A Part 3
A Part 3
45 Einer der Gesetzeslehrer unterbrach Jesus und rief: Meister, mit dem, was
du sagst, greifst du auch uns an!
46 Darauf sagte Jesus: Ja, wehe auch euch Gesetzeslehrern! Ihr bürdet den
Menschen Lasten auf, die man kaum tragen kann, aber ihr selbst rührt diese
Lasten mit keinem Finger an.
47 Wehe euch! Ihr errichtet Grabmäler für die Propheten, die doch von euren
Vorfahren umgebracht wurden.
48 Damit gebt ihr nicht nur zu, dass eure Vorfahren das getan haben; ihr heißt
es sogar gut. Sie haben die Propheten umgebracht, und ihr errichtet die
Grabmäler.
49 Das ist auch der Grund, weshalb die Weisheit Gottes gesagt hat: Ich werde
Propheten und Apostel zu ihnen schicken; einige von ihnen werden sie
umbringen, und andere werden sie verfolgen.
50 Darum wird diese Generation zur Rechenschaft gezogen werden für den
Tod aller Propheten, die seit der Erschaffung der Welt umgebracht wurden,
51 angefangen bei Abel bis hin zu Sacharja, der zwischen dem Altar und dem
Haus ´Gottes` umkam. Ja, ich sage euch: Diese Generation wird dafür zur
Rechenschaft gezogen werden.
52 Wehe euch Gesetzeslehrern! Ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis
weggenommen. Selbst seid ihr nicht eingetreten, und die, die eintreten
wollten, habt ihr daran gehindert.
53 Als Jesus jenes Haus wieder verließ, begannen die Schriftgelehrten und die
Pharisäer, mit immer neuen Fragen auf ihn einzudringen; sie ließen nichts
unversucht, um ihn in die Enge zu treiben,
54 und lauerten darauf, ihn bei einer ´verfänglichen` Äußerung zu ertappen.
Lukas 12
Warnung vor Heuchelei. Aufforderung, sich ohne Furcht zuJesus zu bekennen
11 Wenn man euch in den Synagogen vor Gericht stellt oder euch vor die
Behörden und die Machthaber führt, dann macht euch keine Sorgen, wie ihr
euch verteidigen und was ihr sagen sollt.
12 Denn wenn es soweit ist, wird euch der Heilige Geist zeigen, was ihr sagen
müsst.
13 Einer aus der Menge bat Jesus: Meister, sag doch meinem Bruder, er soll
das ´väterliche` Erbe mit mir teilen!
14 Jesus entgegnete ihm: Lieber Mann, wer hat mich denn zum Richter über
euch eingesetzt oder zum Vermittler ´in euren Erbangelegenheiten`?
15 Dann wandte er sich an alle und sagte: Nehmt euch in Acht! Hütet euch vor
aller Habgier! Denn das Leben eines Menschen hängt nicht von seinem
Wohlstand ab.
16 Jesus erzählte den Leuten dazu ein Gleichnis: Die Felder eines reichen
Mannes hatten einen guten Ertrag gebracht.
17 Der Mann überlegte hin und her: Was soll ich tun? Ich weiß ja gar nicht,
wohin mit meiner Ernte.
18 Schließlich sagte er: Ich weiß, was ich mache! Ich reiße meine Scheunen ab
und baue größere. Dort kann ich mein ganzes Getreide und alle meine
Vorräte unterbringen.
19 Und dann werde ich zu mir selbst sagen: Du hast es geschafft! Du hast
einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Gönne dir jetzt Ruhe, iss und
trink und genieße das Leben!
20 Da sagte Gott zu ihm: Du törichter Mensch! Noch in dieser Nacht wird dein
Leben von dir zurückgefordert werden. Wem wird dann das gehören, was du
dir angehäuft hast?
21 ´Jesus schloss, indem er sagte:` So geht es dem, der nur auf seinen Gewinn
aus ist und der nicht reich ist in Gott.
22 Dann wandte sich Jesus wieder an seine Jünger und fuhr fort: Deshalb sage
ich euch: Macht euch keine Sorgen um die Nahrung, die ihr zum Leben, und
um die Kleidung, die ihr für euren Körper braucht.
23 Denn das Leben ist wichtiger als die Nahrung, und der Körper ist wichtiger
als die Kleidung.
24 Seht euch die Raben an! Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie haben weder
Vorratskammern noch Scheunen, und Gott ernährt sie doch. Und ihr seid
doch viel mehr wert als die Vögel!
25 Wer von euch kann dadurch, dass er sich Sorgen macht, sein Leben auch
nur um eine Stunde verlängern?
26 Wenn ihr also nicht einmal so etwas Geringfügiges fertigbringt, warum
macht ihr euch dann Sorgen um all das Übrige?
27 Und seht euch die Lilien an! Sie wachsen, ohne sich abzumühen und ohne
zu spinnen ´und zu weben`. Und doch sage ich euch: Sogar Salomo in all
seiner Pracht war nicht so schön gekleidet wie eine von ihnen.
28 Wenn Gott die Blumen auf dem Feld, die heute blühen und morgen ins
Feuer geworfen werden, so herrlich kleidet, wie viel mehr wird er sich dann
um euch kümmern, ihr Kleingläubigen!
29 Lasst euch nicht von der Sorge um Essen und Trinken umtreiben und in
Unruhe versetzen!
30 Denn um diese Dinge geht es den Heiden, den Menschen dieser Welt. Euer
Vater aber weiß, dass ihr das alles braucht.
31 Es soll euch vielmehr um sein Reich gehen, dann wird euch das Übrige
dazugegeben.
32 Du brauchst dich nicht zu fürchten, kleine Herde! Denn euer Vater hat
beschlossen, euch sein Reich zu geben.
33 Verkauft euren Besitz und gebt das Geld den Armen! Schafft euch
Geldbeutel an, die nicht löchrig werden und legt euch einen unerschöpflichen
Reichtum im Himmel an, wo kein Dieb ihn findet und keine Motten ihn
fressen.
34 Denn wo euer Reichtum ist, da wird auch euer Herz sein.
35 Haltet euch bereit und sorgt dafür, dass eure Lampen brennen!
36 Seid wie Diener, deren Herr auf einem Fest ist und die auf seine Rückkehr
warten, damit sie ihm sofort aufmachen können, wenn er kommt und an die
Tür klopft.
37 Glücklich zu preisen sind die Diener, die der Herr wach und bereit findet,
wenn er kommt. Ich sage euch: Er wird sich ´einen Schurz` umbinden und sie
zu Tisch bitten, und er selbst wird sie bedienen.
38 Vielleicht kommt er spät in der Nacht oder sogar erst gegen Morgen. Wenn
er sie dann bereit findet – wie glücklich sind sie da zu preisen!
39 Ihr könnt gewiss sein: Ein Hausherr, der wüsste, in welcher Stunde der Dieb
kommt, würde nicht zulassen, dass in sein Haus eingebrochen wird.
40 So sollt auch ihr ständig bereit sein; denn der Menschensohn kommt zu
einem Zeitpunkt, an dem ihr nicht damit rechnet.
41 Petrus fragte: Herr, meinst du mit diesem Vergleich nur uns oder auch alle
anderen?
42 Darauf sagte der Herr Folgendes: Woran erkennt man denn einen treuen
und klugen Verwalter? Angenommen, ein Herr überträgt einem seiner Diener
die Verantwortung, der ganzen Dienerschaft zur gegebenen Zeit das Essen
zuzuteilen.
43 Wenn nun sein Herr kommt und ihn bei der Arbeit findet – wie glücklich ist
da der Diener zu preisen!
44 Ich sage euch: Der Herr wird ihm die Verantwortung für seinen ganzen
Besitz übertragen.
45 Wenn jener Diener sich aber sagt: Mein Herr kommt noch lange nicht! und
anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen, während er selbst schwelgt und
prasst und sich volltrinkt,
46 dann wird sein Herr an einem Tag kommen, an dem er ihn nicht erwartet,
und zu einem Zeitpunkt, an dem er es nicht vermutet. Er wird den Diener in
Stücke hauen lassen und ihm dasselbe Los bereiten wie den Ungläubigen.
47 Der Diener, der den Willen seines Herrn kennt und sich nicht ´auf sein
Kommen` vorbereitet und nicht tut, was sein Herr will, wird hart bestraft
werden.
48 Wer hingegen den Willen seines Herrn nicht kennt und etwas tut, was
Strafe verdient, wird weniger hart bestraft werden. Wemviel gegeben wurde,
von dem wird viel gefordert, und wem viel anvertraut wurde, von dem wird
umso mehr verlangt.
49 Ich bin gekommen, um auf der Erde ein Feuer anzuzünden; ich wünschte,
es würde schon brennen!
50 Aber vor mir steht eine Taufe, mit der ich noch getauft werden muss, und
wie schwer ist mir das Herz, bis sie vollzogen ist!
51 Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein,
sage ich euch, nicht Frieden, sondern Entzweiung.
52 Von jetzt an wird es so sein: Wenn fünf Menschen unter einem Dach leben,
werden sich drei gegen zwei stellen und zwei gegen drei.
53 Der Vater wird sich gegen den Sohn stellen und der Sohn gegen den Vater,
die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die
Schwiegermutter gegen die Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen
die Schwiegermutter.
54 Jesus wandte sich an die Volksmenge und sagte: Wenn im Westen eine
Wolke aufsteigt, sagt ihr sofort: Es gibt Regen. Und so kommt es dann auch.
55 Und wenn der Südwind weht, sagt ihr: Es wird heiß. Und auch das trifft
ein.
56 Ihr Heuchler! Ihr beobachtet die Erde und den Himmel und könnt so das
Wetter beurteilen. Wieso könnt ihr dann nicht die gegenwärtige Zeit
beurteilen?
57 Warum macht ihr euch nicht selbst klar, was ´vor Gott` richtig ist?
58 Wenn du jemand eine Schuld zu bezahlen hast und er mit dir vor Gericht
geht, dann gib dir alle Mühe, dich noch unterwegs mit ihm zu einigen; sonst
schleppt er dich vor den Richter, und der Richter übergibt dich dem
Vollzugsbeamten, und der Vollzugsbeamtewirft dich ins Gefängnis.
59 Ich sage dir: Du wirst von dort nicht herauskommen, bevor du alles bis auf
den letzten Heller bezahlt hast.
Lukas 13
Umkehren oder umkommen
1 Zu dieser Zeit kamen einige Leute zu Jesus und berichteten ihm von den
Galiläern, die Pilatus am Altar umbringen ließ und deren Blut sich auf diese
Weise mit dem ihrer Opfertiere vermischte.
2 Da sagte Jesus zu ihnen: Meint ihr, diese Leute seien größere Sünder
gewesen als alle übrigen Galiläer, weil so etwas Schreckliches mit ihnen
geschehen ist?
3 Nein, sage ich euch; wenn ihr nicht umkehrt, werdet ihr alle genauso
umkommen.
4 Oder denkt an jene achtzehn Menschen, die beim Einsturz des Turms von
Schiloach den Tod fanden. Meint ihr, ihre Schuld sei größer gewesen als die
aller anderen Einwohner Jerusalems?
5 Nein, sage ich euch; wenn ihr nicht umkehrt, werdet ihr alle ebenso
umkommen.
17 Diese Antwort Jesu brachte alle seine Gegner in größte Verlegenheit. Das
ganze Volk jedoch freute sich über all die wunderbaren Dinge, die durch ihn
geschahen.
18 Dann sagte Jesus: Mit welchem Bild lässt sich das Reich Gottes
darstellen? Womit soll ich es vergleichen?
19 Es ist mit dem Reich Gottes wie mit einem Senfkorn, das ein Mann in
seinem Garten sät. Es ´geht auf und` wächst und wird zu einem Baum, in
dessen Zweigen die Vögel nisten.
20 Jesus fuhr fort: Womit kann ich das Reich Gottes noch vergleichen?
21 Es ist mit dem Reich Gottes wie mit dem Sauerteig. Eine Frau nimmt ´eine
Hand voll` davon, mengt ihn unter einen halben Sack Mehl, und am Ende ist
die ganze Masse durchsäuert.
22 Jesus setzte seine Reise nach Jerusalem fort; er zog von Stadt zu Stadt und
von Dorf zu Dorf, und überall lehrte er.
23 Einmal wurde er gefragt: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?
Jesus antwortete:
24 Setzt alles daran, durch die enge Tür einzutreten! Denn das sage ich euch:
Viele werden versuchen einzutreten, und es wird ihnen nicht gelingen.
25 Wenn der Hausherr aufgestanden ist und die Tür abgeschlossen hat, werdet
ihr draußen stehen, an die Tür klopfen und rufen: Herr, mach uns auf! Doch
er wird euch antworten: Ich kenne euch nicht; ich weiß nicht, woher ihr
seid.
26 Dann werdet ihr einwenden: Wir haben doch mit dir gegessen und
getrunken, und du hast auf den Straßen unserer Stadt gelehrt.
27 Er aber wird euch noch einmal dasselbe antworten: Ich kenne euch nicht;
ich weiß nicht, woher ihr seid. Geht alle weg von mir, ihr mit eurem
unrechten Treiben!
28 Dort draußen bleibt für euch nichts als lautes Jammern und angstvolles
Zittern und Beben, wenn ihr sehen werdet, dass Abraham, Isaak und Jakob
samt allen Propheten im Reich Gottes sind, ihr aber ausgeschlossen seid.
29 Von Osten und Westen und von Norden und Süden werden Menschen
kommen und sich im Reich Gottes zu Tisch setzen.
30 Es gibt Letzte, die werden Erste sein, und Erste, die werden Letzte sein.
31 Da kamen einige Pharisäer zu Jesus und sagten: Auf, geh fort von hier;
Herodes trachtet dir nach dem Leben!
32 Jesus erwiderte: Geht und sagt diesem Fuchs: Heute und morgen treibe ich
Dämonen aus und heile Kranke, und am dritten Tag wird mein Leben
vollendet.
33 Ja, ich muss heute und morgen und auch noch am darauf folgenden Tag
meinen Weg gehen; denn es ist undenkbar, dass ein Prophet an einem
anderen Ort umkommt als in Jerusalem.
34 Jerusalem, Jerusalem, du tötest die Propheten und steinigst die, die Gott zu
dir schickt. Wie oft wollte ich deine Kinder sammeln, wie eine Henne ihre
Küken unter ihre Flügel nimmt! Aber ihr habt nicht gewollt.
35 Seht, euer Haus wird verlassen sein. Ich sage euch: Ihr werdet mich erst
wieder sehen, wenn die Zeit kommt, in der ihr rufen werdet: Gesegnet sei er,
der im Namen des Herrn kommt!
Lukas 14
Heilung eines wassersüchtigen Mannes am Sabbat
1 An einem Sabbat war Jesus zum Essen im Haus eines führenden Pharisäers.
Er wurde aufmerksam beobachtet.
2 In seiner Nähe war ein Mann, der an Wassersucht litt.
3 Jesus fragte die anwesenden Gesetzeslehrer und Pharisäer: Ist es erlaubt, am
Sabbat zu heilen, oder nicht?
4 Sie schwiegen. Da berührte er den Kranken, machte ihn gesund und ließ ihn
gehen.
5 Dann wandte er sich wieder zu den anderen und fragte sie: Wenn einem von
euch ein Kind in den Brunnen fällt oder ein Tier, zieht er es dann nicht auf
der Stelle wieder heraus, auch wenn es gerade Sabbat ist?
6 Darauf konnten sie ihm nichts erwidern.
7 Jesus beobachtete, wie sich die Gäste die Ehrenplätze aussuchten. Das nahm
er zum Anlass, sie auf etwas hinzuweisen.
8 Wenn du bei jemand zu einem Festessen eingeladen bist, sagte er, dann
nimm nicht oben am Tisch Platz. Es könnte ja sein, dass einer von den
anderen Gästen angesehener ist als du.
9 Der Gastgeber, der euch beide, dich und ihn, eingeladen hat, müsste dann
kommen und zu dir sagen: Mach ihm bitte Platz! Und dir bliebe nichts
anderes übrig, als dich beschämt ganz unten hinzusetzen.
10 Nein, nimm ganz unten Platz, wenn du eingeladen bist. Wenn dann der
Gastgeber kommt, wird er zu dir sagen: Mein Freund, nimm doch weiter oben
Platz! Und so wirst du vor allen geehrt, die mit dir eingeladen sind.
11 Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich
selbst erniedrigt, wird erhöht werden.
12 Dann wandte sich Jesus zu dem, der ihn eingeladen hatte, und sagte: Wenn
du Gäste einladen willst, ob zu einer einfachen Mahlzeit oder zu einem
großen Essen, dann lade dazu nicht ´nur` deine Freunde, deine Brüder,
sonstige Verwandte oder reiche Nachbarn ein. Sie würden dich wieder
einladen, und das wäre dann deine ganze Belohnung.
13 Nein, lade Arme, Behinderte, Gelähmte und Blinde ein, wenn du ein Essen
gibst.
14 Dann bist du glücklich zu preisen. Denn sie können es dir nicht vergelten;
dafür wird es dir bei der Auferstehung der Gerechten vergolten werden.
15 Auf diese Worte Jesu hin rief einer der Gäste ihm zu: Glücklich, wer am
Festmahl im Reich Gottes teilnehmen darf!
16 Jesus antwortete ihm darauf ´mit einem Gleichnis`. Er sagte: Ein Mann
bereitete ein großes Festessen vor, zu dem er viele Gäste einlud.
17 Als es dann soweit war, schickte er seinen Diener und ließ den Gästen
sagen: Kommt, alles ist bereit!
18 Doch jetzt brachte einer nach dem anderen eine Entschuldigung vor. Der
erste sagte: Ich habe einen Acker gekauft und muss unbedingt hingehen und
ihn besichtigen. Bitte entschuldige mich.
19 Ein anderer sagte: Ich habe fünf Ochsengespanne gekauft und gehe sie mir
jetzt genauer ansehen. Bitte entschuldige mich.
20 Und ein dritter sagte: Ich habe gerade erst geheiratet; darum kann ich nicht
kommen.
21 Der Diener kam zu seinem Herrn zurück und berichtete ihm das alles. Da
wurde der Herr zornig und befahl ihm: Geh schnell auf die Straßen und
Gassen der Stadt und hol die Armen, die Behinderten, die Blinden und die
Gelähmten herein!
22 Bald darauf meldete der Diener: Herr, was du befohlen hast, ist ausgeführt.
Aber es ist noch mehr Platz vorhanden.
23 Da befahl ihm der Herr: Geh auf die Feldwege und an die Zäune und
dränge ´alle, die du dort findest,` zu kommen, damit mein Haus voll wird!
24 Denn eines sage ich euch: Von jenen Leuten, die ursprünglich eingeladen
waren, wird keiner etwas von meinem Festessen bekommen.
Was es kostet, ein Jünger Jesu zu sein
25 Scharen von Menschen begleiteten Jesus, als er weiterzog. Da wandte er
sich zu ihnen um und sagte:
Lukas 15
Verloren und wiedergefunden: drei Gleichnisse
1 Jesus war ständig umgeben von Zolleinnehmern und anderen Leuten, die als
Sünder galten; sie wollten ihn alle hören.
2 Die Pharisäer und die Schriftgelehrten waren darüber empört. Dieser
Mensch gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen!, sagten sie.
3 Da erzählte ihnen Jesus folgendes Gleichnis:
4 Angenommen, einer von euch hat hundert Schafe, und eins davon geht ihm
verloren. Lässt er da nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht
dem verlorenen nach, bis er es findet?
5 Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voller Freude auf seine Schultern
6 und trägt es nach Hause. Dann ruft er seine Freunde und Nachbarn
zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir! Ich habe das Schaf
wiedergefunden, das mir verloren gegangen war.
7 Ich sage euch: Genauso wird im Himmel mehr Freude sein über einen
einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es
nicht nötig haben umzukehren.
8 Oder wie ist es, wenn eine Frau zehn Silbermünzen hat und eine davon
verliert? Zündet sie da nicht eine Lampe an, kehrt das ganze Haus und sucht
in allen Ecken, bis sie die Münze gefunden hat?
9 Und wenn sie sie gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen
zusammen und sagt: Freut euch mit mir! Ich habe die Münze
wiedergefunden, die ich verloren hatte.
10 Ich sage euch: Genauso freuen sich die Engel Gottes über einen einzigen
Sünder, der umkehrt.
11 Jesus fuhr fort: Ein Mann hatte zwei Söhne.
12 Der jüngere sagte zu ihm: Vater, gib mir den Anteil am Erbe, der mir
zusteht! Da teilte der Vater das Vermögen unter die beiden auf.
