G8
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Das Tempo unseres Lebens nimmt zu, wir gehen, lesen, entscheiden, arbeiten immer schneller. Beschleunigung ist
das Markenzeichen unserer Zeit. Sie verändert unser Leben, macht uns langsam mürbe. Wir fühlen uns überwältigt,
überfordert, überreizt. Das Gefühl, keine Zeit zu haben (oder nicht genügend davon) nimmt überhand. Und der
seltsamerweise daraus erwachsende Wunsch, dass alles noch schneller gehe, lässt uns hektisch auf den Liftknopf
drücken, wohl wissend, dass dies sinnlos ist. Aber schon eine kleine Wartezeit ist uns unbehaglich – denn wir
“verlieren“ ja Zeit, die wir woanders dringend bräuchten.
Welche Veränderungen und welche Symptome die beschleunigten Lebens-und Arbeitsweisen bei uns hervorrufen,
zeigt die Analyse von Lebensbereichen, die besonders vom großen Zeitdruck betroffen sind.
In der digitalisierten und globalisierten Arbeitswelt muss immer mehr schnellstens und sofort stattfinden – in
„Echtzeit“ also. Die französische Psychologin Nicole Aubert hat in vielen Berufen und Branchen einen „Kult der
Dringlichkeit“ entdeckt. Arbeitsfelder, in denen Verdichtung und Beschleunigung besonders zunehmen, sind davon
erfasst. Drei neue Formen, Zeit zu leben und zu erleben, sind entstanden:
- Die modernen Kommunikationstechniken (Internet, Handy, E-Mail) haben „das Augenblickliche“ etabliert: Alles
kann sofort mitgeteilt, angestoßen, angeordnet oder nachgefragt werden. Eine Idee, eine Frage, ein Zweifel taucht auf
– sofort kann darüber kommuniziert werden. Das wird nicht nur als praktisch empfunden, sondern ist fast schon eine
Form von Allgegenwart und Omnipotenz. „Der Computer wirkt wie ein elektronisches Kokain“, urteilt der
Neurobiologe von der University of California in Los Angeles.
- Die Möglichkeit, sofort auf Anfragen, Wünsche oder Anordnungen zu reagieren oder Antwort zu erhalten, erzeugt
„das Unmittelbare“. Auch das ist zunächst eine angenehme und nützliche Errungenschaft, die zudem Zeit und Geld
spart. Das Augenblickliche und das Unmittelbare erzeugen im Zusammenspiel eine „Hyperreaktivität“, deren
Symptome so aussehen: Am Telefon fragt der Geschäftspartner in leicht angesäurtem Ton: „ Ich habe Ihnen vor einer
halben Stunde eine Mail geschrieben. Haben Sie die nicht erhalten? Weil alles jederzeit zugänglich ist, gibt es keine
Ausrede mehr dafür, nicht zu reagieren.
- Und schließlich der größte Beschleunigungstreiber, die „Dringlichkeit“: Was früher einmal für Notfälle oder Krisen
reserviert war, ist nun der Normalfall: Wir müssen jetzt ganz schnell handeln, jedenfalls früher als die Konkurrenz.
Nicole Aubert prophezeit: Der Kult permanenter Dringlichkeit wird jede Firma, jede Organisation, jede Arbeit
durchdringen.
Diese Art zu funktionieren und immer auf die unmittelbaren Anforderungen zu reagieren, führt über kurz oder lang
zum psychischen und körperlichen Verschleiß, zu Symptomen wie Nervosität, Erschöpfung, gesteigerter
Empfindlichkeit. Und zu einer „Korrosion des Charakters“. In einer Gesellschaft, die sich nur für das Unmittelbare
interessiert und die von ihren Mitgliedern permanente Flexibilität und Reaktionsbereitschaft verlangt, können nicht
nur keine dauerhaften sozialen Beziehungen entstehen, der Einzelne erfährt auch keine Selbstkontinuität mehr.
Auch die Qualität der Arbeit leidet. Sofortentscheidungen, schnellstens gefundene Lösungen und
zusammengeschusterte Arbeitsergebnisse sind alles andere als optimal. Denn das Dringende ist bei weitem, nicht
immer das Wichtige. Und fatalerweise kann im Dringlichkeitsmodus gar nicht mehr unterschieden werden, was
dringend und wichtig, was wichtig, aber nicht dringend, oder was nur dringend, aber nicht wichtig ist. Denn dazu
bräuchte es – mehr Zeit. Zeit zur Problemanalyse, zur Reflexion. Und das wirklich Wichtige, von dem die Zukunft
vielleicht abhängt und das mit größter Sorgfalt geplant und bedacht sein muss, das aber nicht unbedingt dringend ist,
bleibt im puren Dringlichkeitsdenken auf der Strecke.
Der Computer ist nicht nur das zentrale Kontakt-, Informations- und Arbeitsmedium unserer Zeit. Er ist auch die
dominierende Metapher für das Gehirn – wir begreifen uns selbst immer mehr als
Informationsverarbeitungsmaschinen. Das digitale Lesen und Arbeiten gleicht sich immer mehr der Computernutzung
an, und prägt unseren „Stil“: kurze Sätze, kurze Absätze. Lange und komplizierte Worte, komplexe, „schwierige“
Texte – all das, was Kunst, Literatur und Philosophie charakterisiert – gilt es zu vermeiden.
Die allgemeine Lesegeschwindigkeit beschleunigt sich immer mehr. Was umständlich oder langweilig ist oder
irrelevant erscheint, wird übersprungen. Untersuchungen des Onlinelesens zeigen: Das lesende Auge hüpft immer
schneller über den Text, bleibt immer seltener hängen – und überfliegt im Wortsinne immer mehr Worte und Zeilen.
In einer Studie der Nielsen Norman Group in den USA wurden die Augenbewegungen beim Onlinelesen beobachtet.
Die 232 Versuchpersonen sollten sich Tausende von sehr unterschiedlichen Websites ansehen. Sie taten das auf
bemerkenswert gleichförmige Weise, nämlich in einem Muster, das einem F gleicht: Die ersten Zeilen eines
Webcontents werden horizontal gelesen und bilden den unteren Querbalken des F. Nun prüfen oder scannen die Leser
nur noch den linken Bereich der Webseite, scrollen dann weiter nach unten – das ist der vertikale Stamm des F. Inhalte,
die nicht mindestens den zweiten Horizontalstrich des F schaffen, fallen der nun folgenden Flüchtigkeit und
Oberflächlichkeit des Lesens anheim.
Der Internetexperte und Autor Nicholas Carr schreibt: „Wenn das Netz ein Medium absorbiert, erschafft es dieses
neu – nach seinem Bilde. Es löst nicht nur dessen psychische Form auf, es reichert den Inhalt des Mediums an mit
Hyperlinks, es bricht dessen Textstruktur auf und zerlegt sie in verschlagwortete Teilchen, und es umgibt diesen
zerlegten Inhalt mit all dem Inhalt all der anderen Medien, die es bereits geschluckt hat.“ Aber diese Anreicherungen
von Texten mit etwas, das irgendwie mit dessen Inhalt zu tun haben könnte, verändern das Lese-und
Informationsverhalten des Users dramatisch.
Der Vorteil – der neue Reichtum an Kontakten, Verlinkungen, Zusatzinformationen, also mehr connectivity, schlägt
bald um in einen Nachteil: in Fragmentierung, disconectivity. Der Inhalt wird, auch ein neues Wort der digitalen Welt,
granuliert, man könnte auch sagen, zerbröselt. Die Hypertexte bilden eine ungeheure Menge von Stoff, der jedoch
unverbunden nebeneinandersteht. Neue Fenster öffnen sich, eine Kette von Lese- und Schauanreizen drängt den Leser
immer weiter. Diese Angebote fördern ein „assoziatives Lesen“, sprunghaft, im Multitasking-Modus.
Der Philosoph Mark C. Taylor beklagt in seinem Buch Speed Limits, dass nicht nur Texte und Inhalte mehr und mehr
fragmentiert würden. Weil die digitalen Leser immer schneller in ein Labyrinth von Texten und Links und
aufpoppenden Fenstern hineingezogen würden, blieben auch ihr Bewusstsein und ihr Textverständnis zerstückelt.
Konzentriertes Lesen und die dazugehörige Reflexion und Einordnung des Gelesenen fänden kaum noch statt, Lesen
mutiere zu einem Scannen und Hüpfen.
Die meisten Rezepte gegen die Beschleunigung – oder zumindest gegen deren schlimmste Auswirkungen – sind
wohlbekannt. Sie laufen in der Regel darauf hinaus, das ansteigende gesellschafltiche Tempo durch individuelle
Enschleunigungsprogramme erträglich zu gestalten. Doch die vermeintlichen Aus- oder Eigenzeiten sind längst
„kontaminiert“. Die neuen Medien ermöglichen eine permanente Grenzüberschreitung zwischen Arbeit und Freizeit
und zwischen unterschiedlichsten Lebensbereichen: Beim gemütlichen Treff abends mit Freunden mal schnell aufs
Smartphone geguckt, und schon ist man, je nach Dringlichkeit einer Nachricht oder ihrer emotionalen Brisanz, ganz
woanders. Vom Laptop-Mitnehmen in den Urlaub oder der permanenten Erreichbarkeit durch die Firma ganz zu
schweigen.
