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Mobile Commerce

Prof. Dr. Klaus Turowski Dipl.-Kfm. Key Pousttchi Universität Augsburg Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Systems Engineering (WI2) Universitätsstraße 16 D-86159 Augsburg http://wi2.wiwi.uni-augsburg.de

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Klaus Turowski, Key Pousttchi

Mobile Commerce
Grundlagen und Techniken


Springer


Version: [Link] Druck: 28.11.2004
IV Vorwort


Prof. Dr. Klaus Turowski
Dipl.-Kfm. Key Pousttchi

Universitt Augsburg
Lehrstuhl fr Wirtschaftsinformatik und Systems Engineering (WI2)
Universittsstrae 16
D-86159 Augsburg
[Link]



ISBN 3-540-00535-8 Springer-Verlag Berlin Heidelberg New York
Vorwort V
Vorwort
Im alltglichen Leben, in der betrieblichen Praxis und in der Wirtschaftsin-
formatik hat der Einsatz mobiler elektronischer Kommunikationstechniken
in den letzten zehn Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen.
Ebenso wie die Internet-, hat auch die Mobilfunktechnologie durch ihre
rasante Verbreitung eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie hoch in einer
durch stetig steigende Mobilitt gekennzeichneten Informationsgesell-
schaft der Bedarf fr derartige Technologien ist. Die Konvergenz der bei-
den Schlsseltechnologien ist eine logische Folge dieser Entwicklung und
findet in der Entstehung des Mobile Commerce als neuer Ausprgung des
Electronic Commerce ihren Ausdruck. Dabei haben die am Markt aufge-
tretenen Probleme zwar die noch vor einigen Jahren berschwnglich vor-
handene Euphorie uerst wirkungsvoll gebremst, vermgen jedoch die
aufgezeigte Grundrichtung und damit die Tendenz hin zu mobilen Sy-
stemen und Anwendungen nicht zu ndern. Gleichzeitig ist festzustellen,
dass zwischen dem Mobile Commerce und dem klassischen Electronic
Commerce in vielen Bereichen mindestens ebenso signifikante Unter-
schiede bestehen wie Gemeinsamkeiten. Aus diesem Grund haben sich die
Verfasser im Jahr 2001 entschieden, den technischen und betriebswirt-
schaftlichen Grundlagen des Mobile Commerce an der Universitt Augs-
burg eine eigene Lehrveranstaltung zu widmen, die seitdem im Rahmen
des Schwerpunktes Wirtschaftsinformatik gleichermaen fr Studenten der
Betriebswirtschaftslehre und der Angewandten Informatik angeboten wird.
Das vorliegende Buch basiert auf den Inhalten dieser Lehrveranstaltung.
Es setzt allgemeine Wirtschaftsinformatik-Grundkenntnisse voraus. Darauf
aufbauend bietet es Studenten und Praktikern, insbesondere Entschei-
dungstrgern, eine praxisorientierte Einfhrung in die Besonderheiten mo-
biler elektronischer Kommunikationstechnologien und ihres Einsatzes im
Rahmen geschftlicher Transaktionen. Dabei sollen sowohl Wissen und
Methoden vermittelt als auch praktische Anleitungen gegeben werden. Mit
einer solchen, breit angelegten Einfhrung kann in keinem Falle das De-
tailwissen fr alle Aufgabenbereiche vermittelt werden. Daher ist ein wei-
teres Ziel, den Leser zu befhigen, die vorhandene Spezialliteratur ein-
schtzen und zielgerichtet nutzen zu knnen. Dies gilt ebenso fr Internet-
quellen, auf deren Nutzung der Leser in vielen Fllen angewiesen sein
VI Vorwort
wird. Da die Qualitt dieser Quellen sehr unterschiedlich ist, kommt es
hier in noch strkerem Mae darauf an, einschtzen und differenzieren zu
knnen. Einen ersten Einstiegspunkt in die Recherche bieten die zu den
einzelnen Kapiteln angegebenen Literaturhinweise und Internetquellen, die
zum vertiefenden Studium empfohlen werden.
Die Wirtschaftsinformatik ist eine angewandte Wissenschaft. Es ist den
Verfassern daher auch auf dem Fachgebiet des Mobile Commerce ein An-
liegen, Forschung und Lehre im stndigen Dialog mit der Praxis zu halten.
Am Lehrstuhl fr Wirtschaftsinformatik und Systems Engineering findet
diese Verknpfung einerseits in einer ganzen Reihe von Forschungs- und
Praxisprojekten, andererseits in institutionalisierter Form, beispielsweise
durch Zusammenarbeit im Rahmen des Mobile Application Research Cen-
ter (MARC), des Arbeitskreises Mobile Business (AKMB), durch Mitar-
beit in Industrie-Standardisierungsgremien oder durch Veranstaltungen
wie dem alljhrlich unter dem Leitmotiv Science meets industry stattfin-
denden Augsburger Workshop Mobile Commerce statt. Noch wichtiger ist
die Verknpfung von Theorie und Praxis fr den studentischen Leser: Erst
sie schafft tatschlich Urteilsfhigkeit und bereitet angemessen auf eine
Berufsttigkeit vor. Es kann daher nicht deutlich genug empfohlen werden,
entsprechende Mglichkeiten sowohl im Studium (z.B. durch Projektsemi-
nare), als auch studienbegleitend (z.B. durch Praktika) zu nutzen.
Unser Dank gilt Herrn Andreas Gumpp sowie Herrn Dipl.-Kfm. Bern-
hard Selk und Herrn Andreas Eberhardt fr ihre engagierte Untersttzung
bei der Erstellung und Korrektur des Manuskriptes. Wir danken zudem ei-
ner Vielzahl von Praktikern aus dem Bereich des Mobile Commerce, mit
denen wir unsere Konzepte und Einschtzungen diskutieren konnten, so-
wie Herrn Dr. Werner A. Mller und Frau Irene Barrios-Kei, Springer-
Verlag, fr die gute Zusammenarbeit, vielfltige Anregungen und nicht zu-
letzt die den Verfassern gegenber aufgebrachte Geduld.
Abschlieend sei darauf hingewiesen, dass Internetquellen und Informa-
tionen den Stand Mitte 2003 widerspiegeln. Ein Update-Service fr die-
ses Buch und weitere Informationen sind im Internetangebot der Arbeits-
gruppe Mobile Commerce unter
[Link]
verfgbar. Hier besteht auch die Mglichkeit, den Verfassern Anregungen
und Hinweise zukommen zu lassen.
Augsburg, im August 2003
Klaus Turowski Key Pousttchi
Inhaltsverzeichnis
1 Vom Electronic zum Mobile Commerce............................................. 1
1.1 Grundlagen und Begriffe ................................................................ 1
1.2 Randbedingungen ........................................................................... 2
2 Drahtlose Kommunikation .................................................................. 7
2.1 Grundlagen und Begriffe ................................................................ 7
2.2 Mobilfunk ....................................................................................... 8
2.2.1 berblick .............................................................................. 8
2.2.2 Mobilfunkstandards ............................................................ 10
2.2.3 Multiplexverfahren ............................................................. 13
2.2.4 Netzstruktur und -funktionsweise am Beispiel GSM......... 21
2.2.5 Datenbertragung ............................................................... 33
2.2.6 Nachfolgestandards: GPRS, EDGE, UMTS....................... 36
2.3 Wireless LAN............................................................................... 50
2.4 Bluetooth, IrDA............................................................................ 53
3 Mobile Endgerte ............................................................................... 58
3.1 Grundlagen und Begriffe .............................................................. 58
3.2 Ubiquitous Computing.................................................................. 59
3.3 Kategorien mobiler Endgerte ...................................................... 62
4 Location Based Services..................................................................... 75
4.1 Grundlagen und Begriffe .............................................................. 75
4.2 Ortungsverfahren .......................................................................... 76
4.3 Anwendungsbereiche.................................................................... 79
5 Realisierung von MC-Anwendungen................................................ 83
5.1 Grundlagen und Begriffe .............................................................. 83
5.2 Einschrnkungen und Heterogenitten ......................................... 84
5.3 Umsetzungstechniken ................................................................... 87
5.4 Gestaltung von MC-Anwendungen .............................................. 97
VIII Inhaltsverzeichnis
6 Sicherheitsaspekte ............................................................................ 101
6.1 Grundlagen und Begriffe ............................................................ 101
6.2 Generelle Sicherheitsziele und Techniken.................................. 105
6.3 Umsetzung im MC...................................................................... 116
6.3.1 Angriffspunkte.................................................................. 116
6.3.2 Kommunikationstechniken............................................... 120
6.4 Sicherheitskonzepte fr Unternehmenslsungen........................ 126
7 Beteiligte am MC-Wertschpfungsprozess .................................... 131
7.1 Grundlagen und Begriffe ............................................................ 131
7.2 Wertschpfungskette................................................................... 131
7.3 Akteure........................................................................................ 133
8 MC-Geschftsmodelle und ihre Bewertung ................................... 141
8.1 Geschftsmodelle im MC ........................................................... 141
8.1.1 Von der Idee zum Produkt................................................ 141
8.1.2 Erlsmodelle..................................................................... 142
8.1.3 MC-Geschftsmodelle ...................................................... 145
8.2 Qualitative Bewertung von MC-Geschftsmodellen .................. 151
8.2.1 Wirkung mobiler Angebote: Informationelle Mehrwerte. 151
8.2.2 EAV als Ursache fr IAV................................................. 157
8.2.3 MAV als Ursache fr IAV................................................ 159
8.2.4 Anwendung des Mehrwertekonzepts................................ 162
9 Abrechnungsmodelle und mobiles Bezahlen.................................. 165
9.1 Grundlagen und Begriffe ............................................................ 165
9.2 Angebotsmodelle fr Mehrwertdienste....................................... 168
9.3 Abrechnungsmodelle fr die Angebote Dritter........................... 170
9.4 Mobile Payment .......................................................................... 173
10 Anwendungsbereiche des MC ......................................................... 179
10.1 Grundlagen und Begriffe ............................................................ 179
10.2 Mobiler Handel ........................................................................... 181
10.3 Mobile Such- und Informationsdienste....................................... 183
10.4 Portale und Unterhaltung............................................................ 184
10.5 Telemetrie ................................................................................... 186
10.6 Telematik .................................................................................... 189
10.7 Mobile Geschftsprozesse .......................................................... 191
Inhaltsverzeichnis IX
Anhang: Antworten zu den Kontrollfragen ........................................ 203
Sachverzeichnis ...................................................................................... 213

1 Vom Electronic zum Mobile Commerce
1.1 Grundlagen und Begriffe
Folgt man dem Global Mobile Commerce Forum, so ist Mobile Commerce
the delivery of electronic commerce capabilities directly into the con-
sumer's device, anywhere, anytime via wireless networks. Ist dies auch
noch keine przise Definition, wird doch die Richtung sehr deutlich.
Ausgangspunkt ist also der Begriff des Electronic Commerce (EC). In
diesem Buch wird dabei generell vom Electronic Commerce im weiteren
Sinne ausgegangen, der jede Art von geschftlicher Transaktion umfasst,
bei der die Transaktionspartner im Rahmen von Leistungsanbahnung, Lei-
stungsvereinbarung oder Leistungserbringung elektronische Kommunika-
tionstechniken einsetzen.
1
In der Literatur findet sich hierfr hufig auch
der Begriff Electronic Business, der durch eine IBM-Werbekampagne in
den 90er Jahren populr wurde.
Mobile Commerce (MC) ist eine spezielle Ausprgung des EC und weist
als solche einige besondere Charakteristiken auf, insbesondere die Ver-
wendung drahtloser Kommunikation und mobiler Endgerte. Dies fhrt zu
folgender Begriffsdefinition:
Mobile Commerce bezeichnet jede Art von geschftlicher Transakti-
on, bei der die Transaktionspartner im Rahmen von Leistungsan-
bahnung, Leistungsvereinbarung oder Leistungserbringung mobile
elektronische Kommunikationstechniken (in Verbindung mit mobi-
len Endgerten) einsetzen.
Auch fr den MC gibt es in der Literatur noch kein einheitliches Begriffs-
gerst, so dass auf die genannte Definition analog zu EC hufig auch der
Begriff Mobile Business Anwendung findet und MC nur im engeren Sinne,
also fr Warenverkehr, gebraucht wird. In diesem Buch wird die obige De-
finition verwendet, der Begriff des Mobile Business findet keine Anwen-
dung.

1
EC im engeren Sinne wrde nur die elektronische Abwicklung des Warenver-
kehrs umfassen.
2 Vom Electronic zum Mobile Commerce
Unter mobilen elektronischen Kommunikationstechniken versteht man
die verschiedenen Arten drahtloser Kommunikation, insbesondere natr-
lich den Mobilfunk, aber in verschiedenen Einsatzgebieten ebenso Techno-
logien wie etwa Wireless LAN, Bluetooth oder Infrarotbertragung. Auf
diese Techniken wird in Kapitel 2 nher eingegangen.
Unter mobilen Endgerten versteht man alle Endgerte, die fr den mo-
bilen Einsatz konzipiert sind. Dieses Spektrum beginnt bei beliebig klei-
nen, mglicherweise in Alltagsgerte eingebetteten Elementen und fhrt
ber verschiedenste Arten von Mobiltelefonen bis hin zu Handheld-
Gerten und Tablet-PC. Der Laptop-Computer wird mit dieser Definition
ausgeschlossen, da er dem typischen Verstndnis von mobilem Einsatz
nicht gengt. Auf die einzelnen Arten mobiler Endgerte wird in Kapitel 1
nher eingegangen.
Als wesentliche Transaktionspartner knnen, analog zum EC, Unter-
nehmen (Business, B) und Endkunden (Consumer, C) identifiziert
werden. Dies fhrt zu den Ausprgungsgraden
Business-to-Business (B2B) Mobile Commerce und
Business-to-Consumer (B2C) Mobile Commerce.
Hinzu tritt noch der Begriff des Device-to-Device (D2D), wobei es sich
aber nicht im selben Sinne um Transaktionspartner handelt. Stattdessen
bezeichnet D2D eine Spezialform des B2C oder B2B MC, bei der Gerte
stellvertretend fr einen oder mehrere Transaktionspartner agieren.
Hufig werden noch weitere, teils wenig standardisierte Krzel verwen-
det. Gelufig ist A fr Administration (gemeint sind staatliche Stellen),
seltener sind P fr Person und E fr Enterprise oder Employee.
Wie oben angesprochen, ist MC Teilmenge des EC. In diesem Buch
wird jedoch hufig der Vergleich zwischen klassischem EC und MC be-
ntigt. Aus Grnden der Begriffsvereinfachung wird daher wo nicht an-
ders angegeben der Begriff des EC synonym mit dem klassischen EC
ohne den Einsatz mobiler Kommunikationstechniken und mobiler Endge-
rte, also fr die Differenzmenge (EC MC), verwendet.
1.2 Randbedingungen
Betrachtet man nun die Randbedingungen des MC, so stt man als erstes
auf die hohe und nachhaltige Akzeptanz des Mobilfunks. Im Jahr 2002 war
das Mobiltelefon in Deutschland bereits strker verbreitet als der Personal
Computer und nur noch wenig geringer als das Fernsehgert. Diese beein-
druckende Verbreitung ist in wenigen Jahren erfolgt und zieht sich quer
durch alle sozialen Schichten und Altersgruppen. Sie geht einher mit einer
Randbedingungen 3
berwiegend positiven emotionalen Belegung das Mobiltelefon wird mit
Modernitt assoziiert. Hinzu kommt, dass stndige Erreichbarkeit zu einer
sozialen Anforderung der heutigen Gesellschaft geworden ist.
Daraus folgt die zweite Randbedingung: Es gengt nicht, ein Gert zu
besitzen, sondern man fhrt es auch stndig mit sich. Das Mobiltelefon ist
integraler Bestandteil des Lebens vieler Nutzer geworden. Es ist allgegen-
wrtig, sein Nutzer ist ber diesen Kanal stndig zu erreichen. Weiterhin
sind Gert und Nutzer typischerweise 1:1 zugeordnet, die Nutzung eines
Gertes durch mehrere Personen oder mehrerer Gerte durch eine Person
ist die Ausnahme. Das mobile Endgert hat damit mehr hnlichkeit mit
einer Brieftasche, als mit einem Arbeitsplatzcomputer. Es wird zum Per-
sonal Trusted Device.
MC-Angebote knnen nach ihrer Entwicklungsstufe differenziert wer-
den. Man unterscheidet nach den bereitgestellten Mglichkeiten die Stufen
Information, z.B. die Bereitstellung eines Online-Kataloges mit
Preisinformationen,
Transaktion, z.B. die Mglichkeit zum Kauf von Waren,
Interaktion, z.B. kundenzentrierte Beratung, die auf Anforderungen
flexibel reagiert.
Den Zusammenhang zwischen dem Aufwand fr die Realisierung der ein-
zelnen Stufen in Form der Erfordernis an Interoperabilitt, Komplexitt
und Bandbreite einerseits und dem Ertrag in Form von erhhter Wert-
schpfung und Attraktivitt sowie der Strke der Vernderung zeigt Abb.
1-1.

Abb. 1-1: Entwicklungsstufen des MC
4 Vom Electronic zum Mobile Commerce
Sieht man sich die Marktentwicklung des MC in Europa - und besonders
in Deutschland - an, so stellt man in den Jahren 1999/2000 einen ersten
MC-Hype fest, alle Umsatzprognosen zeigten bereits auf kurze Sicht
steil nach oben. Diese Euphorie wurde durch die von Medien und Marke-
tingabteilungen auf dem Hhepunkt des Internetbooms getriebene Vorstel-
lung ausgelst, mit dem aufkommenden WAP-Standard das Internet bald
ohne wesentliche Einschrnkungen mobil nutzen zu knnen.
Diesem hohen Erwartungsdruck waren die tatschlichen Mglichkeiten
mit niedrigen Bandbreiten, kleinen Displays und beschrnkten Eingabe-
mglichkeiten natrlich nicht gewachsen.
Zudem steckt der Teufel bei einer neuen Technologie hufig im Detail,
was auch bei prinzipiell realistischen Projekten die Markteinfhrung oft
erheblich verzgerte. Verbesserungen der oben genannten Parameter einer-
seits, aber auch eine vernderte Sicht- und Konstruktionsweise von MC-
Anwendungen andererseits, ermglichen inzwischen auch bei nchterner
Betrachtung wieder Aussichten auf hohe Zuwachsraten. Insbesondere im
B2B MC gibt es inzwischen eine Reihe von Anwendungen, die hohe Ef-
fektivitts- oder Effizienzgewinne fr die einsetzenden Unternehmen reali-
sieren, z.B. im Auendienst oder im Fuhrparkmanagement. Beispiele sind
insbesondere in Kapitel 10 zu finden. Die Hypekurve der Erwartung ge-
genber der realen Entwicklung des MC (in Anlehnung an den Gartner
Hype Cycle of Emerging Technology) zeigt Abb. 1-2.
Derzeit befindet sich der Markt fraglos in der Phase des Wachstums.
Wann jedoch von einer Etablierung gesprochen werden kann, hngt von
vielen Faktoren ab die zeitliche Einordnung der Phase 5 in der Grafik
kann hier nur eine Tendenz wiedergeben.

Abb. 1-2: Erwartung vs. Realitt der MC-Marktentwicklung (Hypekurve)
Randbedingungen 5
Ein wichtiger Faktor fr die Marktentwicklung im MC ist die Durchdrin-
gungsrate der Bevlkerung mit mobilen Endgerten, insbesondere Mobil-
telefonen. Nach Angaben der UN-Standardisierungsorganisation ITU (In-
ternational Telecommunication Union) Ende 2002 liegt weltweit Taiwan
mit 97 Mobiltelefonen je 100 Einwohner an der Spitze, europaweit Italien
(91). Im Vergleich zu diesen Einzelwerten folgt Gesamt-Westeuropa zwar
nur mit deutlichem Abstand, liegt mit einem Verbreitungsgrad von 68 (je
nach Landauswahl auch 78) Mobiltelefonen je 100 Einwohner jedoch bei
den Regionen an erster Stelle und dabei deutlich hher als Japan (59) und
Nordamerika (41). Weltweit geht man von etwa 15 Mobiltelefonen je 100
Einwohner aus; die strksten Wachstumsmrkte sind augenblicklich Ost-
europa, Afrika und Asien. Insbesondere in weniger entwickelten Regionen
geht der Aufbau der Mobilfunk-Infrastruktur oft erheblich schneller vor
sich, als derjenige der drahtgebundenen Telekommunikation.
Vergleicht man die Wettbewerbspositionen Europas und der USA, so
ergibt sich derzeit ein Vorsprung von etwa ein bis zwei Jahren fr Europa.
Die wesentlichen Grnde liegen darin, dass Europa mit GSM seit vielen
Jahren ber einen einheitlichen, erfolgreichen Mobilfunkstandard verfgt,
die Durchdringungsrate mit entsprechenden Endgerten hoch ist und es
auerdem nur wenige, dafr aber groe Netzbetreiber gibt. In den USA
dagegen fehlt der einheitliche Standard und die Gertelandschaft ist (bei
geringerer Durchdringungsrate) sehr heterogen. Hinzu kommt, dass es eine
unberschaubare Vielzahl an (hufig regionalen) Netzbetreibern gibt, die
nicht immer kompatible, teils gar noch analoge Netze betreiben. Eine Ver-
nderung knnte jedoch durch die Adaption der 3G-Technologie eintreten.
Zusammenfassung
Mobile Commerce (MC) bezeichnet jede Art von geschftlicher Transakti-
on, bei der die Transaktionspartner im Rahmen von Leistungsanbahnung,
Leistungsvereinbarung oder Leistungserbringung mobile elektronische
Kommunikationstechniken (in Verbindung mit mobilen Endgerten) einset-
zen. Seine wesentlichen Ausprgungen sind B2B und B2C MC; agieren
Gerte dabei stellvertretend fr Transaktionspartner, bezeichnet man dies
als D2D MC.
Wesentliche Randbedingungen des MC sind die hohe Akzeptanz der
Mobilfunktechnik, die typische 1:1-Zuordnung der Endgerte und somit
die Allgegenwrtigkeit dieser Technologie. Die Entwicklungsstufen von
MC-Angeboten werden danach unterschieden, ob sie Information, Trans-
aktion oder Interaktion ermglichen.
Vor allem Standardisierung, hohe Durchdringungsrate und das Vorhan-
densein nur weniger, dafr groer Netzbetreiber ermglichen dem Markt in
Europa derzeit noch etwa ein bis zwei Jahre Vorsprung vor den USA.
6
Kontrollfragen
(1) Definieren Sie den Begriff Mobile Commerce. Welche Rolle spielt im
MC die Mobilfunktechnik?
(2) Nennen Sie drei Beispiele fr MC-Angebote, die im Bankbereich vor-
stellbar sind und sich auf unterschiedlichen MC-Entwicklungsstufen
befinden.
Literaturhinweise
[1] Graumann, S.; Khne, B.: Monitoring Informationswirtschaft, 6. Fak-
tenbericht 2003. NFO Infratest GmbH & Co. KG im Auftrag des
Bundesministeriums fr Wirtschaft und Arbeit. Mnchen 2003.
Download: [Link]
[2] Lehner, F.: MobiLex Begriffe und Abkrzungen fr das Mobile
Business. Regensburg 2002.
Download: [Link]
[3] Michelsen, D.; Schaale, A.: Handy Business M-Commerce als Mas-
senmarkt. Financial Times Prentice Hall, Mnchen 2002.
[4] Selk, B.; Turowski, K.: Mobile Commerce: Stand und Perspektiven.
In: Pousttchi, K.; Turowski, K. (Hrsg.): Mobile Commerce - Anwen-
dungen und Perspektiven. Proceedings zum 3. Workshop Mobile
Commerce. Kllen, Bonn 2003, S. 7-11.

2 Drahtlose Kommunikation
2.1 Grundlagen und Begriffe
In Kapitel 1 wurde als eines der entscheidenden Merkmale des Mobile
Commerce die Verwendung mobiler elektronischer Kommunikationstech-
niken genannt. Diese sollen im Folgenden betrachtet werden.
Als elektronische Kommunikationstechniken bezeichnet man Verfahren,
die den Austausch von Signalen auch ber grere Entfernungen unter
Zuhilfenahme technischer Mittel ermglichen. Dies wird auch als Tele-
kommunikation bezeichnet. Bezug nehmend auf die Definition des ETSI
(European Telecommunications Standards Institute) ist Telekommunikati-
on any transmission and/or emission and reception of signals representing
signs, writing, images and sounds or intelligence of any nature by wire, ra-
dio, optical or other electromagnetic systems. Als mobil bezeichnet man
eine solche Technik dann, wenn die bertragung drahtlos erfolgt.
Um diese Techniken einsetzen zu knnen, muss man sich zunchst mit
der Technologie befassen, die hierbei zur Anwendung kommt. Ziel dieses
Kapitels ist es daher, die fr den MC relevanten bertragungstechnologien
mit deren Funktionsweise, wesentlichen Charakteristiken und Einsatzbe-
reichen zu kennen und beurteilen zu knnen.
Mobilfunk spielt im MC eine sehr groe Rolle, stellt aber gleichwohl
nur eine von mehreren Mglichkeiten der drahtlosen Kommunikation dar.
Die wesentlichen Technologien sind
fr den Bereich der Weitverkehrsnetze (Wide Area Network,
WAN):
Mobilfunk, insbesondere wenn fr mobile Endgerte vollstndige
Ortsunabhngigkeit erforderlich ist (z.B. fr Auendienstmitarbei-
ter, etwa im Job Dispatch eines Paketdienstes, oder in vielen B2C-
Diensten wie Stadtfhrern oder mobilen Bankdienstleistungen),
fr den Bereich lokaler Vernetzung (Local Area Network, LAN):
Wireless LAN, insbesondere wenn mobile Endgerte sich in einem
lokal eingegrenzten Bereich bewegen sollen (z.B. fr Intranetzugang
auf einem Firmengelnde oder Internetzugang in einem Hotel, Flug-
hafengebude oder Messegelnde),
8 Drahtlose Kommunikation
fr den Bereich so genannter persnlicher Vernetzung (Personal A-
rea Network, PAN):
Bluetooth oder Infrarotbertragung, insbesondere wenn mobile
Endgerte untereinander oder mit einzelnen (Peripherie-)Gerten
vernetzt werden sollen (z.B. ein Mobiltelefon mit einem Kassenau-
tomat oder ein PDA mit einem Drucker).
Zusammenfassung
Eines der entscheidenden Merkmale des MC ist die Verwendung mobiler
elektronischer Kommunikationstechniken. Die relevanten Technologien
hierfr sind Mobilfunk, Wireless LAN, Bluetooth und Infrarotbertragung.
Kontrollfragen
(3) Bewerten Sie die Aussage Mobile Commerce findet ausschlielich
ber das Handy im Mobilfunknetz statt.
2.2 Mobilfunk
2.2.1 berblick
Mobilfunk ist eine Form der Telekommunikation, bei der ein Dienstanbie-
ter die bertragung von Sprache und Daten von und zu mobilen Endger-
ten durch ein drahtloses Zugangsnetz auf Basis elektromagnetischer Wel-
len ermglicht. Die ortsfesten Einrichtungen des Zugangsnetzes knnen
dabei terrestrisch oder satellitengesttzt sein.
Die von dieser Definition umfasste Erfordernis der bertragung von
Daten gehrt heute zu den Grundanforderungen. In den Anfngen des Mo-
bilfunks war sie jedoch nicht vorhanden. Entsprechende alte Technologien
zhlen daher zum Mobilfunk, auch wenn sie keine Datenbertragung vor-
sehen.
Um Mobilfunk zu betreiben, bentigt man ein so genanntes Mobilfunk-
netz. Mit diesem Begriff bezeichnet man die technische Infrastruktur, auf
der die bertragung der Mobilfunksignale stattfindet. Das Mobilfunknetz
umfasst im Wesentlichen
ein Mobilvermittlungsnetz (Core Network, CN), in dem die bertra-
gung und Vermittlung der Signale zwischen den ortsfesten Einrich-
tungen des Mobilfunknetzes stattfindet sowie
Mobilfunk 9
ein Zugangsnetz (Radio Access Network, RAN), in dem die bertra-
gung der Signale zwischen einer Mobilfunkantenne und dem mobi-
len Endgert stattfindet; man nennt dies auch die Luftschnittstelle.
Die bertragung im Mobilvermittlungsnetz findet typischerweise drahtge-
bunden (also im Festnetz) statt, in seltenen Fllen auch ber Richtfunk-
strecken. Erst das Zugangsnetz ist also das eigentliche Funknetz.
Bei dem Begriff Mobilfunknetz denkt der unbedarfte Betrachter typi-
scherweise zuerst an das Funknetz. Die Signalbertragung findet jedoch in
der Regel auf dem weit berwiegenden Teil der Strecke im Mobilvermitt-
lungsnetz statt. Dies sei an einem Beispiel verdeutlicht: Fhrt ein Mobil-
funkteilnehmer aus Augsburg ein Gesprch mit einem Mobilfunkteilneh-
mer in Berlin, so werden die Signale typischerweise nur ber eine kurze
Strecke im Stadtgebiet von Augsburg sowie ber eine kurze Strecke im
Stadtgebiet von Berlin mittels Funk bertragen. Der gesamte Rest der -
bertragungsstrecke wird drahtgebunden zurckgelegt. Die schematische
Darstellung in Abb. 2-1 soll den Unterschied verdeutlichen.

Abb. 2-1: Schematische Darstellung eines Mobilfunknetzes
Im Folgenden wird zunchst in Abschnitt 2.2.2 ein berblick ber bedeut-
same Mobilfunkstandards der ersten bis dritten Generation gegeben.
Im Mittelpunkt der nachfolgenden Abschnitte steht der GSM-Standard.
Die Relevanz dieses Standards ergibt sich nicht nur aus dessen unange-
fochtener Marktfhrerschaft in den meisten Teilen der Welt, sondern vor
allem daraus, dass er sowohl das Begriffsgerst, als auch die technische
Grundlage fr Nachfolgestandards wie GPRS und UMTS bildet.
Abschnitt 2.2.3 fhrt die Mehrfachnutzung von Funkressourcen mittels
der verschiedenen Multiplexverfahren ein und verdeutlicht diese am Bei-
spiel. Abschnitt 2.2.4 geht auf die Struktur und Funktionsweise eines
GSM-Mobilfunknetzes ein. Aufbauend auf diesem Grundverstndnis be-
fasst sich Abschnitt 2.2.5 mit den verschiedenen Mglichkeiten und Stan-
dards der Datenbertragung und Abschnitt 2.2.6 schlielich mit Struktur
und Funktionsweise der aktuellen GPRS- und UMTS-Mobilfunknetze.
10 Drahtlose Kommunikation
Zusammenfassung
Mobilfunk ist eine Form der Telekommunikation, bei der ein Dienstanbieter
die bertragung von Sprache und Daten von und zu mobilen Endgerten
durch ein drahtloses Zugangsnetz auf Basis elektromagnetischer Wellen
ermglicht. Ein Mobilfunknetz besteht aus Mobilvermittlungsnetz (in dem
der grte Teil der bertragung stattfindet) und Zugangsnetz. Der weltweit
dominierende GSM-Standard bildet die konzeptionelle und technische
Grundlage fr die Nachfolgestandards GPRS und UMTS.
2.2.2 Mobilfunkstandards
Im Folgenden sollen kurz die wesentlichen Mobilfunkstandards der ersten
bis dritten Generation angesprochen werden. Zuvor seien zwei Begriffe
aus dem Festnetzbereich genannt: Der Begriff PSTN bezeichnet das Public
Switched Telephone Network, eine bliche Bezeichnung fr das (analoge)
Festnetz. Der Begriff ISDN ist hierzulande bekannter und bezeichnet das
Integrated Services Digital Network, das digitale Festnetz. Bei den Mobil-
funkstandards spricht man typischerweise von drei Generationen.
Die 1. Generation (1G) verwendet im Zugangsnetz analoge bertra-
gungstechnik. Einige Standards sind bereits datenfhig.
In Deutschland sind die 1G-Netze inzwischen abgeschaltet, fr die f-
fentliche Nutzung existierten das A-Netz (1958-1977, handvermitteltes Au-
totelefon, ca. 10.000 Teilnehmer), das B-Netz (1972-1994, sektororientier-
tes Autotelefon, ca.16.000 Teilnehmer) und das C-Netz (1985-2000, trag-
bare Telefone auf Basis analoger Funktechnik, ca. 800.000 Teilnehmer).
Das A-Netz war zu seiner Zeit das weltgrte flchendeckende ffentliche
Mobilfunknetz. Datenbertragung wurde erstmals mit dem C-Netz mg-
lich. In Skandinavien werden unter NMT (Nordic Mobile Telephone) noch
1G-Netze betrieben, die Lizenzen laufen jedoch aus. Das nordamerikani-
sche AMPS (Advanced Mobile Phone Service) ist jedoch nach wie vor in
Nutzung (1998: 60 Mio. Teilnehmer). Auerhalb Nordamerikas waren
AMPS-basierte Netze auch in Sdamerika, Teilen Afrikas sowie in Europa
mit TACS (Total Access Communications System) und in Japan mit JTACS
(Japan Total Access Communications System) in Betrieb.
Bei den Standards der 2. Generation (2G) wird digitale bertragungs-
technik verwendet. Die Netze sind auf Sprachbertragung optimiert, aber
durchgngig datenfhig.
Der weltweit dominierende Standard ist hier GSM (Global System for
Mobile Communications).

GSM wird nach den verwendeten Frequenzbe-
reichen unterschieden, die wichtigsten Ausprgungen sind GSM 900 (z.B.
in Deutschland D-Netze seit 1991), GSM 1800 (Weiterentwicklung, z.B. in
Mobilfunk 11
Deutschland E-Netze seit 1994) und GSM 1900 (USA/Kanada). Daneben
gibt es in einigen Lndern GSM 400 sowie speziell fr den Einsatz bei Ei-
senbahngesellschaften GSM-Rail (GSM-R). GSM-R verfgt ber zahlrei-
che Erweiterungen, etwa fr die automatisierte Kontrolle und Steuerung
des Zugverkehrs (Automatic Train Control, ATC), die Mglichkeit zu
Broadcast- und Gruppenrufen (Voice Broadcast Service, VBS, bzw. Voice
Group Call Service, VGCS), einer funktionsorientierten und relativen Ad-
ressierung (z.B. Zugchef im ICE 123 oder fr diesen Streckenabschnitt
zustndiges Stellwerk) und einer Priorisierung von Gesprchen innerhalb
des Netzes.
Obschon auch in Nordamerika die Bedeutung von GSM ansteigt, wird
dieser Markt noch immer von zwei anderen Standards dominiert. Bei dem
ersten Standard handelt es sich um die digitale Weiterentwicklung von
AMPS, die als TDMA IS-136 (Time Division Multiple Access) oder auch
simpel als D-AMPS (digitales AMPS) bezeichnet wird. Dieser Standard
untersttzt neben digitalen auch weiterhin analoge Kanle; er ist fr paket-
orientierte Datenbertragung erweiterbar. Bei dem zweiten Standard han-
delt es sich um CDMA IS-95 (Code Division Multiple Access), das auch als
CDMAone bezeichnet wird. Dieser Standard basiert auf einem digitalen
Netz, in dem die Ausnutzung des Frequenzspektrums bereits mittels Co-
demultiplex-Verfahren (siehe 2.2.3) erfolgt und das zu IS-95B mit der
Mglichkeit der Kanalbndelung (siehe 2.2.5) und der Bereitstellung von
Kurznachrichten- und Telefax-Diensten erweiterbar ist. Der in Japan do-
minierende 2G-Standard ist PDC (Personal Digital Cellular), das auf ei-
nem digitalen Netz und der Anwendung von Frequenz- und Zeitmultiplex-
Verfahren (siehe 2.2.3) basiert.
Einen Vergleich der Teilnehmerzahlen im Jahr 2001 zeigt Abb. 2-2. An-
fang 2003 betrug die Zahl der GSM-Teilnehmer bereits 780 Millionen.
81
55
100
564
0
100
200
300
400
500
600
IS-136 PDC IS-95 GSM
M
i
l
l
i
o
n
e
n

T
e
i
l
n
e
h
m
e
r

Abb. 2-2: Teilnehmerzahlen nach Mobilfunkstandards 2001
(Quelle: Global Mobile Suppliers Association)
12 Drahtlose Kommunikation
Ebenfalls zur 2. Generation zhlt Terrestrial Trunked Radio (TETRA), ein
ETSI-Standard fr digitalen Bndelfunk, der fr sicherheitsrelevante An-
wendungen bei Behrden, Sicherheitsdiensten usw. vorgesehen ist.
2G-Netze sind zwar prinzipiell datenfhig, diese Fhigkeit ist jedoch
eher rudimentr ausgeprgt. Um nun einerseits den Zeitraum bis zur Ein-
fhrung datenoptimierter Netze der 3. Generation zu berbrcken und an-
dererseits deren Einfhrung durch eine schrittweise Vorgehensweise zu
erleichtern, wurde eine Zwischengeneration geschaffen, die 2.5G-Netze.
Bestehende 2G-Netze werden unter Nutzung dieser Standards um die F-
higkeit zur paketorientierten Datenbertragung erweitert (siehe 2.2.5). Die
Standards in diesem Bereich sind GPRS (General Packet Radio Service),
das weltweit als Ausbaustufe von GSM-Netzen eingefhrt wurde, und
EDGE (Enhanced Data Rates for Global Evolution), das sowohl zum
Ausbau von GSM-, als auch von AMPS-basierten Netzen geeignet ist.
Beide Standards werden in Abschnitt 2.2.6 ausfhrlicher betrachtet.
Die Erfahrung mit den sehr heterogenen 2G-Standards fhrte dazu, dass
fr die Entwicklung der 3. Generation (3G) eine weltweit abgestimmte
Zielvorstellung zugrunde gelegt wurde, das Konzept IMT-2000 (Interna-
tional Mobile Telecommunications 2000) der ITU. Die wichtigsten Ziele
hierbei waren
Untersttzung hherer bertragungsraten (bis 2 MBit/s),
Untersttzung von Multimedia-Anwendungen,
erweitertes Roaming.
Dieses Konzept wurde weltweit in eine Reihe von Vorschlgen umgesetzt,
aus denen zwei beherrschende Standards hervor gingen: Das stark europ-
isch beeinflusste Gremium 3GPP (Third Generation Partnership Project)
legte den auf die GSM/GPRS-Spezifikationen aufbauenden Standard
UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) vor, das stark
nordamerikanisch beeinflusste Gremium 3GPP-2 den auf die IS-95-
Spezifikationen aufbauenden Standard CDMA-2000. Asien ist sowohl in
der Gruppe 3GPP, als auch in der Gruppe 3GPP-2 vertreten.
Mit Blick auf die Ausgangslage, i. e. die Teilnehmerzahlen in den der-
zeit verfgbaren Netzen (vgl. Abb. 2-2), ist es sehr wahrscheinlich, dass
UMTS als GSM-Nachfolger zum weltweit fhrenden 3G-Standard avan-
cieren wird. UMTS wird in Abschnitt 2.2.6 ausfhrlicher betrachtet.
Verschiedene Technologiefirmen und seit Ende 1999 auch die ITU ar-
beiten unter dem Stichwort beyond IMT-2000 bereits an den Anforde-
rungen fr die 4. Mobilfunkgeneration (4G). Wie schon bei den vorherge-
gangenen Generationswechseln sind auch beim Schritt von 3G nach 4G
deutliche Steigerungen bei den Faktoren Funktionalitt, Verlsslichkeit,
Effizienz und Qualitt zu erwarten (Abb. 2-3).
Mobilfunk 13
Functionality
Reliability
Efficiency
Quality
t
1G
2G
3G
4G
Functionality
Reliability
Efficiency
Quality
t
1G
2G
3G
4G

Abb. 2-3: Generationenfortschritt der Mobilfunk-Standards
Schwerpunkte der 4G-Entwicklung liegen in den Bereichen der Integration
heterogener drahtloser Netze (z.B. unter Einbeziehung von WLAN- und
Bluetooth-Technologie), der Sicherheit sowie der effizienteren Ausnut-
zung des Frequenzspektrums. Der Nutzer der Zukunft soll ber eine Breit-
band-Datenanbindung verfgen, die im mobilen Einsatz, transparent ge-
genber der verwendeten Funktechnologie, die definierte (und bezahlte)
Dienstgte bereitstellt. Mit der Verfgbarkeit entsprechender Technologi-
en ist frhestens ab 2007 zu rechnen.
Zusammenfassung
Mobilfunkstandards der 1. Generation (z.B. NMT, AMPS) verwenden ana-
loge bertragungstechnik, die teils datenfhig ist. 2G-Standards (z.B.
GSM, IS-136, IS-95) verwenden digitale Netze. Sie sind auf Sprachbertra-
gung optimiert und generell datenfhig. Um jedoch heutigen Anforderun-
gen zu gengen, ist als erster Schritt zu 3G die Fhigkeit zur paketorien-
tierten Datenbertragung erforderlich. Hierfr werden die 2.5G-Technolo-
gien GPRS und EDGE verwendet. 3G-Netze untersttzen vor allem hhere
bertragungsraten, Multimedia-Anwendungen und erweitertes Roaming.
Sie sind datenoptimiert. Aufgrund der GSM-Dominanz kann grundstzlich
von UMTS als wichtigstem 3G-Standard ausgegangen werden; zumindest
im nordamerikanischen Raum wird allerdings vorwiegend CDMA-2000
zum Einsatz kommen. In 4G-Netzen werden zuknftig verschiedene Funk-
technologien integriert zur Verfgung stehen.
2.2.3 Multiplexverfahren
Eines der Grundproblem im Mobilfunk ist die effiziente Nutzung der
knappen Funkressourcen. Hierzu bedient man sich verschiedener Mg-
lichkeiten, das Medium also das verfgbare Frequenzspektrum auf un-
terschiedliche Art mehrfach zu nutzen. Die verwendeten Verfahren sind
Raummultiplex, Frequenzmultiplex, Zeitmultiplex und Codemultiplex. Da-
bei kommen hufig Kombinationen der Verfahren zum Einsatz.
14 Drahtlose Kommunikation
Raummultiplex
Raummultiplex (Space Division Multiplex, SDM) realisiert die Mehrfach-
nutzung von Funkressourcen, indem die selbe Frequenz in unterschiedli-
chen rumlichen Bereichen des Netzes unabhngig genutzt wird. Hierzu
wird das Zugangsnetz in Funkzellen aufgeteilt und gleichzeitig mehrere
rumlich zusammenhngende Funkzellen zu einem Zellcluster zusammen-
gefasst. Die Anzahl der Zellen in einem Cluster wird durch die Cluster-
gre k wiedergegeben.
1
2
2
1
3
3
2
3
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3
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4
2
3
k = 3 k = 4

Abb. 2-4: Zellcluster der Gre k=3 bzw. k=4
Die Menge der zur Verfgung stehenden Frequenzen wird nun vollstndig
unter den Zellen eines Clusters aufgeteilt. Es ergeben sich k Frequenzstze
F
i
, die disjunkt sind, d.h. F
i
F
j
= fr alle i j und i, j {1, ... ,k}. Die
Clusterzelle Z
i
verwendet jeweils den Frequenzsatz F
i
. Das Netz wird nun
durch die Aneinanderreihung von Zellclustern gebildet (vgl. Abb. 2-4), mit
dem Effekt, dass Zellen, die aneinandergrenzen, keine gleichen Frequen-
zen verwenden und dadurch Interferenzen gering gehalten werden. Unter
Bercksichtigung der Vorteile mglichst groer Cluster (groer Abstand
zwischen Zellen mit gleichen Frequenzen vorhanden) und mglichst klei-
ner Cluster (viele Frequenzen je Zelle verfgbar) kann entsprechend gege-
bener Bedingungen je eine optimale Clustergre ermittelt werden.
GSM verwendet Zellcluster der Gre k=7 (vgl. Abb. 2-5). Dabei ist die
Darstellung der Zellen im Raummultiplex als gleich groe Sechsecke na-
trlich grob vereinfachend. In der Realitt sind Aufteilung und Gre der
Zellen natrlich noch durch eine Vielzahl anderer Faktoren beeinflusst.
Einerseits sind dies selbst gewhlte Parameter wie etwa die Leistung der
Sendestation und die aus Kostengrnden mglichst geringe Zahl der Basis-
stationen, andererseits externe Einflsse wie etwa geographische Gege-
benheiten. Auer Gelndeformen und -bewuchs hat vor allem auch die
Bebauung Einfluss. So schirmt eine Stahlbetonwand beispielsweise strker
ab als Fensterglas; ein Signal kann etwa abgeschattet, reflektiert, gestreut
oder abgelenkt werden. Schlielich spielt bei der Planung des Funknetzes
die Kapazittsauslastung eine erhebliche Rolle.
Mobilfunk 15
4
5
1
6
7
2
3
4
5
1
6
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2
3
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1
6
7
2
3

Abb. 2-5: Abdeckung einer Flche mit Zellclustern der Gre k=7
In GSM-Netzen werden nach ihrer Gre im Wesentlichen drei Zellarten
unterschieden:
Makrozellen (Durchmesser z.B. 10-30 km), die hufig im lndlichen
Raum verwendet werden,
Mikrozellen (Durchmesser z.B. 1-3 km) fr dichter besiedelte Ru-
me,
Picozellen (Durchmesser z.B. 100-300m) fr Rume mit hoher Nut-
zerdichte (Hot Spots), hufig etwa in Innenstdten, in Messehallen
oder sogar einzelnen Brogebuden.
2

Eine Zelle entsteht, einfach gesagt, indem ein Sender mit einer Antenne
aufgestellt wird; sie reicht prinzipiell so weit, wie das Signal zu empfangen
ist. In einem flchendeckenden Netz gibt es dabei hufig berschneidun-
gen mit Nachbarzellen, so dass das mobile Endgert die Signale mehrerer
Zellen empfngt. Die Einbuchung erfolgt dann in der Zelle, von der das
strkste Signal empfangen wird. Wie stark dieses Signal ist, hngt nicht
nur von der Leistung der Sendestation und der Entfernung zum Endgert
ab, sondern ebenso von den bereits angesprochenen externen Einflssen.
Bei einer Vernderung externer Einflussfaktoren, z.B. der Wetterlage,
knnen Zellgrenzen sich also durchaus ndern.
Um eine gleich starke Abstrahlung in alle Richtungen zu erzielen, wer-
den omnidirektionale Basisstationen mit Rundstrahlantennen eingesetzt.
Dies geschieht vorrangig in offenem, weniger stark besiedeltem Gebiet.
Insbesondere in dicht besiedeltem Gebiet oder schwierigen geographischen
Gegebenheiten werden jedoch groe Funkzellen hufig durch Sektorisie-

2
Die Zahlenwerte gelten fr ein typisches deutsches GSM900-Netz, in
GSM1800-Netzen sind die Zelldurchmesser deutlich kleiner, z.B. Makrozellen
bis 8 km.
16 Drahtlose Kommunikation
rung in mehrere kleinere aufgeteilt. Hierfr werden sektorisierte Basissta-
tionen mit Sektorantennen verwendet.

Abb. 2-6: Prinzip der Sektorisierung und Beispiel fr eine Sektorantenne
Dies ist sinnvoll zur Kapazittserhhung oder zur Anpassung an Beson-
derheiten von Gelnde oder Bebauung. So werden Sektorantennen auch
hufig zur Versorgung einzelner Straenzge oder sogar einzelner Gebu-
de verwendet. Typische Aufteilungen sind etwa 3 x 120 in Stdten (vgl.
Abb. 2-6) oder 2 x 180 an Autobahnen, mit der Zellgrenze quer zur Fahrt-
richtung.
Frequenzmultiplex
Frequenzmultiplex (Frequency Division Multiplex, FDM) realisiert die
Mehrfachnutzung von Funkressourcen, indem verschiedenen Nutzern je-
weils nur ein Teilbereich des verfgbaren Frequenzspektrums zugewiesen
wird. Hierzu wird das Spektrum in Frequenzbnder aufgeteilt, die jeweils
ausreichend breit sind, um eine strungsfreie Kommunikation zu ermgli-
chen (vgl. Abb. 2-7).
Frequenzspektrum
Frequenzband

Abb. 2-7: Unterteilung des verfgbaren Spektrums in Frequenzbnder
Das Problem der Mehrfachnutzung einer Frequenz besteht nicht nur fr
verschiedene Nutzer, sondern bereits bei der Durchfhrung der Kommuni-
kation eines Nutzers, die ja stets bidirektional ist: vom mobilen Endgert
zur Basisstation (Uplink) und von der Basisstation zum mobilen Endgert
(Downlink). Verfahren, um eine solche bidirektionale Kommunikation er-
mglichen, nennt man Duplexverfahren.
Mobilfunk 17
Ein Spezialfall des Frequenzmultiplex ist dessen Anwendung als Duplex-
verfahren, in dem Up- und Downlink getrennt und in verschiedenen Fre-
quenzbndern ausgefhrt werden. Dieses Verfahren bezeichnet man als
Frequency Division Duplex (FDD).
Hierbei wird die Menge der Frequenzbnder zweigeteilt in einen Be-
reich fr Up- und einen Bereich fr Downlink. Jedem Nutzer werden nun
zwei Frequenzbnder zugewiesen, je eines aus dem Uplink- und aus dem
Downlink-Bereich. Einen solchen Satz zusammengehriger Frequenzbn-
der bezeichnet man als Frequenzpaar oder Kanal (vgl. Abb. 2-8).

Frequenzpaar
Uplink Downlink Uplink Downlink Uplink Downlink

Abb. 2-8: Frequency Division Duplex (FDD)
GSM verwendet Frequenzmultiplex sowohl zur Aufteilung des Spek-
trums auf verschiedene Nutzer, als auch zur Duplex-Realisierung. Die
weltweit einheitlich verfgbaren GSM 900- und GSM 1800-Spektren und
ihre Aufteilung in Frequenzbnder zeigt Abb. 2-9.
Uplink
890 MHz
f
r
e
i
1 2 3 4 124 f
r
e
i

915 MHz
Downlink
935 MHz 960 MHz
f
r
e
i
1 2 3 4 124 f
r
e
i
200 kHz

Uplink
1710 MHz
f
r
e
i
1 2 3 4 327 f
r
e
i

1785 MHz
Downlink
1805 MHz 1880 MHz
f
r
e
i
1 2 3 4 327 f
r
e
i
200 kHz


Abb. 2-9: Verfgbare GSM 900- und GSM 1800-Frequenzbnder
Am Beispiel GSM 900 in Deutschland betrachtet, muss dieses Gesamt-
spektrum auf zwei Netzbetreiber aufgeteilt werden. Hierbei werden von
insgesamt 124 Kanlen 10 fr Trennung und Reserve bentigt, jeweils 57
Kanle sind fr D1 und D2 verfgbar. Bei gleichzeitigem Raummultiplex
mit k=7 ergibt dies etwa 8 Kanle je Zelle. In der Realitt liegt dieser Wert
etwas niedriger, da einige Kanle z.B. fr netzinterne Kommunikation be-
ntigt werden.
18 Drahtlose Kommunikation
Durch das grere Frequenzspektrum sind fr GSM 1800 erheblich
mehr Kanle verfgbar. Whrend GSM 900-Netze insbesondere in
Rumen mit hoher Nutzerdichte hufig unter Kapazittsproblemen lei-
den, ist dieses Problem fr GSM 1800-Netze in aller Regel vernachlssig-
bar. Dagegen ist die Reichweite der Sender und damit die Zellgre bei
GSM 1800-Netzen erheblich geringer.
Um die Nachteile beider Systeme auszugleichen, verwendet man heute
in der Praxis oft Dualband-Netze. Dabei werden entweder einem GSM
900-Netz in Ballungsrumen zur Kapazittssteigerung einzelne GSM
1800-Zellen berlappend hinzugefgt, oder ein GSM 1800-Netz erhlt in
der Flche GSM 900-Zellen, um die vollstndige Abdeckung mit weniger
Basisstationen zu realisieren. Ein Beispiel fr ersteres sind die Netze von
Vodafone in Grobritannien und Deutschland, ein Beispiel fr zweiteres
das Netz von O2 Germany, das allerdings mittels National Roaming (vgl.
2.2.4) im Netz des Anbieters T-Mobile zu einem Dualband-Netz wird.
Zeitmultiplex
Zeitmultiplex (Time Division Multiplex, TDM) realisiert die Mehrfachnut-
zung von Funkressourcen, indem verschiedenen Nutzern die Nutzung der
selben Frequenz zyklisch nacheinander gestattet wird. Hierzu erhlt jeder
Sender einen Zeitschlitz (slot), in dem er senden darf. Das Prinzip zeigt
Abb. 2-10.
t
1 3 1 3 1 3 1
Zeitschlitz
2 2 2 2

Abb. 2-10: Prinzip der Aufteilung der Sendezeit in Zeitschlitze (slots)
Ein Spezialfall des Zeitmultiplex ist dessen Anwendung als Duplexverfah-
ren, indem Up- und Downlink getrennt und (im selben Frequenzband) in
verschiedenen Zeitschlitzen ausgefhrt werden. Dieses Verfahren bezeich-
net man als Time Division Duplex (TDD).
GSM verwendet Zeitmultiplex und teilt dabei jeden der in Abb. 2-9 ge-
zeigten Kanle in 8 Zeitschlitze. Verfgt eine Zelle also beispielsweise -
ber 3 bzw. 5 Kanle, so knnen hierber 24 bzw. 40 Gesprche gleichzei-
tig gefhrt werden.
Ein GSM-Zeitschlitz hat eine Lnge von 0,577 ms und erlaubt die Sen-
dung einer definierten Bitfolge, eines Burst. Man bezeichnet einen Zeit-
schlitz daher auch als Burst Period (BP). Neben dem so genannten Normal
Burst zur Datenbertragung existieren vier weitere Burst-Typen fr unter-
schiedliche Zwecke (Frequency Correction Burst, Synchronisation Burst,
Mobilfunk 19
Dummy Burst, Access Burst). Mit einem Normal Burst knnen 114 Bit
Nutzdaten bertragen werden. Auerdem ist eine Trainingssequenz enthal-
ten, die z.B. zur Ermittlung der Bitfehlerhufigkeit dient. Den Aufbau der
Bitfolge zeigt Abb. 2-11.

Abb. 2-11: Aufbau eines GSM Normal Burst
Die GSM-Spezifikation sieht vor, dass die Zeitschlitze im Up-/Downlink-
Kanal um 3 BP gegeneinander verschoben sind. Damit wird erreicht, dass
ein mobiles Endgert in keinem Fall gleichzeitig senden und empfangen
muss.
Codemultiplex
Codemultiplex (Code Division Multiplex, CDM) realisiert die Mehrfach-
nutzung von Funkressourcen, indem mehreren Nutzern die gemeinsame,
berlagernde Nutzung einer Frequenz gestattet wird.
Man kann sich diese am Beispiel eines Botschaftsempfangs klar ma-
chen, bei dem eine groe Menge Menschen in einer Halle versammelt ist
und sich lautstark in verschiedenen Sprachen unterhlt. Der Versuch, die-
ses Chaos so zu ordnen, dass eine sinnvolle Verstndigung mglich ist,
kann auf verschiedene Arten unternommen werden. Whrend beim Raum-
und Frequenzmultiplex die Halle (auf unterschiedliche Arten) in kleinere
Rume aufgeteilt wrde, wrde beim Zeitmultiplex jeder Sprecher in der
Halle nacheinander fr einige Sekunden das Recht erhalten, als einziger zu
sprechen. Beim Codemultiplex nun wrde man sich auf das Phnomen
verlassen, dass obschon alle durcheinander sprechen jeder Teilnehmer
der Veranstaltung intuitiv die Nachrichten heraushrt, die in seiner eigenen
Sprache gesendet wurden, und die Nachrichten in nicht interessierenden
Fremdsprachen dabei ignoriert.
Dieser Effekt wird beim Codemultiplex dadurch erzielt, dass die zu sen-
denden Daten zuvor mit einer speziellen Bitfolge dem Spreizcode co-
diert, dann auf dem gemeinsamen Medium bertragen und vom Empfn-
ger mit dem selben Spreizcode wieder decodiert (rekonstruiert) werden.
Dabei knnen sich prinzipiell die Daten so vieler Nutzer berlagern, wie
verschiedene Spreizcodes zur Verfgung stehen. Dieses Verfahren wird als
CDMA (Code Division Multiple Access) bezeichnet. Den prinzipiellen Ab-
lauf der Codierung und Decodierung zeigt Abb. 2-12.
20 Drahtlose Kommunikation
0
Binres Signal
1 1 0
Multiplikation
mit Spreizcode
Ausgangssignal mit
Spreizcode multipliziert
Signal berlagert mit
anderer Signalquelle
Multiplikation und Integration
mit Spreizcode
Spreizcode
0 1 1 0
Binres Ausgangssignal
Spreizcode
0
Binres Signal
1 1 0
Multiplikation
mit Spreizcode
Ausgangssignal mit
Spreizcode multipliziert
Signal berlagert mit
anderer Signalquelle
Multiplikation und Integration
mit Spreizcode
Spreizcode
0 1 1 0
Binres Ausgangssignal
Spreizcode

Abb. 2-12: Prinzipieller Ablauf der Codierung und Decodierung
GSM verwendet kein CDM, wohl aber andere 2G-Netze, z.B. IS-95. Fr
3G-Netze ist CDM eine Standardtechnologie, die hohe Bandbreiten auf der
Luftschnittstelle ermglicht.
Zusammenfassung
Zur effizienten Nutzung eines Frequenzspektrums werden Multiplexverfah-
ren verwendet.
Beim Raummultiplex (SDM) wird das Zugangsnetz in Funkzellen aufge-
teilt. Rumlich zusammenhngende Funkzellen werden zu Zellclustern zu-
sammengefasst, innerhalb derer die vorhandenen Frequenzen aufgeteilt
werden. GSM verwendet Zellcluster der Gre k=7 und unterscheidet Ma-
krozellen, Mikrozellen und Picozellen. Zur Kapazittserhhung oder zur
Anpassung an Besonderheiten von Gelnde oder Bebauung werden groe
Funkzellen hufig in kleinere aufgeteilt, indem omnidirektionale Basissta-
tionen durch sektorisierte ersetzt werden.
Beim Frequenzmultiplex (FDM) wird das verfgbare Spektrum in Fre-
quenzbnder aufgeteilt, die verschiedenen Nutzern zugewiesen werden.
Frequency Division Duplex (FDD) ist ein Duplexverfahren, bei dem Up-
und Downlink getrennt und in verschiedenen Frequenzbndern (Frequenz-
paar) ausgefhrt werden. Um die Nachteile von GSM 900- und GSM
1800-Systemen auszugleichen, verwendet man heute oft Dualband-Netze.
Mobilfunk 21
Beim Zeitmultiplex (TDM) erhlt jeder Sender einen zyklisch wieder-
kehrenden Zeitschlitz, in dem er senden darf. Time Division Duplex (TDD)
ist ein Duplexverfahren, bei dem Up- und Downlink getrennt und (im sel-
ben Frequenzband) in verschiedenen Zeitschlitzen ausgefhrt werden.
GSM verwendet 8 Zeitschlitze, je nutzbarem Zeitschlitz kann ein Burst mit
114 Bit Nutzdaten versendet werden.
Codemultiplex (CDM) ermglicht die gemeinsame, berlagernde Nut-
zung einer Frequenz durch mehrere Nutzer, indem das Signal vor dem
Versenden mittels eines Spreizcodes codiert und durch den Empfnger re-
konstruiert wird. CDM ist eine 3G-Schlsseltechnologie, die hohe Band-
breiten auf der Luftschnittstelle ermglicht. Die verschiedenen Multiplex-
verfahren werden hufig kombiniert.
Kontrollfragen
(4) In einer Funkzelle eines deutschen GSM-Netzes stehen 10 Kanle zur
Verfgung. Wie viele Nutzer knnen in dieser Zelle gleichzeitig ein
Gesprch fhren? Welche Art des Duplexing wird hier verwendet und
um welche GSM-Ausprgung handelt es sich vermutlich?
(5) In einer Funkzelle eines nicht nher bezeichneten Mobilfunknetzes,
das TDD verwendet, stehen 5 Kanle mit je 10 Zeitschlitzen zur Ver-
fgung. Wie viele Nutzer knnen gleichzeitig ein Gesprch fhren?
(6) Ein Land, das aus 100 Mio. Quadratkilometer dnn besiedelter Ebene
und 10 kleinen Stdten besteht, soll ein kostenoptimales Mobilfunk-
netz erhalten. Welches Verfahren ist besser geeignet, GSM 900 oder
GSM 1800? Wie ndert sich Ihre Empfehlung, wenn das Land auer-
dem ber 5 sehr groe Stdte verfgt, in denen nach Expertenmeinung
Engpsse bei der Netzkapazitt zu befrchten sind?
(7) Die rechnerische maximale bertragungsrate fr einen Teilnehmer in
einem GSM-Netz betrgt ca. 24700 Bit/s. Leiten Sie diesen Wert her.
2.2.4 Netzstruktur und -funktionsweise am Beispiel GSM
Im Folgenden sollen Struktur und Funktionsweise eines Mobilfunknetzes
am Beispiel des Mobilfunkstandards GSM dargestellt werden. GSM
(Global System for Mobile Communications) ist der europische Mobil-
funkstandard der zweiten Generation. Dessen Entwicklung begann 1982
mit der Grndung der Groupe spciale mobile hierfr stand am Anfang
auch die Abkrzung GSM. In Deutschland stehen GSM-Netze seit 1991
fr die ffentliche Nutzung zur Verfgung. Die Weiterentwicklung des
Standards obliegt dem ETSI (European Telecommunications Standards In-
stitute) mit Sitz in Sophia Antipolis/Frankreich, in dem die Groupe sp-
22 Drahtlose Kommunikation
ciale mobile 1989 in Form eines Technical Committee aufging und das mit
dem 3GPP auch fr den Standard UMTS verantwortlich ist. GSM wird
von ca. 780 Mio. Nutzern verwendet, dies entspricht 69% der weltweiten
Mobilfunknutzer (Februar 2003). Seine wesentlichen Ausprgungsgrade
wurden in Abschnitt 2.2.2 genannt, Details zu Frequenzspektrum und ver-
wendeten Multiplexverfahren in Abschnitt 2.2.3. GSM bildet das Begriffs-
gerst und die technische Grundlage fr die nachfolgenden Standards
GPRS und UMTS. Ein GSM-Netz wird in drei Subsysteme untergliedert:
Die Base Station Subsystems (BSS) ergeben zusammen das Zu-
gangsnetz zur Anbindung der Mobilfunkteilnehmer an das Netz.
Das Network and Switching Subsystem (NSS) umfasst das Mobil-
vermittlungsnetz zur Vermittlung der Nutzdaten innerhalb des Net-
zes und zur Bereitstellung der Anbindung an andere Netze.
Das Operation and Support Subsystem (OSS) schlielich umfasst al-
le weiteren Elemente, die fr Betrieb, Administration und Kontrolle
des Gesamtnetzes erforderlich sind.
Die vom GSM-Netz bereitgestellten Benutzerdienste werden in drei Arten
unterschieden: Support-, Tele- und Zusatzdienste.
Mit Supportdiensten werden Charakteristika des jeweils eingerichteten
Sendekanals festgelegt, z.B. bertragungsart und -kapazitt, Zugangsmo-
dus, Konfiguration. Teledienste stellen die Kernfunktionalitten des Netzes
dar, vor allem Sprachverbindung, Notruf, Kurznachricht und Telefax der
Gruppe 3. Beispiele fr Zusatzdienste sind Anruferidentifikation (Calling
Line Identification Presentation, CLIP), Rufumleitung (z.B. Call Forward-
ing Unconditional, CFU, oder Call Forwarding on No Reply, CFNRy) und
Dienste bei bestehender Verbindung (z.B. Call Wait, CW, oder Call Hold,
HOLD).
Mobile Station (MS)
Ein Benutzer, der am Funkverkehr in einem GSM-Netz teilnehmen will,
muss eine Mobilstation (Mobile Station, MS) betreiben. Diese besteht aus
zwei Bestandteilen (Abb. 2-13).
Mobilfunk 23

Abb. 2-13: Bestandteile der Mobilstation
Das mobile Endgert (Mobile Equipment, ME), beispielsweise ein Mo-
biltelefon, ist die Sende- und Empfangsstation des Teilnehmers. Deren
Sendeleistung liegt bei maximal 2 W (GSM 900) bzw. 1 W (GSM 1800).
Das ME stellt einerseits die technischen Erfordernisse fr das Senden und
Empfangen von Mobilfunksignalen bereit, andererseits bildet es die
Schnittstelle zum Benutzer. Darber hinaus ist die Bereitstellung weiterer
Funktionen mglich, je nach Gerttyp knnen dies etwa ein zustzliches
Telefonbuch oder ein Terminplaner sein. Das ME kann durch die Serien-
nummer des Gertes, die IMEI (International Mobile Equipment Identity),
identifiziert werden. Dies ist etwa im Falle eines Gertdiebstahls von Be-
deutung.
3

Das Subscriber Identity Module (SIM) dient der Authentisierung des
Teilnehmers sowie der Speicherung von Teilnehmerinformationen und ist
auf einer kleinformatigen Prozessorchipkarte untergebracht (Abb. 2-14).
Diese so genannte SIM-Karte wird in den Kartenleser des ME eingesetzt
und wickelt die eigentliche Kommunikation mit dem Netz ab, auf die sp-
ter noch eingegangen wird. Gespeichert werden:
Statische Teilnehmerinformationen, insbesondere die Mobilfunkruf-
nummer (Mobile Station ISDN Number, MSISDN) fr Zwecke der
externen Identifikation und die IMSI (International Mobile Subscri-
ber Identity), eine netzunabhngige, international eindeutige 15-
stellige GSM-Teilnehmernummer fr Zwecke der internen Identifi-
kation sowie die persnliche Identifikationsnummer (PIN) und wei-
tere Geheimzahlen fr den SIM-Zugriff.
Dynamische Teilnehmerinformationen, insbesondere die TMSI
(Temporary Mobile Subscriber Identity), eine temporr vergebene
Nummer, die nach dem Einbuchen in ein Netz die IMSI ersetzt um
den Teilnehmer zu anonymisieren, sowie persnliche Informationen

3
Hinweis: Die IMEI kann auf jedem GSM-Gert durch die Eingabe *#06# ange-
zeigt werden.
24 Drahtlose Kommunikation
des Teilnehmers wie etwa ein Rufnummernverzeichnis oder archi-
vierte SMS.

Abb. 2-14: SIM-Karte
Die Speicherkapazitt einer SIM-Karte betrgt 832 KByte. Inhalt und
Aufschlsselung der IMEI, der IMSI sowie der MSISDN zeigt Abb. 2-15.
9197 53 123456
Type Approval
Code (TAC)
Final Assembly
Code (FAC)
Seriennummer SP
Blockkennung Herstellerbereich
44 7 9197 53 123456
Type Approval
Code (TAC)
Final Assembly
Code (FAC)
Seriennummer SP
Blockkennung Herstellerbereich
44 7
262 01
Mobile Country
Code (MCC)
Mobile Network
Code (MNC)
Mobile Station
ID Number (MSIN)
34567890 12
HLR Subscriber Number (SN)
262 01
Mobile Country
Code (MCC)
Mobile Network
Code (MNC)
Mobile Station
ID Number (MSIN)
34567890 12
HLR Subscriber Number (SN)
171
Country Code
(CC)
National Destination
Code (NDC)
Subscriber Number
(SN)
1234567 49 171
Country Code
(CC)
National Destination
Code (NDC)
Subscriber Number
(SN)
1234567 49 MSISDN
IMSI
IMEI

Abb. 2-15: Aufschlsselung der verschiedenen Kennungen
Base Station Subsystem (BSS)
Die Anbindung der MS an das Netz ist die Aufgabe der Basisstationssy-
steme (Base Station Subsystems, BSS). Ein Basisstationssystem besteht aus
einer Basisstationssteuerung (Base Station Controller, BSC) und ein oder
mehreren Sende-/Empfangsstationen (Base Transceiver Station, BTS).
Ein BTS besteht im Wesentlichen aus Antennenanlage, Signalverarbei-
tung und Verstrker. Es fhrt den Funkverkehr von ein bis drei Funkzellen
durch. Hierzu gehren:
Verschlsselung/Entschlsselung der Daten (vor/nach der bertra-
gung ber die Luftschnittstelle),
Modulation/Demodulation und Burstformatierung,
Bit-Interleaving (Datenverschachtelung zur Minimierung der Aus-
wirkung von bertragungsfehlern),
Verwaltung der Zeitschlitze.
Typische Sendeleistungen liegen bei 10 bis 40 W (GSM 900).
Mobilfunk 25
Ein BSC ist ein Vermittlungsrechner mit Relaisfunktion zwischen MS und
den Elementen des Mobilvermittlungsnetzes. Es stellt die funktechnische
Versorgung der Funkzellen eines BSS sicher. Hierzu gehren:
Kontrolle der zugehrigen BTS (meist zwischen 10 und 100), insbe-
sondere Start, berwachung und Aktivierung der Funkressourcen,
Zuweisung von Funkkanlen,
Authentifizierung der Teilnehmer,
Routing zwischen BTS und MSC (siehe Abschnitt NSS),
Kontrolle der Funkressourcen und Aufrechterhalten der Verbindung
beim Handover (siehe Abschnitt Handover).
Auerdem obliegt dem BSC die Registrierung und Aktualisierung des
Aufenthaltsorts (Location Update).
BSC
BTS
MS
MS
MS
MS
BTS BTS BTS
MS
MS
MS
MS
MS MS
MS
MS
MS
MS
MS MS
MS
MS
MS
MS
BSC
BTS
MS
MS
MS
MS
BTS BTS BTS
MS
MS
MS
MS
MS MS
MS
MS
MS
MS
MS MS
MS
MS
MS
MS

Abb. 2-16: Anbindung der MS durch ein BSS
Eine Prinzipskizze der Elemente im Zugangsnetz zeigt Abb. 2-16. Eine
Vorstellung von Struktur und Umfang des Zugangsnetzes soll ein Zahlen-
beispiel vermitteln: In einem der groen deutschen Mobilfunknetze be-
stand das Zugangsnetz Ende 2000 aus etwa 25.000 Funkzellen, zu deren
Versorgung etwa 13.000 BTS und 230 BSC vorhanden waren.
Diese Zahlen ermglichen auch einen Eindruck von den Kosten, die der
Betrieb des Zugangsnetzes verursacht, von der Miete fr Aufstellorte (Si-
tes) bis hin zur Wartung und Durchfhrung von nderungen.
Network and Switching Subsystem (NSS)
Das zentrale Element im NSS ist die Mobilvermittlungsstelle (Mobile
Switching Center, MSC), ein computergesteuerter ISDN-Vermittlungs-
knoten. Whrend BTS und BSC die bertragung auf der Luftschnittstelle
ermglichen und dabei fr die MS eigentlich nur eine erweiterte Relais-
funktion bereitstellen, fhrt das MSC die logische Kommunikation mit den
26 Drahtlose Kommunikation
MS. Ein MSC-Bereich umfasst typischerweise mehrere BSC-Bereiche. Zu
den weiteren Aufgaben des MSC gehren:
Funktion als Schnittstelle zwischen den nachgeordneten BSC und
anderen MSC,
Koordination beim Handover (siehe Abschnitt Handover), wenn
mehrere BSC- oder MSC-Bereiche betroffen sind,
Kommunikation mit den Nutzer-Datenbanken,
Erstellung der Abrechnungsinformation (Call Details Record, CDR)
fr Transaktionen sowie Betragsreservierung bei Prepaid-Teil-
nehmern und bermittlung an das OMC (siehe Abschnitt OSS),
Untersttzung der Zusatzdienste.
Zustzlich zu diesen Funktionen dienen eine Reihe von MSC als definierte
Schnittstelle zu anderen Sprach- oder Datennetzen. Um eine entsprechende
Verbindung etwa zum PSTN, einem fremden Mobilfunknetz oder dem
Internet zu realisieren, mssen Netzbergangsfunktionen (Interworking
Functions, IWF) bereitgestellt werden. Ein MSC mit dieser Zusatzfunktion
wird als Gateway-MSC (GMSC) bezeichnet.
Im Zahlenbeispiel aus dem vorigen Abschnitt waren 110 MSC vorhan-
den; damit fhrte ein MSC in diesem Netz typischerweise die Kommuni-
kation in mehr als 200 Mobilfunkzellen.
Die Zellen eines MSC-Bereiches sind zu verschiedenen Location Areas
(LA) zusammengefasst.
Zum NSS gehren auerdem die Nutzer-Datenbanken: Das Heimatregister
(Home Location Register, HLR) ist logisch einmal im Mobilfunknetz vor-
handen. Vor allem aus Performancegrnden verfgt jedes Mobilfunknetz
physisch ber mehrere HLR, jeder Teilnehmer ist allerdings nur genau ei-
nem davon zugeordnet. Diese Aufteilung des HLR knnte man mit dem
Telefonbuch einer Grostadt vergleichen, das aus mehreren Bnden be-
steht. Das zustndige HLR ist dabei sowohl aus der MSISDN (erste zwei
Stellen der SN), als auch aus der IMSI ableitbar (siehe Abb. 2-15); zudem
ist es hufig explizit auf die SIM-Karte aufgedruckt. Im HLR werden alle
Stammdaten des Teilnehmers (statische Teilnehmerdaten, z.B. MSISDN,
IMSI, gebuchte bzw. erlaubte Benutzerdienste) sowie einige relevante
Bewegungsdaten (dynamische Teilnehmerdaten, z.B. LAI, MSRN) ge-
speichert. Die LAI (Location Area Identity) identifiziert die Location Area,
in der sich die MS befindet. Die MSRN (Mobile Station Roaming Num-
ber) ist eine vom VLR vergebene Nummer, die vor allem das derzeit be-
suchte Land und das zustndige MSC enthlt. Anhand dieser Nummer
kann die MS jederzeit erreicht werden, insbesondere wenn sie in ein frem-
Mobilfunk 27
des Mobilfunknetz eingebucht ist, z.B. weil sich der Teilnehmer im Aus-
land aufhlt.
Das Besucherregister (Visitor Location Register, VLR) ist einmal fr je-
des MSC vorhanden und bildet eine physische Einheit mit diesem. Es dient
der Registrierung aller MS, die im MSC-Bereich eingebucht werden. Fr
diese werden die verbindungsrelevanten Daten aus dem HLR kopiert. Zu-
stzlich wird eine TMSI vergeben und an die MS bermittelt sowie eine
MSRN vergeben und an das HLR bermittelt. Die Schutzfunktion der
TMSI erfordert, dass sie nur ber verschlsselte Kanle bertragen wird.
Ist z.B. zum Auffinden einer MS fr den Verbindungsaufbau eine unver-
schlsselte bertragung ntig, soll danach durch das VLR eine neue TMSI
vergeben werden (nicht alle Netzbetreiber halten sich an diese Sicherheits-
vorschrift).
Operation and Support Subsystem (OSS)
Das OSS unterscheidet sich von BSS und NSS dadurch, dass es nicht un-
mittelbar der Abwicklung des Mobilfunkverkehrs dient. Es besteht viel-
mehr aus Systemen fr
Konfiguration und Wartung des Netzes, insbesondere zur berwa-
chung und Steuerung aller Netzkomponenten, zur berwachung des
Verkehrs und zum Sicherheits- und Strungsmanagement,
Teilnehmerverwaltung, insbesondere Kunden- und Endgertedaten
(z.B. Beauftragung von Diensten),
Abrechnungsverwaltung, insbesondere Aggregation der einzelnen
Abrechnungsinformationen zum Zweck der Rechnungsstellung, sta-
tistischen Erfassung und betriebswirtschaftlichen Auswertung (z.B.
Tarifgestaltung unter Anwendung von Optimierungsverfahren).
Fr diese Funktionen steht das Operation and Maintenance Center (OMC),
mit den Hauptkomponenten Service Control Point, Service Order Gateway
und Billing Gateway zur Verfgung.
Zum OSS gehren auerdem zwei Datenbanken: Die Authentifizierungs-
zentrale (Authentication Center, AUC) verwaltet fr jeden Teilnehmer die
Parameter fr die Authentifizierung des Teilnehmers anhand der IMSI, die
Gltigkeitsprfung der SIM-Karte und die Verschlsselung auf der Luft-
schnittstelle.
Die Endgerte-Datenbank (Equipment Identity Register, EIR) besteht
aus drei IMEI-Listen: die weie Liste der im Netz registrierten ME
(Kommunikation gestatten), die graue Liste der nicht konformen, aber
genehmigten ME (Kommunikation berwachen) und die schwarze Liste
der nicht genehmigten ME (Kommunikation verweigern). Insbesondere
28 Drahtlose Kommunikation
fr das Auffinden gestohlener Mobiltelefone, das berwachen von Fehl-
funktionen und Strungen, aber auch fr die Sperrung einzelner ME fr
das Netz sind diese Listen verwendbar. Die GSM Association betreibt ein
netzbergreifendes Central EIR in Dublin, an dem sich jedoch nur ein Teil
der Netzbetreiber beteiligt. AUC und EIR knnen einzeln oder als kombi-
niertes System implementiert werden.
bertragungsraten
Multipliziert man die Datenkapazitt eines Normal Burst (vgl. 2.2.3) mit
der Anzahl je Sekunde, so erhlt man eine rechnerische maximale ber-
tragungsrate von GSM je Zeitschlitz von knapp 24 700 Bit/s.
Wenn man nun in Betracht zieht, dass auer der reinen Datenbertra-
gung noch weitere Vorgnge erforderlich sind, die auch die Verwendung
anderer Burstarten (etwa zur Frequenzabstimmung) erforderlich machen,
so reduziert sich dieser Wert auf 22 800 Bit/s, das physikalische bertra-
gungslimit von GSM je Zeitschlitz.
Die fr den Ausgleich von bertragungsfehlern erforderliche vorwrts
gerichtete Fehlerkorrektur (Forward Error Correction, FEC) bentigt
9 800 Bit/s und reduziert die tatschlich fr Sprachbertragung nutzbare
Datenrate auf 13 000 Bit/s. Daher ist es beim bergang vom NSS in das
BSS erforderlich, dass der Sprachkodierer (Transcoder and Rate Adapta-
tion Unit, TRAU) die Sprachsignale aus den bei drahtgebundener bertra-
gung verwendeten 64 000 Bit/s auf 13 000 Bit/s komprimiert. GSM-Netze
sind zwar generell auf diesen Wert ausgelegt, der bei der Sprachbertra-
gung als Full Rate bezeichnet wird, knnen aber im Ausnahmefall auch in
einem Half Rate-Modus mit 5 600 Bit/s betrieben werden. Dies ermglicht
bei stark verminderter Sprachqualitt eine Kapazittserweiterung auf das
Doppelte. Der typische Anwendungsfall hierfr ist zeitlich begrenzter Aus-
gleich von Kapazittsproblemen durch Strungen im Netz.
Durch die erhhten Anforderungen an die Fehlerkorrektur betrgt die
nutzbare bertragungsrate fr Datenverbindungen statt 13 000 Bit/s nur
9 600 Bit/s (siehe hierzu auch 2.2.5).
Handover, Roaming und Verbindungsaufbau
Zum Abschluss dieses Abschnittes sollen nun noch einige wichtige Pro-
zesse im Mobilfunknetz erlutert werden: die unterbrechungsfreie Ge-
sprchsbergabe (Handover), die Nutzung eines fremden Mobilfunknetzes
(Roaming) und das Zusammenwirken der Netzkomponenten beim Verbin-
dungsaufbau.
Voraussetzung fr die Nutzung eines zellbasierten Netzes aus der Bewe-
gung heraus ist ein Mechanismus zum Zellwechsel. Wechselt eine MS von
Mobilfunk 29
einer Funkzelle in eine andere Funkzelle im selben Mobilfunknetz, so er-
folgt ein Handover, eine unterbrechungsfreie Gesprchsbergabe (Abb.
2-17). Drei Grnde knnen den Wechsel der Zelle erforderlich machen:
das Erreichen der maximal definierten Entfernung, das Absinken der Si-
gnalqualitt unter den Toleranzwert oder das Steigen der Bitfehlerhufig-
keit ber den Toleranzwert. Dies hngt zwar in der Regel mit einer Bewe-
gung des Teilnehmers zusammen, muss es aber nicht zwangslufig. Ein
Handover kann berdies sogar ohne Wechsel der Zelle erforderlich wer-
den.

