A Part 1
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German Language
Bibeltext der Neuen Genfer Übersetzung – Neues Testament und Psalmen
© 2011 Genfer Bibelgesellschaft
2
25 Er hatte jedoch keinen Verkehr mit ihr, bis sie einen Sohn geboren hatte.
Josef gab ihm den Namen Jesus.
Matthäus 2
Der Besuch der Sterndeuter
1 Jesus wurde zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem, ´einer Stadt` in
Judäa, geboren. Bald darauf kamen Sterndeuter aus ´einem Land im` Osten
nach Jerusalem.
2 Wo ist der König der Juden, der kürzlich geboren wurde?, fragten sie. Wir
haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm Ehre zu
erweisen.
3 Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem.
4 Er rief alle führenden Priester und alle Schriftgelehrten des jüdischen Volkes
zusammen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden
sollte.
5 In Betlehem in Judäa, antworteten sie, denn so ist es in der Schrift durch
den Propheten vorausgesagt:
6 Und du, Betlehem im Land Juda, du bist keineswegs die unbedeutendste
unter den Städten Judas; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der mein
Volk Israel führen wird wie ein Hirte seine Herde.
7 Da rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen
den genauen Zeitpunkt angeben, an dem der Stern zum ersten Mal erschienen
war.
8 Daraufhin schickte er sie nach Betlehem. Geht und erkundigt euch genau
nach dem Kind, sagte er, und gebt mir Bescheid, sobald ihr es gefunden habt.
Dann kann auch ich hingehen und ihm Ehre erweisen.
9 Mit diesen Anweisungen des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der
Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her, bis er schließlich
über dem Ort stehen blieb, wo das Kind war.
20 und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und geh wieder nach
Israel! Denn die, die dem Kind nach dem Leben trachteten, sind tot.
21 Da stand Josef auf und kehrte mit dem Kind und dessen Mutter nach Israel
zurück.
22 Doch er fürchtete sich davor, nach Judäa zu ziehen, weil er hörte, dass dort
als Nachfolger von Herodes dessen Sohn Archelaus regierte. Auf eine Weisung
hin, die er im Traum erhielt, ging er in das Gebiet von Galiläa.
23 Dort ließ er sich in der Stadt Nazaret nieder. Auf diese Weise erfüllte sich,
was durch die Propheten vorausgesagt worden war: Er sollte Nazarener
genannt werden.
Matthäus 3
Johannes der Täufer – Jesu Wegbereiter
1 In jener Zeit trat Johannes der Täufer in der Wüste von Judäa auf und
verkündete:
2 Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.
3 Johannes war der, von dem der Prophet Jesaja sagt: Hört, eine Stimme ruft
in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet seine Pfade!
4 Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaar und um seine Hüften einen
Ledergürtel; Heuschrecken und wilder Honig waren seine Nahrung.
5 Die Einwohner Jerusalems sowie die Bevölkerung von ganz Judäa und von
der gesamten Jordangegend gingen zu ihm in die Wüste;
6 sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen.
7 Es kamen auch viele Pharisäer und Sadduzäer zu Johannes, um sich taufen
zu lassen. Zu ihnen sagte er: Ihr Schlangenbrut! Wer hat euch auf den
Gedanken gebracht, ihr könntet dem kommenden Gericht entgehen?
8 Bringt Frucht, die zeigt, dass es euch mit der Umkehr ernst ist,
9 und meint nicht, ihr könntet euch darauf berufen, dass ihr Abraham zum
Vater habt. Ich sage euch: Gott kann Abraham aus diesen Steinen hier Kinder
erwecken.
10 Die Axt ist schon an die Wurzel der Bäume gelegt, und jeder Baum, der
keine guten Früchte bringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen.
11 Ich taufe euch mit Wasser ´als Bestätigung` für eure Umkehr. Der aber, der
nach mir kommt, ist stärker als ich; ich bin es nicht einmal wert, ihm die
Sandalen auszuziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer
taufen.
12 Er hat die Worfschaufel in der Hand und wird damit die Spreu vom Weizen
trennen. Den Weizen wird er in die Scheune bringen, die Spreu aber wird er
in nie erlöschendem Feuer verbrennen.
13 Auch Jesus kam aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm
taufen zu lassen.
14 Johannes wehrte sich entschieden dagegen: Ich hätte es nötig, mich von dir
taufen zu lassen, und du kommst zu mir?
15 Aber Jesus gab ihm zur Antwort: Lass es für diesmal geschehen! Es ist
richtig so, denn wir sollen alles erfüllen, was Gottes Gerechtigkeit fordert. Da
willigte Johannes ein.
16 In dem Augenblick, als Jesus nach seiner Taufe aus dem Wasser
stieg, öffnete sich über ihm der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine
Taube auf sich herabkommen.
17 Und aus dem Himmel sprach eine Stimme: Dies ist mein geliebter Sohn, an
ihm habe ich Freude.
Matthäus 4
Die Versuchung Jesu
1 Danach wurde Jesus vom Geist ´Gottes` in die Wüste geführt, weil er dort
vom Teufel versucht werden sollte.
2 Nachdem er vierzig Tage und Nächte gefastet hatte, war er sehr hungrig.
3 Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist,
dann befiehl, dass diese Steine hier zu Brot werden!
4 Aber Jesus gab ihm zur Antwort: Es heißt in der Schrift: Der Mensch
lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund
kommt.
5 Daraufhin ging der Teufel mit ihm in die Heilige Stadt, stellte ihn auf einen
Vorsprung des Tempeldaches
6 und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, dann stürz dich hinunter! Denn es
heißt in der Schrift: Er wird dir seine Engel schicken; sie werden dich auf
ihren Händen tragen, damit du mit deinem Fuß nicht an einen Stein stößt.
7 Jesus entgegnete: In der Schrift heißt es aber auch: Du sollst den Herrn,
deinen Gott, nicht herausfordern!
8 Schließlich ging der Teufel mit ihm auf einen sehr hohen Berg, zeigte ihm
alle Reiche der Welt mit ihrer Herrlichkeit
9 und sagte: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst
und mich anbetest.
10 Darauf sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn es heißt in der Schrift:
Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten; ihm allein sollst du dienen.
11 Da ließ der Teufel von ihm ab. Und Engel kamen zu ihm und dienten ihm.
12 Als Jesus hörte, dass Johannes gefangen genommen worden war, zog er
sich nach Galiläa zurück.
13 Allerdings blieb er nicht in Nazaret, sondern wohnte von da an in
Kafarnaum, ´einer Stadt` am See, im Gebiet von Sebulon und Naftali.
14 So erfüllte sich, was durch den Propheten Jesaja vorausgesagt worden war:
15 Das Land Sebulon und das Land Naftali, das Gebiet gegen den See hin, die
Gegend jenseits des Jordans, das Galiläa der ´heidnischen` Völker –
16 das Volk, das in der Finsternis lebt, sieht ein großes Licht; über denen, die
im Land der Todesschatten wohnen, ist ein helles Licht aufgegangen.
17 Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich
ist nahe.
18 Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Fischer, die auf dem
See ihr Netz auswarfen. Es waren Brüder, Simon, auch Petrus genannt, und
Andreas.
19 Jesus sagte zu ihnen: Kommt, folgt mir nach! Ich will euch zu
Menschenfischern machen.
20 Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.
21 Als er von dort weiterging, sah er wieder zwei Brüder, Jakobus, den Sohn
des Zebedäus, und Johannes; sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot
und brachten ihre Netze in Ordnung. Jesus forderte sie auf, mit ihm zu
kommen.
22 Und sofort ließen sie das Boot und ihren Vater zurück und folgten Jesus.
23 Jesus zog durch ganz Galiläa; er lehrte in den Synagogen, verkündete die
Botschaft vom Reich ´Gottes` und heilte alle Kranken und Leidenden im
Volk.
24 So wurde er ´über Galiläa hinaus` in ganz Syrien bekannt. Man brachte alle
Leidenden zu ihm, Menschen, die von den verschiedensten Krankheiten und
Beschwerden geplagt waren, auch Besessene, Epileptiker und Gelähmte, und
er machte sie gesund.
25 Große Menschenmengen folgten ihm aus Galiläa und dem
Zehnstädtegebiet, aus Jerusalem und Judäa und aus der Gegend jenseits des
Jordans.
Matthäus 5
1 Als Jesus die Menschenmenge sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich,
seine Jünger versammelten sich um ihn,
15 Auch zündet niemand eine Lampe an und stellt sie dann unter ein Gefäß.
Im Gegenteil: Man stellt sie auf den Lampenständer, damit sie allen im Haus
Licht gibt.
16 So soll auch euer Licht vor den Menschen leuchten: Sie sollen eure guten
Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.
17 Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz oder die Propheten außer
Kraft zu setzen. Ich bin nicht gekommen, um außer Kraft zu setzen, sondern
um zu erfüllen.
18 Denn ich sage euch: Solange Himmel und Erde nicht vergehen, wird auch
kein einziger Buchstabe und nicht ein einziges Strichlein vom Gesetz
vergehen; alles muss sich erfüllen.
19 Wer darum eines dieser Gebote – und wäre es das geringste – für ungültig
erklärt und die Menschen in diesem Sinn lehrt, der gilt im Himmelreich als
der Geringste. Wer aber danach handelt und entsprechend lehrt, der gilt viel
im Himmelreich.
20 Denn ich sage euch: Wenn euer Leben der Gerechtigkeit Gottes nicht besser
entspricht als das der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr mit
Sicherheit nicht ins Himmelreich kommen.
21 Ihr wisst, dass zu den Vorfahren gesagt worden ist: Du sollst keinen Mord
begehen! Wer einen Mord begeht, soll vor Gericht gestellt werden.
22 Ich aber sage euch: Jeder, der auf seinen Bruder zornig ist, gehört vor
Gericht. Wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf, der gehört vor den
Hohen Rat. Und wer zu ihm sagt: Du Idiot, der gehört ins Feuer der Hölle.
23 Wenn du also deine Gabe zum Altar bringst und dir dort einfällt, dass dein
Bruder etwas gegen dich hat,
24 dann lass deine Gabe dort vor dem Altar; geh und versöhne dich zuerst mit
deinem Bruder! Danach komm und bring ´Gott` deine Gabe dar.
25 Wenn du jemand eine Schuld zu bezahlen hast, dann einige dich mit ihm,
solange du noch mit ihm auf dem Weg ´zum Gericht` bist. Tu es schnell, sonst
übergibt er dich dem Richter, und dieser übergibt dich dem Gerichtsdiener,
und du wirst ins Gefängnis geworfen.
26 Ich sage dir: Du wirst von dort nicht herauskommen, bevor du alles bis auf
den letzten Heller bezahlt hast.
27 Ihr wisst, dass es heißt: Du sollst nicht die Ehe brechen!
28 Ich aber sage euch: Jeder, der eine Frau mit begehrlichem Blick ansieht,
hat damit in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.
29 Wenn du durch dein rechtes Auge zu Fall kommst, dann reiß es aus und
wirf es weg! Es ist besser, du verlierst eines deiner Glieder, als dass du mit
unversehrtem Körper in die Hölle geworfen wirst.
30 Und wenn du durch deine rechte Hand zu Fall kommst, dann hau sie ab
und wirf sie weg! Es ist besser, du verlierst eines deiner Glieder, als dass du
mit unversehrtem Körper in die Hölle kommst.
31 Es heißt: Wer sich von seiner Frau scheiden will, muss ihr eine
Scheidungsurkunde aushändigen.
32 Ich aber sage euch: Jeder, der sich von seiner Frau scheidet – es sei denn,
dass sie ihm untreu geworden ist – , treibt sie in den Ehebruch; und wer eine
geschiedene Frau heiratet, begeht ebenfalls Ehebruch.
33 Ihr wisst auch, dass zu den Vorfahren gesagt worden ist: Einen Eid darfst
du nicht brechen; du sollst alles halten, was du dem Herrn geschworen hast.
34 Ich aber sage euch: Ihr sollt überhaupt nicht schwören, weder beim
Himmel, denn er ist Gottes Thron,
35 noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel seiner Füße, noch bei
Jerusalem, denn sie ist die Stadt des großen Königs.
36 Nicht einmal mit deinem eigenen Kopf sollst du dich verbürgen, wenn du
schwörst; denn du bist nicht in der Lage, auch nur ein einziges deiner Haare
weiß oder schwarz werden zu lassen.
37 Euer Ja sei ein Ja und euer Nein ein Nein; jedes weitere Wort ist vom
Bösen.
38 Ihr wisst, dass es heißt: Auge um Auge, Zahn um Zahn.
39 Ich aber sage euch: Setzt euch nicht zur Wehr gegen den, der euch etwas
Böses antut. Im Gegenteil: Wenn dich jemand auf die rechte Backe schlägt,
dann halt ihm auch die linke hin.
40 Wenn einer mit dir vor Gericht gehen will, um zu erreichen, dass er dein
Hemd bekommt, dann lass ihm auch den Mantel.
41 Und wenn jemand von dir verlangt, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh
zwei mit ihm.
42 Gib dem, der dich bittet, und weise den nicht ab, der etwas von dir
ausleihen möchte.
43 Ihr wisst, dass es heißt: Du sollst deine Mitmenschen lieben, und du sollst
deine Feinde hassen.
44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, und betet für die, die euch
verfolgen.
45 Damit erweist ihr euch als Söhne eures Vaters im Himmel. Denn er lässt
seine Sonne über Bösen und Guten aufgehen und lässt es regnen für Gerechte
und Ungerechte.
46 Wenn ihr ´nur` die liebt, die euch Liebe erweisen, was für einen Lohn habt
ihr dafür zu erwarten? Tun das nicht sogar ´Leute wie` die Zolleinnehmer?
47 Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr damit
Besonderes? Tun das nicht sogar die Heiden, ´die Gott nicht kennen`?
48 Ihr aber sollt vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.
Matthäus 6
12 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir denen vergeben haben, die an
uns schuldig wurden.
13 Und lass uns nicht in Versuchung geraten, sondern errette uns vor dem
Bösen.
14 Wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, wird euer Vater im
Himmel euch auch vergeben.
15 Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, wird euer Vater ´im Himmel`
euch eure Verfehlungen auch nicht vergeben.
… beim Fasten
16 Wenn ihr fastet, setzt keine Leidensmiene auf wie die Heuchler. Sie
vernachlässigen ihr Aussehen, damit die Leute ihnen ansehen, dass sie fasten.
Ich sage euch: Sie haben ihren Lohn damit schon erhalten.
17 Wenn du fastest, pflege dein Haar und wasche dir das Gesicht ´wie sonst
auch`,
18 damit die Leute dir nicht ansehen, dass du fastest; nur dein Vater, der
´auch` im Verborgenen ´gegenwärtig` ist, ´soll es wissen`. Dann wird dein
Vater, der ins Verborgene sieht, dich belohnen.
19 Sammelt euch keine Reichtümer hier auf der Erde, wo Motten und Rost sie
zerfressen und wo Diebe einbrechen und sie stehlen.
20 Sammelt euch stattdessen Reichtümer im Himmel, wo weder Motten noch
Rost sie zerfressen und wo auch keine Diebe einbrechen und sie stehlen.
21 Denn wo dein Reichtum ist, da wird auch dein Herz sein.
22 Das Auge gibt dem Körper Licht. Ist dein Auge gut, dann ist dein ganzer
Körper im Licht.
23 Ist dein Auge jedoch schlecht, dann ist dein ganzer Körper im Finstern.
Wenn nun das Licht in dir Finsternis ist, was für eine Finsternis wird das
sein!
24 Ein Mensch kann nicht zwei Herren dienen. Er wird dem einen ergeben
sein und den anderen abweisen. Für den einen wird er sich ganz einsetzen,
und den anderen wird er verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und zugleich
dem Mammon.
25 Deshalb sage ich euch: Macht euch keine Sorgen um das, was ihr an Essen
und Trinken zum Leben und an Kleidung für euren Körper braucht. Ist das
Leben nicht wichtiger als die Nahrung, und ist der Körper nicht wichtiger als
die Kleidung?
26 Seht euch die Vögel an! Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln keine
Vorräte, und euer Vater im Himmel ernährt sie doch. Seid ihr nicht viel mehr
wert als sie?
27 Wer von euch kann dadurch, dass er sich Sorgen macht, sein Leben auch
nur um eine einzige Stunde verlängern?
28 Und warum macht ihr euch Sorgen um eure Kleidung? Seht euch die Lilien
auf dem Feld an und lernt von ihnen! Sie wachsen, ohne sich abzumühen und
ohne zu spinnen ´und zu weben`.
29 Und doch sage ich euch: Sogar Salomo in all seiner Pracht war nicht so
schön gekleidet wie eine von ihnen.
30 Wenn Gott die Feldblumen, die heute blühen und morgen ins Feuer
geworfen werden, so herrlich kleidet, wird er sich dann nicht erst recht um
euch kümmern, ihr Kleingläubigen?
31 Macht euch also keine Sorgen! Fragt nicht: Was sollen wir essen? Was
sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen?
32 Denn um diese Dinge geht es den Heiden, ´die Gott nicht kennen`. Euer
Vater im Himmel aber weiß, dass ihr das alles braucht.
33 Es soll euch zuerst um Gottes Reich und Gottes Gerechtigkeit gehen, dann
wird euch das Übrige alles dazugegeben.
34 Macht euch keine Sorgen um den nächsten Tag! Der nächste Tag wird für
sich selbst sorgen. Es genügt, dass jeder Tag seine eigene Last mit sich bringt.
Matthäus 7
Warnung vor selbstgerechtem Urteilen …
1 Verurteilt niemand, damit auch ihr nicht verurteilt werdet.
2 Denn so, wie ihr über andere urteilt, werdet ihr selbst beurteilt werden, und
mit dem Maß, das ihr bei anderen anlegt, werdet ihr selbst gemessen
werden.
3 Wie kommt es, dass du den Splitter im Auge deines Bruders siehst, aber den
Balken in deinem eigenen Auge nicht bemerkst?
4 Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Halt still! Ich will dir den Splitter
aus dem Auge ziehen – und dabei sitzt ein Balken in deinem eigenen Auge?
5 Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge; dann wirst
du klar sehen und kannst den Splitter aus dem Auge deines Bruders ziehen.
aber kein Verzicht auf notwendige Beurteilung
6 Gebt das Heilige nicht den Hunden, werft eure Perlen nicht vor die
Schweine! Sie könnten sonst eure Perlen zertrampeln und sich dann gegen
euch selbst wenden und euch zerreißen.
7 Bittet, und es wird euch gegeben; sucht, und ihr werdet finden; klopft an,
und es wird euch geöffnet.
