Merged
Merged
Messgeräte, welche die Vierpolparameter nach Betrag und Phase auch im Wob-
belbetrieb zu messen gestatten, werden als Netzwerkanalysatoren, Vektormesser
oder ähnlich bezeichnet. Diese Geräte arbeiten nach dem sog. Überlagerungs- oder
Heterodynprinzip. Bei der Erläuterung dieses Messprinzips kann man bei den
skalaren Messverfahren anknüpfen (Abschn. 2.1). Anstelle der Breitbanddetekto-
ren werden möglichst gut angepasste Mischer verwendet, die in den Bildern mit
dem Symbol gekennzeichnet sind. Die Mischer werden von zwei Signalen mit
verschiedenen Frequenzen angesteuert und zwar mit der Signalfrequenz fs und der
Lokaloszillator (Mischoszillator) -Frequenz fLO beziehungsweise Pumpfre-
84 3 Mischer
quenz fp fLO . Die Differenz dieser beiden Frequenzen soll gleich einer festen
Zwischenfrequenz (ZF) fi sein. Dabei steht der Index i für „intermediate fre-
quency“. Es gilt
i
f s f p fi (3.1)
2
Eines der beiden am Mischer anliegenden Signale sollte groß genug sein, um die
nichtlinearen Elemente in den Mischern auszusteuern. Im Allgemeinen wird der
Mischoszillator (LO) das Großsignal up(t) liefern, denn durch das Messobjekt
kann das Messsignal stark abgeschwächt werden. Das Messsignal mit der
Amplitude U s ist daher das Kleinsignal am Mischer, der Mischoszillator (LO)
mit der Amplitude U p das Großsignal. Es soll gezeigt werden, dass unter der
Bedingung
U s U p (3.2)
Am nichtlinearen Bauelement mögen der Strom I und die Spannnung U durch die
eindeutige Strom-Spannungs-Kennlinie I = I (U ) verknüpft sein. Die Kennlinie
wird durch ein periodisches Signal mit großer Amplitude up(t) ausgesteuert. Dem
großen Signal ist ein kleines Signal u(t) zusätzlich überlagert. Wenn die
Amplitude von u(t) sehr klein gegenüber der Amplitude von up(t) ist, dann gilt in
85
guter Näherung der sog. parametrische Ansatz, der auch als abgebrochene Taylor-
Reihe angesehen werden kann:
I u p (t ) u(t ) I u p (t )
dI
dU u ( t )
u ( t )
p (3.3)
I u p (t ) i (t ) .
Der Momentanleitwert g (up(t)) hängt nur von dem Großsignal up(t) ab und ist der
Parameter, der durch das Großsignal verändert wird. Von Bedeutung ist die Tatsa-
che, dass die Kleinsignalströme und -spannungen i und u linear miteinander
verknüpft sind, weil sie den Verlauf von g (t) selbst nicht beeinflussen. Es gilt
daher für die Kleinsignalgrößen das Superpositionsprinzip. Weil der differenzielle
Leitwert g (t) jedoch zeitabhängig ist, treten neue Frequenzkomponenten auf. Den
Zusammenhang zwischen den einzelnen Frequenzkomponenten erkennt man
besser, wenn man zu einer Zeigerdarstellung übergeht. Nimmt man außerdem an,
dass das Pumpsignal periodisch mit der Kreisfrequenz p = 2 fp ist, dann ist
auch der zeitabhängige differenzielle Leitwert g (t) mit p periodisch und lässt
sich daher als Fourierreihe ausdrücken:
g u p (t ) Gn e
j np t
,
n
(3.5)
gu p (t ) e
1 j np t
Gn d p t .
2
und G0 ist reell. Das Symbol * bezeichnet die konjugiert komplexe Größe.
Nehmen wir u(t) monofrequent mit der Kreisfreqenz s = 2 fs an, dann er-
kennen wir aus Gl. (3.4), dass i(t) bei allen Kombinationsfrequenzen | fs n · fp |,
n = 0, 1, 2, 3 usw. vorkommt. Die Kleinsignalnäherung hat zur Folge, dass Ober-
schwingungen von fs nicht auftreten können. Die Ströme bei den verschiedenen
Frequenzen bewirken aufgrund der äußeren Beschaltung, dass auch Spannungen
bei weiteren Kombinationsfrequenzen auftreten.
86 3 Mischer
Wir wollen vereinfachend annehmen, dass neben dem Strom bei der Signalfre-
quenz fs nur noch ein Strom bei der Zwischenfrequenz fi = fs - fp durch das nicht-
lineare Bauelement fließt. Bei allen anderen Kombinationsfrequenzen soll die
äußere Beschaltung eine so große Impedanz aufweisen, dass ein Stromfluss prak-
tisch verhindert wird. In Zeigerschreibweise mit den komplexen Zeigern Is und Ii
setzen wir daher für den Kleinsignalstrom an:
i t
1
I e j s t I s* e j s t I i e j i t I i* e j i t .
2 s
(3.7)
u t
1
2
U s e j s t U s* e j s t U i e j i t U i* e j i t . (3.8)
Setzt man die Gln. (3.5), (3.7) und (3.8) in die Gl. (3.4) ein und notiert nach Fre-
quenzkomponenten, dann erhält man die folgenden beiden Gleichungen, welche in
Matrixform lauten:
I s G0 G1 U s U s
I G * G , für fs > fp . (3.9)
i 1 G0 U i U i
Wir sehen, dass wie bei einem linearen Zweitor die im Allgemeinen komplexen
Strom- und Spannungszeiger linear über eine Leitwertmatrix miteinander ver-
knüpft sind. Im Unterschied zu zeitinvarianten linearen Zweitoren gehören aber
die Zeiger mit verschiedenen Indizes s und i auch zu verschiedenen Frequenzen fs
und fi . Beachtet man dies, so kann man den Mischer wie ein lineares Zweitor
behandeln.
