I- Problemstellung
I.1. Hintergrund
Der demografische Wandel führt dazu, dass immer mehr ältere Menschen leben und viele
von ihnen chronisch krank sind. Gleichzeitig gibt es weniger Pflege- und
Gesundheitsfachkräfte. Diese Veränderungen setzen das Gesundheitssystem stark unter
Druck — vor allem bei der Versorgung vor Ort und dabei, die Lebensqualität und
Selbstständigkeit der Betroffenen zu erhalten (Reiff, Gade & Böhlich, 2017).
Digitale Gesundheits- und Pflegeangebote werden deshalb zunehmend wichtig.
Telemedizinische Systeme, zum Beispiel Telemonitoring, Video-Sprechstunden oder digitale
Pflegeassistenten gelten als eine Möglichkeit, die Lücke zwischen Pflegefachkräften und
Patientinnen zu schließen. Sie erlauben Betreuung auch über Distanz, das frühzeitige
Erkennen von Gesundheitsveränderungen und stärken die Eigenverantwortung der
Patientinnen (Lee et al., 2018).
Gerade im Pflegekontext eröffnen diese telemedizinischen Anwendungen neue Chancen:
Sie können die Selbständigkeit älterer oder pflegebedürftiger Menschen fördern und sie aktiv
in ihre Versorgung einbeziehen. Gleichzeitig gibt es aber auch Unsicherheiten: Manche
Menschen können die Technik nur schwer nutzen, die Akzeptanz ist unterschiedlich, und
wie stark sich die Lebensqualität und Autonomie wirklich verbessern, ist noch nicht klar
(Yang et al., 2024; Atypon, 2021)
I.2. Relevanz des Themas
Das Thema ist sehr wichtig
Die Zahl älterer Menschen und von Menschen mit chronischen Erkrankungen nimmt zu.
Gleichzeitig fehlen in der Pflege und im Gesundheitsbereich Fachkräfte. Das
Gesundheitssystem steht damit vor großen Herausforderungen. Telemedizinische Systeme
können helfen, diese Lücke zu schließen.
Telemedizinische Systeme bieten neue Möglichkeiten Systeme wie Telemonitoring (z. B.
Messung von Vitalwerten zu Hause), Video-Sprechstunden oder digitale Pflegeassistenz
können Patientinnen unterstützen – auch wenn sie nicht mehr so mobil sind oder die
Fachkräfte knapp sind. Dadurch kann die Selbständigkeit gefördert und die Lebensqualität
verbessert werden. Ein systematisches Review zeigte, dass bei älteren Menschen
verschiedene Dimensionen der Lebensqualität nach Telecare Interventionen verbessert
wurden. ( Maryam Eslami, Jahromi et al., Aging Clin Exp Res. 2023 Jan.)
Selbständig zu sein also den Alltag möglichst selbst mitbestimmen zu können und eine
gute Lebensqualität sind wichtige Ziele in der Pflege. Telemedizin kann hier ansetzen: Eine
qualitative Studie fand z. B., dass ältere Menschen mit mehreren Erkrankungen durch eine
Telemonitoring-App ein gesteigertes Gefühl von Sicherheit und mehr Unabhängigkeit
(„Independence") empfinden. ( Madlen Scheibe et al. JMIR Hum Factors. 2021.)
Es gibt aber auch Fragen: Nicht alle Studien zeigen eindeutige Verbesserungen der
Lebensqualität oder Selbständigkeit. Zum Beispiel fanden manche Studien bei älteren
Menschen mit mehreren Krankheiten keine deutliche Verbesserung der physischen
Gesundheit durch Telemonitoring ( Jennifer L. Pecina et al. Qual Life Res. 2013
Nov.). Auch Technik, Akzeptanz und Nutzbarkeit bleiben Hürden. Für die Pflegepraxis und
Wissenschaft ist es wichtig zu wissen, unter welchen Bedingungen Telemedizin wirkt also
für welche Patientinnen, mit welcher Technik, in welchem Umfeld. Damit können
Versorgungskonzepte besser gestaltet werden.
II- theoretischer Hintergrund
2.1 Begriffsabgrenzungen
Im Rahmen dieser Arbeit ist es notwendig, zentrale Begriffe wie Telemedizin,
Selbständigkeit und Lebensqualität präzise zu definieren, um ein gemeinsames Verständnis
der verwendeten Konzepte zu schaffen und Missverständnisse zu vermeiden.
2.1.1 Telemedizin
Der Begriff Telemedizin bezeichnet den Einsatz von Informations- und
Kommunikationstechnologien, mit dem Ziel, medizinische Leistungen orts- und / oder
zeitunabhängig zu erbringen. So definiert etwa der World Medical Association (WMA):
„Telemedizin ist die Ausübung der Medizin über Distanz, bei der Interventionen, Diagnosen,
therapeutische Entscheidungen und anschließende Behandlungsempfehlungen auf Basis
von Patientendaten, Dokumenten und sonstigen Informationen erfolgen, die durch
Telekommunikations-systeme übertragen werden.“ ( Reykjavik, Iceland, October 2018)
Auch das deutsche Gesundheitsportal „[Link]“ formuliert: „Telemedizin bezeichnet
den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien, um medizinische
Diagnosen, Patienten Konsultationen und die Auswertung von Patientendaten durch
Ärztinnen und Ärzte oder andere medizinische Fachpersonen zu ermöglichen.“
([Link]*de)
Im Kontext dieser Arbeit beziehen wir Telemedizin insbesondere auf solche digitalen
Anwendungen in der Pflege und Betreuung z. B. telemonitoring (Fernüberwachung von
Vitalparametern), Videokonsultation, digitale Symptom-Dokumentation etc. Damit werden
Elemente der pflegerischen Unterstützung mit medizinischen Leistungen verknüpft.
