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Bergwandern im Rätikon
Vermales und Pfälzerhütte
Wolken küssen: Nenzinger Himmel –
Pfälzerhütte 2.111 m – Nenzinger Himmel
Die Route
Zuerst geht es mit dem Taxibus durch das wilde Alpe Lawena: im Tal der Lawinen
Gamperdonatal. Die Straße ist für den Individualverkehr Die wunderschöne Alpe liegt auf 1.518 m. Man er
gesperrt, nur die Nenzinger Bürger haben eine Berech reicht sie entweder von Triesen/FL aus oder von der
tigung. Ab der Mautkontrolle Stellveder gibt’s viel zu Pfälzer Hütte aus über den Rappenstein. Das wilde und
sehen: man fährt mitten durch ein ursprünglich belas steile Lawenatal bekam den Namen von Lawena =
senes, grünes Tal (es ist ein Pflanzenschutzgebiet), mit Lawine. Die schroffe Nordflanke des Falknis grüßt he
Blick auf eine tiefe Schlucht, durch einen Felsentunnel runter und das Tal überrascht immer wieder mit sanft
hindurch, vorbei am Wallfahrtskirchlein Kühbruck en, grünen Arrangements. Eschen am Wegesrand um
(früher Maria am Weißen Bach), ganze Wegstrecken rahmen den Wanderer mit ihren zartgrünen Blätter, die
entlang der Meng, dann mitten durch einen seltenen sich elegant im Winde wiegen. Die Alpe selbst liegt in
Spirkenwald, bevor man schließlich in Nenzinger einem kesselartigen Hochtal, umrahmt von mächtigen
Himmel ankommt. Felsen von Falknis, Mittagsspitz und Rappastein. Das
Sommerlicht am Nachmittag taucht diese Gesteins
Hier, wo früher Graubündner Hagestolze, Wilderer, kulisse in eine fast dunkelbraune Farbe. Die Hauptal
Wurzelgräber und Schmuggler ihr Unwesen trieben, be pe ist im Stil eines amerikanischen Langhauses, einer
ginnt die eigentliche Wanderung. Links wuchtet sich Ranch gebaut und im Sommer bewirtschaftet.—
der Panüeler mit seiner 1000 m Felswand empor (es
ist die höchste Wandflucht in Vorarlberg), weiter vor ROUTENINFOS:
ne, rechts vom Wanderweg, stürzt die Meng im soge Nenzinger Himmel – Pfälzer Hütte – Nenzinger
nannten Stübawasserfall in die Tiefe. Himmel
Art: Wanderweg
Bei der Güfel Alpe zweigt man rechts ab zur Bett Höhenmeter Aufstieg: vom Nenzinger Him-
lerjoch. Einmaliger Blick auf den Höhenzug mit dem mel ca. 750 m
geheimnisvollen, 2.300 m hohen Barthümeljoch, über Dauer/Gehzeit: vom Nenzinger Himmel gesamt
das früher die Schmuggler und Wilderer aus dem Prät ca. 4,5 h, Nenzinger Himmel/Pfälzerhütte ca. 3 h,
tigau in den Nenzinger Himmel kamen. Der Pfad geht retour ca. 1,5 h
jetzt recht steil hinauf und man macht ordentlich Routenvariante: Nenzinger Himmel – Sareiser
Höhe. Von hier geht’s entweder zur Vermales Alpe auf Joch – Pfälzerhütte – Nenzinger Himmel oder
dem gegenüberliegenden Hang oder man folgt dem Nenzinger Himmel – Hochjoch/Große Furka -
Fußpfad zur Pfälzerhütte. Barthümeljoch – Pfälzerhütte – Nenzinger Himmel
Ausrüstung: gute Bergschuhe, Sonnenschutz,
Drüben auf Vermales grasen friedlich die Kühe Kopfbedeckung, Wasser
