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Germanea

Die Germanen sind eine Gruppe ehemaliger Stämme in Mitteleuropa und Skandinavien, deren Identität traditionell über die Sprache bestimmt wird. Der Kontakt mit den Römern prägte die germanische Welt, und während der Völkerwanderung kam es zu Einfällen in das Römische Reich, wobei die Germanen Reiche nach römischem Vorbild gründeten. In der modernen Forschung wird die Sammelbezeichnung 'Germanen' kritisch betrachtet, da die Gruppen sich nie als Einheit verstanden und die Bezeichnung oft als Fremdbezeichnung gilt.

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Die Germanen sind eine Gruppe ehemaliger Stämme in Mitteleuropa und Skandinavien, deren Identität traditionell über die Sprache bestimmt wird. Der Kontakt mit den Römern prägte die germanische Welt, und während der Völkerwanderung kam es zu Einfällen in das Römische Reich, wobei die Germanen Reiche nach römischem Vorbild gründeten. In der modernen Forschung wird die Sammelbezeichnung 'Germanen' kritisch betrachtet, da die Gruppen sich nie als Einheit verstanden und die Bezeichnung oft als Fremdbezeichnung gilt.

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Germanen

Als Germanen wird eine Gruppe ehemaliger Stämme in Mitteleuropa und im südlichen
Skandinavien bezeichnet, deren Identität in der Forschung traditionell über die Sprache bestimmt
wird. Kennzeichen der germanischen Sprachen sind unter anderem bestimmte Lautwandel gegenüber
der rekonstruierten indogermanischen Ursprache, die als germanische oder erste Lautverschiebung
zusammengefasst werden. Das von den Germanen bewohnte Siedlungsgebiet wurde von den Römern
als Germania magna bezeichnet.

Ab der Zeitenwende prägte der Kontakt mit den Römern die


germanische Welt, wie auch die Entwicklung des Römischen
Reiches sich zunehmend mit der germanischen Welt verband.
In der Spätantike kam es im Verlauf der „Völkerwanderung“
zu weitreichenden Zügen mehrerer germanischer Stämme
(gentes), die teilweise größere Verbände bildeten (siehe
Ethnogenese), und schließlich zu deren Einfall in das
Römische Reich. Ihr Ziel war vor allem Teilhabe am
Wohlstand des Imperiums, dessen Strukturen und Kultur sie
keineswegs zerstören wollten. Einige dieser Gruppen
gründeten Reiche nach antikem römischen Vorbild auf dem Germania magna im frühen 2.
Boden des Westreiches, das um das Jahr 476 unterging. Jahrhundert, Karte von Alexander
Elemente der germanischen Religion und des religiösen George Findlay aus dem 19. Jahrhundert
Brauchtums wurden unter anderem durch Akkommodation in
das angenommene Christentum übertragen. In der neueren
Forschung wird dabei die Sammelbezeichnung Germanen zunehmend kritisch gesehen, da die so
bezeichneten Gruppen sich niemals als Einheit verstanden hätten, sondern es sich um eine reine
Fremdbezeichnung handle, die Unterschiede verwische.[1]

Dieser Artikel beschreibt die allgemeine Geschichte der germanischen Völker, beginnend vor der
Zeitenwende, bis in die Spätantike bzw. das beginnende Frühmittelalter. In der Forschung wird auch
die Geschichte Skandinaviens bis ins Mittelalter im germanischen Kontext gesehen. Die Geschichte
einzelner Stämme, die germanische Mythologie und die germanischen Stammesrechte sind Thema
weiterer Artikel.
Begriff

Herkunft und Bedeutungsentwicklung in der Antike


Die Herkunft des Begriffs Germanoí (griechisch Γερμανοί), lateinisch Germani ist bis heute nicht
zufriedenstellend geklärt. Unklar bleibt ebenso die sprachlich-etymologische Herkunft wie das genaue
Alter des Begriffes. In der Forschungsgeschichte wurden sprachliche Wurzeln aus dem Lateinischen,
Keltischen und Germanischen diskutiert. Die gelegentlich hergestellte Verbindung mit germanisch
*gaizaz, ‚Ger, Wurfspeer‘ gilt heute als widerlegt. Als unwahrscheinlich gilt aus phonetischen
Gründen auch die Ableitung von lat. germānus ‚leiblich, echt, wahr‘, die schon Strabon vorschlug.[2]
Am wahrscheinlichsten wird damit eine keltische Etymologie. Erwogen werden die Wurzeln von
altirisch gair ‚Nachbar‘ oder gairm ‚Schrei‘, woraus die Benennungsmotive „die Nachbarn“ bzw. „die
Schreienden“ resultieren.[3]

Der Germanenname bildete in der Antike einen völkerkundlichen Oberbegriff für eine Großgruppe
zwischen Kelten und Skythen. Es handelte sich also in der Hauptsache um eine Fremdbenennung
bestimmter Völker und nur zum geringeren Teil und wohl erst sekundär um eine Selbstbezeichnung
der germanischen Völker. Die rechts des Rheins siedelnden Völker blieben vor Caesars gallischen
Feldzügen (58–52 v. Chr.) weitgehend außerhalb des Horizonts der antiken Beobachter und wurden,
als man von ihnen erfuhr, zunächst für Kelten gehalten oder zumindest nicht ausdrücklich von diesen
unterschieden. Älteste historische Berichte über germanische Kulturen stammen von Begegnungen
mit den Griechen und dem Römischen Reich; eigene Schriftzeugnisse wie zum Beispiel
Runeninschriften finden sich dagegen erst nach der Zeitenwende. Die Berichte der antiken Autoren zu
den Germanen basieren dabei häufig nicht auf eigener Beobachtung, sondern auf Hörensagen. Der
griechische Reisende Pytheas aus Massalia berichtete bereits um 330 v. Chr. über die Länder um die
Nordsee und die dort lebenden Völker. Die ostgermanischen Bastarnen drangen ab etwa 200 v. Chr.
nach Südosten in das heutige Ostrumänien vor und wurden ab 179 v. Chr. in Kämpfe der Makedonen
und anderer Völker auf der Balkanhalbinsel verwickelt. Um das Jahr 120 v. Chr. zogen die Kimbern,
Teutonen und Ambronen südwärts und brachten den Römern einige ernsthafte Niederlagen bei
(Kimbernkriege).

Als ältester Beleg für den Volksnamen werden manchmal die Fasti Capitolini zum Jahre 222 v. Chr.
angeführt.[4] Dort ist von einem Sieg des Marcus Claudius Marcellus „de Galleis et Germaneis“ („über
Gallier und Germanen“) bei Clastidium die Rede. Allerdings kann es sich bei dieser Erwähnung des
Germanennamens auch um eine nachträgliche Umschreibung im Rahmen der augusteischen
Fastenredaktion handeln.[5] Die erste zweifelsfreie Verwendung des Germanennamens findet sich um
80 v. Chr. bei Poseidonios.[6] Der Begriff bezog sich zunächst nur auf eine kleine Stammesgruppe im
belgisch-niederrheinischen Bereich, deren Gebiet ursprünglich auf rechtsrheinischer Seite lag.
Poseidonios schildert, dass diese „Germanen“ als Hauptmahlzeit Glieder gebratenen Fleischs zu sich
nähmen und dazu Milch sowie unvermischten Wein tränken, und entsprach damit in gewisser Weise
dem Barbarentopos seiner Zeit.
Gaius Iulius Caesar berichtet in seinem De bello Gallico für das Jahr 55 v. Chr. von den links des
Rheins siedelnden Belgerstämmen der Remi, Condrusi, Eburones, Caerosi, Paemani und Sequani,
dass sie sich Germanen nannten, und bezeichnet diese Stämme (immer den Angaben der mit ihm
verbündeten Remer folgend) als Germani cisrhenani, nicht aber die (heute ebenfalls als germanisch
geltenden) Atuatuci – die er für Abkömmlinge der Kimbern hielt – und nur mit Einschränkungen die
Ambivarites.[7] Die Bezeichnung cisrhenani („linksrheinisch“) legt nahe, dass man die so benannten
Stämme schon damals von den rechtsrheinischen Germani unterschied.

Im Laufe von Caesars Kriegsbericht wird der


Germanenbegriff inhaltlich weiter aufgefüllt bis hin zu
seiner umfassenden Erläuterung im Germanenexkurs des
sechsten Buchs (53 v. Chr.). Hier verwendet Caesar auch
explizit einen erweiterten Germanenbegriff, indem er den
Rhein zur Kulturscheide zwischen Galliern am Westufer
und Germanen östlich des Stromes erklärt und alles Land
östlich davon als Germanien bezeichnet.[8] Der
Althistoriker Mischa Meier kommt deshalb zu dem
Befund: „Caesar hat die Germanen erfunden“. Ethnisch-
kulturelle Kriterien, nach denen Personengruppen
objektiv als germanisch oder nicht-germanisch Karte Europas nach Strabon
identifiziert werden könnten, gebe es nicht.[9]

Was Caesar dazu bewog, alle östlich des Rheins lebenden Völkerschaften mit Germanen zu
identifizieren, ist in der historischen Forschung umstritten. Eine Erklärung könnte sich aus der
Absicht des Feldherrn ergeben, den Rhein als Völkergrenze anzunehmen, derart eine tiefe Kluft
zwischen Galliern und Germanen postulierend, und so sein militärisches Werk als „Eroberung
Galliens“ darzustellen.[10]

In diesem Fall wäre die geographische Unterscheidung von Kelten und Germanen auch politisch
motiviert gewesen, konnte sie doch dabei helfen, den Herrschaftsanspruch Roms auf alle
linksrheinischen Gebiete zu festigen. Hatte Caesar schon zuvor unterschiedliche Gruppen, die sich
selbst als Aquitaner, Kelten und Belger verstanden, vereinheitlichend Gallier genannt, so übertrug er
nun den Germanenbegriff auf verschiedene Völkergruppen rechts des Rheins.[11] Eine eindeutige
Kulturscheide stellte der Rhein jedoch damals nicht dar, da sowohl östlich davon keltische als auch
westlich davon germanische Gruppierungen siedelten, wie schon aus Caesars Bericht hervorgeht. Aus
archäologischer Sicht lässt sich lediglich das Gebiet der keltischen oppida in nördlicher und östlicher
Richtung abgrenzen. Die Definition Caesars wirkte sich fortan auch in ethnographischer Hinsicht
differenzierend aus.

Vor Caesar hatte man angenommen, dass nördlich der Alpen im Westen die Kelten und im Osten –
durch den Fluss Tanaïs (heute Don) von jenen getrennt – die Skythen leben. Cicero kannte den
Germanenbegriff Caesars im Jahre 56 v. Chr. noch nicht.[12] Aber schon für Pomponius Mela (um 44
v. Chr.) waren die südliche Grenze des Germanengebietes die Alpen, die westliche Grenze der Rhein,
die östliche die Weichsel und das Gebiet der Sarmaten, die nördliche die Meeresküste.[13] Auch
Plinius der Ältere nennt in seiner Naturalis historia (um 77 n. Chr.) Germanen in den Alpen.[14] Noch
Strabon beschrieb die Germanen in seiner Geographie (zwischen 20 v. Chr. und 23 n. Chr. verfasst)
als ein den Galliern ähnliches Volk.[2] Auch der Zug der Kimbern, Teutonen und Ambronen wurde
erst spät als Auftakt zur römisch-germanischen Konfrontation aufgefasst. Zur Zeit ihres Auftretens
wurden die Kimbern noch nicht als Germanen identifiziert. Erst Plutarch prägte um 100 n. Chr. die
Bezeichnung „Germanen“ auch für den nordseegermanischen Stamm, der zuvor überwiegend für
keltisch gehalten worden war.[15] Der römische Historiker Tacitus teilt in seiner ethnographischen
Schrift Germania (frühestens 98 n. Chr.) zu den von ihm verwendeten Begriffen Germani und
Germania mit:

„Die Bezeichnung Germanien sei übrigens neu und erst vor einiger Zeit aufgekommen.
Denn die ersten, die den Rhein überschritten und die Gallier vertrieben hätten, die
jetzigen Tungrer, seien damals Germanen genannt worden. So habe der Name eines
Stammes – nicht eines ganzen Volkes – allmählich weite Geltung erlangt: zuerst wurden
alle [rechtsrheinischen Völker] nach dem Sieger, aus Furcht vor ihm, als Germanen
bezeichnet, bald aber nannten auch sie selbst sich so, nachdem der Name einmal
aufgekommen war.“[16]

Diese Nachrichten des Tacitus stimmen mit den von Caesar überlieferten Angaben der belgischen
Remer aus der Zeit des Gallischen Krieges überein.[17] Demnach wurden die rechtsrheinischen
Stämme zuerst von den benachbarten Galliern in einem umfassenderen Sinn als „Germanen“
bezeichnet. Diese Ausweitung des Germanennamens wird heute meist darauf zurückgeführt, dass die
Gallier die östlichen Invasoren als fremd oder andersartig empfanden und sich von ihnen
abzugrenzen suchten. Die Römer hätten den Germanennamen dann von den Galliern
übernommen.[18]

Eine germanische Identität in der Antike?


Von Tacitus stammt die Überlieferung einer mythischen Genealogie, nach der sich die Germanen auf
Tuisto, seinen Sohn Mannus und dessen drei Söhne zurückführten, die den Stammesgruppen der
Ingaevonen, Hermionen und Istaevonen ihren Namen gegeben hätten. Eine Variante habe noch die
Marsi, Gambrivii, Suebi und Vandilii hinzugefügt.[19] Die Selbstzuordnung von Stämmen zu einer
gemeinsamen Volksgruppe, wie sie sich in dieser mythischen Genealogie zeigte, lässt auf ein
irgendwie geartetes Gefühl der Zusammengehörigkeit schließen.

In historischer Zeit kam es zu verschiedenen Ethnogenesen im germanischen Bereich. Diese Tendenz


zur Vereinheitlichung ging von verschiedenen Zentren aus und war häufig eher von außen als von
innen her stimuliert. Dabei spielte auch die Infiltration geographischer Randgruppen an der Elbe und
in Jütland sowie in Südskandinavien eine Rolle. Nach Reinhard Wenskus beförderten vor allem die
Sueben eine Ethnogenese der Germanen im mitteleuropäischen Bereich.[20] Auch nach außen wirkte
die Dominanz der Sueben, deren Tradition und Erscheinung bestimmend für die ethnographische
Wahrnehmung und Beschreibung zahlreicher germanischer Stämme in der antiken Welt wurden.
Dass sich letztlich nicht der Suebenname, sondern der ältere der Germanen durchsetzte, ist nach
Wenskus auf die Konfrontation der Sueben mit den Römern zurückzuführen, die die politische Kraft
des Suebentums gebrochen habe. Seit dem Ende des 5. Jahrhunderts ging die Außenwirkung des
Suebennamens teilweise auf die Goten über, so dass der Ausdruck „gotische Stämme“ für zahlreiche,
meist ostgermanische Völker gebräuchlich wurde.[21] Für die Germania magna blieb es aber auch in
dieser Zeit beim Germanenbegriff, neben dem die wandernden ostgermanischen Großstämme unter
einer eigenen Identität – als Goten, Vandalen usw. – auftraten.

