
s; 50 mg!l
Arsen
4.05
s; 0,2 mg!l
s; 0,5 mg!l
4.06
Blei
s; 0,2 mg!l
s; I mg!l
Cadmium
4.07
s; 0,05 mg!l
s; O,I mg!l
Chrom-VI
4.08
s; 0,05 mg!l
s; O,I mg!l
s; I mg/1
s; 5 mg!l
Kupfer
4.09
s; I mg/1
s; 0,2 mg!l
Nickel
4.10
Quecksilber
s; 0,005 mg/1
s; 0,2 mg/1
[Link]
s; 2 mg!l
s; 5 mg!l
Zink
4.I2
Fluorid
s; 5 mg!l
s; 25 mg!l
4.13
s; 4 mg!l
Ammonium-N
s; 200 mg/1
4.I4
Cyanide, leicht freisetzbar
s; O,I mg!l
s; 0,5 mg/1
4.I5
s; 0,3 mg!l
AOX
s; I,5 mg/1
4.I6
s; 3 Masse-%
Wasserlslicher Anteil
4.I7
s; 6 Masse-%
(Abdampfrckstand)
1.02 kann gemeinsam mit 1.03 gleichwertig zu [Link] angewandt werdeo.
Die Festigkeit ist entsprechend den statischen Erfordernissen ftlr die Deponiestabilitt jeweils gesondert festzulegen. 1.02 in Verbindung mit 1.03 darf dabei insbesondere bei kohsiveo, feinkrnigeo Abililien nicht unterschritteo werdeo.
2.0I kann gleichwertig zu 2.02 angewandt werdeo; Anforderung gilt nicht filr verunreinigteo
Bodenaushub, der auf einer Monodeponie abgelagert wird.
Gilt nicht ftlr Ascheo und Stube aus nicht genehmigungsbedrftigen Kohlefeuerungsanlagennach dem BlmSchG.

4.1 Geordnete Deponie

141

Deponieklasse //(nach TA Siedlungsabfall)


Deponien, in der Abtalle abgelagert werden knnen, die einen hheren Anteil an
organischem Material enthalten als die, die auf der Deponieklasse I abgelagert
werden drfen und bei denen auch die Schadstofffreisetzung grer ist als bei der
Deponieklasse I (s. Tabelle 4.3.). Entsprechend sind die Anforderungen an den
Deponiestandort und die Deponieabdichtung hher.
Monodeponie (nach TA Siedlungsabfall)
Auf einer Monodeponie abgelagerte Stoffe mssen ebenfalls die Bedingungen der
Deponieklassen I und II - bezglich der Einhaltung der entsprechenden Zuordnungswerte - erfiillen (s. Tabelle 4.3.). Weiterhin ist in der TA Siedlungsabfall
festgelegt:
"Eine Ablagerung auf Monodeponien soll insbesondere dann erfolgen, wenn
aufgrundder Schadstoffgehalte im Abfall oder der Bindungsform der Schadstoffe
in den Abfllen eine Mobilisierung der Schadstoffe und nachteilige Reaktionen mit
anderen Abfllen ausgeschlossen werden sollen. Die zustndige Behrde kann
dabei im Einzelfall eine Zuordnung von Abtallen zur Monodeponie auch dann
zulassen, wenn einzelne Zuordnungswerte des Anhanges B mit Ausnahme von
Nr. I und 2 nicht eingehalten werden. Eine Ablagerung von nachweislich nicht
verwertbarem Bodenaushub kann auch dann zugelassen werden, wenn die Zuordnungswerte der Nr. 2 des Anhanges B nicht eingehalten werden. Bei der Ablagerung von asbesthaltigen Abtallen sind die Anforderungen des Merkblattes der
LAGA "Entsorgung von asbesthaltigen Abfallen" zu beachten"[4.1].

4.1.3
Einrichtung, Bau und Betrieb einer Deponie
Eine Reihe von geordneten Deponien, errichtet nach dem Stand der Technik aus
den 60er und 70er Jahren, sind heute zu sanierungsbedrftigen Altlasten geworden. Dies hat dazu gefiihrt, die Deponietechnik entsprechend den neuen Erkenntnissen und Anforderungen zu revidieren.
Die Einrichtung, der Bau und der Betrieb einer Deponie basieren auf dem
LAGA-Merkblatt [4.5] und verschiedenen Informationsschriften, Richtlinien und
Erlassen der einzelnen Bundeslnder. Dennoch sah und sieht die Praxis der Ablagerung von Abfllen nicht immer so aus, wie es die heutigen Mglichkeiten gestatten wrden. Aufgrund der unzureichenden baulichen Einrichtungen und einer
inkonsequenten Betriebsfiihrung sind eine Reihe von vermeidbaren Altlasten entstanden. Es wird darauf ankommen, welches Gefiihrdungspotential diese Deponiestandorte fiir die Zukunft darstellen und ob diese Altlasten mit geringem Aufwand
entsprechend den Standards der Zukunft kontrolliert werden knnen. ber die
Altablagerungen von Haus- und Gewerbeabfllen, auch jngeren Datums, fehlen
meist nahezu alle wichtigen Informationen, um das gegenwrtige und zuknftige
Gefahrenpotential abschtzen zu knnen [4.1 0]. Dies sind:
- Dokumentation ber die Art und Menge der Abflle,
- Kataster ber die rumliche Verteilung im Deponiekrper,
- Untersuchungen ber die genaue Geologie und Hydrologie der nheren Umgebung der Deponie,

142

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

- bereits entstandene Schden in der Nachbarschaft der Deponie durch Setzungen, Sickerwasser und Deponiegas.
Um die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen, ist es unabdingbar, bei
Deponien nicht nur auf die Wirksamkeit einer Schutzbarriere zu vertrauen, sondern aus Grnden der Sicherheit viele Barrieren einzuplanen [4.11].
Daraus entstand der Grundgedanke des Multibarrierenkonzeptes, in dem mehrere
Sicherheiten unabhngig voneinander wirken und so die Deponie umweltvertrglich machen. Diese Sicherheitsphilosophie sieht folgende Barrieren vor
[4.10, 4.11, 4.12]:
I. Barriere: Abfallvorbehandlung,
2. Barriere: Geologie und Hydrogeologie des Standortes,
3. Barriere: Deponiekrper mit prognostizierbarem Verhalten,
4. Barriere: Deponiebasisabdichtung mit Sickerwassererfassung und Behandlung,
5. Barriere: Oberflchenahdichtung und getrennte Erfassung des Niederschlagswassers,
6. Barriere: Nutzung, Nachsorge, Kontrollier- und Reparierbarkeit der Barrieren.
Barriere 1:
Das Gefhrdungspotential einer Deponie wird wesentlich von Prsenz und Mobilitt der Schadstoffe unter Einwirkung der Biosphre bestimmt. Die Abfallvorbehandlung wird so gestaltet, da geilihrliehe Schadstoffe mglichst immobilisiert
werden. Dies geschieht durch chemisch-physikalische Vorbehandlung, weitgehende lnertisierung der Abililie durch Verbrennung, Vorsortierung oder getrennte
Sammlung von schadstofthaltigen Sonderabililien aus Haushalten und Kleingewerbe.
Barriere 2:
Langfristig mu davon ausgegangen werden, da alle knstlichen Manahmen zur
Beherrschung der Emissionen einer Deponie ganz oder zumindest teilweise versagen. Das heit, da der Deponiestandort zu irgendeinem Zeitpunkt die Emissionen,
die dann von den abgelagerten Abfllen ausgehen, in kontrollierbaren Mengen
freisetzt. Der Deponiestandort als geologische, hydrologische und geographische
Barriere stellt sicher, da sich freigesetzte Schadstoffe nur langsam und vorhersagbar ausbreiten und empfindliche Ziele nur in tolerierbarer Verdnnung erreicht
werden knnen.
Barriere 3:
Der Deponiekrper ist ein Reaktor, der Schadstoffe emittiert. Qualitt und Quantitt der emittierten Schadstoffe hngen von der chemischen Bindungsform der
Schadstoffe sowie von den chemischen, biologischen und physikalischen Prozebedingungen im Deponiekrper ab. Die Deponie ist nicht nur eine knstliche Sedimentation, auf die alle Phnomene der Geologie wie Verfestigung, Fllung,
Rcklsung und Adsorption anwendbar sind, vielmehr wirken auer Wasser andere Flssigkeiten als Lsemittel, so da die Auslaugung von Schadstoffen wesentlich komplizierter verluft.

4.1 Geordnete Deponie

143

Das Ziel der Deponietechnik mu sein, einen Deponiekrper aufzubauen, der eine
hohe innere und uere Stabilitt hat und von dem langfristig keine unannehmbaren Gasemissionen ausgehen knnen, auch wenn der Abfallberg ungeschtzt lngere Zeit den Witterungseinflssen ausgesetzt ist. Der Erfolg des Deponiebetriebes
mu an der Qualitt des Deponiekrpers gemessen werden. Das Ma der Immobilitt der Schadstoffe in den Abfllen und Deponiekrper unter Witterungseinflu
bestimmt die Gte der Hauptbarriere einer Deponie [4.13].
Barriere 4:
Um Fehleinschtzungen hinsichtlich der Deponierbarkeit von Abfllen und der
Immobilitt der Schadstoffe sowie der hydrogeologischen Gegebenheiten im Deponieumfeld zu begegnen, mu jede Deponie eine Deponiebasisabdichtung erhalten, die die Ableitung unzulssig verunreinigter Sickerwsser in den Untergrund
verhindert.
Barriere 5:
Obwohl nur Abtalle abgelagert werden sollten, aus denen ein Deponiekrper aufgebaut werden kann, der langfristig keine schdliche Verunreinigung des Grundwassers erwarten lt, erfordert der Vorsorgegedanke, da der Deponiekrper von
den Witterungseinflssen abgeschirmt wird.
Das Deponieoberflchenabdichtungssystem verhindert die Infiltration von Niederschlagswasser in den Deponiekrper, die unkontrollierte Ausbreitung von Gasen und Gerchen sowie das Abschwemmen und Verwehen von Abfllen und
Stuben und trennt letztlich rumlich Deponiekrper und Nutzer der Oberflche
der verfllten Deponie.
Barriere 6:
Durch Nutzung, Nachsorge, Kontrollierbarkeit und Reparierbarkeit der Barrieren
knnen ungnstige Abweichungen von Planungsannahmen teilweise korrigiert
werden.
Nach Verfllung der Deponie sollte die Flche einer weitgehend uneingeschrnkten Nutzung, zumindest aber der ursprnglich mglichen Nutzung, wieder
zur Verfgung gestellt werden. Die Nutzung darf jedoch die Oberfiichenabdichtungssysteme nicht in ihrer Funktionsfiihigkeit und Wirksamkeit beeintrchtigen.
Planung, Bau und Betrieb von Deponien mssen so erfolgen, da unerwartete
Ereignisse, die zu gravierenden Schden fhren knnen, praktisch unmglich sind.
Darber hinaus sollten Abweichungen von den erwarteten Werten fr das Deponieverhalten mit geringem Aufwand korrigierbar sein. Wie auch immer eine
Deponie angelegt, aufgebaut und abgeschlossen wird, die Kontrolle und die Messung der Parameter, die das Langzeitverhalten der Deponie beschreiben, mssen
eine unerlliche Auflage in der Deponiegenehmigung werden. Die Meergebnisse sollen geeignet sein, frhzeitig Hinweise auf Abweichungen von dem erwarteten
Deponieverhalten zu geben und die Einleitung von Gegenmanahmen bei Strfllen rechtzeitig zu ermglichen. Die Reparierbarkeit einzelner Deponieteile und die
Rckholbarkeit von abgelagerten Stoffen gewhrleisten die Funktionsfhigkeit des
Gesamtsystems Deponie.

144

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

In der TA Siedlungsabfall sind detaillierte Anforderungen fUr die Errichtung, den


Bau und Betrieb einer Deponie aufgestellt worden. Der Anwendungsbereich der
Technischen Anleitung umfat dabei nicht nur die neu zu errichtenden Anlagen,
sondern darber hinaus auch
- Anordnungen von Befristungen, Bedingungen und Auflagen bis zum I. Juni
1996 fUr bestehende ortsfeste Abfallentsorgungsanlagen, die vor dem 11. Juni
1972 betrieben wurden oder mit deren Einrichtung bereits begonnen war, oder
der Untersagung des Betriebes ( 9 AbfG) ebenso wie
- Anordnungen von Befristungen, Bedingungen und Auflagen fUr bestehende
ortsfeste Abfallentsorgungsanlagen, die in dem in Artikel 3 des Einigungsvertrages genannten Gebiet vor dem 1. Juli 1990 betrieben wurden oder mit deren Einrichtung bereits begonnen war, und der Untersagung ihres Betriebes (
9aAbfG),
- Festlegung von Nachsorgemanahmen im Falle der Stillegung einer Abfallentsorgungsanlage nach Inkrafttreten der TA Siedlungsabfall ( 10 AbfG),
- Festlegung von Nachsorgemanahmen im Falle der Stillegung einer bestehenden Abfallentsorgungsanlage in dem in Artikel 3 des Einigungsvertrages genannten Gebiet( 10a AbfG)[4.1].
In der TA Siedlungsabfall wird das Prinzip des Multibarrierenkonzeptes fUr Deponien festgeschrieben. Durch die Auswahl geologisch und hydrogeologisch geeigneter Standorte, durch den Einsatz geeigneter Deponieabdichtungssysteme,
durch geeignete Einbautechniken fUr Abflle und die Einhaltung der im Anhang B
der TA Siedlungsabfall festgelegten Zuordnungswerte fUr das einzulagernde Gut
werden wirksame, voneinander unabhngige Barrieren geschaffen. Dadurch wird
die Freisetzung und Ausbreitung von Schadstoffen weitestgehend unterbunden.
[Link]
Deponieabdichtungen

Ein Deponieabdichtungssystem besteht aus der Deponieoberflchen- und -basisabdichtung, evtl. auch einer Seitenabdichtung, welche den gesamten Deponiekrper umschliet und ihn somit einkapselt. Die Wirkung der Einkapselung ist dann
vollkommen, wenn die Dichtwirkung beider Dichtungselemente dauerhaft ist und
Emissionen lediglich ber den kontrollierten Sickerwasser- und Gasabzug auftreten.
An die Beschaffenheit der Basis- und Oberflchenahdeckung knnen folgende
Anforderungen gestellt werden [4.14, 4.15]:
- Wasserdichtigkeit gegen Niederschlagswasser und eine Temperaturbestndigkeit bis mind. 70 C,
- Gasdichtigkeit gegenber Deponiegasen,
- Bestndigkeit gegenber der Deponieauflast,
- Unempfmdlichkeit gegenber Setzungen,
- Sicherheit gegen Austrocknung (bei mineralischen Dichtungsmaterialien),
- Bestndigkeit gegen Mikroorganismen, Nagetiere und gegen Wurzeleinwirkungen von Pflanzen,
- Erosions- und Frostsicherheit,

4.1 Geordnete Deponie

145

Entw&ssenmgsschic:lll
Siekarrohr

SchUUscl\ichl
2 2,5 mm

- <-=~===~~~~~~~~-'lo-'!>-++::1.._

Kunslslolf
dlc:lliUngsl>ahn

minerabd:>e

Oiclllungsschlchl

~------~~~~~~-~e~~m

Bild 4.3. Aufbau einer Kombinationsbasisabdichtung gem der TA Siedlungsabfall [4.1]

- einfache technische Verlegbarkeit,


- gute Kontrollierbarkeit der Dichte whrend der Bau- und Betriebsphase,
- Reparierbarkeit im Schadensfall,
- Wirtschaftlichkeit.
Dieser umfangreiche Anforderungskatalog zeigt die hohen Anforderungen sowohl
an die Basisabclichtung als auch an die Oberflchenabdichtung, die in der Summe
noch von keiner Dichtung erfilllt werden. Es zeichnen sich jedoch Konzeptionen
ab, die dieser Idealvorstellung nahe kommen.
Seit Ende der siebziger Jahre werden in der Bundesrepublik Deutschland alle
neu angelegten Deponien mit Basisabclichtungen versehen. Seit Juli 1984 ist in
Hessen eine kombinierte Basisabclichtung von Deponien vorgeschrieben.
Entsprechend den Anforderungen der TA Siedlungsabfall [4.1] sind filr Deponien, die ab Juni 1993 eingerichtet werden, folgende Varianten der Basisabclichtung vorgesehen:
- Kombinationsdichtung filr Deponieklasse II (und Monodeponien),
- mineralische Dichtung filr Deponieklasse I.
Zur Sicherstellung und Gewhrleistung der Qualittsanforderungen der TA Siedlungsabfall filr die Autbringung und Herstellung der Deponieabdichtungssysteme
ist nach DIN 55350 ein Qualittssicherungsplan zu erstellen, der die Ergebnisse
der Eignungsprfungen der zu verwendenden Materialien enthlt. Ebenso werden
die notwendigen Manahmen zur Qualittslenkung (Herstellungsverfahren) und
Qualittsberwachung und -prfung (whrend und nach der Autbringung) sowie
die Art und Weise der Dokumentation der Erstellung des Dichtungssystems detailliert hergestellt. Weiterhin sind Eigen- und Fremdprfungen und die berwachung
durch die zustndige Behrde gefordert.

Kombinationsdichtungen (Deponieklasse /1)

Unter dem BegriffKombinationsdichtung versteht man die lagenweise Anordnung


verschieden beschaffener Dichtungsmaterialien im direkten Kontakt miteinander.
Anwendung findet die Kombinationsdichtung bei Deponien der Deponieklasse
li.
Der Aufbau ist folgendermaen zu charakterisieren:

146

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Auf dem oberhalb der geologischen Barriere angelegten Deponieplanum wird eine
mineralische mindestens 31agige Dichtungsschicht (Ton) mit einer Mindeststrke
von 0,75 m aufgebracht, wobei ein Durchlssigkeitsbeiwert von k 2: 5*10 10 m/s
einzuhalten ist.
Die mineralische Dichtungsschicht wird mit einer Kunststoffdichtungsbahn
(Werkstoff bevorzugt HDPE) mit einer Mindestdicke von 2,5 mm abgeschlossen.
Die Kunststoffdichtungsbahn wird zum Schutz mit einer Lage Feinsand oder hnlichem Material abgedeckt. Darauf wird eine Entwsserungsschicht, geeignet sind
Kiesel oder gebrochenes Hartsteinmaterial (Durchlssigkeitsbeiwert k 2: I* 1o-3
rnls), aufgebracht, in der die Rohrsysteme filr die Sickerwasserfassung zu verlegen
sind.
Abgeschlossen wird die Abclichtung mit einer 1 m mchtigen Rekultivierungsschicht. In Bild 4.3. ist der Aufbau einer Kombinationsdichtung gern. den Vorgaben der TA Siedlungsabfall dargestellt.

Mineralische Dichtungen (Deponieklasse I)


Die konstruktiven Merkmale mineralischer Dichtung sind in Bild 4.4. dargestellt.
Der Dichtungsautbau erfolgt auf dem Deponieplanum. Es wird eine mindestens
21agige mineralische Dichtungsschicht (Material z.B. Ton, Bentonit-Matten, Wasserglas u.a.) mit einer Mindeststrke von 0,5 m aufgebracht und mechanisch verdichtet. Ansonsten gelten filr die mineralische Abclichtung der Deponieklasse I die
gleichen Anforderungen wie filr das Deponiebasisabdichtungssystem der Deponieklasse II.
In der Vergangenheit lagen die Bemhungen hufig nicht in der technischen
sondern in der wirtschaftlichen Optimierung einer Dichtung. Dabei wurden Fragen
der chemischen und mechanischen Beanspruchung nicht oder nur am Rande bercksichtigt. Selbst filr Problemstandorte reduzierten sich die Anforderungen hufig auf die Bestimmung der Proctordichte und des Durchlssigkeitsbeiwertes kf
(lo-8 bis w-10 rnls).
Zur Beurteilung von geeigneten Materialien sind jedoch eine Reihe von bodenphysikalischen Kenngren wie Komverteilung, Bodenart, mineralogische Zusammensetzung, Kalkgehalt, Wassergehalt, Ausroll-und Fliegrenze, Konsistenzund Plastizittszahl, Proctordichte, Porenanteil etc. ntig.

Abfall

Entwsserungsschicht

<!30cm

~SOcm

. c:n
~~'--+~~........~~""4
E((;
(Oeponieauflager)

Slckerrohr
mineralische
Oichtungsschicht
Oeponieplanum

Bild 4.4. Mineralische Basisabdichtung gem TA Siedlungsabfall [4.1]

4.1 Geordnete Deponie

147

NIEDERSCHLAG

Dun;hsickerung ?

Sickerwassermenge

=t (Dichligkeit. [Link]!rauml

Bild 4.5. Schema einer endabgedichteten Millideponie [4.23]

Oberflchenahdichtungen
Bild 4.5. zeigt eine endabgedeckte Mlldeponie. Der Hauptanteil des Niederschlages kann aufgrund einer geneigten, wasserableitenden Oberflchendichtung nicht
mehr in den Deponiekrper infiltrieren. Neigung und Durchlssigkeit, zwei erdbautechnisch weitgehend variable und kontrollierbare Parameter, bestimmen die
Infiltrationswassermenge, von der wiederum ein groer Anteil durch das Entwsserungssystem erfat und zur Beseitigung abgeleitet wird [4.21]. Ist eine reichhaltige Vegetation vorhanden, so knnen die Verluste durch die Transpiration der
Pflanzen erheblich sein. Je nach den rtlichen klimatischen Verhltnissen und der
Niederschlagshhe knnen bis ca. 60 % verdunsten und entsprechend den Neigungsverhltnissen weitere 5 bis 20% der Niederschlge abgeleitet werden [4.27].
Die anfallende Sickerwassermenge ist - lt man die mit den Abfiillen eingebrachten Wassermengen auer Betracht - vorrangig von der Niederschlagsinfiltration durch die Deponieoberflche abhngig. Hohe Sickerwassermengen knnen
sich wie folgt auswirken [4.28]:
- teilweiser Einstau des Deponiekrpers,
- Erhhung der Sickerwasserfracht,
- hhere Belastung fiir die Deponiebasis,
- Verminderung der Standsicherheit von Bschungen,
- erhhter Aufwand fiir Sickerwasserfassung und -behandlung,
- Steigerung und Vergleichmigung der Gasproduktion.
Die Oberflchenahdichtung ist das einzige Verfahren, mit dem eine nahezu
l00%ige Vermeidung der Niederschlagsinfiltration unabhngig von Standortvoraussetzungen bei gleichzeitig langfristigen Kostenvorteilen erzielt werden
kann. Durch optimal abgestimmte Begrnung allein kann die Versickerung von
berschssigem Niederschlagswasser nicht verhindert werden. Fr eine Oberfl-

148

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

chenabdichtung spricht neben den bereits genannten allgemeinen Sickerwasserauswirkungen die Rckhaltung "sauren Regens", dessen Einflsse und Folgen in bezug auf Schadstoffmobilisierung im Deponiekrper nicht abgeschtzt werden knnen [4.28]. In Tabelle 4.4. sind die Anwendungsflille ftlr Oberflchenahdichtungen
aufgezhlt.
Tabelle 4.4. Anwendungsflle filr Oberflchenahdichtungen [4.15]

Anwendungsflle
1 Hausmlldeponien

3
4

Oberflchenahdichtung nach Abschlu der Verfllung eines Deponieabschnittes sowie des gesamten Deponiebetriebes zur
-Verminderung der Sickerwassermenge und
-fracht
-Erhhung der Sicherheit bei mglichem Versagen der Basisabilichtung
-vollstndige Kontrolle der Gasemissionen
-Aufrechterhaltung des deponieinternen Milieus
Sonderabfall- whrend des Betriebes:
deponien
-mobile berwachung der in Betrieb befindlichen Ablagerungsflche
-vorbergehende Teilabilichtung nicht in Betrieb befindlicher Ablagerungsflchen (z.B. durch wiederverwertbare Verschliefolien)
-Oberflchenabdichtung aufbereits abgeschlossenen Teilabschnitten nach
Abschlu des Betriebes:
vollstndige Oberflchenahdichtung (aus den o.g. Grnden)
Oberflchenahdichtung fiir Ablagerungen mit leicht auslangbaren AbfiilMonolen wie z.B. Aschen, salzhaltigen Rckstnden, z.T. auch Schlacken etc.
deponien
Kontaminierte Oberflchenahdichtung zur teilweisen Abschirmung oder in Kombination
Standorte
mit weiteren Abdichtungsmanalunen zur vollstndigen Einkapselung

Die Endabdeckung der Deponie mit einer Erdschicht (als Wachstumsschicht) war
bis vor kurzem die allgemein bliche Form des Deponieabschlusses. Mierfolge
beim Pflanzenwachstum, verursacht durch das Deponiegas und die Infiltration des
Niederschlagswassers, haben dazu gefllhrt, da z.B. in Bayern und Hessen bereits
im Vorgriff auf die TA Siedlungsabfall eine Oberflchenahdichtung vorgeschrieben wurde.
Als Oberflchenahdichtung kommen heute mineralische Abclichtungen oder
Kombinationsahdichtungen zum Einsatz.
Gem TA Siedlungsabfall hat whrend des Betriebes der Deponie eine Oberflchenabdichtung der jeweils verfiillten Deponieabschnitte zu erfolgen. Die unterschiedlichen Abclichtungssysteme ftlr Deponieklasse I und II sind in Bild 4.6. und
Bild 4.7. dargestellt. Nach Abschlu der Deponie ist eine entsprechende Oberflchenahdichtung durchzufiihren. Fr Altanlagen gelten die Anforderungen ftlr Deponieklasse II.
Die Oberflchenabdichtungssysteme sollen folgenden Anforderungen entsprechen:

4.1 Geordnete Deponie

Bewuchs

Rekultivierungsschicht

Entwsserungsschicht
mineralische
Dichtungsschicht
Ausgleichsschicht
ggf.
Gasdrnschicht
Abfall
Bild 4.6. Oberflchenahdichtung fr Deponieklasse I gern. TA Siedlungsabfall [4.1]

Bewuchs

100crn

Rekultivierungsschicht

Entwsserungsschicht
Schutzschicht
Kunststoffdichtungsbahn
mineralische
Dichtungsschicht

Abfall
Bild 4.7. Oberflchenahdichtung fr Deponieklasse II gern. TA Siedlungsabfall [4.1]

0,5 m mchtige Ausgleichsschicht als Dichtungsauflager,


0,3 m mchtige Gasdrainschicht (nur bei Gasbildung) (z.B. Kies),

149

150

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Bild 4.8. Potentielle Bruchzonen im Bereich der Bermen von Deponien [4.14)

ll.h = 2m

Grubendeponie

Bild 4.9. Potentielle Ribildung einer 20 m hohen Grubendeponie bei einer Gesamtsetzung von

10%[4.14]

- 0,5 m mchtige mineralische Dichtungsschicht (oder gleichwertige Dichtung)


mit einem Durchlssigkeitsbeiwert von k ~ 5 I o-9 m/s (z.B. Ton),
- 0,25 mm mchtige Kunststoffdichtungsbahn (nur bei Deponieklasse II) (z.B.
HDPE),
- 0,3 m mchtige Entwsserungsschicht mit einem Durchlssigkeitsbeiwert nicht
kleiner als k = II0-3 m/s, u.U. sind splbare und kontrollierbare Sickerwasserrohre zur Sickerwasserfassung und-ableitungeinzubauen (z.B. Kies),
- I m mchtige Rekultivierungsschicht aus kulturfhigem Boden, deren Bepflanzung so durchzufUhren ist, da die Dichtung vor Wurzel- und Frostschden geschtzt bleibt, Wind und Wassererosion unterbunden werden und unter Anwendung von Wasserhaushaltsbetrachtungen eine Minimierung der Infiltration von
Niederschlagswssern gegeben ist.
Insgesamt mu das Dichtungsauflager nach Abklingen der Setzungserscheinungen
ein Geflle von :::: 5 % aufweisen.
Vor allem bei Altanlagen sind Deponieabdeckungen der Gefahr der Erosion,
der nachteiligen Materialvernderungen und den Setzungen und Horizontalverschiebungen des Deponiekrpers ausgesetzt.

4.1 Geordnete Deponie

151

Bild 4.10. Potentielle Schwachstellen von Folienahdichtungen [4.14, 4.16]

Setzungen und Horizontalverschiebungen sind Folgen unterschiedlicher Volumenvernderungen im Deponiekrper. Diese knnen auf unzureichende Einbautechniken und lokal unterschiedliche Abfallzusammensetzungen zurckgefiihrt werden.
Vor allem im Bereich der Bermen filhren Setzungen im Deponiekrper zu Bruchzonen (Bild 4.8.). Durch Volumenverminderung knnen die einzelnen Bermen aus
der horizontalen Einbaulage zur Deponiemitte hin abkippen und dabei im Bereich
des Bermenfues an der Deponieseite aufreien [4.14].
Bei verfilllten Grubendeponien sind Setzungsrisse im Bereich des Grubenrandes
zu erwarten, insbesondere dann, wenn der Grubenauenbereich ebenfalls berfilllt
wird (Bild 4.9.).
Die Setzungsrate kann bei Grubendeponien bis zu 20 % der Ausgangshhe betragen [4.14].

Mgliche Schwachstellen fr Kunststoffdichtungsbahnen und


mineralisches Dichtungsmaterial.
Kunststoffdichtungsbahnen
Kunststoffdichtungsbahnen sind unter Umstnden mechanischen und chemischen
Einflssen ausgesetzt, die zur Beeintrchtigung der Zuverlssigkeit filhren knnen.
Wesentliche [Link] sind konstruktive Mngel sowie Fehler in der
Bauausfilhrung. In Bild 4.10. sind ausgewhlte potentielle Schwachstellen einer
geneigten Basisabdichtung qualitativ dargestellt [4.14].
Mechanische Beanspruchungen
- Gefahrdung der Folienanhindung an innerhalb der Deponie gelegenen Sickerwasser- und Gaserfassungsschachtsockel (schlechte Konstruktion) durch Zug,
Schub bzw. Differenzsetzung,
- berproportionale Dehnung infolge Punktsetzung bei schlechter Untergrundverdichtung,
- Gefahrdung durch scharfkantige Drainleitungen (bei Bruch) bzw. Punktbelastungen,
- schwieriger Nahtbereich bei Neigungswechseln, insbesondere in Ecken,
- Zugbeanspruchungen infolge von Schubkrften (Wandreibung) bei Mllauflast,
- Gefhrdung bei unzureichendem Feinplanum bzw. entsprechend ungnstiger
Abdeckschicht,

152

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

150

gm-2d-1
130
120
110
100

90
80
~

......
Ql

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L..

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0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 1,2 1,4 mm-1 1,8
Reziproke Foliendicke d-1
,.._
Bild 4.11. Permeationsraten einiger Lsungsmittel durch Dichtungsbahnen aus HDPE unterschiedlicher Dicke [4.17]

- betriebliche Koordinationsschwierigkeiten bei der Vorwegschttung der Flchendrainageschicht, dadurch gegebenenfalls direkter Kontakt Mll-Folie,
- Erosionsgefithrdung der Flchendrain- bzw. -schutzschicht, dadurch verstrkte
Gefithrdung der freiliegenden Folie,
- Wechselzugbeanspruchung infolge von Temperaturschwankungen, ggf. verstrkte Zugbeanspruchung im Anschlu (nach Abkhlung) an die Verlegung bei
groer Hitze, UV-Strahlung,
- Zug am Verankerungspunkt infolge Eigengewicht, Schrumpfung.

Chemische Beanspruchungen
Fr eine dauerhafte Funktionstchtigkeit der Folienahdichtung ist es entscheidend,
da es zwischen der Dichtung und dem Sickerwasser des Deponiegutes zu keinen
negativen Reaktionen kommt. Mgliche Reaktionen knnten sein [4.17]:

4.1 Geordnete Deponie

153

p
[g/m'd)

100

ras!

theoretische P.

tatschliche P.
100 %-Wert

10

0,1
Verdnnungsrate

0
0,05%

0,02%

0,1%

0,015%

Toluol

Xylol

Trichlorethylen

Tetrachlorethylen

Bild 4.12. Permeation konzentrierter und verdnnter organischer Substanzen durch Polyethylen
[4.17]

- Auflsen des Abdichtungsmaterials,


- bermige Quellung,
- Herauslsen von Komponenten mit der Folge von Materialvernderung.
Das Auflsen des Folienmaterials fiihrt zum vlligem Versagen der Dichtfunktion.
Bei bermiger Quellung kann es zu einer Erweichung des Materials kommen,
wodurch die Gefahr der Perforierung erhht wird. Das Herauslsen einzelner
Komponenten, z.B. von Weichmachern aus dem Abdichtungsmaterial, fiihrt zu
einem Volumenverlust und einer gleichzeitigen Verhrtung der Polymerbahnen.
Der Weichmacherverlust verursacht bei extrudierten Bahnen (Thermoplasten) vor
allem Schrumpfungen in Lngsrichtung [4.17]. Die daraus resultierenden Spannungen knnen bei ungnstigen Bedingungen zu einem Reien der Bahn fiihren.
Darber hinaus knnen organische Lsungsmittel die vllig intakte Folie passieren. Die Permeationsrate ist von der chemischen Zusammensetzung sowie von
der Folienstrke abhngig. Laborversuche haben gezeigt, da sich die Permeationsrate mit steigender Strke der Folie verringert und damit eine mgliche Kontamination des Bodens durch das Deponiegut vermindert wird (Bild 4.11.).
Die Permeation erfolgt nicht nur bei konzentrierten organischen Flssigkeiten,
sondern auch bei deren wrigen Lsungen. Die Permeationsrate nimmt bei wrigen Lsungen nicht im Verhltnis der Konzentrationsnderung (Verdnnungsrate) ab, sondern liegt ber den Werten, die aufgrundder Konzentration zu erwarten
wren [4.17].

154

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Bild 4.12. zeigt die Permeationsrate der konzentrierten Substanzen (Reinsubstanz


I 00 %) sowie die theoretisch erwarteten (errechneten) Permeationsraten bei linearer Abnahme der Lsungsmittelkonzentration (doppelte Schraffierung). Die einfache Schraffierung gibt die tatschlich gemessenen Permeationsraten fiir die mit
organischen Substanzen gesttigten Lsungen an.
Die bisher aufgezeigten Erkenntnisse ber knstliche Dichtungen erfordern eine
Bercksichtigung und berprfung aller Risikofaktoren bei der Planung einer
Deponie. Die Auswahl geeigneter Materialien fiir Einstoffdeponien ist wesentlich
einfacher als die bei Vielstoffdeponien mit Sonderabfiillen. Vernderungen des
Dichtungsmaterials durch aggressive oder toxische Stoffe sowie deren Kombinationswirkung unter Deponiebedingungen knnen nicht vorhergesagt werden.
Zur Ermittlung praxisnaher Werte sind in der Deponie Gelder-Pont im Rahmen
eines Forschungsvorhabens 10 verschiedene Abclichtungsmaterialien unter Deponiebedingungen im Test [4.18]. Als Ergebnisse des Forschungsberichtes lassen
sich folgende Punkte zusammenfassen [4.I9]:
- Von den untersuchten Kunststoffbahnen erwies sich nur die Hochdruckpolyethylen (HDPE)-Folie als lngerfristig bestndig gegen die Einwirkung von
Kohlenwasserstoffen.
- Aufgrund von Diffusionsvorgngen kann es bei HDPE-Folien unter Verwendung von Trichlorethylen zu Permeationsraten bis zu 150 g/m2 *d kommen.
- Bei einer 0, I %igen Trichlorethylen-Lsung wurden Permeationsraten bis zu 6
g/m2 d gemessen.
- Der fiir knstliche Abclichtungen verwendete Asphalt ist vor allem gegen organische Lsungsmittel empfindlich [4.20].
Langfristig gesehen bieten die bisherigen Dichtungsbahnen gegen Kohlenwasserstoffe und Chlorkohlenwasserstoffe keinen ausreichenden Schutz.
Mineralisches Dichtungsmaterial
Die verwendeten mineralischen Dichtungsmaterialien werden langfristig der Einwirkung von Sickerwssem verschiedener Qualitt ausgesetzt. Obwohl Tone weitgehend rein sind, kann es zu Inhomogenitten oder Vernderungen des Quellverhaltens durch chemische Reaktionen und damit zu einer lokalen Vernderung der
Durchlssigkeit kommen.
Untersuchungen [4.21, 4.22, 4.23] haben gezeigt, da durch die Einwirkung
von Suren und Laugen die Gitterstruktur der Tonminerale geschwcht und deren
Hauptbestandteile ausgelaugt werden knnen. Die Auswaschungen sind hierbei
eine Funktion des Permeats und dessen durchsiekemden Menge sowie von Aciditt, Temperatur und Zeit. Die Untersuchungen zeigen die Zerstrung der Gitterstrukturen von Tonmineralen als Funktion von pH-Wertverschiebungen ins saure
Milieu. Hierdurch wird qualitativ die Gefahr der langfristigen Gellihrdung mineralischer Dichtungsschichten angedeutet.
Die mineralische Basisabclichtung wird langfristig den zunehmenden Anforderungen des Grundwasserschutzes nur dann gengen, wenn durch die obigen
Eignungsprfungen nachgewiesen werden kann, da das vorgesehene Dichtungsmaterial eindeutig prlineare und strmungslose Bereiche aufweist.

4.1 Geordnete Deponie

155

[Link]
Sickerwassererfassung und -behandlung
Sickerwasser aus Deponien entsteht im wesentlichen durch eingetragenes Niederschlagswasser, durch Eigenfeuchte von abgelagerten Abfallen und durch eindringendes Grund- oder Fremdwasser.
Durch die Abdichtung von Deponien gegen den Untergrund ergibt sich die
Notwendigkeit, das Sickerwasser zu erfassen, zu sammeln und abzufiihren. Ein
Wassereinstau mu vermieden werden, da dieser fiir die Abbauvorgnge in der
Deponie, insbesondere fiir die Standsicherheit der Aufschttung, negative Folgen
haben kann. Auerdem sollte der hydrostatische Druck auf die Abdichtung mglichst gering gehalten werden, um die Durchlssigkeit der Basisabclichtung zu
minimieren. Die Entwsserung der Deponiebasis untergliedert sich in die drei
Bereiche Erfassung, Lagerung und Beseitigung.
Alle im Deponiebereich auftretenden Wsser mssen erfat werden. Es lassen
sich zwei Arten von Wssern differenzieren, die getrennt erfat und behandelt
werden:
- Oberflchenwsser,
- Sickerwasser.
Als Oberflchenwsser gelten alle nicht kontaminierten, d.h. alle nicht mit dem
Deponiegut in Berhrung gekommenen Wsser. Hierzu gehren die von auerhalb
des Deponiebereiches zuflieenden, oberirdischen Wsser, der Oberflchenabflu
des Niederschlags auf zwischen- oder endabgedeckten Deponieabschnitten sowie
Niederschlagswasser auf vorbereiteten, aber noch nicht in Betrieb gegangenen
Deponiearealen.
Zum Sickerwasser gehren alle kontaminierten, d.h. mit dem Abfallgut in Berhrung gekommenen Wsser. Die in den Deponiekrper eindringenden Niederschlagswsser werden neben den zwangslufig entstehenden Konsolidationswssem aus wasserhaltigen Abfallen zu Sickerwasser. Inwieweit es zu einer Belastung dieses Wassers durch Abfallinhaltsstoffe kommt, hngt von einer Vielzahl
von Einflssen ab.
Als technische Manahmen zur Verringerung der Niederschlagsinfiltration und
somit zur Reduzierung der Sickerwassermenge whrend des Deponiebetriebes sind
die Verwendung mglichst kleiner Einbauflchen, die berdachung bzw. tgliche
Zwischenabdeckung der Einbaustelle und die Reduzierung der Eigenfeuchte der
angelieferten Abtalle durch entsprechende Vorbehandlungsmethoden zu nennen.
Die Erfassungssysteme fiir Sickerwasser mssen mindestens solange wirksam
sein wie die Dichtungen der Deponiekrper selbst. Die Funktionsfahigkeit sollte
kontrollierbar und das Sammelsystem reparierbar sein.

Sickerwasserhaushalt und -qualitt


Der Wasserhaushalt von Deponien ist aufgrund der heterogenen Materialzusammensetzung und der Komgrenstruktur wesentlich schwieriger zu bestimmen als
der eines natrlich gewachsenen Bodenkrpers. Die grobe Abfallstruktur behindert
die gleichmige Durchfeuchtung des Deponiekrpers, so da sich grobe Sickerbahnen ausbilden knnen. Der Gehalt an organischer Substanz in der Deponie

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

156

kann biochemischen Umsetzungsprozessen unterworfen sein, die wiederum zu


Strukturvernderungen des Abfallkrpers fUhren. Der Wasserhaushalt einer Abfalldeponie ist in Bild 4.13. schematisch dargestellt.
Wieviel Sickerwasser aus einer Deponie anflillt, kann nur in der Praxis exakt
bestimmt werden. In Abhngigkeit vom Verdichtungsgrad ist deshalb von folgenden Richtwerten auszugehen [4.29]:
- Deponie mit lockerer Oberflche:
31,3 bis 58,2% des Niederschlages
- Deponie mit verdichteter Oberflche:
mit
Kompaktoren: ca. 25 % des Niederschlages
mit Raupen:
ca. 40 % des Niederschlages
In der Praxis knnen Abweichungen von diesen Werten auftreten, die durch spezielle rtliche Gegebenheiten bedingt sind, z.B. erhhte Sickerwassermengen bei
andrngendem Hangwasser, durch aus dem Untergrund eindringendes Wasser in
die Deponie oder verminderte Sickerwassermengen durch Einstau im Abfallkrper
bei Deponien in Mulden bzw. bei Abdeckungen mit bindigem Material [4.29].
Neben dem Niederschlagswasser kann der Wasserhaushalt einer Deponie durch
biochemische Prozesse und die Eigenfeuchte des frischen Abfalls beeinflut werden. Die Eigenfeuchte liegt zwischen ca. 20 bis 40 Gew.-%. Bei der Verdichtung
durch Kompaktoren kann es punktuell zu Prewasseraustritt kommen. Da die
Wasserkapazitt des verdichteten Abfalls wesentlich ber diesen Werten liegt,
verbleibt die Eigenfeuchte grtenteils im Abfall. Bei biochemischen Prozessen
wird nur dann Wasser produziert, wenn diese aerob ablaufen. Im Abfallkrper
berwiegen aber die anaeroben Prozesse, bei denen Wasser verbraucht wird.
Fr eine Wasserbilanzgleichung sind die in Bild 4.14. dargestellten Gren zu
bercksichtigen. Whrend des Betriebes einer Deponie gilt filr einen defmierten
Zeitraum folgende Wasserbilanzgleichung [4.30]:
N + Wsyn = E + 0 +AR+ AS + D

(4.1)

Niederschlag
Evaporation
Oberflchenabflu
0
zeitliche Verzgerung des Abflusses (langsam dramendes Wasser)
~R
entgegen der Schwerkraft gespeichertes Wasser (Feldkapazitt)
~s
Differenz von im Abfall gebildetem und verbrauchtem Wasser
Wsyn=
Drainabflu
D
Da eine Deponie in der Regel ber groe, wenig geneigte Flchen verfiigt, wird
der Oberflchenabflu bei der Berechnung meistens vernachlssigt. Bei der Wasserbilanzgleichung filr eine rekultivierte Deponie wird statt des Niederschlages nur
das u.U. durch die Abdichtung oder durch Leckstellen infiltrierte Wasser in die
Gleichung eingefiihrt. Eine Verdunstung direkt aus dem Abfall tritt nicht auf
(E= 0) [4.30].
Der wesentliche Unterschied der Wasserbilanzgleichung (4.1), verglichen mit
der des Bodens, liegt in den Ausdrcken ~Rund Wsyn Langsam draenendes Wasser (AR) gibt es zwar auch im Boden, doch ist die zeitliche Verzgerung gemessen
an dem Bilanzzeitraum so gering, da es im allgemeinen vernachlssigt wird.
N
E

4.1 Geordnete Deponie


EVAPO
TRANSPIRATtON

NIEDERSCHLAG

EVAPORATION

~D~JJ
:: 111:::::

157

n~
OBERFLCHENABFLUSS

:r.:::::;::::::::. INFILTRATION

'"
/~: ..
tU: ::: j j j :
: ::: :::
::;: : ::

i.::
:::.::::: ttt::::::::.: :::::.
\ 111 iU .... J
::::::::tu::::::::

ABGELAGERTE-R
MULL
::

11 t:::: tu::::::::::~:::::
: : t H : : : 111
: : ::: ::: : :: : :: ::

.: :

S-ICKERWASSER BEWEGUNG IN
UNGESTTIGTEM
~ ~::::: GESTTIGTEM
. ..........
BE REC
I H
: ::: ::::
::
: : : : : : :7
: VERTEILUNG
:: : : : .
\ . ll. . :~ SPEICHERUNG

........ 'lll'....... .1 . . . ..
~:

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::::. ::::~o
t::::::::::::: ::::
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000

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.......
::::...:l:::::::::::
...
...........
...... ............

:l.::::.
.::........
... .
.....

Bild 4.13. Schematische Darstellung des Wasserhaushaltes von Deponiekrpern [4.29]

Demgegenber sind beim Abfall Verzgerungszeiten bis zu einem Jahr beobachtet


worden [4.30]. Mit dem Ausdruck Wsyn in Formel (4.1) wird die Wasserumbildung
bzw. der Wasserverbrauch durch biologisch-chemische Prozesse erfat.
Fr eine Deponie im Landkreis Sigmaringen wurde ber drei Jahre eine Wasserhausha1tsbilanz (vgl. Tabelle 4.5.) aufgestellt [4.31]. Auffallend ist der hohe
Sickerwasseranfall filr 1983 trotzdes hohen Niedersch1agsdefizits.
Eine Reihe von Problemen des Deponiewasserhaushaltes sind noch nicht abschlieend geklrt:
- Flie- und Durchfeuchtungsmechanismen,
- Bildung von Wasserhorizonten,
- Wasserstau an der Basis,
- Niederschlags-Abflubeziehung bei Starkregen,
- Speicherungs- und Verdunstungspotential,
- Bildung bzw. Verbrauch von Wasser durch die stattfindenden biologischchemischen Prozesse.
Die Sickerwassermenge kann durch planerische und betriebliche Manahmen
begrenzt werden.
Die Sickerwasserbeschaffenheit ist von vielen Faktoren abhngig, z.B. von der
Art der Abflle, den Deponiebedingungen, der Witterung, von der Jahreszeit und
von den biochemischen Abbauvorgngen im Deponiekrper. Die Beschaffenheit

158

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

L!S

Bild 4.14. Schematische Darstellung der Gren der Wasserbilanz

wird jedoch auch vom Deponiealter, vom pH-Wert und vom Sickerwassereinstau
beeinflut [4.2].
Tabelle 4.5. Wasserhaushaltsbilanz filr eine Deponie im Landkreis Sigmaringen [4.31]
Wasserhaushaltsbilanz
[mm]

1981

1982

1983

Niederschlag

+ 675,20

+ 771,00

+ 515,10

Verdunstung

-607,65

- 581,57
-2,35

-786,72

Austrag ber Deponiegas


Verbrauch durch Mikroorganismen

-6,10

-0,94

-26,35

-26,35

Sickerwasserabfuhr

-26,35
-49,60

- 71,56

Fehlbetrag

- 14,50

+ 89,17

- 55,71
-354,62

In der Regel nimmt die Belastung des Sickerwassers mit dem Alter der Deponie
ab. Jedoch werden auch viele Jahre nach Schlieung einer Hausmlldeponie noch
in erheblichem Ausma Abfallinhaltsstoffe mit dem Sickerwasser aus der Deponie
ausgetragen. Ohne die Ablagerung von nassen Abfllen bewegt sich das eindringende Niederschlagswasser in bevorzugten Bahnen durch den Deponiekrper, so
da nur wenige Prozent des Deponievolumens mit diesem Sickerwasser in Berhrung kommen.
Bei Deponien fiir Haushaltsabflle ist vor allem die organische Belastung des
Sickerwassers von Bedeutung. Im Deponiekrper fmdet die Hydrolyse der bedeutendsten Stoffgruppen statt. Durch Bakterien werden die Hydrolyseprodukte unmittelbar oder ber acetogene Zwischenstufen in niedere Fettsuren umgewandelt,

4.1 Geordnete Deponie

159

darauf folgt fiir lange Jahre die Methanbildungsphase und abschlieend ein
aerober Endzustand [4.2].
Am Beispiel Zucker kann der anaerobe Abbau im Vergleich zum aeroben wie
folgt dargestellt werden [4.30]:
Aerob:
(4.2)
Anaerob:

Essigsure

(4.3)

Methangrung

(4.4)

Methangrung

(4.5)

Tabelle 4.6. Mittel- (x) und Maximalwerte (max.) einiger Parameter in den Phasen der "Sauren
Grung" und der "Methangrung" (in Klammern Werte einzelner Deponien) im Vergleich zu
kommunalem Abwasser [4.29, 4.196]
[Link].

Parameter

max.

pH

6,1

5,5"

6,6

3.000

4.340

200

600

383
3,4

150

500

3,4

180
1,9

925

1.350
2.120

15

1.350
29,3

Ca (mg/1)
Mg (mg/1)

1.300

2.480

80

575

65

95

600

534
1,73

24
5,6
7,2

250
0,65

Mn (mg/1)

1.130
65,5
68,4

0,64
0,94

3,78
7,25

0,5

884

bis 600

0,58

3
4

CSB (mg/1)

22.000

38.100

BSBs (mg/1)

30.425

AOX(mg/1)
TKN (mg/1)
Fe (mg/1)

13.000
1,9

11
12

13

Zn (mg/1)
Sr (mg/1)

so4 (mg/1)

8,0

max.

8,5

BSBs/CSB

9
10

max.

"Kommunales Abwasser''
8,6

0,06

6
7

"Methangrung"

"Saure Grung"

14,7
1.745

Minimum

Fr die Beschaffenheit des Sickerwassers sind die Surebildungsphase und die


Methanbildungsphase bedeutungsvoll. In der Tabelle 4.6. sind die Mittel- und
Maximalwerte fiir die beiden Phasen des anaeroben Abbaus zusammengestellt.
Die wichtigsten Parameter fiir die Auslegung von Reinigungsanlagen zur Behandlung von Sickerwssem sind BSB 5, CSB sowie der Stickstoffgehalt, sowohl

160
CSB

4 Abfallbehandlung und -beseitigung


lmgl\1

4~0~------------------~

35000

BSBs (mg/1)

25000 ; - - - - - - - - - - - - - - - - .

30000

20000

25~

15000

20000
15000
10000

10000

5~ L_.__.__._.:_~~~~~
0123456789101112
Deponieelter I a I

5000
o~~~_.~~~m----.~

9101112
01234567
Deponlaol ltr I o I

HH4N {mglll

1soo r----=;::;:;:;:;:;;;;:;:;:;:;;:;:;;;:;;:;:;;:;;t
1200
800
400
o~~~~.-~--~._~

0 1 2 3 '

5 6 7 8 9 10 11 12
Deponiealtar I o I

Bild 4.15. Genereller Verlauf der CSB-, BSBs- und NH4- Konzentrationen in Abhngigkeit vom
Deponiealter [4.34]

als Ammonium als auch in organischer Form. Der zeitliche Verlauf der Parameter
ist, mit Ausnahme des organischen Stickstoffes, in Bild 4.15. dargestellt. Der Konzentrationsverlauf des organischen Stickstoffs entspricht weitgehend dem Ammonium und betrgt ca. 30 bis 150% (i. Mittel 70 %) des Ammoniums [4.34].
In der BSB 5-Darstellung stellt die mit "I" bezeichnete Linie eine mittlere Tendenz dar, die ungefiihr filr Deponien mit 2 m Schichteinbau und einer Aufbaugeschwindigkeit von 2 bis 4 rn/a gilt. Die Richtung "2" gibt die Tendenz bei hherer
Aufbaugeschwindigkeit wieder.
Wird dagegen noch langsamer aufgebaut bzw. werden Intensivierungsmanahmen wie die Sickerwasserkreislauffiihrung durchgefiihrt, so geht die Tendenz in
Richtung "3".
I =mittlerer Verlaufbei 2m Schichten und 2 bis 4 m Aufbau pro Jahr,
2 = Tendenz bei schnellerem Aufbau,
3 = Tendenz bei langsamerem Aufbau oder Kreislauffiihrung etc.
Aus Bild 4.15. ist zu erkennen, da sich nach einem Konzentrationsanstieg in der
Anfangsphase des Deponiebetriebes die Konzentrationen des Ammoniums auf
einem hohen Niveau einpendeln. Aber auch hier ist die Differenz zwischen den
mglichen Minimal- und Maximalwerten extrem gro. Der Wertebereich schwankt
etwa zwischen 400 und 1 200 mg N/1. Es ist allerdings zu bercksichtigen, da
zustzlich noch Stickstoff in Form organischen Stickstoffs im Sickerwasser enthalten ist. Da diese Mewerte extrem stark schwanken, sind nur generelle Aussagen mglich. In der Regel liegen zustzlich 30 bis 150 % (i. Mittel 70 %) des

4.1 Geordnete Deponie

161

Ammoniums als organischer Stickstoff vor. Fr die gesamten Stickstoffkonzentrationen ist von Werten zwischen ca. 400 und 2 000 mg N/1 auszugehen [4.35].
Die Belastung von Deponiesickerwssern mit Schwermetallen ist im Vergleich
zu kommunalen Abwssern geringer. In der Tabelle 4.7. sind die mittleren
Schwermetallkonzentrationen von Deponiesickerwssern im Vergleich zu kommunalen Abwssern dargestellt. Toxische Wirkungen der Schwermetalle auf die
Mikroorganismen und damit eine Beeintrchtigung der biologischen Abbauprozesse sind bei diesen Konzentrationen nicht zu erwarten.
In den letzten Jahren ist vor allem das Problem der halogenierten Kohlenwasserstoffe in den Vordergrund getreten, da diese Stoffgruppe hufig giftig, langlebig
und anreicherungsfiihig ist. Die AOX-Werte (adsorbierbare organische Halogenverbindungen) in Sickerwssern liegen hufig zwischen 0,4 bis 0,9 mg/1, aber auch
bis ca. 3 mg!l und damit wesentlich ber denen von kommunalen Abwssern.
Whrend bei kommunalen Abwssern etwa 90 % des AOX bei Belften als leicht
flchtige Komponenten ausgetrieben werden, sind dies bei Sickerwssern aus
Haushaltsabfalldeponien in der Regel nur 0 bis 20 %. Die leicht flchtigen Komponenten werden weitgehend mit dem Deponiegas ausgetragen. Eine einigermaen
exakte Aussage ber die Zusammensetzung und Problematik dieser Stoffgruppe
existiert nicht [4.35].
Tabelle 4.7. Schwermetallkonzentrationen von Deponiesickerwssern im Vergleich zu kommunalen Abwasser aus Torge [4.2]
Schwermetall

Blei
Cadmium
Chrom
Kupfer
Nickel
Quecksilber
Zink

Sickerwasser aus Hausmlldeponien

Kommunales Abwasser

[mg/1]

[mg/1]

0,087
0,005
0,275
0,065
0,166
0,0002-0,06
0,64

0,1
0,003
0,03
0,15
0,04
0,001
0,5

Zulssige Konz. bei


Einleitung in eine ffentliehe Abwasseranlage
[mg/1]
2
0,5
3
2
3
0,05
5

Technische Einrichtungen zur Erfassung und Behandlung


Zum Schutz des Untergrundes und des Grundwassers werden Deponien auf der
Abdichtung mit einem Sickerwassererfassungssystem ausgestattet. Die technischen
Einrichtungen bestehen aus der Sohldrainage, Schchten, Sickerwasserpumpwerken und Sickerwasserspeichern. Mit der Sickerwassererfassung soll ein unzulssiger Flssigkeitsdruck auf die Basisabdichtung weitgehend verhindert werden.
Das Drainagesystem besteht im wesentlichen aus den Saugern und den Sammlern (Neben- und Hauptsammler) sowie aus den Kontroll- bzw. Einstiegsschchten. Ein derartiges System aus Drainleitungen ist zur ausreichenden Entwsserung der Deponiesohle erforderlich, da die aus feinkrnigem Material bestehen-

162

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Sammler--

Bild 4.16. Sauger (DN 100 mm) und Sammler ( DN 200 mm) einer Sohldrainage [4.2]

de Schutzschicht diese Funktion nicht sicherstellt. In Bild 4.16. ist eine Sohldrainage dargestellt.
Bei Drainschichten aus hochdurchlssigem Material erhhen Sauger das Leistungsvermgen des Flchenfilters, wobei diese nicht unbedingt in Form von
Rohrleitungen ausgebildet sein mssen. Sickerwasserrigolen (Abzugsgrben) stellen gleichfalls eine sinnvolle Lsung dar. Das anfallende Sickerwasser wird vom
Flchenfilter aufgenommen und den Sammlern zugefilhrt, die das Sickerwasser aus
dem Sohlbereich nach auen hin ableiten.
Die Auslegung des Sickerwasserdrainagesystems mu den Vorgngen im Deponiekrper, also Setzungen, bevorzugten Siekerbahnen sowie den Bewegungen
des Deponieuntergrundes Rechnung tragen. Dies gilt nicht nur filr die Betriebszeit,
sondern auch filr die Nachsorgezeit von bis zu 30 Jahren. Zur Sicherung sollten
daher genaue hydraulische und statistische Berechnungen der Drainleitungen
durchgefilhrt werden. Das Rohrsystem kann ein fehlendes Gefalle nicht ersetzen.
Die Basisabclichtung und das Drainsystem sind nach der Befilllung nur begrenzt
ber die Kontrollschchte zugnglich. Daher kommt diesen Bauteilen filr die

4.1 Geordnete Deponie

163

Sickerwsser

z.B. PVC- ON 250


213 gelocht

:;+---knstliche
Dichtung
Geflle
mind . 2%

mineralische Basisabdichtung 2-lagig


Bild 4.17. Schematische Darstellung des Entwsserungssystems

Sickerwaa&er

und Gas

Syphon
Bild 4.18. Sickerwassersammelschacht mit Tauchpumpe [4.36]

Langzeitsicherung und Funktionsfiihigkeit auch whrend der Nachsorgezeit eine


besondere Bedeutung zu.
Die Drainrohre sollten eine Mindestnennweite von NW I 00 rnrn aufweisen. Die
Sauger sollten vollstndig geschlitzt sein (z.B. Kunststoffrohre oder BetonPorosin-Rohre, DN 60 bis 150 rnrn). Die Sarnrnler sollten von beiden Seiten zugnglich sowie optisch berwachbar und im Bedarfsfall spl- und frsbar ausgefilhrt sein. Damit nicht Schden durch Verformung oder Bruch entstehen, mssen
Rohre mit einer groen mechanischen Stabilitt (z.B. PVC-Rohre mit 12,5 rnrn
Wandstrke oder PE-Teil-Sickerrohre) und einem Mindestdurchmesser von
DN 250 rnrn verwendet werden. Die Abstnde der Kontrollschchte sollten weniger als 150 m betragen und eine gute Zugnglichkeit zu den Sarnrnlem zur Reinigung und Reparatur ermglichen.

164

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Die Drainleitungen sind mit tragfiihigem, gut durchlssigem Filtermaterial wie


Kies, granulierter Schlacke u.. zu umhllen, um zum einen die Auflast des Deponiegutes zu verteilen, und zum anderen eine Filterfunktion zu bernehmen. Die
Komgre des Filtermaterials liegt, um einer Verstopfung entgegenzuwirken,
beim etwa dem doppelten Durchmesser der Schlitzung der Drainrohre. Die Abdeckung ber dem Rohrscheitel sollte 30 cm nicht unterschreiten. Die Drainrohre
werden entweder direkt auf die Abdichtung gelegt oder aus rohrstatischen Grnden
auf eine Rohrbettung. In Bild 4.17. ist das Entwsserungssystem beispielhaft dargestellt.
Zur Instandhaltung bzw. -setzung zugesetzter Rohre wird hufig eine Splung
der Drainrohre notwendig. Um eine Abfilhrung des Sickerwassers bei Ausfall der
Rohrableitung zu gewhrleisten, sollte am Boden der Sickerwasserschchte ein
Pumpensumpf vorhanden sein, damit eine Tauchpumpe eingesetzt werden kann
(Bild4.18.).
Aus dem Sickerwassersammelschacht gelangt das Sickerwasser entweder direkt
zur Sickerwasserreinigungsanlage oder wird indirekt via Druck-, Freispiegelleitung oder mittels Tankwagen einer kommunalen Reinigungsanlage zugefhrt. Es
sollte in jedem Fall angestrebt werden, Sickerwasserschchte und transportleitungen auerhalb der Deponie im Erdreich zu verlegen, so da Setzungen und Gasanreicherungen weitgehend vermieden werden.
Sickerwasser-BehandlungsverJahren

Seit Inkrafttreten des 51. Anhanges der Rahmen-Abwasser-Verwaltungsvorschrift


(Nov. 1989) sind Abwsser, deren Schmutzfracht im wesentlichen aus der Ablagerung von Siedlungsabfllen stammt, einem Sickerwasserbehandlungsverfahren zu
unterziehen. Die bei der Einleitung zu bercksichtigenden Parameter sind in
Tabelle 4.8. dargestellt [4.7].
Fr die Behandlung von Deponieabwssern kommen praktisch alle in der Abwassertechnik praktizierten Verfahren bzw. deren Kombination in Frage. In der
Tabelle 4.9. sind die wichtigsten Verfahren zur Behandlung von Deponiesickerwasser dargestellt.
Tabelle 4.8. Anforderungen an das Einleiten von SickeiWasser (derzeitiger Stand und diskutierter nderungsstand) [4.7]

Stand
Parameter
Allgemein anerkannte Regeln der Technik
BSB5
mg/1
20
css
mg/1
200 1
TOC/NOz-N
mg/1
Nl4
mgN/1
50
Summe anorg. N
mgN/1
P04
mgP/1
1 bei Indirekteinleitung 75 %Abbau bzw. 400 mg/1

Novellierungsvorschlag
20
200"
2
10
70 (lOO)b

4.1 Geordnete Deponie

165

Tabelle 4.8. (Fortsetzung) Anforderungen an das Einleiten von Sickerwasser (derzeitiger Stand
und diskutierter nderungsstand) [4.7]

Parameter
Stand der Technik
Abfiltrierbare Stoffe
Cyanid
AOX
Nitrit
GF (Verdnnung)
AOX
Quecksilber
Cadmium
Chrom
Chrom (VI)
Nickel
Blei
Kupfer
Zink
Arsen
Fischgiftigkeit
Daphnientest
Leuchtbakt.
a
b

Stand

Novellierungsvorschlag

[mg/1]
20
[mg/1]
[mg/1]
0,5
[mg/1]
[mg/1]
2
[mg/1]
0,5
[mg/1]
0,05
[mg/1]
0,1
0,5
[mg/1]
[mg/1]
[mg/1]
0,5
[mg/1]
0,5
[mg/1]
0,5
[mg/1]
2
[mg/1]
2
GF
Go
GL
Bei CSBro~~ > 4000 mg/1, llCSB > 95 %
Wenn 11 > 75 %knnen bis I 00 mg/1 zugelassen werden

0,2
0,5
2
0,5
0,05
0,1
0,5
0,1
0,5
0,5
0,5
2
0,1
2
4
4

Biologische Behandlungsverfahren
Umfangreiche Untersuchungen ber die biologische Sickerwasserreinigung und
deren Ergebnisse zeigen, da dieses Verfahren speziell bei der Sickerwasserbehandlung von unproblematischen Hausmlldeponien anwendbar ist. Eine aerobe
biologische Behandlung fhrt zu einer nahezu vollstndigen Eliminierung des
biologisch abbaubaren Anteils, wenn ausreichend lange Kontaktzeiten der Biomasse mit dem Sickerwasser ermglicht werden. Als Anlagen zur aeroben Behandlung von Deponiesickerwssem werden deshalb mehrstufige und belftete
Teichanlagen empfohlen, die vereinzelt bereits in Betrieb sind.
Eine anaerobe Sickerwasserreinigung ist nur begrenzt mglich, da das Sickerwasser im Deponiekrper bereits einem anaeroben Proze unterlag.
Sind Deponiesickerwsser mit besonders toxischen Inhaltsstoffen wie den
chlororganischen Verbindungen belastet, sollten keine der biologischen Verfahren
allein zur Anwendung kommen, da hierbei ein unkontrollierter bergang der
Schadstoffe in Luft, Wasser und Klrschlamm erfolgen kann.
Eine Besonderheit der Sickerwasserbehandlung stellt die Rckfilhrung des Sikkerwassers durch Verregnung und Verrieselung auf der Deponieoberflche oder
die Rckfhrung in das Deponieinnere dar. Ursprnglich aus dem Gedanken her-

166

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Tabelle 4.9. berblick ber die unterschiedlichen Verfahrensmglichkeiten zur Behandlung von
Deponiesickerwasser [modifiziert nach 4.37]

Verfahren

Bemerkungen

Probleme

1.1

Physikalische Methoden
Sedimentation

niedrige Kosten

1.2

Eindampfung

nur fiir unlsliche Komponenten geeignet


kostenintensiv, Korrosion,
nur Teillsung (CSB wird
herausgeholt, aber nicht
"vernichtet")

2
2.1

Physikalisch-chemische Methoden
Adsorption an Aktivkohle
fiir hydrophobe Abwasserinhaltsstoffe anwendbar

lfd.
Nr.

2.2
2.3

2.4
2.5

3
3.1

3.2

3.3
4
4.1

4.2

Aufkonzentrierung der
Inhaltsstoffe

nur Teillsung, thermische


Regenerierung der Kohle
erforderlich
Adsorption an Adsorptions- Fr CKW, KW, Aromate
nur Teillsung, kostenintenharzen
anwendbar
siv
Membrantechnikl Umkehr- Umgekehrte Osmose, gute
Konzentrat mu evtl. entRckhaltung
osmose
sorgt werden, Koagulation
der Kolloide auf der Membrane ("Fouling") mglich.
Nur spezielle ProblemstelIonenaustausch
Organische Substanzen
Iungen (Ionen) anwendbar
sowie Kolloide stren
Flockung und Fllung (mit Wird oft praktiziert, teilwei- Entsorgung der Schlmme
Ca(OH)2 +Fe-Salzen bzw. se CSB-Eiimination, gilt
und Salze notwendig (35
heute nach dem Stand der
kg/m' Sickerwasser!)
Al 2(S0 4)3)
Technik als berholt
Chemische Methoden
keine Anreicherung, Elimi- nicht immer geeignet fiir
Naoxidation mit H202
nierung der Rest-CSB und
Direkteinleitung (AufsalAOX-Gehalte
zung)
hoher Energieaufwand
Naoxidation mit OzonlUV keine Anreicherung, Elimi- nicht immer geeignet fiir
nierung der Rest-CSB und
Bestrahlung
Direkteinleitung (AufsalAOX-Gehalte
zung)
hoher Energieaufwand
hohe ReaktionsgeschwinNaoxidation mit
fehlende grotechnische
digkeit
Ozon/Festbettkatalysator
Anwendungen
Biochemische Methoden
kein Energiebedarf fiir
Anaerobe Behandlung
Rckhaltung der Biomasse,
Belftung, kein berschu- empfindlich, keine weitgeschlamm
hende Reinigung
Denitrifikation
Anoxische Behandlung
vorher Nitrifikation erforderlieh

4.1 Geordnete Deponie

167

Tabelle 4.9. (Fortsetzung) berblick ber die unterschiedlichen Verfahrensmglichkeiten zur


Behandlung von Deponiesickerwasser [modifiziert nach 4.37]
lfd.
Nr.

Verfahren

Bemerkungen

Probleme

4.3

Aerobe Behandlung
(CSB/BSBs-Elimination)

die am meisten praktizierte


preiswerte Methode

kaum wirksam bei biologisch nicht abbaubaren


Stoffen, dadurch behrdliche Anforderungen
nicht immer erreichbar

Nitrifikation

Oxidation des Ammonstick- empfindliche Methode


stoffs ber Nitrit zur Nitrat (Inhibierung)

aus begonnen, auf diese Weiseinfolge Verdunstung bei der Verregnung eine Ableitung von Sickerwasser ganz unterbinden zu knnen, gab es jedoch Rckschlge.
Auer in ausgesprochenen Trockenjahren mu Sickerwasser abgeftlhrt werden,
wenn auch in deutlich geringerer Menge (im Mittel 0,3 m3fm2 a). Hufig treten
starke Geruchsbelstigungen auf. Darber hinaus sind die Pump- und Personalkosten vergleichsweise hoch. Infolge der gewonnenen :rfahrungen gibt es jedoch
Verbesserungsvorschlge. Der Deponiekrper erweist s1ch unter der Sickerwasserrckfhrung als ein wirksamer Festbettreaktor. Bei wiederholtem Durchgang des
Wassers erfolgt ein Abbau, wobei bei ausreichend hohen Deponien sogar eine
obere Versuerungs- und untere Methanisierungszone unterschieden werden knnen. In solchen Fllen oder durch Aufbringen des Sickerwassers aus einem jungen
Deponieteil auf eine Altdeponie kann eine relativ niedrige Endkonzentration im
Ablauf erreicht werden, die jedoch noch nicht vorflutergerecht ist. Wegen des
unangenehmen Geruchs des Sickerwassers aus der sauren Phase wird vorgeschlagen, dieses nicht zu verregnen, sondern zu verrieseln oder geschlossen in den Deponiekrper zurckzufilhren. Dabei gehen natrlich die Verdunstungsverluste stark
zurck [4.40].
Biologische Nitrifikation
Bei der biologischen Nitrifikation werden Ammonium und organische Stickstoffverbindungen in Nitrit bzw. Nitrat berftlhrt. Eine Oxidierung des Stickstoffs erfolgt zum Teil bereits bei der biologischen Behandlung zur Entfernung biologisch
abbaubarer organischer Substanzen. Um aber eine weitgehende und sichere Nitrifizierung zu erreichen, sind zustzliche Manahmen und Anlagenteile erforderlich.
Die nitrifizierenden Mikroorganismen reagieren relativ empfmdlich auf ungnstige Vernderungen des sie umgebenden Milieus, wie z.B. niedrige Temperaturen, Anstieg von Ammonium oder Nitrit usw. Um eine sichere Nitrifizierung zu
erreichen, mu deshalb die Mglichkeit der Auskhlung unterbunden und jede
Mglichkeit zur Wrmezufuhr genutzt werden, wie z.B. Abdeckung und Belftung
mit Druckluft bei Belebungsanlagen. Zustzlich mu eine bestimmte Stickstoftbelastung eingehalten werden. Mit derartig bemessenen Anlagen ist eine sichere
Nitrifikation zu erzielen. Werden Werte unter 10 mg Nil gefordert, so ist eine
zweite biologische Stufe erforderlich, die wegen der schlechten Flockenbildung

168

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

1. Stufe
(gesicherte Nitrifika~ion)

BeUithmgsbecken

2. Stufe
(weitgehende
Nitrifikation)

Absetz-

becken

Belftungsbeckln
mit Festkrpern
(verscll. Mi:iglichk1iten)

Tauchkrper
Bypus mit geringer Menge 2ur

Versorgung der 2. Stufe

Bild 4.19. Schematische Darstellung verschiedener Mglichkeiten zur zweistufigen biologischen


Behandlung zur Nitrifizierung der Ammoniums [4.35]

der Nitrifikanden sinnvollerweise als Festbett ausgebildet wird [4.35]. Derartige


Anlagenschemata sind in Bild 4.19. dargestellt.
Flockung und Fllung
Durch Flockung sollen suspendierte, kolloidierte, emulgierte und gelste Sickerwasserinhaltsstoffe in einen Zustand berfUhrt werden, in welchem sie sich durch
mechanische Verfahren wie z.B. der Sedimentation oder Flotation von der wrigen Phase abtrennen lassen. Das Hauptgewicht liegt hier bei der Elimination von
gromolekularen, biologisch schwer abbaubaren Substanzen.
Als Flockungsmittel sind alle Stoffe einsetzbar, die eine Entstabilisierung des
kolloidalen Systems bewirken. Dies sind vor allem mehrwertige Metallionen,
Elektrolyte und synthetische organische Polymere. Die Anwendung von zwei- oder
dreiwertigen Metallionen, z.B. aus Eisen(II)-sulfat, Eisen{III)-chloridsulfat, Eisen{III)-chlorid oder Aluminiumsulfat, bewirkt den Flockungs- und Fllungsvorgang.
Das Flockungsverfahren luft in der Praxis in drei Verfahrensschritten ab
[4.41]:
- Zugabe der Flockungschemikalien,
- Phase des Flockenwachstums,
- Flockenabtrennung.

4.1 Geordnete Deponie

169

Das Verfahren gilt heute nach dem Stand der Technik als berholt. Die anfallende
Menge der zu entsorgenden Salze und Schlmme ist sehr hoch (35 kg/m3 Sickerwasser), zudem kann es durch das Einbringen zustzlicher Schwermetalle zu einer
Anreicherung bis zur Grenzwertberschreitung dieser Parameter kommen.

Adsorptionsverfahren
Die Adsorption an Adsorberharzen ist ein Verfahren zur bevorzugten Elimination
halogenorganischer Verbindungen aus Deponiesickerwssern. Das Verfahren ist
vor allem zur Behandlung hochbelasteter Wsser geeignet, aus denen bestimmte
organische Stoffgruppen eliminiert werden sollen.
Die Adsorption erfolgt ber Van-der-Waals-Krfte in den Poren der Harzkrper. Die Porenstruktur und die Oberflche des Harzes lassen sich bei der Herstellung gezielt verndern, so da sich die Eigenschaften fUr eine selektive Trennung
in einem gewissen Mae steuern lassen. Die Adsorptionsharze knnen bei Raumtemperatur regeneriert werden, wobei das Regenerierungsmittel nach Abtrennung
von den Schadstoffen durch Destillation erneut verwendet werden kann.
Die Grenzen des Verfahrens sind durch Selektivitt der Adsorptionsharztechnik
gegeben. Sie ist daher immer als Teilschritt eines Gesamtbehandlungskonzeptes zu
sehen. So ist z.B. in der Regel eine Flockung/Fllung mit Sedimentation oder eine
Filtration vorzuschalten.
Die Adsorption an Aktivkohle wird ebenfalls zur Abtrennung von organischen
Inhaltsstoffen eingesetzt. Auch hierbei ist es sinnvoll, die Wsser vor der Aktivkohlebehandlung von mechanischen Verunreinigungen zu befreien. Fr eine effektive Adsorption ist eine mglichst groe Oberflche des festen Materials erforderlich. Die vorwiegend eingesetzten Aktivkohlen weisen Oberflchen von 600 bis
1 200 m 2/g auf.
Sollen selektive Schadstoffe aus dem Sickerwasser entfernt werden, sind durch
Vorversuche die Aktivkohleart, die Adsorptionszeit und die Reaktorform zu optimieren.
In Bild 4.20. sind die Verfahrensprinzipien der Adsorption mit der zu erwartenden Ablautkonzentration dargestellt.
Da Aktivkohle sehr teuer ist, sollte fUr einen wirtschaftlichen Betrieb mit diesem Verfahren die Reaktivierung der beladenen Aktivkohle vorgenommen werden.
Dies geschieht aufthermischem Weg. Bei der Anwendung der thermischen Reaktivierung ist eine Abgasreinigung erforderlich.
Ionenaustauschverfahren { 4. 4 I]
Bei der Anwendung von Ionenaustauschern zur Aufbereitung von Sickerwasser
sollen Ionen, vorwiegend Metallionen, aus der Wasserphase entfernt werden. Dabei wird das Austauschharz unter Freisetzung gleich geladener Ionen, die in der
Ionenaustauschmatrix gebunden sind, mit den zu entfernenden Sickerwasserlnhaltsstoffen beladen.
Der Ionenaustausch ist berwiegend reversibel, so da die gebundenen Sickerwasserinhaltsstoffe wieder durch geeignete Aufbereitungsmanahmen in Lsung
gebracht werden knnen.
Die Behandlung von Sickerwasser durch Ionenaustauschverfahren ist erst bei
vorbehandeltem Sickerwasser anwendbar, da sich eine hohe Konzentration organi-

170

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Prinzipieller Verlauf der Abtaufwerte

cl~-t
Absetzbecken

C11 =Abloufkonzentrotion

--- - Cx =Grenzkonzentration

bl

c~
t
Filter

AK - Suten

FM= Ftockungsrnitt~
.AJ(zAktivkdlle
FHM =Flocl<ungshilfsmittel

Bild 4.20. Verfahrensprinzip der Adsorption an Aktivkohle (a: Rhrreaktor, b: Aktivkohlesule)


und genereller Verkauf der zu erwartenden Ablaufkonzentration [4.35]

scher Inhaltsstoffe nachteilig auf ihr Eliminationsvermgen von ionischen Inhaltsstoffen auswirken kann. Um den Aufwand ftlr die Regeneration der Ionenaustauschharze gering zu halten, wird das Verfahren vor allem bei der Beseitigung
von Restkonzentrationen von Sickerwasserinhaltsstoffen angewandt
Membranverfahren
Im Gegensatz zu den weitverbreiteten Reinigungsmethoden ermglichen Umkehrosmose und Ultrafiltration die gleichzeitige Reinigung des Abwassers von organischen und anorganischen Komponenten, von Bakterien, Viren und anderen Verunreinigungen. Dabei kann hufig das Konzentrat so angereichert werden, da die
Rckgewinnung gelster Stoffe rentabel wird und das gereinigte Wasser ftlr Produktionszwecke eingesetzt werden kann. Somit knnen mit diesen beiden Prozessen gleichzeitig die Probleme der Wasserversorgung, der Wasserreinigung und der
Rckgewinnung wertvoller Stoffe gelst werden [4.37].
Diese Verfahren bestehen darin, da das zu behandelnde Sickerwasser unter einem hydrostatischen Druckgeflille, das grer ist als sein osmotischer Druck, eine
semipermeable Membran passiert. Dabei wird das Sickerwasser in zwei Fraktionen
getrennt
Das Permeat besteht im wesentlichen aus der Wasserphase und bestimmten Sikkerwasserkomponenten, die durch die Membranen diffundieren. Auf der Druckseite der Membranen fllt das Konzentrat an, das sich mit den von den Membranen
zurckgehaltenen Sickerwasserinhaltsstoffen anreichert.
Die Umkehrosmose wird schematisch in Bild 4.21, die Wirkungsweise der
Membranverfahren wird in Bild 4.22. in Abhngigkeit von der Komgre der
Inhaltsstoffe dargestellt

4.1 Geordnete Deponie

171

b) Umkehrosmose

a) Osmose

Tosmot.
lDruck

LL

L----.---___J -""-

konz.
Lsung

..- 1-

L....

konz.
Lsung

Reinwasser

Druck= osmotischer Druck+

Reinwasser

.o.H

Flierichtung
des Wassers
_,=--= semipermeable

Membran

Bild 4.21. Grundlagenschema der Osmose und Umkehrosmose [4.35]

Konventionelle Fi~ration

0,0001

0,001

0,01

0,1

10

100

[IJm]

Korngre

Bild 4.22. Wirkungsweise der Membranverfahren in Abhngigkeit von der Komgre der Inhaltssto ffe [4. 37]

172

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Fr die Aufbereitung des Sickerwassers wird an die Membranverfahren eine Reihe


von Forderungen gestellt, die sich in der Praxis zum Teil gegenseitig ausschlieen,
so da Kompromisse eingegangen werden mssen. Gerade bei den wichtigsten
Faktoren wie Stoffrckhaltung und Volumenstromdichte ist ein solcher Gegensatz
zufmden.
Die eingesetzten Membranen sollen gegenber den Sickerwasserinhaltsstoffen
weitgehend chemisch inert und gegenber der thermischen und mechanischen
Beanspruchung unempfindlich sein. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, da Sickerwsser zum Teil eine Salzkonzentration besitzen, die ein Vielfaches des Meerwassers betrgt und damit an den Membranen ein vergleichsweise
hohes DruckgeflUle verursacht. Die nach den Membranverfahren anfallenden Konzentrate mssen weiterbehandelt werden. Hier bietet sich die Eindampfung an, bei
der dann ein deponiefhiger fester Abfallstoff entsteht.
Chemische Naoxidation
Die chemische Naoxidation hat im Vergleich zu anderen Verfahren den groen
Vorteil, da keine Anreicherung der Schadstoffe stattfmdet, d.h. es handelt sich
um ein reststofffi"eies, schadstoffzersetzendes Verfahren. Ein Aspekt, der besonders im Hinblick auf die TA Abfall Teil 1, worin Rckstnde aus Sickerwasserbehandlungsanlagen als SonderabfiUle eingestuft werden, an Bedeutung gewinnt. Das
Verfahren istjedoch z.Z. noch mit einem hohen Energieaufwand behaftet.
Das Verfahren der chemischen Naoxidation bewirkt mittels Ozon oder Wasserstoffperoxid unter UV-Bestrahlung eine Mineralisierung der im Sickerwasser
enthaltenen Schadstoffe. Eingesetzt werden sollte das Verfahren aus Kostengrnden sinnvollerweise erst im Anschlu an eine biologische Vorbehandlung, damit
der Einsatz der teuren Oxidationsmittel gezielt die verbleibenden, biologisch nicht
abbaubaren toxischen Restinhaltsstoffe angreift. Besonders geeignet ist das Verfahren zur Eliminierung der CSB-Restgehalte und der AOX-Gehalte.
Thermische Verfahren
Als thermische Verfahren zur Sickerwasseraufbereitung sind Eindampfen, Strippen, Destillation und Verbrennung zu nennen [4.43].
Die thermischen Verfahren ermglichen die Trennung von Lsungen und Suspensionen anorganischer und organischer Sickerwasserinhaltsstoffe aufgrund ihres
unterschiedlichen Temperaturverhaltens bzw. ihrer unterschiedlichen Flchtigkeit.
Bei der Eindampfung wird durch Erhitzen eine Aufkonzentration der Lsung,
ggf. bis zur Kristallisation, erreicht. Die Eindampfung ist in der Regel filr alle
Sickerwasserarten geeignet.
Aufgrund des zum Teil hohen Gehaltes an anorganischen Salzen ist nicht auszuschlieen, da sich bei der erhhten Betriebstemperatur durch chemische Reaktionen von Sickerwasserinhaltsstoffen Verkrustungen bilden knnen, die den
Wrmebergang an den Verdampferflchen verschlechtern. Die Abwasserverbrennung filhrt zu einer vollstndigen Oxidation der organischen Inhaltsstoffe und
hinterlt als Rckstand fast ausschlielich anorganische Bestandteile. Seine Berechtigung hat das Verfahren dort, wo das Abwasser neben anorganischen Stoffen
organische Stoffe in hherer Konzentration enthlt und/oder diese Stoffe toxisch
oder biologisch nicht abbaubar sind.

4.1 Geordnete Deponie

173

Nachteilig bei der Verbrennung ist die Notwendigkeit einer aufwendigen Rauchgasreinigung, da die flchtigen Stoffe in die Rauchphase gelangen. Die hierfr
erforderlichen Kosten werden mit 10 bis 20 DMJm3 Abwasser angegeben [4.43].
[Link]
Entgasung von Deponien

Whrend der Zeit vor Einfiihrung geordneter Verdichtungsdeponien war das Wissen um die Gasentwicklung in der Deponie nicht vorhanden, da in den kleinen und
nur wenig verdichteten Deponien vorwiegend aerobe Abbauprozesse abliefen. Bei
dem anaeroben Abbau in Zentraldeponien entsteht neben Kohlendioxid berwiegend Methan, das Gefahren und Belstigungen (Explosionsgefahr, Vegetationsschden, Geruchsemissionen) fi1r die Umwelt bedeutet.
Entsprechend den Anforderungen der TA Siedlungsabfall fi1r Hausmlldeponien [4.1] ist das Deponiegas aus betriebenen oder stillgelegten Deponieabschnitten
nach Mglichkeit zu fassen und zu verwerten. Als Stand der Technik wird die
Verbrennung mit Energienutzung in Feuerungsanlagen oder Verbrennungsmotoranlagen angesehen. Eine Unterlassung der energetischen Nutzung des Deponiegases darf nur in begrndeten Ausnahmefallen erfolgen.
Fr neu zu errichtende Deponien ist aufgrund der Zusammensetzung und des
sehr geringen organischen Anteils des abgelagerten Mlls nicht mit bedeutsamer
Deponiegasentwicklung zu rechnen. Falls bei Kontrolluntersuchungen signifikante
Gaskonzentrationen gemessen werden, oder falls aufgrund von Ausnahmeregelungen mit Deponieausgasungen zu rechnen ist, werden angemessene, geeignete Einrichtungen zur Gasfassung gefordert.
Die folgenden Kapitel zum Thema Deponiegas beziehen sich demzufolge auf
Anlagen, die vor lnkrafttreten der TA Siedlungsabfall in Betrieb waren, oder mit
deren Errichtung bereits begonnen war, oder filr Deponien die bereits stillgelegt
wurden.
Gashaushalt
Wird der Abfall geordnet abgelagert, so haben Licht und Sauerstoff keinen Zugang
zu dem eingebauten Material, so da die metabolischen Prozesse nach dem Verbrauch des Sauerstoffs in der eingeschlossenen Luft anaerob verlaufen mssen.
Kommunale Abflle werden von einer Bakterienmischpopulation zunchst zu
den typischen Grprodukten wie Suren, Alkoholen usw. abgebaut. Die erste Stufe
des anaeroben Abbaus ist mit einem starken Anstieg organischer Suren verbunden. Die Abbauprodukte dieser ersten Phase werden von einer weiteren Bakteriengruppe, den acitogenen Bakterien, zu Acetat, Kohlendioxid und Wasserstoff umgesetzt. Diese Substanzen werden dann von den Methanbildnern als Substrat genutzt. Die Methanbildung verluft somit in 3 Stufen, wie Bild 4.23. schematisch
darstellt.
Die Gasproduktionsraten und deren Zusammensetzungen werden von den jeweils im Sickerwasser vorliegenden Milieuverhltnissen beeinflut.
Die Abnahme der anfangs vorherrschenden aeroben Prozesse durch anaerobe
lt sich an der Entwicklung der Gasphase im Bild 4.24. deutlich erkennen. Die
zunchst hohe COrProduktion nimmt allmhlich zugunsten der Methanproduktion

174

4 Abfallbehandlung und -beseitigung


Bakterien
Bakterien

Biomasse
Proteine, Fette,
Kohlenhydrate

Ia

Zucker

~
Biogas

Glycerin

70% Methan
30%C02

Fettsuren

-~

Alkohole

II

Essigsure

Bild 4.23. Schema der Methanbildung von AbOOien durch drei verschiedene Bakteriengruppen
[4.114]

ab. Kurzzeitig tritt in der bergangsphase Wasserstoff auf. Nach der instabilen
Anfangsphase sind die Methan- und C02-Konzentrationen ber lange Jahre
konstant. Das Verhltnis von CH4 :C02 erreicht einen konstanten Wert, der ungefhr 1,2 bis 1,5 betrgt. Besonders bei abgedeckten Deponien und in greren
Tiefen der Deponie zeigen die Werte kaum Vernderungen. Nach bisherigen Erfahrungen setzt die Methanproduktion etwa 0,5 bis 1 Jahr nach erfolgtem Einbau
intensiv ein und hlt ber einen lngeren Zeitraum an. Es wurden an Deponien
noch nach 75 Jahren Gasemissionen beobachtet [4.46].
Durch Untersuchungen lassen sich die Langzeitphasen wie folgt charakterisieren (Bild 4.24. B) [4.197]:
- Die als Langzeitphase I bezeichnete Phase entspricht der aus der Literatur bekannten stabilen Methanphase von Farquhar. Von dieser Phase kann dann gesprochen werden, wenn im Deponiegas ein Verhltnis von 55% CRt zu 44%
C0 2/CRt/C02 = 1,25) erreicht ist. 0 2 und N 2 sind nicht oder nur in Spuren im
Deponiegas vorhanden.
- Die sich an die im Bild 4.24. A dargestellte anschlieende Phase V in Bild
4.24. B ist durch ein hheres CRt/COrVerhltnis als in der stabilen Methanphase charakterisiert. Bei Sondenmessungen und Absaugversuchen werden in
der Regel noch deutlich ber 50% CRt im Deponiekrper messen. Das Verhltnis CRt/C02 liegt dabei meist zwischen 1,5 und 4.
Fr die beiden beschriebenen Langzeitphasen I und II ist typisch, da durch die
ausgeprgte Gasproduktion ein Druckgeflle zur Umgebung besteht. Das Gefhrdungspotential durch Deponiegasemissionen ist zu diesem Zeitpunkt ausgesprochen hoch.
- In der folgenden Langzeitphase III, der sogenannten Lufteindringphase, hat die
Biogasproduktion weiter abgenommen. Durch die abbrechende Biogasproduktion reicht der Gasdruck im Inneren nicht mehr aus, um das Eindringen

4.1 Geordnete Deponie

Vol.%

aerob

100

I
I

anaerob

anaarob

anaerob

saura
Grung

Methanglirung
-tnstlbil-

Methangrung
- stab11-

I
I

80
Cl

CH 4

60

:::1
N

....GI

175

111

40

111

:::1
N

20

111

10

CD

0
Zeit

II

IV

111

Phase

Langzeitphasen

Phasen r10c:h
F" cuquho.r

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100

1-111

IV

111

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20

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[Link]

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-~

02

-........_....._

---t>

Bild 4.24.A+B Gaszusammensetzung whrend des Abbaus von Abfall in der Deponie in Abhngigkeit von der Lagerungsdauer [4.54]

von Luft vollstndig zu verhindern, so da sich der Ablagerungskrper langsam


von der Oberflche bzw. vom Rand aus mit atmosphrischer Luft fllt. Es tritt

176

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

0 2 und N 2 zu (Atmosphrenluft), wobei das Verhltnis im Porenraum weit von


dem von Luft abweicht. Vom Rand her setzt eine Methanoxidation ein, die eine
Zehrung des eindringenden Sauerstoffes bewirkt. Die Methankonzentration
sinkt, wodurch das CHJCOz-Verhltnis wieder abnimmt. In dieser Phase sind
Methangehalte zwischen 10- 40% mebar. Die C0 2-Gehalte liegen zwischen 5
- 30 Vol.-%. Ein betrchtlicher Anteil an N 2 ist nachweisbar (10 - 30 %). Die
Verdnnung des Deponiegases whrend der Langzeitphase III fmdet nicht homogen in allen Bereichen der Altablagerung statt.
- In der Langzeitphase IV kommt es durch die weiter abnehmende Biogasproduktion zu einem verstrkten Eindringen von Luft und zu einer ausgeprgten
Methanoxidation. Die Oxidation des Methans bewirkt einen deutlichen Anstieg
der Kohlendioxidkonzentration (Verschiebung des CH4/C0 2- Verhltnis zu
Werten < I) und durch den Verbrauch des Sauerstoffanteils der eindringenden
Auenluft zu einem hohen N2/02-Verhltnis. Da die Luft von auen weit in
den Deponiekrper eindringt, finden in dieser Phase keine Emissionen mehr in
den Luftraum statt.
- Mit fortschreitendem Deponiealter geht der Methangehalt in der Langzeitphase V gegen Null. Es ist noch viel Kohlendioxid im Deponiekrper vorhanden. In den wenigen Bereichen, die noch anaerobes Milieu aufweisen, wird das
Methan fast vollstndig abgebaut. Dadurch wird der Kohlendioxidgehalt gegenber der normalen Bodenluftzusammensetzung erhht. Durch den anaeroben Abbau des restlichen vorhandenen organischen Materials entsteht ebenso
Kohlendioxid. Die Methangehalte im Deponiekern sind sehr gering und liegen
bei max. 2 - 5 %. Die COz-Gehalte liegen zwischen 5 und 20 %. Neben dem erhhten N 2-Gehalt (> 60 %) sind gegenber unbeeinfluter Bodenluft erniedrigte
0 2-Gehalte mebar(< 15 %). Emissionen fmden nicht mehr statt.
- In der Langzeitphase VI nimmt der Kohlendioxidgehalt, aufgrund des weiteren
Lufteindringens und des mittlerweile nahezu vollstndigen Abbaus der abbaubaren organischen Substanz, weiter ab und reduziert sich bis auf wenige Prozent. Da der mit der Luft eindringende Sauerstoff nicht mehr zur Oxidation organischer Substanzen verbraucht wird, ist im Deponiekrper ein Anstieg des
Sauerstoffgehaltes bis in den Bereich von 18 - 20 % zu verzeichnen.
Zusammenfassend ergibt sich, da aber der Lufteindringphase VI (Langzeitphase
III) eine Geilihrdung durch Methan nicht mehr gegeben ist.
Die entstehenden Gasmengen aus einer Deponie lassen sich nur grob abschtzen. Um Entgasungsanlagen zu dimensionieren, sind zuvor verschiedene Untersuchungen durchzufilhren, um das Gaspotential zu bestimmen und um Prognosen
ber die Geschwindigkeit der Gasproduktion machen zu knnen. Aus einer Tonne
Hausmll entstehen zwischen 120 und400m3 Deponiegas [4.44, 4.47].
Die Menge ist von der Zusammensetzung des Hausmlls, dessen Feuchtegehalt
und von der augewandten Einbautechnik, z.B. mit oder ohne Abdeckung, hochoder schwachverdichtet, abhngig. Die Differenz zwischen den Ergebnissen von
Laborversuchen und gemessener Gasproduktion auf Deponien beruht auf den
folgenden Faktoren:
- Whrend des aeroben Abbaus knnen Gasverluste auftreten, die nicht zu nutzbaren Deponiegas fUhren.

4.1 Geordnete Deponie

177

- Mit dem Sickerwasser wird ebenfalls Kohlenstoff aus der Deponie ausgetragen.
- Die Umsetzung der organischen Abfallinhaltsstoffe im Deponiegas erfolgt nicht
vollstndig.
ber die Hauptbestandteile CH4 und C0 2 des Deponiegases hinaus gibt es eine
Reihe von Spurenstoffen, die in der Regel weniger als 0, I % ausmachen. In der
Tabelle 4.10. sind Komponenten von Deponiegasen und deren Schwankungsbereiche dargestellt.
Tabelle 4.10. Zusammensetzung der Deponiegaskomponenten und deren Schwankungsbereiche
[4.48]
Komponente

Konzentrationsbereich

Methanol

0-80 Vol.-%

Nr.
2

Kohlendioxid

0-80 Vol.-%

Kohlenmonoxid

0-3 Vol.-%

Wasserstoff

0-3 Vol.-%

Sauerstoff

0-21 Vol.-%

Stickstoff

0-78 Vol.-%

Ammoniak

0-100 [Link]

Ethen

0-65 [Link]

Ethan

[Link]

10

Acetaldehyd

0-150 [Link]

ll

Aceton

0-100 [Link]

12

Sonstige Kohlenwasserstoffe
(ohne Aromaten)

je 0-50 [Link]

13

Schwefelwasserstoffe

0-100 [Link]

14

Ethylmercaptan

0-120 [Link]

15

Benzol

16

Toluol

0-15 [Link]
0-15 [Link]

17

Xylol

0-15 [Link]

18

Ethylbenzol

0-10 [Link]

19

Vinylchlorid

0-10 [Link]

20

0-100 [Link]
Halogenverbindungen
(u.a. 1.1 Dichlorethen, Methylenchlorid, Tetrachlorkohlenwasserstoff, Trichlorethen, Frigene)

21

Wasserdampf

i.d.R. gesttigt

Technische Einrichtungen zur Gaserfassung


Eine natrliche, groflchige Entgasung durch die offene Deponieoberflche wird
nicht mehr als Stand der Technik betrachtet. Neben der Umweltbelastung durch
Geruchsbelstigung und Pflanzenschdigung kommen auch sicherheitstechnische
Aspekte wie die Mglichkeit eines Erstickungsunfalls oder einer Verpuffung whrend des Deponiebetriebes in Betracht. Wie die Praxis gezeigt hat, kann das Depo-

178

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

niegas ber erhebliche Entfernungen hinweg durch den angrenzenden Untergrund


migrieren und dabei Schden verursachen.
Zur technischen Entgasung von Deponien knnen grundstzlich zwei Arten von
Gastransportmechanismen genutzt werden [4.4 7]:
- Bei der passiven Entgasung wird der Eigendruck der Gasphase im Deponiekrper ausgenutzt. Die Gase werden aus der Deponie gedrckt.
- Bei der aktiven Entgasung wird mit Hilfe von Gasfrdereinrichtungen durch
Unterdruck das Gas aus dem Deponiekrper abgesaugt.
Bei der passiven Entgasung werden nur geringe Erfassungsgrade erreicht, so da
fast nur auf die Systeme der aktiven Entgasung zurckgegriffen wird. Um eine
aktive Entgasung effektiv einsetzen zu knnen, mu
- der Unterdruck wirksam in die Deponie eingebracht werden,
- das Ansaugen von Luft minimiert werden,
- das System langzeitbestndig sein,
- eine Absaugung auch whrend des Deponiebetriebes mglich sein,
- die Entgasungskapazitt an die Gasproduktion angepat sein[4.47].
Daraus ergeben sich folgende Konsequenzen [4.47]:
- Zur Entgasung eignen sich grovolumige Systeme mit einem freien Durchgang
in mglichst kurzer Lngstausdehnung.
- Die Rohre zur Gasableitung sollten nicht ber den offenen Deponiekrper gefUhrt werden (Explosionsschutz). Eine Trassierung im Deponiekrper ist wegen
der Setzungen nicht langzeitbestndig.
Whrend des Deponieaufbaus haben sich vorwiegend horizontale Systeme bewhrt. In abgeschlossenen Deponien wurden noch zustzlich Brunnen eingesetzt.
Dabei haben sich folgende Systemdetails als vorteilhaft erwiesen [4.47]:
Die Gasbrunnen mit einem Durchmesser zwischen 0,6 und 1,2 m besitzen eine
Perforation von ca. 10 % ihrer Flche und reichen bis in 15 m Tiefe. Bei tiefen
Brunnen wird das Gas in Etagen abgesaugt. Im Brunnenkopf sind Megerte fiir
Druck, Temperatur und Gaskonzentrationen sowie eine Durchfludrosseleinheit
installiert. Sonden, Gaskamine etc. sind Sonderlsungen und knnen im Einzelfall
gnstige Resultate ergeben. In der Summe haben sie sich nur begrenzt bewhrt.
Bei horizontalen Systemen liegen die Drainrohre in etwa 1 m mchtigen Bahnen, die mit kalkfreiem Schotter gefiillt sind. Die Leitungen sind mit geringem
Geflle verlegt und weisen Versickerungtlchen fiir Schichtwasser auf. Die
Trassenfiihrung ist mglichst gerade und komplett durch den Deponiekrper hindurchgefiihrt.
Grundstzlich sind drei Formen des Anschlusses der Brunnen an die Sammelstation, wie in Bild 4.25. dargestellt, blich. Die Brunnen knnen sowohl mit dem
wachsenden Deponiekrper hochgezogen wie auch nach Abschlu der Deponie
gebohrt werden.
Eine Mglichkeit der Leitungsfiihrung ist die Ringleitung, die den Vorteil hat,
da sie am Deponierand auf gewachsenem Boden verlegt wird. Allerdings mu die
Regelung wenig komfortabel entweder an den Brunnenkpfen oder in Anschluschchten in der Ringleitung erfolgen.

4.1 Geordnete Deponie

179

r----------.. ----------------------------1
1::

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i Einzelleilungen
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....._.........

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I .
.

~ Verdichterstation
und Fackel

!3.

Regelung

.............. Anschluleitungen
- - Sammelleitungen

Bild 4.25. Formen des Anschlusses der Brunnen an die Sammetstation [4.49]

Einzelleitungen knnen sehr aufwendig werden, z.B. wenn 30 Brunnen an einen

Sammelbalken angeschlossen werden mssen. Vorteilhaft ist die Mglichkeit der


zentralen, automatischen Regelung.
Brunnengruppen bilden einen Kompromi aus den ersten beiden Formen. Auch
hier ist manuelle Bedienung auf der Deponie erforderlich. Der Regelungsvorgang
wirdjedoch in wenigen Schchten konzentriert.
Die Bereitstellung des Unterdrucks erfolgt blicherweise durch ein zentral ausgestelltes Geblse, welches die Gase zu einer Anlage zur Gasbeseitigung (berwiegend Fackel, aber auch Biofilter oder Abblaserohr) fOrdert.
Gasreinigung und -aujbereitung
Deponiegas stellt ein lange bekanntes Energiepotential dar, das auf verschiedene
Arten genutzt werden kann. Wie teilweise bereits in der Tabelle 4.10. dargestellt,
besteht das Deponiegas aus einigen hundert Spurenstoffen, die als geruchsintensiv,
giftig oder krebserzeugend bekannt sind. Diese Spurenstoffe und hier insbesondere
die halogenierten Kohlenwasserstoffe sowie Schwefelwasserstoff bereiten Probleme bei der thermischen Verwertung.
Die umweltrelevanten Gaskomponenten des Abgases sind [4.50]:
- Chlorwasserstoff (HCl),
- Fluorwasserstoff (HF),
- Kohlenmonoxid (CO),
- Schwefeldioxid (S0 2),
- Stickoxide (NOx),
- polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK),
- halogenierte Kohlenwasserstoffe (HKW),
- polychlorierte Dibenzodioxine (PCDD),

180

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

- polychlorierte Dibenzofurane (PCDF).


Die Verwendungsmglichkeiten ftlr Deponiegas erfordern unterschiedliche Reinigungsmanahmen. Es mssen daher aus dem Deponiegas entfernt werden:
- Wasserdampf,
Schwefelwasserstoff,
Chlorkohlenwasserstoff,
Fluorkohlenwasserstoff,
hhere Kohlenwasserstoffe,
Trennung von Methan, Kohlendioxid und eventuell Stickstoff.

Aufbereitung zu Erdgasqualitt
Anlagen zur Aufbereitung von Deponiegas zu Erdgasqualitt sind in den USA, den
Niederlanden, in sterreich und in der Bundesrepublik Deutschland in Betrieb.
Methanhaltige Gase mit einem Wobbe-Index von 13 bis 15 kWh/m3 kann man als
erdgashnliche Energietrger bezeichnen und in jedem handelsblichen, fiir Erdgas ausgelegten Aggregat ohne nachtrgliche Anpassung verwenden. Der geforderte Wobbe-Index wird mit einem Methangehalt ab ca. 85 bis 90% erreicht. Zur
Aufbereitung der Deponiegase zu Erdgasqualitt eignen sich zwei unterschiedliche
Trennverfahren:
1. Adsorption an Aktivkohle und Molekularsieben,
2. Absorption mit Wasser oder mit physikalischen und chemischen Lsungsmitteln.
In Bild 4.26. wird der Einsatz von Aktivkohle und ein Kohlenstoff-Molekularsieb
mit den Roh- und Reingasen dargestellt.
Die Adsorption von Schwefelwasserstoff und organischen Schwefelverbindungen an Aktivkohle wird schon lange angewandt. Das Verfahren zur Deponiegasentschwefelung nutzt eine weitporige, jodimprgnierte Aktivkohle als Adsorber
bzw. Katalysator. Bei der sogenannten Adsorptionskatalyse wird H 2S in Gegenwart des Sauerstoffs unter dem katalytischen Einflu der Aktivkohle zu Schwefel
oxidiert.
Katalytische H 2S-Oxidation
2H 2 S+0 2

Aktivkohle

114S 8 +2H 2 0

(4.6)

Der bei dieser Reaktion entstehende elementare Schwefel wird adsorbiert, whrend
das Reaktionsprodukt Wasser von der Katalysatoroberflche desorbiert wird. Die
Restgehalte an Schwefelwasserstoff liegen nach Passieren des Festbettadsorbers
unter 1 mg/m3 [4.44].
Sollte der zur Oxidation des Schwefelwasserstoffs erforderliche Sauerstoff, der
in den meisten Fllen im Deponiegas vorhanden ist, nicht ausreichen, wird eine
geringe Menge Luft kontrolliert eingeblasen. Bei zwei Festbettadsorbern kann
nach einer Standzeit von bis zu einem halben Jahr und einem Schwefelwasserstoffgehalt von 5 ppm auf den zweiten Adsorber umgeschaltet werden, so da der
erste entleert werden kann. Die beladene Aktivkohle wird verworfen oder regeneriert.

4.1 Geordnete Deponie

Adsorption an
Aktivkohle

Adsorptionskalalyse
Schwefe~

wasserstoff

Rohgas Produktgas
(mg/m3)

_____..

0-1000

<=5

...__....

Rohgas Produktgas
(mg/m3)
Halog. KW
0-1000
<25
Aromaten
0-1000
<25
Alkane
0-1000
<25

181

~ BLOCKHEIZKRAFTWERKE

DAMPF UND WRMEERZEUGUNG

--

PSA-Anlage
KohlenstoffMolekularsiebe

Rohgas Produktgas
Vol.-%
C02
02
N2

30-50

<9

<2

<8
<3
CH4 40-60
H2

Rohgaszusammensetzungen von Deponie- und Faulgasen


und Anforderungen an die Reinigung&- und TreMstufen

CH4 > 91 Vol.-%


SNG

EINSPEISUNG IN
ERDGASNETZE

Bild 4.26. Deponiegasaufbereitung mit Aktivkohle und Kohlenstoff-Molekularsieb [4.51]

Die Entfernung der organischen Verbindungen wird in einer zweiten Behandlungsstufe mit ausgewhlten Aktivkohlesorten durchgeflihrt. Diese Aktivkohlen
werden bei der Abluftreinigung und Lsungsmittelrckgewinnung zur Adsorption
von KW und HKW eingesetzt. Die Verunreinigungen werden adsorptiv an der
Aktivkohle gebunden. Die Betadung (Aufuahmeflihigkeit) ist abhngig von Art
und Menge der Verunreinigung sowie von der Anlagenausfiihrung und der Betriebsweise.
Grundlage filr die Auslegung sind die min./max. Analysenwerte des jeweils zu
behandelnden Deponiegases. Weiterhin sind die Adsorptionsgleichgewichte, die
Desorptionsenergien sowie die CO-Adsorption der unterschiedlichen Spurenbestandteile zu beachten. Die Seladung variiert zwischen 0,1 bis 40 Gew.-% und ist
in der Regel um so grer, je hher der Siedepunkt eines Stoffes liegt. Bild 4.27.
zeigt das Grundfliebild einer Anlage.

Methananreicherung
Der Vorreinigung des Deponiegases ist die Methananreicherung bzw. die Abtrennung von Kohlenmonoxid im Druckwechseladsorptionsverfahren mit Kohlenstoffinolekularsieben nachgeschaltet Anschlieend erfolgt die Endbehandlung,
d.h. die Karburation und Odorierung des Gases. In Tabelle 4.11. sind die wichtigsten Anforderungen fi1r angereichertes Deponiegas dargestellt.
Das Bild 4.28. stellt das Grundfliebild des Druckwechselbadsorptionsverfahrens zur Anreicherung von CH4 dar. Kohlendioxid wird aus dem mit ca. 5
bis I 0 hPa verdichteten Deponiegas an dem Kohlenstoffmolekularsieb adsorbiert.
Geringe Spuren von Stickstoff und Sauerstoff werden ebenfalls angelagert und so

182

4 Abfallbehandlung und -beseltlgung

Regeneration
Adsorption

Deponiegas

Heigas o. Heidampf

KW,HKW

Bild 4.27. Grundfliebild einer Anlage zur Entfernung von gromolekularen und halogenierten
Kohlenwasserstoffen mit Aktivkohle [4.52]

Tabelle 4.11. Die wichtigsten Anforderungen fl1r die Herstellung von Deponiegas mit Erdgasqualitt gem des DVWG-Arbeitsblattes G 260/1 vom April 1983
Bezeichnung
Wobbe-Index
Gesamtbereich, [kWh/m3]

Gruppe L

Gruppe H

11,40-13,49

13,03-15,70

0,58
8,84-13,14

0,58

Schwankungsmglichkeiten

im Versorgungsgebiet, [kWh/m3 ]
Brennwert Ho,n, [kWhlm3 ]
Relative Dichte
Wasser Taupunkt, [0 C]

0,55-0,7
unter Bodentemperatur (meist 0C)

Sauerstoff, [Vol.-%]

<3

Schwefelwasserstoff, [kWh/m3 ]

<5

aus dem Reingasrohr entfernt. Durch einen Druckwechsel wird das beladene Molekularsieb frei. Die angelagerten Gaskomponenten (C02 , N 2, 0 2) werden an die
Umgebungsluft abgegeben.
Alternativ zum Molekularsieb kann die chemische und physikalische Wsche
zur CH4-Anreicherung eingesetzt werden. In Bild 4.29. wird das Grundfliebild
der Waschverfahren zur CH4-Anreicherung dargestellt. Bei der chemischen Wsche wird C02 mit Waschmittel (verschiedene anionische Verbindungen) chemisch gebunden.
Die physikalische Wsche (Druckwasserwsche, Selexol-, Kryosol-Verfahren)
arbeitet hingegen mit Druck zwischen 10 bis 30 hPa. Die Entspannung wird durch
Wrme aufgebracht. Die Methanausbeute liegt hher als bei Molekularsieben oder
Membranen. Die Gaspermeation ist ein druckgetriebener Proze; entsprechend der
Partialdruckdifferenz zu beiden Seiten der Membran werden Gase durch die
Membran transportiert.

4.1 Geordnete Deponie


E

183

as

Vakuum Pumpe

~--~----~~
2

Bild 4.28. Prinzipielle Darstellung einer Druckwechseladsorptionsanlage zur Trennung von


C02/CH4 [4.52]

Erdgas

Stripper

co2 +
Waschmittel
Bild 4.29. Prinzipielle Darstellung einer physikalischen oder chemischen Wsche zur Trennung
von C02/CH4 [4.52]

Ein Stoffiransport durch porenfreie Membranen kann zumindest qualitativ durch


drei Schritte beschrieben werden [4.53]:
- Sorption des Gases in der Membranoberflche,
- Diffusion des gelsten Gases durch die Membran,
- Desorption bzw. Verdampfung des Gases aus der Membran heraus.
Die Trennung von Gasgemischen erfolgt bei der Gaspermeation aufgrund verschieden groer Transportgeschwindigkeiten der einzelnen Komponenten durch
die Membran, man spricht in diesem Zusammenhang auch von ,schnellen' oder
,langsamen' Gasen. Die bekannten Membranwerkstoffe sind wenig permeabel fiir
Stickstoff und Methan und weisen dagegen relativ hohe Permeabilitten fiir die
Gase Kohlendioxid, Sauerstoff, Schwefelwasserstoffund Wasser auf.
Die Trennung von verschiedenen Gasen ist am besten, wenn sie in ihrer Permeabilitt stark differieren. Kohlendioxid lt sich demnach sehr gut von Methan
trennen, Stickstoffjedoch kaum.

184

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Tabelle 4.12. Einflu der Modulanzahl auf die C0 2-/CH4-Trennung [4.53]


Module

CH4 -Reinheit
im Tetentat

im Permeat

CH4 Ausbeute

[Vol.-%]

[Vol.-%]

[%]

77,2

76,6
73,5

90,6

68,4

77,9

63,8

69,7

85,7

91,7
95,2

COz-Reinheit

Feedzusammensetzung

CI!;: 76,0 Vol.-%


COz: 32,5 Vol.-%
0,5 Vol.-%
Nz:

84,4

Betriebszustand
p = 32 bar

T =80C
V=llm'n/h

Fl = Gasmengenzhler
Ql = Gasanalyse
PI = Manometer
Tl = Thermometer

Produktstrom
(CH 4 - reich)

Bypass

Bild 4.30. Schema der Gasseparationsanlage auf der Deponie Croglio (Schweiz) [4.54]

Tabelle 4.12. zeigt fr einen bestimmten Betriebszustand, wie sich Produktreinheit


und Ausbeute bei hintereinander geschalteten Modulen von Element zu Element
ndern.
Der schematische Aufbau einer Anlage mit Membranen zur Trennung der Deponiegaskomponenten wird in Bild 4.30. dargestellt. Die Grenzen des Reinigungssystems werden durch den Stickstoffanteil im Rohgas bestimmt, der von den
Membranen nicht von Methan abgetrennt wird. Bei den in Spuren vorhandenen
Schadstoffen wie chlorierte Lsungsmittel, Benzen, Vinylchlorid ist das Trennverhalten von Substanz zu Substanz unterschiedlich. Unpolare und leichtpolare Verbindungen konzentrieren sich im CH4 . Polare und leicht polarisierbare Verbindungen zeigen hnliche Permeationseigenschaften wie C0 2.
Biologische Gasreinigungsverfahren
Die im Deponiegas enthaltenen Geruchsstoffe knnen durch Mikroorganismen
biologisch abgebaut werden. Es handelt sich dabei um zahlreiche Spurenstoffe, die

4.1 Geordnete Deponie

185

Reingas

Reingas

Bedsungsleitung

-Pral nachen

Rohgas __,--.

~~

Rohgas

Bedsungs
Ieitung

~==- Pumpen

sumpf

Bild 4.31. Biowscher nach dem Belebtschlammverfahren und dem Tropfkrperprinzip [4.55]

in der Regel aus Schwefel-, Stickstoff- und Sauerstoffverbindungen bestehen und


im ppm-Bereich liegen. Der Einsatz dieser Verfahren sollte nur dann in Betracht
gezogen werden, wenn es sich um kleinere Deponien handelt und eine Gasnutzung
nicht wirtschaftlich ist. Das Gas wird nach der Entfernung der geruchsintensiven
Verbindungen an die Atmosphre abgegeben oder abgefackelt.
Fr eine biologische Gasreinigung mssen folgende Voraussetzungen erfllt
sein:
- die zu entfernenden Inhaltsstoffe im Deponiegas mssen biologisch um- oder
abbaubar sein,
- der Kontakt fr die zu entfernenden Bestandteile mit den Mikroorganismen
mu ausreichend lang sein,
- zum biologischen Abbau bentigen die Mikroorganismen Sauerstoff, dessen
Konzentration die Explosionsgrenze fr Methan nicht erreichen sollte.
Fr die Deponiegasreinigung kommen die bekannten Verfahren der biologischen
Abluftreinigung wie Biowscher und Biofilter in Frage.
In Bild 4.31. werden die Verfahrensvarianten der Biowscher nach dem Tropfkrperprinzip und nach dem Belebtschlammverfahren schematisch dargestellt.
Beim Biowscher nach dem Tropfkrperprinzip wird die Abluft bzw. das Deponiegas durch eine Fllkrpersule geschickt, die im Gegenstrom mit Wasser
berieselt wird.
Die Abluftinhaltsstoffe lsen sich dabei in der wrigen Phase. Auf den Fllkrpern entsteht nach einer gewissen Einarbeitungszeit ein biologischer Rasen aus
Mikroorganismen, der in der Lage ist, die Abluftinhaltsstoffe abzubauen.
Beim Biowscher nach dem Belebtschlammverfahren dienen Prallflchen zur
Verbesserung des Stoffaustausches zwischen der gastOrmigen und der flssigen
Phase. Die abbauenden Mikroorganismen befinden sich als Suspension direkt in
der Waschflssigkeit Zur ausreichenden Versorgung der Mikroorganismen ms-

186

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

r - - - - - - < i = H2 0zur

Befeuchtung

biologisch
aktive
Filtennasse
=>
Rohgas

Lochblech
' - - - - - - - - = > Kondensat
Ablauf

Bild 4.32. Biofilter zur Deponiegasreinigung [4.55]

sen eventuell Phosphor- und Stickstoffsalze im Waschwasser zudosiert werden, da


diese Stoffe selten in ausreichender Menge durch die Abluft geliefert werden
[4.55].
Im Gegensatz zu den beiden bisher genannten Deponiegasreinigungsmethoden
existieren beim Biofilterverfahren bereits langjhrige praktische Erfahrungen. Die
ersten Grundlagenuntersuchungen mit Biofiltern bzw. Erdfiltern, wie sie damals
genannt wurden, zur Entfernung von H2S und Mercaptanen wurden 1966 durchgefiihrt [4 .55].
Das Prinzip des Biofilters ist technisch einfach und deshalb auch relativ billig
(Bild 4.32.). Die zu reinigende Abluft bzw. das Deponiegas wird von unten durch
Loch- oder Schlitzplatten in das Filtermaterial gedrckt, in dem die Sorption der
zu entfernenden Stoffe und der mikrobielle Abbau erfolgen. Methan wird jedoch
nur in unbedeutenden Mengen abgebaut. Als Filtermaterial knnen z.B. Mllkompost, Rindenkompost oder Torf bzw. Torf-Reisiggemische eingesetzt werden.
Wesentlich ist, da das Filtermaterial stndig eine Feuchtigkeit von ca. 40 bis
60 % aufweist, um den Mikroorganismen optimale Lebensbedingungen zu bieten.
Von der Wahl des Filtermaterials hngt auerdem der Druckverlust im Biofilter
ab. Bei Torf und Rindenkompost ist mit ca. 200 bis 300 Pa, bei Mllkompost mit
500 bis 1 500 Pa zu rechnen.
Neben der Ausfilhrung des Biofilters als eigenstndige Gasreinigungseinheit besteht auch die Mglichkeit, Biofilter als Entgasungsfenster in die Deponie zu integrieren. Hierzu ist es notwendig, die Deponie gasdicht abzudecken, wobei in dieser Abdeckung in bestimmten Abstnden die Entgasungsfenster ausgespart werden
[4.48].
Ein anderes Verfahren, das auf der Sonderabfalldeponie Gerolsheim erprobt
wurde, ist der Einsatz von Kompostfiltern zur Deponiegasreinigung [4.55].

Mglichkeiten der Deponiegasnutzung


Mit der Verwertung des Deponiegases kann ein Teil der im Abfall enthaltenen
Energie nutzbar gemacht werden. Die Verbrennung von Deponiegas zur Erzeugung von Heiz- und Prozewrme und zur Erzeugung von elektrischer Energie

4.1 Geordnete Deponie

187

wird in grotechnischem Mastab bei z.Z. etwa 11 0 Deponien bundesweit betrieben.


Der aktuelle Stand der Gasfassung bzw. Gasnutzung ist in Tabelle 4.13. dargestellt.
Tabelle 4.13. Stand der Gasnutzung in der Bundesrepublik Deutschland 1993 [4.25]
Keine Gasfassung
Neue Bundeslnder
Alte Bundeslnder

299
78

Fackel oder Muffel

3
92

Gasnutzung

5
103

Gesamt
307
273

Wrmenutzung
Bei den derzeit in Betrieb befmdlichen Anlagen wird vor allem Wrme und Prozedampf hergestellt. Die Umsetzung erfolgt in herkmmlichen, ftlr diesen Ernsatzstoff leicht modifizierten Brennern. Durch speziell ftir Deponiegas ausgelegte
Brenner werden eine exakte Steuerung und Durchmischung der Verbrennungsluft
und eine geeignete Flammenfilhrung angestrebt, da bei dieser Art der Deponiegasnutzung mit der Bildung von Dioxinen und Furanen aufgrund der halogenierten
Kohlenwasserstoffe im Deponiegas zu rechnen ist.
Daher wurde im Bundesland Hessen die Frderung fr Deponiegasbehandlungsanlagen neu definiert und entsprechend angepate Technologien Brennmuffel mit Abhitzekessel- eingefilhrt. Es bleibt weiteren wissenschaftlichen
Untersuchungen vorbehalten, ob beide Konzeptionen nebeneinander bestehen
knnen, oder ob in dem Bereich der thermischen Deponiegasverwertung die herkmmliche Brenntechnik vollstndig durch die Muffeltechnik abgelst wird
(s. Kap. [Link].5). Die Wrmenutzung des Deponiegases hat unter der Voraussetzung, da der Energiebedarf kontinuierlich in gleichbleibender Grenordnung
besteht, den besten Wirkungsgrad. Auch unter Bercksichtigung problematischer
Deponiegasinhaltsstoffe und mglicher Reaktionsprodukte auf der Emissionsseite
werden die technischen Vorkehrungen zur Problembeherrschung vermutlich weniger aufwendig als bei anderen Nutzungsvarianten ausfallen.
Verstromung
Die Verbrennung von Deponiegas in Gasmotoren zur Erzeugung von elektrischer
Energie ist bisher ebenfalls in zahlreichen Anlagen verwirklicht worden. Die Verstromung bietet im Vergleich zur Wrmeerzeugung den entscheidenden Vorteil
der bertragungsmglichkeit der Energie zu deponiefernen Energieabrlehmern.
Allerdings ist der Wirkungsgrad dieser Anlagen mangels geeigneter Wrmeabnehmer wesentlich geringer.
Der Deponiegasmotor stellt oft die einzige Mglichkeit dar, das anfallende Deponiegas sinnvoll und vor allem ganzjhrig zu nutzen. Alle modernen Deponien
sind zudem an die ffentliche Stromversorgung angeschlossen, so da auch eine
Rckspeisung von Strom ins EVU-Netz in Frage kommt. Der Verbrennung von
Deponiegas in Gasmotoren sind Grenzen gesetzt.

188

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Raume bwr me 3%

100%

l.

Gasmotor

6.

Khler

2.

Generator

7.

Heizwassereintritt 55C

3.

Deponiegas

4.

Abgas (Auspuff)

8.
9.

Khlkreislauf des Motors

5.

KhlwasserWnneaustauscher

10.

Auspuffkollektor

Heizwasseraustritt 85C

Bild 4.33. Die reine Verstromungsanlage neben der Deponie [4.56]

Schadstoffe im Deponiegas, ungengende Gasqualitt oder Gasmengen, berschreiten der TA Luft-Grenzwerte im Abgas, mangelnde Strom- und Heizenergieabnahme und Distanzen zu den Abnehmern behindern vielfach den wirtschaftlich
vertretbaren Einsatz. Mit der reinen Verstromungsanlage knnen aus I 00 % Deponiegasenergie bei voller Verfilgbarkeit der Deponiegasmotoren ca. 30 % in
elektrische Energie umgewandelt werden (Bild 4.33.) [4.56].

Verbrennung von Deponiegas


Gasfackeln
Kann das Gas nicht verwertet werden, mu es, ehe es in die Umgebung abgegeben
werden kann, desodoriert oder abgefackelt werden. Obwohl Gasfilter- und
-waschtechnologien zur Verfilgung stehen, wird das Gas berwiegend abgefackelt.
Hierbei werden die Geruchsstoffe verbrannt.
Bei einem berwiegenden Teil der Gasfackeln erfolgt der Brennvorgang ohne
Abschirmung direkt in den umgebenden Luftraum. Dies hat eine unkontrollierte
Brennzone zur Folge. Die Temperaturen liegen meist deutlich unter 900 C, und
die Temperaturverteilung in der Brennzone ist generell ungleichmig, mit einem
deutlichen Abfall im Bereich der Fackelwandung. Die Verweilzeit ist entsprechend
der kurzen Brennzone niedrig.
Die genannten Konstruktionsmerkmale filhren zu einem unvollkommenen Ausbrand der Deponiegase bei niedrigen bzw. ungleichmigen Temperaturen und
spezifisch geringer Verweilzeit

4.1 Geordnete Deponie

189

L
I

l~
i

<I>

f<
I

Bild 4.34. Hochtemperaturfackel [4.47]

Fr hher belastete Deponiegase ist somit bei diesem Verfahren eine Einhaltung
der Grundwerte der TA Luft fiir gasfOrrnige anorganische Stoffe (Verbrennungsanlagen) nicht gegeben. Dies betrifft sowohl die Grundwerte fiir PCDD als auch
die Werte filr anorganische gasfOrrnige Chlor- und Fluorverbindungen (TCDD und
TCDF).
Anstelle von Gasfackeln werden zunehmend Muffeln eingesetzt. In einer Muffel
verbrennt das Gas in einem Brennraum mit definierter Aufenthaltszeit und Temperatur. Die Wandung der Muffel ist isoliert, so da das Temperaturgeflle zur Wandung hin vernachlssigbar klein ist. Nach erfolgreicher Vorerprobung wurden
bereits die ersten Muffeln auf Betriebsdeponien eingefiihrt.

[Link]
Betrieb von Deponien
Die Betriebsfiihrung einer Deponie stellt einen wichtigen Bestandteil des Multibarrierenkonzeptes dar. Ziel einer systemgerechten Betriebsfiihrung ist es, die Schadstoffemissionen whrend und auch nach der Beendigung des Deponiebetriebes zu
verhindem bzw. zu minimieren und eine umfassende Dokumentation ber den
Aufbau des Deponiekrpers und des Deponieverhaltens zu erstellen.
Um den Forderungen einer umfassenden Dokumentation und Reparierbarkeit
mit entsprechender Schadensbegrenzung einer Deponie zu gengen, mssen im
Deponiebetrieb folgende Anforderungen der TA Siedlungsabfall [4.1] konsequent
erfilllt werden:

190

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

- Es ist ein Betriebsplan zu erstellen, in dem alle wesentlichen Regelungen zum


Deponiebetrieb, zum Aufbau des Deponiekrpers, zur Fassung und Ableitung
von Gas, Sickerwasser und sonstigem Abwasser und zu Art und Umfang der
durchzufUhrenden Kontrollen enthalten sein mssen.
- Die Deponie ist in Deponieabschnitte einzuteilen, ber deren Aufbau jeweils
ein Ablagerungsplan erstellt wird, der Angaben ber die Abfallart (einschlielich Abfallschlssel und Abfallmenge ), Ort der Ablagerung, Verfahren zur Ablagerung (Schichtdicken, Einbaugerte), Zeitpunkt der Ablagerung und Angaben ber mgliche Abweichungen zum Betriebsplan enthlt.
- Eine umfassende Annahmekontrol/e, die eine Mengenermittlung in Gewichtseinheiten (ggf. in Volumeneinheiten), die Feststellung der Abfallart einschlielich Abfallschlssel sowie die Durchfiihrung von Sichtkontrollen umfat.
Ergnzend zur Sichtkontrolle sind stichprobenartige Kontrollanalysen durchzufUhren (einschlielich Probenrckstellung). Smtliche Daten sind im Betriebstagebuch zu dokumentieren.
- Beim Einbau der Abflle ist darauf zu achten, da er mglichst hohlraumarm
und verdichtet durchgefiihrt wird, da Emissionen dabei vermieden werden und
da eine zgige Verfllung der einzelnen Deponieabschnitte erfolgt, damit entsprechend rasch eine Oberflchenahdichtung aufgebracht werden kann. Die
Stabilitt des Deponiekrpers ist sicherzustellen.
- Folgende Einrichtungen zur berwachung sind vorzuhalten und in regelmigen Abstnden zu berprfen:
- ein Grundwasserberwachungssystem mit mindestens einer Mestelle im
Anstrombereich und einer hinreichenden Anzahl von Mestellen im Abstrombereich,
- Meeinrichtungen zur berwachung von Setzungen und Verformungen im
Deponiekrper sowie der Deponieabdichtungssysteme,
- Meeinrichtungen fiir die meteorologische Datenerfassung (Niederschlag,
Temperatur, Windgeschwindigkeit, Verdunstung),
- Meeinrichtungen zur Erfassung der Wassermengen, die zur Aufstellung einer Wasserhaushaltsbilanz erforderlich sind,
- Meeinrichtungen zur Erfassung der Qualitt von Sickerwasser und sonstigen Wssern,
- Meeinrichtungen zur berwachung der Temperatur an der Deponiebasis.
- Eine Erklrung zum Deponieverhalten ist zu erstellen, die das Deponieverhalten durch zeitlich gebundene Angaben zum Sickerwasseraufkommen und
-beschaffenheit, eventuelle Gasemissionen, die Temperaturentwicklung im Deponiekrper sowie Setzungs- und Verformungserscheinungen dokumentiert.
- Beim Abschlu der Deponie oder eines Deponieabschnittes ist die Oberflche
abzudichten (s. Kap. [Link]). Von der zustndigen Behrde hat eine Schluabnahme zu erfolgen, die die jhrlichen Erklrungen zum Deponieverhalten, die
Jahresauswertungen der Kontrollen, die Funktionstchtigkeit der Deponieabdichtungssysteme und der berwachungseinrichtungen und die Betrieb- und
Bestandsplne bercksichtigt.
- Zur Nachsorge nach Abschlu der Deponie sind insbesondere Langzeitsicherungsmanahmen und Kontrollen des Deponieverhaltens vorgesehen, die

4.1 Geordnete Deponie

191

der Deponiebetreiber solange durchzufUhren hat, bis die zustndige Behrde


ihn aus der Nachsorgephase entlt.

Emissionen beim Betrieb


Die Ablagerung von Abfallstoffen wirkt auf Luft, Wasser, Boden, Vegetation und
Landschaft. Errichtung und Betriebsweise von Deponien richtet sich nach den
Auflagen, die sich voraussichtlich aus den erwarteten Umweltbeeintrchtigungen
ergeben. Pro Zeiteinheit werden mehr Stoffe in die Deponie eingelagert, als sie
verlassen. Ein Schutz vor diesen Auswirkungen kann zunchst durch mglichst
groen Abstand der Deponie zu den benachbarten Raumnutzungen erreicht werden. Weitere Manahmen sind fr Betreiber, Bewirtschafter und Benutzer als Anweisungen im Betriebsplan festgelegt, der Angaben zum Ablauf des Einbaus der
Abflle, zum Deponiebereich, zur Abdeckung der Abflle, zur Dauer der Nichtberschttung der Betriebsflche, zur Bekmpfung von Brnden und Unfllen, zur
Sickerwassererfassung und -behandlung, zur Gaserfassung und -verwertung sowie
zur Ungeziefervermeidung enthlt.

Geruch
Deponiegas tritt an der Oberflche meist verdnnt auf, so da hier nur noch 50 bis
100 ppm Methan gemessen werden. Das Deponiegas mit einem Methangehalt von
etwa 55 Vol.-% CR. wird also erheblich verdnnt. Eine ausreichende Verdnnung
bis zur Geruchsfreiheit ist dies allerdings nicht, da hierzu die Verdnnung bei
ungefhr 105 bis 106 liegen mu, d.h. zwei bis drei Zehnerpotenzen hher. Die
Summe der Spurenstoffe liegt bei geruchsfreier Verdnnung bei etwa 1,9 g/m3 ,
wobei es sich um eine nichttoxische Konzentration handelt [4.2].
Generell werden Gerche in Entfernungen von ber 500 m zur Deponie nicht
mehr wahrgenommen, in Entfernungen zwischen 300 bis 500 m in Hauptwindrichtung mehr oder weniger toleriert und im nheren Bereich, zwischen 50 bis
300 m, als zeitweise unzumutbar beurteilt.
Staub
Die Staub- und Aerosolbelastungen haben ihre hauptschlichen Quellen im Entladebereich und auf der Betriebsflche der Deponie. Die Staubbelastung ist u.a. von
den meteorologischen Verhltnissen abhngig. Relativ windarme Gebiete gelten
als ungnstig, da sich die Aerosole nur in der unmittelbaren Nachbarschaft ausbreiten. Als Maximalvorgabe gilt ein Aerosolgehalt von 200 mg/m3 im JahresmitteL Kleinrumig kann der Gehalt bis auf 300 mg/m3 steigen [4.2].
Mgliche Manahmen zum Schutz der Deponieumgebung vor Staub sind ein
Befeuchten der Deponieflche und der Deponiestraen sowie eine regelmige
Reinigung der befestigten Straen mit Kehrmaschinen bei trockener Wetterlage.
Randpflanzungen tragen ebenfalls zur Verminderung von Staubemissionen bei.

Lrm
Lrm entsteht auf der Deponieflche, auf den Zufahrtsstraen im Deponiebereich
und im Einzugsgebiet. Lrmquellen sind die anliefemden Fahrzeuge und die EiDbaugerte auf der Deponie. In Abhngigkeit von der Betriebsart liegt die durchschnittliche Nutzlast bei 2 bis 3 Mg/Lkw.

192

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Tabelle 4.14. Schalleistungspegel von Deponien [4.60]


Geruschquelle
Mlldeponie
500 Mg/d
Bauschuttdeponie
1 000 Mg/d

1 Kompaktor
1 Planierraupe
100 Anlieferfahrzeuge
1 Kettenlader
1 Planierraupe
lOOLkw

Schalleistung
[dB (A)]
116
113
105
114
113
107

Tabelle 4.15. Schalleistungspegel der Bauschuttumschlagstelle Berlin [4.192]


Geruschquelle

Schallpegel

Radlader

Lw= 115 dB(A)

Hydrobagger, einzeln

Lw= 107 dB(A)

Betrieb von zwei Baggern

Lw= 110 dB(A)

Haldenbetrieb (Radlader +Lkw, Bagger abgeschirmt):


Abstrahlung nach Norden
Haldenbetrieb (Radlader +Lkw, Bagger abgeschirmt):
Abstrahlung nach Sden
Lkw auf der Rampe

Lw= 119 dB(A)


Lw= 120 dB(A)

Lkw auf der Zufahrtsstrae

Lw= 66dB(A)

Lw= 110 dB(A)

Durch Auswahl geruscharmer Transportfahrzeuge, Begrenzung der Entleerungszeit und eine Tarifgestaltung, die gewisse Mindestabfallmengen zur Anlieferung
vorsieht, lassen sich Lrmbelastungen durch Anlieferer vermindern. Nach DIN
18005 (Schallschutz im Hochbau) sind Berechnungsverfahren filr die Schallausbreitung, die maximal zulssigen Schallpegel filr Baugebiete sowie Manahmen
zum Schallschutz durchzufUhren (s. Tabelle 4.14.).
Als Beispiel werden Schallemissionsmessungen, die in Berlin in Zusammenhang mit der Planung einer Bauschuttaufbereitungs- und Baustellenabfallsortieranlage durchgefiihrt wurden, aufgefiihrt. Diese haben im Bereich der Bauschuttumschlagstelle folgende Werte ergeben (s. Tabelle 4.15. ).
Bild 4.35. zeigt die Ausbreitung der Schallwellen, bezogen auf die einzelnen
Emittenten.
Ein Schutzabstand von etwa200m zwischen Wohnhusern und der Deponie ist
zur Einhaltung eines Wertes von 60 dB(A) erforderlich. Entsprechend den rtlichen Erfordernissen knnen, insbesondere zum Schutz von Siedlungs- und Erholungsgebieten, Wind-, Sicht- und Lrmschutzwlle aus Erdmaterial erforderlich
werden.
Auf die Auenbschung ist kulturfiihiger Boden in ausreichender Strke aufzubringen. Es ist von Vorteil, derartige Schutzwlle mit entsprechender Bepflanzung
mglichst langfristig vor Inbetriebnahme der Deponie anzulegen. Der Schutzwall

4.1 Geordnete Deponie

193

.... ................
~

Kurven gleicher Schallpegel, verursacht durch


a)
den alleinigen Betrieb des Radladers (50/70 dB(A))
b)
die LKW-Gerusche auf der Rampenauffahrt zur Halde (nur 55 dB(A))
Bild 4.35. Kurven gleicher Schallpegel, gemessen an der Bauschuttumschlagstelle Berlin
[4.192]

mu aus Grtinden des Sicht- und Lrmschutzes stets hher als die jeweilige Mllschttung sein.

Verwehungen
Papier-, Kunststoff- und Folienverwehungen stellen eine nachhaltige und mebare
Beeintrchtigung dar, die zu Schadensersatzansprchen filhrt. 4 m hohe Fangnetze,
dem Wind entgegengeneigt, knnen an der tglichen Entladeflche aufgestellt
werden. Durch die Vertiefungen und bewegte Oberflche entstehen anstelle von

194

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

laminaren hufig turbulente Strmungen. Bei der Grubendeponie verursachen


senkrechte Grubenwnde Windumlenkungen und Wirbelbildungen. In Abhngigkeit von der Windrichtung knnen heftige Aufwinde entstehen, die die leichte
Fraktion in die nhere Umgebung austragen. Zwischenabdeckungen mit Inertmaterial wie Kies oder Bauschutt minimieren die Verwehungen.
Brnde
Werden Abflle ber hohe Schttkanten gekippt, wird die Basis berwiegend von
grobstckigem Material gebildet, dem sich feinkrnige Abfiille berlagern. Wegen
der guten Luftdurchlssigkeit der Basisschichten knnen im Inneren des Deponiekrpers Schwelbrnde auftreten, wodurch Kohlenwasserstoff, Kohlenmonoxid und
Ru emittiert werden [4.2].
Derartige Brnde kommen bei geordnetem Deponiebetrieb praktisch nicht vor.
Selbst bei der selten vorkommenden Anlieferung brennender und schwelender
Abfiille knnen diese Brnde in der Regel mit Abdeckmaterial erstickt werden.
Hygienische Beeintrchtigungen
Die Deponie ist aus kologischer Sicht ein isoliertes Biotop und eine in die Landschaft eingelagerte Strung des Naturhaushaltes. Es entstehen neue Lebensgemeinschaften, die durch das reichhaltige Angebot an Nahrung, durch Versteckmglichkeiten und erhhte Temperaturen in den obersten Abfallschichten begnstigt werden. Bei einer Deponie, in die Abfiille in Schichthhen bis 2 m Hhe eingebracht
und anschlieend verdichtet werden, sind die Voraussetzungen fUr Ansiedlung von
Ungeziefer relativ ungnstig, da Hohlrume fUr deren Aufenthalt nicht zur VerfUgung stehen und die vegetabilen Abfiille nach Abdeckung der Schttkanten und
der Oberflche dem Ungeziefer als Nahrung wei~gehen<l entzogen sind [4.2].
Auf Deponien stren Vgel den Deponiebetrieb und begnstigen die Ausbreitung von Krankheiten. Mwen, Krhen und Raben treten schwarmweise vor allem
in den Wintermonaten auf, wenn der Boden der Umgebung gefroren und dadurch
die Futteraufnahme auf der nicht gefrorenen Deponie erleichtert wird. Das Interesse der Vgel richtet sich hauptschlich auf frischen Abfall. Durch konsequente,
tgliche Abdeckung kann das Futterangebot und damit das Vogelaufkommen stark
reduziert werden [4.2].
Ratten leben bevorzugt in feuchten Bereichen der Deponie. Sie sind an den
"Lebensraum Deponie" angepat und sind, wie auch andere Nagetiere, als Keimtrger anzusehen. Das Verdichten und Zerkleinem der Abfiille bedingt die Abnahme der Rattenpopulation durch das geringere Nahrungsangebot Die Betreiber
von Deponien knnen zur Rattenbekmpfung verpflichtet werden [4.2].
Zahlreiche Insektenarten leben nur im aeroben Bereich der obersten Abfallschichten und verlassen ihre nahrungsreiche Brutsttte nicht. Vornehmlich an
frischen Kippstellen finden sie ein reichhaltiges Nahrungsangebot, knnen jedoch
auch die gesamte Deponieoberflche bevlkern. Die rauhe Oberflche bietet viele
Unterschlupfrnglichkeiten. Bei gnstigen Witterungsbedingungen kann es zur
Massenvermehrung kommen. In milden Wintern wird die warme Deponieoberflche fUr schutzsuchende Fliegen attraktiv, dem Fliegenproblem mu deshalb ber
das ganze Jahr Beachtung geschenkt werden [4.2]. Schnelles Abdecken der

4.1 Geordnete Deponie

195

GENERALNEIGUNG f. 3

...
0

Bild 4.36. Schnitt durch die fertiggestellte und bepflanzte Deponie [4.61]

frischgeschtteten Abfallstoffe mit inertem Material und hohe Verdichtung schaffen hierbei Abhilfe.
[Link]
Rekultivierung

Umfang und Art der Deponierung hngen entscheidend davon ab, wie die Deponien nach Beendigung der Ablagerung weiter genutzt werden sollen. Andererseits
hngt die Folgenutzung einer Deponie auch von der unter dem Gesichtspunkt der
Beherrschung des Wasser- und Gashaushaltes gewhlten Methode der Rekultivierung ab [4.5].

Rekultivierungsmanahmen
Ziel der Rekultivierungsmanahmen ist es, da sich Anpflanzungen ungestrt vom
Deponiegas entwickeln knnen und eine Reduktion des Sickerwassers erreicht
werden kann. Die Gestaltung der Deponie ist so vorzunehmen, da sie sich in die
Umgebung eingliedert.
Wie in Bild 4.36. dargestellt, sind die Rnder flach auszuziehen und mit Zwischenbermen in Abstnden von 8 bis I 0 m und einer Breite von mindestens 4 m zu
untergliedern. Bergseits sind die Bermen mit Wasserfanggrben auszustatten, die
an Ableitungsgrben angeschlossen sind. Pflanzensoziologische Untersuchungen
der Vegetation auf Mllablagerungen ergaben, da sich, wie bei der Besiedlung
von stdtischem dland, auch auf Deponien spontan Vegetation ausdauernder
Ruderalgesellschaften (d.h. charakteristische Pflanzenarten der sogenannten
Schuttfluren und Beifugesellschaften) einstellt. So vermittelt das Studium der
Spontanvegetation auf Deponien Anregungen fiir die Auswahl geeigneter Ho!zarten, die fiir eine schnelle, gezielte Wiederbegrnung von Bedeutung sein knnen.
Die Rekultivierung von Deponien kann mit und ohne Bodenahdeckung vorgenommen werden. Wenn die Deponie mit Boden abgedeckt wird, so werden zunchst an den Deponierndern Wlle aus Erde aufgeschttet. Fr jede weitere
Mllschicht wird ein Wall mit einer Auenbschung nicht steiler als I :3 und einer
von den Materialeigenschaften begrenzten mglichst steilen Innenbschung errichtet (Bild 4.37.). Die Begrnung mit Gehlzen, Stauden oder Grasansaaten
erfolgt fortlaufend mit der Schttung.

196

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Bild 4.37. Abfallschttung zwischen Ringwllen

Bild 4.38. Halden- und Grubendeponie mit Oberflchendichtung [4.61]

Die Vorteile dieser Vorgehensweise liegen darin, da die Pflanzung von Bumen
und Struchern sofort mglich ist, und die Kosten fiir die Dichtungsschicht entfallen. Es zeigte sich, da trotz fehlender Dichtungsschicht nur geringe Niederschlagsmengen in den Deponiekrper eintreten knnen.
Die Nachteile liegen darin, da der Sickerwasseraustritt nicht vollstndig unterbunden wird. Der Luft-Gas-Austausch ist nur sehr gering, so da Methan in den
Abdeckboden dringen und die Vegetation schdigen kann. Durch Setzungen im
Mll kippen die Ringwlle nach innen ab, so da Methan an den Nahtstellen konzentriert entweichen kann.
Auf die Oberflchenahdichtung mit Gasdrainage (Bild 4.38.) stellt die gedichtete Deponie ftir die Halden- und Grubenform dar) sollte kulturflihiger Boden in
einer Strke von mindestens I ,5 m aufgetragen werden, soweit Baumpflanzungen
vorgesehen sind. Fr Strauchpflanzungen sind mindestens 0,5 m, fiir Grasansaaten
und Stauden mindestens 0,3 m erforderlich. Auch bei diesem System ist eine
Pflanzung von Bumen und Struchern sofort nach Mllschttung bzw. Bodenaudeckung mglich. Unter der Voraussetzung, da die Dichtungsschicht hlt, kann
eine Beeinflussung der Vegetation durch Methan nicht auftreten und kein Niederschlagswasser in den Mll eintreten. Besonders bei der Grubendeponie ist die
Sickerwasserreduzierung im Hinblick auf die Pumpkosten von besonderer Bedeutung.
Bei der Haldendeponie besteht die Gefahr des Abrutschens des kulturfhigen
Bodens, weil Sickerwasser auf der Dichtungsschicht abluft. Die Gefahr steigt mit
zunehmender Steilheit der Bschungen, aber auch mit der Verringerung der Bodenschicht, weil das Wasserrckhaltevermgen schneller erschpft ist. Weiterhin

4.1 Geordnete Deponie

197

besteht die Gefahr des Windwurfes bei groen Bumen, wenn aus Kostengrnden
Abdeckstrken unter I ,5 m gewhlt werden. Die Abdeckung der Deponieoberflche vor der Bepflanzung mit kulturfiihigem Boden hat neben sthetischen Funktionen die Aufgabe, Emissionen zu reduzieren, Brandentstehungen zu verhindern, die
Ansiedlung von Ungeziefer zu unterbinden sowie ein Pflanzensubstrat zu schaffen,
in das unmittelbar nach Schttbeendigung Vegetation eingebracht werden kann
[4.61].

Nutzung von Deponien nach der Rekultivierung


Die Folgenutzung von Deponien wird bereits bei der Planfeststellung festgeschrieben und bei der Detailplanung festgelegt. Die Art der Folgenutzung einer Deponie
mu sich in die bestehenden Plne der Region wie Regional-, Landschafts- und
Bauleitplanung einfiigen.
Nutzung im Land- und Gartenbau
An die dezentrale Ablagerung von Abflillen, die bis in die siebziger Jahre praktiziert wurde, schlo sich hufig eine gartenbauliche und forstwirtschaftliche Folgenutzung der verfiillten Flchen an. Meist waren es ehemalige Gruben, die nach der
V erfiillung mit Abfall in die umgebenden landwirtschaftlichen Flchen eingegliedert wurden. Auch bestand von Seiten der Landwirte ein Interesse daran, diese
Flchen zu integrieren, da oftmals dland in landwirtschaftliche Flchen verwandelt wurde. In Abhngigkeit von dem aufgebrachten Bodensubstrat sind in den
ersten Jahren wegen noch fehlender Bodenfruchtbarkeit geringe Ertrge zu erwarten. Die gartenbauliche und landwirtschaftliche Nutzung von verfiillten Ablagerungsflchen verliert mit der Einrichtung weniger Zentraldeponien und aufgrund
der berproduktion in der Landwirtschaft an Bedeutung.
Nutzung als Grn- und Erholungsflchen
Die Schaffung von Grn- und Erholungsflchen durch Rekultivierungsmanahmen
bietet sich insbesondere im Stadtrandbereich an. In solchen Fllen ist im Hinblick
auf die besonderen Standortgegebenheiten eine extensive Erholungsnutzung vorzusehen. Auszuschlieen sind deshalb in der Regel Gebude und andere setzungsempfindliche Einrichtungen wie z.B. erdverlegte Ver- und Entsorgungsleitungen,
ggf. sind besondere Bauweisen erforderlich. Auch Kleingartenanlagen und Wettkampf-Sportanlagen sind kaum geeignet.
Forstwirtschaftliche Nutzung
Eine forstwirtschaftliche Nutzung ist vorwiegend auf Flchen vorgesehen, die in
unmittelbarer Nhe von Forstflchen liegen und somit leicht zu integrieren sind.
Eine gute Mglichkeit, Waldgesellschaften aufzubauen, ist die Anpflanzung von
Pionierholzarten zur Erschlieung der oftmals extremen Standorte. Die sich in der
Umgebung von Deponien befmdende Waldgesellschaft kann auf diesen Flchen in
der Regel nicht angesiedelt werden.
Allgemein sollten Gehlzpflanzungen unter waldbaulichen, nicht aber forstwirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet werden, da auf Mlldeponien erhebliche
Schwierigkeiten bei der Gehlzentwicklung auftreten knnen. Das bedeutet, da
die Holzerzeugung nicht das Hauptziel der Bepflanzung sein kann, wenngleich
dies nicht ausgeschlossen ist.

198

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

4.1.4
Prognose des Langzeitverhaltens von Deponien
Der Begriff des Langzeitverhaltens von Deponien ist bisher nicht eindeutig geklrt
worden, so da darunter hufig die verschiedensten Aspekte zusammengefut
werden. In diesem Rahmen werden aber nur die Emissionen an Gas und Wasser
aus der Ablagerung und im Prinzip der umweltrelevante Zustand des Abfallkrpers
unter dem Begriff Langzeitverhalten betrachtet.
Im Rahmen unterschiedlichster Forschungsvorhaben wurden in den vergangenen Jahren detaillierte Untersuchungen zum langfristigen Emissionsverhalten von
Ablagerungen an Deponien und in Laborversuchen durchgeftlhrt. Beide Untersuchungen sind in Kombination bzw. Ergnzung notwendig, da man an Deponien
kein Langzeitverhalten untersuchen kann. Der Existenzzeitraum bestehender Deponien und Untersuchungszeitrume von einigen Jahren sind in Relation zu wahrscheinlichen Emissionszeiten fast vemachlssigbar. Auch wenn Laborversuche
andererseits das Emissionsverhalten einer Deponie nur eingeschrnkt widerspiegeln knnen, sind sie zur Abschtzung und Eingrenzung des zuknftigen Verhaltens unerllich. Neben umfangreichen Untersuchungen an der TU Braunschweig,
Dresden und Hamburg-Harburg wurden im Rahmen des Verbundforschungsvorhabens "Deponiekrper'' [4.197] intensive Arbeiten zu diesem Thema durchgefiihrt. Aus der Summe dieser Arbeiten lt sich das zuknftige Emissionsverhalten
von Ablagerungen relativ sicher abschtzen. Es ist allerdings unstrittig, da aufgrund der Randbedingungen einzelner Deponien erhebliche Abweichungen von
einem generellen Verlauf mglich sind, die nicht in allen Fllen durch belegbare
Untersuchungsergebnisse abgeschtzt werden knnen.
Fr den zeitlichen Verlauf ist ein Beispiel der Sickerwasserbelastungen in Bild
4.39. mit CSB-Belastungen und der Gasbildung Bild 4.40. dargestellt. In Bild
4.39. sind die CSB-Konzentrationen von 3 unterschiedlichen Sickerwssem dargestellt. Es ist deutlich zu erkennen, da die daraus extrapolierten zuknftigen Emissionsverlufe erst nach erheblichen und sehr unterschiedlichen Zeitrumen vorgegebene Grenzwerte (hier: Wert des 51. Anhangs der Rahmen-Abwasser VwV)
erreichen bzw. unterschreiten. Der Bereich des Schnittpunktes dieser Extrapolation
mit den Grenzwerten im Bereich von 50 bis 150 Jahren nach Betriebsende erscheint relativ gro, ergibt sich aber schon fast zwangslufig aus der Art der Kurvenverlufe und bereits relativ geringen Variationen der gemessenen Daten. Dabei
sagt diese Abbildung nur aus, da das Sickerwasser, bezogen auf den CSB, nach
den derzeit geltenden gesetzlichen Regelungen ohne Behandlung in ein Gewsser
eingeleitet werden drfte [4.198].
In Bild 4.40. sind die Gasproduktionsraten einer greren Zahl von Deponien
ab dem Ablagerungsende dargestellt. Zustzlich ist der Vertrauensbereich fiir
diese Werte auf dem 95 %-Niveau eingetragen. Bei diesen Werten ist allerdings zu
bercksichtigen, da es sich um die erfaten Gasmengen dieser Ablagerungen
handelt. Unter der Annahme von mittleren Erfassungsraten bei der Mehrzahl der
Deponien von ev. 40- 60% knnen diese Werte fiir die tatschliche Gasproduktion in etwa verdoppelt werden. Geht man ansatzweise davon aus, da Gasproduktionsraten < I - 2 m 3/hsxa kaum ohne Betriebsprobleme mit den bisherigen

4.1 Geordnete Deponie

199

100000

10000

....

m
g
m

1000

Cl)

..

r;c. - - - - - - -

I
~ - -.. _
. . . . .-------=---------------

Grenzw erl CSB des Anhangs 51


der Rahmen-AbwasserVwV

-------------- \..
---- ------- ----------------

1~.'
...
t::~---

...........

100

f--

10

50

100

150

200

Jahre nach Deponieabschlu


Bild 4.39. CSB dreierDeponienund Extrapolation der Werte [4.198]

100~------------------------------------------~

-rl~i-i8 ; ri -~-. ---.. --------

10

.5
Q)

C)

cCl)
E
II)

llltl
------ .... ....


*
1.

.-...... -
-..... .-.
.
.
-.

.- ...--- .......
0,1 +-------------------------".:...= I -~1 t --
:

I'CI

C)

0,01

+-----.--------r------....-----..--------.----- --1
0

10
15
20
Jahre nach Deponieabschlu

25

30

Bild 4.40. Darstellung dererfaten Gasmengen mit dem ermittelten und extrapolierten 95 %
Vertrauensbereich

eingesetzten Erfassungs- und Entsorgungssystemen beseitigt werden knnen, so ist


davon auszugehen, da die aktive Entgasung nach dem derzeitigen technischen
Standard innerhalb von ca. 20 - 35 Jahren nach Abschlu der Ablagerung endet.
Um einen Anhaltspunkt ber die im Mittel zu erwartende Dauer der Nachsorge
zu erhalten, wurden in Tabelle 4.16. die prognostizierten Nachsorgezeitrume fiir
Ost- und Westdeponien gegenbergestellt. Der Parameter, der sich am schwerwiegendsten auf die Dauer der Nachsorge auswirkt, ist der Parameter Stickstoff. Hier

200

4 Abfallbehandlung und -beseltigung

Tabelle 4.16. Zeitdauer TE zum Erreichen der Einleitbedingungen CE in Deutschland (RahmenAbwasser VwV) und der Schweiz [4.200]
Einleitbedingungen

fllr Sickerwasser CE
COD

TKN

200mgll
60mgll
70mgll
5mgll

Zeit TE fllr Ostdeutsche Altdeponie


[Jahre]
(TU Dresden)
10-100(0 50)
20- 190 (0 100)
20-200 (0 100)
130-450 (0 300)

TE fllr Westdeutsche
Altdeponie
[Jahre]
(TU Hamburg-Harburg)
120-220
200-300
120-300
280-580

werden Nachsorgezeitrume von 200 bis 300 Jahre fiir Ostdeponien und bis zu
580 Jahren filr Westdeponien prognostiziert. Diese unterschiedlichen Prognosen
sind einerseits auf dem unterschiedlichen Deponiebetrieb und andererseits auf die
unterschiedliche Abfallzusammensetzung aus der DDR-Zeit zurckzufilhren.
[Link]

Verkrzung der Nachsorgephase durch ln situ-Stabilisierung

Mit zunehmender Ablagerungsdauer verringert sich in der fortgeschrittenen stabilen Methanphase die Gasproduktion soweit, da eine wirtschaftliche Deponiegasverwertung nicht mehr mglich ist. Gleichwohl ist eine kontrollierte Erfassung und
Entsorgung der verbleibenden Gasmengen aus Grnden des Umweltschutzes und
der Gefahrenabwehr weiterhin erforderlich. Dies gilt auch filr die vielen Altablagerungen, die nicht ber eine Gaserfassung verfilgen.
Bei geordneten Deponien ist eine Erfassung und Behandlung des Sickerwassers
voraussichtlich ber viele Jahrzehnte notwendig. Bei Altablagerungen, die hufig
weder ber eine Basisabdichtung noch eine Sickerwassererfassung verfilgen, besteht die permanente Gefahr des Sickerwasseraustritts in den Untergrund und damit in das Grundwasser, so da Sicherungs- oder Sanierungsmanahmen notwendig werden knnen. Zur Vermeidung der Umweltbelastungen durch Sickerwasser
sind also in beiden Fllen erhebliche Kosten aufzuwenden.
Eine Sicherung von Deponien und Altablagerungen kann durch das Aufbringen
einer Oberflchenabdichung erfolgen. Fr abzusaugende Restgasmengen kommt
dann ggf. eine Schwachgasbehandlung in Frage. Durch eine Oberflchenabdichtung werden die Sickerwasseremissionen reduziert, was zu einer unerwnschten Konservierung des verbleibenden Emissionspotentials fiihren kann. Bei
einem Versagen der Oberflchenahdichtung ist aber wieder mit belastetem Sikkerwasser und mglicherweise erneuter Deponiegasproduktion zu rechen, d.h., mit
einer Sicherung allein erfolgt keine Sanierung im Sinne der kontrollierten Schadstoffreduktion der Abfallablagerung.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie man das Emissionsverhalten
von Siedlungsabfallablagerungen positiv beeinflussen und damit die Dauer und
den Umfang von Manahmen in der Nachsorge, Sicherung und berwachung
reduzieren kann. Dazu knnen in Abhngigkeit der Randbedingungen von Depo-

4.1 Geordnete Deponie

201

nien und Altablagerungen im wesentlichen zwei in situ Stabilisierungsverfahren


eingesetzt werden [4.199]:
- Befeuchungs- und Bewsserungsverfahren
- Belftungsverfahren
Befeuchtungs- und Bewsserungsverfahren
Befeuchtungs- und Bewsserungsmanahmen knnen besonders dann eingesetzt
werden, wenn Siedlungsabfillle relativ trocken abgelagert wurden oder schon kurz
nach Abschlu der Verfilllung eine Zwischenabdeckung oder Abdichtung aufgebracht wurde. Der Wasserhaushalt wird dann zum limitierenden Faktor fiir die
Umsetzungsprozesse. Bei entsprechenden Randbedingungen hat sich gerade in
jngster Vergangenheit auf Deponien bisweilen bereits wenige Monate nach Aufbringen der Abdichtung eine deutliche Abnahme der Deponiegasproduktion ergeben. Als ein wesentlicher Grund werden die eingeschrnkte Wasserbewegung im
Deponiekrper und Austrocknungseffekte vermutet, die zur Abnahme der biologischen Abbauprozesse der organischen Abfallinhaltsstoffe fiihren.
Mit einer kontrollierten Befeuchtung und Bewsserung trockener Deponiebereiche werden daher folgende Ziele verfolgt [4.199]:
- Vermeidung einer unerwnschten Verzgerung der Reaktionsprozesse im Deponiekrper durch Wassermangel und Austrocknungseffekte.
- Beschleunigte in situ Stabilisierung der abgelagerten Abfillle zur nachhaltigen
Reduzierung des Emissions- und daraus resultierenden Gefilhrdungspotentials
der Deponie. Dies geschieht ber die Initiierung biologisch-chemischer Umwandlungsprozesse, die zu einem beschleunigten Abbau der organischen Abfallbestandteile zu Deponiegas fUhren sollen. Die erhhte Deponiegasproduktion kann kontrolliert erfat und verwertet werden.
- Durch die kontrollierte Reduzierung des Emissions- und Gefilhrdungspotentials:
reduzierter Aufwand in der langfristigen Nachsorgephase, d.h.
- geringerer Aufwand an Nachsorgemanahmen ber einen krzeren Zeitraum,
- deutliche reduziertes Risiko, da durch erneute Schadstoffmobilisierung
langfristig ein kostenintensiver Sanierungsbedarf entsteht.
In situ Belftungsverfahren
Fr die aerobe in situ Stabilisierung kommen verfllte bzw. abgeschlossene Deponien und Altablagerungen sowohl mit als auch ohne Basisabdichtungssysteme in
Frage, wenn sie insbesondere folgende Randbedingungen aufweisen [4.199]:
- nur noch geringe Gasproduktion (Erfassung und Behandlung der gasllirmigen
Emissionen erforderlich, aber keine wirtschaftliche Nutzung mehr mglich)
- abnehmende Sickerwasserbelastungen in der stabilen Methan- oder Langzeitphase, die jedoch langfristig noch nennenswerte umweltrelevante Grenordnungen aufweisen und z.B. die Bestimmungen des 51. Anhangs der RahmenAbwVwV noch deutlich berschreiten.
- Erhhtes Gefilhrdungspotential betroffener Schutzgter (z.B. Grundwasser,
Oberflchengewsser, Gefilhrdung/Schaden durch Gasmigration)
- Fehlende technische Barrieren, wenn nachtrgliche Sicherungsmanahmen
(Oberflchenabdichtung, vertikale Dichtwnde, Deponierckbau etc.) viel zu

202

4 Abfallbehandlung und -beseitigung


ca . 30m

ca. 30m
Regelorgan

Oberflchenabdeckung/abdichtung
Ggf. gas-/wasserwegige
Ausgleichsschicht

Oberer jngerer
Deponiebereich mit
biologisch abbaubaren
Anteilen

1111 ~ \\\\111~ \\\1111 ~

\ \\ \

Unterer ~erer
Deponiebereich mit
biologisch wengehend
abgebauten Anteilen

Bild 4.41. Ausbreitungsverhalten des eingebrachten Wassers zur Befeuchtung eines Deponieabschnittes; schematische Darstellung

kostenintensiv, technisch nicht durchfilhrbar oder nicht sinnvoll einsetzbar wren, da durch die Sicherungsmanahmen keine kontrollierte Senkung des
Schadstoffpotentials erreicht wrde.
Mit der in situ Belftung von Deponien und Altablagerungen wird ebenfalls das
Ziel verfolgt, den Deponiekrper mglichst schnell in einen biologisch stabilisierten Zustand zu berfilhren. Nach Durchfilhrung der in situ Stabilisierung soll mglichst "keine" Methanproduktion mehr erfolgen, und die Sickerwasserkonzentrationen sollen im Idealfall im Bereich umweltvertrglicher Restkonzentrationen bzw. -frachten liegen [4.199]
[Link]
Verfahren zur Befeuchtung, Bewsserung und Belftung
Befeuchtungs- und Bewsserungsverfahren
Die Stabilisierung kann ber eine Befeuchtung des Deponiekrpers zur Beschleunigung der biologischen Umsetzungsprozesse im anaeroben oder aeroben Milieu
bis hin zu einer intensiven Bewsserung, d.h. einer Auslaugung von Schadstoffen
durch erhhten Wasseraustausch reichen.
Bei der Befeuchtung wird nur soviel Wasser zugegeben, wie der nicht wassergesttigte Deponiekrper aufnehmen kann, ohne da es zu nennenswerten Sickerwasserabflssen zur Deponiebasis oder in den Untergrund kommt. In Bild 4.41. ist
beispielhaft die Befeuchtung eines jngeren Depnieabschnittes ber ein horizontales Befeuchtungssystem, was in die Oberflchenahdeckung integriert ist, zur
Intensivierung der Umsetzung biologisch verfilgbarer Abfallstoffe dargestellt.

4.1 Geordnete Deponie

203

Wasseruhr
Absperrhahn

Oberflchenabdeckung/dichtung

Ggf. gas-twasserwegige
Ausgleichsschicht

.. : ..
...........
..........
.........:;.:.........
:~ :

Oberer jngerer
Deponiebereich mit
biologisch abbaubaren
Anteilen

4: :

!:::::::::: ~ :::::::::::
....... : :-.......
_.....--" V ...........

E
N

'

Bild 4.42. Bewsserung mit Vertikallanzen; schematische Darstellung (nicht mastblich)


[4.199]

Es gibt unterschiedliche technische Verfahren, um Wasser in den Deponiekrper


zu infiltrieren. Dabei ist von groer Bedeutung, welche Auswirkungen die Infiltrationsanlagen auf bestehende oder noch zu installierende Oberflchenahdichtungssysteme ausben.
Bild 4.42. zeigt beispielhaft die Bewsserung ber vertikale Bewsserungslanzen.
Folgende Infiltrationsverfahren knnen eingesetzt werden:
- Nutzung vorhandener vertikaler Gaskollektoren
- Einrichtung vertikaler Schluckbrunnen
- Einrichtung horizontaler Bewsserungsleitungen unter der Oberflchenahdichtung
- Befeuchtung!Bewsserung mittels Lanzen in krzeren Rasterabstnden
- Bedingt kontrollierte Befeuchtung ber klimatische Sickerwasserbildung durch
eine gering durchlssige Oberflchenahdeckung
In situ Belftungsverfahren
Die aerobe Stabilisierung von Deponieabschnitten wurde bisher vorwiegend im
Zusammenhang mit Deponierckbaumanahmen durchgefiihrt [4.197]. Zur Anwendung sind bisher zwei Belftungsvarianten gekommen:

204

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Sanierung durch Aerobisierung


Ablufterfassung
und -behandlung

: ...,..

1. Grundwasserleiter

Bild 4.43. Grundkonzept der Sanierung durch Belftungsverfahren [4.199]

- Kombinierte Druck-/Saugbelftung im altemierenden Betrieb


- Druckstobelftungsverfahren mit Abluftabsaugung (Bio-Puster-Verfahren)
Das Grundprinzip der Belftung und Ablufterfassung ist in Bild 4.43. zu erkennen.
In Abhngigkeit der Randbedingungen der Deponie oder Altablagerung, insbesondere einer fehlenden Abdichtung zum Untergrund, kann es sinnvoll bzw. erforderlich sein, nicht nur den Deponiekrper zu stabilisieren, um so die Quelle der Emissionen zu unterbinden, sondern auch den Untergrund mit Luft zu beaufschlagen.
Dazu kann ein gewisser Luftanteil in die ungesttigte Bodenzone unterhalb der
Altablagerung eingebracht werden. In dieser Bodenzone knnen biologische Prozesse angeregt werden, so da eine Art zustzliche Filterschicht zwischen Deponiekrper und Grundwasserleiter gebildet wird.
ber das Gaserfassungssystem kann die Abluft erfat und behandelt werden.
Zur Abluftbehandlung knnen Biofilter oder bei Bedarf Aktivkohlefilter oder
autokatalytische Verfahren eingesetzt werden.

[Link]

ln situ Stabilisierung als Mglichkeit zur Kostensenkung in der


Deponienachsorge

Gegenber herkmmlichen Verfahren zur Sicherung von Deponien und Altablagerungen und der Nachsorge sollen durch die in situ Stabilisierung betrchtliche
Kosten eingespart werden. Bei der groen Anzahl an Deponien und Altablagerungen, bei denen noch ein Handlungsbedarf besteht, ergibt sich damit ein betrchtli-

4.1 Geordnete Deponie

205

ches Kostensenkungspotential, ohne Einbuen beim Umweltschutz hinnehmen zu


mssen.
Es ergeben sich nach erfolgreichem Abschlu der Sanierung folgende Ernsparpotentiale [4.199]:
- Es kann eine an den emissionsarmen Deponiekrper angepate Oberflchenabdeckung aufgebracht werden. Sie soll im Vergleich zu herkmmlichen Oberflchenabdichtungssystemen zu erheblichen Einsparungen fiihren, sowohl im
Bau als auch in der Unterhaltung.
- Diese Oberflchenabdeckungssysteme werden mit ausreichender Mchtigkeit
konzipiert, so da sich ein weitgehend eigener Wasserhaushalt einstellt und es
zu einer betrchtlichen Sickerwasserreduktion kommt. Ferner sollen sie gegenber nachtrglichen Setzungen der Ablagerung unempfindlicher sein und einen
deutlich geringeren Langzeitwartungsaufwand haben, so da geringere Kosten
fiir die Instandhaltung des Oberflchenabdeckungssystems entstehen
- Bei Altdeponien mit Basisabclichtung knnen durch die Reduzierung der Sikkerwasserbelastung der Aufwand und die Dauer der Sickerwasserbehandlung
und damit die Behandlungskosten vermindert werden.
- Bei Altablagerungen kann insbesondere durch die in situ Belftung ein geringerer Aufwand bei der Grundwassersanierung und bei ergnzenden Sicherungsmanahmen erzielt werden.
- Verkrzung der gesamten Nachsorgephase um mehrere Jahrzehnte
- Frhere Rekultivierung und Folgenutzung
Den Kosten fiir die in situ Stabilisierungsmanahmen stehen diese Ernsparpotentiale gegenber, so da es mittel- und langfristig insgesamt zu erheblichen
Kosteneinsparungen bei der Nachsorge von Deponien kommen kann.

4.1.5

Anforderungen an Sonderabfalldeponien

ber die Altablagerungen von Sonderabfllen der letzten 30 bis 40 Jahre fehlen
nahezu alle wichtigen Informationen, um das Gefahrenpotential der Gegenwart
und Zukunft abzuschtzen, [4.1 0]:
- Dokumentationen ber die Art und Menge der Abfiille,
- Kataster ber die rumliche Verteilung im Deponiekrper,
- Untersuchungen ber die genaue Geologie und Hydrogeologie der nheren
Umgebung der Deponie,
- bereits entstandene Schden in der Nachbarschaft der Deponie durch Setzungen, Sickerwasser und Deponiegas.
Bis in die jngste Zeit wurden Anforderungen an Sonderabfalldeponien standortbezogen unter besonderer Bercksichtigung der Anforderungen an den Gewsserschutz festgelegt. Die Auflagen im Planfeststellungsverfahren orientierten sich in
diesem Zusammenhang an den eingefiihrten Merkblttern und Richtlinien sowie
wissenschaftlichen Untersuchungen, insbesondere an geologischen und wasserwirtschaftlichen Gutachten. In der Zweiten allgemeinen Verwaltungsvorschrift
zum Abfallgesetz (TA Abfall, Teil 1)[4.26] ist seit 1991 fiir die Deponierung von
Sonderabfiillen der Stand der Technik festgeschrieben worden.

206

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Dem Abfallgesetz entsprechend sollen Abflle, die weder vermieden, noch mit
wirtschaftlich vertretbarem Aufwand verwertet werden knnen und entsprechend
vorbehandelt sind, in Deponien auf Dauer abgelagert werden. Dazu sind die Abflle soweit vorzubehandeln, da "schdliche und gefhrliche Inhaltsstoffe in den
Abfllen durch thermische, chemisch/physikalische oder biologische Behandlung
nach Punkt 8 der TA Abfall (besondere Anforderungen an Behandlungsanlagen)
soweit zerstrt, umgewandelt, abgetrennt, konzentriert oder immobilisiert werden,
da sie, soweit nicht verwertbar, ohne Beeintrchtigung des Wohls der Allgemeinheit abgelagert werden knnen" [4.26].
Um die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen, sind neue Deponiekonzepte filr Sonderabflle entwickelt worden, die hinsichtlich des Langzeitverhaltens mehr Sicherheit versprechen.
Folgende Mglichkeiten zur Deponierung und Zuordnung von Sonderabfllen
mit den entsprechenden Zuordnungskriterien sind gem TA Abfall Teil 1 [4.26]
vorgesehen:
Oberirdische Deponien
Bei einer oberirdischen Ablagerung im Sinne der TA Abfall werden Abflle zeitlich unbegrenzt abgelagert.
Untertagedeponie
Eine Untertagedeponie gem TA Abfall ist eine Deponie, in der Abflle vollstndig im Salzgestein eingeschlossen werden.
Monodeponie
Eine Monodeponie im Sinne der TA Abfall ist eine oberirdische oder unterirdische
Deponie oder ein gesonderter Bereich einer Deponie, in der Abflle, die aus definierten Produktions-, Abwasserbehandlungs-, Abfallbehandlungs-, Abgasreinigungsverfahren oder aus der Altlastensanierung stammen oder die nach Art und
Reaktionsverhalten vergleichbar sind, zeitlich unbegrenzt abgelagert werden
[4.26]. Grundstzlich gelten die gleichen Anforderungen wie fr oberirdische und
unterirdische Deponien. Auf oberirdischen Monodeponien drfen auch Abflle
zugelassen werden, wenn einzelne Zuordnungswerte des Anhangs D (s. Tabelle
4.17.) berschritten werden, mit Ausnahme von Dl. Dabei mu aber der Nachweis
erbracht werden, da sich die Ablagerung insgesamt nicht nachteiliger auf die
Umwelt auswirkt als eine Ablagerung nach den Anforderungen filr eine oberirdische Deponie.
Sowohl bei der oberirdischen als auch bei der unterirdischen Deponierung von
besonders berwachungsbedrftigen Abfllen gilt der Grundsatz, diese dauerhaft
so abzulagern, da die Freisetzung und Ausbreitung von Schadstoffen verhindert
wird. In der TA Abfall sind entsprechende Anforderungen festgeschrieben.
Die Sonderabfalldeponie stellt ein Bauwerk dar, das mit einer Anzahl von Sicherheitsvorrichtungen ausgerstet ist, um zuknftig die berwachung und Instandhaltung zu gewhrleisten.

4.1 Geordnete Deponie

207

[Link]
Oberirdische Deponien
Fr oberirdische Deponien werden
- durch geeignete Standortwahl,
- durch geeignete Deponieabdichtungssysteme,
- durch geeignete Einbautechnik der Abfiille,
- durch Einhaltung der Zuordnungswerte nach Anhang D (s. Tabelle 4.17.)
mehrere Barrieren geschaffen, die den o.a. Forderungen Rechnung tragen.
Zuordnungskriterien
Bei der Zuordnung von Abfiillen zur oberirdischen Ablagerung sind die nachfolgenden Zuordnungswerte einzuhalten:
Sowohl die Erfahrungen mit den heutigen Altlasten als auch die wissenschaftlich begrndeten Zweifel an der ausreichenden Wirksamkeit der heute eingesetzten
Abdichtungsmaterialien fiihren daher zwangslufig zu der Forderung nach geologisch und wasserwirtschaftlich geeigneten Deponiestandorten.
Ebenso entscheidend sind der Einsatz geeigneter Deponieabdichtungssysteme,
eine geeignete Einbautechnik der Abfalle sowie die Einhaltung der Zuordnungswerte (s. Tab. 4.17). Nur so werden voneinander unabhngige, wirksame
Barrieren geschaffen, die eine Freisetzung und Ausbreitung von Schadstoffen
verhindern.

Anforderungen an den Standort


Der Deponiestandort hat in seiner Bedeutung als "geologische Barriere" bestimmten Anforderungen zu gengen.
Schadstoffaustrag sollte nicht oder nur in geringen Mengen stattfmden, ebenso
sollte durch die Beschaffenheit des Untergrundes der Weitertransport oder die
Ausbreitung potentieller Schadstoffe verhindert werden.
Die anstehenden Bden sollten durch ihr Sorptionsvermgen zu einer raschen
Fixierung eventuell austretender Schadstoffe bereits in unmittelbarer Nhe der
Deponie beitragen.
Demzufolge sind oberirdische Deponien gem TA Abfall
- nicht in Karstgebieten oder in Gebieten mit stark klftigem Untergrund,
- nicht innerhalb von Trinkwasser- oder Heilquellenschutzgebieten,
- nicht in Wasservorranggebieten und in berschwemmungsgebieten
zu errichten.
Besonderer Prfung bedrfen die geologischen, hydrogeologischen und geotechnischen Verhltnisse am Deponiestandort, die Lage zu vorhandenen oder ausgewiesenen Siedlungsgebieten, die Lage in tektonischen Strungszonen oder bebengefahrdeten Gebieten sowie in Gebieten, in denen mit Bergsenkungen in Folge
bergbaulicher Ttigkeit zu rechnen ist.
Der Untergrund sollte in einer Mindestmchtigkeit von 3m ein hohes Adsorptionsvermgen aufweisen (Durchlssigkeitsbeiwert kf ~I* I o-7 m/s ). Gegebenenfalls
sind zur Erfiillung der o. a. Anforderung zustzliche technische Manahmen zu
ergreifen.

208

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Tabelle 4.17. Anhang D der TA Abfall (Teil I); Zuordnungskriterien von Abfllen zur Ablagerung auf einer oberirdischen Deponie

Nr.

Parameter

Dl
[Link]

Festigkeit
Flgelscherfestigkeit

Dl.02
Dl.03

Axiale Verformung
Einaxiale Druckfestigkeit
(Fliewert)
Glhverlust des Trockenrckstandes
der Originalsubstanz
Extrahierbare lipophile Stoffe
Eluatkriterien
pH-Wert
Leitfhigkeit

D2
D3

D4
D4.01
D4.02
D4.03

TOC

D4.04

Phenole

D4.05
D4.06
D4.07

Arsen
Blei
Cadmium

D4.08

Chrom-VI
Kupfer

D4.09
D4.10

Nickel
Quecksilber
Zink
Fluorid

D4.11
D4.12
D4.13
D4.14
D4.15
D4.16
D4.17
D4.18
D4.19

Ammonium
Chlorid
Cyanide, leicht freisetzbar
Sulfat
Nitrit
AOX

D4.20

Wasserlslicher Anteil

Zuordnungswert
kN/m2
:S: 20 %
~50 kN/m2
~25

:S:IO Gew.-%
:S:4 Gew.-%
413
:S: 100.000 !!S/cm
:S:200 mg/1
:S: 100 mg/1
:S:l mg/1
:S:2 mg/1
:S:0,5 mg/1
:S: 0,5 mg/1
:S: 10 mg/1
mg/1
mg/1
mg/1
mg/1
mg/1
mg/1
:S: 1 mg/1
:S: 5.000 mg/1
:S: 30 mg/1
:S:3 mg/1

:S:2
:S: 0,1
:S: 10
:S: 50
:S: 1.000
:S: 10.000

:S: 10 Gew.-%

Fr den Verdichtungsgrad der Oberflche des Deponieauflagers ist eine Proctordichte von~ 95% vorgeschrieben.
Das Deponieplanum mu mindestens 1 m ber der hchsten zu erwartenden
Grundwasseroberflche bzw. ber der Grundwasserdruckflche bei freiem oder
gespanntem Grundwasser nach DIN 4049, Teil 1 (Ausgabe Sept. 1979) liegen
[4.26].

