Syntax
Syntax
In der Kommunikation werden Wörter zu Sätzen zusammengefügt. Dies kann nicht in be
liebiger Reihenfolge geschehen, sondern es müssen dabei gewisse Ordnungen und
Gesetzmäßigkeiten beachtet werden. Diese Gesetzmäßigkeiten untersucht die Syntax
(griechisch syntaxis = »Zusammenstellung, Zusammenordnung« oder Satzlehre.
Syntax ist die Lehre von den Systembeziehungen zwischen Wörtern und
Phrasen.
b) Satzgliedern, z.B.
Objektbeziehungen: einen Roman lesen
lesen
einen Roman
• Nebenordnung (Koordination, parataktische Verbindung):
Bei Nebenordnung werden Wörter, Wortgruppen und Sätze gleichen syntaktischen
Wertes nebeneinander gestellt. Es handelt sich insbesondere um:
Satzreihe:
Der Zug auf Bahnsteig 4 fährt nach Passau, der Zug auf Bahnsteig 3 fährt nach Veszprém.
Nebensatzreihe:
Weil er uns kein Wort gesagt hat und weil er so frech war, helfen wir ihm nicht.
Wortgruppenreihe:
Ich bat ihn, nach Wien zu fahren und uns Theaterkarten zu besorgen.
Wortreihe:
Wir kaufen Brot, Butter, Zucker und Wein.
Die koordinierenden sprachlichen Mittel können mit einem verknüpfenden Wort oder
ohne solches miteinander verbunden werden. Man unterscheidet asyndetische,
syndetische und polysyndetische Verbindungen:
• asyndetisch bedeutet, dass kein spezielles verknüpfendes Wort vorhanden ist:
ein gutes, interessantes Buch
• syndetisch bedeutet, dass die Elemente mit einem verknüpfenden Element verbunden
sind:
ein gutes und interessantes Buch
• polysyndetisch bedeutet, dass mehrere verknüpfende Elemente vorhanden sind:
ein gutes und interessantes und preisgekröntes Buch
7
8 1 Kapitelüberschrift
Schade!
Den Hammer, bitte.
Eine Enttäuschend, dieser Sommer.
sind daher keine Sätze im Sinne der Satzdefinition von U. Engel.
Man kann den Satz auf Grund seines Inhaltes, seiner Funktion, seiner Rolle in der Rede
und seiner grammatischen Form bestimmen.
H. PAUL definiert den Satz auf einer psychologischen Basis, die den vorherrschenden
theoretischen Grundpositionen in der Linguistik um die Jahrhundertwende entspricht. Die
Definition von Ries hebt den pragmatischen Aspekt des Satzes hervor: die Thematisierung
des Wahrheitskriteriums und das Verhältnis zur Wirklichkeit. Die Definitionen von
W. JUNG und der DUDENGRAMMATIK sind allgemein, sie heben keine kennzeichnenden
Aspekte hervor. Die Definition von U. ENGEL entspricht der strukturellen Sprach
auffassung, die insbesondere in der dependentiellen Grammatik angewandt wird.
Die Definition von H. GLINZ bezieht suprasegmentale (prosodische, artikulatorische)
Fakten ein.
All die genannten Definitionen heben bestimmte Seiten, Merkmale des Satzes hervor. Zu
einem allgemeinen Satzverständnis muss man aber mehrere Seiten des Satzes berück
sichtigen. Zunächst müssen wir zwischen dem Satz als abstrakter Einheit und der Äuße
rung als konkretem kommunikativem Ereignis unterscheiden. Die konkrete Realisierungs
form des Satzes ist die Äußerung.
Der Satz kann auf mehreren Ebenen des Sprachsystems untersucht werden.
• Der Satz hat einen bestimmten grammatischen Bau. Er ist eine grammatisch-
strukturelle Einheit, die nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten aufgebaut ist. Der Satz
im Deutschen ist „dadurch charakterisiert, dass er zweigliedrig, nominativisch und
verbal ist.” (V. Admoni, 1972: 225) Die traditionelle Syntax spricht in diesem Sinne
von einer Binarität des Satzes. Dies äußert sich u.a. in der Kongruenz von Subjekt und
Prädikat in Person und Numerus. Ein zweites Merkmal des deutschen Satzes ist die
relativ feste Stellung des finiten Verbs und der den prädikativen Rahmen schließenden
Satzglieder.
• Der Satz ist eine relativ abgeschlossene Redeeinheit.
• In der gesprochenen Sprache ist der Satz durch seine Stimmführung als relativ
abgeschlossen gekennzeichnet.
• Der Satz ist schließlich eine graphische Einheit. Dies äußert sich in der Großschreibung
des ersten Wortes im Satz sowie in den Schlusszeichen (Punkt, Ausrufezeichen). Die
Teilsätze werden voneinander ebenfalls durch orthographische Zeichen (Komma,
Semikolon, Gedankenstrich, Doppelpunkt) getrennt.
9
1.3 Satzformen
Satzformen können traditionell nach unterschiedlichen Kriterien bestimmt werden wie
etwa nach der Anzahl der prädikativen Einheiten (Subjekt und Prädikat) und nach den
syntaktischen Beziehungen zwischen ihnen.
Der einfache Satz enthält nur eine prädikative Einheit:
Die Kinder spielen den ganzen Tag im Garten.
Der zusammengesetzte Satz enthält zwei oder mehrere prädikative Einheiten. Aufgrund
der syntaktischen Beziehungen unterscheidet man zwei Arten von zusammengesetzten
Sätzen: Satzverbindung und Satzgefüge.
Die Satzverbindung besteht aus zwei oder mehreren koordinierten (nebengeordneten)
Sätzen, z.B.:
Die Mutter kocht, der Vater liest die Zeitung.
Die Mutter kocht, der Vater liest die Zeitung, denn er hat schon staubgesaugt.
Das Satzgefüge besteht aus einem Hauptsatz und einem oder mehreren Nebensätzen. Der
Nebensatz ist vom Hauptsatz abhängig.
Die Nebensätze können wir klassifizieren
a) nach ihrem Satzgliedwert
b) nach ihrer Einleitung
c) nach ihrer Stellung in Bezug auf den Hauptsatz
d) nach dem Grad ihrer Abhängigkeit vom Hauptsatz
a) Nach seinem Satzgliedwert kann der Nebensatz auftreten als
• Satzglied (Gliedsatz), und zwar als Subjekt, Objekt oder Adverbial
bestimmung: Subjekt
Objekt
Es ist sicher, dass er schon da ist.
Er fragte, ob das noch einmal gemacht werden soll. Temporalbestimmung
Als ich gestern etwas Zeit hatte, las ich ein Buch.
9
Hauptsatz
10 1 Kapitelüberschrift
finites
Fährst du mit nach Wien?
Wirst du mit nach Wien fahren?
In Sätzen mit Stirnform steht das finite Verb an der Spitze des Satzes. Dies kommt
insbesondere in direkten und indirekten Fragesätzen (und zwar Entscheidungsfragen), in
Ausrufesätzen (Bliebe er mir doch vom Leibe!) sowie in uneingeleiteten Konditionalsätzen
(Ist das Wetter schön, gehen wir ins Schwimmbad.) vor.
• Spannsatz (Endstellung des finiten Verbs)
finites
,weil du nicht mitgekommen bist.
, dass er nicht mitkommen konnte.
11
12 1 Kapitelüberschrift
In der Spannform steht das finite Verb am Satzende. Sätze der Spannform werden mit
einem Einleitewort begonnen, das den Spannungsbogen bis zum Ende des Satzes
aufrechterhält. Diese Satzform kommt hauptsächlich in Nebensätzen vor.
Eine andere Form des Spannsatzes bilden zweiteilige Verben, z.B. Verben mit trennbarer
Vorsilbe, Funktionsverbgefüge u.a. und zusammengesetzte Tempusformen. Mit diesem
Strukturtyp sind folgende Satzarten verbunden:
• Aussagesatz
Romeo lernte Julia kennen.
Ich habe die Zeitung gelesen.
Er pflegt jeden Abend spazieren zu gehen.
1.4.1 Satzintonation
Satzintonation bezeichnet die melodische Gestaltung einer Äußerung auf der
Grundlage der jeweiligen Akzentuierungssilbe(n) unter einem bestimmten kommu
nikativen Aspekt, z.B. Aussage, Aufforderung, Frage. Zur Satzintonation gehören
alle prosodischen Elemente, die den Satz formen. Es sind folgende Elemente:
Akzent, Rhythmik, Pausen, Sprechtempo und Tonhöhenverlauf.
Man kann u.a. folgende Typen der Satzintonation unterscheiden:
• Terminale oder fallende Satzintonation/Satzmelodie
• Progrediente oder weiterführende Satzmelodie
• Interrogative oder fragende Satzintonation
Die terminale oder fallende Intonation kommt vor als:
∗ Aussage: Es schneit.
∗ Ausruf: Gestehe!
∗ Aufforderung: Geh an die Arbeit!
∗ Anrede: Verehrte Anwesende!
∗ Ergänzungsfrage: Wer war das?
∗ Alternativfrage: Willst du, oder willst du nicht?
Progrediente oder weiterführende Intonation kommt vor als:
∗ Satzteil oder Vordersatz: Als es Abend war, ...
Ich habe getan, wie mir befohlen war.
∗ Alternativfrage: Trinken Sie lieber Bier oder Wein?
∗ Rhetorische Bildung: Die Sonne scheint.
Die Vögel singen.
13
1.5 Satzarten
Satzarten werden nach der kommunikativen Funktion des Satzes ermittelt. Man kann
eigentlich zwei Gruppen von Satzarten unterscheiden: “Sätze, in denen lediglich etwas
mitgeteilt wird, und Sätze, mit denen man eine Reaktion beim Empfänger erreichen will.
Zur ersten Gruppe gehört der Aussagesatz, zur zweiten gehören Aufforderungs und
Fragesatz.”
Im Folgenden wollen wir folgende fünf Satzarten behandeln:
• Aussagesatz
• Fragesatz
• Aufforderungssatz
• Wunschsatz
• Ausrufesatz
Aussagesatz
Der Aussagesatz ist die neutrale Form des Satzes. Das finite Verb steht daher häufig an
zweiter Stelle. Im Aussagesatz wird in der Regel dem Kommunikationspartner etwas
mitgeteilt.