13 Wenige Tage später hatte der jüngere Sohn seinen ganzen Anteil verkauft
und zog mit dem Erlös in ein fernes Land. Dort lebte er in Saus und Braus und
brachte sein Vermögen durch.
14 Als er alles aufgebraucht hatte, wurde jenes Land von einer großen
Hungersnot heimgesucht. Da geriet auch er in Schwierigkeiten.
15 In seiner Not wandte er sich an einen Bürger des Landes, und dieser
schickte ihn zum Schweinehüten auf seine Felder.
16 Er wäre froh gewesen, wenn er seinen Hunger mit den Schoten, die die
Schweine fraßen, hätte stillen dürfen, doch selbst davon wollte ihm keiner
etwas geben.
17 Jetzt kam er zur Besinnung. Er sagte sich: Wie viele Tagelöhner hat mein
Vater, und alle haben mehr als genug zu essen! Ich dagegen komme hier vor
Hunger um.
18 Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen:
Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt;
19 ich bin es nicht mehr wert, dein Sohn genannt zu werden. Mach mich zu
einem deiner Tagelöhner!
20 So machte er sich auf den Weg zu seinem Vater. Dieser sah ihn schon von
weitem kommen; voller Mitleid lief er ihm entgegen, fiel ihm um den Hals
und küsste ihn.
21 Vater, sagte der Sohn zu ihm, ich habe mich gegen den Himmel und gegen
dich versündigt; ich bin es nicht mehr wert, dein Sohn genannt zu werden.
22 Doch der Vater befahl seinen Dienern: Schnell, holt das beste Gewand und
zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an den Finger und bringt ihm ein Paar
Sandalen!
23 Holt das Mastkalb und schlachtet es; wir wollen ein Fest feiern und fröhlich
sein.
24 Denn mein Sohn war tot, und nun lebt er wieder; er war verloren, und nun
ist er wiedergefunden. Und sie begannen zu feiern.
25 Der ältere Sohn war auf dem Feld gewesen. Als er jetzt zurückkam, hörte er
schon von weitem den Lärm von Musik und Tanz.
26 Er rief einen Knecht und erkundigte sich, was das zu bedeuten habe.
27 Dein Bruder ist zurückgekommen, lautete die Antwort, und dein Vater hat
das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn wohlbehalten wiederhat.
28 Der ältere Bruder wurde zornig und wollte nicht ins Haus hineingehen. Da
kam sein Vater heraus und redete ihm gut zu.
29 Aber er hielt seinem Vater vor: So viele Jahre diene ich dir jetzt schon und
habe mich nie deinen Anordnungen widersetzt. Und doch hast du mir nie
auch nur einen Ziegenbock gegeben, sodass ich mit meinen Freunden hätte
feiern können!
30 Und nun kommt dieser Mensch da zurück, dein Sohn, der dein Vermögen
mit Huren durchgebracht hat, und du lässt das Mastkalb für ihn schlachten! –
31 Kind, sagte der Vater zu ihm, du bist immer bei mir, und alles, was mir
gehört, gehört auch dir.
32 Aber jetzt mussten wir doch feiern und uns freuen; denn dieser hier, dein
Bruder, war tot, und nun lebt er wieder; er war verloren, und nun ist er
wiedergefunden.
Lukas 16
Das Gleichnis vom ungetreuen Verwalter
1 Jesus wandte sich zu seinen Jüngern und sagte: Ein reicher Mann hatte
einen Verwalter. Über diesen gingen Klagen bei ihm ein; es hieß, er
veruntreue ihm sein Vermögen.
2 Da ließ er den Verwalter rufen. Was muss ich von dir hören?, sagte er zu
ihm. Leg die Abrechnung über deine Tätigkeit vor; du kannst nicht länger
mein Verwalter sein.
3 Der Mann überlegte hin und her: Was soll ich nur tun? Mein Herr wird mich
entlassen. Für schwere Arbeit tauge ich nicht, und ich schäme mich zu
betteln.
4 Doch jetzt weiß ich, was ich tun kann, damit die Leute mich in ihren
Häusern aufnehmen, wenn ich meine Stelle als Verwalter verloren habe.
5 Nacheinander rief er alle zu sich, die bei seinem Herrn Schulden hatten. Wie
viel bist du meinem Herrn schuldig?, fragte er den ersten.
6 Hundert Fass Olivenöl, antwortete der. Darauf sagte der Verwalter: Hier,
nimm deinen Schuldschein, setz dich schnell hin, und schreib statt dessen
fünfzig.
7 Dann fragte er den nächsten: Und du, wie viel bist du ihm schuldig? –
Hundert Sack Weizen, lautete die Antwort. Der Verwalter sagte zu ihm: Hier,
nimm deinen Schuldschein, und schreib statt dessen achtzig.
8 Da lobte der Herr den ungetreuen Verwalter dafür, dass er so klug gehandelt
hatte. In der Tat, die Menschen dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen
klüger als die Menschen des Lichts.
9 Darum sage ich euch: Macht euch Freunde mit dem Mammon, an dem so
viel Unrecht haftet, damit ihr, wenn es keinen Mammon mehr gibt, in die
ewigen Wohnungen aufgenommen werdet.
10 Wer in den kleinsten Dingen treu ist, ist auch in den großen treu, und wer
in den kleinsten Dingen nicht treu ist, ist auch in den großen nicht treu.
11 Wenn ihr also im Umgang mit dem unrechten Mammon nicht treu seid, wer
wird euch dann das wahre Gut anvertrauen?
12 Wenn ihr das nicht treu verwaltet, was euch doch gar nicht gehört, wer
wird euch dann euer ´wahres` Eigentum geben?
13 Ein Diener kann nicht für zwei Herren arbeiten. Er wird dem einen ergeben
sein und den anderen abweisen. Für den einen wird er sich ganz einsetzen,
und den anderen wird er verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und zugleich
dem Mammon.
14 Das alles hörten auch die Pharisäer, die am Geld hingen, und sie redeten
verächtlich über Jesus.
15 Da sagte er zu ihnen: Vor den Menschen erweckt ihr den Eindruck, ein
gottgefälliges Leben zu führen; aber Gott kennt euer Herz. Was in den Augen
der Menschen groß ist, das ist Gott ein Gräuel.
16 Die Zeit des Gesetzes und der Propheten ist mit Johannes zu Ende
gegangen. Seitdem wird die Botschaft vom Reich Gottes verkündet, und jeder
versucht mit aller Gewalt, hineinzukommen.
17 Doch eher vergehen Himmel und Erde, als dass auch nur ein einziges
Strichlein vom Gesetz hinfällig wird.
18 Jeder, der sich von seiner Frau scheidet und eine andere heiratet, begeht
Ehebruch. Und wer eine geschiedene Frau heiratet, begeht ebenfalls
Ehebruch.
19 Es war einst ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und feinstes
Leinen und lebte Tag für Tag herrlich und in Freuden.
20 Vor dem Tor seines Hauses lag ein Armer; er hieß Lazarus. Sein ganzer
Körper war mit Geschwüren bedeckt.
21 Er wäre froh gewesen, wenn er seinen Hunger mit dem hätte stillen
können, was vom Tisch des Reichen fiel; aber nur die Hunde kamen und
leckten an seinen Wunden.
22 Schließlich starb der Arme. Er wurde von den Engeln zu Abraham getragen
und durfte sich an dessen Seite setzen. Auch der Reiche starb und wurde
begraben.
Lukas 17
Wehe dem, durch den andere zu Fall kommen!
1 Jesus sagte zu seinen Jüngern: Es ist unvermeidlich, dass Dinge geschehen,
durch die Menschen zu Fall kommen. Doch wehe dem, der daran schuld ist!
2 Es wäre besser für ihn, man würde ihm einen Mühlstein um den Hals legen
und ihn damit ins Meer werfen, als dass von solchen gering Geachteten wie
diesen hier auch nur einer durch ihn zu Fall kommt.
3 Seht euch also vor! Wenn dein Bruder sündigt, weise ihn zurecht, und wenn
er sein Unrecht einsieht, vergib ihm.
4 Selbst wenn er siebenmal am Tag gegen dich sündigt und siebenmal wieder
zu dir kommt und sagt: Ich will es nicht mehr tun, sollst du ihm vergeben.
5 Die Apostel baten den Herrn: Gib uns doch mehr Glauben!
6 Der Herr antwortete: Selbst wenn euer Glaube nur so groß wäre wie ein
Senfkorn, könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum hier sagen: Heb dich samt
deinen Wurzeln aus der Erde und verpflanze dich ins Meer!, und er würde
euch gehorchen.
7 Angenommen, einer von euch hat einen Knecht, der ihm den Acker
bestellt oder das Vieh hütet. Wenn dieser Knecht vom Feld heimkommt, wird
dann sein Herr etwa als Erstes zu ihm sagen: Komm und setz dich zu Tisch!?
8 Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Mach mir das Abendessen, binde dir
´einen Schurz` um und bediene mich! Wenn ich mit Essen und Trinken fertig
bin, kannst auch du essen und trinken.?
9 Und bedankt er sich hinterher bei dem Knecht dafür, dass dieser getan hat,
was ihm aufgetragen war?
10 Wenn ihr also alles getan habt, was euch aufgetragen war, dann sollt auch
ihr sagen: Wir sind Diener, weiter nichts; wir haben nur unsere Pflicht getan.
11 Auf seinem Weg nach Jerusalem zog Jesus durch das Grenzgebiet
von Samarien und Galiläa.
12 Kurz vor einem Dorf kamen ihm zehn Aussätzige entgegen; sie blieben in
einigem Abstand stehen
13 und riefen laut: Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!
14 Jesus sah sie an und sagte zu ihnen: Geht und zeigt euch den Priestern! Auf
dem Weg dorthin wurden sie gesund.
15 Einer von ihnen kam zurück, als er sah, dass er geheilt war. Er pries Gott
mit lauter Stimme,
16 warf sich vor Jesu Füßen nieder und dankte ihm. Dieser Mann war ein
Samaritaner.
17 Jesus aber sagte: Sind denn nicht alle zehn gesund geworden? Wo sind die
anderen neun?
18 Ist es keinem außer diesem Fremden in den Sinn gekommen,
zurückzukehren und Gott die Ehre zu geben?
19 Dann sagte er zu dem Mann: Steh auf, du kannst gehen! Dein Glaube hat
dich gerettet.
20 Die Pharisäer fragten Jesus, wann das Reich Gottes komme. Darauf
antwortete er: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an äußeren
Anzeichen erkennen kann.
21 Man wird auch nicht sagen können: Seht, hier ist es! oder: Es ist dort! Nein,
das Reich Gottes ist mitten unter euch.
22 Dann sagte Jesus zu seinen Jüngern: Es wird eine Zeit kommen, da werdet
ihr euch danach sehnen, auch nur einen Tag der Herrschaft des
Menschensohnes zu erleben, aber euer Sehnen wird vergeblich sein.
23 Wenn man zu euch sagt: Seht, dort ist er! oder: Seht, er ist hier!, dann geht
nicht hin; lauft denen, die hingehen, nicht nach.
24 Denn wie der Blitz aufleuchtet und den Himmel von einem Ende zum
anderen erhellt, so wird es an dem Tag sein, an dem der Menschensohn
kommt.
25 Vorher muss er jedoch vieles erleiden und wird von der jetzigen Generation
verworfen werden.
26 In den Tagen, in denen der Menschensohn kommt, wird es sein wie in den
Tagen Noahs.
27 Die Menschen aßen und tranken, sie heirateten und wurden verheiratet –
bis zu dem Tag, an dem Noah in die Arche ging; dann brach die Flut herein,
und sie kamen alle um.
28 Es wird auch sein wie in den Tagen Lots. Die Menschen aßen und tranken,
sie kauften und verkauften, sie pflanzten und bauten –
29 doch an dem Tag, als Lot Sodom verließ, regnete es Feuer und Schwefel
vom Himmel, und sie kamen alle um.
30 Genauso wird es an dem Tag sein, an dem der Menschensohn
wiederkommt.
31 Wer sich an jenem Tag gerade auf dem Dach seines Hauses aufhält und
seine Sachen unten im Haus liegen hat, soll nicht erst noch hinuntersteigen,
um sie zu holen. Das Gleiche gilt für den, der auf dem Feld ist: Er soll nicht
mehr nach Hause zurücklaufen.
32 Denkt an Lots Frau!
33 Wer sein Leben zu erhalten sucht, wird es verlieren; wer es aber verliert,
wird es bewahren.
34 Ich sage euch: Von zwei Menschen, die in jener Nacht in einem Bett liegen,
wird der eine angenommen und der andere zurückgelassen.
35 Und von zwei Frauen, die zusammen Getreide mahlen, wird die eine
angenommen und die andere zurückgelassen.
37 Die Jünger fragten Jesus: Wo wird das geschehen, Herr? Er antwortete: Wo
Aas liegt, da sammeln sich die Geier.
Lukas 18
Das Gleichnis von der Witwe und vom Richter
1 Jesus wollte seinen Jüngern zeigen, dass sie unablässig beten sollten, ohne
sich entmutigen zu lassen. Deshalb erzählte er ihnen folgendes Gleichnis:
2 In einer Stadt lebte ein Richter, der nicht nach Gott fragte und auf keinen
Menschen Rücksicht nahm.
3 In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe. Sie kam immer wieder zu dem
Richter und bat ihn: Verhilf mir in der Auseinandersetzung mit meinem
Gegner zu meinem Recht!
4 Lange Zeit wollte der Richter nicht darauf eingehen, doch dann sagte er
sich: Ich fürchte Gott zwar nicht, und was die Menschen denken, ist mir
gleichgültig;
5 aber diese Witwe wird mir so lästig, dass ich ihr zu ihrem Recht verhelfen
will. Sonst bringt sie mich mit ihrem ständigen Kommen noch zur
Verzweiflung.
6 Der Herr fuhr fort: Habt ihr darauf geachtet, was dieser Richter sagt, dem es
überhaupt nicht um Gerechtigkeit geht?
7 Sollte da Gott nicht erst recht dafür sorgen, dass seine Auserwählten, die
Tag und Nacht zu ihm rufen, zu ihrem Recht kommen? Und wird er sie etwa
warten lassen?
8 Ich sage euch: Er wird dafür sorgen, dass sie schnell zu ihrem Recht
kommen. Aber wird der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde solch
einen Glauben finden?
9 Jesus wandte sich nun an einige, die in ´falschem` Selbstvertrauen meinten,
´in Gottes Augen` gerecht zu sein, und die deshalb für die anderen nur
Verachtung übrig hatten. Er erzählte ihnen folgendes Beispiel:
10 Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein
Pharisäer und der andere ein Zolleinnehmer.
11 Der Pharisäer stellte sich selbstbewusst hin und betete: Ich danke dir, Gott,
dass ich nicht so bin wie die übrigen Menschen – ich bin kein Räuber, kein
Betrüger und kein Ehebrecher, und ich bin auch nicht wie jener
Zolleinnehmer dort.
12 Ich faste zwei Tage in der Woche und gebe den Zehnten von allen meinen
Einkünften.
13 Der Zolleinnehmer dagegen blieb in weitem Abstand stehen und wagte
nicht einmal, aufzublicken. Er schlug sich an die Brust und sagte: Gott, vergib
mir sündigem Menschen meine Schuld!
14 Ich sage euch: Der Zolleinnehmer war ´in Gottes Augen` gerechtfertigt, als
er nach Hause ging, der Pharisäer jedoch nicht. Denn jeder, der sich selbst
erhöht, wird erniedrigt werden; aber wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht
werden.
15 Es wurden auch kleine Kinder zu Jesus gebracht; er sollte sie segnen. Aber
die Jünger sahen das nicht gern und wiesen sie barsch ab.
16 Doch Jesus rief die Kinder zu sich und sagte: Lasst die Kinder zu mir
kommen; hindert sie nicht daran! Denn gerade für solche wie sie ist das Reich
Gottes.
17 Ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht wie ein Kind annimmt, wird
nicht hineinkommen.
18 Ein angesehener Mann fragte Jesus: Guter Meister, was muss ich tun, um
das ewige Leben zu bekommen? –
19 Warum nennst du mich gut?, entgegnete Jesus. Gut ist nur Gott, sonst
niemand.
20 Du kennst doch die Gebote: Du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst
keinen Mord begehen, du sollst nicht stehlen, du sollst keine falschen
Aussagen machen, ehre deinen Vater und deine Mutter!
21 Der Mann erwiderte: Alle diese Gebote habe ich von meiner Jugend an
befolgt.
22 Da sagte Jesus zu ihm: Eines fehlt dir noch: Verkaufe alles, was du hast,
und verteile den Erlös an die Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel
haben. Und dann komm und folge mir nach!
23 Der Mann wurde sehr traurig, als er das hörte, denn er hatte ein großes
Vermögen.
24 Als Jesus ihn so traurig sah, sagte er: Wie schwer ist es doch für Menschen,
die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen!
25 Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher ins Reich
Gottes kommt.
26 Da fragten die Zuhörer: Wer kann dann überhaupt gerettet werden?
27 Jesus antwortete: Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist für Gott
möglich.
28 Da sagte Petrus: Du weißt, wir haben zurückgelassen, was wir besaßen,
und sind dir nachgefolgt.
29 Jesus erwiderte, zu allen Jüngern gewandt: Ich sage euch: Jeder, der um
des Reiches Gottes willen Haus oder Frau, Geschwister, Eltern oder Kinder
zurücklässt,
30 bekommt jetzt, in dieser Zeit, alles vielfach wieder und in der kommenden
Welt das ewige Leben.
31 Jesus nahm die Zwölf beiseite und sagte zu ihnen: Wir gehen jetzt nach
Jerusalem hinauf. Dort wird sich alles erfüllen, was bei den Propheten über
den Menschensohn steht.
32 Er wird den Heiden übergeben werden, ´die Gott nicht kennen`; er wird
verspottet, misshandelt und angespuckt werden;
33 man wird ihn auspeitschen und schließlich töten. Doch drei Tage
danach wird er auferstehen.
34 Die Jünger begriffen von all dem nichts. Der Sinn dieser Worte war ihnen
verborgen; sie verstanden nicht, was damit gemeint war.
35 Als Jesus in die Nähe von Jericho kam, saß dort ein Blinder am
Straßenrand und bettelte.
Lukas 19
Ein reicher Zolleinnehmer begegnet Jesus
1 Jesus kam nach Jericho; sein Weg führte ihn mitten durch die Stadt.
2 Zachäus, der oberste Zolleinnehmer, ein reicher Mann,
3 wollte unbedingt sehen, wer dieser Jesus war. Aber es gelang ihm nicht,
weil er klein war und die vielen Leute ihm die Sicht versperrten.
4 Da lief er voraus und kletterte auf einen Maulbeerfeigenbaum; Jesus musste
dort vorbeikommen, und Zachäus hoffte, ihn dann sehen zu können.
5 Als Jesus an dem Baum vorüberkam, schaute er hinauf und rief: Zachäus,
komm schnell herunter! Ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein.
6 So schnell er konnte, stieg Zachäus vom Baum herab, und er nahm Jesus
voller Freude bei sich auf.
7 Die Leute waren alle empört, als sie das sahen. Wie kann er sich nur von
solch einem Sünder einladen lassen!, sagten sie.
8 Zachäus aber trat vor den Herrn und sagte zu ihm: Herr, die Hälfte meines
Besitzes will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand etwas erpresst
habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück.
9 Da sagte Jesus zu Zachäus: Der heutige Tag hat diesem Haus Rettung
gebracht. Denn, fügte er hinzu, dieser Mann ist doch auch ein Sohn
Abrahams.
10 Und der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was
verloren ist.
11 Jesus fuhr mit einem Gleichnis fort. Weil er so nahe vor Jerusalem war,
meinten seine Zuhörer nämlich, der Anbruch des Reiches Gottes stehe
unmittelbar bevor.
12 Er sagte: Ein Mann aus vornehmer Familie reiste in ein fernes Land, um
sich dort zum König über sein eigenes Land einsetzen zu lassen und dann
zurückzukehren.
13 Vor der Abreise rief er zehn seiner Diener zu sich und gab ihnen Geld,
jedem ein Pfund. Arbeitet damit, bis ich wiederkomme!, sagte er.
14 Doch die Bürger des Landes hassten ihn. Sie schickten eine Abordnung
hinter ihm her und ließen erklären: Wir wollen nicht, dass dieser Mann König
über uns wird.
15 Trotzdem wurde er zum König eingesetzt. Nach seiner Rückkehr ließ er die
Diener rufen, denen er das Geld anvertraut hatte; er wollte erfahren, welchen
Gewinn sie damit erzielt hatten.
16 Der erste erschien vor ihm und sagte: Herr, dein Pfund hat zehn weitere
eingebracht. –
17 Sehr gut, erwiderte der Herr, du bist ein tüchtiger Diener. Weil du im
Kleinsten treu gewesen bist, sollst du Verwalter von zehn Städten werden.