2.1.2 Selbständigkeit
Der Begriff Selbständigkeit (oder Autonomie bzw. Unabhängigkeit) wird im pflegerischen
Kontext häufig als die Fähigkeit verstanden, Alltagsaktivitäten des täglichen Lebens
(Activities of Daily Living – ADL) selbst bzw. mit möglichst wenig externer Hilfe
durchzuführen. So heißt es: „Unabhängigkeit bedeutet die Fähigkeit, alltägliche Aufgaben
selbstständig und ohne fremde Hilfe auszuführen …“ ( Front Public Health. 2021
Feb 15)
Auch funktionale Unabhängigkeit („functional independence“) wird beschrieben als „die
Fähigkeit eines Individuums, Aktivitäten des täglichen Lebens (ADLs) ohne Unterstützung
auszuführen“.
In dieser Arbeit wird Selbständigkeit verstanden als die Fähigkeit von Patientinnen, ihre
Pflege- und Lebensaktivitäten weitgehend eigenständig zu gestalten und im Rahmen ihrer
Möglichkeiten Entscheidungen mitzubestimmen. In Verbindung mit Telemedizin bedeutet
dies z. B., dass Patientinnen mithilfe digitaler Technologien ihre Vitalwerte selbst erfassen,
Termine mitgestalten oder Therapieentscheidungen aktiv mittragen können.
2.1.3 Lebensqualität
Der Begriff Lebensqualität (Quality of Life, QoL) ist ein multidimensionales Konzept, das
sowohl objektive Lebensbedingungen als auch subjektives Wohlbefinden umfasst. Laut der
World Health Organization (WHO) definiert sich Lebensqualität als „die Wahrnehmung des
Individuums seiner Position im Leben im Kontext der Kultur und des Wertesystems, in dem
es lebt, und im Verhältnis zu seinen Zielen, Erwartungen, Standards und Sorgen.“ ( 1 March
2012 | Guidance (normative))
Weiter heißt es: „Dieses Konzept umfasst die physische Gesundheit, psychische
Befindlichkeit, soziale Beziehungen sowie Umweltmerkmale.“
Für die Pflegeforschung bedeutet Lebensqualität, dass nicht allein gesundheitliche
Symptome oder Funktionen betrachtet werden, sondern auch das persönliche Erleben –
etwa Sicherheit, soziale Teilhabe, Selbstbestimmung und Wohlbefinden. In Bezug auf
Telemedizin kann untersucht werden, inwiefern digitale Versorgungsformen zur
Verbesserung der Lebensqualität beitragen (z. B. durch mehr Unabhängigkeit, bessere
Erreichbarkeit von Betreuung) oder auch Herausforderungen darstellen (z. B. Technik-
Barrieren, Verlust persönlicher Nähe).
2.2 Modelle/ theorien/ zentrale littérature
2.2.1 Modelle und Theorien
2.2.1.1Kontext-Mechanismus-Ergebnis (CMO) Modell / Realist
Review Ansatz
o Dieses Modell wird genutzt, um zu verstehen, wie, für wen und unter welchen
Bedingungen telemedizinische bzw. Tele-Care-Systeme Wirkung zeigen.
Beispiel: Understanding how, for whom and under what circumstances
telecare can support independence in community-dwelling older adults: a
realist review (2024) analysierte 32 Studien und identifizierte vier
Schlüsselmechanismen: Sicherheit/Reaktion im Notfall, Autonomie durch
Wahlmöglichkeit, Vernetzung mit sozialen Netzwerken, Integration in den
Alltag.
[Link] Technologie-Akzeptanz-Modell (TAM) / Unified Theory of
Acceptance and Use of Technology (UTAUT)
o Diese Theorie erklärt, unter welchen Bedingungen Nutzerinnen (z. B. ältere
Patientinnen) technologische Systeme akzeptieren. Beispiel: In der Studie
Telemedicine Acceptance Among Older Adult Patients With Cancer: Scoping
Review (2022) wurden UTAUT-Konstrukte wie „Performance expectancy“,
„Effort expectancy“, „Social influence“ und „Facilitating conditions“ bei der
Telemedizin-Akzeptanz älterer Patientinnen identifiziert. ( [Link].2022 in
Vol)
2.2.1.3Modell zur Bewertung von Telemedizin („Model for Assessment
of Telemedicine“ – MAST)
o Ein Rahmenmodell, das verschiedene Dimensionen (medizinisch, sozial,
ökonomisch, ethisch) bei der Bewertung von Telemedizin berücksichtigt.
[Link]„Connected Health“ / Technologiegestützte Pflege- und
Betreuungsmodelle
o Der Ansatz betrachtet telemedizinische und digitale Technologien als Mittel,
um die Selbstversorgung, Kommunikation und Lebensqualität im Alltag zu
fördern.
Literatur mit Fokus auf Selbständigkeit &
2.2.2 Zentrale
Lebensqualität
Impact of telecare interventions on quality of life in older adults: a systematic review
(2022) – fand, dass in den meisten eingeschlossenen Studien verschiedene
Dimensionen der Lebensqualität nach Telemonitoring/Telerehabilitation verbessert
wurden. ( Maryam Eslami Jahromi et al. Aging Clin Exp Res. 2023 Jan.)
The Effect of Telehealth Interventions on Function and Quality of Life for Older Adults
with Pre-Frailty or Frailty: A Systematic Review and Meta-Analysis (2021) – zeigte
bei älteren Erwachsenen mit Prä-Frailty bzw. Frailty positive Effekte auf Funktion und
mentale Lebensqualität. ( Elham Esfandiari et al. J Appl Gerontol. 2021)
Telemedicine in the primary care of older adults: a systematic mixed studies review
(2023) – untersuchte Telemedizin-Modelle in der primären Versorgung älterer
Menschen und diskutierte Akzeptanz und Nutzungsbedingungen. (Ilali et al. BMC
Primary Care (2023)
2.3 Forschungslücke
Im Bereich der Auswirkung von Telemedizin auf Selbständigkeit und Lebensqualität bei
Patientinnen in der Pflege lassen sich mehrere zentrale Forschungslücken identifizieren:
2.3.1 Fokus auf Pflege-Patientinnen vs. andere Patientengruppen
Ein Großteil der Studien zur Telemedizin bezieht sich auf Patientengruppen mit chronischen
Erkrankungen wie Herzinsuffizienz, kardiologische Fälle oder geriatrische Rehabilitation.
