A Part 4
A Part 4
12 Nachdem Jesus seinen Jüngern die Füße gewaschen hatte, zog er sein
Obergewand wieder an und kehrte an seinen Platz am Tisch zurück. Versteht
ihr, was ich eben getan habe, als ich euch die Füße wusch?, fragte er sie.
13 Ihr nennt mich Meister und Herr, und das mit Recht, denn ich bin es.
14 Wenn nun ich, der Herr und der Meister, euch die Füße gewaschen habe,
sollt auch ihr einander die Füße waschen.
15 Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an
euch gehandelt habe.
16 Denkt daran: Ein Diener ist nicht größer als sein Herr, und ein Bote ist
nicht größer als der, der ihn sendet.
17 Ihr wisst das jetzt alles; glücklich seid ihr zu nennen, wenn ihr auch danach
handelt.
18 Ich rede nicht von euch allen. Ich kenne die, die ich erwählt habe; aber was
in der Schrift vorausgesagt ist, muss sich erfüllen: Der, mit dem ich mein Brot
geteilt habe, hat sich gegen mich gewandt.
19 Ich sage euch das schon jetzt, bevor es eintrifft, damit ihr, wenn es dann
geschieht, an mich als den glaubt, der ich bin.
20 Ich versichere euch: Wer jemand aufnimmt, den ich sende, nimmt mich auf,
und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.
21 Danach erklärte Jesus, bis ins Innerste erschüttert: Ich sage euch: Einer von
euch wird mich verraten.
22 Die Jünger sahen sich bestürzt an; sie konnten sich nicht denken, von wem
er sprach.
23 Der Jünger, den Jesus besonders liebte, hatte bei Tisch seinen Platz
unmittelbar an Jesu Seite.
24 Simon Petrus gab ihm durch ein Zeichen zu verstehen, er solle Jesus fragen,
von wem er gesprochen habe.
36 Herr, fragte Simon Petrus, wohin gehst du? Jesus gab ihm zur Antwort: Wo
ich hingehe, kannst du jetzt nicht mitkommen; aber später wirst du mir
dorthin folgen.
37 Petrus entgegnete: Herr, warum kann ich nicht jetzt schon mitkommen? Ich
bin bereit, mein Leben für dich herzugeben! –
38 Du willst dein Leben für mich hergeben? erwiderte Jesus. Ich sage dir:
Noch bevor der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.
Johannes 14
Jesus Christus – der Weg zum Vater
1 Lasst euch durch nichts ´in eurem Glauben` erschüttern!, ´sagte Jesus zu
seinen Jüngern.` Vertraut auf Gott und vertraut auf mich!
2 Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre,
hätte ich dann etwa zu euch gesagt, dass ich dorthin gehe, um einen Platz für
euch vorzubereiten?
3 Und wenn ich einen Platz für euch vorbereitet habe, werde ich wieder
kommen und euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.
4 Den Weg, der dorthin führt, wo ich hingehe, kennt ihr ja.
5 Herr, sagte Thomas, wir wissen doch nicht einmal, wohin du gehst. Wie
sollen wir dann den Weg dorthin kennen? –
6 Ich bin der Weg, antwortete Jesus, ich bin die Wahrheit, und ich bin das
Leben. Zum Vater kommt man nur durch mich.
7 Wenn ihr erkannt habt, wer ich bin, werdet ihr auch meinen Vater
erkennen. Ja, ihr kennt ihn bereits; ihr habt ihn bereits gesehen.
8 Herr, sagte Philippus, zeig uns den Vater; das genügt uns. –
9 So lange bin ich schon bei euch, und du kennst mich immer noch nicht,
Philippus? entgegnete Jesus. Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.
Wie kannst du da sagen: Zeig uns den Vater?
10 Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Was
ich euch sage, sage ich nicht aus mir selbst heraus. Der Vater, der in mir ist,
handelt durch mich; es ist alles sein Werk.
11 Glaubt es mir, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist. Wenn ihr
immer noch nicht davon überzeugt seid, dann glaubt es doch aufgrund von
dem, was durch mich geschieht.
12 Ich versichere euch: Wer an mich glaubt, wird die Dinge, die ich tue, auch
tun; ja er wird sogar noch größere Dinge tun. Denn ich gehe zum Vater,
13 und alles, worum ihr dann in meinem Namen bittet, werde ich tun, damit
durch den Sohn die Herrlichkeit des Vaters offenbart wird.
14 Wenn ihr mich in meinem Namen um etwas bitten werdet, werde ich es
tun.
15 Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.
16 Und der Vater wird euch ´an meiner Stelle` einen anderen Helfer geben,
der für immer bei euch sein wird; ich werde ihn darum bitten.
17 Er wird euch den Geist der Wahrheit geben, den die Welt nicht bekommen
kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Aber ihr kennt ihn, denn er
bleibt bei euch und wird in euch sein.
18 Ich werde euch nicht als hilflose Waisen zurücklassen; ich komme zu euch.
19 Nur noch kurze Zeit, dann sieht die Welt mich nicht mehr. Ihr aber werdet
mich sehen, und weil ich lebe, werdet auch ihr leben.
20 An jenem Tag werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und dass
ihr in mir seid und ich in euch bin.
21 Wer sich an meine Gebote hält und sie befolgt, der liebt mich wirklich. Und
wer mich liebt, den wird mein Vater lieben; und auch ich werde ihn lieben
und mich ihm zu erkennen geben.
22 Da fragte ihn Judas (der andere Judas, nicht Judas Iskariot): Herr, wie
kommt es denn, dass du dich nur uns zu erkennen geben willst und nicht der
Welt?
23 Jesus gab ihm zur Antwort: Wenn jemand mich liebt, wird er sich nach
meinem Wort richten. Mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm
kommen und bei ihm wohnen.
24 Wer mich nicht liebt, richtet sich nicht nach meinen Worten. Und was ich
euch sage, ist nicht mein Wort; ihr hört das Wort des Vaters, der mich
gesandt hat.
25 Diese Dinge sage ich euch, solange ich noch bei euch bin.
26 Der Helfer, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird,
wird euch alles ´Weitere` lehren und euch an alles erinnern, was ich euch
gesagt habe.
27 Was ich euch zurücklasse, ist Frieden: Ich gebe euch meinen Frieden –
einen Frieden, wie ihn die Welt nicht geben kann. Lasst euch durch nichts ´in
eurem Glauben` erschüttern, und lasst euch nicht entmutigen!
28 Ihr erinnert euch, dass ich zu euch gesagt habe: Ich gehe weg, und ich
komme wieder zu euch. Wenn ihr mich wirklich lieben würdet, würdet ihr
euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich.
29 Ich sage euch das alles, bevor es eintrifft, damit ihr, wenn es dann
geschieht, glaubt.
30 Viel werde ich nicht mehr mit euch reden können, denn der Herrscher
dieser Welt hat sich bereits gegen mich aufgemacht. Er findet zwar nichts an
mir, was ihm Macht über mich geben könnte,
31 aber die Welt soll erkennen, dass ich den Vater liebe und so handle, wie der
Vater es mir aufgetragen hat. Steht auf, wir wollen gehen!
Johannes 15
Jesus Christus – der Weinstock
1 Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weinbauer.
2 Jede Rebe an mir, die nicht Frucht trägt, schneidet er ab; eine Rebe aber,
die Frucht trägt, schneidet er zurück; so reinigt er sie, damit sie noch mehr
Frucht hervorbringt.
3 Ihr seid schon rein; ihr seid es aufgrund des Wortes, das ich euch verkündet
habe.
4 Bleibt in mir, und ich werde in euch bleiben. Eine Rebe kann nicht aus sich
selbst heraus Frucht hervorbringen; sie muss am Weinstock bleiben. Genauso
wenig könnt ihr Frucht hervorbringen, wenn ihr nicht in mir bleibt.
5 Ich bin der Weinstock, und ihr seid die Reben. Wenn jemand in mir bleibt
und ich in ihm bleibe, trägt er reiche Frucht; ohne mich könnt ihr nichts tun.
6 Wenn jemand nicht in mir bleibt, geht es ihm wie der ´unfruchtbaren` Rebe:
Er wird weggeworfen und verdorrt. Die verdorrten Reben werden
zusammengelesen und ins Feuer geworfen, wo sie verbrennen.
7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, könnt ihr bitten,
um was ihr wollt: Eure Bitte wird erfüllt werden.
8 Dadurch, dass ihr reiche Frucht tragt und euch als meine Jünger erweist,
wird die Herrlichkeit meines Vaters offenbart.
9 Wie mich der Vater geliebt hat, so habe ich euch geliebt. Bleibt in meiner
Liebe!
10 Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie
ich immer die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe
bleibe.
11 Ich sage euch das, damit meine Freude euch erfüllt und eure Freude
vollkommen ist.
12 Liebt einander, wie ich euch geliebt habe; das ist mein Gebot.
13 Niemand liebt seine Freunde mehr als der, der sein Leben für sie hergibt.
14 Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete.
15 Ich nenne euch Freunde und nicht mehr Diener. Denn ein Diener weiß
nicht, was sein Herr tut; ich aber habe euch alles mitgeteilt, was ich von
meinem Vater gehört habe.
16 Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt: Ich habe euch
dazu bestimmt, zu gehen und Frucht zu tragen – Frucht, die Bestand hat.
Wenn ihr dann den Vater in meinem Namen um etwas bittet, wird er es euch
geben, was immer es auch sei.
17 Einander zu lieben – das ist das Gebot, das ich euch gebe.
18 Wenn die Welt euch hasst, dann denkt daran, dass sie mich schon vor euch
gehasst hat.
19 Sie würde euch lieben, wenn ihr zu ihr gehören würdet, denn die Welt liebt
ihresgleichen. Doch ihr gehört nicht zur Welt; ich habe euch aus der Welt
heraus erwählt. Das ist der Grund, warum sie euch hasst.
20 Denkt an das, was ich euch gesagt habe: Ein Diener ist nicht größer als sein
Herr. Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen. Wenn
sie sich nach meinem Wort gerichtet haben, werden sie sich auch nach eurem
Wort richten.
21 Doch alles, was sie gegen euch unternehmen, ist gegen meinen Namen
gerichtet; denn sie kennen den nicht, der mich gesandt hat.
22 Wenn ich nicht gekommen wäre und zu ihnen gesprochen hätte, hätten sie
keine Schuld. So aber haben sie keine Entschuldigung für ihre Sünde.
23 Wer mich hasst, hasst auch meinen Vater.
24 Wenn ich nicht Dinge unter ihnen getan hätte, die kein anderer je getan
hat, hätten sie keine Schuld. Nun haben sie diese Dinge aber gesehen, und
trotzdem hassen sie sowohl mich als auch meinen Vater.
25 Doch es musste so kommen, weil sich erfüllen sollte, was in ihrem Gesetz
steht: Sie haben mich ohne Grund gehasst.
26 Wenn der Helfer kommen wird, wird er mein Zeuge sein – der Geist der
Wahrheit, der vom Vater kommt und den ich zu euch senden werde, wenn
ich beim Vater bin.
27 Und auch ihr seid meine Zeugen, denn ihr seid von Anfang an bei mir
gewesen.
Johannes 16
1 Ich sage euch diese Dinge, damit ihr euch durch nichts ´vom Glauben`
abbringen lasst.
2 Man wird euch aus den Synagogen ausschließen. Ja, es kommt eine Zeit, wo
jeder, der euch tötet, meint, Gott damit einen Dienst zu erweisen.
3 Das alles werden sie deshalb tun, weil sie weder den Vater noch mich
kennen.
4 Wenn jene Zeit kommt, sollt ihr euch daran erinnern können, dass ich euch
diese Dinge angekündigt habe. Darum spreche ich ´im Voraus` mit euch
darüber. Bisher habe ich nicht mit euch darüber gesprochen, weil ich ja bei
euch war.
5 Aber jetzt gehe ich zu dem, der mich gesandt hat. Und keiner von euch fragt
mich: Wohin gehst du?
6 Denn ihr seid erfüllt von tiefer Traurigkeit über das, was ich euch sage.
7 Doch glaubt mir: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht
von euch wegginge, käme der Helfer nicht zu euch; wenn ich aber gehe,
werde ich ihn zu euch senden.
8 Und wenn er kommt, wird er der Welt zeigen, dass sie im Unrecht ist; er
wird den Menschen die Augen öffnen für die Sünde, für die Gerechtigkeit und
für das Gericht.
9 Er wird ihnen zeigen, worin ihre Sünde besteht: darin, dass sie nicht an
mich glauben.
10 Er wird ihnen zeigen, worin sich ´Gottes` Gerechtigkeit erweist: darin, dass
ich zum Vater gehe, wenn ´ich euch verlasse und` ihr mich nicht mehr seht.
11 Und was das Gericht betrifft, wird er ihnen zeigen, dass der Herrscher
dieser Welt verurteilt ist.
12 Ich hätte euch noch viel zu sagen, aber ihr wärt jetzt überfordert.
13 Doch wenn der ´Helfer` kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch zum
vollen Verständnis der Wahrheit führen. Denn was er sagen wird, wird er
nicht aus sich selbst heraus sagen; er wird das sagen, was er hört. Und er
wird euch die zukünftigen Dinge verkünden.
14 Er wird meine Herrlichkeit offenbaren; denn was er euch verkünden wird,
empfängt er von mir.
15 Alles, was der Vater hat, gehört auch mir. Aus diesem Grund sage ich: Was
er euch verkünden wird, empfängt er von mir.
Die Traurigkeit der Jünger wird sich in Freude verwandeln
16 Es dauert nur noch kurze Zeit, dann werdet ihr mich nicht mehr sehen. Und
es dauert noch einmal eine kurze Zeit, dann werdet ihr mich wiedersehen.
17 Einige seiner Jünger sagten zueinander: Was meint er damit, wenn er zu
uns sagt: Es dauert nur noch kurze Zeit, dann werdet ihr mich nicht mehr
sehen. Und es dauert noch einmal eine kurze Zeit, dann werdet ihr mich
wiedersehen? Und was bedeutet es, wenn er sagt: Ich gehe zum Vater?
18 Sie überlegten hin und her: Eine kurze Zeit, hat er gesagt. Was heißt das?
Wir wissen nicht, wovon er redet.
19 Jesus merkte, dass sie ihn gern gefragt hätten. Er sagte zu ihnen: Überlegt
ihr miteinander, was ich meinte, als ich sagte: Es dauert nur noch kurze Zeit,
dann werdet ihr mich nicht mehr sehen. Und es dauert noch einmal eine
kurze Zeit, dann werdet ihr mich wiedersehen?
20 Ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich
freuen. Ihr werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit wird sich in Freude
verwandeln.
21 Es geht euch wie der Frau, die ein Kind bekommt: Während der Geburt
macht sie Schweres durch, aber wenn das Kind dann geboren ist, sind alle
Schmerzen vergessen, so groß ist ihre Freude über das Kind, das sie zur Welt
gebracht hat.
22 Auch ihr seid jetzt traurig; doch ich werde wieder zu euch kommen. Dann
wird euer Herz voll Freude sein, und diese Freude kann euch niemand mehr
nehmen.
23 An jenem Tag werdet ihr mich nichts mehr zu fragen brauchen. Ich
versichere euch: Wenn ihr dann den Vater in meinem Namen um etwas bittet,
wird er es euch geben.
24 Bisher habt ihr nichts in meinem Namen erbeten. Bittet, und ihr werdet
empfangen; dann wird eure Freude vollkommen sein.
25 Bisher habe ich mit Hilfe von Bildern zu euch gesprochen. Aber es kommt
eine Zeit, wo ich nicht mehr in dieser Weise mit euch reden werde; frei und
offen werde ich dann über den Vater zu euch sprechen.
26 Wenn jene Zeit gekommen ist, werdet ihr ihn in meinem Namen bitten. Ich
sage nicht, dass ich dann den Vater für euch bitten werde.
27 Denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, weil ihr mich liebt und daran
glaubt, dass ich von Gott gekommen bin.
28 Ja, vom Vater ´gesandt,` bin ich in die Welt gekommen. Und jetzt verlasse
ich die Welt wieder und gehe zum Vater zurück.
29 Da sagten seine Jünger: Jetzt redest du frei und offen und nicht mehr in
Bildern.
30 Wir wissen jetzt, dass du alles weißt; du kennst unsere Fragen, bevor wir
sie dir stellen. Darum glauben wir, dass du von Gott gekommen bist. –
31 Jetzt glaubt ihr?, sagte Jesus.
32 Seht, die Zeit kommt, ja sie ist schon da, wo ihr davonlaufen werdet, jeder
dorthin, wo er herkommt, und mich werdet ihr allein lassen. Aber ich bin
nicht allein; der Vater ist bei mir.
33 Ich habe euch das alles gesagt, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt
werdet ihr hart bedrängt. Doch ihr braucht euch nicht zu fürchten: Ich habe
die Welt besiegt.
Johannes 17
Jesus betet …
1 Nachdem Jesus so ´zu seinen Jüngern` gesprochen hatte, blickte er zum
Himmel auf und betete: Vater, die Zeit ist jetzt da. Offenbare die Herrlichkeit
deines Sohnes, damit der Sohn deine Herrlichkeit offenbart.
für sich selbst
2 Du hast ihm ja Macht über die ganze Menschheit gegeben, damit er allen,
die du ihm anvertraut hast, das ewige Leben schenkt.
3 Und das ewige Leben zu haben heißt, dich zu kennen, den einzigen wahren
Gott, und den zu kennen, den du gesandt hast, Jesus Christus.
4 Ich habe das Werk vollendet, das du mir aufgetragen hast: Ich habe hier auf
der Erde deine Herrlichkeit offenbart.
5 Und nun, Vater, gib mir, wenn ich wieder bei dir bin, von neuem die
Herrlichkeit, die ich schon vor der Erschaffung der Welt bei dir hatte.
für seine Jünger
6 Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt
gegeben hast. Sie gehörten dir, du hast sie mir gegeben, und sie haben sich
nach deinem Wort gerichtet.
7 Sie wissen jetzt, dass alles, was du mir gegeben hast, tatsächlich von dir
kommt.
8 Denn was du mir gesagt hast, habe ich ihnen mitgeteilt, und sie haben es
angenommen und haben erkannt, dass ich wirklich von dir gekommen bin;
sie sind zu der Überzeugung gelangt und glauben daran, dass du mich
gesandt hast.
9 Für sie bete ich. Ich bete nicht für die Welt, sondern für die, die du mir
gegeben hast; denn sie sind dein Eigentum.
10 Alles, was mir gehört, gehört dir, und was dir gehört, gehört mir; und
meine Herrlichkeit ist ihnen offenbar geworden.
11 Bald bin ich nicht mehr in der Welt, ich komme ja zu dir. Sie aber sind
noch in der Welt. Vater, du heiliger Gott, der du mir deine Macht gegeben
hast, die Macht deines Namens, bewahre sie durch diese Macht, damit sie
eins sind wie wir.
12 Solange ich bei ihnen war, habe ich sie durch die Macht bewahrt, die du
mir gegeben hast, die Macht deines Namens. Ich habe sie beschützt, und
keiner von ihnen ist verloren gegangen – keiner außer dem, der verloren
gehen musste; doch das geschah, weil sich erfüllen sollte, was in der Schrift
vorausgesagt ist.
13 Jetzt aber komme ich zu dir. Ich sage das alles, solange ich noch hier in der
Welt ´bei ihnen` bin, damit meine Freude sie ganz erfüllt.
14 Ich habe ihnen dein Wort weitergegeben, und nun hasst sie die Welt, weil
sie nicht zu ihr gehören, so wie auch ich nicht zu ihr gehöre.
15 Ich bitte dich nicht, sie aus der Welt herauszunehmen; aber ich bitte dich,
sie vor dem Bösen zu bewahren.
16 Sie gehören nicht zur Welt, so wenig wie ich zur Welt gehöre.
17 Mach sie durch die Wahrheit zu Menschen, die dir geweiht sind. Dein Wort
ist die Wahrheit.
18 So wie du mich in die Welt gesandt hast, habe ich auch sie in die Welt
gesandt.
19 Und für sie weihe ich mich dir, damit auch sie durch die Wahrheit dir
geweiht sind.
20 Ich bete aber nicht nur für sie, sondern auch für die Menschen, die auf ihr
Wort hin an mich glauben werden.
21 Ich bete darum, dass sie alle eins sind – sie in uns, so wie du, Vater, in mir
bist und ich in dir bin. Dann wird die Welt glauben, dass du mich gesandt
hast.
22 Die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich nun auch ihnen
gegeben, damit sie eins sind, so wie wir eins sind.
23 Ich in ihnen und du in mir – so sollen sie zur völligen Einheit gelangen,
damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und dass sie von dir
geliebt sind, wie ich von dir geliebt bin.
24 Vater, ich will, dass die, die du mir gegeben hast, dort sind, wo ich bin. Sie
sollen bei mir sein, damit sie meine Herrlichkeit sehen – die Herrlichkeit, die
du mir gabst, weil du mich schon vor der Erschaffung der Welt geliebt hast.
25 Vater, du gerechter Gott, die Welt kennt dich nicht; aber ich kenne dich,
und diese hier haben erkannt, dass du mich gesandt hast.
26 Ich habe ihnen deinen Namen offenbart und werde es auch weiterhin tun,
damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, auch in ihnen ist, ja damit ich
selbst in ihnen bin.
Johannes 18
Jesu Leiden und Sterben und seine Auferstehung
(Kapitel18 bis 20)
1 Danach verließ Jesus mit seinen Jüngern die Stadt. Sie überquerten den
Kidronbach und gingen in einen Garten, der sich auf der anderen Seite des
Tals befand.
2 Jesus war oft zusammen mit seinen Jüngern dort gewesen; deshalb kannte
auch Judas, der Verräter, diesen Ort.