In jüngster Zeit wird in der Forschung verstärkt die Instabilität ethnischer Identitäten gerade in der
Antike betont und dabei auch das vermeintlich dem nationalstaatlichen Denken des 18. und
19. Jahrhunderts entstammende Konzept der Germanen in Frage gestellt. „Germane“ sei (wie
„Barbar“) nur eine Fremdbezeichnung, die mehr über Griechen und Römer aussage als über die mit
den Begriffen bezeichneten Gruppen und Individuen. Vereinzelt wird sogar gefordert, Germane und
germanisch im wissenschaftlichen Kontext überhaupt nicht mehr zu verwenden.[22]

Moderner Germanenbegriff
Der moderne Germanenbegriff baut auf der
Begriffsbildung der antiken Schriftsteller auf, die
spätestens im Zeitalter des Humanismus erneut
aufgegriffen wurde. Obwohl bereits Tacitus Teile
Skandinaviens zu Germanien zählte, ist die allgemeine
Ausweitung des Germanenbegriffs auf Skandinavien
eine spätere Entwicklung, die vor allem auf
sprachlichen und ethnographischen Beobachtungen
gefußt haben dürfte. Der schwedische Reformator und
Historiker Olaus Petri unterstellte im 16. Jahrhundert
Schweden und Deutschen eine gemeinsame Herkunft.
Im späten 18. Jahrhundert war die Idee einer
Johannes Janssonius: Germaniae Veteris
historischen, ethnischen und sprachlichen
Nova Descriptio, an Tacitus, Strabon und vor
Zusammengehörigkeit der nordischen Länder mit
allem Claudius Ptolemäus orientierte Karte des
Deutschland unter den Gelehrten allgemeine antiken Germanien von 1657
Überzeugung geworden. Gottfried Wilhelm Leibniz
schrieb in seinen Unvorgreifflichen Gedancken,
betreffend die Ausübung und Verbesserung der Teutschen Sprache (postum 1717, Neudruck 1995, S.
22), dass alles, was die Schweden, Norweger und Isländer von ihren Goten rühmen, auch unser sei;
diese Völker müssten für nichts anderes als Norddeutsche gehalten werden. Auch Johann Gottfried
Herder teilte 1765 diese Auffassung in einer Rezension zu der Einführung in die Geschichte
Dänemarks des Historikers Paul Henri Mallet.

Zur gleichen Zeit wurde der humanistische Germanenbegriff mit dem romantischen Volksbegriff
zusammengebracht und führte über die „Volksgeistlehre“ zur Vorstellung einer Kontinuität zwischen
antiken Germanen und neuzeitlichen Deutschen.[23] Der Fortschritt der Sprachwissenschaft im
frühen 19. Jahrhundert erlaubte es, diesen Volksbegriff mit der nun als „germanisch“ titulierten
Sprachfamilie zu verknüpfen. Auch der modern-archäologische Germanenbegriff ging von diesem
sprachwissenschaftlichen Germanenbegriff aus: Weil sich der „Volksgeist“ auch in seinen materiellen
Schöpfungen ausdrücke, wurden archäologische Fundtypen dann bestimmten Kulturgruppen
zugeordnet, wenn eine durchgehende Besiedlung nachgewiesen werden konnte und diese mit den
antiken Quellen vereinbar war, wie insbesondere Gustaf Kossinna festhielt.[24] Im späten 19.
Jahrhundert erlebte die Germanenforschung dank dem Bedürfnis nach einer nationalkulturellen
Identitätsbestimmung einen weiteren Aufschwung, führte so zu wichtigen Erkenntnissen, aber auch
zu einem verstärkten Rekurs auf die angenommene Geschichtskontinuität von den Germanen bis zum
deutschen Kaiserreich des 19. Jahrhunderts, die schließlich in den Germanenmythos völkischer
Bewegungen und dann des Nationalsozialismus münden konnte.[25] Zahlreiche Aussagen und
Begriffsbildungen dieser älteren Germanenforschung sind daher inzwischen fragwürdig geworden.[26]

In jüngerer Zeit löste sich der einheitliche Germanenbegriff teils in verschiedene Germanenbegriffe
auf. Dafür gab es mehrere Ursachen: Zum einen war die Identifikation von archäologischen
Fundtypen mit einheitlichen Volksgruppen nicht mehr aufrechtzuerhalten. Auch der durchaus
berechtigte Sprachstammbaum begründet noch keine wesensmäßige Einheit „germanischer Völker“.
Die den unterschiedlichen Fachrichtungen (historische Forschung, Linguistik, Archäologie)
eigentümlichen Germanenbegriffe sind daher heute nicht mehr unbedingt deckungsgleich, auch wenn
eine engere Zusammenarbeit beispielsweise zwischen Archäologie und Linguistik, besonders im
Zeichen der Topo- und Hydronymie, durchaus als Desiderat angesehen wird.[27] So sind die
Skandinavier nur im Bereich der germanischen Philologie Germanen, nicht aber in der historischen
Forschung zum Römischen Reich. Andererseits handelt es sich beim einzigen Volk, das sich nach
antiker Überlieferung selbst als Germanen bezeichnete, nämlich den caesarischen Germani
cisrhenani, vielleicht gerade nicht um Germanen, sondern um keltisch assimilierte Belger.[28] Wenn
auch die Vertreter der prähistorischen Jastorfkultur als Germanen benannt werden, dann wird der
ethnographische Germanenbegriff auf Zeiträume übertragen, in denen es ihn – in antiker ebenso wie
in moderner Ausprägung – noch nicht gab.

Sprache
→ Hauptartikel: Urgermanische Sprache und Germanische Sprachen
Die germanischen Sprachen zählen zur Westgruppe der indogermanischen Sprachen.[29] Die
germanische Sprache in ihrer Urform bildete sich durch die erste oder germanische Lautverschiebung
(siehe Grimmsches Gesetz und Vernersches Gesetz) aus dem westlichen Indogermanisch heraus.

Ausgliederungsreihenfolge und „Verwandtschaftsverhältnisse“ (nicht nur) der westindogermanischen


Sprachgruppen Balto-Slawisch, Germanisch, Keltisch und Italisch bleiben umstritten. Zu jeder
engeren Zweierbeziehung gibt es Befürworter und Gegner. Keltische Entlehnungen in der Lexik des
Germanischen beruhen auf dem kulturellen Kontakt der Eisenzeit um und vor 500 v. Chr.
Insbesondere betreffen diese das Wortmaterial aus den Bereichen Herrschaft, Handel und Produktion
von Waren. Mit der Ausbreitung des Römischen Reiches begann danach eine nachhaltige Wirkung
der lateinischen Sprache auf die germanischen.

Die älteste umfassend schriftlich belegte germanische Einzelsprache ist das Gotische. Die teilweise
zeitlich früher festsetzbaren sprachlichen Zeugnisse aus den sehr kurzen und teilweise schwer
deutbaren Runeninschriften oder zeitlich zuvor aus Personennamen, Ortsnamen sowie anderen
Begrifflichkeiten in antiken Quellen festgehalten, bestehen im Gegensatz zum Gotischen aus
einzelnen nicht in Zusammenhang stehenden Nennungen.

Schrift
→ Hauptartikel: Runen
Eigenschriftliche germanische Zeugnisse setzen um 200 n.
Chr. mit den ältesten urnordischen Runeninschriften ein. Die
Bedeutung überlieferter Inschriften umfasst
Namensnennungen und Besitzangaben, Herstellerinschriften,
magische Inschriften, kultische Handlungen sowie das
Totengedenken.[30] Die bekanntesten Schriftträger sind die
monumentalen skandinavischen Runensteine. Die
namentlichen Bezeichnungen der einzelnen Runen sind durch
Runengedichte überliefert.

Die wesentliche frühzeitliche Übermittlung von beispielsweise Das ältere Futhark, die ersten
historischen Informationen, seien es Dinge der Abstammung germanischen Schriftzeichen
oder andere, erfolgte mündlich, und in diesem Bezug durch
das Preislied. Aus diesem hat sich die spätere Tradition der
Heldensage entwickelt, als sich ein an das Lateinische angelehntes Schriftsystem für die
Ermöglichung einer nennenswerten Literatur herausformte (Altnordische Schrift).[31] Bei den von
Tacitus in Kapitel 10 der Germania beschriebenen „Zeichen“, im Zusammenhang der Losorakel,
handelte es sich vermutlich eher um sonstig verwendete Symbole als um Runen im Sinne von
Schriftzeichen. Gleichwohl sind einige von ihnen in die Runenalphabete integriert worden.[32]

Die erste eigentliche Form einer entwickelten germanischen Schriftsprache sind die gotischen
Schriften. Die Goten nutzten, ursprünglich wie andere Stämme und Völker, die gemeinsame
Runenschrift und ritzten diese ebenso in Gegenstände aus Holz und anderen Materialien (Ring von
Pietroassa). Der gotische Bischof Wulfila entwickelte für die christliche Mission der Goten ein
Alphabet, das sich aus griechischen, lateinischen und runischen Schriftzeichen zusammensetzt. Er
nahm zeitlich gesehen die Entwicklung des nordischen Schriftsystems vorweg, aus denselben
bedingten Umständen. Die Runenschrift als Monumentalschrift ist unzulänglich für eine
Schriftsprache, die literarisch umfassende Textinhalte nachhaltig und sinnschlüssig für eine lokale
wie überregionale Gruppe von Rezipienten lesbar und begreifbar macht. Seine volkssprachige
Übersetzung des Neuen Testamentes bildet, neben anderen gotischen Quellen, die Grundlage der
vergleichenden Forschung zur germanischen Schriftlichkeit und Sprachlichkeit, durch den
dargestellten umfangreichen gotischen Wortschatz. Die einzelnen Namen der gotischen Buchstaben
sind durch die sogenannte Salzburg-Wiener Handschrift überliefert.[33]

Siehe auch: Samnordisk runtextdatabas

Lebensweise der Germanen

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Historische Beschreibungen über das soziale, wirtschaftliche und politische Leben der Germanen
speisen sich meist aus den Texten Caesars und der Germania des Tacitus[34], die jedoch in die Zeit
und in den Kontext der Absichten der Verfasser zu stellen sind.[35] Aber einige Züge haben in der
Wissenschaft eine allgemeine Anerkennung gefunden. Wesentliche Erkenntnisse bieten heute die
Ergebnisse der Archäologie.

Siedlung
Die Germanen wohnten in verhältnismäßig kleinen
Siedlungen. Aus der Größe der Bestattungsplätze
(Brandgräber) der Germanen schließen Archäologen, dass die
Größe von Siedlungen bei etwa zweihundert Menschen lag.
Daneben gab es die aufwendigen Prunkgräber von Lübsow mit
Körperbestattungen. Die Siedlungen entwickelten sich selten
planmäßig. Ein Erbe daraus sind bis heute die so genannten
Haufendörfer in Deutschland und anderen Ländern des Video:Wie die Germanen gewohnt
germanischen Kulturkreises. Häufig wurden die Dörfer von haben
einer Art Zaun, selten durch eine richtige Palisade umgeben.
Nur in den Grenzregionen zum Römischen Reich wurden mit
Beginn der Feindseligkeiten und gegenseitigen Übergriffe die Dörfer mit Wällen oder Palisaden
geschützt und bewacht.

Aus Ausgrabungen ist


bekannt, dass die Germanen
in Holzhäusern in
Skelettbauweise wohnten.
Da im Gegensatz zu
Steinhäusern das Holz mit
der Zeit verrottet, geben
lediglich die archäologisch Jernalderhus, Rekonstruktion eines Rekonstruiertes germanisches
nachweisbaren eisenzeitlichen Hauses um 400 im Dorf in Fritzlar-Geismar, basierend
Pfostenlöcher eine grobe Moesgaard-Museum bei Aarhus, auf Ausgrabungen an dieser Stelle
Indikation über den Aufbau Dänemark
der Häuser. Die verbreitetste
Art war das zwei- oder
dreischiffige Langhaus, sechs bis acht Meter breit und oft mehr als doppelt so lang. Unter seinem
Dach beherbergte es sowohl die Familie als auch alle Halbfreien und Sklaven sowie die Tiere, die
lediglich durch eine Wand getrennt waren. Dies hatte vor allem den Vorteil, dass die Tiere dazu
beitrugen, das Haus in den kalten Wintermonaten mitzuheizen. Der Wohnraum besaß keine weiteren
Trennwände, in seiner Mitte befand sich eine Feuerstelle. Der Rauch konnte über eine Öffnung im
Dach abziehen. Fenster besaßen die germanischen Häuser wohl nicht.

Obwohl die wichtigste Bestattungsmethode zur Zeitenwende die Verbrennung mit anschließender
Urnenbestattung war, sind auch zahlreiche Moorleichen bekannt, die mit sehr unterschiedlichen
Todesumständen verknüpft sind. Ab etwa 300 nimmt der Anteil der Körpergräber stark zu, wenn
auch die Verbrennung bei einigen Kulturen weiterhin üblich bleibt.
Gesellschaft
Die Gesellschaft war in Freie, Halbfreie (Knechte) und
Rechtlose (Kriegsgefangene, Sklaven) gegliedert. Zu
bestimmten Zeitpunkten fanden Versammlungen der
freien Männer (Volksthing) statt, bei denen wichtige
Entscheidungen besprochen und getroffen wurden, so
z. B. die Wahl eines Anführers. Nur diese und die
Gaufürsten hatten beim Volksthing das
Vorschlagsrecht. Die Gesellschaft war patriarchalisch
organisiert und die Hausgemeinschaft hatte eine Germanische Ratsversammlung, Zeichnung
besondere Stellung in ihr. Die Macht der Anführer[36] eines Reliefabschnitts der Mark-Aurel-Säule zu
reichte nur bis zum Hausherrn, aber alle im Haus Rom
Lebenden unterstanden diesem, wobei die Aufsicht der
Sippe einen Schutz vor Willkür bot. Nach Tacitus war
die Einehe verbreitet. Damit bildeten die Germanen eine Ausnahme unter den barbarischen Stämmen
der Antike.

Grabfunde weisen auf eine zunehmende soziale Differenzierung in den ersten Jahrhunderten n. Chr.
hin. Herausgehobene Personen wurden zunehmend unverbrannt mit reichen Beigaben bestattet,
während sonst die Urnenbestattung weiterhin üblich blieb. Die Gemeinschaften waren durch
Gefolgschaften und Heerkönige geprägt und überdauerten politische Bündnisse. Die halbnomadische
Lebensweise ließ ein stabiles Königtum nicht zu.