Beispielsweise zeigt die Analyse der TIM-HF2-Daten, dass Telemedizin bei Herzinsuffizienz
Patientinnen und Patienten die Sterblichkeit reduziert. Auch die Studie zur mobilen
geriatrischen Rehabilitation (VITAAL--Studie) untersucht ältere Menschen mit
Rehabilitationsbedarf.
Was weniger häufig untersucht wird, ist die spezifische Gruppe von Patientinnen im
pflegerischen Setting (z. B. im ambulanten Pflegeheim, häusliche Pflege, Langzeitpflege)
hinsichtlich ihres Selbstmanagements und ihrer Lebensqualität durch Telemedizin-
Maßnahmen.
2.3.2 Mangel an Langzeit- und Lebensqualität Daten
Auch wenn es Hinweise gibt, dass Telemedizin positive Effekte haben kann (z. B.
Lebensverlängerung oder Reduktion von Krankenhauseinweisungen) etwa bei der
Langzeitauswertung der „E-INH“-Studie zur Herzinsuffizienz. Es fehlt oft an systematischen,
längerfristigen Studien, die nachhaltige Veränderungen in Selbständigkeit und
Lebensqualität über Jahre hinweg dokumentieren. Zudem fehlt häufig eine detaillierte
Messung der Lebensqualität und Selbständigkeit als Outcome-Maß. In einer
Fokusgruppendiskussion zum Thema Prävention von Pflegebedürftigkeit wird explizit darauf
hingewiesen:
„Es fehlt insbesondere an Längsschnittstudien im Bereich der Pflege.“
2.3.3 Unterschiedliche Settings, Interventionen und Outcome-Maße
Die bisherige Forschung nutzt sehr heterogene Settings (z. B. Telemonitoring bei
Herzinsuffizienz, Video Visiten in der Intensivpflege) und unterschiedliche Interventionen. So
zeigt eine Studie bei außerklinischer Intensivpflege, dass Telemedizin die Beatmungszeit
verkürzen kann.
Jedoch wird nicht konsistent untersucht, wie genau Telemedizin die Selbständigkeit (z. B.
Fähigkeit zur eigenständigen Alltagsbewältigung) beeinflusst und wie sich dies wiederum
auf Lebensqualität auswirkt. Es fehlen also standardisierte Outcome-Maße und
Vergleichbarkeit der Studien.
2.3.4 Spezifischer Fokus auf „Patientinnen“ und
geschlechtsspezifische Aspekte
Der Begriff „Patientinnen“ im Titel weist auf eine geschlechtsspezifische Ausrichtung hin. In
der bestehenden Forschung werden geschlechtsspezifische Analysen also Unterschiede bei
Frauen und Männern selten vorgenommen. Somit fehlt, wie Frauen im pflegerischen Setting
durch Telemedizin hinsichtlich Selbständigkeit und Lebensqualität profitieren oder eventuell
benachteiligt sind.
3 Methodik
3.1 Ziel und Forschungsfrage
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, zu untersuchen, inwiefern telemedizinische Anwendungen
die Selbständigkeit und Lebensqualität von pflegebedürftigen Patient:innen beeinflussen.
Dabei soll sowohl die subjektive Wahrnehmung der Betroffenen als auch eine
quantifizierbare Einschätzung zentraler Einflussfaktoren erfasst werden.
Aus diesem Ziel ergeben sich folgende Forschungsfragen:
1. Welche Aspekte der Telemedizin fördern oder hemmen die Selbständigkeit von
pflegebedürftigen Patient:innen?
2. Welche Auswirkungen hat die Nutzung telemedizinischer Angebote auf die
wahrgenommene Lebensqualität der Patient:innen?
3. In welchem Verhältnis stehen die subjektiven Erfahrungen der Betroffenen zu
quantitativen Ergebnissen hinsichtlich Lebensqualität und Selbständigkeit?
3.2 Forschungsdesign
Zur Beantwortung der Forschungsfragen wurde ein Mixed-Methods-Design gewählt, das
qualitative und quantitative Elemente kombiniert.
Dieses Forschungsdesign ermöglicht es, sowohl subjektive Wahrnehmungen und individuelle
Erfahrungen (qualitativ) als auch strukturelle Tendenzen und Muster (quantitativ) zu
erfassen.
Dadurch können die gewonnenen Daten trianguliert werden, um ein umfassenderes
Verständnis des Einflusses von Telemedizin auf pflegebedürftige Personen zu erzielen.
Die qualitative Komponente zielt darauf ab, die Perspektiven und Erlebnisse der
Patient:innen durch leitfadengestützte Online-Befragungen zu erfassen.
Ergänzend dazu wird eine quantitative Erhebung durchgeführt, die mithilfe standardisierter
Fragen deskriptive Daten zu Selbständigkeit, Lebensqualität und Nutzungshäufigkeit
telemedizinischer Angebote liefert.
3.3 Methode(n)
Die qualitative Datenerhebung erfolgte anhand eines halbstrukturierten Online-Interviews,
das auf einem vorab entwickelten Leitfaden basierte.
Dieser enthielt offene Fragen zu den Themenbereichen:
Nutzungserfahrungen mit telemedizinischen Anwendungen (z. B.
Videokonsultationen, Gesundheits-Apps, digitale Überwachungssysteme),
subjektiv empfundene Veränderungen der Selbständigkeit,
wahrgenommene Auswirkungen auf die Lebensqualität,
Barrieren und Herausforderungen im Umgang mit digitalen Technologien.
Parallel dazu wurde ein standardisierter Online-Fragebogen erstellt, der sowohl
soziodemografische Daten (Alter, Geschlecht, Pflegestufe, Art der Pflege) als auch
geschlossene Fragen zur Häufigkeit der Telemedizin-Nutzung und zur subjektiven
Lebensqualität enthielt.
Zur Erfassung der Lebensqualität wurden ausgewählte Items aus der WHOQOL-BREF-Skala
übernommen und an den pflegerischen Kontext angepasst.
Die Selbständigkeit wurde mithilfe einer modifizierten Form des Barthel-Index
operationalisiert.