18 Der zweite kam und sagte: Herr, dein Pfund hat fünf weitere eingebracht.
19 Auch ihn ´lobte` der Herr. Du sollst über fünf Städte bestimmen, sagte er.
20 Doch der nächste, der kam, erklärte: Herr, hier hast du dein Pfund zurück.
Ich habe es in einem Tuch aufbewahrt.
21 Ich hatte nämlich Angst vor dir, weil du ein strenger Mann bist. Du forderst
Gewinn, wo du nichts angelegt hast, und erntest, wo du nicht gesät hast.
22 Sein Herr entgegnete ihm: Mit deinen eigenen Worten sprichst du dir das
Urteil, du böser Mensch! Du hast also gewusst, dass ich ein strenger Mann
bin, dass ich Gewinn fordere, wo ich nichts angelegt habe, und ernte, wo ich
nicht gesät habe.
23 Warum hast du mein Geld da nicht ´wenigstens` auf die Bank gebracht?
Dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückfordern können.
24 Und er wandte sich zu den Umstehenden und sagte: Nehmt ihm das Pfund
weg und gebt es dem, der die zehn Pfund hat! –
25 Aber Herr, wandten sie ein, er hat doch schon zehn! –
26 Ich sage euch, erwiderte er, jedem, der hat, wird gegeben; wer aber nicht
hat, dem wird auch das genommen, was er hat.
27 Und nun zu meinen Feinden, die nicht wollten, dass ich über sie herrsche:
Holt sie her und bringt sie vor meinen Augen um!
28 Nachdem Jesus dieses Gleichnis erzählt hatte, setzte er seine Reise hinauf
nach Jerusalem fort.
29 Als er nicht mehr weit von Betfage und Betanien am Ölberg war, schickte
er zwei seiner Jünger voraus.
30 Er gab ihnen folgende Anweisung: Geht in das Dorf, das ihr vor euch seht.
Beim Ortseingang werdet ihr einen Esel finden, der angebunden ist, ein
junges Tier, auf dem noch nie ein Mensch geritten ist. Bindet es los und führt
es her.
31 Und sollte euch jemand fragen, warum ihr es losbindet, dann antwortet:
Der Herr braucht es.
32 Die beiden machten sich auf den Weg und fanden alles so, wie Jesus es
ihnen beschrieben hatte.
33 Als sie das Tier losbanden, fragten die Leute, denen es gehörte: Warum
bindet ihr es los? –
34 Der Herr braucht es, antworteten sie.
35 Sie brachten den Esel zu Jesus, legten ihre Mäntel über das Tier und ließen
Jesus aufsteigen.
36 Während er nun so seinen Weg fortsetzte, breiteten die Leute ihre Mäntel
auf der Straße aus.
37 Als er das Wegstück erreichte, das vom Ölberg zur Stadt hinunterführt,
brach die ganze Schar der Jünger in Freudenrufe aus; mit lauter Stimme
priesen sie Gott für all die Wunder, die sie miterlebt hatten.
38 Gesegnet sei er, der König, der im Namen des Herrn kommt! riefen sie.
Frieden bei dem, der im Himmel ist, Ehre dem, der droben in der Höhe
wohnt!
39 Einige Pharisäer aus der Menge erhoben Einspruch. Meister, sagten sie zu
Jesus, verbiete es deinen Jüngern, so zu reden!
40 Doch Jesus gab ihnen zur Antwort: Ich sage euch: Wenn sie schweigen,
werden die Steine schreien!
41 Als Jesus sich nun der Stadt näherte und sie vor sich liegen sah, weinte er
über sie
42 und sagte: Wenn doch auch du am heutigen Tag erkannt hättest, was dir
Frieden bringen würde! Nun aber ist es dir verborgen, du siehst es nicht.
43 Es kommt für dich eine Zeit, da werden deine Feinde rings um dich einen
Wall aufwerfen, dich belagern und dich von allen Seiten bedrängen.
44 Sie werden dich zerstören und deine Kinder, die in dir wohnen,
zerschmettern und werden in der ganzen Stadt keinen Stein auf dem anderen
lassen, weil du die Zeit, in der Gott dir begegnete, nicht erkannt hast.
45 Jesus ging in den Tempel und fing an, alle hinauszuweisen, die dort Handel
trieben.
46 Er sagte zu ihnen: Es heißt in der Schrift: Mein Haus soll ein Haus des
Gebetes sein. Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht!
47 Tag für Tag lehrte Jesus im Tempel. Die führenden Priester und die
Schriftgelehrten jedoch sowie die anderen führenden Männer des Volkes
suchten nach einer Möglichkeit, ihn zu beseitigen.
48 Aber sie wussten nicht, wie sie es anfangen sollten; denn das ganze Volk
hing an ihm und ließ sich keines seiner Worte entgehen.
Lukas 20
Die Frage nach der Vollmacht Jesu
1 Eines Tages, als Jesus im Tempel lehrte und dem Volk die Botschaft ´vom
Reich Gottes` verkündete, erschienen die führenden Priester und die
Schriftgelehrten in Begleitung der Ältesten.
2 Sag uns, forderten sie ihn auf, woher nimmst du dir das Recht, das alles zu
tun? Wer ist es, der dir die Vollmacht dazu gegeben hat?
3 Ich will euch eine Gegenfrage stellen, erwiderte Jesus. Sagt mir:
4 Stammte die Taufe des Johannes vom Himmel oder von Menschen?
5 Sie überlegten miteinander hin und her: Wenn wir antworten: Vom Himmel,
wird er sagen: Warum habt ihr Johannes dann nicht geglaubt?
6 Antworten wir aber: Von Menschen, dann wird uns das ganze Volk
steinigen; denn alle sind überzeugt, dass Johannes ein Prophet war.
7 Schließlich erklärten sie, sie wüssten nicht, woher die Taufe des Johannes
stamme.
8 Da erwiderte Jesus: Dann sage ich euch auch nicht, woher ich die Vollmacht
habe, so zu handeln.
9 Daraufhin erzählte Jesus dem Volk ein Gleichnis. Er sagte: Ein Mann legte
einen Weinberg an; er verpachtete ihn und verreiste dann für längere Zeit.
10 Zur gegebenen Zeit schickte er einen Diener zu den Pächtern, um sich von
ihnen seinen Anteil am Ertrag des Weinbergs geben zu lassen. Doch die
Pächter verprügelten den Diener und jagten ihn mit leeren Händen davon.
11 Da schickte der Mann einen anderen Diener, aber dem ging es nicht besser:
Sie verprügelten ihn, trieben ihren Spott mit ihm und jagten auch ihn mit
leeren Händen fort.
12 Er schickte noch einen dritten. Auch den wiesen sie ab; sie schlugen ihn
blutig und warfen ihn zum Weinberg hinaus.
13 Was soll ich tun?, fragte sich der Besitzer des Weinbergs. Ich werde meinen
Sohn schicken, ihn, den ich so sehr liebe. Vor ihm werden sie Achtung
haben.
14 Als die Pächter den Sohn kommen sahen, überlegten sie, was sie tun
sollten. Das ist der Erbe, sagten sie zueinander. Wir bringen ihn um, dann
gehört das Erbe uns!
15 Und sie stießen ihn zum Weinberg hinaus und brachten ihn um. Was wird
nun der Besitzerdes Weinbergs mit diesen Pächtern machen?
16 Er wird kommen und sie umbringen, und den Weinberg wird er anderen
anvertrauen. Die Zuhörer waren entsetzt. Nur das nicht!, sagten sie.
17 Jesus sah sie an und sagte dann: Was bedeutet denn jene Schriftstelle: Der
Stein, den die Bauleute für unbrauchbar erklärten, ist zum Eckstein
geworden?
18 Jeder, der auf diesen Stein fällt, wird zerschmettert, und der, auf den der
Stein fällt, wird von ihm zermalmt.
29 Nun waren da sieben Brüder. Der erste nahm sich eine Frau, starb jedoch
kinderlos.
30 Daraufhin heiratete der zweite Bruder die Witwe, ´aber auch er starb
kinderlos`.
31 Nach ihm heiratete sie der dritte, und so ging es weiter; alle sieben starben,
ohne Kinder zu hinterlassen.
32 Zuletzt starb auch die Frau.
33 Wie ist es nun mit der Frau bei der Auferstehung? Wem von ihnen gehört
sie dann? Alle sieben waren schließlich mit ihr verheiratet gewesen.
34 Jesus antwortete: In der jetzigen Welt heiraten die Menschen und werden
verheiratet.
35 Aber diejenigen, die für würdig erachtet werden, von den Toten
aufzuerstehen und an der kommenden Welt teilzuhaben, heiraten dann nicht
mehr.
36 Sie können dann ja auch nicht mehr sterben, sondern sind den Engeln
gleich; als Menschen der Auferstehung sind sie Söhne Gottes.
37 Dass aber die Toten auferstehen, hat schon Mose deutlich gemacht. In der
Geschichte vom Dornbusch nennt er den Herrn den Gott Abrahams, den Gott
Isaaks und den Gott Jakobs.
38 Gott ist doch nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden; für ihn sind
alle lebendig.
39 Einige der Schriftgelehrten sagten darauf: Meister, das war eine gute
Antwort.
40 Aber niemand wagte mehr, ihm eine Frage zu stellen.
41 Nun fragte Jesus sie: Wie kommt es eigentlich, dass man sagt, der
Messias sei der Sohn Davids?
42 David selbst sagt doch im Buch der Psalmen: Der Herr sprach zu meinem
Herrn: Setze dich an meine rechte Seite,
43 bis ich deine Feinde zum Schemel für deine Füße gemacht habe.
44 Der Messias wird also von David Herr genannt. Wie kann er dann Davids
Sohn sein?
45 Das ganze Volk hörte zu, als Jesus daraufhin zu seinen Jüngern sagte:
46 Hütet euch vor den Schriftgelehrten! Sie gehen mit Vorliebe in langen
Gewändern einher und haben es gern, wenn man sie auf der
Straße ehrfurchtsvoll grüßt. In den Synagogen nehmen sie die vordersten
Sitze für sich in Anspruch und bei Festessen die Ehrenplätze.
47 Sie verschlingen den Besitz der Witwen und sprechen zum Schein lange
Gebete. Darum erwartet sie ein besonders hartes Urteil.
Lukas 21
Das Opfer der armen Witwe
1 Jesus blickte zum Opferkasten und sah, wie die reichen Leute ihre Gaben
hineinwarfen.
2 Er bemerkte auch eine ärmlich ´gekleidete` Witwe, die zwei kleine
Kupfermünzen hineinwarf.
3 Da sagte er: Ich versichere euch, diese arme Witwe hat mehr gegeben als
alle anderen.
4 Sie alle haben ihre Gaben aus ihrem Überfluss gegeben; diese Frau aber, so
arm sie ist, hat alles gegeben, was sie besaß – alles, was sie zum Leben nötig
hatte.
Jesu rede über die Endzeit
(Verse 5-36)
5 Einige unterhielten sich über den Tempel; ´sie bewunderten` die herrlichen
Steine, mit denen er gebaut, und die Weihgaben, mit denen er geschmückt
war. Da sagte Jesus:
6 Es kommt eine Zeit, da wird von dem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem
anderen bleiben; es wird alles zerstört werden.
7 Sie fragten Jesus: Meister, wann wird das denn geschehen, und an welchem
Zeichen werden wir erkennen können, dass es soweit ist?
8 Gebt Acht, lasst euch nicht irreführen!, antwortete Jesus. Denn viele werden
unter meinem Namen auftreten; sie werden von sich sagen: Ich bin es! und
werden verkünden: Die Zeit ist da. Lauft ihnen nicht nach!
9 Erschreckt auch nicht, wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört. Diese Dinge
müssen geschehen, bevor das Ende kommt, aber es kommt noch nicht sofort
danach.
10 Weiter sagte er zu ihnen: Ein Volk wird sich gegen das andere erheben und
ein Reich gegen das andere.
11 Es wird schwere Erdbeben geben; Hungersnöte und Seuchen werden bald
diese Gegend heimsuchen und bald jene; furchtbare Dinge werden geschehen,
und am Himmel werden gewaltige Zeichen zu sehen sein.
12 Aber noch bevor es zu dem allem kommt, wird man mit Gewalt gegen euch
vorgehen und wird euch verfolgen. Man wird euch in den Synagogen vor
Gericht stellen und wird euch ins Gefängnis werfen; man wird euch vor
Könige und Machthaber führen. Das alles wird man euch um meines Namens
willen antun,
13 und es wird für euch eine Gelegenheit sein, ´das Evangelium` zu bezeugen.
14 Meint nicht, ihr müsstet euch im Voraus zurechtlegen, wie ihr euch
verteidigen sollt.
15 Denn ich selbst werde euch Worte in den Mund legen, denen eure Gegner
nichts entgegenzusetzen haben, und werde euch eine Weisheit geben, der sie
nicht widersprechen können.
16 Sogar eure Eltern und Geschwister, eure Verwandten und eure Freunde
werden euch verraten, und manche von euch wird man töten.
17 Um meines Namens willen werdet ihr von allen Menschen gehasst werden.
18 Und doch soll kein Haar von eurem Kopf verloren gehen.
31 Genauso ist es, wenn ihr seht, dass jene Dinge geschehen: Dann wisst ihr,
dass das Reich Gottes nahe ist.
32 Ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis alles geschehen
ist.
33 Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht
vergehen.
34 Hütet euch vor einem ausschweifenden Leben und vor übermäßigem
Weingenuss und lasst euch nicht von den Sorgen des täglichen Lebens
gefangen nehmen. Sonst wird euer Herz abgestumpft, und ihr werdet von
jenem Tag überrascht werden
35 wie von einer Falle, die zuschnappt. Denn er wird über alle Bewohner der
Erde hereinbrechen.
36 Seid wachsam und betet, ohne nachzulassen, damit ihr die Kraft habt, all
dem zu entrinnen, was geschehen wird, und damit ihr bestehen könnt, wenn
ihr vor den Menschensohn tretet.
37 Tagsüber lehrte Jesus im Tempel. Doch abends verließ er die Stadt und
verbrachte die Nacht am Ölberg.
38 Früh am Morgen kam dann das ganze Volk zu ihm in den Tempel, um ihn
zu hören.
Lukas 22
Jesu Leiden und Sterben und seine Auferstehung
(Kapitel22 bis 24)
1 Das Fest der ungesäuerten Brote, das Passafest, stand kurz bevor.
2 Die führenden Priester und die Schriftgelehrten suchten nach einer
Möglichkeit, Jesus zu beseitigen, ´ohne dabei Aufsehen zu erregen`; denn sie
hatten Angst vor dem Volk.
3 Da ergriff der Satan Besitz von Judas, der auch Iskariot genannt wurde und
einer der zwölf Jünger war.
18 Denn ich sage euch: Von jetzt an werde ich nicht mehr vom Saft der Reben
trinken, bis das Reich Gottes gekommen ist.
19 Dann nahm er Brot, dankte Gott dafür, brach es in Stücke und gab es den
Jüngern mit den Worten: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.
Tut das, um euch an mich zu erinnern!
20 Ebenso nahm er, nachdem sie gegessen hatten, einen Becher ´mit Wein`
und gab ihn den Jüngern mit den Worten: Dieser Becher ist der neue Bund,
besiegelt mit meinem Blut, das für euch vergossen wird.
21 Doch seht, der, der mich verrät, sitzt hier mit mir am Tisch.
22 Der Menschensohn geht zwar den Weg, der ihm bestimmt ist; aber wehe
dem Menschen, der ihn verraten wird!
23 Da fingen die Jünger an, einander zu fragen, wer von ihnen es wohl sei, der
so etwas tun werde.
24 Unter den Jüngern kam es auch zu einem Streit über die Frage, wer von
ihnen als der Größte zu gelten habe.
25 Da sagte Jesus zu ihnen: Die Könige führen sich als Herren über ihre Völker
auf, und die Mächtigen lassen sich Wohltäter nennen.
26 Bei euch soll es nicht so sein. Im Gegenteil: Der Größte unter euch soll sich
auf eine Stufe stellen mit dem Geringsten, und wer in führender Stellung ist,
soll sein wie der, der dient.
27 Wer ist denn höhergestellt – der, der am Tisch sitzt, oder der, der ihn
bedient? Der, der am Tisch sitzt, nicht wahr? Ich aber bin unter euch als der,
der dient!
28 Und ihr – ihr habt in allem, was ich durchgemacht habe, treu bei mir
ausgehalten.
29 Darum gebe ich euch Anteil an der Herrschaft, die mein Vater mir
übertragen hat.
30 Ihr sollt in meinem Reich an meinem Tisch essen und trinken, und ihr
werdet auf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten.
31 Simon, Simon, der Satan hat sich erbeten, euch schütteln zu dürfen wie den
Weizen im Sieb.
32 Ich aber habe für dich gebetet, dass du deinen Glauben nicht verlierst.
Wenn du dann umgekehrt´und zurechtgekommen` bist, stärke ´den Glauben`
deiner Brüder!
33 Da sagte Petrus zu ihm: Herr, ich bin bereit, mit dir sogar ins Gefängnis
und in den Tod zu gehen.
34 Doch Jesus erwiderte: Ich sage dir, Petrus: Noch bevor heute ´Nacht` der
Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen und behaupten, mich nicht zu
kennen.
35 Dann fragte Jesus die Jünger: Als ich euch ohne Geldbeutel, ohne
Vorratstasche und ohne Sandalen aussandte, hat euch da etwas gefehlt? –
Nein, gar nichts, antworteten sie.
36 Jesus fuhr fort: Von jetzt an gilt Folgendes: Wer einen Geldbeutel oder eine
Vorratstasche besitzt, soll sie mit sich nehmen, und wer nichts als seinen
Mantel besitzt, soll diesen verkaufen und sich dafür ein Schwert kaufen.
37 Denn in der Schrift heißt es: Er wurde zu den Gottlosen gerechnet, und ich
sage euch: Dieses Wort muss sich an mir erfüllen. In der Tat, mein Weg ist
bald vollendet.
38 Die Jünger sagten: Herr, hier sind zwei Schwerter. Doch Jesus erwiderte:
Genug davon!
39 Dann verließ Jesus die Stadt und ging wie gewohnt zum Ölberg; seine
Jünger begleiteten ihn.
40 Als er dort angekommen war, sagte er zu ihnen: Betet darum, dass ihr nicht
in Versuchung geratet!
41 Hierauf trennte er sich von ihnen. Etwa einen Steinwurf weit entfernt
kniete er nieder und betete:
42 Vater, wenn du willst, lass diesen bitteren Kelch an mir vorübergehen. Aber
nicht mein Wille soll geschehen, sondern deiner.
43 Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und stärkte ihn.
44 Der Kampf wurde so heftig, und Jesus betete mit solcher Anspannung, dass
sein Schweiß wie Blut auf die Erde tropfte.
45 Als er vom Gebet aufstand und zu den Jüngern zurückkam, waren sie vor
Kummer eingeschlafen.
46 Wie könnt ihr nur schlafen?, sagte er zu ihnen. Steht auf und betet,
damit ihr nicht in Versuchung geratet!
47 Noch während Jesus redete, tauchte plötzlich eine Schar Männer auf, an
ihrer Spitze Judas, einer der Zwölf. Er ging auf Jesus zu, um ihn mit einem
Kuss zu begrüßen.
48 Jesus aber sagte zu ihm: Judas, mit einem Kuss verrätst du den
Menschensohn?
49 Als die, die bei Jesus waren, begriffen, in welcher Absicht die Männer
gekommen waren, fragten sie: Herr, sollen wir zum Schwert greifen?
50 Und einer von ihnen ging auch gleich auf den Diener des Hohenpriesters
los und schlug ihm das rechte Ohr ab.
51 Aber Jesus rief: Halt! Hört auf! Und er berührte das Ohr des Mannes und
heilte ihn.
52 Dann wandte er sich zu den führenden Priestern, den Offizieren der
Tempelwache und den Ältesten, die gegen ihn angerückt waren, und sagte:
Mit Schwertern und Knüppeln seid ihr ausgezogen, als wäre ich ein
Verbrecher.
53 Dabei war ich doch Tag für Tag bei euch im Tempel, und ihr habt nichts
gegen mich unternommen. Aber jetzt ist eure Stunde gekommen, jetzt übt die
Finsternis ihre Macht aus.
54 Die Männer packten Jesus, führten ihn ab und brachten ihn in den
Palast des Hohenpriesters. Petrus folgte ihnen in einiger Entfernung.
55 In der Mitte des Innenhofes hatte man ein Feuer angezündet; Petrus setzte
sich zu den Leuten, die dort beieinander saßen.