Die Amplitude der Pumpschwingung tritt nicht explizit in Erscheinung. Sie be-
stimmt jedoch die Größe der Matrixelemente Gn .
Anders als bei der bisher diskutierten Gleichlageumsetzung (Bild 3.1a) gilt bei
der Kehrlageumsetzung: fi = fp - fs (Bild 3.1b). Im Fall der Kehrlageumsetzung
erhält man als Matrixbeziehung für die Strom- und Spannungszeiger:
Is G0 G1 U s U s
I * G * * G * , für fs < fp . (3.10)
i 1 G0 U i U i
Wenn die Großsignalzeitfunktion up(t) bei geeigneter Wahl des Zeitnullpunktes
eine gerade Funktion um t = 0 ist, was z. B. für eine Cosinusfunktion erfüllt ist,
dann sind die Fourierkoeffizienten Gn in Gl. (3.5) reell. In diesem Fall ist die
Leitwertmatrix symmetrisch und das entsprechende Zweitor ist reziprok. Auf- und
Abwärtsmischung führen dann zu gleichen Einfügungsverlusten.
Die Leitwertmatrix wächst im Umfang an, wenn weitere Kombinationsfre-
quenzen zugelassen werden. Man erhält beispielsweise eine 3×3-Matrix, wenn
zusätzlich die Spiegelfrequenz bei fsp = fp fi berücksichtigt wird.
u p t U 0 U p cos p t . (3.12)
Weil up(t) eine gerade Zeitfunktion ist, sind alle Fourierkoeffizienten Gn reell. Für
die Schottky-Diode wird eine exponentielle Strom-Spannungs-Charakteristik
gemäß
U
I I ss exp 1
UT
mit
nkT
UT (3.13)
q
angenommen. Dabei ist Iss der Sättigungsstrom, UT die Temperaturspannung, k
die Boltzmannkonstante, T die absolute Temperatur, q die Elementarladung und n
ein Idealitätsfaktor, der gleich oder etwas größer als 1 ist.
Man erhält für die Fourierkoeffizienten den Ausdruck
I ss U
Gn exp 0
UT UT
n (3.14)
U p
1
2
exp
T
U
cos p t cos n p t d p t
.
n
Das bestimmte Integral Gl. (3.14) stellt die modifizierten Besselfunktionen n-ter
Ordnung J n U p U T dar. Damit ergeben sich die Fourierkoeffizienten zu:
I ss U0 U p
Gn exp J (3.15)
UT U T n U T .
Nach diesem Modell hängen die Fourierkoeffizienten nur von dem Scheitelwert
des Pumpsignals U p ab. Im Bild 3.4 ist ein typischer zeitlicher Leitwertver-
lauf g (t) skizziert.
Für die folgenden Überlegungen werden wir annehmen, dass G0 , G1 und evtl.
G2 positiv, reell und bekannt sind und dass üblicherweise G0 > G1 > G2 gilt. Mit
bekannten reellen G0 und G1 sowie bekannten im Allgemeinen komplexen Ab-
schlussleitwerten Ys und Yi können wir z. B. den Gewinn Gp , den verfügbaren
Gewinn Gav oder den maximal verfügbaren Gewinn Gm aus der Schaltung in
Bild 3.3 berechnen. Der Gewinn des Abwärtsmischers ist das Verhältnis von
Ausgangsleistung |U i|2 · Re (Yi) / 2 zu verfügbarer Generatorleistung
|Isg|2 / (8 · Re(Ys)). Das Verhältnis Ui / Isg kann man besonders bequem aus der
erweiterten Matrix G bestimmen, in welcher die Gln. (3.11) zusammengefasst
~
sind:
90 3 Mischer
I sg ~ U s G0 Ys G1 U s
0 G U G G0 Yi U i
i 1
oder
U s ~ 1 I sg
U G 0 . (3.16)
i
Aus Gl. (3.16) folgt
Ui G1
G0 Ys G0 Yi G12
(3.17)
I sg
Den gleichen Ausdruck erhält man auch für ein komplexes G1 , wobei G12 durch
|G1|2 zu ersetzen ist. Bei Mischern wird häufig der verfügbare Gewinn Gav benö-
tigt, welcher das Verhältnis von verfügbarer Ausgangsleistung zu verfügbarer
Generatorleistung angibt.
oder
U s 1 0
U Ge
(3.20)
i Ii .
Aus Gl. (3.20) ergibt sich der Eingangsleitwert Yei auf der Zwischenfrequenz-
oder Lastseite zu:
Mit Yei aus Gl (3.21) und Yi Yei * errechnet sich der verfügbare Gewinn ebenso
wie in Gl. (3.18), wobei lediglich Yi durch Yei * zu ersetzen ist.
Der verfügbare Gewinn hängt nicht mehr vom Lastleitwert Yi ab. Der reziproke
Wert des verfügbaren Gewinns Gav soll auch als Konversionsverlust L bezeichnet
werden:
1
L (3.23)
Gav .