4.1 Geordnete Deponie

209

Oeponla

Bild 4.44. Ausbreitung von Schadstoffen in einem heterogenen Grundwasserleiter [4.8]

Geologischer Untergrund
Als Deponieauflager oder sog. "geologische Barriere" sind folgende Materialien
besonders geeignet:
Lockergesteine aus bindigem Material wie Ton, Mergel, Llehm, u.U. auch
Geschiebelehme und Mornenablagerungen. In Abhngigkeit von Bodenart,
Komgre und Komoberflche besitzen Lockergesteine ein hohes Rckhaltevermgen (Sorption, Ionenaustausch, mechanische Filterung) fiir Schadstoffe. Auch
Festgesteine mit geringer Durchlssigkeit, ohne Klftung knnen eine geeignete
geologische Barriere darstellen.
Die Bedeutung der Wirksamkeit der geologischen Barriere ist in Bild 4.44. dargestellt.

Deponiebasisabdichtungssystem
Als eine weitere Barriere, die Austrag und Verbreitung von Schadstoffen aus der
Deponie verhindem soll, ist die Deponiebasisabdichtung anzusehen. In der TA
Abfall sind detailliert Anforderungen erarbeitet worden, die sich mit Eignung und
Einbau des Materials sowie berwachung und berprfung der Basisabdichtungssysteme befassen.
Das heit, da vor der Erstellung eines Basisabdichtungssystems ein Qualittssicherungsplan zu erstellen ist, der u.a. die Ergebnisse der Eignungsprfung fiir die
verwendeten Materialien, die Manahmen zur Qualittslenkung, -berwachung
und -prfung enthlt sowie die Dokumentation der Herstellung, die Eigen- und
Fremdprfung und die berwachung durch die zustndige Behrde.
In der TA Abfall wird als Dichtung eine Kombinationsdichtung gefordert, bestehend aus einer mineralischen Dichtungsschicht (Durchlssigkeitsbeiwert kf
!S: 510 10 rnls) mit direkt auflagernder Kunststoffdichtungsbahn (Dicke~ 2,5 mm).
Die Oberflche der Dichtung ist dachziegelartig zu formen. Die Oberflche mu
nach Abklingen der Setzungserscheinungen ein Quergellilie von ~ 3 % und

210

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Entwsserungsschicht
Sickerrohr
Schutzschicht

C/ltw~ s serungs
system

--.;-

Kuns ts toffd lcntungsbdhn

mineralische
Oi chtungsscn lcht

"
V

-.

Xombinat!onsdlchtung

Deponiebasis
abdlchtungssystem

. - - Deponieauflager

0
0

r>

"I

Bild 4.45. Schematische Darstellung eines Basisabdichtungssystems gem TA Abfall [4.26]

ein Lngsgefalle von $ I % aufweisen. Darber sind eine 0,3 m mchtige Entwsserungsschicht (k= I I o-3) und eine I m mchtige Rekultivierungsschicht aufzubringen. In der Entwsserungsschicht sind splbare und kontrollierbare Sickerrohre zu installieren (s. Bild 4.45.).
Bei der in der TA Abfall als Regeldichtung vorgeschriebenen Kombinationsdichtung sind bislang noch nicht alle damit in Zusammenhang stehenden wissenschaftlichen und technischen Fragen geklrt.
Ein vom BMFT initiiertes Verbundforschungsvorhaben "Weiterentwicklung
von Deponieabdichtungssystemen" soll dazu beitragen, vor allem in folgenden
Punkten eine Klrung zu erreichen [4.8]:
- Feuchtebewegung/Austrocknung der mineralischen Abdichtungsschichten,
- Setzung sowie Dehnung und mgliche Ribildung,
- Selbstheilung (berprfung des Phnomens der Selbstheilung, z.B. bei Scherbrchen von mineralischen Schichten,
- Frosteinwirkung (Untersuchungen an bereits teilweise fertiggestellten Deponieabdichtungen).
Ein weiterer Untersuchungsschwerpunkt des Forschungsvorhabens befat sich
mit dem Materialverhalten der Kunststoffdichtungsbahnen, der Schutzschichten
und der Drainsysteme sowie mit Fragen der Material- und Verfahrensoptimierung.

Deponieoberjlchenabdichtungssystem
Gem TA Abfall ist auch die Oberflchendichtung - jeweils aufzubringen auf
abgeschlossene Deponieabschnitte - als Kombinationsdichtung auszufUhren
(s. Bild 4.46.).
ber einem Deponieauflager aus bindigem verdichtetem Material von mindestens 0,5 m Mchtigkeit, in das ggf. eine Gasdrainschicht einzubringen ist, wird

4.1 Geordnete Deponie

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Entwllsserungssclllcht
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mineralIsche
Olchtungsschlcht,

Koalblnatlonsdlchtung und
IControllelnrichtung

DeponieoberfUchenabdlchtungssystem

Ausgleichsschicht
erforderllcnenfalls
Gasdranschicht
Abfall

Bild 4.46. Schematische Darstellung einer Deponieoberflchenabdichtung gem TA Abfall


[4.26]

eine mindestens 0,5 m mchtige mineralische Dichtungsschicht (Durchlssigkeitsbeiwert k ~ 5*I0- 10 m/s), abgedeckt mit einer Kunststoffdichtungsbahn (2,5 mm),
aufgebracht. Die Anforderungen an das Entwsserungssystem entsprechen den
aufgefhrten Anforderungen fiir Deponiebasissysteme.
Zustzlich wird ein hydraulischer Nachweis ber die Leistungsfhigkeit des Systems gefordert. Die Oberflchenahdichtung wird mit einer 1 m mchtigen Rekultivierungsschicht abgeschlossen. Sie soll einen Schutz der Dichtung vor Wurzelund Frosteinwirkungen wie auch vor Wind- und Wassererosion garantieren. Die
Installation einer geeigneten Sickerwasserbehandlungsanlage ist vorgeschrieben.

Reaktionen der Deponieinhaltsstoffe


Fr Altanlagen, die ohne entsprechende Sicherungsmanahmen betrieben wurden,
kann es nach Abschlu der Deponierung zu Reaktionen der Abfallstoffe kommen,
wobei sich die toxisch wirksamen Chemikalien in folgende Reaktionsgruppen
einteilen lassen (Bild 4.47.) [4.62]:
- toxische Anionen,
- Schwermetalle,
- abbaubare organische Substanzen (polar, unpolar),
- persistente organische Substanzen.
Die in der Deponie (Reaktionsraum) liegenden Schadstoffe knnen abgebaut werden (Abbau) oder miteinander reagieren. Wasserlsliche Produkte knnen aus der
Deponie wandern (mobile Phase).
Die Reaktionswege mit einfacher Schraffur zeigen das unbeeinflute Verhalten
der einzelnen Schadstoffgruppen an, die mit doppelter Schraffur die mobilittserhhenden Reaktionen. Die Breite der Pfeile gibt die Grenordnung der ablaufenden Reaktionen an.

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

212

Abbau mikrobiell,
cl1emische Reaktion

Abbau mikrobiell

Abbau

l IIULL
toxische Anionen
z.B. CN , SCN-

ILDrLn

Reaktionsraum

DTIJJilJJJDTIJJioil:hJl

mobile Phase

Metall
komplexe

Metall Hydroxid Metall


Isungen komplexe komplexe

Lsungsvermittler

wasserlslich

Bild 4.47. Mgliche Reaktionsablufe in einer Sonderabfalldeponie [4.62]

Reaktionen der toxischen Anionen


Cyanid und Rhodanid sind die wesentlichen in Deponien eingelagerten toxischen
Anionen, die ebenso wie deren Schwermetallkomplexe im allgemeinen gut wasserlslich sind.
Reaktionen der Schwermetalle
Schwermetalle werden vorwiegend durch Abfallprodukte aus der Metallverarbeitung und Lackherstellung sowie durch Flugaschen in die Deponie eingetragen. Die
Schwermetalle liegen zum Teil als Oxide, Carbonate oder Sulfide vor, wobei deren
Wasserlslichkeit gering ist. Die Komplexbildung ist der Hauptmobilisierungsmechanismus fiir Schwermetalle. Neben der Komplexbildung mit toxischen Anionen
knnen sich auch Chelatverbindungen aus Schwermetallen und den vorhandenen
organischen Substanzen bilden. Wichtige Reaktionsparameter sind neben dem pHWert die katalytische Wirkung einer Vielzahl von Stoffen. Organische Metallkomplexe sind oft wasserlslich und toxischer als die jeweiligen Ausgangsverbindungen [4.62].
Reaktionen der abbaubaren organischen Substanzen
Ein Groteil der organischen Substanzen entstammt kontaminiertem Erdreich nach
lunflillen. Der Abbau der organischen Verbindungen ist unter anaeroben Bedingungen (Deponiebedingungen) erheblich geringer als unter aeroben. Durch erhhte
Schwermetallkonzentrationen und auch durch organische Substanzen, wie z.B.
Phenole und chlorierte Kohlenwasserstoffe, kann der mikrobielle Abbau reduziert
werden. Aufgrund der Vielzahl von vorhandenen Chemikalien kann davon ausgegangen werden, da kein nennenswerter biologischer Abbau stattfindet. Im Gegen-

4.1 Geordnete Deponie

213

satz zu den polaren sind die unpolaren Chemikalien praktisch immobil, werden
jedoch durch polare organische Verbindungen, wie z.B. Alkohole und Detergentien, mobilisiert [4.62].
Reaktionen der persistenten organischen Substanzen
Bei den persistenten Organika handelt es sich um unpolare Stoffe in Form von
chlorierten Kohlenwasserstoffen aus Produktionsrckstnden der chemischen
Industrie. Persistente organische Substanzen sind nur gering wasserlslich. Erst bei
Anwesenheit von "Lsungsvermittlern" kann sich die Lslichkeit um Potenzen
erhhen.

Anforderungen an die Eigenschaften der abzulagernden Abflille


Das Langzeitverhalten von Deponien wird durch das Auslaugungs-, Gasbildungsund Setzungsverhalten der abgelagerten Abflille bestimmt. Danach bedeutet
schadloses Langzeitverhalten, da am Deponiestandort zu keiner Zeit Umweltbeeintrchtigungen durch Gase, Sickerwsser oder Setzungen hervorgerufen werden,
die gesundheitliche Schden oder Schden an Bauwerken verursachen. Technischen Manahmen wie Oberflchenahdichtungen und Sickerwasserbehandlung
stellen wirksame, jedoch zeitlich befristete Manahmen dar. Die Dauer der Wirksamkeit der Manahmen hngt von der Konstruktion der Deponie, dem verwendeten Material, den eingebauten Abfallstoffen sowie von der Einhaltung der
Richtlinien und der Verantwortung der Deponiebetreiber ab. Als langfristig
gleichbleibend knnen nur die Geologie und Hydrogeologie des Standortes angesehen werden [4.63].
Aus diesen berlegungen heraus [Link] sich filr die Deponierung von Sonderabfall die folgenden Forderungen:
- Stoffe, die in mobilittserhhender Weise miteinander reagieren knnen, drfen
nicht zusammen deponiert werden.
- Organische Stoffe mssen anderen Behandlungsmethoden wie der biologischen,
der chemisch-physikalischen Behandlung und der Verbrennung zugefhrt werden.
- Abflille, die eine Vielzahl von Schadstoffen aufweisen und nicht durch eine
Vorbehandlung einer Mono- oder Quasimonodeponie zugefhrt werden knnen, mssen mit maximaler Sicherheit oder in einer Untertagedeponie abgelagert werden.
- Abflille (leicht lsliche, toxische Stoffe und Stoffverbindungen), von denen
langfristig standortunvertrgliche Emissionen zu erwarten sind, ohne da zu
prognostizieren ist, wann diese Emissionen standortunvertrgliche Werte erreichen, drfen nicht auf einer bertagedeponie abgelagert werden.
- Persistente organische Substanzen drfen in Zukunft nicht mehr deponiert werden.
Diese Grundstze sind in der TA Abfall Teil I sowohl durch die Zuordnungskriterien als auch durch die Vorgabe der Vorbehandlung der Abfallstoffe festgeschrieben. Abflille knnen einer oberirdischen Deponie nur zugeordnet werden,
- wenn nachweislich keine Verwertung erfolgen kann,

214

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

- wenn die Zuordnungswerte des Anhangs D der TA Abfall (s. Tabelle 4.17.)
eingehalten werden knnen,
- wenn von ihnen keine erhebliche Geruchsbelstigung fUr die Nachbarschaft
ausgeht.

Anforderungen an die Betriebsfhrung


Die wichtigsten bergeordneten Gesichtspunkte fiir die Betriebsftlhrung einer
oberirdischen Sonderabfalldeponie sind
- .die Verhinderung bzw. Minimierung der mglichen Schadstoffemissionen whrend und nach Beendigung des Deponiebetriebes,
- eine umfassende Dokumentation ber Aufbau und Verhalten des Deponiekrpers.
In der TA Abfall sind detaillierte Vorgaben zum Betrieb vorgegeben. Sie sind im
folgenden zusammenfassend dargestellt.
Vorgesehen sind mehrere Anlagenbereiche:
- Eingangsbereich mit Stauraum fiir Anlieferungsfahrzeuge, Waage mit Eingangsbro, Labor, Probenahmestelle und Lagermglichkeit fiir Rckstellproben,
- Arbeitsbereich mit Einrichtungen zum ffnen, Umfllen, Entleeren und Reinigen von Behltnissen,
- Lagerbereich mit Zwischenlagem, in denen Abfiille zur Ablagerung, chemisch/
physikalischen Behandlung oder zur Verbrennung auf getrennten oder entsprechend gekennzeichneten Bereichen zur Ablagerung zwischengelagert werden
sollen.
Fr den Betrieb wird die Erstellung eines Betriebsplanes vorgeschrieben, in dem
alle wesentlichen Regeln des Deponiebetriebes, Daten zum Aufbau des Deponiekrpers und die technischen Anlagen dokumentiert sind.
Der Ablagerungsbereich ist in einzelne Deponieabschnitte einzuteilen, ber den
ein genaues Kataster mit Angaben zur Art des Abfalls, Ort und Verfahren sowie
den Zeitpunkt der Ablagerung gefllhrt werden soll.
Sechs Monate nach Verfllung eines Abschnittes ist ein Bestandsplan zu erstellen.
Beim Einbau der Abflle ist folgendes zu bercksichtigen:
- Aufbau des Deponiekrpers unter Vermeidung nachteiliger Reaktionen der
Abflle untereinander oder mit Sickerwasser,
- abschnittsweiser Aufbau des Deponiekrpers mit zgiger Verfllung der einzelnen Abschnitte,
- hinreichende Ausrstung mit Maschinen, um eine optimale Verdichtung der
Abflle zu erreichen (Vermeidung von Setzungserscheinungen),
- Sicherstellung der Stabilitt (hohlraumarmer, verdichteter Einbau der Abflle),
- Vermeidung von Geruchs- und Staubemissionen,
- Einbau von Abfllen, die exotherm derart reagieren knnen, da an der Deponiebasis keine hheren Temperaturen als 25 oc entstehen knnen.
Zur Sickerwasserverminderung sind die Bereiche der Deponie, die noch keine
Deponieoberflchenabdichtung besitzen, zu berdachen. Fr die Ableitung entste-

4.1 Geordnete Deponie

215

1. sttzenfreie berdachung (Membrankonstruktion), 2. kassetierter Einlagerungsbereich, 3.


Eingangs- und Waagebereich, zentrale Leitwarte, 4. Umladehalle fiir Schttgter, 5. Frderbandanlage fiir Schttgter, 6. Sickerwasserautbereitungsanlage, 7. Energiezentrale und Labor, 8.
ablagerungsumgrenzender Ver- und Entsorgungsstollen.
Bild 4.48. Deponiekonzept der Verbunddeponie Bielefeld-Herford

hender Sickerwsser, sonstiger Wsser und entstehender Deponiegase sind entsprechende Ableitungs- bzw. Erfassungs- und Verwertungseinrichtungen zu schaffen .
Zur Kontrolle sollen ein Grundwasserberwachungssystem und eine Meeinrichtung zur berwachung des Setzungsverhaltens der Deponie und fiir die
Erfassung meteorologischer Daten installiert werden.
Nach Abschlu der Deponie wird von der zustndigen Behrde unter Auswertung der entsprechenden Dokumentationen eine Schluabnahme durchgefiihrt.
Als Beispiel fiir die Planung einer Deponie, die den Anforderungen der TA
Sonderabfall gengt, ist in Bild 4.48. die Konzeption der Verbunddeponie Bielefeld-Herford dargestellt [4.24].
Nachsorge
Die Tatsache, da Abflle in Deponien "filr die Ewigkeit" abgelagert bleiben sollen [4.63] bedeutet, da nach Abschlu der Deponie Kontrollen und Sicherungsmanahmen ber einen langen Zeitraum weiter durchgefilhrt werden mssen.
Die TA Abfall legt fest, da in der Nachsorgephase vom Setreiber Langzeitsicherungsmanahmen und Kontrollen zum Deponieverhalten durchzufUhren sind.
Die durchgefiihrten Manahmen sind zu dokumentieren, um eine berprfung
durch die zustndigen Behrden zu gewhrleisten. Eine endgltige Entlassung aus
der Nachsorgepflicht erfolgt auf Entscheidung der zustndigen Behrde [4.26].

216

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

[Link]
Untertagedeponien im Salzgestein

Im Gegensatz zu Atmosphre, Hydrosphre und Pedosphre (Boden) erstrecken


sich Elementkreislufe in der Lithosphre (Gesteinshlle der Erde) ber geologisch lange Zeitabschnitte. Gebirgsbildungs- und -abtragungsprozesse fmden in
Millionen von Jahren statt. Bewegungen in der Erdkruste betragen Millimeter bis
Zentimeter pro Jahr.
Gesteinshorizonte, deren Formationswsser (Wasser in Gebirgsschichten) wegen des geologischen Aufbaus nicht am oberirdischen Wasserkreislaufteilnehmen
und als Transportmittel fiir Schadstoffe in die Biosphre nicht wirksam werden,
gibt es schon in wenigen 100 m Tiefe. Derzeit ist die Untergrund-Deponie in geeigneten Gesteinsformen die einzige realistische Mglichkeit, Schadstoffe mit hohem und dauerhaftem Gefiihrdungspotential fiir lange Zeitrume vom Biozyklus
fernzuhalten, da die Ablufe in geologisch langsam ablaufende Stoffkreislufe
eingefUgt werden [4.69].
Gem TA Abfall hat die Ablagerung von Abfiillen in unterirdischen Anlagen
im Salzgestein die Bedingung zu erfiillen, da "die Abfiille dauerhaft von der Biosphre ferngehalten werden" und die untertgige Ablagerung "so erfolgt, da keine
Nachsorge erforderlich ist''. Grundstzlich sind zwei Typen von Untertagedeponien vorgesehen:
Kavernen
Kavernen sind technisch erstellte, untertgige Hohlrume, die durch Aussohlung
(Salzkavernen) oder bergmnnisch (Felskavernen) hergestellt werden knnen. Aus
der hohen Wasserlslichkeit des Salzes- ein Liter Wasser kann bis zu etwa 300 g
reines Steinsalz lsen- beruht die Technik des Aussplens von Kavernen im
Steinsalz.
Hierzu werden Bohrungen bis zu einer Endtiefe von maximal 1 200 m niedergebracht, wobei die letzte zementierte Rohrtour etwa 100 m im Salz verluft. Zur
Aussohlung wird Brauchwasser in den Kavernenbereich gepumpt. Das gelste
Salz wird ber einen weiteren Rohrstrang, der in die Bohrung eingehngt wird,
nach bertage abgeleitet (Bild 4.49.).
Nach beendeter Aussohlung wird die Kaverne entleert und trockengelegt. Die
Einlagerung erfolgt ber Zugangsbohrungen. Als Einlagerungsverfahren werden
Schttung ber Freifalleitung oder pumpenuntersttzte DickstoftOrderung eingesetzt. Sofern die Kaverne nicht nur mit festen Stoffen befiillt wird, wird die Deponierung flssiger, schlammiger und pastser Abflle in Salzkavernen nur bei
gleichzeitiger In-situ-Verfestigung empfohlen [4.69].
Felskavernen-Deponien knnen in verschiedenen Bauweisen, der Stollen-, Kavernen- und Schachtbauweise, realisiert werden. Die Parameter fiir die Wahl der
Bauweise sind die Funktion als Zwischen- oder Endlager, die Art der Abfiille, die
Lagertechnik sowie die Eigenschaften des Gebirges.
Felskavernen eignen sich sowohl zur Zwischenlagerung flssiger wie fester
Sonderabfiille. Feste Abfiille sind unter dem Gesichtspunkt der Rckholbarkeit
grundstzlich in Gebinden zu lagern. Bei der behlterlosen Lagerung von flssigen
Abfallstoffen ist von vergleichbaren Betriebsablufen wie bei der Lagerung von

4.1 Geordnete Deponie

217

:::"
0

doll II

Deponlekaverve fOr

150 000 m Abfallstoffe


(Angeliefertes Volumen)

Oeponlekaverve fOr

75 000 m' Abfallstoffe


(Angeliefertes Volumen)

Bild 4.49. Abmessungen fiir Deponiekavernen [4.69]

fiHlAGlRSTOLLEN

Bild 4.50. Felskavernendeponie in Stollenbauweise [4.73]

flssigen Kohlenwasserstoffen auszugehen. Zur Endlagerung sind grundstzlich


nur feste Abflle zugelassen. Werden die Abflle in Gebinden gelagert, so ist der
verbleibende Hohlraum vollstndig zu versetzen.
Der Versatz hat die Aufgabe, die Standsicherheit des Hohlraumes langfristig zu
gewhrleisten und die Abfahrbehlter dicht einzuschlieen. Aufgrund ihrer hohen
Festigkeit und geringen Durchlssigkeit eignen sich hierzu besonders Flugaschengemische, die hydraulisch versetzt werden knnen und somit eine hohlraumfreie
Verfiillung der Kaverne ermglichen. Zur behlterlosen Lagerung von festen Abfallstoffen eignen sich bevorzugt Kavernen in Schachtbauweise. Auch hier sind die
Abfalle mglichst in Verbindung mit einem puzzolanischen Bindemittel hydraulisch zu versetzen, um eine dichte Lagerung zu erzielen (s. Bild 4.50./Bild 4.51.)
[4.73].
Die Unterlage-Deponie ist fiir Abflle bestimmt, die in bertgigen Sonderabfalldeponien, auch bei geordneter Ablagerung, eine Gefahr fiir Wasser und Luft

218

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

ne\.1& Strecke

Bild 4.51. Beschicken von Kavernenkammern [4.69]

darstellen und deren biologischer oder thermischer Abbau technisch und kologisch problematisch sein wUrde, oder deren anderweitige Beseitigung zu aufwendig wre.
In der Bundesrepublik Deutschland gibt es z.Z. filnf Bergwerke, die als Untertage-Deponien betrieben werden, die beiden ltesten sind:
- die Schachtanlage Herfa-Neurode (Bild 4.48.),
- das Salzbergwerk Heilbronn.
In der Bergwerksdeponie Heilbronn werden vorwiegend Rckstnde aus der
Rauchgasreinigung abgelagert. Z.Z. werden 50 000 bis 60 000 Mg/a eingelagert.
Die bestehenden Gesamtkapazitten reichen ber das Jahr 2000 hinaus.
Die Gesamtkapazitt der Untertage-Deponie Herfa-Neurode betrgt derzeit
ber I Mio. Mg. Da durch den fortschreitenden Salzbergbau stndig neue Hohlrume fUr die Deponierung von Sonderabililien entstehen, wird eine mgliche
Betriebsdauer von ber 100 Jahren angesetzt.
Die derzeitige Kapazitt ftlr die Einlagerung in einem 2-Schicht-System betrgt
200 000 Mg/a. Tatschlich eingelagert werden gegenwrtig ca. 140 000 Mg/a
[4.193].

Anforderungen an den Standort

Das Salzgestein des Standorts mu folgende Bedingungen erftlllen:


- Dichtigkeit gegenber Flssigkeiten und Gasen,
ausreichend Raum bieten,
im Ablagerungsbereich eine ausreichende Mchtigkeit des Salzgesteins,
die Herrichtung von standsicheren Hohlrumen mu gewhrleistet sein,
es drfen keine wasserwegsamen Gebirgsschichten in der Nhe der Hohlrume
verlaufen,

4.1 Geordnete Deponie

219

Untertage-Deponie
Herfa-Neu rode

Milliarerund
Unterer Bunt

sandsteln

~~~~ 403.1
~

Grundwasser

448,1 Obere Zechteinletten

f------ - - 1 471.7

spernnde

Tonschichten

Plattondolom~

f-;;;;;;;;:~ 505.0 Untere Zechtelnlttten

11!1

520,8 ZwischeMalinat

530,0 Braurotor Satz:ton

Obo4'n Wennteinsalz

1==

AOsslgkelts
und gasdichtes
Salzgebirge

==1656,5 Oberes Kllllaglf

1 = = ==1 704,0 Mittleres Wrutelnsatz


706.5 Unlwes

Kali\~ger

766.6 Unteres Wennteinsalz

ca . 820 [Link]

. . . . . ... 800 des Zochsteln 1

Bild 4.52. Geologisches Profil der Untertage-Deponie Herfa-Neurode [4.74]

- der Standort darf sich nicht in einem Gebiet befmden, in dem die Erdbebenwahrscheinlichkeit den Wert 99% nach der MSK-Skala (MedwedjewSponheuer-Karnik) berschreitet.

Es mssen standortbezogene Sicherheitsbeurteilungen erbracht werden, die einen


geotechnischen Standsicherheitsnachweis, einen Sicherheitsnachweis fiir die Betriebsphase und einen Langzeitsicherheitsnachweis beinhalten.

Anforderungen an die Eigenschaften der abzulagernden Abflle


Abililie drfen einer Untertagedeponie nur zugeordnet werden,
- wenn sie keine Erreger bertragbarer Krankheiten enthalten oder hervorbringen
knnen,
- wenn sie entsprechend dem Anlagentyp und den Ablagerungsbedingungen ber
ausreichende Festigkeit verfiigen,
- wenn sie unter den gegebenen Ablagerungsbedingungen nicht selbstentzndlich
und nicht explosibel sind,
- wenn es durch Reaktionen der Abflle miteinander oder mit dem Salzgestein
nicht zu Volumenvergrerungen, Bildung selbstentzndlicher, toxischer oder
explosibler Stoffe oder Gase oder anderen gellihrliehen Reaktionen kommt.

220

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Von der Ablagerung in befahrbaren Grubenrumen sind Abfiille ausgeschlossen,


die penetrant riechen, aufgrund ihrer Partialdrcke toxische Gaskonzentrationen
verursachen und im Sttigungszustand im geschlossenen Behltnis Konzentrationen bilden, die hher sind, als eine Zehnerpotenz unterhalb der Zndfliliigkeitsgrenze.

Anforderungen an die Betriebsfhrung


Entsprechend der TA Abfall ist bei der Ablagerung der Abfiille darauf zu achten,
da die vorhandenen oder geschaffenen Hohlrume in der Art vollstndig und
gleichmig mit Abfiillen geftlllt werden, da die Tragfiihigkeit des Gebirges sichergestellt bleibt. Werden Abfiille in flssiger Phase gefOrdert, so sind sie mittels
Bindemittel abzubinden. Bei der Ablagerung loser schttfliliiger Abfiille sind
Manahmen zu treffen, die Emissionen verhindern. Die Ablagerung von Behltnissen hat so zu erfolgen, da die Standfestigkeit gewhrleistet ist und die Schutzfunktion der Behltnisse bis zum Ablauf der Betriebsphase bestehen bleibt.
Nach beendeter Verftlllung einzelner Deponieabschnitte sind diese vom brigen
Grubengebude zu trennen. In einem zu erstellenden Ablagerungsplan und einem
entsprechenden Abfallkataster werden Ort und Verfahren der Ablagerung sowie
Angaben zu Abfallart, Abfallschlssel, Nummer des Entsorgungsnachweises und
Zeitpunkt der Ablagerung dokumentiert. Diese Daten, einschlielich der Abschlubauwerke, gehen sptestens 6 Monate nach Verftlllung eines Deponieabschnittes in den Bestandsplan der Deponie ein.
Whrend der Errichtung, dem Betrieb und der Nachsorgephase mssen stndige
Eigenkontrollen zur berprfung der Einhaltung der vorgegebenen Auflagen
durchgefiihrt werden. Zur Feststellung von Einwirkungen an der Oberflche haben
entsprechende Kontrollen bzw. Vermessungen zu erfolgen. Auch die Funktionstchtigkeit der Schacht- und StreckenfOrdersysteme sowie der brigen Einrichtungen der Deponie ist regelmig zu berprfen. Weiterhin sind in regelmigen
Abstnden Messungen von Gas, Staub, Abwetter, Abluft, Lrm und Immission in
der Anlage durchzufiihren.
Nach Stillegung einer Untertagedeponie Typ I hat eine GebirgsberwachungsSchlumessung zu erfolgen. Im Bereich der Oberflche sind der Schacht und andere Zugnge derart zu verschlieen, da eine Kontrolle der darunterliegenden
Verfiliisule gewhrleistet bleibt. Bei Abschlu einer Untertagedeponie Typ 2 ist
im Bereich des Daches der Kaverne ein Verschlubauwerk zu errichten. Der Verschlu mu einen Zuflu von Grund- und Formationswasser zu den abgelagerten
Abfllen unmglich machen.
Fr Untertagedeponien, in denen die Abfiille nicht entsprechend der Vorgaben
der TA Abfall im Salzgestein eingeschlossen sind, werden vom Sundesministerium fiir Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit z.Z. ergnzende technische
Anleitungen erarbeitet.

4.2 Thermische Verfahren

221

4.2
Thermische Verfahren
Zu den thermischen Verfahren in der Abfallbehandlung zhlen die Abfallverbrennung, die Abfallpyrolyse (Entgasung/Vergasung), die Hydrierung und die
Trock:nungsverfahren.
Das mit Abstand wichtigste thermische Verfahren ist z.Z. die Abfallverbrennung.
In der modernen Abfallwirtschaft kommt der Abfallverbrennung die Aufgabe
zu, stofflich nicht mehr verwertbare Reststoffe (Restabfall) so zu behandeln, da
es zu einer
- Inertisierung des Restabfalls, bei Minimierung der abgas- und abwasserseitigen
Emissionen,
- Schadstoffzerstrung bei organischen Schadstoffen bzw. Schadstoftkonzentrierung bei anorganischen Schadstoffen,
- Verminderung des zu deponierenden Abfallaufkommens, besonders dessen
Volumens,
- Nutzung des Heizwertes des Restabfalls zur Schonung der Energieressourcen,
- berftlhrung der Rckstnde in verwertbare Sekundrprodukte zur Schonung
der sonstigen Ressourcen (Stoftkreislaut)
kommt.
Die obigen Punkte sind nach ihrer abfallwirtschaftlichen Prioritt geordnet. Eine optimale und damit auch zuknftig genehmigungsflihige Restabfallbehandlungsanlage hat vor allem den ersten drei Punkten Rechnung zu tragen. Dabei mu
besonders beachtet werden, da ein Restabfallbehandlungsverfahren auch grotechnisch verfilgbar sein mu, d.h. ein Mindestma an Entsorgungssicherheit garantieren kann.
Wichtigster Grundsatz ist die Inertisierung des Restabfalls, zu der auch die
Schadstoffzerstrung bzw. Schadstoftkonzentrierung rechnet. Dabei ist inert im
Sinne von immissionsneutral zur Umgebung zu verstehen. Knnen die im folgenden vorgestellten Verfahren diesem Kriterium nicht gengen, sind sie fiir eine
Restabfallbehandlung nicht geeignet. Damit ist der Grundsatz Inertisierung das
wichtigste Abwgungskriterium.
Dieses gilt auch, allerdings in abgemildeter Form, fiir das Kriterium "Volumenreduktion". Bewirkt ein Restab fallbehandlungsverfahren keine erhebliche Volumemeduktion des Restabfalls, ist es nur bedingt geeignet.
Dagegen sind die folgenden beiden Punkte "Energierckgewinnung" und ,,Erzeugung von verkaufsfhigen Sekundrprodukten" nur zweitrangig. Diese Kriterien knnen aber eine Auswahl von zur Inertisierung und Volumemeduktion geeigneten Verfahren erleichtern (Feinkriterien).
Neben den 2 Abwgungskriterien, den 2 Feinkriterien sowie der Verfilgbarkeit
sind auerdem die folgenden Punkte zu beachten:
- Betriebssicherheit,
- Investitionsbedarf,
- Platzbedarf,
- mgliche bzw. sinnvolle Durchstze.

222

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Bei der Pyrolyse werden organische Abflle durch die thermische Zersetzung unter
Luftabschlu in lagerfhige, energiehaltige Produkte umgesetzt. Die Restabfallpyrolyse befindet sich immer noch im Versuchsstadium, da zahlreiche Probleme
bisher ungelst blieben. Dagegen haben kombinierte Pyrolyse-Hochtemperaturverbrennungsverfahren, wie das Schwel-Brennverfahren der KWU, mittlerweile
ihre Marktreife erreicht.
Die Hydrierung wiederum fmdet vor allem bei der Behandlung und Verwertung
von Raffmerierckstnden und ggf. von Altkunststoffen Anwendung. In diesem
Zusammenhang sei auf die Versuchsanlage der Veba in Bottrop mit einem Durchsatz von 200 000 Mgla Raffinerierckstnden und Altkunststoffen verwiesen.
Die Trocknung wiederum fmdet vor allem bei der Klrschlammbehandlung
Anwendung.

4.2.1
Verbrennungsanlagen fr Haushalts- und Gewerbeabflle (MVA)
In der Bundesrepublik Deutschland befmden sich 1999 55 Verbrennungsanlagen
fllr Haushalts- und Gewerbeabflle in Betrieb, die 11 Mio. Mg Abfall behandelten. An diese Anlagen sind rund 28 Mio. Einwohner angeschlossen. Dabei werden
alle Abflle in Anlagen mit Wrmeverwertung durchgesetzt. Die z.Z. betriebenen
Anlagen befmden sich ausschlielich in den alten Bundeslndern.
Der Beitrag der Abfallverbrennungsanlagen an der Energieerzeugung zur Einsparung von Primrenergietrgem ist mit 0,46 % relativ gering.
Im internationalen Vergleich nimmt die Bundesrepublik Deutschland bei der
Energienutzung aus Abfllen eine Spitzenposition ein. In der Europischen Gemeinschaft wurden 1990 nur etwa 18 % des Aufkommens an Haushaltsabfllen in
Abfallverbrennungsanlagen mit Wrmerckgewinnung verbrannt.
Die Schlacken und Stube der z.Z. betriebenen 55 Verbrennungsanlagen erfiillen die o.a. Kriterien hinsichtlich der Inertisierung nur noch bedingt. Daher wurden
zahlreiche V erfahren und Verfahrensvarianten der MVA entwickelt, die weitgehend inerte Schlacken liefern. Stube fallen bei den Neuentwicklungen nicht an, da
sie in die Schlacke eingebunden werden.
Im folgenden wird zunchst die klassische MVA erlutert, um dieses Kapitel
dann mit der Darstellung von zeitgemen Verfahren abzurunden.

[Link]
Schematischer Aufbau einer klassischen MVA
Der prinzipielle Aufbau und die Funktionsweise einer klassischen Mllverbrennungsanlage lt sich anband weniger Anlagenkomponenten und -aggregate aufzeigen (vgl. Bild 4.53.). Diese werden von einer Vielzahl von Herstellern angeboten, entsprechend unterschiedlich sind die einzelnen Ausfilhrungen. Jedoch unterscheiden sich der prinzipielle Ablauf der Verbrennung und der Stoffllu bei Mllverbrennungsanlagen verschiedener Hersteller nur geringfgig voneinander. Eine
Mllverbrennungsanlage besteht aus folgenden Funktionsbereichen, die nachfolgend erlutert werden:
- Abfallannahme,

4.2 Thermische Verfahren

2
3
4

Mllentladehalle
Mllbunker
Mllaufgabetrichter
Mllverbrennungsraum

5
6
7
8

Verbrennungsrost
Entschlacker
Dampferzeuger
Elektrofilter

223

9 Rauchgaswscher
10 Schornstein

Bild 4.53. Schematischer Aufbau einer konventionellen Mllverbrennungsanlage [4.123]

Lagerung, Vorbehandlung,
Beschickung und Verbrennungseinheit,
Schlackeabzug/Reststoftbehandlung!Lagerung,
KesseVDampfnutzung,
Rauchgasreinigung (RGR),
Kamin.

[Link]

Abfallannahme
Bei der Annahme des Abfalls erfolgt zunchst eine Wgung zur Bestimmung der
angelieferten Abfallmenge. Bestimmte Abtalle knnen festgelegten Entladestellen
bzw. einer Vorbehandlung zugewiesen werden. Die Wiegedaten der anliefemden
Fahrzeuge werden zur Kostenabrechnung herangezogen. Auerdem knnen so
Abfallstatistiken und betriebsbezogene Berechnungen (Leistungsdaten) durchgefiihrt werden.
Wgung
Die Wgung der Fahrzeuge kann mechanisch, hybrid oder elektromechanisch
erfolgen. Durchgesetzt haben sich elektromechanische Systeme, da diese zum
einen eine einfache bertragung von Mewerten ermglichen und zum anderen
die Waagen direkt in die Gebhrenabrechnung integriert werden knnen. Dazu
knnen an hufig anliefemde Fahrzeuge (gewerbsmig betriebene Fahrzeuge
oder Fahrzeuge kommunaler Betriebe) Loch- oder Magnetkarten ausgegeben werden, auf denen das Fahrzeug-Leergewicht (bei Fahrzeugen mit festem Aufbau), das
Kfz-Kennzeichen und der Rechnungsempflinger gespeichert sind. Zur Bestimmung
der angelieferten Abfallmenge mu dann keine zweite Wgung nach der Entleerung durchgefiihrt werden. Bei privaten Anlieferem und Fahrzeugen mit Wechsel-

224

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

containem ist immer ein zweiter Wiegevorgang zur Bestimmung der angelieferten
Abfallmenge notwendig.
KlassifiZierung
Durch die Klassifizierung knnen nicht brennbare Abtalle (Strstoffe) ausgeschleust werden, durch die der Betrieb der Anlage unterbrochen werden knnte.
Die brennbaren sperrigen Bestandteile des Sperrmlls mssen vor der Verbrennung einer Zerkleinerung zugefiihrt werden.

[Link]
Lagerung, Vorbehandlung und Beschickung
Bunkerausfhrungen
Fr die angelieferten Abtalle mu ein Lager vorhanden sein, da die Anlieferung
der Abtalle diskontinuierlich, die Beschickung der MVA aber kontinuierlich erfolgt. Der Mllbunker dient zum einen zur Pufferung der Abfallmenge, zum anderen knnen hier Strstoffe erkannt und aussortiert oder einer Vorbehandlung zugeftlhrt werden. Auerdem findet im Bunker eine Homogenisierung der Abtalle statt.
Durch Selbsterhitzung des im Bunker befindlichen Abfalls und Bildung von
brennbaren Gasen, die bei Grprozessen entstehen knnen (Methangasbildung),
kann es zu lokalen Brnden im Bunker und in den Einfiilltrichtem kommen. Aus
diesem Grund ist eine Lscheinrichtung installiert, die von den Kranfiihrerkabinen
bettigt wird und mit der gezielt einzelne Brandherde bekmpft werden knnen.
In der Entladehalle und im Mllbunker herrscht ein leichter Unterdruck im
Vergleich zur Umgebung, um Geruchs- und Staubemissionen zu vermeiden. Die
abgesaugte Luft wird entweder der Verbrennung zugefUhrt oder in einem Biofilter
desodoriert.
Folgende Bunkerausfiihrungen werden unterschieden:
- Tiefbunker,
- Plattenbandbunker,
- Flachbunker.
Tiefbunker
Tiefbunker zeichnen sich durch einen geringen Flchenbedarf und den daraus
resultierenden kurzen Wegen der Mllkrne zur Abfallumlagerung und Beschikkung aus. Dabei sind die Anordnung und Ausfiihrung der Kippkanten fiir einen
strungsfreien Betrieb und filr eine optimale Ausnutzung des Bunkervolumens von
Bedeutung. Diesbezglich stellen Kippstellen mit Mllbett und Hydraulikschieber
eine sinnvolle Lsung dar, da bei dieser Anordnung der Abfall im Bunker noch bis
ber die Oberkante des Schiebers gestapelt werden kann. Die Entladestelle mu
folglich nicht nachjeder Entladung von dem Mllkran gerumt werden.
Plattenbandbunker
Plattenbandbunker dienen hauptschlich der Aufuahme und Dosierung. Ein Plattenbandbunker besteht aus einem Frderband, das mit Stahlplatten gepanzert ist,
um Beschdigungen an der Frdereinrichtung zu minimieren. Das Band befmdet
sich am Boden einer Grube mit trichtertOrmigem Querschnitt, wodurch dessen
Aufuahmekapazitt erhht wird. Der Abfall wird direkt auf das Frderband ge-

4.2 Thermische Verfahren

225

kippt, aus dem Bunker ausgetragen und der nchsten Verfahrensstufe zugefiihrt.
Das Speichervolumen wird durch die Bandbreite (max. 2,5 m) und die Stapelhhe
in dem Trichter (max. 3,5 m) begrenzt. Bei dieser Bunker- und Frdereinrichtung
findet nur eine geringe Durchmischung der Abflille statt. Lange oder sperrige Abfallbestandteile knnen zu Brckenbildung im Trichter und somit zu Betriebsstrungen fiihren.
Flachbunker
Im Gegensatz zu Tiefbunkern werden fiir Flachbunker bei gleichem Nutzvolumen
groe Flchen bentigt. Da Mllverbrennungsanlagen hufig in Ballungsgebieten
errichtet werden und die bentigte Flche meist nicht zur VerfUgung steht, sind
Flachbunker bei MVA's in der Bundesrepublik von untergeordneter Bedeutung.
Vorteilhaft wirken sich die geringen Kosten fiir Grndung und Ausbildung eines
Flachbunkers aus, die allerdings durch betriebliche Nachteile (wie beispielsweise
groe Kranspiele) oft kompensiert werden.
Krananlagen
Der Mllkran dient in erster Linie der Beschickung der Aufgabetrichter. Auerdem knnen Strstoffe aussortiert und ggf. einer Zerkleinerung zugefUhrt werden.
In der Regel werden Mehrschalengreifer (Polypgreifer) mit einem Fassungsvermgen von 4 bis 8 m3 eingesetzt. Der Kran ist als Brckenkonstruktion mit Laufkatze
ausgefiihrt, so da alle Stellen des Bunkerbereiches schnell angesteuert werden
knnen. Die Steuerung des Krans erfolgt von einer Kabine, aus der der gesamte
Bunkerbereich, die Entladestellen und die Beschickungstrichter einsehbar sind.
Aus Grnden des Arbeitsschutzes mu die Kabine klimatisiert sein. Ein Reservekran ist erforderlich, um bei Ausfall eines Mllkrans den Betrieb der Anlage sicherzustellen.
Vorbehandlung
Fr die Verbrennung geeignete sperrige Abflle mssen zerkleinert werden. Die
Zerkleinerung des Sperrmlls bedeutet eine Volumenreduktion und somit eine
bessere Ausnutzung des zur VerfUgung stehenden Bunkerraumes. Durch die grere spezifische Oberflche nach der Zerkleinerung verbrennt der Abfall besser.
Gelangen unzerkleinerte sperrige Abflle in die Aufgabetrichter, kann es zu Verstopfungen und zum Stillstand der Anlage kommen. Fr die Zerkleinerung der
sperrigen Abflle werden Scheren, Schnecken-, Prall- oder Schlagmhlen eingesetzt, die bei Bedarf mit Absaugeinrichtungen versehen werden knnen. Die Zerkleinerung findet im allgemeinen in einem dafiir reservierten Bereich des Bunkers
statt. Hier knnen einerseits die aus dem Haus- und Gewerbemll separierten Stoffe behandelt werden, andererseits knnen die bei der Annahme als Sperrmll deklarierten Abflle sortiert werden. Der Durchsatz der Zerkleinerungseinrichtung
mu an die jhrlich anfallende Sperrmllmenge angepat sein. Zur Beschickung
des Zerkleinerungsaggregates kann ein kleiner Mehrschalengreifer dienen, der
notfalls auch zur Beschickung der Verbrennungseinrichtung verwendet werden
kann.

226

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Bild 4.54. Einfiliitrichter mit Einfiliischacht und Beschickungseinrichtung [4.121)

Beschickung
Die Einftllltrichter sind in der Regel so bemessen, da sie durch Aufnahme des
stndlichen Durchsatzes der Verbrennungseinheit einen kontinuierlichen Betrieb
gewhrleisten. Der im Einfiilltrichter befindliche Mll gelangt ber einen Einfiillschacht auf die Beschickungseinrichtung. Der Einfiillschacht ist mit einer Klappe
zum Einfiilltrichter hin verschliebar, um ein Zurckschlagen der Flammen zu
vermeiden. Die Beschickungseinrichtungen unterliegen einer starken mechanischen Belastung durch den Mlltransport und einer groen thermischen Belastung
durch die direkte Anordnung am Verbrennungsrost Eingesetzt werden Plattenbnder, Vorschubroste und AufgabesteL Bild 4.54. zeigt Einfiilltrichter mit Einfiillschacht und Beschickungseinrichtung.
Zur Verbrennung von Haushaltsabflillen werden in der Regel Rostfeuerungsaulagen eingesetzt. Die Wirbelschichtfeuerung befindet sich derzeit noch im Versuchsstadium. Drehrohrfeuerungen werden blicherweise nicht zur ausschlielichen Verbrennung von Haus- und Gewerbemll eingesetzt. Eine Ausnahme stellt
das Verbrennungssystem V0lund dar. Dabei handelt es sich um eine Kombination
von Verbrennungsrost und nachgeschaltetem Drehrohrofen.

[Link]
Verbrennungsproze bei der Rostfeuerung
Unabhngig von dem eingesetzten Rostsystem ist der grundstzliche Aufbau des
Verbrennungsraums nach unten durch den Verbrennungsrost, zu den Seiten durch
die Feuerraumwnde und nach oben durch eine Decke oder den Kessel begrenzt.
Zum Anfahren der Anlage mu der Feuerraum vorgeheizt werden. Damit wird
die in der 17. BlmSchV vorgeschriebene Mindesttemperatur in der Nachver-

4.2 Thermische Verfahren

227

Rauchgas

1
2
3
4
5

Trocknungszone
Entgasungszone
Ausbrandzone
Vergasungszone
Nachbrennzone

--'-

31

Schlacke

Bild 4.55. Verschiedene Phasen des Verbrennungsvorganges [4.122]

brennungszone von 850 oc sichergestellt. Dazu sind Sttzbrenner installiert, die


mit Gas, l oder Kohlenstaub betrieben werden. Hat die Nachbrennzone die entsprechende Temperatur erreicht, kann der Abfall mit Hilfe von Zndbrennem, die
im Feuerraum installiert sind, gezndet werden.
Bei der Rostfeuerung lt sich der Verbrennungsvorgang in verschiedene Phasen einteilen, die sich weitgehend berschneiden [4.122]:
- Trocknung: Im oberen Bereich des Rostes wird der Abfall durch Wrmestrahlung oder Konvektion auf ber 100 oc erwrmt, wodurch eine Abtrennung
der Feuchte erfolgt.
- Entgasung: Durch weitere Erwrmung auf Temperaturen ber 250 oc werden
flchtige Stoffe ausgetrieben. Dies sind in erster Linie Restfeuchte und Schwelgase. Die Entgasung findet in reduzierender Atmosphre unter Wrmezufuhr
statt.
- Ausbrand: Im dritten Teil des Rostes wird ein vollstndiger Ausbrand des Abfalles erreicht. Der Glhverlust von Schlacken moderner MV A 's betrgt weniger als 0,5 Gew.-%.
- Vergasung: Bei der Vergasung werden die Entgasungspunkte durch molekularen Sauerstoff oxidiert. Lediglich ein geringer Teil findet davon auf dem Verbrennungsrast statt. Der berwiegende Teil des Abfalls wird im oberen Verbrennungsraum bei 1 000 C oxidiert.
- Nachverbrennung: Zur Minimierung von Unverbranntem und CO im Rauchgas
ist immer eine Nachbrennzone vorhanden. Hier wird Luft bzw. rckgefiihrtes
und bereits entstaubtes Rauchgas zur vollstndigen Verbrennung dazugegeben.
Die Verweilzeit betrgt hier mindestens 2 Sekunden bei 850 C.

228

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

8o'l, -BEREICH - - - - -

25.o 815 ''o GEW.-'1,

17. o BIS 46.o GEW -'1,

2o5 BIS 46.5 GEW-'1,

MITIELWERT

ca. 35 GEW-'/,
ca 3o GEW -'/,

CQ

35 GEW.-'/,

Hu

rd

6.o MJ lkg

[Link]

OHNE

HILFSBRENNSTOFFE

BRENNBARES (BI...

Bild 4.56. Brennstoffdreieck nach A. Urban [4.123]

Bild 4.55. zeigt die verschiedenen Phasen des Verbrennungsvorgangsam Beispiel


einer Mittelstromfeuerung.
Die flieenden bergnge der einzelnen Phasen hngen von der Abfallzusammensetzung und dessen Heizwert ab. Den Zusammenhang zwischen Brennbarem,
Asche und Wassergehalt verdeutlicht das Brennstoffdreieck gem Bild 4.56.
Die Skalen Brennbares, Asche und Wassergehalt, jeweils in Gewichtsprozent
aufgetragen, bilden ein gleichseitiges Dreieck. Da sich die Anteile zu 100 % ergnzen, mssen sich die Linien in einem Punkt schneiden. So lt sich feststellen,
ob in der vorliegenden Zusammensetzung der Abfall ohne Zufuhr anderer Energie
verbrennt. Auerdem lt sich aus dem Brennstoffdreieck der Heizwert ablesen.
Das innere Dreieck gibt den Bereich an, in dem 80 % der statistisch ausgewerteten Mllproben westlicher Industrielnder liegen. Der Mittelwert der Proben ist
durch einen schwarzen Punkt gekennzeichnet und entspricht folgender Zusammensetzung:
- Brennbares: ca. 35 Gew.-%,
- Asche: ca. 30 Gew.-%,
- Wasser: ca. 35 Gew.-%,
- Heizwert(Hu): ca. 6 000 kJ/kg.
Mittlerweile hat sich durch Vernderung der Restabfallzusammensetzung der
Heizwert deutlich erhht. Er betrug 1992 ca. 8 700 kJ/kg. Da die Kapazitt von
bestehenden MV A 's durch die gestiegenen Heizwerte begrenzt wurde, ging man
1992 bei der Auslegung neuer MV A 's sicherheitshalber von noch hheren Heizwerten aus. Hier wurden zwischen 10 und 12 MJ/kg zu Grunde gelegt.

Rostfeuerungssysteme
Bei den bestehenden 55 deutschen MV A 's wird die Rostfeuerung mit unterschiedlichen Systemen eingesetzt. Dabei kommen die folgenden Rosttypen zum Einsatz:
- V orschubroste,

4.2 Thermische Verfahren

229

....... ....... .................................................................... ............... -

\ __ ______ __

Bild 4.57. Bewegungsablaufeines Vorschubrostes (System K+K) [4.124]

- Rckschubroste,
- Walzenroste.
Vorschubroste
Vorschubroste bestehen aus mehreren feststehenden und beweglichen Roststben,
die reihenweise berlappend angeordnet sind. Durch Hubbewegung der beweglichen Querreihen wird der Abfall ber den Rost befrdert. Vorschubroste knnen
sowohl geneigt als auch horizontal angeordnet sein, da die Vorwrtsbewegung des
Verbrennungsgutes durch die Hubbewegung und nicht durch das Eigengewicht
bzw. die Schwerkraft erfolgt. Durch die Bewegung der Roststabreihen ist eine
ausreichende Schrung gewhrleistet. Bild 4.57. zeigt den Bewegungsablauf eines
Vorschubrostes (System K+K).
Rckschubroste
Der Rckschubrost besteht wie der Vorschubrost aus beweglichen und feststehenden Querreihen. Der Rost ist zum Schlackeaustrag hin geneigt, die Hubbewegung
der Roststbe erfolgt zur Beschickungseinrichtung hin. Durch diese Aufwrtsbewegung und die durch die Schwerkraft verursachte Abwrtsbewegung wird eine
gute Schrung erreicht, da stndig Glutteile aus der Hauptbrennzone zum Rostanfang geschoben werden. Am Rostende werden die Verbrennungsrckstnde mit
einer Walze ausgetragen. Bild 4.58. zeigt einen Rckschubrost (System Martin).
Watzenroste
Der Walzenrost besteht aus sechs hintereinander angeordneten Walzen von 1,5 m
Durchmesser. Der Walzenrost ist zum Austrag hin 30 o geneigt. Die Walzen werden einzeln elektrisch angetrieben, wodurch die Frdergeschwindigkeit an die
Brennbarkeit des Abfalls angepat werden kann. Die Taschen zwischen den einzelnen Walzen erzwingen eine Umwlzung des Mlls, wodurch eine gute Durchmischung und Schrung erreicht werden. Bild 4.59. zeigt den Aufbau eines Walzenrostes.

230

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Bild 4.58. Rckschubrost System Martin [4.124]

BrtMtlott
011f9'1>t

Bild 4.59. Walzenrost [4.124]

Verbrennungssystem V0/und
Das Verbrennungssystem V0lund ist eine Kombination von Vorschubrost und
nachgeschalteter Drehrohrfeuerung. Die Anordnung bewirkt eine Trocknung und
Verbrennung des Abfalls auf dem Rost und den Ausbrand im Drehrohr bei 800 bis

4.2 Thermische Verfahren

231

Bild 4.60. Verbrennungssystem V0lund [4.124]

I 000 C. Durch die Rotation des Drehrohres werden die Verbrennungsrckstnde


gesintert. Die Krnung der Schlacke ist daher relativ klein, gleichformig und nicht
staubend [4.121]. Bild 4.60. zeigt die Anordnung des Vorschubrostes und des
Drehrohrs nach dem System V0lund.
Luftfhrung und Feuerraum bei Rostfeuerungen
Die konstruktive Ausbildung des Feuerraums mu nicht nur eine optimale Verbrennung, sondern auch eine gute Rauchgasdurchmischung gewhrleisten. Bei der
Rauchgasableitung werden Gleichstrom-, Gegenstrom- und Mittelstromfilhrung
von Verbrennungsluft und Brenngut unterschieden. In Bild 4.61. sind die drei
Varianten der Rauchgasfiihrung schematisch dargestellt.
Besondere Beachtung verdient die in Bild 4.61 . mit Pfeilen angedeutete kritische Teilgasfiihrung. Hinsichtlich des kritischen Teilgasstromes, in dem gerade
ausgegaste unverbrannte Kohlenwasserstoffe enthalten sind, erscheint die Gleichstromfiihrung optimal, da der Teilgasstrom durch das Temperaturmaximum gefiihrt und so weitgehend verbrannt wird. Nachteilig ist jedoch, da die heiesten
Rauchgase am Ende des Rostes gebildet werden und so Trocknungs- und Zndzone hinweg zurckgeleitet, so da auch feuchte, heizwertarme Produkte durch die
Vortrocknung relativ schnell verbrannt werden knnen. Nachteilig ist die mgliche
Strhnenbildung und die damit verbundene Gefahr von Kurzschlustrmungen.
Auf diese Weise kann relativ viel Unverbranntes in die Nachbrennzone gelangen.
Die Gleichstromfiihrung bietet sich daher fiir trockene, schnellzndende oder
heizwertreiche Produkte an.
Beim Gegenstromprinzip werden die heien Verbrennungsgase vom Ende des
Rostes ber die Trocknungs- und Zndzone hinweg zurckgeleitet, so da auch
feuchte, heizwertarme Produkte durch die Vortrocknung relativ schnell verbrannt
werden knnen. Nachteilig ist die mgliche Strhnenbildung und die damit ver-

232

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

GLEICHSTROM

GEGENSTROM

MITTELSTROM

Bild 4.61. Rauchgasfhrung durch Feuerraumgestaltung [4.132]

bundene Gefahr von Kurzschlustrmungen. Auf diese Weise kann relativ viel
Unverbranntes in die Nachbrennzone gelangen.
Bei der Mittelstromftihrung wird der erste Zug oberhalb der Hauptverbrennungszolle angeordnet, so da die Rauchgase zwangslufig durch die heie
Verbrennungszone hindurchtreten. Ein Vergleich verschiedener Anlagen hinsichtlich der Feuerraumgeometrie zeigt, da oftmals ein Kompromi zwischen Gegenstrom- und Mittelstromfiihrung eingegangen wird.

Wirbelschichtfeuerung
Whrend Rostfen fiir Haus- und Gewerbemll bewhrte Verbrennungsverfahren
darstellen, sind Wirbelschichtfen fiir diesen Brennstoff in der Bundesrepublik
Deutschland noch in der Erprobungsphase. So steht eine in Berlin Ruhleben gebaute rotierende Wirbelschichtverbrennungsanlage kurz vor der Inbetriebnahme.
Hier sollten ab Mitte 1999 65 000 Mg/a Hausmll verbrannt werden. In Japan
waren 1987 bereits rund 40 Anlagen und im europischen Ausland ca. 8 Anlagen
in Betrieb, in denen zum Teil nicht aufbereiteter Hausmll verbrannt wird. Die
bertragbarkeit dieser Technologie auf deutsche Verhltnisse war wegen der unterschiedlichen Abfallzusammensetzung und anderer Vorgaben fiir Abgasreinigung und Wrmerckgewinnung schwierig. Hier mssen in jedem Fall eine Vorsortierung zur Abscheidung von Strteilen, eine Zerkleinerung und die Abscheidung von FE-Metallen vorgesehen werden.
Die Asche fiillt durch den Dsenboden und wird im unteren Teil des Ofens ausgetragen. Der schematische Aufbau eines Wirbelschichtofens wird in Bild 4.63.
dargestellt. Da aus verfahrenstechnischen Grnden der Ascheerweichungspunkt
nicht erreicht werden darf, kommt es zu einer geringen Schwermetalleinbindung in
Aschen. Damit sind Wirbelschichtverbrennungsanlagen nur zur Verbrennung
schwermetallarmer Abtalle geeignet (z.B. Restholz, evtl. Kunststoffe, Papier).

4.2 Thermische Verfahren

lgt.p '
lga

(1)

'il

(2)
(l

233

Rostfeuerung
2

ruhende stationre Wirbelschicht

instabile stationre Wirbelschicht

zirkulierende Wirbelschicht

6 p Druckverlust

Wrmebergang

Luftgeschwindigkeit

Bild 4.62. Zusanunenhang zwischen Druckverlust, WnDebergang und Verbrennungsluftgeschwindigkeit

Verbrennungs Gose

Sekundr .
Lufl

Abiallbeschickung

Dsenboden

Anlohr SreMer

SchwerlLanze

Entosehung

Bild 4.63. Aufbau eines Wirbelschichtofens [4.121]

Der Wirbelschichtofen besteht aus einer zylindrisch ausgemauerten, senkrechten


Brennkammer, in deren Boden sich Dsen befmden. Durch die Dsen wird Verbrennungsluft zugefilhrt, die den Brennstoff fluidisiert, so da eine Gas-FeststorfSuspension vorliegt. Daraus ergeben sich eine relativ groe spezifische Oberflche
und ein ausgezeichneter Wrme- und Stoffaustausch. Dies ist auch dem Bild 4.62.
zu entnehmen, in dem der Zusammenhang zwischen Druckluft, Wrmebergang
und Verbrennungsluftgeschwindigkeit aufgetragen ist. Sobald die Luftgeschwindigkeit zum Aufbau einer stationren Wirbelschicht ausreicht, verbessert sich der
Wrmebergang deutlich, obwohl der Druckverlust konstant bleibt (Bereich 2).
Der Wrmebergang verschlechtert sich erst wieder bei den hheren Luftgeschwindigkeiten einer zirkulierenden Wirbelschicht (Bereich 4).
Charakteristisch filr eine Wirbelschichtverbrennung ist ein zu ber 90 % inertes
Bett, das entweder aus Sand, aus Asche oder hnlichen unbrennbaren Stoffen besteht. Nur die geringen Restanteile bestehen aus Brennbarem. Da das Bett selbst
ber eine erhebliche Wrmekapazitt verfUgt, wird in der Wirbelschicht eine ho-

234

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

mogene und von den Verbrennungseigenschaften des Abfalls weitgehend unabhngige Temperaturverteilung erreicht. Dies fiihrt zu einem ausgezeichneten Ausbrand. Zur Senkung der Schadstoffgehalte im Rauchgas knnen Additive
(z.B. Kalk) in die Wirbelschicht gegeben werden, die die Schadgase einbinden.

Verbrennungsanlagen mit integrierter Schlacke- und Staubverglasung


Die wichtigste Aufgabe einer Restabfallverbrennungsanlage ist die lnertisierung
des Inputmlls, d.h. insbesondere Zerstrung der organischen Komponenten und
sichere Einbindung der anorganischen Komponenten (Schwermetalle) in die
Schlacke bei gleichzeitiger Minimierung der rauchgasseitigen Emissionen.
Dieser Aufgabe werden die klassischen MV A 's oft nur unzureichend gerecht.
So hlt das Schwermetalleinbindevermgen der Schlacken modernen Anforderungen nicht stand. Dies gilt besonders fiir Filterstube, Kesselaschen u.. Rauchgasreinigungsrckstnden, in denen teilweise hohe Schwermetallmobilitten und organische Restbelastungen festgestellt werden.
Diese Rckstnde sind daher als Sonderabfall eingestuft und mssen aufwendig
behandelt und endgelagert werden (zur Staubproblematik s. Kap. [Link].6).
Mittlerweile sind zahlreiche neue Verfahren sowie modifizierte Rostfeuerungen
entwickelt worden, die eine in den Verbrennungsproze integrierte Verglasung
von Schlacken und Stuben bewirken sollen.
Die wichtigsten Verfahren mit integrierter Schlacke und Staubverglasung sind
[4.65]:
- Rostfeuerung mit nachgeschaltetem Drehrohr,
- Schwel-Brennverfahren der KWU,
- Thermoselect.
Ziel der Verglasung ist eine weitgehende Immobilisierung der enthaltenen Schwermetalle sowie eine nahezu vollstndige Zerstrung der Restorganik von Staub und
Schlacke. Die bei integrierten Verbrennungsprozessen gewonnene verglaste
Schlacke kann relativ gefahrlos auf Monodeponien abgelagert bzw. als Bau- oder
Zuschlagstoff verwertet werden. Stube fallen nicht an, da sie durch Rckfiihrung
in den Verbrennungsraum verglast als Schlacke abgezogen werden.
Neben diesen integrierten Verglasungsverfahren werden noch verschiedene
Verfahren zum externen Verglasen von Staub und Schlacke angeboten. Dieses
Thema wird ausfiihrlich in Kapitel [Link] behandelt.
Rostfeuerung mit nachgeschaltetem Drehrohr
Bei dieser Variante ist der Rost gegenber konventionellen Anlagen etwas verkrzt und besteht nur noch aus Trocknungs- und Hauptverbrennungszone. Anstelle
der Ausbrandzone ist ein Drehrohr integriert, dem die Aufgabe zukommt, die
Aschen, Stube und Schlacken zu verglasen.
Im ersten Teil des Rostes kommt es lediglich zu einer Verschwelung, da unterstchiometrisch Luft im Gleichstrom zugegeben wird. Darauf tritt das Verbrennungsgut mit einer Temperatur von ca. I 000 C in ein Drehrohr ein. Dabei wird
Sekundrluft zugegeben, so da es durch die pltzliche Verbrennung der Schwelgase zu einem Temperatursprung kommt. Hier knnen Bedingungen eingestellt

4.2 Thermische Verfahren

235

Abgas

Rauchgasreinigungsrckstnde

Energie

Gas
/verglaste Schlacke
Abfall ,:::;_,

Inertstoffe
Eisen
NE- Metalle

Bild 4.64. Funktionsschema der Schwel-BrennanJage in Frth

werden, so da die Aschen entweder bei I 150 oc gesintert oder aber bei ca.
I 300 C geschmolzen und verglast werden [4.89].
In das Drehrohr werden die Kesselaschen und Filteraschen zurckgefhrt und
ebenfalls gesintert/verglast. Die verglasten Schlacken/Stube aus einer Technikumsanlage der Fa. von Roll weisen eine geringe Eluierbarkeit fiir Schwermetalle
auf. So knnen die Grenzwerte in Eluat fr eine schadlose Deponierung gem TA
Siedlungsabfall weit unterschritten werden. Damit sollte auch eine Verwertung der
Schlacken mglich sein.

Im Drehrohr liegen deutlich hhere Temperaturen als in konventionellen Rostfeuerungsantagen vor. Durch die hohen Temperaturen im Drehrohr mssen die
nachgeschalteten Aggregate- wie Nachbrennkammer und Abhitzenutzung- dieser
thermischen Belastung standhalten.
Nach dem Drehrohr ist eine Nachbrennkammer zur Minimierung des im
Rauchgas vorhandenen CO und des Unverbrannten vorgesehen. In diese wird ein
Teil des bereits entstaubten Rauchgases zurckgefhrt (Rauchgasrezirkulation).
Damit werden die Rauchgastemperaturen vergleichmigt, eine primre Entstikkung bewirkt sowie der Luftberschu und damit der Rauchgasvolumenstrom
minimiert.

Schwel-Brennverfahren

Beim Schwel-Brennverfahren wird der Restabfall zuerst einer indirekt beheizten


Schweltrommel zugefhrt, in der er bis auf 450 C erwrmt wird. Dabei entsteht
heizwertreiches Schwelgas. Die Verweilzeit des Restabfalls in der Schweltrommel
betrgt ca. I Stunde. Als Heizmedium wird durch Dampf und Rauchgas aufgeheizte Luft, die im Kreislauf gefhrt wird, verwendet (s. Bild 4.64.).

236

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Nach der Verschwelung wird der Feststoff gesiebt. Das Material> 5 nun besteht
zum grten Teil aus Inertien (Glas, Keramik, Steine) sowie aus NE- und FeMetallen. ber 99 % des im Schwelgut enthaltenen Restkohlenstoffs befinden sich
jedoch im Feingut (< 5 nun). Dieses wird aufgemahlen und gemeinsam mit dem
Schwelglas in der Hochtemperaturverbrennung verbrannt. Hier werden auerdem
Flug- und Kesselstube dazugegeben. Durch die hohen Verbrennungstemperaturen
von ber 1 300 C bildet sich schmelzflssige Schlacke. Auerdem wird mit den
hohen Temperaturen erreicht, da die organischen Restgehalte (vor allem die der
Stube) weitgehend zerstrt werden. Die schmelzflssige Schlacke wird naentschlackt und befmdet sich in einem glasartigen Zustand, so da Schwermetalle
eingebunden und wenig eluierbar sind. Die Eluatwerte der Schlacken aus der
Technikumsanlage in Ulm unterschreiten die Anforderungen fiir die Deponieklasse I (gern. TA Siedlungabfall) deutlich, so da die verglasten Schlacken auch
schadlos verwertet werden knnten.
Das heie Rauchgas verbrennt bei einer nachgeschalteten Brennkammer fast
vollstndig. Ein Teil des bereits entstaubten Rauchgases wird in die Brennkammer
zurckgefhrt. Damit werden die Rauchgastemperaturen vergleichmigt, eine
primre Entstickung bewirkt sowie der Luftberschu und damit der Rauchgasvolumenstrom minimiert.
Thermoselect
Beim Thermoselectverfahren wird der Restabfall zuerst mit einer Presse auf 10 %
seines Ausgangsvolumens verdichtet. Darauf wird der verdichtete Restabfall in
einem Schubofen indirekt auf 400 bis 600 C erwrmt und entgast. Das Schwelgas
wird darauf mglichst unvollstndig gemeinsam mit dem Schwelgut mit reinem
Sauerstoff verbrannt. Die sich dabei bildende ca. 2 000 C heie Schlacke wird
schmelzflssig abgezogen. Die Metalle werden schmelzflssig abgetrennt. Die
verbleibende mineralische Schlacke liegt nach einer Naentschlackung verglast
vor. Einem Bericht des TV Thringen von Mai 1993 zu Folge besteht die Mglichkeit, gemahlene Thermoselectschlacke bei der Betonherstellung einzusetzen.
Genauere Aussagen knnen erst nach Ende eines Langzeitversuches erfolgen.
Durch die unvollstndige Verbrennung des Schwelgases kann Synthesegas gewonnen werden. Eine Abhitzenutzung ist nicht vorgesehen. Statt dessen wird das
heie Gas durch eingesprhtes Wasser bis auf 90 oc schlagartig abgekhlt (Quenche). Damit soll eine Neubildung von Dioxinen und Furanen verhindert werden
(Unterbindung der De Novo-Synthese). Darauf folgt eine nasse Gaswsche zur
Entfernung von HCl, HF und S02 . Das Waschwasser wird gereinigt und eingedampft. Nach der Wsche folgt eine Trocknung des Synthesegases durch Abkhlung bis auf 10 C sowie abschlieend eine Aktivkohleadsorption zur Schwermetall- und Dioxinabtrennung. Das gereinigte Synthesegas verlt die Anlage und
kann in einem Gasmotor energetisch genutzt werden.
Durch die geringen zu reinigenden Gasvolumenstrme (ca. 118 des Rauchgasvolumenstromes einer MVA) ergeben sich bei einer Thermoselectanlage geringere
Schadstofffrachten als bei einer MVA, falls vergleichbare Rauchgasreinigungstechniken eingesetzt werden.
Die Funktionsweise des Thermoselectverfahrens soll anhand von Bild 4.65.
noch einmal verdeutlicht werden.

4.2 Thermische Verfahren

237

Synthesegase

Salze

Abfall

==:>
Brennkammer

~~

mineralische

metallische

Schlacke

Bild 4.65. Funktionsschema des Thermoselectverfahrens in Karlsruhe

Vor- und Nachteile der 3 Varianten


Alle drei Verfahren haben z.Z. ( 1999) ihre grotechnische Machbarkeit noch nicht
erwiesen. Besonders beim Thennoselectverfahren kann von einem zustzlichen
Entwicklungsbedarf von mindestens 2 Jahren ausgegangen werden. Dabei knnen
die offenen Fragen gelst werden, ob das Thennoselectverfahren eine Alternative
zur Rostverbrennung bzw. zum Schwel-Brennverfahren ist. Dabei wird die geringere Energieabgabe durch die etwas geringeren Schadstofffrachten ber das
Rauchgas kompensiert.
Die anderen beiden Verfahren (Schwel-Brenn und integriertes Drehrohr) haben
mittlerweile ihre Entwicklungsreife erreicht, wobei das Schwel-Brennverfahren
vorzugsweise bei der gleichzeitigen Veraschung von Klrschlmmen eingesetzt
werden kann.

[Link]
Schlackenabzug

Die Schlacke wird am Ende des Verbrennungsrostes abgeworfen und mu abtransportiert werden. Die wichtigsten Anforderungen an diese Austragseinrichtung
sind die Venneidung von Verstopfungen beim Schlackenaustrag sowie die Verhinderung von Falschlufteinbrchen. Dazu werden mehrere Entschlackungssysteme angeboten, die zum Teil vom eingesetzten Rostsystem abhngig sind. Der
Austrag des Rostabwurfes erfolgt ausschlielich durch Schwerkraft in Fallschchte, die direkt in den Entschlacker fiihren.

238

4 Abfallbehandlung und -beseitigung


Asch ..

Bild 4.66. Ste1entsch1acker [4.125]

Bild 4.67. P1attenbandentsch1acker [4.145]

Rostdurchfall

Asche

Bild 4.68. Kratzkettenentsch1acker [4.145]

Das Hauptproblem beim Austrag vom Rostabwurf besteht in der hohen Temperatur der Schlacke, die zwischen 600 und 900 C liegen kann. Durch ungengenden
Luftberschu kann bei 950 bis I 000 C der Schlackenerweichungspunkt erreicht
werden, wodurch die Verbrennungsrckstnde einen teigigen Zustand annehmen
knnen.

4.2 Thermische Verfahren

239

Die Ablschung der Schlacke und der Luftabschlu zum Feuerraum hin erfolgt
durch Nasysteme. Unterschieden werden Austragseinrichtungen mit Stel, Plattenbndern und Kratzketten. Bild 4.66., Bild 4.67. und Bild 4.68. zeigen die verschiedenen Austragsverfahren.

[Link]

Kessel und Abwrmenutzung

Neben der in der 17. BlmSchV geforderten Wrmerckgewinnung ist eine Abkhlung der bei der Verbrennung von Hausmll entstehenden Rauchgase von
1 000 bis 1 200 C auf 200 bis 300 C auch aus verfahrenstechnischen Grnden
ntig, da Rauchgasreinigungsverfahren Temperaturen unterhalb 350 C erfordern.
Die Abkhlung der Rauchgase aus der Mllverbrennung erfolgt meist indirekt, das
heit durch rekuperative Wrmetauscher Luft-Wasser bzw. Dampf. Als Wrmebertragungseinrichtung dient ein Kessel, in dem die fhlbare Wrme (= kinetische Energie = Wrmeenergie) der Rauchgase auf einen geeigneten Wrmetrger
(Dampf oder Wasser) bertragen wird. Die wesentlichen Elemente einer Dampfkesselantage mit dem Wrmetrger Wasser/Dampf sind Speisewasserautbereitungsanlage, Speisewasserleitung, Druckkessel, Sicherheitsventile und
Dampfentnahmerohr mit den jeweiligen Regelungseinrichtungen zur Steuerung
von Wasserstand, Kessel- und Dampfdruck.

Auslegungskriterien
Die Auslegung einer Dampfkesselanlage richtet sich nach der zu erwartenden
Wrme- oder Dampfleistung des Brennstoffes sowie dem Kesselwirkungsgrad.
Whrend dieser Wirkungsgrad bei Verwendung fossiler Brennstoffe zuverlssig
vorausbestimmbar ist, ist er im Falle der Mllverbrennung aufgrund des inhomogenen Brennstoffes nach Erfahrung auszuwhlen. Aufgrund von Mengen- und
Heizwertschwankungen treten Wrmespitzen auf, die abgefangen werden mssen.
Es ist daher blich, den Kessel entsprechend berzudimensionieren.
Eine weitere Besonderheit bei der Mllverbrennung stellt die hohe Staubfracht
in den abzukhlenden Rauchgasen dar. Zur Verhinderung von rauchgasseitigen
Verunreinigungen am Kessel, die zu reisezeitmindernden Anbackungen fhren
knnen, sind deshalb eine Reihe von Vorkehrungen erforderlich. Hierzu gehren
- begrenzte Rauchgasgeschwindigkeiten im ersten Kesselzug zur Schwerkraftaustragung des Flugstaubes vor Eintritt in den Kessel,
- Abkhlung der Rauchgase durch Strahlungswrmetransport anstelle von konvektiver Abkhlung zur Vermeidung von Anbackungen teigiger Flugascheteilchen an der Berhrungsflche.
Zur Minderung des Korrosionsrisikos sind darber hinaus die mglichen Dampfparameter in MVA 's auf 400 C und 40 bar beschrnkt und damit sehr viel geringer als in Kohlekraftwerken. Entsprechend gering ist in MVA 's der elektrische
Wirkungsgrad, der nur ca. 50 bis 60 % des Wirkungsgrades von Kohlekraftwerken
erreicht.

240

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Bauarten
Kessel werden nach ihrer Bauart und der Art des verwendeten W1irmetrgers benannt. Man unterscheidet:
- Wannwasserkessel,
- Heiwasserkessel,
- Heilkessel,
- Sattdampfkessel,
- HeidampfkesseL
In MV A 's werden Heiwasser-, Sattdampf- und Heidampfkessel eingesetzt.
In Heiwasserkesseln wird Wasser unter berdruck von 110 C bis blicherweise 200 C aufgewrmt. Das aufgeheizte Wasser wird vorzugsweise fiir Fernheizzwecke verwendet.
In Sattdampfkesseln wird Wasser unter berdruck von 130 oc bis zu der jeweiligen druckabhngigen Verdampfungstemperatur (Sattdampftemperatur) erhitzt.
Das sich dabei bildende Wasser-Dampf-Gemisch wird in einer Trommel gesammelt, die Dampf vom Wasser scheidet. Der Dampf kann fiir Prozezwecke verwendet und das Wasser in den Kessel zurckgefiihrt werden.
In Heidampfkesseln wird zunchst Sattdampf erzeugt, der anschlieend weiter
aufgeheizt (berhitzt) wird.
Satt- und Heidampfkessel werden vorwiegend fiir die Herstellung von Prozedampf verwendet.
Dampfkessel werden nach der Art des W1irmetrgerumlaufes unterschieden. Die
wichtigsten Bauarten sind:
- Naturumlauf,
- Zwangsumlauf,
- Zwangsdurchlauf.
Naturumlaufkessel
Dieses Prinzip basiert auf dem natrlichen Wasserumlauf (Schwerkraftprinzip)
infolge von Dichteunterschieden von Wasser bei verschiedenen Temperaturen.
Bild 4.69. zeigt den schematischen Aufbau eines Naturumlaufkessels zur Herstellung von berhitztem Dampf.
Zwangumlaufkessel
Bei diesen Kesseln erfolgt die Wasserumwlzung neben der Ausnutzung der
Dichteunterschiede zustzlich durch eine Pumpe. Bild 4.70. zeigt den schematischen Aufbau eines Zwangumlaufkessels.
Das Umlaufwasser luft aus der Trommel (h) zur Umwlzpumpe (i) und wird
den aus mehreren parallel geschalteten Rohren ausgebildeten Verdampfer-Heizflchen (c) zugefiihrt. Auch hier wird der in der Trommel abgeschiedene Dampf
im rauchgasseitig nachfolgenden berhitzer (fund g) berhitzt.
Zwangdurchlaufkessel
In Zwangdurchlaufkesseln wird das Wasser nicht im Kreis gefiihrt (kein Wasserumlaut). Statt dessen tritt die gleiche Menge an Wasser ein, wie an Dampf austritt (Wasserdurchlaut). Bild 4.71. zeigt zwei Bauformen von Kesseln nach dem
Zwangdurchlaufprinzip.

4.2 Thermische Verfahren

241

9
a
b
c
e

Speisewasser
Speisewasservorwrmer
Verdampfer
Strahlungsberhitzer

f
g

Berhrungsberhitzer

Trommel

Dampf

m Luftvorwrmer
n

Brenner

Speisewasser

Speisewasservorwrmer

Verdampfer

Strahlungsberhitzer

f
g

Berhrungsberhitzer

Trommel

Bild 4.69. Naturumlautkessel [4.124]

Dampf
Umwlzpumpe

m Luftvorwrmer
n Brenner
0

Bild 4.70. Zwangumlaufkessel [4.124]

Gegenber dem Bensonkessel hat der Sulzerkessel eine Wasserabscheideflche (k)


zwischen Verdampferteil (c) und berhitzerteil (d,e,f), damit in den berhitzer
nur Dampf eintritt. Zwangdurchlaufkessel haben den Vorteil, da auch berkritischer Dampf hergestellt werden kann. Sie werden allerdings in MVA' s nicht eingesetzt.
In Mllverbrennungsanlagen hat sich das vergleichsweise einfachere Prinzip
des direkt aufgesetzten Naturumlaufkessels mit 3 bis 5 Rauchzgen gut bewhrt.
Daneben sind besonders in jngster Zeit der eigentlichen Feuerung nachgeschaltete Abhitzekessel (ebenfalls im Natururnlaufer) mit gutem Erfolg ausgefilhrt worden. Beide Bauweisen haben ihre spezifischen Vor- und Nachteile:

242

4 Abfallbehandlung und -beseitigung


g

a
b
c
d
e
f
g

k
m
n
0

sulzer-Kessel

Speisewasser
Speisewasservorwarmer
Verdampfer
Restverdampfer bzw. berhitzer
Strahlungsberhitzer
Belilbrungsuberhitzer
Dampf
Wasserabscheider
Luftvorwarmer
Brenner
0

Benson-Kessel

Bild 4.71. Benson- und Sulzerkessel als Beispiele filr Zwangdurchlaufkessel [4.124]

Ein direkt aufgesetzter Kessel hat den Vorteil, da ein groer Teil der Energie aus
dem Feuerraum ber Strahlung an den Kessel abgegeben wird. Damit erfolgt keine
wesentliche Berhrung der Rauchgase mit der Kesselflche. Da die Rauchgase im
Feuerraum jedoch noch Inhomogenitten aufweisen, mu der Kessel im unteren
Bereich keramisch ausgekleidet werden. Bild 4.73. zeigt einen Feuerraum mit
aufgesetztem Kessel.
Die aufgesetzte Bauweise bedarf ferner nur einer geringen Grundflche und begnstigt das Naturumlaufprinzip.
Ein nachgeschalteter Abhitzekesselliegt auerhalb des Bereiches von Rauchgasinhomogenitten und ist damit durch Rauchgasstrhnen nicht korrosionsgefhrdet
Bild 4.74. zeigt einen solchen Kessel. Bei nachgeschalteten Kesseln sollte jedoch
ein erhhter Temperaturabbau durch Luftkhlung von Feuerraumwnden und
Rostbereich erfolgen, um die Gefahr von Anbackungen durch erweichende
Ascheteilchen zu vermeiden.

Erosion und Korrosion im Feuerraum


Unter Erosion im Feuerraum soll ein Materialabtrag an Vordampferrohren o..
aufgrund eines Zusammenpralles mit Flugstaubpartikeln verstanden werden. Der
Begriff Korrosion bezeichnet die Oxidation von Werkstoff durch Sauerstoff, Chlor
u.a. Elemente.
Oft wirken Erosion und Korrosion gemeinsam auf die Werkstoffe im Feuerraum. Damit verringern sich deren Lebensdauer z.T. erheblich. So kann durch
Erosion eine aus Korrosionsprodukten gebildete Schutzschicht abgetragen werden,
wodurch das Werkstck weiter schnell korrodiert usw.
Die wesentlichen Einflugren der Erosion sind die Geschwindigkeit der Flugascheteilchen, der Rohgasstaubgehalt und die Krnung und die Hrte des
Flugstaubes. Im Bereich von Umlenkungen treten verstrkt Erosionen infolge der
Trgheitskrfte der Staubteilchen auf. Erosionsschden zeichnen sich durch glatte
bzw. wellige Abtragungen an Oberflchen aus.

4.2 Thermische Verfahren

243

Bild 4.72. Aufgesetzter Kessel einer MVA [4.127]

Bild 4.73. Nachgeschalteter Abhitzekessel einer MVA (Dackelkessel) [4.127]

Feuerraum, Strahlraum und je nach Kesselbauart auch der berhitzer sind rauchgasseitig besonders korrosionsgefhrdete Zonen. Man unterscheidet zwischen
Hoch- und Tieftemperaturkorrosionen.
Die Hochtemperaturkorrosion luft unter Ausschlu von Feuchtigkeit ab. Sie
kann aufgrund der Ursachen in die Chlorwasserstoff-, Chlorid- und Sulfatkorrosion eingeteilt werden.
Tieftemperaturkorrosion luft unter Anwesenheit von Feuchtigkeit im unteren
Temperaturbereich ab. Dabei ist zwischen Stillstands- und Taupunktkorrosionen
zu unterscheiden. Whrend Taupunktkorrosionen bei Unterschreitung des Suretaupunktes in nachgeschalteten Aggregaten auftreten, wirken Stillstandskorrosionen durch Zusammenwirken von Luftfeuchtigkeit und wasserlslichen
Bestandteilen in den Ablagerungen bei Stillstand der Anlage.

244

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

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Bild 4. 74. Heizwertentwicklung von Restabfall in Abhngigkeit von verschiedenen Erfassungs-

quoten filr Wertstoffe und BioabOOie [4.90]

Abwrmenutzung

Der zuknftige Heizwert von Restabfall aus Haushaltungen wird wahrscheinlich


hher sein, als der heutige. Dies zeigen Untersuchungen, die den Einflu verschiedener Recyclingquoten auf den Heizwert des Restabfalls ermitteln sollten (s. Bild
4.74.).
Durch den deutlichen Rckgang der Restabfallmengen aus Haushalten bis auf
maximal 60 % der anfallenden Abfiille werden sich jedoch die Mengenverhltnisse
bei thermischen Restabfallbehandlungseinrichtungen verndern. Gegenlufig zu
den Restabililien aus Haushalten werden heizwertreiche Sortierreste (mit Heizwerten von 12.000- 15.500 kJ/kg) aus Aufbereitungsanlagen und je nach rtlichen
Gegebenheiten auch andere Gewerbeabililie ansteigen. BILITEWSKI et. AL
[4.176] verweist auf Beispiele, bei denen der Restabfall aus Haushalten nur 60%
der verbrannten Abfiille darstellt.
Daraus wird deutlich, da zuknftig bei Restabfall von einem Heizwert von um
die 10 MJ/kg auszugehen ist.
Bei der Verbrennung fallen ca. 4 000 bis 6 000 m3 Rauchgase pro Mg eingesetzter Abfiille mit Abgastemperaturen um 1 000 oc an, die vor Eintritt in die
Entstauber bzw. Rauchgasreinigung auf weniger als 350 C abzukhlen sind. Die
bei der Abkhlung freigesetzte Wrme kann zur Erzeugung von Heiwasser,
hochgespanntem Dampf fr Fernheizzwecke oder zur Verstromung verwendet
werden.
Geht man von einer mittleren spezifischen Wrme der Rauchgase von etwa 1,34
kJ/(m3 K) aus, entsteht je Mg Abfall bei der Rauchgasabkhlung von 1 000 auf
350 C eine nutzbare Wrme von ca. 3,5 bis 5,0 GJ.
Der Wirkungsgrad bei der Verstromung liegt in Verbrennungsanlagen fr UDsortierten Hausmll bei etwa 23 bis 25 %. Davon mu ca. 1/3 als Eigenbedarf der

4.2 Thermische Verfahren

245

Anlage abgezogen werden, so da ca. 15 % des Energiegehaltes des Abfalles als


elektrischer Strom abgegeben werden knnen. Folgende Richtwerte filr die Energiegewinnung aus der Mllverbrennung lassen sich unter Zugrundelegung mittlerer
Ausgangsdaten filr moderne Mllverbrennungsanlagen nennen:
- unterer Heizwert von Mll (Hu): 9,5 bis 10 MJ/kg,
- Dampferzeugungswirkungsgrad: 65 bis 76%,
- Dampferzeugung pro Mg Mll: 1,9 bis 2,4 Mg,
- Stromerzeugung pro Mg Mll unter Verwendung der Wirkungsgrade filr die
Dampferzeugung und die Verstromung bei Kondensationsbetrieb: 350 bis
400kWh.
Die Nutzung der Verbrennungswrme zur Dampferzeugung wird von den rtlichen
Gegebenheiten entscheidend beeinflut. In greren Anlagen wird berwiegend
relativ hochwertiger Dampf (40 bar, 400 C) zur Stromerzeugung, teilweise mit
Fernheizung kombiniert, erzeugt. In kleineren Anlagen berwiegt die Erzeugung
von Dampfmit geringeren Parametern (15 bis 20 bar, 200 bis 250 C), der direkt
filr Heizzwecke oder im industriellen Bereich als Prozewrme genutzt wird.
Unter energetischen Aspekten ist die gemeinsame Abfall-KlrschlammVerbrennung, die zur Zeit in sechs Groanlagen praktiziert wird, interessant. Diese
Kombination ist insbesondere unter dem Gesichtspunkt einer gesicherten Wrmenutzung sinnvoll, da Konditionierung, Entwsserung und Trocknung des Schlammes einen hohen Energieeinsatz auf niedrigem Niveau erfordern. Diese Randbedingungen knnen von einer MVA optimal erfiillt werden.
Der Klrschlammanfall betrgt etwa 300 bis 450 1/Ea bei 94 bis 99% Wassergehalt; dem stehen 250 bis 350 kg/Ea Hausmll gegenber. Eine Wrmebilanzierung ergibt, da bei einem Mllheizwert von 7 500 bis 10 000 kJ/kg das Zweifache der einwohnerquivalenten Faulschlammenge oder die quivalente Menge an
Frischschlamm mit Mllwrme getrocknet werden knnen. Da in der Regel eine
mechanische Vorentwsserung des Klrschlammes durchgefhrt wird, ist ein
Wrmeberschu vorhanden. Kombinierte Mll-Klrschlamm-Verbrennungsanlagen knnen daher auch Energie filr andere Zwecke, z.B. Eigenbedarf der Anlagen, zur Verfilgung stellen.
[Link]

Rauchgasreinigungsverfahren (RGR-Verfahren)

Rauchgasmenge und -ZUsammensetzung


Bei der Verbrennung entstehen pro Mg Abfall etwa 4 000 bis 6 000 m3 Rauchgase.
Neben den klassischen Verbrennungsprodukten Kohlenmonoxid (CO), Kohlendioxid (C02), Wasserdampf (H20), Schwefeldioxid (S02), Stickoxiden (NOx) und
Unverbranntem sowie anderen Kohlenwasserstoffen, wie polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe, aber auch Dioxine und Furane, treten weitere Schadstoffe auf, die auf die Zusammensetzung des Abfalls zurckzufilhren sind. Dabei handelt es sich insbesondere um Chlorwasserstoff (HCl), Fluorwasserstoff (HF) und
Schwermetalle.
Die Schadstoffe treten als gas'llirmige sowie partikel'llirmige Verunreinigungen
auf. Bei der Reinigung der Rauchgase erfolgt zunchst eine Abscheidung partikel-

246

4 Abfallbehandlung und -beseitlgung

Reingas

JStaubsammelbunlcer
Bild 4. 75. Bestandteile und Funktionsweise eines Zyklons

formiger Stoffe und nachfolgend eine Entfernung gasllirmiger Verunreinigungen.


Modeme Rauchgasreinigungsanlagen sollen die Schadstoffe aus dem Rauchgas
mglichst quantitativ entfernen. Daher sind sie mehrstufig aufgebaut und erfordern
einen erheblichen fmanziellen Aufwand. So mute bei der neuen MVA in Bonn
ca. die Hlfte des Investitionsvolumens filr die Rauchgasreinigung incl. peripherer
Einrichtungen veranschlagt werden [4.91].

Abscheidung partikelfrmiger Substanzen


Die Staubabscheidung, d.h. die Entfernung partikelllirmiger Verunreinigungen, ist
der Rauchgaswsche vorgeschaltet, um diese nicht unntig zu belasten. Die Partikelliegen im Grenbereich 1 [Link] bis 1 mm vor. Fr die Entstaubung knnen im
wesentlichen folgende Verfahren eingesetzt werden:
- Zyklon,
- Gewebefilter,
- Elektrofilter.
Zyklon
Fr die Abscheidung im Zyklon wird die Massentrgheit der abzuschaltenden
Partikel genutzt, indem das zu reinigende Gas tangential in einen rotationssymmetrischen Fliekraftabscheider eintritt, wie in Bild 4.75. zu erkennen ist.
Das Gas fllhrt innerhalb des Zyklons eine Drehbewegung um das Tauchrohr
aus, wodurch sich grobe Feststoffi:eilchen an der zylindrischen Wand absetzen und
ber den Konus nach unten ausgetragen werden, whrend das Reingas nach oben
ausstrmt. Zyklone als alleinige Entstaubungsaggregate bewirken keine ausreichende Entstaubung. Sie werden daher nur gelegentlich zur Vorentstaubung eingesetzt.

Gewebefilter
Das staubbeladene Gas wird durch eine porse Schicht geleitet, die das Gas passieren lt und die Staubteilchen auf der Oberflche zurckhlt. Die Wahl des
Filtermaterials wird durch die Eigenschaften des zu reinigenden Gases wie chemi-

4.2 Thermische Verfahren

Zone

247

'-......,
0
0

--~

o --

--

_o

cc:5~o

-~
-0-(J
/

./

Bild 4. 76. Ionisationsvorgang am Elektrofilter [4.130]

sehe Zusammensetzung, Temperatur sowie Gre der abzuscheidenden Staubteilchen bestimmt. Je nach Anforderungen kommen Fasern aus Naturprodukten,
Kunststoffen, Glas, Mineralien und Metallen zur Anwendung. Die Materialien sind
zu Stoffen gewoben, geknpft oder zu Filzen verarbeitet.
Die Abscheidung der Feststoffe erfolgt vor allem im Filterkuchen und nicht am
Filtermaterial, weshalb vor Inbetriebnahme eines Gewebefilters eine erste Staubschicht aus Kalkstaub auf das Filtermaterial aufgebracht wird (Precoating). Die
Filtergewebe sind als Taschen oder Schluche in einem Gehuse angeordnet, das
in mehrere Kammern unterteilt ist.
Der Staub wird in einem Bunker mit Austragsvorrichtung unterhalb der Schluche gesammelt. Die Abreinigung des Filtermaterials erfolgt periodisch durch Rtteln oder Druckluft. Mit modernen Gewebefiltern lassen sich hervorragende Reingaswerte erzielen, die die gesetzlichen Anforderungen der 17. BlmSchV fr Staubemissionen weit unterschreiten.
Elektrofilter - EGR
Kennzeichen der elektrischen Stauhabscheidung ist die Verschiebung von Staubteilchen zu den Abscheideflchen durch elektrische Krfte in einem Hochspannungsfeld. Dabei werden die im Gas enthaltenen Staubteilchen zunchst aufgeladen, indem sie mit Ionen oder Elektronen zusammengebracht werden.
Bild 4.76. zeigt schematisch die Wirkungsweise des Abscheidevorgangs:
Zone a: Beschleunigungszone der freien Elektronen, die von der Sprhelektrode
freigesetzt werden.
Zone b: Stoionisation elektrisch neutraler Gasmolekle, aus deren Atomschalen
weitere Elektronen freigesetzt werden (Koronaentladung).
Zone c: Anlagerung von Elektronen an neutrale Gasmolekle, wodurch diese
negativ geladen werden.
Zone d: Anhaften der negativ geladenen Gasmolekle an die Partikel, welche
dadurch zur Niederschlagselektrode hin beschleunigt werden.
Das Filtergehuse besteht aus einem gasdicht verschweiten Stahlblechgehuse,
welches ber Ein- und Ausstrmbergnge an die Gasleitung angeschlossen ist.
Unterhalb des Gehuses befindet sich der Staubbunker, der zum besseren Staub-

248

4 Abfallbehandlung und -beseitlgung

austrag eine Neigung von mindestens 50 zur Horizontalen aufweist. Innen weist
der Filter eine oder mehrere Gassen auf, in denen die Niederschlags-Elektroden,
die Sprhelektroden mit deren Aufhngevorrichtungen und der Abreinigungsmechanismus filr beide plaziert sind [4.121].
Mit E-Filtern lassen sich gute Reingaswerte erreichen, die die Anforderungen
der 17. BlmSchV erfiillen. Allerdings stehen E-Filter im Verdacht, die Dioxinneubildung in einem Temperaturfenster von 200 bis 400 C katalytisch zu untersttzen. Untersuchungen haben 2- bis 4fach erhhte Dioxinwerte nach dem E-Filter
sowohl im Rauchgas als auch im abgeschiedenen Staub gefunden [4.57]. Daher
wird bei Neuanlagen in der Regel der Einsatz von Gewebefiltern bevorzugt.

Physikalische und chemische Grundlagen bei der Entfernung gasfrmiger Verunreinigungen


Allen Verfahren zur Abscheidung gasfrmiger Verunreinigungen ist gemein, da
sie auf der Absorption bzw. der Adsorption beruhen.
Absorption
Unter Absorption oder Gaswsche wird das Lsen von gasfrmigen Bestandteilen
in geeigneten Flssigkeiten (Lsungsmitteln) oder Feststoffen verstanden. Dazu
wird das Gas innig mit dem Lsungsmittel bzw. dem Feststoff vermischt. Die zu
absorbierenden Bestandteile knnen sowohl durch physikalische als auch durch
chemische Absorption gelst werden. Die physikalische Absorption wird durch die
Parameter Lslichkeit des Gases, Druck und Temperatur beeinflut, whrend die
chemische Absorption von der Konzentration des Reaktanten abhngt.
Die Wirtschaftlichkeit eines Absorptionsverfahrens hngt mageblich von der
Regenerierbarkeit des Waschmittels ab (Desorption). Im gnstigsten Fall entflillt
dieser aufwendige Schritt, da Waschmittel und gelster Stoff das gewnschte Produkt darstellen. Dies kann auch bei der Rauchgaswsche mglich sein.
Adsorption
Bei der Adsorption werden Komponenten von Gasen oder Flssigkeiten an oberflchenaktiven Stoffen wie Aktivkohle und Kalk angelagert und dadurch selektiv
entfernt. Die adsorbierte Stoffmenge hngt hauptschlich von der spezifischen
Oberflche und von der Oberflchenstruktur des Adsorbers ab. Niedrige Temperaturen und hoher Druck begnstigen den Vorgang, whrend durch hohe Temperaturen und einem geringen Druck eine Desorption bewirkt wird.

Entfernung saurer Schadgase


Bei dem Verfahren zur Entfernung von sauren Schadgasen unterscheidet man
zwischen nassen, quasi-trockenen und trockenen Verfahren.
Nasse Verfahren
Das Verfahren basiert auf der Absorption der sauren Schadgase in der wrigen
Phase. Bild 4.77. zeigt schematisch den Vorgang der nassen Rauchgasreinigung.
Bei modernen Rauchgasreinigungsanlagen schliet sich an die Entstaubung eine
2stufige saure Rauchgaswsche mit Wasser bei pR-Werten < 1 an. Die saure
Waschstufe dient in erster Linie der Abkhlung der Rauchgase sowie der Abschei-

4.2 Thermische Verfahren

249

Absorptionsmittel
(wrig)

Rauchgas mit
Schadgas

Absorber

1====- Rauchgas

beladenes
Absorptionsmittel
Bild 4. 77. Schema der nassen Rauchgasreinigung

dung von HCl und HF sowie der leicht flchtigen Schwermetalle. S02 soll mglichst nicht abgeschieden werden.
Das erhaltene Waschwasser kann durch Rektifikation in drei Fraktionen aufgeteilt werden: eine verwertbare ca. 30%ige HCl, einen schwermetallhaltigen Teilstrom, der einzudampfen und zu entsorgen ist, sowie in Waschwasser, das wieder
dem Wscher zugefilhrt wird. HCl kann ggf. mit Natronlauge neutralisiert werden,
falls das dabei gebildete NaCl einfacher verwertet werden kann als Salzsure.
An den sauren Wscher schliet sich ein alkalischer Wscher an, der das S02
entfernt. In diesen kann Gips hergestellt werden.
Beide Produkte (die Salzsure und der Gips) sind, wie Untersuchungen in bestehenden Rauchgasreinigungsanlagen gezeigt haben, prinzipiell verwertbar. So
sind die Schwermetallgehalte in der gewonnenen Salzsure geringer als in handelsblicher Ware.
Die zweigeteilte, nasse Rauchgaswsche weist folgende Vorteile auf:
I. stchiometrischer, d.h. niedriger Chemikalienverbrauch bei der SOrEntfernung,
2. hohe Rauchgasreinigungsleistung,
3. es entstehen drei Stoffstrme, von denen die greren beiden (Salzsure und
Gips) stofflich verwertbar sind.
Alternativ zur HCI- bzw. NaCl- und Gipsausschleusung knnen die Waschwsser
der sauren und alkalischen Wsche nach dem Gewebefilter zur Stauhabscheidung
ber einen Sprhtrockner in das ca. 200 C heie Rauchgas eingedst werden.
Dabei werden das Rauchgas abgekhlt und das Wasser vollstndig eingedampft.
Die entstehenden festen Reststoffe (schwermetallhaltige Salze) werden in einem
weiteren Gewebefilter vor der nassen Wsche abgeschieden (s. Bild 4.77.). Der
Vorteil dieser Variante ist der geringere apparative Aufwand, um eine abwasserlose Rauchgasreinigung zu betreiben.
Entscheidender Nachteil ist allerdings, da die erhaltenen Salze schwermetallhaltige Mischsalze darstellen, die nicht verwertet werden knnen, sondern untertgig zu deponieren sind.
Fr die nassen Verfahren kommen Venturiwscher, EDV-Wscher (Elektrodynamisches Venturirohr), Waschtrme, Bodenkolonnen und Radialstromwscher

250

4 Abfallbehandlung und -beseitlgung

wje Variante I

Besonderheit der
Variante

Bild 4.78. Sprhtrockner zum Eindampfen der Waschwasser

zum Einsatz [4.121, 4.128]. Nasse Verfahren erreichen die besten Reingaswerte.
Mit ihnen ist eine quantitative Entfernung der sauren Schadgase mglich. Die
Grenzwerte der 17. BlmSchV ftlr saure Schadgase knnen mit ihnen gesichert
unterschritten werden.

Quasi-Trockene Verfahren
Bei diesem Verfahren handelt es sich um eine Sprhabsorption, bei der eine Lsung oder Suspension als Neutralisationsmittel im heien Rauchgasstrom zerstubt
wird und die kristallinen Festprodukte in einem nachgeschalteten Feststoffabscheider abgetrennt werden.
Menge und Konzentration des Absorbermediums werden dabei so dosiert, da
die im Rauchgas enthaltene Wrme zur Verdampfung des Wassers ausreicht, ohne
da ein Taupunkt unterschritten wird. Die entstehenden Neutralsalze fallen trocken
an. Das Neutralisationsmittel ist in fast allen Fllen eine Ca(OH)rSuspension, die
mit den Komponenten HF, HCl, S02 und S03 reagiert.
Die Absorption verluft hauptschlich in der flssigen Phase. Daher steigt die
Abscheideleistung mit Absenkung der Temperatur. Im Unterschied zu den sauer
bis schwach alkalisch betriebenen Wschern tritt bei der Sprh- und Trockensorption zustzlich Kohlendioxid als unerwnschter Reagenzverbraucher auf.
Bei allen quasi-trockenen Verfahren wird das Neutralisationsmittel mit einem
1,5- bis 4fachen berschu gefahren. Fr die quasi-trockenen Verfahren werden
im wesentlichen SprhtUrme verwendet. [4.121]
Mit quasi-trockenen Verfahren knnen nicht so niedrige Reingaswerte wie mit
nassen Verfahren erreicht werden. Daher kommen sie bei modernen Anlagen nur
bedingt bei der Eindampfung von beladenen Waschlsungen zum Einsatz (s. Bild
4.78.).

Trockene Verfahren
Bei den trockenen Verfahren handelt es sich ebenfalls um ein Absorptionsverfahren. Dabei werden fein kristalline, alkalische Komponenten in den heien
Rauchgasstrom geblasen und die entstehenden Reaktionsprodukte in einem nachgeschalteten Feststoffabscheider aus dem Rauchgasstrom entfernt.

4.2 Thermische Verfahren

251

Die gleichmige Verteilung des Reaktanten im Rauchgas ist fr eine wirksame


Abscheidung unerllich. Es wird ausschlielich Ca(OH)rPulver eingesetzt, da
das Hydrat gegenber dem Oxid eine um das 15- bis 30fach vergrerte spezifische Oberflche aufweist.
Zur Entstaubung werden Elektro- und Gewebefilter eingesetzt, wobei durch den
Einsatz eines E-Filters der Chemikalienbedarf durch Rckfilhrung gesenkt werden
kann. Der abgeschiedene Reststoff wird bis zu zehnmal im Kreis gefahren, wodurch eine optimale Beladung sichergestellt wird. Zur einfacheren Rckfilhrung
des Absorbers kann ein Zyklon verwendet werden.

Fr die trockenen Verfahren werden im wesentlichen Trockensorptionsreaktoren eingesetzt. Mit trockenen Verfahren zur Rauchgasreinigung knnen die
Anforderungen der 17. BlmSchV nicht erfiillt werden. Sie werden daher in modernen Anlagen nicht mehr eingesetzt.

Entstickung
Bei der Verbrennung von Abfall mit Luft entstehen bei hheren Temperaturen
Stickoxide. Durch die Anforderungen der 17. BlmSchV mssen Stickoxidemissionen auf200 mg/m3 (im Tagesmittel) beschrnkt werden.
Bei der Entstickung unterscheidet man zwischen primren und sekundren Entstickungsmanahmen.
Primre Entstickung
Primre Entstickungsverfahren verhindem bereits im Feuerungsraum die Bildung
von Stickoxiden. Bild 4.79. zeigt exemplarisch die mglichen Manahmen. Die
Luftzahlen in diesem Bild beziehen sich aufeine Verbrennung von Gas.
Bei der Luftstufung fmdet die Verbrennung in zwei oder mehreren Stufen "gestuft" statt. Dabei wird in der ersten Stufe mit Luftunterschu unvollstndig verbrannt. Erst in einer zweiten bzw. dritten Stufe kommt es durch Zugabe weiterer
Verbrennungsluft zu einem vollstndigen Ausbrand.
Eine gestufte Verbrennung fmdet in allen MVA 's statt. Hier ist allerdings das
hauptschliche Ziel der Zugabe von Sekundr- und ggf. Tertierluft der vollstndige
Ausbrand der Rauchgase.
Bei der Rauchgasrckfhrung werden entstaubte und meist abgekhlte Rauchgase in den Verbrennungsraum zurckgefilhrt. Damit kann der Stickoxidgehalt im
Rauchgas um bis zu 20 % reduziert werden.
Diese relativ einfache Form der Stickoxidminderung wird bereits in zahlreichen
MV A 's angewendet. Hauptziele sind dabei allerdings eine Minderung des Rauchgasvolumenstromes sowie eine Vergleichmigung der Rauchgastemperaturen. Es
lassen sich so NOxWerte von 300- 350 mg/m3 erreichen.
Die Brennstoffitufung findet hauptschlich bei der Verbrennung von Gasen
Anwendung. Sie ist daher bei MVA 's nicht anzutreffen.
Mit primren Manahmen allein knnen die Grenzwerte der 17. BlmSchV nicht
eingehalten werden. Untersttzend mssen sekundre Verfahren eingesetzt werden.

252

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

t
:~.~

Rauchgas

A.

1,1

I.

A.

<<

~1,05

Luftstufung

~1.05

A. > 1

Rauchgasrckfhrung

Brennstoffstufung
(fr ~A's nicht geeignet)

Bild 4. 79. Primre Entsticktmgsmanahmen

Sekundre Entstickung
Bei der sekundren Entstickung sollen bereits gebildete Stickoxide durch Reduktion zerstrt werden. Dabei kann zwischen katalytischen und nichtkatalytischen
Verfahren unterschieden werden.
Mit nichtkatalytischen Verfahren (SNCR, ~elective Non ~atalytic Reduktion)
zur Entstickung knnen Minderungsraten von 70 % erreicht werden. Bei diesem
Verfahren werden Ammoniak, Harnstoff, Glle o.. als Reduktionsmittel verwendet, das in den Brennraum eingedst wird. Die anwesenden Stickoxide werden bei
Temperaturen von ca. 1 000 C durch das Reduktionsmittel in Sauerstoff und
Stickstoff zerlegt.
Bei der katalytischen Entstickung (SCR, ~elective ~atalytic Reduktion) werden
die hchsten Entstickungsraten (bis 85 %) erreicht. Dabei werden die schon weitgehend von Staub und sauren Schadgasen befreiten Rauchgase ber einen Katalysator geleitet, in den Harnstoff oder Ammoniak gegeben wird. Stickoxidkatalysatoren werden bei Temperaturen von 150 bis 400 oc betrieben. Dabei gilt:
je hher die Betriebstemperaturen, je geringer ist die bentigte Katalysatorflche.

Dioxine und Furane


Unter den Begriffen Dioxine und Furane sind eine ganze Stoffklasse subsurnmiert.
Um nicht fr jedes einzelne Dioxin Grenzwerte festlegen zu mssen, wurden den
verschiedenen Dioxinen und Furanen unterschiedliche Gefhrdungspotentiale
zugeordnet. Als relativer Grundmastab dient dabei die Toxizitt des 2,3,7,8
TCDD ("Seveso Gift"), dessen Giftigkeit einem Toxizittsquivalent (TE) entspricht.
In Tabelle 4.18. sind die quivalente der wichtigsten Dioxine und Furane gem 17. BimSchV aufgefhrt.
Im Restabfall sind bereits erhebliche Dioxin/Furan-Konzentrationen vorhanden.
Es kann von durchschnittlich 50 1-1g TE pro Mg Restabfall ausgegangen werden

4.2 Thermische Verfahren

253

[4.66, 4.67]. Zur gesicherten Zerstrung dieser Eingangsfracht mssen die in der
17. BlmSchV festgelegten Mindesttemperaturen und Mindestverweilzeiten eingehalten werden.
Tabelle 4.18. quivalente der wichtigsten Dioxine und Furane [4.194]
2,3,7,8
1,2,3,7,8
1,2,3,4, 7,8
1,2,3,7,8,9
2,3,7,8
2,3,4,7,8
1,2,3,7,8
1,2,3,4,7,8

Tetrachlordibenzodioxin (TCDD)
Pentachlordibenzodioxin (PeCDD)
Hexachlordibenzodioxin (HxCDD)
Hexachlordibenzodioxin (HxCDD)
Tetrachlordibenzofuran (TCDF)
Pentachlordibenzofuran (PeCDF)
Pentachlordibenzofuran (PeCDF)
Hexachlordibenzofuran (HxCDF)

quivalenzfaktor
1,0
0,5
0,1
0,1
0,1
0,5
0,05
0,1

Allerdings ist mit einer vollstndigen Verbrennung die Dioxinproblematik in keinem Fall gelst.
Es mu aufgrunddes sogenanntenDe Novo-Effekts bei langsamer Rauchgasabkhlung eine erhebliche Neubildung von Dioxinen und Furanen beobachtet werden.
Die Neubildung von Dioxinen wird durch hohe Staubgehalte, die Anwesenheit
von Metall- und Alkalichloriden sowie hohe Konzentrationen von CO und Unverbranntem begnstigt. Als weiterer Katalysator zur Dioxinneubildung mssen EFilter im Temperaturbereich von 200 bis 400 C rechnen.
Zur Verminderung der Dioxinemissionen knnen zunchst die Randbedingungen der Rauchgasabkhlung so beeinflut werden, da eine Neubildung erschwert
wird (primre Minderungsmanahmen). Zu den primren Minderungsmanahmen
zhlen die Reduzierung von CO und Unverbranntem durch verbesserten Ausbrand
der Rauchgase, eine Minderung der Rohgasstaubgehalte durch geschickte Verbrennungsfiihrung sowie der Verzicht auf eine E-Filterentstaubung.
Mit Hilfe der primren Manahmen allein kann der Grenzwert der 17.
BlmSchV nicht erreicht werden. Auch hier sind, hnlich wie bei der Entstickung,
zustzlich sekundre Manahmen erforderlich. Zur Entfernung der gebildeten
Dioxine aus dem Rauchgas sind grundstzlich zwei Verfahren mglich:
1. ein Dioxinkatalysator,
2. eine Abscheidung auf Aktivkohle/Aktivkoks.
Mit beiden Varianten gelingt eine gesicherte Einhaltung des Grenzwertes von 0,1
ng TE/m3 Rauchgas.
Mit der katalytischen Dioxinzerstrung, die am Ende der Rauchgasreinigung
betrieben wird, istjedoch keine Schwermetallabscheidung verbunden. Wegen der
z.Z. noch im Restabfall relativ hohen Gehalte an leichtflchtigem Quecksilber u..
sind Dioxinkatalysatoren fr Restabfallverbrennungsanlagen nicht geeignet. Daher
fmdet in den MVA's eine Dioxinabscheidung mit Aktivkohle/Koks statt. Hierzu

254

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

werden Flugstromreaktoren, Festbette und zirkulierende Wirbelschichten verwendet. An die Aktivkohle/Koks lagern sich dabei auch Schwermetalle an.
Die Dioxinentfernung findet meist nach der sauren Wsche und in Einzeltallen
auch nach der katalytischen Entstickung statt. Daneben wurden ebenfalls Verfahren realisiert, bei dem ein Flugstromreaktor vor der sauren Wsche installiert wurde [4.68]. Vorteil dieser Variante ist der verminderte Schwermetalleintrag in die
saure Wsche.
Erfahrungen an umgersteten bzw. neugebauten MVA 's haben gezeigt, da alle
zuvor genannten Varianten der Dioxinabscheidung dazu in der Lage sind, den
Grenzwert
der
17. BlmSchV um 80 bis 95 % zu unterbieten.
Damit ist die moderne Mllverbrennung im Gegensatz zu den nicht umgersteten Altanlagen keine Dioxinquelle, sondern eine Dioxinsenke. Dies zeigt Tabelle
4.19 ., in der die verschiedenen Dioxinemissionspfade aufgefhrt sind. Es ist zu
erkennen, da die geringsten Emissionen ber den Rauchgaspfad verlaufen. Werden die Schlacken und Aschen verglast, reduzieren die MVA 's die Inputfracht um
mindestens den Faktor 50.
Mit Hilfe einer modernen Rauchgasreinigung gelingt es ohne grere Probleme,
die in der 17. BlmSchV formulierten Grenzwerte weit zu unterschreiten.
Tabelle 4.19. Dioxinbilanz einer MVA mit einem Durchsatz von 200 000 Mg/a [4.66]
Beispiel 200 000 Mg/a-Anlage
Dioxingehalt (TE) unverbrannter Hausmll [g/a]
Dioxingehalt Abluft (gern. 17. BhnSchV) [g/a]
Dioxingehalt E-Filterstaub [g/a]
Dioxingehalt Schlacke [g/a]
I)
Dioxinemission mit Schlacken- und Filterstaubverglasung [g/a]
2)
Dioxinemission ohne Schlacken- und Filterstaubverglasung [g/a]
Verhltnis der Dioxinemissionsgesamtbilanz mit und ohne Verglasung (I zu 2)

IO
< 0, 1
0,078
4,8
< O,I
4,8I
ca. I :50

Das Bild 4.80. zeigt beispielhaft den Aufbau einer modernen Rauchgasreinigungsanlage.
In Tabelle 4.20. sind vergleichsweise die Mewerte der bereits umgersteten
MVA Zirndorfaufgefhrt [4.70].
Behandlung der Schlacken, Aschen und Rckstnde aus der Rauchgasreinigung
Bei der Mllverbrennung fallen verschiedene feste und flssige Reststoffe an. Die
Mengen und Zusammensetzungen der Verbrennungsprodukte hngen von der
Zusammensetzung des Brennstoffes und der Feuerflihrung ab.

Verbrennungsschlacke

Schlacke flillt bei der Verbrennung an. Sie besteht im wesentlichen aus Unhrennbarem wie wasserunlslichen Silikaten, Aluminium- und Eisenoxiden.

4.2 Thermische Verfahren

glasartige
Schlacke

<:i=--

255

externe
Verglasung

HCL
(Verwertung)

Waschwasser

<'L

Schwermetallsalze
(SAD, unter Tage)

Gips

Waschwasser,
Kalk

Verbrennung

Adsorptionsmittel

Kamin

Bild 4.80. Rauchgasreinigung der 1999 gebauten MV A Bblingen


Tabelle 4.20. Mewerte der umgersteten MVA Zirndorf [4. 70]
Schadstoff

Grenzwert
17. BlmSchV
Tagesmittel

Erreichbare
Reingaswerte

Meergebnisse
MVAZimdorf
Mittelwert

Staub
HCI

10 mg/m3

<0,3 mg/m3
< 1 mg/m3

1 mg/m3

max. 2 mg/m3
max. 2mg/m3
max. 1 mg/m3

so2

50mg/m3

max. 10 mg/m3

< 1 mg/m3

NOx

200mg/m3

max. 100 mg/m3

n.b.

CO

50 mg/m

max. 15 mg/m3

11,2 mg/m3

organischer C

10 mg/m

max. 5 mg/m

<2mg/m3

LCdTh

0,05 mg/m3

< 0,002 mg/m3

< 0,001 mg/m3

Hg

0,05 mg/m3

<0,02mg/m3

< 0,01 mg/m3

Dioxine/Furane

0,1 mg/m3

0,01 ng TE/m3

0,0059 ng TE/m3

HF

10 mg/m3

0,9mg/m3

256

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

In den 48 bundesdeutschen Hausmllverbrennungsanlagen fielen etwa 3 bis 3,5


Mio. Mg Rohschlacke an [4.71]. Davon werden ca. 1/3 verwertet.
Die Rohschlacken enthalten etwa [4.72]
3 bis 5 % Unverbranntes,
7 bis 10% Fe- und NE-Metalle,
5 bis 7 % Grobkom,
- 80 bis 83 % Feinkorn .
Bezglich der Verwertung sind die Anforderungen fiir die Aufbereitung, Prfung,
Einsatzmglichkeiten und berwachung in Merkblttern [4.75] und Vorschriften
einzelner Bundeslnder, Regierungsprsidien und Baumter festgelegt. Als Einsatzgebiete der aufbereiteten Schlacken kommen in Betracht: Schttmaterial fiir
Dmme und Lrmschutzwlle, Untergrundverbesserung, Tragschichten unter landund forstwirtschaftliehen Wegen sowie Trag-Deckschichten von Parkpltzen und
Baustraen, Frostschutzschichten im Straenbau etc. [4.156].
Zustzlich zu den bautechnischen Anforderungen hinsichtlich Komverteilung,
Dichte, Frostempfindlichkeit etc. gelten bei allen Vorschriften zur Schlackeverwertung die Anforderungen hinsichtlich maximaler Anteile brennbarer und eluierbarer Bestandteile, maximalem Wassergehalt der Schlacke sowie einem Vermischungsverbot von Schlacken mit Flugstuben. In Wasserschutz- und Wassergewinnungsgebieten sollen Schlacken grundstzlich nicht eingesetzt werden.
In den letzten Jahren wurden verstrkt Zweifel an der Umweltvertrglichkeit der
Schlackeverwertung angemeldet. Dies bezieht sich vor allem auf die Eluierbarkeit
der Schwermetalle aus den Schlacken.
Daher wurden verschiedene Verfahren entwickelt, um das Eluationsverhalten
der Schlacken zu verbessern. Die wichtigsten Verfahren werden im folgenden
vorgestellt.
Schlackealterung
In zahlreichen Versuchsreihen konnte ermittelt werden, da die Schlackealterung,
d.h. 1- bis 6monatige Lagerung der Schlacke unter freiem Himmel, das Eluationsverhalten stark verbessert. Dieser Effekt kann durch Hydratationsvorgnge am
Schlackekorn erklrt werden, weshalb das Material ausreichend feucht gehalten
werden sollte.
Dieser Effekt kann verbessert werden, wenn die Befeuchtung der Schlacke nicht
mit neutralem Wasser, sondern mit Kalkmilch erfolgt [4.76].
Abtrennung von Feinmaterial
Durch Absiebung des Feinkomanteiles (z.B. 0 bis 2 mm) verbessert sich das Eluationsverhalten der Schlacken fiir Schwermetalle nicht. Lediglich bei lslichen
Salzen war ein positiver Effekt zu verzeichnen.
Verglasung
Eine Verglasung der Schlacken ist besonders aus zwei Grnden vorteilhaft:
I. Die Schwermetalle werden in die Glasmatrix eingebunden und sind somit nicht
mehr umweltverfiigbar.
2. Die Restorganik wird durch die hohen Temperaturen weitgehend zerstrt (vgl.
Tabelle 4.20.).

4.2 Thermische Verfahren

257

Eine Verglasung von Schlacken (und Stuben) kann in die Verbrennung integriert
werden (s. Kap. [Link].) oder in einem externen Aggregat erfolgen.
Die wichtigsten Verfahren zur externen Verglasung sind das Fos-MeltVerfahren der Fa. Steinmller [4.77], das Red-Mett-Verfahren der TU Berlin, bei
dem die Schwermetalle schmelzflssig abgetrennt werden und nicht in der Sch1akke verbleiben [4.78], sowie das Plasma-Schmelz-Verfahren der Fa. Krupp Koppers [4.81].
Alle vorgenannten Verfahren befmden sich z.Z. noch im Technikumsmastab.
Verstrkte Anforderungen an den Inertisierungsgrad von Schlacken und Stuben
lassen allerdings fr die nchste Zukunft erwarten, da es zu grotechnischen
Umsetzungen kommen wird. In diesem Zusammenhang sei auf das geplante Restabfallheizwerk in Bblingen verwiesen, das 1996 seinen Betrieb aufnehmen soll.
Hier soll zur externen Schlacke- und Staubverglasung entweder das Red-MettVerfahren oder das Fos-Melt-Verfahren zum Einsatz kommen.

Filterstube
Filterstube enthalten gegenber Schlacke erhhte Gehalte an Organika (auch
Dioxine/Furane), Schwermetallen, Chloriden und Sulfaten. Filterstube werden in
der Regel nicht verwertet, sondern mssen deponiert werden. Das Ablagerungsverhalten von Filterstuben aus Mllverbrennungsanlagen soll mit unterschiedlichen Verfahren [4.136] verbessert werden:
Durch Verfestigung mit Zement sollen die Schadstoffe chemisch und physikalisch so in die Zementmatrix eingebunden werden, da die Eluationen deutlich
reduziert werden. Der Chloridgehalt der Stube von 6 bis 8 % wirkt sich jedoch
nachteilig auf die Verfestigung aus, so da sich durch ein vorheriges Auswaschen
der Chloride der Bindemittelverbrauch fr die Verfestigung auf ein Viertel (12,5
% Trockengewichtsanteile) reduzieren lt. Die Wsche kann alkalisch bei pH 9
bis 11 oder sauer mit Wasser aus der Rauchgaswsche geringer als pH 4 durchgefhrt werden [4.164].
Im "3-R-Verfahren" werden die Filterstube von Schwermetallen und wasserunlslichen Salzen befreit, indem das saure Waschwasser aus der Rauchgasreinigung zur Auslaugung der Filterstube genutzt wird. Die sauer gewaschenen Flugstube knnen dann entweder neutralisiert, entwssert und verfestigt werden oder
zur Zerstrung der organischen Schadstoffe in die Feuerung der Mllverbrennungsanlage zurckgefhrt werden. Aus dem Eluat knnen die Schwermetalle
durch Fllung leicht abgeschieden werden [4.152, 4.153].
Auerdem knnen organische Schadstoffe, insbesondere Dioxine, Furane und
andere halogenierte Kohlenwasserstoffe, durch thermische Behandlung bei relativ
niedrigen Temperaturen (Niedertemperaturverfahren) unter Sauerstoffmangel
zerstrt werden (Hagenmaiertrommel). Hiermit kann eine bis zu 97%ige Abnahme
der PCDD/PCDF genutzt werden [4.139, 4.140, 4.166]. Eine Hagenmaiertrommel
kommt z.B. zur Behandlung der Flugstube der MVA Bonn zum Einsatz.
Andere Verfahren verfestigen Filterstube mit Neutralisationsschlmmen aus
der Rauchgaswsche [4.16 7] oder aufbereiteten Schlacken mit salzhaltigen Rckstnden aus Quasitrocken-Verfahren und Zement [4.168]. Aussichtsreichstes Verfahren der Filterstaubbehandlung scheint allerdings die Verglasung zu sein. Wie
bereits bei den Schlackebehandlungsverfahren erwhnt, knnen verbrennungsin-

258

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

teme oder -externe Verglasungsverfahren angewendet werden. Damit lassen sich


die Schwermetalle in die Glasmatrix einbinden bzw. schmelzflssig abscheiden
sowie die Restorganik (besonders Dioxine) gesichert zerstren. In diesem Zusammenhang wird auf Tabelle 4.18. verwiesen, aus der hervorgeht, da eine Verglasung eine Dioxinreduktion um den Faktor l 000 bewirkt.

Flssige Rckstnde
Modeme Mllverbrennungsanlagen arbeiten weitgehend abwasserfrei. Anfallende
Waschwasser aus der Rauchgasreinigung werden eingedampft. Teilweise wird
auch eine Verwertung der Rauchgasreinigungsrckstnde angestrebt. So kann die
mit Wasser aus dem Rauchgas entfernte Chloridfracht durch Rektifikation in verwertbare Salzsure berfUhrt werden. Die SOrFracht des Rauchgases wiederum
kann in verwertbaren Gips berfUhrt werden, der zu entwssern ist. Das bei der
Aufarbeitung abgetrennte Wasser kann wieder in den Wschern eingesetzt werden.
Alternativ knnen die Rauchgasreinigungswsser ber einen Sprhtrockner in
den heien Rauchgasstrom eingedst werden. Dabei wird das Rauchgas abgekhlt,
und das Wasser wird verdampft. Die festen Kristallisationsprodukte werden in
einen Gewebefilter abgeschieden und mssen entsorgt werden. Diese Variante
einer abwasserlosen Rauchgasreinigung wurde z.B. bei der MVA Bonn realisiert.
Reaktionsprodukte aus Trocken- und Sprhabsorbern
Eine Verwertung der Reaktionsprodukte aus SprhtrockDem ist nicht mglich.
Die Reaktionsprodukte werden z.B. in Bayern zusammen mit den brigen VerbrennungsrUckstnden abgelagert. Bei der gemeinsamen Ablagerung mit Schlacke
wird die Zielsetzung der pH-Wert-Absenkung auf pH 9 bis 10 verfolgt, um eine
Auslaugung von Schwermetallen (insbesondere Blei) mglichst zu verhindern. Bei
einem Verhltnis von gleichen Teilen Schlacke und Reaktionsprodukten auf der
Deponie Hopferstadt bei Wrzburg wurde das anfallende Sickerwasser untersucht
und festgestellt, da lediglich hhere Chloridgehalte bei einem Eluatwert von pH 7
auftreten. Versuche in Bayern zur Verfestigung von Reaktionsprodukten mit
Schlacke unter Zusatz von Zement lieferten wasserundurchlssige Massen. Weitere Versuche an einer als Monolith aufgebauten Versuchsdeponie mit einer Masse
von 500 Mg Schlacke, Flugstaub, Reaktionsprodukten und Zement zeigten nach
einjhrigem Versuchsbetrieb sehr gute Ergebnisse hinsichtlich der Wasserundurchlssigkeit des Monolithen [4.136].
Salze und Sure aus der abwasserlosen Abgasreinigung
Je nach angewendeter Reinigungstechnik und angewendetem Neutralisationsmittel
entstehen vor allem die Salze NaCl, Na2S04, CaCh und CaS04 in unterschiedlichen Mischungsverhltnissen.
Bild 4.81. zeigt die Rckstandsmengen, wie sie in Anlagen mit unterschiedlichen Abgasreinigungsverfahren anfallen.
Die am Markt mit den Salzen aus der Nawsche konkurrierenden Rohstoffe
werden derzeit aus natrlichen Vorkommen abgebaut (Gips, Kochsalz) oder hergestellt (Glaubersalz). Ungnstiger sieht es bei der Vermarktung von CaC12 aus, da
dieses bereits als Nebenprodukt in groen Mengen bei der Sodaherstellung anfllt

4.2 Thermische Verfahren

259

24 Anlagen m~
nasser Abgasreinigung
186 300 Mg/a
Abwassermengeanteil
1 ,64 Mio. m'/a

8 Anlagen mit
trockener

14 Anlagen m~
quasi-trockener
Abgasreini gung
160 600 Mg/a

Bild 4.81. RUckstandsmengen aus der Abgasreinigung von HausmUllverbrennungsanlagen (trokken) [4.133]

und nur zu ca. 25 % absetzbar ist. Daher scheidet eine Verwertung des zustzlich
anfallenden CaC12 aus der Rauchgasreinigung aus.
Neben den Salzen bestehen auch fiir technische Suren (Salzsure, Schwefelsure) Marktchancen. Soweit die Qualittsanforderungen erfilllt werden, lassen
sich diese Suren in greren Mengen industriell verwerten [4.133].
Eisenschrott
Pro Mg Rohschlacke sind 120 bis 150 kg Eisenschrott durch Magnetscheidung
abtrennbar. Insgesamt fallen aus 42 Anlagen also ca. 0,35 Mio. Mg!a separierter
Eisenschrott an, der prinzipiell verwertbar ist.
Zu erzielende Erlse und Aufbereitungsgrad bedingen sich wechselseitig. Voraussetzung fiir den Einsatz von MV A-Schrott im Stahlwerk ist ein mglichst hoher
Reinheitsgrad des Schrottes.
Da MV A-Schrott oft erhebliche Anteile an Schlacke aufweist, ist eine Nachreinigung der Fe-Fraktion erforderlich. Durch Siebung (Abtrennen loser bzw. anhaftender Verunreinigungen) sowie durch mechanische Bearbeitung in speziell ausgelegten Shredderanlagen sind Erlse wie fiir Shredderschrott aus der Altautoaufbereitung zu erzielen. Vor einer Entscheidung ber das Feinaufbereitungsverfahren
sind umfassende Kosten/Erls-Rechnungen durchzufUhren [4.121].

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

260

Rauchgasbehandlung

Feuerung und Kessel

und Schornstein

Lagerung

p
I
2
3
4
5
6

Kransteuerungsautomatik
Waagenautomatisierung
Leistungsbrenner Regelung
Luftpressungsregelung
Feuerleistungsregelung
HD-Dampftemperatur

7
8
9
10
11
12

verwertung

Speise;;;;;;:;;gelung
Wrmenutzung, Turbine
Generator Regelung
Elektrofilter Regelung
Rauchgaswsche Regelung
Feuerraumunterdruck Regelung

---Dampf
- - - Speisewasser

~~~

Betriebsmitteillsungen
Schmutzwasser/lauge
Rauchgas
Luft

---t

- - - Schlacke, Asche, sonstige Stoffe

Bild 4.82. Regelkreise und ihre Lage im Gesamtsystem [4.121]

[Link]

Steuerung und Regelung

Verbrennung und Dampferzeugung stellen die eng aneinander gekoppelten Hauptprozesse der Mllverbrennung dar. Fr die Verbrennung wird eine mglichst konstante Feuerleistung bzw. Energiefreisetzung als Voraussetzung fr eine gleichmige Dampfproduktion gefordert.
Ein berwachungssystem versorgt die Regelkreise und die Schaltwarte mit Informationen aus den Teilprozessen. Es umfat Mefiihler an den verschiedensten
Stellen des Gesamtsystems, die Gasanalyse am Kesselende (Rohgas) und nach der
Rauchgasreinigung. Bild 4.82. zeigt einen berblick ber die wichtigsten Regelkreise und ihre Lage im Gesamtsystem.
Mefiihler fr Temperatur, Druck, Durchflu sowie Fllstandsanzeiger und
Schaltkontakte liefern Informationen ber Betriebszustnde. Zur Feuerfhrung
werden CO- und 0 2- Mewerte herangezogen. Fr den Elektrofilterbetrieb wird
der Staubgehalt des Reingases kontinuierlich gemessen, Schadstoffmessungen im
Reingas werden dokumentiert. Die Wasseranalyse umfat Leitfhigkeits- und pHMessungen im Kesselwasser sowie pH-Bestimmungen in den Abwssern der
Rauchgasreinigung.
Besondere Bedeutung kommt der Regelung der Verbrennung zu. Whrend frher nur Wert auflange Reisezeiten, hohen Durchsatz sowie Vermeidung von Korrosionsschden gelegt wurde, wird heute zustzlich eine mglichst hohe Reduktion
der bei der Verbrennung entstehenden Emissionen angestrebt. Whrend Schwermetalle und anorganische Halogenide aufgrund ihres Vorhandenseins im angelieferten Mll entstehen und durch feuerungstechnische Manahmen nur bedingt

4.2 Thermische Verfahren

261

beeinflubar sind, kann durch eine gezielte Feuerungsfhrung eine Verringerung


der Emissionen an CO, Unverbranntem und NOx erreicht werden.
Eine wichtige regelungstechnisch bedingte Primrmanahme zur Entstickung ist
die Rauchgasrezirkulation. Diese im Dampferzeugerbau schon lange bekannte
Manahme diente ursprnglich der Senkung der Feuerraumtemperatur mit dem
Ziel der Dampftemperaturregelung.
Die Rauchgasrckfhrung in den primren Flammenbereich greift dabei mehrfach in die Bildungsmechanismen von Stickoxiden ein. Die mit der Rckfhrung
des NOx-haltigen Rauchgases verbundene Erhhung des Inertanteils in der Flamme mit einer daraus resultierenden Absenkung des Sauerstoffpartialdruckes bewirkt einen lokalen OrMangel sowie eine verzgerte Verbrennung.
Dieses fhrt zur Reduktion der aus dem Brennstoff gebildeten Stickoxide bei
gleichzeitiger Verringerung der Konzentrationen von Schwermetallen, CO, H2 und
CnHm im Rauchgas.
Die Rauchgasrckfhrung beeinflut darber hinaus die Bildung thermischer
Stickoxide, die durch eine grere Flammendehnung und Erhhung des Rauchgasvolumens bei khlerer Flamme reduziert wird.

4.2.2

Verbrennungsanlagen fr Sonderabflle

Zur Zeit werden in der Bundesrepublik Deutschland jhrlich 800 000 Mg Sonderabflle in 28 greren Sonderabfallverbrennungsanlagen entsorgt. Davon sind
7 Verbrennungsanlagen ffentlich zugnglich [4.58]. Es ist damit zu rechnen, da
aufgrundwachsender Sonderabfallmengen in den kommenden Jahren der Bedarf
an Sonderabfallverbrennungsanlagen weiter steigen wird, obwohl zwischenzeitlich
verstrkte Anstrengungen seitens der Bundeslnder unternommen werden, das
Sonderabfallaufkommen durch Vermeidung und Verwertung zu verringern.
Beispielhaft sei auf das Vollzugsprogramm des Landes Hessen zur Durchsetzung des Reststoffvermeidungs- und -verwertungsgebotes des 5-1-3 BlmSchG
hingewiesen. Dennoch geht man auch in Hessen von einem kurzfristigen Bedarf an
zustzlicher Verbrennungskapazitt aus. Langfristig wird sich allerdings nach den
Vorstellungen des Landes Hessen das zu verbrennende Sonderabfallaufkommen
durch Vermeidung und stoffliche Verwertung verringern.
Sonderabfallverbrennungsanlagen sind zumeist in Sonderabfallbehandlungsanlagen integriert. Diese bestehen in der Regel aus:
- Kontrollbereich,
- Zwischenlagerung,
- Behandlungsanlage,
- Aufbereitung von Abfllen zur Wiederverwertung,
- Thermische Anlage.
Der Kontrollbereich umfat die Wgung, Registrierung, Probenahmestatistik und
das Labor. Fr die Zwischenlagerung stehen Abstellflchen sowie Tank-, Fa- und
Feststofflager zur Verfilgung.
Die chemisch-physikalische Behandlung zur Entgiftung, Neutralisation,
Schlammbehandlung, Emulsionstrennung, Verfestigung oder Eindampfung von

262

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Abfallen wird bei Sonderabfallen durchgefhrt, die wegen ihrer physikalischen,


chemischen oder toxikologischen Eigenschaften nicht in ihrer ursprnglichen Form
verbrannt werden drfen und daher einer Vorbehandlung bedrfen.
Thermische Anlagen umfassen Verbrennungs- und Pyrolyseanlagen. Ohne Vorbehandlung knnen pastse und flssige organische Sonderabfalle mit ausreichend
hohem Heizwert verbrannt werden, wie z.B. nicht regenerierbare Lsemittel, Altle und lschlmme. Auch flssige Abtalle, die nicht brennbar sind, deren organische Bestandteile aber mit chemisch-physikalischer Vorbehandlung nicht mit
einem vertretbaren Aufwand in einen schadlosen Zustand berfhrt werden knnen, werden thermisch behandelt [4.135].
Die Verbrennung von Sonderabfallen mu aus verschiedenen Grnden bei hohen Temperaturen erfolgen. Da zumeist flssige und pastse Abtalle verbrannt
werden sollen, mu auf rostlose Verbrennungssysteme zurckgegriffen werden.
Lagerung, Vorbehandlung und Beschickung

Zur Gewhrleistung eines strungsarmen Verbrennungsprozesses ist es wichtig,


grere Heizwertschwankungen zu vermeiden. Da sich in der Praxis eine definierte Anlieferung von Abtallen, getrennt nach Art und Zusammensetzung, jedoch
als sehr schwierig erweist, mssen die Abtalle vor der Zugabe in den Verbrennungsraum vorbehandelt werden.
Die Sonderabtalle werden in verschiedenen Gebindeformen angeliefert und gelagert. Zu unterscheiden sind:
- unverpackte feste Abfalle,
- unverpackte flssige Abtalle,
- verpackte Abtalle.
Unverpackte feste Abflle
Die Aufgabe der Abtalle in den Bunker erfolgt unter Aufsicht eines Spezialisten,
der dem Kranfiihrer mitteilt, welche Abfalle miteinander vermischt werden mssen, damit ein gut brennbares Gemisch entsteht. Schlamm wird auerhalb des
Bunkers mit Hilfe einer Dickstoffpumpe zu einem Spezialtank gefOrdert und von
hier in den Ofen dosiert zugegeben.
Unverpackte flssige Abflle
Diese werden in vier Kategorien eingeteilt:
- Abtalle mit hohem Heizwert,
- Abfalle mit niedrigem Heizwert,
- Sonderflssigkeiten,
- polymerisierende oder hochschmelzende Flssigkeiten.
Verpackte Abflle
Die in Fssern und Gebinden angelieferten Partien weisen am hufigsten Abweichungen von der in den Begleitpapieren angegebenen durchschnittlichen Zusammensetzung auf, weshalb eine genaue Prfung dieser Abfalle vor ihrer Verbrennung erfolgen mu.
Grundstzlich drfen schnell brennende Flssigkeiten nur in Verpackungen bis
zu ca. 20 l in den Ofen eingebracht werden, weil sie sonst die Verbrennung stren

4.2 Thermische Verfahren

263

knnten. Grere Gefil.e bis zu 200 l Inhalt werden daher vom speziell dafr
ausgebildeten Annahmepersonal auf die Anwesenheit dieser Flssigkeiten untersucht, wonach diese - falls erforderlich - mit Hilfe von Vakuumlanzen abgesaugt
werden [4.137].

[Link]
VerbrennungsiJfen
Sonderabtlilie werden in rostlosen Systemen verbrannt. Hauptschliche Vertreter
rostloser Verbrennungseinrichtungen sind [4.142]:
- Drehrohrofen,
- Etagenofen,
- Wirbelschichtofen,
- Brennkammer.
Drehrohrofen
Der Drehrohrofen ist aufgrundder erreichbaren hohen Temperaturen, der groen
Verweilzeiten und seines universellen Feuerungssystems hinsichtlich der Verbrennung von Sonderabfllen am meisten verbreitet. In mit Drehrohrfen und Nachbrennkammern ausgersteten Sondermllverbrennungsanlagen knnen folgende
Industrieabfiille verbrannt werden:
- flssige Stoffe wie Lsemittel,
- pumpbare Stoffe wie Schlmme,
- pastse Abfiille,
- feste und unterhalb der Zndtemperatur schmelzende Verbindungen.
Die flssigen Abfiille werden ber einen wassergekhlten Brenner an der Stirnseite
des Drehrohrofens direkt mit dem in der Ringleitung herrschenden Druck eingedst Eine andere Mglichkeit ist das Einbringen der Lsungen direkt in die Nachbrennkammer.
Die teigigen und pastsen Abfiille werden dem Drehrohrofen direkt mittels einer Doppelkolbenpumpe aus Lagerbehltern ber wassergekhlte Dsen zugefiihrt. Andere teigige und pastse Abtlilie werden in geschlossenen Gebinden (Fssern) angeliefert. Diese werden durch einen Faaufzug aus einem Zwischenlager
auf die Hhe des Aufgabetrichters getbrdert.
ber eine durch Schleusen gesicherte Vorkammer werden diese in den Aufgabetrichter geschoben. Die festen Abfiille werden von einer Krananlage aus dem
Bunker dem Aufgabetrichter zugeftlhrt. ber diesen Trichter erfolgt die Aufgabe
direkt in den Drehrohrofen. Die gastbrmigen Abfallstoffe werden direkt in die
Nachbrennkammer eingedst
Bild 4.83. zeigt ein bersichtsschema einer Sondermllverbrennungsanlage.
Das Kernstck der Verbrennungsanlage ist der Drehrohrofen mit Nachbrennkammer. Beim Drehrohrofen handelt es sich um einen um 3 bis 5 % geneigten
Zylinder, der mit feuerfestem Material ausgekleidet ist. Durch die Rotation des
Ofens mit 0,1 bis 0,6 U/min um die Lngsachse werden die Abfallstoffe gemischt
und weiter betbrdert. Der Drehrohrofen wird in vier Belastungszonen eingeteilt
[4.143]:

264

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

[Link]

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Bild 4.83. bersichtsschema einer Sonderabfallverbrennungsanlage [4.143]

- Einlaufzone bis zu ca. 400 C,


Schmelz- und Verdampfungszone bis ca. 900 C,
- Verbrennungszone bis zu ca. I 200 C,
Ausbrenn- und Nachbrennzone bis max. I 500 C,
- in Sonderflillen bis ca. I 500 C.
Der Ausbrand der Abtalle wird durch die Aufenthaltszeit von 50 bis 70 min erreicht. Eine Steuerung der Verbrennungstemperatur wird durch die Wahl der Ernsatzstoffe und ber die Regelung der Luftzuflihrung erreicht. Fr die Nachbrennkammer sind I 000 bis I 200 oc bei einer Aufenthaltszeit von 2 bis 3 Sekunden
gefordert. Da auch Sonderabfallverbrennungsanlagen der 17. BlmSchV unterliegen, mu eine aufwendige Rauchgasreinigung vorgenommen werden. Diese ist
prinzipiell so wie bei Hausmllverbrennungsanlagen aufgebaut.

Etagenofen
Das Einsatzgebiet der Etagenfen ist hauptschlich die Klrschlammverbrennung
(s. Kap. [Link]). In einigen speziellen Fllen von stark Wasserhaitigen Abtallen
wird der Etagenofen auch zur Beseitigung von Industriemll verwendet. Der Einsatz fr die Sondermllverbrennung ist jedoch unbedeutend.

4.2 Thermische Verfahren

1 Feststoff-Bescbickung
2 Fa-Bescbi ckung

265

6 V erl>ren.n ungsraum
7 Drehrohrantrieb

3 Primrluftsystem
8 VORTEX-Nachbrcnnkanuner
4 Brenner fOr FlOssigabfllllc
9 Wasscrcindsung
5 Lanzen filr pastse und flssi gc 10 Schlackenaustrag
Abfllllc

Bild 4.84. Querschnitt einer Drehtrommelanlage

Wirbelschichtofen
Wirbelschichtfen werden zur Verbrennung einheitlicher flssiger, pastser und
gasfOrmiger Abfallstoffe eingesetzt. Vom Aufbau her ist der Wirbelschichtofen mit
einer stehenden Brennkammer zu vergleichen. Im unteren Bereich des Ofens ist
ber einem Rost (Anstrmflche) das Wirbelbett angeordnet. Durch einen hohen
Wrme- und Stoffilbergang werden spezifische Verbrennungsleistungen wie in
einer Brennkammer erreicht.
Das Verbrennungsprinzip wurde bereits in Kapitel4.2.1.4. beschrieben. Wegen
der geringen erreichbaren Verbrennungstemperaturen sind Wirbelschichtfen zur
Sonderabfallverbrennung nur bedingt einsetzbar (z.B. zur Verbrennung der Shredderleichtfraktion).
Brennkammer
Bei der Brennkammer (vgl. Bild 4.85 .) handelt es sich um ein Rohr, bei dem aus
unterschiedlichen Dsen die Rckstnde und die Verbrennungsluft zugefilhrt werden. Diese eignet sich aufgrund des Verfahrensprinzips bevorzugt zur Verbrennung von gasfrmigen und flssigen Industrierckstnden.
Flssige Rckstnde mit einem Heizwert von mehr als ca. 12 000 kJ/kg lassen
sich bei Flammentemperaturen von mehr als I 300 C in Sekundenbruchteilen bei
kleinerem Flammenraum vollstndig ausbrennen. Flssige Rckstnde mit einem
Heizwert von weniger als ca. 12 000 kJ/kg sind nur unter gleichzeitiger Verbrennung von Zusatzbrennstoff zu verbrennen. Fr eine vollstndige Verbrennung sind

266

4 Abfallbehandlung und -beseitlgung

c
k

c
a

Bild 4.85. Schematischer Schnitt durch eine Brennkammer [4.142]

Temperaturen von 800 bis 1 100 C, Verweilzeiten von 1 bis 2 Sekunden und ein
Luftberschu von 10 bis 20 % des stchiometrischen Bedarfsfalles notwendig.
Verweilzeit und Temperaturen mssen hher gewhlt werden, wenn die Industrierckstnde PCB-haltige Stoffe beinhalten.
Flssige und gasfi>rmige Industrierckstnde werden gemeinsam mit dem Zusatzbrennstoff (a) im Flammenraum (A) verbrannt. Bezogen auf den Wrmeumsatz
wird in diesem Teil der Brennkammer fast die gesamte erforderliche Energie freigesetzt. Je nach den Erfordernissen kann die Verbrennung im Flammenraum (A)
bei Luftberschu oder Luftmangel vorgenommen werden. Luftmangel ist bei
Anwesenheit organischer N-Verbindungen zu empfehlen, um die Bildung von
Stickoxiden zu verhindern bzw. zu reduzieren. Die heien Rauchgase aus dem
Flammenraum (A) werden, falls erforderlich, im Reaktionsraum (B) mit weiterer
Luft ber die Dsen (g) vermischt und verbrennen hier vollstndig. Weitere flssige Rckstnde, zumeist wrige, knnen ber die Dse (h) zugefilhrt und mitverbrannt werden.
Die Abmessungen der Brennkammer und der einzelnen Reaktionsrume sind
verschieden und unabhngig davon, ob es sich um Ausfilhrungen handelt nach dem
Quer-, Parallel- oder Gegenstromprinzip. Auerdem knnen die Reaktionsrume
(A) und (B) auch ohne Abgrenzung ausgefilhrt werden.
Ein Zusatzbrennstoff fiir heizwertarme, flssige Rckstnde ist um so mehr erforderlich, je hher
- die erforderliche Reaktionstemperatur,
- der erforderliche Luftberschu und
- die Wrmeverluste
sind.

4.2.3
Verbrennung von sonstigen Abfllen
[Link]

Verbrennung von Klrschlamm

In der Bundesrepublik Deutschland fallen pro Jahr 56 Mio. m3 kommunaler Klrschlamm mit einer Trockensubstanz von 5 % an, von denen ca. 4,5 Mio. m3/a in

4.2 Thermische Verfahren

267

Klrschlammverbrennungsanlagen verbrannt werden [4.I46]. Klrschlamm wird


in berwiegendem Ma in Etagen- und in Wirbelschichtfen verbrannt.
1991 wurden in Deutschland I5 Klrschlammverbrennungsanlagen betrieben,
die meisten davon in Kombination mit Restabfallverbrennungsanlagen [4.59].
Bei der Verbrennung im Etagenofen (vgl. Bild 4.86.) wird Klrschlamm mit einen hohen Wasseranteil zunchst eine Trockenzone mit Temperaturen unter
100 C durchlaufen, bevor er schlielich verbrannt werden kann. Die Trockenzone
umfat die ersten fiinfEtagen. Darauffolgt die Verbrennung. Dabei mu die Temperatur auf maximal 1 000 C aus konstruktiven Grnden und wegen des niedrigen
Schmelzpunktes der Asche begrenzt werden. Die Schmelzpunkte der meisten
Komponenten der Asche liegen zwar im Bereich von I 200 bis I 400 C, doch
eine Reihe von Komponenten wie z.B. NaCl, Na2C03 oder Na2 S04 weisen mit
700 bis 850 C niedrigere Schmelztemperaturen auf. Eine Anhebung des Schmelzpunktes kann daher in Einzelfllen erforderlich werden, was durch ein "Magem"
des Verbrennungsgutes, unter Zugabe von Kalk oder Tonerde, erfolgen kann. Eine
Nachverbrennung der flchtigen Bestandteile und des Rauchgases ist zur Einhaltung der 17. BlmSchV unbedingt erforderlich. Dies kann sowohl auerhalb als
auch integriert geschehen.
Ein anderes Verfahren zur Klrschlammverbrennung wird z.B. im Heizkraftwerk Mnchen-Nord geplant [4.148]. Dabei soll in einem Kessel mit bivalenter
Feuerung Klrschlamm gemeinsam mit Kohle verfeuert werden. Zur Sicherstellung der Klrschlammentsorgung ist neben der Verbrennung im Kohlekessel alternativ eine Verbrennung in einem Mllkessel mglich.
Dabei wird der Klrschlamm zuerst getrocknet (90 bis 95 % TS) und dann gemeinsam mit der Steinkohle auf die Kohlemhlen gegeben. Die weitere Trocknung
des Brennstoffgemisches erfolgt whrend des Mahlvorganges durch Zufiihrung
von Heiluft aus einem Luftvorwrmer. Diese Heiluft dient gleichzeitig als Trgermedium fiir den gemahlenen Kohlenstaub, der direkt in den Kessel eingeblasen
und dort verbrannt wird.
Klrschlmme werden hauptschlich im Wirbelschichtofen verbrannt. Ein Beispiel fiir eine Wirbelschichtverbrennung zur Entsorgung von Klrschlamm stellt
die Anlage Chonju-Paper in Sdkorea dar, die im Sommer 1988 in Betrieb ging
[4.149]. Die Anlage ist nach dem Prinzip der konventionellen, stationren Wirbelschicht gebaut. Wegen des niedrigen Heizwertes des Klrschlamms mu Rinde
zugefeuert werden.
Fr den Dsenboden wurde eine Konstruktion gewhlt, die das Ausschleusen
von unverbrannten Fremdkrpern ohne Unterbrechung des Betriebes ermglicht.
Dieser kontinuierliche Betrieb ist bei Verwendung von Rinden als Brennstoff
sinnvoll, da mit der Rinde oft groe Anteile an Steinen, Eisenteilen etc. in den
Reaktor eingebracht werden. Die Asche aus dem Wirbelbett kann abgesiebt werden. Fremdkrper werden ausgeschleust, die abgesiebte Bettasche kann wieder
dem Wirbelschicht-Modul aufgegeben werden. Zu beachten ist der relativ hohe ClGehalt, der den Einsatz eines Wschers zur Abscheidung des gebildeten Chlorwasserstoffs erforderlich macht. Um die Schadstoffkonzentration im Waschkreislauf
konstant zu halten, wird ein Teil des Abwassers abgezogen und der AbwasseraufbereitungsanJage zugefiihrt.

268

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

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2
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100 200 300 XX !iOO 800 700 800 1100 1000

---1._ Temperatur rcJ


A " Produkttemperatur
B " Gastemperatur

Heigas

Heigas

Bild 4.86. Schematische Darstellung eines Etagenofens mit zugehriger Temperaturverteilung


[4.142]

Eine gemeinsame Verbrennung von Hausmll und Klrschlamm ist aus mehreren
Grnden empfehlenswert. Einer der wichtigsten Grnde ist die sinnvolle Verwendung des Mllenergieinhaltes zur Klrschlammtrocknung, wodurch diese Wrmeenergie ganzjhrig wirtschaftlich nutzbar ist. Zur Mll- und Klrschlammverbrennung im Etagenofen ist keine Vorbehandlung ntig, ebensowenig wie bei der
gemeinsamen Verbrennung im Drehrohr.
Bei geplanten Mllverbrennungsanlagen ist oft eine Verbrennung von Klrschlmmen vorgesehen. Dabei werden zwei Wege beschritten:
1. Verbrennung der Klrschlmme in der MV A,
2. Verbrennung der Klrschlmme in einem eigenen Aggregat.
Eine Verbrennung von Klrschlmmen zusammen mit dem Restabfall ist z.B. bei
der geplanten Frther Schwel-Brennanlage vorgesehen. In dieser Anlage, mit einem geplanten Durchsatz von 100 000 Mg/a, sollen 20 % Klrschlmme mitverbrannt werden.
Eine Verbrennung von Klrschlmmen in einer separaten Wirbelschicht ist z.B.
bei der geplanten Anlage in Bblingen vorgesehen. Hier soll der Restabfall in
einer Rostfeuerung verascht werden, whrend der getrocknete Klrschlamm in
einer Wirbelschicht verbrannt wird.

4.2 Thermische Verfahren

I Schlamm ca. 3% TS
2Rechenglt

A Polya0381Zung
G Radlalstromwascher
B Rechengutzertdelnerer H Schlammslo
c Wlrme!auacher
Kl<alksllo

3 AltOI

E Abhitze-Kessel
F Beklroliter

SPQyaleJctrolyt
6Aktlvator

DEtagenwlrtller

JAsehesilo

K GebAudehelzung
L Obe~astkOhler

4 Lelch!OI

269

1 Wasaar (l<lAranlagenabl8ul)
e Aufberafteter KlAranlagenablauf
9Kalk
10 Zentralablauf
11 Asche-Luft-Gemisch
t2luftvOIWAnnung zur Rauchgasberhitzung

13Thermo01

Bild 4.87. Flieschema der Schlammverbrennungsanlage Frankfurt [4.179]

Bild 4.88. Schlammtrocknung und -verbrennung im MV A Marktoberndorf [4.178]

270

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Lager

HO-Ballen

Rul'ldbai!On

kubi:acbtw

Grnblil11en

Bfiketla

<a

Cobo

Mt

Pelleis

Beschickung Feuerung

Verarbeitung

oll
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F~utomat.

oanz aar~W~

Feuerungsautomat - Hkbelgut
und Prelinge

Bild 4.89. Mglichkeiten der Strohfeuerung (4.171]

Weitere Beispiele fiir bestehende Schlammtrocknungs- und Verbrennungsanlagen


zeigen Bild 4.87. und Bild 4.88.

[Link]

Verbrennung von Stroh und Holz

Stroh
Getreidestroh stellt mit einer jhrlichen Produktion von 23 Mio. Mg den grten
Teil der pflanzlichen Reststoffe, von denen ca. 20 % nicht sinnvoll verwertet werden knnen [4.170]. Stroh besitzt bei einer Feuchte von 20% einen unteren Heizwert von 12 bis 14 MJ!k:g. Je nach Art besteht es aus 40 bis 50 %Kohlenstoff, 5
bis 6% Wasserstoff, 36 bis 44% Sauerstoff, 0,1 bis 0,2% Schwefel und 0,3 bis
2,3% Stickstoff. Der Aschegehalt schwankt zwischen 2 und 16% [4.170].
Wegen seiner geringen Raumdichte von ungefhr 200 kg/m 3 [4.170] wre ein
grerer Transport des Strohs unwirtschaftlich, so da es nur fiir eine dezentrale
Verbrennung in Kleinanlagen in Frage kommt. Da Stroh frei von Schadstoffen ist,
sind kaum Emissionen zu erwarten, bis auf unvollstndig oxidierte Gase wie Kohlenmonoxid bei schlechtem Ausbrand. Deshalb sind einige Kessel auch mit einer
Nachbrennkammer ausgerstet. Hinzu kommen Staubemissionen. Diese lassen
sich nur durch aufwendigere Feuerungsanlagen oder Aufbereitung des Strohs zu
Briketts bzw. Pellets deutlich reduzieren.
Die Mglichkeiten der Strohfeuerung in Kleinanlagen zeigt Bild 4.89. Die
Kennwerte der verschieden aufbereiteten Brennstoffarmen von Stroh werden in
Tabelle 4.21 . dargestellt.

4.2 Thermische Verfahren

271

Tabelle 4.21. Kennwerte verschiedener Brennstofformen von Stroh [4.172]


Zerkleinem
Hckselgut

1---------j---------- -

mnlerer
Teilchendurchmesser

i Abmessungen in m

Verdichten
Groballen

HO-Ballen

Briketts

'---.--/

Pellets
6:f7

.g>V

0 = 1,5-1,8

0,001 - 0,008

0,3-0,4 X
0,4- 0,5 X
1 - 13

kg/m'

40-60

70- 120

kg/m'

80- 150
40-60
80- 120
90- 160
800- 1.600
1.000- 1.700
- f - - - - - + - - - - + - - - - - f - - - - - - f - - - - - - . ---

0 = 0,04-0,1

0 <0,04

b=1,2-1,7

0,7-1,5x
1,2-1,5x
1,2-2,9

I= 0,03-0,25

I = 0,01 - 0,05

60-90

60- 120

300-600

500

r-Sch-"tt'cd-""ich'"'tec------+---'--+-----t-----+-----+------r---'----~

Stapeldichte
Raumdichte

f--- - -

Gewicht je Einhe kg
--------+------f---8--2-5-+--30_0__4_00-+-1'-20_0__80i0:1 Verdichtungsdruck
hPa

li.~---=J
1

ou:~satz
-

Mg/h

1 -20

5- 20

,,_", I '" -;;-- ~; ''

\- 9 - 250

~--

60 - 90

- - - - - - - - - - - - - __ c ________

...

o~

70 - 1

-----

5- 20

+--=-

0,:~~002- O,OJ

800- 1.000

1.000

~~,-~;~ ,,_,

10-0--_1-4-0+--5-_1-5---1---5---10---j

__l__ -----

2-4

- ~-------'-----

Holz
Das in der Bundesrepublik Deutschland vorhandene Potential an Altholz wird auf
1 Mio. Mg pro Jahr geschtzt [4.173). Eine Verbrennung von Holz zur energetischen Nutzung ist nur dann sinnvoll, wenn keine andere Verwertung, die auch die
stofflichen Eigenschaften erhlt, mglich ist. Dies wren z.B. eine direkte Wiederverwertung von Althlzern oder ein Einsatz in der Spanplattenherstellung.
Holz besteht in trockenem Zustand zu etwa 50% aus Kohlenstoff, zu etwa 44%
aus Sauerstoff und ca. 6 % Wasserstoff, und enthlt 0,5 bis 2 % mineralische,
aschebildende Stoffe sowie bis zu 0,5 % organisch gebundenen Stickstoff [4.173,
4.175].
Verbrennung in Kleinanlagen
Die Verbrennung in Kleinanlagen ist bei den derzeitigen Energiepreisen nur wirtschaftlich, wenn das Holz zu geringen bzw. ohne Kosten bezogen werden kann
und nur wenig aufbereitet werden mu.
Unbehandeltes Holz enthlt keine umweltrelevanten Stoffe, die eine spezielle
Behandlung der Verbrennungsrckstnde ntig machen wrde.
Holz ist als gasreicher Festbrennstoff nur schwierig vollstndig zu verbrennen,
so da bei unzureichendem Ausbrand das Rauchgas mit unvollstndig oxidierten
Stoffen belastet ist, z.B. Kohlenmonoxid und Kohlenwasserstoffe. Die Ausbrauclqualitt wird insbesondere durch die Holzfeuchte bestimmt [4.175]. Da bei Kleinfeuerungsanlagen ein vollstndiger Ausbrand nicht immer gegeben ist und diese
Anlagen auch ber keine Rauchgasreinigung verfUgen, ist hier nur der Einsatz
bestimmter Holzsortimente zulssig.

272

4 Abfallbehandlung und -beseltigung

Verbrennung in Grofeuerungen
Die Verbrennung in greren Anlagen gewhrleistet bei entsprechender Technik
einen vollstndigen Ausbrand und eine Minimierung der Umweltbelastung durch
eine nachgeschaltete Rauchgasreinigung. Hier ist auch der Einsatz verunreinigter
Abfallhlzer mglich.
In greren Anlagen werden hauptschlich Holzhackschnitzel eingesetzt, da
diese gut zu lagern und auch automatisiert in die Verbrennung eingebracht werden
knnen. Es gibt zwei Prinzipien der Holzverbrennung. Das Holz wird entweder
vollstndig im Brennraum verbrannt, oder es wird in einer ersten Stufe vergast,
nach der dann die Holzgase verbrannt werden.
Bei der grten europischen Gewerbeabfallsortieranlage in Berlin ist eine
Verbrennung von unbehandeltem Holz in einer Wirbelschicht vorgesehen. Der
Energieinhalt des Holzes deckt den Bedarf der Sortieranlage [4.92].
Rckstnde
Durch die Rauchgasreinigung fallen neben den Aschen (1 bis 5 % der Einsatzmenge) auch Filterstube an, die entsprechend ihrem Schadstoffgehalt entsorgt werden
mssen. Da eine genaue Differenzierung nur mit groen analytischem Aufwand
mglich ist, ist hier eine strenge Einstufung zu erwarten [4.173].

4.2.4
Ent- und Vergasung von Abfllen (Pyrolyse)
Die Pyrolyse ist aus der Verfahrenstechnik bekannt. Eine Weiterentwicklung und
Anwendung auf den Rohstoff Abfall wurde durch die bei der Mllverbrennung
auftretenden Nachteile gefrdert.
Im Hinblick auf die Hausmllbehandlung wurden von der Pyrolyse u. a. folgende Vorteile erwartet [4.93]:
- unkomplizierte Verfahren, das auch bei geringen Durchstzen bis ca. 10 Mglh
kostengnstig arbeitet,
- Mglichkeit der Energie- und Rohstoffgewinnung,
- Lagerfiihigkeit der energetisch nutzbaren Produkte,
- Flexibilitt gegenber unterschiedlichen und wechselnden Abfallzusammensetzungen,
- weitgehende Vermeidung von Umweltbelastungen bzw. -beeintrchtigungen.
Mit der Abfallent- bzw. -vergasung wurde eine hnliche Zielsetzung wie bei der
Verbrennung verfolgt. Abfallstoffe werden in ihrem Volumen erheblich reduziert
und bei der Umwandlung in eine Form gebracht, in der eine Ablagerung ohne
wesentliche Beeintrchtigungen der Umgebung mglich wird.
Der Zusammenhang der thermischen Verfahren Pyrolyse, Entgasung und Verbrennung ist in Tabelle 4.22. dargestellt.
Bei der konventionellen Verbrennung spielen sich die Vorgnge der
Trocknung, Entgasung, Vergasung und Verbrennung (Ausbrand der gasfrmigen
Produkte) in einer Kammer ab. Bei der Pyrolyse knnen einige dieser Teilprozesse
in getrennten Reaktoren durchgefUhrt werden, so da die Entgasung und Vergasung zu eigenstndigen Abfallbehandlungsverfahren werden.

4.2 Thermische Verfahren

273

Tabelle 4.22. Einteilung der verschiedenen Mglichkeiten der thermischen Abfallbehandlung


[4.94]
Mgliche

Verfahrensbezeichnung
Entgasung

Vergasung

Verbrennung

Trocknung

Trocknung

Entgasung

Entgasung

Trocknung
Entgasung

(Pyrolyse)

(Pyrolyse)

(Pyrolyse)

Vergasung

Vergasung

Verfahrensstufen

Trocknung

Stufe I

Trocknung

Stufe II
Stufe III
Stufe IV

Verbrennung

Die Pyrolyse als Restabfallbehandlungsanlage konnte sich aufgrund vielfltiger


Probleme und geringer Verfilgbarkeit gegenber der Mllverbrennung nicht
durchsetzen. So wird z.Z. (1993) nur eine kleine Pyrolyseanlage filr Hausmll in
Burgau betrieben. Weitere Pyrolyseanlagen filr Hausmll sind nicht geplant.
Allerdings wird die Pyrolyse in Kombination mit der Hochtemperaturverbrennung zum Einsatz kommen. Dabei werden die gewonnenen Pyrolysegase in
einem zweiten Verfahrensschritt zur Verbrennung und Verglasung des Pyrolysekokses verwendet. Bekanntestes Beispiel ist das Schwel-Brennverfahren, das in
Kapitel 4.2.1 beschrieben wurde.
In hnlicher Richtung wie das Schwel-Brennverfahren zielt das ThermoselectVerfahren, das ebenfalls in Kapitel4.2.1 beschrieben wurde.
[Link]
Entgasung

Die Entgasung (Pyrolyse) stellt die thermische Zersetzung von organischem Material unter Ausschlu eines Vergasungsmittels wie Sauerstoff, Luft, C02 , Dampf
etc. dar.
In den Temperaturbereichen zwischen 150 und 900 oc werden flchtige Stoffe
ausgetrieben, und hhere Kohlenwasserstoffverbindungen in niedere zerlegt.
Dieser Vorgang wird auch Schwelung oder trockene Destillation genannt.
Als Pyrolyseprodukte entstehen je nach den Betriebsparametern der Anlage Pyrolysegas, -koks, -l bzw. -teer. Da die Verwertung der lfraktionen durch Destillation nur bei sehr groen Mengen und entsprechendem hochwertigen Einsatzmaterial wie Kunststoffe, Altreifen, etc. wirtschaftlich durchfUhrbar ist, wird hufig
das Hauptgewicht auf eine maximale Gasausbeute gelegt. Das Pyrolysegas weist je
nach Ausgangsmaterial 12 500 bis 46 000 kJ/Nm3 auf, ist jedoch nicht frei von
kondensierbaren Bestandteilen.
Der als fester Rckstand anfallende Pyrolysekoks enthlt mehr oder weniger
Restkohlenstoff, der bei der Pyrolyse nicht in Gas umgesetzt wird. Hierdurch ist
der Wirkungsgrad dieses Verfahrens im Vergleich zur Vergasung etwas niedriger.
Die Entgasung ist insgesamt ein endothermer Proze, d.h. es mu Energie zugefUhrt werden.

274

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Tabelle 4.23. Pyrolytische Zersetzung organischer Materialien in Abhngigkeit von der Temperatur [4.96, 4.97]
Temperatur,
Temperaturbereich
[oC]

Chemische Reaktion

100 bis 120


250

Thermische Trocknung, Wasserabspaltung (physikalisch)


Deoxidation, Desulfurierung; Abspaltung von Konstitutionswasser und
Kohlendioxid; Depolymerisation; Beginn der Abspaltung von Schwefelwasserstoff
Bindungsaufbruch aliphatischer Bindungen, Beginn der Abtrennung von
Methan und anderen Aliphaten
Carburierungsphase (Anreicherung des Schwelguts an Kohlenstoff)
Bindungsaufbruch der Kohlenstoff-Sauerstoff- und Kohlenstoff- Stickstoff-Bindungen
Umwandlung des Bitumenstoffes in Schwel1 bzw. Schwelteer
Crackung von Bitumenstoffen zu wrmebestndigeren Stoffen (gasfrmige, kurzkettige Kohlenwasserstoffe), Entstehung von Aromaten
(Benzolderivaten)
Olefin-(Ethylen-) Dimerisierung zu Buthylen; Dehydrierung zu Butadien; Dien-Reaktion mit Ethylen zu Cyclohexan; thermische Aromatisierung zu Benzol und hher siedenden Aromaten

340
380
400
400bis 600
600

>600

Einsatzstoffe und Entgasungsprodukte


Durch die pyrolytische Umsetzung von Abfilllen entstehen verschiedene Produkte,
die von der Zusammensetzung des Ausgangsmaterials, den Erhitzungsbedingungen
der Entgasungstemperatur und der Reaktionsdauer abhngen. Im einzelnen knnen
folgende Endprodukte anfallen:
- Brennstoffe bzw. Rohstoffe im Form von Teeren, len, Brenngasen,
- Kondenswasser mit darin gelsten Verunreinigungen,
- Reststoffe wie Mllkoks, Metalle, Glas, Sand etc.
Absatzmglichkeiten der Produkte
Fr einige Produkte aus der Pyrolyse gibt es einen begrenzten Markt. So sind
besonders die le aus der Altreifenentgasung als Chemie- und Minerallrohstoff
einsetzbar. Bedingung ist allerdings die rumliche Nhe der Pyrolyseanlage zu
einer lverarbeitenden Anlage. Dies gilt auch flir das Pyrolysegas, das zum Teil filr
die Aufheizung des eigenen Prozesses genutzt werden mu.
Pyrolysekoks ist, trotz verschiedener Einsatzmglichkeiten, bisher nirgendwo
kontinuierlich abgesetzt worden [4.108].

[Link]

Vergasung

Die Vergasung umfat die Umsetzung kohlenstotlhaltigen Materials bei hohen


Temperaturen zu gas:llirmigem Brennstoff.
Die Vergasung unterscheidet sich von der Entgasung durch die Zugabe von reaktivem Gas, das die verkohlenden Rckstnde in weitere gas:llirmige Produkte

4.2 Thermische Verfahren

275

0.6 kg Schwelgas
Wassergehalt 60 Gew. %
Hu= 12000 KJ I Kg

1 kg Hausmll
Wassergehalt 35 Gew.%
Hu= 9200 KJ I Kg

0,4 kg feste Rckstande


(Mineralisches, Pyrolysekoks,
Metalle)
Hu= 5000 KJ I kg

Bild 4.90. Beispiel fllr eine Stoff- und Energiebilanz bei der Niedertemperatur-Pyrolyse von
Hausmll [4.98]

umwandelt. Die Vergasung ist streng genommen die Weiterfilhrung des Pyrolyseprozesses, wobei der Restkohlenstoffanteil des Pyrolysekokses im Glutbett bei
Temperaturen oberhalb 800 C bei einer unterstchiometrischen Sauerstoffzufuhr
oxidiert wird.
Als Vergasungsmittel werden im allgemeinen Dampf, Kohlendioxid, Sauerstoff
oder Luft verwendet [4.95, 4.97, 4.111]. Die Vergasung ist ebenso wie die Entgasung sowohl ein eigenstndiges Verfahren als auch ein Teilproze der Verbrennung. Die bei der Vergasung entstehenden Produkte sind entsprechend der Art des
Vergasungsmittels Schwachgas, Wassergas etc.
Die notwendige Reaktionsenergie fUr den Vergasungsproze wird durch eine
Teilverbrennung des organischen Materials im Innem des Reaktors erzeugt.

Grundlagen der Vergasung von Abftillen


Die Vergasung kohlenstofthaltigen Materials luft je nach verwendeten Vergasungsmitteln (Sauerstoff, Luft, Dampf, Wasserstoff, Kohlendioxid) gem den
Reaktionen:

C+ I I 2 0 2

~CO

(4.7)
(4.8)
(4.9)
(4.10)

Durch eine teilweise Verbrennung des Kohlenstoffes gem den Reaktionen (4.7)
und (4.8) wird das Brennstoftbett zum Glhen gebracht und reagiert mit dem gebildeten Kohlendioxid entsprechend der heterogenen Boudouard-Reaktion
C+C02

~2

CO

(4.11)

276

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

80

60

40

CO

20

400

600

800

1000 (

Bild 4.91. Gleichgewicht der Boudouard-Reaktion bei Atmosphrendruck [4.95]

Bei hherer Temperatur im Brennstoftbett erfolgt eine strkere Kohlenmonoxidbildung. Die Verteilung CO/C02 ist in Bild 4.91. durch das BoudouardGleichgewicht dargestellt.
Analog verluft die sog. Wassergasreaktion, bei der sich durch Zugabe von
Wasserdampf zur Vergasungsluft bei niedrigen Temperaturen C02 und Wasserstoff(4.9) bzw. bei hohen Temperaturen CO und Wasserstoffbilden (4.10). Boudouard-Reaktion und Wassergasreaktion sind endotherme Reaktionen, whrend
die Oxidation des Kohlenstoffs exotherm verluft.

EinsatZ$toffe und Vergasungsprodukte


Die bei der Vergasung entstehenden Produkte sind entsprechend der Art des Vergasungsmittels und der Entgasungstemperatur Schwachgas, Wassergas und Generatorgas.
Im Temperaturbereich von 800 bis 1 100 C durchgefhrte Hochtemperaturvergasungsverfahren liefern die hchste Ausbeute an allerdings heizwertarmem
Gas.
Eine sofortige Verwertung der Gase in einer Nachbrennkammer ist wnschenswert, da somit auch die filhlbare Wrme genutzt werden kann.
Das Generatorgas weist einen niedrigeren Heizwert auf als das Pyrolysegas.
Bezogen auf die Abfallmenge ergibt sich ein hheres Gasvolumen. Nach der Crakkung sind praktisch keine kondensierbaren Anteile mehr vorhanden. Das Gas kann
verbrannt werden, da im Reingas nur geringe Schadgasanteile vorhanden sind
(S02 = 20 mg!Nml, HCl = 23 mg/Nm3 und HF= 1,3 mg/Nm3 ).
Neben unhrennbaren Bestandteilen verbleibt je nach Betriebstemperatur des
Prozesses Asche bzw. Schlacke als Rckstand. Die festen Rckstnde aus dem
Vergasungsproze sind denen aus der Verbrennung hnlich; sie weisen einen hohen Asche- und geringen Kohlenstoffgehalt auf.

Absatzmglichkeiten der Produkte


Verschiedene Versuche mit Gasmotoren, Schwachgasbrennern etc. sind unternommen worden, das niederkalorige Gas aus der Vergasung sinnvoll einzusetzen.

4.2 Thermische Verfahren

277

Eine sofortige Verbrennung in einer Nachbrennkammer hat sich bisher als die
wirtschaftlichste Lsung ergeben.
Im Gegensatz zur Entgasung ist das Schlackegranulat bei der Vergasung glasartig und in der Umwelt bestndig gegenber Auslaugung. Daher eignet sich das
Material zum Wege- und Straenbau sowie als abstumpfendes Streumittel im
Winterdienst

[Link]
Umweltbetrachtungen
Bei der Betrachtung der Umweltvertrglichkeit von Pyrolyseprozessen mu zwischen systemimmanenten und prozespezifischen Schadstoffen unterschieden
werden. Systemimmanente Schadstoffe resultieren aus den in den Abfllen enthaltenen Verbindungen bzw. Elementen wie Schwefel, Fluor, Chlor, Schwermetalle und Quecksilber.
Die prozespezifischen Schadstoffe sind dadurch charakterisiert, da die Entstehung erst bei der Durchfhrung der thermischen Behandlung erfolgt. Art der
Anlage und Betriebsbedingungen (Temperatur, Verweilzeit) bestimmen dabei das
Schadstoffspektrum.

Pyrolysegas

Organische Verbindungen zerfallen bei der Pyrolyse in einfache, niedermolekulare


Verbindungen wie Wasserstoff (H2), Kohlenmonoxid (CO), Kohlendioxyd (C02 ).
Neben den Hauptkomponenten enthlt das Pyrolysegas aufgrund der reduzierten
Atmosphre im Reaktor vorwiegend Wasserstoffverbindungen wie Ammoniak
(NH 3), Schwefelwasserstoff (H2 S) und Chlorwasserstoff (HCl).
Findet die Pyrolyse bei relativ niedrigen Prozetemperaturen statt (ca. 500 C),
werden im Schwelgas erhebliche Mengen aromatischer und phenolischer Kohlenwasserstoffe gebildet. Beim Abkhlen der Gase kondensieren diese als teerige
Substanzen und reichem sich als Verunreinigungen im Kondensat oder Gaswaschwasser an.
Zur Vermeidung der Abwasserbelastung ist eine sofortige Verbrennung des Pyrolysegases sinnvoll. Die entstehenden Abgase mssen dann einer Rauchgasreinigung entsprechend den Anforderungen der 17. BlmSchV unterzogen werden.
In Bild 4.92. sind die Mengen an Schwefel-, Chlor und Stickstoff als Anteile
der eingebrachten Mengen in einem Diagramm in Abhngigkeit ber der Pyrolysetemperatur angegeben. Bei den Reaktionsbedingungen der Pyrolyse treten diese
in Form von Wasserstoffverbindungen auf. Das Diagramm zeigt, da ab 750 oc
Pyrolysetemperatur ein steiler Anstieg des gesamtausgebrachten Stickstoffs beginnt, der langsam sinkt, so da ab ca. 77 % Ausbringung keine Temperaturabhngigkeit mehr festgestellt werden kann.
Der Hauptteil des Chlors stammt bei diesem Abfallgemisch aus dem PVC, das
bereits bei niedrigen Temperaturen als HCl auftritt (ca. 98 %), so da sich nur
noch eine geringe Zunahme bei hheren Temperaturen ergeben kann.
Der Funktionsverlauf des ausgebrachten Schwefels zeigt ein Ansteigen von 700
auf 750 C, um dann bis etwa 850 C auf einem Plateau zu verharren, mit anschlieend steilem Anstieg bis auf ca. 80 % des eingebrachten Schwefels.

