Tutorial Mechanik
Tutorial Mechanik
Jan Krieger
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2. Newton’sche Mechanik 4
2.1. Newton’sche Axiome . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
2.2. Aufstellen der Bewegungsgleichungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
2.3. Nebenbedingungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
2.4. Das d’Alembert’sche Prinzip . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
3. Lagrange’sche Mechanik 7
3.1. Verallgemeinerte Koordinaten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
3.2. Lagrange-Formalismus, Lagrange-Gleichungen 2. Art . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
3.3. Symmetrien und Erhaltungsgrößen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
4. Hamilton’sche Mechanik 12
4.1. Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
4.2. Hamilton-Gleichungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
4.3. Poisson-Klammern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
A. Weblinks 14
A.1. Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
A.2. Langrange’sche Mechanik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
A.3. Hamilton’sche Mechanik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
Literaturverzeichnis 15
2
1. Einleitung
Als Vorbereitung auf die Diplom-Prüfung in theoretischer Physik habe ich begonnen die Vorlesungen Theoreti-
sche Physik I-IV aufzuarbeiten. Die Vorlesung Theo I (theoretische Mechanik) ist eigentlich kein Prüfungsstoff,
da sie aber Grundlage aller anderen Vorlesungen ist, sollen die wichtigsten Ergebnisse und Beispiele in diesem
kurzen Tutorial zusammengefasst werden. Weitere Tutorials für die Vorlesungen Theo II (Elektrodynamik,
spezielle relativitätstheorie), Theo III (Quantenmechanik) und Theo IV (statistische Mechanik) werden wohl
ebenfalls entstehen und im Internet unter ttp://[Link]/physik/[Link] veröffent-
licht werden.
Der Stoffkanon orientiert sich an den Vorlesungen, wie sie an der Universität Heidelberg gehalten werden.
Ich habe die Theo I bei Prof. D.W. Heermann gehört (eine Bewertung des Dozenten möge jedem Hörer selbst
überlassen bleiben ;-). Die Darstellungen orientieren sich zusätzlich vornehmlich an den im Literaturverzeichnis
angegebenen Quellen (vor Allem [Kuypers 1993]) und den weiterführenden Links.
3
2. Newton’sche Mechanik
Die Newton’sche Mechanik wird hier für ein Teilchen aufgestellt. Besteht das System aus N Teilchen, so erhält
man 3N Ortskoordinaten qi und 3N Impulse pi . Außerdem muss es dann entsprechen eine Bewegungsglei-
chung für jedes Teilchen geben. Man muss also in den unten aufgeführten Formeln nur einen Index i ergänzen.
Satz 2.1 (Newton’sche Gesetze) 1. Trägheitssatz: Ein Körper verharrt in seinem Zustand der Ruhe oder
der gleichförmigen geradlinigen Bewegung (~v˙ = 0), solange die Summe aller auf ihn einwirkenden
Kräfte Null ist.
2. Aktionsprinzip/Bewegungsgleichung: Die Änderung der Bewegung einer Masse ist der Einwirkung der
bewegenden Kraft F~ proportional und geschieht nach der Richtung derjenigen geraden Linie, nach wel-
cher jene Kraft wirkt:
1 ~
m~r¨ = F~ ~r¨ = · F ∝ F~ . (2.1.1)
m
Die Konstante m heißt träge Masse und ist eine innere Eigenschaft der Teilchen
3. Reaktionsprinzip: Kräfte treten immer paarweise auf. Übt ein Körper A auf einen anderen Körper B eine
Kraft aus (actio), so wirkt eine gleichgroße, aber entgegen gerichtete Kraft von Körper B auf Körper A
(reactio):
F~A→B = −F~b→A (2.1.2)
Eine Bemerkung zum 2. Axiom muss noch gemacht werden: Die angegebene Form gilt nur für konstante
Masse (ṁ = 0). Diese Bedingung ist in der nicht-relativistischen Mechanik üblicherweise erfüllt. Es gibt
allerdings Systeme, in denen sie nicht gilt (z.B. Raketen, die ständig Treibstoff verlieren). Dann muss man zur
folgenden, allgemeineren Definition übergehen, die den Impuls p~ = m · ~v = m · ~r˙ enthält:
~r˙ = p~
(2.2.1)
p~˙ = F~
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Inhaltsverzeichnis
Konservative Kräfte: Oft treten konservative Kräfte auf. Sie werden folgendermaßen durch ein Potential
V (~x, t) definiert:
Definition 2.1 (Konservative Kräfte) Eine Kraft F~ (~x, t) heißt konservativ, wenn es eine Potentialfunktion
V (~x, t) : Rn → R gibt, deren negativer räumlicher Gradient gleich der Kraft ist:
~ (~x, t) = − ∂V (~x, t)
F~ (~x, t) = −∇V (2.2.2)
∂~r
Die folgenden Kräfte sind Beispiele konservativer Kräfte:
Ein Gegenbeispiel ist etwa die magnetische Kraft. Sie kann nur über ein Vektorpotential beschrieben werden,
nicht über ein Skalarfeld.