2. Die Langweile
Das ganze Unglück auf der Welt____rührte______daher, dass Menschen nicht still und vergnügt in ihrem Zimmer
sitzen bleiben können, stellte der Philosoph Blaise Pascal fest. Wenn ihnen „das fehlt, was man Zerstreuung nennt,
___verfallen_______ sie in üble Laune, und überhaupt sei ihnen „die Freude an der Einsamkeit etwas
Unbegreifliches“. Wie zutreffend Pascals Beobachtung immer noch ist, beweisen Experimente des
Sozialpsychologen Timothy Wilson: In seiner Studie gab über die Hälfte der 409 Versuchpersonen an, schon das
Stillsetzen und Nichtstun für wenige Minuten sei ihnen äußerst unangenehm. In einem weiteren Experiment mussten
sich Versuchpersonen in ein Wartezimmer setzen, aber vorger Gadgets wie Handy, iPad oder auch Lesestoff
____abgeben______. Was sie nicht wussten: Die Wartezeit selbst war das eigentliche Experiment.
Die einzige Möglichkeit, sich irgendwie abzulenken, ___besteht/bestand_____darin, sich an einem im Warteraum
„zufällig“ installierten Apparat selbst schmerzhafte Stromstöße zu ___verabreichen_______. Und das taten sie dann
auch häufig – Männer übrigens dreimal so oft wie Frauen. Nichts zu tun, sich für etwa 15 Minuten nicht zu
beschäftigen oder sich abzulenken (und stattdessen etwa nachzudenken, tagzuträumen, zu sinnieren oder gar zu
meditieren) – eine Qual! Langweile, sofern man sie sich nicht selbst verordnet, entsteht meistens aus erzwungenem
Nichtstun oder bei einer wenig reizvollen repetitiven Tätigkeit oder bei öden Konferenzen. Sie wird dann als
unangenehmer Zustand erlebt, den man möglichst schnell beenden will.
Was ist der Unterschied zwischen Langweile und Muße? Gibt es gleitende Übergänge, lässt sich unangenehme
Langweile in erholsame, vielleicht sogar produktive Muße __überführen____? Ja, denn eigentlich sind wir bestens
ausgestattet für längere Phasen des Nichtstuns: Unser Gehirn ist fähig, die Fantasie anzuknipsen, innere Filme
ablaufen zu lassen, in Probeszenarien Probleme zu lösen, ausgiebig in Erinnerungen zu _____schwelgen_____ - oder
auch auf Sparmodus zu _schalten_________ und ein wenig zu dösen. Das Problem ist, dass viele Menschen diese
Möglichkeit nicht nutzen. Sie schaffen es nicht, die Langweile einfach zu akzeptieren.
Natürlich kann Langweile ein sehr unerfreulicher Zustand sein, aber Phasen der Langweile sind potenziell erholsame,
vielleicht sogar kreative Zeiten fürs Gehirn. Ob es uns überhaupt noch gelingt, uns in unsere Innenwelt
zurückzuziehen, um uns der Selbstreflexion oder unseren Fantasien zu _widmen________, hängt davon ab, ob und
wie wir unsere Aufmerksamkeit steuern. Die Beeinflussung unserer Aufmerksamkeit durch die Außenwelt ist intensiv
– wir sind kaum noch in der Lage, Außenreize, Ablenkungen _____auszublenden______. Der ständig stimulierte
Appetit nach Erlebnissen oder Reizen, die immer stärker nach außen orientierten Antennen, die Erfolgs-und
Glücksmöglichkeiten ____auffangen_____sollen, die Unterhaltungen und Ablenkungen scannen und die unseren
sozialen Status nahezu permanent überwachen, lassen Fantasie und Reflexionsfähigkeiten
_____verkümmern___________.
Der Journalist, Filmtheoretiker und Soziologe Siegfried Kracauer schrieb bereits 1924 in der Frankfurter Zeitung, die
modernen Großstädter wüssten nicht mehr „wo ihnen der Kopf steht“. Sie seien einer Lawine von Reizen aus Radio,
Werbung, Filmen, Theater, Skandalen ___ausgesetzt______ - sodass sie, „ein Leben führen, das niemandem mehr
gehört und jeden __erschöpft________.“ Das einzige Gegenmittel sei „außerordentliche, radikale Langweile“. An
einem sonnigen Nachmittag, wenn alle Welt draußen ist, wäre es das Beste, in der Bahnhofstelle
___rumzulungern_______ oder, noch besser, zu Hause zu bleiben, die Vorhänge zuziehen und sich auf dem Sofa
der Langweile zu ___ergeben_________. Nur in dieser bewusst gesuchten Langweile könne man mit all den
verrückten, peinlichen, unordentlichen Ideen __flirten________, die einen in einen beglückenden Seelenzustand
____versetzen_______, der „geradezu überirdisch“ sei.
Kracauer kannte weder die neuen Kommunikationsmittel wie Fernsehen, Internet, iPhone, iPad, E-Mail noch die
social media wie Facebook, Twitter, Instagram, Youtube, auch nicht die Allgegenwart der Werbung und die
Permanenz des Nachrichteneinflusses. Das digitale Zeitalter und seine Produkte können unsere Aufmerksamkeit so
aufsaugen und unsere Interessen so intensiv bedienen, dass Langweile gar nicht mehr _______aufkommt____. In
der Theorie. Erich Schmidt, der Verwaltungsratsvorsitzender von Google, versprach in seinem Buch The New Digitale
Age: „ Sie werden heute niemals mehr einsam sein, denn Ihre Freunde sind immer erreichbar. Sie werden sich niemals
langweilen, denn es gibt nun einen endlosen Strom von Information und Unterhaltung“.
Das Paradoxe ist jedoch, dass dieses Überangebot an Informationen uns genauso langweilen kann wie die
Unterversorgung an Reizen. Der Unterschied zu „gewöhnlichen“ Langweile ist der: Die „medialisierte Langweile“.
Sie wirkt wie Junkfood: Information vergrößert nur den Heißhunger auf mehr Information, um der Langweile zu
______entkommen________. Und doch geraten wir immer tiefer in den Sog.
3. Korruption
Der Leiter der Baubehörde spannt im Wellnesshotel aus - als Dankeschön für eine umstrittene Genehmigung. Der
Arzt bekommt neue Geräte von einer Pharmafirma - ____im ___ Gegenzug verordnet er die "richtigen"
Medikamente. Und der Journalist schreibt einenfreundlichen Bericht ___über____ das neue Auto, das er monatelang
"testen" durfte. *Kavaliersdelikte? Nein, denn Korruption schadet derVolkswirtschaft, der Demokratie – und
letztlich uns allen.
Der Gedanke, jemanden mit besonderen *Zuwendungen ____auf___ seine Seite zu ziehen, ist so alt, dass er
geradezu typisch menschlicherscheint. Wurden in grauer Vorzeit nicht Götter mit Opfergaben milde gestimmt? Eine
Hand wäscht die andere - das praktizierte manschon ___im____ alten Rom. Ab 200 vor Christus gab es in der
römischen Gesellschaft zwei miteinander verwobene Systeme: Das offizielle basierte auf den festgeschriebenen
Regeln für Verwaltung und Militär, das informelle auf einer neuen Art von Gefolgschaft, belebt _____durch__ den
Austausch von Gefälligkeiten und Spenden. In jener Zeit erkauften sich Generale häufig den Gehorsam ihrer
Soldaten durch persönliche Zuwendungen und (Geld-)Geschenke. Doch schon die Römer wussten, dass Bestechung
schädlich ist: In ihrem lateinischen Wortschatz existierte der Begriff "corrumpere", von dem das Wort "Korruption"
abstammt. Es bedeutet verderben, zugrunde richten, zu Schande machen, untergraben.
Der folgende Abschnitt enthält 13 Fehler in Grammatik, Wortschatz oder Rechtschreibung. Finden und korrigieren
Sie die Fehler.
"Man kennt sich, man hilft sich", sagt der Kölner. "Eine Hand wäscht die andere" und "kleine Geschenken erhalten
die Freundschaft'',heißt es in (im) Volksmund. Die Grenze zu ziehen, wo aus der an sich positiven gegenseitigen
Unterstüztung (Unterstützung) , Hilfe und Kooperation kriminelle Korruption wird, ist oft gar nicht so einfach. Wohl
auch deshalb ist bei den Beteiligenden (Beteiligten) häufig kein Unrechtsbewusstsein vorhanden?
Die Organisation Transparency International (Tl), die sich der Bekämmfung (Bekämpfung) von Korruption widmet,
definiert Korruption als "Missbrauch von anvertrauten (anvertrauter) Macht zum eigenen Vorteil". Korruption
umfasst Delikte wie Bestechung und Bestechlichkeit, Vorteilsnahme und Veruntreuung, Zahlung von
Schmiergeld, ja sogar Erpressung. Man kann unterscheiden zwischen Gelegenheitskorruption (zum Beispiel der
Euroschein, der bei der Verkehrskontrolle im Führersschein liegt) und struktureller Korruption. Hierbei geht es um
die Bildung langfristiger Netzwerke und Abhänglichkeiten. Korruption findet überall dort ihren Nährboden, wo
Entscheidungen getroffen werden, von den jemand einen Vorteil haben kann. Sie gedeiht, wenn manipulatives
Verhalten im Schutz der Heimlichkeit möglich ist und nicht ins Licht kommt. Kein Bereich der Bürokratie ist davon
eingeschlossen. Korruption war und ist überall möglich, in jedem Land, zu jeder Zeit.
