Name: Tarek Omar El Ferjani
Datum der Abgabe: 19.12.2025
Synthese von
Octanol
Präparat 3
1. Reaktionstyp: Hydroborierung/ Oxidation
2. Reaktionsgleichung:
3. Beobachtung und Durchführung:
Im Allgemeinen wurde unter optimalen Bedingungen für die Belüftung gearbeitet,
da das im Verlauf der Reaktion entstehende Diboran als hochgradig toxisch
einzustufen ist. In einem trockenen 100-mL-Dreihalsrundkolben, ausgestattet mit
Tropftrichter, Innenthermometer, Magnetrührstab und Trockenrohr, wurden
zunächst 266 mg (7,02 mmol) fein gepulvertes Natriumborhydrid (NaBH₄)
vorgelegt. Das Natriumborhydrid war zuvor im Mörser zerkleinert worden, um
durch die Vergrößerung der Oberfläche seine Reaktivität zu steigern.
Anschließend wurde es mit 12 mL trockenem Tetrahydrofuran (THF) versetzt und
zu einer feinen Suspension gerührt. Der Kolben wurde in ein mit Natriumchlorid
versetztes Eisbad gestellt, um durch die Erniedrigung des Schmelzpunktes eine
längere Kühlwirkung zu erzielen, und auf eine Temperatur von –5 bis 0 °C
abgekü[Link] dieser Temperatur wurde eine Lösung von 708 mg (2,79 mmol) Iod
in 7 mL absolutem THF so zugetropft, dass vor jedem neuen Tropfen das zuvor
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zugegebene Iod vollständig verbraucht war. Während der Zugabe war eine
kurzzeitige Dunkelfärbung der Lösung zu beobachten, die auf den fortlaufenden
Umsatz hindeutete. Im Anschluss wurde eine Lösung von 1,68 g (15,0 mmol) 1-
Octen in 8 mL absolutem THF innerhalb von etwa 10 Minuten zugetropft. Hierbei
trat eine deutliche exotherme Reaktion ein, die zu einem starken
Temperaturanstieg führte, sodass die Zugabe unterbrochen werden musste, bis
sich die Mischung wieder abgekühlt hatte. Die Innentemperatur wurde
konsequent so geregelt, dass sie 30 °C nicht überschritt. Nach beendeter Zugabe
wurde die Reaktionsmischung weitere 2 Stunden bei 25 °C gerührt, erneut im
Eisbad auf 0–5 °C gekühlt und vorsichtig mit 2,5 mL Wasser versetzt. Nach
Zugabe von weiteren 8 mL THF erfolgte der sogenannte „Alkalisturz“: Unter
sorgfältiger Kühlung wurden ca. 30 mL einer 3-molaren Natriumhydroxid-Lösung
sowie 3,2 mL einer 30-prozentigen Wasserstoffperoxid-Lösung langsam
zugetropft, wobei stets darauf geachtet wurde, dass die Innentemperatur unter
30 °C blieb. Die Mischung wurde anschließend weitere 20 Minuten bei
Raumtemperatur gerührt. In der Aufarbeitung wurde Das Reaktionsgemisch in
einen Scheidetrichter überführt und die wässrige Phase mit Natriumchlorid
gesättigt. Nach Phasentrennung wurde die wässrige Phase dreimal mit je 9 mL
tert-Butylmethylether extrahiert. Die vereinigten organischen Phasen wurden
zweimal mit jeweils 8 mL gesättigter Kochsalzlösung gewaschen und über wenig
Kaliumcarbonat getrocknet. Nach 20 Minuten Trocknungszeit wurde das
Kaliumcarbonat abfiltriert und das Lösungsmittel am Rotationsverdampfer bei 40
°C und reduziertem Druck abgezogen. Der verbleibende Rückstand wurde
schließlich im Vakuum fraktioniert destilliert. Hierbei ging eine Fraktion bei 78 °C
über, während ein verbleibender Rückstand im Destillationskolben verworfen
wurde. Abschließend wurden Lösungen, die Boran enthalten, über einen Zeitraum
von mehreren Stunden in einem Bad mit NaOH-Lösung appliziert. Diese Prozedur
wurde gewählt, da die betreffenden Lösungen eine Tendenz zur exothermen
Zersetzung aufweisen.
