Derrida das Tier das also ich bin EINFHRUNG Ursprnglich ein Vortrag, den Derrida 1997 anlsslich
h des Colloques de Cerisy, einer fr die franzsische Philosophie wohl recht bedeutsamen regelmigen Zusammenkunft der wichtigsten franzsischen Philosophen, hielt. Vortragsreihe: Le fins de lhomme (Grenzen des Menschen) passage des frontires (berschreitung des der Grenzen) Folge: Mensch begibt sich zum Tier/dem Tier in ihm, dem unbestimmten Tier Auszug aus einer 10 Stndigen Rede Sprachspiele schon im Titel: etre / suivre Folgen, Spurenlesen, Fhrte aufnehmen, Verzweigung, Stream of conciousness, Rckblenden, Wortspiele Nackte Worte Die eine Dressur vermeiden Abwendung von Schulphilosophie? (S.17) So wie das Tier, sprachlos, seine Fhrten setzt und vernetzt, um damit einen Quasi-Text anzulegen, der als seine Biographie rekonstruiert werden knnte, so legt nun Jacques Derrida seine autobiographische Schrift an, welche seine Tierwerdung, dokumentieren soll. ( Warum eher Assoziation als Argument, eher Dichtung als Wissenschaft kommt noch!)
Nach Nietzsche: Mensch auf dem Weg zum versprechenden, um sich selbst verlegenen Tier/ Ergebung vor eben diesem (S.20)
GRENZ/AUSGANGSSITUATION Er sieht sich selbst, nackt von seiner Katze gesehen Hybride Scham (Scham sich zu schmen)
NACKTHEIT Nacktheit, Nacktheitsbewusstsein als Eigentmlichkeit des Menschen (als nie abgeschlossene Konfiguration), Bewusstsein von Gut und Bse (S.22) Das Tier ist also nicht nackt, weil es nackt ist Nacktheit als Affekt, den Menschen trifft. (Nackt sein, ohne in der Nacktheit zu existieren(sich dessen bewusst zu sein). Er wre nur Mensch, indem er zur Nackheit fhig wird, das heit schamhaft wird indem er sich schamhaft wei. Sich Ankleiden als Technik gegen die Schamhaftigkeit und als (Gegen-)Definition von (Nicht mehr-) Nacktheit Mensch ist dadurch in der Nacktheit, dass er ihr Gegenteil besetzten will (durch Scham, Bekleidung) Tier ist in der Nicht-Nacktheit weil es nackt ist Passivitt der Nacktheit (S.31) Schamhaftigkeit/Bewusstsein von Gut und Bse Gegenberstellung: Nackt vor der Katze: Scham wie ein Tier ohne Nacktheitsbewusstsein? Oder wie ein Mensch mit Scham? S.29 Ich wei nicht mehr, wer ich nun bin, oder wen ich jage, wer mir folgt und wer mich jagt Wer vor wem kommt und wer nach wem /wem hinterher. .
Im Blick : Ende/Grenze des Menschen, Anhumanes, berschreiten der Grenzen, ich bin/folge der Apokalypse (S.32) Logozentrismus Singularitt INDIVIDUUM S. 23 und nachfolgend, die reale Katze, nicht die Figur der Katze, nicht literarisch o.a. Rebellisch gegen Begriffe (S.28) Nichts wird in mir je die Gewissheit aufheben knnen, dass es sich hierbei um eine Existenz handelt, die jedem Begriff gegenber rebellisch ist. Und um eine tdliche Existenz, denn sobald sie einen Namen hat, berlebt ihr Name sie bereits. Auf den Menschen anwendbar?
DAS AUTOBIOGRAFISCHE TIER Selbst-Definition, Selbst-Wahrnehmung, Selbst-Situierung des Menschen Was ist das fr eine Autobiografie des Menschen, im Hinblick auf das Lebendige und Tierliche Leben?
