Die Vergleiche de Sprachwisse Schaft
Die Vergleiche de Sprachwisse Schaft
Weltweit gibt es insgesamt etwa 6000 verschiedene Sprachen. Diese Zahl kann nicht
genauer bestimmt werden, einerseits weil es Gebiete gibt, die sprachwissenschaftlich sehr
schlecht erforscht sind, anderseits weil es keine eindeutigen Kriterien gibt, um einzelne
Sprachen voneinander abzugrenzen. Wann eine Sprache als Sprache bezeichnet wird, basiert
sehr oft auf politischen Kriterien. Sprachen lassen sich in verschiedene Gruppen einteilen:
Eine Sprachfamilie ist eine Menge von Sprachen, die von einer gemeinsamen Ursprache
abstammen, also genetisch verwandt sind. Darin unterscheiden sie sich von den Sprachen, die
zum selben Sprachtyp gehören. Diese können zwar auch genetisch verwandt sein; aber das ist
nicht das Kriterium ihrer Zugehörigkeit zum selben Typ. Es gibt ungefähr 250 nicht
nachweislich miteinander verwandte Sprachfamilien, inkl. isolierte Sprachen, auf der Welt.
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SPRACHTYPOLOGIE
Die Sprachtypologie ist ein Forschungsfeld der Linguistik. Es gibt seit langem Versuche,
Weltsprachen zu klassifizieren. Seit dem 14. Jahrhundert wurden verschiedene Klassifikationen
vorgenommen, als insbesondere die Ähnlichkeiten zwischen Sprachen, die zu indogermanische
Sprachfamilie gehören, festgestellt wurden.
Ein anderes Einteilungsschema geht der Frage nach, mit welchen Mitteln grammatische
Kategorien im Satz ausgedrückt werden, das heisst dass morphologisch-syntaktische
Gesichtspunkte im Vordergrund stehen. Demzufolge unterscheidet man die Sprachtypen
isolierend, agglutinierend, flektierend und polysynthetisch. Das Deutsche gehört zum
flektierenden Typ, denn grammatische Kategorien werden durch Flexionsendungen am Ende
des Wortes oder durch Stammvariation angezeigt. Diese Endungen drücken mehrere
Kategorien gleichzeitig aus. Dadurch entsteht ein grammatisches und inhaltliches Netz von
Beziehungen zwischen den Wörtern. Sprachen, die ähnlich verfahren, sind indoeuropäische
Sprachen z. B. Französisch, Russisch oder Albanisch.
Die in der Welt gesprochenen Sprachen werden im Allgemeinen auf zwei Arten
klassifiziert.
Die Grundmerkmale der zweiten sind die Hauptmerkmale der Sprachen in Bezug auf die
Form, die in dieser Richtung zwischen den Sprachen auftreten.
Die frühesten Versuche der Klassifikation gehört zu den Typologien von August Wilhelm
Schlegel und Wilhelm von Humboldt. Sie teilten die Sprachen aufgrund morphologischer
Kriterien in synthetische und analytische Sprachen ein. Die heutige Klassifikation, die Sprachen
nach Form oder Struktur in Gruppen unterteilt, basiert jedoch auf August Schleicher. August
Schleicher ist einer der bekanntesten deutschen Sprachwissenschaftler. Er gilt als Begründer
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der “Stammbaumtheorie” in der vergleichenden Sprachforschung und zusammen mit Franz
Bopp als Wegbereiter der Indogermanistik.
1. Isolierende Sprachen
2. Zusammenfügende Sprachen
3. Flektierende Sprachen
Dieses Schema, das die Sprache nach ihrer morphologischen Eigenschaften unterteilt, gilt
auch heute.
1. Isolierende Sprachen
Das typischste Merkmal der Sprachen in dieser Gruppe ist, dass es keine Beugung
gibt. sein wichtigstes Beispiel ist Chinesisch. Die Wörter bleiben unverӓndert in einem Satz,
ohne dass sie denkliniert werden. Wörter kommen neben anderen Wörtern und auf diese Weise
nehmen sie unterschiedliche Bedeutungen und Aufgaben an. Auf Chinesisch, das der
Hauptvertreter dieser Gruppe ist, ist die Betonung sehr wichtig. Ein einzelnes Wort spiegelt
viele verschiedene Bedeutungen wider, wenn es in verschiedenen Tönen ausgesprochen wird,
und das ist auch in der Schrift möglich. Auf diese Weise kann man mit einem Wort manchmal
10-15 verschiedene Bedeutungen ausdrücken.
Beispiel:
- /wo şiye/: Ich schreibe.
wo: ich/ şiye: schreiben
- /wo bŭ şiye/: ich schreibe nicht
- /wo şiye mŭ/: schreibe ich?
- /wo şiye lı/:ich habe geschrieben.
In der chinesischen Schrift wird jedes Wort durch ein Zeichen dargestellt. Wörter wie
Sonne, Mond, Tiere werden durch Figuren ausgedrückt. die Änderung des Wortes Sonne im
Laufe der Zeit ist wie im Beispiel:
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Neben Chinesisch können auch Vietnamesisch und einige afrikanische Sprachen in dieser
Sprachgruppe(isolierende Sprachen) berücksichtigt werden.
2. Zusammenfügende Sprachen.
Wir können Zusammenfügende Sprachen mit der allgemeinsten Definition ausdrücken:
Verknüpfung anderer Mopheme und Wörter. Das bekannteste Beispiel dafür ist Türkisch. In
Sprachen dieser Gruppe werden an der Wortwurzel Suffixe angehӓngt, die unterschiedliche
Bedeutungen und Funktionen hinzufügen. Diese angehӓngten Wörter sind eng miteinander
verbunden, so dass ihre Artikulation nicht sichtbar sind. Durch das Hinzufügen von Morphemen
mit unterschiedlichen Aufgaben sehen wir, dass viele Begriffe durch Wurzeln ausgedrückt
werden können, die unverändert bleiben.
Wie schon es gesagt wurde Türkisch ist das beste Beispiel dieser Gruppe;
z.B das Verb “gezmek” und das Nomen “baş”. Indem diesen Wörtern verschiedene
Morpehemen angehӓngt werden, kann man viele andere Wörter ableiten.
3. Flektierende Sprache
Bevor wir die Sprachen in dieser Gruppe diskutieren, wäre es nützlich, sich mit dem
Begriff “Flexion” oder mehr umfassende “Beugung” zu befassen.
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Beugung ist die Änderung des Vokals in der Wortwurzel, insbesondere in der Wurzel
während der Konjugation. Gleiches gilt für die Pluralformen von Substantiven. Im Gegensatz
zum Türkischen werden mit der Änderung der Verbwurzel und mit der Änderung der Wurzel
von Substantiven in flektierenden Sprachen unterschiedliche Wörter erstellt.
Arabisch ist das charakteristischste Beispiel für flektierende Sprachen. Sehen wir jetzt ein
Beispiel dafür an:
iale:ee:gmlmaneaedi:ga:le/:قال
ianeaedi:gnle(ider l :iule :yeiulmi:يقل
Beachten Sie, wӓhrend der Vokal in der Vergangenheitsform als lange /a/ steht, verӓndert
es sich in der Gegenwarstform als lange /u/. Und im Imperativ ist es jetzt als kurze /u/.