und die Pferde, die Pfälzerhütte ist bereits in Sicht Aussicht: Panüler Kopf, Salaruelkopf, Tschingel,
und das Gipfelkreuz des Naafkopfs hebt sich am Ho Hornspitze, Barthümeljoch, Naafkopf
rizont ab. Überall Stille, nur gelegentlich ist der Warn Gipfel: Naafkopf
pfiff der Murmeltiere zu hören. Nun beginnt die lang Naturdenkmal: : unter anderen der Stüberwas-
gezogene Traverse zur Pfälzerhütte. serfall und der Bärawald (seltener Spirkenwald/be-
sondere Art der Bergkiefer, ein Relikt aus der Eiszeit)
Die Pfälzerhütte scheint schon nahe, doch das Einkehrmöglichkeit: Pfälzerhütte bewirt-
täuscht. Es zieht sich hin, immer gemächlich anstei schaftet von Mitte Juni bis Anfang Oktober
gend, dafür wird man konstant vom wuchtigen Cine Beste Wanderzeit: Juni, Juli, August, September
mascope aus Naafkopf, Barhümeljoch und Augsten Öffentlich: mit der Bahn bis Bahnhof Nenzing
berg unterhalten. Eine letzte Steigung führt endlich (Fahrplan: [Link]), ab Nenzing mit dem
zur Pfälzerhütte. Rückweg detto wie Aufstieg. Taxibus durchs Gamperdonatal zum Nenzinger — Pfälzerhütte, 2.111 m —
Die Route
Mit der Golmerbahn geht es zunächst von Lat Über sehr steile Geröllstufen steigt man nun Schritt
schau zur Golmerbahn Bergstation. Hier beginnt die für Schritt in die Steinwüste und Geröllmulde unterhalb
eigentliche Wanderung mit einem angenehmen, ab des Drusentors hinauf. Im Vergleich zum Gebiet um
wechslungsreichen Weg zur Lindauerhütte. Vor dir die Totalp ist hier der Stein viel härter, aggressiver, fast
strecken sich die prächtigen Drei Türme in den Him möchte man sagen „wirklicher“ und man hat das Ge
mel, links davon zieht der lang gezogene Rücken der fühl durch eine solitäre Mondlandschaft zu spazieren.
Sulzfluh davon. Tonhaltigen rote Fels-Schichten sorgen aber für etwas
Abwechslung.
Nach einer kurzen Rast auf der Lindauerhütte
führt der Drusentorweg über einen latschenbewach Auf einer Anhöhe sitzen die Reste eines ehemaligen
senen Moränenkamm und über eine Almweide bis man Zollhäuschens, ein Zeichen, dass es nicht mehr weit bis
zur ersten unteren Blockstufe kommt. Von nun an be zur Grenze am Drusentor ist. Nun geht es nochmals
gleitet dich, links von dir, die mächtige Kalkstock-Schul durch steilen Schutt hinauf. Jetzt noch durch turmartige
ter der Sulzfluh. Die hellen, fast weißen Felsen bilden Felszacken hindurch, die einen schmalen Fußpfad zum
einen reizvollen Kontrast zum begrünten Wandfuß. Wo Drusentor freigeben.
die Almweide aufhört, beginnen steile Serpentinen, teils
ist es Geröllrasen, weiter oben dann reiner Stein. Das hier ist für mich der schönste Übergang im
ganzen Rätikon, spektakulär eingebettet zwischen
Bald steht man vor einer Weggabelung: zum Drusen Sulzfluh und Drei Türmen mit weitem Blick hinaus in
tor einfach dem Pfad nach links folgen, der Steig zu die Bünder Bergwelt.