BEZGE AUF ALICE Hinter den Spiegeln, Spiegelstadium Lacan Von der anderen Seite des Spiegels angezogen S.26 Wie antwortet ein Tier? Antwort vs. Reaktion? Vgl. bei Menschen? Zitat S.27
ANTWORT/REAKTION Nicht die Frage ist relevant, sondern die Frage nach der Antwort (S.26) Beim Menschen anders? Beispiele aus Alice S. 27
DIE ANWESENHEIT DES TIERS Modalitten in der Anwesenheit des Tiers: Nach/Hinterher-Sein, Bei-Sein, Nahe-Sein Setzen kein vorangehendes Sein voraus, das verndert wird, eher ein Werden? (S.30) Der franzsischen Etymologie dieser Modalitten folgend Rckschluss auf: Gedrngt sei MitSein als strikt angebunden, unter Druck
DER BLICKPUNKT DES ABSOLUT ANDEREN Levinas Grenzverschiebung oder Grenzverfestigung / Abtasten von Grenzen? (Stndige Tier/Mensch Vergleiche (Holocaust, Begriff MenschenTier beides S.50 aber andererseits Das absolut andere?) Der Absolut andere: Immer frher, immer vor mir da, nie erreichbar? Immer absolut anders, immer Nachbar, immer Grenze? (S. 31 Das verrckte Theater des ganz anderen das Sie Tier und zum Beispiel Katze nennen) Tierpassion? /Affekt?
Kritik Haraway: Was gibt mir dieser bodenlose Blick zu sehen? Was sagt er, der alles in allem die nackte Wahrheit jedes Blicks manifestiert? DANN GUCK DOCH HIN! - Einzige Deutungen des Verhaltens der Katze werden humanisiert
WISSENSCHAFT/POESIE Angeblich fehlende Wissenschaft zum Blick/Erblickt sein des Tiers/durch das Tier (S. 34) Alle Theoretiker und Alle Philosophen sehen nicht, dass das Tier sie ansieht/ sich an sie wendet Das Tier als Theorem, etwas gesehenes, nicht, etwas sehendes Symptom der Verleugnung als Selbstbezug einer Menschheit, die um ihr Eigenes [ihr Mensch sein] besorgt und auf es eiferschtig ist. (S.35 Haraways Kritik Fabelwesen werden nur kurz angerissen (Chimre S. 47)
Das Tier, was fr ein Wort! Das ist ein Wort, das Tier, das ist eine Benennung, die Menschen eingefhrt haben, ein Name, den dem anderen Lebenden zu geben, sie sich das Recht und die Autoritt gegeben haben. (S.47 WANDLUNGSPROZESS/MODERNE/INDUSTRIE Wir behalten unsere Definition von Tieren bei, als ob nichts wre, wir haben eine neues unerhrtes Verhltnis zum Tier, doch diese neuen Begriffe ndern nichts an unserem Verhalten Wir erleben die Vernderung noch nicht (Trotz der vielen Differenzierungen sprechen wir immer noch von Leben(Zitat S.48) Letzten beiden Jahrhunderte: durch Verbindung neuen Wissens und neuen Techniken der Intervention in die Gegenstnde dieses Wissens in neuen Dimensionen: Industrialisierung der Nahrungsmittelproduktion und auf allen anderen Ebenen im Dienste eines bestimmten menschlichen Seins und mutmalichen Wohlseins des Menschen (S.49) Beispiellose Unterwerfung des Tiers Vergleich Holocaust
PATHOS/MITLEID Organisierte Verleugnung der Tortur, es organisieren sich Tierrechtler (problematischer Begriff) : Verantwortung fr das Lebende im allgemeinen (S. 51) Angesichts dieser Tortur MSSTE eine fundamentale Vernderung der philosophischen Problematik des Tiers auftauchen. Zitat Bentham, zwei Jahrhunderte vor ihm: Can they suffer? Abgrenzung des anderen NICHT ber Vermgen/Knnen/In bestimmter Weise Sein in verschiedenen Ausfhrungen (S.52) Wie bei Aristoteles Descartes Heidegger Levinas und Lacan) Leiden: Passivitt. Nicht Vermgen zu knnen, sondern Unvermgen NICHT zu knnen Knnen Sie nicht knnen? S. 53 Wir teilen diese Mglichkeit der Unmglichkeit mit den Tieren: In der Sterblichkeit, in der Endlichkeit des Lebens, deshalb Mit-leiden, die Angst teilen. LEIDEN DER TIER IST DAS UNLEUGBARE (S.53) Unzweifelbar
