Ecmo
Ecmo
ECMO
Ein Manual
für die Intensivmedizin
ECMO
Daniel Räpple
ECMO
Ein Manual für die Intensivmedizin
Daniel Räpple
Internistische Intensivmedizin
Klinikum Stuttgart
Stuttgart, Deutschland
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Die Entwicklungen im Bereich der extrakorporalen Reanimation (eCPR) und die COVID-Pande-
mie haben in den letzten Jahren in Deutschland flächendeckend zu einem deutlichen Anstieg
von veno-arteriellen und veno-venösen ECMO-Verfahren geführt.
Während jeder ECMO-Therapie, sei sie als Herz-, Lungen-, oder Herz-Lungenersatz konzipiert,
wird dem Anwender dabei immer wieder deutlich, wie wichtig es ist, neben den manuellen und
technischen Herausforderungen einer ECLS- oder ECMO-Therapie sich auch eingehend mit den
physiologischen Grundlagen der Hämodynamik und der Lungenfunktion, sowie deren patho-
physiologischen Aspekte im kardiogenen Schock oder im Lungenversagen zu beschäftigen.
Deshalb ist es die Intention des ECMO-Manuals, ein graphisch orientiertes, pragmatisches
Handbuch zur Planung, Implantation, Inbetriebnahme und Aufrechterhaltung der verschiede-
nen ECMO-Verfahren zu sein, zugleich aber auch allen den an einer erfolgreichen ECMO-Thera-
pie beteiligten Berufsgruppen pathophysiologische Grundlagen zum Verständnis und der
Steuerung der ECMO-Therapie an die Hand zu geben.
Wenige in den Grenzgebieten der Intensivmedizin angewendete Verfahren sind durch prospek-
tive, randomisierte Studien zweifelsfrei belegt, im Bereich der Intensivmedizin können gar eine
oder wenige Studien sozusagen "über Nacht" bisher empirisch etablierte Therapieverfahren als
obsolet oder schädlich darstellen. Das Manual orientiert sich neben den aktuellen Leitlinien auf
Studien und Reviews, aber es sind auch viele eigenen Erfahrungen aus Anwendung, Simulation
und zahlreichen Diskussionen mit anderen ECMO-AnwenderInnen sowohl am Patientenbett,
aber auch am Rande von Fortbildungen und Kongressen, mit eingeflossen.
Danken möchte allen Kolleginnen und Kollegen, die mit Rat und Tat in schwierigen Situationen
der Anwendung, sowie mit konstruktiver Diskussion über die Hämodynamik und die Pathophy-
siologie des Schocks zu diesem Manual beigetragen haben. Stellvertretend für alle, die hier
nicht genannt werden können, danke ich den Herren Dr. J. Heymer, PD Dr. D. Staudacher und
Prof. Dr. T. Wengenmayer.
Mein besonderer Dank gilt meiner Familie, die mit viel Geduld und vor allem viel Zeit zu diesem
Manual beigetragen hat.
Kardiale Hämodynamik 16
Die Bedeutung des Perfusionsdrucks 16
Metabolische Limitierung infolge der eCPR 16
Die Bewertung des Perfusionsdrucks in der Therapie 16
Unterschied zwischen Pperf und MAD 16
Differenzierung der HZV-Limitierungen 17
Mögliche zugrunde liegende Ursachen einer HZV-Limitierung 17
Der Cardiac Power Output als sekundäre Limitierung 18
PV-Loop: Druck-/Volumenänderungen im LV 19
Vereinfachte Darstellung des linksventrikulären PV-Loops 19
Erweiterte Darstellung des linksventrikulären PV-Loops 19
PV-Loops im kardiogenen Schock 20
Vierfeldertafel nach Forrester 20
PV-Loop bei akuter kardialer HZV-Limitierung 20
PV-Loop nach Hinzunahme eines Vasopressors 20
PV-Loops unter pharmakologischer Therapie 21
PV-Loop nach Hinzunahme eines Inodilatators 21
Kombination Inodilatator + Vasopressor 21
Fluss und Druck im kardiogenen Schock 21
PV-Loop unter ECLS und PVAD 22
PV-Loops unter V-A ECMO 22
PV-Loop bei Hinzunahme eines PVAD 22
Fluss, Druck, Arbeit und Leistung im CS/LCOS 23
Differenzierte Betrachtung von Fluss, Druck, Arbeit und Leistung im CS/LCOS 23
Hämodynamisches Monitoring 25
Übersicht hämodynamisches Monitoring 25
Pulmonaliskatheter/PAK: Grundlagen 26
Überlegungen vorab 26
Verlässlichkeit der HZV-Bestimmung 26
Begriffsklärung „Wedge“ vs. PAOP 26
„Overwedging“-Phänomen 26
Invasive ZVD-Messung 26
Pulmonaliskatheter/PAK: Vorbereitungen 27
HZV-Messung/Thermodilution 27
Bestimmung Pulmonalvaskulärer Widerstand (PVR) 27
PAK-Schleuse einführen 27
Pulmonaliskatheter/PAK: Durchführung 28
PA-Katheter vorbereiten und einschwemmen 28
PA-Katheter korrekt positionieren 28
Nicht-invasive HZV-Bestimmung 29
Überlegungen vorab 29
Echokardiographische HZV-Bestimmung im LVOT 29
VIII Inhaltsverzeichnis ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
V-A ECMO 53
V-A ECMO - Kanülenkunde 53
Arterielle „Single Stage“ und venöse „Multi-Stage“ Kanülen 53
Reihenfolge der Anlage der Kanülen 53
Venöse „Multi-Stage“ und „2-Stage“ Kanülen 53
Klemmen der Kanülen 53
V-A ECMO - Punktion der Leistengefäße 54
Vorbereitung Material zur Punktion 54
Punktion der Leistengefäße 54
V-A Kanülierung - Drähte 55
Anlage der passageren Schleuse 55
Vorschieben der J-Drähte und Wechsel auf Stiff-Drähte 55
V-A Kanülierung - Schleusen und Dilatatoren 56
Über die Verwendung von Schleusen 56
Dilatation und Korrekte Verwendung der Dilatatoren 56
V-A Kanülierung - arterielle Kanüle 57
X Inhaltsverzeichnis ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
R
RA Rechtes Atrium, Rechter Vorhof
RAP Rechtsatrialer Druck
RD/NA Rettungsdienst/Notarzt
ROSC Return of Sponaneous Circulation
rpm Rounds per Minute
RV Rechter Ventrikel
RVAD Rechtsventrikuläres Assist Device
RVEDP Rechtsventikulärer enddiast. Druck
RVOT Rechtsvetrikulärer Ausflusstrakt
RRT Renal Replacement Therapy
S
SCD Sudden Cardiac Death
SaO2 Arterielle Sauerstoffsättigung
ScVO2 Zentralvenöse Sättigung
SEP Somatosensibel Evozierte Potenziale
SLEDD Slow extended daily dialysis
SV Schlagvolumen
SVR Systemvaskulärer Widerstand
SvO2 gemischt-venöse Sättigung
SVR Systemisch vaskulärer Widerstand
Sweep Spülgasfluss über den Oxygenator
T
TACO Transfusion rel. acute cardiac overload
TAH Total Artificial Heart, Kunstherz
TBVT Tiefe Beinvenenthrombose
TK Thrombozytenkonzentrat
TEE Transösophageales Herz-Echo
TTE Transthorakales Herz-Echo
TTM Targeted Temperature Management
U
US Ultraschall
V
VCI Vena cava inferior
VCS Vena cava superior
VEL Vollelektrolytlösung
VF Kammerflimmern
VO2 Sauerstoffverbrauch
VT Ventrikuläre Tachykardie
Vt Tidalvolumen
VTI Velocity Time Integral
Z
ZVD Zentralvenöser Druck
ZVK Zentraler Venenkatheter
Kapitelübersicht
Beispielformulare 165-175
Begriffsklärung ECLS, ECMO und MCS
ECCO2R und V-V ECMO unterscheiden sich maßgeblich im technischen Aufbau der Systeme und
den daraus resultierenden maximalen Blutflüssen. ECCO2R kann aufgrund der geringeren
Blutflüsse im Verhältnis zum Herzzeitvolumen zumeist keine signifikante Oxygenierung sichern,
jedoch eine effektive CO2 -Auswaschung (Decarboxylierung) ermöglichen. Eine definierte Grenze
bezüglich des Flusses gibt es nicht, die Verfahren V-V ECMO und ECCO2R unterscheiden sich
jedoch in der Intention: voller Lungenersatz vs. partieller Ersatz.
Physiologisches Funktionsprinzip
Das Sauerstoffangebot (Delivery of O2, DO2) berechnet sich
V-A ECMO V-V ECMO
VADs aus dem Produkt aus dem Herzzeitvolumen (HZV) und
DO2 = HZV x CaO2 dem arteriellen Sauerstoffgehalt (Content of O2, CaO2).
Der arterielle Abgabedruck der ECLS in einer V-A Konfigu-
V-AV ECMO
ration sichert im arteriellen Kreislaufsystem des Patienten
mit den Perfusionsdruck (Pperf) über den Proportionalitäts-
CaO2= Hb · 1,34 · SaO2+ 0,0031 · paO2 faktor des systemvaskulären Widerstands (SVR):
Pperf = MAD - ZVD = SVR · HZV.
Der physikalisch gelöste Sauerstoff (paO2) Nicht alle ECMO-Konfigurationen sichern sowohl HZV, als
ist unter normalen, nicht in extremis auch SaO2: Nur eine V-AV Konfiguration kann in allen
konstruierten Verhältnissen, vernachläs-
klinischen Situationen gleichzeitig den Ersatz von HZV und
sigbar.
CaO2 garantieren („Herz-Lungen-Maschine“)
Physikalisches Funktionsprinzip
Physikalische Abstraktion eines ECMO-Systems
Ein ECMO-System kann auf wenige Komponenten
abstrahiert werden:
- Pumpe
R R - Oxygenator
4.230 4.2
rpm lpm
- Steuergerät und Flusssensor
- Schlauchsystem mit Kanülen
Je nach Aufbau des Sytems übersetzt die Pumpe eine von
dem Steuergerät vorgegebene Drehzahl (rounds per minute,
rpm) in einen Fluss, der über einen Fluss-Sensor gemessen
wird (liter per minute, lpm). Am blauen, venösen Schenkel
entsteht dadurch ein Unterdruck (“Sog”), am arteriellen
Schenkel ein positiver Abgabedruck. Die für die Übersetzung
des Flusses in die Drücke im System maßgeblichen Wider-
stände (R) sind neben dem Schlauchsystem vor allem die
Kanülendurchmesser.
CAVE: Kavitation
Der physikalische Vorgang der Kavitation ähnelt dem
Sieden, nur dass die Luftblasen durch stark erhöhten
Unterdruck enstehen. Der Unterdruck entsteht durch den
Bernoulli (Venturi)-Effekt durch Flussbeschleunigung an
einer Engstelle. Im ECLS-System kann dies im venösen
Schenkel bei Unterdruckspitzen entstehen, z.B. beim
„Chugging“, beim Klemmen oder bei Knicken im
Schlauchsystem. Kavitation ist bei -200 bis -400 mmHg
beschrieben. Die Zentrifugalpumpe kann diese „Mikrobub-
bles“ weiter zerschlagen und diese können, wenn auch zu
einem sehr geringen Teil, den Oxygenator passieren und in
den Patientenkreislauf gelangen. Durch diesen Effekt kann
Kavitation kann auch beim Klemmen in
der venösen (blauen) Linie entstehen,
Luft auch über das Entstehen einer „Venturi-Düse“ an
deshalb immer bei Beginn der Reperfusion undichten Luer-Anschlüssen oder Konnektionen ins System
zuerst die venöse Linie und zuletzt gelangen: Möglichst keine Konnektionen in den venösen
die arterielle Linie öffnen. Kreislauf einbringen, Schlauch auf die Konnektionen kom-
Um beim Anschluss sowohl ein versehent-
plett aufschieben und mit Kabelbindern sichern. Auch
liches Belüften des Oxygenators, als auch starke Temperaturunterschiede (>10° C zwischen Patienten-
Kavitation zu vermeiden: Sicherheitsklem- blut und Heizung) können „Mikrobubbles“ entstehen lassen.
me auf die arterielle Linie, die dann auf Weitere Quellen: Infusionen über ZVK (keine Infusion mit
Ansage beim „Anfahren“ zuletzt geöffnet
wird.
Schwerkraftsystemen) und eröffnete stammnahe Venen
(ZVK-Anlage, Tracheotomie).
6 Allgemeine Grundlagen ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
Beispiel:
Druckabfall in mmHg
Literatur
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Rainer Klinke (Hrsg.): Physiologie. Zahlreiche Tabellen. 5. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart / New York 2005, ISBN
3-13-796005-3
ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin Allgemeine Grundlagen 7
Maastricht Nomenklatur
Maastricht Nomenklatur und Dokumentation
Die Maastricht-Nomenklatur unterscheidet verschiedenen Ebenen. Für die Haupt-Kanülen
werden Großbuchstaben verwendet, für zusätzliche Kanülen Kleinbuchstaben. Das Trennzei-
chen „-“ steht immer für die Stelle des Oxygenators im Aufbau. Level 2 bezeichnet mit tiefgestell-
ten Kleinbuchstaben das kanülierte Gefäß. Entsprechend wäre eine femoro-juguläre V-V ECMO
eine „Vf-Vj“ ECMO. Außerhalb klinischer Studien, im klinischen Alltag und in der Korrespondenz
sind tiefgestellte Buchstaben jedoch nicht immer praktikabel, deshalb sollte hier das punktierte
Gefäß und die Lage der Kanülenspitze im erklärenden Begleittext angegeben werden. Für die
Qualitätssicherung im Rahmen der eCPR sollten auch die Zeiten zu Kanülierungsdauer und Zeit
bis zur Reperfusion dokumentiert werden.
Flussrichtung Im PDMS/Arztbrief dokumentieren (Bsp. V-A):
drainierende rückführende - V: xF/y cm venöse Kanüle, Gefäß, Hersteller
Kanüle Kanüle - A: xF/y cm arterielle Kanüle, Gefäß, Hersteller
V Oxy- A d
- xF distale Beinperfusion, Gefäß
Level 1 - n Liter/Hersteller/Typ Oxygenator
- Hersteller/Typ der ECMO-Konsole
zusätzliche - Beginn Reperfusion, Zeit bis Reperfusion
Kanüle - Dauer der Kanülierung bei eCPR
Literatur
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Das integrative Kreislaufmodell
Die traditionelle Einteilung der Schockformen und deren Anwendbarkeit im
Rahmen einer ECLS-Therapie
Nach aktueller Definition werden die Schockformen in vier Kategorien mit dem Ziel eingeteilt,
innerhalb dieser Kategorien einheitliche Behandlungspfade zu definieren. Angelehnt an die
Organsysteme Blut-/Flüssigkeitskompartiment, Herz-Kreislauf und Gefäßsystem werden die
Schockformen in den Volumenmangelschock, den kardiogenen Schock, den obstruktiven Schock
und den distributiven Schock eingeteilt, letzterer mit seinen Unterformen septischer, anaphylak-
tischer und neurogener Schock. Die Wertigkeit der Einteilung in diese Schockformen bezüglich
einer ersten klinischen Differenzialdiagnose und den initialen Behandlungsschritten soll nicht zur
Diskussion gestellt werden. Im Bereich der Intensivmedizin und besonders während extrakorpo-
raler spiegelt diese Einteilung jedoch nicht gänzlich die Realität wider und stößt bisweilen auf
Inkonsistenzen, da sich die „reinen“ Schockformen allenfalls zu Beginn einer akuten Erkrankung
als distinktive Entitäten zeigen, deren Grenzen im Verlauf jedoch oft verschwimmen. Eine zu
frühe oder gar fixierte oder fehlgeleitete Festlegung auf eine Schockentität kann bei zu starrem
Befolgen von denn dann vorgesehenen Behandlungspfaden nicht immer zielführend sein. Im
klinischen Alltag teilen sich alle Schockformen eine phänotypisch gemeinsame Endstrecke, das
„Multiorganversagen“. Um dies abzuwenden, ist ein tiefgreifendes Verständnis von Physiologie
und Pathophysiologie der Hämodynamik und auch biochemischen Prozesse notwendig, um die
Vorgänge insbesondere während einer ECLS-Therapie zu verstehen und diese zu steuern.
Cytopathic Dysoxia
Hypothese: Laktat-Anstieg als Ausdruck eines DO2/VO2-Mismatches bzw.
anaeroben Stoffwechsels
Sowohl im kardiogenen Schock, als auch im septischen
„kritisches DO2“ Schock, ist ein Laktatanstieg regelhaft zu beobachten und
deskriptiv mit einer ungünstigen Prognose verbunden.
VO2 durch das
Im schwersten kardiogenen Schock kann das globale
DO2 Angebot Sauerstoff-Angebot tatsächlich die Nachfrage überstei-
VO2 (ml/min)
limitiert gen, dies ist jedoch erst unmittelbar präfinal der Fall.
Lactat
Um die Hypothese eines globalen DO2/VO2 mismatches in
der Sepsis aufrecht zu erhalten, müsste im septischen
Schock ein deutlich erhöhter globaler O2-Bedarf postu-
liert werden, da es im hyperdynamen Zustand der Sepsis
DO2 (ml/min) es nicht an HZV und somit nicht an DO2 mangelt.
Eine Überlagerung der DO2/VO2 Kurve mit Laktat-Spiegeln zeigt zwar einen Anstieg im „aneroben“
Bereich, jedoch sollte aus dieser Koinzidenz nicht zwangsläufig auf eine Kausalität geschlossen
werden, weder auf die Existenz eines „aneroben“ Stoffwechsels, noch auf die Existenz einer
„Laktazidose“ (cum hoc ergo propter hoc). Auch wenn im Rahme einer ECLS-Therapie ein DO2 > 3
x VO2 gefordert wird, ist die Schwelle, an der das globale VO2 durch das globale DO2 limitiert ist
(„kritisches DO2“) später im Schockgeschehen anzusiedeln, als dies ein Laktat-Anstieg suggeriert.
Das Leben ist somit ein steter Kampf gegen die (metabolische) Azidose und endet stets in dieser.
Synthese - Hömoostase
Obwohl DO2 das Produkt aus CaO2 und HZV ist, besteht ein Bias bezüglich der Wahrnehmung der
Bedeutung des Sauerstoffs. PaO2 fällt jedoch von ca. 160 mmHg in der Raumluft auf 1-3 mmHg
am Mitochondrium ab. HZV als Faktor in der DO2 Formel verdeutlicht aber gleichzeitig, dass auch
möglichst viele Mitochondrien erreicht werden müssen. Die Betrachtungen zur „Cytopathic
Dysoxia“ verdeutlichen, dass diese Mitochondrien auch funktional sein müssen. Die Homöostase
ist somit die untrennbare Kombination aus einem ausreichenden Fluss ausreichend O2-gesättigten
Blutes, das durch den SVR vermittelt die Autoregulationsschwelle der Organe und möglichst viele
funktionale Mitochondrien „in der Peripherie“ erreicht. Supranormales Anheben von Einzelfakto-
ren (z.B. Hyperoxygenierung im Schock) können die anderen Faktoren nicht kompensieren.
Auch wenn Limitierungen von HZV, SVR und CaO2 pharmakologisch oder durch extrakorporale
Verfahren wiederhergestellt werden können, ist eine Irreversibilität der metabolischen Limitie-
rung im Nachgang der Wiederherstellung der Makrohämodynamik prognoseentscheidend bzw.
lebenslimitierend. Deshalb müssen die limitierenden, aber beinflussbaren Faktoren so früh wie
möglich erkannt und aggressiv therapeutisch adressiert werden, um im Schockgeschehen eine
irreversible Abwärtsspirale in die terminale H+-Limitierung zu durchbrechen.
Ist der Zustand der akuten globalen Limitierung(en) zu lange bestehend, wird im klinischen Alltag
oft beobachtet, dass trotz einer aggressiven Wiederherstellung der limitierenden Faktoren, z.B.
Wiederherstellung der myokardialen Pumpfunktion durch Revaskularisierug oder Stabilisierung
mittels Transfusion nach Blutungsschock, die metabolische Limitierung irreversibel fortschreitet.
Der Patient verstirbt im „Multiorganversagen“, bei näherer Betrachtung zumeist jedoch in der
therapierefraktären Azidose. Je nach klinischem Kontext ist auch eine Hierarchie bzw. eine
zeitliche Abfolge der Limitierungen erkennbar.
Zum Beispiel führt im kardiogenen Schock (HZV-Limitierung) eine durch die globale und lokale
Hypoperfusion (initiale reflektorische Zentralisierung mit konsekutiver Mikroperfusionsstörung)
entstehende SIRS-Kaskade im Verlauf zu einem Verlust des peripheren Widerstandes (SVR-Limi-
tierung). Die Kombination beider Limitierungen bewirkt sekundär weitere CaO2-Limitierungen
(Pperf = SVR · HZV), gelegentlich auch eine globale CaO2-Limitierung (z.B. im fulminanten
Lungenödem).