Im Laufe der Zeit bildete sich bei den germanischen Stämmen eine besondere Führungsschicht
heraus, erkennbar auch an den sich verbreitenden Erdbestattungen mit Grabbeilagen. Die
Kultgemeinschaften der früheren Kaiserzeit wurden durch Gefolgschaftsverbände abgelöst, die
mehrere Stämme umfassen konnten. Heerkönige kamen aus führenden, angesehenen Familien, deren
Herrschaft oft aber auf einzelne Personen beschränkt blieb. Es handelte sich um eine faktische
Stellung infolge von Leistung (vor allem im Kampf) und selbsterrungener Macht. Es gab im Osten
auch geteilte Königtümer, entweder bei mehreren Stämmen im Gesamtverband wie bei Kimbern und
Alamannen, oder neben dem politischen ein Sakralkönigtum, so wohl bei den Lugiern.[37] Ein
monarchisches Königtum bildete sich erst im Frühmittelalter mit der Entstehung germanisch-
romanischer Königreiche heraus. Die erste Erwähnung eines Königs Maelo für die Sugambrer bei
Augustus gilt als unsicher.[38] Der erste historisch bekannte Heerkönig germanischer Völker ist
Ariovist. Seine Herrschaft war nicht auf einen einzelnen Stamm beschränkt. Zur Zeitenwende bildeten
bereits die Sueben einen Großverband, der so auch von Tacitus beschrieben wurde.[39] Über die mit
der germanischen Großstammbildung verbundenen sozialen Konflikte ist wenig bekannt und der
Gegensatz von Arminius und Marbod kann hier lediglich als ein Beispiel dienen:

Arminius und Marbod


Der Cherusker Arminius († 21 n. Chr.) und der Markomanne Marbod († 36 n. Chr.) waren beide
adliger Abstammung und verfolgten in Bezug auf Rom die gleichen Ziele, vor allem die
Unabhängigkeit ihrer Stämme. Beide hatten die römische Kultur intensiv kennengelernt. Marbod
war einige Jahre in Rom und stand in der Gunst von Augustus. Nach seiner Rückkehr wurde er
Stammesführer der Markomannen. Arminius und sein Bruder Flavus standen als Befehlshaber
cheruskischer Einheiten in römischen Diensten und besaßen das römische Bürgerrecht.
Arminius besaß den römischen Ritterstand; die Cherusker hatten sich freiwillig den Römern
unterworfen. In der folgenden Zeit spaltete der Konflikt mit den Römern auch die cheruskische
Führungsschicht. Arminius heiratete Thusnelda gegen den Willen ihres Vaters Segestes. Es
kam zu gegenseitigen Belagerungen. Segestes paktierte mit Varus und Germanicus, Arminius’
Onkel namens „Inguimer“ mit Marbod.
Für beide Heerführer war die adlige Abstammung notwendige Voraussetzung für den Aufstieg
zum Heerkönig, jedoch allein nicht ausreichend. In der gegebenen historischen Situation waren
auch militärische Erfolge gegen die Römer erforderlich und beide besaßen die nötige Kenntnis
römischer Militärorganisation. Arminius errang den militärischen Erfolg im Jahr 9 n. Chr. durch
einen Sieg über die drei römischen Legionen des Varus und konnte sich auch gegenüber den
Angriffen des Germanicus 14–16 n. Chr. behaupten. Auch Marbod verfügte über ein Heer von
vermutlich 70000 Fußsoldaten und 4000 Reitern, gegen das Tiberius 6 n. Chr. zwölf Legionen
aufbot. Lediglich ein pannonischer Aufstand verhinderte die direkte Konfrontation. Nach
Verhandlungen wurde ein Frieden „unter gleichen Bedingungen“ geschlossen, der das
militärische Prestige Marbods ungemein stärkte.[40] Vor allem Arminius konnte nach Ende der
römischen Bedrohung die monarchische Gewalt nur aufrechterhalten, wenn er gegen Marbod
kämpfte.[41] Im Jahre 17 n. Chr. kam es zur Schlacht, Marbod zog sich zurück, verlor sein
militärisches Prestige, zwei Jahre später sein Königreich durch Katwalda und musste bei den
alten Feinden um Asyl bitten. Dass es kein Konflikt zwischen Stämmen war, zeigt auch, dass
Inguimer auf der Seite Marbods kämpfte. Arminius schließlich, dessen Macht zu groß wurde,
brachten seine eigenen Verwandten um.[42]

Wirtschaft
Die Germanen waren hauptsächlich sesshafte Bauern oder transhumante Viehzüchter[43], gingen
aber, im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Vorstellung, nur selten zur Jagd. Sie waren vor allem
Selbstversorger. Neben der Land- und Viehwirtschaft gab es auch Handwerker wie Schmiede, Töpfer
und Tischler. Das Rad war bereits seit indoeuropäischer Zeit bekannt. Es gab in den germanischen
Dialekten sogar zwei Wörter dafür (urgermanisch *raþą, daraus deutsch Rad, neben *hwehwlą,
woraus englisch wheel), vielleicht um das ursprüngliche Scheibenrad von der Innovation des
Speichenrads zu unterscheiden.[44] Geld kannten die Germanen nicht, ihr Handel beschränkte sich
auf reine Naturalienwirtschaft. Hauptwertgegenstand war wie bei den Römern das Vieh. Davon zeugt
bis heute die Bedeutung des englischen Wortes fee ‚Gebühr‘, ursprünglich ‚Vieh‘.

Unter den Feldfrüchten kam der Gerste eine besondere Rolle zu. Verschiedene Weizenarten, Roggen,
Hafer und Hirse kamen – regional unterschiedlich – hinzu. Vor allem im Nordseeküstengebiet wurde
die Ackerbohne angebaut, daneben auch Erbsen, Flachs sowie Nutzhanf. Gartenbau wurde ebenso
betrieben; Obstbau wahrscheinlich nicht. Auch Wildfrüchte wurden gesammelt, zum Beispiel
Eicheln[45], verschiedene Beeren (Brombeeren, Himbeeren, Walderdbeeren), Schlehen und
Wildkräuter wie Spörgel, der in den Mägen einiger germanischer Moorleichen nachgewiesen werden
konnte. Bienenhonig wurde von wildlebenden oder eingefangenen Wildbienenvölkern gesammelt[46],
Bienenzucht im heutigen Sinne gab es wohl nicht.

Gezüchtet wurden hauptsächlich Rinder, ebenso Schafe, Schweine, Ziegen und Geflügel sowie Pferde,
Hunde und Katzen. Ebenfalls wussten die Germanen, wie Käse zubereitet wird. Die germanischen
Sprachen kannten ein eigenes Wort für Weichkäse, das in den skandinavischen Sprachen im Wort ost
(‚Käse‘) fortlebt. Für Hartkäse wurde später das lateinische Wort caseus (← dt. Käse) entlehnt.
Der einfache Pflug war lange bekannt, vereinzelt wurde auch ein Scharpflug genutzt. Ebenso waren
Egge, Spaten, Hacke, Harke, Sichel und Sense in Gebrauch. Die Äcker ließen die Germanen
regelmäßig brach liegen, und sie wussten um den Nutzen der Düngung. Getreide wurde hauptsächlich
in Form von Brei gegessen, Brot konnte sich bis ins Mittelalter nur die Oberschicht leisten.

Die ländlichen Siedlungen waren ebenso der Raum


handwerklicher Tätigkeiten. Die Verarbeitung von
Leder oblag den Männern, während Textilien von
Frauen produziert wurden (Spinnen und Weben).
Spezialisierte Handwerker – die immer auch noch
Bauern waren – waren als Zimmerer, Tischler,
Drechsler oder Schnitzer tätig. Ebenso wurden Eisen,
Buntmetall, Bein sowie Ton verarbeitet. Überörtliche
Manufakturen bzw. Handwerksbetriebe waren selten.
Es gibt keine Hinweise auf ein ausgebautes
Straßennetz, Warenverkehr auf Rädern oder mit
Schiffen. Jedoch sind römische Luxusgüter überall auf Nydamboot aus dem 4. Jahrhundert
germanischem Gebiet zu finden. Umgekehrt wurden
vermutlich Bernstein, Pelze und von Römerinnen sehr
geschätztes blondes Frauenhaar exportiert. Römisches Geld war in Besitz von vielen, diente jedoch
nicht dem Geldverkehr. Eine eigene Münzprägung ist erst aus nachantiker Zeit bekannt.

Nach neuesten Erkenntnissen soll sich in der Nähe des heutigen Berlin bereits eine Art Hütten-
„Industrie“ entwickelt haben. Der dort hergestellte Stahl soll von hoher Qualität gewesen und vor
allem in das Römische Reich exportiert worden sein. Auch der Schiffbau war bereits hoch entwickelt,
wie das Hjortspringboot und das Nydamboot zeigen.

Die allgemeine Produktivität war wesentlich geringer als bei den Römern. Es gab Hungersnöte, und
viele Germanen litten an Unterernährung, was zu einer relativ geringen Lebenserwartung führte. Der
Gesundheitszustand der Germanen war oft schlecht; Gelenkerkrankungen und Bandscheibenschäden
waren verbreitet.

Vorchristliche Religion und der Wechsel zum Christentum


Siehe auch: Germanische Religion, Nordgermanische Religion und Angelsächsische Religion
Siehe auch: Germanische Gottheit, Südgermanische Gottheiten und Arianismus

Germanische Religion
Die Religion der Germanen[47] ist insgesamt betrachtet, über die Zeit- und Kulturräume der einzelnen
germanischen Völker und Stammesgruppen hinweg, eine dezentral auf lokale Kultzentren bezogene
polytheistische Religion. Es scheint daher sinnvoll, eher von den mannigfaltigen, regional
verschiedenen Kulten als von einem vereinheitlichenden Begriffsmuster auszugehen. Zudem kann
man aus methodologischen Gründen nicht von einer Konstanz der religiösen Kulte ausgehen;
vielmehr müssen (besonders im Verlauf der Völkerwanderung) immer auch die politischen und
kulturellen Verhältnisse beachtet werden, denen die einzelnen Stammesgruppen ausgesetzt waren
und denen die jeweiligen Zeugnisse zuzuordnen sind.
Grundlegende Merkmale der germanischen Religion lassen sich auf die durch Vergleiche mit anderen
historischen Religionen (Indien, Griechenland, Rom, Kelten) erschlossene indogermanische Religion
zurückführen. Eine nachträgliche Beeinflussung könnte sich durch den kulturellen und
wirtschaftlichen Kontakt mit den Kelten, Balten, Slawen und (spät) auch den Römern ergeben haben.
Die religionswissenschaftliche Klassifizierung in den nordgermanischen, südgermanischen und
gesonderten angelsächsischen Kultus erschließt sich aus der allgemeinen Quellenlage der schriftlichen
und archäologischen Zeugnisse und ist durch die historischen Entwicklungen und Ereignisse
bedingt.[48]

Quellen für die Rekonstruktion und Bestimmung der germanischen Religion sind im Wesentlichen
drei Gruppen zuzuordnen:

1. Historische Berichte, Rechtstexte: Neben den Aufzeichnungen der antiken Historiker (Germania
des Tacitus, Getica des Jordanes) diverse mittelalterliche Missionsberichte und kirchliche Verbots-
und Bußschriften wie das Christenrecht in der Gulathingslov, die Indiculien, Rechtsfragmente, wie
zum Beispiel die Lex Salica, und Zusätze wie zu der Lex Frisionum, das altsächsische
Taufgelöbnis.
2. Archäologische Funde: Wie zum Beispiel Kult- und Opferplätze und die sogenannten
„Fürstengräber“ samt Inventar aus Skandinavien und Westeuropa. Besonders die Funde aus
Grabungen an ehemaligen Opfermooren und Seen können Aufschluss geben, wo schriftliche
Quellen schweigen, oder, wenn je vorhanden, verloren sind. Herausragende Bedeutung haben:
Thorsberger Moor, Opfermoor Niederdorla, Nydamer Moor, Moorfund von Vimose.
3. Philologisch erschlossene Quellen aus Sprache und geformter Sprache wie Dichtung und
Inschriften (Runentexte): Die hochmittelalterlichen Literaturen Nordwestskandinaviens, Islands
und Norwegens die schriftlichen Hauptquellen, vor allem die Sagas und die Sammlung der Lieder-
Edda sowie der Prosa-Edda. Kurze Versfragmente und Texte wie die Merseburger
Zaubersprüche, namenkundliche Quellen wie Ortsnamen. Inschriften auf archäologischen Funden
wie auf der Bügelfibel von Nordendorf, die Brakteaten und Runensteine sowie gotländische
Bildsteine.
Grundsätzlich prägend für die germanische Religionsgeschichte war der Übergang von der
Jagdgesellschaft zur bäuerlichen Kulturform und später der Übertritt zur christlichen Religion. In der
etwa zweitausendjährigen Periode zwischen diesen epochalen Zäsuren war die germanische Religion
als solche mit ihren regionalen Unterschieden in ihren Grundzügen relativ stabil. Aus der
vorhistorischen Zeit ist aus Funden in Opfermooren und bronze- und eisenzeitlichen Grabhügeln ein
ausgeprägter Toten- und Ahnenkult durch die Deponierung von Urnen oder Keramiken mit Resten
von organischen Inhalten bekannt. Andere Votivgaben sind Schmuckgegenstände und Güter des
alltäglichen Gebrauchs. Zu diesen Funden kommen anthropomorphe Pfahlgötter, Figuren aus grob
bearbeiteten Holzbalken, wie zum Beispiel das Götterpaar von Braak. Diese Figuren wurden durch die
Herausarbeitung der primären Geschlechtsmerkmale deutlich erkennbar als männlich oder weiblich
gestaltet. Ein Begriff für „Gott, Gottheit“ aus späteren Perioden, Ase, geht auf das gemeingermanische
Wort *ansuz, ‚Pfahl, Balken‘ zurück. Die Zuordnung zu einer bestimmten namentlich aus späterer Zeit
bekannten Gottheit beiderlei Geschlechts ist nicht möglich, außer einem gewissen Fruchtbarkeitskult
durch die Geschlechtstypisierungen im Zusammenhang mit der Hierogamie.

Der Zusammenhalt der germanischen Stämme in historischer Zeit wurde vor allem durch einen
gemeinsamen Götter- und Ahnenkult und gemeinsame Opferhandlungen begründet. Teilweise kamen
auch verschiedene Stämme zu gemeinsamen Riten zusammen und bekräftigten so ihr Bündnis
(Nerthuskult). Allgemein waren die religiösen Handlungen der germanischen Kulturen jedoch sehr
vielfältig, so dass Götter wie in vergleichenden polytheistischen Systemen des Mittelmeerraumes
sowohl unterschiedliche Bezeichnungen, als auch unterschiedliche Attribute aufweisen. Wie in
anderen indogermanischen Religionssystemen wird auch in der religiösen Praxis der Germanen die
Möglichkeit des Henotheismus erwogen. Unter den Göttern sind Odin (Wodan), Thor (Donar), Tyr
(Ziu) und Freyja die bekanntesten, die sich auch in unseren heutigen Wochentagsnamen
widerspiegeln. Der südgermanischen Gottheit Nerthus (sprachlich ein Neutrum, jedoch bei Tacitus
als Terra Mater, ‚Mutter Erde‘ erläutert) entsprach vermutlich der skandinavische Gott Njörðr
männlichen Geschlechts. Ein transzendentales Gottesverständnis war den Germanen wohl fremd und
entwickelte sich erst spät in der Auseinandersetzung mit dem Christentum, nachweislich durch
nordwestnordische Quellen.

Tempelbauten wie bei den Römern waren selten. Die Götter wurden meist auf Waldlichtungen, in
heiligen Hainen und an heiligen Gewässern bzw. Mooren verehrt, teilweise mit Menschen-, in der
Regel aber mit Tieropfern. Diese sakralen Orte wurden durch Einhegungen von der profanen Umwelt
separiert, dementsprechend gilt bei natürlichen Örtlichkeiten wie Hainen, dass diese Waldungen
kultiviert wurden und so eine sichtbare Trennung bewirkt wurde (Flechtwerkzäune aus Gehölzruten).
Im angelsächsischen Siedlungsbereich und im römerzeitlichen Süddeutschland übernahmen
einwandernde Germanen teilweise Kultstätten der verdrängten oder assimilierten keltischen Vor- und
Restbevölkerung. Für die Völkerwanderungszeit und den kontinentalen Bereich sowie zur
Wikingerzeit für Skandinavien lassen sich durch schriftliche Quellen und durch den Wortschatz
Tempelbauten beziehungsweise Kultorte mit einer gewissen konstruktiven Substanz bestätigen oder
rückschließen (vgl. den Tempel von Uppsala).

