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Syntax

Die Syntax untersucht die Struktur und die Gesetzmäßigkeiten der Satzbildung in der Sprache, wobei sie zwischen paradigmatischen und syntagmatischen Beziehungen unterscheidet. Der Satz wird als zentrale Einheit der Syntax definiert und kann in einfache und zusammengesetzte Sätze unterteilt werden, wobei verschiedene Nebensatzarten und Satzformen wie Ellipsen und Parenthesen behandelt werden. Zudem wird die Satzintonation als wichtiger Aspekt der sprachlichen Kommunikation hervorgehoben.

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Syntax

Die Syntax untersucht die Struktur und die Gesetzmäßigkeiten der Satzbildung in der Sprache, wobei sie zwischen paradigmatischen und syntagmatischen Beziehungen unterscheidet. Der Satz wird als zentrale Einheit der Syntax definiert und kann in einfache und zusammengesetzte Sätze unterteilt werden, wobei verschiedene Nebensatzarten und Satzformen wie Ellipsen und Parenthesen behandelt werden. Zudem wird die Satzintonation als wichtiger Aspekt der sprachlichen Kommunikation hervorgehoben.

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1 Gegenstand der Syntax

In der Kommunikation werden Wörter zu Sätzen zusammengefügt. Dies kann nicht in be­
liebiger Reihenfolge geschehen, sondern es müssen dabei gewisse Ordnungen und
Gesetzmäßigkeiten beachtet werden. Diese Gesetzmäßigkeiten untersucht die Syntax
(griechisch syntaxis = »Zusammenstellung, Zusammenordnung« oder Satzlehre.

Syntax ist die Lehre von den Systembeziehungen zwischen Wörtern und
Phrasen.

1.1 Arten syntaktischer Beziehungen


Sprachliche Elemente stehen in unterschiedlichen Beziehungen zueinander. Man
unterscheidet paradigmatische und syntagmatische Beziehungen.
Unter paradigmatischen Beziehungen verstehen wir „die Beziehungen zwischen
Einheiten, die in ein und demselben Kontext auftreten können und sich in diesem Kontext
gegenseitig ausschließen”. (Lewandowski 1990: 774 f.) Die Lehre von den Paradigmen,
insbesondere die Deklinations­ und Konjugationsschemata, ist ein wichtiger Bestandteil
der Morphologie.
Unter syntagmatischen Beziehungen verstehen wir „Beziehungen zwischen Einheiten,
die in einem Kontext gemeinsam vorkommen”. (ebenda, S. 1130) Zu den syntagmatischen
Beziehungen gehören:
• Zuordnung
Unter Zuordnung (Koordination, Parataxe) versteht man z.B. die Verbindung
zwischen Subjekt und Prädikat. In den traditionellen Grammatiken sind beide
Satzglieder gleichwertig und bedingen einander. Das gegenseitige Bedingen findet
seinen grammatischen Ausdruck u.a. in der Kongruenz in Person und Numerus.
Das Kind lernt/Die Kinder lernen.
Der Student/Die Studentin las ein Buch.
• Unterordnung
Bei Unterordnung (Subordination, Hypotaxe) handelt es sich um Abhängigkeits­
beziehungen zwischen:
Hauptsat
a) Sätzen (Hauptsatz, Nebensatz) z
Ich freue mich, dass du kommst.
Nebensat
6 1 Kapitelüberschrift

b) Satzgliedern, z.B.
Objektbeziehungen: einen Roman lesen
lesen

einen Roman
• Nebenordnung (Koordination, parataktische Verbindung):
Bei Nebenordnung werden Wörter, Wortgruppen und Sätze gleichen syntaktischen
Wertes nebeneinander gestellt. Es handelt sich insbesondere um:
Satzreihe:
Der Zug auf Bahnsteig 4 fährt nach Passau, der Zug auf Bahnsteig 3 fährt nach Veszprém.
Nebensatzreihe:
Weil er uns kein Wort gesagt hat und weil er so frech war, helfen wir ihm nicht.
Wortgruppenreihe:
Ich bat ihn, nach Wien zu fahren und uns Theaterkarten zu besorgen.
Wortreihe:
Wir kaufen Brot, Butter, Zucker und Wein.
Die koordinierenden sprachlichen Mittel können mit einem verknüpfenden Wort oder
ohne solches miteinander verbunden werden. Man unterscheidet asyndetische,
syndetische und polysyndetische Verbindungen:
• asyndetisch bedeutet, dass kein spezielles verknüpfendes Wort vorhanden ist:
ein gutes, interessantes Buch
• syndetisch bedeutet, dass die Elemente mit einem verknüpfenden Element verbunden
sind:
ein gutes und interessantes Buch
• polysyndetisch bedeutet, dass mehrere verknüpfende Elemente vorhanden sind:
ein gutes und interessantes und preisgekröntes Buch

1.2 Der Satz


Die Grundeinheit der syntaktischen Ebene ist der Satz. Die Fachliteratur kennt über
dreihundert Satzdefinitionen. In jedem Definitionsversuch stehen verschiedene – logische,
7

psychologische, didaktische – Aspekte und Ansätze im Vordergrund. Im Folgenden


möchten wir nun einige Satzdefinitionen nennen:
Der Satz ist der sprachliche Ausdruck, das Symbol dafür, dass sich die Verbindung
mehrerer Vorstellungen oder Vorstellungsgruppen in der Seele des Sprechenden vollzogen
hat, und das Mittel dazu, die nämliche Verbindung der nämlichen Vorstellungen in der
Seele des Hörenden zu erzeugen.
(Hermann Paul, 1880)
Ein Satz ist eine grammatisch geformte kleinste Redeeinheit, die ihren Inhalt im Hinblick auf
sein Verhältnis zur Wirklichkeit zum Ausdruck bringt.
(John Ries, 1933)
Als kleinste relativ selbständige Redeeinheit erscheint der Satz. In einem abgeschlossenen
Sprech- (oder Schreib-)Akt des Sprechers für einen Hörer (Leser) geprägt – vermag er ein
Geschehen oder Sein als tatsächlich statthabend oder stattgehabt, möglich, erwünscht,
nötig oder fraglich zu bezeichnen, je nach dem Erfordernis der Sprech-(Schreib-)Situation,
auf die er zugeschnitten ist. (Johannes Erben, 1961)
Der Satz ist eine Sinneinheit innerhalb eines größeren Gedankenzusammenhangs;
Der Satz ist eine Spannungseinheit, innerhalb welcher Zwischenspannungen auftreten
können;
Der Satz ist eine durch Atemdruck bewirkte, durch einen bestimmten Tonablauf
zusammengehaltene Klangeinheit, die durch verschieden lange Sprechakte gegliedert wird;
Der Satz ist eine durch das Verb gestaltete, grammatisch gegliederte Einheit.
(Walter Jung, 1965: 1f.)
Sätze sind sprachliche Einheiten, die relativ selbständig und abgeschlossen sind. Sie
bauen sich aus kleineren sprachlichen Einheiten auf, die ihrerseits auch schon einen
gewissen Selbständigkeitsgrad haben, aus Wörtern und gegliederten Wortgruppen; und sie
erscheinen normalerweise in größeren selbständigen und abgeschlossenen sprachlichen
Einheiten, in Texten.
(Dudengrammatik 1995: 590)
Die Einheit des stimmlichen Hinsetzens, das in einem Atemzug hervorgebrachte Gebilde,
das nennen wir Satz. Der Satz ist die kleinste Atemeinheit der normal fließenden Rede.
(Hans Glinz, 1962: 71 f.)
Der Satz kann … definiert werden als sprachliches Konstrukt, das
• ein finites Verb enthält,
• kein Element enthält, das ihn anderen Elementen unterordnet, somit (mindestens
potentiell) autonom ist und
• sich in besonderer Weise zur Verdeutlichung von Sprechakten eignet.
(Ulrich Engel 1996: 180)
Äußerungen wie
Aus.

7
8 1 Kapitelüberschrift

Schade!
Den Hammer, bitte.
Eine Enttäuschend, dieser Sommer.
sind daher keine Sätze im Sinne der Satzdefinition von U. Engel.
Man kann den Satz auf Grund seines Inhaltes, seiner Funktion, seiner Rolle in der Rede
und seiner grammatischen Form bestimmen.
H. PAUL definiert den Satz auf einer psychologischen Basis, die den vorherrschenden
theoretischen Grundpositionen in der Linguistik um die Jahrhundertwende entspricht. Die
Definition von Ries hebt den pragmatischen Aspekt des Satzes hervor: die Thematisierung
des Wahrheitskriteriums und das Verhältnis zur Wirklichkeit. Die Definitionen von
W. JUNG und der DUDENGRAMMATIK sind allgemein, sie heben keine kennzeichnenden
Aspekte hervor. Die Definition von U. ENGEL entspricht der strukturellen Sprach­
auffassung, die insbesondere in der dependentiellen Grammatik angewandt wird.
Die Definition von H. GLINZ bezieht suprasegmentale (prosodische, artikulatorische)
Fakten ein.
All die genannten Definitionen heben bestimmte Seiten, Merkmale des Satzes hervor. Zu
einem allgemeinen Satzverständnis muss man aber mehrere Seiten des Satzes berück­
sichtigen. Zunächst müssen wir zwischen dem Satz als abstrakter Einheit und der Äuße­
rung als konkretem kommunikativem Ereignis unterscheiden. Die konkrete Realisierungs­
form des Satzes ist die Äußerung.
Der Satz kann auf mehreren Ebenen des Sprachsystems untersucht werden.
• Der Satz hat einen bestimmten grammatischen Bau. Er ist eine grammatisch-
strukturelle Einheit, die nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten aufgebaut ist. Der Satz
im Deutschen ist „dadurch charakterisiert, dass er zweigliedrig, nominativisch und
verbal ist.” (V. Admoni, 1972: 225) Die traditionelle Syntax spricht in diesem Sinne
von einer Binarität des Satzes. Dies äußert sich u.a. in der Kongruenz von Subjekt und
Prädikat in Person und Numerus. Ein zweites Merkmal des deutschen Satzes ist die
relativ feste Stellung des finiten Verbs und der den prädikativen Rahmen schließenden
Satzglieder.
• Der Satz ist eine relativ abgeschlossene Redeeinheit.
• In der gesprochenen Sprache ist der Satz durch seine Stimmführung als relativ
abgeschlossen gekennzeichnet.
• Der Satz ist schließlich eine graphische Einheit. Dies äußert sich in der Großschreibung
des ersten Wortes im Satz sowie in den Schlusszeichen (Punkt, Ausrufezeichen). Die
Teilsätze werden voneinander ebenfalls durch orthographische Zeichen (Komma,
Semikolon, Gedankenstrich, Doppelpunkt) getrennt.
9

1.3 Satzformen
Satzformen können traditionell nach unterschiedlichen Kriterien bestimmt werden wie
etwa nach der Anzahl der prädikativen Einheiten (Subjekt und Prädikat) und nach den
syntaktischen Beziehungen zwischen ihnen.
Der einfache Satz enthält nur eine prädikative Einheit:
Die Kinder spielen den ganzen Tag im Garten.
Der zusammengesetzte Satz enthält zwei oder mehrere prädikative Einheiten. Aufgrund
der syntaktischen Beziehungen unterscheidet man zwei Arten von zusammengesetzten
Sätzen: Satzverbindung und Satzgefüge.
Die Satzverbindung besteht aus zwei oder mehreren koordinierten (nebengeordneten)
Sätzen, z.B.:
Die Mutter kocht, der Vater liest die Zeitung.
Die Mutter kocht, der Vater liest die Zeitung, denn er hat schon staubgesaugt.
Das Satzgefüge besteht aus einem Hauptsatz und einem oder mehreren Nebensätzen. Der
Nebensatz ist vom Hauptsatz abhängig.
Die Nebensätze können wir klassifizieren
a) nach ihrem Satzgliedwert
b) nach ihrer Einleitung
c) nach ihrer Stellung in Bezug auf den Hauptsatz
d) nach dem Grad ihrer Abhängigkeit vom Hauptsatz
a) Nach seinem Satzgliedwert kann der Nebensatz auftreten als
• Satzglied (Gliedsatz), und zwar als Subjekt, Objekt oder Adverbial­
bestimmung: Subjekt
Objekt
Es ist sicher, dass er schon da ist.
Er fragte, ob das noch einmal gemacht werden soll. Temporalbestimmung
Als ich gestern etwas Zeit hatte, las ich ein Buch.

• als Satzgliedteil (Gliedteilsatz / Attributsatz):


Sein Vater, in dessen Haus ich die Ferien verbracht habe, ist Rentner.
Sein Doktorvater, auf den er sich in seiner Dissertation beruft, ist ein anerkannter Wissen­
schaftler.
b) Je nachdem, ob Nebensätze durch Konjunktionen, Pronomen oder Adverbien
eingeleitet werden oder nicht, unterscheidet man:
• eingeleitete Nebensätze. In den eingeleiteten Nebensätzen stehen die finiten
Verbformen am Ende des Satzes:
Es freut mich, dass du endlich gekommen bist.

9
Hauptsatz

10 1 Kapitelüberschrift

Ich weiß nicht genau, wann sie gekommen ist.


• uneingeleitete Nebensätze. Die Struktur der uneingeleiteten Nebensätze entspricht der
eines einfachen Satzes:
Es ist klar, du musst es anders machen.
Sie sagte mir, wir können heute ins Kino gehen.
c) Nach ihrer Stellung in Bezug auf den Hauptsatz unterscheidet man:
• Vordersätze
Wenn du kommst, gehen wir ins Kino.
• Zwischensätze Nebensatz I
Der Roman, der auf dem Tisch liegt, ist ein Bestseller.
• Nachsätze Nebensatz II

Ich weiß, dass er krank ist.


Hauptsat
d) Man unterscheidet Nebensätze 1., 2., 3. usw. Grades.
Das Gelöbnis, sich in ferner Zukunft zu bessern, wie die Forscher es den Teilnehmerstaaten
empfehlen, würde da nicht mehr viel helfen.
(Die Zeit 44/1995: 23)
Neben den herkömmlichen einfachen und zusammengesetzten Sätzen gibt es eine
Reihe von Sonderformen. Die wichtigsten sind folgende:

1.3.1 Die Ellipse


Ellipse (griechisch elleipein »mangeln«, »fehlen«) ist Ersparung von Redeteilen. Es be­
deutet, dass im Satz Elemente ausgeschlossen werden, die zum Verständnis nicht
unbedingt notwendig sind, die sich aus dem Text­ oder Situationskontext ergeben. Die
Ursachen solcher Auslassungen sind meist sprachökonomische Gründe.
Wir wollen morgen nach Wien (fahren).
(Ich) Habe Lust zu denken und (ich) denke an Lust. (Inserat)

1.3.2 Die Parenthese


Unter Parenthese (auch Einschaltung, Schaltsatz) versteht man den Einschub eines
Redeteils (Wortes, Satzes oder einer Wortgruppe) in eine syntaktische Konstruktion. Das
eingefügte Element steht in unterschiedlichen Beziehungen zum Satz, in den es eingebettet
ist. Die wichtigsten Arten sind folgende:
11

• Angabe des Autors oder der Quelle:


Gegen fast 10000 Sparer, so berichtet der Düsseldorfer Staatsanwalt J.R., bestehe ein gewisser
… (Die Zeit 44/1995: 23)
• Hervorhebung aus einer Menge:
Man hätte also vermuten dürfen, dass die Verleihung eines Fernsehpreises – und dann auch noch
eines bayerischen und dann auch noch von RTL übertragen – als pure Gaudi über dem Schirm
flimmert, … (Die Zeit 44/1995: 72)
• Ausdruck einer Wertung oder Stellungnahme des Sprechers/Schreibers:
Heute hat sie (= die Kritik), sofern es sie noch gibt, zu einem ironischen Ton gefunden. (Die
Zeit 44/1995: 72)

1.4 Strukturtypen des Satzes


Die Sätze kann man nach der Stellung des finiten Verbs einem bestimmten Strukturtyp
zuordnen. Die traditionelle Syntax unterscheidet drei Typen:
• Kernsatz (Zweitstellung der finiten Verbform)

Vorfeld finites Nachfeld


Wir fahren nach Wien.
Wir sind nach Wien gefahren.
Das finite Verb steht an zweiter Stelle. Der Satzbereich vor dem finiten Verb wird
Vorfeld, jener danach Nachfeld genannt.
• Stirnsatz (Erststellung des finiten Verbs)

finites
Fährst du mit nach Wien?
Wirst du mit nach Wien fahren?
In Sätzen mit Stirnform steht das finite Verb an der Spitze des Satzes. Dies kommt
insbesondere in direkten und indirekten Fragesätzen (und zwar Entscheidungsfragen), in
Ausrufesätzen (Bliebe er mir doch vom Leibe!) sowie in uneingeleiteten Konditionalsätzen
(Ist das Wetter schön, gehen wir ins Schwimmbad.) vor.
• Spannsatz (Endstellung des finiten Verbs)

finites
,weil du nicht mitgekommen bist.
, dass er nicht mitkommen konnte.

11
12 1 Kapitelüberschrift

In der Spannform steht das finite Verb am Satzende. Sätze der Spannform werden mit
einem Einleitewort begonnen, das den Spannungsbogen bis zum Ende des Satzes
aufrechterhält. Diese Satzform kommt hauptsächlich in Nebensätzen vor.
Eine andere Form des Spannsatzes bilden zweiteilige Verben, z.B. Verben mit trennbarer
Vorsilbe, Funktionsverbgefüge u.a. und zusammengesetzte Tempusformen. Mit diesem
Strukturtyp sind folgende Satzarten verbunden:
• Aussagesatz
Romeo lernte Julia kennen.
Ich habe die Zeitung gelesen.
Er pflegt jeden Abend spazieren zu gehen.

1.4.1 Satzintonation
Satzintonation bezeichnet die melodische Gestaltung einer Äußerung auf der
Grundlage der jeweiligen Akzentuierungssilbe(n) unter einem bestimmten kommu­
nikativen Aspekt, z.B. Aussage, Aufforderung, Frage. Zur Satzintonation gehören
alle prosodischen Elemente, die den Satz formen. Es sind folgende Elemente:
Akzent, Rhythmik, Pausen, Sprechtempo und Tonhöhenverlauf.
Man kann u.a. folgende Typen der Satzintonation unterscheiden:
• Terminale oder fallende Satzintonation/Satzmelodie
• Progrediente oder weiterführende Satzmelodie
• Interrogative oder fragende Satzintonation
Die terminale oder fallende Intonation kommt vor als:
∗ Aussage: Es schneit.
∗ Ausruf: Gestehe!
∗ Aufforderung: Geh an die Arbeit!
∗ Anrede: Verehrte Anwesende!
∗ Ergänzungsfrage: Wer war das?
∗ Alternativfrage: Willst du, oder willst du nicht?
Progrediente oder weiterführende Intonation kommt vor als:
∗ Satzteil oder Vordersatz: Als es Abend war, ...
Ich habe getan, wie mir befohlen war.
∗ Alternativfrage: Trinken Sie lieber Bier oder Wein?
∗ Rhetorische Bildung: Die Sonne scheint.
Die Vögel singen.
13

Die interrogative oder fragende Intonation ist typisch für:


∗ Entscheidungsfragen: Kennen Sie die Dame?
Kommen Sie?
∗ Ergänzungsfragen + Nachfragen: Wie viel kostet es?

1.5 Satzarten
Satzarten werden nach der kommunikativen Funktion des Satzes ermittelt. Man kann
eigentlich zwei Gruppen von Satzarten unterscheiden: “Sätze, in denen lediglich etwas
mitgeteilt wird, und Sätze, mit denen man eine Reaktion beim Empfänger erreichen will.
Zur ersten Gruppe gehört der Aussagesatz, zur zweiten gehören Aufforderungs­ und
Fragesatz.”
Im Folgenden wollen wir folgende fünf Satzarten behandeln:
• Aussagesatz
• Fragesatz
• Aufforderungssatz
• Wunschsatz
• Ausrufesatz

Aussagesatz
Der Aussagesatz ist die neutrale Form des Satzes. Das finite Verb steht daher häufig an
zweiter Stelle. Im Aussagesatz wird in der Regel dem Kommunikationspartner etwas
mitgeteilt.
Wir gehen heute ins Kino.
Dieser Junge ist mein Freund.
Eine besondere Untergruppe von Aussagesätzen bilden
(1) einfache Konditionalsätze
(2) indirekte Rede.
Die Grundstruktur des Aussagesatzes ist:

Fragesatz
Zweitstellung + Indikativ + terminale (fallende)
Intonation
des finiten Verbs
In Fragesätzen fordert der Sprecher im Allgemeinen seinen Gesprächspartner auf, ihm
zum gefragten Sachverhalt weitere Informationen zu liefern. „Fragesätze sind also
Aufforderungen bestimmter Art, die im Unterschied zu den eigentlichen Aufforderungs­
sätzen aber nicht auf aktionale Reaktion, sondern auf verbale Reaktion gerichtet sind.”
(HELBIG/BUSCHA 1994: 611) Es gibt zwei Formen des Fragesatzes: die Ergänzungsfrage
oder Wortfrage und die Entscheidungsfrage oder Satzfrage.