Wir gehen heute ins Kino.
Dieser Junge ist mein Freund.
Eine besondere Untergruppe von Aussagesätzen bilden
(1) einfache Konditionalsätze
(2) indirekte Rede.
Die Grundstruktur des Aussagesatzes ist:
Fragesatz
Zweitstellung + Indikativ + terminale (fallende)
Intonation
des finiten Verbs
In Fragesätzen fordert der Sprecher im Allgemeinen seinen Gesprächspartner auf, ihm
zum gefragten Sachverhalt weitere Informationen zu liefern. „Fragesätze sind also
Aufforderungen bestimmter Art, die im Unterschied zu den eigentlichen Aufforderungs
sätzen aber nicht auf aktionale Reaktion, sondern auf verbale Reaktion gerichtet sind.”
(HELBIG/BUSCHA 1994: 611) Es gibt zwei Formen des Fragesatzes: die Ergänzungsfrage
oder Wortfrage und die Entscheidungsfrage oder Satzfrage.
13
14 1 Kapitelüberschrift
Mit Entscheidungsfragen oder Satzfragen fragt man nach der Existenz eines
Sachverhaltes. Die Antwort lautet immer ja oder nein.
Hast du den neuesten Roman von Peter Handke gelesen?
• Ja,( ich habe ihn gelesen).
• Nein, (ich habe ihn nicht gelesen).
Die Grundstruktur dieses Fragesatzes ist:
finites
Mit Verb + Indikativ
Ergänzungsfragen +steigende
oder Intonation
Wortfragen fragt man nach etwas Unbekanntem.
(Konjunktiv)
Wer hat dich gestern besucht?
• Hans (hat mich gestern besucht).
Es gibt einige Sonderformen von Ergänzungsfragen:
Vergewisserungsfragen. Hier erwartet man eine bestätigende Antwort.
Du kommst heute doch ins Kino mit?
• Ja, (ich komme mit).
Vergewisserungsfragen sind manchmal Ergänzungsfragen mit Spitzenstellung des finiten
Verbs und einer unbetonten Negationspartikel.
Kommen Sie nicht aus Passau? (Sie kommen doch aus Passau?)
Alternativfragen bestehen gewöhnlich aus zwei Entscheidungsfragen und der Kon
junktion oder.
Gehen wir oder fahren wir?
Liest du ein Buch oder (liest du) eine Zeitung?
Rhetorische Fragen. Der Fragesatz enthält meist die Antwort in sich.
Habe ich das damals nicht behauptet?
Die Fragewörter sind Pronomina (a) oder Adverbien (b):
a) Personen oder NichtPersonen werden durch Interrogativpronomen (wer?, was?) oder
Adverbien erfragt:
Wer kommt heute mit? – Der Nachbar kommt mit. (Person)
Was machst du heute? (NichtPerson)
Zu wem geht ihr heute? – Wir gehen zum Nachbarn. (Person)
Wozu ist es geeignet? – Es ist zum Schreiben geeignet. (NichtPerson)
15
15
16 1 Kapitelüberschrift
Wunschsatz
Im Unterschied zum Aufforderungssatz drückt der Wunschsatz keine direkte Aufforde
rung aus, sondern bringt zum Ausdruck, dass der Sprecher wünscht, dass etwas von
seinem Willen Unabhängiges realisiert oder nicht realisiert wird. Der Wunschsatz kann
ausdrücken:
• erfüllbaren Wunsch
• irrealen, nicht erfüllbaren Wunsch
Die Grundschemen des Wunschsatzes sind:
Ausrufesatz
Ausrufesätze drücken die subjektive Einstellung des Sprechers zu einem Sachverhalt aus.
Die emotionale Bewegung (Begeisterung, Bewunderung u.a.) bezieht sich auf einen meist
durch ein Adjektiv oder Adverb repräsentierten Sachverhalt. Die syntaktische Struktur des
Ausrufesatzes entspricht
• einem Aussagesatz (mit den Partikeln aber, vielleicht)
Du hast es aber schön eingerichtet!
• einem Aussagesatz mit dem Qualitätsausdruck in Spitzenstellung
Schön ist das Wetter heute!
• einem Fragesatz (Entscheidungsfrage mit fallender Intonation oder Ergänzungsfrage
mit wie; beide können kombiniert werden mit Partikeln wie aber, doch, nur.
Bin ich heute (aber) müde!
Wie müde bin ich heute!
• Am Ende des Ausrufesatzes steht das Ausrufezeichen (!).
Habt ihr schon jemals einen besseren Wein getrunken!
17
18 1 Kapitelüberschrift
• Adverbgruppen
19
20 1 Kapitelüberschrift
Statt zu lernen, ging er ins Kino. Tanulás helyett moziba ment/ Ahelyett,hogy tanult volna,
moziba ment.
1.6.2 Substantivgruppen
Nominale Wortgruppen, speziell substantivische Wortgruppen als Mittel der Verdichtung,
ermöglichen einen ökonomischen, komprimierten und rationalen Ausdruck der Gedanken.
Substantivgruppen ermöglichen es, ganze Satzinhalte auszudrücken:
Es ist wichtig, diesen Auftrag auszuführen.
→ Die Ausführung des Auftrages ist wichtig.
Der Direktor überreichte den Abiturienten die Zeugnisse. Danach begann das gesellige
Beisammensein.
→ Nach der Überreichung der Zeugnisse durch den Direktor an die Abiturienten begann das
gesellige Beisammensein.
(Vgl. Sommerfeldt/Starke 1992: 193)
Nominale Wortgruppen, insbesondere Substantivgruppen, werden hauptsächlich in den
Funktionalstilen der Wissenschaft und der Publizistik gebraucht. Immer häufiger werden
deverbale und deadjektivische Substantive, die Attribute fordern, verwendet. Damit steigt
auch der Bedarf an genitivischen und präpositionalen Attributen. Der Genitiv wird häufig
durch präpositionale Wortgruppen mit der Präposition von ersetzt.
[Link] Die Struktur der Substantivgruppe
Innerhalb der substantivischen Wortgruppe kann man folgende strukturelle
Felder unterscheiden:
Den nominalen Rahmen eröffnet gewöhnlich ein Artikel, Präpositionen oder Pronomen,
diesen folgt ein Attribut oder mehrere Attribute. Geschlossen wird die Substantivgruppe
durch den substantivischen Kern.
der auf den Professor wartende Student
mit vielen neuen und schwierigen Problemen
mein neues, schnelles Auto
Zwischen den Attributen einer Substantivgruppe bestehen koordinierende oder
subordinierende Beziehungen.
• Koordination:
(eine) große, gemütliche Wohnung
21
• Subordination:
(das) neue karierte Hemd
Unterschiede zwischen den beiden werden nach einer Kernsatztransformation sichtbar:
→ Die Wohnung ist groß und gemütlich.
→ Das karierte Hemd ist neu.
Für den Stellungstyp gibt es einige Regularitäten:
Die mit dem Kern eng verbundenen Attribute stehen dicht bei ihm. Es gibt hier folgende
feste Reihenfolge:
Vorfeld: Adverb – Pronomen – Genitiv – Adjektiv/Partizip – enge Apposition
meine neue Freundin
unsere zwei wichtigen Problemkreise
das häufige Zuspätkommen des Mädchens zum Unterricht
Nachfeld: Numerale – enge Apposition – Substantiv im Genitiv – Substantiv mit
Präposition – Adverb – isolierte Attribute: Infinitiv und Partizipialgruppen,
nachgestellte Adjektive, lockere Apposition, Gliedteilsatz
die ausführliche Behandlung der Klassiker im Literaturunterricht
die Überreichung der Urkunden an die Promovenden, eine sehr feierliche Handlung
der Anzug im Schaufenster dort, der mir sehr gefällt
die zwei kleinen Kinder des Bäckers aus Buchholz, die sich in der Stadt verlaufen hatten
(Vgl. SOMMERFELDT/STARKE 1992: 195 f., SCHANEN 1995)
Wenn in der Substantivgruppe mehrere Adjektive vorkommen, staffeln sie sich von vorne
nach hinten in dieser Reihenfolge:
1. quantitative Adjektive: zwei, fünf; manche, viele; der fünfte
2. situative Adjektive: heutig, damalig, hiesig
3. qualitative Adjektive: groß, klein; grün, farbig
4. kategoriale Adjektive (vor allem solche, die Herkunft, Bereich, Schöpfer u.a. be
zeichnen und attributiv gebraucht werden): eisern, sächsisch, Schillersch
1 3 4
viele gelungene linguistische Tagungen
1 2 3
manche damalige prachtvolle Kleider
Bei mehreren aufeinander folgenden attributiven Adjektiven ist auf die Kommasetzung zu
achten. Das Komma zeigt an, dass sich die entsprechenden Attribute auf das folgende
Substantiv beziehen und dass es zwischen ihnen eine koordinative Beziehung besteht. Vgl.
21
22 1 Kapitelüberschrift
groß + bekannt
Im folgenden Satz handelt es sich dagegen um Attribute verschiedenen Grades.
Maximilian Schell ist ein bekannter deutscher Schauspieler.
Schauspieler
deutscher
bekannter
Es handelt sich hier um Adjektive verschiedenen Grades. Das Adjektiv deutsch bezieht
sich auf das Substantiv und bildet mit ihm einen Gesamtbegriff, das Adjektiv bekannt auf
die Verbindung deutscher Dichter. Zu solchem Gesamtbegriff mit dem Substantiv
verbinden sich hauptsächlich Herkunfts, Zugehörigkeitsadjektive sowie qualitative
Adjektive wie alt, jung und Farb und Stoffbezeichnungen. Diese Verbindungen kann man
mit der Konjunktion und nicht immer sinnvoll verbinden:
das neue städtische Krankenhaus
* das neue und städtische Krankenhaus
guter italienischer Wein
* guter und italienischer Wein
[Link] Adjektivgruppen
Den Kern der Adjektivgruppe bildet ein Adjektiv, von dem syntaktisch subordinierte
Wörter oder Wortgruppen abhängig sind. Als Erweiterungen von Adjektiven treten
folgende sprachliche Elemente auf:
• Substantive
∗ im Genitiv: der des Wartens müde Kollege
∗ im Dativ: das dem Freund teure Geschenk
∗ im Akkusativ: das einen Meter lange Flügel
∗ mit Präposition: der auf seine Leistung stolze Sportler
23
2 Die Satzglieder
Der Ursprung der traditionellen Grammatik ist in der griechischrömischen Antike. Aus
der Tradition der Logik des Aristoteles und der lateinischen Grammatik entwickelte sich
von dem 18. Jahrhundert an die heutige Schulgrammatik. Die traditionelle Satzgliedlehre
stammt von dem deutschen Linguisten Karl Ferdinand BECKER (1775–1854).