8 Denn jeder, der bittet, empfängt, und wer sucht, findet, und wer anklopft,
dem wird geöffnet.
9 Oder würde jemand unter euch seinem Kind einen Stein geben, wenn es ihn
um Brot bittet?
10 Würde er ihm eine Schlange geben, wenn es ihn um einen Fisch bittet?
11 Wenn also ihr, die ihr doch böse seid, das nötige Verständnis habt, um
euren Kindern gute Dinge zu geben, wie viel mehr wird dann euer Vater im
Himmel denen Gutes geben, die ihn darum bitten.
12 Behandelt eure Mitmenschen in allem so, wie ihr selbst von ihnen
behandelt werden wollt. Das ist es, was das Gesetz und die Propheten
fordern.
13 Geht durch das enge Tor! Denn das weite Tor und der breite Weg führen
ins Verderben, und viele sind auf diesem Weg.
14 Doch das enge Tor und der schmale Weg führen ins Leben, und nur wenige
finden diesen Weg.
15 Hütet euch vor den falschen Propheten! Sie kommen im Schafskleid zu
euch, in Wirklichkeit aber sind sie reißende Wölfe.
16 An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Erntet man etwa Trauben von
Dornbüschen oder Feigen von Disteln?
17 So trägt jeder gute Baum gute Früchte; ein schlechter Baum hingegen trägt
schlechte Früchte.
18 Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte tragen; ebenso wenig kann
ein schlechter Baum gute Früchte tragen.
19 Jeder Baum, der keine guten Früchte trägt, wird umgehauen und ins Feuer
geworfen.
20 Deshalb ´sage ich`: An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.
21 Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr!, wird ins Himmelreich kommen,
sondern nur der, der den Willen meines Vaters im Himmel tut.
22 Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr! Haben wir nicht in
deinem Namen prophetisch geredet, in deinem Namen Dämonen ausgetrieben
und in deinem Namen viele Wunder getan?
23 Dann werde ich zu ihnen sagen: Ich habe euch nie gekannt. Geht weg von
mir, ihr mit eurem gesetzlosen Treiben!
24 Darum gleicht jeder, der meine Worte hört und danach handelt, einem
klugen Mann, der sein Haus auf felsigen Grund baut.
Matthäus 8
Heilung eines Aussätzigen
1 Als Jesus vom Berg herabstieg, folgte ihm eine große Menschenmenge.
2 Da kam ein Aussätziger zu ihm und warf sich vor ihm nieder. Herr, sagte er,
wenn du willst, kannst du mich rein machen.
3 Jesus streckte die Hand aus und berührte ihn. Ich will es, sagte er, sei rein!
Im selben Augenblick war der Mann von seinem Aussatz geheilt.
4 Jesus aber sagte zu ihm: Hüte dich, mit jemand darüber zu sprechen! Geh
stattdessen zum Priester, zeig dich ihm und bring die Opfergabe dar, die
Mose vorgeschrieben hat. Das soll ein Zeichen für sie sein.
5 Als Jesus nach Kafarnaum kam, trat der Hauptmann ´einer dort stationierten
Einheit` an ihn heran und bat ihn um Hilfe.
6 Herr, sagte er, mein Diener liegt gelähmt und mit furchtbaren Schmerzen
bei mir zu Hause.
7 Jesus erwiderte: Ich will kommen und ihn heilen. –
8 Herr, sagte daraufhin der Hauptmann, ich bin es nicht wert, dass du mein
Haus betrittst; doch sprich nur ein Wort, und mein Diener wird gesund.
9 Ich unterstehe ja selbst dem Befehl eines anderen und habe meinerseits
Soldaten unter mir. Wenn ich zu einem von ihnen sage: Geh!, dann geht er,
und wenn ich zu einem sage: Komm!, dann kommt er; und wenn ich zu
meinem Diener sage: Tu das und das!, dann tut er es.
10 Diese Antwort erstaunte Jesus, und er sagte zu denen, die ihm folgten: Ich
versichere euch: In ganz Israel habe ich bei keinem solch einen Glauben
gefunden.
11 Ja, ich sage euch: Viele werden von Osten und Westen kommen und sich
mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch setzen.
12 Aber die Bürger des Reiches werden in die Finsternis hinausgeworfen,
dorthin, wo es nichts gibt als lautes Jammern und angstvolles Zittern und
Beben.
13 Hierauf wandte sich Jesus zu dem Hauptmann und sagte: Du kannst nach
Hause gehen. Was du geglaubt hast, soll geschehen. Und zur gleichen Zeit
wurde der Diener gesund.
14 Jesus ging in das Haus des Petrus. Dessen Schwiegermutter lag mit Fieber
im Bett.
15 Jesus berührte ihre Hand; da verschwand das Fieber, und sie stand auf und
sorgte für sein Wohl.
16 Als es Abend geworden war, brachte man viele Besessene zu Jesus. Er trieb
die Geister durch sein Wort aus und heilte alle Kranken.
17 So erfüllte sich, was durch den Propheten Jesaja vorausgesagt worden war:
Er selbst hat unsere Leiden auf sich genommen, er hat unsere Krankheiten
getragen.
18 Die Menschenmenge, die sich um Jesus drängte, war so groß, dass er seinen
Jüngern befahl, mit ihm auf die andere Seite des Sees hinüberzufahren.
19 Da sprach ihn ein Schriftgelehrter an. Meister, sagte er, ich will dir folgen,
wohin du auch gehst.
20 Jesus erwiderte: Die Füchse haben ihren Bau und die Vögel ihre Nester;
aber der Menschensohn hat keinen Ort, wo er sich ausruhen kann.
21 Ein anderer, einer von seinen Jüngern, sagte zu Jesus: Herr, erlaube mir,
zuerst noch ´nach Hause` zu gehen und mich um das Begräbnis meines Vaters
zu kümmern.
22 Doch Jesus erwiderte: Folge mir nach, und lass die Toten ihre Toten
begraben!
23 Daraufhin stieg Jesus in das Boot; seine Jünger folgten ihm, ´und sie fuhren
los`.
24 Plötzlich brach auf dem See ein heftiger Sturm los, sodass das Boot fast von
den Wellen begraben wurde. Jesus aber schlief.
25 Die Jünger stürzten zu ihm und weckten ihn. Herr, schrien sie, rette uns,
wir sind verloren!
26 Aber Jesus sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst, ihr
Kleingläubigen? Dann stand er auf und wies den Wind und die Wellen in ihre
Schranken. Da trat eine große Stille ein.
27 Die Leute aber fragten voller Staunen: Wer ist das, dass ihm sogar Wind
und Wellen gehorchen?
28 Als Jesus in das Gebiet der Gadarener am gegenüberliegenden Ufer kam,
liefen ihm aus den Grabhöhlen zwei Besessene entgegen. Sie waren so
gefährlich, dass niemand den Weg benutzen konnte, der dort vorbeiführte.
29 Was willst du von uns, Sohn Gottes?, schrien sie. Bist du gekommen, um
uns schon vor der festgesetzten Zeit zu quälen?
30 In einiger Entfernung weidete eine große Herde Schweine.
31 Die Dämonen baten ihn: Wenn du uns austreibst, lass uns doch in die
Schweineherde fahren! –
32 Geht!, sagte Jesus. Da verließen die Dämonen die beiden Männer und
fuhren in die Schweine. Und augenblicklich stürzte sich die ganze Herde den
Abhang hinunter in den See, und die Tiere ertranken in den Fluten.
33 Die Schweinehirten rannten davon, liefen in die Stadt und berichteten alles,
´was geschehen war,` auch das mit den Besessenen.
34 Da machte sich die ganze Stadt auf den Weg; alle gingen Jesus entgegen.
Als sie sahen, ´was geschehen war,` drängten sie ihn, ihr Gebiet zu verlassen.
Matthäus 9
1 Jesus stieg ins Boot, fuhr über den See und kehrte in die Stadt zurück, in der
er wohnte.
2 Einige Männer brachten einen Gelähmten auf einer Tragbahre zu Jesus. Als
Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: Du brauchst dich nicht
zu fürchten, mein Sohn! Deine Sünden sind dir vergeben.
3 Einige Schriftgelehrte dachten im Stillen: Das ist ja Gotteslästerung!
4 Jesus waren ihre Gedanken nicht verborgen. Warum denkt ihr Böses in
eurem Herzen?, fragte er sie.
5 Was ist leichter – zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben oder: Steh auf
und geh umher!?
6 Doch ihr sollt wissen, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf
der Erde Sünden zu vergeben. Und er wandte sich zu dem Gelähmten und
sagte: Steh auf, nimm deine Tragbahre und geh nach Hause!
7 Da stand der Mann auf und ging nach Hause.
8 Als die Menge das sah, waren alle voller Ehrfurcht und priesen Gott, der den
Menschen solche Vollmacht gegeben hat.
9 Als Jesus weiterging und am Zollhaus vorbeikam, sah er dort einen Mann
sitzen; er hieß Matthäus. Jesus sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand
Matthäus auf und folgte Jesus.
10 Später war Jesus im Haus ´des Matthäus` zu Gast. Viele Zolleinnehmer und
andere Leute, die als Sünder galten, waren gekommen und nahmen
zusammen mit ihm und seinen Jüngern an dem Essen teil.
11 Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu den Jüngern: Wie kann euer
Meister nur zusammen mit Zolleinnehmern und Sündern essen?
12 Jesus hörte das und erwiderte: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt,
sondern die Kranken.
13 Geht und denkt einmal darüber nach, was jenes Wort bedeutet:
Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer! Dann versteht ihr, dass ich nicht
gekommen bin, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder.
14 Daraufhin kamen die Jünger des Johannes zu Jesus und fragten: Warum
fasten deine Jünger nicht? Wir und die Pharisäer fasten doch so viel!
15 Jesus gab ihnen zur Antwort: Können etwa bei einer Hochzeit die
Gäste trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es kommt allerdings eine
Zeit, wo ihnen der Bräutigam entrissen sein wird; dann werden sie fasten.
16 Niemand flickt ein altes Kleid mit einem neuen Stück Stoff, sonst reißt das
neue Stück wieder aus, und der Riss wird noch größer.
17 Auch füllt man nicht jungen Wein in alte Schläuche. ´Er gärt ja noch, und`
die Schläuche würden platzen; der Wein würde auslaufen, und auch die
Schläuche wären nicht mehr zu gebrauchen. Nein, jungen Wein füllt man in
neue Schläuche; dann bleibt beides erhalten.
18 Während Jesus noch mit den Jüngern des Johannes redete, kam einer der
führenden Männer ´des Ortes`, warf sich vor ihm nieder und rief: Meine
Tochter ist eben gestorben. Aber komm doch und leg ihr deine Hand auf,
dann wird sie wieder leben!
19 Jesus stand auf und folgte ihm; auch seine Jünger kamen mit.
20 Unterwegs drängte sich eine Frau, die seit zwölf Jahren an schweren
Blutungen litt, von hinten an Jesus heran und berührte den Saum seines
Gewandes,
21 denn sie sagte sich: Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich
gesund.
22 Jesus wandte sich um; er sah die Frau an und sagte zu ihr: Du brauchst
dich nicht zu fürchten, meine Tochter! Dein Glaube hat dich gerettet. Von
dem Augenblick an war die Frau gesund.
23 Als Jesus schließlich ins Haus jenes führenden Mannes kam und die
Flötenspieler und die aufgeregte Menge sah,
24 sagte er: Geht hinaus! Das Mädchen ist nicht tot, es schläft nur. Da lachten
sie ihn aus.
25 Als die Leute hinausgetrieben waren, ging Jesus in den Raum, in dem das
Mädchen lag, und ergriff es bei der Hand. Da stand das Mädchen auf.
26 Die Nachricht von diesem Ereignis verbreitete sich in der ganzen Gegend.
27 Als Jesus von dort weiterging, folgten ihm zwei Blinde und riefen: Hab
Erbarmen mit uns, Sohn Davids!
28 Sowie er zu Hause angelangt war, traten sie näher. Er fragte sie: Glaubt ihr
denn, dass ich euch helfen kann? – Ja, Herr, antworteten sie.
29 Darauf berührte er ihre Augen und sagte: Was ihr geglaubt habt,
soll geschehen.
30 Da konnten sie sehen. Jesus aber verbot ihnen mit aller Entschiedenheit,
jemand etwas davon zu sagen.
31 Doch kaum waren sie aus dem Haus, da fingen sie an, in der ganzen
Gegend von Jesus zu erzählen.
32 Die beiden waren noch nicht zur Tür hinaus, da wurde ein Besessener, der
stumm war, zu Jesus gebracht.
33 Sowie der Dämon ausgetrieben war, konnte der Stumme reden. Die Menge
staunte, und alle sagten: So etwas hat man in Israel noch nie gesehen!
34 Die Pharisäer aber behaupteten: Er treibt die Dämonen mit Hilfe des
Obersten der Dämonen aus.
35 Jesus zog durch alle Städte und Dörfer ´jener Gegend`. Er lehrte in
den Synagogen, verkündete die Botschaft vom Reich ´Gottes` und heilte alle
Kranken und Leidenden.
36 Als er die Scharen von Menschen sah, ergriff ihn tiefes Mitgefühl; denn sie
waren erschöpft und hilflos wie Schafe, die keinen Hirten haben.
37 Da sagte er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, doch es sind nur wenig
Arbeiter da.
38 Bittet deshalb den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter auf sein Erntefeld
schickt!
Matthäus 10
Die zwölf Apostel
1 Dann rief Jesus seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen Vollmacht, böse
Geister auszutreiben und alle Kranken und Leidenden zu heilen.
2 Die Namen der zwölf Apostel sind: Simon, auch Petrus genannt, an erster
Stelle, und sein Bruder Andreas; Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und sein
Bruder Johannes;
3 Philippus und Bartholomäus; Thomas und Matthäus, der Zolleinnehmer;
Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Thaddäus;
4 Simon, der Zelot, und Judas Iskariot, der Jesus verriet.
5 Diese Zwölf sandte Jesus mit folgendem Auftrag aus: Setzt euren Fuß nicht
auf heidnisches Gebiet und betretet keine samaritanische Stadt,
6 sondern geht zu den verlorenen Schafen des Volkes Israel.
7 Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe.
8 Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus.
Was ihr umsonst bekommen habt, das gebt umsonst weiter.
9 Steckt euch kein Gold, kein Silber und kein Kupfergeld in euren Gürtel;
10 ´besorgt euch` auch keine Vorratstasche für unterwegs, kein zweites Hemd,
keine Sandalen und keinen Wanderstab. Denn wer arbeitet, hat Anrecht auf
seinen Lebensunterhalt.
11 Wenn ihr in eine Stadt oder in ein Dorf kommt, dann sucht jemand, der es
wert ist, ´euch aufzunehmen`. Bleibt bei ihm, bis ihr jenen Ort wieder
verlasst.
12 Wenn ihr das Haus betretet, grüßt die Bewohner ´und wünscht ihnen
Frieden`.
13 Sind sie es wert, so soll der Frieden, den ihr bringt, bei ihnen einziehen.
Sind sie es jedoch nicht wert, so soll euer Frieden zu euch zurückkehren.
14 Wenn man euch nicht aufnimmt und sich eure Botschaft nicht anhören will,
dann verlasst jenes Haus oder jene Stadt und schüttelt den Staub von euren
Füßen.
15 Ich sage euch: Sodom und Gomorra wird es am Tag des Gerichts noch
erträglich gehen im Vergleich zu solch einer Stadt.
16 Seht, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Seid darum klug
wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.
17 Nehmt euch in Acht vor den Menschen! Sie werden euch in ihren
Synagogen vor Gericht stellen und auspeitschen.
18 Man wird euch um meinetwillen vor Machthaber und Könige führen, und
ihr sollt vor ihnen und vor allen Völkern meine Zeugen sein.
19 Wenn man euch vor Gericht stellt, dann macht euch keine Sorgen, wie ihr
reden und was ihr sagen sollt. Denn wenn es so weit ist, wird euch
eingegeben, was ihr sagen müsst.
20 Nicht ihr seid es, die dann reden, sondern der Geist eures Vaters wird durch
euch reden.
21 Menschen werden ihre nächsten Angehörigen dem Henker ausliefern: der
Bruder den Bruder und der Vater sein Kind; und auch Kinder werden sich
gegen ihre Eltern stellen und sie töten lassen.
22 Um meines Namens willen werdet ihr von allen Menschen gehasst werden.
Wer aber bis ans Ende standhaft bleibt, wird gerettet.
23 Wenn man euch in der einen Stadt verfolgt, dann flieht in eine andere! Ich
sage euch: Noch bevor ihr mit den Städten Israels zu Ende seid, wird der
Menschensohn kommen.
24 Ein Jünger steht nicht über seinem Meister und ein Diener nicht über
seinem Herrn.
25 Der Jünger muss zufrieden sein, wenn es ihm ergeht wie seinem Meister,
und der Diener, wenn es ihm ergeht wie seinem Herrn. Hat man schon den
Hausherrn Beelzebul genannt, dann wird man seine Leute erst recht so
nennen.
26 Fürchtet euch also nicht vor den Menschen! Denn nichts, was verborgen ist,
bleibt verborgen; alles wird offenbart werden. Und nichts, was geheim ist,
bleibt geheim; alles wird bekannt gemacht werden.
27 Was ich euch im Dunkeln sage, das sagt am hellen Tag weiter, und was
euch ins Ohr geflüstert wird, das verkündet in aller Öffentlichkeit.
28 Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten ´können` – die Seele
können sie nicht töten. Fürchtet vielmehr den, der Leib und Seele dem
Verderben in der Hölle preisgeben kann.
29 Denkt doch einmal an die Spatzen! Zwei von ihnen kosten nicht mehr als
einen Groschen, und doch fällt kein einziger Spatz auf die Erde, ohne dass
euer Vater es zulässt.
30 Und bei euch sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt.
31 Seid darum ohne Furcht! Ihr seid mehr wert als eine noch so große Menge
Spatzen.
32 Wer sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich
vor meinem Vater im Himmel bekennen.
33 Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor
meinem Vater im Himmel verleugnen.
34 Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin
nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert.
35 Ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu entzweien, die
Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer
Schwiegermutter;
36 die eigenen Angehörigen werden zu Feinden.
37 Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist es nicht wert, mein Jünger
zu sein, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist es nicht wert,
mein Jünger zu sein.
38 Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist es nicht wert,
mein Jünger zu sein.
39 Wer sein Leben erhalten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um
meinetwillen verliert, wird es finden.
40 Wer euch aufnimmt, nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den
auf, der mich gesandt hat.
41 Wer einen Propheten aufnimmt, weil er ein Prophet ist, wird den Lohn
eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil er ein
Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten.