Abb. 2-17: Handover
Arten des Handover sind:
Intra-BTS Handover (Intrazellenbergabe): Wechsel der Frequenz
oder des Zeitschlitzes innerhalb der Zelle aus Grnden der bertra-
gungsqualitt,
Intra-BSC Handover: Wechsel der Zelle innerhalb eines BSC-
Bereiches,
Intra-MSC Handover: Wechsel der Zelle zwischen verschiedenen
BSC-Bereichen, aber innerhalb eines MSC-Bereiches,
Inter-MSC Handover: Wechsel der Zelle zwischen verschiedenen
MSC-Bereichen.
Ein Intra-BTS und Intra-BSC Handover wird in Verantwortung des BSC,
ein Intra-MSC Handover in Verantwortung des MSC durchgefhrt. Im
Falle eines Inter-MSC Handover stimmen sich die beteiligten MSC unter-
einander ab. Dies kann in Ausnahmefllen auch zwischen MSC verschie-
dener Netze erfolgen, etwa beim National Roaming (siehe folgender Ab-
schnitt).
Nutzt eine MS ein fremdes Mobilfunknetz, so handelt es sich um ein Roa-
ming (von engl. to roam, wandern); das fremde Netz wird dabei als
VPLMN (Visited Public Land Mobile Network) bezeichnet. Entsprechend
gibt es auf jedem SIM eine Liste gesperrter PLMN. Im Herkunftsland des
Teilnehmers sind dies hufig alle Netze bis auf das des eigenen Netz-
betreibers; im Ausland knnen dies etwa Netze sein, mit denen der eigene
Netzbetreiber keine vertraglichen Abmachungen hat. Sollte im Herkunfts-
land des Teilnehmers im Ausnahmefall die Nutzung eines fremden Netzes
mglich sein, bezeichnet man dies als National Roaming. Dies ist in
30 Drahtlose Kommunikation
Deutschland derzeit z.B. beim Netzbetreiber O2 der Fall, der mit dem ei-
genen Netz nur Gebiete mit ausreichender Kapazittsauslastung abdeckt
und ansonsten das Funknetz des Anbieters T-Mobile nutzt. National Roa-
ming ist oft bereits mit unterbrechungsfreier Gesprchsbergabe mglich.

Abb. 2-18: International Roaming
Der hufigere Fall jedoch ist die Nutzung eines fremden Netzes im Aus-
land, das International Roaming (Abb. 2-18). Hier ist in aller Regel keine
Gesprchsbergabe mglich, eine eventuell bestehende Verbindung wird
beim Verlassen des Netzes getrennt.
Bei einem Verbindungsaufbau unterscheidet man in einem Mobilfunknetz
zwei Prozesse: Einen im eigenen Netz abgehenden Ruf bezeichnet man
dabei als Mobile Originated Call (MOC), einen im eigenen Netz ankom-
menden Ruf als Mobile Terminated Call (MTC).
Ein MOC ist dabei vergleichsweise einfach abzuwickeln: Die anfordern-
de MS sendet die gewnschte Rufnummer ber BTS und BSC an das
MSC. Handelt es sich um eine netzfremde Rufnummer, so leitet das MSC
den Ruf an das fr dieses Zielnetz zustndige GMSC weiter, das den Netz-
bergang veranlasst und den Ruf bergibt. Handelt es sich um eine
MSISDN aus dem eigenen Netz, so wird nun ein MTC eingeleitet.
Bei einem MTC erhlt ein MSC eine Anforderung fr einen Rufaufbau,
mit dem die MSISDN der Ziel-MS bergeben wird. Mit dieser wird zu-
nchst eine Abfrage im VLR vorgenommen, ob die MS im eigenen Be-
reich eingebucht ist. Ist dies nicht der Fall, wird eine gleiche Abfrage im
HLR vorgenommen, das mit der derzeit gespeicherten MSRN antwortet.
Mit dieser kann das Ziel-MSC bestimmt werden. Unter der Annahme, dass
die Ziel-MS derzeit kein Roaming nutzt, handelt es sich um ein MSC im
eigenen Netz, an das der Ruf nun weitergeleitet wird.
Mobilfunk 31

Abb. 2-19: Rufaufbau
Das MSC muss nun die MS in seinem Bereich auffinden. Dazu nimmt es
zunchst mit der MSISDN zwei Abfragen im VLR vor, das mit der TMSI
und der LAI antwortet. Dann wird ber die BSC und BTS der entspre-
chenden LA ein Rundruf (Paging Request) in alle Zellen der LA also an
alle dort befindlichen MS gesendet, der die gesuchte TMSI enthlt. Jede
MS vergleicht nun die empfangene TMSI mit der derzeitigen eigenen, im
SIM gespeicherten TMSI und sendet bei bereinstimmung eine Antwort
(Paging Response). Nun erfolgt unter Verwendung der IMSI und einer Ab-
frage im AUC noch einmal eine Authentifizierung der MS sowie die Ein-
richtung des verschlsselten Kanals und schlielich die Durchschaltung
des Rufes zur MS die Verbindung ist aufgebaut. Einen vereinfachten
berblick ber die beteiligten Elemente gibt Abb. 2-19.
Die Paging Response ist im brigen die Ursache dafr, dass kurze Zeit
vor dem Eintreffen eines MTC bereits Sendeaktivitt an der MS festge-
stellt werden kann (erkennbar z.B. durch Strung des Radioempfanges),
bevor dann der eigentliche Ruf eintrifft und das Gert klingelt.
Zusammenfassung
Ein GSM-Netz stellt drei Arten von Benutzerdiensten zur Verfgung: Sup-
portdienste, Teledienste und Zusatzdienste. Das Netz wird in drei Subsy-
steme untergliedert: BSS, NSS und OSS.
32 Drahtlose Kommunikation
Das Base Station Subsystem (BSS) umfasst das Zugangsnetz zur Anbin-
dung der Mobilfunkteilnehmer an das Netzwerk. Ein Benutzer, der am
Funkverkehr in einem GSM-Netz teilnehmen will, muss eine Mobilstation
(MS) betreiben. Diese besteht aus dem mobilen Endgert (ME) sowie dem
Subscriber Identity Module (SIM). Das ME stellt die technischen Erforder-
nisse fr das Senden und Empfangen von Mobilfunksignalen bereit und
bildet die Schnittstelle zum Benutzer. Es wird durch seine Seriennummer
(IMEI) identifiziert. Das SIM speichert statische und dynamische Teilneh-
merinformationen und wickelt die eigentliche Kommunikation mit dem
Netz ab. Es wird durch die Mobilfunkrufnummer (MSISDN) fr externe und
die GSM-Teilnehmernummer (IMSI) fr interne Zwecke identifiziert. Nach
dem Einbuchen ins Netz wird die IMSI fr Transaktionen im Zugangsnetz
durch die TMSI ersetzt, eine temporr vergebene Nummer mit dem Zweck
der Anonymisierung des Teilnehmers. Die Anbindung der MS an das Netz
ist die Aufgabe von Basisstationssystemen. Ein Basisstationssystem besteht
aus einer Basisstationssteuerung (BSC) und typischerweise 10-100 Sende-
/Empfangsstationen (BTS), die wiederum den Funkverkehr von je 1-3 Zel-
len durchfhren.
Das Network and Switching Subsystem (NSS) umfasst das Mobilvermitt-
lungsnetz zur Vermittlung der Nutzdaten innerhalb des Netzes und zur Be-
reitstellung der Anbindung an andere Netze. Das zentrale Element ist die
Mobilvermittlungsstelle (MSC), die die eigentliche Kommunikation mit den
MS fhrt, die Koordination oberhalb der BSS-Ebene bernimmt sowie Ga-
teway-Funktionalitten bereitstellt. Auerdem gehren zum NSS die Nut-
zerdatenbanken: Das Heimatregister (HLR) speichert die Daten aller Teil-
nehmer des Netzes, einschlielich der Location Area Identity (LAI) der Lo-
cation Area, in der sich die MS befindet. Zustzlich verfgt jedes MSC
ber ein Besucherregister (VLR) fr die verbindungsrelevanten Daten der
aktuell im MSC-Bereich eingebuchten Benutzer.
Das Operation and Support Subsystem (OSS) umfasst Systeme fr Kon-
figuration und Wartung des Netzes, Strungs- und Sicherheitsmanagement,
Teilnehmerverwaltung und Abrechnungsverwaltung. Fr diese Funktionen
steht das Operation and Maintenance Center (OMC) zur Verfgung. Au-
erdem gehren zum OSS zwei Datenbanken: die Authentifizierungszen-
trale (AUC) fr Verschlsselungsinformationen und die Endgerte-
Datenbank (EIR) zur Verwaltung von ME-Listen.
Das physikalische bertragungslimit von GSM je Zeitschlitz betrgt
22 800 Bit/s, von denen aber vor allem durch die erforderliche Fehlerkor-
rektur nur 13 000 Bit/s fr Sprach- bzw. 9 600 Bit/s fr Datenverbindungen
nutzbar sind. Wechselt eine MS von einer Funkzelle in eine andere Funk-
zelle im selben Mobilfunknetz, so erfolgt ein Handover, eine unterbre-
chungsfreie Gesprchsbergabe, die je nach Zellgrenze von einem BSC
oder MSC koordiniert wird. Nutzt eine MS ein fremdes Mobilfunknetz, so
handelt es sich um ein Roaming.
Mobilfunk 33
Bei einem Verbindungsaufbau unterscheidet man zwei Prozesse: Wh-
rend ein im eigenen Netz abgehender Ruf (MOC) vergleichsweise einfach
abzuwickeln ist, besteht das zentrale Problem bei einem im eigenen Netz
ankommenden Ruf (MTC) darin, den Teilnehmer aufzufinden, was durch
ein Paging in allen Zellen der betreffenden Location Area ermglicht wird.
Kontrollfragen
(8) Grenzen Sie die Bedeutung des BSC und des MSC fr die Kommuni-
kation mit der MS gegeneinander ab.
(9) In dem Mobilfunknetz, dessen Elemente auf S. 25 als Zahlenbeispiel
genannt wurden, muss in allen BTS ein Hardwaremodul ausgetauscht
werden. Die Kosten fr das neue Modul betragen zusammen mit An-
fahrts- und Arbeitskosten 1 000 EUR je BTS. Berechnen Sie die Ge-
samtkosten der nderung fr den Netzbetreiber. Welche Kosten erg-
ben sich statt dessen, wenn die bentigte Funktionalitt ins BSC ver-
lagert werden knnte, wobei allerdings hierzu je BSC ein 10 000 EUR
teures Modul erforderlich wre? Was folgern Sie aus dem Ergebnis
fr das Management eines Mobilfunknetzes?
(10) Erlutern Sie die Begriffe Roaming und Handover im Mobilfunk.
(11) Warum ist es ein Problem, einen GSM-Teilnehmer innerhalb des Net-
zes aufzufinden?
2.2.5 Datenbertragung
Fr die bertragung von Daten in drahtgebundenen wie in drahtlosen
Netzen existieren prinzipiell zwei Mglichkeiten:
die bertragungsstrecke wird wie fr Sprache exklusiv geschaltet
(verbindungsorientierte Datenbertragung),
die Daten werden zur bertragung in einzelne Pakete zerlegt, diese
adressiert und ber ein geteiltes Medium versendet (paketorientierte
Datenbertragung).
Im ersten Fall muss zunchst ein Verbindungsaufbau erfolgen, was typi-
scherweise zeitintensiv ist (bis zu 40s). Diese Verbindung bleibt bis zu ih-
rem Abbau exklusiv geschaltet, unabhngig von der Auslastung. Damit
wird die Netzkapazitt statisch aufgeteilt und es existiert eine maximale
Anzahl an Verbindungen. Im Extremfall ist das Netz vollstndig ausgela-
stet, ohne dass auch nur ein Nutzer tatschlich spricht oder Daten ber-
trgt. Die belegte Ressource ist also Verbindungszeit, danach erfolgt dem-
entsprechend auch die Abrechnung. Das Prinzip der verbindungsorientier-
34 Drahtlose Kommunikation
ten Datenbertragung zeigt Abb. 2-20: Die Verbindung ist geschaltet, bei
Bedarf werden Daten versendet. Man bezeichnet dies im brigen auch als
Leitungsvermittlung (im Gegensatz zur Paketvermittlung). In der Realitt
betrgt die Ausnutzung der Gesamt-Netzkapazitt in solchen Fllen ca.
30% bei Sprach- und weniger als 10% bei Datenbertragung.
User A User B User A User B

Abb. 2-20: Verbindungsorientierte Datenbertragung
B C
F
X B B
User A User B
B
C
B
B C
F
X B B
User A User B
B
C
B

Abb. 2-21: Paketorientierte Datenbertragung
Im zweiten Fall besteht fr jeden Teilnehmer stets eine Verbindung. Das
Netz wird jedoch nur genutzt, wenn tatschlich Daten bertragen werden,
indem nmlich Datenpakete versandt werden. Damit wird die Netzkapazi-
tt dynamisch aufgeteilt und es existiert eine Volumenobergrenze; die
Netzkapazitt wird unter den gegebenen Voraussetzungen optimal ausge-
nutzt. Die belegte Ressource ist also bertragungsvolumen. Die Abrech-
nung erfolgt hier einerseits nach Volumen, andererseits aber unter Um-
stnden auch nach Dienstqualitt. So knnte man sich beispielsweise vor-
stellen, dass Datenpakete, die sofort ausgeliefert werden mssen, hher
bepreist werden, als solche, die eine Toleranz einiger Minuten oder Stun-
den aufweisen (z.B. zum MP3-Download ber Nacht). Das Prinzip der pa-
ketorientierten Datenbertragung zeigt Abb. 2-21: Im Netz sind eine Reihe
von Datenpaketen unterwegs; die an den Nutzer B adressierten Datenpake-
te gelangen vom Nutzer A auf beliebigen Wegen dorthin.
Bei den Mobilfunknetzen der ersten und zweiten Generation ist prinzi-
piell nur eine verbindungsorientierte Datenbertragung mglich. Der
GSM-Datendienst CSD (Circuit Switched Data) war ursprnglich nur fr
Anwendungen wie Telefax vorgesehen und ermglicht eine bertragungs-
rate von 9,6 kBit/s. Mit dem erweiterten Codierungsverfahren TCH/F14.4
(Traffic Channel Full Rate) knnen 14,4 kBit/s erzielt werden. Dies erfor-
Mobilfunk 35
dert allerdings einerseits eine hohe Verbindungsqualitt (da die Fehlerkor-
rektur verringert wird) und andererseits, dass Netz und Endgert dies un-
tersttzen was hufig auch mit HSCSD-Fhigkeit einher geht (siehe un-
ten). CSD-Nutzung ist im Wesentlichen fr konstanten Datenverkehr wh-
rend einer aufgebauten Verbindung sinnvoll, etwa fr die Internet-Nutzung
mittels WAP (vgl. Kapitel 5) oder die Synchronisation geringer Daten-
mengen (z.B. einfache E-Mail).
Eine Softwareerweiterung fr GSM ist HSCSD (High Speed Circuit
Switched Data). Hierbei erfolgt eine Steigerung der bertragungsrate
durch Kanalbndelung. Dies geschieht, indem der MS mehr als ein Zeit-
schlitz zugewiesen wird. Die Verwendung von HSCSD setzt die entspre-
chende Fhigkeit von Netz und Endgert (ggf. durch Software-Update)
voraus. Im theoretischen Maximum knnen acht Kanle gebndelt werden,
deutsche Mobilfunkanbieter ermglichen derzeit die Bndelung von drei
bis vier. Damit knnen bei vier Kanlen maximal 38,4 kBit/s (mit Stan-
dardkanlen) bzw. 57,6 kBit/s (mit TCH/F 14.4) erzielt werden, asymme-
trische Aufteilung in Up- und Downlinkkanle ist mglich. Trotz hherer
Geschwindigkeit bleibt das Nutzungsszenario jedoch gleich: Konstanter
Datenverkehr whrend einer aufgebauten Verbindung, was in etwa einem
Festnetz-Internetzugang via Modem entspricht. Hier wird zwar bereits die
Synchronisation grerer Datenmengen sinnvoll, aber generell ist die
Verwendung von HSCSD eher typisch fr Laptop-PC, als fr mobile End-
gerte. Zwei Nachteile liegen auf der Hand: Einerseits ist bei Bndelung
von n Leitungen in der Regel auch das n-fache Verbindungsentgelt zu ent-
richten. Andererseits knnen nur dort zustzliche Zeitschlitze vergeben
werden, wo diese auch frei sind und kein Kapazittsproblem besteht.
Das Problem bei mobilen Datendiensten ist aber erst in zweiter Linie die
Bandbreite. Noch problematischer ist die Tatsache, dass viele typische
MC-Anwendungen erst mit paketorientierter Datenbertragung sinnvoll
werden. Im Wesentlichen geht es hier um den Schritt zum Always-On
Szenario: Die Netzverbindung besteht jederzeit, aber nur bei Bedarf wer-
den Ressourcen belegt (und berechnet). Dies ist einer stndigen Festnetz-
Internetanbindung via LAN vergleichbar. Sende- und Empfangsvorgnge
geschehen dabei verzugslos, etwa Messaging oder Datenbankzugriffe, und
der Nutzer kann proaktiv angesprochen werden.
Um diese Anforderung bereits vor Einfhrung der dritten Mobilfunkge-
neration erfllen zu knnen, wurden die Standards der 2. Generation (ins-
besondere GSM) fr die Paketvermittlung erweitert. Man spricht dann von
einem 2.5G-Netz. Die beiden wesentlichen 2.5G-Standards sind GPRS und
EDGE (siehe 2.2.6).
36 Drahtlose Kommunikation
Zusammenfassung
Der standardmige GSM-Datendienst CSD ermglicht eine bertragungs-
rate von maximal 14,4 kBit/s. Die GSM-Softwareerweiterung HSCSD er-
mglicht eine Steigerung der bertragungsrate durch Kanalbndelung.
Die Datenbertragung kann in 2G-Netzen nur verbindungsorientiert er-
folgen, d.h. die bertragungsstrecke wird wie fr Sprache exklusiv ge-
schaltet. Um die Netzkapazitt dynamisch aufteilen zu knnen, ist statt des-
sen eine paketorientierte Datenbertragung erforderlich. Hierbei werden
die Daten zur bertragung in einzelne Pakete zerlegt, diese adressiert und
ber ein geteiltes Medium versendet. Dies ermglicht die so genannte "Al-
ways-On"-Funktionalitt, d. h. es besteht stndig eine Netzverbindung, aber
nur bei Bedarf werden Ressourcen belegt (und berechnet). Die Masse der
mobilen Dienste wird hierdurch erst ermglicht oder zumindest wirtschaft-
lich sinnvoll. Durch Erweiterungen fr die Paketvermittlung wird ein 2G-
Netz zum 2.5G-Netz.
Kontrollfragen
(12) Erlutern Sie den Unterschied zwischen verbindungs- und paketorien-
tierter Datenbertragung.
(13) Wie viel kBit/s betrgt die Datenbertragungsrate von HSCSD im
theoretischen Maximum?
(14) Was ist gemeint, wenn es heit, die Masse der mobilen Dienste werde
durch paketorientierte Datenbertragung erst ermglicht?
2.2.6 Nachfolgestandards: GPRS, EDGE, UMTS
Die Mobilfunknetze der zweiten Generation sind sprachzentriert. Durch
ihre offensichtlichen Schwchen im Bereich der Datenbertragung sind sie
fr MC-Anwendungen nur bedingt geeignet. Die wichtigsten Defizite sind
in erster Linie die fehlende paketorientierte Datenbertragung und in zwei-
ter Linie die zu geringe Bandbreite auf der Luftschnittstelle.
Die Weiterentwicklung der Mobilfunkstandards durch das ETSI trgt
diesen Erkenntnissen Rechnung, wobei man von zwei aufeinander aufbau-
enden Ausbauschritten sprechen kann. GPRS stellt die Erweiterung um die
Paketvermittlung bereit und bedingt in der Hauptsache nderungen im
Mobilvermittlungsnetz. UMTS setzt zunchst weitgehend auf diesem Netz
auf und fgt eine sehr hohe Bandbreite auf der Luftschnittstelle hinzu, in-
dem ein vollstndig neues Zugangsnetz verwendet wird.
Einen anderen Weg geht EDGE, das inzwischen von ETSI und 3G Ame-
ricas einem Konsortium fr Nord-, Mittel- und Sdamerika gemeinsam
Mobilfunk 37
weiterentwickelt wird: Aufbauend auf ein 2G-Netz werden sowohl Paket-
vermittlung, als auch hhere Bandbreiten mit begrenzten nderungen am
bestehenden Netz realisiert; man knnte hier quasi von einem 2.75G-
Netz sprechen. Die Entwicklung im berblick zeigt Abb. 2-22.
GSM
Verbindungsorientierte
Datenbertragung
(CSD, HSCSD)
2G 2,5G
GPRS
Paketorientierte
Datenbertragung im
Mobilvermittlungsnetz
EDGE
Paketorientierte Datenbertragung
im Mobilvermittlungsnetz und
verndertes Modulationsverfahren
im Zugangsnetz
UMTS
Hhere
Bandbreiten im
Zugangsnetz
+
3G
GSM
Verbindungsorientierte
Datenbertragung
(CSD, HSCSD)
2G 2,5G
GPRS
Paketorientierte
Datenbertragung im
Mobilvermittlungsnetz
EDGE
Paketorientierte Datenbertragung
im Mobilvermittlungsnetz und
verndertes Modulationsverfahren
im Zugangsnetz
UMTS
Hhere
Bandbreiten im
Zugangsnetz
+
3G

Abb. 2-22: Weiterentwicklung der Mobilfunkstandards
GPRS
Die Aufrstung eines GSM-Netzes auf den Standard GPRS (General
Packet Radio Service) betrifft nur einen Teil der bertragungen: den Da-
tenverkehr. Whrend der von einer MS kommende Sprachverkehr nach
wie vor auf der bestehenden GSM-Infrastruktur ber BTS BSC MSC
abgewickelt wird (siehe 2.2.4), luft der Datenverkehr nur noch auf der
Luftschnittstelle und bis zum BSC identisch. Dort wird er herausgefiltert
und ber die neu hinzu gefgte GPRS-Infrastruktur geleitet. Damit kommt
zum bestehenden GSM-Mobilvermittlungsnetz praktisch ein zweites
ausschlielich fr paketorientierten Datenverkehr hinzu. Den alten Teil,
der den Sprachverkehr (und natrlich ggf. den nach wie vor mglichen
verbindungsorientierten Datenverkehr mittels CSD oder HSCSD) abwik-
kelt, bezeichnet man dabei als leitungsvermittelte Domne (Circuit
Switched Domain, CS Domain). Der neue Teil wird als paketvermittelte
Domne (Packet Switched Domain, PS Domain) bezeichnet. Diese beiden
Teile bilden nun zusammen das Mobilvermittlungsnetz. Die paketvermit-
telte Domne besteht aus zwei Elementen:
Der GPRS-Vermittlungsknoten (Serving GPRS Support Node,
SGSN) fhrt die Kommunikation mit der MS, er bernimmt die Da-
ten aus dem Zugangsnetz und leitet sie weiter; damit ist seine Funk-
tionalitt der eines MSC (einschlielich VLR) im Sprachverkehr
vergleichbar. Dies umfasst beispielsweise die Ausgabe einer eigenen
38 Drahtlose Kommunikation
Packet-TMSI (P-TMSI), die Verwaltung von Routing Areas analog
zu Location Areas in der CS domain sowie die CDR-Generierung.
Der GPRS-berleitknoten (Gateway GPRS Support Node, GGSN)
stellt die Schnittstelle zu anderen Datennetzen dar, z.B. dem Inter-
net; damit ist seine Funktionalitt der eines GMSC im Sprachver-
kehr vergleichbar. Der GGSN stellt auerdem die DNS- und DHCP-
Funktionalitt fr den mobilen Internetzugang zur Verfgung. Ein
GGSN zu einem fremden GPRS-Netz wird als Border-GGSN be-
zeichnet.
Zwischen BSC und SGSN wird auerdem eine Packet Control Unit (PCU)
eingefhrt, die die Datenpakete (analog zur TRAU fr die Sprachbertra-
gung) aufbereitet. Eine bersicht der Hardwarenderungen zeigt Abb.
2-23.
Der Standard GPRS ist ein bewusster Zwischenschritt zu UMTS, das
ein vollstndig neues Zugangsnetz einfhrt. Damit ist es nicht sinnvoll, ko-
stenintensive nderungen im bestehenden Zugangsnetz etwa eine Hard-
warenderung im BTS vorzunehmen. Aus diesem Grund ist weiterhin
die GSM-Luftschnittstelle mit ihrem physikalischen bertragungslimit
von 22,8 kBit/s je Zeitschlitz (siehe 2.2.4) zu verwenden. Will man den-
noch die Datenbertragungsrate auf ein fr mobile Dienste zumindest aus-
reichendes Ma erhhen, gibt es zwei wesentliche Mglichkeiten: Man
kann entweder bei gegebener Brutto-bertragungsrate durch verringerte
Fehlerkorrektur die Netto-bertragungsrate je Zeitschlitz zu erhhen ver-
suchen oder aber mehrere Zeitschlitze verwenden. Beides ist durch Soft-
warenderungen erreichbar.
Mobilfunk 39
Packet
Switched
Domain (PS)
Circuit
Switched
Domain (CS)

Abb. 2-23: nderungen der Netzinfrastruktur beim bergang auf GPRS
Der GPRS-Standard sieht sowohl das eine, als auch das andere vor: Ent-
sprechend der bertragungsqualitt kann eines von vier verschiedenen
GPRS-Codierungsverfahren (Coding Schemes, CS) verwendet werden, die
sich durch die Anzahl der verwendeten Korrekturbits unterscheiden. Statt
einer einheitlichen bertragungsgeschwindigkeit wie bei CSD sind nun
vier Stufen mglich: Von 9,05 kBit/s (CS-1) bei extrem schlechter ber
13,4 kBit/s (CS-2) und 15,6 kBit/s (CS-3) bis hin zu 21,4 kBit/s (CS-4) je
Zeitschlitz bei extrem guter bertragungsqualitt.
An eine MS knnen dabei im GPRS-Netz prinzipiell bis zu acht Zeit-
schlitze (also alle Zeitschlitze des Frequenzbandes) vergeben werden. Da-
mit ergibt sich ein theoretisches Maximum von 8 Zeitschlitzen zu je 21,4
kBit/s, also 171,2 kBit/s. Die tatschlich erreichbare Datenbertragungsra-
te ist abhngig von drei Einflussgren:
Netzkapazitt: Wie viele Zeitschlitze sind verfgbar?
Multislotklasse: Wie viele Zeitschlitze kann das Endgert verwen-
den?
bertragungsqualitt: Welches Kodierungsschema kann verwendet
werden?
40 Drahtlose Kommunikation
Die Multislotklasse des jeweiligen Endgertes bezeichnet dabei die Anzahl
der fr Up- bzw. Downlink verwendbaren Kanle. Typisch fr derzeitige
GPRS-Endgerte ist die Fhigkeit, 34 Zeitschlitze zum Downlink und 1
2 zum Uplink zu verwenden.
Tabelle 2-1 zeigt die erreichbaren Datenbertragungsraten in Abhngig-
keit von der Anzahl zugewiesener Zeitschlitze und vom verwendeten Ko-
dierungsschema.
Tabelle 2-1: GPRS-Datenbertragungsraten in kBit/s
Zeitschlitze CS-1 CS-2 CS-3 CS-4
1 9,1 13,4 15,6 21,4
2 18,1 26,8 31,2 42,8
3 27,2 40,2 46,8 64,2
4 36,2 53,6 62,4 85,6
5 45,3 67,0 78,0 107,0
6 54,3 80,4 93,6 128,4
7 63,4 93,8 109,2 149,8
8 72,4 107,2 124,8 171,2

Da die bertragungsqualitt mit steigender Entfernung abnimmt, fhrt die
adaptive Fehlerkorrektur im GPRS-Netz im brigen zu dem beachtenswer-
ten Effekt, dass die hchsten Datenbertragungsraten hufig nur in unmit-
telbarer Nhe der Sendestation erzielt werden. Hufig ist dies jedoch noch
nicht einmal ein Problem: Einige Netzbetreiber haben bislang erst CS-1
und CS-2 implementiert.
Darber hinaus von Bedeutung fr die Datenkommunikation ist die F-
higkeit des Endgertes, Sprach- und Datenverbindung gleichzeitig zu
betreiben. Man unterscheidet hier drei Endgerteklassen:
Klasse A: Untersttzt gleichzeitige leitungs- und paketorientierte
bertragung von Sprache und Daten (z.B. Telefongesprch und
GPRS-Datenbertragung),
Klasse B: Untersttzt keine gleichzeitige leitungs- und paketorien-
tierte bertragung (z.B. werden Anrufe whrend einer GPRS-Daten-
bertragung angezeigt, knnen aber nicht angenommen werden oh-
ne die Datenbertragung zu unterbrechen),
Klasse C: Gert muss manuell in Sprach- oder Datenmodus geschal-
tet werden.
Die wesentliche Strke von GPRS liegt in der erstmaligen Mglichkeit,
das Always-On Szenario zu realisieren. In Deutschland verfgen aus
diesem Grund seit 2002 alle Netzbetreiber ber ein GPRS-Netz.
Mobilfunk 41
EDGE
Die Grundidee des Standards EDGE (Enhanced Data Rates for Global
Evolution) ist es, die Leistungsmerkmale eines 3G-Netzes so gut wie mg-
lich zu realisieren, ohne ein neues Netz aufzubauen.
EDGE bietet dabei prinzipiell die bestehenden Datendienste mit hherer
Bandbreite an, leitungsvermittelt als ECSD (Enhanced CSD) und paket-
vermittelt als EGPRS (Enhanced GPRS). Sowohl die Paketvermittlung, als
auch hhere Bandbreiten werden dabei mit begrenzten nderungen an ei-
nem bestehenden 2G-Netz realisiert insbesondere auch im selben Fre-
quenzspektrum. Die Paketvermittlung wird durch ein Mobilvermittlungs-
netz realisiert, das im Wesentlichen der GPRS-Architektur folgt. Fr hhe-
re Bandbreiten im Zugangsnetz verwendet EDGE zunchst anstelle des
GSM-Modulationsverfahrens GMSK (Gaussian Minimum Shift Keying)
das hherwertige Modulationsverfahren 8-PSK (8-Phase Shift Keying).
Darauf aufbauend kommen die von GPRS her bekannten Verfahren zur
Anwendung:
Fr ECSD und EGPRS existiert je ein Satz verschiedener Codie-
rungsverfahren, die abhngig von der bertragungsqualitt gewhlt
werden. Hierbei sind fr ECSD drei und fr EGPRS sechs verschie-
dene Codierungsverfahren verfgbar.
An eine MS knnen prinzipiell bis zu acht Zeitschlitze (also alle
Zeitschlitze des Frequenzbandes) vergeben werden.
Im Ergebnis werden mit EDGE prinzipiell 8 Zeitschlitze zu je 48 kBit/s
mglich, was ein theoretisches Maximum von 384 kBit/s ergibt. Der Vor-
teil gegenber GPRS liegt damit in der hheren Datenbertragungsrate.
Bei EDGE tritt der bereits fr GPRS beschriebene Effekt jedoch noch
deutlicher hervor: In vielen Fllen werden hohe Datenbertragungsraten
nur in rumlicher Nhe zur Sendestation erreicht. Vielerorts mssen also
entweder erheblich mehr Sendestationen aufgestellt werden, oder aber die
Datenbertragungsraten werden im schlechtesten Fall (Randbereich der
Zelle) auf GSM-Niveau verbleiben.
Eine Betrachtung der erforderlichen Infrastruktur ergibt zudem, dass das
vernderte Modulationsverfahren Hardwarenderungen bis auf BTS-Ebene
(z.B. Austausch der Carrier-Unit) erfordert. Eine Nutzung von EDGE ist
angesichts des damit verbundenen Aufwandes und der bevorstehenden
Einfhrung der 3. Mobilfunkgeneration (3G) in Westeuropa eher unwahr-
scheinlich, immerhin knnte EDGE prinzipiell eine Ausweichstrategie fr
Netzbetreiber ohne 3G-Lizenz darstellen. Das erste europische EDGE-
Netz wurde 2003 in Ungarn implementiert.
Fr Netzbetreiber in Lndern, in denen in absehbarer Zeit nicht mit der
Einfhrung von 3G-Technologie zu rechnen ist, kann der EDGE-Standard
42 Drahtlose Kommunikation
dagegen hoch attraktiv sein. Ein weiterer entscheidender Vorteil ist, dass
EDGE nicht nur auf ein GSM/GPRS-Netz, sondern ebenso auf TDMA IS-
136 aufgesetzt werden kann. Insbesondere in Nord-, Mittel- und Sdame-
rika besteht sehr hohes Interesse an dieser Technologie.
UMTS
Whrend UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) in seiner
Einfhrungsversion das Mobilvermittlungsnetz gegenber GPRS weitge-
hend unverndert lsst, stellt es ein vollstndig neues Zugangsnetz bereit:
das UTRAN (UMTS Terrestrial Radio Access Network).
Das quivalent zur GSM-Mobilstation ist in einem UMTS-Netz das UE
(User Equipment). Das UE besteht aus dem unverndert bezeichneten mo-
bilen Endgert (Mobile Equipment, ME) sowie dem USIM (UMTS Subs-
criber Identity Module). Die Sendeleistung eines Endgertes hngt von der
Leistungsklasse ab. Es existieren vier UMTS-Leistungsklassen: 1 (bis 2
W), 2 (bis 0,5 W), 3 (bis 0,25 W) und 4 (bis 0,125 W). Die prinzipiellen
Bestandteile des UE zeigt Abb. 2-24.

Abb. 2-24: Bestandteile des User Equipment
Die USIM-Karte unterscheidet sich gegenber der SIM-Karte vor allem
durch eine deutlich erhhte Speicherkapazitt (mehrere MByte) und durch
eine Przisierung der Zugriffsbedingungen. Fr jede auf der Karte enthal-
tene Datei gilt dabei fr lesenden und schreibenden Zugriff jeweils eine
der Zugriffsbedingungen ALW (Always), PIN (Personal Identification
Number), ADM (Administrative) oder NEV (Never). So kann etwa die
IMSI nach Eingabe der PIN gelesen (Bedingung: PIN), aber nur vom
Netzbetreiber verndert (Bedingung: ADM) werden.
Das GSM-Zugangsnetz setzt sich aus einer Anzahl von BSS zusammen,
die jeweils aus einem BSC und den nachgeordneten BTS bestehen. Dem
BSS entspricht im UTRAN das RNS (Radio Network Subsystem).
Ein RNS besteht dabei aus einem RNC (Radio Network Controller) und
ein oder mehreren Sende-/Empfangsstationen, die als Node B bezeichnet
werden (Abb. 2-25).
Mobilfunk 43

Abb. 2-25: Elemente im GSM/GPRS- (links) und UMTS-Zugangsnetz (rechts)
Wenn auch die Funktionsweise von RNC und Node B teils sehr verschie-
den von derjenigen der GSM-Vorgnger ist, so bleiben die grundstzlichen
Aufgaben dennoch weitgehend erhalten.
Ein Node B fhrt den Funkverkehr von ein bis drei Funkzellen durch
(typischerweise fr alle Sektoren eines Antennenstandortes). Da die hohe
bertragungsrate auf der Luftschnittstelle durch den Einsatz von Code-
multiplex erzielt wird, kommt zu den vom BTS bekannten Aufgaben vor
allem die Kodierung (vor dem Senden) und Dekodierung (nach dem Emp-
fang) mit dem zugewiesenen Spreizcode hinzu, auerdem die Messung der
Signalstrke.
Ein RNC stellt die funktechnische Versorgung aller Zellen eines RNS
sicher. Hierzu gehren neben den vom BSC bekannten Aufgaben insbe-
sondere die Regelung der Sendeleistung (speziell auch derjenigen der
Endgerte) und die Verwaltung und Zuweisung der Spreizcodes. Im Ge-
gensatz zu GSM kann ein RNC nicht nur mit dem jeweils bergeordneten
MSC, sondern auch direkt mit einem anderen RNC kommunizieren. Dies
hat etwa Auswirkungen auf den Handover-Vorgang, der durch Verwen-
dung von Makrodiversitt einen schrittweisen bergang (Softer Hando-
ver) zwischen den Zellen ermglicht. Im Ergebnis werden beim Zell-
wechsel Qualittseinbuen dadurch vermieden, dass das UE unter Um-
stnden ber mehrere Node B gleichzeitig kommuniziert.
Wie schon bei GSM wird die Position eines Nutzers im HLR nicht
durch Angabe der exakten Zelle, sondern nur durch die Location Area I-
dentity (LAI) referenziert. Die Zellen eines MSC sind hierfr in mehrere
Location Areas aufgeteilt. Zum Auffinden eines UE wird auch bei UMTS
ein Paging in allen Zellen der LA vorgenommen. Die Referenzierung der
exakten Zelle wird vor allem deshalb nicht vorgenommen, weil damit jeder
einzelne Zellwechsel ein Location Update erfordern wrde. Dies htte er-
heblichen zustzlichen Signalisierungsaufwand fr die RNC sowie eine
Vielzahl zustzlicher VLR- und HLR-Zugriffe zur Folge. Analog zu den
LA fr die CS-Domne existieren Routing Areas (RA) fr die PS-Domne.
44 Drahtlose Kommunikation
UMTS nutzt den Bereich oberhalb von 1900 MHz und damit ein grund-
stzlich anderes Frequenzspektrum als GSM.
4
Dadurch verbunden mit
einer erheblich besseren Ausnutzung des Spektrums wurde einerseits das
bestehende Kapazittsproblem fr die Zukunft entschrft. Anderseits be-
trachteten zahlreiche Regierungen dies jedoch als willkommene Einnah-
mequelle und versteigerten die Lizenzen fr die Nutzung der einzelnen
UMTS-Frequenzbnder. Hierdurch und durch den Versuch einiger groer
Netzbetreiber (Mobile Network Operators, MNO), durch hohe Gebote
Konkurrenten aus dem Markt zu drngen, kam es bei den Versteigerungen
in einigen Lndern zu einer wenig sinnvollen Preistreiberei. Deutschland
ist mit einem Versteigerungsergebnis von etwa 50 Mrd. Euro ein Muster-
beispiel fr diesen Vorgang; die Ergebnisse der Versteigerung durch die
Regulierungsbehrde fr Post und Telekommunikation (RegTP) im Jahr
2000 zeigt Tabelle 2-2. Statt zu einem unmittelbaren Wettbewerbsvorteil
fr einzelne fhrte dies jedoch vor allem zu einer extrem hohen Kostenbe-
lastung fr alle MNO und dadurch zu einer Lhmung des Mobilfunkmark-
tes, da die ausgegebenen Summen in der Folge fr Netzaufbau, Subventio-
nierung von Endgerten und Marketing nicht mehr verfgbar waren sowie
die Realisierung hoher Nutzungsentgelte durch die MNO zu einer Exi-
stenzfrage fr diese wird.
Tabelle 2-2: Versteigerungsergebnis fr die UMTS-Lizenzen in Deutschland
MNO Frequenzpaare bzw. -bnder Preis (Mrd. DM)
E-Plus 2 FDD, 1 TDD 16,5
Group 3G 2 FDD, 1 TDD 16,6
Vodafone 2 FDD, 1 TDD 16,6
Mobilcom 2 FDD, 1 TDD 16,5
T-Mobil 2 FDD, 1 TDD 16,7
Viag Interkom (jetzt O2) 2 FDD 16,5
Summe 99,4

UMTS nutzt aber nicht nur ein anderes Spektrum, sondern es nutzt das
Spektrum auch auf andere Art und Weise als GSM. Hierbei mssen je
nach dem verwendeten Duplexverfahren (siehe 2.2.3) zunchst zwei
grundstzliche UMTS-Betriebsarten unterschieden werden: FDD und
TDD. Die fr UMTS FDD zur Verfgung stehenden Frequenzbnder, die
paarweise versteigert wurden, zeigt Abb. 2-26. Ein UMTS-Mobilfunknetz
ist zwar in Zellen eingeteilt, die in Pico-, Mikro- und Makrozellen je-
weils mit speziellen Nutzungs- und Leistungscharakteristiken eingeteilt
werden. Die Zellen eines Netzes nutzen jedoch prinzipiell alle dieselben
Frequenzbnder.

4
Eine Ausnahme bildet GSM 1900, mit dem es berschneidungsprobleme gibt.
Mobilfunk 45

Uplink
1920 MHz
1 2
1980 MHz
Downlink
2110 MHz 2170 MHz
5 MHz
12 3 1 2 12 3

Abb. 2-26: UMTS FDD-Frequenzbnder
Die Breite dieser Frequenzbnder betrgt jeweils 5 MHz. Dies ist nicht nur
verglichen mit dem Wert von 200 kHz bei GSM (Abb. 2-9), sondern auch
mit den Werten anderer CDM-basierter Verfahren (z.B. 1,25 MHz bei IS-
95) eine sehr hohe Breite, was auch zu der Bezeichnung W-CDMA (Wide-
band CDMA) fr UMTS gefhrt hat.
Durch die Tatsache, dass alle Nutzer eines Netzes gleichzeitig und ber-
lagernd dasselbe Frequenzband benutzen, erhlt die Kontrolle der Endge-
rt-Sendeleistung in einem CDMA-Netz wie UMTS eine erheblich hhere
Bedeutung als bei den Vorgngersystemen. Einerseits wren die Nutzer
am Rand einer Zelle im Uplink ansonsten benachteiligt gegenber denje-
nigen, die sich nher an der Sende-/Empfangsstation aufhalten und deren
Signal strker empfangen wird (near-far-Effekt). Andererseits ist die St-
rung des eigenen Empfanges (vergleichbar dem Grundrauschen im Hin-
tergrund eines Telefongesprches) proportional zur Sendestrke der ande-
ren Sender im Frequenzband; man spricht dabei vom Verhltnis von Nutz-
signal zu Strsignal (Signal to Noise Ratio, SNR). Die Netzkapazitt hngt
also direkt von den verwendeten Sendeleistungen ab die Verwendung zu
hoher Sendeleistungen fhrt zu einer erheblichen Verringerung der Netz-
kapazitt. Selbst bei optimaler Allokation der Sendeleistungen ist jedoch
bei steigender Teilnehmerzahl in der Zelle irgendwann die Grenze der
Verstndlichkeit des Signals erreicht. Dies fhrt zu einem Effekt, der als
Zellatmung bezeichnet wird: Die UMTS-Zellgre ist whrend des Betrie-
bes variabel je mehr Teilnehmer in einer Zelle senden, umso geringer
wird die rumliche Ausdehnung der Zelle. Abb. 2-27 zeigt ein Beispiel fr
die Zellgre in einem Netzabschnitt bei normalem (links) und extrem ho-
hem Verkehrsaufkommen (rechts).

Abb. 2-27: Netzabschnitt bei normalem und extrem hohem Verkehrsaufkommen
46 Drahtlose Kommunikation
Daher sind bei der Planung eines UMTS-Netzes insbesondere Belastungs-
spitzen zu bercksichtigen, die ansonsten zu geringeren berlappungen
oder sogar unversorgten Gebieten fhren. ber die geschilderten Effekte
hinaus ist zudem die Kontrolle der Node B-Sendestrke zur Vermeidung
von Interferenzen mit Nachbarzellen von Bedeutung.
Whrend in der Betriebsart FDD fr Up- und Downlink je ein Fre-
quenzband verfgbar ist und das Multiplexing darber hinaus nur auf der
Verwendung einer groen Zahl von Spreizcodes die UTRAN-
Spezifikation enthlt 512 primre Scramblingcodes und 64 sekundre Syn-
chronisationscodes beruht, steht in der Betriebsart TDD nur ein Fre-
quenzband zur Verfgung. Auf diesem Frequenzband wird das Duplexing
daher wieder unter Verwendung von Zeitschlitzen realisiert. Dabei werden
einem einzelnen Nutzer alle 15 vorhandenen Zeitschlitze zugeteilt, die die-
ser beliebig zwischen Up- und Downlink aufteilen kann. Durch diese Mg-
lichkeit der asymmetrischen Vergabe der Zeitschlitze ermglicht das Ver-
fahren deutlich hhere bertragungsraten in eine Richtung. Insbesondere
der Zellwechsel wird durch die Verwendung von Zeitschlitzen jedoch
deutlich erschwert, zudem erreicht das Verfahren sehr hohe bertragungs-
raten nur in der Nhe der Basisstation. Die fr UMTS TDD zur Verfgung
stehenden Frequenzbnder, die einzeln und zu erheblich niedrigeren Prei-
sen versteigert wurden, zeigt Abb. 2-28.
1 2 3 4
5 MHz
1900 MHz 1920 MHz 2010 MHz 2025 MHz
5
Lizenzfreie
Anwendungen
5 MHz

Abb. 2-28: UMTS TDD-Frequenzbnder
Die maximal erreichbaren bertragungsraten betragen fr UMTS FDD
symmetrisch 384 kBit/s, fr UMTS TDD asymmetrisch 2 MBit/s. Die tat-
schliche bertragungsrate fr den einzelnen Nutzer ist jedoch sehr ab-
hngig von der Zahl der Nutzer in dieser Zelle. Oder anders herum: Ein
einzelner Nutzer mit hoher Datenbertragungsrate verursacht in einer Zelle
mglicherweise bereits ein Kapazittsproblem. Aus diesem Grund wird ein
MNO meist von vornherein einem einzelnen Nutzer nicht die technisch
mgliche bertragungsrate anbieten. Ein typisches Endkunden-Angebot
wird statt dessen eher im mittleren Bereich, etwa bis 128 kBit/s, liegen.
Nach wie vor ist bei UMTS generell auch noch eine verbindungsorien-
tierte Datenbertragung mit bertragungsraten bis 64 kBit/s mglich.
Unter der Voraussetzung, dass der jeweilige Netzbetreiber sowohl ber
mindestens ein FDD-Frequenzpaar, als auch ber ein TDD-Frequenzband
verfgt, entstehen durch die Kombination der Betriebsarten im Netz drei
UMTS-Zellarten:
Mobilfunk 47
Picozelle: In Rumen mit hoher Nutzerdichte, etwa Flughfen, Mes-
segelnde oder Innenstdte (Indoor/Low Range Outdoor), knnen
fr Nutzer mit geringer Mobilitt (bis 10 km/h) mittels TDD sehr
hohe bertragungsraten (bis 2048 kBit/s asymmetrisch) bereitge-
stellt werden.
Mikrozelle: Im sonstigen stdtischen Bereich (Suburban Outdoor)
knnen fr Nutzer mit mittlerer Mobilitt (bis 120 km/h) mittels
TDD oder FDD hohe bertragungsraten (bis 384 kBit/s) bereitge-
stellt werden.
Makrozelle: Im auerstdtischen Bereich (Rural Outdoor) knnen
fr Nutzer mit hoher Mobilitt (bis 500 km/h) mittels FDD mittlere
bertragungsraten (bis 144 kBit/s) bereitgestellt werden.
Oberhalb der Makrozellen-Ebene ist knftig noch die Worldzellen-Ebene
mit einem satellitengesttzten Zugangsnetz vorgesehen, wofr im UMTS-
Frequenzspektrum die Bnder 19802010 kHz (Uplink) und 21702200
kHz (Downlink) reserviert sind.
UMTS stellt vier Dienstgtekategorien zur Verfgung, denen jeweils
bestimmte Nutzungsszenarien zu Grunde liegen und die durch deren An-
forderungen an die Datenintegritt und an die verzugslose bermittlung
definiert werden:
Klasse A (Conversational) ist fr bidirektionale Dienste fr Anwen-
der vorgesehen, beispielsweise Telefonie, Bildtelefonie, interaktive
Spiele. Hier steht vor allem die verzgerungsfreie bermittlung im
Vordergrund.
Klasse B (Streaming) beschrnkt sich im Gegensatz dazu auf eine
unidirektionale Kommunikation zwischen Anwender und Datenser-
ver, beispielsweise fr Video on Demand, Radio, Bildbertragung.
Hier ist ein stetiger Ablauf der Anwendung auch mit etwas geringe-
ren Anforderungen an die verzgerungsfreie bermittlung mglich.
Klasse C (Interactive) ist fr eine interaktive Kommunikation zwi-
schen Anwender und Datenserver vorgesehen, beispielsweise fr In-
ternetanwendungen oder den Zugriff auf eine firmeninterne Daten-
bank. Hier ist eine hhere Datenintegritt als etwa bei Sprach- oder
Videobertragung erforderlich, die Verzgerung sollte nicht zu stark
sein.
Klasse D (Background) ist fr eine unidirektionale oder auch inter-
aktive Kommunikation niedriger Prioritt zwischen dem Anwender
(oder seinem Endgert) und Datenserver vorgesehen, beispielsweise
Telefaxdienste, Kurznachrichten oder grere, nicht zeitkritische
Downloads. Hier muss die Datenintegritt gewhrleistet sein, die
Verzgerung spielt jedoch eine untergeordnete Rolle.
48 Drahtlose Kommunikation
ber die grundstzlichen Leistungsmerkmale hinaus sind fr UMTS eine
hhere Netzkapazitt (Faktor 4 bis 5 gegenber GSM), eine hhere Akku-
laufzeit fr die Endgerte durch geringere Sendeleistung, optimierte Ab-
lufe bei Rufaufbau und Handover, grere Strungsunempfindlichkeit
gegen Frequenzeinbrche und eine erheblich bessere Kapazittsausnutzung
zu verzeichnen. Ein Beispiel fr letzteres ist, dass bei CDMA bereits dann
eine SNR-Verbesserung eintritt, wenn andere Teilnehmer eine Sprachver-
bindung aufgebaut haben, aber gerade nicht sprechen.
Wie schon bei den Vorgngerstandards unterliegt der UMTS-Standard
fortlaufenden nderungen. Dabei ist insbesondere der Ausbaustand zwi-
schen den MNO nicht einheitlich; zudem sind im Standard viele Details
nicht exakt spezifiziert und unterscheiden sich je nach Implementierung
durch den Infrastrukturhersteller. Der diesem Abschnitt zugrunde liegende
Ausbaustand entspricht einem typischen Stand bei der UMTS-Einfhrung
in Deutschland.
Die Spezifikation wird durch 3GPP in Releases fortgeschrieben. Bei der
Einfhrung entspricht das Netz dabei in weiten Teilen noch dem UMTS
Release 99. Das dann folgende Release 2000 wurde zwischenzeitlich in
Release 4 umbenannt, bis Mitte 2003 wurden weiterhin die Releases 5 und
6 verabschiedet. Zu den bereits spezifizierten knftigen Ausbaustufen ge-
hren etwa die Einfhrung von Media-Gateways (MGW) und das integrier-
te, IPv6-basierte Mobilvermittlungsnetz mit der Zusammenfassung der
MSC und SGSN zu UMSC (UMTS MSC), die in einem CS- oder PS-
Zustand arbeiten knnen. Einen genauen berblick ber die Release-
Unterschiede gibt [5].
Durch die erforderlichen hohen Investitionen fr den Netzaufbau einer-
seits und die gleich bleibend hohe Zahl genutzter GSM/GPRS-Gerte an-
dererseits, wird es in den meisten Lndern noch ber viele Jahre einen Par-
allelbetrieb von 2G- und 3G-Netzen geben. Ein typisches 3G-
Migrationskonzept besteht dabei in einem Multi Access Radio Network,
das eine Kombination aus UMTS in Ballungsrumen, GPRS (oder EDGE)
im brigen Netz und Standard-GSM in Randbereichen vorsieht.
Zusammenfassung
Die Mobilfunknetze der zweiten Generation sind sprachzentriert und vor
allem durch die fehlende paketorientierte Datenbertragung und die zu ge-
ringe Bandbreite fr MC-Anwendungen nur bedingt geeignet.
GPRS stellt die Erweiterung um die Paketvermittlung bereit und bedingt
in der Hauptsache nderungen im NSS. Die bestehenden Elemente des
GSM-NSS werden dabei zur leitungsvermittelten Domne (CS Domain).
Parallel dazu wird eine paketvermittelte Domne (PS Domain) aufgebaut,
Mobilfunk 49
ber die ab dem BSC der Datenverkehr geleitet wird. Die paketvermittelte
Domne besteht aus zwei neuen Elementen: dem GPRS-Vermittlungskno-
ten (SGSN) mit MSC-VLR Funktionalitt und dem GPRS-berleitknoten
(GGSN) als Schnittstelle zu anderen Datennetzen. Zwischen BSC und
SGSN ist eine Packet Control Unit (PCU) zur Aufbereitung der Datenpa-
kete erforderlich. Zur Erhhung der Datenbertragungsraten verwendet
GPRS je nach bertragungsqualitt verschiedene Codierungsverfahren
(CS), wodurch pro Zeitschlitz mehr Nutzdaten bertragen werden knnen,
und vergibt soweit frei bis zu 8 Zeitschlitze an eine MS. Die maximale
bertragungsrate betrgt 171,2 kBit/s.
EDGE realisiert sowohl Paketvermittlung, als auch hhere Bandbreiten
auf der Luftschnittstelle mit begrenzten nderungen an einem bestehenden
2G-Netz (GSM/GPRS oder TDMA IS-136). Hierbei werden leitungsver-
mittelte Dienste (ECSD) und paketvermittelte Dienste (EGPRS) realisiert,
indem ein GPRS-hnliches Mobilvermittlungsnetz aufgebaut wird. Analog
zu GPRS werden verschiedene Codierungsverfahren verwendet und bis zu
8 Zeitschlitze zugewiesen. Zustzlich wird ein hherwertiges Modulations-
verfahren verwendet. Die hierdurch erzielbare maximale Datenrate von 384
kBit/s wird jedoch allenfalls in Nhe der Basisstationen erreicht, zudem er-
fordert EDGE aufwndige Hardwarenderungen im Netz.
UMTS setzt auf ein GPRS-Netz auf und fgt ein vollstndig neues Zu-
gangsnetz (UTRAN) hinzu, das in einem neuen Frequenzspektrum und un-
ter Verwendung von CDMA bertragungsraten von bis zu 384 kBit/s
(symmetrisch in der Betriebsart FDD) bzw. 2 MBit/s (asymmetrisch in der
Betriebsart TDD) erzielt. Die Zellen eines Netzes verwenden prinzipiell
dasselbe Frequenzband; ihre Gre ist variabel und von der Nutzerzahl ab-
hngig. Die maximale bertragungsrate hngt von der Art der Zelle, der
Mobilitt des Nutzers und der Anzahl der Nutzer in dieser Zelle ab. Ele-
mente im UTRAN sind das UE des Nutzers mit der USIM-Karte sowie die
einzelnen Funknetze (RNS) mit je einer Steuerungseinheit (RNC) und einer
Anzahl Sende-/Empfangsstationen (Node B). Ein typisches 3G-Migrations-
konzept besteht in einem Multi Access Radio Network, das eine Kombina-
tion aus UMTS in Ballungsrumen, GPRS (oder EDGE) im brigen Netz
und Standard-GSM in Randbereichen vorsieht.
Kontrollfragen
(15) Ein Wirtschaftsmagazin analysiert den deutschen MNO-Markt. Der
Artikel zieht das Fazit, dass es rein wirtschaftlich betrachtet auf-
grund des hohen Preises der UMTS-Lizenzen besser gewesen wre,
wenn die MNO nicht auch noch viel Geld in den Aufbau von GPRS-
Netzen investiert und sich statt dessen auf den UMTS-Aufbau zum
frhest mglichen Zeitpunkt konzentriert htten. Irrt der Journalist?
50 Drahtlose Kommunikation
(16) Ihre Firma ist ein MNO, der in einem europischen Land ein GSM-
Netz betreibt. Der Vorschlag einer Unternehmensberatung lautet, dass
sich Ihr Unternehmen durch ein EDGE-Netz bereits jetzt einen Wett-
bewerbsvorteil verschafft und die Premium-Kunden gewinnt, bevor
die Konkurrenten etwa ein Jahr spter UMTS einfhren knnen. Mit
etwas Verzgerung soll ihre Firma dann ebenfalls UMTS anbieten, da
ein spterer Netzaufbau ohnehin gnstiger sei. Nehmen Sie Stellung.
2.3 Wireless LAN
Eine mobile elektronische Kommunikationstechnik auf lokaler Ebene ist
Wireless LAN (WLAN). Teilweise als Sammelbegriff fr jede durch draht-
lose Technologie realisierte lokale Vernetzung zu finden, bezeichnet der
Begriff WLAN jedoch eigentlich ein drahtloses lokales Netz nach einer
der IEEE 802.11 Spezifikationen. Die Spezifikationen erstrecken sich auf
die Ebenen 1 und 2 des ISO/OSI-Referenzmodells und sind damit der E-
thernet-Spezifikation IEEE 802.3 vergleichbar.
Der marktbeherrschende Standard ist IEEE 802.11b aus dem Jahr 1999.
Die Spezifikation erlaubt eine maximale Datenrate von 11 MBit/s auf dem
2,4 GHz-Band, das weltweit lizenzfrei ist. Mitte 2003 wurde der Standard
IEEE 802.11g verabschiedet, der bei Abwrtskompatibilitt deutlich hhe-
re Datenraten auf demselben Band ermglicht. Weitere wichtige bertra-
gungsstandards zeigt Tabelle 2-3; die Datenrate bezieht sich hierbei stets
auf den Access Point, nicht auf den einzelnen Teilnehmer. Zu diesen Stan-
dards kommen eine Reihe von Erweiterungen, Anpassungen und Korrektu-
ren (z.B. 802.11d, e, f) sowie Sicherheitsstandards (802.11i, 802.1X).
Tabelle 2-3: Wichtige bertragungsstandards der IEEE 802.11-Spezifikationen
Standard Band Max. Datenrate
802.11 2,4 GHz 2 MBit/s
802.11a 5 GHz 54 MBit/s
802.11b 2,4 GHz 11 MBit/s
802.11g 2,4 GHz 54 MBit/s
Die Sendeleistung im WLAN betrgt 100 mW, die typische Reichweite
zwischen 30 innerhalb und 300 Meter auerhalb von Gebuden aller-
dings stark abhngig von den rumlichen Verhltnissen. Mittels gerichteter
Antennen knnen Reichweiten von einigen Kilometern erzielt werden.
Der Zugang erfolgt fr mobile Endgerte typischerweise ber eine Er-
weiterungskarte im PCMCIA- oder CF-Format. Nachdem bei Laptop-
Computern inzwischen bereits hufig ein integriertes WLAN-Modul zur
Wireless LAN 51
Standardausstattung gehrt, ist dies knftig auch in mobilen Endgerten
denkbar. WLAN ermglicht prinzipiell zwei Modi der Vernetzung (Abb.
2-29):
Infrastruktur-Modus: Sternfrmiges LAN um einen Funk-Zu-
gangsknoten (Access-Point); die Zellen mehrerer Knoten knnen
verbunden werden. Einen Zellwechsel bezeichnet man hierbei als
Roaming.
5

Ad-hoc Modus: Peer-to-Peer Vernetzung von Endgerten unter-
einander.
Access Point Access Point

Abb. 2-29: WLAN im Infrastruktur-Modus (links) bzw. Ad-hoc Modus (rechts)
Die Wireless LAN-Technologie ist insbesondere geeignet, um mit einem
oder mehreren Zugangsknoten ein Funknetz in einem rumlich eng um-
grenzten Bereich aufzuspannen. Typische Anwendungsbeispiele sind etwa
der drahtlose Intranet-Zugang auf einem Firmengelnde oder der drahtlose
Internet-Zugang an so genannten Hot Spots. Hot Spots sind Orte, an denen
viele Nutzer auf engem Raum zu finden sind, etwa Innenstdte, Flughfen,
Hotels, Messehallen usw., man bezeichnet auch die Zugangsknoten damit.
Schwierigkeiten liegen vor allem in der Sicherheit der Datenbertragung
und im B2C-Bereich auch in der Bereitstellung und Abrechnung eines f-
fentlichen Zuganges. Erste Pilotprojekte in Deutschland, im ffentlichen
Raum Internet-Zugang mittels Wireless LAN bereitzustellen und abzu-
rechnen, betrieben 2002 der Mobilfunkanbieter Mobilcom auf der Hanno-
ver Messe Industrie und das Projekt [Link] in Mnchen. Mitte 2003
gab es bereits eine Reihe von kommerziellen Anbietern in zahlreichen
deutschen Stdten, die insgesamt etwa 700 einzelne WLAN-Zugangsnetze
bereitstellten. Dies geschieht typischerweise entweder kostenlos zur Kun-
denbindung (z.B. fr Premium-Kunden einer Fluglinie), gebndelt mit ei-
ner anderen Leistung (z.B. Hotelbernachtung) oder durch Verkauf vor-
ausbezahlter Gutscheine (Prepaid-Voucher). Eine einheitliche nachgela-

5
Der Begriff des Roaming im WLAN ist nicht identisch mit dem des Roaming
im Mobilfunk, sondern entspricht dort dem Handover. Der Begriff wird hufig
falsch verwendet.
52 Drahtlose Kommunikation
gerte Abrechnung (Postpaid) fr die Inanspruchnahme verschiedener Zu-
gangsnetze knnte knftig mglicherweise durch Zusammenarbeit der
WLAN-Netzbetreiber mit Grokundenbesitzern, die ber eine bestehen-
de Abrechnungsbeziehung zu vielen Kunden verfgen (z.B. Kreditkarten-
unternehmen oder MNO), realisiert werden. Weltweit sind derzeit etwa
17 000 Zugangsnetze verfgbar, davon etwa die Hlfte in Sdkorea.
Prinzipiell ist die Verwendung der WLAN-Technologie nicht auf den
LAN-Bereich beschrnkt. Es ist durchaus mglich, dass an den Hot Spots
knftig eine Konkurrenzsituation zwischen dem UMTS-Zugang des Mo-
bilfunkbetreibers und dem WLAN-Zugang eines anderen Netzanbieters,
etwa der Flughafengesellschaft (oder eines spezialisierten WLAN-Anbie-
ters, der mit dieser eine Vertragsbeziehung unterhlt), entsteht, oder aber
eine knftige WAN-Struktur fr die Datenanbindung mobiler Endgerte
sowohl Mobilfunkzellen, als auch WLAN-Zellen enthlt. Fr die letztere
Entwicklung spricht das stark steigende Interesse der Mobilfunkanbieter
an dieser Technologie, zumal es bereits erfolgreiche Entwicklungen von
Roaming- bzw. Handover-Techniken zwischen Mobilfunk- und WLAN-
Netzen gibt.
Auf der Ebene lokaler Vernetzung sind zwei wesentliche konkurrieren-
de Technologien zu nennen: HIPERLAN und HomeRF.
Der Standard HIPERLAN (High Performance Radio Local Area Net-
work) ist ein europisches quivalent zu IEEE 802.11, das unter Federfh-
rung des ETSI entwickelt wurde. HIPERLAN/1 wurde im Jahr 1996 verf-
fentlicht und ermglicht eine Datenrate bis 23,5 MBit/s auf dem 5 GHz-
Band (51205300 MHz), die typische Reichweite betrgt 50 Meter. Der
Nachfolgestandard HIPERLAN/2 aus dem Jahr 2000 ermglicht eine Da-
tenrate bis 54 MBit/s ebenfalls auf dem 5 GHz-Band (51505350 oder
54705725 MHz), die typische Reichweite betrgt 30 Meter in Gebuden,
150 Meter auerhalb. Obschon HIPERLAN verschiedene innovative An-
stze verfolgt und sich insbesondere zum Aufbau komplexer Netze sehr
gut eignet, ist die Zukunft dieses Standards durch die international markt-
beherrschende Stellung von IEEE 802.11 sehr fraglich.
Der Industriestandard HomeRF (Home Radio Frequency) hat die einfa-
che, kostengnstige Vernetzung von Heim- und Haushaltsgerten zum
Ziel. Die zugehrige Spezifikation ist das Shared Wireless Access Protocol
(SWAP), das von der HomeRF Working Group erarbeitet wurde. HomeRF
ermglicht eine Datenrate bis 20 MBit/s auf dem 2,4 GHz-Band, die typi-
sche Reichweite betrgt 50 Meter. Dabei handelt es sich einerseits um eine
vollstndige LAN-Technologie zur Rechnervernetzung, andererseits ist
ebenso eine vollstndige, mehrbenutzerfhige Telefonie- bzw. Sprachber-
tragungsfunktionalitt auf DECT-Basis vorhanden. Die HomeRF Working
Group, bestehend aus mehr als 100 Firmen aus den verschiedensten Berei-
Bluetooth, IrDA 53
chen, hatte sich nur die Erarbeitung dieses Standards zum Ziel gesetzt und
lste sich Anfang 2003 wieder auf. Die mgliche Zukunft von HomeRF
liegt vor allem im Bereich der Unterhaltungselektronik.
Zusammenfassung
Als Wireless LAN (WLAN) bezeichnet man eine durch drahtlose Technolo-
gie realisierte lokale Vernetzung nach den IEEE 802.11 Spezifikationen.
Hierbei wird typischerweise eine sternfrmige Vernetzung um Zugangs-
knoten (Access-Point) realisiert, alternativ ist auch ein Betriebsmodus vor-
gesehen, bei dem sich Endgerte direkt miteinander vernetzen (Peer-to-
Peer Vernetzung).
Derzeit ist WLAN im Wesentlichen im LAN-Bereich von Bedeutung,
etwa um einen drahtlosen Intranetzugang auf dem Firmengelnde oder ei-
nen Internetzugang fr Hotelgste zu ermglichen. Knftig ist an so ge-
nannten Hot Spots eine Konkurrenzsituation zur Datenanbindung ber Mo-
bilfunk mglich, ebenso ist jedoch auch die Integration von WLAN-Zellen
in Mobilfunknetze denkbar.
Konkurrierende Technologien sind das europische WLAN-quivalent
HIPERLAN, das teilweise durch bessere Lsungen berzeugt, sowie das
kostengnstige HomeRF fr den Heimbereich. Aufgrund der international
marktbeherrschenden Stellung von IEEE 802.11 ist die Zukunft anderer
Standards im Bereich drahtloser lokaler Netze jedoch fraglich.
Kontrollfragen
(17) Erlutern Sie den Begriff WLAN und die derzeitige Bedeutung dieser
Technologie. Welches Potential besteht fr die Zukunft?
2.4 Bluetooth, IrDA
Eine Ebene unterhalb lokaler Vernetzung spricht man vom Personal Area
Network (PAN). Hier geht es im Wesentlichen darum, Endgerte miteinan-
der oder mit Peripheriegerten zu vernetzen. Fr Technologien auf dieser
Ebene ist typischerweise eine relativ geringe Reichweite ausreichend. Im
Vordergrund stehen dagegen die Akkuproblematik der ME, der Kosten-
aspekt und ein geringer Konfigurationsaufwand. Typische Anwendungs-
beispiele sind die Verbindung von einem Handheld-Computer zu einem
Mobiltelefon, das diesem als Modem dient, oder zu einem Drucker. Eben-
so typisch wre eine Verbindung zweier Handheld-Computer miteinander
zum Datenaustausch oder eines Mobiltelefons mit einem Verkaufs- oder
Kassenautomaten zum Zwecke des Bezahlens mit elektronischen Mnzen.
54 Drahtlose Kommunikation
Ebenfalls typisch sind drahtlose Headsets fr Mobiltelefone, Druckerver-
bindungen fr Digitalkameras und die Vernetzung von Gerten im Haus-
halt oder Auto.
Die am meisten verbreiteten Technologien hierfr sind Bluetooth und
IrDA. In beiden Fllen handelt es sich um Standards, die von der Industrie
ins Leben gerufen wurden.
Bluetooth ist eine Funktechnik, die wie WLAN zur bertragung den
2,4 GHz-Bereich (24002483,5 MHz) nutzt, die Sendeleistung betrgt 800
mW. Standardmig steht eine Reichweite bis zu 10 Metern zur Verf-
gung, innerhalb derer eine Datenbertragungsrate bis zu 1 MBit/s genutzt
werden kann. Sowohl bei der Reichweite, als auch bei der Datenbertra-
gungsrate existieren allerdings bereits Techniken, die deutlich ber diese
Standardwerte hinausgehen. Bluetooth ermglicht den Aufbau einer Ad-
hoc Kommunikationsverbindung. Dabei erklrt sich ein Gert zum Master
und bietet anderen Gerten innerhalb der Funkreichweite eine sternfrmige
Vernetzung an. Bis zu 7 Gerte knnen sich nun zum Slave erklren und
an der Vernetzung teilnehmen. Das entstehende Netz wird als Piconet be-
zeichnet. Nehmen Gerte gleichzeitig an mehreren Piconets teil, so wird
das resultierende Gesamtnetz als Scatternet, das aus mehreren Piconets be-
steht, bezeichnet (Abb. 2-30). Ein Gert kann innerhalb des Scatternet
durchaus in einem Piconet als Slave und in einem anderen als Master agie-
ren, womit eine hierarchische (baumfrmige) Vernetzung mglich wird.