den Nordanstiegen der Drei Türme biegt scharf rechts
ab. Über dir hängen hünenhaft die Drei Drusentürme Gleich hinter dem „Tor“ hat man bequem Platz
mit kleinem, mittlerem und großem Turm sowie die rie zum Rasten. Auffällig sind die zahlreichen Gedenkta
sige, gefährlich wirkende Sporaplatte. Der englische feln am Fels, die daran erinnern, dass es nicht weit
Alpenmaler Edward Theodore Compton nannte dies von hier, in der Drusenfluh Südwand, zu dramatischen
einmal den schönsten Talabschluss der Ostalpen. Bergtragödien gekommen ist (mehr dazu im Kapitel
„Abenteurer des Todes“). Eine Tafel erinnert z.B. an
Hans Diechtl, der 1928 in der Südwand verunglückte
und dem man später seine Route als die Südwand
pfeiler Diechtl-Gedächtnisführe widmete.
gibt es drei Tote in der Wand! — Emailkorrespondenz mit Guntram Jussel über die Toten der
Südwand in den 1920er Jahren vom 27. August 2008,
die Stösserschlucht betroffen wurde (Geröll und Stein
schlag), ist ihre Route nicht mehr begangen worden.
14. September 2008, 18. September 2008, 4. Oktober 2008 und — Walter Stösser: Unheimliche Südwandschlucht der Drusenfluh,
22. November 2008. in: Vorarlberg, eine Vierteljahreszeitschrift, Nr. 7, Heft 3, 1969,
Unheilvolle Südwand Der Dämon: gewaltig und steil Seite 58 ff und Seite 61.
1931 schreibt die Zeitschrift „Der Bergsteiger“: Ihre Walter Stösser gelingt 1930, zusammen mit seinem Stösserschlucht — Emailkorrespondenz mit Wendelin Tschugmell über
Ersteigungsgeschichte ist abenteuerlich und unheilvoll. Partner Ernst Seyfried, der unmittelbare Druchstieg „Da schwingt sich ein Freudenschrei in die Lüfte, Erstbegehungen in der Drusenfluh Südwand vom 3. März 2007.
Ein dunkles Gesetz schien die Wand zu beherrschen, dieser großen Südwandschlucht, die später als die schwingt sich über die Türme hinweg ins schöne — Emailkorrespondenz mit Guntram Jussel über die Toten der
das wechselnd auf Gelingen Verderben folgen ließ. Lan- Stösserschlucht in die Besteigungsgeschichte eingeht. Gauertal“. Emotional hochgeputscht, körperlich er- Südwand in den 1920er Jahren vom 27. August 2008, 14.
ge hatte sie jeden Ansturm abgeschlagen und mancher schöpft stehen die beiden Deutschen Walter Stösser September 2008, 18. September 2008, 4. Oktober 2008 und 22.
kühne Plan zerschellte an ihren Felsen, bis es endlich Stössers Bericht mit den damals üblichen, gewaltigen und Ernst Seyfried am 13. Juni 1930 auf dem Gipfel November 2008.
einem gelang, ihre Schwäche zu erspähen. Sprachbilder, dämonisiert die Wand: „Vom Kampf mit der Drusenfluh.