2.3. Nebenbedingungen
Bisher wurden die Bewegungsgleichungen ohne Nebenbedin-
k Dx
gungen betrachtet. Im allgemeinen Fall wird die Bewegung eines
Teilchens oder eines Körpers aber durch bestimmte Nebenbedin-
m
gungen beschränkt sein. So kann sich etwa der Klotz in Abb. 2.1
nur auf der Tischplatte bewegen. Seine Bewegung ist also durch
y = const, z = const beschränkt. Solche Nebenbedingungen
können i.A. mathematisch ausgedrückt werden. Man unterschei-
Abb. 2.1.: Federoszillator det folgende Klassen von Nebenbedingungen:
• holonome Nebenbedingungn: Die Zwangsbedingung kann durch eine Gleichung der folgenden Form
beschrieben werden:
f (~x, t) = 0 (2.3.1)
Wenn ein System aus N Teilchen besteht, so reduzieren k unabhängige holonome Zwangsbedingungen
die Freiheitsgrade des Systems von 3N auf 3N − k. Holonome Zwangsbedingungen beschränken die
Bewegung also auf Flächen
Zusätzlich unterteilt man Zwangsbedingungen danach, ob sie explizit von der Zeit abhängen (rheonom) oder
nicht (skleronom). Im zweiten Falle gilt natürlich:
∂f
=0
∂t
Die Zwangsbedingungen implizieren im Newton-Bild eine Zwangskraft Z(~x, t), die zusätzlich zur externen
F~ (~x, t) wirkt. Aus der Newton’schen Bewegungsgleichung (2.1.1) wird dann:
m~r¨ = F~ + Z
~ (2.3.2)
Die Analyse von mechanischen Systemen mit Zwangsbedingungen kann im Newton-Bild mathematisch sehr
kompliziert werden. Deswegen geht man zur Lagrange’schen oder Hamilton’schen Beschreibung der Mechanik
über. Diese sind dem Newton-Bild aber äquivalent, leisten also nicht mehr. Sie sind nur mathematisch u.U.
leichter zu fassen.
Definition 2.2 (virtuelle Verrückung) Eine virtuelle Verrückung δ~ri des i-ten Teilchens ist eine beliebige, in-
finitesimale Verschiebung des Teilchens, die bei festgehaltener Zeit geschieht. Die Verschiebung muss dabei mit
den Zwangskräften verträglich sein.
Bei skleronomen, d.h. zeitunabhängigen Nebenbedingungen sind die Wege der wirklichen und der virtuellen
Verrückungen gleich.
~ i dergestalt sind, dass sie keine virtuelle Zwangsarbeit P Z
Man postuliert, dass die Zwangskräfte Z ~ i · δ~ri
i
verursachen.
Man kann sich das so vorstellen, dass man bei festgehaltener Zeit am
System „rüttelt“ und beobachtet, wie es auf dieses Rütteln reagiert. Die dr
virtuellen Verrückungen δ~r haben nichts mit realen Verschiebungen d~r vDraht
zu tun, die in der Zeit dt ablaufen. Bewegt sich etwa eine Perle auf einem
dr
Draht, der sich in y-Richtung bewegt und dabei parallel zur x-Achse
steht, so können die δ~r nur parallel zum Draht verlaufen, währen d~r Abb. 2.2.: zur virtuellen Ver-
auch schräg dazu sein darf. rückung
Oben wurde erwähnt, dass die Zwangskräfte keine virtuelle Arbeit
verrichten. Daraus und aus (2.3.2) erhält man sofort das d’Alembert’sche Prinzip:
Diese Gleichung stellt eine Bewegungsgleichung für das System dar, die aus der postulierten Natur der Zwangs-
kräfte folgt. Sie enthält die Zwangskräfte aber nicht mehr explizit.