Die durch diese Prozesse losgetretene „Cytopathic Dysoxia“, einem Zusammenbruch der
Atmungskette, führt zu einer metabolischen Limitierung und letztendlich der therapierefraktären
Azidose, selbst wenn HZV (Fluss der ECLS), SVR (Vasopressoren) und Pperf (Fluss der ECLS in
Kombination mit Vasopressoren) wieder in den „Normbereich“ wiederhergestellt sind.
Die Schockspirale
Vertikale Abläufe in der Schockspirale
Die gemeinsame, irreversible Endstrecke der benannten Limitationen ist zumeist die mitochodri-
ale/H+ Limitierung. Bis zu dieser können, je nach Auslöser, in verschiedener Reihenfolge weitere
Limitationen von der vorausgehenden bedingt werden.
Vermittler zwischen SVR-Limitierung und HZV-Limitierung bzw. umgekehrt ist zumeist eine
losgetretene SIRS-Kaskade (Zytokine, DAMPs, NO, etc.). Bei einer HZV-bedingten Limitierung
kann es auch, z.B. durch ein fulminantes Lungenödem im kardiogenen Schock zu einer globalen
CaO2-Limitierung kommen.
Sowohl bei einer HZV-Limitierung, als auch bei einer SVR-Limitierung fördern lokale CaO2-Limitie-
rungen durch Unterschreiten lokaler Autoregulation oder flussbedingter lokaler Hypoperfusion
die Aktivierung der SIRS-Kaskade. Die Unterschreitung der lokalen Autoregulation geschieht
durch einen nicht ausreichend hohen Pperf. Dieser, meist pragmatisch mit dem MAD gleichge-
setzt, ist jedoch keine eigenständige primäre Limitierung, sondern aus einer Kombintation einer
HZV- und/oder SVR Limitierung abzuleiten.
Das integrative Kreislaufmodell berücksichtigt somit die Beobachtung aus dem klinischen Alltag,
dass eine klare Trennung von HZV- vs. SVR-limitierten Schockarten, wenn überhaupt, nur in der
Initialphase zu beobachten ist. Viel mehr führt oft eine akzelerierende, SIRS-artige vasodilatatori-
sche Entwicklung im protrahierten kardiogenen Schock, oder eine „Reperfusion Injury“ zu einem
Abfall des SVR mit konsekutivem Vasopressorenbedarf.
Spiegelbildlich führt eine septische, Zytokin-vermittelte Kardiomyopathie im septischen Schock
oft zu einer zusätzlichen HZV-Limitation (septische Kardiomyopathie).
Mögliche Abwärtsspiralen
HZV SVR CaO2 H+
CaO2 CaO2 HZV HZV/CaO2
H+ H+ H+ H+
Vertikale Hierarchie am Vertikale Hierarchie am Vertikale Hierarchie am Vertikale Hierarchie am
Beispiel einer primären Beispiel einer primären Beispiel einer primären Beispiel einer primären
HZV-Limitierung, die SVR-Limitierung. CaO2-Limitierung. H+-Limitierung,
durch eine PCWP-Er- Eine im Verlauf Eine akute Hypoxie denkbar z.B. durch
höhung zum Lungenö- zytoking-getriggerte führt zumeist rasch in eine primär subletale
dem führt (CaO2-Limi- HZV-Limitierung (z.B. eine HZV-Limitierung Cyanid-Intoxikation
tierung) und im eine Septische über eine PEA. Auf oder eine Metfor-
protrahierten Verlauf Kardiomyopathie) eine akute CaO2-Limi- min-Intoxikation.
Zytokin-getriggert führt im protrahierten tierung ist zumeist
zusätzlich SVR-limitiert Verlauf zur metaboli- eine SVR-Limitierung Im Verlauf steht
in der metabolischen schen Limitierung. folgend und auch zumeist eine protra-
Limitierung endet. nach Beheben der hierte SVR-Limitierung
Eine CaO2-Limitierung CaO2-Limitierung im Vordergrund.
spielt ggf. eine unter- prognoseentschein-
geordnete Rolle. den (SIRS).
14 Grundlagen der Hämodynamik ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
Literatur
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Die Bedeutung des Perfusionsdrucks
Metabolische Limitierung infolge der eCPR
Als prognostisch sehr ungünstig im Rahmen einer Reanimation oder bis zur Wiederherstellung
eines Flusses (ROSC oder Fluss via eCPR/ECMO) kann ein Unterschreiten eines pHs von 6,8
gelten, so auch ein Überschreiten eines Lactats von 18 mmol/l. Auch bei optimaler Herzdruck-
massage ist dieses zumeist spätestens nach 1-1,5 Stunden erreicht. Auch bei ROSC bzw. extra-
korporaler Reperfusion nach dieser Zeit ist mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem irreversiblen
Abgleiten in ein Multiorganversagen auszugehen. Neben der „Cytopathic Dysoxia“ ist auch ein
inflammatorisch getriggerter Zusammenbruch der Glykokalyx zu beobachten. Eine stark positive
Volumenbilanz zur Aufrechterhaltung des ECLS-Flusses korreliert mit einer schlechten Prognose
bzw. kann die Unmöglichkeit der Aufrechterhaltung der ECLS-Flusses nach sich ziehen. Ein
massiver Verlust von intravasalem Volumen in extravasale Kompartimente führt zudem zu einer
ödembedingten Verlängerung der Diffusionsstrecke für Substrate und bei kapselumschlossenen
Organen (z.B. Niere) oder ganzer Körperhöhlen (Abdomen) durch ein Kompartmenteffekt zu
einer Verminderung des Pperf. Ein schlechter ECLS-Fluss im Sinne eines geringeren
Rechts-Links-Shunts führt wiederum zu einem Absinken des Pperf durch einen ZVD-Anstieg.
ΔSV
fusionsversuch („Passive Leg Raise“) ohne Volumenbelastung
ΔV getestet werden. Validiert auf einen positiven Effekt, d.h. Vorlast-
abhängigkeit, sind jedoch in diesem Zusammenhang nur ein
LVEDV (ml) Anstieg des HZV und ein Rückgang der Schlagvolumenvarianz
Frank-Starling-Mechanismus: Eine (SVV). Der Anstieg des MAD ist mit zu vielen Störfaktoren behaf-
Steigerung der Vorlast (ΔV) bewirkt eine tet, insbesondere beim wachen, spontan atmenden Patienten.
Steigerung des Schlagvolumens (ΔSV). Dennoch ist dieses Vorgehen im klinischen Alltag praktikabel.
Theoretisch ist die Bestimmung der Schlagvolumenvarianz echokardiographisch durch die
Bestimmung der LVOT-VTI oder RVOT-VTI Varianz möglich, jedoch zur verlässlichen Detektion
einer z.B. 10%igen Varianz ist die echokardiographische Bestimmung zu benutzerabhängig und
fehleranfällig. Die exakte Messung der Schlagvolumenvarianz ist somit mehr oder weniger den
invasiven Verfahren vorbehalten. Klinisch pragmatisch können der visuelle „Swing“ in einer
invasiv gemessenen arteriellen Kurve oder ein RR-Anstieg aber durchaus als Surrogate dienen.
PV-Loop: Druck-/Volumenänderungen im LV
Vereinfachte Darstellung des linksventrikulären PV-Loops
Bei Punkt C ist gerade die Diastole abgeschlossen, der
Ventrikel ist gefüllt. Sobald die Systole beginnt, kontra-
hiert der Ventrikel, die Mitralklappe schließt, der Loop
streibungsph bewegt sich von Punkt C nach Punkt D. Während
Au as
E dieser Phase erzeugt die Kontraktion eine Druckände-
120
e/
Eje
rung, bei noch geschlossener Aortenklappe ändert sich
kti
F
aber das Ventrikelvolumen zunächst nicht – isovolume-
on
trische Kontraktion. Sobald der Druck im Ventrikel den
100
Isovoulmetrische Relaxierung
A
Punkt beginnt die Diastole (endsystolischer Druck-Vo-
B ase
V entrikuläre F üllph lumen-Punkt). Wenn sich der Ventrikel bei noch
geschlossenen Klappen entspannt, fällt der Druck im
40 80 120 160 Ventrikel, während das Volumen konstant bleibt –
LVV (ml) isovolumetrische Entspannungsphase. Diese dauert
an, bis der Druck im Ventrikel geringer ist als der im
PV-Schleife Linker Ventrikel Vorhof, erst dann öffnet sich die Mitralklappe und der
LVP (mmHg) vs LVV (ml) Ventrikel beginnt, sich zu füllen, der Loop bewegt sich
von A nach C.
Das Integral der PV-Schleife ist ein Maß für die externe
Arbeit oder Schlagarbeit des Herzens. Es ist die Arbeit,
EDPVR die aufgewendet werden muss, um das Blut in die
60
(Vorlast)
Aorta auszustoßen. Die Schlagarbeit liegt bei um 1 Nm
(bei einem Schlag pro Sekunde oder einer Herzfre-
40
Forrester I Forrester II Patienten können ein deutlich reduziertes HZV haben, jedoch
durch Anpassung pulmonal nicht gestaut sein („cold and
2,2
EDPVR
systolischen Drucks und auch des MAD. Die Vorlast
(Vorlast) steigt, sowohl LVEDP als auch LVEDV steigen, es
60
120
PV-Loop an PV-Loop an
der ECLS mit der ECLS ohne
100
100
LVP (mmHg)
LVP (mmHg)
gleichzeitiger gleichzeitige
Nachlaststei- Nachlaststei-
80
80
gerung und gerung und
kaum geringem
60
60
LV-Auswurf LV-Auswurf
40
40
LVV (ml) LVV (ml)
40 80 120 160 40 80 120 160
Die hämodynamischen Konsequenzen des retrograden Flusses bei femoraler Kanülierung
werden kontrovers diskutiert. Durch die retrograde Perfusion kann natürlich postuliert werden,
dass der PV-Loop sich nach rechts oben bewegt: ECLS-bedingte Erhöhung der Nachlast. Jedoch
zeigen Modelle, dass dies nur dann der Fall ist, wenn auch die Nachlast insgesamt steigt. Wird nach
Reperfusion der MAD jedoch konstant gehalten, z.B. oft unausweichlich durch das Reperfusi-
ons-SIRS, einer Reduktion der Vasopressoren oder gar Hinzunahme eines Vasodilatators (NO,
Levosomindan), so steigt die Nachlast für den Ventrikel nicht zwangsläufig. Bei der Berechnung
des MAD gehen in die Formel 2/3 des diastolischen Drucks ein, somit repräsentiert maßgeblich
der diastolische Druck - oder bei laminaren Flussverhältnissen der dann angeglichene MAD - die
Nachlast, die der LV „sieht“, ob sich nun die Aortenklappe öffnet (der PV-Loop hat eine Fläche)
oder nicht mehr öffnet (der PV-Loop ist strichförmig, das endogene HZV fällt auf null). Berück-
sichtigt man diese Faktoren, sollte der LVEDP bzw. der einer Messung zugängliche PAOP nicht
ansteigen, wird der die Nachlast maßgeblich bestimmende SVR an der ECLS kompensatorisch
gesenkt, bzw. nicht über das Maß gesteigert. Betrachtet man nun zwei theoretische LCOS-Szena-
rien mit identischem MAD, in dem einen wird das HZV durch einen endogenen LV-Auswurf plus
Vasopressor generiert, in dem anderen durch einen V-A ECMO-Fluss, so zeigen die „Leistungen“
in den Systemen (CPO = SVR x HZV2) jedoch erhebliche Unterschiede.
Durch den Windkesseleffekt der Aorta ist eine antegrade, zentrale Kanülierung nicht unbedingt
von Vorteil, was die Nachlast für den linken Ventrikel betrifft. Nur ein PVAD, das Blut über die
Aortenklappe fördert, bewirkt einen echten, „physiologischen“ antegraden Fluss und damit ein
„Unloading“ des Ventrikels.
Fluss in
m3
Druck in
N Ist die Leistung in einem System vorge-
s m2 geben oder limitiert, so kann man nicht
Leistung (CPO= HZV x Pperf) in
beides, Fluss (HZV) und Druck (Pperf)
m3 x N Nm maximieren, nur einen möglichst
= = W (Watt)
s x m2 s ausgeglichenen Kompromiss finden.
Der Proportionalitätsfaktor zwischen
HZV und Pperf bzw. beeinflussbare
Größe ist dann der SVR (Nachlast).
Der „Kompromiss“ findet sich wahrscheinlich bei einem MAD um 60-65 mmHg, um mit einem
dann die Autoregulation der Organe überschreitenden Pperf mit dem dann noch vorhandenen
Fluss einen möglichst großen Anteil des Organismus (Mitochondrien) zu erreichen.
Kann nun jedoch kein ausreichender Pperf erreicht werden, sind bei limitiertem CPO folglich Pperf
und HZV „gekoppelt“: Möchte man Pperf in den Surrogat-Zielbereich steigern, verhält sich in dieser
Situation mit dem limitierten CPO als Klammer, das HZV gegensinnig, kompensatorisch muss
SVR somit um das Quadrat des gewünschten Faktors (hier n) gesteigert werden:
Bei limitiertem CPO (Kopplung von HZV und Pperf ): Pperf · n = SVR · (HZV/n)
um den gewünschten Pperf_n zu erreichen: Pperf_n = SVR · n2 · HZV
Möchte man nun z.B. einen zu niedrigen Pperf um den Faktor n=2 steigern, so muss SVR um den Faktor
22 = 4 gesteigert werden.
Um den Pperf z.B. von 30mmHg auf 60mmHg im CS/LCOS nach Ausschöpfung positiver Inotropie
und Chronotropie ohne Eskalation auf eine ECLS zu steigern, ist dies nur mit massiver Vasokon-
striktion und auf unweigerlich auf Kosten des Flusses möglich. Das klinische Korrelat sind expo-
nentiell steigende Vasopressordosen, ein zunehmendes „Mottling“ als Zeichen der Zentralisie-
rung und Verlust der Mikrostrombahn und letztendlich die metabolische Limitierung, da zu
wenige Mitochondrien mit ausreichend eduktbeladenem Fluss erreicht werden können, um die
bei der in der Hydrolyse von Glucose gewonnenen und verbrauchten 2 ATP, bzw. deren Proto-
nen zu regenerieren. Als Surrogat kommt es zu einer Hyperlaktatämie, einer metabolischen
Azidose und ggf. zu einer präfinalen „Pseudonormalisierung“ der SvO2 als Zeichen der „Cytopa-
thic Dysoxia“. Die „Cytopathic Dysoxia“ kann auch nach und trotz Reperfusion durch Zytokine etc.
weiter unterhalten werden und persisiteren (ähnliches kann auch im septische Schock in dessen
„Reperfusionsphase“ beobachtet werden). Der Patient verstirbt tragischerweise trotz maximalem
ECLS-Fluss (oder trotz analog vasokonstriktorisch wiederhergestelltem SVR/Pperf in der Sepsis) in
der therapierefraktären metabolischen Azidose. Konsequenterweise sollte in der Initialphase die
Flussrate der ECLS auf ein Maximum optimiert werden und der SVR bzw. Pperf als pharmakolo-
gisch beeinflussbarer Faktor gerade so über die Autoreglationsschwelle der Organe geführt
werden, bis die metabolische Limitierung beherrscht ist und sich eine Normalisierung von BE
und Laktat einstellt.
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Übersicht hämodynamisches Monitoring
Nativer Kreislauf Parameter Kommentar
PVR Bestimmung im TTE via LVOT VTI oder
HZV linker Ventrikel [l/min] Thermodilution (PAK oder transpulmonal)
PAPmean PCWP
HZV RV PV
Keine regelhafte Messung, außer bei PAK,
RV LA ZVD [cmH2O bzw. ≈ mmHg] Abschätzung nach Echo VCI: 10 ±5 cmH2O
TV MV
CPO
ZVD RA LV AV Berechnung aus
ScVO2 HZV LV Cardiac Power Output (CPO) [W] MAD, HZV und ZVD CPO=
(MAD - ZVD) x HZV
Lactat(v) 451
pvCO2 Lactat(a)
SaO2
paO2
Die gemischt-venöse Sättigung, SvO2, ist nur
paCO2 ScO2 bzw. SvO2 [%] im PAK bestimmbar, die zentral-venöse
MAD
ScO2 (aus dem ZVK) überschätzt die SvO2,
SVR
da meistens gilt: SVCSO2 > SVCIO2
Lactat und Base Excess Parameter, die von einer exakten Bestimmung des HZV sowie des ZVD abhängig
Bei einer erfolgreichen sind, sind unter V-A ECMO nicht korrekt bestimmbar. Transpulmonale HZV-Mes-
ECLS-Therapie stetige sungen sind während der V-A ECMO nicht verlässlich, Thermodilution am PAK ist
Clearance bzw. Normalisie-
rung. nur bei sehr tiefer Lage (selten) des Katheters möglich (Injektion RV).
Pulmonaliskatheter/PAK: Grundlagen
Überlegungen vorab
PAK im Kontext des Zugangsmanagements.
Bei bestehender oder anstehender ECMO sollte die re. V. jug. int. als Zugang nicht für den PAK
gewählt werden. Der PAK ist allenfalls ein kurzfristiger ZVK-Ersatz (Lumen, Liegedauer). Von li.
jug. und re. subcl. sowie an der ECLS bei fehlendem (RV-)Auswurf kann ein Einschwemmen
erschwert sein.
Risiko/Nutzenabwägung gegenüber transpulmonaler Thermodilution (ohne ECLS).
PRO PAK: PAOP, PA-Druck, SvO2 (exklusive Parameter). Bei linkskardialen Klappenvitien verlässli-
cher. Unter V-A ECMO zur Abschätzung der Notwendigkeit eines LV-Unloading durch Abschät-
zung der LV-Füllungsdrücke. Außer der mehr oder weniger einmaligen Messung des LVEDP im
Herz-Katheter, ist der PAOP die beste Näherung zum LVED zur Indikationsstellung oder Steue-
rung eines zusätzlich implantierten PVAD. Möglicherweise ermöglichen PAKs mit Heizwendel zur
kontinuierlichen HZV-Bestimmung eine verlässlichere HZV-Bestimmung unter ECLS.
Begriffsklärung „Wedge“ vs. PAOP PCWP und PAOP sollten formal nicht syno-
nym verwendet werden. In „Wedge“-Position
wird am Katheter distal des Ballons der PAOP
als der den linksatrialen Druckverhältnissen
PCWP am nächsten liegende Druck gemessen. Auch
wenn der PVR fast vernachlässigbar gering
ist, besteht von den Kapillaren dennoch ein
PAOP ȱU Druckgefälle. Da linksatriale Drücke „retro-
grad“ gemessen werden:
PCWP > PAOP. Ein Lungenödem droht bei
einem PCWP über ca. 25-30 mmHg, einem
PAOP von ca. 18 mmHg entsprechend.
Pulmonaliskatheter/PAK: Vorbereitungen
- Injektion von 10 ml kalter (4°C) NaCl 0,9%
- Rasche, aber gleichmäßige Injektion
HZV-Messung/Thermodilution - 5 Injektionen, Auswahl der konstantesten
Kurven (mind. 3)
-9JRU
PAK-Schleuse einführen
Pulmonaliskatheter/PAK: Durchführung
Den PA-Katheter vorbereiten und einschwemmen
3-Lumen (hier: Edwards® Swan-Ganz) Pulmonaliskatheter. Der Ballon wird mit der mitgelieferten
Spritze mit Luft(!) gefüllt. Das mitgelieferte Contamination-Shield auf dem Tuohy-Borst Konnek-
WRUGHU6FKOHXVHPLW.DEHOELQGHUȴ[LHUHQ$XIEODVHQGHV%DOORQVQXULQ=9'3RVLWLRQ
Die 3 Lumina mit 3-Wege-Hähnen bestücken: Gelb PA DISTAL - PA-Druck. Blau PROX
INJECTATE zur Thermodilution. Weiss PROX INFUSION: ZVK Einschwemmen mit ange-
schlossener Druckleitung. Bei begleitender TTE-Sicht, z.B. von subxiph. 4K + lange Achse: Der PAK
kann dabei jedoch nicht bezüglich Orientierung der Spitze gesteuert werden, aber zur Vorschub-
geschwindigkeit und -tiefe kann das TTE eine grobe Orientierung bieten.
