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Robot

Die Faszination für menschenähnliche Roboter ist seit Jahrhunderten präsent, doch ihre Realität löst oft Angst aus, was als 'Uncanny Valley' bezeichnet wird. Diese Angst resultiert aus der Diskrepanz zwischen dem Aussehen und dem Verhalten der Roboter, die menschlich erscheinen, aber dennoch als Maschinen erkannt werden. Der Umgang mit Technologie, insbesondere mit anthropomorphisierten Sprachassistenten, wirft zudem ethische Fragen auf, während der größte Fortschritt in der Robotik eher in industriellen Anwendungen als in androiden Systemen erwartet wird.

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Die Faszination für menschenähnliche Roboter ist seit Jahrhunderten präsent, doch ihre Realität löst oft Angst aus, was als 'Uncanny Valley' bezeichnet wird. Diese Angst resultiert aus der Diskrepanz zwischen dem Aussehen und dem Verhalten der Roboter, die menschlich erscheinen, aber dennoch als Maschinen erkannt werden. Der Umgang mit Technologie, insbesondere mit anthropomorphisierten Sprachassistenten, wirft zudem ethische Fragen auf, während der größte Fortschritt in der Robotik eher in industriellen Anwendungen als in androiden Systemen erwartet wird.

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Warum menschenähnliche Roboter uns gruseln

Es ist ein großes Paradoxon der Menschheitsgeschichte: Seit Jahrhunderten träumen wir von realistischen
Robotern. Doch werden sie Realität, fürchten wir uns
Martin Stepanek
28. Mai 2023, 07:00

Die Faszination der Menschheit für Androiden und Automatengeschöpfe ist kein Phänomen unserer
Neuzeit. Schon in der griechischen und römischen Mythologie ist von mechanischen Vögeln, aber
auch künstlichen Dienerinnen und anderen Kreationen die [Link] wohl bekannteste Schöpfung
ist Pandora. Die von Hephaistos, dem Gott des Feuers und der Schmiedekunst, aus Lehm
erschaffene Frau sollte bekanntlich mit ihrer Büchse Unheil über die Welt bringen. Ein künstlich
kreiertes Wesen, das die Welt aus den Fugen geraten lässt: Das Motiv zieht sich wie ein roter Faden
durch die moderne Kulturgeschichte der Menschheit.
Spätestens ab der Renaissance greifen Leonardo da Vinci und andere Konstruktionsmeister die
Jahrhunderte zuvor geleistete Vorarbeit der alexandrinischen Gelehrten wieder auf. Die technischen
Errungenschaften stehen dabei im Vordergrund. Eine Skizze eines roboterähnlichen Ritters von da
Vinci ist davon ebenso Zeugnis wie die mechanische Ente von Jacques de Vaucanson aus dem Jahr
1738, die watscheln, schnattern, Wasser trinken und dieses über ihren künstlichen Darm und
Ausgang wieder ausscheiden konnte.
Tierroboter gibt es auch heute noch zuhauf. Flauschige Robben- und Katzenroboter sollen
pflegebedürftigen Kranken Trost spenden. Täuschend echte Delfinroboter könnten schon bald die
eingesperrten echten Tiere in Vergnügungsparks ersetzen. Insektenähnliche Miniaturroboter sollen
bei der Bestäubung von Pflanzen helfen oder über einen imitierten Bienentanz die Arbeiterinnen in
die richtige Richtung locken.
Und dann ist da noch Roboterhund Spot, der alles andere wie ein Hund aussieht, sich mit seinen
vier schlaksigen Beinen teilweise aber so bewegt. Dass Spot vor zwei Jahren sogar die New Yorker
Polizei auf Streife begleitete, kam bei der dortigen Bevölkerung allerdings gar nicht gut an. Nach
Beschwerden über die "gruselige Kreatur" wurde der Pilotversuch wieder gestoppt.
Dass der von Boston Dynamics entwickelte Vierbeiner Unbehagen auslöste, ist für Martina Mara
keine Überraschung. Die Professorin für Roboterpsychologie am Linz Institute of Technology der
Johannes-Kepler-Universität hat bei einem öffentlichen Spaziergang mit Spot und Rektor Meinhard
Lukas ähnliche Reaktionen erlebt. "Es gibt bei androidenhaften Robotern das Phänomen, dass diese
als besonders unheimlich empfunden werden, wenn sie hochgradig menschenähnlich aussehen oder
so agieren", erklärt [Link] sehe zwar nicht aus wie ein Hund, seine Bewegungen seien aber sehr
organisch, was psychologisch gesehen einen Konflikt auslöse. "Die Hinweisreize passen für unser
Gehirn nicht zusammen. Wir wissen, dass das eine Maschine ist und wie eine Maschine aussieht,
aber sie bewegt sich wie ein echtes Tier." Ähnliches gelte für sprechende Roboter.