Unverfänglich werden sie gereicht, die Appetithäppchen, die _____beim__ Empfänger den Wunsch nach mehr
keimen lassen. Um ___in____ den Genuss von größeren Aufmerksamkeiten zu kommen, werden als Gegenleistung
Wünsche erfüllt. "Anfüttern", so bezeichnet der Fachjargon diese Art langfristiger Beziehungspflege. Am liebsten
werden Gefälligkeiten weltweit ___mit____ Bargeld bezahlt. Gern genommen sind außerdem Bordellbesuche,
Schmuck, Geschenke für Familienangehörige, großzügig finanzierte Reisen, Zubehör fürdie Hobbyausstattung und
kostenlose Leistungen aller Art. Ob in der öffentlichen Verwaltung oder im Gesundheitswesen - die Kosten illegaler
Tauschbeziehungen gehen ____zu___ Lasten der Allgemeinheit. Das schmierige Geschäft zahlen die Bürger - mit
Steuern, höheren Preisen oder gestiegenen Gebühren. Wenn ein Unternehmen besticht, um seine Umsätze zu steigern,
holt es sich das dafür benötigte Geld vom Verbraucher - indem es seine Ware verteuert und das Bestechungsgeld
zusätzlich als *Werbungskosten*steuerlich absetzt. Oder das Bestechungsgeld wird bereits in die Rechnung an die
Stadt eingerechnet. Die Allgemeinheit zahlt also Leistungen, die nie erbracht [Link] hoch die Kosten tatsächlich
sind, die Korruption verursacht, lässt sich nur schätzen. Zu hoch ist die Dunkelziffer der Delikte. Doch vermutlich
gehen die Schäden für die deutsche Volkswirtschaft, ____in___ die Milliarden. Die Studie eines
Wirtschaftswissenschaftlers von der Universität Linz in Österreich ging für das Jahr 2012 von einem Gesamtschaden
für Deutschlands Wirtschaft von 250 Milliarden Euro aus.
Kaum ein Tag vergeht, an dem Bürgerinitiativen, Pädagogen oder Politiker nicht Alarm _schlagen_________.
Die Forderung nach mehr Respekt schallt uns heute überall entgegen. Wenn ein Gut so vehement eingefordert
werden muss, scheint es rar geworden zu sein. Da ist etwas aus dem Lot _______geraten___. Viele beklagen
im Zusammenhang mit der wachsenden Zahl von diffamierenden Websites und Blogs die Respektlosigkeit, die
insbesondere im Internet um sich greift. Respekt ist die Idee einer Grenze der Unantastbarkeit, die jeden
Menschen, ja jedes Lebewesen umgibt. Sie schützt uns in unserer individuellen Würde, Autonomie und
Unverwechselbarkeit. Respekt war immer schon, auch lange vor dem Internet, eine „knappe Ressource". Und er
muss sich immer wieder neu gegen Kräfte behaupten, die ihn aushebeln*: Voreingenommenheiten, Vorurteile
oder negative Energien, die auf uns gerichtet werden. Doch heute wird unsere Fähigkeit zum respektvollen
Umgang mit anderen auf ganz neue Weise herausgefordert. Es sind die Folgen der „Hypervernetzung", die uns
zu schaffen machen. Eine der ernüchternden Erkenntnisse unserer digitalen Epoche ist, dass das allzeit
transparente Internet nicht nur alte Ressentiments* beseitigt, sondern ganz neue schafft. Das behauptet jedenfalls
der britisch-amerikanische Autor Andrew Keen, einer der schärfsten Internetkritiker. In seinem Buch Das digitale
Debakel spricht er von „psychotischen Parallelwelten", die durch social media entstanden seien. Die Welt, so sein
Fazit, sei durch die digitale Revolution nicht besser, sondern schlechter geworden. Das Internet sei gescheitert,
denn es befördere Intoleranz und Voyeurismus, sei Schauplatz von Hetzkampagnen und regelrechten
[Link]ächlich belegen Studien, dass heute jeder dritte Erwachsene einen persönlichen
Mobbingfall erlebt hat, davon bereits jeder zehnteim Internet. Bei Jugendlichen ist Onlinemobbing sogar doppelt
so häufig: Fast 60 Prozent haben schon negative Erfahrungen mit Beleidigungen, Stalking oder Bedrohungen in
Onlinemedien gemacht. Woran liegt das? Ein Großteil der Onlinekommunikation ist heute anonym „Wirklicher
Respekt- nicht Höflichkeit- ist ein dyadisches, meist synchrones und nicht anonymes Phänomen, meint Niels
Van Quaquebeke, Gründer der Respekt Research-Group an der Universität Hamburg, „online gibt es einige
Kommunikationswege, auf die diese Kriterien nicht zutreffen." Ingrid Strobl, Autorin des Buches Respekt.
Anders miteinander umgehen!, spricht von der Verdinglichung des zwischenmenschlichen Kontakts" durch
moderne Medien. „Es ist etwas anderes, wenn ich einem Menschen real gegenüberstehe, ihn ansehe, mit ihm
spreche, als wenn ich nur virtuell mit ihm kommuniziere. So etwas wie das instinktive Wahrnehmen von Gefühlen
beim anderen, von Stimmung, von Verletzung, Angst, Freude geht nur von Angesicht zu Angesicht. Virtuell
aber ist das unmöglich. Damit verringert sich auch der Respekt vor dem anderen Menschen."Simon Schnetzer,
der als Autor an der Jugendstudie Toleranz Online 2014 beteiligt war, geht noch weiter: Viele User- egal welchen
Alters - fühlen sich im Netz unbeobachtet oder tun ihr Verhalten dort mit der Aussage ab: „Das ist ja eh nicht
Real Life!'" Vor allem für Minderjährige ist das Internet nach wie vor ein Experimentierforum. Im Chat verlässt
man die Wirklichkeit und fühlt sich gänzlich unbeaufsichtigt. Bei Meinungsverschiedenheiten ist man schneller
bereit, das Gespräch mit „Fuck you!" zu beenden, als etwa bei der Gruppenarbeit in der Schulklasse. Das liegt
daran, dass zwischen einem Affekt und einer aggressiven Attacke eben nur ein Klick liegt. Das ist jedoch nicht
nur ein Phänomen unter Jugendlichen. Auch altersübergreifend versteigen sich Onlineuser im Netz zu
Ruppigkeiten, die es ohne Anonymität nicht gibt. Die ethischen Regeln würden in Onlineforen so oft
ausgehebelt*, „weil es keinen Spiegel des eigenen Verhaltens im anonymen Netz gibt". In der Anonymität haben
User für Grenzverletzungen keine Sanktionierung zu befürchten - und das scheint Hemmungen abzubauen, die
ansonsten einen respektvollen Umgang untereinander garantieren. Im großen Niemandsland des Internets
sprechen Menschen, die sich gänzlich fremd sind, eine Sprache, wie sie sonst allenfalls nur unter jenen üblich ist,
die sich sehr gut kennen. Man ist einer unter Millionen und tut so, als sei man „unter sich". Der kumpelhaft form-
und distanzlose Auftritt hat sich in der Onlinekommunikation durchgesetzt. Man gibt sich unkompliziert, direkt,
duzt andere, klickt sie aber beim Auftreten erster Missstimmungen einfach weg. Was schon leichtes Unbehagen
erzeugt, wird giftig beantwortet. Kennen Sie den Hashtag #mtherfckr? Richtig, das steht für „Motherfucker". In
der Kommunikation via Facebook, Twitter oder sogar per E-Mail herrscht oft ein rüder und nicht selten ein
übergriffiger Ton - den man niemals anschlagen würde, säßen sich da zwei Menschen von Angesicht zu
Angesicht gegenüber. Die Sprache verkümmert, verflacht, wird derb oder infantil, auch formelhafter,
oberflächlicher, weniger vielfältig, weniger reich. Erst recht dann, wenn dieselbe Botschaft gleichzeitig an 50
andere „gepostet“ wird. Als Zugabe gibt es Smileys und all die quietschbunten WhatsApp-lcons, die aus einem
schlecht sortierten Spielwarenladen zu stammen scheinen. Man nötigt den Adressaten durch den
nachgeschobenen Smiley zur gefälligen Aufnahme einer im Grunde unverschämten Botschaft. Im Netz regiert
eine Gesinnung des Hopp oder Top, man bewertet wie einst in Roms großen Arenen mit Daumen hoch oder
runter. Es scheint, Pöbelei wird nicht mehr als Grenzüberschreitung gewertet, sondern als Ausdruck von
herzhafter Spontaneität. In YouTube-Kommentaren hagelt es Häme*, Spott, ja Beleidigungen, nur weil einem
ein Video nicht gefällt. Digitales Anrempeln* nennen das Insider. Unhöflichkeit gilt hier als cool „Flapsigkeit*
ist der Sound, der sich im Netz in der privaten Kommunikation durchgesetzt hat - und mehr und mehr auch im
geschäftlichen Umgang per Internet und im Onlinejournalismus. Und er tönt auch bereits aus der digitalen Welt
in die reale hinüber. Der Geist der Kumpelhaftigkeit mündet auch dort in neue Verkehrsformen. Nähe wird
überall simuliert, aber in einem dazu in Widerspruch stehenden unverbindlich-anonymen Ton. Eine respektvolle
Atmosphäre __ist________ aber auch aus einem anderen Grund auf dem Rückzug: Es fehlt uns an Zeit für echte
Begegnungen. In der Fülle von raschen, unverbindlichen Kommunikationsakten, die wir heute wie ein Feuerwerk
abbrennen, ___bleibt_______ der einzelne, intensive und ausführliche Dialog auf der Strecke. Bei vielen
Smartphonebesitzern piepst das Whats-App-Modul Hunderte von Malen pro Tag. Wir laden pro Monat
durchschnittlich vierzig Fotos hoch und verschicken etwa 1200 Nachrichten, im selben Zeitraum landen etwas
mehr als 2200 Botschaften in unserem Postfach. Viele von ihnen werden umgehend beantwortet. Wir sind ständig
am Eintippen, dauerhaft verbunden - und dauerhaft vom wirklichen Leben und wirklichen Austausch abgelenkt.