Abb. 2-30: Bluetooth im Piconet (links) bzw. Scatternet (rechts)
Die Technologie ist auch fr sehr kleine Endgerte geeignet: Ein Blue-
tooth-Modul kommt heute bereits mit weniger Flche als eine 5-Cent-
Mnze aus, der Stromverbrauch ist relativ gering. Die Datenbertragung
kann verschlsselt werden. Die Bluetooth Special Interest Group (BSIG)
wurde 1998 von Ericsson, IBM, Intel, Nokia und Toshiba gegrndet. In-
zwischen besteht die BSIG aus 2500 Mitgliedern, darunter Firmen wie
Microsoft und Motorola. Bluetooth gilt als Schlsseltechnologie fr die
spontane Vernetzung ein Konzept, das im Zusammenhang mit dem Ubi-
quitous Computing noch nher betrachtet wird.
Bluetooth, IrDA 55
IrDA DATA, hufig kurz als IrDA bezeichnet, ist ein Standard zur Daten-
bertragung mittels Infrarotlicht. Diese bertragungsart ist im Gegensatz
zu Funktechnologien immun gegen elektromagnetische Einflsse, kann
aber durch andere Lichtquellen, Streuung oder Reflexion gestrt werden.
Sie bietet eine relativ hohe Abhrsicherheit, da zur Nutzung die Infrarot-
schnittstellen der Gerte aufeinander ausgerichtet sein mssen und eine
Sichtlinie erforderlich ist. Die Reichweite betrgt 1-2 Meter, die Daten-
bertragungsrate bis zu 115,2 kBit/s (Serial Infrared, SIR). SIR beruht auf
dem Standard IrDA 1.0 von 1994, dem 1995 IrDA 1.1 mit bis zu 4 MBit/s
(Fast Infrared, FIR) und 1999 IrDA 1.2 mit bis zu 16 MBit/s (Very Fast
Infrared, VFIR) folgten, wobei im Wesentlichen jeweils ein anderes Mo-
dulationsverfahren zum Einsatz kam. Eine Verschlsselung ist nicht vor-
gesehen. Die Technologie ist sowohl bei Mobiltelefonen, als auch bei
Handheld-Computern und vielen anderen Gerten seit einigen Jahren der
am weitesten verbreitete Standard, wobei SIR typischerweise ausreichend
ist und noch immer dominiert. Obschon eine Vernetzung mehrerer Gerte
mglich ist, bleibt das typische Einsatzszenario die 1:1-Verbindung zweier
Gerte, wobei zwischen diesen dann mehrere logische Kanle zur Verf-
gung stehen. IrDA-Baugruppen sind sehr kostengnstig herstellbar. Die
Infrared Data Association (IrDA) wurde 1993 gegrndet und hat seither
verschiedene Standards fr die Datenbertragung mittels Infrarot verab-
schiedet. Die bei der BSIG genannten Firmen (mit Ausnahme von IBM)
sind ebenfalls Mitglieder der IrDA, auerdem eine Reihe weiterer Techno-
logiefirmen, darunter die meisten Endgertehersteller. Fhrende Rollen
spielen interessanterweise aber ebenso Firmen wie z.B. der MNO NTT
DoCoMo und die Kreditkartenorganisation VISA International.
Auf der Ebene persnlicher Vernetzung wurde Mitte 2003 schlielich auch
von der IEEE ein konkurrierender Standard verabschiedet: Wireless PAN
(WPAN) nach der Spezifikation IEEE 802.15.3 ist wie WLAN und Blue-
tooth eine Funktechnik im 2,4 GHz-Bereich und soll auf kurze Distanzen
Datenbertragungsraten bis zu 55 MBit/s und auf weitere Entfernung (bis
100 Meter) bis zu 22 MBit/s ermglichen. Die Zukunft dieses Standards,
der insbesondere auf Multimedia-Anwendungen zielt, bleibt abzuwarten.
Zusammenfassung
Bluetooth und IrDA DATA sind Industriestandards zur drahtlosen Daten-
bertragung auf der PAN-Ebene. Sie dienen der Vernetzung von Endger-
ten miteinander oder mit Peripheriegerten. Whrend Bluetooth auf Funk-
technologie beruht, findet bei IrDA eine bertragung mittels Infrarotlicht
statt. Beide Technologien finden auch in sehr kleinen Endgerten Platz.
56 Drahtlose Kommunikation
Kontrollfragen
(18) Auf einem mobilen Endgert sei eine Kino-Eintrittskarte gespeichert.
Nennen Sie einen praktischen Unterschied an einer automatischen Zu-
trittskontrolle, wenn das Endgert mit dieser ber Bluetooth bzw. ber
IrDA kommuniziert.
Literaturhinweise
[1] Lehner, F.: Mobile und drahtlose Informationssysteme. Springer, Hei-
delberg 2002.
[2] Lescuyer, P.: UMTS - Grundlagen, Architektur und Standard.
Dpunkt, Heidelberg 2002.
[3] Roth, J.: Mobile Computing Grundlagen, Technik, Konzepte.
Dpunkt, Heidelberg 2002.
Internetquellen
[4] Internetangebot des ETSI:
[Link]
[5] Internetangebot des Third Generation Partnership Project (3GPP):
[Link]
[6] Internetangebot des Institute of Electrical and Electronics Engineers
(IEEE):
[Link]
[7] Internetangebot der Bluetooth Special Interest Group (BSIG):
[Link]
[8] Internetangebot der Infrared Data Association (IrDA):
[Link]
[9] [Link] empfehlenswertes, privat betriebenes Informationsan-
gebot zur Mobilfunktechnik:
[Link]
Bluetooth, IrDA 57


3 Mobile Endgerte
3.1 Grundlagen und Begriffe
Nach den mobilen elektronischen Kommunikationstechniken stehen nun
die mobilen Endgerte im Mittelpunkt der Betrachtung. In Kapitel 1 wurde
bereits ausgefhrt, dass man unter einem mobilen Endgert all diejenigen
Endgerte versteht, die fr den mobilen Einsatz konzipiert sind. Deren
Spektrum beginnt bei beliebig kleinen, mglicherweise in Alltagsgerte
eingebetteten Elementen und fhrt ber verschiedenste Arten von Mobilte-
lefonen bis hin zu Handheld-Gerten und Tablet-PC. Der Laptop-PC ist
hierbei ausdrcklich ausgeschlossen. Zwar ist dieses Gert auf den Einsatz
an wechselnden Orten hin optimiert. Auch kann ohne vorhandene feste In-
frastruktur gearbeitet werden, d.h. mit eigener Stromversorgung und ggf.
auch mobiler Datenanbindung ber eine der in Kapitel 2 geschilderten
Techniken. Der Einsatz des Gertes bleibt jedoch dem Charakter nach ein
stationrer Einsatz. Es handelt sich hier um einen Arbeitsplatzrechner, der
einfach verbracht werden kann, jedoch whrend dieses Vorganges typi-
scherweise nicht verwendet wird und vor allem wesentliche Eigenschaften
mobiler Endgerte nicht teilt. Beispiele sind die typische 1:1 Gert-
Nutzerzuordnung und der mobile Mehrwert der Allgegenwrtigkeit (siehe
Abschnitt 8.2). Ein Nutzer, der an einer Bushaltestelle steht und mit sei-
nem Laptop Internet-Transaktionen ausfhrt, wird sicherlich die Ausnah-
me bleiben. Tablet-PC sind ein Grenzfall, da sie sowohl wie ein Arbeits-
platzrechner, als auch in vielen Einsatzszenarien (z.B. Inventur oder Ver-
kaufsuntersttzung) wie ein mobiles Endgert verwendet werden knnen.
Sie werden in diesem Kapitel nicht als eigener Typus mobiler Endgerte
betrachtet, eher als eine Abwandlung kleinerer Handheld-Gerte.
In diesem Kapitel werden zunchst Betrachtungen zum Grundverstnd-
nis mobiler Endgerte angestellt. Hierzu werden in Abschnitt 3.2 die Kon-
zepte des Ubiquitous Computing eingefhrt. Schlsseltechnologien wie
immer kleinere, leichtere und leistungsfhigere Prozessoren, Sensoren,
Displays und Kommunikationsmodule ermglichen nicht nur das Entste-
hen mobiler Endgerte in der heutigen Form, sondern ermglichen auch
weiterfhrende Konzepte und ffnen den Blick auf neue Nutzungsarten
Ubiquitous Computing 59
und -mglichkeiten im Mobile Commerce der Zukunft. Abschnitt 3.3 zeigt
die derzeit relevanten Endgertekategorien auf und differenziert diese nach
ihrer Funktionalitt und den Mglichkeiten zur Benutzerinteraktion. In der
Hauptsache handelt es sich hier um Mobiltelefon, Smartphone und Perso-
nal Digital Assistant (PDA).
3.2 Ubiquitous Computing
Der Begriff des Ubiquitous Computing (UC) leitet sich aus dem englischen
Begriff ubiquitous (allgegenwrtig) her. Computer werden dabei zwar
allgegenwrtig, treten aber gleichzeitig in den Hintergrund, indem sie mit
Alltagsgegenstnden verschmelzen und nicht mehr ohne weiteres als
Computer erkennbar sind (Background Assistance). Ein Beispiel hierfr
knnte ein elektronischer Notizblock sein, der sich dem Benutzer gegen-
ber wie Papier mit erweiterten Eigenschaften verhlt (digitales Papier).
Die dem UC verwandten Schlagworte Disappearing Computer und Com-
puting without Computers beschreiben ebenfalls die Tendenz zum ver-
schwindenden Computer, whrend Pervasive Computing auf das Eindrin-
gen der Computertechnologie in alle Lebensbereiche zielt.
Diese Allgegenwrtigkeit, die in Abschnitt 8.2 auch als charakteristische
Eigenschaft mobiler Lsungen festgestellt werden wird, hat dabei zwei
Seiten: Auf eine Person bezogen, ist dies die Ultra-Portabilitt, die Mg-
lichkeit, IT berall hin mitzunehmen. Beispiele hierfr sind der PDA, das
Mobiltelefon, Smart Cards oder in Kleidungsstcke integrierte bzw. am
Krper tragbare Mikrochips (Wearable Computing). Auf ein Informations-
system bezogen, ist dies die Tatsache, dass IT berall vorhanden ist. Dies
gilt vor allem fr eingebettete Systeme (Embedded Systems) wie etwa die
ABS-Elektronik, die Airbag-Steuerung oder die Steuerungselektronik fr
ein elektronisches Stabilittsprogramm (ESP) in Kraftfahrzeugen.
Damit einher gehen zwei Tendenzen in der Nutzung von Computern
und in der Bedeutung des Internet: In den ersten Jahrzehnten der Compu-
tertechnologie arbeiteten viele Benutzer an einem Grorechner. In den
1980er Jahren verfgte dann jeder Benutzer ber seinen eigenen Arbeits-
platzrechner, den Personal Computer. UC fhrt diese Linie fort in Zu-
kunft wird jeder Benutzer ber viele Computer verfgen. Die Verbreitung
des Mobiltelefons etwa weist bereits deutlich in diese Richtung. Heute
vernetzt das Internet alle Computer. Wenn Alltagsgegenstnde IT-Funk-
tionalitt erhalten wird das Internet morgen alle Gegenstnde vernetzen?
60 Mobile Endgerte
Realisiert wird dies vor allem durch drei technologische Entwicklungen,
nmlich den immer kleiner, leichter und leistungsfhiger werdenden
Prozessoren,
Sensoren und Displays,
Modulen zur drahtlosen Kommunikation.
Gleichzeitig werden die Baugruppen immer kostengnstiger herstellbar.
Diese UC-Technologien sind Schlsseltechnologien fr den Mobile Com-
merce.
Von einem der Pioniere des Ubiquitous Computing, Marc Weiser,
stammt die berlegung, dass die tiefgreifendsten Auswirkungen durch die-
jenigen Technologien verursacht werden, die aus unserer Wahrnehmung
verschwinden. Diese werden so sehr zum Bestandteil des alltglichen Le-
bens, dass sie schlielich nicht mehr von diesem unterscheidbar sind.
Denkt man das Konzept der Verschmelzung mit Alltagsgegenstnden wei-
ter, knnte schlielich nahezu jedes Objekt einen Computer enthalten, der
gewisse Daten ermitteln und verarbeiten kann sowie mit Netzwerkfunktio-
nalitt ausgestattet ist. Bekannte Anwendungsbeispiele sind der Khl-
schrank, der ber das Internet selbst nachbestellt (oder zumindest dem
Nutzer Nachbestellungen per E-Mail oder SMS vorschlgt), elektrische
Gerte, die stndig ihre Wartungsdaten berprfen und ggf. proaktiv einen
Techniker mit einem Ersatzteil anfordern oder Kinderkleidung, die im Be-
darfsfall eine Notfallmeldung mit dem aktuellen Standort bermittelt.
Doch nicht nur die Vernetzung mit dem und ber das Internet ist im UC
von Bedeutung. Ebenso wichtig ist das Konzept der spontanen Vernetzung.
Hierbei erkennen Gerte selbstndig andere Gerte in ihrer Umgebung,
tauschen Daten aus und bilden mit ihnen ein Ad-hoc Netzwerk.
Technisch gesehen funktioniert dies nach dem Client-Server-Prinzip:
Auf Basis drahtloser Kommunikation (z.B. Bluetooth) wird zunchst ein
Lookup durchgefhrt um festzustellen, welche Dienste von anderen Ger-
ten in der Umgebung angeboten werden. Die derzeit wichtigsten Realisie-
rungstechniken zur spontanen Vernetzung sind Jini, eine Java-basierte
Technologie
6
und UPnP (Universal Plug and Play).
Ein letztes Konzept, das im Zusammenhang mit dem UC vorgestellt
werden soll, ist das der virtuellen quivalente fr reale Dinge. Die Idee ist,
dass ein Gegenstand einen Schatten hat, der durch eine Webseite reali-
siert wird. Diese enthlt etwa weiterfhrende Informationen (z.B. ber ein
Produkt) oder dient als Gedchtnis (z.B. der Reisewege eines Koffers oder
der Besitzer-/Ersatzteil-/Wartungshistorie eines Gertes).

6
Jini wird hufig als Java Intelligent Networking Infrastructure referenziert, ist
jedoch gem Sun Microsystems ein Eigenname und keine Abkrzung.
Ubiquitous Computing 61
Ein Anwendungsbeispiel, das in den USA bereits existiert, ist die Cue-
Cat. Hierbei handelt es sich um einen Handscanner, der mittels eines Bar-
codes in einer Zeitschriftenanzeige einen automatischen Aufruf der zuge-
hrigen Webseite veranlasst (das Gert wurde kostenlos an mehrere Mil-
lionen Haushalte verteilt und das Verfahren patentiert). Ebenso denkbar
wre es, whrend des Einkaufs Produktinformationen unter Verwendung
eines Barcodelesers im PDA oder Mobiltelefon durch Aufruf einer Web-
seite bereitzustellen.
Als Ergebnis des UC kann festgehalten werden, dass Alltagsgegenstn-
de um IT-Funktionalitten erweitert werden und sich in gewissen Grenzen
situationsabhngig, kontextsensitiv, verhalten knnen. Man spricht von
Gegenstnden mit dieser Fhigkeit als Smart Objects.
Zusammenfassung
Ubiquitous Computing (UC) bezeichnet den Einzug der Computertechnik
in alle Lebensbereiche. Computer werden dabei allgegenwrtig, treten aber
gleichzeitig in den Hintergrund, indem sie mit Alltagsgegenstnden ver-
schmelzen. Diese Alltagsgegenstnde werden damit zu Smart Objects, die
sich in gewissen Grenzen kontextsensitiv verhalten knnen.
Dies wird vor allem mglich durch die fortschreitende Miniaturisierung
von Prozessoren, Sensoren/Displays und Modulen zur drahtlosen Kommu-
nikation. Hierbei handelt es sich um Schlsseltechnologien fr den Mobile
Commerce.
Zwei wichtige Konzepte des UC sind das Konzept der spontanen Ver-
netzung, bei dem Gerte selbstndig Ad-hoc Netzwerke mit anderen Ger-
ten bilden sowie das Konzept der virtuellen quivalente fr reale Dinge,
bei welchem einem Gegenstand ein Speicherort im Internet zugeordnet
wird, der ihn betreffende Informationen enthlt.
Kontrollfragen
(19) Nehmen Sie an, eine Bro-Kaffeetasse wre ein Smart Object. Wel-
che Informationen knnte ein virtuelles quivalent enthalten? Wo-
durch knnen diese Informationen ermittelt werden und wozu sind sie
beispielsweise nutzbar? Welche Anwendungen fr spontane Vernet-
zung wren denkbar?

62 Mobile Endgerte
3.3 Kategorien mobiler Endgerte
In den folgenden Abschnitten werden die derzeit relevanten Endgerteka-
tegorien aufgezeigt. In der Hauptsache handelt es sich hier um Mobiltele-
fon, Smartphone und Personal Digital Assistant (PDA). Zustzlich gibt es
weitere mobile Endgerte, dies knnen weitere Handheld-Gerte oder etwa
der angesprochene Tablet-PC sein, sowie Gerte fr bestimmte Einsatz-
zwecke, die (hufig in Kleinserie) speziell fr diesen Einsatzzweck oder
auch fr den Einsatz in einem bestimmten Unternehmen gefertigt werden.
Die Gerte werden dabei nach ihren MC-relevanten Schnittstellen, mit-
hin ihrer Funktionalitt und den Mglichkeiten zur Benutzerinteraktion
differenziert. Hierbei wird nach vier Eigenschaften gegliedert, die jeweils
typische Realisierungsformen von MC-Anwendungen ermglichen (fr
Details der einzelnen Technologien siehe Kapitel 5):
Sprachfunktion, Nutzung von IVR (Interactive Voice Response),
Fhigkeit zum Versand und Empfang von Kurznachrichten (Short
Message Service, SMS),
Fhigkeit zum Internetzugang mittels WAP-Microbrowser (Wireless
Application Protocol),
Fhigkeit zur Ausfhrung von Programmen in hheren Program-
miersprachen (insbesondere Java).
Als Mobiltelefon bezeichnet man ein mobiles Endgert, das primr auf die
Nutzung der Telefonfunktionalitt ausgelegt ist. Mobiltelefone verfgen
ber eine oder mehrere der oben genannten MC-relevanten Schnittstellen.
Im Folgenden werden die vier wesentlichen Kategorien beschrieben.
Hhere Programmiersprachen
WAP
SMS
X IVR
Hhere Programmiersprachen
WAP
SMS
X IVR

Abb. 3-1: Mobiltelefon, nur Sprachfunktion (Quelle: Nokia)
Mobiltelefon, nur Sprachfunktion (Abb. 3-1): Hierbei handelt es sich um
1G- oder sehr alte 2G-Gerte, deren MC-relevante Schnittstellen lediglich
Kategorien mobiler Endgerte 63
Sprach- oder Zahleneingabe sind. Der noch vorhandene Marktanteil in
Deutschland ist unbedeutend. Eine MC-Anwendung kann so aussehen,
dass der Benutzer anruft oder angerufen wird, um dann mit einem Voice-
Portal zu interagieren, d.h. er wird durch eine Stimme gefhrt und gibt
Sprachkommandos oder drckt Zifferntasten. Die entsprechende Realisie-
rungstechnik wird als IVR (Interactive Voice Response) bezeichnet. Bei-
spiele sind Mailboxen, Telefonbanking-Systeme (Um ihren Kontostand
zu erfahren, drcken sie die 1 ...), automatisierte Sekretariatsfunktionen
(Lesen sie mir meine Termine vor! Um 9 Uhr ..., Verbinden sie
mich mit Mller! Einen Moment bitte ...) oder mobile Bezahlverfah-
ren, bei denen Codes angesagt oder eingetippt werden (z.B. Paybox).
Hhere Programmiersprachen
WAP
X SMS
X IVR
Hhere Programmiersprachen
WAP
X SMS
X IVR

Abb. 3-2: Mobiltelefon, SMS-fhig (Quelle: Siemens)
Mobiltelefon, SMS-fhig (Abb. 3-2): Hierbei handelt es sich um den Gro-
teil der 2G-Gerte. Auer mittels der bereits genannten Schnittstellen kann
mit dem Benutzer ber Versand oder Empfang von Kurznachrichten
(Short Message Service, SMS) kommuniziert werden. Bei den meisten Ge-
rten knnen auerdem nach dem SIM-AT (SIM Application Toolkit) Stan-
dard z.B. Menerweiterungen programmiert werden. Es handelt sich hier
um das typische voll-subventionierte Mobiltelefon bis etwa Mitte 2001 (0
Mark-Handy). Beispiele fr SMS-Anwendungen im Consumer-Bereich
sind Benachrichtigungen ber eingegangene Mailbox-Nachrichten, Infor-
mationsdienste (Aktienkurse, Verkehrsinfo, News, ) oder der Versand
von Klingeltnen. Kleinere Business-Anwendungen sind einfache stand-
ortbezogene Dienste (Beispiel: Die SMS HOTEL an eine bestimmte im
O2-Netz erzeugt eine Antwort-SMS mit Liste nahe gelegener Hotels, e-
benso knnen Bars, Tankstellen, Geldautomaten usw. gesucht werden),
Kundenbindungsprogramme oder Werbung. Erweiterte SMS-Anwendun-
gen versenden etwa GPS-Daten zur Fahrzeuglokalisierung, Nachrichten
von und zu Auendienstmitarbeitern (Auftrag 371 erledigt, unterwegs zu
377 oder erl371 unt377) oder Premium-SMS als MC/EC-Bezahlverfah-
64 Mobile Endgerte
ren. Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Mglichkeit des Datenaustau-
sches von Anwendungen ber selbstndig versandte bzw. empfangene
SMS, ggf. auch verschlsselt. Dies kann etwa im Rahmen von Bezahlver-
fahren oder zur bermittlung von Wartungsdaten geschehen, ebenso kn-
nen Aktionen ferngesteuert ausgelst werden (z.B. Maschine in Standby-
Modus schalten, bis Wartungsdienst eintrifft).
Hhere Programmiersprachen
X WAP
X SMS
X IVR
Hhere Programmiersprachen
X WAP
X SMS
X IVR

Abb. 3-3: Mobiltelefon, WAP-fhig (Quelle: Siemens)
Mobiltelefon, WAP-fhig (Abb. 3-3): Hierbei handelt es sich um neuere
2G-Gerte, die im englischen Sprachraum auch als Internet Enabled Pho-
ne bezeichnet werden. Zustzlich zu den bereits genannten Schnittstellen
ist nun Internet-basierte einfache Interaktion mglich, vor allem Aus-
wahlmens und Texteingaben. Auf Basis von WMLScript knnen einfache
programmierte Anwendungen ablaufen. Der Marktanteil dieser Gerte in
Deutschland hat sich zwischen Anfang 2002 und Mitte 2003 geschtzt von
einem auf zwei Drittel erhht; dies liegt groenteils an der Voll-
Subventionierung dieser Gerte seit etwa Mitte 2001. Allerdings haben die
Mobilfunkanbieter die Subventionierung deutlich reduziert, womit der Ge-
nerationswechsel verlangsamt wird. Mit WAP wird eine breite Zahl von
Angeboten mglich, etwa Fahr-/Flugplne, Brsenkurse oder einfache
MC-Schnittstellen zu EC-Anwendungen (z.B. SAP R/3). Eine typische
WAP-Anwendung zeigt Abb. 3-4. Von groer Bedeutung sind auch Porta-
le, die von allen MNO, aber auch vielen anderen angeboten werden.

Abb. 3-4: WAP-Fahrplanauskunft der Deutschen Bahn AG (Quelle: DB)
Kategorien mobiler Endgerte 65
X Hhere Programmiersprachen
X WAP
X SMS
X IVR
X Hhere Programmiersprachen
X WAP
X SMS
X IVR

Abb. 3-5: Mobiltelefon, Java-fhig (Quelle: Nokia)
Mobiltelefon, Java-fhig (Abb. 3-5): Die letzte Generation der 2G- sowie
die 2.5G-Gerte verfgen zustzlich zu den bereits genannten Schnittstel-
len nahezu durchgngig ber die Java 2 Platform Micro Edition (J2ME)
Virtual Machine, eine gertespezifische Implementierung der Program-
miersprache Java. Dies ist in zwei Richtungen ein erheblicher Fortschritt:
Betrachtet man einerseits die Funktionalitt des Gertes, so kann man nun
komplexe Anwendungen auf das Gert laden, dort speichern und ausfh-
ren. Andererseits ermglicht das Konzept der Virtual Machine nun eine
(weitgehend) gerteunabhngige Anwendungsentwicklung.
Mit dieser Standardisierung auf Basis der fhrenden Programmierspra-
che fr Web-Anwendungen ist eine Grundvoraussetzung fr wirtschaftli-
che Entwicklung und weite Verbreitung auch von Anwendungen fr Mo-
biltelefone geschaffen. Diese Gerte kommen seit Mitte 2002 in greren
Stckzahlen auf den Markt. Die Fachwelt ist sich einig, dass Java die knf-
tige Schlsseltechnologie fr die Programmierung von Mobiltelefonen ist.
Das Standardisierungsforum Paycircle gegrndet 2002 durch Hewlett-
Packard, Lucent, Oracle, Siemens und Sun hat inzwischen eine J2ME-
Erweiterung fr Standard-Bezahlfunktionalitten vorgestellt. Auf die Be-
deutung fr die Marktentwicklung (Mglichkeit der Abrechung direkter
Erlse) wird in Kapitel 9 eingegangen. Die weltweit erste Beispielanwen-
dung mit dem Paycircle-Standard wurde im Frhjahr 2003 an der Univer-
sitt Augsburg entwickelt.
Die Java-Technologie ermglicht erstmals auch fr komplexe Anwen-
dungen die wirtschaftlich sinnvolle, gertebergreifende Anwendungsent-
wicklung mit integrierter Leistungsabrechnung. Ein einfaches Beispiel w-
re ein Spiel, das kostenlos aus dem Internet herunter geladen werden kann
und fr dessen Nutzung dann pro Spiel oder pro Level bezahlt wird (Abb.
3-6), ebenso die Nutzung jeder Art von Web-Services.
66 Mobile Endgerte
road+routing info
locate and show
route for 0,50 ?
cancel pay
immortal fighter
play new level for
0,20 ?
cancel pay

Abb. 3-6: Beispiele fr Java-Anwendungen mit integrierter Leistungsabrechnung
Eine zahlenmig geringe Sonderkategorie bilden die i-mode-fhigen Mo-
biltelefone. I-mode ist ein proprietrer Standard, der von NTT DoCoMo in
Japan fr die Nutzung spezieller Internet-Seiten und -Dienste auf mobilen
Endgerten entwickelt und dort im Februar 1999 eingefhrt wurde. Er ba-
siert auf einem GPRS-Netz und verwendet als Auszeichnungssprache
cHTML (Compact HTML, auch als iHTML bezeichnet). Dieser HTML-
Dialekt ermglicht die Darstellung farbiger, grafisch ansprechend darge-
stellter Inhalte und ist optimiert auf geringe Bandbreitenerfordernis und
Displaygre. Er erfordert einen speziellen Microbrowser, um den ein
Endgert erweitert werden muss, um i-mode-fhig zu sein. Lizenzerwerber
fr Europa ist der niederlndische Mobilfunkanbieter KPN, dessen Tochter
E-Plus das Angebot seit Mrz 2002 in Deutschland vermarktet. Es existie-
ren sowohl offizielle Seiten (erreichbar ber das E-Plus Portal), als auch
inoffizielle Seiten (erreichbar durch direkte Eingabe einer URL). Zwar
ist bei i-mode prinzipiell eine Abrechnung systeminhrent, die deutsche
Variante erlaubt jedoch bisher keine Einzelabrechnung von Leistungen,
sondern ausschlielich den Verkauf von Monatsabonnements fr bestimm-
te Dienste. Whrend i-mode in Japan den Mobilfunkmarkt revolutioniert
hat und eine monopolhnliche Stellung besitzt, ist der Marktanteil in der
restlichen Welt trotz teilweise sehr hohen Marketingaufwandes bisher ver-
schwindend gering.
Modernere Mobiltelefone verfgen typischerweise ber eine IrDA
DATA-Schnittstelle, hochwertige Gerte oft zustzlich ber Bluetooth.
Ein Personal Digital Assistant (PDA) ist ein Handheld-Computer, dessen
Kernfunktionalitt als Organizer bezeichnet wird (Abb. 3-7). Diese Funk-
tionalitt entspricht einem Persnlichen Informationsmanager (PIM) in der
Brokommunikations-Standardsoftware (beispielsweise MS Outlook) und
umfasst vor allem Terminkalender, Adressbuch und Aufgabenverwaltung.
Auf modernen Gerten kommen eine Online- und Offline-Mailfunktiona-
litt sowie je nach verwendetem Betriebssystem eine Vielzahl sonstiger
Programme hinzu. Die Standard-Datenanbindung kann mit diesen Gerten
auf zwei Arten erfolgen:
Offline-Synchronisation in Form von Datenabgleich mit einem Per-
sonal Computer, entweder ber eine fest verbundene Docking-
Station oder ber drahtlose PAN-Technologien (Abschnitt 2.4).
Kategorien mobiler Endgerte 67
Direkte Internetverbindung ber ein modemfhiges Mobiltelefon,
ber ein Mobiltelefon in Form einer Steckkarte oder durch integrier-
te Mobilfunk-Funktionalitt.
Ist Mobilfunk integriert bzw. ein modemfhiges Mobiltelefon angeschlos-
sen, sind prinzipiell auch die in der Abbildung in Klammern gesetzten Ei-
genschaften verfgbar; in jedem Fall ist aber eine Programmierung in h-
heren Sprachen mglich. Weiterhin ist eine Integration in ein lokales
Netzwerk mittels Wireless LAN (Erweiterungskarte) mglich. Durch die
vorhandenen PAN-fhigen Schnittstellen kann auerdem eine Vernetzung
und somit der direkte Datenaustausch mit anderen mobilen Endgerten o-
der mit Peripheriegerten erfolgen.
X Hhere Programmiersprachen
(X) WAP
(X) SMS
(X) IVR
X Hhere Programmiersprachen
(X) WAP
(X) SMS
(X) IVR

Abb. 3-7: PDA mit integrierter Mobilfunk-Funktionalitt (Quelle: T-Mobile)
Das Betriebssystem eines PDA ist dem eines Standard PC hnlich. Die I-
dee eines handtellergroen PC, der mit einem Stift anstelle einer Maus be-
dient wird und seinen Nutzer berall hin begleitet, entstand erstmals 1993
in Form des Apple Newton. Der heutige PDA-Markt wird von Gerten mit
den Betriebssystemen Palm OS und Windows CE beherrscht; andere Ger-
te spielen nahezu keine Rolle mehr.
Palm OS ist ein Betriebssystem der Firma Palm Inc., das vorwiegend fr
deren eigene Organizer bzw. PDA Verwendung findet. Bei Erscheinen des
Palm Pilot 1000 im Jahr 1996 gab es am Markt kein vergleichbares Gert,
was ber mehrere Jahre zu einer monopolartigen Stellung fhrte. Die Dar-
stellung erfolgt bei Palm-Gerten typischerweise auf einem quadratischen,
160x160 Pixel groen s/w-, bei neueren Gerten auch auf einem Farbdis-
play, bei speziellen Produktreihen auch in hherer Auflsung. Die Bedie-
nung erfolgt durch einen Stift auf dem Display, die Eingabe von Text auf
einem speziellen Feld unterhalb des Displays, in das fr jeden Buchstaben
ein spezielles Kurzschrift-Zeichen geschrieben wird. Palm OS wurde auch
durch Drittanbieter lizensiert, die damit eigene PDA oder auch Smartpho-
68 Mobile Endgerte
nes ausstatten (z.B. Trium). Die derzeit aktuelle Version ist Palm OS 5.0.
Die Strken der Palm-Gerte im Vergleich zu anderen Systemen liegen vor
allem im hohen Verbreitungsgrad (insbesondere in den USA), der Anzahl
vorhandener Anwendungen, geringer Gre und Gewicht der Gerte, h-
herer Akku-Einsatzdauer, einem entsprechend der Ausstattung typischer-
weise erheblich geringeren Preis und der nicht vorhandenen Beschrnkung
auf ein bestimmtes Betriebssystem beim zugehrigen Desktop-PC.

Abb. 3-8: Beispiel Palm OS (Quelle: Palm)
Windows CE ist ein Derivat der Microsoft Windows-Betriebssysteme, das
fr Gerte unterhalb der PC-Ebene entwickelt wurde. Whrend die ersten
Versionen wenig erfolgreich waren, hat sich Windows CE seit Version 3.0
(Anfang 2000) insbesondere im Handheld-Markt etabliert. Es existieren
verschiedene Varianten z.B. fr Smartcards, fr eingebettete Systeme, fr
Subnotebooks usw. Die Variante fr PDA und Smartphones wird als Pok-
ket PC bezeichnet bzw. seit einiger Zeit auch als Windows mobile ver-
marktet. Microsoft tritt nicht selbst als Endgertehersteller auf, sondern li-
zensiert das Betriebssystem an eine groe Zahl Drittanbieter. Diese muss-
ten bisher hinsichtlich der Hardwareanforderungen sehr stringenten, ein-
heitlichen Vorgaben folgen, die jedoch mit der aktuellen Version Pocket
PC 2003 deutlich gelockert wurden. Charakteristisch fr Pocket PC-Gerte
sind hohe Rechenleistung, Speichergre (bis 128 MB) und Multimedia-
Fhigkeit. Die Darstellung erfolgt typischerweise auf einem 240x320 Pixel
groen Farbdisplay. Die Bedienung erfolgt ber einen Stift auf dem Dis-
play, auch die Texteingabe wird dort mittels einer virtuellen Tastatur oder
Handschrift vorgenommen. Zustzlich zur Pocket PC-Grundvariante exi-
stieren spezielle Betriebssystem-Varianten fr PDA mit integriertem Mo-
bilfunk (Pocket PC Phone Edition) sowie fr Smartphones (Windows-
powered Smartphone). Die Strken der Pocket PC-Gerte liegen in starken
Marktzuwchsen, hoher Rechenleistung, groem Speicher, guten Einga-
bemglichkeiten sowie Gre und Qualitt des Displays. Es gibt fr diese
Gerte eine hohe Zahl von Erweiterungsmglichkeiten durch Drittanbieter.
Eine Einschrnkung, je nach Nutzer aber auch ein entscheidender Vorteil
liegt in der Integration mit anderen Windows-Betriebssystemen. Dies gilt
Kategorien mobiler Endgerte 69
fr die stark angeglichene Arbeitsumgebung des Nutzers und mitgelieferte
Anwendungen (z.B. MS Excel Variante fr Pocket PC), aber vor allem
auch fr Funktionalitten wie die nahtlose Synchronisation der Organizer-
Daten mit MS Outlook oder die Mglichkeit der Fernadministration des
PC-Desktop ber einen Terminal Services Client auf dem Pocket PC.

Abb. 3-9: Beispiel Pocket PC (Quelle: Microsoft)
Sowohl fr Palm, als auch fr Pocket PC ist Software fr die Standard-
Brokommunikation mitgeliefert oder erhltlich, insbesondere Web-Brow-
ser, Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Prsentationssoftware. Ei-
ne Vielzahl weiterer Anwendungen ist erhltlich, da die Programmierung
bei beiden Systemen jeweils gerteunabhngig erfolgen kann, z.B. mittels
Java oder Visual Basic. Damit sind diese Gerte sehr gut als Plattform fr
die Implementierung komplexer mobiler Lsungen geeignet. Es existiert
fr die verschiedenen Gerte eine Reihe von Hardware-Erweiterungen in
Form von Steckkarten oder aufsetzbaren Modulen. Es bleibt festzuhalten,
dass keines der beiden marktbeherrschenden Systeme absolut berlegen
ist, sondern je nach Anwendung eine relative Bewertung der Strken und
Schwchen vorgenommen werden muss, um das optimal zu verwendende
System zu ermitteln.
Smartphone (Abb. 3-10): Spricht man von einem Mobiltelefon oder einem
PDA, so gibt es konkrete Vorstellungen, wie ein solches Gert beschaffen
ist. Auch ist es problemlos, ein Gert in die eine oder andere Kategorie
einzuordnen. Anders verhlt es sich bei dem Begriff Smartphone. Dieser
Begriff wird hufig als Marketing-Instrument gebraucht und deshalb irre-
fhrend fr verschiedenste Arten mobiler Endgerte verwendet, vom sim-
plen 2G-Mobiltelefon mit Farbdisplay bis hin zum PDA mit integrierter
Mobilfunkfunktionalitt. Da mobile Endgerte zwischen dem Standard-
70 Mobile Endgerte
Mobiltelefon und dem PDA jedoch eine Vielzahl von Ausprgungen an-
nehmen knnen, ist eine trennscharfe Definition schwierig das
Smartphone befindet sich in etwa in der Mitte. Man spricht typischerweise
dann von einem Smartphone wenn ein Gert
in erster Linie als Mobiltelefon verwendet wird (und daher meist
ber eine Telefontastatur bedient wird), aber dennoch
ber ein Betriebssystem verfgt, dass in wesentlichen Teilen dem
eines PDA hnlich ist.
Damit bilden Smartphones eine eigene Gertekategorie und sind mit Ihren
speziellen Eigenschaften als eigenes Zielgert fr MC-Anwendungen zu
beachten. Typische Beispiele sind Mobiltelefone, auf denen ein Pocket
PC-, Palm- oder Symbian-Betriebssystem luft.
X Hhere Programmiersprachen
X WAP
X SMS
X IVR
X Hhere Programmiersprachen
X WAP
X SMS
X IVR

Abb. 3-10: Smartphone (Quelle: SPV/Orange)
Bei den Anwendungen, die auf Smartphones lauffhig sind, handelt es sich
typischerweise um PDA-Anwendungen, die allerdings auf ein kleineres
Display und eine eingeschrnkte Bedienung ausgelegt sind. Hierbei steht
das Management persnlicher Informationen im Vordergrund, Spielean-
wendungen und web-basierter Informationszugriff sind ebenfalls von Be-
deutung. Einen Eindruck hiervon gibt Abb. 3-11.
Kategorien mobiler Endgerte 71

Abb. 3-11: Beispiele fr Smartphone-Anwendungen (Quelle: Symbian, Microsoft)
Man kann davon ausgehen, dass sich keiner der vorgestellten Gertetypen
vollstndig durchsetzen und die anderen Typen verdrngen wird. Stattdes-
sen wird es zwischen dem reinen Mobiltelefon ohne Zusatzfunktionen und
dem vollstndig ausgestatteten PDA eine Reihe der oben angedeuteten
Mischformen und damit eine breite Palette an verschiedensten Gerten ge-
ben, aus welcher der Nutzer das jeweils fr seine Bedrfnisse und Prfe-
renzen optimale Gert verwenden wird.
Zusammenfassung
Mobiltelefone lassen sich nach den Mglichkeiten zur Benutzerinteraktion
differenzieren. Man kann dabei im Wesentlichen Gerte, die nur IVR-fhig
sind, SMS-fhige, WAP-fhige und Java-fhige Mobiltelefone unterschei-
den. Bei einer IVR-Anwendung ruft der Benutzer an oder wird angerufen,
um dann mit einem Voice-Portal zu interagieren, d.h. er wird durch eine
Stimme gefhrt und gibt Sprachkommandos oder drckt Zifferntasten. Mit
WAP-fhigen Gerten lassen sich erstmals (spezielle) Internet-Seiten aufru-
fen, auf Java-fhigen Gerten knnen erstmals komplexe Anwendungen
gespeichert und ausgefhrt werden. In Java-Anwendungen kann eine inte-
grierte Bezahlfunktionalitt verwendet werden.
I-mode ist ein proprietrer Standard fr die Nutzung spezieller Internet-
Dienste auf mobilen Endgerten. In seinem Ursprungsland Japan ist er
marktbeherrschend, auerhalb Japans jedoch von geringer Bedeutung.
Ein Personal Digital Assistant (PDA) ist ein Handheld-Computer, der
ber Organizer-Funktionalitt sowie typischerweise weitere Brokommu-
nikationswerkzeuge verfgt. Er ist als Plattform fr die Implementierung
komplexer mobiler Lsungen geeignet. Die Standard-Datenanbindung er-
folgt typischerweise durch Offline-Synchronisation oder Mobilfunk. Au-
erdem ist eine Vernetzung im LAN- und PAN-Bereich mglich. Die
marktbeherrschenden Systeme basieren auf den Betriebssystemen Palm OS
und Windows CE; deren Strken und Schwchen sind je nach Anwendung
gegeneinander abzuwgen.
72 Mobile Endgerte
Zwischen reinem Mobiltelefon und PDA etablieren sich Smartphones
als weitere Endgertkategorie. Diese werden in erster Linie als Mobiltele-
fon verwendet, verfgen aber ber ein PDA-hnliches Betriebssystem.
Kontrollfragen
(20) Ihre Firma (Geschftsbank) will eine Mobile Banking-Anwendung fr
PDA implementieren. Die Lsung arbeitet mit einer digitalen Signa-
tur, wobei die Schlssel auf einer Signatur-Chipkarte abgelegt sind.
Die meisten Rechenoperationen selbst laufen jedoch im Gert ab. Als
Einsteigerpaket wollen Sie Software und PDA zusammen anbieten.
Worauf mssen Sie bei Ihrer Hardware-Entscheidung achten?
Literaturhinweise
[1] Lehner, F.: Mobile und drahtlose Informationssysteme. Springer, Hei-
delberg 2002.
[2] Mattern, F.: Ubiquitous Computing: Der Trend zur Informatisierung
und Vernetzung aller Dinge. In: Rossbach, G. (Hrsg.): Mobile Inter-
net Deutscher Internet-Kongress Karlsruhe 2001. Dpunkt, Heidel-
berg 2001, S. 107-119.
[3] Wiecker, M.: Endgerte fr mobile Anwendungen. In: Gora, W.; Rt-
tiger-Gerigk, S.: Handbuch Mobile-Commerce. Springer, Heidelberg
2002, S. 405-418.
Internetquellen
[4] Internetangebot des Betriebssystemanbieters Microsoft:
[Link]
[5] Internetangebot des Gerte- und Betriebssystemanbieters Palm:
[Link]
[6] Internetangebot des Betriebssystemanbieters Symbian:
[Link]
[7] [Link] empfehlenswertes deutsches Internetangebot eines Hnd-
lers, mit vielen technischen Details und kommentierter Linkliste:
[Link]
[8] [Link] empfehlenswertes deutsches Informationsangebot zu
mobilen Endgerten:
[Link]
Kategorien mobiler Endgerte 73
[9] [Link] empfehlenswertes sterreichisches Informationsangebot
zu mobilen Endgerten:
[Link]
[10] [Link] empfehlenswertes schweizerisches Informationsange-
bot zu mobilen Endgerten:
[Link]
74



4 Location Based Services
4.1 Grundlagen und Begriffe
Ortsbezogene Dienste (Location Based Services, LBS) sind Dienste,
die ber mobile elektronische Kommunikationstechniken (typi-
scherweise Mobilfunk) zur Verfgung gestellt werden,
fr deren Ausfhrung der aktuelle Standort des dienstaufrufenden
Nutzers (und/oder eines anderen Nutzers) bekannt sein muss und
deren Ausfhrung abhngig von diesem Standort erfolgt.
Um einen ortsbezogenen Dienst bereitstellen zu knnen, ist eine Ortung
erforderlich: die Ermittlung des Standortes eines mobilen Endgertes.
Ortsbezogene Dienste ermglichen einerseits vllig neue Angebote und
Geschftsmodelle, ziehen aber andererseits auch staatliches Interesse fr
die Anwendung in Notfllen und fr Strafverfolgungszwecke auf sich. In
den USA beispielsweise sind die MNO verpflichtet, bis Ende 2005 knapp
zwei Drittel der Nutzer auf 50-100 Meter genau orten zu knnen (E-911
mandate der Federal Communications Commission, FCC). Eine Ortung
kann mittels unterschiedlicher Ortungsinstanzen geschehen: Wird ein Ge-
rt geortet, so bezeichnet man dies als Tracking; ortet sich ein Gert selbst,
so bezeichnet man dies als Positioning. Aus der Ortungsinstanz folgt, wo
die ermittelten Positionsdaten zunchst vorliegen und wie relevant Daten-
schutzaspekte, insbesondere auch die Mglichkeit der Erstellung von Be-
wegungsprofilen, sind. Zuweilen findet man in diesem Zusammenhang ei-
ne Gleichsetzung des englischen Begriffes Positioning mit dem deutschen
Begriff Positionierung vor letzterer entspricht der Platzierung eines Ge-
genstandes oder einer Person an einem Standort. Die Durchfhrung dieses
Vorganges mit Hilfe z.B. eines Mobilfunknetzes wird sicherlich auch fr
die nchsten Jahre noch der Science Fiction-Literatur vorbehalten bleiben.
Der folgende Abschnitt 4.2 geht auf die fr den Mobile Commerce rele-
vanten Ortungsverfahren ein. Eine Ortung kann dabei prinzipiell auf drei
Arten erfolgen: durch manuelle Ortseingabe, durch ein spezialisiertes Or-
tungssystem oder innerhalb eines drahtlosen Kommunikationsnetzes. Ab-
schnitt 4.3 schlielich beleuchtet die Anwendungsbereiche ortsbezogener
Dienste und kategorisiert diese nach dem Konzept des Location-L.
76 Location Based Services
4.2 Ortungsverfahren
Die einfachste Ausprgung von Ortungsverfahren ist die manuelle Orts-
eingabe durch den Nutzer. Diese kann beispielsweise Bestandteil einer
SMS zur Dienstanforderung sein oder im WAP-Dialog erfolgen. Der Ort
wird dabei typischerweise durch Eintragung von Ortsname, Ortsnetzkenn-
zahl oder Postleitzahl angegeben. Bei diesem Verfahren handelt es sich um
eine Einstiegslsung, die fr einfache Anwendungen aber gut geeignet ist.
So existiert beispielsweise ein Dienst eines freien Anbieters, der auf die
SMS TAXI AUGSBURG an die Rufnummer 84343 in verschiedenen
Mobilfunknetzen hin eine automatische Antwort-SMS mit der Telefon-
nummer einer Augsburger Taxizentrale erzeugt. Dieser Dienst funktioniert
mit den Namen aller greren Orte in Deutschland; eine Reihe entspre-
chender Angebote fr Restaurants, Tankstellen usw. bildete die erste Ge-
neration ortsbasierter Dienste in Deutschland.
Die zweite Ausprgung von Ortungsverfahren verwendet spezialisierte Or-
tungssysteme. Spezialisierte Ortungssysteme werden dadurch charakteri-
siert, dass eine Infrastruktur aufgebaut wurde, die explizit dem Haupt-
zweck der Ortung dient. Sie sind einerseits fr die Ortung innerhalb von
Gebuden, andererseits fr die sehr genaue Ortung auerhalb von Gebu-
den bedeutsam.
Die Ortung innerhalb von Gebuden ist vor allem fr Sicherheitszwecke
sowie fr spezielle Anwendungen, z.B. in Produktionsbetrieben, Kaufhu-
sern oder Museen, interessant. Hierfr existieren einige sehr verschiedene
Verfahren, die zumeist durch Sender oder Sensoren (Infrarot, Funk oder
Ultraschall) und spezielle mobile Einheiten (Badges) realisiert werden.
Einen detaillierten berblick ber die verschiedenen Verfahren bietet [2].
Ist auerhalb geschlossener Gebude eine sehr genaue Positionsbestim-
mung erforderlich, so wird diese in aller Regel durch Satellitenortung mit
dem Global Positioning System (GPS) vorgenommen. GPS hat sich seit
einigen Jahren in verschiedenen Bereichen etabliert, etwa als Standard bei
Kfz-Navigationssystemen. Es wurde Mitte der 90er Jahre vorrangig fr
den militrischen Bereich in Betrieb genommen und stellt zwei Signale zur
Verfgung: ein verschlsseltes Signal fr die militrische Nutzung und ein
unverschlsseltes, weniger genaues fr die zivile Nutzung. Ein GPS-
basiertes Gert ortet sich selbst, indem es eine Messung der Signallaufzeit
zu mehreren Navigationssatelliten vornimmt und daraus durch Triangulie-
rung den eigenen Standort ermittelt (Abb. 4-1).
Ortungsverfahren 77

Abb. 4-1: Prinzip der Satellitenortung
Bei Nutzung des zivilen Signals ist die Ortung mit einer Genauigkeit von
bis zu 25 Metern ermglicht. Da dies eine direkte Kommunikation mit den
Satelliten beinhaltet, ist jedoch ein eigenes Gert (oder zumindest Modul)
erforderlich. Dieser GPS-Empfnger ist heutzutage bereits in der Gre
einer Armbanduhr verfgbar. Fr PDA sind Aufsteckmodule verfgbar;
der Empfnger kann prinzipiell jedoch auch in einen PDA oder ein Mobil-
telefon eingebaut werden. In beiden Fllen ist eine problemlose Weiterver-
arbeitung der Positionsdaten durch das Endgert oder deren bermittlung
mittels beliebiger drahtloser Netze mglich. Ein Beispiel fr ein kombi-
niertes Gert ist das Produkt Herz-Handy, ein Mobiltelefon fr Herz-
kranke, das fr die Ortung in Notfllen mit einem GPS-Empfnger ausge-
stattet ist. Im Vergleich zu Mobilfunk-basierten Lsungen stellt die Hard-
ware fr den Nutzer jedoch einen deutlichen Kostenfaktor dar. Als weitere
Nachteile der Satellitenortung sind festzuhalten, dass eine quasi-optische
Sicht zu mindestens 3 (der 24) Navigationssatelliten erforderlich und die
Messdauer mit bis zu 60 Sekunden vergleichsweise hoch ist.
Ist die Genauigkeit des GPS nicht ausreichend, so knnen Verfahren
verwendet werden, die als Assisted GPS (A-GPS) bezeichnet werden.
Hierbei werden GPS-Fehler unter Verwendung terrestrischer Referenzsta-
tionen herausgerechnet.
Bis zum Jahr 2008 soll als GPS-quivalent ein europisches Satelliten-
navigationssystem unter dem Namen GALILEO entstehen, das ein unver-
schlsseltes sowie zwei verschlsselte Signale ausstrahlt. Damit sind je ein
weniger genauer (kostenloser) und ein genauerer (kostenpflichtiger) Dienst
fr Endnutzer sowie ein weiterer Dienst fr die staatliche Nutzung geplant.
Russland betreibt bereits seit 1996 ein GPS-quivalent unter dem Namen
GLONASS, dessen Funktionsfhigkeit jedoch auf Grund mangelhafter In-
standhaltung (fehlender Ersatz ausgefallener Navigationssatelliten) frag-
lich ist.
78 Location Based Services
Die dritte Ausprgung von Ortungsverfahren schlielich verwendet zur
Ortung bestehende drahtlose Kommunikationsnetze. Sie umfasst derzeit
nahezu ausschlielich die Nutzung des Mobilfunks. Prinzipiell ist jedoch
nahezu jedes Netz geeignet, insbesondere wenn es zellular aufgebaut ist.
Knftig wird hier vor allem Wireless LAN an Bedeutung gewinnen.
Dabei beschrnkt sich die Ortung jedoch bisher im Wesentlichen auf das
Ortungsverfahren der Zellidentifikation (Cell of Origin, COO). Hierbei
wird in einem zellbasierten Netz ermittelt, in welcher Zelle sich der Nutzer
gerade befindet. Im einfachsten Fall gibt es dabei im Netz zentrale oder
dezentrale Instanzen, die die Cell-ID oder Cell Global Identity (CGI) die-
ser Zelle fr jeden Teilnehmer vorhalten, so dass die Information nur aus-
gelesen werden muss. Im Fall von GSM und UMTS wird bekanntlich nur
die LAI gespeichert, so dass die Ermittlung der Mobilfunkzelle analog zu
einem Gesprchsaufbau ein Paging erfordert (siehe 2.2.4, 2.2.5). Abhngig
von der Zellgre kann die Position mittels Zellidentifikation in Ballungs-
zentren auf wenige hundert Meter, in der Flche allerdings nur auf mehrere
Kilometer genau bestimmt werden. Der Aufwand fr dieses Verfahren ist
sehr gering, die Genauigkeit fr viele Anwendungen aber ausreichend.
Beispiele hierfr sind das Fuhrparkmanagement im Fernverkehr oder die
Erzeugung einer Liste der nchstgelegenen Apotheken, Hotels, Tankstellen
usw. Eine weitere einfache Mglichkeit, unter GSM ortsbasierte Dienste
fr einzelne Zellen anzubieten, funktioniert im brigen ohne explizite Or-
tung der einzelnen Teilnehmer: Mittels SMS Cell Broadcast (SMS CB)
kann eine Kurznachricht an alle Teilnehmer in einer Zelle gesendet werden
(siehe 5.3).
Fr die Ortung eines Mobilfunkteilnehmers innerhalb der Zelle existiert
eine Reihe von Verfahren. Die wichtigsten basieren
auf der Messung der Signallaufzeit zur MS durch mindestens drei
synchronisierte BTS (Time of Arrival, TOA),
auf der Messung der Signallaufzeitdifferenzen zur MS durch drei
synchronisierte BTS (Time Difference of Arrival, TDOA),
auf der Messung der Signallaufzeitdifferenzen zu drei BTS durch
die MS (Enhanced Observed Time Difference, E-OTD).
Diese genaueren Verfahren sind deutlich aufwndiger als COO, fr das
keine Modifikationen im Netz oder am Endgert erforderlich sind, und lie-
fern zudem ein schlechteres Antwortzeit-Verhalten (etwa 10 Sekunden, im
Vergleich zu etwa 3 Sekunden bei COO). Die Tracking-Verfahren TOA
und TDOA erfordern dabei erhebliche Modifikationen am Netz und sind
zur Laufzeit sehr ressourcenintensiv, knnen aber beliebige Endgerte
verwenden. Das Positioning-Verfahren E-OTD erfordert vergleichsweise
geringe Modifikationen am Netz, ist jedoch stark vom Endgert abhngig.
Anwendungsbereiche 79
Zusammenfassung
Eine Ortung kann prinzipiell auf drei Arten erfolgen: durch manuelle Orts-
eingabe, durch ein spezialisiertes Ortungssystem oder innerhalb eines
drahtlosen Kommunikationsnetzes.
Manuelle Ortseingabe ist eine Einstiegslsung, bei der der Nutzer beim
Dienstaufruf Ortsname, Ortsnetzkennzahl oder Postleitzahl mit angibt.
Spezialisierte Ortungssysteme sind vor allem verschiedene Verfahren fr
die Ortung innerhalb von Gebuden, sowie die Satellitenortung mit dem
Global Positioning System (GPS). GPS ermglicht sehr genaue Ortung, er-
fordert aber spezielle Hardware fr die Satellitenkommunikation.
Ortung innerhalb bestehender drahtloser Kommunikationsnetze umfasst
vor allem die Nutzung des Mobilfunks. Als Grundlage der aktuellen LBS
ist im Wesentlichen die Zellidentifikation von Bedeutung. Eine genauere
Ortung kann durch verschiedene Verfahren zur Messung von Signallaufzei-
ten zwischen MS und mehreren BTS erfolgen. Diese Art der Ortung ist ge-
nauer, aber langsamer und erheblich aufwndiger, sowohl bezglich der
Anforderungen bei der Aufrstung von Netz und/oder Endgerten, als auch
bezglich des Ressourcenverbrauchs zur Laufzeit.
Kontrollfragen
(21) Geben Sie je fr das Notrufmodul eines Pkw-Bordcomputers und fr
die Positionsbestimmung der 200 Fernverkehrs-Lkw eines groen
Umzugsunternehmens, die der Zentrale zur bersicht dienen soll, ei-
ne Empfehlung fr das zu verwendende Ortungsverfahren ab.
4.3 Anwendungsbereiche
Vor der Betrachtung einzelner Dienste und Anwendungsbeispiele soll der
Blick zunchst auf die zu Grunde liegende Systematik gelenkt werden. Bei
der Ausfhrung ortsbezogener Dienste knnen zwei grundlegende Ele-
mente unterschieden werden: der Auslser, der die Ausfhrung des
Dienstes veranlasst etwa ein den Dienst aufrufender Nutzer oder ein re-
gelbasiertes System und das Ziel. Die Dienstausfhrung erfolgt nun
entweder abhngig vom Standort des Auslsers oder dem des Ziels oder
den zueinander in Beziehung gesetzten Standorten beider.
Damit gilt fr jedes dieser beiden Elemente entweder, dass sein Standort
fr die Dienstausfhrung relevant ist und ermittelt werden muss, oder dass
sein Standort zwar fr die Dienstausfhrung relevant, aber statisch ist und
daher nur aus einer Datenbank abgerufen werden muss oder dass sein
Standort irrelevant ist, da er die Dienstausfhrung nicht beeinflusst.
80 Location Based Services
Location
Location Location
Based
Based Based
Services
Services Services
Location
Location Location
Based
Based Based
Services
Services Services

Abb. 4-2: Kategorisierung ortsbezogener Dienste (Location-L)
Im ersten Fall knnte dies etwa ein zu ortender Nutzer sein, im zweiten ein
Geldautomat und im dritten irgend eine Ressource, deren Standort keine
Rolle spielt. Damit entsteht eine Matrix mit neun Feldern. Zieht man nun
noch in Betracht, dass per Definition die Position mindestens eines der
beiden Elemente ermittelt werden muss, bleiben fnf gltige Kombinatio-
nen, die Standardtypen ortsbasierter Dienste (LBS-Standardtypen) darstel-
len. Zeichnet man nur diese gltigen Felder der Matrix, so ergibt sich das
Location-L fr die Kategorisierung ortsbezogener Dienste (Abb. 4-2).
Im Fall des LBS-Standardtyps Irrelevant/Ermittelt veranlasst
ein Nutzer oder System, dessen Standort beliebig und irrele-
vant ist, die Ortung eines mobilen Endgertes. Dies knnte et-
wa das System einer Mietwagenfirma sein, das ein Endgert in
einem nicht rechtzeitig zurckgegebenen Fahrzeug orten lsst
oder eine Mutter, die das GSM-Modul in der Kleidung eines vermisstes
Kindes orten lsst.
Im Fall des LBS-Standardtyps Vorgegeben/Ermittelt lst
ein regelbasiertes System, dem ein vorgegebener Standort o-
der Bereich zugewiesen ist, einen Dienst aus, sobald ein mobi-
les Endgert sich diesem dem Standort nhert bzw. den Be-
reich betritt. Dies knnte etwa ein Kaufhaussystem sein, das
einem vorbei gehenden Nutzer ein Sonderangebot unterbreitet oder ein Sy-
Anwendungsbereiche 81
stem zur Personaleinsatzplanung, das einem Servicetechniker beim Betre-
ten einer Niederlassung den Status verfgbar fr die Serviceauftrge die-
ser Niederlassung zuweist. Der rumliche Bereich des Kaufhauses oder
der Niederlassung sind dabei statische Daten. Sie mssen also nicht durch
Ortung ermittelt werden, sondern knnen aus einer Datenbank abgerufen
werden.
Im Fall des LBS-Standardtyps Ermittelt/Ermittelt wird der
Standort des Auslsers ebenso ermittelt wie der eines oder
mehrerer von ihm bestimmter Ziele. Diese werden in Bezie-
hung gesetzt und bei Vorliegen einer definierten Bedingung ein
Dienst ausgelst. Dies knnte etwa ein Friend Finder sein,
der einem Nutzer anzeigt, sobald sich einer seiner in einer Liste erfassten
Freunde in der Nhe befindet oder eine Blind-Dating Anwendung, die
rumlich nahe Nutzer mit passender Prferenzstruktur zusammenfhrt.
Im Fall des derzeit meist verwendeten LBS-Standardtyps
Ermittelt/Vorgegeben ruft ein Nutzer oder System einen
Dienst auf, der dessen Endgert ortet und in Beziehung zu
vorliegenden Daten setzt. Diese vorliegenden Daten knnen
etwa eine Liste von Hotels, Restaurants oder Tankstellen sein,
ebenso ein Straennetz mit aktuellen Stauinformationen oder eine Liste
von Veranstaltungsorten mit dem Ergebnis, dass der Nutzer die Anzeige
der nchst gelegenen Tankstellen, die optimale Route zu einem eingegebe-
nen Ziel oder die Veranstaltungstipps seiner nheren Umgebung auf dem
Endgert angezeigt bekommt. Bei diesen einfachen LBS-Anwendungsbei-
spielen handelt es sich vor allem um Assistenzsysteme fr (Geschfts-)
Reisende.
Im Fall des letzten LBS-Standardtyps Ermittelt/Irrelevant
ruft ein Nutzer oder System einen Dienst auf, fr den nur die
Position des Auslsers relevant ist. Dies knnte etwa ein Taxi-
ruf sein, bei dem der Ruf zusammen mit dem Standort des
Nutzers in einer Taxizentrale eingeht, die eine manuelle Res-
sourcenallokation vornimmt; ein gleiches Szenario wre fr einen Notruf
an Polizei oder Rettungsdienst vorstellbar. Weitere typische Beispiele fr
diesen Standardtyp sind ortsabhngige Fahrplan- oder Wetterauskunft.
Besondere Bedeutung kommt der Ortung als Bestandteil des mobilen
Mehrwertes der Kontextsensitivitt (siehe Kapitel 8) zu. In vielen der bei-
spielhaft genannten Dienste ist es erst die Verknpfung von Orts- mit an-
deren spezifischen Informationen (z.B. Auftragslisten, Prferenzstrukturen
usw.), die die Erstellung individualisierter, der momentanen Nutzersituati-
on angepasste Angebote und Leistungen ermglicht.
82
Zusammenfassung
Bei der Ausfhrung ortsbezogener Dienste knnen der Auslser, der die
Ausfhrung des Dienstes veranlasst und das Ziel unterschieden werden.
Die Dienstausfhrung erfolgt entweder abhngig vom Standort eines oder
den zueinander in Beziehung gesetzten Standorten beider. Damit gilt fr
jedes dieser beiden Elemente entweder, dass sein Standort ermittelt werden
muss, oder dass sein Standort vorgegeben ist oder dass sein Standort die
Dienstausfhrung nicht beeinflusst. Da die Position mindestens eines der
beiden Elemente ermittelt werden muss, ergeben sich fnf gltige Kombi-
nationen, die Standardtypen ortsbasierter Dienste darstellen und zusam-
men genommen das Location-L fr die Kategorisierung ortsbezogener
Dienste bilden.
Kontrollfragen
(22) Auf einem Messegelnde soll allen Besuchern, die in die Halle 5
kommen, ein Jobprofil auf dem Mobiltelefon freigegeben haben, zwi-
schen 25 und 30 Jahren alt sind und ber SmoothSoft-Programmier-
erfahrung verfgen, durch einen ortsbasierten Dienst eine Tasse Kaf-
fee beim Personalverantwortlichen der Firma AtITsBest angeboten
werden. Auerdem soll es jedem Besucher mittels einer PDA-
Anwendung mglich sein, einen Diskussionspartner fr ein bestimm-
tes Thema vorgeschlagen zu bekommen, wenn beide Nutzer dasselbe
Wunschthema angegeben haben und dieselbe Halle betreten. Ordnen
Sie beide Dienste in das Location-L ein.
Literaturhinweise
[1] Klmel, B.: Location Based Services. In: Pousttchi, K.; Turowski, K.
(Hrsg.): Mobile Commerce - Anwendungen und Perspektiven. Pro-
ceedings zum 3. Workshop Mobile Commerce. Kllen, Bonn 2003, S.
88-101.
[2] Roth, J.: Mobile Computing Grundlagen, Technik, Konzepte.
Dpunkt, Heidelberg 2002.
[3] Rttiger-Gerigk, S.: Lokalisierungsmethoden. In: Gora, W.; Rttiger-
Gerigk, S.: Handbuch Mobile-Commerce. Springer, Heidelberg 2002,
S. 419-426.

5 Realisierung von MC-Anwendungen
5.1 Grundlagen und Begriffe
Fr den Entwurf einer MC-Anwendung gengt es nicht, ein existierendes
Angebot auf einem mobilen Endgert verfgbar zu machen, etwa eine be-
stehende Webseite mobil zugnglich. Denn einerseits hat die Verwendung
mobiler Kommunikationstechniken und Endgerte spezifische Vor- und
Nachteile, andererseits unterscheiden sich die Nutzerbedrfnisse typi-
scherweise erheblich von denjenigen bei Anwendungen auerhalb des MC.
Diese Erkenntnis hat betriebswirtschaftliche Implikationen, die in Kapi-
tel 8 noch nher betrachtet werden. Auerdem aber zieht sie fr den An-
wendungsentwurf einen wichtigen Grundsatz nach sich: Design to Mobile.
Damit ist gemeint, dass eine mobile Anwendung speziell auf die Potenzia-
le und Probleme der Mobilitt mageschneidert sein muss. Hierzu sollte
eine Analyse in zwei Schritten durchgefhrt werden: Der erste Analyse-
schritt fokussiert die Potenziale und beantwortet die zentrale Frage: Wel-
chen entscheidenden Mehrwert hat der Nutzer durch die Mobilitt der
Anwendung? Genau dieser Mehrwert muss zielgerichtet realisiert werden,
alles andere ist diesem Ziel nachzuordnen. Der zweite Analyseschritt fo-
kussiert die Probleme und beantwortet die zentrale Frage: Welche der Ein-
schrnkungen und Heterogenitten mobiler Kommunikationstechniken und
Endgerte sind fr die zu entwerfende Anwendung von Bedeutung? An-
hand dessen sind die zu verwendenden Umsetzungstechniken so auszu-
whlen, dass sinnvolle und angemessene Lsungen gefunden werden.
Es ist nicht beabsichtigt, den Leser in diesem Kapitel mit den allgemei-
nen Grundlagen der (Internet-)Anwendungsentwicklung vertraut zu ma-
chen. Statt dessen soll ausschlielich auf die Besonderheiten der Realisie-
rung von Anwendungen fr den Mobile Commerce eingegangen werden.
Der Leser soll die hierfr relevanten Dienste, Standards, Problematiken
und Grundstze kennen lernen. Hierzu werden im Abschnitt 5.2 die ge-
nannten Einschrnkungen und Heterogenitten nher untersucht, Abschnitt
5.3 beschftigt sich mit verschiedenen Umsetzungstechniken fr MC-
Anwendungen und Abschnitt 5.4 vermittelt schlielich einige Grundregeln
fr die Gestaltung dieser Anwendungen.
84 Realisierung von MC-Anwendungen
5.2 Einschrnkungen und Heterogenitten
In Abschnitt 5.1 wurden zwei Analyseschritte postuliert, die der eigentli-
chen Anwendungsentwicklung vorangehen. Voraussetzung fr diese
Schritte ist eine Zielgruppenanalyse auf zwei Ebenen: Fr die Identifizie-
rung des entscheidenden Mehrwertes muss eine Vorstellung des Nutzers
und des Nutzungskontextes vorhanden sein, die etwa durch die Aufstel-
lung von Nutzungsszenarien (use cases) gewonnen werden kann; fr die
Identifizierung der relevanten Einschrnkungen und Heterogenitten muss
eine Vorstellung des Zielgertes vorhanden sein.
Die spezifischen Einschrnkungen der Verwendung mobiler Kommuni-
kationstechniken und Endgerte bestehen vor allem
in den MC-relevanten Schnittstellen, den Darstellungs- und den
Eingabemglichkeiten der Zielgerte sowie
in der Art und Bandbreite der Datenbertragung.
Probleme knnen dabei nicht nur aus den eingeschrnkten Mglichkeiten
selbst, sondern auch aus der Heterogenitt der Eigenschaften verschiedener
Endgerte entstehen.
Zwar ist es mglich, eine Anwendung von vornherein ausschlielich mit
dem Fokus auf ein bestimmtes Endgert zu entwerfen, etwa eine Spiele-
anwendung fr PDA. In der Regel jedoch sollte der Weg von der Idee ei-
nes mobilen Angebotes ber die Zielgruppenanalyse zu dem Gert fhren,
ber das die berwiegende Mehrzahl der Nutzer (im angenommenen Nut-
zungsszenario) typischerweise verfgt. Dieses wird damit zum Haupt-
Zielgert bestimmt, auf das die Anwendung in erster Linie optimiert wird.
Daneben kann es weitere Zielgerte geben, fr die die Anwendung eben-
falls angemessen verfgbar gemacht werden soll. Ein Zielgert ist in die-
sem Zusammenhang entweder eine Endgerte-Kategorie im Sinne von Ab-
schnitt 3.3, ein Ausprgungsgrad einer solchen Kategorie oder in Aus-
nahmefllen auch ein einzelnes Modell eines Herstellers.
Je nach Kategorie und Ausprgung kann eine Interaktion mit dem Nut-
zer ber verschiedene MC-relevante Schnittstellen realisiert werden. In
Abschnitt 3.3 wurden IVR, Versand/Empfang von SMS, Internet-basierte
einfache Interaktion, einfache Anwendungen und komplexe Anwendungen
unterschieden; die jeweiligen Realisierungstechniken sind Gegenstand von
Abschnitt 5.3.
Einschrnkungen liegen ebenfalls in den Darstellungsmglichkeiten des
Endgertes. Diese reichen von einem PDA-Farbbildschirm mit 240x320
Bildpunkten ber das Mobiltelefon-Display mit beispielsweise 5 Zeilen zu
je 20 Zeichen bis hin zu lteren Gerten, deren Display durch externe An-
wendungen gar nicht genutzt werden kann. Beispiele zeigt Abb. 5-1.
Einschrnkungen und Heterogenitten 85

Abb. 5-1: Heterogene Darstellungsmglichkeiten von Endgerten am Beispiel
Selbst bei vergleichbaren Endgerten, z.B. 2G Standard-Mobiltelefonen,
wird hufig eine unterschiedliche Realisierung durch den jeweiligen Her-
steller zum Problem. Hier sind vor allem heterogene Displaygren und
heterogene Microbrowser zu nennen.
Weitere Einschrnkungen betreffen die Eingabemglichkeiten des End-
gertes. Bei einfachen Mobiltelefonen handelt es sich hier um eine Zahlen-
tastatur mit einigen Auswahltasten, mit denen in der Regel einfache Mens
bedient werden knnen. Komplexere Gerte, insbesondere PDA, ermgli-
chen mittels Stifteingabe eine Mausfunktionalitt, Zeicheneingabe/Hand-
schrifterkennung oder die Benutzung einer virtuellen Tastatur.
Neben den Einschrnkungen des Endgertes sind diejenigen der Daten-
bertragung zu bercksichtigen. Hierzu gehrt die verfgbare Bandbreite.
Es ist leicht einsehbar, dass man bei der Konzeption einer Anwendung, die
z.B. ber eine Datenbertragungsrate von 57,6 kBit/s verfgen kann, typi-
scherweise anders vorgeht, als bei 9,6 kBit/s. Auer der grundstzlichen
Anpassung des zu bertragenden Datenvolumens an die verfgbare Band-
breite kann dies insbesondere auch heien, die Anwendung auf Reaktions-
zeit zu optimieren. Damit ist gemeint, lngere bertragungszeiten mg-
lichst nicht zu Wartezeiten werden zu lassen, indem der Nutzer whrend-
dessen bereits mit anderen Ein- oder Ausgaben befasst wird.
Als letzte wichtige Einflussgre sei die Art der Datenbertragung ge-
nannt. Steht verbindungsorientierte Datenbertragung zur Verfgung, so
ist es meist ratsam, die Anwendung auf eine mglichst geringe Dauer der
Datenbertragung hin zu optimieren, um unntige Kosten zu vermeiden
und den bertragungskanal whrend der Verbindungszeit mglichst effi-
zient auszulasten. Im Extremfall bedeutet dies, nach dem EVA-Prinzip
(Eingabe Verarbeitung Ausgabe) vorzugehen und dabei die Ein- und
Ausgabe offline vorzunehmen, whrend nur in der Verarbeitungsphase ei-
ne Datenbertragung vorgenommen wird. Bei geringen Datenmengen
kann die Verwendung von SMS hier unter Umstnden eine effiziente Al-
86 Realisierung von MC-Anwendungen
ternative darstellen. Interaktion msste in diesen Fllen weitgehend ver-
mieden werden. Kann dagegen auf paketorientierte Datenbertragung zu-
rckgegriffen werden, so ist Interaktion Standard. In einigen Bereichen ist
die paketorientierte Datenbertragung durch Mobilfunk zudem bereits ge-
eignet, drahtgebundene Verbindungen aus Effizienzgrnden abzulsen. Im
Jahr 2003 wurden in Deutschland die ersten POS-Terminals eingefhrt,
deren Datenanbindung mittels eines GPRS-Moduls realisiert ist.
7

Prinzipiell nehmen die Einschrnkungen durch Art und Bandbreite der
Datenbertragung mit der fortschreitenden Verfgbarkeit von 2.5- und 3G-
Netzen immer mehr ab. Es ist jedoch zu beachten, dass allein die Verfg-
barkeit dieser Techniken (ebenso wie bei den Endgerten) nicht ausreicht,
um die Relevanz der Problematik zu eliminieren. Je nach Zielgruppe kann
die Masse der Nutzer noch auf Jahre hinaus auf ltere Endgerte angewie-
sen sein. Dies gilt umso strker, je mehr mit einer Anwendung der Mas-
senmarkt angepeilt wird.
Zusammenfassung
Die spezifischen Einschrnkungen der Verwendung mobiler Kommunika-
tionstechniken und Endgerte bestehen vor allem in den MC-relevanten
Schnittstellen, den Darstellungs- und den Eingabemglichkeiten der Ziel-
gerte sowie in Art und Bandbreite der Datenbertragung. Hierbei ist nicht
nur die jeweilige Einschrnkung selbst von Bedeutung, sondern auch die
diesbezgliche Heterogenitt der verschiedenen Endgerte.
Die Verfgbarkeit moderner Netze und Endgerte allein lst das Pro-
blem nicht, entscheidend ist vielmehr deren Verbreitung in der Zielgruppe.
Vor dem Entwurf einer Anwendung muss eine Zielgruppenanalyse ge-
macht und ein Haupt-Zielgert bestimmt werden, auf das die Anwendung
in erster Linie optimiert wird, daneben kann es weitere Zielgerte geben.
Kontrollfragen
(23) Sie erhalten den Auftrag, zwei MC-Anwendungen zu entwerfen: Eine
Anwendung fr die Hrer eines Radiosenders (hauptschlich Schler
und Jugendliche), sowie eine Arbeits- und Materialerfassung fr Bau-
leiter. Stellen Sie erste berlegungen zu den Zielgerten an.

7
POS-Terminals (Point of Sale) sind Gerte zur Abwicklung von Kartenzahlun-
gen (Kreditkarte, Eurocheque-Karte), die etwa an Ladenkassen z.B. in Tank-
stellen oder Kaufhusern eingesetzt werden. Die Gerte der neuesten Genera-
tion sind ber die Grundfunktion hinaus in der Lage, Prepaid-Aufladungen fr
Mobilfunkkunden mittels PIN-Printing (Ausdruck eines Aufladecodes) oder
Top-Up (Online-Guthabenaufladung) abzuwickeln.
Umsetzungstechniken 87
(24) Ein Restaurant wickelt ca. 60 Kreditkartenzahlungen am Tag ab. Fr
jede Transaktion mssen 500 Byte Daten bertragen werden. Wie
hoch schtzen Sie die Kosten, die fr die Datenbertragung mit einem
GPRS-basierten POS-Terminal entstehen?
5.3 Umsetzungstechniken
Analog zur Anwendungsentwicklung im EC gibt es auch im MC zunchst
zwei prinzipielle Mglichkeiten der Realisierung: Die Verwendung server-
seitiger Techniken und die Verwendung clientseitiger Techniken.
Die damit realisierten Dienste lassen sich in zwei Kategorien unter-
scheiden: Pull- und Push-Dienste. Bei dem vom Internet her bekannten
Pull-Prinzip geht die Datenbertragung vom Client aus (Abb. 5-2). Dieser
sendet eine Anfrage an einen Server (Request), der Server antwortet mit
der gewnschten Information (Response).