4. Ausbeute
Ausbeute: 0.447g ( 3,44mmol) farblose Flüssigkeit
Eingesetzt: 15 mmol 1-Octen 100 %
Erhalten: 3.44 mmol 22, 9% , in der Theorie (Lit.[1] 94 % )
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5. Physikalische Daten des Produktes:
Siedepunkt:
Exp.: 78 °C bei starken Vakuum
Lit[2]: 195 °C bei 760 Torr
Anmerkung:
Die bei 78 °C (Vakuum ~3–4 Torr) siedende Fraktion entspricht nach Clausius–
Clapeyron einem Normalsiedepunkt von ~195 °C und stimmt mit dem Literaturwert
für 1-Octanol überein.
6. IR-Spektrenauswertung
Exp. Wellenzahl Lit. Wellenzahl [3]
Schwingungstyp [3]
ca. 3300–3500 cm⁻¹ 3600-3200 cm -1 O-H-Valenzschwingung
(Alkohol), assoziiert
ca. 2950–2850 cm⁻¹ 2960-2850 cm -1 (C-H) Valenzschwingung
ca. 1465 cm⁻¹ 1410-1260 cm -1 OH
Deformationsschwingung
ca. 1050–1150 cm⁻¹ 1150-1040 cm -1 C-O Valenschwingung
Primäre Alkohole
Lit[4].: 3340 cm⁻¹ , 2956 cm⁻¹ - 2858 cm⁻¹ , 1459 cm⁻¹ , 1057 cm⁻¹
3
7. NMR-Auswertung:
1H-NMR (500 MHz, CDCl3): δ = 3.62 (t,J = 6.5745 Hz, 2 H ) ,
=1.57( dt, J= 7.7, 6.3 , 2 H )
= 1.35-1.25(m,10H ) , 0.86(m,3 H)
Lit[5].: δ = 3.63 (t, J = 6.6 Hz, 2H), 1.55 (dt, J = 7.9, 6.4 Hz, 2H), 1.46 (s, 1H), 1.39–
1.21 (m, 10H), 0.91–0.84 (m, 3H) ppm.
8. Massenspektroskopie Auswertung
GC-MS (EI), m/z (%):
112(5) = [M-18] H2O Verlust
84 (70) = [M-46]+ Abspaltung C₆H₁₂⁺, gebildet durch σ Spaltung von [M-18] mit
Alkenverlust von Ethylen (C₂H₄, 28u )
70( 97) = [M–60]⁺ Alpha- und Sigmaspaltung
Abspaltung von C3H8O•+
69(100) = [M-61]+ Neutralverlust + Sigmaspaltung
Abspaltung von C3H9O•+
Anmerkung: Ein Molekülion Peak von 130 m/z ist nicht zu sehen.
Des Weiteren wurde trotz Verwendung Iod kein Peak bei 260 m/z gesichtet.
Lit[6].: 130 , 112.13 , 84.08 , 70.06 , 69.05 ,56.03
4
9. Mechanismus:
Die Synthese von 1-Octanol aus 1-Octen folgt dem klassischen Prinzip der
Hydroborierung, die aus den drei zentralen Schritten Hydroborierung, Oxidation
und Hydrolyse besteht[7]. Als essentieller Reaktionspartner dient Boran (BH₃), eine
hochreaktive, elektronendefizitäre Verbindung. Aufgrund seiner Lewis-Säure-
Charakteristik – hervorgerufen durch die sechs Valenzelektronen und ein
unbesetztes p-Orbital – liegt reines Boran nicht als Monomer vor, sondern
dimerisiert spontan unter Bildung von zwei-Elektronen-Drei-Zentren-Bindungen
[7]
zum stabilen Diboran (B₂H₆) .Obwohl das Dissoziationsgleichgewicht stark auf
der Seite des Dimers liegt, sind die für den Reaktionsmechanismus
entscheidenden monomerischen BH₃-Moleküle als Mindermengenkomponenten
im Gleichgewicht vorhanden und tragen entscheidend zur Reaktivität bei. [7]
Für die praktische Durchführung der Reaktion wird das reaktive Diboran aus
Natriumborhydrid (NaBH₄) und Iod (I₂) in Tetrahydrofuran (THF) umgesetzt. Bei
dieser Umsetzung entstehen neben dem gewünschten Diboran auch die
Nebenprodukte Natriumiodid und Wasserstoff.
