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Zeit
Folge 24 | Deutsch Audio Podcast
Transkript
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Zeit Deutsch Audio Podcast Folge 24
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Transkript
P1: Stell dir vor, du könntest eine Zeitreise machen. Würdest du in die Zukunft oder in die
Vergangenheit reisen?
P2: Könnte ich eine Zeitreise machen, würde ich in die Vergangenheit reisen, obwohl es mich schon
reizt, auch in die Zukunft zu reisen. Ich habe mal eine Buchreihe gelesen und in diesem Buch geht
es um eine Hauptperson und diese Hauptperson reist durch die Zeit. Also sie reist vom 19.
Jahrhundert ins 17. Jahrhundert, nicht so weit zurück in der Zeit, aber man kann schon einen großen
Unterschied erkennen. Mich würde sehr reizen, (zu sehen), wie die Menschen gelebt haben. Ich
meine, man weiß Vieles aus Geschichtsbüchern und man hat sich wahrscheinlich auch schon oft mit
der Vergangenheit auseinandergesetzt, aber das dann wirklich zu erleben, die Kleider zu tragen, die
Sprache zu hören und zu sprechen, die damals gesprochen wurde, und diese Entwicklung
mitzumachen, vielleicht auch auf Dinge verzichten zu müssen, die man aus der Gegenwart kennt,
das ist schon sehr reizvoll. Also mich würde das mega interessieren. Und was ist mit dir, Robert?
Würdest du eher in die Zukunft oder in die Vergangenheit reisen?
P1: Das ist natürlich eine sehr interessante Frage und ich finde deine Antwort auch sehr interessant,
weil ich glaube, dass ich das Gegenteil machen würde. Ich würde in die Zukunft reisen. Ich müsste
aber noch eine Frage ergänzen oder ich bräuchte noch eine Information: Meinst du, dass man dann
dauerhaft in dieser Zeit lebt oder nur für einen Moment?
P2: Müsste man dauerhaft in der Zeit leben, würde die Entscheidung wahrscheinlich schwer fallen.
Aber sagen wir mal, du bist für eine gewisse Zeit dort.
P1: Für ein Jahr zum Beispiel?
P2: Zum Beispiel.
P1: Ja, also ich würde in jedem Fall in die Zukunft reisen wollen. Ich glaube, dass es sehr
interessant ist zu sehen, wie es in der Zukunft ist. Und die Zukunft ist ja theoretisch ein extrem
langer Zeitraum. Ich glaube, so 50 Jahre in der Zukunft, das wäre schon interessant. Oder 100 Jahre
in der Zukunft. Es gibt ja pessimistische Menschen, die sagen: “Oh, in 100 Jahren gibt es vielleicht
die Menschheit gar nicht mehr.” Das glaube ich ehrlich gesagt nicht. Es gab schon viele Situationen
in der Geschichte, wo es kritische Momente gab. Aber die Menschheit hat es immer wieder
geschafft. Und wenn ich mir vorstelle, welche Möglichkeiten es in 50 oder 100 Jahren gibt, zum
Beispiel im Rahmen der Gesundheitsversorgung, dass vielleicht gar keine Krankheiten mehr
ausgestanden werden müssen, sondern dass es für die meisten Krankheiten eine Heilung gibt.
Verschiedene Probleme der Menschheit, die es heute gibt - Armut, Leid, Hunger, Kriege - vielleicht
gibt es die in der Zukunft nicht mehr. Es kann aber natürlich auch sein, dass eine große Katastrophe
die Menschheit auch sehr belastet hat, also dass es vielleicht in 20 oder 30 Jahren zu einer großen
Pandemie kommt oder zu einem großen Krieg oder zu einer anderen großen Krise, zu schweren
Naturkatastrophen im Rahmen des Klimawandels. Also es gibt da verschiedene Szenarien, die man
sich überlegen kann. Aber ich glaube trotzdem, dass es in der Zukunft besser ist als in der
Vergangenheit. Denn in der Vergangenheit haben die Könige und die Fürsten und die reichen
Menschen gut gelebt - aber 90 % der Bevölkerung haben unter sehr schwierigen und schlechten
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Bedingungen gelebt. Und deswegen wäre es mir persönlich lieber, in der Zukunft zu leben, weil ich
sehr neugierig bin, wie es in der Zukunft aussehen könnte. Ja, Abri. Und jetzt kommen wir nochmal
zu dem Thema zurück. Zeit. Zeit allgemein. Was bedeutet denn Zeit für dich persönlich?