Satz 3.1 (Lagrange-Formalismus) Für holonome Zwangsbedingungen und Kräfte, die sich (3.2.1) aus einem
Potential V (q1 , ..., q3N −k , q̇1 , ..., q̇3N −k , t) herleiten lassen, definiert man die Langrange-Funktion
N
1X
L := T − V, mit T = mi~vi2 (3.2.2)
2
i=1
Dabei ist T die Summe der kinetischen Energien aller Teilchen des Systems und V die Summe der potentielle
Energien aller Teilchen des Systems. Die Langrange-Funktion ist natürlich eine Funktion der verallgemeiner-
ten Koordinaten und deren Geschwindigkeiten, sowie der Zeit, also L(q1 , ..., q3N −k , q̇1 , ..., q̇3N −k , t). Aus der
Lagrange-Funktion L eines Systems lassen sich über die sog. Lagrange-Gleichung zweiter Art
d ∂L ∂L
− = 0, j = 1, ..., 3N − k (3.2.3)
dt ∂ q̇i ∂qi
Bewegungsgleichungen für das System herleiten.
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Herleitung der Lagrange-Gleichungen: Die Lagrange-Gleichungen ergeben sich aus dem sog. Hamilton’schen
Prinzip. Dazu führt man die sog. Wirkung S[q] (Funktional) ein. Sie ist definiert durch:
1. Wirkung:
Zt1
S[q] = L q(t), q̇(t), t dt (3.2.4)
t0
2. Hamilton’sches Prinzip: Die Bewegung eines Systems q(t) ergibt sich aus der folgenden Bedingung:
Um nun aus dem Hamilton’schen Prinzip (3.2.5) die Euler-Lagrange-Gleichungen abzuleiten nutzt man die
Variationsrechnung. Man variiert die Koordinate q → q 0 = q + αd, mit α 1. Dann geht δS[q] = 0 über in
dS
dα = 0:
Zt1 Zt1
! dS d ∂L ∂q ∂L ∂ q̇
L q 0 (t), q̇ 0 (t), t dt =
0 = δS[q] = = + dt =
dα dα ∂q ∂α ∂ q̇ ∂α
t0 t0
Zt1 Zt1
∂L ∂q t1
∂L ∂q d ∂L ∂q
= dt + · − dt =
∂q ∂α ∂ q̇ ∂α t0 dt ∂ q̇ ∂α
t0 t0
Zt1 Zt1
∂L ∂q d ∂L ∂q ∂L d ∂L ∂q
= − dt = − dt
∂q ∂α dt ∂ q̇ ∂α ∂q dt ∂ q̇ ∂α
t0 t0
Beim Übergang zur zweiten Zeile wurde eine partielle Integration durchgeführt. Der ausintegrierte Anteil
h it1
∂L ∂q ∂q
·
∂ q̇ ∂α wird 0, wenn man fordert, dass q(t0 ), q(t1 ) = const und damit ∂α = 0. Aus der letzten
t0 t=t0 ,t1
Zeile folgt dann, dass das das Argument des Integrals und damit der Inhalt der Klammern 0 sein muss:
∂L d ∂L
− =0
∂q dt ∂ q̇
forminvariant. Beispiele für solche Punkttransformationen sind etwa Wechsel des Koordinatensystems von kar-
tesischen nach Kugelkoordinaten, oder der Wechsel in ein beschleunigtes Bezugssystem. Für die Bewegungs-
gleichungen, die nach Newton oder d’Alembert folgen gilt dies nicht.
1. Die Reibungskräfte R~ i in kartesischen Koordinaten (z.B. R ~ gleit = −µN · ~v für die Gleitreibung) werden
v
einfach über die Transformationsgleichungen ~ri = ~ri (q1 , ..., q3N −k ) umgeandelt:
N
~ i · ∂~ri
X
Rj = R
∂qj
i=1
Definition 3.2 (Kanonischer Impuls) Der kanonische Impuls oder auch verallgemeinerte Impuls pi zu einer
verallgemeinerten Koordinate qi ist definiert als
∂L
pi := (3.2.8)
∂ q̇i
Für geschwindigkeitsunabhängige Potentiale V ≡ V (q1 , ..., q3N −k , t) sind der kinematische und der kanoni-
sche Impuls gleich. Für allgemeine Potentiale gilt dies nicht mehr.
Definition 3.4 (zyklische Koordinaten) Eine Koordinate qi heißt zyklisch, wenn sie in der Lagrangefunktion
L, nur in ihrer zeitlichen Ableitung q̇i auftritt, also
∂L
= 0.
∂qi
∂L
Der konjugierte Impuls pi = ∂qi zu dieser Koordinate qi ist eine Erhaltunsggröße. Dies folgt direkt aus der
Lagrange-Gleichung (3.2.7):
d ∂L ∂L d
− = pi = 0
dt ∂ q̇i ∂qi dt
|{z}
=0
Kennt man für ein System Erhaltungsgrößen, so können diese die Integration des Systems vereinfachen und
seine Dynamik einschränken:
• Ein System mit n Freiheitsgraden hat 2n unabhängige Erhaltungsgrößen.