278

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Gew.[%]

70

50
700

800

900

Pyrolysetemperatur

Bild 4.92. Anteil an ausgebrachten Mengen an Chlor, Schwefel und Stickstoff, bezogen auf den
Input im Hausmll [4.104]

Eine Mglichkeit zur Verminderung der organischen Schadstoffe ist die Zersetzung bereits whrend des Pyrolyseprozesses, indem die Gase im Gleichstrom
durch die heieste Zone im Reaktor geftlhrt werden (vorzugsweise bei Schachtreaktoren, z.B. Destrugas-Verfahren). Die erforderliche Temperatur zur thermischen
Zersetzung hhermolekularer Verbindungen betrgt ca. 1 000 bis 1 300 C. Durch
die Zersetzung hhermolekularer Verbindungen durch Zugabe von Luftsauerstoff
(partielle Oxidation) sinkt jedoch der Heizwert des Gases.
Der Austrag von Schwermetallen durch das Pyrolysegas (durch Anlagerung
leichtflchtiger Metalle an feine Flugaschen) ist im wesentlichen abhngig von der
Prozetemperatur. Bei Temperaturen um 500 C ist davon auszugehen, da nur
geringe Schwermetallanteile in die Gasphase bergehen.

Pyrolyseabwasser
Pyrolyseabwasser setzt sich aus der Mllfeuchte, dem Zersetzungswasser und
Verbrennungswasser, vermindert um den Teil, der bei der Wassergasreaktion
verbraucht wird, zusammen.
Das Pyrolyseabwasser verlt den Reaktor dampffrmig und fiillt nach Abkhlung des Gases als Kondensat an. Zum Pyrolyseabwasser im weiteren Sinne zhlen
neben dem Kondensat auch das Gaswaschwasser und das Khlwasser aus dem
Naaustrag der festen Rckstnde. Die Gesamtabwassermenge liegt bei ca. 0,4 bis
2m3/Mgdes Inputs [4.95].
Die organisch stark belasteten Abwsser, besonders bei der Pyrolyse von
Hausmll mit len, Teeren, Phenolen etc., machen eine chemisch-physikalische
Vorbehandlung notwendig, da die Schadstoffe in biologischen Klranlagen nur
zum Teil abgebaut werden knnen. Eine weitere Mglichkeit der Verminderung

4.2 Thennische Verfahren

279

von Schadstoffbelastungen im Abwasser ist die bereits erwhnte thermische Zersetzung der Schwelgase.
Das Wasser aus dem Naaustrag der festen Rckstnde kann in geringem Umfang lsliche Bestandteile (wasserlsliche Verbindungen von Calcium, Chloriden,
Sulfaten und organischen Stoffen) eluieren.

Feste Rckstnde
Pyrolysekokse aus der Niedertemperaturbehandlung weisen in der Wasserhaltekapazitt nach einem krzeren Beregnungszeitraum eine Sttigung gegenber denen
mit hheren Behandlungstemperaturen auf. Mit steigender Prozetemperatur ist
auch eine Erhhung des Speichervermgens verbunden, wodurch sich ein zeitlich
vernderter Eluatanfall ergibt. Durch Lysimeter-Versuche wurde bei Niedertemperatur-Koksen (450 C) eine Sttigung nach 45 Tagen (entspricht einem simulierten
Zeitraum von 1,5 Jahren) und bei Hochtemperatur-Koksen (1 000 C) nach 73
Tagen (entsprechend 2,5 Jahren) ermittelt [4.119].
Die Schwermetallanreicherung in den Eluaten nimmt mit zunehmender Behandlungstemperatur der Pyrolyserckstnde ab. Dies zeigt sich insbesondere bei
Metallen mit niedrigen Schmelz- bzw. Siedetemperaturen. Jedoch wird gerade
durch Pyrolyseverfahren im Niedertemperaturbereich (400 bis 500 C) und damit
mit Unterschreiten der Dampfphase der meisten Schwermetalle (auer Quecksilber) deren Einbindung in den festen Pyrolyserckstand angestrebt [4.102, 4.119].
Aufgrund des damit hheren Restkohlenstoffgehaltes (ca. 20 Gew.-%) im Pyrolysekoks und dem dadurch verbessertem adsorptiven Verhalten werden weniger
Schadstoffe eluiert [4.119].
Organische Schadstoffe
Bei der Pyrolyse von organischem Material entstehen einige hundert verschiedene
polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAH). Die Gehalte der PAH in
den festen Rckstnden waren beim Destrugas-Pyrolyseverfahren um ein Vielfaches hher als beim Kiener-Pyrolyseverfahren. Dies ist auf unterschiedliche Prozetemperaturen sowie Einflsse der unterschiedlichen Pyrolysereaktoren (senkrechter Schachtreaktor ohne Materialumwlzung beim Destrugas-Verfahren und
horizontaler Drehrohr-Reaktor beim Kiener-Verfahren) zurckzufilhren.
Dabei zeigt sich, da die PAH im Hausmll in allen Fllen bedeutend hher liegen als in den nach dem Pyrolyseproze verbleibenden festen Rckstnden, d.h.
die Pyrolyse filhrt zu einer Verminderung der PAH in der festen Phase.
PCDD und PCDF werden bei der Pyrolyse im Vergleich zur Verbrennung nur
in sehr geringen Mengen gebildet, da zur Bildung von Dioxinen Sauerstoff bentigt wird, der in einem Pyrolyseproze nur durch Input eingebracht werden kann.

4.2.5

Hydrierung und Hydrolyse

Unter Hydrierung versteht man die Umsetzung von Stoffen, z.B. Kohle und chemische Makromolekle, mit Wasserstoff unter Druck und Temperaturerhhung
[4.86]. Unter Hydrolyse versteht man die Spaltung einer chemischen Verbindung
mit Wasser [4.87].

280

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Die Mglichkeiten einer Aufbereitung kohlenstofthaltiger Abfalle durch Bachdruckhydrierung wird seit den 50er Jahren diskutiert [4.187].
Entwickelt wurde die Hochdruckhydrierung Ende der 20er Jahre mit dem Ziel,
aus Kohle Benzin zu gewinnen. In Bottrop entstand 1981 eine Kohlelanlage.
Diese Anlage arbeitet nach dem modifizierten Bergius-Pier-Verfahren (VCCVerfahren, d.h. VEBA-Combi-Crakking) zur Verflssigung von Steinkohle. Neben
Kohle lassen sich ebenso Destillationsrckstnde aus der Erdlverarbeitung und
auch Reststoffe wie u.a. Altl, PCB-haltige Altle, Lsemittel, lsungsmittelbelastete Aktivkohle, Lackschlmme sowie Altkunststoffe einsetzen [4.32, 4.33,
4.38, 4.39].
Die Hydrierung wird bei Temperaturen von 440 bis 480 C, unter einem Druck
von ca. 300 bar und bei Anwesenheit von Wasserstoff durchgefiihrt. Hierbei werden die Makromolekle der Einsatzstoffe in kleinere Molekle zerlegt und mit
Wasserstoff abgesttigt. So werden z.B. Polyolefme, Polyamide, aliphatische Polymethane bevorzugt zu gasfrmigen und flssigen Kohlenwasserstoffen umgewandelt. Die Hydrierprodukte werden als Rohstoffe der Erdlraffmation zugefiihrt.
Die in den Einsatzstoffen vorhandenen Heteroatome wie Sauerstoff, Stickstoff,
Chlor und Schwefel werden abgespalten und fallen als Wasser, Ammoniak, Salzsure und Schwefelwasserstoff an. Gemischte Kunststoffe, die im Rahmen des
Dualen Systems gesammelt wurden, wurden bereits mit Erfolg in der Bottroper
Anlage eingesetzt.
In einer geplanten Vorlseanlage, soll bei Einsatz von Kunststoffen bereits eine
Depolymerisation stattfinden. Hierbei werden die Altkunststoffe bei einer Temperatur von ca. 400 oc aufgeschmolzen und gelst. Unter diesen Bedingungen setzt
zum Teil schon eine Spaltung der Makromolekle ein. Als Anmaischl wird Vakuumrckstandsl aus der Erdlverarbeitung eingesetzt. Der im Vakuumrckstandsl augemaischte Kunststoff wird mit Additoren und Wasserstoff ber
Hochdruckpumpen bzw. Kompressen in den Hydrierreaktor gefrdert. In einem
Heiabscheider wird das Produkt aus der ersten Hydrierstufe (Sumpfphasenhydrierung) in eine gasfrmige und eine Fest-Flssig-Phase getrennt (Bild 4.93.).
Die Fest-Flssig-Phase wird in einer Vakuumdestillation aufgearbeitet. Das gewonnene Vakuumgasl wird in den Proze zurckgefiihrt und der Destillationsrckstand in der Kokerei als Bindemittel der Kokskohle zugemischt
Die Gasphase aus der Sumpfphasenhydrierung wird einer zweiten Hydrierung
(Gasphasenhydrierung) unterzogen. Nach einem Kaltabscheider und der Wsche
wird der Wasserstoff in den Proze zurckgeleitet Salzsure wird als Calciumchlorid bzw. Natriumchlorid mit dem Rckstand ausgetragen. Die Kohlenwasserstoffe und der Schwefelwasserstoffwerden an die Raffmerie abgegeben.
Bei der Hydrierung von Altkunststoffen entsteht nach der Abspaltung des organisch gebundenen Chlors eine Palette von Produkten, die im wesentlichen im Bereich des Benzins sieden und damit ein Vorprodukt fiir die Synthese von Kunststoffen darstellen.
Von den Verfahren Pyrolyse, Vergasung und Hydrierung erfordert die Hydrierung die hchsten Investitionen. Dies ist auf die Anwendung der Hochdrucktechnik zurckzufiihren. Gleichzeitig liefert die Hydrierung das beste Endprodukt -

4.2 Thermische Verfahren

f
1

GasphaseSumpfphase- HeiReaktor abseheder Reaktor

:_:_:_~~-m-riJ-c-kst_a_n_d_----l:~i?

