A Part 2
A Part 2
9 Die Menge war so groß, dass sie ihn fast erdrückte. Deshalb befahl er seinen
Jüngern, ihm ein Boot bereitzuhalten.
10 Weil er nämlich so viele heilte, drängten sich alle, die ein Leiden hatten, an
ihn heran, um ihn zu berühren.
11 Und wenn die von bösen Geistern Besessenen ihn sahen, fielen sie vor ihm
nieder und riefen: Du bist der Sohn Gottes!
12 Doch mit aller Entschiedenheit verbot ihnen Jesus, bekannt zu machen, wer
er war.
Die zwölf Apostel
13 Jesus stieg auf einen Berg und rief die zu sich, die er bei sich haben wollte.
Sie traten zu ihm,
14 und er bestimmte zwölf, die er Apostel nannte. Sie sollten ständig bei ihm
sein, und er wollte sie aussenden, damit sie seine Botschaft verkündeten
15 und in seiner Vollmacht die Dämonen austrieben.
16 Die Zwölf, die er bestimmte, waren: Simon, dem er den Namen Petrus gab,
17 Jakobus, der Sohn des Zebedäus, Johannes, der Bruder des Jakobus – diese
beiden nannte er Boanerges (das bedeutet Donnersöhne) – ,
18 Andreas, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Jakobus, der Sohn
des Alphäus, Thaddäus, Simon, der Zelot,
19 und Judas Iskariot, der Jesus verriet.
20 Jesus ging nach Hause, und wieder versammelte sich eine Menschenmenge
bei ihm, sodass er und seine Jünger nicht einmal Zeit zum Essen fanden.
21 Als seine Angehörigen das erfuhren, machten sie sich auf, um ihn mit
Gewalt zurückzuholen. Sie waren überzeugt, dass er den Verstand verloren
hatte.
Jesus und Beelzebul. Die Sünde gegen den Heiligen Geist
34 Er sah die an, die rings um ihn herum saßen, und fuhr fort: Seht, das sind
meine Mutter und meine Geschwister!
35 Denn wer den Willen Gottes tut, der ist mein Bruder, meine Schwester und
meine Mutter.
Markus 4
Gleichnisse vom Reich Gottes
(Kapitel 4,1-34)
1 Als Jesus wieder einmal am See lehrte, versammelte sich eine so große
Menschenmenge um ihn, dass er sich in ein Boot setzte; so konnte er vom See
aus zu der ganzen Menge sprechen, die sich am Ufer befand.
2 Jesus lehrte sie vieles, und er gebrauchte dazu Gleichnisse.
Das Gleichnis von der Saat, die auf viererlei Boden fällt
3 Hört zu! Ein Bauer ging aufs Feld, um zu säen.
4 Beim Ausstreuen der Saat fiel einiges auf den Weg. Da kamen die Vögel und
pickten es auf.
5 Einiges fiel auf felsigen Boden, der nur von einer dünnen Erdschicht bedeckt
war. Weil die Saat dort so wenig Erde hatte, ging sie rasch auf.
6 Als dann aber die Sonne höher stieg, wurden die jungen Pflanzen versengt,
und weil sie keine kräftigen Wurzeln hatten, verdorrten sie.
7 Einiges fiel ins Dorngestrüpp, und die Dornensträucher überwucherten und
erstickten die Saat, sodass sie keine Frucht brachte.
8 Und einiges fiel auf guten Boden, ging auf, wuchs und brachte Frucht,
dreißigfach oder sechzigfach oder sogar hundertfach.
9 Jesus schloss mit den Worten: Wer Ohren hat und hören kann, der höre!
Erklärung des Gleichnisses von der Saat
10 Als die Zwölf und die anderen, die zum Jüngerkreis gehörten, mit Jesus
allein waren, fragten sie ihn nach der Bedeutung seiner Gleichnisse.
11 Da sagte er zu ihnen: Euch ist es von Gott gegeben, das Geheimnis seines
Reiches zu verstehen, den Außenstehenden aber wird alles nur in
Gleichnissen verkündet.
12 Denn mögen sie auch sehen, sie sollen nichts erkennen, und mögen sie auch
hören, sie sollen nichts verstehen, damit sie nicht etwa umkehren und ihnen
vergeben wird.
13 Dann fuhr er fort: Dieses Gleichnis versteht ihr nicht? Wie wollt ihr dann
überhaupt Gleichnisse verstehen?
14 Der Bauer sät das Wort.
15 Bei einigen Menschen ist es wie mit der Saat, die auf den Weg fällt. Das
Wort wird gesät, doch sobald sie es gehört haben, kommt der Satan und
nimmt das Wort wieder weg, das in sie hineingesät worden ist.
16 Bei anderen ist es wie mit der Saat, die auf felsigen Boden fällt. Wenn sie
das Wort hören, nehmen sie es sofort mit Freuden auf,
17 aber sie sind unbeständige Menschen, Pflanzen ohne Wurzeln. Sobald sie
wegen des Wortes in Bedrängnis geraten oder sogar verfolgt werden, wenden
sie sich wieder davon ab.
18 Wieder bei anderen ist es wie mit der Saat, die ins Dorngestrüpp fällt. Sie
hören das Wort,
19 doch dann gewinnen die Sorgen dieser Welt, die Verlockungen des
Reichtums und andere Begierden Raum und ersticken das Wort, und es bleibt
ohne Frucht.
20 Bei anderen schließlich ist es wie mit der Saat, die auf guten Boden fällt.
Sie hören das Wort, nehmen es auf und bringen Frucht: dreißigfach,
sechzigfach und hundertfach.
Der Vergleich mit der Lampe
21 Weiter sagte Jesus zu ihnen: Bringt man etwa eine Lampe ´in einen Raum`,
um sie unter ein Gefäß oder unter das Bett zu stellen? Nein, man stellt sie auf
den Lampenständer.
22 So gibt es auch nichts Geheimes, was geheim bleibt; alles ist dazu
bestimmt, offenbart zu werden. Und es gibt nichts Verborgenes, was
verborgen bleibt; alles soll bekannt gemacht werden.
23 Wenn jemand Ohren hat und hören kann, dann höre er!
24 Achtet auf das, was ihr hört!, fuhr Jesus fort. Nach dem Maß, mit dem ihr
messt, wird euch euer Teil zugemessen werden; ja, es wird euch noch mehr
gegeben werden.
25 Denn wer hat, dem wird gegeben; aber wer nicht hat, dem wird auch das
genommen, was er hat.
Das Gleichnis vom Wachsen der Saat
26 Mit dem Reich Gottes, so erklärte Jesus weiter, ist es wie mit einem Bauern,
der die Saat auf seinem Acker ausgestreut hat.
27 Er legt sich schlafen, er steht wieder auf, ein Tag folgt dem anderen; und
die Saat geht auf und wächst – wie, das weiß er selbst nicht.
28 Ganz von selbst bringt die Erde Frucht hervor: zuerst die Halme, dann die
Ähren und schließlich das ausgereifte Korn in den Ähren.
29 Sobald die Frucht reif ist, lässt er das Getreide schneiden; die Zeit der Ernte
ist da.
Das Gleichnis vom Senfkorn
30 Womit sollen wir das Reich Gottes noch vergleichen?, fragte Jesus. Mit
welchem Gleichnis sollen wir es darstellen?
31 Es gleicht einem Senfkorn. Das ist das kleinste aller Samenkörner, die man
in die Erde sät.
32 Aber wenn es einmal gesät ist, geht es auf und wird größer als alle anderen
Gartenpflanzen. Es treibt so große Zweige, dass die Vögel in seinem Schatten
nisten können.
Die Gleichnisse in Jesu Verkündigung
33 Jesus gebrauchte viele solche Gleichnisse, um den Leuten das Wort ´Gottes`
so zu verkünden, dass sie es verstehen konnten.
Markus 5
Heilung eines Besessenen
1 So kamen sie in das Gebiet der Gerasener am gegenüberliegenden Ufer des
Sees.
2 Jesus war kaum aus dem Boot gestiegen, als ihm aus den Grabhöhlen ein
Mann entgegenlief, der von einem bösen Geist besessen war.
3 Er hauste dort in den Grabhöhlen, und niemand war mehr in der Lage, ihn
zu bändigen, nicht einmal mit Ketten.
4 Man hatte ihn zwar schon oft an Händen und Füßen gefesselt, doch jedes
Mal hatte er die Ketten zerrissen und die Fußfesseln zerrieben; keiner wurde
mehr Herr über ihn.
5 Tag und Nacht war er ununterbrochen in den Grabhöhlen oder auf den
Bergen und schrie und schlug mit Steinen auf sich ein.
6 Kaum hatte dieser Mann Jesus von weitem erblickt, kam er herbeigerannt
und warf sich vor ihm auf die Knie.
7 Er schrie mit lauter Stimme: Was willst du von mir, Jesus, Sohn Gottes, des
Allerhöchsten? Ich beschwöre dich bei Gott: Quäle mich nicht!
8 Denn Jesus war ihm sofort mit den Worten entgegengetreten: Verlass diesen
Menschen, du böser Geist!
9 Nun fragte ihn Jesus: Wie heißt du? – Ich heiße Legion, antwortete er, denn
wir sind viele.
10 Und er flehte Jesus an, sie nicht aus jener Gegend fortzuschicken.
11 Nicht weit von dort weidete am Berghang eine große Herde Schweine.
12 Lass uns doch in die Schweine fahren!, baten die Dämonen.
13 Jesus erlaubte es ihnen, und die bösen Geister verließen den Mann und
fuhren in die Schweine. Da stürzte sich die ganze Herde – etwa zweitausend
Tiere – den Abhang hinunter in den See und ertrank.
14 Die Schweinehirten liefen davon und berichteten alles in der Stadt und in
den Dörfern. Die Leute machten sich auf den Weg, um mit eigenen Augen zu
sehen, was geschehen war.
15 Als sie zu Jesus kamen, sahen sie den Besessenen bei ihm. Der Mann, in
dem die Legion Dämonen gewesen war, saß jetzt da, bekleidet und bei
klarem Verstand. Da bekamen sie es mit der Angst zu tun.
16 Nachdem sie von den Augenzeugen erfahren hatten, was mit dem
Besessenen und mit den Schweinen geschehen war,
17 drängten sie Jesus, ihr Gebiet zu verlassen.
18 Als er ins Boot stieg, bat ihn der, der besessen gewesen war, bei ihm
bleiben zu dürfen.
19 Aber Jesus erlaubte es ihm nicht. Geh nach Hause zu deinen Angehörigen,
sagte er, und berichte ihnen, was der Herr für dich getan und wie er sich über
dich erbarmt hat!
20 Da ging der Mann fort und begann im Zehnstädtegebiet zu verkünden, was
Jesus für ihn getan hatte. Und alle staunten.
Heilung einer kranken Frau und Auferweckung eines Kindes
21 Jesus fuhr mit dem Boot wieder ans andere Ufer, wo sich bald eine große
Menschenmenge um ihn versammelte. Er war noch am See,
22 als einer der Synagogenvorsteher kam, ein Mann namens Jairus. Er warf
sich Jesus zu Füßen
23 und flehte ihn an: Meine Tochter liegt im Sterben. Komm und leg ihr die
Hände auf, damit sie wieder gesund wird und am Leben bleibt!
24 Jesus ging mit ihm. Eine große Menschenmenge schloss sich ihm an und
drängte sich um ihn.
25 Unter den Leuten war auch eine Frau, die seit zwölf Jahren an schweren
Blutungen litt.
26 Sie war bei vielen Ärzten in Behandlung gewesen und hatte dabei viel
gelitten und ihr gesamtes Vermögen ausgegeben, aber es hatte nichts genützt;
im Gegenteil, ihr Leiden war nur noch schlimmer geworden.
27 Diese Frau hatte von Jesus gehört. Nun drängte sie sich in der Menge von
hinten an ihn heran und berührte sein Gewand,
28 denn sie sagte sich: Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich
gesund.
29 Und wirklich, im selben Augenblick hörte ihre Blutung auf, und sie spürte,
dass sie von ihrem Leiden geheilt war.
30 Im selben Augenblick merkte auch Jesus, dass eine Kraft von ihm
ausgegangen war. Er drehte sich um und fragte die Leute: Wer hat mein
Gewand berührt?
31 Seine Jünger erwiderten: Du siehst doch, wie sich die Menschen um dich
drängen, und da fragst du: Wer hat mich berührt?
32 Aber Jesus blickte in der Menge umher, um zu sehen, wer es gewesen war.
33 Zitternd vor Angst trat die Frau vor; sie wusste ja, was mit ihr geschehen
war. Sie warf sich vor Jesus nieder und erzählte ihm alles, ohne etwas zu
verschweigen.
34 Meine Tochter, sagte Jesus zu ihr, dein Glaube hat dich gerettet. Geh in
Frieden! Du bist von deinem Leiden geheilt.
35 Während Jesus noch mit ihr redete, kamen einige Leute vom Haus des
Synagogenvorstehers. Deine Tochter ist gestorben, sagten sie zu Jairus. Was
bemühst du den Meister noch länger?
36 Jesus hatte zugehört. Er wandte sich zu dem Synagogenvorsteher und
sagte: Du brauchst dich nicht zu fürchten; glaube nur!
37 Dann ging er weiter, erlaubte aber niemand, ihn zu begleiten, außer Petrus
und Jakobus und dessen Bruder Johannes.
38 Als sie zum Haus des Synagogenvorstehers kamen und Jesus sah, wie alles
in heller Aufregung war und wie die Menschen laut weinten und klagten,
39 ging er hinein und sagte zu ihnen: Was soll diese Aufregung? Warum weint
ihr? Das Kind ist nicht tot, es schläft nur.
40 Da lachten sie ihn aus. Er aber schickte alle hinaus bis auf den Vater und
die Mutter des Mädchens und die Jünger, die bei ihm waren; mit ihnen ging
er in den Raum, in dem das Kind lag.
41 Er ergriff es bei der Hand und sagte zu ihm: Talita kum! (Das bedeutet:
Mädchen, ich befehle dir: Steh auf!)
42 Und zum grenzenlosen Erstaunen aller erhob sich das Mädchen und fing an
umherzugehen; es war zwölf Jahre alt.
43 Doch Jesus verbot ihnen ausdrücklich, jemand etwas davon zu erzählen;
und er ordnete an, dem Mädchen etwas zu essen zu geben.
Markus 6
Jesus in seiner Heimatstadt
1 Von dort zog Jesus weiter und ging in seine Heimatstadt; seine Jünger
begleiteten ihn.
2 Am Sabbat lehrte er in der Synagoge vor vielen Zuhörern. Erstaunt fragten
sie: Woher hat der Mann das alles? Was ist das für eine Weisheit, die ihm da
gegeben ist, und wie kommt es, dass solche Wunder durch ihn geschehen?
3 Ist er denn nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria und der Bruder von
Jakobus, Joses, Judas und Simon? Leben nicht auch seine Schwestern hier
unter uns? So kam es, dass Jesus bei ihnen auf Ablehnung stieß.
4 Da sagte Jesus zu ihnen: Ein Prophet gilt nirgends so wenig wie in seiner
Heimatstadt, bei seinen Verwandten und in seiner eigenen Familie.
5 Er konnte dort auch keine Wunder tun; nur einigen Kranken legte er die
Hände auf und heilte sie.
6 Und er wunderte sich über den Unglauben der Leute.
Die Aussendung der zwölf Jünger
7 Er rief die zwölf Jünger zu sich, sandte sie jeweils zu zweit aus und gab
ihnen Vollmacht über die bösen Geister.
8 Er wies sie an, nichts mit auf den Weg zu nehmen außer einem Wanderstab.
Nehmt kein Brot und keine Vorratstasche mit, und steckt euch kein Geld in
den Gürtel.
9 Sandalen dürft ihr tragen, aber ein zweites Hemd sollt ihr nicht anziehen.
10 Weiter sagte er zu ihnen: Wenn jemand euch in seinem Haus aufnimmt,
dann bleibt bei ihm, bis ihr die Ortschaft wieder verlasst.
11 Wenn euch aber an einem Ort die Leute nicht aufnehmen und euch nicht
anhören wollen, dann zieht weiter und schüttelt den Staub von euren Füßen
als Hinweis auf das Gericht, das sie erwartet.
12 Da machten sich die Jünger auf den Weg und riefen die Menschen zur
Umkehr auf.
13 Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten
sie.
Herodes hört von Jesus
14 Überall sprach man von Jesus; auch König Herodes hörte von ihm. Manche
sagten: Johannes der Täufer ist von den Toten auferstanden; deshalb gehen
solche Wunderkräfte von ihm aus.
15 Andere sagten: Es ist Elia. Wieder andere meinten: Er ist ein Prophet wie
einer der Propheten ´aus früherer Zeit`.
16 Doch als Herodes von ihm hörte, sagte er: Es ist Johannes. Ich habe ihn
enthaupten lassen, und jetzt ist er auferstanden.
Der Tod Johannes’ des Täufers
17 Herodes hatte Johannes nämlich festnehmen, in Fesseln legen und ins
Gefängnis werfen lassen. Der Anlass dazu war Herodias gewesen, die Frau
von Philippus, dem Bruder des Herodes. Herodes hatte sie geheiratet,
18 worauf Johannes zu ihm gesagt hatte: Du hattest nicht das Recht, deinem
Bruder die Frau wegzunehmen.
19 Herodias hegte deswegen einen solchen Groll gegen Johannes, dass sie ihn
am liebsten umgebracht hätte. Doch bot sich ihr zunächst keine Möglichkeit
dazu,
20 denn Herodes hatte Hochachtung vor Johannes, den er als einen gerechten
und heiligen Mann kannte, und sorgte deshalb für seine Sicherheit. Auch
hörte er ihm gern zu, obwohl er dabei jedes Mal in große Unruhe geriet.
33 Aber man beobachtete sie bei der Abfahrt, und vielen war klar, wohin sie
wollten. Da kamen die Leute aus allen umliegenden Ortschaften angelaufen
und waren so auf dem Landweg noch vor ihnen dort.
Jesus gibt einer großen Menschenmenge zu essen
34 Als Jesus aus dem Boot stieg und die vielen Menschen sah, ergriff ihn tiefes
Mitgefühl, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Er nahm sich
darum viel Zeit, sie zu lehren.
35 Es wurde spät, und seine Jünger kamen zu ihm und sagten: Wir sind hier
an einem einsamen Ort, und es ist schon spät.
36 Schick die Leute fort, dann können sie in die umliegenden Gehöfte und
Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen.
37 Jesus erwiderte: Gebt doch ihr ihnen zu essen! Da sagten sie zu ihm: Das
würde ja bedeuten, dass wir für zweihundert Denare Brot kaufen müssten,
damit wir allen zu essen geben können! –
38 Wie viele Brote habt ihr?, fragte er zurück. Geht und seht nach! Sie taten
es, kamen wieder zu ihm und sagten: Fünf, und außerdem zwei Fische.
39 Da wies Jesus die Jünger an, dafür zu sorgen, dass die Leute sich alle
gruppenweise ins Gras setzten.
40 Als sie sich in Gruppen zu hundert und zu fünfzig gelagert hatten,
41 nahm Jesus die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf
und dankte Gott dafür. Dann brach er die Brote in Stücke und gab sie seinen
Jüngern, damit diese sie an die Menge verteilten. Auch die zwei Fische ließ er
unter alle verteilen.
42 Und alle aßen und wurden satt.
43 Am Schluss sammelte man auf, was von den Broten und Fischen übrig
geblieben war – zwölf Körbe voll.
