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Spracherwerb

Das Dokument behandelt den Spracherwerb, definiert ihn als das Erlernen der Muttersprache und beschreibt die verschiedenen Pfeiler, Stadien sowie Bedingungen des Erstspracherwerbs. Es werden verschiedene Theorien des Spracherwerbs vorgestellt, darunter nativistische, kognitivistische, interaktionistische und behavioristische Ansätze, sowie mögliche Störungen im Spracherwerb und deren Therapie. Zudem wird die Rolle von Fernsehen und Geschlechterunterschieden im Spracherwerb thematisiert.

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Spracherwerb

Das Dokument behandelt den Spracherwerb, definiert ihn als das Erlernen der Muttersprache und beschreibt die verschiedenen Pfeiler, Stadien sowie Bedingungen des Erstspracherwerbs. Es werden verschiedene Theorien des Spracherwerbs vorgestellt, darunter nativistische, kognitivistische, interaktionistische und behavioristische Ansätze, sowie mögliche Störungen im Spracherwerb und deren Therapie. Zudem wird die Rolle von Fernsehen und Geschlechterunterschieden im Spracherwerb thematisiert.

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Spracherwerb

Seminar: Kommunikations- und Medienpsychologie


Dozent: Benjamin P. Lange, M. A.
Referenten: Marlene Hahn, Antonia Ude
Gliederung
1. Spracherwerb Definition
2. Pfeiler des Spracherwerbs
3. Stadien des Spracherwerbs
4. Bedingungen des Erstspracherwerbs
5. Theorien des Erstspracherwerbs
6. Störungen des Erstspracherwerbs
7. Spracherwerb und Fernsehen
8. Unterschiede Geschlechter
1. Definition

Spracherwerb bedeutet das „Erlernen der Regeln der


jeweiligen Muttersprache, […] [und] zu lernen, wie mit
Sprache eigene Gedanken und Gefühle ausgedrückt, wie
Handlungen vollzogen und die von anderen verstanden
werden können. Hierbei sind auch nonverbale Signale wie
Mimik und Gestik bedeutsam.“

(aus Klann-Delius, G. (1999). Spracherwerb. Stuttgart: Metzler.


S.22.)
2. Pfeiler des Spracherwerbs
1. Phonologische Kompetenz
 Unterscheidung der Muttersprache von anders klingenden
Sprachen
 Übung von Lauten und Lautverbindungen die der
Muttersprache immer ähnlicher werden
2. Objektkognition
 Wörter auf Objekte in der Welt in Beziehung setzen, diese
erkennen und diese mit den Begriffen in Verbindung
bringen
3. Soziale Interaktion
 Verständigung der Bedürfnisse und dessen Befriedung
durch Schreien und der Körpermotorik
3. Stadien des Spracherwerbs
3.1. vor der Geburt
3.2. 0 – 1. Monat
3.3. 1. – 5. Monat
3.4. 6. Monat
3.5. 7. – 12. Monat
3.6. 1 – 2 Jahre
3.7. 2 – 3 Jahre
3.8. 3 – 12 Jahre
3.1. Vor der Geburt

Ab dem sechsten Monat im Mutterleib:


 Gehörgänge ausgebildet
 Wahrnehmung akustischer Informationen, wie Herzschlag
und Stimme der Mutter