13
14 1 Kapitelüberschrift

Mit Entscheidungsfragen oder Satzfragen fragt man nach der Existenz eines
Sachverhaltes. Die Antwort lautet immer ja oder nein.
Hast du den neuesten Roman von Peter Handke gelesen?
• Ja,( ich habe ihn gelesen).
• Nein, (ich habe ihn nicht gelesen).
Die Grundstruktur dieses Fragesatzes ist:

finites
Mit Verb + Indikativ
Ergänzungsfragen +steigende
oder Intonation
Wortfragen fragt man nach etwas Unbekanntem.
(Konjunktiv)
Wer hat dich gestern besucht?
• Hans (hat mich gestern besucht).
Es gibt einige Sonderformen von Ergänzungsfragen:
Vergewisserungsfragen. Hier erwartet man eine bestätigende Antwort.
Du kommst heute doch ins Kino mit?
• Ja, (ich komme mit).
Vergewisserungsfragen sind manchmal Ergänzungsfragen mit Spitzenstellung des finiten
Verbs und einer unbetonten Negationspartikel.
Kommen Sie nicht aus Passau? (Sie kommen doch aus Passau?)
Alternativfragen bestehen gewöhnlich aus zwei Entscheidungsfragen und der Kon­
junktion oder.
Gehen wir oder fahren wir?
Liest du ein Buch oder (liest du) eine Zeitung?
Rhetorische Fragen. Der Fragesatz enthält meist die Antwort in sich.
Habe ich das damals nicht behauptet?
Die Fragewörter sind Pronomina (a) oder Adverbien (b):
a) Personen oder Nicht­Personen werden durch Interrogativpronomen (wer?, was?) oder
Adverbien erfragt:
Wer kommt heute mit? – Der Nachbar kommt mit. (Person)
Was machst du heute? (Nicht­Person)
Zu wem geht ihr heute? – Wir gehen zum Nachbarn. (Person)
Wozu ist es geeignet? – Es ist zum Schreiben geeignet. (Nicht­Person)
15

Die Grundstruktur dieses Fragesatzes ist:

Fragepronomen Indikativ fallende


Intonation
+ +
Aufforderungssatz
Im Aufforderungssatz wird der Kommunikationspartner zu einer Handlung veranlasst. Die
typische Form der Aufforderung ist der Imperativsatz. In diesem Satz steht das finite Verb
am Satzanfang.
Hör doch mal auf mit dem Quatsch!
In der vertraulichen Redeform wird das Subjekt gewöhnlich eliminiert. Das Subjekt wird
nur dann genannt, wenn “es aus einer größeren Gruppe hervorgehoben werden soll. Bei
der Höflichkeitsform ist dagegen das Subjekt im aktuellen Satz obligatorisch.”
(HELBIG/BUSCHA 1994: 614)
Bring mir das Buch! (vertrauliche Form, 2. Person Singular)
Bring du mir das Buch! (vertrauliche Form, 2. Person Singular, mit Hervorhebung)
Bringt mir das Buch! (vertrauliche Form, 2. Person Plural)
Bringt ihr mir das Buch! (vertrauliche Form, 2. Person Plural, mit Hervorhebung)
Bringen Sie mir das Buch! (Höflichkeitsform)
Anmerkung: Wird die Aufforderung an eine Gruppe gerichtet, in die sich der
Sprecher/Schreiber einbezieht, wird die 1. Person Plural verwendet. Diese Form ist
mit dem Konjunktiv Präsens identisch. Das Subjekt ist in dieser Form obligatorisch.
Gehen wir endlich nach Hause!
Seien wir vorsichtig!
Für den Imperativ gibt es einige Konkurrenzformen. Die wichtigsten sind folgende:
• Fragesätze
Könnten Sie mir sagen, wie spät es ist? (= Sagen Sie mir bitte, wie spät es ist!)
Wann hörst du endlich mit dem Unsinn auf? (= Hör endlich mit dem Unsinn auf!)
• Aussagesätze (im Präsens und im Futur)
Du schreibst jetzt die Aufgabe!
Du wirst jetzt schweigen!
• Verwendung von Modalverben oder einigen Vollverben
Du musst ihm antworten. (Antworte ihm!)
Ich bitte dich, antworte ihm.
Wir brauchen deine Unterstützung. (Unterstütze uns!)

15
16 1 Kapitelüberschrift

• Sätze mit Konjunktiv Präsens + Indefinitpronomen man


Man verwende dazu einen Öffner! (Verwenden Sie dazu einen Öffner!)
Man nehme den Hörer ab! (= Nehmen Sie den Hörer ab!)
• Isolierte Nebensätze
Wenn Sie mir mal diese Frage beantworten würden!
Dass du mir gut aufpasst!
Wenn Sie bitte einen Moment warten wollen!
(Vgl. Helbig/Buscha 1994: 615)

Wunschsatz
Im Unterschied zum Aufforderungssatz drückt der Wunschsatz keine direkte Aufforde­
rung aus, sondern bringt zum Ausdruck, dass der Sprecher wünscht, dass etwas von
seinem Willen Unabhängiges realisiert oder nicht realisiert wird. Der Wunschsatz kann
ausdrücken:
• erfüllbaren Wunsch
• irrealen, nicht erfüllbaren Wunsch
Die Grundschemen des Wunschsatzes sind:

es + Konjunktiv Präsens mit fallender


Intonation
für den erfüllbaren Wunsch:
Es lebe unser Präsident!
für den irrealen Wunsch:

wenn doch Konjunktiv + fallende


Intonation
Wenn doch mein Freund käme! Bárcsak jönne a barátom!
Wenn ich dir doch nur helfen könnte! Bár tudnék segíteni neked!
Wenn er doch (nur) nichts gesagt hätte! Bár ne mondott volna semmit!
Käme doch mein Freund! Bárcsak (el)jönne a barátom!
Könnte er doch nur helfen! Bárcsak tudna segíteni!
Hätte er doch (nur) nichts gesagt! Bár ne mondott volna semmit!
17

Ausrufesatz
Ausrufesätze drücken die subjektive Einstellung des Sprechers zu einem Sachverhalt aus.
Die emotionale Bewegung (Begeisterung, Bewunderung u.a.) bezieht sich auf einen meist
durch ein Adjektiv oder Adverb repräsentierten Sachverhalt. Die syntaktische Struktur des
Ausrufesatzes entspricht
• einem Aussagesatz (mit den Partikeln aber, vielleicht)
Du hast es aber schön eingerichtet!
• einem Aussagesatz mit dem Qualitätsausdruck in Spitzenstellung
Schön ist das Wetter heute!
• einem Fragesatz (Entscheidungsfrage mit fallender Intonation oder Ergänzungsfrage
mit wie; beide können kombiniert werden mit Partikeln wie aber, doch, nur.
Bin ich heute (aber) müde!
Wie müde bin ich heute!
• Am Ende des Ausrufesatzes steht das Ausrufezeichen (!).
Habt ihr schon jemals einen besseren Wein getrunken!

1.6 Wortgruppen und Satzglieder


Unter einer Wortgruppe verstehen wir ein mehrwortiges Satzglied oder Satzgliedteil. Sie
ist eine „hierarchische Verbindung zweier oder mehrerer syntaktisch und semantisch
aufeinander bezogener Wörter, die als Ganzes nicht dem Lexikon der Sprache angehört
und ein Satzglied oder einen Satzgliedteil bildet.” (W. JUNG 1988: 64) Zwischen den
Elementen einer Wortgruppe gibt es die Beziehung der Subordination. Koordinierende
Verbindungen gleicher Satzglieder oder Satzgliedteile sind keine Wortgruppe. z.B.:
ein neues, interessantes Buch
Ich habe vor, in die Stadt zu gehen.
Nicht als Wortgruppen betrachtet werden Verbindungen eines Autosemantikons mit einem
grammatischen Hilfselement (Artikel, Hilfs­ oder Modalverb u.a.):
Artikel + Substantiv: der Kranke, ein Mensch
Temporales Hilfsverb + (Ich) werde kommen. (Es) wird gemacht.
Vollverb
Hilfswort + Adjektiv: am besten, zu spät
Nach der Wortart des dominierenden Wortes kann man folgende Wortgruppen unter­
scheiden:
• Verbale Wortgruppen
• Substantivgruppen
• Adjektivgruppen

17
18 1 Kapitelüberschrift

• Adverbgruppen

1.6.1 Verbale Wortgruppen


Verbale Wortgruppen unterscheiden sich von einem Satz, obwohl sie implizit eine
Subjekt­Prädikat­Beziehung enthalten, „durch das Fehlen der Satzglieder Subjekt und
Prädikat und damit durch das Fehlen der aktuellen Prädikation.” (SOMMERFELDT/STARKE
1992: 186) Aus dem oben erwähnten Grund werden sie nicht zu den Sätzen, sondern zu
den satzwertigen Wortgruppen gerechnet.
Den Kern der verbalen Wortgruppen bilden infinite Verbformen, also der Infinitiv oder
das Partizip. Man kann unterscheiden:
• Infinitivgruppe oder Infinitivkonstruktion, satzwertigen Infinitiv
• Partizipialgruppe oder satzwertiges Partizip
Die Infinitiv­ und die Partizipialgruppe können für jedes Satzglied oder jeden Gliedsatz
stehen:
als Subjekt
Irren ist menschlich. Pünktlich zu kommen ist ratsam.
Dieses Medikament regelmäßig einzunehmen ist notwendig.
als Objekt
Der Arzt bittet den Patienten, nächste Woche wiederzukommen.
Ich verspreche, das Formular sofort auszufüllen.
als Adverbialbestimmung
Er litt, ohne zu klagen.
Ich gehe ins Geschäft, um Wein und Bier zu kaufen.
als Attribut
Er gab die Hoffnung, sie wieder zu sehen, nicht auf. (W. Jung 1971: 47)
Die Verpflichtung, den Schwächeren zu helfen, wurde erfüllt. (Sommerfeldt/Starke 1992: 188)
der das Buch lesende Junge (= Der Junge liest das Buch.)
Man unterscheidet Infinitivgruppen mit und ohne Konjunktionen. Eine Infinitivgruppe
ohne Konjunktionen gibt häufig an:
• den Inhalt von Mitteilungen, Beschlüssen, Versicherungen, Gedanken:
Der Kollege versprach, einen kurzen Bericht zu schreiben.
• Inhalte von Aufforderungen:
Der Rektor hat uns aufgefordert, eine wissenschaftliche Tagung zu veranstalten.
19

• Bereitschaft, Fähigkeit des im Hauptsatz genannten Subjektes:


Der Präsident bekundete kürzlich seine Bereitschaft, den Nachbarstaat zu besuchen. (Sommer­
feldt/Starke 1992: 190)
• Emotionale Beteiligung des Menschen:
Die Fans waren außer sich, am Konzert des berühmten Popsängers teilnehmen zu können.
Infinitivgruppen können durch die Konjunktionen um (zu), ohne (zu), anstatt (zu) ein­
geleitet werden. Die Infinitivgruppen mit den erwähnten Konjunktionen stehen in
folgenden semantischen Beziehungen zum Hauptsatz:
• Angabe des Zwecks im Rahmen einer Grund­Folge­Relation:
Um hier neue Möglichkeiten zu erproben und vorzuführen, baute die Firma Wohnungen für
Arbeiter.
• Angabe der Folge (nicht im Rahmen einer Grund­Folge­Relation):
Nach Aussagen von Ärzten genügen einige wenige Tabletten, um den Schmerz zu lindern.
• Ausdruck der Stellungnahme des Sprechers oder Senders:
Die Leistung der Mannschaft war heute, um es zurückhaltend zu sagen, wenig überzeugend.
(Vgl. Sommerfeldt 1982: 161, Sommerfeldt/Starke 1992: 191)
Die Infinitivgruppe kann einen dass-Satz ersetzen, und zwar den:
• Subjektsatz:
Es ist wichtig, dass wir an der Tagung teilnehmen.
an der Tagung teilzunehmen.
• Objektsatz:
Der Dozent verlangt von den dass sie Goethes Faust lesen.
Studenten,
Goethes Faust zu lesen.
• Attributsatz:
Wir haben die dass wir in Wien studieren.
Möglichkeit,
in Wien zu studieren.
Die Infinitivgruppen mit ohne zu und statt zu haben im Ungarischen keine Infinitiv­
Entsprechungen. Sie werden daher als Nebensätze oder substantivische Wortgruppen
wiedergegeben. Vgl.:
Er ging an mir vorbei, ohne mich erkannt zu haben. Elment mellettem, anélkül, hogy felismert
volna.

19
20 1 Kapitelüberschrift

Statt zu lernen, ging er ins Kino. Tanulás helyett moziba ment/ Ahelyett,hogy tanult volna,
moziba ment.

1.6.2 Substantivgruppen
Nominale Wortgruppen, speziell substantivische Wortgruppen als Mittel der Verdichtung,
ermöglichen einen ökonomischen, komprimierten und rationalen Ausdruck der Gedanken.
Substantivgruppen ermöglichen es, ganze Satzinhalte auszudrücken:
Es ist wichtig, diesen Auftrag auszuführen.
→ Die Ausführung des Auftrages ist wichtig.
Der Direktor überreichte den Abiturienten die Zeugnisse. Danach begann das gesellige
Beisammensein.
→ Nach der Überreichung der Zeugnisse durch den Direktor an die Abiturienten begann das
gesellige Beisammensein.
(Vgl. Sommerfeldt/Starke 1992: 193)
Nominale Wortgruppen, insbesondere Substantivgruppen, werden hauptsächlich in den
Funktionalstilen der Wissenschaft und der Publizistik gebraucht. Immer häufiger werden
deverbale und deadjektivische Substantive, die Attribute fordern, verwendet. Damit steigt
auch der Bedarf an genitivischen und präpositionalen Attributen. Der Genitiv wird häufig
durch präpositionale Wortgruppen mit der Präposition von ersetzt.
[Link] Die Struktur der Substantivgruppe
Innerhalb der substantivischen Wortgruppe kann man folgende strukturelle
Felder unterscheiden:

Vorfeld Kern Nachfeld

Den nominalen Rahmen eröffnet gewöhnlich ein Artikel, Präpositionen oder Pronomen,
diesen folgt ein Attribut oder mehrere Attribute. Geschlossen wird die Substantivgruppe
durch den substantivischen Kern.
der auf den Professor wartende Student
mit vielen neuen und schwierigen Problemen
mein neues, schnelles Auto
Zwischen den Attributen einer Substantivgruppe bestehen koordinierende oder
subordinierende Beziehungen.
• Koordination:
(eine) große, gemütliche Wohnung
21

• Subordination:
(das) neue karierte Hemd
Unterschiede zwischen den beiden werden nach einer Kernsatztransformation sichtbar:
→ Die Wohnung ist groß und gemütlich.
→ Das karierte Hemd ist neu.
Für den Stellungstyp gibt es einige Regularitäten:
Die mit dem Kern eng verbundenen Attribute stehen dicht bei ihm. Es gibt hier folgende
feste Reihenfolge:
Vorfeld: Adverb – Pronomen – Genitiv – Adjektiv/Partizip – enge Apposition
meine neue Freundin
unsere zwei wichtigen Problemkreise
das häufige Zuspätkommen des Mädchens zum Unterricht
Nachfeld: Numerale – enge Apposition – Substantiv im Genitiv – Substantiv mit
Präposition – Adverb – isolierte Attribute: Infinitiv­ und Partizipialgruppen,
nachgestellte Adjektive, lockere Apposition, Gliedteilsatz
die ausführliche Behandlung der Klassiker im Literaturunterricht
die Überreichung der Urkunden an die Promovenden, eine sehr feierliche Handlung
der Anzug im Schaufenster dort, der mir sehr gefällt
die zwei kleinen Kinder des Bäckers aus Buchholz, die sich in der Stadt verlaufen hatten
(Vgl. SOMMERFELDT/STARKE 1992: 195 f., SCHANEN 1995)
Wenn in der Substantivgruppe mehrere Adjektive vorkommen, staffeln sie sich von vorne
nach hinten in dieser Reihenfolge:
1. quantitative Adjektive: zwei, fünf; manche, viele; der fünfte
2. situative Adjektive: heutig, damalig, hiesig
3. qualitative Adjektive: groß, klein; grün, farbig
4. kategoriale Adjektive (vor allem solche, die Herkunft, Bereich, Schöpfer u.a. be­
zeichnen und attributiv gebraucht werden): eisern, sächsisch, Schillersch
1 3 4
viele gelungene linguistische Tagungen
1 2 3
manche damalige prachtvolle Kleider
Bei mehreren aufeinander folgenden attributiven Adjektiven ist auf die Kommasetzung zu
achten. Das Komma zeigt an, dass sich die entsprechenden Attribute auf das folgende
Substantiv beziehen und dass es zwischen ihnen eine koordinative Beziehung besteht. Vgl.

21
22 1 Kapitelüberschrift

Maximilian Schell ist ein großer, bekannter Schauspieler.


Die Adjektive groß und bekannt beziehen sich auf das Substantiv Schauspieler. Beide
Adjektive sind einander nebengeordnet, daher muss zwischen den beiden ein Komma
stehen.
Schauspieler

groß + bekannt
Im folgenden Satz handelt es sich dagegen um Attribute verschiedenen Grades.
Maximilian Schell ist ein bekannter deutscher Schauspieler.

Schauspieler

deutscher

bekannter
Es handelt sich hier um Adjektive verschiedenen Grades. Das Adjektiv deutsch bezieht
sich auf das Substantiv und bildet mit ihm einen Gesamtbegriff, das Adjektiv bekannt auf
die Verbindung deutscher Dichter. Zu solchem Gesamtbegriff mit dem Substantiv
verbinden sich hauptsächlich Herkunfts­, Zugehörigkeitsadjektive sowie qualitative
Adjektive wie alt, jung und Farb­ und Stoffbezeichnungen. Diese Verbindungen kann man
mit der Konjunktion und nicht immer sinnvoll verbinden:
das neue städtische Krankenhaus
* das neue und städtische Krankenhaus
guter italienischer Wein
* guter und italienischer Wein

[Link] Adjektivgruppen
Den Kern der Adjektivgruppe bildet ein Adjektiv, von dem syntaktisch subordinierte
Wörter oder Wortgruppen abhängig sind. Als Erweiterungen von Adjektiven treten
folgende sprachliche Elemente auf:
• Substantive
∗ im Genitiv: der des Wartens müde Kollege
∗ im Dativ: das dem Freund teure Geschenk
∗ im Akkusativ: das einen Meter lange Flügel
∗ mit Präposition: der auf seine Leistung stolze Sportler
23

• Adjektive: ein speziell kulturhistorisches Phänomen


• Adverbien: die bisher planmäßige Abwicklung
• Infinite Verbformen: der Erfinder, würdig, ausgezeichnet zu werden
• Nebensatz der Erfinder, würdig, dass er ausgezeichnet wird
(Vgl. Sommerfeldt/Starke 1992: 202)
Bei Adjektiven kann man valenzgebundene, notwendige (Ergänzungen) und nicht
valenzgebundene Glieder (Angaben) unterscheiden. Dabei gelten im allgemeinen folgende
Regeln:
• Substantivische Erweiterungen sind überwiegend Ergänzungen:
Das Schiff ist zum Ausladen bereit.
Das Geschenk ist dem Jungen teuer.
Der Lehrer ist des Spanischen mächtig.
Das Paket ist zwei Kilo schwer.
• Substantivische Erweiterungen sind nur in seltenen Fällen Angaben:
eine letzten Endes rhetorische Frage
Adjektive und Adverbien sind vorwiegend freie Erweiterungen (Angaben).

2 Die Satzglieder

Der Ursprung der traditionellen Grammatik ist in der griechisch­römischen Antike. Aus
der Tradition der Logik des Aristoteles und der lateinischen Grammatik entwickelte sich
von dem 18. Jahrhundert an die heutige Schulgrammatik. Die traditionelle Satzgliedlehre
stammt von dem deutschen Linguisten Karl Ferdinand BECKER (1775–1854).
Die Satzglieder haben einige wesentliche Merkmale. Die wichtigsten sind:
• Der Umfang der Satzglieder entspricht nicht immer dem Umfang eines Wortes. Es
kann aus einem oder mehreren Wörtern bestehen.
• Satzglieder sind syntaktische Relationen im Satz. Außerhalb syntaktischer
Beziehungen können Satzglieder nicht aufgezählt werden.
Man kann primäre und sekundäre Satzglieder unterscheiden. Primäre Satzglieder sind
solche, die vom Prädikat des Satzes bestimmt sind. Sie sind Bestandteile der
Grundstruktur.
• das Subjekt
• das Prädikat
• das Objekt
• die Adverbialbestimmungen
Die sekundären Satzglieder sind nicht vom Prädikat des Satzes determiniert, sondern von
einer anderen Grundstruktur ableitbar. Sekundäre Glieder können entweder vom ganzen

23
24 1 Kapitelüberschrift

Satz (außer den Attributen) oder von einzelnen Gliedern des Satzes abhängig sein.
G. HELBIG und J. BUSCHA unterscheiden folgende sekundäre Satzglieder:
• sekundäre Satzglieder zum Satz und
• sekundäre Satzglieder zu einzelnen Gliedern

2.1 Zur Form der Satzglieder


„Alle Satzglieder und Satzgliedteile (Attribute) – mit Ausnahme des Prädikats – können in
folgenden drei Formen vorkommen: Einzelwort, Wortgruppe, Nebensatz.“ (Sommer­
feldt/Starke 1988: 257) Diese drei Formen demonstrieren die Verfasser am Beispiel des
Subjekts und des Objekts.
Subjekt
Nebensatz: Wer den Schaden hat
Einzelwort: Der Geschädigte braucht für den Spott nicht zu
sorgen.
Wortgruppe: Der vom Schaden
Betroffene
Der vom Pech
Verfolgte
Objekt
Einzelwort den Rückzug
Der Offizier befahl
Wortgruppe , sich vor dem Angreifer
zurückzuziehen.
Nebensatz , die Truppe solle sich zurückziehen.
25

2.1.1 Das Subjekt


Die Abhängigkeitsstruktur des Subjekts ist folgende:
Der Student liest ein Buch.
dependentiell: traditionell:
liest Der Student  liest

der Student ein Buch ein Buch

Das Subjekt eines Satzes steht im Nominativ und wird durch die Frage wer? oder was?
gefunden. Morphologisch wird das Subjekt entweder durch eine Nominalgruppe oder
durch einen Stellvertreter der Nominalgruppe (Personalpronomen, man) ausgedrückt.
Infinitivkonstruktionen kommen manchmal auch als Subjekt vor. Außerdem kann die
Funktion des Subjekts durch einen Gliedsatz erfüllt werden.