Die Satzglieder haben einige wesentliche Merkmale. Die wichtigsten sind:
• Der Umfang der Satzglieder entspricht nicht immer dem Umfang eines Wortes. Es
kann aus einem oder mehreren Wörtern bestehen.
• Satzglieder sind syntaktische Relationen im Satz. Außerhalb syntaktischer
Beziehungen können Satzglieder nicht aufgezählt werden.
Man kann primäre und sekundäre Satzglieder unterscheiden. Primäre Satzglieder sind
solche, die vom Prädikat des Satzes bestimmt sind. Sie sind Bestandteile der
Grundstruktur.
• das Subjekt
• das Prädikat
• das Objekt
• die Adverbialbestimmungen
Die sekundären Satzglieder sind nicht vom Prädikat des Satzes determiniert, sondern von
einer anderen Grundstruktur ableitbar. Sekundäre Glieder können entweder vom ganzen
23
24 1 Kapitelüberschrift
Satz (außer den Attributen) oder von einzelnen Gliedern des Satzes abhängig sein.
G. HELBIG und J. BUSCHA unterscheiden folgende sekundäre Satzglieder:
• sekundäre Satzglieder zum Satz und
• sekundäre Satzglieder zu einzelnen Gliedern
Das Subjekt eines Satzes steht im Nominativ und wird durch die Frage wer? oder was?
gefunden. Morphologisch wird das Subjekt entweder durch eine Nominalgruppe oder
durch einen Stellvertreter der Nominalgruppe (Personalpronomen, man) ausgedrückt.
Infinitivkonstruktionen kommen manchmal auch als Subjekt vor. Außerdem kann die
Funktion des Subjekts durch einen Gliedsatz erfüllt werden.
25
26 1 Kapitelüberschrift
In passivischer Form wird das Subjekt des aktiven Satzes mit den Präpositionen von oder
durch im entsprechenden Kasus ausgedrückt:
Der Student liest das Buch.
Das Subjekt kann auch mit dem unbestimmten Pronomen man ausgedrückt werden. Im
Ungarischen wird dieses Pronomen unterschiedlich wiedergegeben:
Hier spricht man Deutsch. Itt németül is beszélünk/beszélnek.
Wie sagt man es Deutsch? Hogy mondják ezt németül?
In manchen Fällen steht ein fakultatives Korrelat (Platzhalter) an Stelle des Subjekts:
Es hungert mich. Mich hungert. Éhes vagyok.
Ebenso: Mir liegt daran oder Es liegt mir daran; mich dürstet, mich friert, mir graut, mir ist warm
u.a.
In einigen Fällen kommt das unpersönliche Subjekt es zusammen mit dem tatsächlichen
Subjekt vor:
Es war einmal ein König.
Es leuchten die Sterne. (Die Sterne leuchten.)
Es lebe unsere Freundschaft.
Das Subjekt wird in folgenden Fällen ausgelassen:
a) Im Imperativ der 2. Person Singular und Plural hat der Satz kein Subjekt:
Komm!, Geh!; Kommt!, Geht!
b) In einigen Wendungen der öffentlichen Kommunikation:
Danke. Bitte (schön). Achtung. Stillgestanden!
c) Im Passiv bei indirekter Wortfolge:
In diesem Zimmer wird getanzt. aber: Es wird in diesem Zimmer getanzt.
Am Sonntag wird nicht gearbeitet.
aber: Es wird am Sonntag nicht gearbeitet.
d) Im Nebensatz in unpersönlichen Konstruktionen:
Ob er kommt, ist unsicher.
aber: Es ist unsicher, ob er kommt.
27
28 1 Kapitelüberschrift
liest
Das Prädikat kann einteilig oder mehrteilig sein. Einteilig ist das einfache nichtreflexive
Prädikat in Präsens und Präteritum Aktiv. Die zusammengesetzten Tempus und Genus
formen bzw. Modus und Modalität (ausgedrückt durch Modal oder Modalitätsverben)
lassen sich auf einfache Grundformen zurückführen.
Er hat einen langen Brief geschrieben.
→ Er schreibt einen langen Brief.
Das Prädikat kann aus zwei oder mehreren Teilen bestehen. Die folgenden
Kombinationsmöglichkeiten haben eine wichtige Gemeinsamkeit: Im Prädikatskomplex
gibt es immer nur e i n e finite Verbform.
Für das Deutsche ist typisch die Prädikatsklammer (auch Rahmenkonstruktion oder
verbaler Rahmen genannt). Die Prädikatsklammer tritt auf, wenn das Prädikat aus
mehreren Komponenten besteht.
Der Linguist hat sich mit der neuen Theorie eingehend beschäftigt.
Prädikatsklammer
er ins Kino
b) durch das Partizip II des Verbs:
Er ist ins Kino gegangen.
<ist gegangen>
er ins Kino
29
29
30 1 Kapitelüberschrift
er fleißig
Das Subjektsprädikativ kommt mit den Verben sein, werden, bleiben vor. Es kann durch
folgende morphologische Klassen repräsentiert werden:
a) Substantiv im Nominativ
Sie ist meine Freundin.
Er wird Lehrer.
a1) Im Ungarischen wird das Auxiliarverb van in dritter Person Singular und Plural in der
Regel ausgelassen, vgl. Er ist Lehrer. Ő tanító, Er wurde Lehrer. (Nominativ), Tanító lett.
b) Präposition + Substantiv
Die Entdeckung ist von großer Bedeutung.
c) Adjektiv oder Partizip:
Der Film ist gut/spannend.
Wir finden den Film interessant.
d) (Präposition +) Adverb:
Er ist hier/dort.
Die Zeitung ist von gestern.
31
[Link] Das Objektsprädikativ
Das Objektsprädikativ bezieht sich nicht auf das Subjekt, sondern auf das Objekt. Es hat
folgende Abhängigkeitsstruktur:
er ihn
Das Objektsprädikativ kommt nur bei einigen Verben wie bezeichnen, finden, halten für,
nennen u.a. vor und kann durch folgende morphologische Klassen repräsentiert werden:
a) Substantiv im Akkusativ
Er nannte ihn einen Lügner. (d.h. bezeichnete ihn als ...)
b) (Präposition +) Adjektiv
Er findet die Sache/die Angelegenheit richtig/falsch/gut/ schlecht.
Ich finde meinen Eindruck bestätigt.
Sie hält seine Rückkehr für möglich/für unwahrscheinlich.
c) Präposition + Substantiv
Er fand das ganz in Ordnung.
Ich halte das für Unsinn.
31
32 1 Kapitelüberschrift
Genitivobjekt
Das Genitivobjekt ist mit wessen? und dem Prädikat des Satzes zu erfragen: Wir gedenken
der Gefallenen. Wessen gedenken wir? – der Gefallenen.
Genitivobjekt
Gliedsatz: Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. (Relativsatz)
Wir sind gewiss, dass sich gute Beziehungen zwischen unseren
Universitäten entwickeln werden. (Konjunktionalsatz)
Die jungen Eheleute sind gewiss, im Möbelhaus ein
Schlafzimmer nach ihrem Geschmack kaufen zu können.
(Infinitivsatz)
Dativobjekt
Das Dativobjekt antwortet auf die Frage Wem geschieht es/etwas?, Wem gehört es?. Die
Funktion des Dativobjekts können folgende Einheiten übernehmen.
33
Pronomen: Der Roman gefällt mir. Sie reicht ihm das Salz.
Akkusativobjekt
Akkusativobjekt
Das Akkusativobjekt (direktes Objekt,) antwortet auf die Frage wen? oder was? In der
Funktion des Akkusativobjekts können Nominalgruppen, Pronomen, Infinitive sowie
Gliedsätze vorkommen:
Nominalgruppe: Der Student liest ein interessantes Buch.
Präpositionalobjekt
Nominalgruppe: Wir freuen uns über ihren Lottogewinn.
33
34 1 Kapitelüberschrift
2.1.7 Adverbialbestimmung
In beiden Sprachen verhalten sich die verschiedenen Arten der Adverbialbestimmungen
syntaktisch beinahe gleich. Die syntaktische Abhängigkeitsstruktur der Adverbial
bestimmungen können wir wie folgt darstellen:
komme
35
36 1 Kapitelüberschrift
[Link] Lokalbestimmung
Lokalbestimmungen bezeichnen Ort und Stelle, Richtung, Ausgangs oder Zielpunkt des
Geschehens. Die Fragewörter der Temporalbestimmungen sind:
37
wo? Art: Standort, Lage
wohin? Art: Zielort
woher? Art: Ausgangsort, Ursprung
wie weit? Art: räumliche Erstreckung
Die Lokalbestimmung kann im Deutschen folgende morphologische Formen haben:
1) Wortgruppe mit dem
• Genitiv: Er ging still seines Weges.
• Dativ (mit Präposition): Sie schaute zum Fenster hinaus. Er ist in unserem Dorf
eingetroffen. Wir kommen aus der Stadt.
• Akkusativ:
a) mit Präposition: Der Zug fährt über die Brücke. Wir fahren morgen in die Stadt.
b) ohne Präposition: Wir gehen den Fluss hinunter/hinauf. Wir gehen den kürzesten Weg.
• Adverb: hier, dort, da, links, rechts; hierher, dorthin, bergauf, bergab; daher, dorther,
heraus, von drüben; meilenweit, weithin
2) N e b e n s a t z : Ich fahre, wohin du willst. …, soweit das Auge blickt.
[Link] Modalbestimmung
„Modalbestimmungen dienen zur Charakterisierung, Erläuterung und Spezifizierung der
sprachlichen Darstellung von Sachverhalten. Sie antworten vor allem auf
Ergänzungsfragen mit den interrogativen Adverbien“. (SOMMERFELDT/STARKE 1988: 264)
wie?
wie viel?
womit?
wodurch?
woraus?
inwiefern?
und mit den präpositionalen Fügungen
in welchem Maße?
auf welche Weise?
unter welchen Umständen?