Den maximal verfügbaren Gewinn Gm = 1 / Lm erhält man, wenn sowohl ein-
gangs- als auch ausgangsseitig Leistungsanpassung eingestellt wird. Weil der
Gewinn symmetrisch in den Größen Ys und Yi ist, muss für den maximal verfüg-
baren Gewinn Ys = Yi gelten. Außerdem sind Ys und Yi reell, weil G0 und G1 reell
sind. Für den Eingangsleitwert auf der Signalseite, Yes , ergibt sich ähnlich wie
Gl. (3.21),
G12
Yes G0 (3.24)
G0 Yi .
92 3 Mischer
G12
Ys Yi Yes * G0
G0 Ys
oder
Ys Yi G0 2 G12 . (3.25)
Setzt man diese Werte für Ys und Yi in die Beziehung für den Gewinn Gl. (3.18)
ein, dann folgt nach einigen Umformungen für den maximal verfügbaren Ge-
winn Gm :
2
G1
2 1
Gm (3.26)
G0 G12
1 1 .
G0 2
Für ein komplexes G1 ist wiederum G12 durch |G1|2 zu ersetzen. Der maximal
verfügbare Gewinn hängt nur von dem Verhältnis G1 / G0 < 1 ab. Er ist daher
kleiner als 1.
Im Grenzfall eines Dirac-Impuls-gesteuerten Mischers kann G1 G0 und da-
mit Gm 1 werden. Allerdings geht dann auch der Eingangsleitwert Yes gegen
null und eine Anpassung ist nicht mehr möglich. Praktische Mischer mit Schottky-
Dioden weisen Konversionsverluste im Bereich 5 dB bis 10 dB auf. Maßgeblich
verantwortlich für erhöhte Konversionsverluste ist der Bahnwiderstand Rb , den
wir bisher vernachlässigt haben. Bild 3.5 zeigt ein durch den Bahnwiderstand
vervollständigtes Ersatzschaltbild des Abwärtsmischers.
Übungsaufgabe 3.1
Für die Mischerschaltung in Bild 3.5 sollen Gewinn, verfügbarer Gewinn und
maximal verfügbarer Gewinn unter Berücksichtigung des Bahnwiderstandes Rb
bestimmt werden.
Übungsaufgabe 3.2
Der Gewinn und der verfügbare Gewinn sollen für den Fall angegeben werden,
dass die Spiegelfrequenz mit dem komplexen Leitwert Ysp = Ys abgeschlossen ist.
nur die Zwischenfrequenz (ZF), die wir uns hier als deutlich niedrigere Frequenz
denken wollen. Auf der Dioden-Seite muss der Tiefpass eine hochohmige Ein-
gangsimpedanz für die hochfrequenten Signale aufweisen, der Hochpass dagegen
muss hochohmig für das Zwischenfrequenzsignal sein.
Man kann die Diode statt gegen Masse auch seriell einbauen, wie in Bild 3.8
skizziert.
Bei seriell angeordneter Diode muss der Tiefpass von der Dioden-Seite aus ei-
nen Kurzschluss gegen Masse für die hochfrequenten Signale aufweisen, der
Hochpass dagegen einen Kurzschluss gegen Masse für das Zwischenfrequenzsig-
nal bilden.
Einen Ein-Dioden-Mischer kann man sich einfach aus einem Koppler und ei-
nem Detektor zusammensetzen. Der Detektor enthält bereits eingebaut die nötigen
Filter. Allerdings liegt die Tiefpass-Grenzfrequenz zumeist niedrig, so dass die
Anordnung nur für niedrige Zwischenfrequenzen geeignet ist. Außerdem enthält
der Detektor einen eingebauten Zwangsanpassungs-Widerstand, wodurch die
Verluste vergrößert werden.
Bei einem Mischer entsteht durch die Gleichrichtung des Mischoszillators ein
Vorstrom, durch den die Diode hinreichend niederohmig wird. Dadurch lässt sich
96 3 Mischer
Beim balancierten Mischer werden ein 3-dB-Koppler vom 90°- oder 180°-Typ
und zwei Dioden verwendet. In Bild 3.9 ist eine Schaltung mit massebezogenen
Dioden angegeben. Ebenso ließe sich die Schaltung mit seriell angeordneten
Dioden aufbauen.
Beim balancierten Mischer treten keine zusätzlichen Signal- oder Mischoszilla-
tor-Verluste auf, weil bei verlustlosen Kopplern und Filtern alle Leistung in die
Dioden gelangt. Als Beispiel möge ein 3 dB-90°-Koppler dienen. Das Signal bzw.
der Mischoszillator am Eingang des Kopplers sollen durch die folgenden Zeit-
funktionen beschrieben werden:
us t U s cos s t s
(3.28)
u t U cos t .
p p p
Dann stehen an der Diode I bzw. Diode II die folgenden beiden hochfrequenten
Signale an:
Diode I :
1
2
U s cos s t 90 s
1
2
U p cos p t ,
(3.29)
Diode II :
1
2
U s cos s t s
1
2
U p cos p t 90 .
Dabei wurde vorausgesetzt, dass die beiden Dioden möglichst gut gepaart sind,
das heißt möglichst gleich sind. Damit sind aber beide Zwischenfrequenz-Signale
nach Amplitude und Phase gleich und können daher, wie in Bild 3.9, aufsummiert
werden. Dies ist der Grund, warum für diese Mischerschaltung insgesamt keine
zusätzlichen Signal- und Mischoszillator-Verluste auftreten.
Übungsaufgabe 3.3
Zeigen Sie, dass auch bei einem Mischer mit zwei Dioden und einem 180°-
Koppler keine zusätzlichen Signal- oder Mischoszillator-Verluste auftreten. Worin
unterscheidet sich ein Mischer mit einem 90°-Koppler von einem Mischer mit
einem 180°-Koppler?