42 Und wer einem von diesen gering Geachteten auch nur einen Becher kaltes
Wasser zu trinken gibt, einfach weil er ´mein` Jünger ist, der wird – das
versichere ich euch – nicht ohne Lohn bleiben.
Matthäus 11
1 Als Jesus seinen zwölf Jüngern diese Anweisungen gegeben und seine Rede
beendet hatte, zog er weiter, um in den Städten Galiläas zu lehren und
´Gottes gute Botschaft` zu verkünden.
2 Johannes hörte im Gefängnis vom Wirken Christi. Er schickte einige seiner
Jünger zu ihm
3 und ließ ihn fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf
einen anderen warten?
4 Jesus gab ihnen zur Antwort: Geht zu Johannes und berichtet ihm, was ihr
hört und seht:
5 Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden geheilt, Taube hören, Tote
werden auferweckt, und den Armen wird ´Gottes` gute Botschaft verkündet.
6 Und glücklich zu preisen ist, wer nicht an mir Anstoß nimmt.
7 Als die Männer wieder gegangen waren, wandte sich Jesus an die Menge
und fing an, zu ihnen über Johannes zu sprechen. Was wolltet ihr euch
eigentlich ansehen, als ihr zu ihm in die Wüste hinausgingt?, fragte er sie. Ein
Schilfrohr, das sich im Wind hin- und herbewegt?
8 Nein? Was wolltet ihr denn sonst dort draußen sehen? Einen Mann in feiner
Kleidung? Ihr wisst doch: Die feingekleideten Leute sind in den Palästen der
Könige zu finden.
9 Was wolltet ihr also sehen, als ihr hinausgingt? Einen Propheten? Ja, ich
sage euch: Ihr habt einen Propheten gesehen, und noch mehr als das.
10 Johannes ist der, über den es in der Schrift heißt: Ich sende meinen Boten
vor dir her; er wird dir vorangehen und dein Wegbereiter sein.
11 Ich sage euch: Unter allen Menschen, die je geboren wurden, hat es keinen
Größeren gegeben als Johannes den Täufer; und doch ist selbst der Geringste
im Himmelreich größer als er.
12 Von der Zeit an, als Johannes der Täufer auftrat, bis zum heutigen Tag
bricht sich das Himmelreich mit Gewalt Bahn, und Menschen versuchen mit
aller Gewalt, es an sich zu reißen.
13 Denn alle Propheten und das Gesetz kündigten ´das Himmelreich` an, bis
Johannes kam.
14 Und wenn ihr es gelten lassen wollt: Er ist Elia, dessen Kommen
vorausgesagt ist.
15 Wer Ohren hat, der höre!
16 Mit wem soll ich die Menschen dieser Generation vergleichen? Sie sind wie
Kinder, die auf dem Marktplatz sitzen und ihren Spielgefährten zurufen:
17 Wir haben euch auf der Flöte ´lustige Lieder` gespielt, und ihr habt nicht
getanzt; wir haben Klagelieder angestimmt, und ihr habt nicht getrauert.
18 So ist es doch: Johannes ist gekommen, hat gefastet und keinen Wein
getrunken, und schon hat es geheißen: Er ist von einem bösen Geist besessen.
19 Der Menschensohn ist gekommen, isst und trinkt ´wie jedermann`, und da
heißt es: Was für ein Schlemmer und Säufer, dieser Freund der Zolleinnehmer
und Sünder! Und doch hat die Weisheit Gottes Recht; das zeigt sich an dem,
was sie bewirkt.
20 Dann ging Jesus mit den Städten ins Gericht, in denen er die meisten
Wunder getan hatte. Er klagte sie an, weil sie nicht ´zu Gott` umgekehrt
waren:
21 Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Wenn in Tyrus und Sidon die
Wunder geschehen wären, die bei euch geschehen sind – die Menschen dort
hätten sich längst in Sacktuch gehüllt und Asche auf den Kopf gestreut und
wären zu Gott umgekehrt.
22 Ich versichere euch: Tyrus und Sidon wird es am Tag des Gerichts noch
erträglich gehen im Vergleich zu euch.
Matthäus 12
Jesus ist Herr über den Sabbat
1 In jener Zeit ging Jesus an einem Sabbat durch die Felder. Seine Jünger
waren hungrig und fingen an, Ähren abzureißen und die Körner zu essen.
2 Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu ihm: Was deine Jünger da tun, ist
am Sabbat nicht erlaubt!
3 Jesus entgegnete: Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er und seine
Begleiter Hunger hatten?
4 Wie er ins Haus Gottes ging und wie sie die geweihten Brote aßen, die doch
weder er noch seine Begleiter essen durften, sondern nur die Priester?
5 Und habt ihr nicht im Gesetz gelesen, dass die Priester auch am Sabbat im
Tempel ´Dienst tun`? Sie übertreten also die Sabbatvorschriften und werden
trotzdem nicht schuldig.
6 Und ich sage euch: Hier ist einer, der mehr ist als der Tempel!
7 Wenn ihr begriffen hättet, was das heißt: Barmherzigkeit will ich und nicht
Opfer, dann hättet ihr nicht Unschuldige verurteilt.
8 Denn der Menschensohn ist Herr über den Sabbat.
9 Daraufhin ging Jesus weiter; er suchte die Synagoge jenes Ortes auf.
10 Dort war ein Mann mit einer verkrüppelten Hand. Jesus wurde gefragt: Ist
es erlaubt, am Sabbat zu heilen? Man suchte nämlich einen Vorwand, um ihn
anklagen zu können.
11 Jesus erwiderte: Angenommen, jemand von euch hat ein Schaf, und es fällt
am Sabbat in eine Grube – würde er es da nicht sofort herausziehen?
12 Nun ist aber doch ein Mensch viel mehr wert als ein Schaf! Also ist es
erlaubt, am Sabbat Gutes zu tun.
13 Dann befahl er dem Mann: Streck deine Hand aus! Der Mann streckte die
Hand aus, und sie war wieder heil wie die andere.
14 Die Pharisäer jedoch fassten, als sie die Synagoge verließen, den Plan, Jesus
zu beseitigen.
15 Jesus wusste, ´was sie vorhatten`. Deshalb zog er sich von dort zurück.
Scharen von Menschen folgten ihm, und er heilte alle Kranken.
16 Er ermahnte sie jedoch nachdrücklich, kein Aufsehen um seine Person zu
machen.
17 So erfüllte sich, was durch den Propheten Jesaja vorausgesagt worden war:
18 Seht, das ist mein Diener, den ich erwählt habe, den ich liebe und an dem
ich Freude habe. Ich will meinen Geist auf ihn legen, und er wird den
Völkern das Recht verkünden.
19 Er wird nicht streiten und lärmen, er wird nicht ´wie ein Marktschreier` auf
den Straßen zu hören sein.
20 Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht
wird er nicht auslöschen. So wird er schließlich dem Recht zum Sieg
verhelfen.
21 Und auf seinen Namen werden die Völker ihre Hoffnung setzen.
22 Ein Besessener, der blind und stumm war, wurde zu Jesus gebracht. Jesus
heilte ihn, und der Mann konnte ´wieder` reden und sehen.
23 Die Menge war außer sich vor Staunen, und alle fragten sich: Ist er denn
etwa der Sohn Davids?
24 Als die Pharisäer das hörten, sagten sie: Wisst ihr, wie der die Dämonen
austreibt? Er tut es mit Hilfe von Beelzebul, dem Obersten der Dämonen!
25 Jesus wusste, was sie dachten, und sagte zu ihnen: Jedes Reich, das mit
sich selbst im Streit liegt, geht zugrunde, und keine Stadt oder Familie, in der
man miteinander im Streit liegt, wird bestehen bleiben.
26 Wenn nun der Satan den Satan austreibt, liegt er mit sich selbst im Streit.
Wie kann sein Reich da bestehen?
27 Und wenn ich die Dämonen tatsächlich mit Hilfe von Beelzebul austreibe,
mit wessen Hilfe treiben dann eure eigenen Leute sie aus? Sie selbst sind es
daher, die über euch das Urteil sprechen werden.
28 Wenn ich die Dämonen nun aber mit der Hilfe von Gottes Geist austreibe,
dann ist doch das Reich Gottes zu euch gekommen.
29 Oder wie kann jemand in das Haus eines Starken eindringen und ihm
seinen Besitz rauben, wenn er den Starken nicht vorher fesselt? Dann
allerdings kann er sein Haus ausrauben.
30 Wer nicht auf meiner Seite steht, ist gegen mich, und wer nicht mit mir
sammelt, zerstreut.
31 Darum sage ich euch: Jede Sünde, ja sogar jede Gotteslästerung kann den
Menschen vergeben werden; wenn aber jemand den ´Heiligen` Geist lästert,
wird ihm nicht vergeben werden.
32 Auch dem, der etwas gegen den Menschensohn sagt, kann vergeben
werden; wer aber gegen den Heiligen Geist redet, dem wird nicht vergeben
werden, weder in dieser Welt noch in der kommenden.
33 Wenn ein Baum gut ist, sind auch seine Früchte gut. Ist ein Baum jedoch
schlecht, dann sind auch seine Früchte schlecht. An den Früchten erkennt
man den Baum.
34 Ihr Schlangenbrut! Wie solltet ihr auch Gutes reden können, wo ihr doch
böse seid? Denn wie der Mensch in seinem Herzen denkt, so redet er.
35 Ein guter Mensch bringt Gutes hervor, weil sein Herz mit Gutem erfüllt ist.
Ein böser Mensch dagegen bringt Böses hervor, weil sein Herz mit Bösem
erfüllt ist.
36 Ich sage euch: Am Tag des Gerichts werden die Menschen Rechenschaft
ablegen müssen über jedes unnütze Wort, das sie geredet haben.
37 Denn aufgrund deiner Worte wirst du freigesprochen werden, und aufgrund
deiner Worte wirst du verurteilt werden.
38 Da sagten einige Schriftgelehrte und Pharisäer zu Jesus: Meister, wir
möchten ein Zeichen von dir sehen!
39 Er aber gab ihnen zur Antwort: Ein Zeichen verlangt diese Generation, die
doch böse ist und sich von Gott abgewandt hat! Aber es wird ihr kein Zeichen
gegeben werden, nur das des Propheten Jona.
40 Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des großen Fisches
war, so wird auch der Menschensohn drei Tage und drei Nächte in der
Tiefe der Erde sein.
41 Im Gericht werden die Leute von Ninive gegen die heutige Generation
auftreten und sie verurteilen; denn sie sind auf Jonas Predigt hin umgekehrt –
und hier ist einer, der mehr ist als Jona!
42 Im Gericht wird auch die Königin aus dem Süden gegen die heutige
Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie kam vom Ende der Erde,
um die Weisheit Salomos zu hören – und hier ist einer, der mehr ist als
Salomo!
43 Wenn ein böser Geist einen Menschen verlassen hat, zieht er durch öde
Gegenden und sucht einen Ruheplatz, findet aber keinen.
44 Dann sagt er sich: Ich will wieder in mein Haus gehen, das ich verlassen
habe. Er kehrt zurück und findet das Haus leer, sauber und aufgeräumt.
45 Daraufhin geht er und holt sieben andere Geister, die noch schlimmer sind
als er selbst, und sie ziehen in das Haus ein und wohnen dort. Damit steht es
am Ende schlimmer um diesen Menschen als am Anfang. Genauso wird es
auch dieser bösen Generation ergehen.
46 Während Jesus noch zu der Menge redete, waren seine Mutter und seine
Brüder gekommen. Sie standen vor dem Haus und wollten ihn sprechen.
47 Einer ´aus der Menge` sagte zu Jesus: Deine Mutter und deine Brüder
stehen draußen und wollen dich sprechen!
48 Jesus wandte sich zu dem, der ihm diese Nachricht brachte, und erwiderte:
Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder?
49 Dann wies er mit der Hand auf seine Jünger und fuhr fort: Seht, das sind
meine Mutter und meine Brüder!
50 Denn wer den Willen meines Vaters im Himmel tut, der ist mein Bruder,
meine Schwester und meine Mutter.
Matthäus 13
1 Später an jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich ans Ufer des
Sees, ´um zu lehren`.
2 Die Menschenmenge, die sich um ihn versammelte, war so groß, dass er sich
in ein Boot setzte; so konnte er zu der ganzen Menge reden, die am Ufer
stand.
3 Er sprach über vieles zu ihnen, und er gebrauchte dazu Gleichnisse. Hört
zu!, begann er. Ein Bauer ging aufs Feld, um zu säen.
4 Beim Ausstreuen der Saat fiel einiges auf den Weg. Da kamen die Vögel und
pickten es auf.
5 Einiges fiel auf felsigen Boden, der nur von einer dünnen Erdschicht bedeckt
war. Weil die Saat dort so wenig Erde hatte, ging sie rasch auf.
6 Als dann aber die Sonne höher stieg, wurden die jungen Pflanzen versengt,
und weil sie keine kräftigen Wurzeln hatten, verdorrten sie.
7 Einiges fiel ins Dornengestrüpp, und die Dornbüsche überwucherten und
erstickten die Saat.
8 Einiges jedoch fiel auf guten Boden und brachte Frucht – zum Teil
hundertfach, zum Teil sechzigfach, zum Teil dreißigfach.
9 Wer Ohren hat, der höre!
10 Die Jünger kamen zu Jesus und fragten ihn: Warum verwendest du
Gleichnisse, wenn du zu den Leuten redest?
11 Er antwortete: Euch ist es ´von Gott` gegeben, die Geheimnisse des
Himmelreichs zu verstehen; ihnen ist es nicht gegeben.
12 Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer
aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat.
13 Das ist der Grund, warum ich in Gleichnissen zu ihnen rede. Sie sehen und
sehen doch nicht, sie hören und hören doch nicht und verstehen auch nichts.
14 An ihnen erfüllt sich die Prophezeiung Jesajas: Hört zu – ihr werdet doch
nichts verstehen. Seht hin – ihr werdet doch nichts erkennen.
15 Denn das Herz dieses Volkes ist verstockt, ihre Ohren sind verstopft, und
ihre Augen halten sie geschlossen. Sie wollen mit ihren Augen nichts sehen,
mit ihren Ohren nichts hören und mit ihrem Herz nichts verstehen und
wollen nicht umkehren, sodass ich sie heilen könnte.
16 Ihr aber seid glücklich zu preisen! Denn eure Augen sehen, und eure Ohren
hören.
17 Ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte sehnten sich danach, zu
sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen; sie sehnten sich danach, zu
hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.
18 Ich will euch nun das Gleichnis vom Bauern erklären, der die Saat
ausstreut.
19 Wenn jemand die Botschaft vom Himmelreich hört und nicht versteht, ist
es wie mit der Saat, die auf den Weg fällt. Der Böse kommt und raubt, was
ins Herz dieses Menschen gesät worden ist.
20 Ein anderer Teil der Saat fällt auf felsigen Boden. Das bedeutet: Jemand
hört das Wort und nimmt es sofort mit Freuden auf,
21 aber er ist ein unbeständiger Mensch, eine Pflanze ohne Wurzeln. Sobald er
wegen des Wortes in Bedrängnis gerät oder sogar verfolgt wird, wendet er
sich wieder davon ab.
22 Wieder ein anderer Teil der Saat fällt ins Dornengestrüpp. Das bedeutet:
Jemand hört das Wort, doch die Sorgen dieser Welt und die Verlockungen des
Reichtums ersticken es, und es bleibt ohne Frucht.
23 Ein Teil der Saat jedoch fällt auf guten Boden. Das bedeutet: Jemand hört
das Wort und versteht es und bringt dann auch Frucht – einer hundertfach,
ein anderer sechzigfach und wieder ein anderer dreißigfach.
24 Jesus erzählte der Menge noch ein anderes Gleichnis: Mit dem Himmelreich
ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte.
25 Eines Nachts, als alles schlief, kam sein Feind, säte Unkraut zwischen den
Weizen und machte sich davon.
26 Als dann die Saat aufging und Ähren ansetzte, kam auch das Unkraut zum
Vorschein.
27 Da gingen die Arbeiter zum Gutsherrn und fragten: Herr, hast du nicht
guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt jetzt dieses Unkraut? –
28 Ein Feind von mir hat das getan, gab er zur Antwort. Die Arbeiter fragten:
Möchtest du, dass wir hingehen und das Unkraut ausreißen und einsammeln?
–
29 Nein, entgegnete der Gutsherr, ihr würdet mit dem Unkraut auch den
Weizen ausreißen.
30 Lasst beides miteinander wachsen, bis die Zeit der Ernte da ist. Dann werde
ich zu den Erntearbeitern sagen: Reißt zuerst das Unkraut aus, sammelt es ein
und bündelt es, um es zu verbrennen; und dann bringt den Weizen in meine
Scheune!
31 Jesus erzählte der Menge ein weiteres Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist
es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf sein Feld sät.
32 Es ist zwar das kleinste aller Samenkörner. Aber was daraus wächst, ist
größer als alle anderen Gartenpflanzen. Ein Baum wird daraus, auf dem die
Vögel sich niederlassen und in dessen Zweigen sie nisten.
33 Jesus erzählte ihnen noch ein Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie
mit dem Sauerteig. Eine Frau nimmt ´eine Hand voll` davon, mengt ihn unter
einen halben Sack Mehl, und am Ende ist die ganze Masse durchsäuert.
34 Das alles sagte Jesus der Menge, indem er Gleichnisse gebrauchte; er sprach
ausschließlich in Gleichnissen zu ihnen.
35 So erfüllte sich, was durch den Propheten vorausgesagt worden war: Ich
will in Gleichnissen reden; ich will verkünden, was seit der Erschaffung der
Welt verborgen war.
36 Dann trennte sich Jesus von der Menge und ging ins Haus. Dort wandten
sich seine Jünger an ihn und baten ihn: Erkläre uns das Gleichnis vom
Unkraut auf dem Acker!
37 Jesus antwortete: Der Mann, der den guten Samen sät, ist der
Menschensohn.
38 Der Acker ist die Welt. Der gute Same sind die Kinder des Himmelreichs,
das Unkraut sind die Kinder des Bösen.
39 Der Feind, der das Unkraut sät, ist der Teufel. Die Ernte ist das Ende der
Welt, und die Erntearbeiter sind die Engel.
40 Das Unkraut wird eingesammelt und verbrannt, und so wird es auch am
Ende der Welt sein:
41 Der Menschensohn wird seine Engel aussenden, und sie werden aus seinem
Reich alle zusammenholen, die andere zu Fall gebracht und die ein
gesetzloses Leben geführt haben,
42 und werden sie in den Feuerofen werfen, dorthin, wo es nichts gibt als
lautes Jammern und angstvolles Zittern und Beben.