P2: Zeit ist für mich persönlich äußerst wertvoll und kostbar. Jeder Tag bringt nur eine begrenzte
Zeit mit sich. Das heißt, man hat pro Tag nur eine gewisse Anzahl an Stunden. 24 ums genau zu
sagen. Und ich finde es unglaublich wichtig, diese Zeit sinnvoll und auf eine erfüllende Weise zu
nutzen. Und die Knappheit der Zeit. Die erinnert mich auch daran, dass man eben Prioritäten setzen
muss, also bewusst auch Entscheidungen darüber treffen muss, wie man seine Zeit verbringen
möchte. Und wenn ich darüber nachdenke, was mir wichtig ist im Leben und mit wem oder mit
welcher Tätigkeit ich diese Zeit verbringen möchte, komme ich immer wieder darauf, dass die Zeit,
die uns zur Verfügung gestellt wird, nicht immer bestmöglich genutzt wird. Also, dass ich sie auch
nicht immer bestmöglich nutze.
P1: Setzt dich das unter Druck?
P2: Ja, auf eine gewisse Weise schon. Und ich reflektiere auch immer darüber und ich versuche
mich dahingehend auch immer zu optimieren. Ich plane mir zum Beispiel immer ein, dass ich
meine Eltern regelmäßig sehen möchte und dass ich Zeit mit Menschen, die mir wichtig sind,
regelmäßig verbringen möchte. Und wenn ich dann irgendwie viel gearbeitet habe oder, ja, mit
Dingen beschäftigt war, dann kommt mir schon mal in den Sinn: “Mensch, war das denn jetzt so
wichtig?” Und hättest du das nicht irgendwie besser machen können?” Also gerade, wenn man die
Zeit rückwirkend betrachtet, ist es oftmals schon ein wenig enttäuschend, wenn man das Gefühl hat
- oder weil ich das Gefühl habe - dass ich vielleicht nicht immer die richtigen Entscheidungen
getroffen habe, dass ich vielleicht zu viel gearbeitet habe, mich zu viel für Dinge engagiert habe und
dabei ein bisschen Zeit für die eigentlich wichtigen Dingen verloren habe. Wie empfindest du das?
P1: Was würdest du sagen, Abri, was sind dann die eigentlich wichtigen Dinge? Also Freunde,
Familie…?
P2: Genau. Also die eigentlich wichtigen Dinge sind Freunde, Familie, man selbst auch. Ja, dass
man sich auch zu wenig Zeit für sich selbst nimmt, um zu regenerieren, um Kraft zu tanken.
Oftmals ist es so, dass man gerade in einer Zeit, wo man unglaublich viel arbeitet und unglaublich
viel macht - da vernachlässigt man ja gewisse Dinge, weil die Zeit nun mal nicht für alles reicht.
Und man merkt, dass diese Kraft dann an der Stelle, an der es besonders wichtig ist, fehlt. Und das
finde ich schade.
P1: Ja, das kann ich gut nachvollziehen.
P2: Wie empfindest du das? Robert?
P1: Ja, Zeit ist relativ. Also ich hatte oft Schwierigkeiten mit der Zeit, weil ich auch immer
eigentlich viel zu tun habe, viele Verpflichtungen habe. Und die Zeit war für mich eigentlich immer
knapp. Auch in der Schule, bei den Prüfungen. Das größte Problem war eigentlich immer die Zeit.
