Ich weiß, nach dem Alter
fragt man normalerweise nicht,
das ist indiskret.
Aber an dieser Stelle
trotzdem kurz die Frage an euch:
Seid ihr jünger als 16 Jahre?
Dann stellt euch mal Folgendes vor:
Von jetzt auf gleich müsst ihr
fast alle Social-Media-Apps,
die ihr auf dem Handy habt, löschen.
Also Instagram, TikTok,
Snapchat und so weiter und so fort.
Und das nicht, weil eure Eltern oder
eure Lehrer das von euch fordern,
sondern weil die Regierung
es so möchte.
Genau das wird mutmaßlich
bald in Australien passieren.
Denn Ende November 2024 ist dort
ein Gesetz verabschiedet worden,
das unter 16-Jährigen
die Nutzung bestimmter
Social-Media-Plattformen verbietet.
Ist das sinnvoll?
Könnte das auch etwas
für Deutschland sein?
Genau darum geht's hier
in diesem Video.
Und schon mal ein kleiner Spoiler:
Ich würde beide Fragen mit Nein
beantworten.
(Lockere Musik)
(Abfallende Klänge)
So, mal ganz kurz bitte
das Handy raus,
wir machen
einen unangekündigten Test.
Schaut bitte mal nach,
wie hoch eure Bildschirmzeit
in den vergangenen 24 Stunden
gewesen ist.
Schreibt's gerne in die Kommentare.
Schreibt auch dazu, welche Apps
ihr besonders intensiv genutzt habt.
Das kann man inzwischen gut sehen.
Auch ohne Hellseher zu sein,
würde ich mal sagen,
unter anderem mit dabei
sind Instagram, TikTok, vielleicht
auch Snapchat und so weiter.
Warum weiß ich das?
Weil es Studien
in diese Richtung gibt.
Zum Beispiel die JIM-Studie,
Jugend, Information, Medien,
wird einmal im Jahr herausgegeben.
Laut der aktuellsten JIM-Studie
sind neben WhatsApp,
YouTube, TikTok und Instagram
die beliebtesten Apps
bei den befragten Jugendlichen.
Die Studie findet ihr unten
in der Infobox verlinkt.
Es gibt viele weitere Studien,
die das bestätigen.
Es gibt auch Studien, die sagen:
Die Social-Media-Nutzung
in Deutschland
hat insgesamt massiv zugenommen.
Habe sich verdreifacht 2019 bis 2023.
Auch dazu unten ein Link
in der Infobox.
Letztlich kann man sagen:
Na ja, ist ja nicht so schlimm.
Diese Dienste können ja sehr viel
Positives mit sich bringen,
das ist richtig, aber eben auch
einige negative Dinge.
Social-Media-Plattformen
können euch manipulieren.
Dazu haben wir schon mal
ein Video gemacht,
da geht es zum Beispiel um TikTok,
findet ihr oben auf dem "i".
Wir haben auch mal
ein Video darüber gemacht,
warum Instagram gefährlich
für unsere Demokratie sein könnte.
Mehr dazu erfahrt ihr in
dem anderen Video oben auf dem "i".
Das ist also ein Thema.
Was aber auch noch
eine große Rolle spielt,
ist, dass diese Plattformen auch
gesundheitsschädigend sein können.
Wir denken da zum Beispiel
an die Challenges bei TikTok,
bei denen schon Leute ums Leben
gekommen sind.
Oder auch Suizid aufgrund von
Cybermobbing auf diesen Plattformen.
Social-Media-Plattformen
sind einerseits
ein Segen für die Gesellschaft,
weil sie uns zusammenbringen,
vernetzen,
weil sie dafür sorgen, dass Menschen
in unfreien Gesellschaften
eine Stimme bekommen, weil sie
für eine gewisse Demokratisierung
des Medienwesens gesorgt haben.
Aber auf der anderen Seite
lauern auch viele Gefahren
in Bezug auf die Inhalte,
in Bezug auf den Kontakt
auf den Social-Media-Plattformen
und auch in Bezug auf die Nutzung.
Auch dazu gibt es Studien.
Social-Media-Plattformen
können süchtig machen,
können psychische Krankheiten
hervorrufen.
Auch dazu hab ich euch etwas
unten in der Infobox verlinkt.
Genau in diesem Spannungsfeld
wird seit längerer Zeit
international diskutiert.
Denn dieses Phänomen
bezieht sich ja nicht auf ein Land,
sondern das gibt es
auf der ganzen Welt.