43 Dann werden die Gerechten im Reich ihres Vaters leuchten wie die Sonne.
Wer Ohren hat, der höre!
44 Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker
vergraben war und von einem Mann entdeckt wurde. Der Mann freute sich so
sehr, dass er, nachdem er den Schatz wieder vergraben hatte, alles verkaufte,
was er besaß, und dafür den Acker kaufte.
45 Mit dem Himmelreich ist es auch wie mit einem Kaufmann, der schöne
Perlen suchte.
46 Als er eine besonders wertvolle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und
kaufte dafür diese eine Perle.
47 Mit dem Himmelreich ist es auch wie mit einem Netz, das auf dem
See ausgeworfen wird und mit dem man Fische aller Art fängt.
48 Wenn es voll ist, ziehen die Fischer es ans Ufer, setzen sich hin und lesen
die Fische aus. Die guten legen sie in Körbe, aber die ungenießbaren werfen
sie weg.
49 So wird es auch am Ende der Welt sein. Die Engel werden kommen und die
Bösen aussondern; sie werden sie von den Gerechten trennen
50 und in den Feuerofen werfen, dorthin, wo es nichts gibt als lautes Jammern
und angstvolles Zittern und Beben.
51 Habt ihr das alles verstanden?, ´fragte Jesus seine Jünger.` Ja!, erwiderten
sie.
52 Da sagte er zu ihnen: Dann wisst: Jeder Schriftgelehrte, der in der Schule
des Himmelreichs ausgebildet ist, gleicht einem Hausherrn, der aus seinem
reichen Schatz Neues und Altes hervorholt.
53 Als Jesus diese Gleichnisrede beendet hatte, zog er weiter.
54 Jesus ging in seine Heimatstadt und lehrte dort in der Synagoge. Erstaunt
fragten die Leute: Woher hat der Mann solche Weisheit? Woher hat er die
Kraft, Wunder zu tun?
55 Ist er denn nicht der Sohn des Zimmermanns? Ist nicht Maria seine Mutter,
und sind nicht Jakobus, Josef, Simon und Judas seine Brüder?
56 Leben nicht auch alle seine Schwestern hier unter uns? Woher hat er nur
das alles?
57 So kam es, dass Jesus bei ihnen auf Ablehnung stieß. Da sagte Jesus zu
ihnen: Ein Prophet gilt nirgends so wenig wie in seiner Heimatstadt und in
seiner eigenen Familie.
58 Und wegen ihres Unglaubens tat er dort nur wenige Wunder.
Matthäus 14
Herodes hört von Jesus
1 In jener Zeit hörte auch der Tetrarch Herodes vom Wirken Jesu.
2 Das ist ´niemand anders als` Johannes der Täufer, sagte er zu seinen Leuten.
Er ist von den Toten auferstanden, deshalb gehen solche Wunderkräfte von
ihm aus.
3 Herodes hatte Johannes nämlich festnehmen, in Fesseln legen und ins
Gefängnis werfen lassen. Der Anlass dazu war Herodias gewesen, die Frau
von Philippus, dem Bruder des Herodes. ´Herodes hatte sie Philippus
weggenommen,`
4 worauf Johannes zu ihm gesagt hatte: Du hattest nicht das Recht, sie zur
Frau zu nehmen.
5 Herodes hätte ihn am liebsten umgebracht, fürchtete sich aber vor dem
Volk, denn es hielt Johannes für einen Propheten.
6 Doch dann kam der Geburtstag des Herodes. Die Tochter der Herodias
tanzte vor den Gästen, und Herodes war so begeistert von ihr,
7 dass er mit einem Schwur versprach, ihr alles zu geben, was sie sich
wünschte.
8 Da sagte sie, von ihrer Mutter angestiftet: Lass mir auf einer Schale den Kopf
Johannes’ des Täufers herbringen!
9 Der König war bestürzt; doch weil er vor seinen Gästen einen Eid
geschworen hatte, befahl er, den Wunsch des Mädchens zu erfüllen.
10 Er ließ Johannes im Gefängnis enthaupten,
11 und der Kopf wurde auf einer Schale hereingetragen und dem Mädchen
gegeben, das ihn seiner Mutter überreichte.
12 Daraufhin kamen die Jünger des Johannes, holten den Toten und begruben
ihn. Dann gingen sie zu Jesus und berichteten ihm, was geschehen war.
13 Als Jesus das hörte, zog er sich zurück; er fuhr mit dem Boot an einen
einsamen Ort, um allein zu sein. Doch es sprach sich herum, dass er wegfuhr,
und aus den ´umliegenden` Ortschaften gingen ihm die Leute auf dem
Landweg nach.
14 Als Jesus aus dem Boot stieg und die vielen Menschen sah, ergriff ihn tiefes
Mitgefühl, und er heilte die Kranken.
15 Gegen Abend kamen die Jünger zu ihm und sagten: Wir sind hier an einem
einsamen Ort, und es ist schon spät. Schick die Leute fort, dann können sie in
die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen.
16 Jesus erwiderte: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt doch ihr ihnen zu
essen! –
17 Wir haben hier aber nur fünf Brote und zwei Fische, entgegneten sie.
18 Bringt sie mir her!, sagte Jesus.
19 Nachdem er angeordnet hatte, die Leute sollten sich im Gras lagern, nahm
er die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf und dankte
Gott dafür. Dann brach er die Brote in Stücke und gab sie den Jüngern, und
die Jünger verteilten sie an die Menge.
20 Und alle aßen und wurden satt. Am Schluss sammelte man auf, was übrig
geblieben war – zwölf Körbe voll.
21 Etwa fünftausend Männer hatten an der Mahlzeit teilgenommen, Frauen
und Kinder nicht mitgerechnet.
22 Nun drängte Jesus die Jünger, unverzüglich ins Boot zu steigen und ihm
ans andere Ufer vorauszufahren; er wollte inzwischen die Leute entlassen,
damit sie nach Hause gehen konnten.
23 Als das geschehen war, stieg er auf einen Berg, um ungestört beten zu
können. Spät am Abend war er immer noch dort, ganz allein.
24 Das Boot befand sich schon weit draußen auf dem See und hatte schwer
mit den Wellen zu kämpfen, weil ein starker Gegenwind aufgekommen war.
25 Gegen Ende der Nacht kam Jesus zu den Jüngern; er ging auf dem See.
26 Als sie ihn auf dem Wasser gehen sahen, wurden sie von Furcht gepackt. Es
ist ein Gespenst!, riefen sie und schrien vor Angst.
27 Aber Jesus sprach sie sofort an. Erschreckt nicht!, rief er. Ich bin’s. Ihr
braucht euch nicht zu fürchten.
28 Da sagte Petrus: Herr, wenn du es bist, dann befiehl mir, auf dem Wasser
zu dir zu kommen! –
29 Komm!, sagte Jesus. Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser
auf Jesus zu.
30 Doch als er merkte, wie heftig der Sturm war, fürchtete er sich. Er begann
zu sinken. Herr, schrie er, rette mich!
31 Sofort streckte Jesus seine Hand aus und hielt ihn fest. Du Kleingläubiger,
sagte er, warum hast du gezweifelt?
32 Dann stiegen beide ins Boot, und der Sturm legte sich.
33 Und alle, die im Boot waren, warfen sich vor Jesus nieder und sagten: Du
bist wirklich Gottes Sohn.
34 Sie fuhren auf die andere Seite des Sees und legten bei Gennesaret an.
35 Die Bewohner des Ortes erkannten Jesus und benachrichtigten die ganze
umliegende Gegend. Daraufhin brachte man alle Kranken zu ihm
36 und bat ihn, er möge sie doch wenigstens den Saum seines Gewandes
berühren lassen. Und alle, die ihn berührten, wurden geheilt.
Matthäus 15
Menschliche Vorschriften und Gottes Gebot
1 Da kamen einige Pharisäer und Schriftgelehrte aus Jerusalem zu Jesus und
sagten:
2 Warum missachten deine Jünger die Vorschriften, die uns von den
Vorfahren her überliefert sind? Zum Beispiel waschen sie sich vor dem
Essen nicht die Hände.
3 Jesus entgegnete ihnen: Und ihr, warum missachtet ihr Gottes Gebot euren
Vorschriften zuliebe?
4 Gott hat zum Beispiel gesagt: Ehre Vater und Mutter! und: Wer Vater oder
Mutter verflucht, soll mit dem Tod bestraft werden.
5 Ihr dagegen lehrt, man könne zu seinem Vater oder zu seiner Mutter sagen:
Alles, was dir eigentlich von mir als Unterstützung zusteht, erkläre ich zur
Opfergabe;
6 dann brauche man seine Eltern nicht mehr zu unterstützen. Damit habt ihr
euren eigenen Vorschriften zuliebe das Wort Gottes außer Kraft gesetzt.
7 Ihr Heuchler! Was Jesaja prophezeit hat, trifft genau auf euch zu:
8 Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit von mir
entfernt.
9 Ihr ganzer Gottesdienst ist wertlos, denn ihre Lehren sind nichts als Gebote
von Menschen.
10 Dann rief Jesus die Menge zu sich und sagte: Hört zu, damit ihr versteht,
was ich sage!
11 Nicht das, was der Mensch durch den Mund in sich aufnimmt, macht ihn
´in Gottes Augen` unrein. Unrein machen ihn vielmehr die Worte, die aus
seinem Mund herauskommen.
12 Daraufhin kamen die Jünger zu Jesus und sagten: Weißt du, dass die
Pharisäer an diesem Wort Anstoß genommen haben?
13 Er antwortete: Jede Pflanze, die nicht mein Vater im Himmel gepflanzt hat,
wird ausgerissen werden.
14 Lasst sie! Sie sind blinde Blindenführer, und wenn ein Blinder einen
Blinden führt, fallen beide in die Grube.
15 Da bat ihn Petrus: Erkläre uns jenen Ausspruch ´über das, was unrein
macht`! –
16 Habt auch ihr noch immer nichts begriffen?, erwiderte Jesus.
17 Versteht ihr denn nicht, dass alles, was man durch den Mund in sich
aufnimmt, in den Magen gelangt und dann wieder ausgeschieden wird?
18 Was jedoch aus dem Mund herauskommt, kommt aus dem Herzen, und
diese Dinge sind es, die den Menschen unrein machen.
19 Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht,
Diebstahl, falsche Aussagen, Verleumdungen.
20 Das ist es, was den Menschen ´in Gottes Augen` unrein macht; aber mit
ungewaschenen Händen essen macht ihn nicht unrein.
21 Jesus machte sich wieder auf den Weg und zog sich in das Gebiet von Tyrus
und Sidon zurück.
22 Da kam eine kanaanäische Frau aus jener Gegend und rief: Herr, du Sohn
Davids, hab Erbarmen mit mir! Meine Tochter wird von einem Dämon
furchtbar gequält.
23 Aber Jesus gab ihr keine Antwort. Schließlich drängten ihn seine Jünger:
Erfüll ihr doch die Bitte, sie hört ja nicht auf, hinter uns herzuschreien!
24 Er aber entgegnete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Volkes Israel
gesandt.
25 Da kam die Frau näher, warf sich vor Jesus nieder und bat: Herr, hilf mir!
26 Jesus wehrte ab: Es ist nicht recht, den Kindern das Brot wegzunehmen und
es den Hunden vorzuwerfen. –
27 Das stimmt, Herr, erwiderte sie, aber immerhin fressen die Hunde die
Brotkrumen, die vom Tisch ihrer Herren herunterfallen.
28 Da sagte Jesus zu ihr: Frau, dein Glaube ist groß! Was du willst,
soll geschehen. Von diesem Augenblick an war ihre Tochter gesund.
29 Jesus zog weiter und kam an den Galiläischen See. Er stieg auf einen Berg
und setzte sich.
30 Die Menschen strömten in Scharen herbei und brachten Lahme, Blinde,
Krüppel, Stumme und viele andere Kranke zu ihm. Sie legten sie vor seinen
Füßen nieder, und er heilte sie.
31 Die Leute staunten, als sie sahen, dass Stumme redeten, Krüppel gesund
wurden, Lahme umhergingen und Blinde sehen konnten, und sie priesen den
Gott Israels.
32 Jesus rief seine Jünger zu sich und sagte: Mir tun diese Menschen leid. Seit
drei Tagen sind sie nun schon bei mir und haben nichts zu essen. Ich will sie
nicht hungrig nach Hause gehen lassen, sonst könnten sie unterwegs vor
Erschöpfung zusammenbrechen.
33 Die Jünger erwiderten: Wo sollen wir denn in dieser einsamen Gegend
genug Brot hernehmen, um eine so große Menge satt zu machen?
34 Doch Jesus fragte sie: Wie viele Brote habt ihr? – Sieben, antworteten sie,
dazu ein paar kleine Fische.
35 Da forderte er die Menge auf, sich auf dem Boden zu lagern.
36 Er nahm die sieben Brote und die Fische und dankte Gott dafür. Dann
zerteilte er die Brote und die Fische und gab sie den Jüngern, und die Jünger
verteilten sie an die Menge.
37 Und alle aßen und wurden satt. Am Schluss sammelte man auf, was übrig
geblieben war – sieben Körbe voll.
38 Viertausend Männer hatten an der Mahlzeit teilgenommen, Frauen und
Kinder nicht mitgerechnet.
39 Als Jesus die Leute dann entlassen hatte, ´damit sie nach Hause gehen
konnten,` stieg er ins Boot und fuhr in die Gegend von Magadan.
Matthäus 16
Zeichenforderung der Pharisäer und der Sadduzäer
1 Die Pharisäer und die Sadduzäer kamen zu Jesus, um ihn auf die Probe zu
stellen. Sie forderten ihn auf, ihnen mit einem Zeichen vom Himmel zu
beweisen, ´dass er von Gott gesandt war`.
2 Er aber gab ihnen zur Antwort: Am Abend, wenn der Himmel sich rot färbt,
sagt ihr: Das Wetter wird schön.
3 Und am Morgen, wenn der Himmel sich rot färbt und trüb aussieht, sagt ihr:
Heute gibt es schlechtes Wetter. Das Aussehen des Himmels könnt ihr
beurteilen, aber die Zeichen der Zeit zu verstehen – dazu seid ihr nicht in der
Lage.
4 Und nun verlangt diese Generation, die doch böse ist und sich von Gott
abgewandt hat, auch noch ein Zeichen! Es wird ihr kein Zeichen gegeben
werden, nur das des ´Propheten` Jona. Damit ließ er sie stehen und ging
weg.
5 Bei der Überfahrt auf die andere Seite des Sees hatten die Jünger vergessen,
Brot mitzunehmen.
6 Nehmt euch in Acht!, sagte Jesus zu ihnen. Hütet euch vor dem Sauerteig
der Pharisäer und Sadduzäer!
7 Da überlegten sie hin und her und meinten: Das sagt er sicher, weil wir kein
Brot mitgenommen haben.
8 Als Jesus merkte, was sie beschäftigte, sagte er: Ihr Kleingläubigen, warum
macht ihr euch Gedanken darüber, dass ihr kein Brot habt?
9 Versteht ihr denn immer noch nichts? Erinnert ihr euch nicht an die fünf
Brote und die fünftausend Menschen und daran, wie viele Körbe mit Resten
ihr damals eingesammelt habt?
10 Oder an die sieben Brote und die viertausend Menschen und daran, wie
viele Körbe mit Resten ihr da eingesammelt habt?
11 Warum versteht ihr denn nicht, dass ich von etwas anderem als von Brot
geredet habe? Vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer sollt ihr euch
hüten!
12 Da begriffen die Jünger, dass er nicht gemeint hatte, sie sollten sich vor
dem Sauerteig hüten, den man zum Brotbacken verwendet, sondern vor der
Lehre der Pharisäer und Sadduzäer.
13 Als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger:
Für wen halten die Leute den Menschensohn? –
14 Manche halten dich für Johannes den Täufer, antworteten sie, manche für
Elia und manche für Jeremia oder einen der anderen Propheten. –
15 Und ihr, fragte er, für wen haltet ihr mich?
16 Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen
Gottes!
17 Darauf sagte Jesus zu ihm: Glücklich bist du zu preisen, Simon, Sohn des
Jona; denn nicht menschliche Klugheit hat dir das offenbart, sondern mein
Vater im Himmel.
18 Deshalb sage ich dir jetzt: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich
meine Gemeinde bauen, und das Totenreich mit seiner ganzen Macht
wird nicht stärker sein als sie.
19 Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf der Erde
bindest, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf der Erde löst,
das wird im Himmel gelöst sein.
20 Dann schärfte Jesus den Jüngern ein, niemand zu sagen, dass er der
Messias sei.
21 Danach redete Jesus mit seinen Jüngern zum ersten Mal offen darüber, dass
er nach Jerusalem gehen und dort von den Ältesten, den führenden Priestern
und den Schriftgelehrten vieles erleiden müsse; er werde getötet werden und
drei Tage danach auferstehen.
22 Da nahm ihn Petrus beiseite und versuchte mit aller Macht, ihn davon
abzubringen. Niemals, Herr!, sagte er. Auf keinen Fall darf so etwas mit dir
geschehen!
23 Aber Jesus wandte sich um und sagte zu Petrus: Geh weg von mir, Satan!
Du willst mich zu Fall bringen. Was du denkst, kommt nicht von Gott,
sondern ist menschlich!
24 Dann sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wenn jemand mein Jünger sein will,
muss er sich selbst verleugnen, sein Kreuz auf sich nehmen und mir
nachfolgen.
25 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um
meinetwillen verliert, wird es finden.
26 Was nützt es einem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen, wenn er selbst
dabei unheilbar Schaden nimmt? Oder was kann ein Mensch als Gegenwert
für sein Leben geben?
27 Denn der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Herrlichkeit seines
Vaters kommen und wird jedem nach seinem Tun vergelten.
28 Ich sage euch: Einige von denen, die hier stehen, werden nicht sterben, bis
sie den Menschensohn in seiner Königsherrschaft kommen sehen.
Matthäus 17
Drei Jünger werden Zeugen der Herrlichkeit Jesu
1 Sechs Tage später nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes
mit sich und stieg mit ihnen auf einen hohen Berg, wo sie allein waren.
2 Dort veränderte sich vor ihren Augen sein Aussehen. Sein Gesicht begann zu
leuchten wie die Sonne, und seine Kleider wurden strahlend weiß wie das
Licht.
3 Auf einmal erschienen Mose und Elia; die Jünger sahen, wie die beiden mit
Jesus redeten.
4 Da ergriff Petrus das Wort. Herr, sagte er zu Jesus, wie gut ist es, dass wir
hier sind! Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich,
eine für Mose und eine für Elia.