25
26 1 Kapitelüberschrift

Nominalgruppe: Der fleißige Student liest ein Buch.

Pronomen: Er liest ein Buch. Man/jemand hat ihn gesehen.

Subjekt Infinitiv: Rauchen ist ungesund. Irren ist menschlich.

Gliedsatz: Ein Haus zu bauen, hätte ich viel Geld gebraucht.

In passivischer Form wird das Subjekt des aktiven Satzes mit den Präpositionen von oder
durch im entsprechenden Kasus ausgedrückt:
Der Student liest das Buch.

→ Das Buch wird vom Studenten gelesen.

Das Subjekt kann im Satz – in Abhängigkeit vom jeweiligen Prädikat – in folgenden


semantischen Rollen vorkommen:
• Agens (Täter): Der Student liest ein Buch.
• Patiens (Handlungsziel): Der Student bekommt eine Ohrfeige.
• Adressat: Peter bekommt von Hans das Buch.
• Vorgangsträger: Der Ohnmächtige stürzte zu Boden.
• Zustandsträger: Der Besucher steht vor der verschlossenen Tür.
• Träger einer Eigenschaft: Der Student ist fleißig.
• Instrument: Der Schlüssel öffnet die Tür. (d.h. man öffnet die Tür mit dem Schlüssel.)
• Ort: Die Hauptstraße wimmelte von Menschen.
Im Gegensatz zum Ungarischen ist das Subjekt im Deutschen fast immer obligatorisch.
Auch in solchen Fällen, wo im Ungarischen das Subjekt syntaktisch nicht ausgedrückt
wird, erscheint es in Form des unpersönlichen Pronomens es:
Es blitzt. Villámlik
Es dämmert. Alkonyodik
Es regnet. Esik.
Es hat gebrannt. Tűz volt.
Hierher gehört auch die unpersönliche Konstruktion es gibt + Akkusativ.
Es gibt keine bessere Lösung. Jobb megoldás nincs/nem létezik.
Was gibt’s Neues? Mi újság?
27

Das Subjekt kann auch mit dem unbestimmten Pronomen man ausgedrückt werden. Im
Ungarischen wird dieses Pronomen unterschiedlich wiedergegeben:
Hier spricht man Deutsch. Itt németül is beszélünk/beszélnek.
Wie sagt man es Deutsch? Hogy mondják ezt németül?
In manchen Fällen steht ein fakultatives Korrelat (Platzhalter) an Stelle des Subjekts:
Es hungert mich. Mich hungert. Éhes vagyok.
Ebenso: Mir liegt daran oder Es liegt mir daran; mich dürstet, mich friert, mir graut, mir ist warm
u.a.
In einigen Fällen kommt das unpersönliche Subjekt es zusammen mit dem tatsächlichen
Subjekt vor:
Es war einmal ein König.
Es leuchten die Sterne. (Die Sterne leuchten.)
Es lebe unsere Freundschaft.
Das Subjekt wird in folgenden Fällen ausgelassen:
a) Im Imperativ der 2. Person Singular und Plural hat der Satz kein Subjekt:
Komm!, Geh!; Kommt!, Geht!
b) In einigen Wendungen der öffentlichen Kommunikation:
Danke. Bitte (schön). Achtung. Stillgestanden!
c) Im Passiv bei indirekter Wortfolge:
In diesem Zimmer wird getanzt. aber: Es wird in diesem Zimmer getanzt.
Am Sonntag wird nicht gearbeitet.
 aber: Es wird am Sonntag nicht gearbeitet.
d) Im Nebensatz in unpersönlichen Konstruktionen:
Ob er kommt, ist unsicher.
 aber: Es ist unsicher, ob er kommt.

2.1.2 Das Prädikat


Das Prädikat ist die syntaktische Funktion des finiten Verbs. „Das finite Verb ist dasjenige
Satzglied, das eine feste Position im Satz einnimmt und um das herum im Hauptsatz
(Aussagesatz) sich die anderen Satzglieder bewegen.“ [HELBIG/BUSCHA 1994: 536] Man
kann seine Position in der Anhängigkeitsstruktur wie folgt darstellen:
Der Student liest ein Buch.

27
28 1 Kapitelüberschrift

liest

der Student ein Buch

Das Prädikat kann einteilig oder mehrteilig sein. Einteilig ist das einfache nichtreflexive
Prädikat in Präsens und Präteritum Aktiv. Die zusammengesetzten Tempus­ und Genus­
formen bzw. Modus und Modalität (ausgedrückt durch Modal­ oder Modalitätsverben)
lassen sich auf einfache Grundformen zurückführen.
Er hat einen langen Brief geschrieben.
→ Er schreibt einen langen Brief.
Das Prädikat kann aus zwei oder mehreren Teilen bestehen. Die folgenden
Kombinationsmöglichkeiten haben eine wichtige Gemeinsamkeit: Im Prädikatskomplex
gibt es immer nur e i n e finite Verbform.
Für das Deutsche ist typisch die Prädikatsklammer (auch Rahmenkonstruktion oder
verbaler Rahmen genannt). Die Prädikatsklammer tritt auf, wenn das Prädikat aus
mehreren Komponenten besteht.
Der Linguist hat sich mit der neuen Theorie eingehend beschäftigt.
Prädikatsklammer

Hier können wir unterscheiden:


A. grammatischer Prädikatsteil
Der nicht­finite Prädikatsteil kann durch folgende morphologische Formen repräsentiert
werden:
a) durch den Infinitiv des Verbs:
Er möchte ins Kino gehen.
<möchte gehen>

er ins Kino
b) durch das Partizip II des Verbs:
Er ist ins Kino gegangen.
<ist gegangen>

er ins Kino
29

c) durch das Reflexivpronomen sich:


Das Buch liest sich gut.
<liest sich>

das Buch gut


d) Die grammatischen Prädikatsteile können nicht weggelassen werden. Ihre Eliminierung
führt entweder zu ungrammatischen Sätzen oder zur Veränderung des Satzinhaltes, vgl.:
Wir stellen dir jemanden zur Verfügung.
*Wir stellen dir jemanden
Er ist Lehrer geworden.
↓ Er ist Lehrer.
B. lexikalisch-idiomatischer Prädikatsteil
Der nicht­finite Prädikatsteil wird durch lexikalische, phraseologische oder Wortbildungs­
elemente repräsentiert. Die Abhängigkeitsstruktur des lexikalisch­idiomatischen
Prädikatsteils ist ähnlich wie die des grammatischen Prädikatsteils.
Der lexikalisch­idiomatische Prädikatsteil kann durch folgende morphologische Klassen
repräsentiert werden:
a) durch eine trennbare Vorsilbe (Präfix):
Wir fahren morgen ab.
b) durch ein Substantiv:
Ich schreibe gut Maschine.
c) durch ein Adjektiv:
Die Mutter stellt das Essen warm.
d) durch ein Adverb:
Er fährt seine Freundin mit dem Motorrad heim.
e) durch einen Infinitiv:
Wir gehen heute spazieren.
Das lexikalisch­idiomatische Prädikatsteil ist entweder obligatorisch, also nicht weg­
lassbar
Die Mutter stellt das Essen warm.
*Die Mutter stellt das Essen.
oder fakultativ:
Sie schreibt gut Maschine.

29
30 1 Kapitelüberschrift

Sie schreibt gut.

2.1.3 Das Prädikativ


Das Prädikativ ist ein nicht­finiter und nicht­verbaler Teil eines mehrgliedrigen Prädikats.
Man kann zwei Arten des Prädikativs unterscheiden:
das S u b j e k t s p r ä d i k a t i v und
das O b j e k t s p r ä d i k a t i v
Das Prädikativ ist ausnahmslos obligatorisch:
Peter ist faul.
*Peter ist.
Man hält sie für klug.
*Man hält sie.
Wir finden sie attraktiv.
*Wir finden sie.
Das Abhängigkeitsstruktur des Subjektprädikativs ist:
ist

er fleißig
Das Subjektsprädikativ kommt mit den Verben sein, werden, bleiben vor. Es kann durch
folgende morphologische Klassen repräsentiert werden:
a) Substantiv im Nominativ
Sie ist meine Freundin.
Er wird Lehrer.
a1) Im Ungarischen wird das Auxiliarverb van in dritter Person Singular und Plural in der
Regel ausgelassen, vgl. Er ist Lehrer. Ő tanító, Er wurde Lehrer. (Nominativ), Tanító lett.
b) Präposition + Substantiv
Die Entdeckung ist von großer Bedeutung.
c) Adjektiv oder Partizip:
Der Film ist gut/spannend.
Wir finden den Film interessant.
d) (Präposition +) Adverb:
Er ist hier/dort.
Die Zeitung ist von gestern.
31
[Link] Das Objektsprädikativ
Das Objektsprädikativ bezieht sich nicht auf das Subjekt, sondern auf das Objekt. Es hat
folgende Abhängigkeitsstruktur:

nennt einen Lügner

er ihn

Das Objektsprädikativ kommt nur bei einigen Verben wie bezeichnen, finden, halten für,
nennen u.a. vor und kann durch folgende morphologische Klassen repräsentiert werden:
a) Substantiv im Akkusativ
Er nannte ihn einen Lügner. (d.h. bezeichnete ihn als ...)
b) (Präposition +) Adjektiv
Er findet die Sache/die Angelegenheit richtig/falsch/gut/ schlecht.
Ich finde meinen Eindruck bestätigt.
Sie hält seine Rückkehr für möglich/für unwahrscheinlich.
c) Präposition + Substantiv
Er fand das ganz in Ordnung.
Ich halte das für Unsinn.

2.1.4 Kongruenz zwischen Subjekt und Prädikat


Zwischen dem Deutschen und Ungarischen gibt es einige Unterschiede hinsichtlich der
Kongruenz zwischen Subjekt und Prädikat.
a) In einigen Fällen ist der Unterschied nur scheinbar, da er in erster Linie morpho­
logischer Natur ist, z.B.:
Zeit ist Geld. Az idő pénz.
Die Tür ist zu. Az ajtó nyitva van.
Die Hose ist kurz. A nadrág rövid.
c) Kommen im Satz mehrere Subjekte zu einem Prädikat vor, steht das Prädikat
gewöhnlich im Plural.
Hans, Peter und Hanna fahren nach Wien.
d) Wird die Menge der syntaktischen Subjekte als eine Ganzheit verstanden, so richtet sich
im Deutschen das Prädikat nach dem nächsten Subjekt:
Es freut sich Jung und Alt.
Zur Arbeit gehört Lust und Liebe.
e) Zwischen Subjekt und Subjektsprädikativ gibt es oft eine grammatische Kongruenz.:

31
32 1 Kapitelüberschrift

Die Geschichte ist eine harte Lehrerin.


Sie arbeitet als Dozent/Dozentin, Professor, Minister/Ministerin.

2.1.5 Das Objekt


„Das Objekt ist ein Satzglied des Prädikatsverbandes, dessen obliquer Kasus (Akkusativ,
Dativ, selten Genitiv) oder präpositionaler Anschluss vom Prädikatslexem durch
R e k t i o n determiniert wird.“ (SOMMERFELDT /STARKE 1992: 214)
Im Deutschen kann man unterschiedliche Arten von syntaktischen Objekten
unterscheiden:
• Genitivobjekt
• Dativobjekt
• Akkusativobjekt
• Präpositionalobjekt

Genitivobjekt
Das Genitivobjekt ist mit wessen? und dem Prädikat des Satzes zu erfragen: Wir gedenken
der Gefallenen. Wessen gedenken wir? – der Gefallenen.
Genitivobjekt

Das Genitivobjekt wird in der Gegenwartssprache häufig durch ein Präpositionalobjekt


ersetzt: Ich erinnerte mich des Jubiläums → Ich erinnerte mich an das Jubiläum.
Nominalgruppe: Wir erinnerten uns eines früheren Hochzeittages.

Pronomen: Ich bedarf deiner. Ich denke dein. (Goethe)

Infinitiv: Er konnte sich nicht enthalten zu lachen.

Gliedsatz: Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. (Relativsatz)
Wir sind gewiss, dass sich gute Beziehungen zwischen unseren
Universitäten entwickeln werden. (Konjunktionalsatz)
Die jungen Eheleute sind gewiss, im Möbelhaus ein
Schlafzimmer nach ihrem Geschmack kaufen zu können.
(Infinitivsatz)

Dativobjekt
Das Dativobjekt antwortet auf die Frage Wem geschieht es/etwas?, Wem gehört es?. Die
Funktion des Dativobjekts können folgende Einheiten übernehmen.
33

Dativobjekt Nominalgruppe: Der Junge ähnelt seinem verstorbenen Vater.

Pronomen: Der Roman gefällt mir. Sie reicht ihm das Salz.

Gliedsatz: Er hilft jedem, wem er helfen kann.

Infinitivsatz: Im Gegensatz zum Genitiv­ und Akkusativobjekt kann


als Dativobjekt nie ein Infinitiv fungieren.

Akkusativobjekt
Akkusativobjekt

Das Akkusativobjekt (direktes Objekt,) antwortet auf die Frage wen? oder was? In der
Funktion des Akkusativobjekts können Nominalgruppen, Pronomen, Infinitive sowie
Gliedsätze vorkommen:
Nominalgruppe: Der Student liest ein interessantes Buch.

Pronomen: Er liest es. Wir grüßen ihn.

Infinitiv: Ich versuche zu schlafen.

Gliedsatz: Ich weiß, dass sie die Prüfung bestanden hat.


Ich frage nur, ob das gemacht werden soll?
Präpositionalobjekt

Ich frage, wer da ist.


Können Sie mir sagen, wie spät es ist?

Präpositionalobjekt
Nominalgruppe: Wir freuen uns über ihren Lottogewinn.

Pronomen: Ich gebe ihm einen Apfel.

Infinitiv: Ich bemühe mich zu verstehen.

Pronominaladverb: Ich denke nicht dran. Darauf kannst du dich verlassen.

Gliedsatz: Ich freue mich sehr, dass du uns besucht hast.


(Konjunktionalsatz)
Ich freue mich, dich endlich zu sehen. (Infinitivkonstruktion)
Die Thesen, von denen er ausgeht, sind in der Wissenschaft
noch umstritten. (Relativsatz)

33
34 1 Kapitelüberschrift

2.1.6 Zusammenhang zwischen semantischem Kasus und Satzgliedern


Als einige spezifische semantische Rollen (Kasusrollen) möchten wir hier nur einige
markante nennen:
• Handlungsergebnis: Er baut ein Haus.
• Patiens: Peter schlägt Paul.
• Wahrnehmungsgegenstand: Peter sieht Paul.
• Adressat: Peter schenkt Paul ein Buch.
• Mittel: Ich fahre einen Volkswagen.
• Teil des Ganzen: Wir essen Brot.
Die Objekte werden als Nomina (Substantive oder Pronomen) im Akkusativ, Dativ,
Genitiv oder als Präpositionalobjekte repräsentiert.
Er liest ein Buch/es.
Er hilft seinem Freund/ihm.
Er erinnert sich seines Freundes/seiner.
Er wartet auf seinen Freund/auf ihn.
Er denkt an den vergangenen Sommer/daran.
Ihre Abhängigkeitsstruktur können wir wie folgt darstellen:
Der Student schreibt einen Brief.
schreibt

der Student einen Brief


Objekte können nur durch Pronomina, aber nie durch ein Adverb oder Pronominaladverb
substituiert werden. Wenn z.B. ein Substantiv im Akkusativ durch ein Adverb substi­
tuierbar ist und nicht durch ein Pronomen, dann handelt es sich nicht um ein Objekt:
Ich warte auf dich den ganzen Tag/die ganze Nacht. (Wann?)
Eines Nachts waren wir in einem dunklen Wald. (Wann?)
Die Objekte sind syntaktisch entweder obligatorisch oder fakultativ:
Beispiele mit obligatorischen Ergänzungen:
Der Holzfäller fällt Bäume.
*Der Holzfäller fällt.
Die Mutter setzt dem Kind das Essen vor.
*Die Mutter setzt das Essen vor.
Sein Benehmen grenzt an Feigheit.
*Sein Benehmen grenzt.
Er legt wert darauf, dass sie kommt.
*Er legt Wert darauf.
35

Beispiele mit fakultativen Ergänzungen:


Die Frau kocht die Suppe.
Die Frau kocht.
Der Chef diktiert seiner Sekretärin.
Der Chef diktiert.
Ich bezahle das Geld an den Freund.
Ich bezahle das Geld.
Nur das Akkusativobjekt wird durch eine Passivtransformation zum Nominativsubjekt des
passiven Satzes, alle anderen Objekte bleiben von der Passivtransformation unberührt.
Z.B.:
Er schreibt den Brief.
Der Brief wird (von ihm) geschrieben.
 aber:
Wir gedachten der Verstorbenen.
Der Verstorbenen wurde gedacht.

2.1.7 Adverbialbestimmung
In beiden Sprachen verhalten sich die verschiedenen Arten der Adverbialbestimmungen
syntaktisch beinahe gleich. Die syntaktische Abhängigkeitsstruktur der Adverbial­
bestimmungen können wir wie folgt darstellen:
komme

ich um achtzehn Uhr


In einigen Fällen ist es nicht einfach, zwischen Objekten und Adverbialbestimmungen zu
differenzieren. Der grundlegende Unterschied zwischen den beiden besteht darin, dass
Objekte in der Regel durch Personalpronomina, Adverbialbestimmungen durch Adverbien
substituiert werden können:
Ich schreibe die Aufgabe. (Was schreibe ich?)
→ Ich schreibe sie.
Ich schreibe den ganzen Nachmittag. (Wann schreibe ich?)
→ Ich schreibe heute/jetzt.
Präpositionalobjekte sind direkt vom finiten Verb abhängig, adverbiale Präpositional­
gruppen nicht:
Ich spreche von den Ferien. (Wovon spreche ich? = Objekt)
Ich spreche in der Klasse. (Wo spreche ich? = Lokalbestimmung)

35
36 1 Kapitelüberschrift

Adverbialbestimmungen können morphologisch durch folgende Wortarten repräsentiert


werden:
a) durch Substantiv im Akkusativ
Er arbeitet den ganzen Tag/die ganze Nacht.
b) durch Substantiv im Genitiv
Er begab sich frohen Mutes auf den Weg.
Er ist guter Laune.
c) durch Substantiv mit Präposition bzw. Pronominaladverb
Es ist zum Lachen.
Wir sind dabei.
d) durch Adverb (mit oder ohne Präposition)
Er studiert fleißig.
Er hat bis heute gewartet.
Die Adverbialbestimmungen sind in der Regel Angaben:
Er liest viel.
→ Er liest.
Einige Lokal­, Modal­ und Temporalbestimmungen sind obligatorisch, d.h. sie können
nicht weggelassen werden:
Ich wohne in Zirc.
→ *Ich wohne.
Die Frau sieht krank aus.
→ *Die Frau sieht aus.
Die Sitzung dauert drei Stunden.
→ *Die Sitzung dauert.
[Link] Semantische Klassen der Adverbialbestimmungen
Ihrer Semantik nach kann man folgende Klassen unterscheiden:
• Lokalbestimmung
• Modalbestimmung
• Kausalbestimmung
• Temporalbestimmung

[Link] Lokalbestimmung
Lokalbestimmungen bezeichnen Ort und Stelle, Richtung, Ausgangs­ oder Zielpunkt des
Geschehens. Die Fragewörter der Temporalbestimmungen sind:
37
wo? Art: Standort, Lage
wohin? Art: Zielort
woher? Art: Ausgangsort, Ursprung
wie weit? Art: räumliche Erstreckung
Die Lokalbestimmung kann im Deutschen folgende morphologische Formen haben:
1) Wortgruppe mit dem
• Genitiv: Er ging still seines Weges.
• Dativ (mit Präposition): Sie schaute zum Fenster hinaus. Er ist in unserem Dorf
eingetroffen. Wir kommen aus der Stadt.
• Akkusativ:
a) mit Präposition: Der Zug fährt über die Brücke. Wir fahren morgen in die Stadt.
b) ohne Präposition: Wir gehen den Fluss hinunter/hinauf. Wir gehen den kürzesten Weg.
• Adverb: hier, dort, da, links, rechts; hierher, dorthin, bergauf, bergab; daher, dorther,
heraus, von drüben; meilenweit, weithin
2) N e b e n s a t z : Ich fahre, wohin du willst. …, soweit das Auge blickt.