— Guntram Jussel: Berge und Menschen – ein alpines Lesebuch, dieser großen Wand will ich erzählen (...)“. Und weiter: Der GroSSe Drusenturm
Bludenz 1995, Seite 41. „Da im Kalkschotter ein gebleichter Knochen! Ein Drusenfluh: 2.827 m im Rätikon. Die Südwand: Über die Südwand der Großen Drusenturms
Halswirbel! Dort ein langer, blanker Armknochen! 500 – 600 Meter vertikaler, grauer Fels. Glatte Platten, sprachen ältere Kletterer meist nur flüsternd, erinnert
Die Südwand Erstbesteigung Vermodert im Fels! Menschengebein?“ Etwas weiter Risse, Kamine, Steinschlag. Am 12. Juni 1930 steigen sich Toni Hiebeler. Am 20. August 1933 schaffen die
Diese „Schwäche“ zu erspähen gelang dem Dresd- oben dann der nächste Horror: „Da, o Grauen, fällt die beiden um die Mittagszeit in die Wand ein. Sie kom- Bregenzer Ernst Burger, Karl Bizjak und Fritz Matt die
ner Emanuel Strubich: er klettert am 31. August 1921 mein Blick auf eine vermoderte, verweste Masse, die men zügig voran, bis sie zu einem Block im Aufstiegs- Südwand des großen Drusenturms. Ihre Route geht
erstmals erfolgreich und alleine auf der nach ihm be- einst ein Mensch gewesen ist! (...) Noch legt sich der Kamin kommen. Nichts geht mehr. Es beginnt heftig als der legendäre „Burgerweg“ mit VII. Grad in die Ge-
nannten Strubichroute durch die Drusenfluh-Südwand Seilring um die bleichen Knochen, Karabiner und zu regnen und zu stürmen. „Ernst! Ungehört verhallt schichte der Rätikon Erstbegehungen ein. Dazu Hiebe-
zum Hauptgipfel. Strubich war von Beruf Schneider- Haken klirren leise aneinander – wie das Läuten eines der Ruf im Toben der Elemente (…) Plötzlich, grelle, ler: „Ernst Burger, ein kleiner, bescheidener Mann aus
geselle, seine große Leidenschaft aber galt dem Klet- Totenglöckleins (...)“. Schließlich geraten sie in einen erschreckende Lichtfülle vor den Augen, ein unheim- Bregenz kannte weder Reibungskletterschuhe, noch
tern. Beinahe mittellos schlug er sich durch, schlief oft Wettersturz: „Der Weg! Der Weg! Das Grau wird zu lich krachender Donnerschlag, der Berg scheint in sei- Cliffhänger oder Friends und schon gar nicht Magnesia.
gleich unter den Felsen und lebte als echter Bergvaga Schwarz, der Wind zum heulenden Sturm, der Regen nen Grundfesten zu beben, um mich tobt die Hölle.“ Eingeweihte wissen heute, dass am Großen Drusen
bund. Er lernte auch Walther Flaig, den 7. Obmann der zum Wolkenbruch. Die Blitze zucken ununterbrochen. Seyfried wird an der rechten Hand vom Blitz getroffen turm eine glänzende Seite der Geschichte des Extrem-
Alpenvereinssektion Vorarlberger, kennen, der ihn auf Unheimlich rollen die Donnerschläge durch die Wand. und kann kaum weiterklettern, die beiden müssen die bergsteigens geschrieben worden war“. Ernst Burger,
mögliche Erstbegehungen hinwies. 1922 stürzte Stru- (…) Lechzt die Wand nach neuen Opfern?“. Nacht in der Wand verbringen: „An Schlaf ist nicht zu der mit der Bergsteigerin und Heimatlieder-Kompo-
bich an der Hinteren Karlspitze im Wörgeltal ab. Er wur- denken, die nassen Kleider kleben am Körper; sekun- nistin Nanni Seeber (schon früh dem BDM beigetreten)
de nur 35 Jahre alt. Guntram Jussel meint dazu, dass die Dämonisierung denlang nicken wir ein, dann pfeifen plötzlich wieder verheiratet war, bekommt für seine Leistungen bei
—Walter Stösser: Unheimliche Südwandschlucht der Drusenfluh, der Südwand eine Mär sei. Der Ursprung für die Steine hart am Lager vorbei und erschreckend lau- den vielen Ersteigungen im Rätikon den Ehrennamen
in: Vorarlberg, eine Vierteljahreszeitschrift, Nr. 7, Heft 3, 1969, Übertreibungen liege in eben diesem Bericht von Walter schen wir dem gellenden Aufschlag“. Am nächsten Tag, „Bürgermeister der Südwand“.
Seite 58 ff und Seite 61. Stösser über seine Erstbegehung der direkten Südwand dem 13. Juni 1930, schaffen sie den Durchstieg bis
— [Link] route von 1930. zum Gipfel. Ihnen gelingt damit die Erstbegehung des