Die Frage ist: Wie geht man damit um?
Und vor allem:
Wie geht man insbesondere damit um,
dass immer mehr jüngere Menschen
diese Plattformen
sehr intensiv nutzen?
Australien hat dafür
jetzt einen Weg gefunden,
der sehr umstritten und sehr breit
diskutiert worden ist.
Da geht es darum,
dass unter 16-Jährige
bestimmte Social-Media-Plattformen
nicht mehr nutzen dürfen.
Dazu gehören Instagram,
TikTok und Snapchat.
Darauf hat sich
das Parlament geeinigt,
interessanterweise
auch mit Unterstützung
der größten Oppositionspartei.
Also, die Regierung hat das
nicht allein auf den Weg gebracht.
Kleinere Oppositionsparteien
haben das kritisiert
und haben auch kritisiert,
dass das alles schnell ging.
Es hat nur eine Woche gedauert,
bis dieses Gesetz tatsächlich
durch das Parlament gegangen ist.
Es gab nur geringfügige Änderungen.
Eine zentrale Änderung war dabei,
dass amtliche Dokumente nicht zur
Verifizierung genutzt werden dürfen.
Das heißt also,
Plattformen wie Instagram
dürfen künftig in Australien
nicht verlangen,
dass man seinen Ausweis zeigt,
um zu beweisen, wie alt man ist.
Es müssen andere technische Lösungen
gefunden werden.
Wie diese Lösungen aussehen,
das ist momentan noch unklar.
Die Plattformen haben ein Jahr Zeit,
das umzusetzen.
Und danach
wird dieses Gesetz angewandt.
Dann kann es unter Umständen
teuer werden.
Und das ist ganz wichtig,
nicht für die Nutzerinnen und Nutzer,
die unter 16 sind und versuchen,
die Plattformen zu nutzen,
sondern für die Plattformen selbst.
Wenn herauskommt, dass jemand
unter 16 diese Plattform nutzt
und die Plattform
nicht nachweisen kann,
dass sie alles
in ihrer Macht Stehende getan hat,
um das zu verhindern,
dann kann es teuer werden.
Bis zu 50 Millionen
australische Dollar
kann es dann
für die Plattformen kosten,
umgerechnet
rund 33 Millionen US-Dollar.
Aber wie eben schon erwähnt,
welche technischen Lösungen
es geben soll,
damit das letztlich
auch alles umgesetzt werden kann,
das ist momentan noch offen.
Klar ist: Auch in anderen Ländern
wird man sicher sehr interessiert
nach Australien schauen und gucken:
Wie bekommen die das hin?
Es ist zwar nicht so,
dass es in Deutschland
konkrete Pläne geben würde,
Social-Media-Plattformen
für unter 16-Jährige zu verbieten,
aber ein Auge
wirft man sicherlich auf Australien.
Einige von euch haben mir geschrieben
und gefragt:
Wie findest du das,
was da in Australien passiert?
Wäre das auch
eine Option für Deutschland?
Ich kann an dieser Stelle sagen,
ich finde das insgesamt nicht gut
und würde sagen: Nein,
das ist keine Option für Deutschland.
Und warum? Ich würde sagen,
es sind vor allem fünf Punkte,
die gegen ein Verbot sprechen.
Der erste Punkt,
den hab ich eben schon angerissen,
der bezieht sich auf die Technik.
Wie soll bitte schön einwandfrei
überprüft werden können,
wenn man keinen Ausweis
verlangen darf,
wie alt jemand tatsächlich ist?
Ich denke, auch in Deutschland
würden die Hürden sehr hoch sein,
sodass man nicht sagen kann,
hier muss ein Ausweis
hochgeladen werden,
sondern es muss andere Wege geben.
Bei YouTube muss man schon jetzt
das Alter angeben,
um die Plattform nutzen zu können.
Hand aufs Herz,
wer von euch ist jünger als 18
und hat sich älter gemacht?
Ich denke mal die meisten.
Ich bin oft an Schulen unterwegs,
frag die Leute das,
da gehen fast alle Hände hoch,
wenn ich diese Frage stelle.
Natürlich möchte man die
alterseingeschränkten Videos sehen.
Man kann diese Sperren
also ganz einfach umgehen,
sofern es so niedrigschwellig ist.
Natürlich gibt es
auch andere Möglichkeiten,
die man anwenden kann,
aber die Frage ist:
Wie könnten
diese Möglichkeiten aussehen,
ohne zu sehr in die Privatsphäre
der Nutzer einzugreifen?