Während Arabisch eine Sprache mit einer flektierenden Wurzel ist, gibt es auch Sprachen
mit einem flektierenden Stamm. Indo-germanische Sprachen sind diese artigen Sprachen.
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GENETISCHE VERWANDTSCHAFT DER SPRACHEN
Stammbaumtheorie
Die Stammbaumtheorie in der Linguistik wurde von August Schleicher Mitte des 19.
Jahrhunderts entwickelt. Er ging davon aus, dass sich Sprachen analog der Evolution
biologischer Arten aus Ursprachen (Protosprache) entwickeln. Danach verhalten sich die
Beziehungen und Verwandtschaftsverhältnisse zwischen Sprachen genau so wie die Relationen
der Arten in der Biologie, die sich in Form von phylogenetischen Stammbäumen darstellen
lassen.
Dieses Verhältnis wird mit den Metaphern Sprachfamilie, Mutter- und Tochter- bzw.
Schwestersprachen beschrieben. Unter Ursprache versteht man eine Sprache, die schriftlich
nicht belegt sein muss, die aber aufgrund von lautlichen, morphologischen und lexikalischen
Entsprechungen ihrer Tochtersprachen rekonstruiert werden kann.
Wie schon gesagt wurde, ist das Vorbild der genetischen Verwandtschaft ganz
offensichtlich die Evolution der Arten im biologischen Sinne. Hier ist es so, daß wenn eine Art
sich erst einmal in zwei weitere aufgespalten hat, diese nie mehr fusionieren können. Es ist also
ein Modell, das Sprachverwandtschaft als stufenweise Spaltung konzipiert. Der Fall ist am
klarsten verwirklicht, wenn eine Sprachgemeinschaft sich teilt, die Teile nach verschiedenen
1
Seiten abwandern, sich in einiger Entfernung voneinander niederlassen, nie mehr miteinander
zu tun bekommen und fortan ihre Sprache getrennt weiterentwickeln. Der Fall dürfte in der
Menschheitsgeschichte gelegentlich vorgekommen sein. Er liegt z.B. vor, wenn Nomaden in
alle Himmelsrichtungen ziehen, dann aber am Ziel seßhaft werden, wie es mindestens teilweise
die Indogermanen gemacht haben. Häufig aber halten die verschiedenen Gruppen doch
kommunikativen Kontakt miteinander, so wie es z.B. in der Romania nach Auflösung des
Lateinischen und in der Slavia nach Auflösung des Urslavischen gewesen ist. Solange ein Volk
nomadisch ist, hat es ständig wechselnden Kontakt mit anderen Völkern und, was die Sache
besonders kompliziert, gelegentlich nach langer Zeit noch einmal Kontakt mit demselben Volk.
Unter solchen Umständen können die Sprachen nachträglich einander ähnlicher werden. Dies
kann das Stammbaummodell nicht beschreiben.
Wellentheorie
Ähnlichkeiten zwischen Sprachen müssen nicht auf gemeinsamer Herkunft aus einer
Ursprache beruhen, es gibt daneben auch Gemeinsamkeiten, die aus Sprachkontakt herrühren
oder aus inneren Gesetzmäßigkeiten von Sprachen desselben Sprachtyps.
Durch jeden solchen Vorgang entsteht eine kreisförmige Linie in der Sprachlandschaft
dergestalt, daß ein bestimmtes sprachliches Merkmal auf ihrer einen Seite auf eine Weise, auf
ihrer anderen Seite auf andere Weise ausgeprägt ist. Eine solche Linie ist eine Isoglosse. Als
relevante sprachliche Merkmale kommen Erscheinungen auf allen sprachlichen Ebenen in
Betracht. Es gibt z.B. eine quer durch den deutschen Sprachraum verlaufende Isoglosse,
nördlich deren man Mostrich, südlich jedoch Senf sagt. Eine andere, weit bekanntere Isoglosse
ist die Benrather Linie, nördlich deren man maken, südlich jedoch machen sagt. Diese Isoglosse
wird oft stellvertretend für die Ausdehnung der hochdeutschen Lautverschiebung und also die
Unterscheidung zwischen Niederdeutsch und Mittel-/Oberdeutsch genommen. Aber der
Unterschied zwischen /k/ und /x/ ist ein sprachliches Merkmal, und der zwischen /p/ und /f/
2
oder zwischen /t/ und /s/ ist ein anderes. Für jedes gibt es eine Isoglosse. Manche Isoglossen
verlaufen in konzentrischen Kreisen, manche koinzidieren bzw. bündeln sich. In solchen Fällen
prägen sich Unterschiede zwischen sprachlichen Varietäten aus. Neuerungen können jedoch
auch an verschiedenen Orten im Sprachgebiet aufkommen und sich über verschiedene Teile
davon verbreiten. Im Ergebnis kann ein Dialekt (und in der Folge dann vielleicht eine Sprache)
eine Neuerung mit einem zweiten, eine andere Neuerung jedoch mit einem dritten Dialekt
teilen. Das folgende Schema stellt dies stark vereinfacht dar.
Das Schema kann als eine Darstellung der inneren Gliederung der romanischen Sprachen
gelten. Es zeigt, daß es drei Herde für Neuerungen gab, nämlich im Westen, im Zentrum und
im Osten. Dies führt zu zwei einander überlappenden Einteilungen:
1. West-Rand-Romanisch (Iberoromanisch)
2. West-Zentral-Romanisch (Galloromanisch)
3. Ost-Zentral-Romanisch (Italoromanisch)
4. Ost-Rand-Romanisch (Balkanromanisch)
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Die Pointe ist, daß Randromanisch Gemeinsamkeiten aufweist, die nicht durch
gemeinsame Neuerungen entstanden sind (was angesichts geographischer Isolierung auch
schwerlich möglich wäre). Vielmehr rühren sie daher, daß die Randgebiete die Neuerungen des
Zentralromanischen nicht mitgemacht, also gemeinsame Archaismen bewahrt haben.
Sprachfamilien
Die Sprachen der Welt lassen sich in Sprachfamilien aufteilen. Eine Sprachfamilie ist
eine Gruppe genetisch verwandter, das heißt von einer gemeinsamen Vorgängersprache
(Grundsprache, Protosprache, Ursprache, Gemeinsprache) abstammender Sprachen. Manche
Forscher akzeptieren eine genetische Einheit (Sprachfamilie) nur dann, wenn zwischen ihren
Mitgliedern regelmäßige Lautentsprechungen feststellbar sind (z.B. die Lautverschiebungen
vom Indogermanischen zum Germanischen, und vom Germanischen zum Althochdeutschen.).
Joseph Harold Greenberg definiert Sprachfamilien vor allem durch lexikalische Vergleiche, zu
denen möglichst viele Sprachen eines Gebiets oder sogar Kontinents herangezogen werden. Die
genetische Klassifikation steht in Abgrenzung zur typologischen Klassifikation nach
Merkmalen der Sprache, und ebenso zur geographischen Klassifikation in Sprachbünde. In
manchen Fällen lässt sich diese Ursprache zu weiten Teilen durch Vergleich der einzelnen
Sprachen rekonstruieren. Die Liste der Sprachfamilien ist ungefähr nach der Zahl der
Muttersprachler der Gesamtfamilie geordnet. Entsprechend der von August Schleicher
entwickelten Stammbaumtheorie findet man in der jeweiligen Sprachfamilie ihre Zweige und
Unterzweige, bis man zu einzelnen Sprachen, deren Dialektgruppen und Dialekten kommt.