Nicht-invasive HZV-Bestimmung
Überlegungen vorab
Die Erhebung von quantitativen Befunde mittels invasiver, aber besonders auch nicht-invasiver
Verfahren zur Beurteilung der aktuellen Hämodynamik sind beim kritisch kranken Intensivpati-
enten oft mit erheblichen Herausforderungen verbunden: Störquellen technischer Natur, aber
auch von untersucher- oder patientenabhängigen Faktoren. Deshalb sollte nie ein einzelnes
Verfahren oder ein einzelner erhobener Wert zu einer Diagnose oder einer Therapieentschei-
dung führen. Sämtliche quantitativ erhobenen Messwert müssen im Kontext der Klinik auf
Plausibilität geprüft werden. Auf der anderen Seite jedoch muss auch das „klinische Bauchge-
fühl“ (implizites Wissen, Tacit Knowledge) mit objektiver Diagnostik untermauert werden. Das
Erheben mehrerer Parameter zusammen mit der Klinik ermöglichen die Erfassung einer mög-
lichst präzisen "hämodynamischen Gestalt" des Patienten. Die nicht-invasive HZV-Bestimmung
ist nicht nur ein grundlegender Bestandteil der Beurteilung einer extrakorporalen Therapie,
sondern sollte bei jedem instabilen Patienten durchgeführt werden. Alle in der erweiterten
hämodynamischen Betrachtung erhobenen Parameter sollten insbesonders in ihrer Dynamik
und im Kontext der extrakardiovaskulären Organfunktion, des Reperfusions-SIRS sowie der
mitochondrialen Funktion (“Cytopathic Dysoxia“) bewertet werden. Kann nicht-invasiv echokardio-
graphisch kein verlässliches HZV ermittelt werden, muss ein invasives Verfahren implementiert werden.
PAPRJFS RV
LV
Transpulmonale LVOT Ø
SvO Parameter
LA
HZV
PV
PCWP
RA
7;49;9. RV
9.,WFINJSY TV
MV HZV
ZVD RA LV AV
1;49;9. /927'XUFKPHVHU Bestimmung in der
AV
v
1FHYFY F
1FHYFY
Lorem ipsum
LV
MAD
T
LVO
Normwerte RVOT-Durchmesser
Aufgrund der Schwierigkeit der RVOT-Messung
(Durchmesser proximal vs. distal, Variabilät im RVOT prox. 28 ± 3,5 mm
Herzzyklus) ist die Bestimmung des HZV via RVOT RVOT dist. 22 ± 2,5 mm
VTI deutlich fehleranfälliger.
%HUHFKQXQJGHVȌ69=\OLQGHUVȊ
- Ø LOVT = Fläche (cm2)
Beispielrechung
- ȮVTI = Strecke (cm) 0:38!GQ0:38:8-!GQ,* =70/min
2
2
(
SV = ƍ· LVOT · LVOT VTI( :!űy 2
7:!űy
77:
2( (
2
c 2 · 200 ccm
cm m
oder
77:
7:!űyGQ
: ! ű GQQ3 = 63 ccm
m3 = 63
63 m
mll
ma
2
(
SV = ƍ· RVOT · RVOT VTI
2 ( HZV
HZV = 663 m
ml · 770 · 11/min
m = 441
44410
1100 m
ml/min
/m n
x. 3
0° HZV = SV · HF Bei
B e eeinem „Standard“-LVOT-ø
n m „Standard
S a da d -LVOTVOT ø von on 22cm
m
FFIXV¦KXWSQMX7:GEűy0:38:8-
FI XV¦KX SQMXXX7: E ű 0: 00:3
388 :8:8-
- Die Abweichung des PW-Doppler-Strahls von der LVOT- oder RVOT-Längsachse sollte maxi-
mal 30° betragen.
- Anatomisch ist der LVOT nicht immer kreisrund.
- Die Durchmesser von LVOT bzw. RVOT gehen im Quadrat in die Formel ein. Somit wirkt sich
auch ein Messfehler „im Quadrat“ auf das Ergebnis (SV bzw. HZV) aus. Bei einem Patient
sollte deshalb immer der gleiche Wert für den LVOT-Durchmesser verwendet werden (Doku-
mentation bei Erstbestimmung).
- Bei Zweifel an der Präzison der Bestimmung des LVOT kann ein „Standard“-Wert von 20 mm
angenommen werden.
- Für den RVOT kann kein Standardwert vorgegeben werden, Aufgrund der Schwierigkeit der
RVOT-Messung (Durchmesser proximal vs. distal, Variabilät im Herzzyklus) ist die Bestim-
mung des HZV via RVOT VTI deutlich fehleranfälliger.
- Betrachtet man den LVOT VTI oder den RVOT VTI als Verlaufsparameter nach einer Interventi-
on, kann der Durchmesser herausgekürzt werden: Anstieg LVOT VTI% = Anstieg HZV %.
Beispielrechung
Be sp l e hu g zzuu einem
i em HHZV-Anstieg
V n t eg vor
o uund
nd nach
ach einem
ne Volumenbolus
olum b lus ((HZV
ZVpostst//HZV
ZVprää)
0:38ǝ\ǛGQ0:38:8-
0:38
: 8 \ GQQ 00:38:8-
38 : pprä: 20cm
m HHFFppräQMR0:38:8-
20cm;
0 m; Q 0:38:8
QMR :3 8-post
o
5 m HF
: 25cm; H post
o
65/min
m
HZV m3 · 7700 /m
ZVprär = x · 220 cm //min
i HHZV m3 · 655 /m
Vppostt = x · 255 ccm //min
in HZVpost x · 1625 cm3 /min
= = 1,16 = 116%
HZV
ZVprärä = x · 1400
0 cm 3
m //min
mi HHZV
ZV
Vppostt= x · 11625
625
25 cm 3
m //min
mi HZVprä x · 1400 cm3 /min
ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin Hämodynamisches
y Monitoring
g 31
Berechnung des Cardiac Power Output nach Bestimmung des HZV und des SVR
&$9( Es gibt zudem keine internationale Übereinkunft, an welcher Stelle die VCI gemessen
ZHUGHQVROO$OOHQIDOOVNDQQGLH9&ΖQDFK$XVVFKOXVVDOOHU6W¸UHLQȵ¾VVH 6SRQWDQDWPXQJ3((3
7ULNXVSLGDOLQVXȴ]LHQ]HWF ZLHIROJWYHUZHQGHWZHUGHQȌ%HLGHXWOLFKDWHPYDULDEOHU9&Ζ
(>50-80%) besteht bei Infusion eines Volumenbolus wahrscheinlich nicht die Gefahr einer
Volumenüberladung“.
So wenig prädiktiv wie der ZVD ist auch der VCI-Durchmesser bezüglich eines Volumenanspre-
chens oder gar eines Volumenbedarfs. Wie beim ZVD sollte auch hier mehr die Dynamik als
Absolutwerte berücksichtigt werden.
.HLQHVIDOOVUHȵHNWLHUWHLQH9&Ζ0RPHQWDXIQDKPHHLQHQȌ9ROXPHQEHGDUIȊRGHUGLHȌ9ROX-
menüberladung“ eines Patienten.
PPCWP
CW = 11,24
,244 · 8 + 11,99 E/e‘lateral > 10 oder E/e‘septal > 15
ǹ QQ,KK
ǹQQ,K korrelieren mit einem erhöhten
LVEDP
&$9(beim Intensivpatienten kann eine verlässliche Bestimmung dieser
echokardiographischen Parameter schwierig sein, die so erhobenen E/Ea < 8-10
Werte sollten immer im klinischen Kontext auf Plausibilität geprüft und
ggf. durch ein invasives Verfahren ergänzt werden. Umgekehrt bietet ein korreliert mit einem normalen
vorhandenes invasives Verfahren auch immer die Möglichkeit, die LVEDP
eigenen Echo-Fertigkeiten durch Korrelation weiterzuentwickeln.
ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin Hämodynamisches
y Monitoring
g 33
80
Part
LVP
40
0.QXQJ
LAP Mit Unterschreiten des LVP unter
160
GHQ/$3¸QHWVLFKGLH0LWUDN-
LVV (ml)
Zeit (s)
klappe, es kommt zu einem
frühen (early) Einstrom von Blut,
80
A
25
(cm/s)
LV Relaxation
Left Atrial Contractlity
re (LAP)
Left Atrial Pressu
Schwere der diastolischen Relaxationsstörung
$ERUPDOH5HOD[DWLRQ*UDGΖ Ein steifer LV beeinträchtigt die frühe Füllung. Somit nimmt die
Größe der E-Welle ab. Da während der frühen Füllung weniger Volumen in den LV transportiert
wird, ist zum Zeitpunkt der atrialen Kontraktion mehr Blut vorhanden. Daher stößt die atriale
Kontraktion mehr Blut in den LV aus, die A-Welle wird größer und typischerweise auch größer als
GLH(:HOOH ($ȱ 'LHVHUNO¦UWP¸JOLFKHUZHLVHZDUXP3DWLHQWHQGLHQHX9RUKRɞLPPHUQEHL
Vorbestehen eines „steifen LV“ entwickeln, rasch hochgradig symptomatisch werden.
3VHXGRQRUPDOLVLHUXQJ*UDGΖΖEin Fortschreiten der diastolischen Dysfunktion führt zu einem
Anstieg des LA-Drucks. Dadurch steigt der Druckgradienten zwischen LA und LV: die E-Welle
nimmt relativ zur A-Welle zu, das E/A-Verhältnis kehrt in den Bereich von 0,8 bis 1,5 zurück. Zur
8QWHUVFKHLGXQJ]XPQRUPDOHQ3URȴO(Hv9HUK¦OWQLV!
5HVWULNWLYH)¾OOXQJ*UDGΖΖΖUHYHUVLEHO*UDGΖ9LUUYHUVLEHOEine weitere Erhöhung des
Füllungsdrucks erhöht den Gradienten zwischen LA und LV während der frühen Diastole. Die
(:HOOHZLUGQRFKJU¸¡HUXQGGLH$:HOOHNOHLQHU($Ȳ%HLVFKZHUHQ)RUPHQNDQQGLH$:HOOH
so klein sein, dass sie fast unsichtbar ist, und das E/A-Verhältnis kann sehr hohe Werte von 5 oder
mehr erreichen. Unterschied reversibel vs. irreversibel: Ein Valsalva-Manöver kehrt die restriktive
Füllung Grad III in ein „pseudonormales“ Muster um.
34 Hämodynamisches
y Monitoring
g ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
Normwerte Hämodynamik
Dezelerationszeit (DT) Die MV-Dezelerationszeit ist ein
Normales Profil E-A Fusion Maß für die Dauer des Druck-
E ausgleichs zwischen linkem
E A Vorhof und linkem Ventrikel. Bei
hohen Füllungsdrücken und
HUK¸KWHU6WHLȴJNHLWGHV/9
A (Restriktion) zeigt sich eine
kurze Verzögerungszeit (DT)
aus.
DT in ms Die normale MV-Dezelerations-
Tachykardie, AI oder Mitralstenosen
verkürzen die Dauer der Diastase zeit beträgt 150-240ms.
und führen zu einer E-A-Fusion.
Berechnung Cardiac Power Output (CPO) aus HZV Betrachtet man die Herzleistung
(Cardiac Power Output, CPO) als
5";TQZRJSXYWTRyȱU Pper = 9933 m
mmHg
m -3m
mmHg
mHg die Leistung einer hydraulischen
perf
rf
Pumpe, berechnet sich die
(54"-?;y5UJWK Leistung aus dem Produkt von
ȱU
C = 900 m
CPO mmH
mHg · 5 l/min
mmHg /m n
9ROXPHQVWURPXQG'UXFNGLH-
CP = 450
CPO 50 mm · l/min
mmHg l mi renz ŢS'LH'UXFNGLHUHQ]LP
PUJWK"2&)7&5
großen Kreislauf besteht
ȱU
CP = 450
CPO 5 mmmHg
m g · l/min
l mi zwischen MAD und dem RAP.
(54"-?;y 2&)7&5 4451
5 Mittels dem Umrechnungsfaktor
451 wird aus mmHg·l/min die
(54Ձ-?;y 2&)?;) P = 450
CPO
C 50 ;ǹ;
451
45
51
;ǹ;
SI-Einheit Watt.
Berechnung CPO aus HZV und SVR Ersetzt man Pperf in der Formel
durch das Produkt von HZV und
SVR, vereinfacht sich die Berech-
nung von CPO aus dem Produkt
(54"-?;y5UJWK CPO = HZV2 x SVR des HZV zum Quadrat mit dem
"<
RNY SVR.
PUJWK"-?;y8;7 CPO = 5x5 l2/min2 x Aus dieser Betrachtung geht
18 mmHg/(l(ll x mi
m
min) hervor, dass der Steigerung des
CAVE: SVR in Wood-Einheiten! HZV im kardiogenen Schock eine
(54"-?;y-?;y8;7 CPO = 450 mmHgxl/min wesentlich gewichtigere Bedeu-
tung zukommt, als eine Steige-
(54"-?;y8;7 CPO =450
451
;ǹ; rung des SVR. Der CPO beträgt
ca. 1 W und somit ca. 1/80 des
Ruheumsatzes (ca. 80 W)
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Die Klinik des kardiogenen Schocks
Hämodynamische Parameter: Den kardiogenen Schock erkennen
Die Notwendigkeit von
Katecholaminen/Inotropika
4 4 4 4
3 3 3
1 2 2
*Die SCAI-Klassifikation bedatf noch einer Translation in klinisch objektivierbare Werte, die z.T.
auch schon über Register validiert sind. CAVE: Der systolische Blutdruck kann beim wachen
Patienten noch lang durch eine durch endogene Katecholamine kompensiert sein.
1st Line zur unmittelbaren Stabilisierung: Norepinephrin (Perfusor) mit MAD Ziel > 65mmHg
Meiden: Adrenalin und Dobutamin. Adrenalin nur bei reativer Bradykardie, peri-Arrest und Reanimation, Dobutamin:
Einzelfallentscheidung bei Bradykardie/AV-Block. Kein regelhaftes „Puffern“ (HCO3-, Ausnahme bedrohliche
Hyperkaliämie). Bei sicherer oder vermuteter kardialer Ischämie rasche Revaskularisierung anstreben
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44 ECLS im kardiogenen Schock ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
Ist das Ziel in der Sepsis einen Surrogat-MAD von >65mmHg zu erzielen und berücksichtigt man
die Formel für den Perfusionsdruck (Pperf = SVR · HZV), wird deutlich, dass, um eine SVR-Limitie-
rung mit einer HZV-Limtierung auszugleichen, hohe ECLS-Flüsse notwendig werden (analog einer
Wiederherstellung einer „hyperdynamen Situation“ in der Sepsis). Es wurden deshalb Einzelfälle
mit zwei gleichzeitig eingesetzten Systemen beschrieben.
Wird ein ECLS-System im septischen Schock implantiert, sollte es aus diesen Gründen von Anfang
an auf maximalen Fluss ausgelegt werden. Auch kann bei zugrundeliegender oder im Verlauf
entstehender pulmonaler Problematik eine Erweiterung auf eine V-AV ECMO notwendig werden,
dies sollte in die Überlegungen zum Zugangsmanagement mit einbezogen werden.
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eCPR - ECLS in extremis
Indikation eCPR
Immer dann, wenn eine CPR indiziert ist, ist auch eine eCPR indiziert, sollte die herkömmliche
CPR im zeitlichen Verlauf sicher oder wahrscheinlich nicht zielführend sein. Voraussetzung ist
jedoch auch die Indikation zur Fortführung der Reanimation über die Dauer hin bis zur prospek-
tiven Reperfusionszeit. Die Reperfusion sollte spätestens nach 60 Minuten erfolgen (“Golden
Hour of eCPR“). Bis zur Reperfusion muss eine qualitativ hochwertige Reanimation gewährleistet
sein (Überwachung von etCO2, keine/minimale Unterbrechungen der Herzdruckmassage,
Feed-Back-Syteme, Transport nur mit mechanischer Reanimationshilfe). Bei einer herkömmli-
chen CPR sollte spätestens nach 3 Schockabgaben oder 10 Minuten die Möglichkeit einer eCPR in
Betracht gezogen werden (Check Positiv-/ Negativkriterien, Voranmeldung im eCPR/Cardiac
Arrest Center, Planung Transport). Bis zur Realisierung des Transports sind in der Realität meist
die 15 Minuten CPR vor Ort verstrichen, von denen ein Patient wahrscheinlich profitiert (“Scoop
and Run“ vs „Stay and Play“). Auch während des Transports unter mechanischer Reanimation
muss der ALS-Algorithmus fortgeführt werden.
Entscheidungsfindung eCPR
Die Entscheidungsfindung zur eCPR basiert oft auf nur unzureichenden oder lückenhaften
Informationen über den präklinischen Ablauf und den Vorerkrankungen des Patienten und
basiert meist nur auf einer vermuteten, noch nicht diagnostisch gesicherten Ursache für den
Herzkreislaufstillstand. Da es bezüglich dem Ziel neurologisch intakten Überlebens unter den
gegebenen Umständen keine Alternative gibt, existieren keine Kontraindikationen im engeren
Sinn. Jedoch sollte sichere „Futile Care“ vermieden werden. Die Negativkriterien sind Kriterien,
die nach aktuellem Konsens mit ausreichender Wahrscheinlichkeit auch nach Reperfusion zum
Tod oder einem neurologisch nicht intakten Überleben führen, sind jedoch im Einzelfall nicht als
absolut zu betrachten. Entscheidungen für eine eCPR trotz Vorliegen von einem oder mehreren
Negativkriterien oder dem Nicht-Erfüllen von einem oder mehreren Positivkriterien sollten aber
immer auf einem, später auch gut kommunizierten, Konsens im eCPR-Team basieren. Kann eine
Einigung nicht erzielt werden: Im Zweifel für den Patienten, im Zweifel für die eCPR.
A R T
frühzeitig zeitkritisch: Ziel:
Anmelden Anlage mechani- spätestens 40min
nmelden zur Bereitstellung etten scherThoraxkom- ransportieren nach Kollaps in
eCPR-Team pression und der Klinik zum
Verbringung in den Beginn der
RTW Kanülierung
Ist die Entscheidung zur eCPR getroffen, sollten präklinisch alle zeitraubenden, nicht absolut
notwendigen Maßnahmen unterlassen werden, die nicht ausschließlich einer hochqualitativen
Reanimation unter Einhaltung der ERC-Guideline dienen. Auf eine möglichst unterbrechungsfreie
Thoraxkompression ist zu achten. Eine mechanische Thoraxkompressionshilfe für den Transport
ist unerlässlich. Jede Minute nach Minute 10-15 nach Kollaps, die der Patient früher an die ECLS
kanüliert wird, steigert die Wahrscheinlichkeit neurolgisch intaken Überlebens.
Auch bei zwischenzeitlichem ROSC oder insbesondere bei einer „on and off“ Reanimation keine
Unterbrechung des Ziels, spätestens 40 Minuten nach Kollaps das eCPR-Zentrum zu erreichen, um
dort, falls noch notwendig, den Beginn der Kanülierung zu ermöglichen.
Je früher das empfangende eCPR-Zentrum über eine mögliche eCPR informiert wird, insbesondere
in den Dienst- und Nachtzeiten, desto früher kann sich dort ein eCPR-Team bilden und die Kanül-
ierung an die V-A ECMO vorbereiten.
MO
Möglichkeit eCPR prüfen
Beginn Perfusion und den Transport planen Ziel sollte es sein, den
Patienten im therapiere-
C
*Kriterien zur Bewertung der Qualität der CPR: - Eine Lyse ist kein Negativ-Kriterium und sollte
- Transport unter mechanischer Thoraxkompres- bei passender(!) Indikation auch bei geplanter
sion ist obligat. eCPR präklinisch durchgeführt werden.
- etCO2 ≥ 10mmHg zum Zeitpunkt t+20min bzw. - Bei Alternativlosigkeit zur eCPR kann kurzfristig
bei der Übernahme. auf eine Antikoagulation weitgehend verzichtet
- Vitalitätszeichen unter Reanimation: Schnap- werden: „Bridging to...“, um z.B. eine Damage-
patmung, „Gegen-Atmen“, Pupillendynamik. Control-OP zu ermöglichen.
Vitalitätszeichen sind zwar schwer objektivier- - im ECLS-Team sollte auch eine eCPR bei einem
bar, jedoch wahrscheinlich prognostisch am pH von < 6,8 diskutiert werden bei:
aussagekräftigsten bezüglich neurologisch ▪ gesicherter oder vermuteter Intoxikation
intaktem Überleben. (z.B. Metformin, Cyanide).
- Die Möglichkeit des Gefäßzugangs oder ▪ ausgeprägte Hyperkapnie/führend respira-
dessen Unmöglichkeit kann sich zumeist nur torische Azidose als Begleitphänomen oder
durch einen tatsächlichen Punktionsversuch Ursache des OHCA (z.B. Lungenembolie).
klären. Je nach Erfahrung der Kanülierenden - Bei Hypothermie gibt es keine Zeitbegrenzung
können auch ggf. Patienten mit schwieriger zur Kanülierung, bis der Pat. normotherm ist:
Anatomie erfolgreich kanüliert werden. “Nobody is dead until warm and dead”.