Die Aussage, dass ein Mischer balanciert ist, hat folgende Bedeutung. Ein
Mischoszillator-Signal zeigt meist unregelmäßige Amplitudenschwankungen, die
man auch Amplitudenrauschen nennt. Solche Amplitudenschwankungen sind
regellos und beinhalten daher ein ganzes Frequenzspektrum, welches auch Spekt-
ralanteile im Bereich der Zwischenfrequenz aufweisen wird. Die Schottky-Dioden
im Mischer richten das Mischoszillatorsignal gleich. Das heißt, es tritt an den
Mischerdioden eine Gleichspannung auf, die zeitlich ebenfalls unregelmäßig
geringfügig schwankt, ebenso wie die Amplitude des Mischoszillators. Von die-
sem Schwankungsvorgang fallen auch spektrale Komponenten in den Bereich der
Zwischenfrequenz. An der zweiten Diode entsteht jedoch wegen der Umpolung
eine Gleichspannung mit dem gleichen langsam veränderlichen unregelmäßigen
Zeitverlauf aber umgekehrter Polarität. Aufsummiert heben sich infolgedessen die
Amplituden-Rauschanteile des Mischoszillators wieder auf. Wir wollen daher
diese Balancierung auch als Rausch-Balancierung bezeichnen. Das Messsignal
zeigt demgegenüber keine ins Gewicht fallenden Amplitudenschwankungen, weil
es von vornherein viel kleiner ist und deshalb alle Spektralanteile linear übertra-
gen werden.
Der Ein-Dioden-Mischer ist naturgemäß nicht rausch-balanciert.
Ein Schaltungsbeispiel für einen sog. doppelt balancierten Mischer ist der in
Bild 3.10 skizzierte Ringmischer. Dieser heißt so, weil die Dioden in Form eines
Ringes angeordnet sind, wenn man ihre Anordnung etwa in Diodendurchlassrich-
tung durchläuft.
Die beiden Übertrager ermöglichen die erdsymmetrische Ansteuerung der vier
Dioden für Signal- und Mischoszillator. Die Mittenanzapfung wirkt für die Zwi-
98 3 Mischer
schenfrequenz wie eine direkte galvanische Verbindung zu den Dioden. Man kann
Zählpfeile für das LO-Signal und ebenso für das RF-Signal über den vier Dioden
einzeichnen. Wir wollen die Vereinbarung treffen, dass ein LO-Zählpfeil in Dio-
dendurchlassrichtung einen Grundwellen-Leitwertverlauf mit der Phase 0° relativ
zum LO-Signal erzeugt und gegen die Dioden-Spitze von 180°. Die ZF-Phase
ergibt sich als Differenz von RF-Phase und Leitwert-Phase, woraus sich Zählpfei-
le für die ZF-Signale wie im Bild 3.11 gezeigt ableiten.
Wir erkennen daran, dass alle ZF-Zählpfeile parallel liegen und sich daher auf-
summieren.
Aufgrund der Brückenanordnung der Dioden sind das RF-Tor und das LO-Tor
entkoppelt, sofern die Dioden gut gepaart sind. Man kann daher von einer Signal-
Balancierung zwischen diesen Toren sprechen. Ebenso ist aus Symmetriegründen
das ZF-Tor vom RF- und LO-Tor bei einer symmetrischen Schaltung perfekt
entkoppelt, was man ebenfalls als Signal-Balancierung bezeichnen kann.
Der doppelt balancierte Mischer ist auch Rausch-balanciert, weil sich die
gleichgerichteten LO-Signale aufgrund ihrer unterschiedlichen Polarität ebenfalls
aufheben.
Bild 3.11: Zählpfeile für die ZF-Signale des doppeltbalancierten Mischers aus
Bild 3.10
99
Bild 3.12: Doppelt balancierter Mischer mit zwei 90°-Ringkopplern und zwei
90°-Phasenschiebern
Bei höheren Frequenzen wird man den in Bild 3.10 gezeigten Transformator
eher durch 180°-3 dB-Koppler realisieren.
In Bild 3.12 sind die 180°-Koppler durch 90°-Ringkoppler mit zusätzlichen
90°-Phasenschiebern (PS) realisiert.
Die Tiefpässe sollen am Eingang hochohmig für die hochfrequenten Signale
sein. Das RF- und das LO-Tor sind entkoppelt.