 Unterscheidung der Muttersprache von anders klingenden


Sprachen bei der Geburt
3.2. 0 - 1 Monat
 Ab der Geburt: Hörvermögen, Schreien
 Ab 2. Woche: differenzierteres Klangmuster und ruhige
Grundlaute
 Koordinierte Handbewegung; angeborener Greif- und
Saugreflex
 Ersten 6 Wochen: erste melodische Modulationen
 Ab 3. – 4. Woche: Frühformen des sozialen Lächelns
 Mimische Muster für Unlust/ Unbehagen, Schmerz/ Trauer
3.3. 1. – 5. Monat
 3./4. Monat: „Phase der stimmlichen Expansion“
 Ersten 4 Monate: produzieren mehr Vokale als Konsonanten
 Ab 3. Monat: zeigegestenähnliche Bewegungen
 Lächeln/ Lachen, Ärger, Überraschung, Traurigkeit, Scham
 Anstieg des Greifens und Hinlangens ab dem 4. Monat
3.4. 6. Monat
 „Phase des Babbelns“
 Zwischen 6. - 9. Monat: „pointing“: Gestik ist ausgerichtet
auf Objekte, jedoch ohne engeren Bezug zu ihnen
 Zwischen 6. und 12. Monat: Sensibilisierung für die
Muttersprache
3.5. 7. – 12. Monat
 Zwischen 7. und 10. Monat: „Phase des repetitiven
Silbenplappern“
 7./8. Monat: Emotionen wie Angst und Furcht können
mimisch dargestellt werden
 Ab [Link]: Unterscheidung mimischer Emotionen wie
Freude oder Überraschung, vorher nur wenn die Stimme der
Person hinzukommt
 11. Monat : „pointing“ nimmt Bezug zu den Objekten auf
 11.-12. Monat: variierteres Babbeln
 Einwortäußerungen
Die ersten 10 häufigsten Wörter
1. Mama
2. Papa
3. Nein
4. Hund
5. Ball
6. Danke
7. Baby
8. Puppe
9. Auto
10. bitte
3.6. 1 – 2 Jahre
 Erste Wörter werden gesprochen, bilden sich bis zum 2.
Lebensjahr aus; circa 40-50 werden erworben
 Zunächst Dingwörter
 Grundemotionen
 Sprechen über innere Zustände
 Zwischen 18 und 24 Monaten: Zweiwortäußerungen
 Mit 18. Monaten: Handgesten; ikonische Gesten (=bildliche
Gesten, z.B. Schnüffeln in Bezug auf eine Blume)
3.7. 2 – 3 Jahre
 2-2,5 Jahre: Ausbildung des Lautsystems
 Ikonische Gesten werden mit Sprache verknüpft
 Ab 2 Jahre: sprunghafte Ausweitung von 50 auf 100 Wörter
bis zum Alter von circa 3 ½ / 4 Jahren
 Phase der Benennung von Aktionen
 Innere Zustände werden dargestellt
 Emotionen wie Schüchternheit, Schuld, Verachtung kommen
hinzu
 Regeln des turn-taking
 Drei- und Mehrwortäußerungen
3.8. 3 – 12 Jahre
 3. Lebensjahr: Sprechen über Emotionen; Zugang zu mentalen
Prozessen; Fähigkeit zur „Maskierung der Gefühle“; sämtliche
Vokale wurden erlernt
 Zwischen 21. und 36. Monat: Dialogische Bezugnahme
 Ab 4 Jahren: Zuwachsrate an Wörtern flacht ab
 4-5 Jahre: Taktstockgesten und metaphorische Gesten
 Ab 6 Jahre: systematisches Erzählen etc.
 Mit 7 Jahren: phonologisches System abgeschlossen
 Zwischen 3-12 Jahren: lexikalische Strukturierung in Wortfeldern
 Zwischen 4-12 Jahren: komplexe Syntax ausgebaut
 Mit 12 Jahren: Wortspracherwerb abgeschlossen
Wichtigste Punkte
 Erstes Wort um den 12. Monat
 Bis zum Ende des 2. Lebensjahres 50 Wörter
 bis zum 4. Lebensjahr sprunghafte Ausweitung des
Wortschatzes
 Ab 4. Lebensjahr wieder Verlangsamung
 Abschluss des Erstspracherwerbs (L1) mit ca. 12 Jahren
4. Bedingungen des Erstspracherwerbs

4.1. Sprache
4.2. Kind
4.3. kommunikative Situation
4.1. Sprache
 Wichtigste Rolle spielt Kommunikation durch erst einfache
dann immer komplexer werdende sprachliche Äußerungen
 In der englischen Sprache sehr gut erforscht –
Verallgemeinerungen auf andere Sprachen noch mit Vorsicht
zu genießen
4.2. Kind
 Säugling verfügt über ausgezeichnete Ausstattung, um den
Spracherwerb zu meistern
 Alle Fähigkeiten, die Menschen besitzen, sind für
Spracherwerb von Bedeutung
 Wichtigste Fähigkeit: Interaktion zwischen Menschen und
das Erkennen der kommunikativen Intention des Partners
 Problem: Sind genetische Ausstattungen des Kindes bereits
angelegt oder werden sie erst von der Umwelt gefördert ?
4.3. kommunikative Situation
 Drei relevante Aspekte: physische, soziale und mediale
 Physisch: ob Objekte, über die mit oder vor dem Kind
gesprochen werden, vom ihm/ihr wahrgenommen und
kognitiv verarbeitet werden können
 Sozial: wenn physischer Aspekt nicht zutrifft, liegt
Konzentration der Kinder darauf, über die Situation verbaler
oder nonverbaler Handlungen die Kommunikation mit den
Erwachsenen auf eine ihnen gemäße Ebene zu bringen
 Medial: Eltern entschuldigen häufiges Fernsehen der Kinder
dadurch, dass deren Bildung und Sprache gefördert wird
5. Theorien des Erstspracherwerbs
5.1. Nativistische Theorie
5.2. Kognitivistische Theorie
5.3. Interaktionistische Theorie
5.4. Behaviouristische Theorie
5.1. Nativistische Theorie
 Nach dem amerikanischen Linguisten Noam Chomsky
(*1928),
später auch Steven Pinker (*1954)
 „LAD- Modell“ (Language Acquisition Device): alle Kinder
sind mit angeborenen, universellen grammatischen
Kompetenz ausgestattet (Universalgrammatik (UG))
 „P&P-Modell“ (Prinzipien und Parameter): UG besteht aus
Prinzipien, die für alle Sprachen gelten; Parameter:
beschränkte Menge von Wahlmöglichkeiten innerhalb eines
Prinzips
 Leistung des Kindes: Erkennen der richtigen Parameter für
die Muttersprache
 Die Umwelt bekommt eine Nebenrolle zugeschrieben, da sie
dem Kind lediglich zeigt, welche Parameter es einzusetzen
hat
 Theorie stützt sich auf: -
angeborene Grammatik notwendig aufgrund des schnellen
Erlernens der Sprache
-gleicher Verlauf des Spracherwerbs unabhängig der Sprache