3 Jetzt kam er dorthin, begleitet von Soldaten der römischen
Besatzungstruppe und von den Männern der Tempelwache, die ihm die
führenden Priester und die Pharisäer zur Verfügung gestellt hatten. Sie waren
bewaffnet und trugen Laternen und Fackeln.
4 Jesus wusste genau, was ihm bevorstand. Er ging ihnen bis vor den Eingang
des Gartens entgegen und fragte sie: Wen sucht ihr?
5 Judas, der Verräter, stand dabei. Jesus von Nazaret, antworteten sie. Ich bin
es, erklärte Jesus.
6 Als er zu ihnen sagte: Ich bin es, wichen sie zurück und fielen zu Boden.
7 Jesus fragte sie noch einmal: Wen sucht ihr? – Jesus von Nazaret,
erwiderten sie.
8 Ich habe euch doch gesagt, dass ich es bin, sagte Jesus. Wenn ich der bin,
den ihr sucht, dann lasst die anderen hier gehen.
9 So sollte sich Jesu eigenes Wort erfüllen: Von denen, die du mir gegeben
hast, habe ich keinen verloren gehen lassen.
10 Simon Petrus hatte ein Schwert bei sich. Er zog es, ging damit auf den
Diener des Hohenpriesters los, einen Mann namens Malchus, und schlug ihm
das rechte Ohr ab.
11 Da sagte Jesus zu Petrus: Steck das Schwert weg! Soll ich den ´bitteren`
Kelch, den mir der Vater gegeben hat, etwa nicht trinken?
12 Die römischen Soldaten unter der Führung ihres Offiziers und die Männer
der Tempelwache, die von den Juden geschickt worden waren, nahmen Jesus
nun fest. Sie fesselten ihn
13 und brachten ihn als Erstes zu Hannas. Hannas war der Schwiegervater von
Kajafas, der in jenem Jahr Hoherpriester war.
14 Kajafas war es gewesen, der den Juden klar gemacht hatte, dass es in ihrem
Interesse sei, wenn ein Mensch für das Volk stirbt.
15 Simon Petrus und ein anderer Jünger folgten Jesus, ´als er abgeführt
wurde`. Dieser andere Jünger war mit dem Hohenpriester bekannt und
konnte deshalb bis in den Innenhof des hohepriesterlichen Palastes mitgehen.
16 Petrus aber blieb draußen vor dem Tor stehen. Da kam der andere Jünger,
der Bekannte des Hohenpriesters, wieder zurück, redete mit der Pförtnerin
und nahm dann Petrus mit hinein.
17 Die Pförtnerin fragte Petrus: Bist du nicht auch einer von den Jüngern
dieses Mannes? – Nein, antwortete Petrus, das bin ich nicht.
18 Die Diener ´des hohepriesterlichen Hauses` und die Männer der
Tempelwache hatten ein Kohlenfeuer angezündet, weil es kalt war; sie
standen um das Feuer herum und wärmten sich. Petrus stellte sich zu ihnen
und wärmte sich ebenfalls.
19 Inzwischen befragte der Hohepriester Jesus über seine Jünger und über
seine Lehre.
20 Jesus erklärte: Ich habe immer frei und offen geredet und so, dass alle Welt
es hören konnte. Ich habe nie im Geheimen gelehrt, sondern immer in den
Synagogen und im Tempel, wo alle Juden zusammenkommen.
21 Warum fragst du mich also? Frag die, die mich gehört haben; sie wissen,
was ich gesagt habe.
22 Empört über diese Worte, schlug ihn einer der Gerichtsdiener, die
dabeistanden, ins Gesicht und sagte: Wie kannst du es wagen, dem
Hohenpriester so eine Antwort zu geben?
23 Jesus entgegnete: Wenn an dem, was ich gesagt habe, etwas Unrechtes war,
dann beweise es. Wenn ich aber nichts Unrechtes gesagt habe, warum
behandelst du mich so?
24 Hannas ließ Jesus daraufhin gefesselt vor den Hohenpriester Kajafas
bringen.
25 Simon Petrus stand immer noch beim Feuer und wärmte sich. Da wurde er
gefragt: Bist du nicht auch einer von seinen Jüngern? Petrus stritt es ab. Ich
bin es nicht, sagte er.
26 Einer der Diener des Hohenpriesters, ein Verwandter des Mannes, dem
Petrus das Ohr abgeschlagen hatte, sagte: Habe ich dich nicht dort im Garten
bei ihm gesehen?
27 Wieder stritt Petrus ab, ´etwas mit Jesus zu tun zu haben`. Im selben
Augenblick krähte ein Hahn.
28 Die, die Jesus verhört hatten, brachten ihn nun vom ´Haus des` Kajafas
zum Prätorium, ´dem Amtssitz des römischen Gouverneurs`; es war jetzt früh
am Morgen. Sie selbst betraten das Gebäude nicht, um die
Reinheitsvorschriften nicht zu verletzen; sie hätten sonst nicht am Passafest
teilnehmen können.
29 Deshalb kam Pilatus zu ihnen heraus. Was für eine Anklage erhebt ihr
gegen diesen Mann?, fragte er.
30 Sie erwiderten: Wenn er kein Verbrecher wäre, hätten wir ihn nicht zu dir
gebracht.
31 Da sagte Pilatus: Nehmt doch ihr ihn und richtet ihn nach eurem Gesetz!
Die Juden entgegneten: Wir haben nicht das Recht, jemand hinzurichten.
32 So sollte sich das Wort erfüllen, mit dem Jesus angedeutet hatte, auf
welche Weise er sterben werde.
33 Pilatus ging ins Prätorium zurück und ließ Jesus vorführen. Bist du der
König der Juden?, fragte er ihn.
34 Jesus erwiderte: Bist du selbst auf diesen Gedanken gekommen, oder haben
andere dir das über mich gesagt? –
35 Bin ich etwa ein Jude?, gab Pilatus zurück. Dein eigenes Volk und die
führenden Priester haben dich mir übergeben. Was hast du getan?
36 Jesus antwortete: Das Reich, dessen König ich bin, ist nicht von dieser
Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, dann hätten meine Diener für mich
gekämpft, damit ich nicht den Juden in die Hände falle. Nun ist aber mein
Reich nicht von dieser Erde.
37 Da sagte Pilatus zu ihm: Dann bist du also tatsächlich ein König? Jesus
erwiderte: Du hast Recht – ich bin ein König. Ich bin in die Welt gekommen,
um für die Wahrheit Zeuge zu sein; dazu bin ich geboren. Jeder, der auf der
Seite der Wahrheit steht, hört auf meine Stimme. –
38 Wahrheit?, sagte Pilatus zu ihm. Was ist Wahrheit? Damit brach Pilatus das
Verhör ab und ging wieder zu den Juden hinaus. Ich kann keine Schuld an
ihm finden, erklärte er.
39 Nun habt ihr ja nach eurem Brauch Anspruch darauf, dass ich euch am
Passafest einen Gefangenen freigebe. Wollt ihr, dass ich euch den König der
Juden freigebe? –
40 Nein, den nicht!, schrien sie zurück. Wir wollen Barabbas! Dieser Barabbas
war ein Verbrecher.
Johannes 19
Jesus wird von den Soldaten misshandelt und verspottet
1 Daraufhin ließ Pilatus Jesus abführen und auspeitschen.
2 Nachdem die Soldaten ihn ausgepeitscht hatten, flochten sie aus
Dornenzweigen eine Krone, setzten sie Jesus auf den Kopf und hängten ihm
einen purpurfarbenen Mantel um.
3 Dann stellten sie sich vor ihn hin, riefen: Es lebe der König der Juden! und
schlugen ihm dabei ins Gesicht.
4 Anschließend wandte sich Pilatus ein weiteres Mal an die Menge. Er ging
hinaus und sagte: Ich bringe ihn jetzt zu euch heraus. Ihr sollt wissen, dass
ich keine Schuld an ihm finden kann.
5 Jesus trat heraus. Auf dem Kopf trug er die Dornenkrone, und er hatte den
Purpurmantel um. Pilatus sagte zu der Menge: Hier ist er jetzt, der Mensch!
6 Aber sowie die führenden Priester und ihre Leute Jesus erblickten, schrien
sie: Lass ihn kreuzigen! Lass ihn kreuzigen! – Nehmt ihn doch selbst und
kreuzigt ihn!, erwiderte Pilatus. Ich jedenfalls kann keine Schuld an ihm
finden. –
7 Wir haben ein Gesetz, hielten ihm die Juden entgegen, und nach diesem
Gesetz muss er sterben, weil er behauptet hat, er sei Gottes Sohn.
8 Als Pilatus das hörte, wurde ihm noch unheimlicher zumute.
9 Er ging ins Prätorium zurück und fragte Jesus: Woher bist du eigentlich?
Aber Jesus gab ihm keine Antwort.
10 Du weigerst dich, mit mir zu reden?, sagte Pilatus. Weißt du nicht, dass es
in meiner Macht steht, dich freizulassen, aber dass ich auch die Macht habe,
dich kreuzigen zu lassen?
11 Jesus erwiderte: Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von
oben gegeben wäre. Deshalb trägt der, der mich dir übergeben hat, eine
größere Schuld.
12 Daraufhin machte Pilatus noch einmal einen Versuch, Jesus freizulassen.
Doch die Juden schrien: Wenn du den freilässt, bist du nicht mehr der Freund
des Kaisers! Jeder, der sich selbst zum König macht, stellt sich gegen den
Kaiser.
13 Diese Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. Pilatus ließ Jesus auf den Platz
herausführen, den man das Steinpflaster nannte und der auf
hebräisch Gabbata hieß. Dort nahm Pilatus auf dem Richterstuhl Platz.
14 Es war der Rüsttag in der Passafestzeit, und es war inzwischen etwa zwölf
Uhr mittags. Pilatus sagte zu den Juden: Seht da, euer König!
15 Doch sie schrien: Weg mit ihm! Weg mit ihm! Lass ihn kreuzigen! – Euren
König soll ich kreuzigen lassen?, fragte Pilatus. Wir haben keinen König
außer dem Kaiser!, entgegneten die führenden Priester.
16 Da gab Pilatus ihrer Forderung nach und befahl, Jesus zu kreuzigen. Jesus
wurde abgeführt.
17 Er trug sein Kreuz selbst aus der Stadt hinaus zu der so genannten
Schädelstätte; auf hebräisch heißt sie Golgata.
18 Dort kreuzigte man ihn und mit ihm zwei andere, einen auf jeder Seite;
Jesus hing in der Mitte.
19 Pilatus ließ ein Schild am Kreuz anbringen, das die Aufschrift trug: Jesus
von Nazaret, König der Juden.
20 Dieses Schild wurde von vielen Juden gelesen; denn der Ort, an dem Jesus
gekreuzigt wurde, war ganz in der Nähe der Stadt, und die Aufschrift war
hebräisch, lateinisch und griechisch abgefasst.
21 Die führenden Priester des jüdischen Volkes erhoben Einspruch. Es darf
nicht heißen: König der Juden, sagten sie zu Pilatus. Schreibe: Dieser Mann
hat behauptet: Ich bin der König der Juden.
22 Pilatus erwiderte: Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.
23 Die Soldaten, die Jesus gekreuzigt hatten, nahmen seine Kleider und teilten
sie unter sich auf; sie waren zu viert. Beim Untergewand stellten sie fest, dass
es von oben bis unten durchgehend gewebt war, ohne jede Naht.
24 Das zerschneiden wir nicht, sagten sie zueinander. Wir lassen das Los
entscheiden, wer es bekommt. So sollte sich erfüllen, was in der Schrift
vorausgesagt war: Sie haben meine Kleider unter sich verteilt; um mein
Gewand haben sie das Los geworfen. Genau das taten die Soldaten.
25 Bei dem Kreuz, an dem Jesus hing, standen seine Mutter und ihre
Schwester sowie Maria, die Frau von Klopas, und Maria aus Magdala.
26 Als Jesus seine Mutter sah und neben ihr den Jünger, den er besonders
geliebt hatte, sagte er zu seiner Mutter: Liebe Frau, das ist jetzt dein Sohn!
27 Dann wandte er sich zu dem Jünger und sagte: Sieh, das ist jetzt deine
Mutter! Da nahm der Jünger die Mutter Jesu zu sich und sorgte von da an für
sie.
28 Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war. Und weil sich das, was in der
Schrift vorausgesagt war, bis ins Letzte erfüllen sollte, sagte er: Ich habe
Durst!
29 Da tauchten die Soldaten einen Schwamm in ein Gefäß mit Weinessig, das
dort stand, steckten ihn auf einen Ysopstängel und hielten ihn Jesus an den
Mund.
30 Nachdem er ein wenig von dem Essig genommen hatte, sagte er: Es ist
vollbracht. Dann neigte er den Kopf und starb.
31 Es war Rüsttag, ´der Tag vor dem Sabbat,` und die führenden Männer des
jüdischen Volkes wollten nicht, dass die Gekreuzigten den Sabbat über am
Kreuz hängen blieben, umso mehr als dieser Sabbat ein besonders hoher
Feiertag war. Deshalb baten sie Pilatus, dass man den Männern, ´die am
Kreuz hingen,` die Beine brach und sie, ´sobald der Tod eingetreten war,`
herunterholte.
32 Die Soldaten gingen zunächst zu dem einen von den beiden, die mit Jesus
gekreuzigt worden waren, und brachen ihm die Beine. Dasselbe taten sie mit
dem anderen.
33 Als sie jedoch zu Jesus kamen und feststellten, dass er bereits tot war,
brachen sie ihm die Beine nicht.
34 Einer von den Soldaten allerdings stach mit der Lanze in seine Seite,
worauf sofort Blut und Wasser aus der Wunde traten.
35 Das bezeugt der, der es mit eigenen Augen gesehen hat, und sein Bericht ist
wahr; er weiß, dass er die Wahrheit sagt. Und er bezeugt es, damit auch ihr
glaubt.
36 Diese Dinge sind geschehen, weil sich erfüllen sollte, was in der Schrift
vorausgesagt ist: Es wird ihm kein Knochen gebrochen werden.
37 Und an einer anderen Stelle der Schrift heißt es: Sie werden auf den
blicken, den sie durchbohrt haben.
38 Nun ging Josef, ein Mann aus Arimatäa, zu Pilatus und bat ihn, den
Leichnam Jesu vom Kreuz abnehmen zu dürfen. Josef war ein Jünger Jesu –
allerdings nur heimlich, weil er sich vor den ´führenden` Juden fürchtete. Als
Johannes 20
Das leere Grab: Jesus ist auferstanden
1 Am ersten Tag der neuen Woche, frühmorgens, als es noch dunkel war, ging
Maria aus Magdala zum Grab. Sie sah, dass der Stein, mit dem man das Grab
verschlossen hatte, nicht mehr vor dem Eingang war.
2 Da lief sie zu Simon Petrus und zu dem Jünger, den Jesus besonders lieb
gehabt hatte, und berichtete ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab
weggenommen, und wir wissen nicht, wohin sie ihn gebracht haben.
3 Sofort machten sich Petrus und der andere Jünger auf den Weg und gingen
zum Grab hinaus.
4 Die beiden liefen zusammen los, aber der andere Jünger war schneller als
Petrus und erreichte das Grab als Erster.
5 Er beugte sich vor, um hineinzuschauen, und sah die Leinenbinden daliegen;
aber er ging nicht hinein.
6 Simon Petrus jedoch, der inzwischen auch angekommen war, ging in die
Grabkammer hinein. Er sah die Leinenbinden daliegen
7 und sah auch das Tuch, das man dem Toten um den Kopf gewickelt hatte. Es
lag zusammengerollt an einer anderen Stelle, nicht bei den Binden.
8 Jetzt ging auch der Jünger, der zuerst angekommen war, ins Grab hinein
und sah alles. Und er glaubte.
9 Nach der Schrift stand es ja fest, dass Jesus von den Toten auferstehen
würde; aber das verstanden sie damals noch nicht.
10 Die beiden Jünger gingen nun wieder nach Hause.
11 Maria aber blieb draußen vor dem Grab stehen; sie weinte. Und während
sie weinte, beugte sie sich vor, um ins Grab hineinzuschauen.
12 Da sah sie an der Stelle, wo der Leib Jesu gelegen hatte, zwei Engel in
weißen Gewändern sitzen, den einen am Kopfende und den anderen am
Fußende.
13 Warum weinst du, liebe Frau?, fragten die Engel. Maria antwortete: Sie
haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin sie ihn
gebracht haben.
14 Auf einmal stand Jesus hinter ihr. Sie drehte sich nach ihm um und sah ihn,
erkannte ihn jedoch nicht.
15 Warum weinst du, liebe Frau?, fragte er sie. Wen suchst du? Maria dachte,
es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast,
sag mir bitte, wo du ihn hingelegt hast, dann hole ich ihn wieder. –
16 Maria!, sagte Jesus. Da wandte sie sich um und rief: Rabbuni! (Das
bedeutet Meister; Maria gebrauchte den hebräischen Ausdruck.)
17 Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest! Ich bin noch nicht zum Vater in
den Himmel zurückgekehrt. Geh zu meinen Brüdern und sag ihnen, dass ich
zu ihm zurückkehre – zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott
und eurem Gott.
18 Da ging Maria aus Magdala zu den Jüngern zurück. Ich habe den Herrn
gesehen!, verkündete sie und erzählte ihnen, was er zu ihr gesagt hatte.
19 Es war am Abend jenes ersten Tages der neuen Woche. Die Jünger hatten
solche Angst vor den Juden, dass sie die Türen des Raumes, in dem sie
beisammen waren, verschlossen hielten. Mit einem Mal kam Jesus, trat in
ihre Mitte und grüßte sie mit den Worten: Friede sei mit euch!
20 Dann zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Als die Jünger den Herrn
sahen, wurden sie froh.
21 Friede sei mit euch!, sagte Jesus noch einmal zu ihnen. Wie der Vater mich
gesandt hat, so sende ich jetzt euch.
22 Und er hauchte sie an und sagte: Empfangt ´den` Heiligen Geist!
23 Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr sie nicht
vergebt, dem sind sie nicht vergeben.
24 Thomas, auch Didymus genannt, einer der Zwölf, war nicht dabei gewesen,
als Jesus zu den Jüngern gekommen war.
25 Die anderen erzählten ihm: Wir haben den Herrn gesehen! Thomas
erwiderte: Erst muss ich seine von den Nägeln durchbohrten Hände sehen;
ich muss meinen Finger auf die durchbohrten Stellen und meine Hand in
seine durchbohrte Seite legen. Vorher glaube ich es nicht.
26 Acht Tage später waren die Jünger wieder beisammen; diesmal war auch
Thomas dabei. Mit einem Mal kam Jesus, obwohl die Türen verschlossen
waren, zu ihnen herein. Er trat in ihre Mitte und grüßte sie mit den Worten:
Friede sei mit euch!
27 Dann wandte er sich Thomas zu. Leg deinen Finger auf diese Stelle hier und
sieh dir meine Hände an!, forderte er ihn auf. Reich deine Hand her und leg
sie in meine Seite! Und sei nicht mehr ungläubig, sondern glaube!
28 Thomas sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott!
29 Jesus erwiderte: Jetzt, wo du mich gesehen hast, glaubst du. Glücklich zu
nennen sind die, die nicht sehen und trotzdem glauben.
30 Jesus tat in der Gegenwart seiner Jünger noch viele andere Wunder, durch
die er seine Macht bewies, die aber nicht in diesem Buch aufgezeichnet sind.
31 Was hier berichtet ist, wurde aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus
der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben an ihn in
seinem Namen das Leben habt.
Johannes 21
Der Auferstandene erscheint seinen Jüngern am See von Tiberias
1 Jesus zeigte sich seinen Jüngern später noch ein weiteres Mal. Er erschien
ihnen am See von Tiberias,
2 wo Simon Petrus, Thomas – auch Didymus genannt – , Natanaël aus Kana in
Galiläa, die Söhne des Zebedäus und noch zwei andere Jünger zusammen
waren.
3 Simon Petrus sagte: Ich gehe fischen. – Wir auch, sagten die anderen, wir
kommen mit. Sie gingen zum Boot hinaus und legten ab, aber in jener Nacht
fingen sie nichts.
4 Als es dann Tag wurde, stand Jesus am Ufer, doch die Jünger erkannten ihn
nicht.
5 Kinder, rief er ihnen zu, habt ihr nicht ein paar Fische für das Frühstück? –
Nein, riefen sie zurück, nicht einen einzigen! –
6 Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus!, forderte er sie auf. Ihr
werdet sehen, dass ihr etwas fangt. Sie warfen das Netz aus, aber dann
konnten sie es nicht mehr einholen, solch eine Menge Fische hatten sie
gefangen.
7 Da sagte jener Jünger, den Jesus besonders liebte, zu Petrus: Es ist der Herr!
Als Simon Petrus ihn sagen hörte: Es ist der Herr, warf er sich das
Obergewand über, das er bei der Arbeit abgelegt hatte, band es fest und
sprang ins Wasser, ´um schneller am Ufer zu sein`.
8 Die anderen Jünger kamen mit dem Boot nach, das Netz mit den Fischen im
Schlepptau. Sie hatten es nicht weit bis zum Ufer – nur etwa hundert Meter.
9 Als sie aus dem Boot stiegen und an Land gingen, sahen sie ein Kohlenfeuer,
auf dem Fische brieten; auch Brot lag dabei.
10 Bringt ein paar von den Fischen, die ihr eben gefangen habt!, forderte Jesus
sie auf.
11 Da stieg Simon Petrus ins Boot und zog das Netz an Land. Es war voll von
großen Fischen, im Ganzen hundertdreiundfünfzig. Und trotz dieser Menge
riss das Netz nicht.