Nicht in Sprachfamilien einzuordnen sind, wie der Name schon sagt, isolierte Sprachen. Ferner
entziehen sich die Kreolsprachen völlig dem Konzept der genetischen Sprachverwandtschaft.
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Europa: Indogermanische Sprachen, Uralische Sprachen, Turksprachen, Kartwelische
Sprachen, Dagestanische Sprachen, Nachische Sprachen, Abchasisch-adygeische Sprachen.
Die Ausbreitung der europäischen Sprachen in andere Kontinente durch die neuzeitliche
Kolonisierung (etwa seit 1500 nach Chr.) wird bei der Zuordnung der Sprachfamilien zu den
geographischen Großräumen nicht berücksichtigt. Insbesondere werden also Englisch,
Spanisch, Portugiesisch und Französisch zu den 'eurasiatischen' Sprachen gezählt, obwohl sie
heute weltweit verbreitet sind . Eurasien als Stammkontinent umfasst hier Europa und das
asiatische Festland. Eine Aufteilung in 'europäische' und 'asiatische' Sprachen macht wegen der
vielen übergreifenden Gruppen - z.B. Indogermanisch, Uralisch, Turkisch, Kaukasisch - keinen
Sinn. Die Inselwelt Südostasiens (Philippinen, Indonesien, Neuguinea) und die malaysische
Halbinsel werden zum Großraum Indo-Pazifik gerechnet. Die afrikanischen Sprachen umfassen
die gesamte afroasiatische Sprachfamilie, also auch die semitischen Sprachen des Nahen
Ostens.
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Die indogermanische Sprachfamilie
Eine der erwähnten Sprachfamilien ist die indogermanische. Mit ihr befaßt sich seit
Beginn des 19. Jh. eine besondere Ausprägung der historisch-vergleichenden
Sprachwissenschaft, die Indogermanistik. Folgende Graphik zeigt die Verbreitung der
Sprachfamilie über Europa und Asien etwa zum Ausgang der Antike.
Indogermanische Sprachfamilie
Indoeuropäisch (auch indogermanisch genannt) ist der Name einer Sprachfamilie, die
sich zunächst über Europa und weite Teile Südasiens ausbreitete und deren Abkömmlinge heute
aufgrund des Kolonialismus auf der ganzen Welt zu finden sind. Die indoeuropäischen
Sprachen werden (vor allem wegen der weltweiten Bedeutung des Englischen) von mehr als
1
zwei Milliarden Menschen gesprochen und bilden damit die am weitesten verbreitete
Sprachfamilie der Welt. Die (meist als proto-indoeuropäisch bezeichnete) Elternsprache wurde
vermutlich vor dem Jahr 3000 vor Chr. gesprochen und hat sich im Laufe des 4. bis 2.
Jahrtausends schrittweise in verschiedene Sprachen aufgespaltet. Dieser Prozess war jedenfalls
zu der Zeit, aus der die frühesten schriftlichen Dokumente der griechischen, anatolischen und
indo-iranischen Sprachen stammen, im Wesentlichen schon abgeschlossen, also spätestens
zwischen 2000 und 1000 v. Chr. Dabei verlief die Entwicklung in den einzelnen Regionen
durchaus unterschiedlich. Als die “Balkansprachen” schon längst ausdifferenziert waren, sich
also bereits zu eigenen Sprachen entwickelt hatten, bildeten die westindogermanischen
Sprachen noch immer einen einheitlichen Sprachraum.
Das Verhältnis der Sprachen zueinander, ihre Verwandtschaft miteinander und vieles
andere lassen sich auf verschiedene Weisen darstellen. Eine der bekanntesten - und auch
anschaulichsten - Methoden bildet ein Sprachbaum, wie er auch auf anderen Gebieten
entsprechende Anwendung findet. Dabei stellt der Stamm die indogermanische Ursprache dar,
die vor rund 6.000 Jahren gesprochen wurde. Diese Ursprache hatte – wie heutige Sprachen
auch - verschiedene Dialekte, aus denen sich im Laufe der Zeit die unterschiedlichen Sprachen
(Äste) entwickelten, die sich im Laufe der Zeit ihrerseits in Generationen von Tochtersprachen
(Zweige) spalteten. Dieser Stammbaum - so einfach das Modell auch ist - verdeutlicht sehr
anschaulich:
2
Dass viele Sprachen Europas sehr große Ähnlichkeiten miteinander aufweisen, war den
Menschen schon vor vielen Jahrhunderten aufgefallen. Es war offensichtlich, dass z.B.
Französisch, Spanisch, Italienisch und die anderen romanischen Sprachen eindeutig auf das
Lateinische zurückgehen. Dies ergab sich nicht nur (indirekt) aus der Ähnlichkeit Tausender
von Wörtern der romanischen Sprachen mit der lateinischen Ursprungssprache, sondern auch
(direkt) aus der reichhaltig vorhandenen, lückenlosen Literatur, die ohne Unterbrechung bis in
die römisch/lateinische Zeit/Sprache zurückreichte. Als man jedoch im Rahmen der
Kolonisierung Indiens durch die Engländer feststellte, dass auch viele Dialekte Indiens und vor
allem die “heilige Sprache” Sanskrit ganz frappierende Ähnlichkeit mit vielen europäischen
Sprachen aufwies, begann man mit gezielter Forschung. Die Erkenntnis und die Nachweise,
dass diese äußerst unterschiedlichen Sprachen Mitglieder einer einzigen Familie sind, wurden
im Wesentlichen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gesammelt. Der umfangreiche
Bestand an Literatur in Sanskrit und Altgriechisch zeigt typische Züge der grundlegenden
indogermanischen Formen auf und beweist eine gemeinsame Ursprache. Denn wenn mehrere
Sprachen Ähnlichkeiten aufweisen, die ganz signifikant über das Maß hinausgehen, mit dem
nach den Grundsätzen der Wahrscheinlichkeit zu rechnen ist, mussten sie miteinander verwandt
sein, also von einer vielleicht nicht mehr existierenden gemeinsamen Ursprache abstammen.
Bereits seit dem 1. Drittel des 19. Jahrhunderts war die enge Verwandtschaft zwischen Sanskrit,
Altgriechisch und Latein erwiesen. Frühe Sanskrit-Grammatiker hatten die Bestandteile ihrer
alten Sprache systematisch klassifiziert. Zu diesen Arbeiten kamen umfassende
grammatikalische und phonetische Vergleiche europäischer Sprachen. Aus zahlreichen
Untersuchungen konnten genauere Schlussfolgerungen hinsichtlich Lautung und Grammatik
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der angenommenen Ursprache (Protoindogermanisch) gezogen werden, so dass man zur
Rekonstruktion einer hypothetischen Sprache und zu Schätzungen ihrer Aufspaltung in
verschiedene Sprachen gelangte. Heute ist bewiesen, dass Griechisch, Hethitisch und Sanskrit
bereits um 2000 v. Chr. als eigenständige Sprachen existierten. Die Merkmale, durch die sie
sich unterscheiden, deuten jedoch darauf hin, dass ungefähr 1000 Jahre vorher, also um 3000
v. Chr., noch eine einheitliche Ursprache existiert haben muss. Zu den heutigen Erkenntnissen
hinsichtlich der Entwicklung und des Charakters des Indogermanischen gelangte man
schließlich, als die Entzifferung der hethitischen Texte gelang (die erst 1915 als indogermanisch
identifiziert wurden) und durch die Entdeckung des Tocharischen, einer Sprache, die im
Mittelalter im chinesischen Teil Turkestans gesprochen und 1908 als indogermanisch
identifiziert wurde.