[Link] Modalbestimmung
„Modalbestimmungen dienen zur Charakterisierung, Erläuterung und Spezifizierung der
sprachlichen Darstellung von Sachverhalten. Sie antworten vor allem auf
Ergänzungsfragen mit den interrogativen Adverbien“. (SOMMERFELDT/STARKE 1988: 264)
wie?
wie viel?
womit?
wodurch?
woraus?
inwiefern?
und mit den präpositionalen Fügungen
in welchem Maße?
auf welche Weise?
unter welchen Umständen?
Die Modalbestimmung kann im Deutschen folgende morphologische Formen haben:
• Genitiv (in einigen Wendungen): frohen Mutes, unverrichteter Dinge u.a.
• Dativ (mit Präposition): Es ist zum Lachen. Sie sind zum Verwechseln ähnlich. – unter allen
Umständen – etwas aus/im/zum Scherz sagen.
• Akkusativ (mit oder ohne Präposition): Er hat es durch Fleiß erreicht.
• Nebensätze: Er verbesserte seine Leistungen, indem er fleißig trainierte.
Die Kausalbestimmung teilt man in:
Konditionalbestimmung

37
38 1 Kapitelüberschrift

Unter diesen Umständen kann ich nicht bleiben.


Konzessivbestimmung
Er sprach trotz seiner Krankheit.
Konsekutivbestimmung
Sie sehen sich zum Verwechseln ähnlich.
Finalbestimmung
Dafür tut er alles. Er erzählte ihr diese Geschichte zur Unterhaltung.
Die Kausalbestimmungen können morphologisch realisiert werden durch:
• den Genitiv: Hungers sterben
• den Dativ: vor Kälte zittern; vor Freude weinen; etwas aus Neid tun
• den Akkusativ: etwas gegen Kopfschmerzen nehmen
• einen Nebensatz: Weil ich nicht geimpft bin, konnte ich nicht nach Afrika fahren.

[Link] Temporalbestimmung
Temporalbestimmungen drücken zeitliche Verhältnisse (Anfang, Ende, Dauer) aus. Sie
antworten vor allem auf Ergänzungsfragen mit den interrogativen Adverbien:
wann?
seit wann?
wie lange?
Die Temporalbestimmung kann im Deutschen folgende morphologische Formen haben:
1) Wortgruppe mit dem
• Genitiv (nur in festen Wendungen): Er ging des Abends/des Nachts aus..
• Dativ (nur mit Präposition): Es geschah vor einer Woche. Weitere Beispiele: am
Mittwoch, im Jahre 1995, im Winter, vor zwei Minuten, zur Zeit Bismarcks, von Jugend auf, von
Kindheit an, heute in zwei Wochen.
• Akkusativ:
a) ohne Präposition: Sie hat den ganzen Tag gelesen. Weitere Beispiele: morgen früh, Ende
April, Tag und Nacht, zwei Tage früher u.a.
b) mit Präpositionen: Ich komme gegen zehn Uhr. Weitere Beispiele: um sechs Uhr, gegen
Mittag, bis spät in die Nacht hinein u.a.
2) Nebensatz: Als ich heute erwachte, fühlte ich große Kopfschmerzen.
3) Konjunktionen: solange, als, wie, wenn
4) Temporaladverbien: Du musst bis morgen warten.
39
2.1.8 Das Attribut
Das Attribut ist kein selbständiges Satzglied, sondern ein von anderen Teilen des Satzes
(Subjekt, Objekt, Prädikativ, adverbiale Bestimmung oder sogar von einem anderen
Attribut) abhängig. Das Attribut ist nicht unmittelbar vom Verb abhängig, sondern wird
fast ausschließlich als nähere Bestimmung eines nominalen Satzgliedes (Substantivs,
Pronomens) abgegrenzt. Oft wird es daher nicht als ein Satzglied, sondern als Gliedteil
betrachtet.
Adjektivattribute sind in der Regel vorangestellt.
das neue, fesselnde Buch
Attributsätze sind ihrem Bezugswort nachgestellt:
Der Professor, der über die neueren Tendenzen in der Dependenzgrammatik sprach, ist ein
bekannter Linguist.
Nachgestellte Attribute werden als Apposition bezeichnet, wenn sie mit ihrem Bezugswort
im Kasus kongruieren:
Die Rede des Gastes, eines bekannten Ornithologen, war sehr aufschlussreich.
Die Relationen zwischen Satzgliedkern und Attribut lassen sich – mit Ausnahme von
Modifikationen reiner Adverbien wie sehr gut, kaum machbar u.a. – auf einfache
Satzgliedbeziehungen zurückführen, vgl.:
die Abfahrt des Zuges = Der Zug fährt ab.
Ankara, die Hauptstadt der Türkei = Die Türkei hat eine Hauptstadt
der Sohn des Vaters = Der Vater hat einen Sohn.
Attribute subklassifiziert man nach unterschiedlichen Kriterien. Nach ihrem Umfang
unterscheidet man zwischen
• elementaren (einfachen) und
• erweiterten Attributen
Bei erweiterten Attributen ergeben sich oft recht komplizierte Abhängigkeitsbeziehungen,
vgl.:
sprachliche Mittel zum Ausdruck verschiedener Arten kausaler Beziehungen
3

1 1 3
2

(Vgl. SOMMERFELDT/STARKE 1991: 229)


Nach ihrer Form kann man unterscheiden:
• adjektivische und Partizipialattribute
• pronominale Attribute

39
40 1 Kapitelüberschrift

• adverbiale Attribute
• präpositionale Attribute
• Genitivattribute
• Attributsätze
• Infinitivkonstruktionen
• Appositionen
Adjektiv- und Partizipialattribute
Zwischen dem übergeordneten nominalen Satzglied und den Adjektiv­ und Partizipial­
attributen besteht eine sehr enge grammatische Beziehung der Kongruenz.
mein guter Freund, meine gute Freundin, schönes Wetter
Brave Mädchen kommen in den Himmel – Böse Mädchen kommen überall hin.
ein lesender Junge; das gelesene Buch
Die adjektivischen und partizipialen Attribute können häufig nachgestellt werden. In
diesem Falle ist die Bindung an das übergeordnete Glied nicht so eng. Die Nachstellung
dient hauptsächlich zur Hervorhebung des Attributs. Diese Form kommt häufig in der
emotionalen Redeweise vor.
Er möchte sich ein Auto, ein deutsches, kaufen.
Das Haus, alt und brüchig, stand am Ende des Dorfes.
Das zweite Beispiel wird auch als qualitative Apposition zum Nomen aufgefasst, da diese
Apposition meist in der Form eines unflektierten Adjektivs oder einer Adjektivalphrase
erscheint.
ein mir unbekanntes Kind, verängstigt und abgerissen, …
ein erstklassiger Kellner, rasch, nicht schwerhörig, …
(Vgl. E. Engel 1991: 808)

Pronominale Attribute
Als Attribute können (1) Demonstrativ­, (2) Possessiv­, (3) Fragepronomen sowie (4) un­
bestimmte Pronomen auftreten:
(1) dieser, jener Mensch
(2) mein, dein, sein Freund
(3) welcher Freund
(4) manches Kind

Adverbiales Attribut
Adverbiale Attribute sind z.B.: das Haus dort, die Post nebenan u.a.
41

Präpositionales Attribut
Unter Präpositionalattribut verstehen wir nachgestellte Präpositionalkonstruktionen. Sie
präzisieren das übergeordnete Glied nach Zeit, Ort, Modalität, Richtung, Herkunft usw.
der Krieg in den Jahren 1914-18
der Glaube an die Zukunft
Die Fahrt nach Wien dauert zwei Stunden.
der Garten vor dem Haus
das Streben nach Wahrheit
Präpositionalattribute kommen häufig bei verbalen Ableitungen als obligatorische und
nicht austauschbare Präpositionen vor. Bei einigen Deverbativa sind mehrere Präpo­
sitionen möglich.
Auswahl unter Rücksicht auf
Bedürfnis nach Ruf nach
Bitte um Schutz vor/gegen
Drang nach Stolz auf
Druck auf Streben nach
Einladung an/zu Trost für
Furcht vor Unterweisung in
Gedanken an Verdacht auf/gegen
Hass auf/gegen Vergleich mit
Lust auf Vorurteil gegen
Misstrauen Wunsch nach
gegenüber
Reichtum an
Gelegentlich können auch Pronominaladverbien eine attributive Funktion haben.
der Tag danach, die Straße davor

[Link] Das Genitivattribut


Genitivattribute drücken mannigfaltige Verhältnisse zwischen dem Attribut und dem
übergeordneten Nomen aus. In den einzelnen Grammatiken schwankt die Zahl der
Attribute stark. Bei ENGEL und EISENBERG werden sechs Typen angegeben, in der DUDEN­
Grammatik sechs, in HELBIG/BUSCHA werden zwölf angeführt. Die wichtigsten
Attributtypen sind folgende:
• Genitivus subiectivus
• Genitivus obiectivus
• Genitivus possessivus
• Genitivus qualitatis
• Genitivus definitivus
• Genitivus explicativus
• Genitivus auctoris

41
42 1 Kapitelüberschrift

Der Genitivus subiectivus ist ein Satellit des Substantivs. Nach einer Restitutions­
transformation wird die Entsprechung zum Subjekt offenbar.
die Rede des Direktors → Der Direktor redet.
die Erfindung des Wissenschaftlers → Der Wissenschaftler erfindet etwas.
Der Genitivus obiectivus ist ebenfalls ein Satellit des Substantivs und entspricht dem
Akkusativobjekt.
die Lösung der Aufgabe → Man löst die Aufgabe.
der Bau der Brücke → Man baut eine Brücke.
Der Genitivus possessivus drückt eine Zugehörigkeit aus.
das Buch des Studenten → Der Student hat (besitzt) ein Buch.
die Hauptstadt der Türkei → Die Türkei hat eine Hauptstadt.
des Kaisers neue Kleider → der Kaiser hat neue Kleider
Der Genitivus qualitatis drückt Qualität/Eigenschaft aus.
ein Mann der Tat → er ist ein tatkräftiger Mann
eine Nacht des Grauens → die Nacht ist/war grauenvoll
Der Genitivus definitivus bestimmt das übergeordnete Nomen näher.
der Begriff der Freiheit → Die Freiheit ist ein Begriff.
die Länge seiner Rede → Er redet lange.
Der Genitivus explicativus erläutert die Bedeutung eines Nomens. Es handelt sich oft um
eine metaphorische, nicht selten um eine ironische Bedeutungsübertragung.
ein Strahl der Hoffung → die Hoffnung ist wie ein Strahl
im Irrgarten der Modalität → die Modalität ist wie ein Irrgarten
Der Genitivus auctoris stellt das Verhältnis des Schaffens dar.
das Werk des Dichters → der Dichter ist der Urheber des Werks
der Roman des Schriftstellers → der Schriftsteller hat den Roman geschrieben
G. HELBIG und J. BUSCHA nennen noch folgende Funktionen der Attribute, die durch
Substantive im Genitiv repräsentiert werden:
Genitiv des Eigenschaftsträgers (= Sein­Verhältnis ...)
die Größe des Zimmers (von 20 m2)
← das Zimmer ist (20 m2) groß
Genitiv der Eigenschaft (= Kennzeichnen­Verhältnis)
ein Mann der Vernunft
43

← Vernunft kennzeichnet den Mann


Genitiv des Produkts (= Verhältnis des Geschaffen­Seins ...)
der Dichter des Werkes
← das Werk ist Produkt des Dichters
Genitiv der Zugehörigkeit (Gehören­zu­Verhältnis)
die Schule meines Bruders
← mein Bruder gehört zu der Schule
Genitiv des dargestellten Objekts (= Darstellen­Verhältnis)
das Bild Goethes
← das Bild stellt Goethe dar
Das vorangestellte Genitivattribut (der sog. s ä c h s i s c h e Genitiv) steht ohne Artikel.
Peters Buch, Omas Zimmer, Brechts Dramen
Der sächsische Genitiv kann in eine Präpositionalphrase mit von oder in einen nach­
gestellten Genitiv mit Artikel transformiert werden.
Salomes Tanz → der Tanz der Salome
Homers Epos → das Epos von Homer/des Homer
Werthers Leiden → die Leiden des (jungen) Werther

2.1.9 Attributsätze
Attributsätze sind immer nachgestellt. Sie können als Relativsätze, Konjunktionalsätze
und uneingeleitete Nebensätze vorkommen.
Relativsätze werden durch die Relativpronomen der, die, das; welcher, welche,
welches eingeleitet. Das einleitende Element ist immer Komponente des Relativsatzes.
Dadurch wird die enge Beziehung des übergeordneten Nomens und des attributiven
Nebensatzes verdeutlicht.
Der Student, der bei uns Germanistik studiert, …
Der Student, dessen Vater Schuldirektor ist, …
Der Student, dem wir gestern begegnet sind, …
Der Student, den wir gestern getroffen haben, …
Der Student, auf den wir lange gewartet haben, …

[Link] Infinitiv mit zu als Attribut


Dem attributiven Infinitiv mit zu liegt eine Objektbeziehung zugrunde:
die Hoffnung (des Sportlers), den Pokal zu gewinnen
← der Sportler hofft (darauf), den Pokal zu gewinnen
(← der Sportler hofft (darauf), dass er den Pokal gewinnt
(← der Sportler hofft auf den Pokalgewinn)

43
44 1 Kapitelüberschrift

2.2 Die Apposition


Die Apposition ist eine besondere Art Attribut. Sie ist ein nachgestelltes nominales
Attribut zu einem nominalen oder pronominalen Kern, mit dem er im Kasus und
Numerus übereinstimmt. Die Apposition wird von dem übergeordneten Kernwort
durch Komma getrennt.
mein Freund, ein ehrlicher Junge
Wir kommen am Montag, dem 25. März.
Er spricht mit Inge, der Freundin von Hans.
G. HELBIG und J. BUSCHA unterscheiden die enge und die lockere Apposition. „Die enge
Apposition ist nicht durch Kommas vom Bezugswort abgetrennt und kommt in Vorder­
und Nachstellung vor. Die lockere Apposition wird durch Kommas abgetrennt und ist
immer nachgestellt.“ (HELBIG/BUSCHA 1986: 606).
Die enge Apposition ist ein nach­ oder vorangestelltes Attribut und ist morphologisch oft
nicht gekennzeichnet. Wir führen einige Strukturtypen der engen Apposition auf:
• Anredeform + Personenname: Frau Meier, Herr Koch
• Berufsbezeichnung + Personenname: Lehrer Meier
• Funktionsbezeichnung + Personenname: Kollege Meier
• Gattungsbezeichnung + Typenbezeichnung: der Opel Kadett, die internationale Tagung
Veszprém – Passau
• geographischer Begriff + geographischer Name: die Stadt Passau, der Freistaat Bayern
• Maß­ und Mengenbezeichnung + Materialbezeichnung: eine Flasche Wein, zwei Liter
Mineralwasser
• Titel + Personenname: König Matthias, Professor Meier
• Verwandtschaftsbezeichnung + Personenname: Onkel Franz
• Vorname + Name: Hans Weinreich, Peter Weiß
• Zeitbegriff + Zeiteinheit: der Monat November
Die lockere Apposition stimmt in der Regel mit dem Bezugswort in Kasus und Numerus
überein.
In Ankara, der Hauptstadt der Türkei … Törökország fővárosában, Ankarában
Er hat Einstein, den Begründer der Relativitätstheorie, [Link] idézte, a relativitás­
elmélet megalkotóját
Im Gegensatz zum Ungarischen bleibt die Apposition im Deutschen unverändert
nach den Konjunktionen als und wie:
die Gestalt Mozarts als Mensch und Komponist; sein Ruf als bester Boxer (aber: des besten
 Boxers)
in einem Roman wie dieser (ist)
45

Wenn die Apposition dem Kern ohne Artikel folgt:


Das Gutachten eines berühmten Psychiaters, Doktor der Medizin, Gerichtssachverständiger,
ehemaliger Offizier …

2.3 Sekundäre Satzglieder


2.3.1 Sekundäre Satzglieder zum Satz
Sekundäre Satzglieder zum Satz beziehen sich nicht auf ein Satzglied, sondern auf den ganzen
Satz. Ihre Abhängigkeitsstruktur kann wie folgt dargestellt werden:1
trägt

das Gepäck
Er
seiner Mutter

Sekundäre Satzglieder, die sich auf den ganzen Satz beziehen, können durch folgende
Stellungsglieder repräsentiert werden:2
durch Substantiv im Dativ
Er trägt seiner Mutter das Gepäck. Hordja édesanyja helyett a csomagot.
Komm mir nicht spät nach Hause. Nekem ne gyere haza későn!
durch ein Modalwort
Er hat uns leider nicht angerufen. Sajnos nem hívott fel bennünket.
Er ist vielleicht/wahrscheinlich nicht zu Hause. Talán/valószínűleg nincs otthon.
durch Präposition + Substantiv
Er trägt für seine Mutter das Paket.
Er kann es unter Umständen noch ändern.
Sekundäre Satzglieder, die sich auf den ganzen Satz beziehen, sind Angaben, d.h. sie
können beliebig weggelassen werden:
Er hat uns leider nicht angerufen.
→ Er hat uns nicht angerufen.

2.3.2 Sekundäre Satzglieder zu einzelnen Gliedern


HELBIG und BUSCHA unterscheiden folgende sekundäre Satzglieder zu den einzelnen
Gliedern:
1
HELBIG, G., BUSCHA, J.: 1994: 553.
2
Wir beziehen uns im Folgenden auf die Darstellungsweise von HELBIG/BUSCHA 1994,
S. 552 ff.

45
46 1 Kapitelüberschrift

• Prädikatives Attribut
• Prädikatives Attribut zum Subjekt
• Prädikatives Attribut zum Objekt
• Possessiven Dativ
• Possessiven Dativ zum Subjekt
• Possessiven Dativ zum Objekt
• Possessiven Dativ zum Adverbialbestimmung

[Link] Prädikatives Attribut


„Die prädikativen Attribute stehen in der Position von Adverbien im konkreten Satz. Sie
hängen aber im Unterschied zu den Adverbien nicht vom Verb, sondern von einem
substantivischen Glied (vom Subjekt oder vom Objekt) ab.“3 Man kann also zwei Arten
von prädikativen Attributen unterscheiden:
• prädikatives Attribut zum Subjekt
• prädikatives Attribut zum Objekt
Prädikative Attribute werden durch folgende Stellungsglieder repräsentiert:
• durch Adjektiv oder Partizip
Er kommt gesund/heil/wohlauf/verärgert an.
• durch Adverb
Er kommt so an.
• durch Präposition + Substantiv
Er kommt im dunklen Anzug/in weißer Weste an.
• Prädikative Attribute sind ebenfalls Angaben, d.h. sie sind frei:
Er kommt gesund an.
→ Er kommt an.

[Link].1 Prädikatives Attribut zum Subjekt


Das prädikative Attribut hat folgende Abhängigkeitsstruktur zum Subjekt:
kommt an

er

gesund

3
Helbig/Buscha 1994: 554.
47

Das prädikative Attribut zum Subjekt kann in ein Prädikativ zum Subjekt transformiert
werden:
Schiller starb jung.
→ Als Schiller starb, war er jung.

[Link].2 Prädikatives Attribut zum Objekt


Das prädikative Attribut zum Objekt hat folgende Abhängigkeitsstruktur:
traf

er
ihm

im dunklen Anzug

Das prädikative Attribut lässt sich in ein Prädikativ zum Objekt transformieren:
Er traf ihn im dunklen Anzug. Sötét ruhában találkozott vele.
Er traf ihn. Er war im dunklen Anzug. Találkozott vele. Sötét ruhában volt.
Als er ihn traf, war er im dunklen Anzug. Amikor találkozott vele, sötét ruhában volt.

[Link] Possessiver Dativ


Im Unterschied von anderen Objekten hängt der possessive Dativ nicht vom Verb, sondern
von einem andern substantivischen Glied, vom Subjekt oder von einer
Adverbialbestimmung ab.
Der possessive Dativ wird morphologisch durch ein Substantiv oder Personalpronomen im
Dativ repräsentiert:
Dem Freund/ihm tun die Zähne weh. (Dt. Dativ)
Der Arzt operierte dem Kranken/ihm den Magen.
Im Deutschen kann der possessive Dativ in einen Genitiv transformiert werden:
Die Zähne des Freundes tun weh.
Der Arzt operiert den Magen des Kranken.
Der possessive Dativ lässt sich in ein Possessivpronomen transformieren:
Seine Zähne tun weh.
Der Arzt operierte seinen Magen.
Der possessive Dativ ist Angabe, d.h. er ist frei:
→ Die Zähne tun weh.

47
48 1 Kapitelüberschrift

→ Der Arzt operiert den Magen.


Die unterschiedlichen Abhängigkeitsstrukturen des possessiven Dativs können nach
HELBIG/BUSCHA 1995: 558 wie folgt dargestellt werden.