Und heute ist es so, dass ich das Gefühl habe, dass ich meine Zeit einigermaßen gut im Griff habe.
Aber wie du schon gesagt hast, dass leider zu wenig Zeit bleibt für die wichtigen oder für die
wesentlichen Dinge, also Familie, Freunde und auch einen selbst, dass man auch auf sich selbst
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achtgeben muss. Es gibt ja das Sprichwort Zeit ist Geld. Ich persönlich glaube, dass es andersherum
ist. Ich glaube, dass Geld Zeit ist. Ich glaube, dass wenn man genug Geld hat, dass man sich
dadurch Zeit kaufen kann. Was meine ich damit? Ich meine damit, dass man normalerweise arbeiten
muss, also seine Zeit verkauft, um Geld zu bekommen. Wenn man aber seine Zeit nicht mehr
verkaufen muss, weil man genug Geld hat, dann hat man eigentlich mehr Zeit, weil man die Zeit
beliebig planen kann, ohne dass man jeden Tag schon mal 8 bis 10 Stunden mit der Arbeit
beschäftigt ist. Und das setzt unheimlich viel Zeit frei.
P2: Aber dahin muss man ja auch erst mal kommen, Robert. Man muss ja erst mal sich so viel
Wohlstand erarbeiten, dass man den Luxus hat, sich dann quasi die Zeit zu nehmen.
P1: Das ist richtig. Und ich glaube, das ist das Dilemma der der heutigen Generationen, dass jeder
versucht - anders vielleicht als die Elterngeneration - aus diesem Nine to five-Hamsterrad
rauszukommen und dabei gar nicht merkt, dass man viel mehr arbeitet und sich immer denkt:
“Nächstes Jahr wird es anders, nächsten Monat wird es anders, nächste Woche wird es anders” und
plötzlich ist man 50 oder 60 Jahre alt. Irgendwann geht man in Rente und stellt fest: “Na ja, ich
habe viel gearbeitet. Ich habe auch viel Geld verdient. Aber ich hatte leider keine Zeit für die
wichtigen Dinge, weil ich es immer weitergeschoben habe, weil ich immer ein bestimmtes Ziel vor
Augen hatte.” Und das ist, glaube ich, so die Gefahr, die ich heute sehe, weil ich in den sozialen
Netzwerken oder auch bei Gesprächen feststelle, dass viele Leute über den Tellerrand schauen und
eigene Projekte verwirklichen wollen, sich aber dadurch in Abhängigkeiten begeben, die zeitlich
wirklich bedenklich sind, weil man einen Job hat, nebenbei noch sich selbst verwirklichen will in
einem anderen Bereich. Viele Menschen möchten noch Hobbies haben. Viele Menschen möchten
natürlich Zeit mit der Familie und mit Freunden verbringen. Man möchte auch verreisen, man
möchte vielleicht auch ein Buch lesen. Und es gibt ja heutzutage so viele Freizeitangebote, dass ich
das Gefühl habe, dass viele Menschen konstant unter Druck stehen, ihre Zeit möglichst effizient zu
verbringen. Und egal, wie sie die Zeit verbringen, irgendetwas kommt immer zu kurz. Und ich
glaube, dass das für viele Menschen schwierig ist oder dass viele Menschen ein schlechtes
Gewissen deswegen haben.