Albanisch
Anatolische Sprachen †
Armenisch
Baltische Sprachen: Ostbaltische und Westbaltische Sprachen
Germanische Sprachen: Nord-, Ost- und Westgermanische Sprachen
Griechisch
Illyrisch †
Indoiranische Sprachen: Indoarische Sprachen, Iranische Sprachen, Nuristani
Sprachen
Italische Sprachen: Latino-faliskische Sprachen (mit Latein und den romanischen
Sprachen), Oskisch-umbrische Sprachen †
Keltische Sprachen: Britannische Sprachen, Goidelische Sprachen, Gallo-
lepontische Sprachen
Phrygisch †
Slawische Sprachen: Ostslawische Sprachen, Westslawische Sprachen, Südslawische
Sprachen
Thrakisch †
4
Tocharisch †
Venetisch †
Die behauchten, stimmhaften Plosive bh, dh, gh verlieren die Behauchung (Aspiration)
und werden zu stimmhaften Frikativen, die später im Germanischen als stimmhafte Plosive b,
d, g realisiert werden.
Die Ursachen der 1. Lautverschiebung sind unklar und die Datierung ist umstritten. Da
aber kein lateinisches Lehnwort im Germanischen diese Veränderungen zeigt, endet sie mit
ziemlicher Sicherheit vor dem Kontakt der Germanen mit den Römern (ca. 500-300 v. Chr.).
- P, t, k – f, þ, x = germ
Pater (lat.) – father (engl.)
Tres (lat.) – three (engl.)
Centrum (let.) – hundert (dt)
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Entwicklung der Indogermanischen Sprachen
Die Weiterentwicklung der indogermanischen Sprachen ist ganz allgemein und bis in die
jüngste Zeit (praktisch bis in die Gegenwart) vor allem von einem ständigen Verfall der Flexion
gekennzeichnet. Man ist sich sicher, dass die indogermanische Grundsprache stark flektierend
war, da es auch die sehr alten Sprachen wie Sanskrit, Avestisch und Altgriechisch sind. Der
Formenreichtum war dabei fast unüberschaubar: Es gab:
1
Zum Ausgleich haben zahlreiche Sprachen neue Formen (insbesondere
Hilfsverben,wie sein und haben) und grammatikalische Unterscheidungsmerkmale
(insbesondere Präpositionen) ausgebildet.
Die behauchten, stimmhaften Plosive bh, dh, gh verlieren die Behauchung (Aspiration)
und werden zu stimmhaften Frikativen, die später im Germanischen als stimmhafte Plosive b,
d, g realisiert werden.
Die Ursachen der 1. Lautverschiebung sind unklar und die Datierung ist umstritten. Da
aber kein lateinisches Lehnwort im Germanischen diese Veränderungen zeigt, endet sie mit
ziemlicher Sicherheit vor dem Kontakt der Germanen mit den Römern (ca. 500-300 v. Chr.).
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Lateinisch, Griechisch und Altindisch zeigen keine 1. LV, im Unterschied zu den
germanischen Tochtersprachen Englisch, Deutsch, Schwedisch und Gotisch.
- P, t, k – f, þ, x = germ
Das Germanische ist ein Sprachzweig des Indoeuropäischen und lässt sich in drei
Untergruppen einteilen: Ost-, West- und Nordgermanisch. Diesen lassen sich folgende ältere
Dialekte bzw. Einzelsprachen zuordnen: Gotisch, Altenglisch, Altfriesisch, Altniederfränkisch,
Altniederdeutsch, Althochdeutsch und Altnordisch.
Wann sich diese Dialekte genau herausgebildet haben, ist nicht genau bestimmbar. Das
Gotische ist jedenfalls aus der Mitte des 4. Jahrhunderts in einer Bibelübersetzung nachweisbar.
Damit ist es die am frühesten belegte germanische Einzelsprache, heute allerdings ohne
modernen Vertreter. Seit dem 12. Jahrhundert ist das Altnordische in Skandinavien (v.a. Island)
überliefert, von welchem die heutigen skandinavischen Sprachen abstammen. Ab dem 8.
Jahrhundert ist das Althochdeutsche in grossen Teilen des heutigen hochdeutschen
3
Sprachgebietes nachweisbar. Altniederfränkisch ist die nur spärlich belegte Vorstufe des
Niederländischen; Altniederdeutsch ist die Vorstufe des Niederdeutschen, dem heute der Status
eines Dialektes zukommt
Charakteristisch für die germanischen Sprachen ist die systematische Umgestaltung des
indoeuropäischen Konsonantensystems durch die 1. Lautverschiebung, die Festlegung des
Wortakzentes auf die erste bzw. die Stammsilbe ist und die Herausbildung der schwachen
Verben und die Reduktion der indoeuropäischen 8 auf 4 Kasus.
Das Germanische ist ebenfalls eine rekonstruierte Sprache, das sich aus den ältesten
Sprachstufen der germanischen Einzelsprachen ableiten lässt. Aber im Gegensatz zu den
«Indoeuropäern» sind die Germanen historisch fassbar: Ab dem 3. Jahrhundert berichten
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griechische und römische Autoren über germanische Stämme und diese Quellen überliefern uns
indirekt germanischen Wortschatz.
Der Balkansprachbund
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Altgriechischen, dem Latein und dem Altkirchenslawischen noch nicht vorhanden gewesen
waren. Am wichtigsten sind folgende Merkmale:
nachgestellte (postponierte) Artikel, vergleiche rumänisch lup „Wolf“ vs. lup-ul „der
Wolf”.
das Fehlen der Kategorie Infinitiv
das Futur wird mit dem jeweiligen Verb für „wollen“ umschrieben.
Der Alpensprachbund
In der letzten Zeit wird der so genannte Alpensprachbund erforscht, dem einige
oberdeutsche und (räto-)romanische Dialekte vor allem in der Schweiz angehören. Als typische
Merkmale dieses Sprachbunds gelten zum Beispiel:
Passiv mit kommen (z.B. die Tante kommt gebaut);
Futur mit kommen (z.B. das kommt heuer zum Auszahlen);
Dativkodierung durch Präpositon+Dativ (gib's an/in der Tante);
geminierte Pronomina (betont+klitisch; vor allem im (Höchst-)Alemannischen, aber
seltener auch im Südbairischen, z.B. mir hamma). Auf dem Gebiet des historischen
Karantanien werden ähnliche Interferenzerscheinungen für Südbairisch, Friaulisch
und teilweise auch Slowenisch beobachtet.
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Ural-altaische Sprachen
Die ural-altaische Sprachgruppe (auch: Ural-altaische Hypothese) war das Resultat der
wissenschaftlichen Erforschung einer möglichen genetischen Verwandtschaft zwischen den
altaischen und den uralischen Sprachen. Die ural-altaische Hypothese wird heute von manchen
wissenschaftlicher Seite vollständig abgelehnt. Dennoch existieren etliche Verbindungen
zwischen den uralischen und den altaischen Sprachen.