56 Eine Dienerin sah ihn im Schein des Feuers dasitzen, musterte ihn
aufmerksam und meinte dann: Der hier war auch mit ihm zusammen!
57 Aber Petrus stritt es ab: Ich kenne diesen Mann nicht!
58 Es ging nicht lange, da wurde jemand anders auf ihn aufmerksam und
sagte: Du bist auch einer von denen! Petrus widersprach: Das stimmt nicht!
59 Etwa eine Stunde später erklärte wieder jemand anders mit Bestimmtheit:
Natürlich war der auch mit ihm zusammen; er ist doch auch ein Galiläer!
60 Aber Petrus entgegnete: Ich weiß nicht, wovon du sprichst. Im gleichen
Augenblick – noch während er das sagte – krähte ein Hahn.
61 Da wandte sich der Herr um und blickte Petrus an. Petrus erinnerte sich
daran, wie der Herr zu ihm gesagt hatte: Bevor der Hahn heute ´Nacht` kräht,
wirst du mich dreimal verleugnen.
62 Und er ging hinaus und weinte in bitterer Verzweiflung.
63 Die Männer, die Jesus bewachten, trieben ihren Spott mit ihm und schlugen
ihn.
64 Sie verhüllten sein Gesicht und sagten zu ihm: Du bist doch ein Prophet!
Sag uns: Wer hat dich geschlagen?
65 Und noch viele andere Schmähungen musste er über sich ergehen lassen.
66 Als es Tag wurde, versammelten sich die Ältestenschaft des ´jüdischen`
Volkes sowie die führenden Priester und die Schriftgelehrten zu einer Sitzung
des Hohen Rates und ließen Jesus vorführen.
67 Bist du der Messias, dann sag es uns!, forderten sie ihn auf. Er entgegnete:
Wenn ich es euch sage, glaubt ihr es mir ja doch nicht,
68 und wenn ich euch frage, antwortet ihr nicht.
69 Aber von jetzt an wird der Menschensohn an der rechten Seite des
allmächtigen Gottes sitzen.
70 Da riefen sie alle: Dann bist du also der Sohn Gottes? Er erwiderte: Ihr sagt
selbst, dass ich es bin.
71 Darauf erklärten sie: Wozu brauchen wir noch Zeugenaussagen? Wir haben
es ja selbst gehört, und dazu noch aus seinem eigenen Mund.
Lukas 23
Jesus vor Pilatus
1 Der gesamte Hohe Rat erhob sich. Sie führten Jesus zu Pilatus
2 und trugen diesem ihre Anklage vor. Wir haben festgestellt, sagten sie, dass
dieser Mann unser Volk aufwiegelt; er hält die Leute davon ab, dem Kaiser
Steuern zu zahlen, und behauptet, er sei der Messias und König.
3 Pilatus fragte Jesus: Bist du der König der Juden? – Du selbst sprichst es aus,
erwiderte Jesus.
4 Darauf sagte Pilatus zu den führenden Priestern und der Volksmenge: Ich
kann keine Schuld an diesem Menschen finden.
5 Aber sie beharrten auf ihren Anschuldigungen und erklärten: Mit seiner
Lehre, die er im ganzen jüdischen Land verbreitet, hetzt er das Volk auf.
Angefangen hat er damit in Galiläa, und jetzt ist er bis hierher gekommen.
6 Als Pilatus das hörte, fragte er, ob der Mann ein Galiläer sei.
7 Man bestätigte ihm, dass Jesus aus dem Herrschaftsbereich des Herodes
kam. Da ließ er ihn zu Herodes führen, der in jenen Tagen ebenfalls in
Jerusalem war.
8 Herodes war hoch erfreut, Jesus endlich zu Gesicht zu bekommen. Er hatte
sich seit langer Zeit gewünscht, ihn einmal zu sehen, nachdem er schon viel
von ihm gehört hatte. Nun hoffte er, Jesus würde in seiner Gegenwart ein
Wunder tun.
9 Er stellte ihm viele Fragen, aber Jesus gab ihm nicht eine einzige Antwort.
10 Die führenden Priester und die Schriftgelehrten standen dabei und brachten
schwere Beschuldigungen gegen ihn vor.
11 Auch Herodes und seine Soldaten hatten für Jesus nur Verachtung übrig.
Sie trieben ihren Spott mit ihm und hängten ihm ein Prachtgewand um, und
so schickte Herodes ihn zu Pilatus zurück.
12 Herodes und Pilatus, die bis dahin miteinander verfeindet gewesen waren,
wurden an diesem Tag Freunde.
13 Pilatus rief die führenden Priester, die anderen führenden Männer und das
Volk zusammen
14 und erklärte: Ihr habt diesen Mann vor mich gebracht, weil er angeblich
das Volk aufwiegelt. Nun, ich habe ihn in eurem Beisein verhört und habe ihn
in keinem der Anklagepunkte, die ihr gegen ihn erhebt, für schuldig
befunden.
15 Im Übrigen ist auch Herodes zu keinem anderen Schluss gekommen, sonst
hätte er ihn nicht zu uns zurückgeschickt. Ihr seht also: Der Mann hat nichts
getan, womit er den Tod verdient hätte.
16 Darum werde ich ihn auspeitschen lassen und dann freigeben.
18 Doch da schrien sie alle im Chor: Weg mit ihm! Gib uns Barabbas frei!
19 Barabbas saß im Gefängnis, weil er an einem Aufruhr in der Stadt beteiligt
gewesen war und einen Mord begangen hatte.
20 Pilatus, der Jesus freilassen wollte, versuchte noch einmal, sich bei der
Menge Gehör zu verschaffen.
21 Sie aber schrien nur umso lauter: Lass ihn kreuzigen! Lass ihn kreuzigen!
22 Pilatus machte noch einen dritten Versuch. Was für ein Verbrechen hat er
denn begangen?, fragte er sie. Ich habe nichts an ihm gefunden, wofür er den
Tod verdient hätte. Darum werde ich ihn auspeitschen lassen und dann
freigeben.
23 Doch sie gaben nicht nach. Mit aller Macht forderten sie, Jesus solle
gekreuzigt werden. Schließlich beugte sich Pilatus dem Druck der
schreienden Menge
24 und entschied, dass sie ihren Willen haben sollten.
25 Den, der wegen Aufruhr und Mord im Gefängnis saß, gab er frei, wie sie es
gefordert hatten; Jesus aber opferte er ihrem Willen.
26 Als die Soldaten Jesus ´aus der Stadt` hinausführten, kam gerade ein Mann
vom Feld; er hieß Simon und stammte aus Zyrene. Sie hielten ihn an und
luden ihm das Kreuz auf, und er musste es hinter Jesus hertragen.
27 Eine große Menschenmenge folgte Jesus, darunter viele Frauen, die laut
klagten und um ihn weinten.
28 Aber Jesus wandte sich zu ihnen um und sagte: Ihr Frauen von Jerusalem,
weint nicht über mich! Weint über euch selbst und über eure Kinder!
29 Denn es kommt eine Zeit, da wird man sagen: Glücklich die Frauen, die
unfruchtbar sind und nie ein Kind zur Welt gebracht und gestillt haben!
30 Dann wird man zu den Bergen sagen: Fallt auf uns herab! und zu den
Hügeln: Begrabt uns!
31 Denn wenn man schon mit dem grünen Holz so umgeht, was wird dann erst
mit dem dürren geschehen?
32 Zusammen mit Jesus wurden auch zwei andere Männer zur Hinrichtung
geführt, zwei Verbrecher.
33 Als sie an die Stelle kamen, die Schädel genannt wird, kreuzigten die
Soldaten ihn und die beiden Verbrecher, den einen rechts und den anderen
links von ihm.
34 Jesus aber sagte: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.
Die Soldaten warfen das Los um seine Kleider und verteilten sie unter sich.
35 Das Volk stand dabei und sah zu. Und die führenden Männer sagten
verächtlich: Anderen hat er geholfen; soll er sich doch jetzt selbst helfen,
wenn er der von Gott gesandte Messias ist, der Auserwählte!
36 Auch die Soldaten trieben ihren Spott mit ihm; sie traten zu ihm hin, boten
ihm Weinessig an
37 und sagten: Wenn du der König der Juden bist, dann hilf dir selbst!
38 Über seinem Kopf war eine Aufschrift angebracht; sie lautete: Dies ist der
König der Juden.
39 Einer der beiden Verbrecher, die ´mit ihm` am Kreuz hingen, höhnte: Du
bist doch der Messias, oder nicht? Dann hilf dir selbst, und hilf auch uns!
40 Aber der andere wies ihn zurecht. Fürchtest du Gott auch jetzt noch nicht,
wo du doch ebenso schlimm bestraft worden bist wie dieser Mann und wie
ich?, sagte er zu ihm.
41 Dabei werden wir zu Recht bestraft; wir bekommen den Lohn für das, was
wir getan haben. Er aber hat nichts Unrechtes getan.
42 Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du deine Herrschaft als König
antrittst!
43 Jesus antwortete ihm: Ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im
Paradies sein.
44 Inzwischen war es Mittag geworden. Eine Finsternis brach über das ganze
Land herein, die bis drei Uhr nachmittags andauerte;
45 die Sonne hatte aufgehört zu scheinen. Dann riss der Vorhang im Tempel
mitten entzwei.
46 Jesus rief laut: Vater, in deine Hände gebe ich meinen Geist! Mit diesen
Worten starb er.
47 Der Hauptmann, ´der die Aufsicht hatte und` vor dessen Augen das alles
geschah, gab Gott die Ehre. Dieser Mann war wirklich ein Gerechter, sagte
er.
Lukas 24
Jesus ist auferstanden
1 Doch am ersten Tag der neuen Woche nahmen sie in aller Frühe die Salben,
die sie zubereitet hatten, und gingen damit zum Grab.
2 Da sahen sie, dass der Stein, mit dem man den Eingang des Grabes
verschlossen hatte, weggewälzt war.
3 Sie gingen in die Grabkammer hinein, aber der Leichnam von Jesus, dem
Herrn, war nirgends zu sehen.
4 Während sie noch ratlos dastanden, traten plötzlich zwei Männer in hell
leuchtenden Gewändern zu ihnen.
5 Die Frauen erschraken und wagten nicht aufzublicken. Doch die beiden
Männer sagten zu ihnen: Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten?
6 Er ist nicht hier; er ist auferstanden. Erinnert euch an das, was er euch
gesagt hat, als er noch in Galiläa war:
7 Der Menschensohn muss in die Hände sündiger Menschen gegeben werden;
er muss gekreuzigt werden und wird drei Tage danach auferstehen.
8 Da erinnerten sich die Frauen an jene Worte Jesu.
9 Sie kehrten vom Grab ´in die Stadt` zurück und berichteten das alles den elf
Aposteln und allen anderen Jüngern.
10 Bei den Frauen handelte es sich um Maria aus Magdala, um Johanna und
um Maria, die Mutter des Jakobus. Zusammen mit einigen anderen Frauen,
die bei ihnen gewesen waren, erzählten sie den Aposteln, was sie erlebt
hatten.
11 Aber diese hielten das alles für leeres Gerede und glaubten ihnen nicht.
12 Petrus allerdings sprang auf und lief zum Grab. Er beugte sich vor, um
hineinzuschauen, sah aber nur die Leinenbinden daliegen. Voller
Verwunderung ging er wieder fort.
13 Am selben Tag gingen zwei von den Jüngern nach Emmaus, einem Dorf,
das zwei Stunden von Jerusalem entfernt liegt.
14 Unterwegs sprachen sie miteinander über alles, was ´in den
zurückliegenden Tagen` geschehen war;
15 und während sie so miteinander redeten und sich Gedanken machten, trat
Jesus selbst zu ihnen und schloss sich ihnen an.
16 Doch es war, als würden ihnen die Augen zugehalten: Sie erkannten ihn
nicht.
17 Worüber redet ihr denn miteinander auf eurem Weg?, fragte er sie. Da
blieben sie traurig stehen,
18 und einer von ihnen – er hieß Kleopas – meinte: Bist du der Einzige, der
sich zur Zeit in Jerusalem aufhält und nichts von dem weiß, was dort in
diesen Tagen geschehen ist? –
19 Was ist denn geschehen?, fragte Jesus. Sie erwiderten: Es geht um Jesus
von Nazaret, der sich durch sein Wirken und sein Wort vor Gott und vor dem
ganzen Volk als mächtiger Prophet erwiesen hatte.
20 Ihn haben unsere führenden Priester und die anderen führenden Männer
zum Tod verurteilen und kreuzigen lassen.
21 Und wir hatten gehofft, er sei es, der Israel erlösen werde! Heute ist
außerdem schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist.
22 Doch nicht genug damit: Einige Frauen aus unserem Kreis haben uns auch
noch in Aufregung versetzt. Sie waren heute früh am Grab
23 und fanden seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie,
Engel seien ihnen erschienen und hätten ihnen gesagt, dass er lebt.
24 Daraufhin gingen einige von uns zum Grab und fanden alles so, wie es die
Frauen berichtet hatten. Aber ihn selbst sahen sie nicht.
25 Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr unverständigen Leute! Wie schwer fällt es
euch, all das zu glauben, was die Propheten gesagt haben!
26 Musste denn der Messias nicht das alles erleiden, um zu seiner Herrlichkeit
zu gelangen?
27 Dann ging er mit ihnen die ganze Schrift durch und erklärte ihnen alles,
was sich auf ihn bezog – zuerst bei Mose und dann bei sämtlichen Propheten.
28 So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als
wollte er weitergehen.
29 Aber die beiden Jünger hielten ihn zurück. Bleib doch bei uns!, baten sie.
Es ist schon fast Abend, der Tag geht zu Ende. Da begleitete er sie hinein und
blieb bei ihnen.
30 Als er dann mit ihnen am Tisch saß, nahm er das Brot, dankte Gott dafür,
brach es in Stücke und gab es ihnen.
31 Da wurden ihnen die Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Doch im
selben Augenblick verschwand er; sie sahen ihn nicht mehr.
32 War uns nicht zumute, als würde ein Feuer in unserem Herzen brennen,
während er unterwegs mit uns sprach und uns das Verständnis für die Schrift
öffnete?, sagten sie zueinander.
33 Unverzüglich brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück. Dort
fanden sie alle versammelt, die Elf und die, die sich zu ihnen hielten.
34 Man empfing sie mit den Worten: Der Herr ist tatsächlich auferstanden! Er
ist Simon erschienen!
35 Da berichteten die beiden, was sie unterwegs erlebt und wie sie den Herrn
erkannt hatten, als er das Brot in Stücke brach.
36 Während sie noch am Erzählen waren, stand mit einem Mal Jesus selbst in
ihrer Mitte und grüßte sie mit den Worten: Friede sei mit euch!
37 Doch sie waren starr vor Schreck, denn sie meinten, einen Geist zu sehen.
38 Warum seid ihr so erschrocken?, sagte Jesus. Und wie kommt es, dass
solche Zweifel in euren Herzen aufsteigen?
39 Schaut euch meine Hände und meine Füße an: Ich bin es wirklich! Berührt
mich und überzeugt euch selbst! Ein Geist hat doch nicht Fleisch und
Knochen, wie ihr sie an mir seht.
40 Und er zeigte ihnen seine Hände und seine Füße.
41 Da sie es vor Freude immer noch nicht glauben konnten und vor Staunen
kein Wort herausbrachten, fragte er sie: Habt ihr etwas zu essen hier?
42 Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch,
43 und er nahm es und aß es vor ihren Augen.
44 Dann sagte er zu ihnen: Nun ist in Erfüllung gegangen, wovon ich sprach,
als ich noch bei euch war; ich sagte: Alles, was im Gesetz des Mose, bei den
Propheten und in den Psalmen über mich geschrieben ist, muss sich erfüllen.
45 Und er öffnete ihnen das Verständnis für die Schrift, sodass sie sie
verstehen konnten,
46 und sagte zu ihnen: So steht es doch in der Schrift: Der Messias muss leiden
und sterben, und drei Tage danach wird er von den Toten auferstehen.
47 Und in seinem Namen sollen alle Völker zur Umkehr aufgerufen werden,
damit sie Vergebung ihrer Sünden empfangen. In Jerusalem soll damit
begonnen werden.
48 Ihr seid Zeugen für das alles.
49 Ich aber werde die Kraft aus der Höhe auf euch herabsenden, wie mein
Vater es versprochen hat. Bleibt hier in der Stadt, bis ihr damit ausgerüstet
werdet.
50 Jesus führte die Jünger aus der Stadt hinaus bis in die Nähe von Betanien.
Dort erhob er die Hände, um sie zu segnen.
51 Und während er sie segnete, wurde er von ihnen weggenommen und zum
Himmel emporgehoben.
52 Die Jünger warfen sich nieder und beteten ihn an. Dann kehrten sie nach
Jerusalem zurück, von großer Freude erfüllt.
53 Und sie waren von da an ständig im Tempel und priesen Gott.
Wahrheit, wie nur er als der einzige Sohn sie besitzt, er, der vom Vater
kommt.
15 Auf ihn wies Johannes die Menschen hin. Er ist es!, rief er. Von ihm habe
ich gesagt: Der, der nach mir kommt, ist größer als ich, denn er war schon
vor mir da.
16 Wir alle haben aus der Fülle seines Reichtums Gnade und immer neu Gnade
empfangen.
17 Denn durch Mose wurde uns das Gesetz gegeben, aber durch Jesus Christus
sind die Gnade und die Wahrheit zu uns gekommen.
18 Niemand hat Gott je gesehen. Der einzige Sohn hat ihn uns offenbart, er,
der selbst Gott ist und an der Seite des Vaters sitzt.
19 In welcher Weise Johannes auf ihn hinwies, macht folgende Begebenheit
deutlich: Die führenden Männer des jüdischen Volkes schickten aus Jerusalem
Priester und Leviten zu Johannes und ließen ihn fragen, wer er selbst
eigentlich sei.
20 Johannes wies alle falschen Vorstellungen zurück; unmissverständlich
erklärte er: Ich bin nicht der Messias. –
21 Wer bist du dann?, wollten sie wissen. Bist du Elia? – Nein, antwortete er,
der bin ich nicht. – Bist du der Prophet, ´der kommen soll`? – Nein, erwiderte
er.
22 Da sagten sie zu ihm: Wer bist du denn? Wir müssen doch denen, die uns
geschickt haben, eine Antwort geben. Was sagst du selbst, wer du bist?
23 Johannes antwortete: Ich bin, wie der Prophet Jesaja gesagt hat, eine
Stimme, die in der Wüste ruft: Ebnet den Weg für den Herrn!
24 Es waren auch Abgesandte der Pharisäer gekommen.
25 Sie fragten ihn: Wenn du weder der Messias bist noch Elia, noch der
´verheißene` Prophet, warum taufst du dann? –
26 Ich taufe mit Wasser, erwiderte Johannes. Aber mitten unter euch steht
einer, den ihr nicht kennt.
27 Es ist der, der nach mir kommt. Ich bin nicht einmal würdig, ihm die
Riemen seiner Sandalen zu öffnen.
28 Diese Begebenheit spielte sich in Betanien ab, einer Ortschaft auf der
Ostseite des Jordans, wo Johannes taufte.
29 Am nächsten Tag kam Jesus zu Johannes. Als dieser ihn kommen sah, rief
er: Seht, hier ist das Opferlamm Gottes, das die Sünde der ganzen Welt
wegnimmt!
30 Er ist es, von dem ich sagte: Nach mir kommt einer, der größer ist als ich,
denn er war schon vor mir da.
31 Auch ich kannte ihn nicht. Aber weil Israel erkennen soll, wer er ist, bin ich
gekommen und taufe mit Wasser.
32 Weiter bezeugte Johannes: Ich sah den Geist ´Gottes` wie eine Taube vom
Himmel herabkommen und auf ihm bleiben.
33 Ich kannte ihn bis dahin nicht; aber der, der mich gesandt und mir den
Auftrag gegeben hat, mit Wasser zu taufen, hatte zu mir gesagt: Der, auf den
du den Geist herabkommen siehst und auf dem er bleiben wird, der ist es, der
mit dem Heiligen Geist tauft.
34 Das habe ich nun mit eigenen Augen gesehen, und darum bezeuge ich, dass
dieser Mann der Sohn Gottes ist.
35 Am nächsten Tag stand Johannes wieder am gleichen Ort; zwei seiner
Jünger waren bei ihm.
36 Da ging Jesus vorüber. Johannes blickte ihn an und sagte: Seht, dieser ist
das Opferlamm Gottes!
37 Als die beiden Jünger das hörten, folgten sie Jesus.
38 Jesus wandte sich um und sah, dass sie ihm folgten. Was sucht ihr?, fragte
er. Rabbi, erwiderten sie, wo wohnst du? (Rabbi bedeutet Meister.)