x>l

.. I

Neutralisationsmittel
Industrielle Reststoffe
AHkunststoff

Wasser

~~~

ltL~~= ~? L.~

Ul

Wasserstoff

281

-----------

Vakuum-[
Destillation

1stabilisierung

L_

Syncrud~
Abwasser

'---------~-~

HydrierbHumen
(incl. Natriumchlorid

Weg des Chlors durch die Anlage

Bild 4.93. Hydrierungsanlage System VEBA-Combi-Cracking (VCC) [4.39]

Rohl

Bild 4.94. Kunststoffkreislauf durch hydrierende Verwertung von Altkunststoffen [4.39]

eine hohe Flssigproduktausbeute eines hochwertigen, sog. "synthetischen Rohls"


[4.45].
Bild 4.94. zeigt einen solchen Kreislauf zur rohstoffliehen Verwertung von Altkunststoffen [4.39]. Die Verpackungskunststoffe werden in Silofahrzeugen der
Anlage angeliefert und aus brandschutztechnischen Sicherheitsgrnden mit Stickstoff ausgetragen. Das kleingeshredderte Material wird zusammen mit Vakuumrckstand in synthetisches Rohl umgewandelt und fliet durch eine Pipeline zurck in die Raffinerie.

282

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Voraussetzung fr die Wirtschaftlichkeit dieses Verfahrens ist der rumlich enge


Verbund mit den weiterverarbeitenden Betrieben.
In der Bottroper Anlage kann z.Z. 1 Mg/h Altkunststoff zusammen mit Vakuumrckstand aufgearbeitet werden. Ab Oktober 1993 sollten nach Inbetriebnahme
der Depolymerisationsanlage (Vorlseanlage) 40 000 Mg/a Kunststoffe hydriert
werden.
Ein weiterer Ausbau ber die genannte Kapazitt hinaus ist geplant. Angedacht
sind 6 zentrale Anlagen mit Kapazitten von jeweils 1,2 Mio. Jahrestonnen, davon
200 000 bis 250 000 g Altkunststoffe [4.38].
Ein weiteres Verfahren zur Verwertung von Kunststoffen ist die Hydrolyse.
Ziel der Hydrolyse ist es, durch chemische Reaktionen aus Altkunststoffen die
monomeren Ausgangsstoffe zu erhalten. Somit ist die Rckspaltung aller durch
Polykondensation oder Polyaddition hergestellten Kunststoffe wie z.B. Polyamide,
Polyester, Polycarbonate, Polyharnstoffe und Polyurethane mglich. Der Abbau
der Kunststoffe kann mit Wasser (Hydrolyse) oder mehrwertigen Alkoholen (Alkoholyse) bei Temperaturerhhungen und Entfernung mglicher Spaltprodukte aus
dem diskontinuierlichen Rhrkessel erfolgen [4.42].
Die flssigen oder gasfrmigen Spalt-Produkte knnen nach entsprechender
Aufbereitung zur Herstellung neuwertiger Kunststoffe eingesetzt werden.

4.2.6

Trocknungsverfahren
Die grte Bedeutung haben die Trocknungsverfahren bei der SchlammtrockDung
erlangt. Fr die Verfahrensauswahl ist von Bedeutung, ob der Schlamm stark geruchsbehaftet ist oder sich, wie manche Papierschlmme, nahezu geruchsneutral
verhlt. Bei geruchsbehafteten Schlmmen empfiehlt sich die Verwendung eines
indirekten Trocknungsprozesses, wie z.B. die Wirbelschicht mit Brdenkreislauf.
Hier kann das verdampfte Wasser kondensiert werden, und das Fluidisierungsmedium (berhitzter Wasserdampf) wird im Prozekreislauf gefiihrt. Geruchsbelstigungen sind somit weitestgehend ausgeschlossen.
Bild 4.95. zeigt die indirekte Trocknung im Brdenkreislauf [4.147]. Nicht geruchsbelastete Schlmme knnen auch konvektiv im offenen System z.B. unter
ausschlielicher oder zustzlicher Verwendung heier Rauchgase getrocknet werden. Die dabei anfallenden Abgase sind trocken oder na zu reinigen. Die
Trocknung im konvektiven offenen System zeigt Bild 4.96.
Bei der Konvektionstrocknung stehen die Trocknungsmedien, Rauchgase, berhitzter Wasserdampf oder Brden, Luft, direkt mit dem Schlamm in Berhrung
und nehmen das aus dem Schlamm verdampfenden Wasser in sich auf. Bei geschlossenen Systemen, welche mit erhitzten Brden arbeiten, werden in einem
Khler die berschubrden kondensiert (Bild 4.95.). Bei offenen Systemen verlassenen die noch heien Rauchgase zusammen mit dem Wasserdampf den Trockner. Bei der Kontakttrocknung wird die Trocknungsenergie indirekt an das Trokkengut zugefiihrt. Zwischen dem Schlamm und dem Heizmedium befindet sich
eine Wand, welche den Schlamm und das Heizmedium, meistens Wasserdampf
mit einigen HPa berdruck, voneinander trennt. Durch mechanische Einrichtungen wird der Schlamm in intensivem Kontakt mit der beheizten Wand gehalten,

4.2 Thermische Verfahren

Feuc httorod ukt

.
~

Wasserdampf
zur
Kondensation

r- ,.

,i
Wrmetrgervorlauf

.....
WrmetrgerrOcklauf

283

{>

Trockenprodukt

C:::.

L.................. J

Bild 4.95. Indirekte Trocknung im Brdenkreislauf[4.147]


Abgas

Feuchtprodukt

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i
Wasserdampf
zur Kondensation

Trockenprodukt

heie Rauchgase

__________ .......................

l.
~----

Bild 4.96. Trocknung im offenen konvektiven System [4.147]

wobei das Wasser im feuchten Schlamm verdampft. Das Prinzip der Schlammtrocknung ist in Bild 4.97. dargestellt.
Der Wrmebedarf filr die Schlammtrocknung setzt sich zusammen aus der Verdampfungsenthalpie von 2,26 MJ/kg (bezogen auf verdampftes Wasser) und der
Enthalpiedifferenz zur Erwrmung des Schlammes von z.B. 30 auf 100 C. Die
Verdampfungswrme macht dabei den grten Anteil aus und ist abhngig von
dem tatschlich verdampften WasseranteiL Die Wrmeverluste hngen vom jeweiligen Verfahren ab.
Der linke Teil von Bild 4.98. zeigt den Energieflu filr herkmmliche Konvektionstrockner. Die Verluste werden vor allem durch den latenten Brdenverlust
und durch den Verlust der filhlbaren Wrme im Rauchgas bestimmt. Das mittlere

284

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

KC.V[KT ICNSTROCKNUNG
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Bild 4.97. Thermische Trocknung vom Klrschlamm

Energiequelle

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...

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400
200
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Dampfholzung

Fossile Befeuerung

Kcnvekticns~

Trommelln>cl<nw

Dampf-Wirt>elsdlidiHrod<ner

RaJcng.

Trac_...,

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Bild 4.98. Wrmefludiagramm filr Trockner [4.186]

Teilbild zeigt den Energieflu in einem Kontakttrockner, der mit Schleppluft und
Brdenabgabe arbeitet. Der Abgasverlust ist gegenber dem Konvektionstrockner
vermindert. Die Wrmeverluste treten bei Kontakttrocknem im wesentlichen beim
Kessel auf. Der Wirkungsgrad liegt bei ca. 65 bis 80 %. Der spezifische Energieverbrauch (Brennstoff* Heizwert* verdampftes Wasser) liegt bei ca. 3,1 MJ/kg.
Das rechte Teilbild zeigt den Energieflu filr einen Dampf-WirbelschichtTrockner, bei dem ca. 83 % der durch den Heizdampf eingebrachten Wrmemenge
durch die Brdenkondensation als Heiwasser mit ca. 90 C wieder zurckgenommen werden. Der Wirkungsgrad von Wirbelschichttrocknem liegt bei 75 bis
ber 80 %. Fr die Trocknung werden ca. 3 MJ/kg thermische Energie pro Kilogramm Wasserverdampfung bentigt, whrend beim Konvektionstrockner hierfilr
4 MJ/kg thermische Energie aufzuwenden sind [4.186].

Trocknungsverfahren fr Kllirschlamm
Die thermische Trocknung von Klrschlamm ist lediglich als weitergehende Klrschlammbehandlung zu verstehen.

4.2 Thermische Verfahren

285

Je nach Randbedingungen kann die Wahl eines Schlammtrocknungsverfahrens


unterschiedlich ausfallen [4.185]:
- Energieversorgung und -preise,
- Standort,
- Anlagengre,
- Verwertung des Trockenklrschlammes.
Es werden sich nur solche Verfahren zur Schlammtrocknung durchsetzen, die
folgende Anforderungen erfiillen:
- geringste Umweltbelastung durch Minimierung aller Emissionen,
- Erzeugung einer Produktqualitt in bezug auf Restfeuchte und Krnung, die
eine weitergehende Verwertung zult,
- einwandfreies Produkt, niedriger spezifischer Energieverbrauch,
- wenig personeller und materieller Aufwand fiir Betriebsberwachung, Wartung
und Instandhaltung,
- mglichst geringe Investition [4.147].
Durch die Trocknung lt sich aus Frisch- oder Faulschlamm ein Iager- und streufhiges Produkt erzeugen. Die Trocknung bentigt einen Energietrger - Heizl/Erdgas/Faulgas- und ist vornehmlich dann interessant, wenn gengend Faulgas
bzw. Abwrme aus einer Schlamm- oder Mllverbrennungsanlage zur VerfUgung
steht.
Nach Art der Wrmezufuhr kann im wesentlichen unterschieden werden zwischen folgenden Trocknungsarten und Beispielen fiir das Verfahrensprinzip:
I. Kontakttrocknung
- Dnnschichttrockner,
- Scheibentrockner,
- Wirbelschichttrockner.
2. Konvektionstrocknung
- Trommeltrockner,
- Schwebetrockner,
- Etagentrockner,
- Bandtrockner.
Bei der Trocknung von Klrschlamm entweichen neben Wasser auch andere
flchtige Inhaltsstoffe. Die nach der Brdenkondensation verbleibenden nicht
kondensierbaren Gase knnen durch Mitverbrennen im Wrmeerzeuger desodoriert werden. Rohschlamm kann wiederum mit der bei der Brdenkondensation
freiwerdenden Wrme erhitzt werden. Diese niederthermische Konditionierung
spart Flockungsmittel und erzielt bessere Entwsserungsgrade.
Bei den reinen Trocknungsverfahren haben sich die Kontakttrockner gegenber
den Konvektionstrocknern durchgesetzt, whrend letztere hufig in Verbindung
mit einer anschlieenden Verbrennung des getrockneten Klrschlammes anzutreffen sind (z.B. Etagenofen, Etagenwirbler).

Kontakttrockner
Bei diesem Trockner wird die erforderliche Wrme ber beheizte Flchen auf den
Schlamm bertragen, wobei das Trockengut hufig umgeschichtet werden mu.
Die Erwrmung der Heiflchen erfolgt durch Dampf, Heiwasser oder Thermol.

286

Med\lnil.c:tle

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Entw~He~Wtg

DOnntdllal'l'ltnVorwlr~

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1 ttul\g: 2 ~

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Trocbnsc:[Link]

Bild 4.99. bersicht einer zweistufigen Klrschlammtrocknung

Dnnschicht- und Scheibentrockner


Das Bild 4.99. zeigt das Verfahrensfliebild einer zweistufigen Klrschlammtrocknung, bestehend aus einem Dnnschichttrockner und einem Tauchscheibentrockner.
Nach der Trocknung im Dnnschichttrockner auf einen Trockensubstanzgehalt
von 35 bis 65% knnen alternativ zur zweiten Trocknungsstufe eine Verbrennung
im Wirbelschichtofen, die Verbrennung gemeinsam mit Hausmll oder die Ablagerung auf Deponien nachgeschaltet werden. Der getrocknete Schlamm aus der
zweiten Trocknungsstufe lt sich nach einer Aufbereitung (Khlung, Entstaubung, Granulierung) in verschiedenen Bereichen stofflich oder thermisch verwerten. Hierzu zhlen die
- landwirtschaftliche Verwertung,
- Verwertung in der Asphaltindustrie,
- Verbrennung im Kohlekraftwerk mit Wirbelschicht- oder Schmelzkammerfeuerung, Verbrennung in der Ziegel- und Zementindustrie,
- Verbrennung in Mllverbrennungsanlagen.
Der verwendete Dnnschichttrockner ist horizontal angeordnet und arbeitet nach
dem Prinzip der dnnen Schicht. Die dnne Schicht wird dadurch erreicht, da der
zentral angeordnete Rotor im Schlamm Zentrifugalkrfte erzeugt, die grer als
die Schwerkraft sind. Die dnne Schicht in der Grenordnung von Millimetern
bis Zentimetern bewegt sich regelmig verteilt entlang des mit Sattdampf beheizten Rohres. Durch den intensiven Kontakt mit der beheizten Wand verdampft
das Wasser, und derBrden verlt den Apparat im Gegenstrom zum Produktflu.
Das Bild 4.100. zeigt die verschiedenen Zonen der Schlammkonsistenz im Trockner und gibt den prinzipiellen Verlauf des TS-Gehaltes entlang des Apparates wieder. Es sind folgende Zonen zu unterscheiden:

4.2 Thermische Verfahren

NASSZOHl

II~UUONl

PU~ VlAZQNt

THIXOTROP

ZIIHPASTOS

AI(S(lfAHIG

6
avrttrtltl'ltndt

Rolortltmtnlt

tcttntfdtndt

Aotoreltmtntf

287

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vmwJiundt

RCIIIOftlmtntt
TROCKlN5Ck~AI"II"I

Bild 4.1 00. Trocknungszonen im Dnnschichttrockner [4.188]

Zone A: Der Schlamm ist noch fliefhig, breiartig und lt sich auf der beheizten
Wand verstreichen.
Zone B: Der Schlamm wird teigig, viskos und die Rotorelemente brechen die
feuchte Schicht in Einzelteile auf.
Zone C: Der Schlamm wird oberflchentrocken, krmelig, und die Rotorelemente
sorgen durch Umwlzen ftir einen intensiven Kontakt mit der Heizwand.
Die Aufenthaltszeit des Schlammes im Apparat betrgt einige Minuten und kann
durch spezielle Einbauten wie Stauringe, tbrdernde oder bremsende Rotorelemente
den spezifischen Schlammeigenschaften angepat werden.
Die spezifische Verdampferleistung ist vergleichsweise hoch und kann bei gnstigen Verhltnissen bis zu 100 kg/hm2 erreichen [4.188].
Die Nachtrocknung (in der zweiten Stufe) auf hchste Trockenstoffgehalte erfolgt in einem Langzeittrockner. Den Aufbau und die Funktionsweise des Tauchscheibentrockners zeigt das Bild 4.10 1.
Der dargestellte ROV ACTOR besteht aus einem trogfOrmigen Mantel und einem mit Schaufeln bestckten Rotor. Der Mantel, der Rotor und die Schaufeln
sind mit Sattdampf beheizt, und der Apparat wird mit ca. 50 % Fllung betrieben
[4.188]. Die Verweilzeit betrgt 30 Minuten bis zu einer Stunde, und es werden
problemlos Trockenstoffgehalte von ber 90% erreicht. Die Verdampferleistung
betrgt, je nach Schlammart, bis zu 15 kgl(hm2 ).
Wirbelschichttrockner
Das Verfahren der Wirbelschichttrocknung kann je nach Schlammherkunft und der
geforderten Endproduktspezifikation modifiziert werden. Neben der eher sekundren Unterscheidung von Roh- und Faulschlmmen ist insbesondere im Hinblick
auf die Wahl derFrder-und Strukturiereinrichtung zwischen leicht pumpfhigen
und nicht pumpfhigen Schlmmen zu unterscheiden. Im ersten Fall wird zur
Strukturierung eine Trockengutrckfhrung bentigt.
Einen groen Einflu auf die Wahl der Verfahrensvariante haben auch die gewnschte Restfeuchte und die Produktform. Beim Wirbelschichttrocknungs-

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

288

Proclul<l E<!ltftl

Helt/K(tlmiltol EINritt

DlthdtllthiOtvung

Produkt Ausirin

Rovactor-Tauchscheibe

Bild 4.101. Rovactor-Tauchscheibentrockner [4.188]


BRUEDN I Io C ZUR

KONDENSATION
ODER

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~~CHvERBRENNUNG

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90 -96Y. TS

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Bild 4.102. Herstellung von Trockengranulat mit Trockengutrckfiihrung [4.147]

verfahren ist es problemlos mglich, den Klrschlamm in einer Stufe auf bis zu
98 % TS zu trocknen.
Restfeuchten zwischen 50 und 90 % werden durch Feuchteeinstellung im Mischer vor bzw. nach der Trocknung erreicht. Es lassen sich verschiedene Verfahrensvarianten durchfilhren:
Herstellung von Klrschlammstaub,
- Herstellung von Feuchtgranulat (Teiltrocknung),
Herstellung von Trockengranulat ohne Granulat-Rckfilhrung,

4.2 Thermische Verfahren

289

Bild 4.103. Drehtrommeltrockner [4.183]

Schlammentwsserung

Brennkammer

Bild 4.104. Seilers-Koppers-Trockner [4.183]

- Herstellung von Trockengranulat mit Trockengutrckfiihrung.


In Bild 4.102. ist schematisch die Trockengranulatherstellung mit Trockengutrckfiihrung dargestellt.
Konvektionstrockner
Bei den Konvektionstrocknem haben die meisten Aggregate fiir groe Durchstze
keine Bedeutung. Auch Strom- oder Sprhtrockner sowie Mahltrockner, bei denen
der Schlamm in schnellstrmendes bzw. ruhendes Heigas eingebracht wird, haben keine Verwendung gefunden.
Trommeltrockner
Zum Einsatz bei der Klrschlammtrocknung kommen hufig Trommeltrockner
(Bild 4.1 03.). Sie sind einfach und robust gebaut. Das leicht geneigte und zylindrische Stahlrohr rotiert langsam um seine Achse, wobei der Schlamm durch Rieseleinrichtungen stndig umgelagert wird. Schlamm und Heigas werden meist am
gleichen Trommelende eingeleitet, d.h. die Trocknung erfolgt im Gleichstrom.
Dadurch wird ein Entznden des Schlammes vermieden. Das Trockengut gelangt
am Trommelausgang in einen nachgeschalteten Zyklon. Beim Trommeltrockner
liegt der Trockensubstanzgehalt bei 80 bis 95 %.

290

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

*'Ir

Produlrtaintrog

Produktaustrag

O l~

Bild 4.105. BF-Verfahren zur Klrschlammtrocknung und -verbrennung [4.182]

Beim Seilers-Koppers-Trockner besteht die Trommel aus 3 konzentrisch ineinanderliegenden Zylindern, die der Schlamm nacheinander durchlaufen mu (s. Bild
4.104.).
Schwebetrockner
Bei der Trocknung im Fliebett verdampft das im Schlamm enthaltene Wasser in
einem Strom senkrecht aufsteigender Heigase. Wrmetrger knnen Rauchgase
oder berhitzter Wasserdampf sein. Die Trennung von Heigas und Abgas (Brden) sowie Trockengut erfolgt im Zyklon. Das Aufgabegut mu auf ca. 25 bis 30
% TS vorentwssert werden. Bei manchen Verfahren mu dem Schlamm getrocknetes Material zugemischt werden, um ein Verkleben zu vermeiden.
Die Zerkleinerung des Schlammes und Vermischung mit den Rauchgasen erfolgen beim Raymond-Verfahren in einer Kfigmhle, beim Mahltrockner in einer
Geblseschlgermhle.
Beim HF-Verfahren (BF: Bergbau-Forschung) zur Klrschlammtrocknung und
-Verbrennung (Bild 4.1 05.) wird der Schlamm in breiiger und fliefiihiger Konsistenz mittels Exzenterschneckenpumpen in die Sandwirbelschicht des Trockners
gefrdert. In dieser Wirbelschicht wird der Schlamm zerkleinert, dispers verteilt
und bei Temperaturen von 150 C getrocknet.
Die dabei entstehende pulverfrmige Trockensubstanz wird mit dem Abgas aus
dem Wirbelschichttrockner ausgetragen und in einer nachgeschalteten Feststoffabscheidung vom Abgas getrennt. Die Trockensubstanz kann alternativ in einem
Feststoffbrenner als Brennstoff eingesetzt oder einer externen Verwertung zugefiihrt werden. Das bei der Feststoffverbrennung entstehende Rauchgas wird mit
rckgefiihrtem Abgas aus dem Wirbelschichttrockner (bis zu 80 %) vermischt und
dient im Trockner als Wirbelgas und Wrmetrger. Vor Eintritt in den Wirbeltrockner erfolgt die Ascheabtrennung [4.182].

4.2 Thermische Verfahren

291

Bild 4.106. Kombinierter Etagentrockner und -ofen [4.183]

Etagentrockner
Etagentrockner wurden in den vergangeneo Jahren in Deutschland mit Etagenfen
zur Verbrennung des Klrschlammes kombiniert [4.183]. Einen solchen Etagenofen zeigt Bild 4.1 06.
Der Etagenofen besteht aus einem senkrechten Zylinder mit horizontal angeordneten Zwischenbden, die wechselweise am Innen- und Auenrand Durchfallffnungen fiir den Klrschlamm besitzen. Der Schlamm wird in den verschiedenen
Etagen von Krhlarmen transportiert, die ber eine gemeinsame Welle angetrieben
werden. Rauchgase und Schlmme bewegen sich im Gleichstrom von oben nach
unten.
Bandtrockner
Fr kleinere Mengen Klrschlamm eignen sich Bandtrockner. Dieses Verfahren ist
als Monoverfahren konzipiert, d.h. der Schlamm durchluft die Anlage in einem
Arbeitsgang und wird nicht in Produktstrmen aufgeteilt (z.B. Rckmischen, um
den Schlamm mit Trockengut aufzukonzentrieren). Es entfiillt dadurch eine Vielzahl von Maschinen wie Frderaggregate, Mischer, Siebe, Staubfilter usw. Das
Trocknungsprinzip zeigt das Bild 4.107.
Vorentwsserter Klrschlamm wird als lockeres Haufwerk auf dem perforierten
Band abgelegt und vom Heigas durchstrmt.
Beim SEV AR-Trocknungsverfahren werden die anfallenden Schlmme zu einer
wrstchenfrmigen Struktur verformt und auf das Trocknerband gelegt. Whrend
des Trocknungsvorganges kommt es zum Schrumpfungsproze und aufgrund der

292

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Ein groer Schlammbrocken mu sehr lange aufgeheizt werden,


bis das eingeschlossene Wasser an die Oberflche nach auen
gelangt und von der trockenen Luft mitgenommen werden kann.
Eine kleine Schlammstruktur bringt sehr schnell das Wasser an die
Oberflche.
Die Schlammauflage im Trockner erfolgt in wrstchenf<irmiger
Struktur (Wasseranteil ca. 70-80%)
Whrend der Wasserverdampfung kommt es zum Schrumpfungsproze. Die wrstchenf<irmige Struktur erhlt eine porse Auenhaut.
Der Querschnitt wird effektiv kleiner, die Oberflche weitet sich
durch das Aufspringen der Auenhaut deutlich aus.

lllllllllllllllll

Im Trockner befindet sich whrend des Normalbetriebes ein gut


durchlUftbares Haufwerk.

Bild 4.107. Trocknungsprinzip des SEV AR-Trocknungsverfahrens [4.181]

1 Trocknelt)and
21..uftfhrung

3 Formpresse
4 Haufwerk (Produkt)
5Abwurf

Schl8mmaulgabe
Trocknerbauweise

in Standardelementen
gern . Baukastensystem
( Se~enansich!)

Jede Kammer hat einen


Umluftventilator und
einen eigenen Zuluft und
Abluftanschlu
(Ouerschnltl)

(Draufslcht)

Bild 4.108. Trockneraufbau des SEVAR-Bandtrockners [4.181]

speziellen Verformung der "Schlammwrstchen" zu einer Vergrerung der Oberflche.

4.2 Thermische Verfahren

293

Bild 4.109. Klrschlammtrocknung auf der Klranlage Abifeld [ 4.180]

Die Trocknung luft bei Temperaturen von 80 bis 150 C ab und kann direkt mit
geringer, aber auch ohne Abluft betrieben werden. Die Luftfiihrung erfolgt innerhalb des Systems automatisch. Das Bild 4.1 08. zeigt den Trocknerautbau.

Verfahren der Schlammtrocknung


Seit 1979 wird in der Stadt Alfeld!Leine eine Klrschlammentwsserungs/Trocknungsanlage betrieben, in der durch Wrmerckgewinnung und speicherung die thermische Trocknung ausschlielich mit anfallendem Faulgas,
ohne Fremdenergie, vorgenommen wird. Das in Granulatform anfallende Trokkengut wird vorwiegend zur Beheizung der Trockentrommel eines Asphaltmischwerkes benutzt, kann aber auch im Landbau verwendet werden [4.180].
Der ausgefaulte Schlamm wird zunchst auf Siebbandpressen auf einen Feststoffgehalt von ca. 25 bis 37 % entwssert. Das bei der Faulung anfallende Gas
dient der Heigaserzeugung bei der Trocknung und bei Faulgasberschu der
Stromerzeugung. Der vorentwsserte Schlamm wird zunchst mit Trockengut im
Verhltnis 1: 1 vermischt und der Trockentrommel zugefiihrt. Durch das Vermischen werden Anbackungen verhindert, und es entsteht ein krmeliges Produkt mit
50% TS.
Die Trocknung erfolgt durch Verbrennung der Faulgase. Die heien Rauchgase
werden im Gleichstrom durch den Trommeltrockner gefiihrt. Der Brden und das
in Granulatform anfallende Trockengut mit einem Feststoffgehalt von 90 bis 95%
werden, wie im Bild 4.109. gezeigt, im Zyklon getrennt. Das Klrschlammgranulat
wird zum Asphaltwerk abtransportiert und dort zunchst auf eine Komgre von
70 bis 90 mm in Hammermhlen zerkleinert. Der gemahlene Brennstoff wird aus
der Mhle abgesaugt, in einem Zyklon abgeschieden und in einem Silo zwischengelagert.
Verfeuerung des pulverfrmigen Brennstoffes erfolgt in einem Zweistoffbrenner (Klrschlammpulver/Heizl). Die anfallende Klrschlammasche (50% des

294

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

getrockneten Klrschlammes) wird zum Teil im Mischgut eingebunden. Ein


Groteil der Asche wird zusammen mit dem Gesteinsstaub in der Filteranlage
abgeschieden, gelangt dann in den Silo der Mischanlage und wird schlielich dem
Mischgut zudosiert. Es entstehen keine Verbrenungsrllckstnde, die entsorgt werden mssen. Die in den Brennstoffen enthaltenen Schwermetalle werden zu 99,5 %
im Mischgut wasserunlslich eingebunden.
Eine kombinierte Mll-Klrschlamm-Verbrennung stellt die Anlage Marktoberndorf dar, bei der Klrschlamm in einem Etagentrockner vorgetrocknet wird
und dabei der TS-Gehalt von ca. 18 auf30% erhht wird [4.178]. Eine Besonderheit der 1976 in Betrieb gegangenen Anlage, die 1985 umgebaut wurde, stellt die
gemeinsame Rauchgasreinigung der Brden aus der Trocknung und der Abgase
aus der Verbrennung dar.

[Link]

Sonstige Trocknungsanlagen

Ein einfacher und robuster Trockner wird schon seit langem filr die Schlammtrocknung und Trocknung sonstiger Abtalle (z.B. Holz, Rinde, Stroh) eingesetzt.
Hauptbestandteil ist eine schwach nach dem Ausfallgehuse hin geneigte Stahltrommel. Sie rotiert langsam um ihre Achse und lagert dabei durch fest in der
Trommel eingebaute Vorrichtungen das zu trocknende Gut um. Verweilzeit und
Trocknungszeit knnen durch eine verstellbare Stauvorrichtung reguliert werden
[4.183]. Rauchgase und Brden werden durch einen Ventilator abgesaugt und
behandelt.

4.3

Biologische Verfahren

Die biologische Abfallbehandlung beruht auf dem Abbau von organischer Substanz durch verschiedene Mikroorganismen. Der Abbau erfolgt bei den Kompostierungsverfahren unter Luftzufuhr, beim Biogasverfahren unter Luftabschlu und
ftlhrt zu einer Reduktion der ursprnglichen organischen Stoffe.
Die Zielsetzung der biologischen Verfahren kann einerseits als Verwertungs-,
andererseits als Entsorgungsverfahren ausgerichtet sein. Getrennt erfate organische Abfiille stellen ein verwertungsflihiges Potential dar, das in Kompostierungsund Vergrungsanlagen oder in kombinierten Konzepten stofflich genutzt werden
kann. Zum Zwecke der Entsorgung des Restmlls nach einer Wertstoffabschpfung sind die biologischen Verfahren ebenfalls in der Lage, alternativ zu den Verbrennungsanlagen eine sogenannte "Kalte lnertisierung" des zu deponierenden
Restmlls durchzufUhren. In der 1993 in Kraft getretenen TA Siedlungsabfall wird
eine Untersuchung ber die Eignung der biologisch mechanischen Aufbereitung
gefordert.

4.3 Biologische Verfahren

295

4.3.1
Kompostierungsverfahren
Die Kompostierung gehrt wie die Deponierung und Verbrennung zu den klassischen Verfahren der Abfallbehandlung. Es ist eine kologisch sinnvolle Behandlungsmethode, da der organische Anteil im Abfall, der rund 40 Gew.-% des Hausmlls betrgt, wieder in den natrlichen Kreislauf zurckgefiihrt wird. Verglichen
mit anderen Abfallbehandlungsmethoden fiihrt die Kompostierung nur zu geringen
Umweltbelastungen.
In der Bundesrepublik Deutschland befmden sich im Dezember 1998 558 Kampostwerke fiir organische Abflle (Bio- und Grnabflle) aus getrennter Sammlung
in Betrieb, die jhrlich ungefhr 6, 7 Mio Mg durchsetzen knnen.
Neben der Kompostierung von Siedlungsabfllen in Kompostanlagen werden
pflanzliche und andere organische Abflille dezentral in der Landwirtschaft, in
Grtnereien oder im eigenen Garten kompostiert. Allerdings kann die dezentrale
Kompostierung, vor allem in stdtisch geprgten Gebieten, kein Ersatz fiir die
abfalltechnische Behandlung in Kompostwerken sein. Sie bietet sich vorwiegend
in lndlich strukturierten Gebieten an.
[Link]
Grundlagen der Kompostierung

Stoffliche Bedingungen
Abflle, die einer Kompostierung zugefUhrt werden sollen, mssen berwiegend
organisch zusammengesetzt und hinsichtlich ihres Schadstoffgehaltes nur sehr
gering belastet sein. Die wichtigsten eingesetzten Abfallstoffe sind:
- Bioabflle (getrennt gesammelte Kchen- und Gartenabflle),
- Garten- und Parkabflle,
- hausmllhnliche Gewerbeabflille, Kchenabflle,
- organische Rckstnde der Nahrungs- und Genumittelindustrie,
- Klrschlamm.
Der Anteil dieser Stoffgruppen am Gesamtabfall der Bundesrepublik Deutschland
betrgt 50 bis 60 Gew.-%.

Abbaubare organische Stoffe


Die gesamte organische Substanz (TOS) setzt sich aus wirksamer, abbaubarer
organischer Substanz (WOS) und resistenter, nicht abbaubarer Substanz (ROS) zusammen. Je nach WOS-Anteil, bezogen auf die TOS, wird beim Abbau eine mehr
oder weniger groe Volumenreduktion erreicht.
Tabelle 4.24. gibt Aufschlu ber die Anteile einzelner Stoffgruppen im Hausmll sowie deren Abbaubarkeit.
[Link]
Da der Abbau organischer Substanz durch Mikroorganismen erfolgt, mu ein
ausgewogenes Nhrstoffverhltnis vorliegen. Neben der abbaubaren organischen
Substanz sind mineralische Stoffe als
- Nhrstofflieferanten (Stickstoff, Phosphor, Kalium),

296

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Tabelle 4.24. Biologische Abbaubarkeit und Anteil organischer Stoffgruppen im Hausmll


Stoffgruppe im Hausmll

Abbaubarkeit

Anteil am Hausmll [%]

Kohlenwasserstoffe
Kohlenhydrate

praktisch nicht

Spuren

Zucker, Strke

sehr gut

II

Hemicellulose

sehr gut

63

Cellulose
Lignin

gut

19

schwer
gut

Mucine

sehr gut

Keratine

sehr schwer

Fette, le, Wachse nach Erhitzung


Proteine

- Lieferanten von Spurenelementen fr Mikroorganismen und Pflanzen,


- alkalische Puffermedien zur Neutralisation von C02 und organischen Suren,
- Adsorptionsflchen fr die bei der Rotte entstehenden Zwischen- und Endprodukte,
- Siedlungsflchen fr zahlreiche Mikroorganismenarten erwnscht.
Eine besondere Bedeutung kommt dem Verhltnis von Kohlenstoff zu Stickstoff
(C/N-Verhltnis) zu. Die Rohstoffe fr die aerobe Rotte sollten ein optimales C/NVerhltnis von 3511 haben, da die Mikroorganismen fiir ihren Bau- und Betriebsstoffwechsel dieses Mischungsverhltnis bevorzugen. Das optimale C/NVerhltnis lt sich durch die Beigabe z.B. durch die entsprechenden Mengen von
Altpapier (C/N = 300), Kchenabfllen (C/N = 25), Klrschlamm (C/N = 15),
Weizenstroh (C/N = 128) und Sgemehl (C/N = 500) einstellen. Nach Abschlu
der Rotte sollte das C/N-Verhltnis bei 15 bis 20 liegen, was der Nhrstoffzusammensetzung der Kulturbden entspricht.
Ist das C/N-Verhltnis des aufgebrachten Kompostes< 20, so wird dem Boden
Stickstoff entzogen, ist das C/N-Verhltnis wesentlich kleiner als 15, so wird
Stickstoff im Boden freigesetzt, der aufPflanzen eine giftige Wirkung haben kann.
pH-Wert
Der pH-Wert sollte zwischen 7 und 9 liegen [4.160], wobei dieser zu Beginn der
Rotte aufgrund der Bildung von Fettsuren, der COrProduktion und der Nitrifikation zunchst absinkt und nach einer Bakterienumstrukturierung langsam wieder
ansteigt [4.160].

Verfahrenstechnische Bedingungen
Wassergehalt
Die Mikroorganismen nehmen Nhrstoffe in molekular gelster Form ber eine
semipermeable Membran auf, weshalb im Rohkompost ein Wassergehalt von 55%
eingestellt werden sollte. Unterhalb von 20 % Feuchte sind keine biologischen
Vorgnge mehr mglich. Der Wassergehalt im Hausmll betrgt 20 bis 40%, so
da Feuchtigkeit zugegeben werden mu. Es bietet sich dazu eine Klrschlammbeimengung an.

4.3 Biologische Verfahren

297

-----T---1
Intensive
Phase

Stobllfsferun sphose

Abkhl hose

Plateauphose

t:

I
J:

a.

'l __~.~---'-------'----'-----1~
6

9
8
Rollezeit in Wochen

Bild 4.11 0. Typischer ph-Wert-Verlauf whrend der Rotte [4.160]

Luftporenvolumen
Das Luftporenvolumen sollte im Bereich 25 bis 35 % [4.160] liegen. Luftporenvolumen und Wassergehalt stehen damit zueinander in Konkurrenz.
Sauerstoffbedarf
Der Sauerstoftbedarf bei der aeroben Rotte betrgt etwa 2 g 0 2/goTS (=2 I Luftig
Frischmaterial) [4.160]. Im Verlauf der Rotte nimmt der Abbau an organischer
Substanz pro Zeiteinheit und damit auch die Atmungsaktivitt ab. Der hchste
Sauerstoffverbrauch ist im Temperaturbereich von 60 C zu erwarten.
Belftung
Bei geschlossenen Rottezellen und belfteten Mieten erfolgt die Belftung mittels
Druck- und Saugsystemen. Dabei erweist sich auf den begrenzten Raum eine differenzierte Luftsteuerung als vorteilhaft, um die Negativwirkung mglicher Luftdurchbrche zu vermeiden. In unbelfteten Systemen erfolgt eine Sauerstoffversorung durch Diffusion und Thermik bzw. durch Umsetzen der Mieten. Die Eindringtiefe durch Diffusion betrgt etwa 70 cm, weshalb unbelftete Mieten nicht
zu hoch aufgeschttet werden sollten. Bei der Belftung sollte mehr Sauerstoff, als
theoretisch bentigt wird, der Miete zugefiihrt werden, damit der aerobe Abbau
sichergestellt ist. Eine Unterversorgung mit Sauerstoff kann zu Faul- und Grungsprozessen und dadurch zu Geruchsstoftbildung fiihren. Eine Beurteilungsmglichkeit der Rottevorgnge bietet der Respirationsquotient RQ [4.169], der das
Verhltnis von C0 2 zu 0 2 in der Rottezuluft und -abluft angibt und somit Rckschlsse auf die Qualitt der Sauerstoffversorgung zult.
Aktive Oberflche
Fr eine erfolgreiche Rotte ist eine mglichst groe aktive Oberflche des Kompostrohstoffes ntig, weshalb dieser vor der Rotte entsprechend zerkleinert werden
mu [4.141].

298

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Biologische Bedingungen, Energieumsatz bei der Rotte


Am Rottevorgang beteiligte Mikroorganismen sind
- aerobe und fakultativ anaerobe Bakterien (vorwiegend Stbchen und Endosporenbildner),
- Actinomyceten (Strahlenpilze),
- Schimmelpilze,
- Algen und Protozoen.
Eine Impfung des Kompostrohstoffes ist nicht notwendig, da bereits smtliche fr
die Rotte erforderliche Mikroorganismen im Rottegut vorliegen. So enthlt I g
Mllklrschlamm mehrere Milliarden Keime.
Stoffwechsel
Die Mikroorganismen verwenden nur 20 % des organischen Kohlenstoffes fr
ihren Baustoffwechsel, whrend 80 % des organischen Kohlenstoffes dem Betriebsstoffwechsel und somit der Energiegewinnung dienen. Die freigesetzte chemische Energie tritt in Form von Wrme auf und filhrt zur Selbsterhitzung des
Rottegutes. Der Wrmeberschu betrgt etwa 33 bis 41 KJ/g Kohlenstoff[4.160].
Rotteverlauf, Temperaturentwicklung
Im Verlauf der Rotte kommt es zu einem temperaturbedingten Wechsel in der
Mikroorganismenzusammensetzung (Bild 4.110.). Man unterscheidet nach Temperaturbereichen in:
- Psychrophile (Bakterien, Schimmelpilze) bei -4 bis 30 C,
- Mesophile (Bakterien, Actinomyceten) bei 10 bis 45 C,
- Thermophile (Bakterien, Actinomyceten, mesophile Sporen) bei 45 bis 65 C
sowie einzelne thermophile Arten, die noch bei Temperaturen von 75 oc auftreten.
Oberhalb von 75 C finden keine biologischen Vorgnge mehr statt Bild 4.110.
zeigt den Temperaturverlauf im Komposthaufen. Folgende Phasen der aeroben
Rotte werden unterschieden:
- Anlaufphase der mesophilen Organismen mit einer Dauer von 12 bis
24 Stunden. Bis zur Selbsterhitzungstemperatur von 45 C kommt es zu einer
beschleunigten Vermehrung der Mesophilen, oberhalb dieser Temperatur nehmen die Keimzahlen wieder ab, und es schliet sich eine thermophile Population an.
- Phase der thermophilen Organismen mit einer starken Vermehrungsrate im
Bereich zwischen 45 bis 55 C. Oberhalb von 55 C nehmen die Keimzahlen
bis zu 75 C kontinuierlich ab. Selbsterhitzungstemperaturen von bis zu 100 C
beruhen wahrscheinlich aufrein chemischen Vorgngen (autooxidative, pyrolytische, Maillardreaktionen). Eine Hitzeschdigung der Mikroorganismen kann
dabei zur Verzgerung des Wiederbelebungsvorganges nach erfolgter Abkhlung filhren, weshalb Irrtmer bei der Beurteilung des Rottegrades mglich
sind.
- Abkhlungsphase mit einer erneuten Zunahme der Mesophilen bei Temperaturen unterhalb von 45 C. Insbesondere kommt es zur Massenentfaltung von Actinomyceten, die ein Zeichen fr die Kompostreife sein kann.

4.3 Biologische Verfahren

Abbauphase

Umbaup~ase

299

Aufbauphase

Bild 4.111. Temperaturverlauf im Komposthaufen [4.165]

Die bei der Rotte freiwerdende Energie ist fr den Rotteproze selbst erforderlich,
so da keine energetische Nutzung der Wrmeenergie mglich ist.

Abschlu der Rotte


Der Rotteproze ist beendet, wenn die biologische Aktivitt des Rottegutes abgeschlossen ist und leicht abbaubare Substanzen bereits umgesetzt wurden. Die Hygienisierung, also die Abttung von pathogenen Keimen fr Mensch, Tier und
Pflanze, ist im wesentlichen abhngig von Rottedauer und -temperatur. Nach dem
hygienisch-bakteriologischen Gteindex ist eine erforderliche Hygienisierung
unter folgenden Bedingungen zu erreichen:
- Mietenkompostierung mit Umsetzen: 2 Wochen mit mehr als 55 C,
- Brikollareverfahren: 3 Wochen mit mehr als 60 C,
- Rottetrommel; jedoch nur Abttung von Vegetaturformen: 6 bis 7 Tage mit
mehr als 60 C.
Zur Bestimmung des Rottegrades, als Kriterium fr die Anwendbarkeit des Kompostes, stehen mehrere Verfahren zur Verfiigung, die jedoch auf keiner allgemein
gltigen Skala beruhen. Die Verfahren beruhen auf biologischen Wirkungsanalysen zur Feststellung der Pflanzenvertrglichkeit bzw. der Atmungsaktivitt der
im Kompost vorhandenen Mikroorganismen. Die wichtigsten Verfahren sind:
- Selbsterhitzungsversuch im DEWAR-Gef,
- Bestimmung der Atmungsaktivitt im Sopromat,
- Kressetest als Kriterium der Wurzel- bzw. Pflanzenvertrglichkeit.
Intecosaurus lutulentus
Eine bislang noch kaum erforschte Methode des biologischen Abbaus von Abfllen ist der Einsatz des Mikroreptils "Intecosaurus lutulentus".
Erst 1985 wurde durch islndische Biologen diese neue Spezies im brasilianischen Urwald unweit des Amazonas entdeckt. Bisherige Untersuchungen an der
Zoologischen Forschungsanstalt Reykjavik ergaben nahezu unglaubliche Ergebnisse.
Der "Intecosaurus lutulentus" weist einen nach heutigem Stand des Wissens unbekannten Metabolismus auf, der die traditionelle Abfallwirtschaft von Grund auf
revolutionieren knnte.

300

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Erste Versuche zeigen eine vermeintlich unbegrenzte Aufnahme und Umwandlung


der unterschiedlichsten Stoffverbindungen (organisch, mineralisch, synthetisch)
und der zeitlich effektiven Ausscheidung nutzbarer Organika. Diese Fhigkeiten
lassen auergewhnliche Anwendungsgebiete erwarten, wenn sie sich auch auerhalb des Labors im technischen Mastab einsetzen lassen. Es ist zu hoffen, da die
Abfallwirtschaft sich dieser Mglichkeiten in Zukunft wird bedienen knnen.

Emissionen
Die Beeintrchtigung der Umwelt durch Kompostierungsanlagen ist gegenber
anderen Mllbeseitigungsanlagen gering. Die flssigen Reststoffe aus Kompostanlagen sind das aus dem Rottegut austretende Sickerwasser und das stark
verunreinigte Niederschlagswasser. Der Sickerwasseranfall ist weitaus geringer als
bei verdichteten Deponien. Er ist charakterisiert durch organische Belastungen und
hohe Salzgehalte und mu entweder in einer Nachklrung behandelt oder in den
Rotteproze zurckgeftlhrt werden.
Staubemissionen treten bei allen Kompostierungsverfahren auf. Durch Absaugung und Entstaubung der Bunker- und Hallenluft sowie staubfreie Mietenumsetzverfahren ist es grundstzlich immer mglich, die Emissionen sehr gering zu halten
[4.174]. Besondere Beachtung bei der Errichtung von Kompostierungsanlagen
verdient die Belstigung durch Geruchsstoffe (Osmogene), die zum Teil aus der
Anlieferung der Ausgangsmaterialien stammen, zum Teil von den Umsetzungsprodukten herrhren. Man unterscheidet biogene und abiogene Geruchsstoffe:
1. Biogene Geruchsstoffe
- vermeidbare Faul- und Grungsstoffwechselprodukte (H2S, Mercaptane, Cystein),
- unvermeidbare bergangsstoffwechselprodukte (organische Suren etc.),
- rottespezifische Stoffwechselprodukte (Aldehyde, Geosmin, Limonen).
2. Abiogene Geruchsstoffe
Gerche aus der Heirotte, die von chemischen Umsetzungsprodukten herrhren.
Emissionsquellen sind der Bereich der Lagerung, der Intensivrottebereich und der
Rottebereich bei Umsetzen der Mieten.
Geruchsmessungen knnen chemisch-instrumentell mittels FID (TOCBestimmung) bzw. GC-MS (Herstellung eines Osmogramms aus den Einzelkomponenten) oder olfaktometrisch (Bestimmung von Geruchsschwellenwerten) vorgenommen werden.
Eine Geruchsbekmpfung kann mittels
- Verbrennung der Abluft (z.B. Bunkerabluft als Verbrennungsluft in MVA),
- Adsorption der Geruchsstoffe an Aktivkohle oder Absorption in flssiger Phase
mit anschlieender Oxidation, z.B. mit Ozon,
- Bodenfiltration, z.B. in einem Biofilter,
erfolgen.
Bodenfiltration
Von den genannten Mglichkeiten stellt die Bodenfiltration eine preiswerte und
wirksame Methode zur Geruchsbekmpfung dar. Beim Biofilter werden die

4.3 Biologische Verfahren

301

Schadstoffe an einen festen Trger (z.B. Kompost, Torf, Heidekraut oder Baumrinde) abgeschieden und durch Mikroorganismen, die in wriger Phase auf dem
Trger angesiedelt sind, abgebaut. Um die Aktivitt der Mikroorganismen auf
einem hohen Niveau zu halten, mssen die Milieuanforderungen im Filterbett
hinsichtlich Feuchtigkeit, Sauerstoffgehalt, Temperatur und pH-Wert in mglichst
engen Grenzen gehalten werden. Der Wassergehalt sollte im Bereich von 20 bis
40 % liegen, die Kontaktzeit 0,5 bis 1 min und die Filtergeschwindigkeit im Mittel
I m/min betragen. Die Filterflchenbelastung betrgt etwa 100 m31h*m2 [4.161,
4.162, 4.163].

[Link]
Bioabfallkompostierung
Die Bioabfallkompostierung hat in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Whrend 1987/88 in der Bundesrepublik (alte Bundeslnder) 430 000
Haushalte an laufende Bioabfallaktivitten angeschlossen waren, erhhte sich die
Zahl 1999 auf ca. 20 Mio. Haushalte. Derzeit sind ber 558 Kompostwerke in
Betrieb, die neben Bioabfall auch Grnabflle kompostieren.
Die kompostierbare organische Fraktion im Hausmll (Garten-, Obst-, Gemseund Speiseabtalle sowie Hygienepapier) betrgt im Jahresmittel ca. 30 Gew.-% des
gesamten Hausmllaufkommens. Im Jahresgang kann dieser Anteil ein Spitzenwert
von ca. 60 Gew.-% in den Herbstmonaten erreichen. Tendenziell gilt, da das
Bioabfallaufkommen in Stdten geringer ist als auf dem Land. Die Spannweite
kann im Einzelfall erheblich sein.
In Tabelle 4.25. sind die Vegetabilienmengen fr Mittel- und Grostdte und
Landkreise dargestellt.
Tabelle 4.25. Erfate Bioabfallmengen aus Haushalten (1992) [4.106]
Erfate Bioabfallmengen

[kg/E*a]

Mittel- und Grostdte


Landkreise

70-120
80-180

Aufgrund verschiedener Verordnungen (u.a. Verpackungsverodnung) in den letzten Jahren hat sich die Hausmllzusammensetzung deutlich gendert. Der nichtorganische Wertstoffanteil ging strker zurck, und fr die Organikfraktion wurde
eine relative Erhhung im verbleibenden Restabfallaufkommen festgestellt
[4.106].
In der 1993 erlassenen TA Siedlungsabfall werden die Bioabtalle als Wertstoffbestandteile im Hausmll angesehen und sind demnach zu verwerten. Alle Bundeslnder haben in ihren Landesabfallsatzungen den Anschlu der Bioabflle an
die Biotonne umgesetzt.

302

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Tabelle 4.26. Schwermetallgehalte von Kompost aus der getrennten Sammlung in Gttingen
(1987); verglichen mit den Richtwerten der Bioabfallverordnung von 1998
Schwermetallgehalte

Zn

[mg/kg TS]

[mg/kg TS]

Bioabfallverordnung
1998
[mg/kg TS] [mg/kg TS]

min.

max.

Mittelwert

Kompost

Cu

95
13

Richtwerte

493

289

400

70
2,0

50
0,88

100

87

47

100

1,5

Cd

0,3

Cr
Pb

9
20

205

86

150

Ni

10

96

49

Hg

0,1

0,34

0,23

50
1,0

Die getrennte Erfassung dieser Abfallmenge wurde erstmalig in Witzenhausen


erprobt und hat seitdem groe Verbreitung gefunden. Je nach Bebauungsdichte,
Beteiligungsrate, Eigenkompostierung, Behltersystem und Jahreszeit knnen
zwischen 20 bis 200 kg/E*a erfat werden. In dem Modellvorhaben der Kornposttonne in Gttingen von 1985 bis 1987 wurden 49,3% der Abtalle in der
Komposttonne erfat. Pro Kopf wurden 131 kg/a Kompostrohstoff abgefahren
[4.155].
In der Regel mu auch hier mit Verunreinigungen von ca. 1 bis 5 % durch Papier, Pappe, Kunststoffe, Glas und Verbundstoffe gerechnet werden. Die Kornpostqualitt aus Bioabfall, verglichen mit herkmmlichem Mllkomposten, weist
insbesondere bei den Schwermetallgehalten deutlich bessere Werte auf. Die
Schadstoffgehalte bei den getrennt gesammelten Kompostrohstoffen sind gering
(Tabelle 4.26.).

Schematischer Aufbau einer Bioabfallkompostierungsanlage


Das Verfahrensschema einer Bioabfallkompostierungsanlage basiert auf den fr
alle Kompostanlagen typischen Anlagenteilen (Bild 4.112.): Grobautbereitung,
Rottesystem und Feinautbereitung. Das angelieferte Material wird bei der Grobaufbereitung von Strstoffen getrennt und zerkleinert.
Fr den anschlieenden Intensivrotteproze stehen verschiedene Verfahren zur
Verfgung, deren Einsatz in erster Linie von der Durchsatzmenge des Biomlls
bestimmt wird (vgl. Kap. [Link].3). Die abschlieende Feinaufbereitung dient
zum Trennen der noch verbleibenden Strstoffe.
Bild 4.113. zeigt exemplarisch die zu erwartenden Massenstrme bei der Kompostierung von Bioabfall [4.105].
Abfallannahme, Speicherung, Dosierung
Diese Verfahrensgruppe umfat
- Eingangswaage,

4.3 Biologische Verfahren

303

Bunker

Sichtkontrolle

Handauslese
!:. ______________
... r-----------.::
0

Bild 4.112. Verfahrensschema der grundlegenden Elemente einer Kompostierungsanlage [4.159]


Biomll100%

2 - 3% Siebreste

55-60%
Abbau
organischer Substanz
H2 0-Verlust

1 -2% Siebreste

35-40%
Fertigkompost

Bild 4.113. Massenstrme bei der Kompostierung von Bioabfallen [4.99]

- Entlademglichkeiten fiir Mllfahrzeuge,


- Bunker zur Entkopplung von Anlieferung und Behandlung,

304

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

- Vorbehandlungsaggregate,
- Frdergerte.

Anlieferung
Die Transportfahrzeuge passieren bei der Einfahrt auf das Gelnde der Kompostierungsanlage eine Eingangswaage. Bei der Ausfahrt werden die Fahrzeuge erneut
verwogen und das Differenzgewicht zum eingehenden Material fiir die Bilanzierung der Anlage herangezogen. Die Verwiegung beim Verlassen des Betriebsgelndes kann entfallen, wenn es sich um betriebseigene Abfalltransportfahrzeuge
handelt.
An den Entladestellen werden die Bioabflle aus den Fahrzeugen in den Annahmebunker entleert.
Der Bunker soll sowohl Schwankungen der Liefermengen ausgleichen als auch
ber eine an die Frequenz der Anlieferung angepate, erforderliche Zahl an Entladestellen verfilgen.
Bunker werden unterschieden in:
- einfache Aufgabetrichter zur Direktbeschickung,
- Grabenbunker,
- Flachbunkersysteme,
- Tietbunker,
- kombinierte Bunkeranlagen.
Die Beschickung der Anlage bzw. der Materialtransport innerhalb der Anlage
erfolgt mit
- Frderbndern und Frdergerten,
- Frontladern,
- Krananlagen.
Es werden folgende Frdergerte verwendet:
- horizontale und ansteigende Abzugs- (Platten-) Bnder,
- Gurtbandfrderer,
- Trogkettenfrderer und in Einzelfllen auch
- Frderrinnen (filr sehr kurze Entfernungen),
- Frderschnecken (speziell filr schlammige Stoffe),
- Becherwerke (zur Senkrechtfrderung).
Krananlagen
Diese werden zumeist halbautomatisch betrieben. Als Greifer dienen in der Regel
Mehrschalen-Polypgreifer mit 3 bis6m3 Inhalt.
Zur Verhinderung von Kollisionen zwischen Mllwagen und Krangreifer gibt es
folgende Lsungsmglichkeiten:
- Verriegelung zwischen Kranbetrieb und Abkippvorgang, was allerdings nur bei
vollautomatischem Kranbetrieb mglich ist.
- Schrge Rutsche zwischen Entladekante und Bunkerkante mit dem Nachteil
eines Nutzhhenverlustes.
- Trennung zwischen Entlade- und Bunkergebude mit hydraulischem Schieber
zur Bunkerbeschickung. Dieses ist eine gute, aber teure Lsung.

4.3 Biologische Verfahren

305

Als Standardlsung wird der Flachbunker mit einem Nutzvolumen entsprechend


dem l- bis 3fachen eines normalen Tagesanfalls angesehen. Lngere Lagerzeiten
sollten vermieden werden, der Bioabfall sollte so frisch wie mglich zur Verarbeitung gelangen.
Bunker und Entladestelle sollten geschlossen sein und mit Einrichtungen zur
Luftabsaugung und zur Verminderung von Staub- und Geruchsemissionen ausgerstet werden. Bunker mit Plattenbandentleerung sind wegen der begrenzten
Bandbreite nur fr kleinere Durchsatzmengen zweckmig. Sie sind relativ wartungsarm und knnen gleichzeitig als Dosiergert betrieben werden. Krananlagen
sind reparaturanflliger als Plattenbnder, bietenjedoch den Vorteil des rationellen
Senkrechttransportes zur Erzielung eines optimalen Verarbeitungsgeflles. Krananlagen mit manuell gesteuerter Aufgreiftechnik und automatischer Zielsteuerung
sind wirtschaftlicher als Vollautomaten. Fr Kompostwerke mittlerer Gre knnen Kombinationen aus einem greren Tiefbunker und einem oder mehreren
kleinen Aufnahme- und Dosierbunkern mit Plattenbandabzug sinnvoll sein
[4.159].
Bioabfallaufbereitung
Im Anlagenbereich Bioabfallaufbereitung werden die Bioabflle zum einen von
Strstoffen befreit und fr den Rottevorgang optimal aufbereitet.
Die Entnahme von Strstoffen erfolgt mit den Verfahrensschritten
- Sichtkontrolle im Annahmebereich,
- Siebung,
- Magnetscheidung,
- manuelle Sortierung.

Sichtkontrolle
Durch eine Sichtkontrolle im Annahmebereich soll erreicht werden, da grere
Mllbestandteile, die den Betriebsablauf mit hoher Wahrscheinlichkeit stren,
Einzelaggregate beschdigen und ganze Anlagenteile vorbergehend unbrauchbar
machen knnen, nicht in die Aufbereitung gelangen. Eine manuelle Sortierung von
Bioabfllen wird zwar teilweise durchgefhrt, aber vielfach wegen der gesundheitlichen Belastungen durch Keime und Gerche nicht empfohlen.
Siebung
Untersuchungen haben ergeben, da sich 98 % der Strstoffe in einer Siebfraktion
> 60 mm befinden. Gleichzeitig kann die Fraktion > 60 mm ohne weitere Zerkleinerung in die Rotte eingehen. Grundstzliche Siebtypen sind Rund- und Flachsiebe
(letztere als Schttet- oder Spannwellensiebe) mit runden, quadratischen, rechtekkigen oder rautenfrmigen Sieblchern.
Magnetscheider
Die Eliminierung der Eisenbestandteile erfolgt mit Trommelmagneten, berhandmagneten und Walzenmagneten mit elektrischem oder permanentem Magnetfeld.
Einsatz, Anordnung und Bauweise der Magnetscheider sind flexibel und knnen
optimal an die Betriebsverhltnisse angepat werden.

306

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Zerkleinerung
Die Zerkleinerung dient der Vergrerung der spezifischen Oberflche der Bioabfallbestandteile. Dadurch wird das Gut fiir die mikrobielle Zersetzung aufgeschlossen und die Aufuahme von Wasser verbessert. Zur Zerkleinerung werden schnell
laufende Schlagmhlen, schnell und langsam laufende Schneidmhlen, Kugelmhlen, Drehtrommeln, Siebraspeln und Schneckenmhlen eingesetzt. Fr die
Aufbereitung der Bioabfiille zum Zweck der Kompostierung sollte durch die Zerkleinerung insbesondere eine Auffaserung des Materials erwirkt werden. Schnell
laufende Schneidmhlen werden bei der Zerkleinerung von Strauchschnitt als
Strukturmittelbeigabe bevorzugt.
Mischung
Mischaggregate zur Homogenisierung des Einsatzmaterials sind in erster Linie fiir
die Kompostierung von unsortierten Haushaltsabfllen interessant. Bei der Bioabfallkompostierung knnen diese Mischaggregate zum gleichmigen durchmischen bei der Strukturmaterialbeigabe eingesetzt werden. Es kommen Langzeitmiseher (Mischbunker, Drehtrommeln und Kugelmhlen) sowie Kurzzeitmischer
(Doppelwellen-Paddelmischer und Einwellen-Doppelschneckenmischer) zum
Einsatz. Die Herstellung eines derartigen Gemenges in Kurzzeitmischem gelingt
um so besser, je homogener die zu vermengenden Komponenten sind. Eine Vergleichmigung der Zusammensetzung kann entweder durch Vorsortierung und
Separierung oder durch Langzeitmiseher erfolgen. Drehtrommeln bringen gute
Resultate bei Aufenthaltszeiten von ca. l Stunde und Drehzahlen von 13 bis
15 U/min. Bei der Verwendung eines dynamischen Vorrottesystems wird das
Strukturmaterial der Rottetrommel beigegeben. Bei Kugelmhlen wird der Mischeffekt in der Trommel mit 10 bis 15 min Aufenthaltszeit durch die SiebrestRckftlhrung untersttzt, so da sehr gute Resultate erzielt werden knnen. Doppelwellen-Paddelmischer knnen nach entsprechender Anpassung an die zu vermengenden Komponenten mit gutem Erfolg betrieben werden. Sie sind relativ
empfmdlich gegen Feuchte- und Konsistenzschwankungen. Als optimaler Grenzwasssergehalt hat sich eine Gemischfeuchte von 55 % herausgestellt. ber die
Betriebseigenschaften von Einwellen-Doppelschneckenmischem liegen bisher
keine abschlieenden Ergebnisse vor. Der Mischeffekt in Prallmhlen ist unbefriedigend [4.159].
Die einzelnen Aggregate werden in Kapitel 5.1 erlutert.

Kompostierungstechnik
Der Kompostrohstoff wird nach einer ersten Zerkleinerung zur Vergrerung der
spezifischen Oberflche zunchst vorgerottet Anschlieend wird das Material
nachzerkleinert und gesiebt. Das entstandene Produkt, der Frischkompost, ist ein
entseuchter, noch in der Rotte befmdlicher Kompost. Dieser wird in der Regel
einer Nachrotte zugefiihrt, bei der aus dem Frischkompost nach erneuter Absiebung der Fertigkompost hervorgeht.
Die Rotte ist der Hauptproze in jeder Kompostierungsanlage. An die Rottefiihrung werden insbesondere folgende Forderungen gestellt:
- Beschleunigung des Prozesses durch Optimierung der Rottebedingungen,
- Steuerung der aeroben Prozesse,

4.3 Biologische Verfahren

307

1,69m2

Bild 4.114. Vergleichender Platzbedarf[4.174]

- Emissionskontrolle [4.159].
Vorrotte
Vorrottesysteme sind unter anderem dann sinnvoll, wenn vorwiegend Frischkomposte in kurzer Zeit erzeugt werden sollen und wenn bei kritischen Standortlagen
Geruchsemissionen aus dem ersten intensiven Rotteabschnitt verhindert werden
mssen. Es werden dynamische und statische Vorrottesysteme unterschieden.
Statische Vorrottesysteme weisen hinsichtlich der Reparaturanfiilligkeit, der Kosten, der Hygienisierung und Qualitt des Kompostes sowie der Emissionsfiihrung
zahlreiche Vorzge auf, whrend dynamische Vorrottesysteme vor allem den
Vorteil der besseren Steuerbarkeil aufweisen. Dadurch knnen bestimmte Rotteabschnitte nachweislich schneller in Gang gesetzt und durchlaufen werden. Das angestrebte Ziel, in optimal gesteuerten dynamischen Rottesystemen in einem Verfahrensgang und in kurzen, nach Tagen bemessenen Rottezeiten fertige Komposte
zu gewinnen, konnte jedoch bisher von keinem der bekannten Systeme erreicht
werden [4.159].
Nachrotte
Zur Erzielung eines Fertigkompostes mu das vorkompostierte Material einer
Nachrotte unterzogen werden, die zumeist in Mieten erfolgt. Whrend frher eine
Nachrotte in Dreiecksmieten vorgenommen wurde, zeichnen sich heutzutage verwendete, trapezfrmige Wandermieten durch schnellere Rotte sowie geringeren
Platzbedarf aus. Bild 4.114. zeigt den vergleichenden Platzbedarf von Dreiecksund Trapezmieten.
Ausgehend von 11,6 m Platzbreite und einer Mietenhhe von 1,3 m ergeben
sich folgende Mietenquerschnitte: 3 Dreiecksmieten mit insgesamt 5,07 m2 Querschnittsflche; 1 Breitmiete mit insgesamt 13,26 m2 Querschnittsflche.
Dynamische Verfahren
Diese Verfahren zeichnen sich durch eine kontinuierliche Bewegung und Belftung des Materials aus. Da das Material nie zur Ruhe kommt, knnen sich keine
Pilzzellflchen ausbilden, die zu einer vollstndigen Rotte beitragen. Dynamische

308

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

1 Gre~erl<ran
2 Dosierbunker m~ Plattenband
3 Gum~Orderband
4 Schrott-Austrag
5 berband-Magnet
6 Lesestand mit Entstaubungsanlage

8 GummKrderband
9 Schwlngsleb
10 HammermQhle (Nachzerkfelnerung)
11 SlabrestAuatrag (zum Ofen bzw.
zur Ablagerung
12 Rohkornpost-Austrag

Bild 4.115. Mechanische Vorrotte mit Nachzerkleinerung, System Dano [4.158]

Vorrottesysteme haben den Vorteil, da sie wesentlich zur Homogenisierung des


Ausgangsmaterials beitragen. Verglichen mit statischen Vorrottesystemen sind
dynamische Vorrottesysteme zwar erheblich zeitsparender, doch bezogen auf die
Gesamtrottezeit bringt die dynamische Vorrotte keine wesentliche Zeitverkrzung.
Die wesentlichen dynamischen Verfahren sind
- Rottetrommeln,
- Rottetrme.
Rottetrommeln
Das Rohmaterial wird in der Trommel kontinuierlich umgewlzt und knstlich
belftet. Eine vorherige Zerkleinerung der Abfiille ist nicht unbedingt ntig, da
dies durch die Drehbewegung und die Einbauten in der Trommel geschieht. Bei
der Zugabe von Klrschlamm erfolgt in der Trommel eine gute Mischung und
Homogenisierung des Materials. Die Aufenthaltszeit in der Rottetrommel betrgt
nach verschiedenen Herstellerangaben abhngig von der Intensitt der Bewegung
und Belftung zwischen 24 h und 14 Tagen. Um den Abschlu der Hygienisierung
des Rottegutes in der Trommel zu erreichen, sollten grundstzlich mindestens 3 bis
4 Tage intensiver Belftung angesetzt werden. Bild 4.115. zeigt das Verfahrensschema der mechanischen Vorrotte in der DANO-Rottetrommel.
Rottetrme
Es werden RottetOnne mit Etagen und etagenlose Trme unterschieden. Die Abfalle durchlaufen den Turm dabei von oben nach unten und werden in der Regel
knstlich belftet.
Etagenlose Trme
Die vorzerkleinerten Bioabflle werden im Kopfstck des Reaktors eingefiillt.
Eine Durchmischung des Rohstoffes im Turm findet nicht statt, weshalb diese im
Rahmen der Vorbehandlung sichergestellt werden mu. Das vorkompostierte Material wird nach einer Verweilzeit von 4 bis 6 Tagen ber den unteren Turmboden
kontinuierlich ausgetragen. Aufgrund der unzureichenden Durchmischung sowie
Belftung innerhalb des Turmes wird die organische Substanz allerdings nur

4.3 Biologische Verfahren

7 Becherwerk
1 MOllbunker mit Plattenband
8 Frderband
2 Frderband
9 Rotteturm-Hyglenlsator
3 berbandmagnet
10 Verteller
4 Detektor
11 Abzugs-Schnecke
5 Novorotor-HammermOhle
6 Vibrationstrderer
Bild 4.116. Kompostwerk Plaisir [4.158]

Schau-Mannloch und
Montagewren

Bild 4.117. Etagenrotteturm [4.158]

309

12 Frderband
13 VIbrations-Sieb
14 Magnet-Trommel
15 Frderband fOr Siebrest
16 Austrags-Frderband

310

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

schlecht abgebaut. Bild 4.116. zeigt das Betriebsschema des Kompostwerkes Plaisir.
Etagenturm
Das Hauptmerkmal dieser Trme ist die Auflsung des Materials in dnne
Schichten und die damit verbundene intensive Mischung und Relativbewegung der
Stoftkomponenten. Das Material wird jeweils mit pflughnlichen Transportgerten
ber ebene Bden gefrdert und durch entsprechend angeordnete ffuungen im
freien Fall in die darunterliegende Etage abgeworfen. Die erforderliche Frischluft
wird in jeder Etage durch seitlich angebrachte Ansaugffuungen im natrlichen
Zug oder knstlich von unten nach oben geleitet. Das Material ist nach 1 bis 2
Tagen bereits entseucht und weitgehend abgebaut. Nachteil bei diesem System ist
die Verschleianflligkeit der Pflugarme. Bild 4.117. zeigt das Schema eines Etagenrotteturmes.
Statische Verfahren
Das zu kompostierende Material ist in Ruhe, und die Belftung erfolgt knstlich
oder natrlich.
Die wichtigsten statischen Verfahren sind die
- Mietenkompostierung,
- Brikollareverfahren,
- Boxen oder Containerkompostierung.
Mietenkompostierung
Dieses ist das lteste Kompostierungsverfahren. Ein Hauptproblem dieses Verfahrens ist die ausreichende Sauerstoffversorgung des Materials, die nur bei geringen
Mietenhhen gewhrleistet wird. Hher aufgesetzte Mieten werden daher in der
Regel umgesetzt oder systematisch belftet. Mietenhhen bei Umsetzverfahren
sind aufgrund der Geometrie auf 2,20 m begrenzt, whrend systematisch belftete
Mieten bis 5 m hoch aufgesetzt werden knnen. Die Mietenkompostierung erfolgt
mit zerkleinertem oder unzerkleinertem Material, wobei letzteres Verfahren verschiedene Nachteile mit sich bringt. So knnen sich beispielsweise "Luftschchte"
bilden, die zum Austrocknen der Miete beitragen.
Das Umsetzen erfolgt mit Radladern oder speziellen Umsetzgerten. Der Platzbedarf ist abhngig von Mietenform, Mietenhhe, Abfallmenge und Rottezeit
Eine Entwsserung des Kompostplatzes durch Ringgrben ist erforderlich, damit
das anfallende Sickerwasser kontrolliert erfat werden kann. Eine berdachung
der Mieten ist sinnvoll, um eine zu hohe Materialfeuchte durch Niederschlge
auszuschlieen. Auerdem wird durch diese Manahme der Sickerwasseranfall
minimiert.
Die Rottezeit bis zur Herstellung eines Fertigkompostes betrgt
- mit Umsetzen 7 bis 9 Wochen,
- ohne Umsetzen mit knstlicher Belftung 12 bis 16 Wochen,
- ohne Umsetzen ohne knstliche Belftung 20 bis 25 Wochen.

4.3 Biologische Verfahren

311

Mietenkompostierung mit Umsetzen


Es werden Dreiecksmieten mit blichen Hhen von 1,30 m, 1,80 m sowie 2 bis 2,5
mundTrapezmieten mit 1,00 m Hhe unterschieden. Die Belftung erfolgt allein
durch Umsetzen und natrliche Diffusion.
Kompostierung in Gromieten
Fr grere Mietenhhen wurden schon vor langer Zeit Systeme mit knstlicher
Belftung entwickelt. So gehren
- belftete Mietenplatten (Heidenheim, Landau, Biotank),
- auf Schablonen aufgesetzte Tafelmieten {Tunnelmiete nach Willisch),
- berdachte Mieten mit regelbarer Bodenbelftung (Kompost- HangarVerfahren)
zu den bekanntesten Verfahren.
Brikollareverfahren
Dieses ist eine Sonderform der Mietenkompostierung mit kleinformatigen Prelingen fiir Bio- und Grnabflle. Biologischer Abbau und Austrocknung verlaufen
simultan und fUhren nach 5 bis 6 Wochen zu einem trockenstabilen Produkt mit 30
bis 40% Restwassergehalt Dieses Verfahren ist das einzige Kurzverfahren, welches eine vollstndige Entseuchung des Materials gewhrleistet und daher ohne
Nachrotte anwendbar ist.
Kompostierung in Rotteboxen oder Rottecontainern
Der Entwicklung statischer Rotteboxen lag die berlegung zugrunde, den Verlauf
der Rotte soweit wie mglich berwachen und beeinflussen zu knnen, wobei die
ZufUhrung von Luft und Wasser, gegebenenfalls versetzt mit Nhrstoffen, im Vordergrund steht. Die heute gebruchlichen Rotteboxen knnen als umgebaute und
an Versorgungssysteme angeschlossene Mieten mit mehr oder weniger hohem Automatisierungsgrad angesehen werden. Wenn die Rotteboxen in Form der Standard-Containermae gebaut sind, spricht man von Rottecontainem. Voraussetzung
fiir einen optimalem Rotteverlauf ist die vorhergehende intensive Durchmischung
der Rohabflle. Die Rotteboxen bestehen aus geschlossenen Behltern mit ca. 30
bis60m3 Fassungsvermgen. Bild 4.118. zeigt das Verfahrensschema einer Rottezellenkompostierung.
Die Boxenkompostierung wird zur Vorrotte eingesetzt und mit einer Rottezeit
zwischen 7 und 14 Tagen betrieben. Nach dieser Vorrotte wird das Rottegut hinsichtlich Geruch und Sickerwasser als weniger problematisch eingestuft und kann
anschlieend auf Dreiecks- oder Tafelmieten einer Nachrotte unterzogen werden.
Umsetzsysteme
Auf- und Umsetzsystem "Dynacomp"
Der Rohkompost wird bei diesem Verfahren von einem fahrbaren Abwurfwagen
des ZufUhrbandes ber einen Schacht in den Aufgabetrichter des Trogkettenfrderers transportiert. Durch den geffneten Boden des Trogkettenfrderers fllt das
Material auf die Rotteflche, bis die Unterkante des Kettenfrderers aufgeschichtet
ist. Das nachfolgende Material wird weiter ber die in Frderrichtung wandemde
Abwurfkante geschoben.

312

4 Abfallbehandlung und -beseitigung


ANLIEFERUNG

AUFBEREITUNG

BEFLLUNG UND

ID A

~I

<

ROTTEPROZESS

'""'"'I

'"""

WASSERRCKFHRUNG
VERMARKTUNG

NACHBEREITUNG

NACHROTTE I
LAGERUNG

~ ~",-~
Bild 4.118. Rotteboxenkompostierung, System "Herhot" [4.144]

Auf diese Art knnen Tafel-, Dreiecks- sowie Schichtmieten aufgesetzt werden.
Mittels vertikaler Schneckenfrswelle wird die Miete aufgelockert und kann ggf.
dabei noch befeuchtet werden. Nach Beerdigung des Rotteprozesses wird der
Trogkettenfrderer auf die Mieten gesenkt, kratzt mit den Stegen der Kette die
Mieten ab und frdert den Kompost auf ein lngst der Flche laufendes Unterflurfrderband.
Auf und Umsetzsystem" Wende/in"
Der Rohkompost wird ber zwei lngsseitig angeordnete Bnder den beiden Bdern auf der Eintragsbrcke zugefilhrt. Die Eintragsbrcke ist fahrbar angeordnet
und kann eine Tafelmiete auf eine Hhe von 3 m aufsetzen. Ein Querwagen mit
Schaufelrdern trgt das Rottegut von unten nach oben ab und befrdert es ber
ein hhenverstellbares Frderband um einige Meter nach hinten auf die neu entstehende Tafelmiete. Beim Umsetzen kann das Rottegut auf die notwendige
Feuchtigkeit eingestellt werden. Der hinterste Teil der Tafelmiete entspricht der
Endmiete, die ebenfalls durch "Wendelin" abgetragen und der nachfolgenden
Feinaufbereitung bergeben werden kann (vgl. Bild 4.119.).

4.3 Biologische Verfahren

zu Fenioit

~"'*"'ie

Phase 2 Umschichtung

2UIIl

I
I

Belftung_

Phase 3 WEJICJEUN Retour

313

Austrag_

'f

Bild 4.119. Auf- und Umsetzsystem "Wendelin"[4.189]

Feinaujbereitung/Konfektionierung
Der Kompost ist nach Ende der Rotteperiode biologisch umgewandelt. Je nach
Strstoffgehalt, dem Vorbehandlungsverfahren und abhngig von den angestrebten
Anwendungsgebieten kommen bei der Feinaufbereitung verschiedene Varianten
zur Anwendung.
Grundstzlich wird der Bioabfallkompost gesiebt, und es werden zwei Siebklassen und ein berkorn gewonnen. Beide Siebfraktionen werden einer Hartstoffabscheidung unterzogen und bilden nach einer Mischung den vermarktungsflihigen
Kompost. Das strukturmaterialreiche berkorn wird zumeist wieder in den Rotteproze zurckgefhrt oder entsorgt.
Weiterhin knnen zur Feinaufbereitung z.B. nachgeschaltete Metallabscheidung, Windsichtung zur Folienahtrennung und Nachzerkleinerung des berkorns
eingesetzt werden.

314

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Siebtechnik
Im Hinblick auf die Gewinnung von Komposten guter Qualitt sowie eines befriedigenden Wirkungsgrades gengt eine Nachsiebung. Hierfiir werden vorwiegend
selbstreinigende Spannwellensiebe mit Vulkolan- oder Gummi-Matten oder auch
Trommelsiebe mit Brsten und Klopfeinrichtungen eingesetzt. Die Nachsiebung
von reifem Kompost setzt eine Reduzierung der Materialfeuchte am Schlu der
Rotte auf maximal 30 Gew.-% voraus. Die hufig eingesetzten gewhnlichen
Schttelsiebe sind in ihrem Wirkungsgrad und damit in ihrer Brauchbarkeit in den
blichen Ausruhrungen umstritten.
H artstoffabscheidung
Zur Eliminierung von Glas-, Steingut- und anderen Scherben mit relativ hohem
spezifischen Gewicht werden Windsiebter und Luftsetzmaschinen eingesetzt. Ballistische Separatoren haben sich auf Dauer nicht durchgesetzt. An neueren Entwicklungen wurden Zick-Zack-Windsichter, Schwebewindsiebter und Steinausleser (Setzmaschinen) eingesetzt.
F olienabscheidung
Zur Entfernung von spezifisch leichten, optisch unerwnschten Teilen zur Verbesserung der physikalischen Kompostqualitt bzw. zur Wertstoffgewinnung werden
Exhaustoren, Windsichter, Stachelwalzen, Trommelsiebe und mechanische Greifer-Werkzeuge verwendet. Die Erfahrungen ber den Einsatz dieser Aggregate bei
der Kompostaufbereitung sind aber nicht berzeugend.
Zerkleinerung
Zur Nachbearbeitung von Kompost vor der Endsiebung, besonders nach statischer
Rotte, knnen jedoch schnell laufende Mhlen verschiedener Bauart mit Erfolg
eingesetzt werden. Langsam laufende Mhlen gelten allgemein als geruscharm
und nicht explosionsanfllig.
Konfektionierung
Die Komposte werden abhngig von dem Vermarktungskonzept als Massenware
verladen oder auf dem Gelnde in Scken konfektioniert. Durch die Beigabe von
unbelastetem Erdaushub knnen definierte Pflanzsubstrate hergestellt werden.

Vermarktung des Endproduktes Kompost


Qualitt des Kompostes (vergleiche Kapitel5.3.6)
Kompost ist reich an organischer Substanz und den Nhrstoffen N, P, K, Ca und
Mg. Kompost fiihrt zu einer Erhhung des Humusgehaltes, der Erosionsfestigkeit,
der Aktivitt des Bodenlebens, zur Verbesserung der Bodenstruktur, des Wrmeund Wasserhaushaltes und des Nhrstoffvorrates im Boden. Bei sandigen Bden
erhht Kompost die Wasserhaltekapazitt und verringert die Austrocknung, bei
schweren Tonbden vergrert er die Luft- und Wasserdurchlssigkeit und vermindert damit die Oberflchenauswaschung. Die Bewurzelungstiefe wird erhht
und der Boden aufgelockert. Hinsichtlich der Zielvorstellungen in bezug auf die
Kompostqualitt kann zwischen verschiedenen Qualittskriterien unterschieden
werden [4.159]:

4.3 Biologische Verfahren

315

In physikalischer Hinsicht soll der Kompost ansprechend, d.h. frei von optisch
wahrnehmbaren Kunststoff-, Hartstoff- und insbesondere Glasteilchen sein, die
auch zu Verletzungen fhren knnten.
In chemischer Hinsicht sollen pflanzenschdigende Wirkungen des Kompostes
ebenso ausgeschlossen sein, wie nachteilige Einflsse auf die Konsumenten des
Erntegutes. Da der Chemismus des Kompostes durch verfahrenstechnische Manahmen nur indirekt oder gar nicht beeinflut werden kann, ist diese Forderung
nur durch Auswahl geeigneter Rohstoffe zu erfllen.
In biologischer Hinsicht sind fr die Anwendung des Kompostes die Entseuchung und der Rottegrad von Bedeutung.
In Abhngigkeit vom Rottegrad werden wiederum verschiedene Kompostarten
unterschieden:

Frischkompost
Durch Schnellrotte entseuchter, aber nicht bis zur Wurzelvertrglichkeit verrotteter, durch Siebung von grberen Bestandteilen befreiter Rohkompost Frischkomposte haben einen hohen Gehalt an organischer Substanz, sind jedoch wegen
der enthaltenen abbauenden Organismen noch wurzelschdlich. Durch unsachgeme Lagerung, Weiterverarbeitung oder Vernssung kann es aufgrund von
Sauerstoffinangel zu Faulprozessen kommen. Fr den Frischkompost wird ein Verhltnis des Kohlenstoffs zum Stickstoff in dem Rottematerial von 25 bis 30 zu 1
gefordert. Dieses C/N-Verhltnis ist ein Ma fr den Reifegrad des Kompostes. Je
kleiner die VerhltDiszahl durch das Entweichen des gasfrmigen oxidierten Kohlenstoffs wird, desto grer ist der Rotte- oder Kompostreifungsgrad. Frischkompost entspricht gem dem Merkblatt M 10 der Lnderarbeitsgemeinschaft
Abfall (LAGA) einem Rottegrad von II bis III.
Fertig- oder Reifkompost
Aus Frischkompost durch Nachrotte bis zur Wurzelvertrglichkeit gewonnener
Kompost. Das C/N-Verhltnis sollte deutlich kleiner als 25/1 bis 30/1 sein (etwa
15/1), Fertigkompost sollte dem Rottegrad IV bis V entsprechen [4.165].
Neben den oben genannten Qualittsanforderungen sollte guter Kompost gengend organische Substanz und pflanzenverfgbare Haupt- und Spurennhrstoffe
enthalten.
Mit zunehmender Kompostreife nimmt auch die Humifizierung des Kompostes
zu. Neben der chemischen und physikalischen Wirksamkeit entfaltet sich damit
also auch eine biologische Wirksamkeit. Ein qualitativ hochwertiger, funktionsfhiger Reifkompost kann nicht innerhalb weniger Tage entstehen, sondern bentigt
selbst mit modernster Technik mindestens eines Zeitraumes von 4 Wochen. Als
realistischer Zeitraum fr die Dauer der Kompostierung vom Ausgangsmaterial
zum Fertigkompost mssen 8 bis 12 Wochen veranschlagt werden.
Derzeit existieren in der Bundesrepublik keine Grenzwerte fr organische
Schadstoffe in Komposten. Bei Bio- und Grnfallkomposten wurde festgestellt,
da die Gehalte fr polychlorierte Biphenyle (PCB), polycyclische aromatische
Kohlenwasserstoffe (PAK), polychlorierte Dibenzodioxine (PCDD) und Dibenzofurane (PCDF) signifikant unter den Werten der Komposte aus Gesamtmll liegen.
Von den chlorierten Pestiziden darf im Landbau nur noch Hexachlorbenzol einge-

316

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

setzt werden. Alle Stoffe sind jedoch ubiquitr vorhanden und belasten weiterhin
die Umwelt.
Grundstzlich sind deshalb aus Grnden der Schadstoffreduzierung die getrennte Erfassung von Bio- und Grnabfiillen zu betreiben. Nach bisherigem
Kenntnisstand sind die ermittelten PCDD/F-Gehalte in Bio- und Grnabfallkomposten als gering einzustufen. Es besteht jedoch generell noch ein erheblicher
Forschungsbedarf, um die Zusammenhnge in den bertragungsketten BodenPflanze-Tier-Mensch aufzuklren.
Zustzlich existieren auch Grenzwerte fr Schwermetallkonzentrationen in
landwirtschaftlich verwertbaren Klrschlmmen, welche in der Klrschlammverordnung festgelegt sind [4.154].
Die Tabelle 4.27. gibt Orientierungsdaten fiir Schwermetallgehalte in Kulturbden und Kompost nach dem Einsatz gem der Bioabfallverordnung an.
Tabelle 4.27. Gesamtgehalte einiger Elemente in Kulturbden [4.165, 4.153] und im Kompost
[4.151] nach der Bioabfallverordnung
Schwermetall

Tolerierbarer Gesamtgehalt im Boden,


[mg/kg TS]

Kompostaufbringung
[mg/kgTS]

Ton

Wald

Lehm

Sand

Kulturboden

Blei

100

70

40

100

Cadmium

1,5

1,0

0,4

2,5

Quecksilber

1,0

0,5

0,1

2,5

200
60

150
40

60
20

500
100

6
750
150

Zink
Kupfer

200

Nickel

70

50

15

25

50

Chrom

100

60

30

200

300

Aus Tabelle 4.28. geht deutlich hervor, da Na- und Gesamtmllkomposte in


ihrer Qualitt bezglich der Schwermetallbelastung als ungeeignet einzustufen und
als Methode der "Abfallverwertung" nicht mehr mit den Zielen abfallwirtschaftlicher Manahmen vereinbar sind.
Fr die Schwermetallgehalte bei Bioabfallkompost knnen folgende Quellen
verantwortlich sein:
- hohe Bodenbelastungen von Kleingrten, aus denen ein Groteil der Bioabflle
stammen,
- die Anwendung von Fremdstoffen als "Bodenverbessserer",

4.3 Biologische Verfahren

317

Tabelle 4.28. Schwermetallgehalte unterschiedlicher Komposte, bezogen auf original organische


Substanz und normiert auf 30 %OS i. d. TS-Angaben in mglkg TS [4.1 00]
Eiement

Biokompost Biokompost Pflanzenund Papier


kornpost

Namllkornpost

Ges. Mllkornpost

Pb

77,64

78,6

60,8

449

Cd

0,78

0,74

0,70

2,6

513
5,5

Cr

33,73

31,7

27,04

72

71,4

Cu

43,24

58,2

32,67

228

274

Ni

19,13

16,1

17,53

30

44,9

Zn

232,82

273,8

167,82

Hg

0,33

0,37

0,27

850
1,04

1.570
2,4

63,10

705

596

Richtwert
BGK

normiert auf 30 % OS i.d. TS


Pb

83,07

116,2

150

Cd

0,84

0,96

0,72

4,08

6,39

1,5

Cr

35,83

39,8

28,44

113,0

82,9

100

Cu

46,76

76,2

34,52

357,8

318

100

Ni

20,48

21,4

18,56

47,1

52,1

Zn

249,10

350,3

176,92

1334

1823

50
400

Hg

0,38

0,54

0,28

1,63

2,79

1,0

Bundesgtegemeinschaft Kompost

- die Mitkompostierung von Straenkehricht und Laub,


- die Ausbringung schwennetallhaltiger Dngemittel, Biozide und belasteter
Mutterbden in Kleingrten,
- die Entsorgung der Hausbrandasche als "Dngemittel" im eigenen Garten,
- Autoabgase (Blei), die ber den Luftpfad in Grten eingetragen werden,
- verzinkte Gegenstnden wie Dachrinnen, Wasserleitungen und -Behlter.
Die Schwennetallgehalte bei Komposten aus Bioabfllen und Papier stammen aus
den verschiedenen Druckverfahren der Papierverarbeitung. Durch den hohen Gehalt an organischer Substanz im Papier kann es whrend des Rotteprozesses zu
einer Erhhung einzelner Schwennetallwerte kommen. Besonders bei den Kupferund Zinkwerten sind deutliche Unterschiede erkennbar. Im Hinblick auf die Verpackungsverordnung wird zuknftig die Papiennenge im Hausmll zurckgehen,
was zu einer Schwennetallentfrachtung bei Biokomposten beitragen wird.
Der Salzgehalt im Kompost gilt als einer der wesentlichen Parameter ftir die
sachgerechte Anwendung von Kompost. Kompost aus getrennter Sammlung weist
deutlich niedrigere Salzkonzentrationen auf als Gesamtmllkompost berhhte
Salzkonzentrationen lassen eine Verwendung von reinen Komposten als Kultursubstrat nur in Ausnahmefllen zu. In der Regel wird eine Mischung des Kompostes mit Erde erforderlich sein. Dies gilt insbesondere fUr den Einsatz von Biokompost als Ersatzstoff von Torf. Untersuchungen bei verschiedenen Biokomposten kamen zum Ergebnis, da bei einem Mittelwert von 3,89 g/1 Frischsubstanz
die Anwendung im Freiland unbedenklich ist. Unterschiede bei den Salzgehalten

318

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

werden durch das Ausgangsmaterial und durch Auswaschungen bestimmt. Kompostmaterial, welches whrend der Rotte unter Dach gelagert wird, weist hhere
Salzgehalte auf als solches, dessen Rotteprozesse im Freien ablaufen, da durch
Niederschlge strkere Auswaschungen hervorgerufen werden.
Von der erzielten Kompostqualitt hngt schlielich direkt die Vermarktungsmglichkeit ab.
Anwendung und Absatzmglichkeiten fr Komposte
Eine breite Palette von Anwendungsmglichkeiten fr Komposte wird im Merkblatt M 10 der LAGA (Qualittskriterien und Anwendungsempfehlungen fr
Komposte aus Mll und Mll/Klrschlamm) katalogisiert [4.138].
Kompost kann im grtnerischen Gemsebau, in der Landwirtschaft zur Erzeugung von Feldfrchten und Futtergrsem, im Obst- und Weinbau, in Baumschulen
und zur Wiederbegrnung von dland eingesetzt werden. Die Verwendung des
Kompostes auerhalb des Ackerbaus hat hauptschlich betriebswirtschaftliche
Grnde. So wird Kompost z.B. im Weinbau zur Erosionsbekmpfung eingesetzt
(vgl. Tabelle 4.29.).
Tabelle 4.29. Anwendungsgebiete der abgesetzten Bio- und Pflanzenkomposte [4.101]
Anwendung

Biokompost

Pflanzenkompost

[%]

[%]

Hobby- und Kleingrtner

30

Erwerbsgartenbau

10

13

Garten- und Friedhofsmter

12

29

Straenbaumter
Landschaftsbau

1
29

Weinbau
Landwirtschaft
Technische Anwendungen

7
13
I

10

2
5

Deponieabdeckung

25

Verkaufschancen hat Kompost heute vor allem fr Monokulturen wie Wein, Obst,
Hopfen u.a., und die Hauptabnehmer sind Grtnereien, Baumschulen, Friedhfe
und Gartengestalter. Ein groer Teil des Kompostes wird heute auch noch zur
Landschaftsgestaltung, im Straenbau sowie zur Rekultivierung von Deponien
verwandt.
Der Weinbau gehrt zu den klassischen Absatzgebieten fr Komposte. In der
Vergangenheit konnten hier auch minderwertige Komposte in groen Mengen
eingesetzt werden. Demzufolge drfte es in Zukunft fr Gebietskrperschaften in
Weinbaugebieten keine Schwierigkeiten bereiten, qualitativ hochwertige Komposte zur Erhhung des Humusgehaltes zu vermarkten. Als Anwendungsempfehlung
fr Biokomposte im Weinbau gilt eine Aufbringungsmenge von 3 bis 6 kg/m3 alle
drei Jahre bei bestehenden Anlagen und fr Neuanlagen 5 bis I 0 kg/m3

4.3 Biologische Verfahren

319

Das derzeit grte genutzte Potential filr den Kompostabsatz bietet der Gartenund Landschaftsbau. Dennoch wird heute im Gartenbau anstelle das traditionellen
Kompostes in groen Umfang Torf eingesetzt. Torf ist jedoch ein ungeeigneter
Ersatz filr Kompost. Die Bodenverbesserungseigenschaften des Kompostes sind
weit grer. Torf enthlt kaum Haupt- und Spurennhrstoffe und trgt zudem zur
Versuerung des Bodens bei. Auerdem gehen die Torfvorrte Europas zur Neige,
und der Torfabbau zerstrt grundstzlich immer mehr wertvolle und erhaltenswerte Biotope. So leistet die Kompostierung einen zustzlichen wichtigen Beitrag
zum Natur- und Artenschutz.
Als Manahme einer geordneten landwirtschaftlichen Kompostverwertung
schreibt die Bioabfall- und Kompostverordnung vor, da nicht mehr als 20 Mg
TS/ha innerhalb von 3 Jahren aufgebracht werden drfen. In Ausnahmefiillen ist
eine Aufbringungsmenge von 30 Mg TS/ha innerhalb von 3 Jahren mglich.
Die beim Verkauf des Biokompostes erzielten Erlse weisen groe Schwankungen auf. Der mittlere Erls filr Reifekompost liegt durchschnittlich zwischen
20 bis 30 DM/m3 , wobei sich mit hochwertigen Sonderchargen wesentlich hhere
Preise erzielen lassen.
Wird der Energieaufwand verglichen, der erforderlich ist, um mit technischen
Hilfsmitteln zu erreichen, was auf natrliche Weise der Kompost an biologischer,
chemischer und physikalischer Bodenverbesserung leistet, ist der Komposteinsatz
mit erheblicher Arbeits- und Energieersparnis zu bewerten. Zahlenmige Abschtzungen liegen z.B. filr die Energieersparnis durch Kunstdngereinsatz vor.
Hierfilr wird ein Energiesparwert von 1,2 GJ/Mg Kompost genannt [4.150].
Um Vermarktungsengpssen, insbesondere bei flchendeckender Biomllsammlung entgegenzuwirken, ist es dringend geboten, rechtzeitig ein Marketingkonzept zu entwickeln. Empfehlenswert hierbei sind absatzfrdernde Manahmen
wie Werbung, Beratung und regelmige Qualittsnachweise, um das Produkt auf
dem Markt zu etablieren.
Die Kompostierung zur Rckgewinnung von Nhrstoffen aus Siedlungsabfllen
kann dazu beitragen, den Humusgehalt der Bden wieder anzuheben und die Bodenstruktur nachhaltig zu verbessern. Probleme beim Absatz haben ihre Ursache in
unzureichenden Produkten, wie z.B.
- der Frischkompost wegen der Gefahr der biologischen Aktivitt,
- Komposte mit sichtbaren Anteilen an Fremdkrpern wie Glas oder
Kunststoff,
- solche mit zu hohem Schwermetallgehalt filr Garten- und Landbau.
Bei geeigneter Technik ist es mglich, einen qualitativ hochwertigen Kompost zu
erzeugen. Ein Kompost aus biologischen Abfiillen, filr dessen staatlich berwachte
und mit Prf- und Gtesiegel besttigte Qualitt der Kufer eine Garantie erhlt,
wirdjederzeit als Bodenverbesserungsmittel Absatz finden [4.174].

320

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

[Link]
Rotte von festen Abfallstoffen

Neben der Bioabfallkompostierung sind Verfahren zur Kompostierung von reinem


Klrschlamm oder Hausmll und Mllklrschlammgemischen bekannt. Die Kompostierung hat sich in den vergangeneu Jahren als mgliche Verfahrensvariante zur
Stabilisation von Klrschlamm aus kommunalen und industriellen Abwasserreinigungsanlagen fest etabliert.
Whrend die Verbreitung der Mll-Kompostierung bzw. der MllklrschlammKompostierung seit lngerem stagniert und in Zukunft weitere Anwendungen nicht
absehbar sind, konnte die "reine Klrschlammstabilisierung" die Zahl ihrer praktischen Anwendungsfiille auf ca. 30 Anlagen in der Bundesrepublik Deutschland
steigern. Dies ist zum einen damit zu begrnden, da KlrschlammKompostierungsanlagen berwiegend auf Klranlagen mit Anschlugren zwischen 5 000 bis 50 000 Einwohnergleichwerten (EWG) errichtet wurden, deren
Ausbau gemessen an Anlagengrenklassen unter 5 000 und ber 50 000 EWG
berproportional gestiegen ist.
Zum anderen haben jedoch die Mll-Kompostierung und die MllklrschlammKompostierung, welche meist in Groanlagen betrieben werden, wegen Schwierigkeiten des Kompostabsatzes und teilweise unbeherrschter technischer Mngel
deutliche Rckschlge erfahren [4.15 7].
Klrschlamm-Kompostierung
Die Klrschlamm-Kompostierung kann sowohl im flssigen als auch im festen
(entwsserten) Aggregatzustand des Rohschlammes erreicht werden. Beide Verfahrenswege sind in die Gruppe der Schlammstabilisierungsverfahren einzuordnen.
Bild 4.120. zeigt die Verfahrensschritte bei der Klrschlammkompostierung ausgehend von flssigem sowie entwssertem Klrschlamm mit dem Ziel der landund gartenbauliehen Nutzung.
Je nach rtlichen Bedingungen oder Erfordernissen des Absatzes kann der
aerob-thermophilen Stabilisationsstufe eine maschinelle Entwsserung, eine aerobe
Nachrotte oder eine anaerobe Nachstabilisation in Schlammlagunen nachgeschaltet
werden, bevor das Endsubstrat seiner Nutzung zugefhrt wird.
Bei der Klrschlamm-Kompostierung im entwsserten Milieu wird der aerobthermophilen Stabilisation, hier als Schnellrotte bezeichnet, eine maschinelle Entwsserung vorgeschaltet Durch Rckfuhr bereits kompostierten Materials oder
Zugabe wasserarmer Zuschlagsstoffe wird im Bioreaktor ein krmeliges Substratgemisch erzeugt, welches die gleichmige Belftung aller Reaktorraumteile ermglicht. Whrend dieser Schnellrotte werden durch Selbsterhitzung ebenfalls
thermophile Temperaturen erreicht und die Hygienisierung des Materials bewirkt.
Bei beiden Verfahrensvarianten sind zumindest in ihrer Artenverteilung unterschiedliche Mischpopulationen aerob-thermophiler Mikroorganismen ttig, wobei
im flssigen Milieu die Bakterien klar dominieren.
Je nach Verwendungsart wird der Schnellrotte im entwsserten Aggregatzustand eine mehrwchige Nachrotte auf Mieten angeschlossen oder das Kompostmaterial direkt seiner Verwertung zugefhrt.

4.3 Biologische Verfahren

Rohschlamm

321

Org. Zuschlagstoffe
(Sgemehl, Rinde, Papier u.a.)

~---

landwirtschaftliche bzw. land- und gartenbauliche Nutzung

Ko_mpostierung im flssigen Milieu


___

----------~K~o~m~po~&~ie~ru~ng~i=m~e=rnw~s~se~rt=e~n~M=ilie~u~-- [

Bild 4.120. Verfahrensschritte bei der Klrschlamm-Kompostierung [4.157]

Whrend bei der Flssigkompostierung sowohl die Hygienisierung als auch die
Stabilisierung nach ca. 5 Tagen theoretischer Verweilzeit im Bioreaktor erreicht
sind, mssen bei der Klrschlamm-Kompostierung im festen Aggregatzustand fr
die Schnellrotte ca. 14 Tage und fr die Nachrotte ca. 4 bis 8 Wochen angesetzt
werden. Dieser Sachverhalt liegt in erster Linie darin begrndet, da die Flssigkompostierung in volldurchmischten Reaktoren durchgefiihrt wird und somit
ideale Bedingungen fr die Materialanimpfung und den Stofftransport der biochemischen Reaktionsvorgnge vorliegen. Einschrnkungen fr die generell anzustrebende Art der Klrschlammbeseitigung im Landbau oder in der Landwirtschaft
sind in erster Linie durch eventuell im Rohschlamm enthaltene Schadstoffe (insbesondere Schwermetalle) oder durch nicht ausreichend verfgbare bzw. zu weit
entfernte Ausbringungsflchen gegeben [4.157].

Biologische Restabfallbehandlung
Die TA Siedlungsabfall (1993) fordert eine weitgehende Wertstoffentnahme und
eine ordnungsgeme Entsorgung des verbleibenden Restmlls. Es darf nach
Magabe der TA Siedlungsabfall nur noch behandelter Restmll deponiert werden. Als wesentlich beschrnkendes Kriterium fr eine Zuordnung von Restabfllen zur Deponieklasse II (Siedlungsabfalldeponie) sind die Werte des Anhangs B

322

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

mageblich. Es wird ein Glhverlust von 5 % der Trockensubstanz als Zuordnungswert vorgeschrieben. Erreicht werden kann dieser Zuordnungswert nach den
ersten Untersuchungen nur durch die Restabfallbehandlung mit Hilfe moderner
thermischer Verfahren.
Die TA Siedlungsabfall verweist dennoch auf die biologisch-mechanische Aufbereitung (BMA) der Restabfitlle. 1995 wurde geprft, ob die festgelegten Anforderungen den praktischen Mglichkeiten entsprechen und inwieweit Abweichungen zulssig sind. Dabei kam die Bundesregierung sowie die Mehrheit der Landesregierungen zu dem Schlu, da nur thermische Verfahren dazu in der Lage sind,
die Schutzziele der TA Siedlungsabfall zu erfiillen [4.202].
Trotz eindeutiger Stellungnahme der Bundesregierung bevorzugen einige Gebietskrperschaften mit Untersttzung ihrer Landesregierungen den Bau und Betrieb mechanisch-biologischer Restabfallbehandlungsanlagen [4.203], [4.204].
Grundstzlicher Aufbau einer mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlage
Mechanisch-biologische Abfallbehandlungsanlagen bestehen aus einer mechanischen Vorbehandlung einer biologischen Hauptbehandlung und evtl. einer mechanischen Nachbehandlung.
Mechanische Vorbehandlung
Mit der mechanischen Vorbehandlung sollen optimale Bedingungen fUr die nachfolgende biologische Behandlung eingestellt werden. Dies soll durch Abtrennen
bzw. Ausschleusen von Stoffen erreicht werden, die eine biologische Abfallbehandlung erschweren (z.B. Sonderabfitlle), bzw. biologisch nicht (z. B. Glas, Steine) oder nur schwer abbaubar sind (z.B. Kunststoffe) oder die ein Wertstoffpotential darstellen (z.B. Fe-Metalle). Die Ausschleusung/Abtrennung von Teilstrmen
sollte aus Grnden des Arbeitsschutzes immer automatisch durchgefhrt werden.
Manuelle Softierungen sind bei Hausmll bzw. Bioabfall auf Grund der erheblichen Gesundheitsgefahren fUr das Personal zu vermeiden [4.201]. Nach der Abtrennung o.g. Stoffe sollte der Abfall so homogenisiert werden, da eine biologische Behandlung effektiv durchgefhrt werden kann.
Allen neueren Anlagenplanungen ist gemeinsam, da vor oder nach der biologischen Behandlung eine heizwertreiche Leichtfraktion (bestehend aus Kunststoffen, Papier, Textilien etc.) abzutrennen ist. Die Leichtfraktion soll energetisch
verwertet oder thermisch beseitigt werden.
Biologische Behandlung
Fr die biologische Behandlung knnen aerobe (Rotte) und anaerobe (Vergrungsfermentation) Verfahren eingesetzt werden. Fr die Rotte liegen mehr Erfahrungen
als fUr die Vergrung vor.
Endrotteverfahren
Alle bisher gebauten Rotteanlagen arbeiten nach dem Prinzip der Endrotte. Durch
die Rotte sollen die biologisch abbaubarer Inhaltsstoffe weitgehend in C02, Wasser und huminsurehaltige Substanzen umgewandelt werden. Die Gasbildung und
das Sickerwasseraufkommen des Rotteprodukts ist gegenber unbehandeltem
Abfall deutlich reduziert. Das bedeutet, alle Abbaureaktionen, die bei unbehan-

4.3 Biologische Verfahren

323

deltem Abfall im Deponiekrper ablaufen, werden durch die biologische Behandlung beschleunigt und laufen unter kontrollierten Bedingungen ab.
Zu Beginn der Rotte (Intensivrotte; Dauer: Ibis 4 Wochen) fmdet der grte
Teil der biochemischen Abbauvorgnge statt. Dabei entstehen, neben C0 2, Wasser
und huminsurehaltigen Substanzen eine Vielzahl weiterer gasfrmiger Abbauprodukte, die geruchsintensiv und/oder schadstoffhaltig sind. Daher sollte die Intensivrotte eingehaust und die entstehende Abluft behandelt werden. Die folgende Phase der Nachrotte (Dauer: 4 bis 12 Monate) zeichnet sich durch eine deutliche Verringerung der biochemischen Aktivitten aus und dient der Stabilisierung des Materials. Durch den gegenber der Intensivrotte verringerten biochemischen Aktivitt ist eine Einhausung des Nachrottebereiches in der Regel nicht erforderlich.
Biologische Trocknung/Stabilisierung
Da durch die Rotte der Energiegehalt des Abfalls nicht genutzt wird, wurden Biologisch-Mechanische-Stabilisierungsverfahren als Vorbehandlungsstufe vor thermischen Verfahren mit energetischer Nutzung entwickelt (vgl. mit Kapitel 3.2.2).
Gegenber den Rotteverfahren ist vor allem der biologische Anlagenteil verndert,
da bei den konzipierten Stabilisierungsverfahren ein biochemischer Abbau der
Organik in C02 und Wasser vermieden werden soll. Statt dessen soll der Heizwert
des Abfalls durch biologische Trocknung angehoben werden. Zum anderen wird
ein lagerfiihiger, biologisch nicht aktiver Brennstoff erhalten. Zum Dritten werden
durch die Wasserabtrennung die zu verbrennenden Mllmengen reduziert.
Schlielich knnen- vor oder nach der biologischen Trocknung (=Stabilisierung)
- die heizwertreichen und wahrscheinlich schadstoffarmen Leichtstoffe abgetrennt
und zu BRAM verarbeitet werden, der in der Industrie als Ersatzbrennstoff eingesetzt werden kann.
Vergrung
Bei der anaeroben Prozefiihrung (Vergrung) fmden die biologischen Abbauvorgnge in der wrigen Phase unter Luftabschlu in geschlossenen Reaktoren statt.
Dem zu vergrenden Abfall mu Wasser zugefhrt werden. Bei der Vergrung
wird heizwertreiches Biogas gebildet, das energetisch genutzt werden kann.
Fr die Vergrung sind Abfiille geeignet, die gut wasserlslich und leicht biologisch abbaubar sind. Die Verweilzeiten im Grreaktor bei hohen Abbauleistungen
betragen ca. 10 bis 25 Tage. Der Grrest mu nach der biologischen Behandlung
entwssert werden. Zur Stabilisierung ist eine aerobe Nachrotte empfehlenswert.
Die nachfolgenden Bilder Bild 4.121. und Bild 4.122. geben einen berblick ber
die o.g. Elemente mechanisch-biologischer Abfallbehandlungsanlagen. In Bild
4.121. ist der Unterschied der Rotte- und Vergrungsverfahren dargestellt, in Bild
4.122. die verfahrenstechnischen Grundelemente einer mechanisch biologischen
Abfallbehandlung.
Biologische Verfahren im einzelnen:
Endrotteverfahren
Durch die Rotte werden die biologisch abbaubaren Abfiille weitgehend in C0 2,
Wasser und huminsurehaltige Substanzen umgewandelt. Man unterscheidet zwischen statischen und dynamischen (incl. quasi dynamischen) Verfahren.

324

4 Abfallbehandlung und -beseitigung


Rotteverfahren
Endrotte
(klassisch)

Blclosjsche

Verglrmg

Trocknung
Restabfall

Mechanische Vorbehandlung

1-4

Wochen

4-12

Monate

Wasser

Biogas

Bild 4.121. Aufbau der unterschiedlichen mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsverfahren

Statische Verfahren
Die statischen Verfahren sind die technisch einfachsten Rotteverfahren. Hier wird
das Rottegut whrend der Rotte nicht umgesetzt.
Bei den Mieteverfahren ohne Umsetzen wird der (homogenisierte) Abfall zu
Dreiecks- oder Tafelmieten aufgeschichtet. Die Mietenrotte ohne Umsetzung ist
nur mit technischen Hilfsmitteln zur Belftung und Bewsserung zur Vorrotte
geeignet.
Das einfachste Belftungs/Bewsserungsverfahren ist das Kaminzugverfahren
nach Spillmann/Collins. Dieses Verfahren zeichnet sich durch quer zur Tafelmiete
verlegte, flexible und gelochte Drnagerohre aus. Der Abstand der Rohre betrgt 3
bis 4 m. In der Mitte der Tafelmiete werden die Drnagerohre kaminartig aus der
Miete herausgefhrt. Durch die biologische Selbsterhitzung des Rottegutes wird
eine Luftstrmung erzeugt, die die Sauerstoffversorgung der Miete sicherstellt.
Der Wassergehalt der Miete wird durch Beregnung konstant gehalten. Durch den
statischen Betrieb knnen bis zu 2,5 m hohe und 30 m breite Tafelmieten aufgeschichtet werden, die erst nach der 3 bis 6 monatigen Intensivrotte aufgenommen
werden mu. Die Miete wird mit Kompost abgedeckt, der Geruchs- und Schadstoffemissionen mindern soll. Die nachfolgende Skizze verdeutlicht das Kaminzugverfahren.

4.3 Biologische Verfahren

Alt der Behandlung

Produkte

325

Verfahr-tionen

Restabfall

-W- neJ. oder Flachbunker


- (Deko.....kll81\11g)
- V01110111erung (Radlader)
- (Zerkleinerung)

Slllrstolfe
Leichtstoffe
(BRAM)

- (Siebung)
- (Kiassle~W~g)
- (Magnetabschelcblg)

Schwerfraktion

(Glas. Slaine)

Eisen

-- (Trockanstabllat)
--nvnel
- Rottezelle
- elngahauste Mieten
- Vargi!WigsreakiDr

Abluft
Wasser
Biogas

(bel Vwglrung)
- aushiiUSige Mieten

-- (Rotlegut)

- Zerkleinerung

- Bei Verglrung: Troclcnung


- Bei Stebllat

ggf. Helzwar1relche Fraktion

::E

RotteguUSiabilat

Bild 4.122. Verfahrenstechnische Grundelemente von mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlagen

Abluft

tt

Miete

Abdeckschicht (KofT1'0$1)

Miete
Zuluft

Untergrund

gelochte Drainagerohre
j..

max. 30m

Bild 4.123. Kamineinzugverfahren nach Spillmann/Collins

.. I

326

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Diese einfache und preiswerte Technik, die in Deutschland nur als bergangslsung zur Verlngerung von Deponielaufzeiten gelten kann, wird z. B. bei den
Anlagen in Wilhelmshaven und Meisenheim (LK Bad Kreuznach) angewendet.
Technisch sehr aufwendig ist das Biopuster Verfahren, das zur Verrottung der
Restabflle der Stadt Freiburg entwickelt wurde. Hier stand sehr wenig Platz zur
Verfgung, so da nur ein statisches Verfahren in Frage kam. Bei dem BiopusterVerfahren wird der homogenisierte Abfall zu 10 m hohen (!) Mieten aufgebaut.
Die Mieten sind mit Kunststoffplanen abgedeckt. Die Mieten werden mit 8 m
langen Lanzen mit Luft (6 bar) stoweise belftet und bewssert. Neben den Pusterlanzen werden Absauglanzen in die Mieten eingebracht, die kontinuierlich Luft
aus den Mieten absaugen. Die abgesaugte Luft wird mit einem Biofilter und Aktivkohle zur Minderung der abluftseitigen Emissionen gereinigt.
Trotz erfolgversprechender Versuche wurde die Anlagenplanung durch die
Stadt Freiburg im Februar 1995 gestoppt, da der technische Optimierungsbedarf
und die derzeitige Stranfiilligkeit des neuen Verfahrens als zu hoch eingeschtzt
wurde.
Zwischenzeitlich bereitet der Landkreis Stendal Versuche zur biologischen Behandlung von Restabfall nach dem Biopuster-Verfahren vor. Mit den Versuchen
soll gezeigt werden, da das Biopuster-Verfahren bei ausreichenden Platzverhltnissen zu einer befriedigenden, kostendeckenden biologischen Abfallbehandlung
in der Lage ist.
Eine Mietenrotte ohne Umsetzen und sonstige technische Hilfen wird nur fr
die biologisch wenig aktive Nachrotte verwendet (offene Nachrotte auf der Deponie). Zur Vorrotte wre dieses Verfahren ungeeignet, da weder Wassergehalt noch
Sauerstoffversorgung eingestellt werden knnen. Zur Nachrotte wird dieses Verfahren beispielsweise in Wilhelmshaven eingesetzt.
Rotteboxen der Fa. Herhof bestehen aus Stahlbeton und besitzen einen befahrbaren Lochboden. Sie werden chargenweise betrieben. Die Boxen werden von
unten mit Luft versorgt, die Abluft wird oberhalb des Rottegutes abgesaugt und
kann behandelt werden. Die Intensivrotte ist nach 8 bis 10 Tagen abgeschlossen.
Die Technik ist einfach und wenig stranfiillig. Allerdings setzen die Rotteboxen
eine gute mechanische Vorbehandlung voraus. Zudem neigt das Rottegut zum
Austrocknen. Die Rotteboxen der Fa. Herhof wurden bisher nur fr Bioabfall
verwendet. Im Lahn-Dill-Kreis werden seit einigen Jahren Versuche mit Restabfall
durchgefhrt. Da sich die Rotteboxen besonders zur biologischen Trocknung von
Abfall eignen, wurde bei den Versuchen auch biologisch getrockneter Abfall hergestellt.
Die Fa. ML, Ratingen bietet ein hnliches System wie die Fa. Herhof an (Rottecontainer). Der entscheidende Unterschied zu Herhof ist die automatische Befllung!Entleerung der Container. Damit knnen die Container bei groen Anlagen
mit Portalkran bereinander gestapelt werden, was den Platzbedarf der Intensivrotte deutlich verringert. Bei den Rottecontainern der ML trocknet das Material
ebenfalls relativ stark aus, so da es auch zur biologischen Trocknung geeignet
wre. 3 ML-Container werden in der Versuchsanlage des Landes Brandenburg auf
der Deponie Scharfenberg (1.200 Mg!a) zur Restabfallbehandlung eingesetzt.

4.3 Biologische Verfahren

327

Dynamische Verfahren
In Tunnelreaktoren erfolgt die Rotte in geschlossenen Schubfen, in denen der
Abfall je nach Rottegrad belftet und bewssert wird. Durch die geschlossene
Bauweise knnen die Rottegase erfat und behandelt werden. Durch die intensive
Umsetzung in den Reaktoren dauert die Intensivrotte lediglich 4 Tage. Dieses
Verfahren wird bei der MBA Horm, Kreis Dren angewendet.
Rottetrommeln sind besonders zur Vorrotte geeignet. In ihnen findet eine gute
Homogenisierung und ein guter mechanischer Aufschlu des Abfalles statt. Allerdings sind Trommeln auf Grund der sich bewegenden Teile verschleianfllig und
sollten daher nur fiir relativ kurze Vorrotten verwendet werden (z. B. wie in der
Anlage in Quarzbichl).
Mieten-Verfahren mit Umsetzen (quasi dynamisch) hneln den statischen Mietenverfahren. Entscheidender Unterschied ist, da die Mieten zur Belftung und
Befeuchtung regelmig umgesetzt werden. Beim Umsetzen der Mieten kommt es
whrend der ersten Rottewochen zu erheblichen Geruchs- und Schadstoffemissionen. Daher sollte zur Beherrschung der Abluftproblematik der Intensivrottebereich
immer eingehaust sein. Die Abluft sollte mit Biofiltern und evtl. mit Aktivkohlen
gereinigt werden. Fa. Bhler bietet eine druckbelftete Dreiecksmietenkompostierung mit automatischer Umsetzung an. Die Rottedauer betrgt je nach gewnschtem Rottegrad zwischen 4 und 20 Wochen, wobei die Mieten wchentlich mit
einem mobilen Umschichtgert umgesetzt werden. Die Mieten sind 4,5 m breit und
ca. 2 m hoch und befinden sich in einer belfteten Halle. Die Anlagentechnik wird
bei den Anlagen in Schaffhausen und Bassum angewendet.
Fa. Noell bietet ein Verfahren an, bei dem 3m hohe Mieten alle 7 Tage automatisch umgesetzt werden (automatische Wandermiete). Das Umsetzen geschieht
ber Brckenkrne. Dabei wird das Rottegut befeuchtet. Die Intensivrotte ist je
nach gewnschtem Rottegrad in 6 bis 20 Wochen abgeschlossen. Als Beispiel
kann die technisch sehr aufwendige MBA Lneburg genannt werden.
Stabilisierungsverfahren
Durch eine biologische Trocknung soll der Heizwert des Abfall durch biologische
Trocknung angehoben werden. Der weitgehende Abbau der enthaltenen Organik
soll vermieden werden. Zur biologischen Trocknung von Abfall sind besonders
geschlossene Boxen oder Container geeignet. Die meisten Erfahrungen kann die
Fa. Herhof aufweisen, die schon seit einigen Jahren Versuche an Rotteboxen im
Lahn-Dill-Kreis durchfUhrt. Der Abfall mu vor seiner Aufgabe in die Rotteboxen
gut homogenisiert und zerkleinert sein. Vor der Homogenisierung ist die Zugabe
von Klrschlamm (bis zu 20% Klrschlamm mit 35% TS) mglich. Die Trocknung dauert 7 bis l 0 Tage. Darauf wird der Abfall aus den Boxen oder Containern
entnommen und nachgesiebt Dabei wird ein hochkalorischer und ein mittelkalorischer Brennstoff erhalten. Eine Biostabilisierungsanlage mit einem geplanten
Durchsatz von 86.000 t/a wird seit 1997 in Alar, Hessen betrieben.

Der Abfall erhitzt sich durch Abbau der leicht abbaubaren Abfallbestandteile selber. Dies fhrt
zu einer Trocknung auf Wassergehalte < 15 %. Bei Wassergehalten von < 15% endet der
biologische Abbau nahezu vollstndig. Damit liegt ein stabiler, lagerfiihiger Brennstoff vor.

328

4 Abfallbehandlung und -beseitigung


(Option)
(Klrschlamm)
I'

Hausmll

I
I
I

I
I
I
I
I

--------.I

I Mis0er

I
I
I
I
I

~----~

_____ ...JI

"-----.---=------' (Rotteboxen)

hoch kalorischer
Abfall
(BRAM)

mittelkalorischer
Abfall

Bild 4.124. Fliebild in der Alarer Anlage


Tabelle 4.30. Mechanisch-biologische Abfallbehandlungsanlagen in Deutschland
Standort

Inbetriebnahme

Durchsatz
[1.000 t/a]

1997
1997
1996
1996
1993

112
86
61
30
185

Quarzbichl, LK Bad Tlz, BY

1952b

30

Lneburg, LK Lneburg, NIE

1995
1993

29
70

Meisenheim, LK Bad Kreuznach, RP

1975
1995
1994

80
40
60

Hasenbhl, LK Schwbisch Hall, BW

1976

70

Bassum, LK Diepholz, NIE


Alar, LK Lahn Dill, HES
Wiefels, LK Wittmund, NIE
Groe Fehn, LK Aurich, NIE
Horm, LK Dren, NRW

Wilhelmshaven, Stadt
Wilhelmshaven, NIE
Stemburg, Stadt Oldenburg, NIE
Kirchberg, LK Rhein Hunsrck, RP

Bemerkung
mit Vergrung
biologische Trocknung

auch Sperrabfall wird


biologisch behandelt
umgebautes Mllkompostwerk
hoher Standard
einfache Technik

mit Homogenisierungstrommel

LK=Landkreis; Bundeslnder: NRW=Nordrhein-Westfalen, BY=Bayem, NIE=Niedersachsen,


RP=Rheinland-Pfalz, B W=Baden-Wrtemberg, HES=Hessen
b der mechanische Anlagenteil wurde 1995 fr die Behandlung von Restabfall modifiziert, der
biologische arbeitet seit 1989 zur Nabiomllkompostierung

4.3 Biologische Verfahren

329

berblick ber den Anlagenbestand


Zur Zeit werden in Deutschland 12 mechanisch-biologische Abfallbehandlungsanlagen betrieben (siehe die Tabelle 4.30.), die fast alle nach dem Prinzip der Endrotte arbeiten. Besonders die lteren Anlagen gengen nicht mehr den neuesten
Erkenntnissen, da sie entweder zu starke Emissionen (besonders aus dem Bereich
der Intensivrotte) verursachen, zu flchenintensiv oder die Qualitten des verrotteten Abfalles nur unzureichend sind.
Hinzu kommen 9 meist ltere Anlagen in sterreich, 1 Anlage in der Schweiz
sowie diverse Anlagen in Italien.
Neben den bereits in Betrieb befmdlichen Anlagen sind aus Deutschland weitere Anlagenplanungen bekannt.

4.3.2
Anaerobe Verfahren
Biogasanlagen waren ursprnglich nur in der Landwirtschaft zur Behandlung tierischer Exkremente, zur anaeroben Schlammstabilisierung in kommunalen Klranlagen und in der Reinigung organisch hoch belasteter Abwsser verbreitet. Die
organische Fraktion des Hausmlls wurde, wenn biologisch, dann ausschlielich
aerob behandelt, also kompostiert. Nachdem es in der Abwasserreinigung durch
Entwicklung leistungsflihiger Reaktoren Anfang der achtziger Jahre Fortschritte
gegeben hatte, begann die Entwicklung von Biogasanlagen filr feste und schlammartige organische Abfallstoffe. Im Vergleich zur Kompostierung wurden von der
Fermentation ein geringerer Platzbedarf, keine Geruchsemissionen, eine Energiegewinnung und flexiblere Anwendungsmglichkeiten erwartet.
Der Erfolg bei der Einfilhrung des Biogasverfahrens hngt von der Einbeziehung in differenzierte Entsorgungskonzepte ab. Zur Zeit fallen in den westlichen
Bundeslndern etwa 10 Mio. Mg organische Produktionsabtlilie (hauptschlich in
der Nahrungsmittel- und Getrnkeindustrie) an, was mengenmig etwa der organischen Fraktion im Hausmll entspricht [4.107].
Eine Kompostierung dieser Abfiille beim Erzeuger scheidet durch die teilweise
hohen Wassergehalte und durch den groen Flchenbedarf aus. Eine Verbrennung
wrde zwar zu einer enormen Volumenreduktion, allerdings unter erheblichem
technischen und energetischen Aufwand, filhren. Die anaerobe Umsetzung vor Ort
bietet sich mit ihrem geringen Platzbedarf und der Volumenreduktion bei gleichzeitiger Energieerzeugung filr die Unternehmen als wirtschaftliche Lsung an
[4.115].
Eine Vergrung von Bioabfall aus Haushalten ist durch den mglichen Energiegewinn und die Vermeidung von Geruchsbelstigungen der Anwohner attraktiv geworden. Nach umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchungen in den 80er
Jahren ist die technische Machbarkeit der Vergrungsanlagen filr feste Abfallstoffe
hinreichend erwiesen. Verschiedene Anlagenkonzepte haben das Stadium der
Pilotanlagen bereits verlassen und arbeiten erfolgreich in grotechnischer Betriebsweise.

330

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Hydrolyse

Surebildung

Fermentative
Bakterien

Acetogene
Bakterien

Bild 4.125. Schritte des anaeroben Abbaus [4.116]

[Link]

Grundlagen der anaeroben Vergrung

Biochemische Vorgnge
Methanbakterien finden sich in der Natur berall dort, wo unter Luftabschlu
biogen-organisches Material abgebaut wird, z.B. in Smpfen und Sedimenten, aber
auch in Mgen von Wiederkuern. Sie sind obligate Anaerobier, knnen also nur
im sauerstofffreien Milieu berleben. Da ohne Sauerstoff der Energiegewinn beim
Substratabbau nur 1/7 derjenigen von aeroben Bakterien betrgt, vermehren sich
die Anaerobier mit einer entsprechend langen Generationszeit [4.116, 4.117].
In ihrem Stoffwechsel sind sie auf die Vorarbeit und Symbiose mit anderen
Bakterien angewiesen. Anband dieser Schritte wird die Methanerzeugung in drei
Phasen aufgeteilt (s. Bild 4.125.).
In der ersten Phase werden hochmolekulare Verbindungen wie Kohlenhydrate,
Fette und Eiweie in Zucker, Fettsuren und Aminosuren aufgespalten und im
Wasser gelst; diese Stufe wird als Hydrolyse bezeichnet.
In der anschlieenden Surebildung werden die Verbindungen von acidogenen
(surebildenden) Bakterien weiter zu Propion- und Buttersure, Wasserstoff und
Kohlendioxid sowie niederen Alkoholen vergoren.
Beide Bakteriengruppen leben in einer rumlichen Symbiose, da die acetogenen
Bakterien durch ihr eigenes Produkt, den Wasserstoff, gehemmt werden und somit
auf die Entgiftung des Milieus durch die Methanbakterien angewiesen sind. Aufgrund dieser Symbiose werden diese zwei Schritte der Essigsurebildung und
Methanbildung als eine dritte Phase der Methangrung zusammengefat. Da der

4.3 Biologische Verfahren

331

Energiegewinn fr die Methanbakterien sehr gering ist und sie sich entsprechend
langsam vermehren, begrenzt die Methanogenese die Geschwindigkeit des anaeroben Abbaus. In einer Konkurrenzreaktion bilden sulfatreduzierende Bakterien
Schwefelwasserstoff aus anorganischen wie organischen Schwefelverbindungen
und Wasserstoff [4.117].

Anforderungen an das Substrat


Das Substrat mu gengend biogen-organische Substanz enthalten, um einen stabilen Abbauproze zu ermglichen. Der anaerobe Abbau luft bei leicht aufzuschlieenden, niedermolekularen Verbindungen schneller und vollstndiger als bei
hochmolekularen Biopolymeren ab. So unterscheiden sich z.B. Pflanzen- und
Kchenabflle deutlich in ihrer Abbaubarkeit, denn Pflanzenabflle enthalten
einen hohen Anteil schwer abbaubarer Lignocellulose, whrend die Kchenabflle
feuchter sind, mehr Nhrstoffe enthalten und eine weichere Struktur besitzen
[4.118].
Hemmstoffe knnen die Produktion der Bakterien reduzieren und eventuell ganz
zum Erliegen bringen. Bei der Vergrung von Abfllen aus Haushalten knnen
diese z.B. ins Substrat gelangte Antibiotika und Desinfektionsmittel sein. Generell
hemmend und ab bestimmten Konzentrationen toxisch wirken Schwermetalle und
Salze [4.128]. Zu ihrem eigenen Wachstum bentigen die Bakterien des weiteren
Nhrsalze und Spurenelemente.
Vetfahrensparameter
Da sich in der Evolution verschiedene Stmme an Methanbakterien herausgebildet
haben, die sich in ihrer Temperaturprferenz unterscheiden, gibt es drei Temperaturbereiche mit erhhter Gasproduktion:
- psychrophiler Bereich um 10 C,
- mesophiler Bereich 32 bis 50 C,
- thermophiler Bereich 50 bis 70 C.
Um thermophile Temperaturen in einem Reaktor zu halten, sind ein hherer Energieeinsatz und technischer Aufwand ntig. Da die thermophile Vergrung auch
biologisch instabiler abluft, werden die meisten Anlagen mesophil betrieben. In
der Landwirtschaft werden auch einige Anlagen betrieben, die im psychrophilen
Bereich, also um 10 C arbeiten. Der Substratdurchsatz ist so gering und die bentigten Volumen so gro, da fr die Abfallbehandlung dieser Bereich nicht in
Frage kommt.
Die Bakterien der ersten Phase bevorzugen einen leicht sauren pH-Wert, whrend die Methanbakterien im neutralen Bereich stabil arbeiten. Da die Surebildner schneller wachsen, kann der pH-Wert durch ihre erhhte Produktion kurzfristig
sinken und die Methanproduktion verringern, wenn das Substrat nur eine geringe
Pufferkapazitt aufweist.
Verweildauer
Die Verweilzeit hngt von der Temperatur, der Faulraumbelastung, also der Konzentration an Substrat im Reaktor, der Konzentration an aktiver Biomasse und dem
gewnschten Abbaugrad ab.

332

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Das oben erwhnte, langsame Bakterienwachstum schafft das Problem, da zur


Verkrzung der Verweilzeiten die aktive Biomasse zurckgehalten oder angereichert werden mu. Dies kann durch Immobilisierung an Trgermaterialien in einem Fest- oder Wirbelbett oder durch die Rckfilhrung von Schlamm bzw. Prozewasser geschehen. Der Einsatz von inerten, festen Fllkrpern oder inerten
Partikeln, an denen die Bakterien durch Adhsion zurckgehalten werden sollen,
ist nur in der Abwasserreinigung mglich, da bei Einsatz fester oder schlammartiger Abflle das Festbett verstopfen bzw. die Trger im Wirbelbettverfahren mit
ausgetragen wrden.
Inbetriebnahme
Da die Bioznose der anaeroben Bakterien in einem Reaktor auf weniger Arten
basiert als bei aeroben Verfahren und sich auch erst bei der Inbetriebnahme bilden
mu, dauert die Anfahrphase eines anaeroben Verfahrens lnger und wirkt sich
auch auf das sptere Leistungsvermgen aus. Andererseits besteht die Mglichkeit,
da bei lngerem, ungestrtem Betrieb und Einsatz eines homogenen Substrates
durch eine Anpassung der Bakterien die Abbauleistungen zunehmen.
[Link]
Verfahrensvarianten

Die Entwicklung der anaeroben Verfahrenstechnik entstammt traditionell der Abwasserreinigung. Bei organischem Gewerbeabfall, Na- und Bioabfall kann es in
den bekannten Reaktoren zu Ablagerungen, Verstopfungen und zur Bildung von
Sediment- und Schwimmschichten kommen.
Es zeichnen sich in der Entwicklung der Anlagen drei prinzipielle Lsungen ab:
Bei der Trockerifermentation wird das Substrat mit einem Trockensubstanzgehalt bis zu 65 % vergoren, whrend es bei der Nafermentation mit Wasser zu
einem Schlamm von ca.l 0 % Trockensubstanzgehalt angemaischt wird. Bei der
zweistufigen Nafermentation passiert der Feststoff eine Hydrolysestufe, in der ein
Groteil der organischen Substanz im Wasser gelst wird, das dann in einem herkmmlichen Anaerobreaktor aus der Abwasserreinigung behandelt wird. Bei der
Trockenfermentation werden als Vorteil ein geringer Wasserbedarfund eine hohe
Faulraumbelastung erwartet. Die Nafermentation verspricht geringere Probleme
in der Handhabung eines homogenen Schlammes, eine mgliche Abscheidung von
Schwimm- und Sinkstoffen in der Verflssigungsstufe und eine Schlammrckfhrung. Bei der zweiphasigen Nafermentation erhofft man sich hhere Leistungen durch die Mglichkeit, fiir die getrennten Phasen jeweils optimale Bedingungen zu schaffen und auf Hochleistungsreaktoren der Abwasserreinigung zurckgreifen zu knnen. Das entstehende Biogas ist mit einem greren Methananteil hherwertiger, da das berwiegend in der Hydrolyse gebildete Kohlendioxid
verworfen wird.
Trockenfermentationsverfahren
Fr die Trockenfermentation sind im wesentlichen drei Verfahren zu nennen.

4.3 Biologische Verfahren

333

Gazometer

Gasausleitung fair
Direktnutzung oder
Weltenerarbeitung

Zufuhr
fennentierbarer
Abfallstoffe

Ausgabe on
Anaerobkompost
fr die Veredelung

Bild 4.126. Schema der Valorga Methanisierungsanlage [4.110]

Das VALORGA-Verfahren wird seit 1988 in einer Anlage in Arniens (F) eingesetzt. Die Anlage verarbeitet 55 000 Mgla einer Feinfraktion aus der vorhergehenden Abfallaufbereitung [4.113].
In der Aufbereitung wird die Leichtfraktion aus dem Hausmll abgeschieden
und Schrott und Schwerstoffe entnommen. Die Feinfraktion wird direkt und eine
Grobfraktion nach einer Zerkleinerung in den Fermenter gepumpt. Die grbaren
Abflle werden mit Prozewasser auf einen Trockensubstanzgehalt von 30 bis
35% eingestellt. Whrend einer Verweilzeit von ca. 3 Wochen bei rnesophilen
Bedingungen wird der Reaktorinhalt durch Einpressen von Biogas in Bewegung
gehalten. Nach Verlassen des Reaktors wird das Substrat entwssert, die Feststoffe
werden gesiebt, zerkleinert und nachkornpostiert (Bild 4.126.).
In einer Anlage in Tilburg (NL) werden von 1994 an ca. 40 000 Mgla Bioabflle aus der getrennten Sammlung gerneinsam mit ca. 6 000 Mgla Papier der Vergrung unterzogen [4.128].
Das DRANCO-Verjahren unterscheidet sich vorn VALORGA-Verfahren kaum.
Bei 55 oc werden Bioabflle und nicht recyclingfhiges Papier fermentiert. Die
Verweilzeit betrgt ca. 3 Wochen, die Grreste werden ca. 10 Tage nachkompostiert (Bild 4.127.).
Seit 1992 ist in Brecht (B) eine Anlage zur Vergrung von 10 500 Mgla Bioabtallen errichtet. Seit Ende 1997 wird in der Stadt Wels (A) eine Anlage zur Behandlung von ca. 20 000 Mgla Bioabfall mit landwirtschaftlichen Abtallen in der
Co-Vergrung betrieben [4.112].
Das KOMPOGAS-Verfahren ist erstmals 1992 in Rrnlang (CH) grotechnisch
umgesetzt worden. Hier werden ca. 5 000 Mgla Bioabtalle fermentiert. Die Bioabflle passieren eine manuelle Strstoffentnahme und eine Zerkleinerungsstufe und
werden dann in den Bioabfallzwischenbunker befrdert. Dieser dient sowohl

334

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Bild 4.127. Fliebild des Dranco Verfahrens [4.191]

der Pufferung der Bioabfiille als auch der selbstndigen Vorwrmung aufgrund
aerober Prozesse.
Das Material mit einem Trockensubstanzgehalt von 30 % wird nach Passieren
eines Wrmetauschers durch eine Feststoffpumpe dem Fermenter zugefiihrt. Der
Fermenter ist als horizontaler Pfropfenstromreaktor konstruiert und mit einem
langsamlaufenden Rhrwerk fr den Transport und die Ausgasung der Materialien
ausgestattet. Nach einer Verweilzeit von 15 bis 20 Tagen bei thermophiler Betriebstemperatur wird das Grgut aus dem Reaktor abgezogen und ber eine Feststoffpumpe zur Schneckenpresse gefOrdert und entwssert.
Das entwsserte Material gelangt in den Nachrottebunker. Dort wird das Material in aerober Umgebung durch Feststoffrdereinrichtungen 5 bis 10 Tage stndig
in Bewegung gehalten, bevor es aus dem Proze ausgetragen wird.
Seit 1993 ist eine weitere Anlage mit einer Kapazitt von 10 000 Mg/a Bioabfall in Bachen-Mllach bei Zrich in Betrieb.

Einstufige Nafermentation
Die Behandlung fester Abfallstoffe in einer wsserigen Lsung mit bis zu 15 % TS
mit Hilfe einer einstufigen Vergrung wird derzeit von verschiedenen Herstellern
angegangen.
Im SOLIDIGEST-Verfahren in Bellaria (I) werden 84 Mg/d einer Feinfraktion
aus der Hausmllaufbereitung in die Faultrme der kommunalen Abwasserbehandlung mit eingebracht. Ein von der BTA (Biotechnische Abfallverwertung
GmbH) und MAT (Mll und Abfalltechnik GmbH) projektierter Aufbereitungsproze bereitet 5 000 Mg/a Bioabfiille der Stadt Baden-Baden auf und gibt die
leicht lsliche Suspension den Faulbehltern der kommunalen Abwasserbehandlung bei. Die Anlage wurde 1993 offiziell in Betrieb genommen.

4.3 Biologische Verfahren

335

organischer
NamOll

Inertstoffe

TS: 40-50%

TS: ca. 32%

Schwimmstoffe
....,.t-----_
Sinkstoffe

TS: ca.13%

_J

(TS ca. 30%)

Gasnutzung

TS: ca. 16%

Frischwasser
TS: ca. 38%

Abwasser

ca. 0,64 m3 /t

org. Namoll
Bild 4.128. Fliebild des Pilotprojektes der Vergrungsanlage Rottweil [4.109]

Mit Hilfe eines Aufbereitungsprozesses in Anlehnung an das BTA-Verfahren


werden im Rahmen eines Pilotprojektes seit Anfang 1992 in der Stadt Kautheuren
2 500 Mg/a getrennt erfate Bioabfllen zur anschlieenden Vergrung in kommunalen Faulbehltern erprobt.
Beispielhaft filr eine einstufige Vergrung ist der Verfahrensablauf der 1985 als
Pilotanlage errichteten Vergrungsanlage der StadtRottweil (Bild 4.128.).
Das Eingangssubstrat (Bioabfall) wird zerkleinert und mit Wasser bis zu einem
Wassergehalt von 85 bis 90% vermischt. In dieser Verflssigungstufe werden
Schwimm- und Sinkstoffe entfernt. Der Biomll wird in einem 45 m 3 fassenden
Reaktor unter Rhren 12 bis 15 Tage im mesophilen Temperaturbereich fermen-

336

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

BIOMLL

Fe-Metalle

....------+-

.----..L.---,__~

Rechengut
Schwerstoffe I

NaOH

Schwerstoffe u

Biogas

Reststoffe

.----...L..---.,__~ Biogas

Oberschuschlamm

Abwasser
Bild 4.129. Verfahrensfliebild des BTA-Verfahrens [4.120]

tiert und der Schlamm anschlieend auf 38% TS-Gehalt entwssert und nachkompostiert.

Zweistufige Nafermentation
Anaerobe Verfahren mit einem dem Methanreaktor vorangestellten Hydrolysereaktor werden als zweistufige Verfahren bezeichnet. Durch die Vorbehandlung in einem Hydrolysebehlter werden die schwer abbaubaren Inhaltsstoffe
im Substrat durch hydrolysierende und versuernde Mikroorganismen so vorbereitet, da die Verweilzeit in der Methanstufe verkrzt werden kann. Zweistufige
Anlagen fUhren in der Regel zu einer hheren Methankonzentration im Biogas und

4.3 Biologische Verfahren

337

BiomilU Feuchtmasse

Rechengut 8 %
Schwerstoffe 1 %

Biogas 15 %

Bild 4.130. Stofffludiagramm bei der Vergrung von Biomll mit dem BTA-Verfahren [4.120]

gewhrleisten eine biologisch stabilere Betriebsfilhrung bei schwer abbaubaren


Substraten.
In Glle-Vergrungsanlagen, die zu den ehemaligen DDR-LPG-Betrieben der
Massentierhaltung gehrten, wird derzeit die Mitbehandlung von Bioabtallen
erprobt. Mit einem Durchsatz von 20 000 Mgla wird in einer ehemaligen Anlage
zur Hhnerkotvergrung von der Entsorgungs- und Aufbereitungs GmbH in der
Stadt Zobes/Thringen die Mitverarbeitung von Bioabtallen des Landkreises Hof
und der Stadt Plauen betrieben [4.112].
Am BTA-Verfahren (Bild 4.129.) wurden umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen durchgeftlhrt. In einer Pilotanlage in Garehing bei Mnchen sind
verschiedene Eingangsmaterialien (Namll, Bioabfall, Gewerbeabtalle aus Grokchen, Hygieneprodukte und Restmll) untersucht worden. Smtliche Ergebnisse
belegen die Aufbereitungsfhigkeit und die Vergrbarkeit der Abtalle durch das
BTA-Verfahren [4.120, 4.126].
Die organischen Abtalle werden vorzerkleinert, und ferromagnetische Stoffe
werden abgeschieden. In einem Stoffiser werden die Bioabtalle gelst und ca. 20
min durch starkes Rhren zerfasert. Die abgesunkenen Schwerstoffe werden durch
eine SchleuseamBoden des Behlters ausgetragen und aufschwimmende Leichtstoffe ber ein Rechensystem von der Oberflche des Auflsebehlters entfernt.
Danach wird die Suspension mit einem TS-Gehalt von 8 bis 10 % durch das Bodensieb abgelassen und bei ca. 65 C thermisch vorbehandelt.
In kontinuierlicher Betriebsweise wird die Suspension einer ersten Fest/FlssigTrennung unterzogen, wobei der feststoffreiche Austrag in die Hydrolyse gegeben
und der flssige Austrag dem Methanreaktor zugefUhrt wird. Nach ca. 2 bis 4
Tagen Verweilzeit in der Hydrolyse wird das Substrat einer zweiten Fest/FlssigTrennung unterzogen und die flssige Phase in den Methanreaktor geleitet. Die
Hydrolysefeststoffe werden kompostiert. Der Stoftllu bei der Verarbeitung von
Bioabfall ist in Bild 4.130. dargestellt.
Das Verfahren der Fa. AN-Maschinenbau arbeitet ebenfalls zweistufig (Bild
4.131 ). Die Bioabtalle werden chargenweise in Hydrolysebehlter gegeben. Durch

338

4 Abfallbehandlung und -beseitigung


Gas

Gas

Lf

i
l
!

organische
Siedlungsabflle

:._-_: -... -_ .._-

- . -.

-. - . - . -... .- -

-... . ....... _. : : .... -

0.

. . .

::::::::::::::::::::::::::::::::
...............
.............. .....
................

0. 0

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::\::k(.}~;=:::.:-

Kompost Rohmaterial

Zerkleinerung

Hydrolyse - Stufe

Puffer

Methan - Stufe

Bild 4.131. Grundfliebild des AN-Verfahrens [4.109]

viertgige Perkolation wird ein groer Teil der organischen Masse im Prozewasser gelst und in den Methanreaktor geleitet. Die im Hydrolysebehlter verbleibenden Feststoffe werden entleert und kompostiert [4.117, 4.118].

[Link]

Endprodukte

Biogas
Der Ertrag an Biogas und seine Qualitt sind stark von den eingesetzten Substraten
und der Anlagenauslegung abhngig. Die derzeit erzielten Ausbeuten liegen in der
Grenordnung zwischen 100 bis 200 Nm3 pro Mg Bioabfall [4.114]. Die Zusammensetzung des Biogases variiert nach den eingehenden Substraten und der
Ein- bzw. Mehrstufigkeit des Fermentierungsprozesses (Tabelle 4.31.).
Tabelle 4.31. Zusammensetzung von Biogasen
Inhaltsstoff

[Vol.-%]

Methan (CH4)

40-75

Kohlendioxid (C02)

25-60

Stickstoff (N02)

0-7

Sauerstoff (02)

0-2

Wasserstoff (H2)

0-1

Schwefelwasserstoff (H2S)

0-1

4.3 Biologische Verfahren

339

Bei Einsatz bestimmter Abflle knnen dazu noch Spuren von Halogenkohlenwasserstoffen kommen.
Gasaufbereitung
Je nach Verwertungsart und Methangehalt mu das Gas gereinigt und evtl. im
Methangehalt angereichert werden. Bei der Reinigung steht die Entschwefelung an
erster Stelle, da Schwefelwasserstoff ein farbloses, giftiges und tzend riechendes
Gas ist, das zu korrosivem und umweltbelastendem S02 verbrennt. Allen Entschwefelungsverfahren ist gemeinsam, da sich die Reinigungsmedien mit Sauerstoff wieder regenerieren lassen.
Bei der Entschwefelung mit Raseneisenerz wird das Raseneisenerz mit dem
Schwefelwasserstoffnach der Gleichung
(4.12)
zu Wasser und Pyrit umgesetzt. Mit Sauerstoff bildet sich wieder Raseneisenerz
und elementarer Schwefel.
Bei der Adsorption wird mit Aktivkohle als Adsorptionsmittel der adsorbierte
Schwefelwasserstoff mit Sauerstoff zu elementarem Schwefel und Wasser umgesetzt.
In der oxidativen Gaswsche wird der Schwefelwasserstoff durch eine komplexe Eisenverbindungen zu elementarem Schwefel oxidiert, der sich als Schlamm
absetzt. Die Komplexlsung wird durch Sauerstoff regeneriert.
Eine mikrobielle Oxidation des Schwefelwasserstoffs in einem Riesetfilmreaktor ist ebenfalls mglich.
Halogenkohlenwasserstoffe
Die Halogenkohlenwasserstoffe knnen in Aktivkohlefiltern weitgehend abgeschieden werden.
Methananreicherung
Eine Kohlendioxidabtrennung zur Methananreicherung ist z.B. bei einer beabsichtigen Einspeisung des Gases ins ffentliche Erdgasnetz unumgnglich. Hierzu
stehen drei Verfahren zur Verftlgung:
Beim absorptiven Verfahren, einer Wsche mit Monoethanolamin, wird neben
Kohlendioxid auch Schwefelwasserstoff abgeschieden. Es gehen Hydrogencarbonate und Hydrogensulfit in Lsung, die aus dieser durch Temperaturerhhung und
Druckerniedrigung desorbiert werden knnen.
Beim Druckwechseladsorptionsverfahren werden die unterschiedlichen Adsorptionsgeschwindigkeiten der Gase an Kohlenstoffinolekularsieben ausgenutzt.
Auf eine durch Druckaufbau verursachte Adsorption folgt eine Druckentlastung.
Bei der anschlieenden Evakuierung wird hauptschlich Kohlendioxid abgesaugt,
da es sich im Gegensatz zu Methan erst bei der Evakuierung lst.
Beim Membranverfahren erfolgt die Gasseparation nach dem unterschiedlichen
Permeationsverhalten der Gase. Die Membranen aus Celluloseacetat, Polysulfonen, Silikonen und Polycarbonaten werden allerdings durch Schwefelwasserstoff
geschdigt, so da dieser unbedingt vorher abgeschieden werden mu [4.109].

340

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Verluste

rl

tt

!?

Prozewannebedarf

Prozewannebedarf

Biogasanlage

Biogasanlage

Bild 4.132. Energieflu bei einem Heizkessel und einer Kraft-Wrme-Kopplung [4.117]

Gasverwertung
Das Biogas kann verbrannt werden in
- Kesseln zur Wnneerzeugung,
- Kraft-Wnne-Kopplungsaggregaten,
- Motoren zum Fahrzeugantrieb oder
ins ffentliche Netz eingespeist werden.
Wegen des hohen Aufbereitungsaufwandes sind die beiden letztgenannten Nutzungen nur selten anzutreffen. Den hchsten Wirkungsgrad erzielt eine Verbrennung in Gasmotoren als Kraft-WnDe-Kopplung, da sowohl Wnne als auch
Strom im Verfahren genutzt werden knnen (Bild 4.132.).

4.4 Chemische und physikalische Verfahren

341

Kompost
Die Substrateigenschaften hneln denen des aerob gewonnenen Kompostes. Es
zeigten sich die gleichen Abhngigkeiten zwischen den Schwermetallgehalten der
Produkte und der Einsatzstoffe. Die Anaerobverfahren werden deshalb in der
Bundesrepublik Deutschland hauptschlich mit Bioabfall bzw. mit unbelastetem
organischen Gewerbeabfall betrieben [4.109).
Es zeichnet sich ab, da Manahmen zur Hygienisierung, z.B. eine Nachkompostierung des Substrates, notwendig sind, da bei der mesophilen Vergrung
keine Abttung pathogener Keime stattfmdet. Die erforderlichen Nachrottezeiten
sind gegenber dem Bioabfall deutlich verkrzt.
[Link]

Emissionen

Luft
Wie bei aeroben Verfahren ist beim Einsatz organischer Substrate mit Geruchsemissionen zu rechnen. Da die Vergrung in einem abgeschlossenen Reaktor stattfmdet, treten bei Kapselung der vorgeschalteten Aufbereitungsaggregate (Pulper
o..) keine Emissionen auf. Das austretende Substrat ist ausgefault und geruchsfrei.
Da das Methan im Biogas starke Auswirkungen bei der Zerstrung der Ozonschicht bewirkt, mu es unbedingt verbrannt werden. Ein Abfackeln des ungereinigten Biogases, notwendig z.B. bei einem Ausfall der Gasaufbereitungsaggregate,
htte Schwefeldioxidemissionen zur Folge.
Abwasser
Durch das Substrat, dessen Trockenmasse in der Anlage reduziert wird, wird immer Wasser in das System eingetragen, so da auch bei einer Kreislauffiihrung von
Prozewssem mit einem Abwasseranfall zu rechnen ist. Hinzu kommt, da sich
diese aufsalzen und deshalb ausgetauscht werden mssen. Das so entstehende
Abwasser ist nur mit anorganischen Salzen und organischen Verbindungen gering
belastet, so da es der kommunalen Klranlage zugefUhrt werden kann [4.109].

4.4

Chemische und Physikalische Verfahren

4.4.1
Emulsionsspaltung
Emulsionen sind Gemische zweier oder mehrerer nicht ineinander lslicher Flssigkeiten, bei denen die eine Flssigkeit als disperse Phase in Form kleiner Trpfchen in der zweiten Flssigkeit (dem Dispersionsmittel) verteilt vorliegt.
Die relevanteste Art ist l in Wasser-Emulsionen. Bei derartigen Emulsionen
ist das l nicht mehr mit einfachen mechanischen Verfahren abtrennbar.
Der grte Teil derartiger Emulsionen stammt aus der metallverarbeitenden Industrie. Dabei wird zwischen Khl- und Schmierstoffen auf Minerallbasis (Bohrund Schleiflemulsionen), halbsynthetischen len mit geringem Minerallanteil

342

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

~
Chemikalien

Annahmebecken
Sonderemulsionen
45m 3

--., \\
rr ' ->:,:----.--.......,L
I<Sl
_

Emulslons-Dreikammerrj
sammelbecken
_ Q)
2X300 m

L.J.J
Stapelbehlter
3x50m 3
3x50 m'

Flockungsmittel

Mulde

NaOH

Trennmittel

Flockungsmittel ,.------1
zur Standneutralisation

y
Tl

Reakllonsbe- Reaktionsbehlter fOr


hlter fOr
Lauge
Trennmittel
Vakuum-

~trommelPrecoat

Anschwemmbehlter

'1 filter

L!__j
Mulde

~~-~---------~
behandlung

Abwasserkontrolbehlter

Bild 4.133. Anlagenbeispiel fr eine Emulsionsspaltanlage [4.79]

und minerallfreien Produkten (fiir Wasch- und Reinigungsanlagen sowie Entfettungsbder) unterschieden.
Entsprechend dem Einsatzgebiet werden den Emulsionen unterschiedliche Additive wie Emulgatoren (zur Herabsetzung der Oberflchenspannung), Stabilisatoren (Glycol), Entschlmmer, Hochdruckzustze (Chlor-, Phosphor- oder Schwefelkomponenten) sowie korrosionsschtzende Substanzen (Nitrit) zugegeben. Zustzliche Verschmutzungen wie Fette, freie le, Metalle und Schlmme gelangen
bei der Fertigung in die Emulsionen. Der lgehalt der Emulsionen liegt zwischen
2 bis 5 Gew.-%. Die bei der Produktion anfallenden Abwasserarten variieren in
der chemischen Zusammensetzung je nach eingesetztem l. Jhrlich fallen in der
Bundesrepublik Deutschland schtzungsweise 2 Mio. m3 an [4.129].
Emulsionen fallen auch bei der Behandlung von l-Wasser und Schlammgemischen (z.B. aus Sandfanggruben) an. l-Wasser-Schlamm-Gemische werden in
einem Vorbehandlungsschritt durch Sedimentation oder Zentrifugation bzw. Dekantierung separiert (vgl. Bild 4.133.).
Bei dieser Trennung wird das Gemisch durch Schwerkrafteinwirkung und
eventuelle Zugabe von Fllungs- bzw. Fllungshilfsmitteln in eine leichte Phase
(konzentrierte lphase), eine schwere Phase (l-Wasserphase) und eine Schlamm-

4.4 Chemische und physikalische Verfahren

343

phase aufgetrennt. Die konzentrierte lphase und die Schlammphase werden einer
thermischen Behandlung bzw. Verwertung zugefilhrt. Die l-Wasserphase wird
der Emulsionstrennanlage zugeleitet (s. Bild 4.133.).

[Link]

Behandlung der Emulsionen durch chemisch-physikalische


Verfahren

Eines der am hufigsten angewandten physikalischen Verfahren zur Emulsionstrennung beruht auf der Bindung der Emulsionsbestandteile (l) an Adsorbenzien.
Dabei werden die grobstofffreien l-Wassergemische und Emulsionen durch
Zugabe von Trennmitteln (Magnesiumsalze/Kieselgur) gespalten. Danach erfolgt
die eigentliche Trennung der Wasserphase von den lteilen. Um groe Mengen
filtern zu knnen, werden kontinuierlich arbeitende Entwsserungsapparate, wie
Membranfilter, eingesetzt [4.88]. Die Suspensionen knnen auch ber einen precoatierten (vorbeschichteten) Vakuumtrommelfilter gereinigt werden, wobei die
Kieselgur-Filterschicht ebenfalls kontinuierlich abgeschabt und der Verbrennung
zugefilhrt wird.
Auf chemischem Wege erfolgt die Emulsionsspaltung am einfachsten durch den
Zusatz von Suren. Die aufschwimmenden le und Fette werden mechanisch entfernt bzw. am berlauf des Spaltbehlters abgezogen.
Einige Emulsionen (z.B. Khlschmiermittel) sind durch Surebehandlung allein
nicht mehr trennbar. Deshalb werden Kombinationen der chemischen und physikalischen Verfahren verwendet. Bei der Spaltung mit Suren sollten Abfallsuren
genutzt werden, um eine zustzliche Aufsatzung des Abwassers zu vermeiden.

[Link]

Behandlung der Emulsionen durch thermische Verfahren

Thermische Verfahren sollten immer dann eingesetzt werden, wenn ProzeWrme zur Verfilgung steht. Die Vorteile sind:
- kein Chemikalienzusatz,
- praktisch kein Schlamm,
- Emulgatoren, Stabilisatoren u.a. organische Zustze verbleiben meist in der lphase,
- das abgespaltene l kann in der Regel direkt verbrannt oder als Altl verwertet
werden,
- Salze (so auch Nitrit) fallen kristallin an,
- im allgemeinen entsteht kein Abwasser, da das Wasser als Dampf abgeht und
das gebildete Kondensat wieder als Brauchwasser verwendet werden kann,
- auch stabile Emulsionen knnen gespalten werden,
- der Energiebedarf ist bei mehrstufigen Vakuumverdampfern relativ gering.
Als Endprodukte bei der thermischen Emulsionstrennung fallen Altle mit einem
hohen Heizwert, Salze sowie Wasser an. Schadstoffbelastete Altle sollten einer
Sonderabfallverbrennung zugefUhrt werden.
Zur thermischen Trennung von Emulsionen kommen verschiedene Verfahren
zum Einsatz:

344

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

2 Heizl

Bild 4.134. Schematische Darstellung einer Tauchbrenner-Verdampferanlage [4.80]

Tauchbrennerverfahren
Hierbei wird die Emulsion direkt mit der Flamme bzw. den heien Verbrennungsgasen in Berhrung gebracht. Da ein direkter Wrmeaustausch stattfmdet, ist dieses Verfahren uerst wirtschaftlich. Auerdem kann das anfallende Altl mitverbrannt werden. Durch Verdampfen des Wassers konzentriert sich die Emulsion
auf, so da als Zwischenprodukt Wasser-l-Emulsionen entstehen. Bei weiterer
Verdampfung des Wassers bleibt schlielich ein Rckstand aus l, Salzen und
mechanischen Verunreinigungen (Abrieb, Metallspne etc.) zurck (s. Bild 4.134).
Umlaufverdampfer
Umlaufverdampfer werden unterschieden in Naturumlaufverdampfer und Zwangsumlaufverdampfer. Bei Naturumlaufverdampfern erfolgt die Zirkulation des Wasser-Dampf-Gemisches aufgrund physikalischer Gesetzmigkeiten. Die intensive
Umwlzung vermeidet weitgehend eine Krustenbildung und bewirkt einen guten
Wrmebergang (Bild 4.135).
Bei Zwangsumlaufverdampfern wird die Zirkulation der einzudampfenden
Flssigkeit mittels einer Pumpe untersttzt. Hierdurch knnnen die Strmungsgeschwindigkeiten unabhngig von der Temperatur des Wassers variieren und ein
Sieden (Verlustgefahr) in den Rohren weitgehend vermieden werden.
In Bild 4.136 ist das Verfahrensfliebild einer Groanlage zur thermischen
Spaltung von Emulsionen mittels Umlaufverdampfer dargestellt.
Umlauf- und Dnnschichtverdampfer werden vorwiegend dann eingesetzt,
wenn ausreichend Prozewrme zur Verfilgung steht (z.B. Turbinendampt).
Dnnschichtverdampfer
Dnnschichtverdampfer eignen sich filr stark verschmutzte oder zu Verkrustungen
neigende Flssigkeiten. Die Emulsion wird in dnnen Schichten ber indirekt
beheizte runde Verdampferkrper gefilhrt, wobei das Wasser verdampft und das
l abgeschieden wird. Die Verdampferflchen werden durch Wischerflgel eines
Rotors stndig gereinigt [4.80].

4.4 Chemische und physikalische Verfahren

345

A: Produkt
B: Brden
D: Heizdampf
E: Kondensat
1: Verdampfer
2: Zentrifugalscheider
3: Zirkulationsrohr
4: Brdenrohr

Bild 4.135. Schematische Darstellung einer Umlaufverdampferanlage zur Spaltung von Emulsionen [4.80]

I Faservlies-Bandfilter zur Vorreinigung

I 0 Separierbehalter zur Vorentlung des Kondensats

2 Sammelbecken fOr Altemulsion


3 lskimmer des Fremdlabscheiders

II Faudi Phasentrenner als Restlabscheider


12 laufnahmebehalter

4 Separierbehalter des Fremdlabscheiders

13 Aktivkohlefilter filr die Wasserphase

5 lauffangbehalter des Fremdlabscheiders


6 Umlautverdampfer I. Stufe

Wasserphase

7 UmlaufVerdampfer 2. Stufe

15 pH-Wert-Kontrolle

8 UmlaufVerdampfer 3. Stufe

16 Fallstromverdampfer als Konzentrator filr die lphase


17 Auffangbehalter filr Tri und Per

9 Kondensator for die Wasserphase

14 Auffang- und Ablabecken fllr die aufbereitete

Bild 4.136. Verfahrensschema einer Groanlage zur thermischen Emulsionsspaltung mittels


Umlaufverdampfer [4.80]

346

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

4.4.2

Destillation und Verdampfung

Destillation
Die Destillation wird insbesondere zur Rckgewinnung von Lsungsmitteln eingesetzt. Das Behandlungsziel ist eine Entfernung der in den flssigen Sonderabfllen
enthaltenen Schadstoffe und damit eine Umwandlung in eine deponiefhige oder in
eine fiir den Vorfluter bzw. die Klranlage unschdliche Form. Untersuchungen
zur destillativen Aufbereitung flssiger Sonderabflle werden im Rahmen von
Forschungsvorhaben berprft. Durch Ausdampfung des Wassers kann eine Konzentrierung der festen und nichtflchtigen Bestandteile im Rckstand erreicht werden. Im Rahmen des Forschungsvorhabens "Destillative Behandlung von flssigen
Sonderabfllen" an der TU Mnchen wurde eine destillative Behandlung folgender
Abwsser untersucht:
- Sickerwasser einer Sonderabfalldeponie,
- Abwsser einer Sonderabfallbehandlungsanlage,
- einige besonders problematische flssige Sonderabflle bei verschiedenen Versuchsbedingungen.
In Laborversuchen wurden flssige Abflle, die durch eine nachemische Behandlung nur schwer oder nicht zu beseitigen waren, durch einfache, unproblematische Eindampfung gereinigt. Cyanidhaltige und komplexhaltige Sonderabflle
konnten ohne Chemikalienzusatz in einem Rotationsverdampfer durch Destillation
vollstndig im Rckstand zurckgehalten werden. Die Versuche haben gezeigt,
da insbesondere durch eine Bi-Destillation gute Ergebnisse erzielt werden knnen.
Verdampfung
Die Verdampfungsverfahren knnen zur Konzentration flssiger Abflle verwendet werden. Vorrangiges Ziel dabei ist in den meisten Fllen die Entfernung von
Wasser. Hufige Anwendungen sind die Konzentration von Salzlsungen und die
thermische Emulsionsspaltung (s. Kap. [Link]). Die Verdampfungsverfahren bieten sich zur Entfernung von Neutralsalzfrachten aus Abwssern an. Verdampfer
knnen vor allem bei Vorhandensein von Proze- bzw. Abwrme sinnvoll eingesetzt werden.

4.4.3
Neutralisation
[Link]
Neutralisation saurer oder basischer Abwsser und Schlmme

Bei einer Vielzahl industrieller Prozesse werden Salz-, Schwefel- und Salpetersure eingesetzt und fallen in verschmutzter Form an.
Bei der produzierenden Industrie sind die Kunststoff-, Farb-, Petrochemie- und
Nahrungsmittelindustrie zu nennen. Im Bereich der verarbeitenden Industrie werden Suren zur Produktion organischer und anorganischer Chloride, dem Beizen

4.4 Chemische und physikalische Verfahren

[Link]
m3
Lauge

347

Annahmebecken

Slure

m3

Stapelbehlter

1 ~ 50 m3

Sickerwasser

Bild 4.137. Schematische Darstellung einer Neutralisationsanlage in einer Sonderabfall-Behandlungsanlage

von Stahl und der Alkylierung und Polymerisation von Erdlprodukten eingesetzt
[4.82].
Schwefelsure wird in der Textilindustrie, der Metallverarbeitung und in der
Erdlraffinerie fiir die Herstellung einer Vielzahl von Produkten verwendet [4.82].
Salpetersure findet Verwendung in der Dngemittelindustrie, bei der Herstellung von Schwermetallnitraten, zum tzen von Metallen und in der Sprengstoffindustrie. Bei der Produktion eines Mg konzentrierter Salpetersure entstehen ca. 80
bis90m3 surehaltiges Abwasser [4.82].
Natronlauge wird bei einer Vielzahl von Produktionsprozessen eingesetzt. Anwendungsgebiete sind die Seifenfabrikation, Chemikalienproduktion, Farb- und
Textilindustrie, Zellstoff- und Papierindustrie sowie die Filmproduktion. Natriumhydroxidhaltige Abwsser und Schlmme entstehen auerdem in Metallbeizereien
und Galvanikbetrieben der weiterverarbeitenden Industrie [4.82].
Die Lsungen und Schlmme der zu neutralisierenden Suren und Laugen sind
mit unterschiedlichen Konzentrationen an Schwermetallen kontaminiert, die stufenweise im Verlaufe der Neutralisation gefallt werden knnen (vgl. 4.137).
[Link]
Behandlungsproze sse bei der Neutralisation

Bei der Neutralisation erfolgt eine pH-Werteinstellung, so da eine Ableitung der


Abwsser mit dem brigen Betriebswasser einer Behandlungsanlage mglich wird.

348

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Im Sinne einer greren Wirtschaftlichkeit knnen Altsuren, Altlaugen, Schlmme und Beizen, die keine toxischen Bestandteile enthalten, durch gegenseitige
Mischung neutralisiert werden.
Vorher sollte aber die externe Verwertbarkeit der Altsuren oder -Laugen geprft werden. Nur wenn eine Verwertung nicht mglich ist oder nicht gengend
Abfallsuren und Laugen vorhanden sind, erfolgt die Neutralisation durch Zugabe
von Natronlauge, Natriumcarbonat sowie Aufschlmmungen von Calciumhydroxid
(Kalkmilch) oder Salz-, selten mit Schwefel- oder Salpetersure.
Befmden sich Metallionen im zu behandelnden Abwasser, ist die Einstellung
des gewnschten End-pH-Wertes nicht ausreichend. Die pH-Wertfiihrung mu so
erfolgen, da unlsliche Metallhydroxide entstehen. Eine Metallfllung ist notwendig, um die gesetzlich geforderten Grenzwerte fr diese Stoffe im Abwasser
einzuhalten. Der Proze der Neutralisation verbunden mit einer Fllung wird als
Neutralisationstallung bezeichnet. Durch Zugabe von Flockungsmitteln werden
aus den Metallhydroxiden gut sedimentierbare Makroflocken gebildet und als
Neutralisationsschlamm sedimentiert.
Die Neutralisationszeit sollte im Chargenbetrieb fr Abflle mit hoher Konzentration mindestens 20 bis 30 min betragen. Abfalle, die frei von gefiihrlichen Stoffen sind, knnen bei geringen Konzentrationen im Durchlaufverfahren neutralisiert
werden. Die Behandlung des Abwassers wird mit einer Filtration ber Kiesfilter
bzw. Aktivkohle und einen Selektivionenaustauscher abgeschlossen.
Tabelle 4.32. Hydroxidfiillung der Metallionen in der Lsung in Abhngigkeit vom eingestellten
pH-Wert [4.40]
Metall-Ion

pH-Bereich
Ausfiillung

Zinn (Sn IV)


Eisen (Fe III)
Aluminium (Al III)
Chrom (Cr III)
Kupfer (Cu II)
Zink (Zn II)

1,0 bis 2,0


1,5 bis 4,0
3,0 bis 5,6
3,7 bis 6,5
4, I bis 8,0
5,6 bis 9,4

Blei (Pb II)

6,3 bis 9,3

9,2

Nickel (Ni II)

6,4 bis 10,1

9,1

Mangan (Mn II)

6,8 bis 11,1

9,6

Eisen (Fe II)

7,0 bis 11,1

10,0

Cadmium (Cd II)

7,5 bis 11,3

9,5

Magnesium (Mg II)

9,0 bis 13,2

12,2

pH-Wert
fr Abbau auf 0, 1 mgll
1,5
3,3
5,0
5,7
7,0
8,4

4.4.4

Entgiftung

Als Standardverfahren der chemisch-physikalischen Sonderabfallbehandlung


kommen die Entgiftungsverfahren Chromat-, Cyanid- und Nitritentgiftung zur An-

4.4 Chemische und physikalische Verfahren

349

wendung. Die Annahme und Lagerung der Abflle sollte nach Inhaltsstoffen getrennt stattfmden. Eine Entgiftung darfnur im Chargenbetrieb stattfmden.
[Link]
Chromatentgiftung

Chromathaltige Abflle entstehen vorwiegend bei der Oberflchenbehandlung und


Metallveredelung in Metallverarbeitungs- und Galvanisierungsbetrieben. Beim
Ablassen von Beiz-, Reinigungs- und Nachplatierlsungen fallen chromhaltige
Abflle in Form von Abwssern, Suren, Laugen und Schlmmen an. Des weiteren
entstehen in der Textil-, Buntfarben-, Leder, Holz- und Elektroindustrie chromathaltige Abflle [4.82].
Sechswertige Chromverbindungen sind starke Oxidationsmittel und mssen wegen der daraus folgenden Toxizitt zu dreiwertigem Chrom reduziert(= entgiftet)
und aus den Abwssern entfernt werden. Die Schwermetalle werden in eine
schwerlsliche Form berfUhrt, die deponiert werden kann. Zur Reduzierung stehen zwei Verfahren zur Verlligung:
l Reduktion des Chromats mit Schwefeldioxid und Sulfit
Schwefeldioxid wird als Gas in das Abwasser geleitet und reagiert mit Wasser zu
schwefliger Sure, die dissoziiert. Das Bisulfition HS03- ist der eigentliche Reaktionspartner des Chromats [4.84]. Es entsteht Chromsulfat, aus dem bei der Neutralisation unlsliches Chromhydroxid gebildet wird.
Verfahren mit Natriumhydrogensulfitlsung
Bei der Reduktion wird die Chromatlsung auf einen pH-Wert ca. 2 angesuert
und anschlieend Natriumhydrogensulfitlsung(Natriumbisulfitlsung) als Reduktionsmittel zugesetzt. Nachfolgend ist als Beispiel die Reaktionsgleichung zur
Reduktion von Natriumcromat angegeben.

Na2cr20 7 +3NaHS~ +4H2so4

pH::> 2,S

Cr2 (s04 )3 +3NaHS04 +Na2so4 +4H2o(4.13)

Aus dem Chromatsulfat entsteht bei der anschlieenden Neutralisation mit Natronlauge, Kalkmilch und Soda unlsliches Chromhydroxid. Dieses kann sedimentiert und ber Kammerfilterpressen abgetrennt werden. Zu beachten ist, da bei der
Entgiftung mit Sulfiten durch diese eine zustzliche Abwasserbelastung entsteht
und der CSB-Wert steigt.
II. Reduktion des Chromats mit Eisen-li-Salzen
Bei einem pH-Wert unter 2,5 stellen die Eisen-li-Salze gute Reduktionsmittel dar.
Die Reaktion verluft nur dann gengend schnell und qualitativ ab, wenn der Sureverbrauch whrend der Reaktion stndig durch Zusatz von Sure kompensiert
wird. Der Unterschied zur Reaktion mit Sulfit liegt im wesentlich hheren Verbrauch an Sure und der damit verbundenen Aufsalzung. In Bild 4.138 ist das
Beispiel einer Chromatentgiftung dargestellt.

350

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

45 m'
Aufnahmebehlter
(6-werllgt Chromverbindungen I

Stapelbehlter
2 50m 3

Chemiekalitnbehlter
3Sm 3
INaHS01 1

zur Schlammbehandlung

Bild 4.138. Beispiel einer Chromatentgiftungsanlage [4.79]

[Link]
Cyanidentgiftung
Groe Mengen cyanidhaltiger Abtlilie entstehen bei der Oberflchenbehandlung
und dem Hrten von Metallen sowie bei der Elektroplatierung.
Die chemischen Reaktionen zur Entgiftung des Cyanids in der Sonderabfallbehandlung sind am weitgehendsten untersucht. Hierfllr lassen sich zwei Grnde
nennen:
- Cyanid ist eine der giftigsten Komponenten im Abwasser,
- die Reaktionsmechanismen der Cyanidentgiftung sind sehr komplex.
Es treten bei allen Verfahren -mit Ausnahme der thermischen und Fllungsverfahren - stets mindestens zwei Einzelreaktionen auf, deren optimale Bedingungen
bezglich der Reaktionsgeschwindigkeit und des Reaktionsgleichgewichtes variabel sind. Hinzu kommen die Probleme, die sich aus der Komplexbildung des Cyanids mit den meisten Schwermetallen ergeben.
Cyanide werden in der Regel durch Oxidationsmittel in ungiftige Verbindungen
berfhrt. Die hufigste Anwendung findet z.Z. noch Natriumhypochlorid
(NaClO). Mit Natriumhypochlorid erfolgt eine Umsetzung des Cyanids in mehreren Teilreaktionen ber die Bildung von Chlorcyan und Cyanat zu Stickstoff und
Kohlendioxid. Der pH-Wert mu ber 10 liegen [4.85].
NaCN+ NaCIO
2NaOCN+ 3NaCIO+ H 20

NaOCN+ NaCl

2C0 2 + N 2 + 3NaCl+ 2NaOH

(4.14)
(4.15)

4.4 Chemische und physikalische Verfahren

351

Die Reaktionszeit betrgt unter gnstigen Bedingungen 30 bis 60 min, kann aber
bei komplexen Sonderabfllen bis zu mehreren Tagen andauern.
Der Nachteil dieses Verfahrens ist, da bei hheren Temperaturen bedingt
durch Konzentrationen> 1gll cN-gasfrmiges Chlorcyan entstehen kann [4.131].
Ein weiterer Nachteil ist die Aufsatzung des Abwassers [4.83].
Des weiteren ist die Gefahr der Bildung organischer Chlorverbindungen beim
Einsatz chlorierter Oxidationsmittel sehr hoch. Dies kann zu berschreitungen der
dafllr vorgeschriebenen Abwassergrenzwerte ftlhren (AOX, HKW). Von Vorteil
ist, da fllr das Verfahren mit Natriumhypochlorid langjhrige praktische Erfahrungen und bei entsprechender Me- und Regeltechnik eine sichere Reaktionsfilhrung mglich ist.
Alternativen zu diesem Verfahren sind die Cyanidoxidation mit Sauerstoff,
Sauerstoffverbindungen (z.B. Wasserstoffperoxid, Ozon) und durch anodische
Oxidation [4.131].
Die Vorteile dieser Verfahren sind die Vermeidung von zustzlicher Abwasseraufsatzung und von chlorierten organischen Verbindungen.

[Link]

Nitritentgiftung

Grere Mengen nitrithaltiger Abflle knnen beim Hrten (Warmbadschlamm),


bei der spanenden Fertigung (Rostschutzzustze in den Khlemulsionen) und beim
Schwarzfrben (Brnieren) von Stahlteilen anfallen. Eine Nitrit-Entgiftung kann
wie bei der Cyanidentgiftung durch Oxidation z.B. mit Natriumhypochlorid erreicht werden. Die Reaktion erfolgt durch Ansuern bei einem pH-Wert von 3
bis 4 [4.85].
NaN0 2 + NaClO ~ NaN0 3 + NaCl

(4.16)

Die erforderliche Reaktionszeit wird mit ca. 20 min angegeben, kann aber auch bis
zu 8 h und mehr betragen. Zur Vermeidung einer weiteren Aufsatzung wird die
Oxidation z.T. auch mit Ozon oder Wasserstoffperoxid durchgeftlhrt [4.85].
Bei der Anwesenheit von Cyanid und Nitrit mu zuerst das Cyanid bei pH 10
und dann das Nitrit bei pH 3 bis 4 mit gleichen Oxidationsmitteln entgiftet werden
[4.85].
Bei der Reduktionsmethode wird durch Anwendung von Amidosulfonsure das
Nitrit zu Stickstoff reduziert.
(4.17)
Diese Reaktion verluft am besten bei pH-Werten unter 4. Zur Umsetzung von
1 kg Natriumnitrit werden 1,5 kg Amidosulfonsure bentigt [4.85].

352

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

4.4.5

Wertstoffrckgewinnung

Durch eine Reihe von chemisch-physikalischen Verfahren lassen sich in Abfllen


enthaltene Wertstoffe zurckgewinnen. So sind die bei der Emulsionsspaltung (s.
Kap. 4.4.1) anfallenden l- und Fettfraktionen verwertbar.
Von besonderem Interesse ist die teilweise Rckgewinnung von in flssigen und
pastsen Abfiillen enthaltenen Metallinhalten, besonders der Buntmetalle. Dies ist
besonders schwierig, wenn die Metalle im Gemisch vorliegen. Deshalb ist auch bei
diesen Abfiillen der Anspruch der Getrennthaltung eine wesentliche Voraussetzung
ft!r die Wertsto:ffrckgewinnung.
Metallinhalte aus pastsen Abfiillen, z.B. Galvanikschlmme, sind durch
Rcklsung, d.h. berfilhrung der Metallgehalte in die flssige Phase aufarbeitbar.
Fr die Metallrckgewinnung aus der flssigen Phase sind verschiedene Verfahren
mglich:
- lonenaustausch,
- Elektrolyse,
- Fllung, Kristallisation,
- Zementation,
- Verdampfung/Verdunstung.
Diese Verfahren werden besonders am Entstehungsort der Reststoffe (Konzentrate) erfolgreich eingesetzt.
Der Einsatz dieser Verfahren in chemisch-physikalischen Behandlungsanlagen
ist wesentlich von der Qualitt der Abfiille abhngig. Relativ unproblematisch ist
die Rckgewinnung von Metallen aus Monochargen, in denen nur je ein Metall
enthalten ist. Aus Mischabfiillen knnen durch Kombinationen der vorgenannten
Verfahren Metalle oder verwertbare Metallgemische separiert werden. Diese Vorgehensweise stt aber bisher an wirtschaftliche Grenzen und wird deshalb noch
im Erprobungsmastab betrieben.

4.4.6

Beispiel einer chemisch-physikalischen Behandlungsanlage

Das Bild 4.139 zeigt ein Grundfliebild einer Behandlungsanlage fiir flssige
Abfiille (Konzentrate) und Schlmme aus Betrieben der Oberflchenbehandlung
(z.B. Galvaniken). Dabei sollen die in den Schlmmen enthaltenen Wertstoffe
(Metalle) durch geeignete Verfahren (Elektrolyse, separate Fllung von zwei- bzw.
dreiwertigen Metallen) in eine verwertbare Form berfUhrt werden.
Die in Bild 4.139 skizzierte CP-Anlage besteht im wesentlichen aus einem Vorbehandlungs-, einem Entgiftungs-, einem Metallrckgewinnungs- sowie einem
Abwasser- und Schlammkonditionierungsbereich. Im Vorbehandlungsbereich
sollen die angelieferten Schmme mit Sure und Wasser behandelt werden, um die
enthaltenen Schwermetalle in eine wrige Lsung zu berfilhren.
Sind in der wrigen Lsung Strstoffe (meist Chromat, Cyanid oder Organika)
vorhanden, mssen diese zunchst zerstrt bzw. aus der Lsung entfernt werden.
Darauf werden zunchst die 3-wertigen Metalle selektiv ausgefiillt. Der dabei
erhaltene Schlamm enthlt im wesentlichen Eisen und Chrom und kann in einer

4.4 Chemische und physikalische Verfahren

Mischschlamm-und
Konzentratbehandlung

Vorbehandlung

Entgiftung

Grundfliebild

0
0

Zwischenlagern

353

Metallgewinnung
Abwasserrem1gung
und$chlammkonitionierun

Lagern

Verbraucher

Fluorid-Entgiftung

strstolfhaltig
Nitrit-Entgiftung
Chromat-Entgiftung

(J)

<>
:T
iii"
3

schwefelsaures
Sonderml~

vert>rennung

Schlamm
metallarm

ausgetriebenes
N [Link] Kreislauf

strstoftfrei

metallarmer
undstrstofffreierSchlamD
Filtrat

Abwasserendreinigung
Abwasser

beladener
Ionenaustauscher

Deponie

Regeneration

Abwasserkanal

Bild 4.139. Vereinfachtes Grundfliebild einer chemisch-physikalischen Sondermllbehandlungsanlage mit Wertstoffrckgewinnung [4.134]

354

4 Abfallbehandlung und -beseitigung

Htte verwertet werden. Die wrige Lsug enthlt hauptschlich noch 2-wertige
Metalle, die mit Natronlauge ausgefiillt und ebenfalls in der Httenindiustrie verwertet werden knnen.
Diese oder hnliche Anlagenkonzeptionen wurden bisher noch nicht realisiert,
da die Verwertungskosten fi1r eine Auflsung von Mischschlmmen mit anschlieender Entgiftung und selektiver Fllung die heutigen Entsorgungskosten deutlich
bersteigen.

5 Recycling von Abfllen

In den siebziger Jahren wurden in aller Welt Versuche unternommen, mittels


komplexer Recyclinganlagen einzelne Fraktionen aus dem Mll mglichst sortenrein wiederzugewinnen. Die Konzeption solcher Anlagen erforderte einen enormen technischen und finanziellen Aufwand. Die eingesetzten Aggregate wurden
den verschiedenen Gebieten der Verfahrenstechnik (z.B. dem Bergbau) entliehen,
und mit oft nur geringen Modifikationen wurde versucht, die mechanische Aufbereitung an das extrem heterogene Material Hausmll zu adaptieren. Die wenigsten
Modelle konnten dem Anspruch einer weitergehenden Wiederverwertung gerecht
werden, so da heute bereits auf eine Reihe von gescheiterten Konzepten zurckgeblickt werden kann.
Bei einer nheren Betrachtung der ersten Modelle stellte sich sehr schnell heraus, da sich durch die Analyse der Fehler neue Erkenntnisse, Mglichkeiten und
zuknftige Tendenzen fr das Materialrecycling auftaten. Da es sich im Detail und
im jeweiligen Fall um komplexe und schwierige Vorgnge handelt, wobei bei
allen Projekten grundlegende Fehler gemeinsamer Art gemacht worden sind, kann
deren Analyse auch fr andere entsorgungspflichtige Krperschaften und private
Entsorgungsbetriebe von Nutzen sein.
Die Untersuchungen der ersten Konzepte zeigen jedoch, da ein technisch sicheres Recyclingkonzept wirtschaftlich installiert und betrieben werden kann. Der
eingeschlagene zukunftsweisende Weg des Materialrecyclings zeigt also in die
richtige Richtung.
Ziel eines jeden Recyclingprozesses ist es, wiederverwertbare oder verwendbare Stoffe aus dem Abfall zu gewinnen, um auf diese Weise das Gesamtmllaufkommen zu minimieren. Von Bedeutung ist hierbei, da ein Recyclingproze egal ob das Ziel nun die Wertstoffgewinnung oder die Herstellung von hochwertigem Kompostmaterial ist - zuerst bei der getrennten Sammlung beginnt. Fr die
Praxis der Aufbereitungstechnologie bedeutet dies, da die getrennte Sammlung
zur Untersttzung der Aufbereitung von Abfllen und zur Erhhung der Effizienz
der Anlagen eingesetzt werden sollte.

5.1
Grundlagen der Aufbereitungstechnik
Die Aufbereitungstechnik gehrt definitionsgem zur physikalischen V erfahrenstechnik, in der mittels physikalischer Verfahren die Zusammensetzung und die
Eigenschaften von Stoffen gendert werden. Hierbei wird differenziert zwischen
mechanischen und thermischen Verfahren. Bei der mechanischen Verfahrenstechnik sind die Gesetze der Mechanik und bei der thermischen die Gesetze der Ther-

B. Bilitewski et al., Abfallwirtschaft


Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2000

356

5 Recycling von Abfllen

modynamik magebend fiir die Stoffiinderung. Die Umwandlung und Aufbereitung des Rohstoffs "Abfall" fmdet in entsprechenden Aggregaten statt, die in
Kombination mit Frderanlagen die Produktionsanlagen ergeben. Aufbereitungsanlagen bestehen somit aus Aggregaten, die eine Folge von Stoffumwandlungsvorgngen vornehmen, bei denen sich Stoffzusammensetzung und Stoffeigenschaften ndern.
Jeder Recyclingproze stellt einen Stoffumwandlungsvorgang dar. Aus einer
Gesamtabfallmenge knnen z.B. durch Trenn- bzw. Sortierverfahren einzelne
wiederverwendbare Stoffe, sog. Sekundrrohstoffe, mehr oder weniger sortenrein
wiedergewonnen werden. Insofern ist ein Recyclingproze auch ein Produktionsverfahren zur Herstellung bzw. Trennung von Wertstoffen aus einer Gesamtmenge. Jedes Produktionsverfahren besteht aus verschiedenartige miteinander kombinierbare Produktionsbausteine, die die Basis eines jeden Stoffumwandlungsprozesses bilden.
Bei einem Produktionsproze werden vorhandene Dinge zu wirtschaftlichen
Zwecken umgestaltet, getrennt und/oder verbunden, in andere Form gebracht bzw.
zu anderen Zwecken brauchbar gemacht. Der Recyclingproze ist dem Produktionsproze immer zeitlich nachgeschaltet und kann als eine zweite Art der Produktion bezeichnet werden, bei dem Reststoffe und Abflle aufgearbeitet werden.
Gemeinsam ist beiden Prozessen, da es jeweils einen oder mehrere Inputstrme
und unterschiedliche Outputstrme gibt.
Fr die immer wichtiger werdende Aufgabe der Volkswirtschaften, Rest- und
Abfallstoffe mglichst weitgehenden neuen produktiven Prozessen zuzufhren,
sind Kenntnisse ber die Grundzusammensetzung des Abfallgemisches unabdingbar.
Konzeption und Betrieb einer Recyclinganlage erfordern deshalb umfangreiche
Kenntnisse ber die Grundverfahren zur selektiven Trennung von Wertstoffen aus
den gemischten Haushalts- und Gewerbeabfllen. Je nach Sammetsystem oder
Trennverfahren ergeben sich unterschiedliche Stoffzusammensetzungen oder
Mischungen der Abfallmenge, die dann den Input fr den Recyclingproze darstellen. Die Art bzw. die Zusammensetzung der Mischung ist der bestimmende
Faktor fiir die Konzeption der technischen Produktionsbausteine bzw. fiir das
technische Konzept eines Recyclingprozesses.
Fr die Kennzeichnung des technologischen Erfolges von Verfahren und Verfahrensstufen haben sich in der Aufbereitungstechnik Begriffe und Methoden
durchgesetzt, die hier zur Klrung kurz dargestellt werden sollen, da besonders in
der Literatur ber das Recycling und die Abfallaufbereitung mit miverstndlichen Begriffen gearbeitet wird.
Bei der Trennung von einzelnen Komponenten aus einer Abfallmischung gibt
es einen Input- und unterschiedliche Outputstrme. So ergeben sich z.B. bei der
Abtrennung von Fe-Metall mittels Magnetscheider zwei Stoffstrme, whrend bei
der Siebung durch mehrere verschiedenartige Lochweiten mehr als zwei Outputstrme bei einem Trennvorgang entstehen knnen. In Bild 5.1. sind die beiden
unterschiedlichen Trennstufen schematisch dargestellt. Zur Vereinfachung soll
nachfolgend nur die Trennung mit zwei Outputstrmen betrachtet werden.

5.1 Grundlagen der Aufbereitungstechnik


Input
Aufgabegut

357

Output
Trennung
ln
2 Outputstrme

x1 +Y1

Wertstorrprodukte

x2 +Y2

Reststoff

z1

Trennung ln

x1 +Y1+ .. +

mehrals 2

x2 +Y2+ .. +Z2

Outputstrme

Xm+Ymt .. + zm

Bild 5.1. Trennvorgnge mit zwei und Multioutput-Strmen [5.8]

Der Input besteht aus einem Stoffgemisch (angeben in Mg/h oder Volumen/h) Xn
und Yn Nach dem Trennaggregat sind zwei Stoffstrme entstanden: ein mit Wertstoff angereichertes Produkt x 1 + y 1 und eine Reststoff-Fraktion x 2 + y 2 , die noch
Wertstoffanteile enthlt und weiter aufgearbeitet werden kann. Wrde ein Recyclingproze bzw. eine Recyclinganlage den Stoffx in den einen und den Stoffy in
den anderen Outputstrom trennen, wre sie 100 % effektiv.
Die Effektivitt der Trennung kann durch das Masseausbringen Rm gekennzeichnet werden. Das Masseausbringen Rm gibt an, welcher Masseanteil des Aufgabegutes in einem beliebigen Produkt ausgebracht worden ist. Im allgemeinen
wird der Begriff Masseausbringen auf das wertstoffangereicherte Produkt bezogen.
Entsprechend dem Beispiel ergibt sich somit fr den Wertstoff:
X

1 *100(%)
R(x 1 ) = -

Xo

(5.1)

Unter Bercksichtigung der Massenbilanz


X0 =X1 +X 2

(5.2)

ergibt sich

(5.3)
Diese hier dargestellten Formeln werden in der Praxis weitgehend genutzt und
werden in den Publikationen und entsprechenden Untersuchungen zur Wertstofftonne als Recyclingquote oder Abfallverwertungsquote zitiert. Es ist allerdings
nicht ausreichend, eine Trennung oder ein Verfahren nur durch das Masseausbringen Rm zu charakterisieren. Wrde das Trennaggregat so eingestellt werden, da
x 2 = y 2 = 0 gesetzt werden kann, dann wrde der gesamte Input auch als Output
auftreten. Daraus liee sich eine 100 % Recycling- oder Abfallverwertungsquote
ausrechnen, obwohl nicht die gewnschte Trennung erzielt wird. Daher ist ein
weiterer Parameter fr die Beschreibung der Qualitt des Outputstromes notwendig, der als Reinheitsgrad Pm bezeichnet werden kann und die Verunreinigung y
im Wertstoffprodukt bercksichtigt:

358

5 Recycling von Abfllen

P(x 1 ) =

XI

*100(%)

(5.4)

XI +yl

Normalerweise werden sowohl der Reinheitsgrad als auch das Masseausbringen


fr eine komplette und genaue Beschreibung der Leistung einer Zweistofftrennung
bentigt. In einigen Fllen, wie bei der Siebung, gilt dies jedoch nicht. Mit einem
Siebproze wird das Ziel verfolgt, die Krner, die kleiner als eine vorgegebene
Komgre sind, im Feinprodukt und die anderen im Grobprodukt auszutragen.
Entsprechend sollen bei einem Dichtesortierproze die spezifisch leichten Krner
in die Leichtfraktion und die anderen in die Schwerfraktion gelangen. Der Unterschied beider Technologien ist darin zu sehen, da die Siebung die erfolgreiche
Trennung nach der Komgre als Erfolgsmastab hat. Beim Dichtesortierproze
stellt dagegen die Wertstoffanreicherung das Ziel dar, wobei das Trennmerkmal
Dichte wegen der Verknpfung mit dem Wertstoffgehalt der einzelnen Krner
genutzt wird. Daher ist das Wertstoffausbringen Re eine wichtige technologische
Kenngre, bei der die Input- und Outputstrme ber Konzentrationsangaben Cm
in % statt ber Angaben in Masse/Zeit miteinander verknpft sind. Entsprechend
dem Beispiel gilt die Bedingung:
R(x 1 )= x 1C 1 100(%)
XoCo

(5.5)

Unter Bercksichtigung des Wertstoffgehaltes in der Massenbilanz laut (5.2)


(5.6)
ergibt sich aus (5.5) und (5.6):
R(xl)= CI(Co -Cz) 100(%)
Co(CI -Cz)

(5.7)

wobei C/Cn das Anreicherungsverhltnis bedeutet. Mit Hilfe der Kenngre


Wertstoffausbringen lt sich der technologische Erfolg eines Aggregates, eines
Verfahrens oder eines gesamten Prozesses beschreiben.

5.1.1

Zerkleinerung
Zerkleinem ist das berfhren eines Aufgabegutes in eine feinere Krnung. Jede
Zerkleinerung dient der spezifischen Oberflchenvergrerung. Fr die Auswahl
der richtigen Zerkleinerungsmaschine werden folgende Informationen bentigt:
- die physikalischen Eigenschaften der zu zerkleinemden Stoffe wie Ausgangskrnung, Aufbau, Hrte, Sprdigkeit und Spaltbarkeit,
- der Verwendungszweck, wie z.B. weiteres Aufbereiten oder chemische Reaktion,
- die geforderten Eigenschaften des Fertiggutes wie Komgrenverteilung,
Komform, gewnschter Schwerpunkt eines Komgrenbereiches oder auch
selektiv zerkleinertes Fertiggut

5.1 Grundlagen der Aufbereitungstechnik

Roststab

Rotor

359

Schlag- Messer- Schwingklappe


hammer brcke (Schrotlauslauf)

Bild 5.2. Schematische Darstellung einer Hammermhle der [Link] Arbra [5.9]

Die einzelnen Zerkleinerungsmaschinen, die in der Abfallwirtschaft getestet und


seit ca. 20 Jahren auf einen hohen Entwicklungsstand gebracht worden sind, sollen
hier nur prinzipiell und mit ihren Vor- und Nachteilen im Hinblick auf eine Recyclinganlage vorgestellt werden.
[Link]
Hammermhlen

Fr die Zerkleinerung von Autowracks, Haus-, Gewerbe-, Holz- und Papierabflillen haben sich Hammermhlen bewhrt, die sich prinzipiell nur durch den Aufbau
des Rotors unterscheiden.
Es wird zwischen horizontalen und vertikalen Hammermhlen mit flexibel angebrachten Hmmern differenziert. In Bild 5.2. ist eine horizontale Hammermhle
schematisch dargestellt.
Nach diesem Grundprinzip sind eine Reihe von Mhlen in Kompost-, Recycling- und Deponieanlagen in Betrieb, so da umfangreiche Erfahrungen bei unterschiedlichen Abfallzusammensetzungen gesammelt werden konnten.
Die vertikale Version der Hammermhle ist durch einen mit Schlaghmmern
bestckten, vertikalen Rotor ( Bild 5.3.), gekennzeichnet. Dieser Mhlentyp ist
Ende der filnfziger Jahre eigens fi1r die Aufbereitung von Haushaltsabflillen konzipiert worden. Um den anflinglich zu geringen Durchsatz zu erhhen, wird die
Luft aus der Mhle ber den Austrag abgesaugt. Dadurch knnen auch besonders
leichte Abfallfraktionen wie Papier, Kunststoffe etc. schnell und mit hohen Durchstzen zerkleinert werden.
Da die Vertikal-Hammermhle keine Komgrenbegrenzung durch einen Rost
besitzt, kann die Komgrenverteilung durch die Anzahl der Hmmer verndert
werden. Aus der Erhhung der Hammerzahl resultiert ein feineres Korn und ein
sinkender Gesamtdurchsatz pro Zeiteinheit. Da kein Rost vorhanden ist, mu,
damit die Komgre des Austrages innerhalb einer akzeptablen Toleranz bleibt,
ein genau berprfbarer Abstand von der untersten Hammerstation zur Mhlenwand eingehalten werden.

360

5 Recycling von Abfllen

BETONSOO<El

Bild 5.3. Schnitt durch die Vertikal-Hammermhle der Fa. Tollemache [5.10]

Eine Sonderform stellt der Schlagwalzenbrecher dar, der in der Aufbereitung von
Baurestmassen bevorzugt als erste Zerkleinerungsstufe eingesetzt wird.
Beim Schlagwalzenbrecher wird das zu brechende Gut horizontal mittels eines
Kratzkettenfrderers dem Brecher zugefUhrt Die ber dem Frderer schnell rotierende Schlagwalze zerkleinert das Material und trgt es in Frderrichtung gem
Bild 5.4. aus. Vorteil dieses Brechertyps sind die niedrige Bauweise und die gradlinige Transportrichtung. Das Material wird ebenerdig auf das Kratzkettenfrderband aufgegeben. Anfahrrampen sowie Trichter sind nicht notwendig. Durch
Beibehaltung der Transportrichtung ist der Brecher unempfindlich gegen Strungen durch Bewehrungsteile.

[Link]

Prallbrecher

Der Prallbrecher (Bild 5.5.) besteht aus einem mehrteiligen, aus Blech oder Profilstahl geschweiten Gehuse, dessen Innenflchen mit Verschleiplatten (Prallplatten) belegt sind. Die schnell umlaufende Walze (500 bis 1 000 min- 1) ist mit
mehreren auswechselbaren Pralleisten aus verschleifestem Stahl bestckt. Die
Walze luft in Wlzlagern, die an der Gehusewand arretiert sind. Die Prallplatten
sind hngend ber Spindeln verstellbar gelagert. Sowohl der Abstand zwischen
den Prallplatten und den Pralleisten als auch die Neigung der Prallplatten knnen
verndert werden. Bei Eintritt von nicht zerkleinerbaren Bestandteilen in den
Prallraum knnen die Prallplatten nach oben ausweichen und die Teile nach unten
ausgetragen werden. Prallbrecher werden von oben beschickt, wobei das gebrochene Gut nach unten ausgetragen wird [5.153]. In Bild 5.5. ist die Zerkleinerungswirkung eines Prallbrechers dargestellt.

5.1 Grundlagen der Aufbereitungstechnik

361

Bild 5.4. Schematische Darstellung eines Schlagwalzenbrechers [5 .12]

Asphaltaufbruch
Aufgabe bis 1300 mm Kantenlnge, ca. l 00-400 mm Dicke
Geschlossener Kreislauf
II. Betonaufbruch
Aufgabe bis l 000 mm Kantenlnge, ca. 300-600 mm Dicke
Geschlossener Kreislauf
Bild 5.5. Schematische Darstellung eines Prallbrechers der Fa. Bhringer [5.154]
I.

Prallbrecher werden von oben ber Einfillltrichter und Beschickungsbnder mit


dem zu brechenden Gut beaufschlagt. Das Material wird im Prallbrecher von den
Schlagleisten des Rotors erfat (v = 25 bis 40 rnls) und gegen die oberhalb des
Rotors liegenden Prallplatten geschleudert. Die Prallplatten sind so angeordnet,
da das Brechgut in den Schlagkreis zurckgeschleudert wird. Dieser Vorgang
wiederholt sich solange, bis das Gut ausreichend zerkleinert ist, um den Spalt
zwischen dem Rotor und den Prallplatten zu passieren. Bei Prallbrechern ist zu

362

5 Recycling von Abfllen

Bild 5.6. Zerkleinerungsprinzip bei einer Prallmhle [5.12]

beachten, da z.B. bei der Bauschuttaufbereitung keine Betonteile mit zu langen


Bewehrungsteilen aufgegeben werden, da sich diese um den Rotor wickeln und zu
einem Stillstand der Anlage fiihren knnen.
[Link]
Schneidmhlen und Rotorscheren

Im Gegensatz zu den Prallbrechern und Hammermhlen, die bis zu 1 200 U/min


und am Hammerende Geschwindigkeiten bis zu 70 m/s aufweisen, gehrt die
Schneidmhle und Rotorschere, auch als Schneidscherwalzen bezeichnet, zu den
langsam laufenden Mhlen. Die Drehzahl der Welle betrgt zwischen 20 und
60 U/min. Die Mhle kann mit horizontal liegender Einzel- oder Doppelwelle
ausgestattet sein. Durch die gegensinnige Drehrichtung der messerbestckten
Doppelwellen bzw. der Einzelwelle gegen einen Schneidkamm wird das aufliegende Material zwangseingezogen. Die Zerkleinerung erfolgt zwischen den
Schneidwerkzeugen, und zwar weitgehend unabhngig davon, ob es sich um weiche, elastische oder harte Materialien handelt (vgl. Bild 5.7.).
Der Zerkleinerungsgrad wird mit der Wahl des Werkzeugmesserabstandes bzw.
durch die Zahnbreite bei der Rotorschere festgelegt. Fr die Zerkleinerung von
Hausmll betrgt der angestrebte Abstand bei Rotorscheren 0,1 mm und sollte, um
einen guten Aufbereitungserfolg zu garantieren, 0,8 mm nicht berschreiten. Bei
unzureichendem Zerkleinerungsgrad oder ungleichmiger Komverteilung lassen
sich die Aggregate in mehreren Stufen hintereinander schalten.
Um einen hohen Durchsatz zu gewhrleisten, mu bei sperrigem und voluminsem Material wie Haus- und Gewerbeabfall dieser durch hydraulische Pressen
auf die Schneidwerkzeuge gepret werden. Schwere Metallstcke und andere
unzerkleinerbare Bestandteile werden nicht zerkleinert. Beim berschreiten der
zulssigen Motorleistung gibt es bei der Rotorschere eine automatische Reversierung. Das Material mu dann per Hand entfernt werden.

5.1 Grundlagen der Aufbereitungstechnik

363

Bild 5.7. Rotoraufbau einer Herbold-Schneidemhle [5.12]

Die Praxis bei Sortieranlagen mit einer Rotorschere hat gezeigt, da es gnstiger
ist, wenn harte und sperrige Bestandteile wie Metalle, Reifen mit Felgen, aber
auch Teppiche vor dem Einlaufmanuell entfernt werden.
Eine bessere Einhaltung der Komgrenklassen wird durch Einsatz von
schnellaufenden Trommelschneidmhlen mit Siebeinstzen erreicht. Bei diesen
Aggregaten fiihren jedoch bereits geringe Anteile abrasiver Stoffe zu hohem
Verschlei der Schneidmesser. Je nach Siebeinstzen sind Durchsatzleistungen bis
zu 3 Mg/h mglich. Das Korn zeichnet sich durch exakte Form der Schnittkante
und enge Komklasse aus, was fiir das Flieverhalten und damit fiir die Frderung
in Schnecken, Mischem, Vorlagebunkern etc. vorteilhaft ist. Vorwiegendes Einsatzgebiet fiir Trommelschneidmhlen ist die Zerkleinerung von Kunststofffraktionen.

[Link]

Cascadenmhlen

Bei der Cascadenmhle handelt es sich um eine langsam rotierende, kurze Drehtrommel mit Durchmessern von 4 bis 7,2 m. Das Verhltnis Durchmesser zu Lnge betrgt ca. 3: 1. Die Stirnwnde sind leicht konisch geneigt.
Der Ein- und Austrag erfolgt durch die in den Stirnwnden angeflanschten Lagerzapfen. Das Innere der Drehtrommel, einschlielich der Lagerzapfen, ist mit
einer Panzerung aus vergtetem Stahlgu ausgekleidet.
Der Mhlenraum, schematisch dargestellt in Bild 5.8., ist zu ca. 17 % mit
Stahlkugeln gefiillt. Diese Kugeln bilden bei optimalen Drehzahlen zwischen 14
und 20 U/min zusammen mit dem Mahlgut eine geneigte Oberflche, an der die
Mahlkrper abrollen. Teilweise fallen die Kugeln kataraktartig auf das Mahlgut
Durch den Reib- und Walzvorgang zwischen Stahlkugeln und Abfallbestandteilen
erfolgt eine Zerkleinerung.
Durch Lcher in der Mhlenstirnwand werden die eingegebenen Stoffe beim
Erreichen der gewnschten Komgre ausgetragen. Auch die Stahlkugeln verlas-

364

5 Recycling von Abfllen

.
Bild 5.8. Schematische Darstellung der Cascaden-Kugelmhle der Fa. Lsche [5.8]

sen nach einem entsprechenden Abrieb die Mhle durch diese Siebwand. Die
Kugeln mssen regelmig ergnzt werden. Da auch Mllbestandteile wie FeMetalle als Mahlhilfe dienen, wird die Zerkleinerung in der Cascadenmhle auch
als halbautogene Mahlung bezeichnet. Wird Klrschlamm mit einem hohen
Feuchtigkeitsgehalt in der Cascadenmhle verarbeitet, spricht man auch von einer
teilautogenen, halbnassen Mahlung.
[Link]
Siebraspeln

Speziell fr die Mllaufbereitung in Kompostierungswerken wurde die Siebraspel


entwickelt. Die Wirkungsweise einer Siebraspel ist am einfachsten mit einem
Passiersieb aus der Kche zu vergleichen. ber dem Boden, der teilweise aus
Segmenten mit Sieblchern zwischen 22 bis 45 mm Durchmesser besteht und
auerdem mit feststehenden Reizhnen versehen ist, bewegen sich die Raspelarme, die den Mll mit 8 bis 10 U/min ber die Siebbleche und Reizhne schieben
und schleifen. Hierbei werden die leicht zerkleinerbaren Bestandteile wie Kchenund Gartenabfiille, Glas, Papier und Pappe bereits nach Verweilzeiten von ca.
20 min ber die Siebffuungen ausgetragen. Die schwer zerkleinerbaren Stoffe Textilien, Metalle, Kunststoffe und Hartstoffe - sammeln sich in der Siebraspel
und werden diskontinuierlich ber eine seitliche Klappe durch die Raspelarme
ausgetragen.
Untersuchungen [5.8] besttigen die gute selektive Zerkleinerungsarbeit der
SiebraspeL Mit einem relativ geringen Energiebedarf fr den Zerkleinerungsvorgang - bei Raspelzeiten von I 0 bis 30 min lag der Energieverbrauch bei ca. 4
bis 10 kWh!Mg Rohmll- konnten Raspelrest-Fraktionen von 14 bis 40%, bezogen auf den Eintrag, gewonnen werden.
Der Energiegehalt (Hu) der Raspelreste nahm in Abhngigkeit zur Raspelzeit
von 12,5 MJ bei 10 min auf 18,4 MJ bei 30 min zu. Durch den Raspelvorgang
werden die heizwertreichen Bestandteile des Mlls also besonders angereichert.

5.1 Grundlagen der Aufbereitungstechnik

365

Raspelarme

Bild 5.9. Schematische Darstellung der Siebraspeln [5.13]

Bild 5.10. Schematische Darstellung eines Backenbrechers [5.12]

Siebraspeln werden in der Praxis der Abfallaufbereitung immer weniger eingesetzt, was auf folgende Nachteile zurckzufUhren ist:
Die Zerkleinerungswirkung der Siebraspel ist geringer als bei Hammermhlen.
Um eine vergleichbare Zerkleinerungsleistung zu erzielen, mte die Raspelzeit
pro Fllung ca. 20 min betragen. Mit ca. 6 bis7 kWh/Mg ist der Energieverbrauch
der Siebraspel nur um ca. 30 bis 40 % niedriger als bei einer vergleichbaren
Hammermhle.
Ein weiterer Nachteil der Siebraspel ist die diskontinuierliche Betriebsfhrung.
Ein relativ groes und teures Gert erreicht bei einer Raspelzeit von 20 min nur
Durchstze von ca. 6 Mglh.

[Link] Backenbrecher
In Bild 5.10. ist der Backenbrecher schematisch dargestellt. Der Backenbrecher
eignet sich besonders fr harte, sprde Bestandteile. Beim Backenbrecher wird das
zu verarbeitende Material von oben zwischen die schwingenden Brechbacken
gegeben. Durch die Bewegung der Backen wird das Aufgabegut eingezogen, zerquetscht und zermahlen. Je nach gewnschter Endkrnung werden die Abstnde

366

5 Recycling von Abfllen

der Backen gewhlt. Backenbrecher werden vorwiegend in der Bauschuttaufbereitung eingesetzt.

5.1.2
Klassierung
Siebung
Die Siebung trennt Stoffe mit unterschiedlicher Komgre in die jeweils gewnschten Komgrenklassen. Dieser Vorgang wird als "Klassieren" bezeichnet.
Im Gegensatz dazu steht die Sortierung, die ein krniges Haufwerk in Komponenten unterschiedlicher Stoffarten oder Eigenschaften zerlegt. Bei der Siebung
von Abfallgemischen (z.B. Hausmll) kann neben der Klassierung nach der Komgre auch gleichzeitig eine Sortierung nach Stoffen auftreten, sofern bestimmte
Stoffarten sich in eingegrenzten Kornklassen aufhalten. Somit knnen Siebmaschinen auch zur sortierenden Klassierung verwendet werden.
Bei der Siebklassierung erfolgt die Trennung nach der charakteristischen Lnge
der Krner mit Hilfe einer Trennflche (Siebboden), in der sich geometrisch angeordnete ffnungen befinden. Krner, die bei der Bewegung ber den Siebboden
hinweg in einer passenden Lage kleiner als die ffnungen sind, fallen durch diese
hindurch und werden somit zum Unterkom, dem sog. Feingut Die anderen verbleiben auf dem Siebboden und bilden das Grobgut
Da eine technische Siebung nur einen unvollkommenen Trennproze darstellt,
kann ein gewisser Anteil des Unterkorns im Grobgut verbleiben. Bei Ausbildungsfehlern der Siebffnungen oder Verschleierscheinungen des Siebbodens kann
auch berkorn in das Feingut gelangen. Diese Anteile werden als Fehlkorn
(Fehlunter- bzw. Fehlberkom) bezeichnet. Besondere Probleme bereiten beim