44 Die Zahl der Männer, die von den Broten gegessen hatten, belief sich auf
fünftausend.
56 In allen Dörfern, Städten und Gehöften, in die er kam, legte man die
Kranken auf die Plätze und Straßen und bat ihn, er möge sie doch wenigstens
den Saum seines Gewandes berühren lassen. Und alle, die ihn berührten,
wurden geheilt.
Markus 7
Menschliche Vorschriften und Gottes Gebot
1 Die Pharisäer und einige Schriftgelehrte aus Jerusalem kamen gemeinsam zu
Jesus.
2 Sie hatten gesehen, wie einige seiner Jünger aßen, ohne sich die Hände
gewaschen zu haben. Ihre Hände galten deshalb als unrein,
3 denn die Pharisäer und die Juden im Allgemeinen essen nur, wenn sie sich
vorher die Hände gewaschen haben; sie richten sich damit nach den
Vorschriften, die ihnen von den Vorfahren her überliefert sind.
4 Und wenn sie vom Markt kommen, essen sie erst, nachdem sie sich einer
Reinigung unterzogen haben. So halten sie noch viele andere Vorschriften
ein, die ihnen überliefert worden sind, ´wie zum Beispiel` das Reinigen von
Bechern, Krügen, Kupfergefäßen und Sitzpolstern.
5 Deshalb fragten nun die Pharisäer und die Schriftgelehrten Jesus: Warum
richten sich deine Jünger nicht nach den Vorschriften, die uns von den
Vorfahren her überliefert sind, sondern essen mit ungewaschenen Händen?
6 Jesus gab ihnen zur Antwort: Was Jesaja in der Schrift prophezeit hat, trifft
genau auf euch Heuchler zu: Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr
Herz ist weit von mir entfernt.
7 Ihr ganzer Gottesdienst ist wertlos, denn ihre Lehren sind nichts als Gebote
von Menschen.
8 ´Genauso ist es:` Ihr lasst Gottes Gebot außer Acht und haltet euch
stattdessen an menschliche Vorschriften.
9 Weiter sagte Jesus zu ihnen: Ihr versteht es glänzend, Gottes Gebot außer
Kraft zu setzen, um euren eigenen Vorschriften Geltung zu verschaffen!
10 Mose hat zum Beispiel gesagt: Ehre deinen Vater und deine Mutter! und:
Wer Vater oder Mutter verflucht, soll mit dem Tod bestraft werden.
11 Ihr dagegen lehrt, man könne zu seinem Vater oder zu seiner Mutter sagen:
Alles, was dir eigentlich von mir als Unterstützung zusteht, erkläre ich für
Korban. (Das bedeutet: Es ist eine Opfergabe ´für den Tempel`.)
12 Und auf eine solche Erklärung hin lasst ihr ihn nichts mehr für seinen Vater
oder seine Mutter tun.
13 So setzt ihr durch eure eigenen Vorschriften das Wort Gottes außer Kraft.
Und von dieser Art ist vieles, was ihr tut.
14 Dann rief Jesus die Menge wieder zu sich und sagte: Hört mir alle zu, damit
ihr versteht, was ich sage!
15 Nichts, was von außen kommt, kann den Menschen ´in Gottes Augen`
unrein machen. Unrein macht ihn vielmehr das, was aus ihm selber kommt.
17 Als Jesus sich von der Menge zurückgezogen hatte und ins Haus gegangen
war, fragten ihn seine Jünger nach dem Sinn dieses Ausspruchs.
18 Dann habt ihr also auch nichts begriffen?, erwiderte er. Versteht ihr denn
nicht, dass nichts, was von außen in den Menschen hineingelangt, ihn unrein
machen kann?
19 Es gelangt ja nicht in sein Herz, sondern in den Magen und wird dann
wieder ausgeschieden. Damit erklärte Jesus auch, dass alle Speisen ´vor Gott`
rein sind.
20 Was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein, fuhr er fort.
21 Denn von innen, aus dem Herzen des Menschen, kommen Gedanken, die
böse sind – Unzucht, Diebstahl, Mord,
22 Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Zügellosigkeit, Missgunst,
Verleumdung, Überheblichkeit und Unvernunft.
23 All dieses Böse kommt von innen heraus und macht den Menschen ´in
Gottes Augen` unrein.
36 Jesus verbot den Leuten, jemand etwas davon zu sagen. Doch je mehr er es
ihnen verbot, desto mehr machten sie es bekannt.
37 Die Menschen waren vor Staunen ganz außer sich. Wie gut ist alles, was er
getan hat!, sagten sie. Er gibt sogar den Tauben das Gehör und den Stummen
die Sprache wieder.
Markus 8
Jesus gibt noch einmal einer großen Menschenmenge zu essen
1 In jenen Tagen war wieder einmal eine große Menschenmenge ´bei Jesus`.
Da die Leute nichts zu essen hatten, rief Jesus seine Jünger zu sich und sagte:
2 Mir tun diese Menschen leid. Seit drei Tagen sind sie nun schon bei mir und
haben nichts zu essen.
3 Wenn ich sie hungrig nach Hause gehen lasse, brechen sie unterwegs vor
Erschöpfung zusammen; außerdem sind einige unter ihnen von weit her
gekommen.
4 Die Jünger erwiderten: Wo soll man denn hier in dieser einsamen Gegend
genug Brot bekommen, um sie alle satt zu machen?
5 Doch Jesus fragte sie: Wie viele Brote habt ihr? – Sieben, antworteten sie.
6 Da forderte er die Menge auf, sich auf dem Boden zu lagern. Er nahm die
sieben Brote, dankte Gott dafür und brach sie in Stücke. Dann gab er sie
seinen Jüngern zum Verteilen, und die Jünger teilten sie an die Menge aus.
7 Sie hatten auch noch ein paar kleine Fische. Jesus ließ sie ebenfalls
verteilen, nachdem er Gott dafür gedankt hatte.
8 Und die Leute aßen und wurden satt. Am Schluss sammelte man auf,
was übrig geblieben war – sieben Körbe voll.
9 Die Zahl derer, die an der Mahlzeit teilgenommen hatten, belief sich auf
ungefähr viertausend. Als Jesus die Leute dann entlassen hatte, damit sie
nach Hause gehen konnten,
10 stieg er mit seinen Jüngern ins Boot und fuhr in die Gegend von
Dalmanuta.
Zeichenforderung der Pharisäer
11 Die Pharisäer kamen zu Jesus und begannen ein Streitgespräch mit ihm. Sie
wollten ihn auf die Probe stellen und forderten von ihm ein Zeichen vom
Himmel.
12 Jesus seufzte tief. Warum verlangt diese Generation ein Zeichen?, sagte er.
Ich versichere euch: Nie und nimmer wird dieser Generation ein Zeichen
gegeben werden!
13 Damit ließ er sie stehen, stieg wieder ins Boot und fuhr auf die andere Seite
des Sees.
Der Sauerteig der Pharisäer und der Sauerteig des Herodes
14 Die Jünger hatten vergessen, Brot mitzunehmen; nur ein einziges Brot
hatten sie bei sich im Boot.
15 Nehmt euch in Acht!, schärfte Jesus ihnen ein. Hütet euch vor dem
Sauerteig der Pharisäer und vor dem Sauerteig des Herodes!
16 Da machten sie sich untereinander Gedanken darüber, dass sie kein Brot
bei sich hatten.
17 Als Jesus merkte, was sie beschäftigte, sagte er: Warum macht ihr euch
Gedanken darüber, dass ihr kein Brot habt? Versteht ihr immer noch nichts?
Begreift ihr denn gar nicht? Sind eure Herzen so verschlossen?
18 Ihr habt doch Augen – könnt ihr nicht sehen? Ihr habt doch Ohren – könnt
ihr nicht hören? Erinnert ihr euch nicht daran,
19 wie ich die fünf Brote für die Fünftausend in Stücke brach? Wie viele Körbe
voller Reste habt ihr damals aufgesammelt? – Zwölf, antworteten sie.
20 Und als ich die sieben Brote für die Viertausend in Stücke brach, wie viele
Körbe voller Reste habt ihr da aufgesammelt? – Sieben, antworteten sie.
21 Da sagte er zu ihnen: Begreift ihr immer noch nichts?
Heilung eines Blinden bei Betsaida
22 Sie kamen nach Betsaida. Dort brachte man einen Blinden zu Jesus und bat
ihn, den Mann anzurühren.
23 Jesus nahm den Blinden bei der Hand und führte ihn aus dem Ort hinaus.
Er benetzte ihm die Augen mit Speichel, legte ihm die Hände auf und fragte
ihn: Siehst du etwas?
24 Der Mann blickte auf und erwiderte: Ich sehe Menschen; sie gehen umher,
aber sie sehen aus wie Bäume.
25 Da legte Jesus ihm noch einmal die Hände auf die Augen; nun konnte er
deutlich sehen. Er war geheilt und konnte alles klar erkennen.
26 Geh nicht in den Ort ´zu den Leuten`, sagte Jesus und schickte ihn nach
Hause.
Das Bekenntnis des Petrus
27 Jesus ging mit seinen Jüngern weiter in die Dörfer bei Cäsarea Philippi.
Unterwegs fragte er sie: Für wen halten mich die Leute? –
28 Manche halten dich für Johannes den Täufer, erwiderten sie, manche für
Elia und manche für einen der anderen Propheten. –
29 Und ihr, fragte er, für wen haltet ihr mich? Petrus antwortete: Du bist der
Messias!
30 Daraufhin schärfte Jesus ihnen ein, niemand etwas davon zu sagen.
Jesus kündigt zum ersten Mal sein Leiden und Sterben und seine Auferstehung
an
31 Jesus sprach mit seinen Jüngern zum ersten Mal darüber, dass der
Menschensohn vieles erleiden müsse und von den Ältesten, den führenden
Priestern und den Schriftgelehrten verworfen werde; er werde getötet werden
und drei Tage danach auferstehen.
32 Klar und offen redete er darüber. Da nahm Petrus ihn beiseite und
versuchte mit aller Macht, ihn davon abzubringen.
33 Aber Jesus wandte sich um, sah seine Jünger an und wies ihn scharf
zurecht: Geh weg von mir, Satan! Denn was du denkst, kommt nicht von
Gott, sondern ist menschlich.
Anforderungen der Nachfolge
34 Dann rief Jesus die Volksmenge samt seinen Jüngern zu sich und sagte:
Wenn jemand mein Jünger sein will, muss er sich selbst verleugnen, sein
Kreuz auf sich nehmen und mir nachfolgen.
35 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um
meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten.
36 Was nützt es einem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen, wenn er selbst
dabei unheilbar Schaden nimmt?
37 Denn was könnte ein Mensch als Gegenwert für sein Leben geben?
38 Wer in dieser von Gott abgefallenen und sündigen Zeit nicht zu mir und
meinen Worten steht, zu dem wird auch der Menschensohn nicht stehen,
wenn er mit den heiligen Engeln in der Herrlichkeit seines Vaters kommt.
Markus 9
1 Und Jesus fügte hinzu: Ich sage euch: Einige von denen, die hier stehen,
werden nicht sterben, bis sie das Reich Gottes in seiner Macht
kommen sehen.
Drei Jünger werden Zeugen der Herrlichkeit Jesu
2 Sechs Tage später nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes mit sich und
stieg mit ihnen auf einen hohen Berg, wo sie ganz allein waren. Dort
veränderte sich vor ihren Augen sein Aussehen.
3 Seine Kleider begannen leuchtend weiß zu glänzen, so hell, wie es kein
Färber auf der ganzen Erde hätte machen können.
4 Dann erschienen Elia und Mose vor ihnen; die beiden redeten mit Jesus.
5 Da ergriff Petrus das Wort. Rabbi, sagte er zu Jesus, wie gut ist es, dass wir
hier sind! Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und
eine für Elia.
6 Petrus wusste nämlich nicht, was er sagen sollte, so erschrocken waren er
und die beiden anderen Jünger.
7 Da kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke
sprach eine Stimme: Dies ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören!
8 Und als sie um sich schauten, sahen sie auf einmal niemand mehr außer
Jesus; er allein war noch bei ihnen.
Jesus und Elia
9 Während sie den Berg hinunterstiegen, schärfte Jesus den drei Jüngern ein,
niemand zu erzählen, was sie erlebt hatten, bis der Menschensohn von den
Toten auferstanden sei.
10 Diese Bemerkung Jesu ließ sie nicht mehr los, und sie überlegten
miteinander, was er wohl gemeint hatte, als er von der Auferstehung von den
Toten sprach.
11 Schließlich fragten sie Jesus: Warum sagen die Schriftgelehrten, dass zuerst
Elia kommen muss?
12 Jesus erwiderte: Es stimmt, zuerst kommt Elia und stellt alles wieder her.
Doch wieso heißt es in der Schrift, dass der Menschensohn vieles erleiden
muss und von den Menschen verachtet sein wird?
13 Ich sage euch aber: Elia ist bereits gekommen, und sie haben mit ihm
gemacht, was sie wollten; so steht es ja auch über ihn in der Schrift.
Heilung eines besessenen Jungen
14 Als sie zu den anderen Jüngern zurückkamen, waren diese von einer
großen Menschenmenge umringt, darunter einige Schriftgelehrte, die ein
Streitgespräch mit ihnen führten.
15 Sobald die Menge Jesus sah, geriet sie in große Erregung. Alle liefen zu ihm
hin und begrüßten ihn.
27 Doch Jesus ergriff ihn bei der Hand, um ihn aufzurichten. Da stand der
Junge auf.
28 Als Jesus ins Haus gegangen war und seine Jünger mit ihm allein waren,
fragten sie ihn: Warum konnten denn wir den Geist nicht austreiben?
29 Jesus erwiderte: Diese Art ´von Dämonen` kann durch nichts anderes
ausgetrieben werden als durch Gebet.
Jesus kündigt zum zweiten Mal sein Leiden und Sterben und seine Auferstehung
an
30 Sie gingen von dort weiter und zogen durch Galiläa. Jesus wollte jedoch
nicht, dass jemand davon erfuhr,
31 denn er hatte seinen Jüngern wichtige Dinge zu sagen. Der Menschensohn
wird in die Hände der Menschen gegeben, erklärte er, und sie werden ihn
töten; doch drei Tage, nachdem man ihn getötet hat, wird er auferstehen.
32 Die Jünger konnten mit dieser Aussage nichts anfangen, aber sie wagten
auch nicht, ihn zu fragen.
Die Frage nach der Rangordnung unter den Jüngern
33 Sie kamen nach Kafarnaum. Zu Hause angelangt, fragte Jesus seine Jünger:
Worüber habt ihr unterwegs gesprochen?
34 Sie schwiegen, denn sie hatten sich auf dem Weg gestritten, wer von ihnen
wohl der Größte sei.
35 Da setzte sich Jesus, rief die Zwölf zu sich und sagte zu ihnen: Wenn
jemand der Erste sein will, soll er der Letzte von allen und der Diener aller
sein.
36 Er nahm ein Kind, stellte es in ihre Mitte, schloss es in seine Arme und
sagte:
37 Wer solch ein Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; und
wer mich aufnimmt, der nimmt nicht mich auf, sondern den, der mich
gesandt hat.
Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns
Markus 10
Aufbruch nach Judäa
1 Jesus brach von dort auf und ging in das Gebiet von Judäa und auf die
andere Seite des Jordans. Wieder kamen die Menschen in Scharen zu ihm,
und wieder lehrte er sie, wie es seine Gewohnheit war.
Über Ehe und Ehescheidung
2 Einige Pharisäer kamen zu Jesus und fragten ihn: Ist es einem Mann erlaubt,
sich von seiner Frau zu scheiden? Sie wollten ihm damit eine Falle stellen.
3 Was für eine Vorschrift hat euch Mose gegeben?, fragte Jesus zurück.
4 Sie erwiderten: Mose hat erlaubt, eine Scheidungsurkunde auszustellen und
die Frau dann fortzuschicken.
5 Da sagte Jesus zu ihnen: Nur wegen eurer Uneinsichtigkeit hat Mose euch
diese Vorschrift gegeben.
6 Am Anfang jedoch, bei der Schöpfung, hat Gott die Menschen als Mann und
Frau erschaffen.
7 Deshalb wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und sich
mit seiner Frau verbinden,
8 und die zwei werden ein Leib sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern
sie sind ein Leib.
9 Darum: Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht trennen.
10 Zu Hause wollten die Jünger noch mehr darüber wissen.
11 Jesus sagte zu ihnen: Wer sich von seiner Frau scheidet und eine andere
heiratet, begeht Ehebruch gegenüber seiner ersten Frau.
12 Und auch umgekehrt: Wenn eine Frau sich von ihrem Mann scheidet und
einen anderen heiratet, begeht sie Ehebruch.
Jesus segnet die Kinder
13 Es wurden auch Kinder zu Jesus gebracht; er sollte sie segnen. Aber die
Jünger wiesen sie barsch ab.
14 Als Jesus das sah, war er ungehalten. Lasst die Kinder zu mir kommen!,
sagte er zu seinen Jüngern. Hindert sie nicht daran! Denn gerade für solche
wie sie ist das Reich Gottes.
15 Ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht wie ein Kind annimmt, wird
nicht hineinkommen.
16 Und er nahm die Kinder in die Arme, legte ihnen die Hände auf und
segnete sie.
Die Frage eines Reichen nach dem ewigen Leben
17 Als Jesus sich wieder auf den Weg machte, kam ein Mann angelaufen, warf
sich vor ihm auf die Knie und fragte: Guter Meister, was muss ich tun, um das
ewige Leben zu bekommen? –
18 Warum nennst du mich gut?, entgegnete Jesus. Gut ist nur Gott, sonst
niemand.
19 Du kennst doch die Gebote: Du sollst keinen Mord begehen, du sollst nicht
die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst keine falschen Aussagen
machen, du sollst niemand um das Seine bringen, ehre deinen Vater und
deine Mutter! –
20 Meister, erwiderte der Mann, alle diese Gebote habe ich von Jugend an
befolgt.
21 Jesus sah ihn voller Liebe an. Er sagte zu ihm: Eines fehlt dir noch: Geh,
verkaufe alles, was du hast, und gib den Erlös den Armen, und du wirst einen
Schatz im Himmel haben. Und dann komm und folge mir nach!
22 Der Mann war tief betroffen, als er das hörte, und ging traurig weg, denn er
hatte ein großes Vermögen.
23 Jesus sah seine Jünger der Reihe nach an und sagte: Wie schwer ist es doch
für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen!
24 Die Jünger waren über seine Worte bestürzt; aber Jesus sagte noch einmal:
Kinder, wie schwer ist es, ins Reich Gottes zu kommen!
25 Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher ins Reich
Gottes kommt.
26 Sie erschraken noch mehr. Wer kann dann überhaupt gerettet werden?,
fragten sie einander.
27 Jesus sah sie an und sagte: Bei den Menschen ist das unmöglich, aber nicht
bei Gott; für Gott ist alles möglich.
Der Lohn der Nachfolge
28 Da sagte Petrus zu Jesus: Du weißt, wir haben alles zurückgelassen und
sind dir nachgefolgt.
29 Jesus erwiderte: Ich sage euch: Jeder, der um meinetwillen und um des
Evangeliums willen Haus, Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder
Äcker zurücklässt,
30 bekommt alles hundertfach wieder: jetzt, in dieser Zeit, Häuser, Brüder,
Schwestern, Mütter, Kinder und Äcker – wenn auch unter Verfolgungen – und
in der kommenden Welt das ewige Leben.