Da hat sich etwas verändert: Früher zog man sich zur Kontaktpflege mit nicht anwesenden Nahestehenden zurück:
in die Telefonzelle, ins Nebenzimmer oder an den Schreibtisch, um einen Brief zu schreiben. Heute findet ein
Großteil der Social-Media-Kommunikation mitten unter unseren Mitmenschen statt, mittlerweile auch während
wir in unmittelbarer Interaktion mit anderen sind: Kunden, die auch noch während des Bezahlens an der
Supermarktkasse weitertelefonieren, so etwas ist absolut üblich. Und während des gemeinsamen Dreigängemenüs
im Restaurant wird nebenbei mal rasch eine SMS beantwortet. Wer während einer Kommunikation zugleich auch
noch eine weitere führt, ist nicht multipräsent, sondern allenfalls teilpräsent, wenn nicht gleich vollends
abwesend. Dieses Verhalten ist respektlos gegenüber dem realen lnteraktionspartner, und genau so wird es von
diesem auch empfunden. Wir behandeln die Menschen um uns in solchen Situationen mit reduzierter
Aufmerksamkeit. „Wo ist Hier, wenn überall Jetzt ist?", hat der Journalist Bernd Graff in einem Artikel der
Süddeutschen Zeitung rhetorisch gefragt. Respekt braucht volle Gegenwärtigkeit, ein volles Bewusstsein der
konkreten Situation, eine liebevolle Sorgfalt im Umgang mit anderen. Respekt ist eine aufwendige Sache. Man
muss Muße haben für wertschätzende Äußerungen statt belangloser Smileys. Alles Sozialleben wird regiert von
einer empfindlichen Balance von Nähe und Distanz. Es gelingt dann, wenn wir den richtigen Abstand von- und
zueinander finden. Das Internet verkürzt und egalisiert alle sinnvoll austarierten* Sozialdistanzen: Am Ende
_______rücken___ sich alle immer näher auf die Pelle und scheitern darin, den Abstand wenigstens dort
einzuhalten, wo er nötig ist. Mittlerweile sehen Kommunikationswissenschaftler, Netzbenutzer und -betreiber die
Verteidigung des Respekts gegen permanent drohende Grenzverletzungen als die große Aufgabe unserer digitalen
Zeit.
5. Ergänzen Sie das passende Verb. Manchmal gibt es mehrere Möglichkeiten.
behandeln begegnen entgegenbringen erweisen genießen haben verdienen verlieren verschaffen zeigen
zollen
1. Es ist für uns selbstverständlich, den Teilnehmern Respekt und Verständnis __entgegenzubringen______
3. Wir haben trotz der schlechten Bodenverhältnisse Fußball gespielt, dafür kann ich meiner Mannschaft nur Respekt
___erweisen/zollen_____
5. Durch aggressives Verhalten versuchen die betroffenen Kinder, sich Respekt zu __verschaffen______
6. Für Vorgesetzte sollte es selbstverständlich sein, Mitarbeiter mit Freundlichkeit und Respekt zu
___behandeln_____
8. Hat er seinem Mentor nicht den Respekt ___erwiesen/gezeigt/gezollt_____, den er ___verdient_____ hätte?
Ob wir versuchen sollten, uns selbst körperlich und geistig zu optimieren, wird seit langem kritisch diskutiert.
Unbestritten ist, dass die medizinischen und biotechnologischen Möglichkeiten dafür inzwischen enorm gewachsen
sind. Doch wollen wir den »neuen Menschen« überhaupt? Der Mensch bedarf dringend der Verbesserung - sagen so
genannte Transhumanisten. Sie wollen ihm so rasch wie möglich zu völlig neuen Eigenschaften verhelfen.
Technologische Hilfsmittel sollen seine Fähigkeiten in Bereiche erweitern, die wir bisher nur von leistungsstarken
Maschinen oder von anderen Lebewesen kennen, wie etwa beim Infrarotsehen oder Ultraschallhören. Genetik und
Biotechnologie haben längst Wege eröffnet, die menschliche Reproduktion zu optimieren. Dazu gehören
Klonierungstechniken, Selektion bei der künstlichen Befruchtung sowie genetische Verbesserungen des
Nachwuchses. Auch eine Lebensverlängerung scheint dank der regenerativen Medizin weit über das bisher Übliche
hinaus machbar: etwa mittels Transplantationen, auch von Tierorganen, oder Stammzelltherapien etwa bei
Krebserkrankungen. Noch radikaler sind Visionen der Abschaltung von Genen, die für den Zelltod oder andere
degenerative Prozesse verantwortlich sind. Die Medizin verspricht zudem über die Therapie hinaus Steigerungen im
Rahmen des so genannten Neuro- und Psycho-Enhancements, und zwar mit Hilfe von Eingriffen ins Gehirn,
Implantaten und Pharmaka. Die Bewegung peilt die vollständige Kontrolle aller bisher unbewussten
Körperfunktionen an. Das Ziel sind Menschen, die ständig und akribisch die eigenen Körperfunktionen kontrollieren.
Brauchen wir überhaupt einen »neuen Menschen«? Und falls ja: Was gewinnen wir dabei? Was riskieren wir? Das
sind Fragen, die nicht nur in den Labors von Wissenschaftlern und Ingenieuren erörtert werden sollten, sondern in
aller Öffentlichkeit. Sie stellen sich auch für die Philosophie. Denn kaum eine andere Disziplin ringt wie diese seit
Jahrtausenden mit dem Problem, was gute Handlungen und gute Menschen ausmacht. Also fragen Philosophen: Was
gilt heute als Verbesserung? Und welche davon sind gut? Menschen träumen schon seit alters davon, ihre Fähigkeiten
zu verbessern. Immer wieder gab es auch Bestrebungen, sich gleich ganz neu zu erschaffen. Heute scheint die
Verwirklichung dieses Traums näher zu rücken. Das hat verschiedene Gründe, vor allem wegen der neuen
Möglichkeiten, den menschlichen Körper durch Bio- oder Informationstechnologie technisch zu verändern. Verstärkt
wird das Wunschbild durch Vorbilder für übermenschliche Leistungen in Form von Maschinen, etwa Computern. In
vortechnischen Zeiten war der bessere Mensch einer, der durch große Taten und die Steigerung seiner moralischen
Fähigkeiten - wie Tapferkeit oder Gerechtigkeit - in den Rang von Heroen, Halbgöttern oder Heiligen aufstieg. Dazu
verhelfen konnten ihm außer der Gunst der Götter auch körperliches Training, strenge Askese und geistige Übung.