Abb. 5-2: Prinzip eines Pull-Dienstes
Beim Push-Prinzip initiiert und konfiguriert der Nutzer einen Dienst; dabei
gibt er an, welche Informationen er bei Eintritt welchen Ereignisses erhal-
ten will. Zur Laufzeit des Dienstes geht die Datenbertragung dann vom
Server aus; dieser sendet eine Information an den Client (Abb. 5-3).
Man kann sich den Unterschied am Beispiel von Verkehrsinformationen
verdeutlichen: Bei einem Pull-Dienst ruft der Nutzer in bestimmten Zeitin-
tervallen die Informationen ab, bei einem Push-Dienst wird ihm beim Be-
kannt werden einer neuen Stauinformation fr seine Route diese Informa-
tion verzugslos vom Server bermittelt.

Abb. 5-3: Prinzip eines Push-Dienstes
Im Falle der serverseitigen Programmierung liegt die Anwendung voll-
stndig auf dem Informationssystem des Anbieters. Die auf dem Endgert
bentigte Funktionalitt beschrnkt sich auf die Darstellung der Ausgabe
und die Annahme von Eingaben. Hierbei sind als Nutzerschnittstelle vor
88 Realisierung von MC-Anwendungen
allem IVR, Kurznachrichten, HTML-Dialekte fr mobile Endgerte sowie
HTML selbst von Bedeutung. Ein Teil der Nutzerschnittstellen und Tech-
niken wurde bereits bei der Betrachtung der Endgerte erlutert (siehe 3.3).
An dieser Stelle soll vor allem auf ihre Bedeutung fr die Anwendungs-
entwicklung eingegangen werden. Die auf dem Server verwendeten Tech-
niken selbst sind wenig MC-spezifisch und daher nicht Gegenstand der
Darstellung. Im Falle der clientseitigen Programmierung liegt die Anwen-
dung grundstzlich auf dem Endgert oder wird zur Ausfhrung auf dieses
bertragen. Hierfr knnen etwa Skriptsprachen oder je nach Endgert
Standard-Programmiersprachen und -werkzeuge wie Java oder das Micro-
soft .NET Compact Framework verwendet werden.
IVR
Bei IVR-basierten Anwendungen ruft der Nutzer an oder wird angerufen.
Die Bedienung erfolgt typischerweise durch wiederholte Menauswahl in-
nerhalb der Anwendung (siehe 3.3). Diese Realisierungsform ist vollstn-
dig unabhngig vom verwendeten Endgert und ermglicht eine Bedie-
nung ohne Technikkenntnisse, gleichwohl ist Interaktion mglich. Fr die-
se Vorteile muss jedoch nicht nur ein Medienbruch in Kauf genommen
werden, sondern auch eine oft langsame und wenig nutzerfreundliche Be-
dienung. Zudem verfgen IVR-basierte Push-Dienste noch ber geringe
Nutzerakzeptanz, so dass sich die Anwendung meist auf Pull-Dienste re-
duziert. Daher ist diese Realisierungsform bisher vor allem als erster
Schritt hin zu mobilen Anwendungen geeignet, insbesondere auch bei ei-
ner wenig technikaffinen Zielgruppe. Der Bedarf an innovativen Techni-
ken fr sprachgesteuerte Authentifizierung und Bedienung ist jedoch hoch.
SMS
Der Short Message Service (SMS), ist ein GSM-Dienst zum Versenden von
Kurznachrichten. Die Nachrichten, die selbst ebenfalls als SMS be-
zeichnet werden, bestehen aus bis zu 140 Byte, was je nach Zweck die -
bermittlung verschiedener Zeichenanzahlen ermglicht (Tabelle 5-1).
Neuere Mobiltelefone heben diese Grenzen scheinbar auf, teilen aber in
Wirklichkeit eine lngere Nachricht in mehrere Einzelnachrichten auf und
versenden diese nacheinander.
Tabelle 5-1: Verfgbare Zeichenanzahl fr SMS
Zeichenanzahl Zeichenlnge Anwendung
160 7 Bit Text
140 8 Bit Nutzdaten
70 16 Bit Unicode-Text, z.B. asiatische Schriftzeichen
Umsetzungstechniken 89
SMS ist ein Store-and-Forward Dienst: Bei Nichterreichbarkeit des Emp-
fngers wird eine Zwischenspeicherung und sptere Zustellung vorge-
nommen. Dieser Vorgang findet dann statt, wenn die empfangende MS
nicht in ein Netz eingebucht ist. Unabhngig davon kann eine Nachricht
verzgert werden, wenn etwa bermittlungskanle oder andere Netzele-
mente ausgelastet sind. SMS knnen jedoch vom Netzbetreiber priorisiert
werden, so dass als zeitkritisch klassifizierte Information verzugslos ber-
mittelt wird. Im erweiterten Codierungsverfahren UDH (User Data Hea-
der) knnen spezielle Nutzdaten versendet werden, etwa Betriebssystemin-
formation. Neben dem bekannten SMS Point-to-Point, bei dem eine Nach-
richt an einen einzelnen Empfnger versendet wird, existiert der SMS Cell
Broadcast (SMS CB), bei dem eine Nachricht an alle Empfnger in einer,
mehreren oder allen Zellen eines Netzes versendet wird, die diesen Dienst
freigeschaltet haben. Zur Nutzung von SMS ist in einem GSM-Netz eine
Kurznachrichtenzentrale (Short Message Service Center, SMSC) erforder-
lich. Hierbei handelt es sich um eine Anwendung, meist auf Standard-
Serverplattformen (Unix), mit den Aufgaben:
Annahme und Weiterleitung von Kurzmitteilungen von/an MSC,
erforderlichenfalls Zwischenspeicherung und sptere Zustellung,
Versand der von Netzdiensten generierten Nachrichten (Mailbox,
Informationsdienste) und CDR-Generierung.
Ein Netzbetreiber verfgt ber ein oder mehrere SMSC. Bei sehr hohem
SMS-Aufkommen oder zeitkritischen Anwendungen kann es aber durch-
aus sinnvoll fr einen Versender sein, ein eigenes SMSC zu betreiben.
Beispiele hierfr sind Automobilhersteller, die Telematikdaten per SMS
bermitteln oder zentrale Einrichtungen fr Grubenwehren/Feuerwehren,
die ihre Alarmierungskette ber SMS-Anwendungen realisiert haben.
Bei Verwendung der Nutzerschnittstelle SMS fr einen Pull-Dienst sen-
det der Nutzer manuell eine SMS, um den Dienst anzufordern; die An-
wendung antwortet mit einer SMS, die die gewnschte Information enthlt
(bei einem Push-Dienst erfolgt entsprechend nur der zweite Schritt). Auch
diese Realisierungsform ist weitgehend gerteunabhngig. Zudem ermg-
licht sie Offline-Bearbeitung (siehe 5.2) sowie eine implizite Abrechnung
durch Premium-SMS (siehe 9.2). Allerdings ist auch hier eine umstndli-
che und wenig nutzerfreundliche Eingabe erforderlich, auerdem sind nur
stark eingeschrnkte Funktionalitten und keine Interaktion mglich. Diese
Realisierungsform verursacht hohe variable Kosten und ist nur fr sehr
einfache Anwendungen geeignet. Hier kann sie sich jedoch in einigen Be-
reichen durchaus als gute und sogar kostengnstige Lsung erweisen.
90 Realisierung von MC-Anwendungen
USSD
Unstructured Supplementary Services Data (USSD) ist wie SMS ein GSM-
Dienst zum Versand von Kurznachrichten. USSD bertrgt bis zu 182 Zei-
chen (zu je 7 Bit) pro Nachricht. Im Unterschied zu SMS wird jedoch fr
die bermittlung eine Verbindung aufgebaut. Die Folge ist, dass unmittel-
bar und exakt nachvollziehbar wird, ob und wann die Nachricht vollstn-
dig bertragen wurde. Hierdurch knnen etwa vollstndige Transaktionen
garantiert werden.
Beispiele fr die Anwendung von USSD sind netzinterne Transaktionen
(etwa im Zusammenhang mit Prepaid-Roaming), aber auch verschiedene
MC-Anwendungen wie Wertpapiertransaktionen (Mobile Brokerage).
MMS
Der Multimedia Messaging Service (MMS) ist ein Dienst zum Versenden
von Nachrichten mit integrierten Bild-, Video- und Audiodaten, der in
GPRS- und UMTS-Netzen als Erweiterung und zustzlich zum SMS be-
reitgestellt wird. Neben der bertragung von einem mobilen Endgert zu
einem anderen ist auch ein Versand an beliebige E-Mail Adressen mg-
lich. Die Mglichkeiten zur Konfiguration der MMS-Funktionalitt wird
dem Nutzer typischerweise ber ein Web-Frontend bereit gestellt.
Zur Nutzung von MMS ist in einem Netz zustzlich zum SMSC ein
Multimedia Message Service Center (MMSC) erforderlich, das analog zu
diesem Annahme und Weiterleitung der MMS, erforderlichenfalls Zwi-
schenspeicherung und sptere Zustellung sowie CDR-Generierung durch-
fhrt. Aufgrund der teils unterschiedlichen Implementierung in den Mobil-
funknetzen ist ein Versand in fremde Netze noch nicht immer mglich.
Viel problematischer ist jedoch, dass der Dienst auch in den Endgerten
teils noch unterschiedlich implementiert ist. Daher besteht eine aufwndige
Zusatzaufgabe der MMSC derzeit noch darin, vor der Weiterleitung Kom-
patibilittstests mit den Endgerten durchzufhren. Auerdem stellt es die
SMTP-Funktionalitt fr den Versand ins Internet sowie optional Ausliefe-
rungs- und Lesebesttigungen fr versendete MMS bereit.
Mit MMS sind prinzipiell die selben MC-Anwendungen mglich, wie
mit SMS. Die erweiterten Mglichkeiten des Dienstes ermglichen jedoch
eine vllig andere Qualitt von Anwendungen. Einfache Beispiele umfas-
sen etwa Routenplanung mit Kartenausschnitten, Immobilien-Angebote
und Skiwetter-Meldungen mit Fotos ebenso wie Sportmeldungen oder Re-
paraturanforderungen mit kurzen Videoclips. Hier ist ein erhebliches Po-
tenzial zur Realisierung neuer Anwendungen sowohl im B2C-, wie im
B2B-Bereich erkennbar.
Umsetzungstechniken 91
Point-to-Multipoint Dienste
Die paketorientierte Datenbertragung beginnend mit GPRS beinhaltet
neben Point-to-Point (PTP) auch Point-to-Multipoint (PTM) Dienste.
Beim PTM-Multicast (PTM-M) werden Daten in alle vom Sender ange-
gebenen Zellen bertragen, und zwar entweder an alle Empfnger in die-
sen Gebieten oder nur an angegebene Teilnehmergruppen.
Beim PTM-Group Call (PTM-G) werden Daten an eine spezielle Teil-
nehmergruppe bertragen, und zwar entweder unabhngig vom Aufent-
haltsort der Teilnehmer oder auf bestimmte Zellen begrenzt.
SIM AT
Das SIM Application Toolkit (kurz: SIM-Toolkit oder SIM AT) ermglicht
die Programmierung und das Ablegen einfacher Anwendungen auf der
SIM-Karte. Fr diese Anwendungen ist im GSM-Standard 11.14 ein Satz
von erweiterten Befehlen und Prozeduren zwischen SIM-Karte und Mobil-
telefon definiert. Anwendungen knnen dabei etwa durch Menbefehle,
ankommende SMS oder PAN-Aktivitten angestoen werden und ihrer-
seits insbesondere Sprach- oder Datenverbindungen ber verschiedene
Kanle aufbauen, selbstndig Daten senden/empfangen, mit dem Nutzer in
Dialog treten und SMS versenden. Ein bekanntes Beispiel sind SIM-
Toolkit Anwendungen fr SMS-Banking. Um SIM-Toolkit nutzen zu kn-
nen, mssen Mobiltelefon und SIM-Karte diesen Standard untersttzen
(was in Deutschland etwa seit 2000 standardmig der Fall ist). Die ent-
scheidende Einschrnkung liegt jedoch darin, dass Installationen auf der
SIM-Karte ausschlielich durch den Mobilfunkanbieter vorgenommen
werden knnen. Aus diesem Grund spielt SIM-Toolkit fr Anwendungen
von Drittanbietern bisher nahezu keine Rolle, wohl aber beispielsweise fr
die eigenen Mehrwertdienst-Angebote der Mobilfunkanbieter, die dem
Nutzer in Form von Menerweiterungen zugnglich gemacht werden.
WAP
Das Wireless Application Protocol (WAP) ist entgegen seinem Namen
kein einzelnes Protokoll. Vielmehr handelt es sich um einen Standard fr
die bertragung und Darstellung von Daten auf mobilen Endgerten, spe-
ziell Mobiltelefonen. Der wesentliche Zweck besteht dabei in der Bereit-
stellung einer einheitlichen Kommunikationsumgebung auf unterschiedli-
chen drahtlosen Technologien, der maximal mglichen Verlagerung von
Rechenlast auf den Server und der Optimierung fr die eingeschrnkten
Darstellungs- und Bedienungsmglichkeiten sowie geringen Datenbertra-
gungsraten, die auf den Endgerten zur Verfgung stehen.
92 Realisierung von MC-Anwendungen
ber die WAP-Spezifikation und -Anwendungsentwicklung gibt es
zahlreiche Publikationen. An dieser Stelle soll nur ein kurzer berblick
gegeben werden, um dem Leser einige Grundlagen zu vermitteln und ihn
zu befhigen, die Grenzen und Mglichkeiten dieser Realisierungsform zu
beurteilen. Fr eine detaillierte Beschreibung sei z.B. auf [2] verwiesen.
Im Zuge des Internet-Wachstums entstand Mitte der neunziger Jahre die
Forderung mobilen Zugriffs. Verschiedene Techniken und Auszeichnungs-
sprachen wurden fr den Einsatz auf mobilen Endgerten vorgestellt, etwa
Nokias Smart Messaging mit der HTML-hnlichen Tagged Text Markup
Language (TTML) oder das Handheld Device Transport Protocol (HDTP)
mit der zugehrigen Handheld Device Markup Language (HDML) von
[Link] (ehemals Unwired Planet). Um jedoch das Entstehen einer
Vielzahl inkompatibler Entwicklungen zu vermeiden, wurde von den In-
frastruktur- und Endgerteherstellern Ericsson, Motorola, Nokia und dem
Softwarehersteller Unwired Planet 1997 das WAP-Forum mit dem Ziel der
Entwicklung eines einheitlichen, offenen und an den Paradigmen des
World Wide Web orientierten Standards gegrndet. Die ersten Endgerte
mit implementiertem WAP-Standard waren 1999 auf dem Markt verfg-
bar. Das WAP-Forum umfasste zwischenzeitlich mehr als 200 Firmen und
ging 2003 in der Open Mobile Alliance (OMA) auf. Die WAP-
Spezifikation besteht aus
dem Wireless Application Environment (WAE) mit je einer Aus-
zeichnungs- und einer Skriptsprache, einem Microbrowser als WML
User Agent zur Interpretation und Darstellung der Inhalte auf dem
Endgert sowie einer Programmierschnittstelle und
einem optimierten Protokollstapel fr die bertragung auf der Luft-
schnittstelle.
Der Abruf von WWW-Seiten ist ein klassisches Beispiel fr einen Pull-
Dienst (Abb. 5-2). Das WAP-Modell funktioniert prinzipiell genauso, al-
lerdings ist ein WAP-Gateway mit der Funktionalitt eines Proxy-Servers
zwischengeschaltet, der die Protokollkonversion und die Umsetzung in bi-
nre Darstellung vornimmt. Die Kommunikation luft nun in zwei Schrit-
ten ab: Zwischen dem HTTP-Server und dem WAP-Gateway wird der In-
ternet-Protokollstapel verwendet, zwischen dem WAP-Gateway und dem
WAP User Agent auf dem Endgert der WAP-Protokollstapel (Abb. 5-4).

Abb. 5-4: WAP-Modell
Umsetzungstechniken 93
WAP-Inhalte werden in der Wireless Markup Language (WML) beschrie-
ben, einer XML-basierten Auszeichnungssprache mit wenigen Sprachele-
menten, die eine Verwendung und Formatierung von Text, Grafiken und
Hyperlinks ermglichen. Im Gegensatz zu HTML verfgt WML allerdings
ber ein Zustandsmodell, mit dessen Hilfe Variablen zur Verarbeitung ein-
facher Nutzereingaben direkt im Endgert verwendet sowie Zeitmarken
gesetzt werden knnen. Die Inhalte werden in kleine Ausfhrungseinheiten
zerlegt: Der Inhalt eines Bildschirms wird als Karte (Card) bezeichnet,
mehrere zusammengehrige Karten werden zu einem Kartenstapel (Deck)
zusammengefasst. Ein Kartenstapel entspricht einer WML-Datei auf dem
Server. Abb. 5-5 zeigt einen einfachen Stapel mit zwei Karten.
<wml>
<card id="Test" title="Demo">
<do type="accept">
<go href="#CardOut"/>
</do>
<p align="center">
Wie heisst Du? <br/>
<input name="variable1"/>
<br/>
</p>
</card>
<card id="CardOut" title="Ausgabe">
<p align="center">
Hallo <br/>
$(variable1)
</p>
</card>
</wml>

Abb. 5-5: Beispiel fr einfachen WML-Quellcode
Die Skriptsprache WMLScript basiert auf JavaScript und erlaubt die Ein-
bettung ausfhrbarer Inhalte in eine WML-Seite. Die in Abschnitt 5.2 auf-
gezeigten Heterogenitten machen sich bei WAP besonders nachteilig be-
merkbar: Eine WML-Seite wird je nach Displaygre und (herstellerab-
hngiger) Implementierung des Microbrowsers auf dem Client mglicher-
weise unterschiedlich dargestellt, was unter Umstnden mehrere Varianten
eines WAP-Angebotes fr verschiedene Endgerte erfordert.
Schlielich gehrt zum WAE noch die Programmierschnittstelle Wire-
less Telephony Applications (WTA) Framework, die den Zugriff auf Tele-
fonie-Funktionalitten mittels WMLScript ermglicht, insbesondere ein
entsprechendes Event-Handling. Ein Beispiel fr die Nutzung des WTA-
Framework wre die Programmierung einer Anwendung, die bei einem
94 Realisierung von MC-Anwendungen
MTC ein Men mit speziellen firmeninternen Weiterleitungs- oder Be-
nachrichtigungsoptionen aufruft.
Die in WAP definierten Protokolle orientieren sich weitgehend an den
eingefhrten Internet-Protokollen, sind dabei jedoch insbesondere auf Mi-
nimierung der erforderlichen Bandbreite sowie Robustheit gegen Verzge-
rung und bertragungsprobleme ausgelegt. Sie bilden einen Protokollsta-
pel (WAP-Stack) mit fnf Schichten. Der zuvor beschriebene WAE bildet
die Anwendungsschicht (Application Layer) und stellt eine Umgebung be-
reit, auf der Anwendungsentwickler und Dienstanbieter aufsetzen und
prinzipiell transparent gegenber dem Trger und der verwendeten
Hardware Anwendungen und Dienste entwickeln knnen. Das Adressmo-
dell ist im Wesentlichen identisch mit dem Internet-Adressmodell und
verwendet Uniform Resource Locator (URL) und Uniform Resource Iden-
tifier (URI). Unterhalb dieser Ebene wird
auf der Kommunikationssteuerungsschicht (Session Layer) das
Wireless Session Protocol (WSP), ein binres HTTP-quivalent mit
je einem verbindungsorientierten und verbindungslosen Dienst,
auf der Transaktionsschicht (Transaction Layer) das Wireless
Transaction Protocol (WTP) zur Sicherstellung zuverlssiger Trans-
aktionen,
auf der Sicherheitsschicht (Security Layer) das Protokoll Wireless
Transport Layer Security (WTLS) zur Realisierung von Integritt,
Vertraulichkeit und Authentisierung (siehe 6.2) und
auf der Transportschicht (Transport Layer) das Wireless Datagram
Protocol (WDP), das jeweils entsprechend dem verwendeten Trger
implementiert ist, verwendet.
Abb. 5-6 stellt die WAP-Protokolle auf den verschiedenen Schichten und
die vergleichbaren Protokolle beim Abruf von WWW-Inhalten gegenber.

Abb. 5-6: Vergleich von Internet- und WAP-Protokollen
Der WAP-Protokollstapel als Ganzes ist wiederum geeignet, auf unter-
schiedlichste Trger aufzusetzen, die sowohl verbindungs- als auch paket-
orientiert sein knnen. Hierzu gehren insbesondere unterschiedliche
Umsetzungstechniken 95
Dienste der Mobilfunkstandards GSM, GPRS, IS-136, IS-95, PDC sowie
der IMT-2000-basierten 3G-Standards. Bei der Masse der derzeit verfg-
baren WAP-fhigen Endgerte ist die WAP-Version 1.1 implementiert.
Gerte mit einem Markteintritt ab 2002 verfgen typischerweise ber
WAP 1.2, das sich neben anderen Merkmalen durch ein WSP mit der
Mglichkeit zu Push-Diensten auszeichnet. WAP 2.0 ist bereits spezifi-
ziert, findet aber bisher keine wirklich Beachtung.
Das grte Manko fr WAP liegt nicht in technischen Restriktionen:
Durch die berzogenen Erwartungen der Jahre 1999/2000 (siehe Abschnitt
1.2) und durch schlechte Erfahrungen und Nutzungszahlen bei den bishe-
rigen CSD-basierten, oft nicht dem Design-to-Mobile Paradigma gengen-
den Angeboten ist WAP bei Anbietern und Nutzern mit einem erheblichen
Imageproblem belastet.
HTML und HTML-Dialekte
Als HTML-Dialekte fr mobile Endgerte sind vor allem die zuvor be-
schriebene Wireless Markup Language (WML) und Compact HTML
(cHTML) relevant.
WML ermglicht die Bereitstellung einfacher Webseiten nach dem
WAP-Standard und zielt auf Mobiltelefone und Low-End PDA mit WAP-
Browser. Grafiken im WBMP-Format (1-bit) werden ermglicht, aufgrund
unterschiedlicher Umsetzung der Standards sind Interpretation und Dar-
stellung jedoch stark gerteabhngig. Compact HTML wurde durch NTT
DoCoMo entwickelt und ermglicht die Bereitstellung von Webseiten
nach dem proprietren i-mode Standard (siehe 3.3) , wobei die Darstellung
nur auf speziellen Mobiltelefonen mit i-mode Microbrowser mglich ist.
Die Verwendung von Farbgrafiken im GIF-Format wird ermglicht, au-
erdem die Integration gewisser Telefonfunktionen (z.B. Link auf eine
Rufnummer).
Eine weitere Realisierungsmglichkeit besteht darin, Standard-HTML
zu verwenden. Dies ist allerdings auf PDA oder Smartphones mit einem
Web-Browser (z.B. Pocket Internet Explorer) beschrnkt. Prinzipiell ist
damit die Darstellung jeder beliebigen HTML-Seite mglich. Bei der Be-
reitstellung sollten jedoch die Einschrnkungen in Darstellung und Band-
breite bercksichtigt werden. Ein Beispiel fr ersteres wre eine PDA-
optimierte Seitengre, fr zweiteres eine Beschrnkung auf Textdarstel-
lung (Lynx). Die automatische Generierung PDA-optimierter Seiten ist
aus einem professionellen Webangebot heraus problemlos mglich.
96 Realisierung von MC-Anwendungen
Programmierung
Die Skriptsprache WMLScript ist Bestandteil des WAP-Standards. Sie
dient der Programmierung einfacher Anwendungen. Typisches Beispiel fr
die Anwendung von WMLScript wre beispielsweise die Durchfhrung
von Berechungen auf der Basis servergespeicherter Firmendaten.
WMLScript ist insbesondere von Relevanz, wenn das Zielgert (nur) ein
WAP-fhiges Mobiltelefon ist und die Darstellung von WML-Seiten nicht
ausreicht.
Eine weitere Mglichkeit liegt in der serverseitigen Programmierung.
Hier kommen im Wesentlichen Web-Engineering Techniken zur Anwen-
dung, die wenig MC-spezifisch sind, beispielsweise unter Verwendung der
Skriptsprache PHP, und Ausgaben in beliebigen Auszeichnungssprachen
(z.B. HTML, WML) erzeugen.
Fr die Programmierung komplexer Anwendungen werden auch auf
mobilen Endgerten typischerweise Standard-Programmiersprachen ver-
wendet. Die hchste Relevanz hat hier Java, das als knftiger Standard fr
die Programmierung mobiler Endgerte betrachtet wird (siehe 3.3). Wei-
terhin ist, insbesondere fr PDA und Smartphones mit Microsoft-Betriebs-
system, das .NET Compact Framework von Bedeutung; darber hinaus e-
xistieren eine Reihe weiterer Programmiersprachen und -werkzeuge. Bei-
spiele fr komplexe Anwendungen finden sich etwa im Bereich des mobi-
len Zugriffs auf Unternehmensdaten aus einem ERP-System heraus oder
bei anspruchsvollen Spielen einschlielich Abrechnungsfunktionalitt.
Zusammenfassung
Bei der Anwendungsentwicklung im MC knnen sowohl serverseitige
Techniken, als auch clientseitige Techniken eingesetzt werden. Realisierte
Dienste werden unterschieden in Pull-Dienste, bei denen der Nutzer oder
sein Endgert die Datenbertragung anstoen, und Push-Dienste, bei denen
der Server die Datenbertragung anstt.
Bei serverseitiger Programmierung sind als Nutzerschnittstelle vor al-
lem IVR, Kurznachrichten sowie HTML und dessen Dialekte fr mobile
Endgerte von Bedeutung. Bei clientseitiger Programmierung knnen je
nach Endgert etwa WMLScript oder Standard-Programmiersprachen und -
werkzeuge eingesetzt werden, insbesondere ist Java von Bedeutung.
Der Short Message Service (SMS), ist ein GSM-Dienst zum Versenden
von Kurznachrichten bis 140 Byte Lnge, die Text oder Nutzdaten enthal-
ten knnen. Im Gegensatz zu SMS Point-to-Point mit je einem Sen-
de/Empfnger ermglicht SMS Cell Broadcast (SMS-CB) den Versand an
mehrere Empfnger in einer, mehreren oder allen Zellen eines Netzes. Un-
structured Supplementary Services Data (USSD) ist ein vergleichbarer, a-
ber verbindungsorientierter Dienst. Der Multimedia Messaging Service
Gestaltung von MC-Anwendungen 97
(MMS) ist eine Erweiterung des SMS zum Versenden von Nachrichten mit
integrierten Bild-, Video- und Audiodaten, der in GPRS- und UMTS-
Netzen bereitgestellt wird.
SIM-Toolkit ermglicht Anwendungen den Zugriff auf Funktionen der
SIM-Karte.
Das Wireless Application Protocol (WAP) ist ein Standard fr die ber-
tragung und Darstellung von Daten auf mobilen Endgerten. Er besteht aus
dem Wireless Application Environment (WAE) mit der Auszeichnungsspra-
che WML, der Skriptsprache WMLScript, einem Microbrowser und der
Programmierschnittstelle Wireless Telephony Applications (WTA) Frame-
work sowie einem optimierten Protokollstapel fr die bertragung auf der
Luftschnittstelle. Mittels WML werden Webseiten speziell fr die Darstel-
lung auf Mobiltelefonen erzeugt und mittels WMLScript einfache Vorgn-
ge (z.B. Berechnungen) automatisiert durchgefhrt. Diese Seiten werden
dann auf einem Standard-Webserver abgelegt und beim Aufruf zunchst
mittels HTTP zu einem WAP-Gateway bertragen. Dort erfolgt eine Proto-
kollkonversion und die bertragung mittels WSP (Wireless Session Proto-
col) zum Endgert. WAP ermglicht Pull-Dienste, die dem Abruf von
WWW-Seiten hnlich sind, sowie ab der Version 1.2 auch Push-Dienste,
ist jedoch mit einem Imageproblem belastet.
Kontrollfragen
(25) Eine Bank bietet Kunden an, diese beim berschreiten eines festge-
legten Kurses durch eine Aktie per SMS zu informieren. Welche Art
der Programmierung wird hier vorliegen? Handelt es sich um einen
Push- oder Pull-Dienst? Machen Sie Aussagen zum Zielgert. Nennen
Sie einen Nachteil gegenber einer WAP-Anwendung.
5.4 Gestaltung von MC-Anwendungen
In Abschnitt 5.1 wurde ein wichtiger Grundsatz eingefhrt: Design to Mo-
bile. Wie aber macht man das?
Hierzu muss zunchst klar sein, welches der entscheidende Mehrwert
des Nutzers durch die Mobilitt der Anwendung ist. Dies und weitere Pr-
ferenzen des Nutzers lassen sich durch Analyse der typischen Nutzungs-
szenarien (Use Cases) und der typischen Nutzungshufigkeit ableiten.
Hierfr und auch mit Blick auf die spezifischen Einschrnkungen und He-
terogenitten mobiler Endgerte ist es von besonderer Bedeutung, die
Zielgruppe zu identifizieren und aus deren typischer Ausstattung das
Haupt-Zielgert sowie weitere Zielgerte abzuleiten. Gerade, wenn der
Fokus auf dem Massenmarkt liegt oder eine sehr heterogene Klientel ab-
gedeckt werden muss (wie etwa im Mobile Banking) kann dies schwierig
98 Realisierung von MC-Anwendungen
oder unmglich sein. Die Lsung kann dann in der Skalierbarkeit der An-
wendung liegen. Damit ist gemeint, dass dieselbe Anwendung fr ver-
schiedene Endgertekategorien verschiedene Funktionsumfnge und Dar-
stellungsarten bereitstellt. So wre etwa die Kombination je einer Voice-,
WAP- und Java-basierten Version der Anwendung denkbar. Hierfr kann
sehr hoher Aufwand erforderlich sein, der im Einzelfall gegen den Nutzen
abzuwgen ist. Ein wichtiges Mittel zur Aufwandsbegrenzung besteht hier
in der Nutzung moderner Web-Engineering Techniken, die Darstellung und
Inhalt mittels Auszeichnungssprachen trennen.
Um schlielich den generellen Nutzerprferenzen entgegen zu kommen
muss eine erfolgreiche mobile Anwendung in erster Linie
schnell,
schlank sowie
intuitiv und mit wenigen Klicks bedienbar sein.
8

Mit schnell und schlank werden hierbei wenig Online-Zeit, ein gutes
(subjektiv empfundenes) Antwortzeit-Verhalten und ein niedriges Daten-
volumen bezeichnet. Der letzte Punkt lsst sich mit dem Schlagwort Drei
Klicks zum Ziel beschreiben. Diese Regeln gelten umso mehr, je kleiner
das Endgert und umso grer dadurch seine Einschrnkungen sind.

Abb. 5-7: Anwendungsbeispiel WI2-MRQ
Ein Beispiel fr eine erfolgreiche WAP-Anwendung nach diesen Grund-
stzen zeigt das Beispiel WI2-Mobile Result Query (WI2-MRQ), mit dem
Wirtschaftsinformatik-Studenten an der Universitt Augsburg ihre Klau-
surergebnisse abrufen knnen (Abb. 5-7). Sie beruht auf dem Aufruf dy-
namisch generierter WML-Seiten; mit Hilfe der Skriptsprache PHP wird
serverseitig auf eine Datenbank zugegriffen.
Zusammenfassung
Entwurf und Gestaltung einer mobilen Anwendung erfordern insbesondere
eine Analyse des Mehrwertes sowie der Zielgruppe, verbunden mit der
Festlegung eines Haupt- sowie weiterer Zielgerte. Eine erfolgreiche mo-

8
Unter einem Klick versteht man im Web Engineering einen Tastendruck bzw.
eine Besttigung, die der Nutzer ausfhren muss.
Gestaltung von MC-Anwendungen 99
bile Anwendung muss in erster Linie schnell, schlank sowie intuitiv und
mit wenigen Klicks bedienbar sein.
Kontrollfragen
(26) berlegen Sie sich drei mgliche Nutzungsszenarien fr heutige Mo-
bile-Banking Anwendungen. Beschreiben Sie eine wnschenswerte
zuknftige Anwendung, die den vorgestellten Grundstzen fr die
Gestaltung mobiler Anwendungen folgt.
(27) Eine mobile CRM-Lsung erlaubt den 100 Auendienstmitarbeitern
einer Vertriebsabteilung, umfangreiche Recherchen in der Kundenda-
tenbank. 10 Key Account Manager betreuen die wichtigen Kunden
und sollen je mit einem GPRS-fhigen PDA ausgestattet werden, die
restlichen 90 Mitarbeiter betreuen weniger wichtige Kunden und sol-
len einen Zugang ber ihr Java-fhiges GPRS-Mobiltelefon erhalten,
soweit sie ber ein solches verfgen. Machen Sie einen Vorschlag fr
die Skalierung der Anwendung.
(28) Schlagen Sie eine einfache Alternative zur Realisierung von WI2-
MRQ vor, die sowohl eine hhere Qualitt der Leistung verfgbar
macht, als auch einem greren Teil der Zielgruppe die Nutzung er-
laubt. Nennen Sie Vor- und Nachteile. Welcher Vorteil der derzeiti-
gen Lsung wird fr die Universitt vermutlich entscheidend sein?
(29) Ihre Firma hat einen hervorragenden MC-Informationsdienst fr Stu-
denten entwickelt, der ber das Mobiltelefon gut zu bedienen ist. Al-
lerdings ist die Konfiguration, die an jedem Semesteranfang erforder-
lich ist, sehr komplex und erfordert zahlreiche Auswahlmens und
verschiedene Texteingaben. Sowohl mit der IVR-, als auch mit der
WAP-basierten Nutzerschnittstelle gab die Masse der Testnutzer die
Konfiguration entnervt auf. Das Entwicklerteam schlgt daher vor,
den Dienst nur fr PDA anzubieten. Nehmen Sie Stellung.
Literaturhinweise
[1] Baumgarten, U.: Technische Infrastruktur fr das Mobile Business.
In: Reichwald, R. (Hrsg.): Mobile Kommunikation Wertschpfung,
Technologien, neue Dienste. Gabler, Wiesbaden 2002.
[2] Eren, E.; Detken, K.-O.: Mobiles Internet - Planung, Konzeption und
Umsetzung mit WAP. Addison-Wesley, Mnchen 2001.
[3] Lausch, V.: Das Design hochverfgbarer M-Commerce-Lsungen. In:
Gora, W.; Rttiger-Gerigk, S.: Handbuch Mobile-Commerce. Sprin-
ger, Heidelberg 2002, S. 441-456.

6 Sicherheitsaspekte
6.1 Grundlagen und Begriffe
Mit der Bereitstellung oder der Nutzung von MC-Angeboten werden be-
stimmte Ziele verfolgt. Typischerweise sollen Informationelle Mehrwerte
gegenber der Nutzung anderer Angebote erzielt werden. Derartige Mehr-
werte knnen etwa durch Effizienz- oder Effektivittswirkung entstehen
(eine genaue Darstellung hierzu findet sich in Abschnitt 8.2).
Aus der Sicht des Anbieters liegt eine Schwierigkeit der Sicherheitspro-
blematik dementsprechend darin, dass Sicherheit zwar Kosten verursacht,
aber keinen solchen Mehrwert realisiert, ihm mithin keinen unmittelbaren
Beitrag zur Aufgabenerfllung liefert. Bei allen berlegungen muss also
stets das primre Ziel des MC-Anbieters im Blick behalten werden: Seine
Geschftsttigkeit ist auf die Erzielung von Gewinn gerichtet. Das Sicher-
heitsniveau der von ihm verwendeten Anwendungen kann dieses Ziel vor
allem auf zwei Arten beeinflussen:
Es entsteht ein Schaden durch Angriffe Dritter (oder auch durch Be-
trug des Kunden),
Kunden nehmen auf Grund von Sicherheitsbedenken das Angebot
nicht wahr.
Den entstehenden Schaden durch einen Angriff Dritter kann man sich am
Beispiel einer Bank verdeutlichen, deren Kundendaten ausgespht und zu
unberechtigten Abbuchungen genutzt werden. Hufig wird es der Bank
dabei nicht gelingen, den Vorfall geheim zu halten die Presse wird aus-
fhrlich darber berichten (je grer die Bank, desto lieber). Neben die
unmittelbaren materiellen Schden, also beispielsweise Schadenersatz-
forderungen der Nutzer, treten durch die ffentlichkeitswirkung dann eine
ganze Reihe von mittelbaren Schden. Beispielhaft seien etwa der Image-
verlust der eigenen Marke, also der Vertrauensverlust bei Kunden und po-
tenziellen Kunden und der damit verbundene Umsatzausfall, die daraus
folgende Erfordernis hherer Marketing-Ausgaben und nicht zuletzt die
durch konkretes Informationsbedrfnis und allgemeine Unsicherheit ent-
stehende Erfordernis erhhter Kundenservice-Ausgaben genannt. Diese
unvollstndige Auflistung zeigt bereits, dass man es hier typischerweise
102 Sicherheitsaspekte
mit einer sehr ernsten Krise zu tun hat, die ein kleineres Unternehmen die
Existenz kosten und auch einem groen Unternehmen merklichen Schaden
zufgen kann. Abseits der eigentlichen Betrachtungen fhrt dies im bri-
gen zu der Erkenntnis, dass insbesondere im MC ein angemessenes Risi-
komanagement integraler Bestandteil der Geschftsttigkeit sein muss.
Aus der Sicht des Kunden ist die Sorge vor Angriffen Dritter ebenfalls
von Bedeutung. Materielle Schden werden hier jedoch eher die Ausnah-
me sein, da das Risiko hufig vom Anbieter oder von dritter Seite (z.B.
Kreditkartenunternehmen) getragen wird. Hoch relevant fr ihn ist dage-
gen, ob er von Seiten des Anbieters sowie gegebenenfalls beteiligter In-
termedire Betrug oder Missbrauch seiner Daten befrchten muss.
Obschon die in der ffentlichkeit diskutierten Sicherheitsvorflle sich
nahezu ausschlielich im Bereich des B2C bewegen, ist Sicherheit im
B2B-Bereich von mindestens ebenso groer Bedeutung, etwa wenn es
darum geht, sensible Firmendaten vor unbefugtem Zugriff zu schtzen.
Mit den oben angestellten berlegungen lassen sich die MC-Sicherheits-
aspekte in drei interdependente Bereiche einteilen: Sicherheit, Vertrauen
und Privatsphre.
Sicherheit umfasst dabei zunchst die Erreichung der Sicherheitsziele
Autorisierung, Vertraulichkeit, Integritt, Authentisierung und Nichtab-
streitbarkeit, die durch technische Schutzmanahmen, insbesondere den
Einsatz von Kryptografie, ermglicht wird. Diese Manahmen, mit denen
sich der folgende Abschnitt 6.2 befasst, adressieren jedoch nur einen Teil
des eingangs geschilderten Problems.
Ebenso wie im Wetterbericht neben der tatschlichen Lufttemperatur oft
auch die so genannte gefhlte Temperatur angegeben wird, existiert auch
im MC typischerweise eine Differenz zwischen der tatschlichen, der ob-
jektiven Sicherheit und jener, die der Nutzer wahrnimmt, der subjektiven
Sicherheit. Hier liegt hufig die Ursache, wenn auf Grund von Sicherheits-
bedenken Endkunden ein Angebot nicht nutzen oder das Management ei-
nes Unternehmens sich gegen den Einsatz mobiler Technologien entschei-
det. Ein Beispiel fr eine solche Wahrnehmungsdifferenz stellt die Ver-
wendung des Magnetstreifens auf Eurocheque- und Kreditkarten dar. Ob-
schon zahlreiche Risiken existieren die objektive Sicherheit des Verfah-
rens also durchaus fraglich ist fhlt der typische Nutzer sich sicher dabei.
Anders gesagt: Die subjektive Sicherheit ist fr ihn hoch, deshalb werden
die Verfahren genutzt. Umgekehrt gibt es etwa verschiedene innovative
Internet-Bezahlverfahren, die ein hohes objektives Sicherheitsniveau auf-
weisen. Der Nutzer jedoch ist von der Sicherheit nicht berzeugt und nutzt
die Verfahren nicht. Subjektive Sicherheit ist eng verwoben mit dem Ver-
trauen, das der Kunde dem Anbieter und dessen vertragsgemer Lei-
Grundlagen und Begriffe 103
stungserbringung entgegen bringt. Manahmen des Marketing, etwa zu
Aufbau und Nutzung von Marken, tragen sehr stark zum Aufbau von Ver-
trauen und zu einem hohen subjektiven Sicherheitsniveau bei. Insbesonde-
re die Nutzung einer auerhalb des MC bestehenden Kundenbeziehung ist
hier sehr wirkungsvoll. Eine andere Mglichkeit wre etwa die Bescheini-
gung bestimmter Eigenschaften (Attribute, z.B. Produktqualitt, Serisitt)
durch einen unabhngigen, vertrauenswrdigen Dritten. Im realen Leben
knnten dies etwa der TV oder die Stiftung Warentest sein, deren Quali-
ttssiegel auf das Produkt aufgebracht werden. Ein solches Qualittssiegel
wird im MC technisch durch ein Zertifikat nachgebildet (siehe 6.2). Hufig
geschieht dies jedoch eher implizit, z.B. durch Aufnahme eines Dienstes in
das Portalangebot eines MNO oder eines namhaften Portalanbieters.
In Kapitel 5 wurde festgestellt, dass sich Nutzerbedrfnisse und Nutzer-
verhalten im MC erheblich von denjenigen auerhalb des MC unterschei-
den. Hierzu gehrt insbesondere, dass der Nutzer sich in einer mobilen Si-
tuation befindet und zudem ber ein Endgert mit sehr eingeschrnkten
Darstellungs- und Bedienungsmglichkeiten verfgt. Whrend sich also
etwa EC-Kunden nicht selten dadurch auszeichnen, dass sie vor dem Aus-
fhren einer Transaktion einen intensiven Preis- und Leistungsvergleich
verschiedener Anbieter vornehmen, hat der MC-Kunde hierzu typischer-
weise weder die Zeit, noch die Geduld. Selbst wenn, er htte keine (sinn-
volle) Mglichkeit dazu: Sein Endgert ist dafr wenig geeignet und die
Datenanbindung langsam und kostenintensiv. Ein MC-Kunde, der Ver-
trauen zu einem Anbieter aufgebaut hat, die Bedienung des Angebotes er-
lernt hat und auch nur einigermaen zufrieden mit der Leistung ist, wird
daher im Durchschnitt eine erheblich hhere Loyalitt zeigen, als ein Kun-
de im EC oder im stationren Handel.
Der Bereich Privatsphre ist schon im EC ein vieldiskutierter Aspekt.
bliche Profilierungstechniken lassen den Besuch eines Online-Shops im
Internet wie einen Supermarkt-Einkauf erscheinen, bei dem der Kunde ab
dem Betreten des Marktes identifiziert und von einer Videokamera ver-
folgt wird. Kein Glas Kirschen, das er angefasst und wieder ins Regal zu-
rckgestellt hat, um doch die Heidelbeeren aus dem Sonderangebot im
Nachbarregal zu kaufen, entgeht den Augen des Supermarkt-Betreibers.
Dieser hat bald gelernt, fr welche Werbung dieser glserne Kunde
wann empfnglich ist und auf welche Weise der Gewinn durch ihn maxi-
miert werden kann. So unangenehm bereits diese Vorstellung dem Leser
sein mag die bei einem MNO auflaufenden Daten kommen den Or-
wellschen Visionen von totaler berwachung noch erheblich nher: Ein-
kufe, Dienste, Prferenzen und vor allem fortlaufende Positionsdaten
knnen personengebunden gespeichert, ausgewertet und auch mit den Da-
ten anderer Nutzer abgeglichen werden. Die Mobiltelefone von Herrn X
104 Sicherheitsaspekte
und Frau Y zeigen von 19.00 Uhr bis 02.00 Uhr morgens etwa das gleiche
Bewegungsprofil welchen Betrag wre Herr Y bereit, fr diese Informa-
tion zu bezahlen? Wre nicht auch der Vorgesetzte von Herrn X bereit, fr
diese Informationen zu bezahlen, wenn beispielsweise Frau Y in der Ent-
wicklungsabteilung des Konkurrenzunternehmens arbeitet?
Ein solches Szenario scheint derzeit wenig realistisch. Der Kunde kann
wohl zu Recht darauf vertrauen, dass die MNO als renommierte Groun-
ternehmen ihre Verpflichtungen zum Datenschutz einhalten schon um
rechtlich und wirtschaftlich nicht ihre Existenz aufs Spiel zu setzen. Zu-
dem ist es auch schlicht so, dass die flchendeckende, detaillierte Speiche-
rung, Zuordnung und Auswertung der Daten einen derart immensen Auf-
wand bedeuten wrde, dass er (zumindest derzeit) nicht realisierbar ist.
Dies gilt insbesondere, da die IT-Systeme mancher MNO bereits mit ein-
facheren Aufgaben berfordert sind. Aber einerseits ist die Mglichkeit
prinzipiell gegeben und sollte daher bei berlegungen zu Privatsphre und
Datenschutz auch betrachtet werden. Andererseits ist es fraglich, ob das in
die MNO gesetzte Vertrauen auch fr jeden beliebigen MC-Anbieter gilt,
der in kleinerem Umfang die Daten seiner Kunden sammelt. Hier kommen
wieder die berlegungen zur Vertrauenswrdigkeit der Anbieter ins Spiel.
berlegungen zur Vereinbarkeit von Marketinginteressen und Daten-
schutz gehen in Richtung eines kostenpflichtigen Nutzungsrechtes (Paid-
Permission Modell), bei dem der Kunde das Recht zur Nutzung seiner Da-
ten verkauft hnlich wie etwa bei den Kundenkarten im stationren Han-
del. Eine solche Beziehung zwischen Kunde und Hndler wre wiederum
eine gute Grundlage fr den Aufbau von Vertrauen und wrde zudem die
Streuverluste bei Werbung erheblich reduzieren.
Im folgenden Abschnitt 6.2 werden zunchst generelle Sicherheitsziele
und -techniken sowie Angriffstechniken eingefhrt, in Abschnitt 6.3 dann
deren Relevanz und Umsetzung im MC betrachtet. Abschnitt 6.4 zeigt
schlielich Ansatzpunkte fr Sicherheitskonzepte auf.
Zusammenfassung
Die MC-Sicherheitsaspekte umfassen Sicherheit, Vertrauen und Privat-
sphre. Whrend mangelnde objektive Sicherheit unmittelbare und mittel-
bare Schden durch Angriffe Dritter oder Betrug nach sich zieht, fhrt
mangelnde subjektive Sicherheit dazu, dass Kunden auf Grund von Sicher-
heitsbedenken das Angebot nicht wahrnehmen. Vertrauen kann etwa durch
Marketing-Manahmen oder Zertifizierung geschaffen werden. Die Wech-
selbereitschaft eines festen Kunden ist im MC typischerweise deutlich ge-
ringer als im EC oder stationren Handel. Die Privatsphre ist durch die
Vielzahl der im MC erhobenen bzw. erhebbaren Daten gefhrdet.
Generelle Sicherheitsziele und Techniken 105
Kontrollfragen
(30) Welche Bedeutung hat die Sicherheitsproblematik auf die Entschei-
dung von Kunden, ein bestimmtes MC-Angebot zu nutzen?
(31) Welche Konsequenzen kann ein Sicherheitsvorfall fr ein Unterneh-
men haben? Nennen Sie einige Ursachen, die dazu fhren knnen.
(32) Erlutern Sie den Begriff Bewegungsprofil.
6.2 Generelle Sicherheitsziele und Techniken
Objektive Sicherheit im EC wie im MC lsst sich in fnf Sicherheits-
ziele fassen: Autorisierung, Vertraulichkeit, Integritt, Authentisierung und
Nichtabstreitbarkeit (Abb. 6-1).
dass kein Dritter die
Kommunikation mitliest
dass die Nachricht
nicht verndert wurde
mit wem ich
kommuniziere
dass Transaktionen
nur von Berechtigten
ausgefhrt werden
dass jeder Beteiligte seine
Transaktionen auch im
Nachhinein noch anerkennt
Ich will sicher
sein
Authentisierung
Autorisierung
Nicht-Abstreitbarkeit
Vertraulichkeit
Integritt
dass kein Dritter die
Kommunikation mitliest
dass die Nachricht
nicht verndert wurde
mit wem ich
kommuniziere
dass Transaktionen
nur von Berechtigten
ausgefhrt werden
dass jeder Beteiligte seine
Transaktionen auch im
Nachhinein noch anerkennt
Ich will sicher
sein
Authentisierung
Autorisierung
Nicht-Abstreitbarkeit
Vertraulichkeit
Integritt
Authentisierung
Autorisierung
Nicht-Abstreitbarkeit
Vertraulichkeit
Integritt

Abb. 6-1: Sicherheitsziele im EC und MC
In den letzten Jahren wird hier zunehmend hufig auch die Verfgbarkeit
von Systemen genannt. Der Grund liegt in den vermehrten Versuchen, Sy-
steme durch gezielte berlastung lahm zu legen (Denial-of-Service Attack,
DoS ), etwa durch massenhaft versandte E-Mails.
Autorisierung
Im realen Leben wie im MC ist es wichtig, dass der Zugriff auf Ressour-
cen aller Art nur denjenigen mglich ist, die dazu berechtigt sind. Dies gilt
106 Sicherheitsaspekte
fr den Zutritt zu einem Kino ebenso, wie beim Betreten des Tresorraumes
einer Bank oder beim Zugriff auf sensible Firmendaten.
Um einen unberechtigten, einen nicht-autorisierten Zugriff auf diese
Ressourcen zu verhindern, wird zunchst einmal eine Barriere errichtet,
im Kinobeispiel wre dies etwa die Eingangskontrolle. Um die Barriere
passieren zu drfen, muss man entweder eine Eintrittskarte vorweisen
knnen, oder aber zum Kinopersonal gehren. Allgemeiner gesprochen,
kann die Autorisierung durch Vorlegen eines Berechtigungsnachweises
oder implizit durch Zugehrigkeit zu einer Gruppe erfolgen.
In den MC-Kontext bertragen, kann eine solche schtzenswerte Res-
source beispielsweise der Zugriff auf ein mobiles Endgert, ein Netzwerk,
ein Verzeichnis oder einen Dienst sein. Innerhalb einer Organisation wird
dieses Problem typischerweise auf Betriebssystemebene gelst, indem be-
stimmte Rechte vergeben werden. Handelt es sich beispielsweise um ein
Verzeichnis mit bestimmten sensiblen Kundendaten, so knnte man etwa
fr die Gruppe der Administratoren das Recht zum Lesen, Schreiben und
ndern aller Daten in diesem Verzeichnis vorsehen und auerdem fr die
Gruppe der Kundenbetreuer das Recht zum Lesen aller Daten und zum
Ausfhren von Programmen. Eine wichtige Nebenbedingung in diesem
Autorisierungskonzept ist, dass dieselbe Stelle sowohl fr die Vergabe der
Zugriffsrechte, als auch die Verwaltung der zu schtzenden Ressource ver-
antwortlich ist. Gerade im MC existiert jedoch hufig der Fall, dass Rechte
vergebende und Ressourcen verwaltende Stelle voneinander getrennt sind.
Dies sei zunchst wieder an einem Realwelt-Beispiel verdeutlicht: Wenn
jemand im Auftrag einer anderen Person ein Geschft ttigen will, so muss
er dem Geschftspartner eine Vollmacht vorlegen, die ihm dieses Recht
bescheinigt. Diese Vollmacht hat der Auftraggeber ausgestellt, die Res-
source unterliegt jedoch dem Zugriff des Geschftspartners. Weitere Bei-
spiele fr eine Autorisierung wre der Besitz eines Tokens
9
in Form einer
Kredit- oder Scheckkarte. Ebenso verhlt es sich nun, wenn etwa im B2B
MC ein Softwareagent Transaktionen im Auftrag eines Einkufers vor-
nehmen soll. Dieser Agent soll ber das Internet nacheinander verschiede-
ne Angebote prfen, um beispielsweise einen Posten genormter Getriebe-
teile fr den Kunden zu erwerben. Gegenber einem Hndler, mit dem er
einen solchen Kontrakt eingehen will, muss er nun ebenfalls eine Voll-
macht vorlegen, dass er fr den Kunden den Erwerb der Teile durchfhren
darf: Er muss sich autorisieren. Die Rechte dazu hat der Kunde zuvor auf
den Agenten bertragen. Eine Mglichkeit der technischen Realisierung
einer solchen Vollmacht besteht in der Verwendung eines Zertifikates. Der
Handlungstrger weist dabei seine Autorisierung durch Vorlegen des Zer-

9
Token, engl. fr Zeichen, Gutschein, Spielmarke.
Generelle Sicherheitsziele und Techniken 107
tifikats nach. Das Zertifikat wird dann auf Echtheit und Gltigkeit geprft,
danach kann die Transaktion abgewickelt werden.
Vertraulichkeit
Wenn zwei Parteien miteinander kommunizieren, so sind sie daran interes-
siert, dass nur sie beide die in den ausgetauschten Daten enthaltene Infor-
mation kennen. Der erste Gedanke wre, die Daten physisch vor dem
Zugriff Dritter zu schtzen. Ist dies aber nicht mglich, weil etwa ein
drahtloses Netzwerk zur Datenbertragung verwendet wird, dessen Signale
auch von anderen Personen empfangen werden, so soll ein Dritter zumin-
dest nichts mit den Daten z.B. einer IMSI oder Transaktionsdaten an-
fangen knnen. Dies realisiert man typischerweise durch die Verwendung
kryptografischer Verfahren, insbesondere der Verschlsselung. Der Sender
verschlsselt dabei die Daten so, dass nur der Empfnger sie wieder ent-
schlsseln kann. Typische Anwendungen der Verschlsselung liegen etwa
im Schutz des Datenverkehrs auf der Luftschnittstelle (WLAN, Mobil-
funk). Man unterscheidet zwei Arten der Verschlsselung: symmetrische
und asymmetrische Verfahren. Ihre generelle Funktionsweise wird im An-
schluss an die Sicherheitsziele erlutert.
Integritt
Eine weitere Gefahr fr eine Nachricht besteht in der unbefugten Vernde-
rung ihres Inhalts auf dem Weg vom Sender zum Empfnger. Wenn ein
Bauleiter ber seinen PDA beispielsweise eine Bestellung ber 1000 ei-
gens gefertigte Bauelemente elektronisch abwickelt und jemand auf dem
Weg der Nachricht spaeshalber an diese Zahl noch drei Nullen anhngt,
kann das einen erheblichen finanziellen Schaden nach sich ziehen. Um
dies zu vermeiden, wird das Sicherheitsziel der Integritt einer Nachricht
verfolgt. Das Vorgehen hierzu wird im Abschnitt Grundlegende Sicher-
heitstechniken nher erlutert.
Authentisierung
Ein weiteres Sicherheitsziel ist die Authentisierung eines Transaktions-
partners. Hierbei geht es um den Nachweis der Identitt einer Person oder
Instanz, beispielsweise des Senders einer Nachricht oder eines Mobile-
Banking Servers, dem der Kunde seine Daten anvertrauen soll. Man
spricht von Authentisierung, wenn jemand seine eigene Identitt nachweist
und von Authentifizierung, wenn jemand die Identitt eines anderen prft.
In der Regel findet das erstere Anwendung. Der Nachweis der Identitt
kann auf verschiedene Art und Weise erbracht werden. Im Wesentlichen
kommen hier drei Kriterien in Betracht: Besitz, Wissen oder Eigenschaft.
108 Sicherheitsaspekte
Fr viele Anwendungen ist bereits der Besitz eines bestimmten Gegen-
standes, eines Tokens, ausreichend. Dies knnte etwa eine Magnetkarte,
ein Schlssel oder ein mobiles Endgert sein. Ein Token kann hierbei auch
in einer eindeutigen Bitfolge bestehen, wie sie bei Bezahlverfahren ange-
wendet wird. Ebenfalls unter das Kriterium Besitz fllt die Verfgung ber
einen geheimen Schlssel, mit dem eine digitale Signatur mglich wird
(siehe Abschnitt Grundlegende Sicherheitstechniken).
Ein weiteres Kriterium ist Wissen ber einen bestimmten Sachverhalt.
Hier kommen vor allem persnliche Identifikationsnummern (PIN) oder
Passwrter in Betracht, ebenso die so genannten Geheimfragen zu persn-
lichen Sachverhalten (Wie hie Ihre erste Katze?).
Die hohe Anzahl geforderter Autorisierungen und Authentisierungen
fhrt heute zu einer Inflation der Zahl erforderlicher Plastikkarten, PIN
usw. fr eine Person, zumal diese hufig Mglichkeiten zu Flschung oder
Missbrauch bieten. Aus diesem Grund wird man knftig zu Authentifizie-
rungszwecken vermehrt auch auf die Prfung von Eigenschaften der Per-
son zurckgreifen. Dies knnen vor allem biometrische Merkmale sein,
wie etwa Fingerabdruck, Stimme, Gesichtszge oder Rhythmus der Tasta-
turanschlge; bei Verwendung mobiler Endgerte werden insbesondere die
ersten beiden von Bedeutung sein. Hiervon verspricht man sich einfachere
und schnellere Transaktionen. Neben der Tatsache, dass viele der Verfah-
ren heute oft noch sehr kostenintensiv und wenig ausgereift sind, sind bei
dieser Art der Authentifizierung vor allem auch die Benutzerakzeptanz,
Datenschutz und -sicherheit sowie sozialvertrgliche und diskriminie-
rungsfreie Nutzung der Methoden besonders zu bercksichtigen.

Abb. 6-2: Smart Card mit Fingerabdruck-Sensor (Quelle: Siemens)
Die Art der geforderten Authentisierung wird stark vom erforderlichen Si-
cherheitsniveau beeinflusst. Insbesondere kommen hier auch Kombinatio-
nen der genannten Kriterien in Frage. Beispiele fr Kombinationen sind
etwa Abhebungen mit Eurocheque-Karte und PIN (Besitz und Wissen),
Zugangskontrolle mit Fingerabdruck und PIN (Eigenschaft und Wissen)
Generelle Sicherheitsziele und Techniken 109
oder Zugangskontrollen mittels Smart Card mit Fingerabdruck-Sensor
(Besitz und Eigenschaft, Abb. 6-2). Das Log-In fr besonders sicherheits-
relevante betriebliche Anwendungssysteme mittels Smart Card, Fingerab-
druck und Eingabe einer PIN ist ein Beispiel fr Kombination aller drei
Kriterien. Hufig kommen auch abgestufte Authentisierungserfordernisse
zum Einsatz, so knnte etwa beim mobilen Bezahlen fr eine Transaktion
bis zu 5 EUR der Besitz des Mobiltelefons ausreichen, whrend bei Betr-
gen darber zustzlich die Eingabe einer PIN verlangt wird.
Nichtabstreitbarkeit
Im Rahmen der ersten vier Sicherheitsziele wurde sehr ausfhrlich auf die
Abwehr der Angriffe Dritter eingegangen. Bei der Autorisierung kam zu-
stzlich die Frage auf, ob der Transaktionspartner berhaupt berechtigt ist,
die beabsichtigte Transaktion auszufhren. Wenn jedoch rechtlich binden-
de Transaktionen, etwa Kufe, durchgefhrt werden, gibt es noch eine wei-
tere erhebliche Gefahr. Es ist nmlich durchaus nicht auszuschlieen, dass
die Transaktion nach Abschluss vom Transaktionspartner bestritten wird.
In erster Linie zu nennen sind hier das nachtrgliche Bestreiten des Sen-
dens oder Empfangens von Nachrichten, bei digitalen Gtern auerdem
das Bestreiten, die Lieferung erhalten zu haben. Dieses Problem ist natr-
lich dort besonders virulent, wo keine langfristige Geschftsbeziehung be-
steht oder angestrebt wird, also typischerweise eher im B2C-Bereich.
Nichtsdestotrotz macht es auch im B2B MC Sinn, Transaktionen nachtrg-
lich beweisbar zu machen, zumal nicht nur unserise Geschftspartner,
sondern auch Fehlfunktionen oder Systemausflle Ursachen fr entspre-
chende Probleme darstellen knnen.
Das Sicherheitsziel der Nichtabstreitbarkeit wird typischerweise durch
Verwendung von Signaturen realisiert. Die Funktionsweise der digitalen
Signatur, die auf Hash-Codierung und anschlieender Anwendung asym-
metrischer Verschlsselung beruht, wird im Anschluss an die Sicherheits-
ziele nher erlutert.
Verfgbarkeit
In Zusammenhang mit den Sicherheitszielen wird heutzutage auch immer
hufiger die Verfgbarkeit von Systemen und Ressourcen genannt. Der
Grund liegt darin, dass durch einen Sicherheitsvorfall nicht nur unmittelba-
rer Schaden, z.B. das Auslsen falscher Zahlungen oder der Diebstahl
wertvoller Daten, oder mittelbarer Schaden wie der in Abschnitt 6.1 ge-
schilderte entstehen kann. Bereits die Tatsache, dass die entsprechenden
Systeme und Ressourcen nicht verfgbar sind, verursacht einen mittelba-
ren Schaden. Einen kurzen Hinweis zur Wichtigkeit des Themas gibt die
110 Sicherheitsaspekte
berlegung, welche wirtschaftlichen Auswirkungen fr einen MNO der
mehrstndige Ausfall eines MSC in einem Ballungsraum nach sich zieht.
Direkte Angriffe auf die Verfgbarkeit von Systemen stellen die so ge-
nannten Denial-of-Service Angriffe dar, die in den letzten Jahren stark zu-
genommen haben. Sie werden im Abschnitt Grundlegende Angriffstech-
niken nher erlutert.
Grundlegende Sicherheitstechniken
Im Folgenden sollen die wichtigsten Techniken eingefhrt werden, die die
Erreichung von Sicherheitszielen durch Methoden der Kryptografie er-
mglichen. Eine ausfhrliche Darstellung wrde naturgem den Rahmen
dieses Buches sprengen. Der Leser soll jedoch zumindest ein grundlegen-
des Verstndnis erhalten, um darauf aufbauend Sicherheitsmanahmen
und -probleme im MC verstehen und einschtzen zu knnen.
Verschlsselungsverfahren dienen zunchst dem Sicherheitsziel der
Vertraulichkeit. Daneben bilden sie die Grundlage fr weitere Techniken
wie Zertifikate oder die digitale Signatur elektronischer Dokumente.
Grundstzlich unterscheidet man symmetrische und asymmetrische Ver-
schlsselungsverfahren.
Bei einem symmetrischen Verfahren gibt es genau einen Schlssel
(Key). Dieser Schlssel ist sowohl dem Sender, als auch dem Empfnger
bekannt und dient sowohl dem Verschlsseln, als auch dem Entschlsseln
einer Nachricht. Die prinzipielle Vorgehensweise ist einfach: Der Sender
verschlsselt seine Nachricht mit dem ihm bekannten geheimen Schlssel,
versendet die Nachricht und der Empfnger empfngt die verschlsselte
Nachricht und entschlsselt die Nachricht wiederum mit demselben ge-
heimen Schlssel (Abb. 6-3 links).

Abb. 6-3: Prinzip symmetrischer (links) und asymmetrischer Verschlsselung
Generelle Sicherheitsziele und Techniken 111
Diese genannten Eigenschaften offenbaren auch die entscheidende
Schwachstelle dieser Verfahren: Einerseits muss der Schlssel unter allen
Umstnden geheim gehalten werden, andererseits mssen Sender und
Empfnger darber verfgen. Dies erfordert also einen Transport des
Schlssels. Vorteile ergeben sich bei symmetrischen Verfahren durch den
wesentlich geringeren Rechenaufwand im Vergleich zu asymmetrischen
Verfahren, neben den bereits angesprochenen Nachteilen wird dies jedoch
auch mit geringerer Sicherheit erkauft: Die Schlssel sind im Vergleich zu
asymmetrischen Verfahren durch Kryptoanalyse leichter zu brechen.
Bei einem asymmetrischen Verfahren wird zwischen Ver- und Ent-
schlsselung unterschieden, es gibt je Kommunikationspartner zwei ver-
schiedene Schlssel:
einen ffentlichen Schlssel (Public Key), der es jedermann ermg-
licht, beliebige Nachrichten an die Person zu verschlsseln und
einen geheimen Schlssel (Private Key), der es der Person selbst er-
mglicht, die an sie gerichteten Nachrichten zu entschlsseln.
Die prinzipielle Vorgehensweise ist auch hier einfach: Der Sender sucht
nach dem ffentlichen Schlssel des Empfngers (den dieser etwa in seiner
Mailsignatur, auf seiner Webseite oder in einem Verzeichnis bereitgestellt
hat), verschlsselt damit seine Nachricht und versendet sie. Der Empfnger
empfngt und entschlsselt dann die Nachricht mit seinem geheimen
Schlssel (Abb. 6-3 rechts). Eine wichtige Eigenschaft des Schlsselpaares
ist, dass keine Rckschlsse vom ffentlichen auf den geheimen Schlssel
mglich sind. Dadurch ist der Schlssel, der nur dem Verschlsseln dient,
nicht mehr schtzenswert. Seine Verffentlichung eliminiert das Trans-
portproblem. Ein weiterer Vorteil ist ein erheblich hheres Sicherheitsni-
veau gegenber Angriffen mittels Kryptoanalyse. Der entscheidende
Nachteil jedoch liegt im erforderlichen Rechenaufwand. Dies macht sich
gerade bei mobilen Endgerten sehr stark bemerkbar. Ein mglicher Kom-
promiss liegt darin, in einer Art Hybridlsung symmetrische und asymme-
trische Verfahren zu kombinieren. Hierbei wird ein asymmetrisches Ver-
fahren verwendet, um den Schlssel fr ein symmetrisches Verfahren zu
transportieren. Die Kommunikation selbst wird dann mit dem symmetri-
schen Verfahren abgewickelt, wobei der Schlssel hufig gewechselt wird.
Hierdurch wird es mglich, die Vorteile zu kombinieren und eine schnelle
Verschlsselung mit brauchbarem Sicherheitsniveau zu realisieren. Das
bekannteste Anwendungsbeispiel fr die Kombination ist SSL (Secure So-
cket Layer), ein Internet-Protokoll, das auf TCP/IP aufsetzt und hheren
Protokollen einen sicheren Ende-zu-Ende Kanal fr die Datenbertragung
zur Verfgung stellt. Auch der SSL-Nachfolger TLS (Transport Layer Se-
curity) sowie WTLS (Wireless Transport Layer Security, siehe 5.3), das
112 Sicherheitsaspekte
Bestandteil des WAP-Protokollstapels ist, verwenden dieses Prinzip. Wenn
in einer Gruppe z.B. unternehmensweit jeder ber ein Schlsselpaar
verfgt und die ffentlichen Schlssel zertifiziert und in Verzeichnissen
verffentlicht sind, besteht damit eine PKI (Public Key Infrastructure).
Auf einer Umkehrung asymmetrischer Verschlsselung basieren Zertifi-
kate. Ein Zertifikat bescheinigt einen bestimmten Sachverhalt in einer
nachprfbaren Form. Die Nachricht (Bescheinigung) wird dabei vom Sen-
der mit seinem geheimen Schlssel verschlsselt und bereitgestellt. Jeder-
mann kann sie nun anhand des ffentlichen Schlssels entschlsseln und
damit prfen, ob die Nachricht tatschlich vom Besitzer des Schlssels
stammt. Die wichtigsten Anwendungsbereiche fr Zertifikate sind Signa-
turschlssel-Zertifikate fr die Authentizitt ffentlicher Schlssel und At-
tribut-Zertifikate fr bestimmte Eigenschaften oder Berechtigungen (Bei-
spiel siehe Abschnitt Autorisierung). Oberste Zertifizierungsstelle (Cer-
tificate Authority, CA) in Deutschland ist nach dem Signaturgesetz die Re-
gulierungsbehrde fr Post und Telekommunikation (RegTP). Unterhalb
dieser Ebene gibt es verschiedene zugelassene Anbieter so genannter
Trust-Center, deren Zertifizierung ebenfalls rechtsverbindlich ist.
Das Sicherheitsziel Integritt wird dadurch realisiert, dass man aus einer
zu schtzenden Nachricht eine Art Fingerabdruck bildet, einen mglichst
kurzen, aber fr diese Nachricht charakteristischen Wert, eine Prfsumme.
Diese Prfsumme wird als Hash-Wert (Message Digest) bezeichnet. Im
einfachsten Fall knnte das etwa die Quersumme sein, tatschlich verwen-
det man aber aus Effektivittsgrnden fr die Prfsummengenerierung
spezielle Hash-Algorithmen. Der Hash-Wert wird zunchst durch den
Sender ermittelt und mit gesendet. Der Empfnger errechnet dann seiner-
seits nach demselben Verfahren einen solchen Wert; erzielt er dasselbe Er-
gebnis, ist die Nachricht unverndert.
Sender Empfnger
Ermitteln des
Hash-Werts der
Nachricht
Verschlsseln des
Hash-Werts
Hash-Wert
entschlsseln und
prfen
ffentlicher
Schlssel (Sender)
Geheimer Schlssel
(Sender)
Versenden von
Nachricht und
Hash-Wert
= Unterschrift

Abb. 6-4: Prinzip der digitalen Signatur
Generelle Sicherheitsziele und Techniken 113
Damit jedoch nicht einfach auch die Prfsumme auf dem Weg zum Emp-
fnger verndert werden kann, wird sie vor dem Versenden mit dem ge-
heimen Schlssel des Senders verschlsselt. Damit kann jedermann unter
Verwendung des ffentlichen Schlssels nachvollziehen, dass genau diese
Nachricht von genau diesem Absender besttigt wird es liegt eine elek-
tronische Unterschrift fr die Nachricht vor, eine digitale Signatur (Abb.
6-4). Eine qualifizierte digitale Signatur ist in Deutschland durch das Si-
gnaturgesetz der manuellen Unterschrift gleichgestellt.
Grundlegende Angriffstechniken
Im Gegensatz zum stationren Handel findet im EC und MC die Kommu-
nikation mit dem Verhandlungspartner nicht mehr direkt, sondern ber ein
Medium zur entfernten Kommunikation statt. Noch dazu ist dieses Medi-
um eines, das ber beliebig viele Relaisstationen gefhrt werden kann. An
jeder dieser Relaisstationen und im MC zustzlich auf der gesamten
Luftschnittstelle gibt es potenzielle Angriffsmglichkeiten fr Dritte, die
sich vor allem im unbefugten Lesen (Aussphen) von Daten und im unbe-
fugten Verndern (Manipulieren) von Daten realisieren.
Hierbei resultiert das Aussphen vor allem im Bekannt werden vertrau-
licher Information oder im spteren Missbrauch der mitgelesenen Daten,
whrend das unbefugte Manipulieren unmittelbaren Missbrauch darstellt.
Sicherheit bedeutet hier also, bei Online- oder Internetgeschften mg-
lichst hohen Schutz vor den Angriffen Dritter zu gewhrleisten.
Mgliche Angriffspunkte sind nun berall dort, wo wertvolle benutzer-
spezifische Daten vorhanden sind oder gar ausgetauscht werden, z.B.
Passwrter oder Kreditkarteninformationen. Hier bestehen besonders fol-
genreiche Angriffsmglichkeiten, weil diese Informationen von Dritten
dazu verwendet werden knnen, um beispielsweise unerlaubt Zahlungs-
vorgnge vorzunehmen oder unerlaubt Dienste in Anspruch zu nehmen,
die dann von Unbeteiligten bezahlt werden. Hufig insbesondere im
B2B-Bereich gengt jedoch bereits das Mitlesen einer geheimen Infor-
mation selbst, um einen erheblichen Schaden herbeizufhren (siehe 6.1).
Einige typische Beispiele fr Angriffstechniken sind:
Klassisches Auskundschaften, etwa durch Beobachten einer PIN
whrend der Benutzung des mobilen Endgertes, Auswertung von
Papierresten aus dem Abfall oder durch so genanntes Social Engi-
neering, d.h. Tuschung, Manipulation, Hochstapelei (z.B. Anruf
beim Administrator mit der Bitte um ein neues Passwort),
Ausnutzen von Schwachstellen in Datenbertragung, Betriebssystem,
Middle- oder Anwendungssoftware, etwa durch Einsatz eines Port-
scanners zum Auffinden offener Ports, durch Einsatz eines Paket-
114 Sicherheitsaspekte
Sniffers (Netzwerkmonitors) zum Mitlesen des kompletten Daten-
verkehrs ber einen Router oder durch Ausnutzen von Fehlfunktio-
nen zum unberechtigten Aufruf von Diensten,
Trojanische Pferde (Trojaner), also Schadprogramme, die z.B.
als Mail-Viren in ein System eingebracht werden und dann inner-
halb des Systems ihre Aktivitt entfalten, z.B. statische Daten auf-
spren, auslesen und versenden oder Datenverkehr mitschneiden,
Man-in-the-Middle Attack, z.B. durch Nachahmung einer Webseite
oder einer Mobilfunk-Basisstation.
Bei einer Man-in-the-Middle Attack handelt es sich um eine elektronische
Art der Tuschung oder Hochstapelei. Ein typischer Angriff knnte dabei
etwa wie folgt ablaufen: Es wird eine einzelne Webseite einer Firma op-
tisch detailgetreu nachprogrammiert und versucht, den Kunden darauf um-
zuleiten (Spoofing). Letzteres knnte durch einen sehr hnlichen DNS-
Namen (wie etwa [Link] statt [Link]) geschehen,
vorzugsweise aber eher durch Eindringen in den Firmen-Webserver, auf
dem die Seite dann einfach zum Webangebot hinzugefgt wird. Kommt
nun der Kunde auf diese Seite, bei der es sich typischerweise um eine Log-
in- oder Transaktionsseite handelt, gibt er seine Daten wie gewohnt ein.
Die Daten werden gelesen und abgespeichert, dann wird jedoch eine belie-
bige, harmlos aussehende Fehlermeldung ausgegeben und der Kunde wie-
der auf eine Seite aus dem regulren Webangebot der Firma geleitet. Hat
es sich zuvor etwa um eine Seite fr elektronische berweisungen gehan-
delt, ist der Angreifer nunmehr im Besitz einer gltigen PIN und einer gl-
tigen TAN (Transaktionsnummer), d.h. er knnte eine berweisung zu sei-
nen eigenen Gunsten durchfhren oder etwa die PIN ndern. Einige der
bekannt gewordenen Angriffe auf deutsche Kreditinstitute sind erfolgreich
nach diesem Muster durchgefhrt worden.
Als Denial-of-Service Angriffe (DoS) werden Angriffe bezeichnet, deren
Ziel die berlastung des angegriffenen Systems ist. Beabsichtigte Folge
dieser berlastung ist der Ausfall oder zumindest eine starke Einschrn-
kung der Verfgbarkeit des Zielsystems. Typischerweise nutzen diese An-
griffe Schwachstellen in der Implementierung der Netzwerkfunktionalit-
ten verschiedener Betriebssysteme. Erschwerend wirkt hierbei, dass Soft-
ware zum Ausfhren solcher Angriffe inzwischen ber das Internet leicht
verfgbar und somit die Markteintrittsbarriere relativ gering ist. Bei An-
griffen kann es sich generell entweder um ungezielte Angriffe, die viele
oder alle Teilnehmer betreffen, oder aber um gezielte Angriffe handeln.
Bei letzteren werden entweder Rechner einzelner Firmen oder explizit ein-
zelne Rechner, z.B. Server oder auch mobile Endgerte, angegriffen. Die
in der allgemeinen ffentlichkeit wohl bekannteste Angriffsmglichkeit ist
Generelle Sicherheitsziele und Techniken 115
der massenhafte Versand von E-Mails. Hierbei wird ein Schadprogramm
(Virus) per E-Mail versandt, das (typischerweise durch Unachtsamkeit der
Nutzer) auf dem Zielrechner ausgefhrt wird und einen Mailversand an al-
le auf dem System gespeicherten Mailadressen veranlasst. Die Gefhrlich-
keit liegt darin, dass hierbei erneut dasselbe Schadprogramm versendet
wird und sich dieser Vorgang auf jedem der neuen Zielrechner wiederholt
(Schneeball-Effekt). Die gezielte Variante dieser Angriffsart ist das
Versenden von so genannten Mailbomben, also massenhafter Mailversand
an eine einzelne Mailadresse oder an die Mailadressen einer einzelnen
Firma. Weitere Arten von DoS-Angriffen funktionieren dadurch, dass eine
hohe Zahl beliebiger Dienst-Anfragen an ein bestimmtes Zielsystem ge-
stellt wird. Dies kann von einem einzelnen oder von wenigen Rechnern
aus erfolgen, effektiver ist jedoch ein verteilter Angriff (Distributed Deni-
al-of-Service Attack, DDoS), bei dem fremde Webserver mit nachlssigen
Sicherheitseinstellungen als Agenten fr den Angriff konfiguriert werden,
so dass schlielich eine Vielzahl von Anfragen an ein bestimmtes Zielsy-
stem gestellt wird. Auf diese Art und Weise wurden beispielsweise Mitte
2003 die Webserver der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen erfolg-
reich angegriffen, ebenso Webserver verschiedener groer Firmen.
Zusammenfassung
Objektive Sicherheit lsst sich in die Sicherheitsziele Autorisierung, Ver-
traulichkeit, Integritt, Authentisierung und Nichtabstreitbarkeit fassen,
zustzlich erhlt die Verfgbarkeit von Systemen zunehmend Bedeutung.
Eine wichtige Mglichkeit zur Erreichung der Sicherheitsziele ist der
Einsatz kryptografischer Methoden. Symmetrische Verschlsselung ver-
wendet den gleichen geheimen Schlssel fr Ver- und Entschlsselung,
asymmetrische Verschlsselung dagegen je einen ffentlichen und einen
geheimen Schlssel. Durch vertauschte Verwendung dieser Schlssel
knnen Eigenschaften zertifiziert werden. Fr eine digitale Signatur wird
fr ein Dokument eine Prfsumme (Hash-Wert) erzeugt und verschlsselt.
Werden fr eine Gruppe die ffentlichen Schlssel zertifiziert und gesam-
melt verffentlicht, besteht eine Public Key Infrastructure (PKI).
Angriffsmglichkeiten realisieren sich vor allem im unbefugten Lesen
(Aussphen) von Daten und im unbefugten Verndern (Manipulieren) von
Daten. Typische Angriffstechniken sind klassisches Auskundschaften,
Ausnutzen von Schwachstellen, Trojanische Pferde und Man-in-the-Middle
Attack. Angriffe auf die Verfgbarkeit werden als Denial-of-Service At-
tacks bezeichnet, sie wirken durch berlastung des angegriffenen Systems.
116 Sicherheitsaspekte
Kontrollfragen
(33) Fr den Zugang zu speziellen Gebuden auf dem Firmengelnde muss
ein Mitarbeiter im Intranet einen Request senden, um dann via
WLAN eine Zugangsberechtigung auf sein mobiles Endgert zu er-
halten, z.B. zu Gebude A am 17.11.2004 von 14.0015.30 Uhr. Wel-
ches Sicherheitsziel wird hier adressiert? Welche Technik wird hier
typischerweise zur Anwendung kommen?
(34) Es gelingt einem Hacker, ber manipulierte Mobiltelefone ohne SIM-
Karte eine so hohe Zahl von (vorgeblichen) Notrufen in einer GSM-
Zelle zu generieren, dass andere Nutzer nicht mehr telefonieren kn-
nen. Um was fr eine Art von Angriff handelt es sich?
(35) Eine Bank bietet fr professionelle Anleger Wertpapierhandel ber
Mobiltelefone an. Mit welcher Technik knnte Sie die Nichtabstreit-
barkeit gettigter Transaktionen sicher stellen? Werden hier Hash-
Werte bentigt?
6.3 Umsetzung im MC
6.3.1 Angriffspunkte
Betrachtet man die Angriffspunkte entlang der Infrastruktur des MC, so
lassen sich drei wesentliche Kategorien identifizieren:
mobiles Endgert,
Luftschnittstelle,
drahtgebundene bertragungswege.
Im Bereich drahtgebundener bertragungswege wie Mobilvermittlungs-,
Backbone- und allen Arten von Datennetzen bestehen im Wesentlichen
dieselben Sicherheitsprobleme wie im klassischen EC. Dies sind insbeson-
dere die generellen Rechnernetz- und Internet-Sicherheitsprobleme, die
sich aus den in Abschnitt 6.2 vermittelten Grundstzen ableiten und auf
deren technische Einzelheiten hier nicht nher eingegangen werden soll.
Hierzu sei beispielsweise [4] empfohlen.