12 Kommt her und esst!, sagte Jesus. Die Jünger hätten ihn am liebsten
gefragt: Wer bist du? Aber keiner von ihnen wagte es; sie wussten, dass es der
Herr war.
13 Jesus trat ´ans Feuer`, nahm das Brot und gab es ihnen, und ebenso den
Fisch.
14 Das war nun schon das dritte Mal, dass Jesus seinen Jüngern erschien,
nachdem er von den Toten auferstanden war.
15 Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des
Johannes, liebst du mich mehr als irgendein anderer hier? Petrus gab ihm zur
Antwort: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Darauf sagte Jesus zu
ihm: Sorge für meine Lämmer!
16 Jesus fragte ihn ein zweites Mal: Simon, Sohn des Johannes, liebst du
mich? Petrus antwortete: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Da sagte
Jesus zu ihm: Hüte meine Schafe!
17 Jesus fragte ihn ein drittes Mal: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich
lieb? Petrus wurde traurig, weil Jesus ihn nun schon zum dritten Mal fragte:
Hast du mich lieb? – Herr, du weißt alles, erwiderte er. Du weißt, dass ich
dich lieb habe. Darauf sagte Jesus zu ihm: Sorge für meine Schafe!
18 Ich möchte dir etwas sagen: Als du noch jung warst, hast du dir den Gürtel
selbst umgebunden und bist gegangen, wohin du wolltest. Doch wenn du
einmal alt bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dir
den Gürtel umbinden und dich dahin führen, wo du nicht hingehen willst.
19 Jesus deutete damit an, auf welche Weise Petrus sterben würde und dass
durch seinen Tod die Herrlichkeit Gottes offenbart würde. Er schloss, indem
er sagte: Folge mir nach!
20 Petrus wandte sich um und sah, dass der Jünger, den Jesus besonders
liebte, ihnen folgte – jener Jünger, der sich damals beim Abendessen zu Jesus
hinübergelehnt und ihn gefragt hatte: Herr, wer wird dich verraten?
21 Als Petrus ihn sah, fragte er Jesus: Herr, und was wird aus diesem hier?
22 Jesus erwiderte: Wenn ich will, dass er am Leben bleibt, bis ich
wiederkomme, was geht dich das an? Folge du mir nach!
23 Unter den Gläubigen verbreitete sich daraufhin das Gerücht, jener Jünger
werde nicht sterben. Dabei hatte Jesus zu Petrus gar nicht gesagt, der Jünger
werde nicht sterben; er hatte nur gesagt: Wenn ich will, dass er am Leben
bleibt, bis ich wiederkomme, was geht dich das an?
24 Der Jünger, ´von dem Jesus das sagte,`ist auch der, der ´alle` diese Dinge
bezeugt. Er hat sie niedergeschrieben, und wir wissen, dass sein Bericht wahr
ist.
25 Es gäbe noch vieles andere zu berichten, was Jesus getan hat. Wenn alles
einzeln aufgeschrieben würde – ich glaube, die Welt wäre zu klein, um all die
Bücher zu fassen, die man dann schreiben müsste.
DIE APOSTELGESCHICHTE
Apostelgeschichte 1
Jesus kündigt das Kommen des Heiligen Geistes an
1 Im ersten Teil meines Berichtes, ´verehrter` Theophilus, habe ich über alles
geschrieben, was Jesus getan und gelehrt hat, von seinem ersten Auftreten
an
2 bis zu dem Tag, an dem er ´in den Himmel` hinaufgenommen wurde. Bevor
das geschah, gab er den Aposteln, die er ausgewählt hatte, unter der Leitung
des Heiligen Geistes Anweisungen ´für die Zeit nach seinem Weggang`.
3 Sie waren es auch, denen er sich nach seinem Leiden und Sterben zeigte und
denen er viele überzeugende Beweise dafür gab, dass er wieder lebendig
geworden war: Während vierzig Tagen erschien er ihnen immer wieder und
sprach mit ihnen über das Reich Gottes und alles, was damit
zusammenhängt.
4 Einmal – es war bei einer gemeinsamen Mahlzeit – wies er sie an, Jerusalem
vorläufig nicht zu verlassen, sondern die Erfüllung der Zusage abzuwarten,
die der Vater ihnen gegeben hatte. Ich habe darüber ja bereits mit euch
gesprochen, sagte er.
5 Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet mit dem Heiligen Geist
getauft werden, und das schon in wenigen Tagen.
6 Diese Ankündigung führte dazu, dass die Apostel, als sie ein weiteres Mal
mit Jesus zusammen waren, ihm die Frage stellten: Herr, ist jetzt die Zeit
gekommen, in der du das israelitische Reich wiederherstellst?
7 Jesus gab ihnen zur Antwort: Es steht euch nicht zu, Zeitspannen und
Zeitpunkte zu kennen, die der Vater festgelegt hat und über die er allein
entscheidet.
8 Aber wenn der Heilige Geist auf euch herabkommt, werdet ihr mit seiner
Kraft ausgerüstet werden, und das wird euch dazu befähigen, meine Zeugen
zu sein – in Jerusalem, in ganz Judäa und Samarien und ´überall sonst auf
der Welt, selbst` in den entferntesten Gegenden der Erde.
Die Rückkehr Jesu in den Himmel
9 Nachdem Jesus das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben.
Dann hüllte ihn eine Wolke ein, und sie sahen ihn nicht mehr.
10 Während sie noch wie gebannt zum Himmel hinaufblickten – dorthin, wo
Jesus verschwunden war – , standen mit einem Mal zwei Männer in
leuchtend weißen Gewändern bei ihnen.
11 Ihr Männer von Galiläa, sagten sie, warum steht ihr hier und starrt zum
Himmel hinauf? Dieser Jesus, der aus eurer Mitte in den Himmel genommen
worden ist, wird wiederkommen, und zwar auf dieselbe Weise, wie ihr ihn
habt gehen sehen.
Warten auf den Heiligen Geist
12 Daraufhin kehrten die Apostel nach Jerusalem zurück; sie waren ´mit
Jesus` auf einem Hügel gewesen, der Ölberg genannt wird und nur einen
Sabbatweg – ´etwa eine Viertelstunde` – von der Stadt entfernt ist.
13 In Jerusalem angekommen, gingen sie in den großen Raum im
Obergeschoss jenes Hauses, das ihnen schon bisher als Treffpunkt gedient
hatte und wo sie von jetzt an ständig zusammenkamen – Petrus, Johannes,
Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus,
Jakobus, der Sohn des Alphäus, Simon der Zelot und Judas, der Sohn des
Jakobus.
14 Sie alle beteten anhaltend und einmütig miteinander. Auch eine Gruppe
von Frauen war dabei, unter ihnen Maria, die Mutter von Jesus; Jesu
Brüder gehörten ebenfalls dazu.
Der zwölfte Apostel: Matthias tritt an die Stelle des Verräters Judas
15 An einem dieser Tage trat Petrus vor die Versammelten – es waren etwa
hundertzwanzig Personen zusammengekommen – und sagte:
16-17 Liebe Geschwister! Was über Judas in der Schrift steht, musste sich
erfüllen; es musste so kommen, wie es der Heilige Geist durch David über ihn
vorausgesagt hat. Judas war einer von uns Zwölf und hatte denselben Dienst
zugeteilt bekommen wie wir. Und doch hat er sich zum Anführer derer
gemacht, die Jesus gefangen nahmen.
18 (Von dem Geld, das er für diese verwerfliche Tat bekam, kaufte er sich ein
Stück Land. Dort stürzte er kopfüber zu Boden, sodass sein Leib aufplatzte
und alle seine Eingeweide heraustraten.
19 Bald wussten alle davon, die in Jerusalem wohnten, und seitdem wird
dieses Grundstück Blutacker genannt, in ihrer Sprache Hakeldamach.)
20 Die Voraussage, an die ich denke, fuhr Petrus fort, findet sich im Buch der
Psalmen. Es heißt dort: Das Land, das ihm gehört, soll öde und verlassen
daliegen, niemand soll mehr darauf wohnen. Und ´an einer anderen Stelle
heißt es`: Sein Amt soll jemand anders übernehmen.
21 Dieser andere nun muss einer der Männer sein, die zusammen mit uns
´Aposteln` die ganze Zeit über dabei waren, als Jesus, der Herr, unter uns
gelebt und gewirkt hat –
22 von der Zeit an, als Johannes der Täufer auftrat, bis zu dem Tag, an dem
Jesus aus unserer Mitte ´in den Himmel` hinaufgenommen wurde. Einer von
denen, ´die das alles miterlebt haben,` soll zusammen mit uns Zeuge der
Auferstehung Jesu sein.
23 Die Versammelten stellten zwei Kandidaten auf: Josef mit dem Beinamen
Barsabbas, der auch Justus genannt wurde, und Matthias.
24 Dann beteten sie: Herr, du kennst alle Menschen durch und durch. Zeige
uns, welchen von diesen beiden du dazu ausgewählt hast,
25 an die Stelle von Judas zu treten. Judas hat ja seinen Platz verlassen und ist
dorthin gegangen, wohin er gehört. Wer soll nun die Lücke füllen und den
Dienst eines Apostels übernehmen?
26 Daraufhin ließen sie das Los zwischen den beiden entscheiden. Das Los fiel
auf Matthias, und er wurde als zwölfter in den Kreis der Apostel
aufgenommen.
Apostelgeschichte 2
Die Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten
1 Schließlich kam das Pfingstfest. Auch an diesem Tag waren sie alle wieder
am selben Ort versammelt.
2 Plötzlich setzte vom Himmel her ein Rauschen ein wie von einem
gewaltigen Sturm; das ganze Haus, in dem sie sich befanden, war von diesem
Brausen erfüllt.
3 Gleichzeitig sahen sie so etwas wie Flammenzungen, die sich verteilten und
sich auf jeden Einzelnen von ihnen niederließen.
4 Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt, und sie begannen, in fremden
Sprachen zu reden; jeder sprach so, wie der Geist es ihm eingab.
5 ´Wegen des Pfingstfestes` hielten sich damals fromme Juden aus aller Welt
in Jerusalem auf.
6 Als nun jenes mächtige Brausen vom Himmel einsetzte, strömten sie in
Scharen zusammen. Sie waren zutiefst verwirrt, denn jeder hörte die Apostel
und die, die bei ihnen waren, in seiner eigenen Sprache reden.
7 Fassungslos riefen sie: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden?
8 Wie kommt es dann, dass jeder von uns sie in seiner Muttersprache reden
hört?
9 Wir sind Parther, Meder und Elamiter; wir kommen aus Mesopotamien und
aus Judäa, aus Kappadozien, aus Pontus und aus der Provinz Asien,
10 aus Phrygien und Pamphylien, aus Ägypten und aus der Gegend von Zyrene
in Libyen. Sogar aus Rom sind Besucher hier,
11 sowohl solche, die von Geburt Juden sind, als auch Nichtjuden, die den
jüdischen Glauben angenommen haben. Auch Kreter und Araber befinden
sich unter uns. Und wir alle hören sie in unseren eigenen Sprachen von den
wunderbaren Dingen reden, die Gott getan hat!
12 Alle waren außer sich vor Staunen. Was hat das zu bedeuten?, fragte einer
den anderen, aber keiner hatte eine Erklärung dafür.
13 Es gab allerdings auch einige, die sich darüber lustig machten. Die haben
zu viel süßen Wein getrunken!, spotteten sie.
Die Rede des Apostels Petrus vor Juden aus aller Welt: Erklärung des
Geschehenen …
14 Jetzt trat Petrus zusammen mit den elf anderen Aposteln vor die Menge.
Mit lauter Stimme erklärte er: Ihr Leute von Judäa und ihr alle, die ihr zur
Zeit hier in Jerusalem seid! Ich habe euch etwas zu sagen, was ihr unbedingt
wissen müsst. Hört mir zu!
15 Diese Leute hier sind nicht betrunken, wie ihr vermutet. Es ist ja erst neun
Uhr morgens.
16 Nein, was hier geschieht, ist nichts anderes als die Erfüllung dessen, was
Gott durch den Propheten Joel angekündigt hat.
17 Am Ende der Zeit, so sagt Gott, werde ich meinen Geist über alle
Menschen ausgießen. Dann werden eure Söhne und eure Töchter prophetisch
reden; die Jüngeren unter euch werden Visionen habenund die Älteren
prophetische Träume.
18 Sogar über die Diener und Dienerinnen, die an mich glauben, werde ich in
jener Zeit meinen Geist ausgießen, und auch sie werden prophetisch reden.
19 Sowohl droben am Himmel als auch unten auf der Erde werde ich Wunder
geschehen lassen, und es werden furchterregende Dinge zu sehen sein: Blut
und Feuer und dichte Rauchwolken.
20 Die Sonne wird sich verfinstern, und der Mond wird rot werden wie Blut,
bevor jener große Tag kommt, an dem der Herr in seiner Herrlichkeit
erscheint.
21 Jeder, der dann den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.
41 Viele nahmen die Botschaft an, die Petrus ihnen verkündete, und ließen
sich taufen. Durch Gottes Wirken wuchs die Gemeinde an diesem Tag um
etwa dreitausend Personen.
Leben und Zusammenhalt der ersten Christen
42 Was das Leben der Christen prägte, waren die Lehre, in der die Apostel sie
unterwiesen, ihr Zusammenhalt in gegenseitiger Liebe und Hilfsbereitschaft,
das Mahl des Herrn und das Gebet.
43 Jedermann ´in Jerusalem` war von einer tiefen Ehrfurcht vor Gott ergriffen,
und durch die Apostel geschahen zahlreiche Wunder und viele
außergewöhnliche Dinge.
44 Alle, die ´an Jesus` glaubten, hielten fest zusammen und teilten alles
miteinander, was sie besaßen.
45 Sie verkauften sogar Grundstücke und sonstigen Besitz und verteilten den
Erlös entsprechend den jeweiligen Bedürfnissen an alle, die in Not waren.
46 Einmütig und mit großer Treue kamen sie Tag für Tag im Tempel
zusammen. Außerdem trafen sie sich täglich in ihren Häusern, um
miteinander zu essen und das Mahl des Herrn zu feiern, und ihre
Zusammenkünfte waren von überschwänglicher Freude und aufrichtiger
Herzlichkeit geprägt.
47 Sie priesen Gott ´bei allem, was sie taten,` und standen beim ganzen Volk
in hohem Ansehen. Und jeden Tag rettete der Herr weitere Menschen, sodass
die Gemeinde immer größer wurde.
Apostelgeschichte 3
Heilung eines Gelähmten durch Petrus und Johannes
1 Eines Tages geschah Folgendes: Gegen drei Uhr, zur Zeit des
Nachmittagsgebets, gingen Petrus und Johannes zum Tempel hinauf.
2 ´Um dieselbe Zeit` brachte man einen Mann, der von Geburt an gelähmt
war, zu dem Tor des Tempels, das die Schöne Pforte genannt wurde. Wie
jeden Tag ließ der Gelähmte sich dort hinsetzen, um von den
Tempelbesuchern eine Gabe zu erbitten.
3 Als er nun Petrus und Johannes sah, die eben durch das Tor gehen wollten,
bat er sie, ihm etwas zu geben.
4 Die beiden blickten ihn aufmerksam an, und Petrus sagte: Sieh uns an!
5 Der Mann sah erwartungsvoll zu ihnen auf; er hoffte, etwas von ihnen zu
bekommen.
6 Da sagte Petrus zu ihm: Silber habe ich nicht, und Gold habe ich nicht; doch
was ich habe, das gebe ich dir: Im Namen von Jesus Christus aus Nazaret –
steh auf und geh umher!
7 Mit diesen Worten fasste er ihn bei der rechten Hand und half ihm, sich
aufzurichten. Im selben Augenblick kam Kraft in die Füße des Gelähmten,
und seine Gelenke wurden fest.
8 Er sprang auf, und tatsächlich: Seine Beine trugen ihn; er konnte gehen! Der
Mann folgte Petrus und Johannes in den inneren Tempelvorhof, und
immerfort lief er hin und her, hüpfte vor Freude und pries Gott.
9-10 Die ganze Menschenmenge, ´die sich dort aufhielt,` wurde auf ihn
aufmerksam. Als die Leute begriffen, dass der, der da hin- und hersprang und
Gott lobte, niemand anders war als der Bettler, der sonst immer an der
Schönen Pforte des Tempels gesessen hatte, waren sie außer sich vor Staunen
über das, was mit ihm geschehen war.
Erneute Gelegenheit für Petrus, das Evangelium zu verkünden
11 Der Geheilte wich Petrus und Johannes nicht mehr von der Seite, und als
die Apostel in die so genannte Salomohalle gingen, strömte das ganze Volk in
heller Aufregung dort zusammen.
12 Da nahm Petrus die Gelegenheit wahr, wandte sich an die Menge und
sagte: Ihr Leute von Israel, warum seid ihr so überrascht, dass dieser Mann
auf einmal gehen kann? Warum staunt ihr uns an, als hätten wir das mit
unserer Kraft und unserer Frömmigkeit zustande gebracht?
13 Nein, der Gott unserer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der
Gott Jakobs, hat auf diese Weise die Macht und Herrlichkeit sichtbar werden
lassen, die er seinem Diener Jesus verliehen hat. Ihr habt diesen Jesus an
Pilatus ausgeliefert und habt auch dann noch auf seiner Verurteilung
bestanden, als Pilatus entschied, ihn freizulassen.
14 Ihr habt euch von dem Heiligen und Gerechten losgesagt und habt die
Freigabe eines Mörders verlangt.
15 Ihr habt den getötet, von dem alles Leben kommt. Aber Gott hat ihn von
den Toten auferweckt; dafür sind wir Zeugen.
16 Und jetzt ist der Mann, den ihr hier seht und den ihr alle kennt, durch
sein Vertrauen auf den Namen Jesu und durch die Macht dieses Namens von
seiner Lähmung geheilt worden. Der Glaube, den Jesus in ihm geweckt hat,
hat ihn vollständig gesund gemacht; das könnt ihr alle bezeugen.
17 Nun, Geschwister, ich bin überzeugt, dass ihr nicht wirklich wusstet, was
ihr getan habt, ´als ihr Jesus habt töten lassen,` und eure führenden Männer
wussten es ebensowenig.
18 Gott hatte durch alle Propheten angekündigt, dass der Messias, den er
senden würde, leiden und sterben müsse. Diese Voraussagen hat er durch das,
was geschehen ist, in Erfüllung gehen lassen.
19 Kehrt jetzt also um und wendet euch ihm, dem Herrn, zu, damit er die
Schuld auslöscht, die ihr durch eure Verfehlungen auf euch geladen habt.
20 Dann wird er die ersehnte Zeit der Ruhe anbrechen lassen und wird euch
den senden, den er zu eurem Retter bestimmt hat – Jesus, den Messias.
21 Zunächst allerdings ist Jesus, wie Gott es geplant hat, in den Himmel
zurückgekehrt. Dort nimmt er den ihm gebührenden Platz ein, bis die Zeit
kommt, in der alles wiederhergestellt wird, wie Gott es schon seit langem
durch seine heiligen Propheten angekündigt hat.
22 Schon Mose hat gesagt: Einen Propheten wie mich wird der Herr, euer
Gott, aus eurer Mitte berufen und als seinen Boten zu euch senden. Auf ihn
sollt ihr hören und alles befolgen, was er euch sagt.
23 Wenn jemand nicht auf diesen Propheten hört, muss er aus dem Volk
Gottes ausgeschlossen werden.
24 Genauso haben auch Samuel und alle Propheten, die auf ihn folgten, bei
ihrer Verkündigung von dem gesprochen, was wir in diesen Tagen erleben.
25 Euch als den Nachkommen der Propheten gelten die Zusagen, die Gott
durch sie gegeben hat, und ihr habt vollen Anteil an dem Bund, den er mit
euren Vorfahren eingegangen ist. Denn als er diesen Bund schloss, sagte er zu
Abraham: Durch deine Nachkommen werde ich alle Völker der Erde segnen.
26 Ihr seid daher die Ersten, zu denen Gott seinen Diener Jesus gesandt hat,
als er ihn in die Welt kommen ließ. Jesus möchte euch segnen, und jeder von
euch, der sich von seinen verkehrten Wegen abwendet, wird seinen Segen
erfahren.
Apostelgeschichte 4
Einschüchterungsversuche des jüdischen Gerichtshofs
1 Petrus und Johannes sprachen noch zu der Menge, als plötzlich einige
Priester, der Kommandant der Tempelwache und eine Anzahl Sadduzäer auf
sie zutraten,
2 voll Zorn darüber, dass die Apostel ´es wagten`, vor dem Volk als Lehrer
aufzutreten, und dass sie die Auferstehung Jesu bezeugten und damit
verkündeten, die Toten würden auferstehen.
3 Sie nahmen die beiden fest, und weil es bereits Abend war, sperrten sie sie
über Nacht ins Gefängnis.
4 Doch viele von denen, die die Botschaft der Apostel gehört hatten, kamen
zum Glauben ´an Jesus`, sodass die Zahl der Christen auf etwa fünftausend
anwuchs.
14 aber sie hatten nichts in der Hand, um ihnen zu widersprechen; denn der,
der gelähmt gewesen war, stand bei den Aposteln, und jedermann konnte
sehen, dass er geheilt war.
15 Sie ließen Petrus und Johannes aus dem Sitzungssaal führen, um
miteinander über das weitere Vorgehen zu beraten.
16 Wie sollen wir mit diesen Menschen verfahren?, überlegten sie. Es ist nun
einmal unzweifelhaft ein Wunder durch sie geschehen, und alle Einwohner
Jerusalems haben davon erfahren; daher hat es keinen Sinn, wenn wir die
Heilung abstreiten.
17 Doch darf sich ´die Botschaft von diesem Jesus` auf keinen Fall noch weiter
unter der Bevölkerung verbreiten. Deshalb wollen wir ihnen unter
Strafandrohung verbieten, in Zukunft irgendeinem Menschen gegenüber
seinen Namen auch nur zu erwähnen.