Mikroteam Kanülierung
Environment Assistenz
Leader Pflege Airway
- sichert die Kommunika-
ABD
Arzt E
Beatmung
OP-Tisch
Kanüle*
2
- Volumen
no
Kanüle „D“
no
So
So
Perfusion Spri
nter
eFAST und Echo-Support
-
-
Priming, Betrieb ECMO
Falls Priming: in „Hörweite“
Pfle
Perf ge
usio Pfle
Disability Zugangsmanagement nur in
n - Körperliche US
- bei einem vorgeprimtem Perf ge - eFAST, Echo
enger Absprache zwischen den
usio Mikroteams
System reicht eine Pflegekraft n - Sono Drähte
aus dem Mikroteam Perfusion - art. Druckmessung nur li. A. rad.
aus dem eCPR-Wagen an. - ZVK: nur linke V. subclavia
ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin eCPR - ECLS in extremis 49
- Bei ausreichend sicherer Information zu Positiv- und Negativkriterien Vorrichten aller zur
Leistenpunktion notwendigen Materialien: mit Schleusen- und J-Drähte, jedoch noch keine
Stiff-Drähte, Dilatatoren oder Kanülen oder auspacken.
- Eine ziel- und vor allem zeitorientierte Führung der ansonsten („wie im Tunnel“) fokussierten
Mikroteams durch den eCPR-Leader muss ein rasches Umlagern einschließlich der Übernah-
me der Reanimation und einen Wechsel auf die eigene mechanischen Reanimationshilfe
sicherstellen. Vor dem Umlagern sollte sämtliche rettungsdienstliche Überwachung entfernt
werden, einschließlich Defi-Pads, sollten diese nicht mit den klinikeigenen kompatibel sein.
- Rasches Entkleiden des Patienten und Vorbereitung des Leistenzugangs (Clipping/Rasur,
steriles Abdecken, Ziel: < 2 min nach Eintreffen). Bis zu diesem Zeitpunkt gehen oft wertvolle
Minuten verloren (ggf. noch ungewohntes zeitorientiertes Zeitmanagement für den RD,
aufwändiges Sortieren der Kabel des Montorings, Zurückhaltung Anwesender).
- Unter normalen Punktions-bedingungen sollte ein ausreichend trainiertes Team eine Zeit von
Eintreffen bis Reperfusion von weniger als 10 Minuten als Anspruch haben.
- Sind Teammitglieder unterschiedlicher Erfahrung vor Ort gilt: Die oder der Erfahrenste(n)
kanülieren bzw. leiten (eCPR-Leader). Im Rahmen einer eCPR gibt es i.d.R. keinen Spiel-
raum für Training oder Teaching. Wichtig: Gute Kommunikation im Team vorab, um Unmut
zu vermeiden.
- Alles, was die Zeit bis zur Entscheidungsfindung (Ziel 1. Time-Out mit 1. BGA < 3-5 min nach
Eintreffen) verzögert, muss später nachgeholt werden, erst dann erfolgt auch eine ausführli-
che Notarzt-Übergabe.
Ist die Entscheidung zur eCPR im Team gefallen, gibt es keine Abbruchkriterien bis zur erfolgten
Reperfusion. Deshalb: KEINE Interims-BGA-Abnahmen, KEINE Re-Evaluation der Entschei-
dung bis zur Reperfusion durch neue Informationen, Befunde, etc. Frühester Zeitpunkt zur
Feststellung einer ggf. mittlerweile eingetretenen „Futility“: 1. Time-Out nach Reperfusion. Da die
ECLS nur eine überbrückende Maßnahme ist, darf die rasche kausale Therapie der zugrundelie-
genden Störung, z.B. die Rekanalisation mittels PCI beim akuten Myokardinfarkt, zeitlich nicht aus
den Augen gelassen werden (“Time is Muscle“/EF/Lebensqualität). Die zeitnahe Diagnostik und/
oder Therapie der zugrundeliegenden Störung muss genauso zügig und zeitkritisch zielorientiert
erfolgen wie die Kanülierung. Konzentrierte und koordinierte Planung der weiteren Schritte durch
den eCPR-Leader. Rasche Fixierung der ECLS und Aufnahme einer Diagnostik bzw. kausalen
Therapie.
CAVE: Abfall der Konzentrations- und Anspannungskurve im ECLS-Team nach erfolgreicher Reperfusion.
50 eCPR - ECLS in extremis ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
+
4 Pneumothorax Lungenembolie Perikarderguss
Überblähung
Rasch reversible und vor allem die Effektivität der CPR negativ beinflussende Faktoren (intratho-
rakale Obstruktion) müssen mittels eFAST ausgeschlossen oder erkannt werden:
Die Notwendigkeit einer vorgezogenen CT-Diagnostik und der damit verbundene Zeitverlust bis
zu einer koronaren Rekanalisierung sollte im eCPR-Team im ersten Time-Out nach Reperfusion
eingehend diskutiert werden.
eCPR - Zugangsmanagement
Enge Absprache im eCPR Team bezüglich des Zugangsmanagements
Falls bereits im Rahmen der Kanülierung ein zentralvenöser Zugang benötigt wird:
- 3 Lumen Shaldon li. V. jug. int. (20cm) bei hohem Volumen-/Transfusionsbedarf.
- ZVK V. subclavia (links oder rechts) zur sicheren Katecholamingabe.
- ggf. passagere Schleuse 9 F femoral kontralateral venös, diese kann später in einen 5-Lumen
ZVK (9,5 F) oder 3-Lumen-Shaldon (12 F) umgewandelt werden.
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V-A ECMO - Kanülenkunde
Arterielle „Single Stage“ und venöse „Multi-Stage“ Kanülen
A. [Link]
A. fem. superficialis
Kanüle „D“
1
Vorteil: Der Kanülierende hat dabei immer eine Hand frei zur
Kompression der Einstichstelle zur Blutstillung).
Das Verwenden von Schleusen bietet bei nur geringfügig zeitlichem Mehraufwand Vorteile im
Vergleich zum Vorschieben von Drähten über die Punktionskanüle bzw. über Dilatatoren:
- Einfacheres Handling der kurzen Schleusen-Drähte, kein Verrutschen der Punktionskanüle
beim Vorschieben der 180cm J-Drähte.
- Der mittels Schleuse gesicherte Gefäßzugang ermöglicht das sichere Wechseln auf Stiff- oder
Backupdrähte über den Schutz eines Führungskatheters.
- Bei nicht sicherer Lage (arteriell vs. venös) kann über die Kanülen ein differenziertes
Vorschieben der beiden Drähte unter US-Kontrolle erfolgen, insbesondere, falls die A.
abdominalis nicht einsehbar ist: erst Draht über die vermutete arterielle Schleuse vorschie-
ben, ist dieser nicht in der VCI darstellbar, aber der danach über die vermutete venöse
Schleuse vorgeschobene Draht, ist eine korrekte Lage der Drähte wahrscheinlicher.
- Aberrante Punktionen können sekundär sicher verschlossen (arteriell) oder als Infusionszu-
gang verwendet werden (venös).
10/12 F
12/14 F
14/16 F 17 F arterielle Kanüle
16/18 F 23(-27) F venöse Kanüle
Typ. Peripheral-Insertion-Kit (PIK)
Bei nicht ausreichender Dilatation (venös kann der Trokar der venösen Kanüle oder ein alternati-
ves Set mit Dilatatoren bis 28F) verwendet werden. Aufgrund der zu geringen Steifigkeit zur
Führung der Dilatatoren sollten die J-Drähte aus den gängigen Sets nicht verwendet werden.
Der Führungsdraht muss bei der Dilatation stets unter Zug gehalten werden. Die Stichinzision
sollte so klein wie möglich und so tief wie nötig ausgeführt werden, damit die Dilatatoren ohne
großen Widerstand eingeführt werden können, aber danach keine übermäßige Blutung entsteht.
Ist der Führungsdraht bei der Dilatation nicht ausreichend unter Zug, besteht ein Missverhältnis
zwischen Draht (zu weich) und dem Dilatator (zu hart) oder ist die Stichinzision zu klein, besteht
die Gefahr, dass der Dilatator auf den Draht aufstaucht und es zu einer Gefäßverletzung bis hin
zur Penetration und Kanülenfehllage (Retroperitoneum, Mediastinum) kommt. Der Draht sollte
nach der Kanülierung ohne Knick sein.
ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin V-A ECMO 57
Die arterielle Kanüle (z.B. 17F/23cm) Implantation der arteriellen Kanüle immer komplett,
kann sonographisch nicht dargestellt jedoch bis maximal zur ringförmigen Verdickung im
werden, sie reicht mit 23cm zumeist drahtarmierten Bereich. Wird der Ring erst implantiert
nur in den Bereich der Bifurkation und disloziert dann im Verlauf, können Blutungen
oder in die distale Aorta. resultieren. Bereits beim Einführen auf darauf achten,
dass die Luer-Konnektion orthogonal zum Hautniveau
absteht.
Subxiphoidal
VCI LA
VCS
Nach Anlage der venösen
Schleuse Darstellung des
RA Drahtes in der VCI (Arzt D).
LA
VCI VCS
RA
Sicheres Vorschieben der LA
VCI
venösen Kanüle, um Verlet- VCI VCS
zungen im Bereich re. Vorhof
oder Ventrikels zu vermeiden: RA
VCI in subxiphoidal langer
- Vor Erreichen der geplan-
Achse, Draht in VCI. Erste
ten Implantationstiefe
Lebervene ist frei. Nach dem
Trokar um ca. 10 cm
Wechsel vom J-Draht auf den
zurückziehen ( Markie- „J“-Drahtpassage RA in VCS 5F-Führungskatheter zeigt sich
rung auf Trokar)
dieser ohne Draht ggf. als feine
Doppel-Struktur.
Kanüle bis maximal zur
Kurze Achse
ringförmigen Verdickung im VCI
drahtarmierten Bereich VCS
vorschieben. Trokar langsam RA RV
zurückziehen zur Vermei- VCI RA RVOT
dung von Luftembolien.
Kabelbinder setzen.
- Bei der Annaht der Halteplatten auf die
korrekte Einrastposition an der Kanüle
achten.
- Einstichstellen und Konnektionen nur trans-
Zugsicherung parent abkleben, Einstichstellen und Konnek-
tionen nicht blickdicht abdecken.
- Pflaster mit Chlorhexidin-Patch auf die
Durchtrittstellen der Kanülen
- Bei längerer Liegedauer: Chlorhexi-
din-Patches auf die Nähte aufbringen.
Die Kanülen müssen immer sowohl gegen versehentlichen Zug (Zugsicherung) und auch in der
Richtung ihrer Lage gesichert werden (Führungssicherung). Fehlt eine ausreichende Führungssi-
cherung, kann die Einstichstelle mazerieren und es zu Blutungen aus der Durchtrittsstelle
kommen.
60 V-A ECMO ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
1. Sicherung der Konnektion 2. Vor dem endgültigen Zurren 3. Zurren des Kabelbinders
mittels Kabelbindern des Kabelbinders den Faden
durchziehen
Antegrade Beinperfusion
Antegrade Schleuse zur ipsilateralen antegraden Beinperfusion
Seiten-
vergleich
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Unmittelbarer Anschluss der V-A ECMO
Verwendung vorgeprimter Systeme
Vor dem Anschluss vorgeprimter ECLS-Systeme: kurze Zeit hohe Drehzahl einstellen, dann eine
Minute „Flushen“ und erneut entlüften, um Kondenswasser und entstandene Luft aus dem
System zu entfernen.
etCO2-Abfall
Direkt nach Anschluss an die ECMO - vorausgesetzt ein
fehlender oder geringer ventrikulärer Auswurf - fällt das
etCO2 nach Beenden der (mechanischen) Thoraxkompression
ab (auf 0 oder einstellige Werte).
Grund: die nicht perfundierte Lunge nimmt nicht mehr am
Gasaustausch teil.
Im Umkehrschluss kann ein im Verlauf wieder ansteigendes
etCO2 auf einen wieder einsetzenden kardialen Auswurf
hindeuten - Kontrolle mittels TTE, Bestimmung HZV nach
LVOT-VTI.
Um eine Korrektur sofort vornehmen zu können: immer jeweils eine redundante Kanüle, eine Drossel-
klemme und ein V-AV-Erweiterungs-Set bereithalten (enthält typischwerweise ein Y-Stück, 2m 3/8“
Schlauch, eine Schere und 4 Klemmen).
Anhaltendes Kammerflimmern trotz Defibrillationsversuch nach Anlaufen der ECLS: Manuelles „Unloa-
ding“ mittels eines Zyklus HDM, dann erneuter Defibrillationsversuch.
66 V-A ECMO ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
LV-Nachlast
Betrachtet man die PV-Loops und die Verhältnisse von Fluss und Druck bei gegebener Leistung
in einem System, so sind Befürchtungen, in dieser Phase den linken Ventrikel mit einer
erhöhten Nachlast durch den retrograder Fluss der ECLS zu belasten, wahrscheinlich nicht
begründet - wenn die Nachlast durch eine parallele Reduktion der Vasopressoren konstant
gehalten wird. In der Phase, in der maximaler Fluss angestrebt werden sollte, um einen Ausweg
aus der metabolischen Abwärtsspirale zu finden, sollte die periphere Vasokontriktion somit so
gering wie möglich gehalten werden, nur so hoch, dass der erzeugte ECLS-Fluss an den
Endorganen mit einem Druck anliegt, deren Autoregulationsschwelle zu überschreiten
(wahrscheinlich 60-65 mmHg). Wirft der Ventrikel gegen einen, z.B. durch einen laminaren
ECLS-Fluss in der Aorta erzeugten Druck von 65 mmHg nicht aus, d.h. die Aortenklappe öffnet
nicht bei einer „Nachlast“ von 65 mmHg, ist der Ventrikel entweder distendiert oder myokardial
(noch) zu schwach, würde aber wahrscheinlich auch nicht mehr gegen die gleiche,
pharmakologisch erzeugte Nachlast auswerfen.
LV-Unloading
Aufgrund der gleichen Mechanismen wie im CS/LCOS kommt es zu einem Anstieg des LVEDP
mit konsekutivem Anstieg der transmuralen Drucks und Anstieg des PAOP. Durch ein
zusätzliches PVAD ist in dieser Phase mit nur geringen PVAD-Flüssen eine Reduktion des LVEDP
möglich (“Unloading“), jedoch sollte nicht mit einer Augmentation des Gesamtflusses durch das
PVAD gerechnet werden oder mit einem „physiologischeren“ Fluss argumentiert werden. In der
Akutphase kann ein PVAD-Fluss nicht den Fluss der ECLS ersetzen, der notwendig ist, um die
metabolische Abwärtsspirale abzuwenden, gleichzeitig ist der für den maximalen ECLS-Fluss
notwendige Rechts-Links-Shunt einem maximalen PVAD-Fluss entgegengesetzt. Im Weaning
können sich dann die Verhältnisse umkehren.
LV-Venting
Bei fehlendem Auswurf über ca. 4-6 Stunden, echokardiographisch verifiziert durch „Smoke“ in
LV und prox. A. ascendens, fehlender Öffnung der Aortenklappe bzw. einem LVOT-VTI von
dauerhaft unter 5cm bei doch geringer Öffnung, kann die zusätzliche Implantation eines PVAD
Thrombenbildung vermeiden (Venting). Beim Venting kommt es zwar auch zu einem Unloading
und umgekehrt, jedoch unterscheiden sich Unloading und Venting in ihrer Intention.
ECLS-Fluss
Lactat
BE
Bei der eCPR oder im schweren CS/LCOS besteht initial eine akute HZV-Limitierung, ggf. fehlt ein
eigener Auswurf bzw. die Pulsatilität. In einer Initialphase direkt nach Anschluss der ECLS sind
dennoch, vor Einsetzen eines Reperfusions-SIRS und dem damit verbundenen SVR-Verlust, oft
hohe ECLS-Flüsse möglich.
Ziele in der Initialphase: Den Fluss maximieren, Ansaugen/Chugging mit bedachten Volu-
men-Boli vermeiden. Den ECLS-Fluss konstant hoch halten, bis sich die H+-Limitierung bessert:
BE, pH normalisieren sich, Lactat fällt. Ist die Metabolik unter maximal möglichem ECLS-Fluss
kontrolliert, entscheidet sich in der Stabilsierungsphase, wie ausgeprägt sich ein Reperfusi-
ons-SIRS abzeichnet.
Initialphase Stabilisierungs-
phase
ECLS-Fluss
Lactat
BE
Die Stabilisierungsphase wird oft durch die Schwierigkeit geprägt, einen konstanten ECLS-Fluss
aufrecht zu erhalten. Ursächlich ist zum einen ein Widerstandsverlust (Reperfusions-SIRS) und
auch oft gleichzeitig ein Verlust von intravasalem Volumen nach extravasal (“Leaky Bucket“ durch
Shedding der Glycocalyx, Blutungskomplikationen).
Prognostisch ungünstig und mit langer Low-Flow-Zeit und einem niedrigen initialen pH korrelie-
rend ist ein hoher Volumenbedarf in den ersten 24h. Kritischste Phase: Kombination aus
ECLS-vorlastbedingter Flusslimitierung und SIRS-bedingter SVR-Limitierung. Ziel ist durch Volu-
menersatz (kristalloide VEL, Albumin, EK mit Ziel-Hb >10, ggf. FFP) einen ausreichenden
ECLS-FLuss aufrecht zu erhalten, um eine Normalisierung des BE und eine stetige Laktat-Clearan-
ce zu ermöglichen. Je nach myokardialer Erholung sollte immer wieder versucht werden, den
ECLS-FLuss so zu reduzieren, dass ein LV-Auswurf ermöglicht wird (Unloading, Venting). Eine
Pulsatilität (>15mmHg) in der arteriellen Blutdruckkurve muss immer im TTE oder TEE verifizert
werden (Aortenklappenöffnung/VTI-FLuss). In dieser Phase sollte spätestens eine Entscheidung
für ein LV- „Venting“ oderLV- „Unloading“ mittels eines PVAD gestellt werden.
68 V-A ECMO ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
Lactat
BE
Voraussetzung für die Weaningphase ist eine abgwendete H+-Limitierung: Lactat und BE bleiben
trotz Reduktion des ECLS-Flusses normal. Die myokardiale Erholung erlaubt eine Reduktion des
ECLS-FLusses, es kommt dadurch zu einer weiteren Entlastung des Ventrikels.
Eine pharmakologische Unterstützung durch einen Inodilatator (z.B. Levosimendan) kann nun
erwogen werden, da eine SVR-Limitierung kontrolliert oder abgewendet ist. Lineares Weaning
unter Kontrolle von BE und Lactat nach Protokoll.
Lactat
BE
Die Auswurfleistung (CPO) muss auch bei Agitation bei einem Delir, bei Spontanatmung und ggf.
respiratorischer Kompensation einer noch bestehenden metabolischen Limitierung ausreichend
sein. Nach Stabilität unter minimal tolerierbarem Fluss (Antikoagulation beachten) kann die
Explantation geplant werden. Kommt es zu einer nicht ausreichenden myokardialen Erholung
muss ein Übergang auf ein VAD oder eine HTX erwogen werden.
Phasenabhängige Komplikationen
Komplikationen in den verschiedenen Phasen der ECLS
BE BE BE BE
PVAD-Fluss
BE
Wird eine V-A ECMO um ein PVAD erweitert (Unloading, Venting), so sollte der durch das PVAD
erzeugte Fluss in der Intial- und Stabilisierungsphase mit einem geringen Fluss genau diese
beiden Funktionen übernehmen. Kontrolle über die Metabolik (Normalisierung des BE als
Surrogatparameter) kann nur durch den ECLS-Fluss erreicht werden. Mit Reduktion des
Rechts-Links-Shunts im Weaning der ECLS und gleichzeitig einsetzender LV-Funktion kann dann
der Fluss über das PVAD erhöht werden. Nach Weaning oder Explantation der ECLS oder auch
parallel kann ein Weaning des PVAD erfolgen. Weitere denkbare Szenarien sind dann z.B. ein
„bridging to“ mittels PVAD, ggf. auf ein größeres Modell über axial implantiert.
70 V-A ECMO ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
Metabolik
- Stetige BE-Normalisierung und Laktat-Clearance
- SvO2 >65%, v-aCO2 < 7 mmHg
BGA
paCO2 35-40 mmHg, jedoch eine Absenkung des CO2 < 7 mmHg/h
paO2 75-100 mmHg
ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin V-A ECMO 71
Norepinephrin (NE)
Epinephrin meiden!
α1-Rezeptor vermittelte Vasokonstriktion.