Abb. 6-5: bergang von/zur Luftschnittstelle bei mobilem Endgert als Client
Umsetzung im MC 117
MC-spezifische Probleme liegen dagegen im bergang von der Luft-
schnittstelle auf die drahtgebundene bertragung. Werden hier unter-
schiedliche Protokollstapel und damit insbesondere unterschiedliche Si-
cherheitsprotokolle verwendet, so ist beim bergang eine Protokollkon-
version erforderlich (Abb. 6-5). Dies schafft einen definierten Angriffs-
punkt, an dem die zu konvertierenden Daten nicht mehr durch das alte und
noch nicht durch das neue Protokoll geschtzt sind, also im Klartext vor-
liegen. Das bekannteste Beispiel hierfr ist das WAP-Gap beim bergang
von SSL/TLS auf WTLS im WAP-Gateway. Diese Problematik wird erst
durch Realisierung einer echten Ende-zu-Ende Sicherheit ber drahtloses
und drahtgebundenes Medium hinweg beseitigt.
Im Bereich der Luftschnittstelle selbst stellt sich die Netzwerkproblema-
tik etwas vorteilhafter dar, da die Kommunikation auf der Luftschnittstelle
oft standardmig verschlsselt ist (z.B. im digitalen Mobilfunk) oder zu-
mindest verschlsselt werden kann (z.B. im WLAN). Diese Verschlsse-
lung gengt allerdings heutigen Anforderungen nur noch teilweise, zudem
ist sie eben nur bis zum Verlassen der Luftschnittstelle vorhanden. Hinzu
kommen bei den meisten Kommunikationstechniken spezifische Sicher-
heitsprobleme, auf die in Abschnitt 6.3.2 nher eingegangen wird.
Im Bereich der mobilen Endgerte schlielich wirken sich zunchst de-
ren eigentlich vorteilhafte physische Eigenarten aus: Sie sind klein, leicht
und werden an jedem Ort verwendet. Damit einher gehen ein stark erhh-
tes Verlust-/Diebstahlsrisiko sowie die Gefahr der Aussphung von Daten
und Sicherheitscodes durch Dritte. Dies kann etwa durch Belauschen oder
durch Beobachten von Display/Tastatur geschehen. Hinzu kommen Si-
cherheitslcken in Betriebssystemen und Anwendungen wie unzureichen-
der Passwort-/PIN-Schutz durch PDA-Betriebssysteme oder die Mglich-
keit der Blockierung von Mobiltelefonen durch spezielle Daten-SMS. Dies
kann beispielsweise durch einen Zwischenspeicher-berlauf (Buffer Over-
flow) erzielt werden. Eine harmlose Variante ist etwa das missbruchli-
che Erzeugen von Indicator Control Messages (ICM), die z.B. als blinken-
des Symbol auf dem Display erscheinen und vom Nutzer nur umstndlich
gelscht werden knnen. Je mehr Mglichkeiten ein mobiles Endgert zur
Programmierung bietet, umso mehr wird es Angriffen durch Viren und
Trojanische Pferde ausgesetzt sein. Zahlreiche Beispiele fr Viren und
Trojaner finden sich in [1], S. 213f, etwa der Virus Phage und der Troja-
ner Vapor fr Palm OS. Ein Beispiel fr die Konvergenz der Sicher-
heitsprobleme ist der vor einigen Jahren verbreitete Wurm Timo fonica,
der sich auf Windows-PC ausbreitete und ber das Internet Massen-SMS
versandte. Ein Echtzeit-Virenschutz ist fr mobile Endgerte typischerwei-
se noch nicht mglich, da diese nur ber eine geringe Rechenleistung ver-
fgen und in der Mehrzahl zudem kein Multitasking ermglichen.
118 Sicherheitsaspekte
Die geringe Rechenleistung bewirkt weiterhin, dass auch ein angemes-
sener Einsatz kryptografischer Methoden bislang problematisch ist. Ein
Ansatz fr deren Verwendung besteht darin, eine Wireless PKI mittels ei-
nes Wireless Identity Module (WIM) auf dem mobilen Endgert zu imple-
mentieren. Dies erlaubt den Einsatz sicherer Verschlsselung als Basis fr
vertrauliche Kommunikation und fr die Verwendung von Zertifikaten und
digitalen Signaturen (die dann als mobile Signaturen bezeichnet werden).
Die Implementierung kann prinzipiell in Form von Software auf dem mo-
bilen Endgert geschehen Erwgungen in Bezug auf Sicherheit wie auch
auf Rechenleistung sprechen jedoch fr den Einsatz von Hardwaremodu-
len. Dies kann beispielsweise eine eigene, ins Gert eingebrachte klein-
formatige Smartcard speziell fr diesen Zweck sein. Im Mobilfunk spricht
man dann, wegen des gleichzeitigen Vorhandenseins einer SIM-Karte, von
einem Dual-Chip Verfahren. Eine andere Mglichkeit wre, das WIM auf
der SIM-Karte selbst abzulegen; derartige kombinierte Module werden als
SWIM-Karte bezeichnet. Schlielich kommt als Lsung noch die Ver-
wendung einer groformatigen Smartcard in Betracht, die typischerweise
fr einen anderen Zweck ohnehin vorhanden ist, etwa eine mit einem Chip
ausgestattete Kredit- oder Eurocheque-Karte; das mobile Endgert msste
dann ber einen entsprechenden Kartenleser verfgen. Diese Lsung wird
als Dual-Slot Verfahren bezeichnet. Die Bereiche Mobile Payment (siehe
9.4) und Mobile Banking nehmen hier aufgrund erhhter Sicherheitsanfor-
derungen eine gewisse Vorreiterrolle ein. Das in Frankreich umgesetzte
mobile Bezahlverfahren Iti Achat etwa basiert auf einer Dual-Slot Lsung
mit speziellen Mobiltelefonen, in die eine Carte Bleue (eine verbreitete
Debit-/Kreditkarte, die mit einem Chip ausgestattet ist) eingefhrt werden
kann. Praktisch kann dies beispielsweise durch einen schmalen Schlitz auf
der Gertrckseite erfolgen, der nur den Chip abdeckt (Abb. 6-6). Dies hat
keine erheblichen Auswirkungen auf Gre oder Gewicht des Gertes. Ei-
nige Mobiltelefonhersteller lehnen Kartenleser fr groformatige Smart-
cards dennoch ab, da diese die Stabilitt des Gertes beeintrchtigen.

Abb. 6-6: Verwendung einer Kreditkarte fr ein Dual-Slot Verfahren
Umsetzung im MC 119
In Deutschland wurden Banking-Anwendungen mit mobilen Signaturen
unter Verwendung einer Dual-Chip Lsung prototypisch umgesetzt. Die
Problematik beider Lsungen liegt jedoch darin, dass jeweils spezielle
Hardware bentigt wird. Die Verwendung mobiler Signaturen auf PDA,
beispielsweise im B2B-Umfeld, wirft durch die Nutzung vorhandener
Standardschnittstellen prinzipiell geringere Schwierigkeiten auf.
Technische Lsungen knnen jedoch nur einen Teil des Problems adres-
sieren. Ein ebenso entscheidender Faktor ist das Sicherheitsbewusstsein
der Nutzer, das bei mobilen Endgerten (insbesondere Mobiltelefonen)
hufig noch sehr gering ist und Convenience-Aspekten nachgeordnet wird.
Ebenso verbreitet sind mangelhafte IT-Sicherheitskonzepte in den Unter-
nehmen, bei deren Erstellung mobile Endgerte und ihre Schwachstellen
schlicht noch nicht bercksichtigt sind.
Zusammenfassung
Spezifische MC-Angriffspunkte befinden sich kategorisiert entlang der
Infrastruktur auf dem mobilen Endgert, der Luftschnittstelle sowie den
drahtgebundenen bertragungswegen.
Auf den drahtgebundenen bertragungswegen bestehen im Wesentli-
chen dieselben Probleme wie im klassischen EC, hinzu kommt hufig eine
Protokollkonversion beim bergang auf das drahtlose Medium. Auf der
Luftschnittstelle selbst liegen unterschiedliche Probleme vor, die von der
jeweils verwendeten Technologie abhngen. Mobile Endgerte unterliegen
aufgrund ihrer speziellen Eigenschaften einem stark erhhten Verlust-
/Diebstahlsrisiko sowie der Gefahr der Aussphung. Angriffe durch Viren
werden in Zukunft ein hohes Bedrohungspotenzial darstellen.
Ein Ansatz fr die Verwendung kryptografischer Methoden besteht dar-
in, eine PKI mittels eines Wireless Identity Module (WIM) zu implemen-
tieren. Dies ermglicht die Verwendung mobiler Signaturen und kann in
Form von Software, als integrierte kleinformatige Chipkarte (Dual-Chip
Verfahren) oder unter Verwendung einer regulren Chipkarte, z.B. Kredit-
karte, erfolgen (Dual-Slot Verfahren). Wird ein WIM direkt auf der SIM-
Karte gespeichert, spricht man von einer SWIM-Karte.
Gerade bei mobilen Technologien werden Sicherheitsprobleme hufig
durch mangelndes Sicherheitsbewusstsein der Nutzer oder mangelhafte IT-
Sicherheitskonzepte verursacht oder begnstigt.
Kontrollfragen
(36) In welchen Bereichen bietet eine MC-Lsung gegenber einer EC-
Lsung zustzliche Angriffspunkte?
120 Sicherheitsaspekte
6.3.2 Kommunikationstechniken
Insbesondere im Bereich der Luftschnittstelle bestehen hufig Sicherheits-
probleme, die spezifisch fr die jeweils verwendete Kommunikationstech-
nik sind. Im Folgenden sollen daher kurz die spezifischen Sicherheitsei-
genschaften und -probleme der fr den MC relevanten Kommunikations-
techniken IrDA, Bluetooth, Wireless LAN und Mobilfunk betrachtet wer-
den.
IrDA
Die Infrarotbertragung mittels IrDA DATA verfgt in der Spezifikation
ber keine wesentlichen Sicherheitsmerkmale, insbesondere nicht zur Si-
cherstellung von Authentifizierung oder Vertraulichkeit, etwa durch Ver-
schlsselung. Damit kann prinzipiell der gesamte Datenverkehr durch ei-
nen beliebigen Dritten mittels eines simplen Infrarotempfngers abgehrt
werden.
Tatschlich aber ist IrDA eine der sichersten Mglichkeiten der Daten-
bertragung: Die sehr begrenzte Reichweite und Abstrahlrichtung sowie
die fr eine Verbindung erforderliche quasi-optische Sicht machen ein un-
bemerktes Abhren in der Realitt nahezu unmglich. Bei einer Verbin-
dung zwischen einem Mobiltelefon und einem PDA beispielsweise msste
sich das abhrende Gert in Senderichtung und nicht viel weiter als zwei
Metern Entfernung zum Sender befinden, ohne dass irgendwelche Gegen-
stnde die Sichtverbindung blockieren. Hier liegt ein erheblicher Vorteil
gegenber jeder Art von Funktechnologie, deren eigentlich vorteilhafte Ei-
genschaften, z.B. Durchdringung von Gegenstnden und hhere Reichwei-
te, ein unbemerktes Abhren deutlich begnstigen.
Bluetooth
Bluetooth als Funktechnologie trgt dieser Problematik durch ein ver-
gleichsweise umfangreiches Sicherheitskonzept Rechnung. Die Spezifika-
tion sieht ein abgestuftes Konzept mit drei Modi vor:
In Modus 3 (Sicherheit auf Verbindungsebene) wird eine Verbin-
dung erst nach erfolgreicher Authentifizierung aufgebaut, erlaubt
dann aber den Zugriff auf alle Dienste.
In Modus 2 (Sicherheit auf Dienstebene) wird dagegen in jedem Fall
eine Verbindung hergestellt. Die von dem Gert bereitgestellten
Dienste werden unterschieden in solche, die Authentifizierung und
Autorisierung erfordern, solche, die nur Authentifizierung erfordern
und solche, die jedem zur Verfgung stehen.
Umsetzung im MC 121
In Modus 1 (keine Sicherheit) wird die Kommunikation ohne Ein-
schrnkungen erlaubt.
Beim Verbindungsaufbau zwischen zwei Gerten erfolgt die Authentifizie-
rung auf Basis einer vordefinierten Gertebeziehung, die beim erstmaligen
Herstellen einer gesicherten Verbindung durch einen Pairing-Vorgang ge-
schaffen wird. Hierzu vereinbaren die Nutzer beider Gerte eine identische
PIN mit 416 Stellen und geben diese in ihr Gert ein. Auf Basis dieser
PIN und einer Zufallszahl (RAND) berechnen die Gerte einen Initializa-
tion Key, aus dem unter Hinzunahme der Bluetooth-Gerteadresse
(BD_ADDR) wiederum ein Link Key erzeugt wird. Dieser Link Key wird
je nach Art der beteiligten Gerte auf unterschiedliche Art und Weise (als
Unit Key, Combination Key oder Master Key) erzeugt. Dieser Link Key
ist 128 Bit lang und bleibt auf beiden Gerten gespeichert. Er dient bei je-
dem knftigen Verbindungsaufbau zwischen diesen beiden Gerten der
Authentifizierung, die dann automatisch erfolgen kann.
Kann ein einfaches Gert, z.B. ein Kopfhrer, nur einen Schlssel spei-
chern, so hat es eine werksseitig fest vorgegebene PIN und unterscheidet
Kommunikationspartner nicht, sondern erwartet stets den selben aus PIN
und seiner BD_ADDR berechneten Unit Key als Link Key. Intelligente
Gerte, z.B. Mobiltelefone oder PDA, speichern dagegen fr jede Gerte-
beziehung einen eigenen Combination Key als Link Key. Ein Master Key
als Link Key wird vom Master in einem Piconet fr Broadcasts verwendet.
Aus dem Link Key wird nach der gegenseitigen Authentifizierung auch
jeweils der Encryption Key fr die Verschlsselung der Daten berechnet.
Dabei wird eine symmetrische Verschlsselung mit dem Algorithmus E
0

vorgenommen, die Lnge des Schlssels kann von den beteiligten Gerten
zwischen 8 und 128 Bit vereinbart werden. Zur Generierung der Schlssel
und zur Authentifizierung werden zustzlich zu E
0
die kryptografischen
Funktionen E
1
, E
21
, E
22
und E
3
verwendet, die in den Bluetooth-
Spezifikationen vereinbart sind (siehe [7]). Mit der Verwendung von Zu-
fallszahlen bzw. der synchronisierten Systemzeit als Parameter an ver-
schiedenen Stellen wird dabei ein Schutz gegen statische Angriffe erzielt.
Details zu den verwendeten Verfahren enthlt [5], S. 328ff.
Als weiterer Schutz wirkt die Mglichkeit, die Sendeleistung (damit die
Reichweite) auf das jeweils minimal erforderliche Ma zu drosseln. Der
von Bluetooth-Gerten praktizierte stndige Wechsel des Frequenzbandes
(Fast Frequency Hopping) wird dagegen nur zur Reduzierung von Strun-
gen durchgefhrt, ist aber als Mittel gegen Abhrversuche nicht geeignet.
Der Bereich der Privatsphre wird dadurch beeinflusst, dass ein Blue-
tooth-Gert stndig versucht, einen Lookup durchzufhren bzw. auf Look-
up-Versuche anderer Gerte reagiert und seine BD_ADDR bekannt gibt.
122 Sicherheitsaspekte
Damit wre in einem rumlichen Bereich, der mit ortsfesten Bluetooth-
Gerten ausgestattet ist, eine Ortung, die Erstellung von Bewegungsprofi-
len und (mindestens) eine zeitlich unbegrenzte Wiedererkennung mglich,
etwa in einem Einkaufszentrum. Dies ist bei Einsatz zur spontanen Vernet-
zung (siehe 3.2) systeminhrent und kaum zu vermeiden. Bei anderen
Einsatzzwecken kann es mit der Auswahl eines Non-Discoverable Mode
unterbunden werden; viele Gerte bieten auerdem ein einfaches Deakti-
vieren des Bluetooth-Moduls z.B. durch Schalter am Gertegehuse an.
Grundstzlich ist das Bluetooth-Sicherheitskonzept fr seinen Einsatz-
zweck, insbesondere in Anbetracht der ohnehin kurzen Reichweite, als gut
geeignet zu beurteilen. Wesentliche Probleme bestehen in mangelhafter
Implementierung des Sicherheitskonzeptes in einigen Gerten (Beispiele
sind deterministische Zufallszahlen, eingeschrnkte Schlsselrume durch
Zulassung zu kurzer PIN oder im schlechtesten Fall ein werksseitig fest
vergebener PIN-Wert 0000) und in mglicher Aussphung der PIN, mit
deren Hilfe die Schlssel rekonstruiert werden knnen.
WLAN
Aufgrund der Reichweite und der typischen Einsatzszenarien etwa als
lokale Vernetzung auf einem Firmengelnde ist die Sicherheitsproblema-
tik im Falle eines WLAN besonders relevant. Im Gegensatz zu den vor-
hergehenden Technologien und auch zu drahtgebundenen LAN wird hier
ein Eindringen auf physischer Ebene in ein Unternehmensnetzwerk mg-
lich, ohne dass ein Gebude betreten werden muss. Ein typisches Beispiel
ist der Angriff mit einem Laptop-PC von einem parkenden Fahrzeug vor
dem Gebude aus (Parking-Lot Attack). In seiner berwiegenden Auspr-
gung IEEE 802.11b verfgt WLAN ber ein Sicherheitskonzept, das im
Infrastruktur-Modus eine Authentifizierung der Teilnehmer mittels Hard-
ware-Adressen sowie eine Autorisierung und eine symmetrische Ver-
schlsselung durch einen gemeinsamen statischen Schlssel vorsieht; zu-
stzlich wird die Integritt von Datenpaketen geprft.
Die Authentifizierung der Teilnehmer erfolgt durch Zugangslisten (Ac-
cess Control Lists, ACL) in jedem Access-Point, in welcher die MAC-
Adressen (Media Access Control) aller zum Senden berechtigten Netz-
werkkarten hinterlegt sind. Dieses Verfahren ist einerseits wenig sicher, da
MAC-Adressen unverschlsselt bertragen werden und Netzwerkkarten
mit frei konfigurierbaren Adressen erhltlich sind. Andererseits ist die
Pflege der Listen allenfalls bei kleineren Netzen mit vertretbarem Auf-
wand mglich, so dass hufig auf ihre Verwendung verzichtet wird.
Weiterhin existiert das Konzept Wired Equivalent Privacy (WEP), das
eine zustzliche Autorisierung fr die Teilnahme am WLAN durch Setzen
Umsetzung im MC 123
eines Service Set Identifier (SSID) vorsieht. Es handelt sich hierbei um ei-
nen 516 Zeichen (=40104 Bit) langen statischen Schlssel, der auf allen
Access Points und mobilen Endgerten eingetragen wird und dessen
Kenntnis geprft wird, bevor eine Station am WLAN teilnehmen darf.
Derselbe Schlssel wird dann ergnzt um einen bei jedem Paket vern-
derten, 24 Bit langen Initialisierungsvektor (IV) fr eine symmetrische
Verschlsselung der Nutzdaten mit dem Algorithmus RC4 verwendet.
WEP wirft eine Reihe von Problemen auf: Die Verwendung eines stati-
schen Schlssels ist zwar vergleichsweise einfach zu realisieren, birgt aber
ein signifikantes Sicherheitsrisiko, da nach dessen bekannt werden kein
Schutz mehr gegeben ist. Dies kann entweder durch klassisches Auskund-
schaften (siehe 6.2), oder aufgrund des geringen Schlsselraumes, denn
nur der IV ist vernderlich nach einigen Stunden Abhren des Datenver-
kehrs erreicht werden. Ohnehin wird der RC4-Algorithmus nicht mehr als
sicher betrachtet. Zustzlich existieren auch bei WLAN fragwrdige Im-
plementierungen, bei denen der IV selten oder gar nicht gewechselt wird.
Die Autorisierung betreffend ist einzuschrnken, dass Access Points aus
Grnden der Einfachheit hufig mit der Option any konfiguriert werden,
wodurch ein Client auch ohne Kenntnis der SSID am WLAN teilnehmen
kann. Schlielich sind smtliche Schutzmechanismen nur gegen Angriffe
von auerhalb des Netzes gerichtet; gegen Mithren durch andere berech-
tigte Teilnehmer existiert kein Schutz. Dies ist insbesondere bei ffentli-
chen WLAN-Zugngen (siehe 2.3) ein erhebliches Problem. Im Ad-hoc
Modus sind die WEP-Sicherheitsmechanismen generell nicht einsetzbar.
Zur Sicherstellung der Integritt wird mit dem Verfahren Cyclic Redun-
dancy Check (CRC) fr jedes Datenpaket eine Prfsumme bezeichnet als
Integrity Check Value (ICV) ermittelt und gemeinsam mit diesem ver-
schlsselt. Dieses Verfahren ist zwar geeignet, bermittlungsfehler zu er-
kennen, gegen gezielte Angriffe jedoch sehr anfllig.
Grundstzlich sind die WLAN-Sicherheitseigenschaften fr die ber-
tragung schutzwrdiger Daten nicht ausreichend, zustzlich werden die
vorhandenen Mechanismen hufig mangelhaft implementiert oder ange-
wendet. Die Spezifikationen sind jedoch Gegenstand stndiger Weiterent-
wicklung. Beispiele hierfr sind das Extensible Authentication Protocol
(EAP) nach RFC 2284 oder der Entwurf fr den Standard IEEE 802.11i
(auf Basis von 802.1X), der beispielsweise eine zentrale Authentifizierung
ber RADIUS-Server (Remote Authentication Dial-Up User Service) nach
RFC 2138 vorsieht. Weitere Schutzmglichkeiten bei der Nutzung von
WLAN, insbesondere fr Unternehmensanwendungen, zeigt 6.4 auf.
124 Sicherheitsaspekte
Mobilfunk
Whrend die Kommunikation im analogen Mobilfunk weitgehend unge-
schtzt abluft, wurden beim Entwurf digitaler Standards integrierte Si-
cherheitskonzepte vorgesehen.
GSM verfgt ber ein Sicherheitskonzept, das Authentifizierung des
Teilnehmers, Verschlsselung der Kommunikation auf der Luftschnittstel-
le und Anonymisierung des Teilnehmers beinhaltet. Hierzu werden die
kryptografischen Funktionen A3 und A8, die MNO-abhngig implemen-
tiert sind und sich auf dem SIM befinden, sowie A5, der sich im Speicher
des ME befindet, verwendet.
Die Authentifizierung des Teilnehmers wird vom BSC nach dem Chal-
lenge-Response Verfahren durchgefhrt: Es wird eine Zufallszahl (RAND)
generiert, die dem Teilnehmer bermittelt wird. Dieser weist seine Identi-
tt durch den Besitz des zu seiner IMSI gehrenden geheimen Schlssels
K
i
nach, indem er die Zufallszahl mit dem Algorithmus A3 unter Verwen-
dung von K
i
verschlsselt und das Ergebnis zurcksendet. Die Berechnung
findet vollstndig auf der SIM-Karte statt. Da der Schlssel nicht nur dort,
sondern auch im AUC vorhanden ist, kann das BSC dieselbe Berechnung
durchfhren, bei bereinstimmung ist der Teilnehmer erfolgreich authenti-
fiziert. Aus K
i
wird nun ebenfalls von der SIM-Karte mit Hilfe des Algo-
rithmus A8 ein 64 Bit langer Sitzungsschlssel K
c
generiert und auf das
ME bertragen. Dieses verschlsselt in der Folge die Verbindungsdaten
mit dem Algorithmus A5 unter Verwendung des Parameters K
c
. Die An-
onymisierung des Teilnehmers zum Schutz vor Zuordnung seiner Positi-
onsdaten erfolgt durch den Ersatz der IMSI durch die TMSI (siehe 2.2.4).
Der Schwachpunkt der Authentifizierung liegt darin, dass sie unidirek-
tional ist die Identitt des HLR wird nicht geprft. Dies ermglicht etwa
Geheimdiensten und Strafverfolgungsbehrden, eine Man-in-the-Middle
Attack mit einem als IMSI-Catcher bezeichneten Gert auszufhren und
dabei nicht nur die Identitt des Teilnehmers offen zu legen, sondern auch
das Gesprch zu belauschen: Das Gert tuscht den MS in seiner Reich-
weite eine Basisstation vor und fordert diese unter dem Vorwand eines
Kommunikationsfehlers auf, ihre IMSI zu bermitteln; mit den mitgehr-
ten Daten kann sie sich dann gegenber der tatschlichen Basisstation als
die MS ausgeben und etwa zum Abschalten der Verschlsselung auffor-
dern. Diese False Base Station Attack beinhaltet eine erhebliche Strung
des Funkverkehrs. Schwachpunkt der Verschlsselung selbst ist die kurze
Schlssellnge. Diese betrgt effektiv statt 64 sogar nur 54 Bit, da die rest-
lichen 10 Bit auf Null gesetzt sind; der Grund hierfr ist nicht ffentlich
bekannt. Ein erfolgreicher Angriff auf den A5-verschlsselten Datenstrom
erfordert zwar hohen Aufwand, ist aber gleichwohl mglich. Der definierte
Umsetzung im MC 125
Angriffspunkt liegt jedoch nach dem Verlassen der Luftschnittstelle die
drahtgebundene Kommunikation zwischen BTS, BSC, MSC und HLR ist
typischerweise nicht verschlsselt (siehe 6.3.1).
Die GPRS-Sicherheit weist gegenber GSM im Wesentlichen zwei
Verbesserungen auf. Erstens wird eine etwas strkere Form des Algorith-
mus A5 eingesetzt. Zweitens findet im Falle von paketorientiertem Daten-
verkehr die Entschlsselung erst im SGSN statt, so dass ein Angriff zwi-
schen BTS und SGSN keinen Klartext mehr vorfindet. Ruft man sich das
zahlenmige Verhltnis zwischen MSC/SGSN und BTS in Erinnerung
(siehe 2.2.4), so wird klar, dass dies zumindest den Groteil des Mobil-
vermittlungsnetzes in die Verschlsselung einbezieht.
UMTS erweitert die GSM/GPRS-Konzepte deutlich. Im Vordergrund
stehen dabei eine bidirektionale Authentifizierung, eine Integrittsprfung
fr Datenpakete und eine erweiterte Verschlsselung. Hierzu werden die
kryptografischen Funktionen F1, F2, F3, F4, F5, F8 und F9 verwendet und
die Schlssellnge einheitlich auf 128 Bit erhht.
Die Authentifizierung wird fr jeden Zugriff auf das Netz durchgefhrt,
in der CS-Domain erfolgt sie durch das MSC, in der PS-Domain entspre-
chend durch den SGSN. Eine Dienstanforderung des UE beim SGSN bei-
spielsweise lst eine Anfrage des SGSN an HLR/AUC nach einem Au-
thentifizierungsvektor aus. Dieser besteht aus einer Zufallszahl (RAND),
einer erwarteten Antwort (Expected Response, XRES), einem Integritts-
schlssel (Integrity Key, IK), einem Sitzungsschlssel (Ciphering Key, CK)
und einem Authentifizierungstoken (Authentication Token, AUTN). Hier-
von werden RAND (als Challenge) und AUTN an das UE weitergeleitet.
Das AUTN der durch Anwendung von F1 und F5 mit dem geheimen
Schlssel K auf RAND entstehende Beweis fr die Kenntnis von K durch
das AUC wird von der USIM-Karte gleichfalls berechnet; bei berein-
stimmung ist die Authentifizierung des Netzes erfolgreich. In diesem Fall
muss nun die USIM-Karte ihrerseits beweisen, dass sie im Besitz von K ist
und wendet hierzu F2 auf RAND mit dem Parameter K an. Stellt der
SGSN nun die bereinstimmung des vom UE erhaltenen Wertes mit der
XRES fest, so ist auch die Authentifizierung der USIM erfolgreich. Das
UE berechnet nun ebenfalls aus RAND und K den CK mittels F3 und den
IK mittels F4. Die verschlsselte Kommunikation luft nun zwischen RNC
und UE unter Verwendung von F8 mit dem CK, der Integrittsschutz unter
Verwendung von F9 mit dem IK. Details zu den verwendeten Verfahren
enthlt [2], S. 201ff.
126 Sicherheitsaspekte
Zusammenfassung
Sicherheitsprobleme im Bereich der Luftschnittstelle sind hufig spezifisch
fr die jeweils verwendete Technologie.
IrDA macht durch seine extrem geringe Reichweite bei erforderlicher
Sichtlinie ein unbemerktes Abhren in der Realitt nahezu unmglich.
Bluetooth verfgt ber ein umfangreiches und gut geeignetes Sicherheits-
konzept, das auf Verbindungs- oder Dienstebene ansetzt. Im Vergleich zu
diesen beiden ist das Bedrohungspotenzial fr ein WLAN durch die zu
Grunde liegenden Einsatzszenarien erheblich hher. WLAN verfgt eben-
falls ber ein umfangreiches Sicherheitskonzept, das jedoch aus verschie-
denen Manahmen besteht, die nicht als hinreichend sicher betrachtet wer-
den knnen. Angriffe sind bereits mit einfachen Mitteln aussichtsreich.
Angriffe auf die schwache Verschlsselung der GSM-Luftschnittstelle
sind mglich, aber sehr aufwndig. Einfacher ist es, die sicherheitsrelevan-
ten Daten unverschlsselt im Mobilvermittlungsnetz abzuhren oder eine
False Base Station Attack durchzufhren. GPRS weist leichte Verbesse-
rungen auf, die UMTS-Luftschnittstelle gilt bisher als sicher.
Kontrollfragen
(37) Ein auf Elektronik spezialisierter Fachmarkt will einen Informations-
dienst fr PDA anbieten, der in den einzelnen Abteilungen ber Blue-
tooth Produktinformationen sowie Zugang auf die eigenen Kunden-
kartendaten (insbesondere fr die Berechnung personalisierter Rabat-
te) bereitstellt. Geben Sie eine Empfehlung zur Verwendung von Si-
cherheitsfunktionalitten.
(38) Auf der Verpackung eines WLAN Access Points ist eine WEP-
Verschlsselung mit 128 Bit Schlsselstrke angegeben. Was halten
Sie davon?
(39) Sie interessieren sich fr den Festplatteninhalt Ihres Wohnungsnach-
barn. Sie wissen, dass er fr seinen und den Laptop seiner Frau einen
WLAN Access Point mit 40 Bit WEP-Schlsselstrke betreibt. Sein
Hund heit Bello, sein kleiner Sohn Kevin und seine Frau Petra. Wel-
che drei Buchstabenkombinationen probieren Sie zuerst?
6.4 Sicherheitskonzepte fr Unternehmenslsungen
Ein drahtloses Netz ist nicht notwendigerweise unsicherer als ein drahtge-
bundenes Netz. Die Nichtbeachtung von Grundregeln der Sicherheit wirkt
sich allerdings in einem drahtlosen Netz unmittelbarer aus, da der unbe-
rechtigten Teilnahme am Datenverkehr hier keine physischen Hindernisse
Sicherheitskonzepte fr Unternehmenslsungen 127
entgegen stehen und diese zudem meist nicht bemerkt wird. Daher kommt
es bei drahtlosen Techniken wie Wireless LAN oder Mobilfunk stark auf
Entwurf und vor allem kompromisslose Um- und Durchsetzung eines an-
gemessenen Sicherheitskonzeptes an. Dabei mssen die Besonderheiten
der Verwendung mobiler Endgerte und Kommunikationstechniken in das
IT-Sicherheitskonzept des Unternehmens integriert werden. Unter dem
Aspekt der betriebswirtschaftlichen Zielsetzung ist hierbei, insbesondere
wenn es um B2C-Anwendungen geht, allerdings eine wichtige Anmerkung
zu machen: Es ist nicht das hchstmgliche Ma an objektiver Sicherheit
gefragt, sondern das der Anwendung und dem Risiko angemessene, wirt-
schaftlich sinnvolle Ma.
Die Abwicklung von Datenverkehr ber drahtlose LAN- oder WAN-
Verbindungen ist im Unternehmensumfeld bereits bei mittleren Sicher-
heitsanforderungen grundstzlich schutzbedrftig, da die Sicherheitsme-
chanismen etwa von WLAN- oder Mobilfunktechnologien allein hierfr
keine ausreichende Sicherheit bieten. Bei der Erstellung eines Sicherheits-
konzeptes fr die Kommunikation einer Anwendung sind in einer Organi-
sation zwei grundstzliche Flle zu unterscheiden:
Kommunikation mit externen Kommunikationspartnern,
Kommunikation mit internen Kommunikationspartnern.
Ziel ist in jedem Fall die Herstellung der Ende-zu-Ende Sicherheit. Im er-
sten Fall unterliegt nur ein Endpunkt der Kommunikation dem eigenen
Zugriff. Dies ist der Fall, wenn auf der eigenen IT-Infrastruktur ein B2C-
Angebot bereitgestellt und von Kunden mit deren mobilen Endgerten ge-
nutzt wird. Ebenso kann es sich um ein B2B-Angebot handeln, das von der
eigenen Organisation bereitgestellt und von Mitarbeitern anderer Organisa-
tionen mit mobilen Endgerten genutzt wird. Schlielich kann es sich um
die Nutzung eines fremden B2B-Angebotes durch eigene Mitarbeiter mit
mobilen Endgerten handeln.
Ist die eigene Organisation Kunde, so sind vor allem Sicherheitsrichtli-
nien aufzustellen, auf den Endgerten Mglichkeiten fr die Nutzung von
Sicherheitsmechanismen bereitzustellen und ggf. mit dem Anbieter Ver-
handlungen zu fhren, so dass das eigene Sicherheitsbedrfnis bei der
Nutzung des Angebotes realisiert werden kann.
Ist die eigene Organisation dagegen der Anbieter, so trgt sie die volle
Verantwortung fr die Erreichung der Sicherheitsziele. Dabei muss sie ob-
jektive Sicherheit realisieren, um sich selbst und den Kunden vor Angrif-
fen Dritter zu schtzen, um sich selbst vor Angriffen durch den Kunden zu
schtzen und subjektive Sicherheit fr den Kunden realisieren, damit die-
ser die Nutzung des Angebotes nicht aus Sicherheitsgrnden verwirft (sie-
he 6.1). Eine typische Realisierungsform ist die Verwendung von SSL/TLS
128 Sicherheitsaspekte
auf dem drahtgebundenen Teil und WTLS auf dem drahtlosen Teil der
Kommunikationsstrecke; bei hoher Bandbreite kommt SSL/TLS auch fr
drahtlose Kommunikation in Betracht (WLAN).
Im zweiten Fall unterliegen beide Endpunkte der Kommunikation dem
eigenen Zugriff. Dies ist der Fall, wenn von mobilen Endgerten aus auf
Unternehmensdaten zugegriffen wird oder von Unternehmensanwendun-
gen auf Daten mobiler Endgerte zugegriffen wird. Hier sind vor allem der
Zugriff auf ERP-Systeme wie SAP R/3 (Mobile ERP, siehe 10.7), oft auch
spezielle Branchenlsungen oder Individualsoftware von Bedeutung. In
vielen Fllen wird es sich um sehr schtzenswerte Daten handeln. Eine ty-
pische Realisierungsform ist hier die Verwendung eines Virtual Private
Network (VPN), in dem Authentifizierung und Vertraulichkeit mittels
IPSec hergestellt werden; die erforderliche Client-Software ist seit einiger
Zeit auch fr PDA verfgbar.
Da die Kette jedoch nur so stark ist wie ihr schwchstes Glied, mssen
all diese Manahmen jedoch auch mit einem umfassenden Schutzkonzept
fr das mobile Endgert einher gehen ein geschickt darauf platzierter
Trojaner etwa knnte fr seine Aussphversuche die korrekte Authentifi-
zierung des Benutzers abwarten und die dann eingerichtete sichere Ver-
bindung ins Unternehmensnetz fr eigene Zwecke mit nutzen. Weiterer
Handlungsbedarf besteht auch in den Bereichen Zugriffskontrolle, Perso-
nal Firewall und Echtzeit-Virenschutz fr mobile Endgerte.
Ein IT-Sicherheitskonzept steht und fllt jedoch mit der Striktheit seiner
Anwendung. Sensibilisierung der Nutzer und Schaffung eines Sicherheits-
bewusstseins sind daher auch und gerade im Bereich mobiler Kommunika-
tion von entscheidender Bedeutung.
Zusammenfassung
Ein Sicherheitskonzept fr Unternehmenslsungen sollte zunchst das der
Anwendung und dem Risiko angemessene, wirtschaftlich sinnvolle Ma an
Sicherheit definieren. Bereits bei mittleren Sicherheitsanforderungen sind
jedoch in jedem Fall zustzliche Schutzmanahmen erforderlich. Dabei ist
zu unterscheiden, ob die Kommunikation mit externen oder mit internen
Kommunikationspartnern gefhrt wird. Im ersten Fall, etwa als B2C-
Anbieter, knnte eine Realisierungsform in der Verwendung von SSL/TLS/
WTLS bestehen; im zweiten Fall, bei unternehmensinternen Anwendungen,
in einem Virtual Private Network (VPN) mittels IPSec. Diese Manahmen
setzen jedoch einen wirkungsvollen Schutz des mobilen Endgertes selbst
voraus, etwa in den Bereichen Zugriffskontrolle, Personal Firewall und
Echtzeit-Virenschutz. Ein erheblicher Faktor ist auch das bei mobilen End-
gerten oft fehlende Sicherheitsbewusstsein der Nutzer.
Sicherheitskonzepte fr Unternehmenslsungen 129
Kontrollfragen
(40) Die Mitarbeiter einer Zeitarbeitsfirma teilen ihre Arbeitsstunden bis-
her jeden Abend per Telefax mit. Diese Lsung soll durch eine mobi-
le Lsung ersetzt werden. Ein IT-Sicherheitsberater schlgt hierfr ei-
ne PDA-Lsung vor, da es sich um unternehmensinterne Kommuni-
kation handle und nur fr diese Gerte bisher VPN-Clients verfgbar
seien. Bewerten Sie die Aussage.
Literaturhinweise
[1] Lehner, F.: Mobile und drahtlose Informationssysteme. Springer, Hei-
delberg 2002.
[2] Lescuyer, P.: UMTS - Grundlagen, Architektur und Standard.
Dpunkt, Heidelberg 2002.
[3] May, P.: Mobile Commerce Opportunities, Applications and Tech-
nologies of Wireless Business. Cambridge University Press, Cam-
bridge 2001.
[4] Merz, M.: E-Commerce und E-Business Marktmodelle, Anwendun-
gen und Technologien. 2. Auflage. Dpunkt, Heidelberg 2002.
[5] Roth, J.: Mobile Computing Grundlagen, Technik, Konzepte.
Dpunkt, Heidelberg 2002.
Internetquellen
[6] Internetangebot des Bundesamtes fr Sicherheit in der Informations-
technik (BSI):
[Link]
[7] Internetangebot der Bluetooth Special Interest Group (BSIG):
[Link]
[8] Internetangebot des Third Generation Partnership Project (3GPP):
[Link]
[9] [Link] empfehlenswertes, privat betriebenes Informationsan-
gebot zur Mobilfunktechnik:
[Link]
130



7 Beteiligte am MC-Wertschpfungsprozess
7.1 Grundlagen und Begriffe
Innerhalb und im Umfeld des MC findet eine Vielzahl von Wertschp-
fungsaktivitten statt. Dabei besteht nicht nur eine starke Interdependenz
zwischen den verschiedenartigsten dieser Aktivitten, sondern hufig sind
auch Akteure in mehreren unterschiedlichen Bereichen ttig. Im einfachen
Fall handelt es sich dabei um Disintermediation. Dieses bereits aus dem
EC bekannte Phnomen lsst Anbieter zur Ausdehnung auf benachbarte
Wertschpfungsstufen tendieren. Dabei knnte es sich etwa um einen In-
halteanbieter handeln, der seine Inhalte selbst aufbereitet und sogar ber
ein Portal bereit stellt. In anderen Fllen haben technologische, historische
oder Grnde der Marktmacht zur Diversifizierung von Firmen gefhrt.
Typische Beispiele sind Unternehmen, die beim Endkunden ber hohen
Bekanntheitsgrad als Endgertelieferanten verfgen, ihr tatschliches
Kerngeschft aber als Infrastrukturlieferanten betreiben.
Dieses Beziehungsgeflecht beeinflusst viele Vorgnge und kann nur er-
fasst werden, wenn die Betrachtung der Wertschpfungsaktivitten im MC
deutlich breiter angelegt wird als etwa im EC. Damit sind nicht nur die pri-
mren Aktivitten die direkt zu Produkten oder Dienstleistungen gem
der Definition des MC aus Kapitel 1 beitragen zu bercksichtigen, son-
dern auch sekundre Aktivitten wie beispielsweise Aufbau und Betrieb
der Netzinfrastruktur oder Lieferung der Endgerte. In Abschnitt 7.2 wird
mit dieser Zielrichtung eine Wertschpfungskette des MC zusammenge-
setzt, in Abschnitt 7.3 werden die einzelnen Akteure nher betrachtet.
7.2 Wertschpfungskette
Innerhalb des in Abschnitt 7.1 festgelegten Rahmens lassen sich drei groe
Wertschpfungsbereiche identifizieren (Abb. 7-1):
die Bereitstellung von Ausrstung und Anwendungen, insbesondere
die Lieferung zum Betrieb erforderlicher Hard- und Software fr die
am Wertschpfungsprozess beteiligten Akteure und fr Endkunden,
132 Beteiligte am MC-Wertschpfungsprozess
die Bereitstellung von Netzen zur drahtlosen Kommunikation,
die Bereitstellung von Diensten und Inhalt fr Endkunden.
Ausrstung
Anwendungen
Netz
Dienste
Inhalt

Abb. 7-1: Wertschpfungsbereiche
Hierbei handelt es sich bei dem Bereich Dienste und Inhalt um primre
Aktivitten, bei den beiden erstgenannten dagegen um sekundre Aktivit-
ten, die diese eigentliche MC-Leistungserstellung die der Definition des
MC aus Kapitel 1 gengt untersttzen.
Soll nun diese sehr grobgranulare Betrachtung verfeinert werden, so
werden zu jedem der Bereiche mehrere Wertschpfungsstufen erkennbar.
Im Bereich Ausrstung und Anwendungen sind dies die Lieferung von
Hard- und Software fr die Netzinfrastruktur (insbesondere im Mobil-
funk), die Entwicklung von Systemplattformen, die Entwicklung von An-
wendungen und schlielich die Lieferung von mobilen Endgerten. Im Be-
reich Netz sind dies der Betrieb des Netzes und die verschiedenen
Dienstleistungen rund um die Bereitstellung seiner Funktionalitt. Im Be-
reich Dienste und Inhalt sind dies die Erzeugung von Inhalten, deren
Aufbereitung, die Bereitstellung von Portalen und die Bereitstellung von
Bezahlfunktionalitt.
Die Wertschpfungskette nach Porter wurde ursprnglich zur Darstel-
lung der Aktivitten in einem einzelnen Unternehmen entwickelt. In der
Praxis hat es sich jedoch durchgesetzt, dieses Konzept mutatis mutandis
auch auf die Leistungserstellung ber Unternehmensgrenzen hinweg an-
zuwenden und dabei die Stufen nach den entsprechenden Akteuren zu be-
zeichnen sowie nach zunehmender Nhe zum Endkunden zu ordnen. Aus
den oben genannten Aktivitten ergibt sich dementsprechend die in Abb.
7-2 gezeigte Wertschpfungskette.
Infrastruktur-
lieferanten
Plattform-
entwickler
Anwendungs-
entwickler
Inhalte-
anbieter
Inhalte-
aggregatoren
Payment-
dienstleister
Netzbetreiber
Virtuelle
Netzbetreiber
Endgerte-
lieferanten
Portal-
anbieter
Infrastruktur-
lieferanten
Plattform-
entwickler
Anwendungs-
entwickler
Inhalte-
anbieter
Inhalte-
aggregatoren
Payment-
dienstleister
Netzbetreiber
Virtuelle
Netzbetreiber
Endgerte-
lieferanten
Portal-
anbieter

Abb. 7-2: Wertschpfungskette des MC
Akteure 133
In der Wertschpfungskette wird prinzipiell jeder der genannten Aktivit-
ten genau eine Stufe zugeordnet. Im Bereich Netz existiert dabei eine
Besonderheit, auf die im Vorgriff auf Abschnitt 7.3 eingegangen sei.
Hier wird der Aktivitt Betrieb des Netzes die Stufe Netzbetreiber und
der Aktivitt Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Bereitstellung
des Netzes die Stufe Virtueller Netzbetreiber zugeordnet. Fr ihre un-
mittelbaren Kunden nehmen Netzbetreiber wie Vodafone oder T-Mobile
hier beide Stufen wahr (die Stufe des virtuellen Netzbetreibers entfllt
dann); fr Kunden virtueller Netzbetreiber wie Debitel oder Talkline wer-
den diese Stufen jedoch von unterschiedlichen Akteuren wahrgenommen.
Fr eine Untersuchung bergreifender Zusammenhnge, z.B. der
Marktmacht von Netzbetreibern oder der Interdependenzen zwischen der
finanziellen Situation verschiedener Akteure, ist eine Betrachtung aller
Wertschpfungsstufen sinnvoll. Hufig wird der Leser jedoch vor der
Aufgabe stehen, konkrete primre Aktivitten zu untersuchen, z.B. inner-
halb eines Geschftsmodells, das die Vermarktung aktueller Nachrichten
und Fotos in Form von MMS-Informationsdiensten oder das Angebot orts-
basierter Online-Mehrpersonenspiele zum Inhalt hat. Hierbei ist es oft
nicht sinnvoll, alle Stufen der Wertschpfungskette einzubeziehen. Statt
dessen sollte zugunsten der Klarheit eine verkrzte Form der Wertschp-
fungskette verwendet werden. Hierbei werden nur die unmittelbar an pri-
mren Aktivitten beteiligten Akteure aufgefhrt. Wenn nicht unmittelbar
Untersuchungsgegenstand, kann auch die Unterscheidung zwischen Netz-
betreiber und virtuellem Netzbetreiber vernachlssigt werden. Eine solche
verkrzte Wertschpfungskette zeigt Abb. 7-3.
Portal
Provider
MPSP MNO
Content
Aggregator
Content
Provider

Abb. 7-3: Verkrzte Wertschpfungskette zur Untersuchung primrer Aktivitten
Hierbei wurden die in der betrieblichen Praxis blichen, englischsprachi-
gen Bezeichnungen bzw. Abkrzungen verwendet. Eine Zuordnung dieser
Begriffe wird im folgenden Abschnitt vorgenommen.
7.3 Akteure
Im Folgenden werden die verschiedenen Wertschpfungsstufen und die
jeweils darauf ttigen und damit am Wertschpfungsprozess im MC betei-
ligten Akteure betrachtet.
134 Beteiligte am MC-Wertschpfungsprozess
Infrastrukturlieferanten (Mobile Infrastructure Suppliers) stellen Hard-
ware und die fr den Betrieb drahtloser Netze unmittelbar erforderliche
Software bereit. Produkte knnen etwa SGSN, RNC oder UMSC sein.
Namhafte Beispiele sind hier Firmen wie Ericsson, Siemens, Nokia, Moto-
rola oder Lucent Technologies. Sie zeichnen sich einerseits dadurch aus,
dass sie durch neue Technologien besonders beeinflusst sind, andererseits
beeinflussen sie selbst die entsprechenden Entwicklungen in hohem Mae.
Dies kann durch Teilnahme an ffentlichen Standardisierungsprozessen,
etwa im Rahmen der ETSI, oder durch gemeinsame Schaffung von Indu-
striestandards geschehen; hufig ist es jedoch einfach eine Folge der Im-
plementierung dieser Standards, im Rahmen derer eine Reihe von Frei-
heitsgraden fr individuelle technische Lsungen der Hersteller besteht.
Neben den unzweifelhaft positiven Effekten schlgt sich dies in einigen
Bereichen auch in Kompatibilittsproblemen nieder, wie am aktuellen Bei-
spiel des netzbergreifenden MMS-Versandes zu beobachten ist. Infra-
strukturlieferanten sind die Technologiefhrer unter den betrachteten Ak-
teuren, mit dem Effekt, dass nur ein kleiner Teil der vorhandenen Endger-
te und Anwendungen die vorhandenen Mglichkeiten bereits voll nutzen
kann. Neben der Infrastruktur fr Mobilfunknetze und insbesondere deren
Migration auf 3G-Technologie rcken bei den Infrastrukturlieferanten im-
mer mehr auch die anderen Arten der drahtlosen Vernetzung in den Vor-
dergrund. Beachtenswert ist die groe Schnittmenge dieser Gruppe mit
derjenigen der Endgertehersteller, worauf spter noch zurckzukommen
ist.
Plattformentwickler (System Platform Developers) stellen Systemplatt-
formen bereit, insbesondere Betriebssysteme fr mobile Endgerte (z.B.
Microsoft, Symbian), Virtual Machines und Laufzeitumgebungen (z.B.
Sun, Microsoft), Middleware fr den Netzbetrieb (wie SMSC, Billing-
Systeme oder WAP-Gateways, z.B. Ericsson, Nokia, [Link], Dr. Ma-
terna) und Microbrowser (z.B. Ericsson, Nokia, [Link]). Middleware
fr den Netzbetrieb wird im wesentlichen von Netzbetreibern abgenom-
men, aber durchaus auch von anderen Akteuren, die entsprechende eigene
Systeme betreiben. Dies sind beispielsweise Banken mit eigenem WAP-
Gateway oder eine Reihe von Dienstleistern mit eigenen SMSC. Middle-
ware-Infrastrukturanbieter sind nicht selten zugleich als Infrastrukturher-
steller oder Betriebssystemhersteller ttig.
Anwendungsentwickler (Application Developers) betreiben sowohl
Entwicklung von speziellen Offline- oder Online-Anwendungen auf mobi-
len Endgerten (Client-Anwendungen), als auch von Anwendungen, die
mit mobilen Endgerten kommunizieren (Server-Anwendungen, Webser-
vices). In diesem Bereich ist eine Vielzahl von Unternehmen unterschied-
lichster Gre ttig. Die MC-Anwendungsentwicklung berschneidet sich
Akteure 135
hufig mit der fr den klassischen EC. Dies gilt insbesondere, wenn
Anwendungen oder Funktionalitten in hnlicher Weise ber beide Kanle
bereitgestellt werden sollen.
Inhalteanbieter (Content Providers) erzeugen Inhalte. Dies knnen bei-
spielsweise Nachrichtenagenturen, TV-Sender oder Zeitschriftenredaktio-
nen sein, fr die MC ein Distributionskanal unter mehreren ist. Inhalte be-
stehen dann etwa in Nachrichten, Brsenkursen, Wetterinformationen,
Sportergebnissen, Grafiken, Audio- und Videodaten. Ebenso gehren zu
dieser Kategorie Hersteller von MC-spezifischen Inhalten, etwa Klingelt-
ne oder Spiele fr mobile Endgerte. Ein wichtiges Problem fr Inhaltean-
bieter ist die Leistungsverrechnung und -abrechnung (siehe Kapitel 9).
Inhalteaggregatoren (Content Aggregators) bereiten Inhalte fr die
Verwendung im MC auf und bndeln geeignete Informationsangebote fr
den Nutzer. Das Prinzip ist in Abb. 7-4 dargestellt, wobei im Rahmen der
Bereitstellung noch ein Portalanbieter zwischengeschaltet sein kann.
Content-
Provider
Kunde
Content
Aggre-
gator
Inhalts-
sammlung
Verarbeitung
Bereit-
stellung
Content-
Provider
Content-
Provider

Abb. 7-4: Sammlung, Verarbeitung und Bereitstellung von Inhalten im MC
Die Aufbereitung kann in gewissem Umfang auch redaktionelle Ttigkei-
ten beinhalten, etwa Zusammenfassung oder Anreicherung. Die Bereitstel-
lung der Inhalte erfolgt meist zielgruppenspezifisch und personalisiert. Ei-
nes der beim Endkunden bekanntesten Beispiele ist AvantGo, ein persona-
lisierter Dienst, mit dem eine Offline-Synchronisation ausgewhlter Inhal-
te verschiedenster Content Provider auf alle gngigen PDA mglich ist
([Link]).
Portalanbieter (Mobile Portal Providers) bndeln in ihrem Angebot
mglichst alle vom Nutzer bentigten Dienste, z.B. Routenplaner, Mail-
dienste, Suchmaschinen, Informationsangebote und vieles mehr (siehe Ab-
schnitt 10.4). Die wichtigste Ausprgung sind Mobilfunkanbieter (MNO,
MVNO), die ihr eigenes Portal als Standard-Startseite fr den Nutzer vor-
konfiguriert haben. Ebenfalls eine hohe Bedeutung haben spezialisierte
Portalanbieter, fr die der Betrieb des Portals Kerngeschft ist und die
Einnahmen durch Nutzungsentgelte, Provisionen, Nutzung von Profildaten
und Werbung generieren; sie sind nicht selten mit spezialisierten EC-
Portalanbietern identisch (z.B. Yahoo! oder MSN). Schlielich bieten auch
136 Beteiligte am MC-Wertschpfungsprozess
eine Reihe anderer Firmen (Themen-)Portale an, mit denen sie etwa die
Kundenbindung durch ein produkt- oder firmenbezogenes Serviceangebot
verstrken wollen (z.B. Radio-/TV-Sender, Banken, Automobilclubs, Mo-
biltelefonhersteller). Ein interessantes Beispiel ist Lycos Europe, ein als
Portalanbieter im EC und MC fr eine berwiegend jugendliche Ziel-
gruppe bekanntes Unternehmen der Bertelsmann-Gruppe. ber diese
Aktivitten hinaus produziert Lycos Europe einerseits in begrenztem Um-
fang selbst Inhalte (z.B. Klingeltne und Logos). Andererseits aber ist das
Unternehmen fr Verarbeitung, Aufbereitung und Bereitstellung smtli-
cher von der Bertelsmann-Gruppe produzierten Inhalte verantwortlich,
z.B. von Bertelsmann Media, RTL World, Gruner+Jahr und BMG Enter-
tainment. Alle aggregierten und aufbereiteten Inhalte werden dann an jede
der genannten Firmen zurckgeliefert, die diese wiederum als Portalanbie-
ter zielgruppengerecht vertreiben kann. Auf diese Art und Weise kann das-
selbe Foto eines Sportereignisses oder der Wetterkarte des Senders RTL
innerhalb der Gruppe als MMS Content ber Lycos mobile, im Unterhal-
tungsangebot des RTL Portals oder in einem Artikel auf der Gruner+Jahr-
Seite vermarktet werden.
Paymentdienstleister (Mobile Payment Service Providers, MPSP) stel-
len MC-Anbietern oder Anbietern in anderen Szenarien (EC, stationrer
Handel) eine Bezahlfunktionalitt fr deren Angebot zur Verfgung (siehe
9.4). Als Betreiber eines MP-Verfahrens kommen in der Hauptsache Ban-
ken und Finanzdienstleister (insbesondere Kreditkartenorganisationen),
Mobilfunkanbieter und spezialisierte Intermedire (z.B. Payment-Startup)
in Betracht. Hierbei verfgen die Banken mit deutlichem Abstand ber das
grte Vertrauen bei den Kunden. Eine Reihe anderer Faktoren sprechen
wiederum deutlich fr die Mobilfunkanbieter als MPSP; Kooperationsl-
sungen zeichnen sich hier ab.
Netzbetreiber (Mobile Network Operators, MNO) betreiben als ihr
Kerngeschft die technische Infrastruktur eines Mobilfunknetzes. Daraus
folgt eine sehr starke Marktstellung im MC, etwa gegenber Inhalteanbie-
tern. Dies gilt insbesondere, da der MNO-Markt in den meisten Lndern
oligopolistisch geprgt ist. Die MNO haben den wohl direktesten Zugang
zum Endkunden. Das Verhltnis umfasst dabei sowohl eine bestehende
vertragliche Bindung, als auch eine bestehende Abrechnungsbeziehung.
Hierbei sind Vertragskunden und Prepaid-Kunden zu unterscheiden. Bei
ersteren erfolgt die Abrechnung nach dem Credit-Verfahren durch Rech-
nungsstellung, daher werden sie auch als Postpaid-Kunden bezeichnet. Bei
letzteren erfolgt die Abrechnung nach dem Debit-Verfahren aus einem
vorausbezahlten Guthaben. Die Abrechnung der Sprachdienste ist bei der
Vielzahl der Einflussgren ein nicht-triviales Problem, das durch die
Mglichkeit des Roaming noch verstrkt wird. Die Netzbetreiber verfgen
Akteure 137
zu diesem Zweck ber eine komplexe Billing-Infrastruktur, die prinzipiell
auch fr alle anderen Arten mobiler Dienste nutzbar ist (siehe Kapitel 9).
Weitere Aspekte der starken Marktstellung sind die Kontrolle des MNO
ber die SIM-Karte, ber die voreingestellten Portalseiten des Microbrow-
sers und ber Konfiguration und zunehmend auch ber Fhigkeiten der
Endgerte. Mit der Verwendung internetbasierter Datendienste wird der
MNO gleichzeitig zum Internet Service Provider (ISP).
Das Verhltnis von Prepaid- zu Postpaid-Kunden betrgt am deutschen
Markt derzeit etwa 60:40. Ein Beispiel fr einen sehr hohen Anteil an Pre-
paid-Kunden ist Italien hier betrgt dieses Verhltnis 85:15. Netzbetrei-
ber bevorzugen Vertragskunden, da sie weniger Aufwand im Netzbetrieb
verursachen, bessere Mglichkeiten zur Kundenbindung bieten und mit
Grundgebhren feste Einnahmen pro Zeiteinheit garantieren, vor allem a-
ber, da sie im Durchschnitt gegenber Prepaid-Kunden deutlich hhere
Umstze generieren. Der Anteil der Vertragskunden und der monatliche
Umsatz pro Nutzer (Average Revenue per User, ARPU) werden als wichti-
ge Kennzahlen in Bezug auf die Qualitt einer MNO-Kundenbasis betrach-
tet. Weitere interessante Kennzahlen sind bei Vertragskunden die Abwan-
derungsrate (Churn Rate) und bei Prepaid-Kunden der Anteil derjenigen,
durch die keine Umstze entstehen (No-Call Rate).
Auf dem deutschen Markt sind derzeit vier Netzbetreiber ttig, deren
Marktanteil und ARPU Anfang 2003 in Tabelle 7-1 wiedergegeben wer-
den (die Zahlen wurden den entsprechenden Pressemitteilungen der Netz-
betreiber entnommen, der ARPU ist auf volle Euro gerundet).
Tabelle 7-1: MNO-Marktanteile und ARPU in Deutschland (Anfang 2003)
MNO Mio. Nutzer Marktanteil ARPU
T-Mobile 24,6 41,6% 23 EUR
Vodafone 22,7 38,4% 26 EUR
E-Plus 7,3 12,3% 24 EUR
O2 4,6 7,8% 28 EUR
SUMME 59,2 100,0% ---

Virtuelle Netzbetreiber (Mobile Virtual Network Operators, MVNO) sind
Mobilfunkanbieter, die nicht ber eine eigene Lizenz fr ein Frequenz-
spektrum und damit ein eigenes Zugangsnetz verfgen. Sie erbringen defi-
nierte Teile der Wertschpfung eines regulren Netzbetreibers und nutzen
teilweise oder ganz die Infrastruktur eines oder mehrerer fremder MNO.
Die MVNO-Skala reicht dabei prinzipiell vom Mobile Service Provider
(MSP) ohne eigene Mobilfunk-Infrastruktur bis zum Netzbetreiber mit ei-
138 Beteiligte am MC-Wertschpfungsprozess
genem Mobilvermittlungsnetz. Kennzeichnend fr den MVNO sind eine
eigene Marktprsenz und Abrechnungsbeziehung zum Endkunden.
Auf dem deutschen Markt sind derzeit nur MVNO in der in Form von
MSP ttig. Diese haben ausschlielich intermedire Funktion: Sie kaufen
Leistungen bei Netzbetreibern geschtzt 20-25% unter Endkundenpreis ein
und verkaufen diese, ggf. erweitert um eigene Leistungen, wieder an ihre
Kunden. Damit betreiben sie die Optimierung des Marketings von MNO-
Leistungen und Endgerten als Kerngeschft. Die Marktmacht der MVNO
sollte nicht unterschtzt werden in Deutschland sind derzeit geschtzt
45-50% der MNO-Kunden ber MVNO gebunden. In letzter Zeit steigt al-
lerdings das Direktmarketing an, d.h. die Vertragszuwchse bei den MSP
wachsen langsamer als bei den MNO. Eine Aktivitt als MSP kann aus-
schlielich in Gewinnerzielungsabsicht erfolgen, mglicherweise handelt
es sich aber auch um den ersten Schritt einer Markteintrittsstrategie fr
MNO auf fremden, strategisch interessanten Mrkten. So gehrt der MSP
Debitel etwa zum schweizerischen MNO Swisscom, Talkline gehrt zur
Tele Denmark und Mobilcom gehrte bis vor einiger Zeit zu France Tele-
com. Ob ein solcher Markteintritt bei der heutigen Marktlage noch immer
beabsichtigt wird, muss allerdings stark bezweifelt werden. Die Strategie
der France Telecom beispielsweise, ber Mobilcom als MSP einen Ein-
stieg in den deutschen Markt zu erhalten und mit UMTS-Betriebsbeginn
als MNO in den Markt einzutreten, wurde grndlich revidiert. Es wird er-
wartet, dass diese UMTS-Lizenz in deren Erwerb 16,5 Mrd. DM inve-
stiert wurden ungenutzt an die RegTP zurckfllt. Eine hnliche Strate-
gie verfolgte die Group 3G (unter Beteiligung des finnischen MNO Sonera
und des spanischen MNO Telefonica) mit dem Markteintritt des ersten
vollen MVNO in Deutschland unter dem Markennamen Quam. Die
Group 3G hatte zu einem hnlichen Preis wie Mobilcom eine deutsche
UMTS-Lizenz erworben (siehe Tabelle 2-2). Quam nutzte das Zugangs-
netz von E-Plus und hatte ein eigenes Mobilvermittlungsnetz aufgebaut,
musste seinen Betrieb jedoch binnen kurzer Zeit aus wirtschaftlichen
Grnden wieder einstellen. Es wird allgemein erwartet, dass auch diese
UMTS-Lizenz ungenutzt an die RegTP zurckfllt.
Als letzte Wertschpfungsstufe sind die Endgertelieferanten (Mobile
Device Suppliers) zu nennen. Ihre Position verdient dabei besondere Be-
achtung. Einerseits ist ihr Geschft wenig profitabel. Andererseits jedoch
sind die Fhigkeiten der Endgerte entscheidend fr die gesamte MC-
Entwicklung, zudem sind sie als einzige Hardwarehersteller nah am End-
kunden. Daher ist es kein Zufall, dass Endgertehersteller typischerweise
auch in anderen Bereichen des MC aktiv sind und dort die bentigten Erl-
se generieren. Typisch fr viele Endgertelieferanten ist hier vor allem die
Position als Infrastrukturlieferant. Das umfassendste Beispiel ist aber wohl
Akteure 139
der Marktfhrer Nokia, der bis auf die Stufen MPSP, MNO und MVNO in
allen Wertschpfungsstufen Aktivitten zeigt.
Zusammenfassung
Die Betrachtung der Wertschpfungsaktivitten wird im MC deutlich brei-
ter angelegt als etwa im EC und umfasst auer primren Aktivitten der
Leistungserstellung im Bereich Dienste und Inhalt auch sekundre Akti-
vitten in den Wertschpfungsbereichen Ausrstung und Anwendungen
und Netz.
Am Wertschpfungsprozess sind zahlreiche Akteure beteiligt. Infra-
strukturlieferanten stellen Hardware und die fr den Betrieb drahtloser
Netze unmittelbar erforderliche Software bereit. Plattformentwickler stel-
len Systemplattformen bereit, insbesondere Betriebssysteme fr mobile
Endgerte, Virtual Machines und Laufzeitumgebungen, Middleware fr
den Netzbetrieb und Microbrowser. Anwendungsentwickler entwickeln
Client-Anwendungen fr mobile Endgerte und Server-Anwendungen, die
mit mobilen Endgerten kommunizieren. Als Inhalteanbieter (Content Pro-
viders) knnen MC-fremde Akteure wie Nachrichtenagenturen, TV-Sen-
der, Zeitschriftenredaktionen oder aber Erzeuger MC-spezifischer Inhalte
wie Spiele fr mobile Endgerte auftreten. Diese Inhalte werden von Inhal-
teaggregatoren (Content Aggregators) fr die Verwendung im MC aufbe-
reitet, gebndelt sowie zielgruppenspezifisch und meist personalisiert be-
reit gestellt. Portalanbieter (Mobile Portal Providers) betreiben Portalsei-
ten, auf denen mglichst alle vom Nutzer bentigten Dienste gebndelt
vorhanden sind. Paymentdienstleister (Mobile Payment Service Providers,
MPSP) stellen MC-Anbietern oder Anbietern in anderen Szenarien eine
Bezahlfunktionalitt fr deren Angebot zur Verfgung. Netzbetreiber (Mo-
bile Network Operators, MNO) betreiben als ihr Kerngeschft die techni-
sche Infrastruktur eines Mobilfunknetzes. Virtuelle Netzbetreiber (Mobile
Virtual Network Operators, MVNO) sind Mobilfunkanbieter, die nicht ber
ein eigenes Zugangsnetz verfgen. Die MVNO-Skala reicht dabei prinzipi-
ell vom Mobile Service Provider (MSP) ohne eigene Mobilfunk-
Infrastruktur bis zum Netzbetreiber mit eigenem Mobilvermittlungsnetz.
Schlielich sind die Endgertelieferanten zu nennen, die jedoch wegen des
wenig profitablen Geschfts die bentigten Erlse in aller Regel auf ande-
ren Stufen erzielen.
Auch andere Akteure sind hufig auf mehr als einer Wertschpfungsstu-
fe ttig. Charakteristisch ist dabei die Ausdehnung auf benachbarte Stufen
der Wertschpfungskette.
Wichtige Kennzahlen fr die Qualitt einer MNO-Kundenbasis sind der
Anteil der Vertrags- gegenber den Prepaid-Kunden und der monatliche
Umsatz pro Nutzer (Average Revenue per User, ARPU).
140
Kontrollfragen
(41) Sie sind Assistent der Geschftsleitung bei einem bekannten MNO,
der seinen Kunden Informationsdienste zu verschiedenen Themenbe-
reichen (Sport, News, Wertpapierkurse, ) in aufbereiteter Form an-
bieten will. Welche Stufen der Wertschpfungskette werden dabei
tangiert? Was empfehlen Sie der Geschftsleitung bezglich Eigener-
stellung bzw. Zukauf fremder Leistungen?
(42) Ihr Unternehmen kmpft als Endgertelieferant mit hohen Entwick-
lungskosten und geringen Gewinnmargen. Durch die Besetzung wei-
terer Stufen der Wertschpfungskette sollen profitablere Geschfts-
felder erschlossen werden. Welche Stufen kommen hierbei unter Be-
rcksichtigung von Synergieeffekten mit den bestehenden Aktivitten
und Ressourcen (Know-how, ) in Betracht?
Literaturhinweise
[1] Adelsgruber, E.; Schfer, N.; Tnnies, T.: MVNO - Ein innovatives
Geschftsmodell zur Vermarktung von 3G Services. In: Hartmann, D.
(Hrsg.): Geschftsprozesse mit Mobile Computing. Vieweg, Wiesba-
den 2002, S. 60-81.
[2] Mller-Veerse, F.: Mobile Commerce Report. Durlacher Research,
London 2000.
[3] Tomlinson, C.: Telekommunikation Ein Leitfaden fr Software Pro-
fessionals. Addison-Wesley, Mnchen 2001.

8 MC-Geschftsmodelle und ihre Bewertung
8.1 Geschftsmodelle im MC
8.1.1 Von der Idee zum Produkt
Um die gesamte Breite der bedeutsamen Akteure und ihrer Interdependen-
zen zu beleuchten, wurde die Betrachtung der Wertschpfungsaktivitten
in Kapitel 7 breit angelegt und etwa auch der Aufbau der Netzinfrastruktur
oder die Lieferung der Endgerte einbezogen. Fr die Untersuchung von
MC-Geschftsmodellen soll nun wieder auf die primren Aktivitten ein-
geschrnkt werden.
Ausgangspunkt jedes Leistungserstellungsprozesses oder jeder Lei-
stungserbringung ist eine Produkt- oder Geschftsidee. Dies knnte bei-
spielsweise die Idee sein, Kunden die Teilnahme an oder die Veranstaltung
von Auktionen anzubieten ber beliebige Endgerte hinweg, orts- und
zeitunabhngig. Um diese Idee kaufmnnisch, organisatorisch und tech-
nisch umsetzen und bewerten zu knnen bedarf es jedoch zuvor ihrer (fr
Dritte nachvollziehbaren) Beschreibung.