18 Nachdem sie die Apostel wieder hereingerufen hatten, untersagten sie
ihnen mit allem Nachdruck, jemals wieder öffentlich über Jesus zu sprechen
oder unter Berufung auf seinen Namen als Lehrer aufzutreten.
19 Aber Petrus und Johannes erwiderten: Urteilt selbst, ob es vor Gott recht
ist, euch mehr zu gehorchen als ihm!
20 Uns ist es auf jeden Fall unmöglich, nicht von dem zu reden, was wir
gesehen und gehört haben.
21 Die Ratsmitglieder drohten ihnen daraufhin noch einmal mit
schwerwiegenden Konsequenzen und ließen sie dann gehen. Sie sahen vorerst
keine Möglichkeit, die beiden zu bestrafen, ohne damit das Volk gegen sich
aufzubringen; denn alle priesen Gott für das, was geschehen war.
22 Immerhin war der Geheilte über vierzig Jahre alt, und dass jemand, der
von Geburt an gelähmt gewesen war, nach so langer Zeit noch gesund wurde,
war ein besonders eindrucksvoller Beweis für Gottes Macht.
Die Reaktion der Gemeinde: Gebet um Gottes Eingreifen
23 Sobald Petrus und Johannes wieder auf freiem Fuß waren, gingen sie zu
den Mitchristen und berichteten ihnen, was die führenden Priester und die
Ratsältesten zu ihnen gesagt hatten.
24 Die Reaktion der Versammelten auf das, was sie hörten, war, dass sich alle
gemeinsam und einmütig an Gott wandten. Mit lauter Stimme beteten sie: Du
großer Herrscher! Du bist es, der den Himmel, die Erde und das Meer
geschaffen hat, ´das ganze Universum` mit allem, was darin ist.
25 Du bist es auch, der durch unseren Vater David, deinen Diener, geredet hat,
als dieser, vom Heiligen Geist geleitet, sagte: Was soll das Aufbegehren der
Nationen? Was bringt es den Völkern, nutzlose Pläne zu schmieden?
26 Die Könige dieser Welt haben sich zum Angriff bereitgemacht, und die
Machthaber haben sich miteinander verbündetzum Kampf gegen den Herrn
und gegen seinen Gesalbten.
27 Und so ist es tatsächlich gekommen: Hier in dieser Stadt haben sich
Herodes und Pontius Pilatus zusammen mit den heidnischen Nationen und
den Stämmen Israels gegen deinen heiligen Diener Jesus verbündet, den du
gesalbt hast.
28 Doch indem sie so vorgingen, ist genau das eingetreten, was du in deiner
Macht vorherbestimmt hattest und was nach deinem Plan geschehen sollte.
29 Höre nun, Herr, wie sie uns drohen, und hilf uns als deinen Dienern,
furchtlos und unerschrocken deine Botschaft zu verkünden.
30 Erweise deine Macht, und lass durch den Namen deines heiligen Dieners
Jesus Kranke geheilt werden und Wunder und außergewöhnliche Dinge
geschehen!
31 Nachdem sie in dieser Weise gebetet hatten, bebte die Erde an dem Ort, an
dem sie versammelt waren. Sie wurden alle mit dem Heiligen Geist erfüllt
und verkündeten die Botschaft Gottes weiterhin frei und unerschrocken.
Die Einheit der Gemeinde: praktische Auswirkungen
32 Die ganze Schar derer, die ´an Jesus` glaubten, hielt fest zusammen; alle
waren ein Herz und eine Seele. Nicht ein Einziger betrachtete irgendetwas
von dem, was ihm gehörte, als sein persönliches Eigentum; vielmehr teilten
sie alles miteinander, was sie besaßen.
33 Vollmächtig und kraftvoll bezeugten die Apostel, dass Jesus der
auferstandene Herr ist. Und die ganze Gemeinde erlebte Gottes Gnade in
reichem Maß.
34 Es gab unter ihnen auch niemand, der Not leiden musste. Denn ´wenn die
Bedürfnisse es erforderten,` verkauften diejenigen, die ein Grundstück oder
ein Haus besaßen, ihren Besitz und stellten den Erlös ´der Gemeinde` zur
Verfügung,
35 indem sie das Geld vor den Aposteln niederlegten. Davon wurde dann
jedem das zugeteilt, was er nötig hatte.
36 ´Einer von denen, die den Bedürftigen in dieser Weise halfen, war` Josef,
ein Levit von Zypern, den die Apostel Barnabas nannten (Barnabas bedeutet:
der, der andere ermutigt).
37 Josef verkaufte ein Stück Land, das ihm gehörte, und stellte das Geld, das
er dafür bekam, ´der Gemeinde` zur Verfügung, indem er es vor den Aposteln
niederlegte.
Apostelgeschichte 5
Ein Betrugsversuch innerhalb der Gemeinde: Hananias und Saphira belügen Gott
1 Auch ein Mann namens Hananias und seine Frau Saphira verkauften ein
Stück Land,
2 und Hananias stellte ´der Gemeinde` einen Teil des Erlöses zur Verfügung.
Aber mit dem Einverständnis seiner Frau gab er diesen Betrag als Gesamterlös
aus, während er in Wirklichkeit einen Teil für sich behielt. Als er das Geld vor
den Aposteln niederlegte,
3 sagte Petrus zu ihm: Hananias, warum hast du dein Herz dem Satan geöffnet
und dich von ihm dazu verführen lassen, den Heiligen Geist zu belügen?
Warum hast du uns verheimlicht, dass du einen Teil vom Erlös deines
Grundstücks für dich behalten hast?
4 Niemand hat dich gezwungen, das Land zu verkaufen; es war ja dein
Eigentum! Und nach dem Verkauf stand es dir frei, mit dem Erlös zu machen,
was du wolltest. Was hat dich nur dazu gebracht, so zu handeln? Du hast
nicht Menschen belogen, sondern Gott!
5 Als Hananias diese Worte hörte, brach er tot zusammen. Es war ein Ende,
das bei allen, die davon erfuhren, tiefes Erschrecken auslöste.
6 Einige junge Männer ´unter den Versammelten` traten zu dem Leichnam,
wickelten ihn in ein Tuch und trugen ihn hinaus, um ihn zu begraben.
7 Nachdem etwa drei Stunden vergangen waren, kam die Frau von Hananias.
Sie wusste nichts von dem, was geschehen war.
8 Sag mir, fragte Petrus sie, ist das der volle Betrag, den ihr für euer
Grundstück bekommen habt? – Ja, erwiderte Saphira, das ist der volle
Betrag.
9 Da sagte Petrus zu ihr: Warum seid ihr beiden übereingekommen, den Geist
des Herrn herauszufordern? Hörst du die Schritte vor der Tür? Die Leute, die
deinen Mann begraben haben, ´kommen gerade zurück`. Sie werden auch
dich hinaustragen.
10 Im selben Augenblick sank Saphira zu Boden und starb, und als die Männer
hereinkamen, sahen sie ihren Leichnam zu Petrus’ Füßen liegen. Da trugen
sie sie ebenfalls hinaus und begruben sie an der Seite ihres Mannes.
11 Eine tiefe Ehrfurcht vor Gott ergriff die ganze Gemeinde, und genauso
erging es allen, die von diesem Vorfall erfuhren.
Machtvolles Wirken der Apostel
12 Durch die Apostel geschahen unter dem Volk zahlreiche Wunder und viele
außergewöhnliche Dinge. Alle, ´die an Jesus glaubten,` trafen sich
regelmäßig und einmütig in der Salomohalle.
13 Von denen jedoch, die nicht bereit waren, an ihn zu glauben, wagte keiner,
in engeren Kontakt mit ihnen zu treten. Aber jedermann sprach mit
Hochachtung von ihnen,
14 und die Gemeinde wuchs ständig; Scharen von Männern und Frauen kamen
zum Glauben an den Herrn.
15 Und überall, wo Petrus hinkam, trug man die Kranken auf die Straße und
legte sie dort auf Betten und Matten in der Hoffnung, dass wenigstens sein
Schatten auf den einen oder anderen von ihnen falle.
16 Auch aus den Ortschaften rings um Jerusalem strömten die Menschen
zusammen. Sie brachten Kranke und von bösen Geistern Geplagte ´zu den
Aposteln`, und alle wurden geheilt.
Verhaftung der Apostel; Befreiung durch Gottes Eingreifen
17 Diese Geschehnisse weckten den Neid des Hohenpriesters und seiner
ganzen Gefolgschaft, der Partei der Sadduzäer, und sie beschlossen, nicht
länger untätig zuzusehen.
18 Sie ließen die Apostel festnehmen und in das städtische Gefängnis bringen.
19 Doch in der Nacht öffnete ein Engel des Herrn die Türen des Gefängnisses
und führte die Apostel hinaus.
20 Geht in den Tempel, befahl er ihnen, tretet vor das Volk und verkündet
unerschrocken die Botschaft, die der Herr gebracht hat und die zum Leben
führt!
21 Die Apostel befolgten die Anweisung des Engels: Gleich bei Tagesanbruch
gingen sie in den Tempel und begannen, die Menschen dort zu lehren.
Währenddessen kamen der Hohepriester und seine Gefolgsleute zusammen
und beriefen die ganze Ältestenschaft des israelitischen Volkes zu einer
Sitzung des Hohen Rates ein. Einige Männer von der Tempelwache erhielten
den Auftrag, die Apostel aus dem Gefängnis zu holen.
22 Doch als sie ins Gefängnis kamen, mussten sie feststellen, dass die Apostel
nicht dort waren. Sie kehrten zurück, um dem Rat Meldung zu erstatten.
23 Wir fanden alles so, wie es den Vorschriften entspricht, berichteten sie. Die
Türen des Gefängnisses waren verschlossen, und vor den Türen standen die
Wachen. Aber als wir aufschlossen und hineingingen, war niemand da.
24 Der Kommandant der Tempelwache und die führenden Priester waren
sprachlos, als sie das hörten; sie konnten sich nicht erklären, was mit den
Aposteln geschehen war.
25 Doch dann kam jemand und meldete ihnen: Stellt euch vor: Die Männer,
die ihr ins Gefängnis habt bringen lassen, stehen im Tempel und lehren das
Volk!
26 Sofort machte sich der Kommandant mit seinen Leuten auf den Weg, um
die Apostel zu holen. Sie hüteten sich allerdings davor, Gewalt anzuwenden,
denn sie hatten Angst, die Menge könnte sie steinigen.
Die Apostel vor dem jüdischen Gerichtshof: mutiges Bekenntnis zu Jesus
Christus
27 Die Apostel wurden in den Sitzungssaal geführt, wo sie der Hohepriester
vor versammeltem Rat zur Rede stellte.
28 Haben wir euch nicht strengstens verboten, jemals wieder unter Berufung
auf diesen Namen zu lehren?, sagte er. Und was macht ihr? Ganz Jerusalem
ist inzwischen von eurer Lehre erfüllt! Ihr wollt uns wohl für den Tod dieses
Menschen verantwortlich machen?
29 Petrus und die anderen Apostel erwiderten: Gott muss man mehr gehorchen
als den Menschen.
30 Der Gott unserer Väter hat Jesus ´von den Toten`auferweckt – den Jesus,
den ihr umgebracht habt, indem ihr ihn ans Kreuz habt schlagen lassen.
31 Gott hat ihn erhöht und ihm den Ehrenplatz an seiner rechten Seite
gegeben; er hat ihn zum Herrscher und Retter gemacht, um Israel zur Umkehr
zu führen und die Sünden des Volkes zu vergeben.
32 Wir sind Zeugen für das alles – wir und der Heilige Geist, den Gott denen
gegeben hat, die ihm gehorchen.
41 Die Apostel ihrerseits verließen den Hohen Rat voll Freude darüber, dass
Gott sie für würdig geachtet hatte, um des Namens Jesu willen Schmach und
Schande zu erleiden.
42 Unbeirrt lehrten sie auch weiterhin Tag für Tag im Tempel und in
Privathäusern und verkündeten die gute Nachricht, dass Jesus der Messias ist.
Apostelgeschichte 6
Entlastung der Apostel: Die Wahl von sieben Mitarbeitern
1 Die Zahl der Jünger wuchs unaufhörlich. Allerdings wurden in dieser Zeit
auch Klagen ´innerhalb der Gemeinde` laut, und zwar vonseiten der Jünger,
die aus griechischsprachigen Ländern stammten. Sie waren der Meinung, dass
ihre Witwen bei der täglichen Versorgung mit Lebensmitteln benachteiligt
wurden, und beschwerten sich darüber bei den einheimischen Jüngern.
2 Da beriefen die Zwölf eine Versammlung aller Jünger ein und erklärten: Es
wäre nicht gut, wenn wir ´Apostel` uns persönlich um den Dienst der
Verteilung der Lebensmittel kümmern müssten und darüber die
Verkündigung von Gottes Botschaft vernachlässigen würden.
3 Seht euch daher, liebe Geschwister, in eurer Mitte nach sieben Männern um,
die einen guten Ruf haben, mit dem Heiligen Geist erfüllt sind und von Gott
Weisheit und Einsicht bekommen haben. Ihnen wollen wir diese Aufgabe
übertragen.
4 Wir selbst aber werden uns weiterhin ganz auf das Gebet und den Dienst der
Verkündigung des Evangeliums konzentrieren.
5 Dieser Vorschlag fand allgemeine Zustimmung, und die Gemeinde wählte
folgende sieben Männer aus: Stephanus, einen Mann mit einem festen
Glauben und erfüllt vom Heiligen Geist, Philippus, Prochorus, Nikanor,
Timon, Parmenas und Nikolaus, einen Nichtjuden aus Antiochia, der zum
Judentum übergetreten war.
6 Man ließ sie vor die Apostel treten, und die Apostel beteten für sie und
legten ihnen die Hände auf.
7 Die Botschaft Gottes breitete sich immer weiter aus, und die Zahl der Jünger
in Jerusalem stieg sprunghaft an. Auch zahlreiche Priester nahmen das
Evangelium an und glaubten an Jesus.
Verhaftung des Stephanus
8 Von Gottes Gnade geleitet und mit seiner Kraft erfüllt, vollbrachte
Stephanus unter der Bevölkerung große Wunder und außergewöhnliche
Dinge.
9 Aber es regte sich auch Widerstand gegen ihn, und zwar in der so genannten
Synagoge der Freigelassenen, zu der Juden aus der Gegend von Zyrene, aus
Alexandria und aus den Provinzen Zilizien und Asien gehörten. Einige
Mitglieder dieser Synagoge fingen Streitgespräche mit Stephanus an.
10 Doch gegen die Weisheit, die aus seinen Worten sprach, und gegen die
Kraft des Heiligen Geistes, mit der er redete, konnten sie nichts ausrichten.
11 Da stifteten sie einige Männer dazu an, die Behauptung zu verbreiten,
Stephanus habe lästerliche Dinge über Mose gesagt und Gott verhöhnt; sie
hätten es mit eigenen Ohren gehört.
12 Nachdem seine Gegner auf diese Weise das Volk, die Ratsältesten und die
Gesetzeslehrer gegen Stephanus aufgehetzt hatten, fielen sie über ihn her und
schleppten ihn vor den Hohen Rat.
13 Dort ließen sie falsche Zeugen auftreten, die behaupteten: Dieser Mensch
äußert sich in einem fort abfällig über unseren heiligen Tempel und über das
Gesetz.
14 Wir haben ihn zum Beispiel sagen hören, dieser Jesus von Nazaret werde
den Tempel niederreißen und die Ordnungen ändern, die Mose uns im
Auftrag Gottes gegeben hat.
15 Alle, die im Ratssaal saßen, richteten ihren Blick nun auf Stephanus,
gespannt, ´was er zu seiner Verteidigung vorbringen würde`. Zu ihrem
Erstaunen sahen sie, dass sein Gesicht leuchtete wie das Gesicht eines Engels.
Apostelgeschichte 7
9 Die Stammväter waren neidisch auf ihren Bruder Josef und verkauften ihn
als Sklaven nach Ägypten. Doch Gott war mit ihm
10 und half ihm aus allen Schwierigkeiten heraus, in die er geriet. Er sorgte
dafür, dass der Pharao, der ägyptische König, auf Josef aufmerksam wurde
und ihm sein Vertrauen schenkte. Der Pharao war von Josefs Weisheit so
beeindruckt, dass er ihm das höchste Regierungsamt Ägyptens anvertraute
und ihn zum Verwalter aller königlichen Güter machte.
11 Dann brach in ganz Ägypten und in Kanaan eine Hungersnot aus, und
damit begann für diese Länder eine schwere Zeit. Auch unsere Vorfahren
hatten nichts mehr zu essen.
12 Als Jakob hörte, dass es in Ägypten noch Getreide gab, schickte er ´seine
Söhne,` unsere Stammväter, dorthin, ein erstes
13 und ein zweites Mal. Beim zweiten Mal gab sich Josef seinen Brüdern zu
erkennen, und auf diese Weise erfuhr der Pharao ´Genaueres` über Josefs
Familie.
14 Josef ließ dann seinen Vater Jakob und alle Verwandten nach Ägypten
kommen, insgesamt fünfundsiebzig Personen.
15 Jakob ließ sich in Ägypten nieder, und dort starb er auch, er und unsere
Väter.
16 Sie wurden nach Sichem überführt und in dem Grab beigesetzt, das
Abraham dort von den Söhnen Hamors gekauft hatte.
– Mose und die Befreiung seines Volkes
17 Je näher nun der Zeitpunkt für die Einlösung des Versprechens rückte, das
Gott Abraham gegeben hatte, desto größer wurde unser Volk in Ägypten. Es
wuchs und vermehrte sich,
18 bis ein König den Thron Ägyptens bestieg, der nichts mehr von Josef
wusste.
30 Wieder vergingen vierzig Jahre. Da erschien ihm eines Tages in der Wüste
am Berg Sinai ein Engel in den Flammen eines brennenden Dornbusches.
31 Mose sah, ´dass der Busch in Flammen stand, aber nicht verbrannte,` und
wunderte sich über diese rätselhafte Erscheinung. Er trat näher, um
herauszufinden, was es damit auf sich hatte. Da hörte er die Stimme des
Herrn:
32 Ich bin der Gott deiner Väter, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Mose
war so erschrocken, dass er am ganzen Körper zitterte und nicht hinzusehen
wagte.
33 Der Herr aber sagte zu ihm: Zieh deine Schuhe aus, denn du stehst auf
heiligem Boden!
34 Schon lange habe ich gesehen, wie mein Volk in Ägypten misshandelt wird,
und habe das Stöhnen der Unterdrückten gehört. Nun bin ich
herabgekommen, um sie zu befreien. Darum mach du dich jetzt auf den Weg;
ich sende dich nach Ägypten.
35 Die Israeliten hatten Mose abgelehnt und zu ihm gesagt: Wer hat dich zum
Anführer und Richter eingesetzt? Und genau diesen Mose sandte Gott nun als
Anführer und Befreier zu ihnen; er beauftragte ihn durch den Engel, der ihm
im Dornbusch erschien.
36 Mose war es, der die Israeliten aus dem Land herausführte, ´in dem sie
Sklaven gewesen waren,` und er tat dabei Wunder und außergewöhnliche
Dinge – sowohl in Ägypten als auch am Roten Meer und während der vierzig
Jahre in der Wüste.
37 Mose war es auch, der zu den Israeliten sagte: Einen Propheten wie mich
wird Gott aus eurer Mitte berufen und als seinen Boten zu euch senden.
38 Und als sich unsere Vorfahren in der Wüste am Sinai vor Gott
versammelten, war Mose der Vermittler zwischen ihnen und dem Engel, der
auf dem Berg mit ihm redete; und es war Mose, der die Gebote
entgegennahm – Worte, die zum Leben führen – und der sie an uns
weitergab.
– Götzenverehrung Israels in der Wüste
39 Aber unsere Vorfahren waren nicht bereit, sich Mose zu unterstellen. Im
Gegenteil, sie lehnten sich gegen ihn auf und waren entschlossen, nach
Ägypten zurückzukehren.
40 ´Als Mose auf dem Berg war,` forderten sie Aaron auf: Mach uns Götter, die
uns voranziehen ´und uns beschützen`! Denn dieser Mose, der uns aus
Ägypten herausgeführt hat, ´ist verschollen`; keiner weiß, was aus ihm
geworden ist.
41 Und dann fertigten sie eine Götzenfigur an, die Nachbildung eines jungen
Stieres, brachten ihr ein Schlachtopfer dar und feierten ein Fest – ein Fest zu
Ehren dieses selbstgemachten Götzen.
42 Da wandte sich Gott von ihnen ab und überließ sie ihrem Irrweg, und sie
begannen die Gestirne anzubeten, das ganze Heer des Himmels, wie das im
Zwölfprophetenbuch zu lesen ist. ´Dort sagt Gott:`Bin ich es etwa, dem ihr
während der vierzig Jahre in der WüsteSchlachtopfer und Speiseopfer
dargebracht habt, ihr Israeliten?
43 Nein, das Zelt des Götzen Moloch habt ihr mit euch geführt und den Stern
eures Gottes Räfan; Götzenbilder habt ihr euch gemacht, um euch vor ihnen
niederzuwerfen. Darum werde ich euch in die Verbannung führen, noch über
Babylon hinaus.
– Bundeszelt und Tempel
44 Während ihrer Wanderung durch die Wüste hatten unsere Vorfahren das
heilige Zelt bei sich – jenes Zelt, das Mose nach den Anweisungen
Gottes hatte anfertigen lassen und das dem Vorbild entsprach, das ihm
gezeigt worden war.