Traum und Albtraum zugleich


Ob der unter dem Fachbegriff "Uncanny Valley" bekannte Gruseleffekt besonders realistischer
Roboterwesen allgemein gültig ist und warum er in welchen Situationen auftritt, ist
wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Paradox bleibt das Ganze in jedem Fall.
Einerseits träumen wir in Büchern und Filmen von Androiden, die von Menschen kaum mehr zu
unterscheiden sind und Gefühle sowie ein Bewusstsein entwickeln.
Werden wir in der Realität dann mit Robotern wie dem zweibeinigen Atlas konfrontiert, der
Hindernis-Parcours wie ein Mensch bewältigen und neben Laufen und Springen auch einen
Rückwärtssalto hinlegen kann, beginnt es uns schnell zu [Link] weiteres Phänomen, das zu
diesem Paradox beiträgt, ist die Tendenz des Menschen, nichtmenschliche Identitäten – darunter
eben auch Technologie – zu anthropomorphisieren, ihnen also menschliche Eigenschaften
zuzuschreiben.

Die Maschine als unterwürfige Dienerin


Dass das Thema aktuell so relevant wie nie zuvor ist, zeigt unser Umgang mit
Sprachassistenzsoftware wie Alexa oder Siri. Die Kommunikation über natürlich formulierte
Sprache, aber auch der Name suggeriert ein tatsächliches Gegenüber, das in einen mehr oder
weniger intelligenten Dialog treten kann. Im Fall der anfangs ausschließlich weiblich konzipierten
Assistentinnen, die auch auf sexistische Beschimpfungen stets freundlich und devot reagierten,
erscheint das in mehrfacher Hinsicht problematisch, wie auch Roboterexpertin Mara bestätigt.
"Generell ist es kein Problem, wenn wir ein hierarchisches Verhältnis zu Maschinen haben und
diesen sagen, was sie zu tun haben. Im Gegenteil würde ich sogar dafür plädieren, Technologie
nicht moralisch aufzuladen und ihr so eine gewisse Kontrolle über uns und unser Verhalten zu
geben", sagt Mara. Eine Maschine solle durch entsprechende Rückmeldungen kein schlechtes
Gewissen erzeugen können, wenn man sie abschalten möchte.
Problematisch werde dieser Umgang mit Technologie aber dann, wenn Maschinen vermenschlicht
und dabei alte Geschlechterstereotypen reproduziert werden. "Es ist wissenschaftlich erforscht, dass
derartige Klischees wie jenes der unterwürfigen, dienenden Assistentin, die alle Wünsche erfüllt,
dann wieder zurück in die Realität übertragen werden", kritisiert Mara.

Der Trick von ChatGPT


Der Anthropomorphisierung Einhalt zu gebieten, dürfte künftig jedoch nicht leichter werden, wie
der aktuelle Hype um das Sprachmodell ChatGPT und andere Chatbots mit künstlicher Intelligenz
wie Googles Bard zeigen. Angesichts überbordender Reaktionen und Erwartungshaltungen warnt
auch Sam Altman, der Chef der ChatGPT-Firma OpenAI, davor, das Sprachmodell als selbstständig
denkendes, fühlendes Wesen zu begreifen, das einen eigenen Willen habe. In Wahrheit handle es
sich um ein Sprachmodell, das einfach die Aneinanderreihung von Worten versuche vorherzusagen,
sagte er in einem Interview mit dem US-Sender ABC.

Industrieroboter relevanter
Ungeachtet der neuen künstlichen Sprachfähigkeiten erwartet Mara die größten Durchbrüche in der
Robotik aber dennoch nicht bei androiden Systemen, wie den seit Jahrzehnten prognostizierten
Haushalts- und Pflegerobotern. Schon jetzt sei der mit Abstand größte Bereich der Robotik die
Industrie. Sogenannte Cobots, also kollaborative Roboter, können aufgrund ihrer stark verbesserten
Sensorik, neuer Materialien und künstlicher Intelligenz mittlerweile mit Menschen auf engem
physischem Raum zusammenarbeiten, ohne diese zu gefährden.
Im Pflege- und Gesundheitsbereich wiederum rechnet die Roboterexpertin damit, dass
unterstützende aktive Exoskelette, also Roboter zum Anziehen, eine größere Rolle spielen werden.
"Ich denke, es ist langsam an der Zeit, dass wir uns von diesen jahrzehntelang kultivierten
androiden Robotervisionen lösen und Roboter als das begreifen, was sie eigentlich sind:
komplementäre Werkzeuge, die uns Menschen in verschiedenen Lebenssituationen unterstützen
können", sagt Mara.
In anderen Worten: Die Büchse der Pandora bleibt geöffnet. Aber es ist alles nicht so schlimm.
(Martin Stepanek, 28.05.2022)

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