39 Jesus antwortete: Kommt mit, dann werdet ihr es sehen. Da gingen die
beiden mit ihm; es war etwa vier Uhr nachmittags. Sie sahen, wo er wohnte,
und blieben für den Rest des Tages bei ihm.
40 Einer der beiden Männer, die Jesus gefolgt waren, weil sie gehört hatten,
was Johannes über ihn gesagt hatte, war Andreas, der Bruder von Simon
Petrus.
41 Andreas sah kurz darauf seinen Bruder Simon. Wir haben den Messias
gefunden!, berichtete er ihm. (Messias ist das hebräische Wort für Christus.)
42 Dann nahm er ihn mit zu Jesus. Jesus blickte ihn an und sagte: Du bist
Simon, der Sohn des Johannes. Du sollst Kephas heißen. (Kephas ist das
hebräische Wort für Petrus ´und bedeutet Fels`.)
Natanaël
43 Als Jesus am nächsten Tag nach Galiläa aufbrechen wollte, begegnete ihm
Philippus. Folge mir nach!, sagte Jesus zu ihm.
44 (Philippus stammte aus Betsaida, der Stadt, aus der auch Andreas und
Petrus kamen.)
45 Philippus sah Natanaël und sagte zu ihm: Wir haben den gefunden, über
den Mose im Gesetz geschrieben hat und der auch bei den Propheten
angekündigt ist! Es ist Jesus, der Sohn Josefs; er kommt aus Nazaret. –
46 Aus Nazaret?, entgegnete Natanaël. Was kann aus Nazaret Gutes kommen?
Doch Philippus sagte nur: Komm mit und überzeuge dich selbst!
47 Als Jesus Natanaël kommen sah, sagte er: Seht, da kommt ein wahrer
Israelit, ein durch und durch aufrichtiger Mann!
48 Verwundert fragte Natanaël: Woher kennst du mich? Jesus antwortete:
Schon bevor Philippus dich rief, habe ich dich gesehen; ich sah dich, als du
unter dem Feigenbaum warst.
49 Da rief Natanaël: Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von
Israel!
50 Jesus entgegnete: Weil ich dir gesagt habe, dass ich dich unter dem
Feigenbaum sah, glaubst du. Aber du wirst noch viel Größeres erleben.
51 Und er fuhr fort: Ich versichere euch: Ihr werdet erleben, dass der Himmel
offen steht und die Engel Gottes von dem Menschensohn hinauf- und zu ihm
heruntersteigen.
Johannes 2
Die Hochzeit in Kana
1 Zwei Tage später fand in Kana, einer Ortschaft in Galiläa, eine Hochzeit
statt. Die Mutter Jesu nahm daran teil,
2 und Jesus selbst und seine Jünger waren ebenfalls unter den Gästen.
3 Während des Festes ging der Wein aus. Da sagte die Mutter Jesu zu ihrem
Sohn: Sie haben keinen Wein mehr!
4 Jesus erwiderte: Ist es deine Sache, liebe Frau, mir zu sagen, was ich zu tun
habe? Meine Zeit ist noch nicht gekommen.
5 Da wandte sich seine Mutter zu den Dienern und sagte: Tut, was immer er
euch befiehlt!
6 In der Nähe standen sechs steinerne Wasserkrüge, wie sie die Juden für die
vorgeschriebenen Waschungen benutzen. Die Krüge fassten jeder zwischen
achtzig und hundertzwanzig Liter.
7 Jesus befahl den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser! Sie füllten sie bis zum
Rand.
8 Dann sagte er zu ihnen: Tut etwas davon in ein Gefäß und bringt es dem,
der für das Festessen verantwortlich ist. Sie brachten dem Mann ein wenig
von dem Wasser,
9 und er kostete davon; es war zu Wein geworden. Er konnte sich nicht
erklären, woher dieser Wein kam; nur die Diener, die das Wasser gebracht
hatten, wussten es. Er rief den Bräutigam
10 und sagte zu ihm: Jeder andere bietet seinen Gästen zuerst den
besseren Wein an, und wenn sie dann reichlich getrunken haben, den weniger
guten. Du aber hast den besseren Wein bis zum Schluss zurückbehalten!
11 Durch das, was Jesus in Kana in Galiläa tat, bewies er zum ersten Mal seine
Macht. Er offenbarte mit diesem Wunder seine Herrlichkeit, und seine Jünger
glaubten an ihn.
12 Danach ging Jesus mit seiner Mutter, seinen Brüdern und seinen Jüngern
nach Kafarnaum hinunter. Dort blieben sie einige Tage.
13 Kurz bevor die Juden ihr Passafest feierten, ging Jesus nach Jerusalem
hinauf.
14 Im Vorhof des Tempels stieß er auf die Händler, die ihre Rinder, Schafe
und Tauben zum Verkauf anboten, und auf die Geldwechsler, die ´an ihren
Tischen` saßen.
15 Da machte er sich aus Stricken eine Peitsche und trieb sie alle mit ihren
Schafen und Rindern aus dem Tempelbezirk hinaus. Er schüttete das Geld der
Wechsler auf den Boden und stieß ihre Tische um,
16 und den Taubenverkäufern befahl er: Schafft das alles weg! Macht aus dem
Haus meines Vaters kein Kaufhaus!
17 Seine Jünger erinnerten sich dabei an die Schriftstelle: Der Eifer für dein
Haus wird mich verzehren.
18 Die führenden Männer des jüdischen Volkes stellten Jesus zur Rede: Kannst
du uns mit einem Wunder beweisen, dass du das Recht hast, so zu handeln?
19 Jesus gab ihnen zur Antwort: Reißt diesen Tempel ab, und ich werde ihn in
drei Tagen wieder aufbauen. –
20 Wie?, entgegneten sie. Sechsundvierzig Jahre lang wurde an diesem
Tempel gebaut, und du willst ihn in drei Tagen wieder aufbauen?
21 Doch Jesus hatte mit dem Tempel seinen eigenen Körper gemeint.
22 Später, als Jesus von den Toten auferstanden war, erinnerten sich seine
Jünger an diesen Ausspruch, und sie glaubten ´den Voraussagen` der Schrift
und dem, was Jesus selbst gesagt hatte.
23 Während des Passafestes war Jesus in Jerusalem. Viele glaubten an ihn, als
sie die Wunder sahen, die er tat.
24 Aber Jesus blieb ihnen gegenüber zurückhaltend, denn er kannte sie alle.
25 Er wusste genau, wie es im Innersten des Menschen aussieht; niemand
brauchte ihm darüber etwas zu sagen.
Johannes 3
Jesus und Nikodemus: Die Notwendigkeit, von neuem geboren zu werden
1 Einer der führenden Männer des jüdischen Volkes, ein Pharisäer namens
Nikodemus,
2 suchte Jesus einmal bei Nacht auf. Rabbi, sagte er zu ihm, wir wissen, dass
du ein Lehrer bist, den Gott gesandt hat. Denn niemand kann solche Wunder
tun wie du, wenn Gott nicht mit ihm ist.
3 Jesus entgegnete: Ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird,
kann er das Reich Gottes nicht sehen. –
4 Wie kann ein Mensch, wenn er alt geworden ist, noch einmal geboren
werden?, wandte Nikodemus ein. Er kann doch nicht in den Leib seiner
Mutter zurückkehren und ein zweites Mal auf die Welt kommen!
5 Jesus erwiderte: Ich sage dir eins: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist
geboren wird, kann er nicht ins Reich Gottes hineinkommen.
6 Natürliches Leben bringt natürliches Leben hervor; geistliches Leben wird
aus dem Geist geboren.
7 Darum sei nicht erstaunt, wenn ich dir sage: Ihr müsst von neuem geboren
werden.
8 Der Wind weht, wo er will. Du hörst zwar sein Rauschen, aber woher er
kommt und wohin er geht, weißt du nicht. So ist es bei jedem, der aus dem
Geist geboren ist.
9 Aber wie kann das geschehen?, fragte Nikodemus.
10 Du als Lehrer Israels weißt das nicht?, entgegnete Jesus.
11 Ich will dir etwas sagen: Wir reden von Dingen, die wir kennen; das, was
wir bezeugen, haben wir gesehen. Wir bezeugen es, aber ihr nehmt es nicht
an.
12 Und da ihr mir nicht einmal glaubt, wenn ich über die irdischen Dinge zu
euch rede, wie werdet ihr mir dann glauben können, wenn ich über die
himmlischen Dinge zu euch rede?
13 Es ist noch nie jemand in den Himmel hinaufgestiegen; der Einzige, der
dort war, ist der, der aus dem Himmel herabgekommen ist – der
Menschensohn.
14 Und wie Mose damals in der Wüste die Schlange erhöhte, so muss auch der
Menschensohn erhöht werden,
15 damit jeder, der glaubt, in ihm das ewige Leben hat.
16 Denn Gott hat der Welt seine Liebe dadurch gezeigt, dass er seinen einzigen
Sohn für sie hergab, damit jeder, der an ihn glaubt, das ewige Leben hat und
nicht verloren geht.
17 Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, um sie zu verurteilen,
sondern um sie durch ihn zu retten.
18 Wer an ihn glaubt, wird nicht verurteilt. Wer aber nicht glaubt, ist damit
schon verurteilt; denn der, an dessen Namen er nicht geglaubt hat, ist Gottes
eigener Sohn.
19 So vollzieht sich das Gericht an den Menschen. Das Licht ist in die Welt
gekommen, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, weil
ihr Tun böse war.
20 Denn jeder, der Böses tut, hasst das Licht; er tritt nicht ins Licht, damit sein
Tun nicht aufgedeckt wird.
21 Wer sich jedoch bei dem, was er tut, nach der Wahrheit richtet, der tritt ins
Licht, und es wird offenbar, dass sein Tun in Gott gegründet ist.
22 Danach ging Jesus mit seinen Jüngern in das Gebiet von Judäa. Er blieb
einige Zeit mit ihnen dort und taufte.
23-24 Auch Johannes, der damals noch nicht im Gefängnis war, taufte noch,
und zwar in Änon, einem Ort in der Nähe von Salim, wo es reichlich Wasser
gab. Die Menschen kamen auch dort zu ihm und ließen sich taufen.
25 Eines Tages kam es zwischen den Jüngern des Johannes und einem
jüdischen Mann zu einer Auseinandersetzung über die
Reinigungsvorschriften.
26 Sie wandten sich deswegen an Johannes. Rabbi, sagten sie, jener Mann, der
auf der anderen Seite des Jordans bei dir war und auf den du die Menschen
hingewiesen hast, der tauft jetzt auch, und alle gehen zu ihm!
27 Johannes erwiderte: Ein Mensch kann sich nicht das Geringste selber
nehmen; es muss ihm vom Himmel her gegeben werden.
28 Ihr selbst könnt bezeugen, dass ich sagte: Ich bin nicht der Messias; ich bin
nur als sein Wegbereiter vor ihm hergesandt.
29 Er ist der Bräutigam, ihm gehört die Braut. Der Freund des Bräutigams
steht dabei und hört ihm zu und freut sich, seine Stimme zu hören. Das ist
auch meine Freude; jetzt ist sie vollkommen.
30 Er muss immer größer werden und ich immer geringer.
31 Der, der von oben kommt, steht über allen. Wer von der Erde ist, gehört zur
Erde und redet aus irdischer Sicht. Der, der vom Himmel kommt, steht über
allen.
32 Er verkündet das, was er gesehen und gehört hat, aber keiner nimmt seine
Botschaft an.
33 Doch wer seine Botschaft angenommen hat, hat damit bestätigt, dass das,
was Gott sagt, wahr ist.
34 Denn der, den Gott gesandt hat, verkündet Gottes eigene Worte; Gott gibt
ihm den Geist in unbegrenzter Fülle.
35 Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gelegt.
36 Wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben. Wer dem Sohn nicht
gehorcht, wird das Leben nicht sehen; der Zorn Gottes bleibt auf ihm.
Johannes 4
Jesus und die samaritanische Frau: Das Wasser, das den Durst für immer löscht
1 Die Pharisäer hörten, dass Jesus mehr Menschen zu Jüngern machte und
taufte als Johannes. (
2 Allerdings war es nicht Jesus selbst, der taufte, sondern seine Jünger.)
3 Als Jesus erfuhr, dass den Pharisäern berichtet wurde, ´wie groß der Zulauf
zu ihm war,` verließ er Judäa und ging wieder nach Galiläa.
4 Dabei musste er durch Samarien reisen.
5 Sein Weg führte ihn durch Sychar, eine samaritanische Ortschaft, in deren
Nähe das Feld lag, das Jakob einst seinem Sohn Josef gegeben hatte,
6 und wo sich auch der Jakobsbrunnen befand. Es war um die Mittagszeit;
müde von der Reise hatte sich Jesus an den Brunnen gesetzt.
7-8 Seine Jünger waren in den Ort gegangen, um etwas zu essen zu kaufen. Da
kam eine samaritanische Frau zum Brunnen, um Wasser zu holen. Jesus bat
sie: Gib mir zu trinken!
9 Überrascht fragte die Frau: Wie kannst du mich um etwas zu trinken bitten?
Du bist doch ein Jude, und ich bin eine Samaritanerin! (Die Juden meiden
nämlich jeden Umgang mit den Samaritanern.)
10 Jesus antwortete: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und
wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken, dann hättest du ihn gebeten,
und er hätte dir Quellwasser gegeben, lebendiges Wasser.
11 Herr, wandte die Frau ein, du hast doch nichts, womit du Wasser schöpfen
kannst, und der Brunnen ist tief. Woher willst du denn dieses lebendige
Wasser nehmen?
12 Bist du etwa mehr als unser Stammvater Jakob, der uns diesen Brunnen
gegeben und selbst von seinem Wasser getrunken hat – er und seine Söhne
und seine Herden?
13 Jesus gab ihr zur Antwort: Jeder, der von diesem Wasser trinkt, wird
wieder Durst bekommen.
14 Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals
mehr durstig sein. Das Wasser, das ich ihm gebe, wird in ihm zu einer Quelle
werden, die unaufhörlich fließt, bis ins ewige Leben. –
15 Herr, bitte gib mir von diesem Wasser!, sagte die Frau. Dann werde ich nie
mehr Durst haben und muss nicht mehr hierher kommen, um Wasser zu
holen.
16 Geh und rufe deinen Mann!, entgegnete Jesus. Komm mit ihm hierher! –
17 Ich habe keinen Mann, sagte die Frau. Das stimmt, erwiderte Jesus. Du hast
keinen Mann.
18 Fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein
Mann. Da hast du die Wahrheit gesagt.
19 Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist, sagte die Frau.
20 Unsere Vorfahren haben Gott auf diesem Berg hier angebetet. Ihr Juden
dagegen sagt, der richtige Ort, um Gott anzubeten, sei Jerusalem.
21 Jesus erwiderte: Glaube mir, Frau, es kommt eine Zeit, wo ihr den Vater
weder auf diesem Berg noch in Jerusalem anbeten werdet.
22 Ihr ´Samaritaner` betet an, ohne zu wissen, was ihr anbetet. Wir jedoch
wissen, was wir anbeten, denn die Rettung ´der Welt` kommt von den Juden.
23 Aber die Zeit kommt, ja sie ist schon da, wo Menschen Gott als den Vater
anbeten werden, Menschen, die vom Geist erfüllt sind und die Wahrheit
erkannt haben. Das sind die wahren Anbeter; so möchte der Vater die haben,
die ihn anbeten.
24 Gott ist Geist, und die, die ihn anbeten wollen, müssen ihn im Geist und in
der Wahrheit anbeten.
25 Ich weiß, dass der Messias kommen wird, entgegnete die Frau. (Messias ist
das ´hebräische` Wort für Christus.) Wenn er kommt, wird er uns alle diese
Dinge erklären.
26 Da sagte Jesus zu ihr: Du sprichst mit ihm; ich bin es.
27 In diesem Augenblick kamen seine Jünger zurück. Sie waren erstaunt, Jesus
im Gespräch mit einer Frau anzutreffen, doch keiner wagte ihn zu fragen, was
er von ihr wollte oder worüber er mit ihr redete.
28 Die Frau ließ ihren Wasserkrug stehen, ging in den Ort zurück und sagte zu
den Leuten:
29 Kommt mit, ich habe einen Fremden getroffen, der mir alles auf den Kopf
zugesagt hat, was ich getan habe! Ob er wohl der Messias ist?
30 Da machten sich die Leute aus dem Ort auf den Weg zu Jesus.
31 Währenddessen drängten ihn die Jünger: Rabbi, iss doch etwas!
32 Aber Jesus sagte: Ich lebe von einer Nahrung, von der ihr nichts wisst.
33 Verwundert fragten sich die Jünger untereinander: Hat ihm denn jemand
etwas zu essen gebracht?
34 Jesus erwiderte: Meine Nahrung ist, dass ich den Willen dessen tue, der
mich gesandt hat, und das Werk vollende, das er mir aufgetragen hat.
35 Sagt ihr nicht: Es dauert noch vier Monate, dann beginnt die Ernte? Nun,
ich sage euch: Blickt euch einmal um und seht euch die Felder an. Sie sind
reif für die Ernte!
36 Ja, die Ernte wird jetzt schon eingebracht, und der, der erntet, erhält seinen
Lohn; er sammelt Frucht für das ewige Leben. So freuen sich beide zugleich –
der, der sät, und der, der erntet.
37 Das Sprichwort sagt: Einer sät, und ein anderer erntet. Das trifft hier zu.
38 Ich habe euch zum Ernten auf ein Feld geschickt, auf dem ihr vorher nicht
gearbeitet habt. Andere haben darauf gearbeitet, und ihr erntet die Frucht
ihrer Arbeit.
39 Viele Samaritaner aus jenem Ort glaubten jetzt an Jesus. Die Frau hatte
ihnen bezeugt: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe, und auf ihr Wort
hin glaubten sie.
40 Die Leute aus dem Ort, die zu Jesus hinausgegangen waren, baten ihn, bei
ihnen zu bleiben. Er blieb zwei Tage dort,
41 und auf sein Wort hin glaubten noch viel mehr Menschen an ihn.
42 Wir glauben jetzt nicht mehr nur aufgrund von dem, was du uns erzählt
hast, erklärten sie der Frau. Wir haben ihn jetzt mit eigenen Ohren gehört
und wissen, dass er wirklich der Retter der Welt ist.
43 Nach diesen zwei Tagen in Sychar ging Jesus weiter nach Galiläa.
44 Er selbst hatte ausdrücklich erklärt: Ein Prophet gilt in seiner Heimat
nichts.
45 Doch als er nun nach Galiläa kam, wurde er von den Leuten freundlich
aufgenommen. Denn sie waren auch beim Fest in Jerusalem gewesen und
hatten alles miterlebt, was er dort getan hatte.
46 Jesus kam auch wieder nach Kana, jenem Ort in Galiläa, wo er das Wasser
in Wein verwandelt hatte. Dort suchte ihn ein Beamter des Königs auf, der in
Kafarnaum lebte und einen Sohn hatte, der an einer schweren Krankheit litt.
47 Er hatte gehört, dass Jesus von Judäa nach Galiläa zurückgekehrt war, und
bat ihn jetzt, nach Kafarnaum herabzukommen und seinen Sohn zu heilen,
der im Sterben lag.
48 Wenn ihr nicht Wunder und außergewöhnliche Dinge seht, glaubt ihr
nicht!, hielt Jesus ihm entgegen.
49 Aber der Beamte des Königs flehte ihn an: Herr, bitte komm, bevor mein
Kind stirbt!
50 Da sagte Jesus zu ihm: Geh nach Hause, dein Sohn lebt ´und ist gesund`!
Der Mann glaubte dem, was Jesus zu ihm sagte; auf sein Wort hin machte er
sich auf den Weg hinunter nach Kafarnaum.
51 Er war noch nicht dort angelangt, da kamen ihm seine Diener mit der
Nachricht entgegen, dass sein Sohn lebte ´und gesund war`.
52 Er fragte sie, seit wann es ihm besser gehe. Gestern Mittag um ein
Uhr hatte er mit einem Mal kein Fieber mehr, antworteten sie.
53 Da wusste der Vater, dass es genau zu dem Zeitpunkt geschehen war, an
dem Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebt ´und ist gesund`! Und er
glaubte an Jesus, er und alle aus seinem Haus.
54 Dieses Wunder tat Jesus, nachdem er von Judäa zurückgekehrt war, und er
bewies dadurch in Galiläa ein zweites Mal seine Macht.
Johannes 5
Heilung eines Kranken am Sabbat
1 Einige Zeit später war wieder ein jüdisches Fest, und Jesus ging nach
Jerusalem hinauf.