31 Aber viele, die jetzt die Ersten sind, werden dann die Letzten sein, und die
Letzten werden die Ersten sein.
Jesus kündigt zum dritten Mal sein Leiden und Sterben und seine Auferstehung
an
32 Sie waren auf dem Weg hinauf nach Jerusalem; Jesus ging voran. Unruhe
hatte die Jünger ergriffen, und auch die anderen, die mitgingen, hatten
Angst. Er nahm die Zwölf noch einmal beiseite und kündigte ihnen an, was
mit ihm geschehen werde.
33 Wir gehen jetzt nach Jerusalem hinauf, sagte er. Dort wird der
Menschensohn in die Gewalt der führenden Priester und der Schriftgelehrten
gegeben. Sie werden ihn zum Tod verurteilen und den Heiden übergeben,
´die Gott nicht kennen`.
34 Die werden ihren Spott mit ihm treiben, ihn anspucken, auspeitschen und
schließlich töten. Doch drei Tage danach wird er auferstehen.
46 Sie kamen nach Jericho. Als Jesus mit seinen Jüngern und einer großen
Menschenmenge von dort weiterzog, saß ein blinder Bettler am Straßenrand,
Bartimäus, der Sohn des Timäus.
47 Er hörte, dass es Jesus von Nazaret war, der vorbeikam. Da fing er an zu
rufen: Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!
48 Von allen Seiten fuhr man ihn an, er solle still sein. Doch er schrie nur
umso lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!
49 Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her! Sie riefen den Blinden und
sagten zu ihm: Hab nur Mut! Steh auf, er ruft dich!
50 Da warf der Mann seinen Mantel ab, sprang auf und kam zu Jesus.
51 Was möchtest du von mir?, fragte Jesus. Lieber Herr, antwortete der
Blinde, ich möchte sehen können!
52 Da sagte Jesus zu ihm: Geh nur! Dein Glaube hat dich gerettet. Im selben
Augenblick konnte der Mann sehen. Nun schloss er sich Jesus an und folgte
ihm auf seinem Weg.
Markus 11
Der Einzug in Jerusalem
1 Als sie nicht mehr weit von Jerusalem entfernt waren, kurz vor Betfage und
Betanien am Ölberg, schickte Jesus zwei seiner Jünger voraus.
2 Er gab ihnen folgende Anweisung: Geht in das Dorf, das ihr vor euch seht.
Gleich beim Ortseingang werdet ihr einen Esel finden, der angebunden ist,
ein junges Tier, auf dem noch nie ein Mensch geritten ist. Bindet es los und
bringt es her.
3 Und sollte euch jemand fragen, warum ihr das tut, dann antwortet: Der Herr
braucht das Tier; er wird es nachher sofort wieder zurückbringen lassen.
4 Die beiden machten sich auf den Weg und fanden tatsächlich draußen auf
der Gasse einen jungen Esel an einem Tor angebunden. Als sie ihn
losmachten,
5 fragten einige, die dort standen: Was tut ihr da? Warum bindet ihr das Tier
los?
6 Sie antworteten so, wie Jesus es ihnen gesagt hatte, und man ließ sie
gewähren.
7 Sie brachten den Esel zu Jesus, legten ihre Mäntel über das Tier, und er
setzte sich darauf.
8 Viele breiteten ihre Mäntel auf dem Weg aus; andere hieben auf den Feldern
Zweige von den Bäumen ab und legten sie auf den Weg.
9 Vor und hinter Jesus drängten sich die Menschen und riefen: Gepriesen sei
Gott! Gesegnet sei er, der im Namen des Herrn kommt!
10 Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David, das ´nun` kommt! Gepriesen
sei Gott in der Höhe!
11 So zog Jesus in Jerusalem ein. Er ging in den Tempel und sah sich dort
alles an. Dann kehrte er, da es inzwischen spät geworden war, mit den Zwölf
nach Betanien zurück.
Die Verfluchung des Feigenbaums
12 Als sie am nächsten Tag Betanien wieder verließen, hatte Jesus Hunger.
13 Da sah er von weitem einen Feigenbaum, der schon Blätter hatte. Er ging
hin, um zu sehen, ob auch Früchte an dem Baum waren; doch er fand nur
Blätter daran. Es war allerdings auch nicht die Zeit der Feigen.
14 Da sagte Jesus zu dem Baum: Nie wieder soll jemand von dir Feigen essen!
Das hörten auch seine Jünger.
Jesus im Tempel
15 In Jerusalem angekommen, ging Jesus in den Tempel und fing an, alle
hinauszuweisen, die dort Handel trieben oder etwas kauften. Er warf die
Tische der Geldwechsler und die Sitze der Taubenverkäufer um
16 und duldete auch nicht, dass jemand etwas über den Tempelhof trug.
17 Zur Erklärung sagte er ihnen: Heißt es nicht in der Schrift: Mein Haus soll
ein Haus des Gebetes sein für alle Völker? Ihr aber habt eine Räuberhöhle
daraus gemacht!
18 Als die führenden Priester und die Schriftgelehrten davon hörten, suchten
sie nach einer Möglichkeit, Jesus zu beseitigen. Sie hatten nämlich Angst vor
ihm, weil das ganze Volk von seiner Lehre tief beeindruckt war.
19 Am Abend verließ Jesus mit seinen Jüngern die Stadt.
Verheißung für den, der glaubt
20 Früh am nächsten Morgen kamen sie wieder an dem Feigenbaum vorbei
und sahen, dass er bis zu den Wurzeln verdorrt war.
21 Da erinnerte sich Petrus an Jesu Worte und rief: Rabbi, sieh nur, der
Feigenbaum, den du verflucht hast, ist verdorrt!
22 Jesus erwiderte: Habt Glauben an Gott!
23 Ich sage euch: Wenn jemand zu diesem Berg hier sagt: Heb dich empor und
stürz dich ins Meer! und wenn er dabei in seinem Herzen nicht zweifelt,
sondern glaubt, dass das, was er sagt, geschieht, wird es eintreffen.
24 Darum sage ich euch: Wenn ihr betet und um etwas bittet, dann glaubt,
dass ihr es empfangen habt, und die Bitte wird euch erfüllt werden, was
immer es auch sei.
25 Und wenn ihr beten wollt und etwas gegen jemand habt, dann vergebt ihm,
damit euer Vater im Himmel euch eure Verfehlungen auch vergibt.
Die Frage nach der Vollmacht Jesu
27 Sie kamen wieder nach Jerusalem. Als Jesus im Tempel umherging, traten
die führenden Priester, die Schriftgelehrten und die Ältesten zu ihm
28 und fragten: Woher nimmst du dir das Recht, das alles zu tun? Wer hat dir
die Vollmacht gegeben, so zu handeln?
29 Ich will euch eine Gegenfrage stellen, erwiderte Jesus. Beantwortet sie mir,
und ich werde euch sagen, woher ich die Vollmacht habe, so zu handeln.
30 Die Taufe des Johannes – stammte sie vom Himmel oder von Menschen?
Was ist eure Antwort?
31 Sie überlegten miteinander hin und her: Wenn wir antworten: Vom
Himmel, wird er sagen: Warum habt ihr Johannes dann nicht geglaubt?
32 Sollen wir also antworten: Von Menschen? Doch ´das wagten sie nicht,`
weil sie vor dem Volk Angst hatten; denn das ganze Volk war der Ansicht,
dass Johannes wirklich ein Prophet gewesen war.
33 Schließlich gaben sie Jesus zur Antwort: Wir wissen es nicht. Da erwiderte
er: Dann sage ich euch auch nicht, woher ich die Vollmacht habe, so zu
handeln.
Markus 12
Das Gleichnis von den Weinbergpächtern
1 Nun begann Jesus in Gleichnissen zu ihnen zu reden. Er sagte: Ein Mann
legte einen Weinberg an, umgab ihn mit einem Zaun, hob eine Grube zum
Keltern des Weins aus und baute einen Wachtturm. Dann verpachtete er den
Weinberg und verreiste.
2 Zur gegebenen Zeit schickte er einen Diener zu den Pächtern, um sich von
ihnen seinen Anteil am Ertrag des Weinbergs geben zu lassen.
3 Doch die Pächter packten den Diener, verprügelten ihn und jagten ihn mit
leeren Händen fort.
4 Da schickte der Mann einen anderen Diener zu ihnen; dem ging es nicht
besser: Sie schlugen ihm den Kopf blutig und trieben ihren Spott mit ihm.
5 Danach schickte er einen dritten; den töteten sie. So ging es noch vielen
anderen: Die einen wurden verprügelt, die anderen umgebracht.
6 Schließlich blieb ihm noch einer: sein geliebter Sohn. Den schickte er zuletzt
auch noch zu ihnen, weil er sich sagte: Er ist mein Sohn, vor ihm werden sie
Achtung haben.
7 Aber die Pächter sagten zueinander: Das ist der Erbe. Kommt, wir bringen
ihn um, dann gehört das Erbe uns!
8 Und sie packten ihn, brachten ihn um und warfen ihn zum Weinberg
hinaus.
9 Was wird nun der Besitzer des Weinbergs tun? Er wird kommen und die
Pächter umbringen, und den Weinberg wird er anderen anvertrauen.
10 Habt ihr jenes Schriftwort nie gelesen: Der Stein, den die Bauleute für
unbrauchbar erklärten, ist zum Eckstein geworden.
11 Das hat der Herr getan, und es ist etwas Wunderbares in unseren Augen?
12 Daraufhin hätten sie Jesus am liebsten festgenommen, denn es war ihnen
klar, dass sie mit diesem Gleichnis gemeint waren. Aber weil sie vor dem
Volk Angst hatten, ließen sie ihn unbehelligt und gingen weg.
Die Frage nach der Berechtigung der kaiserlichen Steuer
13 Sie hofften nun, Jesus zu einer Äußerung verleiten zu können, die sich
gegen ihn verwenden ließe, und schickten deshalb einige Pharisäer und
einige Anhänger des Herodes zu ihm,
14 die ihm folgende Frage vorlegten: Meister, wir wissen, dass es dir nur um
die Wahrheit geht und dass du nicht nach der Meinung der Leute fragst; denn
du lässt dich von keinem Menschen beeinflussen, wie angesehen er auch sein
mag. Wenn du lehrst, wie man nach Gottes Willen leben soll, lässt du dich
allein von der Wahrheit leiten. Ist es nun richtig, dem Kaiser Steuern zu
zahlen, oder nicht? Sollen wir sie ihm geben oder nicht?
15 Jesus war klar, dass das alles nur Heuchelei war, und er sagte zu ihnen:
Warum stellt ihr mir eine Falle? Reicht mir eine Silbermünze; ich will sie mir
ansehen.
16 Sie gaben ihm eine. Wessen Bild und Name ist darauf?, fragte er. Sie
antworteten: ´Das Bild und der Name` des Kaisers.
17 Da sagte Jesus zu ihnen: ´Dann` gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört,
und gebt Gott, was Gott gehört! Über diese Antwort waren sie sehr erstaunt.
29 Jesus antwortete: Das wichtigste Gebot ist: Höre, Israel, der Herr, unser
Gott, ist der alleinige Herr.
30 Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer
Hingabe, mit deinem ganzen Verstand und mit aller deiner Kraft!
31 An zweiter Stelle steht das Gebot: Liebe deine Mitmenschen wie dich
selbst! Kein Gebot ist wichtiger als diese beiden.
32 Sehr gut, Meister!, meinte darauf der Schriftgelehrte. Es ist wirklich so, wie
du sagst: Gott allein ist der Herr, und es gibt keinen anderen außer ihm.
33 Und ihn zu lieben von ganzem Herzen, mit ganzem Verstand und mit aller
Kraft und seine Mitmenschen zu lieben wie sich selbst ist viel mehr wert als
alle Brandopfer und alle übrigen Opfer.
34 Jesus sah, mit welcher Einsicht der Mann geantwortet hatte, und sagte zu
ihm: Du bist nicht weit vom Reich Gottes entfernt. Von da an wagte niemand
mehr, Jesus eine Frage zu stellen.
Der Messias – Davids Sohn oder Davids Herr?
35 Als Jesus im Tempel lehrte, fragte er seine Zuhörer: Wie kommen eigentlich
die Schriftgelehrten dazu, zu sagen, der Messias sei der Sohn Davids?
36 David selbst hat doch, geleitet vom Heiligen Geist, gesagt: Der Herr sprach
zu meinem Herrn: Setze dich an meine rechte Seite, bis ich deine Feinde
unter deine Füße gelegt habe.
37 Der Messias wird also von David Herr genannt. Wie kann er dann Davids
Sohn sein? Die Menschen kamen in großer Zahl und hörten Jesus gern zu.
38 Unter anderem sagte er, als er sie lehrte: Hütet euch vor den
Schriftgelehrten! Sie gehen mit Vorliebe in langen Gewändern einher und
erwarten, dass man sie auf der Straße ehrfurchtsvoll grüßt.
39 In den Synagogen nehmen sie die vordersten Sitze für sich in Anspruch und
bei Festessen die Ehrenplätze.
40 Sie verschlingen den Besitz der Witwen und sprechen zum Schein lange
Gebete. Darum erwartet sie ein besonders hartes Urteil.
Das Opfer der armen Witwe
41 Jesus setzte sich in die Nähe des Opferkastens und sah zu, wie die Leute
Geld hineinwarfen. Viele Reiche gaben große Summen.
42 Doch dann kam eine arme Witwe und warf zwei kleine Kupfermünzen
hinein (das entspricht ´etwa` einem Groschen).
43 Da rief Jesus seine Jünger zu sich und sagte: Ich versichere euch: Diese
arme Witwe hat mehr in den Opferkasten gelegt als alle anderen.
44 Sie alle haben von ihrem Überfluss gegeben; diese Frau aber, so arm sie ist,
hat alles gegeben, was sie besaß – alles, was sie zum Leben nötig hatte.
Markus 13
Jesu Rede über die Endzeit
(Kapitel 13)
1 Als Jesus den Tempel verließ, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Meister, sieh
doch! Was für mächtige Steine und was für prachtvolle Bauten! –
2 Dich beeindrucken diese gewaltigen Bauten?, entgegnete Jesus. Kein Stein
wird hier auf dem anderen bleiben; es wird alles zerstört werden.
Vorzeichen des Endes
3 Später saß Jesus auf dem Ölberg, von wo aus man zum Tempel
hinüberblickt. Petrus, Jakobus, Johannes und Andreas waren mit ihm allein.
Da baten sie ihn:
4 Sag uns doch: Wann wird das geschehen, und an welchem Zeichen werden
wir erkennen können, dass die Erfüllung all dieser Dinge bevorsteht?
5 Gebt Acht, dass euch niemand irreführt!, antwortete Jesus.
6 Viele werden unter meinem Namen auftreten; sie werden von sich sagen: Ich
bin es!, und sie werden viele irreführen.
7 Und wenn ihr von Kriegen hört und wenn Kriegsgefahr droht, dann
erschreckt nicht. Es muss so kommen, aber das Ende ist es noch nicht.
8 Ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Reich gegen das
andere. Es wird bald in dieser Gegend Erdbeben geben und bald in jener, und
Hungersnöte werden die Menschen heimsuchen. Doch das ist erst der Anfang,
es ist ´wie` der Beginn von Geburtswehen.
9 Habt Acht auf euch selbst! Man wird euch in den Synagogen vor Gericht
stellen und auspeitschen. Ihr werdet euch um meinetwillen vor Machthabern
und Königen verantworten müssen und sollt vor ihnen meine Zeugen sein.
10 Denn bevor das Ende kommt, muss das Evangelium allen Völkern
verkündet werden.
11 Wenn man euch verhaftet und vor Gericht stellt, dann macht euch nicht im
Voraus Sorgen, was ihr sagen sollt. Denn wenn es so weit ist, wird euch
eingegeben, was ihr sagen müsst. Nicht ihr seid es, die dann reden, sondern
der Heilige Geist.
12 Menschen werden ihre nächsten Angehörigen dem Henker ausliefern: der
Bruder den Bruder und der Vater sein Kind; und auch Kinder werden sich
gegen ihre Eltern stellen und sie töten lassen.
13 Um meines Namens willen werdet ihr von allen Menschen gehasst werden.
Wer aber bis ans Ende standhaft bleibt, wird gerettet.
14 Der Gräuel der Entweihung wird dort stehen, wo er nicht stehen darf. (Wer
das liest, der überlege, ´was es bedeutet`.) Wenn ihr ihn dort stehen seht,
sollen die, die in Judäa sind, in die Berge fliehen.
15 Wer sich gerade auf dem Dach seines Hauses aufhält, soll nicht erst noch
hinuntersteigen und ins Haus hineingehen, um etwas mitzunehmen.
16 Und wer auf dem Feld ist, soll nicht mehr nach Hause zurücklaufen, um
seinen Mantel zu holen.
17 Wie schwer werden es die Frauen haben, die in jener Zeit ein Kind
erwarten oder stillen!
18 Betet auch, dass das alles nicht im Winter geschieht.
19 Denn in jenen Tagen wird eine Not herrschen, wie es sie von der Zeit an,
als Gott die Welt erschuf, bis heute nicht gegeben hat und wie es sie danach
auch nie mehr geben wird.
20 Hätte der Herr diese Zeit nicht verkürzt, dann würde kein Mensch gerettet
werden; aber um derer willen, die er auserwählt hat, hat er sie verkürzt.
21 Wenn dann jemand zu euch sagt: Seht, hier ist der Messias! oder: Seht, er
ist dort!, so glaubt es nicht.
22 Denn mancher falsche Messias und mancher falsche Prophet wird auftreten
und Zeichen und Wunder vollbringen, um, wenn möglich, die Auserwählten
irrezuführen.
23 Seht ihr euch darum vor! Ich habe euch alles vorausgesagt.
Die Wiederkunft des Menschensohnes
24 Doch dann, nach jener Zeit der Not, wird sich die Sonne verfinstern, und
der Mond wird nicht mehr scheinen.
25 Die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden
aus dem Gleichgewicht geraten.
26 Und dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit
in den Wolken kommen sehen.
27 Er wird die Engel aussenden und seine Auserwählten aus allen
Himmelsrichtungen zusammenbringen, vom Ende der Erde bis zum Ende des
Himmels.
Der Vergleich mit dem Feigenbaum. Mahnung zur Wachsamkeit
28 Denkt zum Vergleich einmal an den Feigenbaum. Wenn der Saft in die
Zweige steigt und die Blätter sprießen, wisst ihr, dass es bald Sommer ist.
29 Genauso ist es, wenn ihr seht, dass diese Dinge geschehen. Dann wisst ihr,
dass ´das Kommen des Menschensohnes` nahe bevorsteht.
30 Ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles
geschehen ist.
31 Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht
vergehen.
32 Doch wann jener Tag und jene Stunde sein werden, weiß niemand, auch
nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn; nur der Vater weiß es.
33 Seht euch also vor und seid wachsam! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit
da ist.
34 Es ist wie bei einem Mann, der verreist. Bevor er sein Haus verlässt,
überträgt er seinen Dienern die Verantwortung und teilt jedem seine Aufgabe
zu. Dem Türhüter befiehlt er, wachsam zu sein.
35 Darum seid wachsam! Denn ihr wisst nicht, wann der Herr des Hauses
kommt: ob am Abend oder um Mitternacht, ob beim ersten Hahnenschrei
oder früh am Morgen.
36 Seid wachsam, damit er euch, wenn er unvermutet kommt, nicht schlafend
antrifft.