Bei antiken sportlichen Helden war sicher auch immer schon »Doping« im Spiel. Eine dauerhafte gezielte
Körperveränderung lag aber für die Menschen der Antike außer Reichweite - daran kann man erst seit Entstehen der
modernen Wissenschaft und Technik denken. Dass die Menschen zumeist ganz unterschiedliche Auffassungen über
das haben, was »gut« oder »besser« ist, wird jedoch oft übersehen. Auch gegenwärtige Projekte zur Verbesserung des
Menschen befinden sich in der gleichen Gefahr, denn Bioingenieure behaupten, mit rein technischen Maßstäben über
»gut« und »besser« entscheiden zu können. Schließlich weiß doch jeder, was ein fort-schrittlicheres Auto, Flugzeug,
Handy oder ein schnellerer PC ist. Allerdings entpuppt sich selbst das schon als fragwürdige Unterstellung. Je nach
Generation und Begabung sind auch Leistungssteigerungen von Geräten für die einen wünschenswert, für andere -
etwa Ältere - dagegen weit gehend überflüssig oder gar überfordernd. So bleibt die Grundfrage: Was ist ein »besserer
Mensch«? Unter welchen Bedingungen ist er wünschenswert? Und wann ist seine »Züchtung« vielleicht sogar
geboten? Die heutigen Ingenieursvorstellungen vom Guten und Besseren sind zumeist von Objekten abgeleitet, die
Menschen als Hilfsmittel geschaffen haben - etwa für die Fortbewegung oder die Datenverarbeitung. Die Zwecke des
Menschen selbst liegen dagegen woanders: in gemeinsamer sozialer Entwicklung, in glückender Betätigung und dem
daraus folgenden Genuss typisch menschlicher Fähigkeiten. Natürlich zählen dazu auch Sport, Kunst und
Wissenschaft genauso wie Unterhaltung. Aber selbst da geht es letztlich um menschliche Fähigkeiten – sogar in einem
Formel-1-Rennwagen oder bei einer Multimediashow. Dass wir Maschinen bauen können, die uns körperlich und in
einigen intellektuellen Fähigkeiten übertreffen, gehört zu den menschlichen Leistungen und ist aus verschiedenen
Gründen erfreulich. Sie sind Instrumente, die unser Leben erleichtern, die neue Möglichkeiten bieten und individuelle
wie soziale Stärken unterstützen können - aber auch gefährden, wie etwa der Verlust an Fairness und Rücksicht im
Individualverkehr oder im Internet zeigen. Man kann das Gute aus seinem Gegenteil ableiten: aus dem, worunter
man leidet, und den Wünschen, die einem versagt bleiben. Leiden nicht nur mit menschlicher Größe zu ertragen,
sondern auch mit technischer Vernunft zu überwinden, ist eine der großen Herausforderungen für den neuzeitlichen
Menschen. Verbesserungen der Lebensbedingungen sowie Eingriffe in den Körper, die von Mühsal und Leid
befreien, gelten daher recht unumstritten als »gut«. Dazu zählen alle Artefakte für den Körper, von Seh-, Hör- und
Gehhilfen bis hin zu Implantaten und transplantierten Organen. Ist mit solchen Einbauten der Mensch allein schon
technisch ein anderer und besserer geworden? Denkt man an die gebeugten, zahnlosen und schwerhörigen 60-Jährigen
vergangener Jahrhunderte zurück, ist das gar nicht zu bestreiten. Die Intention bei all diesen Eingriffen war jedoch
immer, Leiden zu lindern, und keineswegs, einen neuen Menschen hervorzubringen. Natürlich wird mit einer
therapeutischen Hilfe das Leben verlängert, was alte Träume erfüllt. Heute erscheint vielen sogar die
Stammzelltherapie als ein zukünftiger Jungbrunnen. Ob es zwischen Therapie und Enhancement- der gezielten
Verbesserung körperlicher Leistungen - überhaupt eine Grenze gibt, wird in der Medizinethik heftig diskutiert. Aber
selbst wenn diese fließend ist, sind Unterscheidungen nicht automatisch sinnlos. Es hängt eben davon ab, ob wir
Steigerungen gemäß den Leistungsskalen für Maschinen anstreben oder uns von manifesten körperlichen Leiden
befreien wollen. Oder sind alle unerfüllten Wünsche Quelle von Leiden, auch die nach Perfektion? In der modernen
Ethik gibt es die Position, statt der Vermeidung von Schmerzen könne es nur um die Verhinderung der Frustration
subjektiver Wünsche beziehungsweise Präferenzen gehen. Da solche Wünsche völlig konträr sein können, gäbe es
kein gemeinsames Maß der Verbesserung. Doch es scheint Wünsche zu geben, die von (fast) allen geteilt werden und
die für einen biotechnisch verbesserten Menschen erfüllbar wären, etwa die Verlängerung der Lebensdauer. Es liegt
auf der Hand, dass sie nur dann ein erstrebenswertes Gut wäre, wenn sie mit einer angemessenen Lebensqualität im
Alter einhergeht. Angenommen, es könnte das Leben bei guter Gesundheit verlängert werden - wäre das nicht
unbestreitbar begrüßenswert? Wären wir dazu nicht unseren Nachkommen gegenüber sogar verpflichtet? Für eine
Beurteilung dieser Fragen sollte man sich die Folgen klarmachen:
▪ Ist eine Lebensverlängerung für alle gleichermaßen erreichbar, unabhängig von ihren finanziellen und anderen
Mitteln?
▪ Falls nicht: Wie weit würde sie unseren Begriff von Gerechtigkeitverletzen und soziale Spannungen erhöhen?
▪ Wie viel Ressourcen der Natur würden für ein massenhaftes Älterwerden verbraucht? Gibt das die Erde und unsere
zukünftige Technik her? Könnte es zur Verarmung von Biodiversität, Landschaften und Kulturleistungen führen?
Wenn Menschen entsprechend länger den knappen Lebensraum Erde für sich in Anspruch nehmen würden, müssten
sie zu allererst die menschliche Reproduktion drosseln. Es würde dann vermutlich weniger junge,
veränderungswillige und kreative Menschen auf unserem Planeten geben. Würde das immer noch eine
wünschenswerte Entwicklung darstellen? Bevor wir unsere Bioingenieure ihre Projektionen vom neuen Menschen
entwickeln lassen, sollte es eine Diskussion über das Gute und die Ziele einer Weiterentwicklung geben, die alle
Gesichtspunkte berücksichtigt und alle Gruppen mit einbezieht. Hier sind die Werttraditionen von Kulturen und
Rechtsordnungen eben so gefragt wie ethische und religiöse Kriterien des gelingenden Lebens, des guten Menschen
und nicht zuletzt einer von allen bejahbaren Welt. Solange eine solche Debatte nicht geführt wird, scheint es ratsam,
auf hastige und radikale Neuzüchtungsaktivitäten zu verzichten. Eine behutsame »Verbesserung« des menschlichen
Körpers durch therapeutische Medizin und bessere Lebensbedingungen - Hygiene, Nahrung, Luft und Wasser - lässt
uns Raum für kollektives Nachdenken und vermeidet unkorrigierbare Fehlentscheidungen.
Der Krieg war aus. Die Mehrheit der Deutschen war tief bedrückt in diesem Mai der Kapitulation. Von „Befreiung“
zu sprechen, kam niemandem in den Sinn. Die gängige Chiffre für das Kriegsende hieß „Zusammenbruch“ – ein
vieldeutiges Wort, der kleinste gemeinsame Nenner für die Niederlage. Es spiegelte wider, was die meisten
empfanden: Die Stunde Null war der Absturz ins Nichts, materiell und psychisch. Deutschland war eine Wüste. Die
Städte in Trümmern, Millionen in Notunterkünften oder im Land umherirrend: Ausgebombte, Evakuirte,
Vertriebene, zerrissene Familien, versprengte Kinder: „Alles verloren“ war der immer wiederkehrende Refrain eines
Massenschicksals. Es gab nichts mehr, an dem man Halt finden und sich aufrichten konnte. Alles war diskreditiert.
Der Mensch war auf sich selbst zurückgeworfen und konnte nicht mehr auf Hilfe von außen hoffen. Der Staat
namens Deutsches Reich
war ausgelöscht. Die Besatzungsmächte hatten die uneingeschränkte Befehlsgewalt Territorium des Gegners
übernommen. Die Deutschen, eben noch Herrenvolk waren entmündigt und auf den Status eines
gemeingefährlichen Irren in einer geschlossenen Anstalt herabgestuft
Für einen kurzen historischen Augenblick lebten die Besiegten in einer anarchischen klassenlosen Gesellschaft. Alle
gleichermaßen entmündigt, (fast) alle waren gleich arm, (fast) alle hatten die gleichen Existenzsorgen, (fast) alle den
gleichen leeren Magen. Das Geld hatte jede reale Funktion verloren. Alles war bewirtschafttet. Kleidung, Schuhe,
Wohnraum, Kohle, Fahrradschläuche, Zigaretten, Kochtöpfe und meist gab auch auf Karte nichts. Die Wirtschaft war
zurückgesunken auf das Niveau der Steinzeit, den einfachen Tauschhandel. Die Zigarette wurde zur Ersatzwährung.
Reich war, wer eine Stange Chesterfield bieten konnte.
Nicht alles war Not und Elend. Was in die Zukunft wirkte, war die andere Seite der Stunde Null. Die Befreiung war
keine Chimäre. Es ging auch ein Aufatmen durch das Land, eine stille Freude dass es zu Ende war, dass man endlich
sagen konnte, was man all die Jahre heruntergeschluckt hatte, dass es jetzt Hoffung auf eine neue Zeit gab, auf ein
neue Welt ohne Krieg. Die lichte Seite der Stunde Null- das war Aufbruch, Neubeginn, Optimismus. Enthusiasmus.
Jetzt konnte es nur noch besser werden. Es durfte wieder geträumt, gedacht, kritisiert, experimentiert werden. Alle
Wege standen offen, alle Traditionen waren überholt. Die Vergangenheit war tot, sie hatte sich selbst gerichtet. Wir
waren hungrig auf das Neue, auf die Welt da draußen, und wir entdeckten jeden Tag neue Götter:Armstrong Jean-
Paul Sartre Ernest Hemingway, Arthur Koestler. Die geistige Ermeuerung Deutschlands war der politischen weit
voraus. Das zarte Pflänzchen Demokratie hatte es schwer, Wurzeln zu schlagen. Eine tiefe politische, Apathie lag
über dem Land. Nach zwölf Jahren Totalitarismus und sechs Jahren Krieg hatte man die Schnauze voll. Politik ging
einen nichts mehr an, jedermann war sich selbst der Nächste. Das eigene Leben wieder in Ordnung zu bringen, war
jetzt das Wichtigste.