Der besondere Begriff für die Opferhandlung lautet


altnordisch blót (in Varianten auch in der altenglischen
und althochdeutschen Sprache belegt) mit der
Bedeutung von ‚stärken, anschwellen‘; eine sprachliche
Verbindung zum Begriff Blut und im übertragenen
Sinn eines blutigen Opfers besteht nicht. Die
dargebrachten Opfer waren dabei vor allem Bitt- und
Dankopfer. Geopfert wurde individuell im privaten
Kult, aber auch gemeinschaftlich, dann auch zu festen
jahreszeitlichen Anlässen wie im Frühjahr, im
Mittsommer oder zum Herbst und Mittwinter. Beim Das Opfermoor bei Niederdorla in Thüringen,
Opfer, das konkret einer Gottheit bestimmt war, wurde mit rekonstruierter Holzstatue als stilisiertem Idol
zum einen das Idol symbolisch „gespeist“, zum (Bildmitte)
anderen hatte durch den Verzehr des Opfermahls –
bestehend aus den gegarten Opfertieren – die
Opfergemeinschaft Anteil. Auch Waffen und andere militärische Ausrüstung, vermutlich von
besiegten Feinden, wurden an diesen Orten dargebracht. Auffällig ist, dass geopferte Waffen zuvor
unbrauchbar gemacht wurden. Teilweise sind diese Gegenstände von hohem materiellen wie ideellen
Wert (Schwerter, aber auch Schmuck, Fibeln), wodurch der kultisch-rituelle Bezug ersichtlich ist
(Brunnenopfer von Bad Pyrmont). Menschenopfer sind aus historischer Zeit teils in der
ethnographischen Literatur belegt, wie beispielsweise die Opferung eines Sklaven beim Nerthuskult,
die Tacitus beschreibt. Die archäologischen Fundauswertungen zeigen, dass Menschenopfer
statistisch gesehen sehr selten praktiziert wurden. Auch für die in Norddeutschland und Dänemark
gefundenen Moorleichen, die oft mit Menschenopfern in Verbindung gebracht werden, gilt: Lediglich
ein kleiner Teil der etwa 500 Funde weist sicher auf einen kultischen Hintergrund hin (siehe
Grauballe-Mann). Im Zusammenhang mit Menschenopfern ist eine bedingte kultische
Anthropophagie nachgewiesen, die auf animistische Züge der germanischen Religion verweisen.[49]

Ein weiterer Begriff für Opfer, beziehungsweise die Opferhandlung war altenglisch lāc (von
urgermanisch *laikaz, vgl. nordisch leikr, gotisch laiks) mit der Bedeutung, Spiel, Tanz, Kampf‘,
scheint nahezulegen, dass die Kulthandlungen durch rituelle Tänze oder Umzüge begleitet oder
initiiert wurden. Ein organisierter oder besonders kenntlich gemachter Priesterstand ist für die frühe
historische Zeit nicht bezeugt. Zu dieser Zeit wurden sakrale Handlungen durch die Familien- und
Sippenhäupter durchgeführt. Im Laufe der römischen Kaiserzeit und in der Zeit der Völkerwanderung
werden priesterliche Strukturen erkennbar, die aber immer noch stark privaten Charakter trugen.
Diesbezüglich dienen vor allem angelsächsische und isländische Belege als Nachweise, wie zum
Beispiel für den isländischen Goden. Entsprechend den weiblichen Gottheiten gab es weibliches
Kultpersonal. Zu diesen zählten auch Seherinnen.[50]

Zum kultisch-rituellen religiösen Spektrum gehört ebenfalls die Magie, der Zauber durch Losorakel,
wie schon durch Tacitus beschrieben, mit der Nutzung von Runen als Medium, sowie der
Runenzauber an sich, welcher sich in den Runengedichten und Runenalphabeten zeigt (Abecedarium
Nordmannicum, Tiwaz), und runische Formeln als Inschriften auf Brakteaten wie auja „Glück“ und
laukr „Lauch“ (als magisch wirkende Pflanze). Erhaltene Zaubersprüche wie die Merseburger
Zaubersprüche oder altenglische Zaubersprüche wie der Canterbury Charm zeigen noch die alten
Schichten oder Nachklänge der germanischen Religiosität an. Magie und Zaubersprüche konnten eine
apotropäische, schadenabwehrende sowie eine heils- und heilbringende Funktion erfüllen, ebenso
aber auch der Verfluchung dienen und Schaden und Unheil bringen. Weihesprüche, Ansprachen
innerhalb der Zaubersprüche oder in Runeninschriften haben im Norden oft einen Bezug zu Thor; auf
dem Kontinent wird im zweiten Merseburger Spruch und auf der Nordendorfer Runenspange zudem
oder auch allein Wodan genannt.

Christianisierung
Siehe auch: Germanenmission und Geschichte Norwegens von Harald Hårfagre bis zur
Reichseinigung#Die Christianisierung
Eine monographische Gesamtdarstellung der Christianisierungsgeschichte der Germanen fehlt
bisher. Diese Geschichte muss in drei großen, in Raum und Zeit unterschiedlichen Verläufen gesehen
werden:

1. die Verbreitung des gotischen arianischen Christentums im 4. bis 6. Jahrhundert,


2. die Christianisierung des fränkischen Reiches vom Ende des 5. bis zum frühen 9. Jahrhundert
und die der Angelsachsen vom Ende des 6. bis zum 7. Jahrhundert,
3. die Christianisierung des Nordens Europas im 10. und 11. Jahrhundert.
Die Goten waren die ersten, die an der unteren Donau und auf der Krim mit dem Christentum in
Form des Arianismus in Berührung kamen. Die abwertende Fremdbezeichnung arianisch – nach dem
alexandrischen Presbyter Arius ( † 336) – bezeichnet eine um 350 entstandene Position, die in den
Streitigkeiten um die Trinitätslehre vermitteln sollte und die in der römischen Staatskirche zeitweilig
(im Ostteil des Reiches bis 378) offizielle Geltung besaß. So wurde sie einerseits von den
reichsansässigen sogenannten Kleingoten Wulfilas, für den allerdings Jesus Christus im Widerspruch
zu der Lehre des reinen Arianismus „Gott und Herr“ war, und auch von den Terwingen (Westgoten)
aufgenommen. Kurz vor dem Hunneneinfall im Jahre 375 wurde bei den Terwingen noch mit
römischer Unterstützung eine rudimentäre kirchliche Organisation aufgebaut. Wulfila wurde einer
der ersten Bischöfe der Westgoten.

In einem ähnlichen Kontext ist auch die Wulfilabibel zu


sehen. Im Gegensatz zur westlichen Kirche, die den
Gottesdienst an die lateinische Sprache band, war die östliche
Kirche bereit, die Volkssprache in der Liturgie zu verwenden.
Die Übersetzung der Bibel ins Gotische ist nicht
gleichzusetzen mit mittelalterlichen Übersetzungen biblischer
Texte, die der Erbauung und Unterweisung dienten. Die
gotische Bibel war ein liturgisches Buch, dessen Sprache eng
mit der Vorlage verbunden blieb. Ein im Westen provokantes
Merkmal des östlichen Ursprungs der gotischen arianischen
Kirche war die erneute Taufe übertretender nichtarianischer
Christen.[51]

Die Verdrängung der heidnischen Religion wurde auch als


Bedrohung der sozialen Ordnung gesehen und es kam 350
bzw. 370 zu Christenverfolgungen. Mit der Westwanderung
Seite aus dem Codex Argenteus, der
christianisierter Germanen (Goten, Vandalen, Burgunden, Abschnitte aus der Wulfilabibel enthält
Langobarden) und den Reichsgründungen verbreitete sich der und vermutlich um 500 in Italien
Arianismus auch in der – im übrigen katholischen – entstanden ist
westlichen Hälfte des römischen Reiches. Jedoch wurden
längst nicht alle Germanen christianisiert, so dass mit dem
Zusammenbruch des römischen Reiches auch die Verbreitung des Christentums einen Rückschlag
erlitt.

Das Frankenreich wurde von dem kulturellen Überlagerungsbereich zwischen Rhein und Loire aus
christianisiert. Bereits Chlodwig I. hatte sich taufen lassen, um sich den Einfluss auf die katholische
Kirche zu sichern. Ab dem 7. Jahrhundert griff die Christianisierung auch auf die Randzonen und
Nachbarländer des Fränkischen Reiches über und fand ihren Abschluss mit der Eroberung und
Eingliederung der Friesen und Sachsen. Ab dem Ende des 7. Jahrhunderts waren auch
angelsächsische Kräfte an der Mission beteiligt. Die Missionierung des angelsächsischen Englands
ging mit unterschiedlichen Traditionen vom Kontinent und von Irland aus. Die Christianisierung des
Nordens erfolgte durch deutsche und englische Kräfte und hatte entscheidenden Anteil an der
Ausbildung der Königsmacht ab dem Ende der Wikingerzeit.

Die Missionierung setzte bei den politischen Führungsspitzen an. Für diese ergaben sich durch die
Annahme des Christentums neue Möglichkeiten der religiösen Legitimierung, die sich voll ausgebildet
zuerst im Westgotenreich in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts in Form der Königssalbung
zeigen. Die neuartige Verbindung königlicher Kirchenherrschaft führte zur räumlichen Abgrenzung
der kirchlichen Bezirke durch politische Herrschaft und trug zur spätrömischen Partikularisierung
der westlichen Kirche bei. Diese Entwicklung wurde ab dem letzten Drittel des 7. Jahrhunderts u. a.
durch das „Leitbild der romorientierten Partikularkirche“ umgekehrt.[52]
Die Religion der Germanen galt für die christliche Mission,
wie auch vorher schon die hellenistisch-römischen
Religionen, als dämonische Verblendung, die die Menschen
hinderte, zu ihrer gottgegebenen Bestimmung zu finden. Die
Missionierung verfolgte einerseits das Ziel der Integration des
ganzen politischen Verbandes in die Kirchenorganisation und
andererseits die Beseitigung der heidnischen Kulte.
Massenhaft vollzogene Taufen ohne ausreichende
Vorbereitung dienten der Aufnahme in die Kirche, und die Kreuzanhänger, gefunden in einem
christliche Religion ersetzte als neuer einzuhaltender Kult den Frauengrab in Birka
alten. In der Karolingerzeit wurde die dem Taufgelöbnis
vorangehende Absage an den Teufel um das Abschwören der
heidnischen Götter und Kulte erweitert. In der Lex Saxonum Karls des Großen wurden bestimmte
heidnische Bräuche (Hexenverbrennung, Leichenverbrennung, Menschenopfer u. a.) mit der
Todesstrafe bedroht. Private heidnische Kultausübung wurde mit Geldstrafen belegt.[53] Der
Alleingeltungsanspruch wurde zuerst im öffentlichen Raum durchgesetzt und die politisch-sozialen
Funktionen der heidnischen Kulte übernommen. Diese funktionale Kontinuität hatte auch
Auswirkungen auf die Entwicklung des Christentums. In der Forschung wurde in diesem
Zusammenhang der Begriff der Germanisierung des Christentums diskutiert.[54]

Die germanischen Stämme


→ Hauptartikel: Liste germanischer Stämme

Bedeutung der Stämme


Wesentliches Element der politischen und gesellschaftlichen
Ordnung auf germanischem Gebiet waren die Stämme. Ein
Stamm verfügte als Siedlungsgemeinschaft über ein Germanischer Schmuck
bestimmtes Siedlungsgebiet, auf dem auch Angehörige
anderer ethnischer Gruppierungen leben konnten, wie
beispielsweise in eroberten Gebieten. Der Stamm besaß eine einheitliche politische Führung und
stellte eine Rechtsgemeinschaft dar. Ebenso gab es natürlich eine gemeinsame Sprache, religiöse
Riten und ein Identitätsbewusstsein, dessen deutlichster Ausdruck ein Mythos der gemeinsamen
Abstammung war. Tatsächlich waren jedoch auch Stämme keine einheitlichen und stabilen Gebilde,
sondern immer von Durchmischung, Neubildung, Abwanderung, Untergang und dergleichen
betroffen.

Erstmals detaillierte Beschreibungen der Germanen finden sich bei Tacitus. Er beschreibt eine recht
einheitliche germanische Kultur auf einem Gebiet ungefähr vom Rhein im Westen bis zur Weichsel im
Osten und von der Nordsee im Norden bis zu Donau und Moldau im Süden. Hinzu kommen die – von
Tacitus nicht beschriebenen – germanischen Siedlungsgebiete in Skandinavien. Tacitus legt dar, dass
sich die germanischen Stämme in drei Gruppen gliedern und dass es zahlreiche Stämme gibt, die
nicht in diese Gliederung passen. Nach Tacitus unterscheiden sich die einzelnen Stämme nach ihren
Kultorten. Die germanischen Stämme zur Zeitenwende waren also vermutlich vor allem
Kultgemeinschaften. Dieser Unterteilung lassen sich auch archäologische Gruppierungen zuordnen.

Seit dem 2. Jahrhundert traten Großstämme als bedeutendste Akteure in der germanischen Welt auf.
Sie wurden aggressive Gegner des römischen Imperiums und Träger der Völkerwanderungsreiche. Sie
verflochten sich in unterschiedlicher Weise mit der mediterranen Hochkultur und beendeten die
relative Einheit der Germanen zu Gunsten gesonderter Entwicklungen. Der Germanenname
verschwand aus den antiken Quellen und wurde durch die Namen der Großstämme mit eigenen
Traditionen ersetzt. Sie bestimmten das Geschehen der Völkerwanderungszeit und bildeten die
Grundlage der europäischen Völker- und Nationalstaatengeschichte. Die diesen Vorgang
analysierenden Untersuchungen von Wenskus[55] stellen den heutigen Forschungsstand zu diesem
Thema dar. Es handelte sich um einen aus Bündnissen entstehenden Konzentrationsprozess, der
politische und militärische Durchschlagskraft zum Ziel hatte. Gleichzeitig setzte eine zunehmende
Differenzierung der sozialen Schichtung ein. Herrschaftsbildung auf personaler Grundlage, Land-,
Menschen- und Beutegewinn auf der einen Seite und Instabilität der Ergebnisse auf der anderen Seite
war auf engen Austausch mit imperialen und kulturellen Gegebenheiten im römischen Machtbereich
angewiesen. Tiefgreifende politische und soziale Veränderungen waren Voraussetzung für stabile
politische Formen.[56]

Dabei ist ein fundamentaler Unterschied zwischen den Großstämmen des Westens (Franken,
Alamannen) und den gentes des Ostens (Goten, Vandalen, Heruler, Gepiden) festzustellen. Die
Großstämme des Westens sind erst im 3. Jahrhundert bezeugt, während sich die gentes des Ostens
zunächst der antiken Wahrnehmung entzogen. Deren Wanderungsverbände bildeten sich nicht an der
Peripherie des Reiches, sondern weit im Hinterland. Die Grenznachbarn des römischen Reiches
wurden dann auf diesen Zügen integriert.

Stämme zur Zeitenwende


Die Siedlungsgebiete der Germanen im ersten
Jahrhundert (siehe Karte) lassen sich unterteilen in:

1. Nordseegermanen (bei Tacitus Ingaevones):


Angeln, Chauken (die später im Großstamm der
Sachsen aufgehen), Friesen, Warnen.
2. Rhein-Weser-Germanen (vielleicht mit den
taciteischen Istævones zu verknüpfen): Angrivarier,
Bataver, Brukterer, Chamaver, Chatten,
Chattuarier, Cherusker, Sugambrer, Tenkterer,
Ubier, Usipeter. Laut der Nordwestblock-Hypothese
wurden diese Völker erst später germanisiert. Aus
den am Rhein ansässigen Stämmen geht im
Karte der germanischen Stämme um
3. Jahrhundert der Großstamm der Franken hervor.
Hingegen schlossen sich die Stämme an der 100 n. Chr. (ohne Skandinavien)
Weser, wie die Angrivarier und die Cherusker, den
Sachsen an.
3. Elbgermanen (vielleicht mit den taciteischen Herminones zu verknüpfen): Aus der
elbgermanischen Gruppe – bestehend aus Hermunduren, Langobarden, Markomannen, Quaden,
Semnonen, Sueben und vielleicht den Bastarnen – ging im 3. Jahrhundert vor allem der
Großstamm der Alamannen hervor. Daneben bildeten die Markomannen durch Vermischung mit
anderen Stämmen und Volksgruppen den Großstamm der Bajuwaren, die Hermunduren den der
Thüringer. Ein Teil der Sueben überquerte zusammen mit Alanen und Vandalen 406 den Rhein
(Rheinübergang von 406) und wanderte mit diesen 409 nach Hispanien ein. Dort bildeten sie im
Nordwesten das Reich der Sueben, das die Grundlage des späteren Staates Portugal bildete. Die
Langobarden, nach denen die Lombardei benannt ist, nahmen ebenfalls andere germanische
Gruppen in ihren Stamm auf, gründeten zuerst in Pannonien und 568 nach Eroberung in Italien
ein Reich.
4. Nordgermanen: Die auf der Kimbrischen Halbinsel und in Skandinavien siedelnden
Nordgermanen bzw. Ostseegermanen – Tacitus nennt einen Stamm der Suionen – werden aus
sprachlichen Gründen zu einer Gruppe zusammengefasst. Aus ihnen gingen später die Dänen,
Schweden, Norweger und Isländer hervor. Archäologisch werden die Nordgermanen in die ost-
und die westnordische Gruppe aufgeteilt. Einen Übergangsbereich zu den Nordseegermanen
bilden die Angeln und die Jüten.
5. Oder-Warthe-Germanen: Burgunden, Lugier, Vandalen werden in archäologischer Hinsicht der
Przeworsk-Kultur (im südlichen Polen) zugeordnet.
6. Weichselgermanen: Die Bastarnen, Gepiden, Gotonen, Rugier, Skiren werden archäologisch der
Wielbark-Kultur (Willenbergkultur) zugeordnet, deren Vorgänger die Oxhöft-Kultur war. Nachdem
die Wielbark-Kultur in den Raum südlich der Ostsee expandierte, hat sie sich nach Südosten
verlagert, wo sie in die Tschernjachow-Kultur des 2. bis 5. Jahrhunderts übergeht. Diese
archäologischen Funde spiegeln möglicherweise die Wanderung der Goten wider.