Die Modalbestimmung kann im Deutschen folgende morphologische Formen haben:
• Genitiv (in einigen Wendungen): frohen Mutes, unverrichteter Dinge u.a.
• Dativ (mit Präposition): Es ist zum Lachen. Sie sind zum Verwechseln ähnlich. – unter allen
Umständen – etwas aus/im/zum Scherz sagen.
• Akkusativ (mit oder ohne Präposition): Er hat es durch Fleiß erreicht.
• Nebensätze: Er verbesserte seine Leistungen, indem er fleißig trainierte.
Die Kausalbestimmung teilt man in:
Konditionalbestimmung
37
38 1 Kapitelüberschrift
[Link] Temporalbestimmung
Temporalbestimmungen drücken zeitliche Verhältnisse (Anfang, Ende, Dauer) aus. Sie
antworten vor allem auf Ergänzungsfragen mit den interrogativen Adverbien:
wann?
seit wann?
wie lange?
Die Temporalbestimmung kann im Deutschen folgende morphologische Formen haben:
1) Wortgruppe mit dem
• Genitiv (nur in festen Wendungen): Er ging des Abends/des Nachts aus..
• Dativ (nur mit Präposition): Es geschah vor einer Woche. Weitere Beispiele: am
Mittwoch, im Jahre 1995, im Winter, vor zwei Minuten, zur Zeit Bismarcks, von Jugend auf, von
Kindheit an, heute in zwei Wochen.
• Akkusativ:
a) ohne Präposition: Sie hat den ganzen Tag gelesen. Weitere Beispiele: morgen früh, Ende
April, Tag und Nacht, zwei Tage früher u.a.
b) mit Präpositionen: Ich komme gegen zehn Uhr. Weitere Beispiele: um sechs Uhr, gegen
Mittag, bis spät in die Nacht hinein u.a.
2) Nebensatz: Als ich heute erwachte, fühlte ich große Kopfschmerzen.
3) Konjunktionen: solange, als, wie, wenn
4) Temporaladverbien: Du musst bis morgen warten.
39
2.1.8 Das Attribut
Das Attribut ist kein selbständiges Satzglied, sondern ein von anderen Teilen des Satzes
(Subjekt, Objekt, Prädikativ, adverbiale Bestimmung oder sogar von einem anderen
Attribut) abhängig. Das Attribut ist nicht unmittelbar vom Verb abhängig, sondern wird
fast ausschließlich als nähere Bestimmung eines nominalen Satzgliedes (Substantivs,
Pronomens) abgegrenzt. Oft wird es daher nicht als ein Satzglied, sondern als Gliedteil
betrachtet.
Adjektivattribute sind in der Regel vorangestellt.
das neue, fesselnde Buch
Attributsätze sind ihrem Bezugswort nachgestellt:
Der Professor, der über die neueren Tendenzen in der Dependenzgrammatik sprach, ist ein
bekannter Linguist.
Nachgestellte Attribute werden als Apposition bezeichnet, wenn sie mit ihrem Bezugswort
im Kasus kongruieren:
Die Rede des Gastes, eines bekannten Ornithologen, war sehr aufschlussreich.
Die Relationen zwischen Satzgliedkern und Attribut lassen sich – mit Ausnahme von
Modifikationen reiner Adverbien wie sehr gut, kaum machbar u.a. – auf einfache
Satzgliedbeziehungen zurückführen, vgl.:
die Abfahrt des Zuges = Der Zug fährt ab.
Ankara, die Hauptstadt der Türkei = Die Türkei hat eine Hauptstadt
der Sohn des Vaters = Der Vater hat einen Sohn.
Attribute subklassifiziert man nach unterschiedlichen Kriterien. Nach ihrem Umfang
unterscheidet man zwischen
• elementaren (einfachen) und
• erweiterten Attributen
Bei erweiterten Attributen ergeben sich oft recht komplizierte Abhängigkeitsbeziehungen,
vgl.:
sprachliche Mittel zum Ausdruck verschiedener Arten kausaler Beziehungen
3
1 1 3
2
39
40 1 Kapitelüberschrift
• adverbiale Attribute
• präpositionale Attribute
• Genitivattribute
• Attributsätze
• Infinitivkonstruktionen
• Appositionen
Adjektiv- und Partizipialattribute
Zwischen dem übergeordneten nominalen Satzglied und den Adjektiv und Partizipial
attributen besteht eine sehr enge grammatische Beziehung der Kongruenz.
mein guter Freund, meine gute Freundin, schönes Wetter
Brave Mädchen kommen in den Himmel – Böse Mädchen kommen überall hin.
ein lesender Junge; das gelesene Buch
Die adjektivischen und partizipialen Attribute können häufig nachgestellt werden. In
diesem Falle ist die Bindung an das übergeordnete Glied nicht so eng. Die Nachstellung
dient hauptsächlich zur Hervorhebung des Attributs. Diese Form kommt häufig in der
emotionalen Redeweise vor.
Er möchte sich ein Auto, ein deutsches, kaufen.
Das Haus, alt und brüchig, stand am Ende des Dorfes.
Das zweite Beispiel wird auch als qualitative Apposition zum Nomen aufgefasst, da diese
Apposition meist in der Form eines unflektierten Adjektivs oder einer Adjektivalphrase
erscheint.
ein mir unbekanntes Kind, verängstigt und abgerissen, …
ein erstklassiger Kellner, rasch, nicht schwerhörig, …
(Vgl. E. Engel 1991: 808)
Pronominale Attribute
Als Attribute können (1) Demonstrativ, (2) Possessiv, (3) Fragepronomen sowie (4) un
bestimmte Pronomen auftreten:
(1) dieser, jener Mensch
(2) mein, dein, sein Freund
(3) welcher Freund
(4) manches Kind
Adverbiales Attribut
Adverbiale Attribute sind z.B.: das Haus dort, die Post nebenan u.a.
41
Präpositionales Attribut
Unter Präpositionalattribut verstehen wir nachgestellte Präpositionalkonstruktionen. Sie
präzisieren das übergeordnete Glied nach Zeit, Ort, Modalität, Richtung, Herkunft usw.
der Krieg in den Jahren 1914-18
der Glaube an die Zukunft
Die Fahrt nach Wien dauert zwei Stunden.
der Garten vor dem Haus
das Streben nach Wahrheit
Präpositionalattribute kommen häufig bei verbalen Ableitungen als obligatorische und
nicht austauschbare Präpositionen vor. Bei einigen Deverbativa sind mehrere Präpo
sitionen möglich.
Auswahl unter Rücksicht auf
Bedürfnis nach Ruf nach
Bitte um Schutz vor/gegen
Drang nach Stolz auf
Druck auf Streben nach
Einladung an/zu Trost für
Furcht vor Unterweisung in
Gedanken an Verdacht auf/gegen
Hass auf/gegen Vergleich mit
Lust auf Vorurteil gegen
Misstrauen Wunsch nach
gegenüber
Reichtum an
Gelegentlich können auch Pronominaladverbien eine attributive Funktion haben.
der Tag danach, die Straße davor
41
42 1 Kapitelüberschrift
Der Genitivus subiectivus ist ein Satellit des Substantivs. Nach einer Restitutions
transformation wird die Entsprechung zum Subjekt offenbar.
die Rede des Direktors → Der Direktor redet.
die Erfindung des Wissenschaftlers → Der Wissenschaftler erfindet etwas.
Der Genitivus obiectivus ist ebenfalls ein Satellit des Substantivs und entspricht dem
Akkusativobjekt.
die Lösung der Aufgabe → Man löst die Aufgabe.
der Bau der Brücke → Man baut eine Brücke.
Der Genitivus possessivus drückt eine Zugehörigkeit aus.
das Buch des Studenten → Der Student hat (besitzt) ein Buch.
die Hauptstadt der Türkei → Die Türkei hat eine Hauptstadt.
des Kaisers neue Kleider → der Kaiser hat neue Kleider
Der Genitivus qualitatis drückt Qualität/Eigenschaft aus.
ein Mann der Tat → er ist ein tatkräftiger Mann
eine Nacht des Grauens → die Nacht ist/war grauenvoll
Der Genitivus definitivus bestimmt das übergeordnete Nomen näher.
der Begriff der Freiheit → Die Freiheit ist ein Begriff.
die Länge seiner Rede → Er redet lange.
Der Genitivus explicativus erläutert die Bedeutung eines Nomens. Es handelt sich oft um
eine metaphorische, nicht selten um eine ironische Bedeutungsübertragung.
ein Strahl der Hoffung → die Hoffnung ist wie ein Strahl
im Irrgarten der Modalität → die Modalität ist wie ein Irrgarten
Der Genitivus auctoris stellt das Verhältnis des Schaffens dar.
das Werk des Dichters → der Dichter ist der Urheber des Werks
der Roman des Schriftstellers → der Schriftsteller hat den Roman geschrieben
G. HELBIG und J. BUSCHA nennen noch folgende Funktionen der Attribute, die durch
Substantive im Genitiv repräsentiert werden:
Genitiv des Eigenschaftsträgers (= SeinVerhältnis ...)
die Größe des Zimmers (von 20 m2)
← das Zimmer ist (20 m2) groß
Genitiv der Eigenschaft (= KennzeichnenVerhältnis)
ein Mann der Vernunft
43
2.1.9 Attributsätze
Attributsätze sind immer nachgestellt. Sie können als Relativsätze, Konjunktionalsätze
und uneingeleitete Nebensätze vorkommen.
Relativsätze werden durch die Relativpronomen der, die, das; welcher, welche,
welches eingeleitet. Das einleitende Element ist immer Komponente des Relativsatzes.
Dadurch wird die enge Beziehung des übergeordneten Nomens und des attributiven
Nebensatzes verdeutlicht.
Der Student, der bei uns Germanistik studiert, …
Der Student, dessen Vater Schuldirektor ist, …
Der Student, dem wir gestern begegnet sind, …
Der Student, den wir gestern getroffen haben, …
Der Student, auf den wir lange gewartet haben, …
43
44 1 Kapitelüberschrift
das Gepäck
Er
seiner Mutter
Sekundäre Satzglieder, die sich auf den ganzen Satz beziehen, können durch folgende
Stellungsglieder repräsentiert werden:2
durch Substantiv im Dativ
Er trägt seiner Mutter das Gepäck. Hordja édesanyja helyett a csomagot.