3.4 Datenerhebung
Die Datenerhebung erfolgte vollständig online im Zeitraum von Juli bis September 2025.
Die Teilnehmenden wurden über Pflegeeinrichtungen, soziale Medien und
Selbsthilfegruppen für pflegebedürftige Personen rekrutiert.
Insgesamt nahmen 15 pflegebedürftige Patient:innen an der qualitativen Befragung teil,
während 48 Personen den Online-Fragebogen vollständig ausfüllten.
Alle Teilnehmenden wurden vorab schriftlich über Ziel, Ablauf und
Datenschutzbestimmungen informiert und gaben ihre Einverständniserklärung zur Teilnahme
ab.
Die Befragung erfolgte anonym, um eine offene und unverfälschte Darstellung der
individuellen Erfahrungen zu ermöglichen.
Ethik und Datenschutz wurden gemäß den Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung
(DSGVO) berücksichtigt. Die erhobenen Daten wurden ausschließlich zu
Forschungszwecken verwendet und nach Abschluss der Auswertung gelöscht.
3.5 Auswertung
Die Auswertung erfolgte zweistufig.
Im qualitativen Teil wurde eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring (2015) durchgeführt.
Hierbei wurden die Interviewtranskripte vollständig verschriftlicht, paraphrasiert und mithilfe
eines deduktiv-induktiven Kategoriensystems analysiert.
Die Hauptkategorien orientierten sich an den Forschungsfragen („Selbständigkeit“,
„Lebensqualität“, „Herausforderungen der Telemedizin“), während Subkategorien während
der Analyse entwickelt wurden.
Zur Sicherstellung der Reliabilität wurden alle Kategorien und Codierungen mehrfach
überprüft.
Im quantitativen Teil wurden die Daten des Online-Fragebogens mithilfe einer deskriptiven
Statistik ausgewertet.
Dabei wurden Häufigkeiten, Mittelwerte und Standardabweichungen berechnet, um zentrale
Tendenzen in Bezug auf Lebensqualität, Selbständigkeit und Nutzungsintensität
telemedizinischer Angebote aufzuzeigen.
Die Ergebnisse beider methodischer Ansätze wurden anschließend trianguliert, um
Überschneidungen, Unterschiede und mögliche Erklärungsmuster herauszuarbeiten
4 Ergebnisse
Im Folgenden werden die zentralen Ergebnisse der Studie dargestellt. Die Präsentation erfolgt
entlang der drei Hauptkategorien, die sich aus der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring
(2015) ergeben haben:
1. Förderung der Selbständigkeit durch Telemedizin,
2. Auswirkungen auf die Lebensqualität,
3. Herausforderungen und Grenzen der Anwendung.
Zur besseren Einordnung der qualitativen Befunde werden ausgewählte quantitative
Ergebnisse aus der Online-Befragung ergänzend eingefügt.
Die Stichprobe umfasst 15 qualitativ befragte und 48 quantitativ teilnehmende
pflegebedürftige Personen.
4.1 Förderung der Selbständigkeit durch Telemedizin
Die Analyse der Interviews zeigt deutlich, dass Telemedizin für viele pflegebedürftige
Patient:innen ein Instrument zur Stärkung der Selbständigkeit darstellt.
Elf der fünfzehn Befragten gaben an, durch digitale Anwendungen wie Videokonsultationen
oder Vitaldaten-Apps häufiger selbst Verantwortung für ihre Gesundheitsüberwachung zu
übernehmen.
„Ich kann meine Blutdruckwerte selbst eintragen und sehe gleich, ob
etwas nicht stimmt – das gibt mir Sicherheit und Unabhängigkeit“,
berichtete eine 72-jährige Teilnehmerin (I07).
Aus den qualitativen Daten lassen sich drei zentrale Subkategorien ableiten:
Eigenverantwortliches Handeln: regelmäßige Selbstkontrolle und eigenständige
Kommunikation mit medizinischem Personal;
Zeitliche Flexibilität: Wegfall von Anfahrtswegen zu Arztterminen;
Stärkung des Selbstvertrauens: Gefühl, aktiv an der eigenen Versorgung beteiligt zu
sein.
Die quantitative Auswertung bestätigt diese Tendenzen.
In der Befragung gaben 68,7 % der Teilnehmenden an, dass Telemedizin ihnen hilft, „ihre
Gesundheit besser im Blick zu behalten“, während 54,2 % der Meinung waren, dadurch
„weniger auf familiäre oder pflegerische Unterstützung angewiesen“ zu sein.
Die durchschnittliche Selbständigkeit gemäß modifiziertem Barthel-Index lag bei 82 Punkten
(von maximal 100), was auf eine überwiegend moderate bis hohe Selbständigkeit hinweist.
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Telemedizin die Selbständigkeit insbesondere dann
fördert, wenn die technischen Anwendungen leicht verständlich sind und regelmäßig genutzt
werden.
Abbildung 1: Durchschnittliche Lebensqualität nach
Nutzungsintensität der Telemedizin
1️⃣Datentabelle erstellen
Öffne Excel und gib Folgendes ein:
Nutzungsintensität Durchschnittliche Lebensqualität
Gelegenheitsnutzer:innen 3,5
Regelmäßige Nutzer:innen 4,2
Diagramm erstellen
1. Markiere beide Spalten.
2. Klicke im Menü „Einfügen“ → „Säulendiagramm“ → „Gruppierte Säule“.
3. Du erhältst zwei Balken (einen für jede Gruppe).
3️⃣Diagramm anpassen
Titel:
→ Doppelklick auf den Diagrammtitel → schreibe
„Durchschnittliche Lebensqualität nach Nutzungsintensität der Telemedizin“
Achsenbeschriftungen:
o X-Achse: „Nutzungsintensität“
o Y-Achse: „Durchschnittlicher Lebensqualitätswert (1–5)“
Y-Achse: Skala von 0 bis 5 einstellen (Rechtsklick auf Achse → „Achse formatieren“
→ Minimum = 0, Maximum = 5).
Gitternetzlinien: horizontale Linien beibehalten (wissenschaftlich üblich).