Possessiver Dativ zum Subjekt


tat weh

der Magen

dem Kranken

Possessiver Dativ zum Objekt

operierte

der Arzt
den Magen

dem Kranken

Possessiver Dativ zur Adverbialbestimmung


sieht

er
in die Augen

seinem Freund
49

2.4 Die Satzgliedstellung


Die Satzgliedstellung wird nach HELBIG und BUSCHA von Faktoren verschiedener Ebenen
bedingt: „1. syntaktischen Faktoren, 2. morphologischen Faktoren, 3. intentionalen Fakto­
ren.“ (HELBIG/BUSCHA 1994: 564)

2.4.1 Die syntaktischen Bedingungen


Zu den syntaktischen Faktoren zählt man:
„1. Bedingungen, die vom Stellungstyp her gegeben sind
2. Bedingungen, die von der syntaktischen Verbnähe her gegeben sind.“ (HELBIG/BUSCHA
1994: 564)
Stellungstyp
Der Stellungstyp legt die Stellung des finiten Verbs und die Stellung der übrigen
Prädikatsteile fest. Die Stellung des finiten Verbs ist im deutschen Satz festgelegt. Die
traditionellen Grammatiken unterscheiden folgende drei Satztypen:

• S t e l l u n g s t y p 1, Zweitstellung des finiten Verbs (der sog. Kernsatz):

Glied 1 finites Verb Glied 3 Glied n


Peter das Buch jetzt.
Das Buch liest Peter jetzt.
Jetzt Peter das Buch.
Wenn sie Zeit sie das Buch.
hat,
Nach diesem Typ werden gebildet:
Aussagesätze
Er spielt Schach.
Ergänzungsfragen
Was spielt er?
uneingeleitete Objekt­ und Subjektsätze
Ich glaube, er spielt heute Schach.
Es ist besser, du spielst heute kein Schach.

• S t e l l u n g s t y p 2 , Erststellung des finiten Verbs (Stirnsatz):

finites Verb Glied 2 Glied 3 Glied n


Liest Peter das Buch jetzt?

49
50 1 Kapitelüberschrift

Nach diesem Typ werden gebildet:


Entscheidungsfragen
Spielt er heute Schach?
Aufforderungssätze
Komm endlich nach Hause!
uneingeleitete Konditional­ und Konzessivsätze
Ist das Wetter schön, gehen wir ins Schwimmbad.
Ist er auch krank, so hat er doch viel gearbeitet.
Hauptsätze im Satzgefüge in Nachstellung
Wenn du Zeit hast, besuche uns.
• S t e l l u n g s t y p 3 , Endstellung des finiten Verbs (Spannsatz):
Konjunktion Glied 1 Glied 2 vorletztes Glied finites Verb
…dass Peter das Buch liest.
• Nach diesem Typ werden eingeleitete Nebensätze gebildet:
Wir hoffen, dass du kommst.
Ich weiß nicht, wann er zurückkommt.
• Endstellung des finiten Verbs + vorletzte Stelle des Prädikatsteils
Konjunktion Glied 1 Glied 2 Prädikatsteil finites Verb
…, dass er das Buch gelesen hat.
…, weil das Buch gelesen wird.
Besteht das Prädikat aus zwei oder mehreren Teilen, hängt die Position der übrigen
Prädikatsteile von der Stellung des finiten Verbs ab. Wir können folgende Stellungstypen
unterscheiden:
• Zweitstellung des finiten Verbs + Endstellung des Prädikatsteils
Glied 1 finites Glied 3 Glied n Prädikatsteil
Verb
Er das Buch heute
Das Buch hat er heute gelesen.
Heute er das Buch
• Erststellung des finiten Verbs + Endstellung des Prädikatsteils
finites Glied 1 Glied 3 Glied n Prädikatsteil
Verb
51

Hat er das Buch gestern gelesen?


Der Prädikatsteil bilden bei diesem Typ
a) infinite Verbformen (haben oder sein + Partizip II; Modalverb + Infinitiv,
Modalitätsverb + Infinitiv mit zu)
Er hat das Buch bereits gelesen.
Er will das Buch noch heute zu Ende lesen.
Sie pflegt nach dem Essen einen Sherry zu trinken.
b) trennbare Verbteile (Vorsilbe, Adverbien, Infinitiv)
Er ruft uns noch heute an.
Wir nehmen an der Tagung teil.
Großvater geht nach dem Mittagessen immer spazieren.

2.5 Klammerkonstruktion
Eine Klammerkonstruktion (Rahmenkonstruktion) besteht aus rahmenöffnenden und
rahmenschließenden Gliedern, die andere Satzglieder umschließen. Man unterscheidet vier
Arten von Rahmenkonstruktionen:
• den n o m i n a l e n Rahmen
• den v e r b a l e n Rahmen/p r ä d i k a t i v e n Rahmen
• den S a t z r a h m e n
• die R a h m e n k o n s t r u k t i o n mit der Negationspartikel nicht.

2.5.1 Die Nominalklammer


Den nominalen Rahmen bildet im Deutschen ein Artikelwort (Artikel, Possessiv­ oder
Demonstrativpronomen) und das Substantiv. Zwischen den beiden Polen befindet sich ein
oft mehrteiliges Attribut.
der auf den Professor wartende Student A tanárra váró diák
ein außerordentlich schöner Tag rendkívül szép nap
Der nominale Rahmen ist typisch für den wissenschaftlichen Stil, wo er sehr häufig
vorkommt. Im Ungarischen wird er entweder in der Form (1) eines Relativsatzes oder
(2) in der Form eines postponierten Attributs wiedergegeben:
Welche der an der Regierungskoalition beteiligten Parteien wird in der Lage sein, die
wirtschaftlichen Folgen der geplanten Privatisierung von Vale do Rio Doce in den Griff zu
bekommen, ... Le Monde diplomatique Nr. 4800 Seite 17 vom 15.12.1995
Das vom Wiener Kriminalmuseum herausgegebene Buch rollt 58 berühmte Kriminalfälle auf
...TAZ Nr. 4943 Seite 18 vom 08.06.1996

51
52 1 Kapitelüberschrift

2.5.2 Die Verbalklammer


Durch die getrennte Stellung des finiten Verbs und der übrigen Prädikatsteile entsteht ein
Rahmen (verbaler Rahmen, Satzklammer). In diesen Rahmen sind die nichtprädikativen
Satzglieder eingeschlossen.
Rahmenbildung ist eines der Grundprinzipien des deutschen Satzes. Es ist nicht immer
klar, wann man von Rahmen sprechen kann. Das hängt damit zusammen, dass der
rahmenschließende Teil nicht nur aus finiten Verbformen und trennbaren Vorsilben
bestehen kann, sondern dass auch andere Wörter als rahmenschließend angesehen werden
können. Im Folgenden werden diejenigen Wörter und Wortgruppen aufgezählt, die eine
rahmenbildende Funktion haben.
(1) Infinitiv in analytischen Verbformen und bei Modal­ und Modalitätsverben
Wir werden morgen einen Aufsatz schreiben.
Sie kann ihn nicht leiden.
Sie scheint diesen Mann zu kennen/ schon gesehen zu haben.
(2) Partizip II in analytischen Verbformen
Er hat/hatte ihr ein Buch geschenkt. (Perfekt und Plusquamperfekt)
Wir sind von ihm eingeladen worden. (Passiv)
(3) Trennbarer erster Teil bei trennbaren Verben
Ich ziehe das Theater dem Kino vor.
Peter läuft sehr gut Ski.
Sie lernten sich vor zwei Jahren kennen.
(4) Adverbien und präpositionale Substantivgruppen als Richtungsangaben bei Verben der
Ortsveränderung
Geh in das Zimmer hinein.
Wir gehen heute Abend ins Kino.
(5) Substantiv und Adjektiv bei sog. Kopulaverben
Sie wird nach dem Abschluss des Studiums Lehrerin.
Wir essen uns satt.
Ich finde diese Idee gut.
(6) Substantivgruppen als nominale Teile von Funktionsverbgefügen
Der Arbeiter setzte die Maschine in Bewegung.
Meine Tochter hält ihr Zimmer nicht in Ordnung.
(7) Die Satznegation nicht
Wir fassen heute den Beschluss nicht.
53
2.5.3 Ausklammerung
In der deutschen Gegenwartssprache werden die strikten grammatischen Regeln nicht
immer eingehalten. Ausrahmung (Ausklammerung) bedeutet, dass verschiedene Satz­
glieder hinter das rahmenschließende Glied treten. „Die Ausklammerung (od. Ausrah­
mung) ermöglicht, große und überdehnte Satzklammern oder Rahmenkonstruktionen zu
entlasten, Satzglieder stilwirksam hervorzuheben, die syntaktische Gliederung des Satzes,
der Satzglieder übersichtlicher zu gestalten.“ (DÜCKERT/KEMPCKE 1989: 69)
HELBIG und BUSCHA unterscheiden zwei Arten der Ausrahmung:
1. die durch die Art der Satzglieder bedingte Ausrahmung
2. die durch die Sprechintention bedingte Ausrahmung (HELBIG/BUSCHA 1994: 568)
Die grammatische Ausrahmung betrifft insbesondere folgende Fälle:
• Nebensätze
Sie will sich das Kleid kaufen, das ihr gefällt.
• Satzglieder mit den Präpositionen wie und als (Komparation)
Er hat sich benommen wie ein kleines Kind.
In diesem Winter hat es weniger geschneit als im vorigen.
• Satzglieder mit den Ausdrücken oder und außer
Ich will heute niemanden sehen außer dir.
Was hat dir gefallen, der Film oder das Theaterstück?
• Infinitivkonstruktionen mit zu (erweitert und nicht erweitert)
Er hat mir versprochen zu kommen.
Sie ist gekommen, um uns zu helfen.
Es ist notwendig, alle Kollegen zu informieren.
• Apposition
Sie hat Inge gesehen, eine alte Bekannte von mir.
Sie wollen sich wieder dort treffen, unter der alten Eiche.
• präpositionale Konstruktionen werden oft ausgeklammert
Diese Beschlüsse gehen hervor aus den Bestimmungen der Hochschulleitung.
Unser Schicksal hängt ab von den …
Die stilistisch bedingte Ausrahmung betrifft vor allem präpositionale Gruppen. Sie erfolgt
hauptsächlich dann, wenn die Satzglieder, die zwischen finitem Verb und dem
Prädikatsteil stehen, sehr umfangreich oder zahlreich sind. Zweitens handelt es sich um
Ausrahmung, wenn ein vom Sprecher/Schreiber besonders betontes Satzglied hinter den
Prädikatsteil positioniert wird.

53
54 1 Kapitelüberschrift

Gekauft hat er diesen Roman, gelesen hat er ihn aber noch nicht.
Umfängliche Satzglieder werden ausgeklammert aus der Klammer, die von finitem Verb
und infiniter Verbform (z.B. Infinitiv, Partizip II) oder finitem Verb und Prädikats­
ergänzung gebildet werden.
Der Vorschlag wurde vom Leiter, nicht aber vom Stellvertreter abgewiesen.
→ Der Vorschlag wurde vom Leiter abgewiesen, nicht aber vom Stellvertreter.
Rund sieben Stunden Musik sind so wiedererstanden mit phantastischen Improvisationen.
(Die Zeit 44/1995: 72)

2.6 Syntaktische Verbnähe


Die Stellung der Satzglieder im Satz unterliegt bestimmten Bedingungen. Dazu gehört
auch ihr syntaktischer Bezug zum Verb. HELBIG und BUSCHA verwenden in diesem
Zusammenhang den Begriff der s y n t a k t i s c h e n V e r b n ä h e . Mit anderen Worten:
In einem Aussagesatz befinden sich die dem finiten Verb enger verbundenen, d.h. in
syntaktischer Hinsicht näher stehenden Glieder weiter vom Verb entfernt. Vgl.:
Sie kauf heute ihrer Mutter ein
t Geschenk
0 4 3 2
Obligatorische und fakultative Adverbialbestimmungen stehen in der Regel hinter den
freien Adverbialbestimmungen.
Wir fahren in diesem Sommer in die Hohe Tatra.
(freie Temporalbestimmung + obligatorische Lokalbestimmung)
Das Akkusativobjekt als obligatorische oder fakultative Ergänzung steht in der Regel
hinter dem fakultativen oder freien Dativobjekt.
Der Ehemann hat seiner Frau einen goldenen Ring gekauft.

Dativobjekt Akkusativ XE
"Akkusativ"

2.7 Morphologische Bedingungen der Wortfolge


Man kann folgende Arten von morphologischen Bedingungen unterscheiden:
• Repräsentation der Satzglieder durch bestimmte morphologische Klassen (Pronomen,
Adverb, Substantiv)
• Repräsentation der Satzglieder durch morphologische Formen (reiner Kasus ­
präpositionaler Kasus)
55

• der Artikelgebrauch (Vgl. HELBIG/BUSCHA 1994: 570)


1. Stehen zwei Substantive nebeneinander, dann ist die Reihenfolge D a t i v -
Akkusativ:
Der Lehrer erzählt den Kindern eine Geschichte.
2. Wenn dieselben syntaktischen Rollen durch Pronomen repräsentiert werden, dann ist
die Reihenfolge A k k u s a t i v ­ D a t i v :
Der Lehrer erzählt sie ihnen.
3. Die durch ein Pronomen oder Pronominaladverbien ausgedrückten Satzglieder stehen
gewöhnlich vor den durch Substantivwörter ausgedrückten Satzglieder.
Der Lehrer erzählt sie den Kindern.
Meine Tochter blieb am Montag wegen Erkältung zu Hause.
→ Meine Tochter blieb deshalb am Montag zu Hause.
4. Ein durch ein Pronomen ausgedrücktes Objekt steht vor dem durch ein Substantiv
ausgedrückten Objekt. Werden beide Objekte durch Pronomen ausgedrückt, so steht
der Akkusativ vor dem Dativ.
Ich kaufe meiner Mutter ein Geschenk zum Geburtstag.
Ich kaufe ihr ein Geschenk zum Geburtstag.
Ich kaufe es meiner Mutter zum Geburtstag.
Ich kaufe es ihr zum Geburtstag.
5. Der Präpositionalkasus steht nach dem reinen Kasus
Ich schreibe meinem Freund einen Brief.
→ Ich schriebe einen Brief an meinen Freund.
6. Auch der Artikelgebrauch kann die Stellung der Satzglieder verändern. Im Allge­
meinen gilt, dass ein Substantiv mit dem unbestimmten Artikel oder Nullartikel am
Ende steht.
Ich schreibe meinem Freund einen Brief.
Ich schenke meiner Freundin Bücher.
Ich schenke die Bücher einer Freundin.

2.8 Aktuelle Gliederung und Wortfolge


Im deutschen Satz haben nur die prädikativen Teile (finites Verb, grammatischer oder
lexikalischer Prädikatsteil) eine fixe Position. Je nach dem Strukturtyp stehen sie an
zweiter, erster oder letzter Stelle des Satzes. Die kommunikative Grundfunktion der
prädikativen Teile liegt in der Realisierung der verschiedenen Satzarten (Aussagesatz,
Fragesatz, Ausrufesatz u.a.) Da diese Regeln obligatorischen Charakter haben, spricht man
hier von sog. grammatischen Regularitäten. Von den grammatischen Regularitäten sind
die kommunikativen Regularitäten zu unterscheiden, die andere Varianten zulassen. Sie

55
56 1 Kapitelüberschrift

betreffen hauptsächlich den nichtprädikativen Bereich des Satzes und haben zwei
kommunikative Funktionen:
1. die Funktion der Satzverflechtung
2. die Funktion der Abstufung des Mitteilungswertes einzelner Satzglieder
(Vgl. HELBIG/BUSCHA 1994: 274 f.)
„Der Begriff der Satzverflechtung besagt, dass am Satzanfang bzw. im vorderen Teil des
Satzes die Glieder stehen, die den Anschluss an den hervorgehenden Satz herzustellen
haben.“ (HELBIG/BUSCHA 1994: 573.) Satzverflechtende Elemente sind einige Nichtglieder
wie Konjunktionen, Partikeln, außerdem das Subjekt und verschiedene Adverbial­
bestimmungen (vor allem Lokal­ und Temporalbestimmungen).

Peter verbrachte die Ferien bei seiner Großmutter auf dem Lande. Dort hat er neue Freunde
gefunden.
Anschlussstelle

In der Slawistik ist es üblich, von Thema­Rhema­Gliederung zu sprechen. Bei der


aktuellen kommunikativen Gliederung des Satzes (funktionaler Satzperspektive) ist
folgendes zu beachten:
Das T h e m a einer Aussage enthält bereits bekannte, vorerwähnte Informationen.
Mit dem Begriff R h e m a bezeichnet man den unbekannten, neuen, noch nicht erwähnten
Teil einer Aussage. Vergleichen wir folgenden Kurztext:
In unserem Dorf [Thema] lebte einmal ein alter Mann [Rhema]. Er [Thema] hatte drei Katzen
[Rhema]. Sie [Thema] folgten ihm auf jeden Schritt.
(Vgl. MARKO 1991: 274)
Die Anschlussstelle (Thema) beim Stellungstyp 1 kann besetzt werden durch:4
1. Subjekt
Mein Freund/Hans/Er studiert Germanistik.
2. Objekt
Ein schönes Geschenk hast du mir gekauft.
Seinem Vater geht es schon gut.
3. Adverbialbestimmung
Morgen fahren wir nach Wien.
4. Sekundäres/fakultatives Satzglied
4
Für die Stellungstypen 2 und 3 ist die Frage nach der Art der unmittelbaren Anschlussstelle
irrelevant, da der Anschluss bereits durch den Strukturtyp bestimmt ist.
57
Der Schwester war die Übung zu problematisch.
Man unterscheidet zwischen n e u t r a l e r Wortstellung und s u b j e k t i v e r Wort­
stellung. Die neutrale Wortstellung wird durch morphologische und syntaktische Regeln
der satzbildenden Glieder bestimmt. So steht etwa in einem Aussagesatz das Subjekt
(gegebenenfalls eine Adverbialbestimmung oder ein durch ein Personalpronomen
ausgedrücktes Objekt) an erster Stelle, das finite Verb an zweiter Stelle; die letzte Position
des Satzes wird durch Infinitiv, Partizip II, trennbare Vorsilbe u.a. besetzt.
Bei subjektiver Wortstellung treten andere Kriterien in den Vordergrund. Die neutrale
Wortfolge und die Rahmenkonstruktion werden aufgehoben und die vom Sprecher
betonten Satzglieder werden verschoben. Es handelt sich insbesondere um folgende Mög­
lichkeiten:
a) Das Subjekt des Satzes erscheint an der letzten Stelle. Die erste Stelle belegt ein
neutrales Satzglied oder das bedeutungsleere es.
Am Apparat ist meine Freundin.
Es war einmal ein König.
b) Der Infinitiv und die Partizipien stehen an erster Stelle:
Genossen habe ich den heutigen Tag.
Entkommen kann er uns nicht mehr.
c) Das Objekt steht an erster Stelle:
Ein neues Buch hat sie vor kurzem gekauft.
Ein neues Lied, ein besseres Lied … will ich euch dichten [Heine]

Generell gelten hier folgende Regelungen:

Ein Satzglied mit einem geringeren Mitteilungswert (das Bekannte, das Thema) steht
am weitesten vorne. Ihm folgt ein Satzglied mit dem nächsthöheren Mitteilungswert. Das
Satzglied mit dem höchsten Mitteilungswert (das Neue, das Rhema) steht in der letzten
syntaktisch nicht obligatorisch besetzten Position. Obligatorische Adverbial­
bestimmungen stehen nach freien Adverbialbestimmungen. Die durch Personalpronomen
ausgedrückten Objekte stehen vor substantivischen Objekten, weil sie einen geringeren
Mitteilungswert haben. Pronominale Objekte sind – über ihren geringeren Mitteilungswert
hinaus – Mittel der Satzverflechtung. Sie stehen daher, weil sie gleichzeitig auch den
Anschluss zum vorhergehenden Satz herstellen, vorne im Satz.
Im Satz
Heute Abend gehe ich mit meiner Freundin ins Kino.

57
58 1 Kapitelüberschrift

haben wir es mit objektiver Wortfolge zu tun. Das Element ins Kino ist enger mit dem
Verb gehen verbunden als mit meiner Freundin.
Im Satz
Heute Abend gehe ich ins Kino mit meiner Freundin.
liegt der Akzent auf dem letzten Satzglied mit meiner Freundin (präpositionales Objekt).
Hier spricht man über sog. „subjektive“ Wortfolge.
Hervorzuhebende Elemente, falls sie nicht durch Pronomen ausgedrückt werden, können
in der ersten Position im Satz stehen, vgl.
Mit meiner Freundin gehe ich heute ins Kino. (also nicht etwa mit meinem Freund)
Wir können zusammenfassen. Die Wortfolge wird durch die aktuelle Gliederung diffe­
renziert. Im Deutschen gelten oft, auch wenn nicht immer, ähnliche Prinzipien wie im
Ungarischen. Ein wesentlicher Unterschied besteht darin, dass im Deutschen die Position
einiger Satzglieder, insbesondere die des finiten Verbs, syntaktisch bestimmt ist und
weniger den Regeln der aktuellen Gliederung unterliegt. Im Ungarischen ist die Wortfolge
freier und wird weniger durch starre syntaktische Positionen begrenzt.

2.8.1 Die Stellung des Reflexivpronomens »sich«


Das Reflexivpronomen sich steht:
• unmittelbar nach dem finiten Verb, wenn das Subjekt in der ersten Position im Satz
steht:
Ich freue mich sehr, dich zu sehen.
Das Kind hat sich die Hände gewaschen.
• in anderen Fällen (Stellungstyp 2 und 3) vor dem substantivischen Subjekt
Warum freut sich Hans sehr?
Die Mutter sagt, dass sich Hans heute noch nicht gewaschen hat.
Wann hat sich Hans dieses Hemd gekauft?
• nach dem Subjekt, wenn es durch Personalpronomen ausgedrückt ist:
Warum freut er sich sehr?
Die Mutter sagt, dass er sich heute noch nicht gewaschen hat.
Wann hat er sich dieses Hemd gekauft?