Spätantike und Völkerwanderung


→ Hauptartikel: Völkerwanderung
Die germanischen Stammesverbände, deren Namen in der Spätantike bekannt wurden, existierten zur
Zeit des Tacitus noch nicht oder allenfalls als vage Bezeichnungen. Franken, Goten, Burgunden
u. a. m. bildeten sich als Großstämme erst in den Jahrhunderten nach der Zeitenwende heraus und
sind seit dem 3. Jahrhundert in den römischen Quellen greifbar. Diese Entwicklung blieb den
römischen und griechischen Ethnographen vermutlich längere Zeit verborgen, so dass sich in den
historischen Aufzeichnungen kaum Beschreibungen finden. Die Vielfalt von über 40 Stämmen (lat.
gentes) bei Tacitus reduzierte sich auf einige wenige, die in der Antike als „neue“ Völker zu den
bisherigen dazugezählt wurden. Als kleinere Verbände oder als Volksgruppen, die sich den
Großstämmen anschlossen oder Teilstämme bildeten, wurden noch in der Spätantike u. a. folgende
Stammesnamen genannt: Warnen, Angeln, Jüten, Juthungen, Rugier, Heruler.

Zu den seit dem 3. Jahrhundert greifbaren Großverbänden zählen die Alamannen, Burgunden,
Franken, Goten, Gepiden, Langobarden, Markomannen, Sachsen, Thüringer, Angelsachsen und
Vandalen. Die Markomannen gingen ihrerseits seit dem 6. Jahrhundert in den Bajuwaren auf.

Alamannen
Die Alamannen werden das erste Mal unter den Stämmen erwähnt, die nach 260 das von den Römern
aufgegebene rechtsrheinische Dekumatland (Agri decumates) besetzten. Zu diesem Zeitpunkt waren
die Alamannen eine Mischung aus Stammesgruppen der Semnonen, Burgundionen, Rätovariern,
Brisigaviern u. a. m. Entsprechend könnte der Name ursprünglich „alle Männer, Menschen“[57], „edle
Männer, Menschen im eigentlichen Sinn“ oder gar „Nachkommen des Mannus“[58] bedeutet haben.
Die Alamannen wurden von den Römern geduldet, da sie den Rhein als Grenze anerkannten. Erst ab
der Mitte des 5. Jahrhunderts dehnten sie – jetzt Alemannen genannt – ihr Siedlungsgebiet auch auf
linksrheinische Gebiete aus – bis in die Champagne. Damit kam es zum Konflikt mit den Franken und
die nördlichen Territorien gingen nach der Schlacht von Zülpich (lat. Tolbiacum) 496 an diese
verloren. Im 7. Jahrhundert expandierten die Alemannen in die Nordschweiz.[59]

Burgunden
Die ostgermanischen Burgunden siedelten zur Zeitenwende nach Plinius im Gebiet zwischen Oder
und Weichsel. Ab dem 2. Jahrhundert bewegten sie sich nach Westen und besiedelten die Lausitz und
östliche Teile Brandenburgs. Ein Jahrhundert später erreichten Stammesgruppen das Maintal und zu
Beginn des 5. Jahrhunderts kam es zur ersten Reichsgründung in der Region von Worms und Speyer.
Die Burgunden kamen in intensiveren Kontakt mit dem Römischen Reich und traten auch zum
Christentum über.[60]

Franken
Die Franken bildeten sich aus einem lockeren Kampfverband der Chamaver, Salier, Chattuarier,
Ampsivarier, Brukterer und anderer Stammesgruppen. Raubzüge in Gallien werden ab der Mitte des
3. Jahrhunderts erwähnt. Im Norden Galliens wurden fränkische Söldner in römischen Diensten
angesiedelt. Die salischen Franken erhielten als foederati Siedlungsgebiet in Toxandrien. Diese
Besiedlung expandierte und umfasste im 5. Jahrhundert die Region zwischen Lüttich und Tournai.
Am Niederrhein gründeten ripuarische Franken ein Fürstentum mit Köln als Zentrum.[61]

Goten
Die Goten entwickelten sich wahrscheinlich als Stammesverband im Gebiet der Weichselmündung.
Dort sind sie jedenfalls zur Zeitenwende belegt. Aussagen über die weitere Herkunft der Goten
bleiben problematisch: Die von Jordanes überlieferte Stammeslegende (Origo gentis), wonach die
Goten aus Skandza (Skandinavien oder Gotland) stammen sollen, ist archäologisch nicht zu
beweisen[62], zumal die Goten wohl polyethnisch zusammengesetzt waren. Nach 150 verschob sich ihr
Siedlungsraum langsam in Richtung Schwarzes Meer.

Langobarden
Die Vorfahren der Langobarden siedelten zunächst im Bereich der Niederelbe. Später zogen erste
Gruppen entlang der Elbe nach Böhmen und in angrenzende Gebiete. Zur Zeit der
Markomannenkriege in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts gelangten Langobarden über die
Donau bis nach Pannonien. Dort schlossen sich ihnen weitere elbgermanische Stammesgruppen an.
Ebenso erhielten sie Zuzug von germanischen Populationen aus Thüringen. Bis zur Mitte des 5.
Jahrhunderts bildeten diese Gruppen ein ethnisches Eigenprofil aus und werden 488 erstmals als
Langobarden erwähnt.[63]

Markomannen
Die Markomannen traten erstmals im Heer des Ariovist in Erscheinung. Ihr ursprüngliches
Siedlungsgebiet lag am Main, jedoch wanderten sie unter dem Druck der Römer kurz vor der
Zeitenwende unter dem Heerführer Marbod nach Böhmen. Dort bildeten sie das Zentrum eines
Stämmebundes. In den Markomannenkriegen konnten die Römer die Nordgrenze ihres Reiches nur
unter großen Anstrengungen stabilisieren. Auch in den folgenden Jahrhunderten stießen die
Markomannen immer wieder nach Süden vor. Im 4. Jahrhundert erwähnte man sie das letzte Mal.[64]

Sachsen
Die Sachsen bildeten sich vermutlich im 3. Jahrhundert[65], eventuell jedoch erst im 4. Jahrhundert
aus älteren Stämmen der Nordseegermanen. Die früheste unbestrittene Nennung stammt von Kaiser
Julian aus dem Jahre 356.[66] Im 5. Jahrhundert teilten sich die Sachsen in die nach England
abwandernden Angelsachsen und die auf dem Festland verbleibenden Altsachsen. Ein Jahrhundert
später beherrschten die Altsachsen weite Gebiete an der Nordseeküste. Gleichzeitig verstärkte sich im
Westen der Druck des Frankenreichs und im Osten jener der in den Elbraum expandierenden Slawen.

Der Konflikt mit dem Frankenreich führte unter Karl dem Großen zu den Sachsenkriegen (772–804).
In dieser Zeit war Altsachsen in die drei Teilstämme oder Heerschaften Westfalen, Engern und
Ostfalen gegliedert. Nach der Zwangschristianisierung wurde diese Einteilung durch Grafschaften
ersetzt. Erst im 13. Jahrhundert wurde das inzwischen weiterentwickelte Stammesrecht Lex Saxonum
im Sachsenspiegel niedergeschrieben. Dagegen existiert keine Kontinuität zwischen den heutigen
Sachsen im gleichnamigen Freistaat und den historischen Altsachsen des frühen Mittelalters[67], da
der Sachsenname erst durch verschiedene dynastische Verschiebungen auf diese im Mittelalter
germanisierten Landschaften überging.

Thüringer
Nach dem Abzug der Hunnen etablierten die Thüringer ein Königreich, welches 531 von den Franken
unterworfen wurde. Nordthüringen (ungefähr das heutige Sachsen-Anhalt links der Elbe) wurde
danach teilweise von den Sachsen besiedelt, ebenso wurden Hessen, Schwaben und Friesen
angesiedelt. Die vermutlich eher dünn besiedelte Gegend zwischen Saale und Elbe im heutigen
Freistaat Sachsen hingegen konnte gegen die eindringenden Slawen nicht gehalten werden. Die
slawische Landnahme in diesen Gebieten erfolgte im ausgehenden 6. Jahrhundert.

Vandalen
Die Vandalen hatten ihr ursprüngliches Siedlungsgebiet in der Region zwischen Oder und Warthe im
Bereich der Przeworsker Kultur. Die Stammesgruppe war in die Teilverbände der Hasdingen und der
Silingen – die der Region möglicherweise den Namen „Schlesien“ gaben – gegliedert. Im 2.
Jahrhundert wanderten einige Stammesgruppen bis zum Karpatenbogen und in die Theißebene.[68]

Kriege und germanische Reichsbildungen


Die den Germanen benachbarten keltischen Kulturen hatte der Kontakt mit den Römern an die
Schwelle zur Hochkultur geführt, bevor sie erobert und romanisiert wurden. Die Romanisierung war
z. T. so umfassend, dass z. B. die keltischen Sprachen auf dem Gebiet des heutigen Frankreichs
verschwanden.
Die Germanen bildeten keine gemeinsame kulturelle Einheit zu dem
Zeitpunkt, als sie die Kelten bzw. Gallier in der Rolle der nördlichen
Nachbarn des römischen Reichs beerbten. Sie bewahrten ihre
Eigenständigkeit, obwohl es auch zwischen Römern und Germanen
einen intensiven Austausch gab.

Die Konfrontation mit den Römern verhalf den Germanen zu


„germanischer“ Identität. In der Folgezeit gab es unterschiedliche
Bestrebungen, an der römischen Kultur teilzuhaben. Oft ging es nur
um den Erwerb materieller Güter, die friedlich durch Handel oder
Geschenke oder kriegerisch durch Raub und Plünderung angeeignet
wurden. Später kam die Teilhabe an der Macht und die Aneignung
römischen Territoriums hinzu. Diese Bestrebungen waren von Stamm
zu Stamm unterschiedlich, jedoch waren alle germanischen Kulturen
bestrebt, ihre ursprüngliche barbarische Existenz hinter sich lassen
und eine höhere Stufe der gesellschaftlichen und staatlichen Ordnung
zu erreichen. Dies lief in der konkreten historischen Situation auf eine
beständige Auseinandersetzung zwischen Römern und Germanen
hinaus und sie endete im Westen mit einem Erfolg der Germanen, Germane. Römisches
während der Osten des römischen Reiches diese Bedrohung abwenden Triumphalrelief im
Vatikanischen Museum zu
konnte.[69]
Rom

Der Marsch der Kimbern, Teutonen und Ambronen


Um 120 v. Chr. brachen Kimbern, Teutonen und
Ambronen in Richtung Süden auf. Die Ursache ist
nicht eindeutig geklärt: Die historischen Quellen
berichten von einer Sturmflut in Jütland, aufgrund
der die Einwohner ihre Heimat verließen.
Allerdings vermutet man heute, dass vielmehr
Hungersnöte aufgrund klimatischer
Veränderungen dafür verantwortlich waren.

Um 113 v. Chr. trafen die Germanenstämme auf


die Römer. Bei der folgenden Schlacht (auch als
„Schlacht bei Noreia“ bezeichnet) entgingen die
Römer der völligen Vernichtung ihrer Truppen nur
durch ein plötzlich einsetzendes Gewitter, welches
die Germanen als ein warnendes Omen (Grollen) Wanderzüge der Kimbern und Teutonen
ihres Wettergottes Donar deuteten.

Um 109 v. Chr., 107 v. Chr. und 105 v. Chr. kam es noch weitere Male zu Kämpfen zwischen den
Römern und den Germanen, bei denen die Römer jedes Mal eine Niederlage erlitten. Erst nachdem
sich die germanischen Stämme in zwei Gruppen aufgeteilt hatten, gelang es den Römern 102 v. Chr.,
die Teutonen und Ambronen zu besiegen, 101 v. Chr. die Kimbern.

Ausführliche Beschreibung: Kimbern


Ariovist und Caesar
Der Durchbruch der Kimbern und Teutonen durch das damals noch keltische Mittelgebirge führte zur
Erschütterung der keltischen Macht in Mittel- und Süddeutschland, sodass später auch andere
Germanen, insbesondere suebische Stämme, in Hessen und das Maingebiet eindringen konnten.
Unter ihrem Führer Ariovist ließen sie sich ab 71 v. Chr. teilweise am Oberrhein nieder. Andere
Gruppen drangen in Gallien ein, wurden jedoch durch Caesar 58 v. Chr. geschlagen und hinter den
Rhein zurückgeworfen.

Im 1. Jahrhundert v. Chr. machte die römische Eroberung Galliens durch Caesar die Germanen zu
direkten Nachbarn des Römischen Reiches. Dieser Kontakt führte in der darauffolgenden Zeit zu
ständigen Konflikten: Immer wieder kam es zu Übergriffen der Germanen auf die Römer. Im
Gegenzug führte Caesar in den Jahren 55 und 53 v. Chr. Strafexpeditionen gegen die Germanen
durch, bei denen er in spektakulärer Weise eine Rheinbrücke in nur zehn Tagen errichten ließ. Diese
Expeditionen hatten vor allem demonstrativen Charakter und führten zu keiner dauerhaften
rechtsrheinischen Präsenz der Römer. Caesar erkannte den Rhein als Grenzlinie zwischen Germanen
und Römern an.

Drusus und Tiberius – Vorstoß bis zur Elbe


→ Hauptartikel: Drusus-Feldzüge
Auch in der Folgezeit kam die Rheingrenze nicht zur Ruhe. Der römische Kaiser Augustus beschloss
deshalb die Verlagerung von Truppen an den Rhein, die bisher in Gallien stationiert waren.

Die Rheingrenze blieb dennoch unsicher, woraufhin Augustus seine Taktik änderte: Er beabsichtigte,
das Römische Reich bis an die Elbe auszudehnen (siehe auch Augusteische Germanenkriege und
Geschichte der Römer in Germanien). Zwischen 12 v. Chr. und 9 v. Chr. führte Drusus, Stiefsohn von
Augustus, mehrere Feldzüge gegen die Germanen durch und unterwarf die Friesen, Chauken,
Brukterer, Marser und Chatten. Trotz der Drusus-Feldzüge gerieten aber die wenigsten
Germanenstämme wirklich in dauerhafte römische Abhängigkeit. Nachdem Drusus im Spätsommer 9
v. Chr. auf dem Rückmarsch von der Elbe bei einem Sturz von seinem Pferd gestorben war, führte
sein Bruder Tiberius die Feldzüge im Jahr 8 v. Chr. erfolgreich zu Ende. Im Jahr 1 n. Chr. brach mit
dem immensum bellum ein Aufstand aus, der erst in den Jahren 4 und 5 n. Chr. durch Tiberius
beendet werden konnte. Die Römer begannen repräsentative römische Städte östlich des späteren
Limes zu gründen, beispielsweise im heutigen Waldgirmes in Hessen. Der lateinische Name dieser
Siedlung ist so wenig bekannt wie etwa die lateinischen Namen der Kastelle in Haltern, Anreppen
oder Marktbreit am Main.