Ein Mischer mit einem Feldeffekt-Transistor (FET) ist in der Struktur besonders
einfach, weil der FET als 3-Tor-Bauelement bereits eine inhärente Entkopplung
zwischen dem RF- und LO-Tor beziehungsweise Drain und Gate aufweist. Der
Mischoszillator (LO) wird auf das Gate gegeben. Das LO-Signal steuert damit
periodisch den Kanalwiderstand der Drain-Source-Strecke und bestimmt damit
den Leitwertverlauf g (t) für das RF-Signal. Der Feldeffekt-Transistor wird im
Allgemeinen passiv betrieben, also ohne Drain-Source-Vorspannung, das heißt im
ohmschen Bereich der Kennlinie. Dies hat den Vorteil, dass ein solcher Mischer
besonders gute Großsignal-Eigenschaften aufweist, absolut stabil ist und in erster
Näherung kein sog. 1 / f- oder Funkel-Rauschen aufweist. Die Vorspannung am
Gate wird im Allgemeinen so eingestellt, dass die Aussteuerung zwischen offe-
nem und geschlossenem Kanal erfolgt. Die im Kapitel 3.2 dargestellte Theorie für
Messgeräte, welche die Vierpolparameter nach Betrag und Phase auch im Wob-
belbetrieb zu messen gestatten, werden als Netzwerkanalysatoren, Vektormesser
oder ähnlich bezeichnet. Diese Geräte arbeiten nach dem sog. Überlagerungs- oder
Heterodynprinzip. Bei der Erläuterung dieses Messprinzips kann man bei den
skalaren Messverfahren anknüpfen (Abschn. 2.1). Anstelle der Breitbanddetekto-
ren werden möglichst gut angepasste Mischer verwendet, die in den Bildern mit
dem Symbol gekennzeichnet sind. Die Mischer werden von zwei Signalen mit
verschiedenen Frequenzen angesteuert und zwar mit der Signalfrequenz fs und der
Lokaloszillator (Mischoszillator) -Frequenz fLO beziehungsweise Pumpfre-
84 3 Mischer
quenz fp fLO . Die Differenz dieser beiden Frequenzen soll gleich einer festen
Zwischenfrequenz (ZF) fi sein. Dabei steht der Index i für „intermediate fre-
quency“. Es gilt
i
f s f p fi (3.1)
2
Eines der beiden am Mischer anliegenden Signale sollte groß genug sein, um die
nichtlinearen Elemente in den Mischern auszusteuern. Im Allgemeinen wird der
Mischoszillator (LO) das Großsignal up(t) liefern, denn durch das Messobjekt
kann das Messsignal stark abgeschwächt werden. Das Messsignal mit der
Amplitude U s ist daher das Kleinsignal am Mischer, der Mischoszillator (LO)
mit der Amplitude U p das Großsignal. Es soll gezeigt werden, dass unter der
Bedingung
U s U p (3.2)
Am nichtlinearen Bauelement mögen der Strom I und die Spannnung U durch die
eindeutige Strom-Spannungs-Kennlinie I = I (U ) verknüpft sein. Die Kennlinie
wird durch ein periodisches Signal mit großer Amplitude up(t) ausgesteuert. Dem
großen Signal ist ein kleines Signal u(t) zusätzlich überlagert. Wenn die
Amplitude von u(t) sehr klein gegenüber der Amplitude von up(t) ist, dann gilt in
85
guter Näherung der sog. parametrische Ansatz, der auch als abgebrochene Taylor-
Reihe angesehen werden kann:
I u p (t ) u(t ) I u p (t )
dI
dU u ( t )
u ( t )
p (3.3)
I u p (t ) i (t ) .
Der Momentanleitwert g (up(t)) hängt nur von dem Großsignal up(t) ab und ist der
Parameter, der durch das Großsignal verändert wird. Von Bedeutung ist die Tatsa-
che, dass die Kleinsignalströme und -spannungen i und u linear miteinander
verknüpft sind, weil sie den Verlauf von g (t) selbst nicht beeinflussen. Es gilt
daher für die Kleinsignalgrößen das Superpositionsprinzip. Weil der differenzielle
Leitwert g (t) jedoch zeitabhängig ist, treten neue Frequenzkomponenten auf. Den
Zusammenhang zwischen den einzelnen Frequenzkomponenten erkennt man
besser, wenn man zu einer Zeigerdarstellung übergeht. Nimmt man außerdem an,
dass das Pumpsignal periodisch mit der Kreisfrequenz p = 2 fp ist, dann ist
auch der zeitabhängige differenzielle Leitwert g (t) mit p periodisch und lässt
sich daher als Fourierreihe ausdrücken:
g u p (t ) Gn e
j np t
,
n
(3.5)
gu p (t ) e
1 j np t
Gn d p t .
2
und G0 ist reell. Das Symbol * bezeichnet die konjugiert komplexe Größe.
Nehmen wir u(t) monofrequent mit der Kreisfreqenz s = 2 fs an, dann er-
kennen wir aus Gl. (3.4), dass i(t) bei allen Kombinationsfrequenzen | fs n · fp |,
n = 0, 1, 2, 3 usw. vorkommt. Die Kleinsignalnäherung hat zur Folge, dass Ober-
schwingungen von fs nicht auftreten können. Die Ströme bei den verschiedenen
Frequenzen bewirken aufgrund der äußeren Beschaltung, dass auch Spannungen
bei weiteren Kombinationsfrequenzen auftreten.
86 3 Mischer
Wir wollen vereinfachend annehmen, dass neben dem Strom bei der Signalfre-
quenz fs nur noch ein Strom bei der Zwischenfrequenz fi = fs - fp durch das nicht-
lineare Bauelement fließt. Bei allen anderen Kombinationsfrequenzen soll die
äußere Beschaltung eine so große Impedanz aufweisen, dass ein Stromfluss prak-
tisch verhindert wird. In Zeigerschreibweise mit den komplexen Zeigern Is und Ii
setzen wir daher für den Kleinsignalstrom an:
i t
1
I e j s t I s* e j s t I i e j i t I i* e j i t .
2 s
(3.7)
u t
1
2
U s e j s t U s* e j s t U i e j i t U i* e j i t . (3.8)
Setzt man die Gln. (3.5), (3.7) und (3.8) in die Gl. (3.4) ein und notiert nach Fre-
quenzkomponenten, dann erhält man die folgenden beiden Gleichungen, welche in
Matrixform lauten:
I s G0 G1 U s U s
I G * G , für fs > fp . (3.9)
i 1 G0 U i U i
Wir sehen, dass wie bei einem linearen Zweitor die im Allgemeinen komplexen
Strom- und Spannungszeiger linear über eine Leitwertmatrix miteinander ver-
knüpft sind. Im Unterschied zu zeitinvarianten linearen Zweitoren gehören aber
die Zeiger mit verschiedenen Indizes s und i auch zu verschiedenen Frequenzen fs
und fi . Beachtet man dies, so kann man den Mischer wie ein lineares Zweitor
behandeln.