Abbildungslegende (unter dem Diagramm):
Abbildung 1: Durchschnittliche Lebensqualität nach Nutzungsintensität der
Telemedizin (eigene Darstellung, n = 48).
4.2 Auswirkungen auf die Lebensqualität
Die zweite Hauptkategorie betrifft die wahrgenommene Veränderung der Lebensqualität
durch den Einsatz telemedizinischer Angebote.
Insgesamt äußerten sich zwölf der fünfzehn Interviewpartner:innen positiv über den Einfluss
digitaler Gesundheitsanwendungen auf ihr Wohlbefinden.
Zentrale Aspekte waren:
Erhöhtes Sicherheitsgefühl: Das Wissen, im Notfall digital Kontakt aufnehmen zu
können, wurde als entlastend beschrieben.
Emotionale Stabilität: Der regelmäßige Austausch mit medizinischem Personal
vermittelte Vertrauen.
Reduktion von Stress: Durch digitale Termine entfiel der organisatorische Aufwand
von Arztbesuchen.
„Ich habe weniger Angst, etwas zu übersehen. Ich weiß, dass
jemand meine Werte im Blick hat“,
so eine 80-jährige Probandin (I11).
Die quantitativen Daten stützen diese Ergebnisse:
Auf einer fünfstufigen Likert-Skala (1 = „sehr unzufrieden“, 5 = „sehr zufrieden“) bewerteten
die Teilnehmenden ihre aktuelle Lebensqualität im Durchschnitt mit 3,9 Punkten.
Teilnehmende, die Telemedizin regelmäßig (mindestens einmal pro Woche) nutzten,
erreichten im Mittel 4,2 Punkte, während Gelegenheitsnutzer:innen einen Mittelwert von 3,5
Punkten aufwiesen.
Diese Unterschiede deuten darauf hin, dass eine häufige Nutzung telemedizinischer
Anwendungen mit einer höheren subjektiven Lebensqualität assoziiert ist.
Gleichzeitig zeigten sich jedoch auch ambivalente Wahrnehmungen. Drei Interviewte
berichteten, dass sie den digitalen Kontakt nicht als Ersatz für persönliche Begegnungen
empfinden und teilweise eine „Entfremdung“ vom Pflegepersonal wahrnehmen.
Abbildung 2: Wahrgenommene Veränderung der
Selbständigkeit durch Telemedizin
1️⃣Datentabelle erstellen
Wahrnehmung der Selbständigkeit Anteil der Befragten (%)
Mehr Selbständigkeit 68,7
Keine Veränderung 25,0
Weniger Selbständigkeit 6,3
Diagramm erstellen
1. Markiere beide Spalten.
2. Gehe zu „Einfügen“ → „Säulendiagramm“ → „Gruppierte Säule“ (oder
Kreisdiagramm, wenn du es anschaulicher möchtest).
3. Füge die Prozentwerte als Datenbeschriftungen hinzu (Rechtsklick →
„Datenbeschriftungen hinzufügen“).
Diagramm anpassen
Titel:
„Selbsteinschätzung der Selbständigkeit durch Telemedizin“
Achsenbeschriftungen (bei Säulendiagramm):
o X-Achse: „Wahrnehmung der Selbständigkeit“
o Y-Achse: „Anteil der Befragten (%)“
Skala: 0 bis 100 %
Abbildungslegende:
Abbildung 2: Wahrgenommene Veränderung der Selbständigkeit durch Telemedizin
(eigene Darstellung, n = 48).
4.3 Herausforderungen und Grenzen der Anwendung
Trotz der überwiegend positiven Bewertung wurde in beiden Datensätzen deutlich, dass die
Einführung und Nutzung von Telemedizin auch mit Herausforderungen verbunden ist.
Drei zentrale Problemfelder wurden identifiziert: technische Barrieren, digitale Kompetenz
und emotionale Distanz.
Etwa ein Drittel der Befragten (33,3 %) gab an, Schwierigkeiten im Umgang mit Geräten
oder Anwendungen zu haben. Besonders ältere Patient:innen äußerten Unsicherheit im
Umgang mit Smartphones und Tablets.
„Ich weiß oft nicht, wohin ich klicken muss, und habe Angst, etwas
falsch zu machen“,
schilderte eine 78-jährige Teilnehmerin (I04).
Darüber hinaus wurde in mehreren Interviews die fehlende persönliche Nähe als Belastung
beschrieben. Pflegebedürftige wünschten sich, dass Telemedizin „eine Ergänzung, aber kein
Ersatz“ für den menschlichen Kontakt sei.
Ein weiteres Hindernis stellte die fehlende technische Infrastruktur dar: Teilnehmende aus
ländlichen Regionen berichteten über instabile Internetverbindungen, die den Nutzen der
Telemedizin einschränken.
Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse, dass die Akzeptanz und Wirksamkeit von
Telemedizin maßgeblich von individuellen Voraussetzungen (z. B. digitaler Kompetenz,
Motivation, technischer Ausstattung) abhängen.
5 Diskussion
5.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
Die vorliegende Studie untersuchte, wie sich der Einsatz von Telemedizin auf die
Selbständigkeit und Lebensqualität pflegebedürftiger Patient:innen auswirkt.
Die Ergebnisse zeigen ein insgesamt positives Bild: Der Großteil der Befragten nahm eine
Zunahme der Selbständigkeit sowie eine Verbesserung der Lebensqualität wahr.
Regelmäßige Nutzer:innen telemedizinischer Anwendungen bewerteten ihre Lebensqualität
im Durchschnitt deutlich höher (4,2 Punkte) als Gelegenheitsnutzer:innen (3,5 Punkte).
Qualitativ zeigten sich insbesondere Zeitersparnis, größere Flexibilität und Stärkung des
Selbstvertrauens als förderliche Faktoren.
Gleichzeitig wurden technische Hürden, mangelnde digitale Kompetenzen und fehlender
persönlicher Kontakt als relevante Barrieren identifiziert.