Absieben jene Komgrenanteile, die in etwa der Siebffnung entsprechen
(Grenzkom) und als Klemmkorn den Siebboden zusetzen.
Der Siebgtegrad ist eine Kenngre ftlr die Trennschrfe eines Siebvorganges
und wird durch das Verhltnis der Feinkomanteile im Siebdurchgang und im Aufgabegut ausgedrckt, wobei die Voraussetzung gilt, da kein Fehlberkorn im
Durchgang vorhanden ist.
(5.8)

XI

Siebgtegrad [%]
Feinkomanteil im Siebdurchgang [kg]

xo

Feinkomanteil im Aufgabegut [kg]

Der Siebgtegrad wird durch verschiedene Bedingungen und Faktoren des


Siebprozesses beeinflut:
- maschinenabhngige Faktoren: Siebbreite, Sieblnge, Siebneigung und -form,
Schwingungszahl, Schwingungsweite, Drehzahl,
- siebbodenabhngige Faktoren: Siebbodenart, Siebbodenffnung, Werkstoff,
- siebgutabhngige Faktoren: Gutdurchsatz, Oberflchenfeuchte, Komverteilung,
Faserigkeit.

5.1 Grundlagen der Aufbereitungstechnik

367

Feinkrnige, feuchte, faserige und klebrige Haufwerke neigen zum Verstopfen der
Siebflchen. Die offene Siebflche wird verkleinert, und der Siebdurchsatz nimmt
ab. Um Verstopfungen zu verhindern, werden bestimmte Siebkonstruktionen fr
schwierig zu siebende Gter eingesetzt oder Siebhilfen benutzt. Wichtige Siebhilfen sind Brsten, Ketten, Siebheizungen, Luftste und Zusatzwasser zum Aufheben der Kapillarkrfte zwischen aneinanderklebenden Teilchen.

Sichtung
Ein weiteres Verfahren zur Klassierung von Raufwerken ist Sichtung. Die Windsichtung ist ein Verfahren der Stromklassierung und beruht auf der Gleichflilligkeit spezifisch hnlicher/gleicher Stoffe im aufsteigendem Luftstrom. Gleichflilligkeit bedeutet, da verschiedene Teilchen gleiche Endfallgeschwindigkeiten erreichen. Wenn Teilchen gleichfllig sind, dann mssen diese unter gleichen Anfangsbedingungen gleiche Bahnen beschreiben, zeigen also ein gleiches Verhalten
bzw. haben die gleiche Sinkgeschwindigkeit
Der Siebter trennt nach der Sinkgeschwindigkeit der Teilchen, wobei die Sinkgeschwindigkeit von der Komform und von dem jeweiligen spezifischen Gewicht
eines Stoffes abhngt.
Fr die Auslegung von Windsichtern ist die Menge in kg des Aufgabegutes pro
m 3 Luft (Beladung) oder der reziproke Wert insoweit von Bedeutung, als oberhalb
bzw. unterhalb eines bestimmten Verhltnisses die effektive Trennung in eine
Leicht- und Schwerfraktion nicht mehr mglich ist.
Aus diesen berlegungen lt sich der Durchsatz eines Windsichters ableiten:
(5.9)
Q
A
JlA

Durchsatz [kg/h]
Sichtraumquerschnitt [m2 ]
mittlere Strmungsgeschwindigkeit [m/s]
mittlere Feststoftbeladung der Luft [kg/m3 ]

Unabhngig von diesen Gren haben auch das Schttgewicht, Feuchte, Abfallzusammensetzung und die vorhergehende Zerkleinerung einen Einflu auf die Formel, so da diese Gleichung nur als praktischer Richtwert gelten kann.
Eine Reihe von verschiedenen Windsiebtertypen wurde fr Kompostierungsanlagen und fr Haus- und Gewerbeabfall getestet [5.14]. Von den unterschiedlichen Gertetypen werden berwiegend zwei Arten in der Abfallaufbereitung eingesetzt: der Zick-Zack-Windsiebter und der Rotationswindsichter.

[Link]
Siebe

Trommelsieb
Das Trommelsieb ist ein bewhrtes Klassieraggregat und kann in einer Aufbereitungsanlage sowohl als erste Aufbereitungsstufe als auch nach der Zerkleinerungsstufe eingesetzt werden. In Bild 5.11. ist ein Trommelsieb schematisch dargestellt.

368

5 Recycling von Abfllen

Der Durchsatz und die Trennleistung einer Siebtrommel sind durch die Lochweite,
den Durchmesser, die Drehzahl, die Einbauten und den Neigungswinkel der
Trommel gekennzeichnet. Da die effektive Siebflche einer Siebtrommel relativ
klein ist, wird durch geeignete Mitnehmer und Wandkonstruktionen (Polygonsieb)
versucht, das Siebgut mglichst weit an der drehenden Trommelwand mit nach
oben zu nehmen, um damit eine effektivere Siebung zu erzielen.
Durch Vergrerung des negativen Neigungswinkels einer Trommel auf mehr
als 5 Grad verschlechtert sich der Siebgtegrad rapide. Um den Siebgtegrad zu
verbessern, wurden an der Siebtrommelwand durchgehende spiralfrmige Mitnehmer fiir den Materialtransport entwickelt, so da die Siebtrommel auch ohne
Neigungswinkel eingesetzt werden kann. Fr die Planung und technische Auslegung von Siebtrommeln wurden eine Reihe von praktischen Faustformeln entwikkelt. Um einen Siebgtegrad von ca. 90% zu erzielen, mssen sowohl die Verweilzeit des Materials in der Trommel als auch die Siebflche auf das Material
abgestimmt werden. Die Trommelheiadung sollte 0, I Mg/m2 nicht berschreiten.
Bei Versuchen mit Rohmll in einem Trommelsieb konnte bei einer Beladung von
0,41 Mg/m2 ein Siebgtegrad von 80% erreicht werden [5.15].
Fr die Verweilzeit von unzerkleinertem Mll werden mindestens 25 bis 30 s
gefordert. Bei einem Trommeldurchmesser von 2, 70 m wurde eine optimale Rotationsgeschwindigkeit von ca. 45 % der kritischen Geschwindigkeit ermittelt
[5.16].
Bei Untersuchungen in der Byker Sortieranlage, GB, konnte fiir ein Trommelsieb, das in zwei Sektoren mit verschiedenen Lochweiten eingeteilt war, nach der
Zerkleinerung bei den jeweiligen Lochweiten differierende Siebleistungen feststellen [5.17]. So betrug der Siebgtegrad fiir die Komgre 10 mm nur 32,5 und

5.1 Grundlagen der Aufbereitungstechnik

369

Bild 5.12. Prinzip des Spannwellen-Siebbodens [5.18]

34,3 %, whrend das Mittelgut mit einer Komgre von I 0 bis 160 mm einen
Siebgtegrad von 90 bis 95% aufwies. Um diesen Effekt zu vermeiden, kann fiir
die Trennung eines Abfallgemisches in drei Fraktionen ein ineinandergestecktes
Doppelsieb mit separatem Antrieb zur Optimierung der jeweiligen Rotationsgeschwindigkeit angewendet werden.
Spannwellensieb
Das Spannwellensieb gehrt in die Reihe der dynamischen Siebmaschinen, das
sich als ein verstopfungsfreies, leistungsfiihiges Aggregat, insbesondere bei der
Absiebung von Kompost, bewhrt hat (Bild 5.12.).
Beim Spannwellenprinzip werden verformbare Siebbden aus Gummi oder
Kunststoffen eingesetzt, die auf zwei, sich gegeneinander bewegende, Kipptrgersystemen aufgelegt sind. Der zwangslufige Antrieb dieser Systeme fUhrt zu einer
wellenartigen Bewegung der Siebflche mit betrchtlichen Amplituden (30 bis
50 mm) bei Schwingungszahlen von 600 bis 800 min-I und somit relativ hohen
auf das Siebgut wirkenden Beschleunigungsspitzen.
Bechersieb
Zur Aufbereitung von Abililien mit sperrigen und feinen Anteilen (z.B. Baustellenmischabflille, Gewerbeabflille) ist wegen des problemlosen, verstopfungsfreien
Betriebsablaufs das Bechersieb (Bild 5.13.) entwickelt worden. Das abzutrennende Feingut flillt in Bechern (rechteckigen Kassetten) und wird am hchsten Punkt
der Maschine ber eine Rutsche ausgetragen. Das Bechersieb ist im Gegensatz zu
den Siebtrommeln nach oben offen und im Bereich der wirksamen Siebflche in
Form einer Welle ausgebildet. Das Grobgut rutscht in Neigungsrichtung des Aggregats und wird dabei teilweise seitlich mit den Stahlgliedern nach oben auf dem
Wellenrcken gefrdert. Aufgrund der Schwerkraft rutscht das Grobgut wieder in
das Wellental und wird ber eine Schurre ausgetragen [5.125].
Ballistischer Separator
Entwickelt wurde das Gert fiir die Trennung von zerkleinertem Haus- und Gewerbeabfall in drei Fraktionen: Schwer-, Leicht- und Feinfraktion. Das Prinzip der
ballistischen Trennung kann der sortierenden Klassierung zugeordnet werden.
Der ballistische Siebter besteht aus einer Zuftlhreinrichtung und einer beweglichen, geneigten und perforierten Ebene. Die Ebene ist in Rttelelernente unterteilt.
Das zerkleinerte Material wird, abhngig von spezifischem Gewicht und Form, die
Ebene hinauf- oder hinabtransportiert. Die schweren Bestandteile des Aufgabe-

370

5 Recycling von Abfllen

Bild 5.13. Trennprinzip eines Bechersiebes [5.125]

z~
\?

Aufgabe der
trennenden Fra~on

Lelchlfraktion

$iebhktion

Bild 5.14. Trennprinzip des Ballistischen Separators [5.155]

gutes rutschen durch den Einflu des Hangabtriebes zur tiefergelegenen Kante der
Ebene und bilden die Schwerfraktion. Die leichten Partikel, wie Papier, Pappen,
Folien etc., werden durch die Bewegung der Rttelrinne, unter krftiger Umschichtung, in entgegengesetzter Richtung zur hhergelegenen Kante der Ebene
gefrdert und bilden die Leichtfraktion. Durch die Perforation der Ebene entsteht
eine dritte Fraktion, die Siebfraktion.
Der Antrieb der Rttelelernente erfolgt mittels Elektromotor und Kurbelwelle.
Die Bewegung der Elemente im Verhltnis zueinander ist versetzt. Durch die
Wahl des Lochdurchmessers der Perforierung kann der Anteil der Siebfraktion
bestimmt werden. Die Siebbleche sind auswechselbar und haben quer- und lngslaufende Mitnehmer. Der Anteil der Leicht und Schwerfraktion ist durch nderung des Neigungswinkels der Rttelebene steuerbar. Der Neigungswinkel der
Elemente betrgt normalerweise 15, am untersten Teil20 Grad.
Die Separatoren sind ftlr eine Kapazitt von ca. 10 Mglh oder 90 m3/h ausgelegt. Fr das Gert sind 5 kW Anschluleistung erforderlich.

5.1 Grundlagen der Aufbereitungstechnik

371

.............,...~

2. Komfraktion

Grobfraktion

Bild 5.15. Schematische Darstellung eines Diskscheiders [5.126]

Diskscheider
Ein Diskscheider ist ein Kaskaden-Klassiergert bestehend aus einem Klassierrost
mit mehreren stufenfrmig angeordneten Teilsiebbden, die aus einer Vielzahl
von zueinander abstandsgleichen und parallel verlaufenden Wellen mit sechseckigen Frderscheiben zusammengesetzt sind. Diese Frderscheiben greifen jeweils
in die Lcke von zwei benachbarten Scheibenkrpem.
Die gegenseitigen Abstnde bestimmen die Gre der Siebffuungen eines jeden Teilsiebbodens. Vorsortierte Baustellenabflle werden z.B. ber einen Aufgabefrderer dem ersten Teilsiebboden zugefilhrt und beim Siebvorgang durch die
Anordnung der Frderscheiben auf den Wellen sowie durch eine in Frderrichtung
eines jeden Teilsiebbodens ansteigende Drehzahl der Wellen beschleunigt und
auseinandergezogen. Die abgerundeten Wellen zwischen den Frderscheiben und
den gewlbten Eckenbereichen verhindem ein Festhaken des Gutes [5.126].

[Link]

Windsichter

Zick-Zack- Windsichter
Der Zick-Zack-Siebter ist filr Hausmll eingehend untersucht und vielfach eingesetzt worden. In einem senkrecht stehenden zickzackfOrmigen Sichtrohr strmt
Luft von unten nach oben entgegen der Fallrichtung des Aufgabegutes. Das Besondere an dieser Siebterform ist, da sich der Sichtvorgang an jeder Knickstelle
durch eine Querstromsichtung wiederholt und somit Fehlsichtungen der vorhergehenden Zone korrigiert werden knnen. In Abhngigkeit von der Anzahl der
Sichtglieder, der geometrischen Abmessung, dem Aufgabeort, der Menge des Abfalls, der Abfallzusammensetzung und der Windgeschwindigkeit lassen sich grbere und feinere Trennschrfen erzielen. In Bild 5.16. ist ein Zick-ZackWindsichter schematisch dargestellt.

372

5 Recycling von Abfllen

Bild 5.16. Schematische Darstellung eines Zick-Zack-Windsichtcrs [5.13]

In der Tabelle 5.1. wird die Trennung des Input in die Leicht- und Schwerfraktion
aus einem Zick-Zack-Windsichter dargestellt. Als Einsatzmaterial stand in einer
Rotorschere zerkleinerter Hausmll zur Verfiigung. Aus der Tabelle wird deutlich,
da die unterschiedlichen Bestandteile sowohl in der Schwer- als auch in der
Leichtfraktion vertreten sind. Neben einer guten Trennung von Papier, Textilien
und Folien wird jedoch auch folgendes deutlich: Bei Pappe und Holz, die in der
Schwerfraktion verbleiben, treten groe Wertstoffverluste auf. Bis zu 50 Gew.-%
der Vegetabilien, mineralischen Bestandteile, NE-Metalle etc. gelangen in die
Leichtfraktion.
Tabelle 5.1. Massenbilanz eines Zick-Zack-Windsichtcrs beschickt mit zerkleinertem Hausmll
sowie die Wiedergewinnungsraten bezogen auf die Leichtfraktion [5.14]
Stoffgruppe

Leichtfraktion

Input
[Gew.-%]

Papier
Pappe
Holz
Leder
Gummi
Knochen
Textilien
Kunststoff-Folien

38,30
8,20
3,80
0,40
0,09
0,50

[Gew.-%]

Schwerfraktion
[Gew.-%]

31,40
5,60
1,40
0,16
0,03

6,90
2,60
2,40
0,24
0,06

0,20
3,60

0,30
1,00
0,30

Kunststoff-Formk.

4,60
5,00
4,80

Vegetabilien 1
Schrott (fein)
Nichteisenmetalle
Glas

6,70
0,40
1,30
7,10

7,40
0,05
0,50

9,40
0,35
0,80

0,40

Mineral. Best.

8,70

4,40

6,70
4,30

100,00

62,20

37,80

GESAMT

4,70
2,45

2,35

Wiedergewinnungsrate
[%]
82,0
68,3
36,8
40,0
33,3
40,0
78,3
94,0
51,0
44,3
12,5
38,5
5,6
50,6

5.1 Grundlagen der Aufbereitungstechnik

373

Abluft

OruekluftdUse
Abutz-

kammer

Seh.,erfraktion
LIichtfraktion

Bild 5.17. Schematische Darstellung der Funktionsweise des Rotationswindsichters [5.8]

Die Wiedergewinnungsraten, die sich auf die Leichtfraktion beziehen, zeigen


diese ungnstige Trennung besonders anschaulich. Auch schadstoffreiche Abfallbestandteile, wie Leder, Gummi und Kunststoff-Formkrper, belasten beide Fraktionen erheblich und erfordern eine weitere Trennstufe.
Rotationswindsichler
Der Rotationswindsiebter besteht aus drei wesentlichen Elementen: einer rotierenden Trommel, einer Sicht- und Absetzkammer sowie einem Druckluftsystem. Die
Anordnung geht aus Bild 5.17. hervor. Die rotierende Trommel ist ca. 15 Grad zur
Horizontalen geneigt und nach oben hin konisch erweitert. Der zerkleinerte und
bereits abgesiebte Mll wird mit einem Frderband zum oberen Ende dieser
Trommel transportiert. Druckluftdsen geben Preluft parallel zur Trommelachse
und sind der Trommelbewegung gleichgerichtet. Auf diese Weise wird das flugfhige Material verwirbelt und nach oben hin in die Absetzkammer transportiert.
Die Schwerfraktion wird in der Trommel weitertransportiert und am kleinen
Durchmesser ausgetragen. Um eine kontinuierliche Luftstrmung ber die ganze
Trommel zu erzielen, wird am unteren kleinen Durchmesser Zusatzluft eingeblasen. Trennkomgre und Trennschrfe knnen durch nderung des Luftvolumens, Druckluftnderung, durch einen anderen Neigungswinkel der Trommel und
durch eine vernderte Beschickung des zerkleinerten Materials beeinflut werden.
Zur Minimierung der Abluftfilter wird ein groer Teil der Luft im Kreislauf gefUhrt.
Absaughaube
Die leichten Abfallkomponenten werden in der Regel von einem Band, einem
Vibrationsfrderer oder aus einer Siebtrommel abgesaugt und ber einen Zyklon
abgeschieden. In Bild 5.18. ist die Absaughaube schematisch dargestellt. Die
Trennschrfe der Absaugung ist in der Regel gering.

374

5 Recycling von Abfllen

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Bild 5.18. Schematische Darstellung einer Absaughaube ber einem Frderband

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Bild 5.19. Schematische Darstellung eines Querstromsichters [5.13]

Horizontalwindsichler oder Querstromsichler


Im Querstromsiebter (vgl. Bild 5.19.) wird der Luftstrom quer zur Fallrichtung der
Abfallkomponenten gefilhrt. Aufgrund der kurzen, luftdurchstrmten Fallstrecke
ist im Querstromsiebter bei einer heterogenen Materialzusammensetzung nur eine
geringe Trennschrfe zu erreichen. Bei Abfllen, deren Komponenten sich in ihrer
Flugfhigkeit wesentlich unterscheiden, wie z.B. beim Autoshredder-Schrott,
Eisenteile von Kunststoff-, Textil- und Holzteilen, wird der Querstromsiebter mit
gutem Erfolg grotechnisch eingesetzt.
Wird anstelle eines gleichmigen Luftstroms mittlerer Geschwindigkeit der
Querstromsiebter mit einem gebndeltem Luftstrom hoher Geschwindigkeit be
trieben, so spricht man von einem Impulssichter. Auch dieser Sichter kommt
grotechnisch mit gutem Erfolg zum Einsatz [5.13].

5.1 Grundlagen der Aufbereitungstechnik

375

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Bild 5.20. Schematische Darstellung eines Flugbettsichters [5.13]

Flugbettsichter
In dem in Bild 5.20. als Prinzip dargestellten Flugbettsiebter werden die Abfallkomponenten durch eine Luftstrmung, die durch eine geneigte Siebflche blst,
krftig aufgewirbelt, wobei die leicht flugfhigen Teile vom Luftstrom ber ein
Strmungsrohr oder aber ber mehrere Zick-Zack-Kanle abgezogen werden. Die
verbleibende Schwerfraktion wird durch Schwerkraftwirkung ausgetragen. Es
kommen auch flache Siebbden zum Einsatz, wie z.B. beim Wirbelstromsichter.
Auf den flachen Siebbden wird die Auflockerung durch einen langsam kreisenden Rotor untersttzt [5.13].

5.1.3

Sortierung

Beim Sortieren werden die physikalischen Eigenschaftsunterschiede der zu trennenden Feststoffteilchen ausgenutzt. Dabei wird grundstzlich zwischen Dichtesortieren, Flotieren, optischem Sortieren, Magnet- und Elektrosortieren etc. unterschieden. Die verschiedenen Methoden wurden fr die Sortierung von Glas, Aluminium, Kupfer, Kunststoff-Folien, Holz etc. aus dem Abfallgemisch untersucht.
Insgesamt erwiesen sich viele der Apparate als zu teuer und ungeeignet fr den
Einsatzstoff Abfall. In der Praxis haben bisher Setzherde als Steinausleser in
Kompostierungsanlagen, Magnetscheider, Hydrozyklone, Dichtesortierer und
Schwimm-Sink-Scheider eine Verwendung gefunden.
[Link]
Magnetscheider

Die Magnetsortierung erfolgt weitgehend durch berbandmagnete, die die Eisenteile aus dem Abfallstrom herausziehen und ber ein umlaufendes Band entweder
quer oder parallel zur Frderrichtung des Mlltransportes austragen. Eine wirksame Magnetscheidung setzt voraus, da die ferromagnetischen Teile durch eine
entsprechende Vorzerkleinerung bzw. Auflockerung weitgehend einzeln und von
Anhaftungen befreit dem Magneten zugefUhrt werden. Die Gre der Eisenteile

376

5 Recycling von Abfllen

ist nicht begrenzt, da Magnete fiir die Entfernung nahezu aller Gewichtsgren zur
Verfiigung stehen. berbandmagnete werden in der Regel zur groben magnetischen Vorsortierung von zerkleinerten und nicht zerkleinerten Siedlungsabfiillen
eingesetzt. Whrend sich die magnetische Sortierung nach der Zerkleinerung als
erfolgreich erwiesen hat, sind bisher alle Versuche, ein gutes ferromagnetisches
Produkt durch Ausheben der FE-Metalle vor dem Zerkleinerungsaggregat zu erzielen, gescheitert. Wie die Tabelle 5.2 deutlich zeigt, ist die Wiedergewinnungsrate der Magnetscheidung vor der Zerkleinerung zwar ausreichend, jedoch fiihrten
die Verunreinigungen durch Hausmllbestandteile in der Schrottfraktion zu keinem marktgngigen Produkt.
Die gnstigste Teilchengre liegt beim Magnetsortieren aus Haushaltsabfiillen
bei 10 bis 100 mm. Diese Komgre wird allerdings nur selten so gleichmig mit
den blichen Zerkleinerungsaggregaten erreicht.
Tabelle 5.2. Wiedergewinnungsraten und Verunreinigungen der Schrottfraktion beim Einsatz
von Magnetscheidern vor der Zerkleinerung des Hausmlls [5.14]
Schrottfraktion
Fe-Schrott
Fe-Blech
Hausmllbestandteile
Summe

Anteil
[%]
48,1
35,2

Wiedergewinnungsrate
[%]
98,9
87,6

16,7
100,0

[Link]
Wirbelstromscheider

Ein Verfahren zur Sortierung eines Gemisches in der gleichen Dichtestufe (Aluminium und Steine bzw. Glas) stellt die Wirbelstromscheidung dar (Alternative
Verfahren: Handsortierung, Trennschmelzverfahren, Detektionsverfahren).
Die Wirbelstromscheidung von Nichteisenmetallen wurde schon um die Jahrhundertwende angewendet. T.A. Edison bekam bereits 1889 ein Patent auf sein Verfahren zur Ablenkung von Nichteisenmetallen.
Aufgrund mangelnder Anwendungsmglichkeiten und schlechter Trennergebnisse wurde diese Technik nur sporadisch weiterverfolgt. Eine praktische Anwendung hat diese Art der Trennung im magnetischen Wechselfeld jedoch erst im
Verlauf der 70er Jahre erhalten. Die Entwicklung ging dabei besonders von den
USA aus, da dort im Hausmll Getrnkedosen vorhanden sind, die vollstndig aus
Aluminium bestehen. Fr die Sortierung von solchen groflchigen und gnstig
geformten Bestandteilen ist die Trennung auch in Wirbelstromscheidern einfacherer Bauart mglich [5.19].
Das Trennverfahren beruht auf der Induktion von Wirbelstrmen in elektrisch
leitenden Krpern, die dadurch eine Kraftwirkung in einem Magnetfeld erfahren.
Weitgehend bekannt sind andere gewollte oder unerwnschte Effekte der Wirbelstrme: die Wirbelstrombremse, Magnetschwebebahn oder Wirbelstromverluste in
Transformatoren.

5.1 Grundlagen der Aufbereitungstechnik

377

Aufsicht

Auffongbehiil ter

'
"
'
l'
I II~ I:~ II

Seitenanaicht

Bild 5.21. Prinzipskizze des am Institut filr Aufbereitung in Aachen aufgebauten Wirbelstromscheiders filr Versuchszwecke [5.19]
Tabelle 5.3. Ablenkfhigkeit eines elektrischen Leiters, gegeben durch den Quotienten aus
elektrischer Leitfhigkeit und der Dichte [5.19]
Elektrische
Leitfhigkeit
[10-6/Q m]

Leitfhigkeit/
Dichte
[m2 103/n kg]

Dichte
[g/cm3 ]

Aluminium
AICuMg1
AIMgSh
AIMg5

35,00
18,50
31,00
16,50

2,70
2,80
2,70
2,63

12,96
6,61
11,48
6,23

Blei
Bronze
Kupfer
Magnesium

4,82
9,00
60,00
22,20

11,34
8,73
8,96
1,74

0,43
1,03
6,90
12,76

Messing

16,00

8,40

1,90

Zink

16,90

7,14

Zinn

8,70

7,30

2,37
1,19

Wirbelstrme entstehen, wenn sich ein Leiter in einem zeitlich oder rumlich sich
ndernden Magnetfeld befindet oder darin bewegt wird. Wirbelstrme flieen
innerhalb des Leiters auf geschlossenen Bahnen und sind in ihrer Form nicht an

378

5 Recycling von Abfllen

die Form des Leiters gebunden. Nach der Lenz'schen Regel erzeugen diese Strme ihrerseits ein Magnetfeld, das dem sie erzeugenden Feld entgegengerichtet ist.
Dabei wird eine Kraft auf den Leiter ausgebt, die ihn aus dem Ursprungsfeld
herausbeschleunigt Mit fallender Leitfhigkeit wird die ausgebte Kraft kleiner.
Mit steigender Dichte (bei gleichem Volumen bedeutet das steigende Masse) mu
eine grere Kraft aufgrund der Massentrgheit des Teilchens zur Auslenkung
aufgebracht werden. Eine bersicht von Werten des charakteristischen Quotienten
elektrische Leitfahigkeit durch Dichte zeigt Tabelle 5.3. [5.19].

[Link]

Optische Sortierung

Die starke Ausweitung der Altglassammlung hat dazu gefiihrt, da die Aufnahmekapazitt der Grnglasschmelze fr gemischtes Altglas mit einem Scherbenzusatz
von 90 bis 95% erschpft ist. Fr eine Steigerung der Recyclingrate mu daher
das Altglas farbsortiert werden. Die bisher durchgefiihrte hndische Sortierung
verteuert das Altglas um ca. 25 bis 60 DM/Mg je nach Anlagengre. Die Frage
besteht darin, inwieweit eine farbgetrennte Erfassung gnstiger ist, da die Mehrkosten der farbgetrennten zur farbgemischten Sammlung etwa 50 bis 80 DM/Mg
betragen.
Eine Reihe von Herstellern entwickelten elektro-optische Sortiergerte, die die
Scherben nach dem Prinzip der Opazitt farblieh erkennen und mit Hilfe von
Druckluft oder eines mechanischen Klappensystems zu separieren. Hierbei konnten Reinheitsgrade von I bis 2% Fremdscherben beim Weiglas erzielt werden
[5.20]. Aufgrund der geringen Durchstze konnten sich die meisten Aggregate
jedoch nicht durchsetzen, so da die hndische Sortierung und das getrennte Erfassen von mglichst ganzen Flaschen weiterhin im Vordergrund standen.
Im Jahre 1997 ging eine Farbglassortieranlage mit einem effektiven Durchstze
von ca. 4,8 Mg!h in Betrieb. Nach einer Vorbehandlung (Siebung, Sortierung,
Zerkleinerung, Sichtung) wird der zur optischen Sortierung vorgesehene Altgiasanteil kontinuierlich aus einem Glasbunker abgezogen.
Die automatische Einzelstcksortieranlage besteht aus insgesamt 180 Sortierkanlen (Bild 5.22.), welche mittels Dosier- und Vereinzelungssystem beschickt
werden.
Die vereinzelten Glasscherben durchlaufen im folgenden die optische Erkennungseinheit Das die Glasscherbe durchdringende Licht wird ber den Sensor
aufgenommen. Ein Kunststofflichtleiter fiihrt das Signal zur Auswerteeinheit Das
Lichtsignal wird in die Farben Rot, Grn und Blau zerlegt. Nach Auswertung auf
Grundlage eines vorgegebenen Programms erfolgt die Zuordnung der Mewerte
zu einer Glasfarbe. Anschlieend wir der Steuermechanismus fr den Klappenaustrag aktiviert.
Es werden Reinheiten entsprechend den Anforderungen an aufbereitetes Altglas erzielt. Zum Beispiel ist mittels dieser Farbsortieranlage eine Reinheit des
Weiglases von ca. 99,7% mglich [5.143].

5.1 Grundlagen der Aufbereitungstechnik

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Zuflilrnmen

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8unkerracklo.Jfba1d

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VereinzellllgSrinnen

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Rocklauf

Sartierkonole

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Weiglas

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379

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Granglas

BrCUI'l9as

KSP/Metan

IJ

Bild 5.22. Darstellung des Verfahrensablaufes zur Farbsortierung von Altglasscherben [5.143]

[Link]
Flotation

Die Flotationssortierung kommt immer dann in Betracht, wenn die spezifischen


Dichten eines Materialgemisches sehr eng beieinander liegen. Die Flotation wird
eingesetzt zur Entfernung von Verunreinigungen bei Kohle, Erz, Schwerspat,
Schlacken, Druckerschwrze, Kunststoffabfllen etc. Haupteinsatzgebiet stellt z.Z.
die Papierfabrik dar, in der bedrucktes Altpapier mit Hilfe der Flotation zu hellem
graphischen Papier verarbeitet wird.
Durch die gesteigerte Verbreitung der Flotation zur Entfernung der Druckerfarbe (Deinking) im letzten Jahrzehnt konnte die Altpapierverwertung gesteigert
werden. In der Bundesrepublik Deutschland wurden im Jahr 1992 bei einem Altpapieraufkommensvon 6,7 Mio Mg ca. 25% einem Deinking-Proze unterzogen,
d.h. etwa 1,7 Mio Mg Altpapier wurden unter Verwendung des Deinkingy erfahrens verwertet [5.21, 5.156].
Grundprinzip beim Deinking ist die unterschiedlich physikalische Benetzbarkeit
von Fasern und Druckfarbenteilchen. Als Flotationshilfsmittel werden sog.
Sammler und Schumer eingesetzt. Die Sammler-Molekle sind jeweils mit einem
hydrophoben, langgestreckten Moleklteil und einer hydrophilen funktionellen
Gruppe, berwiegend Seifen bzw. Fettsuren, ausgestattet. Um die Anlagerung
des hydrophoben Seifen-Moleklteils an das ursprnglich hydrophobe Druckfarbenpartikel an die Luftblasen zu erreichen, mssen diese mit den Hrtebildnern
des Wassers (Ca2+-Ionen) reagieren. Die durch die wasserhrtebildenden Ionen
gefllten Seifen wirken demnach als Sammler, whrend nichtgefllte Seifenbestandteile als Schumer und Dispergiermittel aktiv werden [5.21].
Die zur Flotation in Mitteleuropa am meisten eingesetzten Sammler sind Carboxylate, d.h. Fettsuren und deren Seifen, und gehren der Gruppe der anioni-

380

5 Recycling von Abfllen

X:rlauf

[Link]

l'

Gu1$101f

Stcff

Bild 5.23. Prinzip einer Deinkingzelle [5.21]

sehen Tenside an. In Japan, den USA und Skandinavien werden fter nichtionogene Tenside in Flotations-Deinkinganlagen eingesetzt. Whrend anionische
Tenside als Voraussetzung fr die Fllung als Seife Ca2+-Ionen im Prozewasser
bentigen, knnen nichtionogene synthetische Tenside zur Entfaltung ihrer
Sammlerwirkung auf Ca2+-Ionen verzichten. Besonders in Regionen mit weichem
Wasser stellt dies einen Vorteil dar [5.21].
In der ersten Entwicklungsphase war die Zellenform beim Deinking-Proze
rechteckig. Die Verteilung der Luft in der Suspension und die Erzeugung der
Druckfarben-Luftblasen-Kontakte erfolgte mechanisch und mit einem starken,
speziellen Rhrwerk. Die Anlagen wiesen groe hnlichkeit mit den Flotationsanlagen auf, die in der Erzaufbereitung bekannt sind.
Die hydrodynamisch augepate Form der zylindrischen Zelle entstand in einer
zweiten Entwicklungsphase. Die Luftverteilung wurde zum Teil noch mit mechanischen Rhrwerken vollzogen. Es wurden jedoch auch die Mischkammer und das
Injektorenprinzip angewendet, die vor allem der Energieeinsparung bei der Flotation zugute kamen. Die Mischkammer bietet die Mglichkeit, die Luftblasengre
zu kontrollieren und dem Proze anzupassen.
In einer dritten Entwicklungsphase wurden Injektor- bzw. MischkammerBelftung vorherrschend eingesetzt. Durch die mehrfache Belftung steigt der
Grad der Belftung bis auf 60 %.
Die Flotation unter berdruck stellt den Anfang einer vierten Phase bei der verfahrenstechnischen Entwicklung des Flotations-Deinkingprozesses dar [5.21].
Durch die verbesserte Hydrodynamik der Zellen und durch die Steigerung des
Belftungsgrades konnte eine deutliche Durchsatzsteigerung der Anlagen erzielt
werden. Damit verbunden sank der spezielle Energiebedarf von 46 kWh!Mg von
rechteckigen Flotationszellen mit mechanischer Belftung auf 22 kWh/Mg in
Multi-Injektor-Flotationszellen [5.21].
Im gleichen Rahmen zeigt die Effektivitt der Druckfarbenentfernung eine fallende Tendenz von 90% auf78 bis 65% [5.21]. Diese Entwicklung beruht aufder

5.1 Grundlagen der Aufbereitungstechnik

381

Vernderung der Papierherstellung mit neuen Prozechemikalien, sich stark


schlieenden Wasserkreislufen und von deinkingresistenten Druckerfarben und
Selbstklebeetiketten.
Eine neue Entwicklung stellt die Flexodruckfarbe auf Wasserbasis fr den
Zeitungsdruck dar. Die Grenzwerte fr erlaubte Lsemittelkonzentrationen am
Arbeitsplatz des Druckers knnen durch diese neuen Farben gesenkt bzw. ganz
eliminiert werden. In der Papierfabrik knnen diese Flexodruckfarben auf Wasserbasisdurch ihr anderes Verhaltenjedoch den gesamten Wasserkreislauf kontaminieren, da sie mit den herkmmlichen Deinkingverfahren nur mangelhaft entfernt werden knnen.

[Link]
Dichtesortierung
Die Dichtesortierung mit Hilfe eines flssigen Mediums wurde in der Erzaufbereitung entwickelt. Vor 15 bis 20 Jahren wurde diese Technik in verschiedenen
Versuchen auch fr die Trennung von Abfallkomponenten, NE-Metalle, Glas,
Kunststoffe und Verunreinigungen eingesetzt.
Die Auftrennung der Kunststoffpartikel nach der Dichte ist das am meisten angewandte Verfahren. Bei der Dichtetrennung mit flssigen Medien gibt es zwei
Verfahren:
- Schwimm-Sink-Verfahren,
- Hydrozyklon-Verfahren.
Schwimm-Sink- Verfahren

Mit Schwimm-Sink-Verfahren lassen sich aus Kunststoffmischungen Fraktionen


mit Reinheiten von ber 98 % herstellen, wobei jedoch eine Auftrennung der
PVC-Weichsorten nicht mglich ist. Die natrliche Hydrophobie der Kunststoffe
ist fr den Trennproze durch geeignete Netzmittel aufzuheben.
Die Dichten der Komponenten bei gemischten Kunststoffen aus dem Haushalts- und Gewerbebereich liegen in dem Bereich von [5.22]
PE < 0,98 g/cm 3 < PS 1,05 g/cm 3 < PVC

(5.10)

Angepat an diesen Bereich wird die Dichte der Trennflssigkeit z.B. mit CaC12
(220 g/1) eingestellt. Um eine gute Trennung zu erreichen, mu durch Zugabe von
weiteren Chemikalien die Oberflche der Kunststoffe benetzbar gemacht werden.
Bei Versuchen [5.22] mit Granulat ohne Verunreinigungen aus einer hausmllhnlichen Kunststofffraktion im Trennmedium Wasser (Dichte 1,0 g/cm3)
konnte eine Polyolefinfraktion abgetrennt und mit mehr als 98 % Reinheit ausgebracht werden. Die Schwerfraktion setzte sich aus PS und PVC zusammen, wobei
der Fehlaustrag aus weniger als 2 % PS bestand. Durch Feinanteile im Aufgabegut
wurden vorwiegend die Fehlaustrge im Schwimmgut hervorgerufen. Durch eine
vorherige Windsichtung knnen diese jedoch weitgehend abgeschieden werden.
Eine weitere Nachtrennung der Sinkfraktion in einer CaClrLsung brachte eine Anreicherung von 98 % fr PS und PVC.

382

5 Recycling von Abfllen

-::
I

Bild 5.24. Schematische Darstellung und Funktionsweise eines Hydrozyklons

Wesentlich fr den Trennerfolg ist, da in der Trennzone keine Turbulenzen auftreten, die zum Aufschwimmen der Schwerfraktion fUhren. Durch diese Gefahr ist
der Durchsatz bei Schwimm-Sink-Scheidern begrenzt.
Bei Anwendung von statischen (diskontinuierlichen) Schwimm-Sink-Scheidern
sind zur Vermeidung von Turbulenzen aufwendige Konstruktionen erforderlich.
Aus wirtschaftlicher Sicht sind nur kontinuierlich arbeitende Schwimm-SinkScheider sinnvoll.
Hydrozyklon
Die Trennung der verschiedenen Kunststofffraktionen eines Granulatgemisches
wird beim Hydrozyklon in einem Zentrifugalkraftfeld hervorgerufen. Die Zyklongeometrie erzeugt einen aufwrtsgerichteten Innenwirbel mit dem die Leichtfraktion ausgebracht wird und einen abwrtsgerichteten Auenwirbel zum Ausbringen
der Schwerfraktion, wie es in Bild 5.24. schematisch dargestellt ist.
Gegenber dem Schwimm-Sink-Verfahren ist der Hydrozyklon durch einen
einfacheren Aufbau -keine komplizierten Einbauten- und hheren Durchsatz
gekennzeichnet.
Durch die Art und Qualitt der vorgeschalteten Zerkleinerungsstufe wird auch
die Qualitt der Anreicherung der einzelnen Kunststoffarten in den Hydrozyklonstufen wesentlich beeinflut. Im Rahmen von Untersuchungen im Technikumsmastab wurden Versuche an einem Hydrozyklon mit einer Kapazitt von
1 Mglh durchgefhrt [5.23]. Die verwendeten Kunststoffe wurden aus Hausmll
separiert. Der Anteil der Verunreinigungen betrug 1 bis 5 % (Papier, Metall,
Sand). Die mittlere Zusammensetzung bestand aus 80 bis 85 % PE, 2 bis 10 % PS
und 8 bis 15% PVC. Die Versuche ergaben einen 100%igen Austrag von Polyethylen, mit einem Fehlaustrag von 2 bis 3 % an Polystyrol. Ein Fehlaustrag von
PVC konnte in der Polyethylenfraktion nicht festgestellt werden. Die Nachsortierung der Schwerfraktion aus Polystyrol und PVC aus dem Umlauf des Zyklons
ergab, da bei PVC eine nahezu 100%ige Anreicherung erreicht wird. Polystyrol

5.1 Grundlagen der Aufbereitungste chnik

1) Kanalblind Typ .PASM"'


2) Steigeband Typ PASM*
3.) Sortrerblnd Typ *PASM
) ScrUerbOhne m.l1 2 Tre~pen
!) M&[Link] lr Sdvott

6)
7)
15)
&)
10)

Ir Sperrleitrott
tr lumpet\
lr Glat
Ki' Kul'\atatolle
~wenkrulsc:bt f{lr

Muldt
M\olfdt
[Link],dt
Muldt

2 MLI11pttUn

11)

383

12) 3 [Link] ft 3 Sorten Ptpitr


13) [Link] T)'P *PA"'
U) Slelgebllnd Typ "'PA."'
15) PapierbaUenpresti

Bild 5.25. Darstellung einer Anlage mit hndischer Sortierbhne [5.24]

konnte zu etwa 95% angereichert werden, der Fehlaustrag bestand aus PVC und
Polyethylen. Der Groteil der enthaltenen Verunreinigungen wurde zusammen mit
dem PVC als Schwerfraktion abgeschieden.
Da Haftwasser aus dem Zyklon ausgetragen wird, wurden 0,2 m3 Frischwasser
pro Mg Aufgabegut verbraucht. Der Energiebedarfbetrug 36 kWh/Mg. Eine berschlgige Kostenrechnung ergab bei einem Jahresdurchsatz von 4 000 Mg Sortierkosten von ca. 36 DM/Mg [5.23].
Fr den Gesamtproze einer Zerkleinerung und anschlieenden Sortierung in
die einzelnen Kunststoffsorten mit Hilfe eines Hydrozyklons berechnen sich Kosten von ber 115 DM/Mg.

[Link]

Handsortierun g
Die Handsortierung stellt auch heute die einzige zuverlssige Methode dar, Sekundrprodukte gezielt und in guter Qualitt aus einem Abfallgemisch abzutrennen. Aus dem Haus- und Gewerbeabfall aber auch aus separat erfaten Abfallfraktionen lassen sich so bestimmte A1tpapierqualitten, verschiedenfarbige und
gemischte Glassorten, weie und farbige Polyethylenfolien usw. gewinnen und
Schadstoffkomponenten oder Fremdstoffe durch das Handlesepersonal entfernen.
Durch gezielte Steuerung der hndischen Sortierung kann schnell und ohne technische Umstellung auf die Marktpreisschwankungen von Sekundrrohstoffen eingegangen werden.
Da die Handsortierung kostenintensiv ist, mu durch eine maschinelle Untersttzung die Leseleistung erhht werden. Materialien mit kleiner Komgre werden durch Siebe entfernt und so die Produktivitt der Handlese erhht. Magnetscheider, Geblse, Schrgbnder, Siebmaschinen haben alle das Ziel, den Gut-

384

5 Recycling von Abfllen

strom fr die Handlese vorzubereiten und die Leseleistung des Personals zu verbessern. Dabei wird in positive und negative Sortierung unterschieden.
Bei der Positivsortierung wird der Wertstoff gezielt aus dem Gutstrom hndisch herausgenommen und in die entsprechenden Abwurfschchte geworfen. Bei
der Negativsortierung werden die Strstoffe aus dem Gutstrom geklaubt, whrend
die gewnschte Fraktion auf dem Leseband verbleibt.
Mit der negativen Sortierung sind wesentlich hhere Leseleistungen bei geringeren Qualitten zu erreichen. Mit der positiven Sortierung knnen gezielt hhere
Qualitten zusammengestellt werden, dabei ist jedoch die Leseleistung wesentlich
geringer. Die getrennte Sammlung von Wertstoffen erhht die Sortierleistung des
Personals erheblich.
Sortierleistung bei Altpapier
Altpapier aus Bndelsammlungen, das weitgehend aus Zeitschriften und Illustrierten besteht, wird durch Separierung von Verpackungsmaterial und Aussortierung von papierfremden Bestandteilen in die Qualitten D39-Deinking (ca. 95 %)
und B19-Kauthaus (ca. 4 %) getrennt. Die Sortierleistung liegt zwischen 1 und 1,5
Mg/Mann und Stunde [5.25].
Bei Altpapier aus Depotcontainern steigt der Anteil von Verpackungsmaterial
auf bis zu 35% an. Die Sortierleistung liegt bei etwa 0,7 bis 1,2 Mg/Mann und
Stunde [5.25]. Bei der Sortierung des Altpapiergemisches aus der Monotonne zu
D39 (Deinking) und Bl9 (Kaufhaus) oder B12 (sortiertes Mischpapier) sinkt die
Sortierleistung auf ca. 0,7 bis 1,0 Mg/Mann und Stunde [5.25].
Eine deutliche Verringerung der Sortierrnglichkeiten entsteht, wenn das Altpapier in Mll-Trommelfahrzeugen durchmischt oder in Mll-Prefahrzeugen
gepret wird. Dieses Material kann nach Aussortierung von Unrat lediglich als
Mischpapier verkauft werden. Es besteht jedoch die Mglichkeit, je nach Zielsetzung, durch Einsatz anderer Sammelfahrzeuge oder durch Reduzierung des Predruckes eine Vermischung zu verhindern.
Die Sortierleistungen bei Altpapier aus der Wertstofftonne liegen in Abhngigkeit von der technischen Ausstattung der Sortieranlage zwischen 0,45 und
0, 7 Mg/Mann und Stunde.
Sortierleistung bei Altglas
Die Handlese bei Altglasaufbereitungsanlagen hat folgende Aufgaben [5.26]:
- Auslese von groben Verunreinigungen,
- Auslese von Keramik,
- Auslese ganzer Wei- bzw. Braunglasflaschen bei farbgemischtem Altglas
bzw. von Fehlfarben bei farbsepariert gesammeltem Altglas.
Die mgliche Sortierleistung sowie die erzielbare Reinheit des handsortierten
Gutes sind im wesentlichen abhngig von der Hhe des Bruchanteiles im aufgegebenen Altglas. Die Sammlung und der Transport des Altglases zur Aufbereitung
sollten daher auf einen mglichst geringen Bruchanteil ausgerichtet sein.
Bei Untersuchungen an der TU Berlin konnte die Effektivitt der Handsortierung von Wei- und Braunglas aus farbgemischtem Altglas ber den Versuchszeitraum von einer Woche mit 10,75% und der erfaten Fremdbestandteile mit
0,49 % bestimmt werden.

5.1 Grundlagen der Aufbereitungstechnik

385

5.1.4

Verdichten

Das verfahrenstechnische Ziel einer Verdichtung ist die Oberflchenverringerung


und Bildung grerer Agglomerate [5.65]. Bei der Verdichtung von Produkten
werden zwei verschiedene Verfahren der Agglomeration eingesetzt und nach zwei
Hauptmerkmalen unterschieden [5.66]:
- Verfahren, bei denen die Partikelhaftung durch Mischen mit Feuchtigkeitszusatz oder Bindemitteln und anschlieendem Trocknen zustande kommt. Dies
kann mit dem Begriff Aufbauagglomeration zusammengefat werden.
- Verfahren, bei denen die Partikelhaftung durch von auen wirkende Krfte
untersttzt wird, gehren der Gruppe der Preagglomeration an.
Die Bindungsmechanismen der Feststoffpartikel, die beiden Verfahren gemeinsam
sind, lassen sich wie folgt einteilen [5.67]:
- Bindung durch Adhsions- und Kohsionskrfte,
- Festkrperbrckenbindung,
- Flssigkeitsbrckenbindung,
- formschlssige Bindungen.
Die Aufbauagglomeration wird vor allem dort eingesetzt, wo staubf6rmige Partikel wie z.B. Filterstube aus der Rauchgasreinigung, in ein festes, geometrisch
homogenes Granulat umgesetzt werden sollen. Fr die Abfallwirtschaft vorrangig
sind jedoch die verschiedenen Mglichkeiten der Preagglomeration, die im folgenden dargestellt werden.
Fr die Lagerung und den Transport der verschiedenen Recyclingprodukte ist
eine Verdichtung unbedingt erforderlich, da die damit verbundene Volumenreduktion sowohl Lager- als auch Transportkosten reduziert. Weiterhin empfiehlt
sich eine Verdichtung der Produkte zur Erhhung der Energiedichte, wenn eine
anschlieende thermische Verwertung erfolgt. Im Bild 5.26. sind die bei der Preagglomeration mit festem Widerlager ablaufenden Phasen als Volumennderung
in Abhngigkeit von der Drucknderung aufgetragen.
Phase 1: Der beginnende Predruck fiihrt zu einer Ausrichtung der Materialteile und dadurch zu einer dichteren Packung. In dieser Phase wird die aufgebrachte Energie als potentielle Verformungsenergie gespeichert. Eine geringfiigige
Druckerhhung bewirkt eine hohe Volumenreduktion, da der Luftanteil am Gesamtvolumen verdrngt wird.
Phase 2: Durch zunehmenden Predruck erfolgt eine elastische und plastische
Deformation der Partikel, wodurch Relativbewegungen der Partikel mglich werden und bestehende Hohlrume ausgefiillt werden. In dieser Phase kann infolge
der Reibungswrme an den Randbereichen von Partikeln mit niedrigen Schmelzpunkten eine Verschmelzung erfolgen, so da die Energie in dieser Phase als Verformungsenergie dient. Der Verdichtungswiderstand wchst exponentiell.
Phase 3: In dieser Phase sind nahezu smtliche Hohlrume ausgefiillt, so da
damit ein annhernd inkompressibles Gut vorliegt. Eine weitere Druckerhhung
bewirkt nur noch minimale Dichteerhhungen.

386

>

5 Recycling von Abfllen

Phase I

Phasen

Phaseiii

c::
0

Kolben PreOdruck p

Bild 5.26. Prinzipieller Zusammenhang zwischen Predruck und Volwnenreduktion bei der
Preagglomeration mit festem Widerlager [5.65]

Verdichtung nach dem


Prinzip der Preagglomeration

Extruder,
Schneckenpresse

Pelletierpresse

Brikettierpresse

Bild 5.27. Relevante Preverfahren fllr die Aufbereitung von Abfllen

Die in der Aufbereitungstechnik von Abfiillen gebruchlichen Preverfahren sind


im Bild 5.27. schematisch dargestellt.
Es werden Verfahren mit festem Widerlager sowie die Strangpreverfahren
unterschieden. Whrend bei ersteren die Wandungen der Prekammer als festes
Widerlager dienen, wird in Strangpressen der im Formkanal eingespannte Brikettbzw. Pelletpfropfen als Widerlager genutzt. Nach Erreichen eines maximalen

5.1 Grundlagen der Aufbereitungstechnik

387

Druckes weicht dieser dem weiteren Stempelfortschritt aus, wenn sein Verschiebewiderstand berwunden ist.
Strangpreverfahren werden eingeteilt in kontinuierliche, quasikontinuierliche
und diskontinuierliche Verfahren.
Kontinuierlich arbeitende Pressen sind Extruder- bzw. Schneckenpressen.
Hierbei wird das Pregut mit einer Verdichterschnecke gegen eine Matrize (mit
einer oder mehreren Bohrungen) gedrckt und als kontinuierlicher Strang gefi>rdert. Nach diesem Prinzip werden vorwiegend feinkrnige, stark feuchte Materialien (z.B. Klrschlamm in Mischung mit Holzspnen) aufbereitet.
Quasikontinuierliche Strangpressen bzw. Pelletierpressen sind Kollergangpressen, die mit rotierenden Kollern ber gelochte Scheiben oder in Ringmatrizen das
Pregut in die Matrizenbohrungen hubweise einpressen. Bei der Pressung werden
parallel mehrere Strnge gefrdert, die, zeitlich versetzt, diskontinuierlich ausgetragen werden.
In diskontinuierlich arbeitenden Kolbenstrangpressen bzw. Brikettierpressen
wird das Pregut mit mechanisch oder hydraulisch angetriebenem Kolben hubweise in einen offenen Formkanal verdichtet [5.65]. In der Regel wird nur ein
Formkanal verwendet, so da pro Hub nur je ein Brikett gefi>rdert werden kann.

[Link]

Ballenpresse

Der Einsatz von Ballenpressen filr die verschiedensten Produkte (Papier, Pappe
und Kunststoff-Folien, z.T. auch fitr Metalldosen und grobe Holzspne) hat sich in
der Praxis durchgesetzt.
Container- und Ballenpreverfahren werden in Kapitel 3 .1.2.2 ff. ausfilhrlich
beschrieben.

[Link]

Weitere Preverfahren

Die nachfolgend aufgefilhrten Verfahren zum Verdichten von Abtallen wurden


insbesondere in Aufbereitungsanlagen zur BRAM-Herstellung (Brennstoff aus
Mll) eingesetzt. In Anbetracht des Prioritt der stofflichen vor der thermischen
Verwertung haben diese Verfahren z.T. ihre Bedeutung verloren. Ihr Einsatz beschrnkt sich heute auf die Verpressung von Reststoffen nach Sortierprozessen.
Zu unterscheiden sind:
- Brikettierpressen,
- Pelletierpressen.
Brikettierpressen
Die Brikettierpresse arbeitet nach dem Stokolbenprinzip mit Schwungrad, Kurbeitrieb, Kreuzkopf und Kolbenstel oder mit hydraulischem Antrieb. Das durch
eine Schnecke vorverdichtete Aufgabematerial wird unter Druck hubweise durch
die Prewerkzeuge, Konus zur Vorverdichtung und Prezange, gedrckt. Innerhalb der Prezange kann der Brikett beheizt oder gekhlt werden und wird durch
eine pneumatische Prezange druckvariabel eingeklemmt.

388

5 Recycling von Abfllen

Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Kolbenstrangpressen fr die Torfverarbeitung und die Braunkohlebrikettierung eingesetzt. In der Abfallwirtschaft wurden diese Pretypen in den letzten Jahren vor allem fr die Verdichtung von Sgemehl, Holzspnen, Stroh, Altpapier etc. untersucht [5.65].
Eine weitere Bauform einer Brikettieranlage ist die Brikollare-Presse. Diese erzeugt durch Walken unter hydraulischem Predruck Prelinge aus MllKlrschlamm-Gemischen mit einem Wassergehalt von ca. 55 Gew.-%. Die Prelinge werden anschlieend im Schnellrotteverfahren vorgerottet (Brikollareverfahren, s. auch Kap. [Link]).
Pelletierpressen
Die Pelletiertechnologie wurde ursprnglich in der Futtermittelindustrie zur Verwertung der heizwertreichen Fraktionen aus Mll (BRAM) entwickelt. Von dort
wurden Pelletierpressen von der Abfallwirtschaft bernommen. Aufgrund der
hheren Durchstze und des zustzlichen Zerkleinerungseffekts im Kollergang
wurden Pelletierpressen gegenber Brikettierpressen in Aufbereitungsanlagen mit
BRAM-Herstellung bevorzugt. Mit der Pelletierung sollten vor allem folgende
Vorteile erzielt werden:
- verringertes Lagervolumen durch die Erhhung des Schttgewichtes vom losen
Brennstoff (ca. 65 kg/m2 ) zu weichen Pellets (ca. 450 kg/m2 ) oder zu harten
Pellets (ca. 650 kglm2 ),
- verbesserte Flie- und Dosiereigenschaften,
- Vermeidung von Brckenbildung in Silos und Transportaggregaten,
- Erhhung der Energiedichte und des Wrmeinhaltes durch Druck und Wrme
[5.14].
Zur Verdichtung werden Pelletierpressen in drei verschiedene Grundformen unterschieden:
- John-Deere-Pressen,
- Ringmatrizenpressen,
- Flachmatrizenpressen.
John-Deere-Presse
Dieser Pressentyp besteht aus einem Ring von senkrecht angeordneten Presskanlen mit einem Querschnitt von 32 x 32 mm. Das zu verpressende Material wird
von oben auf die Kollerspur ber den Prekanlen gegeben. Der Koller pret das
Material in die quadratischen Kanle. Auf diese Weise wird das Material zu
Strngen geformt und anschlieend durch feststehende Messer auf 20 bis 50 mm
Lnge abgeschnitten.
Ringmatrizenpressen
In der Regel bestehen die vertikal angeordneten Preorgane aus einem Matrizenring und innenlaufenden Kollern, wie in Bild 5.28. schematisch dargestellt. Entweder ist der Matrizenring oder sind die Koller angetrieben. Das Material wird
von innen radial durch die Bohrungen der zylinderfrmigen Matrize gepret. Die
Anzahl und Gre der Koller sind durch den Matrizeninnenraum begrenzt. Das
Material wird axial ber eine Schnecke oder ber eine Rutsche zugefiihrt.

5.1 Grundlagen der Aufbereitungstechnik

3 Pellets

2 Matrize

1 zu verpressendes Material

389

Bild 5.28. Schematische Darstellung des Pelletiervorganges bei der Ringmatrizenpresse [5.68]
Tabelle 5.4. Angaben ber die maximalen Komgren und Feuchtegehalte des Einsatzgutes
BRAM von verschiedenen Pressenherstellern
Flachmatrize
A. Kahl
Maximale AufgabeKmung[mm]
Maximale Feuchtigkeit
[Gew.-%]

Ringmatrize
CPM

Sirnon Heesen

System
John Deere
PLM

120

10 bis 15

50

120

28

15

32

Flachmatrizenpresse
Die Flachmatrizenpresse besteht aus einer runden und flachen Matrize, auf der die
angetriebenen Koller rotieren. Das Material wird senkrecht axial durch die Prekanle gepret. Die Kollerabmessungen und Kolleranzahl knnen flexibler als in
der Ringmatrizenpresse gehandhabt werden. Das zu verpressende Einsatzmaterial
fllt senkrecht von oben auf die Preorgane. Leitbleche oder Zwangseinspeiseelemente sind nicht erforderlich.
Wie Tabelle 5.4. zeigt, geben die Firmen fr die jeweiligen Pressen Obergrenzen hinsichtlich der Komgre des Materials an, um Verstopfungen und
Blockaden zu verhindern.
Neben den genannten Parametern spielt der Feuchtigkeitsgehalt bei der Verpressung eine wesentliche Rolle und kann z.B. bei losem BRAM zwischen 18 bis 24
Gew.-% zu den besten Ergebnissen fr die Durchsatzleistungen fhren.
Nach jeder Pelletierung mssen die heien Pellets abgekhlt und der berschssige Wasserdampf abgefhrt werden, um ein Zerfallen zu verhindern. Werden nur Weichpellets, unter geringem Druck und ohne Trocknung hergestellt, ist
fr eine lngere Lagerung eine biologische Stabilisierung unter Chemikalienzugabe erforderlich.

390

5 Recycling von Abfllen

5.2
Aufbereitungsverfahren
Die stoffliche Verwertung von Stoffen aus Abfllen ist sowohl bei der getrennten
Sammlung als auch bei der Erfassung von gemischten Abfllen an die Voraussetzung geknpft, da eine der Sammlung nachgeschaltete Behandlungsanlage die
Abfallbestandteile zu verwertbaren Fraktionen aufbereiten kann.
1995 wurden in der Bundesrepublik werden 32 Glashtten mit 25 Anlagen fiir
die Altglasaufbereitung betrieben [5.188]. Im Jahr 1992 wurden bei einem Gesamtverbrauch von Glasverpackungen (einschlielich der importierten gefiillten
Glasverpackungen) von ca. 3,81 Mio. Mg etwa 2,46 Mio. Mg wiederverwertet
[5.188]. Dies bedeutet eine Verwertungsquote von 64,5 %.
Zur Aufbereitung der Haushaltsabflle mit dem Ziel der Wertstofferfassung
waren im alten Bundesgebiet 45 Sortieranlagen (Stand Juli 1990) in Betrieb
[5.141]. Aufgrund umfangreicher Planungen von Sortieranlagen sowie Umrstungen von bestehenden Anlagen mit dem Ziel, auch DSD-Leichtfraktionen (Fraktion
des Dualen Systems Deutschlands) zu sortieren, sind derzeit ber 400 Sortieranlagen fiir die Wertstofferfassung aus den Haushalts- und Gewerbeabfllen verfiigbar. Eine gleich groe Zahl an Anlagen kann fiir die Aufbereitung von Bauschutt
und Baustellenabfllen angesetzt werden.

5.2.1

Verfahren zur Gewinnung und Nutzung von Sekundrrohstoffen


[Link]
Recycling von Wertstoffen aus Haushaltsabfllen

Um die in den Siedlungsabfllen enthaltenen Wertstoffe zu erfassen, haben sich


verschiedene Verfahren bewhrt:
- Bringsystem (Depotcontainer, Recyclinghfe),
- Holsystem (Mehrkomponentensysteme, Monotonne, Wertstoffsack, Bndelsammlung, Biotonne).
Die einzelnen Sammelsysteme unterscheiden sich in der Erfassungsquote, der
Vermarktungsfhigkeit, den einzelnen Wertstoffqualitten, den Fremdstoffanteilen
und im Aufwand zur Sammlung und Aufbereitung.
Im folgenden Bild 5.29. ist das Abfallpotential fiir die Stadt Dresden und den
Landkreis Stormam beispielhaft dargestellt. Bundesweit liegt das Abfallpotential
aus Haushalten und kleiner Geschfte, die mit dem Haushaltsabfall entsorgt werden bei ca. 380 -400 kg!Ea. Im Bild 5.29. ist das Potential der Restabflle aus
Haushalten und deren Erfassungswege in Abhngigkeit von den Bebauungsstrukturen fiir die Stadt Dresden und den Kreis Stormam dargestellt. Die Bebauungsstrukturen (BS) sind wie folgt gekennzeichnet:
Growohnanlagen (GWA)
BS 1
geschlossene Mehrfamilienhausbebauung (gMFH)
BS 2
offene Mehrfamilienhausbebauung (oMFH)
BS 3
Ein- und Zweifamilienhuser (EFH)
BS 4
lndliche Struktur (LS)
BS 5

5.2 Aufbereitungsverfahren

391

........_......

...
-.........

1$2~~

Bild 5.29. Potential der Abflille aus Haushalten und deren Erfassungswege in Abhngigkeit von
den Bebauungsstrukturen [kg!E a] [5.140]

Aus Bild 5.29. geht deutlich hervor, da die Beteiligung an der getrennten Wertstofferfassung in Abhngigkeit von der Bebauungsstruktur erheblich differiert.
Eine wesentliche Ursache ist in der unterschiedlichen Wirksamkeit finanzieller
Anreize zu suchen. Dadurch wird in der Ein-/Zweifamilienhausbebauung eine
Erfassungsquote der Wertstoffe von durchschnittlich 80 %, in den Growohnanlagen/Neubaugebieten hingegen nur von durchschnittlich 34 %realisiert.
Aus Bild 5.29. wird auch ersichtlich, da die Erfassungsquoten bezglich der
einzelnen Stoffgruppen sehr unterschiedlich ausfallen, die in den entsprechenden
Sortieranlagen ftir die Vermarktung aufbereitet werden.
In einer Untersuchung von I 00 Mg Altglas aus Depotcontainern konnte ein
Fremdanteil von 0,61 % bestimmt werden. Diese Fremdbestandteile setzen sich
aus folgenden Komponenten zusammen:
Tabelle 5.5. Zusammensetzung der Fremdstoffe im Depotcontainer von Mischglas
Stoffgruppe

[%]

Fe-Metalle
NE-Metalle
Kunststoffe, Kork

0,10
0,02
0,05

Papier

0,40

Steine, Porzellan
o

0,04
..-

o '''''''''''''''''''''''''~ --M--

Surnrne

0,61

Das Glas wurde in einer Anlage entsprechend der in Bild 5.30. aufbereitet.

392

5 Recycling von Abfllen

10

1. Aufgabetrichter

7. Gummigurtilirderer

2. Schwingilirderrinne
3. GummigurtfrdereT
4. Magnetabscheider
5. Hammerbrecher
6. Sieb-Schwingfrderrinne

8. Magnetabscheider
9. Leseschutz
10. Lesebhne
11. Gurtbecherwerk
12. Absauganlage

Bild 5.30. Schematische Darstellung einer Aufbereitungsanlage [5.41]

Bild 5.31. stellt die Herstellungs- und Verbrauchsstufen ftlr Papier der Bundesrepublik Deutschland ftlr das Jahr 1994 dar. In diesem Mengenfliebild sind alle
vier Hauptproduktgruppen Papier, Karton und Pappe zu Verpackungszwecken,
Graphische Papiere, Hygiene-Papiere sowie Technische und Spezial-Papiere bercksichtigt.
Im Jahr 1994 wurden 14,457 Mio. Mg Papier, Pappe und Karton erzeugt. Daftlr
wurden 8,160 Mio. Mg bzw. 56,4% Altpapier sowie 8,136 Mio. Mg Neufasern
und HUfsstoffe eingesetzt.
Die Marktversorgung von Papier und Pappe wird durch einen Nettoimportberschu in Hhe von 1,878 Mio. Mg bzw. 13,0% der Inlandserzeugung
auf 16,335 Mio. Mg angehoben. Unter Bercksichtigung des bei der Verarbeitung
anfallenden Altpapiers, der Remittenden, der bentigten Zusatzstoffe und des
Nettoexportberschusses kann der Produktgebrauch auf 14,853 Mio. Mg beziffert
werden. Durch Abzug der Mengen langlebiger Produkte, nicht erfabarer Produkte oder nicht verwertbaren Altpapiers besteht ein theoretisches AltpapierPotential beim Endverbraucher von 12,529 Mio. Mg. ber die haushaltsnahe und
gewerbliche Altpapier-Sammlung werden 8,644 Mio. Mg Altpapier erfat.
In der Folge der Verpackungsverordnung, der Einfiihrung des Dualen Systems
und der Freiwilligen Selbstverpflichtung der AGRAPA hat es auf dem Gebiet der
Altpapiererfassung aus Haushalten erhebliche Vernderungen gegeben.
Mit Einfilhrung des Dualen Systems wurden von diesem die bestehenden Erfassungssysteme ftlr die Verpackungspapiere und -pappen und die graphischen
Papier bernommen. In der Tabelle 5.6. sind die Sammelsysteme fiir die haus-

5.2 Aufbereitungsverfahren

AP-Einsatz auiii1181) dOi Papierfabrikation


0,100 Mio. Mol

393

Produktioosspezifische Abflle
1,990 Mio. Mol

AP-Export

2,986 Mio. Mol


Net1Dii11JO!tilben!dn PapierlPawe

0,999 Mio. Mol

Pf' aus VerarbeiUlg


0,850 Mio. Mol

Zusdzstotle (t-kht Papier)


0,583 Mio. Mol

RernitiBrden
0,300 Mio. Mol

Nelklexportilberschu verarbei1eler
F'roruk1B0,919 Mio. Mg

Nicht erfal!bara Produkte


(z.B. ~. Hausbrand)

0,959 Mio. Mol

Nicht verwertbares Abfallpapier


beim Endve!braucher
0,580Mo. Mol

Deponie
1,632 Mio. Mol

l'l!fallverbrennung
0,98 Mo. Mol
DepoCcon1ainer
2,59 Mio. Mol
Moootoone
1,84Mio. Mg

Bioabfallkompostiefulg

0,06 Mo. Mol

Brdelsammlmg
0,37 Mo. Mol
SoostigeSyslllme
0,46 Mo Mol

Bild 5.31. Mengenfliebild fiir alle Herstellungs- und Verbrauchsstufen fiir die Papiere und
Pappen fiir das Jahr 1994

haltsnahe Erfassung fr graphische Altpapiere und fr die Verpackungspapiere


und -kartonagen dargestellt. Die hauptschlich genutzten Systeme sind der Depotcontainer und die Monotonne. Zur Einfhrung des DSD am 01.01.1992 gab es
bereits eine bundesweite Erfassung von Altpapieren, so da eine Gesamtaltpapiermenge von 3,87 Mio. Mg erfat werden konnte. Die Verteilung auf den

394

5 Recycling von Abfllen

graphischen Altpapierbereich und auf die Verpackungspapiere wird in Tabelle 5. 7.


dargestellt. Im Jahre 1992 betrug die Verteilung 35,1% Verpackungsaltpapier und
64,9 % graphische Altpapiere.
Depotcontainer stellen das derzeit bedeutendste Sammetsystem dar, da hier ca.
50 % des Altpapieraufkommens erfat werden. Durch die gesteigerten Sammetaktivitten konnten sich die Altpapiereinsatzquoten erhhen nach Daten des VDP,
AGRAPA und der GesPaRec (Tabelle 5.8.)
Tabelle 5.6. Systeme und Altpapiermengen der haushaltsnahen Erfassung in den Jahren 19921995

Depotcontainer
Bndelsammlung
Monotonne
Sonstige Systeme
Summe

1992
[MioMg] [%]
1,51
39,0
14,2
0,55
1,71
44,2
0,10
2,6
3,87
100

1994
[MioMg] [%]
2,47
49,3
0,35
7,0
1,75
34,9
0,44
8,8
5,01
8,8

1995
[MioMg] [%]
2,59
49,3
0,37
7,0
1,84
34,9
0,46
8,8
5,26
100

Tabelle 5.7. Zusammensetzung der haushaltsnahen Erfassung von Altpapieren in den Jahren
1992-1995
1992
[MioMg]
Verpackungspapiere 1,36
Graphische Papiere 2,51
3,87
Summe

[%]

35,1
64,9
100

1994
[MioMg]
1,40
3,61
5,01

[%]

27,9
72,1
100

1995
[MioMg]
1,468
3,792
5,260

[%]

27,9
72,1
100

Tabelle 5.8. Altpapierverwertungsquoten fUr graphisches Papier und das Gesamtpapier

1992
1994
1995
1996
1997

Altpapierverwertung [%]
Graphisches Papier
Gesamtpapier
54,6
52,1
64,1
56,4
72,9
58,0
82,9
60,3
83,1
59,3

In der BHMA 1985 wurden 755 000 Mg Kunststoffe oder 12,4 kg!E und Jahr
statistisch erfat. Die Verpackungen haben an den KunststoffabOOien einen Mengenanteil von 84,8 %. Als Gebrauchsgegenstnde sind Spielzeug, Einweggeschirr,
Schallplatten, Schaumstoffe, Schreib- und Browaren einzustufen [5.38].
Auer dieser Kunststofffraktion ergeben sich Verbundstoffe, die ebenfalls
Kunststoffe enthalten, aber bei der Hausmllanalyse anderen Kategorien wie Le-

5.2 Aufbereitungsverfahren

395

[kgiEa)

14
12
~PE/PP

10

l2j PS

PVC

SONSTIGE

VERUNREINIGUNGEN
KUNSTSTOFFE
~ MEHRSTOFFTONNE

rm

2
0
BRINGSYSTEM

HOLSYSTEM

MEHRSTOFFTONNE

Bild 5.32. Erfassungsquote filr die Mehrstofftonne des Hol- und Bringsystems und die Zusam-

mensetzung nach Kunststoffarten [5.30]

der, Textilien und Verpackungsverbunde zugeordnet werden. So haben Schuhe ca.


40 % und Textilien ca. 49 % Kunststoffanteile, Verpackungsverbundstoffe
ca. 25 %, Windeln ca. 5 % und Materialverbundstoffe ca. 20 %. Zusammen bildeten diese Anteile eine zustzliche Kunststoffmenge von 235 000 Mg fiir 1985
[5.38].
Das Hol- und Bringsystem in Harnburg Bergedorf wurde 1986 von INTECUS
wissenschaftlich begleitet. Die in Privathaushalten anfallenden Kunststoffe wurden in dieser Zeit berwiegend mit dem brigen Hausmll den verschiedenen
Abfallbehandlungsanlagen zugeftlhrt. Die eingeftlhrten Sammelsysteme filr
Kunststoffe waren bis dahin nur zum Teil untersucht.
In Bild 5.32. sind die Erfassungsquoten filr die Mehrstofftonne filr das Hol- und
Bringsystem und die Zusammensetzung der Kunststoffe mit den Fremdbestandteilen im Vergleich dargestellt. Im Holsystem lag die Erfassungsmenge bei
13,5 kg/E*a und damit nur geringfiigig unter dem Mittelwert der BHMA von 1985
filr Stdte mit 13,7 kg/E*a. Im Bringsystem standen Depotcontainer zur Verftlgung, die freiwillig beansprucht werden konnten. Je nach Containerdichte (Einwohner/Container) konnten 0,5 bis 1,5 kg!Ea erzielt werden. Bei der Untersuchung der Benutzer dieser Container konnte jedoch festgestellt werden, da
durchschnittlich 11 ,5 kg!Ea von ihnen zum Sammelbehlter gebracht wurden
[5.30].
Nach Einfilhrung des Dualen Systems Deutschlands (DSD) werden die Leichtverpackungen, bestehend aus Verkaufsverpackungen aus Kunststoffen und im
weiteren auch Metall- und Verbundmaterialien, getrennt gesammelt. In der "Gelben Tonne" erfolgt die Erfassung der Leichtverpackungen. In den Abschnitten
[Link] und 5.3.5 wird auf dieses Sammelsystem weiter eingegangen.

5 Recycling von Abfllen

396

0,0'/o

:E 17,9 kg(E*a)
Restabfall +
Sortierrestat___..,......._

2,01Q'(E"aV

0
B Ill

aoot:tell

121

~I

Leichtver-

8
0
C

V\Ei~ec:h
AIUTiriurr LrdAh..tdiEn

Gotr~rkekertcns

[ ] Gas
~PaPat

1131~
E:l ~a..sPI
Bild 5.33. Zusammensetzung der Sammetware DSD-Leichtfraktion in der Stadt Dresden, Juni
1996

In Bild 5.33. ist die Zusammensetzung der Gelben Tonne und des Gelben Sackes
dargestellt fiir die Stadt Dresden im Sommer 1996. Die Mehrstoffsammlung ist
seit langem bekannt dafilr, da die Verunreinigungen hoch sind. Die gewnschte
Sammelware macht nur ca. 60 % der eingesammelten Menge aus, wobei die
Fehlwrfe und die artgleichen Wertstoffe wieder in den Kreislauf der Rohstoffe
gefilhrt werden knnen.
Die bisher genutzten Sortieranlagen des DSD sind einfache Anlagen mit Handsortierung. Die Neuentwicklung (Kaktus) gliedert sich in eine trockenmechanische
und eine namechanische Aufbereitung. Bild 5.34. stellt das vereinfachte Fliebild
der Versuchsanlage dar.
Zentrale Prozestufe des Verfahrens bildet ein spezieller Stofflser, der mit
dem Rohmaterialgemisch nach mechanischer Gebindeffnung und Magnetscheidung beaufschlagt wird. In dem diskontinuierlich arbeitenden Stofflser
erfolgt unter Zugabe von Prozewasser eine Attrition zur Oberflchenreinigung
und Auflsung von Papier. Daneben werden im Reaktor ber eine Schwergutfalle
verschleifrdernde Inhaltsstoffe wie Glas, Steine und Schrott dem weiteren Proze entzogen.
Die Trennung von Pulpe und Feststoff wird in einer nachgeschalteten Ableertrommel vorgenommen. Aus der Pulpe werden zunchst die Papierfasern abgesiebt und entwssert, bevor das Prozewasser zur geschlossenen Kreislauffilhrung einer mehrstufigen Reinigung unterzogen wird. Abgang der Prozewasserreinigung bildet ein auf ca. 45 % TS entwsserter Schlamm.
Die in der Ableertrommel abgetrennten gereinigten nicht lslichen Komponenten werden schneidend zerkleinert und einer Dichtetrennung mittels Sortierzentrifuge bei einer Trenndichte von 1 glcm 3 unterzogen, als deren entwssertes

5.2 Aufbereitungsverfahren

397

AulgabeLVP

, - - - - - [Link] -

PS-Fraktion
(opUonal)

, - - - - - Aluminium

PVC-Fraktion
(Res/)

Kunststoff..
mlsehprodukt -

Bild 5.34. Vereinfachtes Fliebild der Versuchs- und Demonstrationsanlage "KAKTUS"

Schwimmgut die Polyolefmfraktion gewonnen wird. Eine eben solche Trennung


bei hherer Trenndichte zur Erzeugung eines separaten Polystyrolproduktes ist
bedarfsweise mglich. Das Schwergut der Dichtetrennung wird pneumatisch zu
einem Wirbelstromscheider gefrdert. Nach Abtrennung des Aluminiumfolienproduktes wird in einer letzten Stufe aus den verbliebenen Kunststoffen
hherer Dichte PVC mit Hilfe eines elektrostatischen Freifallscheiders als Reststoff abgeschieden.
Ein direkt schmelzfhiges Aluminiumprodukt aus dickwandigeren Ausgangsmaterialien wie Dosen etc. wird durch Wirbelstromscheidung aus den Abzgen
der Schwergutfallen von Stofflser und Konditionierung der Dichtetrennung ge-

wonnen [5.140]
Die Organik im Bereich der Haushaltsabtalle setzt sich aus Kchenabfllen und
Abfllen der Gartenpflege zusammen und bilden den BegriffBioabflle. Nach den
Daten der Bundesweiten Hausmllanalyse betrgt der Anteil der organischen
Fraktion ca. 32 Gew.-%. Legt man rein kalkulatorisch die projektierten Wertstoffabschpfungen der gesetzlichen Vorgaben zugrunde, steigt der Organikanteil
relativ im Hausmll auf 57 Gew.-%.
Derzeit geht man abhngig von regionalen Gebietsstrukturen von unterschiedlichen Erfassungsmengen aus. So liegen die Mittelwerte der in verschiedenen Projekten erfaten Bioabfallmengen in Mittel- und Grostdten bei 70 bis 120 kg!Ea
und in Landkreisen bei 80 bis 180 kg/E*a. Der Anteil der Park- und Gartenabflle
betrgt davon 30 bis 60 kg/E*a. Der Anteil der Garten- und Parkabtalle ist fur
saisonale Schwankungen in den Erfassungsmengen von mehr als 50 % vom Mittelwert verantwortlich [5.123].
Die relativ groen Bandbreiten in den Erfassungsmengen sind auf regionale
Umstnde, wie Erfassungssystem, sowie auf Motivation und besonders auf den
Stellenwert der Eigenkompostierung zurckzufhren.

398

5 Recycling von Abfllen

Durch intensive ffentlichkeitsarbeit lt sich der Strstoffanteil im Bioabfall


deutlich unter 3 Gew.-% halten [5.124].
Die Aufbereitung von Bioabililien zu Kompost ist in Kapitel4.3.1 dargestellt.
Die getrennte Erfassung der Bioabililie wurde erstmalig 1982 in Witzenhausen
erprobt. Dort wurden durch Mietenkompostierung Bioabililie verarbeitet. Whrend es 1988 erst 51 Bioabfallkompostierungsprojekte mit 430 000 angeschlossenen Einwohnern gab, wurden 1991 bereits 88 Projekte mit ca. 2 747 500 angeschlossenen Einwohnern ermittelt. Ein weiteres Ansteigen der Verwertungsaktivitten bis zur fast flchendeckenden Sammlung im Bundesgebiet ist absehbar
[5.124].
Die Kompostierung von Hausmll ist in Deutschland chancenlos. Der Absatz
des Hausmllkomposts ist wegen der Schwermetallproblematik und der Preisgestaltung gegenber dem Konkurrenzprodukt Bioabfallkompost nicht mehr gegeben. Unter dem Begriff "Restmllrotte" oder ,,kalte Inertisierung" sind jedoch
derzeit verschiedene Projekte als Vorbehandlungsverfahren vor der Deponierung
durchgefhrt worden ..

[Link]
Recycling von hausmllhnlichen Gewerbeabfllen
Je nach der Gebietsstruktur und aufgrund der Vielfalt der zu entsorgenden Branchen variieren die Inhaltsstoffe der hausmllhnlichen Gewerbeabililie erheblich,
wie in Bild 5.35. und der Tabelle 5.9. deutlich wird. Durch erhhte Anteile an
Verunreinigungen (z.B. organische Bestandteile) sinkt die Sortierbarkeit und
Qualitt der Wertstoffe erheblich. Eine weitgehende Vermeidung der Vermischung mit nicht verwertbaren Abililien ist nur durch eine mglichst getrennte
Erfassung am Anfallort mglich. Eine Aufbereitung von Gewerbeabfall ist hnlich
Papier/Pappe
Sonstiges

11%

13%

5%

Textilien

M'!talle
1%

1%
Mschabflle
8%

Glas

2%
Renovierungsabflle
10%

Kunststoffe
18%

6%

7%

5%

Bild 5.35. Gewerbeabfallzusammensetzung 1991/1992 filr die Bundesrepublik [5.121]

5.2 Aufbereitungsverfahren

399

wie beim Hausmll mglich und erfolgt nach den gleichen technischen Grundstzen. Um die Sortierung von Gewerbeabfllen voranzutreiben, werden von privaten
und kommunalen Entsorgern auch die Gewerbeabflle getrennt gesammelt.
Aufgabe der in Sortieranlagen fUr Gewerbeabflle vor- und zwischengeschalteten Sortier- und Klassieraggregate ist es, die jeweilig interessanten (d.h.
sortierwrdigen) Fraktionen der Inputmaterialien soweit anzureichern bzw. um
Strstoffe (d.h. softierunwrdige Fraktionen) abzureichern, da die darauffolgende
hndische Sortierung mit hoher Effizienz erfolgen kann. Die Aufbereitungsaggregate wie Siebe, Windsichter, Ballistischer Separator, Magnetscheider etc.
befreien das Gut auerdem von belastenden Stoffen oder leicht zu trennenden
Wertstoffen.
Tabelle 5.9. Gewerbemllzusammensetzung im Landkreis Heidenheim und im Stadtkreis Ulm
1985 [5.90]
Stoffgruppe
Vegetabilien
Glas
Schrott
Folien
brige Kunststoffe
Textilien
Gummi und Reifen
Holz
Papier
Pappe
Mineralisches
Hausmllhnliches
Sonstiges

Heidenheim
[Gew.-%]
1,44
1,60
1,96
1,56
2,07
2,76
0,96
13,04
5,73
2,62
63,83
1,81
0,63

Ulm
[Gew.-%]
1,99
3,94
1,57
2,05
2,01
3,04
1,71
11,94
7,43
3,84
59,09
1,29
0,11

Das zu sortierende Material gelangt dann auf die Lesebnder, um die eigentliche
Wertstofferfassung mittels hndischer Sortierung vornehmen zu knnen. Trotz
umfangreicher Bemhungen in den Ietzen Jahren ist es bisher nicht gelungen,
grotechnische Abfallsortierverfahren zu entwickeln, die bei gleichbleibenden
Qualittsstandards auf die hndische Sortierung vollkommen oder zumindest
grtenteils verzichten knnen. Bei der auf eine thermische Verwertung ausgerichteten Herstellung von BRAM war dies hingegen mglich. Im Hinblick auf die
hier anzustrebende stoffliche Verwertung wird also die Wertstoffsortierung im
wesentlichen mittels hndischer Sortierung erfolgen mssen.
Die angelieferten Wertstoffmengen werden mittels Brckenwaage gewogen
und anschlieend im Flachbunker bzw. auf Grund abgekippt. Im Flachbunker
erfolgt die Beschickung des Unterflurbandes mit dem Radlader. Grbere Stcke
(Weiware, Motorteile etc.) werden vom Radlader zur Seite geschoben und der
entsprechenden Fraktion (Schrott, Deponierest etc.) zugeordnet. Der Material-

400

5 Recycling von Abfllen

Magnetscheider

Reststoffe

Bild 5.36. Verfahrensfliebild zur Verarbeitung von Gewerbemll, gesammelt in Wertstorfcontainern

Kunststoffe 2.200 Mg/a ..


(7,3%)

Glas 1.800 Mg/a


(6%)

L-"

J____. /

NE - Metalle 100 Mg/a ~/


(0,3%)

'-.__.__['

'--------v/

Rest 4.200 Mg/a


(14%)

Fe- Metalle 600 l'v1g/a


<......______,
(2%)
......_________,

Pappe 7.400 l'v1g/a


(24,6%)
Papier 13.700 Mg/a
(45,6%)

Bild 5.37. Mengenbilanz filr 30 000 Mg/a Werstoffgemisch aus der Gewerbemllsortierung

5.2 Aufbereitungsverfahren

401

Anlleferung
Gewerbeabfllle

\\t6rstofle

Bild 5.38. Verfahrensfliebild der Sortieranlage filr hausmllhnliche Gewerbeabflle

stromgelangt ber ein Steigband zur Sortierstation (Sortierbhne), in der die einzelnen Wertstoffkomponenten und Reststoffe mit der Hand aussortiert werden. Es
findet eine kombinierte positive und negative Handlese statt. Bild 5.37. zeigt die
Mengenbilanz fr eine Verarbeitungsmenge von 30 000 Mg/a oder 15 Mg/h Weftstoffgemisch aus Wertstoffcontainern in graphischer Form (Sankey-Diagramm).
Dabei wird deutlich, da trotz der angenommenen Verwertungsmglichkeit immer
noch eine Reststoffdeponie vorgesehen werden mu. 4 200 Mg/a oder 14 Gew.-%
aus der Anlage mssen beseitigt werden.
Eine beispielhafte Anlage zur Sortierung von hausmllhnlichen Gewerbeabfllen ist seit 1992 in Berlin-Reinickendorf in Betrieb. Die Verfahrenstechnik ist
fiir eine Kapazitt von 100 000 Mg/a ausgelegt. Ziel ist die weitgehende Weftstofferfassung aus den angelieferten Abtallen (s. Bild 5.38.).
Die angelieferten Gewerbeabtalle werden zur Bevorratung und Pufferung entweder in einen Flachbunker oder direkt auf Bunkerbnder (Schubbden) aufgegeben. Eine Vorsortierung erfolgt mittels Radlader im Flachbunkerbereich und durch
einen stationren Sortiergreifer, der nach einer Vergleichmigung des Gutes auf

402

5 Recycling von Abfllen

einer Vibrorinne, Strstoffe und auch Wertstoffe, die aufgrundder Abmessungen


fr die Anlage ungeeignet sind, entnehmen kann. Ein Reversierfrderer beschickt
parallel zwei Siebtrommeln, um dort eine Auftrennung in drei Komgrenklassen
zu realisieren. Das Feinkorn beider Siebtrommeln kann zum Zwecke der Absiebung einer Inertfraktion der Baustellenlinie zugefUhrt werden. Die Mittelfraktion
aus beiden Siebtrommeln wird einem ballistischen Separator zugeftlhrt.
Der berlauf gelangt getrennt zu zwei Handsortierstationen (Lesebndem), in
denen Kunststoffe, Kartonagen, Papier, unbehandeltes und behandeltes Holz,
Metalle etc. und optional Rest- und Strstoffe (z.B. im Fall von Negativsortierung)
hndisch aussortiert und in die darunter befindlichen Bunkerbnder bzw. in Absetzcontainer abgeworfen werden.
Die Leichtfraktion aus dem ballistischen Separator wird in eine dritte Handsortierstation gefOrdert, um ebenfalls die Wertstoffe aus dem Materialstrom abzutrennen.
Die grozgig dimensionierten Bunkerbnder ftlr Wertstofffraktionen dienen
der Zwischenlagerung. Alternierend werden Wertstoffchargen aus den Bunkerbndern abgezogen und damit taktweise weitere Verfahrensschritte (Verpressung
von Folien, Papier, Kartonagen und Zerkleinerung von Holz) vorgenommen.
Die Sieb- und Schwerfraktion aus dem ballistischen Separator wird mit den
Feinfraktionen der Siebtrommeln vereinigt und optional, zusammen mit den separat angelieferten BaustellenabfiUlen, einem vierten Leseband zugefUhrt und sortiert.
Die Reststoffe aus den Handsortierstationen werden mit einer Containerpresse
in Ferntransportcontainer verpret und zur Deponie abgefahren [5.120].
[Link]
Recycling von Bauabfiillen

Stand der Technik zur Aufbereitung und Wiederverwertung


Die Aufbereitung von Bauabfiillen erfolgt nach den klassischen Techniken der seit
Jahrzehnten im Bergbau bewhrten Verfahren.
Leichte Modifikationen der Maschinentechnik, die Wahl der Einzelaggregate
sowie deren verfahrenstechnische Zusammenstellung haben insbesondere die
Qualittsverbesserung des aufbereiteten Gutes zum Ziel. Im folgenden werden die
technischen Methoden der Aufbereitung dargestellt, die den Stand der Technik
kennzeichnen.

Zerkleinerung

Als Zerkleinerungsaggregate werden berwiegend Prall-, Backen- und/oder


Schlagwalzenbrecher eingesetzt. Beim Prallbrecher erfolgt eine Zerkleinerung des
Gutes durch Schlag zwischen den Prallplatten und den Pralleisten des schnell
laufenden Rotors. Vorteil des Prallbrecher ist die Einsatzfiihigkeit als einstufiger
Brecher sowohl in mobilen als auch stationren Anlagen.
Beim Backenbrecher erfolgt die Zerkleinerung durch Druck zwischen einer festen und einer beweglichen Brechbacke. Der Backenbrecher wie auch der
Schlagwalzenbrecher wird hauptschlich als Vorzerkleinerungsaggregat in Aufbereitungsanlagen mit zweistufigen Brecher-Anlagen eingesetzt. Als Nachbrecher

5.2 Aufbereitungsverfahren

403

dient jeweils ein Prallbrecher. Backenbrecher werden aber auch in mobilen Anlagen als einzelner Brecher eingesetzt.
Beim horizontalen Schlagwalzenbrecher werden die aufgegebenen Baureststoffe durch Schlag und Druck zerkleinert. Ein Kratzkettenfrderer transportiert dabei
das aufgegebene Material der Schlagwalze zu. Die Verschleikosten liegen dabei
zwischen denen des Backenbrechers und Prallbrechers (Tabelle 5.10.).
Tabelle 5.10. Vergleich der unterschiedlichen Brechertypen [5.160]
Parameter

Prallbrecher

Backenbrecher

Schlagwalzenbrecher

Beanspruchung

Prall

Druck

Schlag, Prall

1:6
500

1:7
200

<5

< 15

Zerkleinerungsverhltnis 1:20
Festigkeit der Aufgabe- 300
materialien, [MPa]
<8
Feuchte, [%]
Vor- und Nachteile:

groe Masse
geringe Masse
geringe lnvestkosten wenig stranflillig

geringe Masse
ebenerdige Beschikkung, geringe Bauhhe

gute Kubizitt der


Endprodukte

bei geringem Hub


kubisches Material
herstellbar, Asphaltaufbereitung
z.T. problematisch

nur zur Vorzerkleinerung, keine verkaufsfahigen Endprodukte

empfindlich gegen
nicht zerkleinerbare
Gegenstnde (z.B.
Stahl)

geringe StaubentwiekJung

keine Fundamente,
leichte Umsetzbarkeit

hohe Verschleiund Betriebskosten

lange Standzeiten
der Verschleielemente bei Einsatz
als Vorbrecher

Verschleikosten hher
als Backenbrecher u.
niedriger als Prall-breeher, starker Verschlei der Kratzkette

hohes Zerkleinerungsverhltnis
(Einsparung einer
Zerkleinerungsstufe)

geringer Energiebedarf

geringer spezifischer
Energieverbrauch

Klassierung
Die Klassierung dient der Auftrennung des Aufgabematerials in Kornklassen.
Dabei wird die Vorabsiebung und die Nachsiebung (Produktsiebung) unterschieden. Der Vorabscheider ist massiv zu konstruieren, da unzerkleinerter Bauschutt teilweise direkt vom Radlader aufgegeben werden. Fr die Vorabsiebung
wird. Stangemoste, Stangensizer, Schwerlastsiebe oder Rollemoste eingesetzt. Die
meist zweistufige Vorabsiebung dient zur Vorabtrennung des Fllbodens (0/810 mm) und einer Mittelkrnung (8/32-56 mm), um den Verschlei am nachfolgenden Brecher zu verringern und den Durchsatz zu erhhen.

404

5 Recycling von Abfllen

Die Produktsiebung wird fast ausschlielich mittels Schwingsieben durchgefhrt,


die je nach Anforderungen an die Produktpalette bis zu drei Siebdecks mit unterschiedlichen Maschenweiten aufweisen.
Sortierung
Die Sortierung in Baustoff-Recyclinganlagen umfat in der einfachsten Form die
Handsortierung und die Magnetscheidung zur Entfernung nicht produktspezifischer lnhaltsstoffe. Diese Sortierverfahren kommen auch bei mobilen Anlagen
zum Einsatz. Die mechanischen Sortierverfahren der Na- und Trockenreinigung
dienen darber hinaus der Qualittssteigerung der Produkte.
Bei der Nasortierung werden in einem Wasserbett nach dem Sink-SchwimmPrinzip leichte aufschwimmende Anteile (Holz, Leichtbaustoffe, Papier, Folien
etc.) mit dem Wasserstrom ausgetragen, whrend die Recycling-Baustoffe ber
einen Frderer (z.B. Aquamator) in entgegengesetzter Richtung einem Entwsserungssieb zugefhrt werden. Der Wasserverlust aufgrund von Verdunstung und
Haftwasser mu regelmig durch Frischwasser ergnzt werden. Dem Wasser, das
im Kreislauf gefhrt wird, sind in einer Prozewasseraufbereitung Feinanteile zu
entziehen. Der anfallende Schlamm, der je nach aufbereitetem Baustoff unterschiedliche Belastungen aufweist, ist zu behandeln und fachgerecht zu entsorgen.
In die Kanalisation abzuleitendes Kreislaufwasser hat den Qualittsanforderungen
gem Einleiter-Verordnung zu gengen. Dazu ist im allgemeinen der Einsatz von
Hilfsstoffen, wie Flockungsmittel, erforderlich. Die hohen wasserrechtlichen Anforderungen an die Nareinigung sowie die Kosten der Prozewasserautbereitung
und der Schlammentsorgung sind als Nachteile der Nareinigung zu nennen.
Bei der Trockenreinigung werden die Baustoffe nach dem Prinzip der Gleichfiilligkeit im Luftstrom gereinigt. Whrend die spezifisch schweren Baustoffe im
Siebterrohr nach unten fallen, werden die Strstoffe mit dem Luftstrom in den
Vorabscheider bzw. die Filteranlage zur Reinigung ausgetragen. Um einen hohen
Wirkungsgrad und Durchsatz zu erreichen, sollte der Recycling-Baustoff keine
hohe Eigenfeuchte aufweisen [5.168].
Aufbereitungsverfahren
Bei den Verfahren zur Aufbereitung von Bauschutt und Straenaufbruch wird in
mobile, semimobile und stationre Anlagen von 50 bis 400 Mg/h Durchsatzleistung unterschieden. Mobile Einheiten, bestehend aus Aufgabe, Vorabsiebung,
Brecher und evtl. Magnetscheider, sind entweder auf ein Fahrwerk (Sattelauflieger) montiert oder als vollmobiles Raupenfahrzeug mit Eigenantrieb ausgestattet.
Die Ergnzung dieser Transporteinheiten durch Handsortierstation, Nachsiebung
und Trockensichtung schrnkt zwar die Mobilitt ein, d.h. Montage- und Demontagezeiten steigen an, aber die Produktqualitt und -vielfalt nimmt zu.
Die Bilder 5.39 A-C stellen verschiedene Recyclingverfahren vor. In Bild 5.40.
ist das Funktionsschema einer semimobilen Aufbereitungsanlage dargestellt.
Bei den semimobilen Einheiten ist die Haupteinheit auf eine mit Kufen ausgestattete Stahlkonstruktion montiert, die bei einem Standortwechsel auf einen
Tieflader gezogen wird. Die mobilen und semimobilen Aufbereitungsanlagen sind
hauptschlich geeignet fr den Einsatz auf Grobaustellen (genehmigungsfrei,

5.2 Aufbereitungsverfahren

405

Bild 5.39./A Mobile Recyclinganlage der Fa. Orenstein & Koppel, Durchsatz von
100 bis 120 Mg/h

Bild 5.39.18 Mobile Recyclinganlage mit Raupenfahrwerk der Fa. Orenstein & Koppel

Bild 5.39/C: Transport der Recyclinganlage mit Raupenfahrwerk auf einem Tieflader

sofern keine Fremdmaterialien aufbereitet werden) oder in lndlichen Regionen


mit geringem Aufkommen und mehreren Sammelstandorten ftir Bauabftille.
Mobile Anlagen haben den Vorteil, da durch ihren Einsatz auf der Baustelle
und durch die sofortige Wiederverwertung der Produkte vor Ort erhebliche Mengen an Transportraum eingespart und so auch der LKW-Verkehr entlastet wird.
Da mobile Aufbereitungsanlagen auch gemietet werden knnen, bieten diese
die Mglichkeit des Einstiegs in das Baustoff-Recycling ohne hohe Investitionskosten. Die Vor- und Nachteile von mobilen und semimobilen Aufbereitungsanlagen lassen sich wie folgt zusammenfassen [5.168].
Vorteile sind:

406

5 Recycling von Abfllen

Bild 5.40. Funktionsschema einer semimobilen Anlage [5.161]

geringer Aufwand fr die Platzvorbereitung,


kein Genehmigungsverfahren, wenn die Anlage insgesamt weniger als 12
Monate je Standort steht,
- geringe Transportkosten der Bauabflle und der Recycling-Baustoffe bei Verarbeitung direkt an der Baustelle, Mglichkeit des Einbaus an Ort und Stelle
(Straenbau) oder der Verfiillung des Baugelndes.
Nachteile sind:
- die relativ hohen Betriebskosten (Transport und Montage der Anlage),
- beschrnkte Produktpalette,
- schwierige Kontrolle der angelieferten Bauabfiille,
grerer Koordinierungsaufwand fiir fortlaufenden Einsatz sowie Sicherstellung einer optimalen Ausnutzung,

- schwierige Handhabung von Staub- und Schallemissionen,


- beschrnkte Durchsatzleistung.
Stationre Anlagen, wie schematisch im Bild 5.41. dargestellt, erlauben aufgrund
der Baugre, des zur VerfUgung stehenden Platzes und qualifizierter Aufbereitungstechniken die Erzeugung guter Produktqualitten bei hohen Durchsatzleistungen.
Der Einsatz von Vor- oder Nachbrechern reduziert den Verschlei an den Zerkleinerungsaggregaten und erzeugt gleichzeitig ein definierbares Kornspektrum.
Darber hinaus knnen durch Einbau mehrerer Lesestationen sowie zustzlicher
Sortieraggregate (Na- oder Trockenreinigung) qualittsmindernde Strstoffe
abgetrennt werden. Insbesondere der Annahmebereich mit einer Eingangskontrolle, Registrierung und Verwiegong stellt im Zuge der Anforderungen an die
Umweltvertrglichkeit der Sekundrbaustoffe und damit verbunden fr die haftungsrechtlichen Risiken des Setreibers eine wichtige Vorkontrolle dar. Umweltunvertrgliche bzw. schadstoftbelastete Bauabtalle knnen dadurch vor der Entladung erkannt und abgewiesen werden.
Nachfolgend sind die Vor- und Nachteile von stationren Anlagen zusammengefat [5.168]:
Vorteile sind:

5.2 Aufbereitungsverfahren

407

gute Produktqualitten bei hohen Durchstzen, insbesondere beim Einsatz von


Sortieraggregaten,
- kontrollierte Annahme und Verwiegung des Inputs,
- Vorsortierung und -behandlung auf dem Grundstck,
- Minderung von Schall- und Staubemissionen durch gezielte Manahmen,
- verbesserte Lagermglichkeiten fr den Input und Output,
- gezielte Herstellung, Bevorratung und Vertrieb der Produkte, Aufbau eines
Marketings.
Nachteile sind:
- der nicht immer gesicherte Absatz der Produkte,
- die teilweise aufwendigen Genehmigungsverfahren,
- die hohen Investitionskosten.
Baustellenabflle
Die Aufbereitung von Baustellenabfllllen kann nicht in den bisher beschriebenen
Anlagen durchgefUhrt werden, da es sich bei diesen Abfllllen laut Definition nicht
um Baustellenabfall mit max. 10 Vol.-% mineralischen Bestandteilen handelt. Oft
werden Baustellenabflllle angeliefert, die hhere Anteile an mineralischen Bestandteilen enthalten.
Ziel der Aufbereitung von Baustellenabfllllen ist die Aussortierung der nichtmineralischen Wertstoffe wie Holz, Metalle, Kartonagen, Folien sowie nicht verwertbaren Bestandteile wie lsolierstoffe, Leichtbaustoffe etc. sowie die Abtrennung der mineralischen Bestandteile (Bauschutt und Fllboden). In Bild 5.41. ist
eine Aufbereitungsanlage fr Baustellenabflllle dargestellt.
Die derzeit betriebenen Baustellenabfallsortieranlagen verfgen hauptschlich
ber die nachfolgend aufgefUhrten Aufbereitungsschritte:
- Entladung und Vorsortierung mittels eines Greifbaggers im Flachbunker,
- Absieheinrichtungen (Trommelsieb, Bechersieb oder Flachsieb) zur Abtrennung der Feinanteile,
- Absauganlagen zur Entfernung von kleineren, leichten Verunreinigungen (Papier, Pappe, Folien, Holz),
- manuelle Sortierstrecken zur Sortierung von Holz, Kartonagen, Folien, Metallen, ev. Reststoffen,
- Zerkleinerungsaggregat (Prall- oder Backenbrecher) fr die Zerkleinerung der
Bauschuttanteile.
Je nach dem Verunreinigungsgrad der angelieferten Baustellenabflllle knnen die
mineralischen Bestandteile (Fllboden und Bauschutt) einer Verwertung mit geringen Anforderungen zugefhrt oder auf einer Bauschuttdeponie beseitigt werden.
Asphaltrecycling
Beim Recycling von Asphalt werden die beiden gewonnenen Primrrohstoffgruppen Mineralstoffe - Kies, Sand, Fller sowie Bindemittel - Bitumen
bzw. Teer in den Wirtschaftskreislauf zurckgefhrt. Die Voraussetzung fr den
Einsatz des Ausbauasphalts in Mischanlagen ist die Einhaltung eines festgelegten

408

5 Recycling von Abfllen


Anlieferung mineralischer
Bauschutt, Straenaufbruch

Feinkam

Verbrennungsanlage
intern

t-----~----+----+---1

Freilager fr Recyclingbaustoff ohne


Gtezeichen (aus Baustellenabfallund Gewerbeabfallsortierung)

L_- - -Verladung
-

------------"

Bild 5.41. Verfahrensfliebild fiir eine stationre Bauschuttaufbereitungsanlage mit getrennter


Aufgabemglichkeit fiir Baustellenabflle [5.162]

Komgrenspektrums [5.91]. Als Ausgangsstoff filr das Asphaltgranulat dient


Frsgut (Kalt- oder Warmfrsgut) oder Schollenaufbruch. Prinzipiell werden folgende bitumins gebundene Schichten unterschieden:

5.2 Aufbereitungsverfahren

409

AnUeferung der Batellenablllle

~-

1--r---~~~
1-bl

Bild 5.42. Baustellenabfallsortieranlage [5.162]

reine Walzasphaltgemische aus Deck-, Binder- und Tragschichten,


Guasphaltdeckschichten in Verbindung mit Walzasphaltmischgut aus Binderund Tragschichten,
- reine Guasphaltdeckschichten ohne Binder- und Tragschichten.
Bei der Wiederverwertung von Asphalt wird prinzipiell zwischen den Baustellenverfahren und der getrennten Rckgewinnung und Rckfhrung in den Herstellungsproze unterschieden.
Werden die schadhaften Schichten vorgewrmt, dient dies zur Replastifizierung
des bituminsen Bindemittels und dem nachfolgenden Wiederaufbau. Hierbei
werden verschiedene Verfahren angewandt, die sich im Hinblick aufLeistungsflihigkeit, Vernderungen am Mischgut, Materialverschlei, Energieverbrauch,
Umweltbelastungen, Witterungsabhngigkeit oder anfallende Nebenarbeiten z.T.
erheblich unterscheiden.
Als Ausbauasphalt wird der durch lagenweises Frsen oder durch Aufbrechen
eines Schichtenpaketes in Schollen zurckgewonnene Asphalt bezeichnet. Die
einzelnen Methoden und Verfahren sind in dem "Merkblatt fiir die Erhaltung von
Asphaltstraen, Teil: Bauliche Manahmen, Abtragen von Asphaltbefestigungen,
Schlen, Frsen, Aufbrechen" der Forschungsgesellschaft fiir Straen- und Verkehrswesen beschrieben [5.91].

MiJglichkeiten und Grenzen des Einsatzes von Recyclingmaterial


Das mengenmig wichtigste Einsatzgebiet fiir Recycling-Baustoffe ist nach wie
vor der Straenbau und hierbei insbesondere die ungebundenen Tragschichten.

410

5 Recycling von Abfllen

Als Mengenfaktoren sind vor allem der Ausbau und die Rekonstruktion der Straen in den neuen Bundeslndern zu sehen. Entscheidend fOr die Einsatzflihigkeit
der Recycling-Baustoffe ist dabei deren Umweltvertrglichkeit
Ein wesentlicher Beitrag zur Akzeptanz und damit zur Schaffung von Absatzpotentialen fOr alternative Baustoffe wurde durch die 1983 gegrndete Gtegemeinschaft der Recycling Baustoffe e.V. bewirkt. Umfassende Festlegungen ber
Gte- und Prfbestimmungen zur Qualittssicherung fOr Recyclingbaustoffe haben diese in kalkulierbare Konkurrenz zu Primrbaustoffen gesetzt.
Die derzeit praktizierten Einsatzmglichkeiten fr Recycling-Baustoffe sowie
die Anforderungen hinsichtlich der jeweiligen Prfbestimmungen werden in dem
"Merkblatt ber die Verwendung von industriellen Nebenprodukten im Straenbau, Teil: Wiederverwendung von Baustoffen" der Forschungsgesellschaft fOr
Straen- und Verkehrswesen im Einzelnen beschrieben.
Neben dem Merkblatt gibt es die Technischen Lieferbedingungen '95 fr Recycling-Baustoffe in Tragschichten ohne Bindemittel, die LAGA Anforderungen
an die stoffliche Verwertung von mineralischen Reststoffen/AbflUlen - Technische Regeln - Teil 11.1.4 Bauschutt vom September 1995 sowie das Arbeitspapier
Nr. 2811, Umweltvertrglichkeit von Mineralstoffen, Teil: Wasserwirtschaftliche
Vertrglichkeit der Forschungsgesellschaft fOr Straen- und Verkehrswesen.

Einflufaktoren auf die ErhiJhung der Verwertungsquoten

Eine Erhhung der Verwertungsquoten fOr Bauabflle wird vor allem durch die
Anwendung eines technischen und organisatorischen Instrumentariums bestimmt.
Im wesentlichen knnen hierzu folgende Einflugren aufge:ftlhrt werden
[5.168]:
- Verstrkte Bercksichtigung von Sekundrbaustoffen in Ausschreibungen der
ffentlichen Hand und Akzeptanzfrderung bei privaten Ausschreibern.
- Nutzung der Anstze fOr recyclinggerechte Bauweise, um zuknftige getrennte
Erfassung von Baustoffen zu gewhrleisten.
- Nachweis der Einhaltung von Verwertungspflichten bei Bauttigkeiten und
vorherige Quantiftzierung der Massenstrme.
- Einfilhrung des qualifizierten Abbruchs, d.h. frhzeitige Stoffselektion, um
nachgeschaltete Aufbereitungstechnologien zu entlasten.
- Verstrkte Entwicklung von Sortier- und Reinigungstechnologien zur Entfernung von Strstoffen, die die Qualitt des Alternativ-Baustoffes beeinflussen.
- Qualittssicherung der Sekundrprodukte durch abgestimmte Aufbereitungstechnologien und allgemein anerkannte Gteberwachung.
- Entwicklung von neuen Mrkten fOr problematisches Massenmaterial, z.B.
Ziegel, Holz, sowie verstrkte Nutzung der vorhandenen Marktpotentiale.
Ein wesentliches Element, welches zeitlich und technisch kurzfristig umsetzbar
ist, ist die fOr eine nachfolgende Aufbereitung des Bauschutts sinnvolle selektive
Demontage von Bauwerken. Im folgenden soll darauf nher eingegangen werden,
wobei diese Methode nicht in jedem Fall die traditionellen Abbruchtechniken
vollstndig ersetzen kann.

6.2 Aufbereitungsverfahren

Systematischer Rckbau

411

Entscheidende Voraussetzung filr hohe Qualitt des Recyclingbaustoffs ist eine


hchstmgliche Sortenreinheit des Vonnaterials, das zur Baustoffaufbereitungsanlage angeliefert wird. Die Qualitt der anfallenden Baureststoffe kann durch
folgende Manahmen verbessert werden:
- recyclinggerechtes Bauen,
- recyclinggerechtes Abbrechen von Bauwerken,
- getrennte Ausschreibung von Abbruch- und Entsorgungsleistungen,
- getrennte Erfassung von Baustellenabflillen.
Bereits bei der Planung und Errichtung eines Bauwerks mu auf die sptere Entsorgung der verwendeten Baustoffe Rcksicht genommen werden. Im Idealfall
sollten nur solche Stoffe zum Einsatz kommen, die unter stoffspezifischen und
umweltrelevanten Gesichtspunkten nicht zu einer Verunreinigung der Bauabflille
fUhren wrden bzw. die leicht abgetrennt werden knnen.
In der Praxis werden jedoch derzeit Baumaterialien verwendet, die teilweise
berhaupt nicht zu verwerten sind oder aber ein spteres Recycling erschweren,
wie z.B. Farb- und Schutzmittelanstriche, Kleb- und Dmmstoffe etc. ber Bauvorschriften kann dafiir Sorge getragen werden, da konstruktive (Gestaltung,
Montage, Vorfertigung), statische (geringes Gewicht) und bauphysikalische
(Schall- und Wnneschutz) Aspekte der Bauwerksherstellung mglichst weitgehend mit den Belangen der Baureststoffverwertung in Einklang zu bringen sind. In
diesem Zusammenhang gewinnt der Demontageproze zunehmend an Bedeutung.
Hierbei sollte darauf geachtet werden, da Materialgemische aus unterschiedlichen Bestandteilen soweit wie mglich vennieden werden.
Die Wahl des Abbruchverfahrens hat entscheidenden Einflu auf
- die Sortenreinheit,
- die Korngren,
- die Venneidung von Verunreinigungen
- und damit auf den Output der Recyclinganlage.
Die Abbruchverfahren kann man nach ihrem Wirkungsprinzip in
- manuelle,
- mechanische,
- hydraulische
Verfahren unterscheiden.
Whrend mit manuellen Verfahren (Hammer und Meiel, Abbruchhammer
etc.) zielgerichtet und schrittweise abgebrochen werden kann, wird mit mechanischen Verfahren (Stahlmasse, Zugseil, Abbruchbirne etc.) zwar ein wesentlich
grerer Arbeitsfortschritt erzielt, aber eine Trennung einzelner Fraktionen des
Gebudes ist aufgrund der groen Wucht und der umfangreichen Trmmennassen
nicht mglich. Hydraulische Verfahren (Spaltkeil, Betonschere etc.) sind eher
geeignet, groe Einheiten des Baukrpers, z.B. eine Wand oder eine Deckenkonstruktion aus Beton, in transportflihige und filr die Recyclinganlage verarbeitbare
Stcke zu trennen, ohne dieses Material mit anderem Bauschutt zu vennischen.
Besonders bei Anwendung der produktiven mechanischen Verfahren ist das dem
Abbruch vorgelagerte Heraustrennen einzelner Bauwerksteile und Bauelemente,

412

5 Recycling von Abfllen

die eine andere Zusammensetzung als die Tragkonstruktion haben, besonders


wichtig und unbedingt zu fordern.
Durch einen sinnvoll gegliederten Abbruchvorgang in Demontagestufen mit
weitgehend separatem Ausbau der Baumaterialien kann im Hochbau eine relativ
groe Menge an reinem mineralischen Material der Rohbau- und Tragkonstruktion filr eine Aufbereitung gewonnen werden.
In der Zielfestlegung der Bundesregierung zur Vermeidung und Verringerung
von Baurestmassen wird unter dem Punkt Abbruchtechnik gefordert, da vor
Beginn der Arbeiten ein Konzept erstellt wird, in dem die Reihenfolge der Abriarbeiten festgelegt wird. Diese sollen derart erfolgen, da eine getrennte Erfassung
und Verwertung sowie ordnungsgeme Entsorgung gewhrleistet werden.

Abrikonzept
Der Grundgedanke in 1 des Abfallgesetzes (Vermeidung vor Verwertung vor
Entsorgung) sollte in einem Abrikonzept eine ausreichende Anwendung fmden.
Eine Vermeidung von Abfall in bezug auf Bauwerke liegt zunchst im vollstndigen oder teilweisen Erhalt der Bausubstanz. Eine Verwertung liegt vor, wenn
Fraktionen der Baumasse sortiert oder aufbereitet und wieder als Wertstoffe verwendet werden knnen. Ein selektiver Abri ist dafilr eine vorbereitende Manahme. Eine Entsorgung von Abfallstoffen erfolgt, wenn keine geeigneten Vermeidungs- oder Verwertungsverfahren gefunden werden knnen.
Um eine weitgehende Wiederverwertung von Material zu gewhrleisten, ist die
Erstellung eines Abrikonzeptes erforderlich (s. Bild 5.43. und Bild 5.44.). Dieses
Abrikonzept mu folgende Aspekte beinhalten:
- Notwendigkeit der Abrimanahme,
- Vorgehensweise beim Abri,
- Trennung des Bauschutts,
- Lagerung des Bauschutts,
- Verwertungs- und Entsorgungswege.
Bei der Auswahl der Abbruchtechniken und der praktischen Vorgehensweise sind
insbesondere die Belange der Arbeitssicherheit mit erster Prioritt zu bercksichtigen.
Das Abrikonzept sollte ebenso die sptere Nutzung des Gelndes bercksichtigen. Bei einer erneuten Bebauung knnen u. U. Gebudeteile, wie Fundamente, Sttzmauern, befestigte Wegflchen etc., bestehen bleiben. Verwertbare
Abrimaterialien knnen u.U. fiir eine Folgenutzung am Abriort verbleiben.
Die direkte Eingliederung der ausgebauten Teile in den Rohstoffkreislauf ist
angebracht, da es sich in der Regel um nicht toxische Baurestmassen handelt.
Generell sollte bercksichtigt werden, da Baureststoffe zwar gebraucht, aber im
physikalischen Sinne nicht verbraucht sind. Daher ist der Wiedereinsatz in anderer
Form, an anderer Stelle als Ersatz- oder umgewandelter Sekundrrohstoff gerechtfertigt und je nach Aufbereitungsverfahren konomisch und kologisch sinnvoll
[5.168).
Durch das im Abfallgesetz wie auch in den Zielfestlegungen der Bundesregierung formulierte Verwertungsgebot ist es darber hinaus notwendig, auch die
derzeitigen Bautechnologien und -materialien zu berprfen, ob diese fiir eine

6.2 Aufbereitungsverfahren

413

Prfung Bauunterlagen
Gebudebegehung

{}

Aufnahme der Stoffarten und -mengen


und Einbausituation
evtl. Probenahme/Analylik

Festlegung von Ausbau- und


Abbruchtechniken
Arbeitssicherheitsanforderungen

Feststellung der Verwertungs- und


Entsorgungssituation

Kosten - Nutzen - Vergleich

Demontageplan

li

{}
{}

Bild 5.43. Vergehensweise bei der Entwicklung eines Abbruchkonzeptes [5.168]

sptere Verwendung bzw. Verwertung zugnglich sind oder ob diese aufgrundder


Zusammensetzung grundstzlich von der Wiederverwertung auszuschlieen sind.
Bei der Aufbereitung ist sicherzustellen, da schdliche Verunreinigungen abgetrennt werden.
Die hchste Qualitt der Abbruchmaterialien wird durch eine Demontage erreicht. Dabei bleibt ein groer Teil der Baustoffe vollstndig erhalten. Eine Sortierung nach einem Totalabri ergibt schlechtere Qualitten. Eine sptere Separierung im Zuge einer Aufbereitung lt keine Trennung nach den Stoffen selbst,
sondern nur nach den stofflichen Eigenschaften (Korngre, Dichte etc.) zu.
Vor der Demontage ist eine Begutachtung des Gebudes nicht nur nach den
Gesichtspunkten der Statik, sondern auch nach der Menge, Verteilung und Qualitt der Baustoffe im Gebude notwendig. Daraufhin ist ein geeignetes Demontagekonzept unter wirtschaftlich zu vertretenden Gesichtspunkten zu erstellen
[5.168].
Die Abwgung der wirtschaftlich zu vertretenden Gesichtspunkte geschieht vor
dem Hintergrund der rechtlichen Rahmenbedingungen (Vermischungsverbot,
Gebote zur selektiven Erfassung etc.) zwischen Verwertung und Entsorgung.

414

5 Recycling von Abfllen


Stufe 1

zerstrungsfreier Ausbau direkt


verwertbarer Bestandteile
Sicherung und Entleerung von
Medienleitungen

Stufe 2

Ausbau zugnglicher verwertbarer


Bestandteile, wie nicht gebudeverbundene Versorgungsanlagen.

Stufe 3

Abri verwertbarer gebudeverbundener Bestandteile,


Demontage kontaminierter Bereiche

Stufe4

Ausbau nicht verwertbarer


Materialien

technische Gerte,
Heizung, Rohre,
Annaturen, Tren,
Fenster,
Frdertechnik

Lager
Instandsetzung
Handel
Entsorgung

elektr. Leitungen,
Reinigung,
Wandverkleidungen,
Teilaufbereitung,
Decken, Fensterglas,
Trennung,
Klimakanle, Rohre,
Entsorgung
Treppen- u. Fubodenbelge

Kabelkanle,Tilrzargen
Kunststoffe,
Stahlkonstruktionen
Rohrleitungen, Fassaden- u.
Dachkonstruktionen
l=o
Asbest

Dmmmatten
Raumteiler
Fllschume
Teerpappen

Beton
Ziegel
Holz
Stahl

WertstoffAufbereitung
Entsorgung

Entsorgung

{}
Stufe 5

Rckbau Gebudesubstanz

Aufbereitung
Handel

{}
Stufe&

Beseitigung der Tiefbauten

Fundamente
Fllsande
lsolieranstriche
Kanalisation

Aufbereitung
Entsorgung

Bild 5.44. Ablaufschema eines systematischen Rckbaus eines Bauwerkes [5.168]

Der Abbruch eines Gebudes lt damit zunchst zwei alternative Vorgehensweisen zu:
Demontage der Gebude unter dem Vorsatz einer mglichst weitgehenden
Materialgewinnung bei gleichzeitiger Sortierung der gewonnenen Fraktionen
in verschiedene Container.
Abbruch des gesamten Bauwerkes ohne differenzierte Demontagestufen und
ohne Sortierung vor Ort.
Eine Entscheidung zwischen beiden Mglichkeiten geschieht vor dem Hintergrund der Bedingungen:

5.2 Aufbereitungsverfahren

415

- Platzverhltnisse,
- Zeitplan,
- Lohnkosten,
- Transportkosten,
- Entsorgungskosten,
- rechtliche Rahmenbedingungen.
Meist ist eine Kombination beider Vorgehensweisen ein wirtschaftlich sinnvoller
Weg. Dabei werden in einer ersten Demontagestufe die leicht entfernbaren Dachziegel, Fenster, Tren, Rohre und Bodenbelge erfat, und anschlieend erfolgt
der herkmmliche Abri in einem weiteren Arbeitsgang.
Der mechanisierte Handabbruch ist dabei die derzeit einzige Mglichkeit, die
Baustoffe als Ganzes zu erhalten. Dachziegel knnen ohne technischen Aufwand
erfat werden. Mauerwerksziegel knnen durch ein spezielles Gert von der Mauer getrennt und gleichzeitig von anhaftendem Mrtel befreit werden. Tren und
Fenster, Dielenbretter etc. werden getrennterfat und aufbereitet.
Die Vermarktung der aufbereiteten Tren, Fenster und Ziegel etc. sowie die
Erprobung neuer Baustoffe aus recycelten Materialien erfolgt bisher erst vereinzelt.
Fr die Demontage der einzelnen Stoffgruppen ist in einer beengten, zumeist
verkehrsreichen Lage im Stadtgebiet oft nicht gengend Platz, um smtliche
Fraktionen vor Ort zwischenzulagern. Die Demontage lt sich aber unter Umstnden in zeitlicher Reihenfolge durchfhren, so da nicht whrend der gesamten
Abridauer smtliche Container oder Freiflchen bereitgehalten werden mssen.
Bei Teilabbruchvorhaben sind eine besonders sorgfaltige Abriplanung und
Abbruchstatik mageblich. Ein Einreien mit der Abribirne ist zumeist nicht
mglich, weil andere Gebudeteile durch die starken Erschtterungen in Mitleidenschaft gezogen werden.
Bei steigenden Entsorgungskosten ist eine Demontage von Gebuden bei
gleichzeitiger Gewinnung von direkt verwendbaren Baustoffen ein richtungsweisendes und kostendeckendes Verfahren [5.168).
Gnstige Bedingungen fiir einen systematischen Rckbau liegen vor, wenn nur
wenige unterschiedliche Materialien in einem Gebude verbaut worden sind. Dies
trifft vielfach auf lteren Bauten zu, bei denen Folien, Dmm- und Verbundstoffe
nur in geringem Mae eingesetzt wurden.
Die Regelwerke (Zielfestlegung der Bundesregierung und Baustellenabfallverordnung) sollen bewirken, da der Bauschutt bereits auf der Baustelle in
verwertbare mineralische und nichtmineralische und nichtverwertbare Fraktionen
getrennt wird. Bei greren Abriprojekten kann eine mobile Sortierung und Aufbereitungsanlage vor Ort sinnvoll sein.
Als Beispiel fiir eine Kosteneinsparung durch Demontage lassen sich die Abriarbeiten am Bahnhof Kln-Gereon nennen. Hier sind 30 Hochbauten, 18 000
und 15 000 m2 Rampen, eine Gter- und zwei Umladehallen demontiert worden.
Auf dem Gelnde waren zudem noch eine groe Zahl von Betonsockeln vorhanden. Auf dem Bahnhofsgelnde wurde eine mobile Bauschuttaufbereitungsanlage
errichtet. Whrend die Gebude mit dem Hydraulikbagger abgerissen wurden,
erfolgte die Demontage der Umladehallen mit Hilfe eines Kranes. Die Abbruch-

416

5 Recycling von Abfllen

manahmen kosteten 3,2 Mio. DM, damit ergaben sich fr die Deutsche Bundesbahn Einsparungen von 2,5 Mio. DM [5.166).
1995 filhrte die Ingenieurgesellschaft INTECUS in Berlin ein Pilotprojekt
durch, bei dem baugleiche Gebude nach verschiedenen Methoden abgebrochen
wurden. Untersucht wurden Zeit- und Personalbedarf, Materialqualitten und
Verwertungsquoten. Als Fazit wurde eine Kostenbetrachtung fr die Varianten
erstellt, die sich an aktuellen Berliner Marktverhltnissen orientiert.
Untersucht wurden drei Abbruchmethoden:
Variante A: Kontrollierter Rckbau, Ausbau aller nicht-mineralischen Baustoffe auer Stahltrgem und Deckenbalken;
Variante B: Weitestgehende Entkemung, Demontagetiefe an Einbausituation
sowie Entsorgungswege angepat und optimiert
Variante C: Konventioneller Abbruch, Ausbau von Bausonderabfiillen wie gesetzlich vorgeschrieben
Im Ergebnis erwies sich die Variante B als kostengnstigste. Nachfolgend werden grafisch die Ergebnisse hinsichtlich Zeitbedarf, Demontagetiefe und Kostenbetrachtung dargestellt.
Die Erfahrungen mit einem systematischen Rckbau von Gebuden unter den
Aspekten Materialgewinnung und Wirtschaftlichkeit wren in Zukunft noch genauer zu untersuchen, um kologisch sinnvolle Richtlinien mit technisch und
wirtschaftlich nachvollziehbaren Eckwerten aufstellen zu knnen.

[Link]

Recycling von Autowracks


In der Bundesrepublik Deutschland werden jhrlich ca. 2,6 Mio. Altautos pro Jahr
(1990: 2,632 Mio.) endgltig stillgelegt. Die am Bestand gemessene Lschungsquote im Jahr 1990 lag bei 8,3% des Kfz-Bestandes. Rund 90% der Altautos
werden ber den inlndischen Schrotthandel verwertet, der Rest wird exportiert.
Die derzeitige Altautoverwertung zielt in erster Linie auf eine Rckgewinnung
der metallischen Anteile der Fahrzeuge ab. Die Entsorgung und teilweise Wiederverwertung erfolgt ber ein flchendeckendes Netz von Altautoverwertem und
Shredderbetrieben. Insgesamt umfat die Branche ca. 5 000 Betriebe.
Tabelle 5.11. Durchschnittliche Zusammensetzung bundesdeutscher Personenkraftwagen in ihrer
zeitlichen Entwicklung [5.80, 5.82]

Material

Stahl, Eisen
Aluminium
Sonstige NE-Metalle
(Kupfer, Blei, Zink)
Kunststoffe
Sonstiges
(Glas, Gummi)

Herstellungsjahr
1985
1965

1995

[Gew.-%]

[Gew.-%]

[Gew.-%]

[Gew.-%]

76,0
2,0

68,0
4,5

63,0
6,5

61,0
7,5

4,0
2,0

3,0
10,0

3,0
13,0

4,0
14,0

16,0

14,5

14,5

13,5

2000

5.2 Aufbereitungsverfahren

417

In Tabelle 5.11. ist die stoffliche Zusammensetzung deutscher Kraftfahrzeuge in


ihrer zeitlichen Entwicklung dargestellt.
Autowracks, die heute in der Bundesrepublik Deutschland zur Verschrottung
kommen, wiegen im Mittel ca. I 000 kg und bestehen zu etwa 68 Gew.-% aus
Eisenwerkstoffen, 7,5 Gew.-% aus Nichteisenmetallen sowie aus 24,5 Gew.-%
nichtmetallischen Reststoffen wie Kunststoff, Gummi, Glas etc. In der Bundesrepublik werden die ber die Schrottbetriebe gehenden Autowracks zu 85 % nach
dem Shredderverfahren behandelt. Die restlichen 15 % werden in Schrottscheren
zerschnitten oder in Paketpressen verdichtet.
Beim Shredderverfahren werden im wesentlichen drei Anlagentypen unterschieden: Shredder, Zerdiratoren sowie Schrottmhlen. Zur Zeit existieren in der
Bundesrepublik 27 Shredderanlagen, 12 Zerdiratoren bzw. Kondiratoren und 6
Schrottmhlen mit einer Gesamtkapazitt von ca. 1,5 Mio. Mg/Jahr im Einschiebtbetrieb [5.135].
In Shredderanlagen, die nach dem Prinzip der Hammermhle arbeiten (s. Bild
5.45.), knnen Autowracks, Sammelschrott und Haushaltsgrogerte ohne vorausgehende Vorzerkleinerung verarbeitet werden. Die Zerkleinerung im Shredder
erfolgt durch pendelnd aufgehngte Schlagkrper (Hammer oder Schlagring) an
einem mit hoher Geschwindigkeit umlaufenden Rotor. Das Material bleibt so
lange im Rotorinnenraum, bis die zerkleinerten Teile durch einen Rost mit definierter Spaltbreite ausgetragen werden. Nach der Zerkleinerung schliet sich eine
Windsichtung und Magnetscheidung an, durch die der Stahlschrott aus dem
durchgesetzten Material separiert wird. Das nichtmagnetische Material der
Siebterschwergutfraktion besteht aus NE-Metallen wie Aluminium, Magnesium,
Zink, Kupfer, Messing, Blei sowie nichtmagnetischem Stahl, Kunststoffen, Gummi, Textilien, Glasbruch etc. Diese Fraktionen stellen ein erhebliches Wertstoffpotential dar. Die darin enthaltenen metallischen Wertstoffe knnen durch
Schwimm-Sink- und Abschmelztrennverfahren aufbereitet werden [5.81, 5.84].

Bild 5.45. Shredderanlage der Fa. Lindemann [5.182]

418

5 Recycling von Abfllen

Bei der Schwimm-Sink-Aufbereitung werden nach Entfernen eines groen Teils


des Dichtmetallischen Schutts durch Waschen- und nach einer weiteren Magnetseparation - in der ersten Stufe der Anlage Magnesium und Gummi durch eine
geeignet eingestellte Ferrosiliziumtrbe (g = 2,2 kg/1) abgetrennt. Das Magnesium
kann durch Handsortierung aus dem Aufschwimmenden geklaubt werden. Die
schwereren restlichen NE-Metalle und der Edelstahl sinken ab. Die schweren
Metalle werden abgeschpft und der zweiten Stufe zugefilhrt, deren Schwertrbe
eine Dichte von 3,4 besitzt.
Hier erfolgt in gleicher Weise eine Trennung in aufschwimmendes Aluminium
und absinkenden Rest aus Kupfer, Zink, Blei, Messing, Edelstahl. Der Trenneffekt
liegt zwischen 90 und 96 %. Jeder Trennstufe ist eine Waschanlage nachgeschaltet, die anhaftendes Ferrosilizium absphlt und in den Proze zurckfilhrt. Die
Ferrosiliziumverluste betragen ca. 4 bis 5 kg/Mg eingesetzten Materials.
Das Hauptprodukt dieser Trennanlage ist Aluminium, das in Umschmelzwerken zu Aluminium-Gulegierungen umgearbeitet wird. Die mechanisch
schwer trennbaren Schwermetalle des Sinkrestes der zweiten Stufe werden unter
Ausnutzung der unterschiedlichen Schmelzpunkte separiert.
Beim einstufigen Verfahren des Coreco-Drehrohrofens wird eine flssige,
berwiegend zinkhaltige Fraktion gewonnen (Zn-Gehalt ca. 33 %). Nach Abtrennung einer schlackenartigen, krnigen Fraktion von Asche, Abbrand, Krtze,
oxidiertem Blei verbleibt eine sog. Messingfraktion, die getrennt ausgetragen
wird.
Die SMA-Trennschmelzanlage (System K. Wei) arbeitet mit zwei in Reihe
geschalteten fen, die Blei und Zink mglichst rein ausschmelzen sollen. Endprodukt ist wiederum ein edelstahlhaltiger Kupfer-/Messingschrott. Die rckgewonnenen Metalle erfordern zustzliche Raffmationen, um als Sekundrwerkstoff
einsetzbar zu sein.
In einer Untersuchung wurden an vier Shreddern Trockenseparationsanlagen
aus einer Kombination von Siebung, zweistufiger Windsichtung und Wirbelstromscheidung installiert. Dabei konnte nachgewiesen werden, da sich dieses Verfahren fr bestimmte Input-Fraktionen bzw. in Verbindung mit Schwimm-SinkAnlagen gut eignet, jedoch das Schwimm-Sink-Verfahren nicht ersetzen kann.
Grere Chancen, die bekannten Verfahren zu ersetzen, werden einer Pilotanlage in Duisburg eingerumt. In der Anlage sollen jhrlich 70 000 Mg gemischter
Nichteisenmetalle automatisch sortiert werden. Der von Nichtmetallen und Drhten bereinigte Input wird durch Sieben und Zerkleinem auf eine Komgre von 15
bis 65 mm gebracht, vereinzelt und mittels Laser nach dem Prinzip der AtomEmissions-Spektroskopie analysiert. Die identifizierten Schrottstcke werden in
der nachfolgenden Sortiervorrichtung mittels induktiv betriebener Stel vom
Transportband in die jeweiligen Austragskanle geschoben. Die Sortierung erfolgt
in die Fraktionen Aluminium-, Magnesium-, Zink- und Kupferbasislegierungen,
Messing, Blei und Edelstahl. Die Reinheit der separierten Fraktionen soll ber
96% betragen [5.136].
Seit 1992 wird eine Anlage zur automatischen Sortierung von NE-Metallen
durch Rntgenfluoreszenzanalyse angeboten. Mit Hilfe der Anlage knnen bis zu
12 Metalle- Magnesium, Aluminium, Kupfer, Zinn, Zink, Messing, Bronze, Blei,

5.2 Aufbereitungsverfahren

419

Nickel, Mangan, Chrom und Chromnickelstahl- detektiert werden. Die Durchsatzleistung der Anlage betrgt in Abhngigkeit von der Komgre zwischen 400
und I 000 kglh [5.137].
Allen Verfahren zur Aufbereitung bzw. Rckgewinnung der NE-Metalle ist
gemein, da nur dann betriebswirtschaftlich gearbeitet werden kann, wenn die
Stoffstrme mehrerer Shredderbetriebe zusammengeftlhrt werden.
Als Hauptproblem der bisherigen Altautoverwertung sind die anfallenden Abflle (ca. 25 bis 30 Gew.-% vom Input) zu betrachten, die eine Vielzahl von Stoffen enthalten, die als Sonderabflle einzustufen sind. Die ShredderabOOie werden
durch Kraftstoffe, Motoren-, Getriebe- und Differentialle sowie Bremsflssigkeiten, Batteriewasser und mit Frostschutzmittel beaufschlagten Khl- und Scheibenwischwasser verschmutzt. Nach INTECUS-Schtzungen kann bei 2,6 Mio.
Altfahrzeugen jhrlich von ca. 68,7 Mio. I Flssigkeiten und len ausgegangen
werden, deren Erfassung aufgrund der bislang praktizierten Altautoentsorgung nur
unzureichend erfolgt. Dadurch werden die Sonderabflle mit harmlosen Shredderabfllen wie Textilien, Kunststoffen etc. vermischt, die dann ihrerseits aufgrund
der Kontaminierung als Sonderabflle zu betrachten sind.
Die zunehmende Verwendung von Kunststoffen, Verbundmaterialien und anderen nichtmetallischen Materialien, z.B. Keramik im Automobilbau, ftlhrt tendenziell zu steigenden Mengen an Shreddermll [5.85]. Jhrlich fallen in der Bundesrepublik Deutschland ca. 550 000 Mg Shredderrckstnde an, die grtenteils
auf Hausmlldeponien abgelagert werden. Etwa 400 000 Mg der Shredderrckstnde stammen aus der Altautoverwertung, die restlichen 150 000 Mg sind der
Zerkleinerung von Sammelschrott zuzuordnen [5.138].
Untersuchungen der Shredderabflle ergaben, da das Material im wesentlichen
mit polychlorierten Biphenylen (PCB) und Kohlenwasserstoffen (KW) belastet ist,
wobei PCB-Gehalte von durchschnittlich 50 ppm festgestellt wurden.
Die im Entwurf vorliegende Technische Anleitung zur Verwertung und sonstigen Entsorgung von Shredderrckstnden (TA Shredderrckstnde) sieht grundstzlich eine Verwertung der Shredderrckstnde vor. Ist eine Verwertung nicht
mglich, sind die Shredderrckstnde durch eine thermische Behandlung zu entsorgen. Nur wenn weder eine Verwertung noch eine thermische Behandlung
mglich ist und die Zuordnungswerte von 10 mglkg PCB-Gehalt und
4 Gew.-% KW-Gehalt nicht berschritten werden, ist die oberirdische Ablagerung
der Shredderrckstnde zulssig.
In Anbetracht der erheblichen Umweltprobleme durch die Entsorgung von Altautos wurde im Herbst 1992 die Verordnung ber die Vermeidung, Verringerung
oder Verwertung von Abfllen aus der Kraftfahrzeugentsorgung (Altauto-V) im
Entwurf vorgelegt, die die Kraftfahrzeughersteller und den Kraftfahrzeughandel in
Ausfilhrung des 14 AbfG zur Rcknahme und stofflichen Verwertung von Altfahrzeugen verpflichten soll.
Die wesentlichen Punkte der Altautoverordnung sind im folgenden dargestellt:
- Vermeidung und Verringerung von Reststoffen durch recyclinggnstige Konstruktionen und eine einheitliche Kennzeichnung der Bauteile und Materialien.
- Kostenlose Rcknahme der Altautos durch den Hersteller und Vertreiber.

420

5 Recycling von Abfllen

- Rcknahme von alten Bauteilen durch Vertreiber von Ersatz-, Austausch- und
Zubehrteilen.
- Aufbau eines Rcknahmesystems mit Rcknahmestellen in der Dichte des Vertriebsnetzes.
- Vorrangig stoffliche Verwertung nicht wiederverwertbarer Bauteile.
- Hersteller und Vertreiber haben bei der zustndigen Behrde einen Nachweis
ber die stoffliche Verwertung der Materialien vorzulegen.
- Bei der Beauftragung Dritter hat der Hersteller durch ein Gutachten eines
Sachverstndigen zu belegen, da der Verwerterbetrieb die Anforderungen des
Abfallgesetzes und der Rechtsverordnung erfiillt.
- Der Letztbesitzer hat dem Hersteller, einem von diesem beauftragten Dritten
oder einem sonstigen Verwerterbetrieb das Altauto so zu berlassen, da eine
umweltvertrgliche Entsorgung gewhrleistet ist.
Die Gewinnung der in den Automobilen enthaltenen Nichtmetalle sowie die Erfassung der Betriebsflssigkeiten lt sich derzeit nur ber eine Demontage der
Fahrzeuge erreichen. Dabei soll die Demontage die bisherigen Verfahren keineswegs ersetzen, sondern vielmehr eine Ergnzung darstellen. Der Shredder wird
weiterhin seine Aufgabe als zentrales Element der Aufbereitungskette behalten, da
durch eine, unter konomischen Gesichtspunkten ausgelegte Demontage ohnehin
nicht alle nichtmetallischen Werkstoffe vollstndig separiert werden knnen.
Whrend sich die Fahrzeugmontage auf einem sehr hohen technischen Niveau
befindet, ist der Bereich der Altautodemontage eher durch eine manuelle Vorgehensweise und hohe Wege- und Rstzeiten gekennzeichnet. Da einschlgige Erfahrungen mit der Zerlegung von Fahrzeugen bislang kaum vorlagen, wurden seit
1990/91 von den Automobilherstellern sowie einigen Altautoverwertern Versuchsdemontageanlagen errichtet, in denen spezifische Techniken zur wirtschaftlichen Demontage von Bauteilen und zur Entnahme der Betriebsstoffe erarbeitet,
typenbezogene Demontageumfiinge und deren Zerlegegrad ermittelt sowie Erkenntnisse ber die Demontagefreundlichkeit fiir die Neukonstruktion gewonnen
werden sollen. Die in den Anlagen gewonnenen Wertstoffe werden fiir die Erprobung von grotechnischen Verfahren zur Wiederaufbereitung bereitgestellt.
Anstze der Automobilindustrie zur Errichtung von zentralen herstellergebundenen Groanlagen (ca. 1 bis 2 Anlagen pro Hersteller) zur Demontage der
Fahrzeuge, z.B. BMW in Wackersdorf, wurden i.d.R. wieder verworfen, da der
erforderliche Transportaufwand zu einer unangemessenen Erhhung des Verkehrsaufkommens beitragen wrde. Vielmehr wird von der deutschen Automobilindustrie nun ein System selbstndiger Verwertungsbetriebe prferiert.
Derzeit liegen verschiedene Konzepte fiir den Aufbau von Altautodemontageanlagen vor, die sich vor allem in der Anlagenkapazitt (zentrale oder
dezentrale Anlagen) und der internen Logistik (Flieprinzip oder Inselsystem) unterscheiden. Whrend zentrale Anlagen einen Transport der grovolumigen Altautos ber weite Strecken bedingen, kann bei dezentralen Anlagen eine
Zerlegung in den Rcknahmestationen, die gem der Altauto V flchendeckend
zu errichten sind, erfolgen.
Eine Automatisierung der Demontage wird aufgrund der unterschiedlichen
Fahrzeugtypen sowie des individuellen Fahrzeugzustandes (Korrosion, Ver-

5.2 Aufbereitungsverfahren

421

~~
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I~ -.~,t.o,r. . ., . ~.
j_(~
Betriebsflssigkeiten

Papier I Pappe

Leichtmetalle

Ersatzteile

Batterie

Kunststoffe

Reifen

L.~

Bild 5.46. Im Automobil eingesetzte Materialien

schmutzung, Unfallschden, Teildemontage etc.) nur eingeschrnkt mglich sein.


Hinsichtlich der Arbeitsorganisationsform liegt der Vorteil des Inselsystems vor
allem in der Variationsmglichkeit, da alle Arbeitspltze unabhngig voneinander
sind. So knnen z.B. verschiedene Zerlegetiefen, unterschiedliche Arbeitsweisen
oder eine Ersatzteilgewinnung realisiert bzw. das System erweitert werden. Nachteil des Inselprinzips ist jedoch, da in jeder Insel smtliche notwendigen Werkzeuge und Hilfsmittel bereitgehalten und alle anfallenden Wertstoffe gesammelt
werden mssen. Fr das Flieprinzip spricht vor allem der hhere Automatisierungsgrad.
Die Demontagekosten der zuknftigen Altautoverwertung werden voraussichtlich zwischen 250 und 500 DM pro Altauto betragen.
Ein beispielhafter Arbeitsablauf in einer Demontageanlage ist im Bild 5.47.
dargestellt.
Von der Mercedes BenzAG und der Voest-Aipine Stahl AG wurde eine Konzept zum metallurgischen Recycling erarbeitet. Dabei sollen die Altautos, denen in
vorgeschalteten Zerlegebetrieben die Betriebsflssigkeiten, kupferhaltigen Bauteile, recyclingflihigen Kunststoffe und die verschiedenen Bauteile wie Batterie,
Katalysator usw. entnommen wurden, zu Paketengepret und anschlieend ohne
vorherige Shredderung in einem Stahl-Umschmelzverfahren eingeschmolzen
werden. Die am Fahrzeug verbliebenen Kunststoffe sollen als Brennstoff dienen.

422

5 Recycling von Abfllen

Fahrzeug-Annahme
- ffnen der Schlsser
- EDV- Erfassung
- Entnahme der losen Gegenstnde

Fahrzeug-Lager

1
Fahrzeug-Vorbehandlung

-.I

- Fzg-Reinigung
- Fzg-Prilfung

Laboranalyse

- Entnahme der Betriebsflssigkeiten

Lagerfr
Betriebsflssigkeiten

Fahrzeug-Zwischenlager

l
Fahrzeug-Demontage
-Aggregate
- Elektrischen Anlage
- Inneneinrichtung
- Anbauteile
-Trennung der Ersatzteile, Wertund Reststoffe

Rohkarossen-Lager

Schrottpresse

--1
--1

------

Wertstofflager
Reststofflager
Ersatzteillager
- Qualittskontrolle
- Katalogisierung
- EDV-Erfassung

~
Ersatztellverkauf

Bild 5.47. Arbeitsablauf in der Autodemontageanlage der Fa. ALBA, Berlin [5.139]

Derzeit wird geprft, inwieweit eine entsprechende Anlage im Stahlwerk Maxhtte (Sulzbach-Rosenberg) errichtet werden kann. Ein Fliebild des Verfahrens
ist im Bild 5.48. dargestellt.
Die mit Kunststoff und organischen Bestandteilen verunreinigten Schrottpakete
werden bei Temperaturen von ber 2 000C eingeschmolzen. Die Schmelze mitsamt der Schlacke wird einem Hochofen zur weiteren Bearbeitung zugefhrt.
Aufgrund der reduzierenden Atmosphre werden die organischen Bestandteile
der Schrottpakete lediglich in ein energiereiches Gas berfhrt. Zink und Blei

5.2 Aufbereitungsverfahren

423

Bild 5.48. Fliebild des metallurgischen Recyclings [5.147]

gehen in das Rauchgas ber und lagern sich bei Abkhlung bevorzugt an den
Staubpartikeln an.
Durch die Zugabe von Sekundrluft in der oberen Zone des Schmelzreaktors
werden die reduzierenden Gase verbrannt. Durch die Wrmeentwicklung in diesem Bereich werden die zugefhrten Schrottpakete auf nahezu 1 000C vorgeheizt. Die Rauchgase werden ber einen Schmelzreaktor, einen zweistufigen Mischer mit Wirbelkammer (sog. "Thermoreaktor'') in den Abhitzekessel gefhrt, in
dem Dampf zur Strom- und Wrmeproduktion hergestellt werden soll. Im Abhitzeteil sollen die Rauchgase bis auf ca. 400 oc abgekhlt werden. Daran schliet
sich ein Quench mit Wasser auf ca. 150 C an, bevor die Rauchgase mit Schlauchfiltern entstaubt werden. Der Quench dient dazu, eine Neubildung von Dioxinen
und Furanen zu unterbinden. Anschlieend folgt nach einem weiteren Quench
eine zweistufige Rauchgaswsche zur HCl- und SOrEntfernung. Als Reststoffe
entstehen dabei ein schwermetallhaltiges Abwasser, das einzudampfen ist, sowie
verwertbarer Gips. Als abschlieender Rauchgasreinigungsschritt folgt eine Aktivkoksfilterung zur Entfernung von Dioxinen/Furanen bzw. Schwermetallen aus
dem Rauchgas. Der erschpfte Koks soll dem Schmelzreaktor wieder als Brennstoff zugefhrt werden.

[Link]

Recycling von Altreifen

Die ungeregelte Entsorgung von Altreifen bereitete in der Vergangenheit groe


Probleme. Illegale und nicht mehr zuzuordnende Reifenablagerungen waren relativ hufig anzutreffen. Mittlerweile istjedoch die vorwiegend thermische Verwertung von Altreifen in Deutschland gesichert.

424

5 Recycling von Abfllen

450.0001

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rundemeuerle ,-----..

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Karlcassezur
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Ersalzreifon
550.0001
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-------1 55.000 I

1181W81ldungslahiga

aus der Al-.

.--,-----l~

Altreilen

(meist Export)

20-50.0001

80.0001

Sc:lvotlteilen

350-380.000 I

Bild 5.49. Mengenstrme der Altreifen in Deutschland

Reifen aller Kategorien (PKW, LKW, Flugzeug etc.) bestehen aus den selben
Materialien und zwar aus Kautschuk, Ru, Stahl, Textilien sowie diversen Zuschlagstoffen. Ein typischer PKW-Reifen weist in etwa die folgende Zusammensetzung auf:
- Kautschuk
48 %
- Ru
23%
- Stahl
18%
- Zuschlagstoffe 8 %
- Textilien
3%
Stahl und Textilien bilden den Festigkeitstrger (Karkasse), der bei einer Runderneuerung erhalten bleibt. PKW-Reifen wiegen heute ca. 8 kg, schwere LKWReifen ca. 55 kg.
In ganz Deutschland fallen ca. 350.000 bis 380.000 t/a (d.h. ca. 30 Mio. Stck)
nicht verwendungsfhige Altreifen an (sog. Schrottreifen) [5.170].
Die Mengenstrme sind im berblick dem Bild 5.49 zu entnehmen. Dabei sind
die 20.000 bis 50.000 t/a Reifen aus der Altautoverwertung mit gewissen Unsicherheiten behaftet, da zunehmend Altautos mit Bereifung ins Ausland exportiert
werden.
Altreifen fallen vorwiegend bei Kfz-Service-Stationen (Werksttten, Reifenhndler) sowie bei Speditionen I ffentlichen Fuhrparks an. Von dort werden diese
von regionalen Altreifenhndler bernommen, die verwendungsfhige Altreifen
aussortieren und entweder direkt verkaufen oder an Runderneuerungsanlagen
weitergeben.
Die nicht verwendungsfhigen Schrottreifen werden direkt oder ber Zwischenhndler an die Zementindustrie oder an Granulier- bzw. Zerkleinerungsbetriebe weitergegeben.

5.2 Aufbereitungsverfahren

425

Auf dem Altreifenmarkt konnte in den letzten Jahren eine Konzentration im


Hndlernetz festgestellt werden. berregionale Entsorger haben auf Kosten kleinerer Unternehmen erhebliche Marktanteile gewonnen. Hier mssen vor allem die
Unternehmen des REG-Verbundes (ein Tochterunternehmen der Continental)
genannt werden, die mit 80.000 t/a Schrottreifen mit steigender Tendenz handeln.
Dies entspricht ber 20 % des gesamten deutschen Marktvolumens.
Andere berregionale Entsorger erreichen diesen Umfang bei weitem nicht. Die
wachsende Bedeutung des REG-Verbundes wird im Hinblick der zunehmenden
Kooperation zwischen Contineotal und Michelin noch verstrkt.

Runderneuerung
Insgesamt werden in Deutschland ca. 85.000 t/a Altreifen runderneuert, hierbei
sinkt der Rohlverbrauch auf 1/7 der bei der Neureifenproduktion eingesetzten
Menge.
Bei der Runderneuerung bleibt der Festigkeitstrger der Reifen- die Karkasse - erhalten. Es wird lediglich das abgefahrene Profil durch Abschlen entfernt
und durch eine neue profilierte Laufflche ersetzt.
Die Runderneuerung ist vor allem bei LKW-Reifen blich. Etwa 42% der verkauften LKW-Reifen sind runderneuert. Bei den schweren LKW-Reifen betrgt
der Marktanteil der runderneuerten Reifen sogar ber 50%. Bei PKW-Reifen ist
die Runderneuerung dagegen unblich. Hier werden- mit sinkender Tendenznur etwa 12 % der verkauften Reifen als runderneuert am Markt abgesetzt.
Bei den Runderneuerungsbetrieben handelt es sich in der Regel um Klein- und
Mittelbetriebe. So arbeiten in Deutschland mehr als 150 Runderneuerungsbetriebe,
die grtenteils deutlich weniger als 1.000 t/a Altreifen verarbeiten.
Thermische Verwertung
Der Heizwert von Gummi liegt bei 25 000 bis 30 000 kJ/kg und entspricht in etwa
dem Heizwert von Steinkohle. Daher wird i.d.R. die thermische Nutzung von
Altreifen der Deponierung vorgezogen. Die thermische Verwertung von Altreifen
in Hausmllverbrennungsanlagen wird jedoch aufgrund des hohen und damit
durchsatzbegrenzenden Heizwertes vermieden.
Zementindustrie
Die Zementindustrie ist mit Abstand der wichtigste Abnehmer von Altreifen und
nutzt diese als Ersatzbrennstoff. In den letzten Jahren wurden die Verbrennungskapazitten in deutschen Zementwerken teilweise erheblich ausgebaut. Ein Blick
auf die jhrlichen Mengen der in der Zementindustrie verbrannten Altreifen zeigt
die steigende Bedeutung dieses Verwertungsweges [5.171]:
1993: ca. 180.000 t/a
1994: ca. 200.000 t/a
1995: ca. 225.000 t/a
1996: ca. 240.000 t/a (geschtzt)
1997: ca. 280.000 t/a (Prognose)
In vielen Zementwerken knnen ganze Altreifen verbrannt werden. In diesen
Werken ist eine aufwendige Aufarbeitung (=Zerkleinerung) der Altreifen vor der
thermischen Nutzung nicht erforderlich. Da der Einsatz ganzer Altreifen aus tech-

426

5 Recycling von Abfllen

nischen Grnden (Aufgabestelle, Gre der Drehrohre, Fe-Gehalte) auf ca.


180.000 bis 200.000 t/a begrenzt ist, bemhten sich einige Zementwerke um zerkleinerte Altreifen, die wesentlich flexibler eingesetzt werden knnen. Diese Umstellungen ermglichten den deutlich gestiegenen Altreifeneinsatz in der Zementindustrie.
Neben der deutschen Zementindustrie fragen zunehmend belgisehe und franzsische Zementwerke Altreifen aus Deutschland nach, was besonders in grenznahen Gebieten zu einer erheblichen Reduzierung der Entsorgungskosten filr Altreifen geflihrt hat.
In Bild 5.50. ist die Verteilung der Standorte der Zementwerke, die Altreifen
verbrennen, dargestellt. Aus der Karte wird deutlich, da nrdlich einer Linie
Osnabrck-Hannover-Berlin kein Zementwerk Altreifen verbrennt, was zu erhhten Entsorgungskosten in diesem Raum filhrt [5.172]. Insbesondere in NordrheinWestfalen, Baden-Wrttemberg und im sdlichen Hessen sowie im angrenzenden
Rheinland-Pfalz I Saarland sind die Entsorgungskosten deutlich niedriger, als in
Nord- und Ostdeutschland. Allerdings rechtfertigen die Preisunterschiede in der
Regel keine Transporte ganzer Altreifen ber Hunderte von Kilometern.

Kraft-Wrme-Kopplung
Zu den weiteren inlndischen Abnehmern rechnen vor allem die beiden Altreifenverbrennungsanlagen zur Kraft- und Wrmeerzeugung in Berlin und in Landau
(zusammen ca. 30.000 t/a Kapazitt). Daneben verfUgt das Kraftwerk von VW in
Wolfsburg ber die Genehmigung, Altreifenschnitzel (ca. 30.000 t/a) einzusetzen.
Grere Verbrennungsanlagen, wie die in Sachtleben (75.000 t/a Durchsatz)
oder die in Bitterfeld (125.000 t/a Durchsatz) geplanten, werden nicht realisiert, da
eine kostengnstige Beschaffung derart groer Altreifenmengen unrealistisch ist.
Ebenso scheiterten bisher alle Projekte, Altreifen zu pyrolysieren und auf diese
Weise Chemierohstoffe zu gewinnen.
Granulieranlagen
Zur stofflichen Verwertung von Altreifen ist deren Zerkleinerung erforderlich.
Dabei wird Granulat und Mehl, sowie die Stahl- und Textileinlage zur stofflichen
und I oder thermischen Nutzung gewonnen. Das Granulat und das Mehl werden
als Fllstoff filr diverse Produkte (z.B. Sportbodenbelge) verwendet. Da die Absatzmglichkeiten begrenzt und die Entsorgungskosten fiir Altreifen stark rcklufig sind, klagen alle noch in Betrieb befindlichen Granulieranlagen ber eine unzureichende Auslastung. Granulieranlagen bentigen i.d.R. Altreifenentsorgungskosten in Hhe von 150,- DM/t. Diese Gebhren knnen in Deutschland nicht
mehr erteilt werden. Teilweise liegen die thermischen Verwertungskosten bei
unter 50,- DM/t.
Die noch betriebenen Granulieranlagen sind in Bild 5.50. dargestellt.
Export von Altreifen
Verwendungsfhige Altreifen werden vorzugsweise nach Osteuropa und in einem
kleineren Umfang nach Afrika exportiert.
Nicht verwendungsfhige Schrottreifen werden hauptschlich nach Grobritannien und in jngster Zeit nach Frankreich und Belgien exportiert (zusammen

5.2 Aufbereitungsverfahren

427

Bild 5.50. Regionale Verteilung der Abnehmer von Schrottreifen (Stand: Anfang 1996)

1995 ca. 15.000 t mit steigender Tendenz). Daneben wird zuknftig ein bedeutender Export von Schrottreifen aus Norddeutschland nach Schweden erwartet, da
dort Heizwerke mit dem Brennstoff Altreifen gebaut werden. Der Export von
Schrottreifen nach Osteuropa ist dagegen unbedeutend.

428

5 Recycling von Abfllen

Granulierung
30.000

Energieerzeugung
30.000

Zementindustrie
220.000

Export und
unbekannt
60.000

gesamt: 380.000 t

Bild 5.51. Schrottreifenverbleib in Deutschland [5.172]

Weiterhin mu bercksichtigt werden, da Altreifen im groen Umfang gemeinsam mit Altautos exportiert werden. Verwendungsfhige Fahrzeuge (mit Altreifen) werden nach Osteuropa, Schrottfahrzeuge (mit und ohne Reifen) in die
Niederlande verbracht.
1995 fielen in ganz Deutschland ca. 380.000 t Schrottreifen (incl. der mit Altautos exportierten) an. Der Verbleib der Schrottreifen ist im Bild 5.51. dargestellt.
[Link]
Recycling von Elektronikschrott

Das Recycling von Gtern, die unter dem Begriff Elektronikschrott fallen, wurde
bislang nur in wenigen Teilbereichen durchgefhrt, z.B. bei der Rckgewinnung
der Eisenmetalle aus Haushaltsgrogerten durch Shredderanlagen oder in lukrativen Einzelbereichen, z.B. des thermischen bzw. chemischen Aufschlusses hoch
edelmetallhaltiger Produkte (Bauteile und Platinen). Infolge des Verordnungsentwurfes wurden verschiedene Konzepte und Teillsungen entwickelt, um der komplexen Aufgabenstellung gerecht zu werden und Lsungen ftlr die gesamte
Spannbreite der Gter- von batteriebetriebenen Grukarten bis zu Grorechneranlagen - zu finden.
Der Elektronikschrott setzt sich vorwiegend aus Metallen (57 Gew.-%), Kunststoffen
(ca.
22 Gew.-%) und Glas (9 Gew.-%) zusammen, whrend der Anteil der eigentlichen
elektrischen und elektronischen Komponenten mit 3 Gew.-% eher gering ausfallt.
Die sonstigen im Elektronikschrott enthaltenen Stoffe, z.B. Holz, Papier, Fasermatten oder auch Beton (Waschmaschinengewichte), belaufen sich auf ca. 9
Gew.-%.
Fr das Recycling des Elektronikschrotts stehen manuelle Demontagetechniken
sowie mechanische, chemische und thermische Verfahren zur Verfgung, die es
sinnvoll zu verknpfen gilt, um eine kologisch und konomisch vertrgliche Gesamtlsung zur Elektronikschrottverwertung zu finden.

5.2 Aufbereitungsverfahren

429

Manuelle Demontage
Die Altgerte werden durch manuelle Demontage (Schadstoffentfrachtung) in ihre
stofflich sehr unterschiedlichen Hauptbestandteile zerlegt. Nur so ist es mglich,
in spezifisch ausgelegten Prozelinien die jeweiligen Inhaltsstoffe mit einer Sortenreinheit zurckzugewinnen, die fr eine Rckfiihrung in den Produktionskreislauf erforderlich ist. Separiert werden neben den Schadstoffen vor allem Wertstoffe, die sortenrein vorliegen, sowie Fraktionen, die einer speziellen Behandlung
bedrfen. Dabei ist von drei verschiedenen Zerlegeanlagen und zwar fr Weie
Ware, fr Bildschirmgerte und filr sonstige Gerte (Kleingerte, Braune Ware)
auszugehen, da jede Zerlegezelle speziell fr die entsprechende Gertegruppe
modifiziert wird.
In der Regel erfolgt die Zerlegung in die folgenden Fraktionen:
- Schadstoffe (Kondensatoren),
- Fe-Metalle,
- NE-Metalle,
- Kunststoffe (Gehuse, Rckwnde),
- Holz,
- Gummi,
- Bildschirme,
- Kabel,
- Batterien,
- Metall-Kunststoff-Verbunde,
- Leiterplatten.
Dabei wird der Demontagegrad in Abhngigkeit von den nachfolgenden Verfahrensstufen ausgewhlt.

Bildschirmrecycling
Die Bildschirmrecyclinganlagen beruhen in der Regel auf thermisch-mechanischen Spezialverfahren, die in 4 Takten folgende Arbeitsschritte realisieren:
- Takt I
Absprengen des Halsglases, Entfernung des Strahlsystems,
- Takt 2
Trennung von Schirm- und Konusglas,
- Takt 3
Ausknpfen der Metallmaske,
- Takt 4
mechanisches Entfernen der Leuchtstoffe.
Je nach Anforderungen des Glasabnehmers knnen im 4. Taktschritt
- nur die Leuchtstoffe oder
- die gesamte Leuchtstoff-Al-Kohlenstoffschicht
entfernt werden.
Die auf den Glasfraktionen Konus- und Schirmglas befindlichen Innerdag/Quadagschichten bestehen aus einer Mischung von Wasserglas und Kohlenstoff und sind filr die Wiederverwertung der genannten Fraktionen unbedenklich
[5.183].

Mechanische Verfahren
Die trocken-mechanischen Verfahren, im Bild 5.52. dargestellt, bestehen aus mehreren Zerkleinerungsstufen, die das Verbundmaterial jeweils selektiv zerkleinern.
Nach jeder dieser Stufen werden bereits hinreichend aufgeschlossene Material-

430

5 Recycling von Abfllen


Leiterplatten, Kleingerte

Gerteteile

Fe. -Konz.

NE
>Metall
Konz.l
Reststoff

NE
Metall
[Link]

Reststoff

NE-Metall
Konz.m

Bild 5.52. Trocken-mechanische Elektronikschrottaufbereitung (vereinfachtes Fliebild) [5.184]

gruppen aus dem Hauptstoffstrom entfernt und knnen ggf. nachfolgend weiter
gereinigt werden. In elektronischen Erzeugnissen, insbesondere auf bestckten
Leiterplatten, gibt es sehr fein strukturierte Metall-Kunststoff-Verbunde, die mechanisch nur durch Feinzerkleinerung aufzuschlieen sind.
Bestimmend filr die Auslegung der Grobzerkleinerung, die mittels Scher- bzw.
Schlagbeanspruchung zum Stckigmachen bzw. zum ersten Aufschlu filhrt, sind
die Abmessungen und die stoffliche Beschaffenheit der zur Verarbeitung kommenden Teile.

5.2 Aufbereitungsverfahren

431

Die Zerkleinerung in den folgenden Stufen erfordert den Einsatz von Mhlen, die
den Aufschlu gewhrleisten. Dazu werden Mhlen eingesetzt, bei denen durch
die Wahl konstruktiver Gren (Werkzeugausfhrung, Abstand Werkzeug/Rost,
Austragsgestaltung, Mhlenentstaubung) und durch Variation der Betriebsgren
(Drehzahl, offene Rostflche, Rostffnungsweite) eine gezielte Einstellung fr den
Anwendungsfall mglich wird.
Die mglichen und notwendig einzusetzenden, trocken arbeitenden mechanischen Trennprozesse sind vielfliltig angepat an die beim Zerkleinem stufenweise
erreichten Aufschluverhltnisse. Die Fe-Abtrennung erfolgt durch Magnetscheidung. Durch Wirbelstromscheidung, Klassierung bzw. Dichtesortierung kann die
NE-Abscheidung realisiert werden. Die Kunststoffabscheidung wird mittels Klassierung und Klauben durchgefhrt, und nach der letzten Aufschluzerkleinerung
erfolgt die Reinigung der Konzentrate und Reststoffe durch kombinierte Stromklassierung und Dichtesortierung [5.184].
Thermische Verfahren
Fr Leiterplatten und Kunststoffe sind Pyrolyseverfahren im Versuchsstadium. Im
Bild 5.53. sind die Trennungswege dargestellt.
In der Pyrolyse werden die organischen Komponenten thermisch aufgespalten,
die Verbundmaterialien versprdet und Ltverbindungen durch das Aufschmelzen
der Lote gelst. Glasfasermatten werden durch die Temperatureinwirkung versprdet. Die mechanische Durchmischung fhrt zu einem weiteren Auflsen der
in die Pyrolysetrommel eingebrachten Materialien. Neben den Loten werden auch
die Aluminiumlegierungen aufgeschmolzen, die zu einer Dehalogenierung der
chlororganischen Verbindungen beitragen.
Die Feststoffe werden ber einen Naaustrag in Wasser schlagartig abgekhlt,
whrend die flchtigen Komponenten in einem Einspritzkhler mit Kreislaufwasser gequencht und entstaubt werden. Die in der Quenche abgeschiedenen Stube
und Ru sowie die schweren Kohlenwasserstoffe werden ber eine Kammerfilterpresse abgetrennt und wieder in den Pyrolysereaktor zurckgegeben. Dort knnen
die Kohlenwasserstoffe cracken und sich zu Koksrckstand und leichten Komponenten aufspalten. Gleichzeitig werden so Staub und Ru in den sich dabei bildenden Koks eingebunden. Das nach der Gasbehandlung vorliegende Reingas
weist einen Heizwert von ca. 5 000 MJ/m3 auf und kann ohne weitere Rauchgasreinigung zur Beheizung der Pyrolysetrommel dienen.
Das Flssigprodukt aus der Gaswsche wird in eine wrige und eine organische Phase aufgetrennt, wobei die anschlieende Fraktionierung der organischen
Phase so gefhrt werden soll, da die noch verbliebenen halogenorganischen Substanzen gezielt in einer Fraktion angereichert werden. Die gewonnenen organischen Produkte wie BTX-Fraktion, Phenole und Kresole sowie Naphthalin stehen
dann dem stofflichen Recycling zur Verfgung.
Die Aufbereitung der ausgetragenen Feststoffe ist auf eine Nabehandlung abgestimmt, da das Material bereits im Austrag benetzt ist. Der Feststoffanteil betrgt zwischen 70 und 80 %. Danach mu die Separation der Metalle durch
Trennverfahren erfolgen [5.185].

432

5 Recycling von Abfllen


Leiterplatten und Kunststoffe

Pyrolyse

fest

flchtig

Kondensation I Phasentrennung

gasfrmig

organischflssig

wssrig

Permanentgase
niedere Kohlenwasserstoffe

BTX-Aromaten
Phenole
hhere Kohlenwasserstoffe

Wasser
Halogenide
Ammoniak

Metalle
Kohlenstoff
Keramik
Glasfaser

Bild 5.53. Trennungswege des Elektronikschrottes beim Pyrolyseverfahren [5.185]

Chemische Verfahren
Die chemischen Verfahren knnen beim Recycling von Elektronikschrott nur fiir
metallhaltige Verbundfraktionen Anwendung finden. Dabei ist vorrangig die Gewinnung von Edelmetallen interessant. So knnen z.B. von unbestckten Leiterplatten oder Steckerleisten die Metalle gewonnen werden. Dabei kommen in Abhngigkeit vom unterschiedlichen Basismaterials (Kunststoff, Metall, Keramik)
verschiedene Verfahren zum Einsatz.
Fr nichtmetallisches Basismaterial knnen die Metalle durch Laugung in Lsung gebracht werden. Als Aufschlumittel werden Suren (z.B. Schwefelsure,
Salpetersure), Basen (z.B. Natriumhydroxid, Ammoniak) oder Salzlsungen
(z.B. Natrium- oder Kaliumcyanid) fiir die Edelmetallgewinnung verwendet. Prinzipiell ist der Erfolg jedes Laugungsprozesses von der physikalisch-chemischen
Zusammensetzung des aufzuschlieenden Materials, von der Konzentration des
Lsungsmittels sowie von der Prozetemperatur und der Laugungszeit abhngig
[5.186].
Beispielsweise knnen die Edelmetalle von unbestckten Leiterplatten durch
die salpetersaure Laugung gelst werden. Dort luft, vereinfacht dargestellt, die
folgende Redoxreaktion ab:
(5.11)

5.2 Aufbereitungsverfahren

433

mtfallarmr
En41ektrolyt
(zur Laugung)

Bild 5.54. Prinzip der Gewinnungselektrolyse [5.31]

Die metallischen Bestandteile knnen vollstndig vom Trger gelst werden, und
die erhaltene edelmetallhaltige Lsung kann aufgearbeitet werden [5.187].
Diese Lsungen aus dem Laugungsverfahren mssen dann einem Reduktionsverfahren unterzogen werden, damit der Metallinhalt in elementarer Form vorliegt. Dabei kommt die elektrochemische Reduktion mittels Gewinnungselektrolyse (auch als Fllungselektrolyse bezeichnet) zum Einsatz. Diese Elektrolyse arbeitet mit unlslicher Anode im Gegensatz zur Raffinationselektrolyse, welche mit
lslicher Anode arbeitet und die i.d.R. bei der klassischen Buntmetallgewinnung
(Kupfer, Blei, Silber) aus Erz bzw. Konzentrat angewendet wird. In Bild 5.54. ist
das Prinzip der Gewinnungselektrolyse dargestellt.
Die Elektrodenbruttoreaktionen, aus mehreren Teilschritten bestehende Umsetzungen, haben fr die Metallgewinnungselektrolyse folgende allgemeine Form
[5.31]:
Katodenreaktion:

{5.12)
Anodenreaktion:
im alkalischen Elektrolyt:
(5.13)
im sauren Elektrolyt:
(5.14)
Fr metallische Basismaterialien (Kupfer, Eisen-Nickellegierungen) bieten sich
elektrochemische Verfahren zur Edelmetallgewinnung an. Speziell fr Abflle mit
dnner Edelmetallbeschichtung, beispielsweise Stecker, gibt es ein anodisches
Ablseverfahren, das sog. JE-Verfahren, bei dem alkalische Jodidlsungen als
Elektrolyt dienen. Die Edelmetalle Gold, Silber und Palladium werden anodisch

434

5 Recycling von Abfllen

gelst und katodisch abgeschieden. Die Trgermaterialien bleiben sortenrein erhalten und knnen problemlos verwertet werden [5.187].
Produkte
Beim Pyrolyseverfahren wird das Reingas im Proze selbst genutzt, anfallende
le werden im Proze verwertet, sofern eine Verglasung der festen Rckstnde
integriert ist. Die Verglasung der Rckstnde sollte jedoch erst nach Ausschpfung aller anderen Verwertungsmglichkeiten angestrebt werden. Die Metalle
werden nach der Trennung aus den festen Rckstnden in den metallurgischen
Proze eingebunden. Defmierte Kohlenwasserstofffraktionen knnen der Industrie
zur VerfUgung gestellt werden.
Die bei dem chemischen Verfahren gewonnenen Metalle zeichnen sich durch
eine hohe Reinheit aus und knnen im Metallkreislauf problemlos eingebracht
werden. Die nichtmetallischen Trgermaterialien mssen einer thermischen Verwertung bzw. Entsorgung zugefUhrt werden. Die Aufschlumittel bei der Laugung
bzw. die Elektrolyte der elektrochemischen Verfahren knnen i.d.R. im Kreislauf
gefiihrt werden.
Die bei der trocken-mechanischen Aufbereitung entstehenden Fe-Konzentrate
knnen mhelos in den metallurgischen Proze der Eisen- und Stahlerzeugung
eingeschleust werden.
DieNE-Metallkonzentratebestehen zum berwiegenden Teil aus Kupfer, mit
Heimengungen blicher NE-Metalle wie Blei, Zink, Zinn und Nickel sowie verschiedenen Edelmetallen (Gold, Silber und Platin). Der jeweilige Restgehalt an
organischem Kohlenstoff, der aus Kunststoffanhaftungen resultiert, lt sich auf
einen Wert< 1 %reduzieren. Damit ist sichergestellt, da nur sehr geringe Mengen organischer Bestandteile in die metallurgischen Weiterverwertungsprozesse
eingetragen werden.
Die bleihaltigen Glser der Bildschirme knnen in der Httenindustrie als Zuschlagstoff (Schlackenbildner) verwendet werden. Die Barium und Strontium
enthaltenden Glser knnen vorzugsweise in der Glas- und Keramikindustrie
eingesetzt werden. Die Rckgewinnung des abgelsten Leuchtstoffgemisches
(Seltene Erden Yttrium und Europium) der Bildschirme ist technisch zwar machbar, aufgrund der geringen Mengen und der hohen Aufbereitungskosten wird diese
Fraktion i.d.R. jedoch deponiert.
Die Restfraktion mu nach derzeitigem Erkenntnisstand als Sondermll entsorgt werden. Sie besteht aus berwiegend duraplastischen Kunstharzen der Leiterplatten mit untergeordneten Heimengungen von thermoplastischen Kabelummantelungen, Keramik aus Widerstnden und Isolierungen sowie Schwermetallen.
Die bei der Zerkleinerung der Verbundfraktionen anfallende Staubmenge wird
in Filteranlagen gesammelt. In entsprechenden Aufbereitungsanlagen kann der
Metallinhalt dieses Staubes in einem namechanischen Separationsproze mit
geschlossenem Wasserkreislaufweitgehend zurckgewonnen werden.
Ein Problem stellen die PCB-Gehalte dar, die sich praktisch in allen Proben
nachweisen lassen. Diese entstammen nicht nur Kondensatoren, sondern werden
auch durch die Kunststoffe eingetragen. Die Durchschnittsgehalte liegen im Bereich von 5 bis 50 ppm und sind stark von den behandelten Produktgruppen sowie
deren Alter abhngig.

5.2 Aufbereitungsverfahren

435

Lampenrecycling
In der Bundesrepublik Deutschland werden jhrlich ca. 80 Mio. neue Leuchtstofflampen eingesetzt, denen in etwa der gleiche Anteil ausgedienter Lampen
gegenberstehen. Im Rahmen des Recyclinggebotes stellt sich die Frage nach den
Verwertungsmglichkeiten. Dabei stehen die Energiesparlampen (Niederdruckentladungslampen) aufgrund ihrer Inhaltsstoffe im Vordergrund der Betrachtungen.
Fr Entladungslampen mit Quecksilberanteilen im Fllgas schreibt der Gesetzgeber eine Deponierung entsprechend der Verordnung zur Bestimmung von Abfllen nach 2 Abs. 2 AbfG (AbfBestV) vor. Diese besagt, da fr Quecksilber,
quecksilberhaltige Rckstnde, Quecksilberdampflampen (Schlsselnummer 353
26) aus dem gewerblichen und ffentlichen Bereich eine Entsorgung als Sonderabfall vorgeschrieben ist. Eine Erfassung und geordnete Entsorgung der Mengen,
die aus den Haushaltungen stammen, wird durch geeignete Sammelsysteme angestrebt.
Die Tabelle 5.12. zeigt eine Auflistung der umweltrelevanten Inhaltsstoffe in
Energiesparlampen, die neben einer Vielzahl von umweltneutralen Elementen
auftreten.
Tabelle 5.12. Umweltbezogene Elemente bzw. deren Verbindungen in Energiesparlampen
[5.176]
Lampenteil

Umweltrelevanter Inhaltsstoff Bemerkung

Fllgas

Quecksilber

Lampensockel

Blei

Elektroden

Barium, Strontium

Lampenkolben

Barium
Seltene Erden wie Yttrium,
Europium, Cer, Terbium

Leuchtstoff

Trger des lichterzeugenden Prozesses


nur bei bestimmten Typen, sonst lt- und
schweiungsfreie Kontaktierung
Emitteroxid
basischer Oxidbestandteil des Glases
hochgeglhte Mischoxide bzw. Doppeloxidbestandteile gemeinsam mit Al- und MgOxid

In den Halophosphat-Leuchtstoffen der Stablampen ist als Aktivator eine geringe Menge
Antimon enthalten. Das Antimon ist im Apatit-Gitter des Leuchtstoffes fest eingebaut und
liegt somit nicht in Form des gesundheitsgeflihrdenden Antimontrioxids vor.

Ziel eines Recyclingprozesses fr Entladungslampen ist einerseits die Erfassung


der besonders berwachungsbedrftigen Abflle und andererseits der Wertstoffe
(Glas, Metall), die dem Wirtschaftskreislauf zuzufhren sind.
Fr die Aufbereitung der stabfrmigen Leuchtstoffiampen kann das sog. KappTrenn-Verfahren angewendet werden. Dieses Verfahrensprinzip beruht auf die
Trennung der Lampenenden vom weniger quecksilberbelasteten Glasmittelteil,
z.B. in dem die Enden der Lampe durch einen Brenner erhitzt und mittels Druckluft abgetrennt werden. Durch Ausblasen wird die offene Glasrhre von ihren
quecksilberhaltigen Leuchtstoffen befreit. Nach einer Zerkleinerung kann das Glas
dem Glasherstellungsproze zugefhrt werden. Das Aluminium der Lampenkappen gelangt zur Aluminium-Industrie (Bild 5.55.).

5 Recycling von Abfllen

436

ausgebrannte
Leuchtstofflampen

Lampenenden
abtrennen

Leuchtstoff u.
Quecksilber
ausblasen

::[]

Glasbruch

[[]: -

Lampenenden

Brechen

Hg entfernen
Leuchtstoff u.
Quecksilber

Glashtte

85%

r-

Nichtmetallische
Reststoffe
Deponie

3%

Trennen

Metalle

Metallaufbereitung

5%

7%

Bild 5.55. Recycling von stabilinnigen Leuchtstofflampen [5.178]

Fr alle anderen Bauformen (z.B. U-Form) bleibt nur die Zerkleinerung des Glases ohne vorgeschaltete automatische Demontage von Glas und Metallsockel, um
den Leuchtstoffund somit das Quecksilber zu separieren.
Tabelle 5.13. Inhaltsstoffe ausgewhlter Entladungslampen in% [5.179]
Inhaltsstoffe
Kolbenglas
Sockel- und Metalleinbauteile
Bleihaltiges Glas
Drhte, Wendel usw.
Entladungsgefli

Hg-Hochdrucklampe
68,7
19,1

Na-Hochdrucklampe
72,9
20,2

92,3
2,6
2,0
0,4

12,2

6,9

Leuchtstoff

2,7

Natrium
Quecksilber

Leuchtstofflampe

0,01
0,02

0,02

0,006

In Abhngigkeit von der Anlageart erfolgt zustzlich eine Trennung des Quecksilbers vom Leuchtstoffmittels Destillation. Der auf diese Weise gewonnene Quecksilberanteil (etwa I 0 mg/Rhre) mit einem Reinheitsgrad von nahezu 99 % wird

5.2 Aufbereitungsverfahren

437

wiederverwertet In der Gesamtbilanz verbleibt ein Reststoffanteil (zu deponierender Sonderabfall) in Grenordnungen von weniger als 10 Gew.-%. Die Prozeluft wird whrend der Arbeitsablufe permanent abgesaugt und ber Schlauchund Aktivkohlefilter gereinigt [5.177].
Die Tabelle 5.13. zeigt eine Auflistung der prozentualen Wert- und Strstoffanteile von Nieder- und Hochdruckentladungslampen. Quecksilber- und NatriumHochdrucklampen werden gegenwrtig noch weitgehend manuell demontiert, um
das einzige quecksilberbelastete Bauelement - das Entladungsgefa - herauszutrennen. Durch eine nachgeschaltete thermische Behandlung wird das Quecksilber wiedergewonnen. Der Wertstoffanteil (Glas, Metalle) kann der Verwertung
zugefhrt werden [5 .179].
[Link]
Recycling von Khlgerten
FCKW-Problematik
Die Feststellung, da die Ozonschicht durch die Freisetzung der Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) verstrkt abnimmt, fordert intensive Handlungen seitens der
Regierungen und der Industrie. Die an der Erdoberflche stabilen FCKW werden
in der Stratosphre durch energiereiche Strahlungen der Sonne gespalten. Das
freiwerdene Chlor kann dann mit dem Ozon reagieren und dieses abbauen [5.7].
Auf der Grundlage der Erkenntnisse, da der erhebliche Abbau der Ozonschicht Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt hat, haben
sich 31 Staaten im Wiener Abkommen vom Mrz 1985 verpflichtet, durch geeignete Manahmen fiir eine Begrenzung, Verringerung und Vermeidung dieser
Emissionen zu sorgen. Dieses bereinkommen ist eine Rahmenvereinbarung, die
in Form von Protokollen konkretisiert werden mu. Im Mrz 1988 ist in Montreal
ein erstes Protokoll unterzeichnet worden [5.1]. In den nachfolgenden Verhandlungen in London (1990) und Kopenhagen (1992) wurde der zeitliche Rahmen des
Ausstiegs aus der FCKW-Produktion weiter przisiert und schlielich auf den 1.
Januar 1996 festgelegt. Die EG hat diese Richtlinie noch einmal verschrft und
den Ausstiegszeitpunkt EG-weit auf den 1. Januar 1995 gelegt [5.169].
Mit der "Verordnung zum Verbot von bestimmten, die Ozonschicht abbauenden Halogenkohlenwasserstoffen" (FCKW-Halon-Verbotsverordnung) vom 6.
Mai 1991 wurden vor diesem Hintergrund mgliche Anwendungsbereiche fiir
FCKW drastisch eingeschrnkt.
Die Verwendung von FCKW fr die herkmmlichen Einsatzzwecke in
- Verpackungsmaterial,
- Ortsschumen (ein an der Anwendungsstelle mittels transportabler Schumernrichtungen mit Spritz- oder Gieverfahren hergestellter Schaumkunststoft),
- Kltemitteln,
- Druckgasbehltem,
- Schaumstoffen
endet damit in Deutschland zum 01.01.1995.
In groen Teilbereichen, wie etwa als Treibmittel fiir Spraydosen, wurde die
Verwendung bereits Ende 1991 untersagt. Ausnahmen bilden lediglich der Arzneimittel- und Forschungsbereich.

438

5 Recycling von Abfllen

Fr andere besondere technische Anwendungsbereiche mu die Erlaubnis bei der


zustndigen Landesbehrde eingeholt werden.
In Tabelle 5.14. sind die wichtigsten Fluorchlorkohlenwasserstoffe mit ihren
chemischen Eigenschaften und Haupteinsatzgebieten zusammengestellt [5. 7].
Tabelle 5.14. Zusammenstellung der wichtigsten Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) [5.7]
FCKW

Kennzeichen

Formel

MoleChlorkularge- gehalt
[%]
wicht

Trichlorfluormethan

R-11

CFCI3

137,37

77,43

Dichte Siede(d420) tem[g/cm'] peratur


1,490
24,9

DichlorR-12
difluormethan

CF2Cl2

120,91

58,64

1,328

-29,8

Chlortrifluormethan
Dichlorfluormethan
Chlordifluormethan

R-13

CF3CI

104,46

33,94

0,924

-81,5

Kltemittel
Treibmittel,
Lsemittel
Schume
Kltemittel,
Treibmittel
Lsemittel
Feuerlscher
Kltemittel

R-21

CHFCI2

102,92

68,98

1,282

8,9

Kltemittel

R-22

CHF2CI

80,47

44,06

1,213

-40,8

1,1,2Trichlortrifluorethan
1,2-Dichlortetrafluorethan

R-113

CF2CICFCI2

187,38

56,76

1,582

47,6

R-114

CF2CICF2CI

170,91

41,49

1,473

3,5

Kltemittel,
Treibmittel
Lsemittel
Fluorkunst-stoffe
Kltemittel,
Lsemittel
Entfettung
Kltemittel,
Treibmittel
Wrmetrger

Hauptschliche
Verwendung

Grundlagen des Recyclings


Die Verwendung von FCKW in Khlgerten (Khlschrnken, Gefrierschrnken
und -truhen) endet sptestens am 01.01.1995. Bei einer durchschnittlichen
Lebensdauer von Khlmbeln von 15 Jahren stehen heute Gerte zur Entsorgung
und Verwertung an, die Ende der 70er Jahre produziert worden sind. Auch nach
dem 01.01.1995 werden demnach bis weit nach der Jahrtausendwende Khlmbel
und -gerte anfallen, die FCKW enthalten. Die Einrichtung und der Betrieb von
Anlagen zur gezielten Entsorgung von umweltschdigenden Stoffen aus diesen
Gerten und die weitestgehende Demontage sind daher ein wichtiger Schritt zur
Vermeidung von Umweltbelastungen.
In einem Khlschrank herkmmlicher Bauart finden sich folgende Mengen
umweltrelevanter Stoffe:
- 500 g FCKW Rll aus der PUR-Dichtung,

5.2 Aufbereitungsverfahren
/~

Sonstiges 3,0 kg -'---

,,~~

439

Kltemittel 0,5 kg

/
/////

l0,3kg

/~PUR- Schaum 3,0 kg

~o.---~/~/
/

Kompressor 9,0 kg

/ - Elektroschrott 1,0 kg

//
/

_--'~--~

Glas 1,0 kg

NE - Metall 2,0 kg

Fe- Metall11 ,0 kg
Kunststoff 4,0 kg - /

Bild 5.56. Durchschnittliche Zusammensetzung eines Haushaltskhlschrankes [5.148]

- 150 bis 200 g FCKW R12 als Kltemittel,


- 300 g Kompressorl, FCKW R12-haltig.
Zustzlich wurden in den 70er Jahren und teilweise in den 80er Jahren in Gefriertruhen quecksilbergefllte Neigungsschalter eingesetzt, deren getrennte Erfassung
dringend notwendig ist.
Daneben bestehen Khlmbel aus einer Reihe von Wertstoffen (Bild 5.56.), deren Erfassung und Rckfhrung in den Materialkreislauf mglich ist.
Bild 5.57. zeigt einen Schnitt durch einen Khlschrank mit einem Nutzinhalt
von ca. 150 I. Bei einem Khlschrank dieser Gre betrgt das Kltemittelfllgewicht ca. 120 g. Bei einem auer Betrieb genommenen Khlschrank liegt
das Kltemittel im dampffrmigen Zustand in allen Rohrleitungen des Verdampfers, des Verflssigers und des Verdichters sowie in gelster Form vor.
Im unteren Teil des Verdichtergehuses befmden sich 150 bis 300 g KltemaschinenL Ein bis 5 % dieses Schmierstoffanteils befinden sich nach der ersten
Inbetriebnahme auch innerhalb des gesamten Kltemittelkreislaufs. Nach einer
lngeren Stillstandzeit des Verdichters kann der grte Teil des Kltemittels dann
im lsumpf gelst sein, da das eingesetzte Kltemittel und das l vollstndig
miteinander mischbar sind [5.6].
Als Schumungsmittel fr die Polyurethan (PUR)-Wrmedmmung der Khlund Gefriergerte werden meistens ebenfalls FCKW eingesetzt. Der FCKWAnteil im PUR-Schaum eines Khlschranks betrgt ca. die 4fache Menge gegenber des im Kreislauf gefhrten Kltemittels. Bezogen auf 150 I Nutzinhalt sind
dies ca. 480 g. Bei dem Schumungsproze werden die FCKW eingeschlossen
und liegen als Zellgas vor.
Nach Schtzungen des Umweltbundesamtes sind in der Bundesrepublik ca.
25 Mio. Khlschrnke, 15 Mio. Gefriergerte, ca. 100 000 Klimagerte und 8 000
Auto-Klimagerte sowie ca. 140 000 Wrmepumpen in Betrieb. Von den aufgefhrten Khlschrnken und Gefriergerten sind lediglich ca. 5 % Absorbergerte,

440

5 Recycling von Abfllen

Verftllsslger

Motor-Verdichter mit lfOIIung


u. Kltemlttelanrelcherung I. 01

WrmedAmmung
( R11 PUR -Schaum)

Bild 5.57. Schnittbild durch einen Khlschrank mit ca. !50 I Nutzinhalt [5.47]

die vorwiegend mit Ammoniak als Kltemittel arbeiten. Die restlichen ca. 38 Mio.
Khlgerte sind mit dem FCKW (R 12) als Kltemittel ausgestattet [5.1].
Diese Zahlen illustrieren das groe Schad- und Wertstoffpotential, das in Khlschrankdemontageanlagen abgeschpft werden kann.
Recyclingverfahren
Im Juli 1987 wurde vom Bundesinnungsverband des Deutschen Klteanlagenbauer-Handwerks ein erstes Konzept zur Erfassung von Khlmittel und
Kompressorl entwickelt.
Dieses Konzept sah im wesentlichen folgende Schritte vor:
- Anstechen des Kltekreislaufes mit einer Spezialzange,
- Anschlu an das Entnahmegert,
- Abftlllen des Kltemittels auf Stahlflaschen,
- separate Entnahme des Kompressorls durch Anstich des Kompressors.
In der Zwischenzeit hat die Totalentsorgung von Khlmbeln das Konzept aus
dem Jahre 1987 abgelst. Darunter werden die folgenden Schritte verstanden:
- gemeinsame Entnahme von Kltemittel und l aus dem Kreislauf,
- Entgasen des ls auf einen FCKW-Gehalt von unter 0,2 %,
- Demontage der Khlgerte und Abschpfen der Wertstoffe,
- Erfassen und Entgasen des PUR-Schaumes.
Zwei Beispiele unterschiedlicher Techniken zur Verarbeitung des PUR-Schaumes
werden nachstehend beschrieben.

5.2 Aufbereitungsverfahren

441

Shreddertechnik
Das Khlgert wird im Vorfeld manuell von Kltemittel, Kompressorl, Einlegebden und Elektronikschrott befreit und anschlieend in einen langsam laufenden
gasdichten Shredder mit ebenfalls gasdichter Presse berfhrt. Dabei wird der
PUR-Schaum aufgeschlossen. Der Auslauf des Shredders wird an einem Magnetscheider und NE-Abscheider vorbeigeftlhrt. Der verbleibende Leichtstoff (im
wesentlichen der zerkleinerte PUR-Schaum) wird in einer Presse verdichtet und
dabei vollstndig entgast. Aus dem Gesamtaggregat wird das frei werdende
FCKW bodennah abgesaugt, verdichtet und kondensiert [5.149].
Demontagelsung
Hier wird eine sog. "diskrete Lsung" angeboten. Dies bedeutet, da der PURSchaum im Zuge der manuellen Demontage aus den Khlmbeln vorsichtig herausgetrennt wird. Die so anfallenden Platten werden einer Schaumentgasungsanlage zugeftlhrt. Diese Anlage besteht im wesentlichen aus den drei Komponenten
Zerkleinerer, Vorratssilo und Hochdruckverdichter (Brikettierpresse). Im Zerkleinerer werden die PUR-Schaumplatten zerkleinert, im Zwischensilo gelagert und
von dort der eigentlichen Entgasungsstation, der Brikettierpresse, zugeftlhrt. Die
Abftlhrung des FCKW-Gases erfolgt wie im Falle der Shredderlsung [5.150].
Mit Verabschiedung der 4. BimSchV vom April 1993 werden Khlschrankdemontageanlagen nach Immissionsschutzrecht genehmigt. In Abhngigkeit vom
Durchsatz der Anlage erfolgt dies entweder nach vereinfachtem oder :llirmlichen
Verfahren.

Aufbereitung der Fluorchlorkohlenwasserstoffe

Das aufzubereitende Kltemittel wird auf Menge und Art der Verunreinigungen,
Wasser- und Suregehalt untersucht. Mittels eines Gaschromatographen wird
zustzlich festgestellt, ob eventuell ein Gemisch unterschiedlicher Kltemittel
vorliegt sowie der Gehalt an kondensierbaren Gasen. Liegt ein Gemisch unterschiedlicher Kltemittel-Typen vor, ist eine Aufarbeitung nicht mglich. Die
Analyse gibt darber Aufschlu, ob vor der eigentlichen Aufbereitung weitere
Manahmen ergriffen werden mssen. Beispielsweise mu eine Abtrennung von
freiem Wasser erfolgen oder bei hohem Suregrad (Korrosionsgefahr) eine sofortige Reinigung des Sammetbehlters durchgeftlhrt werden. Die Aufarbeitung umfat die in Bild 5.58. dargestellten Arbeitsschritte.
Zunchst werden hochsiedende Verunreinigungen, wie das Kltemaschinenl,
abgetrennt. Nach der Sureentfernung und Trocknung wird der Kltemitteldampf
kondensiert und auf eine Destillationskolonne gegeben. Aus dem Kolonnensumpf
werden Reste hochsiedender Bestandteile abgezogen, whrend inerte Gase am
Kolonnenkopf ausgetragen werden. Nach dieser Behandlung wird das aufbereitete
Kltemittel ber einen Filter in Lagergefiie abgeftlllt.
Nach einer Qualittskontrolle gem den Anforderungen an das Primrprodukt
wird das aufbereitete Kltemittel in den Handel gebracht. Die bei der Aufarbeitung anfallenden Rckstnde werden in einer Sondermllverbrennungsanlage
beseitigt [5.3].
Da die Verwendung von FCKW im wesentlichen ab 01.01.1995 beendet wurde,
war das Recycling und Wieder-In-Verkehrbringen des FCKW nur bis zu diesem

442

5 Recycling von Abfllen


Frigen in
Originalqualitt

Filter
Inerte Gase

Verflssiger
verunreinigtes
Frigen ----.,

hhersiedene
hochsiedender

I
==:E~~~j...:.R:.::ck:;~;tand
(l, etc.)

Anteile

Bild 5.58. Aufarbeitung von verunreinigten Kltemitteln nach dem Hoechst-Verfahren [5.4]

Termin mglich. Im Sinne eines effektiven, globalen Umweltdenkens steht daher


die Zerstrung des FCKW durch Verbrennung im Vordergrund der berlegungen.

[Link]

Recycling von Sonderabflillen


Unter Beachtung technischer und marktabhngiger Kriterien kann zwischen folgenden konzeptionellen Anstzen der industriellen Abfallvermeidung und verwertung unterschieden werden [5.78]:
- abfallarme Verfahren,
- betriebsinterne Verwertung von Reststoffen,
- betriebsexterne Verwertung von Reststoffen.
Die abfallarmen Verfahren und die betriebsinterne Verwertung von Reststoffen
werden in Kapitel 6.3 behandelt, whrend in diesem Kapitel auf einige externe
Verfahren zur Verwertung von Reststoffen eingegangen wird.
Technologien zur Verwertung von Sonderabfllen
Im folgenden sind fr einige der mengenmig relevanten bzw. gefiihrlichen Sonderabtalle in der Bundesrepublik Deutschland die mittelfristig verfiigbaren Verwertungsmglichkeiten aufgefiihrt.
Die Verwertung von Abfllen stt an Systemgrenzen und ist nur dann sinnvoll, wenn durch das Recycling keine zustzlichen Umweltbeeintrchtigungen
entstehen, die bei der bloen Entsorgung der Abflle nicht entstanden wren.
Zudem ist die Frage der Wertschpfung und nicht zuletzt der Wirtschaftlichkeit,
insbesondere der Preis des recycelten Stoffes, von Bedeutung.
Tabelle 5.15. stellt fr das Gebiet der alten Bundeslnder das Aufkommen der
erfaten Sonderabflle mit Stand von 1984 und 1987 dar [5.141].
Dnnsure
Dnnsure, 23%ige Schwefelsure, entsteht bei der Herstellung des Pigmentes
Titandioxid (Ti02) als Kuppelprodukt im sog. Sulfatproze. Im Kapitel 6.3 .2.1
wird ber die Ablsung des Sulfatprozesses durch den Chloridproze bzw. ber
die Aufarbeitung der Dnnsure berichtet.

5.2 Aufbereitungsverfahren

443

Tabelle 5.15. Erfate nachweispflichtige Sonderabililie in der Bundesrepublik Deutschland


[5.141]
19878
[Mg]

198r
[%]

Suren, Suregemische, Beizen (sauer)

1468 625

1 207 040

Salzschlacken (aluminiumhaltig)
Lack- und Farbschlamm
Bohr- und Schleifblemulsionen, Emulsionsgemische
Halogenfreie organische Lsemittel und
Lsemittelgemischeb

222147
208 415
198 547

241 230
14 075
275 906

1984
[%]
51,52
7,93
7,47
7,12

147 547

239 268

5,29

8,77

Halogenhaltige organische Lsemittel


und -gemische
KrankenhausabOOie
brige Sonderabililie

115 770

147 740

4,15

5,42

23 877
436196

22 722
448 675

0,86
15,66

0,83
16,45

Insgesamt

2 788 424

2 727 656

100,00

100,00

1984
[Mg]

44,25
8,84
5,32
10,12

vorlufige Ergebnisse
einschlielich 156 Mg, die auch bei KrankenhausabOOien enthalten sind; 1987 sind dies
2 347Mg

Im Jahre 1980 wurden 1,14 Mio. Mg Dnnsure aufhoher See verklappt [5.172].
Seit Anfang der 90er Jahre fllt durch Verfahrensumstellung bzw. Aufarbeitung
keine Dnnsure mehr an. Eine weitere Reduzierung des Titels "Suren, Suregemisch, Beizen (sauer)" in Tabelle 5.15. ist daher filr zuknftige Bilanzen zu
erwarten.
Gipse mit produktionsspezifischen Reimengungen
In zahlreichen chemischen Prozessen, z.B. die Herstellung von Zitronensure,
Weinsure, Oxalsure oder Borsure, fllt durch Neutralisation berschssiger
Schwefelsuren zwangslufig Gips mit produktionsspezifischen Seimengungen
an. Wegen der Verunreinigungen ist bisher eine Verwertung als Baugips nicht
mglich. Lediglich die Gipse aus der Zitronensureproduktion werden in eine
trockene, stckige Form gebracht und in der Zementindustrie verwertet [5.40].
Sureteere und Sureharze
Unter Sureteer wird das surehaltige Reaktionsprodukt von konzentrierter
Schwefelsure oder Oleum mit Komponenten der Schmierldestillation bzw.
Solventraffination bei der Erstraffination verstanden. Sureharze fallen bei der
Zweitraffmation von Altlen nach dem Schwefelsure-Bleicherde-Verfahren als
Reaktionsprodukt von konzentrierter Schwefelsure mit den Additiven, Oxidationsprodukten sowie anderen Verunreinigungen des Altls an. Die Zusammensetzung und Konsistenz von Sureteer und Sureharz sind wesentlich voneinander
verschieden [5.53].
Sureteer setzt sich annhernd aus 10 bis 50 Gew.-% Kohlenwasserstoffen und
50 bis 90 Gew.-% freien Sulfonsuren und Schwefelsure zusammen.

444

5 Recycling von Abfllen


Sekundr - Luft

2. Nachververbrennungs- kammer

Spaltgas

Zwischenkammer

Koks

Bild 5.59. Grille-Verfahren zur Surespaltung [5.54]

Sureharz hingegen besteht neben Wasser und Schwermetallen zu 13 bis 28% aus
Kohlenwasserstoffen und 38 bis 45 Gew.-% aus freier Schwefelsure, bei einem
Polymergehalt von I 0 bis 30 %.
Bei der Verwertung von Sureteer und Sureharz gibt es zwei Verfahren, die
eine Aufarbeitung der Abtalle zu Schwefeldioxid und Schwefelsure bewirken:
- Grillo-Verfahren der Grillo-Werke, Duisburg,
- Sureharzverwertung in der Kupferindustrie, Norddeutsche Affinerie, Harnburg.
Beim Grillo-Verfahren, einem Drehrohrofen-Verfahren, bei dem das anfallende
SOz-Gas durch gleichzeitige Verbrennung von Elementarschwefel am Koksbett
aufkonzentriert wird, knnen SOrflssig oder Schwefelsure gewonnen werden
[5.48, 5.54]. Das Bild 5.59. zeigt das Verfahrensschema des Grillo-Surespaltverfahrens [5.54]
Bei der Norddeutschen Affinerie, die frher Sureharze und Sureteer nach
dem Sonnebom-Verfahren verwertet hat, werden die schwefelhaltigen Abflle in
den Outokumpu-Schwebeschmelzofen der Kupferabrstung eingedst und gespalten. Das S02/S0 3-haltige Gas wird zu Schwefelsure nach dem Kontaktverfahren weiterverarbeitet Organische Schadstoffe werden bei den Temperaturen im
Schmelzofen zerstrt, Schwermetalle in den Stuben und Schlacken angereichert
[5.48].
Zunehmend finden Sureharz und Sureteer auch Verwendung als Zusatzbrennstoff in der Zementindustrie. Dabei werden die bei der Verbrennung freiwerdenden Schwefeldioxide (S02) und Schwefeltrioxide (S0 3) durch Reaktion
mit dem im Rohmehl enthaltenen Kalk und der Alkalien in Calcium-, Natriumund Kaliumsulfat umgewandelt und damit in den Zementklinker eingebunden.
Auch andere Inhaltsstoffe der Sureharze, wie Schwermetalle oder Chlorverbindungen, knnen im Klinker eingebunden werden. Die Entsorgungskosten nach

5.2 Aufbereitungsverfahren

445

dieser Verfahrensweise sind gnstiger als andere in Betracht kommende Entsorgungsmglichkeiten [5.48].
Die zu erzielenden Abfallreduktionen durch die verschiedenen Verfahren zur
Verwertung von Sureharz und -teer zeigt die Tabelle 5.16.
Tabelle 5.16. Verwertungsverfahren filr Sureharz und Sureteer
(Abfallschlsselnummer 54802)
Verwertungsverfahren
Abfallreduktion
[%]
Grillo-Verfahren
Schmelzofen der
Kupferindustrie
Zementindustrie

90
I 00
I 00

lemulsionen
Ein groer Teil der lhaltigen Abtalle wird durch den Einsatz von Khlemulsionen bei der Bearbeitung von Metallen verursacht. Auch diese Stoffe sind Hilfsstoffe, die so lange im innerbetrieblichen Kreislauf gefilhrt werden, bis sie durch
irreversible chemische und biologische Reaktionen einzelner Komponenten unbrauchbar geworden sind. Wichtigste Abfallvermeidungmanahme ist die innerbetriebliche Pflege der KhlschmiermitteL Verbrauchte Khlschmiermittel bzw.
Emulsionen knnen stofflich nicht mehr verwertet werden. Eine thermische Verwertung ist mglich, sofern fr die Spaltung der Emulsionen ein geeignetes Verfahren angewendet wird.
Die Verfahren zur Emulsionsspaltung sind in Tabelle 5.17. zusammengefat
[5.92].
lschlmme
Die Stoffgruppe der minerallhaltigen Schlmme ist nicht klar zu defmieren. Im
weitesten Sinne sind minerallhaltige Schlmme entweder Feststoffe, die stark mit
Minerall vermischt sind, oder Mineralle, die stark mit Feststoffen vermischt
sind. Grundstzlich setzen sich die Schlmme aus Minerall, den jeweils produktionsspezifischen, lagerungsspezifischen oder auf sonstige Weise in das Minerall
gelangten Feststoffen sowie eventuell Wasser und/oder anderen Flssigkeiten
zusammen.
Die Schlmme knnen dabei eine flssige, pastse oder stichfeste Konsistenz
aufweisen. Die lanteile knnen zwischen ca. 5 und 65% liegen. Die Herkunft
der Schlmme lt sich grob in vier Kategorien einteilen:
- Schlmme aus Mineralllagersttten,
- Schlmme aus Emulsionslagerbehltern und Emulsionsbehandlungsanlagen,
- Schlmme aus Produktionsprozessen,
- Schlmme aus Abwasserklranlagen von Raffmerien und petrochemischen
Betrieben.

446

5 Recycling von Abfllen

Tabelle 5.17. Kennzeichnende Eigenschaften und Merkmale von Emulsionsspaltverfahren [5.92]


Verdampfung

Surespaltung

Hydroxid- OrganiSpaltung
sehe
Spalter

Ultrafiltration

Adsorption

anionisehe
einfach
90C
/pH2

anionisehe
einfach
20C
/normal

anionisehe
einfach
20C
/normal

unabhngig
komplex
20C
/lOMPa

Unabhngig
einfach
20C
/normal

Technische Bedeutung

unabhngig
komplex
130C
/3MPa
Vakuum
kontinuierlich
mittel
hoch

kont./diskont.
gering
mittel

kont./diskont.
gering
gering

kont./diskont.
gering
gering/
steigend

diskont.
mittel
hoch

diskont.
gering
mitteVgering

Betriebsmittel
Chemikalien

keine

Suren
/Laugen

Metallsalz/
Laugen

organisehe
Spalter

keine

Aufheizen gering
auf
90 oc
6kWhlm' gering
gering

gering

keine

Kieselsure/
Bentonit
(ca. 8
kg/m')
gering

gering

Pumpen

gering

l-Konzentrierung

90%a

50-70%

30-50%

Restl im Abwasser
Sekundrabfall

15-20%
imAdsorptionsmittel
< lO mgll
40-60
kglm',
lhaltig
nein

Kriterien

Verfahren
Art der Emulsion
Einfachheit
Betriebsbedingungen
Betriebsweise
Wartung

Energie
thermisch

elektrisch

160
kWhlm'

Betriebsergebnis
ca. 50%

40-50%
im
Schlamm

<20mgll

<50mgll

Salzeund
Schmutzstoffe
nein

entflillt

sehrhoch

< 20 mg/l < 50mgll


Hydroxid- entflillt
schlamm
lhaltig,
hoch
nein

Verbrennen

Verbrennen

Verbrennen

Verbrennen

Verbrennen

AbwasserNachbehandlung

Phasentrenner
filr Restl
A-KohleFilter

Neutralisation AKohleFilter

entflillt

A-KohleFilter

kann
Tenside/
Emulgatoren
enthalten

Abfallreduktion

90%

50%

90-98%

Wasseraufsalzung
Entsorgung
l-Konzentrat

< 5 mgll
entflillt

nein

Verbrennen/
Deponie
entflillt

5.2 Aufbereitungsverfahren

447

Tabelle 5.17. (Fortsetzung) Kennzeichnende Eigenschaften und Merkmale von Emulsionsspaltverfahren [5.92]
Kriterien
Kosten (DM/m3 )
Investition
Betrieb

Verdampfung

10-20
10-20/
20-30b
20-40
1981

Surespaltung

Hydroxid- OrganiSpaltung
sehe
Spalter

Gesamt
5-8
9-15
5
Basisjahr
1981
1987
1987
nach Entwsserung des les in einem Fallstromverdampfer
mit/ohne Warmerckgewinnung

Ultra-

filtration

Adsorption

13-17
5-8

3-5
2-20

18-25
1981

5-25
1981

Zur Zeit stehen im Regelfall nur die Sonderabfallverbrennung sowie bei wenigen
Ausnahmen die Sonderabfalldeponie zur Verfilgung.
Ein modernes Verfahren zur Aufbereitung von lschlmmen steht seit 1988
zur Verfilgung (s. Bild 5.60.). Danach ist es mglich, l, Feststoffe und Wasser zu
separieren und wiederverwendungsfllhig aufzubereiten [5.55, 5.56].
Die Trennung des ls und der Feststoffe von der Wasserphase erfolgt durch eine zweistufige Flotation. In zwei Konditionierern werden die angelieferten, zwischengelagerten lschlmme durch Zugabe der zurckgefhrten Waschlsung in
einen fliefllhigen Zustand versetzt und die Flotationschemikalien zugemischt
Beide Flotationsreaktoren sind mit Rotor-Stator-Rhrwerken ausgestattet. Im
ersten Flotationsreaktor erfolgt die Trennung des ls vom Feststoff, der in einen
Eindicker gelangt. Der lschaum der Vorflotation tritt in den zweiten Flotationsreaktor ein, wo das l von der Wasserphase abgetrennt und einem Dekanter zugefhrt wird.
Der eingedickte Feststoff wird auf einem Trommelfilter entwssert und kann
u.a. in der Bauindustrie (Straen- und Wegebau) verwendet oder auf Hausmlldeponien abgelagert werden.
Das l wird im Dekanter vom noch vorhandenem Feststoff abgetrennt und in
beheizten ltanks zur Abtrennung des Restwassergehaltes gelagert. Aus diesen
Tanks wird das Fertigl abgezogen und nach berprfung auf eventuell vorhandene Schadstoffe einer Wiederverwertung (Altlraffination) oder bei Schadstoffhaitigen len einer Verbrennung in Sonderabfallverbrennungsanlagen zugefhrt.
Die Anlage filr 30 000 Mgla lschlamm verarbeitet Schlmme mit einem
durchschnittlichen lgehalt von 40%. Ohne diese Aufbereitung mte der
Schlamm deponiefllhig gemacht werden mit einem lgehalt von weniger als 5%.
Dazu mte unverlter Feststoff zugemischt werden, d.h. aus den ursprnglich
30 000 Mgla lschlamm wrden ca. 240 000 Mgla verfestigter lschlamm, bei

einem lanteil von 12 000 Mgla, entstehen.

Halogenhaltige Lsemittel
Die unter dieser Gruppe zusammengefaten Sonderabflle entstehen vor allem
beim Einsatz von chlorierten Lsemitteln als Hilfsstoff in verschiedenen Prozes
sen und aufgrund von Fehlreaktionen bei der Herstellung chlororganischer Produkte [5.49,5.58].

448

5 Recycling von Abfllen

r~J1 1 WI
11

sUchfeste
Olscl'ilmme

~~
""""'lmme

Bild 5.60. Anlage zur Aufbereitung von lschlarnm [5.55]

Fr die hochchlorierten Lsemittelabtalle der Chlorchemie bieten sich folgende


grotechnische oder in der Entwicklung befindliche Verfahren zur Vermeidung,
Substitution, Verwertung und Beseitigung an [5.49):
- Substitution chlororganischer Endprodukte,
- chlorfreie Syntheseprozesse,
- Weiterchlorierung, Chlorolyse zu CKW-Lsemitteln, Oxidation zu HCl oder
Cl,
- Lsemitteldestillation,
- Dechlorierung zu Kohlenwasserstoffen,
- Hydrierung, energetische Nutzung,
- Verbrennung,
- chemisch-physikalische Behandlung.
Besonders die Chlorolyseprozesse zur Verarbeitung von CKW-Rckstnden haben eine groe wirtschaftliche Bedeutung erlangt. Der Anfall von CKWRckstnden ist bei zahlreichen Prozessen noch unvermeidlich, so da sich durch
die Chlorolyseverfahren eine gnstige Mglichkeit zur Verarbeitung der Rckstnde zu Wertprodukten ergibt und eine Entsorgung entbehrlich wird.
Es sind vor allem zahlreiche Niederdruck-Chlorolyseprozesse entwickelt worden, wobei Tetrachlorkohlenstoff und Perchlorethylen gleichzeitig mit hoher Flexibilitt erzeugt werden knnen (s. Bild 5.62). Fr die chlorierende Crackung
kommen Rohr- und Wirbelschichtreaktoren zum Einsatz. Als Rckstnde der
Chlorolyse fallen hochsiedende Produkte an, ferner HCI. Von den hochsiedenden
Nebenprodukten knnen Hexachlorethan und Hexachlorbutadien abgetrennt und
zurckgefilhrt werden, whrend Hexachlorbenzol auszuschleusen ist.

5.2 Aufbereitungsverfahren
Chlor

449

Chlor
HCI

Rckstnde
~~---

Sumpf
zur SAV

PER
Kopfprodukt

Bild 5.61. Niederdruck-Chlorolyse der Chemischen Werke Hls AG [5.93]

Die Verwertung der niedrigchlorierten Rckstnde aus der Arzneimittel- und


Feinchemikalienherstellung zu chlorhaltigen Wertstoffen ist wegen des niedrigen
Chlorgehaltes meist nicht mglich [5.49].
Galvanikabflle
In Galvaniken werden Materialverluste ber die Abwasserreinigung in Sonderabfalle umgewandelt. Galvanikabfiille - mit Ausnahme der cyanidhaltigen Hrtesalze, die unter Tage abgelagert werden - mssen auf Sonderabfalldeponien verbracht werden. Dabei geht nicht nur wertvolles Wirtschaftsgut verloren, sondern