Denn ganz klar,
das betrifft nicht nur die Jüngeren,
sondern auch alle anderen.
Dann muss jeder nachweisen,
dass man mindestens 16 Jahre alt ist
und das auf adäquatem Weg.
Wie soll das bitte
datenschutzkonform funktionieren?
Ich glaube, das wird sehr schwierig.
Damit kommen wir
zu Punkt Nummer Zwei.
Das Internet ist schnell.
Wir haben immer wieder gesehen, wenn
eine Sache nicht mehr möglich ist,
gibt es schnell eine Alternative.
Für jede Social-Media-Plattform, die
nicht mehr unter 16 verfügbar ist,
könnte es etwas Neues geben,
das dann entsprechend genutzt wird.
Oder, auch das ist eine Option,
Jugendliche, die unter 16 sind,
suchen sich andere Wege.
Gehen vielleicht Wege,
die noch schädlicher für sie sind,
als die verbotenen Plattformen.
Davor warnen zum Beispiel
Jugendschützer in Australien.
Das könnte unter Umständen passieren.
Ich denke, das ist nicht
unbedingt im Sinne der Erfinder.
Nehmen wir mal an, Punkt Nummer Eins
und Zwei sind abgehakt.
Es gibt irgendeine
technische Möglichkeit.
Dann gibt es immer noch
Punkt Nummer Drei.
Irgendwann sind alle mal
16 Jahre alt
und dürfen dann
die Plattformen nutzen.
Heute wird man in jungen Jahren
langsam daran herangeführt wird
im besten Fall und dann weiß man,
wie man damit umzugehen hat.
Wenn man aber mit 16 zum ersten
Mal diese Plattformen nutzt,
dann wird man richtig zugeballert
von dem, was es dort gibt.
Und das völlig ungefiltert
und ungeschützt.
Mit 16 ist man ja immer noch
nicht erwachsen.
Also muss man da eigentlich
erst mal herangeführt werden.
Aber das ist mit diesem Gesetz
nicht wirklich vorgesehen.
Das ist ein großes Problem,
das in diesem Zusammenhang besteht.
Von den Nutzern kommen wir jetzt
noch mal zu den Plattformen
und damit zu Punkt Nummer Vier.
Wie eben schon skizziert,
nehmen wir mal an,
es gibt tatsächlich ein System,
das funktioniert.
Dann könnten die Plattformen
ja sagen,
okay, unter 16-Jährige dürfen
unsere Dienste nicht mehr nutzen,
dann müssen wir uns
um das Thema Jugendschutz
gar nicht mehr so intensiv kümmern.
Dann fällt das immer wieder
hinten runter.
Aber das wäre fatal,
denn wie gesagt,
auch mit 16 oder 17
ist man noch nicht erwachsen,
und auch da muss man entsprechend
geschützt werden.
Und das wirkt sich auch
auf Nummer Fünf aus.
Auch die Eltern sind hier ein Thema.
Denn wenn die Eltern sagen,
die Plattformen haben ja
entsprechende Schutzmechanismen,
dann könnten sie vielleicht auch dazu
kommen, dass sie sagen,
da muss ich mich gar nicht mehr
so genau darum kümmern,
was meine Kinder im Internet
machen, das passt ja alles.
Das wäre fatal.
Ich glaube, gerade dann muss man
noch genauer hinschauen.
Sowohl die Plattformen
als auch die Eltern
könnten entspannter im Umgang werden
mit den entsprechend fatalen Folgen.
Soweit in aller Kürze
die fünf Punkte,
die aus meiner Sicht gegen ein
Verbot von Social-Media-Plattformen
für unter 16-Jährige sprechen.
Aber vielleicht habt ihr noch weitere
Punkte oder seht es ganz anders.
Schreibt's gerne unten
in die Kommentare.
Ich finde es gut,
nicht nur dagegen zu sein,
sondern auch Alternativen
vorzuschlagen.
Da hätte ich zwei im Angebot.
Von der ersten Alternative
bin ich selbst nicht so überzeugt,
von der zweiten dafür umso mehr.
Fangen wir
mit der ersten Alternative an.
Man könnte natürlich sagen,
für jede Social-Media-Plattform,
die da verboten wird,
gibt es künftig eine kinder-
und jugendfreundliche Variante.
Und als Beispiel könnte da gelten
YouTube.
Es gibt auch YouTube Kids.