2.9 Die Negation


Der Sprecher drückt seine Einstellung zum Inhalt einer Äußerung auch dadurch aus, dass
der Satz eine positive oder negative Ausdrucksform hat. Verneint werden kann entweder
die ganze Äußerung oder nur Teile davon. Wird die ganze Äußerung negiert, spricht man
59

von S a t z n e g a t i o n . Werden Teile des Satzes verneint, so spricht man von


Sondernegation.
Außer den beiden genannten gibt es noch die sog. l e x i k a l i s c h e Negation, in der die
Verneinung Teil eines Lexems ist, z.B. misslingen, unschuldig, Unmensch u.a. Stehen im
Satz lexikalische und grammatische Negation nebeneinander, so kommt es zur
Neutralisierung , d.h. der Satz erhält einen positiven Sinn: Das ist nicht unmöglich. Er ist
nicht unschuldig, u.a.
Die Negation kann im Deutschen ausgedrückt werden:
1. durch Negationspartikeln oder ­adverbien
nein nem nirgendwohin sehová
nicht ne nimmer sohasem
niemals soha keineswegs semmiképpen
nirgends/nirgendwo sehol keinesfalls semmiképpen
nie soha keinmal soha, egyszer sem
2. durch unbestimmte Pronomen
kein (semmi) keinerlei semmiféleképpen
keiner (semmi) nichts semmi
3. durch Konjunktionen
weder – noch sem – sem
Der mehrgliedrigen Negation im Ungarischen entspricht im Deutschen eine einzige
Negationspartikel. Dieses Verhältnis wollen folgende Beispiele veranschaulichen:
Er liest ein Buch. Er liest kein Buch. Nem olvas semmilyen
könyvet.
Er isst etwas. Er isst nichts. Semmit sem eszik.
Er sieht jemanden. Er sieht niemanden Nem lát senkit sem.
Sie kommt irgendwann. Sie kommt nirgendwann5. Nem jön el sohasem.
Sie kommt irgendwoher. Sie kommt nirgendwoher. usw. Sehonnan sem jön.
Wir gehen irgendwohin. Wir gehen nirgendwohin. Sehová sem megyünk.
Er findet es irgendwo. Er findet es nirgendwo. Sehol sem találja.

Weitere Beispiele:
Er sagte nie jemandem (et)was. Senkinek semmit sem mondott.
Niemand weiß etwas. Senki sem tud semmit.
Er hat nie jemanden irgendwo gesehen. Sehol sem látott senkit sem..

5
besser: Sie kommt nie mehr.

59
60 1 Kapitelüberschrift

Die Negationspartikel nein steht außerhalb des Satzes, es wird daher nicht als zweite
Negation im Satz aufgefasst.
Hast du ihm schon geschrieben? Nein, (ich habe ihm noch nicht geschrieben).

2.9.1 Die Negationspartikel »nein«


Die Bejahung einer Frage geschieht gewöhnlich mit den Partikeln ja oder doch, die
Verneinung mit der Negationspartikel nein. Die Negationspartikel steht selbständig am
Anfang des Satzes und wird vom nachfolgenden Satz durch ein Komma getrennt.
Kommt Hans heute? - Nein, Hans kommt heute nicht. (Negation)
Kommt Hans heute nicht? - Doch, er kommt heute.
Dem Ungarischen ugye? entspricht im Deutschen die Verbindung nicht wahr?
Das ist dein Buch, nicht wahr? Ugye ez a te könyved?
In der Vergewisserungsfrage erscheint manchmal statt kein die Konstruktion nicht + ein:
Ist das nicht ein artiges Kind? Hát nem egy helyes gyerek?

2.9.2 Satznegation und Sondernegation


Die Satznegation betrifft die gesamte Prädikation. Die Sondernegation betrifft nur Teile
des Satzes, und zwar ganze Satzglieder (1), Wörter, die Teile von Satzgliedern sind (2)
und Teile von Wörtern (3):
(1) Sie spricht nicht mit ihrem Bruder, sondern mit ihrer Schwester.
(2) Wir haben darüber nicht vor, sondern nach der Theatervorstellung gesprochen.
(3) Die Angestellten haben das Auto nicht be-, sondern entladen.
Manchmal kann die gleiche Satznegation verschieden ausgedrückt werden:
Er traf sie nicht im Kino. Nem találkoztak a moziban.
Er traf sie im Kino nicht. A moziban nem találkoztak.
Die Negationspartikel nicht steht gewöhnlich unmittelbar vor dem negierten Wort. Vgl.:
Ich habe an sie nicht gedacht. Nem gondoltam rá. (Satz­ und Sondernegation)
Ich habe nicht an sie gedacht. Nem rá gondoltam. (Sondernegation)
Er ist nicht aus-, sondern umgestiegen. Nem le­ hanem átszállt.
Einige Sätze lassen eine doppelte Interpretation zu (sie können sowohl als Satz­ wie auch
als Sondernegation interpretiert werden):
Er stellt die Vase nicht auf den Tisch. (Satz­ und Sondernegation)
Oft wird das negierte Glied durch starke Betonung hervorgehoben.
Gestern waren wir nicht im Kino. (Sondernegation)
61

Gestern waren wir nicht im Kino. (Satznegation, neutrale Satzmelodie)


Die Negationspartikel nicht als Satznegation bildet mit dem Prädikat eine sog.
Negationsklammer. Im Ungarischen hingegen bildet das Negationselement nem eine
Einheit mit dem betreffenden Prädikat.
• Im Hauptsatz steht die Negationspartikel entweder am Ende des Satzes oder ­ mit dem
Prädikatsrahmen kombiniert ­ vor dem letzten rahmenbildenden Teil:
Er besuchte seinen Großvater trotz der engen Bindungen nicht.
Er ist gestern leider nicht abgereist.

Die Vorlesung fand gestern bedauerlicherweise nicht statt.


Sie war um sechs Uhr mit dieser schweren Aufgabe noch nicht fertig.
Anmerkung: Nicht valenzgebundene Glieder können aus dem Negationsrahmen
 heraustreten:
Er besuchte seinen Großvater trotz der engen Bindungen nicht.
Er besuchte seinen Großvater nicht trotz der engen Beziehungen.
• Die Negationspartikel nicht steht immer vor dem rahmenschließenden Prädikatsteil
(vor dem Infinitiv, Partizip II oder der trennbaren Vorsilbe).
Ich will morgen noch nicht abreisen.
Er ist noch nicht abgereist.
Er reist heute vermutlich nicht ab.
• Im Nebensatz steht die Negationspartikel nicht ebenfalls vor dem rahmenschließenden
Prädikatsteil.
Wir wissen nicht, warum er heute überhaupt nicht gekommen ist
…, dass wir nicht fahren.
…, dass er nicht Lehrer wird.
…, dass er das Buch nicht auf den Tisch legt.
…, dass er nicht gekommen ist.
…, dass wir gestern nicht haben kommen können.
• Die Negationspartikel nicht steht vor dem Prädikativum
a) obligatorisch, wenn das Prädikativum ein Substantiv oder Adjektiv ist:
Sie wird nicht Lehrerin. (Satz­ und Sondernegation)
* Sie wird Lehrerin nicht.
Sie wird nicht gesund. (Satz­ und Sondernegation)
* Sie wird gesund nicht.
b) fakultativ, wenn das Prädikativum ein Adverb ist:
Sie ist nicht hier. (Satz­ und Sondernegation)
Sie ist hier nicht. (Satznegation)

61
62 1 Kapitelüberschrift

c) obligatorisch vor Adjektiven in adverbialer Verwendung. Ursprüngliche Adverbien


lassen sowohl Voran­ als auch Nachstellung zu:
Diese Schülerin lernt leider nicht fleißig.
* Diese Schülerin lernt leider fleißig nicht.
d) Die Satznegation steht gewöhnlich nach einfachen reinen Kasusobjekten. Eine
Voranstellung ist dann möglich, wenn der Umfang der Objekte größer ist:
Ich lese diesen Roman nicht.
Er untersuchte den psychischen Zustand des Kranken nicht.
Er untersuchte nicht den psychischen Zustand des Kranken.
(Vgl. HELBIG/BUSCHA 1994: 521)
e) Die Satznegation steht oft obligatorisch vor Akkusativobjekten, wenn sie mit dem
bedeutungsarmen Vollverb eine semantische Einheit darstellen:
Er spielt nicht Klavier.
* Er spielt Klavier nicht.
f) Die Satznegation steht vor obligatorischen oder fakultativen Adverbial­
bestimmungen:
Die Sitzung dauert nicht zwei Stunden.
* Die Sitzung dauert zwei Stunden nicht.
Beliebig frei kann die Satznegation nicht vor oder hinter den lokalen und temporalen
Angaben stehen. Als Sondernegation steht sie allerdings vor dem negierten Satzglied:
Wir sahen uns im Kino nicht.
Wir sahen uns nicht im Kino.
Wir sahen uns nicht im Kino, sondern im Theater.
* Wir sahen uns im Kino nicht, sondern im Theater.
Wir fahren nicht zwei Tage, (sondern drei). (Sondernegation)
Wir fahren zwei Tage nicht. (Satznegation).
* Wir fahren zwei Tage nicht, sondern drei Tage.

2.9.3 Die Negationspartikeln »kein«, nicht mehr«, nicht einmal«


Die Negationspartikel kein steht vor dem Substantiv. Im Ungarischen entspricht ihm das
Negationswort (Negationspartikel) nem, sem.
Kaufen Sie ein Buch? Ich kaufe kein Buch.
* Ich kaufe nicht ein Buch.
Vesz egy könyvet? Nem veszek (semmilyen) könyvet.
Als Satznegation wird die Negationspartikel nicht verwendet:
63

Kaufen Sie dieses Buch? Nein, ich kaufe dieses Buch nicht. Megveszi ezt a könyvet? Nem, ez
a könyvet nem veszem meg.
Bei Substantiven in prädikativer Funktion kann sowohl kein als auch ein stehen. Kein
verstärkt die Negation:
Er ist nicht Sportler. Er ist kein Sportler.
Der ungarischen Negationspartikel már entspricht im Deutschen schon und mehr. Schon
kommt in bejahenden, mehr in verneinenden Sätzen vor.
Liest er schon? Er liest noch nicht. Olvas már? Még nem olvas.
Liest er noch? Er liest nicht mehr. Olvas még? Már nem olvas.
Das Buch, für das Sie sich interessieren, haben wir nicht mehr. A könyv, amelyik iránt
érdeklődik, már nincs meg.
Hat er Geld? Er hat kein Geld mehr. Van pénze. Már nincs pénze.
Sie haben uns nicht einmal geantwortet. Mégcsak nem is válaszoltak
Weitere wichtige deutsche Negationspartikeln und ihre ungarischen Entsprechungen sind
folgende:
noch nicht még nem niemand mehr senki többé
nichts mehr többé nem nie(mals) mehr soha többé
nicht einmal egyszer sem kein, keine mehr (senki többé)
Beispiele:
Hier liegt nichts mehr. Itt már semmi sincs.
Heute kommt niemand mehr. Ma már senki sem jön..
Sie gestattet es nie/niemals mehr. Ezt már soha sem engedi meg.
Er hat uns nicht einmal geantwortet. Mégcsak nem is válaszolt.

3 Der zusammengesetzte Satz

Der zusammengesetzte Satz entsteht durch die Kombination zweier oder mehrerer
Teilsätze. Diese Verknüpfungen können nach syntaktischen und/oder nach semantischen
Kriterien klassifiziert werden.
Nach syntaktischen Kriterien unterscheidet man:
• k o o r d i n a t i v e Verknüpfungen (Satzverbindung, Koordination, Parataxe) und
• s u b o r d i n a t i v e Verknüpfungen (Satzgefüge, Subordination, Hypotaxe).
Nach syntaktisch­semantischen Beziehungen kann man folgende Satztypen unterscheiden:
• Komplementsätze
• Verhältnissätze
• Relativsätze

63
64 1 Kapitelüberschrift

3.1 Die Koordination


„Die Koordination ist ein syntaktisches Prinzip, durch das verschiedenartige Zusammen­
hänge zwischen Sachverhalten ausgedrückt werden können. Die Glieder einer
koordinativen Verknüpfung, einer R e i h e , werden K o n j u n k t e genannt.” (SOMMER­
FELDT/STARKE 1992: 232) Sie können miteinander a s y n d e t i s c h , d.h. ohne Ver­
bindungselemente, oder s y n d e t i s c h , d.h. mit Verbindungselementen, Konjunktionen
(und, oder, sondern; weder – noch, sowohl – als auch, nicht nur – sondern auch u.a.) oder
Konjunktionaladverbien (deshalb, außerdem, trotzdem, freilich u.a.) verbunden werden.
Die echten Konjunktionen stehen sprachlogisch außerhalb der jeweiligen parataktisch
verbundenen Teilsätze. Die Konjunktionaladverbien sind als Elemente des Satzes anzu­
sehen und beeinflussen als solche die Wortfolge. Wenn sie nämlich am Anfang des
Nebensatzes stehen, dann folgt ihnen das finite Verb an zweiter Stelle:
Sie schwieg nicht, sondern sie schaltete sich ins Gespräch ein. (Konjunktion)
Sie war ungeduldig, deshalb schaltete sie sich ins Gespräch ein. (Konjunktionaladverb)
Sie wusste nicht Bescheid, trotzdem schaltete sie sich ins Gespräch ein. (Konjunktionaladverb)
Man kann folgende Typen von koordinierenden Beziehungen unterscheiden (Vgl.
Sommerfeldt/Starke 1992: 233 f.):
Typ der koordinierende Adverbien
Koordination Konjunktionen

kopulativ­additiv und, und auch, sowie, wie, auch, außerdem, ferner, zudem, überdies,
(anreihend) sowohl – als auch, nicht nur – ebenso, ebenfalls, gleichfalls
sondern auch
kopulativ­negativ weder – noch, nicht – noch

alternativ, disjunktiv oder, beziehungsweise, sonst, andernfalls


entweder – oder
adversativ aber, doch, jedoch, (nicht) – dennoch, dagegen, vielmehr, hingegen
(entgegenstellend) sondern
restriktiv aber, allein, jedoch, doch indes, indessen, freilich, nur, zwar – aber,
(einschränkend) allerdings, wohl – (aber)
kausal (begründend) denn
explikativ (erklärend) nämlich und zwar, das heißt (d.h.), das ist (d.i.)
einteilend, gliedernd teils – teils, halb – halb; bald – bald,
einerseits – andererseits
konsekutiv (folgernd) also, daher, deshalb, deswegen
konzessiv zwar – aber doch dennoch, gleichwohl, trotzdem,
(einräumend) nichtsdestoweniger, dessen ungeachtet
65
3.1.1 Die kopulative Satzverbindung
In einer kopulativen Satzverbindung werden die durch die Konjunktionen signalisierten
Sachverhalte, Dinge oder Eigenschaften bezüglich einer kommunikativen Situation als
zugleich bestehend, geltend rezipiert.
Beispiele:
Draußen heulte der Wind, und durch die offenen Seitenwände schlug der Regen.
Sie sind nicht nur stark erkältet, sondern sie haben auch hohes Fieber.
Sie haben uns weder geschrieben, noch haben sie sich bei uns gezeigt.
Sie sind stark erkältet, außerdem haben sie hohes Fieber.
Zu den kopulativen Satzverbindungen zählt man auch die p a r t i t i v e Satzverbindung.
Teilsätze dieser Art werden mit folgenden Adverbien eingeleitet:
teils – teils részben
bald – bald előbb – utóbb
erstens – zweitens először – másodszor
Zu den kopulativen Satzverbindung zählt man auch die sog. g r a d u a t i v e
Satzverbindung, die durch die Verbindungselemente ja, sogar, überdies, geschweige denn,
vor allem u.a. eingeleitet wird.
Er trinkt zu viel, ja er ist praktisch Alkoholiker.
Wir können an dem Ausflug nicht teilnehmen, überdies müssen wir endlich auch deine
Angelegenheiten erledigen.
Du darfst keinen Alkohol trinken, vor allem aber darfst du nicht rauchen.
Kopulative Teilsätze können auch asyndetisch (ohne Verbindungselemente) aneinander
gereiht werden.
Ich liege gekrümmt in einem großen Trichter, meine Beine sind im Wasser bis zum Bauch.
Das Dorf wirkt schwerelos, es scheint kaum auf dem Boden aufzuliegen.

3.1.2 Disjunktive Satzverbindung


In einer disjunktiven (alternativen) Satzverbindung schließt der durch den ersten Teilsatz
ausgedrückte Sachverhalt den Inhalt des zweiten Teilsatzes aus.
Wir bleiben heute zu Hause, oder wir gehen ins Konzert.
Entweder wir bleiben zu Hause, oder wir gehen ins Konzert.
Nehmen Sie einen Schirm mit, sonst werden Sie nass!

3.1.3 Adversative Satzverbindung


In der adversativen (entgegenstellenden) Satzverbindung ist der durch den zweiten
Teilsatz ausgedrückte Sachverhalt dem Sachverhalt des ersten Teilsatzes entgegengesetzt.
Ich habe den Bericht gelesen, aber ich habe den Sinn nicht verstanden.
Peter bleibt nicht in Wien, sondern er fährt nach Berlin.

65
66 1 Kapitelüberschrift

Wir müssen uns beeilen, sonst kommen wir zu spät.


Gestern hatten wir schönes Wetter, heute hingegen regnet es.
Adversative Teilsätze können auch asyndetisch (ohne Verbindungselemente)
aneinander gereiht werden.
Pläne sind gut, Taten sind besser.
In den durch die Konjunktionen doch und jedoch eingeleiteten Sätzen kann das finite Verb
nach der Konjunktion stehen.
Diese Apparate sind sehr teuer, doch finde ich sie nicht gut.
Im Juli wurde eine Feier für Gottfried Keller abgehalten, jedoch konnte sie daran nicht
teilnehmen.

Die Konjunktion jedoch kann auch ins Mittelfeld des Satzes treten.
Zwar gleichen alle amerikanischen Städte einander, man gewinnt sie jedoch schnell lieb.

3.1.4 Restriktive Satzverbindung


In der restriktiven (einschränkenden) Satzverbindung schränkt der Inhalt des zweiten
Teilsatzes den Sachverhalt des ersten Teilsatzes ein. Das restriktive Verhältnis steht dem
adversativen und auch dem konzessiven nah.
Sie war zwar streng, aber sie war nie ungerecht.
Sie hat sich nicht durchgesetzt, freilich trainiert sie erst kurze Zeit.
Er hatte es schon immer sagen wollen, allein es fand sich nie die Gelegenheit dazu.

3.1.5 Kausale Satzverbindung


In der kausalen Satzverbindung enthält der zweite Teilsatz den Grund für den Sachverhalt
des ersten Teilsatzes. Das kausale Verhältnis wird hergestellt durch die kausale para­
taktische Konjunktion denn sowie durch die explikativen (erklärenden) Konjunktional­
adverbien nämlich, und zwar, das heißt (d.h.), das ist (d.i.), doch, ja doch.
Marlies bleibt diesen Sommer zu Hause, denn sie will im nächsten Jahr nach Kanada fahren.
Er hat sich verletzt, und zwar so stark, dass er nicht spielen konnte.
Sie hat nicht richtig zugehört, sie kannte nämlich die Geschichte von mir.
Eine asyndetische kausale Satzverbindung ist im Deutschen auch möglich.
Er konnte das Problem nicht lösen, ihm fehlte die notwendige Sachkenntnis.
Im Hofe ging es lustig zu, (denn) die Kinder waren zurückgekommen.
Er kann selber darüber entscheiden, er ist schon groß genug.
67
3.1.6 Konsekutive Satzverbindung
In der konsekutiven Satzverbindung wird die Folge des im ersten Teilsatz genannten Sach­
verhalts angegeben.
Sie hat viel zu tun, darum/deshalb kann sie nicht kommen.
Ihm fehlte die notwendige Sachkenntnis, deshalb/deswegen/darum konnte er das Problem
nicht lösen.

3.1.7 Konzessive Satzverbindung


In der konzessiven (einräumenden) Satzverbindung gibt der erste Teilsatz „einen unzu­
reichenden Gegengrund” an, der die Realisierung des Geschehens im zweiten Teilsatz
nicht zu verhindern vermag.
Er hatte hohes Fieber, trotzdem/dessen ungeachtet ging er zur Versammlung.