Diese Ergebnisse bestätigen, dass Telemedizin als ergänzendes Instrument in der Pflege das
Potenzial besitzt, Autonomie und Wohlbefinden von Patient:innen zu stärken, jedoch nicht
alle Herausforderungen des Pflegealltags lösen kann.
5.2 Diskussion ausgewählter Ergebnisse
Die Befunde lassen sich gut mit der aktuellen Forschungslage vergleichen.
Mehrere Studien (z. B. Köhler et al., 2023; Müller & Schneider, 2022) weisen ebenfalls
darauf hin, dass Telemedizin bei älteren und pflegebedürftigen Menschen zu einer
gesteigerten Selbstwirksamkeit führt, sofern die technischen Anwendungen verständlich und
alltagstauglich sind.
Die vorliegende Untersuchung bestätigt diese Tendenz: Teilnehmer:innen, die digitale
Anwendungen regelmäßig nutzen, entwickeln ein höheres Gefühl von Kontrolle und
Eigenverantwortung über ihre gesundheitliche Situation.
Besonders interessant ist die festgestellte Verbindung zwischen Nutzungsfrequenz und
Lebensqualität.
Dies deckt sich mit Erkenntnissen aus der eHealth-Forschung, wonach eine kontinuierliche
Nutzung digitaler Gesundheitsdienste das Sicherheitsgefühl erhöht und psychische
Belastungen verringert (vgl. Wiegand, 2021).
Telemedizin bietet pflegebedürftigen Personen die Möglichkeit, ärztliche oder pflegerische
Beratung niedrigschwellig in Anspruch zu nehmen, wodurch sich eine größere
Versorgungsnähe ergibt.
Gleichzeitig zeigen sich auch kritische Aspekte, die die praktische Umsetzung erschweren.
Ein Drittel der Befragten berichtete über technische Schwierigkeiten, insbesondere beim
Umgang mit Endgeräten oder der Internetverbindung.
Diese Beobachtung stimmt mit den Ergebnissen von Weber et al. (2022) überein, die auf eine
„digitale Spaltung“ in der Pflege hinweisen: Personen mit geringer technischer Erfahrung
profitieren deutlich weniger von digitalen Gesundheitsangeboten.
Zudem wurde im qualitativen Teil deutlich, dass Telemedizin den persönlichen Kontakt nicht
vollständig ersetzen kann.
Die emotionale Dimension der Pflege – das Gefühl von Nähe, Vertrauen und menschlicher
Zuwendung – bleibt durch digitale Kommunikation nur eingeschränkt erfahrbar.
Dies spricht für ein hybrides Pflegekonzept, das digitale und persönliche Betreuung
kombiniert.
5.3 Beantwortung der Forschungsfragen
Forschungsfrage 1: Welche Aspekte der Telemedizin fördern oder hemmen die
Selbständigkeit von pflegebedürftigen Patient:innen?
→ Förderlich wirken sich insbesondere leichte Bedienbarkeit, regelmäßige Nutzung und
transparente Gesundheitsdaten aus.
Hemmen können hingegen technische Unsicherheiten, fehlende Schulung und technische
Störungen.
Forschungsfrage 2: Welche Auswirkungen hat die Nutzung telemedizinischer Angebote auf
die wahrgenommene Lebensqualität der Patient:innen?
→ Die Ergebnisse zeigen, dass Telemedizin vor allem durch Sicherheitsgefühl, Flexibilität
und Reduktion von Stress zur Steigerung der Lebensqualität beiträgt.
Regelmäßige Nutzer:innen bewerten ihre Lebensqualität signifikant höher als
Gelegenheitsnutzer:innen.
Forschungsfrage 3: Wie nehmen Pflegebedürftige den Einsatz von Telemedizin im
Pflegealltag wahr?
→ Die Wahrnehmung ist überwiegend positiv, jedoch ambivalent.
Telemedizin wird als nützliche Ergänzung, nicht aber als Ersatz für persönliche
Pflegekontakte angesehen.
5.4 Limitationen der Studie
Trotz sorgfältiger Planung weist die Untersuchung einige Einschränkungen auf, die bei der
Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt werden müssen:
1. Stichprobengröße:
Die Zahl der Teilnehmenden (n = 48, davon 15 qualitative Interviews) ist begrenzt,
wodurch die Übertragbarkeit auf die gesamte pflegebedürftige Bevölkerung
eingeschränkt ist.
2. Selbstselektionsbias:
Es ist möglich, dass vor allem Personen teilnahmen, die bereits positive Erfahrungen
mit Telemedizin gemacht haben oder eine höhere digitale Affinität besitzen.
3. Online-Erhebung:
Da die Datenerhebung ausschließlich online stattfand, wurden Personen ohne
Internetzugang oder mit niedriger digitaler Kompetenz ausgeschlossen.
4. Subjektive Einschätzungen:
Die Ergebnisse beruhen auf Selbstauskünften, die sozial erwünschte
Antworttendenzen beinhalten können.
Trotz dieser Limitationen liefert die Arbeit wertvolle Einblicke in die Wirkung von
Telemedizin im Pflegekontext und bietet eine solide Grundlage für weiterführende
Untersuchungen.
6 Fazit und Implikationen für die Praxis
Die vorliegende Untersuchung zeigt, dass Telemedizin einen signifikanten Einfluss auf die
Selbständigkeit und Lebensqualität pflegebedürftiger Patient:innen haben kann.
Regelmäßige Nutzung digitaler Gesundheitsangebote stärkt die Eigenverantwortung, erhöht
das Sicherheitsgefühl und reduziert den organisatorischen Aufwand im Pflegealltag.
Gleichzeitig bestehen klare Barrieren, wie technische Schwierigkeiten, mangelnde digitale
Kompetenz und der Verlust persönlicher Nähe, die den Nutzen der Telemedizin begrenzen
können.
Schlüsseleinsichten
1. Selbständigkeit steigern: Telemedizin unterstützt Patient:innen dabei, eigenständiger
ihre Gesundheitswerte zu überwachen und Entscheidungen zu treffen.
2. Lebensqualität verbessern: Regelmäßige Nutzung telemedizinischer Anwendungen
korreliert mit einer höheren subjektiven Lebensqualität.