2 In Jerusalem befindet sich in der Nähe des Schaftors eine Teichanlage mit
fünf Säulenhallen; sie wird auf hebräisch Betesda genannt.
3 In diesen Hallen lagen überall kranke Menschen, Blinde, Gelähmte und
Verkrüppelte.
5 Unter ihnen war ein Mann, der seit achtunddreißig Jahren krank war.
6 Jesus sah ihn dort liegen, und es war ihm klar, dass er schon lange leidend
war. Willst du gesund werden?, fragte er ihn.
7 Der Kranke antwortete: Herr, ich habe niemand, der mir hilft, in den Teich
zu kommen, wenn das Wasser sich bewegt. Und wenn ich es allein versuche,
steigt ein anderer vor mir hinein.
8 Da sagte Jesus zu ihm: Steh auf, nimm deine Matte und geh!
9 Im selben Augenblick war der Mann gesund; er nahm seine Matte und ging.
Der Tag, an dem das geschah, war ein Sabbat.
10 Deshalb wiesen die führenden Männer des jüdischen Volkes den Mann, der
geheilt worden war, zurecht: Heute ist Sabbat! Da ist es dir nicht erlaubt,
deine Matte zu tragen.
11 Er entgegnete: Der, der mich gesund gemacht hat, hat zu mir gesagt: Nimm
deine Matte und geh! –
12 Und wer ist dieser Mann?, fragten sie. Wer hat zu dir gesagt: Nimm deine
Matte und geh!?
13 Aber der Geheilte wusste nicht, wer es war, denn Jesus war unbemerkt in
der Menschenmenge verschwunden.
14 Später traf Jesus den Mann im Tempel wieder. Du bist jetzt gesund, sagte
er zu ihm. Sündige nicht mehr, damit dir nicht noch etwas Schlimmeres
geschieht, ´als was du bis jetzt durchgemacht hast`.
15 Der Geheilte ging zu den führenden Männern zurück und berichtete ihnen,
dass es Jesus war, der ihn gesund gemacht hatte.
16 Von da an begannen die führenden Männer des jüdischen Volkes, Jesus zu
verfolgen, weil er solche Dinge am Sabbat tat.
17 Aber Jesus sagte zu ihnen: Mein Vater hat bis heute nie aufgehört zu
wirken, und ´weil er wirkt,` wirke auch ich.
18 Das brachte sie noch mehr gegen ihn auf; sie waren jetzt entschlossen, ihn
zu töten. Denn er hatte nicht nur die Sabbatvorschriften missachtet, sondern
darüber hinaus Gott seinen Vater genannt und sich damit Gott gleichgestellt.
19 ´Zu diesen Anschuldigungen` erklärte Jesus: Ich sage euch: Der Sohn kann
nichts von sich selbst aus tun; er tut nur, was er den Vater tun sieht. Was
immer der Vater tut, das tut auch der Sohn.
20 Denn der Vater hat den Sohn lieb und zeigt ihm alles, was er tut. Ja, der
Sohn wird noch viel größere Dinge tun, weil der Vater sie ihm zeigt – Dinge,
über die ihr staunen werdet.
21 Denn wie der Vater die Toten zum Leben erweckt, so gibt auch der Sohn
denen Leben, denen er es geben will.
22 Dem Sohn ist nämlich auch das Gericht übertragen. Der Vater selbst richtet
niemand; er hat das Gericht ganz dem Sohn übergeben,
23 damit alle den Sohn ebenso ehren wie den Vater. Wer den Sohn nicht ehrt,
ehrt auch den Vater nicht, der den Sohn gesandt hat.
24 Ich versichere euch: Wer auf mein Wort hört und dem glaubt, der mich
gesandt hat, der hat das ewige Leben. Auf ihn kommt keine Verurteilung
mehr zu; er hat den Schritt vom Tod ins Leben getan.
25 Ich sage euch: Die Zeit kommt, ja sie ist schon da, wo die Toten die Stimme
des Sohnes Gottes hören werden, und wer sie hört, wird leben.
26 Denn wie der Vater aus sich selbst heraus Leben hat, so hat er auch dem
Sohn die Macht gegeben, aus sich selbst heraus Leben zu haben.
27 Und er hat ihm die Vollmacht gegeben, Gericht zu halten; denn er ist der
Menschensohn.
28 Seid deshalb nicht erstaunt, wenn ich euch sage, dass der Tag kommt, an
dem die Toten in ihren Gräbern die Stimme des Sohnes hören
29 und herauskommen werden. Die, die getan haben, was gut ist, werden zu
neuem Leben auferweckt werden; die aber, die getan haben, was böse ist,
werden zu ihrer Verurteilung auferweckt werden.
30 Von mir selbst aus kann ich nichts tun. Auch dann, wenn ich urteile, höre
ich auf den Vater. Und mein Urteil ist gerecht, weil es mir nicht um meinen
eigenen Willen geht, sondern um den Willen dessen, der mich gesandt hat.
31 Wenn ich keinen anderen Zeugen hätte als mich selbst, dann wäre das, was
ich über mich sage, nicht glaubwürdig.
32 Nun gibt es aber einen anderen, der mein Zeuge ist, und ich weiß, dass das,
was er über mich sagt, wahr ist.
33 Ihr habt eure Leute zu Johannes geschickt, und er hat euch die Wahrheit
klar bezeugt.
34 Nicht, dass ich auf die Aussage eines Menschen angewiesen wäre; ich sage
das nur, weil ich möchte, dass ihr gerettet werdet.
35 Johannes war eine brennende Lampe, die einen hellen Schein gab; aber
alles, was ihr wolltet, war, euch eine Zeit lang an ihrem Licht zu begeistern.
36 Doch ich habe etwas, was noch mehr für mich spricht als das, was
Johannes über mich ausgesagt hat: Es sind die Dinge, die ich tue, um den
Auftrag zu erfüllen, den der Vater mir gegeben hat. Sie zeugen davon, dass er
es ist, der mich gesandt hat.
37 Und auch der Vater selbst, der mich gesandt hat, hat als mein Zeuge
gesprochen. Aber ihr habt seine Stimme nie gehört und seine Gestalt nie
gesehen.
38 Und ihr verschließt euch seinem Wort gegenüber; es bleibt nicht in euch.
Sonst würdet ihr dem glauben, den er gesandt hat.
39 Ihr forscht in der Schrift, weil ihr meint, durch sie das ewige Leben zu
finden. Aber gerade die Schrift weist auf mich hin.
40 Und doch wollt ihr nicht zu mir kommen, obwohl ihr bei mir das Leben
finden würdet.
41 Ich bin nicht darauf aus, von Menschen Anerkennung zu bekommen.
42 Aber ´bei euch ist es anders`. Ich kenne euch und weiß, dass ihr der Liebe
zu Gott keinen Raum in eurem Leben gebt.
43 Ich bin im Namen meines Vaters gekommen, und ihr lehnt mich ab. Doch
wenn jemand anders in seinem eigenen Namen kommt, werdet ihr ihn mit
offenen Armen aufnehmen.
44 Wie solltet ihr auch glauben können? Bei euch ist jeder darauf aus, von den
anderen Anerkennung zu bekommen; nur die Anerkennung bei dem einen,
wahren Gott sucht ihr nicht.
45 Denkt nicht, dass ich euch beim Vater anklagen werde. Mose wird euch
anklagen – er, auf den ihr eure Hoffnung gesetzt habt.
46 Denn wenn ihr Mose wirklich glauben würdet, würdet ihr auch mir
glauben; er hat ja über mich geschrieben.
47 Wenn ihr aber dem nicht glaubt, was Mose geschrieben hat, wie wollt ihr
dann dem glauben, was ich euch sage?
Johannes 6
Jesus gibt einer großen Menschenmenge zu essen
1 Einige Zeit später fuhr Jesus mit dem Boot auf die Ostseite des Sees von
Galiläa (auch See von Tiberias genannt).
2 Große Menschenmengen folgten ihm dorthin, weil sie die Wunder sahen, die
er an den Kranken tat.
3 Er stieg auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern.
4 Es war kurz vor den Tagen, in denen die Juden ihr Passafest feierten.
5 Als Jesus die Menschenmenge sah, die zu ihm kam, fragte er Philippus: Wo
können wir so viel Brot kaufen, dass alle diese Leute zu essen bekommen?
6 Jesus wollte ihn mit dieser Frage auf die Probe stellen; er selbst wusste
genau, was er tun wollte.
7 Philippus entgegnete: Selbst für zweihundert Denare würde man nicht genug
Brot bekommen, um jedem auch nur ein kleines Stück zu geben.
8 Ein anderer Jünger, Andreas, der Bruder von Simon Petrus, sagte zu Jesus:
9 Hier ist ein Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische. Aber was ist
das schon für so viele Menschen?
10 Sorgt dafür, dass die Leute sich setzen, befahl Jesus. Der Ort, an dem sie
sich befanden, war dicht mit Gras bewachsen. Als alle sich gesetzt hatten (die
Zahl der Männer belief sich auf etwa fünftausend),
11 nahm Jesus die Brote, dankte Gott dafür und ließ sie unter die Menge
austeilen. Mit den Fischen machte er es genauso, ´und jeder aß,` so viel er
wollte.
12 Als die Leute satt waren, sagte er zu seinen Jüngern: Sammelt auf, was
übrig geblieben ist, damit nichts verdirbt.
13 Die Jünger sammelten die Reste auf, die von den fünf Gerstenbroten übrig
geblieben waren, nachdem alle davon gegessen hatten, und füllten zwölf
Körbe damit.
14 Als die Leute begriffen, was für ein Wunder Jesus getan hatte, sagten sie:
Das ist wirklich der Prophet, ´von dem es heißt, dass` er in die Welt kommen
soll!
15 Jesus wusste, dass sie als nächstes kommen und versuchen würden, ihn mit
Gewalt zum König zu machen. Deshalb zog er sich wieder auf den Berg
zurück, um allein zu sein.
16 Als es Abend wurde, gingen die Jünger zum See hinunter,
17 stiegen ins Boot und fuhren los; sie wollten auf die andere Seite des Sees
nach Kafarnaum. Inzwischen war es dunkel geworden, und Jesus war noch
nicht wieder zu ihnen gekommen.
18 Zudem kam ein starker Wind auf, und das Wasser schlug hohe Wellen.
19 Die Jünger waren etwa fünf bis sechs Kilometer weit gerudert, als sie
plötzlich Jesus sahen, wie er auf dem Wasser ging und auf ihr Boot zukam.
Da packte sie die Angst.
20 Aber er rief ihnen zu: Ich bin’s! Habt keine Angst!
21 Voller Freude nahmen sie ihn zu sich ins Boot, und da waren sie auch
schon an dem Ufer, das sie erreichen wollten.
22 Die Menschenmenge, die auf der anderen Seite des Sees geblieben war,
´fragte sich` am nächsten Morgen, ´wo Jesus wohl sein könnte`. Sie hatten ja
gesehen, dass nur ein einziges Boot am Ufer gelegen hatte und dass die
Jünger damit abgefahren waren, ohne dass er zu ihnen ins Boot gestiegen
war.
23 Inzwischen kamen von Tiberias andere Boote herüber und legten in der
Nähe der Stelle an, wo die Menge nach dem Dankgebet des Herrn das Brot
gegessen hatte.
24 Als die Leute schließlich merkten, dass Jesus nicht mehr da war und seine
Jünger auch nicht, stiegen sie in diese Boote und setzten nach Kafarnaum
über, um ihn dort zu suchen.
25 Und auf der anderen Seite des Sees fanden sie ihn dann auch. Rabbi,
fragten sie ihn, wann bist du denn hierher gekommen?
26 Jesus entgegnete: Ich will euch sagen, warum ihr mich sucht: Ihr sucht
mich nur, weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid.
Aber was Gott euch durch die Wunder sagen will, wollt ihr nicht verstehen.
27 Statt euch nur um die vergängliche Nahrung zu kümmern, bemüht euch um
die Nahrung, die Bestand hat und das ewige Leben bringt. Diese Nahrung
wird euch der Menschensohn geben, denn ihn hat Gott, der Vater, als seinen
Bevollmächtigten bestätigt.
28 Da fragten sie ihn: Was für Dinge müssen wir denn tun, um Gottes Willen
zu erfüllen?
29 Jesus antwortete: Gottes Wille wird dadurch erfüllt, dass ihr an den glaubt,
den er gesandt hat.
30 Doch nun sagten sie: Wenn wir dir glauben sollen, ´dass du von Gott
gesandt bist,` dann lass uns ein Wunder sehen, das es uns beweist. Wo bleibt
dieser Beweis?
31 Damals in der Wüste haben unsere Vorfahren Manna gegessen, wie es ja
auch in der Schrift heißt: Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen.
32 Jesus erwiderte: Ich sage euch: Das Brot vom Himmel hat euch nicht Mose
gegeben; es ist mein Vater, der euch das wahre Brot vom Himmel gibt.
33 Denn das Brot, das Gott gibt, ist der, der vom Himmel herabkommt und der
Welt das Leben schenkt.
34 Herr, sagten sie da zu ihm, gib uns immer von diesem Brot!
35 Jesus antwortete: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nie
mehr hungrig sein, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.
36 Aber es ist, wie ich euch schon gesagt habe: Trotz allem, was ihr von mir
gesehen habt, glaubt ihr nicht.
37 Alle, die der Vater mir gibt, werden zu mir kommen, und wer zu mir
kommt, den werde ich nicht hinausweisen.
38 Denn ich bin nicht vom Himmel herabgekommen, um das zu tun, was ich
selber will, sondern um den Willen dessen zu erfüllen, der mich gesandt hat.
39 Und der Wille dessen, der mich gesandt hat, ist, dass ich von all denen, die
er mir gegeben hat, niemand verloren gehen lasse, sondern dass ich sie an
jenem letzten Tag vom Tod auferwecke.
40 Ja, es ist der Wille meines Vaters, dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn
glaubt, das ewige Leben hat; und an jenem letzten Tag werde ich ihn
auferwecken.
41 Die Juden waren empört darüber, dass Jesus gesagt hatte: Ich bin das Brot,
das vom Himmel herabgekommen ist.
42 Ist das nicht Jesus, der Sohn von Josef?, sagten sie. Wir kennen doch seinen
Vater und seine Mutter! Wie kann er da behaupten, er sei vom Himmel
herabgekommen?
43 Warum seid ihr so empört?, sagte Jesus zu ihnen. Hört auf, so zu reden!
44 Niemand kann von sich selbst aus zu mir kommen. Der Vater, der mich
gesandt hat, muss ihn zu mir ziehen. Und wer zu mir kommt, den werde ich
an jenem letzten Tag auferwecken.
45 Es heißt in der Schrift bei den Propheten: Sie werden alle von Gott selbst
gelehrt sein. Jeder, der auf das hört, was der Vater sagt, und von ihm lernt,
kommt zu mir.
46 Das heißt nun aber nicht, dass irgendjemand den Vater gesehen hat. Nur
der eine, der von Gott kommt, hat den Vater gesehen.
47 Ich versichere euch: Wer glaubt, hat das ewige Leben.
48 Ich bin das Brot des Lebens.
49 Eure Vorfahren, die in der Wüste das Manna gegessen haben, sind
gestorben.
50 Hier aber ist das ´wahre` Brot, das vom Himmel herabkommt: Wer davon
isst, wird nicht sterben.
51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wenn
jemand von diesem Brot isst, wird er ewig leben. Dieses Brot, das ich ihm
geben werde, ist mein Fleisch; ich gebe es hin für das Leben der Welt.
52 Unter den Juden kam es daraufhin zu einer heftigen Auseinandersetzung.
Wie kann dieser Mensch uns sein Fleisch zu essen geben?, fragten sie.
53 Jesus aber sagte zu ihnen: Ich versichere euch: Wenn ihr das Fleisch des
Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben
nicht in euch.
54 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich
werde ihn an jenem letzten Tag auferwecken.
55 Denn mein Fleisch ist die wahre Nahrung, und mein Blut ist der wahre
Trank.
56 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe
in ihm.
57 Der Vater, der lebendige ´Gott`, hat mich gesandt, und ich lebe durch ihn.
Genauso wird auch der, der mich isst, durch mich leben.
58 Das ist also das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Bei diesem Brot
ist es nicht wie bei dem, das die Vorfahren gegessen haben. Sie sind
gestorben; aber wer dieses Brot isst, wird ewig leben.
59 Diese Dinge sagte Jesus, als er in der Synagoge von Kafarnaum lehrte.
60 Empört sagten viele seiner Jünger: Was er da redet, ist eine Zumutung! Wie
kann man von jemand verlangen, sich so etwas anzuhören?
61 Jesus war sich bewusst, dass die Jünger über seine Worte empört waren.
Daran nehmt ihr Anstoß?, fragte er sie.
62 Und ´was werdet ihr sagen,` wenn ihr den Menschensohn in den
Himmel zurückkehren seht, dorthin, wo er vorher war?
63 Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch ist dazu nicht fähig. Die
Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben.
64 Aber es sind einige unter euch, die glauben nicht. Jesus wusste nämlich von
Anfang an, wer die waren, die nicht glaubten, und wusste auch, wer es war,
der ihn verraten würde.
65 Er schloss mit den Worten: Aus diesem Grund habe ich zu euch gesagt:
Niemand kann von sich selbst aus zu mir kommen; es kann nur durch das
Wirken des Vaters geschehen.
66 Von da an zogen sich viele seiner Jünger von ihm zurück und begleiteten
ihn nicht mehr.
67 Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt ihr etwa auch weggehen? –
68 Herr, zu wem sollten wir gehen?, antwortete Simon Petrus. Du hast Worte,
die zum ewigen Leben führen,
69 und wir glauben und haben erkannt, dass du der Heilige bist, den Gott
gesandt hat.
70 Daraufhin sagte Jesus zu ihnen: Habe ich nicht euch alle zwölf erwählt?
Und doch ist einer von euch ein Teufel!
71 Er meinte damit Judas, den Sohn von Simon Iskariot. Denn Judas, einer der
Zwölf, war es, der ihn später verriet.
Johannes 7
Jesus lässt sich nicht zu vorzeitigem Handeln drängen
1 In der darauf folgenden Zeit zog Jesus durch Galiläa. Er mied Judäa, denn
dort trachteten ihm die führenden Männer des jüdischen Volkes nach dem
Leben.
2 Doch kurz bevor die Juden ihr Laubhüttenfest feierten,
3 sagten seine Brüder zu ihm: Du solltest nicht länger hier in Galiläa bleiben.
Geh nach Judäa, damit auch dort deine Jünger sehen können, was für große
Dinge du tust.
4 Wer mit dem, was er tut, in der Öffentlichkeit bekannt werden möchte, zieht
sich nicht in einen versteckten Winkel zurück. Wenn du schon so
ungewöhnliche Dinge tust, dann zeig dich auch vor aller Welt!
5 So redeten seine eigenen Brüder, weil nicht einmal sie an ihn glaubten.
6 Doch Jesus gab ihnen zur Antwort: Für mich ist die richtige Zeit noch nicht
da; euch ist jeder Zeitpunkt recht.
7 Euch kann die Welt nicht hassen, mich aber hasst sie, weil ich nicht darüber
schweige, dass ihr Tun böse ist.
8 Geht ihr nur hinauf zum Fest. Ich komme jetzt nicht; für mich ist die Zeit
noch nicht da.
9 Mit dieser Antwort ´ließ er sie gehen`; er selbst blieb in Galiläa.
10 Nachdem jedoch seine Brüder zum Fest hinaufgegangen waren, ging Jesus
selbst auch nach Jerusalem hinauf, allerdings unbemerkt und ohne Aufsehen
zu erregen.
11 Während des Festes hielten die führenden Männer des jüdischen Volkes
nach ihm Ausschau. Wo ist er nur?, fragten sie.
12 Überall konnte man die Leute über ihn reden hören. Er ist ein guter
Mensch, sagten die einen. Nein, entgegneten andere, er ist ein
Volksverführer.
13 Aber aus Furcht vor den führenden Männern wagte niemand, öffentlich
seine Meinung über ihn zu äußern.
14 Als die Festwoche schon zur Hälfte vorüber war, ging Jesus zum Tempel
hinauf und begann zu lehren.
15 Wie kommt es, dass er die Schrift so gut kennt?, wunderten sich die Juden.
Er ist doch gar nicht darin ausgebildet.
16 Jesus selbst gab ihnen die Antwort: Was ich verkünde, ist nicht meine
eigene Lehre; es ist die Lehre dessen, der mich gesandt hat.
17 Wenn jemand bereit ist, Gottes Willen zu erfüllen, wird er erkennen, ob
das, was ich lehre, von Gott ist oder ob ich aus mir selbst heraus rede.