Abb. 8-1: Geschftsidee und Geschftsmodell
Diese abstrahierende Beschreibung der Funktionsweise einer Geschfts-
idee bezeichnet man als (das zu der Geschftsidee gehrende) Geschfts-
142 MC-Geschftsmodelle und ihre Bewertung
modell. Sie umfasst insbesondere die Beantwortung der Frage, warum die
Geschftsidee berhaupt zum Erfolg fhren kann. Hierbei sind vor allem
Aussagen erforderlich zu (Abb. 8-1):
Wertbeitrag (fr wen knnen welche Werte geschaffen werden?),
Kundensegment (welche Kundengruppe knnen und sollen adres-
siert werden?),
Erlsquelle (wer ist auf welche Weise bereit, fr das geplante Ange-
bot in welcher Hhe zu bezahlen?).
Darber hinaus ist zu klren, wie die Geschftsidee organisatorisch, infor-
mationstechnisch sowie unter rechtlichen und investitionsbezogenen Ge-
sichtspunkten umgesetzt werden kann und ob die fr das Geschftsmodell
als optimal bewertete Kombination aus Wertbeitrag, Kundensegment und
Erlsquelle zu der generellen, vom Unternehmen verfolgten Wettbewerbs-
strategie passt. Verfolgt ein Unternehmen etwa eine Preisfhrerschaftsstra-
tegie, z.B. mit Angeboten auf SMS-Basis, dann ist unsicher, ob das Unter-
nehmen mit der aktuellen Kundenbasis auch mit Angeboten auf der Basis
von Premium-SMS erfolgreich sein kann.
Abschlieend sei noch darauf hingewiesen, dass fr ein und dieselbe
Geschftsidee verschiedene Geschftsmodelle existieren knnen, die so-
wohl von demselben Anbieter als auch von dessen Wettbewerbern konkur-
rierend verfolgt werden knnen. Beispielsweise lassen sich fr die ein-
gangs erwhnte Geschftsidee der endgert-, orts- und zeitunabhngigen
Auktionsdurchfhrung auf verschiedene Arten Erlse generieren, indem
etwa ein Geschftsmodell auf Erlse aus Werbung und Provisionen setzt,
ein anderes dagegen vornehmlich auf Erlse aus Gebhren.
Zusammenfassung
Ein Geschftsmodell ist die abstrahierende Beschreibung der Funktions-
weise einer Geschftsidee, insbesondere durch Aussagen zu Wertbeitrag,
Kundensegment und Erlsquelle. Fr eine Geschftsidee knnen verschie-
dene Geschftsmodelle existieren.
8.1.2 Erlsmodelle
In obigem Beispiel lieen sich die Geschftsmodelle dadurch voneinander
unterscheiden, dass sie verschiedene Arten der Erlsgenerierung nutzten.
Man spricht in diesem Zusammenhang von dem (zu einem Geschftsmo-
dell gehrigen) Erlsmodell als demjenigen Teil des Geschftsmodells, in
dem beschrieben wird aus welchen Quellen sich Einzahlungen in welchem
Geschftsmodelle im MC 143
Umfang zusammensetzen und wie diese verteilt werden. Prinzipiell lassen
sich Erlse aus drei Erlsquellen erzielen:
direkt vom Nutzer eines MC-Angebots,
indirekt bezogen auf den Nutzer des MC-Angebots, d.h. Erlse
durch Dritte, und
indirekt bezogen auf das MC-Angebot, d.h. im Rahmen eines Nicht-
MC-Angebots.
Darber hinaus lassen sich Erlse nach der Erlsart kategorisieren. Hier-
bei unterscheidet man zwischen
transaktionsabhngigen und
transaktionsunabhngigen Erlsen.
Die dadurch entstehende Erlsmatrix zeigt Abb. 8-2.

Abb. 8-2: Erlsquellen im MC (in Anlehnung an [4], S. 155)
Direkte transaktionsabhngige Erlse vom Nutzer knnen ereignisabhn-
gige Zahlungen (Event-Based Billing), z.B. fr den Abruf einer Informati-
on oder den Download einer Datei, nutzungsdauerabhngige Zahlungen
(Time-Based Billing), z.B. fr das Zusehen bei einer Live-bertragung o-
der die Teilnahme an einem Blind-Date Spiel, oder Abonnementgebhren
sein. Direkte transaktionsunabhngige Erlse entstehen z.B. in Form von
Einrichtungsgebhren, etwa zur Abdeckung von Verwaltungsgebhren bei
erstmaliger Anmeldung zu einem Friend-Finder Dienst, oder durch Grund-
gebhren, die bei einem Streaming-Audio Anbieter z.B. das zahlungsfreie
Anhren von Musik erlauben, die mindestens sechs Monate alt ist. Fr ak-
tuelle oder populre Musik kann der Anbieter ergnzend transaktionsab-
hngige Zahlungen vorsehen. Die einzelnen Erlsarten (sowie die einzel-
nen Erlsquellen) schlieen sich also nicht automatisch gegenseitig aus.
Vielmehr kann der Anbieter entscheiden, auf welche Bereiche der Erls-
matrix er zurckgreift.
Im Rahmen eines MC-Angebots knnen weiterhin Erlse erwirtschaftet
werden, die (bezogen auf den Nutzer) als indirekt einzustufen sind. Dabei
144 MC-Geschftsmodelle und ihre Bewertung
handelt es sich um Zahlungen Dritter, die wiederum sowohl transaktions-
abhngig als auch -unabhngig sein knnen. Transaktionsabhngige Erlse
fallen z.B. in Form von Provisionen an, etwa dann, wenn Gaststtten oder
Hotels einen Betrag an den Betreiber eines mobilen Reisefhrers fr das
Vermitteln und Fhren eines Kunden entrichten. Transaktionsunabhngige
Erlse knnen durch Werbung oder den Handel mit Nutzerdaten entstehen.
Gerade die letztgenannte Erlsquelle ist hierbei im MC nicht zu unter-
schtzen, da der Betreiber eines MC-Angebots durch die Eigenschaften
Kontextsensitivitt und Identifizierungsfunktionen (gegenber einem klas-
sischen EC-Anbieter) erheblich erweiterte Mglichkeiten zur Gewinnung
von Kundenprofilen hat.
Eine weitere Ausprgung indirekter Erlse sind solche, die nicht aus
dem eigentlichen MC-Angebot entstehen. Hierunter fallen etwa MC-
Angebote zur Kundenbindung, die sich in anderen Bereichen der Ge-
schftsttigkeit auswirken, z.B. kostenlose SMS-Informationen ber einen
Sportverein, die zu einer Steigerung des Verkaufs von Merchandising-
Artikeln fhren.
Zusammenfassung
Ein Erlsmodell ist derjenige Teil des Geschftsmodells, in dem beschrie-
ben wird, aus welchen Quellen sich Einzahlungen in welchem Umfang zu-
sammensetzen und wie diese verteilt werden. Erlsquellen knnen dabei
direkt (Zahlungen des Nutzers) oder indirekt (Zahlungen Dritter) sein. Eine
weitere Erlsquelle sind Einnahmen auerhalb des MC. Bei den Erlsarten
werden transaktionsabhngige und transaktionsunabhngige Erlse unter-
schieden.
Kontrollfragen
(43) Ein Brsenbrief bietet einen kostenlosen mobilen Brsendienst an, der
ber das Angebot des Versandes von Werbe-SMS finanziert werden
soll. Nachdem das Unternehmen mit dem MC-Angebot ber einige
Zeit Verluste gemacht hat, entschliet man sich zum Verkauf der ge-
sammelten Profildaten der MC-Kunden. Das mobile Angebot hat al-
lerdings eine Reihe von Kunden angezogen, die daraufhin den tradi-
tionellen Brsenbrief per Fax abonniert haben. Welche Art von Erl-
sen erkennen Sie?
Geschftsmodelle im MC 145
8.1.3 MC-Geschftsmodelle
Fr den Bereich des klassischen EC sind zahlreiche Anstze bekannt, die
Vielzahl vorhandener Geschftsmodelle zu kategorisieren und in Form von
Typologien zu ordnen. Diese Anstze tragen den Besonderheiten, die im
Zusammenhang mit MC-Geschftsmodellen wichtig sind wie Allgegen-
wrtigkeit oder Mglichkeit zur Einbeziehung des aktuellen Nutzerkontex-
tes jedoch nur in beschrnktem Umfang Rechnung. Darber hinaus sollte
ein Ansatz zur Klassifikation von Geschftsmodellen robust sein, d.h. er
sollte mglichst auch auf Geschftsmodelle angewendet werden knnen,
die noch nicht bekannt sind. Darum wird im Folgenden eine generische
Systematik zur Klassifizierung von Geschftsmodellen eingefhrt, welche
die Besonderheiten typischer MC-Geschftsmodelle bercksichtigt. Cha-
rakterisierend fr diesen Klassifizierungsansatz sind
die Idee, grundlegende Typen von (Geschftsmodell-)Bausteinen zu
identifizieren, aus denen sich dann konkrete Geschftsmodelle zu-
sammensetzen lassen und
die strenge Gliederung nach der Art der angebotenen Leistung.
Hierzu wird zunchst unterschieden, ob es sich bei der angebotenen Lei-
stung um eine Leistung handelt, die ausschlielich durch Austausch von
(digital codierten) Daten erbracht werden kann oder um eine Leistung, die
einen signifikanten (Leistungs-)Anteil aufweist, der nicht ausschlielich
durch Datenaustausch erbracht werden kann kurz, die einen nicht digita-
len Anteil aufweist, da es sich beispielsweise um ein physisches Produkt,
das auch gefertigt werden muss, handelt oder um eine Dienstleistung, die
auch Verrichtungen an einen physisch vorhandenem Objekt erfordert.
Nicht-digitale Leistungen gliedern sich weiter in anfassbare (tangible)
und nicht greifbare (intangible) Leistungen. Whrend tangible Leistungen
ber einen signifikanten physischen Produktanteil verfgen mssen, sollen
fr die Zwecke der hier vorgestellten Klassifizierung in die Kategorie
der intangiblen Leistungen nur solche Dienstleistungen fallen, die Verrich-
tungen an einem physisch vorhandenen Objekt erfordern. Bei Leistungen,
die ausschlielich durch den Austausch digital codierter Daten erbracht
werden knnen, wird weiter zwischen Handlung und Information differen-
ziert. In der Kategorie Information steht das Bereitstellen von Daten im
Vordergrund, z.B. in Form von (multimedialen) Inhalten im Bereich Un-
terhaltung oder Aus-/Weiterbildung sowie das Bereitstellen von Informati-
on. Demgegenber fokussiert die Kategorie Handlung auf Ttigkeiten, die
ber das bloe Bereitstellen von Inhalten und Information hinausgeht, et-
wa durch Handlungen, die sich ber das Verarbeiten, Manipulieren, Trans-
formieren, Auswhlen oder Systematisieren von Daten definieren.
146 MC-Geschftsmodelle und ihre Bewertung
Auf der letzten Ebene ergeben sich durch weitere Untergliederung der
angebotenen Leistung schlielich die im Baum der MC-Geschftsmodell-
bausteine (Abb. 8-3) dargestellten grundlegenden MC-Geschftsmodell-
typen, deren Zweck die Erbringung einer eben solchen Leistung ist und die
im Folgenden beschrieben werden. Dazu wird zwischen konkreten Ge-
schftsmodellen, die mehrere der grundlegenden Geschftsmodelltypen
implementieren knnen, und eben diesen grundlegenden Geschftsmodell-
typen unterschieden. Letztere werden damit zu Baustein(-typen), aus de-
nen sich konkrete Geschftsmodelle zusammensetzen.

Abb. 8-3: Baum der MC-Geschftsmodellbausteine
Den Geschftsmodelltyp klassisches Gut beinhalten alle konkreten Ge-
schftsmodelle, die auf den Verkauf greifbarer Gter zielen, z.B. von CDs
oder Blumen also von Erzeugnissen, die als Industrieerzeugnisse gefer-
tigt oder als Agrarprodukte erzeugt werden. Diese Produkte knnen einen
digitalen Produktanteil aufweisen, was z.B. bei CDs in erheblichem Mae
und bei Fahrzeugen, Waschmaschinen etc. im zunehmenden Mae der Fall
ist. Zuordnungskriterium ist hier jedoch, dass ein signifikanter Produktan-
teil physisch vorhanden ist und als solcher auch physisch den Besitzer
wechseln muss.
Geschftsmodelle im MC 147
Konkrete Geschftsmodelle umfassen den Geschftsmodelltyp klassi-
sche Dienstleistung, wenn eine Dienstleistung erbracht wird, fr die Hand-
lungen an einem physisch vorhandenen Objekt notwendig sind. Darunter
fallen z.B. Reisen oder Wartungsttigkeiten.
Unter den grundlegenden Geschftsmodelltyp Dienst fallen konkrete
Geschftsmodelle, die eine vom Kunden als solche wahrgenommene, ori-
ginre (Einzel-)Leistung umfassen, die im oben beschriebenen Sinne eine
Handlung auf digital codierten Daten erfordert und keinen vermittelnden
Charakter hat (vgl. grundlegenden Geschftsmodelltyp Vermittlung). Der-
artige Leistungen, z.B. Routenplanung oder Mobile Brokerage, stehen fr
sich selbst und knnen durch Bndelung (vgl. grundlegenden Geschfts-
modelltyp Integration) zu aus Kundensicht neuen Leistungen komponiert
werden. Ein typisches Angebot, das unter den Geschftsmodelltyp Dienst
fllt, ist z.B. das Mobile Banking Angebot der Stadtsparkasse Augsburg
([Link]):
Die Stadtsparkasse Augsburg bietet die Mglichkeit, ber Mobiltelefon
oder PDA auf das eigene Konto und das eigene Depot zuzugreifen. Neben
Kontobersicht, Depotbersicht, Umsatzanzeige, Saldenabfrage werden
Einzelberweisungen untersttzt. Das Angebot ist in den regulren Konto-
fhrungsgebhren enthalten, fr das Mobile Banking wird kein Aufpreis
erhoben; lediglich die Verbindungsgebhren des Netzbetreibers fallen an.
Darber hinaus kann es erforderlich sein z.B. um das (mobile) Bezahlen
einer Leistung zu ermglichen oder konkrete Sicherheitsziele, wie Vertrau-
lichkeit zu gewhrleisten weitere Leistungen, die im obigen Sinne eine
Handlung erfordern, hinzuzufgen. Diese Leistungen haben bei Betonung
der originren Leistung eher untersttzenden Charakter, knnen unter be-
stimmten Umstnden aber auch als originre Einzelleistung wahrgenom-
men werden. Aus diesem Grund wird davon abgesehen, fr diese unter-
sttzenden Dienste einen eigenen grundlegenden Geschftsmodelltyp ein-
zufhren. Vielmehr werden diese unter den grundlegenden Geschftsmo-
delltyp Dienst subsumiert.
Ein konkretes Geschftsmodell beinhaltet den Geschftsmodelltyp Ver-
mittlung, wenn es auf die Durchfhrung von klassifizierenden, systemati-
sierenden, suchenden, auswhlenden oder vermittelnden Handlungen ab-
zielt. Dazu gehren
typische Suchdienste wie z.B. [Link] ([Link]),
Angebote zum Finden und Interagieren zwischen Nachfragern, die
hnliche Produkte nachfragen,
Angebote zum Finden und Interagieren zwischen Personen mit glei-
chen Interessen,
Angebote zur Vermittlung zwischen Nachfragern und Anbietern,
148 MC-Geschftsmodelle und ihre Bewertung
jede Art von Intermediation, makelnder oder Broker-Ttigkeit, ins-
besondere das Durchfhren von Online-Auktionen, sowie
allgemein das Betreiben von Plattformen, welche die Zusammenar-
beit der genannten Wirtschaftssubjekte beschleunigen, vereinfachen
oder erst erlauben.
Insgesamt steht hier das Finden geeigneter Paarungen (Matching) im Vor-
dergrund also die Anbahnungsphase einer Transaktion. Gleichwohl ge-
hen einige Angebote darber hinaus, indem zustzlich die Vereinbarungs-
phase untersttzt wird, wie z.B. der Hotel-Finde- und Reservierungs-
Service ([Link]):
Der Hotelkatalog erlaubt es, ber ein Mobiltelefon nach Hotels zu suchen,
Zimmer zu reservieren oder Reservierungen zu stornieren. Dabei werden
alle relevanten Daten angezeigt und man kann Zimmer buchen, stornieren
oder eine Reservierungsanfrage senden. Der Dienst ist multilingual. Mittei-
lungen an den Kunden knnen entweder per E-Mail, Telefon, Fax oder
auch per Post bermittelt werden. Der Dienst finanziert sich indirekt und
transkationsunabhngig ber Werbung, da sich der Kunde bei Nutzung des
Dienstes damit einverstanden erklrt, dass Werbung von Dritten per E-
Mail, Telefon, Fax oder auf dem Postwege an ihn gesendet werden darf.
Unter den grundlegenden Geschftsmodelltyp Integration fallen konkrete
Geschftsmodelle, die auf das Zusammenfassen von (originren) Einzel-
leistungen zu Leistungsbndeln abzielen. Die Einzelleistungen knnen da-
bei wiederum Produkt eines gem der in Abb. 8-3 dargestellten Systema-
tik beliebig eingeordneten konkreten Geschftsmodells sein. Ferner muss
die Tatsache der Bndelung einerseits nicht unbedingt als solche fr den
Kunden erkennbar sein, andererseits kann sie diesem aber auch als Ergeb-
nis eines Individualisierungsprozesses dargestellt werden. Man spricht
dann auch von kundenindividuellen Leistungsbndeln.
Der grundlegende Geschftsmodelltyp Inhalt findet sich in allen konkre-
ten Geschftsmodellen wieder, die digital codierte (multimediale) Inhalte
aus den Bereichen aktuelles Weltgeschehen, Wirtschaft, Unterhaltung,
Aus- und Weiterbildung, Kunst, Kultur etc. erzeugen und bereitstellen.
Darber hinaus fallen in diesen Bereich Spiele. Ein typischer Vertreter die-
ses Geschftsmodelltyps ist z.B. das Angebot von Wetter-Online
([Link]):
Bei diesem Angebot kann der Kunde kostenfrei auf umfangreiche Wetter-
informationen ber PDA zugreifen. Im Informationsangebot sind zum Bei-
spiel Vorhersagen, aktuelle Messwerte und das Reisewetter fr zahlreiche
Orte zu finden. Die PDA-Version des Dienstes generiert keine direkten o-
der indirekten Erlse, sondern zielt darauf ab, den Kunden fr das gleichar-
tige, jedoch ber Werbung (teil-)finanzierte, EC-Angebot zu gewinnen o-
der zu binden.
Geschftsmodelle im MC 149
Ein konkretes Geschftsmodell beinhaltet den grundlegenden Geschfts-
modelltyp Kontext, wenn Information, welche den Kontext, also aktuelle
(Lebens-)Situation, Position, Umgebung, Bedarfe, Bedrfnisse etc. eines
Nutzers beschreibt, genutzt oder bereitgestellt wird. Beispielsweise bein-
halten oder nutzen alle Geschftsmodelle, die auf der Verwendung von ak-
tueller Ortsinformation aufsetzen (LBS), typische Leistungen des grundle-
genden Geschftsmodelltyps Kontext. Man spricht hier auch von kontext-
sensitiven Anwendungen. Ergnzend sei angemerkt, dass gerade die ver-
gleichsweise einfache Mglichkeit, den Kontext eines Nutzers in eine Lei-
stung einzubeziehen, ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zwischen
MC- und EC-Angeboten im engeren Sinne ausmacht.
Eine Vielzahl weiterer Anwendungen ergeben sich beim zustzlichen
Einsatz krpernaher Sensorik, die in das MC-Endgert integriert ist oder
mit diesem in direkter Verbindung steht. Ein Beispiel dafr liefert das An-
gebot von Vitaphone ([Link]), das es erlaubt, Herz-Kreislauf-
Daten einschlgig gefhrdeter Patienten permanent zu berwachen und bei
Bedarf zeitnahe Hilfeleistung zu veranlassen. Dabei werden mit Hilfe ei-
nes speziell entwickelten Mobiltelefons Biosignale, biochemische Parame-
ter und die Position des Nutzers an das stndig besetzte Vitaphone Service
Center drahtlos bermittelt. Dazu verfgt das Mobiltelefon, neben den be-
reits erwhnten Sensoren, ber eine GPS-Funktion und eine spezielle Not-
falltaste, um mit dem Service Center in Verbindung zu treten.
Tabelle 8-1: Klassifikation des Geschftsmodells Vitaphone
(Klassisches) Gut
Verkauf eines speziellen Mobiltelefons

(Klassische) Dienstleistung
Organisation des rztlichen Notdiensts
Medizinische und psychologische Beratung
Patienten-Monitoring
Dienst
---

Vermittlung
---

Integration
---

Inhalt
---

Kontext
G
e
s
c
h

f
t
s
m
o
d
e
l
l
t
y
p
e
n

Bereitstellung aktueller patientenbezogener Herz-Kreislauf-Daten
Bereitstellung des aktuellen patientenbezogenen Aufenthaltsorts

150 MC-Geschftsmodelle und ihre Bewertung
MC-Geschft
Direkt Indirekt
Nicht MC-Geschft
Transaktions-
abhngig
Kommunikation
mit dem Service-
Center
---
E
r
l

s
m
o
d
e
l
l
e

Transaktions-
unabhngig
Grundgebhr
---
Verkauf spezieller
Mobiltelefone

Tabelle 8-1 zeigt die Klassifizierung dieses Geschftsmodells auf Basis der
eingefhrten Systematik. Dabei fllt auf, dass das Geschftsmodell von Vi-
taphone im Wesentlichen auf Geschftsmodellbausteine aus dem Bereich
klassische Dienstleistung setzt. Diese werden jedoch durch zustzliche Ge-
schftsmodellbausteine aus dem Bereich Kontext ergnzt, womit die ei-
gentlich notwendige Bedingung rumlichen Nhe zwischen Patient und
(behandelndem) Arzt zumindest im Rahmen des rztlichen Monitoring
aufgeweicht werden kann. Damit werden diverse Mehrwerte (siehe Ab-
schnitt 8.2) fr den Patienten gestiftet, so dass dieser letztlich bereit ist, das
Angebot wahrzunehmen.
Untersucht man das Angebot von Vitaphone weiter, bleibt anzumerken,
dass das Angebot in der aktuellen Form sicher nur ein erster Schritt sein
kann, der zwar sicher die Bewegungsfreiheit eines einschlgig gefhrdeten
Patienten erheblich erhht, aber auch immer dessen direkte Mitarbeit er-
fordert. So muss der Patient Messungen selbst durchfhren und diese dann
proaktiv an das Service Center bermitteln. Eine automatische Messung,
bermittlung und berwachung der Herz-Kreislauf-Daten des Patienten
an das Service Center erfolgt nicht.
Vervollstndigt wird die Darstellung des Vitaphone-Geschftsmodells
durch die Darstellung des zugehrigen Erlsmodells, das im unteren Teil
von Tabelle 8-1 zu sehen ist. Erlse werden auerhalb des MC ber den
Verkauf der speziellen Mobiltelefone erzielt. Ferner fallen, als direkte Er-
lse innerhalb des MC, Grundgebhren (mit oder ohne Nutzung des Ser-
vice-Center) und bertragungsgebhren (fr Herz-Kreislauf-Daten und
Gesprche ber die Notfalltaste) an.
Zusammenfassung
Die Besonderheiten von MC-Geschftsmodellen lassen eine Klassifizie-
rung nach der Art der angebotenen Leistung angemessen erscheinen. Hier-
bei knnen Bausteine in Form von Geschftsmodelltypen identifiziert wer-
den, aus denen sich dann konkrete Geschftsmodelle zusammensetzen. Der
resultierende Baum der MC-Geschftsmodellbausteine unterscheidet dabei
auf der obersten Ebene digitale und nicht-digitale Leistungen.
Qualitative Bewertung von MC-Geschftsmodellen 151
Nicht-digitale Leistungen stellen sich in Form der Geschftsmodelltypen
klassisches Gut fr tangible und klassische Dienstleistung fr intangible
Leistungen dar. Digitale Leistungen werden differenziert in die Kategorie
Handlung mit den Geschftsmodelltypen Dienst, Vermittlung, Integration
und die Kategorie Information mit den Geschftsmodelltypen Inhalt und
Kontext. Untersttzungsdienste wie Bereitstellung von Payment- oder Si-
cherheitsfunktionalitt gehren dabei dem Geschftsmodelltyp Dienst an.
Kontrollfragen
(44) Ordnen Sie den WAP-Dienst eines Fremdenverkehrsverbandes analog
zu Tabelle 8-1 in den Baum der MC-Geschftsmodellbausteine ein.
Der Dienst stellt fr Touristen in den verschiedenen Stdten der Regi-
on ortsbasiert Veranstaltungshinweise bereit. Die Nutzung ist kosten-
los, fr den Nutzer fallen nur die WAP-Verbindungsgebhren des
MNO an.
8.2 Qualitative Bewertung von MC-Geschftsmodellen
8.2.1 Wirkung mobiler Angebote: Informationelle Mehrwerte
Der Erfolg eines elektronischen Angebots tritt nicht automatisch ein. Ins-
besondere ist es typischerweise nicht ausreichend, ein erfolgreiches (aber
unverndertes) konventionelles Angebot auf elektronischem Wege verfg-
bar zu machen. Entscheidend fr den Erfolg des neuen elektronischen An-
gebots ist vielmehr, dass fr den Kunden ein Zusatznutzen, ein so genann-
ter Mehrwert, entsteht. Dies sei an Hand eines Beispiels verdeutlicht:
Ein Zeitungsverleger plant sein Geschftsfeld zu erweitern und beschliet
zu diesem Zweck seine Zeitung auch auf elektronischem Wege herauszu-
geben, z.B. ber eine zugangsbeschrnkte Web-Site, sodass eine Nutzung
des Angebots prinzipiell mit Hilfe jedes Endgerts mglich ist, auf dem ein
(einfacher) Web-Browser betrieben werden kann. Umfang und Inhalt des
elektronischen Pendants sollen dabei nicht von dem des normalen Printme-
diums abweichen. Die Zeitung wird fr das elektronische Angebot aufbe-
reitet, indem nach Drucklegung jede Seite der Zeitung eingescannt und als
Bitmap auf der Web-Site hinterlegt wird. Die Frage, die sich der Zeitungs-
verleger nun stellen muss, lautet: Werden Kunden das neue Angebot nut-
zen? oder konkreter: Welchen Mehrwert entsteht einem Kunden durch
Nutzung des neuen Angebots im Vergleich zur Nutzung des Printmedi-
ums?. Wenn man nun bercksichtigt, dass beide Erscheinungsformen der
Zeitung kostenpflichtig sind, dann fllt auf, dass die elektronische Fassung
der Zeitung lediglich die rumlichen Einschrnkungen vermindert, denen
der Kunde unterliegt, um eine neue Zeitung zu kaufen. Dafr muss er, ab-
152 MC-Geschftsmodelle und ihre Bewertung
hngig von der ihm zur Verfgung stehenden Bandbreite, eine lngere Zeit
zum Umblttern einer Seite in Kauf nehmen und wird auf Grund der be-
schrnkten Gre seines Displays in der Regel nur einen kleineren Teil ei-
ner Zeitungsseite berblicken knnen. Darber hinaus muss er fr die In-
frastruktur erheblich in Vorleistung treten, z.B. fr PC, Modem, etc., die er
bentigt um auf das Angebot berhaupt zugreifen zu knnen. Dazu kom-
men noch variable Kosten, z.B. in Form von Verbindungsgebhren. Sum-
ma summarum wird der Verleger sein elektronisches Angebot attraktiver
machen mssen, um dafr Kunden zu gewinnen. Manahmen, die fr den
Kunden hier Mehrwerte stiften, wren etwa das Vorhalten eines Zeitungs-
archivs, die tagesaktuelle automatische Zusammenstellung einer kundenin-
dividuellen Zeitung, eine leistungsfhige Suchfunktion oder die redaktio-
nelle Aufbereitung und Verknpfung von Zusatzinformationen und Hinter-
grundberichten.
Grundlegend fr die Bewertung von Geschftsmodellen auf der Basis von
Mehrwerten ist die Theorie Informationeller Mehrwerte [1] zur kompara-
tiven Bewertung elektronischer Informationsangebote sowie deren Erwei-
terung um Elektronische und Mobile Mehrwerte [3]. Dabei werden grund-
legende Mehrwerte als Elektronische und Mobile Mehrwerte bezeichnet,
die schlielich zu den vom Nutzer wahrgenommenen Informationellen
Mehrwerten (Informational Added Values, IAV) fhren. Hierbei werden
acht Arten Informationeller Mehrwerte unterschieden:
Mehrwert mit Effizienzwirkung (verbesserte Wirtschaftlichkeit),
Mehrwert mit Effektivittswirkung (verbesserte Wirksamkeit),
sthetisch-Emotionaler Mehrwert (erhhtes Wohlbefinden, Akzep-
tanz oder Arbeitszufriedenheit),
Flexibler Mehrwert (erhhte Flexibilitt bei der betrieblichen Lei-
stungserstellung),
Organisatorischer Mehrwert (neue, verbesserte Organisationsstruk-
turen hinsichtlich Aufbau- oder Ablauforganisation mglich),
Innovativer Mehrwert (vllig neue bzw. neuartige Produkte und
Dienstleistungen mglich),
Strategischer Mehrwert (entsteht, wenn auf Basis anderer Mehrwer-
te ein entscheidender Wettbewerbsvorteil geschaffen werden kann),
Makrokonomischer Mehrwert (entsteht, wenn auf Basis anderer
Mehrwerte ein Strukturwandel in Beruf, Wirtschaft oder Gesell-
schaft ausgelst wird).
Mehrwerte mit Effizienzwirkung ergeben sich immer dann, wenn sich die
Wirtschaftlichkeit eines Angebots verbessert, indem durch die Verwen-
dung elektronischer Medien Kosten oder Zeitvorteile entstehen. Bei-
spielsweise lassen sich beim Mobile Banking oder Brokerage Transaktio-
nen (aus Kundensicht) vom aktuellen Ort und ohne Zeitverzgerung star-
Qualitative Bewertung von MC-Geschftsmodellen 153
ten. Ferner entstehen auch aus Anbietersicht Zeit- und Kostenvorteile, z.B.
fr den Finanzdienstleister, da der Kunde einen Groteil des (teuren) Er-
fassungsaufwands selbst bernimmt.
Bei einem Mehrwert mit Effektivittswirkung verbessert sich die Wirk-
samkeit eines Angebots oder der Zielerreichungsgrad. Ein Beispiel hierfr
wre etwa ein Web-basierter Paketverfolgungsdienst, der es dem Kunden
eines Paketdienstes erlaubt jederzeit den Standort seiner Sendung zu erfah-
ren, und auf diese Weise die Kundenzufriedenheit steigert. Wrde derselbe
Dienst auch die Anzahl der Rckfragen beim Service-Center des Paket-
dienstes vermindern, dann entstnde fr diesen darber hinaus ein Mehr-
wert mit Effizienzwirkung.
sthetisch-Emotionale Mehrwerte entstehen durch die Verbesserung
von Wohlbefinden, Akzeptanz oder Arbeitszufriedenheit. Beispielsweise
kann die Akzeptanz eines mobilen Angebots gesteigert werden, indem
(abhngig von den Fhigkeiten eines Endgerts) zwischen einer mono-
chromen und einer farbigen Benutzeroberflche gewechselt wird, anstatt
generell eine monochrome Benutzeroberflche zu verwenden.
Bei einem Flexiblen Mehrwert erhht sich das Ma an Flexibilitt bei
der Leistungserstellung. Derartige Mehrwerte ergeben sich z.B. dadurch,
dass eine digitale Leistung mit (im Vergleich zum physischen Pendant) ge-
ringeren Aufwand auf individuelle Bedrfnisse eines Kunden zugeschnit-
ten werden kann. Beispielsweise lsst sich die Herstellung einer Musik-CD
mit kundenindividuellem Inhalt sehr gut automatisieren und damit relativ
einfach realisieren, wenn die Produktkonfiguration, also das Zusammen-
stellen der Tracks der CD, durch den Kunden, z.B. ber ein WWW-
Frontend, und ohne weiteren Eingriff des Anbieters erfolgt.
Organisatorische Mehrwerte entstehen durch die Mglichkeit neue und
adquatere Organisationsformen zu etablieren. Die Vernderungen knnen
dabei sowohl Aufbau- als auch Ablauforganisation betreffen. Beispiele fr
derartige Organisationsformen reichen von typischen Outsourcing-
Entscheidungen ber das Auslagern ganzer Geschftsprozesse (Business
Process Outsourcing) bis hin zur Schaffung virtueller Unternehmen. We-
sentlich fr die Schaffung eines organisatorischen Mehrwerts ist hierbei,
dass die organisatorische nderung erst durch den Einsatz von Informati-
ons- und Kommunikationstechniken mglich wird.
Innovative Mehrwerte entstehen durch die IT-induzierte Mglichkeit,
neue Produkte oder Dienstleistungen anbieten zu knnen, beispielsweise
indem durch neue Techniken zur unternehmensbergreifenden Integration
Anstze zur Massenmafertigung (Mass Customization) verwirklicht wer-
den knnen also der kundenindividuellen Produktion von Gtern, zu
Preisen, die nicht wesentlich von denen eines vergleichbaren Massenpro-
dukts abweichen.
154 MC-Geschftsmodelle und ihre Bewertung
Strategische Mehrwerte ergeben sich, wenn entscheidende Wettbe-
werbsvorteile geschaffen (oder signifikante Wettbewerbsnachteile vermie-
den) werden, z.B. indem ein kleines, hoch spezialisiertes Unternehmen
durch ein geeignetes Web-Angebot weltweit Kunden akquirieren kann
oder indem ein Unternehmen vermeidet Marktanteile zu verlieren, indem
es seine Web-Prsenz ausbaut.
Makrokonomische Mehrwerte gehen ber die Ebene einzelner Kunden
oder Unternehmen hinaus und haben Auswirkungen, die den Arbeitsmarkt,
die Wirtschaft oder die Gesellschaft als Ganzes betreffen. Ein Beispiel fr
Auswirkungen, die ganze Berufsbilder betreffen, ist der flchendeckende
Einsatz von Werkzeugen zur Broautomation, z.B. typische Office-
Produkte wie Textverarbeitung, Tabellenkalkulation oder Prsentations-
software, die das Berufsbild Schreibkraft in Richtung persnlicher As-
sistent verndert haben.
Der Nutzer, fr den der Mehrwert entsteht, kann hierbei prinzipiell An-
bieter, Nachfrager oder auch ein beteiligter Dritter sein. Ein Beispiel mit
mehr als zwei Parteien ist etwa eine Stellenbrse, bei der die Mehrwerte
fr Bewerber, Personal suchende Unternehmen und die Personalvermitt-
lung als Betreiber zu betrachten sind.
Entsteht fr den Kunden kein direkter Mehrwert, so muss er zumindest
indirekt davon profitieren, damit der Erfolg des elektronischen Angebotes
eintritt. Hat der Anbieter etwa einen Mehrwert mit Effizienzwirkung zu
verzeichnen, so kann er einen Teil seiner Einsparungen in Form von Preis-
senkungen an den Kunden weitergeben.
Bei einer mobilen Lsung gelten dieselben Regeln: Auch hier tritt der
Erfolg nicht automatisch ein. Insbesondere ist es nicht ausreichend, ein
simples EC-Angebot auf einem mobilen Endgert verfgbar zu machen.
Hier mssen weitere informationelle Mehrwerte gestiftet werden, damit
der Einsatz mobiler Kommunikationstechniken lohnend ist.
Ein Beispiel hierfr ist das Electronic Banking im Vergleich zum Mobi-
le Banking. Fhrt der Kunde sein Konto vom heimischen PC aus, so muss
er fr dieses Electronic Banking nicht mehr in die Bankfiliale gehen und
ist zudem nicht mehr auf deren ffnungszeiten angewiesen. Gegenber
der Offline-Lsung entsteht so ein Mehrwert mit Effizienzwirkung.
Kann der Kunde sein Konto mittels einer mobilen Anwendung fhren, so
ist er vollstndig ortsunabhngig. Er kann beispielsweise auf Reisen eine
dringende berweisung veranlassen, ohne auf den Festnetzzugang zum In-
ternet angewiesen zu sein (gegenber der EC-Lsung nochmals ein Mehr-
wert mit Effizienzwirkung), im Wertpapierhandel kann er sich nun stndig
ber aktuelle Kurse informieren sowie zeitnah online Transaktionen veran-
lassen (gegenber der EC-Lsung ein Mehrwert mit Effektivittswirkung).
Qualitative Bewertung von MC-Geschftsmodellen 155
Tabelle 8-2 zeigt, welche IAV sich fr einen Kunden ergeben knnen,
der das Vitaphone-Angebot aus Abschnitt 8.1.3 nutzt. Informationelle
Mehrwerte stehen damit fr die Wirkung eines elektronischen Angebots.
Tabelle 8-2: Informationelle Mehrwerte des Geschftsmodells Vitaphone aus
Kundensicht
Mehrwert mit Effizienzwirkung
Die Ortung des Kunden sorgt fr eine schnellere medizinische Versorgung.
Durch Interaktion ist eine zeitnherer Reaktion auf gesundheitliche Proble-
me mglich.
Die automatische Identifizierung des Kunden ber sein Mobiltelefon be-
schleunigt die Einleitung medizinischer Manahmen, da dem medizini-
schen Personal seine Patientenakte sofort zur Verfgung steht.
Durch EKG-Messung ber das Mobiltelefon knnen ansonsten notwendige
Arztbesuche reduziert werden, was Zeit- und Kosteneinsparung ermglicht.
Mehrwert mit Effektivittswirkung
Durch Interaktion und genaue Ortung knnen sofort die Manahmen einge-
leitet werden, die auf das jeweilige gesundheitliche Problem des Kunden
ausgerichtet sind.
Durch stndige berwachung kann eine hohe Sicherheit gewhrleistet wer-
den, sodass Herz-Probleme frhzeitig erkannt werden knnen. Damit er-
hht sich die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Behandlung.
Ein EKG dann durchgefhrt werden, wenn es fr die Einleitung weitere
Manahmen besonders wichtig ist.
sthetisch-Emotionaler Mehrwert
Der Kunde fhlt sich sicherer, da er durch das Gert Mobilitt gewinnt und
trotzdem weiter medizinisch berwacht wird.
Erhhung der subjektiven Sicherheit, da dem Kunden durch die Notfallfunk-
tion zu jeder Zeit eine Interaktion mit rzten mglich ist.
Der Kunde wei, dass Hilfe auf ihn mageschneidert ist, da er sofort identi-
fiziert werden kann. Dies erhht sein Wohlbefinden.
Der Kunde ist immer in der Lage, ein EKG durchzufhren. Dies erhht sei-
ne subjektive Sicherheit und sein Wohlbefinden.
Flexibler Mehrwert
---
Organisatorischer Mehrwert
---
Innovativer Mehrwert
Durch Ortung und Interaktivitt werden hier neuartige Produkte und Dienst-
leistungen im Bereich Diagnose, Notfallhilfe und rztliches Monitoring ge-
schaffen.
Durch Identifizierung des Kunden kann eine auf ihn und sein Gesundheits-
zustand zugeschnittene Leistung angeboten werden.
Strategischer Mehrwert
---
Makrokonomischer Mehrwert
I
n
f
o
r
m
a
t
i
o
n
e
l
l
e

M
e
h
r
w
e
r
t
e

(
I
A
V
)

Durch ortsunabhngige Verfgbarkeit von Kundenkontexten knnen struk-
turelle nderungen im Gesundheitswesen ausgelst werden.

156 MC-Geschftsmodelle und ihre Bewertung
Richtet man den Fokus nun auf die Ursachen fr die Entstehung dieser in-
formationellen Mehrwerte, so ist es notwendig, die auslsenden oder
grundlegenden Mehrwerte mit einzubeziehen. Darunter fallen zwei Arten:
Elektronische Mehrwerte (Electronic Added Values, EAV), bezeich-
nen typische Eigenschaften elektronischer Lsungen, die zu IAV
fhren. Damit adressieren sie die Frage nach den Alleinstellungs-
merkmalen elektronischer Lsungen also die Frage: Was kann
eine EC-Lsung besser als eine Offline-Lsung?.
Mobile Mehrwerte (Mobile Added Values, MAV) bezeichnen, analog
zu den EAV, typische Eigenschaften mobiler Lsungen, die zu IAV
fhren. Damit beantworten sie die Frage nach den Alleinstellungs-
merkmalen mobiler Lsungen: Was kann eine MC-Lsung besser
als eine EC-Lsung?.
Bevor in den folgenden Abschnitten die EAV und MAV definiert werden,
veranschaulicht Abb. 8-4 nochmals die Systematik des Mehrwertkonzepts.
Ausgehend von einer Offline-Lsung kann eine EC-Anwendung (als Sub-
stitut der Offline-Lsung) sinnvoll sein, wenn bei ihrer Umsetzung minde-
stens ein Akteur (z.B. Kunde oder Anbieter) EAV so nutzen kann, dass er
im Vergleich zur Offline-Lsung IAV erzielt.
Nimmt man dann die entstandene EC-Anwendung als Referenz, kann
wiederum die Substitution der EC-Anwendung durch eine MC-Anwen-
dung Sinn machen, wenn mindestens ein Akteur MAV so nutzen kann,
dass er im Vergleich zur EC-Lsung zustzliche IAV erzielt.

Abb. 8-4: Systematik des Mehrwertkonzepts von der EC- zur MC-Anwendung
Qualitative Bewertung von MC-Geschftsmodellen 157

Abb. 8-5: Systematik des Mehrwertkonzepts direkt zur MC-Anwendung
Alternativ lsst sich eine MC-Anwendung auch dann sinnvoll umsetzen,
wenn dadurch eine Offline-Lsung so substituiert wird, dass fr minde-
stens einen Akteur IAV durch Ausnutzung von EAV und MAV gestiftet
werden (Abb. 8-5).
8.2.2 EAV als Ursache fr IAV
Elektronische Mehrwerte ergeben sich aus den Vorteilen, die mit der Nut-
zung der (drahtgebundenen) Internet-Technologie verbunden sind. EAV
sind damit nicht als Vorteile einer einzelnen EC-Anwendung zu verstehen,
sondern vielmehr als allgemeine Eigenschaften der Internet-Technologie,
die Ursache dafr sind, dass mit EC-Anwendungen gegenber Offline-
Lsungen zustzliche IAV gestiftet werden knnen. Die EAV stellen da-
mit ein Potential dar, das sich zur Gestaltung von EC-Geschftsmodellen
ausnutzen lsst, um zustzliche IAV zu stiften. Man unterscheidet vier
EAV:
Reduktion zeitlicher und gewisser rumlicher Einschrnkungen,
Multimedialitt und Interaktion,
Gleichartigkeit des Zugangs,
Reduktion technischer Einschrnkungen.
Die Reduktion zeitlicher und gewisser rumlicher Einschrnkungen be-
zieht sich auf die Tatsache, dass das Internet als Medium jederzeit und von
fast jedem Ort aus erreichbar ist. Darum stehen Internet-basierte Anwen-
dungen prinzipiell unabhngig von Nutzungszeitpunkt oder Aufenthaltsort
158 MC-Geschftsmodelle und ihre Bewertung
des Nutzers zur Verfgung. Die Verminderung der rumlichen Beschrn-
kungen, denen ein potenzieller Nutzer unterliegt, ist jedoch nicht als abso-
lut anzusehen. Denn es besteht noch immer die Notwendigkeit, ein Endge-
rt physisch mit dem Internet zu verbinden, was nur ber bestimmte dafr
vorgesehene Zugangspunkte mglich ist. Ist der Nutzer mit dem Internet
verbunden, dann kann er auf Angebote zugreifen, die von beliebigen,
weltweit platzierten (Web-)Servern bereitgestellt werden knnen. In der
Regel kann er hierbei seine Anfrage orts- und zeitunabhngig absetzen und
mit einer zeitnahen Antwort rechnen. Das Internet ist dabei nicht darauf
beschrnkt nur bestimmte Daten zu bertragen. Vielmehr lassen sich all-
gemeine oder kundenindividuell aufbereitete Inhalte und digital codierbare
Leistungen bertragen oder Telearbeitspltze realisieren. Dies lsst sich
mit einer Vielzahl klassischer (nicht digital codierbarer) Leistungen kom-
binieren, indem z.B. lediglich die Anbahnungs- und Vereinbarungsphase
ber das Internet untersttzt werden, die Leistungsabwicklung aber weiter-
hin physisch erfolgt. Der EAV wirkt sich insbesondere auf den Mehrwert
mit Effizienzwirkung und auf den organisatorischen Mehrwert aus und
kann fr die Konzeption fast aller EC-Geschftsmodelle ausgenutzt wer-
den, da sich ein orts- und zeitunabhngiger Zugriff einfach und nur mit ge-
ringem Zusatzaufwand realisieren lsst. Gleichwohl sei darauf hingewie-
sen, dass hierfr, je nach Art des Geschftsmodells und Kundenanzahl,
mitunter ein erheblicher Aufwand betrieben werden muss, um einen 24/7-
Betrieb der notwendigen Server-Infrastruktur sicherzustellen.
Der EAV Multimedialitt und Interaktion bezieht sich auf das verbes-
serte Prsentationspotential, das mit der Nutzung des Internets insbeson-
dere des WWW einhergeht. So besteht die Mglichkeit, einen Nutzer un-
ter Einsatz verschiedener Medientypen zu stimulieren. Weiterhin wird die
direkte (und gleichzeitig personalisierte) Interaktion untersttzt, sodass ei-
ne automatisierte, auf den jeweiligen Nutzer zugeschnittene Interaktion,
z.B. im Rahmen einer Produktkonfiguration, realisieren lsst. Dieser EAV
fhrt hufig zu Mehrwerten mit Effektivittswirkung, zu sthetisch-
Emotionalen Mehrwerten und hat groes Potential, Innovative Mehrwerte
zu schaffen.
Die Gleichartigkeit des Zugangs beschreibt die Tatsache, dass in dem
Konzept, das dem Internet zu Grunde liegt, nicht vorgesehen ist, das Inter-
net auf eine bestimmte Nutzergruppe einzuschrnken. Damit besteht zu-
nchst fr alle Wirtschaftssubjekte eine gleichartige Mglichkeit, das In-
ternet zu nutzen, darber Geschfte abzuwickeln oder einem Geschft
nachzugehen. Ferner besteht fr einen Akteur die Mglichkeit, seine Iden-
titt zu verschleiern eine Eigenschaft des Internet, die Geschftsmodellen
sowohl frderlich als auch hinderlich sein kann. In jedem Fall entstehen
auf Grund dieser Tatsache Sicherheitsprobleme (siehe 6.2). Die Gleichar-
Qualitative Bewertung von MC-Geschftsmodellen 159
tigkeit des Zugangs fhrt potenziell zu einer verbesserten Markttranspa-
renz - jedoch auf Grund des riesigen Angebots nur dann, wenn entspre-
chende Verzeichnis- oder Suchdienste verfgbar sind, die wiederum
grundlegend fr eine ganze Klasse von EC-Geschftsmodellen sind. Dar-
ber hinaus fhrt der einfache und gleichartige Zugang zum Internet zu ei-
ner schnelleren Verbreitung von Information. Insgesamt ist dadurch die
Informationsverteilung gesellschaftlich oder in Unternehmen schwerer zu
kontrollieren.
Die Reduktion technischer Einschrnkungen leitet sich aus dem Vor-
handensein von Kommunikationsstandards und vereinheitlichter Prsenta-
tion von Medien ab. Die allgemeine Akzeptanz der Internet- und Web-
Protokolle erlaubt die Interaktion der Akteure trotz heterogener IT-
Infrastruktur, die sich z.B. durch Einsatz verschiedenartiger Betriebssy-
steme, Hardware, Netzkomponenten oder Endgerte ergibt. Die so erreich-
te Kompatibilitt kommt einer Vielzahl von Anwendungen zu Gute. So
lassen sich beispielsweise Medienbrche vermeiden, Daten oder Prozesse
zwischenbetrieblich integrieren und Produktivittspotentiale im B2B-
Bereich ausschpfen.
Als Konsequenz finden sich die bedeutendsten IAV, die sich aus EAV
ergeben, als Organisatorische Mehrwerte, Mehrwerte mit Effizienzwir-
kung und Mehrwerte mit Effektivittswirkung.
8.2.3 MAV als Ursache fr IAV
Im vorangegangenen Abschnitt wurden die EAV als Eigenschaften des
drahtgebundenen Internet eingefhrt. Mit der Fokussierung auf MC-
Anwendungen stellt sich die Frage nach den Ursachen fr zustzliche im
Vergleich zu EC-Anwendungen von MC-Angeboten gestifteten IAV. Zu
diesem Zweck werden im Folgenden die Mobilen Mehrwerte eingefhrt.
Analog zu den EAV beziehen sich die MAV auf die Eigenschaften der
MC-Technologie und ihrer Verwendung zur Erzielung zustzlicher IAV.
Auch hier bleibt anzumerken, dass die MAV nur ein Potenzial beschrei-
ben, dass nicht von jeder MC-Anwendung ausgeschpft werden muss.
Gleichwohl muss, um zustzliche IAV mit einer MC-Anwendung zu errei-
chen, mindestens ein MAV Anwendung finden. Ist dies nicht der Fall, so
ist die Anwendung mobiler Kommunikationstechniken in diesem Fall
nicht lohnend. Man unterscheidet vier MAV:
Allgegenwrtigkeit,
Kontextsensivitt,
Identifizierungsfunktionen,
Telemetriefunktionen.
160 MC-Geschftsmodelle und ihre Bewertung
Der bedeutendste MAV ist die Allgegenwrtigkeit (Ubiquity). Dies um-
fasst die weit reichende Ortsunabhngigkeit, die durch den Einsatz mobiler
Kommunikationstechniken erzielt wird. Aus Kundensicht ermglicht dies
die Verfgbarkeit des mobilen Angebotes zu jeder Zeit und an jedem Ort.
Whrend bei EC-Angeboten durch EAV zeitliche und teilweise auch
rumliche Einschrnkungen eliminiert werden knnen, ist dies bei MC-
Angeboten fr smtliche zeitlichen und rumlichen Einschrnkungen der
Fall. Diese erhhte Verfgbarkeit fhrt zur Steigerung von Reaktionsge-
schwindigkeit und Komfort. Durch diesen MAV ergeben sich beispiels-
weise fr das Mobile Banking zustzliche IAV im Vergleich zum Electro-
nic Banking. Nicht minder interessant ist jedoch, diesen MAV aus der An-
bietersicht zu betrachten. Durch Verbreitung und Nutzungsverhalten wird
hier aus Ortsunabhngigkeit Erreichbarkeit. Dies bezieht sich zum einen
auf die Erreichbarkeit der Zielgruppe ber mobile Endgerte. Der Verbrei-
tungsgrad des Mobiltelefons in der Bevlkerung ist quer durch alle so-
zialen und gesellschaftlichen Schichten derart hoch, dass fast jede belie-
bige Zielgruppe auf die eine oder andere Weise darber erreicht werden
kann. Hinzu kommt, dass das Gert inzwischen emotional berwiegend
positiv belegt ist und mit Modernitt assoziiert wird. Zum anderen bezieht
es sich auf die Erreichbarkeit des Einzelnen zu jedem Zeitpunkt und an je-
dem Ort. Das Mobiltelefon ist lngst stndiger Begleiter und damit integra-
ler Bestandteil des Lebens vieler Nutzer geworden. In weiten Teilen der
heutigen Gesellschaft ist stndige Erreichbarkeit inzwischen eine soziale
Anforderung, teilweise ist der Besitz des Gertes gar bereits Vorausset-
zung fr soziale Akzeptanz.
Als zweiter MAV ist die Kontextsensitivitt (Context-Sensitivity) zu
nennen und damit die Mglichkeit, ein mobiles Angebot mageschneidert
auf die Prferenzen und Bedrfnisse des Nutzers in seiner derzeitigen,
konkreten Situation auszurichten. Dies kann zum einen durch Ortsbestim-
mung erfolgen, wobei spezifische Angebote durch Ortung des Nutzers,
durch Ortung anderer Nutzer oder auch durch Vergleich der eigenen Posi-
tion mit der eines anderen mglich sind (LBS, siehe 4.3). Spezifische An-
gebote sind weiterhin durch Personalisierung (mittels Techniken der Pro-
filbildung) sowie durch Interaktivitt (mittels Informationsaustausch mit
sofortiger Reaktionsmglichkeit beider Seiten) mglich. Im Gegensatz zur
Ortsbestimmung bestehen die beiden letztgenannten Mglichkeiten bereits
im EC, sie sind im MC jedoch typischerweise zu einem hheren Grad
mglich und auch bedeutsam.
Ein weiterer MAV besteht in den Identifizierungsfunktionen (Identifying
Functions), die bei einem mobilen Endgert systeminhrent sind. Bei der
Kommunikation mittels Mobilfunk ist dies vor allem die Identifikation -
ber die IMSI (erforderlichenfalls zustzlich des Gertes ber die IMEI),
Qualitative Bewertung von MC-Geschftsmodellen 161
die in digitalen Netzen hinreichende Sicherheit bietet. Aufgrund der Gert-
Nutzer-Zuordnung, die bei mobilen Endgerten typischerweise 1:1 betrgt,
ist fr viele Anwendungen das Kriterium Besitz (des eingeschalteten
Endgertes) bereits ausreichend. Soll eine zustzliche Authentifizierung
stattfinden, etwa vor Autorisierung einer hheren Zahlung, so ist dies z.B.
einfach durch Eingabe einer PIN mglich. Darber hinaus bieten mobile
Endgerte weiteres Potenzial zur Realisierung erhhter Sicherheitsanforde-
rungen, etwa durch die Verwendung mobiler Signaturen (siehe 6.3).
Fr eine Reihe spezieller Anwendungen ist schlielich der MAV der Te-
lemetriefunktionen (Command and Control Functions) nutzbar. Gemeint
ist damit die Fhigkeit des mobilen Endgertes, als Kommandozentrale
oder Fernsteuerung zur berwachung und Bedienung von (Internet-)
Anwendungen und elektronischen/elektrischen Gerten aller Art zu dienen
(siehe 10.5). Die bertragung kann dabei ber alle Arten drahtloser Kom-
munikation im PAN-, LAN- oder WAN-Bereich erfolgen. Von besonderer
Bedeutung werden diese Telemetriefunktionen vor allem durch die Ver-
bindung mit der Eigenschaft der Allgegenwrtigkeit, mit so genannten u-
biquitren Technologien in Zielgerten, mit der Mglichkeit der Koordi-
nierung verschiedenster Ereignisse und Funktionen sowie der Mglichkeit
der Automatisierung durch Regelbasierung und Device-to-Device (D2D)-
Kommunikation. Letztere kann mit stationren IT-Systemen, aber auch mit
mobilen Endgerten anderer Nutzer als Kommunikationspartner erfolgen.
Tabelle 8-3: Einfluss der MAV auf die IAV am Beispiel Vitaphone


162 MC-Geschftsmodelle und ihre Bewertung
Tabelle 8-3 illustriert den Einfluss der MAV auf die IAV am Beispiel von
Vitaphone. Hierbei fllt auf, dass sich aus den MAV auch Auswirkungen
auf Flexible Mehrwerte, Organisatorische Mehrwerte und Strategische
Mehrwerte ableiten, obwohl entsprechende Mehrwerte in Tabelle 8-2 nicht
dokumentiert sind. Dies erklrt sich an Hand der Tatsache, dass in dieser
lediglich die IAV aus Kundensicht aufgefhrt sind. In Tabelle 8-3 sind da-
gegen auch die IAV aus Anbietersicht bercksichtigt.
8.2.4 Anwendung des Mehrwertekonzepts
Die Analyse eines Geschftsmodells durch Anwendung der Theorie In-
formationeller Mehrwerte erfolgt, indem zunchst die Wirkung auf alle be-
teiligten Parteien mit dem entsprechenden konkurrierenden Angebot (also
entweder mit einem EC-Angebot oder, wo ein solches nicht in Frage
kommt, direkt mit einer Offline-Lsung) verglichen wird.
Hierbei wird ermittelt, welche IAV fr jede Partei durch die Anwen-
dung der mobilen Technologie entstehen. Das Ergebnis ist eine qualitative
Bewertung des Geschftsmodells.
Soll auf dieser Basis eine quantitative Bewertung erfolgen, so sind aus
der qualitativen Bewertung Erlse abzuleiten und auerdem die Kosten
einzubeziehen. Insbesondere im B2C-Bereich sind hierfr jedoch eine
Reihe von Parametern zu schtzen (Nutzungszahlen, erzielbare Preise, ).
Dies ist gerade bei neuartigen Angeboten ein sehr problematischer Vor-
gang. Hilfreich ist hier die Anwendung von Methoden des Operations Re-
search. Ein ebenso einfaches, wie effektives Mittel kann etwa die Abscht-
zung auf Basis verschiedener Szenarien sein. Im B2B-Bereich dagegen,
insbesondere bei der Optimierung von Geschftsprozessen, sind quantita-
tive Bewertungen typischerweise einfacher abzuleiten, da den Kosten hu-
fig z.B. konkrete Einsparungen von Fahrtstrecken, Arbeitszeiten oder Ma-
terialaufwand gegenberstehen.
Im zweiten Schritt der Analyse ist schlielich noch zu prfen, wie die
ermittelten IAV zustande kommen, d.h. welche MAV hierzu in welcher
Weise genutzt werden. In obigem Vitaphone-Beispiel sind dies vor allem
der MAV der Allgegenwrtigkeit und der MAV der Kontextsensitivitt.
Soll nicht nur ein einzelnes Geschftsmodell analysiert, sondern ein
Vergleich mehrerer Geschftsmodelle vorgenommen werden, so ist jedes
Angebot getrennt zu analysieren und die Ergebnisse sind zu vergleichen.
Dies knnte beispielsweise beim Vergleich von Angeboten aus dem Be-
reich Mobile Ticketing der Fall sein, die ber verschiedene Leistungs-
merkmale (z.B. bei Speicherung auf dem Endgert, elektronischer Einlass-
kontrolle, Payment-Optionen) verfgen.
Qualitative Bewertung von MC-Geschftsmodellen 163
Zusammenfassung
Fr den Erfolg eines mobilen Angebotes ist es erforderlich, dass durch die
Verwendung mobiler Kommunikationstechniken Informationelle Mehrwer-
te (Informational Added Values, IAV) entstehen. Dies knnen Mehrwerte
mit Effizienzwirkung, Mehrwerte mit Effektivittswirkung, sthetisch-
Emotionale Mehrwerte, Flexible Mehrwerte, Organisatorische Mehrwerte
oder Innovative Mehrwerte sein. Einer oder mehrere dieser IAV knnen
von derart herausragender Bedeutung sein, dass sie sich zu strategischen
oder makrokonomische Mehrwerten entwickeln.
Die Ursache fr das Entstehen dieser IAV liegt in der Nutzung von ei-
nem oder mehreren der vier Mobilen Mehrwerte (Mobile Added Values,
MAV) begrndet, bei denen es sich um die prinzipiellen Alleinstellungs-
merkmale mobiler Lsungen handelt. Allgegenwrtigkeit (Ubiquity) um-
fasst Verfgbarkeit und Erreichbarkeit, sie folgt aus der Ortsunabhngig-
keit und dem typischen Nutzungsverhalten fr mobile Endgerte. Kontext-
sensitivitt (Context-Sensitivity) wird vor allem durch Ortsbestimmung, a-
ber auch durch Personalisierung und Interaktivitt erreicht. Weitere MAV
bestehen in der Mglichkeit zur Nutzung von Identifizierungsfunktionen
(Identifying Functions) und Telemetriefunktionen (Command and Control
Functions) mittels mobiler Endgerte.
Die Analyse eines Geschftsmodells erfolgt in zwei Schritten. Zunchst
wird das Geschftsmodell qualitativ bewertet, indem fr die beteiligten
Parteien die entstehenden IAV bestimmt werden. Danach werden die Ursa-
chen hierfr ermittelt, indem die verwendeten MAV bestimmt werden. Ein
Vergleich mehrerer Geschftsmodelle ist mglich, indem jedes Angebot
getrennt analysiert und die Ergebnisse verglichen werden.
Kontrollfragen
(45) Die Verwendung mobiler Endgerte ermglicht es einem Paketdienst,
neu eintreffende Abholauftrge whrend des laufenden Zustellbetrie-
bes in die Routenplanung zu integrieren. Dadurch ist es gelungen, je-
den Monat 20 000 Fahrtkilometer einzusparen. Welcher informatio-
nelle Mehrwert ist entstanden? Knnte noch ein weiterer entstanden
sein?
(46) Ein Mobilfunkanbieter bietet fr Mobiltelefone und PDA ein Portal
mit den Diensten Stadt- und Wetterinfo (jeweils zur derzeitigen Um-
gebung), Routenplaner und News (Politik/Brse/Sport, je nach Nut-
zerinteresse) an. Die Dienste werden bezahlt, indem die MSISDN des
Nutzers erkannt wird und dieser die Zahlung von 0,20 EUR jeweils
durch <OK> besttigt. Welche mobilen Mehrwerte werden genutzt?
164
Literaturhinweise
[1] Kuhlen, R.: Informationsmarkt: Chancen und Risiken der Kommer-
zialisierung von Wissen. 2. Aufl., Universittsverlag Konstanz, Kon-
stanz 1996.
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gen und Technologien. 2. Aufl., Dpunkt, Heidelberg 2002.
[3] Pousttchi, K.; Turowski, K.; Weizmann, M.: Added Value-based Ap-
proach to Analyze Electronic Commerce and Mobile Commerce
Business Models. In: Andrade, R.A.E.; Gmez, J.M.; Rautenstrauch,
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[4] Wirtz, B.: Electronic Business. 2. Aufl., Gabler, Wiesbaden 2001.

9 Abrechnungsmodelle und mobiles Bezahlen
9.1 Grundlagen und Begriffe
Whrend im EC weithin noch immer traditionelle Zahlungsverfahren wie
Nachnahme oder Lieferung auf Rechnung dominieren, ist eine Abrech-
nungsmglichkeit im MC typischerweise erst dann adquat, wenn sie we-
sentliche Eigenschaften des mobilen Angebotes teilt, zu dessen Abrech-
nung sie verwendet werden soll, insbesondere die Allgegenwrtigkeit.
Damit rckt mobiles Bezahlen und Abrechnen in den Mittelpunkt des In-
teresses. Mobiles Bezahlen wird als Mobile Payment (MP) bezeichnet.
Der Hauptgrund fr die unterschiedlichen Rahmenbedingungen liegt
darin, dass im EC hufig noch die Lieferung materieller Gter im Mittel-
punkt steht. Die wichtigste Teilmenge des MC besteht dagegen in der Be-
reitstellung von Diensten und der Lieferung immaterieller Gter.
Im Folgenden wird zunchst auf die Mehrwertdienste selbst sowie auf
die Grundlagen mobilen Bezahlens und Abrechnens eingegangen. In Ab-
schnitt 9.2 werden die Angebotsmodelle fr mobile Mehrwertdienste vor-
gestellt, in Abschnitt 9.3 die wesentlichen Abrechnungsmodelle fr Ange-
bote Dritter. Abschnitt 9.4 befasst sich schlielich mit dem mobilen Be-
zahlen, insbesondere auch in anderen Szenarien als MC.
Wird in diesem Kapitel vom Mobilfunkanbieter gesprochen, so kann
dieser prinzipiell MNO oder MVNO sein. Die Darstellungen im Folgenden
beschrnken sich auf den einfacheren Fall der direkten Vertragsbeziehung
zwischen Endkunde und MNO. Ist im Vertragsverhltnis ein MVNO zwi-
schengeschaltet, so ist im Einzelfall zu prfen, welche Funktionen der
MNO, und welche der MVNO wahrnimmt.
Werden ber einen mobilen Datendienst Inhalte transportiert, die einen
monetren Wert haben, so spricht man von einem Mobilen Mehrwert-
dienst. Typische Inhalte sind:
Allgemeine Nachrichten (z.B. Politik, Wirtschaft, Unterhaltung,
Wetter, Regionales, Lottoergebnisse),
Finanzinformationen (z.B. Brsenmeldungen, Analysen, Wertpa-
pier- und Devisenkurse),
Sportnachrichten (z.B. Fuball, Tennis, Formel 1),
166 Abrechnungsmodelle und mobiles Bezahlen
Affinity-Dienste (z.B. Hintergrundnachrichten und weitere Anwen-
dungen zu bestimmten Fernsehsendungen, Musikgruppen oder
Sportvereinen),
Suchdienste (z.B. Restaurant, Geldautomat, Tankstelle, Apotheke),
Unterhaltung (z.B. Videospiele fr mobile Endgerte, Edutainment,
Blind Dating, Multiplayer-Games mit Ortsbezug, Wetten, multime-
diale Lotterien, Audio-/Videoclips).
Hufig werden hier kontextsensitive Dienste angeboten, die etwa persona-
lisiert oder ortsbezogen sein knnen. Ein Beispiel fr den Bereich der in
der Auflistung als Affinity-Dienste (siehe auch 10.4) bezeichnet wurde, ist
die Fernsehsendung Big Brother der Endemol-Gruppe. In einem Pilot-
projekt mit dem Netzbetreiber O2 wurden 2002 in Grobritannien MC-
Dienste in die Multichannel-Strategie der Sendung integriert. Mit den An-
wendungen SMS Voting, SMS Hintergrundnachrichten und mit Alert-
Funktionen wurden eine schnelle Adaption durch die Zielgruppe und signi-
fikante Steigerungen der Gesamt-Nutzungszahlen und -Umstze erzielt.
Im Bereich des mobilen Bezahlens und Abrechnens sind zwei grundlegen-
de Begriffe auseinander zu halten: Mobile Billing und Mobile Payment.
Mobile Billing bezeichnet die Abrechnung von Telekommunikations-
dienstleistungen durch einen Mobilfunkanbieter im Rahmen einer beste-
henden Abrechnungsbeziehung.
Mobile Payment bezeichnet diejenige Art der Abwicklung von Bezahl-
vorgngen, bei der im Rahmen eines elektronischen Verfahrens minde-
stens der Zahlungspflichtige mobile Kommunikationstechniken (in Ver-
bindung mit mobilen Endgerten) fr Initiierung, Autorisierung oder Rea-
lisierung der Zahlung einsetzt. Damit ist MP echte Teilmenge des MC.
Auffallend am Zusammenhang zwischen MP und MC ist, dass mobiles
Bezahlen zwar von grter Wichtigkeit fr die Abwicklung des MC ist,
umgekehrt jedoch keinesfalls auf diesen beschrnkt.
In diesem Zusammenhang unterscheidet man zwischen einem Bezahlsy-
stem (Payment System), mit dem generelle Kategorien des Bezahlens wie
Kreditkartenzahlung, elektronisches oder mobiles Bezahlen bezeichnet
werden, und einem Bezahlverfahren (Payment Procedure), worunter kon-
krete Lsungen wie Vodafone m-pay oder Paysafecard verstanden werden.
MP kann grundstzlich in vier verschiedenen Bezahlszenarien stattfin-
den: Mobile Commerce, Electronic Commerce, stationrer Hndler und
Customer-to-Customer. Eine Zusammenfassung der Szenarien zeigt
Tabelle 9-1.
Grundlagen und Begriffe 167
Tabelle 9-1: Bezahlszenarien im Mobile Payment
Szenario Beschreibung
Konkurrierendes
Bezahlsystem
Mobile Commerce
Szenario
Mobile Dienste und Anwendungen,
z.B. kontextsensitive Information
---
Electronic Commerce
Szenario
Alle Arten des B2C EC mit Ausnahme
von MC, also etwa Kauf von Waren
oder Inhalten via Internet
E-Payment
(Offline-Zahlung)
(Debit-/Kreditkarte)
Stationrer Hndler
Szenario
(Person)
(Automat)
Klassischer Handel mit Transaktion
zwischen einer Person (Kunde) und
- einer Person (z.B. Kassierer) bzw.
- einem Automaten
Bargeld
GeldKarte
Debit-/Kreditkarte

C2C Szenario Geldtransfer zwischen Personen
(Endkunden)
(Bargeld)
(Offline-Zahlung)

Untersucht man die verschiedenen MP-Verfahren auf Gemeinsamkeiten,
so lassen sich folgende (nicht disjunkte) Standardtypen erkennen:
Beim MP-Standardtyp Prepaid wird eine Zahlung aus vorausbe-
zahltem Guthaben ausgelst. Der MPSP ist typischerweise Mobil-
funkanbieter (MNO oder MVNO), Bank/Kreditkartenunternehmen
oder spezialisierter MP-Intermedir.
Beim MP-Standardtyp Conventional Settlement wird eine Zahlung
mittels Kreditkarte oder Lastschrift ausgelst. Der MPSP ist typi-
scherweise eine Bank oder ein Kreditkartenunternehmen, im Aus-
nahmefall auch ein spezialisierter MP-Intermedir.
Beim MP-Standardtyp Phone Bill wird eine Zahlung ber die Tele-
fonrechnung ausgelst. Der MPSP ist typischerweise ein Mobil-
funkanbieter (MNO oder MVNO).
Der MP-Standardtyp Mobile Money umfasst als einziger selbst ei-
nen Zahlungsvorgang. Dieser erfolgt mittels digitaler Mnzen aus
einer elektronischen Geldbrse (Wallet), die sich auf dem mobilen
Endgert oder einem Server befinden kann. Ein Problem liegt hier-
bei in der Vermeidung von Betrug durch Double Spending und in
der effizienten Abwicklung. Gegenwrtig sind derartige Verfahren
nur als Subtyp von Prepaid und auch nur in prototypischer Imple-
mentierung vorhanden. Die in der EU diskutierte Schaffung elektro-
nischen Zentralbankgeldes fr den Geschftsverkehr von Privatper-
sonen wrde hier allerdings neue Rahmenbedingungen schaffen.
Der MP-Standardtyp Dual-Card beinhaltet Verfahren, die im
Rahmen eines anderen Standardtyps mobile Signaturen mittels
Dual-Chip oder Dual-Slot Verfahren verwenden (siehe 6.3.1). Er ist
derzeit nur als Subtyp von Conventional Settlement vorhanden.
168 Abrechnungsmodelle und mobiles Bezahlen
Die grte Verbreitung haben derzeit Verfahren des Typs Phone Bill. In
aller Regel sind diese Verfahren jedoch entweder auf das MC-Szenario be-
schrnkt oder zumindest speziell darauf zugeschnitten. Ein Beispiel fr er-
steres ist das systeminhrente Bezahlverfahren von i-mode, ein Beispiel
fr zweiteres das Verfahren m-pay von Vodafone. Zu dieser Einschrn-
kung tragen einerseits die Interessenlage der Mobilfunkanbieter, anderer-
seits aber auch deren Kostenstruktur und schlielich rechtliche Restriktio-
nen (Erfordernis einer Banklizenz fr bestimmte Leistungen) bei.
MP-Verfahren, bei denen die
Abrechnung nicht durch den
MNO erfolgt (andere
Standardtypen)
MP
durch
MNO
Abrechnung von
Telefongesprchen,
Mobile Payment Mobile Billing

Abb. 9-1: Schnittmenge zwischen Mobile Billing und Mobile Payment
Mobile Mehrwertdienste bilden eine Teilmenge des MC-Szenarios. Sie
gelten aufgrund der Tatsache, dass die Transportleistung wesentlicher Be-
standteil ist, als Telekommunikationsdienstleistungen im weiteren Sinne
und knnen damit rechtlich problemlos vom Mobilfunkanbieter abgerech-
net werden. Wird ein solcher Dienst nun vom Mobilfunkanbieter abge-
rechnet, so befindet er sich in der Schnittmenge zwischen Mobile Billing
und Mobile Payment (Abb. 9-1).
9.2 Angebotsmodelle fr Mehrwertdienste
Fr Mehrwertwertdienste existieren zwei grundstzliche Angebotsmodelle,
das Angebot ber den Netzbetreiber und das Angebot direkt durch den
Dienstanbieter.
Beim Angebot ber den Netzbetreiber handelt es sich um eine Netz-
betreiber-zentrierte Lsung. Dieser produziert selbst Inhalte oder kauft sie
von einem Content Provider zu (hnlich wie etwa Netzwerkinfrastruktur
oder Endgerte) und tritt dem Kunden gegenber gleichzeitig als Netz-
und Dienstanbieter auf. Dieses Modell war auf dem deutschen Markt lange
Zeit blich. Es dokumentiert die Marktmacht des Netzbetreibers, der eine
direkte Kundenbeziehung der Inhalteanbieter nicht zulie (Abb. 9-2).
Die Exklusivitt in der Kundenbeziehung hat jedoch ihren Preis. Be-
schaffung und Angebot von Inhalten zhlen nicht zu den Kernkompeten-
zen des Netzbetreibers, zudem ist die Contentbeschaffung sehr aufwendig.
Angebotsmodelle fr Mehrwertdienste 169

MNO Kunde
Transportleistung
(Abrechnung auf Volumenbasis)
Lieferanten
Netzwerk-
infrastruktur
Mobile
Endgerte
Inhalt
(Content)
MNO Kunde
Transportleistung
(Abrechnung auf Volumenbasis)
MNO Kunde
Transportleistung
(Abrechnung auf Volumenbasis)
Lieferanten
Netzwerk-
infrastruktur
Mobile
Endgerte
Inhalt
(Content)
Lieferanten
Netzwerk-
infrastruktur
Mobile
Endgerte
Inhalt
(Content)

Abb. 9-2: Dienstangebot ber den Netzbetreiber
Das Ergebnis der Bemhungen ist dabei nur die Erbringung einer hheren
Transportleistung, mithin eine bessere Netzauslastung. Qualitativ hoch-
wertige Dienste sind dabei durch die volumenabhngige Bepreisung nicht
lohnend. In Konkurrenz dazu stehen Akteure, fr die diese Inhalte das
Kerngeschft darstellen: Content-Markenanbieter mit bestehender Kun-
denbeziehung. Dies knnte etwa eine marktbeherrschende TV-Sportsen-
dung, ein Automobilclub oder eine groe Jugendzeitschrift sein. Die Kun-
densicht dieses Problems hat das Handelsblatt auf eine eingngige Formel
gebracht: Nicht die Kochplatten sind wichtig, sondern die Zutaten.
Aus diesem Grund setzt sich im Zeitalter der 2.5- und 3G-Netze auch
auf dem deutschen Markt das Angebot direkt durch den Dienstanbieter
nach dem Vorbild von i-mode aus Japan durch. Hierbei tritt der Anbieter
in eine direkte Kundenbeziehung ein, fr ihn entsteht eine direkte Wert-
schpfung durch den Abruf seiner Angebote. Der Anbieter stellt fr den
Kunden durch Inhalt und Qualitt des Dienstes einen Mehrwert bereit, den
dieser zuzglich zum Transport der Daten bezahlt. Zwischen Anbieter und
Netzbetreiber erfolgt in irgendeiner Form ein Ausgleich von Mehrwert und
Bereitstellungsaufwand (Abb. 9-3).
MNO
Kunde
Bereitstellung des
Mehrwertes
Transportleistung mit
Abrechnung auf Mehrwertbasis
Ausgleich von Mehrwert
und Bereitstellungsaufwand
Dienstanbieter
MNO
Kunde
Bereitstellung des
Mehrwertes
Transportleistung mit
Abrechnung auf Mehrwertbasis
Ausgleich von Mehrwert
und Bereitstellungsaufwand
Dienstanbieter