Ein letzter großer Feldzug im Jahre 6 sollte das Reich des Markomannenkönigs Marbod in Böhmen
zerschlagen. Er war kein Gegner Roms, legte jedoch Wert auf seine Unabhängigkeit. Eine
Zerschlagung seines Reiches wäre wahrscheinlich der Schlussstein der römischen Unterwerfung der
Germanen gewesen. Von der Lippe über das Land der Chatten, und dem Raum Wien Richtung
Nordwesten bewegten sich zwei große römische Marschsäulen. Doch die Operation musste wegen
eines überraschenden, großen Aufstandes in Pannonien, dem heutigen Ungarn, abgebrochen werden.
Die Varusschlacht
→ Hauptartikel: Varusschlacht
Nachdem der Widerstand der Germanen gebrochen schien, wurde Publius Quinctilius Varus damit
beauftragt, in den Gebieten östlich des Rheins römisches Recht einzuführen und Steuern zu erheben.
Als Statthalter war er gleichzeitig Oberbefehlshaber über die rheinischen Legionen. Varus, der sich
zuvor in der römischen Provinz Syrien den Ruf eines brutalen und korrupten Verwaltungsfachmanns
erworben hatte, brachte die Germanen bald gegen sich auf. Gegner der Besatzung ließ er mit aller
Härte des römischen Rechts bestrafen. Die von ihm eingeführten Steuern wurden von den Germanen
zudem als zutiefst ungerecht empfunden, da sie eine solche Abgabe nur für Unfreie kannten.

Unter diesen Umständen gelang es dem Cheruskerfürst Arminius, der die römischen Bürgerrechte
und Ritterwürden besaß, mehrere germanische Stämme zu einen. Arminius nutzte das Vertrauen aus,
das ihm Varus entgegenbrachte, und lockte diesen in einen Hinterhalt. In der darauffolgenden
Schlacht („Varusschlacht“ oder „Schlacht im Teutoburger Wald“ genannt) verloren die Römer drei
Legionen (etwa 18.000 Legionäre, plus etwa 2.000 bis 3.000 zusätzliche Truppen). Laut den
Überlieferungen des Sueton soll Augustus daraufhin ausgerufen haben: „Quinctili Vare, legiones
redde!“ („Quintilius Varus, gib mir die Legionen zurück!“). Der römische Eroberungsversuch
scheiterte damit im Jahre 9. Germanien blieb danach bis zur Völkerwanderung von der römischen
Kultur wenig beeinflusst.

Die römisch-germanischen Beziehungen nach der Varusschlacht


Unter Germanicus unternahmen die Römer zwischen 14 und 16 n. Chr. weitere Vorstöße über die
Rheingrenze hinweg (Germanicus-Feldzüge). Ob es sich dabei um Strafexpeditionen oder die
Fortsetzung der römischen Expansionspläne handelte, ist umstritten.

In den Folgejahren kam es immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Germanen


und Römern: Im Jahr 29 schlugen die Römer einen Aufstand der bis dahin römerfreundlichen
Friesen nieder. Im Jahr 69 mussten sogar Truppen aus Spanien und Britannien für Verstärkung
herangezogen werden, um die Revolte der Bataver (Bataveraufstand) unter Führung des Iulius Civilis
niederzuschlagen.

83 entschloss sich Kaiser Domitian, die römische Grenze zwischen Rhein und Donau weiter gegen
Norden zu verschieben. Nach Beendigung der Chattenkriege begannen die Römer mit dem Bau des
Neckar-Odenwald-Limes, der im Süden durch die so genannte Sibyllenspur, den Lautertal-Limes, mit
dem Alblimes verbunden war, um die Grenzen zwischen Germanien (dem „Barbaricum“) und dem
römischen Reich zu sichern. Im selben Zeitraum entstanden die Provinzen Germania superior
(Obergermanien) und Germania inferior (Untergermanien).

Neueste Forschungen ab etwa 1995 deuten darauf hin, dass der Neckar-Odenwald-Limes nicht schon
um 83/85 unter Domitian, sondern erst um 98 unter Kaiser Trajan angelegt wurde. Vor allem fehlt
bis heute auch nach über hundertjähriger Forschung ein zuverlässig datierter römischer Fund von der
Neckar-Odenwald-Linie vor dem Jahre 98, sei es eine Inschrift, ein Militärdiplom oder ein
dendrochronologisch datierbarer Holzfund. Außerdem passt der Neckar-Odenwald-Limes
militärtechnisch zu anderen Anlagen aus der Zeit Kaiser Trajans, während für die Zeit Domitians
ähnliche Parallelen fehlen.
Um 122 wurde die römisch-germanische Grenze unter Kaiser Hadrian zwischen dem mittleren
Neckar und der Donau bei Eining um etwa 20 bis 40 Kilometer nach Norden verschoben. Eine der
letzten römischen Expansionen in Germanien, die Verschiebung des Neckar-Odenwald-Limes um
rund 25 Kilometer nach Osten unter Kaiser Antoninus Pius, ist inzwischen recht sicher auf das Jahr
159 datierbar.

Die Markomannenkriege
→ Hauptartikel: Markomannenkriege
Im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. fanden zwei entscheidende
Veränderungen rechts des Rheins statt: Zum einen schlossen
sich die germanischen Stämme zu Großstämmen zusammen,
zum anderen nahm der Druck verschiedener Stämme auf die
römischen Grenzen immer mehr zu.

Im Jahre 167 fielen die Markomannen, Quaden, Langobarden,


Vandalen, Jazygen und weitere Stämme in die römische
Provinz Pannonien ein und lösten damit die
Markomannenkriege (167 bis 180) aus. In insgesamt vier Germanische Gesandtschaft an
Feldzügen schlug der römische Kaiser Mark Aurel unter Kaiser Mark Aurel, Relief der Mark-Aurel-
Aufbietung aller Kräfte des Imperiums die Germanen. In der Säule zu Rom
sehr unzuverlässigen Historia Augusta wird erwähnt, dass die
Römer planten, zwei neue Provinzen einzurichten; ob dies den
Tatsachen entspricht, ist ungewiss. Damit wäre jedenfalls das Vorfeld der Apenninhalbinsel auch in
nordöstlicher Richtung nach gallischem Vorbild gesichert worden.

Viele Historiker sehen die Markomannenkriege als die Vorboten der großen Völkerwanderung.
Ausgelöst wurde der zunehmende Bevölkerungsdruck auf die römischen Grenzen wohl durch die
Wanderungen der Goten zum Schwarzen Meer und der Vandalen in Richtung Donau. Die Ursachen
für diese aufkommende Wanderbewegung germanischer Stämme konnten bisher nicht geklärt
werden, denkbar wären zum Beispiel Hungersnöte.

Zwischen Markomannenkriegen und Völkerwanderung


Mit den Markomannenkriegen 166–180 unter Mark Aurel führten die Konflikte zwischen Germanen
und Römern zu Veränderungen im Kräfteverhältnis. Als Mark Aurel 180 starb, waren die Germanen
zwar geschlagen, aber nicht endgültig besiegt; der Erfolg war nur vorübergehender Natur. Mark
Aurels Sohn Commodus kehrte zur Defensivpolitik des Augustus zurück und schloss Friedensverträge
mit den Germanen. Auch die Kräfte des Römischen Reiches waren erschöpft und die verwüsteten
Provinzen mussten restauriert werden.

Der Verzicht auf eine expansive Politik gegen Germanien unter Augustus, die sich auf die
Grenzsicherung des Römischen Reiches konzentrierte, war den neuen Anforderungen nicht mehr
gewachsen. Die Bündnisse mit einzelnen Stämmen waren nicht von Bestand, da ein stabiles Königtum
als zuverlässiger Ansprechpartner noch nicht existierte. Auch der Limes reichte als
Kontrollinstrument nicht aus, um die sich oft jährlich wiederholenden Einfälle gewaltiger
Völkermassen zu stoppen. Zudem geriet das Imperium in eine schwere Krise, die von der modernen
Forschung als Reichskrise des 3. Jahrhunderts bezeichnet wird: Die meisten dieser Soldatenkaiser
hielten sich nur für kurze Zeit auf dem Thron, während der Druck durch die germanischen
Großverbände an Rhein und Donau auf der einen, am Euphrat durch das Sassanidenreich auf der
anderen Seite stetig zunahm. Die nötige Trennung des Heeres in einen Teil zur Grenzsicherung und
eine weitere mobile Eingreiftruppe erfolgte erst um 260 unter Kaiser Gallienus. Hauptmotiv der
Germaneneinfälle war Ansiedlung im Römischen Reich, doch das Imperium wollte diesen Wunsch
nicht erfüllen. Es kam zum Wechselspiel von Einfällen, Plünderungen, Landnahme und später
Usurpationen.

Im Dezember 2008 wurde bekannt, dass bei der Gemeinde Kalefeld in Süd-Niedersachsen ein
römisches Schlachtfeld aus dem 3. Jahrhundert entdeckt wurde. 1800 überwiegend militärische
Fundstücke wurden registriert. Die römischen Münzfunde belegen, dass die Schlacht um 235
stattgefunden hat. Die archäologischen Funde stützen die der Fachwissenschaft schon lange Zeit
bekannten Berichte, wonach es im 3. Jahrhundert zu römischen Militäroperationen im vorgelagerten
Grenzgebiet kam.

Wanderungen und Reichsgründungen


→ Hauptartikel: Völkerwanderung und Spätantike
Die zur Zeit der sogenannten „Völkerwanderung“
weit wandernden germanischen Kriegergruppen
gehörten vor allem zu den Ostgermanen – zum
Beispiel die Burgunden, Gepiden, Goten,
Langobarden und Vandalen. Zumeist gelangten sie
als Foederaten in das Römische Reich, und als
Westrom im 5. Jahrhundert zusammenbrach,
füllten sie das Machtvakuum und bildeten eigene
regna. Ihre Reichsgründungen hatten jedoch
zumeist keinen dauerhaften Bestand, und zudem
Karte Europas mit Siedlungsräumen und
bildeten die Krieger nur eine verschwindende
Migrationen germanischer Verbände
Minderheit gegenüber der romanisierten
Bevölkerung; die ostgermanischen Sprachen sind
daher heute ausgestorben. Die westlich der Elbe lebenden Stämme – zum Beispiel die Franken,
Sachsen und Angeln – waren vergleichsweise sesshaft. Ebenso die Nordgermanen, die erst im
Mittelalter zur Zeit der Wikinger unter anderen Bedingungen ausgedehnte Wanderungstätigkeiten
entwickelten. Ihre Sprachen (westgermanische Sprachen und nordgermanische Sprachen) haben sich
bis heute erhalten und weiterentwickelt.

In der Zeit der sogenannten Völkerwanderung[70] gründeten germanische Krieger Reiche in


Nordafrika, im heutigen Frankreich, in Italien, auf der Iberischen Halbinsel und Britannien. Die
Germanen kannten meist kein Verwaltungsstaatswesen im römischen oder heutigen Sinne. Die
Reiche der germanischen Krieger waren ähnlich dem Personenverbandsstaat organisiert, vor allem
wurden aber römische Verwaltungsmuster übernommen, weshalb man heute eher von
„poströmischen“ als von „germanischen“ Reichen spricht. Die Angehörigen eines Kriegerverbandes
schworen ihrem rex Treue und waren damit an sein Reich gebunden. Der „Staat“ (wobei nicht der
moderne Terminus von Staatlichkeit zugrunde gelegt werden darf) wurde nicht über eine räumliche
Ausdehnung definiert, sondern über seine Menschen und deren Stellung zum Herrscher. Deshalb
waren die Reiche stark mit dem jeweiligen Herrscher bzw. warlord verbunden, und sein Tod
bedeutete oft auch den Untergang des Reiches.

Allerdings traten auch zahlreiche Germanen (einzeln oder in Gruppen) in römische Dienste und
kämpften anschließend auch gegen ihre alten Stammesgenossen. Viele dieser Germanen stiegen im
römischen Militär auf, wobei die germanischstämmigen Heermeister teils eine unrühmliche Rolle
spielten, vor allem im Weströmischen Reich. Viele wiederum standen aber durchaus loyal zum Kaiser
(wie etwa Stilicho, Bauto oder Fravitta). Während im Oströmischen Reich der Kaiser die Kontrolle
über das Militär behalten konnte, konnte im Westen nur noch mit den „Barbaren“ regiert werden.

Burgundenreich
→ Hauptartikel: Burgunden
Nach dem Rückzug der Römer überschritten ab 406 die Burgunden zusammen mit den Vandalen den
Rhein und ließen sich als römische Bundesgenossen in Mogontiacum (Mainz), Vicani Altiaienses
(Alzey) und Borbetomagus (Worms) nieder. Das Gebiet wurde ihnen vertraglich zugesichert. Nach
einem Einfall in die römische Provinz Belgica 435 zerstörte im darauffolgenden Jahr der
weströmische Heermeister Aëtius mit Hilfe hunnischer Hilfstruppen das Burgundenreich – bis ins
Spätmittelalter blieb die Erinnerung an dieses Ereignis in der Nibelungensage erhalten. Die
verbliebenen Burgunden wurden durch Rom ins Gebiet des Rhone-Tals umgesiedelt und gründeten
dort später ein neues Reich, das 532 im Fränkischen Reich aufging und dort neben Austrien und
Neustrien einen eigenen Reichsteil bildete.

England
→ Hauptartikel: Die Angelsachsen, Anfang der Besiedelung Britanniens und Siedlungsgeschichte in
England
Nach dem Zusammenbruch der Rheingrenze 406/407 wurden die Legionen aus Britannien
abgezogen und die römische Präsenz auf der Insel erlosch vollständig. Die romano-britische
Bevölkerung warb zum Schutz angelsächsische Söldner an. Gruppierungen der Angeln, Sachsen und
Jüten siedelten sich im östlichen Teil der Insel an und vertrieben teilweise die keltische Bevölkerung,
die im Laufe der Zeit immer weiter nach Westen abgedrängt wurde. Bis zum Ende des 7.
Jahrhunderts hatten die Angelsachsen den größten Teil der Insel unterworfen und konnten ihre
Herrschaft auch gegen die späteren Wikingereinfälle behaupten, bis England 1066 durch die
Normannen erobert wurde.

Frankenreich
→ Hauptartikel: Fränkisches Reich
Bereits seit Beginn des 4. Jahrhunderts waren am nordöstlichen Ende Galliens Franken (später auch
Salfranken) als Föderaten angesiedelt worden. Ende des 4. Jahrhunderts kam es wiederholt zu
Kampfhandlungen zwischen Franken und Römern (siehe Marcomer). Nach dem Tode des
weströmischen Heermeisters Aëtius, der 436 das Burgundenreich zerstörte und 451 in der Schlacht
auf den Katalaunischen Feldern die Hunnen stoppte, wurde das Gebiet durch Westrom praktisch
nicht mehr kontrolliert. Nach dem Zusammenbruch 476 existierte im Norden Galliens im Gebiet um
Soissons ein römisches Restreich unter dem Statthalter Syagrius, dem Sohn des Heermeisters
Aegidius. 486/487 besiegten die Salfranken unter dem Merowinger Chlodwig I. Syagrius in der
Schlacht von Soissons. Dadurch verschob sich die Grenze des durch die Franken kontrollierten
Gebiets bis an die Loire. Chlodwig, der zuerst nur einer von mehreren fränkischen Kleinkönigen war,
beseitigte die anderen Teilkönigreiche. Er sah sich selbst in der Kontinuität römischer Herrschaft,
übernahm die römischen Verwaltungsinstitutionen, trat zum katholischen Glauben über und sicherte
sich seinen Einfluss auf die Kirche. Militärische Siege 496 und 506 gegen die Alamannen sowie 507
gegen die Westgoten in der Schlacht von Vouillé trugen zur weiteren Expansion fränkischer
Herrschaft bei. Die Politik des Frankenreichs blieb auch weiterhin feindlich gegen die letzten
unabhängigen germanischen Gentes. Aus der Verschenkung eroberten Grundbesitzes durch den
König entwickelte sich das Lehnswesen. Im frühen 6. Jahrhundert (nach 507) entstand die lateinische
Sammlung des Volksrechts der Franken Lex Salica. Das Reich von Soissons wird als Neustrien
Bestandteil des Fränkischen Reichs, das bis zu seiner Teilung 843 im Vertrag von Verdun die
bestimmende Großmacht in Mittel- und Westeuropa war.