Die Zeit war janusköpfig. Es gab zu allem auch das Gegenteil: krassen Egoismus und selbstlose Hilfsbereitschaft,
tiefe Apathie und leidenschaftliches Engagement. Letzteres vor allem von Männern und Frauen, die sich der Lethargie
entgegenstemmten und die Drecksarbeit des großen Aufräumens übernahmen. Die Enttrümmerung der Städte war
eine gigantische Aufgabe, aber die Schuttbeseitigung in den Köpfen war schwerer. Sie gelang nur unvollkommen. Die
geistige Hypothek Hitlers lag wie eine Schlammschicht über dem Land. Eine innerdeutsche politische Abrechnung
fand nie statt. Keinem Gauleiter wurde Haar gekrümmt, kein Denunziant verprügelt. Die Entnazifizierung" war eine
oberflächliche Säuberung der Verwaltung und der offentlichen Dienste. Mitläufer gewesen zu sein, war keine
Schande. Allzu viele hatten Hakenkreuz am Rockaufschlag getragen, allzu viele waren verstrickt. Wer nicht gerade
ein Kriegsverbrecher im strafrechtlichen Sinn war, blieb unbehelligt. Hitlers Generale, die Hunderttausende wider
besseres Wissen in sinnlose Schlachten gejagt hatten, kamen weitgehend ungeschoren davon. Die Masse wollte nichts
mehr wissen vom Krieg und allem, was damit zusammenhing. Man wollte seine Ruhe haben und sich nicht mit
unangenehmen Fragen auseinander setzen, weder vor dem eigenen Gewissen noch vor dem Tribunal der
Offentlichkeit. Die Verdrängung - Reflex auf Scham und Schuldbewusstsein - begann mit der ersten Sekunde der
Stunde Null: Im April 1945 befreiten amerikanische Truppen das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar.
Fassungslos standen die Soldaten vor dem Panorama des Grauens. Die Bürger von Weimar, von den Amerikanern
zur Rede gestellt, erklärten unisono, von dem KZ auf dem Ettersberg (das seit wie in Weimar existierte und mit der
Sitadt auf vielfaltige Weise verknüpft war) nie etwas gehört zu haben. Wie in Weimar, so war es auch in Dachau, in
Sachsenhausen, in all den Golgathas im deutschen Land – niemand hatte etwas gewusst, niemand etwas gesehen. Die
Verdrängung wurde zum Erbübel der Bundesrepublik, zur Zweiten Schuld" wie Ralph Giordano schrieb, nicht mehr
reversibel nach einer Generation. Die Stunde Null war der große Schlussstrich, den die Mehrheit der Deutschen unter
das Kapitel Hitler zog – eine Amputation des Bewusstseins, die die Vergangenheit" (wie die Umschreibung für das
Dritte Reich" lautete) aus dem Gedächtnis öschte. Man sprach einfach nicht mehr von ihr und glaubte sie damit los zu
sein wie ein krankes Glied, das der Chirurg entsorgt. Die Unfahigkeit zu trauern nannten die Psychoanalyiker
Alexander und Margarete Mitscherlich den mentalen Defekt dieser Generation.
Die Bonner Republik wurde dennoch der anständigste deutsche Staat, den es je gab. Aber er hatte es schwer, vom
Staatsvolk angenommen zu werden. Er war ein Retortenbaby des Kalten Krieges und seine Väter hatten (mit
Ausnahme Adenauers) ein schlechtes Gewissen dabei, weil die westliche Staatsgründung die Teilung Deutschlands
bedeutete. Sie taten alles, um diesem Gebilde" den Charakter des Vorläufigen, jederzeit Widerrufbaren zu geben.
Selbst die Verfassung sollte nicht Verfassung heißen, weil das zu bombastisch klang So wurde die Konstitution
Grundgesetz genannt. Da die neue Republik sich ausdrücklich als Provisorium bezeichnete, ging 1949 auch der
Taufakt, die Verkündung des Grundgesetzes, sang- und klanglos über die Bühne. Das Volk war an der Geburt der
Bundesrepubllk nicht beteligt. Eine Volksabstimmung hatte man nicht riskieren wollen. Der Souverän" blieb bei der
Konstituierung des neuen Staates draußen vor der Tür. Das historische Datum wurde nie zum Feiertag erklärt und
drang infolgedessen nie in das Bewusstsein des [Link] wirklich einschneidende Ereignis der Nachkriegszeit,
das sich tief in die kollektive Erinnerung eingrub, war die Wahrungsreform am 20. Juni 1948, ein Jahr vor der
Staatsgründung. Sie gilt als Startschuss für das Wirtschaftswunder und prägte die Mentalita der Bonner Republik
entscheidend. Nach Jahren des Niedergangs und der Entbehrungen zeigte sich endlich Licht am Ende des Tunnels.
Über Nacht gab es ,richtiges" Geld Deutsche Mark genannt. Sie wurde in egalitären Minirationen ausgegeben, 40 DM
pro Kopf. Zum letzten Mal waren alle Deutschengleich, wenn auch nur für ein paar Tage bis die Banken wieder
öffneten. Ungläubig standen die Menschen vor den Schaufenstern. die sich mit Dingen füllten, die man nur vom
Hörensagen kannte. Die Bewirtschaftung wurde weithin aufgehoben und durch etwas ersetzt, was Ludwig Erhard, für
viele der Vater des Wunders, Marktwirtschaft" nannte. Man brauchte nicht mehr für alles Bezugsscheine*. Man konnte
in ein Geschäft gehen und sagen: Ich hätte gern einen neuen Fahrradschlauch und legte den Schlauch auf den Tresen
und sagte bitte [Link] war unglaublich. Von nun an ging es steil bergauf. Eine neue Ära begann. Die Stunde Null war
zu Ende. Bald würde sie nur noch eine ferne Sage sein: eine Zwischenzeit doppelbödigs und janusköpfig, Ende und
Anfang, Absturz und Aufstieg Zusammenbruch und Befreiung. Eine Schicksalspause – unwiederholbar.
Martin Luther (1483-1546) war seit 1514 als Prediger an der Wittenberger Stadtkirche tätig. Seine Gemeinde schätzte
den beliebten und rhetorisch begabten Mann. Oft war er in seinem Arbeitszimmer in die Lektüre der Bibel versunken.
Luther wollte aus der Heiligen Schrift das Verhältnis Gottes zu den Menschen entschlüsseln. Ein Verhältnis, das für
die römische Kirche längst geklärt war: Gott sprach zu den Menschen über den Papst in Rom und in Vertretung des
Heiligen Vaters durch die von diesem bestimmten Priester und Bischöfe. Damit konnte die Kirche in Rom das
Definitionsmonopol der Bibel für sich beanspruchen und auch die Sanktionen festlegen, die im Falle eines Verstoßes
gegen die biblischen Regeln zu erfolgen hatten.
Martin Luther hingegen kam zu einer Neuinterpretation der Evangelien des Neuen Testaments und leitete daraus ein
anderes christliches Paradigma ab. Für ihn gab es keine "apostolische Zwischenstation" im Verhältnis zwischen Gott
und den Menschen. Es zählte nur die Heilige Schrift ("Primat der Schrift")*, Jesus Christus ("Primat Christi")* und
die Gnade Gottes ("Primat der Gnade und des Glaubens")*. Auslöser für die "Reformation" war der Ablasshandel,
mit dessen Erlös der Neubau des Petersdoms in Rom finanziert werden sollte. Zudem finanzierten die Ablassgelder
auch das luxuriöse Leben von Papst Leo X. (1475 - 1521), der notorisch von der Pleite bedroht war. Als Martin Luther
in der Arbeitsstube seiner Wittenberger Priesterwohnung die berühmten 95 Thesen schrieb, ging es ihm lediglich
darum, die Missstände (Verweltlichung, Umgehung des Zölibats) in der römischen Kirche abzustellen. Weder wollte
er Streit mit dem Papst, noch wollte er eine eigene Kirche gründen. Deshalb hat er seine Thesen an jenem
denkwürdigen 31. Oktober 1517 auch nicht an die Tür der Wittenberger Stadtkirche genagelt, sondern "zur
Disputation" an Freunde geschickt. Er war an diesem Tag kein Revolutionär, sondern ein aufgeregter Mönch, der sich
um das Seelenheil seiner Gemeindemitglieder Sorgen machte. Die Reaktion auf die sich rasch verbreitenden Thesen
machte aus dem aufgeregten Mönch einen Revolutionär, der die mittelalterliche Welt nachhaltig durcheinanderbrachte
und dessen Wirkung in der Geschichte ohne Beispiel ist. Vogelfreier* Reformator - Luther widerruft seine Thesen
nicht . Papst Leo X. versuchte den Wittenberger Mönch mit Exkommunikation, Bannflüchen* und im April 1521 mit
einem Verfahren vor dem Reichstag in Worms zur Ordnung zu rufen - ohne Erfolg. Martin Luther widerrief in
Worms seine Thesen nicht, wurde mit der Reichsacht belegt und war fortan "vogelfrei". Bei seiner anschließenden
Flucht vor den Häschern* der Inquisition konnte er nicht nur auf die Hilfe weiter Teile der Bevölkerung zählen,
sondern vor allem auch auf die Hilfe des sächsischen Kurfürsten* Friedrich III. - "der Weise" - (1463 - 1525). Der
Kurfürst versteckte ihn auf der Wartburg, wo er als "Junker Jörg" das Neue Testament ins Deutsche übersetzte. Seine
Lehren verbreiteten sich einerseits schnell über den europäischen Kontinent. Andererseits wurde der Konflikt mit der
"katholischen Kirche", wie sich römische Kirche des Papstes nun nannte, immer gewalttätiger. Beide Seiten
bewaffneten sich. Dieser Religionskonflikt mündete schließlich im Dreißigjährigen Krieg (1618 -1648), an dessen
Ende die Religionsfreiheit in Deutschland und Europa vertraglich besiegelt wurde.* die vier Grundsätze der
Reformation und des evangelischen Glaubens: Allein in der Heiligen Schrift ("sola scriptura") offenbare sich Gottes
Wort dem Menschen, nicht in den Büchern der Theologen. Allein die Person, das Wirken und die Lehre Jesu Christi
("solus Christus") können Grundlage für den Glauben und die Errettung des Menschen sein. Errettet werde der
glaubende Mensch nur von der Gnade Gottes ("sola gratia"). Gottes Gnade erlange man allein durch den Glauben
("sola fide").