Eine Plattform mit entsprechend
kuratierten, geprüften Inhalten,
man kann dort nicht kommentieren
und so weiter und so fort,
speziell für Kinder.
Es könnte auch Instagram-Kids
geben, TikTok-Kids und so weiter.
Die Frage ist nur, würde das denn
auch entsprechend genutzt werden?
Oder eben gerade nicht, weil man
sagt, ich bin doch kein Kind mehr,
so was möchte ich nicht haben,
ich lass das mal links liegen.
Deshalb bin ich mir nicht sicher,
ob das der richtige Weg wäre.
Dann schon Alternative Nummer Zwei.
Ich freu mich, dass ich an dieser
Stelle mal drüber sprechen kann,
dass ich schon so häufig
an so vielen Stellen gesagt habe
und das ich total sinnvoll fände,
nämlich, wir brauchen in
Deutschland ein Schulfach Medien.
Oder Medienpädagogik oder wie
auch immer man das nennen möchte.
Ab der fünften, vielleicht
sogar schon ab der ersten Klasse,
müssen Schülerinnen und Schüler
in Deutschland mindestens einmal,
wenn nicht sogar zweimal die Woche,
sich auseinandersetzen mit
digitalen Medien und Medien generell.
Da kann man sehr viel reinpacken.
Zum Beispiel: Wie geht man
mit eigenen Daten im Netz um?
Wie kommuniziert man mit Fremden?
Nämlich am besten gar nicht,
zumindest
bis zu einem gewissen Alter.
Oder aber auch: Wie kann man einer
Informationen vertrauen oder nicht.
Wenn ich an Schulen unterwegs bin,
ist das eine der am häufigsten
gestellten Fragen.
Wo bekommst du die Infos her
und woher weißt du,
ob das stimmt, was du da findest?
Genau so etwas kann man auch
in ein Fach packen.
Und noch viel, viel mehr.
Auch das Thema künstliche Intelligenz
könnte eine Rolle spielen.
Die Funktionsweise
von Social-Media-Plattformen,
die Algorithmen, vieles mehr,
das man in so einem Fach
unterrichten könnte.
Aber natürlich müssen
Lehrerinnen und Lehrer
dafür ausgebildet
oder weitergebildet werden.
Aber ich würde sagen,
das funktioniert schon.
Und man kann auch
mit Externen arbeiten,
die in die Schulen reingehen
und sich um diese Themen kümmern.
Da gibt es sicher viele Leute,
die das freiwillig übernehmen würden.
Ich würde mich da
auch mit einschließen.
Das heißt, dieses Fach wäre für
mich viel sinnvoller als ein Verbot.
Denn Verbote sind oft immer
die schlechteste Alternative.
Es gibt andere Dinge,
die man da anwenden kann.
Und dieses Fach fände ich sinnvoll.
Natürlich sagen die
Kultusministerinnen und Minister,
na ja, aber wir könnten
auch ein Fach einführen,
Ernährung, Lebenskunde,
was auch immer.
Das wird auch immer wieder gefordert.
Aber ganz ehrlich,
mit nichts verbringt ihr
eure Freizeit so intensiv
wie mit Social-Media-Plattformen
oder mit dem Internet im Allgemeinen,
mit Digitalem im Allgemeinen.
Dafür bräuchte es meiner Meinung
nach ein eigenes Fach.
Bin gespannt, was ihr dazu meint.
Schreibt es gerne
unten in die Kommentare.
Aber ich denke,
das könnte ein sinnvoller Weg sein.
Und letztlich, Medienkompetenz,
die dort gefördert wird,
könnte sich auch
in der Familie ausbreiten,
in WhatsApp-Gruppen mit Onkel Erwin
und Opa Hans oder wem auch immer.
Und auch die könnten dann über
ihre Enkel, Nichten, Neffen,
wie auch immer, Dinge dazulernen.
Ja, ich war
etwas optimistisch gedacht,
aber möglich ist es durchaus.
Es gibt Pilotprojekte
in einigen Bundesländern,
die zeigen, ja, A, es funktioniert,
und B, es ist sehr effektiv.
Was denkt ihr darüber?
Schreibt es in die Kommentare.
Ich bin gespannt, was ihr schreibt.
Neben mir gibt es noch die Videos,
die ich erwähnt hatte,
ein Video zu TikTok,
eins zu Instagram.
Danke fürs Reinschauen,
danke fürs Mitdiskutieren,
danke fürs Zuschauen,
bis zum nächsten Mal.