es gelangt gleichzeitig ein beachtliches Schadstoffpotential auf die Deponien
[5.50].
Daher fordert der Gesetzgeber bereits in den Betrieben Manahmen zur weitgehenden Kreislauffilhrung von Splwasser und ausgeschleppten Prozechemikalien. Diese Forderungen sind zum einen im Anhang 40 der Rahmenabwasserverwaltungsvorschrift zu 7a WHG und zum anderen in einer zuknftigen TA Galvanik manifestiert.
Im Galvanikbereich stehen im wesentlichen zwei Wege zur Vermeidung und
Verwertung offen: innerbetriebliche Manahmen und die externe Verwertung.
Gerade die externe Verwertung setzt jedoch eine entsprechende Abfallqualitt
voraus. Sie kann sowohl fr Schlmme als auch fr konzentrierte Lsungen (lnhalte von Standsplen, verbrauchte Behandlungsbder) durchgefhrt werden. Eine
Aufarbeitung ist fr edelmetallhaltige, zink-, chrom-, nickel- und kupferhaltige
Rckstnde interessant. Hierzu stehen folgende Verfahren zur Verfiigung, die
bisher nur in Labor- und Technikumsanlagen realisiert wurden, deren grotechnische Umsetzung aber noch aussteht bzw. aus wirtschaftlichen Grnden nicht realisiert wurde [5.60, 5.61]:
- Goldschmidt-Verfahren,
- MAR-Proze,
- TNO-Verfahren.

450

5 Recycling von Abfllen

Die Goldschmidt-Verfahren und der MAR-Proze arbeiten mit einer Kombination


der Verfahrensstufen
- Laugung,
- Flssig-Flssig-Extraktion mit organischen Extraktionsmitteln,
- elektrolytischer Metallabscheidung.
Beim TNO-Verfahren ist die Flssig-Flssig-Extraktion mit dem Einsatz von
Anionenaustauschern verbunden. Der Bau grotechnischer Anlagen scheiterte
bisher an der fehlenden Wirtschaftlichkeit dieser Konzepte. Die Verwertbarkeit
der Rckstnde wird verbessert, wenn es gelingt, durch vorwiegend organisatorische Manahmen in den Galvaniken Rckstnde zu erzeugen, die eine geringere Zahl an Metallen und hhere Metallkonzentrationen enthalten. Um diese
Voraussetzungen zu erfttllen, bieten sich in den Galvanikenprinzipiell drei Mglichkeiten an [5.60]:
- Die separate Sammlung von Konzentraten, die im wesentlichen nur ein Metall
enthalten. Diese Konzentrate stammen vor allem aus Inhalten der Standsplen
hinter metallabscheidenden Bdern, verbrauchten Aktivbdern und ggf. auch
Eluaten von Ionenaustauschern.
- Die Erzeugung von Monoschlmmen durch separate Behandlung der Abwsser
von Splen hinter metallabscheidenden Bdern.
- Die Erzeugung von Gemischtschlmmen, die bestimmte, bei der Verarbeitung
besonders strende Metalle (insbesondere Chrom) nicht enthalten.
Fr das Land Berlin wurde 1992/93 auf die Ergebnisse einer qualitativen und
quantitativen Erhebung fttr Galvanikabflille eine verfahrenstechnische Grundlagenplanung fttr eine chemisch-physikalische (CP) Anlage mit dem Ziel einer
weitgehenden Wertstoffrckgewinnung durchgeftthrt [5.142]. Die Grundzge der
hier projektierten Anlage sind dem Kapitel 4.4.5 zu entnehmen.
Salzschlacken

Bei der Verarbeitung von Aluminiumabtallen dient ein Gemisch aus Natrium- und
Kaliumchlorid als Hilfsstoff. Das Salz nimmt die im Aluminiumschrott vorhandenen und bei dessen Verarbeitung entstehenden Verunreinigungen auf und flillt als
Salzschlacke an, die auch Aluminium enthlt. Ein Verfahren zur Verwertung wurde im Rahmen von Forschungsvorhaben entwickelt [5.62, 5.63].
Die Grundlage des Verfahrens beruht auf der Zerlegung der Schlacke in wiederverwertbares Aluminiummetall und Schmelzsalz sowie Abtrennung der unlslichen Rckstnde in salzfreiere Form unter Bercksichtigung der Abtrennung von
Schadgasen [5.64]. Das Bild 5.62. zeigt das Verfahrensschema.
In einer ersten Stufe wird aus der Schlacke das Feingut vom Metall durch Brechen, SchUlpen und Sieben getrennt, so da 70 % des metallischen Aluminiums in
Form von Granalien wiedergewonnen werden. Das Feingut wird nach der Laugung mit Wasser, bei der die Hauptgasentwicklung abluft, als Suspension einem
Eindicker zur Abtrennung der Feststoffe zugeftthrt. Die Feststoffsuspension wird
filtriert und gewaschen. Der Rckstand enthlt weniger als 1 % wasserlsliche
Salze. In einer mehrstufigen Vakuumkristallisationsanlage wird das Salz aus der
Sohle auskristallisiert. Nach der Abtrennung und Trocknung sowie einer Zugabe
von ca. 2 Gew.-% Fluspat steht das ausgebrachte Schmelzsalz fttr die Wiederver-

5.2 Aufbereitungsverfahren

Salzschlacke

451

Kugelmhlenstube

.-----'---------''---;

1 - - - - - - - - - - - - - - Aluminium

Spezialgasreinigung

f-------------~

ROckstand

Dampf

Schmelzsalz

Bild 5.62. Verfahrensschema der Salzschlackenaufbereitung nach dem Uraphos-Verfahren


(Lse-Kristallisations-Verfahren)[5 .64]

wendung zur Verfiigung. Das bei der Kristallisation anfallende Kondensat wird
zuerst zur Waschung des Filterrckstandes und anschlieend zur Feingutlaugung
verwendet. Der Filterrckstand eignet sich als Aluminiumoxidtrger, da das Aluminiumoxid hauptschlich als Korund vorliegt.
In der Bundesrepublik Deutschland sind 1993 vier nach dem Lse-Kristallisations-Verfahren arbeitende Anlagen mit einer Aufarbeitungskapazitt von ca.
300 000 Mgla Salzschlacken in Betrieb.

Halogenfreie organische Lsemittel


Halogenfreie organische Lsemittel dienen in zahlreichen Bereichen als Hilfsstoff
und fallen in verdnntem und/oder verunreinigtem Zustand an. Typische Herkunftshereiche sind Lackieranlagen, die chemische Industrie und die Metallbear-

452

5 Recycling von Abfllen

beitung. Eine stoffliche Rckgewinnung wird gegenwrtig in steigendem Umfang


betrieben. Oft werden die Rckstnde allerdings ftlr untergeordnete Zwecke (z.B.
Pinselreiniger) vermarktet. Ebenso findet wegen des hohen Heizwertes eine thermische Verwertung statt. Vor allem zwei Punkte knnten einer stofflichen Verwertung entgegenstehen:
- zu hohe Gehalte an klebenden Verunreinigungen,
- zu hohe Wassergehalte.
Destillationsrckstnde und Schlmme
Diese Abflle entstehen in erster Linie durch die Produktionsprozesse der chemischen Industrie sowie die Aufarbeitung von Lsemitteln. Eine Verwertung ist ftlr
die Schlmme teilweise mglich, z.B. mit Dnnschichtverdampfem. Dabei werden die in den Schlmmen enthaltenen Lsemittel zurckgewonnen. Fr die Destillationsrckstnde bieten sich die thermische Verwertung sowie eine Hydrierung an [5.78]. Die VEBA l AG betreibt seit 1977 in Bottrop eine Anlage zur
Aufarbeitung von Raffmerierckstnden mit einem Durchsatz von 200 OOOMg/a.
Etwa 1/3 der Einsatzstoffe knnen aus Destillationsrckstnden bestehen.
Filtermassen
Diese Abflle entstehen bei adsorptiven Reinigungsprozessen insbesondere im
Bereich der Luft- und Wasserreinhaltung. Wegen der Beladung, z.B. mit halogenhaltigen Lsemitteln, sind sie als Sonderabflle zu entsorgen. Erschpfte Aktivkohlen aus spezifischen Anwendungsbereichen, wie z.B. von Wasserwerken,
werden bereits grotechnisch reaktiviert. Die Verfahren sind in Tabelle 5.18. dargestellt
Verfahren zur Reaktivierung erschpfter Aktivkohlen wechselnder Qualitt und
wechselnder Beladung aus unterschiedlichen Anwendungsbereichen sind jedoch
noch nicht verftlgbar. Die Entwicklung solcher Verfahren ist vordringlich, da
knftig wegen der strengeren Anforderungen auf der Abluft- und Abwasserseite
mit einem erhhten Aufkommen an verbrauchten Filtermassen zu rechnen ist
[5.50].
Tabelle 5.18. Verfahren zur Verwertung von Aktivkohleabfiillen
Verfahren

Abfallreduktion

Kennzeichnung

Vakuumabsorption
Inertgasregeneration
Wasserdampf-Desorption
Thermische Reaktivierung

bis 80 %

Stand d.
Stand d.
Stand d.
Stand d.

bis 80 %
bis 80%
bis 80 %

Technik
Technik
Technik
Technik

ohne Aktivkohlenachreinigung

Ofenausbruch aus der Aluminiumherstellung


Bei den Ofenausbrchen, die aus den Elektrolysefen der Aluminiumproduktion
stammen (Schmelzfluelektrolyse), ergeben sich insbesondere aufgrund des im
Ofenausbruchs enthaltenen Fluorids Schwierigkeiten bei der Verwertung und
Entsorgung.

5.2 Aufbereitungsverfahren

Natriumsulfat

'

Flusure

Aluminiumfluorid

453

'

Elektrische
Energie

Bild 5.63. Verfahrensstammbaum der Pyrosulfolyse [5.94]

Die Aufarbeitung des Ofenausbruchs zu Kryolith wird in einigen Aluminiumhtten seit langem praktiziert. Das Verfahren, das eine Laugung der Httenabtalle mit
Natronlauge zur Gewinnung von Kryolith vorsieht, verliert aber insofern an Bedeutung, als infolge vernderter Elektrolysetechnologie der zuknftige Bedarf an
Kryolith zugunsten von Aluminiumfluorid stark zurckgeht. Dazu kommt, da
sich bei diesem herkmmlichen Laugungsverfahren die abzulagernde oder zu
beseitigende Menge nur um 25 % reduziert und damit das Entsorgungsproblem
nicht gelst wird [5.74].
Fr die verbrauchten Kohlenstoffauskleidungen knnen folgende neuen Technologien angewendet werden:
- Pyrosulfolyse, Pyrohydrolyse,
- Sekundrbrennstoff in der Zementindustrie,
- Fluspatersatz bei der Gueisenerzeugung,
- Aufarbeitung der thermischen Isolation,
- Verwertung der Eisenbarren.
Die Pyrosulfolyse stellt ein Verfahren zur annhernd vollstndigen Aufarbeitung
des Kathodenausbruchs dar. Das Verfahren besteht darin, da die in der verbrauchten Kohlenstoffauskleidung enthaltenen Bestandteile wie Kryolith, Aluminiumfluorid, Calcium- und Natriumfluorid in Gegenwart von Wasserdampf,
Luft und Schwefeldioxid bei Temperaturen von 600 bis 1 200 C im Wirbelbettreaktor behandelt werden und dadurch die Fluoride und Cyanide entfernt werden

454

5 Recycling von Abfllen

Dampf

Verbrennungsluft

Dampf/Turbine

Natriumaluminat

Flusure

Aluminiumfluorid

'

Elektrische
Energie

Bild 5.64. Flieschema der Pyrohydrolyse-Pilotanlage [5.74]

[5.74]. Den Verfahrensstammbaum, der in der Entwicklung befindlichen Pyrosulfolyse, zeigt das Bild 5.63. Bei der Pyrohydrolyse wird der Ofenausbruch in das
bei 1 200 oc heie expandierende Wirbelbett eingetragen und die Fluoride entfernt. Nach der Gaskhlung und einer Absorptionsstufe werden Flusure und
Aluminiumfluorid sowie Natriumaluminat als Produkte der Pyrohydrolyse erhalten. Das Aluminiumfluorid wird als Schmelzmittel in die Elektrolyse zurckgegeben. Aus der Pyrolyse anfallendes Natriumaluminat wird im Bayer-Proze eingesetzt und dort zu Aluminiumoxid umgewandelt, welches ebenfalls in die Elektrolyse zurckgefilhrt wird [5.74, 5.75]. Das Verfahrensfliebild der Pyrohydrolyse
zeigt Bild 5.64.
Als Sonderabfall zu entsorgende Abflle entstehen bei diesem Verfahren nicht
mehr. Fr die Pyrohydrolyse existierte bisher eine Pilotanlage, die gemeinsam von
Lurgi, Kaiser Aluminium und Vereinigte Aluminiumwerke Lnen betrieben wurde. Die Umsetzung der positiven Ergebnisse mit diesen Pilotversuchen in eine
grotechnische Demonstrationsanlage scheiterte einzig und allein an der fehlenden
Wirtschaftlichkeit des Verfahrens, die erst ab einem Durchsatz von I 0 000 Mg!a
an Kathodenausbruch gegeben ist [5.76].
Wie in Bild 5.65. gezeigt, werden ca. 90% des im Elektrolyserckstand vorliegenden Kohlenstoffs als thermische Energie zurckgewonnen. Es verbleibt nach
der Extraktion des wasserlslichen Natriumaluminats ein Rckstand aus Natrium-

5.2 Aufbereitungsverfahren

455

Wertstoffrckgewinnung

Wertstoffanteile

Fluor
13%
Energierckgewinnung
35%

Aluminiumoxid
17%

Energieverlust
5%
Unlslicher Rckstand
20%

Bild 5.65. Wertstoffrckgewinnung durch Pyrohydrolyse [5.75]

Aluminium-Calcium-Silikaten von max. 20 % des ursprnglichen Sonderabfalls,


der problemlos abgelagert werden kann [5.75]. Die verbrauchte Kathodenkohle
lt sich als Sekundrbrennstoff in der Zementindustrie verwenden. Ausgangsprodukte fiir die Zementindustrie sind Kalkstein, Sand und Ton, die nach der Gewinnung, Trocknung und Mahlung in Drehrohrfen zu Zementklinkern gebrannt
werden. Das Brennen dieser Massengter ist mit 3 000 kJ/kg derart energieintensiv, da ca. 50% der technischen Herstellungskosten fiir Primrenergie aufgewendet werden mssen.
Bis zu 3% des Kathodenausbruchs knnen im Zementherstellungsproze eingesetzt werden, wobei der Kathodenausbruch zusammen mit der Heizkohle aufgemahlen werden kann. Die Produktion wird nicht beeinflut; Chemie und Qualitt der Klinker liegen innerhalb der Spezifikation. Die Fluoridemissionen sind
vernachlssigbar klein, die Cyanide werden komplett zerstrt [5.74].
Einen berblick ber die Aufbereitungsverfahren fiir Kathodenausbruch gibt
die Tabelle 5.19.
Tabelle 5.19. Aufbereitungsverfahren filr den Kathodenausbruch [5.74]
Abfallreduktion
[%]
25

Verfahren

Zweck

Stand

Laugung mit Natronlauge


Pyrohydrolyse

Kryolithherstellung
AIF3-Herstellung

herkmmlich
Pilotanlage

Pyrosulfolyse

AIF3-Herstellung

Pilotversuche

60

Sekundrbrennstoff in der
Zementindustrie
Fuspatersatz in der Eisengieerei

Verbrennen der Kathodenkohle


Ausnutzen der Kathodenkohle

Groversuche

100

Pilotversuche

100

90

456

5 Recycling von Abfllen

Die Entwicklungsarbeiten zu den Verfahren zeigen, da es mit Ausnahme des


Einsatzes des Ofenausbruchs in der Zementindustrie bisher noch keinen wirtschaftlich attraktiven Proze zur Aufarbeitung des Kathodenausbruchs gibt, der
von der Industrie bernommen werden knnte. Die Tatsache, da die meisten
Aluminiumhtten es vorziehen, den Kathodenausbruch auf Sonderabfalldeponien
abzulagern, deutet darauf hin, da die Kosten einer Ablagerung z.Z. noch wirtschaftlicher sind als ein in der Entwicklung stehender Proze. Die gefiihrlichen
Stoffe im Kathodenausbruch wie Carbide, Nitride, Cyanide und wasserlsliche
Fluoride mssen zuknftig vor einer Endlagerung inertisiert werden. Hierzu eignet
sich am besten das Verbrennen mit anschlieender Hochtemperaturhydrolyse
[5.74].
Die Nachteile der bisher entwickelten Verfahren sind:
- unbefriedigende Qualitt der zurckgewonnenen Materialien,
- zu kleine, unwirtschaftliche Gre fr einzelne Aluminiumhtten und zu groe
Transportkosten fr das Aufarbeiten das Kathodenausbruchs in einer zentralen
Anlage,
- unbefriedigendes Endmaterial bei der Verwendung als BaumateriaL
Von den in letzter Zeit entwickelten Verfahrensalternativen zur Aufarbeitung der
Elektrolyserckstnde haben nur solche Verfahren Chancen auf Realisierung, bei
denen
- die Rckstandsmengen auf ein Minimum reduziert werden knnen,
- die Rckstandsmengen problemlos abgelagert werden knnen,
- die Aufarbeitung nicht unwirtschaftlicher ist als die Ablagerung auf Sonderabfalldeponien.
Am besten lt sich heute der Kohleanteil des Kathodenausbruchs veraschen. Das
zielt darauf ab, feste, inerte Rckstnde zu erzeugen, wobei soviel Energie wie
mglich zurckgewonnen wird [5.74]. Bei 100%iger Verbrennung der Kathodenkohle im Fliebett oder der expandierenden Wirbelschicht knnten theoretisch 35 MJ/kg zurckgewonnen werden.
Auch ist der Kohleanteil nach Separierung aus dem Ofenausbruch in den Kupolfen der Eisen- und Stahlindustrie einsetzbar. Dieser Verwertungsweg ergibt
sich jedoch nicht fr die deutsche Stahlindustrie, da fr den Einsatz des Kohleanteils des Kathodenausbruchs in der Bundesrepublik aus emissionsrechtlicher Sicht
keine Genehmigungen bestehen. Jedoch knnen diese Abfltlle im europischen
Ausland (u.a. Frankreich, Italien) eingesetzt werden [5.77].

5.2.2
Verfahren zur Gewinnung von Brennstoff
Obwohl sich die Anwendung von Verfahren zur Mllbrennstoffgewinnung in der
Bundesrepublik Deutschland nicht durchgesetzt haben, wird in diesem Kapitel die
fr Anfang der 90er Jahre wichtige Entwicklung weiterhin dokumentiert. Sie gibt
einen berblick ber die im Gesamtabfall enthaltenen Bestandteile und deren
Verhalten bei thermischer Nutzung. Durch die neue Entwicklung der MBA's
entsteht ein hochkalorischer Brennstoff, der als BRAM aufbereitet, konfektioniert
und als Brennstoff in der Co-Verbrennung eingesetzt werden kann.

5.2 Aufbereitungsverfahren

457

[Link]

Brennstoff aus Mll (BRAM)

Charakterisierung des Haushaltsabfalls als Brennstoff


Fr die thermischen Prozesse sind die folgenden chemischen und physikalischen
Eigenschaften des festen Eingabegutes von Bedeutung [5.27]:
Die mangelnde Homogenitt des Hausmlls ist im Vergleich zu herkmmlichen Brennstoffen die augenflligste Eigenschaft. Eine im thermischen Proze
rtlich und zeitlich schwankende Stoffzusammensetzung und die stark variierenden Komgren erschweren die optimale Durchfhrung der Verbrennung erheblich. Die spezifische Oberflche ebenso wie die Wrmeleitfhigkeit beeinflussen
die Geschwindigkeit des thermischen Prozesses. Sinnvolle quantitative Aussagen
lassen sich hier jedoch wegen der Inhomogenitt nicht machen.
Meist dient die Zndtemperatur als grobes Ma fr die Reaktionsfhigkeit
Beispielsweise nimmt die Reaktionsfhigkeit mit steigendem Inhalt an flchtigen
Bestandteilen zu, es sei denn, diese bestnden in zunehmendem Mae aus Wasser.
Whrend die Zndtemperatur fr Koks und Anthrazit ber 400 C betrgt, fr
sonstige Steinkohlen im Bereich von 200 bis 300 C liegt, rechnet man beim Mll
mit einer Zndung und Verbrennung erst oberhalb von 400 C [5.27].
Die Schttdichte schwankt stark mit der Zusammensetzung und dem Feuchtigkeitsgehalt und liegt zwischen 110 und 340 kg/m3 Im Vergleich zur Steinkohle
mit 700 bis 850 kg/m3 ist sie sehr gering.
Der Strmungswiderstand in der Mllschttung hngt entscheidend von dem
spezifischem Gewicht, der Schtthhe und dem von der Lagerdauer beeinfluten
Zustand (Verfestigungen) ab. Er betrgt fr einen Mll mit 250 kg/m3 Schttgewicht ca. 20 mm Wassersule pro 100 mm Schtthhe [5.27], kann aber je nach
Zusammensetzung, Vorverdichtungsgrad und Durchfeuchtung stark schwanken.
Der Strmungswiderstand nimmt in etwa proportional mit der Schttdichte ab.
Da jedoch Abweichungen von 200 % beim Mll mglich sind, erbringt der im
Vergleich zur Kohle niedrigere mittlere Widerstand keine Erleichterung bezglich
der Auslegung einer Anlage.
Fr den thermischen Wirkungsgrad entscheidend ist der Heizwert des Hausmlls. Im Vergleich zu den anderen blichen festen Brennstoffen liegt der Heizwert von unbehandeltem Hausmll mit etwa 8 700 kJ/kg relativ niedrig und betrgt etwa ein Viertel des Heizwertes von hochwertiger Steinkohle (32 000 kJ/kg)
[5.27].
Durch die Aufbereitung zu BRAM wird der Hausmll veredelt und der Heizwert im Mittel auf 16 000 kJ/kg angehoben.
Ein niedriger Heizwert fr Hausmll macht sich aus thermodynamischen Grnden in einer schlechteren Umformung der chemisch gebundenen Energie bemerkbar. Durch den Einsatz von BRAM lt sich gegenber Hausmll der thermische
Wirkungsgrad um ca. 8 bis 12% verbessern (s. auch Tabelle 5.21.).
Der niedrige Heizwert von Hausmll ist durch die hohen Asche- und Wassergehalte bedingt. Die entsprechenden Schlackeeigenschaften (Erweichungs-, Fliepunkt etc.) von Hausmll bei niedrigen Temperaturen fUhren bei der Verbrennung
zu erheblichen Schwierigkeiten. Vor allem Anbackungen an den Feuerraumwn-

5 Recycling von Abfllen

458
kJ/kg

16.000
14.000

1-

/y

.r.::-. h- ,_ .,...
~

1/

-- 1-.._ -- -

.-HH 0 ([Link])

12.000
10.000
8.000

0
0

..........

""'

....._ 1-o

--

, ,!-""

~
Hu ([Link])

6.000
4.000
2.000
0

F MA M J

0 N D J

F MA M J

A S 0 N

1982 1983
Bild 5.66. Saisonale Schwankungen des Brenn- und Heizwertes von Hausmll aus den Jahren
1982/83 fr die Stadt Wien [5.8]

den mssen durch vernderte konstruktive Gestaltungen der Anlagen gelst werden.
Durch die bereits dargestellten relativen und absoluten Schwankungen der
Stoffgruppen und der Abfallmengen ndert sich der Energieinhalt im Abfall im
Laufe des Jahres und lngerfristig ber die sich ndernden Lebensgewohnheiten.
Bild 5.66. zeigt die saisonalen Schwankungen des Brenn- und Heizwertes aus
den Jahren 1982/83 fiir die Stadt Wien. Der Brennwert H0 (kJ/kg TS) ist auf die
Trockensubstanz, und der Heizwert Ru (kJ/kg i. roh) ist bezogen auf den feuchten
Abfall dargestellt. Dadurch wird deutlich, da im grostdtischen Bereich den
groen jahreszeitlichen Schwankungen der frheren Jahre keine so groe Bedeutung beigemessen werden kann. Anband der Heizwerte fiir den feuchten Abfall
wird dessen Abhngigkeit vom Wassergehalt berdeutlich.
Ebenso wie ein Zusammenhang zwischen den Inhaltsstoffen des Abfalls und
dessen Energieinhalt besteht, ist auch ein entsprechender Zusammenhang fiir die
Schadstoffe im Hausmll anzunehmen.
Untersuchungen zeigen diesen Zusammenhang zwischen einzelnen Abfallkomponenten, Komgrenklassen und dem unterschiedlichen Anteil an Schadstoffen im HaushaltsabfalL
Die verschiedenen Verffentlichungen ber den Schadstoffgehalt im Haushaltsabfall variieren je nach Materialzusammensetzung, Probenahme, Probenaufbereitung und dem unterschiedlichen Aufschluverfahren.

42

II-I5

13,2

I8,8-2I,8

11

BRAP

Hausmll

3,8
bis
11,9

I3,I
bis
I8,9

BRAM

8,5

12

bis

2-5

28,5-29,9
Saar
Flammkohle

29
bis
30

I7
bis
25

I-10

30,5-32,6

Ruhrfettkohle

50-60

7,5-IO

Rheinische
Braunkohle
Mitteldeutsche
Braunkohle
BraunkohleBriketts
68,2

6,7

48
bis
53

I5
bis
I7

7
bis
30

8,5

23,8
bis
25,5

39,5

35,6
bis
47,5

79,1

80,8

63,3

5,2

66,I

2,75

5,5

5,3

53,4

11

k.A.

5,3

4,5
bis
6,8

5,27

4,5

5,0

4,8

6,5

Wasserstoff
[%]

50,4

Kohlenstoff
[%]

0,35

[%]

[%]

5,97
25-35

Asche

Wassergehalt

I5,I
IO-I5

Heizwert
[MJ/kg]

Hartholz
Torf

Brennstoff

k.A.

k.A.

22,3
bis
36,4

I,2

3,7

25,5

I9,6

25,3

42,4
28,5

Sauerstoff
[%]

0,8

0,5

O,I
I,5

k.A.

k.A.

0,4
bis
I,8

7.400

I,4

k.A.

Stickstoff
[%]

Tabelle 5.20. Vergleich verschiedener Brennstoffe (Brennstoffparameter) [5.110]

660
bis
850

730
bis
970

990
bis
5.400

8.000

[Link]

4.700

2.300

1.950

2.200
2.500

Schwefel
[mg/kg]

3.370
bis
4.200

1.000
bis
1.800

3.600
bis
I8.300

2.000
bis
90

1.000
bis
2.000

k.A.

k.A.

[mg/kg]

Chlor

k.A.

8
bis
20

I7
bis
59

I5
bis
IO

k.A.

k.A.

k.A.

[mg/kg]

Nickel

3
bis
5

0,7
bis
I,3

0,4
bis
9,I

I
bis
IOO

I
bis
IO

k.A.
k.A.

Cadmium
[mg/kg]

180
bis
640

95
bis
130

I40
bis
370

40
bis
50

5
bis
500

k.A.
k.A.

[mg/kg]

Blei

180
bis
300

IIO

I8
bis
2.250

20
bis
50

k.A.

k.A.

k.A.

[mglkg]

Kupfer

"'

V.

"""

iil
::s

i'::r

CD

<

Ul

(Q

c
::s

iil

c>
C'
CD

cn

;..,

460

5 Recycling von Abfllen

Tabelle 5.21. Schadstoffgehalte ausgewhlter, heizwertreicher Stoffe des Restabfalls[5.189]


Cd
[mglkg TS]

Pb
[mglkg TS]

Cr
[mglkgTS]

Cu
[mglkg TS]

Hg
[mglkg TS]

Papier, Pappe, Karton

0,13

13,6

1,75
0,27
35,6
22,5
6,16
0,53

150
33,1

28
90,8
15

60
30
40

0,56

Kunststoffverpackung
Verpackungsverbunde
Sonstige Kunststoffe
Sonstige Verbunde
Schuhe/Leder
Organik

427
19.142
155
64,4

30
118
2.255
45,6

150
15.200
27
110

0,23
1,73
0,42
0,2

0
0,14

In der Tabelle 5 .21. sind die Schwermetalle fr verschiedene Hausmllbestandteile als Hauptkomponenten des BRAM auf der Datenbasis von 1999 dargestellt.
Durch die getrennte Erfassung werden zum einen Brennstoffbestandteile, wie
Papier, Pappe, Karton und Kunststoffe getrennt erfat und stehen fr einen Ersatzbrennstoff nicht mehr zur V erfilgung. Zum anderen werden durch die getrennte
Wertstofferfassung des Dualen Systems und der Bioabfallsammlung im wesentlichen schadstoffarme Stoffe/Produkte abgetrennt, whrend andere Stoffe/Produkte
im Restabfall verbleiben. Deutlich erkennbar sind in Tabelle 5.21. die Unterschiede zwischen kurzlebigen, i.d.R. schadstoffarmen Verbrauchsmaterialien (PPK,
Kunststoffverpackungen, Verpackungsverbunde) und langlebigen Konsumgtern
(Sonstige Kunststoffe, sonstige Verbunde, Schuhe, Leder). Bei einer stndigen
Steigerung der getrennten Wertstofferfassung ist ein Anstieg des Schadstoffgehaltes im Stoffstrom der Ersatzbrennstoffe zu erwarten.
Da die eingesetzte Aufbereitungstechnik wesentlichen Einflu auf die Eigenschaften des Ersatzbrennstoffes hat, wurde bereits bei der Klassifizierung der
Ersatzbrennstoffe genutzt. Die American Society of Testing and Materials
(ASTM) hat in der Vergangenheit eine auch in Europa vielbeachtete Klassifizierung fr EBS im Hinblick auf die Zusammensetzung und die chemischen Eigenschaften entwickelt, die in Tabelle 5.22. dargestellt ist. Die ersten fnf Gliederungspunkte der ASTM sind fr die feste EBS-Herstellung relevant.
Tabelle 5.22. Klassifizierung von mglichen EBS-Spezifikatoren vom ASTM Committee
[5.189]
EBS-1
EBS-2
EBS-3

EBS-4
EBS-5
EBS-6
EBS-7

Rohmll
Zerkleinerter Rohmll mit (ohne) Magnetscheidung
Zerkleinerter Hausmll nach der Magnetscheidung und Entfernung von Glas und
anderen anorganischen Stoffen. Die Komgre betrgt 95 Gew.-% < 50,8 mm Quadratloch (2 inch)
Staubfnniger EBS mit 95 Gew.-% < 2 mm (10 mesh)
Brikettierter und pelletierter EBS
Die brennbaren Bestandteile des Abfalls weiter aufbereitet zu flssigem Brennstoff
Die brennbaren Bestandteile des Abfalls weiter aufbereitet zu gas:filrmigem Brennstoff

5.2 Aufbereitungsverfahren

461

Die Bemhungen um eine Klassifizierung von EBS in der Vergangenheit sind


vollstndig in Vergessenheit geraten und werden erst seit kurzem wieder aufgenommen, beispielsweise durch die "Bundesgtegemeinschaft Ersatzbrennstoffe
e.V." oder die "Gtegemeinschaft Sekundrbrennstoffe i.G.". Die Erarbeitung von
Qualittsrichtlinien und Qualittssicherungssytemen ist eine Voraussetzung fiir
einen erhhten Einsatz von Ersatzbrennstoffen.
Wendet man die Methode der Brennstoffspezifikation basierend auf der eingesetzten Verfahrenstechnik auf die derzeit in Deutschland diskutierten Konzepte
zur Gewinnung von Ersatzbrennstoffen an, so scheint eine Einteilung in drei
Gruppen mglich:
I. Trocknung mit Abtrennung der Metallfraktion (ggf. inerte Materialien),
2. Abtrennung heizwertreicher, trockener Bestandteile,
3. selektive Abtrennung einzelner, schadstoffarmer Brennstoffe (derzeit Forschungs- und Entwicklungsvorhaben).
Bei der BRAM-Herstellung knnen durch geeignete Sortiermethoden die besonders schadstofthaltigen Kunststoff-Gebrauchsgegenstnde aus dem Endprodukt
herausgehalten werden, so da nur Gewebe und Folien mit einer geringeren Belastung in nennenswerten Anteilen im Brennstoff enthalten sind.
Schadstoffreduktion durch Abfallaufbereitung
Um die Nachteile der Verbrennung von Hausmll zu minimieren, bietet eine vor
der Verbrennung betriebene Aufbereitungsanlage die Mglichkeit, die chemischen
und physikalischen Eigenschaften des Eingabegutes zu verbessern.
Aus Bild 5.67. wird deutlich, da der Hausmll nach dem Magnetscheider und
der Zerkleinerung das erste Klassieraggregat durchluft. Dieses Spannwellensieb
trennt bereits das Material in eine Kompostrohfraktion (KRF) und in einen losen
BRAM.
In den folgenden Bildern wird bereits erkennbar, welche Bedeutung die Abtrennung der Kompostfraktion fiir den brennbaren Anteil des Hausmlls hat. Um
die folgenden prozentualen Bilanzen hinsichtlich der Aussagekraft zu verbessern,
sind fiir den Input jeweils die absoluten Werte der dargestellten Schadstoffe und
physikalischen Brennstoffwerte angegeben.
Mit Hilfe der in Bild 5.68. dargestellten Massenbilanz wird auch die Relevanz
der relativen Aussagen deutlich.
Aus der Massenbilanz wird sichtbar, da 58 Gew.-% des zerkleinerten Hausmlls als Brennstoff wiedergewinnbar sind. Durch weitere nachgeschaltete Autbereitungsaggregate, wie Windsiebter und Sieb, reduziert sich der gewonnene
Brennstoff auf 39,7 Gew.-%.
Bezogen auf den Input lassen sich fiir die Hauptkomponenten des BRAM folgende Wiedergewinnungsraten bestimmen:
72,3 %
- Papier und Pappe:
64,6 %
- Kunststoffe :
49,0 %
- Textilien:
bilden 87,9 Gew.-% der Brennstofffraktion. Durch
Abfallkomponenten
Diese drei
die geringe Feuchte und dem niedrigen Aschegehalt ergibt sich eine deutliche
Verringerung der strenden Bestandteile.

462

5 Recycling von Abfllen


Hausmll

Fe- Metall

1.
2.
3.
3a.
3b.
4.
5.
6.

Rohmll zerkleinert ohne Fe - Me1all


Oberkorn >18 mm
Kompostrohfraktion <18 mm
Kompostfraktion -fein <5mm
Kompostrohfraktion 5-10 mm
Windsichterschwerfraktlon
lose BRAM - Fraktion
Feinkorn aus der Nachreinigung

Bild 5.67. Schematische Darstellung des Probenahmeplans zur Bilanzierung der Sortieranlage in
Wien [5.32]

Massenbilanz

<Smm
25,8%

5 10mm >10mm SF <~mnr


11.~% 3,3% 9,3% 5".

)~ mm

39,7".

Bild 5.68. Massenbilanz der untersuchten Sortieranlage mit Hausmll [5.8]

5.2 Aufbereitungsverfahren

>4111111
57,3"1.

SF
11,7 e;.

<SIM S"i0nvft>10mm
13,8 '!. 1),4"1. 3,9 e;.

463

<4111m

2,9"1.

Bild 5.69. Energiebilanz fiir den aufbereiteten Hausmll auf der Basis des Brennwertes [5.8]

<Smm

5-10mm >10111m

30,3%

10,5%

2,5%

SF
12,6%

>4mlll

35,5%

<4mlll

8,6%

Bild 5.70. Bilanz der Summe der PAH's (polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe) [5.8]

Die Energiebilanz in Bild 5.69., auf der Basis des Brennwertes erstellt, zeigt deutlich eine Anreicherung des Brennwertes auf Ho = 18,9 MJ/kg Brennstoff. Whrend die Brennstoftbestandteile Schwefel, Fluor und Stickstoff im Hausmll nur
relativ gering vertreten sind, kommt Chlor in erheblichen Konzentrationen vor.
In der Tabelle 5.23. sind der Schadstoffgehalt fr BRAM und der Reduktionsgrad im Verhltnis zum Haus- und Gewerbeabfall dargestellt. Es wird deutlich,
da sich bezogen auf die Masse Chlor nicht und Schwefel nur sehr geringfgig
verndern. Bezogen auf den Energiegehalt des erzeugten Brennstoffs betrgt die
Reduktion der Schadstoffe gegenber dem Ausgangsmaterial jedoch auch bei

464

5 Recycling von Abfllen

Chlor fast 40 %. Erstmals dargestellt ist in der 6. Zeile die Summe aus sieben
polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAH), wie Benzapyren, Perylen, Pyren, etc., die gefhrliche organische Verbindungen im Feuerraum bilden
knnen. Auch hier gibt es, bezogen auf den Energiegehalt, eine Reduktion um
70%.
Tabelle 5.23. Schadstoffgehalt filr BRAM und der Reduktionsgrad bezogen auf den Einsatzstoff
Haus- und GeschftsmlL Energiegehalt: BRAM: H.. = 11,6 MJ (Feuchte 28,2 %); Haus- und
Geschftsmll: H.. = 7,9 MJ (Feuchte 31,3 %) [5.34]
Schadstoffe

Cd
Pb
Cu
Zn
Cr
PAH
(Summe)
Cl
Forg

BRAM

Hausmll

[mw'kg TS] [mg!MJ]

[mw'kg TS] [mg!MJ]

Reduktionsgrad [%],
nach
Masse
Energiegehalt
1,85
2,68
1,78
2,61
2,46
3,62
1,41
2,08
1,21
1,78
1,17
1,71

4,7
307
140
676
89
3,6

0,41
26,47
12,07
58,28
7,67
0,31

8,7
345
345
956
108
4,2

1,01
68,99
43,67
121,01
13,67
0,53

7200
67

620,69
5,78

6800
101

860,76
12,78

0,94
1,51

1,39
2,21

4800

413,79

5100

645,51

1,06

1,56

[Link]
Carbo-Sed-Verfahren
Unter dem Carbo-Sed-Verfahren ist die Aufbereitung von Klrschlamm zu Brennstoffen zu verstehen. Das Blockschaltbild des Carbo-Sed-Verfahrens ist in Bild
5. 71. wiedergegeben.
Das besondere Kennzeichen dieses Verfahrens ist die Verwendung von Flotationskohlekonzentrat, das als Filterhilfsmittel bei der mechanischen Entwsserung
in Filterpressen eingesetzt wird, und der Zusatz von gezielt ausgewhlten Polyelektrolyten (anionisches Flockungshilfsmittel Sedipur), die eine stabile Flocke
auch bei hohen Drcken in der Filterpresse gewhrleisten. Diese Kombination
ermglicht eine optimale Vorentwsserung, die ber die Verfahrensstufen Eindickung, Durchmischen in Doppelwellenmischem, Sedimentation bzw. Flokkungsstabilisierung in sog. Kontaktwerken und weitgehende Vorentwsserung
ber Kammerfilterpressen luft. Ein Mischungsverhltnis von [Link] von 1:1,3 hat sich dabei als optimal erwiesen. Der Filterkuchen
aus Kohle und vorgetrockneter Schlammtrockensubstanz wird ber eine Zwischenbunkerung in Drehrohrtrommeltrocknem auf Feststoff-Gehatte von ca. 90 %
getrocknet. Dieses Feststoff-Gemisch wird zum Teil als Brennstoff filr die Brennkammern, die zur Erzeugung der Trocknungsgase dienen, verwendet. Der filr die

5.2 Aufbereitungsverfahren

t80"C

465

Trockengu~

4fll
V
Bunktr

.........__...__.__ ..J

01

____;

i
~

.1

Sw

Kohle

[Link]

Q:

CJ-~[Link] I,

t<ohla
Luft _ _ _ _ _ _ ____.
Kohle

Bild 5.71. Blockschaltbild Carbo-Sed-Verfahren der BASF [5.95]

Trocknung nicht bentigte Teil wird im Trockengut-Bunker gelagert, um von dort


aus auf Kraftwerke zur weiteren Verwendung verteilt zu werden.
Die Heigaserzeugung und -filhrung ist in Bild 5.71. in dem mit- Trocknunggekennzeichneten Abschnitt zu sehen. Durch die alternative Verbrennung im
Heigaserzeuger- Trockengut, Kohle oder l - lassen sich Brenngase auf 800 oc
erhitzen, die einerseits dem Trockner zugeftlhrt, andererseits zur Vorerhitzung der
Verbrennungsluft verwendet werden. Die den Trockner durchlaufenden Gase
verlassen nach Abscheidung des Feststoffes diesen mit Temperaturen von ungefiihr 180 oc und werden dem Kreislaufgas wieder zugeftlhrt. Die Gasreinigung
erfolgt ber einen Elektrofilter.
Das Carbo-Sed-Verfahren wurde 1981 von der BASF AG ftlr eine Klranlage
der Abwsser des Werkes Ludwigshafen und der Stdte Ludwigshafen und Fran-

466

5 Recycling von Abfllen

kenthal mit einer Ausbaugre von 6,25 Mio. EGW (EGW = Einwohnergleichwerte) entwickelt. Der Schlammanfall ist seit 1975 von 235 Mg TS/d aufber 400
Mg TS/d 1985 gestiegen. Bei der BASF wurden knapp 100 Schlmme aus kommunalen und industriellen Klranlagen auf ihre Anwendbarkeit fr das CarboSed-Verfahren untersucht. Es stellte sich heraus, da fr den Feststoffgehalt des
Filterkuchens das Verhltnis von Primr- und Sekundrschlamm und der organische Anteil der Schlammtrockensubstanz von Bedeutung sind (s. Bild 5.71.). Je
hher der Primrschlammanteil und je niedriger der organische Anteil, desto besser sind Schlmme entwsserbar und um so hher ist der Feststoffgehalt

[Link]

Holzhackschnitzel

Der Einsatz von Holzhackschnitzeln in der Verbrennung zur Nutzung des hohen
Heizwertes des Abfallholzes konkurriert mit der stofflichen Verwertung [5.45].
Bestimmte Altholzfraktionen (Rohholzabflle aus den Tischlereien, bestimmte
Bauholzbestandteile etc.) knnen einer stofflichen Verwertung, z.B. in der Spanplattenindustrie, zugefilhrt werden, jedoch fr z.B. mit Teerl behandeltes Altholz
ist diese Verwertungsmglichkeit aufgrund des Geruches ausgeschlossen.
Fr die nicht stofflich verwertbaren Sortimente des behandelten Holzes ist eine
Entsorgung als besonders berwachungsbedrftige Abfiille vorzusehen (Deponierung, Verbrennung). Verwerter, Verbnde (z.B. Bundesverband der Altholzautbereiter und -verwerter e.V.) und Institute (z.B. Wilhelm-Klauditz-Institut Braunschweig), die sich mit der Problematik der Verwertung behandelten Holzes auseinandersetzen, untersuchen Mglichkeiten, die eine thermische Nutzung unter
bestimmten Voraussetzungen zulassen.
Neben einer stofflichen Verwertung sollte auch eine thermische Nutzung von
behandeltem Altholz in eine Verwertungsstrategie einbezogen werden, die auch
fr holzschutzmittelhaltige Holzreste eine evtl. eingeschrnkte Zulassung als Festbrennstoff ermglicht. Voraussetzung dafr ist die Bereitstellung einer dafr geeigneten und genehmigten Feuerungsanlage.
Bei einer Verbrennung in einer mehrstufigen Holzfeuerungsanlage ist die Minimierung der Emissionen durch eine Optimierung des Brennverhaltens entscheidend. Im Falle des unvollstndigen Ausbrands entstehen vielfach relativ hohe
Emissionen durch Kohlenmonoxid und Kohlenwasserstoffe. Das heit, da durch
konstruktive und verbrennungstechnische Manahmen die Voraussetzungen fr
eine mglichst vollstndige Oxidation des behandelten Holzes geschaffen werden
mssen. Ausbrandinhibitoren (z.B. Alkaliverbindungen in Phenolharzen und
Holzschutzmitteln) stren die Verbrennung und filhren zu erhhten Emissionswerten. Es gibt ebenfalls Bestandteile des behandelten Holzes, die das Brennverhalten gnstig beeinflussen (z.B. Aminoplastharze, Ammoniumverbindungen),
die jedoch aufgrund des Stickstoffgehaltes zu einer Erhhung der Stickoxidbelastung filhren. Die Reduzierung des Stickoxidausstoes ist durch die Rauchgasrckfilhrung und eine optimierte Brennluftzufilhrung mit langer Reduktionszone
mglich. Als Sekundrmanahme bietet sich eine Entstickung der Rauchgase an
[5.157].

5.2 Aufbereitungsverfahren

467

Der Chlorgehalt, der schon bei ,,naturbelassenem Holz" in Grenordnungen bis


ca. 50 ppm vorhanden ist, fllhrt bei Holzfeuerungen zur Bildung von Dibenzodioxine (PCCD) und Dibenzofurane (PCDF). Bei der Behandlung von Holz sollte
deshalb eine Verringerung des Chlorgehaltes angestrebt werden [5.157].
Bei der Problematik der Holzschutzmittel-Behandlung ist anzumerken, da nur
etwa 25 % der angebotenen Mittel in Deutschland auf ihre Gebrauchstauglichkeit,
gesundheitliche Auswirkungen und Umweltvertrglichkeit geprft sind. Derartige
Bewertungen werden durch das Institut filr Bautechnik (lffit) und von der RALGtegemeinschaft Holzschutzmittel e.V. durchgefhrt. Es wird empfohlen, entweder industriell behandeltes Holz oder Holzschutzmittel mit dem RALGtezeichen zu nutzen [5.158].
Aufbereitung
Das Abfallholz wird zu Grobschnitzeln (50 bis 300 mm) oder Feinschnitzeln (10
bis 50 mm) in Hammermhlen zerkleinert. Horizontal beschickte Hammermhlen
haben sich gegen Hacker und Trommelreier durchgesetzt, da sie einem geringeren Verschlei unterliegen [5.46]. Die Zerkleinerung dient der weitgehenden
Auflsung der Verbindung Metall/Holz, um die automatische Fe- und NEMetallseparierung (Ngel, Schrauben, Scharniere) zu erleichtern. Weiterhin wird
durch das Shreddern des Materials ein teilweises Abtrennen von Verschmutzungen und evtl. Beschichtungen ermglicht, die z.B. bei Bauholzfraktionen in Form von Erde- und Betonanhaftungen sowie Lackierungen auftreten. Verschmutzungen und Lackreste knnen durch zwischengeschaltete Aggregate (z.B. Sichter) separiert werden. Waschanlagen zur Entfernung von Verschmutzungen sollten aufgrund der Abwasserproblematik nicht eingesetzt werden.
Die hier eingesetzten Aggregate sind in Kapitel 5.1 detailliert beschrieben.
Einsatzmglichkeiten
Die Holzhackschnitzel knnen in automatisierten Feuerungen, die im Leistungsbereich zwischen 100 und 4 000 kW angeboten werden, und in der Holzvergasung
eingesetzt werden. Falls Holz nicht behandelt wurde, ist auch ein Einsatz in Kleinfeuerungsanlagen mglich, aufgrund der stofflichen Verwertungsmglichkeiten
jedoch nicht anzustreben [5.45].

[Link]
Brennstoff aus Papier (BRAP)
Die Papierfraktion des Hausmlls bietet sich mit ihrem hohen Heizwert von ca. 15
000 kJ/kg zur Erzeugung eines speziellen Brennstoffes, dem Brennstoff aus Papier, BRAP, an. Diese Verwertung konkurriert allerdings mit der stofflichen Verwertung des Altpapier-Recyclings, bei dem smtliche Materialeigenschaften erhalten werden und eine Mehrfachnutzung mglich ist [5.44]. Da die Altpapiererfassung und das Altpapierrecycling bis auf 56 % im Jahr 1988 in der Bundesrepublik Deutschland [5.43] angestiegen ist, hat sich die Erzeugung von BRAP bisher
nicht durchgesetzt. Allerdings zeichnet sich seit Beginn der neunziger Jahre eine
andere Tendenz ab.
Seitens der Papierindustrie wird angestrebt, nicht mehr verwertbare untere
Altpapiersorten gemeinsam mit den Abwasserbehandlungsschlmmen der Papier-

468

5 Recycling von Abfllen

fabriken zu verbrennen. Dabei sind Schlamm/Papierverhltnisse von 25 zu 75%


mglich. Eine gemeinsame Verbrennung htte zwei Vorteile:
1. Eine kombinierte Papier-/Schlammverbrennung ist ohne Zusatz anderer Brennstoffe mglich, da Papier einen ausreichenden Heizwert besitzt. Das fUhrt zu
Einsparung von Primrenergie.
2. Mit derartigen Verbrennungsanlagen lassen sich, je nach Anteil des Altpapiereinsatzes, bis zu 60 % des thermischen und bis zu 10 % des elektrischen
Energiebedarfes einer Papierfabrik decken.
Eine Verbrennung der unteren Altpapiersorten in den Papierfabriken hngt allerdings wesentlich von bundespolitischen Entscheidungen ab. So ist nicht abzusehen, ob eine Verbrennung von prinzipiell stofflich verwertbarem Altpapier geduldet wrde.

5.3
Vermarktung von Recycling-Produkten
5.3.1

Allgemeine Bemerkungen

Auf der Grundlage des 14 Abs. 2 AbfG hat die Bundesregierung bereits die
"Verordnung ber die Vermeidung von Verpackungsabfllen (VerpackV)" erlassen, eine "Verordnung ber die Vermeidung und Verwertung von Abfllen aus
Druckerzeugnissen sowie Bro- und Administrationspapieren (AlpapV)" wird in
naher Zukunft folgen. Beiden Verordnungen gemeinsam ist die Option, ein haushaltsnahes Rcknahmesystem fr Verpackungen bzw. Altpapier aufzubauen, anderenfalls an bestehenden teilzunehmen (Duales System) (vgl. Kap. 1.3.5 und
3.2.1). Die Entsorgung des Endverbrauches verluft danach zweigleisig (dual).
Whrend die entsorgungspflichtige Krperschaft fr die Abfuhr des Restmlls,
Sperrmlls etc. zustndig ist, trgt die Wirtschaft fr die von ihr initiierten Sammetsysteme fr Verpackungen und Altpapier die Verantwortung.
Die Motivation der Brger zur Teilnahme am Dualen System ist relativ hoch,
so da die bisher erzielten Sammeierfolge Schwierigkeiten bereiten, da die fr die
Weiterbehandlung erforderlichen Einrichtungen nicht im gleichen Tempo errichtet, ausgebaut und in Betrieb genommen werden knnen. Als Folge mssen Zwischenlager aufgestockt bzw. neu eingerichtet werden. Besonders schwierig gestaltet sich die Sachlage fr DSD-Kunststoffverpackungen. Auch bei Glas und
Papier zeigt sich die Situation aufgrund der schwachen Konjunktur 1992/93 gespannt. Als Reaktion hebt das DSD die Gebhren fr den Grnen Punkt teilweise
deutlich an.
Die Verordnungen wenden sich ausschlielich an Hersteller und Verarbeiter,
nicht aber an die entsorgungspflichtigen Krperschaften oder an den Verbraucher.
Damit besteht fr diesen kein Zwang, am Dualen System teilzunehmen. Das
Duale System ist darber hinaus eine privatwirtschaftliche betriebene Sammlung
und fllt nicht unter den Begriff der Abfallentsorgung.

5.3 Vermarktung von Recycling-Produkten

469

[Link]
Marktanalyse
Aus der Praxis ist bekannt, da die Vermarktung der Produkte aus Recyclinganlagen das schwchste Glied in der Kette des Wertstoffkreislaufes darstellt. Wie die
Erfahrungen bei Kompostierungsanlagen gezeigt haben, ist die ffentliche Hand
selten in der Lage, Produkte aus Entsorgungsanlagen professionell zu vermarkten.
Neben der Entsorgungsfunktion haben die Recyclinganlagen die Funktion der
Produktion von Produkten, die auf dem Markt abgesetzt werden mssen. Die
wirtschaftlichen Konsequenzen werden von den Betreibern der kommunalen Anlagen selten erfat. Je nach Standort und Marktsituation unterscheiden sich die
Erlse fr die gleichen Recyclingprodukte erheblich. Fr jeden Standort gilt, da
alle wiedergewonnenen Rohstoffe auf Mrkte stoen, die bereits durch Konkurrenz-Primrrohstoffe besetzt sind. Da die Rohstoffe aus den Recyclinganlagen nur
teilweise die Qualitt der Konkurrenzrohstoffe erreichen, kann nur ein wesentlich
niedrigerer Preis den Zugang zu diesen Mrkten erffnen [5.8].
Im Rahmen einer Markterhebung ist zunchst das reale Mengenaufkommen an
potentiellen Wertstoffen im Einzugsgebiet des Standortes der Analge zu ermitteln.
Weiterhin sind die derzeitigen Verwertungs- und Entsorgungswege sowie deren
Kosten darzustellen.
Darber hinaus wird auch der Bereich Logistik mit in die Betrachtung einbezogen. Neben der Ermittlung anderer Entsorgungsbetriebe, die Wertstoffe sammeln
und verwerten, ist vor allem im Bereich von Sammlung und Transport zu untersuchen, inwieweit Optimierungsmanahmen mglich sind.
In Abhngigkeit von den Verwertungskosten fr die produzierte Ware und den
voraussichtlichen Investitions- und Betriebskosten der Anlage ist der Annahmepreis fr die Wertstoffe zu berechnen. Nach Vorlage dieses Preises mu mit den
entsprechenden entsorgungspflichtigen Krperschaften der jeweiligen Einzugsgebiete verhandelt werden, ob die Bereitschaft einer Abgabe von Wertstoffen unter
der Voraussetzung des kalkulierten Annahmepreises besteht.
Nach Vorliegen aller wirtschaftlichen Daten kann nun der Produktpreis ermittelt werden, der um konkurrenzfhig zu sein, kleiner oder hchsten gleich dem
Preis fr Produkte aus Primrmaterial sein mu.

[Link]
Produktverkauf und Leistungsparameter
Die Erfahrungen zeigen, da es wnschenswert ist, die Recyclingprodukte Kompost, Papier, Pappe, Kunststoff, Glas und Metalle hinsichtlich der Qualittsmerkmale eindeutig zu definieren. Aufgrund der Inhomogenitt des Ausgangsstoffes Abfall ist es aber nur schwer mglich, die Bandbreite der Qualittsmerkmale sehr eng zu halten. Der jeweilige Produktabnehmer mu daher entweder auf
diese Bandbreiten eingestellt sein oder derart im Einflubereich der entsorgenden
Krperschaft oder beim Setreiber der Anlage liegen, da die Abweichungen toleriert und nicht zum Kriterium des Gesamtfunktionierens der Recyclinganlage
werden knnen.

470

5 Recycling von Abfllen

Neben den Marktuntersuchungen ber Absatzmglichkeiten, Spezifikationen und


Preisgestaltung der Produkte sollte ein Konzept fiir die geeignetsten Sammelrouten oder die getrennte Sammlung, z.B. durch die Grnde- oder Wertstoffi:onne
erarbeitet werden. Dies ist erforderlich, um recyclingfreundliche Abfallbestandteile wie Papier, Pappe, Vegetabilien oder ganze Partien wertstoffreichen Geschftsmlls mglichst unverschmutzt in der Recyclinganlage einzusetzen.

[Link]

Frdermglichkeiten des Absatzes

Zur Frderung des Absatzes knnen insbesondere die verarbeitende Industrie, der
Handel, der Verbraucher und die ffentliche Hand beitragen [5.96].
Verarbeitende Industrie
Besonders bedeutsam ist die Erweiterung vorhandener Verwertungskapazitten (z.
B. Deinkanlagen, Altglasaufbereitung, Kunststoffgranulierung) sowie die Weiterentwicklung von Verfahren zur Aufbereitung von Wertstoffen. Wichtig ist darber
hinaus die Entwicklung neuer Produkte, die aus den erfaten Wertstoffen hergestellt werden knnen.
Handel
Wnschenswert ist eine strkere Untersttzung des Vertriebs sowie eine Preisgestaltung zugunsten von Recyclingprodukten, insbesondere whrend der Einfhrungsphase.
Verbraucher
Von ausschlaggebender Bedeutung fiir die Frderung der Absatzmglichkeiten ist
eine verstrkte Nachfrage von seitens des Verbrauches nach Waren und Gtern,
die erkennbar mit hohen Anteilen aus Recyclingstoffen hergestellt werden. Auch
die Verbraucherverbnde haben hier eine bedeutsame Rolle, die es verstrkt zu
erfiillen gilt.
ffentliche Hand
Die ffentliche Hand kann durch eine vielseitige Palette bei der Frderung der
Absatzmglichkeiten behilflich sein.
Hierzu sind vor allem zu nennen:
- Frderung von Forschungs- und Modellvorhaben,
- Steuerliche Begnstigung zur Schaffung weiterer Kapazitten bei der Verarbeitung von Wertstoffen zu Gtern,
- Finanzielle .Hilfen zur Verbesserung und Verbreitung vorhandener und noch
einzufUhrender technischer Anlagen und Technologien,
- Verbrauch von Waren und Gtern aus Sekundrrohstoffen in grerem Umfang
als bisher in ffentlichen Einrichtungen und Betrieben,
- Erzeugung von Anreizen zur Verwendung solcher Gter, z.B. durch nderung
der Gtevorschriften und Normen,
- Gezielte Beschlsse und Empfehlungen der Umweltminister zur Verwendung
von Recyclingprodukten,

5.3 Vermarktung von Recycling-Produkten

471

- Verstrkte ffentlichkeitsarbeit zum Einsatz und Vertrieb solcher Sekundrprodukte.

5.3.2

Papier und Pappe

Die Altpapierverwertung hat eine lange Tradition. Auch nach dem zweiten Weltkrieg war die Altpapierverwertung in der Bundesrepublik Deutschland bis zum
Aufkommen der Wegwerfmentalitt allgemein blich. Diese Entwicklung wurde
auch durch die niedrigen Kosten der damals weitgehend ungeordneten Abfallbeseitigung mglich. Erst die einsetzende Verknappung der Ressourcen sowie die
hheren Anforderungen an die Abfallbeseitigung und die damit verbundenen
hheren Kosten machten die Altpapierverwertung aus dem Haushaltsbereich wieder attraktiver. Diese Entwicklung wurde erleichtert, weil der Rohstofthandel
traditionell auf diesem Gebiet ttig ist. Papier- und Kartonfabriken muten sich
lediglich an die Qualitt der neuen Sorten anpassen.
Seit 1972 wird in der Bundesrepublik eine getrennte Altpapiersammlung
durchgeftihrt.
Bisherige Stimulanz ftlr die getrennte Erfassung und Zufilhrung zur stofflichen
Verwertung ist die Hhe der alternativ zu zahlenden Abfallgebhr.

[Link]
Qualitiitsanforderungen
Die Qualittsanforderungen an Altpapier wurden vom Verband Deutscher Papierfabriken in einer Sortenliste festgehalten. In dieser Liste wurden ber 40 Standardqualitten in ftlnf Gruppen beschrieben. Diese Liste wurde durch die - European List of Standard Grades of Recovered Paper and Board- ersetzt. Die strkere
Vernetzung der Europischen Papierfabriken, des Altpapierhandels und der
grenzberschreitende Handel mit den unterschiedlichen Papiersorten fllhrte zu
dieser Liste.
Aus der deutschen Altpapierliste wurde die Definition und Formulierung ftlr
"Unerwnschte Papiere und Pappen" bernommen. Damit ist Altpapier prinzipiell
frei von unerwnschten Stoffen zu liefern. Dies gilt nicht ftlr unerwnschte Papiersorten.
In der Liste wird auch festgehalten, da Altpapier aus Abfallsortieranlagen
nicht ftlr den Einsatz in der Papierindustrie geeignet ist. Es wird auch erwartet,
da Altpapier aus der Multikomponentensammlung entsprechend gekennzeichnet
wird und nicht mit anderem Recyclingpapier ohne Kennzeichnung vermischt
werden darf.
Darber hinaus spielt der Feuchtegehalt im Altpapier eine neue Rolle. Bei einer
Lieferung von Altpapier mit mehr als I 0 % Feuchtegehalt kann das berschssige
Gewicht zurckgewiesen werden.
Bild 5.72. zeigt schematisch die Erfassung, Sortierung, Aufbereitung und Einsatz des Altpapiers aus Haushalt und Gewerbe unter Bercksichtigung ausgewhlter Altpapiersorten der alten nationalen und der neuen Europischen Altpapiersortenliste.

472

5 Recycling von Abfllen

Tabelle 5.24. Europische Altpapiersortenliste-Aus zug (Stand Februar 1999) [5.97]

1.01

1.02

1.03

1.04

1.05
1.06
1.06
.01
1.07

1.08

1.09

1.10

1.11

GROUP I - ORDINARY GRADES- Untere Sorten


Mixedpaper and board, unsorted, but unusable materials removed (Entspricht Bl5)
A mixture of various grades of paper and board, without restriction on short fibre
content.
Mixedpapersand board (sorted) (Entspricht Bl2)
A mixture of various qualities of paper and board, containing a maximum of 40% of
newspaper and magazines.
Grey board (Entspricht B42/Hl2)
Printed and unprinted white lined unlined grey board or mixed board, free from corrugated material.
Supermarket corrugated paper and board (Entspricht Bl9)
Used paper and board packaging, containing a minimum of 70% of corrugated board,
the rest being solid board and wrapping papers.
Old corrugated containers (Neu)
Used boxes and sheets of corrugated board ofvarious qualities.
Unsold magazines (Entspricht D21)
Unsold magazines, with or without glue.
Unsold magazines without glue (Entspricht D29)
Unsold magazines without glue.
Telephone Books (Neu)
New and used telephone books, with unlimited content of pages coloured in the mass,
with and without glue. Shavings allowed.
Mixednewspaper and magazines I (Entspricht D31)
A mixture of newspaper and magazines, containing a minimum of 50% of newspaper,
with or without glue.
Mixednewspaper and magazines I !(Entspricht D31)
A mixture of newspaper and magazines, containing a minimum of 60% of newspaper,
with or without glue.
Mixedmagazinesand newspaper (Neu)
A mixture of newspaper and magazines, containing a minimum of 60% of magazines,
with or without glue.
Sorted graphic paper for deinking (Entspricht D39)
Sorted graphic papier from households, newspaper and magazines, each at a minimum
of 40 %. The percentage of nondeinkable paper and board should be reduced over time
to a maximum Ievel of 1.5 %. The actual percentage is to be negotiated between buyer
and seller.
GROUP 2 - MEDIUM GRADES -Mittlere Sorten

2.01

2.02

Newspaper (Entspricht El2)


Newspaper, containing a maximum of 5 % of newspaper or advertisements coloured in
the mass.
Unsold newspaper (Neu)
Unsold daily newspaper, free from additional inserts or illustrated material coloured in
the mass.
2.02.01 - Unsold newspaper, no flexo-graphic printing allowed
Unsold daily newspaper, free from additional inserts or illustrated material coloured in
the mass, strings allowed. No flexographic printed material allowed.

5.3 Vennarktung von Recycling-Produkten

473

Tabelle 5.24. (Fortsetzung) Europische Altpapiersortenliste-Auszug (Stand Februar 1999)


[5.97]

2.05
2.09
2.10
2.11

2.12

Sorted office papier (Entspricht J 11)


Sorted office paper.
Carbonless copy paper
Carbonless copy paper.
Bleached woodfree PE-coated board (Entspricht H22)
Bleached woodfree PE-coated board from board manufacturers and converters.
Other PE-coated board (Entspricht H22)
Other PE-coated board. May contain unbleached board and paper from board manufacturers and converters.
Mechanical pulp based computer print-out (Entspricht F12)
Continous computer print-out, mechanical pulp based, sorted by colours, may include
recycled fibres.
GROUP 3- HIGH GRADES -Bessere Sorten

Diese Papiersorten haben in der Abfallwirtschaft nur eine sehr geringe Bedeutung
GROUP 4- KRAFT GRADES - Krafthaltige Sorten
4.01

New shavings of corrugated board (Entspricht W41)


Shavings of currugated board, with Iiner of kraft or testliner.
4.01.01.- Unused corrugated kraft
Unused boxes, sheets and shavings of corrugated board, with kraft Iiners only, the
fluting made from chemical or thermo-chemical pulp.
4.01.02.- Unused corrugating material

4.02

5.01
5.02

5.03

5.04

5.05

Unused boxes, sheets and shavings of corrugated board, with Iiners ofkraft or testliner.
Used corrugated kraft 1 (Entspricht W62)
Used boxes of corrugated board, with kraft Iiners only, the fluting made from chemical
or thermo-chemical pulp.
GROUP 5 -SPECIAL GRADES - Sondersorten
Mixed recovered paper and board (Entspricht AOO)
Unsorted paper and board, separated at source.
Mixed packaging (Neu)
A mixture ofvarious qualities ofused paper and board packaging, free from newspaper
and magazines.
Liquidboard packaging (Entspricht B22)
Used liquid packaging board including used PE-coated liquid packaging board (with or
without aluminium content), containing a minimum of 50% by weight of fibres, and
the balance being aluminium or coatings.
Wrapper kraft (Neu)
Poly-lined, sprayed, or Iaminated used kraft. Must not contain bitumen or wax coatings.
Wet Iabels (Entspricht X01)
Used wet Iabels from wet-strength papers, containing a maximum of 1% glass content,
and a maximum of 50% moisture, without other unusable materials.

5 Recycling von Abfllen

474

Altpapier aus Haushalten

Altpapier aus dem Gewerbe

Andere
Sortiertrakiionen

z. B. Graukarton
Vollpappe

z. B. Zeitungsdruckpapier

z. B. Wellpappenrohpapiere,
Hygienepapiere

Bild 5.72. Altpapier aus Haushalt und Gewerbe und deren Sortierwege
Tabelle 5.25. Strstoffanteile der wichtigsten Altpapiersanunelsysteme (Stand 1997) [5.129]
Sanunelsystem

Strstoffanteil
[%]

Depotcontainer
gemischte Sanunlung
graphisches Papier
Pappen

4,0
0,6
3,5

Monotonne

3,5

SERO, Wertstoffhof

0,1

Bndelsanunlung

0,6

Die Qualitt des im Haushalt erfaten Altpapiers wird entscheidend von der Art
des durchgefilhrten Sammelsystems beeinflut. Tabelle 5.25. verdeutlicht, da der
Wertstoffhof, die Bndelsammlung und der Depotcontainer mit der alleinigen
Erfassung von graphischen Papieren die besten Ergebnisse erzielen.
[Link]
Erlse
Bild 5.73. zeigt die groen Schwankungen auf dem Altpapiermarkt und auch die
negativen Werte fr gemischtes Altpapier aus Haushalten (B12). In dem Zeitraum
muten die Landkreise und Stdte groe Zuzahlungen fr die Sammlung und das
Recycling von Altpapier leisten.
Bild 5.74. zeigt die Schwankungen dieser Indizes im Jahr 1992 und im ersten
Halbjahr 1993.

475

5.3 Vermarktung von Recycling-Produkten


DMMIIO kg

~T----------------------------------------------------

,__ _,

-10

..

!!

!"'

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Jahr

Bild 5.73. Preisentwicklung Ofllr die Altpapiersorten - in Klammern neue Europische Liste 039 (1.11), B19 (1.04), B12 (1.02) von 1985 bis 1997 [5.131]
60

..... 812

-o-031
-+-E11
--<>-819
---K51
--tr- W52162

~0+------+------~----~-----+------+-----~

Jan 92

Apr92

Jul92

Okt 92

Jan93

Apr93

Jul93

Bild 5.74. Monatliche Schwankungen der Preisindiz einiger ausgewhlter AP-Sorten im Jahr
1992 und im ersten Halbjahr 1993 [5.132]

Die Hhe der zu erzielenden Erlse ist abhngig von mehreren Faktoren, u.a.:
- von der Sorte und der Menge der gesammelten Fraktionen,
- vom Lagerbestand bei den Altpapierhndlern und der Papierindustrie,
- vom Bedarf der Papierindustrie in Verbindung mit der Einsatzquote bei der
Herstellung von Neuprodukten,

476

5 Recycling von Abfllen

- von der aktuellen Produktnachfrage am Markt, d.h. vom Verbrauch an Papier,


Karton und Pappe,
- von den Marktpreisen filr Frischzellstoff sowie den Altpapierex- und -importen.

5.3.3

Altglas

Altglas bietet als einer der wenigen Wertstoffe aufgrund seiner stofflichen Eigenschaften gnstige Voraussetzungen, um in der Glasproduktion wieder eingesetzt
zu werden. Die heute erreichte Recycling-Quote von ber 90 % setzt jedoch eine
farbgetrennte Altglaserfassung bzw. eine nachtrgliche Sortierung von gesammeltem Mischglas voraus, da bei der Glasherstellung eine hohe Farbreinheit (insbesondere bei Weiglas) gefordert wird [5.96).

[Link]

Qualitiltsanforderungen

Die Forderung eines geringen Fehlfarbanteils im Altglas beruht auf den Qualittsansprchen hinsichtlich der Farbreinheit bei der Herstellung von Neuglas. Die
Annahmespezifikationen der Glashtten enthalten neben den noch tolerierbaren
Fehlfarbenanteilen weiterhin Anforderungen an den maximalen Fremdstoffgehalt
(vgl. Tabelle 5.26.). Zu hohe Fremdstoffgehalte im Altglas beeintrchtigen insbesondere den Schmelzproze bei der Glasherstellung oder fUhren zu unerwnschten
Einschlssen beim Hohlglas.
Tabelle 5.26. Qualittsvorschriften filr Altglas (aufbereitete Scherben)
Maximale Fremdanteile
Keramik, Steine, Scherben

1991
1992
1993
1994
1997

Aluminium
Fe-Metalle
NE-Metalle
Feuchtigkeit

<60
<50
<40
<25
<25
<5
<5
<5
<2

[g!Mg]
[g!Mg]
[g!Mg]
[g!Mg]
[g!Mg]
[g!Mg]
[g!Mg]
[g!Mg]
[%]

Maximaler Fehlfarbanteil
wei
In Weiglas
In Braunglas
In Grnglas

<5,0%
<5,0%

Fehlfarbe
braun
<0,3%
<5,0%

grn
<0,1%
<5,0%

5.3 Vermarktung von Recycling-Produkten

477

[Link]
Erlse

Die Erlssituation hat sich ftir Altglasscherben in den letzten Jahren bis zur Einfhrung des Dualen Systems kaum verndert. Die anfallenden Kosten zur Erfassung, Sortierung und Transport zur Glashtte liegen bei durchschnittlich 130 bis
190 DM/Mg verwertbarer Scherben [5.144].
Mit EinfUhrung des Dualen Systems ist der Markt ftir Altglas fast vollstndig
zum Erliegen gekommen und durch den Verteilmechanismus des DSD ersetzt
worden. Die Kosten ftir Erfassung, Sortierung und Transport werden aus den Einnahmen des "Grnen Punktes" bezahlt. Bedingt durch die hheren Einsatzquoten
bei der Glasherstellung wird Mischglas kaum noch akzeptiert, so da entweder
farbgetrennt gesammelt wird oder eine Farbseparierung bei der Aufbereitung
erfolgt (vgl. [Link]).

5.3.4

Eisenschrott

Bei dem im Hausmll befindlichen Eisenschrott handelt es sich zum grten Teil
um verzinnte Blechdosen. Dieses Material ist durch Papier, Kunststoffe, Gummi,
Lacke, Farbe, Speisereste usw. stark verunreinigt, so da es nur aufbereitet im
Roheisen- und Stahlerzeugungsproze einsetzbar ist.
Schon vor Jahren hatte die deutsche Weiblechindustrie der Bundesregierung
eine Abnahmegarantie ftir alle zu sammelnden Mengen gegeben, allerdings ohne
Preisangabe. Die Erlse ftir dieses Material decken bei weitem nicht die Sammetund Transportkosten [5.1 04]

[Link]

Qualittsanforderungen

Das Schrottautkommen wird weltweit einheitlich in zwei Hauptgruppen eingeteilt


[5.103]:
- Dem Eigenschrottanfall der Hochofen- und Stahlwerke sowie Gieereien. Dieser Schrott verbleibt im Rohstoffkreislauf der Werke und wird deshalb auch
Kreislaufschrott genannt.
- Dem Zukaufschrott, bei dem es sich um die von der Schrottwirtschaft erfaten
Produktionsabflle, dem sog. Neuschrott, und die nicht mehr verwendungsfhigen und ausgedienten Verbrauchs- und Industriegter aus Stahl oder Gu, dem
sog. Altschrott, handelt.
Der Neuschrott, der in der stahlverarbeitenden Industrie anfllt, wird im allgemeinen nach der Verarbeitung des Stahlhalbzeuges, der Fertigprodukte oder der
Gustcke, den Stahlwerken und Gieereien wieder zugefilhrt. Typische Sektoren
ftir den Anfall von Neuschrott sind der Maschinen- und Schiffsbau sowie der
Kraftfahrzeug-, Fahrrad- und sonstige Fahrzeugbau, der Stahl- und Behlterbau
sowie das Blechverpackungsgewerbe. Der Altschrott besteht zu einem groen Teil
aus Automobilschrott, Maschinen- und Anlagenschrott sowie Abbruch- und Abwrackschrott. Ferner gehren dazu Schienen und anderes Eisenbahnmaterial,
Schrott von Haushaltsgerten und der sog. Mllschrott.

478

5 Recycling von Abfllen

Die chemischen und physikalischen Anforderungen, die an den Stahlwerkschrott


gestellt werden, sind eng verknpft mit den Stahlherstellungsverfahren. Nach den
allgemeinen Bestimmungen in der Schrottsortenliste vom Oktober 1977, die mit
der Wirtschaftsvereinigung Eisen- und Stahlindustrie vereinbart wurde, mssen
die Schrottsorten sauber und frei sein von [5.103]:
- Allen Bestandteilen, die fr die Verhtung schdlich sind. Ausgeschlossen sind
darber hinaus geschlossene Hohlkrper
- Unter schdlichen Bestandteilen sind Nichteisenmetalle, Legierungen, Gu
sowie alle nichtmetallischen Materialien zu verstehen.
- Auerdem wird Material, das mit Altkarossen, Motoren, verlten Getrieben,
Spnen, Sinter und Schlacken durchsetzt ist, von der Annahme ausgeschlossen.
Neben der allgemeinen Forderung nach einem von Verunreinigungen sauberen
Schrott, werden besondere Anforderungen im Hinblick auf Abmessungen und
Gewichte, also an die physikalische Beschaffenheit des Schrottes gestellt. Diese
Anforderungen sind in der eigentlichen Schrottsortenliste aufgefiihrt. Diese Liste
ist 1987 noch um zwei weitere Sorten, dem aufbereiteten Mllverbrennungs- und
dem Mllseparationsschrott, erweitert worden (Tabelle 5.27.).
Auerdem gibt es spezielle Anforderungen fr den legierten Schrott sowie fr
die Belieferung der Gieereien eine Gubruchliste und eine Gieereistahlschrottliste.
Tabelle 5.27. Sortenliste fiir unlegierten Stahlwerksschrott
Sorten

Sortenbeschreibung

Sorte 0
Sorte 1
Sorte 2

Altschrott, mind. 3 mm Strke, Hchstabmessungen: 1,5 x 0,50 x 0,50 m


Altschrott, mind. 6 mm Strke, Hchstabmessungen: 1,5 x 0,50 x 0,50 m
Neuschrott, mind. 3 mm Strke, Hchstabmessungen: 0,6 x 0,50 x 0,50 m und
Neuschrott, mind. 5 mm Strke, Hchstabmessungen: 1,5 x 0,50 x 0,50 m
Schwerer Industrieabbruch- und Konstruktionsschrott (frei von Rohrschrott),
mind. 8 mm Strke, Hchstabmessungen: 1,5 x 0,50 x 0,50 m
Shredderschrott
Aufbereiteter Mllverbrennungsschrott, Schttgewicht ([Link].): mind. 0,9 Mg/rn'
Komgre: Obergrenze 50 - 70 mm, max. 5 Gew.-% 5 mm
Fe-Gehalt: mind. 92%, Nsse: gesonderte Vereinbarung
Aufbereiteter Mllseparationsschrott (getrenntes Recycling von Dosen)
Schttgewicht ([Link].): mind. 0,9 Mg/m3 , Komgre: Obergrenze 50- 70 mm

Sorte 3
Sorte 4
Sorte 46

Sorte 47

Sorte 5
Sorte 6
Sorte 7
Sorte 8

Max. 5 Gew.-% 5 mm, Fe-Gehalt: mind. 92 %


Nsse: gesonderte Vereinbarung
Stahlspne frei von Gu-, Automaten- und wolligen Spnen, mit Magnet entladbar
Pakete aus neuen, leichten Abfllen
Pakete aus alten, schwarzen Abfllen
Neuschrott, mind. 3 mm Strke, ber 0,6 m Lnge, mit Magnet entladbar, zum
Pressen geeignet.

5.3 Vermarktung von Recycling-Produkten

479

DM/Mg

300
275
250

200

175
150
125
100

75

Bild 5.75. Entwicklung der Schrottpreise filr die Sorte 1 frei Httenwerke Ruhr in den Jahren
1982 bis 1993

[Link]

Erlse

Der Schrotthandel ist vergleichbar dem Altpapierhandel starken Preisschwankungen unterworfen. Nach einem Preiseinbruch in den Jahren 1986/87
konnten sich die Erlse filr Altschrott in den folgenden zwei Jahren kurzzeitig
erholen. In den Jahren 1990/91 folgte ein erneuter Preissturz bis auf den Tiefstand
des Jahres 1987. Die Schrotterlse blieben mit Ausnahme eines kurzen Zwischentiefs im vierten Quartal 1992 konstant auf diesem Niveau. Im Frhjahr 1993 lag
der Preis fiir schweren Stahlschrott bei ca. 125 DM.
Die Entwicklung der Schrottpreise in den letzten 10 Jahren ist im Bild 5.75.
dargestellt.
Die Erlssituation fiir Stahlschrott wird durch eine Vielzahl von Faktoren bestimmt. Neben den Betriebs- und Personalkosten spielen vor allem der Kurs des
amerikanischen Dollar, die Stahlproduktion und das Angebot an Schrotten aus
dem Ausland eine wichtige Rolle. Der Preis wird derzeit vor allem durch billige
Schrotte aus Osteuropa und die Absatzschwierigkeiten filr Stahlprodukte gedrckt.
Da die Erlse filr Stahlschrott die Kosten filr Erfassung, Behandlung und Entsorgung nicht mehr decken, werden vom Schrotthandel neuerdings genderte
Berechnungsgrundlagen angesetzt. Konnten die Letztbesitzer frher grundstzlich
Erlse filr Stahlschrott erzielen, so werden heute Gebhren filr die Aufstellung
von Containern und den Transport des Materials in Rechnung gestellt. In Abhngigkeit von der jeweiligen Marktlage sowie der Qualitt des Materials erhlt der
Letztbesitzer ein Entgelt oder mu ggf. nochmals zahlen. Sofern bei der Aufbereitung des Materials Abflille anfallen, z.B. Shredderrckstnde aus der Zerkleinerung von Altautos oder Haushaltgrogerten, werden die Kosten filr die Deponierung bercksichtigt. Bei der Abgabe von Altautos an Shredderbetriebe ist derzeit
oftmals eine Zuzahlung von bis zu 300,- DM erforderlich.

480

5 Recycling von Abfllen

5.3.5

Kunststoffe

Sortenreine Kunststoffe homogener Qualitt sind in der Regel vermarktbar. Absatzschwierigkeiten bereiten Verbundkunststoffe und vermischte Kunststoffe, wie
diese im Haushalt und in der Sammlung ber die "Gelbe Tonne" anfallen. Da das
Duale System auch fr das Recycling verantwortlich ist, flieen in Zukunft
(Stichtag ist der 1. Oktober 1993) bei diesen Verpackungen auch die Verwertungskosten in die Gebhr ein. Die Gebhren fr den "Grnen Punkt" orientieren sich
an den Prozekosten fr die Sortierung und Aufbereitung sowie fr die Forschung
und Entwicklung neuer Sortierverfahren fr Kunststoffe und neuartige Recyclingtechnologien, diese sollen durch das Duale System gefOrdert werden [5.133].

[Link]

Qualittsanforderungen

Die Qualitt richtet sich vor allem nach den Anforderungen, die an das Erzeugnis
im Gebrauch gestellt werden. Fr technische, langlebige Erzeugnisse sind es meist
Spezifikationen zur Erfllung bestimmter technischer Daten und Gleichmigkeit.
Beispielsweise werden die Anforderungen fr Kunststofferzeugnisse auf dem
Baugebiet vom Institut fr Bautechnik und den Obersten Baubehrden der Lnder
zusammen mit Sachverstndigenausschssen erarbeitet. Hiernach wird die gleiche
Lebensdauer von 50 und mehr Jahren wie fr Primrmaterialien gefordert [5.105].
Auch alle anderen Erzeugnisse mssen wiederholbare Eigenschaften aufwiesen, wenn diese immer wieder ohne Schden und Reklamationen eingesetzt werden sollen. Das gilt auch fr Erzeugnisse aus wiederverwertbaren Abtallen
[5.105].
Beispiele fr die Mitverwendung von Produktionsabfall und die Wiederverwertung gebrauchter Erzeugnisse zeigen, da bei einer Reihe von Anwendungen Normen und Anforderungen berprft werden mssen, um auch die Verwertung von Altkunststoffen zuzulassen.
Eine TV-Arbeitsgemeinschaft untersucht in- und auslndische Betriebe auf
ihre Voraussetzung, gebrauchte Kunststoffverpackungen mit dem Grnen Punkt
zu verwerten. Nach einer positiven Erstbewertung werden diese Betriebe fr einen
Probebetrieb mit Materialien aus Sammlungen des DSD beliefert, um unter Beweis zu stellen, da sie die angelieferten Materialien erfolgreich verarbeiten knnen. Darber hinaus mssen die Betriebe plausibel nachweisen, wo die erzeugten
Produkte geblieben sind. Bei positiven Ausgang der berprfung wird diesen
Betrieben ein zeitlich begrenztes Zertifikat ausgestellt. Hintergrund der Aktion
sind die Erklrungen der Bundeslnder, ihre Freistellungserklrungen fr den
Handel nur dann zu verlngern, wenn der TV die Verwertungsbetriebe zertifiziere [5.134].
In der Tabelle 5.28. sind die erfaten und sortierten Kunststoffe aus dem DSD
von 1993 - 1997 dargestellt. Dabei wird deutlich, das der Anteil des werkstoffliehen Recyclings seit 1994 wieder abgenommen hat. Dies hat einmal mit den hohen Kosten des werkstoffliehen Recycling zu tun und darber hinaus auch mit der
starken Versehrnutzung der Kunststoffe aus dem Verpackungsbereich durch Le-

5.3 Vermarktung von Recycling-Produkten

481

bensmittel, Flssigkeiten aller Art, Fetten, etc., die ein werkstoffliches Recycling
sehr behindern. Daher stieg das rohstoffliche Recycling von 19.000 Mg im Jahre
1993 auf 359.000 Mg im Jahre 1997 an, da es preiswerter durchzufhren ist und
die Schwarze Pumpe sowie das Stahlwerk Bremen groe Massen an energiereichen Materialien bei der Eisenreduktion und bei der Vergasung einsetzen kann.
Tabelle 5.28. bernommene Kunststoffmengen aus den Sortieranlagen des DSD und deren
Verwertungswege in 103 Mg [5.152]
1993

1994

1995

1996

1997

bernommene Mengen aus Sortieranlagen

280

461

504

-Folien
-Flaschen
-Becher und EPS
-Mischkunststoffe
Der Verwertung zugeflihrte Mengen

101

124
42

131
40

535
145
48

567
153

18
277
472
416
166

15
318
470

16
326
483

51
11
352
615

385
155

250
154

256
201

47
203

66
164

29

56
56

85
85

31
24
359

19

67
233
233

203

393

541

421

werkstojj/ich
-davon Inland
-davon Europische Union
-davon sonstige Lnder
Rohstojj/ich
-davon Inland

Durch DKR and DSD abgerechnete Mengen

33
20
126
216
197
67
39
91
19

359
559

[Link]
Erlse

Der Markt fiir die Kunststoff-Rohstoffe als Granulat oder Pulver ist in hohem
Mae vom Preis des Erdls und der Erdlfolgeprodukte und damit vom Weltmarkt beeinflut. Die Preise der Recycling-Granulate sind von den Preisbewegungen der Neuware am Weltmarkt hnlich abhngig wie die Altpapier- und
Schrottpreise von der Neuware auf diesen Gebieten.
Die Hersteller von Granulaten und Erzeugnissen mssen als Absatzmarkt alle
europischen Lnder einbeziehen. Ebenso spielt der Export von RecyclingGranulat und von gebrauchten Folienballen in das europische Ausland eine groe
Rolle. Eine Reihe auereuropischer Lnder, insbesondere Entwicklungslnder
haben wegen fehlender eigener Produktion und Devisenmangel Bedarf an Recycling-Ware, auch von unteren Qualitten [5.1 06].
Hauptabnehmer der Regranulate sind Folienhersteller, Rohrhersteller und
Spritzgubetriebe. Die Regranulate werden teils in abgemischter, aber berwiegend in reiner Form wieder zu Fertigteilen verarbeitet. Die Verarbeitungseigenschaften von Regranulaten streuen breiter als typengerechte Neuware. Nur
wenn der Verarbeiter diesem Umstand Rechnung trgt und das Preis-LeistungsVerhltnis fiir ihn Vorteile bringt, wird Regranulat eingesetzt. So hat sich ber
einen lngeren Zeitraum herausgestellt, da beispielsweise naturfarbenes Poly-

482

5 Recycling von Abfllen

ethylen-Regranulat mindestens 0,25 DM/kg gnstiger als typengerechte Neuware


angeboten werden mu, um berhaupt den Anreiz der Erprobung zu liefern. Der
Wettbewerb unter den Regranulatanbietem hat darber hinaus dazu gefUhrt, da in
Abhngigkeit von den Neuwarenpreisen gefilrbtes oder schwarzes Regranulat bis
zu 1,00 DM/kg unter typengerechter Neuware angeboten werden mu, um verkauft werden zu knnen [5.1 06].
Ein Betrieb, der langfristig rentabel arbeiten will, mu zur Abdeckung der Kosten ftlr die Aufbereitung verschmutzter Abflille 0,75 DM/kg erzielen. Da Regranulate mindestens 0,25 DM/kg gnstiger als typengerechte Neuware angeboten
werden mssen, drften die Neuwarepreise nicht unter 1,00 DM/kg absinken. Das
wrde aber voraussetzen, da die entsprechenden Abflille kostenlos angeliefert
werden.
Beim Einsammeln, Sortieren, Abpressen und Transportieren von verschmutzten
Kunststoffabflillen fallen Kosten von mindestens 0,15 DM/kg und bis zu
1,10 DM/kg an. Demzufolge knnen Regranulierbetriebe ber einen lngeren
Zeitraum keine verschmutzten Abflille, die in der Regel in Grogebinden abgepret sind, unter 0,15 DM/kg erhalten. Produktionsabflille werden hufig in Betrieben mit personalintensiven, kleinen Pressen abgepret. Somit liegt die Grenze
fr typengerechte Neuware bei unter 1,15 DM/kg. Beluft sich der Preis fr typengerechte Neuware ber einen lngeren Zeitraum unter 1,15 DM/kg, ist eine
eigenstndige Regranulierung wirtschaftlich nicht mehr vertretbar [5.106].
Um die Kosten ftlr Sammlung, Sortierung und Verwertung fr gebrauchte
Kunststoffe aus der Gelben Tonne decken zu knnen, nimmt das DSD ein Lizenzentgelt ftlr den Grnen Punkt. Fr Kunststoffe betrgt das Gewichtsentgelt
2,95 DM/kg zuzglich einem Stckentgelt in Pf/Stck bezogen auf das Volumen
von 0,1 - 1,2 Pf/Stck oder nach der Flche von 0,1 - 0,9 Pf/Stck.
Bezogen auf einen Joghurtbecher von 250 g Inhalt ergibt sich folgende Berechnung ftlr den Lizenznehmer:
1,95 Pf
Kunststoffbecher
Masse 6,62 g bei 2,95 DM/kg =
Aluminiumdeckel
Masse 0,51 g bei 1,50 DM/kg =
0.08 Pf
2,03 Pf
Gewichtentgelt
Fr Volumen zwischen 200-400 ml wird ein
Stckentgelt berechnet
0.70Pf
250 g Joghurtbecher - Gesamtlizenzentgelt
Ull!f

5.3.6
Kompost
Bundesweit einheitliche Qualittskriterien ftlr Biomllkomposte in Form von
Grenzwerten liegen in der Bioabfallverordnung - Bio AbtV von 1998 vor. Zur
Bewertung der Qualitt von Komposten werden die Richtlinien ftlr Schwermetalle
der Bundesgtergemeinschaft Kompost e.V., die BioAbtV und das LAGA-Merkblatt M10 herangezogen (vgl. auch Kapitel4.3.1.2.).

5.3 Vermarktung von Recycling-Produkten


fandbedingunge~

I
I

Niederschlag
Lufttemperatur

I
I

Rotteproze

I
Mieten-

temperatur

I
wassargehalt

Volumenreduktion

Abfallmengen
Abfallarten
Reinheitsgrad

C02/02
organische Substanz
C/N-Verhltnis

Kompostierungs-

Geruch

technik

I zeitliche Ablufe I

CJ

l=:l

Bodentiere
Sickerwasser

werden vor Ort erfat

Qualittskriterien

I
I

pH-Wert

org. Substanz

Letttahigkeit

wirksame org.
Substanz

Feuchte

C/N-Verhltnis

483

I
Schwermetalle

I org. Schadstoffe I

1 "Unkrautsamen" 1

I pathogene Keime I
I Nhrstolle
I
PftanzenverI I Verunreinigung
II Keimzahlen KEE trglichkeit
I Komgren I I Gesamtaktivitt
J

Huminstoffe

Selbsterhitzung

I
I

~~

knnen zustzlich
vor Ort erlat werden

Bild 5.76. Parameter der Rotteprozefilhrung und Qualittsssicherung [5.108]

[Link]
Qualittsanforderungen

Whrend umweltbelastende Inhaltsstoffe wie Schwermetalle, Xenobiotica und


pathogene Keime einer strengen Kontrolle und Einhaltung der Richtwerte bedrfen, sind die Anforderungen bezglich wertgebender Inhaltsstoffe mehr als Kennzeichen der Kompostqualitt anzusehen.
Prinzipiell sollten auch diese Standards eingehalten werden, auch wenn keine
direkten Umweltbeeintrchtigungen zu erwarten sind. Die Herstellung eines
gleichbleibenden Produktes hoher Qualitt ist aus der Sicht des langfristigen Vermarktungserfolges zwingend notwendig. Mit der Deklaration der Nhrstoffgehalte
knnen zudem exakte Dnge- und Anwendungsempfehlungen ausgesprochen
werden.
Bild 5.76. zeigt eine Zusammenstellung der Parameter fr die Rotteprozefiihrung und der Qualittssicherung [5.1 08].
Die Klrschlammverordnung erlaubt fr Klrschlamm Ausbringungsmengen
von 5 Mg Trockenmasse pro Hektar innerhalb von drei Jahren bzw. 1,67 Mg
Trockenmasse pro Hektar und Jahr. Fr Klrschlammkomposte drfen innerhalb
von drei Jahren bis zu 10 Mg Trockenmasse pro Hektar aufgebracht werden, bei
Schadstoffgehalten, die jeweils nur die Hlfte der zulssigen Werte erreichen
[5.130].
Die Forderung nach seuchenhygienischer Unbedenklichkeit (Human-, Veterinr- und Phytohygiene) des Endproduktes Kompost ist unbedingt Voraussetzung
fr die Kompostverwertung. Dies ist erreicht, wenn Krankheitserreger fr Mensch,
Tier und Pflanze mit Sicherheit unschdlich gemacht worden sind.
Der Rottegrad von Kompost gibt darber Auskunft, inwieweit die biologisch
leichter abbaubare, organische Substanz umgesetzt wurde. Er kennzeichnet den
aktuellen Stand des Abbaugeschehens und stellt eine Stufe auf einer allgemein
gltigen Skala von Kennwerten dar, die den Rottefortschritt vergleichbar charak-

484

5 Recycling von Abfllen

terisieren (Tabelle 5.29.). Fr den Rottegrad eines Kompostes ist die im Selbsterhitzungsversuch erreichte Maximaltemperatur kennzeichnend.
Der Wert von Kompost als Bodenverbesserungsmittel liegt insbesondere im
Gehalt an organischer Substanz. Der Gehalt an organischer Substanz betrgt im
allgemeinen 35 %[Link]. Er wird als Glhverlust ermittelt.
Kompost enthlt wasserlsliche Salze, meist Chloride und Sulfate der Alkaliund Erdalkalimetalle. Nhrstoffreiche Komposte weisen in der Regel hhere,
nhrstoffarme Komposte dagegen niedrigere Salzgehalte auf. Hhere Salzgehalte
knnen Wurzelfunktionen und damit das Wachstum von Pflanzen beeintrchtigen.
Als reines Pflanzsubstrat eignet sich Kompost aufgrund seines Salzgehaltes in der
Regel nicht.
Komposte enthalten alle ft1r die Pflanzenernhrung notwendigen Haupt- und
Spurennhrstoffe. Als Hauptnhrstoffe gelten Stickstoff, Phosphor, Kalium, Magnesium und Kalzium. Als Spurennhrstoffe gelten Eisen, Mangan, Zink, Kupfer,
Bor und Molybdn.
Tabelle 5.29. Einteilung der Rottegrade entsprechend den Maximaltemperaturen im Selbsterhitzungsversuch [5.107]
Rottegrad
I

II
III

IV
V

Tmax [ 0 C]
>60
50-60
40-50
30-40
<30

Produktbezeichnung
Kompostrohstoff
Frischkompost
Frischkompost
Fertigkompost
Fertigkompost

Tabelle 5.30. Wertgebende Eigenschaften und Inhaltsstoffe von Kompost [5.107]


Parameter
Glhverlust (org. Subst.)
Glhrckstand
Wassergehalt
Volumengewicht
lslicher Salzgehalt
pR-Wert
Stickstoff (N-gesamt)
Stickstoff (N-min.)
Phosphor (P20s-gesamt)
Phosphor (P20s-lslich)
Kalium (K20-gesamt)
Kalium (K20-lslich)
Magnesium (MgO-gesamt)
Magnesium (MgO-lslich)
Calcium (CaO-gesamt)
TS =Trockensubstanz
FM = Frischmasse

Dimension
[%TS]
[%TS]
[%]
[gll]
[gll]
[%TS]
[mgll FM]
[%TS]
[mgll FM]
[%TS]
[mgll FM]
[%TS]
[mgll FM]
[%TS]

Mittelwertbereich
35
65
36
680
4
7,6
1,1
150
0,7
1200
1,2
2500
0,4
250
3

5.3 Vermarktung von Recycling-Produkten

485

Fremdstoffe sind unerwnschte lnhaltsstoffe, da sie das produkttypische Erscheinungsbild und damit die Verwertung und Vermarktung von Kompost beeintrchtigen. Als Fremdstoffe anzusprechen sind insbesondere Glas, Kunststoffe, Verbundstoffe, Metalle und andere fr die Kompostierung ungeeignete Stoffe.
Im Gegensatz zur organischen Substanz in Kompost unterliegen Schwermetalle
keinem biologischen Abbau. Sie reichem sich daher im Verlauf der Rotte relativ
an. Fertigkomposte weisen i.d.R. hhere Schwermetallgehalte auf als Frischkomposte.
Zur einheitlichen Bewertung von Schwermetallgehalten in Komposten unterschiedlicher Rottegrade und anderer organischer Bodenverbesserungs- und Dngemittel werden die jeweils ermittelten Schwermetallgehalte, auf Basis eines
Standardkompostes mit 70 % mineralischem Anteil und 30 % organischer Trokkensubstanz, umgerechnet:
SM3oo;. = SMp 70 /(100-GVp)
SM3001 = Schwermetallgehalt [mglkg TS] normiert auf30% Glhverlust
SMp = Schwermetallgehalt [mglkg TS] der Probe
GVP = Glhverlust [% TS] der Probe
Richtwerte zur Begrenzung von Schwermetallen in Komposten haben den Zweck,
stofflich verwertbare Produkte von nicht verwertbaren Produkten zu unterscheiden
bzw. Produkte, die fr den Bereich der Nahrungspflanzenerzeugung geeignet sind,
zu charakterisieren. Das Aufbringen von Kompost soll generell unterbleiben,
wenn die genannten Richtwerte berschritten werden.
Tabelle 5.31. Richtwerte flir maximal zulssige Konzentrationen an Schwermetallen filr Komposte nach der BioAbtV
Schwermetall
Blei
Cadmium
Chrom
Kupfer
Nickel
Quecksilber
Zink

[mg!kg TS]
Pb
Cd
Cr
Cu
Ni
Hg
Zn

150
1,5
100
100
50
I

400

Wie Tabelle 5.31. zeigt, ftlhrt jedoch eine Fokussierung auf die Schadstoffgehalte
im Kompost am Ziel eines vorsorgenden Bodenschutzes vorbei. Die hchsten
Frachten durch Dngung entfallen bezogen auf die landwirtschaftlichen Flchen
auf Wirtschaftsdnger, deren sehr hohe Cu- und Zn-Frachten durch die Futtermittel verursacht werden. Durch anorganische Dngemittel sind vor allem hohe Cdund er-Frachten festzustellen. Der atmosphrische Eintrag liegt besonders fr Cd,
Zn und Pb bei einem Anteil von 40 bis 50 %. Rinde und Torf sind in diesem Fall
sowohl hinsichtlich des Einsatzes in der Landwirtschaft als auch hinsichtlich der
Gesamtfrachten von untergeordneter Bedeutung (Einsatz im Garten- und Landschaftsbau). Der Anteil der Komposte betrgt hierbei 5,6% fr Blei und 0,9% fr

486

5 Recycling von Abfllen

Cd. Damit ist bei sachgerechter Anwendung gtegesicherter Komposte keine


unverhltnismige Bodenbelastung zu beftlrchten. Unter dem Aspekt der Dngewirkung ist als Bewertungskriterium das Verhltnis Schadstoff zu Nhrstoff
bedeutend. Unter Zugrundelegung des Phosphates als Bezugsnhrstoff werden
besonders durch wirtschaftseigene Dngemittel wie Schweineglle oder auch
Geflgelkot ftlr Kupfer und Zink hohe nhrstoftbezogene Schwermetallfrachten
aufgebracht [5.109].
Tabelle 5.32. Immittierte Schwermetallfrachten durch Wirtschaftsdnger, Sekundrrohstoffdnger, anorganische Dngemittel und atmosphrische Eintrge auf die landwirtschaftlich
genutzte Flche der BRD (1995) nach [5.88] in g/ha*a.
Cd

Cr

Cu

Ni

Pb

Zn

Wirtschaftsdnger
Klrschlamm
Kompost
Rinde und Torf
Anorg. Dngemittel
Atmosphrischer Eintrag

0,71
0,66
0,05
0,02
1,45
2,50

23,12
15,76
2,44
0,03
68,90
7,00

168,83
57,09
4,09
0,24
8,76
52,60

14,74
6,66
1,69
0,18
6,81
11,00

11,36
27,51
6,57
0,37
9,80
57,20

518,2
228,0
19,0
2,2
64,1
540,0

Summe der Immissionen


Anteil Kompost [%]

5,39

117,25

291,61

41,10

112,51

1371,5

0,9

2,1

1,4

4,1

5,8

1,4

[Link]
Erlse

Die Vermarktung von Kompost aus Siedlungsabfllen sollte sehr vorsichtig eingeschtzt werden und bei der Planung nicht mit Erlsen, sondern mit Deponiekosten
in die Betriebskostenberechnung eingehen. Es gibt Produkte wie Torf und Humusboden auf dem Markt, die durch Kompost aus Recyclinganlagen ersetzt und
substituiert werden knnen. Da Torf keine pflanzenphysiologischen Nutzen, sondern nur eine auflockemde und darber hinaus versauemde Wirkung auf den Boden hat, sollte Kompost ausgestattet mit weitaus besseren Eigenschaften Torf
ersetzen knnen. Dabei wren je nach Losgre Preise zwischen 30 und 60
DM/Mg aufgrund der Dngewirkung erzielbar.
Humusboden wird in der Bauwirtschaft bei Landschaftsgrtnern und bei Rekultivierungen von industriell stark genutzten Landschaften bentigt. Ein groer Teil
des Humus fllt bei Manahmen im Siedlungs- und Straenbau selbst an und wird
mit 10 bis 30 DM/Mg (1999) gehandelt. Hier lassen sich erhebliche Mengen an
Kompost, vor allem vermischt mit Humusboden, einsetzen.

5.3.7

Sekundrbaustoffe
Durch das Recycling von Baurestmassen werden Sekundrbaustoffe erzeugt, die
mit den Primrbaustoffen konkurrieren knnen.

5.3 Vermarktung von Recycling-Produkten

487

Whrend bisher im Rahmen eines sog. Downcyclings vorwiegend Baustoffe fr


untergeordneten Straen- und Tiefbau hergestellt werden, mssen ber Qualittsprodukte immer hherwertigere Anwendungsgebiete fllr Sekundrbaustoffe, insbesondere auch im Hoch- und Ingenieurbau und bei hochwertigen Tragschichten
des Straen- und Sportplatzbaus sowie Sonderanwendungsgebiete, erschlossen
werden.
Ziel ist dabei die Schlieung des Baustofikreislaufs, bei dem zunehmende Massenstrme ber das Recycling im Baustoftkreislauf verbleiben, wodurch der Bedarf an neuen Baustoffen wie auch der Deponiebedarf fllr gebrauchte Baustoffe
immer strker reduziert wird.
Voraussetzung fllr den Einsatz von Recyclingbaustoffen ist die Einstufung in
eine der drei Gruppen der Umweltvertrglichkeit bzw. die Gewhrleistung, da als
bedingt umweltvertrglich eingestufte Baustoffe durch zustzliche Manahmen
vor dem Einbau gesichert werden. Prinzipiell sollte davon ausgegangen werden,
da erst dann, wenn die Umweltvertrglichkeit erwiesen ist, berlegungen ber
den Einsatzort angestellt werden sollten.
Im Hinblick auf haftungsrechtliche Ansprche sollte der Einsatz fllr jeden
Verwendungszweck und-ortentsprechend den technischen Prfbedingungen bzw.
der Eignung grundstzlich mglich sein. Aufgrund der Analyseergebnisse unter
Beachtung der straenbauspezifischen Grenzwerte, die z.Z. jedoch von Bundesland zu Bundesland variieren, lassen sich die Baustoffe in drei Gruppen gem der
Umweltvertrglichkeitskriterien einteilen [5.160]:
- Umweltvertrgliche RC-Baustoffe berschreiten keinen Grenzwert, entsprechend der technischen Eignung knnen diese ohne umweltrelevante Sicherheitsmanahmen eingesetzt werden.
- Bedingt umweltvertrgliche RC-Baustoffe weisen Schadstoffanteile auf, die den
zulssigen Grenzwert erreichen oder leicht berschreiten. Dieses Material kann
durch Modifikation (z.B. Verwendung von Bindemitteln, Einbau von Dichtungsfolien, kontrolliertes Ableiten von Sickerwasser etc.) trotzdem eingesetzt
werden. Es kann jedoch ein spezielles Gutachten erforderlich werden. Die
Verwendung in bestimmten Gebieten (z.B. Wasserschutzzonen, ufernahe Bereiche) ist in der Regel verboten.
- Umweltunvertrgliche RC-Baustoffe weisen eine unzulssig hohe Konzentration an Schadstoffen auf. Das Material mu im allgemeinen entsorgt werden.
In der Praxis wird die Prfung auf Umweltvertrglichkeit in drei Stufen vorgenommen. Die Prfungen der technischen Eigenschaften gem den technischen
Prfbestimmungen fllr den Straenbau erfolgen parallel. Die Analysen knnen
ggf. an denselben Proben vorgenommen werden.
Stufe I - Begutachtung von Aussehen und Geruch durch Sichtkontrolle der Lieferfahrzeuge (Eigenkontrolle der Anlagenbetreiber). Hilfreich ist die Kenntnis der
Herkunft und Vorgeschichte des Inputs. Eine Registrierung der Fahrzeuge sollte
aus haftungsrechtlicher Sicht in jedem Fall vorgenommen werden.
Stufe 2- Bestimmung der Leitflihigkeit und des ph-Wertes vor Ort oder im eigenen bzw. Fremdlabor. Die Leitflihigkeit gibt Aufschlu ber den Gesamtgehalt
an gelsten Salzen, der ph-Wert ist eine Kenngre fllr die Aggressivitt der Medien (Bden, Wasser), mit denen das Material in baulicher Verbindung stand.

488

5 Recycling von Abfllen

Beide Kenngren knnen Hinweise ber mgliche Schadstoffgehalte (schdliche


Salze, Schwermetalle, organische Verunreinigungen) geben.
Stufe 3 - Weisen die Leitfiihigkeit und der ph-Wert auf erhhte Schadstoffgehalte hin, dann sind aufwendige qualitative und quantitative Analysen erforderlich, um die Umweltvertrglichkeit der angelieferten Materialien zu beurteilen.
Nach den Stufen I und 2 kann eine Vorauswahl des Inputs getroffen werden. Sind
dabei die Anforderungen erfllt, ist das Material in der Regel verwendbar, auf
Stufe 3 kann verzichtet werden.
Die berprfung und Kontrolle der angelieferten Materialien ist ausschlaggebend fr die Umweltvertrglichkeit der spteren Recycling-Baustoffe, da der
Setreiber aus Sicht des Umwelthaftungsgesetzes fr die gelieferten Baustoffe und
deren Qualitt verantwortlich ist. Eine kontaminierte Anlieferung, die angenommen und aufbereitet wird, kann womglich eine ganze Charge RecyclingBaustoffe verunreinigen. Die kostenpflichtige Entsorgung auf einer entsprechend
gesicherten Deponie kann die Folge sein.
[Link]
Qualittsanforderungen

Die bedeutendsten Einsatzgebiete fr Sekundrbaustoffe werden langfristig die


Tragschichten der Straen sein. Die Anforderungen konzentrieren sich deswegen
hauptschlich auf den Straenbau. Die mit diesen Baustoffen erstellten Straen
mssen eine vergleichbare Gebrauchsdauer und Gebrauchseigenschaften erreichen, wie solche, die mit primren Baustoffen erstellt werden. Die an Sekundrbaustoffe zu stellenden bautechnischen Anforderungen mssen vor allem im Hinblick auf die Qualitt und Homogenitt festgelegt werden.
Fr den Bau untergeordneter Verkehrsflchen knnte nach Meinung von ausfhrenden Unternehmen auch ein reduziertes Qualittsniveau zugestanden werden.
Allerdings ist auch hier die Forderung nach Homogenitt und Umweltvertrglichkeit unabdingbar. Entsprechend dem Strukturaufbau einer Strae knnen in den
einzelnen Schichten unterschiedliche Qualitten und Quantitten an wiederverwerteten Materialien eingesetzt werden. RC-Baustoffe werden dabei im Unterbau
und im Oberbau (Frostschutzschichten, ungebundene Tragschichten, hydraulisch
oder bitumins gebundene Tragschichten sowie in Binderschichten) eingesetzt. In
Tabelle 5.33. ist eine Zusammenstellung der Einsatzmglichkeiten einzelner Krnungen von Recycling-Baustoffen dargestellt.
Die Grundlage der Gte- und Prfbestimmungen sind die bestehenden technischen Regelwerke (Normen, technische Vorschriften und Lieferbedingungen,
Richtlinien und Merkbltter) fr Primrbaustoffe, wobei vor allem dem "Merkblatt ber die Verwendung von industriellen Nebenprodukten im Straenbau, Teil
IV: Wiederverwendung von Baustoffen" [5.111] besondere Bedeutung zukommt.
Detaillierte Zusammenfassungen der einzelnen Bestimmungen werden in der
Literatur genannt [5.112, 5.113]. Das Merkblatt soll Ende 1993 durch eine Technische Lieferbedingung fr Recycling-Baustoffe ersetzt werden.
Ein Recycling-Unternehmer kann sich auerdem den Gte- und Prfbestimmungen der 1983 gegrndeten Gtegemeinschaft fr Recycling-Baustoffe e.V.
unterziehen. Die Gtesicherung der Recycling-Baustoffe fr den Straenbau stellt

5.3 Vermarktung von Recycling-Produkten

489

Tabelle 5.33. Einsatzmglichkeiten von Recycling-Baustoffen in Abhngigkeit von der Komgrenklasse [5 .163]
Krnung
Vorabsiebung

Einsatzmglichkeiten
0/6 mm Grabenverfllung (Dammschttung, Bodenaustausch)
0/4 mm Pflastersand, Bodenaustauschmaterial mit hohen Verdichtungswerten
0/8 mm Wassergebundene Schichten, Landschaftsbau
0/25 mm Pflasterunterbau, Bankettbefestigungen
4/8 mm Abstreuen von Wegen, Drainagekies
0/32 mm Schottertragschicht, Frostschutzschicht
0/45 mm Schottertragschicht, Frostschutzschicht
4/45 mm Drainagematerial, Kanalbau
25/45 Bodenaustauschmaterial, unterste Schicht zur Verfestigung des
mm Planums

die Hauptaufgabe der Gtegemeinschaft dar. Die Erzeugnisse, die den Gte- und
Prfbestimmungen entsprechen, werden mit dem Gtezeichen RAL-RG 50111 fr
Recycling-Baustoffe ausgezeichnet. Die Gte- und Prfbestimmungen regeln die
Art und den Umfang der Prfungen an den wiedergewonnenen Baustoffen. Neben
der Verwendung der Recycling-Baustoffe im Straenbau kann beispielsweise
aufbereiteter Betonabbruch als Zuschlagsstoff fr hydraulisch gebundene Tragschichten oder theoretisch Betonsplittbeton eingesetzt werden. Da an Beton besondere Festigkeitsansprche gestellt werden, sind umfangreiche Untersuchungen
ber Technologien, Eigenschaften und Einsatzmglichkeiten durchgefiihrt worden
[5.118, 5.119]. Der Einsatz von Betonsplittbeton ist in der Bundesrepublik aufgrund einer fehlenden Normung nicht mglich. Um neue Absatzmrkte zu erschlieen, werden mittlerweile auch neue Einsatzgebiete fr die RecyclingBaustoffe, wie z.B. der Einsatz als Zuschlagstoff in der Produktion von Verbundund Pflastersteinen etc. untersucht.
Klassifizierter Straenbau
Der Straenbau ist das Hauptverwendungsgebiet fr Sekundrbaustoffe. Die einzelnen Anforderungen an die Einsatzgebiete sind im Merkblatt "Wiederverwendung von Baustoffen" dargestellt. Recycling-Baustoffe, die im klassifizierten
Straenbau eingesetzt werden, mssen uneingeschrnkt den technischen Anforderungen an Primrbaustoffen entsprechen. Die Tabelle 5.34. zeigt die einzelnen
Einsatzmglichkeiten der unterschiedlichen Recycling-Baustoffgruppen im Straenbau. Entsprechend den Verwendungsbereichen sind in Tabelle 5.35. die erforderlichen Prfeigenschaften aufgezeigt. Die jeweiligen Anforderungen sind im
Merkblatt detailliert aufgefiihrt [5.111].
Nicht klassifizierter Straenbau, Garten- und Landschaftsbau
Fr den nichtklassifizierten Straenbau wie auch Garten- und Landschaftsbau
zeigen Erfahrungen vieler ausfiihrender Unternehmen, da hier nicht nur die ReBaustoffe mit Gtezeichen und den mglichen Anteilen an Ziegel und Asphalt wie
beim klassifizierten Straenbau einsetzbar sind, sondern auch Mischmaterialien

Kies, Sand

sonst. mineralische Massen


(z.B. bin~ige ~~~;,.erwitterungs

Ziegel, Mauerwerk, Steinzeug

Verwendung mglich

Verwendung bedingt mglich

Naturwerksteine, gebr. ungebr.


Materialien, Gleisschotter

sonst. hydr. geb. Materialien


(z.B. HO- Schlacke)

----- -

Beton, Betonwerksteine

Lrmschutzwlle

--- 1---

Asphalt

Stoffgruppen

Verwendungsbereiche

C1
C2
D1
D2
E
F

G1

G2

-~-

L__

--

---

0
---

.2)

2) Siehe "Merkblatt fr die Erhaltung von AsphaltstraenTeil: Bauliche Ma nahmen-Wiederverwenden von Asphalt"

.2)

01)

>

1) Als Beimengung zu den Stoffgruppen 2 bis 5 je nach Laboruntersuchung oder aufgrund von Praxiserlahrungen.

0
0

BodenverTrag~ydrauliscl TragHinterfestigung schichten ~ebundene schichten Bit. Deck- Betontragfllung Verfllung


Ungeb.
und
mH bHumin. u. Binderohne
Tragvon
Verkehrsfl.
und
~ntergrund - Bindemittel schichten indemitteln schichten schichten
verLeitungsund
berOberbau
Wegebau Unterbau schttung grben besserung

Tabelle 5.34. Verwendungsmglichkeit gem "Merkblatt ber die Verwendung von industriellen Nebenprodukten im Straenbau; Teil:
Wiederverwendung von Baustoffen" [5.111 ].

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2.

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cn

.;..

Raumbestndigkeit

4
5
6
7

Komfestigkeit
SchdliChe Bestandteile nach
DIN 4226
Affinitt zu bit. Bindemitteln

Verhalten in der Trockentrommel

9
10
11

12
13

Begrnbarkeit

17

auf Bautetle
Einwirkung auf Umwett

~.;nemtscn:pnysu<anscne

Frostempfindlichkeit

16

18
19

Zeit- Selzungsverhalten

14
15

.,

t:tnwtrt<ung

Verfonnung~odul. Standfesti~keit

Proctordichte

Anten an gebrochenen KOmern

Komfonn

Komgroenverteilung

Kom-. Rohdichte

Widerstand gegen Frost

Widerstand gegen Verwitterung


CDIN 521061-

Stoffliche Zusammenselzung

0
0
0

0
0
0

C1

C2

01

02

G1

G2

0
0

0
0

0
0

0
0

0
0

unter bestimmten Umstnden zu prfen

0
0

0
0

0
0

0
0

0
0

0
0

TragBodenverHydraulisct
TragBit. Deck- BetonHinterfestigung schichten gebundene schichten
tragmitbitumin. u. BinderVerfllung
fllung
und
ohne
Ungeb.
Tragschichten schichten
von
~ntergrund Bindemittel schichten ~indemittelr
und
~erkehrsfl.
verM
Leitungsberund
Oberbau
besserung
grben
Wegebau Unterbau schttung

zu prfen

Schutzwlle

Lrm-

Tabelle 5.35. Zu prfende Eigenschaften der einzelnen Verwendungsbereich fr Recycling-Baustoffe [5.111].

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492

5 Recycling von Abfllen

mit erhhten Asphalt- und Ziegelanteilen. Auch RC-Baustoffe ohne Gteprfung


halten den Belastungen stand, so da diese Stoffgemische den Anforderungen
nach Raumbestndigkeit und Homogenitt gengen knnen. In der Praxis werden
jedoch noch meist fr diese Bauzwecke RC-Materialien ausgeschrieben, die den
hheren Anforderungen an ungebundene Tragschichten entsprechen.
Die Verwendungsmglichkeiten insbesondere im Garten- und Landschaftsbau
sind die Unterbauschichten in den ungebundenen Verkehrsflchen und Wegebau.
Dies sind im Einzelnen
- Pflasterflchen, Plattenflchen, Rasengittersteine,
- Wassergebundene Decken wie Promenadenwege, Tennenflchen
- Kunstrasenflchen und Kunststoffflchen fr Zuwege, Parkpltze, Schulhfe,
Pltze, Parks Sport- und Spielflchen.
Das Merkblatt ber die "Verwendung von industriellen Nebenprodukten, Teil:
Wiederverwendung von Baustoffen", sieht fr diesen Verwendungsbereich alle
Stoffgruppen vor. Es sind jedoch im Straenbau wie in allen Bereichen der Verwendung umfangreiche Prfungen vorzusehen. (vgl. Tabelle 5.35.).
Verwendungsmglichkeiten auerhalb der Bereiche des Merkblattes
- Verwendung von RC-Baustoffen als Zuschlagstoff von Beton mit geringeren
Anforderungen (B15/B25) [5.168]:
Bisher liegen dazu Untersuchungen der Universitt Essen, der TH Aachen und aus
den Niederlanden vor. Die Verwendung dieses sog. Betonsplittbetons ist im konstruktiven Bereich noch nicht ber das Versuchsstadium hinaus. Es eignen sich
fast ausschlielich reiner Betonsplitt ohne Nebenfraktionen (Holz, Asphalt, betonschdliche Heimengungen wie Gips).
Ziegelsplitt ist gem DIN 4226 als Leichtzuschlag fr Beton geeignet und eingeschrnkt anerkannt. Eine INTECUS-Umfrage in Berlin (1992) hat gezeigt, da
Ziegelsplittbeton durchaus wieder eine Marktchance im Bereich bis B25 haben
kann, wenn alle Beteiligten der Baubranche (Aufbereiter, Betonhersteller, Hochbauunternehmen, ausschreibende Stelle) eine gemeinsame Akzeptanz erreichen.
Insbesondere in Berlin ist in den nchsten Jahren mit groen Mengen an Ziegelabbruch zu rechnen.
- Seit Anfang der 90er Jahre werden von einem Betonsteinwerk in Zusammenarbeit mit einem Aufbereitungsunternehmen aus Karlsruhe ein RecyclingRasengitter und Pflastersteine gefertigt, die die Anforderungen der DIN 18501
erfiillen. Der Recycling-Baustoff-Anteil liegt bei ca. 30 Gew.-%. Es handelt
sich um die Krnung 3/8 mm [5.165].
- RC-Material minderer Qualitt kann zur Verfiillung von Drainage- und Belftungsgrben oder Sickerschchten das bislang verwandte Neumineral ersetzen.
Voraussetzung ist allerdings die nachgewiesene Umweltvertrglichkeit
- Aufbereiteter Ziegelabbruch wird z.B. auch als Pflanzgranulat fr Dachbegrnungen eingesetzt.

5.3 Vermarktung von Recycling-Produkten

493

[Link]
Erlse

Die geprften Sekundrbaustoffe knnen wie Neumaterial fiir die angegebenen


Verwendungszwecke eingesetzt werden, weisen jedoch zur Absatzsteigerung ein
bis zu 40 % geringeres Preisniveau auf. Seitens der Aufbereiter besteht die Forderung, hochwertige Recycling-Baustoffe bei gleicher Qualitt zu gleichen Preisen
wie Primrprodukte abzusetzen. Um dies zu erreichen, mssen die Abnehmer
verstrkt ber die Eigenschaften von Sekundrbaustoffen und deren umwelttechnischen Zusatznutzen informiert werden. Eine wesentliche Voraussetzung fiir
den Einsatz der Sekundrbaustoffe ist deren Bercksichtigung bereits bei der
Ausschreibung von Bauvorhaben.

5.3.8

Asphalt

Ausbauasphalt findet fast ausschlielich als bituminses Mischgut fiir Binder- und
bitumins gebundene Tragschichten Wiederverwendung. Ein je nach Bundesland
unterschiedlicher Anteil an Ausbauasphalt kann auch fiir die Deckschicht verwendet werden. Sofern das Material zur Replastifizierung nicht mehr geeignet ist,
wird es entweder deponiert oder bei anderen Baumanahmen, wie z.B. Lrmschutzwllen, verwendet.

[Link]

Qualittsanforderungen

Eine wirtschaftliche Wiederverwendung von Asphalt sowie die Voraussetzungen


zur Erhaltung der Mischgutqualitt bedingen, den ausgebauten Asphalt entsprechenden Eignungsprfungen zu unterwerfen. Aus den Ergebnissen lt sich die
Eignung des Materials fiir die entsprechenden Wiederverwendungsmglichkeiten
bestimmen.
Hinweise und Regeln fiir die Wiederverwendung von Asphalt und zur Qualittssicherung sind im "Leitfaden fiir die Wiederverwendung von Asphalt in
Mischanlagen", im "Leitfaden fiir die Gteberwachung von Asphalt und Ausbauasphalt" der DA V sowie im "Merkblatt fiir die Erhaltung von Asphaltstraen" der
Forschungsgesellschaft fiir das Straen- und Verkehrswesen enthalten [5 .114,
5.111].
Neben den Voruntersuchungen der alten Fahrbahndecke mssen wie bei allen
anderen Baustoffen auch Eigenberwachungsprfungen durchgefiihrt werden.
Eine Gteberwachung der Mineralstoffe nach den Richtlinien fiir die Gteberwachung von Mineralstoffen im Straenbau (RG Min) ist meist nicht erforderlich,
da die im Asphaltgranulat enthaltenen Mineralstoffe bereits vor der erstmaligen
Verwendung der Gtesicherung unterlagen.
Vor der Wiederverwendung des Asphaltes sind folgende Eigenschaften bei der
Eigenberwachung zu prfen [5.115]:
- Bindemittelgehalt,
- Bindemitteleigenschaften, meist gengt die Ermittlung des Erweichungspunktes Ring und Kugel; teilweise sind weitergehende Prfungen erforderlich.

494

5 Recycling von Abfllen

- Komgrenverteilung,
- Mineralstoffart,
- Wassergehalt
Bei der Eigenberwachung sind neben der durchschnittlichen Granulatzusammensetzung auch die Gleichmigkeit der Qualittsmerkmale festzustellen. Frsgut
sollte bei jeder Anlieferung untersucht werden, Schollenaufbruch ist nach dem
Brechen einer Charge zu charakterisieren.
In einer Eignungsprfung sind die Auswirkungen der Komzusammensetzung, des
Bindemittelgehaltes und des Erweichungspunktes auf die Eigenschaften des resultierenden Mischgutes zu ermitteln. Im Prfbericht ber die Eignungsprfung sind
die Ergebnisse der Voruntersuchung und die Zugabemengen anzugeben.
Fr die Recycling-in-place-Verfahren sind in dem Merkblatt fiir die "Erhaltung
von Asphaltstraen" Baugrundstze, Bauverfahren, Ausfhrung, Anforderungen,
Prfungen sowie die Abnahmemodalitten, Gewhrleistung und Abrechnung festgelegt [5.116].
Die Mglichkeiten der Wiederverwendung und somit die Einsatzgebiete von
Ausbauasphalt lassen sich gem dem "Merkblatt fiir die Erhaltung von Asphaltstraen, Teil: Bauliche Manahmen, Wiederverwendung von Asphalt" in 3 Kategorien einteilen [5 .117]:
Wiederverwendung ohne Aufbereitung:
Das anfallende Frsgut und teilweise der Schollenaufbruch knnen in geeigneter
Gre ohne weitere Aufbereitung fiir den Bau von Lrmschutzwllen, zur Verbesserung des Untergrundes und des Unterbaues von Verkehrsflchen eingesetzt
werden.
Wiederverwendung mit zustzlichen Baustoffen:
Derzeit sind Verfahren in Erprobung, bei denen gefrster oder gebrochener Asphalt im kalten Zustand nach Einmischung anderer Baustoffe vor Ort oder in Misehern wiederverwendet wird. Art und Menge der zustzlichen Baustoffe richten
sich nach dem Verwendungszweck. Unter Verwendung von z.B. Sand, Fller,
Bitumenemulsion, Wasser und Zement kann der Ausbauasphalt derart aufbereitet
werden, da das Material fiir den Einbau fiir verfestigte oder unverfestigte Frostschutzschichten geeignet ist.
Wiederverwertung zur Herstellung von Asphalt
Hierunter fallen die Recycling-in-place-Verfahren und die Recycling-in-plantVerfahren. Es gelten die genannten Anforderungen.

[Link]
Erlse
In der Literatur werden keine Angaben ber die Erlse fiir Asphalt gemacht. Es ist
jedoch davon auszugehen, da die Preisabschlge deutlich geringer ausfallen als
bei den Sekundrbaustoffen.

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung

"Die besten Abflle sind die erst gar nicht entstandenen" ist die bestechende Logik
einer viel zitierten Aussage. In der praktischen Umsetzung zeigt sich jedoch eher
eine zgerliche Wirkung.
Trotz einer bereits vor 15 Jahren vollzogenen gesetzlichen Verankerung des
Vermeidungsgedankens, dem seither vorrangig Rechnung getragen werden sollte,
werden heute noch die Hauptanstrengungen im Bereich der Verwertung und Beseitigung von Abfallen unternommen.
In den Jahren 1987 bis 1990 stieg die Menge der Siedlungsabflle zwischen 4,5
und 5,0% p.a. (vgl. Tab. 2.1).
Aufgrund erheblicher Probleme mit den wachsenden Abfallbergen zeichnet
sich im Bereich der Kommunen als beseitigungspflichtige Krperschaften und in
der Industrie jedoch ab, da der Abfallvermeidung ein zunehmender Stellenwert
eingerumt wird.

6.1
Rahmenbedingungen der Abfallvermeidung
6.1.1
Begriffsdefinition
Der Begriff der Abfallvermeidung umfat die Handlungsmglichkeiten, die ein
Entstehen von Abfllen bereits beim Abfallproduzenten problemlos verhindem
bzw. den Anfall von Abfall so gering wie mglich halten. Die Abfallvermeidung
ist somit eng an die Produktions- und Verbraucherstrukturen geknpft, die sowohl
einen erheblichen Einflu auf die Abfallproduktion ausbt als auch durch Vermeidungshandlungen verndert werden kann [6.22].
Die Mllvermeidung ist in qualitativer und quantitativer Hinsicht zu differenzieren. So ist unter qualitativer Vermeidung eine Vermeidung kurzlebiger sowie
problembehafteter Produkte zu verstehen, whrend mit quantitativer Abfallvermeidung eine Reduktion der noch zu verwertenden bzw. zu entsorgenden Abflle
gemeint ist [6.6].

6.1.2
Einflu verschiedener Akteure auf die Abfallvermeidung
Die im Bereich der Abfallproduktion Handelnden knnen in die Bereiche der
direkten und indirekten Akteure unterteilt werden. Zu den direkten Akteuren zhlen:

B. Bilitewski et al., Abfallwirtschaft


Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2000

496

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung

DATENERHEBUNG

UI!Meltplanung
kobilanz
Energie- und Stoffbilanz
Produktlinienanalyse

Gesetzgeber

INJIREKTE
AKTEURE

Ge- und Verbote


wirtschaftliche
Instrumente
ffentlichkeitsarbeit

TECHNISCHE
EBENE

DIREKTE
AKTEURE

ABFALLEBENE

Bild 6.1. Wirkungsbeziehungen zwischen den verschiedenen Akteuren und Ebenen der Abfallwirtschaft

- Haushalte und Dienstleistungsbereiche,


- Handel,
- Produzierendes Gewerbe und Industrie.
Die indirekten Akteure werden vom Gesetzgeber (Europische Gemeinschaft,
Bund) und den ausfhrenden Organen der Gesetzgebung, wie z.B. Landes- oder
Kommunalbehrden, gebildet. Die Wirkungsbeziehungen der Akteure untereinander zeigt das Bild 6.1. Grundlage fiir die Entscheidungen und Manahmen der
indirekten Akteure bei der Abfallentstehung ist die vorsorgende Umweltplanung.
Umweltprobleme sind lngst entstanden, bevor ein Produkt als Abfall anfllt.
So verursacht jedes einzelne Abfallprodukt bereits verschiedene Umweltschden
bei Rohstoffabbau, Fertigung von Halbstoffen oder Halbzeugen, beim Transport,
bei der Endproduktion, der Vermarktung und beim letzten Schritt, der Abfallbeseitigung. Es ist also eine kologische Gesamtbilanz zur Beurteilung von Produkten und Materialien erforderlich. Die Materialfludiagramme fiir Papier und Aluminium in Bild 6.2. zeigen beispielhaft, da fiir eine entstandene Menge von Abfall teilweise eine viel grere Menge an Rohstoffen ntig war.
Jeder Vorgang bei der Produktherstellung ist dabei mit spezifischen Umweltbelastungen verbunden [6.9, 6.23].
Erhebungsmethoden fiir eine qualitative Gesamtbilanz sind z.B.:
- kobilanzen,

497

6.1 Rahmenbedingungen der Abfallvermeidung

[Link]

Materialfludiagramm fr Papier

Materialfludiagramm fr Aluminium

Bild 6.2. Materialfludiagramme filr Papier und Aluminium [6.9]

- Stoff- und Energiebilanzen,


- Produktlinienanalysen.
kobilanz
Das Schweizerische Bundesamt fr Umweltschutz in Bern hat 1984 eine Studie
mit kobilanzen von Packstoffen verffentlicht, in der versucht wurde, die Beeinflussung der Umwelt bei der Produktion eines Rohstoffes zu erfassen. Zur besseren Vergleichbarkeit von Luft- und Wasserbelastungen wurden kritische Belastungsmengen ermittelt, die der Menge des belasteten Mediums entspricht, welche
nach der entsprechenden Verdnnung im Rahmen der maximalen Grenzwerte
bleibt.
Die kritische Hinterfragong einiger sogenannter "umweltverbessernden Manahmen" hinsichtlich ihrer wirklichen Umweltentlastung im Vergleich zum Ausgangszustand (z.B. der Ersatz von fossilen Brennstoffen durch Rapsl) ftihrte zu
der Einfhrung von kobilanzen. kobilanzierung zielt auf eine umfassende
Beurteilung der Umweltvertrglichkeit von Produkten, Prozessen oder auch
Dienstleistungen [6.104]. Zielsetzung ist die Minimierung der Umweltbelastungen
und der Gefiihrdungspotentiale, wie auch die Optimierung des Rohstoff-, Wasserund Energieeinsatzes.
Bei der Produktbilanzierung werden das gesamte Produkt ber die Lebensstadien Rohstofferzeugung, Rohstoffverarbeitung, Produktherstellung, Anwendung,
Entsorgung, Abfall-/Abwasser-/Abluftbehandlung und Recycling und ihren Rohstoff-, Energie- und Wasserverbrauch sowie die Emissionen in Luft, Wasser und
Boden bilanziert.
Problematisch ist hier die Vergleichbarkeit ("pfel mit Birnen"), z.B. grere
Abfallmengen bei der Herstellung von Produkt A verglichen mit einem hheren
Wasserverbrauch zur Erzeugung des Produktes B. Eine Bewertung ber die Anwendung von Gewichtungsfaktoren wird oft als Lsungsweg empfohlen. Diese
Bewertungsschritte sind zwangslufig subjektiv, einheitliche Vorgaben existieren
bislang noch nicht. Schwierig bis unmglich wird die Einbeziehung nicht quantifizierbarer Gren wie sozialer Aspekte, z.B. dem Abbau von Arbeitspltzen, oder
auch moralischer Bedenken, z.B. Tierversuche, die der Herstellung einiger Produkte vorausgehen [6.105].
Durch Weglassen oder Einbeziehen einiger der sehr vielfltigen Einflugren
bestehen Manipulationsmglichkeiten. Trotzdem wurde bislang eine Vielzahl von

498

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung

kobilanzen erstellt, die teilweise zu einem, zumindest qualitativen, Ergebnis


kamen. Einigen Verfassern gelang sogar ein quantifizierbares Ergebnis. So wurde
bei einem Vergleich von Mehrweg-Glasflaschen mit Einweg-Verbundkartons als
Verpackungen filr Frischmilch herausgefunden, da sich bei 25 Umlufen der
Mehrwegflaschen keine eindeutigen Prferenzen filr das eine oder andere Verpackungssystemherleiten lassen [6.106].
Weitere Beispiele ftlr durchgeftlhrte kobilanzen:
- Vergleich der Werkstoffe Holz, Aluminium und Kunststoff filr die Fensterrahmenherstellung,
- Vergleich von Einweg- und Mehrwegbabywindeln,
- Vergleich von Kunststoff- und Altpapiertragetaschen.
Vom Umweltbundesamt Berlin wurde ein "Zehn-Punkte-Programm zur Fortentwicklung der kobilanzen" erstellt. Hierin sind u.a. Verbesserungen hinsichtlich
der Transparenz, Methodik, Informationsstruktur und Produktinformation bei der
Erstellung von kobilanzen sowie der Aufbau von Datenbanken vorgeschlagen
und gefordert [6.107].
Stoff- und Energiebilanz
Da weder Stoffe noch Energie verloren gehen, sondern lediglich umgewandelt
werden, dienen diese Bilanzen als sinnvolle Grundlage zur Erstellung technischer
und struktureller Planungsaussagen.
Produktlinienanalyse
Dieses, von der "Projektgruppe kologische Wirtschaft" im Freiburger koInstitut wieder aufgegriffene Instrument untersucht ber den Lebenszyklus eines
Produktes hinaus auch, inwieweit die jeweiligen Produkte Bedrfnisse befriedigen. Ausgangspunkt ist dabei die Befriedigung der Bedrfnisse auf eine umweltvertrglichere Art, als dies heute der Fall ist [6.9, 6.10].
Gem Bild 1.1 in Kapitel 1.2.2 bedienen sich die indirekten Akteure folgender
Instrumente zur Durchsetzung der Abfallvermeidung:
- Ge- und Verbote,
- wirtschaftspolitische Instrumente,
- ffentlichkeitsarbeit.
Ziel ist es, die direkten Akteure zu einer weitgehenden Abfallvermeidung zu bewegen bzw. zu motivieren. Hierbei spielen auch die verfahrenstechnischen Manahmen, die wiederum die Produktionsweisen im Gewerbe und in der Industrie
beeinflussen, eine wichtige Rolle. Die direkten Akteure sind filr die Entstehung
der Abflle (Hausmll, Gewerbeabflle, Sonderabflle) mittelbar verantwortlich.
Das Bild 6.1. zeigt zudem, da die Sonderabflle nicht nur durch produzierendes
Gewerbe und Industrie entstehen, sondern auch Handel, Haushalte und Dienstleistungsbereiche als Konsumenten einen Einflu auf die Sonderabfallentstehung
haben.

6.1 Rahmenbedingungen der Abfallvermeidung

499

[Link]

Manahmen indirekter Akteure


Ge- und Verbote

Europische Gemeinschaft
Innerhalb der EG tritt heute an die Stelle der bisherigen Abfallbeseitigung die
sinnvolle Abfallwirtschaft mit eindeutiger Prioritt zugunsten einer Abfallvermeidung und -verwertung.
Trotzdem mssen die Mitgliedsstaaten die Regeln des freien Binnenmarktes
beachten, die seit 1992 zwingend vorgeschrieben sind. Gem der Prmisse, da
keine Diskriminierung von Handelspartnern auftreten darf, sind Produktions- und
Handelsbeschrnkungen nur begrenzt durchsetzbar. Durch diese Einbindung werden die einzelnen EG-Mitglieder in ihren Abfallvermeidungsmanahmen teilweise
erheblich behindert. Ein deutsches Verbot von Einwegverpackungen wrde vermutlich an dieser Hrde scheitern.
Als EG-Richtlinie wurde jedoch der Ausstieg aus der FCKW-Produktion als
langfristige Perspektive verankert.
Bundesrepublik Deutschland
Mit Inkrafttreten des Gesetzes ber die Vermeidung und Entsorgung von Abfllen
(Abfallgesetz) vom 0 1.1I.I986 wurde der Begriff der Abfallvermeidung in das
aus dem Jahre I972 stammende Abfallbeseitigungsgesetz eingefilhrt:.
Abfallgesetz
Der in das Gesetz neu aufgenommene I a AbfG bestimmt in seinem ersten Absatz, da Abflle zu vermeiden sind, allerdings nur nach Magabe zustzlicher
Rechtsverordnungen, die von der Bundesregierung gem I4 Abs. I und 2 erlassen werden knnen. Damit hat der Ia keine unmittelbar bindende rechtliche
Wirkung, sondern ist vielmehr als richtungsweisender Programmsatz fiir die Exekutive zu verstehen. Vermeidungsgebote setzen vielmehr eine Ausgestaltung des
Rahmengesetzes durch die Bundesregierung in Form von Rechtsverordnungen
gem I4 AbfG voraus.
Die Bundesregierung darf von ihrer Befugnis gem I4 Abs. 2 AbfG allerdings erst dann Gebrauch machen, wenn sie zuvor vergeblich versucht hat, eine
marktwirtschaftliche Lsung des Problems herbeizufiihren. Die Schwche der
Ermchtigung liegt darin, da die Bundesregierung direkt nur eingreifen darf,
wenn es sich um die Vermeidung schdlicher Stoffe handelt. Geht es "lediglich"
um die Reduktion von Abfailmengen, ist die Bundesregierung gezwungen, in
langwierige Diskussionen mit den Verursachern der Abfallmengen einzutreten
[6.3].
Um diesen Schritt abzukrzen, wurde beispielsweise die Verpackungsverordnung (vgl. Kap. 1.3.4) zweigleisig angelegt. Der beteiligten Wirtschaft wurde die
Mglichkeit zum Aufbau eines haushaltsnahen Erfassungs- und Verwertungssystems fiir Verkaufsverpackungen eingerumt. Gleichzeitig wurde fUr den Fall des
Scheiteros eine Zwangsrcknahme durch den Handel angeordnet.
Weitere Vorlagen, wie z.B. fUr die Rcknahme von Altautos, Altpapier oder
Elektronikschrott, liegen im Entwurf vor.

500

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung

Tabelle 6.1. Entwicklung des Verpackungsverbrauchs in der Bundesrepublik Deutschland [6.8]

Material

1988
1990
1991
1992
[103 Mg]
[103 Mg]
[103 Mg]
[103 Mg]
3.146,3
4.205,1
4.426,3
Glas
4.636,8
603,7
738,7
793,1
752,2
Weiblech
102,1
118,2
Aluminium
124,0
114,8
Kunststoff'
1.227,8
1.441,8
1.606,5
1.542,1
3.874,7
Papier, Pappe, Karton
5.082,5
5.209,3
5.035,3
Verbunde, davon:
303,1
348,6
410,9
402,9
141,8
161,1
198,2
201,6
Flssigkeitskarton
137,1
155,1
177,9
168,1
Papierbasis
19,9
26,4
28,0
26,8
Kunststoffbasis
6,0
4,2
6,8
6,4
Alubasis
9.257,7
11.934,9
12.780,6
12.273,6
Quotierte Verpackungen
insgesamt
301,0
220,5
293,4
259,0
Feinblech
1.471,1
2.117,9
2.249,9
2.131,6
Holz, Kork
Sonst. Verpackungenb
14,9
12,5
15,5
14,0
Nicht quotierte Verpak1.706,5
2.434,4
2.557,3
2.403,1
kungen insgesamt
10.964,2
14.369,3
15.337,9
14.676,7
Alle Verpackungen
1992 Vorabschtzung
incl. Kunststoff/Kunststoffverbunde
1995 Prognose
Textil, Keramik, Blei, Kautschuk
1988 alte Bundeslnder
1990 inkl. neue Bundeslnder

1995
[103 Mg]
3.980,5
722,6
105,6
1.498,5
5.107,7
399,8
205,4
164,5
23,9
6,1
11.814,7
269,6
2.064,9
12,1
2.346,6
14.161,3

Ein Jahr nach Inkrafttreten zeigt die VerpackV erste Erfolge nicht nur bezglich
der Verwertung, sondern auch im Bereich der Abfallvermeidung. Whrend der
Verpackungsverbrauch in den letzten Jahren beinahe unabhngig von konjunkturellen Einflssen anstieg, ist 1992 erstmalig ein Rckgang gegenber dem Vorjahr
um 4,3 %oder ca. 661 000 Mg zu verzeichnen [6.8]. Bezogen auf die von der
VerpackV reglementierten Verpackungen betrgt der Rckgang rund 500 000 Mg
(s. Tabelle 6.1.). Fr die kommenden drei Jahre wird ein weiterer Rckgang um
ca. 450 000 bis 500 000 Mg prognostiziert.
Bundes-Immissionschutzgesetz
Gem 5 Abs. 1 Nr. 3 BlmSchG sind genehmigungsbedrftige Anlagen so zu
errichten und zu betreiben, da "Reststoffe" vermieden werden, es sei denn, sie
werden ordnungsgem und schadlos verwertet. Falls beides nicht zurnutbar ist,
mssen die Abtlilie ohne Beeintrchtigung des Wohls der Allgemeinheit beseitigt
werden. Die Erfllung dieser Pflicht ist Genehmigungsvoraussetzung nach 6
BlmSchG, weshalb das BlmSchG sogar weitreichendere Auswirkungen hat als
das AbfG. Allerdings bezieht sich das BlmSchG nur auf die Errichtung und den
Betrieb von Anlagen, nicht aber auf bestimmte Produkte, wie z.B. Verpackungsmaterialien [6.3].

6.1 Rahmenbedingungen der Abfallvermeidung

501

TA Abfall
Die TA Abfall dient dazu, die Umsetzung der angestrebten Strategien zur Abfallvermeidung und -Verwertung als zentrales Element der Abfallwirtschaft einzufhren. Ein wesentliches Element ist eine Verbesserung der Sonderabfallentsorgung
durch die Bindung bestimmter Abfallarten an dafr am besten geeignete Entsorgungswege. Anforderungen an die Vermeidung von AbOOien kann die TA Sonderabfall aufgrundfehlender gesetzlicher Ermchtigungjedoch nicht formulieren.
Verbot bestimmter Beseitigungswege
Hierunter tallt in erster Linie ein Verbot der Beseitigung (Deponierung, Ableitung,
Behandlung und Verbrennung) potentiellverwert-oder vermeidbarer Abtalle und
Reststoffe. Mgliche Instrumente sind die TA Abfall, in der bestimmte Entsorgungswege fr Sonderabtalle und Reststoffe vorgeschrieben werden, und die
Hohe-See-Einbringungsverordnung, die die Abfallverbrennnung auf See ab 1994
verbietet.
Verbot von Produkten
Zu den produktseitigen Instrumenten zhlen das Verbot von Produkten, die entweder in der Herstellung oder nach Benutzung besonders abfall- und reststoffintensiv sind, wobei sowohl das Chemikaliengesetz als auch das Abfallgesetz als
Instrument zur Durchsetzung dienen kann.
Lnder
Die Abfallvermeidungsgebote des AbfG und des BlmSchG sind abschlieende
Regelungen, so da landesrechtliche auf die Abfallvermeidung gerichtete Normen
wegen des Vorrangs von Bundesrecht auf dem Gebiet der konkurrierenden Gesetzgebung ausgeschlossen sind. Es steht dem Landesgesetzgeber jedoch frei, z.B.
in seine Kommumtlgesetze weitergehende Abfallvermeidungsgebote aufzunehmen. So verpflichtet 2 Abs. I LAbfG/Rheinland-Pfalz die Entsorgungspflichtigen, in ihrem Zustndigkeitsbereich darauf hinzuwirken, da mglichst
wenig Abfall entsteht [6.3].
Beseitigungspjlichtige Krperschaften
Auch die Kommunen als beseitigungspflichtige Krperschaften mssen sich im
Rahmen der Bundes- und Landesgesetze bewegen. Eigene Gesetzgebungskompetenz hinsichtlich Abfallvermeidung steht ihnen nicht zu. Im Rahmen ihrer Satzungsautonomie stehen ihnen jedoch Mglichkeiten zur Verfgung, der Abfallvermeidung einen hheren Stellenwert beizumessen.
Das Hausmllaufkommen bei den Haushalten mit Ge- und Verboten zu senken,
erscheint unzweckmig, denn es ist zu befrchten, da Haushalte, denen nur ein
bestimmtes Abfallkontingent pro Zeiteinheit zugestanden wird, auf illegale Entsorgungswege ausweichen und damit erhebliche Umweltschden verursachen
[6.15].
Dagegen kann dieses Instrument bei der Vermeidung von Sonderabtallen einen
wichtigen Beitrag leisten. Zu nennen sind Rechtsverordnungen zur Rcknahme
oder zum Verbot von bestimmten Reststoffen aus der Produktion oder die TA
Abfall.

502

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung

Wirtschaftspolitische Instrumente
In diesem Bereich sind zahlreiche Instrumente auf der Grundlage der in Kap.
[Link] aufgefhrten Gesetze einsetzbar, von denen hier nur zwei exemplarisch
behandelt werden. Weitere Instrumente sind an dieser Stelle nur im berblick
wiedergegeben.
Wirtschaftsfrderung
Dieses Instrument bietet vielfliltige Mglichkeiten zur Einflunahme auf das Verhalten von Industrie und Gewerbe. Instrumente fr eine umweltorientierte Wirtschaftspolitik knnen
- Finanzierungshilfen,
- Steuer- und Tarifpolitik,
- Infrastrukturpolitik,
- Baugenehmigungspraxis, Bauleitplanung,
- umweltrelevante Forschungs- und Entwicklungsfrderung,
- Information und Beratung sowie ffentliche Frdermanahmen durch Land,
Bund undEG
sein.
Umgesetzt wurde dies bereits als Teil innerhalb der Frderprogramme fr die
neuen Bundeslnder, z.B. als zinsgnstige Kredite fr Investitionen zur Verbesserung der Abfallwirtschaft (Recycling und Beseitigung), Abwasser- und Luftreinigung sowie Energieeinsparung [6.93].
konomische Anreize
konomische Anreize auf der Stufe der Rohstoff- und Gterproduzenten werden
als erfolgversprechende Manahmen zur Verminderung des Abfallaufkommens
angesehen [6.15], da die Vermeidungszielsetzung fr industrielle Produzenten auf
marktwirtschaftliehen berlegungen, wie z.B. umweltschutzbedingten Kostenlasten, liegen. Der Produzent kalkuliert in alternativen Investitionsrechnungen
durch, wie ersparte Umweltschutzausgaben zu Buche schlagen. Die Vermeidungszielsetzung wird daher derjenigen zur Verwertung von Rohstoffen hnlich [6.20].
Weitere Anreize sind Subventionen fr den Verzicht auf Umweltschdigungen
oder zur Frderung umweltfreundlicher Produktionsverfahren, staatliche Frderung der umwelttechnischen Innovationen, Umweltlizenzen oder Umweltabgaben
(z.B. die Sonderabfallabgabengesetze in mehreren Bundeslndern).
In der Vergangenheit wurden Anreize zur Abfallvermeidung, die direkt in den
privaten Haushaltungen ansetzen, wegen des hohen administrativen Aufwandes
und der Sorge vor einem Ausweichen auf illegale Entsorgungswege als wenig
geeignetes Mittel angesehen. Drei Grnde fhrten im wesentlichen zu einer Revision dieser Auffassung:
- der Preisverfall bei der Mikroelektronik macht solche Systeme bezahlbar,
- die vollzogene und auch gewnschte Verteuerung der Abfallentsorgung verringert den Preissprung bei Einfhrung der gewichtsorientierten Entsorgungsgebhr,
- das gestiegene Umweltbewutsein lt eine illegale Abfallentsorgung als weniger wahrscheinlich erscheinen.

6.1 Rahmenbedingungen der Abfallvermeidung

503

Dies entspricht auch der Einschtzung des Umwelt- und Prognose-Instituts Heidelberg e.V. (UPI), welches in einem zweijhrigen Forschungsprojekt eine kologische Steuerreform erarbeitete [6.30]. Im Rahmen dieses Reformvorschlages
sollen diverse umweltbelastende Produkte und Aktivitten besteuert werden, wovon sich das UPI erhebliche Erfolge im Hinblick auf die Abfallvermeidung erhofft.
ffentlichkeitsarbeit
Neben den Mglichkeiten der Ge- und Verbote und der Wirtschaftspolitik besteht
insbesondere filr die Kommunen die Mglichkeit, eine gezielte ffentlichkeitsarbeit durchzufhren.
Adressaten der ffentlichkeitsarbeit sind die Brger, der Handel und das Gewerbe sowie die kommunale Verwaltung. Ziele der ffentlichkeitsarbeit sind:
- Vernderungen des Kaufverhaltens (abfallarmer und umweltbewuter Einkauf),
- Vernderungen des Eigenverhaltens (zum Abfall bestimmte Produkte sinnvoll
weiterverwenden, z.B. Sperrmllnutzung),
- Frderung der Kompostierung (von Kchenabtallen zum Eigen- und Nachbarschaftsbedarf),
- Umstrukturierung der Angebotspalette des Handels und Gewerbes nach Kriterien der Umweltfreundlichkeit (langlebige, reparatur- und umweltfreundliche
Produkte),
- Frderung der Umweltpdagogik [6.7].
Die ffentlichkeitsarbeit sollte professionell durchgefhrt werden, da sie mit der
z.T. abfalltOrdernden Industrie konkurriert. Die ffentlichkeitsmanahmen sollten
mit der Einstellung von Abfallberatern verbunden sein, deren Aufgaben u.a. in der
Beratung und berwachung der abfallvermeidenden und -vermindernden Manahmen der Gemeinde, des Handels und Gewerbes und natrlich der Haushalte
bestehen sollten [6.6].Das Instrument der ffentlichkeitsarbeit ist positiv zu beurteilen. Hierbei
scheint es mglich, das ohnehin wachsende Umweltbewutsein [6.16, 6.17] durch
entsprechende ffentlichkeitsarbeit zustzlich zu strken. Die bereits erzielten
guten Sammetergebnisse bei der Erfassung von Altpapier, Altglas und Leichtverpackungen knnen als Indiz dafilr gewertet werden, da die privaten Haushalte zu
einem umweltschonenden Verhalten bereit sind. Eine . gezielte ffentlichkeitsarbeit knnte die privaten Haushalte zu weiteren Verhaltensnderungen
und zur Verringerung des Hausmllaufkommens veranlassen [6.15] sowie zu einer
Verminderung bei den Sonderabtallen durch Sensibilisierung der Verbraucher
fhren.
Das produzierende Gewerbe und die Industrie mu auf die Eigenverantwortung
und Mglichkeiten zur Abfallvermeidung bei den Gewerbeabtallen und den Sonderabtallen zielgerichtet, technisch fundiert hingewiesen werden. In freiwilligen
Absprachen (Branchenabkommen und Verbandslsungen) sollten die zuknftigen
Abfallmengen und der Stand der Technik bei der Produktion bzw. Reststoffbehandlung festgelegt und durchgesetzt werden.

504

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung

[Link]
Direkte Akteure
Nachdem im vorangegangenen Kapitel die Instrumente zur Abfallvermeidung
erlutert worden sind, sollen in diesem Kapitel deren Auswirkungen auf die direkten Akteure und deren Mglichkeiten zur Abfallvermeidung aufgezeigt werden.
Produzierendes Gewerbe
Das Warenangebot stellt fr den Verbraucher eine sprbare Grenze seiner Abfallvermeidungsbestrebungen dar. Vielfach knnen verpackungsreiche Produkte
mangels Angebot nicht durch verpackungsarme Produkte ersetzt werden. In einigen Fllen, in denen dies mglich ist, mu mit erheblichen zustzlichen finanziellen Aufwendungen gerechnet werden. Dabei mssen die Preise, die der Verbraucher fr das Produkt einschlielich Verpackung bezahlt, noch nicht einmal objektiv auf die geringere, aber vielleicht teuere Verpackung zurckzufhren sein. Hufig sind verpackungsarme Produkte nur durch Preisverzerrungen wesentlich teurer.
Das produzierende Gewerbe knnte durch das verstrkte Anbieten verpakkungsarmer Produkte, aber auch gezielt langlebiger Gebrauchsgter einen ganz
erheblichen Beitrag zur Abfallvermeidung leisten. Diese Neuorientierung mte
dabei nicht einmal gngigen Vermarktungspraktiken von Produkten im Wege
stehen, da umweltfreundliche Produkte heute auch ein hohes Ma an Wettbewerbsfhigkeit und sogar Wettbewerbsvorteilen aufweisen und als solche vermarktet werden knnten.
Bisherige Erfahrungen lieen die Schaffung von Verordnungen notwendig erscheinen. Den Beginn machte die VerpackV (vgl. Kap. 3.2.1), weitere Verordnungen werden folgen.
Welche Bedeutung die Abfallvermeidung in der Industrie hat, verdeutlichen die
Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Von 205 Mio. Mg/a Abfall im Jahr 1987
des produzierenden Gewerbes trgt die Industrie mit 72 Mio. Mg einen betrchtlichen Anteil zur Abfallentstehung bei [6.22].
In vielen Unternehmen besteht die Erkenntnis, da von der Produktion und den
damit erzeugten Abtallen eine Umweltbeeintrchtigung ausgeht. Da aber der
Produktionsfaktor Umwelt neben den klassischen Produktionsfaktoren Boden,
Kapital und Arbeit zu einer entscheidenden Gre im unternehmerischen Handeln
herangewachsen ist, scheint vielen Unternehmern noch nicht bewut zu sein.
Abfallvermeidung bedeutet nicht nur die Einsparung von Entsorgungskosten,
sondern ermglicht auch eine positive Imagewirkung nach innen auf die Mitarbeiter und nach auen auf die ffentlichkeit bzw. die Verbraucher. Ebenso wird
durch die Fragestellung "Wie vermeide ich Abflle im Produktionsproze?" ein
erneutes Durchdenken selbst komplexer und bewhrter Arbeitsprozesse gefrdert.
"Betriebsblindheit" wird durch freigesetztes Innovationspotential ersetzt und kann
zu nachgewiesen positiven Ergebnissen fhren.
Ferner werden mit den Manahmen zur Abfallvermeidung auch die Risiken
verringert, die von den Abfallstoffen auf die Umwelt ausgehen. Aufgrund dieses
Schadenpotentials fr die Umwelt wurden umfangreiche Umweltschutzvorschrif-

6.1 Rahmenbedingungen der Abfallvermeidung

505

ten vom Gesetzgeber erlassen. Diese Umweltgesetze sehen eine umfangreiche


Haftung vor (vgl. Kap. 1.2.2).
Eine auf Abfallvermeidung ausgerichtete Abfallwirtschaft impliziert zwangslufig Beschrnkungen der unternehmerischen Freiheiten im Hinblick darauf, was
an stofflichen Operationen (chemische Reaktionen, Produktzubereitungen, Produktdesign) unter kologischen Gesichtspunkten vertretbar ist und kollidiert somit
mit den wirtschaftlichen Interessen der Unternehmen. So formuliert das produzierende Gewerbe die Abfallvermeidung zumeist als abstraktes politisches Ziel und
befat sich mit diesem nur am Rande.
Auch bei einer konsequenten Abfallvermeidung werden weiterhin mehr oder
minder brisante Reststoffe anfallen. Insofern ist der Entwicklung spezifischer,
abfallangepater Verwertungs- und Behandlungstechnologien ein ebenso groer
Stellenwert wie der Vermeidung einzurumen. Zwangslufig daran gekoppelt ist
die Notwendigkeit der Abfallseparation, d.h. die strikte Getrennthaltung von Reststoffen. Dieses Prinzip der verwertungs- und beseitigungsorientierten Produktgestaltung durch eine Verminderung der stofflichen Komplexitt mu bis in den Produktionshereich hinein verfolgt werden. Hierbei mssen auch entsprechende
Strategien zur Vernderung der Konsumgewohnheiten entwickelt werden. Damit
ergibt sich auch im Bereich der Reststoffseparation ein tendenzieller Widerspruch
zwischen einer kologisch orientierten Abfallwirtschaft und dem aktuellen technisch/industriellen Kurs. Gerade Vielkomponentengemische wie z.B. hochkomplexe Kunststoffkompositionen sind die Elemente gegenwrtiger technischer Entwicklungslinien. Auch hier sind regelnde Eingriffe des Staates unumgnglich
[6.32].
Handel
Der Handel, hier vor allem der Einzelhandel, steht bei der Abfallvermeidung in
einer wichtigen Mittlerrolle zwischen dem warenproduzierenden Gewerbe und
dem konsumierenden und abfallerzeugenden Verbraucher. Er hat sowohl Einflu
auf die Produzenten, beispielsweise durch bevorzugtes Anbieten abfallarmer Produkte und damit Einflunahme auf den Produktabsatz, als auch auf das Verbraucherverhalten, z.B. durch alternatives Warenangebot, Information und Beratung.
Allerdings mu die Fhigkeit des Handels, in kurzen Zeitspannen auf derartige
Verbraucheransprche zu reagieren, kritisch bewertet werden. Der Einzelhandel
als solcher ist nur an quasi-statischen Vernderungen, die eine Wettbewerbsverzerrung unter den Einzelhandelsbetrieben weitgehend vermeiden, interessiert.
Solche Vernderungen sindjedoch im allgemeinen nur langfristig erreichbar.
Wesentliches kann der Handel jedoch, auch in krzeren Zeitspannen, zur Frderung des Umwelt- bzw. Abfallbewutseins der Verbraucher beitragen. So
knnte der Handel als zustzlicher Multiplikator von Informations- und Aufklrungskampagnen, z.B. von Kommunen, auftreten. So haben bereits einige Handelsketten auf Mehrwegprodukte, Verkaufsbereiche filr umweltfreundliche Produkte, getrennte Erfassung der Abfallfraktion und Nutzung des Umweltimageeffektes im Marketing umgestellt.
Allerdings darf nicht bersehen werden, da er Handel im Bereich der Einweg/Mehrwegproblematik einen entscheidenden Faktor darstellt. So wird immer
wieder die mangelnde Lagermglichkeit von Pfandbehltnissen oder das personal-

506

6 Mglichkeiten der Abfallvenneidung

aufwendige Handling mit Pfandsystemen als Argument gegen Mehrwegsysteme


genannt. Man mu sich dessen bewut sein, da zahlreiche Verpackungen im
Distributionssektor in den letzten Jahrzehnten einen groen Beitrag zur Rationalisierung geleistet haben. Eine konsequente Vermeidung in diesem Bereich htte
den Anstieg manueller Ttigkeiten und des Personalbedarfes zur Folge. Hier mu
mit einem Widerstand des Handels gegen Vermeidungsbestrebungen vor allem
dann gerechnet werden, wenn die jeweilige Konkurrenz (z.B. Gromrkte, Discounter) konsequent kleinere Anstrengungen in diese Richtung vornimmt und
damit einen Wettbewerbsvorteil erhlt.
Auch in diesem wichtigen Bereich sollten weitere Gesprche und Vereinbarungen mit den entsprechenden Handelsverbnden, mit den Handelsketten und Kaufhusern von Seiten der Kommunen angestrebt werden.
Im Lebensmittelbereich geht der Trend des Absatzes dagegen mehr und mehr
zu frischen Produkten. So haben bereits heute Handelsketten mit entsprechender
Frischwarenabteilung einen hohen Absatzanteil an Frischfleisch und offenem
Kse, was automatisch zu einem verringerten Anfall an Verpackungsabfllen
filhrt. Dieser Trend zeichnet sich deutlich ab [6.22].

Haushalte und Dienstleistungsbereiche


Neben Industrie und produzierendem Gewerbe, die sowohl als Warenproduzenten
als auch als abfallerzeugende Verbraucher fungieren, sollen im folgenden nur die
ausschlielich abfallerzeugenden Verbraucher aufgefilhrt werden. Diese sind:
- Verwaltungen und Dienstleistungsbetriebe wie z.B. Behrden, Banken, Versicherungen,
- Schulen, Hochschulen und soziale Einrichtungen,
- Gaststtten, Hotels und Kantinen,
- private Haushalte.
Eine ausfhrliche Beschreibung der Vermeidungsmglichkeiten in den genannten
Bereichen fmdet sich in der Studie zum "kologischen Abfallwiitschaftskonzept"
Bielefeld, die vom Institut fr Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU)
erarbeitet wurde [6.22].
Den privaten Haushalten kommt die besondere Rolle zu, am Ende der Produktions- und Konsumkette zu stehen, und damit unmittelbarer Abfallerzeuger zu
sein. Ihr Abfallverhalten und natrlich auch ihr Konsumverhalten wirkt entsprechend auf alle Versuche der Abfallvermeidung; eine Abfallvermeidung ohne Mithilfe des Endverbrauchers ist praktisch nicht mglich.
So lautet eine Forderung an zuknftige Abfallkonzepte, die ffentliche Kontrolle der Abfallproduktion verbindlich festzuschreiben [6.33]:
Jeder interessierte Brger soll das Recht haben, die Abfalldaten der Behrden
einzusehen.
Art, Menge und Konzentration von Schadstoffen, die von einer Behandlungsanlage emittiert werden, sind von einer betreiberunabhngigen Stelle regelmig
zu messen. Diese Werte sowie Menge, Zusammensetzung und Herkunft der angenommenen Abflle sind regelmig zu verffentlichen.
Die Stoffbilanzen der Abfallerzeuger und -beseitiger sind ebenfalls regelmig
zu verffentlichen.

6.2 Vermeidung von Hausmll

507

Umgekehrt sind auch den privaten Haushalten bei der Abfallvermeidung Grenzen
gesetzt, die vom Warenangebot, der Sozialstruktur und der herrschenden Konsumund Lebensprferenz vorgegeben werden. Eine Abfallvermeidung ist nur schwer
zu realisieren, wenn beispielsweise im Handel weiterhin eine weitgehende Verdrngung von Mehrwegbehltern stattfindet, wenn verpackungsarme Produkte
unverhltnismig teuer sind oder wenn auf den Kauf notwendiger Gegenstnde
verzichtet werden mte, wollte man die aufwendige Verpackung einsparen.
Theoretisch ist bei den Haushalten eine sehr hohe Vermeidungsquote denkbar
(vgl. Kap. 6.2.2). Auf einer breiten Ebene erscheint sie jedoch nur realisierbar,
wenn vorausgesetzt wird, da sich auch die soziokonomischen Rahmenbedingungen verndern werden.
Es ist somit notwendig aufzuzeigen, wie gro der Spielraum des privaten Verbrauchers und Abfallerzeugers zur Abfallvermeidung ist und wie gro sein Beitrag
zur Mllmengenreduzierung sein knnte. Hierzu reicht es nicht mehr, von den
anfallenden Mllmengen und den Mllfraktionen auszugehen, da diese Daten nur
sehr grobe Anhaltspunkte fr Vermeidungspotentiale im Bereich privater Mikroakteure geben.
Wichtiger ist dagegen auch die Erfassung der Grnde fr den Konsum und den
Abfallanfall beim Verbraucher, weil nur in diesem Zusammenhang die Realisierbarkeit einer Vermeidungsmanahme bewertet werden kann [6.22].

6.2
Vermeidung von Hausmll
Wie bereits in Kapitel 6.1.2 erlutert wurde, sind sowohl produzierendes Gewerbe,
Handel und private Haushalte an der Produktion von Hausmll beteiligt. In diesem
Kapitel wird jedoch eine Beschrnkung auf letztere vorgenommen, da den Haushalten am Hausmllaufkommen eine besondere Bedeutung zukommt.
Whrend in Kapitel [Link] die Manahmen der direkten Akteure im Hinblick
auf die Abfallvermeidung beim Privatverbraucher diskutiert wurden, werden in
diesem Kapitel konkrete Mglichkeiten zur Abfallvermeidung im Haushalt qualitativ und quantitativ dargestellt.

6.2.1

Mglichkeiten zur Abfallvermeidung im Haushalt

Zunchst werden die wichtigsten Kenngren des Hausmlls im Hinblick auf die
Abfallvermeidung, die in Kapitel 2.2 und 2.3 ausfilhrlich dargestellt sind, noch
einmal kurz aufgefilhrt.

Kenngren des Hausmtllls


- Die Mllmengenentwicklung der alten Bundeslnder in den vergangenen Jahren zeigt ein relativ konstantes Hausmllaufkommen von etwa 15 Mio. Mg pro
Jahr, wobei bis zum Jahre 2000, unter Bercksichtigung von steigenden Bevlkerungszahlen, Wirtschaftsprognosen, Abfallvermeidungs- und Recyclingmglichkeiten eine Senkung des Hausmllaufkommens auf etwa 11 bis 12 Mio.
Mgla prognostiziert wird.

508

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung

- Das theoretisch grte Abfallvermeidungspotential im Bereich Hausmll wird


mit ca. 25 Gew.-% angenommen.
- Das zu entsorgende Abfallvolumen nimmt in den letzten Jahren im Verhltnis
zur Abfallmasse stndig zu.
- Die Hausmllzusammensetzung schwankt qualitativ und quantitativ in den
unterschiedlichen Entsorgungsgebieten, wobei eine Vielzahl von Einflufaktoren eine Rolle spielen.
- Der Hausmll enthlt im Durchschnitt gem Bundesweiter Hausmllanalyse
von 1985 neben anderen Bestandteilen ca. 30 % organische Stoffe, 12 % Papier, 9% Glas und 3% FE- und NE-Metalle (s. Kap. 2.2.1).
- Funktional betrachtet stellen die Verpackungsabililie mit 50 Vol.-% bzw. 35
Gew.-% die strkste Fraktion dar [6.11]. Bei einem jhrlichen Hausmllaufkommen von 15 Mio. Mg (alte Bundeslnder) entspricht dies etwa 84 kg pro
Einwohner und Jahr. Bezglich der Zusammensetzung dieser Verpackungsabflle sind ein Rckgang des Papieranteils und eine Zunahme des Kunststoffanteils festzustellen [6.14], was die Ursache fr die Verschiebung von sinkenden
gewichtsspezifischen Abfallmengen hin zu steigenden volumenspezifischen
Abfallmengen ist. So verursachen beispielsweise Haushalte in urbaner Wohngegend berdurchschnittlich viel Verpackungsabflle, whrend das Aufkommen in lndlichen Wohngegenden deutlich unter dem Durchschnittswert liegt
[6.18].
- Bezglich der Problemstoffe im Hausmll wird geschtzt, da die problemstoffhaltige Hausmllmenge pro Einwohner und Jahr ca. 1,2 bis 1,5 kg betrgt.
Es handelt sich hier zum Beispiel um Batterien, Leuchtstoffrhren, Farben und
Lacke, die u.a. organische Schadstoffe und verschiedene Schwermetalle enthalten [6.24].
Getrennterfate Wertstoffe (z.B. Verpackungen, Papier, Bioabfall) verndern die
Anfallmenge und das Vermeidungspotential in den folgenden Betrachtungen
nicht.
Abfallvermeidungsbereiche im Haushalt
Zur Umsetzung von Abfallvermeidungsmanahmen im Haushalt knnen folgende
Bereiche unterschieden werden:
- Verminderung von Verpackungsabfiillen,
- Verminderung von Gebrauchs- und Verbrauchsgtern,
- Eigenkompostierung von Bioabfiillen,
- schadstofforientierte Vermeidung,
- vermeidungsorientierte Haushaltsfhrung.

6.2.2
Praktische Erfahrungen mit Abfallvermeidungsmanahmen
In den nachfolgenden Abschnitten sind verschiedene Untersuchungen zur Abfallvermeidung aufgezeigt, die zum einen die Vermeidung von Hausmll durch umweltbewutes Einkaufen aber auch die Vermeidung von hausmllhnlichem Gewerbeabfall durch die Umstellung von Mehrweggeschirr bei einer Groveranstaltung aufzeigen.

6.2 Vermeidung von Hausmll

509

Wie die Modellversuche aus Berlin (1985) und Harnburg (1988) gezeigt haben,
liegen besonders im Bereich der Produktverpackungen groe vermeidbare Abfallpotentiale, die ohne einen Konsumverzicht erreicht werden knnen. Durch das
mittlerweile errichtete Duale Abfallentsorgungssystem fiir Verpackungen (DSD)
wird zwar ein Groteil der Verpackungen einer Wiederverwertung zugefiihrt,
damit jedoch noch nicht vermieden.
Nach der zusammenfassenden Darstellung der Modellversuche folgt eine Untersuchung zur Abfallvermeidung bei einer Groveranstaltung aus dem Jahr 1992,
die aufzeigt, da sich auch im Bereich der hausmllhnlichen Gewerbeabililie
noch bedeutende Abfallmengen vermeiden lassen.

[Link]

Modellversuch Abfallvermeidung Berlin

Der Modellversuch wurde 1985 von der Gesellschaft fiir wissenschaftliche Beratung mbH (PLENUM) im Auftrag des Umweltbundesamtes Berlin als Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zur Abfallvermeidung durchgefiihrt.
Der Modellversuch sollte klren, welche Mglichkeiten und Grenzen fiir den
Verbraucher bei der Reduktion des Hausmllaufkommens existieren. Der
Schwerpunkt der Untersuchung lag bei der Fragestellung, ob sich Abfall in privaten Haushalten durch die Beeinflussung des Verbraucherverhaltens beeinflussen
lt sowie in welchem Umfang und bei welchen Stoffgruppen dies mglich sei.
Planung und Durchfhrung
Die Untersuchung wurde mit 50 freiwilligen Berliner Haushalten durchgefiihrt.
Der Versuch erstreckte sich ber zwei zeitlich getrennte Versuchsphasen von
Februar bis Juni 1983 (16 Wochen) und von Februar bis Juni 1984 (16 Wochen).
Dabei wurden die Mllmengen und Stofffraktionen der beteiligten Haushalte
genau registriert, in den ersten 6 Wochen der ersten Mephase handelte es sich
hierbei um nicht durch Aufklrungsarbeit beeinflute Bezugsmessungen.
Whrend der ersten Mephase wurden in regelmigen Abstnden Gesprchsrunden in kleinen Gruppen durchgefiihrt. Den beteiligten Haushalten wurden
Informationen ber die Mllproblematik und Beratung fiir husliche Abfallprobleme angeboten. Ab der 6. Woche wurde die Aufmerksamkeit der Beteiligten auf
Mglichkeiten der gezielten Abfallvermeidung gelenkt, die Erfolge bzw. Probleme wurden in den Gesprchsgruppen diskutiert.
Bei dem Berliner Modellversuch wurde den beteiligten Haushalten ein hohes
Ma an Engagement abverlangt, nicht nur durch die regelmig stattfindenden
Gesprchsgruppen, sondern auch durch das 6fach getrennte Sammeln von Hausmll bzw. Wertstoffen, das Verwiegen der Mllmengen und das Fhren eines
Abfall-Haushaltsbuches. Der Versuch ist somit nicht nur fiir die Abfallvermeidung, sondern auch fiir die getrennte Wertstofferfassung im Haushalt von Bedeutung.
Ergebnisse
Die durchschnittliche Mllmenge pro Einwohner und Woche vor Beginn der Aufklrung ber Abfallvermeidung lag bei 4,47 kg!Einwohner und Woche und lag
damit bereits unter den Werten der Durchschnittswerte fiir das Bundesgebiet bzw.

510

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung

Berlin-West. Whrend der Aufklrungsphase sank die durchschnittliche Mllmenge auf 3,58 kg/pro Einwohner und Woche. Es wurde somit durch die Informations- und Aufklrungsarbeit und durch ein verndertes Verbraucher- und
Wegwerfverhalten eine Abfallvermeidungsquote von durchschnittlich 20 % erreicht. Die durchschnittliche Mllmenge stieg in dem folgenden unbeeinfluten
3/4 Jahr zwischen der ersten und zweiten Mephase wieder auf 3,78 kg/pro Einwohner und Woche an. Die Aufklrung ber die Mglichkeiten der Abfallvermeidung wirkte auch nach lngerer Zeit noch nach und betrug langfristig ca. 15 bis
16%.
In der zweiten Mephase 1984 nahm die Mllmenge dann wieder rapide ab,
sozusagen als Erinnerungseffekt, und stieg dann wieder auf 3,57 kg!Einwohner
und Woche an. Langfristig ergab sich eine Vermeidungsquote von mindestens 15
%, nach einer Auffrischung in der zweiten Mephase sogar von 20 %.
Diese Werte wurden bei bestehendem Warenangebot und sozialen Verhltnissen erreicht, sie knnen deshalb durchaus als Mastbe fiir die im privaten Haushalt erzielbare Abfallvermeidung gelten.
In Tabelle 6.2. sind die Versuchsdaten einer Regressionsanalyse unterworfen
worden, um kurzzeitige Schwankungen der Mllmengen zu eliminieren und den
Trend bei der Abfallvermeidung zu erkennen. Auch diese Vermeidungsquote liegt
im Bereich zwischen 16 und 21 %.
Tabelle 6.2. Durchschnittliche Mllmenge pro Einwohner und Woche whrend des Berliner
Modellversuchs nach einer Regressionsanalyse der Daten [6.25]
Anfang 1983

Gesamtmll
Papier
Zeitungen
Glas
Metall
Kunststoff
Verbundstoff
Restmll

Ende 1983
Diff. gegenber
Anf. 83

Ende 1984
Diff. gegenber
Anf. 83

Anteil an
Vermeidung
Anfang 83/
Ende 84

[g!E*W] [Gew.-%]

[g/E*W] [Gew.-%]

[g/E*W] [Gew.-%]

4.334

100

3.640

- 16

3.443

-21

100

80

- 19
-8
-9
- 35
-8
-10

315
362
827
144
119

89

14
9
23
5
3
2

490
353
921
138
132

-49
-6
-18
-32
-17
-2

33
3
21
7
3
0

1.888

44

1.526

-19

-15

33

606
386
1.014
204
144

87
1.589

Das hchste Vermeidungspotential scheint nach diesem Versuch in der Papierfraktion zu liegen, die einschlielich der Zeitungen zu rund 36 % der vermeidbaren Mllmenge beitrgt. Dies ist plausibel, bedenkt man, da gerade in der Papierfraktion die Vermeidung von Verpackungsmaterial erheblich zu Buche schlagen
mu. Die Glasfraktion weist einen kontinuierlichen Vermeidungstrend auf, der in
erster Linie durch den Ersatz von Einwegflaschen durch Pfandflaschen erzeugt
wurde. Auf Metalllt sich kurzfristig scheinbar am leichtesten verzichten, bereits
in der ersten Mephase wurde hier eine Verringerung von 35% festgestellt. Dies

6.2 Vermeidung von Hausmll

511

liegt insbesondere in der Vermeidung von Getrnkedosen und Konserven, die


leicht durch andere Produkte substituiert werden knnen, begrndet. Die Kunststofffraktion nahm dagegen nur geringfgig ab. Gerade im Lebensmittelbereich
scheint es am Angebot von alternativen Verpackungsmitteln zu mangeln. Noch
strker ist dieser Mangel bei den Verbundstoffen festzustellen. So gab es in Berlin
praktisch keine andere Mglichkeit, als Milch in den Verbundverpackungen zu
kaufen. Die Vermeidung von Restmll im Rahmen des Modellversuchs ist ebenfalls als sehr hoch anzusehen und kann nur zu einem geringen Anteil auf die verstrkte Eigenkompostierung der Haushalte zurckgefhrt werden. Die organische
Fraktion hatte nur etwa einen Anteil von I 0 % an der Restmllmenge, und auch in
Haushalten ohne Kompostiermglichkeit konnten hohe Vermeidungsquoten beim
Restmll erzielt werden.
Mit zunehmender Haushaltsgre nehmen die durchschnittlichen spezifischen
Mllmengen ab. Trotzdem sind in groen Haushalten noch hhere relative Vermeidungsquotenerreichbar als in Ein-Personen-Haushalten, was zumeist auf eine
bessere Haushaltsorganisation bei greren Haushalten zurckzufhren ist.
Neben der Haushaltsgre wurde die Vermeidungsquote bei den Haushalten,
soweit sich dies statistisch noch feststellen lie, vom Bildungsniveau, von der
Wohnsituation, von den Lagermglichkeiten von Lebensmitteln und von den
durchschnittlichen Pro-Kopf-Ausgaben beeinflut.

[Link]
Modellversuch Abfallvermeidung in Hamburg-Harburg
Der Modellversuch zur Abfallvermeidung in einem Hamburger Stadtteil wurde
1987 von der INTECUS, Ingenieurgesellschaft ftlr technischen Umweltschutz
Berlin, zusammen mit dem Recycling-Centrom Rarburg im Auftrag der Stadtreinigung Hamburg-Harburg durchgefhrt [6.24].
Ziele der Untersuchungen
Der Modellversuch sollte Aufschlu darber geben, wie die Verbraucher die gegebenen Mglichkeiten zur Reduktion des eigenen Hausmllaufkommens aufnehmen und umsetzen und wie sich Vermeidungsmanahmen auf die Qualitt und
Quantitt des Restmlls sowie der Wert- und Problemstoffe auswirken. Eine
bertragbarkeit der Daten auf vergleichbare Untersuchungen sollte weitgehend
gewhrleistet werden.
Planung und Durchfhrung
Fr das Projekt wurden 81 Haushalte gewonnen, um neben der bis dahin schon
regelmig praktizierten getrennten Sammlung von Wert- und Problemstoffen die
Mglichkeiten einer gezielten Abfallvermeidung zu untersuchen.
Die Testhaushalte wurden aus dem Rarburger Stadtgebiet mit unterschiedlichen
Wohnstrukturen ausgewhlt. Vor Beginn der Untersuchung wurden mit Hilfe
eines Fragebogens die Sozialstruktur ermittelt sowie Fragen zum Abfallverhalten
bzw. Umweltbewutsein gestellt. Die Restmllanalyse erfolgte insgesamt in 6
periodischen Abstnden, die ber das Jahr 1987 verteilt waren. Zur Untersttzung
des Abfallvermeidungsverhaltens (Motivation) wurden die Haushalte whrend des
gesamten Versuchszeitraumes in Form von persnlichen Gesprchen, greren

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung

512

[kg/Ea]
5,5
5,0
4 ,5
4,0
3,5

3,0
2,5

2,0
1 .5

-k<:""'m"""""'"'""

1,0
0,5
0,0 -~~~~~~~~~~~~~~~~~

Oktober
1986

Januar

Mrz

Mai
1987

August

Sept.

November

Probelauf

Lauf 1

Laut 2

Lauf 3

Lauf 4

Lauf 5

Lauf 6

Bild 6.3. Gesamtabfallaufkommen filr die einzelnen Versuchslufe [6.24]

Gesprchsrunden und Informationsblttern ber Vermeidungsmglichkeiten


sowie ber alternative Einkaufsmglichkeiten informiert.
In Anlehnung an den Berliner Modellversuch wurden den beteiligten Haushalten ftlr die praktische Umsetzung der Abfallvermeidung verschiedene Manahmen
ftlr einzelne Stoffgruppen empfohlen. Dabei wurden verwertbare und nicht verwertbare Produkte der einzelnen Stoffgruppen aufgefllhrt und Vorschlge fUr
Substitutionsmglichkeiten nicht verwertbarer Produkte gemacht. Weiterhin wurden konkrete Vermeidungsmanahmen genannt, wie z.B.:
- Papiere und Pappen, die mit anderen Materialien verbunden sind, sollen vermieden werden. Fr Getrnkeverpackungen bietet sich Glas, insbesondere
Pfandflaschen, an.
- AufWegwerfartikel, Pappbecher, Pappteller etc. sollte verzichtet werden.
- Pfandflaschen sind zu bevorzugen, da diese bis zu 60mal wiederverwendet
werden knnen.
- Auf Frischhaltefolien ist zu verzichten. Lebensmittel knnen mit einem Teller
oder in verschliebaren Schsseln aufbewahrt werden. Smtliche Dosenverpackungen sind zu vermeiden - anstelle von Getrnkedosen knnen Pfandflaschen verwendet werden, anstelle von Konservendosen sollten frische Lebensmittel oder Glaskonserven bevorzugt werden.
- Kompostieren auf dem Balkon ist mit Hilfe einer Wurmkiste mglich (Informationen konnten bei Gartenbau- oder Umweltmtern eingeholt werden).
Ergebnisse
Die Ergebnisse des Probelaufs und der sechs Versuchslufe sind in Bild 6.3. dargestellt.

6.2 Vermeidung von Hausmll

513

Tabelle 6.3. Spezifische Hausmllmengen ausgewhlter Stdte in der Bundesrepublik Deutschland aus der Bundesweiten Hausmllanalyse 1985 im Vergleich zu den Ergebnissen des Modellversuchs in [kg!E*Wo] [6.24, 6.27]
Bestandteile

Erfassungsraum
Bremen Berlin

BR
Stadt

BR
Stadt u.
Land

Abfallaufkommen Versuchslauf 6
GeProbWertRestsamtlernstoffe
mll
mll
stoffe

Pappe

0,20

0,21

0,20

0,18

0,067

0,105

0,172

Papier

0,71

0,64

0,567

0,731

0,13

0,09

0,53
0,08

0,164

Verpackungsverbund

0,73
0,11

FE-Metall

0,15

0,27

0,14

0,13

0,019

0,073

0,092

0,02

0,005

0,004

0,009

0,40
0,24

0,007

0,541
0,046

0,548

NE-Metall

0,02

0,02

0,02

Glas
Kunststoffe

0,64
0,23

0,73

0,49

Textilien

0,07

0,29
0,10

0,26
0,09

Mineralien

0,18

Sonstiges

0,06

0,14
0,19

Wegwerfwindeln

0, 10

Problemmll
Feinmll
0-8mm

0,09

0,110
0,010

0,09
0,06

0,09

0,019

0,00

0,014

0,14

0,10

0,12

0,04

0,03

0,02

0,30

0,39

0,40

0,02
0,45

Mittelmll
8-40 mm

0,70

0,63

0,71

0,71

Vegetabilien

1,14

0,99

1,29

1,32

Fehlstoffe
4,98
4,67
Gesamt
Bundesrepublik
BR:

4,59

4,41

0,156
0,055

0,045

0,019
0,014

0,029

0,029

0,959

0,959
0,004

0,048

1,377

1,429

0,052
0,029

2,834

Die Spitze im Gesamtabfallaufkommen zum Jahreswechsel ist auf die mit den
Festlichkeiten einhergehenden erhhten Abfallmengen zurckzufhren.
Tabelle 6.3. gibt einen berblick ber die stoffliche Zusammensetzung der drei
Fraktionen Restmll, Wertstoffe und Problemstoffe vom 6. Versuchslauf im Vergleich zu spezifischen Hausmllmengen ausgewhlter Stdte der Bundesrepublik
Durch Abfallvermeidung konnte der Restmll um etwa 30 % reduziert werden.
Die Verringerung des Restmllaufkommens ist dabei im wesentlichen durch die
Abnahme der Vegetabilien bedingt. Bei der Gruppe der Eigenkompostierer (27%
der Teilnehmer) konnte eine grere Reduzierung des Vegetablienanteils im
Restmll als in der Gruppe der Nichtkompostierer festgestellt werden.
Verschiedene ffentliche Projekte zur Frderung der Eigenkompostierung haben gezeigt, da durch einen geringen Kostenaufwand eine betrchtliche Hausmllmenge vermieden werden konnte. So konnte im Landkreis Mnchen, durch

514

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung

die kostenlose Verteilung von Kompostern an interessierte Haushalte, die Restabfallmenge um 10 bis 20% gesenkt werden [6.76].
Weiterhin wurden erhebliche Mengen an Wertstoffen vermieden, darunter die
Hauptkomponenten Papier, Pappe sowie Glas. Whrend die Vermeidungsquoten
bei Glas mit einer Verschiebung zugunsten von Mehrwegsystemen zu erklren
sind, knnen die hohen Vermeidungsquoten fr Papier sowohl auf die Vernderung des Verbraucherverhaltens bezglich Verpackungen als auch auf die verstrkte Benutzung der Recyclingbehlter begrndet werden.

[Link]

bertragbarkeit von Modellversuchen und Einschtzung erreichbarer


Vermeidungsquoten

bertragbarkeit
- Sowohl der "Berliner'' als auch der "Harburger Modellversuch" wurden mit
freiwilligen Versuchshaushalten durchgeftlhrt.
- Eine derart intensive Informations- und Autklrungskampagne, wie sie fr die
meist geringe Teilnehmerzahl eines Modellversuchs durchgeftlhrt wird, ist fr
eine grere Bevlkerungsgruppe, wie z.B. einer Stadt oder einem Landkreis,
kaum realisierbar.
Tabelle 6.4. Erreichbare Abfallvermeidungsquoten bei vier ausgewhlten Projekten
Rahmenbedingungen
Modellversuche
Hamburg/
Harburg
1987 [6.24]
Berlin 1984
[6.25]
Kln 1988
[6.26]
Bielefeld
1986 [6.22]
b

Datenerhebung auf Grundlage


einer Mll- einer
analyse
Sekundrstatistik

Erreichbare Abfallvermeidungsquoten
[%] bezogen auf
Anzahl der grere
kurz- u.
geschtzt
teilnehGesamtheit mittellangfristig
menden
fiistig
Haushalte

81

50

140

b,d

8' 16

20-25
12
13

24

bezogen auf eine realistisch eingeschtzte Annahme einer 30%igen Beteiligungsquote der
Gesamtheit
bezogen auf eine optimistisch eingeschtzte Annahme einer 60%igen Beteiligungsquote der
Gesamtheit
aus Hochrechnung einer Sortieranalyse
Wird eine Kombination der getrennten Sammlung von Wertstoffen und Biomll gewhlt, so
knnte unter Annahme der Biomllerfassungsrate von 90% nach [6.19] und einer Beteiligungsquote von 30 % eine Abfallvermeidungsquote von ca. 20 %erreicht werden. Bei einer
BeteiligiDtg von 60% ergbe sich eine Vermeidungsquote von ca. 47 %.

6.2 Vermeidung von Hausmll

515

- Die Versuchspersonen in beiden Untersuchungen waren sehr stark motiviert,


weshalb die erreichbaren Vermeidungsquoten als berdurchschnittlich hoch
gewertet werden knnen. Da jedoch das durchschnittliche Mllaufkommen der
Versuchsteilnehmer zu Beginn der Untersuchung bereits unter dem Bundesbzw. Berlin-Mittelwert lag, mte unter durchschnittlichen Bedingungen eher
ein greres Vermeidungspotential angesetzt werden.
- Die Schaffung eines den Modellversuchen vergleichbaren Abfallbewutseins
bei einer groen Bevlkerungsgruppe wrde eine grere Zeitspanne und einen
hohen Einsatz an Kommunikationsmitteln erfordern.
- Alle genannten Einflsse fhren dazu, da eine bertragung der Modellversuche auf durchschnittliche Verhltnisse nicht direkt mglich ist.

Einschtzung erreichbarer Vermeidungsquoten


In Tabelle 6.4. sind vier Modellversuche zur Abfallvermeidung hinsichtlich der
erreichbaren Vermeidungsquoten ausgewertet.

[Link]

Abfallvermeidung bei Groveranstaltungen am Beispiel der ,Grnen


Woche'
1992 ist in einer von der Senatsverwaltung fr Wirtschaft und Technologie Berlin
in Auftrag gegebenen Studie "Abfallvermeidung und -verwertung bei Groveranstaltungen am Beispiel der Internationalen Grnen Woche (IGW)" die Umsetzung
konkreter Handlungsempfehlungen zur Reduzierung des Abfallaufkommens erarbeitet worden [6.96].
Die jhrlich mit einem groen Publikumsinteresse stattfindende Groveranstaltung zog im Jahr 1992 ca. 475 000 Besucher an. Fr die Grne Woche 1992
wurden Manahmen zur Abfallmengenerfassung und zur Abfallvermeidung und verwertung insbesondere in einer Halle durch die Einfhrung von Mehrweggeschirr und durch die Errichtung eines Systems zur getrennten Sammlung untersucht.
Im Vorfeld der Veranstaltung wurde den Ausstellern dieser Halle empfohlen,
verstrkt Mehrweggeschirr einzusetzen. Dazu wurden u.a. 28 Splmaschinen in
die Stnde integriert.

Darstellung der Ergebnisse


Auf den Gemeinschaftsstnden von 15 Bundeslndern waren insgesamt 135 Einzelstnde untergebracht, von denen ber 80% Waren zum direkten Verzehr anboten. An 60 Stnden wurden Getrnke verschiedenster Art verkauft, von denen
37 Stnde nur in Mehrweggefen (Becher, Glser, Flaschen) ausschenkten. 14
Stnde benutzten Einweggeschirr, und 8 Stnde gaben die Getrnke sowohl als
Einweg- als auch in Mehrwegbehltnissen aus. Ein Stand benutzte fr Tee und
Eierlikr einen ebaren Becher.
An 61 Stnden wurden Speisen zum direkten Verzehr verkauft. Hier wurde in
der Klassifikation auf Einweg-, Mehrweg- und Loseverkauf unterschieden. An 13
Stnden wurden die Speisen auf Porzellantellern mit einem Pfand zwischen I und
5 DM ausgegeben.

516

6 Mglichkeiten der Abfallvenneidung

Im Bereich des Getrnkeausschanks wurden 84 % Glser, 6 % Porzellantassen


9 % Kunststoffbecher und 1 % Pappbecher eingesetzt.
Fr die Speisen lag die Darreichungsform bei 40 % Loseverpackung im Brtchen etc., 35% in einer Einwegverpackung wie Pappteller, 19% auf Mehrweggeschirr und 6 % in ebaren Verpackungen.
Die Abschtzung der durch die Verwendung von Mehrweggeschirr vermiedenen Abtalle ist in Tabelle 6.5. dargestellt.
Die Abschtzung der zustzlich vermeidbaren Abfallmenge durch Einweggeschirr ist in Tabelle 6.6. dargestellt.
Bei Gegenberstellung von theoretisch I 00 % Einweg zu 100 % Mehrweg ergibt sich in Summe ein Vermeidungspotential zwischen 2,1 und 5,5 Mg in dieser
Halle.
Tabelle 6.5. Abschtzung der durch die Verwendung von Mehrweggeschirr vermiedenen Abfallmenge [6.96]
Mehrweggeschirr

Porzellangeschirrteile
Suppenschsseln
Besteckteile
Porzellantassen

Anzahl

Unterer Wert
Einzelteil Summe
[g]
[kg]

30.142

120

10.571
ca. 50.000
18.364

8
3
3

85
150
55

Getrnkeglser
(ohne Bier)
Summe

ObererWert
Einzelteil Summe
[g]
[kg]
17
14
3
10

512
148
150
183

ca.800

ca. 2.600

1.210

3.593

Tabelle 6.6. Zustzlich vermeidbare Abfallmenge durch die Substitution von Einweggeschirr
[6.96]
Einweggeschirr

Anzahl

Pappteller

56.347

10

563

17

958

Papptabletts

15.600
4.542

62

14

218

36

14

12.718
27.507

10

20

63
381

127
82

3.856

11

42

Pappschsseln
Ebare Verpackungen
Kunststoffbecher
Pappbecher
Summe

Unterer Wert
Einzelteil Summe
[g]
[kg]

912

ObererWert
Einzelteil Summe
[g]
[kg]

10
12

275
46
1.941

6.2 Vermeidung von Hausmll

517

[Link]

Energieeinsparung durch Abfallvermeidung

Die Vernderung des Energiebedarfs durch Vermeidung oder Verminderung von


Abfallen im Verhltnis zur Wiederverwertung von Wertstoffen ist einer der notwendig zu untersuchenden Gesichtspunkte im Hinblick auf eine Neustrukturierung
der Abfallwirtschaft.
Tabelle 6.7. gibt einen berblick ber Energieeinsparungspotentiale durch
Vermeidungs- und Wiederverwertungsmanahmen.
Mgliche Energieeinsparungen durch die Wertstoffvermeidung sind gegenber
denen der Wertstoffrckgewinnung deutlich berlegen, da der Hauptenergiebedarf
im Bereich der Trocknung (Papier) und des Sehruelzens (Glas) anfllt, bzw. einige
Stoffe sich aufgrund ihres Einsatzes als Verbundstoffe (Aluminium, Kunststoffe)
kaum wiederverwerten lassen [6.5].
Tabelle 6.7. Energieeinsparpotentiale bei der Vermeidung und Wiederverwertung von Wertstoffen
Wertstoff

Energieeinsparung [GJ/Mg]
Wiederverwertung
Vermeidung

Papier

20,2

Glas

14,0

5,7
6,6

Metalle
Eisen
Aluminium

19,5
220,0

18,0
208,0

Kunststoffe
Polystyrol

70,0
82,2

PVC

53,0

Polyethylen

wesentlichesb
Einsparungspotential

Die Wiederverwertung von Aluminium aus Hausmll ist problematisch, da es zumeist


als Verbundwertstoff eingesetzt wird und nur sehr schwer aufzubereiten ist.
Fr eine Wiederverwertung ist eine saubere und sortenreine Erfassung der Einzelkomponenten erforderlich, was i. A. jedoch nicht praktikabel ist, da im Haushalt zu viele verschiedene Kunststoffe und Verbundstoffe eingesetzt werden.

[Link]

Abfallvermeidung als Kaufkriterium und wirtschaftliche Einflugre

Seit Beginn der Modellversuche sind von den entsorgungspflichtigen Krperschaften deutliche Anstrengungen unternommen worden, die Haushalte ber den
umweltfreundlichen und abfallarmen Einkauf zu informieren. Auf der Konsumentenseite ist das Kaufkriterium der Abfallvermeidung durch abfallarmen Einkauf angenommen worden und wurde von der Seite der Produzenten zunehmend
bercksichtigt. So sind mittlerweile Pfandbehltnisse fr verschiedene Milcher-

518

6 Mglichkelten der Abfallvenneidung

zeugnissein Umlauf. Im Bereich der Wasch- und Pflegeprodukte werden derzeit


Nachfllpacks angeboten, die 1988 noch nicht erhltlich waren.
Seit Mitte 1993 wird mit der Vergabe des Grnen Punktes durch das DSD von
den Produzenten ein Beitrag nach Verpackungsart und -gewicht erhoben, so da
die Produzenten eine Reduzierung von Verpackungsmaterialien schon aufgrund
von direkten wirtschaftlichen Vorteilen zu nutzen beginnen. Als Erfolg der Verpackungsverordnungund der Lizenzgebhren filr den Grnen Punkt ist der Rckgang der abgesetzten Verpackungen 1992 gegenber 1991 um ca. 500 000 Mg zu
verzeichnen (vgl. Kap. 3.2.1).

6.3
Vermeidung von Produktionsabfllen
Die Beseitigung der ProduktionsabOOie hat in der Vergangenheit zu starken Umweltbelastungen geftlhrt, die heute als Altlasten vorhanden sind. Auch gegenwrtig bestehen groe Probleme, die nicht allein durch die bundeseinheitliche Regelung der Sonderabfallbeseitigung in der TA Sonderabfall und den Bau verbesserter
Beseitigungsanlagen (z.B. chemisch/physikalische Behandlungsanlagen, Hochtemperaturverbrennungsanlagen) zu lsen sind. Aus diesem Grund gewinnt die
Vermeidung und Verwertung der Abtlilie ein immer greres Gewicht. Hierauf
mu sich die Abfallwirtschaft einstellen.
Gefiihrliche Produktionsabtlilie entstehen fast ausschlielich im Bereich der Industrie, wo Abfallvermeidung und -Verwertung schon von jeher in gewissem Umfang aus wirtschaftlichen Grnden durchgefilhrt wurden. Umweltschutzberlegungen spielten eine untergeordnete Rolle. Die Abfallbeseitigung war auerdem
relativ problemlos, da ausreichend Beseitigungskapazitten zur Verfgung standen
und die Beseitigungskosten kaum ins Gewicht fielen, so da auch von dieser Seite
keine zustzlichen Anreize zur Abfallvermeidung kamen. Die genderten gesetzlichen Regelungen zur Abfallvermeidung und -Verwertung sowie knappe Beseitigungskapazitten und steigende Beseitigungskosten ergeben filr die Zukunft eine
genderte Ausgangssituation [6.34].

6.3.1
Instrumente zur Durchsetzung
Zur Durchsetzung des ffentlichen Interesses an der Vermeidung von industriellen
Sonderabtlilien und Reststoffen wurden umfangreiche Umweltschutzvorschriften
vom Gesetzgeber erlassen.
Diese Umweltgesetze sehen eine umfangreiche Haftung vor, die sogar unter der
Anwendung des Umwelthaftungsgesetzes Haftungshchstgrenzen von 160 Mio.
DM bedeuten knnen. Damit ist ein haftungsrechtliches Risiko verbunden, das
vielen Unternehmern heute noch nicht bewut ist. Eine Nichtbeachtung bestehender Rechtsvorschriften kann schnell haftungsrechtliche Konsequenzen ber den
Schadensverursacher hinaus auch filr die Mitglieder der Geschftsfilhrung bedeuten. Dabei besteht die Nichtbeachtung nicht nur in dem Begehen eines Gesetzesverstoes, sondern auch in einem Unterlassen [6.83].

6.3 Vermeidung von Produktionsabfllen

519

Sollte z.B. von einem Abfallstoff eine wesentliche Umweltschdigung ausgehen,


wobei der Abfallstoff ohne groen technischen Aufwand und ohne eine unzumutbare wirtschaftliche Belastung vermeidbar gewesen wre, dann haftet die Unternehmung fiir das Unterlassen der Abfallvermeidung.
Das Risiko fiir einschlgige betriebswirtschaftliche und haftungsrechtliche Folgen verdeutlicht den Bedarf nach einem besonderen Management fiir den Bereich
Umwelt. Das auf alle Umweltbelange ausgerichtete unternehmefische Handeln
wird allgemein als Risikomanagement bezeichnet. Betreibt eine Unternehmung
kein Risikomanagement, besteht ein erhhtes Haftungsrisiko fiir die Unternehmung und seine Mitarbeiter.
Die Unternehmensleitung unterliegt dann der Haftung, wenn ihr der Vorwurf
des Organisationsverschuldeos von der ermittelnden Behrde angelastet wird. Der
Vorwurf des Organisationsverschuldeos liegt dann vor, wenn von der Geschftsfilhrung die notwendige Sorgfaltspflicht nicht erfllt wurde und keine innerbetriebliche Aufsicht gewhrleistet werden konnte.
Fr Anlagen, die nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BimSchG) genehmigungsbedrftig sind, wurde mit dem 5 Abs. 1 Nr. 3 in der 2. Novelle des
BlmSchG ein gesetzliches Instrument zur Vermeidung und Verwertung von anfallenden Reststoffen geschaffen. Damit sind nunmehr Betreiber immissionsschutzrechtlich genehmigungsbedrftiger Anlagen zur Reststoffvermeidung oder verwertung verpflichtet.
Zur Umsetzung des Reststoffvermeidungs- und -verwertungsgebotes bestehen
verschiedene Mglichkeiten. Bei neu zu genehmigenden Anlagen ist im Rahmen
des immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahrens zu prfen, inwieweit
die geplante Anlage dem Reststoffvermeidungs- und -verwertungsgebot gerecht
wird. Die Genehmigungsbehrde kann dem zuknftigen Anlagenbetreiber im
Genehmigungsbescheid Auflagen zur Reststoffvermeidung und -verwertung erteilen.
Bei wesentlichen nderungen einer bestehenden Anlage mu die Einhaltung
des Reststoffvermeidungs- und -verwertungsgebotes ebenfalls im Rahmen des
immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahrens geprft werden.
Bei existierenden Anlagen bestehen prinzipiell drei Mglichkeiten zur Umsetzung des Reststoffvermeidungs- und -verwertungsgebotes:
- durch Rechtsverordnung gem 7 BlmSchG,
- durch nachtrgliche Anordnung gem 17 BlmSchG,
- durch Widerruf der Genehmigung gem 21 BlmSchG.
berwiegend wird der Weg einer nachtrglichen Anordnung gem 17
BlmSchG beschritten.
Eine weitere Mglichkeit, Einflu auf die Vermeidung von Sonderabfallen zu
nehmen, ist mit der Erhebung von Sonderabfallabgaben gegeben. Einige Bundeslnder, wie z.B. Hessen, Baden-Wrttemberg und Niedersachsen, haben ein Sonderabfallabgabengesetz in Kraft gesetzt, womit finanzielle Anreize zur Abfallvermeidung gegeben sind. Weitere Bundeslnder beabsichtigen, ein hnliches Gesetz zu verabschieden. Die Abfallabgabe ist fiir berwachungsbedrftige Abfiille
aus gewerblichen oder ffentlichen Einrichtungen zu entrichten. Im Hinblick auf
ihre Vermeidbarkeit, die Schwierigkeit ihrer umweltvertrglichen Entsorgung und

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung

520

ihrer Verwertbarkeit als Reststoff sind die Abflle in verschiedene Kategorien mit
verschiedenen Abgabestzen eingeteilt.
Das "Hessische Sonderabfallabgabengesetz" [6.84] unterteilt die besonders
berwachungsbedrftigen Abflille in drei Kategorien:
Ab 1. Januar 1993 betrgt in Hessen der Abgabesatz fiir abgabepflichtige Abflille der
- Kategorie 1
100DM
- Kategorie 2
200DM
- Kategorie 3
300DM
je angefangene Tonne.

6.3.2

Technische Mglichkeiten

Werden die Ursachen der Abfallentstehung bei den Sonderabfllen analysiert,


ergibt sich, da der berwiegende Teil auf den Einsatz von Hilfsstoffen sowie der
Art der Prozefilhrung zurckzufUhren ist. Dies bedeutet gleichzeitig, da bei der
Durchfhrung von Vermeidungs- und Verwertungsmanahmen die interne und
externe Kreislauffhrung der Hilfsstoffe und die Verbesserung der Prozefiihrung
eine bedeutende Rolle spielen [6.34]. Eine ausfhrliche Darstellung der Zusammenhnge befindet sich in [6.36]. Die Mglichkeiten zur Vermeidung und Verwertung von Sonderabililien setzen an bei
- abfallarmen Produktionsverfahren (Prozeoptimierung),
- innerbetrieblicher Kreislauffiihrung,
- auerbetrieblicher Kreislauffiihrung.
Die wichtigsten Unterschiede zwischen diesen Konzepten sind in Bild 6.4. dargestellt [6.34]

1-

A~f~I~~~~:-T --- Betriebsinterne


Verfahren

Betriebsexterne
Verwertung

Verwertung

r~tf] ~EGJ "----p lf~p


-- -- - - --

Produktionsbereich
Abfallerzeuger

---c--~----------+-- - - - - t - - - - t - - - - t - - - - 1

~ =--14--+---1

1-==--------

----+-[ i'

P = Produktion

A = Aufbereitung

Bild 6.4. Konzepte der industriellen Abfallvermeidung und -verwertung [6.34]

-+----Markt-1

6.3 Venneidung von Produktionsabfllen

521

Anlageninterne Verwertung (Vermeidung)


Bei diesen Verfahren erfolgt die Vermeidung anlagenbezogen, d.h. sie ist eng mit
dem eigentlichen Produktionsproze verbunden. Bei abfallarmen Verfahren sind
geringe Reststoffmengen mit Einsparungen bei den Einsatzstoffen verbunden.
Reststoffarme Verfahren reichen von der Optimierung des Produktionsablaufes bis
zur vlligen nderung des gesamten Prozesses. Hufig sind rckstandsmindernde
Manahmen und produktionstechnische Schritte so eng verbunden, da eine Trennung in Produktion und Vermeidung willkrlich wre. Entsprechend reicht der
Effekt von einer rein mengenmigen Reduzierung bei gleichbleibendem Spektrum an Reststoffen bis zum Entstehen vllig anderer Reststoffe [6.34, 6.35, 6.36].
Betriebsinterne Verwertung
Im Gegensatz zur anlageninternen Verwertung erfolgt die betriebsinterne Verwertung in einer separaten Anlage bei im wesentlichen gleichbleibendem Produktionsablauf. Charakteristisch ist - und dies ist eine wesentliche Unterscheidung
zur betriebsexternen Verwertung- die Einbindung der Verwertungsanlage in die
Gesamtproduktion eines Unternehmens (s. Bild 6.4.). Eine betriebsinterne Verwertung ist dann sinnvoll, wenn ein aufarbeitbarer Reststoff regelmig anfiillt
und wenn die Aufarbeitung schadlos erfolgen kann. So mssen die entsprechenden technischen Voraussetzungen, etwa die Verfilgbarkeit von Energie, vorliegen. Insbesondere wird auch qualifiziertes Betriebspersonal fr einen ordnungsgemen Betrieb der oft komplizierten Aufarbeitungsverfahren bentigt.
Die Grnde fr den Einsatz innerbetrieblicher Verwertungsverfahren waren
bisher vorwiegend wirtschaftlicher Natur. Durch die Nutzung der Rckstnde als
Einsatzstoffe werden billige Materialquellen erschlossen und gleichzeitig Beseitigungskosten eingespart. Ein wichtiges Motiv zur betriebsinternen Verwertung
drfte weiterhin darin liegen, da der Betrieb von externen Beseitigungskapazitten unabhngig ist und die Entsorgungssicherheit erhht wird.
Die Beispiele fr die innerbetriebliche Verwertung von Sonderabfiillen sind
zahlreich. Insbesondere zeigt die Entwicklung der chemischen Industrie, wie
durch betriebsinterne Verwertung von Nebenprodukten, die ursprnglich Sonderabfiille waren, stoffwirtschaftliche Verbundsysteme aufgebaut werden knnen.
hnlich hat sich die Verwertung in anderen Industriezweigen, wie z.B. der Httenindustrie, entwickelt [6.37, 6.38]. Anlagen zur betriebsinternen Aufarbeitung
von Abfiillen werden zuknftig eine strkere Verbreitung finden, da z.T. der Wert
der zurckgewonnenen Sekundrrohstoffe erheblich ist. Hinzu kommen verstrkte
behrdliche Aktivitten zum Vollzug des Reststoffvermeidungs- und -verwertungsgebotes des Bundes-Immissionsschutzgesetzes.
Beide Aspekte werden zu einer Ausweitung der innerbetrieblichen Verwertung
fhren.
Betriebsexterne Verwertung
Die externe Aufarbeitung der Rckstnde (Bild 6.4.) bietet sich fr abfallerzeugende Betriebe immer dann an, wenn entweder eine Produktionsumstellung zu
abfallrmeren Verfahren oder aufgrund des geringen Anfalls ihrer Gre und
Struktur nach keine interne Verwertung mglich ist. Die externe Verwertung erfolgt meist in zentralisierten Anlagen, die auf die Verwertung bestimmter Rck-

522

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung

Standsgruppen ausgerichtet sind. Zentrale Anlagen mssen hinsichtlich der einsetzbaren Abfallqualitt flexibler sein als betriebsinterne, da sie von unterschiedlichen Abfallerzeugern bedient werden.
Die zentrale Verwertung setzt ein Sammel- und Transportsystem voraus, das
auf die zu verarbeitende Rckstandsart abgestellt ist. Fallen Rckstnde in unterschiedlichen Bereichen an, wie z.B. Lsemittel, dann ist eine nach Branchen und
Stoffklassen getrennte Sammlung erforderlich. Die zentrale Aufarbeitung erfolgt
insbesondere filr getahrliche, besonders berwachungsbedrftige Reststoffe, die in
kleinen Mengen anfallen, wie z.B. bei chlorierten Lsemitteln und nicht halogenierten Lsemitteln. Weitere Beispiele sind quecksilberhaltige Produktionsrckstnde (Leuchtstoffrhren u.a.), Katalysatoren (vanadium-, nickelhaltig), Entwicklungsbder und Kupfertzlsungen.
Die betriebsexterne Verwertung ist auch dann sinnvoll, wenn zwar groe Mengen anfallen, die betriebsintern auch nach einer Aufarbeitung nicht sinnvoll eingesetzt werden knnen. Dies ist meist bei der Verwertung von Massenabtallen aus
der Httenindustrie und den Kraftwerken sowie im Baustoffsektor der Fall. Hier
geht es vorwiegend darum, die Rckstnde als Sekundrrohstoffe auf vorhandenen
Mrkten unterzubringen. Bei der betriebsexternen Verwertung ist die Zusammenarbeit zwischen Rckstandserzeugern und Verwertern von Bedeutung. Insbesondere besteht die Mglichkeit, durch Beeinflussung der Rckstandsqualitt
die Voraussetzungen filr eine Verwertung zu schaffen [6.34, 6.36].
Mit nderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen, etwa der Erweiterung der
Abfallbestimmungsverordnung von 1990 oder den in manchen Bundeslndern
eingefhrten Sonderabfallabgaben (beispielsweise in Hessen und BadenWrttemberg), haben sich auch die betrieblichen Kostenstrukturen gendert.
Die zuvor beschriebene Vermeidung und Verwertung von Sonderabtallen bentigt als Grundlage ein betriebliches Abfallmanagement, dessen wesentliche