• Bei „genügend vielen“ Erhaltungsgrößen kann ein System nicht chaotisch sein.
c 2006 by Jan Krieger ([Link] –9–
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Um auf das Noether-Theorem zu kommen betrachtet man Koordinatentransformationen qi → qi0 = qi0 (q1 , ..., q3N −k , t, α), i
1, ..., 3N − k (z.B. Verschiebungen, Rotationen etz.), die die Lagrange-Funktion L des Systems nicht ändern.
Für diese Transformationen fordert man weiter:
1. Eine Transformation qi → qi0 = qi0 (q1 , ..., q3N −k , t, α) muss invertierbar sein, also muss auch qi =
qi (q10 , ..., q3N
0
−k , t, α) existieren.
2. Die Transformation qi0 = qi0 (q1 , ..., q3N −k , t, α) soll in einem kontinuierlichen Parameter α stetig diffe-
renzierbar sein. Für α = 0 soll sich die identische Transformation qi = qi0 (~q, t, α = 0) ergeben.
Ein Beispiel für eine solche Transformation ist die Translation ~r → ~r0 = ~r + α · ~a.
Setzt man die transformierten Koordinaten in die Langrangefunktion L des Systems ein, so ergibt sich eine
neue Lagrange-Funktion L0 :
0 0 0 0 d 0
L (q , p , t, α) := L q(q , t, α), q(q , t, α), t = L(q, q̇, t)
dt
Nun untersucht man die Abhängigkeit von L0 vom Parameter α der Transformation, indem man die partielle
Ableitung nach α betrachtet:
3N −k
" #
∂L0 X ∂L ∂qi (q 0 , t, α) ∂L ∂ dt d
qi (q 0 , t, α)
= + =
∂α ∂qi ∂α ∂ q̇i ∂α
i=1
3N −k
d ∂L ∂qi (q 0 , t, α) ∂L d ∂qi (q 0 , t, α)
X
= + =
dt ∂ q̇i ∂α ∂ q̇i dt ∂α
i=1
"3N −k #
d X ∂L ∂qi (q 0 , t, α)
= ·
Produktregel dt ∂ q̇i ∂α
i=1
Man betrachtet nun diese Rechnung nach der Differenziation (die für alle α gilt) an der Stelle α = 0, sodass
die Koordinaten q 0 wieder in die alten Koordinaten q übergehen. Gilt nun für eine Transformation qi → qi0 , dass
sie die Langrange-Funktion invariant lässt, dass also L0 (q 0 , q̇ 0 , t) = L(q, q̇, t), so kann die Lagrange-Funktion
L nicht explizit von α abhängen, es gilt also ∂L ∂α = 0 und der letzte Term in obiger Rechnung definiert eine
Erhaltungsgröße I(q, q̇, t): " 3N −k #
d X ∂L ∂qi (q 0 , t, α)
· =0
dt ∂ q̇i ∂α
i=1 α=0
| {z }
=I(q,q̇,t)
Man kann das bisherige Resultat noch erweitern: Man erhält nämlich auch dann noch eine Erhaltungsgröße,
wenn die Lagrange-Funktion nicht gänzlich ungeändert bleibt, die Änderung aber nur in einem zusätzlichen
Term der Form dt 0
dt F (q , t, α) besteht. Dann ist die folgende Größe eine Erhaltungsgröße:
3N −k
X ∂L ∂qi (q 0 , t, α) ∂F (q 0 , t, α)
J= −
∂ q̇i ∂α α=0 ∂α α=0
i=1
Eine solche Änderung der Lagrange-Funktion nennt man umeichung. Aufgrund der Eich-Invarianz der Lagrange-
Funktion führt eine umgeeichte Lagrange-Funktion auf die selben Bewegungsgleichungen. Man nennt eine
Transformation qi → qi0 , die die Lagrange-Funktion bis auf eine Umeichung invariant lässt auch Symmetrie-
transformation. Die Umeichung kann natürlich auch identisch 0 sein, wodurch sich obige (einfachere) Fassung
ergibt.
Diese Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:
N OETHER-Theorem:
Satz 3.2 (Noether-Theorem) Ist die Lagrangefunktion L eines Systems bis auf ein totales zeitliches Differen-
tial invariant unter einer Punkttransformation qi → qi0 = qi0 (q1 , ...q3N −k , t, α) (mit qi0 (α = 0) = qi und in α
stetig differenzierbar), also:
d
L0 (q 0 , q̇ 0 , t, α) = L(q 0 , q̇ 0 , t) + F (q 0 , t, α),
dt
so ist
3N −k
X ∂L ∂qi (q 0 , t, α) ∂F (q 0 , t, α)
J= − (3.3.1)
∂ q̇i ∂α α=0 ∂α α=0
i=1
erhalten.