Die Amplitude der Pumpschwingung tritt nicht explizit in Erscheinung. Sie be-
stimmt jedoch die Größe der Matrixelemente Gn .
Anders als bei der bisher diskutierten Gleichlageumsetzung (Bild 3.1a) gilt bei
der Kehrlageumsetzung: fi = fp - fs (Bild 3.1b). Im Fall der Kehrlageumsetzung
erhält man als Matrixbeziehung für die Strom- und Spannungszeiger:
Is G0 G1 U s U s
I * G * * G * , für fs < fp . (3.10)
i 1 G0 U i U i
Wenn die Großsignalzeitfunktion up(t) bei geeigneter Wahl des Zeitnullpunktes
eine gerade Funktion um t = 0 ist, was z. B. für eine Cosinusfunktion erfüllt ist,
dann sind die Fourierkoeffizienten Gn in Gl. (3.5) reell. In diesem Fall ist die
Leitwertmatrix symmetrisch und das entsprechende Zweitor ist reziprok. Auf- und
Abwärtsmischung führen dann zu gleichen Einfügungsverlusten.
Die Leitwertmatrix wächst im Umfang an, wenn weitere Kombinationsfre-
quenzen zugelassen werden. Man erhält beispielsweise eine 3×3-Matrix, wenn
zusätzlich die Spiegelfrequenz bei fsp = fp fi berücksichtigt wird.
u p t U 0 U p cos p t . (3.12)
Weil up(t) eine gerade Zeitfunktion ist, sind alle Fourierkoeffizienten Gn reell. Für
die Schottky-Diode wird eine exponentielle Strom-Spannungs-Charakteristik
gemäß
U
I I ss exp 1
UT
mit
nkT
UT (3.13)
q
angenommen. Dabei ist Iss der Sättigungsstrom, UT die Temperaturspannung, k
die Boltzmannkonstante, T die absolute Temperatur, q die Elementarladung und n
ein Idealitätsfaktor, der gleich oder etwas größer als 1 ist.
Man erhält für die Fourierkoeffizienten den Ausdruck
I ss U
Gn exp 0
UT UT
n (3.14)
U p
1
2
exp
UT
cos p t cos n p t d p t
.
n
Das bestimmte Integral Gl. (3.14) stellt die modifizierten Besselfunktionen n-ter
Ordnung J n U p U T dar. Damit ergeben sich die Fourierkoeffizienten zu:
I ss U U p
Gn exp 0 J n
(3.15)
UT UT UT .
Nach diesem Modell hängen die Fourierkoeffizienten nur von dem Scheitelwert
des Pumpsignals U p ab. Im Bild 3.4 ist ein typischer zeitlicher Leitwertver-
lauf g (t) skizziert.
Für die folgenden Überlegungen werden wir annehmen, dass G0 , G1 und evtl.
G2 positiv, reell und bekannt sind und dass üblicherweise G0 > G1 > G2 gilt. Mit
bekannten reellen G0 und G1 sowie bekannten im Allgemeinen komplexen Ab-
schlussleitwerten Ys und Yi können wir z. B. den Gewinn Gp , den verfügbaren
Gewinn Gav oder den maximal verfügbaren Gewinn Gm aus der Schaltung in
Bild 3.3 berechnen. Der Gewinn des Abwärtsmischers ist das Verhältnis von
Ausgangsleistung |U i|2 · Re (Yi) / 2 zu verfügbarer Generatorleistung
2
|Isg| / (8 · Re(Ys)). Das Verhältnis Ui / Isg kann man besonders bequem aus der
erweiterten Matrix G bestimmen, in welcher die Gln. (3.11) zusammengefasst
~
sind:
90 3 Mischer
I sg ~ U s G0 Ys G1 U s
0 G U G G0 Yi U i
i 1
oder
U s ~ 1 I sg
U G 0 . (3.16)
i
Aus Gl. (3.16) folgt
Ui G1
G0 Ys G0 Yi G12
(3.17)
I sg
Den gleichen Ausdruck erhält man auch für ein komplexes G1 , wobei G12 durch
|G1|2 zu ersetzen ist. Bei Mischern wird häufig der verfügbare Gewinn Gav benö-
tigt, welcher das Verhältnis von verfügbarer Ausgangsleistung zu verfügbarer
Generatorleistung angibt.
oder
U s 1 0
U Ge (3.20)
i Ii .
Aus Gl. (3.20) ergibt sich der Eingangsleitwert Yei auf der Zwischenfrequenz-
oder Lastseite zu:
Mit Yei aus Gl (3.21) und Yi Yei * errechnet sich der verfügbare Gewinn ebenso
wie in Gl. (3.18), wobei lediglich Yi durch Yei * zu ersetzen ist.
Der verfügbare Gewinn hängt nicht mehr vom Lastleitwert Yi ab. Der reziproke
Wert des verfügbaren Gewinns Gav soll auch als Konversionsverlust L bezeichnet
werden:
1
L (3.23)
Gav .