Abb. 9-3: Dienstangebot direkt durch einen Dritten (Dienstanbieter)
170 Abrechnungsmodelle und mobiles Bezahlen
In diesem Modell tritt also, wie in der Abbildung gezeigt, zu der Bezie-
hung Netzbetreiber Kunde der Dienstanbieter als Dritter hinzu, dessen
Leistungen in irgendeiner Form abgerechnet werden mssen. Fr Dienst-
angebote im B2B-Bereich, insbesondere bei Vielnutzung und einem ber-
schaubaren Kundenkreis, wird hufig eine direkte Abrechnung zwischen
Kunde und Anbieter sinnvoll sein, etwa monatlich auf Basis der Nutzungs-
zahlen. Ein auch fr B2C-Angebote sinnvolles Konzept der Abrechnung
ohne den Netzbetreiber ist die Pauschalabrechnung durch Abonnementver-
kauf. Typischerweise erfolgt die Abrechnung von Mehrwertdiensten im
B2C-Bereich jedoch ber den Netzbetreiber.
Eines der einfachsten Beispiele fr das in Abb. 9-3 gezeigte Modell ist
ein Bezahlverfahren durch Premium-SMS. Der Kunde sendet hierbei eine
SMS an eine spezielle Rufnummer des Dienstanbieters. Fr diese fllt ein
erhhtes Entgelt an, das sich aus dem normalen SMS-Dienstpreis und einer
Premiumgebhr zusammensetzt. Der SMS-Dienstpreis bleibt beim MNO,
die Premiumgebhr erhlt mit Abzgen fr Bereitstellung und Abrech-
nung der Dienstanbieter (Abschnitt 9.3).
9.3 Abrechnungsmodelle fr die Angebote Dritter
Zur Abrechnung von Leistungen Dritter durch den Netzbetreiber existieren
im wesentlichen drei Konzepte: Sponsoring, Abrechnung durch Premium-
tarif und Abrechnung durch Festpreis.
Das Sponsoring spielt hierbei eine Sonderrolle. Der Dienst ist fr den
Kunden kostenlos, da er auf Kosten des Dienstanbieters bereitgestellt wird.
Hierbei vergtet der Dienstanbieter dem Netzbetreiber seinen Bereitstel-
lungsaufwand (Abb. 9-4).
MNO
Kunde
Bereitstellung des
Mehrwertes
Vergtung
Bereitstellungsaufwand
Dienstanbieter
MNO
Kunde
Bereitstellung des
Mehrwertes
Vergtung
Bereitstellungsaufwand
Dienstanbieter

Abb. 9-4: Abrechnung durch Sponsoring
Dies kann etwa sinnvoll sein, wenn das Angebot der Kundenbindung
dient. Beispiele wren Cinema News mit einem kostenlosen Trailer ak-
Abrechnungsmodelle fr die Angebote Dritter 171
tueller Kinofilme oder die Bereitstellung von Brsenkursen. In diesem
Fall, in dem keinerlei Zahlung von Kundenseite erfolgen muss, wird der
Dienstanbieter eine Bereitstellung ber eigene IT-Infrastruktur (z.B. WAP-
Angebot auf dem ohnehin vorhandenen Webserver) gegen eine Sponso-
ring-Lsung abwgen. Typische Einsatzformen der Abrechnung durch
Sponsoring bestehen, wenn das Angebot fr den Kunden vollstndig ko-
stenlos sein soll (keine Gebhren fr das bertragene Datenvolumen) oder
wenn das kostenlose Angebot mit einem weiteren, kostenpflichtigen An-
gebot gekoppelt ist.
Bei den beiden weiteren Abrechnungskonzepten leistet der Kunde je-
weils ber seine Telefonrechnung Zahlungen an den Netzbetreiber. Dabei
kommt das Prinzip des Revenue Sharing zur Anwendung: Die Wertschp-
fung wird zwischen Dienstanbieter und Netzbetreiber geteilt. Dies hat zwei
Effekte:
Der durch den Dienstanbieter generierte Mehrwert kommt prinzipi-
ell auch diesem zugute.
Der Netzbetreiber tritt als Dienstleister auf, der Transport- und Ab-
rechnungsleistung erbringt und dafr eine Vergtung erhlt.
Die aus Anbietersicht einfachste Lsung ist die Abrechnung durch Premi-
umtarif. Hierbei zahlt der Kunde eine Volumengebhr fr das bertragene
Datenvolumen und entrichtet zustzlich eine Premiumgebhr fr den
Mehrwert des Dienstes, z.B. der bereitgestellten Informationen. Der Netz-
betreiber als Zahlungsempfnger behlt die Volumengebhr als Entgelt fr
seine Transportleistung ein und reicht die Premiumgebhr an den Dienst-
anbieter weiter, wobei er eine Vergtung fr seinen Abrechnungsaufwand
abzieht (Abb. 9-5).
MNO
Kunde
Bereitstellung des
Mehrwertes
Premiumgebhr abzglich
Vergtung Abrechnungsaufwand
Datenvolumen +
Premiumgebhr
Dienstanbieter
MNO
Kunde
Bereitstellung des
Mehrwertes
Premiumgebhr abzglich
Vergtung Abrechnungsaufwand
Datenvolumen +
Premiumgebhr
Dienstanbieter

Abb. 9-5: Abrechnung durch Premiumtarif
Die Volumengebhr verursacht auf Seiten der Kunden jedoch ein gewisses
Akzeptanzproblem. Einerseits hat er aus der Gre des bertragenen Vo-
lumens keinen Nutzen (allenfalls einen negativen, der in Wartezeit be-
steht), andererseits kann sich der durchschnittliche Kunde schwer eine
172 Abrechnungsmodelle und mobiles Bezahlen
Vorstellung davon machen, wie viel beispielsweise ein Kilobyte Daten ist.
Die optimale Lsung aus Kundensicht besteht daher in einer Abrechnung
durch Festpreis. Hierbei zahlt der Kunde fr die Inanspruchnahme des
Dienstes ein festes Entgelt, das nach einem festgelegten Schlssel zwi-
schen Netzbetreiber und Dienstanbieter aufgeteilt wird (Abb. 9-6).
MNO
Kunde
Bereitstellung des
Mehrwertes
Dienstanbieter
Weitergabe x %
des Festpreises
Festpreis fr die
Inanspruchnahme
MNO
Kunde
Bereitstellung des
Mehrwertes
Dienstanbieter
Weitergabe x %
des Festpreises
Festpreis fr die
Inanspruchnahme

Abb. 9-6: Abrechnung durch Festpreis
Das Problem liegt bei dieser Lsung darin, dass sie ein echtes Revenue
Sharing erforderlich macht, es muss ein Teilungsschlssel festgelegt wer-
den. Dies geschieht typischerweise in individuellen Verhandlungen zwi-
schen Netzbetreiber und Dienstanbieter, wobei vor allem die Marktmacht
des Dienstanbieters eine entscheidende Rolle spielt. Fr den deutschen
Markt ist dabei eine Teilung von zwei Drittel fr den Dienstanbieter zu ei-
nem Drittel fr den Netzbetreiber ein guter Anhaltswert. Aus Sicht der
Dienstanbieter hat das Beispiel von i-mode in Japan Vorbildfunktion: Hier
erfolgt die Abrechnung grundstzlich durch Festpreis und der Anteil des
Dienstanbieters betrgt 86%.
Bei den Netzbetreibern hat sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt,
dass beim Verkauf mobiler Inhalte sie nicht die komplette Wertschp-
fungskette besetzen knnen, sondern die direkte Kundenbeziehung des In-
halteanbieters unausweichlich und sogar vorteilhaft ist. Content-
Markenanbieter mit bestehender Kundenbeziehung, etwa aus dem Unter-
haltungsbereich, bieten hohes Potential zur Generierung von Nutzungsvo-
lumina. Whrend jedoch viele Netzbetreiber dabei noch an der Abrech-
nung durch Premiumgebhr festhalten (mit der Begrndung, die Inhalte
seien weder ihr Eigentum, noch ihr Problem), haben innovative Netz-
betreiber erkannt, dass eine Kundenakzeptanz am ehesten ber hoch attrak-
tive, fest bepreiste Inhalte zu erzielen ist. Es ist keine abwegige Vermu-
tung, dass der Zwang zur Umsatzgenerierung durch mobile Inhalte die
Masse der Netzbetreiber hier zu Kompromissen gegenber den Inhaltean-
bietern und damit zur Abrechnung durch Festpreis zu fr den Drittanbieter
gnstigen Konditionen fhrt.
Mobile Payment 173
Zusammenfassung
Fr mobile Mehrwertdienste existieren zwei grundstzliche Angebotsmo-
delle, das Angebot ber den Netzbetreiber und das Angebot direkt durch
den Dienstanbieter. Ihre Bezahlung erfolgt typischerweise ber die Ab-
rechnung von Telekommunikationsdienstleistungen durch den Mobilfunk-
anbieter. Werden die Inhalte nicht von diesem, sondern einem Dritten be-
reitgestellt, ist eine Umsatzteilung (Revenue Sharing) zwischen Dienst-
anbieter und Netzbetreiber erforderlich. Im ersten Fall tritt der Netzbetrei-
ber dem Kunden gegenber gleichzeitig als Netz- und Dienstanbieter auf,
im zweiten tritt der Dienstanbieter in eine direkte Kundenbeziehung. Er-
folgt im zweiten Fall die Abrechnung ber den Netzbetreiber, kann dies in
Form von Sponsoring (Dienstanbieter vergtet Netzbetreiber den Bereit-
stellungsaufwand), Abrechnung durch Premiumtarif (Kunde zahlt Volu-
mengebhr plus Premiumgebhr) oder Abrechnung durch Festpreis (Kun-
de zahlt pauschal fr Inanspruchnahme des Dienstes) erfolgen.
Kontrollfragen
(47) Was knnte einen Netzbetreiber bewegen, den Inhalteanbietern die di-
rekte Kundenbeziehung zu ermglichen?
(48) Die marktfhrende Wirtschaftszeitung plant einen Informationsdienst,
der kurze Artikel zu spezifischen Themen bereitstellt. Welche Ab-
rechnungsart empfehlen Sie jeweils, wenn Sie davon ausgehen, dass
die Nutzer Profis sind, die die Meldungen zu Ihrem Thema stndig
bentigen bzw. dass die Nutzer Privatleute sind, die sich nur fr ein-
zelne Artikel interessieren?
(49) Ihre Firma ist ein Verlag, der Branchen-Verzeichnisse herstellt. Ihr
Chef plant, einen ortsbasierten Restaurant- und Hotel-Suchservice an-
zubieten. Jede Nutzung soll 2 EUR kosten, die Abrechnung durch
monatliche Rechnung direkt an die Kunden erfolgen. Was raten Sie
Ihrem Chef?
9.4 Mobile Payment
Vergleicht man die MP-Definition in Abschnitt 9.1 mit der MC-Definition
eingangs des ersten Kapitels, so wird schnell erkennbar, dass es sich bei
MP um eine (echte) Teilmenge des MC handelt.
Im Bezahlszenario MC etwa in den Fllen aus Abschnitt 9.3 steht
MP im Vordergrund als das einzige Bezahlsystem, das sinnvoll die Gene-
rierung direkter Erlse ermglicht. In allen anderen Szenarien ist MP in
erster Linie eine eigenstndige MC-Anwendung, die die Abwicklung eines
174 Abrechnungsmodelle und mobiles Bezahlen
Bezahlvorganges ermglicht und dabei in Konkurrenz zu anderen Bezahl-
systemen steht, etwa zu Bargeld an einem Parkscheinautomaten.
Mobiles Bezahlen im EC ist von Interesse, da hier die Bezahlproblema-
tik zumindest aus Hndlersicht noch immer nicht befriedigend gelst ist.
Daher gab es auch in der Vergangenheit im EC vergleichsweise viele Ak-
zeptanzstellen fr mobiles Bezahlen. Vor allem das bis zu seiner (vorber-
gehenden?) Einstellung Anfang 2003 marktfhrende Verfahren Paybox
war hier sehr gut eingefhrt. Aus Kundensicht stellt sich dieses Interesse
nach einer Ende 2002 durchgefhrten Untersuchung der Universitt Augs-
burg etwas anders dar: Da die derzeitige Risikoverteilung fr den Kunden
sehr gnstig und auerdem die Abrechnung digitaler Gter noch in der An-
fangsphase begriffen ist, interessiert er sich bisher wenig fr mobiles Be-
zahlen im EC.
Das Szenario Stationrer Hndler (Person) umfasst Transaktionen zwi-
schen einem Kunden und einem menschlichen Hndler (kurz: Kauf-
hausszenario, z.B. Kaufhauskasse, Pizzaservice, Taxi), das Szenario Sta-
tionrer Hndler (Automat) dagegen Transaktionen zwischen dem Kunden
und allen Arten von Automaten (daher kurz: Automatenszenario, z.B.
Fahrkarten-, Zigaretten-, Parkscheinautomat). Die MP-Akzeptanz in den
einzelnen Szenarien zeigt Abb. 9-7.
80,3%
22,4%
27,1%
40,8%
13,7%
0% 20% 40% 60% 80% 100%
MC
EC
Stationrer
Hndler (Person)
Stationrer
Hndler (Automat)
C2C

Abb. 9-7: Anteil der akzeptierenden Befragten nach Bezahlszenario [2]
Es ist nicht berraschend, dass das Szenario MC die bei weitem hchste
MP-Akzeptanz zeigt. Interessant ist in der Folge jedoch die deutliche Fh-
rung des Szenarios Stationrer Hndler, insbesondere in der Ausprgung
Automat. Bercksichtigt man zustzlich die Tatsache, dass hier im klas-
sischen Handel das bei weitem grte Umsatzpotenzial vorliegt, so ist
dieses Szenario auch heute schon sehr attraktiv. Fr das Kaufhausszenario
Mobile Payment 175
muss allerdings die Einschrnkung gemacht werden, dass die Realisierbar-
keit zum jetzigen Zeitpunkt (berzeugen der Hndler, Erreichen einer kri-
tischen Zahl von Akzeptanzstellen) noch sehr problematisch ist, wie gera-
de das Scheitern des Verfahrens Paybox zeigt. Die hhere Akzeptanz,
koinzidierend mit einer einfacheren Realisierung und geringerer Hhe der
Markteintrittsbarriere sprechen deutlich fr das Automatenszenario. Fr
das C2C-Szenario besteht - ebenso wie fr das Ttigen von Bankberwei-
sungen mit einem MP-Verfahren - wenig Kundeninteresse.
Fr mobiles Bezahlen gibt es in allen Betragshhen eine solide Grund-
akzeptanz. Der Schwerpunkt liegt jedoch deutlich im unteren Makropay-
ment-Bereich, oberhalb von Bargeld und unterhalb der Kreditkarte. Ge-
naue Zahlen hierzu zeigt Abb. 9-8.
25,1%
71,2%
34,1%
36,9%
0% 20% 40% 60% 80%
bis zu 0,20 EUR
mehr als 0,20 EUR bis 2,50 EUR
mehr als 2,50 EUR bis 50 EUR
mehr als 50 EUR

Abb. 9-8: Anteil der akzeptierenden Befragten nach MP-Betragshhen [2]
Die Kunden messen die konkrete Verwendbarkeit eines MP-Verfahrens an
drei Hauptforderungen: sicher, einfach und kostengnstig. Dabei erweist
sich subjektive Sicherheit als das wichtigste Kriterium; MP-Ablehnung
liegt oft hierin begrndet.
Im Zusammenhang mit dem Betreiber muss auch die tatschliche Ab-
wicklung der Zahlung betrachtet werden. Zuknftig interessant sind inno-
vative Verfahren, die auf Basis elektronischer Mnzen funktionieren und
diese etwa ber eine Bluetooth- oder IR-Verbindung vom Mobiltelefon zu
einem Kassenautomaten bertragen. In der Realitt besteht mobiles Bezah-
len aber heute ausschlielich in Zahlungen auf einem anderen Kanal, die
durch ein mobiles Endgert initiiert und autorisiert werden. Die dahinter
stehenden Abrechnungsmglichkeiten sind in Reihenfolge der Kundenak-
zeptanz: Lastschrift (63%), separate MP-Monatsrechnung (49%) sowie
Kreditkarte, Telefonrechnung und Prepaid-Verfahren mit jeweils etwa ei-
nem Drittel. Im Szenario MC wird die Abrechnung ber die Telefonrech-
176 Abrechnungsmodelle und mobiles Bezahlen
nung von gut der Hlfte der Kunden problemlos akzeptiert und nur von
15% explizit abgelehnt.
Ist auch die Kundenakzeptanz das entscheidende Kriterium fr die
Durchsetzung von MP-Verfahren, so darf man dennoch die Interessen der
Hndler und Entwickler nicht aus dem Blick verlieren. Die Einbindung
von Bezahlfunktionalitten in alle Arten von Angeboten muss einfach,
problemlos und standardisiert mglich sein.
Deutliche Schritte in die Zukunft sind hier etwa die Vereinbarung einer
gemeinsamen Hndlerschnittstelle fr die MP-Verfahren der MNO Voda-
fone und T-Mobile (vorgestellt mit dem Verfahren Vodafone m-pay 2002)
und die Entwicklung einer Payment-API fr die Programmiersprache Java
durch das Standardisierungsforum Paycircle (vorgestellt 2003). Whrend
die erstgenannte Entwicklung seine Bedeutung dadurch erreicht, dass ei-
nem Hndler nun durch Bercksichtigung einer einzigen Schnittstelle eine
Abrechnungsbeziehung zu ber 80% der deutschen Mobilfunknutzer offen
steht, ermglicht die zweitgenannte die problemlose Entwicklung von MC-
Anwendungen mit integrierter Bezahlfunktionalitt.
Als Ausblick auf die generelle Zukunft des MP lassen sich derzeit drei
Aussagen treffen: Innerhalb des MC ist der Stellenwert des MP unumstrit-
ten. MP erscheint jedoch auch in den Szenarien EC und Stationrer Hnd-
ler prinzipiell geeignet, sich als eigenes Bezahlsystem mit dem Schwer-
punkt oberhalb von Bargeld und unterhalb der Debit-/Kreditkarte zu eta-
blieren. Ob dies auf dem Markt jedoch tatschlich geschieht, hngt auer
von Verfgbarkeit und Akzeptanz der MP-Verfahren noch von einer Reihe
weiterer Faktoren ab, an erster Stelle von standardisierten Schnittstellen.
Zusammenfassung
Viele MC-Anwendungen knnen mit traditionellen Formen der Zahlungs-
abwicklung nicht sinnvoll abgerechnet werden und erfordern mobile Be-
zahlverfahren. Gleichzeitig ist mobiles Bezahlen (Mobile Payment, MP)
selbst eine MC-Anwendung, um Bezahlvorgnge in verschiedenen Szena-
rien abzuwickeln. Auer dem MC selbst unterscheidet man dabei die Be-
zahlszenarien EC, Stationrer Hndler und C2C. Im Szenario Stationrer
Hndler kann der Transaktionspartner eine Person (Kaufhausszenario)
oder ein Automat (Automatenszenario) sein. Fr mobiles Bezahlen gibt
es in allen Betragshhen eine solide Grundakzeptanz. Der Schwerpunkt
liegt jedoch deutlich im unteren Makropayment-Bereich, oberhalb von
Bargeld und unterhalb der Kreditkarte. Ein MP-Verfahren muss vor allem
sicher, einfach und kostengnstig sein, wobei die subjektive Sicherheit das
wichtigste Kriterium ist.
Die Umsetzung des mobilen Bezahlens besteht derzeit in einer Zahlung
auf einem anderen Kanal (z.B. Lastschrift oder Telefonrechnung), die
Mobile Payment 177
durch ein mobiles Endgert initiiert und autorisiert werden kann. MP-
Verfahren, die Zahlungen unmittelbar realisieren, existieren derzeit nur in
prototypischer Realisierung.
Kontrollfragen
(50) Nennen Sie das grte Problem bei der Kundenakzeptanz mobiler
Bezahlverfahren. Welche Mglichkeit sehen Sie, dieses Problem zu
lsen?
(51) Sie arbeiten in der Zentrale einer groen deutschen Geschftsbank.
Was halten Sie von der Idee des Leiters der Abteilung E-Banking, fr
die Kunden Ihrer Bank ein eigenes mobiles Bezahlverfahren fr EC
und Ladenkasse anzubieten?
Literaturhinweise
[1] Henkel, J.: Mobile Payment. In: Silberer, G.; Wohlfahrt, J.; Wilhelm,
T. (Hrsg.): Mobile Commerce Grundlagen, Geschftsmodelle, Er-
folgsfaktoren. Gabler, Wiesbaden 2002, S. 327-351.
[2] Khodawandi, D.; Pousttchi, K.; Wiedemann, D. G.: Akzeptanz mobi-
ler Bezahlverfahren in Deutschland. In: Pousttchi, K.; Turowski, K.
(Hrsg.): Mobile Commerce - Anwendungen und Perspektiven. Pro-
ceedings zum 3. Workshop Mobile Commerce. Kllen, Bonn 2003, S.
42-57.
[3] Kreyer, N.; Pousttchi, K.; Turowski, K.: Standardized Payment
Procedures as Key Enabling Factor for Mobile Commerce. In:
Bauknecht, K.; Quirchmayr, G.; Tjoa, A M. (Hrsg.): E-Commerce
and Web Technologies. Third International Conference, EC-Web
2002. Aix-en-Provence 2002, S. 400-409.
[4] Pousttchi, K.: Abrechnung mobiler Mehrwertdienste. In: Dittrich, K.;
Knig, W.; Oberweis, A.; Rannenberg, K.; Wahlster (Hrsg.):
Proceedings 33. Informatik 2003 Innovative Informatikanwendun-
gen. Band 2. Kllen, Frankfurt a. M. 2003. (Preprint)
178


10 Anwendungsbereiche des MC
10.1 Grundlagen und Begriffe
In Kapitel 1 wurden als wesentliche Ausprgungsgrade des Mobile Com-
merce der B2B MC und der B2C MC identifiziert. Gelten fr die techni-
schen Grundlagen auch in den meisten Fllen gleiche Bedingungen, so
stellt sich dies im Bereich der Anwendungen und Dienste vllig unter-
schiedlich dar.
B2C-Anwendungen und -dienste werden von Netzbetreibern und spezia-
lisierten Dienstanbietern fr Endkunden angeboten. Typische Ziele sind
die Steigerung von Umsatz und/oder Marktanteil (z.B. auch durch Innova-
tive oder sthetisch-Emotionale Mehrwerte) oder die Erhhung der Kun-
denbindung (Abb. 10-1). Es mssen in irgendeiner Form Erlse erzielt
werden, sei es direkt von den Kunden, von dritter Seite oder indirekt. Die
zentrale Frage lautet: Wie knnen Erlse erzielt werden?
Umsatz Marktanteil
B2C
Kunden-
bindung

Abb. 10-1: Ziele des B2C Mobile Commerce
B2B-Anwendungen und -dienste fr den inner- und zwischenbetrieblichen
Einsatz betreiben die Unternehmen dagegen hufig selbst. Typische Ziele
sind dabei Mehrwerte mit Effizienzwirkung (z. B. durch Kostensenkung),
Mehrwerte mit Effektivittswirkung, Organisatorische oder Flexible
Mehrwerte (Abb. 10-2). Die zentrale Frage lautet: Wie knnen Prozesse
verbessert werden?
Auch im B2B-Bereich knnen Dritte als Dienstanbieter auftreten, die
Erlse erzielen wollen. In diesem Fall ist das Ziel des Dienstanbieters dem
im B2C MC vergleichbar, whrend das Interesse des einsetzenden Unter-
nehmens auf die im B2B genannten Ziele gerichtet bleibt. Ebenso knnen
im B2C-Bereich Unternehmen darauf setzen, durch den Einsatz mobiler
Technologie Kosten zu sparen oder die Produktivitt zu verbessern. Hier
mssen fr den Kunden entweder direkt ebenfalls Informationelle Mehr-
180 Anwendungsbereiche des MC
werte entstehen, oder das Unternehmen muss einen Teil seiner Mehrwerte
(z.B. in Form von Preissenkungen) weitergeben.
Kosten Produktivitt
B2B
Ergebnisverbesserung

Abb. 10-2: Ziele des B2B Mobile Commerce
Eingangs dieses Kapitels wurde von Anwendungen und Diensten gespro-
chen. Der Begriff Anwendung referenziert dabei auf eine technische, ent-
wicklungsbezogene Sicht. Die berwiegende Mehrzahl der Nutzer interes-
siert sich jedoch wie bei einem Pkw wenig fr die technische Realisie-
rung und damit fr die Anwendung. Wo immer man den Nutzer dann dazu
zwingt, sich mit der Ebene der Anwendung zu befassen, fhrt dies zu
Aufwand, Verunsicherung und im schlechtesten Fall zu Ablehnung. Im
B2C-Bereich ist die Folge Umsatzausfall, da das betreffende Angebot
nicht oder weniger genutzt wird; im B2B-Bereich ist die Folge Produktivi-
ttsverlust. Auf der Ebene des Fachkonzeptes ist die zu realisierende Funk-
tionalitt daher als Dienst zu betrachten, der auf mglichst transparente Art
und Weise einen Zweck fr den Nutzer erfllt.
10

Die einzelnen Anwendungsbereiche des MC waren in den vorangegan-
genen Kapiteln bereits durch zahlreiche Beispiele prsent. Im Folgenden
sollen sie nun noch einmal in zusammenhngender Form beleuchtet wer-
den. Am Anfang steht der Bereich, der als die schne neue Welt des M-
Commerce bislang die hchste ffentliche Aufmerksamkeit erzielt hat:
mobile Angebote fr den Endkunden. Dabei befasst sich Abschnitt 10.2
mit dem mobilen Handel, Abschnitt 10.3 mit mobilen Such- und Informa-
tionsdiensten und Abschnitt 10.4 mit Portalen und Unterhaltung. In der
Folge beleuchtet Abschnitt 10.5 den Bereich der Telemetrie und Abschnitt
10.6 mit dem Themenbereich Telematik im Bereich der Kraftfahrzeuge ein
klassisches Feld der Mobilitt, in dem die Bedeutung des MC stetig zu-
nimmt. Abschnitt 10.7 schlielich betrachtet das Potenzial mobiler Tech-
nologie bei der Gestaltung von Geschftsprozessen.

10
Der Begriff Anwendungsbereich ist von dieser Unterscheidung nicht erfasst, er
ist im Sinne von Einsatzbereich zu verstehen.
Mobiler Handel 181
Zusammenfassung
Die wesentlichen Ausprgungsgrade des Mobile Commerce sind der B2B
MC und der B2C MC. Typische Ziele im B2C MC sind die Steigerung von
Umsatz und/oder Marktanteil oder die Erhhung der Kundenbindung. Die
zentrale Frage lautet: Wie knnen Erlse erzielt werden? Typische Ziele im
B2B MC sind Mehrwerte mit Effizienzwirkung, Mehrwerte mit Effektivi-
ttswirkung, Organisatorische oder Flexible Mehrwerte. Die zentrale Frage
lautet: Wie knnen Prozesse verbessert werden?
Unternehmen knnen auch im B2C MC Ziele der Kostensenkung oder
Produktivittsverbesserung verfolgen. Dabei mssen jedoch fr den Kun-
den entweder direkt ebenfalls Informationelle Mehrwerte entstehen oder
das Unternehmen muss einen Teil seiner Mehrwerte (z.B. in Form von
Preissenkungen) weitergeben.
10.2 Mobiler Handel
Der Bereich Mobiler Handel umfasst das Einkaufen, Reservieren oder Bu-
chen von Waren oder Dienstleistungen aller Art. Die zentralen Geschfts-
modelltypen (siehe 8.1.3) hierfr sind klassisches Gut, klassische Dienst-
leistung, Dienst und Inhalt. Als ergnzende Bausteine knnen die weiteren
Geschftsmodelltypen Vermittlung, Integration und Kontext hinzukom-
men.
Der Handel mit nicht-digitalen Gtern und Dienstleistungen hat im MC
eine wesentlich geringere Bedeutung als im EC, wo ein erheblicher Anteil
des Gesamtumsatzes mit dem Online-Verkauf etwa von Bchern, CDs und
Reisen erzielt wird. Obwohl je nach verfgbarer Bandbreite sogar z.B.
multimediale Informationen bereit gestellt werden knnen, ist der Online-
Kauf im MC im Gegensatz zum EC dennoch meist sehr unkomfortabel.
Dies gilt insbesondere, wenn der Kunde das Produkt nicht kurz und przise
spezifizieren kann oder Angebote vergleichen mchte. Daher kommt ein
Online-Kauf im MC insbesondere dann in Betracht,
wenn diese Option in ein anderes Angebot eingebettet ist (bei-
spielsweise Kauf und Geschenkversand einer CD zu einer gehrten
Audio-Datei) oder
wenn der Kunde zielgerichtet ein gewnschtes Produkt erwerben
mchte und dies kurz und przise spezifizieren kann (z.B. bei einer
Wertpapiertransaktion) oder
wenn ein kontextsensitiver Dienst einen Bedarf des Nutzers erkennt
und eine proaktive Kaufempfehlung abgibt, die dieser nur besttigen
muss
182 Anwendungsbereiche des MC
und wenn ein Wunsch oder eine Notwendigkeit besteht, dieses Gut unmit-
telbar zu erwerben. Ein Beispiel hierfr sind Kauf oder Reservierung von
Eintrittskarten, von denen nur noch eine begrenzte Zahl erhltlich ist, von
Fahrkarten oder Flugtickets sowie die Reservierung von Mietwagen.
Dabei knnen die Eintrittskarte oder Fahrkarte nach dem Online-Kauf
physisch an einer bestimmten Stelle hinterlegt werden, etwa an der Thea-
terkasse oder an einem Fahrkartenautomaten. Interessantere Mglichkeiten
erffnet hierbei jedoch das Mobile Ticketing. Hierbei wird das Ticket onli-
ne erworben und als Token auf dem mobilen Endgert gespeichert. Ein
Beispiel zeigt Abb. 10-3. Auf dem Bild ist in der oberen Bildschirmhlfte
ein Punktraster zu erkennen, das am Veranstaltungsort eine einfache und
schnelle Zugangskontrolle mittels eines Lesegertes (Scanner) ermglicht.

Abb. 10-3: Ticket auf einem Mobiltelefon
Ein weiterfhrender Dienst erweitert um die Nutzung des Mobilen
Mehrwertes der Kontextsensitivitt und im Bedarfsfall auch der Identifizie-
rungsfunktionen ist der automatische oder halbautomatische Erwerb ei-
nes Tickets beim Betreten eines Veranstaltungsortes, eines ffentlichen
Verkehrsmittels oder sonstigen gebhrenpflichtigen Areals. Beispiele sind
der Erwerb von Parktickets oder Mautsysteme wie fr die Realisierung der
Autobahngebhr fr Lkw in Deutschland ab Ende 2003. Entsprechende
berlegungen bestehen auch fr den ffentlichen Nahverkehr, wobei fr
ein solches MC-Abo am Monatsende eine Abrechnung nach dem jeweils
gnstigsten Tarif erfolgen knnte.
In den Bereich des Mobilen Handels fallen ebenso Mobile Banking, die
Abwicklung von Bankdienstleistungen wie Kontostandsabfrage oder -
berweisungen, und Mobile Brokerage, die Abwicklung von Wertpapier-
transaktionen. Beide Anwendungen bleiben jedoch bisher weit hinter den
Erwartungen zurck, was nicht zuletzt in mangelnder Beachtung der in
Kapitel 5 und 8 dargelegten Grundstze fr den Entwurf mobiler Anwen-
dungen begrndet liegt.
Eine zunehmende Rolle im Mobilen Handel spielt der Kauf digitaler
Gter, wobei es sich jedoch bisher zu einem groen Teil um Logos und
Klingeltne fr Mobiltelefone handelt. Hier werden zuknftig insbesonde-
re Bild-, Audio- und Videodaten von Bedeutung sein.
Mobile Such- und Informationsdienste 183
Zusammenfassung
Der Bereich Mobiler Handel umfasst das Einkaufen, Reservieren oder Bu-
chen von Waren oder Dienstleistungen aller Art. Ein wichtiger Teilbereich
ist das Mobile Ticketing, bei dem ein Ticket als Token auf dem mobilen
Endgert gespeichert wird.
10.3 Mobile Such- und Informationsdienste
Ein weiterer wichtiger Bereich sind Such- und Informationsdienste, insbe-
sondere unter Nutzung des Mobilen Mehrwertes der Kontextsensitivitt.
Die zentralen Geschftsmodelltypen (siehe 8.1.3) hierfr sind Dienst,
Vermittlung, Inhalt und Kontext. Als ergnzender Baustein kann der weite-
re Geschftsmodelltyp Integration hinzukommen.
Hier handelt es sich einerseits um allgemeine Informationsdienste, wie
diejenigen, die in Abschnitt 9.1 als Mobile Mehrwertdienste eingefhrt
wurden. Typische Beispiele sind allgemeine Nachrichten (z.B. Politik,
Wirtschaft, Unterhaltung, Wetter, Regionales, Lottoergebnisse), Finanzin-
formationen (z.B. Brsenmeldungen, Analysen, Wertpapier- und Devisen-
kurse), Sportnachrichten (z.B. Fuball, Tennis, Formel 1), oder Branchen-
dienste mit minutenaktueller, zeitkritischer Information (z.B. Preise, Erei-
gnisse, Angebote). Ein nicht zu unterschtzender Bereich liegt hierbei in
Affinity-Diensten, einer Schnittmenge mit dem Bereich Unterhaltung, auf
die in Abschnitt 10.4 nher eingegangen wird.
Weiterhin handelt es sich um entsprechende ortsbezogene Dienste, wie
sie in Abschnitt 4.3 eingefhrt wurden. Dies knnen im einfachsten Fall
beispielsweise Suchdienste fr Geldautomaten, Apotheken, Hotels und
Tankstellen sein. Allgemeine Informationsdienste knnen um die Nutzung
des Mobilen Mehrwertes der Kontextsensitivitt erweitert werden und
werden so zu kontextsensitiven Informationsdiensten, etwa ortsbasierte
Stadt-, Messe- und Veranstaltungsfhrer, regionale Wetterinformationen
wie Schneehhen auf den Pisten der Umgebung oder Verkehrsinformatio-
nen, die auf den rumlich fr den Nutzer interessanten Bereich bezogen
sind. Ein Beispiel fr einen ortsbezogenen Informationsdienst zeigt Abb.
10-4. Die abgebildete Guide-Lsung knnte ebenso Verwendung etwa fr
ein Museums-, Firmen- oder Messegelnde, einen Flughafen oder als Ein-
kaufsfhrer in einem groen Ladenzentrum finden.
184 Anwendungsbereiche des MC

Abb. 10-4: Beispiel fr einen ortsbezogenen Informationsdienst
Dienstangebot und -auswahl sind bei Such- und Informationsdiensten typi-
scherweise personalisiert, wie beim Handel knnen auch hier je nach ver-
fgbarer Bandbreite multimediale Informationen bereitgestellt werden.
Man unterscheidet Push- und Pull-Dienste. Als Push-Dienste sind insbe-
sondere auch SMS- oder MMS-Dienste mglich.
Zusammenfassung
Informationsdienste stellen beispielsweise allgemeine Nachrichten, Finanz-
informationen, Sportnachrichten, Entertainment oder Branchendienste zur
Verfgung; weiterhin sind Suchdienste von Bedeutung. Dienstangebot und
-auswahl sind bei Such- und Informationsdiensten typischerweise kontext-
sensitiv, z.B. personalisiert und zustzlich ortsbasiert.
10.4 Portale und Unterhaltung
Aufgrund der spezifischen Eigenschaften und vor allem Einschrnkungen
mobiler Endgerte haben Portale im MC eine noch grere Bedeutung als
im EC. Der zentrale Geschftsmodelltyp (siehe 8.1.3) hierfr ist Vermitt-
lung. Als ergnzende Bausteine knnen die weiteren Geschftsmodellty-
pen Kontext und Integration hinzukommen.
Ein Portal ist eine Startseite mit personalisiertem Dienstangebot, etwa
Informationen und Links zu Angeboten verschiedenster Art (die hufig
wiederum personalisierbar sind, z.B. Aktien-Musterdepot oder Routenpla-
ner). Der Effekt eines Portals besteht darin, dass der Nutzer eine zentrale
Anlaufstelle fr alle bentigten Funktionen hat.
Portale unterscheiden sich je nach Art und damit Absicht des Portalan-
bieters. Handelt es sich um ein Portal eines spezialisierten Portalanbieters,
Portale und Unterhaltung 185
also um die reine Form eines Portals, so ist das Angebot allgemein um-
fassend und kann beispielsweise Routenplaner, Maildienste, Such-
maschinen, eine Reihe von Informationsangeboten und vieles mehr enthal-
ten. Je ein typisches Beispiel fr derartige Portale als WML-Seite fr Mo-
biltelefon (links) und als HTML-Seite fr PDA (rechts) zeigt Abb. 10-5.

Abb. 10-5: Beispiele fr mobile Portale (Quellen: Yahoo!, Jamba)
Je eingeschrnkter das verwendete Endgert (siehe 5.2), desto wichtiger
sind Personalisierung und Portale fr den Nutzer.
Portale werden auch hufig von Firmen aller Art zur Kundenbindung
eingesetzt, indem ein umfassendes produktbezogenes Informations- und
Serviceangebot bereitgestellt wird. Hierdurch soll die Affinitt zum Pro-
dukt gesteigert und die Kundenbindung verstrkt werden. Beispiele hierfr
sind die Portalseiten von Radio-/TV-Sendern oder Herstellern technischer
Gerte, insbesondere wenn sthetisch-Emotionale Mehrwerte (Life-
style) im Spiel sind.
Die bedeutendste Betreibergruppe fr Portale sind Mobilfunkanbieter
(MNO, MVNO). Sie haben die Mglichkeit, die Microbrowser der an ihre
Kunden ausgelieferten Endgerte vorzukonfigurieren, d.h. ihre eigene Por-
talseite als Startseite einzustellen. Die Masse der Nutzer nimmt dies als
Hilfestellung dankbar an; nur technikaffine Nutzer mit klaren anderen Pr-
ferenzen und unzufriedene Nutzer werden diese Voreinstellung ndern.
Portalseiten von Mobilfunkanbietern stellen inhaltlich typischerweise eine
Mischung aus den beiden vorgenannten Arten dar.
Der Bereich der Unterhaltung begrndet einen erheblichen Teil der
B2C-Umsatzerwartungen, bildet dabei jedoch keinen in sich geschlossenen
Bereich. Statt dessen handelt es sich um verschiedene Dienste aus bereits
186 Anwendungsbereiche des MC
genannten Bereichen, die inhaltlich zusammen gehren. So fllt beispiels-
weise das kostenpflichtige Herunterladen eines Spiels als Software fr das
Mobiltelefon unter Mobilen Handel (Kauf eines digitalen Gutes), whrend
etwa ein Dienst Top 10 Music Charts einen Informationsdienst darstellt.
Neben den klassischen Spielen, die einmal als Software erworben wer-
den und dann auf dem Endgert beliebig oft genutzt werden knnen, gibt
es weitere Kategorien. So kann etwa das Herunterladen der Software ko-
stenlos, die Benutzung des Spiels jedoch kostenpflichtig sein. Diese Ko-
sten knnen wie bei allen Inhalten pro Ereignis, z.B. pro Spiel oder pro
Spielstufe (Event-Based Billing), oder pro Zeiteinheit der Nutzung (Time-
Based Billing) berechnet werden. Eine innovative Kategorie bilden dabei
interaktive Mehrpersonenspiele, die ortsbasiert sein knnen.
Eine nicht unerhebliche Teilmenge des Bereichs Unterhaltung bilden
dabei Affinity-Dienste. Mit diesem Begriff sind ergnzende Dienste aller
Art gemeint, die etwa im Zusammenhang mit einer Fernsehsendung, einem
Popstar oder einem Sportverein, die jeweils ber eine groe Zahl begei-
sterter Anhnger verfgen, angeboten werden. Das Beispiel entsprechen-
der Dienste fr die Fernsehsendung Big Brother wurde bereits in Ab-
schnitt 9.1 eingefhrt. Ebenso fllt in diese Kategorie etwa ein Mobiltele-
fon im Affinity-Package eines Fuballvereins, bei dem ein Mobilfunk-
betreiber das Telefon in den Vereinsfarben und mit dem Vereinslogo zu-
sammen mit einem Mobilfunkvertrag anbietet, der eine Club-
Mitgliedschaft sowie einen exklusiven MMS-Nachrichtendienst und w-
chentlichen SMS-Chatroom mit den Stars beinhaltet.
Die zentralen Geschftsmodelltypen (siehe 8.1.3) fr den Bereich der
Unterhaltung sind Dienst und Inhalt. Als ergnzende Bausteine knnen die
weiteren Geschftsmodelltypen Vermittlung und Kontext hinzukommen.
Zusammenfassung
Je eingeschrnkter das verwendete Endgert ist, desto wichtiger sind Porta-
le fr den Nutzer. Ihre Inhalte leiten sich aus den Absichten des Portalan-
bieters ab; die bedeutendste Betreibergruppe sind dabei MNO/MVNO.
Angebote zur Unterhaltung sind fr B2C-Umstze sehr bedeutsam. Sie
knnen etwa in Form von Spielen oder Informationsdiensten vorliegen.
10.5 Telemetrie
Der Begriff Telemetrie bezeichnet das Messen und das Auslsen von
Funktionen ber rumliche Distanz hinweg. Die Mglichkeit, dies unter
Telemetrie 187
Verwendung verschiedener Arten drahtloser Kommunikation auf Seiten
des auslsenden und/oder des ausfhrenden Gertes durchfhren zu kn-
nen, wird durch den MAV der Telemetriefunktionen wiedergegeben (siehe
8.2.3).
Entsprechende Anwendungsbeispiele im B2C-Bereich sind regelmig
noch Zukunftsstudien. Mit den heutigen technischen Mglichkeiten, insbe-
sondere den mobilen Kommunikationstechniken und den Techniken des
Ubiquitous Computing, ist eine Realisierung jedoch problemlos mglich.
Einige Beispiele:
In einem Wohnhaus wird ein ungewhnliches Gerusch wahrgenommen.
Der abwesende Nutzer erhlt eine Alarmmeldung auf sein mobiles Endge-
rt. Er schaltet nacheinander das Licht in bestimmten Rumen ein, stellt
ber Kameras den Sachverhalt fest und alarmiert die Polizei, der er von
seinem Endgert aus die Tr ffnet.
Bei sonnigem Wetter berprft ein Nutzer ber eine Kamera seinen Garten
und schaltet dann fr 30 Minuten den Rasensprenger ein.
Ein gesundheitlich gefhrdeter Patient wird alle 10 Minuten durch einen
Signalton erinnert, eine Taste seines Endgertes zu drcken. Tut er dies
nicht, ermittelt das Endgert seine Position und lst automatisch im
Dispatch-System einer Rettungszentrale die Alarmierung eines Notarztwa-
gens aus.
Bei kaltem Wetter schaltet ein Nutzer einige Minuten vor der Benutzung
des Autos die Standheizung ber das Mobiltelefon ein. Einige Zeit nach
Ankunft am Ziel prft er damit aus dem Konferenzraum heraus, ob sein
Fahrzeug ordnungsgem verschlossen ist. Dasselbe Fahrzeug ist in der
Lage, bei Auslsung des Airbags selbstndig einen Notruf zu versenden.
Auch im B2B-Bereich sind Telemetrieanwendungen heute noch nicht die
Regel. Innovative Unternehmen beginnen jedoch zu erkennen, dass ent-
sprechende Lsungen hufig zu erheblichen Mehrwerten mit Effizienz-
oder Effektivittswirkung fhren. Neben den bereits oben aufgefhrten
berwachungslsungen, die auch im B2B eine Rolle spielen, sind hier vor
allem die ortsunabhngige Bedienung von Anwendungen und elektroni-
schen/elektrischen Gerten, die Betriebsdatenbermittlung sowie die
Fernwartung von Informationssystemen von Bedeutung. Bei der Betriebs-
datenbermittlung handelt es sich vor allem um Wartungs- und Instandhal-
tungsdaten von Maschinen. Hierdurch werden Reaktions- und Stillstand-
zeiten verkrzt (z.B. Schiffsdiesel), starre Wartungsintervalle vermieden
(z.B. Auffllen von Getrnke- und Zigarettenautomaten) und eine Fern-
diagnose bei Problemen ermglicht. Ein gutes Beispiel ist nutzungsorien-
tierte Fahrzeugwartung, die nicht nur unmittelbare Effizienzvorteile durch
optimierte Materialerhaltung, sondern auch mittelbare durch rechtzeitige
Kapazittsplanung ermglicht. Einige konkrete Beispiele:
188 Anwendungsbereiche des MC
Der Zutritt zu einem gesicherten Gebude auf dem Werksgelnde wird er-
langt, indem der Nutzer vor der Tr stehend auf seinem mobilen End-
gert eine entsprechende Funktion aufruft. Dies lst die Entriegelung des
Drehkreuzes sowie die Protokollierung des Zuganges aus.
Betriebsdaten der Anlagen von Gas-, Elektrizitts- und Wasserwerken ei-
nes stdtischen Betriebes werden berwacht. Bei kritischen Betriebszu-
stnden wird Betriebspersonal ber mobile Endgerte alarmiert.
Ein Verkaufsautomat wurde bisher wchentlich durch Wartungspersonal
angefahren. Nach Einbau eines GPRS-Moduls bermittelt er tglich seine
Verkaufszahlen, lst bei Unterschreiten einer festgelegten Reservemenge
eines Artikels eine Nachbestellung aus und fordert bei kritischem Betriebs-
zustand einen Servicetechniker an.
Ein Fahrzeugmotor sammelt seine Betriebsdaten und berechnet fortlaufend
den nchsten erforderlichen Wartungstermin. Nhert sich dieser, vereinbart
er automatisch einen Werkstatttermin, veranlasst die Abholung des Fahr-
zeugs bei Eintreffen im Betriebshof und die Einplanung eines Reservefahr-
zeuges.
Eine Sicherheitsfirma installiert mobile Endgerte mit Sensoren und Kame-
ras als berwachungselemente auf einem Betriebsgelnde; bei ungewhn-
lichen Bewegungen oder Geruschen senden diese Bilder an die Zentrale.
Eine andere Sicherheitsfirma verfgt in einem Gebude ber fest installier-
te Kameras, denen die mobilen Endgerte des Wachpersonals als Empfn-
ger dienen. Bei Bedarf kann eine Wachperson, die zur selben Zeit andern-
orts Kontrollen durchfhrt, die Kameras fernsteuern und ihre Bilder auf ei-
nem mobilen Endgert ansehen.
Eine Maschine sendet einem Servicetechniker eine SMS. Dieser fragt eini-
ge Betriebsdaten ab und schaltet dann die Maschine bis zu seinem Eintref-
fen auf einen reduzierten Funktionsumfang.
In einem ersten Stadium beruhen Telemetrieanwendungen dabei im We-
sentlichen auf der Erhebung und bermittlung von Daten sowie der orts-
unabhngigen Bedienung durch einen menschlichen Bediener. Geht man
jedoch noch einen Schritt weiter, so wird die automatisierte Koordinierung
verschiedenster Ereignisse und Funktionen etwa durch D2D-Kommuni-
kation in Verbindung mit regelbasierter Entscheidungsfindung mglich.
Zusammenfassung
Telemetrie ist das Messen und das Auslsen von Funktionen ber rumli-
che Distanz hinweg. Hierdurch werden vor allem berwachung, ortsunab-
hngige Bedienung von Anwendungen und elektronischen/elektrischen Ge-
rten, Betriebsdatenbermittlung sowie Fernwartung ermglicht.
Telematik 189
10.6 Telematik
Der Begriff Telematik bildet eine Synthese aus den Begriffen Telekommu-
nikation und Informatik. Telematik ist ein Teilgebiet der Informatik und
befasst sich mit der zusammengefassten bertragung und Verarbeitung
von Daten zur Erledigung spezifischer Aufgaben ber rumliche Distanz
hinweg. Dabei kommen typischerweise aufgabenspezifische Endgerte zur
Anwendung, die entweder eigens hierfr gefertigt werden oder durch die
Ergnzung vorhandener Gerte um UC-Technologien (siehe 3.2) entste-
hen. Auf dem Gebiet der Medizin wird Telematik verwendet, um Diagnose
und knftig auch die Vornahme von Operationen durch Spezialisten ber
beliebige Entfernungen hinweg zu ermglichen. Weitere Anwendungen
liegen im Bereich der Mechatronik etwa bei Produktionsfehlereskalati-
onssystemen sowie vor allem der Automobilindustrie.
Im Mittelpunkt der Fahrzeugtelematik steht die Datenbertragung vom
und zum Fahrzeug. Darauf setzen vor allem drei Arten von Diensten auf:
Diagnosedienste ermglichen die bertragung smtlicher protokol-
lierter Betriebsdaten des Fahrzeuges oder einzelner Baugruppen,
z.B. Betriebsstunden, Abnutzungszustnde oder aufgelaufene Feh-
lermeldungen. Im Rahmen der telemetrischen Diagnose knnen
auch gezielte Tests durchgefhrt und im Rahmen der Fernwartung
Parameter reguliert werden.
Fahrzeugfunktionsdienste beinhalten den Aufruf regulrer Fahrzeug-
funktionen unabhngig vom Aufenthaltsort des Nutzers. Dies kn-
nen Dienste wie die in Abschnitt 10.5 beispielhaft genannte Fahr-
zeugverriegelung, das Einschalten einer Standheizung oder das
Schlieen des Cabrioverdecks sein. Hinzu kommt der manuelle Auf-
ruf besonderer Funktionen wie Ortung im Diebstahlsfall (Vehicle
Tracking) oder der automatische Aufruf besonderer Funktionen
durch die Fahrzeugelektronik wie Notruf mit Standortbermittlung,
wenn der Airbag ausgelst wurde.
Fahrerdienste beinhalten vor allem die Verarbeitung und Verknp-
fung ortsbasierter Information. Sie knnen alle Arten von Assistenz
umfassen, vor allem verkehrsbezogene, kontextsensitive Informati-
onsdienste und Suchdienste nach dem Pull- oder nach dem Push-
Prinzip. Dies knnen beispielsweise dynamische Routenplaner oder
City-Lotsensysteme sein, die stets aktuelle Baustellen- und Ver-
kehrsinformationen verwenden, aber auch Pannenassistenz sowie
simple Tankstellen- und Hotelsuche, wie sie aus Abschnitt 4.3 bzw.
10.3 bekannt sind. Prinzipiell knnen hier alle Arten von MC-
Diensten zur Anwendung kommen.
190 Anwendungsbereiche des MC
Die drahtlose Datenbertragung fr Telematikanwendungen erfolgt heute
typischerweise durch Mobilfunk. Prinzipiell sind jedoch alle Arten draht-
loser Kommunikation vorstellbar. So knnte eine bertragung etwa in
Parkhusern und Tiefgaragen mittels WLAN erfolgen oder sich knftig
zwei Fahrzeuge durch spontane Vernetzung mittels Bluetooth ber einen
geeigneten Abstand, koordinierte Fahrstreifenwahl oder eine Regelung der
Vorfahrt verstndigen.

Abb. 10-6: Benutzerschnittstelle eines Fahrzeugtelematik-Systems (Quelle: Audi)
Telematiksysteme, die in die Fahrzeugelektronik integriert sind, sind heute
bei Neufahrzeugen im Hochpreissegment bereits Standard. Ein Beispiel fr
eine Benutzerschnittstelle, die in das Fahrzeug integriert ist, zeigt Abb.
10-6. Man kann davon ausgehen, dass diese Systeme mittelfristig einen
hohen Verbreitungsgrad erreichen und die bisher blichen Bordcomputer
ersetzen werden. Dies gilt insbesondere fr Fahrzeuge deutscher Automo-
bilhersteller, die hier fhrend sind.
Die Automobilhersteller beschrnken sich hierbei nicht auf die Entwick-
lung der Systeme und deren Verkauf mit dem Fahrzeug. Sie treten als Por-
talanbieter fr ihre Systeme auf und integrieren dabei selbst betriebene Di-
agnose- und Fahrzeugfunktionsdienste sowie Fahrerdienste, die von spe-
zialisierten Dienstbetreibern bezogen werden. Bei diesen Aktivitten han-
delt es sich zwar prinzipiell um ein zustzliches Geschftsfeld. Dem hier
durchaus vorhandenen groen Kundeninteresse steht jedoch eine geringe
Preisbereitschaft gegenber. Dennoch sind diese Aktivitten von strategi-
scher Bedeutung fr Automobilhersteller, nicht durch die Generierung di-
rekter Erlse, sondern durch die Bereitstellung eines direkten, bidirektio-
nalen Kommunikationskanals zum Kunden. Dies ermglicht einerseits ein
direktes Angebot von Produkten und Dienstleistungen, andererseits aber
auch Lerneffekte durch die flchendeckende Auswertung von Betriebs-
Mobile Geschftsprozesse 191
und Fehlerdaten sowie erhebliche Kosteneinsparungen etwa durch die effi-
ziente Abwicklung von Rckrufen.
In Automobilen mittlerer und niedrigerer Preisklassen kommen statt in-
tegrierter Telematiksysteme hufig Einbaustze von Drittanbietern, z.B.
unter Verwendung von PDA, zum Einsatz. Diese beschrnken sich in aller
Regel auf Fahrerdienste. Entsprechende verkehrsbezogene, kontextsensiti-
ve Informations- und Suchdienste werden meist von den selben speziali-
sierten Dienstanbietern, deren Inhalte auch die Automobilhersteller ver-
wenden, fr alle Arten mobiler Endgerte zur Verfgung gestellt. Die
Dienstanbieter generieren damit transaktionsabhngige und transaktions-
unabhngige direkte Erlse (siehe 8.1.2).
Weitere wichtige Einsatzbereiche fr Telematiksysteme sind Abrech-
nungssysteme fr Straenbenutzungsgebhren (Mautsysteme) sowie die
optimierte Steuerung von Fahrzeugflotten etwa fr Speditionen, Paket-
dienste und Einsatzfahrzeuge aller Art.
Zusammenfassung
Telematik befasst sich mit der zusammengefassten bertragung und Verar-
beitung von Daten zur Erledigung spezifischer Aufgaben ber rumliche
Distanz hinweg. Die bedeutendsten Einsatzbereiche sind Medizin, Mecha-
tronik und Fahrzeugtelematik.
Kontrollfragen
(52) Ordnen Sie die Aktivitten der Automobilhersteller in die Wertschp-
fungskette des MC ein.
10.7 Mobile Geschftsprozesse
Der Einsatz mobiler Technologie im Unternehmen wird hufig ausschlie-
lich aus dem technischen Blickwinkel betrachtet. In Wirklichkeit jedoch
handelt es sich nicht in erster Linie um ein technisches, sondern um ein or-
ganisatorisches Problem. Im Vordergrund steht obschon hilfreich auch
nicht die simple Verfgbarkeit von Brokommunikationsumgebungen, et-
wa zum mobilen Versand und Empfang von E-Mails. Die wesentliche Ei-
genschaft einer mobilen Lsung ist die Mglichkeit, mobile Arbeitspltze
in inner- und zwischenbetriebliche Prozesse vollstndig einzubeziehen.
Unter mobilen Arbeitspltzen werden dabei eine Vielzahl uerst hete-
rogener Ttigkeitsprofile verstanden, die durch stationren IT-Einsatz
nicht ausreichend untersttzt werden knnen. Wichtige Kategorien sind:
192 Anwendungsbereiche des MC
Mitarbeiter mit Fachfunktionen, die auf dem Firmengelnde mobil
sind,
Mitarbeiter mit Fachfunktionen, die auerhalb des Firmengelndes
mobil sind,
Mitarbeiter mit Fach- und Fhrungsfunktionen in Organisationen,
deren operatives Geschft mobil durchgefhrt wird,
Entscheidungstrger.
Beispiele fr die erste Kategorie wren etwa ein Lagerarbeiter, der an ver-
schiedenen Orten Waren annehmen, berprfen und ausgeben muss, ein
Mitarbeiter, der fr eine Leihwagenfirma oder einen Automobilspediteur
abgestellte Kraftfahrzeuge annehmen und ihren Zustand berprfen muss
oder ein Fachverkufer von Einbaukchen, der einerseits mit den Kunden
im Haus unterwegs ist und Detaillsungen an Hand zahlreicher Musterk-
chen zeigen, andererseits aber gleichzeitig Verfgbarkeits-, Kosten- und
Planungsfragen beantworten muss, fr die er eine Planungssoftware mit
Datenbankzugriff bentigt. Die zweite Kategorie umfasst etwa den Mitar-
beiter im klassischen Vertriebsauendienst, der sich beim Kunden aufhlt
und einen Liefertermin zusagen muss, den Techniker, der ein Ersatzteil
bestellen muss, oder den Einkufer eines groen Kaufhauses, der sich in
Sdostasien befindet, Ware ordern will und aktuelle Abverkaufszahlen be-
ntigt oder Ware geordert hat und diese zur Aufnahme in den Katalog
meldet. Die dritte Kategorie betrifft eine spezielle Art von Organisationen,
zu denen etwa Speditionen gehren, ebenso wie Baufirmen, Maschinen-
oder Anlagenbauer, die Baustellenfertigung betreiben, sowie alle Arten
von Einsatzkrften, etwa Polizei, Rettungsdienst, Feuerwehr oder private
Wachdienste. Die zu untersttzenden Mitarbeiter sind dann beispielsweise
Auslieferungsfahrer, Bauleiter oder Streifenfhrer. Die vierte Kategorie
schlielich umfasst Entscheidungstrger aller Art, die ortsungebunden Ent-
scheidungen bis hin zur Ebene der Unternehmensfhrung treffen mssen.

Abb. 10-7: Der mobile Mitarbeiter ist nicht in die Prozesskette integriert
Mobile Geschftsprozesse 193
So unterschiedlich die Rahmenbedingungen fr die einzelnen Kategorien
auch ansonsten sein mgen: das verbindende Element liegt darin, dass die-
se Mitarbeiter bis dato nicht sinnvoll in die Prozesskette des Unternehmens
eingebunden werden konnten (Abb. 10-7).
Dies fhrt etwa zum typischen Bild des Vetriebsmitarbeiters, der einen
erheblichen Teil seiner Zeit am Telefon verbringt und mit anderen Pro-
zessbeteiligten spricht, um Informationen abzufragen, Auftrge zu ber-
mitteln oder Terminzusagen zu erhalten. Allein an diesem Beispiel werden
zahlreiche Ineffizienzen erkennbar: die Belastung anderer Prozessbeteilig-
ter durch stndige Rckfragen (hufig gibt es eigens Innendienstmitarbei-
ter, die den grten Teil ihrer Zeit fr die Kommunikation mit dem Au-
endienst aufwenden), Doppelarbeit und zustzliche Fehlerquellen durch
den Medienbruch und schlielich der Aufwand fr den Auendienstmitar-
beiter selbst. Hierbei ist nicht nur von Bedeutung, dass etwa ein hoch be-
zahlter Key Account Manager einen erheblichen Teil seiner Arbeitszeit
verliert, in dem er nicht seiner Kernaufgabe nachgehen und Auftrge ein-
werben kann, sondern auch, dass er dem Kunden hufig wichtige Informa-
tionen erst nach Rckfrage mitteilen kann oder fr genaue Konditionen gar
auf ein einige Tage spter eintreffendes schriftliches Angebot verweisen
muss. hnliche Probleme ergeben sich fr Entscheidungstrger, etwa ei-
nen Geschftsfhrer. Whrend er abwesend ist, mssen einerseits Vorgn-
ge im Betrieb angehalten werden, fr die eine Entscheidung durch ihn be-
ntigt wird. Im einfachen Fall kann diese telefonisch eingeholt werden,
was wieder mit hohem Kommunikationsaufwand verbunden ist, anderen-
falls bleibt der Vorgang bis zu seiner Rckkehr liegen. Andererseits wird
er unterwegs hufig in der Situation sein, Entscheidungen treffen zu ms-
sen. In Ermangelung detaillierter Informationen steht er bis dato hufig vor
dem Dilemma, zwischen einer schnellen und einer fundierten Entschei-
dung whlen mssen. hnliche Betrachtungen kann man auch fr die an-
deren genannten Kategorien anstellen.
Mobile Technologie ermglicht nun die Schaffung einer durchgngigen
Prozesskette, in die der mobile Mitarbeiter vollwertig eingebunden ist
(Abb. 10-8).

Abb. 10-8: Der mobile Mitarbeiter ist vollwertiger Bestandteil der Prozesskette
194 Anwendungsbereiche des MC
Business Process Reengineering (BPR)
Fr entscheidende Verbesserungen ist es jedoch nicht ausreichend, den be-
stehenden Prozess mit mobiler Technologie auszustatten, also etwa dem
oben angefhrten Vertriebsmitarbeiter oder dem Geschftsfhrer den Ver-
sand und Empfang von E-Mails mit einem mobilen Endgert zu ermgli-
chen. Statt dessen muss eine grundlegende Umgestaltung der betroffenen
Geschftsprozesse in Angriff genommen werden. Der Zusammenhang
zwischen dem Einsatz mobiler Technologien und der grundlegenden Um-
gestaltung der Prozesse nach den Grundstzen des Business Process
Reengineering (BPR) besteht dabei in beide Richtungen:
Effektiver und effizienter Einsatz mobiler Technologien wird erst
erreicht durch die Umgestaltung der Geschftsprozesse.
Die grundlegende Umgestaltung der Geschftsprozesse wird erst
ermglicht durch die Potenziale mobiler Technologien, also die
Verwendung mobiler Mehrwerte.
Business Process Reengineering ist dabei der vollstndige Neuentwurf ei-
nes Geschftsprozesses unter Ausnutzung neuer Potenziale, in diesem Fall
der mobilen Technologien. Hierbei wird zunchst eine umfassende Pro-
blemdefinition vorgenommen und auf deren Grundlage ein vollstndig
neuer Prozess entworfen. Dabei folgt man der Leitfrage Wenn ich dieses
Problem mit den heutigen Mglichkeiten lsen msste, wie wrde ich es
angehen?. Erst dann erfolgt ein Vergleich mit dem bisherigen gewach-
senen Prozess und eine Analyse der Verbesserungspotenziale und Ein-
schrnkungen. Der typische Effekt hierbei ist die Vereinfachung von Pro-
zessen durch Eliminieren, Integrieren oder Automatisieren von Teilprozes-
sen. Ziel ist der Entwurf eines qualitativ hochwertigen Prozesses, der die
Potenziale moderner Technologie voll ausnutzt und Wettbewerbsvorteile
durch entscheidende Verbesserungen bei den Faktoren Zeit, Qualitt und
Kosten schafft (zum BPR siehe [1]).
Der neu entstehende Prozess zeichnet sich hufig durch einen Strategi-
schen Mehrwert in Form von Verbesserungen an allen drei Ecken des
magischen Dreiecks Zeit Qualitt Kosten aus. Dies knnte etwa der
Fall sein, wenn ein Auendienstmitarbeiter durch die Verwendung mobiler
Technologie in 30% aller Flle Prfung, Kalkulation und Terminzusage
fr einen Auftrag bereits vor Ort beim Kunden vornehmen kann.
Der wichtigste mobile Mehrwert fr die Prozessoptimierung ist die All-
gegenwrtigkeit. Einerseits ermglicht die Verfgbarkeit der erforderli-
chen Informationen, fundierte Entscheidungen jederzeit und berall in
Echtzeit zu treffen. Andererseits muss ein Prozess hufig nicht mehr un-
terbrochen werden, weil ein Entscheidungs- oder Informationstrger nicht
erreichbar ist. Die Digitale Transformation des Unternehmens kann nun
Mobile Geschftsprozesse 195
auch auf mobile Arbeitspltze ausgedehnt werden [2]. Die dadurch typi-
scherweise entstehenden Informationellen Mehrwerte wurden bereits in
Kapitel 10.1 betrachtet. Wichtige Leitfragen fr die Optimierung oder den
Neuentwurf von Prozessen unter Nutzung Mobiler Mehrwerte sind:
Wie wird sich der Prozess verndern, wenn von jedem Ort aus zu
jeder Zeit Interaktion mglich wird? Erhht sich damit die Bewe-
gungsfreiheit von Mitarbeitern?
Wo wird durch den Einsatz mobiler Technologie ein Geschwindig-
keitsvorteil erzielt? In welchen Szenarien knnen hierdurch Effi-
zienzvorteile entstehen?
Knnen Informationsquellen und -senken durch eine mobile Lsung
effektiver oder effizienter verbunden werden?
Welche Informationen mssen in welcher Aufbereitungsform mobil
verfgbar sein, damit schnelle und fundierte Entscheidungen bis hin
zur Ebene der Unternehmensfhrung mglich werden? (decisions
at the speed of light)
Mobile ERP und weitere Anwendungen
Nachdem nun die Ziele des Einsatzes mobiler Technologien in inner- und
zwischenbetrieblichen Geschftsprozessen klar geworden sind, soll ein
kurzer Blick auf die wichtigsten Arten von Anwendungen geworfen wer-
den, die diesen Zielen dienen.
In kleinen und mittleren Organisationen werden dies hufig Branchenl-
sungen oder Anwendungssysteme, die Individualsoftware darstellen, sein.
Hierbei sind mobile Endgerte nach den in Kapitel 5 dargelegten Grund-
stzen so einzubinden, dass sie entsprechend dem Bedarf des jeweiligen
Nutzers schreibenden und lesenden Zugriff auf gemeinsame Datenbestn-
de haben. Sind in solchen Systemen Geschftsprozesse abgebildet, so ist
eine mglichst vollstndige Einbeziehung mobiler Clients anzustreben. In
einer Reihe von mittleren, vor allem aber in greren Organisationen sind
ERP-Systeme (Enterprise Resource Planning, z.B. SAP R/3, Siebel oder
Navision) eingefhrt, mit denen die Geschftsprozesse der Organisation
vollstndig abgebildet werden. Diese Systeme stellen typischerweise die
Mglichkeit zur Einbindung mobiler Endgerte bereit. Dies wird als Mobi-
le ERP bezeichnet und umfasst im Wesentlichen vier Funktionalitten: Cu-
stomer Relationship Management (Mobile CRM), Supply Chain Manage-
ment (Mobile SCM), Mobile Procurement und den mobilen Zugriff auf
aufbereitete Unternehmensdaten. Hinzu kommt die Abwicklung des Rei-
semanagements der mobilen Mitarbeiter. Typischerweise sind die Funk-
tionalitten in ein Portal integriert und in unterschiedlichem Funktionsum-
fang sowohl fr WAP-fhige Mobiltelefone, als auch fr PDA verfgbar.
196 Anwendungsbereiche des MC
Eine Mobile CRM-Lsung umfasst entsprechend dem oben geschilder-
ten Beispiel des Vetriebsmitarbeiters die Abwicklung des Gesamtvor-
ganges von Auftrag und Preisfindung bis hin zur Verwaltung von Kunden-
daten. Das Ziel hierbei ist die Verkrzung der Reaktionszeit gegenber
dem Kunden bei Information und Leistung. Das mobile Endgert ermg-
licht dem Auendienstmitarbeiter prinzipiell die gleiche Sicht auf den
Kunden wie der Bro-Arbeitsplatz. Dies gilt ebenfalls fr Abruf und Ana-
lyse von Informationen ber Mitbewerber, Servicevertrge und eine Reihe
anderer Einflussgren. Zudem knnen Produktkonfigurationen und Preise
bestimmt sowie Prsentationen und Angebote erstellt werden.
Ziel des Mobile SCM ist die Integration mobiler Mitarbeiter und Teams
in smtliche Geschftsprozesse entlang der Lieferkette. Typische Beispiele
hierfr sind das Besttigen/Einbuchen eingehender Lieferungen durch
Einscannen von Barcodes, der Empfang von Lageranweisungen fr einge-
hende Waren, das berprfen der Lagerbestnde, das Scannen/Ausbuchen
von Waren beim Verladen auf LKW sowie der Druck von Lieferdokumen-
ten vor Ort.
Mobile Procurement ermglicht die Verwendung zentraler Beschaf-
fungsfunktionen auf mobilen Endgerten, insbesondere Preis-/Eigen-
schaftsvergleich bentigter Produkte und Dienstleistungen, Online-Einkauf
innerhalb eines definierten Budgetrahmens sowie den verzugslosen Ansto
des Genehmigungsprozesses fr umfangreichere Beschaffungen. Fr den
mobilen Zugriff auf (aufbereitete) Unternehmensdaten als Entscheidungs-
grundlage wird der Begriff Mobile Business Intelligence verwendet. Dies
umfasst die Verwendung von Data Warehouses, Reporting- und Analyse-
funktionen zu den oben ausfhrlich erluterten Zwecken.
Einige typische Kennzeichen von Prozessen, die mobilen ERP-Zugriff
nutzen, sind:
stets verfgbare Produkt-/Preis-/Verfgbarkeitsinformation,
vollstndig zentralisierte Datenhaltung von Kundenstammda-
ten/Terminkalendern/Aufgaben,
Funktionsintegration durch Ansto der Auftragsabwicklung direkt
bei Auftragserteilung vor Ort,
stndiger Terminierungsabgleich,
Eingabe von Lagerinformation direkt bei Warenein- und -ausgang,
stark vereinfachte Inventurablufe,
triviale Statusermittlung/Sendungsverfolgung,
Mglichkeit der Empfngerquittung auf dem mobilen Endgert,
Echtzeit-Kostenrechnung.
Ein weiterer Anwendungsbereich ist das Job Dispatch, die bermittlung
von Auftrgen und erforderlichen Daten an mobile Mitarbeiter mit Fach-
Mobile Geschftsprozesse 197
funktionen durch rechnergesttzte Koordination. Dies ist z.B. fr Einsatz-
und Rettungskrfte, Paketdienste oder Servicetechniker sinnvoll und ver-
einigt teilweise Mobile ERP- und Telemetriefunktionalitten. Der Effekt
ist einerseits eine optimale Aufgabenzuordnung, andererseits ein verzugs-
loses, vollstndiges Lagebild in der Zentrale. Hufig ist eine solche L-
sung verbunden mit Mobile Field Services, die einem mobilen Mitarbeiter
mit Fachfunktionen eine umfassende Assistenzfunktionalitt auf dem mo-
bilen Endgert aufgrund der erforderlichen Darstellungs- und Eingabe-
mglichkeiten meist einem PDA zur Verfgung stellen. Dies kann bei-
spielsweise fr einen Beamten der Verkehrspolizei eine Anwendung mit
Funktionen wie Online-berprfung von Personen- und Fahrzeugdaten
oder digitaler Erstellung und bermittlung von Beweisfotos sein oder fr
einen Paketzusteller eine optimale Routenberechnung.
Abschlieend sei der Bereich Mobile Office genannt, die mobile Bereit-
stellung verschiedener Funktionalitten einer Standard-Brokommunikati-
onsumgebung. Entsprechende Funktionalitten wie beispielsweise der
Versand und Empfang von E-Mails, Terminkalender oder Textverarbei-
tung sind auf hherwertigen mobilen Endgerten standardmig vorhan-
den und wurden in Kapitel 3 angesprochen.
Im Anschluss sollen zwei Fallbeispiele verdeutlichen, wie Lsungen in
der Praxis aussehen, wie Geschftsprozesse beim Einsatz mobiler Techno-
logien verndert werden und welche Wirkung diese Vernderung auf die
Wertschpfung von Unternehmen hat. In beiden Beispielen ermglicht die
Lsung Mitarbeitern mit Fachfunktionen, bestimmte Ttigkeiten direkt vor
Ort beim Kunden auszufhren, anstatt einen Teil der Bearbeitung am Ar-
beitsplatz im eigenen Unternehmen durchfhren zu mssen.
Fallstudie 1: Mobile Procurement bei Bell Canada
Bell Canada ist der fhrende Anbieter von Telekommunikationslsungen
fr Privat- und Geschftskunden in Kanada. Zu den angebotenen Produk-
ten und Dienstleistungen zhlen Sprach- und Datenbertragung, Internet-
zugang (ISP) und B2B EC-Lsungen. Die Fallstudie behandelt die Einfh-
rung einer Procurement-Lsung fr Servicetechniker auf Basis einer SAP-
Lsung [5].
Die rund 4000 Servicetechniker von Bell Canada bearbeiten Service Calls
typischerweise vor Ort beim Kunden, besonders wenn es sich hierbei um
wichtige Kunden (Key Accounts) handelt. Dabei muss ein Techniker nach
erfolgreicher Fehlersuche und Diagnose aus ber 55 000 lagernden Ersatz-
teilen fr Baugruppen wie Modems, Telefonanlagen und Anschlussdosen
die jeweils bentigten Teile identifizieren und bestellen. Wegen der immer
krzer werdenden Technologiezyklen erweitert sich der Stamm an Ersatz-
teilen stetig, weshalb es keinen Katalog in gedruckter Form gibt. Die Suche
198 Anwendungsbereiche des MC
nach passenden Ersatzteilen erforderte je Servicetechniker zwischen 30 und
120 Minuten pro Arbeitstag. Ausgehend von dieser Situation entschied sich
Bell Canada fr die Einfhrung einer Mobile Procurement Lsung, die sich
optimal in das bestehende Anwendungssystem integrieren lassen sollte. In-
nerhalb von vier Monaten wurden alle Servicetechniker mit mobilen End-
gerten ausgestattet, welche den Zugriff auf den vollstndigen aktuellen
Ersatzteilkatalog, durch Offline-Synchronisation auch von Orten ohne Zu-
gang zu Datennetzen, ermglichen.
Dabei folgen neue Geschftsprozesse den Mglichkeiten der neuen
Technologie. Die Techniker suchen nun vor Ort mit Ersatzteilnummer oder
Schlsselwort nach der passenden Komponente und knnen beispielsweise
Abbildungen, Verfgbarkeiten und Preise einsehen, um dann anhand eines
Warenkorbes eine Bestellung mit entsprechenden Lieferdaten und -
anschriften auszulsen. berschreitet eine Ersatzteilbestellung den Verf-
gungsrahmen des Servicetechnikers, lst dies automatisch einen Prozess
zur Besttigung durch einen Vorgesetzten aus. Wird ein Ersatzteil nicht ge-
lagert, wird ebenfalls automatisch eine entsprechende Bestellung beim Zu-
lieferer ausgelst und die geschtzte Lieferzeit zurckgegeben.
Durch die Mobile Procurement Lsung ist es Servicetechnikern von Bell
Canada mglich geworden, Beschaffungsentscheidungen mit optimalem
Informationsstand vor Ort beim Kunden treffen zu knnen. Dies verkrzt
die Prozessdauer wesentlich, wodurch einerseits eine Ressourceneinspa-
rung fr Bell Canada und andererseits eine Verringerung der Ausfallzeit fr
den Kunden mglich wird ein Faktor, der sich in der Zufriedenheit und
Loyalitt des Kunden widerspiegelt. Die Ressourceneinsparungen fhrten
bereits nach knapp sechs Monaten zu einem Return on Investment. Die er-
zielten Verbesserungen in den Bereichen Kosten, Zeit und Qualitt begrn-
den fr Bell Canada einen Strategischen Mehrwert.
Die Fallstudie zeigt eine mobile Lsung, die auf den ersten Blick eine
recht unspektakulre Funktionalitt bereitstellt, einen stets aktuellen Er-
satzteilkatalog mit Bestellmglichkeit. Betrachtet man jedoch die Auswir-
kungen auf den Geschftsprozess, so wird die Vernderung deutlich, die
durch die Einfhrung der Lsung bewirkt wurde.
Fallstudie 2: Mobile Field Services bei Progressive Insurance
Progressive Insurance ist mit mehr als 8 Millionen Kunden die viertgrte
Kraftfahrzeugversicherung in den USA. Der hohe Wettbewerb und die
Homogenitt der Produkte in der Versicherungsbranche machen guten
Kundenservice zu einer der wichtigsten Differenzierungsmglichkeiten.
Progressive Insurance setzt beim Einsatz neuer Technologien auf eine Pio-
nierstrategie. Im Electronic Commerce war das Unternehmen die erste
Versicherung, die den Abschluss einer Versicherungspolice online und in
Echtzeit ermglichte. Die Fallstudie behandelt die Einfhrung von Mobile
Field Services fr eine Schadensbearbeitung vor Ort beim Kunden [6].
Mobile Geschftsprozesse 199
Eine Analyse der Kostenstruktur US-amerikanischer Kfz-Versicherer er-
gibt, dass nach Branchenstatistiken rund 34% der Einnahmen aus Kfz-
Versicherungspolicen als Kosten fr die Abarbeitung der Schadensmel-
dungen anfallen. Hufig versuchen Versicherungsunternehmen, die Ausga-
ben fr die Schadensregulierung selbst zu senken, was oft zu verlngerten
Verhandlungsphasen und Konflikten zwischen Kunden und Versicherer
fhrt. Progressive Insurance entschied sich statt dessen fr die Einfhrung
mobiler Technologie bei der Bearbeitung der Schadensmeldungen zu sen-
ken. Der bisherige Prozess begann mit der Schadensmeldung durch einen
Kunden ber Telefon, Fax oder E-Mail. Die Meldung wurde daraufhin ei-
nem Sachbearbeiter zugeordnet, welcher fr die Durchfhrung von Inter-
views mit den beteiligten Personen, die Untersuchung der beteiligten Fahr-
zeuge und die weiteren Vorgnge zur Schadensregulierung verantwortlich
war. Die fehlende Verfgbarkeit aller relevanten Informationen fhrte da-
bei zu Verzgerungen und inkonsistenten Entscheidungen. Progressive
fhrte hierfr einen neuen Prozess ein, der mobile Technologien einsetzt,
um einen kontinuierlichen Informationsfluss zwischen Kunden, der zentra-
len Datenbank und den an der Abarbeitung der Schadensmeldung beteilig-
ten Akteuren zu ermglichen. Der Sachbearbeiter ist nun grundstzlich
mobil und arbeitet vor Ort beim Kunden. Nach Zuordnung einer Scha-
densmeldung erhlt er die Schadensnummer sowie Details zu Police und
Schaden auf sein mobiles Endgert. Dadurch kann er nun vor Ort die bis zu
20 Schritte einer kompletten Schadensregulierung vornehmen: angefangen
beim Ausfllen der Schadensmeldung, der Durchfhrung von Interviews
mit den Beteiligten, der Identifikation der zu ersetzenden Teile, bis hin zur
Schtzung des Reparaturaufwands und anschlieenden Zahlung an den
Kunden.
Die komplette Abarbeitung von Schadensmeldungen vor Ort fhrt zu
erheblichen Informationellen Mehrwerten fr Progressive Insurance und
fr den Kunden. Verursacht einerseits die stark verkrzte Bearbeitungsdau-
er eine deutliche Verringerung der Personal- und Sachkosten, so lsst ande-
rerseits die Bearbeitung vor Ort beim Kunden ein Gefhl intensiver Be-
treuung entstehen was wiederum zu erhhter Kundenzufriedenheit und
Loyalitt fhrt, einem der wichtigsten Wettbewerbsvorteile in der Versi-
cherungsbranche. Die erzielten Verbesserungen in den Bereichen Kosten,
Zeit und Qualitt begrnden auch im Fall von Progressive Insurance einen
Strategischen Mehrwert.
Die Fallstudie zeigt eine mobile Lsung, die ebenfalls keine spektakulren
Funktionen aufweist. Die Lsung wirkt dadurch, dass sie einem Sachbear-
beiter der ansonsten nur einen fr den Kunden anonymen Verwaltungs-
prozess anstoen knnte alle notwendigen Funktionen fr die Schadens-
abwicklung auf dem mobilen Endgert bereitstellt, so dass dieser in direk-
ter Interaktion mit dem Kunden whrend der Inaugenscheinnahme des
Schadens die Abwicklung abschliet.
200 Anwendungsbereiche des MC
Man kann die Lektion aus den beiden Fallstudien generalisieren: Eine
mobile Lsung im Unternehmen wirkt typischerweise nicht durch spekta-
kulre Eigenschaften oder neuartige Fhigkeiten der Endgerte, sondern
simpel durch die Bereitstellung der bentigten Information oder Funktio-
nalitt, mit der sie einen neuen, einfacheren und schnelleren Geschftspro-
zess ermglicht.
So unspektakulr jedoch die einzelne Lsung in der Hand des Auen-
dienstmitarbeiters ist, so spektakulr sind insgesamt die Auswirkungen
mobiler Technologie auf die Aufbau- und Ablauforganisation von Unter-
nehmen im 21. Jahrhundert: Die Digitale Transformation, die Unterneh-
men durch die volle Ausnutzung der Mglichkeiten des Internet erfahren
haben, erweitert sich zur Mobilen Transformation, die jede Art von Ar-
beitspltzen als vollwertige Mitglieder in inner- und zwischenbetriebliche
Prozessketten einbindet.
Hinzu kommt eine Eigenschaft, die im Zusammenhang mit dem Mobile
Commerce von vielen Unternehmen sehr geschtzt wird: Whrend ein An-
bieter im B2C MC auf die Schtzung von Nutzungszahlen und eine Viel-
zahl zuknftiger Einflussfaktoren angewiesen ist, ergeben sich im B2B
MC typischerweise Lsungen, die durch ihre klar umrissene Funktionalitt
ganz konkrete, messbare Effekte (zunchst vor allem durch Kosteneinspa-
rungen) zur Folge haben. Die Entscheidung ber die Realisierung einer
solchen Lsung kann daher mit all ihren Konsequenzen unter Anwendung
des betriebswirtschaftlichen Grundinstrumentariums, nmlich klassischer
Investitionsrechnung und Berechnung eines Return on Investment, getrof-
fen werden.
Zusammenfassung
Der Einsatz mobiler Technologie im Unternehmen ist in erster Linie kein
technisches, sondern ein organisatorisches Problem. Die wesentliche Ei-
genschaft einer mobilen Lsung liegt in der Mglichkeit, mobile Arbeits-
pltze in inner- und zwischenbetriebliche Prozesse vollstndig einzubezie-
hen. Dabei liegt das Potenzial nicht in der Verbesserung alter Prozesse,
sondern in der Mglichkeit, neue Arbeitsweisen aufzubauen und Prozesse
nach den Grundstzen des Business Process Reengineering (BPR) neu zu
gestalten, um entscheidende Verbesserungen bei den Faktoren Zeit, Quali-
tt und Kosten zu realisieren.
Hierzu dient die Einbindung mobiler Endgerte in ERP-Systeme (Mobi-
le ERP). Dies umfasst vor allem Mobile CRM (die Abwicklung des Ge-
samtvorganges von Auftrag und Preisfindung bis hin zur Verwaltung von
Kundendaten), Mobile SCM (Integration mobiler Mitarbeiter und Teams in
die Logistikablufe), Mobile Procurement (mobile Abwicklung aller Be-
schaffungstransaktionen vom Preisvergleich bis zur Bestellung) und den
Mobile Geschftsprozesse 201
mobilen Zugriff auf aufbereitete Unternehmensdaten, der als Mobile Busi-
ness Intelligence bezeichnet wird.
Weitere wichtige Anwendungen sind Job Dispatch, die Koordination und
bermittlung von Auftrgen an mobile Mitarbeiter, Mobile Field Services,
die Assistenzfunktionalitten bereitstellen, sowie Mobile Office.
Kontrollfragen
(53) Ist das 30%-Beispiel auf Seite 194 realistisch? Welche Vorausset-
zungen mssten hierzu gegeben sein?
(54) Nennen Sie drei Beispiele fr Prozessverbesserungen durch den Ein-
satz von Mobile ERP.
Literaturhinweise
[1] Hammer, M.; Champy, J.: Business Reengineering Die Radikalkur
fr das Unternehmen. 4. Aufl., Campus, Frankfurt a. M. 1994.
[2] Khodawandi, D.; Pousttchi, K.; Winnewisser C.: Mobile Technologie
braucht neue Geschftsprozesse. Augsburg 2003.
[Link]
[3] May, P.: Mobile Commerce Opportunities, Applications and Tech-
nologies of Wireless Business. Cambridge University Press, Cam-
bridge 2001.
[4] Steimer, F.; Maier, I.; Spinner, M.: mCommerce Einsatz und An-
wendung von portablen Gerten fr mobilen eCommerce. Addison-
Wesley, Mnchen 2001.
Internetquellen
[5] SAP AG: SAP Customer Success Stories Bell Canada. 2002.
[Link]
[Link]
[6] E-Business Strategies: Progressive Insurance Creating Value via
Mobile Field Service. 2003.
[Link]
202