37 Ich sage es euch und sage es allen: Seid wachsam!
Markus 14
Jesu Leiden und Sterben und seine Auferstehung
(Kapitel 14 bis 16)
1 Es waren nur noch zwei Tage bis zum Fest des Passa und der ungesäuerten
Brote. Die führenden Priester und die Schriftgelehrten überlegten, zu welcher
List sie greifen könnten, um Jesus festzunehmen und dann umzubringen.
2 Auf keinen Fall darf es während des Festes geschehen, sagten sie, sonst gibt
es einen Aufruhr im Volk.
Die Salbung in Betanien
3 Jesus war in Betanien bei Simon dem Aussätzigen zu Gast. Während der
Mahlzeit kam eine Frau mit einem Alabastergefäß voll echtem, kostbarem
Nardenöl. Sie zerbrach das Gefäß und goss Jesus das Öl über den Kopf.
4 Einige der Anwesenden waren empört. Was soll das, dieses Öl so zu
verschwenden?, sagten sie zueinander.
5 Man hätte es für mehr als dreihundert Denare verkaufen und das Geld den
Armen geben können! Und sie machten der Frau heftige Vorwürfe.
6 Aber Jesus sagte: Lasst sie! Warum macht ihr es der Frau so schwer? Sie hat
ein gutes Werk an mir getan.
7 Arme wird es immer bei euch geben, und ihr könnt ihnen Gutes tun, sooft
ihr wollt. Mich aber habt ihr nicht mehr lange bei euch.
8 Sie hat getan, was sie konnte: Sie hat meinen Körper im Voraus für mein
Begräbnis gesalbt.
9 Ich sage euch: Überall in der Welt, wo man das Evangelium verkünden wird,
wird man sich auch an sie erinnern und von dem reden, was sie getan hat.
Judas wird zum Verräter
10 Danach ging Judas Iskariot, einer der Zwölf, zu den führenden Priestern
und bot ihnen an, dafür zu sorgen, dass sie Jesus in ihre Gewalt bringen
konnten.
11 Die führenden Priester waren erfreut, als sie das hörten, und versprachen
Judas dafür Geld. Von da an suchte er nach einer günstigen Gelegenheit,
Jesus an sie zu verraten.
Vorbereitung des Passamahls
12 Am ersten Tag des Festes der ungesäuerten Brote – an dem Tag, an dem
man das Passalamm schlachtet – fragten die Jünger Jesus: Wo sollen wir das
Passamahl für dich vorbereiten?
13 Er gab zwei von ihnen den Auftrag: Geht in die Stadt! Dort werdet ihr
einem Mann begegnen, der einen Wasserkrug trägt. Folgt ihm,
14 bis er in ein Haus hineingeht, und sagt dort zu dem Hausherrn: Der Meister
lässt fragen: Wo ist der Raum für mich, in dem ich mit meinen Jüngern das
Passamahl feiern kann?
15 Er wird euch ein großes Zimmer im Obergeschoss zeigen, das ´mit
Sitzpolstern` ausgestattet und für das Festmahl hergerichtet ist. Bereitet dort
das Passa für uns vor.
16 Die beiden Jünger machten sich auf den Weg. In der Stadt angekommen,
fanden sie alles so, wie Jesus es ihnen gesagt hatte, und bereiteten das
Passamahl vor.
Der Verräter
17 Als es Abend geworden war, kam Jesus mit den Zwölf.
18 Während sie bei Tisch waren und aßen, erklärte er: Ich sage euch: Einer
von euch wird mich verraten – einer, der hier mit mir isst.
19 Die Jünger waren bestürzt, und einer nach dem anderen fragte ihn: Doch
nicht etwa ich? –
20 Es ist einer von euch zwölf, erwiderte er, einer, der mit mir ´das Brot` in
die Schüssel taucht.
21 Der Menschensohn geht zwar den Weg, der ihm in der Schrift vorausgesagt
ist; doch wehe dem Menschen, durch den er verraten wird! Für diesen
Menschen wäre es besser, er wäre nie geboren worden.
Einsetzung des Abendmahls
22 Im weiteren Verlauf des Essens nahm Jesus Brot, dankte Gott dafür, brach
es in Stücke und gab es den Jüngern mit den Worten: Nehmt, das ist mein
Leib.
23 Dann nahm er einen Becher ´mit Wein`, sprach ein Dankgebet, gab ihn den
Jüngern, und sie tranken alle daraus.
24 Er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele
vergossen wird.
25 Ich sage euch: Ich werde nicht mehr vom Saft der Reben trinken bis zu dem
Tag, an dem ich den neuen Wein trinken werde im Reich Gottes.
26 Nachdem sie dann ein Loblied gesungen hatten, gingen sie hinaus an den
Ölberg.
Jesus kündigt an, dass Petrus ihn verleugnen wird
27 Jesus sagte zu seinen Jüngern: Ihr werdet euch alle von mir
abwenden. Denn es heißt in der Schrift: Ich werde den Hirten töten, und die
Schafe werden sich zerstreuen.
28 Aber nach meiner Auferstehung werde ich euch nach Galiläa vorausgehen.
29 Doch Petrus versicherte: Auch wenn alle sich von dir abwenden – ich
nicht!
30 Jesus erwiderte: Ich sage dir: Noch heute Nacht, bevor der Hahn zweimal
kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.
31 Aber Petrus erklärte mit aller Entschiedenheit: Und wenn ich mit dir
sterben müsste – ich werde dich niemals verleugnen! Das Gleiche beteuerten
auch alle anderen.
In Getsemane
32 Jesus und seine Jünger kamen an eine Stelle ´am Ölberg`, die Getsemane
heißt. Dort sagte er zu ihnen: Setzt euch hier und wartet, bis ich gebetet
habe!
33 Petrus, Jakobus und Johannes jedoch nahm er mit. Von Angst und Grauen
gepackt,
34 sagte er zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht!
35 Er selbst ging noch ein paar Schritte weiter, warf sich zu Boden und bat
Gott, die Leidensstunde, wenn es möglich wäre, an ihm vorübergehen zu
lassen.
36 Abba, Vater, sagte er, alles ist dir möglich. Lass diesen bitteren Kelch an
mir vorübergehen! Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst.
37 Als er zu den Jüngern zurückkam, schliefen sie. Da sagte er zu Petrus:
Simon, du schläfst? Konntest du nicht einmal eine einzige Stunde wach
bleiben?
38 Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet! Der Geist ist
willig, aber die menschliche Natur ist schwach.
51 Ein junger Mann allerdings folgte Jesus; er trug nur einen leinenen Umhang
auf dem bloßen Leib. Doch als man ihn festnehmen wollte,
52 ließ er den Umhang fahren und rannte nackt davon.
Jesus vor dem Hohen Rat
53 Jesus wurde zum Hohenpriester gebracht, wo auch alle führenden Priester
und alle Ältesten und Schriftgelehrten zusammenkamen.
54 Petrus folgte Jesus in einiger Entfernung bis in den Innenhof des
hohepriesterlichen Palastes. Dort setzte er sich zu den Dienern und wärmte
sich am Feuer.
55 Die führenden Priester und der gesamte Hohe Rat suchten nun nach einer
Zeugenaussage gegen Jesus, die es rechtfertigen würde, ihn zum Tod zu
verurteilen; doch sie konnten nichts finden.
56 Viele brachten zwar falsche Anschuldigungen gegen ihn vor, aber ihre
Aussagen stimmten nicht überein.
57 Einige falsche Zeugen, die gegen ihn auftraten, behaupteten:
58 Wir haben ihn sagen hören: Ich werde diesen Tempel, der von
Menschenhand erbaut wurde, niederreißen und in drei Tagen einen anderen
errichten, der nicht von Menschenhand erbaut ist.
59 Doch auch in diesem Fall stimmten die Aussagen der Zeugen nicht überein.
60 Da erhob sich der Hohepriester, trat in die Mitte und fragte Jesus: Hast du
darauf nichts zu sagen? ´Wie stellst du dich zu dem,` was diese Leute gegen
dich vorbringen?
61 Aber Jesus schwieg und gab keine Antwort. Der Hohepriester wandte sich
noch einmal an ihn und fragte: Bist du der Messias, der Sohn des
Hochgelobten? –
62 Ich bin es, erwiderte Jesus, und ihr werdet den Menschensohn an der
rechten Seite des Allmächtigen sitzen und auf den Wolken des Himmels
kommen sehen.
Markus 15
Jesus vor Pilatus
1 Gleich bei Tagesanbruch, nachdem der gesamte Hohe Rat – die führenden
Priester mit den Ältesten und den Schriftgelehrten – über das weitere
Vorgehen beraten hatten, ließen sie Jesus fesseln und abführen und
übergaben ihn Pilatus.
2 Pilatus fragte ihn: Bist du der König der Juden? – Du selbst sprichst es aus,
erwiderte Jesus.
3 Die führenden Priester brachten nun viele Beschuldigungen gegen ihn vor.
4 Da wandte sich Pilatus noch einmal an ihn. Hast du darauf nichts zu sagen?,
fragte er. Siehst du nicht, was sie dir alles vorwerfen?
5 Doch zu seinem Erstaunen gab Jesus keine Antwort mehr.
Die Verurteilung Jesu
6 Nun war es so, dass Pilatus an jedem Passafest einen Gefangenen freiließ,
den die Juden selbst bestimmen durften.
7 Damals saß ein gewisser Barabbas zusammen mit einigen anderen
Aufrührern im Gefängnis; sie hatten bei einem Aufstand einen Mord
begangen.
8 Als jetzt eine große Menschenmenge zu Pilatus hinaufzog und ihn bat, wie
üblich jemand zu begnadigen,
9 fragte er sie: Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden freigebe?
10 Denn es war ihm klar geworden, dass die führenden Priester Jesus nur aus
Neid an ihn ausgeliefert hatten.
11 Doch die führenden Priester wiegelten das Volk dazu auf, stattdessen die
Freilassung des Barabbas zu fordern.
12 Da wandte sich Pilatus von neuem an die Menge. Und was soll ich mit dem
tun, den ihr den König der Juden nennt?, wollte er wissen.
13 Lass ihn kreuzigen!, schrien sie zurück.
14 Was für ein Verbrechen hat er denn begangen?, fragte Pilatus. Doch sie
schrien nur noch lauter: Lass ihn kreuzigen!
15 Pilatus wollte die Menge zufrieden stellen. Darum gab er ihnen Barabbas
frei; Jesus hingegen ließ er auspeitschen und übergab ihn ´den Soldaten` zur
Kreuzigung.
Die Verspottung Jesu
16 Die Soldaten führten Jesus in den Palast, in das so genannte Prätorium, und
riefen die ganze Mannschaft zusammen.
17 Sie hängten ihm ein purpurfarbenes Gewand um, flochten eine Krone aus
Dornenzweigen und setzten sie ihm auf.
18 Dann riefen sie ihm zu: Es lebe der König der Juden!
19 Sie schlugen ihm mit einem Stock auf den Kopf, spuckten ihn an und
warfen sich vor ihm auf die Knie, um ihm zu huldigen.
20 Nachdem sie so ihren Spott mit ihm getrieben hatten, zogen sie ihm das
purpurfarbene Gewand aus und legten ihm seine eigenen Kleider wieder an.
Dann führten sie ihn ´zur Stadt` hinaus, um ihn zu kreuzigen.
Die Kreuzigung Jesu
21 Unterwegs begegnete ihnen ein Mann, der gerade vom Feld kam, ein
gewisser Simon aus Zyrene, der Vater von Alexander und Rufus. Den
zwangen die Soldaten, Jesus das Kreuz zu tragen.
22 So brachten sie Jesus bis zu der Stelle, die Golgata heißt. (Golgata bedeutet
Schädelstätte.)
23 Dort wollte man ihm Wein zu trinken geben, der mit Myrrhe vermischt
war; doch er nahm ihn nicht.
24 Dann kreuzigten die Soldaten Jesus. Seine Kleider verteilten sie unter sich;
sie losten aus, was jeder bekommen sollte.
25 Es war neun Uhr morgens, als man ihn kreuzigte.
26 Eine am Kreuz angebrachte Aufschrift gab den Grund für seine Verurteilung
an; sie lautete: Der König der Juden.
27 Zusammen mit Jesus kreuzigte man zwei Verbrecher, einen rechts und
einen links von ihm.
29 Die Leute, die vorübergingen, schüttelten den Kopf und riefen höhnisch:
Ha! Du wolltest doch den Tempel niederreißen und in drei Tagen wieder
aufbauen!
30 Hilf dir selbst und steig herab vom Kreuz!
31 Ebenso machten sich die führenden Priester und die Schriftgelehrten über
ihn lustig. Anderen hat er geholfen, aber sich selbst kann er nicht helfen,
sagten sie spöttisch einer zum anderen.
32 Der Messias ´will er sein`, der König von Israel! Soll er doch jetzt vom
Kreuz herabsteigen! Wenn wir das sehen, werden wir an ihn glauben. Auch
die Männer, die mit ihm gekreuzigt worden waren, beschimpften ihn.
Der Tod Jesu
33 Um zwölf Uhr mittags brach über das ganze Land eine Finsternis herein,
die bis drei Uhr nachmittags dauerte.
34 Um drei Uhr schrie Jesus laut: Eloi, Eloi, lema sabachtani? (Das bedeutet:
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?)
35 Einige der Umstehenden sagten, als sie das hörten: Seht doch, er ruft Elia!
36 Einer holte schnell einen Schwamm, tauchte ihn in Weinessig, steckte ihn
auf einen Stab und hielt ihn Jesus zum Trinken hin. Wartet, rief er, wir
wollen sehen, ob Elia kommt, um ihn herabzuholen!
37 Jesus aber stieß einen lauten Schrei aus; dann starb er.
38 Da riss der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei.
39 Als der Hauptmann, der beim Kreuz stand, Jesus so sterben sah, sagte er:
Dieser Mann war wirklich Gottes Sohn.
40 Es waren auch Frauen da, die von weitem zusahen. Unter ihnen befanden
sich Maria aus Magdala, Maria, die Mutter von Jakobus dem Jüngeren und
von Joses, sowie Salome –
41 Frauen, die Jesus schon gefolgt waren und ihm gedient hatten, als er noch
in Galiläa war. Auch viele andere Frauen waren da, die mit ihm nach
Jerusalem hinaufgezogen waren.
Das Begräbnis Jesu
42 Es wurde nun schon Abend, und es war Rüsttag, der Tag vor dem Sabbat,
´sodass die Zeit drängte`.
43 Da fasste sich Josef aus Arimatäa ein Herz, ging zu Pilatus und bat um den
Leichnam Jesu. (Josef war ein angesehenes Mitglied des Hohen Rates, und er
war einer von denen, die auf das Kommen des Reiches Gottes warteten.)
44 Pilatus war überrascht zu hören, dass Jesus schon tot sei. Er ließ den
Hauptmann rufen und fragte ihn, ob Jesus wirklich bereits gestorben sei.
45 Als der Hauptmann es ihm bestätigte, überließ er Josef den Leichnam.
46 Josef kaufte ein Leinentuch, nahm Jesus vom Kreuz ab und wickelte ihn in
das Tuch. Dann legte er ihn in ein Grab, das in einen Fels gehauen war, und
wälzte einen Stein vor den Eingang des Grabes.
47 Maria aus Magdala und Maria, die Mutter des Joses, sahen zu ´und merkten
sich`, wohin der Leichnam Jesu gelegt wurde.
Markus 16
Jesus ist auferstanden
1 Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala und Maria, die
Mutter des Jakobus, zusammen mit Salome wohlriechende Öle, um den
Leichnam Jesu zu salben.
2 Sehr früh am nächsten Morgen machten sie sich auf den Weg zum Grab. Es
war der erste Tag der neuen Woche, und die Sonne ging gerade auf, als sie
dort ankamen.
3 Unterwegs hatten sie zueinander gesagt: Wer wird uns den Stein vom
Eingang des Grabes wegwälzen?
4 Doch als sie jetzt davor standen, sahen sie, dass der Stein – ein großer,
schwerer Stein – bereits weggerollt war.
5 Sie betraten die Grabkammer und sahen dort auf der rechten Seite einen
jungen Mann in einem weißen Gewand sitzen. Die Frauen erschraken;
6 er aber sagte zu ihnen: Ihr braucht nicht zu erschrecken! Ihr sucht Jesus von
Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Seht, da ist
die Stelle, wo man ihn hingelegt hatte.
7 Geht nun zu seinen Jüngern und sagt zu ihnen, auch zu Petrus: Er geht euch
nach Galiläa voraus. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch angekündigt
hat.
8 Zitternd vor Furcht und Entsetzen verließen die Frauen das Grab und liefen
davon. Sie hatten solche Angst, dass sie niemand etwas von dem erzählten,
was sie erlebt hatten.
Die Erscheinungen des Auferstandenen
9 Nach seiner Auferstehung am frühen Morgen des ersten Wochentages
erschien Jesus zuerst Maria aus Magdala, aus der er sieben Dämonen
ausgetrieben hatte.
10 Sie ging zu denen, die mit ihm zusammen gewesen waren und die nun
weinten und trauerten, und berichtete ihnen,
11 dass er lebe und dass sie ihn gesehen habe; doch sie glaubten ihr nicht.
12 Danach erschien er zwei von ihnen in einer anderen Gestalt, als sie zu
einem Ort auf dem Land unterwegs waren.
13 Sie kehrten zurück und berichteten es den anderen, doch auch ihnen
glaubten sie nicht.
14 Schließlich erschien er den Elf, während sie bei Tisch waren. Er hielt ihnen
ihren Unglauben und ihre Uneinsichtigkeit vor und wies sie zurecht, weil sie
denen nicht hatten glauben wollen, die ihn nach seiner Auferstehung gesehen
hatten.
Sendung der Jünger und Himmelfahrt Jesu
15 Danach sagte Jesus zu seinen Jüngern: Geht in die ganze Welt und
verkündet der ganzen Schöpfung das Evangelium!
16 Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet werden. Wer aber nicht
glaubt, wird verurteilt werden.
17 Folgende Zeichen werden die begleiten, die glauben: In meinem Namen
werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen sprechen;
18 wenn sie Schlangen anfassen oder ein tödliches Gift trinken, wird ihnen das
nicht schaden; Kranke, denen sie die Hände auflegen, werden gesund
werden.
19 Nachdem Jesus, der Herr, zu ihnen gesprochen hatte, wurde er in den
Himmel aufgenommen und setzte sich an die rechte Seite Gottes.
20 Sie aber gingen überallhin und verkündeten ´das Evangelium`. Der Herr
wirkte mit und bekräftigte das Wort durch die Zeichen, die die Verkündigung
begleiteten.
35 Er gab ihr zur Antwort: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die
Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind, das
du zur Welt bringst, heilig sein und Gottes Sohn genannt werden.
36 Und er fügte hinzu: Auch Elisabeth, deine Verwandte, ist schwanger und
wird noch in ihrem Alter einen Sohn bekommen. Von ihr hieß es, sie sei
unfruchtbar, und jetzt ist sie im sechsten Monat.
37 Denn für Gott ist nichts unmöglich.
38 Da sagte Maria: Ich bin die Dienerin des Herrn. Was du gesagt hast, soll mit
mir geschehen. Hierauf verließ sie der Engel.
39 Nicht lange danach machte sich Maria auf den Weg ins Bergland von Juda.
So schnell sie konnte, ging sie in die Stadt,
40 in der Zacharias wohnte. Sie betrat sein Haus und begrüßte Elisabeth.