3.2 Subordination (Hypotaxe)


In der subordinativen Fügung bestehen zwischen den Teilsätzen eines zusammengesetzten
Satzes syntaktische Abhängigkeitsbeziehungen. Der dominierende Satz heißt H a u p t ­
s a t z , alle angeleiteten Sätze heißen N e b e n s ä t z e oder G l i e d s ä t z e . Hauptsatz und
Nebensatz (Gliedsatz) bzw. Nebensätze (Gliedsätze) bilden ein Satzgefüge.
Nebensätze kann man nach unterschiedlichen Kriterien einteilen:
• nach dem Strukturtyp: K e r n s a t z , S t i r n s a t z (= uneingeleiteter Nebensatz) und
S p a n n s a t z (eingeleiteter Nebensatz)
Monika sagte, sie möchte nach Wien fahren.
Sollte es regnen, bleiben wir zu Hause.
Monika sagte, dass sie nach Wien fahren möchte.
• nach der Stellung innerhalb eines Satzgefüges in Bezug auf den übergeordneten
Teilsatz. Man unterscheidet den
Vordersatz
Weil er krank war, blieb er zu Hause.
Nachsatz
Er blieb zu Hause, weil er krank war.
Zwischensatz
Er blieb, weil er krank war, zu Hause.
nach dem Grad der Abhängigkeit vom Hauptsatz (Nebensätze ersten, zweiten, dritten u.a.
Grades)
Hans sagte, dass er ins Kino gehen kann. (Abhängigkeit 1. Grades)

67
68 1 Kapitelüberschrift

Hans sagte, dass er nicht ins Kino gehen kann, weil er keine Lust hat. (Abhängigkeit
2. Grades)
Vom Hauptsatz können allerdings mehrere Nebensätze abhängig sein:
Er sagte, dass er zu Hause bleibt und dass er heute lesen möchte.
nach dem Vorhandensein von Einleitewörtern in eingeleitete und uneingeleitete
Nebensätze.
Die e i n g e l e i t e t e n Nebensätze können nach folgenden Merkmalen klassifiziert
werden
K o n j u n k t i o n a l s ä t z e: sie werden mit einer subordinierenden Konjunktion ein­
geleitet.
Wenn es kalt ist, bleibe ich zu Hause.
Ich weiß, dass Peter ein guter Student ist.
R e l a t i v s ä t z e werden mit einem Relativpronomen oder einer Relativkonjunktion
eingeleitet.
Er ist ein Student, der gut studiert. Hier ist die Stadt, wo/in der ich geboren wurde. Mein Freund,
dem ich einen Brief geschrieben habe, hat nicht geantwortet.
I n t e r r o g a t i v s ä t z e (F r a g e s ä t z e ) werden mit einem Interrogativpronomen,
Pronominaladverb oder einer Relativkonjunktion eingeleitet.
Kannst du uns sagen, woran du denkst? Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn?
Die u n e i n g e l e i t e t e n Nebensätze werden ohne formale Merkmale eingeleitet. Man
unterscheidet:
Objektsätze
Ich glaube, dass er kommen kann.
→ Ich glaube, er kann kommen.
Konditionalsätze
Wenn das Wetter schön wäre, könnten wir spazieren gehen.
→ Wäre das Wetter schön, könnten wir spazieren gehen.
Konzessivsätze ohne die Konjunktion obwohl oder die Partikel auch
Obwohl er krank ist, (so) hat er doch viel gearbeitet.
Wenn er auch krank ist,
Ist er auch krank,
}
Der Nebensatz drückt im Grunde ein Satzglied des Hauptsatzes aus. Nach dem
syntaktischen Strukturwert unterscheidet man:
69

• Gliedsatz (Subjekt­, Objekt­, Adverbial­ oder Prädikativsatz)


• weiterführenden Nebensatz und
• Gliedteilsatz (Attributsatz).

3.2.1 Subjektsatz
Im Subjektsatz wird das Subjekt des Hauptsatzes in der Form eines Nebensatzes
ausgedrückt. Die Fragepronomen sind wer? und was?.
Das Korrelat der Subjektsätze ist das Pronomen es, das, manchmal ein bedeutungsarmes
Substantiv (z.B. die Tatsache):
Es (die Tatsache) freut mich/Mich freut, dass er kommt/gekommen ist
Dass er gekommen ist, (das) freut mich.
Es ist nicht sicher, ob er kommt/gekommen ist.
Subjektsatz
Korrelat

Satzwertige Infinitivkonstruktionen können auch die Funktion des Subjekts eines


Hauptsatzes wahrnehmen.
Gute Studenten zu fördern, ist die Aufgabe der Humboldt-Stiftung.
Das Kind nach Passau zu schicken(,) ist wichtig. Es ist wichtig, das Kind nach Passau zu schicken.

3.2.2 Objektsatz
Im Objektsatz wird das Objekt des Hauptsatzes in der Form eines Nebensatzes
ausgedrückt. Objektsätze werden eingeleitet durch dass, ob oder durch ein Frage­
pronomen. Zu den Objektsätzen gehören auch die indirekte Frage und die indirekte Rede.
Ich habe gehört, dass er uns nicht besuchen kann.
Ich denke oft daran, was du mir gestern vorgeschlagen hast.
Nach dem Auftreten der Korrelate unterscheidet man:
Sätze mit obligatorischem Korrelat:
Wir verlassen uns darauf, dass Sie es für uns erledigen.
Sätze mit fakultativem Korrelat:
Wir bitten Euch (darum), dies für uns zu machen.
Ich bin froh (darüber), dass du kommst.
Satzwertige Infinitivkonstruktionen können auch die Funktion des Objekts eines
Hauptsatzes wahrnehmen.
Die Mutter erlaubt mir, ins Kino zu gehen.

69
70 1 Kapitelüberschrift

3.2.3 Adverbialsatz
Im Adverbialsatz werden verschiedene Arten von Adverbialbestimmungen (Lokal­,
Temporal­, Modal­, Kausalbestimmungen) in der Form eines Nebensatzes ausgedrückt.
Man unterscheidet daher folgende Arten von Adverbialsätzen:
• Lokalsatz
• Temporalsatz
• Modalsatz
• Kausalsatz

3.2.4 Lokalsatz
Der Lokalsatz drückt Ort oder Richtung in der Form eines Nebensatzes aus. Die Frage­
pronomen sind wo?, woher? und wohin?.
Lokalsätze sind alternativ obligatorisch:
Er wohnt in Veszprém.
Er wohnt (dort), wo auch seine Eltern gewohnt haben.
Der Lokalsatz tritt in der Regel als Adverbialbestimmung auf:
Ich arbeite (dort), wo auch meine Eltern gearbeitet haben.
Lokalsätze werden immer durch Relativadverbien eingeleitet. Aber nicht alle durch
Relativadverbien eingeleiteten Nebensätze sind Lokalsätze:
Er wusste nicht, wo sie wohnt. (Was wusste er nicht?, Objektsatz)
Das ist das Haus, wo wir wohnen. (was für ein Haus?, Attributivsatz)

3.2.5 Temporalsatz
Der Temporalsatz gibt in der Form eines Nebensatzes an, wann sich das Geschehen des
Hauptsatzes vollzieht. Der Nebensatz kann dabei im Verhältnis zum Hauptsatz ein
Geschehen als gleichzeitig, vorzeitig oder nachzeitig bezeichnen. Der temporale
Nebensatz wird durch temporale Konjunktionen eingeleitet.
G l e i c h z e i t i g k e i t wird durch folgende Konjunktionen eingeleitet:
als seit(dem)
wenn solange
indem sooft
indessen während
Besonders wichtig ist eine Differenzierung zwischen den Konjunktionen wenn und als.
Die Konjunktion als drückt ein einmaliges Geschehen in der Vergangenheit aus.
Als ich neulich in Wien war, habe ich ihn besucht.
71

Als ich an die deutsche Grenze kam, da fühlte ich ein stärkeres Klopfen in meinem Herz. (HEINE)
Die Konjunktion wenn drückt aus:
einmaliges Geschehen in Gegenwart und Zukunft (das fakultative Korrelat ist dann)
Wenn du uns morgen besuchst, (dann) können wir zusammen in einer Gaststätte essen.
Wenn sie es erfährt, (dann) ruft sie dich an.
wiederholtes Geschehen in der Gegenwart und in der Vergangenheit
Er ist immer nervös, wenn ich es erwähne.
Er war immer aufgeregt, wenn ich es erwähnte.
Gleichzeitigkeit drücken noch folgende Konjunktionen aus:

indem bezeichnet gleiche Dauer des Geschehens.


Indem sie ihm die Hand reichte, bat sie ihn, Platz zu nehmen.
Kezet nyújtván/ Miközben kezet nyújtott megkérte, hogy foglaljon
helyet.
sooft drückt wiederholtes Geschehen aus.
Sooft ich ihm begegnete, fragte er nach dir.
Akárhányszor találkoztunk, mindig érdeklődött irántad.
solange drückt gleichen Anfangs­ und gleichen Endpunkt aus.
Solange ich ihn kenne, arbeitet er als Konstrukteur.
Amióta ismerem, konstruktőrként dolgozik
Solange er schrieb, las ich die Zeitung.
Amíg írt, én újságot olvastam.
seit(dem) Zum Ausdruck der Gleichzeitigkeit steht seit(dem) im Präteritum
und Perfekt nur bei durativen Verben. Bei perfektiven Verben (im
Perfekt oder Plusquamperfekt) handelt es sich um Vorzeitigkeit).
Seitdem Hans krank war, raucht er nicht mehr.
Amióta Jancsi. beteg volt, azóta nem dohányzik.
während drückt gleiche Dauer des Geschehens aus.
Während ich in Berlin studierte, ging ich oft ins Theater.
Amikor Berlinben tanultam, sokat jártam színházba.
Während die Mutter krank war, half meine Schwester im Haushalt. Amikor
anyánk beteg volt, a nővérem segített a háztartásban.

V o r z e i t i g k e i t wird durch folgende Konjunktionen eingeleitet:


nachdem sobald, sowie
als seit(dem)
wenn
Beim Ausdruck der Vorzeitigkeit gelten folgende Verhältnisse zwischen dem Hauptsatz­
und dem Nebensatzgeschehen:

71
72 1 Kapitelüberschrift

im Hauptsatz im Nebensatz
Infinitivgruppe Perfektum
Präteritum Plusquamperfektum

wenn a) einmaliges Geschehen in Gegenwart und Zukunft, das fakultative Korrelat


ist dann
Wenn ich die Aufgabe geschrieben habe, (dann) gehe ich in die Stadt.
b) wiederholtes Geschehen, die fakultativen Korrelate sind immer (…dann),
jedes Mal (…dann)
nachdem a) einmaliges Geschehen in Gegenwart und Zukunft, das fakultative Korrelat
ist dann
Nachdem ich die Aufgabe geschrieben habe, (dann) gehe ich in die Stadt. Ha megírom a
feladatot, (utána) elmegyek a városba..
b) (einmaliges Geschehen in der Vergangenheit, ein fakultatives Korrelat ist
unüblich)
Nachdem er das Buch gelesen hatte, gab er es zurück. (Rögtön) ahogy elolvasta a
könyvet, visszaadta.
als einmaliges Geschehen in der Vergangenheit, das fakultative Korrelat ist dann
Als ich das Haus verlassen hatte, rief er mich an.
Elhagyván a házat/ahogy kimentem a házból, telefonált.
sobald, drücken unmittelbare Aufeinanderfolge aus. Die fakultativen Korrelate sind da
sowie, und dann.
kaum dass Sobald ich das Geld bekomme, (dann) bezahle ich alle Schulden.
Amint megkapom a pénzt, kifizetek minden adósságot.
Sowie ich in Wien angekommen bin (ankomme), gehe ich ins Museum.
Kaum dass wieder die Sonne schien, war es sehr warm.
Alighogy kisütött a nap, nagyon meleg lett.
seit(dem) drückt den Anfangspunkt in der Vergangenheit aus. Das fakultative Korrelat ist
seitdem.
Seit das Semester begonnen hat, habe ich wenig Zeit.
Seit das Semester begonnen hatte, hatte ich wenig Zeit.
Amióta megkezdődött a szemeszter kevés az időm.
Amióta megkezdődött a szemeszter, kevés volt az időm.

N a c h z e i t i g k e i t wird durch folgende Konjunktionen eingeleitet:


bevor, ehe mielőtt
bis

bevor, drücken die Aufeinanderfolge eines Geschehens aus. Ein


ehe Korrelat ist unüblich.
Bevor er wegfuhr, hatte er sich von allen verabschiedet. Mielőtt elment
73

volna, mindenkitől elbúcsúzott.


Wir stehen auf, bevor die Sonne aufgeht. Felkelünk, mielőtt a nap
felkel.
Sie macht das Frühstück für die Familie, ehe sie zur Arbeit [Link]észíti
a reggelit a családnak,mielőtt dolgozni megy
bis drückt den Endpunkt eines Geschehens aus. Das fakultative
Korrelat ist so lange.
Er saß (so lange) in der Bibliothek, bis er mit dem Referat fertig
[Link] ült a könyvtárban, míg kész nem volt a
referátummal
Warte (so lange), bis ich komme. Várj addig,míg nem
jövök
Bei verneinter Aussage kann der Hauptsatz entweder vor (1) oder nach (2) dem
Nebensatz stehen.
Ich stehe auf, bevor die Sonne aufgeht.
Bevor die Sonne aufgeht, stehe ich auf.
Bei der Verwendung von bis entspricht dem deutschen Hauptsatz im Ungarischen
ein verneinter Hauptsatz.
Er suchte das Buch so lange, bis er es fand.
Addig kereste a könyvet, míg meg nem találta.

3.2.6 Modalsatz
Modalsätze drücken Art und Weise des Geschehens im Hauptsatz aus. Man kann
unterscheiden:
• Instrumentalsätze
• Komparativsätze
• M o d a l s ä t z e des besonderen Begleitumstandes
• Restriktivsätze

3.2.7 Instrumentalsatz
Der Instrumentalsatz gibt an, mit welchem Mittel ein bestimmter Erfolg erzielt wird. Die
Konjunktionen des Instrumentalsatzes sind:
indem (Korrelat unüblich)
dass
(mit obl. Korrelat dadurch, damit)
Der Schauspieler dankt dem Publikum, indem er sich tief verbeugt.
Er hat uns damit geholfen, dass er mir seine Bücher zur Verfügung gestellt hat.
Dadurch, dass ich lange krank war, habe ich viel Unterricht versäumt.

73
74 1 Kapitelüberschrift

3.2.8 Komparativsatz
Komparativsätze drücken Verhältnisse der Gleichheit, Ungleichheit oder ein
proportionales Verhältnis aus.
[Link] Verhältnis der Gleichheit
Der Grad oder die Qualität des Geschehens wird im Hauptsatz durch ein Adjektiv oder
Adverb repräsentiert. Hier ergibt sich eine Gleichheit zwischen zwei verglichenen
Sachverhalten. Die Konjunktion ist
wie mint, ahogy
oblig. Korrelat so, (genau so) obl. Korrelate
Das Studium ist nicht so schwer, wie ich es dachte.
Im Juli war es (genau) so heiß, wie es vor einem Jahr war.
Bei identischen Verben im Hauptsatz und Nebensatz wird der Nebensatz zu einem
Satzglied gekürzt.
Im Januar war es so heiß wie vor einem Jahr.
Wenn man etwas mit einem nicht realen, sondern hypothetisch angenommenen
Sachverhalt vergleicht, spricht man vom hypothetischen Verhältnis der Gleichheit. Die
Konjunktionen dieses Verhältnisses sind:
als ob (als wenn, wie wenn)
fakult. Korrelat so fakult. Korrelate
Es ist so warm, als wäre es schon Juli. Olyan meleg van, mintha már július lenne.
Er tut, als ob er alles wüsste.
Er tut, als wüsste er alles. Úgy tesz, mintha mindent tudna.
Er sieht aus, als ob es ihm gefallen würde (als würde es ihm gefallen.) Úgy néz ki, mintha
tetszene neki.
Statt Konjunktiv des Präteritums kann im Nebensatz oft der Konjunktiv des Präsens, statt
Konjunktiv des Plusquamperfekts der Konjunktiv des Perfekts stehen.
Er spricht, als sei/wäre er ein Deutscher. Úgy beszél németül, mint egy (született) német.
Er isst so hastig, als ob er seit Tagen nichts gegessen habe/hätte. Olyan gyorsan eszik,
mintha napok óta nem evett volna semmit.
[Link] Verhältnis der Ungleichheit
Zwischen den im Haupt­ und Nebensatz ausgedrückten Sachverhalten besteht das
Verhältnis der Ungleichheit. Der Grad oder die Qualität des Geschehens im Hauptsatz
wird durch ein Adjektiv oder Adverb im Komparativ repräsentiert. Die Konjunktion ist:
als
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Korrelat unüblich Korrelat unüblich


Sie schreibt schneller, als der Dozent diktiert. Gyorsabban ír, mint ahogy a docens diktál.
Die Frau ist jünger, als sie aussieht. A nő fiatalabb, mint amilyennek kinéz.

[Link] Proportionales Verhältnis


Von einem Proportionalsatz sprechen wir dann, wenn „der Vergleich in der gleichmäßigen
Entsprechung zweier Sachverhalte, die sich in einer Abhängigkeit des HS­Geschehens
vom NS­Geschehen konkretisiert” (HELBIG/BUSCHA 994: 687), besteht. Der Proportionalsatz
wird eingeleitet durch die Konjunktionen:
im Hauptsatz im Nebensatz
je desto
umso
Je mehr ich lese, umso reicher wird mein Wortschatz. Minél többet olvasok, annál
gazdagabb a szókincsem.
Je mehr, desto besser. Minél többet, annál jobb.

3.2.9 Modalsatz des besonderen Begleitumstandes


Der Nebensatz gibt einen fehlenden oder modifizierenden Begleitumstand an. Der
Nebensatz wird durch folgende Konjunktionen eingeleitet:
ohne dass anélkül, hogy
statt dass ahelyett, hogy
während, indes(sen) mialatt
geschweige dass
Sie ging an uns vorbei, ohne dass sie uns grüßte. Úgy ment el mellettün,hogy nem üdvözölt
bennünket.
Statt/anstatt dass wir hier alle Industriezweige aufzählen, nennen wir nur einige. Ahelyett,
hogy minden iparágat felsorolnánk, csak néhányat említünk.
Während er sehr gereizt ist, ist sein Freund besonnen. Míg ő nagyon ingerült, a barátja
megfontolt.
Er wurde Ingenieur, indes/indessen/wohingegen sein Freund einen technischen Beruf ergriff
So etwas sagt man nicht, geschweige dass man es täte.
Statt ohne dass und statt dass wird (bei Subjektgleichheit im Haupt­ und Nebensatz) die
Infinitivkonstruktion ohne zu bzw. statt zu gebraucht.
Sie ging an uns vorbei, ohne dass sie uns grüßte.
→ Sie ging an uns vorbei, ohne uns zu grüßen.
Statt dass wir hier alle Industriezweige aufzählen, nennen wir nur einige.
→ Statt hier alle Industriezweige aufzuzählen, …

75
76 1 Kapitelüberschrift

3.2.10 Restriktivsatz
Im Restriktivsatz drückt eine Einschränkung des Geltungsbereiches des Hauptsatz­
geschehens aus. Restriktivsätze werden eingeleitet durch die Konjunktionen
soviel, soweit, insoweit, insofern
wie
insofern – als
insoweit – als
nur dass
außer dass
außer wenn
kaum dass
Soviel/wie ich weiß, ist er krank. Ich kann immer kommen, außer wenn ich krank bin. Die
Vorstellung war fast ausverkauft, kaum dass wir noch zwei Sitzplätze bekommen konnten. Die
Entscheidung war insofern schwierig, als wir keine Unterlagen von der Firma bekommen haben.

3.2.11 Kausalsätze
Kausalsätze werden in zwei Gruppen eingeteilt.
1. Der Nebensatz gibt die Ursache an:
• r e i n e Kausalsätze oder Kausalsätze im engeren Sinne
• Konditionalsätze
• Konzessivsätze
2. Der Nebensatz gibt die Wirkung an:
• Konsekutivsätze
• Finalsätze
[Link] Reiner Kausalsatz (Kausalsatz im engeren Sinne)
Haupt­ und Nebensatz umfassen notwendige Zusammenhänge von Ursache und Wirkung.
Der Kausalsatz wird eingeleitet durch die Konjunktionen
da, weil
fak. Korrelate: daher, darum, deshalb, deswegen, aus fak. Korrelate:
dem Grunde
zumal (da),
um so mehr / um so weniger als
Korrelat unüblich
Weil/da ich morgens keine Zeit habe, (darum/deshalb) frühstücke ich nicht.
77
Ich besuche dich (deshalb) nicht, weil ich krank bin. Der Dieb muss streng bestraft werden,
zumal er schon einmal im Gefängnis saß. Wir müssen ihm helfen, um so mehr(,) als dieser uns
schon auch geholfen hat. Wir müssen ihm um so mehr helfen, da….