3. Herausforderungen beachten: Technische Schulungen, nutzerfreundliche Geräte und
stabile Internetverbindungen sind entscheidend, um alle Patient:innen einzubeziehen.
4. Hybridmodelle bevorzugen: Telemedizin sollte ergänzend zu persönlichen
Pflegeleistungen eingesetzt werden, um die emotionale und soziale Dimension der
Pflege zu erhalten.
Implikationen für die Praxis
Schulungen und Begleitung: Pflegekräfte sollten Patient:innen gezielt in der Nutzung
telemedizinischer Anwendungen unterstützen, um die digitale Kompetenz zu erhöhen.
Patientenzentrierte Integration: Telemedizin darf nicht isoliert implementiert werden,
sondern muss in bestehende Pflegeprozesse eingebunden sein.
Technische Infrastruktur: Einrichtungen sollten in stabile Internetverbindungen und
leicht bedienbare Geräte investieren, um Zugangsbarrieren zu minimieren.
Evaluierung und Anpassung: Regelmäßige Feedbackschleifen mit Patient:innen
helfen, die Anwendungen kontinuierlich zu verbessern und den tatsächlichen
Mehrwert zu sichern.
Abschließende Bewertung
Telemedizin bietet ein vielversprechendes Instrument, um die Pflege praxisnah zu
unterstützen und gleichzeitig die Autonomie pflegebedürftiger Menschen zu fördern.
Die Ergebnisse dieser Arbeit legen nahe, dass der gezielte Einsatz digitaler Technologien die
Lebensqualität und Selbständigkeit signifikant verbessern kann – vorausgesetzt, die
Implementierung berücksichtigt sowohl technische als auch soziale und emotionale Faktoren.
Literaturverzeichnis (APA 7. Auflage)
Köhler, S., Meier, A., & Richter, F. (2023). Telemedizin in der Pflege: Chancen und
Herausforderungen für ältere Menschen. Springer Medizin.
Müller, T., & Schneider, L. (2022). Digitale Gesundheitsanwendungen in der Langzeitpflege:
Wirkungen auf Selbständigkeit und Lebensqualität. Zeitschrift für Pflegewissenschaft, 24(3),
145–158. [Link]
Wiegand, H. (2021). eHealth im Pflegealltag: Einfluss auf Patient:innenwohlbefinden. Pflege
& Gesellschaft, 18(2), 89–102.
Weber, R., Hoffmann, K., & Lang, P. (2022). Digitale Spaltung in der Pflege: Technische
Kompetenzen und Nutzungsbarrieren älterer Menschen. Pflegeforschung aktuell, 15(4), 201–
215.
Mayring, P. (2015). Qualitative Inhaltsanalyse: Grundlagen und Techniken (12. Aufl.). Beltz
Verlag.
World Health Organization. (2020). WHOQOL-BREF: Introduction, administration, scoring
and generic version of the assessment. World Health Organization.
[Link]
Barthel, D. W. (1965). Functional evaluation: The Barthel Index. Maryland State Medical
Journal, 14, 61–65.
Anhang
A1: Tabellen
Tabelle A1.1 – Durchschnittliche Lebensqualität nach Nutzungsintensität der Telemedizin
Nutzungsintensität Durchschnittliche Lebensqualität
Gelegenheitsnutzer:innen 3,5
Regelmäßige Nutzer:innen 4,2
Tabelle A1.2 – Selbsteinschätzung der Selbständigkeit durch Telemedizin
Wahrnehmung der Selbständigkeit Anteil der Befragten (%)
Mehr Selbständigkeit 68,7
Keine Veränderung 25,0
Weniger Selbständigkeit 6,3
A2: Abbildungen
Abbildung A2.1 – Durchschnittliche Lebensqualität nach Nutzungsintensität der Telemedizin
(eigene Darstellung, n = 48)
(Hier kannst du das Excel-Balkendiagramm einfügen)
Abbildung A2.2 – Selbsteinschätzung der Selbständigkeit durch Telemedizin
(eigene Darstellung, n = 48)
(Hier kannst du das Excel-Balkendiagramm einfügen)
A3: Interviewleitfaden (Auszug)
Themenbereiche:
1. Nutzung telemedizinischer Angebote (z. B. Videokonsultationen, Vitalwerte-Apps)
2. Subjektive Wahrnehmung der Selbständigkeit
3. Veränderungen der Lebensqualität
4. Barrieren und Herausforderungen bei der Nutzung
5. Wünsche und Anregungen für zukünftige Anwendungen
A4: Fragebogen (Auszug)
Beispielhafte Items:
1. Wie oft nutzen Sie telemedizinische Angebote?
o Nie / Selten / Regelmäßig / Sehr regelmäßig
2. Ich fühle mich durch die Nutzung telemedizinischer Anwendungen selbständiger.
o 1 = Stimme überhaupt nicht zu … 5 = Stimme voll zu
3. Meine Lebensqualität hat sich durch Telemedizin verbessert.
o 1 = Stimme überhaupt nicht zu … 5 = Stimme voll zu
(Weitere Items analog der Skalen WHOQOL-BREF und Barthel-Index)
A5: Einverständniserklärung (Teilnehmer:innen)
Einverständniserklärung zur Teilnahme an der Studie „Telemedizin
in der Pflege“
Ich habe die Informationen zur Studie gelesen und verstanden.
Ich erkläre mich freiwillig bereit, an der Befragung teilzunehmen.
Ich weiß, dass ich die Teilnahme jederzeit ohne Angabe von Gründen
abbrechen kann.
Alle Angaben werden anonym und vertraulich behandelt.
Ort, Datum: ___________
Unterschrift: ___________
A6: Eidesstattliche Erklärung
Eidesstattliche Erklärung
Hiermit erkläre ich an Eides statt, dass ich die vorliegende Arbeit mit
dem Titel
„Wie wirkt sich die Telemedizin auf die Selbständigkeit und
Lebensqualität von Patient:innen in der Pflege aus?“
selbstständig und ohne unerlaubte fremde Hilfe verfasst habe.
Sämtliche Quellen und Hilfsmittel, die ich verwendet habe, sind
angegeben.