41 Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da
wurde Elisabeth mit dem Heiligen Geist erfüllt
42 und rief laut: Du bist die gesegnetste aller Frauen, und gesegnet ist das
Kind in deinem Leib!
43 Doch wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
44 In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude
in meinem Leib.
45 Glücklich bist du zu preisen, weil du geglaubt hast; denn was der Herr dir
sagen ließ, wird sich erfüllen.
46 Da sagte Maria: Von ganzem Herzen preise ich den Herrn,
47 und mein Geist jubelt vor Freude über Gott, meinen Retter.
48 Denn er hat mich, seine Dienerin, gnädig angesehen, eine geringe und
unbedeutende Frau. Ja, man wird mich glücklich preisen – jetzt und in allen
kommenden Generationen.
49 Er, der Mächtige, hat Großes an mir getan. Sein Name ist heilig,
50 und von Generation zu Generation gilt sein Erbarmen denen, die sich ihm
unterstellen.
51 Mit starkem Arm hat er seine Macht bewiesen; er hat die in alle Winde
zerstreut, deren Gesinnung stolz und hochmütig ist.
52 Er hat die Mächtigen vom Thron gestürzt und die Geringen emporgehoben.
53 Den Hungrigen hat er ´die Hände` mit Gutem gefüllt, und die Reichen hat
er mit leeren Händen fortgeschickt.
54 Er hat sich seines Dieners, ´des Volkes` Israel, angenommen, weil er sich an
das erinnerte, was er unseren Vorfahren zugesagt hatte:
55 dass er nie aufhören werde, Abraham und seinen Nachkommen Erbarmen
zu erweisen.
56 Maria blieb etwa drei Monate bei Elisabeth und kehrte dann nach Hause
zurück.
57 Für Elisabeth war die Zeit der Entbindung gekommen, und sie brachte
einen Sohn zur Welt.
58 Ihre Nachbarn und Verwandten hörten, dass der Herr Erbarmen mit ihr
gehabt und ihr auf so wunderbare Weise geholfen hatte, und freuten sich mit
ihr.
59 Als das Kind acht Tage alt war, kamen sie zu seiner Beschneidung
zusammen. Sie wollten ihm den Namen seines Vaters Zacharias geben.
60 Doch die Mutter des Kindes widersprach. Nein, sagte sie, er soll Johannes
heißen. –
61 Aber es gibt doch in deiner Verwandtschaft keinen, der so heißt!, wandten
die anderen ein.
62 Sie fragten deshalb den Vater durch Zeichen, wie er das Kind nennen
wollte.
63 Zacharias ließ sich ein Schreibtäfelchen geben und schrieb darauf: Sein
Name ist Johannes. Während sich alle noch darüber wunderten,
64 konnte Zacharias mit einem Mal wieder reden. Seine Zunge war gelöst, und
er pries Gott.
65 Furcht ´und Staunen` ergriff alle, die in jener Gegend wohnten, und im
ganzen Bergland von Judäa sprach sich herum, was geschehen war.
66 Alle, die davon hörten, wurden nachdenklich und fragten sich: Was wird
wohl aus diesem Kind einmal werden? Denn ´es war offensichtlich, dass`die
Hand des Herrn mit ihm war.
67 Zacharias, der Vater des Neugeborenen, wurde mit dem Heiligen Geist
erfüllt und begann, prophetisch zu reden. Er sagte:
68 Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! Er hat sich seines Volkes
angenommen und hat ihm Erlösung gebracht.
69 Aus dem Haus seines Dieners David hat er für uns einen starken
Retter hervorgehen lassen,
70 wie er es schon vor langer Zeit durch das Wort seiner heiligen Propheten
angekündigt hatte –
71 einen, der uns aus der Gewalt unserer Feinde rettet und uns aus den
Händen all derer befreit, die uns hassen.
72 So erbarmt sich Gott ´seines Volkes und hilft uns`, wie er es unseren
Vorfahren zugesagt hat. Er vergisst seinen heiligen Bund nicht;
73 er denkt an den Eid, den er unserem Stammvater Abraham geschworen
hat:
74 dass er uns aus den Händen unserer Feinde befreien wird
75 und dass wir ihm unser ganzes Leben lang ohne Furcht in Heiligkeit und
Gerechtigkeit in seiner Gegenwart dienen werden.
76 Und du, Kind, wirst Prophet des Höchsten genannt werden. Denn du wirst
vor dem Herrn hergehen und ihm den Weg bereiten.
77 Du wirst sein Volk zu der Erkenntnis führen, dass es durch die Vergebung
seiner Sünden gerettet wird;
78 denn unser Gott ist voll Erbarmen. Darum wird auch der helle
Morgenglanz aus der Höhe zu uns kommen,
79 um denen Licht zu bringen, die in der Finsternis und im Schatten des Todes
leben, und um unsere Schritte auf den Weg des Friedens zu lenken.
80 Johannes wuchs heran und wurde stark im Geist. Er lebte in der Wüste bis
zu dem Tag, an dem er öffentlich in Israel auftrat.
Lukas 2
Die Geburt Jesu
1 In jener Zeit erließ Kaiser Augustus den Befehl an alle Bewohner seines
Weltreichs, sich ´in Steuerlisten`eintragen zu lassen.
2 Es war das erste Mal, dass solch eine Erhebung durchgeführt wurde; damals
war Quirinius Gouverneur von Syrien.
3 So ging jeder in die Stadt, aus der er stammte, um sich dort eintragen zu
lassen.
4 Auch Josef machte sich auf den Weg. Er gehörte zum Haus und zur
Nachkommenschaft Davids und begab sich deshalb von seinem
Wohnort Nazaret in Galiläa hinauf nach Betlehem in Judäa, der Stadt
Davids,
5 um sich dort zusammen mit Maria, seiner Verlobten, eintragen zu lassen.
Maria war schwanger.
6 Während sie nun in Betlehem waren, kam für Maria die Zeit der
Entbindung.
7 Sie brachte ihr erstes Kind, einen Sohn, zur Welt, wickelte ihn in Windeln
und legte ihn in eine Futterkrippe; denn sie hatten keinen Platz in der
Unterkunft bekommen.
8 In der Umgebung von Betlehem waren Hirten, die ´mit ihrer Herde` draußen
auf dem Feld lebten. Als sie in jener Nacht bei ihren Tieren Wache hielten,
9 stand auf einmal ein Engel des Herrn vor ihnen, und die Herrlichkeit des
Herrn umgab sie mit ihrem Glanz. Sie erschraken sehr,
10 aber der Engel sagte zu ihnen: Ihr braucht euch nicht zu fürchten! Ich
bringe euch eine gute Nachricht, über die im ganzen Volk große Freude
herrschen wird.
11 Heute ist euch in der Stadt Davids ein Retter geboren worden; es ist der
Messias, der Herr.
12 An folgendem Zeichen werdet ihr das Kind erkennen: Es ist in Windeln
gewickelt und liegt in einer Futterkrippe.
13 Mit einem Mal waren bei dem Engel große Scharen des himmlischen
Heeres; sie priesen Gott und riefen:
14 Ehre und Herrlichkeit Gott in der Höhe, und Frieden auf der Erde für die
Menschen, auf denen sein Wohlgefallen ruht.
15 Daraufhin kehrten die Engel in den Himmel zurück. Da sagten die Hirten
zueinander: Kommt, wir gehen nach Betlehem! Wir wollen sehen, was dort
geschehen ist und was der Herr uns verkünden ließ.
16 Sie machten sich auf den Weg, so schnell sie konnten, und fanden Maria
und Josef und ´bei ihnen` das Kind, das in der Futterkrippe lag.
17 Nachdem sie es gesehen hatten, erzählten sie ´überall`, was ihnen über
dieses Kind gesagt worden war.
18 Und alle, mit denen die Hirten sprachen, staunten über das, was ihnen da
berichtet wurde.
19 Maria aber prägte sich alle diese Dinge ein und dachte immer wieder
darüber nach.
20 Die Hirten kehrten zu ihrer Herde zurück. Sie rühmten und priesen Gott für
alles, was sie gehört und gesehen hatten; es war alles so gewesen, wie der
Engel es ihnen gesagt hatte.
21 Acht Tage später, als die Zeit gekommen war, das Kind zu beschneiden, gab
man ihm den Namen Jesus – den Namen, den der Engel genannt hatte, noch
bevor Maria das Kind empfing.
22 Als dann die im Gesetz des Mose festgelegte Zeit der Reinigung vorüber
war, brachten Josef und Maria das Kind nach Jerusalem, um es dem Herrn zu
weihen
23 und so nach dem Gesetz des Herrn zu handeln, in dem es heißt: Jede
männliche Erstgeburt soll als heilig für den Herrn gelten.
24 Außerdem brachten sie das Reinigungsopfer dar, für das das Gesetz des
Herrn ein Turteltaubenpaar oder zwei junge Tauben vorschrieb.
25 Damals lebte in Jerusalem ein Mann namens Simeon; er war rechtschaffen,
richtete sich nach Gottes Willen und wartete auf die Hilfe für Israel. Der
Heilige Geist ruhte auf ihm,
26 und durch den Heiligen Geist war ihm auch gezeigt worden, dass er nicht
sterben werde, bevor er den vom Herrn gesandten Messias gesehen habe.
27 Vom Geist geleitet, war er an jenem Tag in den Tempel gekommen. Als nun
Jesu Eltern das Kind hereinbrachten, um mit ihm zu tun, was nach dem
Gesetz üblich war,
28 nahm Simeon das Kind in seine Arme, pries Gott und sagte:
29 Herr, nun kann dein Diener in Frieden sterben, denn du hast deine Zusage
erfüllt.
30 Mit eigenen Augen habe ich das Heil gesehen,
31 das du für alle Völker bereitet hast –
32 ein Licht, das die Nationen erleuchtet, und der Ruhm deines Volkes Israel.
33 Jesu Vater und Mutter waren erstaunt, als sie Simeon so über ihr Kind
reden hörten.
34 Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Er ist dazu
bestimmt, dass viele in Israel an ihm zu Fall kommen und viele durch ihn
aufgerichtet werden. Er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird –
35 so sehr, dass auch dir ein Schwert durch die Seele dringen wird. Aber
dadurch wird bei vielen an den Tag kommen, was für Gedanken in ihren
Herzen sind.
36 ´In Jerusalem` lebte damals auch eine Prophetin namens Hanna, eine
Tochter Penuels aus dem Stamm Ascher. Sie war schon sehr alt. Nach
siebenjähriger Ehe war ihr Mann gestorben;
37 sie war Witwe geblieben und war nun vierundachtzig Jahre alt. Sie
verbrachte ihre ganze Zeit im Tempel und diente Gott Tag und Nacht mit
Fasten und Beten.
38 Auch sie trat jetzt zu Josef und Maria. Voller Dank pries sie Gott, und zu
allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten, sprach sie über dieses Kind.
39 Als Josef und Maria alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn verlangte,
kehrten sie nach Galiläa in ihre Heimatstadt Nazaret zurück.
40 Jesus wuchs heran; er war ein kräftiges Kind, erfüllt mit Weisheit, und
Gottes Gnade ruhte auf ihm.
41 Jesu Eltern zogen jedes Jahr zum Passafest nach Jerusalem hinauf.
42 Als Jesus zwölf Jahre alt war, nahmen sie den Jungen mit und gingen
wieder dorthin, wie es der Sitte entsprach.
43 Doch als sie sich nach den Festtagen auf den Heimweg machten, blieb
Jesus in Jerusalem, ohne dass seine Eltern etwas davon wussten.
44 Sie dachten, er sei irgendwo in der Pilgerschar. Erst nachdem sie eine
Tagereise zurückgelegt hatten, fingen sie an, unter Verwandten und
Bekannten nach ihm zu suchen.
45 Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück, um ihn dort zu
suchen.
46 Endlich, nach drei Tagen, fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter
den Gesetzeslehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen.
47 Alle, die dabei waren, staunten über die Klugheit seiner Antworten.
48 Seine Eltern waren völlig überrascht, ihn hier zu sehen. Kind, sagte seine
Mutter zu ihm, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben
dich verzweifelt gesucht.
49 Jesus erwiderte: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich
im Haus meines Vaters sein muss?
50 Doch sie verstanden nicht, was er damit meinte.
51 Jesus kehrte mit seinen Eltern nach Nazaret zurück und war ihnen
gehorsam. Seine Mutter behielt alle diese Dinge im Gedächtnis.
52 Jesus nahm weiter zu an Weisheit und wuchs zu einem jungen Mann heran.
Gottes Gnade war mit ihm, und die Menschen hatten Freude an ihm.
Lukas 3
Das Wirken Johannes’ des Täufers
1 Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius; Pontius
Pilatus war Gouverneur von Judäa, Herodes regierte als Tetrarch in Galiläa,
sein Bruder Philippus in Ituräa und Trachonitis, Lysanias in Abilene;
2 Hohepriester waren Hannas und Kajafas. Da bekam Johannes, der Sohn des
Zacharias, in der Wüste von Gott seinen Auftrag.
3 Er durchzog die ganze Jordangegend und rief die Menschen dazu auf,
umzukehren und sich taufen zu lassen, um Vergebung der Sünden zu
empfangen.
4 So erfüllte sich, was im Buch des Propheten Jesaja steht: Hört, eine Stimme
ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet seine Pfade!
5 Jedes Tal soll aufgefüllt und jeder Berg und jeder Hügel abgetragen werden.
Krumme Wege müssen begradigt und holprige eben gemacht werden.
6 Und die ganze Welt soll das Heil sehen, das von Gott kommt.
7 Die Menschen kamen in großer Zahl zu Johannes, um sich von ihm taufen
zu lassen. Doch er sagte zu ihnen: Ihr Schlangenbrut! Wer hat euch auf den
Gedanken gebracht, ihr könntet dem kommenden Gericht entgehen?
8 Bringt Früchte, die zeigen, dass es euch mit der Umkehr ernst ist, und denkt
nicht im Stillen: Wir haben ja Abraham zum Vater! Ich sage euch: Gott kann
Abraham aus diesen Steinen hier Kinder erwecken.
9 Die Axt ist schon an die Wurzel der Bäume gelegt, und jeder Baum, der
keine guten Früchte bringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen.
10 Da fragten ihn die Leute: Was sollen wir denn tun?
11 Johannes gab ihnen zur Antwort: Wer zwei Hemden hat, soll dem eins
geben, der keines hat. Und wer etwas zu essen hat, soll es mit dem teilen, der
nichts hat.
12 Auch Zolleinnehmer kamen, um sich taufen zu lassen; sie fragten ihn:
Meister, was sollen wir tun?
13 Johannes erwiderte: Verlangt nicht mehr von den Leuten, als festgesetzt
ist.
14 Und wir, fragten einige Soldaten, was sollen wir denn tun? Er antwortete:
Beraubt und erpresst niemand, sondern gebt euch mit eurem Sold zufrieden!
15 Das Volk war voll Erwartung, und alle fragten sich, ob Johannes etwa der
Messias sei.
16 Doch Johannes erklärte vor allen: Ich taufe euch mit Wasser. Aber es
kommt einer, der stärker ist als ich; ich bin es nicht einmal wert, ihm die
Riemen seiner Sandalen zu lösen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und
mit Feuer taufen.
17 Er hat die Worfschaufel in der Hand, um die Spreu vom Weizen zu trennen.
Den Weizen wird er in die Scheune bringen, die Spreu aber wird er in nie
erlöschendem Feuer verbrennen.
31 Eljakim der Sohn Meleas, Melea der Sohn Mennas, Menna der Sohn
Mattatas, Mattata der Sohn Natans, Natan der Sohn Davids,
32 David der Sohn Isais, Isai der Sohn Obeds, Obed der Sohn des Boas, Boas
der Sohn Salmons, Salmon der Sohn Nachschons,
33 Nachschon der Sohn Amminadabs, Amminadab der Sohn Admins, Admin
der Sohn Arnis, Arni der Sohn Hezrons, Hezron der Sohn des Perez, Perez der
Sohn Judas,
34 Juda der Sohn Jakobs, Jakob der Sohn Isaaks, Isaak der Sohn Abrahams,
Abraham der Sohn Terachs, Terach der Sohn Nahors,
35 Nahor der Sohn Serugs, Serug der Sohn Regus, Regu der Sohn Pelegs, Peleg
der Sohn Ebers, Eber der Sohn Schelachs,
36 Schelach der Sohn Kenans, Kenan der Sohn Arpachschads, Arpachschad der
Sohn Sems, Sem der Sohn Noahs, Noah der Sohn Lamechs,
37 Lamech der Sohn Metusalems, Metusalem der Sohn Henochs, Henoch der
Sohn Jereds, Jered der Sohn Mahalalels, Mahalalel der Sohn Kenans,
38 Kenan der Sohn des Enosch, Enosch der Sohn Sets, Set der Sohn Adams;
Adam war von Gott erschaffen.
Lukas 4
Die Versuchung Jesu
1 Erfüllt mit dem Heiligen Geist, verließ Jesus die Jordangegend. Vierzig Tage
war er, vom Geist geführt, in der Wüste
2 und wurde vom Teufel versucht. Während jener ganzen Zeit aß er nichts,
sodass er am Ende sehr hungrig war.
3 Da sagte der Teufel zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, dann befiehl diesem
Stein hier, er soll zu Brot werden.
4 Aber Jesus gab ihm zur Antwort: Es heißt in der Schrift: Der Mensch
lebt nicht nur von Brot.
5 Der Teufel führte ihn an eine hochgelegene Stelle, zeigte ihm in einem
einzigen Augenblick alle Reiche der Erde
6 und sagte: Alle diese Macht und Herrlichkeit will ich dir geben. Denn mir ist
das alles übergeben, und ich gebe es, wem ich will.
7 Du brauchst mich nur anzubeten, und alles gehört dir.
8 Aber Jesus entgegnete: Es heißt in der Schrift: Den Herrn, deinen Gott, sollst
du anbeten; ihm allein sollst du dienen.
9 Der Teufel führte ihn auch nach Jerusalem, stellte ihn auf einen Vorsprung
des Tempeldaches und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, dann stürz dich von
hier hinunter!
10 Denn es heißt in der Schrift: Er wird seine Engel schicken, damit sie dich
behüten.
11 Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit du mit deinem Fuß nicht
an einen Stein stößt.
12 Jesus erwiderte: Es heißt aber auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht
herausfordern!
13 Nachdem der Teufel alles versucht hatte, um Jesus zu Fall zu bringen, ließ
er ihn für einige Zeit in Ruhe.
14 Erfüllt mit der Kraft des Geistes, kehrte Jesus nach Galiläa zurück. Bald
sprach man in der ganzen Gegend von ihm.
15 Er lehrte in den Synagogen und wurde von allen hoch geachtet.
16 So kam Jesus auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war. Am Sabbat ging
er, wie er es gewohnt war, in die Synagoge. Er stand auf, um ´aus der Schrift`
vorzulesen,
17 und man reichte ihm die Buchrolle des Propheten Jesaja. Er rollte sie auf
und las die Stelle, an der es heißt:
18 Der Geist des Herrn ruht auf mir, denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat
mich gesandt mit dem Auftrag, den Armen gute Botschaft zu bringen, den
Gefangenen zu verkünden, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie
sehen werden, den Unterdrückten die Freiheit zu bringen,
19 und ein Jahr der Gnade des Herrn auszurufen.
20 Jesus rollte die Buchrolle zusammen, gab sie dem Synagogendiener zurück
und setzte sich. Alle in der Synagoge sahen ihn gespannt an.