Katecholamin der 1. Wahl im Reperfusionssyn- SVR
drom. Beginn mit Anschluss an die ECLS zur HZV
Norepinephrin
Sicherung Pperf. ECMO-
Fluss
Vasopressin
V1-Rezeptor vermittelte Vasokonstriktion, bei
nicht ausreichender NE-Wirkung ab ca. 0,5
µg/kg/min. Möglicherweise bessere Wirkung in Norepinephrin ist
der Azidose im Vergleich zu NE. Vasopressor der
CAVE: etwas verzögerter Wirkeintritt (15-20min). Wahl in der
Kein „Titrationsmedikament“. Frühphase.
Inotrope Rescue-Therapien
Levosimendan
Inodilatator zum „Weaning“ von der ECLS, insbesondere bei nicht-ischämischer Kardiomyopathie
erwägen. Einsatz jedoch erst nach Kontrolle der Metabolik und SVR (vasodilatorische Komponen-
te) und nicht in den ersten 24h nach (e)CPR bei unklarer Interferenz mit dem cerebralen Ca2+-
Stoffwechsel.
„GIK“- Glucose+(Hochdosis-)Insulin+Kalium
Hochdosiertes Insulin (1-3 I.E./kgKG) zur inotropen Steigerung durch forciertes Einbringen von
Glucose in die Kardiomyozyten. Eine positive Inotropie kann z.B. schon bei üblichen K+-senken-
den Regimes (z.B. 200ml G20 + 20 I.E Insulin) beobachtet werden.
72 V-A ECMO ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
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ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin V-A ECMO 73
Bedarfsgerechte Blutentnahmen
Post-Oxy-BGA ab Tag + 3 an der Bei nur prophylaktischer oder sehr geringer
V-A ECMO Antikoagulation (Blutung, Trauma, etc.) ab d +2
pro-BNP Ausgangswert Bei Verdacht auf eine LV-Distension im Verlauf
wiederholen, „Unloading“ mittels PVAD bei
Anstieg erwägen
Fibrinogen nur bei Blutungs- Zur differenzierten Gerinnungssubstitution bei
Faktor XIII komplikationen bedrohlichen Blutungen, CAVE Clotting des
vWF, FVIII Systems
Thrombelastometrie
Literatur
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Dokumentation im PDMS
Beginn der Dokumentation im
PDMS mit Beginn der Reperfusion.
Minimal-Dokumentation:
Drehzahl und ECMO-Fluss
FiO2 Mischer, Sweep-Gasfluss
pVen, pArt , Δp.
Schlauchheizungen
- Werden direkt auf die Schläuche aufgebracht (blaue und rote Linie).
Steuerung nach Ist- und Soll-Temperatur.
- Geringerer Reinigungsaufwand im Vergleich zu den H(C)U-Systemen
„klassischer“ Zugang
A. radialis
Die Punktion der distalen A. radialis kann ultraschallgesteuert erfolgen. Der Gefäßdurchmesser
ist üblicherweise geringer als der der der proximalen A. radialis. Ein Durchmesser von ca. 2-2,5
mm sollte zuvor gesichert sein. Geringer Lagerungsaufwand.
Literatur
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78 V-A ECMO ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
Venöses Ansaugen
Erkennen einer venösen Ansaugproblematik (“Chugging“)
- Wird eine Drehzahl an der Konsole eingestellt,
muss aufgrund des Aufbaus mit einer Zentrifugal-
3.10 3500 pumpe an der ECLS immer auch ein Fluss entste-
hen: ca. 1 Liter/min pro 1.000 rpm.
- Entsteht kein Fluss oder kommt es zu einem stark
-79 280
wechselnden, springenden Fluss, besteht unmittel-
bar nach Anschluss zumeist ein „Vorlast“-Problem:
▪ Fehllage der venösen Kanüle.
9 45 ▪ intravasaler Volumenmangel.
▪ noch vorhandene Klemme(n) am System.
▪ Knicke in der venösen Linie.
Beim venösen Ansaugen zeigt sich ein
- Bei Konsolen mit Messung des venösen Ansaug-
stark wechselnder Fluss bei konstanter
drucks zeigt sich ein springender pVen mit Spitzen
Drehzahl oder ein zu geringer Fluss
negativer als -100 mmHg.
angesichts der eingestellten Drehzahl.
- An der venösen Linie zeigt sich ggf. ein spür- und
Am Schlauchsystem ist ein spürbares
sichtbares Vibrieren (“Chugging“).
und ggf. auch sichtbares Vibrieren
- Beim Ansaugen kurz die Drehzahl reduzieren, ggf.
oder „Schlagen“ zu spüren; „Chugging“.
kurz Null-Fluss, um eine evtl. an die Venenwand
angesaugte Multi-Stage-Kanüle wieder zu „lösen“.
Beachte: Aufgrund des Aufbaus mit korrespondierenden Röhren und einer Zentrifugalpumpe
kann die Ursache für einen zu geringen Fluss auch in einem „Nachlast“-Problem begründet sein:
Fehllage der arteriellen Kanüle, noch vorhandene Klemme(n) an der arteriellen Linie, Knicke in
der arteriellen Linie.
!
ports sollte so gering wie möglich gehalten werden (Clotting).
Beim Verwenden von Konnektoren zum Verbinden der 3/8“
Schläuche üblicherweise keine Konnektoren mit Luer-Sideport in
die venöse Linie einbringen (Gefahr der Luftembolie).
CAVE
Ausnahme: Bei der eCPR und nicht ausreichenden peripheren
oder zentralen Infusionszugängen kann ein passageres Einbrin-
gen eines Sideports in die venöse Linie erwogen werden.
CAVE: extreme Gefahr des Ansaugens von Luft:
Mehrfache Sicherung des Luer-Anschlusses (3-Wege-Hahn) und
der Infusionsleitung (Klemmverschluss und zusätzliche Klemme).
Infusion von Voumen nur unter direkter Aufsicht, nicht wegge-
hen, Klemme an der Infusionsleitung nicht aus der Hand lassen.
Bei anhaltend hohem LVED, PAOP oder klinisch persistierendem Lungenödem unter ECLS-The-
rapie oder im Weaning von der ECLS kann ein direktes LV-„Unloading“ mittels eines zusätzlich
implantierten PVAD oder ein indirektes LV-„Unloading“ mittels einer PA-Kanüle (VV-A Konfigura-
tion) erwogen werden. Im Rahmen einer dynamischen, adaptiven Kanülierungsstrategie könnte
eine PA-Kanüle auch (später) als RV-Support verwendet werden oder als „V-V-Komponente“ in
einem V-AV-Aufbau dienen.
Bei wieder einsetzender LV-Funktion ist zu berücksichtigen, dass nun das vom LV ausgeworfene
Blut aus dem RV stammt und somit eine Lungenpassage durchgemacht hat. Ist der Patient nicht
ausreichend beatmet, im Lungenödem oder im ARDS, kann es nun zu einem Auswurf von
schlecht oxygeniertem Blut in die Aorta ascendens und somit in die Koronarartierien, den
Truncus brachiocephalicus und die linksseitigen hirnversorgenden Arterien kommen.
ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin V-A ECMO 81
Ein pulsatiler Fluss liegt nach Definition bei einem Unterschied zwischen systolischem und
diastolischem Druck von mehr als 15 mmHg vor. Jeder am Monitor nicht-laminare Fluss oder
gering pulsatile Fluss (< 15mmHg Pulsdruck) sollte mittels TTE-Kontrollen auf ein tatsächliches
Öffnen der Aortenklappe hin überprüft werden, den Nachweis eines Flusses im LVOT (LVOT VTI)
dokumentieren.
Hinweise für einen vorhandenen LV-Auswurf sind auch neben einer pulsatilen arteriellen
Blutdruckkurve eine pulsatile SpO2-Kurve und ein ansteigendes etCO2.
Die Lage der „Wasserscheide“ kann nur klinisch erarbeitet werden. Hinweise geben:
- Abfall der peripheren Sättigung (SpO2) bzw. paO2 an der rechten Extremität (immer im
Vergleich zu links bewerten). Bei schlechter peripherer Ableitung ggf. SpO2 zumindest an der
Stirn oder an der Nase ableiten.
- im NIRS, wenn vorhanden: Abfall des rSO2 rechts cerebral im Seitenvergleich.
82 V-A ECMO ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
Benötigtes
Material:
r is
Y-Konnektor
g ula
2m 3/8‘‘ Schlauch
4 Klemmen (steril)
Ju
sterile Schere
sterile Tücher-
NaCl + Heparin 1. Kanüle in Vena jug. int. re. 2. Kanüle mit dem 3/8“ Schlauch
Blasenspritzen (z.B. 19F/15cm) verbinden
3. Schlauch
kürzen
4. Passives Füllen des 5. Schlauchende luftfrei klemmen 6. Y-Stück anbringen. Auf korrekte
Schlauchendes Ausrichtung achten
Leiste Leiste
Oxy
Jugularis
Oxy
Leiste
Jugularis
7. Arterielle Linie klemmen, schneiden 8. Die arterielle Linie an das 9. Y-Stück füllen, alle
Cave: gute Vorbereitung, da kein Y-Stück anschließen Schenkel blasenfrei
HZV bis Schritt 10 konnektieren
Oxy
Leiste
Jugularis
10. arterielle Linie öffnen. 11. Drosselklemme der jugulären Linie 12. Alle Konnektions-
CAVE: „Backflow“ vor dem graduellen Öffnen sub- stellen prüfen und
maximal schließen sichern
VV-A
Benötigtes
Material:
r is
Y-Konnektor
2m 3/8‘‘ Schlauch g ula
Ju
4 Klemmen (steril)
sterile Schere
V.
sterile Tücher
NaCl + Heparin
Blasenspritzen 1. Zusätzliche Kanüle implantieren, 2. Kanüle mit dem Schlauch (2m)
hier z.B. 19F/15cm in V. jug. int. re. verbinden, Schlauch kürzen
Leiste Leiste
Jugularis Oxy Jugularis Oxy
Wird von jugulär oder, wie hier von li. subclaviculär bei schon
liegender venöser femoraler Kanüle eine zusätzliche Kanüle
eingebracht, so muss der Stiff-Draht die schon liegende Kanüle
passierend dargestellt werden.
Bei ausgeprägter Rezirkulation (V-AV) muss ggf. die femorale
Kanüle zurück gezogen werden.
ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin V-A ECMO 87
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88 V-A ECMO ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
„LV-Unloading“evaluieren bei...
Funktionsprinzip PVAD
Funktionsprinzip eines PVAD
Schematische Darstellung der Funktionsweise einer Mikroaxial-
pumpe. Die Implantation und Positionierung der femoral
implantierbaren Systeme erfolgt im Herzkatheterlabor
perkutan unter Durchleuchtung, die Implantation der größe-
ren Systeme hybrid über einen chirurgischen Zugang und
Durchleuchtung.
Im LV angesaugtes Blut wird in der Aorta ascendens wieder
ausgeworfen, für den Fluss sorgt ein Impellerantrieb. Die
Stromversorgung und die Steuerkabel zur Druckmessung
und Steuerung der Leistung des Antriebs treten je nach Ort
der Implantation von femoral oder axillär über eine Schleuse
aus.
Abstimmung
PVAD und
Start PVAD ECLS-FLuss
Die Kombination aus ECMO und PVAD birgt eine hämodynamische Herausforderung: Ein in der
Initialphase benötigter, hoher V-A ECMO-Fluss bewirkt durch den resultierenden Rechts-Links-
Shunt eine geringe LV-Füllung, insbesondere bei einem schlechten residuellen RV-Auswurf. Die
Vorlast für das PVAD ist somit gering. Bei nun zu hohem Anspruch an die Höhe des PVAD-Flus-
ses resultieren geringe PVAD-Flüsse bei Ansaugproblematiken und es kommt zu einem vermin-
derten LV-Auswurf (ausgehebelter Frank-Starling-Mechanismus). Eine Ansaugproblematik des
PVAD fördert ggf. Kavitation, Hämolyse und eine Gerinnungsaktivierung.
Wird dann auf die PVAD-Ansaugproblematik mit einer systemischen Volumengabe reagiert,
verbessert sich zunächst die ECLS-Vorlast, es resultiert ein höherer Rechts-Links-Shunt, jedoch
nicht zwangsläufig auch eine höhere PVAD-Vorlast.
Wird im anderen Extrem der ECMO-Fluss für einen möglichst hohen PVAD-FLuss gedrosselt,
kann der resultierende Fluss oftmals nicht für eine metabolische Erholung (Surrogatparameter:
fallendes Lactat, steigender BE) ausreichen.
Deshalb sollte insbesondere in der Akutphase von der Motivation Abstand genommen werden,
mit dem PVAD einen möglichst hohen Fluss zu erzielen. Es zählt hier der ECLS-Fluss. Auch wenn
der PVAD-Fluss formal den „physiologischeren“ Fluss darstellt, sollte eine geringe Leistungsstu-
fe gewählt werden, rein mit dem originären Ziel des Unloadings und Ventings des linken Ventri-
kels. Der Erfolg zeigt sich in einem Rückgang des PAOP. Erholt sich der LV und die Metabolik,
kann der PVAD-Fluss im Weaning von der ECLS gesteigert werden.
Bicarbonat-basierte Purgelösung
Bei manifester Blutung, hoher Blutungsgefahr oder HIT-II kann erwogen werden, die heparini-
sierte Purge-Lösung durch eine Bicarbonat-basierte Purgelösung (25 mEq NaBicarbonat pro
Liter Glucose 5%,) zu ersetzen, Herstellerangaben beachten:
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94 V-A ECMO ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
Agitation
Azidose oder im Delir der Bedaf auf bis zu 40% des
HZV ansteigen. Bei sonst noch eingeschränkter
Normoventilation LV-Funktion kann dies die Notwendigkeit einer Steige-
rung des ECLS-Flusses nach sich ziehen. Zur Delir-Ver-
meidung sollte deshalb von Anfang an auf Sedativa
weitgehend verzichtet werden und vor einer Extubati-
on eine metabolische Azidose ausgeglichen sein
(durch Fluss-Erhöhung oder RRT).
ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin V-A ECMO 95
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96 V-A ECMO ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
Im Falle einer kombinierten ECLS mit einem PVAD kann zuerst unter „Schutz“ des PVAD die
ECLS geweant werden, parallel kann die Leistungsstufe des PVAD zur Kompensation des
Wegfalls der ECLS erst erhöht (Transit vom Venting bzw. Unloading zum signifikanten HZV-Er-
satz), dann im Verlauf ebenfalls geweant werden.
Lactat
BE
ausreichende
+ Antikoagulation Thrombose-Screening
nach Dekanülierung
- Falls pos. 3 Monate wie
Stabilität für > 12h bei 2L/min
TBVT behandeln
ausreichende
+
Antikoagulation
Bedarf es einem Zugang für einen Draht für ein Verschlusssystem, so kann in den 3/8“-Schlauch eine
Schleuse eingebracht werden. CAVE: Keine Punktion mit einer Hohlnadel, es können ausgestanzte
Plastikpartikel embolisieren oder eine Drahtpassage durch die Nadel unmöglich machen. Ausklem-
men, Stichinzision mit 11er Skalpell. Zur weiteren Dilatation des 3/8“-Schlauches und Erleichterung
des Einbringens des Seldinger-Drahtes der Schleuse kann dann die Einführhhilfe verwendet werden.
ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin V-A ECMO 99
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100 V-A ECMO ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
4.10 4000
adäquatem drom/SIRS/Sepsis:
Verhältnis Vasopressoren erhöhen
Hydrocortison, Fokus?
Ursachen für eine Hypotonie, die nicht aus einer HZV-Limitierung resultieren
Ist trotz ausreichendem ECLS-Fluss kein ausreichender Pperf zu erzielen, liegt zumeist eine
SVR-Limitierung durch eine im Reperfusions-SIRS Zytokin-vermittelte Vasoplegie vor, dennoch
sollten differentialdiagnostisch bedacht weden:
- Sepsis: Diagnostik und Therapie nach den aktuellen Sepsis-Guidelines.
- CIRCI: Critical Illness-induced Corticosteroid Insufficiency: ggf. Hydrocortison-Versuch.
- Azidose: regelhaftes Puffern vermeiden, als ultima ratio NaBic 8,4% oder RRT zur „Verbes-
serung der Wirksamkeit“ der katecholaminergen Vasopressoren.
- Vasopressin: Hinzunahme analog der Sepsis-Therapie ab ca. 0,25 µg/kg/min
Norepinephrin, ggf. früher in der Azidose bei ggf. geringerer pH-Abhängigkeit der Wirkung.
- Toxin-vermittelte Vasoplegie: Antidot-Therapie, extrakorporale Toxin-Elimination falls
dialysabel oder „Lipid-Sink“ bei lipophilen Toxinen, bei bekannten/vermuteten Vergiftungen,
ggf. Hochdosis-Insulin-Glucose (ß-Blocker), Rücksprache mit Giftnotruf.
- PRIS: bei höheren Summendosen ein Propofol-Infusions-Syndrom bedenken.
- 2Do
- Lokal: Sandsack, Supratupfer, hämostyptische Gaze.
- KEINE Umstechung: Gefahr der Beschädigung der Kanüle.
- KEINE Injektionen von Supra etc.: Beschädigung der
Kanüle, Probleme der Hygiene, Förderung von Nekrosen.
- Evaluation Antikoagulation Patient.
Erschöpfter/ Erkennen
- pO2 < 120-150 mmHg im Post-Oxy-Gas.
thrombosierter - ineffiziente Dekarboxylierung, auch nach kräftigem „Flush“.
Oxygenator - Thromben, Fibrinablagerungen auf der arteriellen Seite.
- D-Dimer Anstieg ohne andere Erklärung patientenseits.
- Anstieg Delta-P, Leckage im Wärmetauscher, Faserbruch.
2Do
- bei kompakten Systemen kompletter Wechsel, bei offenen
Systemen ggf. Tausch von Einzelkomponenten (Pumpe, Oxy).
Thrombosierte Erkennen
- meist angesaugter Thrombus aus der Kanüle.
Blutpumpe - sichtbare Thromben, Fibrinablagerungen oder Verfärbun-
t
gen im Pumpenkopf (wenn im Aufbau sichtbar).
- Deutlicher Anstieg der Hämolyseparameter.
- Laufgeräusche, im Extremfall Entkoppeln im laufenden
Betrieb.
2Do
- Vermeiden: Kanülen bei der Anlage immer gut spülen.
- bei kompakten Systemen kompletter Systemwechsel, bei
offenen Systemen ggf. Tausch von Einzelkomponenten
(Pumpe, Oxygenator).
ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin V-A ECMO 103
Vermeiden
Kanülendislokation - tägliche Kontrolle auf „Herauswandern der Kanülen“
+/- - bei Dislokation von Multi-Stage Kanülen kann es sowohl
fulminante aus den Seitlöchern bluten, als auch in der venösen Linie
Luftembolie zu einer fulminanten Luftembolie kommen
2Do
- System klemmen. Maschine herunterfahren.
- Reanimation nach ALS bei unzureichendem LV-Auswurf
- Bewertung der Optionen in Abhängigkeit der verbleiben-
den Zugangsoptionen: Neuanlage (z.B. kontra/ipsilateral
femoral) vs. „Hineinschieben“ der Kanüle (infektiologisch
nur ultima ratio!)
2Do
Fulminante
- Trendelenburglagerung: hält die Luft von den Koronararte-
Luftembolie rien fern
(patientenseits) - Durant Manöver (partielle linkslaterale Dekubitus- Position)
Pneumothorax/ Vermeiden
- hohes Risiko für einen Hämatothorax an der V-A ECMO,
Pleuraergüsse insbesondere in der Stabilisierungsphase
während der - Punktionen und vor allem Thoraxdrainagen nur nach
V-A ECMO eingehender Nutzen-/Risikoabwägung
2Do
- kleinere Pneumothoraces unter engmaschiger Kontrolle
ggf. tolerieren (außer bei Spannungskomponente)
- Eine Entlastung einer Spannungskomponente kann erheb-
liche hämodynamische Auswirkungen haben (Wegfall der
„ECLS-Vorlast“, auf einen ausreichenden Volumenstatus
achten.
- Evaluation Antikoagulation vor Entlastung
- Im Zweifel passagere V-AV Konfiguration erwägen
104 V-A ECMO ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
spürbares/
60 optimieren.
Kaum/ Ausschluss
kein Fluss Knick in der
arteriellen
Positiver pVen Linie:
(“ZVD“) - Schlauch
0.84 3000 - Kanüle
Hoher pArt
Ausschluss Clot arterielle
(Wassersäule/ZVD)
68 324 Kanüle oder Anliegen in
der Beckenachse in
einem Kinking oder der
-20 60 Bifurkation
Falls nur
Check: arterielle Linie der Fluss
bei sonst
normalen
Drücken
niedrig ist:
Deckel Fluss-
sensor aufgesprungen?
ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin V-A ECMO 105
Niedriger pArt
0.03 3000 Check blaue Linie
auf Leckage
Bei Clotting
Oxy: hoher Δp
64 69 Pumpe vom Magneten
entkoppelt?