5
Dabei werden die BH3 Moleküle durch THF stabilisiert, wobei THF als Lewis-Base
[7]
wirkt und das Dimer spaltet.
Nur monomeres Boran (BH₃) reagiert mit unsymmetrischen Olefinen wie 1-Octen
in einer Additionsreaktion. Die C=C-Doppelbindung, bestehend aus zwei sp²-
hybridisierten Kohlenstoffatomen, bietet die Möglichkeit der Addition von Bor an
das Cα-Atom[7].Das Cα-Atom ist das Ende der Doppelbindung mit den geringsten
[7]
Substituenten, während das Cβ-Atom das mit den meisten Substituenten ist .
Die Addition erfolgt jedoch aufgrund sterischer und elektronischer Faktoren
[7]
ausschließlich in Form einer Anti-Markownikow-Addition und einer syn-Addition .
Die Hydroborierung verläuft konzertiert: Der Angriff des Borans auf die π-Bindung
[9]
führt zu einem zyklischen vierzentrigen Übergangszustand .
Die Addition der voluminösen BH₂-Gruppe an das weniger substituierte Cα-
[9]
Zentrum ist sterisch stark begünstigt . Ein Angriff an das Cβ-Zentrum hingegen
würde die BH₂-Gruppe in unmittelbare Nähe der Alkylsubstituenten bringen, was
zu erheblichen abstoßenden Wechselwirkungen führt und den Übergangszustand
signifikant destabilisiert[9]. Zusätzlich zeigt sich im zyklischen vierzähnigen
Übergangszustand der Hydroborierung eine asymmetrische Polarisation der C=C-
Doppelbindung. Dabei entsteht eine partielle positive Teilladung (+δ) am
Kohlenstoffatom, das das Wasserstoffatom aufnimmt. Diese positive Ladung ist
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am stärker substituierten Kohlenstoffatom (Cβ) am besten stabilisiert, da
Alkylgruppen die Elektronenarmut durch Hyperkonjugation und den induktiven
(+I)-Effekt [Link] der Perspektive der Nicht-Bindungstheorie – also des
Elektronendichteaustauschs zwischen BH₃ und 1-Octen – zeigt die Betrachtung
von Grenzstrukturen, dass das weniger substituierte Kohlenstoffatom (Cα) eine
höhere Elektronendichte aufweist als das stärker substituierte (Cβ) [7].
Die α Addition läuft wie folgt ab.
α Addition :
Da BH₃ drei B-H-Bindungen besitzt, kann es schrittweise mit bis zu drei Olefin-
Molekülen reagieren, wobei über RBH₂ und R₂BH schließlich ein Trialkylboran
(R₃B) entsteht[7]. Entsprechend reagiert ein Äquivalent BH₃ mit drei Äquivalenten
1-Octen zu Trioctylboran. R entspricht hierbei die weitern octylketten.
Anschließend wird durch die Zugabe von Wasserstoffperoxid (H₂O₂) und
Natronlauge (NaOH) eine Oxidation, auch „alkalischer Sturz” genannt,
durchgeführt[11]. Dabei reagieren H₂O₂ und NaOH in einer Säure-Base-Reaktion,
wobei H₂O₂ als Brønsted-Säure und NaOH als Brønsted-Base wirkt und das
Nucleophil, das Hydroperoxid-Anion (HOO⁻), bildet.[8]
7
Aufgrund der unterschiedlichen Elektronegativitäten von Bor und Kohlenstoff ist
das Bor-Atom in den B-C-Bindungen partial positiv geladen und stellt somit ein
elektrophiles Zentrum dar[7]. Das Hydroperoxid-Anion greift dieses Zentrum
nucleophil an, wodurch ein tetraedisches Borat-Zwischenprodukt entsteht, in dem
Bor die Oktettregel erfüllt und eine negativ Formalladung trägt [12]. Die Entstehung
des Borinsäureester gelingt durch einen heterolytischen Bindungsbruches
zwischen den beiden O Atomen des Hydroperoxid-Anion und einer
Bindungsbildung zwischen einen octyl Rest und dem O Atom. Dabei wird ein
Hydroxid Ion abgespalten.[7]
Das Boratom des Borinsäureesters weist – ebenso wie beim Trioctylboran – ein
ausgeprägtes elektrophiles Zentrum auf. Darauf folgt ein weiterer Angriff eines
Hydroperoxid-Anions auf dieses Zentrum[7]. Dieser Angriff wird erleichtert, da das
Boratom, wie auch im Trioctylboran, sp²-hybridisiert ist und somit eine trigonal-
planare Geometrie aufweist.