21 Er begann zu reden. Heute hat sich dieses Schriftwort erfüllt, sagte er zu
ihnen. Ihr seid Zeugen.
22 Alle waren von ihm beeindruckt und staunten über seine Worte. Sie
mussten zugeben, dass das, was er sagte, ihm von Gott geschenkt war. Aber
ist er denn nicht der Sohn Josefs?, fragten sie.
23 Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet mir sicher das Sprichwort vorhalten:
Arzt, hilf dir selbst! und werdet sagen: Wie wir gehört haben, hast du in
Kafarnaum große Dinge getan. Nun, dann tu sie auch hier in deiner
Vaterstadt!
24 Ich sage euch, fuhr Jesus fort, kein Prophet gilt etwas in seiner Vaterstadt.
25 Im Übrigen erinnere ich euch an Folgendes: Es gab in Israel viele Witwen,
als es in den Tagen Elias drei Jahre und sechs Monate nicht regnete und im
ganzen Land eine große Hungersnot herrschte.
26 Und doch wurde Elia zu keiner von ihnen geschickt, sondern zu einer
Witwe in Sarepta im Gebiet von Sidon.
27 Und zur Zeit des Propheten Elisa gab es in Israel viele Aussätzige. Aber
nicht einer von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman.
28 Als die Leute in der Synagoge das hörten, packte sie alle die Wut.
29 Sie sprangen auf, zerrten Jesus zur Stadt hinaus und führten ihn an einen
Abhang des Hügels, auf dem ihre Stadt erbaut war; dort wollten sie ihn
hinunterstürzen.
30 Jesus aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging fort.
42 Bei Tagesanbruch verließ Jesus ´das Haus` und ging an einen einsamen Ort.
Doch die Leute suchten ihn, bis sie ihn gefunden hatten. Sie wollten ihn
festhalten und verhindern, dass er von ihnen wegging.
43 Aber er sagte zu ihnen: Ich muss auch den anderen Städten die Botschaft
vom Reich Gottes verkünden, denn dazu bin ich gesandt worden.
44 Von da an verkündete er die Botschaft vom Reich Gottes überall in den
Synagogen des jüdischen Landes.
Lukas 5
Die Berufung der ersten Jünger
1 Eines Tages stand Jesus am See Gennesaret; eine große Menschenmenge
drängte sich um ihn und wollte das Wort Gottes hören.
2 Da sah er zwei Boote am Ufer liegen. Die Fischer waren ausgestiegen und
reinigten ihre Netze.
3 Jesus stieg in das Boot, das Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück weit auf
den See hinauszufahren. So konnte er im Boot sitzen und von dort aus zu den
Menschen sprechen.
4 Als er aufgehört hatte zu reden, wandte er sich an Simon und sagte: Fahr
jetzt weiter hinaus auf den See; werft dort eure Netze zum Fang aus!
5 Simon antwortete: Meister, wir haben uns die ganze Nacht abgemüht und
haben nichts gefangen. Aber weil du es sagst, will ich die Netze auswerfen.
6 Das taten sie dann auch, und sie fingen eine solche Menge Fische, dass ihre
Netze zu reißen begannen.
7 Deshalb winkten sie den Fischern im anderen Boot, sie sollten kommen und
mit anpacken. Zusammen füllten sie die beiden Boote, bis diese schließlich so
voll waren, dass sie zu sinken drohten.
8 Als Simon Petrus das sah, warf er sich vor Jesus auf die Knie und sagte:
Herr, geh fort von mir! Ich bin ein sündiger Mensch.
9 Denn ihm und allen, die bei ihm ´im Boot` waren, war der Schreck in die
Glieder gefahren, weil sie solch einen Fang gemacht hatten,
10 und genauso ging es Jakobus und Johannes, den Söhnen des Zebedäus, die
zusammen mit Simon Fischfang betrieben. Doch Jesus sagte zu Simon: Du
brauchst dich nicht zu fürchten. Von jetzt an wirst du ein Menschenfischer
sein.
11 Da zogen sie die Boote an Land, ließen alles zurück und schlossen sich ihm
an.
12 In einer der Städte, durch die Jesus kam, war ein Mann, der am ganzen
Körper Aussatz hatte. Als er Jesus sah, warf er sich vor ihm nieder und flehte
ihn an: Herr, wenn du willst, kannst du mich rein machen.
13 Da streckte Jesus die Hand aus und berührte ihn. Ich will es, sagte er, sei
rein! Im selben Augenblick verschwand der Aussatz.
14 Jesus verbot dem Geheilten, mit jemand darüber zu sprechen. Geh statt
dessen zum Priester, befahl er, zeig dich ihm und bring das Opfer für deine
Reinigung dar, wie Mose es vorgeschrieben hat. Das soll ein Zeichen für sie
sein.
15 Jesus wurde immer bekannter; die Menschen strömten in Scharen herbei,
um ihn zu hören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden.
16 Er aber zog sich in die Einsamkeit zurück, um zu beten.
17 Eines Tages, als Jesus lehrte, saßen unter den Zuhörern auch Pharisäer und
Gesetzeslehrer, die aus allen Dörfern Galiläas und aus Judäa und Jerusalem
gekommen waren. Die Kraft des Herrn war durch ihn wirksam, sodass
Heilungen geschehen konnten.
18 Da brachten einige Männer einen Gelähmten auf einer Tragbahre. Sie
versuchten, ihn ins Haus hineinzutragen, um ihn vor Jesus niederzulegen.
19 Doch es herrschte ein solches Gedränge, dass sie keinen Weg fanden, den
Kranken zu ihm zu bringen. Da stiegen sie auf das Dach des Hauses, deckten
einige Ziegel ab und ließen den Gelähmten samt seiner Bahre mitten in den
Raum hinunter, genau vor Jesus.
20 Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Mann: Mein Freund, deine
Sünden sind dir vergeben!
21 Das erregte den Widerspruch der Schriftgelehrten und Pharisäer. Wer ist
dieser Mensch, der solche Gotteslästerungen ausspricht?, fragten sie sich.
Niemand kann Sünden vergeben außer Gott.
22 Jesus wusste, was sie dachten. Warum gebt ihr solchen Gedanken Raum in
euren Herzen?, fragte er sie.
23 Was ist leichter – zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben oder: Steh auf
und geh umher!?
24 Doch ihr sollt wissen, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf
der Erde Sünden zu vergeben. Und er wandte sich zu dem Gelähmten und
sagte: Ich befehle dir: Steh auf, nimm deine Tragbahre und geh nach Hause!
25 Sofort stand der Mann auf, nahm vor ihren Augen die Bahre, auf der er
gelegen hatte, und ging, Gott lobend und preisend, nach Hause.
26 Da gerieten alle außer sich vor Staunen und priesen Gott; voll Ehrfurcht
sagten sie: Heute haben wir unglaubliche Dinge erlebt.
27 Als Jesus danach weiterging und am Zollhaus vorbeikam, sah er dort einen
Zolleinnehmer sitzen, einen Mann namens Levi. Jesus sagte zu ihm: Folge mir
nach!
28 Da stand Levi auf, ließ alles zurück und folgte Jesus.
29 Levi gab Jesus zu Ehren in seinem Haus ein großes Fest. Zusammen mit
Jesus und seinen Jüngern nahmen zahlreiche Zolleinnehmer und andere
´Leute von zweifelhaftem Ruf` an dem Essen teil.
30 Die Pharisäer und ihre Anhänger unter den Schriftgelehrten waren darüber
empört und stellten die Jünger zur Rede. Wie könnt ihr nur zusammen mit
Zolleinnehmern und Sündern essen und trinken?, sagten sie.
31 Jesus selbst gab ihnen die Antwort: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt,
sondern die Kranken.
32 Ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen; ich bin gekommen, um
Sünder zur Umkehr zu rufen.
33 Daraufhin sagten sie zu Jesus: Die Jünger des Johannes fasten oft und
verrichten Gebete, ebenso die Jünger der Pharisäer; deine Jünger jedoch
´fasten nicht, sondern` essen und trinken.
34 Jesus entgegnete ihnen: Könnt ihr etwa bei einer Hochzeit die Gäste fasten
lassen, während der Bräutigam noch bei ihnen ist?
35 Es kommt allerdings eine Zeit, wo ihnen der Bräutigam entrissen sein wird;
dann werden sie fasten.
36 Jesus gebrauchte noch einen Vergleich; er sagte: Niemand schneidet ein
Stück Stoff aus einem neuen Kleid und flickt damit ein altes; sonst ist das
neue Kleid zerschnitten, und zu dem alten passt das herausgeschnittene Stück
ja gar nicht.
37 Auch füllt niemand jungen Wein in alte Schläuche. Er gärt ja noch und
würde die Schläuche zum Platzen bringen; der Wein würde auslaufen, und
auch die Schläuche wären nicht mehr zu gebrauchen.
38 Nein, jungen Wein füllt man in neue Schläuche.
39 Aber niemand, der vom alten Wein getrunken hat, will vom jungen etwas
wissen. Der alte ist besser, sagt er.
Lukas 6
Jesus ist Herr über den Sabbat
1 An einem Sabbat ging Jesus durch die Felder. Seine Jünger rissen Ähren ab,
zerrieben sie mit den Händen und aßen die Körner.
2 Da sagten einige der Pharisäer: Was tut ihr da? Das ist doch am Sabbat nicht
erlaubt!
3 Jesus entgegnete ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er und seine
Begleiter Hunger hatten?
4 Wie er ins Haus Gottes ging, die geweihten Brote nahm, davon aß und auch
seinen Begleitern davon gab, obwohl doch niemand außer den Priestern
davon essen darf?
5 Und Jesus fügte hinzu: Der Menschensohn ist Herr über den Sabbat.
6 An einem anderen Sabbat, als Jesus in die Synagoge ging und lehrte, war
dort ein Mann, dessen rechte Hand verkrüppelt war.
7 Die Schriftgelehrten und Pharisäer beobachteten Jesus aufmerksam; sie
wollten sehen, ob er am Sabbat heilen würde. Sie hofften nämlich, einen
Vorwand zu finden, um ihn anklagen zu können.
8 Jesus wusste, was sie dachten. Steh auf und komm nach vorn!, sagte er zu
dem Mann mit der verkrüppelten Hand. Der Mann stand auf und trat vor.
9 Nun wandte sich Jesus zu den Schriftgelehrten und Pharisäern und sagte:
Ich frage euch: Was ist richtig – am Sabbat Gutes zu tun oder Böses? Einem
Menschen das Leben zu retten oder ihn ins Verderben zu stürzen?
10 Er sah sie alle der Reihe nach an. Dann befahl er dem Mann: Streck deine
Hand aus! Der Mann tat es, und seine Hand war geheilt.
11 Da wurden sie von sinnloser Wut gepackt und berieten miteinander, was sie
gegen Jesus unternehmen könnten.
12 In jener Zeit zog sich Jesus auf einen Berg zurück, um zu beten. Die ganze
Nacht verbrachte er im Gebet.
13 Als es Tag wurde, rief er seine Jünger zu sich und wählte zwölf von ihnen
aus, die er Apostel nannte. Es waren:
14 Simon, dem er auch den Namen Petrus gab, dessen Bruder Andreas,
Jakobus, Johannes, Philippus, Bartholomäus,
15 Matthäus, Thomas, Jakobus, der Sohn des Alphäus, Simon, den man den
Zeloten nannte,
16 Judas, der Sohn des Jakobus, und Judas Iskariot, der zum Verräter wurde.
17 Dann stieg Jesus mit ihnen den Berg hinunter bis zu einem ebenen Platz,
wo sich eine große Schar seiner Jünger und eine große Menschenmenge aus
dem ganzen jüdischen Land, aus Jerusalem und aus dem Küstengebiet von
Tyrus und Sidon um ihn versammelte.
18 Sie waren gekommen, um ihn zu hören und von ihren Krankheiten geheilt
zu werden. Auch die von bösen Geistern Geplagten fanden Heilung.
19 Jeder versuchte, ihn zu berühren; denn es ging eine Kraft von ihm aus, die
alle gesund machte.
20 Jesus blickte seine Jünger an und sagte: Glücklich zu preisen seid ihr, die
ihr arm seid; denn euch gehört das Reich Gottes.
21 Glücklich zu preisen seid ihr, die ihr jetzt hungert; denn ihr werdet satt
werden. Glücklich zu preisen seid ihr, die ihr jetzt weint; denn ihr werdet
lachen.
22 Glücklich zu preisen seid ihr, wenn ihr um des Menschensohnes willen
gehasst und ausgestoßen werdet und wenn man euch um seinetwillen
beschimpft und euren Namen in den Schmutz zieht.
23 Freut euch, wenn das geschieht; tanzt und springt vor Freude! Denn im
Himmel wartet eine große Belohnung auf euch. Genauso haben es ja ihre
Vorfahren mit den Propheten gemacht.
24 Doch weh euch, die ihr reich seid; denn ihr habt euren Trost ´damit schon`
erhalten.
25 Weh euch, die ihr jetzt satt seid; denn ihr werdet hungern. Weh euch, die
ihr jetzt lacht; denn ihr werdet trauern und weinen.
26 Und weh euch, wenn alle Leute gut von euch reden! Genauso haben es ja
ihre Vorfahren mit den falschen Propheten gemacht.
27 Aber euch, die ihr mir zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes,
die euch hassen;
28 segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch Böses tun.
29 Schlägt dich jemand auf die eine Backe, dann halt ihm auch die andere hin,
und nimmt dir jemand den Mantel, dann lass ihm auch das Hemd.
30 Gib jedem, der dich bittet, und wenn dir jemand etwas nimmt, dann
fordere es nicht zurück.
31 Handelt allen Menschen gegenüber so, wie ihr es von ihnen euch
gegenüber erwartet.
32 Wenn ihr die liebt, die euch Liebe erweisen, verdient ihr dafür etwa
besondere Anerkennung? Auch die Menschen, die nicht nach Gott
fragen, lieben die, von denen sie Liebe erfahren.
33 Und wenn ihr denen Gutes tut, die euch Gutes tun, verdient ihr dafür
besondere Anerkennung? So handeln doch auch die, die nicht nach Gott
fragen.
34 Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr ebenfalls etwas erwarten könnt,
verdient ihr dafür besondere Anerkennung? Auch bei denen, die nicht nach
Gott fragen, leiht einer dem anderen in der Hoffnung auf eine entsprechende
Gegenleistung.
35 Nein, gerade eure Feinde sollt ihr lieben! Tut Gutes und leiht, ohne etwas
zurückzuerwarten. Dann wartet eine große Belohnung auf euch, und ihr
werdet Söhne des Höchsten sein; denn auch er ist gütig gegen die
Undankbaren und Bösen.
36 Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist.
37 Richtet nicht, und ihr werdet nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, und
ihr werdet nicht verurteilt werden. Sprecht frei, und ihr werdet
freigesprochen werden.
38 Gebt, und es wird euch gegeben werden. Ein volles Maß wird man euch in
den Schoß schütten, ein reichliches Maß, bis an den Rand gefüllt und
überfließend. Denn das Maß, das ihr verwendet, wird auch bei euch
verwendet werden.
39 Jesus gebrauchte noch einen Vergleich; er sagte: Kann ein Blinder einen
Blinden führen? Werden nicht beide in die Grube fallen?
40 Ein Jünger steht nicht über seinem Meister; wenn er alles von ihm gelernt
hat, ist er ´höchstens` so weit gekommen wie dieser.
41 Wie kommt es, dass du den Splitter im Auge deines Bruders siehst, aber den
Balken in deinem eigenen Auge nicht bemerkst?
42 Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Bruder, halt still! Ich will den
Splitter herausziehen, der in deinem Auge sitzt – und bemerkst dabei den
Balken im eigenen Auge nicht? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus
deinem eigenen Auge; dann wirst du klar sehen und kannst den Splitter, der
im Auge deines Bruders ist, herausziehen.
43 Ein guter Baum trägt keine schlechten Früchte, und ebenso wenig trägt ein
schlechter Baum gute Früchte.
44 Jeden Baum erkennt man an seinen Früchten: Von Dornbüschen pflückt
man keine Feigen, und von Gestrüpp erntet man keine Trauben.
45 Ein guter Mensch bringt Gutes hervor, weil sein Herz mit Gutem erfüllt ist.
Ein böser Mensch dagegen bringt Böses hervor, weil sein Herz mit Bösem
erfüllt ist. Denn wie der Mensch in seinem Herzen denkt, so redet er.
46 Warum nennt ihr mich immerfort Herr, wenn ihr doch nicht tut, was ich
sage?
47 Wisst ihr, wem der gleicht, der zu mir kommt, meine Worte hört und
danach handelt? Ich will es euch sagen.
48 Er gleicht einem Mann, der ein Haus baut und dabei tief ausschachtet und
das Fundament auf felsigen Grund legt. Wenn dann Hochwasser kommt und
die Flutwellen gegen das Haus schlagen, können sie es nicht erschüttern, so
gut ist es gebaut.
49 Wer aber meine Worte hört und nicht danach handelt, gleicht einem Mann,
der ein Haus baut, ohne auszuschachten und ohne ein Fundament zu legen.
Sobald die Flutwellen dagegen schlagen, stürzt es in sich zusammen und wird
völlig zerstört.
Lukas 7
Der Hauptmann von Kafarnaum
1 Das Volk hörte allem zu, was Jesus sagte. Als er seine Rede beendet hatte,
ging er nach Kafarnaum.
2 Der Hauptmann ´einer dort stationierten Einheit` hatte einen Diener, den er
sehr schätzte; dieser war schwer krank und lag im Sterben.
3 Als der Hauptmann von Jesus hörte, schickte er einige Älteste der jüdischen
Gemeinde zu ihm; sie sollten ihn bitten, zu kommen und seinem Diener das
Leben zu retten.
4 Die Männer gingen zu Jesus und baten ihn inständig, mit ihnen zu kommen.
Er ist es wert, dass du ihm diese Bitte erfüllst, sagten sie.
5 Er liebt unser Volk und hat uns sogar die Synagoge gebaut.
6 Jesus machte sich mit ihnen auf den Weg. Doch als er nicht mehr weit vom
Haus des Hauptmanns entfernt war, schickte dieser ihm einige Freunde
entgegen und ließ ihm ausrichten: Herr, bemühe dich nicht! Ich bin es nicht
wert, dass du mein Haus betrittst.
7 Deshalb hielt ich mich auch nicht für würdig, selbst zu dir zu kommen.
Sprich nur ein Wort, und mein Diener wird gesund.
8 Ich bin ja selbst dem Befehl eines anderen unterstellt und habe meinerseits
Soldaten unter mir. Wenn ich zu einem von ihnen sage: Geh!, dann geht er,
und wenn ich zu einem sage: Komm!, dann kommt er; und wenn ich zu
meinem Diener sage: Tu das und das!, dann tut er es.
9 Jesus staunte über den Mann, als er das hörte. Er wandte sich um und sagte
zu der Menge, die ihm folgte: Ich versichere euch: Solch einen Glauben habe
ich in ganz Israel nicht gefunden.
10 Als die Männer, die der Hauptmann geschickt hatte, zu ihm zurückkamen,
stellten sie fest, dass der Diener wieder gesund war.
11 Bald darauf zog Jesus in die Stadt Nain weiter, begleitet von seinen
Jüngern und einer großen Menschenmenge.