Komm mir nicht spät nach Hause. Nekem ne gyere haza későn!
durch ein Modalwort
Er hat uns leider nicht angerufen. Sajnos nem hívott fel bennünket.
Er ist vielleicht/wahrscheinlich nicht zu Hause. Talán/valószínűleg nincs otthon.
durch Präposition + Substantiv
Er trägt für seine Mutter das Paket.
Er kann es unter Umständen noch ändern.
Sekundäre Satzglieder, die sich auf den ganzen Satz beziehen, sind Angaben, d.h. sie
können beliebig weggelassen werden:
Er hat uns leider nicht angerufen.
→ Er hat uns nicht angerufen.
45
46 1 Kapitelüberschrift
• Prädikatives Attribut
• Prädikatives Attribut zum Subjekt
• Prädikatives Attribut zum Objekt
• Possessiven Dativ
• Possessiven Dativ zum Subjekt
• Possessiven Dativ zum Objekt
• Possessiven Dativ zum Adverbialbestimmung
er
gesund
3
Helbig/Buscha 1994: 554.
47
Das prädikative Attribut zum Subjekt kann in ein Prädikativ zum Subjekt transformiert
werden:
Schiller starb jung.
→ Als Schiller starb, war er jung.
er
ihm
im dunklen Anzug
Das prädikative Attribut lässt sich in ein Prädikativ zum Objekt transformieren:
Er traf ihn im dunklen Anzug. Sötét ruhában találkozott vele.
Er traf ihn. Er war im dunklen Anzug. Találkozott vele. Sötét ruhában volt.
Als er ihn traf, war er im dunklen Anzug. Amikor találkozott vele, sötét ruhában volt.
47
48 1 Kapitelüberschrift
der Magen
dem Kranken
operierte
der Arzt
den Magen
dem Kranken
er
in die Augen
seinem Freund
49
49
50 1 Kapitelüberschrift
2.5 Klammerkonstruktion
Eine Klammerkonstruktion (Rahmenkonstruktion) besteht aus rahmenöffnenden und
rahmenschließenden Gliedern, die andere Satzglieder umschließen. Man unterscheidet vier
Arten von Rahmenkonstruktionen:
• den n o m i n a l e n Rahmen
• den v e r b a l e n Rahmen/p r ä d i k a t i v e n Rahmen
• den S a t z r a h m e n
• die R a h m e n k o n s t r u k t i o n mit der Negationspartikel nicht.
51
52 1 Kapitelüberschrift
53
54 1 Kapitelüberschrift
Gekauft hat er diesen Roman, gelesen hat er ihn aber noch nicht.
Umfängliche Satzglieder werden ausgeklammert aus der Klammer, die von finitem Verb
und infiniter Verbform (z.B. Infinitiv, Partizip II) oder finitem Verb und Prädikats
ergänzung gebildet werden.
Der Vorschlag wurde vom Leiter, nicht aber vom Stellvertreter abgewiesen.
→ Der Vorschlag wurde vom Leiter abgewiesen, nicht aber vom Stellvertreter.
Rund sieben Stunden Musik sind so wiedererstanden mit phantastischen Improvisationen.
(Die Zeit 44/1995: 72)
Dativobjekt Akkusativ XE
"Akkusativ"
55
56 1 Kapitelüberschrift
betreffen hauptsächlich den nichtprädikativen Bereich des Satzes und haben zwei
kommunikative Funktionen:
1. die Funktion der Satzverflechtung
2. die Funktion der Abstufung des Mitteilungswertes einzelner Satzglieder
(Vgl. HELBIG/BUSCHA 1994: 274 f.)
„Der Begriff der Satzverflechtung besagt, dass am Satzanfang bzw. im vorderen Teil des
Satzes die Glieder stehen, die den Anschluss an den hervorgehenden Satz herzustellen
haben.“ (HELBIG/BUSCHA 1994: 573.) Satzverflechtende Elemente sind einige Nichtglieder
wie Konjunktionen, Partikeln, außerdem das Subjekt und verschiedene Adverbial
bestimmungen (vor allem Lokal und Temporalbestimmungen).
Peter verbrachte die Ferien bei seiner Großmutter auf dem Lande. Dort hat er neue Freunde
gefunden.
Anschlussstelle
Ein Satzglied mit einem geringeren Mitteilungswert (das Bekannte, das Thema) steht
am weitesten vorne. Ihm folgt ein Satzglied mit dem nächsthöheren Mitteilungswert. Das
Satzglied mit dem höchsten Mitteilungswert (das Neue, das Rhema) steht in der letzten
syntaktisch nicht obligatorisch besetzten Position. Obligatorische Adverbial
bestimmungen stehen nach freien Adverbialbestimmungen. Die durch Personalpronomen
ausgedrückten Objekte stehen vor substantivischen Objekten, weil sie einen geringeren
Mitteilungswert haben. Pronominale Objekte sind – über ihren geringeren Mitteilungswert
hinaus – Mittel der Satzverflechtung. Sie stehen daher, weil sie gleichzeitig auch den
Anschluss zum vorhergehenden Satz herstellen, vorne im Satz.
Im Satz
Heute Abend gehe ich mit meiner Freundin ins Kino.
57
58 1 Kapitelüberschrift
haben wir es mit objektiver Wortfolge zu tun. Das Element ins Kino ist enger mit dem
Verb gehen verbunden als mit meiner Freundin.
Im Satz
Heute Abend gehe ich ins Kino mit meiner Freundin.
liegt der Akzent auf dem letzten Satzglied mit meiner Freundin (präpositionales Objekt).
Hier spricht man über sog. „subjektive“ Wortfolge.
Hervorzuhebende Elemente, falls sie nicht durch Pronomen ausgedrückt werden, können
in der ersten Position im Satz stehen, vgl.
Mit meiner Freundin gehe ich heute ins Kino. (also nicht etwa mit meinem Freund)
Wir können zusammenfassen. Die Wortfolge wird durch die aktuelle Gliederung diffe
renziert. Im Deutschen gelten oft, auch wenn nicht immer, ähnliche Prinzipien wie im
Ungarischen. Ein wesentlicher Unterschied besteht darin, dass im Deutschen die Position
einiger Satzglieder, insbesondere die des finiten Verbs, syntaktisch bestimmt ist und
weniger den Regeln der aktuellen Gliederung unterliegt. Im Ungarischen ist die Wortfolge
freier und wird weniger durch starre syntaktische Positionen begrenzt.
Weitere Beispiele:
Er sagte nie jemandem (et)was. Senkinek semmit sem mondott.
Niemand weiß etwas. Senki sem tud semmit.
Er hat nie jemanden irgendwo gesehen. Sehol sem látott senkit sem..
5
besser: Sie kommt nie mehr.
59
60 1 Kapitelüberschrift
Die Negationspartikel nein steht außerhalb des Satzes, es wird daher nicht als zweite
Negation im Satz aufgefasst.
Hast du ihm schon geschrieben? Nein, (ich habe ihm noch nicht geschrieben).
61
62 1 Kapitelüberschrift
Kaufen Sie dieses Buch? Nein, ich kaufe dieses Buch nicht. Megveszi ezt a könyvet? Nem, ez
a könyvet nem veszem meg.
Bei Substantiven in prädikativer Funktion kann sowohl kein als auch ein stehen. Kein
verstärkt die Negation:
Er ist nicht Sportler. Er ist kein Sportler.
Der ungarischen Negationspartikel már entspricht im Deutschen schon und mehr. Schon
kommt in bejahenden, mehr in verneinenden Sätzen vor.
Liest er schon? Er liest noch nicht. Olvas már? Még nem olvas.
Liest er noch? Er liest nicht mehr. Olvas még? Már nem olvas.
Das Buch, für das Sie sich interessieren, haben wir nicht mehr. A könyv, amelyik iránt
érdeklődik, már nincs meg.
Hat er Geld? Er hat kein Geld mehr. Van pénze. Már nincs pénze.
Sie haben uns nicht einmal geantwortet. Mégcsak nem is válaszoltak
Weitere wichtige deutsche Negationspartikeln und ihre ungarischen Entsprechungen sind
folgende:
noch nicht még nem niemand mehr senki többé
nichts mehr többé nem nie(mals) mehr soha többé
nicht einmal egyszer sem kein, keine mehr (senki többé)
Beispiele:
Hier liegt nichts mehr. Itt már semmi sincs.
Heute kommt niemand mehr. Ma már senki sem jön..
Sie gestattet es nie/niemals mehr. Ezt már soha sem engedi meg.
Er hat uns nicht einmal geantwortet. Mégcsak nem is válaszolt.
Der zusammengesetzte Satz entsteht durch die Kombination zweier oder mehrerer
Teilsätze. Diese Verknüpfungen können nach syntaktischen und/oder nach semantischen
Kriterien klassifiziert werden.
Nach syntaktischen Kriterien unterscheidet man:
• k o o r d i n a t i v e Verknüpfungen (Satzverbindung, Koordination, Parataxe) und
• s u b o r d i n a t i v e Verknüpfungen (Satzgefüge, Subordination, Hypotaxe).
Nach syntaktischsemantischen Beziehungen kann man folgende Satztypen unterscheiden:
• Komplementsätze
• Verhältnissätze
• Relativsätze
63
64 1 Kapitelüberschrift
kopulativadditiv und, und auch, sowie, wie, auch, außerdem, ferner, zudem, überdies,
(anreihend) sowohl – als auch, nicht nur – ebenso, ebenfalls, gleichfalls
sondern auch
kopulativnegativ weder – noch, nicht – noch
65
66 1 Kapitelüberschrift
Die Konjunktion jedoch kann auch ins Mittelfeld des Satzes treten.
Zwar gleichen alle amerikanischen Städte einander, man gewinnt sie jedoch schnell lieb.
67
68 1 Kapitelüberschrift
Hans sagte, dass er nicht ins Kino gehen kann, weil er keine Lust hat. (Abhängigkeit
2. Grades)
Vom Hauptsatz können allerdings mehrere Nebensätze abhängig sein:
Er sagte, dass er zu Hause bleibt und dass er heute lesen möchte.
nach dem Vorhandensein von Einleitewörtern in eingeleitete und uneingeleitete
Nebensätze.