5 Während er noch redete, kam plötzlich eine leuchtend helle Wolke und warf
ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke sprach eine Stimme: Dies ist mein
geliebter Sohn. An ihm habe ich Freude, und auf ihn sollt ihr hören!
6 Die Stimme versetzte die Jünger so sehr in Schrecken, dass sie sich zu Boden
warfen, mit dem Gesicht zur Erde.
7 Jesus aber trat zu ihnen, berührte sie und sagte: Steht auf! Ihr braucht euch
nicht zu fürchten.
8 Und als sie aufblickten, sahen sie niemand mehr außer Jesus.
9 Während sie den Berg hinunterstiegen, sagte Jesus zu den drei Jüngern:
Sprecht mit niemand über das, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn
von den Toten auferstanden ist!
10 Da fragten ihn die Jünger: Warum sagen denn die Schriftgelehrten, dass
zuerst Elia kommen muss?
11 Jesus antwortete: Es stimmt, Elia kommt, und er wird alles
wiederherstellen.
12 Aber ich sage euch: Elia ist bereits gekommen, doch sie haben ihn nicht
erkannt, sondern haben mit ihm gemacht, was sie wollten. Genauso wird
auch der Menschensohn durch sie zu leiden haben.
13 Da verstanden die Jünger, dass er von Johannes dem Täufer sprach.
14 Als sie zu der Menschenmenge zurückgekehrt waren, kam ein Mann zu
Jesus, warf sich vor ihm auf die Knie
15 und sagte: Herr, hab Erbarmen mit meinem Sohn! Er ist Epileptiker und
leidet furchtbar; oft fällt er sogar ins Feuer oder ins Wasser.
16 Ich habe ihn zu deinen Jüngern gebracht, doch sie konnten ihn nicht
heilen.
17 Was seid ihr nur für eine ungläubige und verkehrte Generation!, erwiderte
Jesus. Wie lange soll ich noch bei euch sein? Wie lange soll ich euch noch
ertragen? Bringt den Jungen zu mir her!
18 Dann trat Jesus dem Dämon mit Macht entgegen, und der Dämon verließ
den Kranken. Von diesem Augenblick an war der Junge gesund.
19 Später, als die Jünger mit Jesus allein waren, fragten sie ihn: Warum
konnten denn wir den Dämon nicht austreiben? –
20 Wegen eures Kleinglaubens, antwortete er. Ich sage euch: Selbst wenn euer
Glaube nur so groß ist wie ein Senfkorn, könnt ihr zu diesem Berg sagen:
Rücke von hier nach dort!, und er wird dorthin rücken. Nichts wird euch
unmöglich sein.
22 Als Jesus mit seinen Jüngern in Galiläa zusammen war, sagte er zu ihnen:
Der Menschensohn wird in die Hände der Menschen gegeben werden,
23 und sie werden ihn töten; doch drei Tage danach wird er auferstehen. Da
wurden die Jünger sehr traurig.
24 Als Jesus und seine Jünger nach Kafarnaum kamen, traten die Männer, die
die Tempelsteuer einzogen, an Petrus heran und fragten: Zahlt euer Meister
eigentlich keine Tempelsteuer? –
25 Doch!, erwiderte Petrus. Als er dann ins Haus kam, fragte ihn Jesus, noch
ehe er etwas von dem Vorfall erzählen konnte: Was meinst du, Simon, von
wem erheben die Könige dieser Erde Zölle und Steuern? Von ihren eigenen
Söhnen oder von den anderen Leuten? –
26 Von den anderen Leuten, erwiderte Petrus. Da sagte Jesus zu ihm: Also sind
die Söhne davon befreit.
27 Damit wir ihnen aber keinen Anstoß geben, geh an den See und wirf die
Angel aus. Nimm den ersten Fisch, den du fängst, und öffne ihm das Maul. Du
wirst darin ein Vierdrachmenstück finden. Nimm es und bezahle damit die
Tempelsteuer für mich und für dich!
Matthäus 18
Anweisungen für das Leben in der Gemeinde
(Kapitel 18)
1 In jener Zeit kamen die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist eigentlich der
Größte im Himmelreich?
2 Jesus rief ein Kind, stellte es in ihre Mitte
3 und sagte: Ich versichere euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder
werdet, könnt ihr nicht ins Himmelreich kommen.
4 Darum: Wer sich selbst erniedrigt und wie dieses Kind wird, der ist der
Größte im Himmelreich.
5 Und wer solch ein Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf.
6 Wer aber einen von diesen gering Geachteten, die an mich glauben, zu Fall
bringt, der käme noch gut weg, wenn man ihm einen Mühlstein um den Hals
hängen und ihn damit in der Tiefe des Meeres versenken würde.
7 Wehe der Welt wegen der Dinge, durch die Menschen zu Fall kommen! Es
ist zwar unausweichlich, dass solche Dinge geschehen, doch wehe dem
Menschen, der daran schuld ist!
8 Und wenn es deine Hand oder dein Fuß sind, durch die du zu Fall kommst,
dann hau sie ab und wirf sie weg! Es ist besser, du gehst verstümmelt oder als
Krüppel ins Leben ein, als dass du beide Hände oder beide Füße behältst und
ins ewige Feuer geworfen wirst.
9 Und wenn es dein Auge ist, durch das du zu Fall kommst, dann reiß es aus
und wirf es weg! Es ist besser, du gehst einäugig ins Leben ein, als dass du
beide Augen behältst und ins Feuer der Hölle geworfen wirst.
10 Hütet euch davor, auf einen von diesen gering Geachteten herabzusehen!
Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel haben jederzeit Zugang zu
meinem Vater im Himmel.
12 Was meint ihr: Wenn jemand hundert Schafe hat und eins von ihnen sich
verirrt, lässt er dann nicht die neunundneunzig auf der Bergweide zurück und
macht sich auf den Weg, um das verirrte Schaf zu suchen?
13 Und ich sage euch: Wenn er es findet, freut er sich über das eine mehr als
über die neunundneunzig, die sich nicht verirrt haben.
14 Genauso ist es bei eurem Vater im Himmel: Er will nicht, dass auch nur
einer von diesen gering Geachteten verloren geht.
15 Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und stell ihn unter vier Augen
zur Rede. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen.
16 Hört er nicht auf dich, dann geh mit einem oder zwei anderen noch einmal
zu ihm, denn jede Sache soll aufgrund der Aussagen von zwei oder drei
Zeugen entschieden werden.
17 Will er auch auf diese nicht hören, dann bring die Sache vor die Gemeinde.
Will er auch auf die Gemeinde nicht hören, dann soll er in deinen Augen ´wie
ein gottloser Mensch` sein, wie ein Heide oder ein Zolleinnehmer.
18 Ich sage euch: Alles, was ihr auf der Erde binden werdet, wird im Himmel
gebunden sein, und alles, was ihr auf der Erde lösen werdet, wird im Himmel
gelöst sein.
19 Und noch etwas sage ich euch: Wenn zwei von euch hier auf der Erde darin
eins werden, um etwas zu bitten – was immer es auch sei – , dann wird es
ihnen von meinem Vater im Himmel gegeben werden.
20 Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in
ihrer Mitte.
21 Da wandte sich Petrus an Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem
Bruder vergeben, wenn er immer wieder gegen mich sündigt? Siebenmal? –
22 Nein, gab Jesus ihm zur Antwort, nicht siebenmal, sondern
siebenundsiebzigmal!
23 Darum ´hört dieses Gleichnis`: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem
König, der mit den Dienern, die seine Güter verwalteten, abrechnen wollte.
24 Gleich zu Beginn brachte man einen vor ihn, der ihm zehntausend
Talente schuldete.
25 Und weil er nicht zahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern
und seinem ganzen Besitz zu verkaufen und mit dem Erlös die Schuld zu
begleichen.
26 Der Mann warf sich vor ihm nieder und bat auf den Knien: Hab Geduld mit
mir! Ich will dir alles zurückzahlen.
27 Da hatte der Herr Mitleid mit seinem Diener; er ließ ihn frei, und auch die
Schuld erließ er ihm.
28 Doch kaum war der Mann zur Tür hinaus, da traf er einen anderen Diener,
der ihm hundert Denare schuldete. Er packte ihn ´an der Kehle`, würgte ihn
und sagte: Bezahle, was du mir schuldig bist!
29 Da warf sich der Mann vor ihm nieder und flehte ihn an: Hab Geduld mit
mir! Ich will es dir zurückzahlen.
30 Er aber wollte nicht darauf eingehen, sondern ließ ihn auf der Stelle ins
Gefängnis werfen, ´wo er so lange bleiben sollte,` bis er ihm die Schuld
zurückgezahlt hätte.
31 Als das die anderen Diener sahen, waren sie entsetzt. Sie gingen zu ihrem
Herrn und berichteten ihm alles.
32 Da ließ sein Herr ihn kommen und sagte zu ihm: Du böser Mensch! Deine
ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich angefleht hast.
33 Hättest du da mit jenem anderen Diener nicht auch Erbarmen haben
müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte?
34 Und voller Zorn übergab ihn der Herr den Folterknechten, bis er ihm alles
zurückgezahlt hätte, was er ihm schuldig war.
35 So wird auch mein Vater im Himmel jeden von euch behandeln, der seinem
Bruder nicht von Herzen vergibt.
Matthäus 19
Aufbruch nach Judäa
1 Als Jesus seine Rede beendet hatte, zog er weiter. Er verließ Galiläa und
ging in das Gebiet von Judäa auf der anderen Seite des Jordans.
2 Große Scharen von Menschen folgten ihm dorthin, und er heilte sie.
3 Einige Pharisäer kamen zu Jesus. Sie wollten ihm eine Falle stellen und
fragten ihn deshalb: Ist es einem Mann erlaubt, sich aus jedem beliebigen
Grund von seiner Frau zu scheiden?
4 Jesus entgegnete: Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer am Anfang die
Menschen als Mann und Frau erschuf
5 und dass er gesagt hat: Deshalb wird ein Mann Vater und Mutter verlassen
und sich mit seiner Frau verbinden, und die zwei werden ein Leib sein?
6 Sie sind also nicht mehr zwei, sondern sie sind ein Leib. Darum: Was Gott
zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht trennen. –
7 Wie kommt es dann aber, fragten die Pharisäer, dass es nach dem Gesetz des
Mose zulässig ist, der Frau eine Scheidungsurkunde zu geben und sie
daraufhin fortzuschicken?
8 Jesus gab ihnen zur Antwort: Nur wegen eurer Uneinsichtigkeit hat Mose
euch erlaubt, euch von euren Frauen zu scheiden. Am Anfang jedoch war es
nicht so.
9 Ich sage euch: Wer sich von seiner Frau scheidet und eine andere heiratet –
es sei denn, seine Frau ist ihm untreu geworden – , der begeht Ehebruch.
10 Da sagten die Jünger zu Jesus: Wenn es zwischen Mann und Frau so steht,
ist es besser, gar nicht zu heiraten!
11 Er erwiderte: Das ist etwas, was nicht alle begreifen können, sondern nur
die, denen es ´von Gott` gegeben ist.
12 Manche sind nämlich von Geburt an zur Ehe unfähig, manche werden
durch den Eingriff von Menschen dazu unfähig gemacht, und manche
verzichten von sich aus auf die Ehe, um ganz für das Himmelreich da zu sein.
Wer es begreifen kann, der möge es begreifen!
13 Danach wurden Kinder zu Jesus gebracht; er sollte ihnen die Hände
auflegen und für sie beten. Aber die Jünger wiesen sie barsch ab.
14 Da sagte Jesus: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran!
Denn gerade für solche wie sie ist das Himmelreich.
15 Und er legte den Kindern die Hände auf. Dann zog er weiter.
16 Ein Mann kam zu Jesus und fragte ihn: Meister, was muss ich Gutes tun,
um das ewige Leben zu bekommen? –
17 Warum fragst du mich nach dem, was gut ist?, entgegnete Jesus. Gut ist
nur einer. Wenn du den Weg gehen willst, der zum Leben führt, dann halte
die Gebote! –
18 Welche Gebote?, fragte der Mann. Jesus antwortete: Du sollst keinen Mord
begehen, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst
keine falschen Aussagen machen,
19 ehre deinen Vater und deine Mutter und liebe deine Mitmenschen wie dich
selbst!
20 Der junge Mann erwiderte: Alle diese Gebote habe ich befolgt. Was fehlt
mir noch?
21 Jesus antwortete: Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkaufe alles, was
du hast, und gib den Erlös den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel
haben. Und dann komm und folge mir nach!
22 Als der junge Mann das hörte, ging er traurig weg, denn er hatte ein großes
Vermögen.
23 Da sagte Jesus zu seinen Jüngern: Ich versichere euch: Für einen Reichen
ist es schwer, in das Himmelreich zu kommen.
24 Um es noch deutlicher zu sagen: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr,
als dass ein Reicher ins Reich Gottes kommt.
25 Als die Jünger das hörten, waren sie zutiefst bestürzt. Wer kann dann
überhaupt gerettet werden?, fragten sie.
26 Jesus sah sie an und sagte: Bei den Menschen ist das unmöglich, aber für
Gott ist alles möglich.
Matthäus 20
Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg
1 Denn mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der sich früh
am Morgen aufmachte, um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen.
2 Er ´fand etliche und` einigte sich mit ihnen auf den ´üblichen` Tageslohn
von einem Denar. Dann schickte er sie in seinen Weinberg.
3 Gegen neun Uhr ging er wieder auf den Marktplatz und sah dort noch
andere untätig herumstehen.
4 Geht auch ihr in meinem Weinberg arbeiten!, sagte er zu ihnen. Ich werde
euch dafür geben, was recht ist.
5 Da gingen sie an die Arbeit. Um die Mittagszeit und dann noch einmal
gegen drei Uhr ging der Mann wieder hin und stellte Arbeiter ein.
6 Als er gegen fünf Uhr ´ein letztes Mal` zum Marktplatz ging, fand er immer
noch einige, die dort herumstanden. Was steht ihr hier den ganzen Tag
untätig herum?, fragte er sie.
7 Es hat uns eben niemand eingestellt, antworteten sie. Da sagte er zu ihnen:
Geht auch ihr noch in meinem Weinberg arbeiten!
20 Da kam die Frau des Zebedäus mit ihren Söhnen zu Jesus und warf sich vor
ihm nieder; sie wollte ihn um etwas bitten.
21 Was möchtest du?, fragte er. Sie antwortete ihm: Erlaube doch, dass meine
beiden Söhne in deinem Reich neben dir sitzen, der eine an deiner rechten
Seite und der andere an deiner linken Seite.
22 Jesus entgegnete: Ihr wisst nicht, um was ihr da bittet. Könnt ihr den
´bitteren` Kelch trinken, den ich trinken werde? – Das können wir!, erklärten
sie.
23 Da sagte Jesus zu ihnen: Meinen Kelch werdet ihr zwar auch trinken; aber
darüber zu verfügen, wer an meiner rechten und an meiner linken Seite
sitzen wird, das steht nicht mir zu. Wer dort sitzen wird, das hat mein Vater
bestimmt.
24 Die übrigen zehn Jünger hatten dem Gespräch zugehört und ärgerten sich
über die beiden Brüder.
25 Da rief Jesus sie alle zusammen und sagte: Ihr wisst, dass die Herrscher
über die Völker sich als ihre Herren aufführen und dass die Völker die Macht
der Großen zu spüren bekommen.
26 Bei euch soll es nicht so sein. Im Gegenteil: Wer unter euch groß werden
will, soll den anderen dienen;
27 wer unter euch der Erste sein will, soll zum Dienst an den anderen bereit
sein.
28 Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu
lassen, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele
hinzugeben.
29 Als Jesus mit seinen Jüngern von Jericho weiterzog, folgte ihm eine große
Menschenmenge.
30 Zwei Blinde, die am Straßenrand saßen, hörten, dass Jesus vorbeikam, und
riefen: Herr, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit uns!
31 Die Leute fuhren sie an, sie sollten still sein. Doch die Blinden schrien nur
noch lauter: Herr, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit uns!
32 Jesus blieb stehen und rief die beiden zu sich. Was möchtet ihr von mir?,
fragte er.
33 Herr, antworteten sie, wir möchten sehen können.
34 Da ergriff ihn tiefes Mitgefühl; er berührte ihre Augen, und im selben
Augenblick konnten sie sehen. Von da an folgten sie Jesus nach.
Matthäus 21
Der Einzug in Jerusalem
1 Als sie nicht mehr weit von Jerusalem entfernt waren und in die Nähe von
Betfage am Ölberg kamen, schickte Jesus zwei Jünger voraus.
2 Er gab ihnen folgende Anweisung: Geht in das Dorf, das ihr vor euch seht.
Gleich ´beim Ortseingang` werdet ihr eine Eselin finden, die angebunden ist,
und bei ihr ein Fohlen. Bindet sie beide los und führt sie zu mir.
3 Und sollte jemand etwas zu euch sagen, dann antwortet: Der Herr braucht
die Tiere. Dann wird man sie sofort mit euch gehen lassen.
4 Das geschah, weil sich erfüllen sollte, was durch den Propheten
vorausgesagt worden war:
5 Sagt der Tochter Zion: Dein König kommt zu dir. Er ist sanftmütig, und er
reitet auf einem Esel, auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers.
6 Die beiden Jünger machten sich auf den Weg und führten alles so aus, wie
Jesus es ihnen aufgetragen hatte.
7 Sie brachten die Eselin und das Fohlen, legten ihre Mäntel über die Tiere,
und Jesus setzte sich darauf.
8 Scharen von Menschen breiteten ihre Mäntel auf dem Weg aus; andere
hieben Zweige von den Bäumen ab und legten sie auf den Weg.
9 Vor und hinter Jesus drängten sich die Menschen und riefen: Gepriesen sei
der Sohn Davids! Gesegnet sei er, der im Namen des Herrn kommt! Gepriesen
sei Gott in der Höhe!
10 So zog Jesus in Jerusalem ein. Die ganze Stadt geriet in Aufregung, und alle
fragten: Wer ist dieser Mann?
11 Die Menge, ´die Jesus begleitete,` antwortete: Das ist der Prophet Jesus aus
Nazaret in Galiläa.
12 Jesus ging in den Tempel und wies alle hinaus, die dort Handel trieben
oder etwas kauften. Er warf die Tische der Geldwechsler und die Sitze der
Taubenverkäufer um
13 und sagte zu ihnen: Es heißt in der Schrift: Mein Haus soll ein Haus des
Gebetes sein. Ihr aber macht eine Räuberhöhle daraus!
14 Während er im Tempel war, kamen Blinde und Lahme zu ihm, und er heilte
sie.