12 Als er sich dem Stadttor näherte, kam ihm ein Trauerzug entgegen. Der
Tote war der einzige Sohn einer Witwe gewesen. Zahlreiche Menschen aus
dem Ort begleiteten die Mutter ´zum Grab`.
13 Als der Herr die Frau sah, ergriff ihn tiefes Mitgefühl. Weine nicht!, sagte er
zu ihr.
14 Er trat näher und berührte die Bahre. Die Träger blieben stehen, und Jesus
sagte zu dem Toten: Junger Mann, ich befehle dir: Steh auf!
15 Da richtete sich der Tote auf und fing an zu sprechen, und Jesus gab ihn
seiner Mutter zurück.
16 Alle waren voller Ehrfurcht; sie priesen Gott und sagten: Ein großer
Prophet ist unter uns aufgetreten. Gott hat sich seines Volkes angenommen!
17 Die Nachricht von diesem Ereignis verbreitete sich im ganzen jüdischen
Land; sogar in allen umliegenden Gebieten sprach man von Jesus.
18 Durch seine Jünger erfuhr auch Johannes von all diesen Dingen. Er rief
zwei von ihnen zu sich
19 und gab ihnen den Auftrag, zum Herrn zu gehen und ihn zu fragen: Bist du
der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?
20 Die beiden kamen zu Jesus und sagten: Johannes der Täufer hat uns zu dir
geschickt und lässt dich fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen
wir auf einen anderen warten?
21 Dabei wurden sie Zeugen, wie Jesus viele Kranke und Leidende und von
bösen Geistern Geplagte heilte und vielen Blinden das Augenlicht schenkte.
22 Er gab den Boten zur Antwort: Geht zu Johannes und berichtet ihm, was
ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden
geheilt, Taube hören, Tote werden auferweckt, und den Armen wird ´Gottes`
gute Botschaft verkündet.
23 Und glücklich zu preisen ist, wer nicht an mir Anstoß nimmt.
24 Als die Boten des Johannes wieder gegangen waren, wandte sich Jesus an
die Menge und fing an, zu ihnen über Johannes zu sprechen. Was wolltet ihr
euch eigentlich ansehen, als ihr zu ihm in die Wüste hinausgingt?, fragte er
sie. Ein Schilfrohr, das sich im Wind hin- und herbewegt?
25 Nein? Was wolltet ihr denn sonst dort draußen sehen? Einen Mann in
feiner Kleidung? Ihr wisst doch: Leute, die vornehme Kleider tragen und im
Überfluss leben, sind in den Königspalästen zu finden.
26 Was wolltet ihr also sehen, als ihr hinausgingt? Einen Propheten? Ja, ich
sage euch: Ihr habt einen Propheten gesehen, und noch mehr als das.
27 Johannes ist der, über den es in der Schrift heißt: Ich sende meinen Boten
vor dir her; er wird dir vorangehen und dein Wegbereiter sein.
28 Ich sage euch: Unter allen Menschen, die je geboren wurden, gibt es keinen
Größeren als Johannes; und doch ist selbst der Geringste im Reich Gottes
größer als er.
29 Alle, die Johannes zuhörten – das ganze Volk und sogar die Zolleinnehmer
– , gaben Gott ´in seinem Urteil` Recht; sie haben sich von Johannes taufen
lassen.
30 Nur die Pharisäer und die Gesetzeslehrer machten den Plan zunichte, den
Gott für sie hatte; sie haben sich nicht von Johannes taufen lassen.
31 Mit wem soll ich also die Menschen dieser Generation vergleichen?
Welches Bild trifft auf sie zu?
32 Sie sind wie Kinder, die auf dem Marktplatz sitzen und einander zurufen:
Wir haben euch auf der Flöte ´lustige Lieder` gespielt, und ihr habt nicht
getanzt; wir haben Klagelieder angestimmt, und ihr habt nicht geweint.
33 So ist es doch: Johannes der Täufer ist gekommen, hat gefastet und keinen
Wein getrunken, und schon habt ihr gesagt: Er ist von einem bösen Geist
besessen.
34 Der Menschensohn ist gekommen, isst und trinkt ´wie jedermann`, und da
sagt ihr: Was für ein Schlemmer und Säufer, dieser Freund der Zolleinnehmer
und Sünder!
35 Und doch hat die Weisheit Gottes Recht; das zeigt sich an all denen, die sie
angenommen haben.
36 Ein Pharisäer hatte Jesus zu sich zum Essen eingeladen, und Jesus war
gekommen und hatte am Tisch Platz genommen.
37 In jener Stadt lebte eine Frau, die für ihren unmoralischen Lebenswandel
bekannt war. Als sie erfuhr, dass Jesus im Haus des Pharisäers zu Gast war,
nahm sie ein Alabastergefäß voll Salböl und ging dorthin.
38 Sie trat von hinten an das Fußende des Polsters, auf dem Jesus Platz
genommen hatte, und brach in Weinen aus; dabei fielen ihre Tränen auf seine
Füße. Da trocknete sie ihm die Füße mit ihrem Haar, küsste sie und salbte sie
mit dem Öl.
39 Als der Pharisäer, der Jesus eingeladen hatte, das sah, dachte er: Wenn
dieser Mann wirklich ein Prophet wäre, würde er die Frau kennen, von der er
sich da berühren lässt; er wüsste, was für eine sündige Person das ist.
40 Da wandte sich Jesus zu ihm. Simon, sagte er, ich habe dir etwas zu sagen.
Simon erwiderte: Meister, bitte sprich! –
41 Zwei Männer hatten Schulden bei einem Geldverleiher, begann Jesus. Der
eine schuldete ihm fünfhundert Denare, der andere fünfzig.
42 Keiner der beiden konnte seine Schulden zurückzahlen. Da erließ er sie
ihnen. Was meinst du: Welcher von den beiden wird ihm gegenüber wohl
größere Dankbarkeit empfinden?
43 Simon antwortete: Ich nehme an, der, dem er die größere Schuld erlassen
hat. – Richtig, erwiderte Jesus.
44 Dann wies er auf die Frau und sagte zu Simon: Siehst du diese Frau? Ich bin
in dein Haus gekommen, und du hast mir kein Wasser für meine Füße
gereicht; sie aber hat meine Füße mit ihren Tränen benetzt und mit ihrem
Haar getrocknet.
45 Du hast mir keinen Kuss zur Begrüßung gegeben; sie aber hat, seit ich hier
bin, nicht aufgehört, meine Füße zu küssen.
46 Du hast meinen Kopf nicht einmal mit gewöhnlichem Öl gesalbt, sie aber
hat meine Füße mit kostbarem Salböl gesalbt.
47 Ich kann dir sagen, woher das kommt. Ihre vielen Sünden sind ihr vergeben
worden, darum hat sie mir viel Liebe erwiesen. Wem aber wenig vergeben
wird, der liebt auch wenig.
48 Und zu der Frau sagte Jesus: Deine Sünden sind dir vergeben.
49 Die anderen Gäste fragten sich: Wer ist dieser Mann, der sogar Sünden
vergibt?
50 Jesus aber sagte zu der Frau: Dein Glaube hat dich gerettet. Geh in Frieden!
Lukas 8
Frauen im Kreis der Jünger Jesu
1 In der nun folgenden Zeit zog Jesus von Stadt zu Stadt und von Dorf zu
Dorf. Überall verkündete er die Botschaft vom Reich Gottes. Dabei
begleiteten ihn die Zwölf
2 sowie einige Frauen, die von bösen Geistern und von Krankheiten ´geplagt
gewesen waren und` durch ihn Heilung gefunden hatten: Maria aus Magdala,
aus der er sieben Dämonen ausgetrieben hatte,
3 Johanna, die Frau des Chuzas, eines Beamten des Herodes, sowie Susanna
und viele andere. Alle diese Frauen dienten Jesus und seinen Jüngern mit
dem, was sie besaßen.
4 Die Menschen scharten sich in großer Zahl um Jesus, und von Ort zu Ort
wurden es mehr, die mit ihm gingen. Da erzählte er ihnen folgendes
Gleichnis:
5 Ein Bauer ging aufs Feld, um zu säen. Beim Ausstreuen der Saat fiel einiges
auf den Weg, wo es zertreten und von den Vögeln aufgepickt wurde.
6 Einiges fiel auf felsigen Boden. Die Saat ging zwar auf, verdorrte aber bald,
weil die nötige Feuchtigkeit fehlte.
7 Einiges fiel mitten ins Dornengestrüpp. Die Dornbüsche wuchsen mit der
Saat in die Höhe und erstickten sie.
8 Und einiges fiel auf guten Boden, ging auf und brachte hundertfache Frucht.
Jesus schloss mit dem Ausruf: Wer Ohren hat und hören kann, der höre!
9 Die Jünger fragten Jesus, was dieses Gleichnis bedeute.
10 Da sagte er: Euch ist es von Gott gegeben, die Geheimnisse seines
Reiches zu verstehen; den Übrigen jedoch werden sie nur in Gleichnissen
verkündet. Denn sie sollen sehen und doch nicht sehen, sie sollen hören und
doch nichts verstehen.
11 Das Gleichnis bedeutet Folgendes: Die Saat ist das Wort Gottes.
12 Bei einigen, die es hören, ist es wie mit der Saat, die auf den Weg fällt. Der
Teufel kommt und nimmt das Wort wieder aus ihrem Herzen weg, sodass sie
nicht glauben und daher auch nicht gerettet werden.
13 Bei anderen ist es wie mit der Saat, die auf felsigen Boden fällt. Wenn sie
das Wort hören, nehmen sie es mit Freuden auf. Aber sie sind wie Pflanzen
ohne Wurzeln; zunächst glauben sie, doch wenn eine Zeit der
Prüfung kommt, wenden sie sich wieder ab.
14 Wieder bei anderen ist es wie mit der Saat, die ins Dorngestrüpp fällt. Sie
hören das Wort, doch im Lauf der Zeit wird es von den Sorgen, dem
Reichtum und den Freuden, die das Leben bietet, verdrängt, sodass keine
Frucht reifen kann.
15 Bei anderen jedoch ist es wie mit der Saat, die auf guten Boden fällt. Mit
aufrichtigem und bereitwilligem Herzen hören sie das Wort; sie halten daran
fest, lassen sich nicht entmutigen und bringen Frucht.
16 Niemand zündet eine Lampe an und verbirgt sie dann unter einem Gefäß
oder stellt sie unter das Bett. Im Gegenteil: Man stellt sie auf einen
Lampenständer, damit jeder, der hereinkommt, Licht hat und sehen kann.
17 So gibt es auch nichts Geheimes, was geheim bleibt; alles wird offenbar
werden. Und es gibt nichts Verborgenes, was verborgen bleibt; alles soll
öffentlich bekannt gemacht werden.
18 Achtet also darauf, wie ihr ´mit dem umgeht, was ihr` hört! Denn wer hat,
dem wird gegeben; aber wer nicht hat, dem wird auch das genommen, was er
zu haben meint.
19 Einmal kamen Jesu Mutter und seine Brüder und wollten ihn sprechen.
Doch wegen der Menschenmenge konnten sie nicht bis zu ihm
durchkommen.
20 Man teilte ihm mit: Deine Mutter und deine Brüder stehen vor dem Haus
und möchten dich sehen.
21 Doch Jesus erwiderte: Meine Mutter und meine Brüder sind alle, die das
Wort Gottes hören und danach handeln.
22 Eines Tages stieg Jesus mit seinen Jüngern ins Boot und sagte zu ihnen: Wir
wollen über den See ans andere Ufer fahren!
23 Während der Fahrt schlief Jesus ein. Plötzlich brach auf dem See ein
schwerer Sturm los; das Boot füllte sich mit Wasser, und sie waren in großer
Gefahr.
24 Die Jünger stürzten zu Jesus und weckten ihn. Meister, Meister, schrien sie,
wir sind verloren! Jesus stand auf und wies den Wind und die Wellen in ihre
Schranken. Da legte sich der Sturm, und es wurde ganz still.
25 Wo bleibt euer Glaube?, fragte Jesus seine Jünger. Sie aber sagten voll
Furcht und Staunen zueinander: Wer ist nur dieser Mann? Er befiehlt sogar
dem Wind und dem Wasser, und sie gehorchen ihm.
26 Sie legten im Gebiet der Gerasener an, auf der Seite des Sees, die Galiläa
gegenüberliegt.
27 Als Jesus aus dem Boot stieg und an Land ging, lief ihm ein Mann aus der
´nahegelegenen` Stadt entgegen, der von Dämonen besessen war. Er trug
schon lange keine Kleider mehr und lebte abseits von den Häusern in den
Grabhöhlen.
28 Als er Jesus sah, schrie er auf und warf sich vor ihm auf den Boden. Er rief
mit lauter Stimme: Was willst du von mir, Jesus, Sohn Gottes, des
Allerhöchsten? Ich flehe dich an: Quäle mich nicht!
29 Denn Jesus war dem bösen Geist mit dem Befehl entgegengetreten, den
Mann zu verlassen. Der Besessene war schon seit langer Zeit in der Gewalt
des Dämons; man hatte ihn zwar an Händen und Füßen gefesselt, um ihn in
sicherem Gewahrsam halten zu können, doch er hatte die Ketten immer
wieder zerrissen und war von dem Dämon an einsame Orte getrieben worden.
30 Nun fragte ihn Jesus: Wie heißt du? – Legion, antwortete er; denn es waren
viele Dämonen in ihn gefahren.
31 Diese flehten Jesus an, sie nicht in den Abgrund zu schicken.
32 Nicht weit von dort weidete am Berg eine große Herde Schweine. Die
Dämonen baten Jesus, in die Schweine fahren zu dürfen. Er erlaubte es
ihnen,
33 und sie verließen den Mann und fuhren in die Schweine. Da stürzte sich die
ganze Herde den Abhang hinunter in den See und ertrank.
34 Als die Schweinehirten das sahen, liefen sie davon und berichteten alles in
der Stadt und in den Dörfern.
35 Die Leute machten sich auf den Weg, um mit eigenen Augen zu sehen, was
geschehen war. Sie kamen zu Jesus und fanden den Mann, aus dem die
Dämonen ausgefahren waren, zu seinen Füßen sitzen, bekleidet und bei
klarem Verstand. Da bekamen sie es mit der Angst zu tun.
36 Die Augenzeugen berichteten ihnen, wie der Besessene geheilt worden
war.
37 Daraufhin forderte die ganze Bevölkerung von Gerasa und der
Umgegend Jesus auf, ihr Gebiet zu verlassen, so sehr hatte die Angst sie
gepackt. Als Jesus ins Boot stieg, um zurückzufahren,
38 bat ihn der Mann, aus dem die Dämonen ausgefahren waren, bei ihm
bleiben zu dürfen. Aber Jesus schickte ihn zurück.
39 Geh wieder zu deiner Familie, sagte er, und erzähle dort, was Gott für dich
getan hat! Da ging der Mann fort und verkündete in der ganzen Stadt, was
Jesus für ihn getan hatte.
40 Als Jesus ans andere Ufer zurückkam, empfing ihn eine große
Menschenmenge; alle hatten auf ihn gewartet.
41 Da kam ein Mann namens Jairus, der Vorsteher der Synagoge. Er warf sich
Jesus zu Füßen und bat ihn, in sein Haus zu kommen,
42 weil sein einziges Kind, ein Mädchen von etwa zwölf Jahren, im Sterben
lag. Auf dem Weg dorthin wurde Jesus von der Menge, die sich um ihn
drängte, fast erdrückt.
43 Unter den Leuten war auch eine Frau, die seit zwölf Jahren an schweren
Blutungen litt. Alles, was sie besaß, hatte sie für die Ärzte ausgegeben, doch
niemand hatte sie heilen können.
44 Diese Frau drängte sich von hinten an Jesus heran und berührte den
Saum seines Gewandes. Im selben Augenblick hörten die Blutungen auf.
45 Wer hat mich berührt?, fragte Jesus. Alle beteuerten, sie seien es nicht
gewesen, und Petrus meinte: Meister, die Leute drängen sich ja von allen
Seiten um dich herum!
46 Doch Jesus beharrte darauf: Irgendjemand hat mich berührt; ich habe
gespürt, dass eine Kraft von mir ausgegangen ist.
47 Der Frau war jetzt klar, dass sie nicht unbemerkt geblieben war. Zitternd
trat sie vor und warf sich vor Jesus nieder. Dann erzählte sie vor allen Leuten,
warum sie ihn berührt hatte und wie sie im selben Augenblick geheilt worden
war.
48 Meine Tochter, sagte Jesus zu ihr, dein Glaube hat dich gerettet. Geh in
Frieden!
49 Während Jesus noch mit ihr redete, kam jemand vom Haus des
Synagogenvorstehers. Deine Tochter ist gestorben, sagte der Mann zu Jairus.
Bemühe den Meister nicht länger!
50 Jesus hörte das. Du brauchst dich nicht zu fürchten!, sagte er zu dem
Synagogenvorsteher. Glaube nur, und sie wird gerettet werden.
51 Er ging in das Haus, ließ aber niemand zu dem Mädchen mit hinein außer
Petrus, Johannes und Jakobus sowie den Vater und die Mutter des Kindes.
52 Das Haus war voller Menschen, die um das Mädchen weinten und
trauerten. Hört auf zu weinen!, sagte Jesus. Sie ist nicht tot, sie schläft nur.
53 Da lachten sie ihn aus, denn sie wussten sehr wohl, dass sie gestorben war.
54 Jesus aber ergriff sie bei der Hand und rief: Kind, steh auf!
55 Da wurde sie wieder lebendig; sie stand sofort auf, und Jesus ordnete an,
ihr etwas zu essen zu geben.
56 Die Eltern konnten kaum fassen, was geschehen war. Doch Jesus verbot
ihnen, jemand etwas davon zu erzählen.
Lukas 9
Die Aussendung der zwölf Jünger
1 Jesus rief die zwölf Jünger zusammen und gab ihnen Kraft und Vollmacht,
alle Dämonen auszutreiben und die Kranken zu heilen.
2 Er sandte sie aus mit dem Auftrag, die Botschaft vom Reich Gottes zu
verkünden und die Kranken gesund zu machen.
3 Nehmt nichts mit auf den Weg, sagte er zu ihnen, keinen Wanderstab, keine
Vorratstasche, kein Brot und kein Geld; auch soll keiner zwei Hemden bei
sich haben.
4 Wenn jemand euch in seinem Haus aufnimmt, dann bleibt bei ihm, bis ihr
die Ortschaft wieder verlasst.
5 Wenn euch aber in einer Stadt die Leute nicht aufnehmen, dann verlasst den
Ort und schüttelt den Staub von euren Füßen als Hinweis auf das Gericht, das
sie erwartet.
6 Die Jünger machten sich auf den Weg und zogen von Dorf zu Dorf. Überall
verkündeten sie die Botschaft ´vom Reich Gottes` und heilten die Kranken.
7 Der Tetrarch Herodes erfuhr von all diesen Dingen. Er wusste nicht, was er
davon halten sollte. Denn die einen sagten, Johannes sei von den Toten
auferstanden,
8 andere waren der Ansicht, Elia sei auf die Erde zurückgekommen, und
wieder andere meinten, einer der alten Propheten sei auferstanden.
9 Johannes habe ich doch selbst enthaupten lassen, überlegte Herodes. Wer ist
dann dieser Mann, von dem man mir solche Dinge erzählt? Darum wollte er
Jesus unbedingt sehen.
10 Als die Apostel zu Jesus zurückkamen, berichteten sie ihm alles, was sie
getan hatten. Danach nahm Jesus sie mit sich und zog sich ´in die Nähe` der
Stadt Betsaida zurück, um mit ihnen allein zu sein.