45 Die erste Generation übergab das Zelt der zweiten, und diese brachte es in
das Land, dessen Bewohner Gott vor unseren Vorfahren her vertrieb und das
sie unter der Führung von Josua in Besitz nahmen. ´Dort diente das Zelt` bis
in die Zeit Davids ´als Heiligtum`.
46 David nun war ein Mann, den Gott seine Gnade in besonderem Maß
erfahren ließ. Deshalb bat er Gott darum, als Heiligtum für die Nachkommen
Jakobs ein festes Gebäude errichten zu dürfen.
47 Und sein Sohn Salomo war es dann, der Gott tatsächlich ein Haus baute.
48 Aber wohnt denn der Höchste in einem Haus, das von Menschenhand
erbaut ist? Niemals! Beim Propheten ´Jesaja` heißt es:
49 Der Himmel ist mein Thron, und die Erde ist mein Fußschemel. Was für ein
Haus wollt ihr da für mich bauen? sagt der Herr. Und wo wollt ihr einen Ort
finden, an dem ich wohnen könnte?
50 Hat meine Hand nicht das ganze Weltall erschaffen?
Der Angeklagte klagt an
51 Aber ihr lasst euch ja nicht belehren!, ´fuhr Stephanus fort.` Unbeschnitten
seid ihr, unbeschnitten an eurem Herzen und taub für Gottes Reden!
Immerfort widersetzt ihr euch dem Heiligen Geist, genau wie eure Vorfahren.
Ihr seid nicht besser als sie.
52 Gab es je einen Propheten, den eure Vorfahren nicht verfolgt haben? Sie
haben die getötet, die das Kommen des Gerechten ankündigten; und den
Gerechten selbst habt ihr jetzt verraten und ermordet.
53 Ihr habt zwar das Gesetz erhalten – Engel haben es euch in Gottes Auftrag
überbracht – , aber befolgt habt ihr es nicht.
Die Steinigung des Stephanus
54 Als Stephanus das sagte, packte seine Zuhörer ein unbändiger Zorn, und
ihre Gesichter verzerrten sich vor Wut.
55 Stephanus aber, vom Heiligen Geist erfüllt, blickte jetzt unverwandt zum
Himmel hinauf, denn er sah dort die Herrlichkeit Gottes, und er sah Jesus,
der an Gottes rechter Seite stand.
56 Ich sehe den Himmel offen stehen!, rief er. Ich sehe den Menschensohn, wie
er an der rechten Seite Gottes steht!
57 ´Vor Empörung` schrien die Ratsmitglieder laut auf und hielten sich die
Ohren zu. Alle miteinander stürzten sie sich auf ihn
58 und schleppten ihn vor die Stadt, um ihn zu steinigen. Die Zeugen, ´die
gegen ihn aufgetreten waren und daher mit der Steinigung zu beginnen
hatten,` zogen ihre Oberkleider aus und legten sie zur Aufbewahrung bei
einem jungen Mann nieder, der Saulus hieß.
59 Während man ihn steinigte, betete Stephanus. Jesus, ´treuer` Herr, sagte er,
nimm meinen Geist bei dir auf!
60 Er sank auf die Knie und rief mit lauter Stimme: Herr, rechne ihnen diese
Sünde nicht an! Das waren seine letzten Worte; dann starb er.
Apostelgeschichte 8
1 Saulus aber war mit dieser Hinrichtung voll und ganz einverstanden. Noch
am selben Tag brach über die Gemeinde in Jerusalem eine schwere
Verfolgung herein. Alle, ´die an Jesus glaubten,` flohen und zerstreuten sich
über das ganze Gebiet von Judäa und Samarien; nur die Apostel blieben in
Jerusalem zurück.
Verfolgung der Gemeinde in Jerusalem
2 Einige fromme Männer bestatteten Stephanus und hielten eine feierliche
Totenklage.
3 Saulus jedoch setzte alles daran, die Gemeinde auszurotten. Er durchsuchte
Haus für Haus, und ´wo er Christen fand,` ließ er sie abführen – Männer wie
Frauen – und ließ sie ins Gefängnis bringen.
Die Botschaft von Jesus Christus kommt nach Samarien
4 Die ´Christen`, die aus Jerusalem geflohen waren, machten überall, wo sie
hinkamen, das Evangelium bekannt.
5 Unter ihnen war auch Philippus. Er ging in die ´bedeutendste` Stadt von
Samarien und verkündete dort, dass Jesus der Messias ist.
6 Scharen von Menschen hörten ihm mit ungeteilter Aufmerksamkeit zu; sie
waren beeindruckt von dem, was er sagte, und das umso mehr, als sie die
Wunder miterlebten, die durch ihn geschahen.
7 Bei vielen Besessenen fuhren die bösen Geister aus; sie verließen ihre Opfer
mit lautem Geschrei. Auch zahlreiche Gelähmte und Verkrüppelte wurden
geheilt.
8 In der ganzen Stadt herrschte große Freude.
Der Magier Simon
9 Schon seit längerem hatte ein Magier namens Simon diese Stadt zum
Schauplatz für sein Wirken gemacht. Er trat mit dem Anspruch auf, ein
Meister der Magie zu sein, und seine okkulten Fähigkeiten setzten die
Einwohnerschaft von Samarien in Erstaunen.
10 Auf ihn richtete sich die Aufmerksamkeit der gesamten Bevölkerung. Dieser
Mann ist die Kraft Gottes in Person, sagten die Leute und nannten ihn Die
Große Kraft.
11 Sie standen völlig unter seinem Bann, so sehr hatte er sie immer wieder mit
seinen Zauberkünsten fasziniert.
12 Doch jetzt, als Philippus ihnen die Botschaft vom Reich Gottes verkündete
und über Person und Werk von Jesus Christus sprach, wandten sie sich
Philippus zu und schenkten ihm Glauben, und Männer und Frauen ließen sich
taufen.
13 Auch Simon kam zum Glauben und ließ sich taufen. Von da an wich er
Philippus nicht mehr von der Seite. Die Wunder, die er miterlebte und in
denen sich Gottes große Kraft zeigte, ließen ihn nicht mehr aus dem Staunen
herauskommen.
Petrus und Johannes in Samarien: Die Gläubigen erhalten den Heiligen Geist
14 Als die Apostel in Jerusalem hörten, dass die Samaritaner Gottes Botschaft
angenommen hatten, schickten sie Petrus und Johannes zu ihnen.
15 ´In der betreffenden Stadt` angekommen, beteten die beiden für sie und
baten Gott, ihnen den Heiligen Geist zu geben.
16 Denn bis zu diesem Zeitpunkt war der Heilige Geist noch auf keinen
Einzigen von ihnen herabgekommen; sie waren nur auf den Namen von
Jesus, dem Herrn, getauft.
17 Nach dem Gebet legten Petrus und Johannes ihnen die Hände auf, und jetzt
bekamen auch sie den Heiligen Geist.
Auseinandersetzung der Apostel mit Simon: Den Heiligen Geist bekommt man
nicht für Geld
18 Als Simon sah, dass der Heilige Geist denen gegeben wurde, denen die
Apostel die Hände auflegten, bot er Petrus und Johannes Geld an
19 und sagte: Gebt mir ´Anteil an` dieser Kraft, damit auch bei mir jeder den
Heiligen Geist bekommt, dem ich die Hände auflege!
20 Zur Hölle mit dir und deinem Geld!, fuhr Petrus ihn an. Zu denken, was
Gott schenkt, könne man kaufen!
21 Nein, du hast keinen Anteil an dieser Kraft und hast kein Anrecht auf sie.
Denn in deinem tiefsten Innern bist du nicht aufrichtig vor Gott.
22 Bereue doch deine Verschlagenheit und bete zum Herrn! Vielleicht findest
du Vergebung für deine üblen Absichten.
23 Ich sehe nämlich, dass dein Denken durch und durch vergiftet ist und dass
das Böse dich fest in seinem Griff hat.
24 Simon erwiderte: Betet ihr für mich zum Herrn! Betet, dass nichts von dem
eintrifft, was ihr mir angedroht habt!
25 Nachdem Petrus und Johannes Jesus als den Herrn bezeugt und seine
Botschaft bekannt gemacht hatten, kehrten sie nach Jerusalem zurück.
Unterwegs verkündeten sie das Evangelium noch in vielen anderen
Ortschaften Samariens.
Philippus und der äthiopische Finanzminister
26 Philippus aber bekam von einem Engel des Herrn folgenden Auftrag: Mach
dich auf den Weg in Richtung Süden! Benutze die einsame Wüstenstraße, die
von Jerusalem nach Gaza hinunterführt.
27 Philippus machte sich auf den Weg; und als er diese Straße entlangging,
kam dort in seinem Reisewagen ein Äthiopier gefahren, ein Eunuch. Es
handelte sich um einen hohen Würdenträger, den Finanzminister der
Kandake, der äthiopischen Königin. Der Mann war in Jerusalem gewesen, um
´den Gott Israels` anzubeten,
28 und befand sich jetzt auf der Rückreise. Er saß in seinem Wagen und las im
Buch des Propheten Jesaja.
29 Der ´Heilige` Geist sagte zu Philippus: Geh zu dem Wagen dort und halte
dich dicht neben ihm!
30 Philippus lief hin, und als er neben dem Wagen herging, hörte er den Mann
laut aus dem Buch des Propheten Jesaja lesen. Verstehst du denn, was du da
liest?, fragte er ihn.
31 Wie kann ich es verstehen, wenn niemand es mir erklärt?, erwiderte der
Mann. Und er bat Philippus, aufzusteigen und sich zu ihm zu setzen.
32 Der Abschnitt der Schrift, den er eben gelesen hatte, lautete: Man hat ihn
weggeführt wie ein Schaf, das geschlachtet werden soll. Und wie ein
Lamm beim Scheren keinen Laut von sich gibt, so kam auch über seine
Lippen kein Laut ´der Klage`.
33 Er wurde erniedrigt und all seiner Rechte beraubt. Niemand wird über
Nachkommen von ihm berichten können, denn sein Leben auf der Erde
wurde ihm genommen.
34 Der Äthiopier wandte sich an Philippus: Bitte sag mir, von wem ist hier die
Rede? Spricht der Prophet von sich selbst, oder spricht er von jemand
anders?
35 Da ergriff Philippus die Gelegenheit und erklärte ihm, von dieser
Schriftstelle ausgehend, das Evangelium von Jesus.
36 Als sie nun, ´ins Gespräch vertieft,` die Straße entlangfuhren, kamen sie an
einer Wasserstelle vorbei. Hier ist Wasser!, rief der Äthiopier. Spricht etwas
dagegen, dass ich getauft werde?
38 Und er befahl, den Wagen anzuhalten. Beide, Philippus und der Äthiopier,
stiegen ins Wasser, und Philippus taufte den Mann.
39 Als sie wieder aus dem Wasser stiegen, wurde Philippus plötzlich vom Geist
des Herrn ergriffen und an einen anderen Ort versetzt, und der Äthiopier sah
ihn nicht mehr. Trotzdem erfüllte ihn eine tiefe Freude, als er nun seine Reise
fortsetzte.
40 Philippus fand sich in Aschdod wieder. Er zog ´nordwärts` und verkündete
in allen Städten das Evangelium, bis er schließlich nach Cäsarea kam.
Apostelgeschichte 9
Die Umkehr des Saulus: vom Verfolger der Gemeinde zum Nachfolger Christi
2 Saulus führte weiterhin einen wütenden Kampf gegen die Jünger des Herrn.
Er drohte ihnen mit dem Tod und war entschlossen, die Gemeinde
auszurotten. Auch in Damaskus wollte er die Anhänger der neuen
Lehre aufspüren, um sie alle – Männer wie Frauen – in Ketten nach Jerusalem
zu bringen. Zu diesem Zweck wandte er sich an den Hohenpriester und bat
ihn um Briefe ´mit einer entsprechenden Bevollmächtigung`, die er den
Synagogen in Damaskus vorlegen wollte.
3 Als er nun nach Damaskus unterwegs war und die Stadt schon fast erreicht
hatte, leuchtete plötzlich vom Himmel her ein Licht auf. Von allen Seiten
umgab ihn ein solcher Glanz,
4 dass er ´geblendet` zu Boden stürzte. Gleichzeitig hörte er, wie eine Stimme
zu ihm sagte: Saul, Saul, warum verfolgst du mich? –
5 Wer bist du, Herr?, fragte Saulus. Die Stimme antwortete: Ich bin der, den
du verfolgst; ich bin Jesus.
6 Doch jetzt steh auf und geh in die Stadt! Dort wird man dir sagen, was du
tun sollst.
7 Die Männer, die mit Saulus reisten, standen sprachlos ´vor Bestürzung`
dabei; sie hörten zwar die Stimme, sahen aber niemand.
8 Saulus richtete sich vom Boden auf und öffnete die Augen, aber er konnte
nichts sehen. Seine Begleiter mussten ihn bei der Hand nehmen und nach
Damaskus führen.
9 Drei Tage lang war er blind, und er aß nichts und trank nichts.
10 In Damaskus lebte ein Jünger ´Jesu` namens Hananias. Zu ihm sagte der
Herr in einer Vision: Hananias! – Ja, Herr?, erwiderte Hananias.
11 Geh in die Gerade Straße, befahl ihm der Herr, und frage im Haus des
Judas nach einem Saulus aus Tarsus. Du musst Folgendes wissen: Saulus
betet,
12 und in einer Vision hat er gesehen, wie ein Mann namens Hananias in sein
Zimmer tritt und ihm die Hände auflegt, damit er wieder sehen kann.
13 Herr, entgegnete Hananias, von den verschiedensten Seiten habe ich
erfahren, wie viel schreckliche Dinge dieser Mann in Jerusalem denen
angetan hat, die zu deiner Gemeinde gehören.
14 Außerdem ist er von den führenden Priestern dazu ermächtigt, hier in
Damaskus alle zu verhaften, die sich zu deinem Namen bekennen.
15 Aber der Herr sagte: Geh ´trotzdem` zu ihm! Denn gerade ihn habe ich mir
als Werkzeug ausgewählt, damit er meinen Namen ´in aller Welt` bekannt
macht – bei den nichtjüdischen Völkern und ihren Herrschern ebenso wie bei
den Israeliten.
16 Und ich will ihm zeigen, wie viel er ´von jetzt an` um meines Namens
willen leiden muss.
17 Da machte sich Hananias auf den Weg und ging in jenes Haus. Er legte
Saulus die Hände auf und sagte: Saul, mein Bruder! Der Herr selbst – Jesus,
der dir auf deiner Reise hierher erschienen ist – hat mich geschickt. Er
möchte, dass du wieder sehen kannst und mit dem Heiligen Geist erfüllt
wirst.
18 Im selben Augenblick war es, als würden Schuppen von Saulus’ Augen
fallen: Er konnte wieder sehen! Saulus stand auf und ließ sich taufen.
19 Und nachdem er etwas gegessen hatte, kehrten seine Kräfte zurück.
Saulus verkündet in Damaskus das Evangelium
20 da begann er auch schon, in den Synagogen der Stadt zu verkünden, dass
Jesus der Sohn Gottes ist.
21 Alle, die Saulus hörten, waren außer sich vor Verwunderung. Ist das nicht
der, der in Jerusalem mit unerbittlicher Härte gegen jeden vorging, der sich
zu diesem Jesus bekannte?, sagten sie. Und ist er nicht in der Absicht
hierhergekommen, die ´Anhänger dieses Mannes` auch hier zu verhaften und
sie den führenden Priestern ´in Jerusalem` auszuliefern?
22 Saulus jedoch trat mit immer größerer Entschiedenheit auf und brachte die
Juden, die in Damaskus lebten, in größte Verwirrung, weil er überzeugend
darlegte, dass Jesus der Messias ist.
Flucht aus Damaskus
23 Längere Zeit verging. Schließlich fassten die Juden den Beschluss, Saulus
zu töten.
24 Saulus erfuhr von ihren Plänen, doch sie bewachten Tag und Nacht die
Stadttore, damit er ihnen nicht entkommen konnte.
25 Da ließen ihn seine Anhänger eines Nachts in einem Korb an der
Stadtmauer hinunter ´und verhalfen ihm so zur Flucht`.
Saulus in Jerusalem. Abreise nach Tarsus
26 Als Saulus wieder nach Jerusalem kam, versuchte er sich den Jüngern
anzuschließen. Aber sie hatten alle Angst vor ihm, weil sie nicht glauben
konnten, dass jetzt auch er ein Jünger ´Jesu` war.
27 Da kam ihm Barnabas zu Hilfe. Er brachte ihn zu den Aposteln und
berichtete ihnen, wie Saulus auf seiner Reise ´nach Damaskus` den Herrn
gesehen und wie der Herr mit ihm gesprochen hatte. Außerdem berichtete er
ihnen, wie unerschrocken Saulus dann in Damaskus im Namen Jesu
aufgetreten war.
28 Von da an ging Saulus bei den Christen in Jerusalem aus und ein, und auch
hier trat er unerschrocken im Namen des Herrn auf.
29 Er unterhielt sich mit den Juden, die aus griechischsprachigen Ländern
stammten, und führte lange Streitgespräche mit ihnen. Doch ´statt sich
überzeugen zu lassen,` versuchten sie ihn umzubringen.
30 Als die Christen das erfuhren, brachten sie ihn nach Cäsarea, von wo sie
ihn dann nach Tarsus ziehen ließen.
Zwischenbilanz: Die Gemeinde in Judäa, Galiläa und Samarien
31 Die Gemeinde in ganz Judäa, Galiläa und Samarien erlebte nun eine Zeit
der Ruhe und des Friedens. Die Christen wurden im Glauben gefestigt und
lebten in Ehrfurcht vor dem Herrn. Und weil der Heilige Geist ihnen zur Seite
stand, wuchs die Gemeinde ständig weiter.
Petrus in Lydda: Heilung eines Gelähmten
32 Auf seinen Reisen, die ihn durch das ganze Land führten, kam Petrus auch
zu den Christen in Lydda.
33 Dort begegnete er einem Mann namens Äneas, der gelähmt und seit acht
Jahren ans Bett gefesselt war.
34 Petrus sagte zu ihm: Äneas, Jesus Christus heilt dich. Steh auf und mach
dein Bett! Im selben Augenblick konnte Äneas aufstehen.
35 Alle Bewohner von Lydda und von der Scharon-Ebene sahen den Geheilten.
Da wandten sie sich dem Herrn zu ´und glaubten an ihn`.
Petrus in Joppe: Auferweckung einer Toten
36 In Joppe lebte eine Jüngerin ´Jesu` namens Tabita. (Tabita – oder Dorkas,
wie ihr Name auf Griechisch lautete – bedeutet Gazelle.) Tabita tat viel Gutes
und half den Bedürftigen, wo sie nur konnte.
37 Doch während Petrus in Lydda war, wurde sie krank und starb. Man wusch
den Leichnam und bahrte ihn im Obergeschoss des Hauses auf, ´in dem sie
gewohnt hatte`.
38 Als die Jünger von Joppe erfuhren, dass Petrus sich in dem nicht weit
entfernten Lydda aufhielt, schickten sie zwei Männer zu ihm mit der Bitte, so
schnell wie möglich zu ihnen zu kommen.
39 Petrus ging unverzüglich mit. In Joppe angekommen, wurde er in das
Zimmer im Obergeschoss geführt, in dem Tabita aufgebahrt war. Viele
Witwen waren dort versammelt und beweinten die Tote. Sie alle drängten
sich jetzt um Petrus und zeigten ihm unter Tränen ihre Kleider und Mäntel.
Das alles hat Dorkas gemacht, als sie noch unter uns war!, sagten sie.
40 Doch Petrus schickte sie alle aus dem Zimmer. ´Als er allein war,` kniete er
nieder und betete. Dann wandte er sich zu der Toten und sagte: Tabita, steh
auf! Tabita öffnete die Augen, sah Petrus an und setzte sich auf,
41 und Petrus fasste sie bei der Hand und half ihr auf die Füße. Danach rief er
die Witwen und die anderen Gläubigen herein, damit sie die wieder zum
Leben erweckte Tabita sehen konnten.
42 Die Nachricht von diesem Ereignis verbreitete sich in der ganzen Stadt, und
viele kamen zum Glauben an den Herrn.
43 Petrus blieb noch längere Zeit in Joppe; er wohnte bei einem gewissen
Simon, einem Gerber.
Apostelgeschichte 10
Die Vision des römischen Hauptmanns Kornelius in Cäsarea
1 In Cäsarea lebte ein ´römischer` Offizier namens Kornelius, ein Hauptmann,
der zum so genannten Italischen Regiment gehörte.
2 Kornelius war ein frommer Mann, der mit allen, die in seinem Haus lebten,
an den Gott Israels glaubte; er gab großzügige Spenden für die Bedürftigen in
der ´jüdischen` Bevölkerung und betete treu und regelmäßig.
3 Eines Tages – gegen drei Uhr nachmittags – hatte Kornelius eine Vision: Klar
und deutlich sah er, wie ein Engel Gottes zu ihm ins Zimmer trat. Kornelius!,
hörte er ihn sagen.
4 Erschrocken starrte Kornelius den Engel an. Was ist, Herr?, fragte er. Der
Engel erwiderte: Gott hat deine Gebete gehört und hat gesehen, wie viel
Gutes du den Armen tust.
5 Darum schicke jetzt einige Männer nach Joppe zu einem gewissen Simon
mit dem Beinamen Petrus und bitte ihn, zu dir zu kommen.
6 Er ist bei einem Gerber zu Gast, der ebenfalls Simon heißt und dessen Haus
direkt am Meer liegt.
7 Als der Engel wieder gegangen war, rief Kornelius zwei seiner Diener sowie
einen gläubigen Soldaten aus seinem persönlichen Gefolge zu sich.
8 Er berichtete ihnen alles, was er soeben erlebt hatte, und schickte sie dann
nach Joppe.