15 Aber die Wunder, die er tat, und der Jubel der Kinder, die im Tempel
riefen: Gepriesen sei der Sohn Davids!, erregten den Unwillen der führenden
Priester und der Schriftgelehrten.
16 Hörst du eigentlich, was die da rufen?, sagten sie zu ihm. Gewiss, erwiderte
Jesus. Habt ihr nie das Wort gelesen: Unmündigen und kleinen Kindern hast
du dein Lob in den Mund gelegt?
17 Damit ließ er sie stehen, verließ die Stadt und ging nach Betanien. Dort
übernachtete er.
18 Als Jesus früh am nächsten Morgen nach Jerusalem zurückkehrte, hatte er
Hunger,
19 und als er am Straßenrand einen Feigenbaum sah, ging er hin, fand aber
nichts als Blätter daran. Da sagte er zu dem Baum: Nie wieder sollst du
Früchte tragen! Und augenblicklich verdorrte der Baum.
30 Der Vater wandte sich mit derselben Bitte auch an den anderen Sohn.
Selbstverständlich, Vater, erwiderte dieser, aber dann ging er doch nicht.
31 Wer von den beiden hat nun getan, was der Vater wollte? – Der erste,
antworteten sie. Da sagte Jesus zu ihnen: Ich versichere euch: Die
Zolleinnehmer und die Huren kommen eher ins Reich Gottes als ihr.
32 Denn Johannes ist gekommen und hat euch den Weg der Gerechtigkeit
gezeigt, und ihr habt ihm nicht geglaubt. Die Zolleinnehmer und die Huren
dagegen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen, und trotzdem wart ihr
nicht einmal nachträglich bereit, eure Haltung zu ändern und ihm zu
glauben.
33 Hört noch ein anderes Gleichnis! Ein Gutsbesitzer legte einen Weinberg an,
umgab ihn mit einem Zaun, hob auf dem Gelände eine Grube zum Keltern des
Weins aus und baute einen Wachtturm. Dann verpachtete er den
Weinberg und verreiste.
34 Als die Zeit der Weinlese kam, schickte er seine Diener zu den Pächtern,
um seinen Anteil am Ertrag abholen zu lassen.
35 Doch die Pächter packten seine Diener; einen verprügelten sie, einen
anderen schlugen sie tot, und wieder einen anderen steinigten sie.
36 Da schickte der Gutsherr andere Diener, eine größere Zahl als beim ersten
Mal; aber mit denen machten sie es genauso.
37 Zuletzt schickte er seinen Sohn zu ihnen, weil er sich sagte: Er ist mein
Sohn, vor ihm werden sie Achtung haben.
38 Doch als die Pächter den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der
Erbe. Kommt, wir bringen ihn um, dann gehört das Erbe uns!
39 Und sie packten ihn, stießen ihn zum Weinberg hinaus und brachten ihn
um.
40 Was wird nun der Besitzer des Weinbergs mit diesen Pächtern machen,
wenn er zurückkommt?
41 Sie antworteten: Ein böses Ende wird er diesen bösen Leuten bereiten, und
den Weinberg wird er an andere verpachten, die ihm zur gegebenen Zeit den
Ertrag abliefern.
42 Da sagte Jesus zu ihnen: Habt ihr jenes Wort in der Schrift nie gelesen: Der
Stein, den die Bauleute für unbrauchbar erklärten, ist zum Eckstein
geworden. Das hat der Herr getan, und es ist etwas Wunderbares in unseren
Augen?
43 Deshalb sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und
einem Volk gegeben werden, das die rechten Früchte hervorbringt.
44 Wer auf jenen Stein fällt, wird zerschmettert, und der, auf den der Stein
fällt, wird von ihm zermalmt.
45 Als die führenden Priester und die Pharisäer diese Gleichnisse hörten, war
ihnen klar, dass sie damit gemeint waren.
46 Sie hätten Jesus am liebsten festgenommen, aber sie hatten Angst vor dem
Volk, weil es ihn für einen Propheten hielt.
Matthäus 22
Das Gleichnis von der Einladung zum Hochzeitsfest
1 Jesus fuhr fort, ihnen Gleichnisse zu erzählen. Er sagte:
2 Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der für seinen Sohn das
Hochzeitsfest vorbereitet hatte.
3 Er sandte seine Diener aus, um die, die zum Fest eingeladen waren, rufen zu
lassen. Doch sie wollten nicht kommen.
4 Daraufhin sandte der König andere Diener aus und ließ den Gästen sagen:
Ich habe das Festessen zubereiten lassen, die Ochsen und das Mastvieh sind
geschlachtet, alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit!
5 Aber sie kümmerten sich nicht darum, sondern wandten sich ihrer
Feldarbeit oder ihren Geschäften zu.
6 Einige jedoch packten die Diener des Königs, misshandelten sie und
brachten sie um.
7 Da wurde der König zornig. Er schickte seine Truppen und ließ die Mörder
töten und ihre Stadt niederbrennen.
8 Dann sagte er zu seinen Dienern: Das Hochzeitsfest ist vorbereitet, aber die
Gäste, die ich eingeladen hatte, waren es nicht wert, ´daran teilzunehmen`.
9 Darum geht hinaus auf die Straßen und ladet alle zur Hochzeit ein, die ihr
dort antrefft.
10 Die Diener gingen auf die Straßen und holten alle herein, die sie fanden,
Böse ebenso wie Gute, und der Hochzeitssaal füllte sich mit Gästen.
11 Als der König eintrat, um zu sehen, wer an dem Mahl teilnahm, bemerkte
er einen, der kein Festgewand anhatte.
12 Mein Freund, sagte er zu ihm, wie bist du ohne Festgewand hier
hereingekommen? Der Mann wusste darauf nichts zu antworten.
13 Da befahl der König seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße und werft
ihn in die Finsternis hinaus, dorthin, wo es nichts gibt als lautes Jammern
und angstvolles Zittern und Beben.
14 Denn viele sind gerufen, aber nur wenige sind auserwählt.
15 Daraufhin kamen die Pharisäer zusammen und berieten, wie sie Jesus zu
einer Äußerung verleiten könnten, die sich gegen ihn verwenden ließe.
16 Sie schickten ihre Schüler in Begleitung der Anhänger des Herodes zu ihm
und ließen ihm folgende Frage vorlegen: Meister, wir wissen, dass es dir nur
um die Wahrheit geht. Wenn du lehrst, wie man nach Gottes Willen leben
soll, lässt du dich allein von der Wahrheit leiten und fragst nicht, was die
Leute dazu sagen; denn du lässt dich von keinem Menschen beeinflussen, wie
angesehen er auch sein mag.
17 So sag uns nun: Ist es nach deiner Meinung richtig, dem Kaiser Steuern zu
zahlen, oder nicht?
18 Aber Jesus durchschaute ihre böse Absicht. Ihr Heuchler, sagte er, warum
stellt ihr mir eine Falle?
19 Zeigt mir die Münze, mit der ihr die Steuer bezahlt! Sie reichten ihm einen
Denar.
20 Wessen Bild und Name ist darauf?, fragte er.
21 Sie antworteten: ´Das Bild und der Name` des Kaisers. Da sagte Jesus zu
ihnen: Dann gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und gebt Gott, was Gott
gehört!
22 Über diese Antwort waren sie so verblüfft, dass sie Jesus in Ruhe ließen
und weggingen.
23 Auch aus den Reihen der Sadduzäer, die behaupten, es gebe keine
Auferstehung, kamen an jenem Tag einige zu Jesus und legten ihm eine Frage
vor.
24 Meister, sagten sie, Mose hat Folgendes bestimmt: Wenn ein Mann
kinderlos stirbt, soll sein Bruder die Witwe heiraten und dem Verstorbenen
Nachkommen verschaffen.
25 Nun lebten da unter uns sieben Brüder. Der erste heiratete, starb jedoch
kinderlos und hinterließ darum seine Frau seinem Bruder.
26 Aber auch dieser ´starb kinderlos`, ebenso der dritte, und so ging es weiter
bis zum siebten.
27 Zuletzt starb auch die Frau.
28 Wie ist es nun bei der Auferstehung? Wem von den sieben gehört sie dann?
Sie alle waren schließlich mit ihr verheiratet gewesen.
29 Jesus gab ihnen zur Antwort: Ihr irrt euch, weil ihr weder die Schrift noch
die Kraft Gottes kennt.
30 Denn nach der Auferstehung heiraten die Menschen nicht mehr, sondern
sind wie die Engel im Himmel.
31 Was nun die Auferstehung der Toten überhaupt betrifft: Habt ihr jenes
Wort, das Gott zu euch sagt, nie gelesen:
32 Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs? Gott ist
doch nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden!
33 Die ganze Menschenmenge, die Jesus zugehört hatte, war tief beeindruckt
von seiner Lehre.
34 Die Pharisäer hatten gehört, dass Jesus die Sadduzäer zum Schweigen
gebracht hatte, und waren daraufhin ´zur Beratung` zusammengekommen.
35 Nun versuchte einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, Jesus eine Falle zu
stellen. Er fragte ihn:
36 Meister, welches ist das wichtigste Gebot im Gesetz?
37 Jesus antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem
Herzen, mit ganzer Hingabe und mit deinem ganzen Verstand!
38 Dies ist das größte und wichtigste Gebot.
39 Ein zweites ist ebenso wichtig: Liebe deine Mitmenschen wie dich selbst!
40 Mit diesen beiden Geboten ist alles gesagt, was das Gesetz und die
Propheten fordern.
41 Während die Pharisäer versammelt waren, stellte Jesus ihnen die Frage:
42 Was denkt ihr über den Messias? Wessen Sohn ist er? – Er ist der Sohn
Davids, antworteten sie.
43 Da sagte Jesus: Wie kommt es dann, dass David, geleitet vom Heiligen
Geist, ihn Herr nennt? David sagt nämlich:
44 Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich an meine rechte Seite, bis ich
deine Feinde unter deine Füße gelegt habe.
45 Wenn der Messias also von David Herr genannt wird, wie kann er dann
Davids Sohn sein?
46 Keiner konnte ihm darauf eine Antwort geben. Und von diesem Tag an
wagte niemand mehr, ihm eine Frage zu stellen.
Matthäus 23
Warnung vor den Schriftgelehrten und den Pharisäern
1 Dann wandte sich Jesus an die Volksmenge und an seine Jünger
2 und sagte: Das Lehramt des Mose haben heute die Schriftgelehrten und die
Pharisäer inne.
3 Richtet euch daher nach allem, was sie euch sagen, und befolgt es. Doch
richtet euch nicht nach dem, was sie tun; denn sie reden zwar, handeln aber
nicht danach.
4 Sie binden schwere Lasten zusammen, die man kaum tragen kann, und
laden sie den Menschen auf die Schultern; doch sie selbst denken nicht daran,
diese Lasten auch nur anzurühren.
5 Und alles, was sie tun, tun sie nur, um die Leute zu beeindrucken: Sie
machen ihre Gebetsriemen besonders breit und die Quasten ihrer Gewänder
besonders lang.
6 Bei Festessen nehmen sie die Ehrenplätze für sich in Anspruch und in den
Synagogen die vordersten Sitze.
7 Sie haben es gern, wenn man sie auf der Straße ehrfurchtsvoll grüßt und
wenn die Leute sie mit Rabbi anreden.
8 Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen, denn nur einer ist euer
Meister, und ihr alle seid Brüder.
9 Auch sollt ihr niemand hier auf der Erde Vater nennen, denn nur einer ist
euer Vater, der Vater im Himmel.
10 Ihr sollt euch auch nicht Lehrer nennen lassen, denn nur einer ist euer
Lehrer: Christus.
11 Der Größte unter euch soll euer Diener sein.
12 Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst
erniedrigt, wird erhöht werden.
13 Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr
verschließt den Menschen das Himmelreich. Selbst geht ihr nicht hinein, und
die, die hineingehen wollen, lasst ihr nicht hinein.
15 Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr reist über
Land und Meer, um auch nur einen einzigen Anhänger zu gewinnen, und
wenn ihr einen gewonnen habt, macht ihr ihn zu einem Anwärter auf die
Hölle, der doppelt so schlimm ist wie ihr.
16 Wehe euch, ihr verblendeten Führer! Ihr sagt: Wenn jemand beim Tempel
schwört, braucht er seinen Eid nicht zu halten; wenn jemand aber beim Gold
des Tempels schwört, ist er an seinen Eid gebunden.
17 Ihr verblendeten Toren! Was ist denn wichtiger, das Gold oder der Tempel?
Durch den Tempel wird das Gold doch erst geheiligt.
18 Ihr sagt auch: Wenn jemand beim Altar schwört, braucht er seinen Eid
nicht zu halten; wenn jemand aber beim Opfer auf dem Altar schwört, ist er
an seinen Eid gebunden.
19 Wie verblendet ihr seid! Was ist denn wichtiger, das Opfer oder der Altar?
Durch den Altar wird das Opfer doch erst geheiligt.
20 Wer also beim Altar schwört, der schwört nicht nur beim Altar, sondern
auch bei allem, was darauf ist.
21 Und wer beim Tempel schwört, der schwört nicht nur beim Tempel,
sondern auch bei dem, der darin wohnt.
22 Und wer beim Himmel schwört, der schwört beim Thron Gottes und somit
bei dem, der darauf sitzt.
23 Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr gebt den
zehnten Teil von ´Kräutern wie` Minze, Dill und Kümmel und lasst dabei die
viel wichtigeren Forderungen des Gesetzes außer Acht: Gerechtigkeit,
Barmherzigkeit und Treue. Diese Forderungen solltet ihr erfüllen und das
andere nicht außer Acht lassen.
24 Verblendete Führer seid ihr! Mücken siebt ihr aus, und Kamele verschluckt
ihr.
25 Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr reinigt das
Äußere eurer Becher und Schüsseln, ihr Inhalt aber zeugt von eurer
Raubgier und Maßlosigkeit.
26 Du verblendeter Pharisäer! Sorg zuerst dafür, dass der Inhalt des
Bechers rein ist, dann wird auch das Äußere rein sein.
27 Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr seid wie
weißgetünchte Gräber: Von außen sehen sie schön aus, innen aber sind sie
voll von Totengebeinen und von Unreinheit aller Art.
28 Genauso seid auch ihr: Nach außen hin erweckt ihr bei den Menschen den
Anschein, gerecht zu sein, in Wirklichkeit aber seid ihr voller Heuchelei und
Gesetzlosigkeit.
29 Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr errichtet
Grabmäler für die Propheten und schmückt die Gräber der Gerechten
30 und behauptet: Wenn wir zur Zeit unserer Vorfahren gelebt hätten, hätten
wir uns nicht mit ihnen am Tod der Propheten schuldig gemacht.
31 Damit gebt ihr selbst zu, dass ihr die Nachkommen der Prophetenmörder
seid.
32 Ja, macht nur das Maß eurer Vorfahren voll!
33 Ihr Schlangen, ihr Natternbrut! Wie wollt ihr dem Gericht entgehen und
verhindern, dass ihr in die Hölle geworfen werdet?
34 Deshalb hört, was ich euch sage: Ich werde Propheten, Männer voller
Weisheit und ´wahre` Schriftgelehrte zu euch schicken. Einige von ihnen
werdet ihr umbringen, ja sogar kreuzigen; andere werdet ihr in euren
Synagogen auspeitschen und von einer Stadt zur anderen verfolgen.
Matthäus 24
Jesu Rede über die Endzeit
(Kapitel 24 und 25)
1 Jesus verließ den Tempel und war im Begriff wegzugehen. Da traten seine
Jünger zu ihm und machten ihn auf ´die Pracht` der Tempelbauten
aufmerksam.
2 Das alles beeindruckt euch, nicht wahr?, sagte Jesus. Doch ich versichere
euch: Kein Stein wird hier auf dem anderen bleiben; es wird alles zerstört
werden.
3 Später, als Jesus auf dem Ölberg saß und mit seinen Jüngern allein war,
wandten sie sich an ihn und baten: Sag uns doch: Wann wird das geschehen,
und welches Zeichen wird deine Wiederkunft und das Ende der Welt
ankündigen?
4 Gebt Acht, dass euch niemand irreführt!, erwiderte Jesus.
5 Denn viele werden unter meinem Namen auftreten; sie werden behaupten,
sie seien der Messias, und werden viele irreführen.
6 Ihr werdet von Kriegen hören; ihr werdet hören, dass Kriegsgefahr
droht. Lasst euch dadurch nicht erschrecken. Es muss so kommen, aber das
Ende ist es noch nicht.
7 Ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Reich gegen das
andere. Hungersnöte und Erdbeben werden bald diese Gegend heimsuchen
und bald jene.
8 Doch das alles ist erst der Anfang, es ist ´wie` der Beginn von
Geburtswehen.
9 Man wird euch verraten, verfolgen und töten. Um meines Namens willen
werdet ihr von allen Völkern gehasst werden.
10 Viele werden vom Glauben abfallen; sie werden einander verraten, sie
werden einander hassen.
11 Falsche Propheten werden in großer Zahl auftreten und viele irreführen.
12 Und weil die Gesetzlosigkeit überhand nehmen wird, wird bei den meisten
die Liebe erkalten.
13 Wer aber bis ans Ende standhaft bleibt, wird gerettet.
14 Die Botschaft vom Reich ´Gottes` wird in der ganzen Welt verkündet
werden, damit alle Völker sie hören. Dann erst kommt das Ende.
15 Der Prophet Daniel hat von dem Gräuel der Entweihung gesprochen, der
am heiligen Ort stehen wird. (Wer das liest, der überlege, ´was es bedeutet`.)
Wenn ihr ihn dort stehen seht,
16 sollen die, die in Judäa sind, in die Berge fliehen.
17 Wer sich gerade auf dem Dach seines Hauses aufhält, soll nicht erst noch
hinuntersteigen, um seine Sachen aus dem Haus zu holen.
18 Und wer auf dem Feld ist, soll nicht mehr nach Hause zurücklaufen, um
seinen Mantel zu holen.
19 Wie schwer werden es die Frauen haben, die in jener Zeit ein Kind
erwarten oder stillen!
20 Betet auch, dass ihr nicht im Winter oder an einem Sabbat fliehen müsst.
21 Denn es wird eine Not herrschen, wie es sie von Beginn der Welt an bis
heute nicht gegeben hat und wie es sie danach auch nie mehr geben wird.
22 Würde diese Zeit nicht verkürzt, dann würde kein Mensch gerettet werden;
aber um der Auserwählten willen wird sie verkürzt werden.
23 Wenn dann jemand zu euch sagt: Seht, hier ist der Messias! oder: Seht, er
ist dort!, so glaubt es nicht.
24 Denn mancher falsche Messias und mancher falsche Prophet wird auftreten
und große Zeichen und Wunder vollbringen, um, wenn möglich, sogar die
Auserwählten irrezuführen.