keinen Finger krumm machen (nichts tun; sich für nichts, niemanden einsetzen) – krumme Finger machen
(stehlen)
Wählen Sie für die Beantwortung folgender Fragen (1)-(10) unter den Bedeutungsbeschreibungen a) bis (j) die
passende aus.
Beispiel: Wenn jemand große Augen macht, dann staunt er oder ist verblüfft. (erstaunt, überrascht, verwundert)
Aber wenn ein junger Mann einem Mädchen schöne Augen macht? – Dann flirtet er mit ihr und ist vielleicht
verliebt.
1. Wenn jemand über den Berg ist, dann hat er vielleicht die Krise einer Krankheit überstanden/ das Schlimmste
überstehen/ wieder gesund werden
Aber wenn jemand über alle Berge ist? – fort/weit weg sein; unerreichbar sein; verschwunden; entkommen
2. Wenn zu Hause die Frau die Hosen anhat, dann hat der Mann nicht viel zu bestimmen. ( die Hosen anhaben –
dominieren; mächtig sein; derjenige sein, der die Entscheidungen trifft)
Aber wenn nun jemand - salopp ausgedrückt - die Hosen voll hat? – große Angst vor etwas haben
3. Hat einer viel zu bedenken und große Sorgen, dann hat er den Kopf voll.
Was ist aber, wenn er die Nase voll hat? – etwas satt haben/von etw. genug haben/ [Link] Sache überdrüssig
sein
4. Wer müde ist, legt sich schlafen, er legt/haut sich aufs Ohr.
Aber wie ist das, wenn einer jemanden übers Ohr haut? – jemanden betrügen/übervorteilen (jemanden
benachteiligen)
5. Offene Türen rennt ein, wer für etwas kämpft, was schon befürwortet wird.
Aber wenn jemand nicht offene Türen, sondern jemandem die Tür einrennt? – jemanden ständig mit dem gleichen
Anliegen aufsuchen
6. Wer in der Luft hängt, weiß nicht, wo er hingehört, was er tun soll / ungewiss,unsicher sein/ noch nicht entschieden
sein; er hat vielleicht keine Einsatzmöglichkeit nach dem Studium, keine Existenzgrundlage.
Und was hat es zu bedeuten, wenn man sagt, dass etwas Unangenehmes in der Luft liegt? – alle Anzeichen deuten
auf etwas hin/etw. steht bevor,droht/ in naher Zukunft zu erwarten sein
7. Wer sich nicht unterkriegen lassen, den Mut nicht verlieren will, muss die Ohren steifhalten.
Und was tut derjenige, dem man sagt, dass er die Ohren spitzen soll? – aufmerksam horchen/zuhören
[Link] etwas leistet, Aufsehen durch seine Leistung erregt, macht dadurch von sich reden.
Und wer nicht mit sich reden lässt? - nicht bereit zur Verständigung mit jmdm. etw. sein
Und wer jemandem in den Arm fällt? – jemanden an etw. hindern/ jemanden von etw. zurückhalten/ etw. noch
rechtzeitig verhindern wissen
10. Wenn jemand verantwortungslos oder leichtsinnig handelt, dann muss er damit rechnen, dass es auch ins Auge
gehen kann.
Und wenn etwas ins Auge fällt/springt? – beim Sehen (plötzlich) jmds. Aufmerksamkeit auf sich lenken/auffallen
Vervollständigen Sie die folgenden Satzpaare, indem Sie die passende Wendung a) oder b) einsetzen:
Beispiel: a) jmdm. die Stange halten (jmdn. nicht im Stich lassen, für jmdn. eintreten, jmdn. unterstützen)
b) jmdn. bei der Stange halten (dafür sorgen, dass jemand dabeibleibt/ nicht aufgibt/ eine
begonnene Sache zu Ende führt)
1. Wenn zwei …unter einer Decke strecken.., dann haben sie vielleicht etwas zu verbergen./insgeheim gemeinsame
Sache machen/ im Verborgenen zusammenarbeiten
Wer wenig Geld hat, muss sich nach der Decke strecken. = mit wenig Geld auskommen müssen/sparen/sich
einschränken müssen
2. Mancher kann sich nicht beherrschen und er geht in die Luft ... , wenn etwas nicht nach seinem Willen geschieht.
(in Wut geraten/wütend werden)
Einem anderen wiederum …geht die Luft aus , weil er sich mehr vorgenommen hat, als er schaffen kann. ( jmd.
erschöpft sich; hat keine Kraft;lässt nach; gibt auf;)
3. Wer lange auf Sitzungen und Versammlungen zubringen muss, möchte gern ab und zu mal Luft schnappen …
Es kommt aber auch vor, dass jemand bei großer Anstrengung an frischer Luft nach Luft schnappen …muss.
4. Die Arbeitslosen bekräftigen ihre Forderungen, indem sie auf die Straße gehen (demonstrieren/protestieren/an
einer Demonstration teilnehmen)
Viele von ihnen liegen schon mehrere Jahr auf der Straße.
5. Wer einen Handwerker an der Hand hat , der gleich kommt, wenn er ihn braucht, kann froh sein. ( an der Hand
haben – zur Verfügung haben/die Gelegenheit haben, etw. zu bekommen)
Wenn aber jemand einen Handwerker in der Hand hat, ist das wenig ehrenhaft und grenzt an Erpressung. ( jemanden
unter Kontrolle haben)
6. Wenn du den Zug noch erreichen willst, musst du die Beine unter den Arm nehmen. (schnell laufen, rennen)
Wer mit 25 Jahren immer noch im Hotel Mama wohnt, streckt bei seinen Eltern die Beine unter den Tisch. ( sich
ernähren/aushalten lassen/ sich von jemandem bedienen/vesorgen lassen/ von jemandem unterhalten werden ( für
jemanden den Unterhalt bezahlen))
7. Wer seinen Freund zum Besten hat/hält, kann schnell ohne Freund dastehen. (jemanden
anführen/nasführen/täuschen)
Aber wer in fröhlicher Rund zum Besten gibt , kann leicht Freunde gewinnen. (etw. zur Unterhaltung vortragen)
8. Wenn jemand auf den Ohren sitzt , dann will er vielleicht gar nicht hören, was wir ihm zu sagen haben.
Mancher lässt sich nicht entmutigen und .liegt.. seinem Vorgesetzten solange in den Ohren…, bis er sein Ziel doch
noch erreicht. ( jemanden dauernd bitten, auf jemanden einreden – ubedjivati nekoga)
9. Nun sag schon, was du …, man sieht es dir doch an der Nasenspitze an, dass du eine Überraschung parat hast!
Sein Chef hat ihn wegen der liederlichen Arbeit und der ständigen Ausschussproduktion tüchtig .in die Pfanne
gehaut..(schlagen/vernichten/übermäßig kritisieren)
10. Die Eltern sind sicher, dass ihr Junge seinen Weg macht …, denn er arbeitet und lernt sehr zielstrebig. (viel
erreichen; Karriere machen; Erfolg haben; im Leben vorankommen)
Man muss sich rechtzeitig auf den Weg machen…, wenn man nicht zu spät kommen will.(losgehen/losfahren/ zu
einem bestimmten Ort aufbrechen)
etw. rührt daher, etw. hat seine Ursache poticati, imati uzrok u nečemu
dass.. darin
- herrühren auf etw. oder jemanden
zurückzuführen sein
die Zerstreuung Unterhaltung zur razonoda, zabava
Adj:zerstreut = Ablenkung,
unaufmerksam, Entspannung
unkonzentriert
Verb: sich zerstreuuen =
sich ablenken
in etw. verfallen + in einen bestimmten upasti u neko odredjeno stanje
Akk. Zustand geraten – z.B in
üble Laune verfallen
zutreffend (in Bezug richtig/korrekt/exact
auf eine Feststellung)
abgeben aushändigen/übergeben predati
sich verabreichen jmdm. etw. geben/ ein
Medikament einflößen
tagträumen fantasieren
sinnieren tief nachdenken
langweilig; wenig
öde ertragreich (eine öde
Gegend); verlassen,
menschenleer
die Muße arbeitsfreie Zeit dokolica
überführen in + Akk umgestalten/umwandeln
; etw. von einem
Zustand in einen
anderen umsetzen
ankniepsen (Fantasie) aktivieren/einschalten
in Erinnerungen ganz in etw. versunken
schwelgen sein, sich in etw.