Die meiste und ernsthafte vor allem ältere Forschungen deuten auf eine Ur-
Verwandtschaft zwischen uralisch-altaischen und ihre Subsprachen untereinander. Die
Forschungen sollten die Linguisten dazu führen, Altaischen eine Grundsprache zu erklären. Es
bleibt nur zu sagen, dass einige Forscher die beiden auf sehr großem Areal verteilten Sprachen
(Altaisch und Uralisch) keiner Verwandtschaft zu messen wollen. Anderseits gibt es
Forschungen, die ein Verwandtschaftsverhältnis zwischen uralischen und indogermanischen
Sprachgruppen versuchen.
1
Wenn man mit dem „nackten Verstand“ die genannten Übereinstimmungen überdenkt,
kommt man zu dem Schluss, dass doch die Verwandtschafts-Hypothese stärkere Nachweise
vorweist als die Gegen-Hypothese. Hinzu kommt noch in diesen Sprachen übrigens, die
Vokalharmonie, der agglutinierende Satzbau, das Fehlen eines grammatikalischen Artikels, das
Kasussystem und Betonung auf der ersten Silbe. Viele Wissenschaftler weisen die
Übereinstimmungen auf die Sprachkontakte hin. Durch Sprachkontakte werden mehr oder
weniger Wortbestand getauscht, doch nicht Satzbau und nicht all die grammatikalische
Grundlagen und die Prägung der Sprachen.
Japanisch und Koreanisch gehören ebenfalls ihrem grammatikalischen Bau nach zu den
agglutinierenden Sprachen der ural-altaischen Sprachengruppe und verwenden modifizierte
chinesische Zeichen. Darüber hinaus zeichnen sie weitere strukturelle Übereinstimmungen mit
den altaischen Sprachen. Allerdings wird die mögliche Verwandtschaft zwischen dem
2
Koreanischen und Japanischen zur ural-altaischen Sprachfamilie weiterhin diskutiert. Dennoch
wurden die strukturellen Ähnlichkeiten dieser Sprachen bis jetzt von niemandem in Frage
gestellt. Auf jeden Fall ist es noch ungeklärt, ob die Übereinstimmungen zwischen Ural-
Altaischen und Ural- Jukagirischen Sprachgruppen auf einer gemeinsamen Abstammung oder
auf gegenseitige Einflussnahme beruhen.
Turksprachen
Die Turksprachen sind in Sibirien und Zentralasien (wohl im Raume des Altai) entstanden
und haben sich in weite Gebiete Asiens und Europas ausgedehnt.
Grundsätzlich ist die Abgrenzung dessen, was eine Sprache ausmacht, häufig eine Frage
regionaler historischer Entwicklung, politischer Entscheidungen oder auch wissenschaftlicher
Übereinkunft. Doch gibt es – aufgrund verschiedener Ansätze – in Bezug auf die Turksprachen
(im Gegensatz zu anderen Sprachen) keinerlei einheitliche Klassifizierungen. Vielmehr spielen
hier subjektive Faktoren eine große Rolle. Die unten benannten Sprachen sind überwiegend
Schriftsprachen oder Sprachen staatlich anerkannter ethnischer Gruppen. Andere turkologische
Ansätze lassen die Zahl der Sprachen deutlich geringer werden oder verweisen auf weitere
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Sprachen, die in der Liste nicht erwähnt sind. Gemäß einer häufigen Einteilung werden
folgende Gruppen unterschieden:
Eine weitere Einteilung der Turksprachen fußt allein auf der geografischen Verbreitung.
Sie eilt die Turksprachen in westliche, östliche, nördliche und südliche Turksprachen ein. Man
kann turksprachige Gruppen allerdings auch nach ihren Heimatländern einteilen und würde so
folgende Klassifizierung erhalten: Aserbaidschan-Türkisch, Balkan-Türkisch, Iran-Türkisch,
Irak-Türkisch, Syrien-Türkisch und Türkei-Türkisch. Zu den Turksprachen zählen auch das
Salarische und das West-Yugurische in der Volksrepublik China. Krimtschakisch, das auch als
Variante des Krimtatarischen betrachtet werden kann, wird entweder der oghusischen oder der
kyptschakischen Gruppe zugerechnet. Aber auch die Zuordnung der Dialekte des Altaischen ist
noch heute stark umstritten. Es gibt eine Reihe historischer und ausgestorbener Sprachformen.
Erwähnt werden sollten die einst in Sibirien und Zentralasien gebräuchlichen Sprachen
Alttürkisch, Altuigurisch, Choresm-Türkisch und Karlukisch, aber auch das spätere
Kyptschakische, Tschagataische und das Osmanische. Ferner sind vermutlich die ebenfall
ausgestorbenen Sprachen der Hunnen und Awaren überwiegend als Turksprachen anzusehen.
Einige der größten Turksprachen, die auch den Status von Amtssprachen von Staaten
haben sind Türkisch, Aserbaidschanisch, Turkmenisch, Usbekisch, Kasachisch und das eng
verwandte Kirgisische. Den Status von regionalen Amtssprachen haben zum Beispiel auch die
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Sprachen Baschkirisch und Tatarisch. Aussterbende Turksprachen sind Karaim,
Krimtschakisch, Schorisch und Tofalarisch (Karagassisch).
Die heutigen Turksprachen haben sich allesamt aus der alttürkischen Sprache entwickelt.
Dabei entwickelten sich im Laufe der Zeit fünf große Sprachgruppen. Diese Gruppen können
wieder in zwei große Sprachgebiete zusammengefasst werden: in das ogurische Sprachgebiet,
das aus den alten Westdialekten des Göktürkischen gebildet wurde, und in das oghusische
Sprachgebiet, dessen Wurzeln in den alten Ostdialekten des Göktürkischen liegen. Trotz der
geographischen Verbreitung ihrer Siedlungsgebiete sind sich die Turksprachen untereinander
noch sehr ähnlich. Wird die Schreibweise des modernen Türkischen (Türkeitürkisch) auf diese
Sprachen angewendet, so wird diese Verwandtschaft wieder offensichtlich. Es sollen im
folgendem Kapitel folgende Turksprachen miteinander verglichen werden: Türkisch,
Aserbaidschanisch, Turkmenisch, Tatarisch, Kasachisch, Kirgisisch, Usbekisch und Uigurisch.
Die oben aufgeführten Sprachen haben eines gemeinsam. Sie sind Staats- oder
Landessprachen unabhängiger Staaten oder autonomer Gebiete. Auch die nachfolgenden
Sprachen sind Amtssprachen autonomer Republiken in der Russischen Föderation. Innerhalb
der Turksprachen gelten sie jedoch als „Exoten“. Aufgrund der langen Trennung von den
anderen Turksprachen haben sie einen „Sonderweg“ eingeschlagen. Diese Sprachen sind Saqa-
Jakutisch und Tschuwaschisch.
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ugrischen Sprachzweig, spielen eine zentrale Rolle bei der Bildung grammatischer Formen.
Dies wird Agglutination genannt. In Turksprachen gibt es anders als im Deutschen kein
grammatisches Geschlecht. Ein lautliches Merkmal vieler Turksprachen ist die Vokalharmonie.