Gotenreiche
→ Hauptartikel: Goten, Westgotenreich und Theoderich der Große
Um 150 bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts dehnten sich die Goten entlang Weichsel und Dnister bis
zum Schwarzen Meer aus. Um 290 kam es zur Trennung der Goten in Terwingen und Greutungen;
beide sind nicht völlig deckungsgleich mit den späteren West- und Ostgoten. In Südrussland
errichteten die Greutungen ein Reich, über dessen Größe und inneren Aufbau wenig bekannt ist. Die
Terwingen rückten in das von den Römern unter Aurelian aufgegebene Dakien ein und ließen sich
dort nieder.

Die Goten lagen häufig mit den Römern im Konflikt, wurden jedoch nie unterworfen und besiegten
252 sogar ein römisches Heer. Durch den Einfall der Hunnen aus den asiatischen Steppen um 375
n. Chr. wurde das Reich der Greutungen zerstört bzw. fiel an die Hunnen. Die Greutungen zogen nach
Westen und siedelten im Raum des heutigen Ungarn. Fortan standen sie unter Waffengefolgschaft der
Hunnen und zogen 451 bei der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern gegen die Westgoten und
Burgunder zu Felde.

488 zog der ostgotische König Theoderich mit den sich nun formierten Ostgoten nach Italien und
besiegte den dortigen germanischen Herrscher Odoaker. Theoderich gründete daraufhin ein neues
ostgotisches Reich in Italien, welches aber bald nach seinem Tod unterging.

Die Terwingen hingegen hatten sich dem hunnischen Zugriff entzogen und sich 376 über die Donau
ins römische Reich abgesetzt. Dort wurden sie angesiedelt, rebellierten aber bald darauf, was zur
Schlacht von Adrianopel 378 führte, in der Kaiser Valens und der Großteil des römischen
Bewegungsheeres im Osten untergingen. Erst Theodosius I. schloss 382 einen Vertrag, der ihnen
weitgehende Rechte einräumte. Nach dem Tod des Kaisers Theodosius im Jahre 395 plünderte der
Gote Alarich I. mit seinem Heer die römischen Provinzen; 410 eroberte er sogar Rom. Im Jahre 418
wurden die Terwingen, die sich nun endgültig zu den Westgoten formiert hatten, in Aquitanien
angesiedelt, wo sie das Westgotenreich gründeten. Sie dehnten ihren Machtbereich auch auf die
Iberische Halbinsel aus und verlagerten im frühen 6. Jahrhundert den Schwerpunkt dorthin. Im
frühen 8. Jahrhundert wurde das Westgotenreich durch die Invasion der Mauren vernichtet.
Die Langobarden
→ Hauptartikel: Langobarden und Langobardenfeldzug
Nach der Eroberung des Gepidenreichs 567 wurden die Langobarden durch die Awaren verdrängt
und eroberten unter König Alboin Norditalien mit der Hauptstadt Pavia und weitere Gebiete in
Mittel- und Süditalien. Die anderen Regionen blieben unter Kontrolle des oströmischen Reiches.
Diese Landnahme gilt als Abschluss der spätantiken Völkerwanderung. König Authari (584–590) trat
vom arianischen zum katholischen Glauben über. Erst 662 verdrängt der Katholizismus den
Arianismus offiziell – gleichzeitig mit dem Vordringen des Islam. Karl der Große eroberte 774 Pavia
unter dem letzten Langobardenkönig Desiderius und ließ sich selbst zum König der Langobarden
krönen. Im Süden blieb das Herzogtum Benevent bis zur Eroberung durch die Normannen im 11.
Jahrhundert selbstständig. Der Name „Langobarden“ ist in der Bezeichnung Lombardei (ital.
Lombardia), für eine norditalienische Region, bis heute erhalten geblieben.

Nordeuropa
Siehe Hauptartikel: Vendelzeit, Wikingerzeit, Geschichte Dänemarks, Geschichte Norwegens und
Geschichte Schwedens.

Reich der Vandalen


→ Hauptartikel: Das vandalische Königreich in Nordafrika
Im Jahre 406 fielen die Vandalen gemeinsam mit anderen germanischen Stämmen nach Gallien ein.
Drei Jahre später hatten sie die Iberische Halbinsel erreicht. Unter König Geiserich drangen sie 429
zusammen mit Alanen nach Nordafrika vor und eroberten die dortigen römischen Provinzen. Hippo
Regius – während der Belagerung starb Augustinus von Hippo – war bis 439 Hauptstadt. Mit der
Eroberung von Africa Proconsularis wurde Karthago Hauptstadt und die dortige römische Flotte
wurde erbeutet. In der Folgezeit wurden zahlreiche Mittelmeerinseln erobert und 455 Rom
geplündert und besetzt. Der oströmische Kaiser Zenon erkannte die Herrschaft der Vandalen 474 an.
Im Jahre 477 wurde Hunerich der Nachfolger von Geiserich und es kam ab 483 zu Verfolgungen der
Katholiken durch die arianischen Vandalen. Erst 523 wurde für kurze Zeit unter Hilderich die
katholische Religion wieder zugelassen. 534 eroberte der oströmische Feldherr Belisar im Auftrag
Justinians das Vandalenreich und beendete deren Herrschaft.

Das Ende der kaiserzeitlichen archäologischen Kulturen östlich der Elbe


Über den Niedergang der germanischen Besiedlung des ostelbischen Raums gibt es wenig historische
Quellen. Es muss auf archäologische Untersuchungen zurückgegriffen werden. In der ersten Hälfte
des 5. Jahrhunderts ist auf polnischem Gebiet noch eine intensive Besiedlung durch die letzte
Entwicklungsphase der Przeworsker Kultur nachweisbar. Das Gebiet stand in regen Beziehungen zum
Reich von Attila (mittlerer Donauraum) und hatte wahrscheinlich auch eine gewisse politische
Bedeutung („Fürstengrab“ von Jakuszowice). Das Ende dieser Kultur lässt sich um die späte Mitte des
5. Jahrhunderts datieren. Bereits davor brechen die kaiserzeitlichen Spuren auf ukrainischem Gebiet
ab. Die Gebiete der Slowakei, Mährens, Niederösterreichs, Böhmens und Ungarns weisen für das 5.
Jahrhundert eine intensive germanische Besiedlung auf. Spätere Funde germanischer Kulturen sind
in der Slowakei nicht mehr zu finden. Bereits die frühen donauländischen Bügelfibeln sind dort selten
zu finden. Die Goldmünzfunde aus dem 6. Jahrhundert fehlen bis auf eine Ausnahme ganz. Die
gepidische Besiedlung ist für das 6. Jahrhundert auf dem Gebiet Ostungarns nachweisbar, jedoch
nicht in der Ostslowakei. Im nordöstlichen Teil Mährens enden die germanischen Funde zu Beginn
des 6. Jahrhunderts. In den anderen Regionen, in Niederösterreich und der Südslowakei westlich der
Kleinen Karpaten ist die langobardische Besiedlung nachweisbar. Diese Besiedlung nimmt zur Mitte
des 6. Jahrhunderts hin ab, als die Langobarden Pannonien besetzten. Für Böhmen wird bis nach der
Mitte des 6. Jahrhunderts eine germanische Besiedlung vermutet. Über diese Besiedlungsbrücke
könnten die Kontakte des mitteldeutschen Raums mit dem mittleren Donauraum verlaufen sein.

Die genannten Gebiete wurden nachfolgend von den Slawen besiedelt. Der Charakter dieser
Landnahme ist nicht zweifelsfrei zu klären. Die Kämpfe mit den Bayern (593 und 595) oder die
Einfälle in Thüringen im 7. Jahrhundert legen verheerende Einfälle mit anschließender Eroberung
nahe. Jedoch waren auch Gebiete (Schlesien, Slowakei) möglicherweise einige Zeit unbewohnt, bevor
sie durch die Slawen besetzt wurden. Die geräumten Gebiete sind oft sehr fruchtbar gewesen und die
Motive für die Aufgabe der germanischen Besiedlung bleiben unklar. Allerdings blieb wohl teilweise
eine germanische Restbevölkerung zurück, die aber in der Folgezeit slawisiert wurde. Mit dem Abzug
der Langobarden nach Italien im Jahre 568 und dem Erscheinen der Awaren ergaben sich dann für
die slawische Landnahme neue Möglichkeiten.[71]

Quellen

Antike Autoren
Caesar (Gallischer Krieg 6,21)
Plutarch (Caesar 19)
Appian (Römische Geschichte 1,4,3)
Strabon (Geographie 7,2)
Plinius der Ältere (in den verlorenen Bellis Germaniae; Naturalis historia 3, 4)
Tacitus (Germania 9,39,40,43; Annalen 1,51; 2,12; 13,55 und 57; Historien 4,14; 4,22; 4,61; 4,65;
4,73; 5,22 ff.)
Sueton (Vitellius 14, Domitian 16)
Sozomenos (Kirchengeschichte 6,37)
Claudian (Panegyrici Consul. Stilichonis 1, 288; Bell. get. 528, 542)
Orosius (Historiae adversum Paganos 5, 16)
Ammianus Marcellinus (Res Gestae 14,9; 25,5,17)
Agathias (2,6; 28,5)
Prokopios von Caesarea (Gotenkrieg 2,4 ff.; 15,25)

Übersetzungen
Sammlungen

Hans-Werner Goetz, Karl-Wilhelm Welwei (Hrsg.): Altes Germanien. Auszüge aus den antiken
Quellen über Germanen und ihre Beziehungen zum römischen Reich. Quellen der Alten
Geschichte bis zum Jahre 238 n. Chr. Latein/griechisch/deutsch. Zwei Teile. Darmstadt 1995.
Hans-Werner Goetz, Steffen Patzold, Karl Wilhelm Welwei (Hrsg.): Die Germanen in der
Völkerwanderung. Auszüge aus den antiken Quellen über die Germanen von der Mitte des 3.
Jahrhunderts bis zum Jahre 453 n. Chr. Latein/griechisch/deutsch. Zwei Teile. Darmstadt 2006
und 2007.
als vollständige Sonderausgabe (nur über die Wissenschaftliche Buchgesellschaft zu
beziehen): Hans-Werner Goetz, Steffen Patzold, Karl-Wilhelm Welwei (Hrsg.): Die Germanen.
WBG, Darmstadt 2013.
Joachim Hermann (Hrsg.): Griechische und lateinische Quellen zur Frühgeschichte Mitteleuropas
bis zur Mitte des 1. Jahrtausends unserer Zeit. Vier Bände. Akademie Verlag, Berlin (Ost) 1988–
1992.
Einzelne Autoren

Augustus: Res Gestae Divi Augusti (Meine Taten). Lateinisch/griechisch/deutsch. Düsseldorf und
Zürich 1999, ISBN 3-7608-1511-1.
Julius Caesar: Der Gallische Krieg. Reclam, Stuttgart 2004, ISBN 3-15-009960-9.
Beda Venerabilis: Ecclesiastica gentis Anglorum (Kirchengeschichte des englischen Volkes).
Hrsg. und übers. von G Spitzbart, zweite Auflage, Darmstadt 1997.
Jordanes: Gotengeschichte nebst Auszügen aus seiner Römischen Geschichte. Übersetzt von
Wilhelm Martens, hrsg. von Alexander Heine, Essen und Stuttgart 1985 (ursprünglich 1914).
Ammianus Marcellinus: Römische Geschichte. Vier Bände. Übersetzt und kommentiert von W.
Seyfahrt, zweite Auflage, Darmstadt 1978.
Velleius Paterculus: Historia Romana. Römische Geschichte. Lateinisch/deutsch. Übersetzt und
hrsg. von Marion Giebel, 1989; bibliographisch ergänzte Ausgabe: Reclam, Stuttgart 1998, ISBN
3-15-008566-7.
Publius Cornelius Tacitus: Annalen. Lateinisch–Deutsch. Hrsg. von Erich Heller. Mit einer
Einführung von Manfred Fuhrmann (= Sammlung Tusculum), dritte Auflage, Düsseldorf und Zürich
1997.
Publius Cornelius Tacitus: Germania (De origine et situ Germanorum liber). Lateinisch/Deutsch.
Übersetzt, erläutert und mit einem Nachwort herausgegeben von Manfred Fuhrmann. Reclam,
Stuttgart 1972, Neuauflage mit aktualisierter Bibliographie 2000, ISBN 3-15-009391-0.

Literatur
Karl Banghard: Die wahre Geschichte der Germanen. Propyläen Verlag, Berlin 2025, ISBN 978-3-
549-10090-5.
Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer, Dietrich Hakelberg (Hrsg.): Zur Geschichte der
Gleichung „germanisch-deutsch“. Sprache und Namen, Geschichte und Institutionen. (=
Ergänzungsbände zum Reallexikon der germanischen Altertumskunde. Band 34). Berlin u. a.,
2004, ISBN 3-11-017536-3.[72]
Heinrich Beck (Hrsg.): Germanen, Germania, germanische Altertumskunde. Ungekürzte
Studienausgabe des Artikels aus dem Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Berlin
1998, ISBN 3-11-016383-7.
Helmut Birkhan: Germanen und Kelten bis zum Ausgang der Römerzeit. Band 1: Der
Aussagewert von Wörtern und Sachen für die frühesten keltisch-germanischen
Kulturbeziehungen. (= Sitzungsberichte Österreichische Akademie der Wissenschaften,
Philosophisch-Historische Klasse. Band 272). Böhlau, Wien 1970.
Bruno Bleckmann: Die Germanen. Von Ariovist bis zu den Wikingern. C. H. Beck, München 2009,
ISBN 978-3-406-58476-3.
Maureen Carroll-Spillecke: Römer, Kelten und Germanen. Leben in den germanischen Provinzen
Roms. Darmstadt 2003, ISBN 3-534-17426-7.
Wolfram Euler, Konrad Badenheuer: Sprache und Herkunft der Germanen. Abriss des
Frühurgermanischen vor der Ersten Lautverschiebung. 2. Auflage. Inspiration Un Ltd., London /
Berlin 2021, ISBN 978-3-945127-27-8.
Thomas Fischer: Gladius. Roms Legionen in Germanien. C.H. Beck, München 2020.
Uta von Freeden, Siegmar von Schnurbein (Hrsg.): Spuren der Jahrtausende. Archäologie und
Geschichte in Deutschland. Theiss, Stuttgart 2002, ISBN 3-8062-1337-2 (Zugleich: Germanica.
Unsere Vorfahren von der Steinzeit bis zum Mittelalter. Weltbild, Augsburg 2006, ISBN 3-8289-
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Weblinks
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Wiktionary: Germane – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
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Dokumentarfilme: Dokumentationen
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0?q=Germanen) Große Völker - Die Germanen. Ein Film von Sahar Eslah. Fachberatung: Rudolf
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Angelika Abegg-Wigg, Richard North und Volker Gallé. ZDF 2016, 44 min. Abgerufen am 17.
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l) Vielfältige Dokumentation auf [Link] (Webseite bei Abruf am 17. Februar 2026 nicht mehr
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Prestel für SWR, [Link]. Abgerufen am 17. Februar 2026. Woran glaubten sie? (https://
[Link]/play/dokus/collection-index-page-ard-collection-ard-dxjuomfyzdpzag93ojjhmgy4nzrkot
q2nznhyti-208/page-video-ard-woran-glaubten-sie--germanen-im-suedwesten-100?q=die+german
en+im+s%C3%BCdwesten) Wie siedelten sie? ([Link]
ge-ard-collection-ard-dxjuomfyzdpzag93ojjhmgy4nzrkotq2nznhyti-208/page-video-ard-wie-siedelt
en-sie--germanen-im-suedwesten-100?q=die+germanen+im+s%C3%BCdwesten) Woher kamen
sie? ([Link]
hmgy4nzrkotq2nznhyti-208/page-video-ard-woher-kamen-sie--germanen-im-suedwesten-100?q=
die+germanen+im+s%C3%BCdwesten) Wie stylten sie sich? ([Link]
ction-index-page-ard-collection-ard-dxjuomfyzdpzag93ojjhmgy4nzrkotq2nznhyti-208/page-video-a
rd-wie-stylten-sie-sich--germanen-im-suedwesten-100?q=die+germanen+im+s%C3%BCdwesten)
Wie ernährten sie sich? ([Link]
juomfyzdpzag93ojjhmgy4nzrkotq2nznhyti-208/page-video-ard-wie-ernaehrten-sie-sich--germanen
-im-suedwesten-100?q=die+germanen+im+s%C3%BCdwesten) Wie kämpften und wie jagten
sie? ([Link]
hmgy4nzrkotq2nznhyti-208/page-video-ard-wie-kaempften-und-wie-jagten-sie--germanen-im-sued
westen-100?q=die+germanen+im+s%C3%BCdwesten)