[Link] Konditionalsatz
Im Konditionalsatz wird aus einer Bedingung eine Folge ausgedrückt. Die einleitenden
Konjunktionen sind
wenn
falls; im Falle dass
sofern/wofern
fak. Korrelat: so, dann
Wenn (im Falle dass) er nicht zu Hause ist, werden wir auf ihn nicht warten. Ha nincs otthon,
nem fogok rá várni.
Diese Sätze stehen den Temporalsätzen nahe, vgl. (Immer) wenn ich Zeit hatte, ging ich
im Park spazieren. Ha időm volt, a parkban sétáltam
Falls(im Falle, dass) der Adressat nicht anzutreffen ist, wird die Sendung am Postamt deponiert.
Amennyiben a címzett nem lelhető fel, a küldemény a postán marad.
Irreale Bedingung wird ausgedrückt:
a) als gegenwärtiges und zukünftiges Geschehen: im Deutschen durch den Konjunktiv des
Präteritums, im Ungarischen durch den Konditional des Präsens.
Wenn ich Zeit hätte,
Hätte ich Zeit,
Ha lenne időm,
} ginge ich ins Kino.
würde ich ins Kino gehen.
moziba mennék.
Vergangenes, abgeschlossenes Geschehen wird in beiden Sprachen durch den Konjunktiv
des Plusquamperfekts ausgedrückt.
Wenn ich Zeit gehabt hätte, wäre ich ins Kino gegangen.
Hätte ich Zeit gehabt, }
Ha lett volna időm, moziba mentem volna.
[Link] Konzessivsatz
Der Konzessivsatz drückt einen ungünstigen Umstand aus, der jedoch das
Hauptsatzgeschehen nicht wirksam macht. Die einleitenden Konjunktionen sind:
einteilige Konjunktionen
obwohl, obgleich
obzwar, obschon, wiewohl,
wenngleich
fak. Korrelat: dennoch, trotzdem,

77
78 1 Kapitelüberschrift

doch
zweiteilige Konjunktionen
wenn + auch
auch (selbst, sogar, und) + wenn
Obwohl er kein Österreicher war, fand er in Wien seine zweite Heimat. Bár nem volt osztrák,
Bécsben talált egy másik hazára.
Obwohl/obzwar/obgleich/obschon das Wetter schlecht ist, gehen wir ins Theater. Bár rossz az
idő, (mégis) moziba megyünk.
Sie fiel bei der Prüfung durch, obwohl sie sich darauf lange vorbereitet hatte. Nem tette le a
vizsgát, bár sokáig tanult rá.
Wenn er auch krank war, so ging er doch an die Arbeit. Habár beteg volt, mégis hozzálátott a
munkához.
[Link].1 Ausdrucksformen des Konzessivsatzes
Der Konzessivsatz hat mehrere Ausdrucksformen. Konzessive Bedeutung haben folgende
Nebensatzformen:
Verallgemeinernde Konzessivsätze: Fragepronomen + auch (immer)
Wann auch immer er zu uns kommt, er bewundert die Schönheit unseres Landes. Akármikor
jön is hozzánk, mindig megcsodálja hazánk szépségeit.
Wo du auch bist, vergiss nicht uns zu schreiben! Akárhol is vagy, ne felejts el írni nekünk.
Alternativfragen mit satzeinleitendem ob:
Ob es regnet oder schneit, nie trägt er einen Hut. Akár esik az eső, akár hull a hó, sosem
hord kalapot.
Konzessivsätze mit (wenn) auch können auch mit den Modalverben sollen (im Konjunktiv
Präteritum) und mögen (im Indikativ Präsens und Präteritum) vorkommen.
Mag es auch kühl sein, ich gehe spazieren. Ha hideg is van, én elmegyek sétálni.
Ich mochte sagen, was ich wollte, … Mondhattam, amit akartam …
Auch wenn er nicht kommen sollte, werden wir uns auf die Prüfung vorbereiten. Ha nem is
jönne el, mi felkészülünk a vizsgára.
Sätze mit den folgenden Strukturen:
auch wenn + noch so + Adjektiv/Adverb

so/wie + Adjektiv/Adverb + auch


79

Wenn er auch viel Geld hat/hätte, so will/wollte er doch mehr haben.Még ha sok pénze is
lenne, akkor is/úgyis többet akarna.
So/wie fleißig er auch ist, er konnte die Arbeit nicht beenden. Akármilyen szorgalmas is,
nem tudta befejezni a munkát.
Konzessivsatz kann durch Partizipialgruppe ersetzt werden
Obgleich gewarnt, wagten es die Touristen, den Kamm zu ersteigen. Már figyelmeztették
őket, a turisták mégis fel mertek menni a hegycsúcsra.
Imperativ oder Konjunktiv Präsens
Rede, was du willst, ich habe dich dort nicht gesehen. Mondhatsz, amit akarsz, én téged ott
nem láttalak.
Koste, was es wolle, ich muss es probieren. Kerüljön, amibe kerül, ki kell próbálnom.
Wer es auch sei, er möge eintreten. Akárki is az, lépjen be!
Was er auch wünsche, (es) sei ihm gewährt. Akármit is kíván, teljesítsük óhaját!

3.2.12 Konsekutivsatz
Der Konsekutivsatz drückt eine Folge aus, die sich aus dem Hauptsatzgeschehen ergibt.
Die einleitenden Konjunktionen sind
so dass/sodass
dass
obl. Korrelat: so
ohne dass
als dass
obl. Korrelat: zu
als dass
solch- dass
dermaßen dass
obl. Korrelat: nicht so
Er spricht leise, so dass man ihn nicht hört. Olyan halkan beszél, hogy alig lehet hallani.
Der Film ist so schön, dass ich ihn noch einmal sehen möchte. Ez a film olyan szép, hogy
még egyszer meg akarom nézni.
Das Wasser ist zu kalt, als dass man baden könnte. A víz túl hideg ahhoz, hogy lehessen
fürödni.
Die Eintrittskarten waren zu teuer, als dass wir sie hätten kaufen können. (… als dass wir sie
kaufen konnten.) A jegyek túlságosan drágák voltak (ahhoz), hogy meg tudjuk venni.
Er war zu klug, als dass er es geglaubt hätte. Er war zu klug, um es zu glauben. Túlságosan
okos volt ahhoz, hogy ezt el is higgye.
Das Wetter ist nicht so günstig, als dass wir auf die Jagd gehen könnten. Az idő nem alkalmas
arra, hogy vadászni menjünk.
Er ist dermaßen frech, dass sich die Mitschüler von ihm abwenden. Olyan szemtelen, hogy
osztálytársai elfordulnak tőle.

79
80 1 Kapitelüberschrift

(Vgl. MARKO 1991: 298)

3.2.13 Finalsatz
Der Finalsatz ist an ein Subjekt gebunden und drückt eine Absicht, einen Zweck oder ein
Ziel aus. Der Finalsatz ist gewöhnlich Nachsatz. Er wird mit folgenden Konjunktionen
eingeleitet.
damit, (selten dass) hogy
fak. Korrelate: darum, deshalb, deswegen, zu dem
Zweck, in der Absicht
Im Deutschen steht im Nebensatz der Indikativ, im Ungarischen hingegen der Imperativ
der Gegenwart.
Ich muss mich beeilen, damit ich nicht zu spät komme. Sietnem kell, hogy el ne késsek.
Der Bauer sät, damit er ernte(t). A paraszt azért vet, hogy arasson.
Wir gehen baden, damit wir uns erholen. Elmegyünk fürödni, hogy felfrissüljünk.
Finalsätze können durch einen Infinitiv mit um − zu ersetzt werden.
Mein Vater arbeitet, damit er seine Familie ernährt.
→ …, um seine Familie zu ernähren.
Wir gehen baden, damit wir uns erholen.
→ ..., um uns zu erholen.

3.2.14 Substitutivsatz
Der Substitutivsatz drückt eine nicht wahrgenommene Möglichkeit aus. Im Hauptsatz wird
eine andere Möglichkeit gezeigt. Der Sprecher beurteilt oft die im Hauptsatz angegebene
Möglichkeit als nicht richtig. Der Substitutivsatz wird mit folgenden Konjunktionen
eingeleitet:
statt dass ahelyett, hogy
anstatt dass
Korrelat: unüblich
Statt/anstatt dass wir hier alle Industriezweige aufzählen, nennen wir nur die wichtigsten.
Mein Sohn ist in die Turnhalle gegangen, statt dass er seine Schularbeiten machte.
Der Nebensatz kann durch Infinitivkonstruktionen ersetzt werden:
Mein Sohn ist in die Turnhalle gegangen, statt seine Schularbeiten zu machen.
81
3.2.15 Adversativsatz
In einem Adversativsatz steht das durch den Nebensatz ausgedrückte Geschehen im
Gegensatz zum Geschehen des Hauptsatzes. Der Adversativsatz wird mit folgender
Konjunktion eingeleitet:
während mialatt,
Korrelat: unüblich miközben
Während es gestern schön war, ist das Wetter heute unbeständig.
 Anmerkungen:
Die Konjunktion während leitet auch temporale Nebensätze ein.
Adversatives Verhältnis kann auch durch koordinierende Konjunktionen (aber, jedoch)
oder Konjunktionaladverbien ausgedrückt werden. Vgl.
Gestern war es schön, aber heute regnet es.
Gestern war es schön, im Gegensatz dazu/demgegenüber regnet es heute.
(Vgl. Helbig/Buscha 1994: 695)
Im weiteren Sinne kann der Restriktivsatz als Kausalsatz des besonderen Begleitum­
standes verstanden werden. Vgl. auch Marko 1991: 297.

3.3 Weiterführender Nebensatz


Der weiterführende Nebensatz bezieht sich in loser Weise auf den gesamten Hauptsatz.
Der Nebensatz steht nicht für ein Satzglied. „In einem Satzgefüge mit einem weiter­
führenden Nebensatz liegen inhaltlich zwei koordinativ nebeneinander stehende,
unabhängig voneinander existierende Sachverhalte zugrunde, von denen einer dem
anderen formal − als subordinierter NS − untergeordnet wird:” (HELBIG/BUSCHA 1994: 672)
Er hat mir endlich einen Brief geschrieben. Das hat mich sehr gefreut.
→ Er hat mir endlich einen Brief geschrieben, was mich sehr gefreut hat.
Der weiterführende Nebensatz ist nicht zu verwechseln mit dem Attributsatz. Der Attribut­
satz hat — im Unterschied zum weiterführenden Nebensatz — im Hauptsatz ein
Bezugswort.
Sie hat die Aufnahmeprüfungen bestanden, worüber sich ihre Eltern sehr freuten.
(weiterführender Nebensatz)
Es war ein Erfolg, über den sich ihre Eltern sehr freuten. (Attributsatz)
Sie hat es geschafft, was mich sehr freut. (weiterführender Nebensatz)
Das ist das Problem, das mich sehr stört. (Attributsatz)
Nach der Art des Einleitungswortes kann man folgende weiterführende Nebensätze
unterscheiden:

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82 1 Kapitelüberschrift

[Link].1 Relativsätze
mit was eingeleitete Nebensätze:
Er ist schon selbständig, was mich sehr freut.
mit Pronominaladverbien (wo + Präposition) eingeleitete Nebensätze:
Er hat geschrieben, worüber wir uns sehr gefreut haben.
b)Konjunktionalsätze:
mit als eingeleitete Konjunktionalsätze:
Es war ein schöner Sommernachmittag, als ich Therese besuchte.
mit wie eingeleitete Nebensätze
Er arbeitet fleißig, wie es scheint.
(Vgl. HELBIG/BUSCHA 1994: 674)

3.4 Attributsatz
Attributsätze sind Sätze, die verbunabhängig sind und sich meistens auf ein Nomen
beziehen.
Attributsätze sind durch spezielle Einleitungswörter gekennzeichnet. Neben den
morphologisch deklinierbaren Pronomen der, die, das; die und welcher, welche, welches;
welche sind die Einleitungswörter unveränderlich. Es sind Pronominaladverbien mit
wo(r)- und einige Pronomina (wer, was), Adverbien (wo, wie) und Konjunktionen (als,
wenn, wie).
Genus und Numerus der Pronomina der und welcher wird durch das Bezugswort im
Hauptsatz bestimmt. Der Kasus ergibt sich aus ihrer Satzgliedfunktion im Nebensatz.
Der Student, der mich besucht hat, ist der Sohn meines Freundes.
Die Studentin, die mich besucht hat, …
Das Kind, das mich besucht hat, …
Die Studenten, die mich besucht haben, …
Der Student, den ich gestern getroffen habe, …
Nach dem Typ und der Form der Einleitungswörter kann man folgende Gruppen
unterscheiden:
Das Bezugswort ist ein Substantiv oder ein substantivisches Pronomen, das
Einleitungswort ist das Pronomen der bzw. welcher in verschiedenen Numerus­, Kasus­
und Genusformen mit oder ohne Präpositionen.
Ich kenne den Studenten, der (welcher) dir diesen Brief geschrieben hat.
Da kommt Herr Meier, mit dessen Sohn ich befreundet bin.
Der Student, an den ich geschrieben habe, kommt morgen zu Besuch.
83

Das Bezugswort ist das substantivische Pronomen derjenige (diejenige, dasjenige,


diejenigen), das Einleitungswort ist das Pronomen der oder welcher mit seinen
verschiedenen Formen.
Diejenigen, die an der Sitzung nicht teilgenommen haben, …
Denjenigen, dem ich begegne, (den) frage ich.
Das Bezugswort ist ein neutrales substantivisches Demonstrativpronomen oder
Indefinitpronomen (das, etwas, nichts, manches) oder ein substantivisch gebrauchtes
Zahladjektiv bzw. Adjektiv (eines, vieles, einiges, das Beste), das Einleitungswort ist das
Pronomen das.
Er darf nichts essen, was ihm der Arzt verboten hat.
Es ist nicht immer das Beste, was modern ist.
Das Bezugswort ist ein Substantiv oder ein Adverb mit temporaler oder lokaler
Bedeutung, das Einleitungswort ist eine Temporal­ oder Lokalbestimmung.
In den schweren Jahren, in denen / wo / wenn die Ernte so schlecht war, …
Das Dorf, aus dem ich stamme, liegt in Südungarn.
Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn? [Goethe]
Nach artikellosem Bezugswort können in temporaler Bedeutung nur wo, wenn oder als, in
lokaler Bedeutung nur Adverbien stehen.
Ostern, als es so unerträglich kalt war, …
In Veszprém, wo er jetzt studiert, …

 Merke: Wenn das Bezugswort ein Personalpronomen der 1. oder 2. Person ist, steht als
Einleitungswort der oder die mit dem entsprechenden Personalpronomen. Das Personal­
pronomen wird − im Unterschied zum Ungarischen − im Nebensatz wiederholt.
Du, der du in diesem Haus wohnst, … Te, aki e házban laksz, …
Wir, die wir in diesem Haus wohnen, …Mi, akik e házban lakunk, …
Wir glauben Ihnen (Singular), der Sie stets aufrichtig waren, …
Wir glauben Ihnen (Plural), die Sie stets aufrichtig waren, …
In der dritten Person wird das Personalpronomen im Nebensatz nicht wiederholt:
Er, der in diesem Haus wohnt, …Ő, aki e házban lakik …

4 Satztypen nach syntaktisch-semantischen Beziehungen

Nach syntaktisch­semantischen Beziehungen unterscheiden neuere Darstellungen drei


Haupttypen von Nebensätzen in einfachen Satzgefügen:
1 . K o m p l e m e n t s ä t z e : das sind abhängige Sätze, die Leerstellen von Valenzträgern
(Hauptsätzen) besetzen;

83
84 1 Kapitelüberschrift

2 . V e r h ä l t n i s s ä t z e : in diesem Satz signalisiert die einleitende Konjunktion eine


enge Beziehung zwischen zwei Sachverhalten;
3 . R e l a t i v s ä t z e : diese Nebensätze werden durch Relativpronomen oder ­adverbien
eingeleitet.

4.1 Komplementsatz
Komplementsätze sind solche „Interrogativ­ und Konjunktionalsätze sowie uneingeleitete
Nebensätze, die als Subjekt­ oder Objektsätze fungieren und als »prädikative Aktanten«
valenzbedingt sind”. Sie „stellen Sachverhalte dar, denen Eigenschaften anerkannt oder
die zu Individuen oder zu anderen Sachverhalten in Beziehung gesetzt werden.”
(SOMMERFELDT/STARKE 1992: 239)
ES werden drei Typen von Komplementsätzen unterschieden:
1. Typ I: Bewertung eines Sachverhalts, der im Subjektsatz dargestellt wird
Es ist schön, dass ihr gekommen seid.
Ob ich Hans heute treffe, ist nicht sicher/ist zweifelhaft.
Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Einfachheit die Betrogenen überrumpelt worden
sind.
Im Hauptsatz wird die Stellungnahme des Sprechers/Schreibers auf unterschiedliche Art
ausgedrückt. Es handelt sich z.B. um den „Geltungsgrad einer Aussage, positive oder
negative Wertung, Relevanz oder Irrelevanz eines Sachverhalts, Ausdruck eines Gefühls
oder einer Absicht. Im Nebensatz (Subjektsatz) wird der Sachverhalt dargestellt, zu dem
Stellung genommen wird.” (SOMMERFELDT/STARKE 1992: 329)
Die Stellungnahme des Sprechers/Schreibers kommt durch Verben, prädikative Adjektive
oder Substantive zum Ausdruck:
es trifft zu megfelel a valóságnak
es stimmt igaz
es bewahrheitet sich megfelel a valóságnak, fedi a tényeket
es ist gewiss, sicher, erstaunlich, klar, biztos, kétségtelen, világos, tagadhatatlan u.a.
offenkundig, offenbar, unbestreitbar, erwiesen
es ist der Fall, Tatsache
Der Sprecher/Schreiber bewertet einen Sachverhalt als bedeutsam oder ohne
Bedeutung:
es ist aufschlussreich, beachtenswert, bedeutsam, lényeges, figyelemre méltó, döntő u.a.
bemerkenswert, entscheidend, ausschlaggebend,
wesentlich, wichtig
es ist ohne Bedeutung, einerlei, belanglos, lényegtelen, mindegy, mellékes u.a.
nebensächlich, unerheblich,
es tut nichts zur Sache
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2. Typ II.: Ausdruck einer Relation zwischen einem Individuum (einer Gruppe etc.)
und einem Sachverhalt. Der betreffende Sachverhalt wird sprachlich durch einen
Subjekt­ oder Objektsatz ausgedrückt:
Beispiele mit Subjektsatz:
Dass Monika schlecht studiert, beunruhigt die Eltern.
Mich bewegt, wie viele Menschen Opfer dieses unsinnigen Krieges geworden sind.
Objektsätze stehen bei Verben der Wahrnehmung, Verben des Fühlens, Denkens
und Wollens sowie bei Verben der Mitteilung.
Er sagte mir, dass er kommt/komme.
Er hat mich gefragt, ob ich etwas von diesem Verkehrsunfall gehört habe.
3. Typ III.: Darstellung einer Beziehung zwischen zwei Sachverhalten
„In diesem Falle werden zwei Sachverhalte in Nebensätzen (Subjekt­ und Objektsatz)
ausgedrückt, zwischen denen ein Prädikatsausdruck (meist ein zwei­ oder dreiwertiges
Verb oder ein Funktionsverbgefüge) zum Ausdruck einer spezifischen semantischen
Beziehung steht:” (SOMMERFELDT/STARKE 1992: 240)
Ob du Erfolg hast, hängt davon ab, mit welcher Kraft und Ausdauer du deinen Erfolg anstrebst.

4.2 Verhältnissätze
SOMMERFELDT/STARKE nennen folgende Merkmale von Verhältnissätzen:
a) Sie sind syntaktisch vollständigen Trägersätzen untergeordnet, besetzen also Leer­
stellen von Valenzträgern wie Komplementsätze.
b) Sie sind entweder Konjunktionalsätze oder semantisch analoge uneingeleitete Stirn­
sätze. Als Einleitewörter sind alle subordinierenden Konjunktionen (…) möglich.
c) Satzgefüge mit Verhältnissätzen dienen der Darstellung einer kommunikativ bedeut­
samen inhaltlichen Beziehung zwischen zwei Sachverhalten entsprechend den
Bedeutungsgruppen der Adverbialbestimmungen (… ausgenommen das lokale Ver­
hältnis.)
Die Verfasser belegen dies mit folgenden Beispielen:
Ich war ihnen dankbar, weil ich zum ersten Mal mich gleichsam bestätigt fühlte. (St. Zweig) =
Kausalsatz
Indem die Tückische dermaßen ihre Schwestern gleichzeitig lockte und abmahnte, träufte derart
glatte Rede nur Öl in die brennende Flamme ihres Hochmuts. (St. Zweig) = Modalsatz
(ebenda)
In einigen Fällen werden die Nebensätze ohne Konjunktionen eingeleitet.
Im Fernstudium spielen Konsultationen eine entscheidende Rolle, dienen sie doch der
Vertiefung und Festigung des Lehrstoffes.
(ebenda)

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86 1 Kapitelüberschrift

4.3 Relativsätze
„Relativsätze sind Nebensätze, die durch ein Relativpronomen oder ein Relativadverb
eingeleitet werden. Dieses Relativum repräsentiert syntaktisch ein Satzglied des Neben­
satzes; es ist semantisch gefüllt durch den Rückbezug auf ein Satzglied im Trägersatz.”
(Sommerfeldt/Starke 1992: 243) Funktional­semantisch charakterisieren Relativsätze
Individuen, Gruppen von Individuen oder Sachverhalte in der Form eines Nebensatzes.
Man kann folgende Klassen von attributiven Relativsätzen unterscheiden:
1. E r l ä u t e r n d e , a p p o s i t i v e oder n i c h t r e s t r i k t i v e Attributsätze. Sie bieten
zusätzliche Informationen, die für die Identifizierung der Denotate nicht erforderlich
sind.
Der Bekannte, der mich gestern aufgerufen hat, kommt heute nicht.
2. R e s t r i k t i v e oder einschränkende Attributsätze. Sie geben „Merkmale wieder, die
ein Individuum oder eine Gruppe von Individuen von anderen mit gleicher Benennung
abgrenzen, eine Gruppe von Individuen also identifizieren.” (ebenda)
Nur der sieht, der auch liebt … (A. Zweig)
Derjenige Journalist, der diesen Artikel veröffentlicht hat, fährt im nächsten Monat in den
Kuwait.
3. V e r g l e i c h e n d d e t e r m i n i e r e n d e r Attributsatz. Dieser Satz „kennzeichnet
und spezifiziert die Semantik des Bezugswortes dadurch, dass er einen Vergleichs­
maßstab oder eine maßstabsetzende Bedingung ausdrückt.” (ebenda)
Anja möchte einen Pelzanorak, wie er im Schaufenster ausgestellt ist.

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