Das Noether-Theorem besagt, dass es zu jeder Symmetrietransformation eine Erhaltungsgröße gehört, die leicht
bei Kenntnis der Transformation berechnet werden kann. Seine Umkehrung gilt im Rahmen der Lagrange’schen
Mechanik nicht. Es gibt also durchaus Erhaltunsggrößen, zu denen keine Symmetrietransformation bekannt ist
(z.B. Runge-Lenz-Vektor).
Legendre-Transformation: Eine Legendre-Trafo beschreibt den Übergang der Variablen x, y einer Funktion
f (x, y) zu neuen Variable u := ∂f
∂x , y in einer Funktion g(u, y). Das Problem wird also von einer neuen Funk-
tion mit neuen Variablen beschrieben; der beschriebene Sachverhalt soll dabei aber gleich bleiben. In einer
Dimension erhält man dann
∂f
g(u, y) := f (x, y) − u · x, u = (4.1.1)
∂x
4.2. Hamilton-Gleichungen
In der Hamilton’schen Mechanik ist die Hamilton-Funktion von zentraler Bedeutung. Sie wird als Legendre-
Transformierte des Lagrange-Funktion eigeführt:
Die Hamilton-Funktion H(q, p, t) darf keine Geschwindigkeiten enthalten. Deswegen muss in (4.2.1) auf der
rechten Seite q̇i = q̇i (q, p, t) eingesetzt werden, um q̇i zu eliminieren. Betrachtet man das totale Differential
dieser Funktion, so erhält man:
n n
X ∂L ∂L ∂L X ∂L
dH = q̇i dpi + pi dq̇i − dqi − dq̇i − dt = (q̇i dpi − pi dqi ) − dt
∂qi ∂ q̇i ∂t ∂t
i=1 i=1
Aus dem Vergleich dieser zwei Versionen des totalen Differentials erhält man die Hamilton’schen-Bewegungsgleichungen:
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4.3. Poisson-Klammern
Die Hamilton-Gleichungen
lassen sich noch etwas anders schreiben. Dazu verwendet man die sog. Poisson-
Klammern ·, · . Diese Schreibweise ist nützlich, da nach dem Korrespondenz-Prinzip der Quantenmechanik
die Poisson-Klammern in Kommutatoren übergehen, wodurch man die Hamilton’schen Bewegungsgleichungen
aus der klassischen Mechanik in die Quantenmechanik übernehmen kann. Man betrachtet hier Funktionen f
der Variablen qi (t), pi (t) und der Zeit t, die als Observable eines Systems bezeichnet werden. Die Funktion
q, p ergeben sich aus der Hamilton-Funktion H(q, p, t) des betrachteten Systems.
1. Definition:
n
X ∂f ∂g ∂f ∂g
f, g q,p = − (4.3.1)
∂qi ∂pi ∂pi ∂qi
i=1
Mit dieser mathematischen Definition kann man eine Reihe von physikalischen Aussagen recht einfach formu-
lieren:
1. zeitliche Ableitung einer Observablen f (q, p, t):
df ∂f
= f, H + (4.3.2)
dt ∂t
2. Observablen als Erhaltungsgrößen: Eine Observable f ist genau dann eine Erhaltungsgröße des Sys-
tems, wenn gilt:
f, H = 0 (4.3.3)
3. Hamilton’sche Bewegungsgleichungen:
∂H ∂H
q̇i = = qi , H pi = − = pi , H (4.3.4)
∂pi ∂qi
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Literaturverzeichnis
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Berlin - Heidelberg: Springer.
[Boas 1983] Boas, Mary L. (1983): Mathematical Methods In The Physical Science, 2. Auflage, New York
- Brisbane - Toronto - Singapore: Wiley.
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chanik 2, 2. Auflage, Berlin - New York: Walter de Gruyter.
[Demtröder 2002] Demtröder, Wolfgang (2002): Experimentalphysik 1. Mechanik und Wärme, 3. Auflage,
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[Fließbach 2003] Fließbach, Thorsten (2003): Lehrbuch zur Theoretischen Physik 1. Mechanik, 4. Auflage,
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[Jelitto 1991] Jelitto, Rainer J. (1991): Theoretische Physik. Mechanik. o.O. Aula.
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