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106 V-A ECMO ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
Im Verlauf ein Absetzen der Sedativa anordnen, kein(!) Ausschleichen. RASS-Ziel -1 bis 0
Ziel ist die Sedativa-freie Tubustoleranz und ggf. bei respiratorischer Stabilität auch die Extubati-
on. Analgesie mittels Metamizol oder Paracetamol als Basis. Beide Nicht-Opioid-Analgetika
können kontinuierlich gegeben werden und unterstützen das TTM durch eine thalamische
Sollwertverstellung der Körpertemperatur.
Zusätzlich Oxycodon „akut“ 4x10-20 mg über die Magensonde (CAVE: die Retard-Formulierung
ist nicht mörserbar). Bis zur Dosisfindung und vor Interventionen, Lagerung und anderen poten-
tiell schmerzhaften Prozeduren: Piritramid i.v. (3-5mg Boli, relative Wirkstärke zu Morphin 0,7).
Auf eine ausreichende Anschlagzeit, insbesondere bei langer Kreislaufzeit achten.
108 V-A ECMO ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
Implantation Thermokatheter
- Zugangsmanagement beachten, präferentiell Kühlkatheter mit Zulassung für die V. jugularis
oder V. subclavia verwenden.
- Auf eine ausreichende Dimensionierung des Katheters achten.
- Anlage über eine 6F-Schleuse und einen seperaten J-Draht (Durchmesser beachten).
- Sollte ein Gefäß unter ECLS nicht punktierbar sein oder sich der Draht nicht mühelos
vorschieben lassen, entsteht kein Verwurf.
- Sobald die Drahtpassage erfolgreich ist: Thermokatheter-Set öffnen, Schleuse entfernen,
Draht belassen, Dilatation, Thermokatheter über Draht vorschieben (volle Länge).
- CAVE Anlage venöse HLS-Kanüle bei schon liegendem Kühlkatheter in der Leiste: Kurzschlie-
ßen, NaCl aspirieren, Kontrolle der Drahtlage im TTE.
Naht
�
X
X
�
Beispiele für invasive Kühlkatheter Katheter immer an den Flügeln annähen
Außer zu kurzen Transporten sollte der Kühlkatheter nicht unangeschlossen belassen werden,
um eine Thrombenbildung an den dann nicht durchflossenen Kühlkissen zu vermeiden.
110 V-A ECMO ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
• Pupillendynamik
• Cornealreflex
• Hustenreflex +48h SSEP
• Würgereflex
• Atemantrieb
• Schmerzreaktion (+72h) cCT
• Myoklonien
Prognostizierung
CAVE: Umstände, die bei der Interpretation der zur Prognostizierung erhobenen Befunde
beeinflussen können: (Analgo-)Sedierung, Relaxierung, Hypothermie, Hypotonie, Metabolik
(Sepsis, Glucose,Harnstoff, NH3), Hyperkapnie.
Bei jüngeren Patienten kann durch ein progredientes Hirnödem auch nach Tag 4-5 noch ein
irreversibler Hirnfunktionsausfall (IHA) eintreten, obwohl ggf. schon eine hämodynamische
Stabilisierung mit erfolgtem Weaning der ECLS erfolgt ist. Falls die bisherigen erhobenen
Befunde zur Prognostizierung sehr ungünstig sind, jedoch ein Organspendewunsch (z.B.
Spender-Ausweis) besteht: vor Explantation ggf. eine cerebrale Bildgebung durchführen,
danach Re-Evaluation Nutzen vs. Risiken der Fortführung der ECLS bzgl. organprotektiver
Therapie.
ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin V-A ECMO 111
4
und Ärzte: z.B. zeitliche Begrenzung, Deeskalation oder
Einschränkung lebenserhaltender Therapie.
3
Stufe 3 (wichtig) Entscheidung nach erweiteter Diskussion (CA/OA),
interdisziplinärer/interprofessioneller Konsultation: z.B.
Indikation zu einer Operation, Chemotherapie, etc.
Die Einordnung einer Entscheidung kann nicht immer eindeutig erfolgen, insbesondere
Vorkenntnisse über den Patienten, Erfahrungen des Teams oder die zeitliche Dringlichkeit der
Entscheidung beeinflussen die Einstufung.
- „Futility“ erreicht?
- Therapieoptionen? Ethische Aspekte
- Indikation? - Autonomie
- Risiko/Nutzen? - Benefizienz
Prognose
- Zeitlich begrenzter - Nihil Nocere
Therapieversuch
zur Prognose-
Gemeinsam festgelegtes und getragenes
sicherung?
Therapiekonzept bzw. -optionen
Kommunikation
Angehörige/gesetzlicher Vertreter
Checklisten
- Nach der aktuellen Literatur erstellte Positiv- und Negativkriterien sollen die Entschei-
dungsfindung zur Fortsetzung der Reanimation mittels eCPR auch in hektischen und ggf.
emotional beladenen Situationen (Beispielszenario "junger Patient“) ermöglichen und zu
einer objektiven und transparenten Entscheidungsfindung führen.
- Im Zweifelsfall kann jedoch eine gut begründete Abweichung von diesen Kriterien erfolgen,
z.B. wenn ein pH < 6,8 als alleiniges Negativ-Kriterium Folge eines direkten Störenden
Einflusses auf den Säure- Base Haushalt ist, z.B. bei vermuteter Intoxikation. Bei manifester
Hypothermie gelten die maximalen Zeiten bis zur Reperfusion nicht.
Der eCPR-Leader
- Kommuniziert bei Aufnahme mit dem Notarzt und Rettungsdienst, sichert im Weiteren die
Koordination und den Informationsfluss zwischen den Mikroteams.
- stellt sicher, dass bei den im Algorithmus vorgesehenen Time-Outs, z.B. nach dem „10 für
10“ Prinzip durchgeführt werden. Dazu sollten alle Tätigkeiten eingestellt werden, die nicht
unmittelbar lebensherhalten sind (Reanimation, Kanülierung).
- Eine gute Kommunikation ist insbesondere bei begründetem Abweichen von den zuvor
definierten Positiv- und Negativkriterien zur eCPR notwendig, dennoch gilt ex-ante: im
Zweifel für den Patienten, für die eCPR mit dann kurzfristiger Evaluation (”Futility” ex post).
Debriefing
- Nach einer erfolgten Kanülierung sollte nach Verlassen des Schockraums oder des Herzka-
theterlabors ein kurzes Debriefing erfolgen, so auch ein Debriefing wenn die unmittelbar
an der eCPR beteiligte Schicht auf der Intensivstation wechselt.
- Insbesondere sollte im Debriefing auch auf am Rande Beteiligte, die erstmalig/nicht regel-
mäßig an Maßnahmen der Kanülierung oder eCPR teilnehmen, eingegangen werden, da
für diese die Vorgänge möglicherweise belastender sind.
- Besonders sollte bei den Debriefings auf Abweichungen von den Positiv- oder Negativkrite-
rien eingegangen werden. Insbesondere bei später infausten Verläufen sind Abweichungen
von den publizierten Kriterien Anlass zur ex-post-Diskussion (Bsp.: „Warum wurde der
Patient bei einem pH von 6,78 noch kanüliert?“)
- In regelmäßigen Abständen sollten die gesammelten eCPR-Fälle nachbesprochen werden,
um eine kontinuierliche Optimierung der Abläufe zu sichern.
114 V-A ECMO ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
Kontinuierliche Verbesserung
“Tatsachenentscheidung” eCPR vs. Sicht “ex post”
- Die Entscheidung zur Fortführung einer Reanimation mittels eCPR ist zumeist eine Entschei-
dung unter Zeitdruck und auf dem Boden von oft spärlichen, oft auch nicht verlässlichen
Informationen über die Güte der präklinischen Reanimation und die Patientenvorgeschich-
te. Bei jüngeren Patienten ist die Entscheidung ggf. emotional beladen.
- Die Entscheidung zur eCPR ist deshalb zunächst eine "Tatsachenentscheidung" und sollte,
einmal getroffen, bis zur erfolgten Reperfusion und dem ersten Time-Out nach Reperfusion
im Team nicht hinterfragt werden, insbesondere nicht durch Interim-BGAs.
- Sollten sich in den folgenden Time-Outs gesicherte Informationen oder Befunde ergeben,
die mit der Indikation einer Fortsetzung der Reanimation nicht vereinbar sind (”Futility”),
kann und sollte die Reanimation mittels eCPR eingestellt werden, wie z.B. eine konventionel-
le Reanimation auch schon zuvor eingestellt worden wäre.
Regelmäßige Simulationen
- Interprofessionell nach Szenarien, innerhalb der Mikroteams und übergreifend. Auch
schwierige Situationen simulieren, z.B. auch einen Einsatz im Kreißsaal, etc.
- Erkenntnisse zur Optimierung der Simulationstrainings in die Abläufe/SOPs übernehmen.
ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin V-A ECMO 115
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118 V-V ECMO ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
Die V-V ECMO bietet keine Kreislaufunterstützung, lediglich eine Präoxygenierung venösen
Blutes vor der Lungenpassage. Um ein ausreichendes Sauerstoffangebot (DO2) zu gewährleisten,
muss ein ausreichendes HZV vorhanden sein.
}
O2 CO2
O2 Anteil
ECMO-Fluss hohe
HZV SvO2
venöse
Beimischung
Oxy-
}
genator
Anteil
ECMO-Fluss niedrige
HZV
CO2 venöse SvO2
Pumpe Beimischung
Auch wenn nach dem Oxygenator Blut mit einer post-Oxy-SaO2 von 100% bzw. einem post-Oxy-
paO2 um 400 mmHg abgegeben wird, führt die venöse Beimischung von nicht durch die extrakor-
porale Zirkulation erfassten Blutes zu einer Verminderung der Sättigung des gemischtvenösen
Blutes der A. pulmonalis (SvO2). Eine extrakorporale Präoxygenierung mit einem Fluss von 60-80
ml/KG kg (ca. 5 L/min, bzw. 60-90% des HZV) sind für das basale DO2 notwendig. Deshalb sollten
bei der V-V ECMO Systeme mit großzügigeren Oxygenatoren (z.B. 7L Oxygenatoren) eingesetzt
werden. Die Decarboxylierung erfolgt in Abhängigkeit der Höhe des Sweep-Gas-Flusses.
ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin V-V ECMO 119
drainierende, drainierende,
„venöse“ Kanüle „venöse“ Kanüle
femoral mit Spitze in VCI
drainierendes,
„venöses“
Lumen in VCI
Die Ein- und Ausschlusskriterien können zwischen den Zentren erheblich differieren. Im Gegen-
satz zur V-A ECMO sind Überlegungen zu Risiko und Nutzen einer V-V ECMO meist weniger
zeitkritisch und können mit mehr Information im Vorfeld diskutiert werden. Die Indikationskrite-
rien der EOLIA-Studie (formal „negative“ Studie, jedoch sehr viel Cross-Over in den Interventions-
arm) können deshalb nur als grobe Orientierungshilfen gelten.
Oxygenierungsstörung
und/oder
Ventilationsstörung
pH < 7,25 bei einem paCO2 > 60 mmHg für mehr als 6 Stunden
ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin V-V ECMO 121
Kommentar: Bei der Beatmungsdauer von < 7 Tagen müssen auch die vorbestehenden NIV-Zei-
ten und deren Invasivität bewertet werden. Bei entsprechender Indikation kann eine V-V ECMO
auch zur Vermeidung einer Intubation („Wach-ECMO“) erwogen werden, ohne zuvor die invasive
Beatmung und eine Bauchlage in ITN „auszureizen“.
In EOLIA ist das Patientenalter kein explizites Ausschlusskriterium; Alter in der ECMO-Gruppe
51,9±14,2 Jahre als Orientierung. Je schneller reversibel der potenzielle Lungenschaden, desto
großzügiger kann ggf. die Altersgrenze gewertet werden. Neben der V-V ECMO an sich, sind die
körperlichen „Reserven“ und Komorbiditäten eines Patienten vor ggf. wochenlanger ECMO-The-
rapie zu berücksichtigen. Je nach Erfahrung des Zentrums kann eine V-V ECMO auch kurzfristig
mit hohen Flüssen und minimaler Antikoagulation durchgeführt werden, sodass z.B. ein ARDS
nach Polytrauma keine Kontraindikation per se darstellt. Eine V-V ECMO bei vorbekannter HIT ist
nicht ausgeschlossen, aber eine individuelle Einzelfallentscheidung.
Abschätzung der Mortalität im ARDS nach der Lung Injury Score (Murray)
Einen Anhalt für die zu erwartende Mortalität im konventionellen ARDS, um diese dem „Risiko“
einer V-V ECMO gegenüber zu stellen, kann auch der Lung Injury Score geben. Beide Risiko-Be-
wertungen sind auch abhängig von der Erfahrung des eigenen Zentrums.
Kommentar: Auch bei der Indikationsstellung im CARDS sind die Positiv- und Negativkriterien
nur Anhaltspunkte und können zwischen Zentren und patientenindividuell variieren. Insbeson-
dere beim CARDS ist die sich rasch entwickelnde Studienlage zu berücksichtigen.
Das ARDS ist weder eine Erkrankung per se, noch entsteht sie e vacuo, vielmehr hat das ARDS
immer einen zumeist schwerwiegenden Auslöser oder noch ein der ARDS unterhaltendes
Moment. Auch wenn im Bereich der ECMO-Therapie der Lungenersatz im Vordergrund steht, ist
dieser keine Therapie des ARDS, der Lungenersazt gewinnt nur Zeit.
Der Erfolg der ECMO-Therapie steht und fällt mit dem Erkennen der zugrundeliegenden Störung
und ggf. deren kausale oder abwartende Therapie. Bei allem Fokus auf die Lunge und das
Lungenversagen darf eine mögliche kardiale Ursache eines ARDS nicht übersehen werden (z.B.
ein Papillarmuskelabriss mit konsekutiver höchstgradiger Mitralklappeninsuffizienz).
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124 V-V ECMO ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
}
wird maßgeblich durch den Anteil des ECLS-Flusses am
HZV bestimmt. Deshalb ist bereits bei der Auswahl der
Anteil
hohe Kanülen auf höchst möglichen Fluss zu zielen. Faktoren,
ECMO-Fluss HZV SvgemO2 die den maximal erreichbaren Fluss beeinflussen:
venöse - Durchmesser der Kanüle: nach dem Gesetz von
Beimischung Hagen-Pouiselle geht der Radius mit der 4. Potenz in
}
den Volumenstrom ein.
Anteil - Länge der Kanüle: der Volumenstromist umgekehrt
ECMO-Fluss niedrige proportional der Länge der Kanüle.
HZV SvgemO2 - Ein Anhalt für den maximal möglichen Fluss geben die
venöse
Beimischung herstellerspezifischen „Pressure-Drop“-Diagramme.
- Implantation der Kanülen: Optimierung der Implanta-
tionstiefe mittels TTE/TEE schon bei Anlage.
Durchführbar sind auch VV-V ECMO Konfigurationen, z.B. bei nicht ausreichender venöser
Drainage oder bei einer nicht beherrschbaren Rezirkulation durch eine bestehende Konfigurati-
on. Dabei immer auf die Flussraten in den entsprechenden Linien achten, um eine Stasesympto-
matik in den Linien mit Kanülen geringeren Durchmessers zu vermeiden.
Auch eine venöse Rückgabe von links jugulär ist durchführbar, z.B. bei thrombosierter V. jug. re.,
dann jedoch mit einer kurzen und dünnen flexiblen Kanüle, z.B. 19F/38cm. Vorschieben der
Kanüle von li. jugulär in den rechten Vorhof jedoch dann unter Durchleuchtung.
Um eine Re-Zirkulation
extrakorporal oxygenierten
Blutes zu vermeiden:
Abstand der Kanülen-
spitzen von mind. 10 cm.
Mind. 10cm Dabei die 15 cm lange
juguläre Kanüle komplett
einführen, die femorale
Kanüle in der VCI ca. in
Höhe Zwerchfell. Im Zweifel
femorale Kanüle tiefer
einführen und spätere
Korrektur. Eine Kontrolle
kann radiologisch erfolgen.
Bi-femorale Konfigration
Eine bifemorale Kanüleriung kann erwogen werden, wenn z.B. die rechte V. jug. int. durch einen
Thrombus verschlossen ist, meist durch die vorherige Anlage eines zentralvenösen Katheters,
oder es andere Punktionshindernisse am Hals gibt. Eine bifemorale Kanülierung kann im Verlauf
bei zunehmender Mobilisierung des Patienten einfach auf eine bi-cavale Dual-Lumen-Kanüle
umkonfiguriert werden, sollte sich die Thrombose am Hals wieder rekanalisieren.
Zwar kann im Notfall eine bifemorale Kanülierung rasch auch durch eine punktierende Person
erfolgen, jedoch entzieht sich die sichere, hohe Lage der rückführenden Kanüle oft dem TTE und
sollte mittels TEE überwacht werden, sodass sich der personelle Aufwand relativiert.
Zur Rückgabe kann eine Kanüle kleineren Durchmessers gewählt werden, die drainierende
Kanüle möglichst groß. Bei ausreichender Sicherung und Vermeiden von Knicken im nicht
stahlarmierten Bereich ist eine Mobilisierung auch mit Leistenkanülen bis in den Stand möglich.
ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin V-V ECMO 127
Durchführung
Bei der Implantation sollte die Beschriftung Stiff-Draht unter TEE Kontrolle: Der Draht
zunächst nach außen zeigen. Eine Feinabstim- muss in der VCI sichtbar sein und die Leberve-
mung der Kanüle ist dann im TEE noch mög- ne passieren, hierzu Wechsel auf das TTE (VCI
lich. Ein späteres 180°-Drehen der Kanüle ist von subxiphoidal lange Achse). Einführtiefe
zu vermeiden und ohne Trokar kaum möglich. des Drahtes mindestens 70-80 cm.
Zur endgültigen Lagekontrolle der Implantationstiefe muss der Trokar in die Kanüle zurückgezo-
gen werden (Markierung seitlich am Trokar), damit nicht die Trokarspitze als Tiefenmarker dient.
Das gerade, drainierende Der Aufsatz des rückführen-
Lumen kann gespült den Lumens ist nicht
werden, da der Aufsatz durchgängig. Die
durchgängig ist und den Blasenspritze muss direkt
Ansatz der Blasenspritze auf die Konnektion der
abdichtet. Klemmen nur im Kanüle aufgesetzt werden.
transparenten Bereich, Die Aufsatzkappen können
nicht im Bereich der zum Spülen getauscht
Stahlarmierung werden (bessere Abdich-
klemmen! tung).
A B
C D
H
E F G
(A) TEE, bicavaler Schnitt. Passage der „J“-Spitze des Stiff-Drahtes von der VCS in die VCI. (B) Der
Draht muss anschließend sicher im TTE in der VCI lokalisiert werden, ohne in die 1. Lebervene
abzubiegen. (C) Vorschieben der Kanüle unter Sicht im TEE. (D) Anschließende Kontrolle der
Kanüle in der VCI im TTE. (E) Die korrekte Abgabe in den rechten Vorhof/Ventrikel kann mittels
Injektion oder an der anlaufenden ECMO kontrolliert werden. (F-H) CT, 3D-Rekonstruktion. Eine
radiolgische Darstellung dient eher dem Ausschluss von Verletzungen (Pneu, Perikard).
1. Hautstich mit Steg 2. Knoten vor dem Ring 3. Kanüle umschlingen, Knoten
dahinter
Im Bereich der Einstichstelle das Nahtmaterial so gering und Fadenenden so kurz wie möglich
halten. Aufgrund der geringen Belastbarkeit dieser Naht sollte diese insgesamt zur Diskussion
gestellt werden, insbesondere, wenn ein Fixierungsschema der Kanülen etabliert ist, z.B. mittels
speziellen Klebepflastern oder (Kopf-)bändern.
1. Sicherung der Konnektion 2. Vor dem Zurren des Kabelb- 3. Zurren des Kabelbinders.
mittels Kabelbindern. inders den Faden durchziehen.
132 V-V ECMO ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
rung
g ssiche erun
g
Führun ich
u ngss
Führ
Zugsicherung
g
herun c
Zugsi
ung
gssicher
Führun
Zugsicherung
Mit 2 Nähten kann das „Y“ der Bei der Fixierung und Lagerung/Mobilisierung von
Kanüle unter Zug fixiert werden. Patienten mit Dual-Lumen-Kanüle ist auch auf das
Wichtig bei dieser Kanüle ist eine „doppelte Gewicht“ der ECMO-Schläuche zu achten. Um
ausreichende Sicherung mittels hier eine Entlastung zu ermöglichen, können die Kanülen
Kopfband. zusätzlich mit Bandfixierungen am Oberarm fixiert
werden.
ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin V-V ECMO 133
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134 V-V ECMO ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
ECMO-Indikation
- Vt < 4ml/kgKG IBW (Tidalvolumen > Totraumventilation, sonst Gefahr der N2-Akkumulation
durch alveoläre Resorption von O2, nicht jedoch N2. Totraum ≈ 2ml/kgKG. Eine N2-Akkumula-
tion ist eine theoretische Gefahr, falls die ECMO plötzlich ausfällt: keine O2-Reserve.