Die Vision von Petrus in Joppe
9 Um die Mittagszeit des folgenden Tages – die Boten des Kornelius waren
noch unterwegs, näherten sich aber bereits der Stadt – stieg Petrus zum Beten
auf das flache Dach ´des Hauses, in dem er zu Gast war`.
10 Nach einiger Zeit wurde er hungrig und bat um etwas zu essen. Während
ihm nun eine Mahlzeit zubereitet wurde, hatte er eine Vision.
11 Er sah den Himmel offen stehen und etwas wie ein riesiges leinenes Tuch
herabkommen, das – gehalten an seinen vier Ecken – auf die Erde
heruntergelassen wurde.
12 In dem Tuch befanden sich Tiere aller Art – Vierfüßer, Reptilien und
Vögel.
13 Nun hörte er eine Stimme: Auf, Petrus, schlachte und iss! –
14 Auf gar keinen Fall, Herr!, entgegnete Petrus. In meinem ganzen Leben
habe ich noch nie etwas Unheiliges und Unreines gegessen!
15 Doch die Stimme wiederholte die Aufforderung. Was Gott für rein erklärt
hat, das behandle du nicht, als wäre es unrein!, sagte sie.
16 Und noch ein drittes Mal wurde Petrus zum Essen aufgefordert. Danach
verschwand das Tuch so unvermittelt wieder im Himmel, ´wie es gekommen
war`.
Die Boten des Kornelius bei Petrus
17 Während Petrus noch darüber rätselte, was diese Vision bedeuten sollte,
kamen auch schon die Männer an, die Kornelius geschickt hatte. Sie hatten
sich zu Simons Haus durchgefragt und standen jetzt ´unten` vor dem
Eingangstor.
18 Ist hier ein Simon mit dem Beinamen Petrus zu Gast?, riefen sie.
19 Da sagte der Geist ´Gottes` zu Petrus, der immer noch über die Vision
nachdachte: Petrus! ´Vor dem Haus` sind drei Männer, die zu dir wollen.
20 Darum steh jetzt auf und geh nach unten. ´Sie werden dich bitten, mit
ihnen zu kommen.` Folge ihnen ohne Bedenken; ich selbst habe sie
geschickt.
21 Da ging Petrus zu den Männern hinunter und sagte: Ich bin der, den ihr
sucht. Was führt euch zu mir? –
22 ´Wir kommen von` Hauptmann Kornelius, antworteten sie, einem frommen
und gerechten Mann, der an den Gott Israels glaubt und bei der ganzen
jüdischen Bevölkerung in hohem Ansehen steht. Er hat von einem heiligen
Engel den Auftrag erhalten, dich in sein Haus einzuladen, um zu erfahren,
was du ihm zu sagen hast.
23 Als Petrus das hörte, bat er die Männer herein und sorgte dafür, dass sie bei
Simon übernachten konnten.
Petrus bei Kornelius
24 Am darauf folgenden Tag kamen sie in Cäsarea an. Kornelius, der seine
Verwandten und seine engsten Freunde zu sich eingeladen hatte, erwartete
sie bereits.
25 Als Petrus durch ´das Hoftor` trat, kam Kornelius ihm entgegen und warf
sich ehrfurchtsvoll vor ihm nieder.
26 Doch Petrus zog ihn wieder hoch. Steh auf!, sagte er. Ich bin auch nur ein
Mensch.
27 Und während er sich mit Kornelius unterhielt, betrat er das Haus.
Überrascht sah er die vielen Leute, die sich dort zusammengefunden hatten.
28 Ihr wisst sicher, sagte er zu ihnen, dass es einem Juden nicht erlaubt ist,
engeren Kontakt mit jemand zu haben, der zu einem anderen Volk gehört,
oder ihn gar in seinem Haus zu besuchen. Aber Gott hat mir
unmissverständlich klar gemacht, dass man keinen Menschen als unheilig
oder unrein bezeichnen darf, ´nur weil er kein Jude ist`.
29 Daher habe ich auch keine Einwände gemacht, als man mich einlud,
hierher zu kommen. Und nun lasst mich wissen, aus welchem Grund ihr mich
geholt habt!
30 Kornelius erwiderte: Vor drei Tagen hatte ich mich zur gleichen Zeit wie
jetzt, nachmittags gegen drei Uhr, hier in meinem Haus zum Gebet
zurückgezogen, als plötzlich ein Mann in einem leuchtend weißen Gewand
vor mir stand.
31 Kornelius!, sagte er. Gott hat dein Beten erhört, und er weiß sehr wohl, wie
viel Gutes du den Armen tust.
32 Schicke daher Boten nach Joppe zu einem Simon mit dem Beinamen Petrus
und lade ihn zu dir ein; er ist bei dem Gerber Simon zu Gast, dessen Haus
direkt am Meer liegt.
33 Daraufhin schickte ich sofort ´einige Leute` zu dir, und du bist so freundlich
gewesen, zu uns zu kommen. Nun sind wir alle hier in Gottes Gegenwart
versammelt, um zu hören, was du uns im Auftrag des Herrn zu sagen hast.
Das Evangelium wird zum ersten Mal vor Nichtjuden verkündet
34 Wahrhaftig, begann Petrus, jetzt wird mir ´erst richtig` klar, dass Gott keine
Unterschiede zwischen den Menschen macht!
45 Die Gläubigen jüdischer Herkunft, die Petrus nach Cäsarea begleitet hatten,
waren außer sich vor Verwunderung, dass die Gabe ´Gottes`, der Heilige
Geist, auch über Nichtjuden ausgegossen wurde.
46 Sie hörten nämlich, wie die Versammelten in ´geistgewirkten` Sprachen
redeten und Gott für seine Größe priesen. Schließlich wandte sich Petrus an
seine Begleiter und sagte:
47 Wer hätte jetzt noch das Recht, diesen Leuten die Taufe zu verweigern –
jetzt, wo sie genau wie wir den Heiligen Geist empfangen haben?
48 Und er ordnete an, sie im Namen von Jesus Christus zu taufen. Danach
blieb er auf ihre Bitte hin noch einige Tage bei ihnen.
Apostelgeschichte 11
Rechenschaftsbericht von Petrus vor der Gemeinde in Jerusalem
1 Die Neuigkeit, dass jetzt auch die Nichtjuden Gottes Botschaft angenommen
hatten, erreichte schon bald die Apostel und die Christen in Judäa.
2 Als Petrus nun nach Jerusalem zurückkehrte, stellten ihn die Gläubigen der
dortigen Gemeinde, die ja alle beschnitten waren, zur Rede.
3 Du bist in ein Haus gegangen, in dem Unbeschnittene wohnen, und hast
sogar mit ihnen gegessen!, hielten sie ihm vor.
4 Da gab Petrus ihnen einen ausführlichen Bericht über das, was geschehen
war.
5 Als ich, so begann er, in der Stadt Joppe war und gerade betete, hatte
ich eine Vision: Ich sah etwas wie ein riesiges leinenes Tuch herabkommen,
das – gehalten an seinen vier Ecken – aus dem Himmel heruntergelassen
wurde, bis es sich unmittelbar vor mir befand.
6 Gespannt schaute ich hinein und erblickte die verschiedensten Tiere –
Haustiere, wilde Tiere, Reptilien und Vögel.
7 Jetzt hörte ich auch eine Stimme, die zu mir sagte: Auf, Petrus, schlachte
und iss! –
8 Auf gar keinen Fall, Herr!, entgegnete ich. Noch nie in meinem Leben habe
ich von etwas Unheiligem oder Unreinem auch nur einen Bissen gegessen!
9 Doch die Stimme aus dem Himmel wiederholte die Aufforderung. Was Gott
für rein erklärt hat, das behandle du nicht, als wäre es unrein!, sagte sie.
10 Und noch ein drittes Mal wurde ich zum Essen aufgefordert. Danach wurde
das Tuch mit allem, was darin war, wieder in den Himmel hinaufgezogen.
11 Die Vision war kaum vorüber, da standen drei Männer vor dem Haus, in
dem wir uns befanden; sie kamen aus Cäsarea und waren zu mir geschickt
worden.
12 Der Geist ´Gottes` sagte mir, ich solle ohne Bedenken mit ihnen gehen, was
ich dann auch tat. Diese sechs Brüder hier, ´die ich aus Joppe mitgebracht
habe,` begleiteten mich. Wir betraten das Haus des Mannes, ´der nach mir
geschickt hatte,`
13 und er erzählte uns, er habe einen Engel in seinem Haus stehen sehen, der
zu ihm gesagt habe: Schicke Boten nach Joppe zu einem Simon mit dem
Beinamen Petrus und bitte ihn, zu dir zu kommen!
14 Was er dir zu sagen hat, wird dir Rettung bringen, dir und allen, die in
deinem Haus leben.
15 Ich hatte eben erst begonnen, zu den Versammelten zu sprechen, als der
Heilige Geist auf sie herabkam – genau wie damals am Pfingsttag auf uns.
16 Da musste ich an das Wort denken, das der Herr gesagt hatte: Johannes hat
mit Wasser getauft; ihr aber werdet mit dem Heiligen Geist getauft werden.
17 Gott hat ihnen also, als sie zum Glauben an Jesus Christus, den Herrn,
kamen, dieselbe Gabe geschenkt wie uns. Wer bin ich, dass ich es da noch
hätte wagen dürfen, mich Gott in den Weg zu stellen?
18 Als diejenigen, ´die von Petrus Rechenschaft gefordert hatten,` diesen
Bericht hörten, verstummte ihre Kritik. Sie priesen Gott und sagten: Jetzt hat
Gott also auch den Nichtjuden die Umkehr zu ihm ermöglicht und hat ihnen
damit den Weg zum Leben eröffnet.
In Antiochia entsteht eine Gemeinde aus Juden und Nichtjuden
19 Die ´Christen`, die sich in der Verfolgungszeit nach dem Tod des Stephanus
´über ganz Judäa und Samarien hin` zerstreut hatten, zogen ´zum Teil` noch
weiter und kamen bis nach Phönizien und Zypern und bis nach Antiochia,
aber sie machten die Botschaft Gottes nach wie vor ausschließlich unter
Juden bekannt.
20 Doch einige von ihnen – Männer von Zypern und aus der Gegend von
Zyrene – wandten sich, als sie nach Antiochia kamen, auch an die
nichtjüdischen Einwohner der Stadt und verkündeten ihnen das Evangelium
von Jesus, dem Herrn.
21 Und Gott wirkte so mächtig durch sie, dass eine große Zahl ´Nichtjuden
ihrer Botschaft` glaubte und sich dem Herrn zuwandte.
22 Von dieser Entwicklung erfuhr auch die Gemeinde in Jerusalem, und
Barnabas reiste in ihrem Auftrag nach Antiochia.
23 Als er sah, was dort durch Gottes Gnade geschah, war er glücklich. Er
machte allen Mut und forderte sie dazu auf, dem Herrn mit ungeteilter
Hingabe treu zu bleiben.
24 Denn er hatte einen edlen Charakter, war mit dem Heiligen Geist erfüllt
und hatte einen festen Glauben. Durch seinen Dienst stieg die Zahl derer, die
an den Herrn glaubten, ständig an.
25 Schließlich reiste er nach Tarsus, um Saulus zu suchen,
26 und als er ihn gefunden hatte, nahm er ihn mit nach Antiochia. Die beiden
waren dann ein ganzes Jahr miteinander in der Gemeinde ´tätig` und
unterrichteten viele Menschen ´im Glauben`. Hier in Antiochia wurden die
Jünger ´des Herrn` zum ersten Mal Christen genannt.
Hilfe aus Antiochia für die Gemeinde in Jerusalem
Apostelgeschichte 12
Verfolgung der Jerusalemer Gemeinde durch König Herodes: Jakobus wird
hingerichtet, Petrus inhaftiert
1 Um diese Zeit begann König Herodes, die Gemeinde in Jerusalem zu
verfolgen, und ging mit Gewalt gegen einige ihrer Mitglieder vor.
2 Jakobus, den Bruder des Johannes, ließ er mit dem Schwert hinrichten.
3 Als er sah, dass er den Juden damit einen Gefallen tat, setzte er den
eingeschlagenen Kurs fort und ließ auch Petrus festnehmen, und zwar gerade
während der Zeit, in der ´das Passafest` gefeiert wurde, das Fest der
ungesäuerten Brote.
4 Herodes ließ Petrus ins Gefängnis bringen und beauftragte vier Gruppen zu
je vier Soldaten mit seiner Bewachung; nach den Festtagen wollte er ihn dann
vor allem Volk aburteilen.
5 Während Petrus nun also ´streng bewacht` im Gefängnis saß, betete die
Gemeinde intensiv für ihn zu Gott.
Befreiung von Petrus durch einen Engel
15 Du hast wohl den Verstand verloren!, entgegneten die anderen. Und als
Rhode darauf beharrte, dass es sich genauso verhielt, wie sie sagte, meinten
sie: Dann muss es sein Engel sein.
16 Währenddessen klopfte Petrus wieder und wieder ans Tor. Als sie
schließlich öffneten und ihn sahen, waren sie außer sich vor Freude.
17 Petrus bat sie mit einer Handbewegung, sich zu beruhigen, und erzählte
ihnen, wie der Herr ihn aus dem Gefängnis herausgeführt hatte. Berichtet das
auch Jakobus und den anderen Geschwistern!, sagte er. Dann verabschiedete
er sich von ihnen und verließ die Stadt.
18 Als es Tag wurde, war die Bestürzung unter den Soldaten groß; keiner
wusste, was mit Petrus geschehen war.
19 Herodes ließ überall nach ihm suchen, aber er blieb unauffindbar. Da nahm
Herodes die Wachen ins Verhör und befahl schließlich, sie ´zur Hinrichtung`
abzuführen. Daraufhin verließ er Jerusalem und das judäische Umland und
reiste nach Cäsarea, wo er seine Residenz hatte.
Das schreckliche Ende des Herodes
20 Herodes lag damals in heftigem Streit mit den Bürgern von Tyrus und
Sidon. Nun schickten sie eine gemeinsame Abordnung zu ihm, und nachdem
es den Delegierten gelungen war, Blastus, den Palastverwalter und engen
Vertrauten des Königs, als Fürsprecher zu gewinnen, baten sie Herodes um
eine friedliche Beilegung des Konflikts. (´Sie sahen sich zu diesem Schritt
gezwungen,` weil ihr Land auf die Lieferung von Nahrungsmitteln aus dem
Herrschaftsgebiet des Königs angewiesen war.)
21 An dem Tag, der ´für die offizielle Beendigung des Streits` vorgesehen war,
erschien Herodes in königlichem Prunk ´vor dem versammelten Volk`, nahm
auf der Tribüne Platz und hielt eine feierliche Rede an die Delegation aus
Tyrus und Sidon.
22 Begeistert jubelte das Volk ihm zu: So spricht ein Gott und nicht ein
Mensch!
23 Und Herodes ließ sich das gefallen, anstatt Gott die Ehre zu geben. Da
vollstreckte ein Engel des Herrn das göttliche Urteil an ihm: Herodes brach
noch auf der Tribüne zusammen, von einer schweren Krankheit befallen.
Würmer zerfraßen seinen Leib, und er starb einen qualvollen Tod.
24 Die Botschaft Gottes aber breitete sich immer weiter aus, und die Zahl
derer, die sie annahmen, wuchs ständig.
25 Nachdem Barnabas und Saulus ihren Auftrag in Jerusalem erfüllt ´und die
Geldspende überbracht` hatten, kehrten sie ´nach Antiochia` zurück;
Johannes mit dem Beinamen Markus begleitete sie.
Apostelgeschichte 13
Die erste Missionsreise des Apostels Paulus
(Kapitel13,1 bis 14,28)
Aussendung von Barnabas und Saulus durch die Gemeinde in Antiochia
1 In der Gemeinde von Antiochia gab es eine Reihe von Propheten und
Lehrern: Barnabas, Simeon, genannt der Schwarze, Luzius aus Zyrene,
Manaën, der zusammen mit dem Fürsten Herodes aufgewachsen war, und
Saulus.
2 Eines Tages, während die Gemeinde dem Herrn mit Gebet und Fasten
diente, sagte der Heilige Geist: Stellt mir Barnabas und Saulus für die Aufgabe
frei, zu der ich sie berufen habe!
3 Da legte man den beiden nach weiterem Fasten und Beten die Hände auf
und ließ sie ziehen.
Auf Zypern: Zusammenstoß mit einem jüdischen Magier, Erfolg bei dem
Prokonsul der Insel
4 Auf diese Weise vom Heiligen Geist ausgesandt, gingen Barnabas und Saulus
nach Seleuzia hinunter und nahmen dort ein Schiff, das nach Zypern fuhr;
5 als Helfer hatten sie Johannes dabei. In Salamis angekommen, verkündeten
sie die Botschaft Gottes in den jüdischen Synagogen der Stadt.
6 Anschließend durchzogen sie die ganze Insel, bis sie nach Paphos kamen.
Dort begegneten sie einem Juden, der ein Magier und ein falscher Prophet
war. Er hieß Barjesus
7 und gehörte zum Gefolge von Sergius Paulus, dem Prokonsul der Insel,
einem klugen und vernünftigen Mann. Dieser hatte Barnabas und Saulus zu
sich eingeladen, weil er sehr daran interessiert war, die Botschaft Gottes zu
hören.
8 Doch Barjesus (oder Elymas, wie der Magier auch genannt wurde – Elymas
bedeutet Zauberer) griff die beiden heftig an und versuchte mit allen Mitteln,
den Prokonsul vom Glauben abzuhalten.
9 Da blickte ihn Saulus – sein römischer Name ist Paulus – durchdringend an.
Vom Heiligen Geist erfüllt,
10 sagte er zu ihm: Du Sohn des Teufels, hinterhältig und durchtrieben bist du,
ein Feind von allem, was gut und richtig ist! Wann hörst du endlich auf, dich
dem Herrn in den Weg zu stellen, um seine guten Pläne zu durchkreuzen?
11 Doch jetzt bekommst du die ´mächtige` Hand des Herrn zu spüren: Du wirst
eine Zeitlang blind sein und die Sonne nicht sehen können! Im selben
Augenblick fand sich der Magier in tiefste Dunkelheit gehüllt; er tappte
hilflos umher und suchte jemand, der bereit war, ihn an der Hand zu führen.
12 Als der Prokonsul das sah, kam er zum Glauben, tief beeindruckt von der
Lehre des Herrn, ´die solche Dinge bewirkte`.
Im pisidischen Antiochia: Paulus predigt in der Synagoge
13 Paulus und seine Begleiter brachen wieder auf; sie bestiegen ein Schiff und
fuhren von Paphos nach Perge in Pamphylien. Dort trennte sich Johannes von
Paulus und Barnabas. Während Johannes nach Jerusalem zurückkehrte,
14 zogen die beiden anderen von Perge aus landeinwärts, bis sie in das an der
Grenze zu Pisidien gelegene Antiochia kamen. Am Sabbat gingen sie in die
dortige Synagoge und setzten sich ´zu den Gottesdienstbesuchern`.
15 Nach der Lesung aus dem Gesetz des Mose und aus den Schriften der
Propheten schickten die Synagogenvorsteher ´den Synagogendiener` zu
Paulus und Barnabas und ließen ihnen mitteilen: Liebe Brüder, wenn ihr ein
Wort der Ermutigung mitgebracht habt, das ihr an die Gemeinde weitergeben
wollt, dann ist jetzt Gelegenheit dazu!
16 Da stand Paulus auf, bat mit einer Handbewegung um Aufmerksamkeit und
begann: Ihr Israeliten und ihr anderen, die ihr an den Gott Israels glaubt, hört
mich an!
17 Der Gott unseres israelitischen Volkes hat unsere Väter erwählt. Er ließ
unsere Vorfahren zu einem großen Volk werden, als sie in der Fremde waren,
in Ägypten, und bewies dann seine Macht, indem er sie von dort wegführte.
18 Mit großer Geduld ertrug er sie während der ganzen Zeit, die sie in der
Wüste zubrachten, etwa vierzig Jahre lang.
19 Danach unterwarf er die Einwohner Kanaans – ´nicht weniger als` sieben
Völker – und gab ihr Land unseren Vorfahren zum Besitz.
20 Das geschah etwa vierhundertfünfzig Jahre ´nach der Übersiedlung unserer
Vorfahren nach Ägypten`. In der nun folgenden Zeit gab Gott ihnen Richter;
der letzte Richter war der Prophet Samuel.
21 Dann forderten sie von Gott einen König, und Gott gab ihnen Saul, den
Sohn des Kisch, einen Mann aus dem Stamm Benjamin. Doch nachdem Saul
vierzig Jahre regiert hatte,
22 verstieß ihn Gott und erhob David auf den Thron. Ihm stellte er folgendes
Zeugnis aus: In David, dem Sohn Isais, habe ich einen Mann gefunden, wie
ich ihn mir wünsche; er wird alle meine Pläne ausführen.
23 Einen von Davids Nachkommen hat Gott nun dem israelitischen Volk als
Retter gesandt, wie er es zugesagt hatte, und das ist Jesus.
24 Vorbereitet wurde sein Kommen von Johannes, der ganz Israel dazu aufrief,
umzukehren und sich taufen zu lassen.
25 Als Johannes am Ende seines Wirkens stand, sagte er zu den Leuten: Für
wen haltet ihr mich? Ich bin nicht der, ´auf den ihr wartet`. Aber der, der
nach mir kommt, der ist es, und ich bin nicht einmal würdig, ihm die Riemen
seiner Sandalen zu öffnen.
26 Liebe Geschwister, ihr Nachkommen Abrahams und auch ihr anderen hier,
die ihr an den Gott Israels glaubt – uns allen hat Gott diese rettende
Botschaft gesandt.