Dennoch ist die Theorie sehr umstritten und nicht ausreichend


belegt!!!
5.2. Kognitivistische Theorie
 Nach dem Genfer Entwicklungspsychologen Jean Piaget
(*1896, ┼ 1980)
 Denken geht der Sprachentwicklung voraus
 Akkomodation (Aneignung): kognitive Anpassung an die
Umwelt
 Assimilation (Angleichung): Wissen des Kindes beeinflusst
seine Umweltwahrnehmung
 Äquilibration (Gleichgewicht): Wechselwirkung der
Akkomodation und Assimilation -> (Umwelt-
Kind / Kind-Umwelt)
5.3. Interaktionistische Theorie
 Nach dem russichen Psychologen Lew S. Wygotski (*1896,
┼1934)
 Spracherwerb wird anhand Interaktion ausgemacht
 Ausgang: Interaktionsniveau der Eltern beim Umgang mit
dem Kind ist schon eine Stufe höher, sodass das Kind
automatisch jenen Entwicklungsprozess vollzieht
 Bidirektional: Kind hat auch Einfluss auf Verhalten der Eltern
 Bestärkt durch Tatsache, dass Kinder allein durch Fernsehen
das Sprechen nicht lernen können
5.4. Behaviouristische Theorie
 Russischer Mediziner und Physiologe Iwan Petrowitsch
Pawlow (*1849, ┼ 1936),
später amerik. Psychologe B. F. Skinner (*1904, ┼ 1990)
 Spracherwerb durch lernen aus der Umwelt (Nachplappern)
 Gestützt auf Erfahrungen des Kindes
 Verstärkung durch Lob/Tadel der Eltern
 Verinnerlichung durch Konditionierung
6. Störungen des Erstspracherwerbs
6.1. Symptome
6.2. Spezifische Sprachenentwicklungsstörungen
6.1. markante Symptome
 Beeinträchtigungen der sprachlichen Strukturen
 Störungen des Sprechens wie Stammeln oder Stottern
 Viele weisen auch psychische (emotionale und soziale)
Störungen auf
 Jungen sind öfter betroffen als Mädchen
6.2. Spezifische
Sprachentwicklungsstörungen
 Meist in der Schule auch als Lese-Rechtschreib-Schwäche
 Weitere Symptome:
 Verspäteter Sprachbeginn
 Verlangsamter Spracherwerb
 Sprachverständnis besser ausgebildet als Sprachproduktion
 Morphologie und Syntax stärker gestört als Semantik und
Pragmatik
 Beeinträchtigung kognitiver Informationsverarbeitung (auditive
Modalität) -> besondere Probleme beim Erkennen, Beurteilen
und Produzieren von Rhythmen
 Therapie:
 Möglichst frühe und breit angelegte Förderung
 z.B. durch Verhaltenstherapie
 Ziel: Vermeidung psychischer und sozialer Störungen, die
durch mangelndes Selbstbewusstsein, Aggressivität,
Kontaktstörungen ausgelöst werden
 Denn fehlende Intervention (z.B. Zuwendung der Eltern
oder auch Kontakt zu anderen Kindern) kann zu bleibenden
Schäden im sprachlichen und anderen Verhaltensbereichen
führen
 Sekundäre Störung: Beeinträchtigung der Konzentration und
Lernfähigkeit in der Schule
7. Spracherwerb und Fernsehen
 Zunächst vorwiegend negative Korrelation
 Faktoren für negative oder positive Auswirkungen:
Merkmale des Kindes (IQ etc.), Umwelt (sozialer Status
etc.), und Medium (was und wie lange wird geschaut)
 Meist erst ab 10-12 Jahren fähig, Geschehen zu ordnen und
Wichtiges von Unwichtigem zu trennen
8. Unterschiede Geschlechter
 Mädchen sprechen in der Regel früher ihr erstes Wort,
benutzen häufiger komplexere Erzählstrukturen und
benutzen ein differenzierteres Vokabular.
(evtl. auch weil Eltern mit Mädchen anders sprechen als mit
Jungen)

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