In zahlreichen Turksprachen kommen in einem einzelnen Wort entweder nur die Vokale
(Selbstlaute) a, o, u und ı (phonetisch [ɯ]) oder ä, ö, ü und i vor. Auch die von diesen Vokalen
eingebundenen Konsonanten (Mitlaute) unterscheiden sich voneinander. Die meisten
Turksprachen sind, wie schon erwähnt, einander so ähnlich, dass sich ihre Sprecher
untereinander ohne weiteres verständigen können. Mit Sprechern einer kleineren oder
entlegenen Turksprache ist eine mündliche Verständigung zwar mit großen Schwierigkeiten
verbunden, aber ebenfalls möglich. Hierzu trägt natürlich – neben den ererbten
Gemeinsamkeiten – auch die lange arabisch-persische Prägung von Wortschatz und Idiomatik
bei, die alle Turksprachen außer den nördlichen Turksprachen durch den Islam erfahren haben.
Für die turkotatarischen Sprachen kommen die übernommenen Teile der russischen Lexik
hinzu. Trennend wirkt sich seit den 1930er Jahren die Tendenz aus, Neuwörter ohne Rücksicht
auf die übrigen Turksprachen zu bilden.
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ugrischen Sprachzweig, spielen eine zentrale Rolle bei der Bildung grammatischer Formen.
Dies wird Agglutination genannt. In Turksprachen gibt es anders als im Deutschen kein
grammatisches Geschlecht. Ein lautliches Merkmal vieler Turksprachen ist die Vokalharmonie.
In zahlreichen Turksprachen kommen in einem einzelnen Wort entweder nur die Vokale
(Selbstlaute) a, o, u und ı (phonetisch [ɯ]) oder ä, ö, ü und i vor. Auch die von diesen Vokalen
eingebundenen Konsonanten (Mitlaute) unterscheiden sich voneinander. Die meisten
Turksprachen sind, wie schon erwähnt, einander so ähnlich, dass sich ihre Sprecher
untereinander ohne weiteres verständigen können. Mit Sprechern einer kleineren oder
entlegenen Turksprache ist eine mündliche Verständigung zwar mit großen Schwierigkeiten
verbunden, aber ebenfalls möglich. Hierzu trägt natürlich – neben den ererbten
Gemeinsamkeiten – auch die lange arabisch-persische Prägung von Wortschatz und Idiomatik
bei, die alle Turksprachen außer den nördlichen Turksprachen durch den Islam erfahren haben.
Für die turkotatarischen Sprachen kommen die übernommenen Teile der russischen Lexik
hinzu. Trennend wirkt sich seit den 1930er Jahren die Tendenz aus, Neuwörter ohne Rücksicht
auf die übrigen Turksprachen zu bilden.
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SOZIOLINGUISTIK
Die Soziolinguistik ist diejenige Teildisziplin der Sprachwissenschaft, die sich mit der
Frage beschäftigt, inwieweit gesellschaftliche und soziale Faktoren und Sprache bzw.
Sprachgebrauch einander reziprok beeinflussen. Sie untersucht die Zusammenhänge zwischen
Sprache und Gesellschaft und die Art und Weise, auf welche bestimmte Sprecher sich ihrer
Sprache bedienen. Dabei spielen auch viele außersprachliche Faktoren wie beispielsweise
Alter, Geschlecht, Schicht oder Berufszugehörigkeit und Ausbildung der Sprecher eine Rolle.
So versucht diese Wissenschaft, die charakteristischen Merkmale des Sprachgebrauchs
bestimmter Sprecher auszumachen und sie in Beziehung zu dessen Lebensumständen zu setzen.
Die Soziolinguistik hat starken Bezüge zu ihrer Nachbarwissenschaft, der Soziologie. Die
Erforschung der innerhalb einer bestimmten Sprachgemeinschaft konkret gegebenen
Sprachrealitӓt ist einerseits Basis, andererseits Kontrollinstanz für wissenschaftliche Aussagen
über Sprache.
Bernsteins Defizittheorie
Die Anfӓnge der germanistischen Soziolinguistik in den 60er Jahren sind stark mit dem
Namen von Basil BERNSTEIN verbunden, haben also englische Wurzeln. Berstein, der selbst
nicht Sprachwissenschaftler, sondern Soziologie ist, geht in seiner soziolinguistischen Theorie
von der Hypothese aus, dass sich aus der sozioökonomischen Schichtung einer
Sprachgemienschaft eine entsprechende Differenzierung im sprachlichen Verhalten der
Sprecher und Sprecherinnen ergibt. Die zentrale Unterscheidung ist dabei zwischen
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Diese beiden Codes sind beschreibbar in Form von spezifischen sprachlichen
Charakteristika. Etwas simplifiziert ausgedrückt lӓsst sich als zentrale Aussage der Theorie
Bernsteins festhalten, dass die Sprachverwendung der Mittelschicht sich von der
Sprachverwendung der Untetschicht in folgenden Dimensionen unterscheidet:
- Explizitheit
- Grammatische Korrektheit
- Logische argumentative Strukturiertheit
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Sprachsoziologie
Die Sprachsoziologie hat die Funktion und den Stellenwert der Sprache insgesamt zum
Gegenstand und bewertet das Sprechverhalten je nach Kommunikationssituation. Ihre Daten
erhebt die Sprachsoziologie durch Fragebögen und Interviews und ermittelt somit bestimmte
Regeln und Muster, die das Sprachverhalten je nach seinem Kontext aufweist. Die Fragebögen
und Interviews werden also dergestalt ausgewertet, dass wiederkehrende Schemata in
Abhängigkeit von der jeweiligen Situation und der spezifischen Umgebung des Sprechers
festgehalten werden können. Somit versucht die Sprachsoziologie, die unterschiedlichen
Funktionen von Sprache in der Kommunikation an außersprachlichen, auch nonverbalen
Faktoren festzumachen und damit zu erklären, warum das Sprechverhalten einer Person je nach
den unterschiedlichen Situationen, in denen sie sich befindet, variiert.
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Interviews der Sprachsoziologie nicht nur empirische sondern auch individuelle Aussagekraft
zukommt. Insbesondere wird dabei also auf die soziale Komponente sprachlicher
Besonderheiten eines Sprechers Bezug genommen. Es ist daher für den Variationslinguisten
auch relevant, wie sich ein Sprecher in einer Sprachgemeinschaft verhält, z.B. wann und wo er
sich einer formellen oder informellen Sprache bedient. Daher sind die soziolinguistischen
Interviews bemüht, eine möglichst natürliche Sprachsituation zu ergründen.
Konversationsanalyse
Bei der Konversationsanalyse handelt es sich um das Studiengebiet der Soziolinguistik,
das die Struktur eines Gesprächs ergründet, z.B. wie und wie lange eine Äußerung vollzogen
wird und wann ein Sprecherwechsel erfolgt. Dabei wird auch auf die nicht sprachlichen
Interaktionen der Sprecher Rücksicht genommen. Denn in der Konversationsanalyse wird der
Gesprächsablauf als ein Produkt des Zusammenwirkens von sowohl sprachlichen als auch
kognitiven und soziokulturellen Komponenten betrachtet, die es zu interpretieren gilt. Hierzu
werden Daten in natürlichen Kontexten erhoben. Dabei wird darauf geachtet, dass die Sprecher
in ihrem sprachlichen und nicht sprachlichen Verhalten so beobachtet werden können, dass sie
sich normal geben. Aus den so gewonnenen Daten erstellt die Konversationsanalyse Regeln,
die dem sprachlichen Austausch so ein sinnvoll organisiertes Gespräch mit Hilfe von
Interaktionen ermöglichen sollen. Dabei werden die kommunikativen Fähigkeiten eines
Sprechers in den Vordergrund gestellt, die eben nicht nur durch sprachliche sondern auch durch
nonverbale Interaktionen sichtbar werden.