berauschen
schalten auf
dösen leicht schlummern dremkati
die Innenwelt
(sich in Innenwelt geistige und seelische
zurückziehen) Welt eines Menschen
Antonym: Außenwelt
bewusst
ausblenden auslassen/weglassen;
absichtlich
verdrängen/ignorieren
verkümmern sich zurückentwickeln;
sich zurückbilden
nicht wissen, wo einem jemand hat sehr viel
der Kopf steht Arbeit; zu viel zu tun; ist
überlastet
die Lawine die Unmenge
einer Sache ausgesetzt schutzlos/überlassen
sein sein
jemanden erschöpfen zermürben
(her)rumlungern sich irgendwo untätig vrzmati se, blejati negde, motati se
aufhalten
sich einer Sache prepustiti se
ergeben sich hingeben
jemanden in einen jmdn., sich in eine
Zustand versetzen besondere, neue Lage,
einen veränderten
Zustand bringen
die Unterversorgung Mangel an
die Permanenz die Beständigkeit
einer Sache einer Sache entgehen izbeći nešto
entkommen
der Heißhunger großes Verlangen
der Sog (meist Sing.) starke,anziehende
Wirkung von etw.
die Anziehungskraft
verwoben
(etw. mit etw. sehr eng verbunden
verweben)
Begleitpersonen;
die Gefolgschaft Begleitung sledbenici (imati nekoga koga sledimo,kome verujemo)
ein kleiner Gefallen, den
die Gefälligkeit, -,-en wir jemandem aus
(wird im Plural Hilfsbereitschaft
verwendet) erweisen
die Vorteilsnahme =
die Vorteilsannahme Annahme eines Vorteils iskorišćavanje pogodnosti
Antonym: die durch jemanden (einen
Vorteilsgewährung Amtsinhaber)
die Veruntreuung pronevera; zloupotreba poverenja
Verb: etw. fremdes anvertrautes
veruntreuen = etw. Eigentum bewusst für
unterschlagen sich behalten/benutzen
jemanden mit
die Erpressung Drohungen unter Druck ucenjivati nekoga, pretiti mu nečim, da bismo ga
Verb: jemanden setzen, um ihn zu naterali na nešto
erpressen zwingen, etw.
herzugeben
Beispiel: Korruption findet überall dort ihren
der Nährboden 1. Untergrund, auf Nährboden, wo Entscheidungen getroffen werden, von
dem etw. gut den jemand einen Vorteil haben kann.
gedeiht
2. übertragen:
Grundlage,
Voraussetzung,
das etw. sich –
vor allem zum
Negativen
entwickeln
kann
- offenbar werden
ans Licht kommen - aufgedeckt werden izaći na videlo
- bekannt werden
unverfänglich harmlos/gefahrlos/unbde
nklich/ungefährlich
die Öffentlichkeit
die Allgemeinheit die Gesellschaft
(Gesamtheit,alle) 1. [Link] zu
Lasten der
Allgemeinheit
2. ein sicheres
Verkehrsmittel
für die
Allgemeinheit
schmierig unsauber; unlauter
(das schmierige (unehrlich, unkorrekt) prevarantski
Geschäft) - unlautere Methoden,
Ziele, Zwecke,...
vehement energisch/heftig/
ungestüm
etw. ist nicht in Ordnung nešto nije onako kako bi trebalo da bude
etw. ist aus dem Lot unsicher/ gestört
geraten werden/
durcheinandergeraten
die
Voreingenommenheit vorgefasste Meinung pristrasnost
jemandem (große)
jemandem zu schaffen Schwierigkeiten
machen machen; jemandem
Sorge, Mühe bereiten;
jemanden belasten
heimliche Feindseligkeit kivnost
das Ressentiment versteckter Hass ozlojedjenost
stiller Groll (verhaltener ogorčenost
Zorn)
zweiteilig
dyadisch eine Beziehung
zwischen zwei Personen
betreffend
die
die Verdinglichung Vergegenständlichung
etw. wie ein Gegenstand
behandeln
- die Verdinglichung des
zwischenmenschlichen
Kontakts
persönlich
von Angesicht zu in direkter
Angesicht (das Konfrontation
Gesicht/das Anlitz) im persönlichen
Gespräch
altersübergreifend altersgemischt
ruppiges Benehmen
die Ruppigkeit die Unhöflichkeit
die Rücksichtlosigkeit
ruppig = grob/unhöflich/
rücksichtlos
wie unter Freunden
kumpelhaft wie unter Kumpel
Nomen: die möglich
Kumpelhaftigkeit in einem bewusst
der Kumpel, -s, - = der saloppen, vertrauten Ton
Kamerad,Kollege, -en, -
en
rüde grob/derb
grenzüberschreitend
übergriffig grenzverletzend
sich verschlechtern
verkümmern sich nicht weiter
entwickeln
einfacher werden
oberflächlich/
verflachen gedankenarm werden
(z.B. das Gespräch
verflachte)
anrempeln jemanden
beleidigen/beschimpfen
flapsig = schlechte,
ungeschlieffene (ohne neučtivost, nevaspitanost
die Flapsigkeit gute Manieren),
flegelhaft, unmanierlich/
ungehobelt, ungezogen
- ausbalancieren
austarieren - ins Gleichgewicht
bringen
- in Einklang bringen
- jemandem zu nahe ne dati nekome mira, čak fizički nasrnuti na nekoga
jemandem auf die kommen
Pelle rücken - jemanden bedrängen,
nicht in Ruhe lassen
bei jemandem
Respekt genießen
den Respekt
verdienen
[Link].
brauchen/benötigen
einer Sache, jmds. - Der Mensch bedarf
bedürfen dringend der
Verbesserung
- eine philosophische
Denkrichtung, die die
Grenzen menschlicher
der Transhumanist, - Möglichkeiten, sei es
en, -en intellektuell, physisch
der Transhumanismus oder psychisch, durch
den Einsatz
technologischer
Verfahren erweitern will
jmdm. etw. verleihen
(gehoben für jmdm,einer
jemandem verhelfen Sache etw. geben,
zu etw. verschaffen)
über eine hohe
leistungsstark Leistungsfähigkeit
Antonym: verfügend
leistungsschwach
regenerativ erneuerbar
Nomen: die
Regeneration = die
Erneuerung,
Widerherstellung
-zum körperlichen
degenerativ Verfall führend
Nomen: die -den körperlichen
Degeneration = der Verfall bewirkend
Verfall
abzielen auf
anpeilen sich etw. zum Ziel
setzen
erreichen wollen
akribisch detailliert
über ein Problem
sprechen, um es zu
erörtern klären, diskutieren
Nomen: die - etwas
Erörterung bereden/besprechen/
diskutieren
eine ungesicherte
die Unterstellung Behauptung/Annahme
- jemandem den Rang
jemanden übertreffen ablaufen = jemanden
überbieten/überragen
der persönliche
Kontakt/Umgang mit
anderen
der Individualverkehr - mit jemandem in
Verb: mit jemandem regelmäßiger
verkehren Verbindung stehen (z.B.
Er verkehrt in solchen
Kreisen)
unerfüllt (z.B Wünsche,
versagt die jemandem versagt
wurden)
die Mühsal Mühe, Plage, Qual muka,nevolja
bedrückt bekümmert/betrübt =
traurig
jemandem kommt jemandem fällt etw. ein pasti na pamet
etwas in den Sinn
gängig geläufig, üblich uobičajeno
der kleinste ein Kompromiss;
gemeinsame Nenner Vereinbarung, auf die
(für) sich alle Beteiligten
einigen können
- der Tag der
Befreiung/der
Kapitulation
- ein völlig neuer
die Stunde Null Anfang mit völlig
veränderten
Bedingungen
- kurzer Zeitraum nach
der Kapitulation
die Trümmern Bruchstücke, Überreste krhotine, delovi necega
(Pluralia tantum) eines zerstörten
größeren Ganzen
zielllos umherlaufen/ lutati
umherirren umherfahren
von der Familie getrennt
versprengt und in die Flucht
getrieben
- versprengte Kinder
sich aufrichten
Nomen: die sich/jmdn. innerlich
Aufrichtung=die stärken, wieder
Ermutigung/die ermutigen
Aufmunterung
auf sich selbst auf sich selbst gestellt
zurückgeworfen sein sein/ohne Unterstützung biti prepusten sam sebi
sein
das Herrenvolk das überlegene Volk
herabstufen niedriger
bewerten/einordnen/
einschätzen
in etw. zurücksinken wieder in einen früheren
(negativen) Zustand
geraten
jmdm. stehen alle jemand hat alle
Wege offen Möglichkeiten
überholt veraltet/überkommen prevazidjeno