Bestandteile
- die Bilanzierung und
- die Charakterisierung
der Reststoffe sind.
Bild 6.5. zeigt einen Entscheidungsstammbaum, der bei der Entwicklung eines
betrieblichen Abfallmanagementkonzeptes als Hilfsmittel herangezogen werden
kann [6.91].
Danach steht zunchst die Bilanzierung der Reststoffe und deren Vermeidbarkeit im Vordergrund. Ist dies wirtschaftlich mglich, werden die entsprechenden
Manahmen ergriffen, etwa die Umstellung des Verfahrens.
Bevor die Einschtzung der Verwertbarkeit durchgefhrt wird, werden die
Reststoffe charakterisiert, um deren Marktchancen einzuschtzen.
Wird die Verwertbarkeit zunchst negiert, mu geprft werden, ob die Qualitt
der Reststoffe verbessert werden kann. Beispielsweise knnen
- die Reinheit,
- der zeitliche Anfall oder
- das Handling
des Reststoffes optimiert werden.

6.3 Vermeidung von Produktionsabfllen

523

an.. ~erung

~8.

Umstellung

des Verfahrens

z.B. Verbesserung
des Verfahrens

Charaklerisierung }----1~

z.8. Weit..gabe
M

Verwerter

~8.

gatremte E~as

sung, Aufbereitung,
Ent~flung

Bild 6.5. Entscheidungshilfe Abfallmanagement

Erst wenn entsprechend dem obigen Entscheidungsfindungsproze weder eine


Verwertung noch eine Vermeidung mglich ist, sollte der Reststoff als Abfall
entsorgt werden.
In dem nachfolgenden Kapitel wird ein berblick ber die technischen Mglichkeiten zur Abfallvermeidung bei den industriellen Sonderabfllen an exemplarischen Fllen gegeben. Dieser berblick kann aufgrund der Vielzahl von Sonderabfllen nicht vollstndig sein.
[Link]
Abfallarme Produktionsverfahren (Prozeoptimierung)

Unter abfallarmen Produktionsverfahren versteht man die Integration von Stoffkreislufen oder von Reinigungsschritten in Produktionsanlagen, so da auer
geringfiigigen Verunreinigungen praktisch nur das gewnschte Endprodukt die
Anlage verlt. Den bergang vom offenen zum geschlossenen abfallarmen System zeigt das Bild 6.6. [6.36).
Im folgenden sollen aus verschiedenen industriellen Bereichen Beispiel fiir derartige Verfahren gegeben werden.

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung

524

bl Verwertungskaskade

ol offenes System

c) geschlossenes Systam

c,

A
8

Wtorhtoffe

[Link]"""''"
Hilhstoffe

c1Cz Produkt
D

Rilcl<stand

Bild 6.6. bergang vom offenen zum geschlossenen System [6.36]

Verfahren zur Vermeidung in der Chemischen Industrie


Verschiedene Produktionsverfahren in der Chemischen Industrie eignen sich besonders gut zur Verdeutlichung des Zieles "abfallarme Produktionsverfahren"
durch eine Optimierung des Prozesses.
In der Chemischen Industrie werden Produkte durch chemische Umwandlung
von Einsatzstoffen (die Edukte) hergestellt (s. Bild 6.7.).
Da es sich bei chemischen Reaktionen immer um Gleichgewichtsprozesse handelt, bei der die Edukte nicht vollstndig umgesetzt werden knnen und zudem
unerwnschte Neben- und Folgereaktionen nicht vollstndig unterdrckt werden
knnen, verbleiben nach der Reaktion immer mehr oder weniger unerwnschte
Heimengungen im Produkt.
Schwefelsureherstellung nach dem Kontaktverfahren

FeS

so

02

:~----;~~s-:-hich~ ~Edenreakto~

02

Edukte

--

SO
3
c___ _ __ _ j

"Verunreinigung"
im Edukt

nicht umgesetztes
Zwischenprodukt

Bild 6. 7. Beispiel einer chemischen Reaktion

Produkt

6.3 Vermeidung von Produktionsabfllen

525

Gleichgewichtsreaktion

E1~
E2--

~p

L _ __ _

E1

_j~

E2

Reaktion

Neben dem Produkt verlt immer


nicht umgesetztes Edukt
den Reaktor

Nebenreaktion

E __ ___..
1

E2~---.

~p
~

~E2
~K

Die Edukte reagieren nicht nur


zum Produkt, sondern auch parallel
zu einem oder mehreren
Kuppelprodukten

Folgereaktion

Die Produkte reagieren teilweise


weiter und bilden 1'2

P: Produkt
E: Edukt
K: Kuppelprodukt

Bild 6.8. berblick ber die Gleichgewichtsreaktionen

Hinzu kommt, da durch Verunreinigungen der Edukte ebenfalls unerwnschte


Verunreinigungen in den Proze eingetragen werden, die unverndert oder als
Reaktionsprodukte ebenfalls im Produkt wiederzufinden sind. Um die unerwnschten Beimengungen, also nicht umgesetzte Edukte, Kuppelprodukte aus
Neben- und Folgereaktionen sowie Verunreinigungen der Edukte, abzutrennen,
bedarf es oft aufwendiger Trennoperationen (diese machen oft 90 % der Verfahrenstechnik aus). Dabei werden oft Hilfsstoffe eingesetzt, die weitgehend im
Kreislauf gefhrt werden (z.B. bei der Extraktion oder der Schleppmitteldestillation).
Ziel einer abfallarmen Prozefhrung ist es daher immer, die unerwnschten
Seimengungen im Produkt zu minimieren. Damit verringert sich nicht nur das
Rckstands- und Kuppelproduktaufkommen, sondern auch der Aufwand bei den
der Reaktion nachgeschalteten Trennoperationen.
Entsprechend der Herkunft der unerwnschten Produktbeimengungen kann die
Prozefiihrung so variiert werden, da diese minimiert werden. Zum Beispiel
knnen durch die Edukte eingeschleppte Verunreinigungen vermindert werden,
indem die Edukte gereinigt werden bzw. reine Ware bezogen wird.
Zur Minimierung der aufgrund des Gleichgewichtes nicht umgesetzten Edukte
sind grundstzlich zwei Strategien mglich und zwar
1. Entfernung der Produkte schon aus dem Reaktor (damit wird das Gleichgewicht hin zu den Produkten verschoben),

526

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung

2. Rckfiihrung der in verschiedenen nachgeschalteten Trennoperationen separierten Edukte.


Ein wichtiges Beispiel der Produktentfernung aus dem Reaktor stellt die Schwefelsureherstellung im Doppelkontaktverfahren dar. Das in Bild 6.9. skizzierte
Verfahren wird dahingehend modifiziert, da das S03 der letzten Horde des Hordenreaktors absorptiv mit H2S04 entfernt wird. Dadurch erhht sich der Umsatz
von S02 zu S03 von 98 auf99,5 %.
Nebenreaktionen werden durch die Wahl der entsprechenden Prozeparameter
(Druck, Temperatur und Konzentration) bzw. durch Katalysatoren unterdrckt.
Folgereaktionen wiederum knnen darber hinaus durch zeitigen Abbruch der
Reaktion unterdrckt werden. Beispielsweise fmdet das thermischen Cracken zur
Herstellung von Olefinen bei 800 C statt. Hohe Verweilzeiten der Edukte im
Reaktor bei hohen Temperaturen wrden eine vollstndige Umsetzung zu CO und
H2 bedeuten. Daher mu die Reaktion nach ca. 1 Sekunde durch eine pltzliche
Temperaturabsenkung (Quenche) abgebrochen werden, so da hohe Oietinausbeuten erzielt werden.
Im folgenden werden Verfahren beschrieben, bei denen durch prozeinteme
Umstellungen die unerwnschten Heimengungen minimiert wurden.
Verfahren zur Vermeidung von Abfallschwefelsuren
Zahlreiche Synthesen in der organischen Chemie werden konventionell durch
Suren oder Basen in wrigen Medien katalysiert (z.B. Esterspaltung, Hydrolyse,
Hydratisierung, Alkylierung). Dabei fallen groe Mengen stark mit organischen
Stoffen belasteter Abwsser an, deren Aufarbeitung kostspielig bzw. problematisch ist [6.39, 6.40].
Modeme Verfahren arbeiten mit Ionenaustauschern als Katalysatoren in nicht
wrigen Medien. Die Vorteile dieser Verfahren sind:
Verminderung des Trennaufwandes, da eine Abtrennung der Austauscherharze
vom Produkt durch Sieben erfolgen kann,
geringe Werkstoffanforderungen, da keine aggressiven Suren verwandt werden
bzw. entstehen und eine kontinuierliche Reaktionsfiihrung mglich ist.
Direkte Sulfierung mit S03
Die Sulfierung spielt u.a. bei der Herstellung von Tensiden in der Waschmittelindustrie eine groe Rolle. Die erzeugten Sulfonate und Sulfate aus aliphatischen
und aromatischen Verbindungen dienen dabei als wichtige Grundstoffe fiir die
Herstellung der anionenaktiven Tenside [6.39, 6.41].
Bei der Sulfierung nach dem konventionellen Verfahren entsteht verdnnte Abfallschwefelsure (70- bis 80%ig, organisch verunreinigt) als Rckstand. Dieser
kann bei der Anwendung der Sulfierverfahren mit S03 vermieden werden. Fr die
Sulfierung mit S03 kommen wichtige Tensidgruppen in Betracht, wie Alkylbenzol, natrliche oder synthetische Fettalkohole und a-Olefine. Das Bild 6.9. zeigt
das Verfahrensschema der Sulfierung von Alkylbenzol mit S03
Schwefeltrioxid wird in 4- bis 8%iger Verdnnung mit Stickstoff oder Luft als
Trgergas eingesetzt. Das Gemisch kann z.B. nach dem Kontaktverfahren hergestellt werden. Die Sulfierung luft in dem einstufigen Sulfierreaktor unter intensiver Vermischung und Khlung in sehr kurzer Zeit ab. Sobald die Sulfonsure oder

6.3 Venneidung von Produktionsabfllen


503 Sullierung

527

Neutrafisirrung

Laugt

Abluft
50 3 Luft

Ab loHsure

S~ - Ab sarplio n
Bild 6.9. Verfahrensschema der Sulfierung von Alkylbenzol mit S03 [6.39]

der Ester die Reaktionszone verlassen, werden sie mit kaltem Reaktionsprodukt
gekhlt. In einem Zyklon werden Reaktionsflssigkeit und Restgas getrennt. Die
erzeugten Ester und Sulfonsuren werden kontinuierlich neutralisiert.

Gewinnung von Naphosphorsure


Ein Groteil von Chemiegipsen entsteht beim Aufschlu von Rohphosphat (Apatit) mit Schwefelsure zur Gewinnung von Na-Phosphorsure. Als Verunreinigung befindet sich Calciumhydrogenphosphat im Gips, das bei der Ausfllung des
Gipses ungelst zurckbleibt. Dadurch kann der Gips kaum verwertet werden.
Zudem sind die Kosten der Wiederverwertung so hoch, da die Verarbeitung von
Abfallgips zu Schwefelsure z.Z. nur bei der Chemie Linz AG in sterreich
durchgefiihrt wird. Weltweit dominierend ist das Dihydratverfahren, bei dem der
Phoshorgips als Dihydrat abgetrennt wird. Ein neues umweltschonendes Verfahren ist das zweistufige Halbhydrat-Dihydrat-Kombinationsverfahren, bei dem eine
Umkristallisation des Semihydrates in das Dihydrat und umgekehrt erfolgt [6.39,
6.42]. Die P20 5-Ausbeute wird dadurch gesteigert und die Gipsqualitt verbessert.
Die Umkristallisation kann mit oder ohne Zwischenabtrennung des primr gebildeten Hydrates von der Phosphorsure erfolgen. Die Kombinationsverfahren fmden vor allem in Japan Anwendung, wo der erhaltene Gips in der Zement- oder
Bauindustrie eingesetzt wird. Daneben wurde auch des reine Semihydratverfahren
entwickelt und in einer grotechnischen Anlage in Vlaardingen!Holland verwirklicht (Bild 6.10.). Zur Herstellung von linearem Polyethylen (HDPE entspricht
High Density Poly Ethylen) nach dem konventionellen Verfahren wird Ethylen an
metallorganischen Mischkatalysatoren (Ziegler-Katalysatoren) bei niedrigen
Drcken und Temperaturen (20 bar, 70 bis 150 C} polymerisiert. Als Katalysatorkomponenten kommen vor allem Aluminiumalkyle und Titanhalogenide zum
Einsatz. Das Verfahren der 1. Generation ist durch eine aufwendige Produktaufarbeitung mit erheblichem Abwasseranfall gekennzeichnet, da der Katalysator in
relativ groen Mengen eingesetzt wird und aus dem Polymeren entfernt werden
mu.

528

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung

Phosphaterz

Rckphosphorsure

H2SO,

CoS04 2 H2 0
Bild 6.10. Verfahrensschema des Semihydratverfahrens [6.39]

Abgaszum
Kesselhaus
1,6%

Jahr1986
16 kg

100%
Ethylen,
Comonomere
u. Hilfsmittel

~ ~-

1020 kg

1000 kg

4 kg

--

99,0%
HDPE

....
RVA u. Deponie
0,4%

Jahr 1964
108 kg

100%
Ethylen,
Comonomere
u. Hilfsmittel

___.

1020 kg

1000 kg

---

15 kg - -

77 ka-Abwasser
6,4%

J)

Atmosph re
9,0%

83,3%
HDPE

1l

Bild 6.11. Mengenfludiagramm der Herstellung von HDPE [6.38]

tepo

nie
1,3%

6.3 Vermeidung von Produktionsabfllen

529

Cllltr

Rijcllstidt

rercflter-

Sumpf zur
Sttnrltnnnung

ltfl71tn

loflltUioxi4

SlltrSitfl

Bild 6.12. Oxichlorierung zur Erzeugung von Vinylchlorid aus Ethylen [6.39]

Das Verfahren zur Herstellung von HDPE mit Zieglerkatalysatoren der 2. Generation arbeitet dagegen abwasserfrei. Es wurden hochaktive komplexe Katalysatoren entwickelt, die nur noch in sehr geringen Mengen eingesetzt zu werden brauchen, so da die geringen im Produkt verbleibenden Restmengen nicht stren und
daher nicht mehr entfernt werden mssen [6.39].
Herstellung von Polyethylen
Das Bild 6.11. zeigt das Mengenfludiagramm des Produktionsprozesses zur Herstellung von HDPE.
Herstellung von Ethylen- und Propylenoxid
Ethylenoxid ist eine sehr reaktive Substanz und ein wichtiger Grundstoff in der
chemischen Industrie. Aus Ethylenoxid wird z.B. Glycol hergestellt, das als Vorkondensat bei der Polyurethanherstellung dient. Propylenoxid ist ebenfalls sehr
reaktiv und findet bei der Herstellung von Ooxo-Alkoholen Verwendung. Frher
wurden sowohl Ethylenoxid als auch Prolylenoxid nach dem Chlorhydrinproze
hergestellt.
Dabei wird das entsprechende Olefin in wriger Lsung bei 50 bis 60 C mit
Ch und H20 zum Chlorhydrin umgesetzt, das in einer zweiten Stufe mit Ca(OH)2
bei 100 C zum Endprodukt reagiert. Bei diesem Proze wird das eingesetzte
Chlor verbraucht. Als Nebenprodukte fallen aufgrundvon Folge- und Nebenreaktionen 1,2 Dichtorethan und Dichlordialkylether sowie CaC12 ( ca. 2 bis 2,5 Mg
CaCh/Mg Epoxid) an, die zu entsorgen sind oder verwertet werden.
Bei den modernen Verfahren wird Ethylenoxid mit Sauerstoff an Silberkatalysatoren direkt oxidiert. Diese Reaktion findet in der Gasphase statt, so da kein
Abwasser mehr anflillt. Chlor wird ebenfalls nicht mehr bentigt. Die Ausbeute an
Etyhlenoxid betrgt 77% [6.39, 6.40]. Die unterschiedlichen Reaktionsfhrungen
illustrieren die folgenden Bruttogleichungen:
Chlorhydrinproze:

530

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung

Katalytisch:
(6.2)
Bei der Propylenproduktion ist es bisher nicht gelungen, die Direktreduktion ausreichend selektiv zu gestalten. Die Ausbeute betrgt hier nur 50 %. Hier wurde die
Chlorhydrinsynthese so optimiert, da die Gesamtausbeute auf 92 % steigt. Durch
die Verwendung von NaOH zur Hydrolyse (Bayer-Kellogg-Proze) kann das
entstehende NaCl verwertet werden [6.40].
Phenol-Herstellung
Bei der Herstellung von Phenol wenden die herkmmlichen Verfahren die Synthese ber Natrium-Benzolsulfonat oder Chlorbenzol als Zwischenstufe an, der dann
eine Hydrolyse zu den Phenolen folgt. Die Umweltprobleme entstehen durch die
anfallenden anorganischen Nebenprodukte, z.B. stark organisch und anorganisch
(Na2 S03 und NaCl) verunreinigte Dnnsure beim Sulfonsureverfahren und
NaCl beim Chlorbenzolverfahren [6.39, 6.40].
Daher wird seit Anfang der 70er Jahre die Synthese durch katalytisch durchgefiihrte Cumol-Oxidation ersetzt, bei der als Nebenprodukt Aceton anfiillt. Die
Hocksehe Phenolsynthese ist damit gleichzeitig der bedeutendste Herstellungsproze fiir Aceton. Pro Mg Phenol entstehen an Nebenprodukten:
- 620 kg Aceton,
- 20 bis 30 kg a-Methylstyrol,
- I 0 bis 20 kg Acetophenon,
- 0,5 m3 Abwasser [6.40].
Die groen Mengen an Nebenprodukten konnten bisher vom Markt nicht vollstndig aufgenommen werden, so da die Entwicklung bei der Phenolsynthese in
Richtung nebenproduktarmer Verfahren, z.B. der DOW-Synthese, luft. Hierbei
wird in einer 1. Stufe der Einsatzstoff Toluol in flssiger Phase katalytisch zu
Benzoesure oxidiert, die in einer 2. Stufe mit Luft und Wasserdampf zum Phenol
decarboxiliert wird. Als Nebenprodukte entstehen nur Wasser und Kohlendioxid
[6.40].
Gewinnung von Vinylchlorid
Das wichtigste Edukt bei der Herstellung von Vinylchlorid ist Ethylen. Alle Verfahren fiihren ber 1,2-Dichlorethan als Zwischenprodukt, das entweder durch
Direktchlorierung oder Oxichlorierung von Ethylen erzeugt wird. Bei der Direktchlorierung fiillt Salzsure als Kuppelprodukt an. Diese kann bei der Oxichlorierung als Edukt verwendet werden. Daher haben sich die gleichzeitige Anwendung
von Direktchlorierung und Oxichlorierung weitgehend durchgesetzt. Die ChlorHCl-Bilanz wird dadurch ausgeglichen, da der HCl-Anfall aus der Crackung und
der HCl-Bedarf der Oxichlorierung bereinstimmen (Bild 6.12.). Abfall wird bei
dieser Verfahrenskombination dadurch vermieden, da ein Nebenprodukt des
einen Verfahrens (HCl) als Edukt des anderen Verfahrens dient.

6.3 Vermeidung von Produktionsabfllen

531

Titanerz (Ilmenit)
Schwefelsure

--hp...l.ro_z_e-.-.., Titandioxid.----G-1
...
Pigment
Mahlung, Nach- (Rutil, Anatas)behandlung

Bild 6.13. Herstellung von Titandioxid nach dem Sulfat-Verfahren [6.92]

Vermeidung von Reststoffen aus der Titandioxidproduktion


Bei der Herstellung des Pigments Titandioxid, das annhernd in allen weien
Gegenstnden Verwendung findet, fllt prozebedingt eine groe Menge sog.
Dnnsure an. Dnnsure ist eine ca. 18%ige Schwefelsure, die als Verunreinigung zahlreiche Sulfatsalze enthlt.
Die Herstellung von Titandioxid erfolgt zu einem wesentlichen Teil nach dem
sog. Sulfatverfahren (Bild 6.13.). Dabei wird Titanerz (FeTi03) mit Hilfe von
konzentrierter Schwefelsure aufgeschlossenen und in die Sulfatform berfUhrt.
Nach Entfernen des zwangslufig als Kuppelprodukt entstehenden Eisensulfates
entsteht nach Reinigen und Glhen das Titandioxid Ti0 2
Pro Mg Produkt entstehen bei diesen Verfahren ca. 8 Mg Dnnsure. Zur Verminderung des Reststoffes Dnnsure wurden in den 80er Jahren zwei Varianten
entwickelt:
- Vermeidung durch Umstellen des Verfahrens,
- Verwertung der Dnnsure durch Aufbereiten.
Umstellen des Verfahrens
Das Chlorid-Verfahren zur Herstellung von Ti0 2 nutzt als Rohstoff hochwertiges
Rutil. Das Rutil wird in Gegenwart von Koks bei hoher Temperatur mit Chlor zu
Titantetrachlorid umgesetzt und mit reinem Sauerstoff verbrannt (Bild 6.14. ).
Die Prozeabwassermenge betrgt ca. I m3 pro Mg Endprodukt. Zudem entstehen etwa 0,6 Mg/Mg Chloride.
Verwertung der Dnnsure
Wegen der geringeren Verfilgbarkeit des Rutils wurden parallel zur Entwicklung
des Chloridverfahrens Anstrengungen zur Aufbereitung der Dnnsure unternommen. Ziel war dabei die Autkonzentrierung der Dnnsure auf eine Konzentration von 70 % und zum Wiedereinsatz im Sulfatproze.

532

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung

Titanerz (Rutil)
K ks

Aufschlu,

Chlor

_I

litanchlorid

-=0"-"'-----~1 Umwandlung zu

Kondensation,
Destillation

Oxidation,
Abscheidung

___:S""a""ue""rst""o""ff_ _~
~

Gangart,
Koksrckstand

Chloride der
Begleitmetalle

TitandioxidPigment (Rutil)

Bild 6.14. Herstellung von Titandioxid nach dem Chlorid-Verfahren [6.92]

Seit Ende 1989 wird der gesamte Dnnsureanfall der Kronos Titan nach diesem
Verfahren wiederaufbereitet. Beide Innovationen, Umstellung auf den Ch1oridproze und Sulfatproze mit Dnnsureaufbereitung, werden seit 1992 betrieben
[6.92].
Abfallarme Verfahren der Chloralkali-Elektrolyse
Die Erzeugung von Chlor, Natronlauge und Wasserstoff durch ChloralkaliElektrolyse hat technisch grte Bedeutung. Es werden die beiden lteren Verfahren, das Amalgam-Verfahren und Diaphragma-Verfahren angewandt, neuerdings
auch vermehrt das abfallarme Membranverfahren.
Beim Amalgam-Verfahren (Bild 6.15.) werden die Teilreaktionen der anodischen Chlorabscheidung, der kathodischen Wasserstoffabscheidung und NaOHBildung durch eine umlaufende Quecksilberkathode voneinander getrennt.
Die Verwendung von Quecksilber als Hilfsstoff fhrt zu Quecksilberemissionen in die Produkte, die Abluft, das Abwasser und in die Feststoffrckstnde. Die
Rckstnde werden entweder in der Elektrolyseanlage selbst oder auerhalb von
Quecksilber befreit und auf Deponien abgelagert. Der Soleschlamm, auch als
Bariumsulfatschlamm bezeichnet, weist folgende Zusammensetzung auf[6.43]:
- 25 %Wasser,
- 12 % Bariumsulfat,
- 9% Natriumchlorid,
- 8 % Calciumcarbonat,
- 4 % basisches Magnesiumcarbonat,
- 0,0006 bis 0,001 % Quecksilber,
- Rest: Aluminiumsilicat, Ton etc.
Beim Diaphragma-Verfahren (Bild 6.16.) werden die Teilreaktionen durch eine
porse Trennschicht, das Diaphragma, zwischen Anoden- und Kathodenraum
voneinander getrennt. Hierfr wird auf die Stahlnetzkathode eine Schicht aus
Asbestfasern mit Kunstharzzustzen angeschwemmt. Die Diaphragmen-Lauge
enthlt nur 11 bis 13% NaOH neben etwa 15% Natriumchlorid. Durch Eindampfung kann wie beim Amalgam-Verfahren 5%ige Lauge erhalten werden, die aber
hier noch mit ca. 1 % NaCl verunreinigt ist.

6.3 Vermeidung von Produktionsabfllen

Fllchemikalien

Fllschlamm

Hg-haltlge
Salz Elektrolysenabwsser

Cl2 ( in die Produktion )

unlsliche ROckstnde

Anolyt 24 % Nacl

Sole 26 % NaCI

Lauge
50%NaOH
0,006%NaCI
< 10 ppm NaCI0 3

Bild 6.15. Amalgam-Verfahren [6.43]

Fllchemikalien

Fllschlamm

Salz

Wasser

unlsliche ROckstande
Salz

Sole 26 % NaCI

Katholyt:
16%NaCi
12%NaOH
0;01 % NaCI0 3

1--+----Q
L __J::::==r-

Asbest-Diaphragma

Bild 6.16. Diaphragma-Verfahren [6.43]

Lauge
50%Na0H
1% NaCI
0,07%NaCI0 3

533

534

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung


Fllchemikalien

Wasser

Salz

Cl 2 (in die Produktion )

unlsliche Rckstnde

Katholyt (Lauge)

Sole 26 % NaCI

20 bis 35 % NaOH
0,009%NaCI
Lauge
-- KationenaustauscherMembran

50%NaOH
0,02% NaCI

Wasser (oder verdnnte Lauge)


Anolyt 23 % Nacl

Bild 6.17. Membranverfahren [6.43]

Beim Membranverfahren (Bild 6.17.) wird ein negativ geladener Ionenaustauscher


als Trennschicht zwischen Anoden- und Kathodenraum verwendet. Aus dem mit
Natriumchlorid-Lsung beschickten Anodenraum knnen nur Natrium-Ionen und
wenig Wassermolekle in den Kathodenraum gelangen. Man erhlt Zellaugen bis
35% NaOH-Gehalt und mit nur 0,1% NaCl-Gehalt. 50%ige NaOH wird wieder
durch Eindampfung erhalten.
Die Menge der bei der Solereinigung anfallenden Schlmme hngt von der
Salzqualitt ab. Wird Natursole verwendet (nur bei Diaphragmazellen) entsteht
wenig Schlamm. Bei Elektrolyseverfahren mit Solekreislufen (Amalgam- und
Membranverfahren), die auf die Wiederaufsttigung des verarmten Elektrolyten
mit festem Salz angewiesen sind, ist die Schlammenge geringer, sofern Siedesalz
an Stelle von Steinsalz verwendet wird.
Wesentlicher Vorteil der Membranverfahren gegenber den klassischen Verfahren ist die Vermeidung von Sonderabfllen (Asbest, Quecksilber). Dies gilt
besonders im Vergleich zum Amalgam-Verfahren, bei dem im erheblichen Umfang quecksilberverunreinigte Schlmme anfallen. Daneben zeichnet sich das
Membranverfahren durch einen geringeren spezifischen Energieverbrauch aus
[6.43].
Wegen der erheblichen Vorteile des Membranverfahrens wird heute bei Neuinvestitionen ausschlielich die Membrantechnik verwendet.
Abfallvermeidung bei der Herstellung von Minerallprodukten
Bei der Herstellung von Minerallprodukten fallen insbesondere folgende Abfiille
an:
- Bleicherden (Abfallschlssel-Nr.: 54801),

535

6.3 Vermeidung von Produktionsabfllen

Wasser
Benzin

Gasl

Verdampfer

Schmlerlfraktlon

Rckstand

Bild 6.18. KTI-Verfahren


Trocknung

Hochvalwumdestlllatlon

Gasl Grundl ~~- Spindell Altl

Valwumerzeugung

VordestlllaHon

1rrmaJ.

SpeiS&wasser

., , I
Dampf

Bild 6.19. Lurgi Fall Schleier Verdampferverfahren [6.48]

- Sureharze und -teere (Abfallschlssel-Nr.: 54802),


- minerallhaltige Schlmme (Abfallschlssel-Nr.: 54700).

rl.l

Kondensat

Khl

.... wasser

[Link]-

sledar

536

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung


Altl

GasOll
20kgMitl

Wasser
100 - 150 kg/t Attl

Schwefelsaure
120- 150 kg/t Altl

Saureharz
200 - 300 kg/t Altl

Bleicherde
50 - 70 kg/t Altl

Kondensat
5-10 kg/t Altl

Gasl II
40 kg/t Altl

Kondensat
4 - 6kg/t Attl
Strippanlage
Filtration

bei. Bleicherde
80 - 120 kg/t Altl

1. Grundl
2. Spindell
3. Gasl II

Bild 6.20. Einsatz- und Reststoffe des "Schwefelsure-Bleicherde-Kontaktverfahrens" [6.45]

Bleicherde
Als Bleicherden werden tonmineralhaltige Erden bezeichnet, die aus len, Fetten
und Wachsen Verunreinigungen und flirbende Bestandteile adsorbieren knnen.
Minerallhaltige Bleicherden fallen u.a. bei der Erst- und Zweitraffmation an.
Bei der Erstraffination knnen minerallhaltige Bleicherden bei der Herstellung
von Speziallen wie z.B. Transformatorenlen, Turbinenlen und Weilen anfallen. Die frher bliche Sure-Raffination mit anschlieender Bleichung (s. Bild
6.22.) ist bereits durch Verfahren der Lsemittel- und hydrierenden Raffination
ersetzt worden, so da minerallhaltige Bleicherden hier meist nicht mehr anfallen.
Bei den Hydrierverfahren wird das in einer Vorbehandlung gereinigte (Alt-)l
einer Hydrierung mit Wasserstoff bei einer Temperatur von 250 bis 370 C, und
einem Druck von 50 bis 300 bar unter Einsatz eines Katalysators unterzogen.
Folgende Hydrier- und Raffinationsverfahren knnen angewandt werden:
- KTI-Verfahren,
- IFP-Selectopropan-Wasserstoff-Verfahren,
- BERC-Lsemittel-/Destillationsverfahren,
- Lurgi-Fall-Schleier-Verdampferverfahren.
Das Bild 6.18. und Bild 6.19. zeigen das KTI-Verfahren und das Lurgi Fall
Schleier Verdampferverfahren.

6.3 Vermeidung von Produktionsabfllen

537

Entparaffiniertes fl
Extraktion

Entparaffinierung

Wasserstoffbehandlung

Bild 6.21. Flieschema der Gewinnung von mineralischen Grundlen [6.75]

Allerdings werden Bleicherden auch heute noch bei der Herstellung von Paraffin,
Vaseline und technischen Fetten sowie bei der Reinigung von abgelassenen Transformatorenlen angewendet. Das Bild 6.21. zeigt den Gewinnungsproze bei der
Herstellung von mineralischen Grundlen nach heutigem Stand der Technik.
Ziel der Raffination ist es:
- unerwnschte Bestandteile zu entfernen oder umzuformen,
- die Alterungsstabilitt zu erhhen,
- den Viskosittsindex (VI) auf ca. 90 bis 100 einzustellen,
- den Stockpunkt durch Entparaffinieren auf ca. -9 bis -15 C einzustellen.
Sureteer und -harz
Unter Sureteer wird das surehaltige Reaktionsprodukt von konzentrierter
Schwefelsure oder Oleum mit Komponenten der Schmierldestillation bzw.
Solventraffination bei der Erstraffination verstanden. Sureharze fallen bei der
Zweitraffmation von Altlen nach dem Schwefelsureverfahren als Reaktionsprodukt an. Darin sind Additive, Oxidationsprodukte sowie anderen Verumeinigungen des Altls enthalten. Die Vermeidung des Sureteers und der Sureharze ist
durch die Anwendung von Raffmationsverfahren mglich, die ohne Schwefelsure arbeiten [6.46, 6.47, 6.48].
Dies sind bei der Erstraffination die
- Lsemittel-Raffination,
- hydrierende Raffination.
Diese Verfahren haben bei der Erstraffination das frher angewendete Schwefelsure-Raffmationsverfahren vollstndig ersetzt. Daher flillt bei der Raffmation der
Rohle zu Grundlen kein Sureteer mehr an. Bei der Behandlung der Grundle
wird bei Einfhrung von Hochdruckhydrierverfahren kein Sureteer mehr anfallen. Eine Substitution der Schwefelsure ist allerdings bei der Herstellung von
Spezialprodukten, z.B. Testbenzine, spezielle Kerosin- und Gaslfraktionen, nicht
mglich, so da auch zuknftig Sureteer bei der Raffination anfallen wird.
Bei der Aufbereitung von Altl knnen die selben Hydrierverfahren eingesetzt
werden.

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung

538

[--~~~

T-1.
l___....

Oispergier-

station

Afternative 1

Feststoff-

~I~J

E~ergiege-z.B.
I WJnnung
in Kraftwerken
----

Bild 6.22. Recyclon-Verfahren [6.49]

Zudem lassen sich durch die Extraktion mit berkritischen Gasen nach dem
Krupp-Koppers-Verfahren und durch das Recyclon-Verfahren, das Natrium zur
Behandlung von Altl einsetzen (Bild 6.22.) und der Anfall an Sureteer oder
Sureharz vermeiden.
Abfallvermeidung bei der Metallherstellung
Unter dem Begriff der Metallherstellung soll hier das Schmelzen von Nichteisenmetallen (NE-Metallen) sowie von Eisen und Stahl betrachtet werden.

Nichteisenmetalle
Beim Schmelzproze von NE-Metallen kommt es aufgrund der Schmelzbedingungen zu mehr oder minder starker Bildung von Metalloxiden, die durch
Schmelzzustze gebunden und aus der Metallschmelze abgeschieden werden.
Diese Krtze enthlt neben Metalloxiden auch noch metallische Anteile. Bei
Schwer- und Leichtmetallkrtzen hat sich die Aufarbeitung in Mhlen und Sieben
als geeignet erwiesen [6.76].
Dabei entstehen metallreiche bzw. -rmere Fraktionen, die eingeschmolzen
oder in der Httenindustrie verwertet werden knnen bzw. entsorgt werden mssen. Die Hei-Aufbereitung von Krtze kann nur innerbetrieblich, die KaitAutbereitung dagegen inner- oder auerbetrieblich durchgefhrt werden (s. Bild
6.23.) [6.77].
Bei der in Bild 6.23. skizzierten Anlage wird die Krtze bei der HeiAufbereitung gesammelt und zu einer Ausrhreinheit mit integrierter Khlanlage
transportiert. Durch Rhren knnen bis zu 20 % der Krtzemenge als flssiges
Metall in der Auffangwanne zurckgewonnen werden.

6.3 Vermeidung von Produktionsabfllen

539

Heikratze

(100 Gew.-%)
flssiges Metall
(20Gew.-%)

Kaltkratze
> 100 mm

Metallbrocken

(k.A. ber Gew.-%)


<2mm

Feinfraktion
(10Gew.-%)

,___Z..:..yk,lo_n_...J~..__F_il..,.te_r_...J~

Luft

Abluft
Staub (3,5 Gew.-%)

Feinfraktion
(35Gew.-%)

Grobfraktion

(31 ,5 Gew.-%)

Bild 6.23. Fliebild einer zweistufigen Krtzeaufbereitungsanlage [6. 78]

Bei der Kalt-Aufbereitung wird abgekhlte Krtze in mehrere Fraktionen aufgetrennt, z.B.
- <2mm,
- > 2 mm und <100 mm,
- > 100mm.
Die Fraktion ber 100 mm besteht hauptschlich aus reinem Metall und kann
direkt eingeschmolzen werden. In der 2. Siebstufe flUlt als Unterkorn eine feine
Fraktion an, die berwiegend aus oxidischen Bestandteilen besteht und zur Metallgewinnung an Httenwerke abgegeben werden kann. Die Fraktion von 2 bis
100 mm gelangt ber Schwingroste in die Kugelmhle, wo die oxidischen Anteile
leicht gemahlen und in einer 3. Siebstufe als Unterkorn abgetrennt werden knnen. Die metallischen Granalien fallen als berlauf an und knnen im Herd-/
Wannenofen ohne Zugabe von Salzen oder im Drehtrommelofen unter einer Salzdecke eingeschmolzen werden.

540

6 Mglichkeiten der Abfallvenneidung

Bild 6.24. Beispiel einer NPT-Anlage [6.81]

Eisen und Stahl


Teilstrme von Stuben aus Kupol- und Elektrofen (Induktions- und Lichtbogenfen), die neben Schwermetallen wie Zink und Blei noch verschlackbare bzw.
brennbare Stoffe enthalten, knnen in den Kupolofen bzw. Lichtbogenofen zurckgefuhrt werden. Durch die verstrkte Anreicherung von leichtflchtigem Blei
und Zink in den ausgeschleusten Stuben knnen diese verstrkt einer Verwertung
zugefuhrt werden. Damit knnen die heute noch zu deponierenden Staubmengen
zu ber 90% gesenkt werden [6.79].
Die Staubrckfiihrung wird auf verschiedene Weise realisiert. Die wesentlichen
Unterschiede der augewandten Verfahren liegen in der Art der StaubfOrderung.
Beim NPT-Verfahren (Negative-Pressure-Tuyere, vgl. Bild 6.24.) wird mit einer Injektordse gearbeitet, der per Frderschnecke mit Petrolkoks vermischter
Staub zugefuhrt wird. Die Staubzufuhrung zur Schmelze erfolgt kontinuierlich
und ber die Dsen verteilt. Dies fuhrt zu einer gleichmigen Betriebsweise. Der
Einsatz von Petrolkoks wird erforderlich, um die Fliefhigkeit des Staubes (vor
allem von Heiwind-Kupolofenstaub) zu erhhen und ermglicht Einsparungen an
Koks [6.81].
Ein anderes Verfahren verfugt dagegen ber ein Druckgefiifrdersystem, mit
dem auch schlechter fliefllhige Stube ohne Zumischen von Hilfsstoffen transportiert werden knnen. Es arbeitet diskontinuierlich und steuert die Winddsen
von Kupolfen nacheinander an. Es eignet sich auch ftlr die Rckfuhrung von
E-Ofenstaub, der mit Hilfe von Lanzen unter die Schmelze gebracht wird (Bild
6.25.).
Zur Anreicherung von Zink und Blei im Staub aus Lichtbogenfen wird der
Staub mit einer Lanze unter die Schlacke geblasen. Damit werden die im Staub

6.3 Vermeidung von Produktionsabfllen

541

EinblaS\'Onichtung

Filtcranlge

r;
;
;
;
;
;
;
;
;

1 Abspnrorau
2 Drucbchln.~~ RDS 40
J FOffknolullmlenl.:urc
4MAXSordcJ;Vorrsl:iloColnn

6BlJI'l.l.tr11Uf:[Link]

l ciO!'[Link]
Sf!inlauf'.Vc-ncl!ILII

9 DrucklchkLik

10 Pl'letaNilikltwUI!.IIOn.

II Einblaslanu

Bild 6.25. Einblasilirderanlage [6.82]

enthaltenen Eisen-, Calcium- und Magnesiumoxide der Schmelze wieder zugefiihrt. Da Zink und Blei sowie deren Oxide bei den Metallbadtemperaturen leicht
flchtig sind, reichem sie sich in den neu entstehenden Stuben an.

Abfallvermeidung bei der Oberflchenbehandlung und Bearbeitung


von Metallen
Im folgenden sollen fiir einige wichtige Abfallgruppen aus dem Bereich der Metallbe- und -Verarbeitung die Mglichkeiten zur Abfallvermeidung durch die Anwendung abfallarmer Verfahren beschrieben werden.
Galvanikabflle
Die Galvanikabflle werden einerseits durch das Verwerfen verbrauchter Bder,
andererseits durch den Eintrag von Badinhalten in das Splwasser verursacht. Die
meisten Badinhaltsstoffe (Schwermetalle, organische Verbindungen, Cyanid) sind
gesundheitsgefhrdend und mssen deshalb in eine weniger gefhrliche Form
berfiihrt werden (chemisch-physikalische Behandlung, s. Punkt 4.4). Dies geschieht entweder in betriebsinternen Abwasserbehandlungsanlagen oder in zentralen chemisch-physikalischen Behandlungsanlagen. Dabei entstehen die folgenden Abflle:
- Metallschlmme,
- Galvanikschlmme (chrom-, nicke!-, kupfer-, zinn-, zinkhaltig),
- Phosphatierschlmme,
- Konzentrate und Halbkonzentrate.
Abflle aus Galvaniken lassen sich durch
- organisatorische Manahmen,
- Optimierung der Spltechnik,
- technische Manahmen
vermindern.

542

6 Mglichkeiten der Abfallvenneidung

Mit der Abfallverminderung ist in der Regel auch eine Abwasserverminderung


verbunden.
Da organisatorische Manahmen sowie eine Optimierung der Spltechnik in
der Regel mit geringem fmanziellen Aufwand durchgefilhrt werden knnen, sollten die daraus resultierenden Potentiale ausgeschpft werden, bevor technische
Manahmen zum Zuge kommen. Damit knnen eine
- Reduzierung von Metall- und Chemikalienverlusten,
- Verringerung oder Rckgewinnung von Verschleppungen,
- Mglichkeiten der Wassereinsparung,
- SplwasserkreislauffUhrung,
- Erhhung der Verwertbarkeit nichtvermeidbarer Abfltlle
erreicht werden.
Die organisatorischen Manahmen sind eine wesentliche Voraussetzung flir
den sinnvollen, wirtschaftlich vertretbaren Einsatz technischer Rckgewinnungsverfahren.
Folgende organisatorische Manahmen sind dafllr mglich:
- Verringerung der Konzentrationen an Badinhaltsstoffen in den Aktivbdern,
- Reduzierung der Verschleppung von Badinhalten beim Warentransport,
- Rckfilhrung von ausgeschleppten Badinhalten aus dem Splwasser in Aktivbder,
- Erhhung der Anzahl der Splschritte.
Durch die Optimierung der Spltechnik wird in erster Linie eine Reduzierung des
Splwasserbedarfs erreicht. Geringere Splwassermengen sind eine Voraussetzung fllr den Einsatz von Rckgewinnungstechnologien und von KreislauffUhrungen.
Eine einfache Mglichkeit zur Verringerung des Splwasserbedarfes ist die Installierung einer Spar- bzw. Standsple. Diese hat die Aufgabe, den grten Teil
der Badverschleppungen (80 bis 90 %) aufzunehmen und so die nachfolgenden
Fliesplen zu entlasten.
In Standsplinhalten liegen demnach relativ hohe Konzentrationen vor. Die
Standsplinhalte knnen z.B. in das Aktivbad zurckgefilhrt werden, um dessen
Verschleppungs- und Verdunstungsverluste auszugleichen. Damit werden nicht
nur die Volumenverluste des Bades ausgeglichen, sondern darber hinaus wertvolle und bereits ausgeschleppte Badchemikalien zurckgefilhrt. Da in Standsplen hohe Konzentrationen vorliegen, knnen entsprechende Rckgewinnungstechniken (Elektrolyse, Verdampfung, Fllung) oft wirtschaftlich bei der Behandlung der Standsplinhalte eingesetzt werden.
Der Wasserverbrauch der Fliesple lt sich darber hinaus mit Hilfe der Gegenstromsplung (Kaskadensplung) verringern. Die bei Kaskadensplen stark
verringerten Wasserdurchflsse erlauben in vielen Fllen die vollstndige Rckfilhrung von Badverschleppungen. Der Splwasserbedarf beim mehrstufigen
Splen und die Rckfilhrung von Badverschleppungen sind in Bild 6.26. und Bild
6.27. dargestellt.
Weiterhin ist bei Kaskadensplungen aufgrundder mit steigenden Splschrittanzahlen stark abnehmenden Konzentrationen an verschleppten Metallionen aus
Beschichtungsbdern eine KreislauffUhrung von Splwasser im letzten Splschritt

6.3 Vermeidung von Produktionsabfllen

100

'' '

4 5,6 10

'

31 ,6

1 .000

'

1.000

543

10.000
.Q._
V

Liter Splwasser pro Liter Verschleppung bei Splkriterium 1000

Bild 6.26. Abhngigkeit des Splwasserbedarfes von der Anzahl der Splschritte [6.85]

Bild 6.27. Schematische DarstelJung der Kombination Vorsplkaskade, Kreislaufsplung und


Konzentrator [6.51]

mglich. Bedingung ist dabei, da sich die zu entfernenden Metallionen ber


Ionenaustauscher entfernen lassen.
Eine weitere Mglichkeit wassersparende Spltechnik mit einer Rckfiihrung
zu kombinieren, bietet die Spritzspltechnik. Im Bild 6.28. ist diese Verfahrenslsung beispielhaft dargestellt.
An technischen Verfahren zur Abfall- und Abwasserminderung stehen die in
Tabelle 6.8. nher erluterten Verfahren zur Verfiigung. Diese sollten erst nach

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung

544

Verdunstung

r:,\

Vo"'hi'PP<mg
Frischwasser

Standsple

mglich

~ :Die Spritzsplen bernehmen die Funktion der


Wasserzufuhr in das Aktivbad
Bild 6.28. Spritzsple ber einem wann arbeitenden Bad zum Ausgleich der Volumenverluste
[6.83]

Ergreifen aller organisatorischen Manahmen zum Zuge kommen, da sie dann


kleiner und damit preiswerter dimensioniert werden knnen:
- Ionenaustauschverfahren,
- Ultrafiltration,
- Umkehrosmose,
- Elektrodialyse,
- Verdunstung und Verdampfung,
- Elektrolyse.
In Tabelle 6.8. sind die wesentlichsten Rckgewinnungs- und Regenerationsverfahren, deren Anwendungsgebiete sowie die Vor- und Nachteile aufgefhrt.
Hrtereiabflle
In Hrtereien werden Eisen und Stahlwerkstcke durch eindiffundierten Stickstoff
und Kohlenstoff gehrtet. Als Trger filr den Stickstoff wird hauptschlich Cyanid
in Salzform verwendet.
In den Hrtereien fallen folgende Salzabflle an:
- Hrtesalze, cyanidhaltig (Abfallschlsselnummer 51533),
- Hrtesalze, nitrat-und nitrithaltig (Abfallschlsselnummer 51534).
Um cyanidhaltige Reststoffe zu vermeiden, bedarf es einer Verfahrensnderung.
Grundstzlich sollte angestrebt werden, Cyanid-Salze durch geeignete weniger
bedenkliche Stoffe zu substituieren. Daneben kann ein sparsamerer oder besser
gesteuerter Einsatz der Cyanide durchgefilhrt werden.
Eine Salzbadanlage in Hrtereien ist einfach und berschaubar. Das Medium
Salzbad schliet gegenber der Umgebungsatmosphre ab und ermglicht eine
schnelle Wrmebertragung auf eingehngte Werkstcke. Im Salzbad selber zerfllt das Cyanid durch die hohen Temperaturen zu unwirksamen Carbonat. Herkmmliche Salzbder mssen durch Ausschpfen und Zugabe von Frischsalz
regeneriert werden, d.h. das Carbonat wird durch frisches Cyanid ersetzt. Die aus

6.3 Vermeidung von Produktionsabfllen

545

Tabelle 6.8. Ausgewhlte Rckgewinnungs- und Regenerationsverfahren bei der Oberflchenbehandlung


Verfahren

Anwendungsgebiete

Vorteile

Nachteile

Phasentrennverfahren
. . "i~t;~~hcld~g Entfettt;g;;t;d;--...........s~~eiterhh~g d~-~~~ii~~di"l~~oi~~t:-Filtration

Entfernung von Verunreinigungen aus Beschichtungsbdern

Bder
Standzeiterhhung

fernung

Standzeiterhhung

Strungsanfllig; hohe
Investitionskosten

~e01branverfahren

Ultrafiltration

Entfettungsbder

Ther01ische Verfahren

--------------------------------VerdaDlpfen

Standsplinhalte

Verdunsten

Standsplinhalte

Rckftlhrung von
Konzentrat in das
Beschichtungsbad

hoher Energieverbrauch
anfllig fllr
Verkrustungen

Ionenaustauscherverfahren
Ionenaustausch

Regeneration von
ChroDl-/ChroDlatbdern,
Kreislauffiihrung von
Splwssern

selektive Gewinnung
von Ionen,
Splwassereinsparung

begrenzte Kapazitt,
Che01ikalieneinsatz
ZUD1 Regenerieren

Retardation

Trennung von Suren


und Salzen

Rckgewinnung freier
Suren

Diskontinuierliches
Verfahren, Effektivitt
bei niedrigen Surekonzentrationen gering

Elektrolyse

Rckgewinnung von
~etallinhalten, z.B. aus
Standsplen
Konzentration von
Lsungen,
Entfernung von Strstoffen

nicht fllr chloridhaltige


auch i01 kleinen ~astab effektiv anwendbar Lsungen (Ciz-Bildung)

Elektrodialyse

Fllungund
Kristallisation

Standsplinhalte, Strstoffentfernung aus


Bdern

Rckftlhrungen von
Konzentrat 01glich,
Regeneration von
Suren

Hohe Investitionskosten, z.T. strungsanfllig

Standzeitverlngerungen

begrenzte Anwendbarkeit

dem Bad ausgehobenen gehrteten Werkstcke mssen auerdem durch Splen


von lose anhaftenden Badbestandteilen befreit werden. Dies hat eine erhebliche
Abwasserbelastung zur Folge.
Zur Vermeidung von Hrtesalzrckstnden ist es erforderlich, das bisher notwendige Nachfilllen der Salzbder zu unterbinden. Dies wird im TeniferVerfahren, das seit Ende der 70er Jahre zur Verfiigung steht und mit dem Regenerator "Melon" arbeitet, erreicht.

546

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung

Die chemische Reaktion, die in den Salzbdern vom Cyanid ber Cyanat zum
Carbonat :fiihrt, wird bei ca. 580 oc durch den Regenerator zugefiihrt, so da Carbonat wieder zu Cyanid reduziert wird. Dadurch entfiillt das Ausschpfen von
Altsalz [6.53]. In Bild 6.30. sind die Unterschiede zwischen dem alten und neuen
Salzbadnitrocarburier-Verfahren schematisch dargestellt.
Das Durofer-Verfahren ermglicht es auch bei den hheren Temperaturen des
Kohlungsprozesses ohne Alt-Hrtesalzanfall zu arbeiten (Bild 6.30.). Das beim
Salzbadkohlen gebildete Carbonat wird im Durofer-Proze nicht ausgeschpft,
sondern im Kohlungsbad durch Zugabe des Regenerators wieder zu kohlungsaktivem Cyanid umgesetzt. Damit entfllt das bisher hufig erforderliche Abschpfen
des Aufkohlungsbades.
Bei diesen beiden Verfahren kann auch die Abwasserbelastung durch geringere
Cyanidkonzentrationen in der Salzschmelze reduziert werden, da die Ausschleppfracht ebenfalls entsprechend sinkt. Der Gehalt von bis zu 50 % Cyanid konnte mit
dem Regeneriermittel Melon um 90% aufunter 4% Cyanid gesenkt werden.
Die beiden Salzbadverfahren zum Nitrieren und Aufkohlen besitzen folgende
Vorteile:
- es entstehen keine giftigen Abfallsalze,
- es werden keine cyanidhaltigen Nachfiillsalze bentigt,
- verbrauchte Bder werden mit ungiftigen Polymeren regeneriert,
- der Einsatz der Regeneriermittel ermglicht eine kontinuierliche Verfahrensweise mit mikroprozessorgesteuerten Dosierautomaten und Chargierrobotem
[6.53, 6.54].
Eine vollstndige Cyanidsubstitution ist mit dem Gasphasenhrter mglich. Hier
wird als Trger des einzudiffundierenden Stickstoffs nicht mehr das Cyanid bentigt, da die Nitrierung in der Gasphase stattfindet.
Gasphasenverfahren arbeiten praktisch abfallfrei.
Allerdings knnen bei der Gasphasennitrierung nicht die Hrtegrade der Salzbadverfahren erreicht werden. Auerdem ist der Investitionsbedarf mit ber
1 Mio. DM pro Aggregat deutlich hher als bei den Salzbadverfahren. Hinzu
kommen lngere Behandlungszeiten, so da das Gasphasengemisch nicht berall
zum Einsatz kommen kann.
Suren und Suregemische
Suren werden bei der Oberflchenbehandlung von Metallteilen vorwiegend zur
Entfernung von Oxid und Zunder verwendet. Die Suren reichem sich dabei mit
festen Verunreinigungen (Schlamm), organischen Verbindungen (Fett, l) und
Schwermetall an. Die Konzentration an freier Sure nimmt durch den Beizvorgang ab. Die verbrauchten und verunreinigten Suren werden verworfen und
berwiegend in betriebseigenen Abwasserbehandlungsanlagen neutralisiert. Das
fiihrt zu erheblichen Mengen an Schlamm und zu Neutralsalzbelastungen des Abwassers.
Altsuren lassen sich in zentralen chemisch-physikalischen Behandlungsanlagen meist effektiver behandeln, z.T. ist auch die Verwertung der Altsuren mglich. Dies wird in der Stahlindustrie verbreitet gehandhabt. Hier werden abgestumpfte Salzsurebeizen (eisenhaltig) thermisch regeneriert, so da Sure und

6.3 Vermeidung von Produktionsabfllen

547

A) Grundreaktionen
2 CN + 0 2 -. 2 Nco2 Neo-+ o 2 -. co 3 2- + co + 2N
x Fe+ (N) -->- FexN : Nitriervorgang
T = 580" C
Bl Altes Verfahren

Erneuern durch
Nachfllen von
Cyanid

NCOCN"
co 32-

frisch

gebraucht

teilweises
Abschpfen

giftiges
Abfallsalz

Frisches Bad

C) Neues, umweltfreundliches Verfahren

0
")

~-T
CN _

C03 -

frisch

gebraucht

"''00
__,durch
IRegeneration
chemische Reaktion
2
3 C0 3 - + Melon ___.
6NCO +xH2 0

Frisches Bad

Bild 6.29. Grundreaktionen beim Salzbadnitrieren und Vergleich des alten und neuen umweltfreundlichen Tenifer-Verfahrens [6.53]

A) Grundreaktionen

2 CN- + 20 2 -.. CO;/" +2N + CO


: Kohlungsvorgang, T = 930"C
3 Fe + 2 CO-. FSJ C + C~
B) Altes Verfahren

frisch

gebraucht

/----------~BE:3

~r~
teilweises
Abschpfen

giftiges
Abfallsalz

Erneuern durch
Nachfllen von
CN-1 er

Frisches Bad

C) Neues umweltfreundliches Verfahren


- ~01-C~
~- [Regenerator CI-Control[
~-

~~
frisch

gebraucht

Regeneration durch
chemische Reaktion
CO:? + Regenerate,-.
2 CN- + C0 2 I H2 0

Frisches Bad

Bild 6.30. Grundreaktionen beim Kohlungsproze und Vergleich des alten mit dem neuen Durofer-Verfahrens [6.53]

Eisenoxidschlamm als Produkte gewonnen werden. Die thermische Regeneration


von Salzsurebeizen ist allerdings nur filr Durchstze von mehr als
10 000 Mg/a sinnvoll.

548

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung

Innerbetrieblich lt sich das Aufkommen an Altsuren durch organisatorische


Manahmen wie optimale Ausnutzung der Suren, Minimierung des Eintrages an
Verunreinigungen und durch Entfernung von Schlamm, l und Fett senken. In
Abhngigkeit von Suremenge, -art und den enthaltenen Verunreinigungen werden verschiedene Verfahren zur Reinigung und Rckgewinnung der Suren angewendet:
- Elektrodialyse,
- Diffusionsdialyse,
- Retardation,
- Verdunstung.
Die Anwendbarkeit dieser Verfahren ist neben den vorgenannten Abhngigkeiten
auch von den wirtschaftlichen Gesichtspunkten geprgt, da diese Techniken mit
erheblichen Investitionen verbunden sind. Vor der Installation sollte deshalb die
Mglichkeit externer Verwertung oder Behandlung geprft werden.
Halogenhaltige Lsemittel
Aufgrund der guten Lseeigenschaften fiir le, Fette und Harze werden in der
Reinigung und Entfettung von Metallteilen seit Jahrzehnten organische halogenhaltige Lsemittel benutzt. Da halogenhaltige Lsemittel stark gesundheitsgefiihrdend sind und in der Umwelt nur gering abgebaut werden, ging der Verbrauch in
den letzten Jahren stark zurck. Industrielle Bedeutung haben nur noch folgende
Chlorkohlenwasserstoffe (CKW):
- Trichlorethen (TRI),
- Tetrachlorethen (PER),
- Dichlormethan.
Nach der 2. BlmSchV (Verordnung zur Emissionsbegrenzung von leichtflchtigen
Halogenkohlenwasserstoffen- 2. BlmSchV) drfen nur noch Trichlorethen, Tetrachlorethen und Dichtormethan in Oberflchenbehandlungsanlagen eingesetzt
werden. 1,1,1-Trichlorethan und 1,1,2-Trichlortrifluorethan sind ab dem 1. Januar
1993 fiir den Einsatz in Oberflchenbehandlungsanlagen verboten.
Auch die drei weiterhin zugelassenen Chlorkohlenwasserstoffe (TRI, PER und
Dichlormethan) sind als Stoffe mit begrndetem Verdacht auf krebserzeugendes
Potential eingestuft. Daher sind Oberflchenbehandlungsanlagen, in denen
CKW's eingesetzt werden, gekapselt zu betreiben (vgl. Bild 6.31.).
Die Verminderung des Lsemittelverbrauches und damit auch der Isemittelhaitigen Abflle lt sich durch gasdicht gekapselte Entfettungsanlagen mit Beschickungsschleusen, integrierter Lsemittelrckgewinnung und KreislauffUhrung
erreichen (s. Bild 6.31.).
Prinzipiell ergeben sich fr die Rckgewinnung chlororganischer Lsemittel
auch die fiir halogenfreie organische Lsemittel zutreffenden Mglichkeiten, die
in Bild 6.31. dargestellt sind. Die Substitution der halogenhaltigen Lsemittel ist
durch den Einsatz von Kaltreinigern (z.B. Benzinkohlenwasserstoffe, halogenfreie
Lsemittel) bzw. wrigen Medien mglich.

6.3 Venneidung von Produktionsabfllen

6
3

549

1. Kapselung, als Schleuse ausgefhrt


2. Entfettungsanlage
3. Schlitzfhrung fr Laufkatze

4. Beschickungsffnung

5. unteres Schleusentor zur Entfettungsanlage


6. Filtersystem zur Abscheldung von
Lsemitteldmpfen

Bild 6.31. Gekapselte Entfettungsanlage mit Beschickungsschleuse und Filtersystem [6.59]

Halogenfreie organische Lsemittel


Die Benzin-Kohlenwasserstoffe stehen den halogenhaltigen Lsemitteln im lund Fettlsevermgen nicht nach, sind allerdings brennbar. Wegen der Explosions- und Brandgefahren mssen alle Aggregate explosionssicher ausgefhrt werden. Alternativ mssen Vorkehrungen getroffen werden, die Temperaturen unter
dem Flammpunkt der Kohlenwasserstoffe zu halten.
Die Rckgewinnung und Kreislauffhrung der Lsemittel ist von zahlreichen
Faktoren abhngig. Bild 6.32. gibt darber einen berblick.
Die Abscheidesysteme fr die Lsemitteldmpfe knnen nach folgendem Prinzip aufgebaut sein:
- Adsorption an Aktivkohle (Aktivkohlekorn, -partikel, -faser),
- Adsorption an Kieselgel, Aluminiumoxid und Molekularsieben,
- Adsorption an Polymerpartikeln und Adsorberharzen,
- physikalische Absorption,
- Kondensation,
- Membranverfahren.
Am hufigsten sind Adsorptionsverfahren an Aktivkohle sowie die Kondensation
anzutreffen.
Die Adsorptionsverfahren erfordern eine Desorption der Lsemittel. Hierbei
finden folgende Verfahren Anwendung:
- Wasserdampfdesorption,
- Vakuumdesorption,
- lnertgasdesorption.
Wird mit Dampf desorbiert, bieten sich zur Rckgewinnung der Lsemittel verschiedene Verfahren an:
- Destillation (Blasendestillation bei Normaldruck oder im Vakuum),
- Vakuumdestillation mit direkter Brdenverdichtung,
- Rektifikation im Dnnschichtverdampfer,
- periodische Rektifikation.

550

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung

Lslichkeit
in Wasser

I nicht lslich I

Abscheidungsverfahren

Aufbereitung

Produkt

Zer1egung der
Komponenten

Beispiele

Toluol, Xylol,
Benzine, Chlorkohlenwasserstoffe, Schwefelkohlenstoff, etc.

Destillation/Extraktion

Ethylacetat. MIBK,
MEKIToluol,
THFfToluol,
AlkoholfToluol etc.

Menthanol,
DimethyWormamid

Bild 6.32. Rckgewinnung von organischen Lsemitteln [6.73]

Wrige Reiniger
Die Substitution von Kohlenwasserstoffen durch wrige Systeme ist in aller
Regel mit einer Anlagenumstellung, in einigen Fllen sogar mit einer vlligen
Neukonzeption verbunden. Auerdem mu der Reiniger entsprechend der Verschmutzungsart sowie des Grundwerkstoffes ausgewhlt werden. Wrige "Allround-Reiniger" fiir alle Entfettungsaufgaben sind im Gegensatz zu Kohlenwasserstoffreinigem nicht verfiigbar.
Die wrigen Reinigungssysteme sind im wesentlichen aus Wasser, Tensiden
und Buildem zusammengesetzt. Dabei erreicht man durch eine mechanische Untersttzung wie z.B. Brsten, durch Ultraschall sowie die Erzeugung von starken
Strmungen in Tauchbdern oder durch Spritzverfahren eine Verbesserung der
Reinigungswirkung [6.59]. Die Reinigungsergebnisse sind bei spezifischer Auswahl geeigneter wriger Systeme in vielen Fllen besser als nach der Entfettung
mit Kohlenwasserstoffen.
Folgen weitere Behandlungsschritte in wrigen Medien (z.B. Anodisieren,
Galvanisieren), so ist ein Na-in-Na-Arbeiten mit Zwischensplschritten angeraten. Bei stark differenzierten und hochstrukturierten Oberflchen (z.B.
Kleiostteile als Stckgut, bestckte Leiterplatten) wird allerdings die Trocknung
sehr problematisch. Zudem werden in der Elektronikindustrie sehr hohe Reinheitsansprche gestellt, so da nur hochspezialisierte wrige Reiniger zur Substitution der halogenhaltigen Lsemittel herangezogen werden knnen.
Die Inhaltsstoffe unbelasteter wriger Reiniger sind im allgemeinen umweltvertrglich. Es werden weitgehend biologisch abbaubare Tensidkombinationen
eingesetzt.

6.3 Vermeidung von Produktionsabfllen

551

Tabelle 6.9. Vor- und Nachteile verschiedener Reinigungsmittelgruppen [6.59]


Reinigungsmittel
Halogenkohlenwasserstoffe

Wrige Systeme

Kaltreiniger

Vorteile
-hervorragendes l- und Fettlsevermgen,
- niedriger Siedpunkt,
-geringe Verdampfungsenthalpie,
-nur schwer entzndbar,
- einfache Wiederaufarbeitung
durch Destillation

Nachteile
- Aggressivitt gegenber Kunststoffen,
- giftig, gesundheitsgefllhrdend,
- Auftreten von StreBkorrosion bei
Metallen,
- gem GefStoffV kennzeichnungspflichtig,
mit Ausnahme der FCKW,
- Einschrnkungen nach 2.
BimSchV filr Abluft
- keine Abluftreinigung erforder- Wasserverbrauch,
lich,
- Wasserverschmutzung durch
- keine Brand- und ExplosionsgeEmulsionsbildung, daher
fahren,
- aufwendige Abwasseraufbereitung ntig,
- einfache Anlagentechnologie,
- Wasserbenetzbarkeit der Teile bei - Energieaufwendige Trocknung,
anschlieender Weiterverarbeitung - hoher Chemikalienverbrauch,
- Kapillartrocknung mangelhaft,
in wrigen Medien,
- Rostgefahr, Lackhaftungsproble- fleckenfreie Reinigung sehr aufwendig
me (Korrosionsnester)
- gute Lslichkeit filr alle unpolaren - Brand- und Explosionsgefahr,
Stoffe,
- Grundwasserverschmutzung
- energiesparend wegen niedriger
mglich,
Temperaturen,
- Rckgewinnung durch Destillation
-keine Schwermetallkomplexbilwegen Zusatz von Kriechverbessem
dung,
kaum mglich,
- keine Emulsionen im Abwasser,
- Aerosolnebelbildung mglich
- niedrige Anlagenkosten

Die Versehrnutzung (le, Schwermetalle etc.) kann durch geeignete Manahmen


der Wasserbehandlung (Emulsionsspaltung, Ultrafiltration, Umkehrosmose, Flotation oder Aktivkohlefilter) aus der verbrauchten Waschflotte entfernt werden.
Zudem lt sich eine Standzeitverlngerung der Bder durch eine getrennte Behandlung von Reinigungslsung und Splwasser erzielen. Eingeschleppte freie
le und Fette knnen durch labscheider, Separatoren, Dekanter, Filter oder
Membranverfahren aus den nicht verbrauchten wrigen Reinigern mechanisch
entfernt werden.
Schwierigkeiten bei der Umstellung auf wrige Reinigungssysteme ergeben
sich durch die erhhte Korrosivitt des Wassers sowie die erhhten Trocknungszeiten.

Vermeidung und Verwertung von Abfllen aus Lackieranlagen


Die Lackierung von Gegenstnden dient dem Schutz vor Korrosion, UVStrahlung, Fulnis oder mechanischen Beanspruchungen. Beim Lackiervorgang
entstehen Emissionen in die Abluft und das Abwasser. In Lackieranlagen fallen
zudem die folgenden besonders berwachungsbedrftigen Abflle an (Abfallschlsselnummer in Klammern):

552

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung

- verunreinigte organische Lsemittel und -gemische (552 xx),


- Farb- und Lackschlmme (555 03),
- Lackierereiabflle (555 10),
- Altlacke (555 12),
- Leeremballagen mit schdlichen Restinhalten (351 06).
Der charakterisierende Abfallstoff aus Lackieranlagen ist der Lackschlamm. Im
Jahr 1987 wurden laut vorlufigen Berechnungen des Umweltbundesamtes 145
075 Mg Lack- und Farbschlmme erfat [6.97].

Ursachen der Entstehung von Lackschlmmen


Wird Lack mit Hilfe eines Spritzverfahrens auf das Werkstck aufgetragen, trifft
der Lack das Werkstck nur zum Teil. Je nach Art des Verfahrens und des Werkstckes verfehlt beispielsweise die Hlfte der eingesetzten Lackfestkrper ihr Ziel.
Bei der Lackierung von Gittern oder hnlicher Strukturen ist der Anteil des fehlverspritzten Lackes (Overspray) bedeutend hher. Das Verhltnis der eingesetzten
Lackfestkrper zu der Menge an Lackfestkrpern, die auf dem zu lackierenden
Gegenstand abgeschieden werden, definiert den Wirkungsgrad eines Lackierverfahrens. Das im Lack befmdliche Lsemittel verdunstet annhernd vollstndig.
Der Overspray wird aus Arbeitsschutzgrnden mittels Wscher oder hnlicher
Einrichtungen aus der Kabinenluft entfernt. Dem Waschwasser wird Koagulierungsmittel, das den Lack entkleben soll, zugegeben. Dadurch werden die nachfolgenden Aggregate der Auswaschflotte vor einer Beaufschlagung mit Lack geschtzt.
Aus dem Overspray entsteht damit das Lackkoagulat, das, je nach verwendetem
Koagulierungsmittel, gegenber den Festkrpern des Originallackes physikalisch
oder chemisch verndert ist. Aus dem Wasser entfernt und entwssert entsteht aus
dem Koagulat der Lackschlamm, der blicherweise auf einen Wassergehalt von
60 bis 65 % entwssert und entsorgt wird. Der Lackschlamm wird gem den
Vorgaben der TA Abfall in einer Sonderabfallverbrennungsanlage (SA V) verbrannt.
Bild 6.33. zeigt den Schnitt durch eine Lackierkabine mit Naauswaschung des
Oversprays.
Die oben beschriebene Verfahrensdarstellung vermittelt alle wesentlichen Ansatzpunkte zur Verminderung der Lackschlammmenge. Dies sind demnach:
- das Lackierverfahren,
- die Art der Erfassung und Entfernung des Oversprays aus der Kabine,
- das Lsemittel im Lack,
- die Art des Koagulierungsmittels.
Verbesserung des Auftragswirkungsgrades
Die Verbesserung des Auftragswirkungsgrades stellt eine Vermeidung von Overspray und damit von Lackschlamm dar. Neben der herkmmlichen Druckluftapplikation existieren eine Vielzahl hochentwickelter Applikationsverfahren, die
sich durch verbesserte Auftragswirkungsgrade auszeichnen. Diese hochwertigen
Verfahren lassen sich jedoch nicht fiir jeden Anwendungszweck gleichermaen
einsetzen. Beispielsweise knnen Werkstcke in Form Faraday'scher Kfige nicht

553

6.3 Vermeidung von Produktionsabfllen


Hin- und Abluft
Kreislaufwasser
- - beladene Luft
-

1-- - -- -

Abluft

waseher

Spritzkabine

Koagulierm ittelzugabe

-~~

Neulack
0

~--"~F

Lacl<koagulal

Bild [Link] [6.71]

A,pplkiltion

ltdt:Z5tp
12 ,H;iltlf"MN~PN

U.511G"'Utttnhll )

6.25 kQha fezt\Orper auf du WerkstuCk


Wl'kungsgtad

-0.5
bezogen

auf
Festk"'J)er

115,25 kQhl l.!HI!rttelln der Ablurt CIH [Link]


15,25 kglh lhemitlel in der Abluft des 0Yer&prtys.

6,25 lcglh F""""J>Jr Im C>veropray

Koagulierung

17.4 tg.t. [Link].chl1mm


( WanergehaH ca . 60 % )

11 ,6 kglh L~semittel
ln der Abluft

Bild 6.34. Mengenbilanz Laclderverfahren [6.86]

elektrostatisch untersttzt lackiert werden. Tabelle 6.10. stellt die Applikationswirkungsgrade der wichtigsten Applikationsverfahren zusammen [6.98].
Zur Abfallvermeidung sollte der Verbesserung des Applikationswirkungsgrades Prioritt eingerumt werden. In der Regel ist eine deutliche Wirkungsgradverbesserung immer mit einem wirtschaftlichen Vorteil verbunden, da die
Kosten des Overspray ber den reinen Entsorgungskosten liegen. Dabei schlgt

554

6 Mglichkeiten der Abfallvenneidung

besonders der Einkauf des fehlverspritzten Lackes zu Buche. Hinzu kommen


Kosten fiir das innerbetriebliche Handling des Lackschlammes. Tabelle 6.11. zeigt
die berschlgigen betrieblichen Kosten fiir 1 kg Overspray.
Tabelle 6.10. Applikationswirkungsgrade der wichtigsten Applikationsverfahren [6.87]
Verfahren

Wirkungsgrad
[%]

Druckluftspritzen
Airless-Spritzen

20-50
40-70

Elektrostatisches Spritzen
Niederdruck-Heispritzen

60-70
60-75

Elektrostatisches Sprhen
Tauchen

80-85
>90

Pulverlackieren
Streichen, Walzen

>98
>90

Tabelle 6.11. Betriebliche Kosten fllr I kg Overspray [4.91]


Kostenfaktor
Einkauf des Lackes
Transport und Verarbeitung als Lackkoagulat
und Lackschianun im Betrieb
Entsorgung als Lackschianun
Summe

Wert
12,00DM/kg
1,50DM/kg
1,50DM/kg
15,00DM/kg

Erfassung und Ruckgewinnung des Overspray


Der Overspray kann mit einer Einrichtung, die hinter dem Werkstck angebracht
ist, teilweise aufgefangen werden. Der aufgefangene Overspray wird mit Lsemitteln neu eingestellt und kann mit dem Originallack verschnitten werden. Zur
Rckgewinnung stehen Scheiben oder Bnder zur Verfllgung. Bei der Rckgewinnungsscheibe streift ein Edelstahlschaber den abgeschiedenen Overspray von
einer umlaufenden Scheibe in einen Vorlagebehlter, in der die Wiedereinstellung
auf Verarbeitungsviskositt durchgefilhrt wird. Aufgrund eventuell entstehender
zustzlicher Lsemittelemissionen mu bei diesem Verfahren beachtet werden,
da mit mglichst wenig zustzlichen Lsemittelmengen zum Feuchthalten der
Auffangscheibe gearbeitet wird. Die dabei eingesetzte Lsemittelmenge sollte nur
so gro sein, wie die Menge Lsemittel, die durch die Rckfilhrung des Lackes
zurckgewonnen wird. Die Frage der Lsemittelbilanz stellt sich bei Wasserlakken nicht mehr.
Bei hoher Farbwechselgeschwindigkeit ist dieses Verfahren nur bedingt geeignet. Der Einsatz bei 2-Komponentenlacken ist nicht mglich. Bild 6.35. zeigt den
grundstzlichen Aufbau einer Rckgewinnungsscheibe fiir den Overspray [6.37].

6.3 Vermeidung von Produktionsabfllen

555

L651J9millelzulel~

Bild 6.35. Rckgewinnungsscheibe fiir den Lackoverspray [6.71]


Frischlack

Lack

EP-Abscheidung

Vorlage
Umlaufwasser

Wasser

Bild 6.36. Beispiel fiir internes Wasserlackrecycling [6.12]

Eine weitere Mglichkeit zur direkten Rckgewinnung von Overspray ist seit
kurzem verfiigbar. Werden Lacke auf Wasserbasis appliziert, kann der Overspray

556

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung


Unlackiertes Werkstck

Lackiertes Werkstck

Bild 6.37. Schema des Pulverlackierverfahrens [6.88]

auch dann zurckgewonnen werden, wenn er schon ausgewaschen wurde und im


Klrsee suspendiert ist. Bedingung ist, da keine Koagulierungsmittel eingesetzt
wurden. Dazu werden Verfahren angeboten, die den Lack aus dem Klrsee ber
Ultrafiltrationsanlagen oder ber Elektrophorese aufkonzentrieren und nach einem Verschneiden mit Originallack wieder der Applikation zufUhren (s. Bild
6.36.). Mit diesem internen Recyclingverfahren knnen nur ultrafiltrierbare, wasserverdnnbare 1-Komponenten1acke aus dem Waschwasser zurckgewonnen
werden. Voraussetzung ist, da nur ein Lacksystem eingesetzt wird, auf das die
Rckgewinnungseinrichtungen angepat werden.
Beim Verfahren der Pulver/ackierung werden Lacke ohne Lsemittel eingesetzt. Dabei werden duroplastische Pulver elektrostatisch auf die zu lackierenden
Werkstcke aufgetragen und anschlieend bei 140 bis 220 C eingebrannt. Beim
Einbrennen der Lackpartikel vernetzen diese und bilden eine homogene und
hochwertige Oberflche. Der bei der Applikation entstehende Overspray kann
ber einfache Aggregate, etwa Zyklone oder Filter, fast vollstndig zurckgewonnen und der Applikationseinrichtung zugefUhrt werden. Damit steht ein
reststoffarmes Applikationsverfahren zur Verfgung, dessen Anwendungsgebiet
jedoch auf hitzebestndige und leitende Werkstcke begrenzt ist. Hinzu kommt,
da ein Einsatz der Pulverlackierung in der Automobilindustrie als einem der

6.3 Vermeidung von Produktionsabfllen

557

Lackschlamm

Abwasser

SiebObe~auf

Einstellen des Wassergehaltes

(.Pig~~'
Paste )

l---

~~

~/ (Bindemittel.\.

konzernrat )

Lack

Bild 6.38. Verfahrensschema zur Aufarbeitung von Lackschlamm nach dem Envilack-Verfahren
[6.90]

grten Lackschlammproduzenten wegen mangelnder optischer Oberflchengte


nicht mglich ist. Dagegen fmdet dieses Verfahrens verbreitet bei der Lackierung
sogenannter "Weier Ware", in der Bauindustrie und bei der Maschinenlackierung
Anwendung.
Verwertung des Lackschlammes
Wird der Overspray durch das Auswaschen und die zugegebenen Koaguliermittel
entklebt, entsteht Lackkoagulat und nach dessen Entwsserung Lackschlamm.
Dieser kann stofflich recycelt werden, indem die Grundstoffe zur Lackherstellung
wie Bindemittelkonzentrate oder Pigmentkonzentrate zurckgewonnen werden. In
Einzelfllen ist auch die Wiederaufbereitung zu komplettem Recyclinglack mglich.
Die Wahl des Koagulierungsmittels entscheidet mit darber, ob der Lackschlamm an einen Verwerter weitergegeben werden kann. Wird die Lackstruktur,
vor allem die Bindemittel des Lackes, durch hochalkalische oder saure Koagulierungsmittel zerstrt, ist der Lackschlamm nicht mehr zu recyceln.
Diese Gefahr besteht nicht bei Einsatz neutraler, physikalisch wirkender Koagulierungsmittel. Werden die verschiedenen Lackschlammqualitten getrennt
erfat und andere Abflle femgehalten, ist eine externe Aufarbeitung mglich.
Bild 6.38. zeigt die Aufbereitung von Lackschlamm nach dem EnvilackVerfahren.

[Link]
Innerbetriebliche Verwertung von Sonderabfllen
Die innerbetriebliche Verwertung trgt erheblich zur Verminderung von Sonderabfllen bei. In den Kapiteln 4.4 und [Link] wurden bereits einige Verfahren der

558

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung

innerbetrieblichen Verwertung behandelt, z.B. fiir Galvanikabflle oder fiir Abfalle aus Lackieranlagen. Im folgenden werden weitere innerbetriebliche Verwertungsverfahren aufgefhrt:
Filterstube aus der Stahlindustrie
Die in den Stahlwerken hauptschlich in Schlauchfiltern anfallenden Stube enthalten eine Reihe von Bestandteilen, die bei den im Elektroofen herrschenden
Bedingungen flchtig sind, z.B. Halogenide, Alkalien, Schwefelverbindungen,
daneben Zink und Blei. Eine Durchschnittsanalyse von Stahlwerksstuben zeigt
die Tabelle 6.12.
Tabelle 6.12. Durchschnittliche Zusammensetzung von den Stahlwerksstuben [6.63]
Element
Zn

Gehalt
[Gew.-%]

Stoff

20-30 FeO

Gehalt
[Gew.-%]
26-30

Pb

2-4 MnO

4-5

Cu

5-12

Sn

0,2-0,8 CaO
0,04-0,1 MgO

1,2-4,5

Cd

0,04-0,06 BaO

0,01

Sges
Cl

0,6-1,2 A)z03

0,1-0,3 Na20
0,2-0,6 K20

1-2 Si02

0,4-0,8
1,5-6,0
0,5-2,0
0,8-2,5

Zur Verwertung der Filterstube stehen vier Verfahren zur Verfiigung, die eine
Anreicherung der Zn- und Pb-Anteile im Filterstaub mit anschlieendem Einsatz
im Imperial-Melting-Schachtofen der Nichteisen-Metallhttenindustrie sowie den
Wiedereinsatz der Schlacken im Produktionsproze ermglichen [6.62 bis 6.66]:
- Scandust-Reduktionsverfahren (grotechnische Anlage),
- Wlzverfahren (grotechnisch erprobt),
- Inmetco-Direktreduktionsverfahren (grotechnisch erforscht),
- Reduktion im Gegenlaufofen (grotechnisch erforscht).
Bei dem Scandust-Verfahren (Bild 6.39.) erfolgt die Reduktion der Metalloxide
im Hochfrequenzplasma (Gleichstrom). Zink und Eisen werden bei den Temperaturen von ca. 2 500 C im Plasma (1 400 C in der Schmelze) reduziert. Dabei
verdampfen Zink und ein Teil des Eisens, die mit der Abluft ausgetragen werden.
Eine angeschlossene Kondensation gewinnt Zink und Eisen in metallischem Zustand. Das restliche Eisen und andere Metalle, wie z.B. Chrom, Nickel und Molybdn, werden als Eisenlegierung am Boden des Reaktionsraumes abgezogen.
Zudem fiillt noch eine eisenmetallarme Schlacke an. Die Anlage wird mit 3 Plasmageneratoren mit einer elektrischen Leistung vonjeweils 6 MW versorgt [6.62].
Bei Wlzverfahren werden Zn- und Pb-haltige Reststoffe in ein Oxid mit hoher
Metallkonzentration berfUhrt. Dieses wird in einer nachgeschalteten Brikettieranlage in eine stckige Form gebracht und im Imperial-Smelting-Schachtofen

6.3 Vermeidung von Produktionsabfllen

Bild 6.39. Scandust-Verfahren [6.62]

Bild 6.40. Wlzverfahren [6.63]

559

560

6 Mglichkeiten der Abfallvenneldung


Stahlwerksstube,
walzzunder,
Schleifstaube, Kohle

INMETCO - Drehherdofen

Brennstoff
(Erdgas)

zur
id Zink!
Bleihtte

Abgas

Bild 6.41. Inmetco-Direktreduktionsverfahren [6.74]

weiter verarbeitet. Die Ausbringungsrate filr Zn betrgt ber 95 %, filr Blei ca.
90 %. Die Schlacken mit Blei- und Zinkgehalten von 0,2 % sind wasserunlslich
und als Straenbaumaterial geeignet [6.63]. Das Verfahrensschema ist Bild 6.40.
dargestellt.
Beim Inmetco-Direktreduktionsverfahren (Bild 6.41.) werden die Filterstube
zusammen mit gemahlenem Walzenzunder, Schleifstuben und feingemahlener
Kohle vermischt und zu selbstndig reduzierenden Grnpellets verarbeitet. Die
Pellets werden dann in dnner Lage auf den durch Brenner beheizten InmetcoDrehherd chargiert. Whrend eines Umlaufs werden die Pellets auf Reduktionstemperatur aufgeheizt und die enthaltenen Oxide durch den eingelagerten Kohlenstoff reduziert. Es entsteht ein Eisenschwamm, in dem Nickel (zu 100 %), Eisenoxid (zu 90 %) und Chromoxid (zu 5 %) metallisiert vorliegen. Der Eisenschwamm mit einem defmierten, einstellbaren Kohlenstoffgehalt (I ,5 bis I 0 %)
wird bei ca. 900 C unter Luftausschlu aus dem Drehherdofen ausgetragen und in
einen Elektro-Roheisenschmelzofen chargiert. Die Sekundrstube aus dem Drehherdofen und Schmelzofen sind mit Zink und Blei angereichert. Sie werden zur
Weiterverarbeitung im Imperial-Smelter-Proze an die Nichteisen-Metallhtten
abgegeben [6.65].
Beim Brennen im Gegenlaufofen verbleibt eine Mischung aus Filterstaub (ca.
40 %) und Feinerz (ca. 60 %) 16 Stunden oberhalb von 900 C. Die Brenntemperatur von I 100 C ftlhrt zu einer keramischen Verfestigung der Prelinge

6.3 Vermeidung von Produktionsabfllen

561

Stahlwerksstube
Feinerz
Zuschlge

Brennstoff
(Erdgas)

zum
Hochofen

Abgas

Bild 6.42. Reduktion im Gegenlaufofen [6.66]

[6.66]. Das beim Brennen verdampfende Zink und Blei sublimiert im Abgas und
reichert sich im Staub als Oxid an.
Gegenber einem Tunnelofen weist der Gegenlaufofen einen deutlich geringeren Energieverbrauch und nur geringe Wrmeverluste auf.
Suren und Suregemische
Die Hauptmengen an Abfallsuren sind Schwefel- und Salzsure.
Die Eindampfung der Abfallschwefelsuren aus der Metallbranche verbunden
mit einer anschlieenden Vorkonzentrierung und/oder Hochkonzentrierung stellen
bewhrte Verfahren dar. Fr die Vor- und/oder Hochkonzentrierung existieren
folgende Mglichkeiten [6.41]:
I. Vorkonzentrierung (60 bis 70% Schwefelsure)
- Venturi-Aufkonzentrierungsverfahren,
- Tauchbrenner-Verfahren,
- Umlaufverdampfer-Verfahren.
II. Hochkonzentrierung
- Pauling-Plinke-Verfahren,

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung

562

Vorkonzentrierung
i

Abfallsure
20- 50% fi:1S04
~

l_________
I

Mittelkonzentrierung

Hochkonzentrierung

Vakuum
Umlauf

TauchBrenner

Vakuum
Umlauf

Vakuum
Umlauf

Vakuum
Umlauf

Atmosph.
Kessel

Konzentrierung

Konzentrierung

Konzentrierung

Konzentrierung

Konzentrierung

Konzentrierung

Bild 6.43. Verfahren zur Behandlung von Abfallsuren [6.41]

- Fallfilm-Verdampfer-Verfahren,
- Bayer-Bertrams-Verfahren,
- Unterdruckverfahren,
- Drum-Konzentrator-Verfahren.
Gemeinsam ist allen Verfahren, da die Abfallschwefelsuren oft mit Unterdruck
erwrmt werden und dabei verdampfen. Die Dmpfe werden gekhlt, kondensiert
und knnen anschlieend gesammelt werden. Als Reststoff verbleiben Eindampfrckstnde. Einen berblick ber Verfahren der Behandlung von Abfallsuren zeigt Bild 6.43.
Das Vakuumkristallisationsverfahren, die Flssig-Flssig-Extraktion und das
Cleanflow-Verfahren stellen Verfahren zur innerbetrieblichen Kreislauffiihrung
(Verwertung und Entfrachtung) dar; die Abfallreduktionen betragen je nach Verfahren zwischen 80 bis 100 %.
Salzsure aus Grobeizanlagen lt sich durch thermische Behandlung rckgewinnen. Dabei wird das in der Altsure enthaltene Eisen(II)-chlorid bei gleichzeitiger Oxidation thermisch gespalten. Dabei entstehen Eisen-III-Oxid und Salzsure. Die bekanntesten Verfahren zur Salzsurerckgewinnung sind das Wirbelschicht- und das Splrostverfahren.
Halogenfreie Lsemittel und Lsemittelgemische
Altlsemittel fallen vor allem bei Reinigungsarbeiten in Lackier- und Beschichtungsanlagen , in Druckereien etc. an. Diese Altlsemittel enthalten z.T. erhebliche Anteile der entfernten Lacke, Harze o.., die bei der Aufarbeitung gewisse
Probleme verursachen knnen. Besonders die klebenden Eigenschaften von Lakken standen vielfach einer Aufarbeitung im Wege.
Daneben werden organische Lsemittel in bestimmten Anwendungsgebieten
immer noch zur Entfettung eingesetzt. Dies geschieht vorzugsweise in gekapselten
Anlagen mit integrierter Abluftreinigung und Rckgewinnung. Dies hat einen
- erheblich geringeren Verbrauch an Lsemitteln,
- deutlich geringere Emissionen in der Abluft,
- strkere Belastung der Lsemittel durch Kreislauffiihrung
zur Folge.

6.3 Vermeidung von Produktionsabfllen

563

a: RektHizlerkolonne
b: ZWangsumlaufverdampfer
c: Kondensator
d: KOhler
e: Trenngef
f: Vertikaltrockner
g: Kondensator
h: KOhler
1: Lsungsmittelbehlter
k:Puwemuffanggem

Verschmutztes Lsungtmlttel
Feststoff
Lelcht&ledende
relnea L6aungsmlttel

Bild 6.44. Rektifikationsanlage zur Lsemittelrckgewinnung [6.72]

Fr Altlsemittel ohne klebende Verunreinigungen stehen die folgenden Verfahren zur Verfgung:
- mechanische Rckgewinnung,
- Verdampfung,
- Destillation (Wasserdampf-, Vakuum-, einfache u. mehrfache Destillationen),
- Rektifikation.
Die Verfahren werden hufig in Kombination durchgefhrt [6.59]. Ein Beispiel
fr eine Rektifikationsanlage zeigt das Bild 6.44.
Um mglichst hohe Qualitten bei Redestillaten zu erreichen, sind an die zu
verwertenden verunreinigten Lsemittel folgende Mindestanforderungen zu stellen [6.59]:
- keine Vermischung mit Fremdlsemitteln oder Wasser,
- keine berbeanspruchung der Medien (erfordert rechtzeitigen Austausch),
- Sicherung der Aufarbeitungsrentabilitt durch einen entsprechenden Restlsemittelanteil,
- ordnungsgeme Zwischenlagerung durch geeignete- ebenfalls nicht mit anderen Medien verunreinigte - Lager- bzw. Transportbehlter.
Durch interne Altlsemittelaufarbeitung lt sich je nach Lsemittelart und Grad
der Verunreinigung eine Abfallreduktion von bis zu 90 % erreichen.

6.3.3
Auswirkung der Verminderung von Sonderabfllen durch die Industrie
Zwischenzeitlich bieten allerdings schon Lieferanten kleinerer Aufarbeitungsaggregate Verfahren zur Lsemittelrckgewinnung fr Altlsemittel mit klebenden
Verunreinigungen an. Bei diesen Verfahren werden die mit Lacken verunreinigten

564

6 Mglichkeiten der Abfallvenneidung

Lsemittel in halbdurchlssige Folien gefilllt, die schonend destilliert werden. Der


klebende Lack verbleibt in der Folie und kann so die Destillierapparatur nicht
verunreinigen.
Nachdem in den vorangegangenen Kapiteln die technischen Mglichkeiten sowie Instrumente zur Durchsetzung der Vermeidung von Sonderabfiillen behandelt
worden sind, soll nun auf die Umsetzung der Verminderung von Sonderabfiillen
durch die Industrie eingegangen werden.
Erstmals in der Bundesrepublik wurde 1987 von der Stadt Harnburg die Ingenieurgesellschaft fllr technischen Umweltschutz Intecus GmbH beauftragt, ein
Prognosemodell ber die Vermeidung, Substitution, Verwertung und Entfrachtung
von Sonderabfiillen in unterschiedlichen Wirtschaftszweigen vorzunehmen.
Ziel der Untersuchung war es, ausgehend von den Sonderabfallmengen und strmen des Jahres 1987, die Sonderabfallmengenentwicklung der nchsten 5
Jahre bei den an der Untersuchung beteiligten Unternehmen zu ermitteln und mit
den theoretischen Mglichkeiten zur Abfallverminderung zu vergleichen. Die
Untersuchung stellt die erste Studie dieser Art im deutschsprachigen Raum dar.
Neu war hierbei der Versuch, die zuknftige Entwicklung der Sonderabfallmengen von drei Branchen in Zusammenarbeit mit einem Teil der Industriebetriebe
auf der Basis der betrieblichen Investitions- und Produktionsplanung bis ins Jahr
1993 zu untersuchen. Bisher wurden die Abfallwirtschaftsplanungen nur auf Prognosen der vergangeneo Abfallstatistiken vorgenommen, die die geplanten zuknftigen Reaktionen der betroffenen Industriebetriebe nicht bercksichtigen.
Der steigende Kostendruck bei der Entsorgung von Sonderabfiillen in den vergangeneo Jahren fUhrt bei den Betrieben jedoch zu dem Bestreben, eine Kostensenkung durch Abfallvermeidung, durch Substitution von besonders gefiihrlichen
Einsatzstoffen, die Entfrachtung der Abfiille von Schadstoffen und durch eine
weitergehende betriebsinterne oder externe Verwertung zu erreichen.
- Die untersuchten Manahmen der Industrie wurden mit einem ermittelten theoretischen Abfallvermeidungs- und -verwertungspotential nach dem heutigen
Stand der Technik verglichen. Dieser Vergleich bietet weitere Mglichkeiten
der politischen Einflunahme, um angestrebte abfallwirtschaftliche Ziele zu erreichen.
Die weitreichenden Erfahrungen, die im Rahmen kommunaler Abfallwirtschaft
bei der Sammlung, Aufbereitung und dem Marketing von Wertstoffen aus Siedlungsabfiillen gewonnen wurden, lassen sich nicht ohne weiteres auf industrielle
Sonderabfiille bertragen. Die Unterschiede hinsichtlich Vielfalt und stofflicher
Zusammensetzung sind gegenber kommunalen Abfiillen wesentlich grer.

[Link]
Vorgehensweise und Untersuchungsgegenstand
In Zusammenarbeit mit dem Amt fUr Technischen Umweltschutz und der IHK der
Hansestadt sollten die Groanfallstellen fUr Sonderabfiille untersucht und Lsungsmglichkeiten aufgezeigt werden. Dazu wurden insgesamt 27 Betriebe aus
den folgenden fllnf Branchen ausgewhlt: Httenindustrie, Metallbe- und -Verarbeiter, Minerallraffination, Chemische Industrie, Nahrungs-, Genu- und Futtermittelindustrie.

6.3 Vermeidung von Produktionsabfllen

565

Die erste Phase der Untersuchung umfate die Analyse der Abfallentsorgungsstruktur (Sonderabfallarten, -mengen und -strme), der Umweltauswirkungen
durch die gegenwrtige Abfallentsorgung und die prinzipiellen/theoretischen
Mglichkeiten zur Vermeidung, Verwertung und Entfrachtung von Abfiillen.
Die Anzahl der Abfallarten fr die Sonderabfallentsorgung des Jahres 1987 betrug 135.
Fr 1987 ergab sich eine Menge von 72 664 Mg Sonderabfiille. Davon waren
61 Abfallarten bundesweit nachweispflichtig und als gefiihrliche Sonderabfiille
mit einer Gesamtmenge von 19 702 Mg eingestuft. Dies entspricht einem Anteil
von rund 27 % an der gesamten ermittelten Sonderabfallmenge.
In der zweiten Phase wurde fr die fnf Industriebranchen die jeweilige Mengenentwicklung bei den Sonderabfiillen fr den Zeitraum von 1987 bis 1993 unter
der Bercksichtigung der Manahmengruppen
- Vermeidung,
- Substitution,
- Verwertung,
- Entfrachtung,
die zu einer Vernderung der Sonderabfallmengen fhren, untersucht. Die zugrunde liegenden Daten wurden von den an der Untersuchung beteiligten Firmen
unter Bercksichtigung ihrer Produktionsplne prognostiziert und zeigen die Entwicklung der Sonderabfallmengen fr die nchsten 5 Jahre. Die Auswirkungen der
von den Unternehmen beabsichtigten Manahmen zur Abfallvermeidung und
-Verwertung auf die Entwicklung der Sonderabfallmenge werden dargestellt.
Auf der Grundlage der Ergebnisse der Phasen 1 und 2 wurde eine Ermittlung
bzw. Bewertung eines theoretischen Abfallvermeidungs- und -Verwertungspotentials durchgefhrt.

[Link]

Ergebnisse der Untersuchung zur Verminderung von Sonderabfllen


durch die Industrie
Prognostizierte Entwicklung der Sonderabfallmenge in der Stadt Harnburg
Aus Bild 6.45. ist die geplante Abfallmengenentwicklung bei den Sonderabfiillen
von 1987 bis 1993 zusammenfassend fr die fnf Branchen zu entnehmen. Die
Menge der Sonderabfiille sollte im Untersuchungszeitraum um 41 % auf
42 872 Mg abnehmen. Die Verringerung der Abfallmenge sollte im Planungszeitraum von 1987 bis 1990 strker stattfinden als in den folgenden drei Jahren. So
sollte die ursprngliche Sonderabfallmenge 1987 von 72 664 Mg bis 1990 um 14
%auf 53 045 Mg abnehmen, whrend sie sich darauffolgend um 14% verringern
sollte.
In Bild 6.45. sind die Manahmen zur Verringerung (u.a. Abfallvermeidung,
-Verwertung, -entfrachtung) bzw. Erhhung der Abfallmenge (z.B. Produktionsausweitung) bercksichtigt und bis 1990 bzw. 1993, sowie die theoretische Abfallmenge, die auf dem technologischen Stand von 1987 erreichbar gewesen wre,
dargestellt.

566

80

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung


72.664 Mg
100%

70

53.045 Mg
73%

0>

::;:60

42.872 Mg
59%

~50
c:

23.526 Mg
31%

;; 40

g>

.30
(ij

~ 20

10
0
1987

1990

1993

Theoretisch

Bild 6.45. Prognostizierte Sonderabfallmengenentwicklung von 1987 bis 1993 fiir alle Betriebe
in der Untersuchung [6.1 08]

Die Unternehmen der drei Industriebranchen planten, ihre Sonderabfallmenge von


1987 bis 1993 um ber 40 % zu reduzieren. Als Grnde filr diese Verminderungsquote wurden genannt:
- hohe Entsorgungskosten filr einzelne Sonderabililie (z.B. HKW's) und damit
verbundener Anreiz filr die Einftlhrung abfallarmer Verfahren bzw. Manahmen zur Verwertung und Entfrachtung,
- die Wirtschaftlichkeit der Verfahren zur Abfallverminderung,
- behrdliche Auflagen, Grenzwerte und genehmigungsrechtliche Grnde (z.B.
TA Abfall, BlmSchG, 7 WHG),
- Entsorgungssicherheit durch die Unabhngigkeit von Abfallbehandlungsanlagen und Abfalltransporteuren.
Entwicklung der Entsorgungsstrukturen
Bild 6.46. zeigt die Entsorgung der 1987 in den untersuchten Betrieben entstandenen Sonderabililie von 72.664 Mg. Dabei wurde deutlich, da ber 50 % der Sonderabililie auf die Deponie Schnberg verbracht wurden. Ungeflihr ein Drittel der
untersuchten Sonderabililie wurde in Harnburg selbst entsorgt. Um die Unabhngigkeit von der Deponie Schnberg zu erreichen, wurde in den Jahren 1986 - 1987
die Grundlagenplanung filr eine 2. Sonderabfallverbrennungsanlage im Stadtgebiet Harnburg durchgeftlhrt. Mit der Hamburger Untersuchung zur Vermeidung
und Verwertung der industriellen Sonderabililie wurde deutlich, da auf eine weitere Sonderabfallverbrennungsanlage verzichtet werden kann und trotzdem der
Ausstieg aus der Deponie Schnberg mglich ist.
Bild 6.47. zeigt die abfallwirtschaftliche Konsequenz aus der Untersuchung zur
Mengenentwicklung der Sonderabilille. Die Sonderabililie sollten sich gem der
Planung der Industrie auf 42.872 Mg ftlr 1993 verringern. Wobei durch Substitution sich die Anzahl der Sonderabfallarten von 135 auf 126 Abfallarten verringern
sollten. Die Entsorgungswege verschoben sich erheblich durch die Vernderung
der Abfallmengen, der Abfallarten und der verstrkten Verwertung und Verbrennung der entstehenden Abilille. Whrend 1987 noch ber 37.000 Mg/a zur Deponie Schnberg geliefert wurden, lag die Planung ftlr 1995 bei ca. 11.000 Mg/a.

6.3 Vermeidung von Produktionsabfllen


28.746 Mg
Httenindustrie:
18.871 Mg
Metallverarbeiter.
6.322 Mg
Chem. Erzeuger:
13.087 Mg
Mineralolstoff:
Nahrungs-, Genu5.638 Mg
und Futtermittel:

567

39,6%
26,0%
8,7%
18,0%
7,7%

Bild 6.46. Entsorgungswege der Sonderabililie im Jahre 1987 fr die 27 Betriebe mit 135 Abfallarten in der Stadt Harnburg

6,2%

Bild 6.47. Prognostizierte Entsorgungswege der Sonderabfalle im Jahre 1993 fr die 27 untersuchten Betriebe

Damit sollte die Abfallentsorgung verstrkt zurck in die Stadt Harnburg verlegt
werden.

Theoretische Mglichkeiten zur Verminderung von Sonderabfllen durch die


Industrie in der Stadt Harnburg
Folgende Bereiche wurden bei der Untersuchung und Beschreibung der Technolagien zur Vermeidung, Verminderung und Verwertung der Sonderabflle bercksichtigt:
- Abgrenzung der Sonderabflle nach Herkunft, Menge und Gefhrlichkeit,
- Darstellung der Technologien zur Vermeidung, Substitution, Verwertung und
Entfrachtung,

568

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung

- Bestimmung der Abfallverminderung durch die jeweilige Technologie,


- Darstellung des neuen Abfallspektrums,
- neues oder verndertes Emissionsspektrum,
- Einteilung der Technologien nach dem Stand der Umsetzbarkeit,
- Angabe der Realisierungshorizonte,
- Investitionen fiir die Verfahren,
- Referenzanlagen.
Eine Einteilung der Verfahren und Technologien bezglich der zeitlichen Umsetzbarkeit und Realisierung erfolgte im Rahmen dieser Untersuchung nach den
Kriterien:
- Verfahren nach dem Stand der Technik (sofort anwendbar),
- Verfahren im Forschungs- und Realisierungszustand (grotechnische Forschungs- und Pilotanlagen vorhanden, innerhalb der nchsten 1 bis 5 Jahre anwendbar),
- Verfahren im Forschungs- und Erprobungszustand (halbtechnische Anlagen,
innerhalb der nchsten 3 bis 5 Jahre grotechnisch anwendbar),
- Verfahren im Forschungs- und Entwicklungszustand (Labor- oder Technikumsantagen vorhanden, noch nicht in den nchsten 5 Jahren anwendbar).
Da das gesamte Sonderabfallspektrum der untersuchten Betriebe mit 135 verschiedenen Abfallarten zu gro war, um im Rahmen dieser Untersuchung fiir alle
Sonderabililie die Technologien zur Vermeidung, Verminderung und Verwertung
darzustellen, wurde ein Kriterium ausgewhlt, das sich bei der Auswahl der nher
zu untersuchenden Sonderabililie auf die Abfallmenge und die Geilihrlichkeit der
Abflle bezieht. Folgende Sonderabililie wurden gem der beiden Kriterien bercksichtigt:
I. Auswahl aufgrund der Geilihrlichkeit:
Alle gefhrlichen Sonderabflle nach dem Abfallgesetz,
II. Auswahlaufgrund der Abfallmenge (mehr als 100 Mg im Bezugsjahr 1987)
In den Tabellen 6.13 bis 6.15 ist die theoretisch erreichbare Abfallverringerung
und die Verminderung durch die geplanten Manahmen der Unternehmen fiir die
untersuchten Sonderabililie dargestellt. Die theoretischen Potentiale zur Abfallverminderung sind fiir die meisten der untersuchten Sonderabililie hher als die
voraussichtliche Abfallverringerung, die durch die Unternehmen der drei Industriebranchen geplant sind.
Folgende Grnde sind hierfr verantwortlich:
- hufig zu geringe Entsorgungskosten und damit fehlender Anreiz fiir die Einfhrung abfallarmer Verfahren,
- keine Mglichkeiten zur innerbetrieblichen Kreislauffilhrung aufgrund umfangreicher notwendiger Verfahrensumstellungen oder fehlendem Platzangebot etc.,
- nicht erfllbare Anforderungen an den Produktionsproze bei Einfhrung der
neuen Technologien (z.B. teilweise Korrosionsprobleme bei der Einfhrung
wriger Systeme zur Entfettung und Reinigung von Oberflchen),
- keine Wirtschaftlichkeit der Verfahren,
- zu geringe Abfallmenge fiir eine externe und zentrale Verwertung (z.B. Schlakken aus der Schmelzelektrolyse),

6.3 Vermeidung von Produktionsabfllen

569

- Konkurrenz der Investitionsmanahmen im Abfallsektor mit anderen Bereichen


des Umweltschutzes (Abwasserbehandlung, Luftreinhaltung, Arbeitsschutz
etc.),
- fehlende Investitionsbereitschaft der Unternehmen, trotz vorhandener Wirtschaftlichkeit vieler Verfahren,
- fehlende Informationen ber die Mglichkeiten zur Abfallverminderung,
- fehlendes Know-how zur Umsetzung von Manahmen zur Abfallvermeidung,
- behrdliche Auflagen und genehmigungsrechtliche Grnde,
- Vermeidungs- und Verminderungsverfahren befmden sich noch in der Forschungs- und Entwicklungsphase.
Tabelle 6.13. Zusammenfassende Darstellung der voraussichtlichen Abfallverminderung und der
theoretischen Mglichkeiten zur Abfallverringerung bei den untersuchten Abfallarten der Httenindustrie [6.1 08]

Abfallart

Abfallschlsselnummer

Theor.
Abfallreduktion
[%]

Venninderung
bis 1993 durch
die Manahmen
der Unternehmen
[%]

Ofenausbruch aus met. Prozessen


31 103
100
100
Ofenausbruch aus met. Proz. m.
31 108
80
60
Beimengungen
31207
Schlacken aus Schmelzfluelek100
0
trolysen
Eisensilicatschlacken
31209
0
Filterstube, eisenmetallhaltig
31216
100
100
Filterstube, NE-metallhaltig
31 217
0
0
31602
Steinschleifschlamm
100
100
Gipsschlamm mit Beimengungen
31620
100
0
Schlmme aus der NE-Metallurgie 31626
80
80
Sonstige Schlmme aus Fll- u.
31630
0
0
Lseprozessen
51539
Arsenverbindungen
100
0
b
52102
Altl
90
PCB-haltige elektr. Betriebsmittel 54198
100
100
Bohr-, Schleiililemulsionen, Emu!- 54402
80
0
sionsgemische
54405
100
90
Kompressorenkondensate
keine Untersuchung erfolgt
b
keine Angabeaufgrund der nicht bekannten Abfallmenge an Altl flir 1987 mglich

Die voraussichtliche Abfallverringerung der Unternehmen bis 1993 um ca. 40 %


ist unter Bercksichtigung des theoretischen Abfallverminderungspotentials noch
erheblich zu steigern. Hierftlr standen die Technologien und Verfahren bereits
whrend der Untersuchung zur Verfgung oder waren in ihrer Realisierung so

570

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung

weit fortgeschritten, da mit der grotechnischen Anwendung bis 1993 zu rechnen


war. Hauptschlich wirtschaftliche Grnde spielen seitens der Abfallerzeuger eine
Rolle bei der fehlenden Umsetzung dieser Verfahren in den Produktionsproze.
Tabelle 6.14. Zusammenfassende Darstellung der voraussichtlichen Abfallverminderung und
den theoretischen Mglichkeiten zur Abfallverringerung bei den untersuchten Abfallarten der
Chemischen Industrie [6.1 08]
Abfallart

Abfallschlsselnummer

Theor.
Verminderung
Abfallreduktion bis 1993 durch
dieManahmen der Unternelunen
[%]
[%]

Fettabscheiderinhalte
l-, Fett- u. Wachsemulsionen
Schlmme aus der lfabrikation
Bleicherden
Verbrauchte Filter- u. Aufsaugmassen
Abflille von Krperpflegemitteln
Abflle von pharmazeutischen Produkten
Schlamm aus ltrennanlagen
Schlamm aus Tankreinigung
Paraffinlschlamm
Minerallhaltige Bleicherden

12 501
12 503

80
85
70
100

Sureharz und -teer halogenhaltig


Lsemittelgemische, halogenfrei
Lsemittelhaltige Schlmme, halogenfrei
Altlacke
Leim- und Klebemittelabfiille
Harzrckstnde
Polyurethanabflle
Kunststoffdispersionen

12 703
12 901
31 435

5
4
0
0
0
0
10
0
0

53 303
53 503
54 703
54 704
54 706
54 801

90
0
0
100
100
100
100

100

55 220
55 370
54402
55 502
55 901
55 903
57 110
57 703

100
60
90
0
100
70
80
90

98
3
80
0
95
20
0
90

Es hat sich inzwischen gezeigt, da durch verschiedene Manahmen des Gesetzgebers die Industrie zu weiteren Abfallverminderungsmanahmen angeregt werden knnte. Hierzu zhlt die TA Siedlungsabfall, die Abfallbestimmungsverordnung, Verordnungen zur Vermeidung von Abfllen, das BundesImmissionsschutzgesetz (BimSchG) - insbesondere der 5 Abs. 1 Nr.3
BimSchG, das Wasserhaushaltsgesetz (WHG), die Strfallverordnung sowie das
Chemikaliengesetz. Darber hinaus sind freiwillige Absprachen der Industrie und
der Aufsichts- bzw. Genehmigungsbehrden, die Einrichtung von Koordinationsstellen und die Erarbeitung von Branchenkonzepten zur Vermittlung von

6.3 Vermeidung von Produktionsabfllen

571

Tabelle 6.15. Zusammenfassende Darstellung der voraussichtlichen Abfallvermin-derung und


den theoretischen Mglichkeiten zur Abfallverringerung bei den untersuchten Abfallarten der
Metallbe- und -verarbeitung [6.108]

Abfallart

Abfallschlsselnummer

Strahlmittelrckstnde
Phosphatierschlamm
Metallemballagen und -behltnisse mit
Reststoffen
Galvanik- und Metallhydroxidschlamm

31440
31 637
35 106
51100

Cyanidhaltiger Galvanikschlamm
Chrom(IV)-haltiger Galvanikschlamm
Hrtesalze, cyanidhaltig
Hrtesalze, nitrit- und nitrathaltig
Suren, Suregemische und Beizen
(sauer),
Laugen, Laugengemische und Beizen
(basisch)
Fixierbder
Spl- und Waschwsser, cyanidhaltig
Halbkonzentrate, chrom(IV)-haltig

52 714
52 717

Halbkonzentrate, cyanidhaltig
Halbkonzentrate, metallsalzhaltig

52 718
52 719

Spl- und Waschwsser, metallsalzhaltig

52 720
52 723
54 401
54402

51 101
51 102
51 533
51 534
52 102

Theor.
Verminderung
Abfallreduktion bis 1993 durch
die Manahmen der
Unternehmen
[%]
[%]
90
60
100
60
60
60
100
100

90
20
5
5

100

5
5
5
5

52402

90

65

52 702

90
100
100

0
0
100

100

0
90

Entwicklungsbder
Synthetische Khl- und Schmierstoffe
Bohr-, Schleif6lemulsionen und Emulsionsgemische
lhaltige Schleifschlmme
Phenolhaitiger Schlamm
Halogenhaltige Lsemittel
Halogenhaltige Lsemittelgemische
Halogenfreie Lsemittel
Halogenfreie Lsemittelgemische

55 300
55 370

Lack- und Farbschlamm

55 503

54 710
54903
55 200
55 220

90
70
100
90
90

0
0
0
50

40
100
90
75
50

20
90
50
50
1

40

60

Know-how sowie die weitere Verteuerung der Abfallbeseitigung. Auch Entwicklungen, wie sie in den USA z.Z. diskutiert werden und die eine Reduktion gellihrlieher Stoffe (Toxic Use Reduction) bewirken sollen, stellen Mglichkeiten fr die
bundesdeutsche Gesetzgebung dar.

572

6 Mglichkelten der Abfallvenneidung

6.3.4

berprfung der Prognosen zur Verminderung der Sonderabflle


durch Manahmen der Industrie
Fr Harnburg wurde im Jahre 1989 der Sonderabfallwirtschaftsplan vorgelegt, um
die Rahmenbedingungen fr eine umfassende Vermeidung und Verwertung von
industriellen und gewerblichen Reststoffen und Abfiillen zu schaffen, in dem die
Prognosen fr die Sonderabfallentwicklung Bestandteil des Abfallwirtschaftsplanes wurden.
Vorrangig wurden 3 Ziele definiert:
I. Das Reststoffaufkommen soll durch Anwendung entsprechender Verfahren um
bis zu 70 % reduziert werden.
2. Die Abfalltransporte zur Deponie Schnberg sollen bis 1995 schrittweise eingestellt und durch entsprechende Entsorgungskapazitten in SchleswigHolstein und Niedersachsen ersetzt werden, soweit eine Vermeidung und stoffliche Verwertung nicht mglich ist.
3. Der Transport von Sonderabfilllen auch ber Zwischenlager zur Hohen-SeeVerbrennung soll bis 1991 beendet sein.
Im ersten Halbjahr des Jahres 1992 konnte eine erste Bilanz hinsichtlich der Umsetzung des Konzeptes gezogen werden. Die Sachstandsberichte des Amtes fr
Technischen Umweltschutz wurden den Anlagenbetreibern der entsprechenden
Branchen im Rahmen einer Gesamtprsentation vorgestellt und mit ihnen diskutiert.
Die Tabelle 6.16. stellt das Ergebnis der berprfung durch das Amt fr Technischen Umweltschutz dar.
Tabelle 6.16. berprfung der Abfallmengenentwicklung der durch intecus untersuchten Betriebe in Harnburg im Jahre 1992
Reduzierung
1987-1990
geplant
tatschlieh

1987-1993
geplant
tatschlich

16413

-47%

-42%

-66%

realistisch

18871
Metallverarbeiter
Chemische Erzeug- 6322
nisse, Arzneimittel

18685
3728

-49%
-14%

-1%
-41%

-53%
-45%

realistisch
realistisch oder
darber hinausgehend

13087

16235

+21%

+24%

+ 12%

5638

.41413

+0%

-75%

-2%

72664

56474

-27%

-22%

-41%

Metallerzeuger
(Httenindustrie)

Minerallraffination
Nahrungs-, Genuund Futtermittel
Gesamt

1987

1990

[Mg]

[Mg]

28746

Reduzierung

schon in 1990
darber hinausgehend

6.3 Vermeidung von Produktionsabfllen

573

Bis zur Phase 1, die von 1987 bis 1990 reichte, konnten die gesamte Abfallmengenentwicklung gem der Prognose mit nur geringen Abweichungen erreicht
werden. Die hchsten Abweichungen zwischen der Prognose und der tatschlichen Abfallmengenentwicklung lagen bei der Metallbe- und -Verarbeitungsindustrie und der Nahrungs-, Genu- und Futtermittelindustrie.
Beim Soll-Ist-Vergleich der Abfallentwicklung ftlr die Metallbe- und -Verarbeitung sind erhebliche Diskrepanzen zu sehen. Dies ist im wesentlichen darauf
zurckzufilhren, da die in 1987 prognostizierte Reduzierung der Strahlmittelrckstndedurch Einftihrung des Hochdruckstrahlers mit Wasser nicht umgesetzt
wurde. Dieses Verfahren steckte zu dem Zeitpunkt noch in der Forschungs- und
Entwicklungsphase. Zudem ist der wirtschaftliche Anreiz zur Vermeidung dieser
Abfallart verlorengegangen, da die Strahlmittelrckstnde im Bergeversatz preiswert untergebracht werden knnen.
Darber hinaus sind Anlagen zur Aufbereitung Laugen und Laugengemische
und das Aqua-Stripping von Isungsmittelhaitigen Schlmmen erst in der 2. Phase
der Prognose wirksam geworden.
Die Reduzierung der Abflille im Nahrungs-, Genu- und Futtermittelindustrie
sind gegenber der Prognose betrchtlich. Durch innerbetriebliche Verwertung
von ber 100 Mgla und dem Einsatz von ber 1000 Mg Bleicherde in der Zementindustrie wurde eine Abfallreduktion von 75% erzielt.
Aus der Tabelle 6.16. wird ftlr den Zeitraum nach 1990 deutlich, da die Abfallbilanzen der Firmen auch weiterhin eine Abfallreduktion aufweisen und die
Prognosen ftlr 1993 als sehr realistisch eingeschtzt werden konnte.
Im Jahre 1990 konnte ein Ausstieg aus Schnberg noch nicht vollzogen werden. Insgesamt wurden nur noch 14.500 Mg ftlr 1990 auf die Deponie Schnberg
verbracht, was deutlich unter der Prognose der Phase I lag, die die Abfallmenge
ftlr die Deponie im Jahre 1990 auf ca. 16.460 Mg berechnet hat. Mit der Umleitung der Strahlmittelrckstnde und der Vermeidung von Schlmmen durch entsprechende Verfahrensumstellung konnte filr 1991 ca. 13.000 Mg weniger nach
Schnberg gebracht werden. Damit konnte die politische Zielsetzung, den Ausstieg bis 1995 umzusetzen, vorzeitig erreicht werden.
Es ist davon auszugehen, da durch verschiedene Manahmen des Gesetzgebers die Industrie zu weiteren Abfallverminderungsmanahmen angehalten werden kann. Hierzu zhlen die TA Abfall, die Abfallbestimmungs- bzw. Reststoffbestimmungsverordnung, evtl. weitere Verordnungen nach 14 AbfG, das
Bundes-Immissionsschutzgesetz (BimSchG)- insbesondere der 5 Abs. 1 Nr.3
BlmSchG -, das Wasserhaushaltsgesetz (WHG), die Strfallverordnung sowie das
Chemikaliengesetz. Darber hinaus sind freiwillige Absprachen der Industrie und
der Aufsichts- bzw. Genehmigungsbehrden sowie die weitere Verteuerung der
Abfallbeseitigung mglich. Zu prfen ist, ob Gesetzentwrfe, wie sie in den USA
z.Z. diskutiert werden und die eine Reduktion geflihrlicher Stoffe (Toxic Use
Reduction) bewirken sollen (s. Bild 6.48.), auch in die bundesdeutsche Gesetzgebung einflieen sollten.
Bei dem Gesetzentwurf werden drei verschiedenen Bereiche angesprochen
[6.72]:
- Management und Infrastruktur eines Vermeidungsprogrammes,

574

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung

Verpflichtungen
der
Industrie

jh~icher Bestandsnachweis ber


toxische und gefMiche
Substanzen

i
vollstl!ndiger bzw.
teilweiser
Einsatzstop
Toxic Use Reduction
Plne

Bild 6.48. bersicht wichtiger Elemente des "Toxic Use Reduction"-Gesetzentwurfes von Massachusetts (USA) [6.33]

- Verpflichtungen der Industrie,


- Vollzugsmanahmen und -anreize seitens der Umweltbehrden.
Wichtige Elemente des "Toxic Use Reduction"-Gesetzentwurfes sind:
- Amortisierung von Manahmen zur Vermeidung innerhalb von drei Jahren,
Beratung der Unternehmen ber Vor- und Nachteile bestimmter Produktionsumstellungen, Zusatzaggregate, Managementstrategien oder Qualittsnormen,
Einrichtung eines "Toxic Use Reduction"-Institutes zum Zweck der Forschung
und Entwicklung im Bereich "Toxic Use Reduction",
jhrlicher Bestandsnachweis ber toxische und gefiihrliche Stoffe in Form von
Massenbilanzen,
vollstndiger oder teilweiser Einsatzstop fr bestimmte Substanzen,
Aufstellung und Vollzug von betriebsbezogenen "Toxic Use Reduction"Plnen,
freiwillige Absprachen mit den Unternehmen,
Erla von Verwaltungsvorschriften, die den Stand der Technik festschreiben,
Steuerbefreiung fr Betriebe, die Abfallvermeidungsplne aufstellen und umsetzten.
Im Vergleich zu deutschen Regelungen, insbesondere dem Vermeidungs- und
Verwertungsgebot nach BlmSchG, fallt einerseits die Einbeziehung der ffentlichkeit und andererseits der Zwang zur kurzfristigen Amortisation von Manahmen auf.

6.3.5

Mglichkeiten zur Verminderung von Reststoffen durch die Industrie

Im Rahmen von Vollzugsprogrammen zur Durchfhrung des Reststoffvermeidungs- und-verwertungsgebotesnach 5 Abs. I Nr. 3 BimSchG (vgl. [Link])
wurden von INTECUS in den Jahren 1988 bis 1994 nach BimSchG genehmi-

6.3 Vermeidung von Produktionsabfllen

575

gungsbedrftige Anlagen in den Bundeslndern Hessen, Nordrhein-Westfalen und


Berlin aufPotentiale zur Reststoffverminderung untersucht.
Es handelte sich um 115 Eisen-, Stahl- und Tempergieereien im Bundesland
Nordrhein-Westfalen sowie 27 Eisen-, Stahl- und Tempergieereien im Bundesland Hessen. Dort wurden auch 26 Anlagen zum Erschmelzen von Gueisen und
Stahl sowie 60 Nichteisenschmelzanlagen und 27 Nichteisengieereien untersucht.
Im Bundesland Berlin wurden 33 Nichteisenschmelz- und Gieereianlagen sowie
3 Eisenschmelz- und Gieereianlagen untersucht. Zustzlich wurden im Bundesland Berlin 8 und im Bundesland Hessen 20 Lackieranlagen und 4 Bleiakkumulatorenhersteller untersucht [6.97 bis 6.103].
Im ersten Untersuchungsschritt wurden die in einem festgelegten Untersuchungszeitraum angefallenen Reststoffmengen mittels eines Erhebungsbogens
vom Anlagenbetreiber erfragt. Bisher schon vorgenommene Manahmen und
bestehende Planungen zur Vermeidung und Verwertung von Reststoffen sowie die
Entsorgungswege wurden zustzlich erhoben.
Fr jede Einzelanlage wurden der bisherige Zustand mit den technischen Mglichkeiten zur Reststoffvermeidung und -verwertung verglichen. In einer technischen Stellungnahme wurden bisherige Verfahrensweise der Reststoffvermeidung,
Verwertung und Entsorgung sowie aus dem Vergleich mit dem technisch Mglichen resultierende Vermeidungs- und Verwertungspotentiale dargestellt.
Da jeweils ganze Industriezweige betrachtet wurden, konnten die bei der Untersuchung der Einzelanlagen festgestellten Potentiale zu einem den jeweiligen Industriezweig charakterisierenden Verminderungspotential zusammengestellt werden.
Die Umsetzung der vorgeschlagenen Manahmen zur weitergehenden Reststoffvermeidung und -verwertung obliegt den fiir die berwachung der genehmigungsbedrftigen Anlagen nach BimSchG zustndigen staatlichen Stellen. Vergleiche der umgesetzten Manahmen mit den dargestellten Verminderungspotentialen sind nur zum Teil mglich, da sich die Programme zur Umsetzung gern. 5
Abs. l Nr. 3 noch in der Durchfilhrungsphase befinden.
[Link] Bisher anfallende Reststoffmengen

Am Beispiel der Eisengieereianlagen in Nordrhein-Westfalen sowie der Lackieranlagen in Hessen soll die bisherige Situation der Reststoffverwertung und entsorgung dargestellt werden.
In Bild 6.49. wird die Situation bei den in Hessen untersuchten Lackieranlagen
im Erhebungsjahr 1988 aufgezeigt. Es fiel die Gesamtmenge von 3 071 Mg/a an
Reststoffen an. In der Darstellung erfolgt eine Untergliederung dieser Menge in
die Fraktionen Lackschlamm, Altlacke, Lsemittel und Papier/Kunststoff/Holz.
Es ist erkennbar, da Lackschlamm und Altlacke im Erhebungsjahr nicht verwertet wurden. Bei der Fraktion Papier/Kunststoff/Holz erfolgte bereits eine Verwertung von etwa 20 % der anfallenden Menge. Lediglich die Altlsemittel wurden mit einem Anteil von ca. 70 % der in Erhebungsjahr angefallenen Menge in
deutlichem Umfang verwertet.
Noch ungnstiger in bezug auf bisher schon vorgenommene Verwertungsmanahmen stellt sich die Situation in der nordrhein-westfiilischen Gieereinindustie

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung

576
Mg/a

1.800

1.600
1.400
1. 200 J

I ~

Entsorgung

fi_[[JJ

Verwertung

1.000
800
600
400
200
0

lacksdllamm

Altlacke

Lsemittel

Papier/Kunststoff/
Holz

Bild 6.49. Verwertung und Entsorgung von Reststoffen aus Lackieranlagen in Hessen, Situation
im Erhebungsjahr 1988 [6.101]
Mg/a

300.000

200.000

100.000

Hausmll- Bauschuttdeponie
deponie

Werksdeponie

Sonstige
Deponien

Regeoorierung

Straenbau

Sonstige
Verwertung

Bild 6.50. Verwertung und Entsorgung von Altsand aus Eisengieereianlagen in NordrheinWestfalen, Situation im Erhebungsjahr 1991 [6.97]

6.3 Vermeidung von Produktionsabfllen

577

Mg/a

1.800
1.600
1.400

Entsorgung

1.206

1.200
1.000 1
800
600
400
200
0

Lackschlamm

Altlacke

Lsemittel

Papier/Kunststoff/
Holz

Bild 6.51. Verwertung und Entsorgung von Reststoffen aus Lackieranlagen in Hessen, Situation
nach Umsetzung der Verminderungsmanahmen [6.10 l]

dar. Erschwerend kommen die hohen insgesamt anfallenden Reststoffmengen


hinzu.
Die im Erhebungsjahr 1991 vorliegenden Verwertungs- und Entsorgungswege
fr Gieereialtsand sind in Bild 6.50. dargestellt. Diese Fraktion bildet mit
619 173 Mg/a den berwiegenden Anteil der insgesamt anfallenden Reststoffmenge von 767 756 Mg.
Es ist zu erkennen, da der berwiegende Teil von 315 275 Mg/a des Gieereialtsandes auf Bauschuttdeponien entsorgt wird. Als weitere Entsorgungswege
sind die Ablagerung auf Hausmlldeponien mit 120 320 Mg/a und auf Werksdeponien mit 104 116 Mg/a zu nennen. Etwa 88 % des insgesamt anfallenden
Altsandes wird auf Deponien entsorgt. Nur 11 % der Gesamtmenge wurde einer
Verwertung zugefhrt. Der berwiegende Teil des Altsandes wird im Erd- und
Straenbau eingesetzt, es folgen die sonstigen Verwertungen, wie z.B. Schachtverfllung, und an letzter Stelle die externe Altsandregenerierung.

[Link]

Potentiale zur Verminderung von Reststoffen

Beim Vergleich der untersuchten Anlagen mit den technischen Mglichkeiten zur
Reststoffvermeidung knnen filr die einzelne Anlage bisher nicht genutzte Potentiale zur weitergehenden Vermeidung und Verwertung von Reststoffen aufgezeigt
werden. Werden die bei den Einzelanlagen ermittelten Potentiale zusammengefat, ergibt sich fr die Lackieranlagen in Hessen die folgende Einschtzung
[6.13].

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung

578

60

1i

55

50

45

c:

"'C>-

~~
-gE

40

ij
~~

30

e"
~ -~

35

25

"

20

:::>

15

10

111

Q.

5
0

Abwasser

Sonstige

Holz/Papier/
AllLOsemittel
Kunststoff

AllLacke

Lackschlamm

Bild 6.52. Prozentuales Verminderungspotential der Reststoffe aus Ladderanlagen im Land


Hessen [6.101]

In Bild 6.51. ist die Verwertung und Entsorgung fiir die einzelnen Reststofffraktionen nach der Umsetzung der Verminderungsmanahmen dargestellt. Der Anfall
von Lackschlamm reduziert sich durch Vermeidungsmanahmen von I 625 Mg/a
um 4I9 auf I 206 Mg/a. Davon sind 420 Mg/a oder 35 % des verbleibenden Anfalls verwertbar. Die bisher entsorgte Altlackmenge von 25I Mg/a kann
durch Vermeidungsmanahmen um 86 Mg auf 165 Mg/a gesenkt werden. Der
bisherige Anfall von Lsemitteln kann von 784 Mg/a durch Vermeidungsmanahmen um 151 Mg/a gesenkt werden. Von der verbleibenden Menge sind
525 Mg oder 83 % verwertbar. Bei der Papier/Pappe/Kunststoff-Fraktion ist eine
Steigerung der verwertbaren Menge um 6 Mg/a mglich.
In Bild 6.51. ist die prozentuale Gesamtverminderung von Reststoffen aus den
Lackieranlagen im Land Hessen in bezug auf die ursprnglich anfallenden Reststoffmengen auf der Grundlage der von INTECUS vorgeschlagenen Manahmen
dargestellt. Zustzlich zu den in Bild 6.52. gezeigten Reststofffraktionen wurde
die Vermeidung von Abwasser sowie sonstiger Reststoffe bercksichtigt. Zu erkennen ist, da durch innerbetriebliche Optimierungsmanahmen fiir verschiedene
Reststoffe erhebliche Vermeidungspotentiale bestehen. Dies trifft insbesondere
auf die Vermeidung von Abwasser in Hhe von 51 % der ursprnglichen Menge
sowie auf die Vermeidung von Lackschlamm in Hhe von 25 % der bisherigen
Menge zu.
Die Mglichkeiten der Vermeidung sowie der Verwertungs- und Entsorgungswege fiir verschiedene Reststoffe aus der Gieereiindustrie in NordrheinWestfalen sind in Bild 6.53 . dargestellt. Betrachtet werden Altsand, Stube aus
dem Formsandkreislauf und eisenhaltige Stube. Die -bezogen auf die Reststoffmenge - wichtigste Fraktion des Gieereialtsandes ist durch Vermeidungsmanahmen um 293 865 Mg/a oder 47% und durch Verwertungsmanahmen um

6.3 Vermeidung von Produktionsabfllen

579

Mg/a

700.000

600.000

Entsorgung

500.000

Vermeidung

400.000

300.000

200.000

100.000

0
Altsand/
Formsand

Stube aus dem


Formsandkreislauf

Eisenha~ige

Stube

Bild 6.53. Reststoffvermeidungs- und -verwertungspotential in den Eisen-, Stahl- und Tempergieereien in Nordrhein-Westfalen [6.97]

237 182 Mg/a oder 38% reduzierbar. Es ergibt sich eine Gesamtverminderung
von 531 047 Mg/a oder 85% der ursprnglichen Menge.
Als wichtigste Vermeidungsmanahme ist in den Eisengieereianlagen die betriebsinteme Sandregenerierung zu nennen. Vermeidung im Sinne des 5 Abs. 1
Nr. 3 BlmSchG ist dabei nicht im Sinne des Nichtentstehens von Reststoffen zu
verstehen. Ein Stoff wird nach dieser Definition erst dann zum Reststoff, wenn er
die Systemgrenzen der genehmigungsbedrftigen Anlage verlt und nicht ein
zum Verkauf hergestelltes Produkt dieser Anlage ist. Wird z.B. Altsand nach der
Regenerierung wieder eingesetzt, verbleibt er in den Systemgrenzen der genehmigungsbedrftigen Anlage. Er wird damit im Sinne von 5 Abs. 1 Nr. 3 BlmSchG
vermieden.
Die absoluten sowie prozentualen Vermeidungs- und Verwertungspotentiale fiir
die wichtigsten in Eisen-, Stahl- und Tempergieereien anfallenden festen Reststoffe sind in Tabelle 6.19 dargestellt. Es ist ersichtlich, da die Gesamtmenge der

6 Mglichkeiten der Abfallvermeidung

580

im Jahr 1991 angefallenen Reststoffe durch Vermeidungsmanahmen um 41 %


und durch Verwertungsmanahmen um 37% verminderbar ist. Die auf Deponien
abzulagernde Reststoffmenge kann damit auf 22 % der ursprnglichen Menge
reduziert werden.
Tabelle 6.17. Reststoffvermeidungs- und-verwertungspotentiale in Eisen-, Stahl- und Tempergieereien in Nordrhein-Westfalen im Jahr 1991 [6.101]
Reststoffart

Gieereialtsand,
Formsand
Schlmme aus
derNaentstaubung
Eisenhaltige
Stube
Stube aus dem
Formsandkreislauf
Putzereisandund Strahlsandruckstnde
Kernsand
Summe

LAGA- Bisher
Nr.
angefa11ene
Reststoffe
[Mg/a]

Vermeidbare
Reststoffe

[Mg/a]

31.401 623.146 293.865


31.425
31.616 16.070
2.028

Verwertbare
Reststoffe

[%]

[Mg/a]

Zu entsorgende
Reststoffe

[%]

47,00 237.182

[Mg/a]

[%]

38,00

92.099

15,00

12,60

116

0,70

13.926

86,70

35.101

45.080

500

1,20

6.058

13,40

38.525

85,40

31.401

47.783

10.851

22,70

18.656

39,00

18.276

38,30

31.402

31.647

6.131

20,00

18.419

58,00

7.097

22,00

31.426

11.003

5.601

51,00

1.516

14,00

606

35,0

37 17.0529

22

774.729 318.976

41 281.947

berwachungsbedrftiger Reststoff
Dieser Betrag ist um ca. 4 000 Mg/a grer als das Aufkommen 1991, da bei dem Vermeidungspotential ein hheres Altsandautkommen aufgrund einer Betriebserweiterung Bercksichtigung fand.
Davon werden durch die Betreiber schon 3 280 Mg/a vermieden bzw. verwertet.

[Link]

Nutzung der Potentiale zur Reststoffverminderung

Die Vollzugsprogramme zur Durchfilhrung des Reststoffvermeidungs- und -verwertungsgebotes befmden sich nach 5 Abs. 1 Nr. 3 BlmSchG noch in der Umsetzungsphase. Die zu erwartende Verminderung des Reststoffanfalls kann jedoch
filr die Lackieranlagen im Bundesland Hessen anband des Standes des Vollzuges
im ersten Halbjahr 1992 dargelegt werden.
Das Verminderungspotential filr Lackschlamm wurde mit 839 Mg!a ermittelt.
Die Verminderung dieser Menge um 348 Mg!a wurde von den Anlagenbetreibern
akzeptiert. Eine Verminderung der Lackschlamm-Menge von 150 Mg!a ist zwischen den Anlagenbetreibern und den Genehmigungsbehrden umstritten. Ma-

6.3 Vermeidung von Produktionsabfllen

581

nahmen im Umfang von 100 Mg wurden von den Genehmigungsbehrden zurckgenommen. Keine Stellungnahme der Betreiber lag bis zum ersten Halbjahr
1992 fr Manahmen im Umfang von 240 Mg/a Lackschlamm vor.
Es wurde ein Verminderungspotential von 243 Mg/a fr Altlsemittel ermittelt.
Von den Anlagenbetreibern wurde eine Verminderung um 122 Mg/a akzeptiert.
Eine weitere Verminderung um 81 Mg/a ist zwischen Betreibern und Genehmigungsbehrde umstritten. Manahmen im Umfang von 40 Mg/a wurden von den
Genehmigungsbehrden zurckgenommen.

7 Altlasten

7.1
Ursachen und Begriffsbestimmung
Altlasten sind eine Folgeerscheinung der Industrialisierung. Sie sind durch Irrtmer und Fahrlssigkeiten bei der Abfall- und Rckstandsbeseitigung sowie beim
Umgang mit umweltgefahrdenden Stoffen entstanden. Dementsprechend werden
die Altlasten den Hauptkategorien Altablagerungen und Altstandorte zugeordnet.
Durch die umweltpolitische Diskussion der Altlastenproblematik wurde der rechtlich nicht bestimmte Begriff Altlast von unterschiedlicher Seite nher defmiert.
Erstmalig in einem Gesetz wird der Begriff Altlasten im Abfallgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen von I988 erwhnt. Der siebte Teil enthlt in 28 folgende Begriffsbestimmung und sachlichen Geltungsbereich [7 .I]:
- Altlasten sind
Altablagerungen und Altstandorte, sofern von diesen nach den Erkenntnissen
einer im einzelnen Fall vorausgegangenen Untersuchung und einer daraufberuhenden Beurteilung durch die zustndige Behrde eine Gefahr filr die ffentliche Sicherheit und Ordnung ausgeht.
- Altablagerungen sind
I. stillgelegte Anlagen zum Ablagern,
2. Grundstcke, auf denen vor dem 11. Juni 1972 Abtalle abgelagert worden
sind,
3. sonstige stillgelegte Aufhatdungen und Verfiillungen.
- Altstandorte sind
I. Grundstcke stillgelegter Anlagen, in denen mit umweltgefiihrdenden Stoffen
umgegangen worden ist, soweit es sich um Anlagen der gewerblichen Wirtschaft oder im Bereich ffentlicher Einrichtungen gehandelt hat, ausgenommen der Umgang mit Kernbrennstoffen und sonstigen radioaktiven Stoffen im Sinne des Atomgesetzes,
2. Grundstcke, auf denen im Bereich der gewerblichen Wirtschaft und im Bereich ffentlicher Einrichtungen sonst mit umweltgefiihrdenden Stoffen umgegangen worden ist, ausgenommen der Umgang mit Kernbrennstoffen und
sonstigen radioaktiven Stoffen im Sinne des Atomgesetzes, das Aufbringen
von Abwasser, Klrschlamm, Fkalien oder hnlichen Stoffen und von festen
Stoffen, die aus oberirdischen Gewssern entnommen worden sind, sowie
das Aufbringen und Anwenden von Pflanzenbehandlungs- und Dngemitteln.

B. Bilitewski et al., Abfallwirtschaft


Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2000

584

7 Altlasten

3. Die Vorschriften des siebten Teils dieses Gesetzes dienen nicht dem Aufsuchen und Bergen von Kampfinitteln.
In den Landesabfallgesetzen einiger Bundeslnder ist zustzlich der Begriff Altlastenverdachtsflchen mit aufgenommen worden. Beispielhaft sei hier die Definition aus dem Landesabfallvorschaltgesetz des Landes Brandenburg (LAbfVG 25
Abs. 2) angeftlhrt:
- Altlastverdachtsflchen sind
Altablagerungen und Altstandorte, soweit ein hinreichender Verdacht besteht,
da von ihnen eine Gefahr fr die ffentliche Sicherheit und Ordnung ausgeht.
In den neuen Bundeslndern wurde in den jeweiligen Landesabfallgesetzen die
Defmition des Begriffes Altstandorte erweitert, da die Grundstcke der ehemaligen
militrischen Liegenschaften mit einbezogen wurden.

7.2
Umfang und Gefahrenabschtzung von Altlasten
7.2.1
Umfang altlastenverdchtiger Standorte

Bis Mitte 1992 sind in der Bundesrepublik 135 000 Altlastenverdachtsflchen


erfat worden, davon 55 000 in den neuen Bundeslndern und 80 000 in den alten
Bundeslndern [7.30]. Der Bearbeitungsstand bei der Erfassung der Altablagerungen ist sehr viel weiter fortgeschritten als bei den Altstandorten, so da die Anzahl
der Verdachtsflchen insgesamt noch ansteigen wird. Schtzungen gehen von einer
Anzahl von 140 000 bis 200 000 Verdachtsflchen aus.
Zur Schtzung der Sanierungskosten liegen sehr unterschiedliche Prognosen
vor. Als Grenordnung kann die Summe von 250 Mrd. DM angegeben werden.
Diese Summe ist, wie auch die Anzahl der Verdachtsflchen, mit einer groen
Ungenauigkeit behaftet.
Die Betriebsgelnde und Anlagen folgender Branchen und Industrien gelten als
altlastenverdchtige Standorte [7 .3]:
- Steinkohlenbergbau, Kokereien, Gaswerke,
- Herstellung, Verarbeitung und Gewinnung von Spalt- und Brutstoffen, Glhstrumpffabriken,
- NE-Metallerzbau, NE- Metallhtten, -schmelzwerke, -gieereien,
- Minerallverarbeitung und -Iagerung (incl. Altl),
- Oberflchenveredelung, Hrten von Metallen,
- Herstellung von Batterien, Akkumulatoren,
- Herstellung von Waffen und Munition,
- Herstellung von anorganischen Grundstoffen,
- Chemische Industrie, Herstellung von Handelsdnger, Kunststoffen, Pflanzenschutz- und Schdlingsbekmpfungsmitteln etc.,
- Farben- und Lackindustrie,
- Aufbereitungsanlagen von verbrauchten Chemikalien,
- Herstellung, Veredelung und Verarbeitung von Glas,
- Sge-, Hobel- und Holzimprgnierwerke,

7.2 Umfang und Gefahrenabschtzung von Altlasten

585

Verarbeitung und Frben von Papier, Tapeten, Wolle, Baumwolle,


Kunststoff-, Gummi- und Asbestverarbeitung,
Erzeugung und Verarbeitung von Leder,
lmhlen, Herstellung von Nahrungsfetten,
Chemische Reinigungen I Klrwerke,
Abfallbeseitigungsanlagen,
Gterbahnhfe und Bahnbetriebsanlagen,
Flugpltze,
Schrott- und Autowrackpltze,
Tierkrperbeseitigung, Tierkrperverwertung,
ehemalige militrische Liegenschaften.

7.2.2

Umweltgefahren durch Altlasten

Das Gefhrdungspotential einer Altlast filr die Umwelt lt sich ermitteln aus der
Bioverfllgbarkeit und der Biotoxizitt der von ihr ausgehenden Stoffe (vgl. Kap.
7.3.3). Dabei spielen die Transportmittel Luft und Wasser die entscheidende Rolle.
Beeintrchtigungen der menschlichen Gesundheit und des kosystems sind die
Folge von Emissionen aus Altlasten.
Die von einer Altlast ausgehenden unmittelbaren Gefahren filr die menschliche
Gesundheit werden verursacht durch Schadstoffaufuahme ber das Einatmen giftiger Gase, durch Resorption von Schadstoffen ber Hautkontakt und ber den Magen-Darm-Trakt mittels kontaminiertem Wasser oder kontaminierten Nahrungsmitteln. Eine weitere [Link] stellt die Explosions- und Brandgefahr durch
Eindringen von Methangas, z.B. in Kellerrume, dar.
Ohne Anspruch auf Vollstndigkeit sind im folgenden humantoxikologisch
wichtige Schadstoffe bzw. Schadstoffgruppen aufgelistet, die in Altlasten hufig
vorkommen. Bezglich der jeweiligen spezifischen Wirkungen auf den Menschen
wird auf die medizinische Fachliteratur verwiesen [7.4]. Humantoxikologisch
relevante Schadstoffe aus Altlasten sind:
- Schwermetalle wie Cadmium, Blei, Quecksilber, Chrom, Nickel, Kupfer, Zink
und das Halbmetall Arsen,
- anorganische Schadstoffe wie Nitrate, Cyanide und Eisen-Cyano-Komplexe,
- Aromate (Benzol, Toluol, Xylol) und Polycyclische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), u.a. Benzo-a-pyren,
- leichtflchtige Halogenkohlenwasserstoffe (u.a. Tetrachlorethen, Trichlorethen,
1,1, 1-Trichlorethan) und deren Abbauprodukte,
- schwerflchtige Kohlenwasserstoffe (u.a. Polychlorierte Biphenyle (PCB),
Hexachlorcyclohexan (HCH), Chlorbenzole, Chlorphenole, Dioxine, Furane
und deren Abbauprodukte.

7.2.3

Rechtsfragen

Fr die rechtliche Regelung der Altlastensanierung gibt es noch kein Altlastensanierungsgesetz, in dem die Rechtsanwendung filr die Altlastensanierung bundes-

586

7 Altlasten

einheitlich geregelt ist. Vielmehr sind Vorschriften hierfiir in verschiedenen Bundesgesetzen (Abfallgesetz, Wasserrecht, Immissionsrecht, Ordnungsrecht, Baurecht) enthalten.
Der Komplex der Altlastensanierung beinhaltet folgende Bereiche, die einer
rechtlichen Regelung unterliegen:
- Erfassung: Anzeigepflicht, berwachung, Untersuchungspflicht, Kennzeichnungspflicht, Kosten,
- Gefiihrdungsabschtzung: ffentliche Sicherheit und Ordnung, Wasserwirtschaft,
- Durchfiihrung von Sanierungsmanahmen: Zulassungsverfahren, berwachung,
Arbeitsschutz, Nachsorge,
- Haftung,
- Finanzierung.

7.3
Erfassung, Erkundung und Bewertung
7.3.1

Erfassung

Gegenwrtig liegt in den alten und neuen Bundeslndern noch ein unterschiedlicher Bearbeitungsstand bei der Erfassung von Altlastenverdachtsflchen vor. In
den meisten Bundeslndern haben die unteren Abfallwirtschaftsbehrden gem
den entsprechenden Landesabfallgesetzen bereits Erhebungen ber Altlastenverdachtsflchen durchgeftlhrt. Die Erhebungen umfassen Daten, Tatsachen und Erkenntnisse ber
- Lage, Gre und Zustand der Altablagerungen und Altstandorte,
- frhere Nutzung des Betriebes einschlielich der Anlagen und Einrichtungen,
- Art, Menge und Beschaffenheit der Abflle und Stoffe, die zur Ablagerung
gekommen sein knnten oder mit denen umgegangen worden sein knnte,
- Umwelteinwirkungen einschlielich mglicher Schutzgutgefiihrdungen, die von
den Ablagerungen und Altstandorten ausgehen.
Die Daten dieser Erhebungen werden in ein Erfassungs- und Bewertungssystem
eingearbeitet. Dadurch wird sowohl eine Vereinheitlichung und Vergleichbarkeit
der Informationen gewhrleistet als auch die Definierung von Handlungsprioritten und Sanierungszielen ermglicht. Die Abfallbehrde wird durch die Fhrung
eines solchen Altlastenkatasters, das jederzeit aktualisierbar ist, befhigt, angemessene Handlungsstrategien zu entwickeln und die Erkenntnisse in die Planungsprozesse anderer Behrden auf der kommunalen und berregionalen Ebene einzubinden.
Die zielgerichtete Erkundung von Altlasten wird mit den folgenden, unter Punkt
7.3 .2 dargestellten Methoden durchgeftlhrt.

7.3 Erfassung, Erkundung und Bewertung

587

7.3.2

Erkundung
[Link]

Auswertung von Archivmaterial


Industriestandorte wie auch Altablagerungen weisen meist eine jahrzehntelange,
oft wechselhafte Entwicklungs- und Nutzungsgeschichte auf. Die sog. klassischen
Informationsquellen zur Erfassung von altlastverdchtigen Standorten und Flchen
sind archivierte Akten von Verwaltungsvorgngen, Dokumente, sonstige Schriftstcke und Plne in den Archiven der Betriebe, Kommunen, Kreise und der berregionalen Behrden sowie die gezielte Befragung der Bevlkerung durch Presseaufrufe, Brgerversammlungen oder Fragebogenaktionen bzw. auch gezielte Umfragen bei den Mitarbeitern in den betroffenen Behrden und Betrieben.

[Link]

Karten- und Luftbildinterpretation


Mit Hilfe von topographischen Karten und Luftbildern wird vor allem die Lokalisierung und die rumliche Ausdehnung von altlastenverdchtigen Standorten ermglicht. Weiterhin knnen Erkenntnisse ber den Zeitpunkt der Entstehung bzw.
ber Nutzungsdauer und Nutzungsnderungen gewonnen werden.
Bei der Auswertung von Karten zur Erfassung und Erkundung von Verdachtsflchen ist - von Einzelfilllen abgesehen - stets eine multitemporale Kartenauswertung zu bevorzugen, da nur dadurch Art und Umfang von nderungen, die bei
der Kartenfortfllhrung (eventuell Informationsverlust durch Berichtigung o..) und
bei Musterblattbereinigungen (Vernderung oder Reduzierung von Inhaltskategorien, die u.U. eine groe Relevanz filr die Verdachtsflchenerfassung besitzen)
entstehen, entsprechend bercksichtigt werden.
Luftbilder stellen eine wichtige Ergnzung zu topographischen Karten dar.
Befliegungen wurden sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart in
zeitlich kurzen Sequenzen durchgefhrt, somit werden auch kurzfristige Vernderungen in der Nutzungsgeschichte von Altstandorten (z.B. im Krieg zerstrte ehemalige Produktionssttten und ehemalige Standorte der Rstungsproduktion) dokumentiert. Zum anderen weisen Luftbilder auch mehr Details und einen hheren
Informationsgehalt als Karten auf. Sie ermglichen z.B. die Ermittlung alter
Grundrisse von ehemaligen Produktionssttten, die durch Unterschiede im Bewuchs gekennzeichnet sind (in der Archologie bereits unverzichtbare Arbeitsmethode ), oder sie zeigen beispielsweise direkte Austritte von Ausgasungen, die an
Hand von Vegetationsschden bzw. durch Vegetationsanomalien im Luftbild erkennbar sind. Weiterhin besteht die Mglichkeit, aufgrund der dreidimensionalen
Modellwahrnehmung quantitative Angaben zu Volumina von Authaldungen, Abgrabungen und Verfllungen zu ermitteln. Auch bei der Auswertung und Interpretation von Luftbildern empfiehlt es sich, Befliegungen unterschiedlicher Zeitrume
auszuwerten, um einen optimalen berblick ber Lage, Ausdehnung und Vernderungen von Standorten zu erhalten [7 .31].

588

7 Altlasten

Neben den topographischen Karten sind auch geologische, hydrogeologische,


bodenkundliehe und andere thematische Karten bei der Gefhrdungsabschtzung
von Altlasten unverzichtbare Hilfsmittel.

[Link]

Erkundung durch Bioindikatoren


Die Zuordnung von Zeigerpflanzen zu bestimmten Sickerwssern und Gas stellt
eine relativ billige und wenig zeitaufwendige Methode dar, die neben ersten Hinweisen auf gefiihrliche Kontaminationen auch Hinweise fr eine gezieltere chemische Probenahme gibt. Mit einer Kartierung der Schadensstellen einer Altablagerung kann festgestellt werden, ob noch strkere Gasbildung stattfindet oder ob im
Falle von hgelfrmigen Altablagerungen normal belastete oder mglicherweise
hochgradig belastete Sickerwsser austreten. Die nachfolgend genannten Pflanzenarten sind fr Norddeutschland typisch. In anderen Klimabereichen werden sich
zwar andere Arten ansiedeln, die Grundphnomene bleibenjedoch gleich.

Deponiegas-Austrittsstellen
Fr die Besiedelbarkeit von Altablagerungen durch Pflanzen stellen Ausgasungen
die strksten Beeintrchtigungen dar. Bei Deponiegasdurchbrchen durch eine
bindige Abdeckschicht treten kahle Stellen auf, da durch Sauerstoffverdrngung
im Boden alle Pflanzen absterben. Auf nicht mit bindigem Material abgedeckten
Deponien kann das Gas ber die gesamte Oberflche austreten und filhrt nur selten
zu deutlichen Ausgasungsflecken.

Deponiegas
Ausgasungsstellen sind durch spezifische Grser gekennzeichnet. Zu den beiden
hufigsten gehren Deutsches Weidetgras (Lolium perenne) und Rot-Straugras
(Agrostis tenuis). Darber hinaus ist die Quecke (Agropyron repens) auf fast allen
Typen von Schadstellen vertreten. Quecke und Weidelgras knnen die Ausgasungsstellen durch Ausluferbildung schnell zurckerobern. Pionierpflanzen wie
Silbergras (Corynephorus canescens), Weier Gnsefu (Chenopodium album),
Geruchlose Kamille (Tripleurospermum indorum) und Ampfer-Knterich (Polygonum lapathifolium) knnen bei geringerem Gasanfall aufkommen [7.5]. Mit abnehmendem Gasgehalt findet eine langsame Wiedereinwanderung der standorttypischen Vegetation statt.

Stauwasser-Schwankungsbereich
Siedelt sich Wolliges Honiggras (Holcus lanatus) oder Behaarte Segge (Carex
hirta) in den Schadstellen an, liegt der Einflu von Sickerwasser vor. Beide Arten
wachsen gern in wechselfeuchten zur Verdichtung neigenden Bden und dokumentieren so den Wechselbereich des Stauwasserhorizontes [7.5].

Sickerwasser
Sickerwasseraustrittsstellen erreichen eine hohe Vegetationsdeckung und sind
nicht wie Gasaustrittsstellen an kahlen Flchen erkennbar. Sie besitzen eine Vegetation, wie sie an den Rndern eutropher und hypertropher Gewsser zu finden ist,
z.B. sind sie oft mit Weiem Gnsefu und Wei-Straugras bestanden. Auch

7.3 Erfassung, Erkundung und Bewertung

589

Quecke, Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense), Brennessel (Urtica dioica) und


Zaunwinde (Calystegia sepium) kommen sehr dicht vor.
Im Bereich von Sickerwssem mit ligen Bestandteilen findet man je nach
Kontamination eine Reduktion der Artenzahl bis auf eine Art im Zentrum der
Sickerstelle. Bei einem hohen Anteil chlorierter Kohlenwasserstoffe in lhaltigem
Sickerwasser bleiben nur noch die Arten Roter Gnsefu (Chenopodium rubrum)
und Schilf (Phragmites austra/is) im Zentrum sowie Brennessel, Zaunwinde und
Wasserdarm (Myosoton Aquaticum) im Randbereich brig [7.5].

[Link]

Geophysikalische Erkundungsmethoden

Geophysikalische Verfahren ermglichen eine schnelle und schonende Untersuchung auch groer Flchen. Probennahmepunkte und Brunnen knnen an besonders gnstigen und reprsentativen Stellen errichtet werden. Punktinformationen
von Bohrungen und Schrfen sind mit Hilfe von geophysikalisch gewonnenen
Daten auf Flchen zu bertragen. Neben der lateralen wie tiefenmigen Abgrenzung des Deponiekrpers sind u. U. Erkenntnisse des Deponieaufbaus zu gewinnen.
Um einen berblick ber eine Altablagerung zu gewinnen, beginnt man in der
Regel die Untersuchung mit einer flchenhaften Vermessung des gesamten Areals.
Folgende Messungen kommen dabei in Frage:
- magnetische Messungen,
- elektromagnetische Messungen,
- Kartierung des elektrischen Widerstandes,
- Messung des elektrischen Eigenpotentials.
Neben dem schnell ermittelten berblick ber die Begrenzung des Deponiekrpers knnen die Untersuchungen gegebenenfalls auch Informationen ber Stauund Sickerwasser sowie ber die Abflurichtung (Eigenpotentialmessungen, elektrische Kartierung) liefern.
Problemzonen mssen dann entweder mit einem verdichteten Meraster mit
denselben Meverfahren bearbeitet oder mit aufwendigeren Methoden untersucht
werden, z.B. mit
- seismischen Messungen,
- elektrischen Kleinkartierungen,
- elektomagnetischen Reflexions-Messungen (Radar).
Sind im Areal der Altablagerung Sondierbohrungen vorhanden, mssen auch diese
geophysikalisch vermessen werden, da hierdurch die Interpretierbarkeit der geophysikalischen Oberflchenmessungen abgesichert wird.
Im folgenden werden die verschiedenen geophysikalischen Verfahren kurz dargestellt.

Magnetische Messungen
Mit einem Magnetometer wird die Strke des magnetischen Feldes gemessen.
Durch magnetische und magnetisierbare Materialien im Untergrund wird die Strke des Erdmagnetfeldes verndert. Aus den mit dem Magnetometer erfaten Daten

590

7 Altlasten

wird die laterale Verteilung der magnetischen Materialien im Untergrund abgeleitet. Darber hinaus lt sich in vielen Fllen die Gre und Tiefenlage des magnetischen Materials (z.B. Schrott, Fsser) abschtzen. Magnetische Messungen werden als bersichtsautnahmen relativ rasch und ohne groen Aufwand durchgefiihrt.
Elektromagnetische Verfahren: Induktion und Reflexion
Beim Einsatz der elektromagnetischen Induktion wird ein elektromagnetisches
Feld mit einer Frequenz von etwa 10 kHz in den Untergrund abgestrahlt und als
ein durch den Untergrund modifiziertes Feld wieder empfangen. Das Verfahren
der elektromagnetischen Induktion spricht sowohl auf Leitfhigkeitsnderungen
als auch auf nderungen der Magnetisierung im Untergrund (z.B. durch metallische Ablagerungen) an und ist mit geringem Aufwand und schnellem Gelndefortschritt durchzufiihren.
Das Bodenradarverfahren macht sich die elektromagnetische Reflexion zu Nutze. Dabei wird ein hochfrequentes elektromagnetisches Signal in den Boden abgesandt, das an Grenzflchen, an denen sich die elektrischen Eigenschaften des Untergrundes ndern, reflektiert wird. Empfangen wird das reflektierte Signal von
einer Antenne, die ber den Boden geschleppt wird. Indem Sender und Empfangsantenne in gleichmiger Geschwindigkeit entlang einer Profillinie ber den Boden gefiihrt werden, wird ein Schnitt durch den Untergrund aufgebaut. Das Verfahren ist besonders geeignet, den Grundwasserspiegel zu kartieren. Mit Georadar
knnen aber auch Tiefe, Lage und Ausdehnung einer Altlast ermittelt werden und
Informationen ber Art, Konsistenz und Struktur einer Altablagerung gewonnen
werden.
Elektrische Verfahren
Bei der elektrischen Kartierung wird ein elektrisches Feld ber zwei Elektroden in
den Untergrund eingespeist und die dadurch bedingte Spannung an zwei Sonden
aufgezeichnet. Wird mit einer konstanten Megeometrie von einem Sendedipol
und einem Empfangsdipol das Meareal mit einem regelmigen Raster berzogen, erhlt man die Eindringtiefe. Eine detaillierte Erkundung wird mit einer sich
ndernden Geometrie von Sende- und Empfangsdipol durchgefiihrt. Bei einer
Vergrerung des Abstandes der beiden Dipole erreichen die Strombahnen tiefere
Schichten.
Bei der geoelektrischen Tiefensondierung wird die vertikale Verteilung von
Schichten mit unterschiedlichen elektrischen Widerstnden untersucht. Dazu wird
ber zwei Elektroden ein Gleichstrom in den Boden eingespeist und an zwei Sonden die daraus resultierende Spannungsdifferenz gemessen. Fr die Durchfiihrung
der Messungen haben sich verschiedene geometrische Muster von Elektroden- und
Sonden-Anordnungen bewhrt. Am hufigsten wird jedoch die SchiumbergerAnordnung gewhlt (s. Bild 7.1), bei der die Stromeinspeiseelektroden sukzessive
weiter nach auen wandern, whrend die Mesonden an festen Punkten in der
Mitte verbleiben. Der eingespeiste Strom erreicht um so grere Tiefen, je weiter
die Elektroden voneinander entfernt sind. Die Sondierungen dienen vor allem der
Erfassung der allgemeinen geologischen und hydrogeologischen Situation, knnen
aber auch den Bereich direkt unterhalb des Deponiekrpers erschlieen.

7.3 Erfassung, Erkundung und Bewertung

591

Bild 7.1. Schiumberger-Anordnung [7.6)

Bei Eigenpotentialmessungen wird die Eigenschaft des Untergrundes als Stromquelle genutzt. Diese Messungen knnen Hinweise auf die Existenz von hohen
Elektrolytgehalten liefern, wie sie im Abstrombereich von Altablagerungen zu
finden sind.

Seismische Messungen

Eine kontinuierliche Vermessung von Schichtgrenzen im Untergrund ist mit seismischen Refraktionsmessungen mglich. Dazu werden akustische Wellen entweder mechanisch (Hammerschlag, Fallgewicht) oder durch kleine Explosionen erzeugt und dann von Iinienhaft angeordneten Geophonen aufgenommen. Aus der
Messung der Ankunftszeit der Refraktionsenergie wird der Ausbreitungsweg rekonstruiert und daraus ein Bild des Untergrundes abgeleitet. Das Verfahren eignet
sich gut zur Erfassung der Untergrenze einer Altablagerung und zur Ermittlung des
Flurabstandes des Grundwasserspiegels [7.6].

Sonar
Die Echolotung wird ber offenen Wasserflchen angewendet. ber einen Sender
werden kurze Schallsignale in Richtung Meeres- oder Seeboden abgestrahlt. Der
Dichteunterschied an der Grenze Wasser-Meeresboden reflektiert in der Regel die
Signale zum Meschiff. Ausgewertet wird die Zeitdifferenz zwischen Senden und
Empfangen, die in einem proportionalen Verhltnis zur Wassertiefe steht [7.32].
Anwendung im Altlastenbereich findet dieses Verfahren u.a. fiir Sucharbeiten
dicht am Grund mit oder ohne Hilfe eines Tauchers, wobei auch Dichtenderungen
und Gegenstnde im Sediment erfat werden knnen [7.33].
[Link]

Untersuchungen des Grundwassers

Hydrogeologische Untersuchungen

Hydrogeologische Untersuchungen sollen die Grundwasserverhltnisse im Umfeld


der Altlast ermitteln.
Haupttransportmittel fiir aus einer Altlast gelste Stoffe ist das Sickerwasser,
das sich im Grundwasser sowohl strmungsgebunden wie auch Strmungs-

592

7 Altlasten

unabhngig durch Konzentrationsausgleich verteilt. Die Stoffwanderung wird


durch die hydrogeologischen Gegebenheiten (Durchlssigkeit des Untergrundes,
Grundwasserflierichtung und Grundwasserfliegeschwindigkeit) und die Wechselwirkung der Sickerwasserinhaltsstoffe mit den Gesteinen des Untergrundes
(Filterung, Fllung, Sorption) gesteuert. Die Kenntnis der Grundwasserbewegung
erlaubt z.B. Rckschlsse auf die Richtung und die erwartete Reichweite einer
mglichen Schadstoffausbreitung und ist damit sowohl ein wichtiges Instrument
der Untersuchungsplanung, z.B. zur gezielten Eimichtung von Grundwassermestellen, als auch der Interpretation der hydrochemischen Daten. Erste Aussagen zu der generellen Flierichtung des Grundwassers lassen sich in den meisten
Fllen (besonders in Lockergesteinsgebieten) bereits aus der Interpretation geologischer und hydrogeologischer Karten sowie u.U. aus der Gelndemorphologie
herleiten. Eine sehr grobe Klassifizierung des Untergrundes in
- durchlssiges Lockergestein (Sand, Kies),
- klftiges Festgestein (z.B. Kalkstein, Schiefer),
- geringdurchlssiges Gestein (Ton, Geschiebelehm u..)
hilft bei der Auswahl der Untersuchungsmethoden, um die genauen hydrogeologischen Parameter zu bestimmen [7.7].
Voraussetzung zur Ermittlung der genauen Grundwasserverhltnisse ist das
Vorhandensein mehrerer Mestellen in dem zu untersuchenden Grundwasserleiter.
Bezglich einzurichtender Grundwassermestellen sind whrend des ersten Untersuchungsschrittes mindestens drei Mestellen empfehlenswert. Eine Mestelle
sollte im Anstrombereich und zwei im Abstrombereich liegen. Diese Anordnung
ist bei z.Z. in Betrieb befindlichen Deponien die Mindestanforderung an eine hydrogeologische Beweissicherung.
Eine Abschtzung der Bodendurchlssigkeit lt sich anband von Schichtenverzeichnissen und Bohrprobenansprachen treffen. Zur genaueren Bestimmung der
Durchlssigkeit stehen Pumpversuche, Auffiliiversuche und Wasserdruckversuche
(WD-Tests) zur Verfiigung, die jedoch in den meisten Erkundungsfllen zu aufwendig sind.
Sind die Kenngren eines Porengrundwasserleiters (kf'Wert, nutzbares Porenvolumen, hydraulischer Gradient) aus vorhergehenden Untersuchungen bekannt,
so kann die Abstandsgeschwindigkeit rechnerisch ermittelt werden. Bei klftigen
Festgesteinen mu jedoch auf Markierungsversuche zurckgegriffen werden.

Chemisch-physikalische Untersuchungen des Grundwassers

Die hydrogeologische Beweissicherung dient dem Nachweis einer Grundwasserverumeinigung. Dazu werden die Analysenbefunde der Nullsonde mit denen der
Grundwassersonden im Abstrombereich verglichen.
Zur Prfung, ob Emissionen aus der Verdachtsflche ins Grundwasser gelangt
sind, knnen nachstehende Parameter herangezogen werden:
- Feldparameter: Farbe, Geruch, Trbung, Leitfiihigkeit, pH-Wert, Temperatur,
Sauerstoffgehalt,
- Laboruntersuchungen: Calcium, Magnesium, Natrium, Ammonium (Nitrat,
Nitrit), Gesamthrte, Carbonathrte, Kaliumpermanganat-Verbrauch, Chlorid,

7.3 Erfassung, Erkundung und Bewertung

593

Sulfat, Borat, organische Summenparameter AOX, EOX, DOC, Kohlenwasserstoffe.


Diese Parameter sind mit Standardmethoden leicht und kostengnstig zu analysieren [7.8]:
Als Leitparameter filr Bauschutt gelten Calcium und Sulfat. Hausmll enthlt
immer Magnesium, Natrium, Borat und Chlorid. Da Natrium und Chlorid sehr
mobil sind, kommt ihnen eine Indikatorfunktion zur Frherkennung von Emissionen aus der Verdachtsflche zu. Durch die Bestimmung von AOX und EOX knnen Emissionen aus gewerblichen Ablagerungen nachgewiesen werden. Die Bestimmung von Kohlenwasserstoffen dient dem Aufzeigen von Minerallspuren.
Zur Abschtzung der Geflihrlichkeit der Wasserkontamination ist im Gegensatz
zum reinen Nachweis einer Emission ein analytisch weitaus aufwendigeres Programm notwendig. Die genannten Parameter bilden daher nur den Mindestumfang
einer Grundwasseranalyse.

Modeliierung von Grundwasserstrmungs- und -beschaffenheitsprozessen


Auch wenn das Grundwasser durch die bedeckenden Bodenschichten relativ geschtzt ist, wird es langfristig durch eindringende Schadstoffe geflihrdet. Das knnen sowohl lsliche Substanzen sein, die mit eindringenden Niederschlgen als
Grundwasserneubildung das Grundwasserstockwerk erreichen als auch beispielsweise Minerallfraktionen, die sich bei Erschpfung des Rckhaltevermgens des
Bodens als flssige Phase ( Schadstofflinse) auf der Grundwasseroberflche sammeln. Deshalb ist bei der Beurteilung von Altstandorten, Deponien und Minerallschadensfllen eine Geflihrdungsabschtzung des Grundwassers unerllich.
Da grere Feldversuche ausscheiden, wurden numerische Verfahren zur Berechnung der Ausbreitung von Schadstoffen und der Wirkung von Sanierungsmanahmen entwickelt, wie z.B.:
- Strmungsmodelle,
- Migrationsmodelle,
- Mehrphasenstrmungsmodelle.
Die diese Vorgnge beschreibenden partiellen Differentialgleichungen werden
durch rtliche und zeitliche Diskretisierung in ein System linearer Gleichungen
berfhrt und iterativ gelst.
Neben der gewhlten rtlichen Diskretisierungsmethode - wesentlich ist die
Methode finiter Differenzen und die Methode fmiter Elemente - sind die geohydrologischen Parameter sowie Anfangs- und Randbedingungen filr die Simulation
der zu untersuchenden Prozesse von entscheidender Bedeutung.
Reine Strmungsaufgaben und Migrationsprobleme ohne Dichtenderung des
strmenden Mediums (Tracerfall) sind mit Einphasenstrmungsmodellen lsbar.
Fr die Modeliierung der Ausbreitung von Minerallen und der Sanierung solcher
Schden sind 2-Phasen-Modelle (Wasser/l) oder 3-Phasen-Modelle (Wasser/l/Gas) erforderlich, beispielweise die Programme ARMOS und MOTRANS
[7.28]. Die mathematische Kopplung der partiellen Differentialgleichungen der
einzelnen Phasen erfolgt ber die ,Aufteilung' der entwsserbaren Porositt des
Bodens und ber Lsungs-, Fllungs- und Austauschprozesse. Bei berwiegend
konvektivem Transport knnen letztere vernachlssigt werden [7.25,7.26, 7.27].

594

7 Altlasten

Fr den Anwender ergeben sich folgende Hauptaufgaben:

Erkundung des Gebietes


Hierzu zhlen Beschaffung vorhandener Unterlagen, Festlegung von Bohransatzpunkten fiir Aufschlubohrungen, Kontrollpegel und Sanierungsbrunnen,
Laboranalysen von Boden-, Wasser- und gegebenenfalls weiteren flssigen Phasen.
Ausgrenzung des Modellgebietes
Das Modellgebiet ist so zu whlen, da natrliche (bekannte) Randbedingungen
das Gebiet begrenzen. Darunter fallen Grundwasserscheiden, Oberflchengewsser
u.a.
Diskretisierung des Untersuchungsgebietes
Es ist das Knotennetz (bei Anwendung der Methode finiter Elemente) bzw. die
Aufteilung in Planungselemente (bei Anwendung der Methode der finiten Differenzen) festzulegen. Die vertikale Diskretisierung erfolgt aus den Ergebnissen von
Aufschlubohrungen und geologischen Karten. Dabei ist zu beachten, da die
gewhlte rtliche Diskretisierung die ,Auflsung' des Modells darstellt, da Berechnungsergebnisse an Knoten bzw. fiir Planungselemente bereitgestellt werden.
Nachtrgliche nderungen der Diskretisierung erfordern immer einen erheblichen
Aufwand an Modellnderungen.
Bereitstellung der erforderlichen Parameter
Dazu gehren:
- geohydrologische Parameter (Durchlssigkeiten etc.),
- physikalische Parameter (Dichten, Viskositten etc.),
- chemische Parameter (Abbau- und Zerfallskonstanten, Lsungs- und Fllungsraten etc.).
Festlegung der Anfangsbedingungen
Das sind z.B. Ausgangsgrundwasserstnde, Anfangskonzentrationen, Anfangsmchtigkeiten aufschwimmender llinsen. Sie sind in der Regel Ergehniss der
Erkundung.
Definition der Randbedingungen
Mit Randbedingungen werden sowohl auf das System wirkende natrliche Elemente (z.B. Gewsser) als auch vorhandene oder geplante Eingriffe in das System
(Frder- und Infiltrationsbrunnen, Kontaminationsquellen etc.) beschrieben.
Planung der Modellrechnungen
Hierbei geht es um die Festlegung des Berechnungszeitraums, der Modellzeiten
fiir die Ausgabe von Ergebnissen und des Umfangs von Ergebnissen.
Auswertung der Modellergebnisse
Die Auswertung beinhaltet die Aufbereitung der Modellergebnisse, graphische
Darstellungen, Vergleich mit aktuellen Mewerten des Zustandes des Systems und
als ,Rckkopplung' eventuell erforderliche Modellanpassungen.
Bild 7.2 bis 7.5 zeigen typische Modellergebnisse aus der Modeliierung eines
laufenden Sanierungsprozesses eines umfangreichen Minerallschadens.

7.3 Erfassung, Erkundung und Bewertung

595

Oil Pumping at Weil


0.60

0.50
Q)

......... 0.40
0
I-

0"1

0.30

0..

5..0.20
0.10

0 00 +r,..,-T"nr-r-T"TTTT""...,..,..,.,.,..,..,...,..,..,.,.,..,..,...,..,..,....,.,_,..,......,r-r-r..,..,
0.00
200.00
400.00
600.00
800.00
0

time

Bild 7.2. Minerallllirderung eines Sanierungsbrunnens; Frdennengen in m3/d, Zeiten in d


[7.29]

Cummulative Oil Pumping at Weil


120.00

100.00
(J)

E
::::J

0
>

80.00

O"l 60.00

0..

40.00

0..

~: V.. . .
0.00

0 ................... 0 ......... .

200.00

400.00

time

600.00

800.00

Bild 7.3. Kumulative lllirdermenge eines Sanierungsbrunnens; Frdermenge in m3 , Zeiten in d


[7.29]

7 Altlasten

596

Product Thickness Cantours ol Time =


0.00

40.00

80.00

120.00

180.00

200.00

240.00

280.00

320.00

360.00

280.00

280.00

240.00

2<40.00

200.00

200.00

160.00

160.00

120.00

120.00

80.00

80.00

-40.00

40.00

0.00
0.00

40.00

80.00

120.00

160.00

200.00

240.00

280.00

320.00

0.00
360.00

Bild 7.4. Lage und Mchtigkeit der Mineralllinse zur Zeit t = 0 d, in Metern

Producl Thickness Cantours ot Time


0.00

40.00

240.00

80.00

182
280.00

320.00

~'!~<;>0

280.00

~~I

380.00
280.00

CP

240.00

240.00

200.00

200.00

~~''

160.00

.,,~

o.,

120.00

160.00

120.00

o'b

[Link]~o~o

[Link]----

80.00

80.00

40.00

40.00

0.00

[Link]

40.00

80.00

120.00

160.00

200.00

240.00

280.00

J20.00

0.00

360.00

Bild 7.5. Lage und Mchtigkeit der Mineralllinse zur Zeit t = 182 d, in Metern

Aus den Modellergebnissen knnen wichtige planerische Daten (notwendige Frdermengen, :ilirderbare Mengen, Reichweiten von Entnahme- und Infiltrationsmanahmen, Zeitdauer des Sanierungsprozesses, Optimierung der Standorte von Sanierungsbrunnen etc.) gewonnen werden. Durch Variation der Randbedingungen
kann die Auswirkung sich ndernder Potentialverhltnisse erfat werden. ber den
Vergleich der Modellergebnisse mit im Laufe der Sanierung gewonnenen Me-

7.3 Erfassung, Erkundung und Bewertung

597

200
ISO

~ 100
50

Bild 7.6. Ergebnis einer Bodenluft-Sondierung [7.24]

werten der Auswirkungen des realen Eingriffs kann das Simulationsmodell immer
besser angepat werden und so zu einem wertvollen Werkzeug bei der Begleitung
des Sanierungsprozesses werden.
[Link]
Untersuchungen der Bodenluft

Bodenluftuntersuchungen eignen sich als rasterfOrmig angelegte Vorerkundung,


wodurch aufwendigere Manahmen gezielter eingesetzt werden knnen. Dabei
sind leichtflchtige Schadstoffe, die bei Bodentemperatur einen ausreichenden
Dampfdruck aufweisen, problemlos zu erfassen.
Die Bodenluft im Bereich einer Altlast und ber einer "Grundwasserschadstoffahne" ist durch Diffusionsprozesse mit flchtigen Schadstoffen aus der
Kontamination belastet.
Die Bodenluft-Konzentration hngt im wesentlichen von der Schadstoffinenge,
vom Abstand zwischen Erdoberflche und Grundwasseroberflche, von den Einflugrendes Untergrundes und von den Niederschlgen und dem Wassergehalt
in der ungesttigten Zone ab. Der Zusammenhang zwischen der Konzentration
eines Schadstoffes in der Bodenluft und der tatschlich im Boden und Grundwasser vorhandenen Menge ist kompliziert und in der Praxis nicht quantitativ herstellbar. Relevant ist vielmehr das relative Steigen und Fallen der Mewerte von
einem Entnahmepunkt zum nchsten. Die hieraus ermittelten Konzentrationsprofile, die sog. Isoanomalien, lassen die Schadstoffquellen und Ausbreitungsfahnen
erkennen.
Nach dem Niederbringen eines Bohr- oder Schlagloches wird die Mesonde installiert und an der Gelndeoberkante abgedichtet.
Die Bodenluft wird durch seitliche ffuungen an der Sondenspitze mit einer
Pumpe abgesaugt und einem COrMegert zugefUhrt Wenn die atmosphrische

598

7 Altlasten

Luft abgepumpt ist und damit der COrMaximalwert erreicht ist, wird eine Bodenluftprobe am Sondenkopf entnommen, um sie anschlieend gaschromatographisch analysieren zu knnen. Die Mesonde lt sich bei Bedarf mit Aktivkohlerhrchen umrsten. Dadurch lassen sich die Bestimmungsgrenzen um den Faktor
100 senken, z.B. um schwerflchtige Stoffe wie Chlorbenzole zu erfassen.
Darber hinaus kann eine halbquantitative Erfassung auch mit speziellen
Prfrhrchen erfolgen.
Folgende leichtflchtige Schadstoffe sind mittels Bodenluftabsaugung problemlos bestimmbar:
- chlorierte Kohlenwasserstoffe (z.B. Trichlorethan, Trichlorethylen, Tetrachlorethen und Tetrachlorkohlenstofl),
- aromatische Kohlenwasserstoffe (z.B. Benzol, Toluol, Xylol und Ethylbenzol),
- aliphatische Kohlenwasserstoffe (z.B. Methan, Hexan, Oktan etc.).

7.3.3
Abschtzung und Bewertung des Gefhrdungspotentials
Die tatschliche Getllhrdung, die von einem kontaminierten Standort ausgeht,
ergibt sich einerseits aus der Menge und der Art der nachgewiesenen Schadstoffe,
andererseits aber auch aus der kotoxikologischen Gesamtsituation [7.7]:
- der chemischen Bindungsform der Schadstoffe, der Wasser- und Surelslichkeit, der Verdamptbarkeit,
- der Aufuahme in Pflanzen und Tieren,
- der Verfgbarkeit fr den menschlichen Verdauungstrakt,
- den Wechselwirkungen und mglichen Reaktionen mit weiteren vorhanden
Stoffen,
- der Boden- und Untergrundbeschaffenheit,
- der Nutzung des Gelndes sowie des Umfeldes,
- dem Kontakt zu Grund- und Oberflchenwasser und zahlreichen Faktoren mehr.
Jede Getllhrdungsabschtzung mu vor dem Hintergrund dieser Punkte gesehen
werden. Auf der einen Seite ist jede Verdachtsflche ein Einzelfall, der eine besondere Bearbeitung erfordert. Auf der anderen Seite ist aber ein einheitliches,
zumindestens landesweites Vorgehen erforderlich, um die Vergleichbarkeit und
Nachvollziehbarkeit der Einschtzung des Getllhrdungspotentials und der Gefahren zu gewhrleisten. Um Manahmen zur Behebung und Vermeidung derartiger
Umweltschden angemessen vorbereiten zu knnen, sind in den Bundeslndern
Bewertungsmodelle fr das Getllhrdungspotential von Verdachtsflchen entwickelt
worden (s. Kap. [Link]).

[Link]
Grenzwertproblematik
Eine erstmalige Angabe von Orientierungswerten zur Einschtzung von gemessenen Konzentrationen ist in der sog. Hollndischen Liste aus dem niederlndischen
Interimsgesetz zur Bodensanierung von 1983 publiziert worden [7.9]. In diesem
Gesetz sind rechtliche Voraussetzungen festgelegt, nach denen vorhandene oder
drohende Bodenverunreinigungen kurzfristig beseitigt werden knnen. Mit Hilfe

7.3 Erfassung, Erkundung und Bewertung

599

der Liste wurden erstmalig die Gefahren, die von einem Standort ausgehen, mageblich ber die dort angegebenen Schwellenwerte festgelegt. In der Folgezeit hat
es immer wieder Diskussionen gegeben, wie sinnvoll derartige Grenzkonzentrationen sind.
Das Problem der Festlegung von stoffspezifischen Hchstkonzentrationen dokumentiert sich durch neue, relativierende WOrtschpfungen wie Schwellenwert
oder Handlungswert, die flexibler zu handhaben sind. Der Grenzwert ist jedoch
juristisch genau defmiert, er wird im allgemeinen als einklagbarer Hchstwert filr
noch zulssige Umweltbelastungen angesehen. Neben den Grenzwerten existieren
jedoch auch Richtwerte, die lediglich Orientierungscharakter, aber keine juristische Bedeutung haben.

[Link]

Bewertungsverfahren

Das Ziel eines Bewertungsmodells ist es, mit einem pragmatischen Ansatz eine
groe Anzahl von Verdachtsflchen in relativ kurzer Zeit mit mglichst geringem
Aufwand hinsichtlich ihres Geflihrdungspotentials zu unterscheiden. Damit soll
eine transparente, nachvollziehbare Basis filr die politische Entscheidungstindung
gegeben werden, auf der dann das tatschlich Notwendige an Sanierungsmanahmen eingeleitet werden kann.
Das Bewertungsmodell dient somit ausschlielich der Priorittensetzung. Es
ermglicht in systematischer Weise, die Verdachtsflchen mit dem dringlichsten
Handlungsbedarf aus der groen Zahl von Verdachtflchen herauszufinden. Damit
liefert das Bewertungsmodell eine relative Bewertung und kann lediglich Hinweise
auf das absolute Geflihrdungspotential geben [7.2].
Die gebruchlichen Bewertungsverfahren sind unterschiedlich angelegt. Manche Verfahren zielen nur auf die Bewertung von Altablagerungen, andere auf Altstandorte und wieder andere auf Bodenkontaminationen insgesamt. Weiterhin sind
die Bewertungskriterien und die Einteilung der einzelnen Modelle in Teilschritte
unterschiedlich.
Teilschritte sind nach der in der Bundesrepublik blichen Vorgehensweise:
- Erstbewertung, auf der Basis vorhandener Informationen einschlielich Ortsbegehung,
- Zweitbewertung, nach orientierenden Untersuchungen,
- Schlubewertung, nach Detailuntersuchungen,
- Entscheidung ber Art und Umfang von Sicherungs-, Sanierungs-, und Gefahrenabwehrmanahmen [7 .1 0].
Mit Bewertungsmodellen soll eine formalisierte Vorgehensweise zur Abschtzung
des Gefahrenpotentials ermglicht werden. Da jedoch die Bewertung einer Verdachtsflche nicht zu automatisieren ist, geht die Entwicklung der Modelle in
Richtung auf Expertensysteme. Erste Expertensysteme zur Abschtzung des Geflihrdungspotentials von Altlasten sind bereits in Anwendung.

600

7 Altlasten

7.4
Sanierungstechniken
Die Entwicklung und Erprobung neuer Sanierungstechniken ist in den letzten Jahren verstrkt in Angriff genommen worden. Vor diesem Hintergrund soll ein
berblick ber den Stand der Technik der verschiedenen Sanierungsverfahren
gegeben werden.
Fr die Auswahl des jeweils optimalen Sanierungsverfahrens oder der optimalen Verfahrenskombination sind jedoch sorgfiiltige geologische, hydrogeologische,
bodenkundliehe und chemische Untersuchungen erforderlich.

7.4.1

Biologische Sanierungsverfahren

Voraussetzung einer erfolgreichen mikrobiologischen Sanierung ist die genaue


Kenntnis der bodenphysikalischen Kennwerte und die horizontale und vertikale
Verteilung der Schadstoffe innerhalb der Altlast.
Die meisten organischen Schadstoffe sind unter aeroben Bedingungen biologisch abbaubar. Dazu zhlen insbesondere biogene Verbindungen, d.h. Stoffe, die
durch Biosynthese entstehen, wie z.B. Mineralle oder aromatische Kohlenwasserstoffe. Die organischen Kohlenwasserstoffe werden beim Abbauproze im wesentlichen zu C02 und Wasser abgebaut. Einige anorganische Stoffe wie Cyanide,
Thiocyanat, Schwefel, Sulfid und Thiosulfat sind ebenfalls leicht biologisch abhaubar. Bei polyaromatischen Kohlenwasserstoffen, PCB-Verbindungen und Dioxinen luft der Abbauproze sehr viel langsamer ab. Einige synthetisierte niederund hochmolekulare Verbindungen haben sich bisher als resistent gegenber mikrobiologischem Abbau erwiesen. Schwermetalle lassen sich ebenfalls nicht abbauen.
Wichtige Einflugren fr die Aktivitt und das Wachstum der Mikroorganismen im Boden sind Sauerstoffgehalt, Durchmischung im Boden, Temperatur,
pR-Wert, Nhrstoffangebot, Spurenelemente und das Vorhandensein toxischer
Stoffe. Bodenspezifische Randbedingungen wie Komgrenverteilung, Homogenitt, Porenvolumen, Wassergehalt und Durchlssigkeit beeinflussen die Abbaugeschwindigkeit erheblich.

[Link]
On-site-Verfahren
Bei einer biologischen On-site-Sanierung wird der betroffene Boden aufgenommen bzw. ausgekoffert und nach seiner Behandlung an Ort und Stelle wieder eingebaut.
Die verschiedenen Verfahren der biologischen Bodensanierung unterscheiden
sich im wesentlichen in der Differenziertheit, mit der jeweils die Randbedingungen
fr einen optimalen Schadstoffabbau ermittelt werden und in der technischen Umsetzung. Der Boden wird vor der biologischen Behandlung grundstzlich nach dem
Auskoffern mechanisch aufbereitet, um ihn dann in Mieten, Beeten oder Reaktoren
mit optimalen Abbaubedingungen behandeln zu knnen (s. Bild 7.8).

7.4 Sanierungstechniken
leicht biologisch
abbaubar

Kohlenwasserstoffe; aromatische Kohlenwasserstoffe, z.B. Benzol, Toluol,


Phenol, Kresol, Xylenol, Naphthol.
Alizyklische Kohlenwasserstoffe, Alkane,
polyaromatische Kohlenwasserstoffe.
Anorganische Verbindungen, z.B. Zyanide,
Thiozyanat, Schwefel, Sulfid, und Thiosulphat.
Bestimmte chlorierte aromatische Kohlenwasserstoffe, z.B. einige Chlorbenzoate,
Chlorphenole und Chlorphenoxyazetate,
Monochlortoluole.
Andere chlorierte aromatische
Kohlenwasserstoffe, Nitrophenole.

schwer biologisch
abbaubar

PCB-Verbindungen (langsamer Abbau


schwcher chlorierter Biphenyle).
Dioxine, Dibenzufurane: wenig bis gar
keine Hinweise auf biologischen Abbau.

'

kein biologischer
Abbau

Schwermetalle

Bild 7.7. Abbau von Umweltschadstoffen durch Mikroorganismen [7.20]

Berieselung und Kreislauf!iY\Ing NahrstoHeMiasser

BetOflungssdliclltoo

Planum

Scllutzschicllt aus
Adsorptionsmaterial

Bild 7.8. Biologische Bodenreinigung in Mieten [7.17]

Baslsabdichtung

601

602

7 Altlasten

Der Abbauproze wird durch Zugabe von Mikroorganismen und Nhrstoffen untersttzt und beschleunigt. Hierzu werden Mikroorganismen benutzt, die im Labor
an bestimmte Schadstoffe adaptiert wurden oder von verunreinigten Standorten
stammen. Der Einsatz von Organismen aus dem zu behandelnden Boden, die zunchst im Labor in biotechnologischen Verfahrensweisen ausgelesen und vermehrt
werden, versprechen aufgrund ihrer Anpassung den grten Nutzen. Trgersubstanzen fiir die Organismen sind z.B. Kiefemborke, Torf- und Sgespne.
Die Kosten einer biologischen On-site-Sanierung werden mit 200 bis
500 DM/m3 angegeben [7.11, 7.12, 7.16].

[Link]
ln-situ-Verfahren
Die In-situ-Verfahren fiihren die Sanierung im natrlichen Lagerungsverband des
Bodens durch. Im Unterschied zu den On-site-Verfahren mssen daher besonders
grndliche geologische und bodenkundliehe Untersuchungen vor der eigentlichen
Sanierung erfolgen. Das Einbringen von Mikroorganismen in den Boden mu den
wasserrechtlichen Vorschriften entsprechen und ist mit der zustndigen Wasserbehrde abzustimmen.
Wichtige, den biologischen Abbau stimulierende Manahmen sind z.B. die Erhhung des Sauerstoffgehalts des Bodens durch Auflockerungsmanahmen sowie
das Einbringen von Ozon oder Wasserstoffperoxid.
Hufig wird das In-situ-Verfahren in Zusammenhang mit hydraulischen Verfahren angewandt. Nhrstoffe, Bakterien und Wasser werden injiziert und im Rodensplverfahren wieder an die Oberflche gepumpt (s. Bild 7.9). Die Grenze des
Tiefgrundverfahrens liegt bei etwa 20 m.
Kosten fUr mikrobiologische In-situ-Verfahren liegen bei etwa 200 bis 250
DM/m3 [7.12, 7.16].
Durch geringen Eingriff in den Aquifer lassen sich die Schadstoffe auf natrlichem Wege durch biologischen Abbau mit relativ geringem technischen und finanziellen Aufwand fast vollstndig eliminieren.
Hochkonzentrierte und toxische Schadstoffe setzen dem biologischen Abbau
allerdings Grenzen. Als Nachteile werden zum Teil mangelnde Steuerbarkeit und
Kontrollierbarkeit, verbunden mit der Gefahr der erneuten Kontamination durch
Zwischenprodukte, und Nhrlsungen genannt.

7.4.2
Physikalisch-chemische Sanierungsverfahren
Die z.Z. in Betrieb befindlichen physikalisch-chemischen Bodenreinigungsverfahren basieren auf der Wsche des Bodens in meist recht aufwendigen Anlagen. Die Bodenwsche kontaminierten Aushubmaterials wird mit Extraktions- und
Splverfahren betrieben und fiihrt zu einer Schadstoffilbertragung aus dem ausgekofferten Boden in die flssige Waschphase, in der dann in weiteren Prozeschritten eine Aufkonzentration oder Entgiftung stattfindet.
Der erste Schritt der Bodenbehandlung nach dem Ausheben ist die mechanische
Bodenvorbereitung, die haupschlich aus Sortier-, Klassier- und Zerkleinerungs-

7.4 Sanierungstechniken
Punpe

603

TrennanJage

vom

Vorfluter

Bild 7.9. Bodensplverfahren mit biologischem Abbau [7.17]

vorgngen besteht. Der Feinkomanteil enthlt den Hauptanteil der an die Bodenpartikel gebundenen Schadstoffe und ist darber hinaus nur schlecht dekontaminierbar. Die Feinfraktion wird daher je nach Verfahren von kleiner 60 bis 200
Mikrometer abgetrennt und als Sonderabfall entsorgt (Bild 7.10).
Die grobkrnigere Bodenfraktion wird durch Absplvorgnge, z.B. durch
Hochdruckwasserstrahlen oder durch Extraktion mit wssrigen Lsungen und nicht
wasserlslichen Lsungsmitteln, von den Schadstoffpartikeln befreit. Diese werden in die flssige Waschphase berfilhrt. Schwermetallextraktion erfolgt z.B. mit
Mineralsuren, lextraktion wird bei einem Verfahren mittels wasserunlslichem,
die lphase lsendem Extraktionsmittel durchgefilhrt. Die meisten Verfahren zur
Elimination organischer Substanzen arbeiten jedoch mit Wasser und einem Zusatz
oberflchenaktiver Substanzen.
Die Prozewasserautbereitung ist mehr als alle anderen Anlagenbereiche auf
den jeweiligen Anwendungsfall abzustimmen. Zur Wasseraufbereitung bzw. Abwasserreinigung werden bisher folgende Grundverfahren angewandt:
- mechanische Trennverfahren wie Feinsiebung, Trennung durch Hydrozyklone,
Sedimentation, Flotation, Tiefen- und Obertlchenfiltration,
- physiko-chemische Verfahren wie Fllung, Flockung, Adsorption und Strippung,
- biologische Verfahren, Belebtschlammreinigung.
Ziel aller Anlagenkonzepte ist es, mglichst geschlossene Wasserkreislufe zu
erhalten, um die Menge der zu entsorgenden Abflle gering zu halten.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der physikalisch-chemischen Bodenreinigungsanlagen ist die bei den meisten Anwendungsfllen notwendige Abluftreinigung.
Zum weiteren Schadstoffabbau kann der gewaschene Boden eine Zeit lang zwischengelagert werden. Bei der Bodenlagerung findet ein mikrobieller Abbau orga-

604

7 Altlasten

Reinigung des
Feinanteils

Bodenfeinanteile

Bodennachbereitung

gereinigter
Boden

Bild 7.10. Verfahrensprinzip zur extraktiven oder splenden Bodenreinigung [7.21]

nischer Verbindungen durch die geringere Schadstoffkonzentration und durch die


aufgrund des fehlenden Bodenfeinanteils bessere Luftdurchlssigkeit statt [7 .13].
Nachteilig ist der groe verfahrenstechnische Aufwand, insbesondere bei Bden
mit hohem FeinkomanteiL Die konzentrierten Schadstoffe im Schlamm mssen als
Sondermll entsorgt werden oder in einem weiteren Verfahrensschritt thermisch
behandelt werden. Demgegenber liegt bei dem Verfahren ein groer Vorteil darin, da Schwermetalle extrahiert werden knnen.

7.4.3

Thermische Verfahren

Thermische Verfahren sind besonders zur Behandlung von organisch belasteten


Bden geeignet und hinterlassen im Gegensatz zu den Bodenwaschverfahren kein
Schadstoffkonzentrat
Zur thermischen Behandlung schadstoffbelasteter Bden kommen zwei Verfahren zur Anwendung: Verbrennung und Pyrolyse. Die Pyrolyse ist im Vergleich zur
Verbrennung technisch aufwendiger und stranfiilliger. Bei der direkten thermischen Behandlung erfolgt die Wrmezufuhr in der Regel mit l- oder Gasbrennern, wobei der Feuerraum meist ein Drehrohrofen ist. Die Feuerraumgestaltung
der Drehrohrfen sowie die Feuerraumtemperaturen werden den jeweiligen Stoffparametern angepat.
Je nach Stoff und Behandlungsart sind Temperaturen von ca. 800 bis I 300 C
notwendig. Dem eigentlichen Verbrennungsteil sind in der Regel eine thermische
Nachverbrennung, ein Wrmetauscher und eine Abluftreinigung nachgeschaltet

7.4 Sanierungstechniken
Kontaminierte
Massen

605

Verdampfung
und
teilweise
Verbrennung

Energie

M Abgas

Nachverbrennung

Energie

II Nachverbranntes

jlAbgas
Belliebshilfsmittel

L~>

Abgasreinigung

Nebenprodukte

Reingas

Bild 7.11. Blockschema einer thermischen Bodenreinigungsanlage [7.22]

Bei der Pyrolyse wird der kontaminierte Boden unter Luftabschlu oder Luftmangel in einem indirekt beheizten Reaktor bei Temperaturen von 400 bis 800 C
entgast. Dabei entstehen brennbares Pyrolysegas, wrige und lhnliche Kondensate sowie feste kohlenstofthaltige Rckstnde (Pyrolysekoks). Die gereinigten
Gase knnen zur Reaktorbeheizung oder zur Dampferzeugung benutzt werden.
Im Hinblick auf den im Vergleich zur Verbrennung niedrigen Temperaturbereich im Reaktorraum ist bei der Pyrolyse zu prfen, welche Schadstoffe in welcher Konzentration im Boden verbleiben.
Thermische Verfahren sind grundstzlich ftlr alle organischen Verunreinigungen einsetzbar, es knnen jedoch nur wenige Schwermetalle aus dem Boden eliminiert werden. Bei der thermischen Bodenbehandlung werden die natrlichen organischen Bodenbestandteile zerstrt, zurck bleiben nur die anorganischen Komponenten [7.15].

7.4.4

Hydraulische Manahmen

Unter hydraulischen Manahmen ist die Erzeugung von einem oder mehreren
Absenktrichtern im Grundwasserkrper mit Hilfe von Grundwasserentnahmebrunnen zu verstehen. Dadurch wird das kontaminierte Grundwasser aus dem
Aquifer gefrdert, und die Ausbreitung der Kontamination wird grundwasserstromabwrts vermieden. Voraussetzung fr die Durchfhrung hydraulischer Sanierungstechniken ist ein ausreichend porser und permeabler Untergrund und
detaillierte Kenntnisse ber die hydrogeologische Situation wie Richtung und
Fliegeschwindigkeit der Grundwassers, Durchlssigkeitsbeiwert des Untergrun-

606

7 Altlasten
Pumpe

Abwasserreinigung

Absenldrlchter

Bild 7.12. Bodenwasser-Absaugung [7.17]

des. Aus diesen Daten lt sich die Reichweite von Absenktrichtern errechnen
[7.16].
Es lassen sich aktive und passive hydraulische Verfahren unterscheiden. Passive
hydraulische Verfahren haben die Vernderung der hydromechanischen Verhltnisse des Grundwasserkrpers zum Ziel. Die Ausbreitung von schadstoffbelastetem Grundwasser soll eingeschrnkt, verhindert oder ggf. umgelenkt werden. Diese Manahmen setzen auerhalb des Kontaminationsherdes an.
Aktive Verfahren, in Bild 7.12 dargestellt, dienen der Fassung und anschlieenden Behandlung des belasteten Grund- oder Sickerwassers. Sie werden in der
Regel innerhalb des Verunreinigungsherdes eingesetzt [7.14.].
Hydraulische Manahmen allein stellen keine echte Sanierungstechnik dar,
sondern eher Sicherungsmanahrnen. Nur in Kombination mit anderen Sanierungstechniken, z.B. der Behandlung des gefrderten kontaminierten Wassers und
einer anschlieenden Rckfilhrung in den Boden, stellen die hydraulischen Techniken ein vollwertiges Bodensanierungsverfahren dar.

7.4.5

Bodenluftabsaugung

Die Technik der Bodenluftabsaugung eignet sich zur Sanierung von leichtflchtigen Verbindungen und wird auf breiter Ebene bei der Sanierung von leichtflchtigen CKW- und aliphatischen Kohlenwasserstoffbelastungen in der ungesttigten
Bodenzone eingesetzt.
Die Bodenluft wird aus speziell installierten Absaugpegeln oder -Ianzen oder
aus Grundwassermestellen abgesaugt und ggf. gereinigt. Die Effizienz der Absaugmanahme richtet sich nach der Durchlssigkeit des Untergrundes und dem

7.4 Sanierungstechniken

607

Dampfdruck des Schadstoffes. Gegebenenfalls mssen nach einer geologischen


Bewertung des Untergrundes verschiedene Schichten differenziert behandelt werden.
Wie Bild 7.13 zeigt, wird eine Leistungssteigerung des Verfahrens bei Kombination des Verfahrens mit einer Grundwasserbelftung erzielt. Dabei wird Luft in
den unterhalb der Bodenluftabsaugstelle gelegenen Aquifer gepret, die sich, bei
ihrem Weg nach oben, mit leichtflchtigen Schadstoffen aus dem Grundwasser
beldt. In der wasserungesttigten Bodenzone wird diese kontaminierte Luft dann
von der Bodenluftabsaugung erfat.
Die Kosten des Verfahrens betragen 20 bis 100 DM/m3 [7.12].
Neben dem geringen technischen und fmanziellen Aufwand besticht dieses Verfahren besonders durch Vermeidung einer Schadstoffverlagerung. Die Effizienz
der Absaugmanahmen hngt jedoch vom Untergrund ab und ist nur in bezug auf
leichtflchtige Stoffe gegeben.

7.4.6.

Passive Systeme

Aufgrund der langen Dauer und der hohen Kosten von Aktiven Systemen wird in
den letzten Jahren intensiv an der Entwicklung kostengnstiger In-situSanierungsmanahmen gearbeitet. Die passiven Methoden sind durch eine sehr
geringe Energiezufuhr whrend des Sanierungsvorgangs gekennzeichnet. Dadurch
knnen die Betriebskosten reduziert werden, die bei langen Sanierungszeiten den
entscheidenden Einflu haben.
[Link]
Permeable Reaktionswnde

Die Permeable Reaktionswand ist dadurch gekennzeichnet, da praktisch ber die


gesamte Lnge der Wand eine reaktive Zone (Reaktor) ausgebildet ist. Eine solche
In-situ-Reaktionszone kann z.B. durch Einbringen von Fremdmaterial zwischen
Spundwnden, durch Bohrpfiihle etc. errichtet werden In Bild 7.14. ist ein solches
System dargestellt.
Aufgrund der meist nicht unerheblichen Lngen, die zur Abstromsanierung ganzer
Standorte notwendig sind (oft > 100 m), mu aus wirtschaftlichen Grnden bei
der heute verfiigbaren Tiefbautechnik davon ausgegangen werden, da die Fllung
der reaktiven Zone nicht zu einem spteren Zeitpunkt ausgetauscht werden kann.
Falls eine Regenerierung der reaktiven Zone whrend der veranschlagten Sanierungszeit erforderlich erscheint, so mssen entsprechende Einbauten (z. B. Lanzen,
Brunnen, Grben etc.) vorgesehen werden. Wie Bild 7.14 zeigt, besteht grundstzlich die Mglichkeit, mehrere reaktive Zonen (Reaktortypen) in Reihe zu schalten
und so entweder eine gewnschte Abfolge des Schadstoffabbaus bzw. der -immobilisierung zu erreichen oder aber mehrere Schadstoffgruppen gemeinsam zu behandeln.
Die hydraulische Dimensionierung einer Permeablen Reaktionswand ist im
Prinzip einfach. Die hydraulische Gesamtdurchlssigkeit (Kr,ges) der Wand sollte
berall mindestens so gro sein wie diejenige des natrlichen Aquifers. So wird

608

7 Altlasten

Kompressor

Bodenluftentsorgungsanlage
Bodenluftabsauganlage\ \
Volumenmesser \ \

- ---

----

Bild 7.13. Grundwasserbelftung mit Bodenluftabsaugung [7.23]

vermieden, da durch die Reaktionswand der kontaminierte Grundwasserabstrom


seine Flierichtung ndert und die Wand eher umstrmt statt durchstrmt wird.
Die notwendige Tiefe der Wand wird bestimmt durch die Tiefenlage der Kontamination, die (vertikale) Grundwasserflierichtung, die Position mglicher Geringleiterschichten sowie die Anisotropie der hydraulischen Aquiferdurchlssigkeit. Im allgemeinen empfiehlt es sich, filr die Dimensionierung der
Reaktionswand ein numerisches Grundwasserstrmungsmodell einzusetzen und
damit unterschiedliche Szenarien zu simulieren.
Aufgrund der nur einmaligen Reaktorfilllung mu bei jeder Permeablen Reaktionswand vor allem die Langzeitfunktion des Systems sichergestellt werden. Unter
manchen hydrogeochemischen Milieubedingungen kann z.B. der Porenraum innerhalb der reaktiven Zone durch entstehende Ausfiillungsprodukte oder auch
durch Biomasse verstopfen. Deshalb sind standortspezifische Voruntersuchungen
in jedem Falle erforderlich. Bei den bisherigen Feldinstallationen ist ein Zuwachsen des Porenraumes allerdings noch in keinem Falle beobachtet worden [7.34].

7.4 Sanierungstechniken

609

Permeable Reaktionswand
Kontaminationsfahne

... ........ ..... ...........

-.

gereinigtes
Grundwasser

GW-Fiiessrichtung

"Funnnel and Gate" System


Kontaminationsfahne

Kontaminationsherd

-.

gereinigtes
Grundwasser

GW-Fiiessrichtung
Bild 7.14. Abstromsanierung durch (a) eine Permeable Reaktionswand und (b) einfunnel-andgate-System [7.34]

[Link]
funne/-and-gate-System
Eine Alternative zu den Permeablen Reaktionswnden ist das System des funneland-gate. Dieses patentierte Konzept wurde erstmals im Jahre 1991 in Kanada im
Borden-Testfeld eingesetzt. Es beruht darauf, da nur ein kleiner Teil der In-situWand als permeable reaktive Zone (gate) verwendet wird, whrend der berwiegende Teil der Wand als geringdurchlssiger Trichter (funnel), z. B. in Form von
Spund- oder Schlitzwnden ausgebaut wird. Der wichtigste Vorteil des funnel-andgate Prinzips besteht darin, da grundstzlich die Mglichkeit gegeben ist, die
Reaktorfiillung mehrfach auszutauschen. Jedoch ist davon auszugehen, da die
hierfiir erforderliche Reaktorkonstruktion, vor allem filr Tiefen grer als I 0 m,
aufgrund der einzusetzenden Spezial-Tiefbautechnik einen wesentlichen Kostenfaktor darstellt. Das funnel-and-gate Prinzip hat vor allem dort Vorteile, wo entweder der Reaktor in regelmigen Zeitabstnden auszutauschen (z.B. bei Sorptionsreaktoren) oder die Reaktorfiillung relativ teuer ist und nur ein kleines Reaktorvolumen bentigt wird (z.B. schnelle Katalysereaktoren). Darber hinaus bietet
es in stark heterogenen Aquifersystemen (z.B. geklftete Aquifere) eine effizientere Nutzung der Reaktorfiillung [7.34].

610

7 Altlasten

OBERFLCHENABOICHTU'JG
SICKERWASSERFASSUNG

..

'

..

..
.

..
..

Bild 7.15. Schematische Darstellung einer Einschlieung [7.14]

Bei der hydraulischen Dimensionierung von funnel-and-gate-Systemen sind einige


Kriterien mehr zu beachten als bei den Permeablen Reaktionswnden. Zum einen
spielt das Volumen des Reaktors und seine hydraulische Gesamtdurchlssigkeit
sowie die Reaktorposition eine wesentliche Rolle. Im allgemeinen sollten die Reaktordurchlsse hydraulisch bis zu einer Zehnerpotenz besser durchlssig sein als
der natrliche Aquifer, um eine mglichst effiziente Zustrmung zu erzielen.
Gleichzeitig mssen jedoch die Grundwasserverweilzeiten innerhalb des Reaktors
ausreichend gro sein, um im Falle kinetisch kontrollierter Prozesse einen ausreichenden Prozeumsatz zu erzielen [7.34].

7.4.7
Einkapselung
Einkapselungsverfahren zielen auf die Unterbrechung der Emissionspfade ab und
verndern an der chemischen und physikalischen Beschaffenheit der Altlast nichts.
Einkapselungsmanahmen lassen sich baulich folgendermaen aufgliedern, wobei
jedes der genannten Systeme fiir sich allein oder in Kombination angewendet werden kann:
- Abdecksysteme (Oberflchenabdichtung),
- vertikales Dichtungssystem (Dichtwand),
- Basisdichtungssystem (Dichtsohle).
An die vorgenannten baulichen Systeme einer Einschlieung (vgl. Bild 7.15) werden die Anforderung nach hoher Abdichtungswirkung, groer Bestndigkeit sowie
nach Kontrollierbarkeit und Reparierbarkeit gestellt.

Abdecksysteme
Umweltrelevante Emissionen aus einer Altlast sind kontaminiertes Sickerwasser,
Gas und Staub. Durch Aufbringen einer Oberflchenahdichtung werden diese
Emissionen im Falle des kontaminierten Wassers sehr stark reduziert, im Falle der
Gase in ordnungsgemer Weise kanalisiert und im Falle des Staubes praktisch

7.4 Sanierungstechniken

611

Stahlspundwand, Kunststoffprofile
Schmalwand (Bentonit- Zement)
Schlitzwand (Bentonit -Zement/Beton)
berschnittene Bohrpfahlwand
Jetsulen
Jetwand
~

Frostschutzwand

Bild 7.16. Dichtwandarten [7.14]

ausgeschlossen. Die Kosten fr mehrschichtige Abdecksysteme liegen zwischen


150 und 250 DM/m2 [7.12, 7.16].
Dichtwnde
Durch ein Umschlieen einer Altlast mit Dichtwnden wird eine weitergehende
Verunreinigung des Grundwassers durch Sickerwasser verhindert, sofern die
Dichtwand an ihrem unteren Ende in einen grundwasserstauenden Horizont einbindet. Dadurch ist ausgeschlossen, da die Dichtwand vom belasteten Grundwasser unterstrmt wird. Dieses Verfahren setzt jedoch voraus, da der grundwasserstauende Horizont in bautechnisch erreichbarer Tiefe liegt. Ist dies nicht der Fall,
wird zustzlich zur Dichtwand das Einziehen einer Basisabclichtung erforderlich,
in die die Dichtwand eingebunden wird [7 .15].
Aus dem Grund- und Wasserbau sind folgende technische Lsungen bekannt:
Stahlspundwand, Schmalwand, Schlitzwand, berschnittene Bohrpfahlwand, Jetsulen, Jetwand und Frostwand (vgl. Bild 7.16.).
Zur Kapselung von Altlasten werden hufig Schlitzwnde gewhlt. Diese werden mit einem Schlitzwandgreifer oder mit einer Schlitzwandfrse ausgehoben und
im Einmassenverfahren mit einer Sttzflssigkeit aufgefiillt, die gleichzeitig als
Dichtmasse fungiert.
Die Sttzmasse besteht im allgemeinen aus einer Natriumbentonit-ZementMischung. Calciumbentonit-Mischungen erreichen geringere Durchlssigkeiten.
Bei greren Tiefen wird in der Regel mit dem Zweimassenverfahren gearbeitet, bei der nach dem Aushub die Sttzflssigkeit gegen eine Dichtwandmasse
ausgetauscht wird. Diese Masse ist eine Art Erdbeton, bestehend aus Ton, Zement,
Bentonit und Fllstoffen wie Gesteinsmehl, Sand oder hnliches. Bei hchsten
Anforderungen an die Dichtheit werden zustzlich einfache oder doppelte Kunststoff-Dichtungshahnen mit in die Schlitzwand eingestellt. Die Kosten fr die unterschiedlichen Dichtwandarten liegen zwischen 200 und 1 000 DM/m2 [7.12,
7.16.].

612

7 Altlasten

Dichtungssohlen
In gnstigen Fllen steht im Untergrund einer Altlast eine ausreichend mchtige,
homogene und gering durchlssige Schicht an. Ist ein solcher Untergrund nicht
vorhanden, wird eine nachtrglich hergestellte Dichtungssohle ntig. Es stehen