27 Die Einwohner von Jerusalem und ihre führenden Männer erkannten
nämlich nicht, wer dieser Jesus ist. Sie verstanden auch die Voraussagen der
Propheten nicht, deren Schriften doch Sabbat für Sabbat ´in der Synagoge`
vorgelesen werden. So kam es, dass sie ihm den Prozess machten, und gerade
auf diese Weise haben sie die prophetischen Ankündigungen erfüllt!
28 Obwohl sie nichts an ihm fanden, was den Tod verdient hätte, forderten sie
von Pilatus, ihn hinrichten zu lassen.
29 Durch das, was sie taten, ging alles in Erfüllung, was in der Schrift über
sein Leiden und Sterben vorausgesagt war. Zuletzt nahmen sie ihn vom Kreuz
herunter und legten ihn in ein Grab.
30 Aber Gott hat ihn von den Toten auferweckt,
31 und als der Auferstandene hat er sich über viele Tage hin denen gezeigt, die
ihn auf seinem Weg von Galiläa nach Jerusalem begleitet hatten und die
heute als seine Zeugen vor dem israelitischen Volk stehen.
32 Und nun sind Barnabas und ich hier, um euch diese gute Nachricht zu
überbringen: Was Gott unseren Vorfahren zugesagt hatte,
33 das hat er jetzt eingelöst, sodass es uns, den Nachkommen, zugute kommt.
Er hat seine Zusage erfüllt, indem er Jesus auferweckte. Damit ist eingetreten,
was im zweiten Psalm steht, ´wo Gott sagt`: Du bist mein Sohn; heute habe
ich dich gezeugt.
34 Dass er ihn von den Toten auferweckt und damit für immer der Verwesung
entrissen hat, hat er mit folgenden Worten angekündigt: Ich werde euch die
44 Am folgenden Sabbat kam fast die ganze Stadt zusammen, um die Botschaft
des Herrn zu hören.
45 Als diejenigen Juden, ´die vom Evangelium nichts wissen wollten,` die
Menschenmassen sahen, packte sie der Neid, und sie beschimpften Paulus
und widersprachen ihm bei allem, was er sagte.
46 Schließlich erklärten Paulus und Barnabas frei und offen: Zuerst musste die
Botschaft Gottes euch verkündet werden. Doch ihr weist sie zurück und zeigt
damit, dass ihr nicht würdig seid, das ewige Leben zu bekommen. Deshalb
wenden wir uns jetzt an die Nichtjuden.
47 Wir erfüllen damit den Auftrag, den der Herr uns gegeben hat. Er hat
gesagt: Ich habe dich zu einem Licht für alle Völker gemacht; du sollst das
Heil bis in die entferntesten Gegenden der Erde bringen.
48 Als die Nichtjuden das hörten, brachen sie in Jubel aus und priesen den
Herrn für diese Botschaft. Alle, die dazu bestimmt waren, das ewige Leben zu
erhalten, kamen zum Glauben,
49 und die Botschaft des Herrn verbreitete sich in der ganzen Gegend.
50 Aber die Juden ´von Antiochia` hetzten die einflussreichen griechischen
Frauen, die sich zur Synagogengemeinde hielten, sowie die
Magistratsbeamten der Stadt gegen Paulus und Barnabas auf; sie zettelten
eine Verfolgung der beiden an und sorgten dafür, dass sie aus der
Stadt ausgewiesen wurden.
51 Da schüttelten Paulus und Barnabas den Staub von ihren Füßen als Zeichen
der Warnung für die Juden von Antiochia und machten sich auf den Weg
nach Ikonion.
52 Die Jünger ´in Antiochia` aber waren ´trotz dieser Vorkommnisse` voller
Freude und wurden ´immer mehr` mit dem Heiligen Geist erfüllt.
Apostelgeschichte 14
In Ikonion: Erfolgreiche Tätigkeit, Anfeindungen und Flucht
1 In Ikonion gingen Paulus und Barnabas genau wie ´in Antiochia` zunächst in
die jüdische Synagoge. Sie verkündeten das Evangelium mit solcher
Vollmacht, dass zahlreiche ´Gottesdienstbesucher` – Juden wie Nichtjuden –
zum Glauben kamen.
2 Doch diejenigen Juden, die nichts ´vom Evangelium` wissen wollten,
hetzten die nichtjüdische Bevölkerung der Stadt gegen die Christen auf und
schürten Hass und Aggressionen gegen sie.
3 Trotzdem blieben Paulus und Barnabas noch eine längere Zeit in Ikonion.
Unerschrocken verkündeten sie die Botschaft von der Gnade des Herrn. Sie
vertrauten auf seine Hilfe, und der Herr bestätigte ihre Verkündigung, indem
er Wunder und außergewöhnliche Dinge durch sie geschehen ließ.
4 Die Einwohnerschaft der Stadt spaltete sich in zwei Lager; die einen hielten
zu den Juden, die anderen zu den Aposteln.
5 Schließlich bereitete ´die gegnerische Seite` – Nichtjuden ebenso wie Juden
samt den führenden Männern der Stadt und der Synagoge – einen Anschlag
gegen Paulus und Barnabas vor. Sie wollten die beiden in ihre Gewalt
bringen und steinigen.
6 Als Paulus und Barnabas davon erfuhren, flohen sie nach Lykaonien. Sie
gingen in die Städte Lystra und Derbe und in das umliegende Gebiet
7 und verkündeten nun dort das Evangelium.
In Lystra: Heilung eines Gelähmten …
8 In Lystra lebte ein Mann, der verkrüppelte Füße hatte; er war von Geburt an
gelähmt und hatte noch nie auch nur einen Schritt getan.
9 Dieser Mann war unter den Zuhörern, als Paulus ´das Evangelium`
verkündete. Paulus blickte ihn aufmerksam an, und als er merkte, dass der
Gelähmte Vertrauen ´zu Jesus` gefasst hatte und dass er überzeugt war, er
könne geheilt werden,
10 sagte er mit lauter Stimme zu ihm: Steh auf! Stell dich auf deine Füße und
richte dich auf! Da sprang der Mann auf und begann umherzugehen.
20 Doch als ihn dann die Jünger umringten, ´kam er wieder zu sich`. Er stand
auf und ging in die Stadt zurück. Am nächsten Tag machte er sich zusammen
mit Barnabas auf den Weg nach Derbe.
Missionstätigkeit in Derbe. Besuch der neugegründeten Gemeinden und
Beendigung der Missionsreise
21 Auch in Derbe verkündeten Paulus und Barnabas das Evangelium, und
zahlreiche Einwohner wurden durch sie zu Jüngern ´des Herrn`. Danach
machten sie sich auf den Rückweg. Sie reisten wieder über Lystra, Ikonion
und Antiochia,
22 und in allen drei Städten stärkten sie die Jünger ´in ihrem Vertrauen auf
Jesus` und ermutigten sie dazu, unbeirrt am Glauben festzuhalten. ´Nach
Gottes Plan`, so sagten sie zu ihnen, müssen wir viel Schweres durchmachen,
ehe wir in sein Reich kommen.
23 In jeder Gemeinde setzten sie Gemeindeälteste ein und vertrauten sie und
alle anderen Geschwister mit Gebet und Fasten dem Herrn an, an den sie jetzt
glaubten.
24 Die Weiterreise führte Paulus und Barnabas zunächst durch Pisidien und
dann nach Pamphylien.
25 Und nachdem sie in der Stadt Perge die Botschaft ´des Herrn` verkündet
hatten, gingen sie an die Küste hinunter nach Attalia,
26 wo sie ein Schiff nach Antiochia ´in Syrien` nahmen. Antiochia war der
Ausgangspunkt ihrer Reise gewesen; dort hatte man sie Gott und seiner
Gnade anvertraut für die Aufgabe, die sie nun erfüllt hatten.
27 In Antiochia angekommen, riefen sie die Gemeinde zusammen und
berichteten ihr, was Gott durch sie als seine Mitarbeiter alles getan hatte.
´Wir können bestätigen`, sagten sie, dass Gott den Nichtjuden die Tür zur
Rettung durch den Glauben geöffnet hat.
28 Paulus und Barnabas blieben nun für längere Zeit bei den Jüngern ´in
Antiochia`.
Apostelgeschichte 15
Der Streit um die Gültigkeit des mosaischen Gesetzes: Das Apostelkonzil in
Jerusalem
(Kapitel15,1-35)
Müssen nichtjüdische Christen sich beschneiden lassen?
1 Doch dann kamen einige Leute aus Judäa ´nach Antiochia` und forderten
die Männer der Gemeinde auf, sich beschneiden zu lassen, wie es im Gesetz
des Mose vorgeschrieben ist. Wenn ihr euch nicht beschneiden lasst, lehrten
sie, könnt ihr nicht gerettet werden.
2 Damit stießen sie bei Paulus und Barnabas auf entschiedenen Widerstand,
und es kam zu einer heftigen Auseinandersetzung. Schließlich wurden Paulus
und Barnabas zusammen mit einigen ´Christen` aus Antiochia beauftragt,
nach Jerusalem zu reisen und den Aposteln und den Ältesten der dortigen
Gemeinde diesen Streitfall vorzulegen.
3 Von der Gemeinde in Antiochia feierlich verabschiedet, machten sich Paulus
und Barnabas auf den Weg. Sie zogen durch Phönizien und Samarien, und
überall erzählten sie von der Hinwendung der Nichtjuden ´zu Gott` – eine
Nachricht, mit der sie allen Geschwistern große Freude bereiteten.
4 Als sie in Jerusalem ankamen, wurden sie von den Aposteln und den
Ältesten und von der ganzen Gemeinde herzlich empfangen, und sie gaben
einen Bericht von dem, was Gott durch sie als seine Mitarbeiter alles getan
hatte.
5 Doch einige, die zur Partei der Pharisäer gehörten und zum Glauben ´an
Jesus` gekommen waren, standen auf und erklärten: Man muss die
Nichtjuden beschneiden und dazu auffordern, das Gesetz des Mose zu
befolgen!
Die Stellungnahme von Petrus: Gott hat die Frage längst entschieden!
6 Daraufhin trafen sich die Apostel und die Ältesten, um über diese Sache zu
beraten.
7 Nachdem man lange und intensiv miteinander diskutiert hatte, erhob sich
Petrus und sagte zu den Versammelten: Liebe Brüder, wie ihr alle wisst, hat
Gott euch seine Entscheidung schon vor langer Zeit klar gemacht – damals,
als er mir den Auftrag gab, den Nichtjuden die Botschaft des Evangeliums zu
verkünden, und als sie durch mich die Botschaft hörten und zum Glauben
kamen.
8 Gott kennt uns Menschen ja durch und durch, und er hat die Echtheit ihres
Glaubens bestätigt, indem er ihnen genau wie uns den Heiligen Geist gegeben
hat.
9 Er machte keinerlei Unterschied zwischen ihnen und uns, sondern hat auch
ihr Innerstes aufgrund ihres Glaubens ´von aller Schuld` gereinigt.
10 Warum wollt ihr Gott jetzt herausfordern und diesen Jüngern ein Joch auf
den Nacken legen, das weder unsere Vorfahren noch wir selbst zu tragen
vermochten?
11 Wir sind doch ganz im Gegenteil davon überzeugt, dass wir – genau wie sie
– einzig und allein durch die Gnade des Herrn Jesus gerettet werden.
Der Rat des Jakobus: Keine unnötigen Lasten für unsere nichtjüdischen
Geschwister!
12 Was Petrus sagte, brachte die Versammelten zur Ruhe, und die ganze
Gemeinde hörte aufmerksam zu, wie Barnabas und Paulus nun von all den
Wundern und außergewöhnlichen Dingen berichteten, die Gott durch sie
unter den Nichtjuden getan hatte.
13 Als die beiden geendet hatten, ergriff Jakobus das Wort. Liebe Geschwister,
sagte er, hört mir zu!
14 Simeon hat gezeigt, dass Gott selbst sich der Nichtjuden angenommen und
damit begonnen hat, unter ihnen ein Volk zu sammeln, das ihm gehört.
15 Das stimmt mit den Worten der Propheten überein; es heißt nämlich in der
Schrift:
16 Der Tag kommt, ´sagt der Herr,`an dem ich mich ´meinem Volk` wieder
zuwenden und die verfallene Hütte Davids wieder aufbauen werde; ich werde
sie aus ihren Trümmern von neuem erbauenund werde sie wieder errichten.
17 Dann werden auch die übrigen Menschen nach mir fragen, die Menschen
aller Völker, die doch alle mein Eigentum sind. Das sagt der Herr, der damit
ausführt,
18 was er von jeher angekündigt hat.
19 Deshalb steht für mich die Entscheidung fest, ´fuhr Jakobus fort.` Wir
dürfen es den Nichtjuden, die zu Gott umkehren, nicht unnötig schwer
machen.
20 Allerdings sollten wir sie in einem Brief dazu auffordern, folgende Dinge zu
unterlassen: jede Verunreinigung durch Götzenverehrung und ´jede Form
von` Unmoral sowie den Genuss von Blut und von nicht ausgeblutetem
Fleisch.
21 Im Übrigen finden sich alle diese Forderungen im Gesetz des Mose, das seit
vielen Generationen in allen Städten verkündet und Sabbat für Sabbat in
allen Synagogen vorgelesen wird.
Beschluss und Brief der Versammlung
22 Daraufhin fassten die Apostel und die Ältesten im Einvernehmen mit der
ganzen ´Jerusalemer` Gemeinde den Beschluss, einige Delegierte zusammen
mit Paulus und Barnabas nach Antiochia zu schicken. Die Wahl fiel auf Judas,
der auch Barsabbas genannt wurde, und Silas, zwei führende Männer der
Gemeinde.
23 Der Brief, den sie ihnen mitgaben, lautete folgendermaßen: Die Apostel und
die Ältesten ´der Gemeinde von Jerusalem` an die nichtjüdischen Geschwister
in Antiochia und in ganz Syrien und Zilizien: Wir, eure Brüder, grüßen euch
herzlich!
24 Wie wir erfahren haben, sind einige Leute aus unserer Gemeinde ohne
unseren Auftrag zu euch gereist und haben Dinge behauptet, die euch
verwirrt und zutiefst beunruhigt haben.
25 Wir haben daher über die Sache beraten und haben dann
einmütig beschlossen, eine Delegation ´unserer Gemeinde` zu euch zu
schicken als Begleitung unserer lieben Freunde Barnabas und Paulus,
26 die ihr ganzes Leben in den Dienst von Jesus Christus, unserem Herrn,
gestellt haben.
27 Diejenigen, die wir ausgewählt und zu euch geschickt haben, sind Judas
und Silas; sie werden euch auch noch mündlich mitteilen, worum es geht.
28 Der Heilige Geist selbst und ´unter seiner Führung` auch wir haben nämlich
beschlossen, euch nur die folgenden unbedingt nötigen Anweisungen zu
geben und euch darüber hinaus keine weitere Last aufzuerlegen:
29 Esst kein ´Fleisch`, das den Götzen geopfert wurde, unterlasst den Genuss
von Blut und von nicht ausgeblutetem Fleisch und haltet euch fern von jeder
Unmoral! Wenn ihr euch vor diesen Dingen in Acht nehmt, verhaltet ihr euch
richtig. Und nun lebt wohl!
30 Paulus und Barnabas sowie die Delegierten wurden offiziell verabschiedet
und machten sich auf den Weg nach Antiochia. Dort angekommen, beriefen
sie eine Versammlung der ganzen Gemeinde ein und übergaben den Brief.
31 Er wurde vorgelesen, und alle freuten sich über seinen ermutigenden
Inhalt.
32 Judas und Silas waren Propheten, und sie nahmen sich viel Zeit, den
Geschwistern Mut zu machen und sie im Glauben zu stärken.
33 Nachdem sie eine längere Zeit dort verbracht hatten, wurden sie von den
Geschwistern mit dem Friedensgruß verabschiedet und kehrten zu denen
zurück, die sie geschickt hatten.
35 Paulus und Barnabas hingegen blieben zunächst in Antiochia. Zusammen
mit vielen anderen unterrichteten sie die Menschen in der Botschaft des
Herrn und verkündeten das Evangelium in der ganzen Stadt.
Die zweite Missionsreise des Apostels Paulus
(Kapitel15,36 bis 18,22)
Trennung von Barnabas; Silas als neuer Begleiter
36 Nach einiger Zeit sagte Paulus zu Barnabas: Lass uns wieder aufbrechen
und die Geschwister in all den Städten besuchen, in denen wir die Botschaft
des Herrn verkündet haben. Wir müssen doch sehen, wie es ihnen geht!
37 Barnabas ´war damit einverstanden,` nur wollte er auch Johannes
mitnehmen – Johannes mit dem Beinamen Markus.
38 Doch Paulus hielt es nicht für angebracht, jemand mitzunehmen, der sie
´auf ihrer vorherigen Reise` in Pamphylien im Stich gelassen hatte, statt mit
ihnen weiterzuziehen und den Auftrag zu erfüllen, ´den Gott ihnen gegeben
hatte`.
39 Darüber kam es zu einer so heftigen Auseinandersetzung, dass sich die
beiden trennten. Barnabas nahm Markus mit sich und bestieg ein Schiff, das
nach Zypern fuhr.
40 Paulus seinerseits wählte sich Silas zum Begleiter, und nachdem ihn die
Christen von Antiochia dem Herrn und seiner Gnade anvertraut hatten,
machte er sich auf die Reise.
41 Er zog durch Syrien und Zilizien, und überall stärkte er die Gemeinden ´im
Glauben`.
Apostelgeschichte 16
Timotheus wird Mitarbeiter von Paulus
1 Paulus kam auch wieder nach Derbe und nach Lystra. In Lystra lebte ein
Jünger ´Jesu` namens Timotheus. Seine Mutter, die ebenfalls ´an Jesus`
glaubte, war jüdischer Herkunft, während sein Vater Grieche war.
2 Diesen Timotheus, über den die Christen von Lystra und Ikonion nur Gutes
zu berichten wussten,
3 wollte Paulus auf die weitere Reise mitnehmen. Deshalb holte er ihn zu sich
und ließ ihn aus Rücksicht auf die Juden jener Gegend beschneiden; denn sie
wussten alle, dass er einen griechischen Vater hatte.
Bekanntmachung der Jerusalemer Beschlüsse
4 In allen Städten, durch die sie kamen, teilten Paulus und seine Begleiter den
Christen die Beschlüsse mit, die die Apostel und die Ältesten von Jerusalem
gefasst hatten, und forderten sie auf, diese Anordnungen zu befolgen.
5 Das führte dazu, dass die Gemeinden im Glauben gefestigt wurden und dass
die Zahl der Christen täglich zunahm.
Paulus hat eine Vision: Ein Mazedonier bittet ihn, in sein Land zu kommen
6 Paulus und seine Begleiter zogen nun durch den Teil Phrygiens, der zur
Provinz Galatien gehört. Eigentlich hatten sie vorgehabt, die Botschaft
´Gottes` in der Provinz Asien zu verkünden, aber der Heilige Geist hatte sie
daran gehindert.
7 Als sie sich dann Mysien näherten, versuchten sie, nach Bithynien
weiterzureisen, aber auch das ließ der Geist Jesu nicht zu.
8 Da zogen sie, ohne sich aufzuhalten, durch Mysien, bis sie in die Hafenstadt
Troas kamen.
9 Dort hatte Paulus in der Nacht eine Vision. Er sah einen Mazedonier ´vor
sich` stehen, der ihn bat: Komm nach Mazedonien herüber und hilf uns!
10 Daraufhin suchten wir unverzüglich nach einer Gelegenheit zur Überfahrt
nach Mazedonien; denn wir waren überzeugt, dass Gott selbst uns ´durch
diese Vision` dazu aufgerufen hatte, den Menschen dort das Evangelium zu
bringen.
In Philippi: Bekehrung der Geschäftsfrau Lydia
11 Nachdem unser Schiff von Troas ausgelaufen war, fuhren wir auf direktem
Weg zur Insel Samothrake. Am folgenden Tag kamen wir nach Neapolis,
12 und von dort ging die Reise ´landeinwärts` nach Philippi. Philippi, eine
´römische` Kolonie, war die bedeutendste Stadt in diesem Teil der Provinz
Mazedonien. Hier blieben wir einige Tage
13 ´und warteten, bis es Sabbat war`. Am Sabbat gingen wir vor das Stadttor
an den Fluss, wo wir eine jüdische Gebetsstätte vermuteten und dann auch
tatsächlich einige Frauen antrafen, die sich dort versammelt hatten. Wir
setzten uns zu ihnen und begannen mit ihnen zu reden.
14 Eine dieser Frauen – sie hieß Lydia – war eine Purpurhändlerin aus
Thyatira, die an den Gott Israels glaubte. Während sie uns zuhörte, öffnete
ihr der Herr das Herz, so dass sie das, was Paulus sagte, bereitwillig
aufnahm.
15 Nachdem sie sich dann mit allen, die in ihrem Haus lebten, hatte taufen
lassen, lud sie uns zu sich ein. Wenn ihr überzeugt seid, dass ich ´jetzt eine
Christin bin und` an den Herrn glaube, sagte sie, dann kommt in mein Haus
und seid meine Gäste! Sie drängte uns ´so, dass wir einwilligten`.
Paulus treibt einen Wahrsagegeist aus …
16 Eines Tages – wir waren gerade auf dem Weg zur Gebetsstätte – begegnete
uns eine Frau, die von einem Wahrsagegeist besessen war; sie war eine
Sklavin und brachte ihren Besitzern mit ihrer Wahrsagerei viel Geld ein.
17 Die Frau lief hinter Paulus und uns anderen her und schrie in einem fort:
Diese Leute sind Diener des höchsten Gottes! Sie sagen euch, wie ihr gerettet
werden könnt!