In den letzten zwei Jahrhunderten: Nicht nur Krieg/Gewalt gegen die Tiere, sondern auch Krieg/Gewalt gegen unser Mitleid mit ihnen (S.54) Krieg gegen das Subjekt des Mitleids Dieser Krieg muss gedacht werden: Das Tier blickt/geht uns an
LIMITROPHIE Was nhrt die Grenzen? Was wird an der Grenze kultiviert? S. 55 Organische Grenze ist eine multiple und heterogene Grenze - > Nur eine Linie entlang des, die menschliche Identitt umgebenden Abgrunds berlegungen zum Wort Trophe: Ernhren/Leben machen: Grenzen definieren uns! Grenzen nicht auslschen, sondern ihre Figuren zu vervielfltigen, entlinearisieren, verdicken, zu krmmen (S. 55)
KRITIK HARAWAY He did not consider HOW the cat looks back (S.20) Distracted by canon of western philosophy and literature and his own worries Zitat: he did not become curious about what the cat might actually be doing, feeling, thinking. Derrida missed a possible invitation He did not consider any behavioral scientists etc. Not all have refused the risk of an intersecting gaze UNTERSTELLUNG! Not ony pity is important what about joy? Can they work? Can they play? He did not understand more from/ with/ about the cat, only about the root scandal in Autre-mondialisation -> Building of New worlds The naked mans shame became a figure for the shame of philosophy before all animals (S. 23) But of NO concequence for the cat! Derrida kritisiert einen Anthropzentrismus, den er selbst wieder praktiziert:
Was er zum Tier und fr das Tier auch fr das autobiographische Tier, das er selber ist zu sagen hat, ergibt denn auch keine Tierphilosophie, ist schulphilosophisch gesehen eigentlich ein Skandal, bestenfalls ein Schwachsinn; es ist vielmehr eine spontane, ganz persnliche, deshalb auch unverwechselbare Art zu philosophieren und philosophisch zu handeln, und dies ohne jeden Anspruch, der Philosophie als Disziplin oder System gengen zu wollen. Vielleicht darf sollte man in Derrida einen Denker erkennen, der philosophierend die Philosophie austrickst, sie de(kon)struiert. Ich philosophiere kann bedeuten: Als Mensch bin ich eine Zikade, ich rufe mir in Erinnerung, was ich bin, eine Zikade, die sich daran erinnert, ein Mensch gewesen zu sein: Mich selbst mir selbst wieder in Erinnerung zu bringen, heit, mich zum Gesang und zur Musik zurckzurufen Mich lesend, mich zitierend, meine Spuren entziffernd. Mit diesem und hnlichen Gestndnissen verabschiedet sich Derrida faktisch von der universitren Philosophie; er verabschiedet sich und er verabschiedet sie. Und so, wie er sein Philosophieren von deren Philosophie freimacht, so, wie er Menschsein und Tierwerden vershnt, so ffnet er auch
sein philosophisches Reden zur Belletristik hin, zur Erzhlung, zur Dichtung, und er findet dadurch zu einer Essayistik von ganz eigener Art, zu einer Schreibweise, die unentwegt fluktuiert zwischen Erhabenheit und Trivialitt, zwischen Behauptung, Mutmaung und Zitat, zwischen khner Metaphorik und artistischem Wortspiel, einer Schreibweise auch, die nicht davor zurckschreckt, sogar darauf angelegt ist, die bliche, also erwartete Ordnung des Diskurses zu unterlaufen dadurch, dass sie ganz selbstverstndlich auch den Widerspruch, die Wiederholung, die Paraphrase, das Paradoxon und selbst den blanken Nonsense zum Zug kommen lsst.
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