mehrere neuentwickelte Lsungsmglichkeiten zur Verfiigung, deren Bauerprobungjedoch noch nicht abgeschlossen ist. Die Kosten der nachtrglich hergestellten Dichtungssohlen betragen je nach Verfahren zwischen I 000 und 2 000 DM/m2
[7.12, 7.16].
Bei den Verfahren der Einschlieung einer Altlast handelt es sich um keine Sanierung im eigentlichen Sinne, sondern um eine Sicherungsmanahme, da der
Schadstoftherd nicht entfernt oder unwirksam gemacht wird.

7.4.8

Immobilisierung und Verfestigung

Die Immobilisierung von Kontaminationen im Boden erfolgt entweder durch


berruhren der Schadstoffe in schwerlsliche Verbindungen oder die Schadstoffe
werden in ein Verfestigungsmittel eingebettet. Die Verfahren knnen sowohl insitu als auch on-site durchgefiihrt werden.
In-situ ist die Immobilisierung der Schadstoffe im Untergrund bei ausreichend
durchlssigem Boden auf zwei Arten zu erreichen. Einerseits kann der Porenraum
durch Injektion von polymerisierenden, gelierenden oder hydraulisch abbindenden
Medien derart zugesetzt und undurchlssig gemacht werden, da die Eluierbarkeit
lslicher Schadstoffe drastisch herabgesetzt wird. Andererseits ist es mglich, in
den Bereich der Sickerzone Lsungen zu injizieren, die aufgrund einer chemischen
Reaktion eine Fixierung der Schadstoffe herbeifiihren.
Die Kosten der Verfahren liegen zwischen 180 bis 500 DM/Mg [7.12, 7.16].
Das Verfestigen als On-site-Verfahren der Altlastensanierung bindet die im Boden enthaltenen Schadstoffe in eine mechanisch feste und chemisch stabile Matrix
ein. Fr die Verfestigung verwendete Binder sind u.a. Zement, Kalk, Alkalisilikate
(Wasserglas) und organische Polymere.
Bezglich des Langzeitverhaltens verschiedener lmmobilisierungstechniken liegen bisher wenig Erfahrungswerte vor. Saure Niederschlge knnen z.B. zu pBWert-Verschiebungen und einer Remobilisierung von Schwermetallen fiihren. Bei
alkalischen Verfestigungsprodukten mit einem pH-Wert ber 12 ist zu bercksichtigen, da viele Schwermetalle lsliche Hydroxyl- Komplexe bilden knnen. Die
Immobilisierung wird mit zunehmender Zahl verschiedener Schadstoffarten
schwieriger, da ein Binder i.d.R. nicht fiir alle Schadstoffe gleich gute Fixierungen
erzielt [7.23].

8 Kostenbetrachtung von
Abfallbehandlungsanlagen

8.1
Grundlagen des Wirtschaftlichkeitsvergleiches
Ein Wirtschaftlichkeitsvergleich von unterschiedlichen Entsorgungssystemen wird
von allen in der Abfallwirtschaft Ttigen besonders interessiert aufgenommen.
Faktisch hat ein strenger wirtschaftlicher Vergleich von verschiedenen Handlungsaltemativen auf dem Gebiet der Abfallwirtschaft kaum einen Einflu auf die
tatschliche politische Entscheidung fiir die Entsorgung einer Region. Hier haben
meist politisch motivierte Grnde Vorrang.
Ein Vergleich der Wirtschaftlichkeit von verschiedenen Entsorgungssystemen
kann nur fiir eine fiktive Region auf der "Grnen Wiese" stattfinden, die alle Abfallbeseitigungsmethoden sowohl technisch als auch konomisch zult. Diesen
idealen Standort gibt es nicht, so da in der Realitt kaum alle Alternativen oder
nur eine Kombination aus zwei oder drei Entsorgungsmglichkeiten in Frage
kommen. Wie die Erfahrung zeigt, sind die politisch bedingten Auswahlkriterien
oftmals nicht in der Lage, die der Realitt wirtschaftlich und technisch optimal
angepaten Entsorgungssysteme zu bestimmen.
Wesentlich fiir die Behandlung von Abfllen ist, da, wie bereits bei der Charakterisierung des Abfalls beschrieben, im Gegensatz zu vielen anderen industriellen Prozessen die Stoffinengen zeitlich stark schwanken, die heterogene Zusammensetzung der Abflle sich im Jahresverlauf auch stark ndert und die Nachbarn
einer Abfallbehandlungsanlagen besonders niedrige Emissionswerte erwarten.
Durch diese komplexen Anforderungen haben alle Prozesse der Abfallwirtschaft ein hohes Niveau mit entsprechenden Behandlungskosten erreicht. Die Kostenentwicklung ist in den letzten Jahren an eine Grenze der Akzeptanz durch die
Bevlkerung gestoen. Damit werden Forderungen an die Entscheidungstrger
gestellt, wirtschaftlichere Verfahren zu planen und zu bauen, bzw. die Abfallbehandlung komplett an private Setreiber in einem Ausschreibungsverfahren zeitlich
befristet zu bergeben, um am Kostenvorteil den der Wettbewerb verspricht teilzunehmen.

8.2
Thermische Verfahren
Nachfolgend wird ein berblick ber den Kapitalbedarf und die Betriebskosten in
Abhngigkeit von der installierten Entsorgungsleistung in Mg/d gegeben. Die im

B. Bilitewski et al., Abfallwirtschaft


Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2000

8 Kostenbetrachtung von Abfallbehandlungsanlagen

614
[Link]
1.000

500

V
Y m 3 2( ~000

100

50

/
/

L'

/V

0,715

- - f------ -- -

V
!

20
50

100

500

5.000

1.000

Mg /d

Bild 8.1. Richtpreisdiagramm fr den Anlagekapitalbedarf von Abfallverbrennungsanlagen mit


Wrme-Kraftkopplung (Preisbasis 1997)

Abfall enthaltene Energie wird dabei immer in Form von Kraft-Wrme-Kopplung


umgewandelt. Es ist hier darauf geachtet worden, die Neubaupreise aus einer Untersuchung von 1997 zu verwenden.
Im Kapitalbedarf sind die Kosten ftir das Grundstck nicht enthalten, jedoch
wurden die notwendigen Gebhren sowie die Baufinanzierung bei einer dreijhrigen Abwicklungszeit angesetzt.

8.2.1

Kapitalbedarf von Abfallverbrennungsanlagen

In Bild 8.1. ist der Anlagenkapitalbedarf ftir moderne Abfallverbrennungsanlagen


zur Dampf- und Stromerzeugung ohne Aufbereitung der Schlacke in einem Richtpreisdiagramm dargestellt.
Tabelle 8.1. Prozentuale Aufteilung der Hauptpositionen des Anlagekapitalbedarfs fr Abfallverbrennungsanlagen in Abhngigkeit vom Durchsatz
Durchsatz [Mg/d]

50.000

100.000

200.000

300.000

Hauptposition [%]
0,5

0,4

0,3

0,2

2. Bau

13,6

15,7

16,2

16,4

3. Maschinen- Elektrik

69,7

67,9

68,3

68,2

2,5

2,5

1,6

1,5

13,7

13,5

13,6

13,7

100,0

100,0

100,0

100,0

I. Erschlieung

4. Auenanlagen
5. Bauzusatzkosten, Baufinanzierung
6. Anlagekapitalbedarf

8.2 Thermische Verfahren

615

Spezifische Kosten [DM/Mg]

=~1 X~",

300 Dauerleistung '---x....._x

==-x-

200 1-~~~~~~~------x_......___x
100
0

Auslegungsleistung
----,-----------,--------
0 30 40 50 60 70 75
Auslastung [ % ]
~-------,--

80

100

Bild 8.2. Spezifische Kosten in Abhngigkeit der Kapazittsauslastung filr eine Abfallverbrennungsanlage mit einer Dauerleistung von 300.000 Mg/a (Preisbasis 1997)

Der Anlagekapitalbedarf setzt sich wie in Tabelle 8.1. dargestellt aus verschiedenen Anlagekapitalbedarfspositionen zusammen. Je nach Gre der Anlage gibt es
eine prozentuale Verschiebung der unterschiedlichen Hauptpositionen. Zum Beispiel steigt der Kapitalbedarf fiir den Bau berproportional mit hherem Durchsatz, gegenber allen anderen Hauptpositionen.

8.2.2

Betriebskosten von Abfallverbrennungsanlagen

Die Nettobeseitigungskosten werden neben den kapitalabhngigen Kosten und den


Erlsen fiir Energie und Schrott entscheidend durch die Betriebskosten beeinflut,
die wiederum direkt von der Verfiigbarkeit der Anlage abhngen.
Die Verfiigbarkeit wird durchschnittlich mit 75% angenommen, obwohl in der
Praxis auch hhere Werte erreicht werden. In der Anlage in Bonn betrug der Wirkungsgrad fr den gesamten Kesselbetrieb 82,66 % im Jahresdurchschnitt.
Wie in Bild 8.2 dargestellt ist, nimmt mit abnehmender Auslastung einer Abfallverbrennungsanlage die mengenspezifischen Kosten zu. Dies liegt in der Tatsache begrndet, da ein Teil der Gesamtkosten unabhngig vom Durchsatz sind
(z. B. die Kapitalkosten, durchsatzunabhngige Betriebskosten). Diese fixen Kosten ndern sich im Gegensatz zu den variablen Kosten (wie z.B. die Beseitigungskosten fiir die Asche) nicht mit der Verringerung des Durchsatzes.
Fr Abfallverbrennungsanlagen, die den produzierten Dampf in einer KraftWrme-Kopplung nutzen, sind in Bild 8.3. die durchschnittlichen Gesamtkosten in
DM/Mg in Abhngigkeit vom Durchsatz dargestellt. Der Zusammenhang zwischen
den Gesamtkosten, den Erlsen und den Nettobeseitigungskosten (die Nettobeseitigungskosten stellen den Betrag dar, der zur Deckung der Abfallbeseitigung
durch Gebhren der ffentlichen Haushalte aufgebracht werden mu) wird aus
dem Bild ebenfalls deutlich. Je nach Ausstattungsgrad sind Abweichungen von
20% der hier vorkalkulierten Werte mglich.

616

8 Kostenbetrachtung von Abfallbehandlungsanlagen

MioDM/Mg

Strom
_ Fe-Schrott

Fernwnne

200

400

600

800 1000

1500

2000

Mg/d

Bild 8.3. Gesamtkosten und Nettobeseitigungskosten in DM/Mg in Abhngigkeit von der installierten Leistung (Mgla) filr Abfallverbrennungsanlagen mit Kraft-Wrme-Koppelung (Preisbasis
1997) [8.1]

In der Abbildung ergeben sich die durchschnittlichen Vorbereitungskosten, in dem


die Erlse von den Gesamtkosten abgezogen werden. Die Berechnung der Kurve
wurde analog den Daten der Tabelle 8.2. vorgenommen.

8.2.3

Behandlungskosten verschiedener Thermischer Verfahren

Die Rostfeuerungstechnik fiir die Verbrennung von Abfilllen ist ausgereift, technisch sicher und fiir ein breites Band unterschiedlicher Haushalts- und Gewerbeabfillle einsetzbar. Neben der klassischen Rostfeuerung und der Wirbelschichttechnik
haben sich in den letzten Jahren die Kombinationsverfahren in das Interesse der
ffentlichkeit geschoben. Hier sind besonders das Schwel-Brenn- und das Thermoselect-Verfahren zu erwhnen.
Das Schwel-Brenn-Verfahren stellt eine Kombination aus Entgasung im Drehrohrofen mit einer nachfolgenden Verbrennung der Entgasungsprodukte in einer
Brennkammer dar.
Beim Thermoselect-Verfahren wird die Entgasung in einem Schubofen durchgefiihrt. Die Entgasungsprodukte werden in einem Vergaser partiell oxidiert. In
dem folgenden Bild 8.4. sind die Behandlungskosten verschiedener thermischer
Abfallbehandlungsverfahren in Abhngigkeit vom Durchsatz dargestellt.

8.2 Thermische Verfahren

617

Tabelle 8.2. Basisdaten zur Ermittlung der Betriebs-, Gesamt- und Nettobeseitigungskosten am
Beispiel einer Abfallverbrennungsanlage mit 300.000 Mgla (Preisbasis 1997)

Kapitalabhngige Kosten:
Annuitten
Baufinanzierung, [%]
Bauteil, [%]
M&E,[%]
Versicherungen & Steuern,[%]
Betriebskosten:
Reparatur & Wartung
Bau,[%]
M&E,[%]
Personal, [DM/Kopf und Jahr]
Allg. Verwaltung, [% der Personalkosten]
Neu- und Abwasser, [DM/rn']
Neutralisation, [DM/Mg]
Erdgas, [DM/m3]
Deponie, [DM/Mg]
Aktivkoks [DM/Mg]
Erlse:
Elektrizitt [DM/kWh]
Fernwrme, [DM/GJ]
Schrott, [DM/Mg]
Nettobeseitigungskosten
spezifische Nettobeseitigungskosten

ca. 33 840 000


10,20
9,30
10,50
1,50
ca. 38 160 000
1,00
3,00
70 000,00
5,00
5,20
160,00
0,45
110,00
2 200,00
ca. 13 200 000
0,09
16,00
10,00
ca. 58 800 000
196,00 DM/Mg

Bei einem Durchsatz von I 00.000 Mgla liegen die Kosten der thermischen Behandlung zwischen 400 und 530 DM/Mg und sinken auf Werte bis 250 DM/Mg
bei einem Durchsatz von 500.000 Mgla. Dies sind kalkulierte Werte, da bisher nur
filr Rostfeuerungsanlagen die Erfahrungen vorliegen. Die neuen Kombinationsverfahren sind bisher noch nicht in den Dauerbetrieb gegangen.

8.2.4

Erlse fr Thermische Verfahren

In Bild 8.3. sind bereits die Erlse im Verhltnis zu den Betriebskosten in Abhngigkeit vom Durchsatz dargestellt. Die Haupteinnahmen filr die thermischen Verfahren sind Strom und Wrme.
Durch Erlse, die im wesentlichen aus der Vergtung von Strom resultieren,
lassen sich etwa 10 % der Betriebskosten reduzieren. Ist die Mglichkeit zur Einspeisung von Fernwrme gegeben, so verbessert sich die Wirtschaftlichkeit in
Abhngigkeit der anzusetzenden Stromminderleistung und der erzielbaren Erlse
filr die Wrme. Die Auskopplung von Fernwrme aus dem Dampfsystem der
MVA trgt entscheidend zur Wirkungsgraderhhung der Anlage und zur Verbes-

8 Kostenbetrachtung von Abfallbehandlungsanlagen

618

600 . - - - - - - , - - -

~ ~---+----+----+-

200.000

100.000

300.000
[Link] IM &I I

400.000

100.000

600.000

Bild 8.4. Behandlungskosten verschiedener Verfahren zur thermischen Behandlung von Abfilllen
in Abhngigkeit vom Durchsatz (Preisbasis 1995) [8.2]
14

12 ~-----~

10

- - - 0.04 OM'kWl th

-------tJ

: +---1

0,1

0.2

0,3

0 ,4

--0.02 OM'kWl th
-6-0,01 OM'kWlth
--*-0,10 OM'kWl

ei l

Feuerungsw arrre
Ieistung 55 MN

0,5

kWl FW/kWl Darrpf

Bild 8.5. Entwicklung der Gesamterlse bei einer Kraft-Wrme-Kopplung in Abhngigkeit von
der Fernwrmeauskoppelung im Verhltnis zur Dampfproduktion. Stromminderung:
0,15 kWhe1/kWhth (gendert nach [8.3]

serung der Umweltvertrglichkeit bei. Gleichwohl ist diese Manahme aus wirtschaftlicher Sicht nicht immer sinnvoll. Bild 8.5. zeigt den Einflu der Fernwrmevergtung unter Bercksichtigung der Stromminderleistung auf die Erlssituation bei Kraft-Wrmekopplung. Dargestellt ist das Ergebnisdiagramm filr eine
Stromminderleistung von 0,15 kWh.1/kWhth.

8.3 Aufbereitungsverfahren

6I9

Das Bild 8.5. zeigt den Gesamterls von ca. 8,4 Mio DM ohne Femwrmeauskoppelung. Whrend der Erls filr Strom sinkt und bei einer Fernwrmeauskoppelung
von 50 % auf ca. 5,8 Mio DM sinkt, steigt dennoch der Gesamterls filr die Anlage auf ca. 13,0 Mio DM, wenn der Fernwrmepreis bei 0,04 DMIKWhth liegt.

8.3
Aufbereitungsverfahren
8.3.1
Anlagekapitalbedarf und Kosten einer Gewerbeabfallsortieranlage
Tabelle 8.3. Anlagenkapitalbedarffilr eine Sortieranlage (Preisbasis 2. Halbjahr 1992)
Anlagenbezeichnung
Bauteil
Sortierhalle und Haustechnik
Planung/Bauaufsicht
Summe Bauteil
Maschinen und Fahrzeugtechnik
Sortieranlage
Fahrzeugtechnik
Summe Maschinen und Fahrzeugtechnik
Finanzierungskosten (9,5 %)
Anlagenkapitalbedarf (AK)

Kapitalbedarf
[DM]
17 500 000
I 500 000
19 000 000
10 500 000
750 000
II 250 000
I 437 000
31 687 000

Im Gegensatz zur Verbrennungsanlage, bei der nur eine grobe Kenntnis ber die
Zusammensetzung der Abflle notwendig ist, mu bei der Auslegung einer Sortieranlage eine mglichst genaue Kenntnis der Abfallinhaltsstoffe vorhanden sein.
Als Beispiel wird eine Sortierungsanlage filr Gewerbemll und Baustellenabtlilie
zugrunde gelegt. Insgesamt werden 11 0 000 Mgla verarbeitet. Dabei werden nicht
kontaminierte Holzabtlilie in einem Wirbelschichtofen in der Anlage thermisch
verwertet.
In der Tabelle 8.3 ist der Kapitalbedarf filr eine kombinierte Gewerbe- und
Baustellenabfall-Sortieranlage mit ca. 31,7 Mio. DM kalkuliert. Die prognostizierte Genauigkeit betrgt 20 %. In der Tabelle 8.4. sind die Gesamtkosten der
Sortieranlage kalkuliert. Aufgrund dieser Kalkulation ergeben sich Gesamtkosten
pro Jahr von 16,95 Mio. DM fUr den Betrieb einer kombinierten Sortieranlage mit
einem Durchsatz von 11 0 000 Mgla. Die spezifischen Behandlungskosten betragen
ohne die Bercksichtigung der Erlse 154 DM/Mg.

620

8 Kostenbetrachtung von Abfallbehandlungsanlagen

Tabelle 8.4. Ermittlung der kapitalabhngigen Kosten, der Betriebs- und Gesamtkosten filr die
Gewerbesortieranlage in DM (gerundet, Preisbasis 2. Halbjahr 1992)

I. Kapitalabhngige Kosten [DM]:


Annuitten
Finanzierung
Bauteil
Maschinentechnik
Fahrzeugtechnik
Summe Annuitten
Versicherungen und Steuern
Umlaufkapital (5 % v. AK)
I. Summe kapitalabhngige Kosten

288 000
2 416 000
2 253 000
190 000
5 147 000
376 000
I 585 000
7 108 000

II. Betriebskosten:

1.
2.

3.
4.
5.

6.
7.

II.

Personalkosten (80 Personen)


Reparatur- und Wartungskosten
Bauteil
Maschinentechnik
Fahrzeuge
Summe Reparatur- und Wartungskosten
Hilfs- und Betriebsstoffe
Treibstoff
Energie
Grundgebhr 140,- DM/kW
Arbeitspreis
Summe Energie
Reststoffbeseitigung
Allg. Verwaltungs- und Vertriebskosten
5 % der Personalkosten
4 % von Pos. 2-6
Summe Verwaltung und Vertrieb
Summe der Betriebskosten

4 200 000
95 000
262 500
22 500
380 000
77 000
195 000
176 000
220 000
397 000
4 170 000
210 000
209000

III. Gesamtkosten (Summe I + II)


Spezifische Behandlungskosten, [DM/Mg]

419 000
9 838 000
16 946 800
154

8.3.2
Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen fr Abbruch- und
Aufbereitungsanlagen [8.4]
[Link]
Wirtschaftlichkeitsvergleich zwischen dem klassischen Abbruch und
einem kontrollierten ROckbau
Steigende Abbruchkosten, verursacht durch hhere Deponiepreise und gesetzliche
Auflagen zur Trennung unterschiedlicher Baustoff-Fraktionen, bieten die Grundla-

8.3 Aufbereitungsverfahren

621

ge filr einen konomischen Vergleich zwischen den herkmmlichen Abbruchverfahren und dem kontrollierten Rckbau.
Es stehen folgende Abbruchmglichkeiten zur Verfilgung:
I. Kontrollierter Rckbau eines Gebudes in Deomontagestufen mit dem Ziel
einer mglichst weitgehenden Materialgewinnung. Die Sortierung der gewonnenen Fraktionen erfolgt whrend des Abbruchs.
2. Abbruch des gesamten Bauwerks ohne differenzierte Demontagestufen und
Sortierung vor Ort (klassischer Abbruch).
Eine dritte Variante stellt die Kombination der beiden Verfahren dar:
3. Kombinierter selektiver Rckbau (Entkemung) mit anschlieendem Totalabbruch des Restgebudes.
Bei dieser Variante wird die Innenausstattung (z. B. Elektrik-, Sanitr- und Heizungsinstallationen, Bodenbelge, Tren usw.) weitgehend demontiert. Das noch
verbleibende Restgebude (Dach, Auen- und Innenwnde, Decken, Fundamente)
wird ohne weitere Dernontage abgebrochen.
Kostenvergleich beim Rckbau, Beispiel Hotel Post, Dobel [8.3]
In Dobel, Landkreis Calw wurde 1993 der Abbruch eines Hotels als selektiver
Rckbau durchgefilhrt. In diesem Zusammenhang erfolgte ein Kostenvergleich
zwischen den drei oben genannten Abbruchrnglichkeiten. Das Ergebnis dieses
Vergleichs ist in Bild 8.6. dargestellt. Aus Bild 8.6. wird deutlich, da der selektive bzw. kontrollierte Rckbau unter den gegebenen lokalen Rahmenbedingungen
die kostengnstigste Variante darstellt. Bezogen auf den Bruttorauminhalt (BRI)
des Gebudes wurden filr die einzelnen Methoden folgende Gesamtkosten ermittelt:
26,40 DM/rn 2 BRI,
- selektiver Rckbau:
- teilweise selektiver Rckbau: 29,67 DM/ rn2 BRI,
32,64 DM/rn 2 BRI.
- klassischer Abbruch:
180.000
160.000

_..--

140.000
120.000

i'

e.

100.000

~0

80.000

>::

60.000
40.000
20.000

selektiver

Rckbau

Teiledementage
und Abbruch

Abbruch IX1d
Demontage

Bild 8.6. Kostenvergleich von drei Abbruchmglichkeiten filr das Hotel Post, Dobel

622

8 Kostenbetrachtung von Abfallbehandlungsanlagen

Unter den regionalen Bedingungen erwies sich der klassische Abbruch um etwa
24 %, der teilweise selektive Rckbau um etwa 12% teurer als der kontrollierte
Rckbau.

Kostenvergleich beim geplanten Teilrckbau eines


lndustriegeblludes
Ein weiterer Kostenvergleich zwischen verschiedenen Abbruchverfahren soll anhand der Planung fUr den Teilrckbau eines Industriegebudes in DresdenKlotzsche dargestellt werden. Es handelte sich um ein Gebude in Stahlbetonskelettbauweise. Das Gebude sollte bis zum Rohbau komplett entkernt, um anschlieend architektonisch neu gestaltet zu werden.
Zur Ermittlung der Massenanteile der einzelnen Materialklassen wurde das Gebude detailliert analysiert.
Die Gebudeanalyse ergab (Bild 8.7.), da 95,8% des zu demontierenden Gebudeinhalts verwertbar, 3,9% nicht recyclingsfhig und 0,3% kontaminiert waren.
Tabelle 8.5. Zusammenstellung der Kostenarten ftlr eine Wirtschaftlichkeitsberechnung (Preisbasis 1994)
Kontrollierter Rckbau des Industriegebudes- Variante 1 -

Kontamination
Recycelbares
Material
Nichtrecycelbares Material

Masse

Demontagekosten

Transportkosten

[Mg]
55

[DM]
251.000

[DM]
13.000

19.800

1.666.000

170.000

800

(84DM/Mg)
426.000

(8,5 DM/Mg)
32.000

(40 DM/Mg)
2.342.000
215.000
Summe
20.655
Klassischer Abri des Industriegebudes- Variante 2TransportMasse Demontakosten
gekosten
[Mg]
55

[DM]
251.000

[DM]
13.000

Bauschutt/ Baustellenrestabfall

20.600

1.45.000

185.000

Summe

20.655

Kontamination

(75 DM/Mg)
1.796.000

(9 DM/Mg)
198.000

Recycling/
Summe
Deponiekosten
[DM]
[DM]
44.000
308.000
(800DM/Mg)
400.000
2.236.000
(20DM/Mg)
160.000
(200DM/Mg)
604.000

618.000

3.161.000

Recycling/
Summe
Deponiekosten
[DM]
[DM]
44.000
308.000
(800DM/Mg)
l.l33.000
2.863.000
(55 DM/Mg)
l.l77.000

3.171.000

8.3 Aufbereitungsverfahren

623

0,3% 3,9%

C)
95,8%

I 11 Kontaniniert

flichtrecycelbar

o Recycelbar I

Bild 8.7. Massenanteile der Materialklassen beim Teilrckbau eines Industriegebudes in Dresden [8.3]

Auf der Grundlage der Gebudeanalyse und des Verwertungs- und Entsorgungsplanes wurden die Demontageschritte und der Zeitplan (Rckbauplan) entwickelt.
Darauf basierend wurde der Arbeits-, Transport- und Entsorgungs- bzw. Verwertungsaufwand abgeschtzt (Tabelle 8.5.).
Folgende Rckbauverfahren wurden verglichen:
1. Der kontrollierte Rckbau mit eine detaillierten Trennung der Materialien in
verschiedene Verwertungsfraktionen auf der Baustelle.
2. Rckbau ohne Separierung auf der Baustelle und Anlieferung des Bauschutts
bzw. der Baustellenabililie an eine Sortieranlage.
3. Vollstndige Deponierung der gebrauchten Baustoffe auf einer regionalen
Deponie.
Bei allen drei Varianten wurde vorausgesetzt, da das kontaminierte Material
getrennt erfat und einer geordneten Entsorgung zugeftlhrt wurde. Fr den Kostenvergleich wurden die 1994 in der Region Dresden geltenden Preisstrukturen
zugrundegelegt
Der Kostenvergleich (Tabelle 8.5.) ergab, da der kontrollierte Rckbau (Variante I) und die Variante 2 (Anlieferung an Sortieranlage) in der Gesamtkostenbilanz etwa gleich zu bewerten waren. Der Totalabbruch mit vollstndiger Deponierung ergab ca. 14 % hhere Gesamtkosten.
Wirtschaftlichkeit verschiedener Abbruchverfahren in Abhlingigkeit
von der Deponiegebhrenentwicklung
Die Kosten ftlr den kontrollierten Rckbau des Industriegebudes in Dresden wurden erstmals 1992 ermittelt. Dabei wurden die Demontage,- Transport-, Entsorgungs- bzw. Recyclingkosten erfat. Parallel erfolgte eine Kostenschtzung ftlr
einen klassischen Abbruch. Die Ergebnisse beider Methoden wurden vergleichend
dargestellt. Ein Vergleich der Ergebnisse auf der Grundlage der Kostenstrukturen
von 1992 und 1994 ist in Bild 8.8. dargestellt.
Whrend die Demontage-, Transport- und Recyclingkosten im wesentlichen im
Rahmen der allgemeinen Inflationsrate von 4-6 % stiegen, haben sich die Deponiekosten ftlr gebrauchte Baustoffe in der Region Dresden fast verdreifacht. Waren
die Gesamtkosten beider Abbruchmethoden im Jahre 1992 noch miteinander vergleichbar, so ergaben sich 1994 ftlr den kontrollierten Rckbau um etwa ein Drittel
niedrigere Gesamtkosten.

624

8 Kostenbetrachtung von Abfallbehandlungsanlagen

Als Schlufolgerung lt sich fr alle dargestellten Beispiele zeigen, da der kontrollierte Rckbau gegenber dem klassischen Abbruch die gnstigere Variante in
der Gesamtkostenbilanz ist. Der konomische Vorteil des kontrollierten Rckbaus
wird jedoch sehr stark von der regionalen Deponiegebhrenstruktur bestimmt und
kann deshalb nicht verallgemeinert werden.

[Link]

Wirtschaftlichkeit von Aufbereitungs- und Sortieranlagen fr


gebrauchte Baustoffe
Baustoff-Aufbereitungsanlagen
Die Wirtschaftlichkeit von Aufbereitungs- und Sortieranlagen fr gebrauchte Baustoffe wird im wesentlichen von folgenden Faktoren beeinflut:
- Standort,
- Infrastruktur,
- Marktsituation (Absatzchancen, Konkurrenzsituation zu Primrbaustoffen),
- Investitions- und Betriebskosten der Anlage.
Grundlage fr Investitionsentscheidungen bilden Rentabilittsanalysen, die auf
Kostenabschtzungen und Erlsprognosen basieren. Marktanalysen bieten zustzlich Informationen ber die regionalen Deponiegebhren, die mglichen Verkaufserlse sowie die minimal bzw. maximalerfabaren Input- und Outputmengen
im Umkreis.
Als positive Faktoren gehen in einer Kalkulation die Annahmeentgelte und die
Verkaufserlse fr die Recycling-Baustoffe und evt. Metalle ein. Wird die Aufbereitungsanlage nicht als Dienstleistungsunternehmen, sondern im Rahmen einer
Bau- bzw. Abbruchunternehmung betrieben, ergibt sich zustzlich als positiver
Faktor die eingesparten Deponiegebhren.
Nachfolgend wird eine Kostenanalyse vorgestellt, die auf Grundlage von elf als
Dienstleistungsunternehmen betriebenen Baustoff-Aufbereitungsanlagen durchgefUhrt wurde. Bei den in der Analyse bercksichtigten Anlagen handelt es sich
um sechs stationre und filnf semimobile (stationr betriebene) Aufbereitungsanlagen. In der Kostenanalyse wurden folgende Kostenarten bercksichtigt [8.4]:
- Variable Kosten: Energie-, Reparatur-, Entsorgungs-, Transport und sonstige
Betriebskosten;
- Fixkosten: Personal-, Abschreibungs-, Miet-, Rekultivierungs-, Labor-, Versicherungs- und Betriebsgemeinkosten sowie Verwaltungskosten.
Die Untersuchung wurde in Form einer empirischen Regressionsanalyse durchgefilhrt. In Bild 8.9. sind die spezifischen Kosten in DM/Mg dargestellt [8.4].
In der Praxis mssen in einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung weiterhin noch regionale Gegebenheiten wie z.B. Pachtgebhren bercksichtigt werden.
Als Ergebnis der Untersuchung lt sich feststellen, da die Gesamtkosten von
Baustoff-Aufbereitungsanlage erheblichen Kostendegressionen unterliegen. Danach knnen lediglich Anlagen mit einer Mindestauslastung von 200.000 Mgla bei
durchschnittlichen Annahmegebhren und Verkaufserlsen wirtschaftlich betrieben werden. Ein Anlagenbetrieb unter betriebswirtschaftliehen Gesichtspunkten ist
danach nur in stdtischen Regionen mit entsprechend hohem Materialaufkommen

8.3 Aufbereitungsverfahren

625

Kontrollierter ROckbau

I:3,407

3,5
3,0
2,5

::g

2,0

1,5

.5
c

%l
{2

1,0
0,5
1992

1994

Klassischer Abri

I:5,125
5,0

4,0

~
0

3,0

.5

{2

2,0

1,0

0,0

1992

0 Recyci.!Deponiekosten

1994

!21 Demontagekosten

D Transportkosten

Bild 8.8. Kostenentwicklung filr den kontrollierten Rckbau und klassischen Abbruch von 1992
und 1994 filr ein Industriegebude in Dresden [8.3]

626

8 Kostenbetrachtung von Abfallbehandlungsanlagen

25
-+-variable Kosten

20

-fixe Kosten
~ Gesantkosten

15
10
5
0+-----~----~------~----~----~----~

50000

75000

100000

125000

150000

200000

250000

Durchsatz [fvtl/a]

Bild 8.9. Zusammenfassung der spezifischen Gesamt-, fixen und variablen Kosten in Abhngig-

keit vom Durchsatz als Analyse von II BaustofT-Aufbereitungsanlagen [8.4]

mglich. In lndlichen Regionen mit geringen Aufkommen (deutlich unter


100.000 Mgla) mssen andere Modelle filr einen stationren Anlagenbetrieb praktiziert werden. Hier bieten sich z.B. Betreibervertrge mit der Kommune (Anschlu- und Benutzerzwang) als realisierbare Variante an.

Baustellenabfa/1-Sortieran/agen

Die generellen Einflufaktoren auf die Wirtschaftlichkeit von BaustellenabfallSortieranlagen sind vergleichbar denen bei Baustoff-Aufbereitungsanlagen. Unterscheidungen ergeben sich aufgrund des geringeren Aufkommens an Baustellenabfllen sowie des hheren Strstoffanteils. Dies bedingt einen entsprechend hohen
Aufwand bei der Sortierung zur Gewhrleistung der fiir die Verwertung erforderlichen Qualitt der Produkte.
Die Absatzchancen des inerten Anteils aus einer Baustellenabfall-Sortieranlage
sind nur fiir untergeordnete Einsatzgebiete gegeben, was niedrigere Erlse zur
Folge hat. Die Feinfraktionen <5-8 mm werden teilweise entsorgt, da sich hier
etwaige Schadstoffe anreichern. In einer Kombinationsanlage, in der sowohl Baustellenahflle als auch Bauschutt aufbereitet werden knnen, stellt sich die Vermarktungssituation bedeutend positiver dar.
Nachfolgend werden beispielhaft zwei Baustellenabfall-Sortieranlagen in einer
Wirtschaftlichkeitsbetrachtung gegenbergestellt. Beide Anlagen verfUgen ber
eine Vorsortierung mittels Greifbagger und einer Handsortierstation. Die Anlagen
sind fiir einen Durchsatz von ca. 50.000 Mgla ausgelegt. Unterschiedlich ist jedoch
der maschinentechnische Aufwand.
In der Anlage I wird nach dem Vorabscheider das Grobkorn (> 150 mm) ber
einen Magnetscheider in die Handsortierung geleitet. Von der Feinfraktion wird

8.3 Aufbereitungsverfahren

627

das Feinkorn 0/15 mm abgezogen und die Mittelfraktion in zwei Siebschnitten


gesichtet.
In der Anlage II wird nach der Vorsortierung das Material klassiert. Die Grobfraktion > 250 mm wird in die Handsortierstation gefiihrt, die kleiner ausgelegt ist
als bei Anlage I. Von der Fraktion< 250 mm wird die Feinfraktion 0/10 mm abgesiebt. Die Fraktion 10/250 mm wird bei 80 mm getrennt. Die Fraktion 80/250 mm
wird ber ein Sortieraggregat in eine weitere Handsortierung zur Kontrolle gefUhrt. Die Fraktion 10/80 mm wird gesichtet. Der hhere Aufwand zur maschinellen Sortierung in der Anlage II schlgt sich in den hheren Maschineninvestitionskasten nieder (Tabelle 8.7.)
Folgende Vorgaben sind filr den Vergleich erforderlich:
- die Fahrzeuginvestitionen beziehen sich jeweils auf ein Fahrzeug (Bagger);
- Engineering-Kosten wurden nicht bercksichtigt,
- Pachtgebhren sind aufgrund der starken regionalen Schwankungen nicht bercksichtigt;
- die Entsorgungskosten und Erlse sind pauschaliert.
Tabelle 8.6. Zusammensetzung des In- und Outputs der Baustellenabfall-Sortieranlagen [8.4]
Input

Anlage I und II
[Gew.-%]

Mineralische Anteile

50,0

Metalle (Fe/NE)

3,2

Holz
Papier/Pappe

6,5

8,5

Dachpappe

2,3

Kunststoffe

0,5

Sonstige Fll-/Reststoffe

29,0
Anlage I

Anlage II

[Gew.-%]

[Gew.-%]

39,4
10,0

46,0
12,5

NE-Metallet

3,1
0,1

3,1
0,1

Holz

7,0

8,3

Papier/Pappe

6,5

6,5

Kunststoff

0,5

0,5

Mineralien

22,0

12,5

Sonstiges

ll,4

10,5

Output
Wertstoffe:
Inertes Material
Fllboden
FE-Metalle

Reststoffe:

628

8 Kostenbetrachtung von Abfallbehandlungsanlagen

Fr die Betrachtung der Outputsituation wurde bei beiden Anlagen von dem in
Tabelle 8.6. dargestellten Input ausgegangen. Danach ergibt sich jeweils die abgeschtzte Zusammensetzung des Anlagenoutputs. In Tabelle 8.7. sind die Einzeldaten der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung zusammengefat.
Tabelle 8.7. Kosten und Erlse von zwei beispielhaften Baustellenabfall-Sortieranlagen [8.4]
Parameter
Bauteil
Maschinen
Fahrzeug
Investitionssumme
Anlagekapital (lnvest +Finanz.)
Abschreibung (Annuittentilgung), inkl.
Umlaufkapital

Anlage I [DM]

Anlage II [DM]

500.000

800.000

1.300.000

4.200.000

250.000

250.000

2.050.000

5.250.000

2.234.500

5.722.500

387.100

973.500

Versicherung und Steuern 1% AK

44.700

114.500

Summe kapitalabhngige Kosten

431.800

1.088.000

Personalkosten 13/11 Mann


Energiekosten (Strom+ Diesel)

918.000

800.000

110.000

137.000

Reparatur, Wartung, Verschlei

174.000

381.000

Entsorgung mineral. Reststoffe

550.000

313.000

1.140.000

1.050.000

13.0000

13.000

8.500

10.000

195.000

180.000

3.108.500

2.884.000

(Baustoff-Deponie) 50,- DM/Mg


Entsorgung sonstige Reststoffe
200,-DM/Mg
Marketingkosten 0,20 DM/Mg
Eigen- und Fremdberwachung,
0,60 DM/m3Produkt
allgemeine Verwaltungskosten
Summe Betriebskosten
Kalk. Wagnis und Gewinn I 0 %
Gesamtkosten pro Jahr
RC-Baustoff 10,-/15,- DM/Mg

310.000

288.000

3.850.300

4.260.000

197.000

345.000

Fllboden 2,- DM/Mg

10.000

12.500

Fe-Schrott 80 DM/Mg

124.000

124.000

10.000

10.000

-17.500

-20.750

Papier/Pappe 0,- DM/Mg

Kunststoff -10,- DM/Mg

-2.500

-2.500

321.000

468.250

70,60DM/Mg

75,88DM/Mg

NE-Schrott 200,- DM/Mg


Holz -5,- DM/Mg

Summe Erlse
Annahmeentgelt zur Kostendeckung

8.3 Aufbereitungsverfahren

629

Die unterschiedlichen Resultate ergeben sich u.a. aus den folgenden Grnden:
- Beide Anlagen verfgen ber eine Annahmehalle. Diese differiert in der Gre,
da die komplette Maschinentechnik der Anlage II in der Halle untergebracht ist.
- Die Investitionskosten unterscheiden sich durch den maschinentechnischen
Aufwand fUr die Sortieraggregate.
- Der hhere maschinelle Softieraufwand der Anlage II bedingt weniger Arbeitskrfte zur hndischen Sortierung. Damit ergeben sich geringere Personalkosten.
- Bei der Anlage I ergeben sich aufgrund der einfacheren Maschinentechnik gnstigere Energie- und Reparaturkosten.
- Der hhere Erls fUr den Inert-Anteil der Anlage II ist durch das qualitativ
hochwertige Produkt (hhere Reinheitsgrad) begrndet.
Das errechnete Annahmeentgelt ergibt sich als Mindestforderung, das bei den
getroffenen Annahmen zur Deckung der Kosten erforderlich ist. Die Kalkulation
verdeutlicht, da bei gleichen Standortbedingungen (Miete, Input, etc.) das Annahmeentgelt der Anlage II nur ca. 5,15 DM hher liegen mte, um die Anlage
kostendeckend zu betreiben.
Schlufolgerungen
Die dargestellten Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen zeigen, da fUr die Herstellung
von Qualittsprodukten sowohl im Bereich der Baustoff- wie auch der Baustellenabfall-Sortierung ein erheblicher techniSICher und verwaltungsmiger Aufwand
erforderlich ist. Hierzu zhlt auch die gesamte Unternehmensstruktur, um das
Baustoff-Recycling nachhaltig zu einem umweltfreundlichen Proze zu gestalten.
Der Aufwand fUr die Produktion von RC-Baustoffen auf hohem Qualittsniveau
und unter Bercksichtigung aller Umweltschutzanforderungen verursacht entsprechende Kosten. Die Kosten in Abhngigkeit von der Durchsatzleistung unterliegen
einem degressiven Verlauf. Fr einen wirtschaftlichen Anlagenbetrieb ist bei den
erzielbaren Erlsen aus dem Verkauf der Produkte sowie den Einnahmen durch
Annahmeentgelt eine gesicherte Jahresdurchsatzmenge erforderlich.

[Link]

Kostenwirksamkeit der getrennten Erfassung auf der Baustelle

Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, da durch eine Vorsortierung der


Baustellenabflle am Gestehungsort sich Kosten bei der Sortierung und Deponierung einsparen lassen. Die auf verschiedenen Baustellen durchgefilhrte Untersuchung des Mehraufwandes fUr die Trennung in verschiedene Fraktionen brachte
folgende Ergebnisse [vgl. Bild 8.10.]:
Insgesamt wurde festgestellt, da auch unter Einbeziehung des Mehraufwandes
die Trennung auf der Baustelle deutlich gnstiger als die vermischte Entsorgung
ist. Die Einsparung kann trotz Mehraufwand je nach rtlichen Verhltnissen in der
Grenordnung des kalkulierten Gewinns aus der Baumanahme liegen. rtliche
Randbedingungen, wie beispielsweise beengte Platzverhltnisse oder Kleinbaustellen, lassen eine Vortrennung auf Baustellen nicht immer zu, so da der Einsatz
von Sortieranlagen grundstzlich notwendig bleibt.
Im Rahmen von Begleitfahrten mit Leistungsdatenaufnahme wurden Klein- und
Minicontainer mit Absetzbehltern (6-1Om3) verglichen, um daraus allgemeine
Planungsdaten ableiten zu knnen [8.5].

630

8 Kostenbetrachtung von Abfallbehandlungsanlagen


Baumanahme 1

DM
44 .000
40.000
36.000
32..000
28.000
24 .000
20.000
16 .000
12.000
8.000
4.000

DM
14000

38.988

12000

Baumanahme 2
11 .753

10000

26247

7.980

8000
6000
4000
2000

0 ~~--~-+~. . . .~

olmo
Trennung

ol>no

n-11
Trennung

Trennung

Baumanahme 3

DM
20000

DM

16.835

n-11
Trennung

Baumanahme 4

12000

16000

8.934

10000

10..29

8000

12000

6000

8000

2000

ohne

TMnnung

fril
Trennung

Baumanahme 5

DM

Ohno
Trennung

DM

140.000

rri1
Trennung

Baumanahme 6

8000
120.098

120.000

7000

100.000

6000
72.655

80.000

6.Je0
4.620

5000
4000

60.000

3000

40.000

2000

20.000

1000

Ohno

Trennung

mt
Trennung

Ohno
Trennung

mt
Trennung

Bild 8.10. Vergleich der Gesamtkosten mit und ohne Vorsortierung auf der Baustelle (Preisbasis
1995) [8.5]

Tendenziell haben Klein- und Minicontainer bei zunehmender Anzahl an getrennten Fraktionen und in lndlichen Regionen logistische Vorteile. Auerdem sind
diese evtl. bei beengten Platzverhltnissen gnstig einsetzbar.

8.3 Aufbereitungsverfahren

631

(DM!Mg) A

160
J

140
120 -

r--

100 -

1----

',_,I--

~i~-'~JI

80
I

60

,...-

40

20
0
BOndeisammlung

Depotcontainer

,
Recyclinghof

Monotonne

Bild 8.11. Darstellung der Bandbreiten der Sortierkosten von gemischt und getrennt gesammeltem Altpapier aus verschiedenen Sammelsystemen [8.1 0]

8.3.3

Sortierkosten bei der getrennten Altpapiersammlung

Das gesammelte Altpapier aus Depotcontainern und Monotonnen mu in Sortieranlagen von den papierfremden Bestandteilen sowie produktionsschdlichen Bestandteilen gem der Altpapier-Sortenliste befreit werden. Eine PositivSortierung in die Sorten B 19 (Kauthausaltpapier) und D 39 (Deinkingware) ist
empfehlenswert.
Fr die Sortierung des in Depotcontainern oder Monotonnen gesammelten Altpapiers werden einfache Anlagen, bestehend aus einem Aufgabellirderer (Plattenband), einer manuellen Sortierstrecke und einer Ballenpresse, eingesetzt. Je nach
Altpapierdurchsatz und Art der Sortierung (positiv oder negativ) mssen unterschiedlich viele Arbeitspltze an der Sortierstrecke vorhanden sein. Die Sortierer
nehmen die Verunreinigungen bzw. Zeitschriften, Illustrierten oder Wellpappe
vom Band und werfen diese ber Fallschchte in bereitstehende Container oder
hnliches. Die einzelnen Altpapier-Sorten werden anschlieend mittels einer Ballenpresse verdichtet, sofern die Verdichtung im Fahrzeug nicht ausreichend ist.
Bild 8.11. zeigt die Spannweite fiir die Sortierkosten des Altpapiers aus den verschiedenen Sammelsystemen.
Die Hhe der Sortierkosten hngt bei der Sortierung von Altpapieren von der Art
der Sortierung ab. Die negative Sortierung stellt die preiswerteste Variante dar,
setzt aber voraus, da die Altpapiere nicht gemischt, sondern bereits getrennt in
graphische und Verpackungspapiere erfat werden.

632

8 Kostenbetrachtung von Abfallbehandlungsanlagen

1.61

1,22

elnfo<he .Aologen~onllgu<ollon

lefmeeh_ 'konventlonelet Prou

Bild 8.12. Vergleich der Produktausbringung in einfachen und automatisierten Sortieranlagen filr
LVPC [8.12]

8.3.4

Sortierkosten der DSD-Leichtverpackungen

Eine Schlsselbestellung ftir die Kostenentwicklung des Recycling von LVP aus
der DSD-Sammlung im Gelben Sack bzw. in der Gelben Tonne kommt die Sortierung der Sammelgemische zu. Niedrige Schttgewichte, geringe Einzelteilchenmassen, hohe Verunreinigungsgrade, Artikel- und Stoffvielfalt sowie eine starke Heterogenitt bezglich aller physikalischer Parameter erschweren eine mechanische
Aufbereitung der LVP-Gemische, so da in der betrieblichen Praxis ca. 350 Sortieranlagen vornehmlich mit maschinengesttzter Handsortierung betrieben werden.
Daher kommt filr die Kostenbetrachtung der Sortierung auch die Steigerung der
Produkttrennung pro Zeiteinheit eine groe Bedeutung zu, da in den einfachen
Anlagen der spezifische Durchsatz bei 125 kg InputmateriaVSortierer und h liegt.
Wie Bild 8.12. zeigt, wird durch das integrierte Verfahren ein deutlich hheres
Ausbringen erreicht. Der Systemvergleich ist im folgenden um eine Kostenbetrachtung ausgeweitet worden.
Bild 8.13. zeigt die Ergebnisse der Kostenbetrachtung, die erwartungsgem im
Vergleich der spezifischen Betriebskosten zwischen den konventionellen Verfahren deutliche Vorteile auf Seiten der [Link], hher mechanisierten
Variante ausweist. Trotz der deutlich hheren Investitionskosten und der Notwendigkeit, hher qualifiziertes Personal einzusetzen, erweist sich das integrierte Verfahren als das kostengnstigste, wobei sich der Abstand gegenber den konventio-

8.3 Aufbereitungsverfahren

633

-
Olnv- ror M&E
p.r:fscl'le [Link]
Cspez:tfiscl'le Srstsmkoste n

Bild 8.13. Vergleich der spezifischen Kosten von einfachen und automatisierten Sortieranlagen
fr LVP [8.12]

nellen Verfahren unter Bercksichtigung der gesamten Systemkosten noch vergrert.

8.3.5
Mechanisch-biologische Restabfallverfahren
Bei den Verfahren der mechanisch-biologischen Restabfallbehandlung (MBA) gibt
es zur Zeit keinen bundesweit anerkannten Stand der Technik. Die bisher geplanten und realisierten Anlagen der MBA unterscheiden sich hinsichtlich Zielsetzung
(z.B. biologische Stabilisierung oder biologische Trocknung) sowie im technischen Standard beachtlich voneinander (von emissionskontrollierten, eingehausten
Rottehallen bis zu offenen Rotteflchen). Sie entstanden im Ergebnis konkreter
Anforderungen von entsorgungspflichtigen Krperschaften zur Verlngerung der
Deponielaufzeit, zur Minimierung der Emissionen, zur Verbesserung des Einbauverhaltens und als Vorschaltanlage vor der Abfallverbrennung.
Es ergeben sich zwei prinzipielle Mglichkeiten einer stoffspezifischen Restabfallbehandlung:
1. Kombination der biologischen mit der thermischen Behandlung nach Trennung
der Stoffstrme in eine heizwertreiche Fraktion (BRAM) zur thermischen Verwertung und in eine heizwertarme Fraktion (inkl. biologisch abbaubarer Fraktion) zur biologischen Behandlung und/ oder thermischen Beseitigung (Parallelschaltung),
2. Biologische Vorbehandlung vor der thermischen Restabfallbehandlung zur
Reduzierung der thermisch zu behandelnden Abfallmengen (Reihenschaltung).
Nach dem heutigen Kenntnisstand ist dabei in jedem Falle eine thermische Stufe
zur Behandlung der Abfallteilstrme vorzusehen. In Forschungsarbeiten wird

634

8 Kostenbetrachtung von Abfallbehandlungsanlagen

derzeit untersucht, welche Kriterien zur Kennzeichnung eines ablagerungsfiihigen,


mechanisch-biologisch behandelten Teilstromes anwendbar wren. Die alleinige
mechanisch-biologische oder thermische Restabfallbehandlung entspricht nicht
den Zielsetzungen einer stoffspezifischen Restabfallbehandlung.
Abhngig von den angestrebten Behandlungszielen und rtlichen Gegebenheiten knnen die MBA-Anlagen in drei Kategorien untergliedert werden:
Kategorie I: Extensive Verfahren, bergangslsungen fr dezentrale Deponien
- geringer Automatisierungsgrad bei kleinen Anlagen
- geringe verfahrens-und bautechnische Aufwendung (offene Anlagen)
- keine Aufwendungen zur Abluftfassung und -behandlung
Kategorie II: Extensive Verfahren
geringer Automatisierungsgrad
- geringe verfahrens- und bautechnische Aufwendung
- geringe Aufwendungen zur Abluftfassung und -behandlung
Kategorie III: Intensive Verfahren
hoher Automatisierungsgrad
hohe verfahrens- und bautechnische Aufwendung, u.a. Einhausung emissionsrelevanter Bereiche
hohe Aufwendungen zur Abluftfassung und -behandlung.
Tabelle 8.8. Parameter der unterschiedlichen Kategorien der untersuchten MBA [8.12]

Durchsatz
Bauweise
Flchenbedarf
Kohlenstoffabbau
biologische
Trocknung
Anlieferung

Kategorie I
bergangslsung
10.000-20.000 Mgla
offen

Kategorie li
Extensivverfahren
30.000-90.000 Mgla
teilgeschlossen

Kategorlern
Intensivverfahren
>100.000 Mgla
geschlossen

ca. 4.400-6.800 m2
ca. 2.500-2.800 m2

ca. 12.000-21.000 m2
ca. 8.700-9.200 m2

ca. 23.000-36.000 m2
ca. 12.000-13.500 m2

Flachbunker

Flachbunker

Tiefbunker
Greifkran
Zerkleinerung
Fe-Abscheidung

Zerkleinerung
Fe-Abscheidung
Homogenisierung
Siebung
Siebung
Presse
Presse
Geschlossene
geschlossene quasidyBiologische Stufe
Intensivrotte
namische Rotte
offene Kaminzugrotte offene Kaminzugrotte
Ja
Ja
Nein
Biofilter
Restabtlilie aus Haushalten, Sortierreste, geeignete Gewerbeabtlilie
Input
Strstoffe, Fe, BRAM
Output
Brennstoff aus Mll
Mechanische
Aufbereitung

Zerkleinerung
Fe-Abscheidung
Siebung

8.3 Aufbereitungsverfahren

635

In der Tabelle 8.8. sind alle betrachteten Varianten zusammenfassend dargestellt.


In der mechanischen Stufe werden bei allen Kategorien ca. 20 % des Inputs als
Wertstoffe (Metalle/ BRAM) abgezogen.

[Link]
Anlagekapitalbedarf und Kostenstruktur der MBA
Die in der vorhergehenden Tabelle beschriebenen drei Kategorien knnen in Abhngigkeit von der Zielsetzung der biologischen Stufe in zwei weitere Grundvarianten unterschieden werden:
- weitgehender Kohlenstoffabbau (angenommene Rottezeit 12 Wochen),
- biologische Trocknung (angenommene Rottezeit 10 Tage).
Die unterschiedliche Rottezeit wirkt sich auf die Gestaltung der biologischen Stufe, insbesondere der Technik und des Bauteiles, aus.
In der Tabelle 8.9. sind zunchst der Anlagekapitalbedarf, die fixen und variablen Jahreskosten sowie die spezifischen Behandlungskosten der einzelnen Kategorien unter Zielsetzung eines weitgehenden Kohlenstoffabbaus dargestellt. Analog sind in der Tabelle 8.10. die Kostenstrukturen der MBA unter der Zielstellung
der Trockenstabilisierung enthalten. Alle Kosten beziehen sich dabei stets auf die
Vollauslastung der genannten Durchstze. Die dick gekennzeichneten Anlagen mit
einem Durchsatz von 50.000 Mgla gehen bei der Betrachtung von Restabfallbehandlungskonzepten ein.
Bei dem Einsatz einer klassischen MBA mit der Zielstellung des weitgehenden
Kohlenstoffabbaus (Tabelle 8.9.) bewegen sich die spezifischen Behandlungskosten in Kategorie I in einem Bereich von 44 DM/Mg bis 63 DM/Mg. Sie stellen
die Mindestausgaben filr die einfachsten Anlagen dar (ohne Deponierung).
Tabelle 8.9. Kosten der MBA in Abhngigkeit von der Anlagentechnik und dem Durchsatz bei
einer Rottezeit von 12 Wochen (ohne Deponie) (Preisbasis 1996) [8.12]
konzipierter
Durchsatz
[Mg/a]

Anlagekapitalbedarf
[[Link]]

Variable
Kosten
[DM/a]

Fixe Kosten
[DM/a]

Jhrliche
Spez. BehandGesamtkosten lungskosten
[DM/a]
[DM/Mg]

_Ka~~!?.?..'.:i.~..!. . . . . . . . -----------------------------------10.000
2,304
244.000
388.000
632.000
63
15.000
2,403
349.000
415.000
764.000
51
2,461
451.000
434.000
20.000
44
885.000
....!<.:~t.~!?.?!iell ---------------754.000
30.000
9,403
1.515.000

OMOH"'----

2.269.000

50.000

12,156

1.189.000

1.999.000

3.188.000

60.000
90.000

13,285
17,187

1.413.000
2.072.000

2.193.000
2.875.000

3.606.000
4.947.000

76
64
60

55

....!<.:~t.e._~orie -~ - - ...-------------
100.000
43,500
1.819.000
7.148.000
8.967.000
90
150.000
60,217
2.662.000
9.841.000
12.503.000
83
77,256
3.483.000
12.597.000
200.000
16.080.000
80

8 Kostenbetrachtung von Abfallbehandlungsanlagen

636
100

I
Kategorie II

K t g rle

76

60

l6
59

r~ 51
\

63.

-----ll3

I
Kater o r le 111

90

~ -------,55-

00

60

...............

..........................

~~ 44
40 --- ~
47

47
. ......... . .-

. .. . . . .. . . _

44

...... _RO-

N O_ _ _

42 -

20

.._..__,_

--.....

3e --------- ----------~-

l=

Kohlenstoffabbau
T rockenst a bilisieru ng

101520 30

60

90

100

I
150

200

Durchsatz [1.000 Mgla)

Bild 8.14. Spezifische Behandlungskosten der MBA in Abhngigkeit von den gewhlten Kategorien und der Zielsetzung [8.12, 8.13]

Tabelle 8.10. Kosten der MBA in Abhngigkeit von der Anlagentechnik und dem Durchsatz bei
einer Rottezeit von 10 Tagen (ohne Deponie) (Preisbasis 1996) [8.12]
konzipierter
Durchsatz

Anlagekapitalbedarf

Variable
Kosten

Fixe Kosten

[Mg/a]

[Mio. DM]

[DM/a]

[DM/a]

-~-~~=~?.r..i:J
10.000
15.000
20.000

--~~.t.=~?..~:..!!. .

------..................

2,221
2,280
2,296

212.000

303.000
390.000

............................................. ..------

380.000
401.000
416.000

Jhrliche
Spez. BeGesamtkosten handlungskosten
[DM/a]
[DM/ Mg]
.................................................................. --

----

592.000
704.000
806.000

59
47
40

30.000

7,179

1.174.000

1.880.000

63

50.000

8,452

1.110.000

1.431.000

2.541.000

51

60.000

8,840

1.318.000

1.511.000

2.829.000

90.000

10,521

1.930.000

1.852.000

3.782.000

47
42

~~t.=~?.:.i.:.~!~ ........................................
100.000

14,713

150.000
200.000

706.000

---- ............................................................._

------

1.791.000

2.652.000

4.443.000

17,039

2.620.000

3.098.000

5.718.000

38

19,684

3.427.000

3.605.000

7.032.000

35

44

8.3 Aufbereitungsverfahren

637

Demgegenber verursachen die Anlagen der Kategorie II Kosten, die in der Spanne zwischen 55 DM/Mg und 76 DM/Mg liegen.
Bei den Intensivverfahren der Kategorie III werden Behandlungskosten von
80 DM/Mg bei einem Durchsatz von 200.000 Mgla und bis 90 DM/Mg bei einem
Durchsatz von 100.000 Mgla ermittelt. (Behandlungskosten ohne Deponie). Werden kleinere Anlagen mit gleichartigem hohen technischen Standard ausgefiihrt, so
ergibt sich ein exponentieller Anstieg der Kosten, was auch aus Bild 8.14. zu entnehmen ist. Zum anderen ist auf die Mglichkeit einer Minderauslastung hinzuweisen, was nachfolgend noch differenzierter ausgefiihrt wird.
In dem Bild 8.14. sind die ermittelten spezifischen Behandlungskosten zusammengefat. ber die Berechnungsgrenzen hinaus wird der weitere Verlauf gestrichelt vermerkt. Sprungfixe Kosten sind idealisiert als Kurve dargestellt.
Die Kosten der fr die biologische Trocknung konzipierten Anlagen liegen infolge der geringeren Aufwendungen fr die Rotte prinzipiell unter den Kosten der
fr die entsprechenden Durchstze konzipierten Anlagen mit der Zielsetzung weitgehender Kohlenstoffabbau.
Die Behandlungskosten bei der biologischen Trocknung schwanken nur in einem engen Bereich. In der Kategorie II wurden Behandlungskosten in Hhe von
42 DM/Mg bis 63 DM/Mg, in der Kategorie III von 35 DM/Mg bis 44 DM/Mg
ermittelt. Praktische Vergleichswerte liegen derzeit noch nicht vor.
Das Bild 8.15. verdeutlicht, da durch die Auswahl grerer Anlagen in jeder
Kategorie die spezifischen Behandlungskosten reduziert werden. Aufgrund der
proportional zum Durchsatz angenommenen steigenden Komplexitt der Anlagenkategorien werden die Kosteneinsparungen jedoch vllig oder teilweise aufgehoben. Vergleicht man exemplarisch den Anlagekapitalbedarf der MBA umgerechnet
in die Jahresannuitt, so betragen diese Kosten bei Einsatz der Kategorie I (Durchsatz von 10.000 Mgla) 27 DM/Mg und steigen bei Einsatz der Kategorie III
(Durchsatz von 100.000 DM/a) auf 54 DM/Mg an. Diese Entwicklung ergibt sich
im wesentlichen durch die Gestaltung der eingehausten Rotte, welche einen hohen
investiven Aufwand erfordert.
Bei Rottezeiten zwischen 10 Tagen und 12 Wochen werden die Behandlungskosten in dem durch beide Kurven begrenzten Bereich zu erwarten sein. Eine
Minderauslastung, wie in der Praxis stndig der Fall, bewirkt einen Anstieg der
spezifischen Behandlungskosten. Je grer der Anteil der fixen Kosten an den
Gesamtkosten ist, um so strker wirkt sich eine Minderauslastung der Anlage kostensteigemd aus.
Beispielhaft werden die Anlagen zum weitgehenden Kohlenstoffabbau bei einer
Rottezeit von 12 Wochen unter diesem Aspekt gegenbergestellt. In Bild 8.15.
sind fr ausgewhlte Anlagen (Kategorie I: 15.000 Mgla; Kategorie II:
50.000 Mgla; Kategorie III: 100.000 Mgla) die fixen und variablen Kosten sowie
die sich daraus ergebenden jhrlichen Gesamtkosten und spezifischen Behaildlungskosten fr verschiedene Auslastungen der Anlagen zusammengefat. Der
Auslegungspunkt der Anlagen befmdet sich jeweils am rechten Rand des Diagrammes.
Es ist zu erkennen, da der Fixkostenanteil mit steigendem Technologisierungsgrad ansteigt. In der Kategorie I betrgt dieser Anteil 54 % (bei Vollauslastung). Er steigt in der Kategorie III auf 80 % (bei Vollauslastung) an, was den
Verhltnissen einer MVA entspricht.

638

8 Kostenbetrachtung von Abfallbehandlungsanlagen


Kategorie I

Mio. DM/a

DM/Mg

QQY~---------.-------~r--------r180

Q~.~~----1~---+-----..-...-...-..r..-...-..-...-... ~.~-~~- 100


7

Q.~~------~~~......~..~
.. ~~~~--------+120
............... ,........

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Q......

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90

....~oo

51
..-.. r:p-~---+--------+30

Q11~Br------",

..........

0-~~..
~..
------~------~~-------LO
0
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IJlRhsalz [N\l'a]

Kategorie II

Mio. DM/a

DM/Mg

4,oo..----~-------.----...-----.------.

30D

3,1E
3,m+-----+---l----+--="
~
225~
................

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1,1~
...- - -

.....................
..............

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64

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0

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Dlrchsalz [N\l'a]

Kategorie IIJ
DM/Mg
1QUJmr---.---.----,---.----,- 400

Mlo. DM/a

38)~

8,00

.......;;
....

........

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6,00

~-

............

--7,2

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zoor---_,-----r----+---~r---~~

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~-=-~--L--~--~-~o

20.0X>

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Dlrchsalz [N\l'a]

Il ..

--- Fbckcsla1

--- \laiS:lle Kosla'l

Bild 8.15. Darstellung der Kostenstrukturen fiir ausgewhlte MBA bei einer Rottezeit von
12 Wochen (Preisbasis 1996) [8.12]

8.3 Aufbereitungsverfahren

5
4
3
2

..',,.

........

~... '

0
20%

--

' ' .......,

............

.;..

Kategorie II
Kategorie III

....... -.. .........._,....__

~'~

40%

Kategorie I

60%

639

--

800/o

100'

Auslastungsgrad
Bild 8.16. Spezifische Behandlungskosten der Kategorien I, II und III, normiert auf die jeweilige
Vollauslastung [8.12]

Die Aussagen von Bild 8.15. werden in Bild 8.17. nochmals in anderer Form aufbereitet. Es wird dargestellt, um [Link] Normfaktor die spezifischen Behandlungskosten der betrachteten Kategorien bei entsprechendem Auslastungsgrad
ansteigen. Bei einer Teilauslastung von 80 % liegen diese Faktoren fr alle Kategorien in einem engen Bereich von 1,1 - 1,2. Eine starke Differenzierung fmdet bei
Auslastungsgraden < 60 % statt.

[Link]
Behandlungskosten der stoffstromspezifischen
Restabfallbehandlung
Fat man die in den voranstehenden Kapiteln dargestellten Betrachtungen zusammen, so wird schnell deutlich, da diese Konzepte stark von der regionalen und
verfahrenstechnischen Umsetzung abhngen. In Bild 8.17. ist schematisch eine
einfache Grundkonzeption der stoffspezifischen Restabfallbehandlung dargestellt.
Bei einem Anfall von 100.000 Mg!a werden die dargestellten Mengenstrme abgeschtzt, die sich ebenfalls flexibel in Abhngigkeit vom Input und seiner Zusammensetzung entwickeln. Fr jeden der dargestellten Behandlungsschritte knnen
Schwankungsbreiten der Behandlungskosten angegeben werden. Sowohl die Aufteilung zur stoffspezifischen Behandlung als auch die Behandlungskosten beeinflussen die Kosten des Gesamtkonzeptes.
In der nachfolgenden Tabelle 8.11. sind die Schwankungsbreiten, welche fr
das Gesamtkonzept bezogen auf die zu behandelnde Restabfallmenge von
100.000 Mgla ergeben, dargestellt. Transportkosten sind nicht explizit bercksichtigt, da diese eine untergeordnete Rolle spielen.
Werden alle dargestellten Verfahrensstufen bercksichtigt, so ergibt sich eine
Schwankungsbreite von 200-490 DM/Mg. Kann, beispielsweise durch eine sinnvolle Abwrmenutzung zur Trocknung der Schwerfraktion, auf die biologische
Stufe verzichtet werden, so ergeben sich rechnerische Behandlungskosten von

640

8 Kostenbetrachtung von Abfallbehandlungsanlagen

EvU.
Klrschlamm

Heizwertreiche
Sortierreste

Hausmll,
Gewerbeabfall,
Sperrmll

~100.000 Mg

brennbare
Fraktion

mechanische
Aufbereitung
(Restmllbehandlungszentrum)

35.000 Mg

40-80 DM/Mg

~62.000 Mg
Verluste
15.500 Mg

+-

Biologische
Stabilisierung
40-80 DM/Mg

~46.500 Mg

Verluste 4.
28.500 Mg

Thermische
Beseitigung

3.000 Mg

200-500
DM/Mg

~18.000 Mg
Deponierung
der Reststoffel
SchlackeVerwertung
100-200
DM/Mg

BrennstoffAufbereitung

,,
Fe-/NeMetallVerwertung

thermische
Verwertung
50-250 DM/Mg

ODM/Mg

Bild 8.17. Grundkonzeption einer stoffspezifischen Restabfallbehandlung (100.000 Mgla)


(Preisbasis 1997) [8.13]

180-440 DM. Kann darber hinaus auf die Deponierung der Schlacke verzichtet
und eine kostenneutrale Schlackenutzung erreicht werden, so ergeben sich mittlere
Behandlungskosten von 280 DM/Mg. Wird statt der biologischen Trocknung eine
Langzeitrotte mit anschlieender Deponierung sowie eine thermische Verwertung
der heizwertreichen Fraktion angestrebt, so ergeben sich mittlere Behandlungskosten von 230 DM/Mg bei einer Schwankungsbreite von 135-300 DM/Mg.
Diese Angaben stellen die derzeit diskutierten Grenordnungen sowie eigene
Erfahrungen zusammen und zeigen deutlich die groen Schwankungsbereiche
einer stoffspezifischen Restabfallbehandlung. Die regionalen Randbedingungen
werden die Entscheidung fr eine stoffspezifische Restabfallbehandlung stark
beeinflussen. Die Entscheidung, ob eine stoffspezifische Restabfallbehandlung
gnstiger ist als eine thermische Behandlungsanlage ist im Einzelfall zu treffen
[8.13].

8.3 Aufbereitungsverfahren

641

DM/Mg

400

_\

300

----

1\_

' "-...

............

\
\

100

\
\

['--.....

--

MBA + BRAM + Ther m. Beseitgung

~ 1-r-- "--

!'... .........

200

----~

1--

......__!--

100000

-~-----

:--- t---~---

r--

200000

MBA + BRAM + Restdeponie

1-

MBA ohne Deponie

300000

400000 Mg/a

Bild 8.18. Spezifische Behandlungskosten der MBA, BRAM-Nutzung (extern), Thermische


Behandlung (extern) und Deponie in Abhngigkeit vom Durchsatz (Preisbasis 1997) [8.14]
Tabelle 8.11. Behandlungskosten der stoffspezifischen Restabfallbehandlung in Abhngigkeit
vom gewhlten Konzept bei einer Menge von 100.000 DM/Mg (Preisbasis 1997) [8.13]
Beschreibung des Konzeptes

Spez. Behandlungskosten [DM/Mg] a

Gesamtkonzept (entsprechend Bild 8.17.)

200-340-490

Einfaches Konzept ohne biologische Stufe


Konzept ohne biologische Stufe und mit vollstndiger Schlackenutzung

180-350-440
160-280-400

135-230-300
Konzept zur bergangslsung mit Langzeitrotte, ohne thermische
Stufe, mit Deponie
Reihenfolge der Angabe (unter Nutzung aller unterer, mittlerer und oberer Werte)

642

8 Kostenbetrachtung von Abfallbehandlungsanlagen

Ein Beispiel ist die Behandlung von 100.000 Mg/a mit folgenden spezifischen
Behandlungskosten bei der stoffspezifischen Restabfallbehandlung:
- mechanische Stufe
- 60 DM/Mg,
- biologische Stufe
- 60 DM/Mg,
- thermische Verwertung
- 150 DM/Mg,
- thermische Beseitigung
- 250 DM/Mg,
- Deponierung
- 150 DM/Mg.
Es ergeben sich Behandlungskosten von ca. 290 DM/Mg [8.13].
In dem Bild 8.18. sind die spezifischen Kosten in Abhngigkeit von Durchsatz
filr die Kategorie III mit 12 Wochen Rotte dargestellt. Die Kurve I stellt die MBA
ohne Deponie dar. Die Kurve II enthlt zustzlich die Konfektionierung eines
hochkalorischen Brennstoffs (BRAM) und dessen thermische Verwertung in einer
externen Anlage. Der biologisch behandelte Restabfall wird deponiert. In der Kurve III wird statt der Deponierung des Restabfalls eine thermische Behandlung und
eine Ablagerung der Schlacke durchgefilhrt. Entsprechend der Darstellung wird
deutlich, da die spezifischen Kosten mit einem geringeren Durchsatz und mit dem
Anspruch an die Erfilllung der TASI (nur Kurve III erfllt die TASI) ansteigen.

8.3.6
Biologische Verfahren - Kompostierung und Vergrung
[Link]
Anlagekapitalbedarf fr Vergrungsanlagen
Der Anlagekapitalbedarf filr den M + E-Teil der Vergrungsanlagen beruht auf
Richtpreisen und Funktionalausschreibungsergebnissen aus den Jahren 1992/1993.
Der Bauteil filr die verschiedenen Vergrungsan1agen wurde auf der Basis der
bentigten Flchen und Bauvolumina bieterunabhngig filr normale Grndungsverhltnisse kalkuliert, hierdurch ist sichergestellt, da zum einen ein einheitlicher
Baustandard gegeben ist, zum anderen mgliche Preisunterschiede zwischen den
Verfahren allein system- oder bieterbedingt sind. Der Anlagekapitalbedarf der
Vergrungssysteme umfat folgende Einzelpositionen:
- Waage, Verwaltungs- und Sozialrume, Werkstatt, Verkehrsflchen;
- Annahme, Aufbereitung und Maschinentechnik in geschlossener Bauweise;
- Nachrotte des Grrestes bis Rottegrad IV (bieterabhngig geschlossen oder
teilberdacht);
- berdachtes Produktlager filr eine Kapazitt eines halben Jahres;
- M + E-Technik Vergrung, Biogasverwertung in einem Blockheizkraftwerk,
Interne Abwasserreinigung auf Indirekteinleiterwerte;
- Baunebenkosten.
Nicht enthalten sind Anstze filr Grunderwerb, Erschlieung und erhhte Grndungsaufwendungen.
Bild 8.19. zeigt den spezifischen Anlagekapitalbedarf in DM/Mg Bioabfall filr
neun Anbieter von Vergrungssystemen. Die spezifischen Investitionen liegen
dabei filr einen Anlagendurchsatz von 10.000 Mg/a im Bereich von etwa 1.150 bis
1.920 DM/Mg. Mit zunehmendem Anlagendurchsatz sinken die Investitionsaufwendungen aufgrund des besseren Nutzungsverhltnisses einzelner Bau- und An-

8.3 Aufbereitungsverfahren

643

Anlagen: AN Maschinenbau. Babcock, BFI, BTA, OWS, DSD/CTA, UhdeSchwarting, Bhler


[DM/Mg6

2.00

1.800
1.600
1.400
1.200

1.000

800

r-

600
400
200
0
10.000 Mg/a

20.000 Mg/a

30.000 Mg/a

Anlagendurchsatz

Bild 8.19. Spezifischer Anlagekapitalbedarfflir Vergrungssysteme [8.7]

lagenteile. Im Bereich von 20.000 Mg/a Anlagendurchsatz zeigt sich eine Schwankungsbreite von etwa 970 bis 1.380 DM/Mg, fUr 30.000 Mg/a von etwa 790 bis
1.120 DM/Mg Input. Ebenso wie bei der Kompostierung, bei der verschiedene
Systeme erst ab einem bestimmten Anlagendurchsatz kostenseitig zu vertreten
sind, stellt sich auch bei der Vergrung die Frage, welche Systeme fUr welchen
Anlagendurchsatz aus wirtschaftlicher Sicht geeignet sind. Prinzipiell sind ein- und
zweistufige Vergrungsverfahren zu unterscheiden. Whrend bei einstufigen Verfahren alle Abbauschritte in einem Grreaktor stattfinden, werden in zweistufigen
Verfahren die HydrolyseN ersuerung und die Methanisierung des Substrates
rumlich getrennt voneinander durchgefUhrt, um die unterschiedlichen Eigenschaften und Milieubedingungen der beteiligten Mikroorganismen besser nutzen
zu knnen. Zweistufige Vergrungssysteme zeichnen sich somit in der Regel durch
einen deutlich hheren verfahrenstechnischen Aufwand aus.
Bild 8.20. und Bild 8.21. verdeutlichen den spezifischen Anlagekapitalbedarf
fUr ein- und zweistufige Vergrungsanlagen in Abhngigkeit vom Anlagendurchsatz. Der spezifische Invest beluft sich bei einstufigen Vergrungssytemen zwischen etwa 1.150 DM/Mg und 1.690 DM/Mg bei einem Durchsatz von
10.000 Mg/a zwischen etwa 1.000 und 1.250 DM/Mg bei 20.000 Mg/a bei einer
Anlagengre von 30.000 Mg/a an Bioabfiillen. Bei einem Durchsatz von
10.000 Mg/a sind einstufig arbeitende Systeme damit meist deutlich kostengnstiger zu realisieren als zweistufige Vergrungsanlagen. Ab etwa 20.000 Mg/a ist der
Anlagekapitalbedarf fUr beide Systeme etwa gleich, wobei mit zunehmendem
Durchsatz in der Tendenz geringere spezifische Kosten bei den zweistufigen Verfahren zu beobachten sind. Ein Grund hierfilr ist, da bei hheren Anlagendurchstzen einstufige Anlagen u.a. aus Grnden der Betriebssicherheit nicht mehr mit
nur einem Biogasreaktor gebaut werden knnen und sich somit der verfahrens-

8 Kostenbetrachtung von Abfallbehandlungsanlagen

644

Einstufige Vergrungsanlagen
[DM/Mg]
1.800
1.600
1.400
1.200

1.000

1--

800
600
400
200
0
10.000 Mg/a

20.000 Mg/a

30.000 Mg/a

Anlagendurchsatz

Bild 8.20. Spezifischer Anlagekapitalbedarf filr einstufige Vergrungssysteme [8.6]

Zweistufige Vergrungsanlagen
[DM/Mg)
2.000
1.800
1.600
1.400
1.200

1.000

800

r-

600
400
200
0
10.000 Mg/a

20.000 Mg/a

30.000 Mg/a

Anlagendurchsatz

Bild 8.21. Spezifischer Anlagekapitalbedarffilr zweistufige Vergrungssysteme [8.6]

technische Aufwand zwischen beiden Systemen angleicht. Fr zweistufige Vergrungsanlagen liegt der spezifische Anlagekapitalbedarf im Bereich von etwa 1.370
bis 1.920 DM/Mg filr einen Anlagendurchsatz von I 0.000 Mgla. Der Kapitalbedarf fllt bei 20.000 Mgla Durchsatz auf etwa 970 bis 1.380 DM/Mg und bei
30.000 Mgla auf etwa 790 bis 1.060 DM/Mg.

8.3 Aufbereitungsverfahren

645

Anlagen: Altvater, Envitel, Lescha , Herhol, MAB-Lentjes, Bhler, Thyssen,


Passavant, Babcock, Rethmann
[DM/Mg)
1.400
1.200
1.000
800
600
400
200
0
30.000 Mg/a

15.000 Mg/a
Anlagendurchsatz

Bild 8.22. Spezifischer Anlagekapitalbedarf filr Kompostwerke [8. 7]

[Link]

Anlagekapitalbedarf fr Kompostierungsanlagen

Bild 8.22. zeigt zum Vergleich den Anlagenkapitalbedarf fiir verschiedene Kampostwerke unterschiedlicher Verfahrensanbieter nach Angaben von Kern [8.7].
Ausgewertet wurden Herstellerangaben sowie Ausschreibungsergebnisse fiir verschiedene Standardverfahren. Zustzliche Kosten fiir Grundstckskauf, Infrastruktur oder zustzliche Manahmen zur Emissionsminderung blieben unbercksichtigt.
Trotz der unterschiedlichen Vorgehensweise bei der Kapitalbedarfsermittlung
treten tendenziell mit zunehmender Anlagengre fiir geschlossene Kompostierungs- und Vergrungssysteme Kosten in einer vergleichbaren Grenordnung auf.

[Link]

Behandlungskosten fr Vergrungsanlagen

Analog zur Darstellung des spezifischen Anlagekapitalbedarfs werden die spezifischen Behandlungskosten fiir Vergrungs- und Kompostierungssysteme dargestellt.
Die Behandlungskosten fiir die Vergrung variieren in einem weiten Bereich
zwischen etwa 251 bis 376 DM/Mg bei 10.000 Mg/a Durchsatz, etwa 202 bis
269 DM/Mg bei 20.000 Mg/a und etwa 166 bis 226 DM/Mg bei einer Anlagenkapazitt von 30.000 Mg/a jeweils netto, ohne Wagnis und Gewinn. Mit zunehmender Anlagengre sind Bioabflle kostengnstiger zu behandeln. Obwohl bei gleichem Durchsatz der Kapitalbedarf bei einzelnen Vergrungsanlagen nicht stark
differiert, sind zum Teil deutliche Unterschiede in den Behandlungskosten festzustellen. Die Grnde liegen beispielsweise im hheren Anfall an Autbereitungsrest-

646

8 Kostenbetrachtung von Abfallbehandlungsanlagen

Ein- und zweistufige Vergrungsanlagen


[DM/Mg]
4UU

350
300
250

200

150

100
50
0
10.000 Mg/a

20.000 Mg/a

30.000 Mg/a

Anlagendurchsatz

Bild 8.23. Spezifische Behandlungskosten ftlr Vergrungssysteme [8.6]

Einstufige Vergrungsanlagen
[DM/Mg]
350
300
250

200

150
100
50
0
10.000 Mg/a

20.000 Mg/a

30.000 Mg/a

Anlagendurchsatz

Bild 8.24. Spezifische Behandlungskosten ftlr einstufige Vergrungssysteme [8.6]

stoffen, hherem Eigenenergiebedarf, in hherem Betriebsmittelverbrauch oder


geringere Biogas- oder Methangasausbeute. Insofern sind im Rahmen einer Entscheidungsfmdung filr ein Vergrungssystem - dies gilt auch filr Kompostierungssysteme - die Behandlungskosten neben dem Anlagekapitalbedarf zu bercksichtigen.

8.3 Aufbereitungsverfahren

647

Zweistufige Vergrungsanlagen
[DM/Mg]
400
350
300
250

200

150

100
50
0
10.000 Mgla

20.000 Mgla

30.000 Mg/a

Anlagendurchsatz

Bild 8.25. Spezifische Behandlungskosten ftlr zweistufige Vergnmgssysteme [8.6]

Spez. Behandlungskosten [DM/Mg Input]


400

300

200

100

0
<6.500 Mg/a

ca. 10.000 Mg/a

15-20.000 Mg/a

Bild 8.26. Spezifische Betriebskosten incl. Kapitaldienst der Vergnmgsanlagen (Herstellungsangaben 1993/94) [8.8]

Die spezifischen Behandlungskosten sind differenziert fiir ein- und zweistufige


Vergrungsanlagen in Bild 8.24. und Bild 8.25. dargestellt. Auch hier zeigt sich
erwartungsgem ein hnliches Bild wie bei der Betrachtung des spezifischen
Anlagekapitalbedarfs. Im Bereich von 10.000 Mg/a errechnen sich fiir zweistufige

8 Kostenbetrachtung von Abfallbehandlungsanlagen

648

Vergrungssysteme Behandlungskosten von etwa 285 bis 376 DM/Mg, die deutlich ber denen von einstufigen V~rfahren liegen. Hier sind filr die Behandlung
Kosten zwischen 249 und 328 DM/Mg festzustellen. Im Bereich eines Anlagendurchsatzes von 20.000 Mg/a ergeben sich filr einstufige Anlagen Behandlungskosten von etwa 207 bis 235 DM/Mg und filr 30.000 Mg/a von etwa 192 bis
220 DM/Mg. Die Behandlungskosten zweistufiger Verfahren variieren dabei zwischen etwa 202 und 269 DM/Mg ftlr 20.000 Mg/a Durchsatz und zwischen etwa
166 und 211 DM/Mg filr eine Kapazitt von 30.000 Mg/a.
In einer anderen Untersuchung kommen Kern [Link]. [8.8] zu einem leicht abweichenden Ergebnis, wie Bild 8.26. zeigt.

[Link]
Behandlungskosten fr Kompostierungsanlagen
Die Betriebskosten ftlr die Kompostierung sind der Literatur entnommen [8.7] und
in Bild 8.27. dargestellt. Bild 8.28. stellt ergnzend die spezifischen Behandlungskosten filr unterschiedliche Varianten der Bioabfallkompostierung bei gleichbleibendem Durchsatz dar. Dabei wurden nur die eigentlichen Rottesysteme variiert,
whrend die vor- und nachgeschalteten Anlagenkomponenten jeweils identisch
sind.

Kompostierungsanlagen
[DM/Mg)
300 -----..--------------

---------------,

250 -1---~
200

1-- -

,_

150 100 +-- - - - -

50 + - - - - - -

------------------------

--~

---------------------------1

o +-----------------~---------------------;

30.000 Mg/a

15.000 Mg/a
Anlagendurchsatz

Bild 8.27. Spezifische Behandlungskosten filr Kompostwerke [8.7]

Aufgrund unterschiedlicher Anstze bei der Berechnung sind die Behandlungskosten der Vergrung nicht unmittelbar mit denen der Kompostierung zu vergleichen.
Tendenziell weisen Vergrungsanlagen bei kleinen Anlagendurchstzen hhere

8.3 Aufbereitungsverfahren

DM/Mg

3 50

-----------..----

------ - - - - - - - - - - - - - - - -- - ,

300
250

r-

649

rr-

r-

r-

r-

r-

200

l!..

150
100
50
0

--~-

6
Rotteverfahren

~triebskosten Rottesystem

10

'-'-

LJ
11

12

13

OVerfahrensunabhangige Betriebskosten 1

Bild 8.28. Spezifische Behandlungskosten filr unterschiedliche Rottesysteme bei konstantem


Durchsatz [8.7]

[%)des Anlagekapitalbedarfs

40

Annahme, Aufbereitung, Rottehalle

35

30

25
20
15

Erschlieung

Gebude

M+E Teil
Auenanlagen
Kostengruppen

Fahrzeuge

Baunebenkosten

Bild 8.29. Aufteilung des Anlagekapitalbedarfs auf Hauptpositionen filr ein Kompostwerk [8.6]

Behandlungskosten auf, die sich mit zunehmendem Durchsatz an die Behandlungskosten der Kompostierung angleichen oder diese unterschreiten. Als Orientierungswert kann eine Anlagengre von etwa 15.000 Mgla genannt werden, ab
der vergleichbare Kosten bei der Kompostierung und Vergrung auftreten.

650

8 Kostenbetrachtung von Abfallbehandlungsanlagen

[o/o) des Gesamtanlagekapitalbedarfs

--

80

70
60
50

40
30
20

,-

10
0

r=J
Erschlieung

Baukonstruktion

II

,-----j

techn. Anlagen

Auenanlagen

M+ETeil

Bild 8.30. Aufteilung des Anlagekapitalbedarfs auf Hauptpositionen filr eine Vergrungsanlage
[8.6]

[Link]
Kostenstrukturen ausgefhrter Anlagen [8.6]

Die dargelegten Vorkalkulationswerte des Anlagekapitalbedarfs weisen erhebliche


Streubreiten auf, die in der Praxis unter Einbeziehung technisch nicht vergleichbarer Anlagen (z. B. offene Mietenkompostierung) noch grer sind. Ergnzend zu
der summarischen Betrachtung des Anlagekapitalbedarfs werden die Kostenstrukturen filr zwei unterschiedliche Anlagen dargestellt:
- Kompostwerk; Durchsatz 18.500 Mg/a; gekapselte Mietenrotte mit automatischem Umsetzer; Abluftreinigung ber Biofilter; Preisstand: 1994; Projektstand: Inbetriebnahme 6/1994
Bild 8.29. zeigt den spezifischen Anlagekapitalbedarf gegliedert nach sechs
Hauptpositionen. Etwa 35 % des Gesamtkapitalbedarfs entfallen auf den Bauteil
(Verwaltung, Annahme, Aufbereitung, Rottehalle, berdachtes Lager), der M + ETeil umfat etwa 40 % des Anlagekapitalbedarfs. Allein die Bauwerksgrndung
(bewehrter, wasserundurchlssiger Beton B35) erfordert bereits einen spezifischen
Kapitalbedarf in Hhe von 8 % des Gesamtkapitalbedarfs, die hohen Grndungskosten sind standortbedingt (setzungsgefiihrdete Aufschttung). Die Betriebskosten betragen z. Z. 252 DM/Mg (netto) und knnen durch Optimierung einzelner
Verbrauchspositionen noch auf etwa 220 DM/Mg (netto) gesenkt werden.
- Vergrungsanlage; Durchsatz 20.000 Mg/a; Hygienisierung der Grrckstnde;
Abluftreinigung ber geschlossene Biofilter; Abluftkamin; Preisstand: 1995;
Projektstand: Ausfiihrungsplanung
Bild 8.30. zeigt den spezifischen Anlagekapitalbedarf gegliedert nach Kostenbereichen filr eine Vergrungsanlage. Im Gegensatz zum Kompostwerk erfordert der

8.3 Aufbereitungsverfahren

651

(%)des Gesamlanlagekapilalbedarfs

40

35
30
25
20
15
10
5
0

r--

Aufbereitung

Vergrung Nachrotte

nn

Abluft

Abwasser

r--

r--

I
BHKW

MSR

Montage,
IBN

Bild 8.31. Aufteilung des Anlagekapitalbedarfs der Verfahrenstechnik(= 100%) auf Einzelpositionen [8.6]

Bauteil nur etwa 20 % des Anlagekapitalbedarfs, etwa 70 % entfallen auf die maschinentechnische Ausrstung. Bild 8.31. schlsselt den Anlagekapitalbedarf des
M + E-Teils der Vergrungsanlage weiter auf.

[Link]
Sensitivittsanalyse [8. 6]
Nochmals soll exemplarisch auf die Bedeutung einzelner Anstze der Betriebskostenrechnung hingewiesen werden. Mit einer verkrzten Sensitivittsanalyse wird
betrachtet, wie sich die Behandlungskosten ndern, wenn einzelne Kostengren
(z. B. Verteuerung des M + E-Teils, Wahl anderer Abschreibungszeiten oder des
Zinssatzes) variiert werden. Ausgangspunkt fUr die Betrachtung ist eine einstufige
Vergrungsanlage mit einem spezifischen Invest von 1.100 DM/Mg und Behandlungskosten von etwa 223 DM/Mg BioabfalL Bei Variation der Investition, des
Zinssatzes oder der Abschreibungsdauer ergeben sich unter realistischen Bedingungen folgende nderungen in den Behandlungskosten:
- Die Erhhung der Gesamtinvestition um 10 % ftlhrt zu einer Steigerung der
Behandlungskosten um etwa 18 DM/Mg auf etwa 241 DM/Mg.
- Bei einer kostengnstigeren Kreditaufnahme und Verzinsung (7 % statt 9 %)
knnen die Behandlungskosten um etwa 16 DM/Mg auf etwa 207 DM/Mg reduziert werden. Somit werden jhrliche Einsparungen bei einer Anlage von
20.000 Mgla im Bereich von etwa 320.000 DM/a mglich.
- Wird die Abschreibungsdauer des Bauteils und des verschleiarmen M + ETeils auf25 Jahre, des verschleiintensiven M + E-Teils und der Planungs/Neben-kosten auf 15 Jahre verlngert, errechnet sich wie bei der vorgenannten

8 Kostenbetrachtung von Abfallbehandlungsanlagen

652

Spez. Betriebskosten [DM/Mg Input]

250 ------------------------------------225

200
175
150
125
100~~----------+--------------r-------------~

1991

1992
--15.000 Mg/a

1993

--[Link] Mg/a

1994

Bild 8.32. Entwicklung der spezifischen Betriebskosten von Kompostierungsanlagen [8.9]

Position eine Einsparung von etwa 16 DM/Mg. Die hier verkrzt dargestellte
Sensitivittsanalyse sollte ebenfalls bei einer Entscheidungsfmdung integraler
Bestandteil einer Kostenbetrachtung sein. Mgliche Kostennderungen, die
whrend des Realisierungsprozesses einer Behandlungsanlage zwangslufig
auftreten, knnen somit im Vorfeld einer Entscheidun~> transparent dargestellt
werden.

[Link]
Kosten und Preise
Die mitgeteilten Vorkalkulationswerte spiegeln nicht das tatschliche Preisniveau
der biologischen Abfallverwertung wider, da sich im Gegensatz zu den vorkalkulierten Kosten die Preise am Markt bilden und somit von weiteren Einflufaktoren
abhngig sind:
- Art der Ausschreibung: ffentliche Ausschreibungen fiir Dienstleistungsvetrge, bei denen der Bieter das Grundstck bereitstellt, die Anlage plant, baut und
betreibt und das Produkt vermarktet, tragen nicht zur Kostentransparenz und
-kontrolle bei. Im Einzelfall lt sich ber eine eigenstndige Kalkulation zeigen, da extrem gnstige Preise nicht die tatschlichen Kosten abdecken. Die
Motivation der Bieter scheint eher von strategischen Gesichtspunkten (Konzentration, Verdrngungswettbewerb usw.) geprgt zu sein, teilweise werden
Defizite kurzfristig ber Mischkalkulationen ausgeglichen.
- Sogwirkung nicht ausgelasteter Anlagen: Verschiedentlich wurden Bioabfallverwertungsanlagen zu gro ausgelegt, so da zur Senkung der Kostendefizite
Bioabflle anderer Gebietskrperschaften akquiriert werden. Je nach Kostendruck und Konkurrenzsituation fiihrt dies zu Preissenkungen. In Einzeltlilien

8.3 Aufbereitungsverfahren

653

Investitionen [Mio. DM]


300~~~~~~~~~~,--~~~~~~~~--,

250~~~~~+-~~~~+-~~~--

150

100 -1--------+-- Baukosten der Deponie --+-~~---i


Preisniveau 1990/91

Standortsuche - Gutachten - Genehmigungsplanung


0
50.000

100.000

150.000

200.000

250.000

Ablagerungsmenge [m 3 /a)
Bild 8.33. Zusammenstellung der Investitionen fllr den Bau einer modernen Deponie nach dem

Stand der Technik [8.15]

wurden Preise von 140 bis 175 DM/Mg einschlielich Transportkosten mitgeteilt. In diesem Zusammenhang kommt es dann auch zu Bioabfalltransporten
ber Lnder- und Staatengrenzen hinweg, da eine zunehmende Zahl von Bioabfallbehandlungsanlagen nicht ausgelastet ist.
- Anlagenberlastung: Durchsatzerhhungen ftlhren zur Senkung der spezifischen Betriebskosten, sind aber auch mit Problemen wie Geruch, Verkrzung
der Rottezeit usw. behaftet.
Die einseitige Ausrichtung von Entscheidungen zur Bioabfallverwertung amKriterium Preis kann eine Reihe von Nachteilen (Abhngigkeit, Umweltbelastungen
durch unntige Transporte, mangelhafte Qualitt der Produkte usw.) mit sich ziehen. Hier ist eine umfassende Abwgung ntig.

654

8 Kostenbetrachtung von Abfallbehandlungsanlagen

In dem Bild 8.32. werden von Kernet. al. [8.9] die Entwicklung der spezifischen
Kosten von Kompostierungsanlagen gezeigt.

8.3.7

Geordnete Deponie

Das technische Ausbaukonzept fiir bauliche Anlagen von Deponien ist in seinem
Umfang und in den bautechnischen Anforderungen in vielen Bereichen durch neue
Verordnungen auf einen hheren technischen Standard gebracht.
Dazu zhlen insbesondere die TA Siedlungsabfall ftlr den Deponiebereich sowie die Abwasserherkunftsverordnung, die allgemeine Rahmen-Verwaltungsvorschrift, die Mindestanforderungen und der Anhang 51 fiir die Sickerwasserbehandlung (1989).
Diese neuen hohen Anforderungen sowie die Baupreisentwicklung haben im Vergleich zum Aulagen-/Baukostenniveau 1985/87 zu einer Kostensteigerung von ca.
7 5 bis 80 % geftlhrt.
Die in Bild 8.33. dargestellten Investitionen sind als Kostenschtzungen, abgeleitet vom Baupreisniveau 1990/91, zu werten.
Hier nicht dargestellt sind die Betriebskosten und der Kapitaldienst sowie die
Aufwendungen fiir Entschdigung, Grunderwerb, weitergehende Behandlungssysteme und Verfahrenstechniken [8.15].
Neben den Investitionen und Betriebskosten werden auch fmanzielle Aufwendungen erforderlich sein, wenn die Deponie bereits verftlllt, abgedeckt und rekultiviert ist. Diese Deponiefolgekosten setzen sich aus Kosten fiir Wartung, Pflege,
berwachung, Emissionsbehandlung und ggf. Sanierungsmanahmen zusammen
[8.16].

[Link]

Kapitalbedarf zur Errichtung einer Deponie

Zur Abschtzung des bentigten Kapitalbedarfs zur Errichtung der Deponie, der
kologischen Ausgleichsmanahmen und der zuknftigen Manahmen zur Rekultivierung und der Nachsorge sind die dargestellten Bauabschnitte in die einzelnen
kostenwirksamen Manahmen zerlegt und deren Kosten bestimmt.
Tabelle 8.12. Technische Daten als Grundlage fiir die Bestimmung des Anlagenkapitalbedarfs
einer Deponie
Technische Daten

Einheit

Wert

Abfalldurchsatz

[m3/a]

110 000,00

lnstall. Leistung

[KW]

50,00
1 000,00

Deponieflche

[m']
[m2]

Bauzeit

[a]

1,50

Laufzeit der Deponie

[a]

20,00

Umbauter Raum

200 000,00

8.3 Aufbereitungsverfahren

655

In der Tabelle 8.12. sind die technischen Grundlagen filr die Bestimmung des
Kapitalbedarfs aufgelistet. In der Tabelle 8.13. ist der Kapitalbedarf filr die Deponie mit 211,876 Mio. DM bestimmt.
Tabelle 8.13. Anlagenkapitalbedarfilir eine Deponie mit einer Einlagerungsmenge von 110 000
m3/a und einer Laufzeit von 20 Jahren (Preisstand Sept. 1990/91)
Anlagenbezeichnung
Grundstck
Standortsuche, Gutachten, Genehmigungsplanung

Kapitalbedarf
[DM]
10 000 000
6 900 000

Erschlieungskosten

2 350 000

Gebude

4 000 000

Basisabdichtung

22 000 000

Sickerwassersammlung

40 500 000

Sickerwasserbehandlung
Entgasung

45 000 000

Oberflchenahdichtung

39 000 000

Rekultivierung

Summe Bauteil

3 500 000
3 000 000
176 250 000

M + E Anlagengruppe
Fahrzeuge, VVaage

3 840 000

Elektrotechnik, Ver- und Entsorgung

I 050 000

Summe

4 890 000

Finanzierung
Anlagenkapitalbedarf

10 745 000
191 885 000

[Link]

Kosten verschiedener Oberflchenabdichtungssysteme fr


Altdeponien

In Zukunft werden eine Reihe von Altdeponien an der Oberflche abgedichtet


werden mssen. Vor allem in den neuen Bundeslndern sind Deponiekrper vorhanden, die nicht dem Multibarrierenkonzept entsprechen, da hier die Standortbedingungen keine geologische Barriere aufweisen und in der Regel keine Basisabdichtung vorhanden ist.
Die TA Siedlungsabfall gibt als Regelsystem filr die Oberflchenahdichtung
von Deponien der Klasse II bekanntlich die Kombinationsahdichtung (bestehend
aus einer mineralischen Abdichtung mit aufliegender Kunststoffdichtungsbahn)
vor. Die Kunststoffdichtungsbahn verhindert zuverlssig das Austrocknen der
mineralischen Dichtung, solange sie intakt ist. Zustzliche Kosten zur einfachen
mineralischen Abdichtung (siehe Bild 8.34.) entstehen filr die Kunststoffdichtungsbahn (ca. 20 DM/m2) und evtl. deren Schutzschicht (ca. 12 DM/m2), es entfiillt dafilr das evtl. erforderliche Trennvlies an der Oberseite der mineralischen

656

8 Kostenbetrachtung von Abfallbehandlungsanlagen

Bewuchs

2 DM/m 2

Rekultivierungsschicht 14 DM/m 2
7 DM/m 2
Entwsserungsschicht 18 DM/m 2

ggf. Trennvlies

mineralische
Dichtungsschicht

27 DM/m 2

Ausgleichs- und
Gasdranschicht
ggf. Trennvlies

20 DM/m 2
7 DM/m 2

Abfall
Summe 81-109 DMtm

Bild 8.34. Beispielhafter Aufbau einer mineralischen Dichtung [8.17 ]

2 DMtm

Bewuchs

Rekultivierungsschicht 14 DM/m 2

ggf. Trennvlies
Entwsserungsschicht
Betonitmatte
ggf. mit Schutzschicht
Ausgleichs- und
Gasdrnschicht
ggf. Trennvlies

7 DM/m 2
18
15
12
20

DM/m 2
DM/m 2
DM/m 2
DM/m 2

7 DM/m 2

Abfall

Summe 69-95 DM/m 2

Bild 8.35. Abbdichtungssystem mit einer Bentonitmatte [8.17]

Dichtung (ca. 7 DM/m2). Die spezifischen Kosten liegen dann zwischen 101 und
134 DM/m2

8.3 Aufbereitungsverfahren

657

2 DM/m'

Bewuchs

Rekultivierungsschichl 14 DM/m'
ggf. Trennvlies
Kapillarschicht
aus Feinsand

7 DM/m 2
40 DM/m'

Kapillarblock
aus Grobsand

18 DM/m 2

Ausgleichs- und
Gasdrnschicht
ggf. Trennvlies

20 DM/m 2

7 DMtm

Abfall

Summe 94-115 DM/m 2

Bild 8.36. Abdichtungssysteme mit Kapillarsperre [8.17]

Als Ersatz fUr die mineralische Dichtung werden verschiedentlich Bentonitmatten


eingesetzt. Die Kunststoffdichtungsbahn verhindert auch hier die Austrocknung
der Bentonitmatte. Es gibt aber Bedenken hinsichtlich der Langzeitbestndigkeit
der Kunststoffasem der Bentonitmatte, da darber nicht annhernd so viele Versuchsergebnisse vorliegen wie ftir die Kunststoffdichtungsbahn. Dieser wird mittlerweile eine Lebensdauer von mehr als I 00 Jahren zugesprochen. Zu den Kosten
des Oberflchenabdichtungaufbaus mit Bentonitmatte (siehe Bild 8.35.) fallen
zustzliche Kosten fUr die aufliegende Kunststoffdichtungsbahn (ca.
20 DM!m2) und ggf. fUr ein darber befindliches Schutzvlies (ca. 12 DM!m2) an.
Die spezifischen Kosten erhhen sich auf89 bis 127 DM/m2
Da die Kapillarsperre nicht gasdicht ist und Starkregenereignisse durchbrechen
knnen, sollte an ihrer Oberflche eine zustzliche Dichtungsschicht angeordnet
werden. Dazu wurden bereits in der Vergangenheit mineralische Abdichtungen
eingesetzt. Zum Erreichen der Gasdichtigkeit kann statt dessen auch eine Kunststoffdichtungshahn eingebaut werden. Die Kosten fUr den Aufbau mit Kapillarsperre (siehe Bild 8.36.) erhhen sich dann um 20 DM/m2 ftir die Kunststoffdichtungsbahn und ggf. um 212 DM/ m2 ftir ein oben und unten liegendes Schutzvlies
(je nach Bedarf).
Ein Oberflchenabdichtungssystem mit einer doppelten Kunststoffdichtungshahn erscheint ohne berwachungssystem nur bedingt sinnvoll, da fUr beide Komponenten die gleichen Versagensprinzipien gelten und lediglich ein Fehlerausgleich erfolgt. Die Kosten des Oberflchenabdichtungssystems mit einfacher
Kunststoffdichtungsbahn (Bild 8.37.) erhhen sich ftir eine zustzliche Kunststoff-

658

8 Kostenbetrachtung von Abfallbehandlungsanlagen

Bewuchs

2 DM/m 2

Rekultivierungsschicht 14 DMtm

ggf. Trennvlies

7 DMtm

Entwsserungssch icht 18 DM/m'


PEHD-Kunststoff20 DM/m 2
dichtungsbahn
12 DMtm
ggf. Schutzvlies
Ausgleichs- und
Gasdrnschicht
ggf. Trennvlies

20 DM/m'
7 DM/m 2

Abfall
Summe 74-112 DM/m 2

Bild 8.37. Beispielhafter Aufbau einer Dichtung mit PEHD-Kunststoffdichtungsbahn [8.17]

dichtungsbahn (20 DM/ m2) und eine Drnschicht (18 DM/ m2) auf 94 bis
150 DM/m 2
Ein anderes Prinzip wird durch eine permanente berwachung der Oberflchenahdichtung verfolgt. Hier werden mgliche Undichtigkeiten der Kunststoffdichtungshahn bereits kurz nach Eintritt der Beschdigung und vor Entstehung des
Umweltschadens bemerkt und knnen repariert werden. Das berwachungssystem
ist ausreichend langlebig, wenn die [Link] ber einen Zeitraum von
mindestens 10 bis 15 Jahren gewhrleistet ist. Beschdigungen in der Kunststoffdichtungshahn entstehen im wesentlichen in der Einbauphase und in dem Zeitraum, in dem noch Setzungen/Sackungen stattfinden. Die Kosten liegen um ca. 15
DM/ m2 hher als bei der einfachen Kunststoffdichtungsbahn (siehe Bild 8.37.).
Die spezifischen Kosten betragen 89 bis 127 DM/m 2 [8.16].

[Link]

Kosten der Deponie


Auf der Basis der Tabelle 8.14. sind in der Tabelle 8.15. die Gesamtkosten der
Deponie kalkuliert. Die Gesamtkosten pro Jahr betragen 25 857 000 DM filr den
Betrieb und die Bedienung des Kapitals der Deponie mit einer Einlagerungsmenge
von 110 000 m3/a. Die spezifischen Gesamtkosten betragen 235 DM/m3 und stellen damit einen realistischen Wert filr neue Hausmlldeponien im lndlichen- oder
im Stadtrandbereich dar (Preisbasis 1991 ).

8.3 Aufbereitungsverfahren

659

Tabelle 8.14. Basisdaten zur Ermittlung der Gesamtkosten der Deponie


Kapitalabhngige Kosten:
Annuitten:
Baufinanzierung, [%]
Bauteil, [%]

10,20
9,80

M+E, [%]

24,72

Versicherungen und Steuern,[%]

1,50

Betriebskosten:
Reparatur und Wartung
Bau,[%]
M+E[%]

1,00
5,00

Personal, [DM je Person]

60 000,00

Wasser- und Kanalgebhren, [DM/m

3]

Diesel, [DM/Mg]

2,40
980,00

Hilfs- und Betriebsstoffe, Schdlingsbekmpfung u. Deponiestrae, [DM/Mg Mll]


Abdeckmaterial, [DM/Mg]

1,00
15,00
1,00

Nachsorgemanahmen, [DM/Mg]

Tabelle 8.15. Ermittlung der kapitalabhngigen Kosten, der Betriebs- und Gesamtkosten einer
Deponie [DM/a] (gerundet), Preisbasis: 1991
I.
l.

Kapitalabhngige Kosten:
Annuitten
1075 000

Baufinanzierung
Bauteil,

17 272 000

I 209 000

M+E
Summe der Annuitten
....~.:.............Y.~~~~-~herung und Steuern
I.
Summe kapitalabhngige
Kosten

n.
1.
2.

19 556 000
3 178 000

--------------------22 734 000

Betriebskosten:
Personsalkosten (5 Personen)
Reparatur und Wartung Bau
M+E
Reparatur+ Wartung

300 000

I 762 000
244 000
2 006 000

3.

Kanalgebhren (Sickerwasser 50 000 m3 )

4.

Diesel (90 Mgla)

5.

Hilfs- und Betriebsstoffe etc.

110 000

6.

Abdeckmaterial (18 000 Mgla)

270 000

7.

Rckstellung fr Nachsorge

110 000

8.

Allg. Verwaltungs- und Vertriebskosten

120 000
88 000

660

8 Kostenbetrachtung von Abfallbehandlungsanlagen

Tabelle 8.16. (Fortsetzung) Ermittlung der kapitalabhngigen Kosten, der Betriebs- und Gesamtkosten einer Deponie [DM/a] (gerundet), Preisbasis: 1991
li.

Betriebskosten:
5 % der Personalkosten
4 % von Pos. 2-6

. . . . . ~~-~. .Y.~~~'.t.~!?;~~-Y.~Et.':i.:~----- ----


Summe der Betriebskosten

III.

Gesamtkosten (Summe I+ li)

15 000
104 000
119 000
3 123 000
25 857 000

[Link]
Kosten und finanzmathematische Grundlage der Nachsorge [8.18}
Unter Beachtung des deponiespezifischen Nachsorgezeitraumes erfolgt die konkrete Kostemechnung differenziert nach:
- Anlagen der Bau-, Maschinen-, Elektro-, Me-Steuer-Regeltechnik
- Betriebliche Manahmen (Reparatur, Wartung, Kontrollen etc.)
Dabei werden Manahmen fr begrenzte Zeitrume, z.B. Manahmen zur Deponieentgasung bzw. praktisch unbegrenzte Zeitrume, z.B. Manahmen zur Sickerwasserentsorgung unterschieden. Die Kostenberechnung erfolgt fr die Einzelgewerke und betriebliche Manahmen in den jeweiligen Anfalljahren. Die
Rckstellungsberechnung zum Deponieende bzw. Ablagerungsende erfolgt auf der
Grundlage des festzusetzenden Zinssatzes durch Umrechnung der Einzelkosten in
"Kostenbarwerte" durch Diskontierung der Einzelkosten. Durch diese Methodik
werden die Zinsgewinne im Nachsorgezeitraum bis zum jeweiligen Ausgabenzeitpunkt bercksichtigt. Weitere Zinsgewinne, die bei der Rckstellungsbewertung zu
bercksichtigen sind, ergeben sich whrend des Deponiebetriebszeitraumes durch
die kontinuierliche Zufhrung der Rckstellungshhe bis zum Nachsorgebeginn.
Eindeutige diesbezgliche Regelwerte existieren bis zum heutigen Zeitpunkt nicht.
Besondere Bedeutung kommt dem festzusetzenden Zinssatz bei der Rckstellungsberechnung zu. Dieser ist insbesondere bei den langen Betrachtungszeitrumen, wie sie fr Nachsorgebetrachtungen blich sind, kaum kalkulierbar, so da
man hier aufWerte zurckliegender Jahre zurckgreifen mu.
Grundstzlich besteht die Mglichkeit der Berechnung mit:
- nominalem Zinssatz unter Bercksichtigung der Inflationsrate,
- realem Zinssatz bei Nichtbercksichtigung der Inflationsrate.
Der Ansatz des nominalen Zinssatzes bedeutet die Bercksichtigung von Preissteigerungen bei der Kostenberechnung. Einfacher ist hier der Ansatz des realen Zinssatzes. Unter der Voraussetzung, da die Differenz des realen zum nominalen
Zinssatz identisch ist mit der Inflationsrate, kann auf den Ansatz von Preissteigerungen bei der Kostenberechnung verzichtet werden.
Nachfolgende Graphik zeigt den Verlauf des Diskontierungsfaktors fr eine
Spannbreite des realen Zinssatzes von 3-5% ber eine Zeitdauer von 100 Jahren.
Es wird deutlich, da die Aufwendungen, die in einem groen zeitlichen Abstand nach der Stillegung der Deponie bzw. des Ablagerungsabschnittes liegen,
nur noch geringen Einflu auf die Rckstellungshhe aufweisen. Damit relativie-

8.3 Aufbereitungsverfahren

i-

0 ,9
0,8

-+-3%

----4%
-tr-5%

10

20

30

40

50

Zeitdauer (a)

60

70

80

661

I
I

~
90

100

Bild 8.38. Berechnung des Diskondierungsfaktors fiir reale Zinsstze von 3-5% fiir einen Zeitraum bis I 00 Jahren [8.18]

ren sich die Diskussionen bezglich des technisch erforderlichen Nachsorgezeitraurnes. Unter Bercksichtigung der erluterten finanzmathematischen Berechnungsgrundlagen sind Aufwendungen, die > 80 Jahre nach Betriebsende der Deponie bzw. des Ablagerungsabschnittes entstehen, fiir die Hhe der erforderlichen
Rckstellungen vemachlssigbar.
Die Rckstellungshhe zum Deponieende bzw. zum Ende des jeweiligen Ablagerungsabschnittes errechnet sich aus den erforderlichen Aufwendungen fiir Investitionen und betrieblichen Manahmen im gesamten Nachsorgezeitraum. Nachfolgend werden die Rckstellungswerte als spezifische Kosten bezogen auf das
gesamte Deponievolumen verschiedener Deponien dargestellt.
- Deponie A: ca. 17,00 DM/m3
- Deponie B: ca. 15,00 DM/m3
- Deponie C: ca. 22,00 DM/m3
Deutlich hhere Kosten knnen sich durch Einbeziehung von Altbereichen, fiir die
in der Praxis zur Erfiillung der Anforderungen des aktuellen Standes der Technik
in der Vergangenheit des fteren zu geringe Rckstellungen gebildet wurden,
ergeben.
Hier sind in Abhngigkeit der rtlichen Randbedingungen Werte von > 40
DM/m3 erreichbar. In der Literatur werden spezifische Rckstellungen von 21 bis
46 DM/m 3 genannt.
Bei einer Investition von 20,0 Mio DM fiir ein Obertlchenabdichtungssystem,
die bei Aufbringen der Dichtung auf den Deponiekrper direkt nach Betriebsende
unmittelbar in die erforderliche Rckstellungshhe als Barwert einfliet, ergeben
sich zustzlich erforderliche Rcklagen fiir eine Reininvestition nach 50 Jahren in
Hhe von ca. 4,2 Mio DM (Grundlage: realer Zinssatz von 4 %). Dies entspricht
zustzlich ca. 20% bezogen auf die Erstinvestition [8.18].

662

8 Kostenbetrachtung von Abfallbehandlungsanlagen

8.4
Vergleich der verschiedenen Entsorgungsverfahren
Die mechanische Sortierung der im Restmll enthaltenen Rohstoffe stellte sich
sehr viel schwieriger heraus als erwartet. Sind die vielfaltigen Bestandteile des
Hausmlls erst einmal miteinander vermischt, hngen die Recyclingmglichkeiten
entscheidend davon ab, wie gut die einzelnen Fraktionen z.B. Papier, Glas, Aluminium und Kunststoffe separiert werden knnen. Da in den Abfallaufbereitungsanlagen im wesentlichen Zerkleinerungs-, Mischungs- und Trennvorgnge durchgefiihrt werden, wird mit den verfahrenstechnischen Kennzahlen "Ausbeute,
Selektivitt und Reinheitsgrad" unmittelbar ein Ma fiir die Aufbereitungsqualitt
gegeben. In den Produktstrmen werden aufgrund unvollkommener Trennleistungen des Verfahrens neben der gewnschten Fraktion stets stofffremde Anteile
gefunden. Dabei erweist sich die bestehende nur mechanische Aufbereitungstechnik als weitgehend ungeeignet, Stoffe selektiv und mit hohem Reinheitsgrad wiederzugewinnen. Aus den ursprnglich komplexen Technologien haben
sich in den letzten Jahren robuste und einfache Verfahren herausgebildet, die nach
zwei Gesichtspunkten arbeiten:
- Die getrennte Wertstofferfassung, die nach den Modellen in der Biotonne, Gelbe Tonne, Papier- und Glascontainer etc., die mit einer einfachen, nachgeschalteten mechanischen und/oder hndischen Aufbereitung arbeiten. Neben
vielfaltigen Wertstoffen wie Glas, Papier, Pappe, Kunststoffe, Metalle etc. ist
ein schadstoffarmer Kompost wiederzugewinnen.
- Kombinierte mechanisch/Restabfallsortieranlagen, bei denen die Wiedergewinnung der im Abfall vorhandenen Anteile an Pappe, Papier, Folien und Textilien
etc. als Brennstoff separiert werden. Neben stofflich verwertbaren Metallen
kann Altholz sowohl stofflich als auch thermisch genutzt werden.
Fr die Abfallverwertung stehen somit drei Sortier- und Erfassungsmglichkeiten
zur Verfiigung, die in einem Kuppelproduktproze jeweils einen der drei Hauptprodukte herstellen knnen:
- Rohstoffe wie Papier, Pappe, Folien, Metalle etc.,
- Brennstoff,
- Kompost als organischer Bodenverbesserer.
Je nach Sortier- oder Sammelverfahren entstehen Nebenprodukte, die energetisch
als Bodenverbesserer oder Rohstoffe genutzt werden knnen oder deponiert werden mssen. Daraus ergibt sich, da die verschiedenen abfallwirtschaftlichen
Hauptverfahren nicht prinzipiell im Gegensatz zueinander stehen, wie die politische Diskussion suggeriert, sondern sich gegenseitig ergnzen. Welchen Kombinationsmglichkeiten im jeweiligen konkreten Fall der Vorzug zu geben ist, wird
durch die gesetzlichen Regelungen, die geographische Lage, die Gewerbe- und
Siedlungsstruktur, den Absatzmarkt fiir die Produkte, der Organisationsform und
die Finanzierungsmglichkeiten bestimmt.
Bei einem wirtschaftlichen Vergleich der verschiedenen Verfahren und Organisationsmodelle zur Erfassung und Behandlung von Abfallen knnen hier nur die

8.4 Vergleich der verschiedenen Entsorgungsverfahren

663

Mglichkeiten der Mengemeduzierung und die durchschnittlichen Kosten der


verschiedenen Methoden herangezogen werden. Dabei ist es allerdings wichtig,
darauf hinzuweisen, da die rtlichen Gegebenheiten, der Verkauf der Produkte,
die einzusetzende Technik, die qualitative und quantitative Abfallzusammensetzung mit bercksichtigt werden mssen. Auch ist oft erst die Kombination von verschiedenen Sortier- und Verwertungssysteme in der Lage, eine optimale Reduzierung und eine wirtschaftlich sinnvolle Nutzung der Recyclingprodukte zu ermglichen.

8.4.1
Reduktion der Restabfallmengen
Durch die getrennte Sammlung von Wertstoffen werden groe Anteile in den
Verwertungskreislauf zurckgegeben.
Das DSD hat aufgrund der Untersuchung der AbflUle aus verschiedenen Stdten
und Gemeinden [8.5] fiir 1996 Verkaufsverpackungen haushaltsnah von 55,9
kg/E.a gesammelt.
Die durchschnittlichen Entsorgungskosten fiir die Verkaufsverpackungen sind
im Bild 8.39. dargestellt.
Tabelle 8.17. Spezifische Erfassungsmengen durch die getrennte Sammlung von Wertstoffen aus
Haushalten fllr 1996
Spannbreite: stdtisch-lndlich 0BRD
[kg/E*a]

[kg/E*a]

Glas

23,8-42,4

32,5

Graphische Papiere

41,0- 51,1

45,7

Verpackungspapiere

10,2- 13,8

12,8

Leichtverpackungen

4,6- 16,4
38,0- 159,0

10,6
66,7

Biotonne
Gesamtreduktion BRD

168,4

Tabelle 8.18. Kosten der Bioabfallerfassung und Behandlung [8.18] (Preisbasis 1995)
Bioabfall
stdtisch

lndlich

70 kg/E*a

120kg/E*a

Kosten der Erfassung [DM]

11,20

19,20

Kosten der Behandlung [DM]

14,00

24,00

Gesamtkosten [DM]

25,20

43,20

Damit betragen die Einnahmen ber den Grnen Punkt in Deutschland knapp
4 Mrd. DM. Dem gegenber stehen mittlere Abfallgebhren in Deutschland (ftlr
Haus-, Sperr- Bioabfallentsorgung, Beratung, Schadstoffsammlung etc.) von ca.
I 00-150 DM/(E*a).

664

8 Kostenbetrachtung von Abfallbehandlungsanlagen

70 r----------------------------------------- -,
60 1- - - - - - - - - - - - - - -

50 +--------------------

JG
w

:i
0

40

30 +---r.o~.,---1
20

10
0 ~~~~~-~-L--r~~~--+-~~~-+-~~L-~

1992

1993

1994

1995

1996

Jahr
Bild 8.39. Durchschnittliche Entsorgungskosten filr Verkaufsverpackungen [8.20]

Die Kosten der Biotonne ergeben sich bei einer 14-tgigen altemierenden Abfuhr
ftlr Restabfall und Bioabfall wie folgt nach Doedens [8.19]
Die Kosten ftlr die Sammlung von graphischem Altpapier in Depotcontainern
sind in der folgenden Tabelle dargestellt [8.1 0).
Tabelle 8.19. Erfassungskosten filr graphisches Papier- getrennterfat

Depotcontainer
Blaue Tonne (2401 MGB)
Recyclinghof

Stadt

Kleinstadt

Land

[DM/kg]

[DM/kg]

[DM/kg]

60,00
140,00

70,00
150,00

110,00

60,00

8.4.2

Kostenvergleich der mechanisch-biologischen mit der thermischen


Abfallbehandlung
In dem Bild 8.40. werden die spezifischen Behandlungskosten ftlr die MBA mit
BRAM-Herstellung und Restabfallverbrennung mit der Abfallverbrennung gegenbergestellt. Da beide Kurven projektierte Werte darstellen sind beide Kurven
graphisch mit einem Fehlerbereich von 10% dargestellt. Deutlich wird, da bei
geringeren Durchstzen die Kombinationslsung vorteilhaft ist. Es ist aber wichtig,
da ftlr diesen Vergleich beachtet wird, da sowohl BRAM als auch der Restabfall
aus der MBA extern in greren Anlagen verbrannt wird, da bei einem Betrieb
von eigenen Anlagen hhere Kosten entstehen wrden. Ab einem Durchsatz zwischen 200.000- 300.000 Mg/a schneiden sich die Kurven und die Verbrennung in
einer MV A wird wirtschaftlicher als eine Kombinationslsung. Unter Bercksich-

8.4 Vergleich der verschiedenen Entsorgungsverfahren

665

600
\

\\~u

::!:
..... 500
::!:

r--~-\-4-----+--

400

"'
~

"'~

::a=

=
lU

"'

+----"~!-+---_ -- . .

--f--------4

+ - - -kA+BRAM+therrnische Behandlung -

lU

I:

+--

---~-----

'

=...

MVA -----1------+-----1

'\.. - r--::- _.. . . . .

300

.c 200
.c

- - - + - - - --

~\

100

'j;j

4>
Q,

rn

100.000

200.000

300.000

400.000

-+-+--

500.000

Durchsatz IMglaJ
Bild 8.40. Vergleich der spezifischen Behandlungskosten der MBA (mit BRAM extern), Thermische Beseitigung (extern), Schlackedeponie und der MV A auf dem Rost ohne Bercksichtigung der Erlse in Abhngigkeit vom Durchsatz (Preisbasis 1997)[8.14]

tigung der Fehlerbereiche sind berschneidungen in einem weiten Bereich mglich.

9 Integrierte Entsorg u ngskonzepte, zuknftige


Entwicklungen

Wie in den vergangenen Kapiteln ausfuhrlieh geschildert wurde, liegt eine in Art
und Umfang differenzierte Abfallproblematik vor, die somit einer ebenso differenzierten Problemlsung bedarf. Ein Abfallentsorgungssystem mu dieser Komplexitt des Abfallproblems entsprechen, indem es verschiedene Einzelverfahren
und Manahmen in ein sinnvolles Gesamtkonzept integriert.
Zur Zeit verpflichtet das Abfallgesetz des Bundes die Landkreise zwar noch
nicht zur Erstellung eines umfassenden, umweltfreundlichen und wirtschaftlichen
Abfallentsorgungskonzeptes, dennoch wird dieses aus praktischen und kommunalpolitischen Grnden notwendig. Daher haben einige der Lnder-Abfallgesetze
diese Lcke durch entsprechende Verpflichtungen an die entsorgungspflichtigen
Krperschaften geschlossen. In der 5. Novelle des AbfG ist dies jedoch z.Z. vorgesehen.
Ein Landkreis kann eine zukunftsweisende und effektive Entsorgung nur gewhrleisten, wenn dabei jede Stadt/Gemeinde ihr Konzept fiir das Einsammeln
und den Transport frhzeitig mit den Entsorgungsabsichten des Kreises abstimmt.
Diese notwendige wechselseitige Abstimmung der Manahmen ist mit einem
integrierten Abfallentsorgungskonzept gut zu erreichen.
Neben der Entsorgung von Siedlungsabfllen, Boden, Bauschutt, Baustellenabfllen, Produktionsabfllen aus Industrie und Gewerbe werden Problemstoffe wie
z.B. Klrschlamm, Altl oder Sonderabflle in dieses Entsorgungskonzept eingebunden [9.1].
Optimal ist ein integriertes Entsorgungskonzept, wenn es mit Manahmen der
Abfallvermeidung beginnt, kologisch und konomisch sinnvolle Elemente der
Altstoffsammlung und -Verwertung umfat, eine gezielte Aufbereitung und Sortierung der Abflle einschliet und den verbleibenden Restmll in eine inerte, endlagerungsfhige Form bringt [9.1, 9.2, 9.4, 9.5].
Eines der jngsten Beispiele ist das Umwelt- und Recyclingzentrum (URZ) in
Berlin, das neben einer Restmllverbrennungsanlage mit Kraft-Wrme-Kopplung
ber eine Biokompostierungsanlage, eine Gewerbeabfall- und Baustellenmischabfallsortieranlage, eine Bauschuttaufbereitungsanlage, eine Anlage zur Autodemontage sowie zur Entsorgung von Khlgerten und weier Ware, eine Anlage
zur Vergrung von vegetabilen Abfllen, eine
nachemische Bodenreinigungsanlage, eine Anlage zur Verwertung von Speiseresten und zur Kunststoffaufbereitung, eine Shredderanlage sowie ber eine Anlage zur Demontage
von Elektronikgerten verfgt (Bild 9.1 ). Die Vorplanungen wurden 1992

B. Bilitewski et al., Abfallwirtschaft


Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2000

668

9 Integrierte Entsorgungskonzepte, zuknftige Entwicklungen

Standortunabhngige Aufstellung
fQr ein idealtypisches URZ

Gesamtflche : 9Q-100 ha

Sdione

Demontogeonloge
for Altautos

Bioobfolkompostierungsanlege
17,5ho

Shredderalloge

Verg0"111QSonloge
far vegetabile
gewerbliche
Abfdle
Anlage

zur Demontage
von KOhlgeraten
und "Weier Ware"

Bodenreinigungsallegen

Demontageanlage
far Elektronikerzeugnisse
Aufbereitungsonloge
far Altholz

zur

Verwertung von
Speiseresten

Anlage

Sortierenloge far
Haus-, Gewerbe- und
BoustelenmischobfOIIe

Anlage zur
Kl.l'lStstoffoufbereitung

Bouobforecyclinga'lloge

Bild 9.1. Anlagenkonfiguration eines von INTECUS geplanten "idealtypischen" Umwelt- und
Recyclingzentrums [9.6]

abgeschlossen, und 1993 wurde dieses Vorhaben mit der Standortoptimierung und
Betreibersuche fortgesetzt.
Ein integriertes Entsorgungssystem ist jedoch immer auf die speziellen Gegebenheiten des Planungsgebietes auszurichten, weshalb es kein allgemeines Patentrezept filr ein solches System gibt. Es mu vielmehr fiir jedes Planungsgebiet ein
eigenes, speziell angepates und damit optimales Entsorgungssystem erstellt werden, um den vielfaltigen Anforderungen gerecht werden zu knnen.
Zur Erstellung eines Entsorgungskonzeptes sind verschiedene Planungsschritte
erforderlich, die im folgenden erlutert werden.

9.1
Ziel des Entsorgungskonzeptes
Zunchst mu eine Zielrichtung als Grundlage der Konzeptplanung bestimmt
werden. Whrend sich die verschiedenen Konzepte in Einzelheiten unterscheiden,
liegt allen Konzepten die bereits mehrfach zitierte Zielhierarchie zugrunde:
- Abfallvermeidung und -Verminderung,
- Abfallverwertung,
- Abfallablagerung und -beseitigung.
Die Zielvorgaben werden auf die kurz- und mittelfristige sowie auf die langfristige
Planung bezogen.
Whrend die Zielhierarchie langfristigen Bestand hat (qualitative Vorgabe), sind
die Verfahren zu ihrer Umsetzung sowie die Zielerreichungsgrade (quantitative
Vorgabe) einem steten Wandel unterworfen. Das bedeutet filr das Konzept, da es
stets fortgeschrieben werden mu und zwar sukzessive mit dem Erreichen der

9.1 Ziel des Entsorgungskonzeptes

Abfallaufkommen
Ist -Zustand

Sammalsysteme und
Anlagen Ist- Zustand

-Mengen
- raumlieh
Inhalte, Struktur
(Probeverwertung)

- raumlieh
-Technologie. Verfahren
-Kapazitt
- Restlaufzeit

~
KOnftlge Entwicklung des
Abfallaufkommens

Vorhandene Planungen
- Vernderungen MVA
- Umladestationen

-Mengen
-Struktur

_j

Dokumentation und
Bewertung von Verfahren
und Technologien
- Sammelsysteme
- Sortierverfahren

''!

Wertstoffabsatz
- Marktsituation fr einzelne
Wertstoffe

Untersuchung von abfallwirtschaftliehen Modellvarianten

Papier
Glas
Kunststoff

Planungsvorschlag

I kaufmnn.- org. Lsung I

- bundesweit und gebietsbezogen

bertragbarkeit

Bild 9.2. Vorgehensweise und Arbeitsschritte ftir die Erstellung eines integrierten Entsorgungskonzeptes [9.3]
Tabelle 9.1. Zielvorgaben ftir ein Abfallentsorgungskonzept des LandkreisesUnna von 1986
[9.1]
Ist-Zustand
[Gew.-%]
Abfallvermeidung
Stoffliche Verwertung
Thermische Verwertung
Reststoffablagerung

0
4
25
77

Kurz-/mittelfristige
Zielvorgabe
[Gew.-%]

Langfristige
Zielvorgabe
[Gew.-%]

10

25
25

40

54

303
27

ca. 1/4 des Verbrennungsinputs fllt als Reststoff(Schlacken und Stube) an;
entspricht bei 25 % = 6 % und bei 30 % = 7 %

669

670

9 Integrierte Entsorgungskonzepte, zuknftige Entwicklungen

einzelnen Unterziele und der allgemeinen Entwicklung in der Abfallwirtschaft


(Bild 9.2).
Fr den Landkreis Unna wurden im Rahmen eines Abfallentsorgungskonzeptes
Zielvorgaben festgelegt, wie sie in Tabelle 9.1 dargestellt sind.

9.2
Bestandsaufnahme (Ist-Zustand)
Diese Phase beinhaltet die Zusammenstellung der Datengrundlage ftir die Planung. Die Datengrundlage umfat:
- Abfallzusammensetzung, Abfallmengenstrme und -entwicklung,
- Abfallsammlung und -sammeleinrichtungen,
- Abfallbehandlungsanlagen der Regionen,
- Entsorgungsverfahren ftir die verschiedenen anfallenden Abfalle.
Neben der Ermittlung der Abfallzusammensetzung und der -mengenstrme
kommt der Abfallmengenentwicklung in der Vergangenheit eine besondere Bedeutung zu. Die Abfallmengenentwicklung dient sowohl zur berprfung vergangeuer Prognosen als auch als Basis ftir zuknftige Entwicklungen des Abfallaufkommens. Dabei sollte die Interpretation der Abfallmengenentwicklung hinsichtlich ihrer Plausibilitt untersucht werden, damit Fehlinterpretationen mit weitreichenden Planungsfolgen mglichst vermieden werden.
Die Darstellung der Abfallsammlung und -sammeleinrichtungen lt Rckschlsse auf die Effizienz bisher verwendeter Sammeleinrichtungen zu und dient
derErrechnungwichtiger spezifischer Parameter wie z.B. exakter Erfassungsquoten in Abhngigkeit von Siedlungsstruktur, Sozial- und Altersstruktur sowie vom
Behltersystem. Diese Daten sind im Hinblick auf die zunehmend getrennte Erfassung verschiedener Komponenten des Hausmlls unerllich. So haben schlecht
augepate Sammelsysteme negative Rckwirkungen auf Quantitt und Qualitt
der erfaten Fraktionen und damit auf die Wirtschaftlichkeit sowie auf die Motivation der Abfallerzeuger zur Folge. Die wesentlichen Faktoren zur Beeinflussung
der Teilnahme des Abfallerzeugers an der getrennten Sammlung sind im Bild 9.3.
dargestellt.
Ein berblick ber die angewendete Verfahrenstechnik und den Durchsatz der
bestehenden Abfallbehandlungsanlagen gibt Aufschlu ber die Anlagentechnik
im Hinblick auf den allgemeinen Stand der Technik, ber die Auslastung der Anlage, altersbedingte erforderliche Modemisierungsmanahmen sowie die noch zu
erwartende Lebensdauer der Anlage. Auf Grundlage dieser Daten und der zuknftigen Abfallmengenentwicklung werden schlielich die neu zu errichtenden Anlagen ausgelegt.
Die Darstellung der Entsorgungsverfahren fiir einzelne Abfallarten ordnet die
Abfallfraktionen den einzelnen Entsorgungsanlagen zu und ermglicht somit auch
eine qualitative Beschreibung der Abfallmengenstrme.

9.1 Ziel des Entsorgungskonzeptes

Ziele
Organisatorisches
HandlungsansprOche

Ressourcenschutz
Landschaftsschutz
Umweltschutz
Recydingwerbend

Auswirkungen auf
Umwelt, Mllabtuhr

Monostoffl<onstruktionen
Mehrfachvetwendung

Verwertung

Mehrfachfunktionen

Gewinnverwendung

Sekundarrohstoffprodukte

Komfortabilitat des Wertstoff


erfassungssystems
Wurfsendungen

Systembehalter in
der Wohnung

Medien

einfache Entleerung
keine strenden Einfle
BehaHerkapazitat

soziale SchichtzugehOrigkeit

Wohnform ( soziale Kontrolle

Bildungsniveau

HaushallsgrOe

Auslandoranteil

Alter der Teilnehmer


Vorgegebene Randbedingungen

Bild 9.3. Motive und Einflufaktoren bei der Teilnahme zur getrennten Sammlung [9.7)

9.3

Bewertung von Entsorgungsmglichkeiten und


-verfahren

In diesem Planungsteil werden zunchst die Voraussetzungen der


Verwertung von Abfallbestandteilen,
- Erfassungs- und Sammelsysteme,
- Entsorgungsverfahren fiir feste Siedlungsabtalle behandelt und bewertet.
Unter den Voraussetzungen der Verwertung von Einzelfraktionen sind
Einsatzmglichkeiten der Stoffe als Wertstoffe,
kologischer Nutzen der Verwertung,
Qualittsanforderung,
- Marktsituation
beschrieben.
Die Erfassungs- und Sammetsysteme werden hinsichtlich
Qualitt, Absatz und Verwertung dererfaten Stoffe,
Erfassungsquoten,
regionaler Gegebenheiten,

671

672

9 Integrierte Entsorgungskonzepte, zuknftige Entwicklungen


Metalle Holz . Schotter. Fllsand u.a.

Baugewerbe
Produktion
und
Landwirtschaft

Rest

Isauschult
inerte Reststoffe

'

Deponie

Gewerbe

Wertstoffe

--

I Sondermll- ]
besettigung

Kompost

Bild 9.4. Optimales Abfallentsorgungskonzept nach [9.5]

- Flexibilitt der Teilsysteme,


Standplatzbedarf,
Akzeptanz durch den Brger,
Entsorgungssicherheit,
- Kosten,
- erreichbarer Schadstoffreduktion im Mll
- miteinander verglichen und bewertet.

9.4
Abfallentsorgungskonzept (Soll-Zustand)
Auf der Grundlage des Datenmaterials wird nun ein integriertes Entsorgungskonzept abgeleitet und vorgeschlagen. Dazu werden verschiedene Entsorgungsvarianten hinsichtlich regionaler Lage, Entsorgung, Transport und Kosten eines Behandlungssystems unterschieden und bewertet.
Die empfohlenen Manahmen zur qualitativen und quantitativen Abfallvermeidung und -verwertung sowie zur Entsorgung der Restmassen und Problemabflle
werden nacheinander erlutert und Bilanzen ber die jeweils zu erwartenden Abfallpotentiale erstellt. In Bild 9.4. und Bild 9.5. werden schematisch Beispiele
integrierter Abfallentsorgungskonzepte gezeigt.
Ein weiteres Beispiel einer integrierten Entsorgung sind sog. Branchenkonzepte. Danach werden Abfalle aufgrund einer gleichartigen Beschaffenheit hinsichtlich ihrer Art oder ihrem Gefiihrdungspotential fr die Umwelt gemeinsam
erfat. So sind Kleinbetriebe meist Anfallstellen eines weiten Spektrums von
problematischen Abfallen in Klein- und Kleinstmengen. Es knnen etwa 40 Branchen identifiziert werden (Uhrmacher, medizinische Praxen, Maler, Friseure, KfzWerksttten, Gebudereiniger, Reinigungen, Tankstellen, Tischler, Fotografen
etc.), die gefhrliche Abfalle entsorgen mssen. Die Entsorgung dieser Abtalle
wird heute leider immer noch weitgehend gemeinsam mit dem Hausmll bzw.

9.1 Ziel des Entsorgungskonzeptes

V
D
........,

l_ ___ _l

Klrwerk

Mllabfuhr
StadtGraz

673

85%

AEVG - Abfallentsorgungs- und


-Verarbeitungs GmbH
(51% Stadt Graz, 49% VOEST-Aipine AG)
VOEST - Alpine AG

,
li

Klrschlammentwsserung
15%

Aufbereitungsanlage

Deponlegut 3- 5%

r --

-"

Kompostieran Iage

~chrott ~:- ----J~~~:-~~---~-~~----------------------------*~-~i~-~~::~::

,_________ _t_ __________

Kompost-

Rohfraktion

-45- 50 o~

!3-5%!

l_ _~:~~-~~~~~-~~--___i~l___ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _~~=::~:~:~----------------------------'

Bild 9.5. Grazer Abfallentsorgungskonzept von 1983 mit Klrschlammverarbeitung, Mengen in


Gew.-% [9.4]

ber die Kanalisation durchgefhrt. Durch diese Sonderabfallmengen (0,8 bis


1,4 kg/Ea) sind die Schadstoffbelastungen in der Mllverbrennung, Kompostierung, im Deponiekrper und bei der mechanischen Sortierung berproportional
gro.
Eine hnliche Situation entsteht mit der Abwasserbelastung durch den anfallenden Klrschlamm. Schwermetalle, Desinfektions-, Reinigungs- und Lsungsmittel
gelangen ber die Kanalisation in die Klranlage und zum groen Teil in den
Klrschlamm. Die Verwertung der Klrschlmme als Bodenverbesserer oder als
Zuschlagstoff in der Kompostierung wird dadurch verhindert bzw. die Verbrennung unntig teuer und technisch anspruchsvoll. Whrend durch die getrennte
Schadstoffsammlung in den Stdten und Gemeinden bereits hohe Anteile an
schadstoffualtigen Stoffen aus den Haushalten erfat werden, sind kleine Gewerbebetriebe und Selbstndige von diesem kostenlosen Service der Stadtreinigung
ausgeschlossen.
Die Zielsetzung der Branchenkonzepte ergibt sich aus der Analyse der Umweltbelastungen durch die Kleinbetriebe bei gesamtheitlicher Betrachtung:
1. Die wesentlichen Umweltprobleme der einzelnen Branchen werden hervorgehoben und quantifiziert.
2. Durch entsprechende Untersuchungen wird eine Datengrundlage geschaffen,
um sinnvolle Lsungen zu entwickeln.
3. Organisatorische Lsungen werden fr einzelne Branchen und Regionen entwickelt.

674

9 Integrierte Entsorgungskonzepte, zuknftige Entwicklungen

4. Die sortenreinen Abflle werden zusammengefat und in entsprechenden technischen Einrichtungen verwertet bzw. einer abfallartenspezifischen Behandlung
unterzogen.

9.5
Organisatorische, finanzielle und rechtliche Manahmen
ffentlichkeitsarbeit
Fr die erfolgreiche Umsetzung des Abfallentsorgungskonzeptes kommt einer
intensiven ffentlichkeitsarbeit eine groe Bedeutung zu. Daher werden in diesem
Planungsabschnitt zunchst gngige Mittel der ffentlichkeitsarbeit aufgezeigt. Es
wird dargelegt, welche Erfahrungen mit einzelnen Manahmen vorliegen, welche
dieser Manahmen im Planungsgebiet bereits durchgefhrt werden und welche
Manahmen konkret umgesetzt werden sollen.
Personalausstattung
Die Erfordernisse an die Personalstruktur ergeben sich aus den einzelnen Punkten
der Sollkonzeption ( vgl. Kap. 9.4) sowie aus ausgewhlten Manahmen im Hinblick auf die ffentlichkeitsarbeit. Es wird festgelegt, wieviel Personal im einzelnen in den Bereichen
- Abfallberatung in Haushalten, Gewerbe, Handel, Dienstleistung,
- Abfallberatungs- und -verwertungszentren,
- Verwaltung,
- Anlagenplanung und -betrieb
eingesetzt werden sollen.
Finanzielle und rechtliche Manahmen
Um das Abfallentsorgungskonzept satzungsrechtlich umzusetzen, werden nderungs- und Ergnzungswnsche der bestehenden Abfallbeseitigungssatzungen
formuliert. Weiterhin sind ggf. gebhrenrechtliche Regelungen erforderlich, die
ebenfalls erlutert werden (
Bild 9.6).
Zeitliche Realisation
Abschlieend wird der Ablaufplan ber die zeitliche Umsetzung der einzelnen
Elemente des Planungskonzeptes erlutert. Dieser Ablaufplan gibt einen berblick darber, wann bestimmte zur Umsetzung des Konzeptes notwendige Entscheidungen getroffen sein mssen. Die Aufstellung eines solchen Planes dient
daher u.a. zur Vermeidung von Zeitverzgerungen bei der Realisierung des Konzeptes.

9.1 Ziel des Entsorgungskonzeptes

675

9.6

Zuknftige Umsetzung von Abfallgebhren nach dem


Wirklichkeitsmastab
9.6.1

Klassische Gebhrensysteme

Im allgemeinen wird in den Landesabfallgesetzen geregelt, da die entsorgungspflichtigen Krperschaften durch Satzung ftir die Grundstcke ihres Gebietes den
Anschlu an die Einrichtungen der Abfallentsorgung und die Benutzung dieser
Einrichtungen regeln. Dafr sind Benutzungsgebhren zu bezahlen. In der Vergangenheit haben sich zwei klassische Gebhrenumlagesysteme herausgebildet, die als
Pauschal- und als Wertmarkensystem allgemein bekannt geworden sind. In den
alten Bundeslndern hat sich in den 70er und 80er Jahren das Pauschalsystem
durchgesetzt. In den neuen Bundeslndern fand dagegen die Wertmarke eine weite
Verbreitung. Diese zwei klassischen Gebhrenumlagesysteme weisen jedoch
verschiedene Vor- und Nachteile auf, so da seit Ende der 80er Jahre zunehmend
andere Gebhrensysteme erprobt werden.
Beim klassischen Pauschalsystem wird je Bemessungseinheit (z.B. je Einwohner oder je Abfallbehltertyp) pauschal eine Gebhr erhoben. Der Brger bezahlt
die Gebhr unabhngig vom Umfang der Inanspruchnahme der angebotenen
Dienstleistungen. Im allgemeinen wird das Abfallbehltervolumen so gro dimensioniert, da der einzelne Durchschnittsbrger seine Abflle ohne Platzprobleme in
den Abfallbehlter eingeben kann. Durch die Anwendung der pauschalen Umlage
mit grozgig dimensionierten Abfallbehltern sind die frher hufig anzutreffenden ungeordneten wilden Ablagerungen drastisch zurckgegangen. Das zunehmend abfallbewute Verhalten vieler Brger fhrt dazu, da das Abfallaufkommen
der einzelnen Brger sehr unterschiedlich sein kann. Bei der pauschalen Gebh-

~
r

MVA

Bio. Abfall

Bau Abfall

Demontage

Setreiberkonzept Public-Private-Partnership Private Trgerschaft Private Trgerschaft Private Trgerschaft


[Link]

- Entsorgungspflicht
- Know-how
- Finanzierung

Finanzierungskonzeptkonzept

Fond-Modell

Leasing

Leasing

[Link]. und Einordnung durch


Oberfinanzdirektion
Sonderfaktoren

Konventionell
Leasing

- Hohes Finanzaufkommen
- Ausgestaltungsmglichkeiten
Hohe WettbewerbsIntensitt

Einbindung in
Baustoffkreislauf

Hoheitliche Aufgabe

Bundesweite
Rcknahme
verordnung

Frderprogramme

Hoher Wettbewerb
Frdermglichkeit

Bild 9.6. Betreiberund Finanzierungskonzepte [9.6]

676

9 Integrierte Entsorgungskonzepte, zuknftige Entwicklungen

Prozent

Prozent

Bild 9.7. Kostenstruktur der Entsorgungsgebhren im Landkreis Hoyerswerda (Sachsen) im Jahr


1992

renumlage wird das an Abfallvermeidung und -verwertung orientierte Verhalten


einzelner Brger jedoch nicht honoriert.
Bei der klassischen Wertmarke wird die Gebhr in Abhngigkeit von der Behltergre je Entleerung erhoben. Der Brger signalisiert durch das Anbringen
einer Wertmarke, da der Behlter entleert werden soll. Er bezahlt folglich die in
Anspruch genommene Dienstleistung. Der einzelne Brger kann durch Abfallvermeidung und -Verwertung direkten Einflu auf die erhobene Abfallgebhr
nehmen. Dadurch werden die Brger angehalten, schonend mit den Ressourcen
umzugehen. Daher werden derartige Gebhrenumlagessysteme als verursachergerechter bezeichnet. Andererseits kann der monetre Anreiz zur Gebhreneinsparung fr einzelne Brger so hoch sein, da sie durch zu starkes Verdichten der
Abflle, durch Abfallverbrennung im Haushalt oder durch wilde Ablagerung ihre
Abflle nur scheinbar reduzieren.
In Bild 9.7 ist die Kostenstruktur fr den Abfallhaushalt im Landkreis Hoyerswerda (Sachsen) fr das Jahr 1992 aufgezeichnet. Der Darstellung kann entnommen werden, da 70% der Kosten im Abfallhaushalt fix und 30% variabel sind.
Die Fixkosten setzen sich aus Kosten zusammen, die sich aus den Verwaltungskosten, den Gemeinkosten, den Kosten fr die scheinbar unentgeltliche Sammlung
und Verwertung bzw. Beseitigung von Wertstoffen, sperrigen Abfllen und Sonderabfllen sowie den Fixkosten beim Restmllentsorger ergeben.

9.1 Ziel des Entsorgungskonzeptes

677

Der variable Kostenanteil wird durch die Aufwendungen fr Sammlung, Transport


und Entsorgung des Restmlls bestimmt [9.8].
Beim Pauschalsystem bleibt der variable Kostenfaktor und beim Wertmarkensystem der Fixkostenanteil unbercksichtigt. Daraus ergibt sich, da weder die
pauschal erhobenen noch die ber Wertmarken erhobenen Nutzungsgebhren den
tatschlich entstehenden Kosten entsprechen.
Dies ist mit ein Grund dafr, da die bestehenden klassischen Abrechnungssysteme verbessert werden mssen. Solche Verbesserungen sind z.B. durch Festlegung einer Mindestabnahmemenge fr Wertmarken oder Festlegung einer maximalen Anzahl von Markenrckvergtungen zu erreichen. Eine sinnvolle Modifikation der klassischen Systeme besteht auch darin, da der Fixkostenanteil pauschal
und der variable Kostenanteil ber Wertmarken gem der dargestellten Kostenstruktur abgerechnet wird. Dies fhrt aber mit den herkmmlichen Methoden der
Umsetzung zu einem betrchtlichen Verwaltungsaufwand und damit zu hheren
Gebhren pro Entleerung.

9.6.2

Modernes Gebhrensystem

Die dargestellten klassischen Gebhrenumlagesysteme sind Gebhrensysteme nach


dem Wahrscheinlichkeitsmastab. Beim Pauschalsystem wirdjeder Brger wie der
Durchschnittsbrger veranschlagt. Dagegen wird beim Wertmarkensystem angenommen, da jeder Abfallbehltertyp gleich voll ist, so da auch die Gebhr je
Behltertyp unabhngig vom tatschlichen Fllgrad konstant ist.
Ein Wirklichkeitsmastab, dem die tatschliche Inanspruchnahme der Dienstleistung zugrunde liegt, wie dies beim Energie- oder Wasserverbrauch lngst blich
ist, ist dagegen logisch und einsehbar. Bei der Gebhrenerhebung nach dem Wirklichkeitsprinzip wird die Restmllmasse und/oder das -volumen als Gebhrenmastab herangezogen. In den wenigen Anwendungsfllen des Wirklichkeitsmastabes
in der Bundesrepublik wird der Fixkostenanteil pauschal je Einwohner oder in
Abhngigkeit vom Behltertyp je Behlter als Grundgebhr erhoben. Der variable
Kostenanteil wird ber einen masse-und/oder volumenabhngigen Kostenschlssel
auf den Gebhrenschuldner umgelegt. Dies setzt folglich die Verwiegung und/oder
Volumenmessung des Restmlls voraus. Diese Lsungen sind technisch gegenber
den klassischen Systemen sehr aufwendig und knnen nur mit hinreichender Untersttzung durch die EDV kostengnstig umgesetzt werden. Eine derartige Lsung
wird auch als Computerintegriertes Abfallentsorgungssystem (CAS) bezeichnet.
Dem Bild 9.8 knnen die prinzipiellen Komponenten des CAS entnommen werden
[9.9].
An den Sammetgefen sind Datentrger mit verschlsselten Daten oder Zufallszahlen zu befestigen, die eine direkte Zuordnung zu den Gebhrenschuldnern
ermglichen. Bei jeder Leerung der Abfallbehlter werden fahrzeugseitig die
Zeitpunkte der Leerungen, die entleerten Restmllmassen oder -volumen sowie die
verschlsselten Daten festgehalten. Voraussetzung dafr ist, da an den technischen Einrichtungen, wie Waagen und/oder Volumenmeeinrichtungen, entsprechende Leseeinrichtungen und zustzlich Speicherkapazitten fr die Zwischenspeicherung von aufgenommenen Daten whrend einer Route bzw. einer

678

9 Integrierte Entsorgungskonzepte, zuknftige Entwicklungen

(u U. Verwiegung)
(oder Volumenbestimmung)

mobile Datenerfassung

Datenbergabe - - -
(Schninstelle)

Lohn- und Gehaltsabrechnung


ebhrenbescheide
Tourenoptimierung

Bild 9.8. Prinzipielle Komponenten eines Computerintegrierten Abfallentsorgungssystems

Arbeitsschicht am Fahrzeug angebracht sind. Bei Schichtende oder Dienstschlu


werden die Daten vom Fahrzeugspeicher ber eine Schnittstelle in den Verwaltungscomputer bertragen.
Viertel-, halb- oder ganzjhrig werden die Gebhrenbescheide mit verursachergerechteren Gebhren erstellt und den Gebhrenschuldnern zugesandt.
In einem Pilotversuch in Dresden wurde die Umsetzung eines CAS als elektronische Wertmarke untersucht [9.10]. Dabei kamen bis aufdie notwendigen technischen Einrichtungen fiir die Verwiegung bzw. Volumenbestimmung smtliche
Komponenten eines CAS zur Anwendung. Bei der Kostenbetrachtung wurde
festgestellt, da durch die Umsetzung ftlr das gesamte Stadtgebiet Investitionen in
Hhe von 3,0 Mio. DM ohne Verwiegung und in Hhe von 5,3 Mio. DM mit
Verwiegung erforderlich sind. Dies entspricht jhrlichen Aufwendungen bei einer
Abschreibung ber 6 Jahre und 10% Zinsen von 690 000 DM (ohne Verwiegung)
bzw. 1,22 Mio. DM (mit Verwiegung). Durch die weitestgehend computergesttzte
Datenauswertung und Tourenoptimierung knnen bei beiden Lsungen in der
Verwaltung und beim Fuhrpark Kosten in Hhe von mindestens 1,34 Mio. DM pro
Jahr eingespart werden. Damit knnen die Gesamtkosten unter Bercksichtigung
der Kosten fiir die Investitionen ohne Verwiegung um jhrlich ber 650 000 DM
und mit Verwiegung um ber 120 000 DM jhrlich gesenkt werden. Der prognostizierte Kostenverlauf bei der Einfiihrung eines CAS ohne Verwiegung ist fiir die
Stadt Dresden in Bild 9.9 dargestellt. Diese Kosteneinsparungen knnen an die
Brger durch Gebhrensenkung weitergeben werden [9.8].
Eine breit angelegte wissenschaftliche Untersuchung im Land BadenWrttemberg und Rheinland-Pfalz kommt zu dem Ergebnis, da das Abfallaufkommen stark durch das Gebhrenumlagesystem beeinflut wird [9.11 ]. Durch den
Wechsel von pauschaler Gebhr zu verursachergerechter Gebhrenerhebung ist

9.1 Ziel des Entsorgungskonzeptes

679

Kosten (DM)

.....

Gesamtkosteneinsparung
650 TDM/a

Gesamtkosten

..

Kosteneinsparung
Personal u. Fuhrparl<k.

1.340 TDM/_a

.. ..
l.... .. ....
~

-------Zustandsbereich
nach Einfhrung
des CAS in Dresden

, , ",
........
...... .
,

Investitionskosten

--,

zustzliche
Investitionskosten
690 TDM/a

x
gering

~.

Personal- u.
Fuhrparkkosten

Optimum

Automatisierungsgrad

>

hoch

Bild 9.9. Prognose des Kostenverlaufs bei der Einfuhrung eines CAS in Dresden im Jahr 1993

eine Verringerung des Restmllaufkommens um 18,4 bis 34,4% erreicht worden


(Bild 9.1 0). Bei der Abrechnung nach dem Wahrscheinlichkeitsmastab mit Wertmarken konnten die Restmllmassen im Jahre 1991 um 18,4 bis 30,4 % gegenber
1990 reduziert werden. Bei der Abrechnung nach dem Wirklichkeitsmastab mit
Verwiegung ber CAS konnten die Restmllmassen um 27,1 bis 34,4% im gleichen Zeitraum gesenkt werden [9.12].
Die Verringerung des Abfallaufkommens wird aber nur dort erzielt, wo die verursachergerechte Gebhr auch tatschlich den Verursacher erreicht. Dies ist in den
Wohngebieten der Fall, wo dem Abfallbehlter einige wenige Haushalte direkt
zuordenbar sind. Fr Bewohner in Growohnanlagen gilt dies in der Regel nicht.
Die eigentlich verursachergerechte Abfallgebhr, erhoben von der entsorgungspflichtigen Krperschaft oder beauftragter Dritter an den Vermieter, wird in den
hufigsten Fllen vom Vermieter pauschal auf die Hausbewohner oder die gesamte
Wohnungsflche umgelegt. Die auf diese Art und Weise umgelegte Gebhr wird
folglich unabhngig von der Abfall- und Wertstoffmenge fiir den einzelnen Haushalt berechnet.
Um die verursachergerechte Abrechnung auch fiir die Brger in Growohnanlagen umzusetzen, sind neue Wege zu beschreiten. Eine Mglichkeit sind beispielsweise abschliebare Behlter, die einzelnen Hausaufgngen oder Etagen zugeordnet werden. Eine andere Mglichkeit stellen speziell ausgerstete Abfallbehlter
mit Mnzschlssern dar. Die Abfallbehlter geben nach Einwurf einer Mnze ein
vorgegebenes Volumen frei, in das die Abflle eingegeben werden knnen. Dadurch wird es fiir den einzelnen Brger mglich, durch ein Verhalten, da an Abfallvermeidung und -Verwertung orientiert ist, Geld zu sparen. Durch die neu zu

680

9 Integrierte Entsorgungskonzepte, zuknftige Entwicklungen

Restmllmenge
kg/(E*Wo)
7,0

6,0

Abrechnung 1991
nach dem Wahrscheinlichkeitsmastab
mit Wertmarken

Fugnheim

Neuhofen

Haloch

Abrechnung 1991
nach dem Wirklichkeitsprinzip
mit Verwiegung

Barkheim

Billigheim

~ 1991 verursachergerachte Abrechnung


~ 1990 pauschale Abrechnung t:&1 mit Wertmarke bzw. CAS mit Verwiegung
~

Bild 9.10. Mengenreduzierung beim Wechsel von pauschalen zu verursachergerechten Abrechnungen nach dem Wahrscheinlichkeits- und Wirklichkeitsmastab in den Jahren 1990/92

beschreitenden Wege kann das Abfallaufkommen zuknftig auch in Growohnanlagen positiv beeinflut werden.

9.6.3

Verursachergerachte Abrechnung von Abfallgebhren in


Growohnanlagen
Seit Anfang der 90iger Jahre wurden verstrkt verursachergerechte Gebhrensysteme umgesetzt, die Anreize zur Abfalltrennung bieten. Whrend diese Gebhrensysteme in lockeren Bebauungsstrukturen dazu gefiihrt haben, da der Weftstoffanteil im Restabfall stark gesunken ist, so lag er in verdichteten Bebauungsstrukturen trotzdem bei bis zu 80 %.
Die Hauptursache fiir dieses unterschiedliche Verhalten ist vor allem darin zu
sehen, da die verursachergerechte Abrechnung in den verdichteten Gebieten den
Brger nicht erreicht. Die Abfallgebhren werden in diesen Gebieten pauschal
ber Nebenkosten pro m2 Wohnflche erhoben und sind unabhngig von der tatschlichen Inanspruchnahme.
Durch Umstellung der herkmmlichen anonymen auf die zuordenbare individuelle Abfallerfassung und Umstellung von der Abrechnung ber pauschalisierte
Nebenkosten auf die individuelle Abrechnung nach Abfallaufkommen verhalten

9.1 Ziel des Entsorgungskonzeptes

681

sich die Brger in den verdichteten Gebieten hnlich wie in den Gebieten mit
Einzelhausbebauung.
Fr die individuelle Abfallerfassung sind die bisherigen Abfallbehlter zu modifizieren oder neue technische Systeme einzufhren.

[Link]

Technische Systeme und Abrechnungsmglichkeiten

Technische Systeme- berblick


Seit 1994 sind verschiedenste technische Lsungen zur individuellen Abfallerfassung und Abrechnung entwickelt und erprobt worden.
Einen berblick ber die bedeutendsten Systeme gibt Bild 9 .11.
Die Systeme zur mieterbezogenen Abfallerfassung lassen sich in 4 Gruppen
einteilen:
1. Gruppe -jeder Haushalt erhlt ein eigenes Behltervolumen
Durch Zuordnung eines eigenen Behltervolumens fr jeden Haushalt ist es mglich, die Inanspruchnahme individuell zu erfassen (z.B. nach dem Volumentarif
oder nach dem Entleerungsmastab) und danach die Abfallgebhr entsprechend
zu bemessen.

2. Gruppe- Schleusensysteme
Durch Anbringen von einzelnen oder mehreren Schleusen mit jeweils definierten
Volumina (z.B. 5 I oder 10 I etc.) ist der freie Zugang an die Abfallbehlter [Link] nicht mehr mglich. An die Nutzer (Mieter) werden Zugangsberechtigungssysteme (z.B. Chips, Chipkarten, Magnetkarten o..) verteilt, die gleichzeitig
fr die Abrechnung herangezogen werden. Abgerechnet wird nach Hufigkeit der
Schleusenbenutzungen unter Bercksichtigung des Schleusenvolumens.
Diese Gruppe ist zur Zeit die Bedeutendste und unterteilt sich je nach Ausfhrungin
- Aufsatzsysteme am Behlter,
- Boxsysteme mit herkmmlichen Behltern und
- ber- sowie Unterflur-Containersysteme.
3. Gruppe- Volumenmesysteme
Bei diesen Systemen ist ebenfalls fr die Benutzung ein Zugangsberechtigungssystem erforderlich. Nach der Identifizierung wird eine grozgig dimensionierte
Schleuse geffnet, der Abfall hineingegeben und die Schleuse geschlossen. Durch
Zusammenpressen bis zu einem definierten Grenzdruck wird der Abfall zusammengeschoben. Das verbleibende Volumen wird den Nutzern zugeordnet und zur
Gebhrenbemessung herangezogen. Zur Zeit ist nur 1 Volumenmesystem am
Markt bekannt.
4. Gruppe- Verwiegesysteme
Bei diesen Systemen ist ebenfalls ein Zugangsberechtigungssystem erforderlich.
Nach der Identifikation sind die Abfallbehlter entweder frei zugnglich oder ber
grozgig dimensionierte Schleusen zu bedienen. Bei diesen Systemen werden die

682

9 Integrierte Entsorgungskonzepte, zuknftige Entwicklungen

Systeme zur verursachergerechten Abrechnung

eigenes
VolumenBehltervolumen messung
fr jeden Haushalt

Verwiegung

BOX (mit MGB 1, 1)


[

Haushalt wird mit eigenem


Behlter ausgestattet
(Triviallsung)
MGB 1,1 in 12 Kammern
aufgeteilt

SULO (nicht mehr


im Angebot)

LUFB
CONTAINER mit
An bau/Aufsatz
LSAV

Schleuse
Aufsatz am MGB 1,1

I
[

STABE
IBP/IOMEGA

BOX (mit MGB 1,1)

WESOMA
CSL

WOLFF

CONTAINER mit
An bau/Aufsatz
LAVERMANN

Bild 9.11. berblick ber die technischen Systeme [9. 15]

eingeworfenen Abfallmengen direkt verwogen oder die Abfallbehlter vor und


nach dem Einwurf verwogen. Die ermittelte eingeworfene Masse wird dem Nutzer
zugeordnet und zur Gebhrenbemessung herangezogen. Bei dieser Gruppe gibt es
die Unterteilung
- Boxsysteme und
- Containersysteme ([Link]. nur berflursysteme bekannt).
In der Reihenfolge der 4 Systemengruppen erhhen sich auch die Systemkosten,
da der technische Aufwand in dieser Reihenfolge steigt.

Abrechnung der Abfallgebhren


In Tabelle 9.2. sind fr die verschiedenen Abrechnungsmglichkeiten der Abfallgebhren die Vor- und Nachteile aufgefhrt.
Bei allen 3 Veranlagungen ist es mglich, da die Mindestinanspruchnahme in
Abhngigkeit z. B. von der Haushaltsgre oder der Raumanzahl vorgegeben wird
(z.B. Mindesteinwurfzahl, Mindestmasse oder Mindestvolumen).

9.1 Ziel des Entsorgungskonzeptes

683

Tabelle 9.2. Vor- und Nachteile der verschiedenen Abrechnungen


Abrechnung

Vorteile

Vorfinanzierung -Vorfinanzierung
und Entwertung -Zugang aufbestimmte Personen
bei Benutzung
begrenzt

Bezahlung bei
Benutzung

Identifikation
bei Benutzung
und nachtrgliche Veranlagung

-Vorgabe der Mindestinanspruchnahrne mglich


-minimaler Verwaltungsaufwand
-kein zustzlicher Vertrieb erforderlich
-Bezahlung zum Zeitpunkt, der
Kostenentstehung
-minimaler Verwaltungsaufwand

-Vorgabe der Mindestinanspruchnahrne mglich


-Transponder bzw. Mikrochips sind
flilschungssicher
-Magnetkarte ist kostengnstig

Nachteile
-Vertrieb mu installiert werden
-hohe Kosten je Chip bzw. Karte
-Mikrochipkarte ist geldhnlich,
deshalb Diebstahlgefahr

-Geld bzw. geldhnlich und deshalb


Diebstahlgefahr
-keine Begrenzung aufbestimmten
Personenkreis
-Vorgabe und Kontrolle der Mindestinanspruchnahrne nicht mglich
oder erschwert
-Nachtrgl. Veranlagung mit Abrechnung und Malmwesen sehr
aufwendig
-Transponder bzw. Mikrochips sind
teuer
-Rcknahme und Verteilung bei
Wohnungswechsel erforderlich
-Sperren bei Verlust und Neuausgabe
-Magnetkarte zur Zeit nicht
flschungssicher

[Link]
Erfahrungen aus den bisherigen Versuchen

Es sind seit 1995 eine Reihe von Modellvorhaben zur Umsetzung einer verursachergerechteren Abfallerfassung und Abrechnung in Growohnanlagen durchgefiihrt worden.
Entwicklung des Restabfallaufkommens
Bei allen durchgefiihrten Modellvorhaben war eine deutliche Reduzierung der
Restabfallmengen feststellbar. Allgemein war zu verzeichnen, da je grer der
finanzielle Anreiz, desto grer der Rckgang bei den erfaten Restabfallmengen.
In der Tabelle 9.3. sind einige ausgewhlte Beispiele dargestellt.
Die Ursachen fiir die Entwicklung der Restabfallmengen sind:
- Verringerung des Anteils der Wertstoffe im Restabfall,
- Unterbindung von Restabfallimport nach Installation der Systeme,
- Verschiebung der Abfallstrme bei Mietern mit Garten,
- Verschiebung von Restabfllen hin zu den sperrigen Abfllen,
- Abfallvermeidung im Zuge der durchgefiihrten ffentlichkeitsarbeit und
- Abfallexport whrend der Modell vorhaben.
Am Beispiel Dresden sei aber angemerkt, da der Abfallexport eine untergeordnete Rolle spielte.

9 Integrierte Entsorgungskonzepte, zuknftige Entwicklungen

684

Tabelle 9.3. Entwicklung der Restabfallmengen


Gebiet

System

Restabfall
Iststand
[kg/(E*a)]

Restabfall
Versuch
[kg/(E*a)]

Rckgang
um
[%]

Quelle

Dresden
Hoyerswerda
Hoyerswerda

WOLFFa

178
27!
210
31,41/Wo
228

30
81

83
70
56
> 38
94

[9.13]
[9.14]
[9.14]
[9.16]
[9.17]

Jena
Schwerin

STABE"
UFBb
IBPIIOMEGA"
WES OMA"

93
<121/Wo
14

Schleusensystem
Verwiegesystem

Entwicklung der Sammelmengen der Wertstoffe und des


Reinheitsgrades
Entsprechend dem Rckgang der Restabfallmengen stiegen die Sammetmengen
der getrennt erfaten Wertstoffe. Im Modellgebiet Hoyerswerda wuchs beispielsweise die Sammetmenge aller Wertstoffe um 40 % an. Die Stadt Dresden verzeichnete Zuwachsraten im ersten Versuchshalbjahr bei den Wertstoffen DSDLeichtverpackungen von 73 % und beim Bioabfall von 150 %.
Mit Einfhrung einer verursachergerechteren Abfallerfassung und Abrechnung
in Growohnanlagen wird besonders kritisch die Entwicklung der Wertstoffsammelqualitt betrachtet. Die Versuche zeigten, da bei den klassischen Wertstoffen
(Glas, Altpapier) keine wesentlichen Vernderungen der Sammelqualititt feststellbar waren. Bei den DSD-Leichtverpackungen wurde in einigen Untersuchungsgebieten eine geringe Verschlechterung der Sammelqualitt festgestellt. Im
Modellvorhaben Hoyerswerda sank bei den Sytemen zur verursachergerechteren
Abfallerfassung und Abrechnung (Systeme STABE und UFB) der Anteil der
DSD-Leichtverpackungen in der Gelben Tonne von 54% auf 45% [9.14]. Der
Rest war berwiegend den Fraktionen Papier, Pappe und Glas zuzuordnen. Eine
"Vermllung" der Behlter fr die DSD-Leichtfraktion wurde jedoch nicht beobachtet.
Ausblick und Schlufolgerung
Die bisherigen Aktivitten zur Umsetzung einer verursachergerechteren Abfallerfassung und Abrechnung in Growohnanlagen zeigen, da den Mietern in diesen
Gebieten nachhaltige Anreize zur Abfalltrennung gegeben werden knnen. Die
technischen Systeme wurden und werden stndig weiterentwickelt. Einige sind,
wie eigene betreute Modellvorhaben zeigen, schon jetzt den Alltagsanforderungen
gewachsen.
Eine flchendeckende Einfhrung dieser Systeme hat eine massive Verschiebung der Abfallstrme zur Folge. Die ber die Restabfallbehlter erfaten Mengen
werden gegenber dem heutigen Zustand in Growohnanlagen drastisch sinken.
Bei den Wertstoffen wird ein deutlicher Zuwachs der Sammetmengen zu verzeichnen sein.

9.1 Ziel des Entsorgungskonzeptes

685

Es konnte in den Modenversuchen gezeigt werden, da fiir die Mieter in Growohnanlagen trotz erhhter Aufwendungen flir das System und die Abrechnung
reale Einsparmglichkeiten gegeben sind. Mit einer verstrkten Umsetzung ist in
den nchsten Jahren zu rechnen.

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Kapitel 1
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Kapitel 2
2.1
2.2
2.3
2.4
2.5
2.6
2.7
2.8
2.9
2.10
2.11

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2.26

2.27
2.28
2.29
2.30
2.31

2.32
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Kapitel 4
4.1
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4.6
4.7

4.8
4.9
4.10
4.11
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Kapitel 5
5.1
5.2
5.3
5.4
5.5
5.6
5.7
5.8
5.9
5.10
5.11
5.12
5.13
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6.9
6.10
6.11
6.12
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6.106
6.107
6.108

Literatur

INTECUS: Kurzgutachen: 5-1-3-Hessen 20 Ladderanlagen


INTECUS: Kurzgutachen: 5-1-3-Berlin 33 NE-Metallschmelz- und Gieereianlagen
INTECUS: Kurzgutachen: 5-1-3-Berlin 3 Eisenschmelz- und Gieereianlagen
Parernski H.-J.: Bewertungsmethoden im Rahmen der kobilanzierung. kobilanzen,
Seminar 35: UTECH Berlin 1993
Rubik F.; Stlting P.: Birnen und pfel. Mllmagazin (1992) Nr. 1
FrankeM.: Umweltauswirkungen durch Getrnkeverpackungen. Berlin: EF-Verlag, 1989
Biet J.; Boes R.; u.a.: kobilanzen fiir Produkte, Texte 38/92. Umweltbundesamt Berlin
1992
INTECUS: Entsorgungsstruktur und Lsungen auf dem Gebiet der Sonderabflllle in den
Wirtschaftszweigen Httenindustrie, Chemische Industrie, Metallbe- und -Verarbeitung
(Gromengenkonzept): Umweltbehrde Harnburg 1989

Kapitel 7
N.N.: Abfallgesetz fiir das Land Nordrhein-Westfalen (Landes-abfallgesetz - LAbfG)
vom 21. Juni 1988. Gesetz- und Verordnungsblatt fiir das Land Nordrhein-Westfalen, Nr.
26 vom 14. Juli 1988
7.2 Lhr, H.-P.: Altlasten, Teil 1: Anforderungen an die Bearbeitung von Verdachtsflchen,
IWS-Schriftenreihe Band 7. Berlin: Erich Schmidt Verlag 1989
7.3 Elvers, R.; Krischok, A.: Altlastenerfassung - Anlsse, zu erhebende Daten, Altlastenkataster. Franzius; Stegmann; Wolf (Hrsg.): Handbuch der Altlastensanierung, Kap. 2.1.
Heidelberg: R.v. Decker's Verlag, G. Schenck GmbH 1988
7.4 Kruse, H.M.; Wieben: Emissionspfade und humantoxikologische Auswirkungen von
ausgewhlten Schadstoffen in Altlasten (auer Schwermetalle). Franzius; Stegmann; Wolf
(Hrsg.): Handbuch der Altlastensanierung, Kap. 2.2.3. Heidelberg: R.v. Decker's Verlag,
G. Schenck GmbH 1988
7.5 Kurz, H.: Vegetationskundliehe Untersuchungen zur Altlastenerfassung. Franzius; Stegmann; Wolf (Hrsg.): Handbuch der Altlastensanierung, Kap. 2.2.3. Heidelberg: R.v. Dekker's Verlag, G. Schenck GmbH 1988
7.6 Muckelmann, R.; Schulze, B.; Tietze, G.: Geophysikalische Untersuchungen an Altlasten
anhand von praktischen Beispielen. Thome-Kozmiensky K.J. (Hrsg.): Altlasten 2. Berlin:
EF-Verlag 1988, S. 439-451
7.7 Barkowski, D.; et al.: Altlasten- Handbuch zur Ermittlung und Abwehr von Gefahren
durch kontaminierte Standorte. Alternative Konzepte 56. Karlsruhe: Verlag C.F. Mller
1987
7.8 Wegener, I.: Standarduntersuchungsprogramm fiir Grundwasseranalysen im Nahbereich
von altlastenverdchtigen Flchen. Lhr, H.-P.: Altlasten, Teil 1: Anforderungen an die
Bearbeitung von Verdachtsflchen. Berlin: IWS-Schriftenreihe Band 7, Erich Schmidt
Verlag 1989
7.9 N.N.: Hollndische Liste: Bewertungstabelle fiir die Beurteilung des Konzentrationsniveaus verschiedener Bodenverunreinigungen. J. W. van Lidth de Jeude: Leitraad bodensanering, Staatuitgeverij's-Gravenhage, Holland 1983
7.10 Lhr, H.-P.: Vergleichende priorittssetzende Verfahren zur Gefahrdungsabschtzung von
Altlasten. Franzius; Stegmann; Wolf (Hrsg.): Handbuch der Altlastensanierung, Kap.
[Link]. Heidelberg: R.v. Decker's Verlag, G. Schenck GmbH 1988
7.11 Wemicke, G.: Biologische Verfahren zur On-site-Bodensanierung- berblick. Franzius;
Stegmann; Wolf (Hrsg.): Handbuch der Altlastensanierung, Kap. [Link].0 Heidelberg:
R.v. Decker's Verlag, G. Schenck GmbH 1988
7.12 N.N.: Technologieregister zur Sanierung von Altlasten, TERESA: Umweltbundesamt
Berlin (Hrsg.) Mrz 1991

7.1

Literatur

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7.13 Heimhard, H.J.: Schadstoffseparation aus kontaminierten Bden mittels Hochdruckbodenwaschverfahren. Franzius (Hrsg.): Sanierung kontaminierterStandorte 1986. Abfallwirtschaft Berlin: Forschung und Praxis Band 18 (1987)
7.14 N.N.: Ministerium flir Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft des Landes NordrheinWestfalen: Hinweise zur Ermittlung und Sanierung von Altlasten, 2. Auflage. Dsseldorf:
Landwirtschaftsverlag GmbH 1987
7.15 N.N.: Bundesministerium filr Forschung und Technologie: Statusbericht zur Altlastensanierung. Berlin: Umweltbundesamt 1988, S. 48-85
7.16 Stupp, H.D.: Methoden zur Sicherung und Sanierung kontaminierter Standorte. wlbAchema-Report (1988) S. 42-54
7.17 N.N.: Phitipp Holzmann AG: Planen und Bauen flir den technischen UmweltschutzTechnischer Bericht 1987, S. 38
7.18 Binder, H.: Extraktions- und Splverfahren zur Bodensanierung. Handbuch der Altlastensanierung, Kapitel5.[Link]. R.v. Decker's Verlag, G. Schenck GmbH 1988
7.19 Franzius; Stegmann; Wolf (Hrsg.): Handbuch der Altlastensanierung, Kap. [Link] Heidelberg: R.v. Decker's Verlag, G. Schenck GmbH 1988
7.20 Bewley: Hilker-Klckner Oecotec GmbH: Mikrobiologische On-site-Sanierung eines
ehemaligen Gaswerksgelndes, dargestellt am Beispiel Blackbum, England, Sonderdruck
7.21 Hher, K.: Mikrobiologische Behandlung von Kontaminationen. Handbuch der Altlastensanierung, Kap. [Link].4: R.v. Decker's Verlag, G. Schenck GmbH 1988
7.22 Hartmann, H.: Thermische Verfahren zur Bodensanierung. Handbuch der Altlastensanierung, Kap. [Link].0. Berlin: R.v. Decker's Verlag, G. Schenck GmbH 1988
7.23 Holzwarth, W.; Schndorf, T.: Technische Lsungen der Sanierung von Altlasten. Rosenkranz, D. (Hrsg.): Bodenschutz, Kap. 6005. Berlin: Erich Schmidt Verlag 1988
7.24 Lffelholz, R.: Sonderdruck Drgerheft 343: Erkundung von Altlasten
7.25 Luckner, L.; Schestakow, W.M.: Simulation der Geofiltration. Leipzig: Deutscher Verlag
der Grundstoffindustrie 1975
7.26 Luckner, L.; Schestakow, W.M.: Migrationsprozesse im Boden- und Grundwasserbereich. Leipzig: Deutscher Verlag der Grundstoffindustrie 1986
7.27 bermann, P.; Philip, W.; Rdiger, G.: Beurteilung und Behandlung von Minerallschadensfllen im Hinblick auf den Grundwasserschutz: Umweltbundesamt Berlin 1990
7.28 N.N.: Programmdokumentationen: ARMOS/MOTRANS Environmental Systems & Technologies, Inc. Blacksburg, USA
7.29 INTECUS: Untersuchungen zur Ausbreitung und Sanierung eines mit Vergaserkraftstoff
und Diesell kontaminierten Tanklagergebudes 1992 (unverff.)
7.30 Franzius: VDI Nachrichten (1992) Nr. 48
7.31 Dodt, J.: Die Verwendung von Karten und Luftbildern bei der Ermittlung von Altlasten:
Der Minister flir Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft des Landes NordrheinWestfalen: Dsseldorf 1987
7.32 Aster, D.; Meyer, E.: Verbesserte Bestimmung der nautischen Tiefe im Emder Fahrwasser. HANSA (1990) Nr. 23-24, S. 1729 ff.
7.33 Storch, K.: Sonar: Broschre des Leistungsprofils Jena
7.34 Teutsch. G.; Grathwohl, P.; Schad, H.; Wemer, P.: In-situ-Reaktionswnde- ein neuer
Ansatz zur passiven Sanierung von Boden- und Grundwasserverunreinigungen. Grundwasser-Zeitschrift der Fachsektion Hydrologie l (1996) S. 12-20

Kapitel 8
8.1
8.2

Keller-Reinspach, H.W.: Kosten der thermischen Abfallbehandlung, in: Bilitewski, Urban,


Faulstich (Hrsg.): Thermische Restabfallbehandlung, ESV, 1996
Beckmann, R.: Einflu abfallwirtschaftlicher und technischer Planungsgren auf die
Anlagenkosten, in: Faulstich, Bilitewski, Urban (Hrsg.): Thermische Abfallbehandlung,

716

8.3
8.4
8.5
8.6
8.7
8.8
8.9
8.10
8.11
8.12
8.13

8.14
8.15
8.16
8.17
8.18
8.19
8.20

Literatur

Berichte aus Wassergte- und Abfallwirtschaft der TU Mnchen Nr. 137 (1998), S. 466480
Bilitewski, B.; Gewiese, A.; Hrdtle, G.; Marek, K.: Vermeidung und Verwertung von
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Kern, M.; Mller, C.; Wiemer, K.: Vergleichende Darstellung und Bewertung von Vergrungsverfahren, in: Wiemer, K., Kern, M. (Hrsg.): Grundlagen und Verfahren der Anaerobtechnik, MIC Baeza-Verlag (1994), S. 27-47
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aeroben Abfallbehandlung, in Wiemer, K.; Kern, M. (Hrsg.): Verwertung biologischer
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Urban (Hrsg.): Thermische Abfallbehandlung, Berichte aus Wassergte- und Abfallwirtschaft der TU Mnchen Nr. 137 (1998}, S. 538-554
Hillebrecht, E.: Kosten moderner Deponien fiir Siedlungsabflille. Zeitgeme Deponietechnik. VI Stuttgarter Berichte zur Abfallwirtschaft, Band 50. Berlin: Erich Schmidt
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Burkhard, G.: Deponiefolgekosten. Stuttgarter Berichte zur Abfallwirtschaft, Band 45,
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Doedens, H: Gebhrenbeeinflussung durch die Biotonne, in Beitrge zur Abfallwirtschaft,
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Geschftsberichte DSD 1992-1997

Literatur

717

Kapitel 9
9.1
9.2
9.3
9.4
9.5
9.6
9.7
9.8
9.9
9.10
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N.N.: Integriertes Abfallentsorgungskonzept :fiir den Landkreis Unna: Umweltbundesamt


Berlin 1987
N.N.: Abfallwirtschaftskonzept der Stadt Siegen: Der Stadtdirektor 1988
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- Untersuchungsbericht- Frankfurt/Main: Umlandverband Frankfurt 1984
Nieder[, K.: Das Grazer integrierte Abfallentsorgungskonzept Grazer Seminar Regionale
Abfallwirtschaft Graz: Institut fiir Verfahrenstechnik der TU Graz 1987
Koch, T. C.; Seeberger, J.: kologische Mllverwertung: Karlsruhe 1984
PROGNOS: Untersuchung und Ralunenplanung :fiir ein Gewerbegebiet und ein Umweltund Recyclingzentrum in Berlin-Pankow. Abschlubericht Berlin 1993
Scheffold, K.: Getrennte Sammlung und Kompostierung. Berlin: EF-Verlag 1984
Bilitewski, B.; Streit, A.; Apitz, B.: Die Einfiihrung eines "Computerintegrierten Abfallentsorgungssystems" lst anstehende Probleme bei der verursachergerechten Gebhrenumlage. Thome-Kozmiensky K.J. (Hrsg.): Abfallwirtschaft im lndlichen Raum 1993
Bilitewski, B.; Streit, A.; Apitz, B.: Die Einfhrung eines "Computerintegrierten Abfallentsorgungssystems" lst anstehende Probleme bei der verursachergerechten Gebhrenumlage, Teil I
Bilitewski, B.; Streit, A.; Apitz; B.; Hoffmann, E.; Menzel, T.: Die Einfiihrung eines
"Computerintegrierten Abfallentsorgungssystems" lst anstehende Probleme bei der verursachergerechten Gebhrenumlage, Teilll
Scheffold, K.; et al.: Entwicklung und Erprobung geeigneter Gebhrenmastbe bei der
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N.N.: Informationen zum Modellprojekt "Gebhrenmodelle" in Baden-Wrttemberg und
Rheinland-Pfalz. c/o AG Scheffold (Hrsg.): Informationsblatt Mllzeit Winter 1991
Hentschel, B.: Mglichkeiten und Grenzen verursachergerechterer Abfallgebhren; in
Hrsg. Bilitewski, B.; Weltin, D.: Steuerungsmglichkeiten abfallwirtschaftlicher Gebhren in Growohnanlagen, TU Dresden, Verlag: Forum :fiir Abfallwirtschaft und Altlasten
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Apitz, B.: Orientierende Untersuchungen zur verursachergerechten Abrechnung von
Abfallgebhren in Growohnanlagen; Endbericht 1996, Schsisches Ministerium fiir
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Bilitewski, B.; Apitz, B.: berblick ber die Mglichkeiten zur verursachergerechten
Abrechnung von Abfallgebhren, in Hrsg. Bilitewski, B.; Weltin, D.: Steuerungsmglichkeiten abfallwirtschaftlicher Gebhren in Growohnanlagen, Verlag Forum fiir Abfallwirtschaft und Altlasten Dresden, 1997, Band 5 S. 1-20
Peters, K.: persnliche Mitteilung vom 19.03.1997
Friedriszik, U; Chilian, U.: Hoch hinaus; in Mllmagazin 111997

Sachverzeichnis

Abbruchtechnik
- Abrikonzept 412
- Systematischer Rckbau 411
Abfall
- Aufkommen 66
- Beseitigung 75
- Dichte 72
- Einflugren 64
- Feuchtigkeitsgehalt 72
- flssig 116
- Behltersysteme 118
- Straentransport 116
- Gebhren siehe Gebhrensysteme
- Gewerbeabfall 32
- Hausmll 32,75
- Hausmllanalyse 67
- Komgrenverteilung 73
- Mengenentwicklung 29
- Sammlung 75
- Sonderabfall 40
- Sperrmll 32
- Transport 75
- Umschlag 75
- Vermeidung siehe Abfallvermeidung
- Verpackungen 45
- Zusammensetzung 29, 62, 66
Abfallentsorgungskonzept
- Bestandsaufnahme 670
- finanzielle Manahmen 674
- Optimierung 672
- organisatorische Manahmen 674
- rechtliche Manahmen 674
- Zielsetzung 668
Abfalltransport
- auf dem Wasser 97
- auf der Schiene 97
- auf der Strae 90
Abfallvermeidung

Abfallgesetz, siehe auch Recht 499


Abfallmanagement 523
betriebsexterne Verwertung 521
betriebsinterne Verwertung 521
Chemische Industrie 524
- Abfallschwefelsure 526
- Chloralkali-Elektrolyse 532
- Dnnsureverwertung 531
- Ethylen- und
Propylenoxidherstellung 529
- Gewinnung von Vinylchlorid 530
- Herstellung von Minerallprodukten
534
- Naphosphorsure 527
- Phenolherstellung 530
- Polyethylenherstellung 529
- Schwefelherstellung 526
- Titandioxidproduktion 531
- Definition 495
- Dienstleistungsbereich 506
- Direkte Akteure 504
- Eigenkompostierung 511
- Energieeinsparung 517
- getrennte Sammlung 509
- Groveranstaltungen 515
- Handel 505
- Haushalt 506
- Industrie 520
- innerbetrieblicher Sonderabfall 518,
557,567
- Filterstaub 558
- halogenfreie Lsemittel 562
- Suren 561
- Verminderung 563
- Instrumente 502, 518
- Konsumverhalten 518
- Lackieranlagen 551
- Lackschlamm 552
-

720

Sachverzeichnis

langlebige Gebrauchsgter 504


Metallbe- und -Verarbeitung 541
- Galvanikabfall 541
- Hrtereiabfall 544
- Metallbearbeitung, -verarbeitung
- halogenfreie organische Lsemittel
549
- halogenhaltige Lsemittel 548
- Suren und Surengemische 546
- wrige Reiniger 550
- Metallherstellung 538
- Eisen und Stahl 540
- Nichteisenmetalle 538
- ffentlichkeitsarbeit 503
- konomischer Anreiz 502
- Produktionsabfall 518
- Produzierendes Gewerbe 504
- Prozeoptimierung 523
- Reststoffvermeidungs- und verwertungsgebot 519
- Reststoffvermeidungs- und verwertungspotential 578
- Verpackungen 512
- VerpackV siehe Recht
- Wirtschaftsforderung 502
- zentrale Verwertung 522
Abfallwirtschaft
- Geschichte 1
Abfallwirtschaftsplan 32
Absorption 248
Adsorption 169, 180, 248, 339
Agglomeration 385
- Aufbauagglomeration 385
- Preagglomeration 385
Altablagerungen siehe Altlasten
Altauto
- Aufkommen 51
- Demontage 420
- Demontagekosten 421
- Recycling 416
- Shredderverfahren 417
Zusammensetzung 417
Altglas
- Erlse 477
- Farbseparierung 378
- Qualittsanforderung 476

- Sammlung 104
- Sortierung 384
- Verwertung 476
Altholz
- Aufbereitung 467
- Einsatzmglichkeiten 467
271
- Verbrennung
Altlasten
- Begriffsbestimmung 583
- Bewertung 599
- Erfassung 586
- Erkundung 587
- Archivmaterial 587
- Bioindikatoren 588
- Bodenluftuntersuchung 597
- geophysikalische Verfahren 589
- Grundwasseruntersuchung 591
- Karten- und Luftbildinterpretation
587
- Gefahrdungspotential 585, 598
- Recht 585
- Sanierung 600
- biologische Verfahren 600
- Bodenluftabsaugung 606
- Einkapselung 610
- funnel and gate-System 609
- hydraulische Manahmen 605
- Immobilisierung 612
- In-situ-Verfahren 602
- On-site-Verfahren 600
- Permeable Reaktionswand 607
- physikalisch-chemische Verfahren
602
- thermische Verfahren 604
- Verfestigung 612
- Umfang 584
- Umweltgefahren 585
- Ursachen 583
- Verdachtsflchen 584
Altlastverdachtsflchen siehe Altlasten
Altpapier
- Deinking 3 79
- Erlse 474
- Sorten 471
- Sortierung 384
- Verwertung 4 71

Sachverzeichnis

Altreifen
- Aufkommen 51,424
- Recycling 423
- Runderneuerung 425
- Thermische Verwertung 425
Altstandorte siehe Altlasten
anaerobe Verfahren 329
anaerober Abbau 159
Anlagen
- genehmigungsbedrftig 519
Asphalt
- Erlse 494
- Qualittsanforderungen 493
Aufbereitungsanlage
- Aggregate 392
Aufbereitungsverfahren
- siehe auch Recycling 390
Backenbrecher 365
Bakterien
- acidogene 330
- aerobe298
- Hemmstoffe 331
- hydrolysierende 330
- Methanbakterien
- mesophil 331
- psychrophil 331
- thermophil 331
- sulfatreduzierende 331
Ballistischer Separator 369
Baurestmassen
- Asphalt 407
- Aufbereitungstechnik
- mobile 404
- semimobile 404
- stationre 406
- Aufkommen 56, 58
- Aufkommen 38
- Bauschutt 57
- Baustellenabfall 58, 407
- Baustoffrecycling 56
- Deponierung 56
- Erdaushub 56
- Nasortierung 404
- Recycling 402
Straenaufbruch 58

721

- Trockenreinigung 404
- Verwertungsquote 41 0
Bechersieb 369
Behltersysteme
- Mlleimer 79
- Mllgrobehlter 79
- Mllgrocontainer 79
- Mlltonne 79
Behandlungsanlage
- chemisch-physikalische 541
Beizlsungen 349
Bioabfall
- Aufbereitung 305
- Magnetscheider 305
- Mischung 306
- Sichtkontrolle 305
- Siebung 305
- Zerkleinerung 306
- Kompostierung 301
- Kompostierungsanlage 302
- Mengen 301
- Schwermetallgehalte 302
- Wassergehalt 296
Biofilter 186, 300
Biogas
- Aufbereitung 339
- Ausbeute 338
- Entschwefelung 339
- Methananreicherung 339
- Verfahren 329
- Verwertung 340
- Zusammensetzung 338
biologische Abbaubarkeit 296
biologisch-mechanische Aufbereitung BMA 322
Biowscher 185
siehe auch Biofilter
Bodenfiltration
Boudouard-Reaktion 275
BRAM siehe Brennstoff aus Mll
Branchenkonzept 672
BRAP siehe Brennstoff aus Papier
Brennstoff aus Mll
- Altholz 466
- Aufbereitung 5, 387, 461
- Charakterisierung 457
- Reduktionsgrad 463

722

Sachverzeichnis

- Schadstoffgehalt 463
Brennstoffdreieck 228
Brikollareverfahren 388
Bunker 224, 304
Carbo-Sed-Verfahren 464
Cascadenmhle 363
C/N-Verhltnis 296
Chromatentgiftung 349
Cyanidentgiftung 350
Dampfkessel
- Heidampfkessel240
- Heiwasserkessel 240
- Naturumlaufkessel 240
- Sattdampfkessel 240
- Zwangdurchlaufkessel 240
- Zwangumlaufkessel 240
De Novo Effekt 236, 253
Deponie
- Bauschutt 56
- Befeuchtung 201
- Belftung 201
- Betriebsfhrung 189
- Bewsserung 201
- Deponie am Hang 136
- Emissionen 191
- Entgasung 173
- geordnete 3, 134
- Grubendeponie 135
- Haldendeponie 136
- In situ Stabilisierung 204
- Inert-Deponie 137
- Klassen 138
- Klassen (nach TA Siedlungsabfall)
139
- Langzeitverhalten 198
- Monodeponie 137, 138, 141
- Multikomponenten-Deponien
137
- Nachsorge 199
- Oberflchenwasser 155
- Rekultivierung 195
- Rotte- und Ballendeponie 136
- Sickerwasser 155
- Sickerwasserhaushalt 155

- Sonderabfall 137, 205


- Standortanforderungen 139
- Verdichtungsdeponie 136
- Wasserbilanz 158
Deponieabclichtungen
- Kombinationsdichtungen 145
- Kunststoffdichtungsbahnen 151
- mineralische Dichtungen 146, 154
- Multibarrierenkonzept 142
- Oberflchenahdichtungen 147
Deponiegas 588
- Bildung 174
- Erfassung 177
- Methananreicherung 181
- Reinigung 179
- Verbrennung 188
- Verstromung 187
- Wrmenutzung 187
- Zusanunensetzung 175
Deponiegasreinigung
- Adsorptionskatalyse 180
- biologische 184
- Wsche 182
Desorption 248
Destillation 346
Dioxine 252
Diskscheider 371
Duales System 19, 98, 395
Eisenschrott
- Erlse 479
- Qualittsanforderungen 477
Elektrofilter 24 7
Elektronikschrott
- Aufkommen 52
- Bildschirmrecycling 429
- Demontage 428
- Lampenrecycling 435
- Recycling 428
- Recyclingprodukt 434
Emulsion 341
Emulsionsspaltanlage 342
Emulsionstrennung
- Adsorbtion 343
- Dnnschichtverdampfer 344
- Naturumlaufverdampfer 344

Sachveneichnis
- Surebehandlung 343
- Tauchbrennerverfahren 344
- Umlaufverdampfer 344
- Zwangsumlaufverdampfer 344
Entleerungsrhythmus 75
Fllung 168
Fllung 348
Faulraumbelastung 331
Fermentation 329
Fermentationsverfahren
- Nafermentation, einstufige
334
- Nafermentation, zweistufige
336
- Trockenfermentation 332
Filterstaub
- 3-R-Verfahren 257
- Verfestigung 257
- Verglasung 258
Fluorchlorkohlenwasserstoffe 437
- Aufbereitung 441
- Einsatzgebiet 438
Furane 252
Galvanikschlmme 352
Gasanreicherung
- absorptive Verfahren 339
- adsorptive Verfahren 339
- Membranverfahren 339
Gaswsche 248
- oxidative 339
Geruchsstoffe
- abiogene 300
- biogene 300
Gebhrensysteme
- Behlterabfuhrhufigkeit 93, 676
- Computerintegriertes
Abfallentsorgungssystem - CAS 677
- gewichtsbezogen 93, 677
- klassische Wertmarke 676
- klassisches Pauschalsystem 675
- mengenorientierte 93, 675
- verursachergerechte
- Erfahrungen 683
- Growohnanlagen 680

- technische Systeme 681


- volumenbezogen 93, 677
Gewebefilter 246
Gewerbeabfall
- organischer 332
- Recycling 398
- Sortieranlage 399, 401
Glle 337
Hammermhle 359, 417
Hausmll
- Aufbereitung 390
- Bioabfall 397
- Energiebilanz 463
- Kompostierung 398
- Kunststoff 395
- Sortieranlage 462
- Vermeidung, siehe auch
Abfallvermeidung 507
- Wertstoff 101
- Zusammensetzung 68
Hydrierung
- Bergius-Pier-Verfahren 280
- Gasphasenhydrierung 280
- Hochdruckhydrierung 280
- Kunststoffhydrierung 281
- Produkte 280
- Sumpfphasenhydrierung 280
- VCC-Verfahren 280
Hydrolyse 282, 330
Hydrolysereaktor 336
Hygienisierung 299
lnertisierung 221
Ionenaustauschverfahren 169
Kalte lnertisierung s. Restmllrotte
Kiesfilter 348
Klrschlamm
- Aufbereitung zu Brennstoff 464
- Aufkommen 55
- Klranlage 55
- Verwendung 55
Klrschlammverbrennung
- Etagenofen 268
- Mengen 267

723

724

Sachverzeichnis

- Wirbelschicht 267
Klassierung 366, 403
- sortierende 369
Kompost siehe auch Kompostierung
- Erlse 486
- Fertigkompost 315
- Frischkompost 315
- Mllkompost 316
- organische Schadstoffe 315
- Qualittsanforderungen 483
- Salzgehalt 317
- Schwermetallgehalt 316
Kompostierung
- Anwendungsgebiete 318
- C/N-Verhltnis 296
- dynamisches Vefahren
- Rotteturm 308
- Rottetrommel 308
- etagenlose Trme 308
- Etagenturm 310
- Feinaufbereitung 313
- Folienahscheidung 314
- Hartstoffabscheidung 314
- in Gromieten 311
- in Rotteboxen oder Rottecontainern
311
- Konfektionierung 314
- Mietenkompostierung mit Umsetzen
311
- Nachrotte 307
- Nhrstoffverhltnis 295
- Rotte von festen Abfallstoffen
320
- Rottegrad 315
- Rottezeit 310
- Sauerstoff-Bedarf 297
- Siebtechnik 314
- statische Verfahren
- Brikollareverfahren 311
- Mietenkompostierung 310
- Temperaturverlauf 298
- Umsetzsysteme 311
- Verfahren, statische
- Rottebox 311
- Rottecontainer 311
- Tafelmiete 311

- Tunnelmiete 311
- Vorrotte 307
- Zerkleinerung 314
Kompostwerk 3
Kontakttrockner
- Dnnschicht- und Scheibentrockner
286
Konvektionstrockner
- Bandtrockner 291
- Etagentrockner 291
- Schwebetrockner290
- Seilers-Koppers-Trockner 289
- SEVAR-Trocknungsverfahren
292
- Trommeltrockner 289
Kosten
- Abfallverbrennung 614
- Abri 620
- Aufbereitungsverfahren 619
- Baustoffe
- Aufbereitungsanlage 624
- Sortieranlage 624
- Geordnete Deponie 654
- Nachsorge 660
- Oberflchenahdichtung 655
- Kompostierung 642
- kontrollierter Rckbau 620
- mechanisch-biologische Verfahren 633
- Sensitivittsanalyse 651
- Sortierung
- Altpapier 631
- DSD-Leichtverpackungen 632
- Thermische Verfahren 613
- Erlse 617
- Vergrung 642
- Vergleich der Entsorgungsverfahren
662
Kraft-Wrme-Kopplung 340
Krananlagen 225, 304
Khlgerte
- Recycling 437
Khlschmiermittel 343
Kunststoff
- Erlse 481
- Qualittsanforderungen 480
Kunststoffhydrierung 280

Sachverzeichnis

Lackieranlagen
- Verwertung von Lackschlamm 557
Lsungsmittel
- Rckgewinnung 346
Membranverfahren 170
Metallhydroxide 348
Methanbakterien 330
Methanreaktor 336
MGB siehe Mllgrobehlter
MGC siehe Mllgrocontainer
mikrobielle Oxidation 339
MKMS siehe Mehrkammer-Mllsystem
Mllverbrennung
- Abwrmenutzung 239, 244
- Anlagen 222
- Beschickung 226
- Drehrohr 234
- Energieerzeugung 222
- Feuerraum 242
- Heizwert 228, 244, 245
- Klrschlammverbrennung 245
- Luftfhrung 231,265
- Mittelstromprinzip 228
- Rauchgas siehe
Rauchgasreinigung
- Rostfeuerung 226, 228
- Rckschubrost 229
- Schlacke 254
- Schlackenaustrag 237
- Verbrennungssystem V0lund
230
- Vorbehandlung 225
- Vorschubrost 229
- Walzenrost 229
- Wirbelschichtfeuerung 232
MVA s. Mllverbrennung
Nafermentation, einstufige
- Pilotanlage Rottweil 335
- SOLIDIGEST-Verfahren 334
N afermentation, zweistufige
- AN-Verfahren 337
- BTA-Verfahren 337
Naoxidation, chemische 172
Neutralisation 346

Nitrifikation 167
Nitritentgiftung 351
Oberflchenbehandlung 349
ko-Audit 26
kobilanz 497
organische Substanz 295
Osmogene 300
Osmose 171
Oxidation 350
Pellet 388
Prallbrecher 360
Produktionsfaktor
- Umwelt 504
Produktlinienanalyse 498
Pyrolyse
- Abfa11272
- Abwasser 278
- Gas 273, 277
- Koks 273, 279
- Produkte 273,274
- Schadstoffe 279
Rauchgasreinigung
- Abwasser 258
- Dioxinentfernung 254, 257
- Gaswsche 248
- Gips249, 258
- katalytische Entstickung 252
- nasse Verfahren 248
- quasi-trockene-Verfahren 250
- Rauchgasrckfiihrung 251
- Rckstnde 258
- SNCR-Verfahren 252
- Stauhabscheidung 246
- trockene Verfahren 250
- Verfahren 245
Recht
- Abfall
- Definition 27
- Abfall- und ReststoffberwachungsVerordnung- AbtRestberwV 119
- Abfallbefrderungsverordnung AbfBefV 120
- Abfallbeseitigungsgesetz 5

725

726

Sachverzeichnis

Abfallbestimmungsverordnung AbfBestV 119


Abfallgesetz- AbfG 12, 119, 499
Abfallnachweisverordnung AbfNachwV 119
Abfallverbringungsverordnung AbfVerbrV 120, 123
Altlverordnung - AltlV 120
Bundes-ImmissionschutzgesetzBlmSchG 19, 500, 581
EAK-Verordnung 21
EG Richtlinie 11
EG Verordnung 11
EG-ko-Audit-Verordnung 26
Gefahrgutverordnung Binnenschiffahrt
- GGVBinSch 122
Gefahrgutverordnung Eisenbahn GGVE 122
Gefahrgutverordnung See - GGVSee
122
Gefahrgutverordnung Strae - GGVS
116, 121
Genehmigungspflicht 19
Genehmigungsverfahren 19
Gesetz fiir die Umwelthaftung- UHG
25
Gesetz ber die Befrderung
gefhrlicher Gter 122
Hohe-See-Einbringungsverordnung
501
Investitionserleichterungs- und
Wohnbaulandgesetz I 9
Klrschlammverordnung 55
Kreislaufwirtschaftsgesetz KrW/AbfG 14
Nachweisverordnung- NachwV 23
Planfeststellungsverfahren 19
Sonderabfallabgabengesetz 519
Strfallverordnung 122
Technische Anleitung Abfall- TA
Abfall 16, 501
Technische Anleitung
Shredderrckstlinde - TA
Shredderrckstlinde 419
Technische Anleitung SiedlungsabfallTA Siedlungsabfall 16, 27

Technische Regeln fiir brennbare


Flssigkeiten- TRbF 116, 122
- TransportgenehmigungsverordnungTgV 23
- berwachungsbedrftigkeit von
Abfiillen 22
- Umwelthaftungsgesetz 518
- Umweltvertrglichkeitsprfung - UVP
20
- Verordnung fiir brennbare Flssigkeiten
- VbF 116, 122
- Verordnung ber
Abfallwirtschaftskonzepte und
Abfallbilanzen 23
- Verordnung ber Anlagen zum Lagern,
AbtUlien und Umschlagen
wassergefhrdender Stoffe - VAwS
130
- Verordnung ber die Vermeidung und
Verwertung von Abfallen aus
Druckerzeugnissen sowie Bro- und
Administrationspapieren - Altpap V 99
- Verordnung ber die Vermeidung,
Verringerung oder Verwertung von
Abfllen aus der
Kraftfahrzeugentsorgung - Altauto V
419
- Verordnung ber die Vermeidung von
Verpackungsabfllen - VerpackV 19,
45,98,500
- Verwaltungsverfahrensgesetz- VwVfG
20
- Verursacherprinzip 98
- Wasserhaushaltsgesetz- WHG 122
Recycling
- Aufbereitungsverfahren 390
- Elektronikschrott 428
- Klassierung 366
- Quote 357
- SERO-System 70
- Siebe 367
- Sortierung 375, 404
- Zerkleinerung 358
Recycling-Baustoff 404
Recyclinghof 111
Recyclingprodukt

Sachverzeichnis
- Altauto 416,421
- Baurestmassen 402, 409
- Brennstoff aus Mll 457
- Brennstoff aus Papier 467
- Khlgerte 437
- Sonderabfall 442
Recyclingzentrum
- Anlagenkonfiguration 668
Restmll 221
Risikomanagement 519
Rotorschere 362
Rottegrad 299
Sammelbehlter 75
- Behlter plus Wertstoffsack 113
- Biotonne 113
- Depotcontainer filr Altglas I 07
- Depotcontainer filr Altpapier 108
- Depotcontainer fr Leichtverpackungen
109
- Gelbe Tonne 109,395
- Mehrkammercontainer II 0
- Mehrkammer-Mllsystem 114
- Monotonne 112
- Sack plus Wertstoffsack 113
- Wertstoffbehlter 112
- Wertstoffsack im Behlter 114
Sammelfahrzeug
- Containerfahrzeug 96
- Groraumtransportfahrzeug 94
- Hubkippvorrichtung 92
- Premllfahrzeug 94
- Schttvorrichtung 92
- Verdichtungsvorrichtung 93
Sanunelverfahren
- Einwegverfahren 77
- Hydraulische Verfahren 78
- Pneumatische Verfahren 78
- Sonderverfahren 78
- Systemlose Sanunlung 78
- Umleerverfahren 77
- Wechselverfahren 77
Sammlung
- Bringsystem 390, 395
- Hausmll 99
- Holsystem 390, 395

727

- Sperrmll 99
- Wertstoff 101
Surebildung 330
Schlacke
- Alterung 256
- Eisenschrott 259
- Fos-Melt-Verfahren 257
- Plasma-Schmelz-Verfahren 257
- Red-Melt-Verfahren 257
- Verfestigung 258
- Verglasung 234,256
Schlamm 116
Schneidmhle 362
Schwefelwasserstoff 339
Schwel-Brennverfahren 235
Sekundrbaustoff
- Erlse 493
- Qualittsanforderungen 488
- Umweltvertrglichkeit 406
- Umweltvertrglichkeitskriterien 487
Selektivionenaustauscher 348
Seveso-Katastrophe 4
Shredderabfall 52
Shredderanlage 417
Sickerwasser 135, 144, 147, 155, 300,
310,588
Sickerwasserbehandlung
- Abwasserverbrennung 172
- Eindampfung 172
- Sickerwassererfassung 161
- Sohldrainage 162
- Umkehrosmose 171
- Verfahren 166, 167
Siebung 305
Siebgtegrad 368
Siebraspel 364
Sonderabfall
- Abfallbegleitschein 119
- Abgaben 519
- Aufkommen 43. 443
- Batterien 52
- Behltersysteme 124
- chemisch-physikalische Behandlung
261,353
- chromathaltig 349
- cyanidhaltig 346

728

Sachverzeichnis

Destillationsrckstand 452
Dnnsure 442
Entsorgungsnachweis 119
Feststofflager 128
Filtermasse 452
flssig 126
Galvanikabfall 449
gesetzliche Grundlagen 119
Gips 443
grenzberschreitende Entsorgung 123
Klassifizierung 40
Kleinmengen aus Haushaltungen 128
komplexhaltig 346
Lagerung 124,262
Lsemittel, halogenfrei, organisch 451
Lsemittel, halogenhaltig 447
- Chlorolyseverfahren 448
- lsemittelhaltig 346
- Ofenausbruch
- Pyrohydrolyse 454
- Pyrosulfolyse 453
- Ofenausbruch,Aluminiumherstellung
452
- lemutsion 445
- Emulsionsspaltverfahren 446,447
- lschlamm 445
- Prognose 572
- Recycling 442
- Salzschlacke 450
- Sammelstelle 126
- Sammlung 119
- Sureharz 443
- Sureteer 443
- Schlamm 126,452
- Transport 119
- Verbrennung 261
- Verminderung 565
- Verwertung 442
- Zwischenlager 126
Sonderabfalldeponie
- Abdichtungssystem 209
- Betriebsfhrung 214,220
- Kaverne 216
- Monodeponie 206
- oberirdische 206, 207
- Standort 207,218

Untertagedeponie 206, 217


Untertagedeponien im Salzgestein
216
Sonderabfallverbrennung
- Brennkammer 265
- Drehrohrofen 263
- Etagenofen 264
- Wirbelschichtofen 265
Sortieranlage
- Gewerbeabfall 399
Sortierung
- Baurestmassen 404
- Baustellenabfall 407
- Dichtesortierung 381
- Hydrozyklon-Verfahren 382
- Schwimm-Sink-Verfahren 381
- Flotation 379
- Handsortierung 383, 399
- Magnetscheider 375
- Optische Sortierung 378
- Wirbelstromscheider 376
Spannwellensieb 369
Stauhabscheidung 246
Stroh
- Verbrennung 270
Synthesegas 236
Thermoselectverfahren 236
Tiefbunker 85
Transportkosten, spezifische 83
Transportsystem
- Balm 90
- Groraumfahrzeug 90
- Schiff 90
Trockenfermentation
- DRANCO-Verfahren 333
- KOMPOGAS-Verfahren 333
- VALORGA-Verfahren 333
Trocknungsverfahren
- indirekte Trocknung 283
- Klrschlammtrocknung 284
- offene konvektive Trocknung
283
Trommelsieb 367
Umkehrosmose 171

Sachverzeichnis
Umladesystem 87
Umschlag
- Anlieferung 84
- Aufbereitung 84
- Station 82
- Transport 82
Umschlagstation
- Aufbau 88
- Planung 88
Umweltpolitik 8
- Instrumente 7, 8
- Kooperationsprinzip 7
- Manahmen 7
- Prinzipien 7
- Umweltabgabe 8, 502
- Umweltlizenz 8, 502
- Verursacherprinzip 7
- Vorsorgeprinzip 7
Verbrennung
- Stroh 270
Verbrennungsanlage 3
Verdampfung
- Dnnschichtverdampfer 344
- Naturumlaufverdampfer 344
- Tauchbrennerverfahren 344
- Umlaufverdampfer 344
- Zwangsumlaufverdampfer 344
Verdichtung
- Ballenpresse 86, 387
- Ballenpreverfahren 86
- Brikettierpresse 387
- Brikollare-Presse 388
- Kollergangpressen 387
- kontinuierlich arbeitende Pressen 387
- Mllpresse, hydraulische 84
- Pelletierpresse 388
- Flachmatrizenpresse 389
- John-Deere-Presse 388
- Ringmatrizenpresse 388
- Preverfahren im Sattelauflieger 86
- Stopfpresse 86
- Verdichtungsfahrzeug 84
- Vorkammerpresse 86
Vergrung 323, 329
Vergasung

729

- Produkte 276
- Vorgang 274
Verpackungen
- Aufkommen 71
- Transportverpackungen 46
- Umverpackungen 46
- Verkaufsverpackungen 46
Verpackungsabflille, Vermeidung von 98
Verwertung
- Schlacke 256
Wrmerckgewinnung 239
Wertstoff
- Rckgewinnung 352
- Sammlung 75
- Transport 75
- Umschlag 75
Wertstofferfassung
- Beteiligung der Bevlkerung 114
- Bringsystem 106
- Gemischte Erfassung 102
- Getrennte Sammlung 102
- Holsystem 111
- Straensammlung 112
Windsiebter 371
- Absaugung 373
- Flugbettsiebter 375
- Horizontalwindsiebter 374
- Impulssiebter 374
- Querstromsiebter 374
- Rotationswindsiebter 373
- Zick-Zack-Windsichter 371
Windsichtung 367
Wirbelschichtverbrennung, rotierende 232
Zentralstelle fiir Abfallbeseitigung 3
Zerkleinerung 225, 358
- Aggregate 402
Zyklon 246,373,383

Common questions

Auf Basis von KI

Pneumatische Abfallsammelsysteme sind besonders vorteilhaft in dicht besiedelten urbanen Gebieten, da sie die Verkehrsbelastung durch Müllfahrzeuge reduzieren und die effiziente Entsorgung auch bei beengten Verhältnissen ermöglichen. Diese Systeme kombinieren Sammlung und Transport, was insbesondere in Altstadtbereichen mit schwierigen Zufahrtsmöglichkeiten vorteilhaft ist .

Geografische und städtebauliche Faktoren wie die Bebauungsstruktur und der Zugang zu Transportwegen beeinflussen maßgeblich die Wahl und Effizienz von Abfallsammelsystemen. In dicht besiedelten Gebieten sind kompakte Systeme erforderlich, während in ländlichen Regionen großflächigere Sammelsysteme mit möglicherweise längeren Transportwegen verwendet werden müssen .

Recycling hat eine wesentliche Rolle in der Entwicklung der spezifischen Abfallmasse in Deutschland gespielt. Seit den 1980er Jahren ist das Pro-Kopf-Aufkommen an Abfall gesunken. Diese Reduktion wurde teilweise durch erhöhte Recyclinganstrengungen kompensiert, die die spezifische Abfallmasse stabilisierten oder senkten .

Das Thermoselectverfahren reduziert Restabfall durch mechanische Verdichtung und Erwärmung vor der unvollständigen Verbrennung in einem Schubofen. Es folgt eine gasbasierte Abkühlung zur Verhinderung unerwünschter Syntheseprozesse, die Aufbereitung mineralischer Rückstände und Nutzung gewonnenen Synthesegases für die Energiewiedergewinnung .

Wichtige Umweltfaktoren bei der Standortwahl für eine Deponie umfassen die geologische und hydrogeologische Eignung des Untergrunds, um eine Ausbreitung von Schadstoffen zu verhindern. Ein Schutzabstand von mindestens 300 m zu bewohnten Gebieten ist erforderlich, um die direkte Beeinträchtigung der Anwohner zu minimieren .

Gemäß § 29 Abs. I des deutschen Abfallgesetzes müssen die Länder im Rahmen ihrer Abfallbeseitigungspläne die Standorte für Deponien festlegen. Für die Errichtung und den Betrieb einer Deponie ist ein Planfeststellungsverfahren vorgeschrieben, bei dem die Umweltverträglichkeit geprüft wird. Auflagen zum Gewässerschutz, zur Gaserfassung und -behandlung sowie zur Folgenutzung der Deponie sind zu beachten .

Im städtischen Kontext wird die systemlose Sammlung angewandt, bei der große Sperrmüllteile bereitgestellt werden müssen, um sie leicht verladen zu können. Auf dem Land hingegen kann aufgrund geringerer Sammeltourenfrequenzen und größerer Entfernungen eine organisierte Sammlung notwendig sein, um effiziente Entsorgung sicherzustellen .

Die Wahl des Sammelsystems beeinflusst die Effizienz und Ordnung der Abfallentsorgung erheblich. Systeme wie Umleer- und Wechselverfahren ermöglichen eine organisierte und saubere Sammlung und Transport der Abfälle. Eine systematische Auswahl unter Berücksichtigung städtebaulicher und logistischer Gegebenheiten maximiert die Effizienz und reduziert physische Belastungen des Personals .

Die Klärschlammtrocknung bietet die Möglichkeit, Klärschlamm effizient auf hohen Trockensubstanzgehalt zu bringen, was die weitere Verarbeitung erleichtert. Herausforderungen bestehen jedoch in der Anpassung der Trocknungsanlagen an die spezifischen Zusammensetzungen und Volumina des Schlamms, eine effiziente Energieausnutzung sowie der Minimierung von Emissionen .

Die Müllzusammensetzung hat sich in urbanen Gebieten im Anteil von Verpackungsmaterialien und Papier verstärkt, während in ländlichen Gegenden ein höherer Anteil an vegetabilen Resten und geringere Mengen an Verpackungsabfällen verzeichnet wurden. Diese Unterschiede verdeutlichen die Variabilität des Abfallaufkommens, das durch unterschiedliche Konsum- und Lebensweisen in städtischen und ländlichen Gebieten beeinflusst wird .

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