Den maximal verfügbaren Gewinn Gm = 1 / Lm erhält man, wenn sowohl ein-
gangs- als auch ausgangsseitig Leistungsanpassung eingestellt wird. Weil der
Gewinn symmetrisch in den Größen Ys und Yi ist, muss für den maximal verfüg-
baren Gewinn Ys = Yi gelten. Außerdem sind Ys und Yi reell, weil G0 und G1 reell
sind. Für den Eingangsleitwert auf der Signalseite, Yes , ergibt sich ähnlich wie
Gl. (3.21),
G12
Yes G0 (3.24)
G0 Yi .
92 3 Mischer
G12
Ys Yi Yes * G0
G0 Ys
oder
Ys Yi G0 2 G12 . (3.25)
Setzt man diese Werte für Ys und Yi in die Beziehung für den Gewinn Gl. (3.18)
ein, dann folgt nach einigen Umformungen für den maximal verfügbaren Ge-
winn Gm :
2
G1
2 1
Gm (3.26)
G0 G12
1 1 .
G0 2
Für ein komplexes G1 ist wiederum G12 durch |G1|2 zu ersetzen. Der maximal
verfügbare Gewinn hängt nur von dem Verhältnis G1 / G0 < 1 ab. Er ist daher
kleiner als 1.
Im Grenzfall eines Dirac-Impuls-gesteuerten Mischers kann G1 G0 und da-
mit Gm 1 werden. Allerdings geht dann auch der Eingangsleitwert Yes gegen
null und eine Anpassung ist nicht mehr möglich. Praktische Mischer mit Schottky-
Dioden weisen Konversionsverluste im Bereich 5 dB bis 10 dB auf. Maßgeblich
verantwortlich für erhöhte Konversionsverluste ist der Bahnwiderstand Rb , den
wir bisher vernachlässigt haben. Bild 3.5 zeigt ein durch den Bahnwiderstand
vervollständigtes Ersatzschaltbild des Abwärtsmischers.
Übungsaufgabe 3.1
Für die Mischerschaltung in Bild 3.5 sollen Gewinn, verfügbarer Gewinn und
maximal verfügbarer Gewinn unter Berücksichtigung des Bahnwiderstandes Rb
bestimmt werden.
Übungsaufgabe 3.2
Der Gewinn und der verfügbare Gewinn sollen für den Fall angegeben werden,
dass die Spiegelfrequenz mit dem komplexen Leitwert Ysp = Ys abgeschlossen ist.
nur die Zwischenfrequenz (ZF), die wir uns hier als deutlich niedrigere Frequenz
denken wollen. Auf der Dioden-Seite muss der Tiefpass eine hochohmige Ein-
gangsimpedanz für die hochfrequenten Signale aufweisen, der Hochpass dagegen
muss hochohmig für das Zwischenfrequenzsignal sein.
Man kann die Diode statt gegen Masse auch seriell einbauen, wie in Bild 3.8
skizziert.
Bei seriell angeordneter Diode muss der Tiefpass von der Dioden-Seite aus ei-
nen Kurzschluss gegen Masse für die hochfrequenten Signale aufweisen, der
Hochpass dagegen einen Kurzschluss gegen Masse für das Zwischenfrequenzsig-
nal bilden.
Einen Ein-Dioden-Mischer kann man sich einfach aus einem Koppler und ei-
nem Detektor zusammensetzen. Der Detektor enthält bereits eingebaut die nötigen
Filter. Allerdings liegt die Tiefpass-Grenzfrequenz zumeist niedrig, so dass die
Anordnung nur für niedrige Zwischenfrequenzen geeignet ist. Außerdem enthält
der Detektor einen eingebauten Zwangsanpassungs-Widerstand, wodurch die
Verluste vergrößert werden.
Bei einem Mischer entsteht durch die Gleichrichtung des Mischoszillators ein
Vorstrom, durch den die Diode hinreichend niederohmig wird. Dadurch lässt sich
96 3 Mischer
Beim balancierten Mischer werden ein 3-dB-Koppler vom 90°- oder 180°-Typ
und zwei Dioden verwendet. In Bild 3.9 ist eine Schaltung mit massebezogenen
Dioden angegeben. Ebenso ließe sich die Schaltung mit seriell angeordneten
Dioden aufbauen.
Beim balancierten Mischer treten keine zusätzlichen Signal- oder Mischoszilla-
tor-Verluste auf, weil bei verlustlosen Kopplern und Filtern alle Leistung in die
Dioden gelangt. Als Beispiel möge ein 3 dB-90°-Koppler dienen. Das Signal bzw.
der Mischoszillator am Eingang des Kopplers sollen durch die folgenden Zeit-
funktionen beschrieben werden:
us t U s cos s t s
(3.28)
u t U cos t .
p p p
Dann stehen an der Diode I bzw. Diode II die folgenden beiden hochfrequenten
Signale an:
Diode I :
1
2
U s cos s t 90 s
1
2
U p cos p t ,
(3.29)
Diode II :
1
2
U s cos s t s
1
2
U p cos p t 90 .
Dabei wurde vorausgesetzt, dass die beiden Dioden möglichst gut gepaart sind,
das heißt möglichst gleich sind. Damit sind aber beide Zwischenfrequenz-Signale
nach Amplitude und Phase gleich und können daher, wie in Bild 3.9, aufsummiert
werden. Dies ist der Grund, warum für diese Mischerschaltung insgesamt keine
zusätzlichen Signal- und Mischoszillator-Verluste auftreten.
Übungsaufgabe 3.3
Zeigen Sie, dass auch bei einem Mischer mit zwei Dioden und einem 180°-
Koppler keine zusätzlichen Signal- oder Mischoszillator-Verluste auftreten. Worin
unterscheidet sich ein Mischer mit einem 90°-Koppler von einem Mischer mit
einem 180°-Koppler?