25 Denkt daran: Ich habe es euch vorausgesagt.
26 Wenn also die Leute zu euch sagen: Seht, er ist draußen in der Wüste!,
dann geht nicht hinaus. Und wenn sie sagen: Seht, er ist hier im Haus!, dann
glaubt es nicht.
27 Denn wenn der Menschensohn wiederkommt, wird es sein, wie wenn der
Blitz im Osten aufzuckt und bis zum Westen hin leuchtet.
28 Wo Aas liegt, da sammeln sich die Geier.
29 Unmittelbar nach jener Zeit der Not wird sich die Sonne verfinstern, und
der Mond wird nicht mehr scheinen. Die Sterne werden vom Himmel fallen,
und die Kräfte des Himmels werden aus dem Gleichgewicht geraten.
30 Und dann wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen,
und alle Völker der Erde werden jammern und klagen; sie werden den
Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken des
Himmels kommen sehen.
31 Er wird seine Engel mit mächtigem Posaunenschall aussenden, und sie
werden seine Auserwählten aus allen Himmelsrichtungen zusammenbringen,
von einem Ende des Himmels bis zum anderen.
32 Denkt zum Vergleich einmal an den Feigenbaum. Wenn der Saft in die
Zweige steigt und die Blätter sprießen, wisst ihr, dass es bald Sommer ist.
33 Genauso ist es, wenn ihr seht, dass alle diese Dinge geschehen. Dann wisst
ihr, dass ´das Kommen des Menschensohnes` nahe bevorsteht.
34 Ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles
geschehen ist.
35 Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht
vergehen.
36 Doch wann jener Tag und jene Stunde sein werden, weiß niemand, auch
nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn; nur der Vater weiß es.
37 Bei der Wiederkunft des Menschensohnes wird es wie in den Tagen Noahs
sein.
38 Damals vor der großen Flut aßen und tranken die Menschen, sie heirateten
und wurden verheiratet – bis zu dem Tag, an dem Noah in die Arche ging.
39 Sie merkten nichts, bis die Flut hereinbrach und sie alle hinwegraffte. So
wird es auch bei der Wiederkunft des Menschensohnes sein.
40 Von zwei Männern, die dann auf dem Feld arbeiten, wird der eine
angenommen und der andere zurückgelassen.
41 Von zwei Frauen, die zusammen Getreide mahlen, wird die eine
angenommen und die andere zurückgelassen.
42 Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr
kommt.
43 Ihr könnt gewiss sein: Ein Hausherr, der wüsste, zu welchem Zeitpunkt in
der Nacht der Dieb kommt, würde wach bleiben und nicht zulassen, dass in
sein Haus eingebrochen wird.
44 Darum haltet auch ihr euch ständig bereit; denn der Menschensohn kommt
zu einem Zeitpunkt, an dem ihr nicht damit rechnet.
45 Woran erkennt man denn einen treuen und klugen Diener? Angenommen,
ein Herr hat einem seiner Diener die Verantwortung übertragen, der ganzen
Dienerschaft zur gegebenen Zeit das Essen auszuteilen.
46 Wenn nun sein Herr kommt und ihn bei der Arbeit findet – wie glücklich ist
da der Diener zu preisen!
47 Ich sage euch: Der Herr wird ihm die Verantwortung für seinen ganzen
Besitz übertragen.
48 Wenn jener Diener aber ein böser Mensch ist und sich sagt: Mein Herr
kommt noch lange nicht!
49 und anfängt, die anderen Diener zu schlagen, während er selbst mit
Trunkenbolden schwelgt und prasst,
50 dann wird sein Herr an einem Tag kommen, an dem er ihn nicht erwartet,
und zu einem Zeitpunkt, an dem er es nicht vermutet.
51 Er wird den Diener in Stücke hauen und dorthin bringen lassen, wo die
Heuchler sind und wo es nichts gibt als lautes Jammern und angstvolles
Zittern und Beben.
Matthäus 25
Das Gleichnis von den klugen und den törichten Brautjungfern
1 Wenn der Menschensohn kommt, wird es mit dem Himmelreich wie mit
zehn Brautjungfern sein, die ihre Fackeln nahmen und dem Bräutigam
entgegengingen.
2 Fünf von ihnen waren töricht, und fünf waren klug.
3 Die Törichten nahmen zwar ihre Fackeln mit, aber keinen Ölvorrat.
4 Die Klugen dagegen hatten außer ihren Fackeln auch Gefäße mit Öl dabei.
5 Als sich nun die Ankunft des Bräutigams verzögerte, wurden sie alle müde
und schliefen ein.
6 Mitten in der Nacht ertönte plötzlich der Ruf: Der Bräutigam kommt! Geht
ihm entgegen!
7 Die Brautjungfern wachten alle auf und machten sich daran, ihre Fackeln in
Ordnung zu bringen.
8 Die Törichten sagten zu den Klugen: Gebt uns etwas von eurem Öl; unsere
Fackeln gehen aus.
9 Aber die Klugen erwiderten: Das können wir nicht, es reicht sonst weder für
uns noch für euch. Geht doch zu einem Kaufmann und holt euch selbst, was
ihr braucht!
10 Während die Törichten weg waren, um Öl zu kaufen, kam der Bräutigam.
Die fünf, die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal. Dann wurde
die Tür geschlossen.
11 Später kamen auch die anderen Brautjungfern und riefen: Herr, Herr, mach
uns auf!
12 Doch der Bräutigam antwortete: Ich kann euch nur das eine sagen: Ich
kenne euch nicht!
13 Seid also wachsam!, ´schloss Jesus.` Denn ihr wisst weder den Tag noch die
Stunde im Voraus.
14 Es ist wie bei einem Mann, der vorhatte, in ein anderes Land zu reisen. Er
rief seine Diener zu sich und vertraute ihnen sein Vermögen an.
15 Einem gab er fünf Talente, einem anderen zwei und wieder einem anderen
eines – jedem seinen Fähigkeiten entsprechend. Dann reiste er ab.
16 Der Diener, der fünf Talente bekommen hatte, begann sofort, mit dem Geld
zu arbeiten, und gewann fünf weitere dazu.
17 Ebenso gewann der, der zwei Talente bekommen hatte, zwei weitere dazu.
18 Der aber, der nur ein Talent bekommen hatte, grub ein Loch in die Erde
und versteckte das Geld seines Herrn.
19 Nach langer Zeit kehrte der Herr zurück und forderte seine Diener auf, mit
ihm abzurechnen.
20 ´Zuerst` kam der, der fünf Talente erhalten hatte. Er brachte die anderen
fünf Talente mit und sagte: Herr, fünf Talente hast du mir gegeben; diese fünf
hier habe ich dazugewonnen. –
21 Sehr gut, erwiderte der Herr, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du
bist mit dem wenigen treu umgegangen, darum will ich dir viel anvertrauen.
Komm herein zum Freudenfest deines Herrn!
22 ´Dann` kam der, der zwei Talente erhalten hatte. Herr, sagte er, zwei
Talente hast du mir gegeben; hier sind die zwei, die ich dazugewonnen habe.
–
23 Sehr gut, erwiderte der Herr, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du
bist mit dem wenigen treu umgegangen, darum will ich dir viel anvertrauen.
Komm herein zum Freudenfest deines Herrn!
24 ´Zuletzt` kam auch der, der ein Talent bekommen hatte. Herr, sagte er, ich
wusste, dass du ein harter Mann bist. Du erntest, wo du nicht gesät hast, und
sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast.
25 Deshalb hatte ich Angst und vergrub dein Talent in der Erde. Hier hast du
zurück, was dir gehört.
26 Da gab ihm sein Herr zur Antwort: Du böser und fauler Mensch! Du hast
also gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle, wo ich
nicht ausgestreut habe.
27 Da hättest du mein Geld doch wenigstens zur Bank bringen können; dann
hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückbekommen.
28 Nehmt ihm das Talent weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat!
29 Denn jedem, der hat, wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer
aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat.
30 Doch diesen unnützen Diener werft in die Finsternis hinaus, dorthin, wo es
nichts gibt als lautes Jammern und angstvolles Zittern und Beben.
31 Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommen wird und mit ihm
alle Engel, dann wird er in königlichem Glanz auf seinem Thron Platz
nehmen.
32 Alle Völker werden vor ihm versammelt werden, und er wird die
Menschen in zwei Gruppen teilen, so wie der Hirte die Schafe und die Ziegen
voneinander trennt.
33 Die Schafe wird er rechts von sich aufstellen und die Ziegen links.
34 Dann wird der König zu denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, ihr
seid von meinem Vater gesegnet! Nehmt das Reich in Besitz, das seit der
Erschaffung der Welt für euch vorbereitet ist.
35 Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig,
und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war ein Fremder, und ihr habt mich
aufgenommen;
36 ich hatte nichts anzuziehen, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war
krank, und ihr habt euch um mich gekümmert; ich war im Gefängnis, und ihr
habt mich besucht.
37 Dann werden ihn die Gerechten fragen: Herr, wann haben wir dich denn
hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken
gegeben?
38 Wann haben wir dich als Fremden bei uns gesehen und haben dich
aufgenommen? Oder wann haben wir dich gesehen, als du nichts anzuziehen
hattest, und haben dir Kleidung gegeben?
39 Wann haben wir dich krank gesehen oder im Gefängnis und haben dich
besucht?
40 Darauf wird der König ihnen antworten: Ich sage euch: Was immer ihr für
einen meiner Brüder getan habt – und wäre er noch so gering geachtet
gewesen – , das habt ihr für mich getan.
41 Dann wird er zu denen auf der linken Seite sagen: Geht weg von mir, ihr
seid verflucht! Geht in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel
vorbereitet ist!
42 Denn ich war hungrig, und ihr habt mir nicht zu essen gegeben; ich war
durstig, und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben;
43 ich war ein Fremder, und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich hatte
nichts anzuziehen, und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank
und war im Gefängnis, und ihr habt euch nicht um mich gekümmert.
44 Dann werden auch sie fragen: Herr, wann haben wir dich denn hungrig
oder durstig gesehen oder als Fremden oder ohne Kleidung oder krank oder
im Gefängnis und haben dir nicht geholfen?
45 Darauf wird er ihnen antworten: Ich sage euch: Was immer ihr an einem
meiner Brüder zu tun versäumt habt – und wäre er noch so gering geachtet
gewesen – , das habt ihr mir gegenüber versäumt.
46 So werden sie an ´den Ort` der ewigen Strafe gehen, die Gerechten aber
werden ins ewige Leben eingehen.
Matthäus 26
Jesu Leiden und Sterben und seine Auferstehung
(Kapitel 26 bis 28)
1 Als Jesus alle diese Dinge gelehrt und seine Rede beendet hatte, sagte er zu
seinen Jüngern:
2 Ihr wisst, dass in zwei Tagen das Passafest beginnt. Dann wird der
Menschensohn verraten und gekreuzigt werden.
3 Etwa um die gleiche Zeit versammelten sich die führenden Priester und die
Ältesten des ´jüdischen` Volkes im Palast des Hohenpriesters Kajafas
4 und berieten miteinander, zu welcher List sie greifen könnten, um Jesus
festzunehmen und dann umzubringen.
5 Auf keinen Fall darf es während des Festes geschehen, sagten sie, sonst gibt
es einen Aufruhr im Volk.
21 Während des Essens erklärte er: Ich sage euch: Einer von euch wird mich
verraten.
22 Die Jünger waren zutiefst bestürzt, und einer nach dem anderen sagte zu
ihm: Ich bin es doch nicht etwa, Herr?
23 Jesus erwiderte: Einer, der mit mir das Brot in die Schüssel getaucht hat,
wird mich verraten.
24 Der Menschensohn geht zwar den Weg, der ihm in der Schrift vorausgesagt
ist; doch wehe dem Menschen, durch den er verraten wird! Für diesen
Menschen wäre es besser, er wäre nie geboren worden.
25 Da sagte Judas, der Verräter, zu ihm: Ich bin es doch nicht etwa, Rabbi? –
Du selbst hast es ausgesprochen, erwiderte Jesus.
26 Im weiteren Verlauf des Essens nahm Jesus Brot, dankte Gott dafür, brach
es in Stücke und gab es den Jüngern mit den Worten: Nehmt und esst, das ist
mein Leib.
27 Dann nahm er einen Becher ´mit Wein`, sprach ein Dankgebet, gab ihn den
Jüngern und sagte: Trinkt alle daraus!
28 Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele zur Vergebung der
Sünden vergossen wird.
29 Ich sage euch: Von jetzt an werde ich nicht mehr vom Saft der Reben
trinken bis zu dem Tag, an dem ich den neuen Wein im Reich meines Vaters
mit euch trinken werde.
30 Nachdem sie dann ein Loblied gesungen hatten, gingen sie hinaus an den
Ölberg.
31 Unterwegs sagte Jesus zu seinen Jüngern: Heute Nacht werdet ihr euch alle
von mir abwenden. Denn es heißt in der Schrift: Ich werde den Hirten töten,
und die Schafe der Herde werden sich zerstreuen.
32 Aber nach meiner Auferstehung werde ich euch nach Galiläa vorausgehen.
33 Doch Petrus versicherte: Und wenn alle sich von dir abwenden – ich
niemals!
34 Jesus erwiderte: Ich sage dir: Noch heute Nacht, bevor der Hahn kräht,
wirst du mich dreimal verleugnen.
35 Da erklärte Petrus: Und wenn ich mit dir sterben müsste – ich werde dich
niemals verleugnen! Dasselbe beteuerten auch alle anderen Jünger.
36 Jesus kam nun mit seinen Jüngern an eine Stelle ´am Ölberg`, die
Getsemane genannt wird. Dort sagte er zu ihnen: Setzt euch hier ´und
wartet`! Ich gehe noch ein Stück weiter, um zu beten.
37 Petrus jedoch und die beiden Söhne des Zebedäus nahm er mit. Traurigkeit
und Angst wollten ihn überwältigen,
38 und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und
wacht mit mir!
39 Er selbst ging noch ein paar Schritte weiter, warf sich zu Boden, mit dem
Gesicht zur Erde, und betete: Mein Vater, wenn es möglich ist, lass diesen
bitteren Kelch an mir vorübergehen! Aber nicht wie ich will, sondern wie du
willst.
40 Als er zu den Jüngern zurückkam, schliefen sie. Da sagte er zu Petrus: Ihr
konntet also nicht einmal eine einzige Stunde mit mir wach bleiben?
41 Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet! Der Geist ist
willig, aber die menschliche Natur ist schwach.
42 Jesus ging ein zweites Mal weg und betete: Mein Vater, wenn es nicht
anders sein kann und ich diesen Kelch trinken muss, dann soll dein Wille
geschehen.
43 Als er zurückkam, waren sie wieder eingeschlafen; sie konnten die Augen
vor Müdigkeit nicht offen halten.
44 Er ließ sie schlafen, ging wieder weg und betete ein drittes Mal dasselbe
Gebet.
45 Dann kehrte er zu den Jüngern zurück und sagte: Wollt ihr noch länger
schlafen und euch ausruhen? Seht, die Stunde ist da, in der der
Menschensohn in die Hände der Sünder gegeben wird.
46 Steht auf, lasst uns gehen! Der, der mich verrät, ist da.
47 Noch während Jesus redete, kam Judas, einer der Zwölf, mit einer großen
Schar von Männern, die mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet waren. Sie
waren von den führenden Priestern und den Ältesten des ´jüdischen` Volkes
geschickt worden.
48 Der Verräter hatte mit seinen Begleitern ein Zeichen vereinbart: Der, den
ich mit einem Kuss begrüßen werde, der ist es. Den müsst ihr festnehmen.
49 Judas ging sofort auf Jesus zu. Sei gegrüßt, Rabbi!, sagte er und gab ihm
einen Kuss.
50 Jesus sagte zu ihm: Mein Freund, tu, wozu du gekommen bist! Und schon
traten die Männer heran, packten Jesus und nahmen ihn fest.
51 Da griff einer von Jesu Begleitern nach seinem Schwert, ging damit auf den
Diener des Hohenpriesters los und schlug ihm ein Ohr ab.
52 Doch Jesus sagte zu ihm: Steck dein Schwert zurück! Denn alle, die zum
Schwert greifen, werden durchs Schwert umkommen.
53 Oder glaubst du nicht, dass ich meinen Vater um Hilfe bitten könnte und
dass er mir sofort mehr als zwölf Legionen Engel zur Seite stellen würde?
54 Wie würden sich dann aber die Voraussagen der Schrift erfüllen, nach
denen es so geschehen muss?
55 Dann wandte sich Jesus zu der Schar der bewaffneten Männer und sagte:
Mit Schwertern und Knüppeln seid ihr ausgezogen, um mich gefangen zu
nehmen, als wäre ich ein Verbrecher. Dabei saß ich doch Tag für Tag im
Tempel und lehrte, und ihr habt mich nicht festgenommen.
56 Aber das alles ist geschehen, damit sich erfüllt, was die Propheten in der
Schrift vorausgesagt haben. Da ließen ihn alle seine Jünger im Stich und
flohen.
57 Die, die Jesus festgenommen hatten, führten ihn zum Hohenpriester
Kajafas, wo bereits die Schriftgelehrten und die Ältesten versammelt waren.
58 Petrus folgte Jesus in einiger Entfernung bis zum hohepriesterlichen Palast.
Er ging in den Innenhof und setzte sich zu den Dienern, um zu sehen, wie
alles ausgehen würde.
59 Die führenden Priester und der gesamte Hohe Rat suchten nun nach einer
falschen Zeugenaussage gegen Jesus, die es rechtfertigen würde, ihn zum Tod
zu verurteilen.
60 Doch sie konnten nichts finden, obwohl viele falsche Zeugen gegen ihn
aussagten. Schließlich traten zwei Männer vor
61 und erklärten: Dieser Mensch hat behauptet: Ich kann den Tempel Gottes
niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen.
62 Der Hohepriester erhob sich und fragte Jesus: Hast du darauf nichts zu
sagen? Wie stellst du dich zu dem, was diese Leute gegen dich vorbringen?
63 Aber Jesus schwieg. Da sagte der Hohepriester zu ihm: Ich nehme dich vor
dem lebendigen Gott unter Eid. Sag uns: Bist du der Messias, der Sohn
Gottes? –
64 Du selbst hast es ausgesprochen, erwiderte Jesus. Und ich sage euch: Von
jetzt an werdet ihr den Menschensohn an der rechten Seite des
Allmächtigen sitzen sehen, und ihr werdet sehen, wie er auf den Wolken des
Himmels kommt.