- PEEP ≈ 10 cm H2O, Pinsp< 20-25 cm H2O , Pdelta< (12-)14 cm H2O (als Surrogat für den Driving
Pressure bei der druckkontrollierten Beatmung)
- Frequenz (6-)8/min
- Abstimmung von Atemfrequenz und Driving Pressure: „(4*Driving Pressure)“ + RR als
Surrogatparameter für die übertragene mechanische Energie: die Energie ist eine Funktion
von Vt und der Atemfrequenz, eine Senkung von Vt ist nur förderlich, wenn die Senkung des
Driving Pressures um 1 cmH2O mit Zunahme der Atemfrequenz von nicht mehr als 4/min
einhergeht.
- FiO2 <≈ 0,5.
- paCO2: Steuerung nach pH und Klinik, bei vorbestehender oder im Verlauf chronischer
Hyperkapnie im Kontext vom HCO3- beachten. Bei erhöhtem Atemantrieb (CARDS) ggf.
Versuch einer milden „Hypokapnie“
Supportive Therapie
- Eine Bauchlage an der V-V ECMO ist möglich und nach entsprechender Schulung im Team
auch ähnlich sicher durchführbar wie beim Patienten ohne ECMO.
- Es gibt Hinweise, dass im CARDS eine Bauchlagerung an der V-V ECMO einen Überlebens-
vorteil bring, wenn sie früh (<5 d) durchgeführt wird. Danach ist die Fortführung eine indivi-
duelle Entscheidung, insbesondere ob mit der Bauchlage rekrutierbare Lungenareale
erreicht werden können: Hat der Patient bisher von Bauchlagen profitiert? Sind im CT-Tho-
rax rekrutierbare Areale? Re-Evaluation im Verlauf ggf. nach CT-Thorax.
- Bläh-/ oder Rekrutierungsmanöver sollten vermieden werden.
- Inhalationstherapie, Atemtherapie, Physiotherapie nach Standard durchführen.
- Sedativa-freie „Wach“-ECMO unter adäquater Analgesie wenn immer möglich, ein wacher
Patient ist Grundvoraussetzung für effektive Physiotherapie, Mobilisierung, Delirprävention,
bis hin zur LTX. CAVE: lang wirksame Sedativa. Eine Mobilisierung bis in den Stand ist auch
mit (bi)-femoralen Kanülen möglich.
- Hinzunahme von Inhalationsanästhetika (Isofluran, Sevofluran) ist an der ECMO grundsätz-
lich möglich, es erfolgt ohne signifikante Gas-Freisetzung an der Konsole. Cave: Fragl.
Wirksamkeit bei geringem Vt (ca. <200 ml), Erhöhung des Totraum durch den Vaporisator.
- Der günstigste Zeitpunkt zur Tracheotomie invasiv beatmeter Patienten ist individuell zu
ermitteln. Kann ein Patient an der V-V ECMO prospektiv nicht zeitnah geweant oder extu-
biert werden, ist eine frühe Tracheotomie ggf. mit dem Vorteil der geringeren Blutung und
geringerem Sedativa-Bedarf verbunden. Wenn möglich immer eine dilatative Tracheotomie
einer offenen vorziehen.
136 V-V ECMO ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
ECMO Fluss/Sweep-Gas
Beatmungsinvasivität
Hoch-
invasive
Beatmung
Auch wenn die Oxygenierung in erster Linie eine Funktion der ECMO-Laufrate und die Decar-
boxylierung eine Funktion des Sweep-Gas-Flusses ist, bedingen sich beide Funktionen unaus-
weichlich gegenseitig. Mit Reduktion des V-V ECMO-Flusses sinkt auch die Decarboxylierungleis-
tung, bei Reduktion des Sweep-Gas-Flusses bei einem Oxygenators mit langer Standzeit auch die
Oxygenierung. Explantation der Kanülen nach Stabilität für eine Schicht bettseitig, ggf. mit
Z-Naht. Thrombose-Screening nach Dekanülierung: Falls pos. 3 Monate wie eine TBVT behandeln.
ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin V-V ECMO 137
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ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin V-V ECMO 141
Dokumentation im PDMS
Beginn der Dokumentation im
PDMS mit Beginn der Reperfusion.
Minimal-Dokumentation:
Drehzahl und ECMO-Fluss
FiO2 Mischer, Sweep-Gasfluss
pVen, pArt , Δp.
SVR
Lactat(a)
SaO2 PAPmean / PAPsyst [mmHg] Abschätzung PAPsyst im TTE via TK-Gradient
paO2 Messung im PAK von PAPsyst und PAPmean
paCO2
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ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin V-V ECMO 143
2Do
- Lokal: Sandsack, Supratupfer, hämostyptische Gaze.
- KEINE Umstechung, KEINE Injektionen von Suprarein:
Beschädigung der Kanülen, spätere Nekrosen im Bereich
der Einstichstelle, Hygiene.
- Evaluation der systemischen Antikoagulation.
2Do
- Bei längerer Standzeit des Oxygenators auch längeres,
„Flushen“ bis zu 1 Minute (CAVE: CO2-Abfall).
- Bei kompakten Systemen kompletter Wechsel, bei offenen
Systemen ggf. Tausch von Einzelkomponenten (Pumpe,
Oxygenator).
2Do
- Kanülen bei der Anlage immer gut spülen.
- Bei kompakten Systemen kompletter Wechsel, bei offenen
Systemen ggf. Tausch von Einzelkomponenten.
- Patientenseitig: Thrombenequelle? HIT II?
- Die aktuelle systemische Antikoagulation re-evaluieren.
144 V-V ECMO ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
2Do
- kleinere Mengen ggf. durch entlüften und aspirieren
entfernen, jedoch großzügig kompletter Systemwechsel.
- Ultima ratio bei nicht zeitnah verfügbarem Ersatzsystem:
vom Patienten passager getrenntes Systems mittels einer
Notfall-Leitung oder improvisierter venöse Konnektion mit
größerer Menge NaCl 0,9% unter Druck „durchspülen“.
Cave: Blutverlust, Hygiene.
Kanülendislokation Vermeiden
+/- - Tägliche Kontrolle auf ein „Herauswandern“ der Kanülen.
fulminante - Bei Dislokation von Multi-Stage Kanülen kann es sowohl
aus den Seitlöchern bluten, als auch in der venösen Linie
Luftembolie zu einer Luftembolie mit Ausfall des Pumpe kommen.
- Bei allen Punktionen oder Eingriffen, die zu einer Eröff-
nung einer großen oder zentralen Vene führen, kann es
durch den negativen Druck in der venösen Linie/Schenkel
der ECMO zu einer Luftembolie mit Ausfall des Pumpe,
aber auch zu einer Luftembolie im Patienten kommen.
- ZVK/Shaldon: alle Lumina entlüften, Finger auf Nadel
nach Punktion, kein Lumen zur Atmosphäre offen halten.
- Dilatationstracheotomie: Hautschnitt mit NaCl 0,9%
getränkten Kompressen abdichten.
2Do
- Volumenmanagement, Hypervolämie vermeiden, Diuretika
- kleinere Pneumothoraces unter engmaschiger Kontrolle
tolerieren (außer bei Spannungskomponente)
- Evaluation Antikoagulation vor Entlastung
- minimal invasivste Option der Entlastungspunktion, falls
unausweichlich, z.B. 14F Seldinger-Drainage
- Bei großen Ergüssen fraktionierte Entlastung, um e vacuo
Blutungen zu vermeiden.
2Do
- Multi-Stage Kanülen (femoral) rasch ziehen (Seitlöcher)
- Z-Naht bei Zug der Kanülen
- ggf. Femostop® verwenden
- Oberkörperhochlagerung nach Zug der jugulären Kanüle
und Abkleben der jugulären Punktionsstelle mit Pflaster
mit CHX-Patch (luftdicht, verhindert zweizeitige Luftaspira-
tion)
Notfallbetrieb mittels - Ultima ratio bei technischem Ausfall der Konsole oder
Handkurbel nicht behebbarem Alarm, Bei leerem Akku auf Transport
oder bei einem Systemwechsel, falls keine 2. Konsole
verfügbar ist, die originäre Konsole dient dann dem
Priming
- Je nach System ist ggf. keine Handkurbel vorhanden,
sondern Wechsel auf eine redundante Backup-Konsole
notwendig
- Switch des Pumpenkopfes auf die Handkurbel bzw.
redundante Konsole regelmäßig am Übungsset üben
- Zum Wechsel auf die Handkurbel Oxy und Pumpe
ausklemmen
146 V-V ECMO ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
Während des Betriebs einer V-V ECMO sollte jederzeit der Wechsel auf V-AV möglich sein
(geschultes Team, Ausstattung). Dennoch sollte die Indikation einer Eskalation auf eine V-AV
ECMO i.S.e. eCPR im klinischen Gesamtkonzept getroffen werden. Idealerweise ist bei kritischen
Patienten ein Procedere für den Notfall vorab besprochen (Gemeinsames Entscheidungstreffen/
GET) und dokumentiert.
Tri-femorale V-AV
Konfiguration „V“ Oxy
„V“
Patient Oxy
500 ml kristalloide Lösung (VEL) anschliessen VEL passiv und retrograd infundieren
ECMO - Systemwechsel
Vorbereitung
- Neues System auf 2. Konsole primen, bei konfektionierten Systemen können Oxygenator
und/oder Pumpenkopf ggf. separat ersetzt werden (nur durch Kardiotechnik).
- Notfallszenario, falls kein 2. geprimtes System vorhanden: altes System auf Handkurbelbetrieb.
- Heparinisiertes NaCl 0,9% vorbereiten. Weiteres Material: Blasenspritzen, 2 sterile 3/8‘‘
Adapter, mindestens 4 sterile Klemmen, sterile Schere, Kabelbinder. EK nach Hb bereithalten.
- ausreichend großes Sterilfeld vorbereiten.
- Schlauch mit Wischdesinfektion vorab im Bereich der Schnittstellen desinfizieren.
Praktische Durchführung
- Nach Desinfektion unter jede Linie ein
Steriltuch unterlegen. Linien mit
Coro-/Lochtuch abdecken, Schnittstellen
freilegen, erneute Desinfektion.
- Schnittstellen ausklemmen, Konsole auf
0 rpm.
- Zusätzliche „Sicherheitsklemme“ an die
rote Linie anbringen, verhindert Luft im
Oxygenator bei ggf. nicht fest sitzenden
Klemmen beim Wechsel.
- Nahe der Kanülen schneiden, jedoch
noch genug Schlauchlänge für die
Konnektoren berücksichtigen.
- In der blauen Linie Konnektoren OHNE
Sideport verwenden (potentielle Luftein-
trittsstelle), in der roten Linie unnötige
Luer-Sideports vermeiden (Clots).
- Alle Konnektionen luftfrei „unter dem
fallenden Tropfen“ (Assistenz).
- 3/8‘‘ Schläuche fest auf die neuen
Konnektoren aufschieben (“Walken“).
- Alle neuen Konnektionen mit Kabelbin-
dern sichern.
- Beim Wiederanfahren bei V-A „Back-
flowprävention“ beachten.
- Sicherheitsklemme der Rote Linie zuletzt
öffnen (Kavitation).
- ggf. periinterventionell „Single-Shot“
Antibiose, falls keine systemisches
Antibiotikum im gram-pos. Spektrum.
Zwei gleichläufige, tief greifende Stiche werden Einen Knoten vorlegen und Fadenenden unter Zug
links und rechts der Eintrittstelle gestochen. halten. Vor dem 2 Knoten zieht eine assistierende
Durch die Gleichläufigkeit überkreuzen sich die Person die Kanüle. Bei Multistage-Kanülen die
Enden. Werden sie verknotet, bildet sich ein „Z“. Kanüle rasch ziehen, da es aus den Seitlöchern so
Ausreichend kräftiges Nahtmaterial verwenden lange blutet, bis die Kanüle entfernt ist. Nach dem
(geflochten, z.B. Ethibond Excel® 2-0 mit 48mm Kanülenzug hält die assistierende Person einen
Nadel). Nadelhalter auf den ersten Knoten. Der zweite,
Beim wachen Patienten Infiltration mit Lokalan- gegenläufige Knoten, kann dann satter geknotet
ästhetikum im Bereich der beiden Stichkanäle. werden. Noch 5-10 Minuten manuell komprimie-
ren. Z-Naht 6 Stunden belassen, dann entfernen.
Zwei gleichläufige Stiche werden links und rechts der Eintrittstelle gestochen. CAVE: ausreichend
Abstand zur A. carotis. Durch die Gleichläufigkeit überkreuzen sich die Enden, werden sie verknotet,
bilden sie ein „Z“. Geflochtenen Faden verwenden, z.B. Mersilene® CP 0). Noch 5-10 Minuten manu-
ell komprimieren. Z-Naht 6 Stunden belassen, dann Faden entfernen.
150 Allgemeine Aspekte ECLS/ECMO ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
„Prä-Oxy-BGA“
Durch Anbringen einer optionale Verlängerung mit 3-Wege-Hahn vor dem Oxygenator, je nach
Modell direkt am Oxygenator oder durch Einbringen einer Konnektion mit Luer-Sideport in die
balue Linie vor dem Oxygenator, kann ergänzend zur „Post-Oxy -BGA“ eine „Prä-Oxy-BGA“
abgenommen werden. Dies sollte bereits beim Priming geschehen werden, um ein Klemmen der
Maschine im laufenden Betrieb zu vermeiden.
Drücke im ECMO-System
P venös (pVen) venöser Ansaugdruck
P intern (pInt) zwischen Pumpe und
P arteriell (pArt)
Oxygenator
Rückgabe-Druck
P arteriell (pArt) Rückgabe-Druck CAVE:
Delta-P (∆p) = pInt- pArt nicht Patientendruck
P intern (pInt) Delta-P (∆p) pInt- pArt Druck, der benötigt
Druck zwischen wird, um das Blut von
Pumpe und Oxy einer Seite des Oxyge-
nators zur anderen zu
P venös (pVen) venöser bekommen
Ansaugdruck
Literatur
Cilingiroglu M, Salinger M, Zhao D, Feldman T. Technique of temporary subcutaneous "Figure-of-Eight" sutures to
achieve hemostasis after removal of large-caliber femoral venous sheaths. Catheter Cardiovasc Interv.
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Epis F, Belliato M. Oxygenator performance and artificial-native lung interaction. J Thorac Dis. 2018;10(Suppl
5):S596-S605. doi:10.21037/jtd.2017.10.05
Kumar P, Aggarwaal P, Sinha SK, et al. Efficacy and Safety of Subcutaneous Fellow's Stitch Using "Fisherman's Knot"
Technique to Achieve Large Caliber (> 10 French) Venous Hemostasis. Cardiol Res. 2019;10(5):303-308.
doi:10.14740/cr931
Pracon R, Bangalore S, Henzel J, et al. A randomized comparison of modified subcutaneous "Z"-stitch versus manual
compression to achieve hemostasis after large caliber femoral venous sheath removal. Catheter Cardiovasc Interv.
2018;91(1):105-112. doi:10.1002/ccd.27003
152 Allgemeine Aspekte ECLS/ECMO ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
„Post-Oxy-etCO2“
Durch Anbringen einer etCO2-Messung am Auslass des Oxygenators kann etCO2 im Sweep-Gas
gemessen werden. Die durch das Sweepgas im Oxygenator entfernte CO2 ist proportional dem
Sweepgasfluss. Analog hierzu ist die Decarboxylierung der nativen Lunge proportional der
Ventilation (Minutenvolumen). Wie auch bei der nativen Lunge führt ein Ventilations bzw.
Sweep-Gasfluss/Perfusions-Mismatch zu einer verminderten Decarboxylierungsleistung trotz
erhaltener Ventilation/konstantem Sweepgas. Bei der nativen Lunge ist das z.B. bei einer
Lungearterienembolie der Fall, beim Oxygenator durch Verlust von Kapillaren, z.B. durch
Clotting oder Kondenswasser im Oxygenator.
- ergibt einen Anhalt für die Decarboxylierungsleistung des Oxygenators
- CAVE: keine etablierten Werte, Dynamik beachten, die üblichen Monitorsysteme errechnen
keine „AUC“ der etCO2-Kurve
- Anhalt im Weaning (V-V ECMO) für Eigen-Ventilation des Patienten: das Verhältnis der
Decarboxylierungsleistung Oxy/Patient kann bei liegendem PAK über SvO2 berechnet
werden
etCO2-Monitoring, durch
den konstanten Sweep-
Gas-Fluss wird entspre-
chend ein laminares
Oxygenator von unten. Der CO2-Messküvette mit einem kurzen Stück etCO2-Signal detektiert.
Pfeil markiert den Silikonschlauch als Verlängerung am Auslass Im Beispiel zeigt ein etCO2
Sweep-Gas-Auslass. angebracht. CAVE: Off-Label! Der Aufbau von 23 mmHg bei 6 L/min
darf den Auslasswiderstand nicht erhöhen, Sweepgas bei einem
sonst sinkt die Oxy-Leistung. erschöpften Oxygenator.
Anwendungen für den Y-Konnektor, um Klemmzeiten und Blutungen beim Tausch von Kanülen
zu verringern und Sicherung des Zugangswegs beim Austausch einer Kanüle:
- Luer-Schenkel des Y-Konnektors mit einer Schleusenkappe schliessen, den 3/8“ Schenkel
zur Möglichkeit der Entlüftung mit einem kurzen Stück 3/8“ Schlauch versehen. Entlüften.
- Y-Konnektor über ein kurzes 3/8“ Schlauchstück an die Kanüle anbringen.
- (Stiff)-Draht über das Seitloch einführen und über diesen die Kanüle tauschen.
- Zum Einführen des Stiff-Drahtes kann es vorkommen, dass das „J“ an der Drahtspitze das
„Y“ nicht passiert. Abhilfe: Strecken des „J“ in einem Multi-Purpose-Katheter.
- Bei Tausch einer jugulären Kanüle im V-V-Setting auf eine bi-cavale Dual-Lumen-Kanüle
kann durch Einbringen während der Drahtplatzierung bei bestehender ECMO-Abhängigkeit
noch ein Fluss aufrechterhalten werden oder eine Retransfusion erfolgen.
154 Allgemeine Aspekte ECLS/ECMO ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
0 rpm
Abschluss der Dialyse
Bei der Retransfusion der RRT
darauf achten, dass die Elekt-
Oxygenator Drehzahl RRT nach rolytlösung zur Retransfusion
ausklemmen auf 0 rpm Schaubild über die Dialysemaschine zur
integrieren blauen Linie (PRÄ-Oxy) läuft.
An der V-A ECMO Bestimmung des paCO2 - FiO2 am Blender stets 1,0
aus Arterien des rechten und linken Arms (!) - zu Beginn des Apnoe-Tests auf ein
korrektes Ausgangs-CO2 achten CAVE:
Ausgangswert Apnoetest immer temperaturkorrigierte Werte
Der höhere der Der niedrigere verwenden .
beiden paCO2- der beiden - Besonderheiten zur seitengetrennten
Werte muss paCO2-Werte
zwischen 35 und muss bei
Butgasanalyse an der V-A ECMO beach-
45mmHg liegen mindestens ten.
60mmHg liegen - Reduktion des Sweep-Gases zu Beginn
der IHA-Diagnostik auf 0,5-1 l/min.
- Die IHA-Diagnostik sollte immer nach
Analog der Pathophysiologie des Harle- der aktuellen Richtlinie und einem mit
kin-Phänomens (Differential Hypoxaemia) den hämodynamischen und apparati-
kann es auch zu einer differentiellen Decar- ven und hämodynamischen Besonder-
boxylierung oder differentiellen Kontrastmit- heiten der ECLS/ECMO vertrauten/er-
telanreicherung zwischen den oberen und fahrenen Ärztin/Arzt durchgeführt
unteren, jedoch auch innerhalb der oberen werden
Extremitäten kommen. Aus diesem Grund
sind die auf den Nachweis einer fehlenden-
den intracerebralen Perfusion beruhenden
Verfahren kritisch zu bewerten bzw. nicht
zugelassen.
Molekulare Autopsie
Bei jungen Patienten mit plötzlichem, unvermutetem Herzkreislaufstillstand kann im Rahmen
der eCPR bereits DNA asserviert werden. Eine nach infaustem Ausgang der Reanimation, dann
postmortale molekulare Autopsie ist von den entsprechenden Fachgesellschaften in einem
Positionspapier empfohlen für Patienten:
- Alter < 40 Jahre
- sicherer/vermuteter Plötzlicher Herztod rhythmogen
- sicherer/vermuteter Plötzlicher Herztod thrombembolisch
- sichere/vermutete Dissektion
- echokardiographische Auffälligkeiten (HOCM, etc.)