18 Wer aus sich selbst heraus redet, dem geht es um seine eigene Ehre. Wem
es aber um die Ehre dessen geht, der ihn gesandt hat, der ist glaubwürdig und
hat keine unrechten Absichten.
19 Hat nicht Mose euch das Gesetz gegeben? Und doch lebt keiner von euch
nach dem Gesetz. Mit welchem Recht wollt ihr mich also töten?
20 Du bist von einem Dämon besessen!, rief die Menge. Wer hat denn die
Absicht, dich zu töten?
21 Jesus erwiderte: Ihr seid alle noch immer ganz außer euch wegen der einen
Sache, die ich ´am Sabbat` getan habe.
22 Dabei habt ihr keine Bedenken, die Beschneidung, ´wenn es sein muss,`
auch am Sabbat vorzunehmen, weil Mose sie euch vorgeschrieben hat. Und
eigentlich geht sie doch gar nicht auf ihn zurück, sondern bereits auf die
Stammväter.
23 Wenn also, um das Gesetz des Mose nicht zu brechen, ein Mensch am
Sabbat beschnitten werden darf, warum seid ihr dann so empört darüber,
35 Die Juden sahen einander verständnislos an: Er will an einen Ort gehen, wo
wir ihn nicht finden können! Wo soll das denn sein? Will er etwa zu den
Juden gehen, die im Ausland leben, und am Ende sogar den fremden Völkern
seine Lehre bringen?
36 Was meint er damit, wenn er sagt: Ihr werdet mich suchen, aber ihr werdet
mich nicht finden; dorthin, wo ich dann bin, könnt ihr nicht kommen?
37 Am letzten Tag, dem größten Tag des Festes, trat Jesus ´vor die Menge`
und rief: Wer Durst hat, soll zu mir kommen und trinken!
38 Wenn jemand an mich glaubt, werden aus seinem Inneren, wie es in der
Schrift heißt, Ströme von lebendigem Wasser fließen.
39 Er sagte das im Hinblick auf den ´Heiligen` Geist, den die empfangen
sollten, die an Jesus glaubten. Der Geist war zu jenem Zeitpunkt noch nicht
gekommen, weil Jesus noch nicht in seiner Herrlichkeit offenbart worden
war.
40 Von diesen Worten beeindruckt, meinten einige aus der Menge: Das ist
wirklich der Prophet, ´auf den wir gewartet haben`!
41 Manche sagten ´sogar`: Er ist der Messias! – Seit wann kommt denn der
Messias aus Galiläa?, wandten andere ein.
42 Heißt es nicht in der Schrift, dass der Messias ein Nachkomme Davids sein
wird und aus Betlehem stammt, dem Ort, wo David lebte?
43 So kam es wegen Jesus zu einer Spaltung in der Menge.
44 Einige hätten ihn am liebsten festgenommen, aber keiner wagte es, Hand
an ihn zu legen.
45 Als die Männer der Tempelwache ´ohne Jesus` zurückkehrten, wurden sie
von den führenden Priestern und den Pharisäern gefragt: Warum habt ihr ihn
nicht hergebracht? –
46 Noch nie hat ein Mensch so gesprochen wie dieser Mann, rechtfertigten sie
sich.
47 Habt ihr euch auch von ihm verführen lassen?, herrschten die Pharisäer sie
an.
48 Glaubt denn auch nur einer von den führenden Männern oder von den
Pharisäern an ihn?
49 Das tut doch nur dieses Volk, das das Gesetz nicht kennt, diese Leute, die
verflucht sind.
50 Aber Nikodemus, der selbst ein Pharisäer war und Jesus früher einmal
aufgesucht hatte, hielt ihnen entgegen:
51 Seit wann verurteilt unser Gesetz einen Menschen, ohne dass man ihn
vorher anhört und feststellt, ob er schuldig ist? –
52 Du bist wohl auch aus Galiläa?, gaben sie zurück. Forsche ´in der Schrift`
nach, dann wirst du sehen: Aus Galiläa kommt kein Prophet.
53 Daraufhin gingen sie alle nach Hause.
Johannes 8
Jesus und die Frau, die beim Ehebruch ertappt wurde: Freispruch statt
Verurteilung
1 Jesus aber ging zum Ölberg.
2 Früh am Morgen war Jesus wieder im Tempel. Das ganze Volk versammelte
sich um ihn, und er setzte sich und begann zu lehren.
3 Da kamen die Schriftgelehrten und die Pharisäer mit einer Frau, die beim
Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte, sodass jeder sie
sehen konnte.
4 Dann wandten sie sich an Jesus. Meister, sagten sie, diese Frau ist eine
Ehebrecherin; sie ist auf frischer Tat ertappt worden.
5 Mose hat uns im Gesetz befohlen, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du
dazu?
6 Mit dieser Frage wollten sie Jesus eine Falle stellen, um dann Anklage gegen
ihn erheben zu können. Aber Jesus beugte sich vor und schrieb mit dem
Finger auf die Erde.
7 Als sie jedoch darauf bestanden, auf ihre Frage eine Antwort zu bekommen,
richtete er sich auf und sagte zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, der soll
den ersten Stein auf sie werfen.
8 Dann beugte er sich wieder vor und schrieb auf die Erde.
9 Von seinen Worten getroffen, verließ einer nach dem anderen den Platz; die
ältesten unter ihnen gingen als Erste. Zuletzt war Jesus allein mit der Frau,
die immer noch da stand, wo ihre Ankläger sie hingestellt hatten.
10 Er richtete sich auf. Wo sind sie geblieben?, fragte er die Frau. Hat dich
keiner verurteilt? –
11 Nein, Herr, keiner, antwortete sie. Da sagte Jesus: Ich verurteile dich auch
nicht; du darfst gehen. Sündige von jetzt an nicht mehr!
12 Ein anderes Mal, als Jesus zu den Leuten sprach, sagte er: Ich bin das Licht
der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht mehr in der Finsternis umherirren,
sondern wird das Licht des Lebens haben.
13 Da sagten die Pharisäer zu ihm: Du redest als Zeuge in eigener Sache. Was
du sagst, ist nicht glaubwürdig.
14 Jesus erwiderte: Auch wenn ich als Zeuge in eigener Sache rede, ist das,
was ich sage, wahr. Denn ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich
gehe. Ihr aber wisst weder, woher ich komme, noch, wohin ich gehe.
15 Ihr urteilt nach menschlichen Maßstäben; ich urteile über niemand.
16 Wenn ich aber doch ein Urteil ausspreche, dann ist mein Urteil richtig.
Denn ich handle nicht allein, sondern ´in Übereinstimmung` mit dem, der
mich gesandt hat, dem Vater.
17 In eurem Gesetz heißt es: Wenn zwei Zeugen in ihrer Aussage
übereinstimmen, ist das, was sie sagen, glaubwürdig.
18 ´So ist es auch hier:` Ich bin mein eigener Zeuge, und mein Vater, der mich
gesandt hat, ist ebenfalls mein Zeuge. –
19 Wo ist denn dein Vater?, fragten sie. Jesus entgegnete: Ihr kennt weder
mich noch meinen Vater. Würdet ihr mich kennen, dann würdet ihr auch
meinen Vater kennen.
20 Jesus lehrte im Tempel in der Nähe des Kastens für die Geldopfer, als er
diese Dinge sagte. Aber niemand nahm ihn fest; seine Zeit war noch nicht
gekommen.
21 Jesus wandte sich von neuem an seine Zuhörer. Ich werde fortgehen, sagte
er. Ihr werdet mich suchen, aber da, wo ich hingehe, könnt ihr nicht
hinkommen; ihr werdet in eurer Sünde sterben.
22 Will er sich etwa das Leben nehmen?, fragten sich die Juden. Vielleicht sagt
er deshalb: Da, wo ich hingehe, könnt ihr nicht hinkommen.
23 Doch Jesus fuhr fort: Ihr seid von ´hier` unten, ich bin von oben. Ihr seid
von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt.
24 Darum habe ich zu euch gesagt, dass ihr in euren Sünden sterben werdet.
Glaubt an mich als den, der ich bin; wenn nicht, werdet ihr in euren Sünden
sterben. –
25 Wer bist du denn?, fragten sie. Jesus antwortete: Darüber habe ich doch
von Anfang an zu euch gesprochen.
26 Was euch betrifft, hätte ich noch viel zu sagen, und es gäbe noch vieles,
worin ich über euch zu urteilen hätte. Aber ich sage der Welt nur das, was ich
von dem gehört habe, der mich gesandt hat; und was er sagt, ist wahr.
27 Sie begriffen nicht, dass Jesus über den Vater sprach.
28 Deshalb sagte er zu ihnen: Dann, wenn ihr den Menschensohn erhöht habt,
werdet ihr mich als den erkennen, der ich bin, und werdet erkennen, dass ich
nichts von mir selbst aus tue, sondern das sage, was mich der Vater gelehrt
hat.
29 Und er, der mich gesandt hat, ist bei mir. Er lässt mich nie allein, denn ich
tue immer, was ihm gefällt.
30 Als Jesus das sagte, glaubten viele an ihn.
31 Zu den Juden, die nun an ihn glaubten, sagte Jesus: Wenn ihr in meinem
Wort bleibt, seid ihr wirklich meine Jünger,
32 und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei
machen.
33 Wir sind Nachkommen Abrahams, entgegneten sie, wir haben nie jemand
als Sklaven gedient. Wie kannst du da sagen: Ihr müsst frei werden?
34 Jesus antwortete: Ich sage euch: Jeder, der sündigt, ist ein Sklave der
Sünde.
35 Ein Sklave gehört nur vorübergehend zur Familie, ein Sohn dagegen für
immer.
36 Nur wenn der Sohn euch frei macht, seid ihr wirklich frei.
37 Ich weiß, dass ihr Nachkommen Abrahams seid. Und trotzdem trachtet ihr
mir nach dem Leben. Das kommt daher, dass ihr euch meinem Wort
gegenüber verschließt.
38 Ich rede von dem, was ich beim Vater gesehen habe. Und auch ihr habt
einen Vater, auf dessen Anweisungen ihr hört.
39 Unser Vater ist Abraham, erwiderten sie. Jesus entgegnete: Wenn ihr
wirklich Kinder von Abraham wärt, würdet ihr auch so handeln wie
Abraham.
40 Stattdessen wollt ihr mich töten – mich, der ich euch die Wahrheit sage,
wie ich sie von Gott gehört habe. So etwas hätte Abraham nie getan.
41 Ihr handelt eben genau wie euer ´wirklicher` Vater. Wir sind doch keine
unehelichen Kinder!, protestierten sie. Wir haben nur einen Vater, und das ist
Gott.
42 Jesus erwiderte: Wenn Gott euer Vater wäre, würdet ihr mich lieben. Denn
von Gott bin ich zu euch gekommen, nicht im eigenen Auftrag; Gott ist es,
der mich gesandt hat.
43 ´Aber ich kann euch sagen,` warum mein Reden für euch so unverständlich
ist und wie es kommt, dass ihr gar nicht fähig seid, auf mein Wort zu hören:
44 Ihr stammt vom Teufel; der ist euer Vater. Und was euer Vater wünscht,
das führt ihr bereitwillig aus. Er war von Anfang an ein Mörder und stand nie
auf dem Boden der Wahrheit, weil es in ihm keine Wahrheit gibt. Wenn er
lügt, redet er so, wie es seinem ureigensten Wesen entspricht; denn er ist ein
Lügner, ja er ist der Vater der Lüge.
45 Ich aber sage die Wahrheit, und gerade das ist der Grund, weshalb ihr mir
nicht glaubt.
46 Wer von euch kann behaupten, ich hätte je eine Sünde begangen? Wenn
ich aber die Wahrheit sage, warum glaubt ihr mir dann nicht?
47 Wer von Gott stammt, hört auf das, was Gott sagt. Ihr hört deshalb nicht
darauf, weil ihr nicht von Gott stammt.
48 Haben wir nicht Recht?, riefen da die Juden. Du bist ein Samaritaner und
bist von einem Dämon besessen, genau wie wir es gesagt haben. –
49 Nein, entgegnete Jesus, ich bin nicht von einem Dämon besessen; ich ehre
meinen Vater. Ihr aber tretet meine Ehre mit Füßen.
50 Doch ich brauche sie nicht zu verteidigen. Es ist einer da, der das tut, und
er ist auch der Richter.
51 Eins aber versichere ich euch: Wenn jemand sich nach meinem Wort
richtet, wird er niemals sterben.
52 Jetzt sind wir sicher, dass du von einem Dämon besessen bist!,
triumphierten die Juden. Abraham ist gestorben, die Propheten sind
gestorben, und du behauptest, wenn einer sich nach deinem Wort richte,
werde er niemals sterben.
53 Bist du etwa mehr als unser Vater Abraham und die Propheten, die alle
gestorben sind? Für wen hältst du dich eigentlich?
54 Jesus erwiderte: Wenn ich mir selbst eine solche Ehre anmaßen würde,
wäre sie nichts wert. Aber nun ist es mein Vater, der mich ehrt – er, von dem
ihr sagt, er sei euer Gott.
55 Und dabei habt ihr ihn nie gekannt; ich dagegen kenne ihn. Würde ich
behaupten, ihn nicht zu kennen, dann wäre ich ein Lügner wie ihr. Aber ich
kenne ihn und richte mich nach seinem Wort.
56 Abraham, euer Vater, sah dem Tag meines Kommens mit jubelnder Freude
entgegen. Und er hat ihn erlebt und hat sich darüber gefreut.
57 Die Juden entgegneten: Du bist noch keine fünfzig Jahre alt und willst
Abraham gesehen haben?
58 Jesus gab ihnen zur Antwort: Ich versichere euch: Bevor Abraham geboren
wurde, bin ich.
59 Da hoben sie Steine auf, um ihn zu steinigen. Aber Jesus konnte sich vor
ihnen in Sicherheit bringen und verließ den Tempel.
Johannes 9
Heilung eines Blindgeborenen am Sabbat
1 Unterwegs sah Jesus einen Mann, der von Geburt an blind war.
2 Rabbi, fragten die Jünger, wie kommt es, dass dieser Mann blind geboren
wurde? Wer hat gesündigt – er selbst oder seine Eltern? –
3 Es ist weder seine Schuld noch die seiner Eltern, erwiderte Jesus. An ihm
soll sichtbar werden, was Gott zu tun vermag.
4 Wir müssen den Auftrag dessen, der mich gesandt hat, ausführen, solange es
Tag ist. Die Nacht kommt, in der niemand mehr etwas tun kann.
5 Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.
6 Nachdem Jesus seinen Jüngern diese Antwort gegeben hatte, spuckte er auf
den Boden und machte aus ´Erde und` Speichel einen Brei, den er dem
Blinden auf die Augen strich.
7 Dann befahl er ihm: Geh zum Teich Schiloach und wasch dir das Gesicht!
(Schiloach bedeutet Gesandter.) Der Mann ging dorthin und wusch sich das
Gesicht. Und als er von dort wegging, konnte er sehen.
8 Seine Nachbarn und die, die ihn bis dahin als Bettler gekannt hatten, fragten
verwundert: Ist das nicht der, der ´am Straßenrand` saß und bettelte? –
9 Ja, sagten die einen, er ist es. – Unmöglich!, riefen die anderen. Er sieht ihm
nur sehr ähnlich. – Doch, ich bin es, erklärte der Mann selbst.
10 Aber wie kommt es denn, dass du auf einmal sehen kannst?, wollten sie
wissen.
11 Er gab ihnen zur Antwort: Da ist doch dieser Mann, der Jesus heißt. Er hat
einen Brei gemacht und ihn auf meine Augen gestrichen und gesagt: Geh zum
Teich Schiloach und wasch dir das Gesicht! Ich bin dorthin gegangen und
habe mir das Gesicht gewaschen – und da konnte ich sehen! –
12 Und wo ist dieser Mann jetzt?, fragten sie. Ich weiß es nicht, erwiderte er.
13 Sie brachten den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern.
14 Der Tag, an dem Jesus den Brei gemacht und den Blinden geheilt hatte,
war ein Sabbat.
15 Nun fragten auch die Pharisäer den Mann, wie es kam, dass er auf einmal
sehen konnte. Er hat mir einen Brei auf die Augen gestrichen, antwortete er,
dann habe ich mir das Gesicht gewaschen, und seitdem kann ich sehen. –
16 Der, der das getan hat, kann unmöglich von Gott kommen, sagten einige
der Pharisäer. Er hält ja den Sabbat nicht. Andere aber meinten: Wie kann ein
Mensch, der sündigt, solche Wunder tun? So kam es unter ihnen zu einer
Spaltung.
17 Schließlich wandten sie sich wieder an den, der blind gewesen war. Was
sagst du über ihn?, fragten sie. Dich hat er ja von deiner Blindheit geheilt. –
Er ist ein Prophet, antwortete der Mann.
18 Aber die ´führenden` Juden wollten nicht glauben, dass er überhaupt blind
gewesen und nun sehend geworden war. Deshalb ließen sie die Eltern des
Geheilten rufen
19 und fragten sie: Ist das euer Sohn? Ihr behauptet, er sei blind geboren
worden. Wie kommt es dann, dass er auf einmal sehen kann?
20 Die Eltern antworteten: Wir wissen, dass das unser Sohn ist und dass er
blind geboren wurde.
21 Aber wie es kommt, dass er jetzt sehen kann, wissen wir nicht, und wer ihn
von seiner Blindheit geheilt hat, wissen wir auch nicht. Fragt ihn selbst! Er ist
alt genug, um über sich selber Auskunft geben zu können.
22 Sie gaben ihnen diese Antwort, weil sie Angst vor ihnen hatten. Denn die
´führenden` Juden hatten bereits beschlossen, jeden aus der Synagoge
auszuschließen, der sich zu Jesus als dem Messias bekannte.
23 Das war der Grund, warum die Eltern des Geheilten sagten: Er ist alt genug;
fragt ihn doch selbst!
24 Die führenden Juden ließen den Mann, der blind gewesen war, ein zweites
Mal rufen. Bekenne dich vor Gott zur Wahrheit!, forderten sie ihn auf. Wir
wissen, dass jener Mensch ein Sünder ist. –
25 Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht, erwiderte der Geheilte. Aber eins weiß
ich: Ich war blind, und jetzt kann ich sehen. –
26 Was hat er denn mit dir gemacht?, wollten sie noch einmal genau wissen.
Wie hat er dich von deiner Blindheit geheilt? –
27 Ich habe es euch doch schon gesagt, entgegnete er, aber ihr habt wohl nicht
zugehört. Warum wollt ihr es noch einmal hören? Wollt ihr etwa auch seine
Jünger werden?
28 Da wurden sie wütend. Du bist sein Jünger!, schrien sie ihn an. Wir
dagegen sind Jünger von Mose.
29 Wir wissen, dass Gott zu Mose geredet hat. Aber von diesem Menschen hier
wissen wir nicht einmal, woher er kommt.
30 Das ist doch wirklich sonderbar!, meinte der Mann. Er hat mich von meiner
Blindheit geheilt, und ihr wisst nicht, woher er kommt.
31 Wir alle wissen, dass Gott einen Sünder nicht erhört; er erhört den, der
gottesfürchtig ist und das tut, was Gott will.
32 Hat man denn, solange die Welt besteht, je schon gehört, dass jemand
einen Blindgeborenen von seiner Blindheit geheilt hat?
33 Wenn dieser Mann nicht von Gott käme, könnte er solche Dinge nicht tun.
34 Darauf antworteten sie nur: Du bist ganz und gar in Sünden geboren. Wie
kannst du es wagen, uns zu belehren! Und sie warfen ihn hinaus.
35 Jesus hörte, dass sie den Geheilten hinausgeworfen hatten. Als er ihn
wieder traf, fragte er ihn: Glaubst du an den Menschensohn? –
36 Herr, sag mir, wer es ist, erwiderte der Mann, dann will ich an ihn glauben.
–
37 Du siehst ihn vor dir, sagte Jesus. Es ist der, der mit dir redet.
38 Da rief der Mann: Herr, ich glaube!, und er warf sich vor ihm nieder.
39 Daraufhin sagte Jesus: Dadurch, dass ich in diese Welt gekommen bin,
vollzieht sich ein Gericht: Die, die nicht sehen, sollen sehend werden, und
die, die sehen, sollen blind werden.
40 Das hörten einige Pharisäer, die bei Jesus waren. Sind wir etwa auch
blind?, fragten sie.
41 Jesus gab ihnen zur Antwort: Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Schuld.
Doch ihr sagt: Wir können sehen. Darum bleibt eure Schuld bestehen.
Johannes 10
14 Ich bin der gute Hirte. Ich kenne meine Schafe, und meine Schafe kennen
mich,
15 genauso, wie der Vater mich kennt und ich den Vater kenne. Und ich gebe
mein Leben für die Schafe her.