18 So ging das viele Tage, bis Paulus es schließlich nicht mehr ertragen
konnte. Er drehte sich um und sagte zu dem Wahrsagegeist: Im Namen von
Jesus Christus gebiete ich dir: Verlass diese Frau! Im selben Augenblick
verließ der Geist die Frau.
… und muss dafür zusammen mit Silas ins Gefängnis
19 Als die Besitzer der Sklavin begriffen, dass mit dem Wahrsagegeist auch
ihre Aussicht auf Gewinn verschwunden war, packten sie Paulus und Silas
und schleppten sie zum Marktplatz, wo die Stadtbehörde ihren Sitz hatte.
20 Sie führten sie den ´beiden` Prätoren vor, ´den höchsten Justizbeamten von
Philippi,` und sagten: Unsere ganze Stadt ist in Aufruhr wegen dieser Leute
hier! Juden sind sie,
21 und sie propagieren Sitten, die wir als römische Bürger nicht gutheißen
können und die wir auf keinen Fall übernehmen dürfen.
22 Als dann auch noch die Volksmenge in diese Anschuldigungen einstimmte,
ließen die Prätoren Paulus und Silas die Kleider vom Leib reißen und
ordneten an, sie mit der Rute zu schlagen.
23 Nachdem man ihnen eine große Zahl von Schlägen gegeben hatte, ließen
die Prätoren sie ins Gefängnis werfen und wiesen den Gefängnisaufseher an,
sie scharf zu bewachen.
24 Das tat dieser dann auch: Er sperrte die beiden in die hinterste Zelle des
Gefängnisses und schloss ihre Füße in den Block.
Bekehrung des Gefängnisaufsehers
25 Gegen Mitternacht beteten Paulus und Silas; sie priesen Gott mit
Lobliedern, und die Mitgefangenen hörten ihnen zu.
26 Plötzlich bebte die Erde so heftig, dass das Gebäude bis in seine
Grundmauern erschüttert wurde. Im selben Augenblick sprangen sämtliche
Türen auf, und die Ketten aller Gefangenen fielen zu Boden.
27 Der Aufseher fuhr aus dem Schlaf hoch, und als er die Türen des
Gefängnisses offen stehen sah, zog er sein Schwert und wollte sich töten,
denn er dachte, die Gefangenen seien geflohen.
28 Doch Paulus rief, so laut er konnte: Tu dir nichts an! Wir sind alle noch
hier!
29 Da ließ der Aufseher Fackeln bringen, stürzte in das Gefängnis und warf
sich zitternd vor Paulus und Silas zu Boden.
30 Während er sie dann nach draußen führte, fragte er sie: Ihr Herren, was
muss ich tun, damit ich gerettet werde?
31 Sie antworteten: Glaube an Jesus, den Herrn, und du wirst gerettet werden,
du und alle, die in deinem Haus leben!
32 Und sie verkündeten ihm und allen, die bei ihm im Haus wohnten, die
Botschaft des Herrn.
33 Der Gefängnisaufseher kümmerte sich noch in derselben Stunde, mitten in
der Nacht, um Paulus und Silas und wusch ihnen das Blut von den Striemen
ab. Dann ließen sich er und alle, die zu ihm gehörten, ohne zu zögern taufen.
34 Anschließend führte er die beiden in sein Haus hinauf und ließ eine
Mahlzeit für sie zubereiten. Er war überglücklich, dass er mit seinem ganzen
Haus zum Glauben an Gott gefunden hatte.
Paulus und Silas werden rehabilitiert
35 Am nächsten Morgen kamen die Gerichtsdiener im Auftrag der Prätoren
´zum Gefängnisaufseher` mit der Anweisung: Lass diese Männer frei!
36 Der Aufseher berichtete Paulus davon. Die Prätoren haben mir durch ihre
Diener befohlen, euch freizulassen, erklärte er. Verlasst nun also das
Gefängnis und zieht im Frieden ´Gottes` weiter!
37 Da wandte sich Paulus an die Gerichtsdiener und sagte: Erst haben sie uns
ohne jedes Gerichtsverfahren öffentlich schlagen lassen, obwohl wir das
römische Bürgerrecht besitzen, dann haben sie uns ins Gefängnis geworfen,
und jetzt wollen sie uns still und heimlich abschieben? Das kommt nicht in
Frage! Sie sollen selbst hier erscheinen und uns persönlich aus dem Gefängnis
herausführen!
38 Die Gerichtsdiener erstatteten den Prätoren Meldung und berichteten
ihnen, was Paulus gesagt hatte. Als die Prätoren hörten, dass es sich bei
diesen Männern um römische Bürger handelte, bekamen sie es mit der Angst
zu tun.
39 Sie begaben sich persönlich zu ihnen und entschuldigten sich ´für das, was
geschehen war`. Daraufhin führten sie die beiden aus dem Gefängnis und
baten sie, die Stadt zu verlassen.
40 Wieder in Freiheit, gingen Paulus und Silas zu Lydia, wo sie sich mit den
Geschwistern trafen und ihnen Mut machten. Danach verließen sie die Stadt.
Apostelgeschichte 17
In Thessalonich: Erfolge und Anfeindungen
1 Über Amphipolis und Apollonia kamen Paulus und Silas nach Thessalonich.
Dort gab es eine jüdische Gemeinde.
2 Wie es seine Gewohnheit war, ging Paulus als Erstes in ihre Synagoge, wo er
an drei aufeinanderfolgenden Sabbaten zu den Versammelten sprach.
3 Er öffnete ihnen das Verständnis für die Aussagen der Schrift, die vom
Leiden und Sterben des Messias und von seiner Auferstehung von den Toten
sprechen, und zeigte ihnen, dass das alles ´nach Gottes Plan` so kommen
musste. Und ´deshalb`, so sagte er, ist der Jesus, den ich euch verkünde,
niemand anders als der Messias, ´von dem die Schrift spricht`.
4 Einige der jüdischen Zuhörer ließen sich überzeugen und schlossen sich
Paulus und Silas an. Außerdem ´kamen` zahlreiche Griechen ´zum Glauben`,
die sich zur Synagogengemeinde hielten, sowie eine ganze Reihe von Frauen
aus der oberen Gesellschaftsschicht.
5 Dieser Erfolg erregte den Neid derjenigen Juden, ´die vom Evangelium
nichts wissen wollten`. Sie warben einige skrupellose Männer an, die sich auf
dem Marktplatz herumtrieben, und wiegelten mit ihrer Hilfe die Volksmenge
auf, sodass die ganze Stadt in Unruhe geriet. Dann zogen sie vor das Haus
von Jason, ´bei dem Paulus und Silas zu Gast waren,` um die beiden von dort
herauszuholen und vor die Bürgerversammlung zu stellen.
6 Doch als sie Paulus und Silas nicht fanden, schleppten sie statt dessen Jason
selbst und einige andere Christen vor die Politarchen, ´die höchsten Beamten
der Stadt,` und schrien: Die Leute, die in der ganzen Welt für Aufruhr sorgen,
sind jetzt auch hierher gekommen;
7 Jason hat sie bei sich aufgenommen! Sie setzen sich alle über die
Verordnungen des Kaisers hinweg, indem sie behaupten, ein anderer sei der
´wahre` Herrscher, nämlich Jesus.
8 Die Stadtbevölkerung und die Politarchen waren tief beunruhigt, als sie das
hörten,
9 und erst nachdem Jason und die anderen ´Christen` eine Kaution hinterlegt
hatten, wurden sie wieder auf freien Fuß gesetzt.
In Beröa: Große Aufgeschlossenheit für das Evangelium
10 Noch in derselben Nacht ließen die Christen ´von Thessalonich` Paulus und
Silas nach Beröa weiterziehen. Auch dort suchten die beiden ´zunächst
einmal` die jüdische Synagoge auf.
11 Die Juden in Beröa waren nicht so voreingenommen wie die in
Thessalonich. Mit großer Bereitwilligkeit gingen sie auf das Evangelium von
Jesus Christus ein, und sie studierten täglich die Heilige Schrift, um zu
prüfen, ob das, was Paulus lehrte, mit den Aussagen der Schrift
übereinstimmte.
12 Die Folge war, dass viele von ihnen zum Glauben kamen, außerdem eine
beträchtliche Zahl einflussreicher griechischer Frauen und eine ganze Reihe
griechischer Männer.
13 Als jedoch die Juden von Thessalonich erfuhren, dass Paulus jetzt in Beröa
die Botschaft Gottes verkündete, reisten sie ihm nach und begannen auch
dort, Unruhe zu stiften und die Volksmenge gegen ihn aufzuhetzen.
14 Die Christen von Beröa reagierten sofort und schickten Paulus weiter,
hinunter zur Küste. Silas und Timotheus hingegen blieben in Beröa.
15 Einige ´Brüder` reisten mit Paulus und begleiteten ihn bis nach Athen. Er
trug ihnen auf, Silas und Timotheus auszurichten, sie sollten so bald wie
möglich nachkommen; dann kehrten sie nach Beröa zurück.
Paulus in Athen: Begegnung mit griechischen Philosophen
16 Während Paulus nun in Athen auf die beiden wartete, sah er sich in der
Stadt um. Empört und erschüttert stellte er fest, dass ihre Straßen von
zahllosen Götterstatuen gesäumt waren,
24 ´Meine Botschaft handelt von` dem Gott, der die ganze Welt mit allem, was
darin ist, geschaffen hat. Er, der Herr über Himmel und Erde, wohnt nicht in
Tempeln, die von Menschen erbaut wurden.
25 Er ist auch nicht darauf angewiesen, dass wir Menschen ihm dienen. Nicht
er ist von uns abhängig, ´sondern wir von ihm`. Er ist es, der uns allen das
Leben und die Luft zum Atmen gibt und uns mit allem versorgt, ´was wir zum
Leben brauchen`.
26 Aus einem einzigen ´Menschen` hat er alle Völker hervorgehen lassen. Er
hat bestimmt, dass sich die Menschen über die ganze Erde ausbreiten, und
hat festgelegt, wie lange jedes Volk bestehen und in welchem Gebiet es leben
soll.
27 ´Mit allem, was er tat,` wollte er die Menschen dazu bringen, nach ihm zu
fragen; er wollte, dass sie – wenn irgend möglich – in Kontakt mit ihm
kommen und ihn finden. Er ist ja für keinen von uns in ´unerreichbarer`
Ferne.
28 Denn in ihm, ´dessen Gegenwart alles durchdringt,` leben wir, bestehen
wir und sind wir. Oder, wie es einige eurer eigenen Dichter ausgedrückt
haben: Er ist es, von dem wir abstammen.
29 Wenn wir nun aber von Gott abstammen, dürfen wir nicht meinen, die
Gottheit gleiche ´jenen Statuen aus` Gold, Silber oder Stein, die das Produkt
menschlicher Erfindungskraft und Kunstfertigkeit sind.
30 In der Vergangenheit hat Gott gnädig über die Verfehlungen
hinweggesehen, die die Menschen in ihrer Unwissenheit begangen
haben. Doch jetzt fordert er alle Menschen an allen Orten zur Umkehr auf.
31 Er hat nämlich einen Tag festgesetzt, an dem er durch einen von ihm
bestimmten Mann über die ganze Menschheit Gericht halten und über alle ein
gerechtes Urteil sprechen wird. Diesen Mann hat er vor aller Welt ´als den
künftigen Richter` bestätigt, indem er ihn von den Toten auferweckt hat.
Unterschiedliche Reaktionen
32 Als Paulus von der Auferstehung der Toten sprach, brach ein Teil der
Zuhörer in Gelächter aus, und andere sagten: Über dieses Thema wollen wir
zu einem späteren Zeitpunkt mehr von dir erfahren.
33 Damit endete die Anhörung, und Paulus verließ die Ratsversammlung.
34 Doch einige Leute schlossen sich ihm an und kamen zum Glauben, so zum
Beispiel Dionysios, ein Mitglied des Stadtrats, und eine Frau namens Damaris;
und es gab noch andere, die zusammen mit diesen beiden ´an Jesus
glaubten`.
Apostelgeschichte 18
Erfolgreiche Tätigkeit in Korinth
1 Bald darauf verließ Paulus Athen und ging nach Korinth.
2 Dort lernte er Aquila kennen, einen Juden, der aus ´der Provinz`
Pontusstammte. Aquila und seine Frau Priszilla waren erst kurz zuvor aus
Italien gekommen, weil ´Kaiser` Klaudius ein Edikt erlassen hatte, wonach
alle Juden Rom verlassen mussten. Die beiden luden Paulus zu sich ein,
3 und weil er dasselbe Handwerk ausübte wie sie – sie waren Zeltmacher – ,
blieb er bei ihnen und arbeitete ´in ihrem Geschäft mit`.
4 Jeden Sabbat sprach Paulus in der Synagoge und versuchte, sowohl Juden
als auch Griechen ´von der Wahrheit des Evangeliums` zu überzeugen.
5 Als dann Silas und Timotheus, von Mazedonien kommend, in Korinth
eintrafen, konnte Paulus seine ganze Zeit für die Verkündigung von Gottes
Botschaft einsetzen. Mit allem Nachdruck bezeugte er den Juden, dass Jesus
der Messias ist.
6 Doch alles, was er dafür erntete, waren Anfeindungen und Beschimpfungen.
Da schüttelte er den Staub von seinen Kleidern und erklärte: Ihr habt es euch
selbst zuzuschreiben, wenn das Gericht Gottes über euch hereinbricht! Mich
trifft keine Schuld. Von jetzt ab wende ich mich an die Nichtjuden.
17 Sie waren noch auf dem Gerichtsplatz, da fiel die Volksmenge, die
dabeigestanden hatte, über den Synagogenvorsteher Sosthenes her und
verprügelte ihn. Aber Gallio kümmerte sich nicht im Geringsten darum.
Kurze Besuche in Ephesus und Jerusalem. Rückkehr nach Antiochia
18 Paulus blieb danach noch einige Zeit ´in Korinth`. Schließlich nahm er
Abschied von den Geschwistern und trat zusammen mit Priszilla und Aquila
die Seereise nach Syrien an. Bevor sie in Kenchreä an Bord gingen, ließ er
sich das Haar wieder schneiden, das er wegen eines Gelübdes hatte wachsen
lassen.
19 Die Reise führte über Ephesus, wo Paulus Priszilla und Aquila zurückließ.
Er selbst suchte ´vor der Weiterfahrt` die Synagoge der Stadt auf und sprach
dort zu den Juden.
20 Sie baten ihn, länger zu bleiben, aber er ging nicht darauf ein,
21 sondern verabschiedete sich von ihnen. Wenn es Gottes Wille ist, sagte er,
werde ich zu euch zurückkommen. Dann brach er wieder auf.
22 Das Schiff brachte ihn nach Cäsarea, wo er an Land ging. Er machte sich
auf den Weg hinauf ´nach Jerusalem` und stattete der Gemeinde dort einen
kurzen Besuch ab. Schließlich kehrte er nach Antiochia zurück.
23 Nachdem Paulus einige Zeit dort verbracht hatte, machte er sich erneut auf
die Reise. Er zog zunächst durch das Gebiet von Galatien und anschließend
durch Phrygien, und überall stärkte er die Jünger ´in ihrem Glauben`.
Apollos in Ephesus und in Korinth
24 Um diese Zeit kam ein Jude namens Apollos nach Ephesus. Er stammte aus
Alexandria, war ein glänzender Redner und besaß eine umfassende Kenntnis
der Heiligen Schrift.
25 Darüber hinaus war er auch in der Lehre des Herrn unterwiesen worden.
Überall sprach er mit glühender Begeisterung von Jesus und unterrichtete
seine Zuhörer gewissenhaft und genau über das, was Jesus getan und gelehrt
hatte. Allerdings kannte er keine andere Taufe als die von Johannes ´dem
Täufer`.
26 Dieser Apollos nun begann, in der Synagoge ´von Ephesus` frei und offen
´von Jesus` zu sprechen. Auch Priszilla und Aquila hörten ihn. Da luden sie
ihn zu sich ein und erklärten ihm die Lehre Gottes noch genauer.
27 Als Apollos dann in die Provinz Achaia reisen wollte, ermutigten ihn die
Christen ´von Ephesus` zu diesem Schritt und gaben ihm einen
Empfehlungsbrief mit, in dem sie die Jünger ´in Achaia` baten, ihn freundlich
aufzunehmen. Und tatsächlich erwies sich Apollos dort mit seiner besonderen
Gabe als eine große Hilfe für die Gläubigen.
28 Denn er führte öffentliche Diskussionen mit den Juden, in denen er ihre
Einwände mit überzeugenden Argumenten widerlegte und anhand der Schrift
nachwies, dass Jesus der Messias ist.
Apostelgeschichte 19
Paulus in Ephesus: Begegnung mit Nachfolgern Jesu, die den Heiligen Geist
noch nicht erhalten haben
1 Während Apollos in Korinth war, zog Paulus durch das ´kleinasiatische`
Hochland und dann ´zur Küste` hinunter nach Ephesus. Dort traf er auf eine
Gruppe von Jüngern, ´die seine Aufmerksamkeit auf sich zogen`.
2 Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr zum Glauben gekommen
seid?, fragte er sie. Den Heiligen Geist empfangen?, entgegneten sie. Wir
haben nicht einmal gehört, dass der Heilige Geist schon gekommen ist! –
3 Was für eine Taufe ist denn an euch vollzogen worden?, wollte Paulus
wissen. Die Taufe des Johannes, erwiderten sie.
4 Da sagte Paulus: Johannes rief das israelitische Volk zur Umkehr auf und
taufte die, die seinem Aufruf folgten. Aber er verband damit die
Aufforderung, an den zu glauben, der nach ihm kommen würde, nämlich an
Jesus.
5 Als sie das hörten, ließen sie sich auf den Namen von Jesus, dem Herrn,
taufen.
6 Und als Paulus ihnen dann die Hände auflegte, kam der Heilige Geist auf sie
herab, und sie redeten in ´geistgewirkten` Sprachen und machten
prophetische Aussagen.
7 Es waren etwa zwölf Männer, die zu dieser Gruppe gehörten.
Lange und erfolgreiche Lehrtätigkeit
8 Drei Monate lang ging Paulus ´regelmäßig` in die Synagoge ´von Ephesus`
und sprach dort frei und offen über das Reich Gottes und alles, was damit
zusammenhängt. Er diskutierte ´mit den Synagogenbesuchern` und versuchte
sie ´von der Wahrheit seiner Botschaft` zu überzeugen.
9 Doch einige von ihnen verschlossen sich dem, was er verkündete, und waren
nicht bereit, das Evangelium anzunehmen. Statt dessen redeten sie vor allen
Versammelten abfällig über die neue Glaubensrichtung. Daraufhin brach
Paulus den Kontakt mit ihnen ab. Zusammen mit denen, die Jünger des Herrn
geworden waren, trennte er sich von der jüdischen Gemeinde und sprach von
da an täglich im Lehrsaal eines Mannes namens Tyrannus.
10 Das tat er volle zwei Jahre lang, sodass nach und nach die ganze
Bevölkerung der Provinz Asien – Juden wie Nichtjuden – die Botschaft des
Herrn hörte.
Auseinandersetzungen mit dämonischen Mächten
11 Dazu kam, dass Gott durch Paulus ganz außergewöhnliche
Dinge geschehen ließ.
12 Die Leute nahmen sogar Tücher, mit denen Paulus sich den Schweiß
abgewischt, oder Schürzen, ´die er bei seiner handwerklichen Arbeit getragen
hatte,` und legten sie auf die Kranken mit dem Ergebnis, dass die Krankheiten
verschwanden und dass ´bei den Besessenen` die bösen Geister ausfuhren.
13 Einige der jüdischen Geisterbeschwörer, die im Land umherzogen,
versuchten, den Namen von Jesus, dem Herrn, ´für ihre Zwecke` zu
gebrauchen. Sie sprachen ihn über den von bösen Geistern Besessenen aus,
wobei sie folgende Formel benutzten: Ich beschwöre euch bei dem Jesus, den
Paulus verkündet!
14 Auch die sieben Söhne eines gewissen Skevas, eines führenden jüdischen
Priesters, gingen so vor.
15 Doch ´eines Tages` gab ihnen der böse Geist, ´der in einem Besessenen
war,` zur Antwort: Jesus kenne ich, und wer Paulus ist, weiß ich ebenfalls;
aber wer seid ihr?
16 Und der Mensch, der von dem bösen Geist besessen war, stürzte sich auf
sie, überwältigte sie alle und schlug sie so zusammen, dass sie blutend und
mit zerrissenen Kleidern aus dem Haus flohen.
17 Von diesem Vorfall erfuhren alle, die in Ephesus wohnten, Juden wie
Nichtjuden. Alle wurden von einer tiefen Ehrfurcht vor Gott ergriffen und
priesen den Namen von Jesus, dem Herrn, für seine Größe.
18 Auch traten jetzt viele von denen, die zum Glauben gekommen waren, ´vor
die Gemeinde` und bekannten offen, sich mit okkulten Praktiken abgegeben
zu haben.
19 Zahlreiche ´Christen`, die Zauberei getrieben hatten, brachten ihre
Zauberbücher und verbrannten sie öffentlich. Als man den Wert der Bücher
zusammenrechnete, kam man auf eine Summe von 50000 Silberdrachmen.
20 Das alles trug dazu bei, dass die Botschaft des Herrn sich unaufhaltsam
ausbreitete und einen immer größeren Einfluss gewann.
Reisepläne
21 Nach all diesen Ereignissen fasste Paulus den Entschluss, über Mazedonien
und Achaia nach Jerusalem zu reisen. Und wenn ich dort gewesen bin,
erklärte er, muss ich endlich auch Rom besuchen!
22 Er schickte zwei seiner Mitarbeiter, Timotheus und Erastus, nach
Mazedonien voraus, blieb aber selbst noch eine Zeitlang in der Provinz Asien.
Aufruhr in Ephesus