Die e i n g e l e i t e t e n Nebensätze können nach folgenden Merkmalen klassifiziert
werden
K o n j u n k t i o n a l s ä t z e: sie werden mit einer subordinierenden Konjunktion ein
geleitet.
Wenn es kalt ist, bleibe ich zu Hause.
Ich weiß, dass Peter ein guter Student ist.
R e l a t i v s ä t z e werden mit einem Relativpronomen oder einer Relativkonjunktion
eingeleitet.
Er ist ein Student, der gut studiert. Hier ist die Stadt, wo/in der ich geboren wurde. Mein Freund,
dem ich einen Brief geschrieben habe, hat nicht geantwortet.
I n t e r r o g a t i v s ä t z e (F r a g e s ä t z e ) werden mit einem Interrogativpronomen,
Pronominaladverb oder einer Relativkonjunktion eingeleitet.
Kannst du uns sagen, woran du denkst? Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn?
Die u n e i n g e l e i t e t e n Nebensätze werden ohne formale Merkmale eingeleitet. Man
unterscheidet:
Objektsätze
Ich glaube, dass er kommen kann.
→ Ich glaube, er kann kommen.
Konditionalsätze
Wenn das Wetter schön wäre, könnten wir spazieren gehen.
→ Wäre das Wetter schön, könnten wir spazieren gehen.
Konzessivsätze ohne die Konjunktion obwohl oder die Partikel auch
Obwohl er krank ist, (so) hat er doch viel gearbeitet.
Wenn er auch krank ist,
Ist er auch krank,
}
Der Nebensatz drückt im Grunde ein Satzglied des Hauptsatzes aus. Nach dem
syntaktischen Strukturwert unterscheidet man:
69
3.2.1 Subjektsatz
Im Subjektsatz wird das Subjekt des Hauptsatzes in der Form eines Nebensatzes
ausgedrückt. Die Fragepronomen sind wer? und was?.
Das Korrelat der Subjektsätze ist das Pronomen es, das, manchmal ein bedeutungsarmes
Substantiv (z.B. die Tatsache):
Es (die Tatsache) freut mich/Mich freut, dass er kommt/gekommen ist
Dass er gekommen ist, (das) freut mich.
Es ist nicht sicher, ob er kommt/gekommen ist.
Subjektsatz
Korrelat
3.2.2 Objektsatz
Im Objektsatz wird das Objekt des Hauptsatzes in der Form eines Nebensatzes
ausgedrückt. Objektsätze werden eingeleitet durch dass, ob oder durch ein Frage
pronomen. Zu den Objektsätzen gehören auch die indirekte Frage und die indirekte Rede.
Ich habe gehört, dass er uns nicht besuchen kann.
Ich denke oft daran, was du mir gestern vorgeschlagen hast.
Nach dem Auftreten der Korrelate unterscheidet man:
Sätze mit obligatorischem Korrelat:
Wir verlassen uns darauf, dass Sie es für uns erledigen.
Sätze mit fakultativem Korrelat:
Wir bitten Euch (darum), dies für uns zu machen.
Ich bin froh (darüber), dass du kommst.
Satzwertige Infinitivkonstruktionen können auch die Funktion des Objekts eines
Hauptsatzes wahrnehmen.
Die Mutter erlaubt mir, ins Kino zu gehen.
69
70 1 Kapitelüberschrift
3.2.3 Adverbialsatz
Im Adverbialsatz werden verschiedene Arten von Adverbialbestimmungen (Lokal,
Temporal, Modal, Kausalbestimmungen) in der Form eines Nebensatzes ausgedrückt.
Man unterscheidet daher folgende Arten von Adverbialsätzen:
• Lokalsatz
• Temporalsatz
• Modalsatz
• Kausalsatz
3.2.4 Lokalsatz
Der Lokalsatz drückt Ort oder Richtung in der Form eines Nebensatzes aus. Die Frage
pronomen sind wo?, woher? und wohin?.
Lokalsätze sind alternativ obligatorisch:
Er wohnt in Veszprém.
Er wohnt (dort), wo auch seine Eltern gewohnt haben.
Der Lokalsatz tritt in der Regel als Adverbialbestimmung auf:
Ich arbeite (dort), wo auch meine Eltern gearbeitet haben.
Lokalsätze werden immer durch Relativadverbien eingeleitet. Aber nicht alle durch
Relativadverbien eingeleiteten Nebensätze sind Lokalsätze:
Er wusste nicht, wo sie wohnt. (Was wusste er nicht?, Objektsatz)
Das ist das Haus, wo wir wohnen. (was für ein Haus?, Attributivsatz)
3.2.5 Temporalsatz
Der Temporalsatz gibt in der Form eines Nebensatzes an, wann sich das Geschehen des
Hauptsatzes vollzieht. Der Nebensatz kann dabei im Verhältnis zum Hauptsatz ein
Geschehen als gleichzeitig, vorzeitig oder nachzeitig bezeichnen. Der temporale
Nebensatz wird durch temporale Konjunktionen eingeleitet.
G l e i c h z e i t i g k e i t wird durch folgende Konjunktionen eingeleitet:
als seit(dem)
wenn solange
indem sooft
indessen während
Besonders wichtig ist eine Differenzierung zwischen den Konjunktionen wenn und als.
Die Konjunktion als drückt ein einmaliges Geschehen in der Vergangenheit aus.
Als ich neulich in Wien war, habe ich ihn besucht.
71
Als ich an die deutsche Grenze kam, da fühlte ich ein stärkeres Klopfen in meinem Herz. (HEINE)
Die Konjunktion wenn drückt aus:
einmaliges Geschehen in Gegenwart und Zukunft (das fakultative Korrelat ist dann)
Wenn du uns morgen besuchst, (dann) können wir zusammen in einer Gaststätte essen.
Wenn sie es erfährt, (dann) ruft sie dich an.
wiederholtes Geschehen in der Gegenwart und in der Vergangenheit
Er ist immer nervös, wenn ich es erwähne.
Er war immer aufgeregt, wenn ich es erwähnte.
Gleichzeitigkeit drücken noch folgende Konjunktionen aus:
71
72 1 Kapitelüberschrift
im Hauptsatz im Nebensatz
Infinitivgruppe Perfektum
Präteritum Plusquamperfektum
3.2.6 Modalsatz
Modalsätze drücken Art und Weise des Geschehens im Hauptsatz aus. Man kann
unterscheiden:
• Instrumentalsätze
• Komparativsätze
• M o d a l s ä t z e des besonderen Begleitumstandes
• Restriktivsätze
3.2.7 Instrumentalsatz
Der Instrumentalsatz gibt an, mit welchem Mittel ein bestimmter Erfolg erzielt wird. Die
Konjunktionen des Instrumentalsatzes sind:
indem (Korrelat unüblich)
dass
(mit obl. Korrelat dadurch, damit)
Der Schauspieler dankt dem Publikum, indem er sich tief verbeugt.
Er hat uns damit geholfen, dass er mir seine Bücher zur Verfügung gestellt hat.
Dadurch, dass ich lange krank war, habe ich viel Unterricht versäumt.
73
74 1 Kapitelüberschrift
3.2.8 Komparativsatz
Komparativsätze drücken Verhältnisse der Gleichheit, Ungleichheit oder ein
proportionales Verhältnis aus.
[Link] Verhältnis der Gleichheit
Der Grad oder die Qualität des Geschehens wird im Hauptsatz durch ein Adjektiv oder
Adverb repräsentiert. Hier ergibt sich eine Gleichheit zwischen zwei verglichenen
Sachverhalten. Die Konjunktion ist
wie mint, ahogy
oblig. Korrelat so, (genau so) obl. Korrelate
Das Studium ist nicht so schwer, wie ich es dachte.
Im Juli war es (genau) so heiß, wie es vor einem Jahr war.
Bei identischen Verben im Hauptsatz und Nebensatz wird der Nebensatz zu einem
Satzglied gekürzt.
Im Januar war es so heiß wie vor einem Jahr.
Wenn man etwas mit einem nicht realen, sondern hypothetisch angenommenen
Sachverhalt vergleicht, spricht man vom hypothetischen Verhältnis der Gleichheit. Die
Konjunktionen dieses Verhältnisses sind:
als ob (als wenn, wie wenn)
fakult. Korrelat so fakult. Korrelate
Es ist so warm, als wäre es schon Juli. Olyan meleg van, mintha már július lenne.
Er tut, als ob er alles wüsste.
Er tut, als wüsste er alles. Úgy tesz, mintha mindent tudna.
Er sieht aus, als ob es ihm gefallen würde (als würde es ihm gefallen.) Úgy néz ki, mintha
tetszene neki.
Statt Konjunktiv des Präteritums kann im Nebensatz oft der Konjunktiv des Präsens, statt
Konjunktiv des Plusquamperfekts der Konjunktiv des Perfekts stehen.
Er spricht, als sei/wäre er ein Deutscher. Úgy beszél németül, mint egy (született) német.
Er isst so hastig, als ob er seit Tagen nichts gegessen habe/hätte. Olyan gyorsan eszik,
mintha napok óta nem evett volna semmit.
[Link] Verhältnis der Ungleichheit
Zwischen den im Haupt und Nebensatz ausgedrückten Sachverhalten besteht das
Verhältnis der Ungleichheit. Der Grad oder die Qualität des Geschehens im Hauptsatz
wird durch ein Adjektiv oder Adverb im Komparativ repräsentiert. Die Konjunktion ist:
als
75
75
76 1 Kapitelüberschrift
3.2.10 Restriktivsatz
Im Restriktivsatz drückt eine Einschränkung des Geltungsbereiches des Hauptsatz
geschehens aus. Restriktivsätze werden eingeleitet durch die Konjunktionen
soviel, soweit, insoweit, insofern
wie
insofern – als
insoweit – als
nur dass
außer dass
außer wenn
kaum dass
Soviel/wie ich weiß, ist er krank. Ich kann immer kommen, außer wenn ich krank bin. Die
Vorstellung war fast ausverkauft, kaum dass wir noch zwei Sitzplätze bekommen konnten. Die
Entscheidung war insofern schwierig, als wir keine Unterlagen von der Firma bekommen haben.
3.2.11 Kausalsätze
Kausalsätze werden in zwei Gruppen eingeteilt.