Anmerkungen
1. Siehe etwa die Beiträge in: Matthias Friedrich; James M. Harland (Hrsg.): Interrogating the
'Germanic'. A Category and its Use in Late Antiquity and the Early Middle Ages. Berlin: de Gruyter
2020.
2. Strabon, Geographie 7, 1, 2. Strabon versteht den Germanennamen dabei bezeichnenderweise
als „die echten Gallier“ (ὡς ἂν γνησίους Γαλάτας φράζειν βουλόμενοι).
3. Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, München 2000, S. 434.
4. Wolfram Euler und Konrad Badenheuer: Sprache und Herkunft der Germanen. Abriss des
Protogermanischen vor der Ersten Lautverschiebung. Inspiration Un Limited, Hamburg und
London 2009, S. 12.
5. Vgl. Franz Schön: Germanen sind wir gewesen?. In: Eckart Olshausen, Holger Sonnabend
(Hrsg.): „Trojaner sind wir gewesen“ – Migrationen in der antiken Welt. Stuttgart 2002, S. 167 ff.,
hier S. 172.
6. Poseidonios von Apameia, Historien, Buch 30. Auch der Text des Poseidonios ist allerdings nur
durch ein Zitat bei Athenaios (um 190 n. Chr.) belegt.
Vgl. Gustav Stümpel: Name und Nationalität der Germanen. Eine neue Untersuchung zu
Poseidonios, Caesar und Tacitus. Dieterich, Leipzig 1932; Dieter Timpe: Germanen, Germania,
Germanische Altertumskunde. I. Geschichte. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde.
Bd. 11, Berlin/New York 1998, S. 181–245, hier S. 183 (Artikel ([Link]
O/RGA_1884) abgerufen über GAO bei De Gruyter Online).
7. Gaius Iulius Caesar, Commentarii de bello Gallico 2, 4, 4.
Vgl. Dieter Timpe: Germanen, Germania, Germanische Altertumskunde. I. Geschichte. In:
Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 11, Berlin/New York 1998, S. 181–245, hier
S. 184 f. (Artikel ([Link] abgerufen über GAO bei De
Gruyter Online), v. Petrikovits S. 89.
8. Gaius Iulius Caesar, Commentarii de bello Gallico 6, 21–28.
9. Mischa Meier: Caesar hat die Germanen erfunden – oder doch nicht? In: Martin Langebach
(Hrsg.): Germanenideologie. Einer völkischen Weltanschauung auf der Spur. Bundeszentrale für
politische Bildung, Bonn 2020, S. 15–38, hier S. 15 und 29.
10. Walser; dagegen Wiegels, Sp. 955.
Vgl. Dieter Timpe: Germanen, Germania, Germanische Altertumskunde. I. Geschichte. In:
Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 11, Berlin/New York 1998, S. 181–245, hier
S. 188 (Artikel ([Link] abgerufen über GAO bei De
Gruyter Online).
11. Hermann Reichert: Linksrheinische Germanen. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde
(RGA). 2. Auflage. Band 18, Walter de Gruyter, Berlin / New York 2001, ISBN 3-11-016950-9,
S. 486. (Artikel ([Link] abgerufen über GAO bei De
Gruyter Online.)
12. Cicero, De provinciis consularibus 32–33.
13. Pomponius Mela, De chorographia 3, 3, 25.
14. Plinius, Naturalis historia 3, 25.
15. Plutarch, Marius 11, 4.
16. Tacitus, Germania 2, 5.
Vgl. Dieter Timpe: Germanen, Germania, Germanische Altertumskunde. I. Geschichte. In:
Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 11, Berlin/New York 1998, S. 181–245, hier:
S. 184.
17. Hermann Reichert: Linksrheinische Germanen. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde
(RGA). 2. Auflage. Band 18, Walter de Gruyter, Berlin / New York 2001, ISBN 3-11-016950-9,
S. 484. (Artikel ([Link] abgerufen über GAO bei De
Gruyter Online.)
18. Reinhard Wenskus: Über die Möglichkeit eines allgemeinen interdisziplinären Germanenbegriffs.
In: Heinrich Beck (Hrsg.), Germanenprobleme in heutiger Sicht. Berlin und New York 1986, S. 1–
21, hier S. 13.
19. Tacitus, Germania 2, 2.
20. Reinhard Wenskus: Stammesbildung und Verfassung. Köln et al. 1977, S. 267.
21. Herwig Wolfram: Die Germanen. Achte Auflage, München 2005, S. 23.
22. Jörg Jarnut: Germanisch. Plädoyer für die Abschaffung eines obsoleten Zentralbegriffs der
Frühmittelalterforschung. In: Walter Pohl (Hrsg.): Die Suche nach den Ursprüngen. Von der
Bedeutung des frühen Mittelalters. Wien 2004, S. 107 ff.
23. Dieter Timpe: Germanen, Germania, Germanische Altertumskunde. I. Geschichte In: Reallexikon
der Germanischen Altertumskunde. Bd. 11, Berlin/New York 1998. S. 181–245, hier: S. 191.
24. Wolfram Euler und Konrad Badenheuer: Sprache und Herkunft der Germanen, S. 31 ff.
25. Vgl. dazu Heinrich Beck (Hrsg.): Germanenprobleme in heutiger Sicht. Berlin/New York 1986;
Heinrich Beck, Heiko Steuer, Dieter Timpe (Hrsg.): Germanen, Germania, germanische
Altertumskunde. Berlin/New York 1998; Ernst Wolfgang Böckenförde: Die deutsche
verfassungsgeschichtliche Forschung im 19. Jahrhundert. Berlin 1961; Stefanie Dick: Der Mythos
vom „germanischen“ Königtum. Berlin/New York 2008, S. 2–17; Otto Holzapfel: Die Germanen.
Mythos und Wirklichkeit. Basel/Freiburg/Wien 2001; Klaus von See: Deutsche Germanen-
Ideologie vom Humanismus bis zur Gegenwart. Frankfurt am Main 1970; ders.: Barbar, Germane,
Arier. Heidelberg 1994
26. Siehe auch Ur- und Frühgeschichte#Urgeschichte oder Vorgeschichte und Völkerwanderungszeit.
27. Wolfram Euler und Konrad Badenheuer: Sprache und Herkunft der Germanen, S. 30–36.
28. Dieter Timpe: Germanen, Germania, Germanische Altertumskunde. I. Geschichte. In: Reallexikon
der Germanischen Altertumskunde. Bd. 11, Berlin/New York 1998. S. 181–245, hier S. 192.
29. Elmar Seebold: Sprache und Schrift. In: Heinrich Beck (Hrsg.) unter Mitwirkung zahlreicher
Fachgelehrter und red. Leitung von Rosemarie Müller: Germanen, Germania, germanische
Altertumskunde. Ungekürzte Studienausgabe des Artikels aus dem Reallexikon der
Germanischen Altertumskunde. Berlin 1998, ISBN 3-11-016383-7. S. 99 ff.
30. Klaus Düwel: Runenkunde. Metzler, Stuttgart 2003. S. 1–11
31. Heiko Uecker: Germanische Heldensage. Metzler, Stuttgart 1972. S. 16
32. Klaus Düwel: Runenkunde. Metzler, Stuttgart 2003, S. 178, 203.
33. Wilhelm Streitberg: Gotisches Elementarbuch. Carl Winter, Heidelberg 1909. S. 21–39
34. Siehe hierzu: Das Privatleben der Germanen ([Link] in De
origine et situ germanorum liber, Kap. 16–27, mit deutschsprachiger Übersetzung im Portal
[Link], abgerufen am 7. September 2013.
35. Rainer Wiegels: Rechtsrheinische Germanen. In: Der Neue Pauly. Bd. 4, Stuttgart 1989, Sp. 955–
957, hier Sp. 956.
36. Seit der grundlegenden Arbeit von Stefanie Dick (Der Mythos vom „germanischen“ Königtum.
Berlin und New York 2008) können die älteren Auffassungen von einem „sakral fundierten
Volkskönigtum“ (ebd., S. 3), das später vom Heerkönigtum abgelöst worden sei, als widerlegt
gelten; die grundlegenden Literaturangaben dazu: ebd., S. 1 f. Das Heerkönigtum als
Herrschaftsform ist aber kaum zu bezweifeln.
37. Siehe zum frühesten Königtum auch Schlesinger, Verfassungsgeschichte sowie kritisch dazu
Dick, Mythos.
38. Res gestae 32, 1. Strabon (7, 1, 4) nennt ihn ἠγεμῴν.
39. Herwig Wolfram: Die Germanen. 8. Auflage, München 2005, S. 77.
40. Tacitus, Annalen 2, 46.
41. Herwig Wolfram: Die Germanen. Achte Auflage, München 2005, S. 41.
42. Tacitus, Annalen 2,88.
43. Strabon, Geographie 7, 1, 3.
44. Mario Alinei: Origini delle lingue d’Europa. Band 2. Il Mulino, Bologna 2000, S. 364. In der übrigen
Indogermania finden sich für beide Wurzeln Entsprechungen in lat. rota einerseits, andererseits
gr. kýklos (κύκλος).
45. Swantje Bergmann: Eicheln als Nahrungsmittel – Alltägliches Nahrungsmittel oder Indikator für
Nahrungsknappheiten? In: Frank M. Andraschko, Barbara Kraus, Birte Meller (Hrsg.): Archäologie
zwischen Befund und Rekonstruktion: Ansprache und Anschaulichkeit; Festschrift für Prof. Dr.
Renate Rolle zum 65. Geburtstag. Kovač, Hamburg 2007, ISBN 978-3-8300-2711-9, S. 327–338.
46. Eva Crane: The archaeology of beekeeping. Duckworth, London 1983.
47. Edgar C. Polomé: Germanentum und religiöse Vorstellungen. In: Heinrich Beck (Hrsg.):
Germanenprobleme in heutiger Sicht. de Gruyter, Berlin und New York 1986. S. 267 ff.
48. Åke V. Ström, Haralds Biezais: Germanische und baltische Religion (= Die Religionen der
Menschheit. Band 19,1). Kohlhammer, Stuttgart 1975, S. 79.
49. Behm-Blancke (welches Werk?), S. 363 ff.; Simek: Religion und Mythologie der Germanen, S. 42
ff.
50. Walter Baetke: Wörterbuch zur Altnordischen Prosaliteratur. Berlin 21976, S. 59, s. v. blót, blótan;
Philippson, S. 192.
51. Knut Schäferdiek: Germanen, Germania, Germanische Altertumskunde. IV. B. § 46:
Christianisierung. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 11, Berlin und New York
1998. S. 388–395, hier S. 391.
52. Knut Schäferdiek: Germanen, Germania, Germanische Altertumskunde. IV. B. § 46:
Christianisierung. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 11, Berlin und New York
1998. S. 388–395, hier S. 392.
53. Knut Schäferdiek: Germanen, Germania, Germanische Altertumskunde. IV. B. § 46:
Christianisierung. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 11, Berlin und New York
1998. S. 388–395, hier S. 393.
54. Knut Schäferdiek: Germanen, Germania, Germanische Altertumskunde. IV. B. § 46:
Christianisierung, In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 11, Berlin und New York
1998. S. 388–395, hier S. 393.
55. Reinhard Wenskus: Stammesbildung und Verfassung. Köln u. a. 1977.
56. Walter Pohl: Die Völkerwanderung. Eroberung und Integration. Stuttgart u. a. 2002.
57. So Gaius Asinius Quadratus, zitiert von dem byzantinischen Historiker Agathias (6. Jahrhundert).
58. Eintrag „Allemann“ ([Link]
etzung&lemid=GA02439#XGA02439), in: Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch.
Leipzig 1854–1961, Band 1, Sp. 218.
59. Harald Haarmann: Lexikon der untergegangenen Völker. München 2005, S. 37 f.
60. Harald Haarmann: Lexikon der untergegangenen Völker. München 2005, S. 74.
61. Harald Haarmann: Lexikon der untergegangenen Völker. München 2005, S. 106.
62. Vgl. Artikel Goten, In: RGA. Bd. 12, S. 412.
63. Harald Haarmann: Lexikon der untergegangenen Völker. München 2005, S. 171.
64. Harald Haarmann: Lexikon der untergegangenen Völker. München 2005, S. 183.
65. Eutrop erwähnt zwar aufständische Sachsen für das Jahr 285, in dem Kaiser Marcus Aurelius
Carinus ermordet wurde (Eutrop, Breviarium 9,21). Eutrops Text entstand aber erst zwischen 364
und 380 n. Chr., allerdings auf Grundlage guter Quellen. Eine zeitnahe Anspielung findet sich
wohl bereits im Panegyricus von 297, siehe Klaus-Peter Johne: Die Römer an der Elbe. Berlin
2006, S. 287 f.
66. Vgl. Matthias Springer: Die Sachsen. Stuttgart 2004, S. 17–31.
67. Harald Haarmann: Lexikon der untergegangenen Völker. München 2005, S. 238
68. Harald Haarmann: Lexikon der untergegangenen Völker. München 2005, S. 267.
69. Hermann Ament: Die Germanen, in: Die Zeit. Welt- und Kulturgeschichte, Hamburg 2006, Bd. 3,
S. 371 f.
70. Zur komplexen Forschungslage der Völkerwanderung (einem hochproblematischen
Forschungsbegriff, da in diesem Zusammenhang nie einheitliche „Völker“ migrierten, sondern
zumeist recht heterogene Kampfverbände) und der Auflösung Westroms (stark mitverschuldet
durch innerrömische Bürgerkriege) siehe nun vor allem Mischa Meier: Geschichte der
Völkerwanderung. Europa, Asien und Afrika vom 3. bis zum 8. Jahrhundert. München 2019.
71. Kazimierz Godłowski: Das Aufhören der germanischen Kulturen an der mittleren Donau. In: Jan
Bemmann, Michał Parczewski (Hrsg.): Frühe Slawen in Mitteleuropa. Wachholtz-Verlag,
Neumünster 2005, S. 141–148.
72. Rezension ([Link] von Gregor
Hufenreuter in H-Soz-u-Kult, 22. Juli 2004.

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