P2: Mir fällt dazu gerade eine Geschichte ein. Und zwar geht es um eine Familie, die von Fischerei
lebt, und zwar eine Großfamilie, also die Großeltern, die Eltern und die Kinder. Drei Generationen
leben in einem Haus, in einem großen Haus, haben einen großen Garten und täglich gehen die
Männer des Hauses fischen und holen sich sozusagen den Fisch, den sie für den Tag brauchen und
kommen dann anschließend nach Hause, essen gemeinsam und verbringen Zeit miteinander. Ja,
irgendwann kommt ein großer Unternehmer dorthin und sagt: “Mensch, wieso geht ihr denn täglich
fischen? Das ist doch viel zu umständlich. Ihr könnt euch doch ein Boot kaufen und Fischernetze,
dann könnt ihr viel mehr fischen und einen Teil verkauft ihr und einen Teil behaltet ihr für euch
selbst. Und am Ende habt ihr so viel Geld, quasi, dass ihr gar nicht mehr fischen gehen müsst und
ganz viel Zeit miteinander verbringt.” Und daraufhin erwidert die Familie: “Na ja, wenn wir doch
jeden Tag von dem bisschen Fisch, was ich quasi - was wir quasi holen, leben können und jetzt
schon Zeit miteinander verbringen können, warum sollen wir das auf später schieben, wenn wir
dann quasi reich sind und gar nicht mehr fischen gehen müssen?” Und ich finde, da ist ganz, ganz
viel Wahrheit dran. Ich glaube, dass wir heute mit diesem Wohlstand, den wir haben, auch mit den
materiellen Dingen, die wir haben, oftmals Verpflichtungen eingehen, die einfach unglaublich viel
Zeit erfordern und dass uns dann am Ende die Zeit fehlt. Und würden wir jetzt nicht - wären wir
jetzt nicht darauf aus, ein großes Haus, ein teures Auto, viele Ausflüge, viele materielle Güter zu
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haben, dann hätten wir wahrscheinlich die Zeit, um sie mit unseren Liebsten zu verbringen. Und ich
glaube, da ist schon viel dran, dass eben an diesem Wohlstand, den wir haben, dass der natürlich
auch viel Zeit beansprucht. Und wären wir auf diesen Wohlstand nicht aus, könnten wir mehr Zeit
(…) verbringen.
P1: Das stimmt, da gebe ich dir recht. Andererseits glaube ich auch, dass wir in einer sehr
privilegierten Situation sind. Ich glaube, dass die Lebensrealität für viele Menschen in unserem
Land, aber auch natürlich weltweit, ein bisschen anders aussieht: Dass viele Menschen sich gar
nicht auf so große materielle Dinge fixieren und deswegen viel arbeiten, sondern dass viele
Menschen auch viel arbeiten müssen, damit sie am Ende des Monats noch genug Geld haben, damit
sie die Miete bezahlen können, damit sie das Essen bezahlen können - also die einfach um zu
überleben extrem viel arbeiten müssen. Und ich glaube auch, dass diese Idee mit Freizeit und “Was
mache ich in meiner Freizeit?” - dass das eigentlich ein Phänomen des Wohlstands ist. Ich glaube,
dass Menschen sich in vielen Ländern überhaupt keine Gedanken über Hobbys oder Freizeit
machen, weil sich diese Möglichkeit überhaupt nicht bietet. Dass man viel Zeit hat, die man sich
selbst widmen kann oder die man frei vergeben kann oder sich frei entscheiden kann, was man mit
dieser Zeit anfangen möchte. Für die meisten Menschen auf der Welt ist die Zeit eigentlich schon
vorbestimmt, weil man sich in dieser Zeit dann um die Kinder, um die Familie kümmern muss und
arbeiten muss.
P2: Ja.
P1: Ja, also ich bin sehr interessiert, liebe Hörerinnen und Hörer, was ihr zu sagen habt zum Thema
Zeit. Geht gerne auf [Link]. Da habt ihr die Möglichkeit, euch anzumelden und zu
kommentieren. Die Anmeldung ist kostenlos. Ihr könnt auch ein Abonnement abschließen, dann
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Transkript, Aufgaben und Fragen zur Podcastfolge. Und manchmal gibt es auch Bonusfolgen, die
ihr dann hören könnt. Wir freuen uns, von euch zu hören und wir freuen uns auch, euch bald wieder
zu begrüßen. Macht es gut und eine schöne Zeit!
P2: Ja, ich wünsche euch auch eine schöne Zeit. Bis bald.
P1: Tschüss.
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