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regelmäßigen (Sprach-) Kontakt zueinander pflegen, werden also über einen längeren Zeitraum
hinweg beobachtet, indem die Beobachtenden direkt am täglichen sozialen Leben und den
damit verbundenen Interaktionen dieser Sprachgemeinschaften teilnehmen. Auf diese Weise
werden natürlich nicht nur rein sprachliche Besonderheiten im Kontext erfasst. Es können auch
viele kommunikative Mittel, z.B. auf nonverbaler Ebene dokumentiert werden. All diese
Verhaltensweisen sind in der Ethnographie der Kommunikation Grundlagen für das Erkennen
gewisser Regelmäßigkeiten des Sprachgebrauchs im Austausch innerhalb einer
Sprachgemeinschaft. So ist es für den Ethnographen möglich, das spezifische
Kommunikationsverhalten eines Sprechers in einen jeweils unterschiedlichen sozialen Kontext
unter Berücksichtigung der Relevanz aller dabei mitwirkenden Faktoren einzuordnen.
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HISTORIELINGUISTIK
Auf die Frage, seit wann man von einer eigentlichen Sprachwissenschaft sprechen könne,
lautet eine der Standardantworten: seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts. Mit dieser Datierung
meint man den Beginn der sogenannten historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft.
Massgeblich zu disem Anfang beigetragen hat die Entdeckung der wissenschaftliche Beweis
der historischen Verwandschaft der indogermanischen Sprachen.
Aus dieser Blütezeit der Philologie des 19. und frühen 20. Jahrhunderts erwachsen und
die weitaus meisten Kentnisse, die wir von ӓlteren Stufen unserer Sprachen auch heute noch
haben. Sie sind festgehalten in Grammatiken und Wörterbüchern ӓlterer Sprachepochen (für
das Deutsche: Gotisch, Althochdeutsch, Mittelhochdeutsch, Deutsch der Lutherzeit) und in
grossen Sprachgeschichten, die den ganzen Bogen der Zeiten übersprannen.
Was meinen wir eigentlich, wenn wir hier von Historiolinguistik sprechen? Man kann
versuchen, die Sprache vergangener Epochen, z.B. das Deutsche um 1200, darzustellen. Solche
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Forschung unterscheidet sich im Prinzip nicht von Forschungen zur Gegenwartssprache, ausser
dass sich ihr ein gravierendes methodisches Problem stellt: es ist der Daten, die verglichen mit
einem Projekt der Beschreibung aktueller Sprachzustӓnde beschrӓnkt, einseitig und
unzuverlӓssiger, deutungsbedürftiger sind. Allemal ist aber auch solche Rekonstruktion
historischer, vergangener Sprachstufen eine Beschreibung von Sprachzustӓnden und mithin
synchrone Sprachforschung.
Diachron wird eine Sprachbetrachtung erst dann, wenn sie ihren Blick auf das richtet, was
zwischen synchronen Zeitschnitten liegt: auf den Wandel der Sprache. Diachroner
Sprachforschung wird zum Problem, was eigentlich unmittelbar empirisch evident ist: dass und
wie und warum sich (historische Einzel-) Sprachen ӓndern und dass Einzelsprachen mithin eben
grundsӓtzlich historische, d.h. in der Zeit sich wandelnde, gewordene und werdende
Gegenstӓnde sind.
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Kein kompetenter Deutschsprechender wird die geringste Mühe haben, diesen Text als
deutschen zu erkennen. Vieles an ihm ist uns absolut vertraut. Daneben aber hat der Text auch
einiges, das uns befremdet. Diesem Eindruck liegt wohl ein stillschweigender Vergleich
zugrunde zwischen diesem Text und einem entsprechenden Text von heute, von welchem
letzteren wir aufgrund unserer tӓglichen Texterfahrung eine Art Idealbild oder Muster im Kopf
haben. Nehmen wir nun einmal an, in diesem Vergleich zeige sich der Wandel des Deutschen
zwischen 1863 und heute: Was heisst es dann nun also, dass das Deutsche sich zwischen 1863
und heute verӓndert hat?
Es begegnet uns hier die Ureigenheit jeden Wandels, die schon der griechische Philosoph
Heraklit in das Paradox gefasst hat: “Du steigst und du steigst nicht zweimal in den gleichen
Fluss.” Gemeint ist damit der Widerspruch von Gleichheit und Ungleichheit in jedem Wandel:
Wir können von einem Ding nur dann sagen, es habe sich verӓndert und sei also nicht mehr das
Gleiche, wenn wir es gleichzeitig noch als das Gleiche erkennen. Ich kann jeden Tag im
gleichen Fluss baden, aber der Fluss ist nicht zweimal der Gleiche.
Ein möglicher Ausweg aus diesem Paradox sieht so aus: Wir konzipieren den fraglichen
Gegenstand als komplexen, als zusammengesetzten Gegenstand, so dass wir dann sagen
können, dass im Laufe seines Wandels einiges gleich geblieben ist und einiges sich verӓndert
hat. Für unseren Gegenstand Sprache können wir das Paradox dann folgendermassen
sprachtheoretisch lösen: Wir fassen eine Sprache auf als einen Komplex von Teilsystemen von
Einheiten und Regeln. Insbesondere unterscheiden wir:
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- Teilsysteme von Einheiten und Regeln für die grammatische Korrektheit von
sprachlichen Ausdrücken (phonologische, morphologische, syntaktische,
semantische Regeln)
- Teilsysteme von Regeln der pragmatischen Angemessenheit von
Ausdrucksverwendungen (angemessene Verwendung von Ausdrücken in bestimmten
Textsorten, in bestimmten Situationen)
Zur Erklӓrung unserer zwiespӓltigen Erfahrung mit dem Text von 1863 können wir nun
die folgende Hypothese wagen: Hinter dem sprachlichen Ereignis von 1863 stecken
weitesgehend dieselben Einheiten und Regeln, die auch noch die Einheiten und Regeln des
Deutschen von heute sind. Insbesondere herrscht weitesgehende Identitӓt der Enheiten und
Regeln, die die Grammatikalitӓt der Ausdrücke determinieren. Ein Urteil von der Art “Das wӓre
heute ungrammatisch” ist über keine Stelle im Text möglich. Das Befremden mag hingegen
herrühren
- Von bestimmten Wörtern und Wortkombinationen, die wir zwar vielleicht noch
kennen, die wir aber nicht mehr brauchen: am h. Christtag; Nachtlager; fiel in
Wahnsinn; schnitt ihr die Kehle ab.
- Von syntaktischen Konstruktionen, die wir in einem Exemplar dieser Textsorte eher
nicht erwarten: um ein Nachtlager bittend.
- Schliesslich von dem, was wir einmal ganz global den Stil nennen wollen, d.h. die
ganze Art der sprachlichen “Inszenierung” der Geschichte nach überkommenen
literarischen Vorbildern, mit Aufbau von Sprannung und Lösung derselben. Oder der
Schlussatz. Oder die Verwendung des Tempus.