16 Ich habe auch noch Schafe, die nicht aus diesem Stall sind. Auch sie muss
ich herführen; sie werden auf meine Stimme hören, und alle werden eine
Herde unter einem Hirten sein.
17 Der Vater liebt mich, weil ich mein Leben hergebe. Ich gebe es her, um es
wieder zu empfangen.
18 Niemand nimmt es mir; ich gebe es freiwillig her. Ich habe die Macht, es
herzugeben, und ich habe die Macht, es wieder zu empfangen. Das ist der
Auftrag, den ich von meinem Vater bekommen habe.
19 Wegen dieser Worte kam es erneut zu einer Spaltung unter den Juden.
20 Viele von ihnen sagten: Er ist von einem Dämon besessen! Er ist verrückt.
Warum hört ihr ihm überhaupt noch zu?
21 Andere aber meinten: So redet kein Besessener. Kann etwa ein Dämon
Blinde sehend machen?
22 Es war Winter. In Jerusalem feierte man das Fest der Tempelweihe.
23 Jesus war im Tempel; er hielt sich in der Halle Salomos auf.
24 Da umringten ihn die Juden und sagten: Wie lange lässt du uns noch im
Ungewissen? Wenn du der Messias bist, dann sag es uns offen!
25 Jesus entgegnete: Ich habe es euch bereits gesagt, doch ihr glaubt mir
nicht. Alles, was ich im Namen meines Vaters tue, zeigt, wer ich bin.
26 Aber ihr gehört nicht zu meinen Schafen, darum glaubt ihr nicht.
27 Meine Schafe hören auf meine Stimme. Ich kenne sie, und sie folgen mir,
28 und ich gebe ihnen das ewige Leben. Sie werden niemals verloren gehen,
und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.
29 Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alles; niemand kann sie
aus der Hand des Vaters reißen.
30 Ich und der Vater sind eins.
31 Von neuem hoben die Juden Steine auf, um Jesus zu steinigen.
32 Da sagte er zu ihnen: Ich habe vieles getan, was euch zeigt, dass ich im
Auftrag des Vaters handle. Für welche dieser Taten wollt ihr mich steinigen?
–
33 Wir steinigen dich nicht wegen einer guten Tat, sondern weil du ein
Gotteslästerer bist, gaben die Juden zur Antwort. Du machst dich zu Gott,
obwohl du nur ein Mensch bist.
34 Jesus erwiderte: Steht nicht in eurem Gesetz der Satz: Ich habe gesagt: Ihr
seid Götter?
35 Hier werden also die, an die das Wort Gottes gerichtet war, Götter genannt;
und was die Schrift sagt, ist unumstößlich.
36 Mich aber hat der Vater, der heilige Gott, dazu bestimmt, sein Werk zu
tun, und hat mich in die Welt gesandt. Wie könnt ihr mir da Gotteslästerung
vorwerfen, wenn ich sage: Ich bin Gottes Sohn?
37 Wenn die Dinge, die durch mich geschehen, nicht das Werk meines Vaters
sind, dann glaubt mir nicht.
38 Sind sie es aber, dann lasst euch wenigstens von diesen Dingen überzeugen,
wenn ihr schon mir nicht glauben wollt. Ihr werdet dann erkennen und nicht
mehr daran zweifeln, dass in mir der Vater ist und dass ich im Vater bin.
39 Daraufhin versuchten sie von neuem, Jesus festzunehmen, doch er konnte
ihnen entkommen.
40 Er ging wieder auf die Ostseite des Jordans, dorthin, wo Johannes zuerst
getauft hatte. Dort blieb er,
41 und viele Menschen kamen zu ihm. Johannes hat zwar keine Wunder
getan, sagten sie. Aber alles, was er über diesen Mann gesagt hat, hat sich als
wahr erwiesen.
42 Und viele aus jener Gegend glaubten an Jesus.
Johannes 11
Krankheit und Tod des Lazarus
1 Lazarus, ein Mann aus Betanien, dem Ort, in dem Maria mit ihrer Schwester
Martha wohnte, war erkrankt.
2 Maria war jene Frau, die den Herrn mit Salböl gesalbt und ihm mit ihrem
Haar die Füße getrocknet hat, und Lazarus, der krank geworden war, war ihr
Bruder.
3 Die beiden Schwestern ließen Jesus ausrichten: Herr, der, den du lieb hast,
ist krank.
4 Als Jesus das hörte, sagte er: Am Ende dieser Krankheit steht nicht der Tod,
sondern die Herrlichkeit Gottes. Der Sohn Gottes soll durch sie in seiner
Herrlichkeit offenbart werden.
5 Jesus hatte Martha und ihre Schwester und auch Lazarus sehr lieb.
6 Als er nun wusste, dass Lazarus krank war, blieb er noch zwei Tage an dem
Ort, wo er die Nachricht erhalten hatte.
7 Dann sagte er zu seinen Jüngern: Wir wollen wieder nach Judäa gehen! –
8 Rabbi, wandten sie ein, vor kurzem haben die Juden dort noch versucht,
dich zu steinigen, und jetzt willst du wieder dahin zurückkehren?
9 Jesus erwiderte: Es ist doch zwölf Stunden am Tag hell, oder nicht? Wenn
jemand seinen Weg geht, während es Tag ist, stößt er nirgends an, weil er das
Licht dieser Welt sieht.
10 Wenn jemand aber in der Nacht unterwegs ist, stößt er sich, weil das Licht
nicht in ihm ist.
11 Nachdem Jesus ´den Einwand seiner Jünger` auf diese Weise beantwortet
hatte, sagte er: Unser Freund Lazarus ist eingeschlafen. Aber ich gehe jetzt zu
ihm, um ihn aufzuwecken. –
12 Herr, wenn er schläft, wird er wieder gesund, sagten die Jünger,
13 die dachten, er rede vom gewöhnlichen Schlaf; in Wirklichkeit sprach er
davon, dass Lazarus gestorben war.
14 Da erklärte er ihnen offen: Lazarus ist gestorben.
15 Aber euretwegen bin ich froh, dass ich nicht dort war, weil ihr auf diese
Weise an mich glauben werdet. Doch jetzt wollen wir zu ihm gehen! –
16 Ja, lasst uns mitgehen, um mit ihm zu sterben, sagte Thomas, auch
Didymus genannt, zu den anderen Jüngern.
17 Als Jesus nach Betanien kam, erfuhr er, dass Lazarus schon vor vier Tagen
begraben worden war.
18 Betanien war nur etwa drei Kilometer von Jerusalem entfernt,
19 und viele Juden ´aus der Stadt` waren zu Martha und Maria gekommen, um
sie in ihrem Leid zu trösten.
20 Als Martha hörte, dass Jesus auf dem Weg zu ihnen war, ging sie ihm
entgegen; Maria aber blieb zu Hause.
21 Herr, sagte Martha zu Jesus, wenn du hier gewesen wärst, wäre mein
Bruder nicht gestorben!
22 Aber auch jetzt weiß ich: Was immer du von Gott erbittest, wird er dir
geben. –
23 Dein Bruder wird auferstehen, gab Jesus ihr zur Antwort.
24 Ich weiß, dass er auferstehen wird, erwiderte Martha. Das wird an jenem
letzten Tag geschehen, bei der Auferstehung der Toten.
25 Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an
mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.
26 Und wer lebt und an mich glaubt, wird niemals sterben. Glaubst du das? –
27 Ja, Herr, antwortete Martha, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn
Gottes, der in die Welt kommen soll.
28 Danach ging sie weg, um ihre Schwester Maria zu holen. Der Meister ist da
und lässt dich rufen!, sagte sie leise zu ihr.
29 Als Maria das hörte, stand sie schnell auf, um zu Jesus zu gehen.
30 Jesus war noch nicht ins Dorf hineingegangen, sondern war immer noch
dort, wo Martha ihn getroffen hatte.
31 Die Juden, die bei Maria im Haus waren, um sie zu trösten, sahen, wie sie
plötzlich aufsprang und hinauseilte. Sie dachten, sie wolle zum Grab gehen,
um dort zu weinen, und folgten ihr.
32 Sowie Maria an den Dorfeingang kam und Jesus erblickte, warf sie sich ihm
zu Füßen und rief: Herr, wenn du hier gewesen wärst, wäre mein Bruder
nicht gestorben!
33 Beim Anblick der weinenden Frau und der Juden, die sie begleiteten und
mit ihr weinten, erfüllten ihn Zorn und Schmerz. Bis ins Innerste erschüttert,
34 fragte er: Wo habt ihr ihn begraben? Die Leute antworteten: Herr, komm
mit, wir zeigen es dir!
35 Jesu Augen füllten sich mit Tränen.
36 Seht, wie lieb er ihn gehabt hat!, sagten die Juden.
37 Und einige von ihnen meinten: Er hat doch den Mann, der blind war,
geheilt. Hätte er da nicht auch machen können, dass Lazarus nicht stirbt?
38 Während Jesus nun zum Grab ging, erfüllten ihn von neuem Zorn und
Schmerz. Lazarus lag in einem Höhlengrab, dessen Eingang mit einem großen
Stein verschlossen war.
39 Wälzt den Stein weg!, befahl Jesus. Herr, wandte Martha, die Schwester des
Verstorbenen, ein, er ist doch schon vier Tage tot; der Leichnam riecht
schon!
40 Aber Jesus sagte zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst
du die Herrlichkeit Gottes sehen?
41 Man nahm nun den Stein vom Eingang weg. Jesus richtete den Blick zum
Himmel und sagte: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast.
42 Ich weiß, dass du mich immer erhörst. Aber wegen all der Menschen, die
hier stehen, spreche ich es aus; ich möchte, dass sie glauben, dass du mich
gesandt hast.
43 Danach rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus!
44 Der Tote trat heraus, Füße und Hände mit Grabbinden umwickelt und das
Gesicht mit einem Tuch verhüllt. Befreit ihn von den Tüchern und lasst ihn
gehen!, befahl Jesus den Umstehenden.
45 Viele von den Juden, die zu Maria gekommen waren, ´um sie zu trösten,`
glaubten an Jesus, als sie das Wunder sahen, das er an Lazarus tat.
46 Einige aber gingen zu den Pharisäern und berichteten ihnen, was Jesus
getan hatte.
47 Die führenden Priester und die Pharisäer beriefen daraufhin eine Sitzung
des Hohen Rates ein. Was sollen wir machen?, sagten sie. Dieser Mann tut
viele Aufsehen erregende Dinge.
48 Wenn wir ihn so weitermachen lassen, glauben am Ende alle an ihn. Dann
werden die Römer kommen und weder von unserem Tempel noch von
unserer Nation etwas übrig lassen.
49 Einer von ihnen, ein gewisser Kajafas, der in jenem Jahr Hoherpriester war,
sagte: Begreift ihr denn überhaupt nichts?
50 Habt ihr euch nie überlegt, dass es in eurem Interesse ist, wenn ein Mensch
für das Volk stirbt und nicht das ganze Volk umkommt?
51 Kajafas sagte das nicht aus sich selbst heraus. Er redete aus prophetischer
Eingebung, weil er in jenem Jahr Hoherpriester war, und sagte voraus, dass
Jesus für das ´jüdische` Volk sterben werde.
52 Jesus starb allerdings nicht nur für das ´jüdische` Volk, sondern auch, um
die ´über die ganze Welt` verstreuten Kinder Gottes zusammenzuführen und
eins zu machen.
53 An jenem Tag fassten die führenden Männer des jüdischen Volkes endgültig
den Beschluss, Jesus zu töten.
54 Jesus zeigte sich von da an nicht mehr öffentlich unter den Juden. Er zog
sich in die Gegend am Rand der Wüste zurück, in die Stadt Efraim. Dort blieb
er mit seinen Jüngern.
55 Es kamen nun bald wieder die Tage, in denen die Juden ihr Passafest
feierten. Schon vor dem Fest zogen viele Menschen aus dem ganzen Land
nach Jerusalem hinauf, um sich nach den Reinigungsvorschriften darauf
vorzubereiten.
56 Alles hielt nach Jesus Ausschau. Was meint ihr?, sagten die Leute, wenn sie
auf dem Tempelplatz beieinander standen. Ob er wohl zum Fest kommen
wird?
57 Die führenden Priester und die Pharisäer aber, die Jesus festnehmen
wollten, hatten den Befehl erlassen, jeder, der seinen Aufenthaltsort kenne,
sei verpflichtet, es zu melden.
Johannes 12
Die Salbung Jesu in Betanien
1 Sechs Tage vor dem Passafest kam Jesus wieder nach Betanien, wo Lazarus
wohnte, den er von den Toten auferweckt hatte.
2 Dort wurde nun Jesus zu Ehren ein Festessen gegeben. Martha bediente, und
Lazarus war unter denen, die mit Jesus an dem Essen teilnahmen.
3 Maria brachte einen halben Liter echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus
damit die Füße und trocknete sie dann mit ihrem Haar. Der Duft des Öls
erfüllte das ganze Haus.
4 ´Empört` sagte Judas Iskariot, der Jünger, der Jesus später verriet:
5 Warum hat man dieses Öl nicht verkauft? Man hätte dreihundert Denare
dafür bekommen und das Geld den Armen geben können!
6 Er sagte das nicht etwa, weil ihm die Armen am Herzen lagen, sondern weil
er ein Dieb war. Er verwaltete die gemeinsame Kasse und entwendete immer
wieder etwas von dem, was hineingelegt wurde.
7 Lass sie!, erwiderte Jesus. Dadurch, dass sie dieses Öl aufbewahrt hat,
konnte sie mich im Hinblick auf den Tag meines Begräbnisses salben.
8 Arme, um die ihr euch kümmern könnt, wird es immer geben. Mich aber
habt ihr nicht mehr lange bei euch.
9 Als unter der jüdischen Bevölkerung bekannt wurde, dass Jesus in Betanien
war, strömten die Leute in Scharen dorthin. Sie kamen nicht nur wegen Jesus,
sondern auch, weil sie Lazarus sehen wollten, den Mann, den Jesus von den
Toten auferweckt hatte.
10 Da beschlossen die führenden Priester, auch Lazarus zu töten,
11 weil seinetwegen so viele Juden ´nach Betanien` gingen und daraufhin an
Jesus glaubten.
12 Am nächsten Tag hörten die Menschen, die in großer Zahl zum Passafest
gekommen waren, dass Jesus auf dem Weg nach Jerusalem war.
13 Mit Palmzweigen in der Hand zogen sie zur Stadt hinaus, um ihn zu
empfangen. Gepriesen sei Gott!, riefen sie. Gesegnet sei er, der im Namen des
Herrn kommt, der König von Israel!
14 Jesus ritt auf einem jungen Esel, den er hatte bekommen können. In der
Schrift heißt es:
15 Du brauchst dich nicht zu fürchten, Volk von Zion! Dein König kommt, er
reitet auf einem Eselsfohlen.
16 Dieses Wort erfüllte sich damals, doch das verstanden die Jünger zunächst
noch nicht. Später allerdings, als Jesus in seiner Herrlichkeit offenbart war,
erinnerten sie sich daran, dass man ihn genauso empfangen hatte, wie es in
der Schrift vorausgesagt war.
17 Die Menschen, die in großer Zahl dabei gewesen waren, als Jesus Lazarus
aus dem Grab gerufen und ihn von den Toten auferweckt hatte, hatten
überall davon erzählt.
18 Das war der Grund, weshalb ihm jetzt so viele Leute entgegenzogen. Sie
hatten von dem Wunder gehört, das er getan hatte.
19 Da sagten die Pharisäer zueinander: Ihr seht doch, dass wir so nicht
weiterkommen. Alle Welt läuft ihm nach!
20 Unter denen, die zum Fest nach Jerusalem hinaufgezogen waren, um
anzubeten, befanden sich auch einige Leute nichtjüdischer Herkunft.
21 Sie wandten sich an Philippus, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und
baten ihn: Herr, wir möchten gern Jesus kennen lernen.
22 Philippus ging zu Andreas und teilte ihm das mit, worauf Andreas und
Philippus zusammen zu Jesus gingen, um es ihm zu sagen.
23 Jesus gab ihnen zur Antwort: Die Zeit ist gekommen, wo der Menschensohn
in seiner Herrlichkeit offenbart wird.
24 Ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt,
bleibt es ein einzelnes Korn. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.
25 Wem sein eigenes Leben über alles geht, der verliert es. Wer aber in dieser
Welt sein Leben loslässt, der wird es für das ewige Leben in Sicherheit
bringen.
26 Wenn jemand mir dienen will, muss er mir nachfolgen. Und da, wo ich bin,
wird auch mein Diener sein. Wer mir dient, den wird der Vater ehren.
27 Mein Herz ist jetzt voll Angst und Unruhe. Soll ich sagen: Vater, rette mich
vor dem, was auf mich zukommt? Nein, denn jetzt ist die Zeit da; jetzt
geschieht das, wofür ich gekommen bin.
40 Der Herr hat ihre Augen blind gemacht und ihre Herzen verschlossen.
Daher kommt es, ´sagt der Herr,`dass sie mit ihren Augen nicht sehen und mit
ihrem Herzen nichts verstehen und dass sie nicht umkehren, sodass ich sie
heilen könnte.
41 Jesaja sagte das, weil er die Herrlichkeit Jesu gesehen hatte; auf ihn
bezogen sich seine Worte.
42 Es gab allerdings sogar unter den führenden Männern viele, die an Jesus
glaubten. Aber wegen der Pharisäer bekannten sie sich nicht offen zu ihm; sie
mussten befürchten, aus der Synagoge ausgeschlossen zu werden.
43 Es war ihnen wichtiger, ihr Ansehen bei den Menschen nicht zu verlieren,
als bei Gott Anerkennung zu finden.
44 Jesus aber rief mit lauter Stimme: Wer an mich glaubt, der glaubt nicht nur
an mich, sondern auch an den, der mich gesandt hat.
45 Und wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat.
46 Ich bin als das Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich
glaubt, ´das Licht hat und` nicht in der Finsternis bleibt.
47 Wenn jemand hört, was ich sage, und sich nicht daran hält, dann bin nicht
ich es, der ihn verurteilt. Denn ich bin nicht gekommen, um die Welt zu
verurteilen, sondern um die Welt zu retten.
48 Wer mich ablehnt und das, was ich sage, nicht annimmt, der hat seinen
Richter damit schon gefunden: Das Wort, das ich gesprochen habe, wird ihn
an jenem letzten Tag verurteilen.
49 Denn ich habe nicht aus mir selbst heraus geredet; der Vater, der mich
gesandt hat, hat mir aufgetragen, was ich reden und verkünden soll.
50 Und ich weiß: Bei seinem Auftrag geht es um das ewige Leben. Was ich
darum verkünde, verkünde ich so, wie der Vater es mir gesagt hat.
Johannes 13
Jesus wäscht seinen Jüngern die Füße
1 Das Passafest stand nun unmittelbar bevor. Jesus wusste, dass für ihn die
Zeit gekommen war, diese Welt zu verlassen und zum Vater zu gehen. Darum
gab er denen, die in der Welt zu ihm gehörten und die er immer geliebt hatte,
jetzt den vollkommensten Beweis seiner Liebe.
2 Er war mit seinen Jüngern beim Abendessen. Der Teufel hatte Judas, dem
Sohn von Simon Iskariot, bereits den Gedanken ins Herz gegeben, Jesus zu
verraten.
3 Jesus aber wusste, dass der Vater ihm Macht über alles gegeben hatte und
dass er von Gott gekommen war und wieder zu Gott ging.
4 Er stand vom Tisch auf, zog sein Obergewand aus und band sich ein leinenes
Tuch um.
5 Dann goss er Wasser in eine Waschschüssel und begann, den Jüngern die
Füße zu waschen und mit dem Tuch abzutrocknen, das er sich umgebunden
hatte.
6 Simon Petrus jedoch wehrte sich, als die Reihe an ihn kam. Herr, du willst
mir die Füße waschen?, sagte er.
7 Jesus gab ihm zur Antwort: Was ich tue, verstehst du jetzt nicht; aber später
wirst du es begreifen. –
8 Nie und nimmer wäschst du mir die Füße!, erklärte Petrus. Jesus
entgegnete: Wenn ich sie dir nicht wasche, hast du keine Gemeinschaft mit
mir.
9 Da rief Simon Petrus: Herr, dann wasche mir nicht nur die Füße, wasch mir
auch die Hände und den Kopf!
10 Jesus erwiderte: Wer ein Bad genommen hat, ist ganz rein; er braucht sich
später nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, allerdings nicht
alle.
11 Jesus wusste, wer ihn verraten würde; das war der Grund, warum er sagte:
Ihr seid nicht alle rein.