Ein entsprechendes Formular und die Kommunikation mit dem Labor erleichtert die sichere
Asservierung von DNA. Bei Versterben des Patienten sollte mit den Hinterbliebenen die Mög-
lichkeit besprochen werden, sich mit dieser DNA ggf. an eine humangenetische Beratungsstelle
zu wenden, z.B. zur Abklärung von erblichen Ionenkanal- oder Bindegewebserkrankungen.
Literatur
Behr ER, Scrocco C, Wilde AAM, et al. Investigation on Sudden Unexpected Death in the Young (SUDY) in Europe: results
of the European Heart Rhythm Association Survey. Europace. 2022;24(2):331-339. doi:10.1093/europace/euab176
Schulze-Bahr, E., Dettmeyer, R.B., Klingel, K. et al. Postmortale molekulargenetische Untersuchungen (molekulare
Autopsie) bei kardiovaskulären und bei ungeklärten Todesfällen. Kardiologe 15, 176–193 (2021). [Link]
g/10.1007/s12181-020-00438-5
Wilde AAM, Semsarian C, Márquez MF, et al. European Heart Rhythm Association (EHRA)/Heart Rhythm Society
(HRS)/Asia Pacific Heart Rhythm Society (APHRS)/Latin American Heart Rhythm Society (LAHRS) Expert Consensus
Statement on the State of Genetic Testing for Cardiac Diseases. Heart Rhythm. 2022;19(7):e1-e60. doi:10.1016/[Link]-
m.2022.03.1225
ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin Allgemeine Aspekte ECLS/ECMO 157
ECMO-Kreislauf-Infektionen
Infektionen und Sepsis an der ECMO
Der septische Patient an einer ECMO ist zunächst ein septischer Patient und sollte nach den
aktuellen Sepsis-Guidelines und der ABS-Hausliste wie eine (Patienten-)systemische Sepsis
diagnostiziert und behandelt werden. Durch die große extrakorporale Köerperoberfläche kühlt
bereits das ECMO-System den Patienten auch ohne Einsatz einer H(C)U. Entwickelt der Patient
mildes Fieber, kann dies verborgen bleiben, erst bei höheren Temperaturen wird es manifest, der
Patient kann dann sogar die HU „heizen“. Eine Device-Infektion ist oft eine Ausschlussdiagnose
bzw. rein klinische Einschätzung und kann ursächlich, aber auch koinzident mit einer klinischen
Verschlechterung des Patienten aufgrund eines anderen Infektfokus sein. Ob „Infektparameter“
wie die Neutrophil-Lymphocyte Ratio (NLR), Platelet-Lymphocyte-Ratio (PLR) oder das Procalcito-
nin (PCT) eine Infektion von einem sterilen ECMO- oder Reperfusions- assoziierten SIRS unter-
scheiden können, ist nicht endgültig geklärt. PCT und NLR scheinen auch unabhängige Progno-
separameter für die Mortalität zu sein. Bezüglich CRP und PCT sind die „cut-offs“ wahrscheinlich
höher anzusetzen (CRP > 10 mg/dl und PCT > 2 ng/ml). Dynamik der Infektwerte beachten!
ECMO-spezifische Besonderheiten
Besiedelung der Einstichstelle
Von einer lokalen Besiedelung der Einstichstellen kann nicht auf eine systemische Infektion
geschlossen werden. Deshalb keine Routineabstriche der Einstichstellen durchführen, diese
dokumentieren nur eine lokale Besiedelung und führen ggf. zu unnötiger systemischer Therapie
(ABS/Resistenzenwicklung, Toxizität)
„Post-Dekanülierungs-Fieber“
Durch den abrupten Wegfall der über Tage bis Wochen bestehenden externen Temperaturregu-
lierung (HU oder HCU) kann es nach Dekanülierung zu Fieber kommen, ohne dass eine Infektion
vorliegt. Differentialdignostische Abgrenzung zu einer septischen Einschwemmung (z.B. durch
einen infizierten Thrombus): Klinische Einschätzung, Blutkulturen, Dynamik der „Infektparame-
ter“.
ECMO-Kreislauf-Infektionen II
Manifeste ECMO Device-Infektionen ECMO spezifische Massnahmen
Häufige Erreger Vermeiden
gram-pos. Erreger - Ventilator- und Device-assoziierte
(CNS, Staph. aureus) Infektionen (CRBI) vermeiden
- Parenterale Ernährung möglichst
gram-neg. Erreger vermeiden
(Pseudomonas, Enterokokken) - keine unnötigen Zugänge und Punktio-
nen während der ECMO, täglich Evalua-
Konfigurationsspezifische tion der intravasalen Devices und
Unterschiede Katheter
- Auf eine ausreichende Fixierung achten,
V-V ECMO dies minimiert lokale Reizungen der
gram pos. > gram neg. Einstichstellen und Blutungen (Nährbo-
Candidämien nach den)
Woche 3 - Bei der Kanülenanlage Fäden der
Haltenähte so kurz wie möglich halten
V-A ECMO (Nährboden, Keimstraßen)
gram neg. > gram pos. - Stets transparente Pflaster mit Clorhexi-
Candidämien auch früh din-Kissen verwenden
- Verbandswechsel unter sterilen
Kautelen (alter Verband ab - Desinfekti-
Riskiofaktoren für on - steriles Abdecken - steriler neuer
Device-Infektionen Verband).
V-V ECMO Konfiguration - 1. Wechselintervall 48h, dann 72h, keine
Lange Liegedauer der tägl. Manipulationen, nur bei deutlicher
Kanülen, vorbestehende Verschmutzung
Immunsuppression - Lokale Besiedelung nicht systemisch
bi-femorale Konfiguration behandeln
CAVE: 2Do
PCT, CRP diskriminieren nicht - Basishygiene, VAP, CRBI-Bundles nach
Patienten-Sepsis vs. lokalem Standard
Device-Infektion - SOD/SDD (Einzelfalentscheidung zur
PCT, CRP diskriminieren nicht Reduktion von Bakteriämien)
gram-pos. Infektion vs. - Keine lokalen Abstriche (dokumentiert
Candidämie nur lokale Besiedelung)
Lokale Abstriche dokumen- - Diagnostik und Therapie nach
tieren eine lokale Besiede ABS-Hausliste/lokalen Standards.
lung, beweisen aber keine Fokussuche (Bildgenung, Urin, etc.)
Blutstrominfektion - Bei hochgr. V.a. Device-Infekt kalkulierte
AB im gram-neg. Spektrum, im
gram-pos. Bereich erweitern (Vanco,
Linzeolid)
- Bei pos. Blutkultur Anpassung der
antiinfektiven Therapie, ggf. biofilmgän-
gige Antibiotikum nach Antibiogramm
(Linezolid, Daptomycin, Rifampicin)
- Echinocandine bei Candidämie,
ß-D-Glucan-Diagnostik
- Ultima ratio: Device-Wechsel planen,
z.B. passagere bifemorale Konfig. mit
späterem Wechsel auf jug. Dual-Lu-
menkanüle
ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin Allgemeine Aspekte ECLS/ECMO 159
Praktische Durchführung
Dokumentation des aktuellen Körpergewichts und des Kalorienziels bei Aufnahme. Bei einem
Kalorienziel von 24 kcal/kgKG/d beträgt die kontinuierliche Laufrate über 24h einer Ernährungs-
ölung gleich dem Körpergewicht in ml/h. Beispiel: ein 80kg schwerer Patient benötigt eine Laufra-
te von 80ml/h einer Ernährungslösung mit 1 kcal/ml. Ist die Ernährungslösung hochkalorischer,
muss die Laufrate entsprechend dem Verhältnis zu 1 kcal/ml reduziert werden. Entsprechend
auch einer Laufzeit von 20 Stunden. Die exakten Laufraten von Beispiellösungen kann o.g.
Tabelle entnommen werden. Beginn mit einem Viertel der Laufrate (“1/4“). Steigerung nach
metabolischer und enteraler Verträglichkeit um ein Vielfaches von „1/4“. Die Pause dient u.a. der
Applikation von sensitiven Medikamenten am Morgen (z.B. L-Thyroxin), sollte jedoch nicht (!) zum
Anlass zur Durchführung von Refluxkontrolle dienen.
6 kcal/kg KG
Beispiel: Pat. 80 kg KG, Ernährungslösung 1,5 kcal/ml
6 kcal/kg KG 6 kcal/kg KG
6 kcal/kg KG 6 kcal/kg KG 6 kcal/kg KG
Das Kalorienziel berechnet sich
6 kcal/kg KG 6 kcal/kg KG 6 kcal/kg KG 6 kcal/kg KG
80 kgKG · 24 kcal/kgKG/d =1920 kcal/d
Tag 1 Tag 2 Tag 3 Tag 4
Mit einer Ernährungslösung mit 1,5 kcal/ml über 20h 16 ml/h 32 ml/h 48 ml/h 64 ml/h
1920 kcal/20h : 1,5 kcal/ml = 1280 ml/20h =64 ml/h
zum Beispiel: Pat. 80kg KG, Lösung 1,5 kcal/ml
Kostaufbau/Steigerung bei guter enteraler
Toleranz um 1/4 der berechneten Laufrate/d
160 Allgemeine Aspekte ECLS/ECMO ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
6 kcal/kg KG 6 kcal/kg KG
6 kcal/kg KG
+ = 6 kcal/kg KG
6 kcal/kg KG 6 kcal/kg KG
Gängige Ernährungslösungen
Laufrate bei 20h enteral/d
Enteral kcal/ml %kcal Prot. gProt./100ml %kcal Glc %kcal Fett %kcal Ballast 50 60 70 80 90 % Protein/d
Nutrison® Protein Plus Multifibre 1,3 20 6,3 44 34 2 48 56 64 72 80 120
Isosource® soyenergy fibre 1,5 16 4,9 49 33 2 40 48 56 64 72 80
Isosource® protein fibre 1,3 20 6,7 30 48 2 48 56 64 72 80 130
Fresubin® 2 KCAL HP 2 20 10 33 45 2 30 36 42 48 54 120
Fresubin® hepa 1,3 12 4 53,5 33 1,5 48 56 64 72 80 80
Survimed® OPD 1,3 20 6,7 55 25 0 48 56 64 72 80 130
Parenteral Laufrate bei 24h parenteral/d % AS/d
Nutriflex® Lipid peri novo 0,765 17 3,2 33 50 entf 80 96 112 124 136 120
Nutriflex® Lipid Plus novo 1 15 4,8 48 38 entf 60 72 84 96 108 140
Olimel® 5,7% E 1 16 5,7 44 40 entf 60 72 84 96 108 160
SMOV Kabiven 1,1 20 5 entf 54,55 65,5 76,4 87,3 98,2 130
Die Standzeit eines Beutels beträgt maximal 24h, bei geringerer Laufrate den Rest verwerfen *bezogen auf ein Proteinziel von 1g/kg KG
Spurenelemente (nur bei parenteraler* Ernährung) Laufraten auf durch 4 teilbare Werte gerundet
ADDEL® TRACE täglich 1 Amp (10ml) pro Beutel
Zink individuell, z.B. bei Wundheilungsstörungen * bei einem Äquivalent von ca. 1.500 kcal ist der
Vitamine (nur bei parenteraler* Ernährung) Bedarf an Spurenelementen und Vitaminen bei
Cernevit® täglich 1 Amp pro Beutel einer EN abgedeckt. Sonst: 1xtägl. Supradyn® BT
Eine (T)PN sollte frühestens ab d+5 nach Ausschöpfung aller Möglichkeiten der Steigerung der
Verträglichkeit einer enteralen Ernährung begonnen werden.
162 Allgemeine Aspekte ECLS/ECMO ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
Die SDD-Paste muss von der Apotheke hergestellt werden. Einreiben mit Handschuh/Finger
nach Abschluss der Basis-Mundhygiene.
Applikation
SDD wirkt nur bei adäqua-
- 4 x tägliche orale Applikation der SDD-Fertig-Lösung
!
ter Stuhlfrequenz und
- 4 x tägliche enorale Applikation der oralen SDD-Fertig-Paste -menge:
>150 ml/24h und
ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin Allgemeine Aspekte ECLS/ECMO 163
Surveillance
Literatur
ECMO-Kreislauf-Infektionen
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Beispielformulare
Beispielformulare
Formulare entstehen meist lokal vor dem
Hintergrund der Begebenheiten in einem
eCPR oder ECMO-Zentrum, je nach dem wie
Strukturen gewachsen sind, wie bauliche und
logistische Strukturen bestehen, unterschei-
den sich die Formulare und Checklisten. Die
Dokumente im Folgenden sollen deshalb nur
als ungefähre Beispiele dienen.
Anfragendes Krankenhaus/Klinik
Name, Vorname
Ansprechpartner
Z.n. Reanimation
Aktuelle extrapulmonale Diagnosen
nein ja
cmH2O ml IE/h
Beatmungsmodus Endotrachealtubus Lactat Lactat- Bildgebung/CT Lunge:
nein
Tracheostoma Clearance 24h
mmol/l ja Datum
Bei Übernahme: Zugangsmanagement, keine neuen Wege re. jug. oder fem. bds., Rö-/CT-Bilder telemedizinisch oder auf CD/DVD
Interne Vermerke: GET/Shared Decision zur Übernahme
ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin Beispielformulare 167
Beispiel-Checkliste eCPR-Leader
Annahme Telefonat Datum
Uhrzeit
Anamnese
Kollaps
Uhrzeit 1. Rhythmus Indikation eCPR besteht
(sicher oder wahrscheinlich)
Kammerflimmern
NO-Flow-Zeit eCPR-Alarm für ASR ausgelöst
beobachtet PEA
Uhrzeit
Laienreanimation
Asystolie
(≤10 min)
Eintreffen RD/NA
Uhrzeit
Lidocain mg
Temp Lac
°C (≤18 mmol/l) Echo:
Größe Gewicht etCO
2
kg cm (≥10 mmHg)
C Arzt 1 Allgemeines
A
Pflege E Kanüle
E
Assistenz
Leader Pflege
- arbeitet während der Übernahme
B
Arzt E ABD
OP-Tisch
eCPR
Leader Arzt zunächst dem eCPR-Leader zu: eFAST
D
ABD
Pflege E
Assistenz Sterilfeld
Arzt 2 1 Arzt
und eine orientierende körperl. Unter-
suchung
Kanüle*
2
no
Kanüle „D“
no
D
So
P So
- Nach dem eFAST Zuarbeit für Team C:
eC gen
Wa
PR
Pfle
Spri
nter
- Echo zur Drahtlage und Kanülenposition
Perfu ge
sion Pfle
Perfu ge
- Keine Gefäßzugänge oder andere Ablen-
sion
kung
Echosonde verbleibt bis Abschluss der Kanülierung subxiphoidal. Absprache mit Team C:
Draht in Aorta, Draht in VCI, Ausschluss Drahtlage in RV/RVOT
Subxiphoidaler 4K-Blick
RV
VCI RA
VCI
Grundposition subxiphoidaler 4-Kammer-Blick, die Markierung des Schallkopfes zeigt dabei auf
die linke Seite des Patienten. Danach Drehung um 90° gegen den Uhrzeigersinn in die subxipho-
idal lange Achse. Die Darstellung von VCI, Aorta und RVOT wird durch ein Kippen des Schallkopf-
es ermöglicht.
ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin Beispielformulare 169
Allgemeines
C Arzt 1
- Bis Entscheidung eCPR Reanimation nach
A
Pflege E Kanüle
E
Assistenz
Leader Pflege ACLS
B
Arzt E ABD
OP-Tisch
D
ABD
Pflege E
Assistenz Sterilfeld
Arzt 2 Arzt 1 x groß für Volumen
1
Kanüle*
2
no
Kanüle „D“
1 x für Boli Katecholamine/Sedierung
no
D
So
So
P
1 x für Norepinephrin-Perfusor
eC gen
Wa
PR
Spri
nter - Zugänge US-gesteuert: 2. Gerät
Pfle
Perfu ge
sion Pfle - kont. Monitoring etCO2
Perfu ge
sion
- SpO2 nur an rechter Hand oder Stirn
- bei etablierter eCPR MAD-Ziel Initialphase
der Reperfusion 70 mmHg
Beispiel-Checkliste ECMO-Transport
Allgemeines Überlegungen vorab
- Strenge Risiko-/Nutzenbewertung - Sprinter oder Konsole im/am Bett
- Ausreichender Vorlauf (elektiv mind. 1h) - Wege: Aufzuggröße, Strom/O2 vor Ort
- Personalbedarf: mind. 3 Personen - aureichend O2-Flaschen in Reserve
- Zeitliche Absprache mit dem Transportziel - Ausreichende Sicherung des Materials
Rückfahrt
Hinfahrt
fahrt durchgehen
port: Die ersten 6
nach den Hansen-Kupplungen: kein Wasseraustritt
Blutfluss [l/min]
Drehzahl [rpm]
FiO2 Mischer [%]
Sweep-Gasfluss [l/min]
Pven [mmHg]
Part [mmHg]
Delta P [mmHg]
Hb g/dl
ScVO2%
SpO2%
etCO2
Kristalloide
Blutprodukte
Norepinephrin
(µg/kg/min)
Epinephrin
(µg/kg/min)
172 Beispielformulare ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
Datum Indikation
Alter < 40 Jahre
Etikett SCD sicher/vermutet rhythmogen
SCD sicher/vermutet thrombembolisch
sichere/vermutete Dissektion
echokard. Auffälligkeiten (HOCM, evtc.)
Name, Vorname
anderes:
Geburtsdatum
Schulze-Bahr, E., Dettmeyer, R.B., Klingel, K. et al. Postmortale molekulargenetische Untersuchungen (molekulare
Autopsie) bei kardiovaskulären und bei ungeklärten Todesfällen. Kardiologe 15, 176–193 (2021). [Link]
g/10.1007/s12181-020-00438-5
Etikett
Name, Vorname
Geburtsdatum
Bei [Link] wurde ein kleines EDTA-Röhrchen asserviert für eventuelle mole-
kulargenetische Untersuchungen. Bei späteren Fragestellungen kann Kontakt mit
dem Institut für Klinische Genetik aufgenommen werden.
KOLLAPS
<20‘ + <20‘ + <20‘= 3. Schock (10 min)
MO
und Transport planen
Beginn Perfusion Ziel sollte es sein, den
Patienten im therapiere-
C
Kriterien eCPR
(werden bei Eintreffen im KH komplettiert)
Nicht beobachteter
Kreislaufstillstand beobachtet
Kreislaufstillstand
No-Flow-Time ≤ 10 min No-Flow-Time > 10 min
Laienreanimation = No-Flow
Reanimationsdauer
CPR hoher Qualität*
bis Anschluss
>20‘ bei Asystolie
reversible Ursache >90‘ bei allen anderen Rhythmen
kardial, 4H/4T
KI bezüglich Antikoagulation
Gefäßzugang möglich
*Kriterien zur Bewertung guter CPR sind z.B.:
Limitierende Begleiterkrankung
- Transport unter mech. Thoraxkompression Patientenverfügung
- etCO2 ≥10mmHg zum Zeitpunkt t+20min
bzw. bei Aufnahme pH <6,8, Lactat >18 mmol/l
- Vitalitätszeichen unter Reanimation: Ausnahme: sichere oder vermutete
Schnappatmung, „Gegen-Atmen“, Pupillendynamik Intoxikationen
174 Beispielformulare ECMO: Ein Manual für die Intensivmedizin
Links hinten
¤ 4 x rote Luer-Verschlüsse
¤ 4 x „male-male“-Konnektoren
Rechts hinten
¤ 6 x Sterilkompressen
¤ Blutabnahmeröhrchen, komplett 7,5 x 7,5 cm
¤ Kreuzblutröhrchen, Bedside-T. ¤ Sterile Handschuhe,
¤ 4 x BGA: Spritze, Dorn, Adapter je 2x: 6; 6,5; 7; 7,5; 8
¤ 2x Viggo-Arterien
Links mitte Rechts Mitte
¤ 2 x sterile Klemme
¤ 1 x Hydrocortison 100mg
¤ 2 x steriler Nadelhalter
¤ 1 x Heparin 5.000 IE/Vial (Pkg.)
¤ 2 x Punktionskanüle, 18G
¤ 2 x Cephazolin 2gr.
¤ 1 x Punktionskanüle lang
¤ 1 x NaCl 100ml, 4x NaCl 10ml
¤ 8 x Mersilene® CP 0
¤ 2 x Transfer-Spikes
¤ 4 x Spritze 10ml, 2x Spritze 2ml
Rechts vorne
Links vorne ¤ 3 x CHX-Applikator gefärbt
¤ 2 x Schleuse 6F (grün) ¤ 4 x Einwegrasierer
¤ 2 x Schleuse 7F (rosa) ¤ 1x breites Gewebepflaster
¤ 2 x Schleuse 9F (schwarz)
Problembeschreibung
(unverändert)