题目
Will der Autor unterhalten?
Äußert der Autor Verwunderung?
Definiert der Autor einen Begriff?
Gibt der Autor eine Empfehlung?
Spricht der Autor eine Warnung aus?
Sucht der Autor nach Erklärungen?
正文
A- Vor Präsentationen gibt es an der Uni kein Entkommen. Diese erstellen zu können gilt
heutzutage als eine grundlegende Fähigkeit wie Lesen und Schreiben, fast noch wichtiger sogar,
und aus Hörsälen und Seminarräumen sind die Folien nicht mehr wegzudenken. Von jedem
Studienanfänger im ersten Semester wird heute erwartet, dass er sein Referat mit
PowerPoint-Folien unterlegt. Die erste zeigt in der Regel den Namen des Referenten, auf der
zweiten steht: „Herzlich willkommen“. Nach der dritten schalten die Kommilitonen ab und
verschwinden ins Reich der süßen Träume. Dieses kollektive Wegdämmern ist natürlich nicht
beabsichtigt, wird aber toleriert. Denn wer schläft, stellt auch keine lästigen Fragen. Der Referent
fährt dann unbeirrt fort und liest von seiner Folie vor, was jeder selbst lesen könnte. Dazu ein
paar Bilder, Grafiken und Tabellen, die das Ganze aufhübschen – und fertig ist die Präsentation,
bei der sich die Köpfe der Zuhörer unausweichlich nach unten neigen, bis sie langsam
entschlummern.
B- Eigentlich wissen es alle: Der Nutzen solcher Präsentationen ist minimal, und in vielen Fällen
sind sie sogar kontraproduktiv. Dies meint auch Bildungsforscher Christof Wecket, der weltweit
Studien zu dem Thema ausgewertet hat. Sein Fazit: Wer eine Folie sieht, hört nicht mehr zu. Man
vergisst die Inhalte schneller, warnt er. Neu sind solche Erkenntnisse aber nicht: Der ganze
PowerPoint-Zirkus sei nicht nur nervig, sondern schädlich, schrieb schon 2003 der Yale-Professor
Edward Tufte in einem Artikel mit der Überschrift „PowerPoint is evil“. PowerPoint mache sogar
dumm, behauptete der Emeritus für Statistik, Grafik-Design und politische Ö konomie. Denn das
Programm fördere die ausufernde Vermüllung der Präsentationen mit gehaltlosen Info-Grafiken.
Die Schwächen sind also schon lange hinlänglich bekannt. Umso erstaunlicher ist es, dass sich in
den Hörsälen kein Widerstand regt, ganz im Gegenteil. Oft fordern die Studenten Präsentationen
regelrecht ein.
C- Doch warum sind die Folien so beliebt? Natürlich liegt es zum einen daran, dass sie der
Bequemlichkeit der Studenten entgegenkommen. Sie können sich das Mitschreiben sparen,
haben Schwarz auf Weiß, was sie für ihre Klausuren lernen müssen. Und wehe, der Dozent hält
sich nicht daran, fragt Themen ab, die er zwar ausführlich, aber nur mündlich, ohne Folie,
behandelt hat! Dann ist der Ärger groß... Einige Professoren erklären schon zu Semesterbeginn:
Es gilt ausschließlich das geschriebene Wort – also die Folie. Aber die Gründe, warum sich
Präsentationen an der Uni – und nicht nur dort – so sehr verbreiten konnten, liegen noch tiefer –
und oft beim Vortragenden selbst: Schließlich ist nicht jeder Student, jede Dozentin und auch
nicht jeder Professor ein begnadeter Redner. Drei Viertel der Menschen hassen öffentliche
Auftritte – Glossophobie nennt sich diese Angst, vor Publikum zu sprechen. Und da ist nichts
leichter, als sich hinter einem Haufen Folien zu verstecken in dem Glauben: Da kann nichts
schiefgehen, man muss ja nur ablesen.
D- Zu ergänzen ist noch, dass Präsentationen eine Gefahr mit sich bringen, die oft verkannt wird:
Sie bieten die perfekte Tarnung für Unsicherheit, inhaltliche Leere und fehlendes Wissen. Ohne
Folien würden viele Vorträge in sich zusammenfallen wie ein Soufflé, reihen sie doch oft nur
Allgemeinplätze aneinander. Für die Zuhörer bedeutet dies verschwendete Lebenszeit, der
Referent dagegen wiegt sich in falscher Sicherheit. Er glaubt, ein Thema zu beherrschen, es
inhaltlich durchdrungen zu haben, obwohl er letztlich nur banale Informationen
zusammengestellt und vorgelesen hat. Spätestens in einer Prüfung könnte ihm dies auf die Füße
fallen. Und was außerdem schwer wiegt: Wer sich in einem Vortrag immer nur an seinen Folien
entlanghangelt, kann es kaum erlernen, frei zu sprechen und einen souveränen Vortragsstil zu
entwickeln. Er nimmt sich also die Chance, Fähigkeiten zu erwerben, die ihn im Berufsleben
voranbringen könnten.
E- Dennoch: Einen Weg zurück gibt es nicht, und Präsentationen sind aus dem Uni-Alltag nicht
mehr wegzudenken. Und das muss auch gar nicht sein. Denn es soll auch nicht ausgeblendet
werden, dass die Folien, bei allen denkbaren Nachteilen, auch vernünftig eingesetzt werden
können. Denn letztlich sind sie nur ein Hilfsmittel und es kommt eben immer darauf an, wie ein
solches verwendet wird. Folien bringen dem Zuhörer nichts, wenn der Redner sie als Spickzettel
missbraucht. Sie können aber ein zusätzliches Plus bieten: Wenn ein Mediziner eine spezielle
Gewebeprobe zeigt, ein Architekt seinen Entwurf für den Rathaus-Neubau einblendet, ist das
sinnvoll. Und letztlich gibt es einen einfachen Ratschlag, den man jedem ans Herz legen könnte,
der einen guten Vortrag halten will: Der Vortrag sollte bestenfalls auch ohne technische
Hilfsmittel funktionieren und Präsentationen das Gesagte bloß ergänzen.