1. Der Nebensatz gibt die Ursache an:
• r e i n e Kausalsätze oder Kausalsätze im engeren Sinne
• Konditionalsätze
• Konzessivsätze
2. Der Nebensatz gibt die Wirkung an:
• Konsekutivsätze
• Finalsätze
[Link] Reiner Kausalsatz (Kausalsatz im engeren Sinne)
Haupt und Nebensatz umfassen notwendige Zusammenhänge von Ursache und Wirkung.
Der Kausalsatz wird eingeleitet durch die Konjunktionen
da, weil
fak. Korrelate: daher, darum, deshalb, deswegen, aus fak. Korrelate:
dem Grunde
zumal (da),
um so mehr / um so weniger als
Korrelat unüblich
Weil/da ich morgens keine Zeit habe, (darum/deshalb) frühstücke ich nicht.
77
Ich besuche dich (deshalb) nicht, weil ich krank bin. Der Dieb muss streng bestraft werden,
zumal er schon einmal im Gefängnis saß. Wir müssen ihm helfen, um so mehr(,) als dieser uns
schon auch geholfen hat. Wir müssen ihm um so mehr helfen, da….
[Link] Konditionalsatz
Im Konditionalsatz wird aus einer Bedingung eine Folge ausgedrückt. Die einleitenden
Konjunktionen sind
wenn
falls; im Falle dass
sofern/wofern
fak. Korrelat: so, dann
Wenn (im Falle dass) er nicht zu Hause ist, werden wir auf ihn nicht warten. Ha nincs otthon,
nem fogok rá várni.
Diese Sätze stehen den Temporalsätzen nahe, vgl. (Immer) wenn ich Zeit hatte, ging ich
im Park spazieren. Ha időm volt, a parkban sétáltam
Falls(im Falle, dass) der Adressat nicht anzutreffen ist, wird die Sendung am Postamt deponiert.
Amennyiben a címzett nem lelhető fel, a küldemény a postán marad.
Irreale Bedingung wird ausgedrückt:
a) als gegenwärtiges und zukünftiges Geschehen: im Deutschen durch den Konjunktiv des
Präteritums, im Ungarischen durch den Konditional des Präsens.
Wenn ich Zeit hätte,
Hätte ich Zeit,
Ha lenne időm,
} ginge ich ins Kino.
würde ich ins Kino gehen.
moziba mennék.
Vergangenes, abgeschlossenes Geschehen wird in beiden Sprachen durch den Konjunktiv
des Plusquamperfekts ausgedrückt.
Wenn ich Zeit gehabt hätte, wäre ich ins Kino gegangen.
Hätte ich Zeit gehabt, }
Ha lett volna időm, moziba mentem volna.
[Link] Konzessivsatz
Der Konzessivsatz drückt einen ungünstigen Umstand aus, der jedoch das
Hauptsatzgeschehen nicht wirksam macht. Die einleitenden Konjunktionen sind:
einteilige Konjunktionen
obwohl, obgleich
obzwar, obschon, wiewohl,
wenngleich
fak. Korrelat: dennoch, trotzdem,
77
78 1 Kapitelüberschrift
doch
zweiteilige Konjunktionen
wenn + auch
auch (selbst, sogar, und) + wenn
Obwohl er kein Österreicher war, fand er in Wien seine zweite Heimat. Bár nem volt osztrák,
Bécsben talált egy másik hazára.
Obwohl/obzwar/obgleich/obschon das Wetter schlecht ist, gehen wir ins Theater. Bár rossz az
idő, (mégis) moziba megyünk.
Sie fiel bei der Prüfung durch, obwohl sie sich darauf lange vorbereitet hatte. Nem tette le a
vizsgát, bár sokáig tanult rá.
Wenn er auch krank war, so ging er doch an die Arbeit. Habár beteg volt, mégis hozzálátott a
munkához.
[Link].1 Ausdrucksformen des Konzessivsatzes
Der Konzessivsatz hat mehrere Ausdrucksformen. Konzessive Bedeutung haben folgende
Nebensatzformen:
Verallgemeinernde Konzessivsätze: Fragepronomen + auch (immer)
Wann auch immer er zu uns kommt, er bewundert die Schönheit unseres Landes. Akármikor
jön is hozzánk, mindig megcsodálja hazánk szépségeit.
Wo du auch bist, vergiss nicht uns zu schreiben! Akárhol is vagy, ne felejts el írni nekünk.
Alternativfragen mit satzeinleitendem ob:
Ob es regnet oder schneit, nie trägt er einen Hut. Akár esik az eső, akár hull a hó, sosem
hord kalapot.
Konzessivsätze mit (wenn) auch können auch mit den Modalverben sollen (im Konjunktiv
Präteritum) und mögen (im Indikativ Präsens und Präteritum) vorkommen.
Mag es auch kühl sein, ich gehe spazieren. Ha hideg is van, én elmegyek sétálni.
Ich mochte sagen, was ich wollte, … Mondhattam, amit akartam …
Auch wenn er nicht kommen sollte, werden wir uns auf die Prüfung vorbereiten. Ha nem is
jönne el, mi felkészülünk a vizsgára.
Sätze mit den folgenden Strukturen:
auch wenn + noch so + Adjektiv/Adverb
Wenn er auch viel Geld hat/hätte, so will/wollte er doch mehr haben.Még ha sok pénze is
lenne, akkor is/úgyis többet akarna.
So/wie fleißig er auch ist, er konnte die Arbeit nicht beenden. Akármilyen szorgalmas is,
nem tudta befejezni a munkát.
Konzessivsatz kann durch Partizipialgruppe ersetzt werden
Obgleich gewarnt, wagten es die Touristen, den Kamm zu ersteigen. Már figyelmeztették
őket, a turisták mégis fel mertek menni a hegycsúcsra.
Imperativ oder Konjunktiv Präsens
Rede, was du willst, ich habe dich dort nicht gesehen. Mondhatsz, amit akarsz, én téged ott
nem láttalak.
Koste, was es wolle, ich muss es probieren. Kerüljön, amibe kerül, ki kell próbálnom.
Wer es auch sei, er möge eintreten. Akárki is az, lépjen be!
Was er auch wünsche, (es) sei ihm gewährt. Akármit is kíván, teljesítsük óhaját!
3.2.12 Konsekutivsatz
Der Konsekutivsatz drückt eine Folge aus, die sich aus dem Hauptsatzgeschehen ergibt.
Die einleitenden Konjunktionen sind
so dass/sodass
dass
obl. Korrelat: so
ohne dass
als dass
obl. Korrelat: zu
als dass
solch- dass
dermaßen dass
obl. Korrelat: nicht so
Er spricht leise, so dass man ihn nicht hört. Olyan halkan beszél, hogy alig lehet hallani.
Der Film ist so schön, dass ich ihn noch einmal sehen möchte. Ez a film olyan szép, hogy
még egyszer meg akarom nézni.
Das Wasser ist zu kalt, als dass man baden könnte. A víz túl hideg ahhoz, hogy lehessen
fürödni.
Die Eintrittskarten waren zu teuer, als dass wir sie hätten kaufen können. (… als dass wir sie
kaufen konnten.) A jegyek túlságosan drágák voltak (ahhoz), hogy meg tudjuk venni.
Er war zu klug, als dass er es geglaubt hätte. Er war zu klug, um es zu glauben. Túlságosan
okos volt ahhoz, hogy ezt el is higgye.
Das Wetter ist nicht so günstig, als dass wir auf die Jagd gehen könnten. Az idő nem alkalmas
arra, hogy vadászni menjünk.
Er ist dermaßen frech, dass sich die Mitschüler von ihm abwenden. Olyan szemtelen, hogy
osztálytársai elfordulnak tőle.
79
80 1 Kapitelüberschrift
3.2.13 Finalsatz
Der Finalsatz ist an ein Subjekt gebunden und drückt eine Absicht, einen Zweck oder ein
Ziel aus. Der Finalsatz ist gewöhnlich Nachsatz. Er wird mit folgenden Konjunktionen
eingeleitet.
damit, (selten dass) hogy
fak. Korrelate: darum, deshalb, deswegen, zu dem
Zweck, in der Absicht
Im Deutschen steht im Nebensatz der Indikativ, im Ungarischen hingegen der Imperativ
der Gegenwart.
Ich muss mich beeilen, damit ich nicht zu spät komme. Sietnem kell, hogy el ne késsek.
Der Bauer sät, damit er ernte(t). A paraszt azért vet, hogy arasson.
Wir gehen baden, damit wir uns erholen. Elmegyünk fürödni, hogy felfrissüljünk.
Finalsätze können durch einen Infinitiv mit um − zu ersetzt werden.
Mein Vater arbeitet, damit er seine Familie ernährt.
→ …, um seine Familie zu ernähren.
Wir gehen baden, damit wir uns erholen.
→ ..., um uns zu erholen.
3.2.14 Substitutivsatz
Der Substitutivsatz drückt eine nicht wahrgenommene Möglichkeit aus. Im Hauptsatz wird
eine andere Möglichkeit gezeigt. Der Sprecher beurteilt oft die im Hauptsatz angegebene
Möglichkeit als nicht richtig. Der Substitutivsatz wird mit folgenden Konjunktionen
eingeleitet:
statt dass ahelyett, hogy
anstatt dass
Korrelat: unüblich
Statt/anstatt dass wir hier alle Industriezweige aufzählen, nennen wir nur die wichtigsten.
Mein Sohn ist in die Turnhalle gegangen, statt dass er seine Schularbeiten machte.
Der Nebensatz kann durch Infinitivkonstruktionen ersetzt werden:
Mein Sohn ist in die Turnhalle gegangen, statt seine Schularbeiten zu machen.
81
3.2.15 Adversativsatz
In einem Adversativsatz steht das durch den Nebensatz ausgedrückte Geschehen im
Gegensatz zum Geschehen des Hauptsatzes. Der Adversativsatz wird mit folgender
Konjunktion eingeleitet:
während mialatt,
Korrelat: unüblich miközben
Während es gestern schön war, ist das Wetter heute unbeständig.
Anmerkungen:
Die Konjunktion während leitet auch temporale Nebensätze ein.
Adversatives Verhältnis kann auch durch koordinierende Konjunktionen (aber, jedoch)
oder Konjunktionaladverbien ausgedrückt werden. Vgl.
Gestern war es schön, aber heute regnet es.