Dabei ist es unbedingt so, dass man solche sprachlichen Elemente heute nicht mehr
produzierte. Was es heute vielleicht nicht mehr gibt, ist vielmehr die spezifische Mischung der
Elemente. Und vor allem: Solche Sprache findet sich heute nicht mehr in Zeitungen.
Fazit: Es sind die Sprachverwendungsregeln, die pragmatischen Regeln, die uns zu einem
situations- und funktionsspezisifischen Sprachgebrauch anleiten, die sich stark verӓndert haben.
So müssen wir differenzieren, wenn wir behaupten, zwischen 1863 und heute habe sich die
deutsche Sprache gewandelt: Wir haben niemals einfach eine ganz andere Sprache. Verӓndert
haben sich nur gewisse Einheiten und Regeln in bestimmten Bereichen. Sehr viele Einheiten
und Regeln, ja ganze Bereiche sind unverӓndert geblieben.
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In welcher Geschwindigkeit und innerhalb welcher Grenzen wandeln sich
Sprachen?
Sprachwandel ist partieller Einheiten und Regelwandel. Mit diesem Konzept wird
Sprachwandel prinzipiell quantifizierbar: Ein starker Wandel wӓre ein Wandel vieler Einheiten
und Regeln, ein schwacher Wandel ein Wandel weniger Einheiten und Regeln. Unter
Berücksichtigung des Faktors Zeit gelangen wir zur Metapher der Geschwindigkeit: Eine
Sprache wandelt sich schnell, wenn sich viele Einheiten und Regeln pro Zeitenheit verӓndern,
und langsam, wenn es nur wenige sind.
Das scheint ganz einfach zu sein. Doch müssen wir hier differenzieren: Von heute aus
zurickgeblickt in die Sprachgeschichte gewinnen wir einerseits den Eindruck einer
kontinuierlichen Abstandsvergrösserung: Auf der Zeitachse rückwӓrts erweisen sich immer
mehr Einheiten und Regeln anders als die heutigen. Dabei scheint Sprachgeschichte ein
gerichteter, irreversibler Prozess zu sein; Annӓherung bei gleichzeitiger zeitlicher Entfernung
beobachten wir kaum je.
Dieses Bild der prinzipiellen Kontinuitӓt der Abstandsvergrösserung wird aber immer
wieder von veritablen Brüchen gestört: Unser Blick in die Vergangenheit begegnet eigentlichen
Verstehensschwellen, über die hinaus unser ungeschultes Verstӓndnis alter Texte jedesmal um
einiges stӓrker beeintrӓchtigt ist. In der Sprachgeschichte des Deutschen haben wir solche
Schwellen etwa zwischen Früh-Neuhochdeutsch und Mittelhochdeutsch (d.h. im
Spӓtmittelalter). Ein solcher Bruch oder eine solche Verstehensschwelle könnte einfach so
erklӓrt werden, dass sich da plötzlich viele Einheiten und Regeln in kurzer Zeit gewandelt
haben. Die Verstehensschwellen entstünden durch eine Art von Sprachrevolutionen, wie man
sie an den Übergӓngen zwischen den Epochen vermuten muss, die uns die Sprachegeschichten
des Deutschen in ziemlich einheilliger Manier prӓsentieren:
- Althochdeutsch 750 n. Chr. – 1050
- Mittelhochdeutsch 1050 – 1350
- Früh-Neuhochdeutsch 1350 – 1650
- Neuhochdeutsch 1650 - Gegenwart
Nun ist jedoch sicher nicht jeder Einheiten- und Regelbereich gleich relevant für das
Verstӓndnis von Sprache. Vielmehr sind hier ganz erhebliche Unterschiede auszumachen: So
scheinen Änderungen im phonologischen System einer Sprache systematisch zwar vielleicht
nebensӓchlich, für das Verstehen jedoch sind sie zentral, und Verstehensbarrieren bauen sich
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sehr schnell auf durch phonologische Verӓnderungen: Gleiche Wortformen werden nicht mehr
wiedererkannt. So ist es also zu einfach, Sprachwandel nur der Menge der betroffenen Einheiten
und Regeln zu quantifizieren. Es kommt auch darauf an, welche Einheiten Regeln sich
verӓndern.
Damit kommen wir zu einem anderen Punkt. Der Blick auf der Zeitachse zurück in die
Geschichte einer Sprache zeigt uns nicht nur, dass mit zunehmendem Zeitabstand auch immer
mehr Einheiten und Regeln anders sind, sondern auch, dass gewisse Bereiche sehr viel
konstanter und gewisse andere einem sehr schnellen Wandel unterworfen sind. Graammatische
Regeln (besonder im Beeich der Morphologie und Syntax) sind sehr viel stabiler als
beispielsweise die Wortsemantik, als stilistische Regeln, als Regeln der Sprachverwendung.
Dieser Befund korrespondiert einmal mit der Tatsache, dass wir es in der Grammatik einer
Sprache mit einem sehr viel geschlosseneren System von Regeln zu tun haben als etwa im
Wortbestand, in der Wortbedeutung und in der Pragmatik. Wӓhrend der Wortschatz, die
Wortsemantik und pragmatische Regeln weitgehend erlernt werden, bildet sich eine Grammatik
auf der Basis einer angeborenen Universalgrammatik dank eines bestimmten sprachlichen
Inputs lediglich aus.
Die Hypothese von der Universalgrammatik liefert uns ein weiteres Stichwort. Es fӓllt
uns schwer, uns einen sprachlichen Bereich zu denken, der nicht der zeitlichen Verӓnderung
unterworfen wӓre, wenn auch die Geschwindigkeit der Verӓnderungen zwischen den Bereichen
erheblich variiert. Es wӓre nun aber vor dem Hintergrund der sprachwissenschaftlichen
Forschung der letzten Jahrzehnte höchst fragwürdig, wenn wir annӓhmen, dass den
prinzipiellen Möglichkeiten sprachlichen Wandels nicht zugleich auch prinzipielle Grenzen
gesetzt wӓren. Sprachliche Universalien, d.h. Eigenschaften, die allen menschlichen Sprachen
zukommen, sind gleichzeitig auch der Rahmen, innerhalb dessen eine Sprache sich Wandeln
kann, gleichgültig, worin man diese Universalien begründet: in den Erbanlagen des Menschen
oder in gewissen universalen Kommunikationsbedingungen, denen Sprachen zu genügen
haben.
Solche Prinzipien oder Universalien bilden dabei nur die eine Beschrӓnkung für
Sprachwandel, sie stellen gleichsam Abschrankungen eines Weges dar. Es ist jedoch auch zu
vermuten, dass die Verӓnderungen selber in bestimmten Schrittfolgen verlaufen, die
keineswegs beliebig sind: Eine bestimmte Regel wird nicht beliebig durch eine bestimmte
andere Regel abgelöst werden können; eine bestimmte Wortbedeutung kann sich nicht von
heute auf morgen in eine beliebige andere Wortbedeutung wandeln, vielmehr geschieht
wortsemantischer Wandel als Verengung, als Erweiterung, als Verschiebung; im Extremfall
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kann durch einen metaphorischen Prozess eine sehr starken Bedeutungsverӓnderung passieren,
doch ist selbst in diesem Bereich lӓngst nicht alles möglich, wie man aus der
Metaphernforschung leicht ersehen kann.