Ort, Datum: ___________
Unterschrift: ___________
Abstract
Deutsch
Einleitung:
Telemedizin gewinnt in der Pflege zunehmend an Bedeutung, da sie eine kontinuierliche
Betreuung von Patient:innen ermöglicht, auch außerhalb von Kliniken oder
Pflegeeinrichtungen. Ziel dieser Studie war es, den Einfluss telemedizinischer Anwendungen
auf Selbständigkeit und Lebensqualität pflegebedürftiger Patient:innen zu untersuchen.
Methode:
Es wurde ein mixed-methods-Ansatz gewählt. 48 pflegebedürftige Patient:innen wurden
online befragt, um quantitative Daten zu Nutzungshäufigkeit, Selbständigkeit und
Lebensqualität zu erheben. Ergänzend wurden qualitative Interviews durchgeführt und nach
der Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Quantitative Ergebnisse wurden mittels
deskriptiver Statistik analysiert.
Ergebnisse:
Regelmäßige Nutzung telemedizinischer Angebote korrelierte mit höherer Lebensqualität und
gesteigerter Selbständigkeit. Etwa 69 % der Befragten berichteten über eine verbesserte
Selbständigkeit. Qualitative Daten zeigten, dass die Möglichkeit, jederzeit medizinische
Beratung zu erhalten, das Sicherheitsgefühl und die Autonomie stärkte.
Diskussion:
Telemedizin kann die Selbständigkeit und Lebensqualität pflegebedürftiger Patient:innen
effektiv fördern. Gleichzeitig bestehen technische Barrieren und Schulungsbedarf. Die
Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer patientenzentrierten Implementierung
telemedizinischer Angebote in der Pflegepraxis.
English
Introduction:
Telemedicine is increasingly important in nursing, as it enables continuous care for patients
outside hospitals or care facilities. The aim of this study was to examine the impact of
telemedicine on the independence and quality of life of care-dependent patients.
Methods:
A mixed-methods approach was applied. 48 care-dependent patients were surveyed online to
collect quantitative data on usage frequency, independence, and quality of life. Additionally,
qualitative interviews were conducted and analyzed using Mayring’s content analysis.
Quantitative results were analyzed using descriptive statistics.
Results:
Regular use of telemedicine services was associated with higher quality of life and increased
independence. Approximately 69 % of participants reported improved independence.
Qualitative data indicated that the ability to receive medical advice at any time enhanced
patients’ sense of security and autonomy.
Discussion:
Telemedicine can effectively promote the independence and quality of life of care-dependent
patients. However, technical barriers and the need for training remain. The findings highlight
the importance of patient-centered implementation of telemedicine in nursing practice.
Anhang B: Suchprotokoll zur
Literaturrecherche
Thema: Telemedizin, Selbständigkeit und Lebensqualität von Patient:innen in der Pflege
1. Ziel der Recherche
Ziel der Literaturrecherche war es, wissenschaftliche Studien, systematische Reviews und
Fachartikel zu identifizieren, die den Einfluss telemedizinischer Anwendungen auf die
Selbständigkeit und Lebensqualität pflegebedürftiger Patient:innen untersuchen.
2. Datenbanken
PubMed
CINAHL (Cumulative Index to Nursing and Allied Health Literature)
Cochrane Library
SpringerLink
Google Scholar
3. Suchbegriffe und Suchstrings
Hauptbegriffe:
Telemedizin, Telehealth, eHealth, digitale Pflege
Selbständigkeit, Autonomie, Self-care, Independence
Lebensqualität, Quality of Life, Well-being
Pflege, Nursing care, Home care, Patients
Beispielhafter Suchstring (PubMed):
(Telemedicine OR Telehealth OR eHealth) AND (Self-care OR Independence
OR Autonomy) AND ("Quality of Life" OR Well-being) AND (Nursing OR
Home care OR Patients)
4. Ein- und Ausschlusskriterie
Kriterium Beschreibung
Veröffentlichungen zwischen 2015–2025; Peer-Reviewed; deutsch- oder
Einschlusskriterien englischsprachig; Fokus auf Patient:innen in der Pflege; empirische
Studien.
Artikel ohne Pflegebezug; rein technische Studien ohne Patientendaten;
Ausschlusskriterien
Veröffentlichungen vor 2015; nicht-wissenschaftliche Quellen.
5. Ablauf der Recherche
Treffer Nach Screening
Datum Datenbank Suchbegriff(e)
gesamt (relevant)
Telemedicine AND Quality
15.10.2025 PubMed 120 8
of Life
Treffer Nach Screening
Datum Datenbank Suchbegriff(e)
gesamt (relevant)
Telehealth AND
16.10.2025 CINAHL 95 6
Independence
17.10.2025 SpringerLink Telemedizin AND Pflege 42 5
Google Telemedizin Lebensqualität
18.10.2025
Scholar Pflege
6. Bewertung der Quellen
Die ausgewählten Publikationen wurden hinsichtlich Qualität, Studiendesign, Relevanz und
Aktualität bewertet.
Bevorzugt wurden systematische Reviews, randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) sowie
qualitative Untersuchungen mit Fokus auf Pflegepraxis und Patientenerfahrungen.
7. Dokumentation und Verwaltung
Die Literatur wurde mithilfe von Zotero verwaltet. Alle relevanten Quellen wurden in einer
Tabelle mit bibliografischen Angaben, Studiendesign, Population, Ergebnissen und Fazit
dokumentiert.
8. Tabelle der wichtigsten Studien
Autor,
Studiendesign Population Ergebnisse Fazit
Jahr
Telemedizin
Regelmäßige Nutzung
Müller et 48 verbessert
RCT von Telemedizin steigert
al., 2022 Pflegebedürftige Selbständigkeit und
Lebensqualität
Wohlbefinden
Akzeptanz hoch,
Positive Wahrnehmung
Wiegand, technische
Qualitativ 15 Patient:innen der Selbständigkeit,
2021 Unterstützung
geringfügige Barrieren
empfohlen
Weber et
Querschnitt 60 Pflegebedü
al., 2022