Anhang: Antworten zu den Kontrollfragen
(1) Mobile Commerce (MC) bezeichnet jede Art von geschftlicher Transak-
tion, bei der die Transaktionspartner im Rahmen von Leistungsanbah-
nung, Leistungsvereinbarung oder Leistungserbringung mobile elektroni-
sche Kommunikationstechniken (in Verbindung mit mobilen Endgerten)
einsetzen. Mobilfunk ist eine solche mobile elektronische Kommunikati-
onstechnik, eine andere Mglichkeit wre etwa Wireless LAN.
(2) Die Entwicklungsstufen werden danach unterschieden, ob ein Angebot
Information, Transaktion oder Interaktion ermglicht. Entsprechende
Beispiele aus dem Bereich der Bankdienstleistungen knnten auf der er-
sten Stufe etwa die Anzeige von Wertpapierkursen, auf der zweiten der
Wertpapierkauf oder -verkauf und auf der dritten Stufe eine Art Anlage-
beratung online ber das mobile Endgert, z.B. unter Verwendung eines
Expertensystems, ermglichen.
(3) Die Aussage ist falsch. Mobilfunk spielt im MC eine sehr groe Rolle,
stellt aber gleichwohl nur eine von mehreren Mglichkeiten der drahtlo-
sen Kommunikation dar. Im brigen kann sowohl ber ein geeignetes
Mobiltelefon eine andere Art der drahtlosen Kommunikation als Mobil-
funk abgewickelt werden (z.B. via Bluetooth), als auch ber ein anderes
mobiles Endgert eine Verbindung zu einem Mobilfunknetz aufgebaut
werden. MC ist auch dann mglich, wenn weder ein Mobiltelefon, noch
Mobilfunktechnologie beteiligt sind, etwa bei der bertragung eines In-
ventur-Datensatzes von einem Handheld-Computer in eine Unterneh-
mensdatenbank via Wireless LAN.
(4) Pro Kanal stehen bei GSM acht Zeitschlitze zur Verfgung. Da GSM
FDD verwendet, kann jedem dieser Zeitschlitze ein Nutzer zugeordnet
werden, also ergeben sich maximal 80 Nutzer (unter der Annahme, dass
keine Intrazellengesprche gefhrt werden).
Aufgrund der Anzahl der Kanle pro Zelle wird es sich nicht um GSM
900 handeln; vielmehr ist von GSM 1800 auszugehen.
(5) Bei TDD belegt ein Teilnehmer zwei Zeitschlitze, je einen fr Up- und
einen fr Downlink. Damit ergibt sich bei 50 verfgbaren Zeitschlitzen
eine maximale Nutzerzahl von 25 (unter derselben Annahme wie in (4) ).
(6) Da GSM 900 ber eine hhere Reichweite verfgt, kann das Netz im
Vergleich zu GSM 1800 mit einer geringeren Zahl von BTS mithin zu
niedrigeren Kosten betrieben werden. Sind zustzlich fnf groe Stdte
204 Antworten zu den Kontrollfragen
vorhanden, so sollten in den Stdten zustzlich GSM 1800-Zellen betrie-
ben werden; es ergibt sich dann ein Dualbandnetz.
Die neuen Zellen sollten zustzlich (also berlappend mit dem alten
Netz) betrieben werden, da dies einerseits eine hhere Kapazitt ermg-
licht und andererseits damit die Abdeckung fr Besitzer lterer Gerte
die nicht dualbandfhig sind vollstndig bleibt.
(7) Die Herleitung erfolgt ber die theoretisch maximal mgliche Anzahl der
bertragenen Bit pro Sekunde. In jedem Zeitschlitz von 0,577 ms Dauer-
knnen in einem Normal Burst 114 Bit Nutzdaten bertragen werden. Da
ein Nutzer je einen von acht Zeitschlitzen zur Verfgung hat, ergibt sich
die Datenbertragungsrate zu 114 Bit / (0,000577s*8) = 24696,7 Bit/s.
(8) Whrend BTS und BSC die bertragung auf der Luftschnittstelle ermg-
lichen und dabei fr die MS eigentlich nur eine erweiterte Relaisfunktion
bereitstellen, fhrt das MSC die logische Kommunikation mit der MS.
(9) Die Gesamtkosten des Netzbetreibers belaufen sich im ersten Falle auf
13 Mio. EUR (13 000 * 1 000 EUR). Im Falle einer mglichen Verlage-
rung dieser Funktionalitt in das BSC fallen stattdessen lediglich 2,3 Mio.
EUR (230 * 10 000) an.
Allgemein betrachtet ist es wirtschaftlich, soviel Funktionalitt wie mg-
lich auf die jeweils hchst mgliche Ebene (hier: BSC) zu verlagern. Da-
bei ist natrlich zu beachten, ob eine solche Verlagerung mit Effektivi-
tts- oder Effizienzeinbuen im Netzbetrieb verbunden ist diese sind
dann gegen die mgliche Kosteneinsparung abzuwgen.
(10) Roaming ist die Nutzung eines fremden Mobilfunknetzes durch eine MS,
Handover dagegen die unterbrechungsfreie Gesprchsbergabe beim
Wechsel der Funkzelle innerhalb eines Mobilfunknetzes.
(11) In zellbasierten Netzen befindet sich wie der Name sagt jeder Nutzer
in einer definierten Zelle, ber die er angesprochen werden kann. In ei-
nem GSM-Netz wird jedoch diese (aktuelle) Zelle nicht zentral nach-
gehalten. Statt dessen wird nur die LA gespeichert. Dadurch ist fr einen
Teilnehmer nicht unmittelbar bekannt, ber welches BTS er erreicht wer-
den kann.
(12) Bei verbindungsorientierter Datenbertragung wird die bertragungs-
strecke jedes Mal neu aufgebaut und wie fr Sprache exklusiv ge-
schaltet. Die Netzkapazitt wird dabei statisch aufgeteilt, es existiert eine
maximale Anzahl an Verbindungen. Die Abrechnung erfolgt nach Ver-
bindungszeit. Bei paketorientierter Datenbertragung werden die Daten
zur bertragung in einzelne Pakete zerlegt, diese adressiert und ber ein
geteiltes Medium versendet. Die Netzkapazitt wird dynamisch aufgeteilt
und es existiert eine Volumenobergrenze. Dies ermglicht die so genann-
te Always-On Funktionalitt, d.h. es besteht stndig eine Netzverbin-
dung, aber nur bei Bedarf werden Ressourcen belegt. Die Abrechnung er-
folgt nach Datenvolumen und nach Dienstqualitt.
Antworten zu den Kontrollfragen 205
(13) Bei HSCSD handelt es sich um eine Softwareerweiterung fr GSM, die
eine Kanalbndelung ermglicht. Im theoretischen Maximum knnen
damit bis zu 8 Kanle gebndelt werden. Dadurch ergibt sich eine Daten-
bertragungsrate von maximal 76,8 kBit/s (8 * 9,6 kBit/s) bei CSD-
Standardkanlen bzw. 115,2 kBit/s (8 * 14,4 kBit/s) bei Kanlen mit
TCH/F 14.4.
(14) Paketorientierte Datenbertragung ermglicht eine Always-On Funk-
tionalitt. Erst mit dieser knnen vom und zum Nutzer stndig und ver-
zugslos Daten bermittelt werden, um etwa stndig aktuelle oder kontext-
sensitive Angebote zu ermglichen (z.B. Newsticker, proaktive ortsba-
sierte Umleitungsempfehlungen usw.). Theoretisch ist dies zwar auch an-
sonsten mglich, aber wirtschaftlich nicht sinnvoll. Eine gewisse Vorstu-
fe bilden Kurznachrichten, mit denen aber nur sehr eingeschrnkte Dien-
ste mglich sind.
(15) Der Journalist irrt. Die Einfhrung von GPRS erforderte vor allem nde-
rungen im Mobilvermittlungsnetz. UMTS verwendet in seiner Einfh-
rungsversion das GPRS-Mobilvermittlungsnetz. Der Aufbau des GPRS-
Netzes war also kein Umweg, sondern die erste Stufe zum UMTS-Netz.
Demzufolge dienten auch die entsprechenden Investitionen bereits dem
Aufbau des UMTS-Netzes.
(16) Sie sollten von dieser Vorgehensweise deutlich abraten. Die Einfhrung
von EDGE erfordert umfangreiche Anpassungen auf BTS-Ebene, was
aufgrund der groen Anzahl an BTS sehr hohe Kosten nach sich zieht.
Fr ein UMTS-Netz knnen diese EDGE-fhigen BTS jedoch nicht wei-
terverwendet werden. Es ist keinesfalls zu erwarten, dass die Kosten der
EDGE-Anpassung sich innerhalb ihrer kurzen Nutzungszeit amortisieren
oder durch die Gewinnung von Premium-Kunden kompensiert werden
knnen.
Hinzu kommt, dass Sie dann ber ein Mix konkurrierender Technologien
verfgen, das nicht nur wirtschaftlich, sondern auch technisch sehr wenig
Sinn macht.
(17) Derzeit ist WLAN im Wesentlichen im LAN-Bereich von Bedeutung,
etwa um einen drahtlosen Intranetzugang auf dem Firmengelnde oder ei-
nen Internetzugang fr Aussteller auf einem Messegelnde zu ermgli-
chen. Knftig ist an so genannten Hot Spots eine Konkurrenzsituation zur
Datenanbindung ber Mobilfunk mglich, ebenso ist jedoch auch die In-
tegration von WLAN-Zellen in Mobilfunknetze denkbar.
(18) Whrend bei einer Bluetooth-Verbindung keine Sichtlinie erforderlich ist,
muss bei einer IrDA-Verbindung die Infrarotschnittstelle des Endgertes
auf diejenige des Kontrollsystems ausgerichtet werden. Fr eine Blue-
tooth-Verbindung knnte das Endgert also z.B. in der Tasche bleiben.
(19) Ein virtuelles quivalent knnte z.B. den gegenwrtigen Benutzer, aktu-
ellen Fllstand, Temperatur und die bisherigen Benutzungszeiten enthal-
206 Antworten zu den Kontrollfragen
ten. Die Daten knnen durch Sensoren ermittelt werden. Fr die Verbin-
dung zur Webseite knnte ein Bluetooth- oder WLAN-Modul verwendet
werden. Mit den Daten ist z.B. eine automatisierte Kaffeeabrechnung und
(aggregierte) Bedarfsschtzung mglich; bei einer Cheftasse mit nied-
rigem Fllstand oder Temperatur knnte eine Nachricht an das Sekretari-
at zur Nachfllung veranlasst werden und vieles mehr. Erkennt eine Kaf-
feetasse, dass sie mit anderen benutzten Tassen zusammen auf dem Tisch
steht, knnte sie eine Nachricht an das Trschild senden und dies auf
Besprechung schalten.
Natrlich sind dies zunchst spielerische Anwendungen, die Mglichkei-
ten etwa fr Produktionsablufe sind jedoch evident. Entsprechende
prparierte Kaffeetassen wurden im Telecooperation Office der Uni-
versitt Karlsruhe entwickelt.
(20) Um mit einer Signaturkarte zu arbeiten, wird ein entsprechender Karten-
leser bentigt; das Gert muss also ber eine entsprechende (interne) Er-
weiterungsmglichkeit verfgen. Digitale Signatur basiert auf asymme-
trischer Verschlsselung und ist rechenintensiv, also ist entsprechende
Prozessorleistung erforderlich. Die Mobilfunk-Anbindung sollte pro-
blemlos sein, daher kommen Gerte mit integriertem Mobilfunk oder
aber solche mit Bluetooth-Schnittstelle in Frage.
(21) Bei dem Notfall-Mobiltelefon ist in jedem Fall Satellitennavigation er-
forderlich. Unabhngig von den Kosten des GPS-Moduls wre eine ande-
re Lsung in jedem Fall zu ungenau, um das Unfallfahrzeug im Notfall
schnell aufzufinden.
Bei dem Umzugsunternehmen wird typischerweise die Zellidentifikation
des Mobiltelefons, das der Fahrer mit sich fhrt, die wirtschaftlichste und
damit sinnvollste Lsung sein. In Einzelfllen mag es zwar wichtig sein,
ob das Fahrzeug schon beim Kunden, oder noch einige Kilometer ent-
fernt ist. In der weit berwiegenden Zahl der Flle aber ist eher der unge-
fhre Standort des Fahrzeugs (z.B. auf einer Deutschlandkarte entlang
des Autobahnnetzes) gefragt, fr den dieses wenig aufwndige Verfahren
voll ausreicht.
Sollten die Fahrzeuge allerdings ohnehin mit Kfz-Navigationssystemen
ausgestattet sein, wre auch eine Nutzung des dann vorhandenen GPS-
Empfngers sinnvoll.
(22) Im ersten Fall ist die Position des Auslsers vorgegeben (Halle 5); die
Position des Zieles (den Anforderungen entsprechender Programmierer)
wird ermittelt.
Im zweiten Fall wird sowohl die Position des Auslsers wie auch des
Ziels ermittelt, wobei jeder Nutzer des Systems sowohl Auslser (wenn
er eine Suchanfrage auslst), als auch Ziel (passender Diskussionspartner,
der sich in der Datenbank befindet) sein kann.
(23) Fr eine B2C-Anwendung mit der Zielgruppe Schler und Jugendliche
sollte dasjenige Haupt-Zielgert gewhlt werden, das der typischen
Antworten zu den Kontrollfragen 207
"Schulhof-Ausstattung" entspricht. Im Jahr 2003 erscheint ein SMS-
fhiges Mobiltelefon als geeignet, als weiteres Zielgert mglicherweise
ein WAP-fhiges Mobiltelefon. Bei der B2B-Anwendung fr den Baulei-
ter knnte ebenfalls auf ein WAP-fhiges Mobiltelefon aufgesetzt wer-
den, ber das die Zielgruppe vermutlich bereits verfgt. Andererseits je-
doch handelt es sich hier bei dem Nutzer um Fhrungspersonal und es
bestehen hohe Funktionalittsanforderungen an die Anwendung. Es sollte
daher geprft werden, ob hier stattdessen ein PDA als Zielgert vorzuse-
hen ist.
(24) Der monatliche Umfang des Datenvolumens betrgt ca. 900 KB. Die ko-
stengnstigste Lsung ist somit der Einsatz einer Prepaid-Karte mit ei-
nem Inklusiv-Datenvolumen von 1 MB einige Euro im Monat reichen
dafr typischerweise aus.
(25) Es liegt eine serverseitige Programmierung vor; es handelt sich um einen
Push-Dienst. Der Nutzer initiiert und konfiguriert den Dienst mit dem
Limit und den bei Auslsung bentigten Informationen bei (z.B. Kurs,
Handelsvolumen). Bei Eintritt des spezifizierten Ereignisses geht die Da-
tenbertragung per SMS dann vom Server aus. Zielgert ist ein SMS-
fhiges Mobiltelefon.
Im Gegensatz zu einer WAP-Anwendung sind diese Informationen aber
statisch, zudem ist keine Interaktion mglich.
(26) Ein Szenario wre, dass der Nutzer einen Kauf ttigen und zuvor prfen
will, ob sein Kontostand ausreicht. Ein weiteres Szenario wre, dass der
Nutzer Wartezeiten nutzen will z.B. in ffentlichen Verkehrsmitteln, im
Restaurant oder vor einem Termin um sein Aktiendepot anzusehen oder
fllige berweisungen per WAP zu erledigen. Ein drittes Szenario wre,
dass der Nutzer schnellstmglich eine bestimmte Zahlung erledigen will
oder muss.
Analog zu anderen MC-Anwendungen sollte eine Mobile-Banking An-
wendung schnell, schlank sowie intuitiv und mit wenigen Klicks bedien-
bar sein. Fr das zuletzt beschriebene Szenario wre beispielsweise eine
Anwendung vorstellbar, die eine berweisung vornimmt, nachdem die
Zahlungsdaten mittels eines Barcodescanners eingelesen wurden. Auf ei-
nem Strafzettel knnte dann etwa ein Strichcode aufgedruckt sein, den
der Nutzer mit einem Klick einliest und mit einem weiteren Klick und der
Eingabe einer PIN die Zahlung veranlasst und besttigt.
(27) Die CRM-Software sollte so skaliert sein, dass sie im Funktionsumfang
und in der Darstellung auf die beiden unterschiedlichen Zielgerte ange-
passt ist. Eine Lsung knnte etwa vorsehen, dass die Key Account Ma-
nager Vollzugriff auf die Unternehmensdatenbank insbesondere etwa
Kundendaten, Kalkulationsdaten und Auftragssteuerung haben, wh-
rend die restlichen Mitarbeiter ber eine Java-Anwendung Standardauf-
trge online kalkulieren und lesende Zugriffe auf Kundendaten via WAP
durchfhren knnen.
208 Antworten zu den Kontrollfragen
(28) Bisher ist die Benutzung nur fr Studenten mit WAP-fhigen mobilen
Endgerten, vornehmlich Mobiltelefonen, mglich. Eine einfache Alter-
native, die zudem einem greren Teil der Zielgruppe die Teilnahme er-
mglicht, wre eine SMS-Anwendung. Hierbei knnten die Studenten
sich mit Matrikelnummer und Klausurcode online eintragen und bekmen
nach erfolgter Korrektur eine SMS mit der erzielten Note. Der Unter-
schied zur WAP-Anwendung ist jedoch, dass bei der SMS-Lsung die
Universitt die Kosten fr den SMS-Versand zu tragen htte, whrend bei
der WAP-Lsung nur eine Bereitstellung der Ergebnisse auf dem ohnehin
vorhandenen Webserver erforderlich ist und jeder Nutzer seine Kosten
selbst trgt.
(29) In der vorliegenden Zielgruppe ist eine Beschrnkung auf das Zielgert
PDA mangels Verbreitung nicht sinnvoll. Eine intelligente Alternative
wre dagegen, die Konfiguration die nur zweimal im Jahr erforderlich
ist nicht ber das mobile Endgert, sondern ber ein Web-Interface vor-
nehmen zu lassen.
(30) Kein Kunde wird ein MC-Angebot nutzen, nur weil es sicher ist (sondern
weil die Funktionalitt des Angebotes fr ihn attraktiv ist). Das Gegenteil
kann jedoch sehr wohl der Fall sein: Fhlt sich der Kunde unsicher, nutzt
er ein Angebot nicht, auch wenn es fr ihn ansonsten attraktiv wre. Da-
mit stellt subjektive Sicherheit eine notwendige (aber nicht hinreichende)
Bedingung fr die Nutzung eines MC-Angebotes dar.
(31) Ein Sicherheitsvorfall bedeutet fr Unternehmen typischerweise eine ern-
ste Krise, die ihnen merklichen Schaden zufgen und sogar existenzbe-
drohende Ausmae annehmen kann.
Die Ursache hierfr liegt eher selten in unmittelbaren materiellen Sch-
den (z.B. Schadenersatzforderungen), sondern vor allem in mittelbaren
Schden begrndet, die durch die ffentlichkeitswirkung eintreten. Das
grte Problem hierbei ist der Vertrauensverlust bei Kunden, potenziellen
Kunden und sonstigen Geschftspartnern.
(32) Ein Bewegungsprofil ist die Zusammenfassung der Daten, die durch eine
fortlaufende Erhebung, Speicherung und Auswertung der Positionsdaten
eines Nutzers entstehen. Die Erstellung eines Bewegungsprofils ermg-
licht damit die lckenlose berwachung eines Nutzers, wie sie ansonsten
nur durch Observation mglich wre.
(33) Hier wird das Problem der Autorisierung adressiert. Typischerweise wird
der Nutzer in diesem Fall ein Zertifikat ausgestellt bekommen, mit dem
er seine Berechtigung zum Aufenthalt im Gebude A in dem genannten
Zeitraum dann nachweisen kann.
(34) Die Angriffe des Hackers beeintrchtigen durch berlastung die Verfg-
barkeit des Systems. Es handelt sich hierbei um eine Denial-of-Service
Attack (DoS).
Antworten zu den Kontrollfragen 209
(35) Die Nichtabstreitbarkeit kann hier durch die Verwendung einer digitalen
Signatur realisiert werden. Bei einer Wertpapiertransaktion wird aller-
dings eine so geringe Datenmenge (< 100 Byte) bermittelt, dass hier die
Verwendung eines Hash-Wertes nicht sinnvoll ist und statt dessen eine
Verschlsselung des gesamten Nachrichtentextes erfolgen sollte.
(36) Im Vergleich mit klassischen EC-Lsungen bieten MC-Lsungen zustz-
lich Angriffspunkte durch das mobile Endgert und auf der Luftschnitt-
stelle. Beim mobilen Endgert spielen im alltglichen Gebrauch vor al-
lem das hhere Verlust-/Diebstahlsrisiko und die Gefahr des Aussphens
von Daten eine Rolle. Die Datenbertragung auf der Luftschnittstelle bie-
tet im Vergleich zur drahtgebundenen bertragung erhebliche einfachere
Mglichkeit des Mithrens bzw. der Teilnahme am Datenverkehr (Bei-
spiel: Parking-Lot Attack).
(37) Hier sollte der Bluetooth-Sicherheitsmodus 2 (Sicherheit auf Dienstebe-
ne) verwendet werden. Die bermittlung von Produktinformationen ist
nicht sicherheitsrelevant. Um diesen Dienst bestehenden Kunden und
Neukunden ohne Konfigurationsaufwand zur Verfgung zu stellen, sollte
er ohne Authentifizierung und Autorisierung zur Verfgung stehen.
Fr den Zugriff der bestehenden Kunden auf ihre Kundenkartendaten (die
ja offensichtlich z.B. eine vollstndige Liste bisheriger Einkufe umfas-
sen, aus der typischerweise personalisierte Rabatte berechnet werden)
sollte dagegen eine Authentisierung vorausgesetzt werden.
(38) Die Angabe der Schlsselstrke von 128 Bit enthlt einen 24 Bit langen
Initialisierungsvektor. Der statische Schlssel selbst hat damit nur eine
Lnge von 104 Bit.
(39) Eine Schlsselstrke von 40 Bit entspricht 5 Zeichen. Bei einer derart
kurzen Schlssellnge ist Raten mglich. Von besonderem Interesse sind
hier Begriffe aus dem Alltag dessen, der den Schlssel vergeben hat.
Deshalb sind die Buchstabenkombinationen Kevin, Bello und Pe-
tra fr einen ersten Versuch durchaus aussichtsreich.
Diese Aufgabe soll dem Leser zwei Dinge verdeutlichen: erstens die
fragwrdige Sicherheit eines nur 40 Bit langen statischen WEP-
Schlssels und zweitens die Wichtigkeit, in solchen Fllen zumindest ei-
nen nicht leicht erratbaren Schlssel zu whlen. ^5# ist hier sicher
eine bessere Wahl als Kevin.
(40) Tatschlich bieten Virtual Private Networks (VPN) mittels IPSec eine
hohe Sicherheit. Jedoch ist es fraglich, ob ein derart hohes Sicherheits-
niveau fr diese Anwendung berhaupt angemessen ist. In keinem Fall ist
es jedoch wirtschaftlich sinnvoll, alle Mitarbeiter der Zeitarbeitsfirma mit
PDA auszustatten. Neben den Anschaffungskosten mssten die Mitarbei-
ter in der Bedienung geschult werden, wobei Zeitarbeitsfirmen hufig
durch eine hohe Fluktuationsrate gekennzeichnet sind.
Eine sinnvolle Alternative wre statt dessen eine per WTLS geschtzte
WAP-Anwendung, zu deren Nutzung WAP-fhige Mobiltelefone ausrei-
210 Antworten zu den Kontrollfragen
chen, ber die ein Teil der Nutzer vermutlich ohnehin bereits verfgt und
die leicht zu bedienen ist.
(41) Zur Bereitstellung des Informationsangebots ber ein Portal mssen die
Wertschpfungsstufen Inhalteanbieter, Inhalteaggregatoren und Portalan-
bieter besetzt werden. Fr den MNO ist es sinnvoll, selbst als Portalan-
bieter aufzutreten, daher wird er diese Aktivitt selbst ausfhren. Fr die
Wertschpfungsstufen Inhalteanbieter und Inhalteaggregatoren bietet es
sich an, Leistungen extern zu beziehen, da diese Aktivitten nicht zur
Kernkompetenz des MNO zhlen.
Sollen entgeltliche Leistungen angeboten werden, so wird auerdem ein
Paymentdienstleister bentigt. Hier sollte der MNO unter der Nutzung
der bestehenden Kunden- und Abrechnungsbeziehungen ebenfalls selbst
agieren.
(42) Als Endgertelieferant hat das Unternehmen vorhandene Ressourcen (vor
allem Know-how) in systemnahen Bereichen. Synergieeffekte bei der
Besetzung weiterer Wertschpfungsstufen sind somit in erster Linie in
den Bereichen Infrastrukturlieferanten und Plattformentwickler zu erzie-
len, mglicherweise auch noch auf der Stufe Anwendungsentwickler.
(43) Die zunchst vorgesehene Finanzierung mittels Werbe-SMS ist als ein
transaktionsunabhngiger indirekter Erls zu bewerten, ebenso der Ver-
kauf der Profildaten (im ersten Fall vom Werbe-Auftraggeber, im zweiten
vom Datenkufer). Erlse durch neue Kunden des Brsenbriefes, die
durch das MC-Angebot gewonnen wurden, sind als weitere indirekte Er-
lse im Nicht MC-Geschft einzuordnen.
(44) Bei diesem Dienst handelt es sich bei der angebotenen Leistung um ein
digitales Gut, nmlich bereitgestellte Informationen zu ortsnahen Veran-
staltungen. Die grundlegenden Geschftsmodelltypen sind hier Inhalt
bezglich der Veranstaltungshinweise und Kontext bezglich der Ver-
wendung der Ortsinformation.
(45) Durch die Einsparung ist ein Mehrwert mit Effizienzwirkung (Stichwort:
Wirtschaftlichkeit) entstanden. Falls durch die laufende Planung nun ter-
mingebundene Auftrge angenommen werden knnen, die vorher abge-
lehnt werden mussten, wre auerdem ein Mehrwert mit Effektivitts-
wirkung (Stichwort: Wirksamkeit) entstanden.
(46) Die Allgegenwrtigkeit fhrt zur ortsunabhngigen und jederzeitigen
Verfgbarkeit des Angebotes. Die Kontextsensitivitt wird fr Stadt- und
Wetterinformation (durch Ortsbestimmung) und News (durch Personali-
sierung oder Interaktivitt) verwendet. Zur Bezahlung werden Identifizie-
rungsfunktionen (ber die MSISDN) genutzt. Telemetriefunktionen fin-
den keine Anwendung.
(47) Die Produktion oder Aggregation von Inhalten ist einerseits sehr aufwn-
dig und andererseits nicht das Kerngeschft des MNO. Zudem ist durch
die Gewinnung hochwertiger Content-Markenanbieter (idealerweise mit
Antworten zu den Kontrollfragen 211
bestehender Kundenbeziehung) eine deutliche Ausweitung der Nutzer-
zahlen zu erwarten, verbunden mit einer erhhten Zahlungsbereitschaft.
Zudem steht der MNO in Konkurrenz zu anderen MNO, die ihren Kun-
den mglicherweise bereits qualitativ hochwertige Inhalte zugnglich
machen. Schlielich knnten Dienstanbieter mit einer hohen Marktmacht
versuchen, den Netzbetreiber zu umgehen und alternative Abrechnungs-
arten zu nutzen oder einzufhren.
(48) Bei stndiger Nutzung kann ein Abonnementverkauf sinnvoll sein, bei
gelegentlicher Nutzung ist eher Einzelabrechnung und Revenue Sharing
mit dem Netzbetreiber aussichtsreich. Weiterhin knnte berlegt werden,
den Abonnementen der Print-Ausgabe die Nutzung fr einen geringen
Aufpreis zu ermglichen.
(49) Raten Sie Ihrem Chef dringend ab. Abgesehen von der Frage, ob das
selbstndige Anbieten eines ortsbasierten Dienstes zur Kernkompetenz
Ihrer Firma gehrt, oder ob Sie nicht eher einem geeigneten Dienstanbie-
ter Ihre Daten zuliefern sollten: Falls Sie sich dennoch entschlieen, den
Dienst anzubieten, bentigen Sie ohnehin die Positionsdaten des Nutzers
hier fhrt der Weg nicht an den Netzbetreibern vorbei, also bte sich
auch eine Abrechnung ber diesen an. Eine Monatsrechnung, die vermut-
lich Prozesskosten zwischen 3 und 5 EUR verursacht, macht wenig Sinn
fr einen Dienst, der pro Einzelnutzung 2 EUR kostet und von vielen
Nutzern eher gelegentlich verwendet wird. Schlielich sei angemerkt,
dass es diese Leistung am Markt fr den Kunden bereits deutlich gnsti-
ger gibt, und zwar meistens ber den Netzbetreiber selbst.
(50) Das grte Akzeptanzproblem ist mangelnde subjektive Sicherheit. Zur
Abhilfe sind vor allem Marketingmanahmen gut geeignet, etwa Aufbau
und Nutzung von Marken oder die Gewinnung entsprechender Partner.
(51) Die Idee ist mehr als fragwrdig. Das Problem bei dieser Frage ist der
geringe Marktanteil der einzelnen Banken im Privatkundengeschft. Ein
Hndler, der Ihr Bezahlverfahren akzeptiert, adressiert damit typischer-
weise nur einen sehr geringen Teil seiner Kundschaft. Ein Ansatz ber
Zusammenschlsse von Banken bzw. ber Kreditkartenorganisationen ist
hier erheblich viel versprechender (hnliche berlegungen wie fr dieses
Bezahlverfahren knnten zum Sinn eines Ersatzes der EC-Karte und der
angebotenen Kreditkarten durch vollstndig bankeigene Produkte ange-
stellt werden). Hinzu kommt, dass die mit Abstand grte Akzeptanz fr
mobiles Bezahlen derzeit im Szenario MC vorhanden ist, was eine Be-
schrnkung auf EC und stationren Handel nicht sinnvoll erscheinen
lsst. Im Szenario MC wiederum werden die MNO zweifellos marktbe-
herrschend als MPSP bleiben.
(52) Bezieht man alle Aktivitten der Automobilhersteller im Telematikbe-
reich ein, so treten sie einerseits als Plattformentwickler, Anwendungs-
entwickler und Endgertelieferanten, andererseits als Inhalteanbieter, In-
halteaggregatoren und Portalanbieter auf.
212 Antworten zu den Kontrollfragen
(53) Das Beispiel ist durchaus realistisch. Der Auendienstmitarbeiter msste
mit einer Mobile ERP Lsung ausgestattet sein, die ihm zumindest bei
einfachen Auftrgen die vollstndige Prfung und Kalkulation sowie ei-
nen Einblick in die Produktionsplanung und Auftragseingabe mit (auto-
matisierter) Reservierung von Ressourcen ermglicht.
(54) Drei typische Vorteile sind stets verfgbare aktuelle Daten, die Mglich-
keit zur redundanzfreien vollstndig zentralisierten Datenhaltung und die
Ausdehnung Funktionsintegration auf mobile Arbeitspltze.

Sachverzeichnis
1:1 Gert-Nutzerzuordnung 3, 58,
161
1G-Netze 10
2.5G-Netze 12, 35
2G-Netze 10
3G Americas 36
3G-Migrationskonzept 48
3G-Netze 12
3GPP 12, 22
3-GPP2 12
4G-Netze 12
802.11 Standard 50
802.15.3 Standard 55
8-Phase Shift Keying, 8-PSK 41
A3, A5, A8 <kryptografische
Funktionen> 124
Abdeckung 18
Abonnement 170
Abonnementgebhren 143
Abrechnen 65, 165
Abrechnung 170
Abrechnungsbeziehung 136
Abrechnungsinformation 26, 27
Abrechnungsmodelle 165
Abwanderungsrate 137
Access Control Lists, ACL 122
Ad-hoc Vernetzung 51, 54, 60, 123
ADM 42
Adressbuch 66
Advanced Mobile Phone Service,
AMPS 10
Affinity-Dienste 166, 183, 186
Affinity-Package 186
Akzeptanz 152
Alarmierung 89
Alleinstellungsmerkmal 156
Allgegenwrtigkeit 58, 59, 145,
160, 165, 194
allgemeine Informationsdienste 183
ALW 42
Always-On Szenario 35, 40
Anbahnungsphase 148
Anbieter 154
A-Netz 10
Angebotsmodelle 168
Angriffspunkte 116
Antennenanlage 24
Anwendungen 180
Anwendungsentwickler 134
Anwendungsentwicklung 83
Apple Newton 67
Application Developer 134
Arbeitszufriedenheit 152
Area Network, PAN 53
Assisted GPS, A-GPS 77
sthetisch-Emotionaler Mehrwert
152
asymmetrische Verschlsselung
111
Attribut-Zertifikat 112
Aufbau von Marken 103
Aufbereitung von Inhalten 135
Aufgabenverwaltung 66
Auktion 141
Ausgleich von Kapazittsproblemen
28
Auskundschaften 113
Auslieferungsfahrer 192
Ausnutzen von Schwachstellen 113
Auendienst 192
Aussphen von Daten 113
Auszeichnungssprache 66, 92, 93,
95, 96, 98
214 Sachverzeichnis
Authentication Center, AUC 27, 31
Authentication Token, AUTN 125
Authentifizierung 107, 120
Bluetooth 120
GSM 124
UMTS 125
WLAN 122
Authentifizierungstoken 125
Authentifizierungsvektor 125
Authentifizierungszentrale 27
Authentisierung 102, 105, 107
Autobahngebhr 182
Automaten 187
Automatenszenario 174
Automatic Train Control, ATC 11
Automobilindustrie 189
Automobilspediteur 192
Autorisierung 102, 105
WLAN 122
AvantGo 135
Average Revenue per User, ARPU
137
Background Assistance 59
Badge 76
Bandbreite 85
Bank 136
Banklizenz 168
Barriere 106
Base Station Controller, BSC 24,
29, 30
Base Station Subsystem, BSS 22,
24
Base Transceiver Station, BTS 24,
29, 30
Basisstationssteuerung 24
Basisstationssystem 24
Bauleiter 192
Baum der MC-
Geschftsmodellbausteine 146
Baustellenfertigung 192
Behrdenfunk 12
Belauschen 117
Benutzerdienste 26
Beobachten 117
Beschaffungsfunktionen 196
Bestreiten 109
Besucherregister 27
beteiligter Dritter 154
Betragsreservierung 26
Betriebsdatenbermittlung 187
Betriebssysteme 134
Betrug 101
Bewegungsprofil 75, 104, 122
Bewerber 154
Bezahlsystem 166
Bezahlszenarien 166
Bezahlverfahren 65, 166
bidirektionale Kommunikation 16
Billing Gateway 27
Billing-Infrastruktur 137
biometrische Merkmale 108
Biosignale 149
Bitfehlerhufigkeit 19, 29
Bit-Interleaving 24
Blind Date 143
Bluetooth 8, 54, 60, 66
Sicherheit 120
Bluetooth Special Interest Group
(BSIG) 54
B-Netz 10
Bordcomputer 190
Border-GGSN 38
Broker 148
Buffer Overflow 117
Bndelfunk 12
Broautomation 154
Brokommunikation 66
Burst 18, 24
Burst Period, BP 18
Business Intelligence 196
Business Process Outsourcing 153
Business Process Reengineering,
BPR 194
Business-to-Business, B2B 2, 179,
191, 200
Business-to-Consumer, B2C 2, 179
Call Details Record, CDR 26, 38,
89, 90
Carte Bleue 118
CDMA IS-95 11, 45
CDMA-2000 12
CDMAone 11
Sachverzeichnis 215
Cell Broadcast 89
Cell Global Identity, CGI 78
Cell of Origin, COO 78
Cell-ID 78
Central EIR 28
Certificate Authority, CA 112
CFNRy 22
CFU 22
Challenge-Response Verfahren 124
Churn Rate 137
Ciphering Key, CK 125
Circuit Switched Data, CSD 34
Circuit Switched Domain, CS
Domain 37
clientseitige Programmierung 88
CLIP 22
Clustergre 14
C-Netz 10
Code Division Multiple Access,
CDMA 19
Code Division Multiplex, CDM 19
Codemultiplex 19
Coding Schemes, CS 39
Combination Key 121
Command and Control Functions
161
Compact HTML, cHTML 66, 95
Computing without Computers 59
Content 145
Content Aggregator 135
Content Provider 135, 168
Content-Markenanbieter 169
Context-Sensitivity 160
Convenience 119
Conventional Settlement <MP-
Standardtyp> 167
Core Network, CN 8
CueCat 61
Customer Relationship
Management, CRM 195
CW 22
Cyclic Redundancy Check, CRC
123
D-AMPS 11
Darstellungsmglichkeiten 84
Datenpakete 34
Datenschutz 75, 104, 108
Datenbertragung
paketorientiert 33, 86
verbindungsorientiert 33, 85
Denial-of-Service Attack, DoS 105,
110, 114
Design to Mobile 83, 95, 97
Device-to-Device, D2D 2, 161, 188
Dienst <Geschftsmodelltyp> 147,
181, 183, 186
Dienste 180
Dienstleistung 145
Dienstqualitt 34
digitale Leistung 147
digitale Mnzen 167
digitale Signatur 108, 109, 110,
113, 118
Digitale Transformation 194, 200
digitaler Behrdenfunk 12
digitaler Produktanteil 146
digitales Gut 109
digitales Papier 59
direkte Erlse 143
Disappearing Computer 59
Disintermediation 131
Display 60
Distributed Denial-of-Service
Attack, DDoS 115
Diversifizierung 131
Docking-Station 66
Double Spending 167
Downlink 16
drahtloses Zugangsnetz 8
Dualband-Netz 18
Dual-Card <MP-Standardtyp> 167
Dual-Chip Verfahren 118, 167
Dual-Slot Verfahren 118, 167
Duplexverfahren 16, 18, 44
Durchdringungsrate 5
E
0
, E
1
, E
21
, E
22
, E
3

<kryptografische Funktionen>
121
E-911 mandate 75
Effektivittswirkung 152
Effizienzwirkung 152
Eingabemglichkeiten 85
216 Sachverzeichnis
eingebettete Systeme 59
Einkufer 192
Einrichtungsgebhren 143
Einsatzkrfte 192
Einschrnkungen 83, 84
Eisenbahngesellschaften 11
Electronic Added Values, EAV
152, 156
Electronic Banking 154, 160
Electronic Business 1
Electronic Commerce, EC 1, 165,
174
elektromagnetische Wellen 8
elektronische Geldbrse 167
elektronische
Kommunikationstechniken 7
Elektronische Mehrwerte 152, 156,
157
elektronische Mnzen 175
elektronische Unterschrift 113
elektronisches Stabilittsprogramm,
ESP 59
elektronisches Zentralbankgeld 167
Embedded Systems 59
Encryption Key 121
Ende-zu-Ende Sicherheit 127
Endgerte-Datenbank 27
Endgerteklassen 40
Endgertelieferanten 131, 138
Enhanced CSD, ECSD 41
Enhanced Data Rates for Global
Evolution, EDGE
Codierungsverfahren 41
Datenbertragungsrate 41
Entwicklung 12, 36
Mobilvermittlungsnetz 41
Netzstruktur 41
Enhanced GPRS, EGPRS 41
Enhanced Observed Time
Difference, E-OTD 78
Enterprise Resource Planning, ERP
195
Entscheidungstrger 192
Entwicklungsstufen des MC 3
Equipment Identity Register, EIR
27
Erlsart 143
Erlsmatrix 143
Erlsmodell 142
Erlsquelle 142, 143
Erreichbarkeit 160
Ersatzteilkatalog 198
erwartete Antwort 125
European Telecommunications
Standards Institute, ETSI 7, 12,
21, 36, 52
EVA-Prinzip 85
Event-Based Billing 143, 186
Expected Response, XRES 125
Extensible Authentication Protocol,
EAP 123
F1, F2, F3, F4, F5, F8, F9
<kryptografische Funktionen>
125
Fachverkufer 192
Fahrkarte 182
Fahrzeugtelematik 189
False Base Station Attack 124
Fast Frequency Hopping 121
Fast Infrared, FIR 55
Federal Communications
Commission, FCC 75
Ferndiagnose 187
Fernsteuerung 161
Fernwartung 187, 189
Festpreis 172
Feuerwehr 89, 192
Finanzdienstleister 153
Fingerabdruck 108
Flexibler Mehrwert 152
Flugticket 182
Forward Error Correction, FEC 28
Frequency Division Duplex, FDD
17
Frequency Division Multiplex, FDM
16
Frequency Hopping 121
Frequenzbnder 16, 46
Frequenzmultiplex 16
Frequenzpaar 17
Frequenzspektrum 13
Friend Finder 143
Sachverzeichnis 217
Full Rate 28
Funknetz 9
funktechnische Versorgung 25, 43
Funkzellen 14
GALILEO 77
Gateway GPRS Support Node,
GGSN 38
Gateway-MSC, GMSC 26
Gaussian Minimum Shift Keying,
GMSK 41
Gebhr 142
geheimer Schlssel 111
Geheimfrage 108
General Packet Radio Service,
GPRS
Bezug zu GSM 9, 36
Codierungsverfahren 39
Datenbertragungsrate 38
Endgerteklassen 40
Entwicklung 12, 36
Mobilvermittlungsnetz 37
Multislotklassen 40
Netzstruktur 37
Sicherheit 125
berleitknoten 38
Vermittlungsknoten 37
Gertdiebstahl 23, 28
gertebergreifende
Anwendungsentwicklung 65
Geschftsidee 141
Geschftsmodell 142, 145
Geschftsmodelltypen 146
Geschftsprozess 153
Gesichtszge 108
Gleichartigkeit des Zugangs <EAV>
158
Global Positioning System, GPS
63, 76, 149
Global System for Mobile
Communications, GSM
Ausprgungen 10
Authentifizierung 25
Benutzerdienste 22
Datendienste 34
Entwicklung 21
Frequenzspektrum 17
GSM-Rail, GSM-R 11
Netzstruktur 22
Relevanz 9
Sicherheit 124
bertragungsraten 28, 34
Zeitschlitze 18
Zellarten 15
Zellcluster 14
Zuweisung von Funkkanlen 25
GLONASS 77
GPS-Empfnger 77
graue Liste 27
Grubenwehr 89
GSM Association 28
Half Rate 28
Handel 181, 183
Handel mit Nutzerdaten 144
Handheld Device Markup
Language, HDML 92
Handheld Device Transport
Protocol, HDTP 92
Handlung 145
Handover 25, 26, 29, 32, 43
Inter-MSC 29
Intra-BSC 29
Intra-BTS 29
Intra-MSC 29
Handy-Logo 182
Hash-Codierung 109
Hash-Wert 112
Haupt-Zielgert 84
Heimatregister 26
Herz-Handy 77
Heterogenitten 83, 84, 93
High Speed Circuit Switched Data,
HSCSD 35
HIPERLAN 52
Hochstapelei 113
HOLD 22
Home Location Register, HLR 26
HomeRF 52
HomeRF Working Group 52
Hot Spot 15, 51
Hotelkatalog 148
Hypekurve 4
218 Sachverzeichnis
Hypertext Markup Language,
HTML 95
Identifizierungsfunktionen 144,
160, 182
Identifying Functions 160
Identittsnachweis 107
IEEE 802.11 Standard 50
IEEE 802.15.3 Standard 55
iHTML 66
i-mode 66, 168, 169, 172
IMSI-Catcher 124
Indicator Control Messages, ICM
117
indirekte Erlse 143
Indoor <UMTS-Bereich> 47
Information 145
Informational Added Values, IAV
152
Informationelle Mehrwerte 101,
152, 180
Informationsdienste 183
Infrared Data Association, IrDA 55
Infrarotlicht 55
Infrarotbertragung 8
Sicherheit 120
Infrastrukturlieferant 134
Infrastrukturlieferanten 131
Inhalt <Geschftsmodelltyp> 148,
181, 183, 186
Inhalte 145
Inhalteaggregator 135
Inhalteanbieter 131, 135
Initialisierungsvektor, IV 123
Initialization Key 121
innerbetrieblicher Einsatz 179
Innovativer Mehrwert 152
intangible Leistung 145
Integrated Services Digital Network,
ISDN 10
Integration 153
Integration <Geschftsmodelltyp>
147, 148, 181, 183, 184
Integritt 102, 105, 107
UMTS 125
Integrittsschlssel 125
Integrity Check Value, ICV 123
Integrity Key, IK 125
Interactive Voice Response, IVR
63, 84, 88
Interaktion zwischen Nachfragern
147
Interaktivitt 160
Intermediation 148
International Mobile Equipment
Identity, IMEI 23, 27, 160
International Mobile Subscriber
Identity, IMSI 23, 26, 31, 42,
124, 160
International Mobile
Telecommunications 2000, IMT-
2000 12
International Telecommunication
Union, ITU 5
Internet Enabled Phone 64
Internet Service Provider, ISP 137
Internet-Anwendungsentwicklung
83
Interworking Functions, IWF 26
Intrazellenbergabe 29
IPSec 128
IrDA DATA 55, 66
Sicherheit 120
Iti Achat 118
IT-Sicherheitskonzept 119, 127,
128
Japan Total Access
Communications System, JTACS
10
Java 60, 62, 65, 88, 96
Java 2 Platform Micro Edition,
J2ME 65
Jini 60
Job Dispatch 196
Kanal 17
Kanalbndelung 35
Kapazittserweiterung 28
Kapazittsplanung 187
Kapazittssteigerung 18
Kaufhausszenario 174
Kfz-Navigationssysteme 76
K
i
, K
c
<Schlssel> 124
Sachverzeichnis 219
klassische Dienstleistung
<Geschftsmodelltyp> 147, 181
klassisches Gut
<Geschftsmodelltyp> 146, 181
Klingelton 182
Kommunikationsmodul 60
Kontext <Geschftsmodelltyp>
149, 181, 183, 184, 186
Kontextsensitivitt 61, 81, 144,
145, 149, 160, 182, 183
Kraftfahrzeugversicherung 198
Kryptografie 102, 107, 110, 121,
124, 125
Kundenbeziehung 103
Kundenbindung 179
kundenindividuelles
Leistungsbndel 148
Kundenkarten 104
Kundenprofile 144
Kundensegment 142
Kundenzufriedenheit 153
Kurznachricht 22, 47, 62, 78, 88, 90
Kurznachrichtenzentrale 89
Lagerarbeiter 192
Laptop-PC 58
LBS-Standardtypen 80
Leihwagenfirma 192
Leistung 145
Leistungsbndel 148
Leistungserstellung 132, 141, 152
Leistungskomposition 147
leitungsvermittelte Domne 37
Leitungsvermittlung 34
Link Key 121
Local Area Network, LAN 7, 50
Location Area Identity, LAI 26, 78
Location Area, LA 26, 38, 43, 78
Location Based Services, LBS 75,
149, 160, 183
Location Update 25, 43
Location-L 80, 82
Logo 182
Lookup 60, 121
Low Range Outdoor <UMTS-
Bereich> 47
Loyalitt 103
Luftschnittstelle 9, 20, 24, 25, 36,
37, 38, 43, 92, 113, 116, 120
Lynx 95
MAC-Adresse 122
magisches Dreieck 194
Mailbombe 115
Makrodiversitt 43
Makrokonomischer Mehrwert 152
Makrozelle 15, 47
Man-in-the-Middle Attack 114, 124
Manipulation 113
Manipulieren von Daten 113
manuelle Ortseingabe 76
Marketing 103, 104
Marktanteil 154, 179
Mass Customization 153
Master Key 121
Matching 148
Materialerhaltung 187
Mautsystem 182, 191
Media Access Control, MAC 122
Media-Gateway, MGW 48
Medizin 189
Mehrfachnutzung einer Frequenz
13
Mehrwert 83, 151, 171
Mehrwert mit Effektivittswirkung
152, 154
Mehrwert mit Effizienzwirkung
152, 154
Mehrwertdienste 165
Message Digest 112
Microbrowser 66, 92, 134
Microsoft .NET Compact
Framework 88, 96
Middleware 134
Mietwagen 182
Mikrozelle 15, 47
Mobile Added Values, MAV 152,
156
mobile Anwendungen 83
mobile Arbeitspltze 191
Mobile Banking 97, 118, 147, 152,
154, 160
Mobile Billing 166
220 Sachverzeichnis
Mobile Brokerage 90, 147, 152,
182
Mobile Business 1
Mobile Business Intelligence 196
Mobile Commerce, MC 1
Mobile CRM 196
Mobile Device Supplier 138
mobile elektronische
Kommunikationstechniken 2, 7
Mobile Equipment, ME 23, 42
Mobile ERP 128, 195
Mobile Field Services 197
mobile Geschftsprozesse 179, 191,
200
Mobile Infrastructure Supplier 134
mobile Mehrwertdienste 165
Mobile Mehrwertdienste 165, 183
Mobile Mehrwerte 152, 156, 159,
195
Mobile Money <MP-Standardtyp>
167
Mobile Network Operator, MNO
44, 103, 136, 165
Mobile Office 197
Mobile Originated Call, MOC 30
Mobile Payment Service Provider,
MPSP 136, 167
Mobile Payment, MP 118, 147
Abrechnungsmglichkeiten 175
Akzeptanz 174
Begriff 165, 166, 173
Beispielanwendung 65
Betragshhe 175
Bezahlszenarien 166
Bezahlverfahren 118
Dual-Card Verfahren 118
Sicherheit 175
Standardisierung 65, 176
Standardtypen 167
Mobile Portal Provider 135
Mobile Procurement 196, 197
Mobile Result Query, MRQ 98
Mobile SCM 196
Mobile Service Provider, MSP 137
mobile Signatur 118, 119, 161, 167
Mobile Station ISDN Number,
MSISDN 23, 26, 30
Mobile Station Roaming Number,
MSRN 26
Mobile Station, MS 22, 30
Mobile Switching Center, MSC 25,
29, 30
Mobile Terminated Call, MTC 30
Mobile Ticketing 162, 182
Mobile Transformation 200
Mobile Virtual Network Operator,
MVNO 137, 165
Mobiler Handel 181, 183, 186
mobiler Reisefhrer 144
mobiles Bezahlen Siehe Mobile
Payment
mobiles Endgert 2, 8, 23, 42, 58,
118, 132
Mobilfunk 7, 8, 10, 13, 21
Sicherheit 124
Mobilfunknetz 8, 21
Mobilfunkrufnummer 23
Mobilfunkstandards 10
Mobilstation 22, 42
Mobiltelefon 59, 62
Mobilvermittlungsnetz 8, 22
Mobilvermittlungsstelle 25
Multi Access Radio Network 48
Multichannel-Strategie 166
Multimedia Message Service
Center, MMSC 90
Multimedia Messaging Service,
MMS 90
Multimedialitt und Interaktion
<EAV> 158
Multislotklassen 40
Nachfrager 154
Nahverkehr 182
National Roaming 18
Navigationssatelliten 76
near-far-Effekt 45
Network and Switching Subsystem,
NSS 22, 25
Netzbetreiber 44, 136
Netzkapazitt
dynamische Aufteilung 34
Sachverzeichnis 221
statische Aufteilung 33
tatschliche Ausnutzung 34
Netzbergangsfunktionen 26
neuartige Produkte 152
NEV 42
Nichtabstreitbarkeit 102, 105, 109
nicht-digitale Leistung 145
No-Call Rate 137
Non-Discoverable Mode 122
nordamerikanischer Markt 11
Nordic Mobile Telephone, NMT 10
Normal Burst 18, 28
Notruf 187
NTT DoCoMo 66
Nutzerbedrfnisse 83
Nutzer-Datenbanken 26
Nutzerprofil 103
Nutzung von Marken 103
Nutzungskontext 84
nutzungsorientierte
Fahrzeugwartung 187
Nutzungsszenarien 84, 97
Nutzungsverhalten 160
objektive Sicherheit 102, 127
ffentlicher Nahverkehr 182
ffentlicher Schlssel 111
Offline-Synchronisation 66, 135
Online-Auktionen 148
Open Mobile Alliance, OMA 92
Operation and Maintenance Center,
OMC 27
Operation and Support Subsystem,
OSS 22, 27
Organisationsstruktur 152
Organisatorischer Mehrwert 152
Organizer 66
ortsbezogene Dienste 75
ortsunabhngige Bedienung 187
Ortung 75, 122, 160
Ortung vs. Positionierung 75
Ortungsinstanzen 75
Ortungsverfahren 76, 78
Outsourcing 153
Packet Control Unit, PCU 38
Packet Switched Domain, PS
Domain 37
Packet-TMSI, P-TMSI 38
Paging 31, 43, 78
Paid-Permission Modell 104
Pairing 121
Paketverfolgungsdienst 153
paketvermittelte Domne 37
Paketvermittlung 34, 35
Palm OS 67
Pannenassistenz 189
Parking-Lot Attack 122
Passwort 108
Paybox 63, 174, 175
Paycircle 65, 176
Payment Procedure 166
Payment System 166
Paymentdienstleister 136
Paysafecard 166
Peer-to-Peer Vernetzung 51
Personal Area Network, PAN 8, 66
Personal Digital Assistant, PDA 59,
62, 66
Personal Digital Cellular, PDC 11
Personal Trusted Device 3
Personalisierung 160
Personalvermittlung 154
persnliche Identifikationsnummer,
PIN 23, 42, 108, 113, 114, 117,
121
Persnlicher Informationsmanager,
PIM 66
Pervasive Computing 59
Phage <Virus> 117
Phase Shift Keying, PSK 41
Phone Bill <MP-Standardtyp> 167
Piconet 54, 121
Picozelle 15, 47
PIN-Printing 86
Plattformentwickler 134
Pocket PC 68
Pocket PC Phone Edition 68
Point of Sale, POS 86
Point-to-Multipoint (PTM) Dienste
91
Point-to-Point (PTP) Dienste 91
Polizei 192
Portal 135, 184, 195
222 Sachverzeichnis
Portalanbieter 103, 135, 184
Positionierung 75
Positioning 75, 78
POS-Terminal 86
Postpaid 52
Postpaid-Kunden 136
Preissenkung 154
Premiumgebhr 170
Premium-SMS 63, 142, 170
Premiumtarif 171
Prepaid <MP-Standardtyp> 167
Prepaid-Kunden 136
primre Aktivitten 131, 132, 141
Private Key 111
private Wachdienste 192
Privatsphre 103, 121
Procurement 195
Produktidee 141
Produktivittsverlust 180
Produktkonfiguration 153
Protokollkonversion 117
Provision 142
Provisionen 144
Prozesskette 193
Prozessoren 60
Prfsumme 112
PTM-Group Call, PTM-G 91
PTM-Multicast, PTM-M 91
Public Key 111
Public Key Infrastructure, PKI 112,
118
Public Land Mobile Network,
PLMN 29
Public Switched Telephone
Network, PSTN 10
Pull-Dienst 87, 92, 189
Push-Dienst 87, 95, 189
Qualittssiegel 103
Radio Access Network, RAN 9
RADIUS-Server 123
RAND 121, 124, 125
Raummultiplex 14
RC4 <kryptografische Funktion>
123
Reaktionszeiten 187
Rechte 106
Reduktion technischer
Einschrnkungen <EAV> 159
Reduktion zeitlicher und gewisser
rumlicher Einschrnkungen
<EAV> 157
Regulierungsbehrde fr Post und
Telekommunikation, RegTP 44,
112
Request 87
Response 87
Ressourcen 106
Rettungsdienst 192
Revenue Sharing 171
Roaming 26, 29, 90
International Roaming 30
National Roaming 29
Routenplanung 147, 189
Routing Area, RA 38, 43
Rundstrahlantenne 15
Rural Outdoor <UMTS-Bereich>
47
Satellitenortung 76
Scanner 182
Scatternet 54
Schadensbearbeitung 198
Schadprogramm 114, 115
Schlssel 108, 110, 111
Schlsseltechnologien 60
Schneeball-Effekt 115
schwarze Liste 27
Secure Socket Layer, SSL 111, 117,
127
Sektorantenne 16
Sektorisierung 16
sekundre Aktivitten 131, 132
Sende-/Empfangsstation 24
Sendeleistung 23, 24
Sensoren 60, 76, 109, 149
Serial Infrared, SIR 55
serverseitige Programmierung 87,
96
Service Control Point 27
Service Order Gateway 27
Service Set Identifier, SSID 123
Servicetechniker 197
Sachverzeichnis 223
Serving GPRS Support Node, SGSN
37
Shared Wireless Access Protocol,
SWAP 52
Short Message Service Center,
SMSC 89
Short Message Service, SMS 62,
63, 84, 85, 88, 90, 91, 142, 144
Sicherheit 101, 102
Sicherheitsbewusstsein 119, 128
Sicherheitslcken 117
Sicherheitsmanagement 27
Sicherheitsziele 102, 105, 147
Signal to Noise Ratio, SNR 45, 48
Signalqualitt 29
Signaturgesetz 112, 113
Signaturschlssel-Zertifikat 112
SIM Application Toolkit, SIM AT
63, 91
SIM-Karte 23, 27, 91, 118, 137
SIM-Toolkit 91
Site 25
Sitzungsschlssel 124, 125
Skalierbarkeit 98
slot 18
Smart Card 109
Smart Messaging 92
Smart Objects 61
Smartphone 59, 62, 69
SMS Cell Broadcast, SMS CB 78,
89
SMS Voting 166
SMS-Banking 91
Social Engineering 113
Softwareagent 106
Space Division Multiplex, SDM 14
Spedition 192
spezialisierte Ortungssysteme 76
spezialisierter Intermedir 136
Sponsoring 170
spontane Vernetzung 54, 60, 122,
190
Spoofing 114
Sprachkodierer 28
Spreizcode 19, 43
Standardtypen mobiler
Bezahlverfahren 167
Standardtypen ortsbasierter Dienste
80
Standheizung 187
stationrer Hndler 166
Stellenbrse 154
Stillstandzeiten 187
Stimme 108
Strungsmanagement 27
Straenbenutzungsgebhren 191
Strategischer Mehrwert 152, 194
Streaming Audio 143
Strukturwandel 152
subjektive Sicherheit 102, 127
Subscriber Identity Module, SIM
23, 27, 31
Suburban Outdoor <UMTS-
Bereich> 47
Subventionierung von Endgerten
63, 64
Suchdienste 147
Supply Chain Management, SCM
195
Supportdienste 22
SWIM-Karte 118
symmetrische Verschlsselung 110
System Platform Developer 134
Systemplattformen 134
Tablet-PC 58, 62
Tagged Text Markup Language,
TTML 92
tangible Leistung 145
Tastaturanschlge 108
Tuschung 113
TDMA IS-136 11, 42
Techniker 192
Teilnehmerverwaltung 27
Telearbeitspltze 158
Teledienste 22
Telekommunikation 7, 8
Telematik 89, 189
Telemetrie 186
Telemetriefunktionen 161, 187
telemetrische Diagnose 189
224 Sachverzeichnis
Temporary Mobile Subscriber
Identity, TMSI 23, 27, 31, 124
Terminal Services Client 69
Terminkalender 66
Terrestrial Trunked Radio, TETRA
12
Time Difference of Arrival, TDOA
78
Time Division Duplex, TDD 18
Time Division Multiplex, TDM 18
Time of Arrival, TOA 78
Time-Based Billing 143, 186
Timo fonica <Wurm> 117
Token 106, 108, 182
Top-Up 86
Total Access Communications
System, TACS 10
Tracking 75, 78
Traffic Channel Full Rate,
TCH/F14.4 34
Transaktionsnummer, TAN 114
Transaktionspartner 2
Transcoder and Rate Adaptation
Unit, TRAU 28
Transport Layer Security, TLS 111,
117, 127
Triangulierung 76
Trojaner 114
Trojanisches Pferd 114, 117
Trust-Center 112
Ubiquitous Computing, UC 54, 58,
59, 187
Ubiquity 160
Ultra-Portabilitt 59
Umsatz 179
Umsatzausfall 180
Uniform Resource Identifier, URI
94
Uniform Resource Locator, URL 94
Unit Key 121
Universal Mobile
Telecommunications System,
UMTS
Bezug zu GSM 9, 36
Dienstgtekategorien 47
Entwicklung 12, 36
FDD-Frequenzbnder 44
Leistungsklassen 42
Media-Gateway, MGW 48
Netzkapazitt 45
Netzstruktur 42
Node B 42, 43
Radio Network Controller, RNC
42, 43
Radio Network Subsystem, RNS
42
Releases 48
Sendeleistung 43, 45
Sicherheit 125
Standard 22
TDD-Frequenzbnder 46
bertragungsraten 46
UMTS Subscriber Identity
Module, USIM 42
UMTS Terrestrial Radio Access
Network, UTRAN 42
UMTS-MSC, UMSC 48
User Equipment, UE 42
Versteigerungserlse 44
Zellarten 46
Zellatmung 45
Universal Plug and Play, UPnP 60
Unstructured Supplementary
Services Data, USSD 90
unterbrechungsfreie
Gesprchsbergabe 29
Unterhaltung 185
unternehmensbergreifende
Integration 153
Uplink 16
Use Cases 84, 97
User Data Header, UDH 89
USIM-Karte 42
Vapor <Trojaner> 117
Vehicle Tracking 189
Veranstaltungsort 182
Verbindungsaufbau 30
Verbreitungsgrad von
Mobiltelefonen 5, 160
Vereinbarungsphase 148
Verfgbarkeit 105, 109
Sachverzeichnis 225
Vermittlung <Geschftsmodelltyp>
147, 181, 183, 184, 186
Vermittlungsknoten 25
Verschlsselung 24, 27, 107, 110,
118
Bluetooth 121
WLAN 123
Vertragskunden 136
Vertrauen 102, 104
Vertraulichkeit 102, 105, 107, 120
Vertrieb 192
Verwaltungsgebhren 143
Very Fast Infrared, VFIR 55
Viren 117
Virtual Private Network, VPN 128
virtuelle quivalente 60
Virtuelle Netzbetreiber 137
virtuelles Unternehmen 153
Virus 114, 115
Visited Public Land Mobile
Network, VPLMN 29
Visitor Location Register, VLR 27
Vitaphone 162
Voice Broadcast Service, VBS 11
Voice Group Call Service, VGCS
11
Voice-Portal 63, 71
Vollmacht 106
Volumengebhr 171
vorwrts gerichtete Fehlerkorrektur
28
Wachdienste 192
Wallet 167
WAP User Agent 92
WAP-Forum 92
WAP-Gap 117
WAP-Gateway 92, 117, 134
WAP-Stack 94
Wartezeiten 85
Wartungsintervalle 187
Wartungsttigkeiten 147
Wearable Computing 59
Web-Engineering Techniken 96, 98
Wechsel der Zelle 29
weie Liste 27
Werbung 142, 144
Wertbeitrag 142
Wertschpfung 171
Wertschpfungsaktivitten 131
Wertschpfungsbereiche 131
Wertschpfungskette 132
Wettbewerbsposition (Europa vs.
USA) 5
Wettbewerbsstrategie 142
Wettbewerbsvorteil 152
Wetterinformation 148
WI2-Mobile Result Query, WI2-
MRQ 98
Wide Area Network, WAN 7
Wideband CDMA, W-CDMA 45
Windows CE 68
Windows mobile 68
Windows-powered Smartphone 68
Wired Equivalent Privacy, WEP
122
Wireless Application Environment,
WAE 92
Wireless Application Protocol,
WAP 35, 62, 64, 91
Wireless Datagram Protocol, WDP
94
Wireless Identity Module, WIM
118
Wireless LAN, WLAN 7, 50, 67
Abrechnung 51
Ad-hoc Modus 51
Infrastruktur-Modus 51
Konkurrenz zu UMTS 52
Mobilfunkanbieter 52
Roaming 51
Sicherheit 50, 122
Standards 50
bertragungsraten 50
Zugang 50
Wireless Markup Language, WML
93, 95
Karte (Card) 93
Kartenstapel (Deck) 93
Wireless PAN, WPAN 55
Wireless PKI 118
Wireless Session Protocol, WSP 94
226 Sachverzeichnis
Wireless Telephony Applications
(WTA) Framework 93
Wireless Transaction Protocol, WTP
94
Wireless Transport Layer Security,
WTLS 94, 111, 117, 128
Wirksamkeit 152
Wirtschaftlichkeit 152
WML User Agent 92
WMLScript 93, 96
Wohlbefinden 152
Wohnhausberwachung 187
Worldzelle 47
XRES, Expected Response 125
Zeitmultiplex 18
Zeitschlitz 18, 24, 39, 41
Zeitung 151
Zellcluster 14
Zellidentifikation 78
Zertifikat 103, 110, 112, 118
Zertifizierungsstelle 112
Zielerreichungsgrad 153
Zielgert 70, 84, 97
Zielgruppenanalyse 84, 97
Zugangslisten 122
Zugangsnetz 8, 9, 22, 25
Kosten 25
Zugriff 106
Zusatzdienste 22, 26
zwischenbetriebliche Integration
153
zwischenbetrieblicher Einsatz 179
Zwischenspeicher-berlauf 117

Erluterungen zum Sachverzeichnis:
Fett gedruckte Seitenzahlen geben jeweils eine Fundstelle an, an welcher der Le-
ser den betreffenden Begriff als Hauptthema im Text findet. Bei Begriffen, deren
Bedeutung nicht unmittelbar ersichtlich ist, wurde diese in <spitzen Klammern>
angefgt.

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