11 Aber die Leute merkten es und folgten ihm in großen Scharen. Jesus wies
sie nicht ab, sondern sprach zu ihnen über das Reich Gottes; und alle, die
Heilung nötig hatten, machte er gesund.
12 Als es auf den Abend zuging, kamen die Zwölf zu ihm und sagten: Schick
die Leute fort, dann können sie in die umliegenden Dörfer und Gehöfte gehen
und dort übernachten und etwas zu essen bekommen. Hier sind wir ja an
einem einsamen Ort.
13 Jesus erwiderte: Gebt doch ihr ihnen zu essen! – Wir haben fünf Brote und
zwei Fische, mehr nicht, entgegneten sie. Oder sollen wir uns etwa auf den
Weg machen und für alle diese Leute Essen kaufen?
14 (Es waren etwa fünftausend Männer dabei.) Da sagte Jesus zu seinen
Jüngern: Sorgt dafür, dass sich die Leute in Gruppen von je etwa fünfzig
lagern.
15 Die Jünger taten, was Jesus ihnen gesagt hatte. Als alle sich gesetzt hatten,
16 nahm Jesus die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf
und dankte Gott dafür. Dann zerteilte er die Brote und die Fische und ließ sie
durch die Jünger an die Menge verteilen.
17 Und alle aßen und wurden satt. Am Schluss wurde aufgesammelt, was
sie übrig gelassen hatten – zwölf Körbe voll.
Jesus kündigt zum ersten Mal sein Leiden und Sterben und seine Auferstehung
an
18 Als Jesus sich einmal zum Gebet zurückgezogen hatte und nur seine Jünger
bei ihm waren, fragte er sie: Für wen halten mich die Leute? –
19 Die einen halten dich für Johannes den Täufer, antworteten sie, andere
halten dich für Elia, und wieder andere sagen, einer der alten Propheten sei
auferstanden. –
20 Und ihr, fragte er, für wen haltet ihr mich? Petrus antwortete: Für den von
Gott gesandten Messias.
21 Doch Jesus schärfte ihnen mit allem Nachdruck ein, niemand etwas davon
zu sagen.
22 ´Denn` der Menschensohn wird vieles erleiden müssen, sagte er, und wird
von den Ältesten, den führenden Priestern und den Schriftgelehrten
für dich, eine für Mose und eine für Elia. Doch Petrus wusste selbst nicht, was
er da sagte.
34 Während er noch redete, kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie.
Als die Wolke sie ganz einhüllte, fürchteten sich die Jünger.
35 Und aus der Wolke sprach eine Stimme: Dies ist mein Sohn, mein
Auserwählter; auf ihn sollt ihr hören!
36 Als die Stimme aufgehört hatte zu reden, war nur noch Jesus da. Die
Jünger schwiegen über das, was sie erlebt hatten; sie erzählten in jener Zeit
niemand etwas davon.
37 Als Jesus mit den drei Jüngern am nächsten Tag den Berg hinunterstieg,
kam ihm eine große Menschenmenge entgegen.
38 Ein Mann aus der Menge rief: Meister, ich flehe dich an, hilf meinem Sohn;
er ist mein einziges Kind!
39 Immer wieder wird er von einem ´bösen` Geist gepackt. Dann schreit er
plötzlich auf, wird von dem Geist hin und her gezerrt, und Schaum tritt ihm
vor den Mund. Der Geist lässt fast nicht wieder von ihm ab; er richtet sein
Leben noch völlig zugrunde.
40 Ich habe deine Jünger gebeten, den Geist auszutreiben, doch sie konnten es
nicht.
41 Was seid ihr nur für eine ungläubige und verkehrte Generation!, erwiderte
Jesus. Wie lange soll ich noch bei euch sein und euch ertragen? Bring deinen
Sohn her!
42 Sowie der Junge in die Nähe Jesu kam, warf ihn der Dämon zu Boden und
riss ihn hin und her. Aber Jesus trat dem bösen Geist mit Macht entgegen,
heilte den Jungen und gab ihn seinem Vater zurück.
43 Alle waren überwältigt von der Größe Gottes. Die Leute waren voller
Staunen über alles, was Jesus tat. Er aber sagte zu seinen Jüngern:
44 Prägt euch gut ein, was ich euch jetzt sage: Der Menschensohn wird in die
Hände der Menschen gegeben werden.
45 Doch sie konnten mit dieser Aussage nichts anfangen. Was damit gemeint
war, war ihnen verborgen; sie begriffen es nicht, wagten aber auch nicht, ihn
danach zu fragen.
46 Unter den Jüngern kam die Frage auf, wer von ihnen wohl der Größte sei.
47 Jesus wusste, was in ihren Herzen vorging. Er nahm ein Kind, stellte es
neben sich
48 und sagte: Wer dieses Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich
auf; und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat. Wirklich
groß ist der, der unter euch allen der Geringste ist.
49 Johannes sagte zu Jesus: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in
deinem Namen Dämonen austrieb. Wir haben versucht, ihn daran zu hindern,
weil er nicht mit uns zusammen dir nachfolgt.
50 Doch Jesus gab ihm zur Antwort: Hindert ihn nicht! Denn wer nicht gegen
euch ist, der ist für euch.
51 Als die Zeit näher rückte, in der Jesus die Erde verlassen und in den
Himmel zurückkehren sollte, machte er sich entschlossen auf den Weg nach
Jerusalem.
52 Er schickte Boten voraus; diese kamen in ein Dorf in Samarien und wollten
dort eine Unterkunft für ihn besorgen.
53 Aber weil er auf dem Weg nach Jerusalem war, wollte man ihn nicht
aufnehmen.
54 Als seine Jünger Jakobus und Johannes das hörten, sagten sie: Herr, sollen
wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet?
55 Da wandte sich Jesus zu ihnen um und wies sie streng zurecht.
56 Sie übernachteten dann in einem anderen Dorf.
57 Als sie weitergingen, wurde Jesus von einem Mann angesprochen. Ich will
dir folgen, wohin du auch gehst, sagte er.
58 Jesus erwiderte: Die Füchse haben ihren Bau und die Vögel ihre Nester;
aber der Menschensohn hat keinen Ort, wo er sich ausruhen kann.
59 Zu einem anderen sagte Jesus: Folge mir nach! Er aber antwortete: Herr,
erlaube mir, zuerst noch ´nach Hause` zu gehen und mich um das Begräbnis
meines Vaters zu kümmern.
60 Jesus erwiderte: Lass die Toten ihre Toten begraben. Du aber geh und
verkünde die Botschaft vom Reich Gottes!
61 Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr; doch erlaube mir,
dass ich zuerst noch von meiner Familie Abschied nehme.
62 Jesus erwiderte: Wer die Hand an den Pflug legt und dann zurückschaut, ist
nicht brauchbar für das Reich Gottes.
Lukas 10
Die Aussendung der zweiundsiebzig Jünger
1 Danach bestimmte der Herr zweiundsiebzig andere Jünger und schickte sie
zu zweit voraus in alle Städte und Ortschaften, die er später selbst aufsuchen
wollte.
2 Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, doch es sind nur wenig Arbeiter da.
Bittet deshalb den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter auf sein Erntefeld
schickt.
3 Geht nun! Seht, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe.
4 Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Sandalen.
Haltet euch unterwegs nicht mit langen Begrüßungen auf.
5 Wenn ihr ein Haus betretet, sagt als Erstes: Friede sei mit diesem Haus!
6 Wenn dort jemand bereit ist, den Frieden zu empfangen, den ihr bringt,
wird der Frieden auf ihm bleiben; wenn aber nicht, wird der Frieden zu euch
zurückkehren.
7 Bleibt in dem Haus, in dem man euch aufnimmt. Esst und trinkt, was man
euch dort gibt; denn wer arbeitet, hat Anrecht auf seinen Lohn. Geht nicht
von Haus zu Haus, um eine andere Unterkunft zu suchen.
8 Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, dann esst, was man
euch anbietet.
9 Heilt die Kranken, die dort sind, und verkündet den Bewohnern der Stadt:
Das Reich Gottes ist zu euch gekommen.
10 Wenn ihr aber in eine Stadt kommt und man euch nicht aufnimmt, dann
geht durch ihre Straßen und ruft:
11 Selbst den Staub, der sich in eurer Stadt an unsere Füße geheftet hat,
wischen wir ab, damit ihr gewarnt seid. Aber das sollt ihr wissen: Das Reich
Gottes ist gekommen.
12 Ich sage euch: Sodom wird es am Tag des Gerichts noch erträglich gehen
im Vergleich zu solch einer Stadt.
13 Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Wenn in Tyrus und Sidon die
Wunder geschehen wären, die bei euch geschehen sind – die Menschen dort
hätten sich längst in Sacktuch ´gehüllt` und in Asche gesetzt und wären ´zu
Gott` umgekehrt.
14 Tyrus und Sidon – so viel steht fest – wird es im Gericht noch erträglich
gehen im Vergleich zu euch.
15 Und du, Kafarnaum, meinst du etwa, du wirst zum Himmel emporgehoben
werden? Ins Totenreich musst du hinunter!
16 Wer auf euch hört, hört auf mich, und wer euch ablehnt, lehnt mich ab.
Wer aber mich ablehnt, lehnt den ab, der mich gesandt hat.
17 Die zweiundsiebzig Jünger kehrten voller Freude zurück. Herr, sagten sie,
sogar die Dämonen müssen uns gehorchen, wenn wir uns auf deinen Namen
berufen!
18 Da sagte Jesus zu ihnen: Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel
fallen.
19 Es ist wahr, ich habe euch Vollmacht gegeben, auf Schlangen und
Skorpione zu treten und die ganze Macht des Feindes zu überwinden, und
nichts wird euch schaden können.
20 Doch nicht darüber sollt ihr euch freuen, dass euch die Geister gehorchen.
Freut euch vielmehr, dass eure Namen im Himmel aufgeschrieben sind.
21 Nun begann Jesus, im Heiligen Geist vor Freude zu jubeln; er rief: Ich
preise dich, Vater, du Herr über Himmel und Erde, dass du das alles den
Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja,
Vater, so hast du es gewollt, und dafür preise ich dich.
22 Alles hat mir mein Vater übergeben. Niemand weiß, wer der Sohn ist, nur
der Vater; und niemand weiß, wer der Vater ist, nur der Sohn – und die,
denen der Sohn es offenbaren will.
23 Dann wandte sich Jesus wieder zu den Jüngern, nahm sie beiseite und
sagte: Glücklich zu preisen sind die, die das sehen, was ihr seht!
24 Denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige hätten gern gesehen, was
ihr seht, und haben es nicht gesehen; sie hätten gern gehört, was ihr hört,
und haben es nicht gehört.
25 Ein Gesetzeslehrer wollte Jesus auf die Probe stellen. Meister, fragte er, was
muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen?
26 Jesus entgegnete: Was steht im Gesetz? Was liest du dort?
27 Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen,
mit ganzer Hingabe, mit aller deiner Kraft und mit deinem ganzen
Verstand! Und: Du sollst deine Mitmenschen lieben wie dich selbst! –
28 Du hast richtig geantwortet, sagte Jesus. Tu das, und du wirst leben.
29 Der Gesetzeslehrer wollte sich verteidigen; deshalb fragte er: Und wer ist
mein Mitmensch?
richtig, dass meine Schwester mich die ganze Arbeit allein tun lässt? Sag ihr
doch, sie soll mir helfen! –
41 Martha, Martha, erwiderte der Herr, du bist wegen so vielem in Sorge und
Unruhe,
42 aber notwendig ist nur eines. Maria hat das Bessere gewählt, und das soll
ihr nicht genommen werden.
Lukas 11
Jesus lehrt seine Jünger beten
1 Jesus hatte unterwegs Halt gemacht und gebetet. Darauf bat ihn einer seiner
Jünger: Herr, lehre uns beten; auch Johannes hat seine Jünger beten gelehrt.
2 Jesus sagte zu ihnen: Wenn ihr betet, dann sprecht: Vater, dein Name werde
geheiligt. Dein Reich komme.
3 Gib uns jeden Tag, was wir zum Leben brauchen.
4 Und vergib uns unsere Sünden; auch wir vergeben jedem, der an uns
schuldig geworden ist. Und lass uns nicht in Versuchung geraten.
5 Weiter sagte Jesus zu seinen Jüngern: Angenommen, einer von euch hat
einen Freund. Mitten in der Nacht sucht er ihn auf und sagt zu ihm: Bitte leih
mir doch drei Brote!
6 Ein Freund von mir hat auf der Reise bei mir Halt gemacht, und ich habe
nichts, was ich ihm anbieten könnte.
7 Und angenommen, der, den er um Brot bittet, ruft dann von drinnen: Lass
mich in Ruhe! Die Tür ist schon abgeschlossen, und meine Kinder und ich
sind längst im Bett. Ich kann jetzt nicht aufstehen und dir etwas geben.
8 Ich sage euch: Er wird es schließlich doch tun – wenn nicht deshalb, weil
der andere mit ihm befreundet ist, dann doch bestimmt, weil er ihm keine
Ruhe lässt. Er wird aufstehen und ihm alles geben, was er braucht.
9 Darum sage ich euch: Bittet, und es wird euch gegeben; sucht, und ihr
werdet finden; klopft an, und es wird euch geöffnet.
10 Denn jeder, der bittet, empfängt, und wer sucht, findet, und wer anklopft,
dem wird geöffnet.
11 Ist unter euch ein Vater, der seinem Kind eine Schlange geben würde, wenn
es ihn um einen Fisch bittet?
12 Oder einen Skorpion, wenn es ihn um ein Ei bittet?
13 Wenn also ihr, die ihr doch böse seid, das nötige Verständnis habt, um
euren Kindern gute Dinge zu geben, wie viel mehr wird dann der Vater im
Himmel denen den Heiligen Geist geben, die ihn darum bitten.
14 Einmal trieb Jesus einen stummen Dämon ´aus einem Besessenen` aus.
Sowie der Dämon ausgefahren war, konnte der Mann, der bis dahin stumm
gewesen war, reden. Die Menge staunte;
15 doch einige waren darunter, die sagten: Er treibt die Dämonen mit Hilfe
von Beelzebul aus, dem Obersten der Dämonen.
16 Andere wollten Jesus auf die Probe stellen und forderten von ihm ein
Zeichen vom Himmel.
17 Jesus, der ihre Überlegungen kannte, sagte zu ihnen: Jedes Reich, das mit
sich selbst im Streit liegt, geht zugrunde; in einem solchen Reich fällt eine
Familie über die andere her.
18 Wenn also der Satan mit sich selbst im Streit liegt, wie kann sein Reich
dann bestehen? Und ihr behauptet, dass ich die Dämonen mit Hilfe von
Beelzebul austreibe!
19 Wenn ich die Dämonen tatsächlich mit Hilfe von Beelzebul austreibe, mit
wessen Hilfe treiben dann eure eigenen Leute sie aus? Sie selbst sind es
daher, die über euch das Urteil sprechen werden.
20 Wenn ich die Dämonen nun aber durch Gottes Finger austreibe, dann ist
doch das Reich Gottes zu euch gekommen.
21 Solange ein starker Mann in voller Bewaffnung sein Haus bewacht, ist sein
Besitz in Sicherheit.
22 Doch wenn ein Stärkerer ihn angreift und ihn besiegt, nimmt er ihm alle
seine Waffen weg, auf die er sich verlassen hat, und verteilt die Beute.
23 Wer nicht auf meiner Seite steht, ist gegen mich, und wer nicht mit mir
sammelt, zerstreut.
24 Wenn ein böser Geist einen Menschen verlassen hat, zieht er durch öde
Gegenden und sucht einen Ruheplatz, findet aber keinen. Dann sagt er sich:
Ich will wieder in mein Haus gehen, das ich verlassen habe.
25 Er kehrt zurück und findet das Haus sauber und aufgeräumt.
26 Daraufhin geht er und holt sieben andere Geister, die noch schlimmer sind
als er selbst, und sie ziehen in das Haus ein und wohnen dort. Damit steht es
am Ende schlimmer um diesen Menschen als am Anfang.
27 Während Jesus über diese Dinge sprach, unterbrach ihn plötzlich eine Frau
aus der Menge und rief ihm zu: Glücklich zu preisen ist die Frau, die dich zur
Welt bringen und die dich stillen durfte! –
28 Ja, erwiderte Jesus, glücklich zu preisen sind die, die Gottes Wort hören
und es befolgen.
29 Die Menge, die sich um Jesus drängte, wurde immer größer. Da sagte er:
Diese Generation ist böse! Sie verlangt ein Zeichen. Aber es wird ihr kein
Zeichen gegeben werden, nur das des ´Propheten` Jona.
30 Denn wie Jona für die Leute von Ninive ein Zeichen war, so wird es auch
der Menschensohn für die heutige Generation sein.
31 Im Gericht wird die Königin aus dem Süden gegen die Menschen der
heutigen Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie kam vom Ende
der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören – und hier ist einer, der mehr ist
als Salomo!
32 Im Gericht werden auch die Leute von Ninive gegen die heutige Generation
auftreten und sie verurteilen; denn sie sind auf Jonas Predigt hin umgekehrt –
und hier ist einer, der mehr ist als Jona!
33 Niemand zündet eine Lampe an und versteckt sie dann in einem Winkel
oder stellt sie unter ein Gefäß. Im Gegenteil: Man stellt sie auf den
Lampenständer, damit jeder, der hereinkommt, Licht hat und sehen kann.
34 Das Auge gibt deinem Körper Licht. Ist dein Auge gut, dann ist dein ganzer
Körper im Licht. Ist es jedoch schlecht, dann ist dein Körper im Finstern.
35 Achte deshalb darauf, dass das Licht in dir nicht Finsternis ist.
36 Wenn nun dein ganzer Körper im Licht steht und nichts mehr an ihm
finster ist, dann ist es, wie wenn dich eine Lampe mit ihrem hellen Schein
anstrahlt; alles steht im Licht.
37 Kaum hatte Jesus aufgehört zu reden, lud ihn ein Pharisäer zum Essen ein.
Jesus ging zu ihm ins Haus und nahm am Tisch Platz,
38 ohne zuerst die vorgeschriebene Waschung zu verrichten. Als der Pharisäer
das sah, war er entrüstet.
39 Da sagte der Herr zu ihm: So seid ihr Pharisäer! Ihr reinigt das Äußere
eurer Becher und Schüsseln, aber euer Inneres ist voll Raubgier und Bosheit.
40 Ihr Toren! Hat der, der das Äußere schuf, nicht auch das Innere
geschaffen?
41 Gebt doch, was in euren Bechern und Schüsseln ist, den Armen, und ihr
werdet sehen: Alles ist dann für euch rein!
42 Aber wehe euch Pharisäern! Ihr gebt den zehnten Teil von ´Kräutern wie`
Minze und Raute und von sämtlichen Gemüsesorten und lasst dabei ´die
Forderungen` der Gerechtigkeit und der Liebe Gottes außer Acht. Diese solltet
ihr erfüllen und das andere nicht unterlassen.
43 Wehe euch Pharisäern! In den Synagogen nehmt ihr die vordersten Sitze für
euch in Anspruch, und ihr liebt es, wenn man euch auf der
Straße ehrfurchtsvoll grüßt.
44 Wehe euch! Ihr seid wie Gräber, die unkenntlich geworden sind; die Leute
gehen darüber ´und verunreinigen sich`, ohne es zu merken.