Die Aussage, dass ein Mischer balanciert ist, hat folgende Bedeutung. Ein
Mischoszillator-Signal zeigt meist unregelmäßige Amplitudenschwankungen, die
man auch Amplitudenrauschen nennt. Solche Amplitudenschwankungen sind
regellos und beinhalten daher ein ganzes Frequenzspektrum, welches auch Spekt-
ralanteile im Bereich der Zwischenfrequenz aufweisen wird. Die Schottky-Dioden
im Mischer richten das Mischoszillatorsignal gleich. Das heißt, es tritt an den
Mischerdioden eine Gleichspannung auf, die zeitlich ebenfalls unregelmäßig
geringfügig schwankt, ebenso wie die Amplitude des Mischoszillators. Von die-
sem Schwankungsvorgang fallen auch spektrale Komponenten in den Bereich der
Zwischenfrequenz. An der zweiten Diode entsteht jedoch wegen der Umpolung
eine Gleichspannung mit dem gleichen langsam veränderlichen unregelmäßigen
Zeitverlauf aber umgekehrter Polarität. Aufsummiert heben sich infolgedessen die
Amplituden-Rauschanteile des Mischoszillators wieder auf. Wir wollen daher
diese Balancierung auch als Rausch-Balancierung bezeichnen. Das Messsignal
zeigt demgegenüber keine ins Gewicht fallenden Amplitudenschwankungen, weil
es von vornherein viel kleiner ist und deshalb alle Spektralanteile linear übertra-
gen werden.
Der Ein-Dioden-Mischer ist naturgemäß nicht rausch-balanciert.
Ein Schaltungsbeispiel für einen sog. doppelt balancierten Mischer ist der in
Bild 3.10 skizzierte Ringmischer. Dieser heißt so, weil die Dioden in Form eines
Ringes angeordnet sind, wenn man ihre Anordnung etwa in Diodendurchlassrich-
tung durchläuft.
Die beiden Übertrager ermöglichen die erdsymmetrische Ansteuerung der vier
Dioden für Signal- und Mischoszillator. Die Mittenanzapfung wirkt für die Zwi-
98 3 Mischer
schenfrequenz wie eine direkte galvanische Verbindung zu den Dioden. Man kann
Zählpfeile für das LO-Signal und ebenso für das RF-Signal über den vier Dioden
einzeichnen. Wir wollen die Vereinbarung treffen, dass ein LO-Zählpfeil in Dio-
dendurchlassrichtung einen Grundwellen-Leitwertverlauf mit der Phase 0° relativ
zum LO-Signal erzeugt und gegen die Dioden-Spitze von 180°. Die ZF-Phase
ergibt sich als Differenz von RF-Phase und Leitwert-Phase, woraus sich Zählpfei-
le für die ZF-Signale wie im Bild 3.11 gezeigt ableiten.
Wir erkennen daran, dass alle ZF-Zählpfeile parallel liegen und sich daher auf-
summieren.
Aufgrund der Brückenanordnung der Dioden sind das RF-Tor und das LO-Tor
entkoppelt, sofern die Dioden gut gepaart sind. Man kann daher von einer Signal-
Balancierung zwischen diesen Toren sprechen. Ebenso ist aus Symmetriegründen
das ZF-Tor vom RF- und LO-Tor bei einer symmetrischen Schaltung perfekt
entkoppelt, was man ebenfalls als Signal-Balancierung bezeichnen kann.
Der doppelt balancierte Mischer ist auch Rausch-balanciert, weil sich die
gleichgerichteten LO-Signale aufgrund ihrer unterschiedlichen Polarität ebenfalls
aufheben.
Bild 3.11: Zählpfeile für die ZF-Signale des doppeltbalancierten Mischers aus
Bild 3.10
99
Bild 3.12: Doppelt balancierter Mischer mit zwei 90°-Ringkopplern und zwei
90°-Phasenschiebern
Bei höheren Frequenzen wird man den in Bild 3.10 gezeigten Transformator
eher durch 180°-3 dB-Koppler realisieren.
In Bild 3.12 sind die 180°-Koppler durch 90°-Ringkoppler mit zusätzlichen
90°-Phasenschiebern (PS) realisiert.
Die Tiefpässe sollen am Eingang hochohmig für die hochfrequenten Signale
sein. Das RF- und das LO-Tor sind entkoppelt.
Ein Mischer mit einem Feldeffekt-Transistor (FET) ist in der Struktur besonders
einfach, weil der FET als 3-Tor-Bauelement bereits eine inhärente Entkopplung
zwischen dem RF- und LO-Tor beziehungsweise Drain und Gate aufweist. Der
Mischoszillator (LO) wird auf das Gate gegeben. Das LO-Signal steuert damit
periodisch den Kanalwiderstand der Drain-Source-Strecke und bestimmt damit
den Leitwertverlauf g (t) für das RF-Signal. Der Feldeffekt-Transistor wird im
Allgemeinen passiv betrieben, also ohne Drain-Source-Vorspannung, das heißt im
ohmschen Bereich der Kennlinie. Dies hat den Vorteil, dass ein solcher Mischer
besonders gute Großsignal-Eigenschaften aufweist, absolut stabil ist und in erster
Näherung kein sog. 1 / f- oder Funkel-Rauschen aufweist. Die Vorspannung am
Gate wird im Allgemeinen so eingestellt, dass die Aussteuerung zwischen offe-
nem und geschlossenem Kanal erfolgt. Die im Kapitel 3.2 dargestellte Theorie für