Gestern war es schön, im Gegensatz dazu/demgegenüber regnet es heute.
(Vgl. Helbig/Buscha 1994: 695)
Im weiteren Sinne kann der Restriktivsatz als Kausalsatz des besonderen Begleitum
standes verstanden werden. Vgl. auch Marko 1991: 297.
81
82 1 Kapitelüberschrift
[Link].1 Relativsätze
mit was eingeleitete Nebensätze:
Er ist schon selbständig, was mich sehr freut.
mit Pronominaladverbien (wo + Präposition) eingeleitete Nebensätze:
Er hat geschrieben, worüber wir uns sehr gefreut haben.
b)Konjunktionalsätze:
mit als eingeleitete Konjunktionalsätze:
Es war ein schöner Sommernachmittag, als ich Therese besuchte.
mit wie eingeleitete Nebensätze
Er arbeitet fleißig, wie es scheint.
(Vgl. HELBIG/BUSCHA 1994: 674)
3.4 Attributsatz
Attributsätze sind Sätze, die verbunabhängig sind und sich meistens auf ein Nomen
beziehen.
Attributsätze sind durch spezielle Einleitungswörter gekennzeichnet. Neben den
morphologisch deklinierbaren Pronomen der, die, das; die und welcher, welche, welches;
welche sind die Einleitungswörter unveränderlich. Es sind Pronominaladverbien mit
wo(r)- und einige Pronomina (wer, was), Adverbien (wo, wie) und Konjunktionen (als,
wenn, wie).
Genus und Numerus der Pronomina der und welcher wird durch das Bezugswort im
Hauptsatz bestimmt. Der Kasus ergibt sich aus ihrer Satzgliedfunktion im Nebensatz.
Der Student, der mich besucht hat, ist der Sohn meines Freundes.
Die Studentin, die mich besucht hat, …
Das Kind, das mich besucht hat, …
Die Studenten, die mich besucht haben, …
Der Student, den ich gestern getroffen habe, …
Nach dem Typ und der Form der Einleitungswörter kann man folgende Gruppen
unterscheiden:
Das Bezugswort ist ein Substantiv oder ein substantivisches Pronomen, das
Einleitungswort ist das Pronomen der bzw. welcher in verschiedenen Numerus, Kasus
und Genusformen mit oder ohne Präpositionen.
Ich kenne den Studenten, der (welcher) dir diesen Brief geschrieben hat.
Da kommt Herr Meier, mit dessen Sohn ich befreundet bin.
Der Student, an den ich geschrieben habe, kommt morgen zu Besuch.
83
Merke: Wenn das Bezugswort ein Personalpronomen der 1. oder 2. Person ist, steht als
Einleitungswort der oder die mit dem entsprechenden Personalpronomen. Das Personal
pronomen wird − im Unterschied zum Ungarischen − im Nebensatz wiederholt.
Du, der du in diesem Haus wohnst, … Te, aki e házban laksz, …
Wir, die wir in diesem Haus wohnen, …Mi, akik e házban lakunk, …
Wir glauben Ihnen (Singular), der Sie stets aufrichtig waren, …
Wir glauben Ihnen (Plural), die Sie stets aufrichtig waren, …
In der dritten Person wird das Personalpronomen im Nebensatz nicht wiederholt:
Er, der in diesem Haus wohnt, …Ő, aki e házban lakik …
83
84 1 Kapitelüberschrift
4.1 Komplementsatz
Komplementsätze sind solche „Interrogativ und Konjunktionalsätze sowie uneingeleitete
Nebensätze, die als Subjekt oder Objektsätze fungieren und als »prädikative Aktanten«
valenzbedingt sind”. Sie „stellen Sachverhalte dar, denen Eigenschaften anerkannt oder
die zu Individuen oder zu anderen Sachverhalten in Beziehung gesetzt werden.”
(SOMMERFELDT/STARKE 1992: 239)
ES werden drei Typen von Komplementsätzen unterschieden:
1. Typ I: Bewertung eines Sachverhalts, der im Subjektsatz dargestellt wird
Es ist schön, dass ihr gekommen seid.
Ob ich Hans heute treffe, ist nicht sicher/ist zweifelhaft.
Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Einfachheit die Betrogenen überrumpelt worden
sind.
Im Hauptsatz wird die Stellungnahme des Sprechers/Schreibers auf unterschiedliche Art
ausgedrückt. Es handelt sich z.B. um den „Geltungsgrad einer Aussage, positive oder
negative Wertung, Relevanz oder Irrelevanz eines Sachverhalts, Ausdruck eines Gefühls
oder einer Absicht. Im Nebensatz (Subjektsatz) wird der Sachverhalt dargestellt, zu dem
Stellung genommen wird.” (SOMMERFELDT/STARKE 1992: 329)
Die Stellungnahme des Sprechers/Schreibers kommt durch Verben, prädikative Adjektive
oder Substantive zum Ausdruck:
es trifft zu megfelel a valóságnak
es stimmt igaz
es bewahrheitet sich megfelel a valóságnak, fedi a tényeket
es ist gewiss, sicher, erstaunlich, klar, biztos, kétségtelen, világos, tagadhatatlan u.a.
offenkundig, offenbar, unbestreitbar, erwiesen
es ist der Fall, Tatsache
Der Sprecher/Schreiber bewertet einen Sachverhalt als bedeutsam oder ohne
Bedeutung:
es ist aufschlussreich, beachtenswert, bedeutsam, lényeges, figyelemre méltó, döntő u.a.
bemerkenswert, entscheidend, ausschlaggebend,
wesentlich, wichtig
es ist ohne Bedeutung, einerlei, belanglos, lényegtelen, mindegy, mellékes u.a.
nebensächlich, unerheblich,
es tut nichts zur Sache
85
2. Typ II.: Ausdruck einer Relation zwischen einem Individuum (einer Gruppe etc.)
und einem Sachverhalt. Der betreffende Sachverhalt wird sprachlich durch einen
Subjekt oder Objektsatz ausgedrückt:
Beispiele mit Subjektsatz:
Dass Monika schlecht studiert, beunruhigt die Eltern.
Mich bewegt, wie viele Menschen Opfer dieses unsinnigen Krieges geworden sind.
Objektsätze stehen bei Verben der Wahrnehmung, Verben des Fühlens, Denkens
und Wollens sowie bei Verben der Mitteilung.
Er sagte mir, dass er kommt/komme.
Er hat mich gefragt, ob ich etwas von diesem Verkehrsunfall gehört habe.
3. Typ III.: Darstellung einer Beziehung zwischen zwei Sachverhalten
„In diesem Falle werden zwei Sachverhalte in Nebensätzen (Subjekt und Objektsatz)
ausgedrückt, zwischen denen ein Prädikatsausdruck (meist ein zwei oder dreiwertiges
Verb oder ein Funktionsverbgefüge) zum Ausdruck einer spezifischen semantischen
Beziehung steht:” (SOMMERFELDT/STARKE 1992: 240)
Ob du Erfolg hast, hängt davon ab, mit welcher Kraft und Ausdauer du deinen Erfolg anstrebst.
4.2 Verhältnissätze
SOMMERFELDT/STARKE nennen folgende Merkmale von Verhältnissätzen:
a) Sie sind syntaktisch vollständigen Trägersätzen untergeordnet, besetzen also Leer
stellen von Valenzträgern wie Komplementsätze.
b) Sie sind entweder Konjunktionalsätze oder semantisch analoge uneingeleitete Stirn
sätze. Als Einleitewörter sind alle subordinierenden Konjunktionen (…) möglich.
c) Satzgefüge mit Verhältnissätzen dienen der Darstellung einer kommunikativ bedeut
samen inhaltlichen Beziehung zwischen zwei Sachverhalten entsprechend den
Bedeutungsgruppen der Adverbialbestimmungen (… ausgenommen das lokale Ver
hältnis.)
Die Verfasser belegen dies mit folgenden Beispielen:
Ich war ihnen dankbar, weil ich zum ersten Mal mich gleichsam bestätigt fühlte. (St. Zweig) =
Kausalsatz
Indem die Tückische dermaßen ihre Schwestern gleichzeitig lockte und abmahnte, träufte derart
glatte Rede nur Öl in die brennende Flamme ihres Hochmuts. (St. Zweig) = Modalsatz
(ebenda)
In einigen Fällen werden die Nebensätze ohne Konjunktionen eingeleitet.
Im Fernstudium spielen Konsultationen eine entscheidende Rolle, dienen sie doch der
Vertiefung und Festigung des Lehrstoffes.
(ebenda)
85
86 1 Kapitelüberschrift
4.3 Relativsätze
„Relativsätze sind Nebensätze, die durch ein Relativpronomen oder ein Relativadverb
eingeleitet werden. Dieses Relativum repräsentiert syntaktisch ein Satzglied des Neben
satzes; es ist semantisch gefüllt durch den Rückbezug auf ein Satzglied im Trägersatz.”
(Sommerfeldt/Starke 1992: 243) Funktionalsemantisch charakterisieren Relativsätze
Individuen, Gruppen von Individuen oder Sachverhalte in der Form eines Nebensatzes.
Man kann folgende Klassen von attributiven Relativsätzen unterscheiden:
1. E r l ä u t e r n d e , a p p o s i t i v e oder n i c h t r e s t r i k t i v e Attributsätze. Sie bieten
zusätzliche Informationen, die für die Identifizierung der Denotate nicht erforderlich
sind.
Der Bekannte, der mich gestern aufgerufen hat, kommt heute nicht.
2. R e s t r i k t i v e oder einschränkende Attributsätze. Sie geben „Merkmale wieder, die
ein Individuum oder eine Gruppe von Individuen von anderen mit gleicher Benennung
abgrenzen, eine Gruppe von Individuen also identifizieren.” (ebenda)
Nur der sieht, der auch liebt … (A. Zweig)
Derjenige Journalist, der diesen Artikel veröffentlicht hat, fährt im nächsten Monat in den
Kuwait.
3. V e r g l e i c h e n d d e t e r m i n i e r e n d e r Attributsatz. Dieser Satz „kennzeichnet
und spezifiziert die Semantik des Bezugswortes dadurch, dass er einen Vergleichs
maßstab oder eine maßstabsetzende Bedingung ausdrückt.” (ebenda)
Anja möchte einen Pelzanorak, wie er im Schaufenster ausgestellt ist.