65 Da zerriss der Hohepriester ´vor Empörung` sein Gewand und rief: Das ist
Gotteslästerung! Wozu brauchen wir noch Zeugen? Ihr habt ja selbst gehört,
wie er Gott gelästert hat.
66 Was ist eure Meinung? – Er muss sterben!, antworteten sie.
67 Dann spuckten sie ihm ins Gesicht und schlugen ihn mit Fäusten. Einige
gaben ihm Ohrfeigen
68 und sagten: Messias, du bist doch ein Prophet! Sag uns: Wer hat dich
geschlagen?
69 Petrus saß noch draußen im Hof, als eine Dienerin auf ihn zutrat und sagte:
Du warst doch auch mit diesem Jesus aus Galiläa zusammen!
70 Aber Petrus stritt es vor allen Leuten ab. Ich weiß nicht, wovon du redest,
sagte er.
71 Als er danach zum Eingangstor ging, sah ihn eine andere Dienerin und
sagte zu denen, die dort standen: Der war auch mit diesem Jesus von Nazaret
zusammen.
72 Wieder stritt Petrus es ab, ´diesmal sogar` mit einem Schwur: Ich kenne den
Menschen nicht!
73 Doch es dauerte nicht lange, da traten die Umstehenden auf ihn zu und
sagten: Natürlich bist du auch einer von ihnen; deine Sprache verrät dich.
74 Petrus begann, Verwünschungen auszustoßen, und schwor: Ich kenne den
Menschen nicht! In diesem Augenblick krähte ein Hahn.
75 Da erinnerte sich Petrus daran, wie Jesus zu ihm gesagt hatte: Bevor der
Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und
weinte in bitterer Verzweiflung.
Matthäus 27
Jesus wird Pilatus übergeben
1 Bei Tagesanbruch fassten alle führenden Priester zusammen mit den
Ältesten des ´jüdischen` Volkes den Beschluss, Jesus hinrichten zu lassen.
2 Sie ließen ihn fesseln und abführen und übergaben ihn dem ´römischen`
Gouverneur Pilatus.
3 Als Judas sah, dass sein Verrat zur Verurteilung Jesu geführt hatte, bereute
er seine Tat. Er brachte den führenden Priestern und den Ältesten die dreißig
Silberstücke zurück
4 und sagte: Ich habe gesündigt, ich habe einen unschuldigen
Menschen verraten. – Was geht uns das an?, erwiderten sie. Das ist deine
Sache!
5 Da nahm Judas das Geld und warf es in den Tempel. Danach ging er weg
und erhängte sich.
6 Die führenden Priester nahmen die Silberstücke an sich und sagten: Dieses
Geld darf man nicht zum Tempelschatz legen, weil Blut daran klebt.
7 Sie berieten über die Sache und kauften dann von dem Geld den so
genannten Töpferacker als Friedhof für die Fremden.
8 Dieses Stück Land heißt daher bis heute Blutacker.
9 Damals erfüllte sich, was durch den Propheten Jeremia vorausgesagt
worden war: Sie nahmen die dreißig Silberstücke – den Preis, den die
Israeliten für ihn festgesetzt hatten –
10 und kauften davon den Töpferacker, wie mir der Herr befohlen hatte.
11 Als Jesus vor dem Gouverneur stand, fragte ihn dieser: Bist du der König
der Juden? – Du selbst sprichst es aus, erwiderte Jesus.
12 Die führenden Priester und die Ältesten brachten Beschuldigungen gegen
ihn vor, aber er verteidigte sich mit keinem Wort.
13 Da sagte Pilatus zu ihm: Hörst du nicht, was sie alles gegen dich
vorbringen?
14 Doch Jesus gab ihm keine Antwort; zum großen Erstaunen des Gouverneurs
sagte er nicht ein einziges Wort.
15 Nun war es so, dass der Gouverneur zum Passafest einen Gefangenen
freizulassen pflegte, den das Volk selbst bestimmen durfte.
54 Der Hauptmann und die Soldaten, die mit ihm zusammen beim Kreuz Jesu
Wache hielten, waren zutiefst erschrocken über das Erdbeben und die
anderen Dinge, die sie miterlebt hatten, und sagten: Dieser Mann war
wirklich Gottes Sohn.
55 Es waren auch viele Frauen dort, die von weitem zusahen. Sie waren Jesus
seit den Anfängen in Galiläa gefolgt und hatten ihm gedient.
56 Unter ihnen befanden sich Maria aus Magdala, Maria, die Mutter von
Jakobus und Josef, sowie die Mutter der Zebedäussöhne.
57 Als es Abend wurde, kam Josef, ein reicher Mann, der aus Arimatäa
stammte und ein Jünger Jesu war.
58 Er ging zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. Pilatus ordnete an, der
Tote solle Josef überlassen werden.
59 Da nahm Josef den Leichnam, wickelte ihn in ein reines Leinentuch
60 und legte ihn in das noch unbenutzte Grab, das er für sich selbst in einen
Felsen hatte hauen lassen. Bevor er fortging, wälzte er einen großen Stein vor
den Eingang des Grabes.
61 Maria aus Magdala und die andere Maria waren dabei; sie hatten sich dem
Grab gegenüber hingesetzt.
62 Am nächsten Tag gingen die führenden Priester und die Pharisäer
gemeinsam zu Pilatus; es war der Tag nach dem Rüsttag.
63 Herr, sagten sie, uns ist eingefallen, dass dieser Betrüger, als er noch lebte,
behauptet hat: Nach drei Tagen werde ich auferstehen.
64 Befiehl deshalb bitte, dass das Grab bis zum dritten Tag bewacht wird!
Sonst könnten seine Jünger kommen und den Leichnam stehlen und dann
dem Volk gegenüber behaupten, er sei von den Toten auferstanden. Dieser
zweite Betrug wäre noch schlimmer als der erste. –
65 Ihr sollt eure Wache haben, antwortete Pilatus. Geht und sichert das Grab,
so gut ihr könnt!
66 Da gingen sie zum Grab, versiegelten den Stein am Eingang und sicherten
es, indem sie die Wache aufstellten.
Matthäus 28
Jesus ist auferstanden
1 Nach dem Sabbat, in der Morgendämmerung des ersten Tages der neuen
Woche, kamen Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab
zu sehen.
2 Plötzlich fing die Erde an, heftig zu beben. Ein Engel des Herrn war vom
Himmel herabgekommen und zum Grab getreten. Er wälzte den Stein weg
und setzte sich darauf.
3 Seine Gestalt leuchtete wie ein Blitz, und sein Gewand war weiß wie
Schnee.
4 Als die Wächter ihn sahen, zitterten sie vor Angst und fielen wie tot zu
Boden.
5 Der Engel sagte zu den Frauen: Ihr braucht euch nicht zu fürchten. Ich weiß,
ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten.
6 Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er es vorausgesagt hat. Kommt her
und seht euch die Stelle an, wo er gelegen hat.
7 Und dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen, dass er von den
Toten auferstanden ist. Er geht euch nach Galiläa voraus; dort werdet ihr ihn
sehen. Ihr könnt euch auf meine Worte verlassen.
8 Die Frauen waren erschrocken, aber doch voller Freude. So schnell sie
konnten, verließen sie das Grab und eilten zu den Jüngern, um ihnen alles zu
berichten.
9 Plötzlich trat ihnen Jesus entgegen. Seid gegrüßt!, sagte er. Da liefen sie zu
ihm hin, warfen sich vor ihm nieder und umfassten seine Füße.
10 Ihr braucht euch nicht zu fürchten!, sagte Jesus zu ihnen. Geht und sagt
meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen. Dort werden sie mich sehen.
11 Während die Frauen auf dem Weg ´zu den Jüngern` waren, liefen einige
Soldaten der Wachmannschaft in die Stadt und berichteten den führenden
Priestern alles, was geschehen war.
12 Diese trafen sich daraufhin mit den Ältesten zur Beratung. Sie gaben den
Soldaten eine ansehnliche Summe Geld
13 und machten Folgendes mit ihnen ab: Sagt, seine Jünger seien in der Nacht
gekommen, während ihr schlieft, und hätten den Leichnam gestohlen.
14 Wenn der Gouverneur davon erfährt, werden wir ihn beschwichtigen; wir
werden dafür sorgen, dass ihr nichts zu befürchten habt.
15 Die Soldaten nahmen das Geld und taten, wie man ihnen gesagt hatte. So
wurde diese Geschichte in Umlauf gebracht und ist bei den Juden bis zum
heutigen Tag verbreitet.
16 Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, den Jesus für die
Begegnung mit ihnen bestimmt hatte.
17 Bei seinem Anblick warfen sie sich vor ihm nieder; allerdings hatten
einige noch Zweifel.
18 Jesus trat auf sie zu und sagte: Mir ist alle Macht im Himmel und auf der
Erde gegeben.
19 Darum geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern;
tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes
20 und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und seid
gewiss: Ich bin jeden Tag bei euch, bis zum Ende der Welt.
13 Dort blieb er vierzig Tage und wurde vom Satan versucht. Er war bei den
wilden Tieren, und die Engel dienten ihm.
Jesu erstes öffentliches Wirken in Galiläa
14 Nachdem Johannes gefangen genommen worden war, ging Jesus nach
Galiläa und verkündete dort die Botschaft Gottes.
15 Er sagte: Die Zeit ist gekommen, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und
glaubt diese gute Botschaft!
Die Berufung der ersten Jünger
16 Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Fischer, die auf dem
See ihre Netze auswarfen, Simon und seinen Bruder Andreas.
17 Jesus sagte zu ihnen: Kommt, folgt mir nach! Ich will euch zu
Menschenfischern machen.
18 Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.
19 Er war noch nicht viel weiter gegangen, da sah er zwei Männer, die im
Boot saßen und ihre Netze in Ordnung brachten, Jakobus, den Sohn des
Zebedäus, und seinen Bruder Johannes.
20 Jesus forderte sie ebenfalls auf, mit ihm zu kommen. Da ließen sie ihren
Vater Zebedäus mit den Arbeitern im Boot zurück und schlossen sich Jesus
an.
Austreibung eines bösen Geistes in der Synagoge von Kafarnaum
21 Sie kamen nach Kafarnaum. Gleich am darauf folgenden Sabbat ging Jesus
in die Synagoge und sprach dort zu den Menschen.
22 Sie waren von seiner Lehre tief beeindruckt, denn er lehrte sie nicht wie die
Schriftgelehrten, sondern mit Vollmacht.
23 In der Synagoge war auch ein Mann, der einen bösen Geist hatte. Er schrie:
24 Was willst du von uns, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns
zugrunde zu richten? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes! –
25 Schweig!, befahl ihm Jesus. Verlass diesen Mann!
26 Da riss der böse Geist den Mann hin und her und verließ ihn mit einem
lauten Schrei.
27 Alle waren erstaunt und erschrocken, und einer sagte zum anderen: Was
hat das zu bedeuten? Hier wird mit Vollmacht eine neue Lehre verkündet.
Sogar den bösen Geistern befiehlt er, und sie gehorchen ihm!
28 Bald gab es im gesamten Gebiet von Galiläa keinen Ort mehr, an dem man
nicht von Jesus sprach.
Weiteres Wirken Jesu in Kafarnaum
29 Nachdem sie die Synagoge verlassen hatten, gingen sie in das Haus von
Simon und Andreas; auch Jakobus und Johannes kamen mit.
30 Simons Schwiegermutter lag mit Fieber im Bett, und man bat Jesus, ihr zu
helfen.
31 Er ging zu ihr, ergriff sie bei der Hand und richtete sie auf. Da verschwand
das Fieber, und sie sorgte für das Wohl Jesu und seiner Begleiter.
32 Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken
und Besessenen zu Jesus.
33 Die ganze Stadt war vor dem Haus versammelt,
34 und er heilte viele Menschen, die an den verschiedensten Krankheiten
litten, und trieb viele Dämonen aus. Den Dämonen verbot er zu reden, denn
sie wussten, wer er war.
Jesu Botschaft soll alle erreichen
35 Früh am Morgen, als es noch völlig dunkel war, stand Jesus auf, verließ
´das Haus` und ging an einen einsamen Ort, um dort zu beten.
36 Simon und die, die bei ihm waren, eilten ihm nach,
37 und als sie ihn gefunden hatten, sagten sie zu ihm: Alle fragen nach dir.
38 Er aber erwiderte: Lasst uns von hier weggehen in die umliegenden
Ortschaften, damit ich auch dort ´die Botschaft vom Reich Gottes` verkünden
kann; denn dazu bin ich gekommen.
Markus 2
Heilung eines Gelähmten
1 Einige Tage später kehrte Jesus nach Kafarnaum zurück. Es sprach sich
schnell herum, dass er wieder zu Hause war.
2 Da versammelten sich so viele Menschen bei ihm, dass kein Platz mehr war,
nicht einmal vor dem Haus. Während er ihnen das Wort ´Gottes` verkündete,
3 wurde ein Gelähmter gebracht; vier Männer trugen ihn. Sie wollten mit ihm
zu Jesus,
4 doch es herrschte ein solches Gedränge, dass sie nicht zu ihm durchkamen.
Da deckten sie das Dach über der Stelle ab, wo Jesus sich befand, und
machten eine Öffnung, durch die sie den Gelähmten auf seiner
Matte hinunterließen.
5 Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine
Sünden sind dir vergeben!
6 Einige Schriftgelehrte, die dort saßen, lehnten sich innerlich dagegen auf.
7 Wie kann dieser Mensch es wagen, so etwas zu sagen?, dachten sie. Das ist
ja Gotteslästerung! Niemand kann Sünden vergeben außer Gott.
8 Jesus hatte in seinem Geist sofort erkannt, was in ihnen vorging. Warum
gebt ihr solchen Gedanken Raum in euren Herzen?, fragte er sie.
9 Was ist leichter – zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind dir
vergeben oder: Steh auf, nimm deine Matte und geh umher!?
10 Doch ihr sollt wissen, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf
der Erde Sünden zu vergeben. Und er wandte sich zu dem Gelähmten und
sagte:
11 Ich befehle dir: Steh auf, nimm deine Matte und geh nach Hause!
12 Da stand der Mann auf, nahm seine Matte und ging vor den Augen der
ganzen Menge hinaus. Alle waren außer sich vor Staunen; sie priesen Gott
und sagten: So etwas haben wir noch nie erlebt.
Die Berufung des Zolleinnehmers Levi
13 Danach ging Jesus wieder hinaus an den See. Die ganze Menschenmenge
kam zu ihm, und er lehrte sie.
14 Als er weiterging und am Zollhaus vorbeikam, sah er dort Levi sitzen, den
Sohn des Alphäus. Jesus sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Levi auf und
folgte Jesus.
Jesu Gemeinschaft mit Zolleinnehmern und Sündern
15 Später war Jesus in Levis Haus zu Gast. Zusammen mit ihm und seinen
Jüngern nahmen viele Zolleinnehmer und andere Leute, die als Sünder
galten, an dem Essen teil; die Zahl derer, die ihm nachfolgten, war groß.
16 Als nun die Schriftgelehrten, die zur Partei der Pharisäer gehörten, sahen,
dass Jesus mit solchen Leuten aß, sagten sie zu seinen Jüngern: Wie kann er
nur zusammen mit Zolleinnehmern und Sündern essen?
17 Jesus hörte das und entgegnete ihnen: Nicht die Gesunden brauchen den
Arzt, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen,
sondern Sünder.
Junger Wein gehört nicht in alte Schläuche
18 Einmal, als die Jünger des Johannes und die Pharisäer fasteten, kamen
einige Leute zu Jesus und sagten: Die Jünger des Johannes und die Jünger
der Pharisäer fasten; warum fasten dann deine Jünger nicht?
19 Jesus gab ihnen zur Antwort: Können etwa bei einer Hochzeit die
Gäste fasten, während der Bräutigam noch bei ihnen ist? Solange sie den
Bräutigam bei sich haben, können sie doch nicht fasten!
20 Es kommt allerdings eine Zeit, wo ihnen der Bräutigam entrissen sein wird;
dann werden sie fasten.
21 Niemand flickt ein altes Kleid mit einem neuen Stück Stoff, sonst reißt das
neue Stück wieder aus, und der Riss im alten Stoff wird noch größer.
22 Auch füllt niemand jungen Wein in alte Schläuche. Er ´gärt ja noch und`
würde die Schläuche zum Platzen bringen, und der Wein samt den
Schläuchen wäre verloren. Nein, jungen Wein füllt man in neue Schläuche.
Jesus ist Herr über den Sabbat
23 An einem Sabbat ging Jesus durch die Felder. Seine Jünger fingen an, am
Weg entlang Ähren abzureißen ´und die Körner zu essen`.
24 Da sagten die Pharisäer zu ihm: Hast du gesehen, was sie da tun? Das ist
doch am Sabbat nicht erlaubt!
25 Jesus entgegnete: Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er und seine
Begleiter nichts zu essen hatten und Hunger litten?
26 Wie er damals – zur Zeit des Hohenpriesters Abjatar – ins Haus Gottes ging
und von den geweihten Broten aß, von denen doch nur die Priester essen
dürfen, und wie er auch seinen Begleitern davon gab?
27 Und Jesus fügte hinzu: Der Sabbat ist für den Menschen gemacht, nicht der
Mensch für den Sabbat.
28 Darum ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.
Markus 3
Jesus heilt am Sabbat
1 Als Jesus ein anderes Mal in die Synagoge ging, war dort ein Mann mit einer
verkrüppelten Hand.
2 Die, die einen Vorwand suchten, um Jesus anklagen zu können,
beobachteten aufmerksam, ob er ihn am Sabbat heilen würde.
3 Steh auf und komm nach vorn!, sagte Jesus zu dem Mann mit der
verkrüppelten Hand.
4 Und den anderen stellte er die Frage: Was ist richtig – am Sabbat Gutes zu
tun oder Böses? Einem Menschen das Leben zu retten oder ihn zu töten? Sie
schwiegen.
5 Er sah sie der Reihe nach an, voll Zorn und zugleich tief betrübt über ihr
verstocktes Herz. Dann befahl er dem Mann: Streck die Hand aus! Der Mann
streckte die Hand aus, und sie war geheilt.
6 Die Pharisäer jedoch fassten, sobald sie die Synagoge verlassen
hatten, zusammen mit den Anhängern des Herodes den Plan, Jesus zu
beseitigen.
7 Jesus zog sich mit seinen Jüngern an den See zurück. Eine große Zahl von
Menschen aus Galiläa folgte ihm. Auch aus Judäa,
8 Jerusalem und Idumäa, aus dem Gebiet jenseits des Jordans und aus der
Gegend von Tyrus und Sidon kamen sie in Scharen zu ihm, weil sie von all
dem gehört hatten, was er tat.