Dabei kommt es zu einer Alkylmigration, bei der ein Hydroxid-Ion abgespalten
wird, während der Octylrest gleichzeitig eine neue σ-Bindung zu einem
Sauerstoffatom ausbildet. Auf diese Weise entsteht ein Boronsäureester. Dieser
Vorgang wiederholt sich für jede bestehende B–C-Bindung. Nach dreimaliger
Wiederholung liegt ein vollständig substituierter Borsäureester vor.
8
Durch die abschließende alkalische Hydrolyse dieses Esters entstehen drei
Äquivalente 1-Octanol und Natriumtetrahydroxyborat [NaB(OH)₄]
Literatur:
9
[1]: Souto, J. A., Stockman, R. A., & Ley, S. V. (2015). Development of a flow
method for the hydroboration/oxidation of olefinen. Organic & Biomolecular
Chemistry, *13*, 3871–3877. [Link]
[2] Ross, J. A., Ross, B. P., Rubinsztein‐Dunlop, H., & McGeary, R. P. (2006). Facile
Synthesis of Rhodamine Esters using Acetyl Chloride in Alcohol
Solution. Synthetic Communications, 36(12), 1745–1750.
[Link]
[3] Hesse, M., Meier, H. und Zeeh, B. (2012) Spektroskopische Methoden in der
organischen Chemie : 114 Tabellen [book]. 8., überarbeitete und erweiterte
Auflage. Stuttgart: Thieme.
[4] Chandrasekhar, S., & Shrinidhi, A. (2014). Chloral Hydrate as a Water Carrier
for the Efficient Deprotection of Acetals, Dithioacetals, and Tetrahydropyranyl
Ethers in Organic Solvents. Synthetic Communications, 44(13), 1904–1913.
[Link]
[5] P. J. Kohlpaintner, L. Marquart, L. J. Gooßen, S. R. Waldvogel, Eur. J. Org.
Chem. 2023, 26, e202300220. Da lieber schauen das ist komisch The Oxidation
of Organo‐Boron Compounds Using Electrochemically Generated
Peroxodicarbonate - Kohlpaintner - 2023 - European Journal of Organic Chemistry
- Wiley Online Library
[6] Pang, Y., Yu, W., Liang, W., Gao, Y., Yang, F., Zhu, Y., Feng, L., Yin, H., & Liu, Y.
(2024). Solid-Phase Microextraction/Gas Chromatography–Time-of-Flight Mass
Spectrometry Approach Combined with Network Pharmacology Analysis to
Evaluate the Quality of Agarwood from Different Regions against Anxiety
Disorder. Molecules, 29(2), 468. [Link]
[7] R. Brückner, Reaktionsmechanismen: organische Reaktionen, Stereochemie, moderne
Synthesemethoden, 3., korrigierter Nachdruck, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg,
2004. ISBN: 978-3-8274-1579-0. S. 637-678
[8] (2007). Säure-Base-Systeme. In: Anorganische Chemie. Springer-Lehrbuch. Springer,
Berlin, Heidelberg. [Link]
[9] Serie: Regioselektivität und Stereochemie der Hydroborierung
[10] A-borane-tetrahydrofuran-THF-adduct-b-a-reaction-scheme-of-the-reduction-
[Link] (387×311)
10
[11] Schweda, E., Jander, G., & Blasius, E. (ca. 2022). Jander/Blasius Anorganische
Chemie Theoretische Grundlagen und Qualitative Analyse (19., völlig neu
bearbeitete Auflage) [Book]. Hirzel Verlag.
[12] Felixberger, J. K. (ca. 2017). Chemie für Einsteiger (1 st ed. 2017) [Cd].
Springer Berlin Heidelberg. [Link]
Anhang
11
IR
Masenspektrum
12
Zeitliches Massenspektrum
NMR Übersichtsspektrum
13
14